Linzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 58— 2. Jahrgang j Saarbrücken, Samstag, den 10. März 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inha lt Regierungskrise in^Belgien? Seite 2 Verhöhnung des Völkerbundes an dec Saat Seite 3 iüienec Arbeüec-Zeitung illegal Seite 3 Oesteuichische Jragödie und demokratischer Sozialismus Seite 5 Bcnescli droht Haftsbnrg Ocstcrrcichisdic Monarchie wäre Kriegsfall Brlefwedisel Hitler- Mussolini Paris, 9. März Der nach Prag entsandte Sonderberichterstatter des Petit Parisien übermittelt seinem Blatt eine aufsehenerregende Erklärung des tschechischen Außenministers Benesch über eine mögliche Wiedereinsetzung der Habsburger in Wien und Budapest. Zunächst erklärte er, nach dem Bericht des »Petit Paris,cn", er sei mit Dollfust und Fcy der Ansicht, dast die Frage der Wiedereinführung der Monarchie in Wien eiuc internationale Frage sei und daß sie im übrigen keinen aktuellen Eharakter habe. Sic gehöre keineswegs zu seinen unmittelbaren oder fernen Sorgen. Aber gesetzt ein- mal den unmöglichen Kall, dast morgen durch einen monar- chiftischen Putsch oder aus irgendwelche andere Weise die Habsburger wiedereingesetzt würden, würde der tschechische (Gesandte in Wien sofort nach Prag zurückberufen werden. Er, Benesch, glaube sogar sagen zu können, dast das gleiche vom rumänischen und südslawischen Gesandten gelte. D i e Steine Entente wäret« der Tat entschlossen, sich mit allen Mittel» der Wiedereinsetzung der Habsburger zu widersetzen. Sie würde jede Eventualität lieber annehmen als gerade diese. Der Stand- pnnkt der Steinen Entente gehe nicht auf irgendwelche Ge- fühle, sondern auf Tatsachen zurück. Die Habsburger hätten, gleichviel ob sie das selbst wollen oder nicht, eine bestimmte Bedeutung. Seine noch so feierliche Rerpslichtung, kein Ber- zicht, kein Eid könne ihnen ihre Daseinsberechtigung und ihre Bedeutung als Herrscher eines Kaiserreiches nehmen, den« auf alles das könnten die Habsburger gar nicht ver- zichteu. Wenn aber ein Habsburger in Wien und Budapest wieder auf den Thron steige, dann würden alle Jrredentis- wen und alle Rcvisionsgelüste wieder geweckt werben. Verständigung Ober Oesferreldi? Der römische Korrespondent des„Temps" weist zu melden, dast in der letzten Zeit ein direkter Briefwechsel zwischen Hitler und Mussolini über die österreichische Frage stattgcfun- den hat. Es handle sich um„eine Art freundschaftlichen Zwei- kampses". Mussolini wisse sehr wohl, daß die deutfche Politik nicht offiziell auf den Anschluß Oesterreichs verzichten könne und daß die Regierung Hitler in dieser Hinsicht gegenüber der deutschen öffentlichen Meinung vorbelastet sei. Er könne also auch keinen amtlichen Verzicht aus den Anschluß wüu- schen. Dagegen könne er sich bemühen, es dahin zu bringen, dast Berlin gegenüber gewissen Plänen der Mussolinischen Politik nachgebe. Im ganzen hält es der„Temps" für wahrscheinlich, daß der deutsch-italieuische Gegensatz in dar österreichischen Frage, der in den letzten Tagen so scharf hervortrat, einer gemästig- ten Haltung weicht. Es werde ein Kompromiß ange- strebt, in dem Italien vor allem einen diplomatischen Sieg davonzutragen wünsche, während es Deutschland um einen Vorbehalt gehe, soweit die Frage des deutschen Volkstums in Betracht komme. Im übrigen sei die Furcht vor Deutschland in Italien nicht geschwunden, besonders in den Kreisen der Wirtschast und Finanz. Hier sei man nach wie vor für eine sranzöfisch-italienische Ber- ständigung. Rückzug Hitlers Rom, 9. März. Seit einigen Tagen haben die scharfen Auseinanöersetzun- gen zwischen der deutschen und italienischen Presse einem ruhigeren Tone Platz gemacht. Hier wird vor allem beachtet, dast die Haltung der deutschen Presse in bezug auf die öfter- reichische Frage gemäßigter geworden ist. In den diploma- tischen Kreisen der italienischen Hauptstadt spricht man von einem Wechsel der deutschen Taktik angesichts der entschiede- neu Haltung Italiens, Englands und Frankreichs. Man stehe vor einem strategischen Rückzug Berlins. Hitler soll daran gelegen sein, mit Dollfust noch vor seiner Reise»ach Rom zu einer Verständigung zu komme«, damit der öfter- reichische Kanzler nicht durch irgendwelche Abmachungen mit Mussolini Teutschland vor vollendete Tatsachen stelle. Zu die- fem Wechsel in der deutschen Haltung dürste auch die Rück- ficht auf die deutschen Nordseehäfen beigetragen haben, die unter einer völligen Hinwendung der österreichischen Aus- fuhr nach Trieft stark leiden würden. SA. wird Militär Hebungen am Maschinengewehr und Feldgeschütz- Ein Thrnungs-ErlaB ROhms . London, 8. März. Der„Manchester Guardian" veröffentlicht den folgenden angewöhnlichen Bericht eines Spezialkorrespondenten über die militärische Ausbildung der deutschen TA.: ' Die'Umwandlung der TA. sBraunhemden) In reguläres Militär macht rasche Fortschritte. Die Ttürme erhalten eine einheitliche Ausbildung wie die Reichswehr, und zwar am Armeegewehr, Maschinengewehr, Feldgeschütz sowie im Luft- schütz. Die Jnstruktionskurse werden von ber Reichswehr überwacht. Die Hauptübungsplätze für Berlin sind Döberitz, Tperenberg, Brandenburg und Küstrin. Jeden Sonntag fin- den Geländeübungen im weiten Rahmen statt. Besondere Prüfungen werden jeden Montag abgehalten, bei denen die zum Offizier Geeignetsten ausgesucht werden. Die Disziplin ist straffer geworden. Großer Nachdruck wird auf das Grüßen und überhaupt auf gutes Benehmen gelegt. Die Uebungen sind sehr anstrengend, weshalb auch viel über sie geschimpft wird. Die 8. SA.-Standarte wirb truppweise am Maschinen- gewehr ausgebildet. Sturm 18 hat jeden esamstag einen In- struktionskurs unter polizeilicher Leitung in der Polizei- Unterkunft in der Jmmcrmannstraße in Berlin. Fünfwochen-Kurse 80 Beamte vom Postamt SO 36 in Berlin sind nach Gran- denburg einberufen worden. Dort nahmen sie zusammen mit etwa 3 000 TA.-Untersührern an einem militärischen Ausbildungskurs teil. Der Kurs wird von einem Oberst- leutnant von der Reichswehr geleitet und dauert vier Wochen. Während dieser Zeit erhalten die Beamten kein Gehalt,' ihr Dienst auf dem Postamt wird von Stellvertretern versehen. Sie werden am Armeegewehr 98 ausgebildet, ferner am schweren Maschinengewehr, in Geländekenntnis, Signal- geben und Feldtelefondienst. Eines TageS hielt der Oberst- leutnant bei einer Parade eine Ansprache, die mit den Wor- ten schloß: „Die Uebung war notwendig, weil trotz der Friedensliebe des Führers eines Tages etwas passieren könnte,.uni> dann wäre es zu spät, um erst mit dem Ausbilden anzufangen. Wenn es Krieg gibt, werden alle jetzt Ausgebildeten Unter- offiziere." Gegenwärtig wirb in Döberitz ein Luftschutzregiment auf- gestellt. Alle Mannschaften werden in der Bedienung des schweren Maschinengewehrs ausgebildet. Sie sind nach vier- zehntägiger Probezeit ausgewählt und zu absoluter Geheim- Haltung verpflichtet worden. Zeitungsberichte verboten In der deutschen Presse fehlt nach wie vor jede Mittet- lung über Deutschlands militärische Vorbereitungen. Die kleinen Provinzzeitungcn haben aber nun einmal eine Schwäche für Berichte über örtliche Manöver. Da diese Bc- richte bisweilen sogar von SA.-Leuten geliefert worden sind. Fortsetzung stehe 2. Seit« Labour siegt Bei den Londoner Grafschaftswahlen London, 9. März. In den frühen Morgenstunden deS Freitag waren 98 Ergebnisse der Londoner Grasschaftsrats- wählen bekannt. Danach waren gewählt 6t Arbeiterpartei!» und 87 Konservative. Die übrigen 26 Wahlergebnisse sollen im Lause des heutigen Vormittags bekanntgegeben werden. Die Arbeiterpartei hat bisher einen Gewinn von ii Sitzen zu verzeichnen, während die Konservativen 18 und die Libe- ralen vier Sitze verloren haben. Eintopf-Kanzler Er redet Blech auf der Automobilausstellung D. F. Der deutsche Reichskanzler ist Monomane. Sein Fimmel ist, für alles, was er nicht begreift— und'das ist sehr viel—, den Marxismus verantwortlich zu machen, wenn sich nachher nicht noch die Juden als Schuldige ein- schieben lassen. Daß Israel an der ungenügenden Entwicklung der deutschen Auromobil-Industrie schuld sei, kann auch Hitler nicht gut behaupten. Dafür war und ist das Automobil auch bei der semitischen Rasse zu beliebt. Mithin muß der Marxismus verhindert haben, daß Deutchland nur 500 000 Wagen hat. während es, mit Nordamerika verglichen, 12 Millionen Autos laufen haben müßte. Um diese 11'/- Mil- lionen Automobile hat der Marxismus den deutschen Volkswohlstand betrogen. Warum? Der deutsche Reichskanzler weiß es.„Die marxistische Ideenwelt hat einen leider mehr als erfolgreichen Kampf für ein möglichst primitives Ausmaß der Bedürfnisse ge- führt." Bei seinen, wie man weiß, tiefgründigen Marx- studien ist der Reichskanzler immer wieder auf den Ge- dankengang gestoßen, daß der marxistische Sozialismus die kapitalistische Produktion zurückschrauben und das Volk zu klösterlicher Bedürfnislosigkeit erziehen will. Die Marxisten lesen zwar ohne Ausnahme das genaue Gegenteil aus den verwerflichen Schriften ihres Meisters und seiner Jünger heraus. Das liegt aber wahrscheinlich nur daran, daß sie den Marxismus nicht begreifen, wäh- rend der Glanz Hitlerschen Denkens in die Tiefen der marxistischen Ideen eindringt. Dank seiner Vorstudien durch die Weisen von Zion. Auch das kapitalistische Unternehmertum hat vor Hitler den Marxismus nicht recht verstanden. Da redete man immer von der himmelhohen Begehrlichkeit der Massen, die durch Sozialdemokratie und Gewerkschaften geweckt wurde, und nun erfährt man durch den deutschen Reichs- Kanzler, daß im Gegenteil der Marxismus die Massen zur primitivsten Bedürfnislosigkeit erziehen wollte. 11'/, Mil- lionen Bauern. Arbeiter und Mittelständler sausten in eigenen Autos durch die deutschen Gaue, wenn Karl Marx nicht gelebt hätte. Nur weil auch die deutschen Automobil- Industriellen durch diesen Bußprediger eingeschüchtert waren, haben sie bis in die letzten Jahre gezögert, sich auf das kleine Volksauto umzustellen. Und nun werden bald die Millionen Deutschen mit den Amerikanern um die Wette fahren. Nur die 17 Millionen, die noch immer auf die Winterhilfe angewiesen sind, müssen noch eine Zeitlang warten. Für sie sorgt einstweilen„Kraft durch Freude". Erinnern wir uns recht, so waren es gerade die Nazi- agitatoren. die jedem marxistischen Minister oder Ober- burgermeister in neidgeschwollenen Reden sein Dienst- auto vorhielten. Täuschen wir uns nicht, so waren es die Nazis, die primitive Spießer mit der Vorstellung auf- regten, marxistische Bonzen und hochbezahlte Beamte, van den Kapitalisten ganz zu schweigen, vergeudeten die Volksgroschen in Oel und Benzin. Hat davon der Reichs- Kanzler nichts gehört? O ja. er hat solche albernen Hetz- reden selber zu Hunderten gehalten. So monoman ist er nun wieder nicht, um nicht zu wissen, daß er ein schäbiger Lügner war und ist. Der Marxismus hat nie daran gedacht, die technische Entwicklung hemmen zu wollen. Allerdings hat er auch nie befürwortet, daß diejenigen, die in der heutigen Ge- sellfchaftsordnung die höchsten Genüsse sich leisten können, dies auf Kosten der Entbehrenden tun sollen. Der Marxismus hat nie den Lebensstandard aller„ein- heitlich nach der Tiefe gedrückt". Er hat im Gegenteil das Lebensniveau zu heben getrachtet und hat es tatsächlich gehoben. Das„dritte Reich" aber drückt das deutsche Volk mit dem Ideal einer Eintopfkultur, an der sich frei- sich die Kapitalisten und die Nazidonzen nicht beteiligen, immer tiefer ins Elend. Trotz aller Autoreden des Reichs- Kanzlers werden in einer so schrumpfenden Wirtschaft die Bedürfnisse der Massen immer primitiver werden. Der Marxismus ist die Entwicklung und planvolle Or- ganisation aller Produktivkräfte. Der Hitlerismus ist der bornierte Versuch, durch rednerische Beschwörung an die Wirtschaft und durch Bettelei für die Krisenopfer den kranken Kapitalismus'kurieren zu wollen. Belgien und Frankreich Broccweville- Krise? SA. wird Militär Fortsetzung von der t. Seite. hielt Stabschef Röhm es für notwendig, folgenden Erlaß herauszugeben: „Es kommt mir fortwährend znr Kenntnis, daß einzelne SA- ugd SS.-Einheiten Berichte über Geländespiel« und Sportiibnngen an die Prefle liesern. Wenn diese Berichte veröffentlicht werden, können sie im Auslande als Beweise für die sogenannte militärische Ausbildung der SA. ver» wendet werden. Redakteure» die die Annahme solcher Bc- richte pflichtgemäß entsprechend den Weisungen der Reichs- regierung verweigern, müssen sich oft unberechtigte Bor- würfe von den SA.