Sinzigs unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 54— 2. Jahrgang I Saarbrücken, Dienstag, den 6. März 1934| Chefredakteur: M. Braun Aas dem Inhalt Peitscht PauWiabec aus! Seite 3 Vieetaqeioache in USA. Seite 4 Matdlaqet Papenburg Staoiskus Schatten Seite 5 Seite 7 S)er(Rcidislü&ner (fteieftssdkwindeiminister!Dr. Göbbets eröffnet die leipziger Jilesse— In die Verteidigung gedrängt- Fantasien und(fatsadken D. T. Am Sonntag hat der Reichsminister für Propaganda, Dr. Wöbbels, mit emer großen Rede die Leip- ziger Frühjahrsmesse eröffnet. Zum ersten Male sah sich der um optimistische Worte nie verlegene Reklamechef des „dritten Reiches" in die Verteidigung gedrängt. Der größte Teil seiner Rede galt der angeblich furchtbaren Erbschaft, die das neue System übernommen habe und Entschul- digungsgründen, weshalb bisher nichts grundsätzlich Neues geschaffen worden ist. Endlich mußte er vor dieser Bersamm- lung von wirtschaftlich denkenden Menschen zu einigen Zahlen kommen, um den kümmerlichen Versuch zu machen, eine Belebung der Wirtschaft vorzutäuschen. Er ging dabei über die einfältigsten Kunststückchen der gleichgeschalteten Presse nicht hinaus. Sehen wir uns seine Ziffern, die den „Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft" beweisen sollen, etwas an: Sinken der Erwerbslosenziffer von Januar 1983 mit(5,91 Millionen auf 8,77 Millionen bis Ende Januar 1934. Der Retchspropagandaminister hütete sich jedoch, b i e Zahl der geleisteten Arbeitsstunden und die Annahmen des Reiches aus Lohnsteuer in derselben Zeit anzugeben. Nicht nur große Werke wie Krupp und Siemens weisen zahlenmäßig nach, daß trotz Neueinstel- lungen die Lohnsumme gesunken ist.d, so kann die Nazipartei wiederum ihre Hände in Unschuld waschen.••• Lefzler Drlef eines Gehenhfen Emil Svoboda ist einer jener drei Schutzbündler ge> wesen, die am 14. Februar auf Betreiben der Heimwehr gehenkt wurden. Er war Straßenbahner und hat an den Kämpfen um den Karl-Marx-Hof teilgenommen. Obzwar ihm vor dem Standgericht nicht nachgewiesen werden konnte, daß er jemanden getötet hat, ja. daß er überhaupt in der vordersten Front stand, wurde er zum Tode ver» urteilt. Er war Ernährer von vier Kindern. Seiner Frau hat man den Zutritt zur Standgerichtsverhandlungnichtge stattet. Erst nach dem Urteil konnte sie einige Minuten mit ihm in der Armesünderzelle sprechen. Erschütternd in seiner Schlichtheit ist der letzte Brief, den Svoboda wenige Minuten vor der Hinrich- tung an seine Frau schrieb: Liebe Mama! Mein letzter Gruß an Dich und meine Kinder! Mama, ich mache Dich aufmerksam, daß sämtliche Gegenstände in der Wohnung samt Einrichtung Dir allein gehören. Passe mir gut aus die Kinder aus. Die Kinder sollen mich in gutem Gedenken behalten. Und kommt öfter an mein Grab, mich besuchen. Den Peperl bitte ich. daß er bei Dir bleibt, solange die anderen noch nicht ausgelernt haben. Lasse die Tante Emma vielmals grüßen und wenn sie Sachen hat, die den andern zu klein sind, so möchte sie sie Dir geben. Nochmals letzte Grüße und Küsse! Dein Mann Emil. Grüße mir auch Deinen Bater und Mutter!" Hätten die Hängechristen einen Funken christlicher Nächstenliebe im Leibe, hätte sich der Bundespräsident Miklas, der selbst Vater von dreizehn Kindern ist. bei dem Umgang mit den Dollfuß. Starhemberg und Fey nur einen winzigen Rest von Ehr- und Schamgefühl bewahrt, er könnte keine Nacht mehr ruhig schlafen. Vor seinem geistigen Auge stünde immer das Bild des Schutzbündlers, der noch in der Stunde seines Todes seiner Kinder und seiner Frau gedenkt, für die richtige Verwendung des armseligen Erbes sorgend, das er hinterläßt. Miklas. der Vater von dreizehn Kindern, hat dos Todesurteil bestätigt. Es bleibt noch zu berichten, daß Emil Svoboda nach seiner Verhaftung auf der Wachstube in der Kreitelgasse unmenschlich geschlagen wurde. «pler der Staatspolizei Im Gefängnis erhängt Der in der Karolinenstraße 48 wohnhaft gewesene Fabrik« arbeiter Albert Jung hat sich am Samstag im Alter von 57 Jahren im hiesigen Amtsgerichtsgefängnis selbst das Le- ben genommen. Er benutzte die Hospause seiner Zellengenos- sen, um sich am Bettpsosten zu erhängen. Jung war im Ja- nnar in Hast genommen worden, weil er dringend verdäch- tig war, unerlaubte und vaterlandsfeindliche Beziehungen zu den Kommune-Flüchtlingen im Taargebiet unterhalten und auch verbotene Schriften ins Land geschmuggelt zu haben. Tie„P i r icka s e n s e r Zeitung" bringt das unter der Ueberschrift„Sich selbst gerichtet". Auch diese Sorte Redakteure wird noch gerichtet werden. Erhängt aus Furcht vor dem Nazi-„Verhör" In Lübeck stand eine Frau vor Gericht, die einen Mit- bewohner ihres HauseS beschuldigt hatte. Schwarzarbeiter zu sein, Lebensmittel zu hamstern und kommunistische Um- triebe angezettelt zu haben. Aus Furcht vor dem Nazi- „Verhör" hatte sich der beschuldigte Arbeiter, der, wie das Gerichtsverfahren ermittelte, völlig unschuldig war, erhängt. Die Verleumderin erhielt eine Gefängnisstrafe von fünf Monaten. Zuchthaus für„Braunbuch" sJnpreß.s Der Strafsenat des Obersten LanüesgerichtS in München verurteilte den 3S Jahre alten Handlungsgehilfen Joseph Boenlein und den 42 Jahre alten Schuhmachermeister Erhard Herold zu je einem Jähr und drei Monaten Zucht- haus, weil sie illegale Literatur, u. a. das Braunbuch, in Deutschland verteilt und verkauft hatten. »er fenerwehrhommandant Er ließ sich bestechen Nach einem achttägiges an Zwischenfällen reichen Prozeß ist der Kommandant des Londoner Talvage Corps, Brynmor Eric M i l e S. wegen passiver Bestechung, tätiger Beihilfe bei strafbaren Handlungen und verschiedener an- derer Bergehen, zu einer Zuchthausstrafe von vier Jahren verurteilt worden. Das Salvage Corps ist eine von den Londoner Versicherungsgesellschaften unterhaltene, der öffentlichen Feuerwehr ähnliche Einrichtung, deren Mit- glieder bei allen Bränden Bergungsarbeiten verrichten und der Beamtengesetzgebung unterstehen. Der Hauptbelastungszeuge war, so berichtet die Basler „National-Zeitung". der aus dem Zuchthaus vorgeführte Leopold Harris, das Haupt einer aus 14 Köpfen bestehenden Bande von Feucrversicherungsfchwindlern. die im ver- gangenen Sommer zu langjährigen Zuchthausstrafen ver- urteilt wurden. Males gab zu. höchst unanständig gehandelt zu haben. Er erzählt«, daß er durch Börsenspekulationen in finanzielle Schwierigkeiten geraten und in Wucherhände ge- fallen sei baß Harris, der selbst im Nebenberuf Geldver- leiher war davon gehört hätte und zu ihm gekommen sei, mit dem Angebot, ihm zu Helsen. Das Angebot hätte er, unter höchstem Druck, angenommen, und von diesem Tage an hätte Harris ihn in seiner Gewalt gehabt, er hätte nicht mehr zurück können Trotzdem aber behauptete Miles. hätte er sich nie in seinen Amtshandlungen beeinflussen lassen. Das konnte ihm denn auch nicht nachgewiesen werden. Trotzdem aber haben ihm Geschworene und Richter nicht geglaubt, und der letztere erklärte in feinem Urteilsspruch, baß. ganz gleich, wie Harris zu ihm, oder er zu Harris gekommen sei. sein Verhalten die strengste Strafe verdient habe. Der schönste Vollbart von Kiew Die Geschichte hat sich in Kiew zugetragen. Der Polizei- offizier Wladimir Burzew war nicht nur als schne'diger Polizist bekannt, sondern auch als der Besitzer des längsten und schwärzesten Bollbartes von ganz Kiew. Diesen Bart hegte und pflegte er wie sein eigenes Kind, ja noch mehr als dieses, da er keines hatte. Katjüscha, seine Gattin, eine üppig- rassige Frau, war auf den wundervollen Bart ihres Mannes nicht wenig stolz. Sie liebte diesen Bart mehr als ben jungen Mann. Eines Tages gerät Wladimir mit Katjüscha in Streit. Keine der üblichen Ehezwistigkeiten, denn Katjüscha schimpft nicht bloß den ganzen Tag, sondern auch die ganze Nacht. Wutentbrannt erhebt Wladimir sich am nächsten Tag vom ehelichen Lager und geht schnurstracks zum nächsten Barbier. Dort seyie er sich in einen Sessel und sagt kurz angebunden: „Ten Bart abnehmen!" Figaro traut se'nen Ohren nicht und frägt, ob er es wirklich wolle. Doch Wladimir Burzew bleibt dabei. Er nimmt die Schere und schneidet den präch- tigen Bart ab. Und dann rasiert er nach. Nicht ein Härchen, n^t eine einzige Stoppel mehr zeugt von der einstigen Pracht. Als Wladimir heimkam, erkannte ihn Katjüscha zu erst nicht. Dann jedoch merkte sie, daß es ihr Wladimir war, der sich selber so verunstaltet hatte. Da wurde sie von maßlosem Zorn ersaßt. In einem Tobwchtsanfull packt« sie den auf dem Tisch liegenden Dienstrevolver Wladimirs und schoß ihren Gatten nieder. Das elektrische Bein In Mailand hat ein Feinmechaniker das„elektrische Menschenbein" erfunden. Es besteht in einer Prothese, die durch einen Antriebsmechanismus ben Rhythmus des ge- snnden Beins mitmachen kann. Durch einen Hebeldruck kann das Ersatzbein eingeschaltet werden. Doppelte Täuschung Der amerikanische Großkaufmann JameS Golbstikker machte auf seiner Europareise auch in Florenz Station, Sein Führer teilte ihm mit, baß ein alter Gelehrter wegen Gelb- Mangel einen echten Rafsael verkaufe. Golbstikker, der ein eifriger Bildersammler war, begab sich sofort zu dem Besitzer, und nach langem Zögern willigte der Gelehrte ein, das Bild, das alter Familienbesitz sei, für 150 n»m Lire zu verkaufen. Da durch italienisches Gesetz die Ausfuhr von Kunstmerken verboten ist, beschloß der Amerikaner, das Bild übermalen zu lassen. Ein Kunstmaler malte nun ein färben- froheS Gemälde darüber. Man sah eine Sennerin, die eine Kuh molk. Zwischendurch tauchte der Turm von Pisa iw Sonnenschein aus. So brachte der Kaufmann das Bild ohne Zwischenfall in seine Heimat. Ein Restaurateur wurde be- austragt, das ausgemalte Gemälde abzuwaschen Das Eni- setzen des Kaufmanns war aber groß, als mit diesem Ge- mälde auch der„echte Rafsael" verschwand. Zum Vorschein kam ein Porträt Bittore Emanuels. Glauben macht selig und gesund In der guten dänischen Stadt O d e n s e hat die Technik der Wissenschast einen kleinen Streich gespielt, der für die be- teiligten Mediziner zwar ein wenig peinlich, sür die leidende Menschheit aber außerordentlich trostreich ist. Das Odenser Krankenhaus ist nach den letzten Erkennt- nisten der therapischen Künste eingerichtet und verfügt auch über einen recht modernen und kostspieligen Röntgenapparat, mit den in ben letzten drei Monaten glänzende Heilerfolge erzielt wurden. Unter den mit diesem Apparat behandelten und geheilten Patienten befand sich auch der Oberarzt des Krankenhauses, der durch die Bestrahlungen von einem schweren Gichtleiden geheilt wurde. In diesen Tagen wurde nun der Apparat defekt. Man nahm eine Reparatur vor und stellte dabei fest, daß der Ge- sundheitSspender in den besagten drei Monaten überhaupt nicht funktioniert hatte. Bei einer früheren Reparatur hatte der Techniker den Stromkreis so geschlossen, daß überhaupt keine Heilstrahleu erzeugt werden konnten. Diese Entdeckung weckte unter den Aerzten und dem Krankenhauspersonal großes Entsetzen. Man tat alles, um ein Bekanntwerden dieser unangenehmen Geschichte zu per- hindern. Trotzdem bemächtigte sich die Fama dieser An- gelegenheit. Ganz Dänemark lacht über diesen nicht gerade alltäglichen Borgang. Die Krankenhausleitung trägt aber nicht nur den Spott davon, sondern auch einen großen finan- ziellen Schaden. Denn alle in der fraglichen Zeit mit dem streikenden Apparat behandelten Patienten— mich die geheilten— verlangen letzt die Rückerstattung der für die Be- strahlungen erlegten Dummen, die bekanntlich nicht gering sind. Es ist den„Geschädigten" bereits eine Befriedigung ihrer Forderung zugesichert worden. „Deutsche Freiheil" Nr. 31 ARBEIT UMD WIRTSCHAFT Dienstag. 