Sinzigs unabhängige Tageszeitung veutjchlands Nummer 59— 2. Jahrgang|Saarbrücken, Sonntag Montag, 11.12. März 1934 Chefredakteur: MBraun An» dem Inha lt cKetdentuHi dec Jl legalen Seite 2 Macht gegen De.£eg Otgmpiade 1936 Reichstag dec Vieciigiähcigeti Seile 4 Seite 5 Seite 5 Wettrüsten wie nie inyort Wenn die AinUsiiuigshonferenz erfolglos ist... rronkrelchs Slcherheltssorgen London, 10. März 1934. Die Warnung BaldwinS im Unterhaus, daß England bei einem Fehlschlag der Abrüstungsbemühungen aufrüsten müsse, wurde in drei Ministerreden am Freitagabend wieder- holt und unterstrichen. Schatzkanzler Chamberlain erklärte bei einem kouser» »ativen Festesien in Birmingham: Wenn die Abrüstungskonferenz mit einem völligen Zusammenbruch endige und die europäischen Staaten wieder ein Rüstungswettrennen einleiten sollten, dann werde England für seine Verteidigung die Ausgabe viel größerer Summen als bis» her ins Auge fasse« müssen. Es sei allerdings viel zu früh, die Unmöglichkeit einer Vereinbarung anzunehmen. Chamberlain dementierte die Behauptungen, daß die eng- tische Regierung ein großes Wehrgesctz plane, das viele Millionen Pfund kosten würde und im Herbst dieses Jahres eingeführt werden sollte. Sehr deutlich sprach auch der englisch« Innenminister S i r JohuGilmour in Cardiss. Möglicherweise, so sagt er, könne der englische Plan nicht voll durchgeführt werden. Die englische Regierung werde aber ihr Hauptaugenmerk auf den Ausgleich der Luftrüstungen richten.»Wir beschäs- tigeu uns zur Zeit mit diesem Problem. Wenn wir aus die Dauer herausfinden, daß unsere Nachbarn aus dem Festland« uns in dieser Angelegenheit nicht entgegenkommen wollen, dann werden wir mit großem Bedauern Schritte zum Schutze unseres Volkes unternehmen müssen." Der Erste Kommissar für öffentliche Arbeiten, Minister Ormsby Gore, sagte, daß England sich um den Abschluß eines begrenzten Abkommens, und zwar um ein Lustab» kommen, bemühen«erde, wenn die Staaten eine allgemeine Abrttstungsvereinbarung nicht wünschten. Sollte England eine bedeutende Begrenzung der internationalen Luftrüstun» gen nicht erreichen, dann könnte die gegenwärtige zweitklassige Stellung Englands nicht länger zugelassen werden.»Für jeden Flieger und für jedes Flugzeug» die irgendeiner der Nachbarn Englands in Europa ausbildet bzw. baut, würden wir ebenfalls eine Flieger ausbilden und ein Flugzeug bauen." Um die Luftrüstung Paris, 10. März. Vor dem KammerauSschutz für Luft- fahrtsfragen äußerte sich Luftfahrtminister General Denain über den Stand des Heeresflugmaterials und gab die vor- gesehenen Maßnahmen zur Verbesserung dieses Materials bekannt. Der Ausschuß beschloß, den Luftfahrtminister auf- zufordern, 1. energisch die Modernisierung deS zivilen und militärischen FlugmaterialS in Angriff zu nehmen,' 2. die Reorganisation deS LuftfahrtministeriumS und die Zusammenarbeit zwischen der Heeresluftfahrt und der zivilen Luftfahrt durchzuführen,' 3. keine endgültigen Verpflichtungen hinsichtlich der Fragen zu treffen, die die z i v i 1 e Luftfahrt angehen.