-Abteilungcn gefallen lassen. Ich er- warte, daß alle SA.-, SS.- und Stahlhelmstthrer alle Ein- sendungen an die Presse aufs schärfste prüfen, um sicher zu gehen, daß sie in Ordnung sind. Für Verfehlungen gegen diese Anordnung ist der Betreffende mir persönlich ver- antwortlich. Der Ehes des Stabes: Röhm." „franhreidi, wie wird es dir er Selm? Man schreibt uns aus der Pfalz: Die Militarisierung der ganzen Bevölkerung macht immer größere Fortschritte. Es wird dem einzelnen sehr schwer gc- macht, sich der Dienstleistung beim Arbeitsdienst oder bei.der CA. zu entziehen. Bei Stcllenbewerbungen am Arbeitsamt oder anderen öffentlichen Stellen, teilweise auch bei Pr-va» ten, wird zuerst die Frage vorgelegt:„Gehören Sie einem Rehrverband an?" Wenn Auswahl besteht, bedeutet d'.eS einen Borzug gegenüber den„Verdächtigen". Masse und militärischer Wert der SA. haben sich bedeutend geändert. In den Städten sind meisten? die Kompagnien nach Stadt- vierteln gebildet und heute ziemlich gut uniformiert. Mit den neuen Wintermänteln sieht eine solche Kompagnie doch mehr einem militärischen Verband ähnlich, als früher die unterschiedlich« Bekleidung mit dem mehr oder weniger schä- bigen Braunhemd. Die Uniformierung mit regelrechten Uni» formen schreitet rüstig vorwärts. Die Schneidermeister schimpfen, weil sie pro Anzug nur 8 Mark bekommen und würden lieber die früher üblichen Tonntagsanzüge für 40 biS 50 Mark anfertigen. Aber Befehl ist Befehl, sie müssen dag ihnen zugewiesene Quantum zum vorgeschriebenen Preis liefern. Dafür ist ihnen lausend Arbeit versprochen, weil letzt auch die Unisormierung der Arbeitsfront beginnt. Die SA.-Formationen haben wöchentlich zweimal anzn- treten, zum Exerzieren, Schießen und zum Unterricht. Tonn- tags sind bann meistens Reisemärsche und Fclddienstüünngen. Um die Ausbildung zu beschleunigen, wird die Anschauung von Jnstrukttonsbüchern empfohlen. Der Berkauf dieser„Fi- beln" für Infanterie, Artillerie, MaschinengeweHrschützen usw. bildet heute das Hauptgeschäft der Buchhandlungen und ganze Schaufensterauslagen sind aus solchen Schritten zu- snmmengesetzt. Die Instruktionen sind zu studieren und beim Unterricht vorzutragen. Beim Ausmarschieren wird natür- lich viel gesungen. Dabei war das Horst Wessel-Lied in letzter Iest stark verdrängt durch die„Lore". Jetzt wird ein neues Lied gesungen mit ungefähr folgendem Inhalt; „Der Feind er läßt uns keine Ruh, morgens schon mar- schieren wir nach Frankreich zu. Frankreich, Frankreich wie wird es Dir crgehn, ivenn du die braunen Bataillonen wirst sehn. Sie haben Mut und schießen gut." Alle neueintretenbcn DA.-Leute werden in feierlicher Weile nach einer gewissen Dienstzeit vereidigt, wonach ihnen dann immer wieder eingeschärft wird, daß ein Austritt oder die Weigerung zur Dienstleistung als Hochverrat ausg-lcgt wird. Aus Angst vor den Folgen lassen deshalb auch die Eni- täuschten sich schikanieren und schlagen, sie kommen nicht mehr los. Es war für unsere Leute interessant, beobachten zu können, daß gerade in den Reihen dieser gezwungenen TA.-L.'ute große Hoffnung bestand auf einen Tieg der Wiener Arbeiter, ncil sie das dann für einen Auftakt zur Befreiung von der Diktatur in Deutschland gehalten hätten. Daß unsere Leute mit besonderer Erregung die Borgänge verfolgt und einen Sieg herbeigesehnt haben, braucht nicht besonders beschrieben zu werden. „Totale" Außenpolitik Auch die SA. greift ein Zu dem ReichSaußcnministcrium und dem Außenpolitischen Amt der NSDAP., das von dem Abgeordneten Ro.enbcrg geleitet wird, ist nun noch eine dritte außenpolitische Stelle gekommen: das Ministeramt der Nationalsozialisten, dessen Ehes in einem der„Deutschen Zeitung" gewährten Interview mitteilt, daß sich sei»„Amt" auch mit außenpolitischen F r a g c n zu beschäftigen habe, m i t f r e m d c n M i s s i o n s- chefSBesprechungen abhalten und ihnen Ausklärungen geben werde. Aus dem Gebtete der Außenpolitik hapert es also mit der Gleichschaltung und Totalität. Wieder: das»eil Enthauptung in Lübeck Lübeck, 8. März. In Lübeck wurde am Donnerstag der Reichsbannermann F r i ck durch das Beil enthauptet. Das gegen ihn verhängte Todesurteil ist am lk. September tIM erfolgt auf Grund eines politischen Zusammenstoßes im Jahre 1932, dem ein SA-Mann zum Opfer siel. Gleichzeitig mit Frick wurde der Reichobannermann Kläding zum Tode verurteilt. Ihn fand man vor einigen Monaten in seiner Zelle„erhängt" vor Verbrecher, die zwei Kraftwagen benutzten, hielten am Donnerstag in Richmond sVirginias einen Lastkraf«- wagen der Rundesreseroebank unweit der Stadt an, er, schössen den Fahrer und flüchteten mit dem Inhalt des Ragens, der aber nur aus Briefen und ungültig gemachten Schecks bestand. Das Deutsche Nachrichtenbüro meldet: Bei der deutschen Uranssttbrnng des in England hergestellten Films„Katha- rina die Große", in dem die jüdische Schauspielerin Elisabeth Beraner d'e Hauptrolle spielt und der Jude Paul Ezinner die Regie führte, kam es in einer Berliner Kino zu lebhasten Protestkundgebungen des Publikums. Brüssel. 9. März 193«. Die Rede von de Broequevillc hat eine so starke allgemeine Ablehnung gesunden, daß man ernsthaft mit der Regierungs- krise rechnet. Der Versuch des Außenministers Hymans, den Eindruck der Rede zu mildern, hat keine Wirkung gehabt. Der sozialistische Senator Wauters, der nach Hqmans sprach, hat in einer scharfen und eindrucksvollen Form Stellung zu den Ausführungen von de Broequevillc genommen. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die große Mehrheit in den beiden Kammern im Gegensatz zu de Broequevillc, die Hauptausgabe der europäischen Länder in der Verhinderung der deutschen Ausrüstung sieht. Man rechnet damit, daß der bevorstehende Besuch des sran- zöstschcn Außenministers Rarthon in Brüssel zur Herstellung einer einheitlichen Linie der französischen und belgischen Politik führen wird. * Außenminister Hymans gab in der Tonnerstagsitzung dcS belgischen Senats Erläuterungen zu der AbrüstnngSredc des Ministerpräsidenten und seinen eigenen und versuchte den ungünstigen Eindruck abzuschwächen, der durch die Ungeschick- ten Reden im ganzen Lande hervorgerufen worden ist. kragen Uder kragen Der„Excelstor" erklärt in Besprechung des gestrigen Mi- nistcrrateS mit der Abrüftungsfrage, nur Deutschland könne die Abrüstungskonferenz wieder flott machen, wcyn L'Grdre schreibt- Die Reise von Eden, welches auch immer ihre Absichten gewesen sein mögen, erlegt uns mit größerem Nachdruck als jemals die Pflicht auf, uns jedes Zugeständnis bezüglich der Abrüstung zu versagen. Die Fragen, de Deutschland in seiner Antwort auf das Französische Memorandum gestellt hat, beleuchten übrigens in der klarsten Weise die Unmöglichkeit einer direkten Verhandlung zwischen Berlin und Paris und die Gefahr von Besprechungen zu viert über dasselbe Thema. as das Kolonialheer zum Beispiel betrifft, so ist es dem Reiche wohl bewußt, daß die Verteilung unserer Truppen in Gebieten jenseits des Meeres nichts mit dem europäischen Problem zu tun hat, das durch die immer deutlicher zutage tretende Aufrüstung unserer Nachbarn aufgeworfen wird. Als uns die schwerwiegenden Ereignisse überraschten, die sich in Marokka abspielten, wohin mehr als 100 000 Mann geschickt worden sind, und später in Syrien, mutzten wir die Gesamtheit unserer Armeen im Mutterland und in den Kolonien in Anspruch nehmen, um den gefährlichen Aufständen, die dort ausgebrochen waren, ein Ende zu machen. Aehnliche Umstände können an anderen Punkten eintreten, und unsere Sache ist es nur, im voraus die Möglichkeiten und die Aufgaben abzuwägen. Unsere Aufgaben in den Kolonien sind übrigens nicht erst von gestern. Sie sind im Laufe des letzten Jahrhunderts beträchtlich gewachsen, und heute sind— dem muß die Regierung Anerkennung verschaffen— Militär-, See- und Luftkräfte notwendig, die unseren Bedürfnissen entsprechen. Diese Kräfte können nicht pro Quadratkilometer noch für eine bestimmte Entfernung oder die Wichtigkeit jeder einzelnen unserer Kolonien berechnet werden, sondern nur nach der Bedeutung, die unserer Politik jenseits des Meeres im allgemeinen beigemessen wird. Die Ordnung in unseren Kolonien, in den Ländern unter unserem Protektorat und in den Mandatsgebieten, ihre Verteidigung gegen die Gefahren von außen, können nicht— ist es notwendig, das zu sagen?— einzig mit Hilfe der Rekrutierung und Ausbildung der Eingeborenen gesichert werden. Es sind Formationen nötig und sogar Mannschaften, die vom Mutterland gestellt werden und die für ihre Aufgabe bei den farbigen Kontingenten unter den verschiedenen klimatischen Bedingungen besonders ausgebildet sind. Man weiß vielleicht in Berlin nicht, aber man hat jedenfalls in London davon Kenntnis, daß einem Aufenthalt in den Kolonien aus gesundheitlichen Rücksichten Grenzen gesetzt sind und daß die Notwendigkeit der Ablösungen uns zwingen, eine doppelte Heeresstärke zu unterhalten, um die Aufgaben einer dauernden Besetzung au erfüllen. Die Verwendung der übrigen Kolonialtrnppen und der anderen zur Verfügung stehenden Eingeborenen auf dem Kontinent ist— Frankreich braucht das nicht zu verheimlichen— in seinem Mobilisierungsplan vorgesehen. Zum Ausgleich muß dieser Plan, die Beispiele von Marokko Pas Meutrte Wie ergänzend bekannt wird, wurde der Diener MntoS vom Attentäter erschossen. Der Diener hatte sich schützend vor Muto gestellt. Die französisch-englischen HandelSvertragsverhandlungen beginnen am l«. März in London. Die französische Abord- nung, die unter der Leitung des Handelsministers La- moureux steht, setzt sich wie folgt zusammen: aus dem Unterdirektor für Handelsbeziehungen Baume, dem Direl- tor für Handelsverträge Bounefou-Eraponne, dem Direktor für landwirtschaftliche Fragen Lesage und dem stellvertreten- den Shes des Kabinetts des Handelsministers Filtppi. Das spanische Fnstitut für Agrarreform teilt mit. daß aus 3103 Hektar Boden aus enteignetem Grundbesitz spa- nischer Granden 130 Bauernfamilien angesiedelt worden find. Die Siedler erhalten vom Staat ein langfristiges, zinsloses Darlehen. Die Wiesen und Weiden werden zum Teil gemein- schaftlich benutzt. Aus de» javanischen Fnduftrtellen Sanii Muto wurde am Freitagoormittag in»amakura ein Mordanschlag unter, nommen. Er wurde niedergeschossen und schwer»erletzt. Der Angreifer beging nach der Tat Selbstmord. Er war Vertreter der japanische« Arbeitgeber ans der ersten internationalen es die Grenze seiner Rüstungsfreiheit bezeichne, die es sich, ohne irgendjemand?» zu fragen, und ohne Rücksicht aus Ber- tragsbestimmungen genommen habe. Erst dann könnten die anderen Mächte auf Grund derselben Rüstungsfreiheit die Mindestziffern für die Efsektivbestände, Organisationen und Materialien errechnen, die für ihre Landesverteidigung un- erläßlich seien. Bei der Lösung des Abrttstungsproblems stoße man gegenwärtig auf folgende Unmöglich' ketten: l. Wie könne man weiter für die Genfer Aktion plädieren, wenn Deutschland es ablehne, nach Genf zurück- zukehren? 2. Wie könne man die SicherheitSgegenletstungeu bestimmen, die die Gleichberechtigung mit sich bringen müßten, wenn England jede neue Verpflichtung ablehne? S. Wie könne man die Esfektivbestände errechnen, wenn Deutschland die ST. und TA. aufrechterhalte? 4. Wie könne man eine ernsthafte Kontrolle einführen, wenn grundlegende Mei- nungsverschiedenheiten über Charakter, Art, Zeitpunkt und Dauer der Kontrolle bestehen? 