6. März 1931 Vicrtagcwodie in USA.? Die große Honlerenz beginn! Der(entgegen früheren Nachrichten im Amte verbliebene und neuerdings wieder sehr aktive) Diktator der Nira, General Hugli Johnson, hat vor einigen Tagen seine Kampagne für eine Viertagewoche begonnen. Schon vor einigen Wochen hat er angekündigt, daß er sich bemühen wolle, die vier Millionen Arbeiter, die demnächst aus ihrer Winter- hilfsbeschäftigung entlassen werden müssen, im V ege einer neuen Arbeitsverteilung wieder zu beschäftigen. Für den 5. März ist eine großeKonferenzin Washington angesetzt, auf der die Führer der Nira vertreten sein werden. Alle die verschiedenen Komitees von acht bis elf Mitgliedern, die die 280 Nira-Slatute beaufsichtigen, werden geschlossen vertreten sein. Somit ist zugleich auch der weitaus größte 3 eil der amerikanischen Industrie an der Konferenz beteiligt. Ueber die Aussichten des Gedankens einer Viertage- w oche kann man sich beute noch kein Bild machen, man muß sich auf schwere Auseinandersetzungen gefaßt machen, und es gibt viele maßgebende Männer der Industrie, die überhaupt die Möglichkeit der Viertagewoche ernsthaft bestreiten. Die Industrie hat sich bisher stets gegen eine weitere Herabsetzung der wöchentlichen Arbeitszeit gewandt, die unter den Statuten der Nira durchschnittlich etwa 40 Stunden beträgt. Schließlich streitet man sich auch noch darüber, ob es absolut notwendig sei, die Winterhilfsbeschäf- tigung füt die vier Millionen Arbeitslosen im Frühjahr wieder aufzubeben. Es ist also noch eine Reibe wichtiger Fragen zu entscheiden, ehe man ein klares Bild gewinnen kann, das Resultat aber wird auf jeden Fall auf die Entwicklung der Nira als einer Organisation zur Reform und zum Wiederaufbau der nationalen Wirtschaft einen weitgebenden Einfluß haben. Das Problem, das sich General Johnson gestellt hat, bat zwei Seiten. Erstens, wie kann die nationale Industrie organisiert werden, so daß sie einen Teil oder die Gesamtheit der 10 Millionen langfristig Arbeitslosen wieder aufnehmen kann? Zweitens, was soll mit den 4 Millionen Arbeitslosen geschehen, die im Rahmen der Wiiiterh'lfs- beschäftigung vorübergehend von der Regierung beschäftigt werden, die aber trotzdem zu den„Dauerarbeitslosen" gerechnet werden? Der Ausgangspunkt für die AuffiaLen der Nira in der Arbeitslosen! rage war höchst ungünstig. Als die Nira ihre Arbeit im Juni 1933 aufnahm, gab es in den Vereinigten Staaten ungefähr 14 Millionen Arbeitslose(nach der Fede- ration of Labor 13,69). Infolge der unausgesetzten Bemühungen der Nira und des Farmhilfsprogramms wurde diese Zahl dann bis zum Anfang des Winters auf 10,75 Millionen heruntergedrückt. Daun organisierte die Regierung ihre„A r b e i t s- beschaffungsverwaltuiig"(CWA.), die während des Winters ungefähr 4 Millionen Arbeiter im öffentlichen Dienst in Städten und Dörfern unterbrachte. Die so beschäftigten Arbeiter hatten 30 Stunden in der Woche zu arbeiten, sie erhielten dafür einen Wochenlohn von 15 Dollar, was immerhin genügt, um eine Familie recht und schlecht über den Winter zu bringen. Die Kosten dieser Winterhilfe wurden vielfach als furchtbar bezeichnet. Sie stiegen bis auf 75 Millionen Dollar wöchentlich, und was das Schlimmste ist, es entwickelte sich eine ziemlich umfangreiche Korruption. Die Stellungen wurden teilweise auf der Basis politischer Patronage vergeben. Vielfach war auch überhaupt nichts zu tun, die Arbeiter standen in den Höfen herum oder blieben zu Hause, so daß man mit einigem Recht behauptete, die öffentliche Winterhilfsbeschäftigung sei nichts anderes als eine verkappte Arbeitslosenunterstützung. Aus diesen Gründen waren Roosevelt und seine Regierung entschlossen, die Winterhilfsbeschäftigung im Frühjahr abzubauen. Diesem Entschluß stellen sich aber erhebliche Schwierigkeiten entgegen, denn im Herbst 1934 sind Kongreßwahlen. Die ganze untere Kammer wird im November gewählt, zusammen mit vielen staatlichen und städtischen Beamten. Infolgedessen wird ein starker Druck ausgeübt, um die Winterhilfe fortzusetzen. Die Regierung selbst gab diesem Druck auch insoweit nach, also sie die nötigen Mittel verlangte, um die Winterhilfsbeschäftigung wenigstens teilweise bis zum 1 Mai fortzusetzen, anstatt sie, wie ursprünglich vorgesehen, im Laufe des Februar und des März aufzulösen. Aber auch damit sind die Parteibosse nicht zufrieden. * Daneben besteht noch immer das Problem, was mit den übrigen sechs Millionen Arbeitslosen werden soll, die nicht einmal eine provisorische Beschäftigung haben. Die Regierung erwartet, wie das auch in Deutschland der Fall gewesen ist, daß ein Teil davon in der Landwirtschaft untergebracht werden könne. Eine Kampagne in dieser Richtung soll bereits Ende Februar im Süden einsetzen, wo die Feldarbeit früher beginnt. Ferner denkt man auch an ein langfristiges und großzügiges Programm der Arbeitsbeschaffung durch Vergebung öffentlicher Arbeiten. Schließlich will man auch an die Industrie selbst herantreten, um sie zu Neueinstellungen zu veranlassen. Dies könnte vor allem dench weitere Arbeitszeitverkürzung geschehen. In industriellen Kreisen versichert man jedoch, daß die Arbeitszeit bereits bis an die Grenze des Möglichen herabgesetzt sei. Weitere Maßregeln in dieser Richtung hätten derartige Pro duktiniiskostensteigerungrn zur Folge, daß man dies den Konsumenten nicht zumuten könne. Schott jetzt werde von vielen Seiten über die Preise derjenigen Güter geklagt, die von Industrien erzeugt werden, die der Nira angeschlossen sind. Diese Kostenet hobungen aber ständen einem Verkaufserfolg im Wege. Aus diesem Grunde sei die wöchentliche Arbeitszeit beispielsweise in dei Automohilindustrie, wo sie eine Zeitlang 35 Stunden betragen habe, wieder auf 40 Stunden erhöht worden. Aber General Johnson hat sich in seinen Absichten bisher nicht einschüchtern lassen. Er besteht auf seinem Standpunkt daß weitere Arbeitszeitverkürzungen notwendig seien, um die vorhandene Arbeit auf mehr Arbeiter zu verteilen. Dabei stützt er sich u. a. auf eine statistische Untersuchung der Föderation of Labor, wonach von 1929 bis 1932 infolge der zunehmenden Maschinenleistung die Stundenleistung des Arbeiters durchschnittlich um 12 Prozent zugenommen hat. Der General zieht daraus den Schluß, daß selbst bei der Beschäftigungslage von 1929 eine Dauerarbeitslosigkeit von vier Millionen vorhanden sein würde, falls nicht eine weitere Arbeitszeitverkürzung durchgeführt werde. Daher geht der Feldzug um die 30-Stundenwoche unter Billigung Johnsons weiter, sie wird hauptsächlich vorn Kongreß und von den Arbeitern unterstüßt. Der Gedanke nahm bekanntlich seinen Ausgang im Kongreß, der ihn vom Völkerbund annahm. Eine der Früchte dieser Ide» war die Gründung der Nira und die Kontrolle der Arbeitszeit. In Wirtschaftskreisen ist man allerdings der ziemlich einheitlichen Ansicht, daß die 30-Stundenwoche sich vorläufig nicht verwirklichen lasse. Auch die V iertagewoche (32 Stunden), wie sie von Johnson vorgeschlagen wird, giit als nur sehr schwer durchführbar. Man glaubt, daß auf die Bedürfnisse und die individuelle Lage der verschiedenen' Industrien Rücksicht genommen werden müsse und daß deshalb eine generelle Regelung unmöglich sei. Immerhin hält man es nicht für möglich, daß sich im Durchschnitt eine Beschäftigung von 36 Stunden wöchentlich erreichen lasse. Man hofft, daß die Industrien nach bestem Können mit der Nira zusammenarbeiten werden, um eine weitere Verkürzung der Arbeitszeit zu erreichen. Sollte dies nicht der Fall sein, so bat der Präsident die Möglichkeit. Zwangsmaßregeln zu ergreifen. Man nimmt allerdings nicht an. daß es soweit kommen wird. Die Arbeitslosenziffer zu Ende Januar betrug nach den Erhebungen der amerikanischen Gewerk- schaftsvereinigungll 690 00 0. Gegenüber Ende Dezember hat sich die Zahl der Arbeitslosen(eingerechnet der erwähnten vier Millionen, die mit Winterhilfsarbeiten beschäftigt wurden) in den Vereinigten Staaten damit um 921 000 erhöht,(via U. P.