jole aumelloj 130 Freiheit Nummer 532. Jahrgang Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Saarbrücken, Sonntag Montag, 4./5. März 1934 Chefredakteur: M. Braun Cloisonsbilbist 116 SHI Aus dem Inhalt Sieg des Saackapitalismus Schwur der Lands- Knechte 90 Seite 2 Seite 3 Mussolinis Ungnade Seite 3 Die blutige Internationale Seite 4 Inseratenteil beachten! England fordert Görings Kopf Was Hitler Eden versprach London, 3. März. Ueber die jest abgeschlossene Rundreise des britischen Staatssekretärs Eden erfahren wir aus bester Quelle Einzelbeiten, die die Reise des englischen Staatsmannes in einem ganz neuen Lichte erscheinen lassen. Danach diente der Besuch Edens in Berlin feineswegs nur dem Zweck, über die deutsche Stellungnahme zu dem britischen Rüstungsmemorandum Auskunft zu erhalten. Die Reise sollte viel= mehr auch Klarheit über die gesamte Gin stellung der englischen Regierung zu dem Regime Hitlers bringen. Man hat bis dahin in London Zweifel gehabt, ob Hitler imstande sein werde, sich gegenüber den unbotmäßigen Kräften seines Regimes Geltung zu verschaffen. Darauf hatte die deutsche Regierung in London wissen lassen, Hitler sei bereit, die Beweise dafür zu liefern, daß er imstande sein werde, sich gegenüber seinen eigenen Anhängern und Mitarbeitern durchzusetzen. Er machte sich erbötig, einen Vertreter der britischen Regierung mit Männern bekannt zu machen, mit deren Hilfe er, Hitler, sich gegen Göring und andere unzuverlässige Paladine durchsetzen werde. Auf dieses Angebot hin entsandte die englische Regierung Eden, für dessen Berliner Reise das Abrüstungsproblem eine plausible Begründung bot. Er war der erste aftive Minister Englands, mit dem Hitler seit seinem Regierungsantritt in Berührung gekommen ist. Seit längerer Zeit war bekannt, daß in maßgebenden englischen Kreisen der Sturz Görings als Voraussetzung für Hitlers Bündnisfähigkeit gilt. Die Frage:„ Ist Hitler bereit, Göring fallen zu lassen?" wird gegenwärtig in politischen Kreisen Englands jedem deutschen Besucher gestellt. Nun hat Hitler dem britischen Staatssekretär zugesagt, daß bei nächster Gelegenheit einige heute maßgebende Vertreter des Regimes ihre Aemter verlieren bzw. an anderer Stelle verwendet werden würden. Unter den dabei Genannten befand sich neben Göring auch der Nürnberger Agitator Streicher. Zu den Beweisen, die Hitler für seine starke Pofition gegenüber Göring anbot, gehörte auch die Freilassung Dimitroffs, die im unmittelbaren Anschluß an den Berliner Aufenthalt Edens erfolgte. Der Fall Dimitroff, über deffen Hintergründe wir bereits vor einigen Tagen berichteten, hatte mit am meisten dazu beigetragen, das Ansehen Hitlers in England zu kompromittieren und seine Stellung gegenüber Göring schwe erscheinen zu lassen. ..Sehr pessimistisch" DNB London, 3. März. Eden berichtete am Freitagnachmittag dem Ministerpräsidenten MacDonald über seine Reise nach Paris, Berlin und Rom. Berlin und Wien Verhandlungen im Gange? Es fällt auf, daß sich der Ton der Hitlerpreffe gegenüber Oesterreich auf einmal sehr gemäßigt hat. Der bekannten Naziführer Habicht, der von München aus Oesterreich„ be= treut", soll die Weifung erhalten haben, mit seiner für März angekündigten Attentats attacke noch zurückzuhalten. Man bringt die Wendung in Zusammenhang mit neuerlichen Bes ftrebungen der Reichsregierung, für Desterreich eine ähnliche Lösung wie für Danzig zu schaffen. Das bedeutete formelle äußerliche Unabhängigkeit, innerlich aber völlige Gleich schaltung unter Naziführung. Angeblich soll bereits eine diplomatische Fühlungnahme mit Rom nach dieser Richtung hin erfolgt sein. Die Haltung Frankreichs ,, Frankreich widersetzt sich" Paris, 8. März. Der französische Außenminister Barthou beantwortete heute vor dem Auswärtigen Ausschuß der Kammer den Fragebogen, der ihm von dieser am Mittwoch überreicht worden war. In bezug auf das österreichische Problem berief sich der Minister auf die Kontinuität der französischen Politif. di in diesem Punkte mit der Italiens und Englands übereinstimme. England werde Desterreich unter Auch Streicher geopfert Die Aussichten in der Abrüstungsfrage werden von dem diplomatischen Mitarbeiter des„ Daily Telegraph" sehr pessimistisch beurteilt. Man gebe zu, daß sich der englische und italienische Standpunkt sehr nahe kämen und auch die Anschauungen Englands und Deutschlands keine großen Verschiedenheiten aufwiesen. Aber die Aeußeerungen franzö= fischer Minister Eden gegenüber und die einstimmige Feind feligkeit der französischen Presse dem abgeänderten englischen Abrüstungsplan gegenüber zeigten, daß wenig Ausficht auf eine Annahme des Planes durch Frankreich bestünde. Der diplomatische Mitarbeiter des sozialistischen„ Daily Herald" meldet u. a., Frankreich werde weitere Sicherheitsverpflichtungen von England fordern als Bedingung dafür, daß es seinen jezigen Rüstungsstand halte. 13 Große Mächtekonferenz in London? London, 3. März 1934. Man erwartet hier die französische Stellungnahme zu den Anregungen, die Lordfiegelbewahrer Eden auf Grund seiner Reise nach Berlin und nach Rom in Paris gegeben hat, glaubt aber nicht, daß der britische Vermittlungsversuch zwischen Paris und Berlin zu einem Ergebnis ffthren kann. Ebensowenig hält man den Plan Mussolinis, eine Abrüstungskonferenz der vier europäischen Großmächte für durchführbar, da Frankreich und die Kleine Entente diesen Plan ablehnen. Da die englische Regierung sich aber auch von der Fortführung der Abrüstungskonferenz zur Zeit nichts verspricht, taucht der Plan einer Dreizehn- MächteKonferenz in London auf. Einzuladen wären Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, die Vereinigten Staaten, Sowjet- Rußland, Japan, Polen, ein Vertreter der Kleinen Entente, Belgien, Spanien und vielleicht noch einige fleinere Staaten. Da Norman Davis, der Vertreter der Vereinigten Staaten auf der Abrüstungskonferenz, sich gerade in London befindet, ist die Abrüstungsfrage mit ihm durchgesprochen worden. gesprochen worden. Präsident Roosevelt soll den Gedanken einer Dreizehn- Mächte- Konferenz begrüßen. Das Einverständnis der deutschen Reichsregierung gilt als sicher, da ihr die Dreizehn- Mächte- Konferenz die Rückkehr nach Genf ersparen würde, wo man glaubt, daß die Reichsregierung bereit wäre, ihren Plaz in Genf wieder einzunehmen, wenn die Londoner Konferenz zu einem befriedigenden Ergebnis führte, was allerdings sehr zweifelhaft ist. So dürfte denn die Mächtekonferenz mit der ominösen Zahl 18 eine neue Illusion werden. stützen, wenn dieses den Schiedsspruch des Bölkerbundes annehme. Italien mißbillige entschieden di. deutsche Politik in Desterreich. Frankreich sei mehr denn je entschlossen, die Achtung der Friedensverträge zu verlangen, die auch die Unabhängigkeit Oesterreichs gewähr= leisten. Es vertrete eine Politik der Zusammenarbeit, und es sei der Ansicht, daß das österreichische Problem auf inter nationalem Wege behandelt werden müsse, während Deutschland eine innerpolitische Frage daraus machen möchte. Frankreich widerseße sich jeder Widerher stellung der habsburgischen Monarchie und gehe hierin einig mit England, der Kleinen Entente und den Balkanstaaten. Monarchie ,, nicht aktuell" Wien, 3. März. Von Regierungsseite wird zu der Frage der wiederherstellung der habsburgischen Monarchie erklärt, daß die Gerüchte über entsprechende Verhandlungen nicht den Tatsachen entsprächen. Die Regierung. sehe diese Frage nicht als aktuell an. Oesterreich und Europa Von Otto Bauer Die österreichische Sozialdemokratie ist nach heroischem Widerstand der Schutzbündler besiegt. Aus ihrer Erfah rung werden die sozialistischen Parteien der ganzen Welt wichtige Schlüsse zu ziehen haben. Die österreichische Arbeiterschaft geschlagen. Was jetzt? Das gegenwärtige System ist auf die Dauer unhaltbar. Es stützt sich auf einen sehr kleinen Teil der Bevölkerung. Es hat die Erbitterung sowohl der Sozialdemokraten als auch der Nazi gegen sich. Es ist durch die schärfsten inneren Gegensätze zerrissen: FührerBauern und Kleinbürgern andererseits. Gegensäge zwischen den Aristokraten und Generälen, die die Heimmehr kommandieren, einerseits, den christlichsozialen Bauner und Kleinbürgern andererseits. Gegensätze zwischen den Kapitalisten, die die Gelegenheit zur Abtragung der sozialen Gesetzgebung benüßen wollen, und den christlichsozialen Gewerkschaften, die die Gelegenheit benüßen möchten, die Arbeiter für sich zu gewinnen, Gegensätze zwischen den Anhängern einer habsburgischen Restauration und den Anhängern einer Verständigung mit Hitler. Gegensätze zwischen den jüdischen Kapitalisten, die die vaterländische Front finanziert haben, und den Entisemiten im faschistischen Lager. Erbitterter Kampf um die Beute, um die Erbschaft der Sozialdemokratie und der freien Gewerkschaften, zwischen den Christlichsozialen und den Heimwehren. Dabei haben beide Teile ihre eigenen bewaffneten Organisationen. Es ist nicht denkbar, daß sich dieses System lange erhält. zur Aufrichtung einer faschistischen Diktatur fehlt die Basis einer so straff organisierten, einheitlich geführten Formation, wie es die Schwarzhemden Mussolinis und die Braunhemden Hitlers gewesen sind. Es gibt für die Diktatoren in Oesterreich aus ihrer Lage nur zwei Auswege: der Weg zu Hitler oder der Weg zur Restauration der Habsburger. Die Erbitterung über die blutige Niederwerfung des Aufstandes wird von den Nationalsozialisten geschickt aus genutzt. Sozialdemokratische Arbeiter, voll Haß gegen Dollfuß und Fey, gehen zu den Nationalsozialisten über, oder betrachten doch die Nazi als Bundesgenossen gegen Dollfuß. Die nationalsozialistische Flut schwillt gewaltig an. Es ist möglich, daß Dollfuß sehr bald keinen anderen Ausweg mehr sehen wird als die Kapitulation vor Hitler. Aber die Bildung einer schwarzbraunen Koalition in, Desterreich wäre nur der erste Schritt zu einer braunen Diktatur und damit, wenn nicht zum rechtlichen, so doch zum tatsächlichen Anschluß an das dritte Reich. Diese Entwicklung will sowohl Italien als auch Frankreich verhindern. Geht Dollfuß trotzdem diesen Weg, so könnten daraus die ernstesten Gefahren für den Frieden Europas hervorgehen. Es gibt für Dollfuß nur einen anderen Weg: den Weg zur Restauration der Habsburger. Das ist der Wille der. Aristokraten und Generäle, die die Heimwehr komman dieren, und der katholischen Kirche. Die Wiederherstellung einer österreichisch- ungarischen habsburgischen Monarchie unter Jtaliens Schutz kann in der Richtung der italienischen Politik liegen, weil sie Oesterreich und Ungarn in einen dauernden und schroffen Gegensatz gegen die Kleine Entente bringen würde. Frankreich kann in der Restauration ein Mittel sehen, Oesterreich dauernd von Deutschland zu trennen. Die Tschechoslowakei und Jugoslawien. werden die Restauration nicht verhindern können, wenn Jtalien sie will und Frankreich sie zuläßt. Wenn aber erst ein Habsburger in Budapest und in Wien herrscht, dann werden die Kräfte Oesterreichs in den Dienst der ungarischen Revisionswünsche gestellt werden. Dann beginnt der Kampf um die Slowakei und Kroatien. Die Restauration bedeutet, wenn nicht sofort, so doch binnen wenigen Jahren den Krieg. Die österreichischen Diktatoren werden sehr bald entweder zu Hitler oder zu Habsburg müssen. Der eine Wegwieder andere führt zum Krieg. Europa wird erfahren, welche wichtige Schlüsselstellung des europäischen Friedens mit der öster reichischen Sozialdemokratie zerschlagen worden ist. Die österreichische Revolution von 1918 hat die habsburgischen Machthaber entthront, die im Jahre 1914 die Welt in Flammen gesetzt haben, die österreichische Gegenrevolution von 1934 hat dieselben Klassen wieder in die Macht geſetzt und damit droht sehr ernsthaft die Gefahr, daß zum zweiten Male von Wien aus Europa in Der Saarkapitalismus sicgt Papens und Röchlings Triumph der ,, deutschen Front" Papens und Röchlings Triumph über die SA.- Die Erschütterung D. F. Der deutsche Vizekanzler von Papen hat am Freitag im Hörsaal der Lessing- Hochschule in Berlin den Abstim mungskampf an der Saar als einen Stoß gegen Frankreich Aeußerlich ist alles in Ordnung. Im Innern der „ deutschen Front" geht der Streit weiter. Schon muß der von Röchling als sein Vertrauensmann zur Führung der Flammen gesetzt wird. Die Regierungen Englands und Frankreichs, die die Etablierung der Vorherrschaft des italienischen Faschismus in Wien ohne jeden kräftigen Widerstand geduldet, den Herrn Dollfuß unterstützt, die österreichische Arbeiterschaft den Kanonen und Haubitzen proklamiert. Deutschlands Sieg sei Frankreichs Niederlage.„ deutschen Front" eingesezte kleine Beamte Pirro sich öffentder Herren Dollfuß und Fey preisgegeben haben, werden die Erfahrung machen, daß ihre Politik Europa in die ernstesten Gefahren gestürzt hat. Die Arbeiter aller Länder aber werden gut daran tun, die Entwicklung in der österreichischen Gefahrenzone mit der größten Wachfamkeit zu beobachten. Vier neue Luftgeschwader DNB. London, 3. März. Durch die im Haushaltsvoranschlag 1984-35 vorgesehene Verstärkung der englischen Luftflotte um vier Geschwader, wird wie furz berichtet- die Gesamtzahl der englischen Luftgeschwader von 90 auf 94 erhöht. Die Zahl der Frontflugzeuge ausschließlich der Reserveund Hilfsformationen erfährt eine Erhöhung von 890 Maschinen. Die effektive Gesamtverstärkung wird jedoch nicht nur vier, sondern sechs Geschwader betragen, da zwei zur Zeit mit technischen Versuchen beauftragte Geschwader für den regulären Dienst mit der Gesamtflotte vorgesehen sind. Die Erhöhung des Lufthaushalts wird von der englischen Presse allgemein begrüßt." Times" sagt, die Erhöhung sei im Vergleich zu den Ausgaben anderer Staaten für ihre Luftstreitkräfte beinahe unglaublich beicheiden. Der endgültige Umfang der englischen Luftrüftungen hänge vielmehr von den Ansichten von Paris, Berlin und Nom ab. Russische Militärilleger über Dünaburg 15192 DNB Riga, 3. März. Zwei sowjetrussiche Militärflugzeuge landeten am Freitag in der Nähe von Dünaburg, das eine Flugzeug etwa acht Kilometer nördlich, das andere einen Kilometer südlich der Stadt. Vor der Landung kreisten die Flugzeuge mehrere Male über Dünaburg. Bei der Landung wurden beide Flugzeuge etwas beschädigt, doch blieben die Insaffen, vier sowjetrussische Fliegeroffiziere, unverlegt. Sie wurden sofort verhaftet und in die Dünaburger Abteilung der lettländischen politischen Polizei gebracht. Sie erklärten, daß sie auf dem Wege von Moskau nach Smolenst sich infolge ungünstiger Witterung verirrt hätten und schließlich wegen Brennstoffmangel hätten niedergehen müssen. Es handelt sich um sowjetrussische Aufklärungsflugzeuge neuefter Bauart. Beide Flugzeuge sind mit Maschinengewehren ausgerüftet; Die Landung der russischen Militärflieger erregt- nach Blätterstimmen- hier umso größeres Aufsehen, als Dünaburg Festung ist. Die Flieger werden 3. 