Nr. 84. Aboimements-Kedingungtn: Zlbonnimtnti-Prei« pränumerando: Bierteljährl. ZL0 Md. monatd 1,10 Mk., wöchentlich LS Pfg. frei in» Hau«. Einzelne Nummer S Psg. Sonntag«- Nummer mit tllnftrtrter Sonntag«- Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: ZL0 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zettung«- Preisliste für 1897 unter Et. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland z Marl pro Monat. 14. Jahrs. Die InsrrtwnS'MrbLhr deträgt für die fechSgefpaltsne Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für Perein«- und Vsrsammlungz-Aiizeige», sowie ArbettSmarlt 20 Pfg. Inserats für die nächste Nummer müssen bi« 1 Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werde». Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen bi« 9 Uhr «ormittag» geössnet. «rschewt täglich-lutzer Moniag«. Berliner Volksblnlk. Fernsprecher: Amt l, Er. 1608. Telegramm- Adresse: „Sozialdemokrat Serlin". Dentralorgcrn der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. Wedaktio»: 8V. 19. Reuly-Str.tße 2. ßFpedition: 8V. 19, Neuty-Strnße Z. BttNÄinilten in Mngnen. Budopest, den 5. April. ____ Die Wetterwolke des Panama, welche über der kapita- listischen Welt schwebt, hat sich in jüngster Zeit ailch über Ungarn entlade». Die Ereignisse der letzten Tage haben den Schleier gelüftet von der Thatsache, vie den Wissenden und Eingeweihten auch früher kein Gehcimuiß war daß die Mitglieder des ungarischen Reichstages nichts anderes als Tagelöhner des Kapitalisinns, Stallknechte des goldenen Kalbes sind. Diese die ungarische öffentliche Meinung aufregenden Enthültilngen müssen jedoch auch dem naivsten Genuithe klar machen, wie es möglich ist, daß in einer Zeit, wo breite Volksschichten im ökonomischen Nieder gang begriffen sind, das Banernelement des nnga rischen Tieflandes proletarisirt wird, die Bewohner des Oberlandes körperlich degeneriren und auswandern, die sogenannte Mittelklasse zu gründe geht,— daß in einer solchen Zeit die Ritter des Kapitalismus mit Hilfe der kauf- lichen Bourgeoispresse und insbesondere die Provisionshascher des ungarischen Parlaments von einem„unerhörten und 1111- geahnten Aufschwung" sprachen, uni bei jedem Anlaß„die ökononiische Wiedergeburt Ungarns" von der Rednertribüne des Reichstages verkünden. Jawohl, die materielle Lage dieser Herren bewegt sich in aussteigender Linie, sie sind gelehrige Schüler Gnizol's, sie streben nach„Verdienst" und Reichthnm und ihre Parole ist das rücksichtslose: „EhrricbisssL vous!" An diesem Aufsteigen der Wenigen haben jedoch die Völker Ungarns schwer zu tragen. Das charakteristische Merkmal des Kapitalismus, die Sucht nach Mehrwerth, nach Profit, beherrscht die Herrscheilde Klasse und von dieser Sucht ist auch das ganze Parlament befallen. Das letztere kann ja nicht besser sein, als jene Klasse, aus welcher sich die einzelnen Mitglieder des Reichstages rekrutiren. Diese Enthüllungen zeigen deutlich, ivie das Parlament beschaffen ist, dessen leitende Persönlichkeiten die politische Positionmit dem Geschäftsinteresse in dem Maße zu verquicken ver- standen, daß die Frage nach Stand und Charakter bei diesen Herren kaum beantwortet iverden kann. Wer könnte es be- stimmen, ob der betreffende ein Bankier, Eisenbahn-Unter uehmer, Fabrikant, Geschäftsagent oder Politiker ist, oder alle diese vielseitigen Qualitäten auf einnial in sich vereinigt. Wer gedenkt heute noch der Affäre des Abgeordneten M 0 r z f a u y i, der die Pachtung des Kartenverkaufs der Millenniunis-Ausstellung an Berk und Ollendorf bei der Re- gierung gegen eine Provision von 40 000 Gulden beziehnngs weise 60 000 Gulden erwirkte und bei dem Konsortium so ge- schickt den Glauben erweckte, als wäre ein Beitrag von 100 000 Gulden nothwcndig zur Bestechung eines hochstehenden Staatsbeamten. Die Verluste, mit denen diese Pachtunternehmung abschloß, sowie das Ausbleiben einer mit Zuversicht erwarteten Nobilitirung(Adelung) führte zu Zerwürfnissen unter den Kompagnons und zu einem Prozesse vor dem Budapester Börscnschiedsgericht, in dessen Verlauf die Welt die Wahrheit erfuhr und die eigenthümliche Vermittlerrolle des genannten Aogeordneten aufgedeckt wurde. Ein Schrei der Entrüstung ging durch das Land und die liberale Regierungspartei sah sich veranlaßt, diesen ungeschickten Makler der öffentlichen Moral zu opfern. Er wurde gezwungen, aus dem liberalen Parteiklub auszutreten und sein Mandat niederzulegen, und es wurde ihm trotz der in seinem Budapester Bezirke erfolgten Wiederwahl die abermalige Aufnahme in den Klubverband verweigert. Dieser Fall war eine Einzelerscheinung, wurde auch als solche behandelt und sowohl Regierung als auch die liberale Partei dachten mit dieser Abschlachtnng die öffentliche Meinung besänftigt und beruhigt zu haben. Doch das gerade Gegentheil trat ein. Die Oeffeutlichkeit, einmal aufgepeitscht, fing an, das private Treiben der Abgeordneten mißtrauisch zu prüfen und die Finger der Abgeordneten aufmerksam zu beobachten. So fand man gar bald, daß diese in unberechtigter Weise in verschiedenen Goldschätzen herumwühlen. Man er- inncrte sich, daß ein veraltetes und vergessenes Gesetz vom Jahre 1875 über die Jnkoinpatibilität*) unter anderem dem Abgeordneten verbietet, Präsident, Direktor, Verwaltungsrath, Rechtskonsulent oder Beamtereines mit der Regierung Vertrags- mäßig in einem definitiven oder dauernden geschäftlichen Verhält- nisse stehenden Geldinstitutes oder einer mit derRegierung in einem Vcrtragsvcrhältnisse stehenden Gesellschaft zu sein; andererseits darf der Reichstagsabgeordnete nicht gleichzeitig Konzessionär, Präsident, Vizepräsident, Verwaltnngsrath, Rechtskonsulent oder Beamter einer durch den Staat subventionirten Eisen- bahn oder eines derartigen Kanals sein. Im Laufe der verflossenen zwei Dezennien wurde jedoch nie ein Versuch gemacht, die bezogenen Bestimmungen dieses Gesetzes, das die Unabhängigkeit der Parlamentarier sichern sollte, zur Durchführung zu bringen. Dieser Umstand erklärt es, daß heute im Abgeordnetenhause nicht so sehr die Wahl- kreise als vielmehr die Aktiengesellschaften ihre Vertretung haben, die so vorsichtig waren, für ihr Unternehmen einen oder mehrere Abgeordnete zu gewinnen. So kommt es, daß heute mehr als fünfhundert verschiedene Unter- nehmungen Reichstags-Abgeordnete in ihrem *) Jiikompatibilität, Unverträglichkeit— Jnkoinpatibilitätsgesetz, ein Gesetz, daß die Unverträglichkeil des Mandats oder eines anderen Amtes mit geschäftlichen Funktionen und Transaktionen ertlärt. Direktionsrath oder Verwaltnngsrath sitzen haben, und daß nahezu 75 Prozent aller Ab- geordneten an diesen betheiligt sind und ein ganz bedeutendes Kontingent, vielleicht 20— 25pCt. von diesen Jnkompatibilitätsfälle anzumelden bätte. Es klingt zwar paradox, entspricht aber doch der Wahrheit, daß die heutige gewallige liberale Regierungspartei nur durch die Unverträg lichkcit(Jnkonipatibilität) zusammengehalten ivird. Und diese gesetzlich verbotene, in der Praxis jedoch zulässige Unverträg lichkcit des Mandats mit verschiedenen gewinnbringenden Geschäftsstellen erweist sich als ein fester Kitt, macht diese Regierung, die in der Weise belohnen kann, unbesiegbar und hat auch zur Folge, daß die Regierung im Parlamente nie gestürzt iverden kann. Um einen Einblick in die Profitjägerei der ungarischen Parlamentarier zu gewähren, wollen wir einige der ans- fallendsten Tantismen-Schlncker anführe». Albert Redo, der gewesene Staatssekretär im Ackcrban-Miuistcrium, ist bei 11 verschiedenen Unternehmungen interessirt; Max Falk, Redakteur des offiziösen„Pestcr Lloyd" hat zwar nur 7 der artige doch sehr einträgliche Stellen; E d m. G a j ä r y, Redakteur des offiziellen„Nemzct" trägt die Agenden von 16 Unternehmungen am Herzen; A m b r. N e m s n y i bezieht Tantiemen von 11 verschiedenen Banken und Geldinstituten; Moritz M e z e i, der Abgeordnete der Budapcstcr City, hat die Angelegenheiten von 22 Eisenbahnen und 8 Industrie-Etablissements, zusammen 30 Unternehmungen zu versorgen. Und so ließe sich in lieblicher Endlosigkeit eine Liste von nahezu 300 interessirten Abgcord- neten zusammenstellen, bei welchen allen nichr oder weniger die Kriterien einer Inkompatibilität zu konstatiren wären. Ans diese Weise belohnt die Regierung ihre getreuen Anhänger und deren Tugend; diese Versorgungen tragen ein den poli tischen Gcschäflsagentcn 50 000—60 000 fl. im Jahre und bei solchen Revenuen wären Jnkompatibilitäts- Skrupel blos kin- bische Sentimentalitäten. Uebrigens sind in derartige Geschäfte selbst oppositionelle Abgeordnete verwickelt; blos die seit den letzten Wahlen im Parlamente zumeist durch katholische Geistliche ver- tretene Volkspartei hat keine Vertreter ans diesem Gebiete. Von dieser gingen denn auch die Anmeldungen der Inkompatibilität von vier Rcgierungs- Abgeordneten ans, die im Sinne des bezogenen Gesetzes und der Hausordnung des Abgeordneten Hauses dem Jnkompatibilitäts-Ansschusse zugewiesen wurden. Die Anmeldung dieser vier Fälle ist damit zu begründen, daß ein ans einem Bndapester Finanzinstitnte und der Allgemeinen Elsässischen Bankgesellschaft in Straßbnrg, die übrigens jüngstens insolvent wurde, bestehendes Konsortium vom Staate die Veranstaltung der Klassenlottcric für die Dauer von 20 Jahren pachtete und dafür im Sinne des abgeschlossenen Vertrages vom Jahre 1897 an einen Pachtschilling von 1 200 000 Gulden zu bezahlen hatte und daß bei dem ver- tragschließenden Budapester Finanzinstitute die angemeldeten vier Abgeordneten Direktionsrathsstellen bezw. Rechtskonsulenten stellen bekleiden. Trotzdem die Inkompatibilität klar zn tage lag, hat der Ausschuß die Verträglichkeit dieser Stellen niit dem Abgeordneteumandate mit 4 gegen 3 Stimmen konstatirt, welchen Beschluß dann auch die Regierungspartei mit 164 Stimmen gegen 56 oppositionelle ratifizirte. Dieses Abstiinmnngsresnltat bietet auch eine Richtschnur für die Zu- kunft und ist leicht abzusehen, in welcher Weise die zukünftigen Entscheidungen in den noch anzumeldenden Jnkompatibilitäts Fällen gefaßt werden. Diese Geschästsagenten sind aber auch ganz geriebene Profitjäger. Ein typisches Beispiel dafür ist Graf Stefan Tirza, der Sohn des früheren Ministerpräsidenten, der ein halbes Dutzend Tirektionsrathsstellen in sich vereinigt. Er ist Präsident der Rimamuranyer Kohleuwerks-Gesellschaft, die in vielfachem Vertragsverbältnisse mit der Regierung steht; dieselbe hat kolossale Reserven aufgehäuft, sehr kostspielige, aber um so einträglichere Investitionen durchgeführt, und bezahlt trotz dieser Geschäftsführung seit Jahren 12 pCt. Dividende. Der gräfliche Präsident sorgt für das Geschäft und Profit. Der Gewinn seiner Gesellschaft bedeutet zufolge der vielfachen Vertragsverbindnngen mir dem Staate für letzteren einen effektiven Verlust. Graf Tisza macht Bankgeschäfte, liefert dem Staate Kohle(auch für die Staatsbahnen), plaeirt Wiener Tramway-Aktien, gründet in Rumänien, macht geniale Börsen Manöver, über deren Unverfrorenheit selbst die gewiß nicht ziniperlichen Börsenwölfe noch heute entrüstet sind. Es giebt keinen eifrigeren Agenten für den internationalen Kapitalismus; es giebt aber selbst in Oesterreich, Italien oder Rumänien kauni einen zweiten Politiker, der seine parla- mentarische Position mit dem Geschäft so tollkühn kompliziren würde; er scheint nur aus dem Grunde zu politisiren, um die Aufmerksamkeit von seinen Geschäftspraktiken abzulenken. Nachdem die selbst inkompatiblen 164 Abgeordneten die Kompatibilität(Verträglichkeit) ihrer inkompatiblen Kollegen im Reichstage ausgesprochen haben, wird das Feilscheu, Ver- handeln, Jnformiren und Jnterveniren mit den Ministern un- gestört weiter fortgesetzt werden können und die Abgeordneten werden nunmehr abernials beruhigt und mit einem Scheine der Berechtigung die Interessen und Vortheile ihrer Gesell- schaften zum Nachtheile und Schaden des öffentlichen Geld- säckels fördern können. Diese werden ihre Vortheile und die Regierung eine wittige Abstinimnngsmaschine haben. Klar ist jedoch, daß das Panama in seinen verschieden- artigen Erscheinungsformen kein spezifisch französisch oder italienisches Gewächs, sondern ein Produkt der internationalen Bourgeoisie ist und daß diese Korruption, trotz aller moralischer Sentimentalitäten und momentanen Aufwallungen blos mit der Bourgeoisie verschwinden werden. politische Melteichcht. Berlin. 8. April 1897. Staatssekretär von Stephan, der heute Nacht nach einer mörderischen Operation starb, war ein Mann von un- gewöhnlicher Begabung und Thatkraft, eine starke Persönlich- keit, die auch von dem Gegner anerkannt werden muß. Gleich jedem Menschen, war er ein Produkt der Verhältnisse— ei» G ü nst- ling der Verbältnisse und ein Opfer der Verhältnisse. Ein Günstlii. insofern ihm die großartigen Erfolge der kapitalistischen Entwicklung des Verkehrswesens in den Schooß geworfen wurden. Ein Opfer der Verhältnisse, insofern er, die bedeutend ange- legte ZK..r in die Zwangsjacke der preußischen Bnreaukratie gesteckt ward, die jeden selbständigen Aufschwung hemmt, die Fähigkeit zur freien Auffassung der Menschen und Dinge ertödtet, und, bei Liebedienerei nach oben, tyrannische Unterdrücknngssncht nach unten züchtet. In den Vereinigten Staaten, wohin Stephan seiner Anlage nach sehr wohl gepaßt hätte, würde er als Organisator wohl nicht viel mehr geleistet haben als in Deutschland, allein un- zweifelhaft wäre er nicht in jenes kleinliche Reglementier-, Drill- und Bevormundnngs- System verfallen, das ihn bei der Masse der deutschen Postbeamten so wenig beliebt gemacht hat. Anerkannt soll aber werden, daß er die deutsche Post trefflich organisirt hat, so daß sie neben der Post bürgerlich fortgeschrittener Kulturländer sich nicht zu schämen hat. Freilich, das gleiche hätte sich ohne absolutistischen Bureau- kratismns erreichen lassen. In seiner Jugend und seinem war Stephan ein Reformator, und Ideen anderer zugänglich war. Verein hat er sich unleugbar große Verdienste erworben, wenn es auch nicht wahr ist, was die Schmeichler behaupten, daß Stephan ihn gegründet habe. Blanche werth« volle Neuerung ist auf seine Initiative zurückzuführen— und jedenfalls war Stephan ein Organisator ersten Ranges. Seit anderthalb Jahrzehnten erlahmte aber feine Initiative— er verhielt sich eigensinnig ablehnend gegen Neuerungen, und immer unangenehmer bildeten die Eigen- schaften des Bnreaukraten sich in ihm ans. Das soll jedoch dem, was er als Organisator geleistet hat, keinen Abbruch thnn. Ob die Postbeamten, die Stephan's strammes Regiment oft hart empfanden, jetzt Ursache haben, frei aufzuathmen, erfcheint uns einigermaßen fraglich. Vielleicht werden sie unliebsam an Wallenstein's Wachtmeister erinnert, von dem mittleren Aianuesalter der selbst Ideen hatte Um den W e l t p 0 st- es heißt: Wie er sich räuspert und wie er spuckt Das hat er ihm glücklich abgeguckt, Aber sein Genie-- Stephan war kein Wachtmeister.— Wir lassen noch einige Daten über den Lebenslauf des Ver« storbenen folgen. Mit 17 Jahren trat(1818) der sprachkundige Sohn des Schneidermeisters Stephan in Stolp in Pommern in den Postdienst ei». Schon nach 10 Jahren war er Postrath, im Alter von 34 Jahren wurde er vortragender Rath im königlich preußischen Geueralpostamt. Er Halle die Besitzergreifung und die Ueberleitnng der Thür» und Taxis'sche» Post in die preußisch« Verivaltung zn leiUn. Gerühmt wird die Organisation des Feldpostdienstes im dentsch» französische» Krieg« durch Stephan und die unter seiner persönlichen Beiheiligung durchgeführte» Errichtung des Weltpostvereins(Bertrag zn Bern vom v. Okiober 1874). 1375 wurde ihm die Leitung der Reichstelegraphie übertragen. Im Jahr, 1870 zum General-Postmeistrr ernannt(eine Amts» bezeichnung, an deren Stelle im Jahre 1380 die als Staatssekretär des Reichs-Postaints trat), hat Stephan länger als ein Viertel« jahrhnndert an der Spitze der Reichs-Verkehlsanstalten gestanden. Dem Bundesrath gehörte er seit 1870, dem preußischen Herrenhaus« seit 1872, dem preußischen Staatsralh seil 1834 an. Ei» Denkmal setzte er sich durch den Bau prächtiger Postpaläst« in allen Theilen des Keichs. Was«n ihm zu tadeln war, daS haben wir bei seine» Leb- eiten reichlich und»mnachsichtlich vorgebracht: sein Uebermaß an gureaukrati«, das Erlahmen seiner Initiative und die Behandlung d»r Angestellten. Heute wollen wlr daran bloS erinnern.... Das preußische AbgeorduetenhauS hat heute nach Er- ledignng einiger unwesentlicher Petitionen die Osterferien eintreten lassen. Infolge der im Hanse bereits herrschenden Ferienstimiiuing wurden solche Petitionen, die eine längere Debatte hervorgerusen hällen, namentlich die betreffend die Ertheilung des ReligionS- Unterrichts an Dissidentenlinder, von der Tagesordninig abgesetzt. In der erste» Sitzung»ach Ostern, am 27. April, sieht der Antrag Gras Hoensbroech betreffend die Aufhebung von Zollkrediten bei der Einfuhr von Getreide zur Berathnng.— Crispi kommt nicht auf die Anklagebank. Die italienische Staatsanwaltschaft hatte zwar, wie wir gestern nach der Tnriner„Stampn" meldeten, niehr Kourage als wir ihr zu- getraut hatten— sie hat die Anklage gegen de» Diillionendieb und Massenmörder C r i s p i beantragt- und zwar zunächst auf grund des BsUstirngsmaterialS in Sachen der Neapoli- tauischeu Bank. Unser Römischer Korrespondent theilt uns entsprechend unserer schon oft dargelegten Auffassung des Falles Crispi mit: „Der F i n a n z s k a n d a I F a v i! l a- C r i s p i wird auj Befehl des Königs erstickt werde n." Man sieht, für Leute vom Schlage der Crispi ist es gut, wenn es Könige giebt. Jndeß abgethan ist die Sache doch noch nicht, und es fragt sich, ob der Sohn des„Königs Ehrenmann"— Re Galantuomo— stark genug sein wird, diesen Riesenskandal zu ersticken.— Ans dem orientalischen Wetterwinkel lauten die Nachrichten heute wieder ungünstiger. Ans K a n e a wird telegraphirt: Borgestern Abend fanden an verschiedenen Punkten der Insel Znfaiiiinenstöße statt, überall sind die Anfstäiidischen die Angreifer. Bei Kissmno und bei Herakleion finden seit zwei Tagen heftige Kämpse, bei geringen Berlusten ans beiden Seiten, statt. Um Sitia sind etwa LCXX) Insurgenten zusammengezogen. Der Koininandant des französischen Kreuzers„Gsnöral Chancy", Antvine, hat in Erwartung eines Angriffs 5 Kanonen ansge- schifft. Die Anfstäiidischen des Bezirks von Kissmno richteten ein Schreiben an die Ztdmirale, in welchem sie dieselben von dem bevorstehenden Angriff auf das Fort benachrichtigen. Die türkische Tarnison des Forts bittet um ihren Entsatz. Aus K 0 n st a n t i n 0 p e l liegen folgende Meldungen vor: Der Ministerrath hat vorgestern beschlossen, im Prinzip in die Räuninng Kreta's zu ivistigen, unter der Vormissetzmig, daß die Mächte sich für den vorherigen Abzug der griechischen Truppen und die Pacifikation der Insel verbürgen. Das Nnndschreiben der Pforte vom 5. d. M. an ihre Bot- schafter im Auslande drängt auch auf Beschleunigung der Wahl eines Gouverneurs für Kreta. Dein armenischen Patriarchat ist die Lifte mit den Namen der in Tokat ums Lebe» gekommenen Personen zugegangen. Die Anzahl der Opfer beträgt 123, unter denselben befinden sich drei Priester, vier Frauen, ein Kind, sechs Katholiken und ein Grieche. Die mit der Plünderung verbundenen Gewaltlhäligkeiten danerten vier Stunde». A» Frauen wurden Gewallakte verübt, auch von den Truppen. Der Pariser Korrespondent der„Times" nieldet, der S»l l t a n habe ein in den herzlichsten Worten ge- halteneS Danktelegranim an den Zaren ab- gesandt für die Energie, mit welcher er für die Integrität der Türkei eintrete. Aus Nottingham wird telegraphirt: Lord Hamilton hielt gestern hier eine Rede, in welcher er sagte, wenn das europäische Konzert sich auflösen sollte, so könnte> das nicht nur zu einem Kriege zwischen der Türkei und christlichen Mächten. sondern auch zu einem Kriege zwischen den christlichen Mächten selbst führen. Alle Staatsmänner sollten bestrebt sein, den europäischen Frieden auf- rechtznerhalten, und Griechenland sollte es nicht gestattet werden, Gebietstheile an sich zu reißen, welche nicht die seinen sind. Griechenland hat die Hoffnungen des griechischen Volksstammes getäuscht; es hat nichts gethan, die Hilfsquellen des Landes zu entwickeln; aber es hat großes Geschick für politische Jntriguen gezeigt. «« Deutsches Reich. — Herr de G r a h l, der die falsche Meldung über ein Gliickivunsch-Telegramm des Kaisers an den Fürsten Bismarck der „Coiit.