Linzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 56— 2. Jahrgang f Saarbrücken, Donnerstag, den 8. März 1934| Chefredakteur: M. B r a u n Aas dem Inhalt £eipziqs Jlichacd Wagner Vichts als Staoiskg Seite 2 Seile 3 Cucoßas Jciede und Oesterreich Seite 4 Die unleliehteWintechilfe Seite 5 Vernichtet die Sozialdemokratie Seite 7 Probcabstiinmung an der Saar beginnt Die Ahflon gegen den Völkerbund und das Saarstatut Hm Reich und au der Saar beginnt eine von der Reichs- Legierung inspirierte und finanzierte Aktion, die noch vor aem Jahre 1935 vollendete Tatsachen an der Saar schassen soll. Durch eine öffentliche Probeabstimmung soll »er Welt dargetan werden, daß die Bevölkerung an der Saar '« ihrer übergroßen Mehrheit die Unterwerfung unter die vitlerdiktatur will. Aus diese Weise sollen die Versuche des Völkerbundes, eine wirklich freie und geheime Volksabstim- mung mit vorhergehender Volksausklärung zu gewährleisten, sabotiert werden. Die deutsche Reichsregierung braucht einen großen natio- aolpolitischen Erfolg. Nachdem der Anschluß Oesterreichs mißlungen ist, will sie ihr sinkendes Prestige durch einen Sieg an der Saar wieder aufrichten. Da die Rcichöregicrung dem Saar-Plebiszit von 1935 mit großen Sorgen entgegen- sieht und daher, wie der Reichskanzler und neuerdings Dr. Göbbels immer wieder»ersichern, schon vorher eine Einigung über die Saar zugunsten Deutschlands mit Frankreich an- strebt, möchte sie mit allen Mitteln die vom Völkerbund garantierte Volksabstimmung im Jahre 1885 unmöglich machen. Die durch die»deutsche Front" angeordnete öffentliche Probeabstimmung in Form von Beitrittserklärungen zur »deutschen Front" hat nicht nur bei der Regierungskommis« sion in Saarbrücken, sondern auch in Paris, in London und in Gens Mißtrauen geweckt. In Berlin ist man darüber unterrichtet. Infolgedessen ist der neue Führer der söge- nannten„deutschen Front" an der Saar, Herr Pirro, ange- wiesen worden, öffentlich zu erklären, daß für die„deutsche Front" nicht geworben werden dürfe, die Beitrittserklä- rungcn sollten freiwillig erfolgen. Tatsache ist aber, daß im ganzen Saargebiet öffentliche Ab- stimmungslokale eingerichtet worden sind. Die Beitrittserklärungen zur„deutschen Front" liegen in de» Geschäftsstellen der Zeitungen, in viele« Läden und an- deren Stellen aus und werden durch Plakate gekennzeichnet. Außerdem ist schon Werbung von Haus zu Haus im Gange. Die in der Form von Beitrittserklärungen zur„deutschen Front" sich entwickelnde Probeabstimmung hat einen doppel- ten Zweck: Sie soll nicht nur eine große Mehrheit für die■?, n•*.«*«*»■ Rückgliederung vortäuschen, sondern zugleich diejenigen L||l ßflsllifl kennzeichnen, die ihren„Beitritt" nicht erklären, sich also an der Probeabstimmung nicht beteiligen. Das wird allmählich auch in den europäische-, Hauptstädten erkannt. Jeder, dessen Name in den Listen der„deutschen Front" fehlt, soll der öffentlichen Aechtung überantwortet werden. Die Sprache aller Presse- erzeugnisse der„dentschen Front" läßt darüber keinen Zwei- scl. So bezeichnet der neue Führer des Vereins der Saar- presse, Dr. August Hellbrück, Ehefrcdakteur der„Saarbrücker Zeitung" die deutsche Frciheitsfront als„Maulhelden des westlichen Imperialismus". Somit werden alle Saar- cinwohncr, die sich der»deutschen Front" nicht durch Bei- trittserklärung öffentlich unterwerfen, als Landesverräter diffamiert, als Hörige und Gekauste Frankreichs und sind im Kalle einer Rückgliederung vogelsrei. Wenn die nun in Gang gebrachte öffentliche Probeabstim- mung wirklich durchgeführt werden darf, hat der National- sozialismus die Terrorlisten in der Hand, die er braucht. Wer nicht für die Hitlerbarbarei ist, ist sür den„westlichen Imperialismus" und hat aus keine Schonung zu rechnen. Das muß überall in Europa, muß vor allem in Gens be, griffen, muß allen Verantwortlichen eingehämmert werden. Warum ist eine geheime Volksabstimmung im Jahre 1935 über die staatliche Souveränität des Saargebietcs vorge« sehe«, wenn man im Jahre 1984 zuläßt, daß durch eine kaum getarnte öffentliche Abstimmung der Volkswille mit terrori, stischen Mitteln gefälscht werden soll? Fälschung ist auch die Methode der deutschen Reichsrcgie- rung in der Saarsrage. Der Vizekanzler von Pape« hat soeben in einer Zeitschrist„Das Dritte Reich" behauptet, daß der Kamps um die Saar von sranzösischer Seite „mit so scharfen Mitteln" geführt werde. Die Unwahrhastig, kcit Papeus ist bekannt. Hätte er irgend einen Beweis für einen scharfen Laarkamps Frankreichs, so würde er ihn ge- miß der Oesseutlichkeit unterbreiten. Tatsache ist, daß von einem französischen„Kamps" an der Saar nicht das gering st e zu spüren ist. Auch der Vizekanzler ver- folgt den terroristischen Zweck, alle Saareinwohner, die von ihrem Selbstbestimmuugsrecht Gebrauch machen, als von Frankreich gekauft zu verleumde». Wäre es so, wie die Reichöregierung behauptet, daß die Saardentsche« keine andere Sehnsucht haben, als sich dem Hitlerterror zu unterwerfen, dann wären die„deutsche Front" und ihr öffentlicher Abstimmnngsterror überflüssig. Die ge- waltigen Anstrengungen zeigen, wie groß Hitlerdeutschland die Gefahr im Falle einer freien Volksabstimmung einschätzt. Diese wirklich sreie Abstimmung muß garan- tiert werden, und sie ist nicht mehr frei, wenn man zuläßt, daß die geheime Abstimmung in eine öffentliche umgewandelt wird. Zweibrücken, 7. März. Elf junge Wanderer aus dem Reiche kehrten am vergangenen Sonntag auf einer Wanderung in das Saargebiet im Naturfreundeheim in Kirkel ein. Die jungen Leute sind ganz unpolitisch und haben die Einkehr in das sozialistische Wanderhcim nur aus Tparsamkeits- gründen gewählt. Ahnungslos und scelenvergnügt kehrten sie abends über die Rcichsgrenze zurück. Der deutsche Terror und das deutsche Denunziantentum aber wachen. Di« Wanderer wurden in Zweibrücken festgenommen. Neun wurden nach langem Verhör wieder freigelassen, zwei blieben in Haft. Nur weil sie in einem Natursreundeheim de? Saar- gebietes Limonade tranken! Man vergegenwärtige sich also, was es bedeutet, wenn man der terroristischen„deutschen Front" erlaubt, Listen ihrer Gegner anzulegen. Die französlsdien Forderungen Befragung des nationalen Verteidigungsrates London, 7. März. Reuter erfährt, daß die französische Denkschrift zur Abrüstungsfrage, die die Antwort aus die britische Denkschrift darstellt, erst nächste Woche zu erwarten sei. Als Grund für diese Verzögerung wurde angegeben, daß das französische Kabinett nicht allein für eine Entschei- dung zuständig sei, sondern daß auch der Nationale Berich, digungsrat befragt werden müsse. Das britische Kabinett werde also zu dem Ergebnis der Reise Edens frühestens in der nächsten Woche endgültig Stellung nehmen können. Franhrddis Standpunkt Paris 7 März In einem Artikel des AdmiralS Docteur im„Matin" wird der französische Standpunkt in der Rüstungsfrage kurz und charakteristisch wie folgt gekennzeichnet:„Man ist französischerseits bereit, die Verhandlungen fortzusetzen, wenn man die Aufrüstung Deutschlands verhindern kann. So wird man sie aber doch weder igno- Tieren noch hinnehmen." Der„Petit P a r i s i e n" glaubt, daß die französische Antwort aus die letzte englische Note in der Abrüstungsfrage Ende der Woche fertiggestellt sein werde und daß sie in keiner Weise die Türe zu einer Einigung verschließen werbe. Allerdings gebe es gewisse Punkte, über die man nicht mehr streiten dürfe. Die absoluten Bedingungen einer wahren Abrüstung seien 1. keine Erhöhung der deutschen Rüstungen außer insoweit, daß nach gemeinsamer Verständigung die regu- lärcn deutschen Effektivbestände verstärkt und umorganisiert werben würben, mithin also erst recht keine Erhöhung, die noch durch eine Herabsetzung der französischen Verteidigungsmittel verschlimmert wurde, 2. keine vor- militärischen oder m i l i t ä r ä h n l i ch e n Ver- bände neben dem regulären Heer, da die Auf- rechterhaltung solcher Verbände schon in Friedenszeiten bei mobilisierten Organisationen jede Berechnung der Effektiv- bestände verfälsche und die herzustellende Gleichheit illu- sorisch mache: 3. Einführung einer allgeme inen, ständigen Fortsetzung siehe 2. Seite Englischer Brief O. G. London, 3. März 1934. Und wieder Ewald Banse Herr Ewald Banse, der militante Professor aus Braun- schweig, hat der Hitler-Diplomatie schon viel Kopf- zerbrechen bereitet. Im Herbst wurden seine kriegerischen Ergüsse— zuerst sein Büchlein„Wehrwissenschaft", dann sein größeres Werk„Raum und Volk im Weltkriege"— in England aus Berichten der Berliner Korrespondenten und durch eine Zuschrift des bekannten Publizisten Wickham Steed an die„Times" bekannt. Die Wirkung war katestrophal, man zweifelte immer offener an dem Wert von Hitlers verlogenen Friedensreden. Banse wurde in England das, was vor dem Weltkrieg der kriegerische General Bernhardt gewesen war. Da versuchte die Hitler- regierung durch ein formelles Verbot der Bansebücher zu retten, was zu retten war. Eine Zeitlang wurde es auch tatsächlich ruhig um Banse. Aber jetzt ist sein„Raum und Volk im Weltkriege" in englischer Uebersetzung erschienen. Selten erhält ein Buch so viel Publizität wie dieses. Alle Zeitungen brachten ausführliche Besprechungen, alle Zeitungen zitierten die Stellen wörtlich, wo sich die „heldische" Fantasie des Professors die Eroberung und Unterjochung Englands ausmalt und darin schwelgt, wie die Engländer einem fremden Eroberer zu gehorchen lernen. Ja das hitlerfreundlichste Londoner Blatt, die „Daily Mail" widmet dem Buch sogar eine halbe Seite swas bei dem Riesenformat der englischen Zeitungen und dem kleinen Druck etwa 2 Seiten einer deutschen Zeitung entspricht). Und das alles gerade in einer Zeit, wo Hitler um die öffentliche Meinung Englands wirbt und diesem Werben zuliebe sogar Dimitroff freiließ. Noch katastrophaler aber wirken die Begleit- erscheinungen der Veröffentlichung. Sie erfolgte zwar gegen den Willen des deutschen Verlegers von Banfes Büchern, aber nicht etwa illegal. Der englische Verlag. Lovat Dickson, hat das Herausgaberecht von dem deutschen Verlag am 3. November erworben: am selben Tag war das Verbot des Buches erfolgt. Nun suchte der deutsche Verlag das Ubersetzungsrecht zurückzuziehen, zuerst durch Bitten und Ueberredung, als das nichts half, versuchte er eine kuriose Drohung: er erklärte, da das Buch zur Zeit des Vertragsabschlusses, ohne daß der Verlag es wußte, bereits verboten war, so sei es gewissermaßen auch für England verboten. Diese„Logik" setzt offenbar voraus, daß England bereits gemäß Banfes Plänen erobert und unterworfen sei. Lovat Dickson ließ sich jedoch auf die Nazi-Logik nicht ein. er bestand auf seinem Recht und brachte das Buch heraus. Nun folgte ein letzter verzweifelter Versuch, das Gesicht zu wahren Die deutsche Botschaft veröffentlichte in allen' englischen Blättern eine Erklärung, 1. daß Banse nie Professor der Wchrwissenschast gewesen sei, sondern nur von 1930—1933 Dozent für Geograsie a« der Braunschwciger Technischen Hochschule, i. daß Banse selbst erklärt habe, seine Bücher seien eine retue Privatarbeit, weder die Regierung noch die NSDAP, seien dafür verantwortlich, 3. die Bücher seien in Deutschland verboten worden, 4. die Banscbüchcr seien die Arbeit eines unvcrantwort« lichcn Theoretikers, die strategischen Theorien seien so absurd, daß sie nicht ernst genommen würden. Es seien unsinnige Ansichten. Die englischen Zeitungen brachten in ihrer üblichen Loyalität diese Erklärung, aber sie brachten im Anschluß daran auch eine Erklärung von Lovat Dickson. wonach er am 29. Januar 1934 von Banse selbst einen Brief er- halten habe, unterzeichnet„Ewald Banse. Professor an der Technischen Hochschule Braunschweig", ferner, daß der Kalender der Reichsdeutschen Universitäten und Hoch- schulen. 114. Ausgabe 1933. Professor Banse als Professor der Wehrwissenschaft bezeichnet und als feine Vorlefungs- themata angibt„Allgemeine Wehrwissenschaft" und „Staatenkundliche Wehrwissenschaft". Der„Manchester Guardian" fügte noch hinzu, daß biografische Fachwerk: Banse als den ersten Professor der Wehrwissenschaft be- zeichnen(er wurde dazu nach dem Erscheinen seines Buches von den Nationalsozialisten ernannt), daß er weiter als nationalsozialistischer Expert in Wehrwisseschaft im Wehr- politischen Amt der NSDAP, bezeichnet wird. Nach dieser schallenden Ohrfeige hat die der offenen Lüge überführte deutsche Botschaft(armer Hoesch, der sich zu solchen Tingen hingeben muß!) vorerst geschwiegen. Wird ihr die Sprache noch mehr ausgehen, wenn die englischen Zeitungen es herausbekommen, daß der„Völkische Beobachter", Hitlers eigenes Blatt, Nr. 299/ 1932, über Banfes„unverantwortliches, nicht ernst zu nehmendes Buch" schrieb: „Uns beweist das Buch, baß die Kriegstihrung nicht mehr wie 1914 nur ein heldisches Erlebnis ist, sondern eine wirt» schaftliche, technische, ja vor allem eine psychologisch« An- gelcgenheit. Aus den gegebenen Beispielen sieht man, wie wichtig die neue Methode der KricgSbetrachtung ist. Sie muß unserem Volke nutzbar und in ein Lehrgebäude ge- brachr werden. Damit erweitert sich dieses Buch zu einem Abriß der Wehrwisscnschaft. Es zeigt, was als nationale Lehre dcS Weltkrieges für unser Volk zu wissen und nach- zumachen ist." Das nennt man dann„ein höchst unverantwortliches, nicht ernst zu nehmendes Buch"! Die„Times" hat sich bereits in ihrer üblichen sarkasti- sehen Form zu der Angelegenheit geäußert. Sie schließt ihre Besprechung des Buches mit den Worten: „Es ist nicht überraschend, bah die deutsche Regierung das Buch, dessen Ernsthaftigkeit ebenso unbestreitbar ist wie seine Intoleranz, konfisziert hat, als die öffentliche Meinung des Auslandes sich für seinen Inhalt zu interessieren begann. Aber offensichtlich fährt Herr Banse fort zu lehren, was er zweifellos immer noch Geographie nennt." Auch im Unterhaus kam das Buch Banfes zur Sprache. Ein Abgeordneter fragte Sir John Simon, ob das Buch die Ansichten der deutschen Regierung widerspiegele. Simon schwieg. Keine Antwort ist manchmal auch eine Antwort. Auf eine weitere Frage, was er zur Veröffent- lichung des Buches in England sage, erklärte der Außen- minister nur:„Wenn jemand einen Ueberfall auf England plant, ist es immer gut, wenn wir vorher wissen, wie er das machen will." Ja, Banse ist eine harte Nuß für einen Hitler, der Friedensliebe heucheln will.. Edens Rundlreise beendet Eben ist von seiner Abrüstungsreise heimgekehrt. Ohne Ergebnis. Darüber kann kein Zweifel de- stehen, wenn man die diplomatisch gehaltenen Erklärungen betrachtet, die er der Presse übergeben hat. Er sagt darin, die Reise sei sehr nützlich gewesen, denn er habe die An- sichten der anderen Regierungen kennen gelernt, er wisse nun, worin man sich einig sei und wo noch verschiedene Ansichten herrschten. Ob Eden das nicht auch durch die englischen Botschafter hätte erfahren können? Ein Teil der Presse, voran der oft als offiziös an« gesehene„Daily Telegraph" sprachen von den Berliner Besprechungen Edens als von einem vollen Erfolg. Es schien danach fast, als feien Eden und Hitler sich einig geworden. Es war geradezu kurios, wie fast die ganze englische Presse hervorhob, daß Hitler Eden sehr liebens- würdig empfangen habe. Man kennt eben Hitler nur als einen gewalttätigen Tyrannen, dessen heiseres Gebrüll man oft im Radio hört, und fürchtete offenbar, daß er Eden mit Prügel oder doch'mit einem Anschnauzer empfangen würde.(Genau so schreiben englische Reifende, die nach Deutschland fuhren wie einst Tartarin de Tarascon aus die Löwenjagd. nachher begeisterte und er- leichterte Briefe, wenn sie nicht des Nachts von SA. aus ihren Hotelbetten herausgeprügelt worden find, wenn die Grenzbeamten höflich waren, und wenn man ihnen den Weg gezeigt hat, ohne sie zu skalpieren.) Doch alle Liebenswürdigkeit Hitlers kann auf die Dauer nicht darüber hinwegtäuschen, daß das sachliche Ergebnis gleich null war. Der„Obferver" hat das ganz offen aus- gesprochen und es sichert seitdem immer mehr durch, daß man in Regierungskreisen von dem Berliner Ergebnis tief enttäuscht ist. Warum man sich und dem Volk dann etwas vorzulügen versucht, ist schwer verständlich. Man will eben nicht das Scheitern eingestehen.(Abseits vom Abrüstungsproblem hat Hitler freilich Eden Zusagen über den Kurs der deutschen Innenpolitik gemacht, die an- scheinend auf den englischen Staatsmann einen gewissen Eindruck machten. Vgl.