3. eingehenden Verhören unterworfen. Die Maschinen werden von lettländischem Militär gewacht. Es ist anzunehmen, daß von seiten der sowjetrussischen Gesandtschaft Schritte wegen Auslieferung der Militärflieger unternommen werden. Hitler- Beleidigung„ gesühnt" In Dänemark Kopenhagen, 7. März. Der Architekt Eduard Helberg ist am Donnerstag vom Gericht zu 40 Tagen Haft verurteilt worden. Er hatte im September dem deutschen Gesandten in Kopenhagen eine Entschließung überfandt, in der die Reichsregierung beleidigt wurde. Nazigeneral als Oberbürgermeister von Potsdam Potsdam, 2. März. Der preußische Minister des Innern hat mit Erlaß vom 1. März 1984 sich auf Grund des§ 34 Gemeindeverfassungsgeseh vom 15. 12. 1933 mit dem Rücktritt des Oberbürgermeisters Rauscher in Potsdam einverstanden erklärt. Als Nachfolger hat der preußische Minister des Innern den Kreisleiter der NSDAP. in Pots dam, Generalmajor a. D. Friedrich, berufen. Seine Einführung wird voraussichtlich im Laufe der nächsten Woche erfolgen. Esser Hitlers ältester Mitarbeiter kaltgestellt Der bisherige Chef der Bayerischen Staatsfanglei, Staatsminister Hermann Eifer, ist von seinem Posten zurüdgetreten, wie es heißt, auf eigenen Wunsch. Er begnügt sich tünftig mit der Leitung des bayerischen Wirtschaftsministe riums, eines politisch ganz bedeutungslosen Bostens. Als Grund wird angegeben, daß nach der Neuordnung des Verhältnisses der Länder zum Reich eine Einschränkung der Geschäfte der bayrischen Staatskanzlei erfolgt jei. Esser ist der älteste und lange Zeit erfolgreichste Mitarbeiter Hitlers in der ersten Zeit der nationalsozialistischen Partei gewesen; er gehörte der Partei länger an als der Führer selbst. Während die beiden früher intime Freunde waren, haben fie fich später überworfen, und Eher sprach seitdem von Hitler nur in den despektierlichsten Ausdrücken. Seine Hauptstüze in den letzten Jahren war der Reichsstatthalter General von Epp. Frankreichs Arbeitslosigkeit DNB. Paris, 8. März. Im nordfranzösischen Industriegebiet macht sich eine Erhöhung der Zahl der Um zu dieser Herausforderung zu kommen, mußte er der französischen Republik unterstellen, sie habe die Absicht, das Saargebiet zu annektieren. Dafür liegt nun wirklich nicht der geringste Anhaltspunkt vor. Frankreich verfolgt offiziell und in den Massen seiner pazifistischen Bevölkerung das Ringen an der Saar mit einer Zurückhaltung, die an Des interessement grenzt. Die französische Politik weiß, daß die Bevölkerung an der Saar unzweifelhaft deutsch ist und hat fich daher stets nur darauf beschränkt, die Durchführung der internationalen Verträge über die Saar zu überwachen. Dazu gehört das Recht der Saarländer, in freier Abstimmung über ihr Gebiet zu entscheiden. Niemand im Saargebiet propagiert jedoch die Angliederung an Frankreich, und das französische Volt selbst tut dafür nichts. Wenn der Vizekanzler das Gegenteil behauptet, so lügt er die Welt an, und das freilich nicht zum ersten Male. Umstritten ist und bleibt die Frage, ob das Saargebiet nach Ablauf der durch den Friedensvertrag von Versailles festgelegten Sperrfrist von 15 Jahren dem Terror Hitler deutschlands ausgeliefert werden soll. Das ist die Frage, um die die Deutschen an der Saar politisch miteinander ringen: Freiheitsfront gegen deutsche Front". Wie unsicher der Ausgang dieses Kampfes ist, deffen Sieg die sogenannte deutsche Front" glaubt triumphierend vorausnehmen zu können, haben die letzten Wochen und die allerletzten Tage bewiesen. Die sogenannte„ deutsche Front" ist ein labiles schwankendes Gebilde voller Interessen- und Gliquenstreitig feiten, durch Klassengegensäße zerrissen und durch fonfessionellen Hader zerflüftet. Das Mißtrauen vieler tausend Katholiken ist groß, seitdem die beschimpfenden Aeußerungen des bisherigen Landesführers Spaniol über die katholische Kirche und den Heiligen Vater befannt ge= worden sind. Priester und Laien haben zu Tausenden als Protest die früher zentrümliche Landes- Zeitung" abbestellt, seitdem deren Chefredakteur den Befehlen der Meichsregierung, der die Saarpresse aus finanziellen Gründen hörig ist, geopfert werden mußte. Das Unbehagen der Katholiken über den Kurs der deutschen Front" hält an. Wie schwankend der Zusammenhalt der deutschen Front" ist, offenbarte sich deutlich in den letzten Tagen, die zu Straßenkundgebungen von Nationalsozialisten gegen die , deutsche Front" auf den Straßen Saarbrüdens, zu Prüge leien, zu einem Flaggenkrieg zwischen Hafenkreuz und Schwarzweißrot, zu einem Streit zwischen halbproletarischen nationalen Sozialisten und den internationalen Hoch fapitalisten Röchling und Papen und zu einem wilden Durcheinander selbst in der Presse der desorganisierten ,, deutschen Front" führte. Es ging um den Willen der kapitalistischen„ Reaktion", wie lich berichtigen, weil er in der ersten Siegesfreude behauptet hat, auch die Gewerkschaften seien der sozialen Abteilung der deutschen Front" angegliedert. Daß die freien Gewerkschaften mit dieser Filiale des Saarkapitalisten und franzöſischen Rüstungslieferanten Röchlings nichts gemein haben, ist selbstverständlich. Aber auch die christlichen Gewerks schaften haben protestiert. Der Landesführerrat der deutschen Front" stellt daher öffentlich fest, daß die Gewerkschaften in teinem Organisationsverhältnis zur deutschen Front" stehen. Nur in einem ist die deutsche Front" geeint: in dem Willen, sich der Finanzquellen aus Berlin würdig zu er weisen und alles zu unterdrücken, was eine sebständige deutsche und europäische Politik an der Saar vertritt. Die große Terroraktion gegen die Freiheitsfront soll nicht nur fortgeführt. sondern gesteigert werden. Nur öffentlich soll dieser Terror nicht mehr in Erscheinung treten. Man fürchtet den Einmarsch internationaler Polizeitruppen. Darum fordert der neue Saarführer Pirro eiserne, verbissene Disziplin". Der Terrorwille wird in Sufunft mehr denn je auf die wirtschaftliche und die gesellschaftliche Aechtung aller Gegner der Hitlerdiktatur gerichtet. Da nicht einmal die Mitglieder der NSDAP., die sich selbst als die stärkste Partei im Saargebiet bezeichnete, in der Lage find, über das Schicksal ihrer eigenen Partei zu entscheiden, wenn die Reichsregierung mit Papen und Röchling den Untergang der Partei an der Saar beschlossen haben, mag man ermessen, wie es mit der politischen Freiheit derjenigen Deutschen an der Saar steht, die, ohne daß sie Sozialisten oder Kommunisten wären, gegen die Rückgliederung an Hitlerdeutschland auftreten möchten. Gerade die Vorgänge der lezten Tage haben bewiesen, daß im Saargebiet unter dem Druck der Reichsgewalt und ihres Staatsapparates eine freie politische Betätigung und erst recht eine freie Abftimmung gar nicht möglich ist. Die öffentliche Probeabstimmung, die von der„ deutschen Front" nunmehr unter Anwendung aller Drohungen gegen die Existenz der Widerspenstigen durchgeführt wird, soll durch einen gewaltigen Zettelhaufen aller Welt beweisen, daß an der Saar der einmütige Wille besteht, sich der Hitlerbarbarei zu unterwerfen. Wahr ist hingegen, daß selbst in der deutschen Front" die Ablehnung der gewalttätigen Dittatur wächst und mehr und mehr auch Nationalsozialisten, von treuen Katholiken ganz zu schweigen, wünschen, daß endlich die Autorität des Välkerbundes gegen die Vergewaltigung der dem Schuße des Völkerbundes anvertrauten Saareinwohner sich erhebt und durchsetzt. die Nasidemagogie fich sonst auszudrücken pflegt, die fleinen Der Juristenausschuß Lente um Spaniol, die den Kern der NSDAP. bilden, an die Wand zu drücken und die deutsche Front" ganz dem Kommando der Rochling und Papen zu unterstellen. Das machte nun doch erhebliche Schwierigteiten, denn Spaniol mobilifierte seine SA. und SS., und diese Langgestiefelten drohten dem Herrn Kommerzienrat und dem Herrn Vizekanzler die Lackstiefel zu zertreten. Die Herren Papen und Röchling regten fich jedoch über den Widerstand der armen Teufel in Braun und Schwarz nicht weiter auf, denn sie wußten ja, wer den ganzen Zimt bezahlt. Der fleine Saarführer Spaniol wurde zu den großen Häuptlingen nach Berlin befohlen. Achtundvierzig Stunden gab es zwischen Berlin und Saarbrüden einen Hagel von Heeresberichten. Jede der beiden Fronten innerhalb der deutschen Front" schrieb sich den Sieg zu. Noch am Freitagmittag glaubten die Scharen der SA. und SS. inbrünstig, ihr Spaniol tehre als Sieger aus Berlin zurück, und sie bereiteten ihm einen Empfang mit Volfsjubel. und Massengegröle. Aber es war ein von ben internationalen Rapitalisten Röchling und Papen und ihrem Kanzler Geschlagener, der in sein Parteihaus zurücktehrte. . Uebergeben wir all das Hin und Her, die Schiebungen und die Gegenschiebungen, die sich abspielten und wieder einmal lehrten, daß man blond sein kann und blauäugig und doch falsch wie ein Punier. Das vorläufige Ende des Krachs in der deutschen Front" ist so:: Der abgesetzte Landesführer Spaniol sargt die NSDAP. an der Saar ein. Sie ruht" einstweilen. Der gesamte Bonzenapparat der Partei wird der deutschen Front" unfer stellt. Damit der wackere Herr Spaniol seine tatenluftigen Burschen nicht weiter gegen die Röchling und Papen aufheht, wird er aus dem Saargebiet verbannt und mit der Führung der deutschen Front" im Reiche beauftragt. Er darf also in Zukunft nur noch Reden an die abstimmungsberechtigten Saardeutschen im Reiche halten. Die Politik im Saargebiet bestimmen die kapitalistischen Interessenten Röchling und Papen, der Volkskanzler und Führer Adolf Hitler höchst selbst hat es so bestimmt. bemerkbar. So flieg in Roubaix die Rahl der Arbeitslofen as Neueste in der lezten Woche von 4000 auf 4450, bie der teilweise Arbeitslosen von 16 000 auf 18 000. n Tourcoing betrug die Zahl der Arbeitslosen etwa 900, die der teilweise ArbeitsIofen 17 500, m ganzen Industriegebiet dürften etwa 40 000 Arbeiter durch die Arbeitslosigkeit mehr oder weniger in Mitleidenschaft gezogen sein. Anch in Lille besteht nunmehr die ernste Gefahr des Ausbruchs eines Ausstandes im Tertilgewerbe. Bekanntlich schwebt seit Wochen eine Vermittlungsaktion des Arbeitsund des Handelsministers, nachdem die Baumwollspinnereien angekündigt haben, sie würden die Löhne der Arbeiter um 6 Prozent, die der Arbeiterinnen um 8 Prozent fürzen. Troß diefer Vermittlungsbemühungen haben die Arbeit geber nun befchloffen, diefe geplante Lohnherabfebung eintreten au laffen. Die fosialistische Gewerkschaft, die die große Mehrheit der 20 000 giffer Tertilarbeiter umfaßt, soll entfchloffen sein, den Streit anzuordnen, wenn die Lohnherab febuna Tatsache wird. Da die Bohnauszahlung erit vom 7. bis 15. März erfolgt, haben die Gewerkschaften für Anfang nächster Woche eine Versammlung einberufen, um die der Lage entsprechenden Beschliffe zur faffen. Nach einer Mitteilung der Pressestelle Karlsruhe ist bas Abendblatt der Baller National- Zeitung" vom 27. Februar 1984 vom geheimen Staatspolizeiamt beschlagnahmt und eingezogen worden wegen des Leitartikels Furcht vor Deutschland" Am Donnerstag sah man in den Straßen von Paris bereits sehr viel mehr Kraftbroichten als an den Vortagen. Nach Mitteilung der zuständigen Stellen sollen am Donners tag etwa 2500, also etwa ein Sechstel der Kraftdroschken, ver: tehrt haben. Gleichzeitig mit startem Temperaturrückgang wird ans der Umgebung von St. Etienne heftiger Schneefall gemeldet. Stellenweise liegt der Schnee 20 Zentimeter hoch. Mehrere Dörfer follen vom Verkehr abgeschnitten fein. Der Bollzugsausschuß des autonomen Verbandes der Beamtengewertschaften erläßt eine Befanntmachung, in der Beamtengewerkschaften erläßt eine Befanntmachung, in der er für den Ansban der bereits in verschiedenen Ländern feste gestellten Tätigkeit zur Abwehr des Faschismus eintritt. Der Eine schwierige Aufgabe Disc dub. Genf, 2. März. Dem Juristenausschuß für die Klärung von Borfragen für die Saarabstimmung werden folgende Persönlichkeiten angehören: Engen Borel ( Schweiz), Rosters( Mitglied des holländischen Kaffationshotes) und Baron Marts von Wirttemberg( Präsident eines schwedischen Appellationshofes). Die nächste Tagung des Ausschusses wird voraussichtlich am 19. März in Genf stattfinden. Den Juristen ist bekanntlich vom Dreieransschuß für die Saarabstimmung eine Anzahl wichtiger Fragen zugeteilt worden. Der Ausschuß soll sich darüber äußern, was unter Personen, die am 28. Juni 1919 im Saargebiet gewohnt haben" und deshalb abstimmungsberechtigt sind, zu verstehen ist. Er soll weiter Borschläge darüber machen, welcher Ges meindeverband als„ Bezirt" oder„ Gemeinde" im Sinne des Vertrages anzusehen ist. Schließlich soll er sich über bie sehr schwierigen Fragen des§ 89 des Saarftatuts, d. h. eine Reihe von Rechtsfragen, äußern, die nach vollzogener Abs Stimmung Bedeutung gewinnen werben. Das Gutachten des Juristenausschusses wird bekanntlich dem Dreierausschuß, dessen Vorsitzender der Baron Aloisi ( Italien) ift, vorgelegt werden. Schon daraus geht hervor, daß mit einem Wiederzusammentritt