5. Wie könne man die Landes- Verteidigung einschränken, ohne eine andere ErfüllungS- garantie als unbestimmte KonsulatationSbesprechungen? Vor einer Kabinettskrise? London, 0. März. Der Brüsseler Vertreter der„Morning Post" berichtet, daß Ministerpräsident de Broaueville vor seiner dekannten Senatoerklärung telefonisch mit dem sran- zösischen Außenminister und dem Lordstegelbewahrer Eden gesprochen habe. Der Korrespondent hält eine Kabinettskrise in Belgien kür wahrscheinlich. Der Pariser Mitarbeiter des„New Chroniele" berichtet, der Ausschub der Reise Barthons nach Brüssel sei erfolgt, da die französische Regierung nicht wünsche, daß der Besuch mit der Rede de BroquevilleS in Znsammenhang gebracht werde. und Syrien, um nur die letzten zu nennen, haben das be* wiesen, für die Einschiffung von Truppen aus dem Mutter- lande, die für die Gebiete jenseits des Meeres bestimmt sind. Vorsorge treffen. Dabei gibt es also nicht viel Neues und die „Querelle allemande" führt in diesem Punkt zu nichts. Die Besorgnisse unserer Nachbarn über die Bewaffnung dieser Formationen setzt uns in Erstaunen; diejenigen Bedenken, die die Pläne einer eventuellen Zerstörung von Rüstungsmaterial betreffen, empören uns. Wir können uns beglückwünschen, daß die geographische Lage von Algerien, Tunis und Marocco für uns günstig ist. Wenn das Deutschland stört, so können wir nichts dazu. Aber der Eingriff des Reichs in unsere kolonialen Angelegenheiten braucht nicht vergeblich zu sein. Vergessen wir bei internationalen Besprechungen künftig niemals, daß das französische Reich 100 Millionen Menschen zählt; daß unsere Militär-, See* und Luftkräfte nach den gemeinsamen Bedürfnissen des Mutterlandes und des größeren Frankreich berechnet werden müssen. Wenn ich es mir recht überlege, dann kann man mit einer Armee von 117 000 Mann, die, zur Hälfte einberufen, nur zehn Monate dienen, unmöglich im Jahre 1936 oder in den folgenden Jahren allen militärischen Anforderungen an unseren Grenze« hier und jenseits des Meeres gleichzeitig genügen. Hundert Millionen Menschen, die werden nicht mit Reden geschützt und nicht mit kindischen Verfügungen; aber auch nicht ohne Gefahr, wenn man das Alter der Einberufenen in Betracht zieht, um das ungeheure Loch(das leider schon reichlich groß geworden ist!) der Jahre, in denen es einen Ausfall gab, zu stopfen. Unsere Pazifisten hatten durch eine Politik von unglaublicher Entwürdigung diese einfache und klare Erkenntnis der Pflichten und Rechte bezüglich der Rüstung unseres Landes vollkommen verdunkelt. Man muß sie wieder zum Leben erwecken, und von ihr muß eine überzeugende Kraft kommen. Die Solidarität Frankreichs und seiner Kolonien ist zu natürlich, als daß man darüber diskutieren könnte. Aber Deutschland möge sich dessen versichern. Es wird dieses erst an dem Tage erkennen, da es wieder Lust bekommt, unsere Grenzen oder die unserer Freunde zu überschreiten, da sich mit demselben Schwung ähnliche Heeresmassen gegen unsere Hauptstadt bewegen, wie sie in den Jahren 1914-1918 angriffen. Das Reich möge diese Möglichkeit ausschalten, und es wird mit einem Schlage jene Vorbereitung zum Kampfe ausschalten, die es so lebhaft zu interessieren scheint. Des Kanzler Dollfuß wird, wenn er noch immer an der Unabhängigkeit Oesterreichs hängt, ohne Zweifel mit(ins der Ansicht sein, daß das von der Regierung des Kanzlers Hitlers viel verlangt ist. Hauptmann L. Roques. Arbeitökonferenz in Genf. Muto Hat anch eine»olitifche Pars fei, die Korporation der Wirtschaftslente, gegründet. Fn einer Dynamttsabrik in Kenville lReujersey) ereignete sich eine schwere Erplofion, durch die vier Personen getötet und ungeheurer Schaden angerichtet wnrde. Selbstmörder wider Willen Aufklärung eines fingierten Eisenbahnunfalles Paris, 9. März. Bor einigen Tagen war die Leiche eines Pariser Geschäftsmannes Eornu-Bille an der Eisenbahn- strecke Paris-St. Onentin auf den Gleisen schrecklich verstüm- melt ausgesunden worden. Die ersten Vermutungen gingen natürlich dahin, daß es sich um einen neue» Mordsall handele. Die weiteren Ermittlungen scheinen die Möglichkeit zuzulassen, daß eher ein tragischer Ausgang eines fingierten Unglücksfalles vorliegt. Eornu Visse hatte finanzielle S bwte- rigkeiten und war auf der Reise nach Brüssel begriffen, um einen Gläubiger um Verlängerung der Zahlungsfrist e neS nicht gedeckten Wechsels zu bitten. Man vermutet, daß Eornu« Visse unterwegs einen Eisenbahnunsall vortäuschen wollte, um Grund zu haben, nickt vor seinen Gläubiger zu treten »od daß er beim Abspringen von dem langsam kahr-nden Zug dock unter die Räder gekommen ist und ungewollt daS Leben einbüßte. ver militärische Standpunkt Probeobsflmmung unter Drohungen Die Verböbnng des Völkerbundes an der Saar Die als Werbung für die„deutsche Front" getarnte öffentliche Probeabstimmung breitet sich aus. Der von dunklen kapitalistischen Gewalten eingesetzte neue Landesführer P i r r o hat angeordnet, daß für die „deutsche Front" nicht geworben werden soll und alle, alle freiwillig kommen sollen.„Herr Pirro rief, und alle, alle kamen." Dieser schöne Befehl und die Androhung des sofortigen Ausschlusses aus der„deutschen Front", wenn Terror angewendet wird, ist für das Ausland, insbeson- dere für die Herren Diplomaten des Völkerbundes in Genf bestimmt. In Wirklichkeit geht die öffentliche Probeabstimmung unter schärfstem Druck von sich, wie folgender Bericht aus St. Ingbert zeigt: Ein Schwerkriegsbeschädigter, in der Blieskasteler Straße wohnend, wurde von einem Deutschfrontwerber angegangen, in die„deutsche Front" einzutreten und seine Unterschrist zu vollziehen. Dieses Ansinnen lehnte er ab mit den Worten, ich habe kein Interesse, ich bin Deutscher und habe für mein Baterland ein Bein verloren. Der Werber, dessen Name uns bekannt ist, erklärte dem Schwerkriegsbeschädigten gegenüber in recht frecher Weise:„Wenn Du nicht unter- schreibst, bist Du kein Deutscher."— In einem weiteren Fall in der Wiesenstraße glaubten die Werber Drohungen an» wenden zu müssen. Als sich der Nichtgletchgeschaltete wei- gerte, seine Unterschrift herzugeben, drohten die Werber mit den Worten:„Denke an Deine Kinder 1935." Erst als die Werber auf die Notverordnung verwiesen wurden, ver- ließen sie das Haus.— In der Neugasse glaubten Werber der genannten Front bei einem freien Gewerkschaftler die Unterschrift erzwingen zu können. Als ihnen dies nicht ge- lang, drohten sie ihm mit den Worten:„Wenn Du Deine Unterschrift nicht gibst, sind wir gezwungen. Deinen Namen selbst aufzuschreiben."— Einem Parteilosen, wohnend in der Josefstaler Straße, wurde ebenfalls schwer zugesetzt. Auf den Einwand der Frau:„Wir verdienen unser Geld bei den Franzosen und können daher nicht unterschreiben," wurde der Familie erklärt:„Dann müssen Sie halt auf die linke Seite schreiben."— Einer Witwe aus der Saarbrückcr Straße, die man sogar zweimal aufsuchte, wollte man die Unterschrift unbedingt abnehmen. Man erklärte der Frau: „Unterschreiben Tie doch nur. die Unterschrist hat ja keine Bedeutung." Trotzdem unterschrieb die Frau nicht. Mit welcher Verlogenheit die Werber in der Saarbrücker Straße vorgingen, zeigen uns noch einige Beispiele. In den meisten Häusern erklärten sie:„Die ganzen Kommunisten und Sozialdemokraten haben sich in die Liste eingezeichnet, die in den Glasmacherhäusern wohnen." Dabei weigerte sich der gute Werber. Einsicht in die Liste zu geben, damit seine Aussagen festgestellt werden konnten. Der Werber Marx, in seiner Eigenschaft Eisenbahnbeamter, wandte noch ein weiteres Lockmittelchen an. Er erklärte, daß er„von oben" zu dieser Werbung besonders beordert worden sei. Nur ist uns nicht recht klar, wer eigentlich der„von oben" ist. Ob sich Herr Marx dabei aus die Eisenbahnverwaltung St. Ingbert oder aus die Eiscnbahndirektion Saarbrücken be- ru»en will, entzieht sich unserer Kenntnis. Man scheut nicht zurück, bei Dunkelheit die Leute aufzusuchen und zu be- lästigen.— Ein Gastwirt aus der Kaiserstraße drohte einem seiner Serviermädel. wenn es nicht innerhalb vier Stunden unterschrieben habe, würde er es sofort entlassen. In einem weiteren Falle wurde einem alten Parteigenossen, der über Winter etwas Arbeit verrichtet, von einem Nazinachläuscr gedroht:„Wenn Du Dich nicht umstellst, werden wir dafür sorgen, daß Du rausfliegst." Der neue Landesleiter, Herr Pirro, Homburg, möchte nun die„Elefantenarbeiten" seiner Borgänger im Saar- Porzellanladen etwas verbessern. Er erläßt Aufrufe und Anordnungen, um alle Saardeutschcn„ohne Unterschied der Partei" zusammenzuführen. Er verbietet,„irgend einen Druck auszuüben aus die Arbeiter im Betriebe, bei der Werbetätigkeit von Haus zu Haus". Am gleichen Tage lausen in Hourburg, der Residenz des Herrn Pirro uniformierte Kolonneu von Haus zu Haus, um die einzelnen Familien unter den nötigen Werbe- druck zu setzen, die Aufnahmescheine der sogenannten „deutschen Front" zu unterzeichnen. Das alles kann hemmungslos geschehen. Geschieht trotz der klaren, eindeutigen Entschließung des Völkerbunds- rates im Januar d. I., wonach die unbeeinflußte und ernst- hafte Abstimmung gewährleistet sein muß, geschieht m dem Augenblick, wo der Abstimmungs- und Juristenausschuß in Tätigkeit ist, um zu erfüllende Voraussetzungen für die Abstimmung zu überprüfen... Gewaltige rreiheifsknndgebung Die geschlossene Kundgebung der Deutschen Freiheitssront in Saarbrücken wies auch gestern wieder einen äußerst starken Besuch auf. Schon gegen 0 Uhr begann sich der Fest- saal der AW. zu füllen und eine Stunde vor Beginn der Kundgebung war im Saale kein Sitzplatz und kaum noch ein Stehplatz zu erhalten. Treppe, Flure wie die übrigen Räume des Hauses waren dicht von Zuhörern besetzt. Während Redakteur Schulte in kurzen Ausführungen über die allgemeine Lage sprach, nahm Max Braun, der Führer der Deutschen Freiheitssront an der Saar sehr ein- gehend Stellung zu den internen Borgängen bei der NSDAP, des Saargebietes und bei der Röchling-Front. Seine ebenso interessante wie zündende Rede war immer wieder von Bei- sallskundgebungen unterbrochen. Presseprozeß an der Saar Der gescheiterte Wahrheitsbeweis Die nationalsozialistische Zeitung an der Saar, ehemals „Saar-Front", heute„Deutsche Front", brachte im November vorigen Jahres einen Artikel ihres damaligen Cheiredak- teurs Dr. König. Tarin wurde in satirischer Form be- h..uptet, die Regierungskommission des Saargebietes ließe durch die Oberpostdirektion die Telefongespräche überwachen. Es wurde auch eine Reihe von Aemtern und Privaten aufge- zählt, die angeblich zu diesen„Bespitzelten" gehören sollten. Wegen dieser Behauptung hatte sich Dr. König, der vor kurzem auch von seinem Amte als Borsitzelider des Taar- Presseverbandes abberufen wurde, vor der Saarbrücker Strafkammer zu verantworten. Es gelang ihm nicht, den Wahrheitsbeweis durchzuführen. Der Hauptzeuge, aus den er sich berufen hat, erklärte unter Eid, niemals etwas von einer derartigen Ueberwachung des Telefons gesehen oder gehört zu haben. Dr. König gab schließlich zu. in seiner Ber- össentlichung„zu weit" gegangen zu sein. Der Verteidiger klagte darüber, daß die Meinungsfreiheit an der Saar nicht mehr gewährleistet sei. Das Gericht verurteilte König zu dreitausend Frau- ken Geldstrafe. Dem Präsidenten der RegierungSkoiv- Mission wurde Publikationsbefugnis in der„Deutschen Front" und der„Saarbrücker Zeitung" zugesprochen. Der verantwortliche Schriftleiter Günther D i e n st, der wegen dieser Sache ebenfalls angeklagt var. iß laut Zeugnis deS Kreisarztes„an Nervenschwäche beträchtlichen GradeS" erkrankt und konnte deshalb vor Gericht nicht erscheinen. Dr. König nannte ihn„Sitzredakteur"... Der sdtSnsle Liebesbrief Heinrich Jordan, Paris Was für eine glückliche Stadt ist Paris. Während auf den Straßen geschossen wird, die Minister ängstlich um ihr Porte- seurlle Folianten über Berfasiungsresorm schreiben, und Brandstifter Europa an allen Ecken anzünden möchten, gibt es Leute, die haben einen sogenannten Salon, und machen Konversation. So brachte zum Beispiel unlängst eine„geistreiche Haus- frau", wie es in den mondänen Rubriken der Pariser Blät- ter heißt, das Thema zur Sprache:„Warum schreiben heute die Frauen keine Liebesbriefe mehr". Eine geistreiche Jnvi- tierte entgegnete:„Natürlich schreiben auch heute noch die Frauen Liebesbriefe." Diese Antwort sollte ungeahnte Konse- quenzen haben. In der näuilichen Stunde wurde ein Komitee gebildet, das sofort ein Preisausschreiben für den schönsten weiblichen Liebesbrief zu eröffnen beschloß. In den kommenden Wochen setzten in ganz Frankreich tausende treue und untreue Gattinnen. Mannweiber, schwach- tende Lyzeumsschülerinnen, Damen aus dem Amüsierviertel von Marseille und eine anonyme Klosterschwester Schreib- geräte in Bewegung und ergossen das tiefste und heißeste ihres Herzens auss Papier. Eine Jury schied zuerst die banalen Briefe aus, dann die abgeschriebenen und schließlich die pornographischen, die in entsetzlicher Ueberzahl vorhanden waren. Der Rest wurde öffentlich in einem Bortragssaal der Rue de la Paix von einer Schauspielerin verlesen. Vorerst forderte sie die Herren auf: die Ergüsse als an ihre Adresse gerichtet anzusehen Das Publikum entschied sich dann für den folgenden Brief unter Tausenden: „Mein Geliebter! Wie ist es schwer, Dir zu schreiben. Ich„sehe" Dich gerade« zu. Dich. Dein liebes Gesicht, Deine traurigen Augen, und ich erwarte, ehe ich zu Dir gesprochen habe, daß Du mir antwortest:„Meine Kleine..." Und jetzt Dir schreiben... Du bist so weit... Ich müßte Dich berühren können... Aber Du willst Deinen Liebesbrief... Du bist wie die Eichhörnchen: sie speichern Nüsse für die schlechte Jahreszeit auf. So machst Du es mit Deinen Gefühlen... Nun hier hast Du Deinen Liebesbrief. Es regnet, weich und dicht, wie ein Katzenfell. Marie hat das Huhn angebraten. Das Hab' ich mir gedacht. Sie ist nicht zu brauchen, wenn Du weg bist. Deine Einzüge liegen herum... Ich habe einen zu mir ins Bett genommen... Ich schlafe schlecht... Wie bist Du gebettet?.. G,b acht, daß Du Dich nicht erkältest. Pflege Dich... Der Luftzug ist hinterlistig Ich habe Deine Fotos aus dem Album herausgenommen: das in der weißen Hofe, 6a« Sportbild und dann ein ganz kleine?, auf dem Du lachst, wei Du mich auch zum Lachen hast bringen wollen...Aber jetzt wo Du weg bist, sind sie Dir nicht mehr ähnlich: Du müßtest hier sein. Das Haus ist immer dasselbe, auch die Möbel... Tie Sachen vergessen schnell, wie die Menschen... Wenn Du Top sehen könntest. Ich brauche nur Deinen Namen auszn- sprechen: mit einem Auge blickt er zur Erde, mit dem an- dern zum Himmel, und er weint... er weint zu viel... ich bin eifersüchtig auf ihn. Herr Graws kam Dich besuchen... Er wird wiederkom- men... Eigentlich ist er ein häßlicher Mann... Aber Tu, Du bist schön... Der Garten erwartet Dich... Und der Himmel rund- herum... Und Marie... Und Top... Und ich..