^ Die Politik ruiniert die deutsche Handelsbilanz Die Erkenntnis, daß mitten in einer jetzt immer deutlicher zutage tretenden Belebung der Weltkonjunktur das Bild des deutschen Außenhandels immer katastrophaler wird, und daß recht gefährliche Folgen für die deutsche Wirtschaftslage in absehbarer Zeit hieraus entstehen müssen, beginnt sich auch in Deutschland selbst trotz der Versrhwcigungstaktik der gleichgeschalteten Presse und der optimistischen Berichte des Konjunkturinstituts immer mehr durchzusetzen. In den deutschen Wirtschaftszeitschriften findet man bereits Aeuße- rttngen, die noch vor einem halben Jahre niemand auszusprechen gewagt haben würde. So schreibt der völlig gleich- geschaltete deutsche Wirtschaftsdienst in Hamburg in»einer letzten Februarnummer(Heft 8, Seite 252) bei einer Besprechung der deutschen Handelsbilanz für Januar 1934, die bekanntlich seit vier Jahren zum ersten Male auch sogar offiziell einen Passivsaldo aufwies: ..Daß es„Ich bei dem Passivsaldo des Januar keineswegs um einen zufällig aus der Verrerhnungstechnik sich ergebenden ungünstigen Status handelt, sondern um den Ausdruck einer effektiven Verschlechterung unserer Außenhandelsbilanz, bestätigt sich in dem Rückgang des Devisenbestandes der Reichsbank. Die in den Außen- handelszahlen des Monats Januar sichtbar werdende Tendenz der Außenhandelsbewegung kann in ihrer gefahrdrohenden Wirkung auf die Gesamt Wirtschaft Deutschlands kaum überschätzt werden. Man würde sich wirklich überflüssige Sorgen machen, wenn Deutschland die Ziele der Arbeitsbeschaffung erreichen könnte, ohne Rücksicht auf die Gestaltung seiner Beziehungen zum Ausland. Es gibt aber keine Flucht vor der Wahrheit, daß der Verzicht auf Außenhandel für Deutschland Verschärfung der wirtschaftlichen Notlage für die gesamte Bevölkerung des Reiches bedeuten muß." Es gibt keine Flucht vor der Wahrheit! Die Wahrheit sieht aber recht merkwürdig aus, wenn man selbst die Ziffern der gleichgeschalteten Statistik für die Einfuhr von Rüstungs- materialien mit diesem jetzt endlich offen zugegebenen katastrophalen Notstande des deutschen Exportes vergleicht. Ein interessantes Stück dieser Wahrheit liegt in den folgenden Ziffern, die die Einfuhr der wichtigsten Metalle nach Deutschland im Januar 1934 mit derjenigen im Januar 1933 vergleicht, wobei zu berücksichtigen ist, daß der Januar 1933 der letzte Monat des„zweiten Reiches" war. Die Metalleinfuhr stellte sich im Januar der beiden letzten Jahre(in Tonnen): 1934 1933 Kupfer.... 17 869 9 275 Blei 6 032 3 956 Zink 10 227 5 452 Nickel 603 367 In dieser Periode der enormen Schrumpfung des deutschen Außenhandels, der bereits zu einer offen eingestandenen Passivität der Handelsbilanz geführt hat, haben sich also die Importe der wichtigsten Rüstungsinetalle glatt verdoppelt. Es gehört also wirklich schon ein größeres Quantum von Naivität, als es vielleicht selbst der gleichgeschaltete deutsche Kaufmann oder sonstige Wirtschaftsinteressent besitzt. dazu, um zu glauben, daß eine solche enorme Steigerung der Rohstoffeinfuhr durch die Koujunkturbesserung und den allgemeinen Aufstieg der deutschen Wirtschaft seit der Machtergreifung Hitlers begründet worden ist. Wer diese Naivität trotz allem noch aufbringen sollte, kann leicht aus den eigenen Erklärungen des statistischen Reidisamtes eines besseren belehrt werden. In der amtlichen Bekanntgabe der deut«rhen Handelsbilanz für das Jahr 1933 heißt es nämlich in den Einleitungssätzeu kurz und deutlich:„Die Gesamt- Das Internationale Arbeitsamt Steht Amerikas Beitritt in Genf bevor? Dr. II. Die Revoiutionierung der öffentlichen Meinung der Vereinigten Staaten in bezog auf staatliche Sozialpolitik macht weitere Fortschritte. Das Bedürfnis nach internationalem Erfahrungsaustausch über die gemeinsamen Zeil- und Grundprobletne scheint auch die traditionelle Abneigung gegen Genf überwinden zu wollen, jedenfalls soweit das Internationale Arbeitsamt in Frage kommt. Schon zu der 37. internationalen Arbeitskonferenz im Herbst vorigen Jahres hatte Roosevelt eine Delegation von 4 offiziellen Beobachtern entsandt. Ihr Bericht ist im Dezember 1933 in der bundesamtlichen Monthly Labor Review erschienen. Er ist fast eine einzige Lobeshymne auf den beispielhaften Geist des guten Willens und auf die sachlichen Erfolge des IAA. Das allgemeine Interesse am amerikanischen Wiederaufbau hat Eindruck gemacht, ebenso das Sonderinteresse, das die offiziöse Spezialkonferenz der nicht europäischen Länder Umsätze im reinen Warenverkehr betrugen im Jahre 1933 9,1 Milliarden Reichsmark. Sie haben damit einen neuen, noch vor Jahresfrist kaum für möglich gehaltenen Tiefstand erreicht. Man muß in der Entwicklung des Außenhandels bis zum Jahre 1898 zurückgehen, um auf ein ähnlich niedriges Ergebnis zu stoßen." Im übrigen bestätigt von Monat zu Monat fast jede einzelne Position der deutschen Exportstatistik immer klarer, daß es ein Unding ist, diesen ständig schlimmer werdenden und in der Verringerung der Devisenbestände immer klarer hervortretenden Rü ckgang der deutschen Exporte etwa auf die allgemein schlechte Konjunktur I a g e zurückzuführeil. Erstens nämlich beweist die ganze Entwicklung des W elthandelsvolumeiis, daß der letzte Abschnitt des Jahres 1933 und die ersten Monate des Jahres 1934 einwandfrei im Zeichen einer zunehmenden Besserung des Welthandels stehen. Zweitens aber ergibt sich bei einer näheren Betrachtung der Handelsbilanz-Ziffern, daß grade in denjenigen Artikeln, in denen Deutschland eine monopolartige Stellung auf dem Weltmarkt inne hat, die Rückgänge tatsächlich nur ganz minimale sind. Die Artikel, in denen die M'elt einstweilen noch auf die deutschen Lieferungen mehr oder minder angewiesen war, wurden also nach wie vor aus Deutschland bezogen. Für fast alle anderen Artikel aber, wo eine solche Monopolstellung nicht besteht, die man also zu gleichen oder auch etwas höheren Preisen von anderen Ländern kaufen konnte, läßt sich ziemlich durchweg ein Rückgang der deutschen Exportmengen feststellen, der vieljach geradezu erschredtendes Ausmaß annimmt. Als typisch für die erste Gruppe mag die deutsche. Chemie- Ausfuhr, die also vor allem Farben, sowie chemische und pharmazeutische Fabrikate aller Art umfaßt, gelten. Hier ergab sich im Jahre 1933 noch eine Ausfuhr von 560 Mill. Reichsmark, die gegen diejenige des Vorjahres von 565 Mill. Reichsmark nur ganz unerheblich zurückblieb. Aehnliches gilt von vielen Spezialartikeln geringerer Bedeutung, wie etwa von Celloluid-Fabrikaten, bei denen die Exportverminderung nur von 44,5 auf 41 Mill. Reichsmark eintrat, von Uhren und Musikinstrumenten, bei denen die Ausfuhr sich von 113 auf 102 Mill. Reichsmark verminderte usw. Ein ganz anderes Bild ergibt sieh aber sofort bei allen denjenigen Waren, bei denen die Auslandskonkurrenz scharf ins Gewicht fällt und mit Rücksicht auf die politischen Verhältnisse seitens der ausländischen Käufer auch ganz deutlich bevorzugt wurde. Der Maschinenexport ging um zirka 30 Prozent, nämlich von 630 auf weniger als 440 Mill. Reichsmark zurück, derjenige von elektrischen Maschinen sogar von»2 auf 36 Mill. Reichs- mark. d. h. um rund 50 Prozent. Zirka 25 Prozent beträgt der Ausfuhrrückgang bei Papierwaren, deren Exportwert sich auf 155 Mill. gegen 200 Mill. Reichsmark stellte, bei Sniel- zeng und vielen ähnlichen Artikeln, bei denen es der Welt offenbar schnell und leicht möglich gewesen ist, Ersatz zu sc! äffen. Von Monat zu Monat übt die politische Isolierung Deutschlands immer mehr ihre zerstörende Wirkung auf die deutsche Handelsbilanz, auf den Devisenbestand der Reichsbanh, auf die innere und äußere Zahlungsfähigkeit Deutschlands aus. Die letzten wirtschaftlichen und finanziellen Reserven werden immer schärfer für die Rüstungsimporte angespannt. Vor jedem, der nüchtern rechnen kann und will, erhebt sich immer drängender die Schicksalsfrage der deutschen Wirtschaft: Wie lange noch? bereits im Hinblick auf den eventuellen Beitritt der Vereinigten Staaten zum IAA. erregte. Die Internationale Arbeitskonferenz selbst hat ihnen den Eindruck eines großen Industrieparlaments gemacht, das aus Vertretern der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer und der Regierungen besteht. Da» ständige Amt sei dem amerikanischen Arbeitsministerium vergleichbar, nur daß seine Beamtenschaft aus 40 Nationen gebildet werde. Die behandelten Probleme und Fragen seien dieselben, wie sie auch die Vereinigten Staaten interessieren. Die Ratifikation der beschlossenen Gesetzes-Abkommen stehe den einzelnen Regierungen frei. Audi bedinge der Beitritt zum IAA. keinerlei Verbindung zum Völkerbund. Insgesamt 566 bereits erfolgte Ratifikationen beweisen den großen Einfluß des IAA., insbesondere sei Lateinamerika ein eifriger Anhänger des IAA. Der Bericht schließt mit einer Befürwortung des Beitritts der Vereinigt n Staaten zum IAA. als 59. Mitglied; auf jeden Fall sollte zur nächsten Internationalen Arbeits-Konferenz im Juni d. J. eine Delegation von 2 Regierung»- und je 1 Arbeitgeber- und Arbeitnehmer- Vertreter versandt werden! Uns dem nordiogcr Papenburg TatsadienbcridK der Opfer h. b. Ein der Organisationsleitung genauestens bekannter, zuverlässiger Genosse, der seit einiger Zeit im Ausland wohnt, hat in diesen Teigen einen Bericht über die scheußlichen Vorgänge im Mord- Inger Papenburg, in dem er längere Zeit als Gefangener weilte, zu Protokoll gegeben. Wenn wir vorläufig seine Personalien verschweigen, so tun wir es aus guten Gründen. Tas abgegebene Protokoll enthält u. a. folgende Schilderungen: Viehwagen Ter Abtransport der 195 Gefangenen geschah in Vieh- ^agen. Tie Bewachung wurde von Schupo und TA. vcr- lehen, die uns mit schußbereiten Karabinern flankierten. -Vinter uns fuhren Lastkraftwagen mit Tchcinwerfern. Vor °.e>u Marsch zum Bahnhof wurden wir verwarnt und mit Erschießen bedroht. Tic Viehivagen wurden verschlossen. Tic Ventilation wurde von kleinen Löchern, die mit starkem Trahtgcwcbe versehen waren, besorgt. Auch Otto Eggerstedt würde mit uns verladen. Gr ivar schon arg zugerichtet und hinkte stark, weil ihm ein Fußknöchel zerschmettert war. Gegen drei Uhr nachts fuhren wir ab. Ankunft' Besürsnisse mußten im Wagen verrichtet werbe». Tic in kapier geivickeltcn Exkremente wurden durch die Lustlocher entfernt. Das weisse blieb u- d"n Drahtgeflechten hängen. Gegen 19 Uhr morgens kamen wir in Törben bei Papenburg an. Wir wurden ivie Vieh an» den sechs mit je 32 Mann bcladcnen Waggons getrieben. Die Schiverkrankeu wurden aus einen Wagen geladen. Wir andern mußten, von einem Kordon schußbereiter Geivehrc umgeben, 28 Kilometer ourch tiefen Tand marschieren und dazu singen. Vor mir ging ein alter Mann, der schwer fußleidend mar und deshalb nicht mitkommen konnte. Er wurde mit F-uu- 'litten und Zchimpscrcien bedacht. Ein preußischer Landtags- abgeordneter0 Meter in tiefes Gebüsch hineinging. Darauf- hin habe sie ihn angerufen. Als er dem Anruf keine Folge leistete, habe ihn die Wache erschossen. Dieser Bericht ist nicht glaubwürdig. Ten» uns wurde alle Tage gesagt:„Wer die geringste Bewegung macht, wird er- schassen. Angerufen wird nicht!" Sonst wurden die Erschossenen von den Gefangenen herein- geholt. Otto Eggerstedt aber wurde.von TT.-Leuten herein- gebracht. Seine Mörder sind der stellvertretende Truvvführer Grotbenn(Rheinland) und TT. Mann Eisenan, Standarte 19. Eisenau war bei allen Mordtaten im Lager 2 beteiligt. Ter Leichnam wurde am 17. 