Sinzige uuabhSugige Tageszeitung Veutkchiauds Nummer 51— 2. Jahrgang Saarbrücken, Freitag, den 2. März 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Aus dem Jnhalt 1üacuM uuude DimUcafö Iceiqdasstn Seite 2 Die JCaiseekcoHUHg. von VUmdscfiukua Seite 3 Die Sphinx des Ac&eUsqesetzes Seite 4 Aul du AcQeitsschaile Seite 5 Aechtung an der Saar Creße Terroraktien der„deutschen Front"- Vorbereitung einer Probe- Abstimmung mit Proskriptionslisten Der Wille, vollzogene Tatsachen su schaffen D. F. Der„Manchester Guardian" hat die Frage ans« geworfen, ob das Juristenkomitee, das der Dreier» a u s I ch u st des BölterbundSrateS für die Saarabstimmung berufe« hat, nicht den Haager Schiedsgerichtshof um eine Entscheidung angehen solle, ob angesichts des Nazi» terrors au der Saar überhaupt eine Erfüllung der vertrag» lich festgelegten AbstimmungSbediugungeu möglich ist und ob nicht die Abstimmung selbst wegen des TerrorSauseiuespätcreZeitvcrtagtwcrde» müsse. Das graste englische Blatt stellt diese hochpolitische Frage zur rechten Zeit. Gerade jetzt organisiert die„deutsche Front" an der Saar die gröstte terroristische Aechtung aller Richtgleichgeschalteten, die nur denkbar ist. Durch die Presse, durch konseffionelle, berusliche und sonstige Organisationen aller Art, vor allem aber auch durch das hochkapitalistische Uuteruehmertum werden folgende Ausnahmeerklärungen in die„deutsche Front" jedem Einwohner des Saargebietes aufgedrängt: Ich bin Deutscher und bitte um Ausnahme in die Saar- Volksgemeinschaft„Deutsche Front". Gleichzeitig erkläre ich. daß ich mit dem Tage meines Eintrittes in die „Deutsche Front" mich lossage von allem, was Partei heißt und nur die eine Parole kenne: „Unser Deutschland" Ausdrücklich bekenne ich. daß jede Verletzung der Disziplin eine bewußte Schädigung der Bestrebungen der„Deutschen Front" darstellt. Bor- und Zuname:. Geburtstag: Wohnort:.., Straße Nr Tag des Eintritts: Aufnahmegebühr 1,— Fr. ,, den (Unterschrift) Nähere Mitteilung über Anmeldung und Aufnahme ergeht noch. Die Bedeutung dieser Aktion wird dadurch unterstrichen, daß dt«„deutsche Front" allgemeines Flagge» im ganzen Saar» gebiet besohlen hat. Der Sinn dieser Agitation für Aus- nahmeerklärungen in die„deutsche Front" im Saargebiet ist klar: Es ist eine öffentliche Abstimmung für Hi tle r d e u t sch l a n d, und jeder, der sich au dieser Abstimmung nicht beteiligt, wird gesellschaftlich und wirtschaftlich geächtet. Man»ergegenwärtige sich nur was diese öffentliche Ab- ftimmung für die Geschäftslente bedeutet, die ihre Kundschaft nicht verlieren wollen. Mau stelle sich vor, in welche Lage die B e a m t e n gebracht werden, die nicht wissen, welcher staatlichen Autorität im Jahre 1985 sie zu gehorchen haben. Man male sich aus, wie schwer es für einen Arbeiter oder Angestellten ist, sich von dieser össent» lichen Abstimmung auszuschließen, wenn sein Unternehmer ihm den Zettel in die Hand drückt und freundlich daraus verweist, daß taulende und taufende von„uationalgesinnten" Arbeitsträste» Stellung und Verdienst suchen. „Ausdrücklich bekenne ich, daß jede Verletzung der Disziplin eine bewußte Schädigung der Bestrebungen der„Deutschen Front" darstellt." Dieser Satz der össentlichen Abstimmungs- erklärung könnte von Harmlosen so gedeutet werden, als sej damit ei» Verbot disziplinwidrige« Vorgehens gegen Andersdenkende gemeint. In Wahrheit ist der Sinn, daß jeder Saareinwohner sich unter allen Um- stände« de» Befehlen der»ationalsoziali« st i s ch e n Führer zu fügen hat. Pariert er nicht, so wird er als Schädling aus dem, was die Herren unter Volkssrontgemeinschast verstehen, ausgeschlossen und in seiner Existenz vernichtet. Die jetzige Aechtungsaktion ist vorbereitet durch die Er- klärung des Stellvertreters des Führers Rudolf Heß vom 10. Februar. Er hat darin ausdrücklich gesagt, daß jeder, der die Parole„Zurück zu«nserm Deutschland!" sabotiere, in aller Zukunft kein Recht hat, sich national- sozialistisch zu nennen und er werde deswegen auch niemals in die Partei aufgenommen werden. So ist diese große nun lawinenartig in Bewegung gesetzte Aechtungsaktion zu betrachten: Jeder, der die öffentliche Abstimmungserklärung für Hitler-Dcutschland nicht unter- zeichnet, ist nach den klaren Worten deS Reichsministers Rudolf Heß ein Saboteur, der nach der Rückgliederung ein Geächteter und Ausgestoßener ist. Denn jeder Deutsche, der in diesem Hitler-Reiche als nnwürdig betrachtet wird, Nationalsozialist zu sein, kann weder ein öffentliches Amt bekleiden, noch kann er irgendwo und irgendwie sich mit Erfolg wirtschaftlich betätigen. Der mächtige Terrorvorstoß der„deutschen Front" ist eine Verhöhnung des Völkerbundes, ist ein Attentat gegen den DreierauSschuß, ist eine Sabotage aller Bemühungen des Völkerbundes, die freie Abstimmung zu garantieren. Man soll sich in Genf und in den Hauptstädten Europas nicht täuschen lassen. Hinter dieser Aktion st cht der eiserne, von der R e i chs r e g i e r u n g geschürte und sinanziette Wille, vollzogene Tatsachen zu schaffe«. Gegen das Saarstatut, gegen den Völkerbund, gegen eine wirklich freie Abstimmung! Der Völkerbund hat nicht mehr lange Zeit, wenn er diese Entwicklung noch recht- zeitig unterbinden will. Die vom Völkerbund als Treu- händerin eingesetzte Regierungskommission, die sich wohl- ^bewußt ist, nur über eine unzureichende Exekutive zu ver- 'fügen, und gegen den passiven und aktiven Widerstand großer Bevölkerungsteile ankämpft, ist in Gefahr, ihre Autorität durch einen Massenterror übelster Art zu verlieren. Diese Möglichkeit muß in Genf und in den Hauptstädten Europas endlich erkannt, und es muß entsprechend gehandelt werden. Der Völkerbund ist moralisch erledigt, wenn er nicht soviel Macht ausbringt, um die ihm auvcrtrauten Saareinwohner, die sich nicht dem Hitlerterror fügen wollen, wirksam zu schützen. Umsdiwung In Spanien (Von unserem Berichterstatter) VV Times 11 wird gefälscht Was sie wirklich sur Saar frage schrieb 1 Die gleichgeschaltete Presse veröffentlichte als eine große Sensation eine Meldung des Deutschen Nachrichtenbüros über die Stellungnahme der Londoner„^ime s" zur«aar- frage. Es lohnte sich, diese seniationelle Meldung n a ch z u- prüfen- Der lange Artikel über die«aarsrage. der am letzten Montag in der«Times" erschien, ist mit guter Kennt- nis der Frage geschrieben und st wirklich sehr interessant. Die Meldung des DR«, vermittelt aber keine richtige Vorstellung vom Inhalt des Artikels und stellte mindestens zum Teil eine direkte Fälschung dar. Die Meldung veriät z. B. mit keinem Wort, daß im Times"-Artikel übei die terroristischen Methoden mit denen die„Gleichschaltung" im Saargebiet betrieben wird, manche sehr treffende Bemerkungen gemacht und daß die scharfe» Verordnungen der Regierungskommission als völlig b e- gründet dargestellt werden Der Verfasser des Artikels ist überhaupt der Auffassung, daß„die internationale Regie- rung an der Saar im ganzen ein erstaunlich erfolgreiches Experiment ist". Wenn man den Artikel liest, so versteht man schon recht wohl, warum das DNB. so„sparsam" den Jnhalt des Artikels wiebergegeben hat! Dafür hat aber das DNB. etwas berichtet, was in diesem Artikel nicht steht. „Das Blatt betont, daß der Ausgang der Abstimmung von vornherein ebenso feststehe, wie der deutsche Charakter des Saargebieles." So berichtet das DNB., und das ist so I.W. Madrid, Ende Februar 1934. Die spanische Politik hat in der letzten Woche eine Ueberraschung gebracht, Ueberraschung, die— wenn man skeptisch ist— auch nur ein mehr oder weniger geschicktes politisches Manöver zu sein braucht: Lerroux hat sich zu einem Linkskurs für seine Regie- rung bekannt. Die Ursachen zu dieser Erklärung lagen in der Haltung der überwiegenden Mehrheit innerhalb der Radikalen Partei, die sich auf das republikanisch-anti- klerikale Parteiprogramm berief und sich weigerte, weiter- hin nach der Pfeife der klerikalen und monarchistischen Rechten zu tanzen. Martinez Barrio, der Innenminister, der Minister für Oefsentliche Arbeiten. Guerra del Rio und Antonio Lara, Finanzminister, waren die Wortführer gegen Lerroux. Eine Spaltung der Radikalen Partei schien unvermeidlich, aber es kam anders als man ange- nommen hatte. Lerroux erklärte:„Keinen Schritt weiter nach rechts". Die Regierung hat diesem neuen Grundsatz im Läufe der vergangenen Woche auch verschiedentlich Ausdruck ge- geben. Sie hat beispielsweise den Konflikt zwischen den Madrider Bauarbeitern und Bauunternehmern, der in einen Streik von 35 000 Bauarbeitern gemündet war. innerhalb kürzester Zeit zugunsten der Arbeiter beigelegt. Sie hat sich bemüht, sofort öffentliche Arbeiten zur Ver- ringerung der Arbeitslosigkeit einzuleiten, sie hat die Beratung des Amnestieprojektes zugunsten wichtigerer sozialer Projekte bis auf weiteres verschoben, kurz, sie hat sozusagen versucht, in die Fußtapfen Azanas zu treten. Die Rechte ist über diesen unerwarteten neuen Stand der Dinge nicht gerade begeistert. Aber sie ist unsicher. Zweimal im Laufe dieser Woche hätte sie Gelegenheit ge- hobt, die Regierung Lerroux zu stürzen. Einmal bei einer Abstimmung um die Aufhebung der Rechte der FUE.(der Föderation Universitaria escolar), die von den Monarch!- sten beantragt und bei den Anhängern Gil Nobles und der Agrarier viel Anklang fand, ein zweites Mal bei einer Abstimmung, um die Uebertragung der Verwaltung der hygienischen Dienste an das Arbeitsministerium. Mit etwa 15 Stimmen Mehrheit„siegte" beide Male die Regierung und auch nur darum, weil in letzter Minute Gil Rabies seinen Kampfbereiten Parteigenossen anbefahl, den Sitzungssaal zu verlassen. Gil Rabies kann sich noch nicht dazu entschließen, seine legalen(als dem Vertreter der größten Parlaments- fraktion) Regierungsansprüche geltend zu machen. Würden sich seine Anhänger dazu bereitfinden, ein ernsthaftes republikanisches Bekenntnis abzulegen, so wäre seine Stellungnahme bei weitem einfacher. Aber die Mehrheit der Abgeordneten seiner Fraktion sind auf Grund anti- republikanischer Propaganda ins Parlament gelangt; würden sie auch aus Demagogie bereit fein, sich voll und ganz hinter die Republik zu stellen, so fürchten sie doch, der Meinung ihrer Wählerschaft nicht zu entsprechen. Aber, daß die Situation schwerlich längere Zeit so weiterlaufen kann, steht allgemein fest. Die Agrarier unter Martinez de Velasco, die sich bereits vor einiger Zeit zum Republikanismus bekannt haben und sehr intensiv gegen Lerroux und seinen„Linkskurs" auftreten, wären bereit, sich nach einer mutmaßlichen Krise im Laufe dieser Woche an der Regierung zu beteiligen. Man möchte die Krise provozieren, aber am liebsten erst dann, wenn sich Lerroux überzeugen ließe, daß er von dem„Linkskurs" abgehen und unter Mitwirkung der Rechten auch das nächste Kabinett präsidieren müsse. Die linksorientierten radikalen Minister. Lara, Guerra del Rio und Martinez Barrio, eventuell auch der Kriegsminister Diego Hidalgo, sollten dann entfernt und statt ihrer Mitglieder der katalanischen Lliga Regionalista in die Regierung ein- treten. Fortsetzung siehe 2. Seite. Lerroux steht einer derartigen Lösung der Situation bis jetzt strikt ablehnend gegenüber. Er hat geäußert,„daß er sich nach einer von der Rechten provozierten Krise in fein Haus zurückziehen wolle". Die Möglichkeiten für eine Nachfolgefchoft Lerroux's lind, was das republikanische Lage anbetrifft— sehr be- gren^t. Zwei Namen werden viel genannt. Der des Vize- Präsidenten der Republik und Eortespräsidenten Alba und der des berühmten Juristen Melquiades Alvarez. Eine Besserung der Situation würde aber weder durch Heranziehung des einen noch des anderen. Politikers er- folgen. Bei beiden handelt es sich um sehr gewiefte Politiker, deren Republikanismus jedoch auf recht schwachen Füßen steht. Sie würden im Grunde weder vom Zentrum Noch von der Rechten gern gesehen werden, und für die Arbeiterschaft bedeuteten sie, selbst gegenüber dem Kabinett Lerroux in seiner jetzigen Zusammensetzung, einen Rückschritt. An Gil Nobles ist es. diese mißliche Lage zu bereinigen. Wenn man sich an seine Erklärungen hält, so scheint er das kleinere Uebel des Weitervegetierens Lerroux dem größeren seiner Machtübernahme auf Grund seines Bekenntnisses zur Republik, vorzuziehen. Denn er weiß, eine Machtübernahme seinerseits bedeutet den reoolutio- nären Generalstreik der Arbeiterschaft und den Aufstand Kataloniens. Zu einem Staatsstreich jedoch sckeint die Rechte sich noch nicht genügend vorbereitet zu fühlen. Die soziale Lage hat sich inzwischen jedoch nicht im mindesten gebessert. Ueberall in Arbeiter» und Angestelltenkreisen herrscht Unzufriedenheit und sich steigernde Unruhe. Ab Montag streikt das Reinigungspersonal der Untergrundbahn in Madrid, vermutlich wird der Verkehrsdienst vollkommen unterbrochen werden. Die Postbeamten protestieren energisch gegen Mahnahmen des Ministers Eid(Agrarier), der die Errungenschaften der Postbeamtengewerkfchaft— die Einspruchsrecht in die Ernennung der Beamtenschaft usw. besitzt— gekürzt hat, und zwar Ueberstundenarbeit unter Entlafsungs- androhungen verlangt, sie aber nicht bezahlt. Verschiedene Zeitungen sprachen bereits von einem Post- streik. Vermutlich aber wird es nicht dazu kommen, denn Einzelaktionen sind zwar als Drohungen einigermaßen wirksam, im Grunde aber schwächen sie eine niemals aus dem Gesichtspunkt der spanischen Arbeiter schwindende Gesamtaktion. Man nahm an, daß im Laufe der Woche eine Ent- scheidung getroffen werden soll. Das Baskische Statut steht auf der Tagesordnung des Parlaments. Die Basken wollen die gleichen Rechte wie Katalonien. Die „Zentralisten" innerhalb der Regierung und der Rechten sind aber nicht sehr gewillt, der stark separatistischen baskischen Bewegung ihren Segen zu geben. Es wird vermutlich zu starken Meinungsverschiedenheiten kommen und daraus könnte der Sturz Lerroux's resultieren. Für den Eingeweihten aber steht es so aus, als ob all die Krisen und Umsturzgerüchte wieder einmal nichts als ein geschicktes Manöver Lerroux und seiner Anhänger sind, die die radikale Partei zusammenhalten und den bürgerlich republikanischen Teilen der Nation Sand in die Augen streuen möchten. Einige Aeußerungen Lerroux's — der von einer Krise nichts hören will— und die Hal- tung Gil Nobles bestätigen diese Theorie.