-Tel..Comp." schriftlich übermittelte, ist, dem Vernehmen der „Nat.-Ztg." nach, aus seiner Stellung als Hofberichterstatter des erwähnten Bureaus entlassen worden. Wir haben gleich beim Leckerl- Lützow« Prozeß diesen Bettel- Patrioten charakterisirt. Hätte damals das Wvlff'fche Telegraphen- büreau dem würdigen Hofrath den Laufpaß gegeben, wäre es nicht zum zweiten Male mystifizirt worden. — Großmäulig gegen Adolf Wagner war die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung", das Organ unserer Regierung, so lange die Sache nicht gefährlich war. nun. wo das Blatt verklagt ist, nimmt es deh- und wehmüthig alles zurück.— — Die Handhabung der Polizeistunde gegenüber denjenigen Wirthschaflen, wo Sozialdemokraten zu verkehren pflegen, muß sehr oft als eine ungleiche und als eine Zurücksetzung dieser Gewerbetreibenden in der Gewährung gewisser Vergünstigungen be- zeichnet werden. Auch unsere Parreigeuossen in L i e g n i tz haben darunter zu leiden und wurde in einer Versammlung am 31. März folgendes bekanntgegeben: Als sich der Wirth des„Lübener Hof" auf dem Polizeibureau persönlich gegen die über sein Lokal verhängte Polizeistiiude be- schwerte, wurde derselbe veranlaßt, dem Handschuhmacher- Verbände sein Lokal zu kündigen und die Kündigung daselbst so- gleich niederzuschreiben. Ein'Polizeibeamter mußte sich sodann da- von überzeugen, daß das Schriftstück auch wirklich abgeschickt wurde. Hierauf wurde die Polizeistunde aufgehoben. Dem Wirth des „Goldenen Frieden" wurde gesagt, er könne das„Gewerkschafts- kartell" in seinem Lokale weiter tagen lassen, aber nicht mehr unter dem Vorsitz des Handschuhmachers Peters. Als der Wirth hierauf einwilligte, wurde die Polizeistunde von 10 bis auf 12 Uhr abends verlängert. Die Verfamnilung beauftragte eine Kommission, geeignete Schritte gegen diese behördlichen Maßnahmen einzuleiten und hat die Kommisston beschlossen, sich zunächst an den Ober-Bürgermeister und dann an das Ministerium des Innern beschwerdeführend zu wenden. Bekanntlich hat unsere Reichstagsfraktion seinerzeit bei Be- rathung der Novelle zur Gewerbe-Ordnung beantragt, daß die Polizeistunde am Ort für alle Lokale gleichmäßig festgesetzt werden muß. Eine solche Bestimuinng würde die Gewähr bieten, daß alle Gewerbetreibenden gleichmäßig behandelt würden und der Polizei die Möglichkeit nehme», politische» Gegnern die Versammlungs- freiheit zu beschränken. Der Reichstag hat sich aber für die Bei- beHaltung des bisherigen Zustandes eulschieden und die Polizei wird deshalb versuchen, ihren bisherigen Grundsätzen treu zu bleiben. Hamburg, 6. April. Wie das Kanunergericht in Berlin, so hat jetzt auch da? hanseatische Ober-Landesgericht zu Hamburg als Remsionsinstanz die Verordnung des Bundesraths über den Maxiinalarbeitstag in den Bäckereien für rechtsgiltig erklärt.— — Der Landtag für Sachsen-Koburg- Gotha be- schloß die Verkürzung der vier« in zweijährige Etatsperioden.— Nürnberg, 7. April.(Eig. Ber.) Eine interessante Ver- sammlung hielt gestern Abend im Grand- Hotel der Bund der Industriellen(Sitz Berlin) zwecks Gründung eines Bezirksvereins Nürnberg-Fürth ab. Als Redner trat der Macher deS Bundes, Herr Dr. Wendlandt-Berlin, auf. Redner betheuerte, der Bund lreibe keinerlei Politik und jede dahingehende Insinuation mache sich lächerlich.(!) Der Bund wolle die Worte des Kaisers: Ich hoffe, daß es den Regierungen meines Reiches gelingen wird, die Souderinteresfen auf wirthschaftlichein Gebiete zu vereinen, zur Wahrheit machen. Der Bund der Landwirlhe habe von vornherein den Fehler gemacht, Politik zu treiben. Derselbe habe sich ge- gründet, trotzdem 62 Zentralverein« mit 157 000 Mitgliedern in der Landwirthschasr vorhanden waren, und lediglich aus politischen Gründen und zu politischen Zwecken. Der Bund der Industriellen sei aus der Freisinnigen Vereinigung hervor- gegangen und wolle die Industrie auf die gleiche Höhe bringen, als andere gewerbliche Stände. Minister v. Bötlicher habe ihn(Redner) gefragt, ob denn der Bund der Industriellen ein Bedürfnin sei, die Frage habe er bejaht und begründet. Der Bund zähle jetzt 1200 Einzelmitglieder mit 10 Vereinen und stehe mit dem Zentral- verband deutscher Industrieller auf sreundlichein Fuße. Das Streben des Bundes sei. den Zentralverband. der jetzt 2S0 Einzelmitglieder und 30 Vereine habe, zum Uebertritt zu bewegen. Der Bund wolle ferner die Herbeisührnng einer einheitlichen Reform der Handels- kammern des Reiches mit Rücksicht auf eine angemessene allgemeine Vertretung der Industrie. Wenn es den Industriellen auch jetzt noch nicht unter den Nägeln brenne, es komme aber doch einmal eine schlechtere Zeit, weshalb schon heute alle Industrielle zusammen- stehen müßten. Im vorige» Jahre befanden sich die Margarine- fabrikanten in größter Roth(!). Der Bund habe sie organisirt. Der Bund besitze ein Zentralbureau, welches alle Branchen zu über- wachen habe. Im Vertrauen wolle er mitthsileu, daß 1903 bei Ablauf der Handelsverträge der Bund einen Coup beabsichtige, nach welchem den Jiidustriellen bedeutende Vortheile bevorständen. Der Plan sei schon in Vorbereitung. Auch stecke der Bund hinter dem Projekte einer Wasserstraße Berlin-Stettin, welche ebenfalls den Industriellen große Vortheile bieten werde. Wenn Süddeutschland einmal eine Wasserstraße brauche, dann würden die Nord- deutschen Handlangerdienste leisten. Eine Zentralstelle für unlauteren Wettbewerb habe der Bund ebenfalls eingerichtet. Es habe sich herausgestellt, daß die Gerichte von diesen Dingen vom hellen lichten Tage nichts wissen, dieselben brauchen immer Sachverständige, deren Urtheil maßgebend ist. In der Frage der Tarifpolitik trachte der Bund die Eisenbahnrälhe zu vermehren, dieselben hätten zu wenig Einfluß. Die österreichischen Jndiistrielleii, so führt Redner weiter wörtlich aus, haben ihren Handelsininister so windelweich ge- schlagen, daß, wenn Industrielle Ausnahmen von den Tarif- sähen verlangen, sie dieselben auch bekommen. Die deutschen Industriellen müssen viel forscher vorgehen, aus allen Kreisen des Handels und der Industrie müssen Fachleute in den Reichstag gewählt werden, Sie sollen mal sehen, was das für einen schönen Reichstag giebt. Das Klebe- und das Unfallversicherungs-Gesetz legt den Industriellen große Lasten auf. Minister v. Bölticher sagte zu mir: Ich tvciß eS, die Industrie uinst cutlastet werde», aber jetzt geht es noch nicht.(!!!) Die Ziele des Bundes sind grob und weilschauend, dieselben können nur verwirklicht werden durch Massen- Wirkung, durch erdrückende Forderungen der Gefanimtheit der In- dustriellen bei der Regierung. Was sagt nun Herr v. Bötticher dazu, daß er den Industriellen das Zugeständniß machte: Ich weiß es, die Industrie muß entlastet werden ec.? Und was sagt der„windelweich geschlagene" öfter- reichische Handelsininister dazu, daß er auf Verlangen der In- dustriellen vie Tarifsätze revidirl? Und was sagt der Bund der Landwirthe, daß er ein politischer Bund ist und lediglich zu politi- scheu Zwecken gegründet wurde? Oesterreich. Wien, 7. April.(W. T. B.) Abgeordnetenhaus. (Schluß.') Der Ministerpräsident verlas weiterhin ausführliche Be- richte über die Wahlvorgänge in zahlreichen galizischen Gemeinden, darunter Duwidow, und erklärte, manchen wäre es sogar unerwünscht gekommen, wenn keine Ausschreitungen stattgefunden hätten; er habe gar nicht die Absicht, irgend etwas zu verheimlichen, er werde im Gegentheil das ganze Material dein Legitimationsansschusse zur Ver- fügnng stellen; er habe das ausrichtige Bestreben, allen diesen Ge- schichten und Nachrichten ein Ende zu machen, damit sich die Oeffentlichkeit überzeuge, um was es sich hier eigentlich handle. lLebhafter Beifall und Händeklatschen.)— Die Debatte wird morgen fortgesetzt.— Wien, 8. April. Bei der heutigen Bürgermeisterwahl wurde Dr. L u e g c r mit 93 von 132 abgegebenen Stimmen zum ersten Bürgermeister gewählt. Der Liberale Gruebl erhielt 37 Stimmen, 2 Stimmzettel waren nnbeschrieben. Dr. Lneger nahm die Wahl zum Bürgermeister mit einer An- spräche an, in welcher er die leitenden Grundsähe seiner(der christ- lich-sozialen) Partei auseinandersetzte.— Wien, 8. April. Der zur Berathung der I m m u n i t ä t S- Angelegenheit des Abg. Szajer eingesetzte Ausschuß des Abgeordnetenhanses beschloß mit großer Sliminenmehrheit, die Einstellnng der gerichtlichen Verfolgung Szajer's für die ganze D a n e r der laufenden S i tz n n g s- Periode zu beantragen.— — Das Präsidium des Abgeordnetenhanses besteht, wie wir schon gemeldet hatten, aus dem gemäßigt klerikalen Tyroler Dr. Th. Kalhrein, der anläßlich eines bei der Eroberung Roms durch die Italiener geschriebenen Artikels auf 14 Tage eingesperrt worden war. Als erster Vizepräsident fungirt der Erzschlachzize David Ritter von Abrahamowicz und als zweiter Vizepräsident der Jungczeche Dr. Karl Kramarz. Er gehört der national gemäßigten, sozialpolitisch fortgeschrittenen Gruppe der czechischen Siealistcn an. Pikant ist, daß er seine größte wissenschaftliche Arbeit,„Das Papier- geld in Oesterreich seit 1843", dem dentschnationaleu Berliner Nniversitätsprosessor Adolf Wagner gewidmet hat.— Frankreich. Paris, 8. April. Der Depntirte Clovis Hugues, welcher gestern als Zeuge Arton gegenüber gestellt wurde, theilte einem Be- richterstatter mit, Arton habe ihm das Notizbuch mit den Namen der Parlamentarier gezeigt, welche von ihm Geld erhielten, jedoch hinzugefügt, er habe niemanden bestochen, sondern nur in freund- schaftlicher Weise die geleisteten Dienste bezahlt und glaube deshalb, daß die Verfolgten freigesprochen werden müßten. Die Sozialiften werden heute einen Antrag auf Einsetzung einer ans der allgemeinen Volkswahl hervorgehenden Nalionaljnry ein- bringen, welche über alle Vergehen von Miiiistern und Parlamen- tarier» gegen das öffentliche Vermögen und über Vergehen von Beamten in Amtsangelegenheiten zu Gericht sitzen soll.— PariS, 3. April. D e p n t i r t e n k a m m e r. Sembat(Sozialist) brachte den Antrag ein auf Einsetzung eines ans der allgemeinen Volkswahl hervorgegangenen National-Schwurgerichtshofes, welcher den Auftrag haben soll, Beamte, Deputirte und Minister, die angeklagt sind, aus ihren Mandaten beziehungsweise ihren Stellungen unerlaubten Norlheil gezogen zu haben, abzuurtheilen und welcher eine Unter- suchung über den Ursprung der großen Vermögen anstellen soll. Sembat beantragte die Dringlichkeit für seinen Antrag. Der Justiz- minister Darlan sprach gegen den Antrag, der einen beschimpf-mden Angriff auf die Rechtschaffenheit des Landes in sich schließe.— Pourqusry stellte die Vorfrage gegenüber diesem Antrag. Dieselbe wurde mit 355 gegen 127 Stimmen angenommen.— PariS, 7. April. Hatte in ihrer vorletzten Sitzung die Kammer eine Interpellation des Sozialisten Viviani über das Gerichtswesen diskutirt, so beschäftigte sie sich gestern wieder mit diesem Gegenstand, der von dem Republikaner Mougeot diesmal zur Sprache gebracht wurde. Der Redner verlangte eine exempla- rische Bestrafung der Personen, welche in dem vorliegenden Falle die Verantwortlichkeit trifft und beantragte gleichzeitig die Revision der einschlägigen Gesetze. I n st i zm in i st e r Darlan konnte diesmal nicht, wie in der letzten Kammersitzung, um mildernde Um- stände für seine Beamten plädiren. Er suchte sich damit zu entschuldigen, daß der schweizerische Gesandte, gestützt auf den Bertrag mit der Schweiz, die sofortige Verhaftung beantragt hatte. Ader auf der äußersten Linken wurde sofort die Verlesung des Schreibens des schweizerischen Gesandten ver langt. welches Herr Darlan unglücklicherweise nicht bei sich hatte. Deshalb setzten ihm die Sozialisten wieder arg zu. Sie stellten eine Tagesordnung auf, welche„die gesetzwidrigen Handlungen der Behörde scharf tadelte und strenge Bestrafung der Schuldigen verlangle". Trotzdem wurde schließlich die einfache Tagesordnung mit 234 gegen 243 Stimmen bewilligt, gleichzeitig jedoch für zwei Gesetzanträge die Dringlichkeit erklärt, deren einer von dem Radikalen Pourquery de Boisserin ausging und die provisorische Freilassung sowie die geheime Untersuchung betraf. Beide wurden der Koni- Mission übergeben, die mit der Revision des Kriminal- Gesetzbuchs beauftragt ist. ') Siehe den Anfang der Debatte unter Depeschen der letzten Nummer. Zu Beginn der Sitzung hatte die Kammer einen Antrag be. willigt, welcher das Maximum der Offizierspensionen auf 0000 Fr. festsetzt.— Paris, 7. April. In dem Marine-AuSschuß der Deputirte n kämm er legte der Deputirte L 0 ck r 0 y seinen Gegenentwurf zu der von dem Marineminister Admiral Besnard eingebrachten Kredilvorlage vor. In demjelben wird beantragt, daß die verlangten 200 Millionen Franks zu Neukonstruktionen, Ver- besserungen der vorhandenen Gefechtseinheiten und der Marine- Arsenale sowie zur Errichtung von Proviantmagazine» und von Kohlenstationen in Biserta, Ajaccio, Obock, Diego Suarez, Seigun, Martinique und Neu-Kaledonien dienen sollen.— PariS, 6. April. Der Schluß der g e st r i g e n Kammer- s i tz u n g wurde durch die Interpellation des Sozia- listen Viviani„über die Verantwortlichkeit des Untersnchungs- richters in einem Kriminalprozeß" ausgesüllt. Es handelte sich um den Fall eines gewissen Pelissier und der Wittwe Choquard, die unter dem Verdachte der Erniordung einer alten Frau sieben Monate in Untersuchungshaft gesessen und dann wegen der eklatantesten Beweise ihrer Unschuld freigesprochen worden waren. Der sozia- listische Redner gab in beredten Worten, die wiederholt den all- gemeinen Beifall des Hauses fanden, zunächst einen Ueberblick über den Verlauf dieses Prozesses und erhob dann schwere Anklagen gegen den Untersuchungsrichter Danion. Er hoffte, daß bald ein neues Gesetz die Mißbrauche der gesammten Nntersuchimg ver- schwinden lassen werde und verlangte in dessen Erwartung vom Justizniinister Maßregeln gegen den Beamten und die Bestrafung der Polizei- Agenten, die verschiedene Personen durch Geld zu falscher Aussage veranlaßt haben sollten. Genosse Viviani hat an der Hand eines reiche» Thatsachenmaterials Zu- stände enthüllt, die der Justiz eines halbivegs modernen Staates, geschweige denn einer Republik, unwürdig sind. Die Wurzel des Uedels liegt zwar in der veralteten, aus dem Jahre 1803 stammende» Strafprozeß-Ordiinng, die den Unter- snchungsrichter mit einer diktatorischen Gewalt ausstattet. Daneben spielt aber eine verhängnißvolle Rolle die syste- matisckie Nachsicht des Jilstizininisteriums selbst gegenüber den schreiendsten Gewaltübeischreitungen der Uiitersnchnngsrichter. So hat der gegenwärtige Justizminister einen Untersuchuiigsrichtcr, der die Angeklagten und Zeugen im geheimen Verhör körperlich mißhandelte, nicht etwa vor das Kriminalgericht stellen lassen, sondern ihm blos das Recht zur Untersuchung entzogen und ihn nach einer kleineren Stadt in dem früheren Range versetzt. Jüngst ereignete sich in Paris selbst folgender Fall. Einer der Mitschuld an einem Morde angeklagten Frau wurde von Agenten der Kriminal- polizei, natürlich im Einverständniß mit dem Untersuchungsrichter, in der Gesängnißzelle Geld angeboten, um ein Geständniß gegen ihren Mitangeklagten Liebhaber, Pelissier zu erlangen. Zum gleichen Zwecke suchten die Agenten sie mit starken Liqneuren be- trunken zu machen. Ihre zengeneidliche Aussage hierüber vor dem Schwurgericht(die Anklage gegen sie war nach drei Monaten Einzelhaft fallen gelassen worden) bewirkte sofort den Ver- zicht des Staatsanwalts auf die ohnehin unbegründete Anklage gegen Pölissier und dessen Freisprechung. Der Stand des I u st i z m i n i st e r s in dieser Angelegenheit war nicht leicht und wenig fehlte, daß ihm die Kammer offen ihr Mißtrauen kund- gegeben hätte. Er erklärte, daß er schon verschiedentlich Beamte, die sich Fehler zu Schulden kommen ließen, bestraft und in der vor- liegenden Angelegenheit eine strenge Untersuchung eingeleitet habe, aus welcher hervorgehe, daß den Untersuchungsrichter kein Tadel treffe. Aber nur die Veränderung der jetzigen Gesetzgebung könne die Mißstände beseitigen. Unter eisigem Schweigen auch der ge- treueften Regierungsanhänger verließ der Justizniinister die Tribüne. Als es zur Abstimmung tani, bewies die Kammer dadurch, daß sie die von dem Radikalen Pourquery de Boisserin vorgeschlagene, sehr energische Tagesordnung, die vor- gekommenen Mißbränche auf das strengste zu bestrafen, mit einer Majorität von nur 10 Stimmen(254 gegen 244) ver- warf, wie sehr sie entschlossen sei, sowohl dem überlebten Verfahren der geheimen Nntersuchimg als den Ausschreitungen mancher Beamten ei» Ziel zu setzen, nahm jedoch schließlich mit 317 gegen 130 Sliininen folgende Tagesordnung an:„Die Kammer giebt die Nnznlräglichkeiten der geheimen Untersuchung zu und vertraut der Regierung, daß dieselbe sobald als möglich die Reform deS Kodex der Kriminaluntersuchung durchführt." Die von allen Parteien geforderte Reform harrt, beiläufig gesagt, der Verwirklichung seit 1379. Paris, 0. April.(Eig. Ber.) Ausnahmsweise ist über eine rechtliche Entscheidung der Bourgeoisjustiz im Kampfe Ressöguier'S von C a r m a u x gegen die sozialistische Zlrbeiterschaft zu berichten. Seit mehreren Monaten wurde ein ehemaliger Refsegnier'scher Glas- arbeiter, O n r t e t, in Untersuchungshaft gemartert unter der An- klage, auf Ressöguier während des Carmauxer AuSstandeS vom Herbst 1895 ein„Revolverattenlat" verübt zu haben, welches in Wirklichkeit gar nicht stattgefunden hat. Die Anklagekammer von Tonlsiise ließ die vom parteiischen Untersuchungsrichter bis zu Ende ausrechterhallene phantastische Anklage fallen. Ourtet ist daS zweite Opfer des von llieffeguier erfundenen„Attentats". Unmittelbar nach dieser Erfindung halte ein ehemaliger Bergarbeiter von Carmaux, Gnlhem, mehrere Wochen Unlersnchnngshaft unter der gleichen Anklage zu erleiden gehabt.— Belgien. — Der Senat debattirte in 2 Sitzungen über daS von der D e p u t i rt en k a in m e r angenommene Gesetz betreffend die In- spektion der Bergwerke. Das Gesetz wurde schließlich mit 53 Stimmen, bei 11 Etiinmenenthaltnnge» angenommen.