19. In der Gegend b>'i Paven- bürg beigesetzt. Anschließend kam Polizei mit schußbereitem Karabiner und transportierte 39 bis 49 Gefangene in ein anderes Lager. Tie ST. wurde während des Abtransp..tcs von der Polizei in eine Baracke gejagt. Einem ReichSbannerganiührer, dem man schon offen gedroht hatte:„Tu kommst auch noch dran," ist vielleicht durch den Abtransport das Leben gerettet worden." In einer Baracke entstand eines Tages wegen einiger Kommunisten eine Unruhe, die allerdings von der Lager- wache bewußt herbeigeführt worden war. Daraufhin wurden nachts alle Barackeninsassen im Hemd mit Peitschen aus den Hof gejagt. Tiefer Vorgang wiederholte sich mehrere Male. Acht Tage hatte die Belegschaft der Baracke fürchterlich zu leiden. „Stiehll alles" Tic oben erwähnten TA.-Gefangenen waren böse zurechtgemacht, als sie in das Lager eingeliefert wurden. Tic trugen Armbinden mit dem Ausdruck TA. Tie ST.-Lenie schrieen sie an:„Was heißt das auf der Binde?" Tic TA.- Leute, denen dieser Vorgang scheinbar geläufig war, ant- warteten:„Stiehlt alles!" Mit dieser Antwort waren ihre Brüder in der schwarzen Uniform zufrieden. In der Gegend von Papenburg befinden sich fünf Lager mit je tausend Gefangenen. Tie Gefangene» bekommen in der Woche•"> Pfund Brot, ungefähr.'>9 Gramm Margarine, ein kleines Stückchen Wurst und Käse und etwas Marmelade. Wenn«vir uns ein einziges Mal hätten richtig sattesten sollen,- so hätten wir die Wochenrativ» an Zubrot bequem zu einer Mahlzeit aufessen können. Während der ganzen Zeit, in der ich im Lager weilte, haben wir kein Fleisch zu sehen be- kommen. Sclbstverpslegnng war möglich. Wir konnten in der Kantine kaufen und auch Pakete erhalten. Briete schreiben durften wir in den letzten zch» Tagen, Briese erhalten in den ersten zehn Tagen des Monats. Außerdem durften wir pro Woche drei Mark zugesandt er- halten. Besuchserlaubnis bestand nicht. Wir waren in Baracken zu je hundert Mann unter- gebracht. Unsere Wachmannschaften setzten sich zusammen aus jungen Leuten im Alter von>8 bis 23 Jahren. Das ist der wahrheitsgetreue Bericht eines Tozialdemo- kratcn, dessen Zuverlässigkeit außer Zweifel steht. Er rundet da? Bild, daS wir aus der Schrill Gerhart Tcegers über das Konzentrationslagertreiben der heutigen Machthaber ge- wonnen habe» Sondcrßcrlckil Pfalz Verbotene Organisation Ter 39jährige Tagner Karl Strauß aus Schisferstadt, der 39jährige Former Adolf Türk, dessen 39jährigc Ehefrau und der 31 jährige Elektriker Emil Mathes, letztere ans LudivigShafen, waren beschuldigt, in der Zeit vom Juli biS Oktober 1933 für die„Volkshilfe" und die„Bcstattungs- kttrsorge". daS sind Fortführungen des früheren Vereins proletarischer Freidenker, Beiträge kassiert zu haben. Die Angeklagten waren zum Teil geständig, wollen aber nicht aivnßt haben, daß diese Organisationen verboten sind. DaS Sonbergcricht verurteilte die Ebenau Türk zu 2 Monaten Gefängnis, die durch die Untcrsnäningshaft verbüßt sind, die übrigen Angeklagten zu ie 3 Monaten Gefängnis ab- züglich je ein Monat Untersuchungshaft. Wieder einmal Reichstagsbrand In der Wohnung eines Bekannten in LudivigShafen soll der 27jährige Matrose Arthur Schwctzer aus Mannheim geäußert haben, van der Lübbe sei unschuldig hingerichtet worden. Hitler werde eines Tages im Flugzeug davon- fliegen: wenn er ein richtiger Mann wäre, ivürdc er an das Großkapital gehen. Ter Angeklagte leugnete, wurde aber überführt und zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt. Bemerkungen über die Regierung Der 37jährige Landwirt Jakob Hammel aus Laumers- heim soll am 7. Januar d. I. aus der Ortsstraße in Laumersheim gegenüber mehreren Personen geäußert haben: „Früher waren Spitzbuben an der Regierung, heute sind auch einige darin, die gehen ins Ausland und schaffe» ihr Geld dahin." Ter Angeklagte, der iin Krieg eine schwere Kopfverletzung erlitten hat, leugnet die Aeußerungen. Ta der Hauptbclastungszeuge seine früheren bestimmte» Aus- sagen wesentlich einschränkte, kam das Gericht zu einem Frei- sprach, den auch der Staatsanwalt beantragt hatte. Ein undenkbarer Vergleich Ter 45jährige Tagner Karl Stein aus Oppau, der schon vielfach vorbestraft ist, war beschuldigt, am 18. Dezember v. I. in einer Wohnung in Oppau geäußert zu haben, Hitler habe dasselbe Programm wie die Kommunisten, nur sei er iür die Kirche und nicht international eingestellt. Ter Angeklagte bestritt diese Aussagen, wurde aber durch die Zeugenaussagen überführt und zu Ö Monaten Gefängnis verurteilt. Verbotene Druckschriften aus dem Saargebiet Ter 2»jäbrige Händler Peter Edling aus Kaiserslautern, der mehrmals die verbotenen kommunistischen Druckschriften Tie„Deutsche Frei bei t". tsie„B o l k s st i in in e" und die„Arbeiterzeitung" auS dem Taarqebiet mit nach Hause brachte und sie hier dem 37jährige» Erdarbeiter Otto Graf gab, der sie dann an andere Personen zni» Lese» weiter- leitete, wurde zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt, während das Verfahren gegen den»litangeklagten Graf zwecks Ladung einiger Zeugen ausgesetzt wurde. ver eiserne Vorhang Die Wahrheit darf nicht nach Deutschland hinein Zeitungen eingeschmuggelt haben die Arbeiter B. Tproll, R. Pasgualott und G. Lanz aus Tingen, iveS- wegen sie sich vor dem Tondergericht z» verantworten haben. TaS Urteil lautet für Tp. 19 Monate, für P. ein Jahr und fünf Monate, für L. acht Mvnate Gefängnis. ES bleibt bei der Strafe! Das Frankenthaler Ge» licht verwarf die Berufung gegen den Maurer Gutting auS Berghauken. Derselbe gehört der SPD. an und wurde wegen einer politischen Schlägerei zu 19 Mvualen Gefängnis ver- urteilt. U e b e r b a s T ch u tz h a' t l n g e r ani dem Henberg fol- len sich die beiden Arbeiter Graf und Schick aus Pforzheim abfällig geäußert haben. Dafür wurden sie zu 5 bzw. 9 Mo naten verurteilt. Ter arme Görin g! Ter Bauarbeiter Karl W. auS Lörrach hat daS schwere Verbrechen begange», de» armen Ministerpräsidenten Göring zu beleidigen. Auch meinte er, daS Proletariat würde unterdrückt, die Zeitungen in Deutsch- land brächten allerdtnqs nur Gutes, aber nicht das Ausland. Tastir erhielt er 5 Monate Gefängnis. TaS oberste Landgericht in München verurteilte den Ma- lergehilse» Jakob Tchorz, de» Erdarbeiter Herbert Kies und dessen Ehefrau Karoline, sämtliche ans Kaiserslautern, we- gen je eines Verbrechens»ach g 2 des Gesetzes vom 14. Juli 1933 betreffend Neubildung von Parteien und zwar Tchorz ^ Monaten, Knies zu 1 Jahr S Monaten und die Ehefrau Knies zu 1 Jahr Gefängnis, Deutsche Stimmen• Deilage zur.Deutschen Freiheit"•£rei$n1sse und Geschichten Dienstag, den 6. Man 1934 Baun geht's noch med sa gut... Szenerien aus einet deutschen Stadt, leaun angemalt Der„Neue Vorwärts" veröffentlicht Situationsberichte und Stimmungsbilder aus einer deutschen Großstadt. Diese wird, aus naheliegenden Ursachen, nicht, genannt. Aber was hier über Theater, Kino, Schule und anderes zu lesen ist, trifft recht auf alle deutschen Großstädte zu. Theater Dag Kulturleben liegt völlig danieder. Der zahlreiche Menschenkreis aus der organisierten Arbeiterschaft und aus gewissen linksbürgerlichen Sdiichten, der früher Tbeater und Konzerte besuchte, Bücher kaufte, Zeitsdiriften hielt, fällt heute ganz aus. Die Pj.(„Postenjäger") des neuen Systems sind am Kunst- und Geistesleben nicht interessiert. Sie schalten zwar alles gleich, weil sie darin geübt sind, versuchen sich auch darin in organisatorischen Experimenten, sind dem Kulturleben aber innerlich nicht verbunden. Mühselig schleppt- sich trotz der Zwangsabonnements der Beamten das Stadttheater dahin bei immer seichter werdendem Spielplan; es arbeitet nach der Devise der Gleichgeschalteten:„Gesinnung ersetzt Leistung!" Am schlechtesten werden die neuen, die nationalen Stücke besucht. Meist müssen sie nach zwei oder drei Vorstellungen vom Spielplan abgesetzt werden. Kino Die Kinos sind auch schlechter als in früheren Jahren besucht. Die Bevölkerung bat es verärgert aufgenommen, daß das neue System die großen Lichtspielhäuser vor der lästigen Konkurrenz der kleinen Vorstadtkinos durch eine von der Filmkammer vorgeschriebene einheitliche Preistabelle schützte und den kleinen Kinos vorschrieb, ebenso wie die großen Kinos nur einen Hauptfilm zu spielen. Die Versuche nationalsozialistisch gesinnter Kinobesitzer, den Arbeitern der Vorstädte die neuen„nationalen Großfilme" oder die aus Italien importierten Faschistenfilme vorzusetzen, scheiterten schmählich. Oft waren in der ersten Vorstellung eines solchen Films keine zwei Dutzend Besucher erschienen. Wie oft mußten Kinobesitzer schon nach zwei Vorstellungen den nationalen Großfilm absetzen und zugkräftigere Filme heran telegrafieren. In den Kinos wird die obligatorische „Wochenschau" vom Publikum mit Kühle aufgenommen. Bei Beden Hitlers und anderer brauner Bandenhäuptlinge rührt sich keine Hand zum Beifall. Das Publikum läßt den hysterischen Redeschwall gelassen über sich ergehen und amüsiert sich zu erheblichem Teile über die theatralischen Gesten des Obergötzen. Es kam aber auch schon in einem Vorstadtkino vor, daß in eine endlose Hitlerrede der Ruf eines jungen Arbeiters dazwischenfuhr:„Hört den» der Quatsch nicht bald auf?" Bücher Das Buchgeschäft zu Weihnachten war miserabel. Die Käufer von Buchgeschenken gingen im Durchschnitt vom 2,85-Mark-Band zum 1-Mark-Band herunter. Die Buchhändler zehren von der Substanz und verkaufen, um Käufer in den Laden zu bekommen, nach und nach ihr Lager zu Antiquariatspreisen. Der Vertrieb klassischer Literatur sowohl als auch der neuen nationalen Konjunkturliteratur liegt im argen, denn der SA-Mann, der Amtswalter und der NSBO.