— Aber— wir leben im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten. Man kann also niemals prophezeien. Regierungskrise In Spanien Regierung Lerroux soll gestürzt werden Madrid» 28. Febr. Nach längerer Sitzung im Hanse ihres Führers beschloß die katholische Bolksaktion, znsammen mit den Agrariern der Regierung Lerroux das Vertrauen zu entziehen. Gil Nobles wurde beaustragt, das Mißtrauen der Partei im Parlament zum Ausdruck zu bringen, wann er es sür richtig halt«. Man nimmt an, daß dies noch am heutigen Mittwoch, spätestens aber morgen, der Fall sein wird. Damit ist die totale Regierungskrise gegeben, über deren Lösung uoch keine bestimmte Anhaltspunkte vorliegen. Doch scheint schon jetzt die Bildung einer Regierung der republi- konischen Rechten mit den Radikalen(rechter Flügel) ver- sucht zu«erden. Der Grund für daS Borgehen der katholischen Aktion(der stärksten Partei) liegt in der unentschiedenen Haltung des Kabinetts Lerroux, das stch in letzter Zeit immer mehr der Linken zngcnetgt hat, worin die Recht« eine„Verfälschung des«olkswillens- erblickt. Wieder Bomben In Oeslerreldi Nach Habichts„Waffenstillstand" Wien, 1. März 1034. Nachdem gestern der von dem nationalsozialistischen Landes- inspekteur von Oesterreich Habicht angebotene achttägige „Waffenstillstand" ergebnislos abgelaufen ist, haben die öfter- reichtfchen Nazis von neuem mit Gewalttaten begonnen. In Innsbruck wurden zahlreiche Sprengbomben geworfen und, wie eine amtliche Verlautbarung erklärt, bedeutender Sachschaben angerichtet. In Graz wurde ein Fußgänger durch einen explodierenden Sprengkörper verletzt. Andi die„Times? Ein verletzender Vergleich Man schreibt uns aus Paris: Iij einem Berliner Bericht der„Times" vom letzten Sonntag sagt der Korrespondent dieses Blattes über die österreichische Legion in Hitlerdeutsch- lanb folgendes: m..(?ä war unmöglich, nach dieser Unterhaltung(mit . einem Nazihäuptlings nicht einen Vergleich zu ziehen . zwischen diesen elegant unisorpnerten, disziplinierten Männern, die nicht verhindert werden können, im ge- aebenen Augenblick nach Oesterreich zurückzuströmen, und den heruntergekommenen Emigranten vom Montparnasse." Ist es schon soweit, daß der Berliner Vertreter des angesehensten englischen Blattes die Hitleruntsorm anbetet, den altpreußischen Kadavergehorsam verhimmelt und die hoch- und landesverräterischcn Rcichssöldlinae zu einem ver- brecherischen Einfall in ihr österreichisches Vaterland aus- muntert?! Dazu die harmlosen, meist sehr anständigen, öfter- reichtfchen Emigranten in Paris mit Eselstritten heimsucht! Ist der Berliner Korrespondent der„Times" schon so gleich- S«schaltet, daß er daherredet, wie der Provagandachei iübbels? Ich bin weder Emigrant, noch Oesterreicher, sondern nur ein Auslandsdeutscher. Ble„Times" wird gefälscht Fortsetzung von der 1. Seite. ziemlich das Gegenteil dessen, waS im „Times"- Artikel ausgeführt wird. In diesem Artikel wird nämlich gesagt, daß der Ausgang der Ab- stimmung in der Zeit bis zur Machtergreifung durch Hitler feststand. Das wird wohl auch niemand bestreiten können. Zur Zeit, steht weiter in dem Artikel, scheint eS, daß die antinationalistische Bewegung keine Hoffnung habe, die Abstimmung zu gewinnen. Dann wird aber aufgezeigt, daß und warum das Ergebnis der Ab- stimmung g a r n i ch t s o s i ch e r ist: „Die Sozialisten»nd Kommunisten haben bei den letzten Wahlen Ii v. H. der Stimmen erhalten. Sie haben seit- dem zweifelsohne an Boden verloren, wenn auch die natio- nalsozialistischen Behauptungen von den kommunistischen Bekehrungen übertrieben sind. Aus der anderen Seite be- steht unter den Katholiken Unruhe, trotzdem sich die Zentrumspartci mit der„Deutschen Front" verschmolzen hat... Die Erinnerungen an die Zeit deS Kultur« k a m p s e s sind an der Saar immer noch stark. Alles hängt deshalb von der Entwicklung des Verhältnisses zwischen den Nazis und der katholischen Kirche im Reich« ab. Die Schätzungen über die mögliche Stimmenabgabe sür die Beibehaltung des gegenwärtigen Znstandes schwanke saft von Woche zu Woche zwischen 25 und 40 v. H. Das Vorhandensein des richtigen Kulturkampfes im Reich kann aber das Verhältnis umdrehen." Der Gedanke ist also, daß der Ausgang der Abstimmung nicht feststeht. Und von diesem Gedanken ausgehend, er- wartet der Versasser die schioersten Erschütterungen, falls um die Abstimmung gekämpft wird. Die Abstimmung läßt sich aber nicht vermeiden. Deshalb hält der Versasser eine Verständigung vor der Abstimmung zwar sür sehr ivenig aussichtsvoll, aber für wünschcnsivert. Er meint näm- lich, daß man doch versuchen sollte, auf dem Wege der Ver- ständigung den Schutz sür die gegenwärtige politische Minderheit zu sichern. So ist der Gedankengang des Artikels, der in seinem Aus- gang sehr resigniert lautet:„So wenig versprechend auch die Aussicht ist, es würde bedauerlich sein, wenn nicht noch ein Versuch der Lösung durch direkte Verhandlungen gemacht würde. Es ist noch die richtige Zeit dazu." Warum Kam Dimllroli frei? Geheimnisse der deutschen AuBenpollllK Berlin, 1. März 1934. Die überraschende Freilassung Dimitrosfs, Popoffs und Tanesf führt mit ihren Beweggründen tief in die geheimen Ueberlegungen der deutschen und auch der englischen Außen- Politik hinein. Nach unserer Kenntnis ist die Entlassung Dimttrofss und seiner Genossen einem englischen Wunsch zu verdanken. Mit seiner Hilfe hat sich Hitler gegen die rein innenpolitischen und polizeilichen Gesichtspunkte GöringS durchgesetzt. Die deutsche Regierung mußte daraus Rücklicht nehmen, daß die englische Außenpolitik gegenwärtig bei der Behand« lung Deutschlands in einem Kampfe mit der öffentlichen Meinung ihres Landes liegt. Die Politik der englischen Re- gterung ist von dem Wunsch geleitet, aus dem europäischen Kontinent sich in keinerlei Schwierigkeiten verwickeln zu lassen, um dafür freie Hand für die überseeischen Probleme Großbritanniens zu haben. DieS führt naturgemäß zu einer gewissen Schwäche der englischen Außenpolitik in europä- ischen Fraqen, die von dem überwiegenden Teil der eng» ltichen öffentlichen Meinung weder gebilligt noch verstanden wird. Die widerrechtliche Festhaltung Dimitrosfs und seiner Genoffen drohte nun in England geradezu einen neuen Ent« rüstungSsturm. wie seinerzeit im Mai zu entfesseln, der gegenwärtig von dem Außenminister Sir John Simon in der Abrüstungsfrage befolgten Politik ernstlich beschwert hätte. Den deutschen amtlichen Stellen wurde zu verstehen ge- geben, daß sie durch eine Freilassung der drei Bulgaren dem Londoner Foreign Office seine Haltung beträchtlich erleich- tern könnten. Ein ungewöhnlich scharfer Leitartikel der „Times^»um Fall Dtmitross. der sich von der in diesem Blatt seit Monaten befolgten Speache stark unterschied, unter- strich das englische Verlangen. In ihrer Bereitschaft, der englischen Regierung um jeden Preis gefällig zu sein, bc- schloß die deutsche Regierung die Freilassung. Die Ver- leihung der ruffischen Siaatsblirgerrechte an die drei Bul- garen gab ihr ein« willkommene Gelegenheit, mit einigem diplomatischen Anstände den Fall zu liquidieren. Die Freilassung Dimilrofss osienbart also ein gewisses Hand-in-Hand-Arbeiten deutscher und englischer Stellen zur Beeinflussung der öffentliche» Meinung Groß- britannten». Frankreichs Widerstand Paris, l. März. Lorbsiegelbewahrer Eden ist heute früh in Paris eingetroffen. Die französische Presse sieht dem Ergebnis »er Faschismus In England London. 1. März 1934. Im englischen OberHause brachte die Arbeiterpartei die Gefahren eines englischen Faschismus zur Sprache. Ihr Sprecher erklärte, die Regierung möge, sich durch daS öfter- reichische Beispiel warnen lassen und nicht dulden, daß eineS Tages derartige Greuel auch in England eintreten. Die faschistischen Organisationen in England, an deren Spitze der ehemalige Labour Sir OSwald Mösle» stehe, habe milt- tärischen Ebarakter. Sie erhalte große Geldmittel von reichen Industriellen und, wie der Sprecher sich ausdrückte, gewissen auswärtigen Mächten. Spionageskandal in Budapest Budapest, 1. Mär, 1984. Das Bekanntwerden eines großen Spionageskandals er- .egt hier ungeheueres Aufsehen. Durch die Spionageabwehr der Regierung sind bis setzt 44 Personen verhaltet worden. Unter ihnen sind ein Kommandant und vier Obersten sowie ein Journalist. Auch Offiziersaspiranten der Militärakademie sollen beteiligt sein. An amtlicher Stelle weigert man stch bisher, über den Fall Erklärungen abzugeben. Pas Neueste Der südslawische BerkehrSminister Radiwojewitfch wird be» schuldigt, deu Staat durch Abschluß ungünstiger Verträge über den Bau von Eisenbahnftrecken um 45 MIll. Mark geschädigt zu haben. Die seit fünf Monaten in Warschau geführten VerHand- lungen wegen Beendigung deS Zollkrieges sind soweit gefördert worden, daß man mit einer Unterzeichnung de» iu Form eines Protokolls gekleideten Abkommens in der nächsten Woche rechnet. Durch da« Abkommen sollen all« auS dem Wirtschaftskrieg hervorgegangenen Kampsmaßnahmen restlos beseitigt werdeu. Wie amtlich mitgeteilt wird, wurde das in Rvbnik er- scheinende Witzblatt„Die Spritze" wegen eines Aussalls gegen de» Reichskanzler polizeilich beschlagnahmt. Gxgen den verantwortlichen Redakteur ist ein gerichtliches Strafverfahren eingeleitet worden. der heutigen Aussprache einigermaßen skeptisch entgegen. Der „Petit Parisien" glaubt nicht, daß die in Rom erörterten Bor- schlüge die Voraussetzungen enthielten, von denen Frankreich feine Zustimmung abhängig machen müsse. DaS Blatt betont u. a.. daß keine französische Regierung sich mit dem gleich- zeitigen Vorhandensein einer regulären Armee und mehr als 2 Millionen Mann ausgebildeter HilfStruppen in Deutsch- land einverstanden erklären könne. Wie komme es, daß der sogenannte italienische Mindestplan nicht die geringste An- spielung auf die SS. und die SA. enthalte? Sollte etwa die englische Regierung nach dieser Richtung nachgegeben haben? — Der„Epeelstor" nimmt an. daß London. Berlin und Rom nur einen Wunsch hätten, um jeden Preis zu einem Ab- rüstungsabkommen zu gelangen. Unter diesen Umständen müßte man in Paris sehr ernste Einwendungen gegen alle Pläne erheben, die auf Zweideutigkeiten beruhten und nicht die wünschenswerten Garantien enthielten. «Segen einen Druck, der aus Frankreich ausgeübt werden könnte, wendet sich das„Petit Journal": Gewisse englische Blätter haben die Ansicht geäußert, daß England und Italien als Garanten der Locarnoverträge ihre Garantie zurück- ziehen müßten, wenn Frankreich oder Deutschland sich weigern sollten, ihren Standpunkt anzunehmen. vidi England nach? London, 1. März. Der Parlamentskorrespondent der „Times" schreibt u. a.: Wenn Eden jetzt mit den französischen Ministern zusammentrifft, wird er sie über den herzlichen Empfang unterrichten können, der ihm in Berlin und Rom bereitet worden ist. Er wird ihnen mitteilen können, daß der bringend« Wunsch ausgesprochen worden ist, man möchte einen Anktzveg ans den bestehenden Schwierigkeiten finden, damit die Abrüstungskonferenz ihre Arbeiten wieder auf- nehme. Eden— so erklärt der Korrespondent weiter—, habe in Berlin und Rom betont, daß die britische Denkschrift nicht als daö letzte Wort der britischen Regierung zu betrachten sei und daß die Minister bereit sein würden, die Denkschrift nach Entgegennahme des Berichtes Edens von neuem zu prüfen. Sie seien der Ansicht, daß Deutschland ebenso wie Italien bereit sein dürfte, die Denkschrift als Grundlage künftiger Besprechungen anzunehmen. Ferner glauben sie, daß die heutigen Pariser Erörterungen zeigen werden, ob Frankreich ebenfalls bereit ist, entsprechend den ausgezeichneten allgemeinen Richtlinien mitzuarbeiten, Nicht- linien, die ein gewisses Maß von Aufrüstung für Deutschland enthielten unter Gewährung eistet TicherheitSgarantte für andere Mächte. DNR. Paris, 1. März. Durch eine vom Präsidenten der Republik unterzeichnet« lllerordnung tritt die Sommerzeit in Frankreich in der Nacht zum 8. April in Kraft. Das„Journal" erklärt, daß Außenminister Barthou den Plan seines Vorgängers Paul-Boneour wiederausnehmen und in Prag und Warschau einen offiziellen Besuch abstatten werde, sobald ihm die innen-«nd außenpolitische Lage dies erlaube, lieber den Zeitpunkt der Reise sei noch nichto end- gültig beschlossen. ?lus Santander wird gemeldet, daß im Dorfe Hoznapo eine alte Frau, die man gestorben glaubte, kurz vor der Beerdigung plötzlich Lebenszeichen gab«nd z» trinken ver« langte. Di« Anwesenden wurden von einer Panik ersaßt »nd flüchteten. Die unglückliche Frau blieb hilflos zwei Tage lang im Sarg allein und starb schließlich infolge Erschöpfung. Kammer und Senat haben Donnerstag, 8 Uhr früh, de» französischen Haushaltsplan noch nicht«udgültig»erab« schiedet. Er befindet sich jetzt in fünfter Lesung vor de« Senat, doch steht die Einigung über einige unwesentliche Streitpunkte außer Zweifel. Im Verlaufe der Beratung find von beide» Häusern der Regierung die geforderten Voll- machten zur Regelung der Zolltarife aus dem Berordnungs« weg« bewilligt worden, ebenso ist ei» Gesetzentwurf, der die Anslösung des sranzöfische», Außenhandelsamts vorsieht, ge» nehmigt worden. Um 7.3«> Uhr früh sranz. Zeit ist der Haushaltsplan 1931 vom Senat mit 283 gegen 15 Stimmen und von der Kammer mit 458 gegen 132 Stimmen endgültig verabschiedet worden. Die bewilligten Kredite belaufen sich aus 48 818 570 900 Fr. bei einem schätzungsweise« Einnahmeüberschuß vo» nenn Millionen Franken. Die Frage, nm die Kammer und Senat stundenlang gestritten haben, betras