- Ich langweile mich... ich habe ein bißchen Fieber... ich liebe Dich-.. Nimm meinen Mund... ich bin eingeschüchtert und ganz heiß im Innern, wie das erstemal Schreib schnell... Bleib nicht lange weg...: Ich liebe Dich... Aber Du siehst, mein Geliebter, ich kann es Dir nicht mit Worten sagen... Marcelle. Dies ist der Brief, dem die Jury nicht widerstand. DaS Publikum verlangte hingerissen, die Schreiberin zu sehen. Diese zeigte sich nach längeren Bitten: ein hübsches, junges dunkelhaariges Mädchen: das angeblich auch Artikel schreibt. Den zweiten Preis erhielt eine 45jährige Femme fatale aus Bordeaux. Sie hatte wegen der Ungewißheit des Ausgangs die Fahrt gescheut. Am nächsten Tag brachten die Zeitungen Fotos von ihr, die sie breit und unheilschwanger, aus einem Diwan hingeflossen, zeigen. Anscheinend können Frauen wirklich keine Liebesbriefe mehr schreiben.„ M£$. Mrs. Hylton, die Konkurrenz ihres Mannes „Kein großer Mann gilt etwas vor seinem Kammerdiener und noch weniger vor seiner Frau", ist ein altes Sprichwort. So behauptete die Frau Jack Hyltons, bei aller An- erkennung für die Leistungen ihres Mannes, daß sie ebenso gut und erfolgreich eine Kapelle dirigieren könne wie er. Und um den Beweis dafür zu erbringen, engagierte sie ein Dutzend lustiger Musikanten und studierte mit ihnen ein Programm ein, das vom langsamsten Tango bis zum feurigsten Foxtrott ging. Um in nichts ihrem Mann ähnlich zu sein, wählte sie für ihre Kapelle schneeweiße Uniformen, von der iür eigenes schwarzes Gewand vorteilhaft abstach. Die ehrgeizige Frau begnügt sich nicht damit, ihre Kapelle mit Feuer und Verständnis zu dirigieren, sie tanzt und singt, während sie dirigiert. Vor einigen Tagen trat sie mit ihrer Kapelle i» Paris auf und erntete einen Erfolg, der dem ihres Gatten gleichkam. MTP. Familie ohne Mädchen Seit hundert Jahren Mrs. Bruce Belfrage in London hat vor einigen Tagen einem kleinen Sohn das Leben geschenkt. Daran wäre an sich nichts Erstaunliches. Erstaunlich ist nur, daß in dieser Fami- lie seit dreihundert Jahren kein Mädchen geboren wurde. Wiener „Arbeiter-Zeitung"- illegal Die erste Nummer erschien in Brünn Die erste Nummer von der in Brünn fTschcchoslowakeN ausgegebenen„Arbeiterzeitung" ist dieser Tage er- schienen. Die Sozialdemokratische Partei ist nicht nur in Oesterreich verboten worden, sondern selbstverständlich wurde auch das Weitererscheinen jeder sozialistisch orientierten Zei- tung auf legalem Wege unmöglich gemacht. Drei Wochen nach diese Vernichtung der sozialistischen Presse in Oesterreich ist die„Arbeiterzeitung" nunmehr erneut erschienen. Freilich ist das Blatt nicht mehr das alte. Es erscheint wöchentlich und lediglich in einem Umfange von vier kleinen Seiten, aber mehr braucht man für den Augenblick auch nicht, denn für die illegale Verbreitung unter der österreichischen Arbeiterschaft wäre eine andere Erscheinungsform doch un- möglich. Bedroht von der katholischen Diktatur, von der Ber- nichtung der Existenz und von schweren Gefängnisstrafen sorgen unermüdliche und unerschrockene Funktionäre durch die heimliche Verbreitung des illegalen Blattes dafür, daß die österreichische Arbeiterschaft die Wahrheit über das Doll- suß-Svstem erfährt. „Nach dem K a m v f" lautet die Ueberschrist auf der ersten Seite der ersten Nummer:„Unsere ersten Gedanken," so heißt es in diesem Artikel,„sind bei unseren Gefallenen und bei den Kameraden, die durch das Ttandrecht ermordet wurden. Ihnen geloben wir feierlich, daß sie nicht vergebens gestorben sein sollen. Die Befreiung der Arbeiterklasse, für die»c gelebt haben, und für die sie gefallen sind, muß noch erkämpft werden. Dieses Vermächtnis unserer Toten zu erfüllen, die Wiedereroberung der Freiheit, das ist unsere heilige Aufgabe, an die wir Ueberlebenden uns restlos hin- geben wollen. Daneben sind unsere Gedanken bei den Kameraden, die in den Gefängnissen der Henkerregicrung Dollfuß-Fen schmachten, die wehrlos und geknebelt durch Bürgerwacht-Banditen mißhandelt werden. Die Stand- gerichte haben Parteigenossen zu zehn, fünfzehn und zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt. Es wird viel, viel weniger lange dauern, bis die Dollfuß und Fens selbst in unseren Gefängnissen sitzen und vor unsere revolutionären Gerichte gestellt werden. Unsere Gefangenen so schnell wie möglich zu befreien, das ist unsere Aufgabe. Ferner denken wir an die Witwen und Waisen der G«- fallenen. Die Arbeiterschaft der gesamten Welt hat spontan eine Hilfsaktion für sie eingeleitet. Die Blutregierung ge- stattet uns aber nicht, eine Hilfsorganisation für sie ins Leben zu rufen. Diesen Opfern trotzdem aus prole- tarischer Solidarität zu helfeü, soweit wir irgend dazu in der Lage sind, ist sozialistische Gewissenspslicht." Blutiger'Terror London, 7. März.(Jnpreßj. Der Wiener Sonderbericht- erstatte! von„News Ehronicle" meldet, daß in den Wiener Gefängnissen sich gegenwärtig 2900 politische Gefangene befinden und mehr als 6900 in den Gefängnissen der Pro- vinz. Zahlreiche gefangene Arbeiter seien in unterirdischen Zellen durch Bajonettstiche getötet worden. Hundertc seien mit Gummiknüppeln so lange geschlagen worden, bis sie sich bereit erklärten, Zeugenaussagen, ob wahr oder falsch, gegen ihre Führer zu machen, die vor die Gerichte gestellt werde» sollen. In Wien und industriellen Zentren seien Massenver- Haftungen von Arbeitern vorgenommen worden. In allen Arbeiterwohnungen würden Haussuchungen vorgenommen, dabei würden die Frauen mit Plünderung bedroht und die Kinder terrorisiert. Ein Sozialist aus Wien, der entlassen worden war, nachdem er mißhandelt wurde, beging Selbst, mord, indem er ans dem Fenster seiner Wohnung in ber dritten Etage sprang, weil er erneut verhaftet werden sollte. Die Angehörigen der Verhafteten haben nickt das Recht, sie zu besuchen: von der Gewährung der Arbeitslosenhilfe oder jeder anderen Unterstützung sind sie ausgeschlossen. Die Zahl der Toten Zu den von der„ReichSpost" in Wien veröffentlichten Zi'f- fern der Toten und Verwundeten— 170 Tote auf der Seite der Arbeiter-- wird in unterrichteten Kreisen erklärt, daß nach ernsten Schätzungen allein in Floridsdors 300 Tote, darunter 40 Frauen und ebensoviele Kinder, zu verzeichnen gewesen sind. In den zwei Wochen seit dem Februarausstand sollen in den Spitälern allein 250 Schwerverletzte gestorben sein. Außerdem befinden sich noch weit über 1000 Verletzte in den Krankenhäusern, ganz zu schweigen von denen, die in den Privatwohnungen liegen. „Deutsche. Jxeiheit" Ahmnemefttspceise: Saargebiet Frankreich Luxemburg Belgien Neubelgien (Eupen-Malmedy) Holland Dänemark Schweden Schweiz Oesterreich T schechoslo wakei England Palästina Spanien Polen Rußland Argentinien fr. Fr. fr. Fr. belg. Fr. belg. Fr. belg. Fr. fl. Kr. Kr. schw. Fr. Schilling Kr. sh sh Peseta Zloty Rubel Peso im Monat 12,- 12,- 15,- 15,- 12,- 1,50 3,20 2,60 2,40 7,50 30,- 4,- 4,- 6,- 4,20 1,- 3,- Einzel verkauf 0,60 0,60 0,70 0,85 030 0,12 0,20 0,20 0,20 0,30 1,20 3 d Bei Zusendung unter Kreuzband durch die Post sind die Portogebühren vom Besteller mit dem Abonnementsbetrag zu entrichten Der ewige Skandal Selbstmordversuch des Verteidigers von Staviskys Privatsekretär Paris, 0. März.(Filter der bekanntesten und erfolg- reichsten Pariser Strafverteidiger, Rechtsanwalt Raymond Hubert, der in vielen berühmt gewordenen Fällen eine Rolle gespielt hat. und der jetzt die Verteidigung des Privat» setretärs Staviskys, Romagnino, übernommen bat, hat am Donnerstag vormittag— wie erst jetzt bekannt wird— eilten geheimnisvollen Selbstmordversuch unternommen. Hubert stürzte sich unweit seiner Wohnung am Vormittag von einer Brücke in die Seine. Zwei Polizeibeamte warfen ihm von der Brücke einen Rettungsring zu, den Raym'ond Hubert halb bewußtlos ergriff, wodurch es möglich wurde, ihn ans Ufer zu bringen. Sofort vorgenommene künstliche Atmung war erfolgreich, und Hubert wurde unverzüglich in ein Sanatorium übergeführt, dessen Adresse nicht bekannt» gegeben wurde. Man verliert sich in Mutmaßungen über den Grund zu dieser Verzweiflungstat, und man weist natürlich nicht die Möglichkeit von der Hand, daß Raymond Hubert, der übrigens an Verfolgungswahn leiden und mehrmals de- sonderen polizeilichen Schutz angefordert haben soll, durch einen Gewissenskonflikt zwischen seiner Aufgabe als Ber» leidiger Romagninos und der Pflicht des Untersuchungs- richterS, die Stavifty-Angelegenheit bis In die letzten Einzel- heilen aufzuklären, zu seiner Verzweiflungstat bestimmt worden ist. Am Mittwoch abend hatte er eine vierstündige Unterredung mit dem Untersuchungsrichter über die ^tavisky-Angelegenheit. Außerdem verlautet, daß Raymond Hubert am Donnerstag früh im Gefängnis eine einstündige Unterredung mit seinem Klienten Romagnino hatte, also kurz bevor er gegen 11 Uhr seinen Selbstmordversuch unter» nahm. Pas Geheimnis am Prinee ^ Paris, 8. März. ?.