- Bonze sind nicht auf Lesen eingestellt. Sie werden bestimmt nicht zu„Kulturfatzken" entarten. £edec- hinten Mick auf eine JCeAeseite Wir bitten um Entschuldigung. Es handelt sich um eine Sache, die die Barriere der Ästhetik, die wir selber auf unsern Blätter errichtet haben, zu sprengen geeignet ist. Immerhin: wir müssen davon reden. Denn niemand darf wagen, eine Angelegenheit, die die Zerebralhirne des„dritten Reichs" tief erschüttert, zu verkleinern oder herabzusetzen. Man schafft in Preußen jetzt eine besondere Bergmannstracht. Diese gibt es zwar von altersher. Jeder, der das Industriegebiet kennt, erinnert sich an die— meist in Musikkapellen repräsentierenden— Knappen in den dunklen Uniformen mit steilem und geraden Hut, den ein schwarzes Federbüschel überweht. Aber darum geht es hier nicht. Hier steht Leder zur Debatte— als Bestandteil einer neu zu schaffenden bergmännischen Uniform, worüber man im „Merkblatt für die bergmännische Uniform" wörtlich liest: „Denn wir tragen ja das Leder auf dem— Arm bei der Nacht" heißt es im Bergmannslied, und so ordnet das Merkblatt denn an:„B e r g 1 e d e r(das sogenannte Arschleder) bei den unter 1, 2, 3 und 4 aufgeführten Beamten aus schwarzem, mattem Leder, mit matter, schwarzer Seide gefüttert; bei den unter 5, 6 und 7 aufgeführten Beamten von schwarzem Saffianleder mit Merino gefüttert." Für die. Nichteingeweihten ist es etwas schwierig. Warum die verschiedenen Nummern für die verschiedenen Lederkategorien? Zum Glück haben wir eine Informationsquelle: Die Essener„National-Zeitung", das Publikationsorgan des Jugend In der Schule wird grellgeschminkter Hornvieh-Nationalismus verzapft: Frankreich ist danach vernegert und nicht mehr zur weißen Rasse zu zählen... Deutschland dagegen ist das fortgeschrittenste Land, um seine Einheit und seinen Führer wird es von der ganzen Welt beneidet... In den letzten Wochen erhielten dreizehnjährige Schüler u. a. folgende Aufsatzthemen gestellt:„Die Bedeutung der Volksabstimmung vom 12. November" und„Unser Familienstammbaum". In den Gesangstunden wurden den Kindern die übelsten Kitschlieder der SA. beigebracht, so auch jenes berüchtigte antisemitische Hetzlied, dessen Refrain „Und wenn das Judenblut vom Messer spritzt, dann geht's noch mal so gut," traurigen Ruhm genießt. Dieser gemütvolle Kernsatz ist überdies auf dem Dolch so manches zwölfjährigen Hitlerjungen eingraviert. Ohne Zweifel hat die Begeisterung der Jungen für den Dienst in Jungvolk und Hitlerjugend, nun er zum von der Schule verlangten Zwang geworden ist, erheblich nachgelassen. In den Reihen der höheren Schüler fängt man an, sich über Hitlers Schmachttolle, GöriSgs Uniformfimmel und Göbbels Ariertum lustig zu machen. Begeisterung— Fehlanzeige Der W! tz über das System spielt überhaupt eine unvorstellbare große Rolle, und alle Witze sind von treffsicherer Schärfe. Sie wandern durch Arbeiterschaft, Bürgertum und sogar durch die SA., wo vor allem die Witze auf die dort besonders verhaßten Amtswalter in den gutgeschneiderten Uniformen beliebt sind. Mit behaglichem, wissendem Schmunzeln erzählen sich Gremien von Spitzenfunktionären der NSDAP, sogar die Witze, in denen Göring als Brandstifter umgeht. In der SA. wird viel geschimpft und gemeckert, natürlich im Suff und zu zweien, dreien auf dem Heimweg vom Dienst. Die SA. unterscheidet längst zwischen„echten" Nazis und „Bonzen". Von sozialistischen Tendenzen ist aber nichts zu bemerken Die Kommißluft läßt sie nicht aufkommen. Irgendwelche geistige Interessen sind nicht vorhanden. Vor einiger Zeit wurde der Schreiber zufällig Ohrenzeuge eines Gespräches von SA.-Leuten der„Alten Garde", die ihre tiefe Unzufriedenheit mit der Parteientwicklung zum Ausdruck brachten, über die gestiegene Anmaßung und Eitelkeit der Führer klagten und von sich selbst feststellten:„Man ist dabei, tut seine Pflicht, aber die Begeisterung hat man nicht mehr." Auf einer großen Exerzierwiese werden SA. und Hitlerjungen Abend für Abend geschliffen. Die Kasernenhof- spräche des kaiserlichen Deutschland war edel, gemessen an dem Schnauz- und Pöbelton, der von den braunen Abrichtern gepflegt wird. Den„Gepreßten", die ja zahlreicher sind als die„Freiwilligen", ist es wenig angenehm dabei zumute. Wer dem Spiel von weitem zusieht, freut sich, daß er nicht dabei ist. Herrn Göring, also im Uniformtragen besonders kompetent, schreibt wörtlich: „Wir sind keineswegs so töricht, leugnen zu wollen, daß es bei Uniformen Rangunterschiede geben muß; aber ob es im Zeichen der Volksgemeinschaft angebracht ist, Obersteiger, Fahrsteiger und Steiger mit glänzenden Saffian- — Verzeihung— Arschleder zu bekleiden, das schlechtweg mit Merino gefüttert ist, während die oberen Beamten der Direktoren bis zu den Markscheidern und Dampfkesselrevisoren die hohe Ehre haben, ein mattes, mit schwarzer Seide gefüttertes Arschleder zu tragen, das möchten wir füglich bezweifeln. Diese Unterscheidung widerspricht sowohl der ursprünglichen Zweckbestimmung dieses Leders, als auch der bei allen anderen Uniformen gebräuchlichen Uebung, die Rangunterschiede der Uniformträger nicht aufderKehrseite, sonderna u fderVorder- seite der Medaille zum Ausdruck zu bringen." Es gibt eine reizende Kinderfrage:„Du, Mutti, wie kommt das eigentlich, die Gesichter von den Menschen sind alle verschieden und die Popos sind alle gleich". Wir freuen uns, aus der Essener„National-Zeitung" zu ersehen, daß das sonst als Erbschaft der französischen Revolution so verpönte Gleicfaheitsprinzig wenigstens in dieser lederbedeckten Perspektive der nationalen Revolution zum Durcfabruch kommt. Hier offenbart sich zugleich echtes proletarisches Empfinden. Jene menschliche Position, die von Natur aus keine Unterdrückung kennt, lehnt sich auf gegen rückwärts gerichteten Klassendünkel. T>as cKundesteclen T)a staunt man Man erzählt sich: Ein Hundezüchter unternahm eine Reise ins„dritte Reich", wobei er seine beiden kostbaren Hunde mit sich führte. In einem Gasthaus kehrte er ein und frühstückte. Die beiden Hunde fanden unter der Bank in Zeitungspapier eingewickelte Wurstabfälle und verschlangen sie samt dem Papier, noch ehe ihr Herr ihnen dies entreißen konnte. Eine Stunde später waren die Hunde tot. Der Besitzer holte den Tierarzt, um über die Todesursache Klarheit zu bekommen und erzählte dem Tierarzt, was die Hunde gefressen haben. Darauf fragte der Tierdoktor:„Was war denn das für ein Papier?" Der Hundezüchter erwiderte:„Soviel ich sah, war es eine Schrift des Propagandaministers Göbbels."—„Aha,"— sagte der Tierarzt,—„dann ist mir die Todesursache erklärlich, denn solches Zeug kann kein Vi?h vertragen!" In einem Artikel der„Literarischen Welt"(9. Februar) tobt sich einer über„Die Enge nnd Weite des Heroischen" ans und kommt zu folgendem Schluß: „Die Dichtung hat heute einen viel ernsteren Sinn als früher.. Die Dichtung hat eine größere Wirkungsweite, weil die Menschen aufgeschlossen sind, weilsiestaunen. Aus ihr ist der Sinn für das Maß der Enge und W e i t e zu gewinnen. Sie ist nicht weitläufig und engherzig, sondern voll und schwer. Sie bringt uns an Schicksale heran. Sie bejaht die Entscheidungen im Leben und ist daher berufen, den Sinn zu stärken, denn das Bekenntnis zum Schicksal, zu den Nöten und Pflichten, in der Demut und in den Leidenschaften, das ist eine Festigung des Staunens in dem Sinn des Heroische n." TJläczlied Verstumme, Mensch mit deiner Klage! Am Himmel blaut ein Freudenschein, Und in die Trübsal deiner Tage Fließt morgenhell der Frühling ein. Im Winde ist die Welt erstanden. Er küßt dich mitten ins Gesicht; Und über den erwachten Landen Strahlt sieghaft das erlöste Licht. Schon jauchzt ans hundert Vogelchöw Ein silberner Willkommensang, Das neue Leben zu beschwören. Kein noch so festlicher Empfang Kann so wie diese Zeit betören. Wie dieser Rausch von Licht und Klang. Horatio Det JUtcademacsch Die„Magdeburger Presse" bringt in großer Aufmachung die nachfolgende welterschütternde Nachricht:„Ehrung der Magdeburger SA. Der stelbständigen SA.-Standarte 26 wurde als einziger Standarte in Deutschland der Bad e^n w e i 1 e r Marsch— der Lieblingsmarsch des Führers— als Parademarsch von der Obersten SA.-Führung verliehen! 1 Wenn das nicht besser ist als Brot für hunderttausende Arbeitslose.«« Ufas Antisemitismus Der Jude darf nicht genannt werden In den Berliner Ufa-Theatern läuft zur Zeit ein französischer Film„La Msternelle", der einen ungewöhnlich starken Eindruck auf das Publikum macht. Täglich verlassen — wie wir der„Jüdischen Rundschau" entnehmen— hunderte Menschen das Kino, die noch lange auf der Straße an einem von Tränen geröteten Ausdruck erkennen lassen, was sie erlebt haben. Die gesamte Presse, voran der„Angriff", ist voll des Lobes für diesen Film, dessen hohe Kunst allgemein anerkannt wird. Bemerkenswert ist nun, daß die gleichgeschaltete und nationalsozialistische Presse diesen Film lobt, obwohl er das Werk eines Juden, des Regisseurs Benoit-Levy ist. Uro aber zu verhüten, daß das Publikum sich darüber Gedanken macht, ist der Doppelname des Regisseurs um seinen Levy- Anteil gekürzt worden. Im Personenverzeichnis des Films, in den Anzeigen, in den Kritiken der Tagespresse heißt es statt Benoit-Levy ganz schlicht:- Jean Benqit. Der Jude und sein Werk werden akzeptiert— schon von wegen der hohen Einnahmen— nur soll es eben nicht jeder wissen! 9tans Alices ueclafit die Ufa Berlin, Z März. Der berühmte, von der Ufa meist beschäftigte Filmstar Hans Albers hat— wie es heißt: unter Konflikten— seine Bindungen zur Ufa gelöst. Es soll dabei eine Rolle gespielt haben, daß er mit der Jüdin Hansi Burg, Tochter des verstorbenen bekannten Schauspielers Eugen Bürg, verheiratet ist.\ Zeit=7lotiiw Harun al Raschid Das„Hakenkreuzbanner" teilt mit:„Der badische Innenminister Pflaumer, der zur Zeit einen kurzen Urlaub im Schwarzwald verbringt, hat in den letzten Tagen unerkannt als einfacher Wandersmann einen großen Teil des Schwarzwaldes durchwandert." Es ist wie im Märchen:„An vielen Bauernhöfen hat er angeklopft, ließ sich ein Glas Milch geben und unterhielt sich mit Bauersleuten und Korbmachern... Und wirklich:„Er hörte und erfuhr so manches..." Kein Geschenk für Göring? „So haben glückliche Umstände ein Richtschwert mit beglaubigter Geschichte bis heute bewahrt... Der Rat hat es sich damals ein gutes Stück Geld kosten lassen, um seinem Recht auf das Obergericht durch dieses Prunkstück einen eindrucksvollen. sinnfälligen Ausdruck zu geben. Leider ist diese Großzügigkeit nicht nachgeahmt worden... So prächtige Richtschwerte, wie das Glogauer, werden wohl immer seltene Erscheinungen bleiben, sowohl hinsichtlich ihres rein äußerlichen Schmucks, wie nach ihrem inneren Wert. Braunbuch— in Palästina verboten Während Hitlers„Mein Kampf" in den Buchhandlungen frei vertrieben werden darf, haben die palästinensischen Distriks-Kommissare den Buchhändlern in ganz Palästina den Vertrieb des Braunbuches über den Hitler-Terror verboten. Geoffrey MacLaren, Assistant Commissionar für Jerusalem, erklärte den Buchhändlern, ein Vertrieb des Braunbuches würde einer Schmähung eines auswärtigen Herrschers gleich geahndet werden. Planetarium wird abgerissen Auf Druck des Julius Streicher wird das Nürnberger Planetarium—„ein großer, in sachlichem Stil gehaltener Bau"—- abgerissen. Zu dem Plan, das Planetarium als'Stadtbibliothek umzubauen, erklärte Streicher, daß das Fortbestehen des Gebäudes aus Gründen der Denkmalspflege nicht zu verantworten sei. Die„Dachzeitschrift" Da unlängst verboten wurde, die Namen der Naziführer eitel zum Zweck der Reklame in den Mund zu nehmen, annonciert der Verlag Kehlhammer über eine juristische Zeitschrift in Balkenlettern:„Es ist, wie Herr Reichsjustizkommissar geäußert hat, gewissermaßen die juristische Dach- zeitsdu ift," Siatiskvs Schatten Aufsehenerregende wettere Verhaftungen bevorstehend In der Stavisky-Affäre stehen, wie berichtet wird, weitere aufsehenerregende Verhaftungen bevor.