(Handels- ober Touristen-Flugwesen, neu zu eröffnende Verkehrslinien in Nordafrika, Betrieb der Strecke Afrika—Südamerika), ohne vorher diese Fragen dem Ausschuß unterbreitet zu haben. Die Regierung hat einen Gesetzentwurs eingebracht, der die Bereitstellung von 2980 Millionen Franken für RüstungS- zwecke im Rechnungsjahr 1934/36 vorsieht. Polltlsdie Brandstiftung Zwischen Japan und Rußland Moskau, 10. März. Die Telegrafenagentur der Sowjet- union verbreitet eine Meldung aus Chabarowfk, dort seien Nachrichten aus Charbin eingetroffen, wonach angeblich eine japanische Abteilung unter dem Vorwand des„Kampfes mit dem Banditenunwesen" Wohn- und Bürogebäude der Wald- konzession der Ostchinabahn in Brand gesetzt habe. Trotz aller Maßnahmen sei es nicht gelungen, die Konzession vor der Feuersbrunst zu retten. Eine Reihe Gebäude und große Bestände bearbeiteter Hölzer seien verbrannt. Nach vorläu- sigen Schätzungen betrage der Schaden Zehntouscnde von Goldrubel. * Die amerikanische Flugzeugfabrik Wright hat von Rußland Bestellungen auf Flugzeugmotoren im Werte von 2,4 Millionen Dollar erhalten. Für 200000 Dollar Motoren sind bereits geliefert worden. Todesstoß neuen Endlands Denkschrift Das verzweifelte Suchen nach Rettung für die sterbende Abrüstungskonferenz London, 10. März. Der Brief des französischen Außen- Ministers B a r t h o u vom 10. Februar an den Vorsitzenden der Abrüstunskonferen, Henberson(wir verweisen auch auf den Aufsatz„HendersonS Dokumente"), wird von der englischen Presse als Hauptpunkt der gestrigen Völker- bundsverösfentlichungen in längeren Auszügen wieder- gegeben. Dieses Schreiben, so sagt der diplomatische Mit- arbeiter des„Daily Herald", ist der offizielle und kategorische Todesstoß für die Simon-Denkschrift.„Daily Mail" meint, das Schriftstück zeige mit schmerzlicher Klarheit, daß eine Einigung zwischen den Mächten unwahrscheinlich sei. Bc- deutung mißt das Blatt auch der Anregung Simons in sei- nem Brief an Henderson bei, daß möglicherweise ein„Zwi- schenstadium" zwischen die bisherigen Verhandlungen und eine Rückkehr nach Genf eingeschaltet werden soll. Im Zu- sammenhang hiermit werde in Genfer Meldungen wiederum die Möglichkeit einer begrenzten Mächtekonferenz außerhalb Genfs— als Konferenzorte werden Lausanne oder Stockholm genannt— aufgeworfen, zu der die vier betroffenen Haupt- mächte einschließlich Deutschland, ferner Amerika, Rußland und Japan, die Kleine Entente, Polen und Spanien einge- laden werden sollen. Das Blatt beurteilt jedoch die Aus- sichten für die Abhaltung einer solchen Konferenz äußerst schlecht. Ter Genfer Berichterstatter des„Daily Telegraph" wie auch„New Chronic!-" heben hervor, daß der Konferenz, gedanke weitgehend von dem Erfolg oder Mißerfolg der Rundreise EdenS abhängig gemacht worden sei und daher zur Zeit nicht mehr aktuell sei. In Genf werde die Einbe- rusung einer solchen Konferenz für unwahrscheinlich gehal- ten. da sie mit ziemlicher Sicherheit ihren Zweck verfehlen würde. Als nächster Schritt werde daher die Einberufung des Abrüstungsbüros erwartet. Nur der diplomatische Mitarbei. ter der„Daily Heralb" meint, daß gerade der ZeZlschlag der bisherigen Abrüstungsbesprechungen die Einberufung-iner Neun- oder 13-Mächte-Konferenz in Stockholm wahrschcin- lich mache. Aus den Völkerbundsveröffentlichungen gehe klar hervor, daß die Besprechungen fehlgeschlagen seien und ein anderer Weg gesunden werden müsse. Gleichzeitig wird von wenigen Blättern auch die Möglich- keit einer besonderen Konferenz über die Luststreitkräfte er- wähnt. Sir Verno» Bartlett vertritt im„News Chronicle" die Ansicht, in der Whitehall bestehe eine Anregung, daß die Frage der Luftstreitkräfte gesondert von den anderen Rüstun- gen besprochen werben könnte. Der politische Mitarbeiter der „Daily Mail" meint, daß England die Einberufung