£» Ttavisky-Fall ist völlig in die politischen Seiten ge- Tiitjrtn, und wenn eilte„Bande von Verbrechern", tute es nach den Worten des französischen Grvßsiegelbewahrers der Fall war. die Absicht hatte, durch den Mord an Prinee die öffentliche Meinung zu trüben und aufzurühren, so ist ihr das glänzend gelungen. Die Schecks und die Telefonliste und der abgelehnte Antrag Mandel, den„Tardie"-Scheck zu fotografieren, das stillt die Spalten, die Hitler daheim mit der Außenpolitik füllt, und das hitlersche Nachrichtenbüro in Paris, die DNB., tut sein Möglichstes, um durch ein- seitige und tendenziöse Auswahl der Meldungen die Welt zu verwirren. Daß gerade in diesem Moment der Frank- reich-Referent der Nazi-Partei in PartS gewesen ist, scheint kein Zufall. Die eigentliche Untersuchung bringt nichts Neues, außer Kombinationen und Nick-Carter-Geschichten. Auch die Juwelen des Tissier ans dem Bayonner Pfandhaus ha« man noch nicht bis zur Stunde. Zwar hat sich eine Freundin eines der Stavisky-Leute aus der Lebewelt bemüht, sie zu beschaffen, indem sie die Spur eines Reitklubs wies. Aber bis zur Stunde war sie dabei weniger erfolgreich als der LieblingSjnnge des Privatsekretärs Romagnino, der die Talons der Schecks verpfiff. Allerhand Aufsehen macht in Grenoble, auf alpinem Boden, ein Auto, da» in Dijon, der Mordstadt, gestohlen ivar und dem zwei Insassen in dem berühmten„mastio"- Ueberzieher, also kittgrau bekleidet, entstiegen. Aber etwas Gewisses weiß man nicht. Auch der Mörder des unglücklichen GetreidemaklerS im Zuge nach Brüssel, bei S a i u t- O u e n t i n. ist noch nicht da. Hut und Mantel des Opfers haben sich, wie sein Eom- pagnon sagte, gesunden. Entschieden worden ist. daß die neue Untersuchung des ausgegrabenen Körpers des getöteten Richters im ge- richtsärztlichen Institut z u Paris stattfindet. Man sucht den„Kittgrauen" überall mit Hochdruck, auch auf dem Montparnasse. Den Urheber des Telesonrnses und des Telgramms,— ist es übrigens derselbe? Und hat Prinee wirklich daS Telegramm und den Hotelzettel selbst ge- schrieben? Matt erstaunt, wenn man heute erfährt, daß noch nicht einmal eine graphologische Untersuchung der beiden Schriftstücke stattgefunden hat. Per Fall der Prüder Parmal Der dritte der Brüder Barmat, der seit 102(3 in Paris ansässige J.saac Barmat, teilt der Presse mit, daß er mit den holländischen Geschäften seiner Brüder Julius und Heinrich Barmat nichts zu tun habe und daß er bei der Ber- urteilung der beiden in Deutschland freigesprochen sei. Madrid in Unruhe Repressalien der Regierung WJobrib,». März. Tie Regierung hat die Schließung der Büros der kommunistischen Gewerkschaften, der faschistischen spanischen Phalanx und der sozialistischen Jugendorganisa- tione« angeordnet. Polizei hat in einem an ber Stadtgrenze gelegenen Viertel eine geheime anarchistische Gewerkschaftsversammlung ausgelöst. Renn Personen wurden verhaltet. In einem tzaiehaus wurden sieben Kommunisten verhaltet In einem Borstabtviertel von Madrid sind zwei große Bomben explodiert. Ein elektrischer Trunsformator trurde zerstört In einem Vorort von Madrid wurde ein Bauholz- lager in Brand gesteckt. Die entstandene FeucrSbrunst konnte erst nach langem Bemühen gelöscht werden. Der-achschaden ist bebeutend, Personen sind in beiden Fällen nicht zu Scha- öen gekommen. Valeneia, 0. März. Durch Zerstörung eines Transformators der in die Luit gesprengt wurde, sind die meisten Viertel der Stadt ohne Licht. Der Straßenbahnverkehr wurde lahmgelegt und die Straßenbahnwagen blieben aus der Strecke liegen, wo sie sich gerade befanden. Flüchtlinge in Gibraltar Gibraltar, 9. März.(Reuter.) In Gibraltar sind aus Tpa- nie» eine große Za'il von Flüchtlingen, meistens Frauen uns Kinder, aus Sevilla, Eadiz und Malaga eingetroffen. Man schließt daraus, daß in Spanien ernste Unruhen befürchtet werben. « Die republikanische spanische Zeitung„Heraldo" bringt das nnbestädtigte Gerücht von einer militärischen Verschwörung, die eine Anzahl aus der Festung Santa Catalina bei Eadix internierter Ossiziere vorbereitet haben so«. Pie Nazis in Memcl Dr. Neu m a u it, der Führer der Memeler Natioualsozia- listen, und mehrere seiner Parteigenossen, werden dem- nächst vor dem Militärgericht in Kowno erscheinen. Die An- llage lautet auf beabsichtigte LoSlösung Wentels von Litauen. Die litauischen Behörden haben festgestellt, daß die Ber- leger und Redakteure aller deutschen Zeitungen im Memel- gebiet Nazis sind. Tragödie aal der Eisscholle Verzögerung der Hilfsmaßnahmen für die „Tscheljuskin"-Besatzung infolge ungünstiger W etterver hältnis se Moskau, 9. März. Infolge äußerst ungünstiger Wetter- Verhältnisse konnten bisher noch keine weiteren Flüge oon Kap Wellen zum Schmidt-Lager aus dem Eise unternommen werden. Der Dampfer„Stalingrad", der aus Petropawlowsk mit Flugzeugen und Brennstoffen unterwegs ist, geriet in schweren Sturm, so daß er die Fahrtrichtung ändern mußte. Der Dampfer„Smolensk", der gleichfalls Material zur Hilfeleistung für die„Tscheliuskin"-Leute geladen hat, ist in Petropawlowsk eingetroffen und wird voraussichtlich bereits am Freitag wieder nach Norden in See gehen. Ein dritter Dampfer ist nach Wladiwostok beordert worden, um von dort vier Propellerschlitten zu holen. Wie aus Kap Wellen gemeldet wird, sind die aus dem Schmidt-Lager geborgenen Frauen und Kinder in be- friedtgenden Räumen gut untergebracht worden. Sie sollen gesund und guten Mutes sein. Auch im Schmidt-Lager ist nach den letzten Meldungen alles wohlauf. Per verachtete Zivilist Der liberalistisch-individualistische Anzug IteBer die Zahl der in Deutschland Uniformierten gibt es noch keine Ziffern. Daß sie aber nahe an die zwanzig Millionen kommen wird, ist außer Zweifel. Die SA.- und SS.-Leute allein gehen in die Millionen, die Hitler-Jungen und der Bund der Deutschen Mädel umfassen Millionen junge Leute, der Arbeitsdienst zählt Hunderttausende von Mitgliedern, die„deutsche Arbeitsfront" nennt sich die „Organisation der 19 Millionen", und allein in Sachsen, to verkünden die dortigen parteiamtlichen Stellen, liegt eine Million Festanzüge der„deutschen Arbeitsfront" bereit. Tan die Tuchindustrie und das Schneidergewerbe einen Auftrieb erhalten haben, braucht nicht hervorgehoben zu werden. Allerdings, wer sich nicht umstellt, hat das Nachsehen, denn „Zivil" ist abgemeldet... Das„bürgerliche Zivil" wirb im„dritten Reich" ganz offen als„Doknmentierung einer gewissen internationalen Geisteshaltuug" verfemt. Es gibt natürlich noch Zivilisten, sogar sehr viele Zivilisten, aber ihre Stunde hat geschlagen. Sie iverden als Träger„l i b e r a l i st i s ch e r Ideen verachtet, als„Anhänger einer versunkenen Epoche" be- spöttelt, sei es in den Aemtern oder im Kreise der Berufs- kollegen oder in einer Versammlung der„Zelle" irgend- eines Betriebes, ivenu die Angestellten gemeinsam national- sozialistische Lieder üben. Das„bürgerliche Zivil" repräsen- tiert eine andre Weltanschauung, ist„gerade weltanschaulich das, was wir im neuen Deutschland mit aller Schärfe ab- lehnen", um eine nationalsozialistische Aeußerung zu zitieren: „Ein Kind des liberal-demokratischen, merkantilen, technische» 19. Jahrhunderts." Nach nationalsozialistischer Auffassung gibt es nichts, ivas demokratischer, pazifistischer, volks- fremder, allem nationalen Denken feindlicher wäre als diese alles nivellierende zivile Kleidung Europas, die der Neger ebensogut tragen könne wie der Weiße, und die sich langsam, aber sicher die Weltteile und damit die Seelen erobert habe. Diese zivile europäisch-amerikanische Kleidung, die bezeich- nenderweise westlerischen Ursprunges sei, drücke kein Sein, keinen Rang, keine individuellen und volklichen Unterschiede aus...„Ganz genau genommen," so heißt es in einem nationalsozialistischen Bekenntnis zur Uniform,„ist es ein Widerspruch, zum minbesten eine Konzession an Artfremde?, wenn ein Repräsentant des neuen deutschen Staates not- gedrungen noch im alten bürgerlichen Gehrock oder Sakko erscheinen muß. Wir stecken eben noch tief in der inter- nationalen Zivilisation..." Sondergericlit iür Einheitslront 23 Jahre Zuchthaus und Gefängnis (Jnpreß.) Das Sondergericht in Freiberg in Sachsen»erhängte über zehn Angeklagte wegen Vertriebs kommunisti- scher Druckschristen und Beitragsmarken zum Zwecke der Errichtung der illegalen KPD. Zuchthaus- und Gefängnis- strafen in Höhe von insgesamt 28 Jahren und 8 Monaten. Die Verurteilten hatten, wie daö Gericht feststellte,„trotz der nach mehrwöchiger Schutzhaft abgegebenen Loyalität?- erklärung kurze Zeit nach ihrer Freilassung das Hetzen und Wühlen im kommunistischen Sinne erneut begonnen". Die Verhandlung habe ans das deutlichste ergeben, daß Kommu- nisten und Sozialdemokraten immer in einer Front stün- den, wenn es den Zielen der Zertrümmerung Deutschlands diene, lies: dem Sturze Hitlers und damit der Rettung Deutschlands. Die Unruhe im Stahlhelm Hamburg, 7. März.(Jnpreß.) Ter bisherige Kreisführer des Stahlhelms Lauenstein ist seines Amtes entsetzt worden. Land der„Gerüchte" (Jnpreß.) Der Gauleiter und Reichsstatthalter Kaufmann in Hamburg hat den Befehl gegeben, daß alle Nazireferenten in jeder Versammlung gegen die„Gefahr der Gerüchte und die unverantwortlichen Elemente, die die frechsten Gerüchte verbreiten", zu protestieren haben. Der Befehl richtet sich in erheblichem Umfange gegen die oppositionellen Elemente in der TA., die sich insbesondere mit den Methoden des Aus- stiegs ihres Pg.-Statthalters beschäftigen. „Kein überzeugter Nazi" Der Bürgermeister Weber a»S Busenbach, Bezirk Ett- lingen(Württemberg), wurde„beurlaubt", weil er sich ge- äußert hatte:„In Busenbach gibts überhaupt keinen ein- zigen überzeugten Nationalsozialisten. Ich bin auch keiner." Kleine Geschichten Das kalte Gefängnis 9teben all dem Traurigen und Schmutzigen, das ber Fall Stavisky jetzt zutage bringt, hat er auch seine heiteren Seiten. So spielte sich hier in B a y o n n e, wo die Juristen und der Staatsanwalt zur Zeit ihr Lager aufgeschlagen haben, ein grotesker Zwischenfall ab. Der Bürgermeister von Bayonne, Warnt, auch AufstchtSratsvorsttzender des Ttädti- scheu Leihamtes von Bayonne, das übrigens von der Be» völkerung nie anders als„Ma Tante de Bayonne"(Meine Bayonner Taute! genannt wird, war trotz seiner Abge- vrdneteneigenschaft im Zusammenhang mit der Affäre Sta- vtsky verhaftet und ins Bayonner Gefängnis eingeliefert worden. Nun ist aber der kleine Ort Bayonne nicht gerade gewöhnt, fein Gefängnis während längerer Zeit besetzt 3» sehen. Vor der Affäre Stavisky kam eS höchstens mal vor, daß ein Bagabund dort eine einzige Stacht verbringen mußte, worauf dann am nächsten Morgen die„Villa Ehagriu" (Kummerhäuschen!, wie sie von ihren gelegentlichen Gästen genannt wurde, wieder für eine längere Zeit leerstand.«o ivar es durchaus in der Ordnung, daß der Bürgermeister Garat vor einem Jahre ungefähr sich bei einer Abstimmung der Stadtverwaltung in iveiser behördlicher Sparsamkeit dem Antrag widersetzte, das Gefängnis mit einer Zentralheizung versehen z» lassen. In der Tat hätte sich diese Ausgabe nicht gelohnt, da fg die„Villa Ehagrin" fast dauernd leerstand... Heute ist Bürnekmesster Garat aber anderer Meinung alS vor einem Jahre. Er hat—..aus seiner Zelle heraus— an den Untersuchungsrichter geschrieben und sich»ber die— Kälte beklagt. Woraufhin dem unglücklichen Bürgermeister, der so wenig prophetische Begabung besaß, ein KokSolen in die Zelle gestellt wurde. Es gibt keine„Kinder" mehr! Jartie Eoogan, der alte„kid". ist heute Student der Rechte, Filmstar und... Geschäftsmann. Während seiner Studienzeit hat er ungefähr ein Dutzend Kurzfilme von sich machen lassen«ber das Stndentenleben. Sein Traum ist es aber, endgültig zum Film zurückzukehren.„Das Recht", ge- steht er. als man ihn fragte,„pah, was ist da? schon!' Was Baby le Roy anlangt, de» neuen„Star", so kann man wirklich überrascht sein, waS er schon(!) alle? besitzt... Eine Farm bei Hollywood, eigene Pferde, Kühe usw.! Man munkelt sogar in eingeweihten Kreisen, daß er die Arbeit müde ist, nnd sich als Gentlemau-Farmer zurückziehen ivill. Sechs Gebote für eine glückliche Ehe In der Rundfrage einer englischen Zeitung, in der Regeln für eine glückliche Ehe ausgestellt werden sollten, wurden sol- »ende sechs Gebote als die wichtigsten erkannt: 1. Sei sparsam mit Fragen, sonst verdienst du. daß dein Mann lügt. 2. Sei sauber gekleidet, auch im Hause. Es wartet immer an der Ecke eine, die gern nimmt, waS du durch Nachlässigkeit verscherzt.* 8. Komme nicht mit Sparsamkeit, wenn er dir etwas Besonderes bieten will. Dein Wert steigt um das, waS er sür dich oerschwendet. 4. Laß ihn merken, daß du auch anderen gefällst. Jeder Mann ist ein Jager aus Passion. 5. Versuche nicht, die Tiefen seiner Seele auszukundschaften. Jeder Mann liebt es, sein Geheimnis zu haben. 6. Vergiß nicht, daß die Ehe wie ein seidenes Band ist. Ist es zerrissen, kann man es wieder knüpfen und weiter- tragen..., seine Schönheit aber ist dahin. Die Falschmünzer und die Zeitungen Vor einiger Zeit veröffentlichten die schweizer Zeitungen eine Erklärung der staatlichen Münze, in der sie das Pnbli- kum vor den falschen S-Franken-Stücken warnte.