„Paris-Soir" meldet, daß die Kammer demnächst angegangen wird, die p a r- lamentarische Immunität in mehreren Fällen aufzuheben. Diese Ankündigung ist voraussichtlich von größter Bedeutung! Bisher sind bereits 20 Personen beschuldigt und 14 hinter Schloß und Riegel gesetzt, darunter die Abgeordneten Garat, Bürgermeister von Bayoöne, und Bonnaure, Pariser Rechts- anwalt, ferner die.. Publizisten Darms und Dubarry(die im Nebenamt Hitler., liebten), Theaterdirektor Hayotte, Privatsekretär Romignano, Privatsekretär Depardon, Rechtsanwalt Guiboud.Ribaud. sowie' Madame. Staviskv. Der Publizist Aymard ist einer derer, die sich noch vorläufig auf freiem Fuß befinden. Madame Stavisky wird am Dienstag zusammen mit den beiden Privatsekretären von der Untersuchungskoin- mission wegen der verschwundenen-und wiedergefundenen Schecks vernommen werden.-... Die Suche nach dem Mörder Die Tatsache, daß der Justizminister persönlich den Ersten Staatsanwalt von D i j o n, der Stadt des Mordes, hat kommen lassen, zeigt, mit welchem Eifer die Suche nach dem Täter betrieben wird. Ig der Näh? des Bahndamms von La , Combe-aux-Fees hat man jetzt ein blutiges Zeitungsblatt mit '■ dem. Datum des 27. Januar gefunden. Die Oeffuung des ..Schrankfaches des ermordeten Richters in einer Pariser Bank hat nur persönliche Dokumente zutage gefördert. Dadurch ; wächst die Wahrscheinlichkeit, daß der genaue Kenner der v> Finanzskandale die wichtigsten Papiere bei sich hatte und daß sie von Verbrechern geraubt wurden. Rita Georg weiß von nichts Mit Rita Georg zusammen sind von Wien auf dem Ostbahnhof auch zwei kleine Infanten von Spanien eingetroffen, . aber. kein Mensch hat sie beachtet. Das Interesse galt nur der blonden- Vedette des„Empire", des zusammengekrachten J Stavisky-Tbeaters, die von einem Heer von Reportern und ?. Blitzlichtern erwartet wurde. :■ Rita Georg, die Sängerin des Hayotte, war sehr vorsichtig. Um sie herum wimmelte ein Verteidiger, der jeden ihrer Schritte bewachte, und zum Trost im Schmerz hatte sich die etwas übernächtige Diva auch noch eine„treue Dienerin" mitgenommen. Yojn„schönen Alexandre" wußte sie nur sehr weniges. Zwar ihre seinerzeitige Versicherung, daß sie ihn überhaupt nicht gekannt habe, hielt die gute Bekannte der Stavisky- £ Freunde, die ihr die Arbeitskarte besorgt haben, nicht aufrecht. Immerhin gab sie jetzt wenigstens zu, als der Untersuchungsrichter Lapeyre sie über ihren Umgang mit Stavisky und Bonnaure, dem Abgeordneten ünd Budapest- Reisenden, befragte, daß sie Alexandre am Abend der „Kathinka" kennen gelernt habe. Hayotte habe sie mit ihm und, fügte sie vorsichtshalber hinzu, mit seiner Frau bekannt gemacht. Hie" habe Ihn"im gätizen* nur" fünf- bis sechsmal in seiner Eigenschaft als Kommandisten des Empire gesehen.': In seiner Wohnung in den Champs Elysees sei sie nie gewesen(npn, es wurde auch, wenn wir uns recht erinnern, ein anderer Ort genähnt; doch soll man schöne. Frauen nicht fragen)! Bei Bonnaure habe sie der Komponist der ..Kathinka" eingeführt..- Der habe eines Tages gesagt: ..Kleines, heute gehu wir zu einem großen Tier esse),, zu Bonnaure, dem Volksvertreter vom 3. Pariser Bezirk." Dort war sie, wie sie glaubt, mit der Herrin des Hauses der einzige weihliche Gast. Zum Schluß beklagte sie sich bitter, daß man sie der Spionage verdächtigt habe. Sie werde sich rehabilitieren und sie sei gekommen, damit keiner an ihrer Unschuld zweifle. Nach dieser Erklärung fuhr sie wieder nach Wien zurück. Die Akten sind wieder da Zur Feier des Einzuges von Rita Georg in Paris sind auch die Papiere wieder aufgefunden worden, die zum Akt Rita Georg und Marianne Kupier im Arbeitsministerium verschwunden waren. Der neue Neo-Minister M a r q u e t hat eine Umfrage gemacht, und siehe, es stellte sich heraus, daß der Anwalt Gniboud-Ribaud den beiden Künstlerinnen aus dein Ausland die Empfehlungsbriefe geschrieben hatte. Dieser R i b o u d• G u i b o u d, der jetzt sitzt, hat von Stavisky einen kleinen S ch e ch von 700 000 Franken empfangen für seine guten Dienste. Auch sonst war er ein braver Mann, die Fama erzählt von ihm, daß er gute Beziehungen zu den Radikalen, trotz seiner vermutlich kommunistischen Gesinnung, unterhielt und sehr mit Bonnaure befreundet war.(Er war wohl audi nicht der einzige aus dem Schrift- steilerkreise um Henri Barbusse, der die Radikalen liebte.) Er soll auch, wie wenigstens das allerdings rechtsstehende, „Journal" erzählt, mit einem Buche aus Rußland zurückgekommen sein, wegen dessen er mit Literaten in Krach geriet. die weniger günstig über Rußland urteilten. Dieser vielseitige Mann also geriet mit dem..schönen Alexandre", der bekanntlich..eine ganz große Koalition" unterhielt, auf dem Wege über die SAPIES.(„homo sapiens" ist. wie man sich erinnert, der..Mensch" im Gegensatz zum Urviech) mit Stavisky zusammen und blieb ihm seither treu. Nun hat ihn das Schicksal ereilt. Haussuchungen am laufenden Band Nachdem der abgesetzte und wieder mit Ruhm bedeckte Polizeiinspektor B o n y die Millionen-Schecks beigebracht hat— offenbar von jemandem, der mit klingender Münze daraufhin verduftet ist—, mehren sich die Haus- Surhungen. Zwei interessante Papierchen hat man zum Beispiel bei dem Anwalt der Madame Stavisky gefunden, der Gaulier heißt, was etwas schwierig war, weil bei einem Mitglied des Parquet nur mit Zustimmung des Batonnier, des Aeltesten, was gesucht werden darf,—- der gerade nicht da war. Dann bei einem M. de C h a t t'e n c o u r t, wie er sich nennt, einem Freunde des besagten Anwalts Guiboud- Rihaud, bei dem ebenfalls verschiedene Talons ans Licht kamen. Der Justizminister über das Geheimnis von Dijon Die Hauptsache bleibt die Erforschung der Mordtat in Dijon, am einsamen Bahndamm, an der Gegend ia Combe-aux-Fees, wo der zerfetzte Leichnam des Richters Abonniert die„Deittsdie freihclt" P r i n c e gefunden wurde. Der französische Justiz« minister selbst hat dazu jetzt mit scharfer Deutlichkeit erklärt:„Indem wir unsere Aktion in Sachen Stavisky mit größter Energie, fortsetzen, müssen wir auch dahin gelangen, daß wir die Mörder des unglücklichen Rates Prince finden. Es schwebt ein Geheimnis darüber, das wir aufklären müssen. Die elementarste Gerechtigkeit fordert das. Keine Anstrengung darf gescheut werden, um das Ziel zu erreichen. Das Land, ist die Beute einer Bande von Ver- b r e ch e r n. die vor nichts zurückschrecken, um ihre Schandtaten durchzuführen. Diese Bande muß völlig entlarvt und der Strafe zugeführt werden!" Der Jusfizminisier Und die verschwundenen Vorstrafen dnb. Paris,?. März.„Ami du Peuple" veröffentlicht die Fotografie des amtlichen Auszugs aus dem Strafregister mit Unterschrift und Stempel des Justizministers, das am 5. April für Stavisky ausgestellt wurde. Die Rubrik„Verurteilungen" ist mit einem großen Strich gekennzeichnet, also keine Verurteilungen. Das Blatt erinnert daran, daß Stavisky damals viermal wegen Betrugs und Vertrauensmißbrauchs zu Gefängnisstrafen von 2 bis 6 Wochen verurteilt war, und zwar in den Jahren 1908 bis 1918, und daß er außerdem bis Anfang 19.32 in zwei Fällen unter Anklage stand, einmal wegen Betrugs und dann wegen Diebstahls und Hehlerei. Das Blatt fragt, wie denn dieses gute Leumundszeugnis ausgestellt werden konnte, denn selbst wenn in dem einen Fall Amnestie eingetreten sei, bleibe doch, noch der andere Fall bestehen. Was die Pariser Taxis erreichten Die Pariser Taxis sind wieder in froher Fahrt, der „cadran", die Uhr auf der Scheibe,, arbeitet wieder. Nur zeigt sie jetzt die Mühe der Fahrer in einem um verschiedenes günstigeren Sinne an: die Fahrer haben erreicht, daß 6.25 Franken Rückvergütung von der Bcnzinreglung abgehen, ferner 2,50(oder bei Wagen unter 10 PS. 2,— Franken) von der Ve.rkebrstaxe und 2 Franken von der Plagsteuer, im ganzen also 10,75 bzw. 10,25 Franken Ersparung pro Tag. Die Fahrer zahlen durch die Neurcglung bloß noch 3 Franken statt 14 drauf. Der dreißigtägige Streik wurde mit wahrer proletarischer Treue durchgeführt, auch von den 3000 Russen.. Zu Unredif ersdiossen Rehabilitierung von vier im Kriege standrechtlich erschossenen französischen Unteroffizieren Paris, 5. März. Im März 1919 waren vier Unteroffiziere der 00. französischen Infanteriedivision wegen Ungehorsams vor dem Feind standrechtlich erschossen worden. Aus den Augenzeugen einer ruhigeren Zeit schien sich dann zu er» geben, daß dieses Todesurteil zu Unrecht erlassen worden ist, da die Pente damals vor Uebermiidung einfach nicht mehr weiter konnten. Jetzt hat das Militärgericht in Paris im Nachfriegs-Wiederausnahmeversahren die vier in Souain standrechtlich erschossenen Unteroffiziere rehabilitiert. An Hand von Zeugenaussagen von Offizieren des betreffenden Truppenteils wurde nachträglich ein Freispruch gefällt, in dem das vollstreckte standrechtliche Urteil als rechtswidrig an- erkannt wird. Es sei offenkundig, so heißt es in der Begrün- dung dieses späten Freispruches, daß die befohlenen Angriffe undurchführbar waren, ergebnislos bleiben mußten und jedem, der den Schützengraben verließ, dem Tod weihte. Die Truppen hatten damals an dieser Stelle einfach nicht mehr den nötigen Antrieb, ihr Leben zu opfern und deshalb gehorchten sie nicht. Auf Krankenurlaub nach Kandy 56 Grad zeigte das Thermometer im Kesselraum der „Elisabeth". Halbstündig wechselten.Ingenieure und Heizer den Dienst. Furchtbar sahen die armen Teufel aus, wenn sie nach so einer halben Stunde Schusterei aufs vordere Freideck traten. Wenn sie. da nicht achi hatten und mit bloßein Kopf in beb Tonne standen, war her Hitzschlag beinahe unvermeid- lich. Unbarmherzig sengte die Sonne schon den dritten Tag herab, seitdem wir denSuezkanal hinter uns gelassen. Keine noch so leichte Brise erleichterte uns. Und zum Unglück war die Eismaschine kapul, gleich nachdem wir sie