des Dreierausschusses vor Anjang April faum zu rechnen ist. Wie man weiter hört, wird im Völkerbundssekretariat anch eine Lifte neutraler Persönlichkeiten vor: bereitet, and denen der Abstimmungsausschus für das Saargebiet gebildet werden soll. Dieser Ausschuß selbst soll allerdings voraussichtlich nur aus drei Pers fouen bestehen. Dabei besteht der Eindruck, daß seine Bes fugnisse sich nur auf einen Teil der bei der Saarabstimmung auftauchenden Fragen erstrecken werde, und daß geplant ist, der Regierungskommission noch weiter: gehende Vollmachten bei der Durchführung der Abstimmung zu überlassen. Vollzugsausschuß billigt die Schaffung eines zweiten antifaschistischen Ausschusses für Paris. Der irische Landtag hat am Freitag das Gesetz über das Berbot des Tragens von Blauhemben mit 80 gegen 60 Stim men angenommen. Nach einer Havaßmeldung aus Rabat bauern die Unters werfungen von bisher nicht unterworfenen Eingeborenens ftämmen in Maroffo im Zusammenhang mit dem Vorrücken der franzöfifchen Trunnen im Antiatlas an. So haben 2500 Familien des Attas- Stammes sowie sämtliche Gruppen der Ait Brahim und Ait Sahel die Unterwerfungsbedingungen der franzöfifchen Generale angenommen. In der Stadt Fresnillo in Merifo brach am Donnerstag ein Brand aus, der ungeheuren Umfang annahm und erst im Laufe des Freitag gelöscht werden konnte. Mehrere Häuser blods wurden vollständig vernichtet. Bei den Aufräumungss arbeiten fand man die verkohlte Leiche einer Greifin. Man befürchtet jeboch, daß noch weitere Opfer unter den Trüms mern liegen. Der Gesamtschaben wird auf über eine Million Pelos geldhägt. Der Brand konnte fo außergewöhnlich große Ausmake annehmen, weil in der Stadt feine Feuerwehr bes steht und überbies die Löscharbeiten durch Waffermangel sehr erschwert wurden. Schwur der Landsknechte Site fondren Treue unten Geren und Buber,> 2TAI Mussolinis Ungnade Wir schwören unsrem Führer, Der uns gebracht in der Verheißung Land, Der Macht und Geld und Ansehn uns verliehen, Ein großes Volk zu unseren Füßen legte. Wir wollen Ihm als Büttel treulich dienen, Ihm ohne Denken sflavisch untertan, Wir wollen selber sehen nicht und hören, Nur Seines Worts und Willens stets gewärtig. Wir kennen feine Eltern, Frau'n und Kinder, Wenn Er gebeut, dann wollen wir sie morden. Wir kennen feinen Freund und keinen Bruder: Wir liefern sie ans Messer, wenn Ers heischt. Wir halten dieses deutsche Volf in Ketten. Sein Geist verstummt, sein Rüden muß sich biegen. Und wenn Er winft, wir führen es zur Schlachtbank. Die Welt verblute, wenn Sein Wille ruft. Doch muß Er pünktlich unsren Sold bezahlen. Wir brauchen Fraß und Suff, wir brauchen Weiber. Auch Knaben dürfens sein aus unsrer Front. Und Peitschen brauchen wir zu unsrer Lust. Zahlst Du uns nicht aus unsres Volkes Taschen, Nimmst weg die Peitsche, die wir sausend, schwingen, Strafft Du die Morde, die wir fed begehen Dann fahr zum Teufel Du mit allen Deinen! Und kommt ein Tag, wo deine Macht verfällt, Schwingt deine Peitsche einst ein stärkrer Mann, Wenn er uns zahlt, dann morden wir für ihn Und schwören ihm, wie wir dir heute schwören. Ecart. epifuld sig aldarbs 310 Luischens Ende Eine Auflösung Die Bundesführung des Bundes Königin Luise" gibt in einem Aufruf an alle Mitglieder des Bundes bekannt, daß nach Rücksprache mit dem Stellvertreter des Führers Rudolf Heß, und der Führerin der NS.- Frauenschaft, Frau ScholzAlint, der Bund seine Auflösung mit Wirkung vom 1. April 1934 beschlossen habe. Die Abwicklung der Geschäfte läuft bis 1. Juli 1934. Der Eintritt in die NS.- Frauenschaft und den Bund Deutscher Mädel wird in dem Aufruf den Mitgliedern des Luisen- Bundes nahegelegt. Superintendent eingelochto Er soll die Regierung beschimpft haben Auf Veranlassung des Landrats des Kreises Jerichow ift der Superintendent Jordan aus Gommern( Bezirk Magdeburg) festgenommen und in das Polizeigefängnis Burg bei Magdeburg eingeliefert worden. Wie von hitleramtlicher Seite mitgeteilt wird, waren schon des öfteren Beschwerden über die staatsfeindliche Einstellung des Superintendenten Jordan bei der Kreisleitung in Gommern bzw. beim Landrat in Burg eingelaufen. Es wird ihm vorgeworfen, wiederholt die NSDAP. und die Regierung von der Kanzel herab verächtlich gemacht zu haben. Die Inschußhaftnahme des Superintendenten erfolgte, weil er am Sonntag Reminiscere anläßlich der Heldengedenkfeier die nationalsozialistische Weltanschauung und das„ dritte Reich" von der Kanzel herab verächtlich gemacht hat. Die Maßregel wurde mit der Zustimmung der Geheimen Staatspolizei und nach der Vernehmung des Superintendenten durch Bürgermeister Dr. Sueper verfügt. Legat Faulhaber Zu seinem Schutze... Rom, 2. März. Die Lage des Münchener Kardinals Faul haber, auf dessen Wohnung vor kurzem bekanntlich ein Attentat verübt wurde, ist vom Vatikan als so fritisch betrachtet worden, daß Faulhaber zum Legat des Papstes ernannt worden ist. Er besitzt nunmehr die Unverleglichkeit ausländischer Diplomaten und das Recht der Erterritorialität. Torgler wird angeklagt Der Hochverratsprozeß in Sicht Berlin, 2. März. Nach der Freilassung Dimitroffs und seis ner zwei bulgarischen Kameraden ist die Frage nach dem Schicksal ihres Mitangeklagten Torgler erneut laut ge= worden. Ueber das weitere Schicksal Torglers wird von unterrichteter Seite erklärt, es sei keineswegs beabsichtigt Torgler ohne neue Anklage für unbestimmte Zeit in Haft zu halten. Vielmehr bleibe er vorläufig in Haft bis zum Abschluß einer neuen Voruntersuchung, die einen ausgedehnten Hochverratsprozeß gegen alle früheren Führer der KPD. vorbereiten soll. In diesem Prozeß würde auch Torgler verwickelt werden. Manchester Guardian" befaßt sich mit der Freilassung von Dimitroff, Popoff, Taneff und trifft bei dieser Gelegenheit folgende Feststellungen:" Bleibt Torgler. Wie die Bulgaren, wurde er vom Reichsgericht als unschuldig befunden. Er indeffen hat den Nachteil, Deutscher zu sein, und er ist in dieser Schußhaft", die über so viele Deutsche verhängt worden ist. Aber Torgler ist ein Spezialfall und verdient besondere Betrachtung. Er ist lange Zeit im Gefängnis gehalten worden; er hat eine lange Unschuldsprobe erduldet; er ist ein Mann von unangreifbarer persönlicher Redlichkeit; er ist durch das Reichsgericht freigesprochen worden... Hitler erklärt, daß er start ist, daß er die Opposition„ ausgelöscht" hat... was also hat er zu befürchten? Ein ,, Landesverräter" Er verleumdet Deutschland Für die Westfälische Landeszeitung" dichtete Heinrich Haslinde dieses Westfälische Waffenlied": Der große Krieg mit aller Welt Bracht unser Volf in Frone. Wir sind im neuen braunen Kleid Die alten Bataillone. Seiho, dem Führer und dem Land, Der Freiheit ihre Krone. Wir sind im braunen Waffenhemd, Die alten Bataillone. Bekanntlich haben die Herrschaften im„ neuen braunen Aleid" nicht die geringste militärische Bedeutung. Das kann man in allen amtlichen Denkschriften lesen mit dem Hinzufügen, daß entgegengesezte Behauptungen nur auf das S 5 > Komm nach Haus, Josef, ich laub, es regnet« Arbeitsfront und Gewerkschaften Zur Frage der Rechtsnachfolge In der Streitfrage, ob die Deutsche Arbeitsfront" die Haftung für die Rechtsverbindlichkeiten der ehemaligen freien Gewerkschaften zu übernehmen habe, ob fie also als Rechtsnachfolgerin der früheren Gewerkschaften fie also als Rechtsnachfolgerin der früheren Gewerkschaften anzusehen sei, wurde die höchftrichterliche Entscheidung vertündet. Das Reichsarbeitsgericht hat die Revisionen zweier früherer Gewerkschaftssekretäre, die mit ihren Ansprüchen am 14. September v. J. vor dem Landesarbeitsgericht Bielefeld durchdringen konnten, zu rüdgewiesen, also die Annahme einer Rechtsnachfolge abgelehnt. In der mündlichen Begründung des Urteils heißt es: Die Kläger, früher Angestellte freigewerkschaftlicher Verbände, Mitte Juni 1933 durch Organe der NSBO. entlassen, erheben Gehaltsansprüche gegen die der Deutschen Arbeitsfront eingegliederten mitverklagten Arbeitsverbände. Da eine vertragliche Uebernahme etwa durch Weiterbeschäftigung im Dienste der Beklagten nicht in Frage kommt, so ließe sich deren Haftung nur dann rechtfertigen, wenn sie entweder mit den früheren gewerkschaftlichen Verbänden identisch oder doch als ihre Rechtsnachfolger anzusehen wären. Reines von beiden trifft indeffen zu. Die Identität der Verbände ist in der Vorinstanz nicht näher erörtert, vom Berufungsgericht ersichtlich ohne weiteres verneint worden, und diese Verneinung der Identität entspricht auch allein der Sachlage. Man darf hierbei nicht an äußeren Umständen wie etwa der Benutzung gewerkschaftlicher Einrichtungen oder der Verfolgung zum Teil gleicher Aufgaben haften, muß vielmehr auf das Wesen der Dinge sehen und vor allem Zweck und Ziel der unter dem Reichen des Nativnalsozialismus stehenden nationalen Erhebung berücksich= tigen, die der aanzen Entwicklung zugrunde liegt. Der Kampf der NSDAV. richtete fich insbesondere gegen den Marrismus, gegen den Klaffenkampf und damit auch gegen die freien Gewerkschaften als diejenigen Organisationen, in denen der Klaffenkampfgedanke feinen stärksten Ausdruck ge= funden hat. So lag es nabe, hier etwas aanz Neues zu schaffen und aerade diefe für die Gemeinschaft des deutschen Bolkes schädlich erkannten Organisationen, auch in ver= änderter Form, nicht beizubehalten. Dem entsprach auch die tatsächliche Entwicklung. Mit den äußeren Veränderungen war auch eine grundlegende innere Umwälzung verbunden. An die Stelle des entscheidenden Einflusses der Mitgliederversammlungen trat die Durchführung des Führergedankens, an die Stelle der Tarifreglung durch die Verbände die Machtbefugnis der Treuhänder der Arbeit, an die Stelle des dem Klaffenfagipf eigenen Gegenfaßes zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern die Verschmelzuna aller arbeitenden Menschen in einer höheren Bolfs- und Gesinnungsgemeinschaft. So landesverräterische Treiben von Emigranten zurückzuführen seien. Somit ist offenbar auch dieser Herr Haslinde ein Verleumder Deutschlands und ein Landesverräter. zeigt die ganze Entwicklung das Bild einer völligen Umgestaltung der deutschen Arbeiterschaft, die auch eine völlige Neubildung der Verbände mit sich brachte und es insbesondere schlechtweg als ausgeschlossen erscheinen läßt, die Verbände der Deutschen Arbeitsfront als mit den früheren freigewerkschaftlichen Verbänden identisch anzusehen. Wenn gelegentlich, auch von leitenden Persönlichkeiten, Aeußerungen des Inhalts gemacht wurden, man hätte die freien Gewerkschaften einfach verbieten und zerschlagen können, habe es aber nicht gewollt, so läßt sich das nur dahin verstehen, daß man die alten Verbände zunächst noch vor= läufig beibehielt, um die ihnen angehörenden Arbeiter zusammenzuhalten, bis es möglich war, die gesamte Arbeiterschaft in die neu zu errichtenden Organisationen der " Deutschen Arbeitsfront" überzuführen. Die Uebergangszeit, in der die alten Verbände, wenn auch unter anderer Leitung, fortgeführt wurden, endigte mit dem Abschluß der Umbildung Ende Juli 1988. Die dann in der Deutschen Arbeitsfront stehenden Berbände und damit auch die hier Verklagten, hatten mit den freien Gewerkschaften nichts mehr gemein. Unter dem Gesichtspunkt der Rechtsnachfolge könnte an eine Haftung der Beklagten für Verbindlichkeiten der höchstens aus dem Rechtsgedanken des§ 41 BGB. heraus früheren Gewerkschaftsverbände nach Lage der Sache gedacht werden, wonach, wenn jemand durch Vertrag das Vermögen eines anderen übernimmt, dessen Gläubiger ihre Ansprüche in beschränktem Umfange auch gegen den Uebernehmer geltend machen können. Das Berufungsgesez hat die Anwendung dieser Vorschrift in erster Linie deshalb abgelehnt, weil eine Uebernahme fraft Rer= trages nicht stattgefunden hat. Eine entsprechende Anwendung des§ 419 würde in jedem Fall vorausseßen, daß es sich nicht um einzelne Vermögensstücke, sondern um das Vermögen im ganzen oder doch in seinen wesentlichen Bestandteilen handelt und daß nicht bloß eine Ueberlassung zu Befiz und Gebrauch, sondern eine Uebereignung in Frage steht. An diesen Vorausseßungen aber fehlt es hier. Bei der Besetzung der Gewerkschaftshäuser, der Benußung ihrer Räume und Einrichtungen handelt es sich nur um Befizz und Gebrauch. Die Beschlagnahme des Vermögens der Gewerfschaften aber diente zunächst nur einer Sicherstellung dieses Vermögens für später zu bestimmende Zwecke. So versagt auch der Gesichtspunkt der Rechtsnachfolae, und es besteht auch kein Anlaß, etwa weitere tatsächliche Feststellungen durch die Vorinstanz herbeizuführen, vielmehr find die Revisionen als unbegründet zurüdauweisen. Arische Turkestaner Aus Heft 1 der Zeitschrift Atlantis" erfährt man, daß das„ turkestanische Urvolt arischer Raffe" ist. ,, Deutsche Freiheit", Nr. 53 Die Reichsbank Ultimo Februar ARBEIT UND WIRTSCHAFT Berlin 2. März. Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 28. Februar 1934 hat sich in der Ultimowoche die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Wertpapieren um 308.6 Millionen RM. erhöht. Im einzelnen haben die Bestände an Handelswechseln und Schecks um 122,9 Millionen auf 2766,4 Millionen RM., die Lombardbestände um 177,5 Millionen auf 248,2 Millionen RM., die Bestände an Reichsschatzwechseln um 2,2 Millionen auf 4,1 Millionen RM. und die Bestände an deckungsfähigen Wertpapieren um 6,5 Millionen auf 335,2 Millionen RM. zugenommen, dagegen die Bestände an sonstigen Wertpapieren um 0,5 Millionen auf 330,6 Millionen RM. abgenommen. an An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 276,1 Millionen RM. in den Verkehr abgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 265,5 Millionen auf 3494.1 Millionen RM., der an Rentenbankscheinen um 10,6 Millionen auf 358,1 Millionen RM. erhöht. Der Umlauf Scheidemünzen nahm um 85,6 Millionen auf 1445,2 Millionen RM. zu. Die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen haben sich auf 50.8 Millionen RM., die an Scheidemünzen, unter Berücksichtigung von 4,3 Millionen RM. neu ausgeprägter und 4,5 Millionen RM. wieder eingezogener auf 219,4 Millionen RM. ermäßigt. Die fremden Gelder zeigen mit 530,2 Millionen RM. eine Zunahme um 7,9 Millionen RM. Die Bestände an Gold and deckungsfähigen Devisen haben sich um 19.8 Millionen auf 340,2 Millionen RM. erhöht. Im einzelnen haben die Goldbestände um 21.0 Millionen auf 333,5 Millionen RM. zugenommen und die Bestände an deckungsfähigen Devisen um 1,2 Millionen auf 6,7 Millionen RM. abgenommen. Die Deckung der Noten betrug am Ultimo 9,7 Prozent gegen 9,9 Prozent am 23. Februar d. J. Wo bleibt Zinsbrecher Feder? In der Hauptversammlung der Rheinischen Hypotheken-. bank in Mannheim sagte der Vertreter des Mannheimer Haus- und Grundbesitzes u. a.: Aufsichtsrat und Vorstand lege er dringend ans Herz, die Bemühungen der Reichsregierung und sonstiger Stellen um Ermäßigung der Zinssätze nicht nur im Interesse des Hausbesitzes, sondern auch im Interesse des Unternehmens selbst nach Kräften zu unterstützen. Die Zinsen müßten sowohl für die Hypothekendarlehen wie für die Pfandbriefe heruntergehen; es sei ausgeschlossen, daß der Hausbesit noch längere Zeit bei der jegigen Zwangslage weiterbestehen könne, ohne Gefahrzulaufen, völlig zu Grunde zugehen. Löhne und Preise Im Handelsteil der„ Neuen Züricher Zeitung" lesen wir: Die Gerüchte über die bevorstehenden großen Lohnsenkungen haben in die Bevölkerung um so mehr Unruhe bereingetragen, als von seiten der Lebenskosten nicht viel dazu geschieht, den Verbraucher, dessen Mittel ohnedies von den vielen mehr oder minder freiwilligen Abzügen, Bei trägen, Wohltätigkeitsspenden usw. aufs äußerste beansprucht werden, Aussicht auf Entlastung zu geben. Deutschland 1913/ 14= 100 Lebenskosten Nahrung Jan. 1933 Nov. 1933 Dez. 1933 117 107 Jan. 1934 121 114 Weitaus die meisten Lebensmittel sind heute wesentlich 120,5 113,5 121 114 teurer als vor einem Jahr, darunter einzelne( Margarine, Erbsen) um 36 bis 40 Prozent teurer; aber auch in den übrigen Bedarfsgruppen ist kaum irgendwo eine merkliche Verbilligung, dafür des öftern ein mehr oder weniger empfindlicher Aufschlag zu finden. Die besonders starke Verteuerung der Fettgruppe, die bekanntlich zu allerlei Milderungsmaßnahmen, wie z. B. der ,, Konsumimargarine". Beistellung für die Minderbemittelten geführt hat, wird sich in nächster Zeit aber noch verschärfen; für März, April, Mai ist nämlich die Zwangsquote, die seit mehreren Monaten für die Beimischung von inländischem Schweineschmalz zu Margarine und anderen Kunstspeisefetten gilt, von der Regierung noch weiter von 10 auf 12 Prozent erhöht worden, um eine Entlastung des Schweinemarktes zu erzielen. Andererseits neigt die Regierung, wie in der Lohnfrage, so auch in der Preisfrage. zu sehr drastischen Aktionen gegen die überhandnehmenden Preisüberhöhungen, besonders dort, wo nicht ausgesprochen agrare Interssen auf dem Spiele stehen und wo der Staat in seinen Arbeitsbeschaffungsprogrammen durch diese Ueberpreise direkt berührt wird; so wird den Verantwortlichen der Ziegelsteinindustrie mit Konzentrationslager gedroht, weil dieses Pro„ Angepöbelt" Die Bevölkerung gegen die ,, Winterhilfe" Die Westfälische Landeszeitung„ Rote Erde" schreibt: ie wir von der Kreisführung der NS.Volkswohlfahrt erfahren, beklagen sich die mit dem Einzug des Winterpien, nig beauftragten Raffierer des Gas- und Wasserwerks mit Recht darüber, daß sie in vielen Fällen nicht nur fein Berständnis für ihre selbstlose Arbeit im Dienste des WHW. finden, sondern in manchen Fällen sogar in geradezu unglaublicher Weife angepöbelt werden, wenn sie pflichto emäß fragen, ob sie zur Abrundung des Rechnungsbetrages Bienniamarten aus acben dürfen. Dazu lieat doch wahrhaftia fein Anlaß nor. Wer trothem glaubt in dieser menia schönen Weise feiner mahren Befinnure Anadruk seher zu müssen. möge fich nicht munhern mann er hemnächst mit wolfer 97 a men& memnuno entlich überfeine Pflich= ten gegenüber dem Winterhilfamer aufge flärt wird. Die Kassierer des Gas- und Wasserwerfs jedoch werden sich durch solche„ Meckerer" nicht von ihrer P Die blutige Internationale Eine blühende Industrie In seinem Wochenbericht bringt das Institut für Konjunkturforschung eine ausführliche Untersuchung über die internationale Rüstungsindustrie und den Welthandel in Kriegsgerät 1913 bis 1933. Das Institut kommt zu dem Schluß, daß im ganzen die internationalen Rüstungsindustrien gegenwärtig nicht weniger, wahrscheinlich sogar mehr Arbeiter beschäftigen als 1913. Dabei ist zu bedenken, daß die einzelnen Länder ihre Rüstungsindustrien außerordentlich stark rationalisiert haben. So stellt ein Arbeiter in der privaten Rüstungsindustrie Großbritanniens im Jahr 1930 etwa anderthalbmal soviel Erzeugnisse je Arbeitstag her wie vor dem Krieg; in den Vereinigten Staaten von Amerika beträgt die Leistungssteigerung von 1914 bis 1929 zwischen 40 und 60 Prozent. Bei mindestens ebenso großer Arbeiter. zahlwie vor dem Kriegeist die Produktion der Rüstungsindustrie in der gleichen Zeit ohne Zweifel gestiegen. Das Institut für Konjunkturforschung nimmt an, daß die Produktion der Welt an Kriegsgerät in den letzten Jahren um etwa ein Viertel bis ein Drittel höher war als 1913. Die Produktion der gesamten Rüstungsindustrie würde aber noch stärker gestiegen sein, wenn man berücksichtigt, daß mit den Wandlungen der Kriegstechnik auch der Kreis der Rüstungsindustrie wechselt. So ist z. B. die Entwicklung der internationalen Flugzeugindustrie für die Ausbildung der modernen Luftwaffe von überragender Bedeutung. In Großbritannien hat sich seit 1913 die Zahl der Beschäftigten in der Flugzeugindustrie mehr als verzwanzigfacht; in den Vereinigten Staaten ist sie gleichzeitig von 200 auf 14 000 gestiegen. Der Einwand liegt nahe, daß die Flugzeugindustrie in erster Linie für den privaten Bedarf arbeite; dies ist aber nicht der Fall. In Frankreich sind etwa 85 Prozent aller Arbeitskräfte der Luftfahrtindustrie mit dem Bau von Militärflugzeugen beschäftigt; dem Präsidenten der Aeronautical Chamber of Commerce von Amerika zufolge, machen in den Vereinigten Staaten die Militärflugzeuge rund Sonntag Montag, 4./5. März 1934 der Vorkriegszeit hat aber wie erwähnt die Kriegstechnik ungeheure Fortschritte gemacht. Tanks, chemische Waffen, Militärflugzeuge usw. sind sehr kompliziert herzustellen, so daß viele der Neuländer noch nicht in der Lage sind, sie selbst in genügendem Umfang zu produzieren. Trog der Industrialisierung der Neuländer wird daher die Ausfuhr der alten" Länder an komplizierten und modernen Waffen seit 1913 stark gestiegen sein. Der gesamte internationale Handel an Kriegsgerät muß nach der Ansicht des Instituts für Konjunkturforschung größer sein als vor dem Krieg. Aehnlich wie die Umsätze im gesamten Welthandel ist die Ausfuhr von Waffen und Munition unter den Einwirkungen der Krisis von 1929 bis 1931 verhältnismäßig scharf gesunken. Seither aber hat sich deutlich eine ,, Scherenbewegung" herausgebildet: Der gesamte Welthandel geht weiter zurück oder stagniert bestenfalls; die Ausfuhr von Feuerwaffen und Munition aber hat seit 1931 nicht unbeträchtlich zugenommen. Der an sich niedrige Anteil von Feuerwaffen und Munition am gesamten Welthandel hat sich seit 1928 annähernd verdoppelt! In den letzten fünfzig Vorkriegsjahren haben sich die Rüstungsausgaben der europäischen Länder- nur für diese sind die Ausgaben vorhanden etwa vervierfacht. In der gleichen Zeit ist aber die Industrieproduktion Europas auf das Viereinhalbfache gestiegen. Der Anteil der Militärausgaben hat sich in der Vorkriegszeit also eher leicht gesenkt. Ganz anders in der Nachkriegszeit: Statt der gleichgerichteten Bewegung sind in den letzten Jahren die Rüstungsausgaben fast ohne Unterbrechung gestiegen, während die Industrieproduktion beträchtlich gesun ken ist. Es mußte daher ein ständig steigender Teil des Produktionsertrages für Rüstungen aufgewendet werden. 70 bis 75 Prozent der gesamten Flugzeugproduktion aus. Löhne und Wohlfahrtsunterstützung Dieses eine Beispiel der Flugzeugindustrie erbringt den unwiderleglichen Beweis, daß die Rüstungsindustrie von 1913 bis zur letzten Hochkonjunktur ihre Produktion ausgedehnt hat. Der Welthandel in Feuerwaffen und Munition, ohne Deutschland, hat sich wie folgt entwickelt: Jahr 1913 1909/13 1928 1929 Ausfuhrwert Ausfuhrvolumen M. bzw. RM.( in Vorkriegspreisen) 200 133 250 272 200 181 174 192 Trotz der Industrialisierung der Neuländer haben die an der Ausfuhr von Kriegsgerät beteiligten Staaten gegenüber landsabsatz eingebüẞt der Vorkriegszeit weder wert- noch volumenmäßig an AusDie Bedeutung des internationalen Handels in Kriegsgerät Völkerbund tut, nur die„ althergebrachten" Waffengattungen würde viel zu sehr geschmälert, wollte man, wie dies der ( Munition, Feuerwaffen) statistisch zusammenfassen. Seit dukt, das noch im letzten Sommer pro Tausend etwa 22 RM. gekostet habe, nun schon auf 27 RM. gestiegen sei und dem Vernehmen nach sogar auf 34 bis 36 RM. gebracht werden solle. An der letthin ziemlich überraschend angekündigten Zementpreissenkung dürfte wohl ebenfalls staatlicher Wunsch und Wille nicht ganz unbeteiligt sein. Allerdings berühren diese Vorgänge in der Bewirtschaftung die Lebenslung der Preisbewegung in den der Tasche des Verbrauchers kosten nur mittelbar und auf längere Sicht; für eine Zügenäherliegenden Bezirken, wo erhöhter Schutz der Landwirtschaft, aber auch Schutz bestimmter Handelsund Gewerbeformen immer größere Opfer des Konsumenten erheischen, dürfte die Bevölkerung ihren Führern noch anders dankbar sein. Propaganda oder proletarische Aktion? Aus Hildesheim berichtet die Kölnische Zeitung": Die nationalsozialistischen Ratsherren Hildesheims haben den vom Oberbürgermeister vorgelegten Haushaltsplan, der zur Deckung des Fehlbetrags eine Steuererhöhung und eine Erhöhung der Gas, Wasser- und Strompreise vorsieht, aus sozialen Gründen abge. lehnt. Sie veröffentlichen dazu eine Erklärung, in der sie zwar die Notwendigkeit, Mehreinnahmen herbeizuführen, anerkennen, aber die Art und Weise, wie man die städtischen Einkünfte erhöhen will, als vom Standpunkt des Nationalsozialismus als nicht tragbar bezeichnen. Wenn der Haushaltsplan von der Erhöhung des Licht-, Gas- und Wassergeldes nur die Wohlfahrtsempfänger ausnehmen wollte, so sei darauf hinzuweisen, daß sehr viele, die in Arbeit stünden, kaum mehr ver dienten, als die Wohlfahrtsunterstützung betrage. Dieser nationalsozialistischen Feststellung, einem echten wirtschaftlichen Greuelmärchen", haben wir nichts hinzuzufügen. 99 150 Arbeiter beschäftigt, die teilweise wöchentlich bis zu 100 Stunden arbeiten müssen. Die Entlohnung der Angestellten und Arbeite. war weit unter Tarif. Die gesetzlichen sozialen Lasten wurden vom Arbeitgeber für die Ueberstunden nicht abgeführt, um die Ueberstunden zu verschleiern. Der betreffende Unternehmer, der sehr gut fundiert ist, wurde wiederholt darauf aufmerksam gemacht, Tarife zu zahlen, und hat auch nach außen hin dokumentiert, daß dies geschehen ist. Nach Kontrolle mußten wir feststellen, daß die Untertarifzahlung jährlich etwa Tausende von Mark ausmachte. Dieser Fall gibt wieder Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß es im nationalsozialistischen Staat unter keinen Umständen angeht, Arbeiter und Angestellte als Menschen zweiter Klasse zu behandeln. Umso verwerflicher ist es, daß gerade ein Führer, der in seiner Branche tonangebend sein sollte, Tarife sabotiert." ** Köche statt Köchinnen Die Gaubetriebszellenabteilung Unterfranken, Würzburg, teilt dem Informationsdienst" zufolge mit: ,, Die Fachschaft der Fabrikarbeiter der Deutschen Arbeitsfront nahm in Verbindung mit der Gaubetriebszellenabtei lung Unterfranken in den letzten 14 Tagen in Kitzingen Kontrollen der Tarife vor. Auf Grund der vorgefundenen Zustände mußte ein Unternehmer in Schugbaft genommen werden. Bei der Firma sind In einer Versammlung der Fachschaft Köche des Deutschen Arbeiterverbandes des Nahrungsmittelgewerbes erklärte der Kreisfachschaftswart, die wichtigste Aufgabe sei die noch erwerbslosen Köche wieder in den Arbeitsproze einzugliedern. Es werde daher mit den Krankenhäuseri Polizeikasernen usw. Rücksprache genommen werden, ut hier das weibliche Kopersonal cl Köche zu ersetzen. weiteren Arbeit im Dienste des WSW. abhalten lassen, für einer Linsensuppe mit„ ohne" ist aber größer als 50 Pfennig die ihnen auch an dieser Stelle herzlich gedankt sei. Topf oder Bratpfanne? Eine deutsche Schicksalsfrage seufzer des Gruppenwarts Neuhaus: Die Meifer Nachrichten" veröffentlichen einen StoßAm Montag diefer Woche fonnte man feststellen, daß in den Metzgereien von Lintfort fein Bratfleisch mehr zu haben war. Alles war bereits am Samstag ausverkauft. Frage: Welches Eintopfgericht macht die Hausfrau mit Bratfleisch?" Oder sollte hieraus die bedauerliche reititellung zu machen sein, daß sehr weite Kreise der Bevölkerung fich nicht an dem Eintopfsonntag, stören? Der Sinn des Eintopfionntags ist es, fich durch die Einnahme eines einfachen Mahles an einem Sonntag im Monat mit der Not weitester Kreise des Volkes zu verbinden, um aus sich heraus das zu opfern, was durch das Eintopfmahl geipart wird. Der Preisunterschied zwischen einem Sonntagsbraten mit allem Drum und Dran und für eine ganze Familie. Also, das nächste Mal wird das Eintopfgericht zum Sonntag gegeben und der Unterschied und auch etwas mehr gespendet, damit es Montags wieder Bratfleisch gibt und Lintfort im Kreise der anderen Gemeinden und Städte mit seiner Eintopfsammlung bestehen kann! Was den Hitlerdeutschen freut Die„ Pirmafenser Zeitung" berichtet: Heute morgen zog ein Trupp des nunmehr endlich auch für Pirmasens genehmigten Freiwilligen Arbeitsdienstes durch die Hauptstraße im Drillich- Anzug. Ein neues Bild, das den Pirmasenser um so