— England. — Die I a m e s 0 n- K 0 m ö d i e spielt in England weiter, fängt aber an, etwas ernsthaft zu werden. Ei» Spießgeselle des biedere»„Jim"(Abkürzung für Jameson) hat einen Brief ge- schriebe», in dem es heißt: „Kaiserliche Behörden"— Imperial L.uthorities— wußten um den Einfall i n S Transvaal und billigten ihn. Der Brief liegt der Untersuchungs>Kominission vor, und der betreffende Spießgeselle, Oberst Willo.ighbn, soll nun sagen, was er unter„kaiserliche Behörden" versteht. Willoughby verweigert jedoch die Auskunft. Jetzt will ina.i den„Sprecher" des Unterhauses veranlassen, gegen Willoughby einzuschreiten: und da es sich um eine vom Unterhaus niedergesetzte Kommission handelt, so hat der„Sprecher"(Präsident) das Recbt, einen renitenten Zeugen auf u 11 b e st i m in t e Zeit einzusperren. Es wird aber nicht so gefährlich werde». Ein öffentliches Geheimniß ist es, daß unter den„kaiserlichen Behörden", welche den Räubereinfall in befreundetes Land billigte, Herr C h a in b e r 1 a i n, englischer Minister der Kolonien, sich befindet!— Jtalie». Rom, 5. April.(Eig. Ber) Heute Kammerervffnung. Der König und sein Hof fanden beim Publikum einen eisigen Empfang. Kein Hochruf. Das ist symptomatisch. Die Thronrede ist die dümmste und miserabelste, die je, selbst in Italien, gehalten worden. Kein Wort über das Pluralitäts- Wahlgesetz oder K l a s s e n k a ni p f- G e s e tz, wie wir es genannt haben, daS den Reichen mehrere Wahlstimnie» giebt und das die Regierung noch vor Ostern von der Kammer berathen lassen will. Cavallotti, der bisher mit der Regierung liebäugelte, hat feindliche Erklärungen gegen sie abgegeben. Der„Schlußwitz" von heute: Rudini kam in Uniform, in der er aussieht, wie ein Pudel, dem ein Halskragen umgelegt ist. Als er im Wandelgang der Kammer eine belaiiute Dame traf, die ihn lächelnd iiiusterte. meinte der Ministerchef:„Sie sehen, ich bin maskirt". Wie lange wird die Maskerade noch dauern?— Spanien. Madrid» 3. April. Der Kriegsminifier machte im Minister» rathe die Mittheilung, daß er beabsichtige, einen Theil der Truppen aus Kuba und von den Philippinen zurückzurufen, nachdem die Be- ruhiguug i» beiden Gebieten stetig fortschreit«.— — Ueber die Barcelonaer An archisten-Affäre schreibt das„Verl. Tagebl.": Unter den 30 Augeklagten, für die der Oberstaatsanwalt(s. unsere Nummer vom 2. d. M.) aus Frei- fprechung plädirte, die also sämmtlich von der unteren Instanz des Kriegsgerichts zu Barcelona verurtheilt worden waren, befindet sich nach Mittheilungen der Blätter auch der Deutsche HiiffeU Der Urtheilsspruch kann jedoch nicht vor Mitte April erwartet werden, da die Prozeßakten gegen die 76 An- geklagten ein Gewicht von fast süns Zentnern erlangt haben, und demnach der Gerichtshof zur Durcharbeitung des Akten- Materials mehrere Wochen Zeit gebrauchen wird. Die Berathungen des Gerichts finden täglich im Beisein der Vertheidiger, aber in Abwesenheit der Angeklagten statt.— Asien. — Ueber die Ursache derkritischen Lage in Indien liegt nunmehr der Bericht einer Uutersuchungs-Kommisfion vor, von welcher unter anderem behauptet wird, daß der Gouverneur von Indien, Lord Georg Hamilton, verantwortlich gemacht werde» muß für die Kalamitäten und Gesundheilsverhältnisse der Kolonien. Von 1000 Mann befinden sich 522 im Krankenhanse. Lord Salis- bury hat eine Spezialkommission nach Indien entsandt, um die ganze Verwaltungslhätigkeit Hamilton's genau zu prüfen. Hamilton theilte im englischen Unterhause mit, für den Fonds zur Unter- stützuug der unter der Hungersnoth in Indien Leidenden seien aus England und von auswärts 667 060 Pfund eingegangen; der Ge- sammtbetrag der Zeichnungen für diesen Zweck betrage 767 000 Pfund (15 710 000 m). Afrika. Pretoria, 7. April. Nach Meldungen, die heute Abend von der Delagoa-Bai hier eingegangen find, befindet sich ganz Gazaland in offener Empörung. 25000 aufrührerische Eingeborene find inner- halb 40 Meilen von der Grenze Transvaals versammelt. Die portugiestschen Truppen werden eilig mobilisirt.— Der Bnndesrath hat in seiner am Donnerstag abgehaltenen Plenarsitzung die Vorlagen betr. die Gesetzentwürfe für Elsaß- Lothringen über die Vizinalstraße», sowie über die Besoldung der Lehrer und Lehrerinnen an öffentlichen Elementarschulen den zuständigen Ausschüssen, die vom Reichstage bei der Be- rathnng des Reichshaushalts- Etats für 1896/07 gefaßten, der Beschlußfassung des Bundesraths vorbehaltenen Resolutionen theils dem Reichskanzler, theils de» zuständigen Ausschüssen überwiesen. Dem Ausschußbericht über den Gesetzentwurf betreffend den Servis- tarif und die Klaffeneintheilung der Orte wurde die Zustimmung ertheilt. Der Ansschußbericht über den Reichstagsbeschluß betreffend die reichsgesetzliche Regelung der Verhältnisse in den Heilanstalten für Geisteskranke wurde dem Reichskanzler überwiesen. Endlich wurde dem Ansschußbericht über den Antrag Preußens betreffend die Einführung einer Bezeichnung für 100 Kilogramm die Zu- stimmung ertheilt.—_ Die Sozialdemokratie deS Fürstenthums Schwarzburg- Sondershausen hält am 2. Osterfeiertag in Ichtershausen ihre Landeskonferenz ab. Di« vorläufige Tagesordnung lautet: 1. Bericht des Vertrauensmannes, 2. die nächste Reichstags- Wahl und Aufstellung eines Kandidaten hierzu, 3. Agitation, 4. Presse, 5. Anträge auS der Mitte der Versammlung. Die Maifeier in Brüssel wird um 7 Uhr abends durch einen großen Demonstrationszug ihren Anfang nehmen. Die einzelnen BerufSgruppen sind gehalten, durch Verhandlungen mit den Unter- nehmern die Freigabe des 1. Mai zu erreichen. Am Sonnabend, den 2. Mai soll in einem Brüsseler Theater ein großes Fest veranstaltet werden.— Einige Kommunen des Borinage(Belgien) haben schon jetzt beschlossen, ihren Angestellten am 1. Mai freizugeben. Polizeiliches, Gerichtliches ,e. Der Verleger der Breslauer„Volksmacht" soll sich bekanntlich durch Bezahlung von Geldstrafen, die den» verantwort- lichen Redakteur auserlegt»varen, der„Begünstigung" schuldig ge- macht haben. Das Landgericht hatte die Eröffnung des Verfahrens abgelehnt, das Oberlandesgericht jedoch gab der hiergegen ein- gelegten Beschwerde der Staatsamvallschast statt und ordnete die Eröffnung des Verfahreits an. Eine gleiche Anklage, die seinerzeit gegen den Verleger der„Thüringer Tribüne" anhängig gemacht war, hat, wie hierbei in Erinnerung gebracht sei, in allen Instanzen mit Freisprechung geendet. — Der„Lübecker Volksbote" hatte gemeldet, daß einem Arbeiter der dortige» Firma Ewers u. K o. von Anfang Juli 1894 bis Ende Mai 1396 Beiträge für die zweite Klaffe der Orls-Kranken- lasse abgezogen worden sind, während er zur dritte» Klasse an- gemeldet»var. Bei einer Erkrankung des Arbeiters ivurde die Un- richtigkeit entdeckt; Schaden ist zivar nicht ihm, aber der 5kasse erwachsen. I» einer Versammlung hat nun Redakteur Friedrich diese Sache besprochen,»vobei er gesagt haben soll, es liege ein„Betrug" des betreffenden Beamten der Firma Eivers u. Co. vor. Dieser, der Kalkulator Steiner, erhob Privatklage und erreichte bei in Schöffengericht die Verurtheilung Friedrichs zu 3 Wochen Gefänaniß. Friedrich hatte die beleidigende Aeußerung bestritten, die Schöffen schenkten aber der gcgenlheiligen Aussage zweier Angestellten der Firma Ewers u. Co. Glauben, die der Versammlung beigeivohnt hatte». Friedrich legte Berufimg ein, das Landgericht aber verwarf dieselbe mit dem Bemerke,», es würde auf eine weit höhere Strafe erkannt haben,»venn auch der Privatkläger Berufung eingelegt hätte. Das Erkeuntniß de? Schöffengerichts hatte gelautet:„Bei der Strafzumessung ist berücksichtigt»vorden, daß der Angeklagte schon erheb- liche Vorstrafe» erlitte» hat, und daß die auf ein gering- fügigeS Versehe» begründete aufhetzende Erzählung mit dazu bei- getragen haben mag, eine beklagensiverlhe, mißgeleitetc Arbeiter- schaar in einen Ausstand zu treiben, der über viele Arbeiterfamilien großes Elel»d und nur den Führern keine» Nachtheil gebracht. Ein Ereigniß, das an sich gerade so unbedeutend ist. als»väre» einige Nummern der Zeitung des Angeklagten einem Besteller durch die Zeitungsfrau nicht geliefert, ist in einer Form verbreitet worden, die Haß und Erbitterung in die Arbeiterbevölkeruug tragen mußte." Da die angebliche Aeußerung Friedrich? über einen Vorgang bei Jivers u. Ko. mit dem Streit bei Thiel n. Söhne, der hier ge- meint ist, gar stichts zu thun hatte, so ergiebt sich hieraus mit ge- »lügender Deutlichkeit von selbst, ob das Schöffengericht berechtigt »var oder nicht, den Thiel'schen Streik überhaupt i»it dieser Sache in Verbindung zu bringen und dabei seinem Unmuth über die so- genannten„Führer" der Arbeiter Luft zu machen. � Der Redakteur der„S ch»v ä b i s ch e n Tagwacht", Ge- nosse Geiger in Stuttgart,»vurde»vegen Beleidigung eines Technikers und eines Gefängnißwärters zu 60 M. und wegen Beleidigung eines Schutzmannes zu 20 M. Geldstrafe sowie zur Tragung sänimtlicher Kosten verurtheilt. Die Beleidigungen sollen durch Artikel begangen sein, worin die Behandluirg ziveier Frauen seitens der behördlichen Organe geschildert»var. VvozeH MoprhenrÄNN und Genomen. Dritter Tag. Nach Eröffnung der Sitzung durch Landgerichts-Direktor Rieck »vird in der Beweisausnnhme fortgefahren. Zunächst wird Ober. Postdirektor R o gge aus Fürfienwalde, der seinerzeit den Posthilfs- boten Schivemmcr über den Einlieferer der Kiste gehört, vernommen. Er erklärt, daß Schwemmer bei seiner ersten Vernehmimg entschieden nicht die Vermuthung ausgesprochen datte, daß der Einlieferer eine Frauensperson sein könnte. Diese Version ist erst später aufgetaucht und dann von Echwemmer als möglich hingestellt »vorden. Polizeilieutenant a. D. Raschle. Hierauf läßt sich der Güterexpedient Schulz noch einmal ver- nehmen, um folgendes zu bekunden: Der Ladeineister Herfurt, der in Erkner nicht weit vom Polizeilieutenant a. D. R a s ch k e»vohnt, hat einmal—„ach seiner Behauptung— auf einem gemeinschaft- lichen Heiinwege von Herrn Raschle allerlei Klagen über seine schlechte Lage gehört und bei dieser Gelegenheit soll Raschle u. a. gesagt haben:„Was ich aber'mal in den Klauen habe, das halte ich fest". Ferner beharlptet der Zeuge: Die verivittivete Frau Staatsanwalt Dr. Eckert in Erkner habe einmal den, Herfnrt er- zählt,»venn zivei Freunde des Raschle namens Jahnke und Schnitze den Mund aufmachen»vürden, dann alle drei auf de» Klotz kommen müßte».— Polizeirath Wolfs macht daraus aufmerksam, daß dieser Verdacht gegen den Polizeirath a. D. Raschle bereits a k t e n n, ä ß i g behandelt sei. Er selbst habe seinerzeit die Er- Mittelungen nach dieser Richtung hin angestellt, die jedoch ein Er- gebniß nicht gehabt haben.— Zeuge Schulz macht»veiter folgende Mittheilungen: Im vorigen Jahre habe ihm ein Kriminal- schutzmann gesagt, daß er mit einer der Sprengflaschen in eine Fabrik, die besonders mit Ligroin zu thun hat, ge- gangen. und habe dort erfahren, daß der Inhalt gar nicht aus Ligroin bestehe, sondern Benzol sei,»velches in Theerfabriken gebraucht»verde. Nun befinde sich eine Theerfabrik in der Nähe der Raschke'schen Wohnung, Raschle sei auch mit Augestellten der Fabrik bekannt. Schließlich hebt der Zeuge noch hervor, daß er am ersten Tage der Verhandlung Herrn Raschke i»n Vorflur des Gerichts gesehen habe.— Polizeirath Wolfs bestätigt diese Thatsache, erklärt aber wieder, daß nach seinen Ermittelungen Herr R. a» jenem Tage einen Termin wahr- zunehmen und sich nach Beendigung desselben sofort aus den, Ge- richtsgebäude entfernt hatte.— Der Gerichtshof beschließt, die sämmtlichen von dem Zeugen Schulz genannten Personen als Zeugen vorzuladen, ebenso Herrn Raschke. Koschcmann'ö Statur. SanitätSrath Dr. M i t t e n z e i g. der vor der heutigen Sitzung die einzelnen Körpertheile deS Kocheinann genau gemessen, giebt an, daß letzterer»nit Stiefel 167 Zentim., ohne Stiefel I65>/2 Zentim. mißt. Die Messung der Körpertheile hat ergeben, daß diese in jeder Beziehung einem männlichen Körperbau entsprechen und auch in ihren» Verhältuiß zun» ganzen Körper vollständig männlich sind; das ganze Skelett also ist männlich und nicht weiblich. Der Sachverständige setzt hinzu, daß der allgemeine Eindruck Kosche- inann's allerdings etivas Mädchenhaftes an sich hat; dies liege an der ganzen Kopfbildung, der Weichheit des Gesichts, den» sanften Blick und der blassen Farbe. Wenn Koschemann in Frauenkleidern auf einen Maskenball gehen wollte, so»vürde ihin die Täuschung sehr leicht»verde». Was die Größenverhältnisse des Koschemann betrifft, so bekundet der Sachverständige, daß der Angeklagte jetzt doch zivei Jahre älter sei, als zu der hier fraglichen Zeit und daß es doch»vohl daraus ankomme,»vie groß er damals war. Da dürfe nicht vergesse»»verde», daß es bei uns nicht ausgeschlossen ist, daß ein junger Mensch noch bis z»m23.Jahre wächst.— R.-A. Dr. Schöps über- reicht eine Abschrift der Körpermaße,»vis sie angeblich bei der Gestellung des Angekl. Koscheinann beim Militär gemessen sein sollen. Darin ist das Körpermaß(ohne Stiefel) anf 167 Centimetcr angegeben, der Körper müßte also seitdem nicht gewachsen, sondern eingeschrumpft sein. Um diesen Ziviespalt auszuklären, beschließt der Gerichtshof, sofort die betr. Papiere von der Kreisersatzkommission einzufordern. Koschemann'S Auge». Sanitätsrath Dr. M i t t e n z>v e i g läßt sich auch noch über die Farbe der Augen des Koschemann aus, da der Zeuge Rähse gestern die Augen der auf dem Schlesischen Bahnhof beobachteten Person mit Bestimmtheit als„braun" bezeichnet hat. Koschemann hat,»vie der Sachverständige bekundet, blaue Augen; diese werden, »vie alle Augen, Heller, wenn der Mensch nach dem Licht zu sieht, aber dunkler,»venn man mit dem Rücken nach dem Licht zu steht. Es ist auch zu berücksichtige» der Ton der Helligkeit, der davon abhängt, in wieiveit die Regenbogenhaut mit Blut ge- füllt ist, wie es vorkommt,»venu»»»an sich im Affekt befindet.— Aus dieser Bemerkung des Sachverständigen entivickelt sich eine Szme, die auf einige Zeit den Gerichtssaal den» Saale einer Augenklinik ähneln läßt. Koschemann muß heraustreten und der Zeuge Rähse die Augen desselben in den verschiedensten Stellungen des Koschemann betrachten. Letzterer muß i» das Licht blicken, dann sich mit dem Rücken gegen das Licht stellen, es»verde», auch die Gardinen im Saale z»lgezogen, um ein den Verhältnissen auf dem Schlesischen Bahnhofe entsprechendes Licht herzustellen. Der Zeuge Rähse giebt zu, daß dann die Augen dunkler erscheinen, er meint aber doch, daß die Person anf den» Schlesischen Bahnhofe braunere Augen hatte. Auf Wunsch eines Geschivorenen muß auch Fran Westphal und Frau Gürtler hervortreten, namentlich die letztere»miß sich auch einen Kosche- mann'sche» Hut aussetzen und sich dicht neben den Zeugen Rähse stellen, der aber die Größenverhältnisse als nicht zutreffend angiebt.— Obermeister Beutel stellt fest, daß die Gürtler Pariser ohne Hacken trägt. Die Gürtler behauptet, daß sie»iemals Hackenschuhe trage, da sie an Rheumatismus leide. ABC-Schütze» gegen Koschemann. Alsdann»vird in der Beweisaufnahme fortgefahren. Nächster Belastungszeuge ist der Obersextaner Karl H o f m a» n, Sohn deS früher in Fürstenwalde, jetzt in Westend»vohnenden Restauraleurs Hofmann. Er sagt aus: er habe an den, fraglichen Sonnabend Nachmittag, als er mit seincin Freunde Willy Kaul vom Baden gekommen, eine Person gesehen, die eine in ein Tuch geivickelte Kiste trug. Die in Mannskleidern steckende Person sei an sie herangekommen und habe gefragt, ,vo die Post sei. Sie haben ihn» gesagt, er solle nur die Promenade entlang und dann in die Friedrichstraße hineingehen. Er kehrte aber eine kurze Strecke um und ging in den Park hinein. Dann kau» er»vieder und nun»var das Tuch nicht mehr um die Kiste. Der kleine Zeuge behauptet nun aber, daß die Kiste auch nicht in Papier geivickelt»var, sondern das rohe Holz zeigte. Er schildert serner den Rock des Mannes als gran, bis oben heran zugeknöpft und hinten mit einer Schnurre ver- sehen. Als Koschemann sich die nachträglich angefertigte grau-grün- liche Sonnnerjoppe überzieht, erklärt der Zeuge, daß es solch' ein Rock»var. Er hat seinerzeit seinen Eltern von dein Manne erzählt und gesagt: es sei so einer von denen, die durch die Wälder streife», so ein Räuber. Später sagte der Zeuge, er habe sich dies gedacht,»veil ihn» der Mensch verkleidet vorkain. Der Mann sei so gegangen, als wenn er eine Frau sei. Das Gesicht Kosche- inann's komme ihm ähnlich vor. Bei seiner ersten gerichtlichen Ver- nehmung, l'/, Jahre nach der That, hatte der Zeuge ausgesagt, daß das Gesicht Koschemann'S„ganz so" aussehe,»vie das deS Freniden. Unter dem Hute sei lockiges Haar etwa von der Farbe des Angeklagten sichtbar gewesen, das Haar schien ihm aber kürzer aeivesen»u sein. Koschemann»nitß»vieder vortreten und vor dem kleinen Zeugen verschiedene Gangarten machen. Er muß auch die Kiste in die Arme nehmen und hin- und hergehen, der Zeuge meint aber, der Fremde habe kürzere, frauenhaftere Schritte genoinmen. Rechtsamvalt Dr. Schöps macht darauf aufmerksam, daß der Untersuch,»ngsrichter jedenfalls den Zeugen zunächst über alles befragt und dann ihm den Angeklagten als denjenigen vorgeführt haben»vird, der verdächtig fei, der Einlieferer der Kiste zu sein. Der Staatsanivalt beantragt, den Untersuchungsrichter vorzuladen. Gleichzeitig erklärt der Staatsanwalt, daß er sich den Beweis darüber vorbehalte, daß Frau Gürtler doch Schuhe mit Hacke» getragen und sich letztere abgeschnitten habe.— Der ziveite kleine Zeuge, Willy Kaul, Soh» des Schlächtermeisters Kaul in Fürstemvalde, schließt sich im allgemeinen feinem Spiel- kameraden an. Auch er hält das Gesicht Koschemann's für sehr ähnlich, möchte aber doch nicht mit Bestimmtheit behaupten, daß er der Träger der Kiste ist.— Auf Wunsch des Staatsanwalts muß Koschemann an die beiden Jungen wiederholt die Frage richten: „Wo geht'S nach der Post?" Die Zeugen erklären aber, daß die Stimme Heller, so wie eine Frauen st imme»var. Noch einige Fttrstenwalder Zengen. Die nächste Zeugin, Fräulein Elise S ch i n k e auS Fürsten- Wälde hat an dem kritischen Sonnabend den Mann mit der Kiste auch gesehen. Sie sah alis dem Fenster und bemerkte den Mann, der ihr etivas theatralisch vorkam, etiva»vie ein Zauberer, der über Land zieht, um Vorstellungen zu geben. Sie hat gesehen, wie der Man» die Kiste, die er trug, behutsam zur Erde setzte und eine alte Dame etwas fragte, die dann nach dem Bahnhose zu zeigte. (Die alte Dame ist leider nicht auffindbar geivesen.) Die Zeugin hat dann weiter gesehen, daß der Fremde die Kiste»vieder behutsam ausnahm und nach dem Bahnhofe zu weiter ging. Die Zeit- bestimmung, welche die Zeugin giebt, stinimt mit der Zeit der Ankunft des Zuges in Fürstenivalde nicht über- ein. Sie sagt, sie hätte den Mann zwischen 6 und 7 Uhr gesehen und bestreitet die Möglichkeit, daß es nach 7 Uhr ge- »vesen sein könne. Auf wiederholten Vorhalt des Vorsitzenden, woher sie denn das wisse, da sie doch zugebe, nicht nach der Uhr gesehen und auch keine Kirchenuhr schlagen gehört zu haben, erklärt die Zeugin: ihr Bräutigam habe sie um(il/4 Uhr verlassen und sie habe ihm längere Zeit nachgeblickt. Auf»vetteren Vorhalt giebt die Zeugin zu, daß sie eine bestimmte Zeitangabe nicht machen könne. Die Zeugin findet Gang und Figur Koschemann's ähnlich, die Haare aber unähnlich. Sie hat, als sie am 23. Septeinber 1896 den Koschemann zuerst vor dem Untersuchungsrichter gesehen, auch dort eine bestimmte Aehnlichkeit nicht bekundet. Sie hatte jedoch damals wahrgeuommen, daß sich der Angeklagte bei seiner Abführung auf dein Korridor genau so auffällig hinten an daS Haar fuhr,»vie sie es bei der betr. Person i» Fürstenivalde wahr- genommen. Sie hat diese Thatsache damals sofort dem Richter mit- gelheilt. Auf Befragen der Bertheidigung, ob sie vielleicht sagen könne, daß die Bewegung nach den Haare» so»var, wie es Frauen zu thun pflegen, wenn sie sich überzeugen wollen, ob der Tupfen noch in Ordnung sind, giebt die Zeugin eine verneinende Antivort. Der hintere Haarwuchs Koscheinann's scheint ihr etivas dünner wie bei der betreffenden Person.