das erstemal ge- braucht und sie angelassen hatten Wenn der Teufel seinen Schwanz wohincinhängi, ist's schlecht. So waren uns gleich' zeitig unsere ärarischen Zigaretten ausgegangen, uns wir waren gezwungen, das von zweifelhaften Händen an Bord gebrachte Tabakszeug zu rauchen, um nicht ganz der Ber- zweiflung anHeim zu fallen. Man stelle sich vor, daß Bier. 22 Grad warm, immerhin schon Labung bedeutete. Tie dienst- freien Ossiziere duschten sich unter den Sonnenzelten sooft als möglich. Die Mannschaften standen alle Stunden:urnus- weise unter den Strahlen der schweren Spritze. Selbst in der Nacht gab s keine Abkühlung,- es war ziemlich gleich, ob man in der Kabine lag oder irgendwo auf Deck. Die Hitze lieb nicht nach.' feucht und klebrig griff sich alles an. Lag mau in der Kabine und kam zufällig mit der Wand, der Stahlwand des Panzerkreuzers, in Berührung, so halte man das Ge- fühl, glühendes Eisen zu greifen. Die Vertilatoren brachten heiße Luft in die Räume, die Exhaustoren saugten heiße Luft ab— es war nichts zu wollen als Zähne zusammenbeißen und Dienst machen, als wäre nichts los. Nachdenken war ent- schiede» schädlich,. Wieder war eine Nachk herumgegangen. Das Frühstück, das uns zusammen in der Offiziersmene fand, ivar vorüber, der Flaggrnofstzier und ich hatten nnsre schriftlichen Bericht- erstattungen für den Tag zu Ende gebracht, wir wollten nun aus Deck einige Balje« Oberflächenwaliers aus dem Roten Meer fliehen und auf Plankton untersuchen. In gleicher Tropenadiustieriing traten wir aus dem Offiziersaufgang. da fiel mein Freund wie ein Sack zu Boden. Der rgich herbei- geholte Korvettenarzt konstatierte Hitzschlag. Ter mär nach seiner Meinung eingetreten, well mein Freund vergessen hatte, an seiner.Kappe de» Nacksnschiitz, ein leichtes, weißes'• Tuch aiizubringelt.- Sonnenstich ist dab gleiche wie Hitzschlag,- nur ist das letztere die schwerere Form und gewöhnlich, so lernte Ichs damals, mtt Lungenentzündung verbunden. Natürlich traf all das Prophezeite Uebel pünktlich ein. Schweres, hohes Fieber. Lungenentzündung, Perweigerung jeder Nahrungsaufnahme, kein Eis. keine gekühlten Getränke, und immer weiter die bleierne Hitze.. Zwei läge in Ade» waren auch nicht danach angetan. Wunder zu wirken. Und so fieberte unser Kranker die nächsten fünf Tage weiter durch das liefblaue, heiße Indische Meer, bis wir endlich Eolombo auf Ceylon anliefen. Allst Tage sollte die„Elisabeth" da vor An5er gehen, und gebt-Xßgc befunt lue in Ivtcnnö(5'rholnngs- Urlaub, und ich wurde zur Begleitung mitgegeben. Vorsichtig' trugen ihn vier Matrosen in die Tampfbarkafse. vorsichtig hißten sie ihn an Land,- in der Rikscha, von sehnigen Singaleien gezogen, ging's zum Bahnhof. Flüchtig nur sahen wir die schöne Stadt Eolombo,- die wollten wir uns nach gründlicher Erholung dann genauer ansehen. Soviel sahen ivir aber selbst im Durchsausen aus dem herrlich gefederten, leichten Wägelchen, daß es eine englische Kolonialstadt par excellence war, von einer Sauberkeit, wie sie es alle sind, voll von schönen Paläste» der Banken, voll von herrlichen Garten- anlagen und schonen Pillen und Häusern, mit interessanten Läden und groben Warenhäusern, in deneir man vom Fisch- zeug bis zur Elefanlenbüchse. von der Stecknadel bis zur Mötöriachl alles taüseii konnte, und ins Haus, die Motor- facht bis in de» richtigen Wassertümpel, in dem man sie haben wollte, zugestellt bekam. Wir waren gegen elf Uhr einge- laufen. Der Zug ging erst um wer, so hatten wir jetzt noch Zeit. Die benähten wir, um wieder einmal auf einer Holel- terrasse in Easychairs bei gutem„Whisky and Soda" zu sitzen und in das herrliche Grün der Gärten vor uns zu schauen. Alle Augenblicke gab's da was andres. Da kam ein Gaukler mit einem Siiigalefenjungen und einem großen Korb. Im Korb waren Kobra», die nach dem monotonen Pfeifen des Künstlers herauskrochen. sid> ausrichteten und starren Halses, tvenn man so sagen darf, ihre» häßlichen Kops wiegten. Tann zeigte er die Geschichte mit dem Mango- baumwunder, stach zur Abwechslung durch einen Korb, in den sich der Junge vor unsern Augen gehockt halle, mit einem langen Degen durch, und— gut is gangen, nix is g'schefj'n. Dann turnte eine siebenköpfige Truppe und zeigte die tollsten Kunststücke'mit einer Präzision und Bravour, die überall Beifall hervorgerufen hätten. Gleich daraus kam ein Chinese, der einem bildhübschen Mädel, das sich an eine Holzivand lehnte, von etwa zwanzig Schritte Entfernung Messer ans Messer so zuwarf, daß diei'e Messer knapp handbreit um ibre Figur in dem Brett stacken und zitterten. Kurz, es mar für Abwechslung gesorgt, und wenn selbst gar nichts los gewesen iväre, so hätte das Publikum schon genügend Aufmerksamkeit auf sich ziehen können. Zusammengewürfelt aus allen Staaten und Ständen, gab's da sicher tausend interessante Dinge- äuf- zu spüren, wenn man ivollte und vor allem das Zeug dazu hatte. Wir hatten heute jedenfalls nicht das geringste Zeug dazu und waren zum Schluß froh, als unser Rlkschakuttcher nns das Zeichen zu verstehen gab. daß es- Zeit- wäre, zur Bahn zu fahren..•: Weiße, niedere Waggons standen auf dem sauberen Perron. Wie überall im Neiche Englands trat man vom tHeh- .steig in gleicher Höhe in den Zug. Tie Waggons für die Weißen, für die Herren, hatten Jalousien vor den Fenstern und iveil vorspringende Dächer, die einen breiten Luftspalt zwischen den Wänden frei ließen. Tie Waggons für die Ein- geborenen waren offen und durch ein Dach vor Sonne und Regen geschützt. Präzis ratterte der Zug davon, durch an- heimelnd grüne, fruchtbare Landschaft. Hohe Palmenwälder, untermischt mit Wildbananensträuchern. Fikus und allen möglichen Blattpflanzen, die nnr hier nur aus Glashäusern kennen, begleiteten uns streckenweise. Flüsse zwischen üppigsten Randwäldern, von niederen leichten Booten befahren, übersetzten wir auf schön gebauten Eisenbrücken. Allenthalben fuhren mir an sauberen Dörfern vorbei, in denen die Ein- heimischen, die schönen bronzebraunen Singhalesen, mit ihren herrlichen Augen mitten aus der Arbeil fröhlich herüber- blickten. Dann gab's wieder weile Strecken Reisfelder und Aiinnasplantagen, die nicht zu überleben waren. Als Abschluß solcher Flächen zeichnete sich stets ein Palmenwald in den allmählich abendlich färbenden Himmel, und hauchzart, ganz weit, ragte der Umriß hoher Berge darüber. Es gab viele Aufenthalte in kleinen Stationen. Einheimische benähten die Bahn ausgiebig. Erfrischungen wurden gereicht: Ananas, Bananen, Betelnüsse, in schönen Blättern mit Bambusstisten festgehalten, alle möglichen. meist unbekannten Früchten und Leckereien,- doä, all dies sauber und appet-tlich aus Platten gelegt und mit leuchtend grüne», glänzenden Blättern vor Fliegen bewahrt. Höher und höher schraubte sich unser Zügle hinaus. Wir sahen schon in liefe, herrliche Täler hinab. Füt uns, die wir die Tropenlust noch in den Lungen hatten, war's wohl eine ganz e'gene Sensation. Wie leicht es sich da atmen ließ und wie frei die Lunge arbeitete. Mein Freund sah selia zum Fenster hinaus, und obzwar arg matt, sah ich. wie er sich bei jedem Atemzug wohl fühlte. Da wird die Erholung rasch vonstatten geben. Es war schon finster geworden. Nach den Gesprächen zweier mitreitender Engländer fuhren wir gerade durch aroße Teeplaiilagendistrikte. Es war ein merkwürdig seiner, er- frisdKttder Geruch, der da zu den weilgeöfsneten Fenstern hereinströmte, und nur sehr ungern verschloß ich sie. weil uns beide grimmig fror. Wir waren doch schon an 800 Meter über Eolombo und waren setzt alles eher als abgehärtet. In zwansig Minute» sollten wir Kandy. nnsern B.-st mmungöort, erreichen Die Maschine vorn am Zug arbeitete hart, um die starke Steigerung zu übertvinden. Zwischen dichten Wäldern rauschten wir dahin. Im matten Schein des Matchinenseuers sahen wir die schlanken, geraden, aläuzeiideu Stämme des Bambusses vorbeihuschen. Run war die Steigung überwunden, leicht arbeitete die Lokomotive. Ganz dicht an den Bahnkörper drängten sich schwere vollbelaubte Hecken, die betäubenden, iüßen Hoiiig- aeruch ausströmte». Leuchtenden Btiiteu gleich saßen da Tausend«, Millionen von grün phosphoreszierenden Insekten und Millionen tummelten sich fliegend über ihnen hinweg. Zwischen diese gleißende, ivirbelnde, huschende. grün.und gelb funkelnde Pracht stoben dann ab und zu die roien Glut- funken aus dem Lokomolivichloi. Es war ein ganz zaube- rischeö, märchenhaftes Erleben— unire Einfahrt in den Bahnhof von Kandy. Daß unser Hotelwirt ein guter Oester- re'cher war. unser Zimmer ein Gedicht, vorTins der herrliche Südwaisersee mit Hunderten von heiligen Schildkröten, man aber trotzdem Schildkrötensuppe bekam, soviel man wollte: »nb einen Tee von dem man sich keine Porst?»»»» machen konnte, und AnanaS. jeder eine ganze zum Frühstück, und daß mein Freund sich famos und raich erholte, das mar ja alles sehr nett und schön und angenehm aber eS konnte nicht ver- drängen den unvergeßlichen Eindruck des Empfanges, den uns die glitzernden, funkelnden, leuchtenden, blendende Kurven fliegenden Zikaden und die roten wirbelnden Fener- fuiiken bereitet hatten. StephanMantner. Pariser Dcrldrtc Pariser Slrafienhalender Wie bereits erwähnt, wird in der Nacht vom Samstag, dem 7., bis Sonntag, dem 8. April, in Frankreich wieder die Sommerzeit eingeführt, also die Uhr eine Stunde vorgestellt. Es handelt sich um den Sonntag nach Ostern. Ostern ist am 1. und 2. April. Beide Tage sind französische Feiertage. * Auf dem Boulevard Magenta wurde nachmittags aus einer fahrenden Taxe eine Heulrakete geworfen, mitten unter einige Leute, die auf den Autobus warteten. Zwei Schutz, männer nahmen das mysteriöse Ding, das nur die Größe einer Zigarette hat, mit nach dem Revier und entdeckten dort eine deutsche Gebrauchsanweisung an dem Gegenstand, die etwa lautet:„Luftkradier. Anzünden und dann horizontal in die Luft werfen!" Nach Auffassung des Polizeikommissars handelt es sich um einen dummen Witz. * Die Unsterblichen der Akademie haben in das Diktionär die fast aktuellen Wörter„regenerescence" und„regiona* lisme" eingefügt. Der Regionalismus, die Pflege der Volks- sitten besonders in der Normandie, in der Bretagne, in den baskischen Gegenden, in Savoyen und im Elsaß ist in Frankreich sehr verbreitet. * Der Salon der Humoristen wird 11, rue Royale vom 8. März bis 15. April öffnen. Im Ausstellungspark an der Porte de Versailles ist bis 11. März eine