mehr freut, als er weiß und gelesen hat, welch heißer Kampf darum geführt werden mußte, bis dieser Anblick den Bürgern ermöglicht werden konnte. Antreten zum Rassekursus! Die Staatsmedizinische Akademie in Berlin- Charlottenburg veranstaltete auf Veranlassung des vreußischen Justizministers vom 12. bis 14. februar im Hörsaal des HarnackHauses in Berlin- Dahlem einen Rajsekurs, zu dem 125 Richter und Strafanstaltsdirektoren amtlich befohlen wurden! Straßburger Wochenbericht Geht Herr Roland- Marcel nach Paris? Streitbare Gottesknechte Straßburg, 2. März 1934. Die Freidenker wollten am Dienstagabend im Aubettesaal Herrn Lorulot aus Paris über ,, Kirche und Krieg" sprechen lassen. In großer Zahl erschienen die Interessenten, darunter viele Gegner aus katholischen Verbänden. Ihr agressives Verhalten schon vor der Versammlung ließ darauf schließen, daß die tapferen Gottesstreiter nicht mit den lautersten Absichten gekommen waren. Kaum hatte sich der Präsident erhoben, um den Redner vorzustellen, ging auch schon der Radau los. Die Gegner suchten durch Zwischenrufe, Gebrüll und allen möglichen Lärm die Versammlung zu verhindern. Natürlich ließen sich das die weit in der Mehrzahl erschienenen Anhänger der Freidenkerbewegung nicht gefallen. Im Nu entwickelte sich eine gewaltige Schlägerei, in deren Verlauf mit Stuhlbeinen und anderen Schlaginstrumenten gearbeitet wurde. Es gab auf beiden Seiten zahlreiche Verletzte. Den Freidenkern gelang es, die Gegner aus dem Saale zu drängen, nachdem die allgemeine Schlägerei durch das kurzentschlossene Eingreifen eines Pompiers, der mit dem Feuerwehrschlauch eine kalte Dusche an die Kämpfenden verabfolgte, beendet worden war. Die Polizei löste die Versammlung auf und räumte den Saal. Hierauf bildeten sich auf dem Kleberplatz zwei größere Demonstrationen. Die katholische Jugend entrollte eine Kirchenfahne und sang ,, Großer Gott, wir loben Dich", während auf der anderen Seite die., Internationale" erklang. Dann zogen die Katholischen in ihr Verbandslokal, während die Anhänger der Freidenker in zwei großen Versammlungen in der ,, Glocke" ihre Kundgebung ohne weitere Störung fortsetzten. Man nahm zwei Entschließungen an, in denen sowohl gegen die Versammlungssprengung durch die Katholiken wie auch gegen den katholischen Einfluß in der Schule im Elsaß protestiert wurde. Für 175 000 Franken unverkäufliche Pfänder In der vergangenen Gemeinderatssigung, in der ohne De. batte alle Tagesordnungspunkte erledigt wurden, erfuhr man, daß zur Zeit im Pfandhaus für 175 000 Franken unver käufliche Pfänder aufbewahrt werden. Es handelt sich meistens um Brillante n. Der Gemeinderat setzte von neuem fest, daß auch in Zukunft bei der Auszahlung der Höchstsäge für die Arbeitslosen die übrigen Einkünfte nicht in Anrechnung gebracht werden. Das Alte stürzt... Am Schirmecker Tor ist man gegenwärtig damit beschäftigt, den alten noch stehenden Festungswall abzutragen. In einigen Monaten werden Kleingärten, die man anzulegen beabsichtigt, diesem Stadtviertel ein völlig verändertes Aussehen geben. Die Erdmassen, die jetzt abgetragen werden, finden beim Bau eines Eisenbahndammes am Rhein- RhoneKanal in der Nähe des Grünebergs Verwendung. Die ,, Traditionsuniversität" Den Gerüchten, daß die Universität Frankfurt in absehbarer Zeit geschlossen werde, trat die preußische Regierung mit einer Erklärung entgegen, in der u. a. gesagt wird, daß für die Aufrechterhaltung des Hochschulbetriebs in Frankfurt auch maßgebend sei, daß die Frankfurter Universität als Traditionshochschule der Straßburger Universität zu gelten habe. Was man im Elsaß zu solchen rührenden Beweisen treudeutscher Anhänglichkeit meint, sagt die ,, Republique". Sie schreibt: Also ein bißchen mit Rücksicht auf uns, die verlorenen Brüder auf deutschem Boden!! Der Herr Adolf Hitler meint es doch gut mit uns und wir sollten entschieden etwas mehr Dankbarkeit für ihn und für seine Sorge um uns aufbringen. Es ist halt doch schön von Adolfen, uns so konsequent die Blutsbrüderschaft zu halten und ganze Universitäten durchzufüttern, bloß damit wir unsere Traditionskompanie auf geistigem Gebiet behalten." Auf freien Fuß gesetzt Nach einer Untersuchung auf seinen Gesundheitszustand wurde der kürzlich wegen Abtreibung verhaftete praktische Arzt von hier vorläufig wieder auf freien Fuß gesetzt. 5 Minuten früher Der Schnellzug Paris- Straßburg( Nr. 35) fährt ab 1. März um 17.40 statt um 17.45 Uhr in Paris ab. Dafür kommt der Straßburger Schnellzug( Nr. 28) in Paris nicht mehr um 12.40 Uhr sondern um 12.45 Uhr an. Trauerfeier für den König der Belgier Im Münster fand am Sonntagvormittag für den verstorbenen König der Belgier eine ergreifende Trauerfeier statt, an der neben den Mitgliedern des belgischen Konsulats in Straßburg der Präfekt des Bas- Rhin, Herr Roland Marcel, der Chef du cabinet Theo Freund sowie General Walch, sämtliche aktiven Generale, der Rektor der Universität und eine Reihe anderer Vertreter von Behörden teilnahmen. Der Bischof von Straßburg, Mgr. Ruch würdigte die Verdienste des Königs. Eine große Menschenmenge wohnte der Zeremonie bei. AGENCE LIBERTÉ 2, petite rue d'Austerlitz STRASBOURG Generalvertretung der ,, Deutsche Freiheit" für Elsass Loth ingen Annahme von Abonnements und Inseraten: LIBRAIRIE POPULAIRE, 2, rue Sédillot Strasbourg ( Hinter der Börse) ABONNENTENWERBER in allen Orten des BAS. RHIN urd HAUT- RHIN sofort gesucht. Vor einigen Tagen verbreitete eine Pariser Zeitung die Meldung, daß der Präfekt des Bas- Rhin, Herr Roland Marcel, als Nachfolger des Herrn Bonnefoy- Sibourg nach Paris versetzt werde. Bis auf den heutigen Tag war noch keine Bestätigung dieser Nachricht zu erlangen. Die Zuckerrübenpflanzer tagen In der Generalversammlung der elsässischen Zuckerrübenpflanzer wurde beschlossen. einen Antrag zu stellen, 80 Prozent des Zuckerrübenpreises statt bisher 70 Prozent auszuzahlen und der Zuckerwarenfabrik in Erstein entsprechende Mitteilung zu machen. Weiter wurden die Anbaubedingungen für 1934 bekannt gegeben. Der Zentralmarkt geht seiner Vollendung entgegen Der neue Marktplay hinter der Markthalle am Alten Bahnhof ist nun soweit fertiggestellt, daß er demnächst seiner Bestimmung übergeben werden kann. Damit geht ein alter Wunsch der Marktinteressenten in Erfüllung. Mit der geplanten Vergrößerung der Markthalle, die kaum mehr alle ländlichen Verkäufer zu fassen in der Lage ist, wäre dann in Verbindung mit dem neuen Marktplatz ein Zustand geschaffen, der für längere Zeit den zu erwartenden Ansprüchen genügen würde. Förderung des Fremdenverkehrs Obwohl das Elsaß mit seinen landschaftlichen Reizen und seinen historischen Sehenswürdigkeiten gewiß nicht hinter anderen Ländern zurückzustehen braucht, läßt der Fremdenverkehr noch sehr zu wünschen übrig. In den Kreisen der Hoteliers macht sich jetzt eine Bewegung bemerkbar, die eine zentrale Zusammenfassung aller Organisationen herbeiführen möchte, die der Förderung des Fremdenverkehrs dienen. Man verspricht sich von einem solchen Zusammenschluß und einer energischen Leitung einen großen Aufschwung des Fremdenverkehrs. Straßburger Hafenbericht Der Gesamtumschlag im Straßburger Rheinhafen ging infolge des geringen Wasserstandes und der teilweisen Vereisung der Häfen im Januar auf 221 247 To. zurück gegenüber 259 305 To. im Dezember und 292 247 To. im Januar vorigen Jahres. Auf die Einfuhr entfielen 148 721 To., auf die Ausfuhr 72 526 To. Der durchschnittliche Wasserstand an der Schleuse war 1,98 m.( Höchststand am 20. Jan. 2,95 m und Mindeststand am 11. Jan. 1,60 m.) Die Einfuhr besorgten 281 Kähne, 13 Dampfer und 43. Motorschlepper; die Ausfuhr 257 Kähne, 13 Dampfer und 38 Motorboote. Freidenkerkongreẞ in Gebweiler Der zweite Freidenkerkongreß der elsässischen Föderation in Gebweiler stand bei starkem Besuch im Zeichen des lebhaften Protestes gegen die christliche Dollfuß- Regierung, die in Oesterreich um ihre Freiheit kämpfende Arbeiter und deren Familien niederkartätschen ließ. Gerade der Bürgermeister von Gebweiler, Fouilleron, hob in seiner Begrüßungsansprache darauf besonders ab. Das Referat hielt Galmard vom Comité National. U. a. wurde beschlossen, die Regional organisation als gesetzliche Körperschaft einzutragen, außerdem wurde der Gründung eines Freidenker- Alters- und Jugendheims zugestimmt. Die Forderung auf freie Lieferung der. Lehrbücher zum Moralunterricht wurde einstimmig angenommen, ebenso die von der Straßburger Organisation geäußerte Forderung, den freien Gerichtsschwur ,, je jure" ohne jeden weiteren Zusatz bei den lokalen Gerichtsbehörden zuzulassen. Schneesturm am Dienstag Dienstag morgen brauste ein Scheesturm von solcher Gewalt über die Stadt, daß er nicht nur im Nu die Stadt wieder Oesterreichische Arbeitergelder Ist ein großer Teil ins Ausland gerettet? Wien, 2. März. Nach der Aufdeckung der Zustände bei der Arbeiterbant, von deren Depots rund sechs Millionen Schilling in die Schweiz und nach Frankreich verschoben worden sind und von deren Forderungen, die für das Geschäfts= jahr 1932 rund 47 Millionen Schilling betragen, ein Großteil uneinbringlich ist, wird die Untersuchung gegen die in Saft befindlichen sozialdemokratischen Parteiführer und Mitglieder des Parteivorstandes nach zwei Richtungen geführt. Einerseits foll festgestellt werden, ob und wieweit sie an dem Aufruhr des Schußbundes beteiligt oder mitwissend waren; anderseits, ob sie von der Verbringung der Gewerfichaftsgelder der Arbeiterbank ins Ausland gewußt oder darauf Einfluß genommen haben. Das trifft vor allem auf den ehemaligen Bürgermeister von Wien, Seitz, die ehemaligen Stadträte Breitner und Tanneberg und auf den früheren Präsidenten der Arbeiterbant, Dr. Renner, zu. Ueber die drei leitenden Beamten der Arbeiterbanf und fünf Gewerkschaftsfunktionäre wurde bereits die gerichtliche Untersuchungshaft verhängt. Untersuchung gegen sie wird wegen des Verdachts des Hochverrats, Veruntreuung und Untreue geführt. Wie es heißt, werden alle verhafteten Mitglieder des früheren sozial demokratischen Parteivorstandes demnächst aus der Polizeihaft dem Landesgericht zugeführt werden. Was mit den anderen verhafteten Führern, die nicht dem Parteivorstand angehört haben, geschehen wird, steht noch nicht fest. Unter den rund 80 aufgelösten fozialdemokra fischen Vereinen befindet sich auch der Touristenverein Die Naturfreunde, der in den österreichischen Bergen viele Schutzhütten errichtet hatte. In einer Eingabe an das Bundeskanzleramt hat sich nun der Deutsche und Deiterreichische Alpenverein bereit erklärt, die Schußbäuser und deren Inhalt unentgeltlich in Beaufsichtigung und Verwahrung zu übernehmen, also zu stehlen. Faschistisches Parlamentsspiel 400 Kammeranwärter Rom, 2 März. In der Nacht zum Freitag trat der Große afchistische Rat zusammen, um aus den 1000 vorgeschlagenen Anwärtern für die neu zu wählende Abgeordnetenkammer Die 400 endgültigen Anwärter zu bestimmen. Von diesen 400 gehörten bereits 257 der letzten Rammer an; 143 find Neulinge. Von den bekannten Persönlichkeiten ist keine verschwunden mit Ausnahme des abgesetzten Parteisekretärs Librairie ,, PROGRES" Tel. 276.98 390 66, Lg. rue du Vanneau ANVERS Moderne deutsche Buchhandlung, Leih bibliothek, Zeitschriften und Zeitungsvertrieb Vertrieb der ,, Deutschen Freiheit" für Antwerpen und Annahme von Inseraten ,, BRAUNBUCH" vorrätig in einen Wintermantel hüllte, sondern auch viele Störungen an Telefonleitungen verursachte. In Neudorf wurden einige Telegrafenstangen umgeworfen. Einführung der Sommerzeit In der Nacht vom 7. auf 8. April wird in Frankreich die Sommerzeit( MEZ.) wieder eingeführt. Ausschluß aus der SFIO. Aus der SFIO. wurden zwei Mitglieder ausgeschlossen, denen vorgeworfen wurde, für andere Parteien Propaganda getrieben zu haben. Die ,, Freie Presse" betont, daß es sich hier nicht um die Erledigung eines ,, Richtungsstreites", sondern lediglich um die Ahndung schwerer Verstöße gegen die Parteidisziplin handelt. Erster Straßburger Kur- und Gesundheitsgarten Die Liga ,, La famille" beabsichtigt mit Unterstützung der Stadtverwaltung, die ihr das Gelände zu überlassen gedenkt, am Langhaag beim Polygon einen Kur- und Gesundheitsgarten anzulegen, wie er in vielen Städten der Schweiz und auch des oberen Elsaß bereits vorhanden ist. Wenn die Verhandlungen bald zum Abschluß kommen, kann noch in diesem Sommer der Garten in Betrieb genommen werden. Kein Zoo im Schulmeistersgut Wie sich in einer Besprechung der zuständigen Organisationen mit den Vertretern der Stadt ergab, eignet sich das Gelände im Schulmeistersgut nicht zur Anlegung eines Zoologischen Gartens Kunstkalender onzin Einen großen Erfolg hatte Frau Titayna, eine bekannte Reiseschriftstellerin, mit ihrem sonntäglichen Vortrag im Sängerhaus. Sie berichtete über ihre Reisen zu den Kannibalen und wußte die zahlreiche Zuhörerschaft von der ersten bis zur letzten Minute zu fesseln. Die Wiener Sängerknaben, die bei ihrem erstmaligen Auftreten einen so großen Erfolg hatten, entschlossen sich, am vergangenen Mittwoch ein zweites Konzert zu geben, in dem sie mit vollkommen neuem Programm aufwarteten. Sie führten Lorgings Oper:„ Die Opernprobe" auf und fanden wieder ein dankbares und begeistertes Publikum. Die Come dian Harmonists gastierten am Montagabend im Sängerhaussaal. Der Besuch ließ zu wünschen übrig. Sie sangen die alten Schlager, mit denen sie ihren Weltruhm schufen. Am 9. März spielt der weltberühmte Pianist Rubinstein im Sängerhaus. Am 4. März haben wir das Vergnügen, den großen Organisten Marcel Dupré kennen zu lernen. eTurati und des früheren Staatssekretärs im Innenministerium Arpinati. Auf sehr lange Zeit dürften sich wohl die Abgeordneten, die im März zu wählen sind, ihrer Würde nicht erfreuen, da sich bekanntlich die Abgeordnetenkammer nach dem end= gültigen Aufbau der forporativen Verfassung selbst aufzulösen hat. Die neue Kammer wird also eine