„Freiheit" vom 4. März. Red.) Die Methoden der englischen Presse sind manchmal wirklich grotesk. Als Eden seinen Aufenthalt in Berlin um einen Tag über die vorgesehene Zeit hinaus ver- längerte, schrieben die Zeitungen, das sei ein gutes Zeichen, denn es beweise, daß man ernsthaft über die Details verhandle. Als dann aber Eden in Rom einen Tag kürzer blieb als vorgesehen, schrieben die Zeitungen wieder, es sei ein gute» Zeichen, denn man sei sich offenbar rasch einig geworden Also wie maus macht, ist es gut. Wird das Erwachen nach diesem Selbstbelügen nicht umso bitterer sein? Vertagte Kabinettsumbildung Es kriselt im Kabinett Maedonald. Dieser Tage waren die Zeitungen voll von einer unmittelbar bevorstehenden Kabinettsumbildung, offen wurden die Namen der auszuschiffenden Minister genannt. Die Regie- rung fühlt offenbar ihre steigende Unpopularität. Die Iungkonservativen—• eine sympathische Erscheinung der englischen Politik— werden immer rebellischer gegen die untätige, ideenlose Regierung. Landwirtschaftsminister Elliot warnte neulich ganz offen vor der Politik des Treibenlassen». Die Presse, auch die Regierungspresse, fängt an unruhig zu werden. Macdonald sträubte sich lange, etwas zu unternehmen. Er weiß, wie unsicher seine eigne Position ist. Er hat keine Gefolgschaft, ist im Lande unbeliebt, wird von den Konservativen, die eine riesige Parlamentsmehrheit haben, nur ungern geduldet. Des- halb möchte er an der Regierungszusammensetzung mög- lichst wenig rühren. Höchstens den Außenminister Simon würde er gar zu gerne los werden. Aber Simon will nicht, und als. Führer der Regierungsliberalen kann er ihn schwerlich vor den Kopf stoßen, ohne die Fiktion der „nationalen Regierung" zu zerstören. Doch endlich schien sich auch Macdonald zur Kabinetts- Umbildung mit dem Ziel der Verjüngung auf- gerafft zu haben. Der Gesundheitsminister Hilton Aoung, der auf dem Gebiet der Wohnungspolitik und der Wasser- Versorgung völlig versagt hat, sollte ausgeschifft werden, ebenso der Innenminister Sir John Gilmour. ein trocke- ner, korrekter Verwaltungsmann, der der Aufgabe, den vie französischen Forderungen Fortsetzung von der 1. Seite. und unbedingt wirksamen Kontrolle, die sich auf Effektivbestände und die staatliche und private Waffen- Herstellung erstrecke,' 4. die Einführung und Garantierung durch Organisierung eines Kolletttvsank- t i o n S s y st c m s. Zum letzteren Punkt führt der„Petit Parisien" noch aus, daß Frankreich hierbei nicht für sich selbst spreche, fondern f ü r a l l e. Es stehe mit Recht auf dem Standpunkt,»da» lediglich ein Konsultationsversprechen, wie es der eng- tische Plan vorsehe, nicht genüge. Deutschland habe durch seine wiederholten Verletzungen des Versailler Vertrags, durch den Angriffsgeist, den es bei seiner Jugend- pflege und durch seine Haltung und seine Ansprüche auf internationalen Konferenzen in der Welt einem Zustand der Beunruhigung und Mißstimmung geschassen, so daß jetzt nur ein KollcktivsankttonSsnstcm, gegründet auf bestimmt gehaltene Verpflichtungen, die torpedierte Abrüstnngskonfe- renz wieder flottmachen könne. Das„Oeuvre" schreibt, es könne wahrscheinlich erscheinen, daß der italienische AbrllstungSplan. der Hitler iwhezu ganz anzunehmen bereit sei, die Hoffnung auf ein Sicherheit?- abkommen gerechtfertigt hätte, wenn dieser Plan, der übri- gens abgeändert worden sei, in Genf viel früher zur Er- örterung gelangt wäre, d. h. als das Vertrauen zu den inter- nationalen Verpflichtungen, die Deutschland annehmen könnte, noch nicht tot gewesen sei. Heute scheine dieser Aus- iveg mehr zweifelhaft. Die französische Regierung scheine kaum noch geneigt, in einem sonn- tu h igen Europa ihre Handlungsfreiheit zu veräußern. Safeig firsf Englische Aufforderung an Amerika London, 7. März. ES tauchen Anzeichen auf, daß die englische Politik neuer- dtngs einen wesentlichen, bisher von ihr befolgten Grundsatz erneut zur Debatte zu stellen bereit ist. ES wird davon ge- sprochen, daß England stärkere Garantien für die französische Sicherheit übernehmen soll als bisher. Ein Leitartikel der „Times" erklärt heute, die öffentliche Meinung tu England neige immer mehr zur Ansicht, daß Frankreich, wenn es ab- rüsten solle, vollauf berechtigt sei zu fragen, was kür Vertci- dignngsmittel es statt dessen haben solle. Die einzig« logisch« Antwort darauf wäre ein kollektives System, in dem jedes Land bereit wäre, gegen jeden Staat in Aktion zu treten, der den neuen Zustand durch Aufrüstung über die verein- barte Höhe gefährde. Ein„Konsultattons-Versprechen" ge- nüge nicht. Notwendig sei die Zusage zum Handeln(promise ol aetion). Indessen die Art dieses Handelns könne abhängig gemacht werden von den Umständen, aus denen sich seine Notwendigkeit ergebe. Soweit England in Frage komme, würde die Haltung der Vereinigten Staaten in einem solchen Falle von hervorragender Wichtigkeit sein. Die Anwesen- hcit von Norman David in England mache den gegenwär- tigen Augenblick besonders geeignet, diese Seite des Ab- rttsiungSproblems gerade jetzt zu erörtern. Wie man hört, hat in der Tat bereits ein MeinungSauS- tausch zwischen London und Washington über die Sicherheit?- fragen stattgefunden. BiSber stellte man sich in London ank den Standpunkt, daß England nicht über die Zulage, in dem bekannten Memorandum vom W. Januar hinausgehen könne» Djcfe.S Memoranduly. sagt in seinem Abschnitt über die Sicherheit, daß im Bedarfsfälle eine Beratung stattiin-' den solle„zum Meinungsaustausch über die gegen einen An- greiser zu ergreisenden Maßregeln." Die in dem Artikel dcö „Times" ausgedrückte Meinung geht über diesen vorsichtigen Standpunkt hinaus. Auch die konservative„Morning Post äußert sich ähnlich. Das Mittel, die Schivierigkeiten zu lösen, sei eine entschlossene Beteiligung Großbritanniens an der internationalen Organisation des Friedens oder einenge- naue Verpflichtung der Londoner Regierung, aus der«erte Frankreichs zu stehen, wenn es gelte die Abrüstungskonven- tion in Kraft zu setzen und die Vereinbarungen mit Exe» kutivgcmalt auszustatten. Die englische Regierung ist jedoch einer rein zweiseitigen Abmachung zwischen Frankreich und England noch abgeneigt. Sie will vor allem eine Wiederkehr des Zustande? von 1014/16 vermeiden, als Amerika während de? europäischen Krieges sich zunächst abseits hielt. Sie will darüber Klarheit haben, ob die Vereinigten Staaten im gleichen Falle aber- mals sich aus das Recht der Neutralität in der Freiheit der Meere berufen und gleichzeitig einen angreifenden Staat mit Rohstoffen und Lebensmitteln versorgen würde. Man drückt die Hoffnung aus, daß die Anschauungen Walhingtons in den letzten 15 Jahren weit genug fortgeschritten seien, so daß auch die Vereinigten Staaten bereit sein würden, sich a» einer Abmachung über eine gemeinsame Aktion zu beteilige». Belgiens Sorgen Ministerpräsident zur Abrüstungsfrage DN«. Brüssel.«. Mär, 1W4. Im Senat gab der Ministerpräsident de Brocqueville am DienStag zu Beginn der Aussprache über die auswärtige Politik eine Erklärung der Regierung zur Abrüstnngssrage ab. Er wandte sich gegen die Auffassung, daß man eine militärische Erstarknng Deutschlands durch eine Aktion des Bölkerbnndes oder durch einen Präventivkrieg verhindern könne bzw. solle. Eine Bölkerbonds-Jnveftigation ans Grund des Artikels 213 des Bersaillcr Vertrages komme nicht in Frage, da mindestens zwei der ständigen Ratsmächte, England und Italien, sich weigern würden, eine solche Unter- sachang anzuordnen. Das zweite Mittel, den Präventiv» krieg ins Auge zu fassen, sei Wahnsinn und Verbrechen. Das einzige Mittel, die Wiederaufrüstung Deutschlands zu ver- hindern, sei gewiß der sofortige Krieg. Ich weiger mich aber, erklärte der Ministerpräsident, das Land in ein solches Abea- tener zu stürzen. Der Ministerpräsident setzte sich sodann für den Abschluß einer internationalen Konvention, durch die die Rüstungen begrenzt werden sollen, ein. Das sei das einzige Mittel, um einen Rüstungswettlauf und damit den Krieg zu vermeiden. Die Genfer Besprechungen hätten zu nichts geführt Sie seien unter einer neuen Form und mit neuen Formeln wieder aufgenommen worden. Die ganze Welt sei daran interessiert, daß sie zum Erfolge führen. Alle Länder wüßten, was ein Rüstungswettlauf bedeuten würbe. Deutschland könne ebenso wenig wie die anderen die unglaublichen Lasten auf sich nehmen, die ein Rüstungswettlauf in der gegenwärtigen Krise mit sich bringen würde. Zum Schluß erinnerte der Ministerpräsident an boS Ergebnis des Weltkrieges»nd die geographische Lage Belgiens, die es erfordere, daß kein Element der Sicherheit vernach» lässigt werden dürfe. Belgien wolle den Frieden der Sicher» heit. Die Regierung habe den Mut, um der Sicherung des Friedens willen von der Bevölkerung Opfer zu verlangen, die ihre Kräfte beinahe schon überstiegen. Es werde in Swropa keinen Friede» geben, solange die Sicherheit Belgien» bedroht sei. Die Regierung werde sich mit allen Mitteln dafür einsetzen, daß ein« Konvention zustande komme, die Belgien ein Minimum von Opfern und ein Maximum von Sicherheit bringen. In dieser Beziehung könne Belgien auf die Mitwirkung Frankreichs, Englayds und Italiens zähle». An die Erklärung des Ministerpräsidenten schloß sich eine Aussprache. Leipzigs Richard Wagner Grundsteinlegung seines Denkmals Grundsteinlegung seines Denkmals Nicht von ungcsähr ist der neudentsche Nationalismus in Richard Wagner verliebt. Die grell, alle Farben mischende Pathettk des Leipziger Meisters, fein stark ausgeprägter Sinn für Repräsentation und seine Begabung für übersteigerte Szenerie haben ihn zum musikalischen Nationalheldcn des „dritten Reiches" gekrönt. Es ist durchaus sinngemäß, wenn es ausländische Knlturbcobachtcr mit einer großen Oper von Richard Wagner vergleichen, obwohl die rein arische Herkunft des Meisters keineswegs crzgcpanzert ist gegenüber der sorg- sam forschenden Rassenlehre... Nun soll Richard Wagner in seiner Gcbnrtsstabt ein Denkmal erhalten.„Im grünen Hain wird c§ eingebettet sein. Auf ihm wird sich erheben acht Meter im Geviert und vier Meter hochgefügt, ein Marmorblock, welchen des Kllnst- lerö Hand gestalten soll. Eine weite Schale im entgegen- gesetzten Teil des Platzes aus gleichem deutschem Marmor wird den gewaltigen Eindruck jene? Monumentalblockes in Kampf gegen den Faschismus zu führen, nicht gewachsen ist. Daneben wurden auch der Arbeitsminister und der Kolonialminister als Opfer genannt. Aber Macdonald wollte doch wieder an die Regierungsumbildung nicht heran, ohne auch den ihm verhaßten und im Lande un- populären Simon aus dem Außenministerium abzu- schieben. Plötzlich bot sich scheinbar eine Gelegenheit. Simon hielt eine scharfe Rede gegen die faschistische Schwarzhemdenbewegiing. eine Rede, die allgemeinen Beifall fand. Am nächsten Tag stand in der„Times" ein Artikel, Simon wollte wieder ins Innenministerium über- siedeln und seine hervorragenden juristischen Fähigkeiten in den Dienst des Kampfes gegen den Faschismus stellen, er sei auch wohl der idealste Innenminister usw., usw. Das war Macdonalds Geschoß. Simon antwortete sofort, daß er nicht daran denke, Innenminister zu werden. Dann hielt man ihm einen neuen Köder hin, er sollte Lord- Kanzler werden, einer der angesehensten juristischen Posten des Kabinetts, der zugleich das höchste Gehalt mit sich bringt. Simons Antwort war knapp und sarkastisch. Er hielt eine Rede über den Außenhandel und begann damit, daß man ihn nun wohl morgen als den künftigen Unter- staatssekretär für den Ueberseehandel bezeichnen werde. Und wenn er morgen über moralische Probleme spreche, werde man ihn zum Erzbischof von Canterbury machen wollen. Also Simon winkte ab. Außenminister oder gar nicht». Und Macdonald gab nach. Eine echte Regierung»- Krise will er vermeiden. So bleibt Simon und alle anoe- ren Minister bleiben auch. Die Umbildung ist mindestens bis zum Hochsommer vertagt. Es wird weitergewurstelt. die Stimmung opservoller Weihe tauchen." Also sprach der Leipziger Oberbürgermeister bei der Grundstein» legung am Montag, z» der der„Führer", ein besonder» hin- gegebener Verehrer Richard Wagners, selber gekommen war. Der offizielle Deutsche Stachrichtendienst schreibt in nnge- wollte? Ironie:„Heute früh hat sich der Führer im Flug- zeug vvn Berlin nach Leipzig zur Messe und zur Grund st cinlegung des Richard-Wagner- G e- denksteinS begeben". Händler und Helden! Wer möchte leugnen, daß diese Mischung der Leipziger Atmosphäre ange- messen ist. ES versteht sich, daß der Führer mit„nichtenden- wollenden Heilrnfcn" auf der Fahrt zwischen Messehaus und Dcitkmalsstellc begrüßt wurde. Er selber hielt eine Ansprache die nach den amtlichen Berichten begann: DIeGröße der Völker ivar zu allen Zeiten das Erlebnis der Gesamtwerte ihrer großen Männer. Wir Deutsche können glücklich sein, durch viele groß« Söhne nicht nur den Wert unseres eigenen Volkes be- gründet und gehoben, sondern darüber hinaus auch einen unvergänglichen Beitrag geleistet zu haben»n dem ewigen Wirken des Geistes- und Kulturleben» der ganzen Welt. Einer dieser Männer, die das beste Wesen unseres Volkes in sich verkörpern, von nationaler deutscher Größe z» über- nationaler Bedeutung emporgestiegen find, ist Richard Wagner. Der größte Sohn dieser Stadt, der gewaltigst« Meister der Söhne unsere» Volkes. Indem wir heute versuchen, diesem Mann, der sich aus eigenem Begnabetsein selbst da» herrlichste Denkmal schuf, durch Steine ein irdisches Monument zu setzen, ahnen wir alle, daß eS nur ein vergängliche? Zeichen unserer Liebe, Verehrung und Dankbarkeit sein kann und sein wird. Denn wir alle glauben es bestimmt zu wissen: Wenn kein Stein dieses Denkmals mehr von dem Meister reden wird, wer- den feine Töne noch immer weiter klingen. Jeder Satz läßt erkennen, daß Adolf Hitler diesmal aus eigenem Geistesgute schöpfte. Ein Satz wie dieser:„Die Größe der Völker war zu allen Zeiten das Erlebnis der Ge- samtwerte ihrer großen Männer", ist unmittelbar an der Gcburtsstätte des Autors„Mein Kampf" gezeugt worden. Die Tiefe des Gedankens und die Schönheit der deutschen Sprache werben wir immer unter den„Gesamtwerten" aus- zählen, mtt denen uns der Führer des„dritten Reiches" ge- adelt hat. Abonniert die„Deulsdie f reihen" Nichts als Stavlsky! Immer neue Einhaltungen und Belastungen Frankreich hat nur eine Sensation: Tie Stavisky-Afsäre. Mit ungeheurer Spannung werden die Meldungen über die Helfershelfer und Nutznießer Staviskys verfolgt, deren Lifte immer länger wird. Die Rechtspresse hört nicht auf, den Linksblock und die„Freimaurer" mit der Verantwortung zu belasten. Dabei passierte ihr freilich das Unglück, daß ihr Schützling, der frühere Pariser Polizeipräsident Chiappe, von Frau Stavisky selbst als Freund ihres Mannes gekenn- zeichnet wird. Lange wurde Frau Ttav'sky am Montagnach- mittag vor der Kommission der Kammer vernommen. Sie gab eingehende Auskunft über die Männer, die an ihrer Tafel gespeist haben: Parlamentarier. Beamte und Jour- nalisten, Der Untersuchungsausschuß unter dem Ab- geordneten G u e r n u t hat sich einige Talons genauer be- sehen und u. a. den Namen des Abgeordneten Proust auf einem festgestellt. Auf anderen stehen alle mögl'ch:« Kraxel des schönen Alexander, wie..eooseiller",„chambre" usw. Madame Stavisky und die beiden Privatsekretärc des toten Stavisky, Romagnino und Depardon haben ein kleines Scheckverhör über sich ergehen lassen. Was Madame Arlette Stavisky, geborene Simon, anbelangt, so ist in der Oeffentlichkeit nicht mehr von ihrem Liebesroman die Rebe, wie sie in einem Modehause als Mannequin den Nabob kennen lernte, sondern sie ist einfach jetzt Ange- klagte. Maitre de M o r o- G i a f f e r i, der große Korse, hat die Verteidigung der jungen W'twe übernommen. Jeden- falls berichtete Frau Stavisky über interessante Um- armungen zwischen Chiappe und den von Stavisky Be- stochenen, unter denen sich der Direktor der„Volonte", Tubarry, befindet. Jedenfalls wird die große Populari- tat Chiappes in Paris eine schwere Erschütterung erleiden. Auch Tardieu? 6nb. Paris. 