die Besteuerung der Ein« beitöpreisgeschäste. Der Senat, der eine Sonderstener ab» lehnte, ging schließlich als Sieger hervor. ßloch Immer..Seeschlange" DNB. Pari», 1. März. Aw Strande bei Querqueville bei Cherbourg ist ein seltsames Seetier angetrieben, daö der Oesfentlichkett reichen Gesprächsstoff bietet, nachdem es um das Seeungeheuer von Loch Neb still geworden ist. Das an der französischen Küste angetriebene Tier gebört einer völlig unbekannten Gattung an. Es ist acht Meter lang, von grau- blauer Farbe und hat zwei Seiten- und eine Rückenflosse. Aus dem etwa einen Meter langen HalS sitzt ein Verhältnis» mäßig kleiner Kops. Die Tierleiche wird von Wissenschaftlern näher untersucht werden. Die Kaiserkrönung Der neue Kaiser von Nandsdiukno und die Spannungen im fernen Osten— Japan, China und Rußland DNB. Hsingking sMandschukuoj, 1. März. Am Do«- uerstagvormittag erfolgt« die feierlich« Thronbesteigung Pujis, der unter dem Namen Kaug Teh Kaiser von Man- dschukuo geworden ist. Kurz vor 8 Uhr Ortszeit führte ein Kraftwagen, der mit dem ans goldene« Orchidee« gebildeten Wappeuzeichen ge- schmückt war, den künftigen Kaiser nach dem Himmelstempel, wo die religiöse Zeremonie abgehalten wurde. Die ei«, drucksvolle Zeremonie, die nach dem Ritus der Ehow- Dynastie dnrchgeführt wurde, dauerte nnr etwa eine Viertel- stunde. Ungefähr 200 der höchsten Beamten von Mandschukuo standen achtungsvoll am Fufe^ des Altars. Der Kaiser stieg zum Altar hinaus und warf sich zu Boden, um mit den Geistern seiner Ahnen Zwiesprache zu führen. Er brachte dem Himmel eine Anzahl von Opfern dar, darunter einen weihen Stier, den die Priester töteten, während der Kaiser betete. Bor dem Monarchen lag eine Rotlacktasel, aus der der Rame seines früheste« Ahnherrn ausgezeichnet war. Acht Beamte überreichten dem Kaiser die Opfergabe, Weih, rauch, ein Amulett aus Jade, eine Roll« heimische« Tuchs und einen Kelch mit Reisweiu. Jede dieser Gaben streckte der Kaiser zum Himmel empor. Dann wandt« er sich nach Süden und entzündete das heilige Jeuer, dessen Rauch seine Gebete zum ümmel emportrugen. Nach der Opferung empfing der Kaiser sein Amtssiegel, woraus ein Salut von 101 Schuh ertönte. In sonderbarem Gegensah zu dem uralten Zeremoniell stand es, dah von einzelne« Szenen Tonsilmausnahmen gemacht wurden, dah Flugzeuge in der Luft kreisten und dah ein Bericht über die Feier durch Runsdunk verbreitet wurde. Für die Krönungsseierlichkeiteu hat die Regierung drei, einhalb Millionen Dollar bewilligt. Puji ist zum zweiten Male Kaiser. Als Knabe war er unter dem Namen HsüanTung letzter Mandschukaiser von China, bis ihn im Jahre 1912 die repubiikanisaie Revolution vom Throne stieß. Nun gebraucht ihn seit Jahr und Tag die japanische Expansionspolitik, und ste hat ihn jetzt auf den Kaiserthron des dem zerklüfteten chinesischen Reiche entrissenen Mandschukuo gesetzt. Japan hofft, daß der Mann mit den uralten dynastischen Tradln uonen eine starke monarchistische Regierungsautoritäl. natürlich unter dem Protektorat Japans, in der Mandschurei bedeuten werde. Die Krönung in der neuen Hauptstadt Hsinking— dem alten Tschangtschun— zeigt den künftigen Weg der japa- nischen Politik, die nach Westen sich vorzuschieben gewillt ist. Offenbar soll das neue Reich weite Teile der i n n e- ren Mongolei sich angliedern. War doch Puji wie seine vielen Vorfahren als Kaiser von China auch Fürst der Mongolei und nimmt also nur alte Ueberlieferungen auf. wenn er sein Herrschaftsgebiet auf dieses Land aus- dehnt. Die Mongolen sind nie innerlich chinesische Republikaner geworden. Japan und der neue Mandschukuo-Kaiser sind wohl der UeberzeuHung, daß China in seinem jetzigen Zustand diesem Eindringen des neuen Staates in dos alte China keinen entscheidenden Widerstand entgegensetzen kann. Fügt sich aber China diesen japanisch-mandschurischen Aus- dehnungsgewalten, so werden sich die japanisch- mandschurischen Gebiete wie ein breiter Gürtel um das nördliche China legen und dessen direkte Verbindung mit Rußland unterbrechen. Die Handelsbeziehungen Ruß- lands zu China müßten dann durch das japanisch beeinflußte Mandschukuo gehen. Japan aber schafft sich eine ausgezeichnete Grundlage für seine militärischen Operationen in einem Kriege gegen Rußland. Die Transibirische Bahn Rußlands kann leicht durch einen japanischen Vorstoß gegen den Baikolsee unterbrochen werden und dadurch dem russischen Reich jede große militärische Operation östlich des Baikalsees unmöglich machen, solange Rußland nicht eine zweite weit nördlich anzulegende strategische Bahnlinie durch Sibirien sich baut. Japan erreicht also durch den nSuen Kaiser von Mandschukuo zwei sehr wesentliche Vorteile seiner Expansionspolitik auf dem asiatischen Festland: Es hält die nördlichen Provinzen Chinas mit Peking unter ständiger Bedrohung und schafft sich eine gewaltige Ab- wehrstellung in seinen Konflikten mit Rußland. Dimitroffs Moskauer Empfang Er tritt in den russischen d p omatischen Dienst.... Seine ersten Erklärungen für die Presse befragt, sagte Dimitroff:„Wir haben Deutschland im stärksten Haß gegen den Faschismus und mit tiefster Sympathie für das deutsche Proletariat verlassen. Selbst bei den Nazis gibt es keine einheitliche Meinung, die Masse denkt anders als die Führer, denn die Massen sind proletarisch und sympathie- sicren mit der Sowjetunion. Viele Nazis wissen bereits, daß der Reichstag durch die Nazis selbst angesteckt worden ist." Aus eine weitere Frage sagte Dimitroff:„Wir sind zwar nicht körperlich mißhandelt worden, aber der geistige und moralische Druck, dem wir ausgesetzt waren, ist oft ungc- heuerlich gewesen." Degelsfernng Die kommunistische„Arbeiter-Zeitung" berichtet:„Am Snä»nach'"ittaa verbreitete sich wie ein Lauffeuer die Nach- richt in Moskau: Dimitroff ist befreit. Gleich zogen Mos- kauer Arbeiter und Arbeiterinnen nach dem außerhalb der Stadt liegenden Flugplatz. Die nicht weit vom Flugplatz entfernten Fabriken der Kraßnaja Presnia entsandten große Delegationen, um den geliebten heldenhaften Kämpfer zu begrüßen. Aus den anderen Betrieben kommen gleichfalls immer mehr starke Delegationen hinzu.— 7 llhr: Das Flug- zeug der Deruluft wird sichtbar. Ungeheure Begeisterung erfüllt die Masse. 7 Uhr S Minuten: Das Flugzeug landet nach einigen Schleifen unter unbeschreiblichem Sturm des Jubels.— Sosort ist das Flugzeug von den Massen umringt. Dimitroff, Popofs und Taneff werden von den Arbeitern herausgehoben und aus den Schultern zum Ausgang deS Flugplatzes getragen. Die Ovationen dröhnen über den Platz, nicht endcnwollende Hochrufe und Rotfront.— Von den Arbeitern umringt, unter ständigen Jubelrusen. werde» Dimitroff, Poposs und Taneff zum Auto gebracht, das nur ganz langsam sich den Weg durch die Massen bahnen konnte. Krupskaja, die Frau Lenins, und Uljanowa. die Schwester Lenins, überbrachten ihnen Blumen, Die Sowjetpreffe ist voll von den Berichten über die Ankunft und von revolu- tionären Begrüßungen. In der„Jswestia" schreibt Maxim G o r k i:„Aus vollem Herzen begrüße ich die beispiel- gebenden Revolutionäre, die Bolschewiki: ich bin ungeheuer froh über eure Ankunft." „Dimitroff strahlte" Erst eine Stunde vor der Entlassung erfuhren Dimitroff, Popoff und Taneff im Gefängnis der Geheimen Staatspolizei die plötzliche Wende ihres Geschickes. In der Morgenfrühe des Dienstags holte sie ein Auto am Ge- sängnistor ab und fuhr mit ihnen zum 7«mpelhoserseld, wo sie sofort das Flugzeug der deutsch-russische« Luftfahrt- gcselllchast bestiegen, das bald darauf nach Moskau startete. Dimitroff strahlte. Das Setzte, was die Zurück, gebliebeneu vom kommunistische« Ausrührer sahen, war seine gegen Berlin gerichtete F a u st. Diese Faust sollte fedoch kaum eine Drohung be» deuten. Sie war nur das alt« Gruß- und Kampfzeichen der kommunistisch««„Rotfront". Dimitroff konnte nicht einmal mehr seine hochbetagte Mutter sehen, die seit Dezember 198« im Zentrolbotel in Berlin wohnte und ihren Sohn jeden Tag im Gefängnis besuchen durste. Nun will sie mit der Bahn nach Moskau fahren.— Aus der Berliner Umgebung der Drei verlautet, Dimitroff» außerordentliches Talent «erde schon in allernächster Zeit im russischen diplo» matifchen Dienst Rerwendung finde», „Erst gesund werden"... United Preß meldet: Dimitroff und seine Genossen trafen Dienstag abend im Hotel„Lux" ein, wo sie Quartier be- zogen. Dimitroff sprach vor etwa fünfzig Sowjetbeamten und erklärte unter anderem, daß er und sein« Freunde immer Soldaten der proletarischen Revolution bleiben würden. Er führte aus, daß Van der Lübbe nur Brandstifter des Restaurants vom Reichstag gewesen sei, daß aber der Brand in der großen Reichs tagshalle von anderen Individuen gelegt worhen wäre. Wer diese seien, das wisse er nicht und. das werde seiner Ansicht nach vorläufig nicht ans Tageslicht kommen. Erst wenn später einmal die proletarische Revolution in Deutschland zum Siege gekommen sei, werde es sich heran.»- stellen, wer die Brandstifter waren.— Dimitroff antwortete aus die Frage eines russischen Sowjetbeamten, was er jetzt zu tun gedenke, daß er auch jetzt wieder wie vorher als Soldat des Kommunismus arbeiten werde. Er teilte mit, daß er und seine Freunde erst einmal einen Arzt aufsuchen würben, um ihre Gesundheit wieder Herzustelletz, die während der Gefangenschaft schwer geschädigt worden sei. Während der Haft in Leipzig und Berlin seien er und seine Freunde meist gefesselt gewesen, so daß sie keine Ruhe und keinen Schlaf sinden.konnten. Auf die Frage, warum Göring die Freilassung der drei Gefangenen zugelassen habe, trotz seiner kürzlich«» Erklärungen, wonach so„gefährliche Leute" in Hakt gelassen werden müßten, erwiderte Dimitroff, daß Göring auch nicht immer seinen Willen durchsetzen könne. Ueber den Ausgang der Reichstagsbrandverhandlungen sagte Dimitroff, daß diese von seinem Standpunkt aus kein befriedigendes Ergebnis zeitigten. Aber ebensowenig seien Hitler und Göring mit dem Ausgang des Prozesses zu- frieden. Dimitroff Oben: Popoff Unten: Taneff Dimitroff. der herrliche Revolutionär und Sieger über Göring, hat letzt die zweite Schlacht, nachdem er be- reits im Reichstagsbrandprozeß freigesprochen werde» mußte, gegen die hitlerdeutschen Henker gewonnen: Der einmütige Protest der gesamten Welt, an der sich sowohl dl« konservativen Blätter Westeuropas und Amerikas, wie natürlich die gesamte Linkspresse beteiligte, haben die Frei- lassung Dimitroffs und seiner Kollegen erzwungen, der nun- mehr in die dritte Phase seines Kampfes gegen den Faschismus eintreten kann. Der empfang Moskau, 28. Februar. Das Taß-Büro berichtet: Die Nachricht, daß Dimitross, Poposs uud Taness aus Deutschland nach M°ska««f>gere«st «ei««, tras hier erst spät ein. Doch verbreitete sich die Kunde von ihrem bevorstehenden Eintressen sehr rasch iu den Fabriken und Unternehmungen, die Delegationen mit Fahnen und Musik nach dem Moskauer Flugplatz zur Bearüßung Ichickten. Dort hatten sich auch die hervorragend, sten Mitglieder'der Kommunistischen Internationale: emge« fünften, so Manuilsti.«uorin»nd Heckert Um den Flugplatz drängten sich die Arbeitermass-n.AlsftaöSluftzeugm.tden Bulgaren genau um 7 Uhr abends über dem Flugplatz «schien, wurde es mit anhaltenden Hochrusen au, die Bulgaren begrüßt? es^etelangsamunter^n Klängen der Internationale. Die drei Erwartete« machten einen müden und-rschöpst-n Eindruck. Dimitross wollte au russisch eiuiae Begrüßungsworte sagen, doch waren nur die ersten Silorte verständlich, der!R-st Hg«n.-r den rufen der Menge verloren. Dimttross und seine Gesahrten fuhren dann im Automobil nach der Stadt. * -nmmnnirtiirfien Berichten soll Dimitroff den Sowjet. «* 5,Sn« X erklärt Habe«:„Ich wünschte daß die »iiirer des Deutschen Reiches in 5*!!»„,! gp««inaeiperrt würden, in denen ich im den Katakon o^atspolizei in Berlin in den Utzten Wochen m.ck. bewnd7n habe. Ein Mensch, der mehrere M fcnri aushalten muß. geht körperlich zugrunde. Vier Urteile Viele Monate Gefängnis... Sondergericht Mannheim Der Reichstagsbrand. Daß man im„dritten Reich" die Wahrheit nicht mehr sagen dars. hatte der 44jährige Robert Riffel aus Karlsdors anscheinend vergessen, denn er ließ sich unvorsichtigerweise über die Entstehung des Reichs tagsbrandes aus. Er wurde jetzt in Mannheim für diese „Schwätzerei" unter Zubilligung mildernder Umstände, da ihm ein gutes Zeugnis ausgestellt wurde, zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Der Oberstaatsanwalt hatte eine solche von zehn Monaten beantragt. * Nochmals Reichstagsbrand. Wegen des gleichen Delikts hat sich die Ssijährige Anna Blümel aus Neckarsteinbach wohnhaft in Heidelberg-Kirchheim. zu verantworten. Auch sie soll unwahre Aussagen über den Ursprung des Reichs- tagsbrandes gemacht haben. Dieser Fall zeigt die terroristischen Verhältnisse im„dritten Reich" ganz besonders. Als die Angeklagte vernommen wurde, unternahm sie einen Gas- Vergiftungsversuch, so daß ste ins Heidelberger Krankenhaus eingeliefert werden mußte. Die Angeklagte bestreitet in der Verhandlung energisch die ihr zur Last gelegten Aus- sagen. Hier würden«n ganz ungewöhnlichem AuSmaße per- sönliche Streitigkeiten mitspielen Sie wäre nur durch Denunziationen vor das Gericht gekommen. Doch das kümmert das faschistische Gericht nicht. Sie wird gemäß dem Antrag des Oberstaatsanwalts zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. * Er wollte SS.-Maun spielen. Nämlich der 21jährige Optiker Hubert Schwebe! aus Darmstadt. Nachdem er mehr hinter die Binde gegossen hatte als er vertragen konnte eignete ei sich ihm nicht zustehende Befugnisse an. Er spielte sich als SS.