Lebensdauer von höchstens ein bis eineinhalb Jahren haben. Labour zum Krieg Eine Entschließung London, 2. März. Eine gemeinsame Tagung des Generalrates der britischen Gewerkschaften, des nationalen Exekutivfomitees und der Führung der Labour- Fraktion im UnterHause beschäftigte sich vor einigen Tagen mit der Stellung der Partei zu Kriegsfragen. Die Labour- Party hatte im Oktober eine Resolution angenommen, die für den Kriegsfall die Arbeiterschaft zum Widerstand mit allen Mitteln ein= schließlich des Generalstreits aufforbete. Dagegen lehnte der Kongreß der Gewerkschaften so weitgehende Forderungen wie Generalstreik oder den Boykott eines angreifenden Landes ab. Die iebige Tagung diente dem Zweck, die beiden Standpunfte miteinander zu versöhnen. Es wurde beschlossen, daß Vertreter der drei teilnehmenden Organisationen eine Dentschrift ausarbeiten sollten, die einem neuen Kongreß vorgelegt werden sollten. Spanien Lerroux wieder beauftragt Madrid, 2. März. Der Präsident der Republik hat den Führer der Radikalen Partei, Lerroux, wieder mit der Kabinettsbildung beauftragt. Lerroux will versuchen, eine Regierung aus Mitgliedern der eigenen Partei, der katalanischen Liga und der Agrarier zu bilden. Kriegsinister unter Anklage Reval, 2. März. Der Parlamentsausschuß, der sich mit den Durchstechereien beim Verkauf zweier Torpedofäger der estländischen Regierung an das Ausland befaßt, hat beschlossen, der Regierung vorzuschlagen, daß gegen den früheren Kriegsminister Keren, der für den Verkauf verantwortlich ist, Anlage erhoben wird. Deutsche Stimmen Beilage zur Deutschfien Freiheit" Ereignisse und Geschichten Der Namenlose Zwei Monate schon war er im Konzentrationslager, da holten sie ihn zurück, in die Untersuchungshaft, zur Verhandlung vor dem Sondergericht. Zettelkleben, Flugblattverteilen. Noch vor der„, nationalen Revolution". Er kam deshalb mit einigen Monaten Gefängnis davon. Sollte nun erst mal wieder zurück ins Lager, denn die Gefängnisse sind überfüllt, und ein kommunistischer Funktionär kann ja warten. Arbeitslos ist er schon seit Jahren. Höchstens mal Notstandsarbeiten zwischenhin. Daheim hat er seine Frau und drei kleine Kinder ,, die Alte war ganz närrisch auf die Bälg" meint er entschuldigend. Was soll aus denen werden? Allein, ohne Hilfe, mit ein paar Pfennig ,, Wohlfahrt"? Sollen eben sehen, wie sie durchkommen.„ Geschieht Ihnen ganz recht, warum, heiratens auch einen Kommunisten" blökt sie der Beamte an, den sie um Aufhebung der Schutzhaft anfleht. Fünf Minuten wöchentlich Besuchszeit. Sie bringt ihm etwas zu essen. Da!", bringt sie gerade noch heraus, dann brechen die Tränen vor. Vom ältesten Kind ein Briefchen. Sonntag- Montag, den 4. und 5. März 1934 ich mehr machen kann: ich will Euch ein schlechtes Gewissen machen ich halt das sowieso nicht mehr aus halt das einfach nicht aus-ich- ich Pfui Teufel, das Messer ist stumpf Das rinnende Blut beruhigt ein bißchen. Er liegt auf der Pritsche. Schlüssel klirren, die Freßklappe in der Tür fällt runter: ,, Kost!" Er rührt sich nicht, der Wärter reißt die Tür auf. Fängt zu schimpfen an. Das hat ihm grad noch gefehlt. Messer weg, alle Geräte weg. ,, Mach mich doch tot! Was liegt Euch denn an mir! Laßt doch einen Proleten verrecken, wenn er will! Das ist doch kein Leben mehr!" Der Oberaufseher rasselt herbei: ,, Aber Mann, denken sie doch an Ihre Frau!"„ Die soll sich auch aufhängen. Ihr ruht ja nicht eher als bis Ihr einen soweit habt! Das ist doch kein Leben: 30 Mark im Monat für Frau und drei Kinder. Das hält doch kein Mensch aus!" Alle Kleidungsstücke werden fortgenommen. Die Schritte der Beamten verhallen. Er fängt wieder an zu schreien. Da rühren sich die Genossen in den Zellen. Fieberhaft hat sie die Kennwort, Wien" Du bist nach soviel Weinlied- Kitsch- Akkorden Ein blutig Wort, ein Kampfbegriff geworden. Wir wollen in Gedanken vor dir knien. Du, edler Freiheit neue Schädelstätte, Sei uns ein Zeichen, das uns helfe, rette: Kampfbanner WIEN! Wir wollen zu dir pilgern, dir vertrauen, Du Wallfahrtsort der vielen heilgen Frauen, Die tapfer starben, als Kanonen schrien. Wir wollen nicht mehr stumm die Fäuste ballen, Wir wollen um dich kämpfen, mit dir fallen, Dich grüßend: WIEN! Wir wollen deinen Namen jubelnd rufen Wenn wir die neue, bessre Welt uns schufen Und die erbärmlich feigen ,, Sieger" fliehn. Wolln deine Toten aus den Gräbern wecken Und unsre Feinde soll zutiefst erschrecken Parole Wien!! Er hat eben in der Schule das Schreiben gelernt.„ Lie- ber Erregung schon angesteckt, sie, die seit Wochen einem unge. Die Sängerin Va- ter ko- mm do- ch ba- ld!" Mit Mühe bringt der ein paar beruhigende Worte heraus, ein paar Fragen. Nein, sie ist ganz allein, keiner hilft ihr. Die Genossen: verhaftet, durchgegangen, zu feig zu ihr zu kommen, oder gar- ,, drüben". Ihre Mutter, eine fromme Alte, plärrt ihr den Kopf mit Gebeten voll. ,, Wenn sie Dich nicht rauslassen, mach ich den Gashahn auf!" Der Rest erstickt wieder in Tränen. Der Aufseher, der sich nicht ganz wohl fühlt dabei, sucht zu beruhigen, macht Hoffnungen. Die fünf Minuten sind rum. er hat sogar noch zwei dazu gegeben. Wieder in der Zelle. Va- ter, ko- mm do- ch ba- ld!" Die kindlichen Buchstaben tanzen vor seinen Augen. Zum Teufel, ist denn nirgends ein Halt! Glaubt denn so ein Kommissar, er kann auf einem rumtreten wie er will? Bloẞ weil man Kommunist ist? Und die Solidarität der Genossen? Aehh! Und man selber, sitzt da, hilflos, ausgeliefert- nein, Ihr sollt keine Freude an mir erleben, wenn ich schon nichts wissen Schicksal entgegendämmern, meist noch nicht mal wissen, wessen man sie anklagen wird. Der Vorfall hat sie aus ihrem dumpfen Brüten gescheucht, einzelne Worte haben sich trotz dem strengen Sprechverbot schon vorgewagt, als die Beamten noch da waren. Jetzt gehts los: Im Grund hast ja recht! Aber den Gefallen sollten wir denen doch nicht tun! Wir dürfen nicht kneifen, wenns auch schwer fällt. Die sollen sich aber nicht wundern, wenn wir hart werden, wenn wirs ihnen mal heimzahlen! Alle Vorsicht vor den Spitzeln, die hinter jeder Zellentür sitzen können, weicht: es geht hier um ein Menschenleben. Um einen braven, tapferen Genossen, einen von Vielen, den die Haft und die Not zermürbt haben. Und wirklich, er beruhigt sich, seine Nerven sind müd ein bissl tut es doch auch wohl, sich nicht ganz allein zu wissen. Seine Nervenaufpeitschung geht in ein Heulen über, ein schreckliches zuckendes Mannesheulen... Tagelang noch geistert die Erregung über diesen ,, Zwischenfall" in den Zellen nach... Staatsgefährliche Stadtgeschichte Lüneburgs Chronist und die Judenfcage 99 Der Völkische Beobachter" weiß zu melden: Wegen der am Schluß des zweiten Bandes gemachten Ausführungen über die Judenfrage ist nach einer amtlichen Mitteilung die kürzlich erschienene Geschichte der Stadt Lüneburg von Professor Dr. Reinecke auf Veranlassung der Geheimen Staatspolizei Harburg- Wilhelmsberg beschlagnahmt worden. Wir müssen bekennen, die zweibändige Geschichte der Stadt Lüneburg bisher nicht gelesen zu haben. Aber auch ohne nähere Kenntnis ihres Inhalts wird man den Vorgang bezeichnend für die Geistesfreiheit" des dritten Reiches" finden. Ein Professor setzt sich hin und schreibt mit dem sprichwörtlichen Bienenfleiß der deutschen Gelehrten ein zweibändiges Werk über die Geschichte seines Heimatortes. Nach dem früheren normalen Lauf der Dinge hätte dieses Werk ein beschauliches Dasein in den historischen Abteilungen der Bibliotheken, in Stadtbüchereien und drgl. geführt. Ein paar andere Gelehrte hätten darin einmal geblättert, Haslinde im braunen Hemd H. nach Material für weitere Facharbeiten gesucht, und es wäre hier und da lobend zitiert worden. Anders im ,, dritten Reich". Da hat jeder Buchschreiber und Beamte einen stillen ,, Freund", der sein Seelenheil behütet. Mit g schärften Augen studiert der Schutzengel des Professor Reinecke dessen Opus. Und ha er findet ketzerische Sätze zur Judenfrage, zwar erst gegen Schluß des zweiten Bandes, aber immerhin! Hin zur Geheimen Staatspolizei Görings, die das Werk alsobald beschlagnahmt und auf den Index setzt. Die Zensur der Metternich und Gent im vormärzlichen Deutschland war dagegen vergleichsweise gemütlich. Sie ließ wenigstens Werke über 16 Druckbogen Umfang ungeschoren, weil sie annahm, daß die ohnehin keiner lese. Die Hitler- Zensur arbeitet mit systematischer deutscher Gründlichkeit. Ein keterisches Sätzlein zur Judenfrageund die zweibändige Geschichte der braven Stadt Lüneburg fliegt auf den Scheiterhaufen! Arischer Jude Für die Westfälische Landeszeitung" dichtet Heinrich Ein schwieriges Problem Haslinde dieses Westfälische Waffenlied": 99 99 Der große Krieg mit aller Welt Bracht unser Volk in Frone. Wir sind im neuen braunen Kleid Die alten Bataillone. Heiho, dem Führer und dem Land. Der Freiheit ihre Krone. Wir sind im braunen Waffenhemd Die alten Bataillone. Bekanntlich haben die Herrschaften im neuen braunen Kleid nicht die geringste militärische Bedeutung. Das kann man in allen amtlichen Denkschriften lesen mit dem Hinzufügen, daß entgegengesetzte Behauptungen nur auf das landesverräterische Treiben von Emigranten zurückzuführen Zeitungsberichten ist zu entnehmen: In Berlin lehrt ein Universitätsprofessor, der schon im vergangenen Sommer von Studenten aufgefordert wurde, seinen Platz zu räumen. Er ist gebürtiger Balte, Arier bis in die Cherusker- Zeit. Aber 1923 trat er zum Judentum über, spricht heute perfekt hebräisch und hat sich sogar beschneiden lassen. Er führt jetzt einen heftigen Kampf gegen seine Gegner und behauptet, daß es im ganzen dritten Reich" kein Gesets gebe, nach dem reinrassige Arier von ihren Aemtern entfernt wer den könnten, nur weil sie die jüdische Religion angenommen hätten. Hitler habe ja erklärt, die jüdische Frage sei nicht eine Frage der Religion, sondern der Rasse. Kultusminister Rust hat die schwierige Angelegenheit dem Rasseamt über. tragen. seien. Somit ist offenbar auch dieser Herr Haslinde ein Ver. Gustav Gründgens leumder Deutschlands und ein Landesverräter. Eine Antwort- April 1873 ,, Und läßt du immer noch den Lauf Dem alten Groll, du Preußenhasser? Geht Preußen nicht in Deutschland auf?" Ja wohl, so wie der Schwamm im Wasser, Der, wenn er voller sich und voller Gesogen, wie ein Hohenzoller, Sich ebenfalls könnt unterfangen Und sprechen: Guckt, ihr Tröpfchen, guckt, Wie ich so prächtig aufgegangen In euch, indem ich euch verschluckt! 1 Stände verfassung Georg Herwegh ..Ständsche Verfassung" das heißt, man hat dem Sklaven Der stellvertretende Intendant Der preußische Ministerpräsident hat dem Intendanten Ullrich eine besonderen Auftrag erteilt, der af längere Zeit berechnet ist. Mit seiner Stellvertretung in der künstIrene Eisinger W. Eckenroth Irene Eisinger, die seit Monaten am Prager deutschen Theater wirkende Sängerin, mußte vor Jahresfrist unter schmählichen Umständen aus Berlin emigrieren. Die braunen Pogromisten warfen sie kurzerhand aus ihrem Engagement heraus, obwohl die sehr gut singende Dame niemals etwas mit Politik zu tun hatte. Unbegreiflicherweise war die Sängerin ,, charakterfest" genug, jetzt auch ein Engagement an das Berliner ,, Theater des Westens" anzunehmen, wo sie in Künneckes„ Lockenden Flammen" gastierte.( Bei Fortbestand ihres Prager Ver trags!) Der„ Erfolg" blieb nicht aus. Nachdem der Völkische Beobachter" einen von einem guten Kollegen inspirierten Artikel gebracht hatte, in dem die„, lästige jüdische" Künst lerin in einer beispiellos ordinären Weise angepöbelt wurde, kam es im Theater selbst zu unwürdigen Szenen. Die er wachte Schauspieler- Konkurrenz flegelte Irene Eisinger auf und hinter der Bühne in so eindeutiger Weise an, daß das Gastspiel vorzeitig abgebrochen werden mußte. Die mißglückte Gastspielfahrt Irene Eisingers ins Land der braunen Vorneandertaler sollte eine gute Lehre sein. Opeensorgen in Holland Unser Amsterdamer Kunstberichterstatter meldet uns: Die Federatie van Nederlandsche Toonkunstenaarsver eenigingen" hat eine Adresse an den holländischen Kultusminister gerichtet, in der gefordert wird: nicht zuzulassen, daß ausländische Operngesellschaften auf ihren Gastspielreisen durch die Niederlande mit ihren eigenen Orchestern auftreten. Der bedeutendste holländische Impresario, Ernst Kraus- Amsterdam, der z. Z. ein Gastspiel der Oper von Frankfurt a. Main mit Wagners Rienzi" durch Holland organisiert, hat dagegen Beschwerde eingelegt, mit der Begründung, daß die Solisten und der Chor der Operngesell schaften dann einen Tag früher nach Holland kommen müssen, um zu proben, und daß selbst dann kein künstlerisches Ensemblespiel erreicht wird. Krauß droht, die geplante Gastspielreise abzusagen, wenn die Forderung der„, Federatie van Nederlandsche Toonkunstenaarsvereenigingen" durch gehen sollte. Der Streit ist deswegen für das Kunstleben Hollands von großer Bedeutung, als es in Holland keine einzige Opernbühne gibt, vielmehr das gesamte Opernrepertoire der Saison durch ausländische Operngesellschaften bestritten wird, andererseits aber die Arbeitslosigkeit unter den holländischen Tonkünstlern und Musikern sehr groß ist. Zeit- Notizen Atmosphärisch 99 In der Westfälischen Landeszeitung", dem Provinzblatt mit der größten Auflage, lesen wir das Produkt eines delirierenden Theaterkritikers: Willi Hanke hat mit seiner Inszenierung den Beweis für ein eminent fülliges Regie. talent erbracht. Man spürte die nachfüllende, atmende Arbeit an den Szenen und in den Rollen. Man spürte eben falls, daß er von der herben Chronik zu balladesker Ver brämung hinwollte. Die Bilder öffneten sich wirklich und atmosphärisch ins Publikum hinein." Vierjahresplan des Schweigens Aus der halbamtlichen Zeitschrift ,, Völkische Kultur" er fährt man: ,, Ein kluger Mann der tätigen Kunstwissenschaft, der höchst entscheidendes Vertrauen genießt, sagte kürzlich: ,, Mein Vierjahresplan für bildende Kunst würde sein, alles Schreiben über augenblickliche Kunstfragen vier Jahre lang zu verbieten." ,, Das ist ein guter Rat" fügt die Zeitschrift hinzu.