7. März. Im Zusammenhang mit den Ber- öffentl'chungen von Namen der Nutznießer von Stavisky- Schecks erklärt der„Populaire", daß einer der Scheck- abschnitte außer der Bezeichnung Camille Anmard svon der „alberte") noch einen nicht ausgeschriebenen Namen enthalte, der anfangs„Tardie..." Der„Populaire" schließt daraus, daß dieser Scheck von Stavisky durch CamilleAymard an Andre Tardieu bestimmt gewsen sei Außerdem veröffentlicht das Blatt Listen der Telefon- gespräche, die Stavisky vom Hotel Claridge. wo er wohnte, mit politischen Persönlichkeiten geführt haben soll. In dieser Liste des„Populaire" befindet sich auch der Name des jetzigen Ministers für öffentliche Arbeiten, F l a n d i n. Der als Nutznießer hoher Staviskn-Schecks genannte frühere Abgeordnete B o y e r, gegen den der Untersuchungs- richter Anklage erhoben hat. erklärt, daß sich die Schecks auf Jmmobilienoperationen bezögen, die er auch heute noch durch Vorweisung von Belegen und Verträgen nachweisen könne Prince Inzwischen geht die Untersuchung in der Mordaffäre P r i n c e weiter. Der Gerichtsarzt hat jetzt festgestellt, daß Prince vergiftet wurde und die Wirkung des Giftes kurz vor dem Tode eingesetzt hat. Weitere Untersuchungen sind im Gange. Der„Matin" berichtet, daß in allernächster Zeit mit sensationellen Enhüllungen zu rechnen sei. Die Spuren Franzose oder Ausländer? Vier Spuren zu den Mördern von la Combe-aux-Fees werden uns angekündigt. Aber es lohnt noch nicht, sie einzeln aufzuzählen. Vieles an ihnen ist noch Kombination. Die Hauptsrage ist, ob der Mord mit dem Fall Stavisky zu- sammenhängt oder ob er eine politische Bedeutung hat,— wobei, nebenbei bemerkt, das eine das andere nicht auszu- schließen braucht..^ Sehr erheblich wird neuerdings der Spur des Aus- länders nachgegangen. Man spricht bereits recht deutlich von einer Bande von Leuten, die in der Gegend gesehen worden seien und die für Rechnung anderer ge- arbeitet hätten, eine Vermutung, die viel für sich hat. Em Gerücht in Dijon bezeichnet den Täter als einen„Slaven, und zwar in Verbindung mit der oberschlesiichen Vergangen- heit des Richters Prince. Mit gespitzten Ohren erfährt man auch, baß innerhalb gewisser Universitätskreise in Dijon ge- sucht wird. Romagnino im besonderen Milieu Romagnino. der wirklich elegante und hübsche Privat- sekretär des großen„escroc" ist. wie man erfährt, ein Mann des besonderen Milieus. Er wohnte in einem Hotel der tue du Tome mit einem Freund namens M. E. Dieser Lieb- lingsjungc war es wahrscheinlich, der die verschwundenen Talons der Schecks in die Hände der P-Uze, spielte Romagnino hatte auch eine Frau, bei der er aber nicht wohnte und d'e auch einen weißen Hund belaß. Dieser weiße Hund spielt auch eine Rolle weil jemand bei der Tat ein Auto mit einem weißen Hund gesehen hat, und Romagnino natürlich auch"i„ n Wimen b'^Nt Aber da? ist naturlich bloß zufäll'ges Zusammentressen. Dahingegen ist es sicher, daß ber schöne Romagnino vom 24. bis 26. Februar in London war, wo er sich unter seinem richtigen Namen im Hotel eintrug. Romagnino hatte für diese drei Taae einen großen Koffer und angeblich eine blonde hübsche Frau bei sich, die Eng- länderin war. Per Staatsstreich der Evangelischen Kirche Wie lange nodi PlarrernoJDund— Der tapfere Niemöller Stehen die Kämpfe innerhalb des deutschen ProtestantiS- mus im entscheidenden Stadium? Fast scheint es jo. Die jüngsten Verfügungen des Reichsbischofs und des geistlichen Ministeriums zielen darauf hin, dem Kirchenstreit ein ge- waltsames Ende zu bereiten— durch Terrormaßnahmen, die am politischen Beispiel des„dritten Reiches" geschult sind. Gewaltsam hat man den Dualismus zwischen Reichskirche und altpreußiicher Landeskirche beseitigt und damit den organisatorischen Forderungen der„Deutschen Christen" Rechnung getragen, die siegesbewußter als jemals sind und den Reichsbischof M ü l l e r zu immer schärferen Maßregeln gegen alle nicht willfährigen Geistlichen zwingen. Wir haben gestern eine lange Liste der bereits gemaßregelten hohen kirchlichen Würdenträger veröffentlicht. Sie ist noch lange nicht abgeschloffen. Bei diesem Druck steht der Fortbestand des Psarreruotbuudes ernstlich in Frage. Er war niemals eine geistige Einheit im Bekenntnis und beschränkte sich auf den Protest gegen Gewalt und den Arierparagraphen. Einige tapfere Führer standen allein im Heere ber Mitläufer, die jetzt angstvoll vor der drohenden Maßreglung zurückweichen. Zu den Tapferen, die trotzig auf ihrem Standpunkt de- harren, gehört der vom Reichsbischof abgesetzte Pfarrer Niemöller, der am vergangenen Sonntag von seiner Kanzel zu seiner gewaltigen Gemeinde, die seine Absetzung nicht anerkennt, sprach. Die Predigt ging von der Ankündigung aus sLukas 22, 81), die Jesus am Beginn seiner Leibenszeit an Petrus macht:„Der Satan wird euch im Sieb schütteln wie den Weizen: ich aber habe für dich gebeten, daß dein Glaube nicht aufhöre: und du. wenn du dich einst bekehrt hast, stärke deine Brüder!" Petrus aber sagte zu ihm:„Herr, ich bin bereit, mit dir sogar ins Gefängnis und in den Tod zu Landung anf der Eisscholle Nach einem Moskauer Funkspruch haben die von der Re- gierung eingeleiteten Hilfsmaßnahmen zur Rettung der Mannschaft des gestrandeten Expeditionsschiffs„Tscheljuskin", die auf eine große Eisscholle geflüchtet war und dann ab- getrieben wurde, einen bemerkenswerten Erfolg gehabt. Einem russischen Großflugzeug gelang es, auf der Eis- schölle, aus der sich der Leiter der Expedition, Prof. Schmitt, befindet, trotz schwierigster Verhältnisse zu landen. Das Flugzeug nahm die im Lager befindlichen 1 6 F r a u e n und 2 Kinder an Bord und brachte sie wohlbehalten nach Kap Wellan, dem Stützpunkt für die Rettungsaktionen. Nach dem letzten Funkspruch hatte sich die Lage der Mannschaft sehr verschlechtert. Die Eisscholle war in die Beringstraße abgetrieben worden und hatte sich durch warme Strömungen stark verkleinert. Für die Landung des Flugzeugs hatte man auf der Eisscholle einen Landungsplatz vorbereite:. Unter Führung des Fliegers Ljapidewski und des Beobachters Petrow an Bord war das Flugzeug von Kap Wellan aus gestartet. Die Landung er- folgte glatt. Inzwischen war die Eisscholle auseinander- geborsten und es entstand zwischen dem Flugzeug und dem Aufenthaltsort der Tscheljuskin-Mannschaft ein breiter Spalt. AuS dem Lager mußte nun 3 Kilometer über das Eis eine Schaluppe geschleppt werden, um die Frauen und Kinder zur Landungsstelle des Flugzeugs zu schajfen. Bei ^n RettungSarbeiben herrschte-in- Kälte von 40 Grad. Trotz gehen." Da sprach er:„Ich sage dir. Petrus: Der Hahn wird heute nicht krähen, bis du dreimal geleugnet hast, mich zu kennen." Jeder Satz der Predigt war, obwohl sie sich nicht vom religiösen Gebiet entfernte, ein Bekenntnis, das mit den Zeitfragcn rang. Der wahre Glaube bewahre sich erst in den Zeiten der Not und Verfolgung, wenn satan umgehe und die Christen schüttle, so daß die Spreu vom Korn geschieden werbe. Wer vom Christentum durchdrungen sei, müsse in der Stunde der Versuchung fest bleiben. Pfarrer Niemöller will die Umdichtung in eine„heldische Jesusgestalt tgemäß den Ideen der„Deutschen EhrlsteM) nicht gelten lassen. Christus sei nicht aus dem schlachtfelde gefallen, sondern am Kreuz hingerichtet worden und auch nicht als Märtyrer seines Glaubens, sondern als Hoch- verräter, nicht bewundert, sondern verspottet und»erachtet. Die Rede machte einen ungeheuren Eindruck auf die lauschende gläubige Gemeinde. Unter den Kirchgängern befand sich auch der R-ichSminister Graf Schwerin- Krosigk, von dem bekannt ist. daß er zur„Opposition" gehört Freilich ist diese Opposition nicht einheitlich. Ultrareakno- näre und ultrakonservative Kreise stehen hier neben den Förderern einer tiefgreifenden geistigen Erneuerung im Zei- chen von Karl Barth. Diese innere Unsicherheit der Opposition ist zugleich die Stärke der Gegner. Freilich, diesen wirb es nicht gelingen, die Erscheinungen einer religiösen und welt- anschauliche Gärung, wie sie der deutsche Protestantismus seit Jahrhunderten nicht mehr erlebt hat, mit Gewalt nieder- zuzwingen. Immer wieder wird der Wille zur freien Ge- wiffenscntscheidung die Hürden ber Zwangskirchenorgani- sation durchbrechen. Die deutsche evangelische Kirche kämpft verzweifelt um ihre Existenz. ber kurzen Anlaufstrecke von etwa 260 Meter konnte sich die Maschine mit 14 Personen an Bord gut erheben und landete ebenso glatt am Kap Wellan. Sdiweres Grubenunglttdt Rettungsarbeiten dnb. Gleiwitz, 7. März. Aus der Karsten-Zentrum-Grube wurden am Dienstagabend durch Gebirgsschlag ein Steiger und zehn Bergleute von der Außenwelt abgeschnitten. Die Rettungsarbeiten sind im Gange. Am Mittwoch früh gegen 2 Uhr hatten die Bergungs- arbeiten den ersten Erfolg, Di« Rettungsmannschasten stießen nach fieberhafter Arbeit auf einen Häuer aus Miecho- witz. der nur leichte Verletzungen erlitten hatte, sowie auf einen Fördermann, ebenfalls aus Miechowitz, der jedoch nur als Leiche geborgen werden konnte. Mit einem Teil der Ver- schütteten stehen die Rettungsmannschaften in guter Ver- bindung. b Im Laufe der Morgenstunden wurden die Bergungs- arbeiten nach den neun noch eingeschlossenen Bergleuten unter Einsatz aller Kräfte fortgeführt. Es gelang, zwei weitere Verunglückte, leider jedoch nur als Tote, aus den Kohlentrttmmern freizulegen. Bei den Toten handelt es sich um einen weiteren Fördermann aus Miechowitz und den Tteigerstellvertreter Spallck aus Beuchen. Damit sind bis- her.drei Tote und ein Verletzter geborgen worden. Generalstreik in Madrid? Eine Erklärung der Gewerkschaften Madrid, 7. März. Die Leitung des marxistischen Gewerk» schaftsbundes gab in der Nacht zum Mittwoch eine Erklä- rung heraus, baß die Gewerkschaften nicht gewillt seien, den Kampf aufzugeben oder sich auf Vergleiche einzulassen. Sämt- liche im U. G. T. ssozialistischer Gewerkschaftsbundj vereinig» ten Verbände würden zur Unterstützung der Bauarbeiter, der Metallarbeiter und der Drucker sdie beiden letzten Grup» pen beginnen den Streik am Freitag) eingesetzt werden, wenn der Proteststreik bis Freitagabend nicht zu dem ge- wünschten Erfolg gesührt haben sollte. Die drei Gruppen umfassen etwa 260 000 Arbeiter. Die Erklärung der Leitung des Gewerkschaftsbundes ist eine glatte Kampfansage der Marxisten an die Regierung, die sich im Schweigen hüllt. Wenn die Arbeitgeber nicht auf der ganzen Linie nachgeben, ist wohl mit ziemlicher Sicher- heit für Montag mit dem Generalstreik der gesamten orga- nisierten Arbeiterschaft Madrids zu rechnen. Zusammenstöße Madrid, 7. März. In Bigo plünderte eine Gruppe Ar- beitsloser unter Führung eines Matrosen der Kriegsmarine mehrere Läden. Als die Polizei eingriff, wurde sie mit einem Steinhagel empfangen, so daß sie zur Schußwaffe greifen mußte. Es werden mehrere Verletzte gemeldet. In Santander kam es vielfach zu Ausschreitungen strei- kenber Arbeiter, wobei ebenfalls mehrere Teilnehmer ver- letzt wurden. Nener Sdultt Rooseveifs Abermals Weltwirtschaftskonferenz? Washington, 7. März. Präsident Roosevelt hat beschlossen, den früheren ameri- konischen Botschafter in Rom, Richard Child, mit einem Tonderauftrag in die wichtigsten europäischen Hauptstädte zu senden. Mr. Child soll feststellen, ob es eine Wieder- einberusung der im vorigen Sommer ergebnislos abgelau- fenen Weltwirtschaftskonferenz von London wünschens- wert ist. Roosevelt soll der Ansicht sein, daß die Weltwirtschastslage seit ber Vertagung ber Konferenz im vergangenen Juli sich beträchtlich verändert habe. Es liege ihm jetzt daran, über die Ansichten der europäischen Staatsmänner hinsichtlich der wichtigsten Wirtschafts- und Finanzfragen genau unterrichtet zu sein. Zu diesen Fragen gehören die Kriegsschulden, die Zollmauern und die Währungsstabilisierung. Botschafter Child wird am 14. März mit dem Dampfer „George Washington" von Neuyork abreisen. Zuerst wird er sich nach London begeben und von dort nach Paris, Berlin und Rom. «ein Auslandsgeschäft Auf der Leipziger Messe Die„Frankfurter Zeitung" schreibt über die„zuver- sichtliche Atmosphäre", die das binnenländische Geschäft angeblich beherrsche. Außer der„Atmosphäre" weiß sie aber nichts Zuversichtliches zu berichten. Ueber das Aus- landsgeschäft wird gesagt: Das Auslandsgeschäft ist noch nicht recht in Fluß gekommen. Ausländische Einkäufer find ziemlich zahlreich vertreten, vor allem aus den Staaten des europäischen Kon- tinents. Die Einkäufe für ausländische Rechnung sind jedoch bis über Musterorbers nicht hinausgegangen: Abschlüsse größeren Ausmaßes sind bisher nicht erfolgt. Oherpräsident schaut Nazipresse Der Oberpräsident der Rheinprovinz hat dem Verleger und dem verantwortlichen Redakteur der„Stolberger Zei- t n n g" eine ernstliche Verwarnung erteilt. Die Ber- warnung wurde damit begründet, daß an der von der nationalsozialistischen Bewegung getragene» G a u p r e s s e unsachliche Kritik geübt worden sei: für den Wiederholungsfall ist ein längeres Verbot der Zeitung an- gedroht worden. Dafür dars die Nazipresse täglich Jauchekübel über die katholische und die„liberalistische" Presse ausleeren. Antisemitismus in Gesterreldi Wien, 6. März. Nunmehr erheben auch die führenden christlich-sozialen Blätter die Forderung, daß ein Teil der in Oesterreich ein- gebürgerten Juden das Bürgerrecht wieder verlieren soll. Alle Juden, die seit Kriegsende aus Gebieten der früheren österreichisch-ungarischen Monarchie in das heutige Oester- reich eingewandert sind, sollen ihre Naturalisationsrechte wieder verlieren. Weiter wird die Entlassung jüdischer Aerzte an staatlichen Krankenhäusern und Krankenkassen gefordert. Pas Neueste Das Pariser„Oeuvre" glaubt berichten zu könueu, baß die Kleine Entente ihre bisherigen Besorgnisse gegenüber der italieuisch-ungarisch-österreichischeu Be» sprechungen und ihrer wirtschaftlichen Auswirkungen teil» weise habe sollen lassen. Ju Prag soll man sogar nicht weit davon entfernt sein, gegebenenfalls österreichischen und un» garischen Erzeugnissen einen Borzugszolltarif einzuräumen, wenn diese beiden Länder ihrerseits der Tschechoslowakei Vorzugszolltarise einräumen, namentlich für Schuhwaren. I» der Krastwagenindustri« von Detroit in Clevelaud st es zu Lohnstreitigkeiten gekommen. Diese haben sich jetzt so zugespitzt, daß man mit einem Streik rechnet. Mehr als»6 060 Angestellte werden davon betroffen. Wie aus Petersburg in Illinois gemeldet wird, ist dort am Dienstagabend in einem Schneesturm ei« Flugzeug abgestürzt. Bier Personen, darunter de? Mitarbeiter für Luftfahrtsrageu der„Chicago Tribüne", wurden getötet. Beerdigung eines Pariser Arbeiter. Ein Gefolge von 200 000 Arbeitern aller Richtungen trug unter ergreifenden Szenen am Sonntag den 10jährigen Henri B u i l l e m i n zu Grabe, der bei den Unruhen durch eine Kugel getötet worden war. Der europäische Friede und Oesterreich Eine dringende Pflicht des Völkerbundes Bon W. Schcvenels, Generalsekretär des Internationalen Gewerkschaftsbundcs Ter vorläufig durch Waffengeivalt ausgeschaltete politische Einfluß der österreichischen s o z i a l d e m o k r a- tischen Arbeiterklasse hat Europa in die höchste Gefahr eines Krieges versetzt. Alle sind sich darüber einig, dast die Vernichtung der Unabhängigkeit Oesterreichs den Krieg sofort auslöst. Alle sind der Meinung, dast Dollsust jetzt nicht mehr imstande ist, Oesterreichs Unabhängigkeit den beiden drohenden Eroberern, Hitler und Mussolini, gegen- über zu ivahren. I» gewissen Kreisen denkt man sogar an die Wiederherstellung der Habsburger Monarchie als die einzige Lösung, die Oesterreich vor der Auslieferung an Deutschland oder Italien retten kann. Aber auch diese schein- bare Lösung ist nur eine direkte Herausforderung zum Kriege, ganz gleich, ob sie mit dem Zustandekommen eines österreichisch-ungarisch-italicnischcn Blocks verbunden ist oder nicht, Nirgends sieht man die Macht, die sich diesem zwangs- läufigen Gang der Ereignisse entgegenstellen könnte. Wo ist die Lösung? Die Lösung liegt einzig und allein in den Händen des Völkerbundes. Und er könnte handeln, denn eS besteht in bezug aus die dazu nötigen beiden Boraussetznngen Ein- stimmigkeit. In der Tat sind sich alle Staaten— aufrichtig oder nicht— darüber einig, dast unter allen Umständen ein Kriög vermieden werden must, und dast dafür eine dauer- haste Sicherung der Unabhängigkeit Oesterreichs dringend notwendig ist. Bereits im Jahre 1027 bestand in Oesterreich eine ähnliche Situation, in der es galt, Oesterreich in seiner Schlüsselstellung in der europäischen Bölkerfamilie vor dem EhaoS zu bewahren Damals waren eS wirtschaftliche Gründe, die diesen Zustand hervorgerufen hatten: eS wurde ein BölkerbundSkommissar zur Reglung der Finanzen Oesterreichs eingesetzt. Jetzt ist die politische Lage in Oester- reich eine ähnliche und zumindest ebenso ernste für Oester» reich und den europäischen Frieden, wie eS damals die ftnan- zielte und wirtschaftliche war. Warum wird diesmal kein BölkerbundSkommissar Mir Oesterreich bestellt, der die Lösung bringt, die alle Staaten dringend wünschen und die keine andere Macht der Welt außerhalb des Völkerbundes unter diesen Umstände» zu verwirklichen imstande ist? Die Hilfsaktion für