— Polizei-Assistent Adolph hat die Person gegen aJi8 Uhr gesehen, als sie die Post verlieh und sich nicht dem Bahnhose zu. sondern nach der entgegengesetzten Seite »vandte. Der Barbier Hüneken habe ihn daraus aufmerksam ge- macht, daß die Person doch geiviß eiue verkleidete Frau sein müsse. (Während dieser Zeugenvernehmung erhält ein Geschivorener ein Tele- gramm, durch»velches er an das Sterbebett seiner Mutter gerufen»vird. Er»vird deshalb vom Gerichtshöfe von der»vetteren Theilnahme dis- pensirt und ein Ersatzgeschivorener tritt an seine Stelle). Barbier Hüneken in Fürstenivalde hat die Person ziveimal gesehen. Er bestätigt, daß er sie sofort für eine verheirathete Frauensperson gehalten habe, die aber nach seiner Meinung kleiner war, als Koschemann, und auch krauseres Haar— einen sogenannten ge- brannte» Tituskopf— hatte. Die Perso» ging vom Bahnhof erst der Stadt, dann aber bald wieder dem Bahnhos zu. Kopfbildung, Gesicht und Gang Koschemann's erscheinen ihm recht ähnlich, nicht aber die Größe— doch könne er sich darin täuschen. (Mittagpause.) Nach Wiederaufnahme der Verhandlung»vird festgestellt, daß der in Frage kominende Zug abends 3 Uhr 9 Minuten von Fürsten- »valde abgegangen und um 8 Uhr 52 Minuten in Berlin eingetroffen ist. Es»vird sodann der Bremser Laivisch vernommen, welcher am Abende des 29. Juni 1895 auf dem Bahnhofe Fürstenivalde den Perroudicnst versehe». Ihm ist dort eine Person aufgefallen, die»och, nachdem das Abfahrtsignal gegeben»var, in aller Eile angelaufen kam und noch im letzten Augen- blicke in den nach Berlin zurückgehenden Zug sprang. Dem Zeugen ist früher einmal die Photographie Kosche- »nann's vorgezeigt»vorden und er hat darin die Person»vieder- erkannt, die dainals den Zug i» Fürstenwalde bestiegen hat. Er hat dann den Angeklagten in» Plötzeusee gesehen und auch ziemlich bestimint die Identität bekundet. Heute sagt er»nit aller Bestimmt- heit ans: K o s ch e n» a>» n i st nach Gesicht, Gang>» n d Haltung dieselbe Person, der er am 29. Juni abends kurz vor Abgang des Zuges die Rückfahrtkarte abgeknipst habe. Er bleibt auch trotz vielfacher Fragen der Vertheidigung hierbei, giebt aber zu, daß ihm damals die Person etivas kleiner vorkam als Koschemann. Letzterer hatte einige Zeit vorher bei der Vernehniung eines Zeuge» auf Befragen des Vorsitzenden ver- sichert, daß er Fürstenivalde garnicht kenne, sondern ni»r wisse, daß es an der Spree liege.— Zeuge Schutzmann Wenzel hat die Ermittelungen angestellt,»velche ergaben, daß das bei den Akten befindliche Billet am 29. Juni abends 6.5 Uhr hier vom Schlesischen Bahnhofe nach Fürstenivalde und um 8.6 Uhr abends von Fürsten- »valde»ach Berlin zurück benutzt ist.— Schaffner K u n i ck e in Fürstenivalde hat auch die vom Zeugen Lawisch erwähnte Person gesehen,»veiß aber nur zu sagen, daß die Größe der Koschemann's einigermaßen entspricht. Als ihm K. zum ersten Male vor Gericht vorgesührt»vurde, sagte er: Der Mann muß mir in»neiner amt- liche» Thäligkeit schon einmal vorgekommen sein, ich weiß nur nicht >vo? Dabei bleibt der Zeuge auch heute.— Der nächste Zeuge ist Landrichter H a l l e r v o r d e». der die Voruntersuchung geführt hat. Er giebt Auskunft über die Art,»vie er die beiden kleinen Zeugen aus Fürstemvalde vernommen hat.— Frau Etadtsekretär Stein- g r ä d e r i» Fürstemvalde hat die vielbesprochene Perso» auch gesehen und sie auch für ein verkleidetes Frauenziminer gehalten. Sie behauptet, daß die Person stärkere Hüsten halte und kleiner»var als Koschemann. Auch diese Zeugin sagt, daß die Haare des Angeklagten nicht übereinstiinme»; jene Person habe einen Tit»»skopf gehabt. Ihr scheine es nicht so, als ob K. die Person sei. Di« Zeugin hat als cksmonsbratia ad oculos aus Fürstemvalde das Modell eines Hutes mitgebracht, »vie ihn die betr. Person getragen, ebenso eine Stoffprobe von der Art. ans»velcher nach ihrer Meinung der Rock des Fremden ge- fertigt»var.— Schaffner Sacha, jetzt in Ohlau, hat den Mau» gesehe», der an» 29. Juni 1895 abends in Fürstemvalde noch im letzten Augenblick in den nach Berlin fahrenden Zug sprang. Er hörte eine Stimme, die»vie eine Fraueustimlne klang, rufen:„Schaffner, nach Berlin!", sah dam» aber, daß der Paffagier ein Man»»var. Die Auslassungen des Zeugen in persönlicher Richtung sind sehr unbestimmt.— Professor P r i n g s h e i m bat sich in einem Abtheil des Schnellzuges befunden, der am 29. Juni 1895 abends, von Breslau nach Berlin gehend, Fürstenwalde passirte. Er hat auch die Person gesehen, die noch in» letzten Augenblick in Fürstemvalde den Zug bestieg. Der Zeuge hat ebenso»vie eine andere Reisende sofort den Eindruck gehabt, daß es eine verkleidete Frauens- perfon war. Sie sah etiva aus»vie eiue Schauspielerin, die eine» Knaben von etiva 15—16 Jahren darstellt. Als er Koschemann zun» ersten Male beim Untersuchungsrichter sah, glaubte er mit Rücksicht ans seine feste Meinung, daß es ein Frauenzimmer geivesen sein müsse, zunächst, daß K. unmöglich jene Person sein könne. Je länger er dam» K. ansah, desto frappanter erschien ihm aber die Aehnlichkeit des Gesichts. Der Habitus und der Gang »var anders, doch schien es dem Zeugen, als ob der Angeklagte ge- nau»vnßte,»vorauf es ankam, und deshalb seine Schritte absichtlich größer und niännlicher machte. Jetzt bei näherem Nachdenken könne er nur sagen: nachdein er jetzt»vieder den Koscheman», gesehen, werde er in seinen» Urtheil, daß dieser jene Person nicht sein könne, doch wieder»vankend;»venu er aber diese Person fei, dann müsse er in Fürstenivalde absichtlich den Eindruck habe hervorrusen wollen, daß er«i» Weib sei. Da auch dieser Zeuge, »vie vor ihn» andere, von den„starken Hüften" der betreffenden Person gesprochen, macht Sanitälsralh Dr. M i t t e» z»v e i g darauf aufmerksam, daß hier vielleicht eine anatomische Verivechselung zivischen Hüfte» und Gesäß vorliege. Thatsächlich habe der An- geklagte ein stark hevortretendeS Gesäß. Buchhalter Oskar Coro in us hat die qu. Person für ein verkleidetes Frauenzimmer gehalten, die Figur stimmt jed oih nicht mit der des Angeklagte» K.— Bureau-Assistent P et s ch hat in dem Nbthcil gesessen, in welches die betr. Person in Fürst«»- walde einstieg. Er glaubte damals, es sei eine verkleidete Frauens- perso», etwa ein Dieb, der sich im letzten Augenblick vor seine» Verfolgern gerettet hatte. Der Zeuge hat beim Untersuchungs- richler erklärt, er halte den Angeklagten nicht für identisch mit jener Person. Heute hält er es für bedenklich, sich nach der positiven oder negativen Seite zu äußer». Er wisse nur noch, daß die betreffende Person zierliche Hände und auffallend kleine Füße hatte, aber sehr weite Beinkleider trug. Koschemann'S Füße erscheinen dem Zeugen größer. Obgleich der Zeuge jener Person Stunde gegenüber gesessen, ist ihm nicht aufgefallen, daß sie eine Per rücke trug; dieser Gedanke ist ihm e r st später gekommen. Die Augen der Person schildert der Zenge als graublau. Telegraphisch geladene Zeugen ans Erkner. Verwittwete Frau Staatsanwalt Eckert, früher in Stettin, jetzt in Erkner wohnhaft, bekundet auf die Fragen des Präsidenten: Sie i n t e r e s s i r e sich für Berlin so wenig, daß sie sich kaum entsinne, von dem Attentat etwas gelesen zu haben. Herr» Polizei- lieutenant a.D. Raschle kennesie, daerihrNachbarsei.siewisseabernichts davon, daß dieser dem Polizei-Oberst Krause feind- lich gesinnt sei.— Präs.: Haben Sie jemals dem Herrn Herfnrt gesagt, daß, wenn Sie sprechen wollten. Raschle, ljahuke und Schulz de» Kopf auf den Block legen müßten?— Zeugin: Aber um Gotteswillen! Niemals! Das ist eine direkte Lüge! Wir leben draußen in einer furchtbaren Kliqne! Zeuge Polizeilieutenant a. D. Raschle: Der Polizei- Oberst Krause habe mit seinem Ausscheiden aus dem Polizeidienst nichts zu thun. Oberst Krause habe lediglich in seiner Militärangelegen- heit gegen ihn zeugen müssen, da bal.. er aber doch nur als Beamter seine Pflicht getha». Er erkläre hiermit, daß e r mit derAbsendung der Attentatskiste nicht das geringste zu thnn habe. Er wüßte auch nicht, daß er jemals über den Polizei-Oberst Krause etwas Böses oder Drohendes gesagt habe. StadtbanamtZ-Nssisteut I a h n k e: Er selbst habe mit der Ab sendung der Kiste nicht das allergeringste zu thun, wisse auch nicht das geringste davon, daß etwa Herr Raschle etwas damit zu thun habe.— Ganz dasselbe bekundet der Eigenthümer Schulz. Lademeister H e rf n r t- Erkner: Herr Raschle hat niemals ihm gegenüber seinen Unnmth gegen den Polizei-Oberst Krause geltend gemacht. Dagegen hat er'mal ans dem Heimwege etwas von„Rache" gesprochen und gesagt:„Was er einmal in seinen Händen halte, halte er fest."— Zeuge Raschle erklärt, daß ihm nicht bekannt sei, etwas von„Rache" gesprochen zu haben. Die zweite Aenßerung habe er öfter gethan, sie beziehe sich ans den Prozeß, den er mit dem Amts Vorsteher v. Busse führe.— Die übrige» Aussagen des Zeugen Herfurt sind ohne jede Bedeutung und enthalten nichts, was die am Vormittage gemachten Bekundungen des Güter- Expedienten Schulz irgendwie zu einein Verdacht gegen Herrn Raschle ver- stärken könnten.— Polizeirath Wolfs bemerkt zu diesem Pnnkte noch: Herr Raschle hatte einmal eine Eingabe an die Eisenbahn- Verwaltung gemacht. Der Güterexpedient Schulz glaubte in den Schriftzügen eine A e h n I i ch k e i t mit den S ch r i f t z ü g e n auf der Begleitadreffe der Alteutatskiste zu ent- decken. Die daraufhin angestellten Ermittelungen haben ergebe» daß eine solche Aehnlichkeit nicht vorhanden sei. Daran haben sich dann die übrigen negative» Ermittelungen geknüpft. Entlastungszeuge Profcffor Lange» aus Stettin bekundet, daß er zu der fraglichen Zeit die fragliche Perso» in Stettin gesehen habe. Er kann nur bekunden: Er habe ans «inen» seiner Spaziergänge in Stettin an einem der letzte» Tage des Juni lSSb daselbst eine auffallende Perso» gesehen, die auf ihn den Eindruck machte, als ob etwa eine Dame aus einem Cafs chantant sich den Scherz gemacht habe, sich in Männerkleider zu stecken. Als er dann in den Zeitungen die Bekanntmachung las, in welcher die verdächtige Person näher beschrieben war, habe er gesunden, daß diese Beschreibung sich ziemlich mit dem Eindruck deckte, den er von jener Person in Stettin empfangen hatte. Er habe es deshalb für seine Pflicht gehalten, der Behörde Anzeige zu machen. Aus dieser Anzeige geht hervor, daß der Zeuge jene Person am 23. Juni früh in Stettin gesehe» habe. Der Zeuge hat sie zum zweiten Male gleich darauf in Gesellschaft von zwei Männern gesehen; alle drei schienen in Stettin fremd zu sein. Koschemann sieht der von dem Zeugen gesehenen Person nicht ähnlich.— Koschemann bestätigt dem Staatsanwalt, daß er am 23. Juni 1895 den ganzen Tag bei Ludwig Löive in Martinicken selbe gearbeitet habe. Koschemann, der während des ganzen Tages ungezählte Male hat hervortreten und die verschiedensten Gangarten hat machen muffen, muß zum Schluß der Sitzung nochmals vortreten und die vollgepackte Kiste vor den Zeugen hin»lud her- tragen. Letztere haben ihren Aussagen nichts hinzuzusetzen. Als der Vorsitzende schließlich die sämmtlichcn an Ort und Stelle befindlichen Zeugen in den Saal ruft, um ihnen seine»veiteren Dispositionen mitzutheilen, erscheint auch der anarchistische Redakteur L a n d a u e r. Ihn» wird aber bedeutet, daß er bisher noch nicht als Zeuge geladen sei. Dein Vernehmen nach hatte in» Laufe des Tages Herr Landauer an den Vorsitzenden das Ersuche» gerichtet, ihn alS Zeugen zu vernehmen, da er Mittheilungen zur Sache zu machen habe. Vor Schluß der Sitzung theilt der Vorsitzende mit r Es ist ganz bestimmt unmöglich, die Verhandlung in dieser Woche zu Ende zu führen, es erscheint sogar ziveifelhast, ob die Ost erwache ausreiche»»vird. Ein Geschivorener bittet namens der Geschworencnbank, dann »venigstens einen Tag Pause zu mache», damit die Geschivorenen wenigstens die dringendsten Geschäfte zu Hause erledigen können. Es soll am Montag eine Pause stattfinden und die täglichen Sitzungen ausgedehnt»Verden. Nächste Sitzung: Freitag 9l/s Uhr. Eine allgemeine Versammlung der Buchdrucker Leipzig» wählte als Vertreter im Gewer lschaftskartell sechs An- Hänger der Tarisgeineinschast, darunter den Redakteur des „Correspondenten", R e x h ä u s e r. Daraus beriefen die Gegner der Tarifgemeinschast eine Versammlung ein und»vählten ebenfalls Ver- treter, darunter den Buchdrucker G a s ch. Das Geiverkschaflskartell debattirte mm in seiner letzten Sitzung darüber,»velche Mandate als giltig zu betrachte» seien oder nicht. Es beschloß: 1. In Erivägung, daß die Tarifgemeinschast z, vischen Arbeit- geben» und Arbeitnehmern die Interessen und Weiterentivickelung der Organisation der Arbeiter schädigt, ist diejenige Geiverkschaft, die diesen Standpunkt vertritt, als nicht ans dem Standpunkle der modernen Arbeiterbewegung stehend zu betrachten. Da nun aber das Leipziger Geiverkschaftskartell auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung steht, werden nur diejenige» Delegirten jeder Gewerkschaft anerkannt, welche obigen Anforderungen entsprechen. 2. beschloß das Kartell,„diejenigen Vertreter der Buchdrucker, »velche Anhänger der Tarifgemeinschaft sind, infolge dessen aus Hirsch- Dunckerschem Standpunkte stehe», nicht anzuerkenue», da diese Bestrebungen mit denen des Kartells nicht i» Einklang zu bri»»ge» sind." Das Leipziger Gewerkschaftskartell hat damit Beschlüsse zu gunften einer„Theorie" gefaßt, die sich ebenso kühn über die ökonomischen Thatsachen hinivcgsetzt, als sie ungerecht gegen die Mehrheit der Buchdrucker ist, die schon durch ihre fortgesetzte aus- giebige Unterstützung der anderen Arbeiterkategorie» bei Streiks und durch den Anschluß an die Geiverkschaftskartell«,»vie durch ihre Betheilignng an den Ge>verkschaftsko»gressen deutlich genug darthil», daß sie auf der Seite der Arbeiter stehen, die das Klaffeuinleresse des Proletariats begriffen haben. Der neuerliche Beschluß des Leipziger Kartells ist aber lediglich der Ausfluß eines frühere». Bereits im September vorigen Jahres faßte das Kartell nach einen» Vortrage des schon erlvähnte» Buchdruckers G a s ch den Beschluß, seine Mitglieder sollten sich säinmllich verpflichten,„ jeder festlegenden, z e i t b e st i m m e n d e n und a>» f Gegenseitigkeit b e ruhenden T a r i f g e m e i n s ch a f t innerhalb ihrer Geiverkschaft niit größter E>»ergie entgegen- zutrete»»". In, Gegensatz zu diesen» Beschluß liegen aber feste, zeit bestimmende und ans Gegenseitigkeit beruhende Tarife gerade im Interesse der Arbeiter, und wo»»an es kann, da führt man sie denn auch vernünstigcriveise ein. Daran ändert kein noch so radikal scheinender Beschluß«tivas. Tie Maurer Markranstädts bei Leipzig flehen im Streik. Ihre Hauptsordernngen sind der Zehnstlmdentag und 40 Pj. Mindest- Stundenlohn. Die Zimmerineister Gcra's haben nicht 32 Pf. Stundenlohn bewilligt,»vie erst gemeldet»var, sondern 2 Ps. Zuschlag ans die bisherigen Löhne. 32 Pf. ist die Forderung der Gehilfen. Den Maurern soll,»vie den Zimmeren», ebenfalls der IllVsstündige Arbeitstag bewilligt werden, auf einen bestimmten Minimalloh» »vollen aber die Unternehmer nicht eingehen. Es ist ihnen bis Ostern Frist gegeben. Ausland. Ans der Schweiz. Zu dem Kongreß der schweize- r i s ch e n F r i s e u r g e h i l f e n ist noch nachzutragen, daß als baldmöglichst zu verivirklichende Forderungen aufgestellt»vnrden: Regelung der Wochen- und Souütags-Arbeitszeit, Abschaffung von Kost und Logis beim Meister, Abschaffung der Prozente aus den» Parfümerieverkauf und Herstellung von Haararbeiten,»vöcheutliche oder Istägige Lohnznhlnng, Bekämpfung der sogenannten Volontär- stellen und Abschaffung der Abonncinenls. Zur Durchführung dieser Punkte soll mit den Prinzipalen eine friedliche Verständigung au- gebahnt»verde»». Die Arbeiter der chemischen Fabriken in Basel sind i» eine Lohubeivegung eingetreten. Sie verlangen minimalen Tagelohn von 4,50 Fr., Atifstellung eines Lohn- und Dienst- reglemeuts. Die Züricher Arbeitskaminer schreibt den S ekr e tä r p o st ei» zur Besetzung aus. Anfangsgehalt 2400 Fr. pro Jahr. Bedingung: Kenniniß der ge>verkschnftlichen Arbeiter- organisationen und der schweizerischen Arbeiterschutz-Gesctzgebung. Unter den Druckpapier-Fabrikanten Deutschlands ist eine Beivegung im Gange, die Preise zu erhöhen. Eine Versammlung in Dresden erklärte die Erhöhung angesichts der hohen Preise aller Rohmaterialien und der Kohlen als eine gebieterische Nolhwendigkeit. Die Versamuilnng beschloß, unter de» Druckpapier-Fabnkanten Deutschlands eine engere Fühlung herzustellen, als seither bestand, und deinnächst eine ziveite Versammlung größeren Umfanges ein- zubernfe». Tie dem Kartell der österreichisch-nngarischen Petroleum- Raffiuenre angehörenden M i n e r a l ö l- R a f j i» e r i e n in Trieft und die Petroleum-Industrie-Gesellschaft haben der Leitung des Kartells erklärt, daß sie von dem bis 31. März l. I. geltenden Rechte der Kündigung Gebranch ge- macht habe»» und über den l. Mai hinaus, bis zil»velchem Termine das Kartell noch fortläuft, eine weitere Koiitingentirnng nicht mehr wünschen. Damit ist das Kartell gesprengt. Eine Erneuerung des- selben zu versuchen, ist vorläufig nicht in Aussicht genommen. Es ist nicht umvahrscheinlich, schreibt die„Köln. Volks- Ztg.", daß demnächst in England ein Giiniin»-„Ring" sich bildet Die Ursache ist der enorme Gnnnniverbrauch für Fahrräder. Im Jahre 1336 gab es in England 63 Fahrradfabrike»; feit der Zeit hat die Zahl um das Zehnsache sich vermehrt. Der„Ring" könnte,»venn er zu stände kommt,«ine zeitlang das ganze Fahrrad- ~ e w e r b e lahm legen. Wie enorn» der Gummiverbrauch zu dem angegebenen Ziveck ist, erhellt aus der Thatsache, daß im letzten Jahre an 100 Millionen G u m m i b ä u»» e»vegen ihres G»inn»is vernichtet wurden, Gummibaui»- Anpflanzungen giebt es aber bis jetzt»venig, obgleich sie doch sich lohne» sollte». - GetvevkslchÄfttiches. Berlin und Ningebnng. Achtung! Holzbearbeitungsmaschinen- Arbeiter k Die Kollege» in der Fabrik von Lyon u. Komp., Aorkstr. 85, haben sännntlich die Arbeit niedergelegt, weil sie für de» Lohn von 22,50 M.»vieder 10 Stunden pro Tag arbeiten sollen. Die Kollegen werden ausgefordert, die Fabrik zu meiden, damit die schwer er- kämpften, geringen Zugeständnisse nicht wieder verloren gehen. Der Vertrauensmann. Die Organisirnng der Maurer in der Provinz Branden- b» r g macht gute Fortschritte. Seit der letzten Provinzialkonfere>»z iin Vorjahre sind 20 neue Zahlstelle» gegründet worden, die zum Theil ganz beträchtliche Mitgliederzahlen auszuweisen haben. Deutsches Reich. Di« Töpfer in Breslau befinden sich seit den» 5. April im Streik, um die Einführung eines einheitlichen Lohntarifs durch- zusetzen. Die Töpfer»Verden deshalb gebeten, den Zuzug»ach Breslau sernzuhalten. Anfragen soivie Unterstützungen sind an R. Kren» in in Breslau, Gerlrandtenstr. 8, zu richten.— Die Geschäftskommlssioi» der Töpfer Deutschlands. I. A.: C. Thieme, Berlin, Dresdenerstr. 