„ Es ist ein Rat, der sich auf besonnenes Handeln bezieht..." lerischen Leitung des Staatlichen Schauspielhauses ist Gustav Waffenübung selbst im Museum Gründgens beauftragt. Gustav Gründgens hat sich bewährt. Man gab ihm eine Probezeit, um sein kulturbolschewistisches Vorleben, och besonders kompromittiert durch seine Ehe mit Heinrich Manns Tochter Erika, wieder gutzumachen. Nun ist er glücklich braune Prominenz( ,, schon immer" usw.) und darf gewiß sein, daß er auf der Stufenleiter des Erfolges bei so vielen so vie Nullen ringsher weiter emporklimmen wird. nur mit Blut zu reinigen Der Reichsleiter der deutschen Studentenschaft, Dr. Stäbel, erklärte, daß die studentische Ehre nur mit dem Duell verteidigt werden könne:„ Eine verlegte Ehre kann nur mit Blut wieder gereinigt werden." Der Nationalsozialismus dulde nur anständige Studenten, die ihre Ehre Georg Herwegh zu verteidigen wüßten. die Kette Jego mit einiger Scham unter den Mantel versteckt. Im Pergamon- Museum veransteltete ein nationalsozialisti scher Kunsthistoriker anläßlich einer Führung in der Halle des Museums Schießübungen mit antiken Pfeil- und Wurfgeschützen, um dem Publikum die Waffen der Könige und Krieger von Pergamon ,, nahe zu bringen". Die Buschs Dem Generalmusikdirektor Frig Busch und seinem Bruder, dem bekannten Geiger Adolf Busch, ist durch den Senat der Universität Edinburg einstimmig das Ehrendoktorat für Musik verliehen worden. Die Verbannten Ueber den Erfolg einer Kunstausstellung, die in 30 Staaten gezeigt wurde, teilte die Leiterin, Frau Elisabeth Delbrück mit, daß vor allem die Werke folgender Künstler verlangt würden: Käte Kollwig, Ernst Barlach, Klee, Pechstein, Dix. Pariser Berichte Pariser Straßenkalender Der neue Generalstaatsanwalt des Parquet de la Seine, M. Comien, dem in der Bekämpfung der Affäre eine besondere Rolle zukommt, ist, wie mitgeteilt wird, ein schweig. samer Fünfziger, eifriger Bücher- und Bildersammler. Er war lange Zeit in Bar- le- Duc beschäftigt. Der Film„ Der unsichtbare Mensch", nach H. G. Wells, wird vom Freitag an in den Kinos Agriculteurs und Bonaparte gegeben. 29 Der Pariser Abgeordnete und Stadtrat: Fiancette ist aus der sozialistischen Partei ausgetreten mit der Begründung: Was die auswärtige Politik Frankreichs anbelangt, so war ich immer überzeugt, daß man den Krieg verhindern muß, mit allen Mitteln. Aber angesichts der Haltung des Hitlerdeutschlands und des faschistischen Italiens kann man nicht an die Möglichkeit einer französischen Entwaffnung glauben. In dem bekannten Pariser Verlag Grasset erscheinen illustrierte Volksausgaben unter dem Titel ,, Les Grandes Heures". Die ersten drei Bücher heißen: ,, Der Verlauf des 6. Februar",„ Die Stunden des Arbeiters am 9. und 12. Februar",„ Die große Furcht vor dem 6. Februar im Palais Bourbon". Pariser Straßenbild Auf dem Boulevard de Strasbourg ist eine Ansammlung: Viele Plakate hängen an einem Zaun, die Leute stehen davor and halten Reden. Eins der Plakate spricht von der neuen Maffia". Maffia ist das Schlagwort. Die Maffia hat Prince umgebracht. Die Maffia sind die Freimaurer, so stehts da in aufgeregten Lettern. Ueberklebt von der Steuermarke der französischen Demokratie. Vor dem Bilde bemerkt man einige Jünglinge, die auswendig gelernte Sprüche aufsagen. Einer fängt an: ,, Ich bin nur ein einfacher Mann, ein Schweißer..." Einer redet von den Ausländern, einer von den Juden. Es geht nicht ohne Opposition. So sagt einer, der sich als echter Franzose ausgibt: Was heißt hier Ausländer, schmeißt doch erst mal die ganzen Juden raus, die sind noch viel lästiger." 95 Die Affäre Prince Oben die Maffia- Bilder, unten das aufgeregte Volk. O du großer Alexandre, Schieber von Barmat bis zur Roten Hilfe und vom Bonnaure und dem rechtstehenden Würdenträger bis zu Darius und Hitler, Der große Romanschriftsteller Dumas, der auch ein großer Alexandre war, senkt vor Dir den Griffel.... Der Der Fall Liepmann Eine englische Stimme Der Manchester Guardian schreibt:: Baptist. Made in Heinz Liepmann ist deutscher Jude. Er ist der Verfasser einiger Dramen und Novellen. Er hatte das Unglück, in Deutschland ins Konzentrationslager zu kommen, und das allzu seltene Glück, zu entrinnen. Vor wenigen Wochen veröffentlichte er in England ein Buch„, Mörder Germany", welches das furchtbare Leben in einem Konzentrationslager schildert. Liepmann wurde in Holland wegen „ Beleidigung des Oberhauptes eines befreundeten Staates" verhaftet: eine der Personen seines Buches spielt auf das Besitztum Hindenburgs in Ostpreußen an. Liepmann wurde gestern durch das holländische Gericht zu einer Gefängnisstrafe von einem Monat verurteilt. Das ist verhältnismäßig von keiner so großen Bedeutung, besonders für einen Mann, der noch an den Folgen der Mißhandlungen in einem deutschen Konzentrationslager leidet. Schlimmer ist die Möglichkeit, daß Liepmann nach Beendigung seiner Gefängnisstrafe über die deutsche Grenze aus Holland ausgewiesen werden könnte. Das würde für einen Mann, der die Ungeheuerlichkeit begangen hat, aus einem Konzentrationslager zu entfliehen und das System dann anzuprangern, denn das ist sein wirkliches Verbrechen, das Todesurteil bedeuten. Deutschland ist in der Lage, einen starken Druck auf Holland auszuüben, und es geht das Gerücht, daß Liepmann nach seiner Verhaftung wie ein gemeiner Verbrecher behandelt wurde und daß sich das Gericht trots seines Gesundheitszustandes und trotz des Wunsches des Gefängnisarztes weigerte, ihn in ein Krankenhaus überführen zu lassen. Daß er aber von Holland den Nationalsozialisten ausgeliefert werden sollte und daß ein Volk, das die Freiheit und die Unabhängigkeit der Gesinnung so sehr liebt, einen politischen Gefangenen, der Liepmann doch ist, in die Gefahr bringen das können könnte, gefoltert und ermordet zu werden, wir nicht glauben. Außer der deutschen Grenze hat Holland noch eine andere, wo ein Opfer des nationalsozialistischen Systems die Zuflucht finden würde, die die Gerechtigkeit für ihn verlangt. oder: das Mädchen aus dem Roman In der Affäre", die ganz Frankreich in Atem hält, taucht jetzt das romantische Mädchen auf, das wir alle aus. alten Romanen kennen. Nur wird dieser Roman Wirklichkeit. Yvonne Tarris, ein neunundzwanzigjähriges Mädel, Pflegerin beim Zahnarzt, hat den Richter bei der Abfahrt nach Dijon gesehen und einen verdächtigen Elegant auf seiner Spur bemerkt, de Yvonne Taris wohnt in der rue de Tanger oben am hellere Färbung bemerkte. Albert Audinet erinnerte sich an diese Berufsvorgänge, wie andere etwa an eine Kindtaufe oder sonst was wichtiges. Der Nichtbemerker der Rostflecke war vierzig Jahre alt, hochgebaut, gut angezogen und trug einen dunklen Ueberzieher. Der Polizei- Inspektor Malo war sehr erfreut, als er diese Dinge erfuhr, nachdem er aufs Geratewohl in den Bazar am Rathaus gegangen war, der auf der Liste der Ge" Boulevard de la Villette, in einem kleinen Hotel. Gegenüber schäfte stand, die Jagdmesser führen. Solche Waffen werden ist ein hal musette, wie man das klangvoll französisch nennt, auf deutsch sagt man weniger klangvoll: Strichball. Yvonne ist arbeitslos und verdient sich ihr Geld mühsam durch Straßenverkauf von Losen der Tombola der Gründung Foch. Man muß halt die 35 Franken die Woche für das Zimmer und das Geld fürs Essen aufbringen. In threr Eigen schaft als Losverkäuferin war sie auch am 20. Februar mittags am Lyoner Bahnhof zu Paris. Dort sah Yvonne sie ist aus Bordeaux und hat das Herz des Südens den Richter Prince. Sie kennt ihn, denn sie hat ihn einmal auf der Polizei gesehen, wegen einer Arbeitskarte: Solch schöner Mann," sagt sie.„ Ja," meinte eine netter Büroangestellter: Das ist der Richter Prince."" Dieser Büroangestellte heißt Thiolas, und, um die Wahrheit zu sagen, hat sich Yvonne Taris wohl auch seinetwegen auf der Prefektur ein bißchen umgeschaut. Das zweite Mal hat Yvonne dann den Richter im Justizpalast gesehen, als sie den großen Anwalt Campinchi aufsuchen wollte, wegen der Herzenssache einer Freundin wohl. item nur sehr selten verkauft; das erleichterte die Nachforschungen Depardon Unter den vielen Romanfiguren, die die Affäre aufwirbelt, ist auch Depardon. Depardon, ein würdiger Freund des Romignano, jenes seltsamen Privatsekretärs des Stavisky, hatte Millionen- Bons verschwinden lassen, die man so heiß sucht. Bei der Bank Amar. rue du 4 Septembre, und bei Bodenheimer, Börsenmakler, in der Etienne- MarcelStraße, war es sehr heiß. Dort fand man sie. Henri Depardon sollte nach diesem Funde nun auch sagen, wo die weiteren 13 Millionen sind, besonders ein Scheck Deutsche Leihbücherei Monatsanonnements von 12 Fr. aufwärts. Umtausch beliebig oft. Lieferung ins Haus. Librairie du Luxemburg, 73, Bd. St. Michel Tel, Odeon 30-60 Damenscfineider J. Mastchenko 7, Rue du Marché St. Honoré. Tel. Opéra 72-79 Kielder, Mäntel, Umarbeitung, Reparierung 4 TAYLOR HOTEL oner 6, RUE JAYLOK, PARIS( 10) ( Gares Nord et Esr) Telephone Botzaris 17-85 Schöne Zimmer, mässige Preise. Wenn Sie gemütlich and ruhig wohner wollen, so steigen Ste im Hotel TAYLOR" nb. Chocoladen, Prali. nen, Bonbonieren owie Wein, Liqueurs u. Cognac etüllte Bonbons, erste österrei chische Weltmarken Zwecks Einführung Verkauf auch an Private Verte er und Wiederverkäufer gesucht Comptoir du Chocolat, 14, Bid. St. Martin, Paris X Telefon Botzaris 70-78 Hot 1- Pension In Nizza, Promenade des Anglais u. Avenue Californie, krankheitshalber zu verkaufen. Das ganze Jahr geöffnet. Gute Kundschaft. 21 Zimmer, Salon, EssZimmer, Badez., modern Komfort. 8000 Fr. Miete. 12 Jahre Mietsvertrag. Geeignet als deutsche Pension. Off. unt. 4418 an Agence Havas, METZ die weiterbefördert. Oranienburg Flucht von Gerhard Seger aus dem Konzentrations lager Oranienburg, Preis: 7,50 Fr. Versand nach auswärts einschl. Porto 8 Fr. Ins Aus and 8,50 Fr. Librairie Populaire 2, rue Sedillot, b. d. Bourse über 3 Millionen, und einer über eine halbe. Das wußte er nicht, Infolgedessen wurde Depardon ohne Gnade mit zum Kittchen genommen, wo schon so viele illustre Männer versammelt sind. Ein..Wall" 99 Der ,, Populaire" bringt neuerdings eine Karikatur: lauter Schecks für den Rempart" und die Liberté" der Midi" des Darius mit dem gleichgeschalteten Hintergrund ist ja inzwischen selig entschlafen. Der Direktor des ,, Rempart" war, das wird hier viel besprochen, der Journalist Paul Lévy, der ebenfalls sechsnullig auf der Scheckliste steht: Ein guter Wall für einen guten Wall," wie das Blatt der Linken spottet. Aber der Chefredakteur selbst behauptet. daß alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Rita Georg unabkömmlich Rita Georg, unabkömmlich, nach Bayonne geladen, aber zur Zeit in Wien, hat versprochen, daß sie am 3. März aussagen könne. Nachher leider nicht, sie hat ein Engagement in Wien. Wollen sehen, ob sie Wort hält, wollen sehen. Und wo steckt nacha" Herr Hitlers Freund BochBauer, der in Kreisen eines früheren Ehepaars der deutschen Botschaft und in denen des Stavisky Baptist. gleichermaßen ein und aus ging? in Haft Madame Stavisky Ungeheures Aufsehen in Paris buch ist da Das ScheckParis, 4. März. Die Verhaftung der jungen Witwe Staviskys hat in Paris ungeheures Aufsehen gemacht. Am Abend des Freitags war sie das Hauptgespräch in allen Hotels und Tabacs. Man spricht viel von den beiden kleinen Kindern Claude und Micheline der ehemaligen Rosenkönigin von Cannes geborenen Arlette Simon, aber vielleicht hätte die Mutter an diese früher denken müssen. Frau Stavisky wurde im Laufe des Vormittags in ihrer Wohnung in dem vierten Stockwerk eines Hauses der rue Deutsches Zahnärztliches Institut 22, RUE DE DOUA Métro: Blanche, Pigalle fel. Trinité 50.27 Sprechstundew: 9.12, 248 Ukr Zahn- u. Mundkrankh.. Röntgen, Elektrotherapie, Prothesen, Kronen, Brücken in Gold, Platin u. Porzellan NEUHEIT: PORZELLAN.KRONEN UND BRÜCKEN Umarbeitung schlechtsitzender Gebisse mit voller Garantie für guten Sitz. Reparaturen binnen 3 Stunden SCHONENDSTE BEHANDLUNG FÜR NERVOSE UND HERZKRANKE MASSIGE PREISE, UNTERSUCHUNG U. BERKIUNG KOSTENLOS Das dritte Mal also hier am Bahnhof. Sie bot ihm ein Los der Gründung Foch an, und Prince kaufte eins, liebenswürdig und zerstreut. Dann kam ein Ausländer auf sie zu, ein eleganter Reisender, aber sehr scharf und unliebenswürdig, und fragte:„ Haben Sie den Herrn weggehen sehn, der eben mit Ihnen sprach? Wo ist er hin?" Ach," sagte sie schnippisch, weil sie sich über seinen Ton ärgerte:„ Ich bin Pariser Theaterbrief doch kein Reisebüro, und überhaupt, was gehen Sie meine Kunden an?" Dieser Ausländer war 1,75 bis 1,80 Meter groß, stark, etwa vierzig Jahre alt, braun bzw. dunkel und trug schwarze Melone, kittgrauen Ueberzieher und helle Handschule. Er sprach geläufig französisch, aber mit fremdländischem Accent seltsam, war es dieser Mann, durch den das fremdländische h" vor dem Namen des Arztes in dem Tele. gramm aus Dijon entstand: ,, Hellinger" statt ,,, Ehringer"? Man weiß es nicht. Nur ein Russe namens Simon Simonovitch, der am 20. geheiratet hat und nach dem französischen Süden in den Honigmond fuhr, hat den Verdächtigen noch gesehen und ebenfalls den großen starken Wuchs und den kittgranen Ueberzieher bemerkt. Außerdem hat nur der Mann am Bahnhofsschalter was auszusagen, aber der weiß nicht viel. Anlaß dazu, daß die Losverkäuferin gesprochen hat, ist Thiolas, jener liebenswürdige Büroangestellte, den die Yvonne bei Gelegenheit der Arbeitskarte kennen gelernt hat. Ein kleiner Mangel an der Ware Ein kleiner Mangel an der Ware und gewisse Handelsbräuche sind schuld, daß man den Verkäufer des Jagd. messers entdeckt hat, das bei der Leiche gefunden wurde. Dieser Messer hat natürlich einen kleinen Fehler an der Politur der Klinge, drei geringe Rostflecke, und außerdem ist der