Oesterreich Vorläufiges Resultat Noch während in Wien gekämpft wurde, erweiterte der Internationale Gewerkschaftsbund fJGB.s die schon vor ge- raumcr Zeit'eingeleitete Sammlung für die Opfer des Faschismus in Teutschland und Oesterreich zu einer speziellen Hilfsaktion für die österreichische Arbeiterschaft. Sosort nach Beendigung des Kampfes wurde 2500 Familien direkte materielle Hilfe zuteil. Inzwischen sind in allen angeschlossenen und auch nicht- angeschlossenen Ländern groste Sammlungen eingeleitet worden. Eine Gesamtübersichl der Hilfsaktionen ergibt folgendes Bild: Belgien überwies dem IGB. schon in den Tagen des Kampfes und unmittelbar nachher 490 000 belg. Franken Tic belgischen Gewerkschaften haben darüber hinaus eine besondere Hilfsaktion für die Opfer, besonders für Frauen und Kinder, eingeleitet. Weitere 200 000 Fr. stehen in Aussicht. Dänemark zahlte SO000 Kr. ein, der Betrag wird sich in den nächsten Tagen verdoppeln. Frank» reich ist im HilkSkonto mit SO000 Fr. vermerkt. Grost- britanuicn half und Hilst: Gesamtbetrag 18 000 Pfund. Luxemburg sandte 2000 Fr. ein. Tie allzeit hilfsbereiten Niederlande sammelten biS jetzt 00 000 Fl. Weitere Summen sind angemeldet. Tic zahlenmästig schwache Arbeiterbewegung P a l ä st i n a s überwies telegrafisch 1500 Pfund. Norwegen, das nicht angeschlossen ist. sandte 25 000 Kr. Die Schweiz stellt insgesamt 00 000 Tchw. Fr. bereit und hat bereits einen Transport von 400 Kindern ans- genommen. Tie Tschechoslowakei, die mit größter Bereitwilligkeit die Kameraden aus Oesterreich ausnimmt und sofort nach Ende des KampseS für Versorgung und Unterkunft der Geflüchteten ausgekommen ist, leistete darüber hinaus einen Beitrag von 80MO Kr. Schweden war ebenfalls eines der ersten Länder, die sich hilfsbereit zeigten: die schwedische Landeszentrale tiberwies SOOM Kr. Die Not ist grost, ebenso groß die Hilfsbereitschaft der Mit- glieder deS Internationalen GewcrkschastSbundeS. Tie Sammlung geht weiter! Jeder kann helfen: Konto des IGB. bei der Banqne Oos Coopsratlves de France 132, Boulevard St. Germain, Paris VI. Im holländischen Urteil Wir entnehmen aus der„Post Scripta" der„H a a g s ch e n Post" die folgenden Abschnitte: Zur Freilassung der Bulgaren »Wir können uns lebhast vorstellen, dast die deutsche Re- gierung das Kleeblatt iDimitross, Poposf und Tanesst nicht voll Freude hat nach Moskau abreisen sehen. Berlin hat sich aber den drei Bulgaren gegenüber zu sehr ins Unrecht ge- letzt durch die leichtsinnige Verfolgung, durch die überaus harte Behandlung während der Schutzhaft und durch d e Art und Weise, aus nie mau gegen sie den Prozeß geführt hat. — Berlin mochte seinen Zorn Uber alle Niederlagen, die eS durch Dimitrosf erlitten hat. nicht an ihm rächen durch ihn nicht frei zu lassen. Dast man ihn in Deutschland frei lassen wollte, war begreiflich. Aber man hat ja schließlich von An- fäng an gewußt, wohin baS Kleeblatt gehen konnte. Das mochte zivar nicht angenehm sein, Berlin halte sich das ja aber letz.en Ende» selber eingebrockt." Die Seele des Faschismus „Hitler hat in seiner Rede iMünchenj etwas Merkwiird'ges angekündigt Jedes Jahr will er mindestens einmal an daS Bvtk apvelliereu. Wir werden das wohl so zu verstehen haben, dast das Volk dann in einem Volksentscheid sein Urteil über die Politik seiner Regierung aussprechen soll, so wie das jetzt im November der Fall war. Ueber den Wert eines solchen Urteils, das unter hohem Druck und unter größtem Propagandaaufwand von nur einer Seite ausgesprochen werden darf, kann man sehr im Zweifel sein. Das ist aber noch nicht der stärkste Einwand dagegen. Man hört immer»Leder, dast eS einer der größten Vorzüge des Faschismus ist daß er Ruhe unter daS Volk bringt. WaS würde man aber davon halten, wenn mindestens einmal im Jahre eine richtige Kampagne zu einer allgemeinen Wahl stattfände oder vielleicht sogar eine wirkliche Allgelneinwahl? Ruhe ist in Teutschland mit dem Faschismus jedenfalls noch nicht eingekehrt. Kundgebungen, große Volksrebe» und andere erhebende Ereignisse sind an der Tagesordnung. Auch in Italien bringt der Faschismus nicht die im Programm angekündigte Stabilität. Unaufhörlich kommen und gehen Minister, Und was den Kamps deS Nationalsozialismus gegen die Pöstchcnjäger anbelangt so ist eS wirklich lehr interessant, was man hinsichtlich hiervon über die neuen Machthaber unter vier Augen hören kann." Gerechtigkeit und Humanität AnS der Rubrik„Hier in Holland" der„Haagfchen P o st" zitieren wir folgendes zur Frage der aus Holland ausgewiesenen Deutschen: Mitling! Lawine! Von Harald Spitzer Das Tachsteinplaicau ist erreicht: ein unendlich:« Schnee- wecr, ans dem die Spitzen und Kuppe» wie Wellenberge in erstarrter Gebärde hervorragen. Stille der Natur, Nur daS millionenfache Gegliher des Schnees und daS weiche Flimmern der ozonigen Lust erzeugen in der an- dächtigen Gebirgsrnhe leises Leben In majestätischer Größe thront der Berg, einsam und schweigend. Abfahrt! In Taus und Schuß mit leicht wippendem Körper, locker gespannt, gleiten wir pfeilschnell hlnab, Ueber schimmernde Flächen in beschältet? Mulden, mit jäfter Wendung vorbei an golden leuchtenden Felsen, der Tennhülle z». Ekstase der Absahrt, Tempo. Krastbcivcguna und Schwung. Etwas von Sturm und Sieg braust in unserem Blut. Tie Eniscrnnngen de» Aufstiegs ericheinen nun gering,- der Berg ist kein Hindernis mehr: mühelos und jubelnd sausen wir hinunter. Jetzt wird in eine riesenhafte Hangmulde eingeschwenkt. Mein Freund fährt voran. Ich warlt einige Sekunden,»m feine Spur zu benützen. Da stürzt er vielleicht Hunden Meter unter mir, dreht sich im Kreise, arbeitet aufgeregt herum, rutscht ab und vcr- schwinde! plötzlich-—- Im nächsten Augenblick erfolgt et» dumpfes Krachen, ein unheimlich dunkles Brechen und Schieben, ein weites ge« dämpfte« Dröhnen~-- Der ganz« Hang, ans dem wir unt befinden, strömt mit zunehmender Geschwindigkeit ab! Lawine!!! Durch die von allen Seiten aus mich loSdrängenden Schnee- trümmr, bin ich im Nu bis an die Brust verschüttet und werde mit furchtbarer Macht nach unten gezogen. Werfe Instinktiv die Stöcke weg führe mit den Armen Schwimmbeivegiingen aus und trachte anS Leibeskräften, an den Rand des Haiiges zu gelangen: das entfesselte El?mcnt aber lreibt mich immer schneller ab. Noch schau.' mein Kops aus den Schneemassen, die mir die Glieder auszudrehen und zu zermalmen drohen. Plötzlich ein heftiger Anprall ein kaum erträglicher Druck und~ ich halt« still! Neben mir donnert die Lawine rauschend nieder. Gkrettctlll Ich fühle es mit der Innigkeit deS Geschöpfes, dem der Tod nahe war. Und im nächsten Augenblick denke ich an meinen Freund. Hastig arbeite ich mich aus dem Schnee, eine FelSzunge war meine Rettung, indem sie den Lawineuteil staute. Durch de» Sturz meines Freundes wurde fast der ganze Hang, in einer Tiefe von einem halben Meter loSgelöst: scharf, wie abgeschnitten, glänzt die Bruchslächc. Weit unten liegt der Lawincnberg. Noch immer rinnen kleine Schneeteilchen abwärts,' ab und zu tvllerl ein größerer Klumpen vorbei. Verzweifelt über das Schicksal meines Freundes fahre ich, ohne Stöcke, im Zickzack hinunter. Da— fliegt anß der aufgetürmten Lawine ein Schnee- ball In die Luft! Es muß eine Täuschung gewesen sein. In erregter Spannung blicke ich h°n. Da. wieder! Und nochmals! Es ist kein Irrtum! Ich brülle vor Begeisterung, stürme zu der Stelle, sehe de»«vpi und einen Arm meine« Freunde«, und grabe wie irrsinnig... Nach kurzer Zeit steht er vor mir, den Schnee abschüttelnd und die Glieder reibend. Während der Fahrt zur Hütte erzählen wir unsere Er- lebnisse... Wie er in die Tiefe sausend fortwährend geschoben und gedreht wurde unter dem Schnee Purzelbäume schlagend, ivie eS mit einem Male finster und dann wieder heiler würde: lind wie er. als die Laioin>: zum Halten kam. glaubte, durch den fürchterlichen Druck zerauetscht zu werden. Gerade al« er sich nahe der Oberfläche befand, stand die Lawine still. Mit eisernem Griff wurde er in diese schmerzhaste Stet- lung gepreßt, die ihm fast keine Bewegungsfreiheit liest. Ngchdem der erste Schreck gewichen war, begann er sich freizumachen. Da kam ich dazu. Still verbringen wir de» Abend in unserer kleinen ge- schützten Hütte: allein in unendlichem Bergschnee. Da» Erlebnis liegt uns noch tm Sinn, so plötzlich, mitten in friedlich glänzender Sonnenruhr. erwachi da? Element, rast der wetßc Tod mit schaurigem Getöse zü Tal: alle» mit sich reißend, erdrückend vernichtend. Diesmal hat er zwei Menschen bloß berührt. Irgendwo ander« nahm er sich vielleicht lein Opfer. Wir legen uns zur Ruhe. Draußen beginnt der Sturm seinen Nachtgesang: eintönig. düster und mächtig. „Es scheint hier eine Kompetenzangelegenheit zu betreffen, an der vom juristischen Standpunkt nicht zu rütteln ist. Mau braucht jedoch keinen Zweifel zu hegen, was mit den über b'e deutsche Grenze Gesetzten geschieh«. Es müßte cin Wunder geschehen, wenn sie nicht in ein Konzentrations- lagcr gebracht würden Für uns erhebt sich aber die Frage, ob man nicht juristisch und zugleich human hätte verfahren können. Das bcdeulet in diesem Fall, ob der Bürgermeister von Laren die Beteiligten nicht lieber über eine andere Grenze als über die deutsche hätte setzen müssen." Die Lage der Juden in Deutschland Ter Berliner Korrespondent vom„Het Handels» b l a d"«Amsterdams schreibt u a.:„Man wird in Deutsch- land nichi eher ruhen, bis man dem deutsche» Juden jegliche Möglichkeit, gleich aus welchem Gebiet sein Brot zu vcr- dienen, genommen hat. Und obwohl er noch heute deutscher Staatsbürger ist und man bei der Entziehung der Länder- zngehörigkeit m't den Inden keine Ausnahme gemacht hat, sind die Juden doch tagtäglich daraus vorbereitet, daß ihnen bei der strikten Durchführung deß Programms der NSDAP, ihre Reichsbllrgerschast genommen wird und sie zu Aus- ländern gestempelt werden.— Wie die Stimmung in W'rk- lichkeit ist. zeigte sich noch vor einigen Tngen, als der hier früher populäre siid-sche Liedcrsänger Willi Rosen nach langer Abwesenheit wieder im..Kabarett der Komiker" am Knrfürstendamm austrat. Er wurde durch daS Publikum ge- zwangen das Podium zu verlassen nachdem man ihm ein wütendes„Juden rauS" an den Kopf geworfen hatte." Das deutsche Theater Wir lesen in der Kunstrubrik vom„Hei Handel?» blab"' Tie nationalsozialistische Regierung in Berlin hat kein Glück mit ihren Theaterintendanten. Hanns JMt wurde nachdem er kurze Zeit im Amte war, aus eine Studienreise geschickt Und nun hat mau dem Intendanten Ulbrich durch den preußischen Ministerpräsidenten einen„be- sonderen Auftrag" geb?n lassen. Er kann also auch seine Ausgabe als Letter des Siaatötheaters nicht fortsetzen. Ulbrich hat in der kurzen Zeit seiner Tätigkeit„Schlageter", „Julius Cäsar" und„Hundert Tage" inszeniert. Trotzdem schienen die Herren in Berlin nicht befriedigt zu sein. Sein Nachfolger ist Gründgens, dem die deutschen Blätter heute ein Loblied singen, wie sie das auch bei seinen Vorgängern getan haben. Aber solange Männer wie Reinhardt m Deutschland nicht geduldet werden, wird es schwer fassen, das Thater aus daS gewünschte Niveau zu bringen." Kamp! um„klein Kampf Polizeilich beschlagnahmt Wir wir erfahren, ist am Montaguachmittag durch Beamte des 0. Pariser PvlizeibezirkS die nicht antoristerte franzö- fische Ausgabe von Hitlers„Mein Kamps" be schlag- nah in t worden. Wahrscheinlich geht diese Maßnahme auf Betreiben der deutschen Botschaft zurück. Wenigsten? teilte der Verlag„Nouvelles Editions Latines" mit, daß er eine Klage der deutschen Botschaft erwarte. Vorgefunden wurden bei dem Verlage, der sich in der Rue Servandoni In der Nähe deS Luxemboiirg-PalasteS befindet, noch 28 Exemplare von der Auslage von 2000, die mit einem angehefteten Empfehlungswort deS Marschalls L i a u- t e n in interessiertest französischen Kreisen vertrieben, nicht verkauft worden waren und die ungeheures Aussehen erregt hatten. In einem kurzen Vorwort hatten die Herausgeber auf das Wort von Hitler, daß man die Ziele„nur durch einen blutigen Krieg" erreichen könne, verwiesen. Wie weiter verlautet, hat die Soeists des Gents des Lettres eine Entschließung gefaßt, die formal daß Vorgehen des französischen Verlags, der Hitlers Werk ohne Erlaubnis de« Verfassers in Frankreich verbreitete, miß- billigt. ES ist bekannt, daß daS Werk in Deutschland in über einer Million Exemplaren verbreitet ist, und in den Schulen gelehrt wird, während das Bekanntwerden im Ausland verhindert wlrd. Der Verlag kündigt nunmehr an. daß er Banfes Werk „Deutschland rüstet zum Kriege" herauszugeben beabsichtigt. Urwaldhotel auf einem Baum Sir Ernest Creek, ein bekannter englischer Forschung»- reisender, der soeben von einer Löwenjagd aus Jnnerasrika zurückgekehrt ist. berichtet als merkwürdige» Erlebnis von einem außergewöhnlichen Hotel, da» nur wenige» Weißen bekannt ist. Es befindet sich in der Kenia-Kolonie, mitten im Urwald, am Rande eines kleines Tees und ist erstaun- licherweise auf einem uralten Baum erbaut. Als Grund dafür gibt der Besitzer an, daß die wilden Tiere, die in großen Herden an den Tee zur Tränte gehen, das Leben der Menschen zu ebener Erbe gefährden. Das Hotel ist ein Rundbau, der in sechs Meter Höhe den Baum umgibt und die Zweige, die den Durchmesser und die Stärke kleiner Bäume haben, zum Fundament hat. Es gibt naturgemäß nur wenige Zimmer, und da das Hotel völlig anS Holz ist, dürfen die Gäste unter keinen Umständen rauchen. Außer- dem müssen sie sich verpflichten, nicht auf die Tiere, die zur Tränke gehen, zu schießen. Fremde werden nur bis 4 Uhr nachmittags ausgenommen, da um 5 Uhr plötzlich und ohne Uebergang die Stacht hereinbricht und die Leitern, die zur Erde führen, eingezogen werden. Die Verbindung zwischen diesem merkwürdigen Hotel und der einige tausend Kilo- meter entfernten nächsten menschlichen Anstellung wird durch Brieftauben aufrecht erhalten. Einige Zahlen... Grela Garbo verdient 9000 Dollar die Woche: Maurice Chevalier. Will Roger? 7500; Eon st« nee Bciinct 7000; John Barrnmorc. Normo Shcarcr, Richard Barthelmest, Ann Hakding 6000, Wassack Beer» 5000; William Powell 4500; Jean Erawsord. Garn Cvoper 4000; Janet Gaonor 8750; Loretta stjoung 2000. Ich habe nicht erfahren können, wieviel Mae West verdient, aber ich weist, dast ihre Gagen an und für sich sehr bescheiden sind; da sie an dem Reinverdienst ihrer Filme beteiligt ist. übertrifft sie wohl manchen. Viel wurde darüber veröffentlicht, dast Constance Bennet 80 000 Dollar die Woche verdient hat. Das ist wahr und st wiederum nicht wahr. Doch hier ist der Hergang der Ge- schichte: Vor einiger Zeit erhielt Mist Bennet während ihrer Ferien daS Anaebot. zwei Filme zu drehen. Sie unter- zeichnete einen Vertrag, wonach ihr pro Film 150 000 Dollar zugesichert wurden Sie opfert« für diese? ganz schöne Entgelt ihr Tennis, ihre Ruhe, kurz das„dolce far ntcnte". Tie arbeitete 14 Stunden iäglich. In 10 Wochen waren die beiden Filme beendet und die blonde jetzt sehr nervöse Künstlerin erhielt 300 000 Dollar, also 30 000 Dollar die Woche. Aber daS ist nicht immer fo. Das ist eine„goldene" Zwischenzeit ohne ein Morgen. In der prosaischen Eintönig- keit deS täglichen Lebens muß sie sich mit 7000 Dollar be* gnügen, da« sind 1000 Dollar täglich; den Sonntag mit ein- begriffen. Öle unbeliebte„Winterhilfe" Aufhebung des Steuergeheimnisses , r^ cr»Westdeutsche Beobachter" klagt über schlechte Er- lahrungen der Sammler des WinterhilsSwerk«: I» einem vornehmen Lokal sitzt ein Herr, hat eine Hare und eine halbe Ftaiche Wc'.n vor sich stehen und sagt eis- kalt zu llNlerm Sammler:»Ich bin arbeitslos!"(???) Be- tvndere Freude machen manche Stammrüchrnnden. Einer ^: ,™. Namen der Rnndel Ein leuchtende« Beispiel: Ort: ein besseres Lokal in Köln. Zeit: sedr spät, Personen: eine Runde von sieben Personen und ein Sammler für das ^interhilfswerk. Aus dem Tisch stehen 10 Flaichen. Hand- tbziv. erhallencr Betrag): ein Pseil»ig!