„Man kann sie an dem fehlenden Buchstaben„ö" im Worte„dominus" erkennen," wurde unter anderem in der Erklärung gesagt. Zwei oder drei Tage nach der Veröffentlichung bekam eine der Zeitungen folgenden Brief:„Vielen Dank für den freundlichen Fingerzeig, wir werden nächstens darauf achten, daß das Wort dominus richtig geschrieben ist." Ratten fressen ein Vermögen Zwei Frauen, die in ber Nähe von R e n n e S ein kleines Gut besitzen, haben ihr gesamtes Vermögen in Höhe von 100 000 Franken unter tragischen Umständen verloren. Sie bewahrten das ganze Geld in Banknoten aus, die sie in einem Kopskissenbezug eingenäht zu unterst in einem t-troh- sack versteckt hatten. Als sie dieser Tage wieder einmal nach dem Gelde sehen ivolllen. fanden sie zu ihrem größten Eni- setzen an Stelle der Scheine nur noch einen Haufen winziger Papierfetzen vor Ratten hatten die Banknoten zernagt und das Papier zum größten Teil aufgefressen. Da die Frauen kein Verzeichnis der Nummern ihrer Geldscheine besitzen, besteht keine Hoffnung, daß ihnen di: Bank vo» Frankreich ihren Verlust ersetzt. Aberglaube Ohne Zweifel wird Joan Erawford der Star der„Lustigen Witwe" sein, und Elark Gable, der so oft ihr Partner war, wird an ihrer Seite als einfacher Komparse erscheinen. Er selbst hat es so verlangt. So fing er an. Als Komparse bei der ersten Version der„Lustigen Witwe" mit John Gilbert, dessen Platz er jetzt eingenommen hat. Halb ans Aberglan- den. halb aus Anerkennung will er jetzt wieder dieselbe Rolle spielen. Sex-appeal ist schuld Die berühmte chinesische Schauspielerin B u t t e r s l y W u, die sich zur Zeit in Peking aufhält, schwebt in höchster Lebensgesahr. Sie wird von mehreren chinesischen Geheim- gesellschaiten mit dem Tode bedroht, und dieie Organisationen pflegen fast immer ihre Absichten durchzuführen. Die Schauspielerin erhält täglich Drohbriefe, in denen man ihr ein merkwürdiges Vergehen zur Last legt: sie fei in Wirk- lichkeit an der großen Niederlage Chinas im Krieg mit den Japanern schuld. Ihr müsse man zuschreiben, daß Mandschu kuo von China losgetrennt und zu einem„selbständigen" Staat erklärt worden sei, daß die Japaner die große Mauer überschritten hätten nnd daß das Reich zersplittert und un- einig sei. Man begründet diese ungeheure Behauptung sol- gendermaßeu: die Schauspielerin habe durch ihren unwider- stehlichen„Sex-appeal" und ihre bezaubernde Stimme den verantwortlichen chinesischen Generälen so den Kopf ver- dreht, daß sie den Feldzug ungenügend vorbereitet hätten. Buttersly Wu wird Tag und Nacht von einer bewaffnete» Eskorte Kriminalpolizisten bewacht, aber die Eingeweihten glauben nicht, daß sie dem ihr angedrohten Schicksal ent- gehen wird. [ Deutsch e Zukunft Kulturpolitisc he Beilage zur Deutschen Freiheit Blick über Zeitfragen und Bücher| Osterreichische Tragödie und demokratischer Sozialismus Von Marius Alter Der tragische Enthusiasmus, der in uns allen bei dem | ,e'denhaften Untergang des sozialdemokratischen Schutzbundes in Wien ausgelöst wurde und bei jenem„Thermopylä" " e r Arbeiterklasse, wie man es treffend nannte, entbindet nicht von der Verpflichtung der Analyse. Denn auch "r die österreichische Sozialdemokratie hat mit ihrer Zerstörung als legaler Partei die gesamte Nachkriegsepoche ren Abschluß gefunden. Auch die Geschichte des Austro- "•arxismus, die nicht nur in ihrem tragischen Ende reich an ''"hm und Ehre gewesen ist, bildet ein wahres Arsenal für 'he Lehren, die aus der Kritik der Vergangenheit für jenes Radikale„Neubeginnen" zu ziehen sind. Hierbei ist die Kritik an der Taktik der österreichischen Sozialdemokratie fahrend des letzten Jahres allzu billig für den, der nicht ® c'her auf dieser Martinswand gestanden hat. auf der sich •he österreichische Sozialdemokratie mit der Entstehung des 'dritten Reiches" zwischen den Abgründen des deutschen und des italienischen Faschismus befunden hat. Lernen wird '"an nur, wenn man etwas mehr in die Tiefe geht, frei von a"er Kleinlichkeit diese Vorpostenpartei der zweiten Internationale als Gesamterscheinung begreift- und die Frag- Würdigkeiten eines demokratischen Sozialismus gerade an a>eser seiner besten Erscheinungsform sich erneut klarmacht. Unsere nur reformistisch denkenden Genossen aus dem "eiche haben bisweilen über den Austromarxismus das Scherzwort gesagt:„Wenn revolutionäre Reden sie begleiten, 80 fließt die reformistische Arbeit munter fort in Wien." Aber es war eine Verkennung des Geistes in der österreichischen Arbeiterklasse, wenn man das Linzer Programm "ut seinem Bekenntnis zum defensiven Bürgerkrieg für die ' reiheit der Arbeiterklasse, mit seiner grundsätzliche» Ab- 'ebnung der Koalitionspolitik, die nur als Ausnahmefall in der bürgerlichen Demokratie behandelt wurde, mit seinem Anspruch auf Führerschaft des Proletariats gegenüber den Mittelschichten zur phraseologischen Begleitmusik des Wiener 'Reformwerks machte. Zweifellos: die Arbeit in W ien w ar Sozialreform größten Stils im Rahmen der bürgerlich- kapitalistischen Gesellschaftsordnung. In der Gesamthaltung des Linzer Programms lebte demgegenüber ein sozialrevolu- Gonärer Geist. Aber deshalb war nicht, wie die Kritiker von '■"ks und rechts meinten und teilweise auch heute noch "leinen, die Einstellung der Austromarxisten ein nur durch geschickte Propaganda verhülltes, im Grunde»»verbundenes Nebeneinander der reformistischen und der revolutionären Haltung. Sondern die österreichische Partei hat unter der Leitung ihres marxistischen Zentrums stets ernsthaft und für den Instinkt der Arbeitermassen glaubhaft um die lebendige Synthese von Revolution und Reform gerungen. Deshalb konnte sie die Auseinandersetzung der Flügel in der Partei stets produktiv für ihre innere Einheit machen. Deshalb bewahrte sie die zum Teil aus historischen Zufällen im Kriege entstandene Parteieinheit in allen unerhörten Schwierigkeiten der Nachkriegsepoche. Deshalb blieb sie nicht "iir gegenüber den in Oesterreich bedeutungslosen Kommunisten die Einheitspartei der Arbeiterklasse, sie kannte auch niemals eine USP. und SAP. Aber eben diese Synthese des revolutionären und des reformistischen Geistes ist an der Entwicklung der Nach- hriegsepoche gescheitert. Sie sollte im Rahmen eines demokratischen Sozialismus vollzogen werden. Das aber heißt: hei dieser Synthese hat schließlich doch der Reformismus das Uebergewicht und das entscheidende Wort gehabt. Es stand eben nicht auf der einen Seite ein Programm zur revolutionären Eroberung der Staatsmacht und auf der anderen die praktische Reformarbeit in der Großkomniune, die vor einer solchen Eroberung im Rahmen des bürgerlichen Staates geleistet werden mußte. Sondern das Linzer Programm selber stellte die demokratische Eroberung der Staatsmacht durch den Stimmzettel, durch die berühmten S1 Prozent als Ziel auf. Wenn aber die Bourgeoisie gegen das Parlament einer sozialistischen Mehrheit zum Kriege greift, so muß ihr mit defensiver Gewalt begegnet werden, wenn sie Sozialisierungsmaßnahmen einer proletarischen Demokratie sabotiert, so muß sie unter Umständen terroristisch bekämpft werden. Das Linzer Programm bekannte sich also nur zur defensiven Gewaltanwendung und unterschied sich in diesem Punkte von dem Heidelberger Pro- giamm nur in der schärferen und konkreteren Behandlung dieser Fragen des Kampfes um die Staatsmacht, nicht aber in der grundsätzlichen Haltung. Der Austromarxismus hielt sich frei von den Illusionen eines organischen Hineinwachsens in den Sozialismus durch die Wirtschaftsdemokratie. Aber er blieb in seiner Grundeinstellung den demokratischen Gedankengängen etwa in dem Sinne, wie sie mit so viel Energie der alte Kautsky gegen links verteidigte, treu. 1926, als man das Linzer Programm schuf, rechnete man damit, daß der Stellungskrieg, der sich im„Gleichgewicht der Klassenkräfte" nach dem Weltkriege entwickelt hatte, sein Ende in einer Offensive des Proletariats finden würde, die man sich in demokratischen Formen verlaufend dachte. An ihre Stelle ist die gewaltsame Offensive des Faschismus getreten. Es wäre gewiß die typisch„zivilstrategische" Kritik gegenüber den Kämpfern an der schwersten Front, wollte man sagen, die österreichische Sozialdemokratie hätte das Schicksal durch eine gewaltsame Offensivtaktik wenden können. Dies ist unter Berücksichtigung der besonderen österreichischen Situation und die Zeitumstände höchst unwahrscheinlich. Aber für den gesamten proletarischen Sozialismus unserer Zeit gilt die Einsicht, daß die Beschrän- kung auf eine defensive Gewaltanwendung, d h. eben, daß die grundlegende Konzeption des demokratischen Sozialis- mus durch den Gang der Geschichte überwunden wird. Wenn der Weg der Bourgeoisie überall die Richtung auf den Faschismus einschlägt, wenn sie sich in der Krise zur brutalen Unterdrückung und gewaltsamen Zerstörung der P«deUr,. sehen Organisationen durch die„eiserne Ferse entschließt, wird einem solchen Gegner gegenüber die Frage defensiver pder offensiver Gewaltanwendung zu einer rein taktischen, nicht mehr zu einer grundsätzlichen Angelegenheit. Sie wird aber vom demokratischen Sozialismus wegen seiner unver- kennbaren pazifistischen Tendenzen zu einer Grundsatjfrage gemacht. Prinzipiell soll seinem Willen gemäß eben die Staatsmacht ohne Gewaltanwendung gewonnen und nur im Ausnahmefall gewaltsam behauptet werden. Die faschistische Entwicklung der Nachkriegszeit scheint innen- wie außenpolitisch das, Ivo, für das demokratische Zeitalter Ausnahmefall schien, zur Norm zu machen. Der 15. Juli 1927, an dem in Wien der Justizpalast brannte, erschien vielen als ein solcher Ausnahmefall, als eine ein- malige Katastrophe, hervorgegangen aus einer unglücklichen momentanen Konstellation. In Wirklichkeit hat er alle Problematik des österreichischen und des demokratischen Sozialismus überhaupt wie in einem Brennpunkte gespiegelt und ein brennendes Fanal für die kommende Entwicklung bedeutet. Dieser Tag zeigte, daß auch die stärkste Arbeiter- bewegung im kapitalistischen Staate schwächer ist als der Apparat des gebrechlichsten und künstlichsten Staates. In- mitten ihrer Hochburg, kurz nach einem^ abierfolg, der ihre Zweidrittelmehrheit im Gemeinderat aufs neue bestätigt hatte, wurde die gegen ein schamloses Klassenurteil demonstrierende Arbeiterschaft von einer Polizei zusammen- - geschossen, deren berufliche Vertretung damals noch— eine sozialdemokratische Mehrheit aufwies. Damals funktionierte im Gegensatz zum 12. Februar 1934 in ganz Oesterreich der Generalstreik. Der Schutzbund aber wurde nicht zum Entscheidungskampfe eingesetzt. Nach einer Kette großer und stetiger Erfolge war der Abbruch des Generalstreiks ohne ein erreichtes Ziel damals die erste empfindliche Niederlage des Austromarxismus. Natürlich hatten bei dieser Entschei- düng die Erwägungen eine Rolle gespielt, daß eine mögliche Eroberung des gesamten Staatsapparates in der Hauptstadt diese nur zu einer Insel inmitten der klerikalen österreichischen Länder und der kapitalistischen Nachbarstaaten, die bei allen Gegensätzen in der Ablehnung einer sozialistischen Diktatur einig waren, liegen lassen würde. Aber man konnte auch gegenüber dem nach dem 15. Juli 192 1 in Oesterreich stark einsetzenden Faschismus auf internationalen Entsatz durch die bevorstehenden Wahlerfolge der deutschen und der englischen Bruderpartei im Jahre 1928 rechnen. Hier siebt man deutlich.wie es viel weniger die sogenannten Fehler der Führer in Oesterreich, wie die gesamte demokratische Konzeption ist, die auf internationaler Basis durch die historische Entwicklung widerlegt wurde und wohl leider auch noch weiter widerlegt werden wird. Es ist ein summarisches und oberflächliches Urteil, wenn man meint. Nach dem 15. Juli 1927 sei ein stetiger Abstieg der österreichischen Partei erfolgt, die Führung sei Schritt um Schritt zurückgewichen, sie sei besonders im letzten Jahre zu jeder Kapitulation bereit gewesen, und nur der Heroismus einer kleinen militanten Minorität in der Wiener Arbeiterschaft hätte auch hier ein unrühmliches Ende verhindert. Die österreichische Sozialdemokratie bat vielmehr dein vormarschierenden Faschismus nach 1927 nicht nur siegreiche Rückzugsgefechte geliefert. Sie ist auch wiederholt zur Offensive übergegangen und bat dabei neues Gelände zu erobern gewußt. Sie errang acht Wochen nach dem ersten großen Wahlsiege, der Nationalsozialisten in Deutschland einen starken Wahlerfolg, der das damalige Kabinett Vaugoin- Starhemherg zum Rücktritt zwang und die erste große Angriffswelle des Heim wehr-Faschismus vollständig brach. Der operettenhafte Putsch, den die Heimwehr im September des darauffolgenden Jahres unternahm, zeigte, daß die Gefahr von 1928 und 1929 bedeutungslos geworden war. Noch am 24. April 1932, an demselben Tage, an dem die Nazis in Preußen bei den Wahlen die große Durchbruchsschlacht gewannen, behaupteten die Oesterreicher ihre volle Mehrheit in Wien und schlugen sich ebenso erfolgreich in den österreichischen Ländern. Die Erfolge, die wen den Nationalsozialisten in dem darauffolgenden Zeitraum allmählich auch in Oesterreich errungen wurden, gingen zum größten Teil noch auf Kosten der bürgerlichen Parteien und der konkurrierenden Spielart des Faschismus. Die Lage