110. In Elberfeld befinde» sich gegen, värtig noch ll5 Tischler iin Ausstand,»vährend in Barnie» die Zahl aus 45 ges»mken ist, da wleder einige Meister die Forderungen beivilligten. Es ist anzunehmen. daß der Rest der Ausständigen in Barmen noch im Laufe der Woche in Arbeit tritt,»veil die Unternehmer gesonnen sind, die sehr geringen Forderungen der Arbeiter anzuerkennen. Der Bohrerstreik auf dem Hönnethaler Kalkwerke bei Menden ist durch Vergleich beendet. Soziales. Immer mehr sensationelle Einzelheiten aus der Vorgeschichte Explosion»»» der B o r f t g' s ch e» H e d w i g- W n n s ch> Grube kommen jetzt an die Oeffeutlichkeil. Die in Glenvitz erscheinend«„Oberschlesische Bolksstiinme" berichtet in ihrer Nummer vom 7. April: Das Flöh, wo daS Unglück vorgekommen ist, gehörte in den Betrieb des Steigers Knobloch, der sich bei den Reitlings- arbeiten in hoben» Maße ausgezeichnet hatte. Dieser Beamte muß auch die Gefährlichkeit der dort ausströmende» Gase am beste» ge- kauut habe», denn er verweigerte an dem ziveiten Tage, an de», sich die Katastrophe ereignet hatte, seinem Chef die Einfahrt. Der sich iveigernde Beamte wurde aus der Stelle entlassen und für diesen»»ußte Steiger Winkler eintreten, der leider seine Pflichttreue mit d e in T o d e b e z a h l e n m u ß t e. Es wurde»nilgetheilt, daß der Obersteiger Baumgärtner seiner Frau, als ihn» dieselbe abredete, einzufahren, nachdem er noch nicht von de» Folgen der Ohnmacht und Einathmnng giftiger Gase in der Nacht von» 31. März zrnn I. April»vieder gänzlich hergestellt»var, euviderte: E s i st ein« Pflicht zu gehorchen, wenn Borsig befiehlt."— Roch auf der Förderschaale hat aumgärtner»varnend gesagt:„Herr Borsig, das ist eine Fahrt auf Lebe» und Tod." Leider waren alle Einivendungen vergeblich und fruchtlos. Herr Borsig Übernahm die Führung der Expedition, nachdem der Betriebsleiter, Berginspektor Scheller, dies abgelehnt hatte,»veil er die Wahrscheinlichkeit einer Nachexplosion befürchtete, die«rfahrungs- gemäß sich häufig«in stellt; deshalb pflegt man a»»ch solche Strecken frühestens»ach zivei bis drei Tagen»vieder zu befahren. Es ist ferner Brauch, bei»,» Betrete», von Strecken.>vo schlechte Wetter vorhanden sind, soivohl SicherheitSlampen(in neuerer Zeit elektrische) soivie eine Art von Taucheranzügen zn benutzen, die eine Vorrichtimg zun» Einathmen von Sauerstoff enthalten. Alle diese Vorstchtsniaßregeln ließ Arnold Borsig außer acht. Es»vird berichtet, daß er stets sehr schnell seine Entschlüsse zu fassen und ebenso schnell auszilführen pflegte, und in diesem Falle beeilte er die Angelegenheit um so»nehr, als er an demselben Abend um 8 Uhr einem Bismarck- Kommers in Borfig>verk beizuwohnen gedachte." Soweit die„Oberschlesische Volksstimn»«". Einer vom Herolb'schen Bureau telegraphisch verbreiteten Meldung des„Breslauer General-Anzeigers" zufolge hat man die Hedivig-Wnnsch-Grnbe aber sogar»ach dem Unglück, als es sich um die Bergung der Leichen handelte, wieder mit offenen L a ,» p e n, anstatt mit S i ch e r h e i t s l a m p e n b e f a h r e», Stimmt diese Angabe, da»» liegt der Schluß nahe, daß es aus der Grube»vabrscheinlich a» der nöthigen Anzahl von Sicherheitslampen mangelt. Eine aintliche Klarstellung über die Grnbenkatastrophe scheint noch nicht veröffentlicht»vorde» zn sein. Dagegen heißt es, daß die Bergbehörde den Betrieb in» Tiefbauflötz der Zeche inzivischcn verboten habe, weiter verlautet, daß das königliche Ober- Berga»nt jetzt mit aller Energie auf schleuniger Durchführung seiner wiederholt g e st e l l t e n Forde- r u»i g auf Einführung einer besseren Wetterführung auf den schlesischen Grube» b e st e h e. Diese Energie ist sehr erfreulich, schade nur, daß sie e r st jetzt geübt»verde»» soll, nachdem Schlesien doch wiederholt der Schauplatz großer G r» b e n k a t a st r o p h e n gewesen ist. Mitthciluug für den Arbeitsnachweis der königl. sächs. Militärvcrcine zn Dresden! Unter dieser Adresse sandle,»vie die„Sächsische Arbciler-Zeitung" meldet, die Böttcherei und F a ß h a n d l n n g von Gebr. Schleißing, Hambnrgerstr. 23, ein Schriftstück folgenden Jubalts ab: „Wir haben nun bereits schon das dritte Mal ganz entschiedenes Pech mit den uns zugeiviefene» Arbeitern. Namentlich für Zn- iveisung eines solchen Mannes»vie der pp. H. danken»vir ein für allenial. Arbeiter, welche die Herren spiele»»vollen und sich nichts sagen laffen, können»vir nicht gebrauchen. Dieser H. ist, kurz gesagt, ein böchst frecher und»nverschninler Patron. Uns kommt es so vor, als ob sich diese Leute darauf kaprizirlen, daß sie Soldat waren und demnach unlergebrachl»verde» müßten, viel Loh» verdienen»vollen, und der Arbeit aus dem Wege gehe», resp. dem Prinzipal bei der Arbeit zuzusehen. Wir könnte», darüber,»vas»vir in der letzte» Zeit durch- machten, ein Buch schreiben. Dresden, 23./III. 1897. Hochachtnngsvoll Gebrüder Schleißing." Wenn die Unternehmer schon an den gut gedrillten und lamm- frommen Mitgliedern der Militärvereine herumniäkeln und hier in ihren Ansprüchen nicht mehr zufrieden gestellt»verde», können, dann dürfte in Deutschland kaum noch ein Arbeiter zu sinden sein, dessen Anspruchslosigkeit den Unternehmer» genügt. Mtevarifches. DaS Schriftenverzeichiiiß der Bnchhandlnug vorwärts in Berlin, das eine zeitlang vergriffen»var, ist in neuer vervoll- ständigter Ansgabe eben erschienen. Das nützliche Büchelchen ist weit mehr als ein Verlagskatalog, enthält es doch ein fast voll- ständiges Verzeichniß der deutschen sozialdemokratischen Literatur und eine Zusamnieiistelluiig»verthvoller, aber für den Etat unserer Vereinsbibliotheken doch noch erschwinglicher»ationalökonomischer, geschichtlicher und»latnrwissenschaftlicher Werke. Ferner eine gute Ausivahl von Romanen, Dramen, Gedichten, Zeitschriften, Gesetzesansgaben zc. Selbstverständlich vermißt man bei dem be- schränkten Umfange des Buche» Verzeichnisses so manches Buch, wie z. B. die Studie von Sombarl über Engels; die Schrift deS gleichen Verfassers über de» Sozialismus und die sozial« Beivegung im 19. Jahrhniidert steht statt»»»ter National-Oekonomisches unter Vermischtes. Es dürste sich auch empfehlen, bei der nächsten Aus- gäbe eine Zusannnenstellnng der an verschiedenen Stellen zerstreut«»» geiverkschafllichen Literatur zu geben. Im allgemeinen rft da? Schriflchen aufs beste z» einpfehlen als Wegiveiser durch die Lileratur,»velche für unsere Genosse», von Interesse ist.— Vepeptzen und lvtzke Ltachvichken. Torgan, 8. April.(W. T. B.) Das Ergebniß der heutigen Reichstags- Stichivahl im Wahlkreise Liebenwerda- Torgau liegt aus 8 Städten und 42 Dörfern vor. Danach erzielt General- arzt a. D. Dr. Bnssenins-Torgau(Reichspartei) 2753 und Pastor smsr. K»ö»cke-Zehlc»dorf(frs. Vp.) 4944 Stimmen. Die Wahl des letzteren»vird für gesichert gehalten. Frankfurt a. M., 3. April.(B. H.) Die„Frankfurter Ztg." meldet ans London: 7000 indische Hafenarbeiter in Bombay streiken; sie»vollen die Arbeit nicht eher»nieder anfnebmen, als bis die sanitären Verordnungen, in»velchen die Trennung der Bevölkerung vorgeschriebe»»vird, onsgehobeii sind. Sie fürchten näinlich, daß ihre Familie» in die Hospitäler gebracht und dort vergiftet»verde», »vährend sie arbeiten. Frankfurt a. M., 3. April.(B. H) Der„Frankfurter Zeitung" »vird von ihrem Pariser Korrespondenle» telegraphirt: Die deutsche und die französische Regierung kamen überein, zur Prüfling der beiderseitigen Ansprüche auf das afrikanische Gebiet von Gnrma eine gemischte technische Kommission einzusetze», die ans je einem Vertreter des französtschen Ausivärtigen und Kolonialministeriunis und aus Vertretern der deutschen Regienliig bestehen soll. Wien, 8. April.(B. H.) I» Abgeordnetenhaus-Kreisen ver- lautet, daß die Ernennung des Jni'gczechen Dr. Kaizl zuin czcchische» Landsinannsmiiiisters bereits erfolgt sei. Die Pnblizrrung der Er- »ennnng soll zu Ostern erfolgen. Wie», 3. April.(W. T.B.) Abgeordnetenhaus. In der Heu!« fort- Besetzten Berathnng des Driiiglichkeitsantrages Daszynski ans Ein- ehung eines Ausschusses zur Prüfung der bei den letzten ilieichstags- wählen, insbesondere in Gakizien, vorgekommenen Wahlmißbräuche, wurde»ach längerer Debatte ein Antrag Stransky mit großer Mehrheit angenonnne»,»vonach der Antrag Daszynski und der entsprechende Antrag Okunieivski dein Legitimalionsausschuss« zur eveiit. Berücksichtigung der in der Debatte vorgebrachten Thalsache» bei Berifiziriing der betreffenden Wahlen überwiesen»verde» sollen. Budapest, 8. April.(B. H.) Im Magnatenhanse inlerpellirte heute be» der Budgetdebatte der klerikale Gras Beccey die Regierung, ob sie geneigt sei, sich über die auswärtige Lage zn äußer»» und darzulegen,»vi- es zu erkläre» sei, daß ei» Theil des türkischen Reiches militärisch besetzt und Kreta blockirt»vird, ohne daß eine vorherige Kriegserklärung stattgefunden hat. Budapest, 3. April.(W. T. B.) Das Magnatenhaus be- schloß, die Jnlerpellation Vecsey. da dieselbe von den, Minister- Präsidenten nicht sogleich beantivortet wurde, an diesen zu über- »veisen. In der sodann fortgesetzten Bndgetberathnng sprach Baro» Pronay sein Mißtrauen in die Politik der Regierung ans; auch Graf Zichy richtete Angriffe gegen die Regürung. Schließlich»vnrde das Budget im allgemeinen mit allen Stimme»» egen die des Baron Pronay angenonimen,»vorauf das Haus in die -pezialberathnng des Budgets eintrat. Paris, 3. April.(W. T. B.) Der Senat genehmigte den Gesetzentivnrf betreffend die Unterdrückung der Bntlerverfälschungen und die Regelung der Berivendung von Margarine. Die Kammer stiniinle der Gesetzesvorlage zu,»ach»velcher der Zusatzartikel vom 4. Mai 1896 zur Berner Uebereinknnft über den Schutz des literarischen und künstlerischen Eigenthmns seitens Frank- reichs aiierkannt»vird. Ron», 8. April.(W. T. B.) Deputirtenkommer. Die Depiilirten Jmbriani, Barzilai, Bovio, Balle, Pantauo, Colajanni und Bissolati begründeten die von ihnen eingebrachte» Interpellationen, indeiii sie die von der Regierung befolgte Orientpolitik bekämpsten. Das Haus vertagte sich sodann auf morgen. Verantwortlicher Redakteur: Auaust Racobey in Berlin, stur dm Jnseratmtheil verantivortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bnding in Berlin. Hierzu 1 Beilage u. Unterhalt»,»gsblatt. Sr. 84. 14. KilM des Jpraärts" ßtrliiitt UMM. Keilas, 9. April 1897, / Monttnuttctles. Stadtverordneten Pcrsnm mlnug. Oefsenllichs Sitzung voni Donnerstag, 8. April, »ach in. ä 11 b r. Das Audcnke» an den vor 8 Tagen verstorbenen Stadtv. Bau- meisler Hanke wird in der üblichen Weise geehrt. Durch den Tod desselben ist je eine Stelle in der Baudeputation, in der Depnlalion für die innere Ausfchniiickung des Rathhauses und in der Berkehr?- depntation frei geworden. Die betr. Ersatzwahlen werden ans die nächste Sitzung verschoben. In betreff der vom Magistrat vorgeschlagenen Brücken- Ren bauten hat der nicdcrgesetzle Ausschuß der Versammlung solgcnde Vorschläge gemacht: I. dem Entwurf für den Umbau der Möckern-Brücke und dem Abbruch der vorhandenen alten Brücke zuzustimmen und 100 000 M. als erste Rate aus dem Tiefbau- Exlraordinarium zur Berfügung zu stellen; 2. die Beschlußfassung über den Umbau der Roßstraßen- Brücke auszusetzen und den Magistrat zu ersuchen, schleunigst eine Vorlage Hinfichilich der später etwa nothwendig werdenden Berbreilerung der Roßstrnße und der Neuen Roßstraße zu machen; 3. dem Entwurf für den Umbau der Eisernen Brücke zuzustimmen und 80 000 M. als erste Rate anzuweisen, aber die Be dingung daran zu knüpfen, daß die Pferdebahngeleise in die Mitte der neuen Brücke eingelegt werden, und den Magistrat gleichzeitig zu ersuchen, dafür zu sorgen, daß die Straßenbahn in der Straße Hinter dem Gießhause unter keinen Umständen wieder entfernt werde; 4. den abgeänderten Entwurf zum Umbau der Alsenbrücke zu genehmigen; (Ihre Zustimmung zu der architektonischen Ausbildung der Brückenanstchteu. der Geländer und der Beleuchtungskörper soll sich die Versammlung vorbehalten, bis der Magistrat ihr bezügliche Spezialprojekte in angemessenem Maßstabe vorgelegt hat.) 5. das Projekt zur provisorischen hölzernen Fußgänger- b r ü ck e über den Bahnhof Moabit im Zuge der P n t l i tz- st r a ß e zu genehmigen und dafür 42 000 M. zur Disposition zu stellen. Referent ist der Stadtv. D i n s e. Der Umbau der Möckernbrücke wird ohne Diskussion genehmigt. _ Die Brücke über den Kanal im Zuge der Roß- bezw. Neuen Noßstraße soll nach dem Magistratsprojekt 15 Meter(jetzt II) Breite erhalten. Die Mehrheil des Ausschusses hält dies für ungenügend und will 19 oder wenigstens 16 Meter Breite. Da über die Nothwendigkeit der demnächstigen Verbreiterung der Roß- straße kein Zweifel bestand, in dieser Hinsicht aber kein Material vorlag, hat der Ausschuß den mitgelheilten Vorschlag gemacht, dem die Versammlung ohne Debatte zustimmt. Zum Neubau der Eisernen Brücke beantragt Stadtv. Ladewig, auch hier die Beschlnßfaffnng so lange auszusetzen, bis der Magistrat und der Fiskus darüber einig geworden sind, daß die Pserdebahn-Geleise im Zuge der Straße Hinter dem Gieß- hause liegen bleiben. Er hält dafür, daß der Ausschußantrag ein Messer ohne Schneide ist. Man müsse sich gegenwärtig halten, daß im Kastanienwäldchen ein Minister sitze, der den Wünschen der Stadtverwaltung nur schwer entgegenkomme; deshalb müsse man eine Form der Entschließung wählen, die der Stadt das Mit- bestimmungSrecht wahre. Etadtv. Hugo Sachs hält auch den Neubau nicht für dringlich; eS könne nicht schaden, wenn ein Denkmal aus der Zeit übrig bleibe, wo der Fiskus noch die Brücken zu bauen und zu unterhalten hatte. Auch sei ja noch gar nicht feststehend, ob di« Stadt nicht die jetzt gewählte Trace über den Opernplatz verlasse und den der Universität gehörige» Terrainstreifen den Professoren zurückgebe, damit diese ihren Kohl darauf bauen können (Heiterkeit). Jedenfalls habe man keine Veranlassung, dem Willen des Alten im Kastauienwalde sich einfach zu beugen. Der Antrag Ladewig wird darauf angenommen. Dem Neubau der Alsenbrücke stimmt die Versammlung zu, ebenso dem Vorbehalt wegen der Ausgestaltung des Oberbaues der neuen Brücken. Die Frage der Ueberbrückung des Bahnhofes Moabit im Zuge der Putlitzstraße will Stadtv. Schwalbe nochmals im Ausschuß geprüft wissen, da die Ueberführung viel zu theuer sei(sie ist aus 2 Millionen Mark veranschlagt) und die Stadt sich auf jeden Fall nicht weiter vinculiren dürfe als für die 42 000 M. für die provisorische Fußgängerbrücke. Stadtv. Meyer ist derselben Meinung. Die Position geht an den Ausschuß zurück. Mit der Errichtung eines dritten Cyklns von Vorlesungen ü b e r E l e k t r o t e ch n i k für die akademisch gebildeten städtischen Techniker erklärt sich die Versammlung einverstanden, ebenso mit der Vergrößerung der Regulirzellen bei der Akkumulatoreuanlage der Irrenanstalt Herzberge bis zu einer Ladestromstärke von 500 Ampere. Die U m s a tz st e n e r- O r d n u n g der Stadt Berlin ist vom Oberpräsidenten genehmigt worden. Die Minister des Innern und der Finanzen haben dazn ihre Zuftimmung auf fünf Jahre mit dem Vorbehalt ertheilt, diese Zeitbeschränkung vor Ablauf der fünf- jährigen Frist zurückzuziehen. Schluß-/,? Uhr. »» » «vom Pferdebahn- VertragSentwnrfc wird aus dem Rath- Haufe berichtet: Der viel umstrittene§ 30 des Entwurfes eines Ver- trage? nnt der Großen Berliner Pferde- Eisenbahn-Gesellschaft und der Neuen Berliner Pferdebahn-Gesellschast wegen Umwandlung des Pferdebahnbetriebes in einen elektrischen, wie er aus den Berathungen d. s Ausschusses der Stadtverordneten- Versammlung in der ersten Lesung hervorgegangen ist. enthält einige Unklarheiten. Herr Bürger- mcister Kirschner hat diesen Paragraphen neu formulirt und dem 'Ausschnffe für di« zweite Lesung deS Vertrages zur Ge» i ehmigung vorgelegt. Der§ 30 hat nunmehr nach dieser Neu- formulirung folgenden Wortlaut:(Kreuzung, Anschluß und Mitbenutzung der Anlagen zum Betriebe von anderen Bahnen.) Die Gesellschaften müssen sich auf Verlangen des Magistrats, ohne daß ihnen darans Ansprüche an die Stadl« gemeinde erwüchsen, eine Kreuzung und ebenso eine Mitbenutzung ihrer Anlagen, letztere jedoch nur auf kurzen, insgesammt 650 Meter auf je einer Linie des jeweiligen Fahrplanes nicht übersteigende» Strecke» und einen Anschluß fremder Bahnen gefallen lassen. Für die Mitbenutzung gelten folgend« Bestimmungen: 1. Wird auf einer Strecke, welche von mehrere» Linien der Gesellschaften befahren wird, das Mitbenutzungsrecht ausgeübt, so wird durch diese Ausübung das Recht auf Mitbenutzung nur für eine vom Magistrat zu bestimmende Linie erschöpft. 2. Jede Strecke der Linien der Gesellschaften darf zur Mitbenutzung nur einmal, d. i. nur für eine Linie fremder Unternehmer beansprucht werden, dies gilt insbesondere auch von solchen Strecken, über welche mehrere Gesellschaftslinien gehen. 3. Jeder fremde Unternehmer darf für jede seiner Linien nur ein Mitbenutzungsrecht auf insgesammt 650 Meter de» Gesellschaften gegenüber in Anspruch nehmen."— Im übrigen bleibt der§ 30 in der in erster Lesung festgestellten von uns bereits n>itg.etheilt-n Fassung bestehen. Uoksles. In der Angelegenheit der Verhaftung einer Anzahl be- kannler Parteigenossen im vierten und sechsten Reichstags- Wahl- kreise wird uns weiter berichtet, daß außer den bereits genannten im Laufe des gestrigen Tages auch die M u t l e r und Schwester des verhasteten Buchdruckers Franz Schulze, ferner zwei Brüder desselben, sowie der Arbeiter G u t s ch k e in Untersuchungshaft ge> nommen worden sind.— Ein in dieser Angelegenheit sistirter Buch binder B i g o t t a aus der Görlitzerstr. 