— "ss»as nun eine Tragödie, ein Drama oder ein Lustspiel? I» anderen nationalsozialistische» Zeitungen liest man: Ter Kreis Magdeburg de? Winterhilsswerkes sieht nch gezwungen, die W derstände höherer Beamter und An- gehöriger ahnlicher Kreise gegenüber dem Winterhilftwcrk tcitziistclle» und gebührend zu brandmarken. Die Sammler u»d Sammlerinnen des WintcrhilsöivcrkcS seien n»r schwer äu bewegen, in sogenannten»besseren Kreisen" Sammlungen Durchzuführen da eS hänf'g zu persönlichen beleidigende» Aeußeruflgen und ähnlichen Sabotageakten von seilen»n- uerbesscrlichcr Reaktionäre gekommen ist. Ter steil- vertretende Stabsleiter des WinterhilsSwerkcS mußte die Feststellung machen, daß Regierungsräie, Direktoren und höhere Offiziere Beträge zeichnen die in den meiste» Jollen absolut nicht dem Einkommen entspreche» und auch in keinem Verhältnis stehen zn der Spende des kleinen ManncS. Gerade die Kreise, die unbedingt dazu in der Lage sind, hätten erklärt, daß sie unmöglich auch nnr& oder M Pfennig mehr geben könnten. In allen Fällen, bei den Spenden für da? Eintopfgericht, bei der Pfundlpende zu Weihnachten nnd bei ähnlichen Gelegenheilen hat es sich gc- ücigt, daß das Verständnis für die notleidenden Bolls- Genossen bei den sogenannte»..Herrschaften" noch sehr zu wünschen übrig läßt. Diese Feststellung, die d»S WintcrhilsSiverk im Kreise Magdeburg machen muß, ist durchaus kein Einzelfall. Ter Gauleiter des Gaues Magdeburg-Anhalt der NSDAP. hat angeordnet, daß diese unsoziale» Elemente in besonders krassen Fällen in Zukunft öffentlich anzuprangern sind. In anderen Gauen des Reiches werden ähnliche Maßnahmen zu erwarten sein. In dieiein Zusammenhang gewinnt eine Entscheidung des Landesfinanzamtes Düsseldorf, die in der„Bvlkö- parole", einem offiziellen Parteiorgan, veröffentlicht wird, aktuelle Bedeutung. Es wurde von dem Bauftraglen des Landessinanzamtes aus einer Besprechung mit dem Beauf- tragtrn des Treuhänders der Arbeit«nd GaubetriebSzelien- obmänncrn eindeutig erklärt, daß gegenüber Dienststellen der Partei bei den Finanzämtern kein Steucrgehelm- n i s b e s» c h e. Tie Veranlassung dazu gab die Tatsache, daß bei der Spende zur Förderung der nationalen Arbeit gerade d'e gutbezahlte» Führer und Unterführer der Betriebe angemessene Opfer abgelehnt hatten. Die»Volksparole" ichreibt:„Es bestand Einmütigkeit darüber, daß infolge der Identität der NSDAP, mit dem nationalsozialistischen Staat ei» Steuergeheimnis gegenüber den Dienststellen der Partei nicht existiert, und daß zunächst die Finanzämter in den Fällen, wo in Betrieben die Spendenzeichnung versagl hat. den Unternehmer als den verantwortlichen Führer des Betriebes z» einer Beseitigung dieses ZustandeS auf- fordern." Die Personen, die sich von der neuen Opsergemeinschait glauben ausschließe» zn dürfe», sind den Behörden und da- mit auch den Dienststelle» der Partei bekannt. Die Säumigen haben noch bis zum«l. März, bis zum Ablauf der Spendenfrist, zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen gegenüber der Gemeinschaft. Zeit. Wenn sich dfo Widerspenstigkeit von solchen Unternehmer», deren Einkommen über 02'W Mark brutto beträgt, biS dahin nicht ändert, so bleibt nach der„VolkSparole" nur»och Anprangerung durch die NSBO. übrig, die im Benehmen mit dem Treuhänder der Arbeit vor sich gehen soll. MasaryK Ober den Nationalsozialismus »Gewisse Nationen wollen Krieg— aber es fehlt a na Gelde" Die Zeitung»EeSke Slovo" veröffentlicht ein Interview, das Präsident Masaryk einen Tag vor feincm 84. Gc- burtsiag einem Vertreter einer amerikanische» Zeitung gewährt hat. Ter Präsident der Republik sagte wörtlich folgendes: Es ist richtig, daß der Pangermanismus während dieser letzten zehn Jahre nichis als eine einfache Bewegung war. Aber heute ist diese Tendenz im deutschen Staat verkörpert, das heißt im»dritten Reich". To wie die Politik Hitlers auf'ddr Vorstellung ausgebaut ist. nach der die Deutschen eine Nation von„Grand-LeigneurS" sind, hat die pau- germairiftische Bewegung den Gedanken geboren, daß dieses Volk einer Raffe angehört, deren Mission es ist. die Welt SN regieren. Die Tatsache, daß ein Volk von 63 Millionen Seelen nach einem solchen Prinzip geführt wird, ist sehr bedenklich. AuS diesem Grunde bilden die Deutschen für ganz Europa ein ernstes Problem. Wir müssen sie deshalb beobachten und studieren. ES ist nicht zu leugnen, daß die Deutschen bei Beginn deS Weltkrieges de» Vertrag, der Belgiens Neutralität garaii- tierte, wie eine» Fetzen Papier behandelt haben. Vor allem die Niederlande und Belgien mit dem Hase» von Antwerpen wurde» die Hauptziele deS pangermanisttschen Programms. Die Deutsche» hab^i versucht, dieses Programm auSzu- fuhren, jedoch sie wurden besiegt. Das muß für sie eine gc- nügendc Antwort sein. Wir wissen wohl, daß es Rationen gibt, die einen e«ro» päischen Krieg wünschen. Wir tun alles, was wir können, um den Frieden zn organisieren, aber wir müssen für sede Mög- lichkeit gewappnet sei». Nicht nur unsere Armee muß vor- bereitet sein, sondern ebenso unsere Bevölkerung. Beruhigend fügte Masarok indessen hinzu, er glaub« heute trotz allem an dt« Wirksamkeit der Verträge. Und wenn auch gewiss« Nationen den Krieg wollten, so fehle doch heute, wo in jedem Land Mensche» Hunger» sterben. daS Geld dazu. Daher, so erklärte Masaryk, glaube er nicht an einen bal» digen Krieg. Smetana hie Tragödie einet Künstlers . Ein ganzes Land rüstet sich, anläßlich der hundertzehnicn Wiederkehr deS Geburtstages und fünfzigsten Wiederkehr des odestage« deS großen Sohnes der böhmischen Nation Friedrich Smetana zu gedenken. Ein Denkmal wird ent- will«, große Preise werden verteilt, die den Namen Smetanas tragen. Monate hindurch werden in vielen Städten Konzerte veranstaltet, vergessene Partituren werde» ausgegraben. Und über den Feierlichkeiten erhebt sich das Bild des Künstlers, der das ganze Leid menschlichen Elends durchleben mußte, der arm war ivie Schubert, taub wie Beethoven, in geistiger Um- Nachiung wie Schumann und Hugo Wolf. Es war eine schwere Zeit, in der Smetana lebte und wirkte und ununterbrochen kämpfte bis zum letzten Atemzug. Leere Konzertsäle, ablehnende Kritiken. Tod der heißgeliebten Gattin, treuen Gciährtin während aussichtsloser Kämpfe um Anerkennung und das tägliche Brot, Tod des ältesten Töchter- chens Friederike, Tod deS zweiten und des dritten z.vchterchcns, das ivar alles hart und bitter, aber das Härteste und Bitterste war eS nicht. Das Härteste und Bitterste war wohl, als der Begründer der böhmischen Volksoper, der Musiker, der die Weisen des Volkes adelte, die heftigsten Angriffe als mnsika- lischer Vaterlandsverräter, als Wagnerianer, als Verehrer einer»Zukunftsmusik" hinnehmen mußte, ivetl er«Tann- Häuser" und»Tristan" schön fand.»Die»Verlauste Braut" schrieb ich aus Trotz." verriet Smetana einem Freunde, scch- zehn Jahre nach der Uraufführung, anläßlich der ersten hundertsten Vorstellung, die eine tschechische Oper erleben konnte. Damals wurde dem schon tauben Meister zuaemntet, „wie ein gewöhnlicher Beneiiziant von Haus zu Haus zu geben und die Karten»um Verkauf anzubieten, denn." so heißt eS weiter,„nach den„Braudenburgern" wurde mir der Vorwurf aemachi, ich sei Wagnerianer nnd könne im leichten volkstümlichen Stil nichts schaffen." Diese Oper aus Trotz, die zweite unter acht, im Alter von 4? Jahre» komponiert, war den» auch der einzige, große, überwältigende Erfolg: und gegenüber dem Verdikt des Volkes mußten sich die musikalischen Patrioten im Hinter- grund halten, sie warteten aber gespannt. Sie mußten nicht einmal so lanae warten, um das edle Wild zur Strecke zn bringen...Dalibor"..Libussa". zwei Opern, die nach der»Ber- kauften Braut" folgten und den Meister wieder in zwei neue» Stilarten zeigten, boten reichlich Anlaß zu Angriffen gl gcn den„Wagnerianer". Dem Spätgeborenen ist dieser Kamps nicht recht verständlich nicht nur, weil in der musika- tischen Bearbeitung immerhin große Unterschiede bestehen, sondern weil in„Dalibor" eine alte böhmische Sage erzählt und.Libussa" in die Urgeschichte der eigenen Nation zurück- führt Der Kampf hatte denn mehr persönliche Motive, und Kapellmeister Maoer ließ Bogen zirkulieren, aus denen Unterschriften gesammelt wurden, man möge doch endlich den unfähigen antinationalcn Smetana von der Leitung der Over entfernen und Kapellmeister Mayer mit der Wahrung tschechischer Kunst betrauen. Da schreibt Smetana seiner Direktion einen Brief: eS war nm die Zeit seine» 50. Geburtstages herum: ,... ich muß Ihnen von dem grausamen Geschick Kunde geben, das mich betroffen hatte..., nach der Probe hörte ich die Töne der höheren Oktaven im rechten Obr anders als im anderen .... sollte die beginnende Taubheit welter fortschreiten, bann werde ich ans mein Amt Verzicht leisten... Kapellmeister Mayer wird Nachfolger DmetanaS.»nd eine der ersten Handlungen deS neuen Direktors ist, tue Partitu- der Oper„Zwei Witwen" in die Wohnung Smetana? zurück- zusenden. Das sechste und letzte Jahrzehnt des Lebens beginnt, die Not zwingt zur Arbeit, die Reise zu Spezialisten, so zu Professor Politzer nach Wien, ist teuer, ein Konzert soll die notwendigen Mittel herbeischaffen, besonder? dic Uranfftthrung der„Moldau" dient al« Attraktion, deren Partitur zum erstenmal mit dem Vermerk versehen ist:„In voller Taubheit". Aber das Leiden will nicht besser werden. Erleichterung verschafft nur die Flucht in die Musik.(„Aus meinem Leben, Streichguarictt, das hohe E im vierten Satz verkündet im Pfeifto» die Katastrophe meiner Taubheit, in Wirklichkeit war es Sextakkord in A."l Die Hoffnung aus Besserung schwindet immer mehr, und die bange» Tage vergehen mit dem Schrei- be» von Briefen, in denen die seit sechs Monaten zurück- gehaltene Gage urgiert wird. Nur selten ein Lichtblick, Hain- bürg interessiert sich für die„Zwei Witwen", das tschechische Milieu wird aber in das französische Milieu umgeändert, jeder Sänger, sede Sängerin hat Spezialwünsche, ber Dirck- ior versaßt die Verträge unklar, jongliert mit Brutto- und Ncttoprozenten, um den Komponisten hineinzulegen: baß es dann doch z» einer Aufführung kommt, war wohl mehr Er- folg wiederholt gesendeter Fasane aus den böhmischen Wäldern, denn der Musik. Die Mensche» verlassen Smetana, er lebt bei seiner ver- heirateten Tochter söer einzigen Ueberlcbenden von vier Schwestern), traurig, schicksalergeben. Nur Elisa KraSzno- horSka, die feine Dichterin, gedenkt deS kranken Freundes, sendet ihm. mehr zur Erinnerung, ein ländliches Lustspiel: „Hubicka'(Ter Kußi. Zum letztenmal entfaltet sich das Genie, zum letztenmal flattern lustige Tanzweisen empor. Und die„Nkolebavka"(DaS Wiegenliedi gehört zn den schönsten Liedern böhmischer Musik. Dann ist eS au».»DaS Geheimnis",„Die Teuselsmauer" werden zwar noch voll- endet, aber der reiche Strom ist versiegt: die verworrene», naiven Libretti trugen nicht dazu bei, den Erfolg zu steigern. Auf dem Weg zum Theater, wo als Festvorstellung die einst so angefeindete„Libussa" gegeben werden soll, erreicht ihn die Nachricht vom Theaterbrand: ein heranbrausender Zug ist im Begriff, den Tauben zu zermalmen, der in dem Brand ein böscö Zeichen höherer Mächte sieht. Wie durch ei» Wunder wird er vor dem sicheren Tod gerettet. An Josef Srb schreibt er am 0. Dezember 1882:»Geehrter Freund!... ich habe die Stimme verloren..., auch daS Lese» treffe ich nicht mehr..., ja. daß ich in Wahnsinn verfallen kann... Die Beschäftigung mit der Musik vollkommen ver- boten, nichts darf ich musikalisch denken, ich kann mir nicht einmal meine eigenen Kompositionen vorstellen., meine neuen Kompositionen find mir widerwärtig..., Winter herrscht schon den ganzen Sommer über..., es mir im Kopie dröhnt, aber das spricht auch>n vielen Tönen, pfeift in un- sichtbaren Tönen um mich herum, lacht mich au», beschimpft mich als einen dummen Kerl.... bedauern Sie mich nicht, ich bin auf dem Weg, der mir bestimmt ist, vollkommen vorbe- reitet. Ihr inuner treuer Freund..." Auf Vorschlag Saint-SaenS wird Smetana eingeladen, in Paris„Vnfohrab" zu dirigieren: aber der Hausarzt hatte bereit« das Todesurteil ausgesprochen: der Kranke muß in eine Nervenheilanstalt, er hat schon das Bewußtsein verloren. Die Nervenheilanstalt ist das Katharinen-IrrenhanS. Die Zimmcrwand trägt die letzten Notenzeichen SmetanaS, sie sangen schön, regelmäßig an. dann beginnen sie wild zn tanzen, der Zusammenhang fohlt, dann hört alle» sah ans: es hätte eine Polka werben sollen aus dem Prager Karneval... Alex. Szana. 5 Monate Ollidf Sehnsucht nach dem Gefängnis Man schreibt uns aus dem Reich: Ein politischer Gefangener wurde auS dem Gefängnis inS Konzentrationslager gebracht. Kurz danach wnrde er vom Gericht zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt»nd kam auf diese Weise wiederum aus dem Lager ins Gefängnis. Man sprach von ihm mit Neid: Der hat(Slikt gehabt! Und es ist für viele Menschen ei» Glück, fest im Gefängnis z» sein. Die GeiaHr, geschlagen und ermordet zu werden, ist im Ge- sängnis als Regel bedeutend geringer als im Lager. Ein besonderes Glück ist eS, in einem„anständigen" Gefängnis zu sitzen. DaS heißt: In einem Gefängnis,»i dem M« alle Verwaltung»och die frühere menschliche Behandlung der Gefangenen übt. Ich habe fünf Monate lang dieses besondere Glück. In einem anständigen Gefängnis z» sitze», gehabt. Man hat mich nicht geschlagen,»nd meine Erlebnisse im Gefängnis waren völlig unromantifch. Tie waren für mich nmfv ivertoollrr, weil sie die völlig nnromaniische Wirklichkeit der„nationale» Revolution" richtig wideripicgelitn.?l«cki jeder weiß es, daß man den Alltag einer Revolution!>» Gefängnis und auS dem Gefängnis besonders gut kennen lernen kann. AlS ick nach fünf Monate» durch die Straßen einer mittel- großen Stadl ging, war ich nicht durch den Siraßrnform, son- der» durch die unheimliche Stille in der ganzen Stadt be- drückt. Die Mensche» in Deuischland haben verlern«, laut zu sprechen. Laut zu sprechen wagen n«r diejenigen, die an der Macht teilnehme». Die anderen ziehe» es vor zu jchwei- gen. Deuischland ist jetzt ein schweigendes Land. Stach meiner Entlassung habe ick nicht das Gefühl der Freiheit achabt, sondern eher daS Grsiibl, aus einem Gefängnis in ein an- dercs, viel größeres zu kommen. In Teutschland sperren sich jetzt die meiste» Menschen ab. Jeder lebt in seinem enge» Kreis. Deshalb ist eS so außer- ordentlich schwer, das deutsche Leben zu sehen, wie e« wirk- lich ist. Mein Gefängnis war al» Beobachtung»»?! sehr günstig. Ich habe hunderte Menschen ans verschiedenen einzelnen Kreisen kennengelernt. Das waren hunderte menschliche Schicksale. Und in diesen Schicksale spiegelt sich das wahre Gesicht der nationalen Revolution wider. Die Welt hat schon vieles von den grausamen Taten der Rationalsozialisten erfahren. Di« Grauiamkeit der»aiiona- Icn Revolution ist»och größer, als die Welt es glaub«. Trotzdem ist der hervorstechendste und beherrschende Zug dieser Revolution nicht ihre Grausamkeit, sondern ihre Gemeinheit. Die Gemeinheit gibt auch der nationalsozialistischen Grausamkeit ihr besondere« Gepräge. Man begnügt stch nicht mit dem physischen Schmerz oder der physischen Vernichtung. Man will die Opfor möglichst stark moralisch treffen, sie erniedrigen, nicht nur den Körper, sondern auch das Ehr- und Schamgefühl quälen. Ich weiß nicht, ob diese Revolution die grausamste, weiß aber, daß sie die niederträchtigste aller Revolutionen ist. Sie ist besonder« niederträchtig, weil die terroristischen Macht- mittel der Diktatur den niedrigsten Instinkte», dem übelste:! Haß und dem kleinlichsten Neid zur Verfügung gestellt werden. In unserem Gefängnis saß eiiva drei Monate lang ein Mann, der 102« als Separatist, dann aber nicht mehr polt- tisch tätig ivar. Die meisten Separatisten gehören setz, zu den NaziS. Wenn man einige eingriperrt hatte, so geschah daS jedesmal ans irgendwelchen besonderen Gründen. Ter Mann, von dem ich spreche, wußte lange Zeit selber nicht, weshalb man ihn verhaftet hatte. Das ist zuiällig bekannt gewordeir. Er wollte eine geschiedene Frau heirate». Der erste Mann dieser Frau ist jetzt bei der TA. Und er hat die Verhaftung deS Manne?, den er al« an seinem Familien- Unglück schuldig hält, bewirkt. Das ist gewiß ein kleines, aber ein sehr typische« Beispiel. Die meisten Verhaftungen sind Folgen von Dennnziationen durch die Nachbarn, durch frühere Freunde, sogar durch die Ehefrauen. Die Statistik der Denunziationen im„dritten Reich" würde die aanze Welt i» Staunen versetze». In dieser Hinsicht ist die nationale Revolution wirklich groß. Der Na- iionalsozialismus bekämpft den Marxismus. Der einzelne Nationalsozialist bckänioft de» einzelnen Marristen, den er kennt. Wer sind diele Marxisten? Für einen Geschäftsmann ist es der erfolgreiche Konkurrent, für einen arbeitslosen Nationalsozialisten fast jeder Arbeiter, der noch in Arbeit steht. Die marxistische» Beamte» werden entlassen,»»i den an- deren Platz zu machen. Der Tieg bedeutet die Beute. Wenn das neue Beamtengesetz keine Unterlage für die Entlastung bietet, wird nach sogenannten kriminellen Vergehen gesucht. Alan konnte einen Bürgermeister»ach dem neuen Gesetz nicht entlassen, weil er schon vor dem Krieg Beamter gewesen ist. Man machte ihm den Prozeß. E» wurden nickt weniger als 182 Anktagepilnkie ziisammcngeiragen. Das„Material" war der Ertrag der Arbeit williger Deiinnziantcn. Mehr al« vier Monate war dieser Bürgermeister erst im Lager nnd dann im Gesänanis, und man bat ihn dock entlasse» müssen, weil ihm trotz dieser Masse von Denunziationen kein Vergehen nachzuweisen war. Dieser Bürgermeister hat aber wirklich Glück gehabt. Die anderen bleiben in Haft oder werden ins Konzcniiatioii?