-Mann auf und wollte dann als Sturmbann- führer in einem Friseurladen eine Verhaftung vornehmen, was aber am Widerstand des„Delinquenten" scheiterte. Die acht Monate Gefängnis, die er erhielt, werden ihm gewiß nichts schaden • Verbotene Flugblätter eingeschmuggelt zu haben, wird dein 48jährigen Schlosser Alfred Stark aus Weisweil zur Last gelegt. Er ist auch noch einer jener Marxisten, die man nicht tot bekommt. Er hat zwei Pakete„Rote Post" und„R u n d- schau" bei Trasserbingen über die Grenze geschmuggelt, wo sie von zwei Personen abgeholt wurden. Zwei Beteiligte — ein Mann und eine Frau— wurden bereit? mit e i n e m Jahrundzwe» Monaten bzw. acht Monaten Ge« fängt,'? bestraft. Dieses Vergehen glaubte das Sonder- gcricht besonders hart bestrafen zu müssen. Stark wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. * Das sind wieder vrer Fälle, in denen die Angeklagten zu insgesamt 27Monaten Gefängnis verurteilt wurden, neben zwei weiteren Jahren Gefängnis. Kommentar überflüssig! Wühlmäuse Macht Göbbels kommunistische Propaganda? Die Magdeburger Gausührung des Winterhilfswerkes ver« öffentlich! in den dortigen Tageszeitungen nachfolgenden Ukas: „Bon unberufenen Elementen wurden in der letzten Zeit verschiedene Plakate des Winter. Hilfswerkes und der R S.- B o l ks w ah l s a h r t abgerissen, da man iu diesen eine komm»- uistische Propaganda entdeckt habe» will. Di- Gausührung des WinterhiliswerkeS verweist hiermit noch- mals ans den Anfrus d-s Reichspropaganda. Ministeriums, aus dem hervorgeht, daß die B-> schLbigung der Plakate strengstens verboten ist. Jeder, der beim Beschädige» oder Abreißen betrosse« wird, wird strafrechtlich verfolgt. Offizielle Naziplakate, die von Nazis abgerissen werden, weil sie kommunistische Propaganda enthalten! Gehen die Wühlmäuse der„marxistischen Zersetzung" bereit? durch die Türen des Propagandaministerium»? Uns liegt ein solches Plakat vor. In der Tat gibt es darauf merkwürdige Zeichen. Aus den Verzierungen der Schürze eineS kleinen Mädchens ist deutlich zu lesen:„Tod der HJ." Stellt man das Plakat auf den Kopf, so ist deut- lich das mißhandelte und verbundene Gesicht Hitlers zu erkennen. Nachdem neulich schon auf einer Httlerpostkarte allerhand bolschewistische Gesichter eingezeichnet waren, kommt nun dieses eigentümliche Plakat. Es scheint etwa« nicht mit rechten Dingen zuzugehen. „Deutsche Freiheit", Nr. 51 ARBEIT UMD WIRTSCHAFT Freitag, 2. Märt 193 F tt tt Kapitalismus eine llnredifsform Der Nationalsozialismus pendelt zwischen Arbeit und Kapital Der Leiter der Kommission für Wirtschaftspolitik bei der Reichsleitung der NSDAP., Bernhard Köhler, veröffentlicht eine Betrachtung über die Bedeutung uhd Wertung der Arbeit im„dritten Reich". Die Arbeitslosigkeit— So führt er u. a. aus— sei der größte wirtschaftliche Irrsinn und keine wirtschaftliche Zwangsläufigkeit. Ihre Beseitigung stelle daher nicht ein wirtschaftliches Experiment oder einen künstlichen Zwang dar, sondern nichts als die natürliche Wiederaufnahme der Arbeit. Die Wirtschaft habe der Arbeit zu dienen; sie sei erst möglich, wenn gearbeitet werde. Demnach sei Arbeitslosigkeit ein Widerspruch zu jeder auch nur einigermaßen vernünftigen Wirtschaft. Der Nationalsozialismus denke nicht daran, echte Geseke der Volkswirtschaft umstoßen oder gewaltsam abändern zu wollen. Er habe im Gegenteil sich zur Aufgabe gestellt, die echten Naturgesetzewicder herzustellen. Nach der Herstellung der Volksgemeinschaft, der vordringlichen politischen Aufgabe des Nationalsozialismus, habe er zunächst dieArbeitzubefreien. Erst dann werde wieder Wirtschaft im eigentlichen Linne möglich sein...Wir sehen." so sagt Köhler u. a.,„i in K a p i t a 1 i s m u s k e i n e s p e z i- fische Wirtschaftsform, sondern eine Unrechtsform der Gesellschaft. Er kann nicht bekämpft werden durch Herstellung äußerer Formen, sondern nur durch eine grundlegende Wandlung des Verhältnisses von Arbeit und Kapital." Man könne nicht von„Ausgleich zwischen Kapital und Arbeit" sprechen; es handele sich vielmehr um die Wiederherstellung des natürlichen Vorrechts, ja Alleinrechts der Arbeit. An dieser Wiederherstellung sei der Unternehmer genau so interessiert wie der Arbeiter. Denn er werde seine Aufgabe als Arbeitsführer und Wirtschaftssubjekt nur erfüllen können, wenn die Arbeit von der Herrschaft des Kapitals befreit und das Kapital die ihm zukommende Rolle des Dieners der Wirtschaft übernommen habe. Der Sozialismus habe das höchste Interesse daran, daß der Unternehmer seine Kräfte im Volk voll entfalten könne. Es müsse das oberste Wirtschafts- und Gesellschaftsgesetz eines sozialistischen Staates sein, keinem Volksgenossen, der Arbeit sucht, die Arbeit verweigern zu lassen. Die Durchführung dieses Gesetzes sei viel einfacher, als sich eine durch verrückte und irrsinnige Wirtschaftslehren hoffnungslos verwirrte Zeit träumen lasse. Sie werde aber gleichzeitig eine Aufwerttlngder Arbeit in sittlicher, gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht bringen. Das werde sich in einer materiellen Höher- Bewertung der Handarbeit auswirken müssen, ohne daß damit die Arbeit anderer Kategorien enteignet werden müßte. Die Wiederherstellung des natürlichen Wertes der Handarbeit werde den Sozialismus auch in der Lebenshaltung des deutschen Volkes verwirklichen. Sie werde sowohl das Industrieproletariat wie auch das akademische Proletariat unmöglich machen und der Leistung wie auch der Begabung den Weg zum berechtigten Erfolg erst wieder öffnen. Nldils mehr besltif... Sind Krupp und Thyssen Bettler geworden? Zu dem„Tag des Treueschwurs" hat auch der unvermeidliche Kubikschwätzer Ley eine Rundfunkrede halten müssen. Aus seinem Phrasenschwall fischen wir folgende Perle auf: Hunderttausende werden die Hände zum Schwur auf die Fahne heben, die das Symbol unserer Bewegung und. gepaart mit der Fahne der alten Tradition, das Sinnbild unseres Reiches ist. Sie wissen, daß, wer auf das Fahnentuch mit dem schwarzen Hakenkreuz im weißen Feld auf „Ilnbeintcnc" Eingriffe in die Wirtschaft Nummer l des„Deutschen Arbeitsrechts" enthält»olgen- den Erlast an die Ober- und Regierungspräsidenten vom preußischen Minister des Innern:„Ter ReichsarbeitS- minister und der Reichsivirtschastsniinister weisen in einem Rnnderlast vom 21. Oktober daraus hin. das» noch imiuer Iälle gemeldet würden in denen unberufene Kreise in Ber- bältn-sse der einzelnen Sietriebe elnarilsen. indem sie ans Zu- sammensetzuna der Sielegschast und aus die Entlassung von sogenannten Doppelverdienern usw. Einslust zu geivinnen suchten. ES sei sogar vorgekommen, dast aufterbetriebliche Stellen, wie Iachschaslswarte oder Berbandsaugestellte, an Unternehmer ihres Bezirks daß Ansinnen gestellt hätten, dl e E I n st e 11 u n g und Entlassung von Arbeitnehmern von Ihrer Zustimmung abhängig zu machen Tchliesilich hätten sich auch an einzelnen Orten Büros aufgeta», die den Anspruch erhöben, als Schiedsstellen oder Schlichtungsausschiiise über Maßnahmen inner- halb eines Betriebes Entscheidungen zu stille». Von feiten der Reg'erung ist mehrsach betont ivorden, da» derartige Eingriffe in die Wirtschaft nicht mehr länger geduldet werden können. Ich erwarte daher von den nachgeordneten Behörden, das; sie mit Nachdruck und Tatkraft diesen Mist ständen entgegentreten und die notwendigen Mastnahmen zur Sicherung des gesetzlichen Zustandeo treffe». Kein Be- triedssiihrer in verpflichtet. Vorladungen und Anordnungen von Stellen Holge zu leisten, die nicht durch Gesetz oder durch die Regierung dazu berufen sind. Kreise, die unerlaubte Zumutungen oder Anwendung von Druckmitteln stelle», haben zu gewärtigen, wegen Anmasning von Anus- besugnissku oder Störung des Wirtschastsfrirdens zur Rechen- schuft gezogen zu werden." Industriedirektor in Schutzhaft Ter Direktor Kalten st edt-Menden von den k'hctn'fksi Westfälischen Kalkwerken AG., wurde durch die GeHelme Staatspolizei verhaftet, weil«r sich gegenüber der nationalsozialistischen Bewegung ablehnend verhalten und unsozial gegen die Arbeiterschaft gehandelt habe. rotem Grunde schwört, nichts mehr besitzt, was ihm selber gebort. Zu den Schwörenden gehörten auch der Treuhänder der Arbeit Krupp v. Bohlen-Halbach, der preußische Staatsrat Fritz Thyssen, der Reichsbankpräsident Schacht, der Bankier Schröder usw. usw. Ob sie alle wissen, daß sie nichts mehr besitzen, was ihnen gehört?— Wir fürchten: man hat vergessen, es ihnen mitzuteilen... löhne Hieltst Unterstützungen! Geständnis eines Arbeitsfront-Bezirksleiters Mitunter läßt sich die Wahrheit über die miserablen Lohn Verhältnisse des„dritten Reiches" selbst in der gleichgeschalteten Presse nicht ganz verheimlichen. So entschlüpft jetzt dem Bezirksleiter der Deutschen Arbeitsfront Spangenberg ein beachtliches Geständnis. In einer Polemik gegen die schematische Einführung der 40-Stunden- Woche läßt dieser braune Bonze sich folgendermaßen vernehmen: Die verkürzt Beschäftigten würden bei Einführung der 40 Stunden-Woche als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme infolge der geringeren Einkünfte des einzelnen kaum mehr für ihren Verbrauch ausgehen können, wie sie als Arbeitslose von ihrer Unterstützung ausgegeben haben. Das heißt mit dürren Worten: bei gleichbleibenden Stundenlöhnen würde der Wochenlohn des Arbeiters durch Einführung der 40-Stunden-Woche unter das Niveau der Arbeitslosenunterstützung herabsinken. Man vermag sich danach auszurechnen, um wieviel er bei 48stündiger(d. h. um ein Sechstel längerer) Arbeitszeit noch über den Unterstützungssätzen liegen kann! Die Sphinx des AröeUsgesefzes Ein Vortrag vor Wirtschaftsführern Vor einem geladenen Kreise führender Männer der westdeutschen Wirtschaft sprach in Essen Ministerialdirektor M a n s f e 1 d über den Geist des Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit. Wenn man der Ansicht sei, ein Gesetz müsse das ausdrücken, was bereits Gewohnheitsrecht geworden sei, so sei das neue Arbeitsgesetz ein schlechtes Recht. Es rechne nicht mit den Menschen, wie sie sind, sondern ziele auf Menschen, wie sie sein sollten. Der Nationalsozialismus bejahe den Beruf dieser Zeit zur Gesetz- gehung. Das Arbeitsgesetz enthalte auch ein Programm für die Zukunft. Erst künftige Generationen könnten es ganz verwirklichen. Die naturgegebenen Gegensätze zwischen den Trägern des Arbeitsverhältnisses sollten nicht wegkonstruiert werden. Die Voraussetzungen für den Marxismus seien erst durch die Rezeption des römischen Rechts im Arbeits vertragsrecht geschaffen worden. Man könne die alten Gewerkschaften nnd A r> beitgeberver bände nicht schlechtweg verdammen. Sie hätten auch Gutes geschaffen. In der neuen sozialen Ordnung müsse eine Synthese von Selbstverwaltung der Beteiligten und staatlichem Lohnamt erstrebt werden. Der Treuhänder sei nicht Mädchen für alles. Andererseits wolle das Gesetz keine Atomisierung der Lohnfindung. Sie müsse nach wie vor auf der Grundlage tariflicher Zusammenfassung erfolgen. Ein betriebliches Eigenleben sei ausgeschlossen. Später könne man die Krücken der Tarifordnung wegwerfen und über die weitere Etappe lohnpolitischer Richtlinien langsam zur betrieblichen Reglung kommen. Betriebsführertum bedeute nicht Willkür. Der Betriebsführer könne von seinem Thron gestürzt werden. Der Paragraf 2 des Gesetzes beseitige nicht den schuldrechtlichen Arbeitsvertrag, beeinflusse ihn aber weitestgehend durch Treue und Fürsorge. Zum Schluß äußerte Manifeld als nichtamtlichen Gedanken die persönliche Erwartung, daß die Betriebe eine wirkliche Arbeits- und Lebensheimat für die Arbeitsgefolgschaft werden möchten und den Arbeiter auch dann an den Betrieb bänden, wenn er krank, alt oder erwerbslos sei. Keramische Industrie Für 1933 wird von einer Stabilisierung der Umsätze berichtet, die auf das heimische Geschäft zurückgeht, denn der Export war auch im vergangenen Jahre nur mäßig. Dabei ergibt sich, daß im allgemeinen der Ausfuhranteil nach den europäischen Staaten stabiler geblieben ist als nach Amerika nnd Asien, wo gerade in der letzten Zeit die japanische Konkurrenz sich bemerkbar macht. Sie ist jedoch auch in den europäischen Ländern bereits zu spüren, und hier entstehe auch noch nach der Abwertung der Tichechenkrone ein verstärkter Wettbewerb der Tschechoslowakei. Große Mietsrückgänge In einer Abhandlung über die Steuerbelastung destädtischen Althausbesitzes in Berlin erklärt Ministerialdirektor Dr. Hog: Der durchschnittliche Mietsrückgang heim städtischen Althausbesitz beträgt in Berlin 18 v. H. der Friedensmiete, den höchsten Mietsausfall hat die City mit 34 v. H„ während der Abfall in den Außenbezirken geringer ist. Er beträgt in Steglitz und Treptow 8 v. H., in Zehlendorf 6 v H„ in Pankow 1,4 v. H. Keine Devalvation Auf dem Jahresbankett der Pariser Bankiervereinigung vertrat Finanzminister Germain-Martin seinen bereit» in der Senatssitzung vom Montag verteidigten Standpunkt, daß Frankreich weder an eine Inflation, noch an eine Abwertung seiner Währung denken dürfe. Man dürfe niemals vergessen, daß Frankreich bereits im Jahre 1926 seine Währung um iier Fünfte! herabgesetzt habe.