Stiel heller, als es sonst bei dem Modell üblich ist. An diesen Kennzeichen erkannte der Verkäufer Albert Audinet, ein aufmerksamer junger Mann im Bazar de I'Hotel de Ville zu Paris mit Sicherheit, daß das Messer, am 17. Februar von ihm gekauft war, von einem schnellentschlossenen Käufer, der weder die Rostflecken noch die f Sara Novikoff, eine Meisterschülerin Professor Arthur Schnabels. spielt am kommenden Sonntag im Rahmen der Journal"-Konzerte eines der unbekannteren Klavierkonzerte von Haydn, zu dem Paul Dessau neue Kadenzen geschrieben hat. Paul Dessau, der bekannte Berliner Komponist und Dirigent, der soeben eine Reihe französischer Konzert- Kurzfilme gedreht hat, schreibt auch die Bühnenmusik für die nächste Novität des Théatre des Ambassadeurs, das Schauspiel ,, Boccace, Conte XIX." von Gilbert Davel. Die Geigerin Erica Morini hatte als Solistin eines der letzten Colonne- Konzerte, in denen sie das MendelsohnViolinkonzert spielte. sowie mit einem eigenen Konzert in der Salle Gaveau zwei sehr starke Erfolge. Professor Arthur Schnabel, dessen BeethovenSonaten- Abend in der Salle Gaveau wohl als der größte Pianisten- Erfolg der bisherigen Pariser Musiksaison angesprochen werden darf, reist Anfang März von Marseille aus nach Palästina, wo er in mehreren Städten konzertieren wird. Professor Schnabel ist bekanntlich von den neudeutschen Machthahern aus seinem Lehramt entfernt worden. Er galt, vor dem Umsturz in Berlin nicht nur als hervorragender Musikpädagoge neuerer Schule, sondern war auch in breiten Volksschichten gerade als populärer ausübender Künstler beliebt und bekannt. Seine Beethovenfeier in der Berliner Volksbühne am Bülowplay, ein Zyklus von Konzerten, in denen er sämtliche Klaviersonaten Beethovens inter pretierte, muß zum Besten gezählt werden, was einem prole. tarischen Publikum in Deutschland je an großen Musik veranstaltungen geboten werden konnte. Schnabel, der jetzt in England lebt, hat, wie eine ganze Reihe anderer aufrechter deutscher Künstler, die Aufforderung des preußischen Staatsrats Furtwängler, in der Berliner Philharmonie zu gastieren, abgelehnt. Der belgische Galaabend, der als Festkonzert neuer belgischer Musik, mit Tanzdarbietungen der Sacharoffs im Théatre des Champs- Elysées stattfinden sollte, und zu dem der Präsident der Republik sein Erscheinen zugesagt hatte, war zunächst wegen der Pariser Unruhen verschoben und ist nun wegen der belgischen Landestrauer endgültig abgesagt worden. Karol Szymanowski, der bekannte polnische Komponist, hat im legten Konzert des Orchestre Symphonique de Paris seine Symphonie für Klavier und Orchester" zur erfolgreichen französischen Erstaufführung gebracht. Leiter des Konzertes war Pierre Monteux, der Komponist, interpretierte den Klavier- Solopart und wurde stürmisch gefeiert. Das nächste Konzert des Orchestre Symphonique de Paris wird Henri Rabaud, der Direktor des staatlichen ConWerke servatoire, leiten. Zur Aufführung gelangen Beethovens, Faures, Liszts, Strauß und Webers. Solistin des Konzerts ist die Pianistin Magda Tagliafero. Bei der Pariser Erstaufführung von Wladimir Vogels ..Ritmica ostinata" in den Concerts Siohan kam es wiederum zu starken Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Publikums. Was die ,, Vive- Hitler"-Rufe, die hier wiederum ertönten, angesichts eines russischen, nach längerem deutschen Aufenthalt nun in Straßburg lebenden Komponisten be deuten sollen, bleibt rätselhaft. Die Grande Opéra hat die beiden Werke Ravels L'heure espagnole" und„ Daphnis et Chloe". die Opéra Comique die Oper ,, Tarass- Boulba" von H. S. Rousseau in ihren Spielplan wieder aufgenommen. Obligado verhaftet, das ist eine Seitenstraße der avenue de la Grande Armée. Da sie noch eine femme de chambre besitzt, die die Hausarbeiten macht, scheint sie noch keine Not zu leiden. Als die zwei Beamten schellten, war Frau Stavisky bereits angezogen und kannte auch schon den Inhalt der Morgenzeitungen mit den Meldungen von der nächtlichen Auffindung der Talons. Die beiden Beamten, ein dickerer und ein schlankeren, nahmen die Gefährtin des größten Schwindlers der Gegenwart mit. Die unter der Anklage der Hehlerei und der Beihilfe zum Betrug stehende jungen Frau trug einen schwarzen Hut und Astrachenmantel, was in keinem Bericht ausgelassen wird, da wir uns in Frankreich befinden. Sie wird die nächste Zeit im Gefängnis Petite- Roquette vertrauern, auch Violette Nozières ihrem voraussichtlich erst in endloser Zeit beginnenden Prozeß entgegensieht. Auf der Straße verhüllte sie ihr Gesicht, eine jetzt bei allen Großen beliebte Mode. Uebrigens war Frau Stavisky bereits 1926 mit ihrem Mann verhaftet, wurde aber damals fregesprochen. WO Die Verhaftung erfolgte auch wegen Fluchtverdacht. Sie steht irgendwie in Verbindung mit der nächtlichen ScheckAuffindung. Anscheinend sind die Schecks, die Romagnino verschwinden ließ, eine zeitlang in den Händen der Frau Stavisky gewesen. Besonders zauberisch wirkt, daß Hauptinspektor Bony, der sie beibrachte, derselbe ist, der vor einem Monat von seinen Funktionen enthoben wurde. Item aber, sie sind da. Es sind zwölfhundert Stück ungefähr, zwölfhundert Namen etwa, ebensoviel eingestürzte Säulen. Und wer nennt den Namen des Mörders von Combe- auxFées? Die gefallene Ausländer- Steuer Frankreich ist ein freiheitliches Land mit Schwurgerichten, Pressefreiheit, Streikrecht, Parlamentsbeschlüssen in erster, zweiter, dritter Lesung, Dinge, die in Deutschland längst der Vergangenheit angehören. Uns Deutschen werden sie jetzt wieder gewärtig bei dem„, navette"-Spiel, dem Hin und Her der ,, Weberschiffchen", die auf der großen Spule der Politik vom Senat im LuxembourgSchlosse zur Kammer im Bourbon- Palast gelaufen sind. Der Senat, die ,, pères conscrits" hatten, wie wir berichtet haben, die vielerörterte Ausländer- Steuer( 10 Prozent auf den Mann, zahlbar vom Arbeitgeber) im Ausschuß und in erster Lesung abgelehnt. Das ist der berühmte Artikel ,, 9 bis"( oder„, 9b", nach deutscher Bezeichnung). ,, 9 bis" wurde in zweiter Lesung von der Kammer aufrechterhalten. Die Väter im Luxembourg machten dann abermals einen Strich durch diese Rechnung, in dem sie den Text änderten. In dritter Lesung beschwor M. Flandin die Kammer, daß der Text des Gesetzes die Kohlenpreise erhöhen würde, und mit 378 gegen 208 Stimmen fiel die Bestimmung, und dabei bliebs dann auch im Senat. Eine beinahe ebenso große Irrfahrt erlebten die Gesetzesväter auch bei der vorgeschlagenen Steuer auf die Einheitspreisgeschäfte, die die Kammer in ursprünglicher Fassung mit der großen Mehrheit von 568 gegen 20 Stimmen in Abstimmung 3 aufrecht erhielt, worauf der Senat nachgab. Der Hauptmann von Köpenick in der Stadt des Sonnenkönigs Der falsche General- Kontrolleur, der in seiner schwarzen Uniform die Versailler Kasernen gebrandschatzt hat, dürfte ganz schön erbeutet haben. Zuerst war er bei der TrainSchule, richtete dort aber nichts aus, weil der Zahlmeister sagte, der Oberst sei nicht da. Dann versuchte er beim 8. Train einen großen Betrag bei der Kontrolle zu ergattern, indem er vorgab, die Bücher seien nicht in Ordnung, 90 000 Franken 85 000 steckte er in Banknoten in einen großen Umschlag, und den Rest in Silber und Kupfer in einen anderen. Diese beiden Umschläge hatte er in seinem Gabardine- Mantel bei sich. Einen Leutnant, der das Büro während dieser Arbeit betrat, schickte er in befehlendem Tone hinaus. Er wollte dann die Umschläge selbst in den Geldschrank legen, aber der Zahlmeister kam ihm zuvor. Aehnlich ging es ihm auch beim 3. Luftbataillon. Als der falsche General- Kontrolleur am nächsten Morgen ausblieb, obwohl er die ,, Fortsetzung" der Kassenprüfung angekündigt hatte, schöpften die Zahlmeister, von Natur aus mißtrauisch, Verdacht. Der Nachahmer des Schusters Wilhelm Voigt,( der in Deutschland nicht nur durch seinen Tod, sondern auch noch durch eine republikanische Komödie Zuckmayers mit dem heutigen Obernazi Werner Kraus berühmt wurde) wird als Monokel- Träger, Fünfziger und Mann mit amerikanisch gestutzten Schnurrbart beschrieben. Unter dem linken Auge hatte er eine Narbe. Aber Schnurrbart und Narbe waren vielleicht falsch. Die Rokoko- Residenz sucht jetzt eifrig nach dem Eindringling in Uniform, der immerhin weniger erreichte, als sein großer Vorfahr beim Bürgermeister Dominius zu Köpenick in der guten Stadt, in der einst die Junker das Schild aufgehängt hatten: Jochimke, Jochimke, hüte di- fangen wi di, so hangen wi di." Rita Georg fährt von Wien ab Paris, 4. März. Nach einer Drahtmeldung aus Wien tat Rita Georg die österreichische Hauptstadt Freitag nachmittag in Richtung Paris verlassen. Wie behauptet wird, will sie in der StaviskyAffäre aussagen. Pariser Theater Dimanche, 4. Mars Opéra: Relache. Opéra- Comique: Le Pré au clercs. Les Rendez- vous Bourgeois( 14 h), Carmen( 20,15 h). Comédie- Française: Primerose( 14 h), Mr. Vernet, Le Voyage de m. Perrichon( 8.30 h). Odéon: Tristan et Iseut( 14.30 h), Colomba( 20.30 h). Gymnase: Le Messager von Henry Bernstein mit Gaby Morlay( 21 h). Madeleine: Le Passage des Princes( Offenbach)( 20.45 h). Michodiere: Les Temps difficiles( 20.30 h). Michel: Parole d'honneur( 21 h). Oeuvre: Une Femme qu'a le coeur trop petit, von Crommelynck( 21 h). Tél. Trinite 43-13 Métro Pigalle Deutsche Poliklinik b) Chirurgie Paris, 62, Rue de la Rochefoucauld a) Allgemeine Konsultationen mit 9 Spezialisten. c) Geburtshilfliche Klinik d) Zahnärztliches Kabinett Innere Medizin, Augen-, Ohren-, Nasen- und Kehlkopfkrank Zweistöckiges Sanatoriumsgebäude. Vierstöckiges Gebäude, Zimmer Zahn und Mundchirurgie. Gold. heiten. Röntgen. Diathermie. Elektrotherapie. Spezialbehand. Kleine, mittlere und große Chirur mit 1 bis 4 Betten. 3 Aerzte, 3 Heb- und Porzellankronen-Brücken lung bei Blut. Harn- u. Geschlechtskrankheiten gie. Die aller modernste Einrichtung ammen and 2 Operationssäle. Kautschuk Arbeiten Ordination täglich von 9-12 und 2-8; Sonntags und Feiertags von 10-12 und 2-4 Uhr 303 Drs. G. und M. Spitzer 3, avenue de la République, Paris. Métro République, Tel. Oberkampf 86-23. 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Folies- Bergere: Folies en Folie, Revue mit Mistinguett ( 20.30 h). Lundi Opéra: Marouf( 20.15 h). Opéra- Comique: Gala Corse, Werther, Intermedes( 20.30 h). Comédie Française: La Double Inconstance, Les Précieuses Ridicules( 20.30 h). Odoné: Antigone, A quoi revent les jeunes filles( 20.30 h). Atelier: Richard III.( 21 h). Gymnase: Le Messager von Henry Bernstein mit Gaby Morlay( 21 h). Madeleine: Le Passage des Princes( Offenbach)( 20.45 h). Michodiere: Les Temps difficiles( 20.30 h). Michel: Parole d'honneur( 21 h). Oeuvre: Une Femme qu'a le cour trop petit, von Crommelynck( 21 h)... Palais- Royal: La Famille Vouberlain( 21 h). Théatre de Paris: Tavaritch( 20.45 h). Sarah- Bernhardt: Alibi 14 von Jean Guitton( 20.15 h). Chatelet: Rose de France( 20 h). Gaite- Lyrique: Le pays du sourire( Das Land des Lächeln) von Lehar( 20.45 h). Mogador: L'Auberge du Cheval Blanc( Im weißen Röẞ'l; Musik: Benatzky, Regie: Eric Charell( 20.30 h). Pigale: La Chauve- Souris( Die Fledermaus); Regie Max Reinhardt( 20.30 h). Dr. Spécialiste 96, rue de Rivou Métro Chalele RADIKALE HEILUNG VOD BLUT, HAUT and FRAUENKRANKHEITEN Heilung von Krampfadern and offenen Beinwanden Neueste Behandlungsmethoden Elektri zität Impfungsverfahren Trypafle vine Einspritzungen Blut, and Harn- Untersuchungen Sper makultur. Salvarsan Wismut usw. Sprechstunden täglich von 10-12 und von 4-8 Uhr Sonntags von 9-12 Uhr Konsultationen von 25 Fr. ab. Man spricht de atecb Feinste jüdische Selchwacen- und Wiener Bäckerei- Geschäfte Paris 58, AVENUE WAGRAM, Tel. Carnot 27-63 58, RUE DE PASSY, Tal. Auteuil 33-61 PARIS- ETOILE 6, RUE D'ARMAILLE CHEZ KORNILOFF Berühmt durch seine vortreffliche Küche u. seine Spezialitäten. 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Die Leute auf dem Bild find harmlose Schützenbrüder. Wahrscheinlich wußte man feine bessere Ehrung. Pfalzgraf. In der„ Pirmasenser Seitung" teilt eine tieftrauernde Witwe mit: Gott dem Allmächtigen, und seinem Führer Adolf Hitler treu ergeben, verschied gestern..." Der liebe Gott kann sich gratulieren, daß er auf der nationalsozialistischen Rangliste noch immer vor Herrn Hitler steht. Lange werden die„ Deutschen Christen" eine solche Verlegung des Führerprinzips nicht mehr dulden. Grüßen nicht schon die himmlischen Heerscharen mit„ Heil Hitler!"? Frau Witwe Schweiter fann es uns vielleicht verraten. E. S., St. Gallen. Dank für die Zeitschrift. Nachgedruckt haben wir nichts, da wir auf diesen Gebieten hinreichend versehen sind. P. O., Stockholm. Der Bericht aus dem Reiche ist prachtvoll in seiner Frische und flugen Gläubigkeit. Auch die Antwort aus dem Reiche an den Nazi- Emigrantenführer haben wir erhalten und weitergegeben. San Remo. Wir danken für den Beitrag. Daß Sie nach Frankreich fahren, um Nummern der Deutschen Freiheit" zu erhalten, ehrt Sie und unser Blatt. Hilversum. Ihre Vorsicht begreifen wir. Schreiben Sie uns unter dem Decknamen. Wir interessieren uns für gewissenhafte Berichte aus Deutschland. H. P. Nizza. Lassen Sie sich von Goethe lehren:„ Der Charakter ruht auf der Persönlichkeit, nicht auf den Talenten." ,, Die neue Weltbühne“, Prag 1, Melantrichova 1/3. Heft 9 ist socben erschienen und enthält folgende Beiträge: W. S.: Sogar Fey noch der Retter? Das verlorene Jahr. Gregor Bienstock: 3u unbekannten Ufern. Mar Rudert: Der Rüstungsdschungel. Ludwig Marcuse: Jdee und Propaganda. deutsche Stawiskyskandal. Bemerkungen. Marr Bergner: Der Antworten. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Pis in Dudweiler; für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruc und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH., Saarbrücken 3, Schüßenstraße 5. Schließfach 776 Saarbrücken. 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