- lager geschickt, trotzdem nichtS gegen sie vorliegt. Ein»aiio- nalsozialistischer Polizeibcainier sagte:„Gegen A. liegt»war nichts Nachweisbare? vor. Wir halte» uns aber an den Grundsatz: Lieber Ist Unschnldiae Im Gefängnis halten, als eine» Sckuldiaen laufon lassen" Das ist ivabricheinlich das „germanische Recht", da» jetzt so gepriesen wird. Werden in Deutschland jetzt Taufende»nd Zebniausende gemartert und arschlagen, so werden Millionen diesem Ji*fog gegen den Nackbarn, der Verfolgung durch Haß und Neid ausgesetzt. Da« geeinte Volk fott dadurch geschaffon werde», daß an alle» Straßen und Ecken nach dem Grundsatz„Homo homini lupuS" verjähren wird. Man hat mich nicht gemartert. Ich war aber Zeuge einer seelischen Oual. dfo man nie vergesse» kann. Einmal wurde bei un« ein ötstähriaer Jude einaeliefort, ein Händler in einem Dort. EineS Abend» sammelte sich vor seinem Hau« ein« Menschenmenge. ES wurde»«rufen:.Heran» mit dem Juden! Schlagt ihn tot!" Die Polizei ist»icki gegen die Menge eingeschritten. Sie hat den Juden verhaftet. Der alte Mann war besonders dadurch erschüttert, daß man ihn al? Verbrecher behandelt.„WaS habe ich getan? Was habe ich getan?", sraate er. Er hatte nichts getan. Sein Verbrechen war, al« I»Se geboren vnb dann ein Konkurrent der an- deren Geschäftsleute zu fein. Den alte» Mann vlaoie furchtbares Heimweh. Fast iede Nacht hörte ich ifin schreien. Er schrie wie ein wildes Tier, da« im zoologischen Garten aefonaen gehalten wird, da»» schreit, wenn e« Heimweh hat. De» Alten Schrei klinat mir in den Ohren, wenn ich die Rrd-n lese, in denen Adofo AH. ler von der Nation, von«er Rasse, von der heroischen Welk- anschauunq usw. spricht. Ich wünsch»?. die ganze Weit hörte den Schrei eine« alten, ohne jede Schuld gequälten Manne». (Deutstfke Stimmen•(Beilage zur„(Deutstfken Freiheit"• Ereignisse und Qestfkitfkten Donnerstag, den 7. MSra 1934 lüieaetutnen Nicht zu zählen sind die Lieder und Gedichte, die Operetten und Lustspiele, die Romane und Geschichten, in denen die Wienerin gepriesen wird. Die süße Schlankheit des jungen Mädchens(„so g'wachsen wi a Ramerl im schönen Wienerwald!"), das bezaubernd„Mollige" der jungen Frau, die Tanz- und Kußfreude, die Liederfroheit, der Charme, die zarte Grazie der Wienerin, ihr lebenslustiger Leichtsinn—r alle diese Eigenarten und Eigenschaften sind der Wienerin angedichtet worden, eine Idealgestalt der Wienerin entstand, die durchaus keine war, aber als Verkörperung der Wienerin einging in die Unsterblichkeit der Operette, der Schlager und der Kitschfilme. So kennt die Welt die Wienerin. So sieht man sie in Berlin und Neuyork, so sieht man sie auch bei uns in den sentimentalen Operettenfilmen. Denk-Klischeea, festgeronnene Vorstellungen sind schwer zu zerstören. Auch Menschen, die durchaus nicht unkritisch sind, erliegen der Magie solcher allgemeingültiger Vorstellungen. Es gibt auch bei uns nicht wenige Arbeiter und Arbeiterinnen, die, auch wenn sie genug von den harten sozialen Kämpfen der Wiener Proletarier wissen, sich doch die Wiener als leichtlebigere, leichtblütigere Menschen denken, besonders aber die Wienerin nach dem oft im Film geschauten, durch das Radio oft geschilderten „Idealgestalten" formen. Auch jetzt noch? Im Film und in der Operette wird, als ob nichts geschehen wäre, als ob Wien nicht die Stadt der Heimwehrbanditen wäre, als ob noch immer der Himmel, was doch auch oberhalb Wien nie seine besondere Eigenart war, voller Backhendel hinge und die Wienerin zeitlebens nichts anderes zu tun hätte, als zu tanzen und zu singen und zu küssen, diese W ienerin weiter über die Bretter und die Leinwand hüpfen. Die Arbeiter aber— die Arbeiter außerhalb Wiens, denn die Wiener Proletarier kannten ja längst ihre Frauen und 1 ochter anders— werden jenes„Idealbild" zerreißen und ein anderes, ein weniger„süßes", ein ganz und gar unkitschiges sehen und lieben, und ganz anders, tiefer, inniger lieben, es lieben mit der wortkargen, unsentimentalen, aber echten und starken Liebe des Proletariers: das Bild der Wiener Arbeiterfrau. Die Wiener Arbeiterfrau war in den großen proletarischen Kampftagen, da Kanonen gegen Gewehre standen, schwere Haubitzen gegen Arbeiterwohnungen feuerten, würdige Gefährtin, echter Kamerad des Mannes. Sie stand an seiner Seite im Feuer, sie harrte bei ihm aus in Tagen und Stunden schwerster Gefahr, sie war, wie es in so hohem Sinne des Wortes kaum je eine Bürgerfrau sein kann, sein Weib. Die Männer standen im Kampf. Die Frauen brachten ihnen, den schon Erschöpften, Trank und Nahrung: Wasser und Kaffee und Brot. Sie reichten ihnen die Munition zu. Sie pflegten die Verwundeten, sie betreuten die Sterbenden. Und manche wurde in diesen Schicksalsstunden aus der Dulderin zur Kämpferin. Ein Simmeringer Schutzbündler erzählte: Als ein Angriff der Heimwehren abgewiesen war, die Fey- Männer die Flucht ergriffen hatten, ein Maschinengewehr zurücklassend, da stürzte aus dem verteidigten Hause eine Gruppe Frauen, um die Verwundeten zu bergen, die verwundeten Feinde. Sie schleppten sie ins Haus und verbanden sie. Aber— sie zerrten auch das verlassene Maschinengewehr ins Haus! Ein Schutzbündler war tödlich getroffen worden. Seine Frau schleppte ihn zurück,„busselte" ihn ab, drückte ihm die Augen zu— und reichte den Weiterkämpfenden Munition, brachte den Dürstenden Wasser. So war es in Simmering. So war es aber auch in Ottakring und in Floridsdorf. So war es überall, wo die Arbeiter (Die Vedtie&emn Jüdische Qelehcle im Ausland Aus Moskau wird gemeldet, daß die russische wissenschaftliche Akademie die folgenden jüdischen Gelehrten zu Ehrenmitgliedern gewählt hat: Prof. Max Born, früher Göttingen, jetzt Cambridge; Prof. David Hilbert, früher Güttingen; Prof. Kowner von der Moskauer und Prof. Malmud von der Leningrader Universität, schließlich den berühmten jüdischen Physiker Prof. Levi-Civita, einziges jüdisches Mitglied der Päpstlichen wissenschaftlichen Akademie(Academia Ponti- ficia). Aus Konstantinopel wird gemeldet, daß Prof. Nissen, früher Berlin, jetzt Chirurg an der Konstantinopeler Universität, zum Ehrenmitglied der Chirurgischen Gesellschaft in Athen gewählt und zu Gastvorlesungen in Athen, Charkow und Stockholm eingeladen wurde. Aus London wird gemeldet, daß bisher mit Hilfe des Academic Assistance Council 132 deutsehe Professoren aus Deutschland an englischen Universitäten untergebracht wurden. In den meisten Fällen sind„Research-Scholarships" (Forschungsstipendien) für-zwei Jahre gegeben worden, die für Verheiratete jährlich 250 Pfund, für Unverheiratete 182 Pfund betragen. In 42 anderen Fällen wurden zeitweilige Beihilfen gewährt. Durch das Londoner Büro des International Student Service sind 279 Fälle bearbeitet worden, nur in 20 Fällen konnte man Scholarships geben, die jährlich etwa 50 Pfund betragen, in 20 anderen Fällen konnten Studenten Freistellen beschafft werden. Eine Umschichtung erplang bei 50 Studenten, 20 Fälle wurden dem Zentralbüro in Genf überwiesen, in 50 anderen Fällen konnte der ISS. durch Ratschläge behilflich sein, so daß nur eine Zahl von 190 Studenten bleibt, denen nicht geholfen werden konnte. Bei diesen soll später ebenfalls Umschichtung versucht werden. An der internationalen Universität in Istambul sind 32 deutsche Professoren tätig, davon die Mehrzahl vertriebene Juden. Eine Reihe anderer vertriebener Juden hat in (Das tinheitsschaf kämpften. Mann und Weih verschmolzen in den belagerten Häusern, unter dem Donner der Geschütze, im Kugelgeprassel zu innigster ehelicher Gemeinschaft. In der inneren Stadt saßen die„süßen" Wienerinnen in den Kaffeehäusern und flirteten. In den Arbeiterbezirken litten und starben die Proletarierfrauen an der Seite ihrer Männer und Söhne. Wienerinnen! Jetzt treiben sich die Reporter der über Nacht gleichgeschalteten bürgerlichen Presse, die Federhelden, die gestern noch„linke" Journalisten waren, in den zerschossenen Gemeindehäusern herum und sammeln„Eindrücke" und interviewen die Witwen und verarbeiten ihr Leid zu Feuilletons. Sie interviewen— aber nie werden sie erfahren, was die Wiener Proletarierfrauen denken. Die öffnen ihre Herzen nicht den situationsgewandtesten Schmücken. Keinem dieser Interviewer hätte die alte Genossin erzählt, was sie einem Vertrauensmann, eben weil er ihr Vertrauen besaß, nach den Kampftagen sagte: „Sie wissen, daß mein Hans mein Einziger ist. Daß ich nichts und niemanden hab als ihn, seit ich meinen Mann im Krieg verloren hab. Wie er am Montag fortgegangen ist, wie er von mir Abschied genommen hat, da hab ich gewußt, wohin er geht. Aber kein Wörtel hab ich gesagt, um ihn zurückzuhalten. Ich hab gewußt, warum er geht!" Die Werber der„Vaterländischen Front" brechen in die Arbeiterwohnungen ein. Die Regierung umschmeichelt und umheuchelt die Arbeiter, die„braven", bloß„verführten" Arbeiter. Dumpfer Terror begleitet die Werbereden. Und die Regierung wird wirklich Erfolg haben: Sie wird Arbeiter in die„Vaterländische Front" und in die„Christlichen" Scheing6werkschaften bekommen. Durch Zwang. So wie sie durch Zwang den Kirchenbesuch und den Religionsunterricht auch der konfessionslosen Kinder erzielt. Dollfuß-Agenten und schwarze Weiber werden die Seelen der Arbeiterfrauen erkaufen und erschwindeln wollen. Aber kein Arbeiter, der in die„Vaterländische Front" gepreßt wird, hört auf, Sozialdemokrat und wilder Hasser des Dollfuß-Regimes zu sein. Und keine Arbeiterfrau, keine der Tapferen, die an der Seite ihrer Männer im Kampfe standen, erliegt innerlich den Werbungen der Dollfuß-Emissäre. Die proletarischen Wienerinnen bleiben Sozialdemokratinnen. Die Wiener Arbeiterfrauen sind ja nicht bloß Sozialdemokratinnen, weil ihre Männer der Partei angehörten. Die Wiener Proletarierin ist recht kritisch veranlagt, sie vermag sehr gut selber zu prüfen und zu urteilen. Sie hat in anderthalb Jahrzehnten miterlebt, was die Sozialdemokraten für die Arbeiter geschaffen haben, für die Kinder der Arbeiter! Sie hat sich selber als Mitschöpferin gefühlt! Das Wien, das die Schutzbündler verteidigt und die Fey Banditen zerschossen haben, das war ihr Wien! Und diesem Wien bleibt sie treu! Dollfuß weiß zwar, wie man auf wienerisch„draht" und wie man auf budapesteriseh„mullatiert" und der Starhemberg wird gewiß schon manches„süße" Mädel kennen gelernt haben. Vom Wesen der Wiener Proletarierinnen wissen sie, ahnen sie nichts! Diese von ihnen nicht gekannte, nicht einmal geahnte Wirklichkeit macht alle ihre Vorstellungen, macht alle Vorstellungen von der Leichtlebigkeit und Oberflächlichkeit der Wienerin zuschanden. Diese Wienerinnen vermögen treu zu sein! Wie treu! Ihre Liebe und Treue zum Roten Wien hält allen Lockungen und Verheißungen stand, sie wird den Dollfuß und den Fey überleben. Diese Wienerin werden wir vor uns sehen, wann und wo von der Wienerin gesprochen wird— und dieser Wienerin gehört unsere Liebe! I. H. Amerika Unterkunft gefunden. Die deutsche Professorenschaft ist infolge der Maßnahmen des Hitler-Regimes jetzt über alle Welt zerstreut. Das jetzt in Prag erscheinende„Internationale ärztlithe Bulletin" bringt eine Liste aus Deutschland vertriebener medizinischer Forscher, die etwa 130 bekannte, zum Teil weltberühmte Namen enthält. Die Liste erhebt, wie das Bulletin bemerkt, noch lange keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die drei hervorragenden deutsch-jüdischen Mediziner, die Professoren Hermann, Samuel und Bernhard Zondek, die im medizinischen Leben Berlins eine erste Rolle spielten, werden, da sie wegen ihrer Zugehörigkeit zum Judentum ihre wissenschaftliche Tätigkeit in Deutschland aufzugeben genötigt waren, von nun an gemeinsam in Manchester wirken- Hermann und Samuel Zondek leisten bereits seit längerer Zeit in einem eigens für sie geschaffenen Laboratorium am Victoria Memorial Jewish Hospital zu Manchester eine überaus fruchtbare wissenschaftliche Arbeit. Bernhard Zondek, der als Gynäkologe und Entdecker der sogenannten Asch- heim-Zondekschen Probe Weltruf genießt, war bis jetzt am Rockefeller-Institut in Schweden tätig. Nunmehr wird sich auch Bernhard Zondek seinen Brüdern in Manchester zugesellen. Jüdische- Abiturienten:„(Keil 9Citlee" Bei den in diesem Frühjahr abgehaltenen Reifeprüfung an reichsdeutschen Mittelschulen traten die Lehrer mit„Heil Hitler!" ein. und die Abiturienten, auch die Juden, mußten mit diesem Ruf vortreten. Aufsatzthemen waren:„Wer ist unser Führer?";„Das Fest der Deutschen". Den Juden war als drittes Wahlthema freigestellt, über Statuen usw. zu schreiben Man liest im deutschen Reichsgesetzesblatt, Daß Deutschland viel zu wenig Schafe hat. Daß deutsche Wolle in der Qualität Und in der Menge hinter Auslandswolle steht. Man hat deshalb Verordnungen erlassen Zur Züchtung wertvoller Schafeinheitsrassen. Man klagt, daß vom gesamten Wollbedarf Nur neun Prozent das deutsche Schaf abwarf Nicht recht verstehen kann ich die Beschwerde. Ist nicht das ganze Volk'ne Hammelherde, Die mit„Heil Hitler!" willig Wolle läßt Bei jeder Arbeit und bei jedem Fest? Hat nicht Herr Doktor Göbbels fromm und. brav Gezüchtet sich das deutsche Einheitsschaf? Und spielt er nicht auf diesem sanften Tier Wie ein Virtuose flott auf dem Klavier?—' Der deutsche Arbeitsmann nach Brot begehrt! Doch Göbbels sagt:„Die Ehre ist mehr wert." Gehorsam wird man drob in Land und Stadt Vom deutschen Ehren-Sonntagseintopf satt. Für Sozialismus gegen feine Herr n Steht jeder Deutsche mit Herrn Göbbels gern. Doch wenn man feine Herr n zu Führern macht, Der brave Bürger:„So geschah es," sagt. Herr Göbbels rief:„Ihr deutschen Frau n, raucht nidtf Sonst schlägt man euch den Stummel vom Gesicht'" Gleich warfen fort die Hilde und die Anna Ins Müllfaß ihren Stengel aus Havanna. Einst ächtet' er den jüd'schen Bubikopf; Schnell ließ man wachsen lang den Gretchenzopf. Doch, da er kürzlich schmäht das„Moralin", Sieht man erneut Havannadüfte ziehn Von zarten, rosig angehauchten Lippen, Die wieder keß am Lippenstifte nippen. Frisch angekurbelt wird gleich der Frisör, Am Hungertuche naget er nicht mehr, Denn freudig schneidet er den Bubikopf, Mit Wollust sägt er ab den Gretchenzopf.——— Bei so viel Wolle, wozu das Geschrei, Daß unser Land zu arm an Schafen sei? Wozu muß man Gesetze gar erlassen Zur Züchtung einheitlicher Wolltierrassen? Doch ich versteh: Das fällt in die Rubrik, Die man heut nennt Revölk'runesDolitik. tnimuz. Samuel hilft nicht Warnung vor der Chaosnacht unarischer Fremdlinge...•• Der„Gesundheitslehrer" schreibt:„Deutsche Volks- und Reformärzte! Deutsche Heilpraktiker! Wollt ihr dem vergifteten und irregeleiteten deutscharischen Blute eurer deutschen Schwestern und Brüder im Sinne altarischer Kultur und Weltanschauung zur Wiedergesundung verhelfen, dann ist euer Platz nicht bei der art- und wesensfremden Homöopathie Samuel Hanemanns, deren Begründer, genau wie sein Rassengenosse Heine, die letzten Jahre seines Lebens in Opposition gegen das Deutschtum in Paris verbrachte, allwo er im Jahre 1843 auch starb, sondern bei der allein rein deutschen, arischen, polarbiochemischen Naturheilwissenschaft, deren Wurzeln, Jahrtausende zurückreichend, in den altarischen Anschauungserlebnissen gründen, die, vom Himmel geholt, durch die Polaritätslehre der nordischen Runenweisheit erschlossen sind. Entweder seid ihr Deutsche Helfer und Wegweiser zum neuerwachten Ariertag oder ihr sinkt mit dem zur Neige gehenden Eurasiertag und seiner Unheil- methode in die natur- und weltgesetzmäßig bedingte Chaosnacht der unarischen Fremdlinge." 