53/54 ist nach einigen Stunden wieder auf freien Fuß gesetzt worden; ebenfalls hat man den Stadt verordneten B o r g m a n n wieder ans der Untersuchungshaft entlassen. Bei allen genannten Personen ist auch g e h a u s s n ch t worden. Was di« Polizei mit diesen aufsehenerregenden Maßnahmen bezweckt, nachdem der große Köllerkonp und ähnliche Aktionen einen für sie so bedenklichen Ausgang genommen haben, muß nunmehr ja ab gewartet werden. Dem Wachsthnm der Partei haben derar�i Polizeithaten bekanntlich noch nie geschadet. w In dem Droschken- Reglement hat die hiesige Polizeibehörde eine beachtenswerlhe Neuerung eingeführt, die folgenden Wortlaut hat: Mit bezug auf die Zß 15, 28 und 32 des Droschken-Reglements wird bestimmt: An den Tagen mit ungerader Zahl wird den Droschken mit ungerader Nummer und an den Tage» mit gerader Zahl den Droschken mit gerader Nummer nachgelassen, den Betrieb um 9 Uhr vormittags zu beginnen. Ferner wird gestattet, daß an jedem ersten und dritten Sonntag im Monat die Droschken mit ungeraden und an jedem zweiten und vierten Sonntag die Droschken mit geraden Nummern außer Betrieb bleiben. Bemerkt sei, daß die Konzession für den Droschkenbetrieb bisher verschrieb, im Sommer von 7 Uhr morgens bis 10 Uhr abends und im Winter von 3 Uhr morgens bis 11 Uhr abends die Droschke in Betrieb zu halten. Bei strenger Jnnehallnng dieser Bestimmung ließ sich besonders in den kleinen Fnhrgeschästen schwer ein regel- mäßiger Ruhetag für die Kutscher einführen, vielmehr hatte sich allgemein der Uebelstaud eingeschlichen, daß die Kutscher bei Wind und Wetter ohne Unterbrechung 14 bis 15 Stunden im Dienst standen. Die neue Bestimmung, in betracht kommt der letzte Absatz, dürfte in dem bisherigen Zustand kaum etwas ändern, denn wen» damit auch die Möglichkeit einer thcilweisen Sonntagsruhe gegeben wird, so dürften doch die Fnhrherren kaum von diesem Rechte Gebrauch machen. Es läßt sich auch nicht verkennen, daß gegen eine zwangsweise Einführung der Sonntagsruhe im Ver- kehrsgewerbe erhebliche Bedenken geltend gemacht werden können. Allerdings wird von den Kutschern vielfach eingewendet, daß bei den gänzlich veränderte» Verkehrsverhältnissen und dem Rückgang des Droschkengewerbes keineswegs der Sonntag als der beste Geschäfstag gilt. Das Verkehrsgewerbe ist ja leider bei der Novelle zur Gewerbe-Ordnung vom 1. Juni 1891 gänzlich von den Vortheilen der ZZ 105a Abs 1 und 105b— 105g ausgeschlossen. Es wäre deshalb den Droschkenkutschern, sonne überhaupt den im Verkehrsgeiverbe Beschäftigten nur zu empfehlen, darauf zu drängen, daß ihnen mindestens tz 105o in entsprechender Anwendung zu gute kommt, und somit«in freier Tag in der Woche gewährt werde. Die Polizeiverordnung kann diesen Zweck nicht erreichen. In der Odd-Fellow-Logc, einem gesperrten Lokal, ver- anstaltet der Vergnügungeverein„Clause" am 27. April eine Theatervorstellung mit Tanzkränzchen, zu welchem der Verein in Arbeiterkreisen Billels zu verkaufen sucht. Die Arbeiterschaft wolle dies beachten. Von der AgitatiouSkommissio» der Vranerel-Rrbciter erhalten wir folgende Zuschrift:„Auf die in Nr. 82 des„Vor- wärls" abgedruckte Erklärung des Herrn Nösicke, den Arbeitsnachweis betreffend, haben wir für unseren Theil zu erwidern: Der Arbeits- Nachweis hat unser», bei den damaligen Friedensschluß gehegten Er- Wartungen nicht entsprochen, und namentlich ist in bezug aus den tz 8, wie der Bericht des Arbeitsnachweises selbst zu- giebt, viel von den Brauereileitern gesündigt worden. Das Recht der freien Einstellung, der sogenannte Prozentsatz, wird namentlich von den Brauereien zu gunsten der nicht im Rahmen der allgemeinen Arbeiterbcwegnng organisirten Personen angewendet. Infolge dessen können sich die Mitglieder des Vereins der Bundes- gesellen, welche auch die Brau-Jndustrie bei der Zentenarfeier vertraten, i» ihrem Organ sehr oft rühmen, keine arbeitslosen Mitglieder zn haben. Daß die Herrn Rösicke unterstellten Betriebe hierbei wohl eine rsü h m l i ch e Ausnahme machen, geben wir gerne zu. Bezüglich des Friedens in den Brauereibetrieben wird der Besucher unserer öffentlichen Versammlungen wohl ein anderes Bild erhalten haben." Die Berliner Musikrcfcrcnte», welche die Erklärung gegen Dr. Alfred Kerr erließen, haben beschlossen, sich zunächst fernerer Schritte zu enthalten, da die Angelegenheit nunmehr vor Gericht zwischen Dr. Kerr und den von diesem als bestechlich bezeichneten Kritikern, den Herren Tappert und Lackowitz, weiter gesührt wird. Erst nach erfolgtem Gerichtsspruch wird es sich für sie heraus- stellen, ob ihre Thättgkeit in dieser Sache als beendigt angesehen werden kann. Tie Asche deS Wüstlings. In der Schreibstube des Vereins für Feuerbestattung, Breilcstraße 5, befindet sich zur Zeit die Asche des in Gotha durch Feuer bestatteten Millionärs Simon Blad, der sein Vermögen den Sladtgemeinden Berlin, Mainz und Bingen vermacht hat. Das Holzkistchen, das seine Asche birgt, hat die Postpacketnummer„Gotha 167" und daneben noch den mit Bleistift geschriebenen Vermerk„Nr. 1599, Blad." Ohne diese Notiz würde sich das Kistchen von anderen ans Gotha hier eintreffenden in nichts unter- scheiden, denn alle beherbergen sie gleich sauber verlöthete Blechbüchsen mit den Ueberresten seuerbestatteter Sterblicher. Das Aschenhäuflein wiegt nicht mehr als 2Vs Kilo. Was mit Simon Blad's Asche ge- schehen soll, wird sich erst entscheiden, wenn die Vermächtniß- und Denkmalsangelegeuheit erledigt ist. Die enterbten Verwandten haben kein Interesse an der Aufbewahrung seiner Asche und auch der Testamentsvollstrecker hat die„Annahme verweigert". Die Chovitee- Direktion theilt mit: Während de? bevor- stehenden Sommersemefters werden in Verbindung mit dem könig- lichen Cbaritee- Krankenhause folgende Polikliniken abgehalten: I. Für Kiuder-Krankhciten unter Leitung des Geh. Med.-Raths Prof. Dr. Heubner von den Oberärzten Dr. Erich Müller und Dr. Bendix, im westlichen Seitenflügel der Alten Charitee parterre(Eingang im Hauptporlal), werktäglich von 12—1 Uhr; 2. die chirurgische Poli- klinik unter Leitung des Geb. Med'-Raths Prof. Dr. König von dem Prof. Dr. Hildebrand und dem Stabsarzt Dr. Tilmann, Luisenstr. 2, werktäglich von 10—12 Uhr; 3. für innerliche Krankheilen in dem Jnftituts-Auditorinm. gegenüber dem Hnuptportal der alten Charitee, und zwar: a) seitens der T. medizinischen Klinik unter Leitung des Geh. Med.-Diaths Prof. Dr. v. Leydcn von dem Oberärzte Dr. Paul Jacob, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends von 12 bis!>/, Uhr; b) seitens der II. medizinischen Klinik unter Leitung des Geh. Med.« Raths Prof. Dr. Gerhardt von dem Oberarzte Dr. Georg Strnbe Montags, Mittwochs und Freitags, vormittags>/l9 bis 10 Uhr; 4. für Nervenkrankheiten in demselben Auditorium anter Leitung des Geh. Med.-Raths Prof. Dr. Jolly von dem Oberarzt« Dr. Laehr Montags. Mittwochs und Freitags von 10 bis 12 Uhr; 5. für Hautkrankheiten in dem eine Treppe hoch belegenen Audi- torium der alten Charitee(Eingang im Hauptportal), von dem Geh. Medizinalrath Pros. Dr. Schweninger und dem Oberarzt Dr. Eisen- berg Dienstags und Freitags von 12 bis 1 Uhr; 6. für Haut- krankbeiten und ähnliche Affeklionen in dem Hause Luisenstr. 18 von dem Prof. Dr. E. Lesser und dem Oberarzt Dr. Bruhns werktäglich von 11 bis>2 Uhr. Die ärztliche Behandlung ist unentgeltlich, auch erhalten Unbemittelte freie Arznei und Verhandsstoffe aus der Charitee-Apolheke. Noch eine Durchlöchern»« der SonntagSrnhe. Der Handel mit Druckschriften ist an Sonn- und Festlagen ans dem Lehrter- und Anhalter Bahnhofe abweichend von den sonstigen Verlaufsjeite» ge- stattet, und zwar auf dem Lehrter Bahnhofe von 6— 9'/s Uhr vormittags und von 12— 1>/z Uhr nachmittags und auf dem Anhalter Bahnhofe von 7— ll�/t Uhr vormittags und von 12— 2'/4 Uhr nach» mittags. DaS Polizeipräsidinm in Berlin theilt nnt: Unter den, Name»„M a n n h e i in e r Pflaumen m u s" kommt zur Zeit ein Gemisch von eingekochtem Pflaumenbrci mit Stärkesyrup(wohl auch Rübenzucker- Melasse), Stärkemehl und anderweitigen Frucht- resten, anscheinend mehr oder weniger zerkochten Apfelschalen, in den Handel. Die Händler werden darauf aufmerksam gemacht, daß dieses Prodult unter der Bezeichnung„Pflaumenmus" nicht seilgeboten werden darf. Nnterschlagnng im königlichen RichnngSamt. Wegen wiederholter Unterschlagung im Amte ist gestern der Rendant A. des königlichen Aichungsamtes in Untersuchungshaft genommen worden. Bei einer außergewöhnlichen Revision der Aichamts-Kaffe wurde ein Fehlbetrag von 18 000 M. festgestellt und gestand A. ein, diese Summe in einem Zeitraum von mehreren Jahren unterschlagen zn haben, auch gab er selbst an, daß er einen Betrag von 1700 M. den er im vorigen Monat in Empfang genommen, nicht in das Kassenjournal eingetragen und für sich verwendet zu haben. A. will durch einen langwierigen Erbschastsprozeß in Schulden gerathe» und darauf Wucherern' in die Hände gefallen sein. Die lauge schon geplante neue Verbindung zwischen Lindenstraße nnd Friedrichstraße in der Nähe der Markthalle II wird, der„Voss. Ztg." zufolge, jetzt hergestellt. Eine Gesellschaft unter der Firma„Handelsstätte Äellealliance" hat, wie wir schon vor einiger Zeit iiieldeteu, die Häuser Friedrichstr. 12 und Linden- straße 101/102 angekauft und beginnt jetzt mit deren Abbruch. Der Eingang der Verbindung in der Liudenstraße wird gegenüber der Neuenburgerstraße sich befinden. Am 1. Januar 1898 soll der neue Verkehrsweg eröffnet werden. Verdorbene Wurst. Bei einer am 7. d. M. vorgenommenen Revision der Fleischvorräthe in der Umgebung der Zentral-Markt- halle wurden in einem Geschäftslokale am Königsgraben 237 Kilo weiche Schlackwurst vom Polizei-Thierarzt für verdorben erachtet nnd der Abdeckerei überwiesen. Nanbanfall auf eine» Mnsikanten. I» der Nacht zu», 7. April bemerkte ein Schutzmann in der Koppenstraße, daß drei junge Burschen einen älteren Mann zu Boden warfen und miß- handelten. Als darauf der Beamte näher kam. sah er bei einem der Burschen eine Ziehharmonika und einen Feldstuhl, welche Gegen- stände anscheinend dem älteren Manne weggenommen waren. Als der Beamte zur Festnahme der Burschen schreiten wollte, widersetzte» sie sich und schlugen auf ihn ein. so daß ihre Sistirung erst mit Hilfe mehrerer hinzugekomniener Schutzleute gelang. Ans der Wache wurde festgestelli, daß alle drei, Arbeiter Hering, Feileuhauer Hintzcr und Former Pohl bestrafte Individuen sind und daß sie dem alten Mnsikanten nicht nur die Gegenstände, sondern auch sein Geld ge- nommen hatten. Sie sind wegen Straßenraubes und Widerstandes zur Hast gebracht. Von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden ist die Leiche des kleinen Mädchens, das an einer verschluckten Bohne ge- storben ist. Um ein fünfjähriges Mädchen handelt es sich nämlich, nicht um einen Knaben; um ein Töchterchen der Bäckermeister Ferdinand Lawerenz'fchen Eheleute ans der Veteranenstr. 27. Das Mißverständiiiß ist dadurch entstanden, daß das Ehepaar auch einen etwas älteren Sohn besitzt und daß es hieß, diesem sei der Unfall zugestoßen. Das Oeffncn eineS Fensters hat an, Mittwoch Abend de», 37 Jahre allen Kaufmann Alberl Müller aus der Köpnickerstraße Nr. 145 den Tod gebracht. Müller, der im vierten Stock wohnte. wollte das Schlafzimmer, das am Hose liegt, durch Oeffnen des Fensters lüflen. vlls er die unteren Flügel des Schlafzimmer- Fensters eben geöffnet hatte, bat ihn seine Frau, sie wieder zu schließen, da es z» stark ziehe. Der Mann wollte nun wenigstens die oberen Flügel öffnen und stieg zn dem Zwecke auf das Fenster- breti, ohne vorher die unteren Flügel geschlossen zu haben. Er rutschte von dem Brett ab, glitt zum Fenster hinaus, überschlug sich im Fallen und stürzte kopfüber auf den asphaltirlen Hof hinab, wo er mit zertrüminerlem Schädel todt liegen blieb. Der Verunglückte lebte in kinderloser Ehe. Ans einem Nrnba» ist am Mittwoch Nachmittag der 32 Jahre alte Vorarbeiter Otto Balke ans der Rügenerstr. 17 tödtlich ver- unglückt. Balke war auf dem Bau des Werthheim'schen Waaren- Hauses in der Leipzigerstr. 132—134 am Fahrstuhl beschäftigt, mit dem man Bansteine hinaufschafft. Am Nachmittag stürzte er auS dem vierten Stock in den dritten hinab und zog den leeren Stein- wagen mit sich in di- Tiefe. Im dritten Stock schlug er mit den, Hinterkopf aus eine Eisenschiene ans und im selben Augenblick fiel ihm der nachstürzende Wagen aus die Brust und den Unterleib. Balke brach sich daS Genick nnd erlitt außerdem noch schwere innere Verletzungen; zehn Minuten nach dem Sturze starb er auf der Baustelle. Von einem Aschinger'schen Bäckereiwagen(Nr. 3) wurde Donnerstag Vormittag um 10 Uhr vor dem Hanse Stralauerslr. 17 der 50 Jahre alte Tllmoseneinpfänger, frühere Schuhmacher Gustav Scholz aus der Neuen Friedrichstr. 19 schwer an den Beinen über- fahre». Am 20. d. MtS. sind ans dem Treppenflur de? Hauses Anklaiiierstr. 45 zwei Ballen schwarzes Lamafutter geringerer Qualität, je 40 Meter lang, in blaues Papier verpackt, vorgesuude» worden. Ferner hat am 15. Februar cr. ein unbekannter bejahrter Mann bei einem Trödler eine Scheibenbüchse, 8'/- Millimeter- Kaliber, im Werthe von 150 M., sowie ein werthvolles Revolver- teschina zum Kauf angeboten und ist, da er Legitimationspapiere beschaffen sollte, unter Znrücklassnng der Waffe», fortgegangen und nicht zurückgekehrt. Die Stoffs und Waffen rühren vermulhlich ans einem Diebstahl her und können in de» Vormittagstuuden bei der Kriniinalpolizei, Zimmer 337, 2 Treppen(Polizeipräsidium), be- sichligt werden. Unglücksfälle im Straßenverkehr. Am Mittwoch Vormittag gerieth in der Robstraße der 56 Jahre alle Haiidelsmann Eiml Schilling unter die Räder einer Droschke und erlitt einen Bruch des linken Fußgelenks. Er wurde nach der Charitee gebracht.— Vor den, Hanse Jernsalemerstr. 6 wurde nachmittags der 14jährige Laus- bnrsche Max Schubert von dem Pferde eines dort haltenden Last» wagens geschlagen und am Oberschenkel schwer verletzt.— Die u>., verehelichte Ida Lapan wurde nachmittags in der Alexanderstraße durch einen Rollivage» überfahren und am rechten Arme und inner- lich schwer verletzt. An der Stadtbahn gerieth abends der 41 Jahr» alte Kaufmann Adolf Robert unter die Räder einer Droschke und erlitt einen Bruch des linken Schlüsselbeins. Ans de» Nnchbarortr». Rixdorf. Die Parteigenossen werden darauf anfwerksan, ge» macht, daß am zweiten Osterseiertag um Il'/e Nbr eine Maiinee in den Viitoriasälen, Hermannstr. 49, staltfindet. Da das Prograin», sehr reichhaltig ist(die Haiuburger Sänger und der Gesangverein „Melodia" treten ans), werden die Parteigenossen ersucht, sich früh- zeilig mit einem Programm z» versehe», da eine öffentliche Kaste nicht stattfindet. Programme siao in alle» Zahlstellen des Vereins Vorwärts zn habe». Friedrichshagcn. Parleigenosfenl An» Sonnabend, 10. April, abends S'/e Uhc, ändet in»„Eiskeller" eine G e ,n e i n d e iv ä h I e r- V e r s a m m r u n g statt, in welcher Genosse Svnnenburg über seine Thäligkeit als Geineindcvertreler Bericht erstatte» wird. Um zahl- reiche» Besuch bittel die Verlrauensperson. Arbciterliereiil für Pan?ow«nd Ningcaclid. Den Partei- lenoifcn zur Nachricht, daß am Sonnabend, den 10. iilpril cr., abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Krüger, Kaiser Friedrichstraße, eine Versannulung stattfindet.(Näheres siehe Inserat.) Um recht rege Betheilignng ersucht der Vorstand. Gegen den StrauSbergee Bürgermeister Plasch?e» der muangst von der Straskammer freigesprochen worden war, ist das Disziplinarverfahren eröffnet worden. Um die dem Pnbliknm drohende Gefahr, durch abirrende Geschosse aus den Schießständen der Hasenhaide getroffen zu werden, nach Möglichkeit abzuwenden, warnt der Polizeipräsident vor»n- vorsichtiger Annäherung bezw. dem Betreten des Teinpelhofer Exerzier- Platzes und der Hasenhaide. Eltern und andere Personen, denen die Obhut von Rindern anvertraut isi, werden gut thnn, diese ans die Gefahr aufmerksam zu machen, der sie sich bei dem Betreten dieser Gebiete aussetzen. Die Allgemeine ElektrizitiitS-Gesellschaft beabsichtigt zur Versorgung der ganzen westliche» Vororte mil elektrischem Strom für Beleuchtung und Krastubertragung bei Friedenau ein großes rniies Elektrizitätswerk zu 1000 Pferdekräften zn errichte» und hat de» dem Friedenaner Gemeindevorsiand anfragen laffeu, wie er sich »» dem Plan einer solchen Anlage in dem dortigen Gemeindebezirk stellen würde. Krieg im Frieden. Durch einen Lanzenstich getödtet wurde am Dienstag aus dem Bonrstedter Felde bei Potsdam ein Husar des Leib-Garde-Husaren-gtegiments. Ei» Rekrut sollte mit seinem Pferde über de» Wassergrabe» springen, wobei sich das Thier widerspaustig zeigte und von dein Reiter deshalb ans Befehl des Rittmeisters bei der Trense gefaßt wurde, um zurückzugehen. Dadurch kam es. daß sich die Lanze des Rekruten gerade in dem Augenblick seitwärts legte, als ein im zweiten Jahre dienender Husar von der anderen Seite über de» Graben setzte, und zwar so unglücklich, daß er mit dem Kopfe direkt in die Lanze hineinsprang, die denselben an der Stirn seitwärts vollständig durchbohrte. Der Husar starb auf dem Transport nach dem Garnifonlazareth. Ein unbekannter geisteskranker Mann ist am Mittwoch in der Stadtforst von Spandau in erbarmungswerthem Zustande an- getroffen worden. Der Unglückliche saß, irre Reden führend, in einem Sumpsloche; Fuße und Hände waren ihm erfroren; er war fast erstarrt und seine Kleidung, die aus feinem Stoff hergestellt war, zerrissen. Der Fremde gehört anscheinend de» wohlhabenden Ständen an; Papiere, die sich in seine» Taschen vorfanden, deute» darauf hin, daß er zuletzt in Berlin sich aufgehalten hat und ver- lnuthlich mit einem Kaufmann Melchior Milimonka aus Rybnik in Oberfchlesten identisch ist; er ist etwa 26 Jahre alt. Die Polizei veranlaßt« die Aufnahme des Hilflosen in das städtische Kranken. haus. Znsammcngcvroche» ist in Charlottenbnrg das Kolonialwaaren- geschäft von Gaidies in der Goethestr. 34, das einen bedeutende» Umfgng hatte und dem Anscheine nach glänzend ging. Gevirszks-Äottung. Daß KantionSschwiudlcr trotz aller Warnungen durch die Presse immer wieder Opfer finden, bewies eine Verhandlung, welche gestern vor der dritten Straskammer des Landgerichts I stattfand. Aus der Untersiichungshast wurde» der Chemiker Adolf Nagel und der Kaufmann Georg R o m a h n vorgeführt. Nagel richtete im vorigen Jahre im Hause Chausseestr. 2s ein Geschästslokal ei», von welchem ans der Vertrieb eines von ihm erfundenen Haar- wassers, das er„Loreley" genannt halte, geschehen sollte. DaS Fabrikat selbst wurde in Hamburg hergestellt»nd hier nur ans Flaschen gefüllt. Nagel besaß wenig Mittel, der erhoffte Gewinn blieb aus. Nu» nahm er Hausdiener an, von denen er sich Kautionen bis zu 1000 M. geben ließ mit der Begründung, daß er ihnen Geschäftsgeheimnisse in betreff seiner Erfindung anvertrauen und sie außerdem zum Einkassire» von Geldern benutzen müsse. Es gab aber bei ihm nichts zu verrathen und nichts«iuzu- kassiren. Im Juni vorigen Jahres trat der zweite Angeklagte als Theilhaber ein und von dieser Zeit an betrieben beide die Kantions- schwindeleien gemeinsam. Es wurden noch mehrere Reisende an- genommen und»m erhebliche Beträge geprellt. Kurz vor Neujahr- brach daS Geschäft zusammen, die Inhaber wurden verHaftel. Von den vernommenen Zeugen hat keiner seine sauer erworbenen Er- sparnisse zurückerhallen. Der Gerichtshof verurtheilte Nagel zu einem, R o m a h n zu zwei Jahren Gefängniß und zu zwei- bezw. dreijährigem Ehrverlust. Höheres Roivdythum. Wegen Herausforderung zum Zwei- kämpf und thätlicher Beleidigungen bezw. wegen Kanellträgerei»nd wörtlicher Beleidigungen hatte» sich der Lieutenant a. D. Karl von der Lühe aus K a l s o w bei Wismar und der Journalist Richard Fölzer aus Charlotten bürg vor der Strafkammer in Rostock zu verantworten. Der Geforderte war der Gutsbesitzer Dr. Wien-Hoheufelde, der zugleich Mitkurator über den wegen Verschwendung entmündigten Gutsbesitzer v. d. Lühe. des Vaters des Angeklagte» Lieutenant v. d. Lühe, ist. Derselbe hatte in einem a» das Landgericht Schwerin abgegebene» Gutachten bei Gelegenheit des Verfahrens über die von der Familie v. d. Lühe beantragte Aufhebung der Kuratel zwei Redewendungen gebraucht, durch die sich die beiden Söhne des alten Herrn v. d. Lühe be- leidigt fühlten. Als kurz darauf die beiden Kartellträger den Dr. Wien auf dem Bahnhof trafen, versetzte der Lieutenant Karl v. d. Lühe demselben eine derbe Ohrfeige»nd gebrauchte da- bei beleidigende Aeußerungen, Dr. Wien hatte die Forderung, welche auf Pistolen mit drelinaltgem Kugelwechsel lautete, abgelehnt. Das Urtheil lautete dahin, daß der Angeklagte v. d. Lühe zu sechs Wochen Festungshast und zwei Monaten Gefängniß und der An- geklagte Fölzer zu drei Wochen Festungshaft. 