erfuhr erst eine vollständige Aenderung, als nach dem Siege des„dritten Reiches" und der Vernichtung der großen deutschen Bruderpartei die Oesterreicher deckungslos dein faschistischen Feuer von zwei Seiten preisgegeben waren. Erst von da an konnte auch ein„Milimetternich", der zu jedem möglichen Wortbruch bereit war, sich zum Diktator aufwerfen, dem stärkere Mächte jede seiner Handlungen diktierten. Es ist sehr unwahrscheinlich, daß die österreichischen Genossen durch das Ergreifen der Offensive, durch ein bedeutend früheres Losschlagen das Schicksal hätten wenden können. Im Gegensatz zu der notwendigen Diskussion über Fehler, die einer falschen strategischen Gesamtbilduiig entsprachen, ist diese nachträgliche Diskussion über die Taktik auch im Grunde ziemlich müßig. Die Lage war überschwer. Wichtig aber bleibt die Feststellung, daß die ausgezeichnete kleine Rumpf trappe Teil eines großen Heeres wur, dessen Strategie zum Mißerfolg führte und revidiert werden muß. Die Gesamtkrise des Sozialismus, die ungeheuren Schwierig- keiten, die für die zweite und dritte Internationale ganz gleichmäßig bestehen, hat zu der Tragödie in Oesterreich geführt. Darüber hinaus ist wohl die Krankheit Europas dort zu akutem Ausbruch gelangt. Ihre Heilung wird kaum anders als durch schwerste chirurgische Mittel erfolgen können. Die Zerbröckelung des Eigentums Der Kapitalismus untergräbt seine Basis Aus kapitalistischem Munde vernimmt man mitunter ein verzweifeltes Staunen darüber, daß die Wirtschaft absolut nicht aus sich selbst heraus von der Krankheit der Krise gesunden will. Die Herren vergaßen eins: daß die kapitalistische Wirtschaftsform auf gewissen Voraussetzungen beruht, die man nicht ungestraft antasten kann, ohne damit das kapitalistische Wirtschaftsleben als solches an seiner Wurzel zu treffen. Zu diesen Voraussetzungen gehört u. a. das Privateigentum. Man kann das Pivateigentum abschaffen, um sozialistisch zu wirtschaften. Aber man kann nicht gleichzeitig das Privateigentum verneinen und kapitalistisch weiterwirtschaften wollen. Das Privateigentum ist nicht die einzige Voraussetzung der kapitalistischen Wirtschaft, aber auch andre, wie z. B. der freie Geldumlauf, der freie Güteraustausch von Land zu Land, die Freizügigkeit der Arbeitskräfte sind heute ebenfalls stark lädiert. Die Zahlung einer Geldsumme aus Deutschland an ein anderes Land, früher die einfachste Sache, unterliegt heute vielerlei Prüfungen und speziellen Bewilligungen. Einfuhrverbote bestimmter Güter sind in fast allen Ländern an der Tagesordnung, ebenso Verbote der Einwanderung oder der Beschäftigung eingewanderter Arbeitskräfte, was praktisch das gleiche ist. Die Unterminier ung des Eigentums schreitet seit zwanzig Jahren unaufhaltsam fort. Wenn die Kapitalisten ihr erschrockenes Auge auf Rußland richten, wo die Enteignung der Besitzenden allerdings zu dem Zwecke erfolgte. den Kapitalismus als solchen zu vernichten, so sollen sie nicht vergessen, daß schon einige Jahre vorher die kapitalistische Raubsucht bürgerlicher bzw. monarchistischer Regierungen den Grundsatz der Unantastbarkeit des privaten Eigentums in die Luft gesprengt hatte. Tatsächlich ist der Kriegsausbruch von 1914 das entscheidende Datum für den Beginn der Zerbröckelung des Eigentumsbegriffes gewesen. Nach völkerrechtlichem Grundsatz durfte auch im Kriegsfalle— wenigstens im Landkrieg " Privateigentum der Bürger eines feindlichen Landes nur für Zwecke der Kriegsführung und nur gegen volle Entschädigung beschlagnahmt werden. Keiner der kriegführenden Staaten hielt sich daran. Ueberall wurde das im eigenen Land befindliche„feindliche" Vermögen ohne Umstände konfisziert. Die Entschädigungspflicht wurde dadurch umgangen, daß man sie auf später verschob, und schließlich beim Friedensschluß sie dem Besiegten zu allen andern Lasten auflegte, im Widerspruch zu der völkerrechtlichen Bestimmung, deren klarer Sinn es war, daß nicht der besiegte, sondern der jeweils enteignende Staat für die Entschädigung aufzukommen habe. Einige kapitalistische Staaten haben dann auch bald— zwar sich ihres Raubes nicht geschämt, aber doch eingesehen, daß sie um kurzsichtigerer Beutepolitik halber einen Grundpfeiler der kapitalistischen Weltwirtschaftspolitik zertrümmert hatten. Wenn in fremden Staaten angelegtes Kapital im Kriegsfalle vogelfrei war,— welcher Kapitalist konnte dann noch riskiere», außerhalb der Grenzen des eigenen Landes Handel zu treiben? So sah sich England bald genötigt, einen feierlichen, gesetzlichen Verzicht auf die Wiederholung des Vorgehens von 1914 zu proklamieren, andere Staaten schlössen sich dem an, und die Vereinigten Staaten von Nordamerika erstatteten sogar das beschlagnahmte Eigentum weitgehend zurück, ein Zeichen, daß man über kapitalistische Fragen in diesem Land immer noch am weitsichtigsten und treffsichersten urteilt. Wenn aber vor zehn und zwölf Jahren der staatliche Verzicht auf Kriegsraub den internationalen Handel wieder hervorlocken konnte, so ist die Wirkung solcher Versprechungen heute bereits um vieles schwächer. Warum?— Weil der Glauben an die Einlösung staatlicher Versprechen,gen im allgemeinen um 90 Prozent gesunken ist. Seit dem Kriege hat nämlich auch in steigendem Maße jene weitere Politik fast aller Staaten eingesetzt, Schuldverträge zuungunsten der Gläubiger des Staates auf mehr oder weniger brutale Weise zu umgehen. Das bekannteste Mittel ist die Inflation. Hierbei wird zwar der Rechtstitel des Eigentümers nicht angetastet, nur der materielle Inhalt dieses Titels wird willkürlich vermindert, ja vernichtet. So machte es das Reich im Jahre 1923. Inzwischen hat sich gezeigt, daß auch alle vertraglichen Klauseln, die den Gläubiger gegen Inflationsentwertung seiner Forderung schützen sollen, daß besonders die sogenannten Goldklauseln im springenden Moment wert- 1 o s sind. Als der amerikanische Präsident Roosevelt zur Herabsetzung des Dollars auf etwa drei Fünftel seines Goldwertes schritt, setzte er auch die Goldklauseln außer Kraft. Audi wer es schriftlich verbrieft und versiegelt hat, daß ihm Dollar zu 1,672 Gramm Feingold geschuldet werden, mußte mit Dollar vorlieb nehmen, die knapp 60 Prozent dieser Goldmenge entsprachen. Dieser staatliche Einbruch in die privaten Verträge war 1933 schon nichts Neues mehr. In Deutschland bat er bereits im Jahre 1931 begonnen, als nach dem großen Bankrnkrach die Regierung Brüning zur Zwangsherabsetzung der Obligationen-Zinsen schritt. Damals wurden die Abmachungen zwischen Gläubiger und Schuldner durch staatlichen Eingriff willkürlich geändert. Die Schuldner, unter denen die öffentlichen Körperschaften vornean standen, triumphierten— sie waren ein.Viertel ihrer Zinsverpflichtungen losgeworden, »Deutsche Freiheit" Nr. 58 ARBEIT UMD WIRTSCHAFT Samstag, 10. März 1934 Palästina and Deutschland Zur arischen Firmenbezeichnung Auslandsgeschäft noch schlechter Seit langem spielen Erzeugnisse der deutschen Industrie in der palästinensischen Einfuhr eine nicht geringe Rolle. Ihr Anteil an der Gesamteinfuhr betrug von 1928 bis 1932 zwischen 10 und 11 Prozent. 1933 ist er auf etwa 13 Prozent gestiegen. Palästina ist eines der wenigen Länder, nach denen die deutsche Ausfuhr im Jahre 1933 gegenüber dem Vorjahr auch dem absoluten Wert nach zugenommen hat(von 0,78 auf etwa 1,30 Millionen Pfund). Infolge des organisierten Transfers für Auswanderer aus Deutschland haben sich die deutschen Ausfahrmöglichkeiten erhöht, darüber hinaus hat dieser organisierte Transfer auch noch private Transfermöglichkeiten eröffnet, die sich ebenfalls in einer wie man sieht recht beträchtlichen Steigerung der deutschen Ausfuhr nach Palästina auswirkten. Palästina beginnt sehr schnell aus dem kolonialen oder halbkolonialen Stadium seiner Wirtschaftsentwicklung hinauszuwachsen. Der Verbrauch des Landes an importierten Fertigfabrikaten zugunsten der im Lande selbst hergestellten Fertigfabrikate nimmt relativ bereits ab. Die Fertigwareneinfuhr betrug 1930 58 Prozent der Gesamteinfuhr, 1932 nur noch 50 Prozent und ebensoviel im ersten Halbjahr 1933, obwohl der verstärkte Einwandererstrom zunächst auch eine relativ stärkere Einfuhr von Fertigwaren bedingt. Dafür treten halbfertige Waren, die im Lande selbst verarbeitet werden, mehr in den Vordergrund. Für die deutsche Hinfuhr kommen hier z. B. Erzeugnisse der Eisen- und Metallindustrie in Betracht. Hiervon hat Palästina aus Deutschland bezogen(in Tonnen bzw. Pfund): Stab« und Profileisen Trager Sehwarzblech«••• Nägel Rohren 1929 Menee Wert 3001 1283 290 190 2732 22914 8366 2812 3875 48769 1930 Menire| Wert 3965| 26698 2317 394 420 14424 3448 6521 2522 51589 1931 Menge Wert 3486 2344 295 432 2464 18818 11170 2211 5797 43684 1932 Menge Wert 3441 2203 622 461 2175 16849 10640 4536 8246 43396 Die deutsche Statistik für 1933 zeigt im Vergleich zu'932 in den genannten Positionen fast eine Verdoppelung. Wirtschaftlicher Niedergang der deutschen Judenheit (ZTA.) Die schwierige Wirtschaftslage, in der sich ein erheblicher Teil jüdischer Gewerbetreibender befindet, läßt in zunehmender Anzahl Untermehnungen entstehen, die sich zur Interessen Wahrnehmung zur Verfügung stellen, ohne Gewähr für einwandfreie und sachkundige Geschäftsführung zu bieten und ohne einer wirksamen Kontrolle zu unterstehen. Im Einverständnis mit den führenden Organisationen der deutschen Judenheit hat sich deshalb zum Zweck der Beratung auf diesem Gebiete und zur Förderung der wirtschaftlichen Interessen deutscher Juden eine Gesellschaft„Wirtschaftsförderung" gebildet, deren Eintragung in das Handelsregister bereits beantragt ist. Den Aufsichtsrat bilden: als Vorsitzender Herr Ministerialrat a. D. Dr. Otto Hirsch, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Reichsvertretung der deutschen Juden; ferner die Herren Justizrat Dr. Julius Brodnitz. Vorsitzender des Centrai-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens; I)r. Leo Löwenstein; Dr. Siegfried Moses, Vorsitzender der Zionistischen Vereinigung für Deutschland; Dir. Heinrich Stahl, Vorsitzender des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Dem Vorstand gehören an die Herren: Dir. Friedrich Borchardt, Generalsekretär des Zentralausschusses deutscher Juden für Hilfe und Aufbau, und Dr. Ernst Lehmann, Hypothekenbankdirektor. Rückgang der Kraftfahrzeugproduktion (ITF.) Infolge der verminderten Aufnahmefähigkeit der Inlandmärkte und der ständigen Einschränkung der Ausfuhrmöglichkeiten ist in den letzten Jahren die Welt-Kraft- fahrzeugproduktion gesunken. Der Höhepunkt wurde 1929 mit 6,3 Millionen Kraftwagen erreicht; die Gesamtproduktion war bis 1932 auf 1,97 Millionen Wagen, also auf weniger als ein Drittel der Höchstproduktion, zurückgegangen. In erster Linie wurden von dieser Produktionsabnahme die Personenkraftwagen betroffen, denn während 1929 5,3 Millionen solcher Wagen hergestellt wurden, zählte man 1932 nur noch 1,6 Millionen neue Wagen. Im Jahre 1933 ist jedoch in den meisten Ländern die Kraftwagenproduktion wieder beträchtlich gestiegen. „Deutsch" oder„national" Die„Deutsche Justiz", das amtliche Organ des Reichsministers der Justiz, des preußischen Justizministers und des bayerischen Justizministers, bringt in ihrer Nummer vom 2. März einen Artikel des Ministerialrats Krieger, in dem die in letzter Zeit wiederholt erörterte Frage, in welchen Fällen einer Firma die Bezeichnung als„deutsch" oder„national" gestattet werden soll, auf Grund der gegebenen Rechtslage und der herrschenden Anschauungen untersucht wird. Auch die„Wochenschau" derselben Nummer beschäftigt sich mit diesem Problem. Es wird darauf hingewiesen, daß verschiedene Kreise der Oeffentlichkeit sich gegen die Aufhebung eines von einem Amts- und Landgericht gegen eine Firma erlassenen Verbots, die Bezeichnung„deutsch" in ihrer Firmenbezeichnung zu führen, durch das Kammergericht mit der Begründung gewandt haben, die Bezeichnung„deutsch" oder„national" lasse annehmen, es handle sich um eine Firma, die ausgesprochen deutschen Charakter habe und deren Inhaber arisch sei. Hierzu bemerkt die„Deutsche Justiz": „Politisch erscheint es allerdings ohne weiteres wünschenswert, daß die Bezeichnung„deutsch" oder„national" oder gar„nationalsozialistisch" entweder ganz verschwindet, damit diese politischen Ehrenbezeichnungen nicht zu Gradmessern wirtschaftlichen Ansehens mißbraucht werden, oder