7 leue(Buchet Antifaschistische Literatur in England Die englischen Verleger kündigen das Erscheinen einer Reihe antifaschistischer Bücher deutscher Autoren an. Ernst Toller hat Erinnerungen verfaßt, die unter dem Titel„Ich war ein Deutscher" herauskommen; von Jakob Wassermann erscheint im März aus dem Nachlaß ein Buch„Mein Leben als Deutscher und Jude", das sich mit der Geburt des Antisemitismus in Deutschland befaßt. Prini Hubertus von Löwenstein, der bekanntlich im Reichstagsbrandprozeß sich als Zeuge anbot, aber vom Reichsgericht nicht vernommen wurde, veröffentlicht eine Anklage gegen das„dritte Reich" unter dem Titel:„Die Tragödie einer Nation: Deutschland 1914 bis 1933." Dann wird noch die Veröffentlichung eines Tagebuchs eines deutschen Reichswehrgenerals angekündigt: „Von Weimar ins Chaos"; es behandelt die Geschehnisse jener Tage, die der Machtergreifung Hitlers vorausgingen und wird herausgegeben von Dr. Helmut Kloff. Zeit=7loüzeii Schrift gegen den Rusenunsinn Die tschechische Akademie der Wissenschaften bereitet eine Publikation vor, in der die sogenannte deutsche Rassenwissenschaft von hervorragenden Mitgliedern der Akademie widerlegt wird. Die Publikation wird Arbeiten der Professoren Matiegka, Ruzicka, Weigner und anderer Kapazitäten enthalten und voraussichtlich den Titel führen:„Für die Gleichberechtigung der Rassen." Die Schrift wird den Beweis führen, daß es reine Rassen nicht gibt und daß auch die Züchtung von reinen Rassen unmöglich ist, denn bei der Berechnung der Merkmale der Reinrassigkeit kommt man zu astronomischen Ziffern. Der Band wird in wenigen Wochen erscheinen. Protektion muß sein Bekanntlich hat ein eigener Nazi-Erlaß verboten, Aeuß» rungen von führenden Nazipersonen und Naziorganisationen als Bücherreklamen zu verwenden. Dieser Erlaß gilt für Herrn Wilfred Bade nicht: sein Werk„Geschichte des dritten Reiches", Band 1, wird lang und warm vom Gauleiter Hen- king des NS.-Lehrerbundes im Börsenblatt und auf Prospekten angepriesen. ferniditet die Sozialdemokratie Die Politik der Kommunisten Die heutige Lage in Deutschland trägt mehr denn je den Zwang zur Einigung der Ardeiterklasse in sich. Viele Meinungsverschiedenheiten sind vom Gegner ausgelöscht wor- den. Viele Irrtümer und Fehler der Vergangenheit werden in strenger Selbstkritik erkannt. Unter dem furchtbaren Druck der Diktatur formiert sich eine heroische Armee von Kämp- fern, die.sich den Sturz der Diktatur, die Wiedercroberung der Freiheit, die Ausrichtung beb Sozialismus durch die im Kampfe geeinte Arbeiterklasse zum Ziel gesetzt hat. So denken wenigstens die S o z i a l d e m o k r a t« n und einige der ihnen, nahestehenden Gruppen, nicht so die Kom- munisten. Sie halten krampfhaft fest an ihrer hergebrachten Ausfassung, daß nur ste berufensxien, die Fsthrung der Ar- beitcrbcwegung zu übernehmen! sie stehen blind und unbe- lehrbar den umstürzenden Ereignissen des letzten IahreS gegenüber: ste predigen nach wie vor den unerbittlichen Kampf gegen die Andersdenkenden, vor allem gegen die Sozialdemokraten, die sie sür alles Unheil verantwortlich machen? ste betrachten die Einigung der Arbeiterklasse nur dann als durchführbar, wenn stch alle anderen sozialistischen Gruppen und Parteien ihnen unterworfen und In die Kom- munistische Partei eingereiht haben. Einig« der wichtigsten Kundgebungen von kommunistischer Seite mögen diesen Tatbestand illustrieren. Wir geben sie auS offiziellen kommunistischen Quellen ohne Kommentar Mieder. Mögen unsere Leser sich selber ein Urteil bilden. Die»Sozial-Faschisten" Der Vertreter der KPD. im Exekutivkomitee der st. Jnter- nationale, Fritz Hccker t. schreibt in seiner im N o v e m- ber 19.3 3 erschienenen Broschüre:»Was geht in Deutsch- land vor?* unter anderem: »Di« Kommunistische Partei Deutschlands hat noch nie ein solches moralisches Gewicht unter den Arbeitermastcn ge- habt, wie setzt, wo die sozialdemokratischen Führer Hitler die Stiesel lecken, während die Kommunisten das Banner de? unversöhnlichen Kampfes gegen den blutigen Faschismus entfalten." »Der offene Uebergang der deutschen Sozialdemokratie ins Lager des Faschismus ist von entscheidender Bedeutung für die Erschütterung des Einflusses ber Sozialdemokratie aus die Arbeitcrmaffen, und nicht nur In Deutschland allein." In den Thesen des Exekutivkomitees der Kom- munistischen Internationale, die im Dezember 1933 in Moskau angenommen wurde, heißt es: »Die Sozialdemokratie spielt auch weiter die Rolle der sozialen Hauptstütze der Bourgeoisie auch in den Ländern der osfenen faschistischen Diktatur, indem ste gegen die revo- lutionäre Einheit des Proletariats wie auch gegen die Sow- setunion kämpft und der Bourgeoisie durch die Spaltung der Arbeiterflasie das Bestehen des Kapitalismus zu verlängern hilft." Auf dc-felben Tagung der Erekutive erklärte der deutsche Vertreter. Wilhelm Pieck, in seinem Referat: 7»Die Sozialdemokratie bleibt auch nach de« Perbot ihrer „Organisation die soziale Hauptstütze der Bourgeoisie. Sie -ocssHt Spalttzna.der.Arbeitexkl asie. fort und .7 sucht ste sogar noch zu vertiefen." Unerbittlicher Kampf gegen die SPD.' In demselben Referat von Pieck heißt eS: "'»Die Sozialdemokratie macht ihre größte Krise durch. Sie ist In Zersetzung, in ihrer- ieksten Niedergang, aber e? wäre falsch, etwa anzunehmen, daß ste aufgehört habe zu exi- stieren. Es liegt bei unS Kommunisten, sie zu vernichten." »Die Einheit der deutschen Arbeiterklasse kann nur durch die Liguibierung beS Massencinflusies der Sozialdemokratie herbeigeführt werden." In den bereits erwähnten Thesen deS Exekutiv- k o m i t e e S hcisst es: »Im Kampfe gegen die Sozialdemokratie müssen die Kom- munisten den Arbeitern die ganze historische Unvermeidlich- keit deS jüngsten Bankrotts der Sozialdemokratie und der zweiten Internationale aufzeigen: unter sorgfältiger Aus- dcckung und Zerschlagung aller heuchlerische» und verrätert- scheu Sophismen der Sozialdemokratie vor den Mass?» müssen die Kommunisten die sozialdemokratischen Arbeiter sür den aktiven revolutionären Kamps unter Führung der Kom- munistischen Partei gewinnen." Niemals so schön wie jetzt... Der organisatorische Letter der Kommunistischen.Jnter- nationale, Pjatnizki, erklärte in der Sitzung der Exe- kvtive: »Trotz deS unglaublichen Terrors ist«S jetzt unter dem deutschen Proletariat deshalb leichter zu arbeiten, weil die Sozialdemokraten und die parteilosen Arbeiter, die der Sozialdemokratie Gefolgschaft leisteten, wie auch die Mit- gliedor der reformistischen Gewerkschaften zu einem grossen Teil enttäusch! sind von der Politik der Sozialdemokratie." Dl« KPD. trotzdem untüchtig Derselbe Pjatnizki übte in der gleichen Sitzung heftige Kri- tik an der KPD., die weder ihre Aufgaben richtig erkannt, noch ihren Einfluß in der Arbeiterschaft verankert habe. »Im Augenblick des Umsturzes war der Einfluß der Kommunistischen Partes in den Betrieben verschwindend gering und ein Teil der Arbeiter, der Angst davor hatte, aus dem Betrieb zu fliegen, begann in die faschistischen Betriebsorga- nisattonen einzutreten und wurde von den Kommunisten und Mitgliedern der revolutionären Gewerkschastsopposition nicht davon zurückgehalten." Nicht viel schärfer als der eigentliche Führer der Kommu- nistischen Internationale urteilt— allerdings unter anderem Gesichtspunkte— der„Manchester Guardian", das angesehenste liberale Blatt Englands, das stch auch den deut- schen Kommunisten gegenüber stet» durch ausserordentliche Objektivität auszeichnete, über die Haltung der KPD.: »Die deutschen Kommunisten haben niemals eine einzige erfolgreich« Aktion durchgeführt, sie haben niemals eine Aktion mit Aussicht aus Erfolg begonnen, und die blosse Tat- fache, dass sie sie begannen, hatte stets genügt, sie zum Schei- lern zu bringen... Sie hatten nichts als ihre starre Un- sähigkeit, zu lernen und stch den Berhältnisien anzupassen. Nach ihrer eigenen Meinung waren und sind sie heute noch stets im Recht.... Selbst heute, unter dem braunen Terror, dauern die sanatischen Angriffe der Kommunisten gegen die Sozialdemokraten fort. Aus diese Weise haben die Komm«» nisten niemals erfolgreich gegen ein« andere Klaffe gekämpft, sondern nur gegen ihr« eigene." Die Haltung der Sozialdemokratie Im neuen Kampsprogramm der deutschen Sozialdemokra- tic heißt eS: vV«. bi.-*v->3<" n-rv»> »Di« Gründe der Spaltung werden nichtig. Der Kampf zum Sturz der Diktatur kann nicht anders als revolu- tivnär geführt werben. Ob Sozialdemokrat, ob Kommu- »ist, ob Anhänger der zahlreichen Splittergruppen, der Feind der Diktatur wird im Kampf durch die Bedingungen des Kampfes selbst der gleiche s o z i a l i st i s ch e R e v o l u- t i o n ä r. Die Einigung der Arbeiterklasse wird zum Zwang, den die Geschichte selbst auferlegt. Die Führung der deut- schen Sozialdemokratie weiss stch deshalb frei von jeder sek- tenhakten Abfchliessung und ist stch ihrer Mission bewußt, die Arbeiterklasse in einer politischen Partei des revo- lutionärcn Sozialismus zu vereinigen." Kollektiver Ideatismus Aufbauwerk in Palästina Aus einem zu Ehren Brouislaw Hubermanns, der von einer Konzerttournee durch Palästina nach Europa zurück- gekehrt ist, von MrS. Dougdale, der Nichte von Lord Bat- four, und MrS. Lyttlcton veranstaltete» Empfang in London schilderte der Künstler seine Eindrücke von dem jüdischen Ausbauwerk. Ich komme aus einem Lande, erklärte er. das wahrhaftig als ein Paradies auf Erden gelten kann. Ich bin über- zengler Europäer und war»icmalS von den, Gedanken be- geistert, dass d«ve europäischste Boll der Welt, die Juden, in ein asiatisches Land gehen solle. Aber das, ivaS ich in Palä- stina gesehen habe. Hai mich begeistert. Nirgendwo anders kann man solchen Idealismus, solchen Enthusiasmus finden wie dort. Gewiss, einzelne Idealisten gibt es überall. Aber ein MasscnidcaliSmus. ein kollektiver Idealismus, wie er in Palästina besteht, kann in keinem anderen Lande der Welt gefunden werden. Das ist einer der Gründe, warum ich nicht länger irgend eine Unvereinbarkeit zwischen meinem Europäertum und dem Palästinagedanken empfinde. Was ich in Palästina gesehen habe, scheint mir wie ein neues und besseres Europa. Vielleicht wird sich der dort herrschende Idealismus auch auf Europa auswirken und es au« dem Chaos erlösen, in dem es sich letzt befindet. Und wenn es jemals zu einem europäischen Bunde kommen sollte, so wird dieser noch einen weiteren Staat, Palästina, mit umfassen. Heuir ist Palästina die einzige wirkliche europäische Oase in Asten. Ich habe in Palästina, fuhr Hubermann fort, 12 Konzerte gegeben, die von insgesamt 18 000 Menschen besucht waren? jede Veranstaltung war ausverkauft. Wenn wir die Tau- sende mttberücksichtigen, die keinen Einlast finden konnten, so können wir rechnen, dass es in Palästina ein konzert- besuchendes Publikum von etwa 30 000 Personen gibt, eine ungeheure Zahl, wenn man bedenkt, dass die gesamte jüdische Bevölkerung des Landes. Männer, Frauen und Kinder, bloss eine Viertel Million Seelen unisasst. Das Verhältnis der Konzertbesucher zur Gcsamtbevölkcrung ist somit sttüs- bis zehnmal so hoch wie in jedem anderen mir bekannten Lande. Dies spricht Bände für die Höhe des kulturellen Lebens in Iiscknw, die übrigens auch aus anderen Talsachen ersichtlich ist. So ist». B. die erst vor zehn Jahren gegründete Bibliothek der Hebräischen Universität heute schon die gröhte Bibliothek der weissen Rasse in Asten und Afrika. Und das kulturelle Streben, selbst unter sogenannten Bauern, ist so stark wie anderwärts nur bei den oberen Zehntausenden. Ich hatte das Empfinden, dass Palästina das erste Land ist, das stch endlich von der Klassenkultur Europa? befreit hat und eine die aesamte Volksgemeinschaft erfassende Kultur ent- stehen läßt. Zum Schluh machte Hubermann noch einige Bemerkungen politischer Art. Ich will cS nicht kritisieren, sagte er, dass Vorwürfe gegen die Mandatarmacht erhoben werden. Ich kann es verstehen, dass Teile der Bevölkeruna ihre Unzu- friedenhcit zum Ausdruck bringen wollen. Immerhin aber sollen wir Juden nie vergessen, dass es England war. das nach zweitausend Jahren des Exils das erlösende Wort »Jüdisches Rationalhcim" sprach: auch sollte» wir nicht die bei anderen Geleaenhciten im britischen Parlament gehört?» Aeussernnaen der Freundschaft und Sympathie für die Juden vergessen. W>r sollten diese Freundschaft hochhalten und Dis- ferenzcn zu überbrücken versuchen. Indien gegen die Einwanderung deutscher jüdischer Aerzte Wie HrnwoO ans B>»rnb-a o-meldet, stttd-F» Indien zahlreich« jüdische Aerzte als deutsche Flüchtlinge gelandet. Allein in der zweiten Februarhälfte sollen e« 40 sein. Die Aerzte von Vomban hätten stch an die Regierung gewendet und sie ersucht, dieser Einwanderung zu steuern, indem sie stch auf die mangelnde Gegenseitigkeit berieten, da es indiichen Aerzten untersagt fei, In Deutschland zu prak- tizierc». Soweit die Meldung. In dieser Form sind ste irgendwie nach Rache ans. Man müßte ste nachprüfen. In letzter Zeit hat man gerade manches von Hitler-Agenten im Fttnfstrom- land gehört. l Ein„Uebermikroskop" erfunden Erste sensationelle Forschungsergebnisse In der Columbiauniversität hat soeben ein russischer Ingenieur ein n e u a rttges M i f r o f f o r vorgeführt, »das in-der amerikanischen Gelehreenwclt größtes Aussehen hervorruft. Bis setz! stießen djc Wissenschaftler, bei der mikpo- skopjschcn Untersuchung winziger Bakterien auf größte Schwierigkelten, da durch die ultravioletten Strahlen, die durch die starken Prismen großer Mikroskope dringen, die winzigen Lebewesen sofort getötet werden, bevor«ine gc° • naue Untersuchung möglich wäre. Ter neue Apparat ist so konstruiert, dass er infrarote Strahlen aufnimmt, die die .r uliraviolettcn zu einem Teil absorbieren, und somit die Mikroben, wenn auch nur sür Sekunden, am Leben erhält. Nun ist das Mikroskop mit einem Filmapparat verbunden, . der das sekundenlange Leben der Bakterien aufnimmt. Ten 'amerikanischen Wissenschaftlern ist es mil Hilfe dieser ien- " fationellen Erfindung bereits gelungen, das Leben von Bakterien auf dem Film zu kontrollieren, von denen man bis heute io gut inte gar nichts wußte: des Tchniipien- . bazlllus im& des Erregers der spinalen Kinderlähmung, jener gefährlichen Krankheit,, die so schwer zu heilen ist,, ipie man bisher ihre genauen Ursachen nicht kannte. Die medi- zinii'chc Fakultät der Universität Columbia hat bereits eine Anzahl namhafter europäischer Bakteriologen eingeladen, un, die ersten sensationellen Forschungsergebnisse zu begui- achten. Der„König von Neuyork" Dieser Tage starb im Neuyo.rker Neaerviertel in einer dunklen Gasse von Hartem ein uralter Indianer, der den Namen»König von Neuyork" führte. Eigentlich hieß er„Gewitterwolke", eines ehemals grossen und bedru- tendcn Indianerstaiumcs. dem das Land gehörte, auf dem sich heute die Wolkenkratzer von Neuyork erheben. Als dann die Weissen kamen, das Gebiet eroberten und Sie Häuptlinge absetzten, blieb„Gewitterwolke" nur sein Titel. Das Volk jubelte ihm auch weiter zu. aber es waren»Acht mehr seine Stammesaenossen, sondern die weissen Kolo- nisten, die seine lollkülmen Reiterkunstftücke i» dem Zirkus von„Bulsalo Bill" bewunderten, jenes berühmten Trappers, der heute noch in de» Kinderbüchern der ganzen Welt eine arosse Rolle spielt. Aber auch mit dieser Herrlichkeit war rS eineö Tages vorbei und»Gewitterwolke mußte„ch nach einem neuen Erwerb»mieden. Er begann in den riesigen Wäldern, die während der Gründerepoche noch Neuyork umsäumten Kräuter z» sammeln, aus benetz er nach ur- alten«beriieierten Rezepten heilkräftige Medizinen zu- sammenbraut«. Sern? Medi kamen,« fanden großen Anklang, sein Ruhm wuchs wieder und bald konnte er ssrnen Kunden- kreiS auch aus die vornehme Neuyorker Gesellschaft aus- dehnen. DaS waren aber noch die Grosseltern der heutigen Männer von Wall-Street. In dem Tempo der letzten Jahr- zehnte wurde„Gewitterwolke" vergessen, er konnte kaum ein paar Worte englisch, zog stch in das Negerviertel zurück und spielte hier eine bescheidene Rolle als„Doktor", Aber auch dort wurde er mit der Zeit von seinen wissenschaftlich geschulten Kollegen verdrängt und der ehemalige»König von Neuyork", der inzwischen ein alter Mann geworden war, hate kein Brot und kein Obdach mehr. Sein Tod rief noch einmal die Erinnerungen an die heroische Epoche der Kolonisation hervor und seinem Sarge folgte eine nach taufenden zählende Menschenmenge, an deren Spitze die wenigen Ueberlebenden des Narraiigassett Stammes ihren letzten Häuptling beweinten. Radioapparat unpfändbar Die Frage, ob ein Radioapparat zu den nach dem Gesetz unpsändbaren Gegenstände«, gehört, ist in früheren Zestcn verneint worden. Jetzt hat das Landgericht Frankfurt a. M. in einer rechtskräftigen Entscheidung diese. Frage bejaht, den» der Rundfunkempfänger fei heute ein Stück des geistigen Bedarfs jedes deutschen Volksgenossen ohne Unter- schied von Rang und Stand und sei zur Erhaltung eineö an gemessene» Hausstandes unentbehrlich. Iy, neue» Reich sei in einem angemessenen Hausstand ein Radioapparat nicht zu 'entbehre», denn durch ihn würden die wichtigste» politischen und volkswirtschaftlichen Meldungen verbreitet. Der Rund- sunt sei als Retchsiiistitut sür die staatsbürqerliche Erziehung und die Erkämpfung der Einheit des deutschen Volkes von lwchster Bedeutung. Er sei vor allem das Sprachrohr des Reichöminifters für Volksauskläruug und Propaganda. Kunstliebhaber... Sally Rand hat durch einen besonderen Tanz von sich reden gemacht. Tie tanzte vollkommen nackt, nur zwei Federn als Schutz in d:r Hand. Dieser Tanz war eine der Attrak- tionen des FilmS„Bolero". An dem Tagt, an dem Sally Rand ins Atelier kam. ließ ber Regisseur Wesley Ruagleö die Dekoration„säubern", mil Ausnahme der Mitglieder der Truppe und des not- ivcndigeU technischen Personals. George Rast, der jugendlickw .Held des Film», kam ein wenig zu spät und halle Schwierig, keilen mit der aufgestellten©ackw. „Aber ich bin doch der jugendliche Held des FilmS", pro- testierte er. „Das können Sie einem anderen erzählen." brüllte ihn der Cerbcriis an„Ich habe schon Friedrich March, Bing Crotzbn. Richard Arten und Jack Oatie paisieren lassen, die all« dasselbe vorgaben. Wieviel jugendliche Liebhaber sind denn in diesem Film?