30 M. Geldstrafe und zwei Wochen Haststrafe verurlheilt wurde. Die bekannte BerfrommnngSberordnnng vor Gericht. Am Todtenfonntag vergangenen Jahres fand in Herzselde, Kreis Niederbarnim,«ine rege besuchte Volksversammlung statt, die un- gestört verlief. Versammlungen am Todtenfonntag und einigen anderen Feiertagen abzuhalte» verbietet aber eine Ober-Präsidial- Verordnung vom Oktober 18S6. Diese Verordnung steht mit der Verfassung(Art. 29, 30) in striktestem Widerspruch, da die Ver- fassung ausdrücklich nur den Gesetzgeber ermächtigt, generelle Behinderungen des verfassungsmäßig garantirten Versa», mluugs- rechts anzuordne» und der Oberpräsident zur Zeit noch nicht ausdrücklich an stelle des preußischen Landtages, Herrenhauses und des preußischen Königs getreten ist, trotzdem belegte das Amtsgericht Kallberge- Rüdersdorf den Veranstalter jener Versammlung mit Geldstrafe. Die hiergegen eingelegte Berufung vertrat Rechtsanwalt Heine. Der Gendarm bekundete, daß die Versammlung den Kirchen- besuch absolut nicht habe störe» könne». Der Vertheidiger legte an der Hand der Judikatur des Kammergerichls, des Ober-Verwaltungs- gerichtS und des Ober-Tribunals dar. daß derartige generelle Ver- böte stets für rechtsungillig und verfassungswidrig erachtet find. Die Staatsanwaltschaft schloß sich bei der Klarheit der RechtSnngiltigkeit der Verordnung des Oberpräsidenten seinem Antrage auf Freisprechung an. Das Gericht war anderer Ansicht: es verwarf die Berufung. Aus welche» Gründen werde» wir nach Zustellung des Urtheils erfahren. Selbstverständlich ist Revision«ingelegt. Die Ansicht, daß derartige Verordnungen rechts- filtig seien, führt zn der Konsequenz, daß Bürger trotz aller Ver- a s s u» g e n nnrsoweit.alSesderPolizeibehördebeliebt.dasRechtstch zu verständigen Zwecken zn versammeln, haben. Dan» sollte nia» aber das doch etwas klarer durch ein Gesetz etwa folgenden Inhalts ausspreche»: Z I. ZZ 29 und 80 der preußischen Verfassung sind aufgehoben. Z 2. Bürger dürfen sich nur versammeln: bei Paraden. in der Kirche und bis 10 Uhr abends— vota bono wenn sie Geld habe»— bei schwarz-weiß-rothen Wirthen.— Wie wär's mit solch' Gesetzlein nach dem Geschmack des Herrn v. Köller? Vcrfrommungsbestrebnugcn«nd Kanmurgericht. Di« Oberpräsidialordnung für die Provinz Posen vom 14. April 1396 bestimmt in ihrem§ 12 folgendes: An den Vorabenden der drei große» Feste, ferner des BußtageS, des evangelischen Todtsnfestes und des katholische» Allerseelentages, sowie an den drei Tagen selbst und in der ganzen Charwoche dürfen Tanzmusik, Bälle und ähnliche Lustbarkeiten nicht veranstaltet werden. Am Büß- tage, Charfreitage, evangelische» Todtenfonntag«»nd dem Allerseelentage außerdem nicht: öffentliche theatralische Vor- stellnngen, Schaustellunge» und sonstige öffentliche Lustbar- leiten mit Ausnahme der Aufführung ernster Musikstücke (Oratorien:c.). Wegen Vergehens gegen die betreffende Bestimmung sollte ein Knpellnietster in Schneidemühl mit 3 M. bestraft werden, weil er am Todtensonntage des vergangene» Jahres den Hoch- z e i t S g ä st e n eines Pferdehändlers»och vor Mitternacht zum Tanze aufspielen ließ. Die Hochzeit der Tochter des Händlers wurde in einem Gasthofe gefeiert, eS hatten aber nur die vom Brautvater— der die Hochzeit„ausrichtete"— geladene» Gäste Zutritt. Mit Rücksicht darauf wurde der Kapellmeister in den ersten beiden Instanzen freigesprochen. Das Landgericht führte aus: Unzweiselhaft schließe die Verordnung des Ober- Präsidenten auch die Tanzmusik bei einer Hochzeitsfeier in das Verbot ein, da der betreffende Passus ganz allgemein von Tanzmusik, Bällen und derartigem spreche. Weil er das thue, könne es als rechtsgiltig nicht anerkannt werden, denn nach Entscheidungen des Ober- Verwaltungsgerichts dürfe die Polizei geschlossene Gesellschaften nicht liberwachen. Im vorliegenden Falle handele es sich nun um eine geschlossene Gesellschaft. Jene Bestimmung habe weder im Polizei- Verwaltungsgesetz, noch im§ 10 II 17 des Allgemeinen Landrechts eine Stütze. Somit habe aus Freisprechung erkannt werden müsse». Auf die Revision der Staatsanwaltschaft hob aber das Kammer- gericht die Vorentscheidung am Donnerstag auf und verurtheilte den Angeklagten zu der niedrigsten Strafe von einer Mark. Gründe: Die Be> stimmung der Oberpräsidialordnung vom 14. April 1396. die der Angeklagte übertreten habe, sei rechtsgiltig. Allerdings beruhe ihre Giltigkeit nicht auf de» ßK 6, 11 oder 12 des Polizei- Verwaltuugsgesetzes, sondern habe ihre rechtliche Grundlage in der Kabinetsordre vom 7. Februar 1337, durch die die Oberpräsidenten befugt worden seien, Vorschriften für die äußere Heilighaltung der christlichen Feiertage zu treffen. Die Verurtheilung des An- geklagten rechtfertige sich demnach aus dem si 12 der Oberpräsidial- ordnung in Verbindung mit dem g 366 Nummer 1 des Straf- gesetzbnches. Sächsische Justiz. Ein eigenartiges Licht auf die sächsische Rechtspflege wirst ein Fall, der uns eben aus Dresden mit- getheilt wird: Der Maurer Reh hatte in einer Manrerversammlung in Stauplitz die Worte gebraucht:„Es ist eine wahre Schande, z» welch' hohen Strafen die Genossen im letzte» Maurerprozeß ver- urtheilt wurden." Mit dem„letzten Maurerprozeß" war eine Ver- Handlung der 3. Straskammer gemeint, in der 7 Maurer zu zu- sammen 13 Jahren Gefängniß vernrtheilt wurde» wegen Vergehens gegen s 153 der Geiverbe-Ordnung, Hansfriedensbruch jc. Reh machte sich durch die Aeußerung der Beleidigung der Mitglieder der 3. Strafkammer schuldig und tvurde von dem Schöffengericht zu 1 Woche Gefängniß vernrtheilt. Das Landgericht machte 2 Monate daraus. Jetzt stand nun die Sache vor dem sächsischen Ober- Landesgericht. Das mitbeleidigte Mitglied der 3. Strafkammer, Landgerichts-DirektorLeonhardt saß hilfs weise im Strafsenat und mußte nun mit über die Revision verhandeln. Die Revision wurde selbstverständlich verworfen. Ludwig Fulda ist von der Dresdener„Rundschau" be- schuldigt worden, er habe in seinem Lustspiel„Fräulein Wittwe" einen Gartenlauben-Roman von E. Werner plagiirt. Dadurch fühlte sich Fulda beleidigt und strengte Privatklage an, die am Dienstag vor dem Schöffengericht in Dresden zur Verhandlung kam. Die Verhandlung wurde vertagt, um dem Gerichtshofe Gelegenheit zu geben, sich von dem Inhalte des Lustspiels und des Werner'sche» RomanS zu überzeugen._ VevsÄmmlungem Der Berei»„Vorwärts" hielt am Dienstag seine General- Versammlung für das vierte Vierteljahr des Geschäftejahres ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde daS Andenke» des Genosse» Schultze-Königsberg und der gleichfalls verstorbenen Mitglieder Döring, Rosenthal, Schlüter und I f i g k e i t in der üblichen Weise geehrt. Aus dem vom Vorsitzenden A r e n d s e e erstatteten Geschäftsbericht ist hervorzuheben: Der Verein hielt im letzten Quartal fünf Versammlungen, der Vorstand 6 Sitzungen ab. Die Mitgliederznhl ist von 2616 auf 2974 gestiegen. Ei» Rückblick auf das ganze abgelaufene Geschäfts- jähr lasse erkenne», daß der Erfolg den gehegte» Erwartungen nicht entsprochen habe. Man habe geglaubt, daß nach der Auflösung des Wahlvereins die Theilnahme der Genossen au dem Verein„Vor- wärts" eine lebhaftere sein würde. Der Verein gab Unterstützungen an den Streik der Koltbuser Textilarbeiter, der Hutniacher und der Hamburger Hafenarbeiter. Die vom Kassirer verlesene Abrechnung schließt mit einer Einnahme von 1702,22 M., einer Ausgabe von 1571,21 M., es bleibt also ein lleberschuß von 131,01 M. Auf Autrag der Revisoren wurde dem Kassirer Decharge ertheilt. Hieraus erfolgte die Neuwahl des Vorstandes, welche folgen- des Resultat ergab: K a r l L e i d, 1. Vorsitzender; FritzSchröder. 2. Borsitzender: L i e z k e, 1. Kassirer; B e r g in a n n, 2. Kassirer: W i l h. Schmidt, 1. Schriftführer; B i t t o r f, 2. Schriftführer; Blätter mann, Rudow, Raschle, Beisitzer. Nach Abschluß dieser Wahlen wurde Blätterman» von einem Redner beschuldigt, er habe seine Schuldigkeit in der Gewerkschaft nicht getha». Blätter- mann bestreitet das, darauf behauptet Herrfurt, derselbe habe als Maurer beim Bau der vorjährigen Ausstellung sich zur Sonn- tagsarbeit gedrängt, und zwar zu einer Zeit, Ivo seine Kollegen für«ine geregelte Arbeitszeit eintraten. Blätter- m an» erklärt diese Anschuldigung für unbegründet und aus den gewerkschaftlichen Organisalionsstreitigkeiten hervorgehend. Er will sein Vorstandsamt niederlegen und die Angelegenheit von einem Schiedsgericht untersuchen lassen. Nach längerer Debatte wurde bezüglich dieses Falles Uebergang zur Tagesordnung be- schloffen und dann die Wahl der Revisoren vorgenommen, welche auf die Genoffen Benthin, Bicknase, Rosenthal, I a k o b i u s und Hilgen feld fiel. Nunmehr stellte und begründete Schnorre folgenden Antrag: Parteigenossen, welche ihren Verpflichtungen gegenüber der gewerkschaftlichen Be- weguug nicht nachkommen, werden aus dem Vorstand des Vereins „Vorwärts" ausgeschloffen. Dieser Antrag rief wieder eine längere Debatte über die Angelegenheit Blättermann hervor. Di« meisten Redner gaben der Meinung Ausdruck, daß der Verein sich damit begnügen müsse. wenn seine Vorstandsmitglieder gewerkschaftlich orgauisirt sind. Das habe Blättermann nachgewiesen. Ob er sich etwa in gewerkschaftlicher Hinsicht vergangen habe, könne der Verein„Vorwärts" nicht ent- scheiden, das fei Sache der betreffenden Gewerkschaft. So lange diese ihn nicht verurtheilt habe, könne auch der Verein nicht gegen ihn vorgehen. Die Versammlung ging schließlich über den An. trag Schnorre zur Tagesordnung über. Blättermann er- klärte nochmals, sein Amt niederzulegen, ließ sich dann aber bestimmen, dasselbe noch solange beizubehalten, bis seine Gewerk- chaft den Fall entschieden hat. Ein Antrag, einen Paragraphen des VereinS-Statuts, welcher Bestimmungen über die Vorstandswahl trifft, zu ändern, fand nicht die erforderliche Unterstützung. Der Vorsitzende ersuchte zum Schluß um rege Betheiligung, namentlich auch der sangeskundige» Mitglieder, an einer Fußpartie, die am Charfreitag nach Tegel und Spandau unternommen werden soll. Der Arbeitervertreter-Verein hielt am Dienstag bei Buske eine Versammlung ab, in welcher zunächst seitens deS Borstandes allen in Frage konimenden Personen der Beitritt zum Arbeiter- vertreter-Berein aufs wärmste empfohlen, der Berein den Beisitzern de? Schiedsgerichtes bei Streitigkeiten in der Kranken-, Unfall-, Jnvaliditäts-«nd Altersversicherung als'zweckmäßigste Vorschnl» dargestellt wurde. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildete die amtliche Bekanntmachung, welche vom Reichs-Versicherungsamt er- lassen wurde betreffs der Besetzung der Subaltern- und Unter- beamten-Stellen im Reichs-Versicherungsamt. Die Verfügung, nach welcher im volle» Einverständniß mit dem Kriegsministerium die Versicherungsbehörde die Hälfte der vakanten Stelle» mit Militäranwärtern bis zum Offizier hinauf zu besetzen hat, tritt am 1. Januar in kraft. Die Verfügung wurde von D ä h n e ver- lesen und eingehend debattirt von Buchholz, Krause und anderen. Allgemein wurde auf das entschiedenste dagegen protestirt, daß derartige einschneidende Fragen ohne die Arbeitervertreler zu befragen, von den Behörden dekretirt würden. Die Kosten der ganzen Versicherung trügen die Unternehmer und Arbeiter, folglich müßten diese auch die Verwaltungsstellen besetzen. Für die Arbeiter- Vertreter blieben nur einige Kontrolleurstellen. Alle übrigen, be- sonders diejenigen, zu welchen technische Kenntnisse nicht erforderlich sind, werden von nun an mit Militäranwärter» besetzt. Die Arbeitervertreter im Reichstage sollen besonders auf diesen Umstand aufmerksam gemacht werden, die im Reichs-Versicherungsamt thätigen Arbeiterverlreter den Vorstand interpelliren!— Im zweiten Punkt wird das Rundschreiben an die Vorstände der Be- rnfsgenoffenschaften mit dem Ergebniß des durch die Berufsgenossen- schaften übernommenen Heilverfahrens diskutirt und ans die völlige Unzulänglichkeit dieses Verfahrens und die nachtheiligen Plackereien für die Arbeiter hingewiesen. Der Punk, Verschiedenes wird mit der Besprechung einer Anzahl ungewöhnlicher Entscheidungen der Rekursinstanz ausgefüllt. Die Bildhauer nahmen am Mittwoch in einer stark besuchten öffentlichen Versammlung Stellung zu der diesjährigen Maifeier und beschlossen in Form einer Resolution, überall da, wo es ohne schwere Schädigung der wirthschaftlichen Interessen möglich ist, die Arbeit ruhen zu lassen. Die Bildhauer verpflichten sich, die am 1. Mai vormittags im Englischen Garten tagende öffentliche Bild- Hauer-Versammlung mit der Tagesordnung:„Die Bedeutung des 1. Mai" zn besuchen, ferner mindestens eine Maimarke zum Werth« von 50 Pfennig vom Vertrauensmann zu entnehmen. Be- sonders die an diesem Tage arbeitenden Kollegen erklären ihre Bereitwilligkeit einen materiellen Beitrag zur Erreichung der Ziele deS 1. Mai zu leisten. Hierauf referirte der Vertreter der Bckd- Hauer in der Gewerkschastskommission, Winkler, über die Lehren des Hamburger Streiks und über die Taktik der Berliner Gewerkschaften bei Lohntämpfen. Nachdem er eine Anzahl der bemerkenswerthesteu Preßstimmen über de» Hamburger Streik Revue passiren ließ, ver- breitete er sich über die aufgetauchten Vorschläge zur Abänderung der Taktik bei Streiks, speziell über den Entwurf der Berliner Gewerkschastskommission. Dupont, welcher im wesentlichen mit den Abäuderungsvorschlägeu einverstanden ist, so weit sie nicht die Bewegungsfreiheit der gut organisirten, mit selbständigen Streik- reglements versehenen Gewerkschaften, welche auf ihre eigenen Kosten Streiks durchfechten, zu sehr hindern, giebt seiner abweichenden Meinung über die Stellungnahme des„Vorwärts" zum Hamburger Streik in Nr. 45, 46 Ausdruck. Er halte es für falsch, große Streiks unorganisirter Massen ohne weiteres als die Parlei-Jnteressen schädigend zn verwerfen. Der Hamburger Streik habe gezeigt, daß tausende von Personen ihre wirkliche Klassenlage kennen gelernt und durch den gewaltigen Kampf der sozialdemokratischen Partei zugeführt worden seien. Die materielle Einbuße der Partei werde reichlich gedeckt durch den Zufluß neuer Mitkämpfer in unseren Reihen. Die Ver- sammlung erklärt sich schließlich mit den geplanten?tbänderungen der Taktik in der Gewerkschastskommission dem Sinne nach ein- verstanden. Zum Delegirten in dieser Kommission wird alsdann der bisherige Delegirte Winkler wiedergewählt und neu gewählt als Stellvertreter Krippahle. Tie Sattler, Riemer«nd Täschner hielten am Mittwoch eine öffentliche Versammlung im„Englischen Garten", Alexander- straße, ab. Nach kurzer Begründung von Pörsch und Sassen- dach wurde beschlossen, den Kongreß, der am 1. Osterfeiertag neben der Generalversammlung deS Verbandes in Erfurt statt- findet und sich besonders mit den Mißständen in der Hans- industrie und Gefängnißarbeit beschäftigen wird, zu beschicken. Als Delegirte wurden T a n n h a u se n, Blum, D ü st e r w a l d und Sassenbach gewählt. Eine längere Diskussion entspann sich nach dem Bericht des Delegirten zur Gewerkschastskommission. über die von derselben in Zukunft einzuschlagende Taktik. Von den gemachten Vorschlägen hielten die meisten Redner die von M a s s i n i gestellte Resolution mit einigen Abänderungen als die empsehlenswertheste. Als Delegirter in die Gewerkschastskommission wurde, nachdem der bisherige Vertreter Pörsch abgelehnt halte, Riedel gewählt und zum Stellvertreter Hagemann bestimmt. Nach kurzer Debatte über die Maifeier, wobei auch diejenigen Unter- nehmer einer Kritik unterzogen wurden, die gelegentlich der Zentenar- feier die Arbeiter zur Arbeitsruhe zwangen, ohne ihnen den gesetzlich zustehenden Lohn zu zahlen, fand folgende Resolution«in- stimmige Annahme:„Die Versammlung erklärt sich mit den von der Gewerkschaftskommission betreffs der Maifeier gefaßten Beschlüssen einverstanden.— Diejenigen, welche ohne eventuell der Bewegung zur Last zn fallen, feiern können, haben die Arbeit ruhen zu lassen; diejenigen, welche arbeiten müssen, haben«inen Theil ihres Tagesverdienstes— mindestens 50 Pf. zum besten der Agitation zu opfern." Der weitere Punkt der Tagesordnung: Bericht und Neuwahl der Lohn- und ZlgilationSkommtfston, wurde bis zur nächsten Versammlung vertagt und zum Schluß die Kollegen Riedel und Blum zu Revisoren des Mai- und Agitations- fonds ernannt. Ter Verein deutscher Schuhmacher, Filiale 3. hielt am 5. April eine Mitglieder-Versaminlung ab. Dr. Wollheim hielt einen Vortrag über:„Die Verflüssigung der Lust". Hierauf gab der Kassirer die Abrechnung vom 1. Quartal 1397. Danach betrug die Gesammteinnahme 474,85 M. An die Hauptkaffe wurden gesandt 339,10 M. Die Lokalkasse wie? eine Einnahme von 125,31 M. ans. Hiervon waren verbraucht 89,92 M., so daß ein Kassenbestand von 35,39 M. verbleibt. Außerdem wurde auf die am 20. April (3. Osterfeiertag). Vormittag 10 Uhr bei Cohn. Beuthstr. 20, statt- findende öffentliche Schuhmacherversammlung hingewiesen. Der Verein deutscher Schichmacher, Filiale I, hielt am 5. d. Mts. bei Feind, Weinstr. 11. seine Mitglieder-Versaminlung ab. Ans der Tagesordnung stand: Abrechnung vom 1. Quartal 1397. Die Einnahme betrug 1459 M.; die Ausgaben: 1048.25 M. an die VereinSkasse abgeliefert, 32,30 M. geleistete Unterstützung, sonstige Ausgaben 156.10 M. Kaffenbestand fürS nächste Quartal: 222,35. Summa 1459 M. Auf Antrag der Revisoren wird dem Kassirer Decharge ertheilt. Der Verband der in HolzbearbeihingSfabriken«nd ans Holzplätzrn beschäftigte« Arbeiter Deutschlands, Filiale Berlin I, hielt am 5. d. M. im Lokale des Herrn Wille, Andreasstraße, seine regelmäßige Versammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesorvuiing ehrte die Versammlung das Andenken deS verstorbenen Reichstags-Abgeordneten, Genossen Schultz« in der üblichen Weise. Hieraus verlas der Kassirer die Abrechnung. Die Einnahme betrug mit dem Kassenbestand von 55,75 M. von, vorigen Quartal 495,80 M., die Ausgabe 235.50 M.; bleibt Bestand 210,30 M. Die Einnahme vom Maskenball betrug 222,50 M., die Ausgabe 86,50 M.; lleberschuß 136 M. Dem Kassirer wurde ein- stimmig Decharge erlheilt. Sodaun erstattete Kollege I a e ck den Vorstandsbericht, Kollege Hoffmann den Bericht der Rechtsschutz- kommisfion, Kollege G l a u b i tz den Bericht der Arbeitsuachiveis- kommission und Kollege L 5 b ig den Bericht des Bibliothekars. Aus dem Bericht der Arbeitsnachweiskommission war ersichtlich, daß 653 Arbe.t- suchende während deS letzten Jahres den Nachweis benutzten. Verlangt wurden 477 Arbeiter. Di« Neuwahl des Vorstandes ergab folgendes Resultat: I.Vorsitzender Pankow, 2. Vorsitzender Zimpel, 1. Kasürer Fellbaiim, 2. Kassirer Klarus, 1. Schriftführer Jaeck, 2. Schriflsiibrer L. Hoffmann, Revisoren Gober, Henke und Schulz. In die Arbeit, nachweis-Kommission wurden gewählt: H. Glanbih. Skrydel-wiiii, Samuel. Hauptmann. Marler. R. Glanbitz und Schröder «echtZschuh-Kommisston bilden nach vollzogener Neuwahl: Stein. .Neuling n»d L. Hoffmaun. Zum Bibliothekar wurde Kollege Stein gewählt. Die in der vorigen Versammlung vom Kollegen Günther vorgebrachte Beschwerde ist vom Vorstand untersucht und für un» begründet befunden worden. Der Anlraa Günther betr. Verlegung des Zlrbeitsnachweises wurde abgelehnt. Die Angelegenheit des Kollegen Brünmühl betr. Rückzahlung des vom Verbände für ärzt- liche Atteste ausgelegten Geldes wurde der Rechtsschutz-Kommissio» überwiesen. Bnchbinder. In der am v. April bei Feuerstein. Alte strafte 75, abgehaltenen Mitgliederversammlung der akob- erli» des Verbandes der Buchbinder ec. hielt Genosse Waldeck Manasse einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über „Friedensgedanken'. In die Vergnügungs- Kommission wurden ge« wühlt Schieber, Berau, Thomas, Riese, Christian und Wilhelm. Einem Antrag des Vorstandes gemäß wurde» 75 M. ausgeliehene Gelder, die nicht beizulreiben, niedergeschlagen. In» weiteren wird beschlossen, am I.Mai die Zahlstellen zu schließen. Der erste Vorsitzende macht dann bekannt, daß die nächste Versamm- lung die regelmäßige Generalversammlung ist, und am 26. April im selben Lokal abgehalten ivird. Die Filiale Süd des Allgemeinen deutschen Tapezircr- Vereins hörte in ihrer Mitgliederversammlung am 3l. März einen Vortrag des Kollegen Sander über„Die deutsche Literatur". Die dann vorgenommene Ergänznngswahl der OrtSverwaltung hatte folgendes Ergebniß: l. Bevollmächtigter Sander, 2. Bevoll- mächtigter Bechert. 