— Ein weiterer Schritt auf diesem Wege würde eine Ausplünderung der Sparer bedeuten, die ernste soziale und politische Folgen nach sich ziehen würde. Der Finanzminister gibt zu, daß die Lebenshaltungskosten in Frankreich zu hoch sind, betont aber den Willen der Regierung, auch nach dieser Richtung hin Wandel zu schaffen. Voraussetzung dafür sei aber die Mitwirkung aller Kreise der Bevölkerung. » Falsche Fünffranken- und Zehnfrankenstücke wurden in großer Zahl bei einem umherziehenden Zigeunerslamm in Bordeaux gefunden. Die Werkstatt lind die Platten befanden sich in einem Garten. wirtsdiaff sbesserung in England Aber noch immer große Arbeitslosigkeit Dir allgemeine wirtschaftliche Besserung, die in England seit dem Frühjahr 1933 zu bemerken war, hat sich auch über das Jahresende und in den ersten Monaten des neuen Jahres fortgesetzt Der Produktionsindex des Board of Trade(1924 — 100) stieg von 96,8 im dritten Quartal 1933 auf 104 im vierten Quartal; der monatliche Index der allgemeinen Geschäftstätigkeit des„Economist" stieg von 104,5 im Dezember auf 109,2 im Januar; der von diesem umfassenden Index erreichte Punkt liegt auf einem Niveau, das seit April 1930 nicht mehr erreicht worden ist und sich nur noch um 2,8 Prozent unter dem Kulminationspunkt der Kurve im November 1929 befindet. Die Fortschritte der Inlandsbelebung haben also den Ausfall der Exportindustriell zu einem erheblichen Teil ausgeglichen. Die Arbeitslosigkeit in den von struktureller Krise betroffenen Industrien bildet jedoch weiterhin ein sehr ernstes Problem der Volkswirtschaft und Politik, wie soeben wieder der konzentrische Hungermarsch auf London lehrt. Rußland kauft nichts Die Lieferung von Roheisen und Walzwerkserzeugnissed nach Rußland hat fast völlig aufgehört. riugverheltr 1933 Bericht der Deutschen Lufthansa Berlin, 1. März. Wie aus dem soeben erschienenen Jahresbericht der Deutschen Lusthansa hervorgeht. erHöhle sich die Leistung der Flugzeuge im planmäßigen Streckendienst um 15,5 Prozent. Besonders großen Anteil an der Gesamtilugleiftung haben die Post- und Erprestgutstrecken, deren sBngleistung gegenüber dem Borjahre um 51 Prozent gesteigeri werden konnte. Weit stärker noch als die Kilo- Meterzahl hat die im Planverkehr angebotene Tonnage zu- genommen. Durch den stark vermehrten Einsatz groß- räumiger und schneller Flugzeuge zeigt das Nutzlastangebvl einen Zuwachs um 56 Prozent. Während im Ialire I»32 durchschnittlich je Hlugkilvmeter 805 Kilogramm Nutzlast verfügbar ivaren, standen 1083 bereits 858 Kilogramm für die Personen-, Post- und Exprestgutbesörderung zur Verfügung, Der Ilugbetrieb konnte während des ganzen Jahres auf» rechterhalten werden. Damit ist die Wandlung von einem Taisonunternehmen zu einem jahraus, jahrein der Wirtschaft zur Beringung stehenden Beförderungsmittel vollzogen. Mit 04 872 zahlenden Fluggästen erreichte die Lufthansa 1033 die bisher höchste IahreSzisser seit ihrem Bestehen. DieZahl der geleisteten Personenkilometer hat sich gegen 10.82 um 52 Prozent erhöht. Diese Zunahme brachte auch eine bedeutende Bermehrung der BerkehrSeinnahmen. Das Ge- ivicht der beförderten hochwertigen und eiligen Güter- scndungen erhöhte sich um>8 Prozent. Wesentlich zuae- noinmen hat auch der Luftpostverkehr. Das Gewicht der be- förderten Sendungen stieg von 851 Tonnen aus 420 Tonnen. Dieser Erfolg ist in erster Linie dem Ausbau des Nachtpost Verkehrs zu danken, dessen aiinerordentlichc Zeitvorteile zu einer zunehmenden Benutzung des Luftweges Anlast gaben. Beitragsrestanten In einer BuchdruckeraewerkschaitSversammluna in Desian (28. 1. 1084s erfuhr man auS der Rede des Pg. Bezirksleiter Brockmeyer, dast die Zahl der Beitragsrestanten eine sehr hohe ist. Brockmeyer schloß mit der Drohung:„ssallS nun- mehr nicht umgehend die restlichen Beiträge gezahlt würden, würben die Beitragsrestanten aus dem Verband ausgeschlossen werben". Deutsche Jxeiheit" ABannemmtspceise: Saargebiet Frankreich Luxemburg Belgien Neubelgien (Eupen«Malmedy) Holland Dänemark Schweden Schweiz Oesterreich T schechoslowakei England Palästina Spanien Polen Rußland Argentinien fr. Fr. fr. Fr. belg. Fr. belg. Fr. belg. Fr. tl. Kr. Kr. schw. Fr. Schilling Kr. sh sh Peseta Zloty Rubel Peso im Monat 12,- 12.- 15,- 15,- 12,- 1.50 3,2t 2,6C 2,4t 7,5( 30,- 4,- 4b- 6.- 4.2r 1,- 3,- Einzel verkauf 0,60 0,60 0,70 0,85 0,50 0,12 0,20 0,20 0,20 0,30 1,20 3 d Bei Zusendung unter Kreuzband durch die Post sind die Porte- e ühren vom Besteller mit dem Abonnemenisbetrag zu entrichten. Radiefcldzog der Dollfüßler Zwanzig sozialdemohralisdie rohrer angeklagt- Audi Bürgermeister Seitz 28 i e it, 28. Febr. Tic polizeilichen Untersuchungen gegen °>e verhasteten Funktionäre der Sozialdemokratischen Par- '« find jetzt abgeschlossen worden. Gegen 2V Mitglieder des wzialdemokrat sehen ParteioorftandeL ist das strasgerichtliche herfahren eröfsnei worden. Tie vcrhasteten Parteifnnk- lionäre wurden in das Landcsgerlcht übergeführt, Aus der polizeilichen Untersuchung ergibt sich, daß die verhafteten Mitglieder beb Parteivorstandes an der Borbereitung des Ausstandcö teilgenommen haben sollen, datz sich in ihren fänden bereits seit langem die Pläne ssir die Durchführung ocs Aufstandes befunden und datz sie ferner aktiv an dem 'lufstand teilgenommen hätten und die Aktionen des Schutz- vundes persönlich geleitet haben. Tie Anklage der Staats- Anwaltschaft gegen die 20 Parteisunktionäre lautet auf Grund polizeilicher Untersuchung aus össcntliche Auflehnung gen die Staatsgewalt und Teilnahme am Aufruhr. Unter den Parteifunktionären, gegen die An- klage erhoben wird, befinden sich der Bürgermeister von --»ien Zeitz, General Körner und der Tchutzbondfnhrer ^ i f f I c v sowie mcherere Abgeordnete des Ratio- nalrates. »GlanM an den Sozialismus" lP- G.> Zu den Hinrichtungen der Freiheitskämpfer in Wien schreibt man unS: Ter in FloridSdors verhastet« Keuerwehrhauptmann Weisse!, der standgerichtlich zum Tode verurteilt wurde, starb mit dem Ruf:„SS lebe die Internationale". Ter Schutzbüntler Münichreiter verabschiedete sich von de» Seinen mit den Worten:„Glanbt, an den Sozialis- wus". Das„Reue Wiener Journal" registriert den Her- Kang der Hinrichtung solgendermatzen:„Roch unter dem Galgen ftietz er marxistische Phrasen ans." Tie Wiener Ar- weiter, die kämpfende Arbeiterschaft der ganzen Welt wird die Helden beb Kampfes in Wien in treuer Erinnerung be- wahren. Habnensdiwönzler lordern- die Auflösung der CbristildiSozialen Wie«, 28. Febr. In einer Unterredung zwischen leitenden Persönlichkeiten der Christlich-Sozialen Partei und Ber- iretern der Regierung soll es am Dienstag nach zuverlässigen Mitteilungen zu einer lebhaften Auseinandersetzung tiber die Prcsieerklärung StarhcmbergS vom Dienstag gekom- wen sein, die auf christlich-sozialcr Seite als ein neuer nn> Mittelbar gegen die Christlich Soziale Partei gerichteter Vorstoß der Heimwehren zur Auflösung der Christlich- sozialen Partei angesehen werde. Gegenüber der Hcimwehr- Forderung auf Auflösung sämtlicher politischer Parteien ver- tritt jetzt die christltch-soziale Parteileitung den Standpunkt, datz die chri>«lich-sozialc Bewegung sich in den Rahmen der vaterländischen Front eingegliedert habe und damit eine Auslösung der Partei nicht mehr zur Erörterung stehen könne. Der bekannte Gegensatz zwischen Hetmwehr und Christlich-Sozialen hat sich trotz aller offiziellen LeugmmgS- versuche nn> beruhigenden Erklärungen somit noch weiter verschärft. So werden die Gefangenen behandelt Die Hinrichtungen sind vorläufig eingestellt, aber die stille Rache an den gefangenen Schntzbnndler» und Tvjialdeuw- kratcn ist in vollem Gange. Was man von den Gefangenen von verschiedensten Selten hört, gibt zu den schlimmsten Befürchtungen Anlast. In der Polizcikaserne der Marokkanerstratzc, wo zahlreiche Schutzbündlcr eingeliefert sind, erfuhr man durch das Mit- glicd einer ausländischen diplomatischen Delegation, daß man einen ganzen Tag die Motore der Polizeiautos laufen liest, um entweder die Salven von Erschießungen oder da« Geschrei der Mißhandelten zu übertönen. Vom Poltzrikommissariat Döbling in Wien wird zuver- lässig berichtet, datz die gefangenen Schutzbündler ganz nach dem Muster der reichsdeutschcn Göring-Tadisten gemartert wurden. Als die Polizisten vom Schlagen schon ermüdet waren, schlugen sie die Schutzbündler mit Gummiknüppeln über den Mund, bis ihnen die Lippen aufsprangen. Angc- hörige der Inhaftierten werden nur in beschränktem Um- fange nach tagelangen Bitten zngclassen. Die Frau eines Wiener Gemcinderates wußte sich Zutritt zu einem hohen Polizeikommisiar zu verschaffen und ersuchte um Erleichtc- rang für ihren nach einer schweren Operation kaum gc- ncsenen und seit neun Tagen inhaftierten Galten. Sie wollte ihm wenigstens etwas Wäsche, Lebensmittel und Seife brin- gen. Der Beamte erklärte zynisch!«Im Kriege haben wir oft drei Wochen die Hemden nicht gewechselt und nichts zu fressen gehabt. Jetzt herrscht Kriegszustand und die Ver- brechen der Sozialdemokraten müssen gerächt werden." Aus einer ander» Kaserne wird berichtet, datz die Gefangenen, die vollkommen erschöpft waren, noch drei weitere Tage hungern mutzten und sodann erst eine Schale Kaffee erhielten. Ucber da» Schicksal der Gefangenen herrscht nach wie vor qualvolle Ungewißheit. Es bestätigt sich, daß dem ehemaligen Finanzreferenten B r e i t n e r trotz seines schweren Magenleidens die Diätkost verivcigert wird und der von Hunger und Kälte vollständig dezimierte Mann die Gefängnisnah- rung immer wieder erbricht. Ein Arzt der Wiener Rettungsgeseltschaft teilte zuver lässig mit, daß während der Kämpfe Rettungrantos dazu bc nützt wurden,»m schwer bewaffnete Polizisten und Mii glieder des.Schutzkorps lHeimwehr) aus die Kammplätze ,u, bringen.(P. G.) Gelöbnis den gefallenen Kämpfern (P. G) Die österreichische Sozialdemokratie gibt die„Arbeiter-Zcitnng" in Brünn als Wochenblatt heraus. Die am 23. Februar erschienene erste Nummer bringt folgende Wid- mung den toten Kämpfern und Kundgebung an die Gefangenen und Hinterbliebenen: «Unser erster Gedanke gilt nnseren Gefallenen und unseren standrechtli h Gemordeten. Ihnen das Gelöbnis: sie dürfen nicht umsonst gestorben sein. Die Befreiung der Arbeiter« Hasse, für die sie gelebt baden und gefallen sind— sie mutz errungen werden. Das Vermächtnis unserer Toten zu voll- ziehen, den Sieg der Freiheit zu erkämpfe»— das ist die heilige Ausgabe, der wir Ueberlebenden uns weihen. Unser zweiter Gedanke gilt unseren Gefangenen, die in den Gefängnisse» der Henterregierung Dollfutz.Fen schmachten, die, wehrlos und gefesselt, von Hcimwehrbanditen mißhandelt werden. Tie Standgerichte haben Genossen zu Iii, 15 und 20 Jahre» Kerker verurteilt. Es wird viel, viel weniger lang dauern, bis die Dollfutz und Fey selbst in unseren Gefängnissen liegen, vor unsere» Reoolutions. gerächten stehen werden. Unsere Gefangenen so schnell al« möglich zu befreien— das ist die Ausgabe. Unser dritter Gedanke gilt den Witwen und Waisen der Gefallenen, deu Frauen und Kindern der Gefangenen. Tie Arbeiter der ganzen Welt sammeln für sie. Tie Blutregie- rnng erlaubt uns freilich nicht, eine Hilfsorganisation auszu- stellen. Den Opsern trotzdem aus proletarischer Solidarität zu helfen, soweit wir dazu imstande sind, ist sozialistisches Gcwissensbedürsnis." vi« Legitimlsten-Brücke nach Wien Nack) den Meldungen aus Wien scheint es immer gewisser zu sein, daß der Kanzler Dollfutz und vor allein der T,«imwebriübrcr Starhcmbcrg eine Politik einschlagen wollen, die dazu führen soll, den Erzherzog Otto, den Sohn des lebten Kaisers Karl, wieder von seinem Exil, Schloß Steenokarzeele in Belgien, auf den österreichischen Thron zu bringen/ Dollfutz und Starhemberg haben bereit? Fühlung mit den österreichische» Legitimifteu genommen, deren Thronprätcndant schon lange Otto von Habsbnrg ist. Aul der Eisscholle in der polarnadit Sind die 103 sdHlibrOdiiden nassen in reuen? In 6er arktischen Eiswüste, unweit der Rordostspitzc Sibiriens, treiben 10 3 schiffbrüchige Russen, dar- vnter sieben Frauen und zwei kleine Kinder, ans einer Eisscholle gegeu den Pol und warten sehnlichst auf Rettung. Es sind die Mannschaften de» SowjetdampfcrS.Tschelfnfkin", «er vom Eise zerdrückt wurde und sank, und die Besatzung öcr meteorologischen Station auf der Wrangel-Insel. die dort jahrelang von der Zivilisation abgeschnitten war und von der„Tschcljuskin" anlgenommen wnrde. Was suchte dieser Dampfer eigentlich in dieser fernen Gegend des EiSmeerS? Er sollte feststellen, ob die berühmte »N o rbo st passag c" nach dem Stillen Ozean von ge- wohnlichen Frachtdampiern befahrbar sei, und welche Tampiertnpe sich am besten hierzu eignete. Man wußte bc- reits. datz sie Eisbrechern kein großes Hindernis bot: erst im Vorjahre hatte der Eisbrecher„Sibirjakow" eine Fahrt erfolgreich beendet. Aber die Frage der Möglichkeit eines regelmäßigen Frachtdamvkervcrkehrs ent- lang der sibirischen Nordküste harrte der Lösuna. nnd so wurde der Polarforscher Proieiior Otto Schmidt beaui- tragt, die Nordossvassaae mit der„Tscheljukkin" zu versuchen, die in Dänemark aebant worden war und als besonder» krättiaes Schiff angesehen wurde. Die..Tschelwskin" lies am 1«. Juli letzten Jahres nach d-m Polarmecr an». Monatelana kämpft« sich da» Schiff knrch die Barcnts-Tee. da? Karische Meer nnd die Lgptiew ".'c hindurch, Kur? immer nach Osten: passierte schließlich d e Bären-Inseln nnd Kap S-rdze Kamen nnd näherte sich keinem Ziele. Endlich, nach schweren Mühen»nd mannig- soeben Gefahren, schien d^r Erkolg der Erpeditio» gesichert "nä Schmidt konnte bereits hinter dem Kap, in etwa zehn Kilometer Entfernung, das offene Wasser des Stillen Ozeans erblicken. Die Bering st raße war-rreiebt Aber in dZkem Anaenblick erhob sich ein heftiger Südwind,»nd ri»-railnn, der üb-r Nordiapan wütete, dränate gewaltige k^assermallen narb Barden durch die«na« Bertnasiraßr bin. dnech und eine mächtsa, StrNmnna lebt, ein. die da» Eis» sitd durch da» die..Ttrseliuskin" ssch durcharbeitete, mit in Nördlicher Nicht,,»" entiübrie. also zurücktrieb Da» geschah im veraanqenen November. THtker fast der Dampfer im E i se sc st»nd war in stetiger Gefahr, erdrückt zu werden. Die Mannschaft wagte kaum zu schlafen, und alles war ans die Katastrophe gefaßt, die dann auch am 14 Februar eintrat. Gewaltige Eisberge türmten sich an» nnb zerquetsckte» den Dampser wie eine Eierschale. Er versank fast augenblicklich, aber Schmidts erfahrene Mannschaft fand Zeit, fast sämtliche Schisfsvorräte sowie ein zusammenlegbares HanS, den Radtofenocr» Zelte und Schlafsäcke zn bergen. Ein Menschenleben ging jedoch verloren: der Ehessteward Boris Mogilcwitsch. ein alter Polariahrer, verblieb zu lange ä» Bord und wurde, als die „Tscheljukkin" z» kränken begann, von einer fallenden Planke über Bord gestoben. Seither sind 14 Tage vergangen nnd die Lage der Schiff- brüchigen ist. wie ans verschiedenen Nachrichten zu ersehen war, derart schlimm geworden, datz schon in allernächster Zeit mit einer neuen arktischen Tragödie gerechnet werden mutz. Alle Versuche, heißt es in den neuesten pt-Meldungen, die Schiffbrüchigen mit Flugzeugen zu erreichen, sind bisher erfolglos geblieben. ES erscheint fast unmöglich, auf dem zerklüfteten Eis zu landen und noch unmöglicher, dort wieder zu starten. Die mit Hundeschlitten ausgesanbten Rettnngscrpediiionen sind an der EiSbarriere stecken geblieben, und e» ist kraalich. ob sie wetterkommen. Dazu kommt, datz die Scholle täglich etwa 3 Meilen nach Nordosten treibt, was kür die RettungSexpedttion bereits einen Tage?