daß sie sich nur zemand beilegen darf, der arisch ist und nach der allgemeinen Volksanschauung in seinem Geschäftsgebaren wie in seinem Handelsgebiet den Voraussetzungen eines ehrbaren deutschen Kaufmannes entspricht. Wirtschaftlich dagegen ist es notwendig, bei bestehenden Firmen nicht durch plötzliche Einführung neuer Grundsätze über Firmenbezeichnungen eine Unruhe oder Unsicherheit hervorzurufen, wie sie etwa entstehen würde, wenn alle die zahlreichen Gesellschaften, die in ihrer Firmenbezeichnung Zusätze wie„deutsch" usw. haben, gezwungen wären, diese entweder überhaupt abzulegen oder jedenfalls dann zu beseitigen. wenn etwa die neuen Erfordernisse nicht restlos gegeben sind, wenngleich die Firma weiterwirtschaften darf... Die grundsätzliche Frage, ob die genannten Firmen- Zusätze überhaupt gegeben werden dürfen oder ob sie nur an bestimmte Personen gleichsam verliehen werden dürfen, kann nur im Wege der Gesetzgebung rechtlich gelöst werden.... Ob man bei dieser Regelung den Weg geht, diese Firmenzusätze zu untersagen oder nur bestimmen Firmen zu gestatten oder ob man die zugrunde liegende Frage vom'rechtlichen Gebiet auf das wirtschaftliche Gebifet verlagert, indem man den wirtschaftlichen Organisationen, Industrie- und Handelskammern oder etwaigen Standesein- riehtungen, die Berechtigung gibt, einer jeden Firma, die es verdient, eine Art Anerkennung als Geschäft im Sinne der nationalsozialistischen Wirtschaftsauffassung zu geben und hierfür eine andere und unmißverständliche Bezeichnung als Zusätze der genannten Art findet, ist eine offen? Frage. Es würde das bedeuten, daß man in Wirtschaft und Handel eine Bewertung von Firmen nach national wirtschaftlichen Gesichtspunkten einführt und damit eine Klassifizierung der Wirtschaft— die natürlich auch in anderer Hinsicht noch ausgedehnt werden könnte— einrichtet. Kann also diese Frage im geltenden Recht nicht grundsätzlich und vollständig gelöst werden, ohne jedenfalls eine gefährliche Unsicherheit der Wirtschaft herbeizuführen, so ist es gewiß angebracht, daß der Gesetzgeber sich dieser Frage einmal annimmt, sei es für die Zukunft, sei es zugleich rückwirkend." Wirtsdiaifsjammer Leipzig, 4. März.(Inpreß.) In dem amtlichen Organ der Industrie- und Handelskammer Leipzig, der„Mitteldeutschen Handelsrundschau", ist wörtlich dieser Notschrei zu lesen:„Der Beschäftigungsgrad im Leipziger Kraftdroschkengewerbe hat nach den vom Droschkenbesitzerverein sorgfältig ermittelten Verkehrsziffern einen katastrophalen Tiefstand erreicht. Zum Beispiel wurden vom Hauptbahnhof aus folgende Fahrten ausgeführt: 1929— 504 186, 1932— 200 450, 1933— 166 448. Von der Autorufzentrale wurden an Fahrten vermittelt: 1929— 561 902, 1932— 230 035, 1933— 177 063. Daß nach diesem Stande des Beschäftigungsgrades das Kraftdroschkengewerbe im allgemeinen in schwere Notlage gekommen ist, ergibt sich von selbst." Abonnier! die„Den!sdie Freiheit" Sie triumphierten nur etwas zu früh: denn seitdem hat in Deutschland bis heute keine langfristige Anleihe mehr untergebracht werden können. Die in Frage kommenden Geldgeber sind mißtrauisch geworden; kein Mensch weiß, ob sein Schuldschein morgen noch gilt oder so gilt, wie er abgefaßt wurde. Durch den Vormarsch der Diktatur als Staatsform ist inzwischen eine neue Bresche in das Eigentum geschlagen worden: In Italien, Deutschland, Oesterreich wurde zum Grundsatz erhoben, daß sogenanntes„staatsfeindliches" Eigentum vogelfrei ist, daß es jederzeit durch einfachen Verwaltungsakt ohne Entschädigung weggenommen werden kann. Welches Eigentum als„staatsfeindlich" anzusehen ist, entscheidet in freier Willkür die gleiche Staatsgewalt, die den materiellen Gewinn aus der Wegnahme hat. Es ist eine grimmige Satire der Weltgeschichte, daß das gleiche Bürgertum, das sonst bei dem Worte„entschädigungslose Enteignung" in panischen Schrecken gerät, heut/: schmunzelnd und schadenfroh diese Enteignung gutheißt, weil sie von den Diktaturen fast ausschließlich gegen das Arbeitereigentum angewendet wird. In Deutschland sind allerdings nicht nur Marxisten, sondern auch Juden, auch bürgerliche Literaten und Wissenschaftler, die aus irgend einem Grunde für„Kulturbolschewisten" galten, entschädigungslos enteignet worden. Der hämische, verhetzte Kleinbürger jubelt,, wenn irgend einem bekannten Schriftsteller dreißigtausend Mark gestohlen werden, welche die Frucht seiner künstlerischen oder wissenschaftlichen Arbeit darstellen. Aber manchem Weiterschauenden unter den Kapitalisten ist Har nicht wohl dabei zumute. Er sieht, wie der Respekt vor dem Eigentum auf diese Weise in der Bevölkerung tiefer und tiefer sinkt. Der Appetit ist einmal gereizt, und muß er nicht um so stärker beim Essen wachsen, als die Bissen, die er jetzt zugeworfen bekommt, verschwindend klein sind gehalten gegen die vor der Nase liegenden Güter der wirklich Besitzenden? Gewiß, Diktatoren wie Hitler, Mussolini, Dollfuß werden als Söldner des Kapitalismus ihre ganze Kraft daran setzen, d u Ausbruch dieser Begierden zu zügeln. Aber sie haben— gewiß, um das Eigentum vor dem Sozialismus zu retten— den Massen doch einmal vom Baume der Enteignung zu kosten gegeben, und diese werden den Geschmack nicht so bald vergessen.... So macht das Kapital angesichts der drohenden Zuspitzung der Weltlage sich immer mehr fluchtbereit. Es wagt sich nicht an langfristige Unternehmungen, die ruhige Zeitläufte von Dauer zur Grundlage bedingen, es sucht sich zu sichern, sich zu verstecken, es erstrebt nicht den Gewinn, sondern bangt um die Erhaltung der Substanz. Mit der Zerbröckelung des Eigentumsbegriffs hat der Kapitalismus die Axt an die eigene Wurzel gelegt. Robert Bosch A.-G. berichtet, daß sich im laufenden Jahr die Aufwärtsbewegung der letzten sechs Monate von 19 fortgesetzt habe. Die Belegschaft habe am 15. Februar die Zahl 12 000 überschritten und sei damit nicht nur größer aU Ende 1933 mit 11 236 und Ende 1932 mit 8332, sondern auch größer als im Spitzenjahr 1929.(Die Firma verräts nicht» über die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden. D. Red.) Die Besserung von 1933 verdanke das Unternehmen ausschließlich dem Inlandsgeschäft, das infolge der Sondermaßnahmen zur Förderung der Kraftwagenindustrie umsatzmäßig um beinahe 80 Prozent stieg, während der Auslandsabsatz erbeblich nachließ und nur noch 40Prozent desVerkaufserlöses ausmachte gegen wieder 60 Prozent i. V. Aluminium-Weltproduktion Die Erzeugung von Aluminium ist auch im Jahre 1933, wenn auch langsamer als im Vorjahre, gesunken. Es ergeben sich folgende Zahlen: Welterzeugung an Aluminium U. S. A.... Kanada.•• Norwegen..• Frankreich..• Deutschland.• Schweiz.... I»al Großbritannien. Spanten.... Oesterreil h.. Insgesamt 1930 103 890 349 0 27 357 24 640 30 200 2-500 7968 MOOii 1 100 550 268005 1931 80500 31 000 21 421 »8000 26900 12500 11 109 12500 1 153 3000 218083 1952 47 575 17960 19310 14 160 14110 13 780 13415 8 860 1 000 5200 155368 1935 58600 16 150 14900 14300 13 700 12400 12600 II 6»0 1000 950 155600 Kohlenlager im Fernen Osten Im Fernöstlichen Gau werden gegenwärtig die Möglichkeiten für die Entdedcung neuer Kohlenlagerstätten erforscht. Der Leiter der geologischen Expedition, Popoff, teilte mit, daß das Kohlenbecken im oberen Amurgebiet fünf Milliarden Tonnen Kohle birgt. Diese Vorräte können, da sie in der Nähe der Eisenbahnlinie und des Amurflusse« liegen, in großem Maßstabe ausgenützt werden. Die Kohlenvorkommen im oberen Amurgebiet und bei Tolbusinsk können als Rohstoffbasis für die Hüttenindustrie am Kleinen Cbingan dienen. Das Kohlenvorkommen am Raitschich, das 42 Kilometer von der Ussuri-Babn entfernt liegt, wird schon ausgebeutet. Dort liegen 500 Millionen Tonnen Kohle. Durch die richtige Ausnützung dieses Vorkommens wird der Gau billigen Brennstoff erhalten, die Ussuri-Bahn aber wird keine Kohle mehr aus den Gruben im Osten nach dem westlichen Teil der Bahn zu transportieren haben. Täglidi 60000 Lire Steuer Spielhölle und wirtschaftlicher Niedergang Aus Dan Nemo wird uns geichrieben: In dieser Perle der italienischen Riviera funktioniert eine staatlich konzessionierte Spielhölle. Diese muß für Betriebskosten, Abgaben und Steuern täglich über 60 000 Lire aufbringen, eine augenscheinlich unerschwingliche Dumme. In den ersten Jahren seines Bestehens machte dieses Unternehmen»zur Ausbeutung des Lasters" trotzdem jährlich 200 bis 300 Mil- lionen Lire Reingewinn. Hingegen mutzten die dortigen Ge- werbetreibenden und speziell die Hoteliers Hunderttausende abschreiben für uneinbringlich« Rechnungen. Was der Staat an Gebuhren und Abgaben erhielt, verlor er an zurückgehenden Steuern. Nur im Friedhof wurde eine Abteilung sür Selbstmörder geschaffen, für Verzweifelte, die in den Tod getrieben werben. Tie den Spielern auf schamloseste Weise abgenommenen Riesensummen dienen ausschließlich dazu, dunklen Ehrenmännern und deren Konkubinen Rieseneinkünfte zu verschaffen. In den letzten Jahren kam der Rückschlag, so daß nicht nur die fetten Dividenden wegfallen, sondern daß das „Casino" der Stadt und dem Staat über 30 Millionen Lire rückständige Steuern und Abgaben schuldet. Um diesem Niedergang zu steuern, wurde an der Schweizer Grenze, in Campione, mit ungeheurem Aufwand an Reklame eine Filiale eröffnet. Laut der illustrierten Zeitschrift»San Remo"(ein Propagonbaheft sür die Spielhölle) haben außer der italienischen Aristokratie neben dem Baron von Thyssen. Madame Pappenheim und Oberst von Rathenow auch der schweizerische Advokat Doktor Bixio Rossi, welcher für diesen speziellen Fall„Consigliere Federale" iBundeSrat) be- namst wird, serner der Präsident des schweizerischen Auto- mobilklubs, Dr. Edwin Mende, der Oberst Dollfutz, sowre der Rigi-Kirichwasserbrenner Walter Faßbint bei der Er- öffnung durch Anwesenheit geglänzt! Für neue Gäste sorgen berühmte Schlepper: Ein« Baronin von Gleichen, zum Be-spiel, sucht Kunden zu„idealem Aufenthalt" an der Riviera durch Inserate im«Völkischen Beobachter"! Der Oberst von Rathenow„bemuttert" im Lido möglichst wenig bekleidete Tänzerinnen. Für Animation am Spieltisch sorgt die Frau des Konzessionärs, Commandatore de Santis(ein schöner Heiliger), indem sie Unsummen rollen läßt, was ihr um so leichter ist, als sie die Spiel- marken nichts kosten. Vor Jahren hat dies« Dame im Aildiz Kiosk in Konstantinopel mit der Exponierung ihrer nun alternden Reize einige Erfolge gehabt! Jeder in erstklassigem Hotel absteigende Fremde erhält einige Stunden nach seiner Ankunft eine Gratis-Eintritts- karte. Nur die weniger bemittelten Gäste bezahlen einen Eintritt. Halbwelt und die sehr zahlreichen Freundinnen der Direktoren sind ebenfalls stets„eingeladen". Ausgeplünderte Spieler erhielten früher Reisegeld: in- folge der Krise ist diese Maßnahme nun abgeschafft. Heute antwortet die Direktion ausgespielten Damen:„Warum abreisen, mit ihrem hübschen Gesichtchen können Sie in unseren Salons noch viel Geld verdienen, wir geben ihnen gerne eine Gratiskarte!" Männliche„Ausgespielte" und folglich Obdachlose macht man aus das nahe blaue Meer aufmerksam, in welchem ein Selbstmord unauffälliger ist, als in den Spielsälen! Das ist San Nemo und seine Filiale Campione! Und nun hat der„Führer" Hitler durch Eröffnung einer Spielhölle in Baden-Baden diese Perle des SchwarzwalöeO auch einer solchen„Prosperität" zugeführt, S>eutsdfke Stimmen.(Beilage zur{Deutschen Greifte«"• Ereignisse und 9esdkidkien Samstag, den IQ. Man 1934 Waudeciwty un Die QehentUen Der erste warme Vorfrühlingstag blaute durch das weite Rheintal, verscheuchte den schweren Nebel, der vier Monate über den Weingärten und Fruchtfeldern regiert hatte. In den Anlagen, an den Berghängen übten die Amseln ihr süßestes Lied. Die Haselkätjchen hingen gelb. Die W eitlen- Lärchen blinkten von den Rainen. Lau floß der Wind. Die kolken trieben gelassen mit blassen, violetten. Rändern gegen die dunkelblauen Berge des Wasgcnwaldes. Vier Wintermonate Exil waren bitter genug. Die Kälte s litten- t>) Chirnrgia e) Gebm tahflUiche Klinik d) Zahnärztliches Kabinett Innere Medizin, Augen», Ohren», Nasen» and Kehlkopfkrank.. ZweistöckigesfSanatodumsgehiude. Vierstöckiges Gebäude. 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Ferner daß der Held von Bayonne mit B o n n e t einmal an derselben Tafel aß, mag noch hingehen. Bloß daß sie gesehen hat, wie C h i a p