2. Kassirer Beißer und Schriftführer Leo Schmidt. P ö» i ck e giebt bekannt, daß die Lohnbewegung der Leipziger Kollegen zu ihre» Gunsten beendet ist, ferner, daß die Lübecker Tapezirer die Absicht haben, in den Streik einzutreten, und ist Zuzug deshalb fernzuhalten. In der Filiale Nord sprach am I. April Genosse Behrendt über„Hygiene". An der Diskussion betheiligten sich Ändert und Paul Schmidt. Der Zentralvcrband der Maurer Deutschlands, Zahlstill e Berlin I Putzer, hielt am Sonntag, den 4. April seine regelmäßige Mitglieder-Versammlung ab. Die illbrechnung vom I. Quartal ergab einen Bestand von 374,62 M. Hierauf gaben die Kollegen L e h m p f u h l und D ä h n e einen ausführlichen Bericht vom 4. VerbandStag. Durch Annahme einer Resolution erklärt sich die Versammlung mit den in Magdeburg gefaßten Beschlüssen des VerbandstageS einverstanden. Als Ausschußmitglieder wurden die Kollegen A. D ä h n e, H. N e» m a n n, E. S i m a n o w s k i, H. K ö r b e r gewählt. In betreff unserer Lohnbewegung wurde be- schlössen, daß die Kommission und die Kontrolle auch serner bestehen bleibt. Ztrbrtter.Ktldunosfchnl». Temefler-Nerlen bi» MUte April. ju x-s-I,»«- der Arbriter Kilduneotch«!«,«runn-nftr. es, ist Wochen- lag? von 6—9 uor, SoniNagZ von t— 9Uhr, unentgeltlich für jedermann geöffnet; die s e l ch ä f l» n e l l e der Schule N., Brunnenstraß- 28, dte den Vereins- vorstünden zur Bermittelung von Vorlrägen wiffenschastltchen llharalters zur Berfügung steht, ist ebenlallS von s- g Uhr nachmittag» geöffnet. Zlrdeit-r-Köiia-rdiiod Berlin« und Umgegend. Vorsthender Ad. SIeumann Pasewalterstr.». Sttle Aenderunge» im Berelnslalender stnd znrtchlen an Friedrich ff oi tu in, Manleuffelstr.«9, v. 2 Tr. Zirbeitn». Nn»>!,e»i»,»d Herlin»„nd tlmgegend. Aenderunge» im VereinSkalender sind zu richten an Hermann Braunschweig, Dresdener- straße so. s. Hof,» Tr. «?«>»»»er sefelilgen Arbeiterverein» Herlin» und Ztmoegend. Alle Zuschriften, den Bund betreffend, stnd zu richten an H. B e n d t r, Alerandrtnen- straße loa. Nntnrbeilverein t. Heute, abend»»v, Uhr, tn den Arminhallen, ffomman- dantcnstr. 2v: Bortrag über:..Geheime Leiden de» männlichen ÄeschlcchtS." Ref. vr. msö. Böhm. Nur Herren habe» Zutritt. Perein für Körper- und Paturheilkunb». Heute, bei Stabsrnack, Znfelstr. ro, spricht prall. Raturheiltundiger Grundmann. Nur Herren stnd will- ionimen, Briefkasten der Redaktion. Die jnristische Sprechstunde findet Montags, Dienstags, Freitags iind Sonnabends, abends von 7—8 Uhr statt. Venz. Wenden Sie sich an den Berliner Kranlen-Nnterstützungs- und Begräbniß-Verein für Frauen und Mädchen, Frau Eimer, Danzigerstr. 7S, IIL Quergeb. Fr. B. 2. 1. Sie sind zur Zahlung nicht verpflichtet. 2. Nein.— R. M.. Bana Wettende. L. 7. Nein.- Otto 10«. Ja.- Carl Oth. 3 M. ist zutreffend; hinzu treten noch etwaige Schreibgehühren. Die Differenz erklärt sich dadurch, daß der andere wohl vor dem 1. Oktober 1893 ausgetreten ist. Damals bestand noch Gebührenfreiheit.— P. Da die be- treffende Fensterzumauerungs-BcrpflichMng im Grundbuch«ingetragen war, so kann der Ersteh« au? seiner Unkenntniß dieser Verpflichtung gegett niemand Schadensersatz-Ansprüche mit Aussicht aus Erfolg geltend machen. — F. in W. Der Naturalisationsantrag ist bei der Polizeibehörde zu stellen.— L. Mit dieser erst nachträglich erhobenen, an sich berechtigten Forderung werden Sie nicht durchkommen.— C. W. 45. 1. Nein. 2. Die Entlaffung kann ohne weiteren Nachtheil für den Arbeitgeber in Ihrem Fall jederzeit erfolgen.— R. P. Nein. — A. M. Nein.— F. M. ly. Eine Klage gegen den Vater hätte keine Aussicht auf Erfolg, Sie könnten nur mit einer Klage gegen den Sohn durch- dringen.— F. G., Werden. Nein: erst von Ablauf der 13. Woche ab.— Abonnent K. Nein: Sie müßten beim Anwalt die für den Fall der Rück- ilahme der Klage entstehenden Kosten vor dem Termin zahlen.— Poptel. Uns nicht bekannt.— M. L. IVO. Dte Bestimmungen des schrstlichen, früheren Vertrages gelten. _ WstternustSiibersicht ttoui 8. April 1807._ Wetter-Prostnose für Freitag, den S. April 1897. Mild, theils heiter, theils wolkig mit etwas Rege» und schwache» südwestlichen Winden. Berliuer W e t t e r b u r e a u. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Freitag, den g. April. � Opernhaus. Figaro's Hochzeit. Schauspielhaus. Die Athenerin. Deutsches. John Gabriel Borkinan. Berliner. Das neue Gebot. Lessing. Seine offizielle Frau. Schiller. DaS StistungSfcst. ReneS. Trilby. Westen. Der Mann im Monde. Linden. Prinz Methusalem. Thalia. Frau Lieutenant. Zentral. Ein fidel« Abend. Residenz. Associes. Alexanderplatz. Die Tanzfrida. Ostend. Klein Geld. Friedrich> WilhelmstädtischeS. Zimmennann's Lene. Bolls. Hopfenrailvs Erben. Apollo. Spezialitäten. American. Lumpe-Gastspiel: Ritt« Benno von Schreckenstein. Passage-Panoptikiim. 32 Mädchen aus Samoa. Sckillev-ThcÄitev OVilllner.'nseQt«,-). Freitag, ab. 6 Uhr: Das Stiftungsfest. Sonnabend, abends 8 Uhr: DaS Stiftungsfest._ Thalia Theater. (vormals Adolph Ernst-Theater). AM" Letzte Aufführung!"WM »Frau Lieutenant.« Vaudevillc in 3 Akten. Anfana 7V, Übt. Sonnabend, den 10. April, zum 1. Male: Heirath auf Probe. Poffe mit Gesang tn 3 Akten nach Gerö- Buchbinder von Jean Kren. Gesangs- texte von Gustav Görß. Musik von Leopold Kuhn. Central-Theater. Alte Jalobstr. 30. Dir. Rich. Schultz. IM" Borletzte Woche! l'.nill Thomaet a. G. Leopold Deutsch a. G. Zum 04. IKale: Ein fideler Abend. Burleske dramatische Revue in einein Vorspiel und 3 Bildern v. I. Freund und W. Mannstädt. Mustl von Julius EtnödShofer. Anfang V,8 Uhr. Morgen und die folgenden Tage; Ei» fideler Abend. Schluß der dieslährigen Posten- Saison unwiderruflich Sonntag, den 18. April. Doilllttstilg, deil 13. April: Abschieds-Yorstellung. Circus Renz Karl«tra«ae. (Jubiläums-Saison 1896/97.) Freitag, den 9. April 1897, abendS 7�, Uhr: Gr. brillante Voratellnnf. Durchschlagender Erfolg. Aus der Mappe eines RiesellgebirgS-Phllnillstell. Außerdem: S trakehner Fuchshengste, dress. und vorgef. von Herrn Hugo Herzog. Die doppelte hohe Schule, ger. von Frl. Wally Renz(Tochter des Direktors) und Frau Robert Renz. Mtranda, engl. Vollblut, dress. und vorgeführt von Herrn W. Rowland. Einfache und doppelte Baguettsprünge über Hindernisse, aus- geführt von 18 Ungarn. Auftreten der berühmten Künstlerfamilic Agouft vom Krystallpalast in London, in einer neuen und originellen Jongltr- szene, betitelt: Ein Pariser Restaurant. Sonnabend, den 10. April er., abends 7>/z Uhr: Aus der Zltappe eines Rsesengebirgs- Phantasten. Auf- trete» der berühniten Künstler-Familte Agouft. Volks-Theater 84. Rcichenbergcr- Strafte 34. Pferdebahnstatton: Kottbns« Thor. Heute zum vierten Male: Dopftnrath's Erben. Vollsstück mit Gesang in 5 Bildem von Heinrich Willen. Musik von G. Michaelis. 1. Bild: Weiber-Regiment. 2. Bild: Ein Brauerball. 3. Bild: In der Aristolratie. 4. Bild: Wiederschen in der Volks- küche. 5. Bild: Arbeit und Frieden. Ansang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr."Mg Ostend-Theater. Gr. Fraiikstirterstr.132. Dir. C. Weift. Heute: Benestz für den Regisseur Jos. Dill. Klei» Geld. Posse mit Gesang tn drei Akten von E. Pohl. Anfang 8 Uhr. Sonnabend:.Klein Geld. Sonntag Stachmittag zu halben Preisen: Berlin, wie es weint und lacht.- AbendS 7»/, Uhr: Klein Geld. Feen-Palast, Direktion Wint'cr 4t Frübel. Großer Erfolg des neuen Künstler- Personals IM" Z o r a d o."MF DaS amerikanische Weltwunder am elektrischen Luftapparat. IM" Stünntscher Beisall! Ein endloser Jubel! Schwarzes Wiegenkind. Komische Operette, unter Mitwirkung des Direktors Wilhelm Fröbel. Die interessanten lebenden Fbotoxrapblen endlich auch Endlich allein! 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Gesangverein sucht tüchtigen KHrigSDrten. Näheres Mittwoch bei A. Schmidt. Swinemünderstr. 84, v. III � 14466, Für die Sterbekasse der Maschinev» bau-Arbeiter und verwandten Berufs genossen wird per 1. September d. I.- ein kautionsfähiger Pendant gesucht. Geeignete Bewerber wolle-t ihre schriftliche Offerte mit Gehalts- ansprüchcn an den Unterzeichneten mit Angabe der bisherigen Thätigkcit ein- reichen. 1444b Mitglieder werden bevorzugt. Berlin, 7. April 1897. P. Borginann, Waldeinarstr. 3. General-Berufs-Agenten sucht für Berlin und Provinzen die Allgemeine Bolks-Kranleukasse(E. H. 126.) Müllerstr. 175, III._ 14I5S Zeichner Confcct. Stickerei 14326 nur erst« Kraft verlangt David Riese, Jägerstr. x5. Achtung! Achtung! VI. Wahlkreis. Am Freitag, den 9. April, abends SVi Nhr, im Kolberger Salon, Kolbergerstrasze Nr. 23: Oeffentliche Parteiversammlung. Tages-Ordnnng: 1. Vortraci des Reichs tags-Mgeordncten ZLubeN über:„Reaktionäre Pläne." 2. Abrechnung der Vertrauensleute. 3. Bericht der Revisoren. 4. Maifeier. 213/15 Ilm recht zahlreiches Erscheinen ersucht ___ Der Bertrauensmann. Mm Sonnabend, de» 10. Zlpril 1897, abends 8-/2 Uhr. im Lokal Parkftrahe 12: Gr. ößentl. Volks-VersminlUg Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum I. Mai. 2. Diskusston. 3. Bericht des Gemeinde- Vertreters Gen. K a r 0 w. 4. Diskussion. 5. Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung halber wird um zahlreiches Erscheinen ersucht. 223/1 Der Vertrauensmann. a v i, H u n 0 I Achtung! AlMklmrein für William«. Wg. Sonnabend, den IO. April er., abends 8 Uhr, hn Lokale des Herrn Kriiger, Kaiser Friedrich- Strasse, Zk Oeffentl. Versammlung.« Tages- Ordnung: Bortrag über die Erforschung des'Nordpols (erläutert durch Vorführung von Nebelbildern.) Vereinsmittheilungen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht_[9/1]_ Der Borstand. Achtung! aurer! Somitag, den 11. April, vormitttags 10 Nhr, "- Hoffn Alexander- Strasse 27c bei mann, General-Bersammlnug des Vereins zur Wahrung der Interessen der Mtauvev Berlins und Mmgegenv. Tages- Ordnung: 1. Abrechnung des Kassirers vom 1. Quartal 1837 und Bericht der Revisoren. 2. Bertcht des Vorstandes von seiner halb- jährigen Thätigkeit, und Neuwahl des gesammton Vorstandes. 3. Bericht des Ausschusses und Ersatzwahl desselben, sowie eines Revisors. 4. Neu- wähl sämmtlicher Hilfskassirer. 5. Abrechnung vom gemüthlichcn Beisammen- sein vom 7. März. 6. Wichtige Vcreinsangelegenheiten. 129/15 Die Mitglieder sind verpflichtet, alle und pünktlich zu erscheinen, da die Versammlung um 10 Uhr pünktlich eröffnet wird. Mitgliedsbuch legitim irt! _ Der Borstand. I. A.: Carl Kuöpchen, Thaerstr. 56. |W Berlin I.-MF Sonnabend, den 10. Zlpril. abends 9 Nhr. im Engllsehen , Alexander- Strasse 27c, UM" Versammlung."HW Tages- Ordnung: 1. Verbandsangelegenheiten. 2. Verschiedenes. Gäste willkomme»:[156/8 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die Ortsverwaltung. Fachverein der Stellmacher Berlins und Umgegend. konntag, den 11. April, vormittags v>/z Uhr, Im I.okale _ clcs Herrn B a b 1 e 1, Kosenthalerstr. 57, Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal 1837. 2. Bericht und Neuwahl des Vorstandes. 3. Verschiedenes. 153/11 Mitgliedsbuch legitimirt! Zahlreiches Erscheinen erwartet_ Der Vorstand. Achtung! Achtung! Bauarbeiter Schönebergs. Sonntag, den 11. April er., nachmittags>il/2 Uhr, In K. Obst's Salon, Ornnewald- Strasse"HO, Oeffentliche Versammlung."WU Tages- Ordnung wird in der Bersammlung bekannt gemacht. 29/6 Der Vertrauensmann. Oeutscher Holzarbeiter-Verband Heute. Freitag, abends 8V« Nhr, bei Cohn, Bcuthstraste 20/21: Sitzung der Ortsverwaltuug. 88y<, Die Einsetzer der Firma A. Hittag werden ersucht, in dieser Sitzung zu erscheinen. Vrolnche Vev Einsetzer. Sonntag, den 11. April, vormittags 11 Uhr, Annenstrahe 16 bei Grosse: DG, Versammlung."MU Tagesordnung: Wahl von Mitgliedern zur Verstärkung der Kontroll- Kommission. Verschiedenes.— Um zahlreichen und pünktlichen Besuch bittet Der Obmann. Freie Vereinig, der Kananschlager Berlins und Umgegend. Am Sonntag, den II. April, vormittags 11 Nhr, bei Bnske, Grenadierftrahe 93: General- Versammlung Tages-Ordnung: 1; Kassenbericht. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Dorstandswahl. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Die Mitglieder werden aus§ 3 aufmerksam gemacht. 33/14 Her Vorstand. Imt Umimglillg öft laiwiMtfr V v r l i n s. Sonntag, den 11. April er., vormittags lOV] Uhr, im Lokale des Herr» W 1 I h e, Andreasstr. 26, Mitglieder- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom 1. Quartal 1837. 4. Bereinsangelegenhciten und Verschiedenes. 31/7 Neue Mitglieder werden ausgenommen. _ Im Auftrage: Fritz Krüger. MM SellUer Ziinmerleiite. (Zahlstelle Berlin.) DM- Sonntag, den 11. April 1897, vormittags IOVz Uhr.-MF tn den Arminh allen, Kommandanten- Strasse 20, General- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal 1837. 2. Bcrathung der gestellten Anträge zur Generalversamnilung in Halberstadt. 3. Bericht der Delegirtcn vom Provinzial-Verbaudstag. 254/11 Kameraden! Es ist nothwendig, in dieser Versammlung vollzählig zu erscheinen.___ Der Vorstand. Lederarbeiter! Sonnabend, 10. April, abends 8>/z Uhr. bei ttlitz, Badstraste 19: Oeffentliche Versammlung aller In der Uederfabrlhatlon beschäftigten Arbeiter (Weissgerber, Uohgerber, Färber und Bernfsgen.) Tages-Ordnung: I. Vortrag des Genossen Heinrich Schulz:„Gegen die Prügel- Pädagogen". 2. Beschlusifassung über unsere diesjährige Maiseier. 3. Die fernere Taktik und Aufgaben der Gcwerkschasts-Kommission. 4. Gewerk- chaftlichcs. 107/2 Zu dieser Versammlung sind die Frauen hiermit besonders eingeladen. Der Vertrauensmann. AlMmumi Mhen-Schönhaufen f ohen-Zchönhausen bei Berlin«0. __ elepho»: Amt Friedrichsberg, So. 83. Den Herren Gastwirthcn empfehlen wir unsere aus den besten Materialien hergestellten, wohlschmeckenden und gutbekömmlichen Btere und zwar: Lagerbier(goldgelb), Pilsener Hier(hell, nach Pilsener Art), Erportbier(dnnkel, nach Münchener Art) in amtlich geaichten Gebinden zum Nettopreise von 15 Pf. per Liter frei Haus resp. frei Bahnhof Berlin. Auf die Vielsachen, von Privaten an uns ergangenen Anfragen erwidern ergebenst, daß wir unsere Biere. auf Flaschen gezogen, nicht abgeben. Die Direktion: will,. Starch. Slebert. a!«44.„ Steppdcck., Gardin., Bor- BlUlll, düren, Stores, Sommerpaletots, Wäsche, Anzüge, Hosen, Regu- lator.,Remontoiruhr.,Goldwaar. spottb. Pfandleihe Ncanderstr. 6.* NsttsU Steppdecken, Gardinen, Por- Vl lira tiercn, Wäsche, Sommer- paletots, Hosen, Regulatoren, Remon- toiruhren, Operngläser, spottbillig Pfandlethe, Ncanderstr. 6. Landwehr-Bezirk I. Berlin. (Provinzial- Infanterie, Namens- Anfangsbuchstabe» A bis K.) Bekanntmachung betreffend die Frühjahrs-Kontroll-Bersammlungen 1897. Die Frühjahrs-Kontroll-Versammlungen der in Berlin wohnhafte» und von dem unterzeichneten Kommando lontrollirten Mannschaften werden in der Zeit vom 20. bis 30. April d. I. an folgenden Tagen und Stunden abgehalten, und zwar: I. Für die Mannschaften der Reserve der Provinzial-Infanterie. Namcn-Anfangs-Buchstaben A und B. Jahrg. 1889, 1890, 1893, 1894, 1896, 1896 Dienstag, 20. April, vorm. 8 Uhr, „ 1891 und 1892....... Dienstag, 20. April, vorm. 10 Uhr. Nameus-Rnfangs-Buchstaben C, I>, F und J. Jahrg. 1889, 1890 und 1893..... Mittwoch, 21. April, vorm. 8 Uhr, „ 1891, 1892, 1894, 1895 u. 1896. Mittwoch, 21. April, vorm. 10 Uhr. Namens-Anfangs-Buchftaben<4 und B. Jahrg. 1889, 1890 und 1893..... Freitag, 23. April, vorm. 8 Uhr, „ 1891, 1892, 1894, 1895 und 1896 Freitag, 23. April, vorm. 10 Uhr. Namcns-Anfangs-Buchstaben E und K. Jahrg. 1889, 1890 und 1893... Sonnabend, 24. April, vorm. 8 Uhr, 1891, 1892, 1894, 1835 u. 1896 Sonnabend, 24. April, vorm. 10 Uhr, Kasernenhof bezw. Exerzierschuppen des Franz-Regiments, Eing. Urbanstr. 10/19. 2. Für die Mannschaften der Landwehr I. Ausgebots der Provinzial-Jnsanterie. Namens-Anfangs-Buchftabeu A und B. Jahrg. 1885* und 1886... Montag, 26. April, von». 8 Uhr, „ 1887 und 1888... Montag, 26. April, vorm. 10 Uhr, „ 1884**...... Freitag, 30. April, vorm. 8 Uhr, Namens-Anfangs-Buchstaben C, B, F und J. Jahrg. 1885* und 1886... Dienstag, 27. April, vorm. 8 Uhr, „ 1887 und 1838... Dienstag, 27. April, vorm. 10 Uhr, „ 1884**...... Freitag, 30. April, vorm. 8 Uhr, Namens-Anfangs-Buchstabe»<4 und H. Jahrg. 1885* und 1886... Mittwoch, 28. April, vorm. 8 Uhr, „ 1887 und 1888... Mittwoch, 28. April, vorm. 10 Uhr, „ 1884**...... Freitag, 30. April, vorm. 10 Uhr, Namens-Anfangs-Buchstaben£ und K. Jahrg. 1885* und 1886... Donnerstag, 29. April, vorm. 8 Uhr, „ 1887 und 1888... Donnerstag, 29. April, vorm. 10 Uhr, „ 1884*°...... Freitag, 30. April, vorm. 10 Uhr. Hof des neuen DienstgebäudeS auf dem Tempelhofer Felde. 3. Für die Mannschaften der Ersatz-Reserve der Provinzial-Jnsanterie. Namens-Anfangs-Buchstaben A, B, C, B, E, F und J. Jahrg. 1886 und 1887...... Montag, 26. April, vorm. 8 Uhr, 1888 und 1889...... Montag, 26. April, vorm. 10 Uhr,. 1890, 1891 und 1892.... Dienstag, 27. April, vorm. 8 Uhr, „ 1893, 1894, 1895, 1836, 1884, 1885 Dienstag, 27. April, vorm. 10 Uhr. Namcns-Anfangs-Buchstaben<4, B und K. Jahrg. 1884 und 1885...... Dienstag, 27. April, vorm. 10 Uhr, „ 1886 und 1887...... Donnerstag, 29. April, vorm. 8 Uhr, „ 1888 und 1890...... Donnerstag, 29. April, von». 10 Uhr, „ 1889 und 1891...... Freitag, 30. April, vorm. 8 Uhr/ „ 1892, 1833, 1894, 1895, 1896. Freitag, 30. April, vorm. 10 Uhr. Kasernenhof bezlv. Exerzierschuppen des Franz-Regiments, Eing. Urbanstr. 10/19. 4. Für die Offizier-Aspiranten der Provinzial- Infanterie. Jahrgang 1836, 1895, 1894, 1393, 1832, 1891, 1830, 1883, 1888, 1887, 1886, 1885* und 1884** am Mittwoch, 28. April, vorm. 8 Uhr, im Kasernen- Hof beziehungsweise Exerzierschuppe» des Franz-Rcgiments, Eingang Urban- strasie 10/19. *) Ausschließlich der in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1885 eingetretenen Mannschaften, welche zur Frühjahrs-Kontroll-Verfammwng nicht zu erscheinen brauchen.! **) Diejenigen Mannschaften, welche noch nicht zur Landwehr 2. Auf- gebots übergeführt worden sind. Die Beorderung zu den Kontroll- Versammlungen erfolgt nur durch Die Milttär-Papiere sind mitzubringen. Welchem Jahrgänge jeder Einzelne zugehört, ist auf dem Deckel deS Militär-PasseS vermerkt. Für die in den Vororten Wohnenden erfolgt besondere Bekanntmachung durch die Kreis- sc. Blätter und in einzelnen Orten durch öffentlichen Anschlag. Berlin, den 10. März 1397. BetElrhs-Kommando I. Berlin. Grimdmann, prakt. Natnrheilknndiger, spricht heute, Freitag, abendS 8Vz Uhr, Inselstrasse 10 bei Stabernack über: (ftalante erklärt an Präparaten. Nur Herreu sind willkommen. Eintritt frei. Um zahlreiches Erscheinen bittet Verein für Kttrper- u. Katnrhellknnde Alcxanderstr. 8. Woch eutagS bis IQ Uhr abend» geöffnet. lacques RapML I. Kaufhaus: SmMm Brückt Nk. 2, II. Kaufhaus: Potsbamerstr. 106a, Mt StdltloWe. iii. Kaufhaus: Grüner Weg 31, A- Schuhwaaren unter lür beste DMMeit und nobelsten Sitz Hl UIU iip durch gebrnMe GarantiMeine. JTttv Herren: Für Vnnren: IM- Braun« Segeltuch-Schnürschuhe,* durchgenäht« Ledersohle, Lederabsatz und Lederbesatz.......... Mk. 3,10 Lafting-Promenabeuschuhe m. Lackspitze u. Lackseitenleder Mk. 3,78 Besatz-Halbschuhe, von Roßlcder mit Gummizug. Zierlicher Knopfbesatz und Cordelkappen, derbe Strapazirschuhe mit solider genagelter Sohle, hohem oder niedrigen! Absatz....... 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