*» Ein Komparse ohne Ehrgeiz... Für eine Strasscnizene brauchte man unbedingt einen Maronenverkäufcr. Um der Wirklichkeit am nächsten zu kommen hol!« man sich einen„echten" von der nächsten Ecke. ES ivar ein einfacher, etwas beschränkter Mann. Er hatte.nichts weiter zu tu», als seine Maronen vor der Kamera in der Dekoration zu verkamen, und seine Rolle umfaßte sogar«ine Szene, in der der Siar des Films ihm ein Paket abkaufen sollte. „Alles ivas Sie zn Inn haben," e»klärte ihm der Regisseur» »ist, dass Sie Ihre Maronen wie gewöhnlich verkamen." Der Mann versicherte, dass er verstanden habe. Man drchic mehrere Szenen. Tiraßengeräiisch gab die Atmosphäre wieder. Man Hörle die dröhnende Siimme d:S neuen Komparsen:„Heisse Maroni.. heiße..." während stch d!e Konivarse» um seinen grossen Ofen drängten. Man kommt an die Stelle, wo der Star austrete» sollte. Aber man bemerkt«, daß der Maronenoerkäufer nicht mehr da war. Er hat die ihm gegebene Anweisung zu wörtlich be- folgt. Er hat alle Maronen an die Kompanien verkauft, und dann ist er gegangen... wie gewöhnlich. Wann ist eine Frau klug? Der amerikanische Filmregisseur Maxwell hatte eineLifte der Ftlmichauspielerinnen ausgestellt, in der ste dem Grade ihrer Intelligenz entsprechend angeordnet sind. Maxwell erklärt in folgender Weise, wonach er den Intelligenzgrad einer Schauspielerin feststellt.„Eine Frau ist klug, wenn ste weis was sie will. Sie ist sehr klug, wenn ste weiss, wie sie das» was sie will, erlange» kann. Sie in überlegen, wenn sie da», was sie erreicht, zu erhallen und auszunutzen versteht." Der dehnbare Kragen In London wurde eine Ausstellung der Hc.um.iio»e er- öiinet, in der man Kleider und Wäsche bewundern kann, die. ivie es heißt, der elegante Mann in zwei Jahre» tragen wird. Das interessanteste a» der Ausstellung ist der neue Kragen, der sogenannte Kragen für jedermann. Es scheint, dass in Zukunst die Herren sich ihre Kragen untereinander anSborgen könne», ohne in die Gefahr zu geraten, in eine», zu engen Kragen zn ersticken. ES handelt sich nämlich um einen dehnbaren Kragen. Ausserdem zeigt die neue Mode die Neigung, all die lächerlichen und unbequemen Bestand- teil« ber Herrenmobe zn verbannen. Man wird bald Socken ohne Sockenhalter. Hosen ohne Hosenträger, Mänrel und Kragen ohne Knöpie tragen können. Die Waich« wird stch durch besondere Farbenireudigkeit auszeichnen, vom flam- mendem Rot bis zum leuchtenden Grün. Pariser Beruhte Pariser Straftenkalender Der Präsident der Republik hat die vierzig neuen Säle des Louvre eingeweiht, die großartige Neuordnung der Antiken, um die Siegesgöttin von Samothrake und den Shynx- Hof, von der hier wiederholt die Rede war. Die Säle im Süd- flu gel der Tuilerien, der romantische Saal, der gothische Saal Karls V. usw. erregen besonderes Aufsehen. Sie Säle sind dem Publikum übergeben worden. Sonntags ist der Besuch des Louvre bekanntlich wie der der übrigen französischen Museen umsonst. * M. Chiappe, der frühere Pariser Polizeiprefekt, ist von seinem Aufenthalt an der Azur-Küste zurückgekehrt und hat wieder in Paris Wohnung genommen. * Eine 22jährige Stenotypistin in dem Elysee Building, den. bekannten Biirohause des Pariser Geschäftsviertels, wurde zur Reine des Reines de Paris in der üblichen Weise gewählt. * Josephine Baker, der Negerstar, kam aus dem Auslande zurück und wird Paris auftreten. * M. Pierre Darius. der in der„Villa Chagrin" befindliche Mulatte, der die hitlerfreundlichen Artikel in dem entschlummerten„Midi" aufnahm, ist, wie aus Bayonne gemeldet wird, in der französischen Kolonie Martinique geboren. Ob gegen Herrn Friedrich Siebu.g in dieser Frage ein Verfahren wegen„Rassenschmach" schwebt, ist noch nicht geklärt. Fischerstreik in der Bretagne Aus Brest wird gemeldet, daß die Fischer der Krustentiere in den Häfen von Finisterre verzweifelt über die. P.^ise sind, die ihnen die Aufkäufer anbieten. Die Bretonen von Lachiagat und Guilvenec haben bereits die Ausfahrt aufgegeben, und ebenso haben die Blaukittel von Camaret dem Einschreibebiiro für die Meerfahrt ihre Seerollen zurückgegeben. Wie ein Vertreter der Fischer erklärte, bietet man ihnen dL.os Jahr nur die Hälfte des vorjährigen Preises für die Langusten an. Im vorigen Jahre wurden noch 25 bis 26 tranken für das Kilo hingelegt, dies Jahr also nur etwa 13. In Paris seien aber die Preise der Langusten sehr hoch geblieben. Die Zwischenhändler seien an dem Elend schuld. In Audierne(das ist ein kleiner Hafenort in der Nähe von Quimper, am Golf von Audierne im äußersten Südosten) werde man sich zur Wehr setzen. Ein Gemälde aus 75 734 Briefmarken In dem„Salon des Indepandants", der berühmten Pa.istr Kunstausstellung der unabhängigen Maler in Paris, deren Eröffnung vor einiger Zeit stattfand, hängt ein Bild, das zwar von der Kunstkritik abgelehnt und belächelt wird, aber immer von Hunderten von Besuchern umlagert ist. Es trägt den Namen„Der Friedensapostel" und ist Aristides Briand gewidmet. Das Werk ist nicht mit dem Pinsel hergestellt, sondern besteht aus nicht weniger als 75 734 Briefmarken in zwanzig verschiedenen Farben, die der Künstler zerschnitten und zu einer Allegorie zusammengeklebt hat. jOorfcur fw^cialUsfe I DEUTSCH SPRECHEND 1 Münchener u. Pariser Fakultät 17, rue Reaumur MAtro Arti-et-Mat'e-i od.»«publique Frauen*. Blut«, Haut«, Harn* und Ge> schlechtskrankhei en, Tripper, Syph• •is, Männerichwäche. Neueste Heil* verfahren. Elektr.Zitat. Harn-, Samen- urtd Blutanalysen. Massige Bedingungen.(Auch für Ka senversicherte.) I äglich von 9- 1 und 4- 8,30. Uhr Sonn- und Feiertags von 9 bis 1 u. auf Bend, v Tel. Arch. 54-27 Cranien- f»urg Flucht von Gerhard Seeer au dem Konzenti ations- ager Oranienburg. Preis 7.50 Fr. Versand nach auswärts einschl. Porto 8 Fr. Ins Aus and 8,50 Fr. Llbrairie Populaire ?. rue Seddlo« b. d. Hourse Geselliger Abend im Deutschen Klub Einem vielfach geäußerten Wunsche entsprechend, veranstaltet der Deutsche Klub nicht mehr jeden Sonnabend nur Vortragsabende und politische Aussprachen, sondern verschiedene Sonnabende sollen der Geselligkeit der nicht- gleichgeschalteten Mitglieder der Pariser deutschen Kolonie dienen. Jeden ersten Sonnabend im Monat ist geselliges Beisammensein mit Tanz. Desgleichen nächsten Sonnabend, den 10. März, um 21 Uhr. Im Laufe des Abends wird Frau Mitji Bera heitere Lieder und lustige Chansons singen. Gäste gerne willkommen. Zur Unkostendeckung werden 5 Franken erhoben(von Stellungslosen 2 Franken). Die Adresse des Deutschen Klubs lautet: Universite du Parthenon, 64, Rue du Rocher, Paris 8"(am Bahnhof St. Lazare). Der Klub ist nur Sonnabends ab 21 Uhr geöffnet. Das Ungeheuer von Querqueville Die ganze französische Küste ist aufgeregt über das Schauertier, das in totem Zustande in Querqueville an Land geschwemmt ist. Ganze Völkerströme wa'lfahrten in diese Ecke am Kanal, um das sonderbare Vieh zu sehen, und auf dem Bahnhof der Hafenstadt Cherbourg, die weit aus dem normannischen Land in die Kanalwasser hinausragt, sjeht man so viele. Reisenden, wie lange nicht mehr. Vor kurzem hat das Vieh noch gelebt. Der Kapitän eines Schleppdampfers erzählt, der Rücken haben einen Meter aus dem Wasser geragt. Und der alte Küstenaberglaube wird wieder rege, in dieser Zeit, wo die großen„Pardons"(die Segnungen vor der Ausfahrt der Fischerflotten) beginnen, und wo andererseits die guten Langusten, die der Pariser verspeist, draußen so billig geworden sind, daß die Bretonen und Normannen schimpfen und, wie wenigstens aus Brest gemeldet wird, der Fang kaum mehr lohnt. Ob es das Ungeheuer von Loch Neß ist? Der gelehrte Professor Petit vom Pariser naturwissenschaftliche!: Museum der das Wesen untersucht hat, sagt: möglich, aber keineswegs sicher Im übrigen gehört dieses Ueberbleibsel aus den Vorzeiten nach seinen Forschungen nicht zu der Familie der Walfische. sondern zu der Rasse der Knorpeltiere, zu TAI. Triniie 43-13 MAtro P i o a 11 e Deutsche Poliklinik Paris, 02., Rue de la Rochefoucauld a) Allgemeine Konsultationen mit 9 Spezialisten b) Chirurgie c) Gebnrtshitt 1 iche Klinik d) Zahnärztliche« Kabinett Innere Medizin, Augen», Ohren-, Nasen- und Kehlkopf krank* Zweistöckiges|Sanatoriumsgebäude. Vierstöckiges Gebäude. Zimmer Zahn- und Mundchirurgie. aeiten. Röntgen. Diathermie. Elektrotherapie Spezialbehand. Kleine, mittlere und große Ghirur. mit 1 bis 4 Betten. 3 Aerzte, 3 Heb- und Porzellankronen,-Brucken . i r>i.«j r* Lt l*.i llji j. rv ii i i■» Kautschuk»Arbeiten long bei Blut-. Harn- u. Geschlechtskrankheiten gie. Dia aller modernste Einrichtung unmen und 2 Operationssäle. 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Doktor Wachtel und Doktor Axel Geschlechtskrankheiten, Männer und Frauen Nase, Hals, Ohren 123, Bd. Sebastopol.— Sprechstunden v. 9—12 u. 2—8 Unr; Sonntags vormittags Metro: Poissonniire. Dr. KarcBos II, rue de Douai, Metro: Pigalle, Tel. Pig. 82-14 Innere und Geschlechts-Krankheiten Röntgen-Diathermie, Quarz Ord.: täglich von 2 bis 4 und 7 bis 8 Sonntags von 10 bis 12 denen etwa auch die Haifische und die Rochen gehören, „des Meeres Hyänen". Leider sind die Eingeweide fort, wahrscheinlich durch einen Fisdzhaken abgerissen, was die Erforschung der Familientafel sehr erschwert. Kinos Actualites-Cine L'Auto(31, Bd. des Italiens): Le couronne- ment de Leopold III de Belgique; Harmonie(film sportif); „Monsieur Boude" sketch avec L. Barroux; Conference de Desarmement(dessin anime); Les monstres prehisto- riques(Loch Ness). Dernieres actualites, de 10 h. ä 1 h. du matin. Agriculteurs: L'Homme Invisible(de Wells), vers. originale, sous-titres frang. T. 1. j. ä 15 et 21 h. Sam. et dim. 2 mat. ä 14.30 et 17 h. Bonaparte: L'Homme Invisible(de Wells), vers. originale, sous-titres franiz. T. 1. j. ä 15 et 21 h. Sam., dim. et fetes ä 14.30, 17 et 21 h. Champs-Elysees(118, Ch. Elysees): Craddle Song(Dorothea Hieck) vers. orig. sous-titres fran^ais. Cine Hotel de Ville(20, rue du Temple): Raspoutine et sa Cour. Cine Opera: Madame Bovary(Valentine Tessier), film de Jean Renoir(14 h. ä 20 h.; soir 21 h.). Delta(17 bis, Bd. Rochecbonart): Raspoutine et sa Cour. Ermitage-Club des Ursulines: Les Sans-Soucis(Pack up your troubles) avec Laurel et Hardy. Vers. orig. sous-titres fran^ais. Lord Byron(122, Ch.-Elysees): The Bowery(vers. orig.), sous-titres fran^ais. Madeleine: Esquimaux. Sous-titres fran;ais. Marivaux: Les Miserables(2eme partie. Les Thenardiers). cfaerie... Marivaux: Les Miserables(3eme partie. Les Thenardiers). Mesange(3, rue d'Arras): Russie d'aujour-d'hui et d'autre- fois. Raspoutine et sa Cour(John, Lionel, Ethel Barry- more et Diana Wynyard). Miracles(100, rue Reaumur): Catherine de Russie(Elis. Bergner, Fairbanks jun.). Montrouge Theatre(70, av. d'Orleans): Raspoutine et sa Cour(John Lionel. Ethel Barrymore). Moulin-Rouge: Les Miserables(1er film): Tempete sous un crane. Pantheon(13, rue Victor-Cousin): Man braucht kein Geld (vers. originale), Matinee 2 h. 30, 4 h, 45. Soiree ä 9 h. Vers, allem. S.-t. francais. Paramount: Club de minuit. Parnasse Studio: Okraina(film sovietique). Pte de St. Cloud Palace: T. 1. j. Soir 20.45. Jeudi, sam. 2.45. Dim. et fetes permanent de 14 h ä 19 h. 30. La Gnerre des Valses(Fernand Gravey, Drnaem). Raspnil 216. The Silver Cord(I. Dünne), s.t. francais. Studio Acacias(47. rue des Acacias): Onle vesterday(Marg. Sullavan, John Boles). Studio Etoile(14, rue Troyon): Leise flehen meine Lieder (Unvollendete Sinfonie von Schubert). Vers, allem, sous- titres francais. Perm, prix red. de 14.30 ä 19 heures. Soir ä 21 h. Studio Universel(31, avenue de 1 Opera): Chanteuse de Cabaret(Claudette Colbert). s. L francais. Perm, prix red. de 14 h. ä 20 h. Soiree 21 h. 15. Ursulines: La Rue sans nom(Gabriel Cabrio et Const. Remy). De Wilson ä Roosevelt(retrospective americaine). Washington Palace(14, rue Magellan): Guilty Hands(Kay Francis, L. Barrymore), s.-t. frang. Permanent 2.30 ä minuit. Washington Club(14, rue Magellan): Mad Age, Brig Money (Eddie Quillan, Rob. Armstrong) s.-t. frantz. Mardi, jeudi, sam. et dim., 3 et 9 h. 30. BBIlFKflSHW La Lehme a Paris. Der Vorsitzende der SPD.-Gruppe Paris bekam kürzlich folgenden Brief zugeschickt, der— um die ehren- werten Absender auch äußerlich zu charakterisieren— auf gelbbraunem Papier geschrieben war:„Wenn Ihr glaubt, hier Eure Rolle weiter spielen zu können, so hütet Euch vor dem berechtigten Volkszorn Eurer Volksgcnogcn. Mit Greuelnachrichten könnt Ihr keinen Hund mehr in Deutschland überzeugen, im Gegenteil, jeder Versuch, den nationalsozialistischen Staat zu mitzkreditieien, wird rücksichtslos bekämpft werden, egal, ob es innerhalb oder außerhalb Deutschlands ist. Unsere Ehre und unser Vaterland lauen wir nicht von dem Auswurf der Menschheit beschmutzen. Die Helden in Ihren Reihen, die gcwigenlos das Ltben ihrer Angehörigen der Gesahr der Sicherung gegen diese Banditen aussetzen, werden wtr bald zum Schweigen bringen, und Sie, der Lberhäuptling, zu allererst. Arank- reich wird lein Asylrecht nicht mißbrauchen lagen, um sich solch ein Gewürm hochzuziehcn. La Bchmc a Paris."— Aus dem vorbildlichen Deutsch, da« alle Naziäußerungcn kennzeichnet, interessiert nur die unverkennbare Androhung, nach bereit« bewährtem Muster Geiseln in Sonzentrationsläger zu schicken, um da« kulturelle Ansehen des »dritten Reiches" vor jedem Verdacht von Greueltaten um so beweis- kräftiger zu bewahren! In einem anderen„Aeme-Bries" an die„Landesverräter und kriminellen Verbrecher" im Matteotti-Äomitee, der überhaupt nur aus Unflätigkeiten besteht, verraten die Nazis, wo sie in Paris Ihre Agentenzentrale ausgeschlagen haben. Es heißt darin:„Wir reichen jedem Arbeiter, der seine Führer hier erkannt hat, die Hand: er soll sich in Deutschland selbst überzeugen, ob die Greuelmärchen der jüdischen Emigranten wahr sind oder die Taten unseres Füh- rerS... Auch die französischen Arbeiter werden Euch bald die richtige Antwort geben, das andere besorgen wir, und denkt nur nicht, wir schlafen. Wir sind überall und treffen jeden. Wer nach Hause will, meld« sich Boulevard Poigonicrc 24 M S N"— Kommentar erübrigt sich auch ohne den Emigraniencrlaß des Herrn Göring! Und die französischen Arbeiter werden die richtige Antwort auch zu finden wissen! Für den Gcsamiinhalt verantwortlich: Johann Pitz In Dud» weiler: für Inserate: Cito Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der VolkSstimme GmbH» Saarbrücken 3, Tchützenstraße S.— Schließfach 776 Saarbrücken. Chocoladen, Pralinen, Bonbonieren sowie Wein-, Liqu ur» u. Cognac gefüllte Bonbons erste österrei. chische Weltmarken Zwecks Einführung Verkauf auch an Private Verne er und Wiederverkäufe« gesucht Comptoir du Chocolat, 14 B d. St. Mariin. Pari« X Telefon Botzarii 70-78 feinste jüdische Selehutaeeu» uhc lüiener Bäckerei-Geschäfte jUicit SB. AVENUE WAGRAM. 1*1. Carnot 27-6: SB. RUE DE PASSY. Tel. Aufeuil 33-61 I PARIS-ETOILt O, KUE D' AUMA ILLfc CHEZ KIRÜIILOFF berühmt durch«eine vortreffliche Küche u.»ein, Spezialitäten. Stark besucht von deutschet« Gästen Telephone Etoile 52-49( DomenMAneid« J. Mastchenko 7, Rue du March* St. Honor^« Tal. Optra 72-79 Klaldar, Mäntel,« Umarbaitung, Rapariarung Mi'imii Mg. mm. Loterie Nationale Lose der 8.9. und 10. Ziehung zu verkaufen: Ganze, Halbe,Vierte! u. Achtel* Stücke• 8. Ziehung den 20. 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