Foto- und Kino- Ausstellung mit Vorführung von Trickfilmen zu sehen. Internationale Musik in Paris Dem Vernehmen nach hat sich in Paris ein Initiativkomitee zur Schaffung einer internationalen Sektion der Internationalen Gesellschaft für neue Musik gebildet. Der neuen Sektion sollen alle in der Fremde lebenden Komponisten, Musiker und Musikschriftsteller angehören. Ferner wird der neuen„Deutschen Freiheitsbibliothek'" in Paris eine Musiksammlung aller in Deutschland verbrannten und verbotenen Tonwerke angegliedert. Die Vorarbeiten dazu haben begonnen. * Immer wieder: die Affäre Die beiden Briefe von Pressard Das wichtigste sind wohl die beiden Briefe von Pressard, dem abgesetzten Mann in der roten Robe und Chautemps-Schwager, die dieser an Prince gerichtet hat. Prince hatte diese Briefe bei sich, als er starb. Ein Freund des ruchlos Ermordeten hat aber jetzt ihren Inhalt mitgeteilt, und der ist gravierend genug. Im ersten dieser Briefe, vom Jahre 1930, bittet der Generalstaatsanwalt Pressard den Richter Prince, sich der Eingriffe in der Affäre Stavisky zu enthalten. Diese gehöre zu seinem Betätigung» feld. Das ist gravierend genug. Die Erlebnisse im Ausland Die parlamentarische Untersuchung«- ko m m i s s i o n unter Guernut hat festgestellt, daß Stavisky eine carte d'identite von der Prefektur auf den falschen Namen Serge Alexandre hatte. Dann hat sie sich um die Telefongespräche gekümmert, die der schöne Alexandre aus seinen drei Räumen im Claridge, dem feudalen Hotel der Champs Elysees, ins Ausland führte, und deren Liste bisher nicht zu erlangen war. Dann hat sie sich ejn bißchen um den Auslandsbetrieb des betriebsamen Toten von Chamonix gekümmert: In Belgien ist der schöne Stavisky zum Beispiel unter dem Namen Boitel aufgetreten, außerdem gründete er dort mit einem Glücksritter namens Nicole, der bereits in Metz neun Jahre Gefängnis abgemacht hatte, eine. Gesellschaft„La Campine", bei der Nicole hoch ging und Alexandre entflüchtete. Aehnlich arbeitete er auch in Spanien an einer Agrarbank- Sehr pikant scheint, daß er 1931 durch seinen Anwalt, den schwer verhafteten Guiboud-Ribaud auch an die deutsche Gruppe Barmat herantrat, wegen einer Bankgeschichte. Doch wurde aus diesem Bündnis zweier edler Seelen nichts. Weiter vertrat der genannte Stavisky-Anwalt, wie der„Populaire" enthüllt, als Gemütsmensch gleichzeitig Stavisky und die Rote Hilfe!(Was Alexandre wieder durch seine Beziehungen zu den Hitlers ausglich...!). Nach Budapest begleiteten ihn als Generalstäbler Bonnaure und Heinemann. Dort erlebte er seine üppigsten Zeiten im Kreise des ungarischen Faschistentums. Seine dortige Flamme war die Cousine einer sehr bekannten Schauspielerin, diese Cousine wird neuerdings weniger genannt. Rita Georg und Marianne Kupfer, in die Berliner Affären des Unermüdlichen verwickelt, haben diese Konkurrenz verdrängt. Film— Paris Wir verweisen insbesondere auf die drei neuen „Miserables"- Filme nach Victor Hugo, dem Freiheitsdichter, im Moulin Rouge, im Marivaux und im Marignan. Die berühmte„ Bataille" mit Charles Boyer und Annabella nach dem Roman von Claude Farrere wird im Max-Lindner-Kino gegeben, im„Ursulines" der soziale Vorstadtfilm„La rue sans nom". „Primerose" ist eine bekannte Liebesgeschichte nach den Zeitschriftstellern Robert de Flers und G. A. de Caillavet. Piimerose ist ein Mädchen, die aus Liebe zu Pierre in ein spanisches Kloster geht. Madeleine Renaud und Marguerite Moreno in den weiblichen Hauptrollen.(Gaumont-Palace.) Im Agriculteurs und im Bonaparte sieht man den„ Unsichtbaren Menschen", nach einem der bekanntesten Romane des englischen Schriftstellers H. G. Wells gedreht. Im Aubert-Palast, der in besonderen Beziehungen zu der gleichgeschalteten Ufa steht, läuft die französische Version des deutschen Musikfilms„Tambour battaut". Im Colisee wird der neue Film von Pierre Wolff„La belle de nuit" gegeben. Im Studio 28 läuft die Filmkomödie„Soupe au canard" (englischer Titel duck soup, deutsch Entensuppe). Rene Clair hat, wie gemeldet wird, die Aufnahmen des „Letftcn Milliardärs", die Geschichte des letzten Reichen in der allgemein krisenhaft und elend gewordenen Welt, für Pathe-Natan beendet. rei. Trinite 43-13 M6iro Pigalle Deutsche Poliklinik Paris, 02., Rue de la Rochefoucauld 1) Allgemeine RonaultaHoneD mit 9 Spezialisten. b) Chirurgie c) Geburtshilfliche Klinik d) Zahnärztliches Kabinett lauere Medizin. Augen-, Ohren-, Nesen- und ICehlkopfkrank, ZwecstöckigefjSanatorinmsgeblnde. Vierstöckiges Gebäude. Zimmer Zehn- und Mundchirurgie. Gold, •leiten. Röntgen. Diathermie. Elektrotherapie Spezialbehand. Kleine, mittlere und große Chirur. mit l bis 4 Betten. 5 Aerzte, 3 Heb. und Porzellankronen.-Brücken long b«i Blut*. Hanl* u. Geschlechts krankheitea gie. 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Opera-Comique: Le Barbier de Seville(20.45 h). Comedie-Francaise: Un Dejeuner d Armoureux, La Nuit d'Octobre. La Double Jnconstance(20.30 h). Odeon: Le Mardiand de Venise(20.15 h). Gymnase: Le Messager von Henry Bernstein mit Gaby Morlay(21 h). Madeleine: Le Passage des Princes(Offenbach)(20.45 h). Michodiere: Les Temps difficiles(20.30 h). Michel: Parole d'honneur(21 h). Oeuvre: Une Femme qu'a le coeur trop petit, von Crom- melynck(21 h). Paluis-Royal: La Familie Vauberlain(21 h)- Theatre de Paris: Tavaritch(20.45 h). Sarah Bernhardt: Alibi 14 von Jean Guitton(20.15 h). Chatelet: Rose de France(20 h). Gaite-Lyrique: Le pays du sourire(Das Land des Lächelns) von Lehar(20.45 h). Mogador: L'auberge du Cheval Blanc(Im weißen Roß I). Pigalle: La Chauve-Souria(Die Fledermaus). Regie: Max Reinhardt(20.30 h). Porte Saint-Martin: Wiener Walzer(Operette von Johann Strauß, Vater und Sohn), mit Andre Range(20.30 h). Casino de Paris: Revue Vive Paris mit Cecil Sorel. Im 2. Akt: Maitresses de Rois, von Sacha Guitry(20.30 h). Folies-Bergere: Folies en Folie, Revue mit Mistinguett (20.30 h). ♦ Mercredi, 7 Mars Opera: Perkain. La Nuit Ensorcellee(20.30 h). Opera-Comique: La Tosca. Cav. Rusticana(20 h). Comedie-Francaise: Le Gendre de M. Porier(20.30 h). Odeon: La Fleur merveilleuse(20.30 h). Atelier: Richard III.(21 h). Gymnase: Le Messager von Henry Bernstein mit Gaby Morlay(21 h). Madeleine: Le Passage des Princes(Offenbach)(20.45 h). Michodiere: Les Temps difficiles(20.30 h). Michel: Parole d'honneur(21 h). Oeuvre: Une Femme qu'a le cour trop petit, von Crom- melynck(21 h). Palais-Royal: La Familie Vauberlain(21 h). Theatre de Paris: Tavaritch(20.45 h). Sarah-Bernhardt: Alibi 14 von Jean Guitton(20.15 h). Chatelet: Rose de France(20 h). Gaite-Lyrique: Le pays du sourire(Das Land des Lächelns) von Lehar(20.45 h). Mogador: L'Auberge du Cheval Blanc(Im weißen Röß'l; Musik: Benatzky, Regie: Eric Charell(20.30 h). Pigalle: La Chauve-Souris(Die Fledermaus); Regie Max Reinhardt(20.30 h). Porte Saint-Martin: Wiener Walzer, Operette von Johann Strauß, Vater und Sohn, mit Andre Bauge(20.30 h). Casino de Paris: Revue Vive Paris mit Cecil Sorel. Im 2. Akt: Maitresses de Rois von Sacha Guitry(20.30 h). Folies-Bergere: Folies en Folie, Revue mit Mistinguett (20.30 h). Kinos Actualites-Cine L'Auto(31, Bd. des Italiens): Le courönne- ment de Leopold III de Belgique; Harmonie(film sportif); „Monsieur Boude" sketch avec L. Barroux; Conference de D£sarmement(dessin anime); Les raonstres prehisto- riques(Loch Ness). Dernieres actualites, de 10 h. ä 1 h- du matin. Agriculteurs: L'Homme Iuvisible(de Wells), vers. originale, sous-titres franc;. T. 1. j. ä 15 et 21 h. Sam. et dim. 2 mat. ä 14.30 et 17 h. Bonaparte: L'Homme Invisible(de Wells), vers. originale, sous-titres fran^. T. I. j. ä 15 et 21 h. Sam., dim. et fGtes ä 14.30, 17 et 21 h. Champs-Elysees(118, Ch. Elysees): Craddle Song(Dorothea Wieck) vers. orig. sous-titres francais. Cine Hotel de Ville(20, rue du Temple): Raspoutine et sa Cour. Cine Opera: Madame Bovary(Valentine< ssier), film de Jean Renoir(14 h. ä 20 h.; soir 21 h.). Delta(17 bis, Bd. Rochechouart): Raspoutine et sa Cour. Ermitage-Club des Ursulines: Les Sans-Soucis(Pack up your troubles) avec Laurel et Hardy.\ ers. orig. sous-titres francais. Lord Byron(122, Ch.-EIysees): The Bowery(vers. orig.), sous-titres francais. Madeleine: Esquimaux. Sous-titres francais. Marivaux: Les Miserables(2eme partie. Les Thenardiers). cherie... Marivaux: Les Miserables(3eme partie. Les Thenardiers). Mesange(3, rue d'Arras): Russie d'aujour-d hui et d autre- fois. Raspoutine et sa Cour(John, Lionel, Ethel Barry- more et Diana Wynyard). Miracles(100, rue Reaumur): Catherine de Russie(Elis. Bergner, Fairbanks jun.). Montrouge Theatre(70, av. d'Orleans): Raspoutine et sa Cour(John Lionel. Ethel Barrymore). Moulin-Rouge: Les Miserables(1er film): Tempßte soug un crane. Pantheon(13, rue Victor-Cousin): Man brauritt kein Geld (vers. originale), Matinee 2 h. 30, 4 h, 45. Soiree ä 9 b. Vers, allem. S.-t. francais. Paramount: Club de minuit. Parnasse Studio: Okraina(film sovietique). Pte de St. Cloud Palace: T. I. j. Soir 20.45. Jeudi, sam. 2.45. Dim. et fetes permanent de 14 h ä 19 h. 30. La Guerr' des Valses(Fernand Gravey, Drnaem). Raspail 216. The Silver Cord(I. Dünne), s.t. francais. Studio Acacias(47, rue des Acacias): Onle vesterday(Marg. Sullavan, John Boleg). Studio Caumartin(25, rue Gaumartin): Lady for a day (pari, angl., s.-t. francais). Studio Etoile(14, rue Troyon): Leise flehen meine Lieder (Unvollendete Sinfonie von Schubert). Vers, allem, sous- titres francais. Perm, prix red. de 14.30 ä 19 heures. Soir ä 21 h. Studio Universel(31, avenue de l'Opera): Chanteuse de Cabaret(Claudette Colbert). s. t. francais. Perm, prix red. de 14 h. ä 20 h. Soiree 21 h. 15. Temple. Selection(77, Fg. du Temple): Tetes brulees(Pat O'Brien); Air Mail. On a perdu la vedette.(Mat. t. 1. j). Ursulines: La Rue sans nom(Gabriel Cabrio et Const. Remy). De Wilson ä Roosevelt(retrospective americaine). Washington Palace(14, rue Magellan): Guilty Hands(Kay Francis, L. Barrymore), s.-t. franj. Permanent 2.30 ä minuit. Washington Club(14, nie Magellan): Mad Age, Brig Money (Eddie Quillan, Roh. Armstrong) s.-t. fran$. Mardi, jeudi, sam. et dim., 3 et 9 h. 30. Für den fflclamtin&att verantwortlich: Johann P t tz in Dud« weiter: Iür Inserate: Cito Kuhn in Saarbrüden. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH., Saarbrücken S, Schützenstraße 5.— Schliehsach 776 Saarbrücken. 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