- marsch darstellt. Soweit bis ietzt zu übersehen ist, gibt es nur zwei RettungSmöglickkeiten kür die Rettungseipedition: Solange auf der Scholle auszuharren, bis bei Eintritt des warmen Wetters die Schiffbrüchigen mit ihre» Booten die Küste erreichen können: oder sie werde von einem der aus Kam- t'chatka und Wladiwostok»ach der Berinaice abgcganaenen Dampker gefunden. Die a»? dem Eisbrecher qerettetcn Lebensmittel dürften solanae ausreichen: fraglich ist nur. ob die Scholle die Schiffbrüchigen solange trägt. Moskau, 27. Febr. Tie Besatzung des Eisbrecher»«Tschel. jnsktn" befindet sich nach ihrem letzten Funkspruch in einer erträglichen Situation, s-ie konnte die von ihr errichtete» Schutzbütten vervollkommnen»nd mit Dächern und Fenstern versehen? außerdem konnten sie mit einigem Komfort ausgestattet werden. ES gelang den Schiffbrüchigen auch, etwa 5 Kilometer vom Lager entfernt einen n a t ü r- l i ch e n Flugplatz zu entdecken, der sich für die Landung der Hilisflugzeuge eignet und wohin das eigene Flugzeug des Eisbrechers gebracht wurde. Eine andere Meldung aus Moskau besagt: Die Lage der 108 Männer, Frauen und Kinder, die sich hundert Meilen von der»nwtrtltchen Küste Sibiriens ent- fernt von dem sinkenden Eisbrecher„Tschcljuskin" ans das Packeis flüchteten, ivird täglich verzweifelter und eS scheint, als werde sich hier eine neue arktische Tragödie vollenden. Versuche, die Schissbrüchigen mit Flugzeugen zn erreichen, sind bisher erfolglos geblieben. Es erscheint«»möglich, ani dem zerklüfteten SiS zu landen,»nd noch nnyiöglicher, dort wieder zu starte». Die mit Hundeschlitten ausgesandie» Rcttungscxpcditionen sind an der Eisbarriere steckengeblic- ben und eS ist fraglich, ob sie weiterkomme». Denn ganz abgesehen davon, daß die zur Verfügung stehenden samoje- tischen Hunde nicht so geeignet sind wie die kanadischen nnd grönländischen Schlittenhunbe, bedarf eine solche Rettung vo» über hundert Personen sdarnnler Frauen»nd Kindcri einer sehr viel größeren Vorbereitung und einer sehr viel besseren Ausrüstung, als sie in den einsamen Polarstationen zur Verfügung stehen. Dazu kommt, daß die Scholle, aul der die Schiffbrüchigen sich gerettet haben, täalich etwa drei Meilen»ach Nordosten treibt, Iva» kür die RcttungSerpedi- tion bereits einen Tagesmarsch darstellt. Soweit bis jetzt zu übersehen ist. acht es nur zwei R c t t u» g s in ö g l i ch? ketten für die Expedition: die erste ist, daß die Schiff- brüchige» solange ans ihrer Scholle ausharren können, bis sie bei Eintritt des warmen Wetters in ihren Booten die Küste erreichen können: das bat allerdings zur Boraus- sctzling, daß die Boote deS„Tsmelinfktn" gerettet worden sind, worüber keine bestimmte Meldungen vorliegen. Die zweite Möglichkeit ist. daß sie von einem aus Kamtschatka und Wladiwostok nach der Berinasee abgegangenen Dampfer geinnde»'verde». Die aus dem Eisbrecher geretteten Levens- mittel dürften solange ausreichen: fraglich Ist nur. ob die Scholle die Schiffbrüchigen solange trägt. Trotz Radio, trotz Fkugzcng und anderen Errungenschaften der Zivilisation kann norläukia niemand diesen hundert Menschen in der arktischen Nacht Helten Wenn die Natur nicht Hilst, wenn da» Sio nicht früh aufbricht in diesem Jahr, dann sind sie verloren. Deutsefke Stimmen•(Beilage rar„Beutsehen Freiheit"• Ereignisse und Qesehiehten Freitag, den a. M»r« 1934 Chaschpec Jbünziis Jladia Bas JUachtexempiae V)ie et einen„Juheet" Aöcte In der holzgetäfelten Bauernstube de* Bauern Chaathper ßünzli in Mettelfingen in der Schweiz saß der Bauer mit Frau und Gesinde beim Abendbrot. Mitten auf dem runden, weiß gescheuerten Tisch stand, für alle gleich gut erreichbar, die braune, irdene Milchschüssel, in die jeder nach eigenem Geschmack und Bedarf mit seinem Löffel hineinlangte. Um die Schüssel herum lagen heiße Kartoffeln, die die Bäuerin soeben aus dem offenen Herdfeuey auf den Tisch geworfen hatte. Knusprig geröstet, lockten sie fast, mit der Schale vermehrt zu werden. Aber die Schweine hatten auch ein Recht auf Lechenbissen in Mettelfingen und so zogen die Bauersleute am Tisch den dampfenden Kartoffeln die leicht angekohlten Gewänder im Interesse der Schweine ab. Dafür löffelten sie um so beherzter den dicken gelblichen Rahm ag* der Milchsatte. Keiner sprach ein Wort. Was zu reden war, hatte man sich auf dem Heimwege von der Arbeit getagt. Reden war ohnehin nicht Sache des Schweizer Bauern. Manche hielten ihn für dumm deshalb und fühlten sich bemüßigt, das wortkarge Gehabe mit umso größerem Redefluß zu füllen.„Löli!" dachte sich dann der Bauer und verschanzte sich hinter noch bedeutsamerem Schweigen. Aber, wenn er auch nicht gerne Red und Antwort stand, *6 war der Chaschper Bünzli, als echter Typ eines Schweizer Bauern, um so listiger dahinter her, zu sehen und zu hören wag der Andere tat. Früher hatte ihm das Abendblättchen genügen müssen, wenn er erfahren wollte, was so etwa in der Welt geschah. Dann war mit einem Male der Radio da. Da» war ein Staunen und ein verteufeltes Zeug gewesen, bis m*u im Hause Bünzli den Apparat zu behandeln verstand- Mit der Zeit hatte man* begriffen und nun war es schon lange usus geworden, daß man zum Abendessen das melodische Glockengeläuts aus der Stadl als Tafelmusik in der einsam zwischen Matten und Berghängen liegenden Bauernstube einfing. Darüber hinaus kam dann hin und wieder ein„Politischer" zu Gehör. Aber das meiste, was so einer tu sagen hatte, war dem Chaschper Bünzli schon zu viel. Seine Politik hieß Arbeit, Fleiß, Pflichterfüllung und das blieb für ihn so, ob die Freisinnigen, die Sozi, oder wie sie immer hießen, am Ruder waren. Schenken würde ihm keiper was. Er mußte sich alles selbst erarbeiten. Außerdem forderten seine Kühe, seine Schweine, seine Felder, seine Wiesen seine ganze Urteilskraft. Für ihn war nur wichtig, daß'sie Frieden hielten, die da draußen, die die Welt zu verbessern suchten. Und eben des Friedens wegen begann Chaschper Bünzli aufzuhorchen, wenn in jüngster Zeit von einem gewissen Adolf Hitler in Preußen draußen die Rede war. Ihm sagte man nach, daß er zum Krieg vorbereite. Preußen war zwar weit und ging Chaschper einen Dreck an. Aber immerhin, Krieg war Krieg. Außerdem redete der Hitler ja auch in Bauernangelegenheiten hinein. ,.Da muß me doch emal lose, was dä z'verzelle weiß.", Damit hatte Chaschper beschlossen, nach den Abendglocken eine Rede von Adolf Hitler abzuhorchen. Frau Bünzli war gerade im Begriff die Kartoffelschalen in ihrer Schürze zu sammeln, um sie den Schweinen hinauszutragen, als es laut und deutlich aus dem Radio klang: „Achtung! Achtung! Wir übertragen jetzt die Rede des deutschen Reichskanzlers Adolf Hitler, der..." Rumpumpum, kratsch... „Der Apparat streikt" Ein Knecht, der sich auf seinen technischen Kenntnisse etwas zu gute tat, war hinausgesprungen und schraubte wie besessen an der Ausgleichungsachraube. „I love you... I love you..klang eine schmalzige Jfereminade aus dem Mikrophon. „Du bischt ja im Wälsche", wies man den Knecht zurecht. -. nossen und Volksgenossinnen..." „Heb still, da häscht en!" schrie der Bauer. Brrrrr, rrrm, rumm, pumm, pumm. „Es gewittert", sagte die Bäuerin. „Ae kä Scfapur, das sind die Großstadtgeräusche", packte der andere Knecht seine Weisheit aus. „... als ich Ihnen seinerzeit mein Programm...." „letzt geht's los." Rummpumpum, schon war neue* Getöse im Apparat. Da half auch der andere Knecht den Apparat regulieren, wobei sie über England, Frankreich, nach Italien und Oesterreich, nur nicht nach Deutschland kamen. Auf einmal aber Bit Jtapp&utisse „Stände weg. /ton£angemacck M Karl Ranseh, der Herausgeber der„Literarischen Welt", Berlin, gehört zu jenen Leuten im„dritten Reich", denen ab und zu die Galle überläuft. Wir haben kürzlich ein Donnerwetter zitiert, da* er in der Zeitschrift„Die Tat" gegen die„vermotteten Nichtskönner" los ließ, die sich heute in der deutschen Literatur breit machen. Daß im Schrifttum des„dritten Reichet" krumme, schiefe, verbogene, verlogene Gewächse üppig emporschießen müssen, weil sie von höchster Hand liebevoll gepflegt werden, hat Karl Rausch zwar vermutlich nicht erkannt, sonst könnte er wohl keine gleichgeschaltete Literaturzeitschrift herausgeben(oder könnte er doch? Worüber regt er sich dann auf?), aber wenigstens packt ihn ab und zu die Wut und— bis der Zensor ihn beim Kragen nahmen wird, läßt er seine Wut drucken. So in der„Literarischen Welt", Jahrgang 1934, Nr. 3. Er schreibt da in einem Aufsatz„Hände weg von— Langemarck!": „Das Preußische Theater der Jugend in Berlin spielt in diesen Wochen ein aus zwei Stücken verschiedener Autoren zusammengeschmiedete* Drama„Langemarck". Der dich- teriseheWert des Ganzen ist o h n e B e I a n g. Bühnenleitung und Inszenierung bemühen sich mit vorzüglichem Können, obwohl es nirgends gelingt, die undramatische Breite, Pathetik und Rhetorik des Textes durch die Darlöste sich aus dem Wirrwarr eine etwas schwere Zunge, von der man zunächst nicht recht wußte, ob sie deutsch oder ein östliches Idiom sprach, ab. .. Nur wer das Volk, das—» ge— samte—- Vo— olk hin— ter— sich— hat „Jetzt häm'ern", frohlockte der Bauer und legte die Hand hinter'* Ohr. „... weiß was es heißt einen Streit vom Zaune..." Neue Geräusche unterbrachen den Satz. „...diese Volksgemeinschaft ist gleichzeitig die beste Garantie für den Friedenswi.. Pschiiiih, Uiiiii, Ui! „Caibe Züg, es gid eifach kei Z'ämmehang." „...Muß das Volk blind— lings— mit Leib— und Se— ele." Pschiiib, Uiiii, Ui! schmollte abermals der Apparat. „... Interesse des Staates zu— o— opfern— be— reit sein!" Immer lauter schrie der Redner, als wollte er die störenden Geräusche übertönen.. „Wje dä brüollet", bemerkte Frau Bünzli.„Mir brummt de Grind. Ich cba das gar nüd g'höre." Damit stand sie auf, ihre Kartoffelschalen endgültig in den Schweinetrog zu tragen. ,,... Nicht alle, die wir hier versammelt sind, sind wahre Nationalsozialisten. Aber wir müssen darnach trachten, daß aus dem Lippenbekenntnis..." Rumpummpumm. „Heil Hitler!", schrie man, aber der Apparat übertönte brummend und knurrend das Getöse. „Jetzt han ich öpis verschtande", sagte der erste- Knecht. „Si händ heil g'rüöffet." ,,... und wie wir diese Fahne einst hinausgetragen haben au> dem Saal hier, in dem ich heute zu Ihnen spreche, hinaus —-in— das— deutsche Reich!! so werden wir sie hinaustragen in— die— Welt. Heil! Heil! Heil!" „G—hörscht, schon wieder heil", freute sich der andere Knecht, daß er auch etwas begriffen hatte. „Ja, wil' er Pf ahne use träge will i d'Wält", belehrte der erste. „Wän ich nu wüßt, was dje Fahne dem Fride nütze sött", überlegte der Bauer. Aber, war es nun der Apparat oder der Wortschwall des Redners, kein einziger Gedanke wurde klar. Der Apparat knarrte, quitschte, donnerte und pfiff wie ein Verrückter und wenn er ein Wort deutlich werden ließ, war es„Völkisch",„Nation",„Rasse",„Deutschland". Auch ein politisch Versierter konnte aus diesem Vokabularium keinen Sinn zusammenreimen. Als der Bauer es schon aufgeben wollte wurde die Wortwiedergabe plötzlich wieder klar. Deutlich sagte der große Redner: „Man macht uns oft den Vorwurf, daß unserer Bewegung die Köpfe fehlten. Aber(die Stimme hob sich bis zum Ueber- schreien) ist es nicht besser— an Stelle von Köpfen—— das Volk—- das gesamte— einige— Volk ohne Köpfe—— hinter sich zu haben...?" Fi, fiih, fiiihhi, rummpummpumm, fih, quittierte der Apparat pfeifend und heulend diese Weisheit, die er boshafter Weise deutlich wiedergegeben hatte. „Jetzt han ich g'nueg", sagte der Bauer.„Sepp dreh' ab." Eiu Knacks und der fauchende und pfeilende Apparat stand wie ein auf den Kopf geschlagener heulender Hund zu tödlichem Schweigen verurteilt da. „Volk ohne Köpfe!" sinnierte der Bauer.„Ich ha immer g'meint en Mansch sig tot, wänmer em de Chopf ab- schlaet." Als der Bauer schon zu Bett gegangen war, versuchten die jungen Knechte noch einmal die Rede einzufangen. Indessen, der Apparat, als ob er eigene Urteilskraft habe, weigerte sich konstant den Redefluß des Redners zusammenhängend wiederzugeben. Es blieben Worte, leere, sinnlose Worte, die endlich mit dem Rufe„Sieg Heil! Sieg Heil! Sieg Heil!" in den scheinbar einzigen Zweck, den donnernden Applaus eines unter Suggestion stehenden kopflosen Volkes auszuarten.— Aber— diese* hemmungslos johlende Sieg Heil schlich sich wie ein giftiger Bazillus in die Träume der urteilslosen, jungen Knechte hinein.— Sab*. Stellung zu überwinden. Frisch, verwegen und temperamentvoll sind lediglich die beiden englischen Bilder, die vier deutschen Szenen sind angefüllt mit Ansprachen und Reden, deren Unwirklichkeit und Unglaubhaftigkeit nur hie und da für einen lichten Moment durchbrochen sind. Diese Redseligkeit widerspricht durchaus dem heilignüchternen Geist des Aufbruchs von 1914 und erscheint sehr viel mehr aus der Redebesessenheit von 1933 geboren. Diese Jungen vom August 14 haben bestimmt sehr viel weniger geredet... Und das Theater dient in keiner Weise der Weitergabe des Langemarckgeistes, sondern versündigt sieh an dessen unsterblichem Vermächtnis, wenn es stürmende Knaben in Feldgrau über Pappkulissen hinweg da» Deutschland- lied fingen läßt, während die zuschauenden Kinder— zehn- bis siebzehnjährige— den Lärm der angedeuteten Schrapnells und Maschinengewehre als ein Wildwestgaudi empfinden und ins Sterben auf offener Bühne hineinlachen, als sei das Ganze ein toller Karl-May-Film. Hände weg von Langemarck!...." Sie werden die Hände nicht wegnehmen, sie denken gar nicht daran! Die„Redebesessenheit von 1933", der blutige Kitsch und Schwulst werden erst mit dem„dritten Reich" zugrunde gehen.'> Den Krieg durchfocht er als Franzosentöter in der Etappe. Gott erhielt ihn heil. Nach Achtzehn wurde er erst rot, dann röter und nahm an jedem Antikriegstag teil. Doch dann besann er sich auf seine Taten und schrie im Frontbund feste mit hurra, dann ließ er sich vom Prokuristen raten und ging als Fahnenträger zur SA. Auch im Betriebe trat er in Erscheinung, er war ein treuer Knecht, der niemals schlief, verfochten die Kollegen eine Meinung verhalf er ihnen prompt zum blauen Brief. Im Jahre Dreiunddreißig avancierte der Heldenjüngling plötzlich über Nacht, er spitzelte, er log und denunzierte und hat es seither herrlich weit gebracht. Dem Prokuristen, der ihn einst gedungen, hat er gezeigt, was eine Harke ist, er hat den Judenstämmling kühn bezwungen und heute ist er selber Prokurist. Auch Sturmbannführer ist er längst geworden, ein Kerl, der blonden Mädchen wohlgefällt, beim Menschenschinden. Schießen, Prügeln, Morden erwies er sich als guter Christ und Held. Wenn er einst stirbt, setzt Göbbels seiner Tugend ein Denkmal, drauf ein jeder lesen kann: „In seinem Geist erziehen wir die Jugend, heil ihm! Er war ein rechter brauner Mann." Munin. Ausqespetcte JCotteqinnen Die„Deutsche Presse", das offizielle Organ des Reichsverbandes der Deutschen Presse E. V bringt in ihrer Nr. 8 vom 24. Februar 1934 unter der Rubrik„Deutscher Presseklub" folgende Notiz: „Die Frauengruppe Berlin im Reichsverband der deutschen Presse trifft sich an Klubabenden, Dienstags ab 20.30 Uhr, im Haus der Presse an den von der Frauengruppe belegten Tischen.— An den Klubabenden, die den männlichen Kollegen vorbehalten sind: Treffpunkt nicht im Hause der Presse, sondern in einer Weinstube. Am 27. Februar ab 20.30 Uhr Straße. Männliche Kollegen willkommen." Das bedeutet also, daß die Journalistinnen, die durch ihr« Mitgliedschaft im Reichsverband ebenso wie ihre männlichen Kollegen das Recht auf die Mitgliedschaft im Presseklub automatisch erworben haben, an gewissen Abenden das Klubhaus nicht betreten dürfen. Es handelt sich dabei um di e „Kameradschaftsabende ohne Damen" bei denen„Uniform oder dunkler Anzug" vorgeschrieben ist. Eine sonderbar« Kameradschaft, die weibliche Arbeitskameraden einfach vor die Tür setzt! Und diese Kolleginnen beschämen die allzu exklusiven Männer durch ihre Großzügigkeit, denn sie erklären ausdrücklich, daß männliche Kollegen in der Weinstube willkommen sind. Ob es aber einen männlichen Kollegen gibt, der es wagt, dem Kameradschaftsabend fernzubleiben, um im Kreise der ausgesperrten Klubkameradinnen wirkliche Kameradschaft zu beweisen? L. A. TDundmaMe Christi Zeitgemäße Schmisse für Theologen Im Zusammenhang mit dem erwarteten Anschluß verschiedener alter schwäbischer Korporationen an die großen schlagenden Verbände, sind, so teilt die„Frankf. Zeitung" mit, Bestrebungen im Gange, die württembergische Landeskirche zur Aufgabe ihres(sonst von keiner anderen Landeskirch« vertretenen) Prinzips zu veranlassen, daß Theologen mit Mensurnarben nicht zu den Geistlichen bestellt werden dürfen. Diese Meldung hängt zusammen mit der Auffasssung de» nationalsozialistischen Juristenbundes über Schlägermensur und den„Geist der Kirche":„Die nationalsozialistische Regierung hat zur Freude aller deutschen Studenten die Strafbestimmungen über das Verbot der Schlägenmensuren aufgehoben. Nur die Württembergische Landeskirche vertritt den Standpunkt, daß der Student, der Mensurnarben hatte, als Pfarrer unmöglich sei. Das kann nicht mehr aufrechterhalten werden, weil die Schlägermensur zum erlaubten Sport geworden ist und mit der Glaubensbewegung„Deutsche Christen" ein neuer, käpjerisdter Geist in die deutsche evangelische Kirche seinen Eintritt gehalten hat." Zeit=7loti Varna. der Direktor des„Casino de Paris", hat Marianne, angeblich wegen ihrer Aehnlicbkeit mit LiLsu Harvey, engagieret) wollen, und ein Agent hat sie an Dubarry geschickt. Dieser gewichtige Freund Staviskys gab ihr eine Empfehlungskarte an den damaligen Arbeitsminister Albert Dali- mier mit. Im Arbeitsministerium wurde sie durch einen kleinen Herrn empfangen, der' eine»"Zigarette nach dar andern rauchte. Dies war. der Herr., der a|le Arbeitskarten für die ausländischen Artisten im„Empire" ausstellte. Er schickte sie an den Ausländer-Dienst in der rue Vaugirard wo die üblichen Formalitäten einschließlich der ärztlichen Untersuchung vorgenommen wurden. .Marianne Kupfer erlebte dann allerdings doch keine Karriere in Paria, weil ihr Akzent zu deutsch war. Sie ging nach London, und'ist jetzt, wie man weiß, nach Paris zurückgekehrt, gerade In dem Moment, in dem die Beschuldigung der-L p hon a g e gegen die Stavisky-Clicpie und sie erhoben -wird. Seltsamer Weise sind jetzt die, Em p fe h 1 u ü g s- schreiben aus dem Arbeitsministerium verschwunden, hur die Arbeitskarte selbst ist noch da. Bekanntlich Zeichen die Beziehungen der beiden Schauspielerinnen Rita Georg und Marianne Kupfer sehr weit und die des ihnen befreundeten..Wiener Industriellen Bach-Bauer bis zu einer früher der d e u. t>s eben Bo.ticha fct in Pari,, jetzt der WUhelmstraße zugehörigen Dame und ihrem Ehemann. Das geheimnisvolle schwarze Auto Ein. schwarzes Auto, das in der Nähe des Bahndamms in der lS r ähe der Mordtat mit abgeblendeten Lichtern gewartet haben soll, erregt stark die Gemüter. Verschiedene Personen haben dieses schwarze Teufelsauto gesehen, aber seihe Nummer ist anscheinend nicht gaiiz richtig notiert. Wer beschreibt den Strecken, als jetzt ein Telefonanruf kam. das schwarze Auto sei in Paris eingetroffen Sofort waren zwei Polizeibeamte hinterher, aber es»teilt sich heraus, dgß das verdächtige Gefährt einem harmlosen Pariser Geschäftsreisenden gehörte, der als Vertreter einer Firma in der Provinz gewesen war und'sicherlich am Mordtage nicht in der Nähe des Bahndamms weilte. Auch seih Wagen hatte ganz wo anders die'Gegend nach Kundschaft abgegrast.' Berlin schreibt an den schönen Alexander? Andererseits hat die mit der Untersuchung vorwiegend betraute Polizei,.die staatliche Surete Generale,, die in einer Seitenstraße des Faubourg St. Honore ihren Sitz hat, zwei Briefe abgefangen, die aus Berlin an einen Herrn Alexander gerichtet sind. Die Briefe waren an das Postamt in der rue de la Boetie. der bekannten durch Kunsthandlungen ausgezeichneten Straße in der Nähe der Champs Elysees, gerichtet. Die Kommissare beschlagnahmten die beiden Briefe, legten sie unter Siegel und sandten sie nach Bayonne an den Untersuchungsrichter, der sie wohl öffnen wird;-■■, a-, m -- Rund um die„Affäre"■ Dleöesdildife einer Arbeitskarte Dem deutschen Flüchtling, auch dem politischen, ist es bekanntlich äußerst schwer, die.icarte de travaiT' zu erhalten, ohne die man in Frankreich nicht arbeiten kann. Anders Marianne Kupferi Nach ihren eigenen Erklärungen hat diese Schauspielerin, die-einst in Berlin sehr viel von sich"reden machte, weil aie in einer Wedekind-Rolle nackt auftrat, ihr Arbeitspapier durch'Vermittlung des bekannten Dubarry erhalten, des hitlerfreundlichen Leiters der„Volontö", der jetzt in Bayonne in der Villa Chagrin sitzt.' An unsere '•SWWi 8t»f /.l-.-fl i^y.'•«.f'-?!"V•••«V.r' yj/.ä Wir erhalten in letzter Zeit-Beschwerden da * WBet, da« die ,,l*nneh#-Tr#thvit- entweder- "'"' verspätet oder auch gar nicht ankommt. ,Wir bitten alle Beschwerdeführer, sich an -„ ihrem Ort mit der Post oder der Bahn in ■ v.. Veroindpng zu setzen, dz von Saarbrücken ' aus die Zeitung nach wie vor pünktlich ieden. Tag abgeht: An der Post oder. Bahn des Aufgabe-Ortes liegt die Verzögerung nicht, davon konnten wir uns überzeugen'. :-".c- X»\-•";-• V..;:.r- Verlag der,, Deutschen Freiheit 4 '« OS 7V* »>, ~*T" Pariser Theaferbrlef In einzelnen Fragen der Rollenbesetzung haben sich im Bühnenleben Frankreichs sonderbare Traditionen fortgeerbt, und ihre dringend erwünschte Beseitigung stößt gelegentlich auf Gegenargumente, die eines Scheines der Berechtigung nicht immer entbehren. Aus Gründen der„Dezenz" bat vor einigen Jahren die ^Comedie-Fran^aise" den„Lorenzaccion" Alfred de Musset» durch eine üppige Fünfzigerin interpretieren lassen, weil die berühmte Bett- und Mordszene—— im Augenblick, wo sie durch zwei Männer gespielt wird— den Anstandsbegriffen einiger ergrauter Abonnenten und einiger angelsächsischer Touristinnen hätte zuwiderlaufen können. Mit etwa sechzig Jahren hat um die Jahrhundertwende die„göttliche" Sarah- Bernhardt die Rolle des Herzogs von Reichstädt in Edmund Rostands sedisaktigem Versdrama„L'Aiglon"(Der junge Aar) gegeben, und heute noch blickt jede bekanntere Tragödin, die auf dieses Alter zusteuert, mit aufrichtiger Entrüstung auf einzelne junge Bühnenkünstler von Rang die ihrerseits glauben, daß es ihr Recht sei, den unglücklichen Sobn des korsischen Kaisers auf der Bühne darzustellen. Als zu Beginn des vorigen Jahres die Uraufführung des ,cM a r n e"• Drama» von Raynal bevorstand, habe ich* mich vergeblich bemüht, den großen Dramatiker von seinem Vorhaben abzubringen, die wichtige Figur des französischen Knaben durch eine Frau spielen zu lassen. Raynal erwiderte, ihm sei kein jugendlicher Interpret bekannt, der dieser Rolle Schwierigkeiten gewachsen sei, und daher halte, er ihre. Wiedergab« durch eine Frau für das geringere Uebcl. Der Wille des Dichters ist bei der Uraufführung respektiert worden. Marie Bell rechtfertigte zudem in weitestem Maße das Vertrauen, das in sie gesetzt worden war. Obwohl sie sich aber in einer fast unüberbietbaren Weise mit ihrer Aufgabe abgefunden hatte, haben mir der Autor und, insbesondere, der Leiter der^.Comedie-Fran^aise, Emile Fahre, die Richtigkeit meiner Einwendungen bestätigt, und Jean W• b e t ist au»ersehen worden, am von Marie Bell, im Falle einer Umbesetzung, die fragliche Knabenrolle zu übernehmen. Jean Weber ist der sn Jahren jüngste Sorietaer der„Go medie-Frsnpsise", den seine einzigartige Begabung zu einer ungewöhnlichen Laufbahn prädestiniert bat Da seine reichen Möglichkeiten im„Hause Molierea" nur unzureichend ausgewertet werden und da die„Comeclie-Franpaise"' für die meisten Werke Rostands das Aufführungsrecht nicht besitzt, zieht er als Star eines Ensembles des„Theatre de la Porte- Saint Martin" zur Zeit durch Belgien und die französische Provinz, und die Pariser müssen nach Versailles fahren, wenn sie ihren bewunderten Liebling als Herzog von Reichstadt bejubeln wollen. Es entbehrt gewiß nicht der Pikan- terie, daß ausgerechnet die Bourbonenstadt Versailles zum Schauplatz dieser Kundgebungen geworden ist. Trotz der unsagbaren Minderwertigkeit der Truppe, die ihn umgibt, und trotz unzähliger Unarten, von deren er sich als Zentralfigur einer regielosen Tournee nicht freigehalten hat, beweist Jean Weber als Mittler von Rostands„L'Aiglon" erneut seine ungeheure Begabung: er zeigt daneben auch, daß dieses Werk des zu Lebzeiten überschätzten und heute vielfach über Gebühr bespöttelten Autors Theaterqualitäten in sich trägt, die nicht mit einer, Handbewegung abzutun.sind. Im übrigen haben die letzten politisch bewegten Wochen auf dem Gebiet des Pariser Theaters kejn Ereignis von Belang gezeitigt. Banale Satiren auf die Korruption der Politik lind der Justiz verpufften vor jedem Blick in die sensationsgeladenen Spalten der Zeitungen. Und Stücke von L uuii Verneuil sind Angelegenheiten des Kassenberichts und der Tantiemen-Verrechnung, über die der Kritiker selbst dann nicht, näher gu berichten braucht, wenn sie durch Harry-Baur und Alice C'ocfa mit unüberbietbarer Meisterschaft interpretiert werden- Die.bevorstehende Aufführung von Bruck n.e r»„Rassen" im„Theatre de l'Oeuvre", die auf den 7. März angesetzt worden ist. wird den Reigen der. wichtigen Premieren wieder eröffnen. Bald darauf folgt in der„f. o in e il i e de» Cham p.»- E ly* e e a".. das. neue Stück von J r l n... Cocteau.. Von recht erheblicher Bedeutung für das Pariser Bühnenleben dürfte weiterbin die f rage werden, ob im„T h e a t r e A n t o i n e", das jüngst zur V ersteigerung' stand, tatsächlich eine Leitung von R e n d Rocher und Andre-Pau! Antoine ans Ruder gelangen wird, dem., der greise Grün der des traditionsreidben Hauses, Andre Antoine, der Schöpfer des„Theatre Libre", seine tatkräftige Mitwirkung gewährt. Bekanntlich war Antoine vor einigen Jahren zum künstlerischen Leiter de»„Theatre Pitzalle" ersehen worden, und sicherlich hätte er dem Rofhschiidchen Prunkbau zahlreiche Fehlschlägt erspart. Auch heute noch dürften das Prestige und die uiigeminderte Begeisterungskraft dieses fast achtzigjährigen edlen Künstlers nutzbringender Einwirkung auf das Geschehen einer Bühne fähig sein. Nur neigt man im französischen Theater— wie in der Politik— gelegentlich zu der Frage,, wann endlich»ich der Nachwuchs melden vrird. Hans-Adalbert v. Maltzabn. Woßfen Sie, ... daß die älteste reftnanische Sprache-die„Langete d oe" ist, die Sprach« der Troubadours deren Pflege von der.„.Aca- demie des Jeux floraux" in Toulouse betreut wird? Noch heute werden von dieser Akademie, der ältesten ihrer Art in Europa, den Dichtern für die besten Werke in französischer Sprache und in der Sprache der Languedoc aus Gold oder Silber geformte Blumen als Preise überreicht. ,,. daß der größte.. Handelshafen Frankreichs nicht am Meere, sondern an der Seine liegt, nämlich R o u e n. die Hauptstadt der Normandie? Die Stadt, auf deren Marktplatz.am 3Qt Mai.1431 die Jungfrau von. Orleans verbrannt worden ist, ist ein« der großartigsten Kunststädte Europas. ... daß. es noch.heut eine vollkommen befestigte, von dop weitem Wall umschlossene und von 52 Türmen verteidigte ■Stadt gibt, an der al|e Epochen der Geschichte, seit d' n Römern gebaut haben? Dieses Stadtwunder, einzigartig in Europa,.ist C.a rcassone am.Fuße der Pyrenäen. ... daß es einen Gebirgskurort gibt, dessen mittlere Tages- temperatur auch in den kältesten Wintermonaten nicht unter 8 bis 10" C fällt? Dieser Kurort dfrer. die nicht frieren wollen und das genügende Geld baben. ist P a u in den Pyrenäen, auf dessen Hügeln die Palmenhaine gedeihen. .. daß die„Stadt der Seeräuber" Saint-Mali» in der Bretagne. Hafen und Seebad zugleich, nicht nach einem dieser kühnem Abenteurer des Meeres, sondern nach dem Gambern Apostel Mac Law benannt worden Ist? Er bat die noch beut vollkommen befestigte Felsenstadt gegen die Höllenmaschinen der engtischen Rothemden verteidigt. Und soeben fand in dieser Stadt der berühmte diesjährige„Pardon" vor dem Auslaufen der Fischerflotte statt. Pariser Berichte Nodi eine öerhort llaupfmann-reler Die ursprünglich auf den 10. Februar angesetzte Veranstaltung des Deutschen Klubs, die infolge der bekannten Ereignisse verschoben werden mußte, findet nunmehr bestimmt am Samstag, dem 3. März, ab 21.30 Uhr im Hotel Littre, 9, Rue Littre(am Bahnhof Montparnasse), statt. Fräulein Julia Marcus, früher Solotänzerin an der Berliner Stadt. Oper, die in Warschau im Juni 1933 den ersten Preis für Grotesk-Tänze erhielt, tritt bei dem Maskenball vom 3. März, zu dem Gäste gerne willkommen sind, mit folgenden neuen Tänzen auf: Walzer 1934, Heiratsannonce, Gandhi und der britische Löwe, Noch eine Gerhart-Hauptmann-Feier! Eintritt für Mitglieder kostenlos, für Gäste 15 Fr.(für Stellungslose 6,75 Fr.). Karten nur an der Abendkasse. H. v. Gerladi Ober die Kriegsgefahr Im Deutschen Klub sprach Hellmuth von Ger I« ch vor vollbesetztem Saale über die Kriegsgefahr: Die Aussichten einer Erhaltung des Friedens seien noch zu 51 Prozent vorhanden. Viele raeinen, Asien wäre jetzt am gefährlichsten, und ein Krieg zwischen Japan und Rußland könne sich auf andere Erdteile ausdehnen. Doch wird Rußland wohl kaum Krieg führen, wenn es nicht dazu gezwungen wird. Auf dem Balkan ist jetzt seit Abschluß des Balkanpaktes ein beruhigtes Klima., Die einzige Kriegsgefahr sei Hitler-Deutschland, ■weil es Forderungen erhebt, die nur durch Krieg durchgesetzt werden können. Der französische Leser des Buches ,.M e i n Kampf", das jetzt glücklicherweise ohne Hitlers Erlaubnis in französischer Sprache erschien, wird überrascht sein, wenn er sieht, daß dieses Buch von hinten bis vorn ein einziger Haß-Schrei gegen Frankreich ist. Hitlers Auffassung nach muß Frankreich nicht nur besiegt, sondern vernichtet werden. Das ist nur durch Krieg möglich. Mussolini ist ein leidenschaftlicher Italiener und Patriot, aber er verwirft die Rassentheorie und hat sich bei einer Audienz mit dem Oberrabiner von Italien sogar darüber lustig gemacht und sie einen Rückfall in die Barbarei genannt. Hitlers Rassentheorie wirkt auch auf seine Außenpolitik und ist deshalb doppelt gefährlich. Nur aus Nervosität heraus könne ein Krieg zur Tatsache werden. Man hat oft gesagt, die Zeit arbeite für Hitler. Der Redner glaubt nicht, daß dies der Fall ist. Immerhin seien die vier Jahre, die Hitler für seinen Vierjahresplan verlangt hat, wahrscheinlich ein Zeit-Minimum für seine Herrschaft. In der Diskussion sprach der frühere Universitätsprofessor Marek, der darauf hinwies, nicht der Krieg, sondern der Verlust der Freiheit könne das größte Uebel sein. Danach sprach Dr. Rudolf Breitscheid. Das zentraleuropäische Problem sei äußerst wichtig, in Oesterreich liege eine Kriegsgefahr allerhöchsten Grades. Keine Regierung der Welt habe Hitler ein größeres Entgegenkommen gezeigt als M a c d o n a I d und Sir John Simon, vielleicht der unfähigste Außenpolitiker, den das britische Weltreich je gehabt habe. Im Schlußwort machte Herr von Gerlach sehr interessante Ausführungen über die englische und österreichische Politik. Keine Ausländer Steuer Der französische Senat hat die Steuer von 10 Prozent, die nach dem Vorschlage des Finauzgesetzes von ausländischen Arbeitern erhoben und vom Unternehmer bezahlt werden sollte, gestrichen. Der Beschluß ist natürlich von großer Bedeutung für alle ausländischen Arbeiter, die eine(in Frankreich allerdings sehr schwierig zu erlangende) Arbeitskarte besitzen. Man muß sich erinnern, daß der Zweck des Finanzgesetzes die Herstellung des Gleichgewichts im Staatshaushalt ist. Ob die Frage der Beschäftigung von Ausländem angesichts der unter den Franzosen selbst bestehenden Arbeitslosigkeit aber trotz des Verschwindens der von der Kammer genehmigten 10-Prozent-Steuer nun günstiger wird, ist eine Frage der Polizeipraxis. Immerhin sollte die Verwaltung und das Arbeitsressort sich dann der Einstellung Deutscher gegenüber günstig verhalten, wenn es sich um neue von deutschem Kapital gegründete Unternehmungen handelt, die in ihrem Produktionszweig eine Lücke der französischen Volkswirtschaft ausfüllen Wie neulich von unterichteter Seite mitgeteilt wurde, hat ein deutscher Unternehmer für die Errichtung eines Großunternehmens die Beschäftigung von 50 Prozent Deutscher zur Bedingung gemacht, ohne auf Ablehnung zu stoßen. Solche Ausnahmen sind hervorzuheben. Wichtig ist ferner, daß der Senat auch die neu vorgeschlagene Konsumvereins-Steuer ebenfalls beseitigt hat. Die Rückvergütungen der Cooperativen bleiben steuerfrei. Ebenso wurden die Einheitspreisgeschäfte, und zwar mit ausdrücklicher Betonung der Interessen der Konsumenten, nicht der neuen Sondersteuer unterworfen, obwohl extra eine scharfe Agitation in dieser Richtung, besonders von neuen antisemitischen Blättchen hitlerscher Observanz, getrieben war. Eine neue Besteuerung der Wertpapiere, die sogenannte carte d'identite fiscale, wurde beibehalten, allerdings mit dem Zusatz, daß das Datum des Inkrafttretens zum 1. April aufgehoben und der Regierung der Zeitpunkt überlassen wurde. Ebenso wurde die allgemeine lOprozentige Erhöhung der Einkommensteuer für das laufende Jahr geschluckt. Schließlich erhielten die Konsumenten noch ein Geschenk vom Hause der Senatoren bei den Beleuchtungskosten. Die vorgesehene Sondertaxe auf Gas und Elektrizität und die Sonderreglung für Wachs- und Talglichter wurde abgelehnt, um keine neue Verteuerung des Lebens der Be- yölkerung eintreten zu lassen.,•, Deutsche Poliklinik ■I Allgemeine KonsultaHonen«t 9 Spezuü««,. b) Chirurgie c) Geburtshilfliche Klinik d) Zahnärztliches Kabinett Inner« M.dixm. Augen-, Ohren. Nwen. and Kthikcpflttink. Zww»t&cki(;t^San»torinra»gebhKle. Viratdckige. Gibiudt. Zimmtr Zshn- and Mundchinugi«. Gold- aeiten. Röntgen, Diathermie. Hdttrotherap.e Spauibthand. Kleine, mittlere und groß. China. mit 1 hla ♦ Betten. J Aente, 3 Heb. und Ponellankronen.-Brücken Ions bei Blut.. Harn. u. Geachlechukranklieites tk Du allermodemtteEinrichtung ammen und 2 Operation,tila. KatrUchuk.Arbeiten Ordination tKgllch von 9—12 und 2—8; Sonntags und Feiertags von lO 12 und 2— 4 Uhr JOS Die schwarze Liste Gehts nicht wie ein geheimnisvoller Faden durch alle Korruption? Auch eine schwarze Liste ist da. Abgeordneter G u e r n u t, der Mann mit dem alten Nibelungennamen der Burgunden, Oberster der Untersuchungskommission der Kammer hat sie in Händen: Erstens A y m a r d („Liberte") 50 Mille Bong, zweitens Altmeister D u b a r r y („Volonte", Hitler-Verständiger) 200 000, drittens G u e b i n, immerhin 100 000, viertens die„C o n f i a n c e", da kommts schon anständiger, eine Mililion. An Desbrosses, vormals Pfandhaussekretär in Orleans, immerhin 200 000. Voii hat mit ein paar Schecks bloß 45 000 eingeheimst, d'Anquetil bloß 2000. Aber Guiboud-Ribaud(ein bisher unbekannter Fall, Pariser Anwalt) reißt dann das Unternehmen wieder heraus: 700 000. Gaston Bonnaure, Haupt-Spezi (Reisegenosse nach Budapest bei den Optanten-Bons, Abgeordneter des 3. Pariser Bezirks und Bewohner von„Villa Chagrin", wohin er gerade wieder aus dem weicheren Krankenhaus in Bayonne gebracht wurde), empfing 400 000 Fr. in Bons, hauptsächlich Ende 1931. Romaguino, auch ein Vertrauter, der jetzt geflüchtet ist, klebt mit sieben Millionen, Staviskys Privatsekretär Pardon gar mit 30 Millionen! Schließlich der„schöne Alexandre" selbst, Stavi- s k y, zog 40 Millionen zu seinen Gunsten. Man fragt sich, wohin alle dieses Geld gekommen ist. Zugleich mit Bekanntwerden der„schwarzen Liste" hat es auch noch an zwei anderen Enden eingeschlagen: erstens hei dem Inspizienten der Stadtkredite im Handelsministerium M. Constantin, der die Kontrolle in Bayonne sehr müde vorgenommen und das Haus des braven Tissier gar noch geloht haben soll. Zweitens bei dem Polizeikommissar B a y- a r d, der, trotz seiner Namensgleichheit mit dem echten Kriegskapitän„ohne Furcht und Tadel", dem„schönen Alexandre" eine Dauerkarte mit Einführung und Empfehlung im Ministerium des Innern verschafft haben soll. Eine neue Belohnung Nichts Gewisses weiß man nicht— Gerüchte gehen, die viel vermuten. Eins will sogar wissen, daß Prince, der bekanntlich früher Richter im oberschlesischen Abstimmungsgebiet war. das Opfer einer verspäteten Feme der Oberschlesien-Banden sei. Der„Intran" gibt dem heute Ausdruck. Nun, das geht wohl«in bißchen weit. In den Spionage-Kreisen aber sollte man in der Tat suchen. Denn der Zusammenhang von Stavisky und Nazi-Burschen steht fest. Schließlich hat, wegen der vielen Gerüchte und dunklen Punkte, die Gesellschaft der Freunde der Magistratur eine Sammlung von Unterschriften für Belohnungen ausgesetzt für folgende Ermittlungen: a) Angaben über die näheren Umstände der Abreise von Prince, oder b) über seine Fahrt im Auto vom Bahnhof in Dijon, oder c) über den Kaufmann, der das gefundene Messer verkauft hat. Angaben an den juge d'instruction oder den procureur de la Republique in Dijon, oder in Paris, an den Untersuchungsrichter M. L a p e y r e. Nun, das ist ja auch ganz verlockend, daneben winkt aber auch noch die„große Belohnung" von 100 000 Franken, vom Staasmini- sterium: ausgesetzt für diesen seltsamen Fall, der würdig der Fantasie eines politischen Wallace— ist.., Baptist. Ein Frauenschreck und das mutige Mädchen von Clichy Die Pariser Polizei hat zwei Individuen unschädlich g«" macht, die einen nächtlichen Schreck einsam heimkehrender Frauen verbreiteten. Eine junge Näherin stieg dieser Tage abends 11.30 Uhr vom Autobus R bis in C 1 i c h y ab, an der Ecke Boulevard de Lorraine und der rue Victor Hugo. Zwei Männer gingen hinter ihr her. Das junge Mädchen wollte in die Wohnung ihrer Eltern, Madame-de-Stael- Straße. Aber die beiden Uebeltäter drängten sie in eine Ecke der rue Pierre-Curie. Dort sah sie, daß die beiden Verfolger schwarze Masken über dem Gesicht trugen und Revolver anlegten.„Gib dem Geld raus, aber schnell," zischelten sie. Aber die junge Näherin war mutig und schrie um Hilfe. Da riß ihr einer die Handtasche weg, der andere schoß. Dann flohen beide in die Dunkelheit. Zwei Radfahrer-Polizisten und das junge Mädchen gingen jetzt auf die Suche. Zahlreiche Einwohner von Clichy, durch die Schüsse aufgeschreckt, halfen mit. Schließlich entdeckten sie den einen Uebeltäter auf dem Hof eines Grundstücks, dessen Tür offen stand. Er hatte seine schwarze Maske, den Revolver und die Handtasche in einem Dreckkasten geworfen, wo sie gefunden wurden. Dann verpfiff er auch seinen geflüchteten Raubgenossen. Er selbst heißt Andre D u p u i s, stellte sich als ein erst neunzehnjähriger Stallbursche heraus, ohne Bleibe und Arbeit. Der Freund ist Dachdecker, 22 Jahre alt. namens Louis Cornefert, er wohnte in einem kleinen Hotel in Paris und wurde beim Eintreffen dort verhaftet. Die beiden Frauenschrecks gaben zu, daß sie oft im 18. Arrondissement allein gehende Frauen und Mädchen überfallen haben, denen sie Geld und Handtaschen abnahmen, besonders in der Gegend von Sacre-Coeur und rue des Trois- Freres. Auch machten sie sich öfter an die Insassen von Autos heran, die einsam nächtlich auf abgelegenen Straßen Pause machten. Die junge Näherin von Clichy, Melle Gilberte Virot, hat also wirklich etwas für die Sicherheit ihrer Heimatstadt, des historischen Pariser Vororts, geleistet. Abonnier! die„beulsdie Freiheit'' BBIBFKASTEH London. Besten Danf für die Uederfendung des„Sundoy Referee" mit dem Abdruck des Martyriums Heilmanns aus der„Deutschen Freiheit". H. Bafel. Es ist richtig, daß auf die Wohnung des oppositionellen evangelischen Pfarrer« Niemöller in Berlin eine Bomb« geworfen worden ist, die aber nur geringen Sachschaden anrichtete. Es find eben„Deutsche Christen". Für den Gefamtinhalt verantwortlich: Johann P I tz in Dod» weller: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Bvlksftimme GmbH„ Saarbrücken A Schützenstraße 5.— Schließfach 776 Saarbrücken. Deutsche Leihbücherei Monatsabonnements von Fi. 12 aufwärts. Umtausch beliebig oft. Lieferung Ins Haus. Ltbrairie du Luxemburg. 73, Bd. St. Michel Telef. Odeon 30-60 Lkevermittlung als reell bekannt im In- und Ausland: Frau Frankenbach Wasserhaus 40, Neue Welt b. Basel(Schweiz) Nur ser. Anfragen mit Rückporto werd. beantw. Drs.G. und M.Spitzer 3. Avenue de la Republique. Paris. M6«ro Republique, Tel. Oberkampf 86-23. Sprechstunden: 1-3 und 6-8 Uhr Haut«, Gescheckt»*, inner« und Kinderkrankheiten Epilation Diathermie J-Hsecatwcuinahme FÜR STRASBOURG £lfoaicie Jtoputaice 2, RUE SEDILLOT 2 HINTER DER BÖRSE Der Erfolg liegt in der Reklame! Inserieren Sie deshalb In der „Deutschen Freiheit" Ein Arzt entdeckt ein verbindendes Schönheitsmittel Es ist jetzt leicht, alte und welke Haut zu verjüngen und sie frisch und weiß 2U machen. Der Wissenschah isr es gelungen, ein organisches Verjüngungsmittel tür die Haut zu hnden. Wenn man dieses Mittel in die Hautgewebe einreibt, so verschwinden alle Runzeln und Falten, die Poren öffnen sich, Mitesser und andere entstellende Unreinigkeiten verschwinden. Dieses Ver« jüngungsmittel, das aus den Organen junger Tiere gewonnen wird, ist nur in der neuen Creme„Tokalon" enthalten. 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