einer Weltkonfercnz erwäge, falls die Abrüstungskonferenz end- gültig zusammenbrechen sollte. Ferner trage sich die englische Regierung mit dem Gedanken einer Konferenz der Domi- nwmsvertreter. um die Verteidigung deS englischen Welt- reiches zu erörtern. lieslern und heule Herr Hitler läßt durch seinen Verlag Franz Eher sonderbare Dinge in die Well se(fen. Er behauptet nämlich, sein Buch„M ein Kampf" sei ein pazifistisches Buch. ??? Wir haben es auch nicht geglaubt, aber Hitler, durch Frans Ehers Mund beweist es uns. Sofern wir die ehernen Worte des Führers als Beweis betrachten dürfen. Nämlich, höchst ärgerlich über die Ueberseftung des politischen Standardwerkes aller Deutschen ins Französische, hat der Verlag nicht nur beim Pariser Kadi geklagt, sondern zwingt auch per Auflage die deutsche Presse, in ihren mehr oder weniger unschuldigen Spalten folgendes zu drucken: „In Wahrheit handelt es sich bei den Stellen des Buches, denen die Worte und Satzteile entnommen sind, um eine Auseinandersetzung mit inner politischen Gegnern, die dem Führer mangelndes Interesse an der Wiedergewinnung verlorener Gebiete vorwarfen. Der Autor weist demgegenüber darauf hin, daß die Frage zu ernst sei, um durch leichtfertige Agitation gelöst zu werden, und lehnt Gewaltanwendung für dieses Ziel ab. Die theoretische Möglichkeit eines gewaltsamen Konflikts wird im Buche nur im Zusammenhang mit der damals akuten Frage der Rheinlandbesetzung erörtert." Da kommt davon, daß die Franzosen kein Deutsch können! Da schreibt nun der Führer extra ein Friedensbuch, lehnt jede Gewaltanwendung ab, ganz theoretisch, versteht sich— und der unwissende Uebersefzer mißversteht die herrlichsten, friedlichsten Stellen. Zum Beispiel folgende: „Unterdrückte Länder werden nicht durch flammende Proteste in den Schoß eines gemeinsamen Reiches zurückgeführt, sondern durch ein schlagkräftiges Schwert."(S. 689). Oder:„Dieses an sich immer mehr der Vernegerung anheim fallende Volk bedeutet in seiner Bindung an die Ziele der jüdischen Weltbeherrschung eine lauernde Gefahr für den Bestand der weißen Rasse Europas... Was Frankreich, angespornt durch eigene Rachsucht, planmäßig geführt durch den Juden, heute in Europa betreibt, ist ein• Sünde wider den Bestand der weißen Menschheit und wird auf dieses Volk dereinst alle Rachegeister eines Geschlechts hetzen, das in der Rassenschande die Erbsünde der Menschheit erkannt hat."(S. 705). Oder:„Erst wenn dies in Deutschland vollständig begriffen sein wird, so daß man den Lebenswillen der Nation nicht mehr in bloß passiver Abwehr verkümmern läßt, sondern zu einer endgültigen aktiven Auseinandersetzung mit Frankreich zusammenrafft und in einen lefften Entscheidungskampf mit deutscherseits größten Schlußzielen hineinwirft: erst dann wird man imstande sein, das ewige und an sich so unfruchtbare Ringen zwischen uns und Frankreich zum Abschluß zu bringen: allerdings unter der Voraussetzung, daß Deutschland in der Vernichtung Frankreichs wirklich nur ein Mittel sieht, um danach unserem Volke endlich an anderer Stelle die mögliche Ausdehnung geben zu können." (S. 766/7). Denn:„Im ewigen Kampf ist die Menschheit groß geworden — im ewigen Frieden geht sie zugrunde." Wenn das noch nicht friedlich genug ist, den sollte man zur Strafe das Buch des Führers ins Deutsche übersetzen lassen. Denn— wir sind ja selbst ein bißchen in Verlegenheit, aber es hilft nichts, die Welt muß es endlich erfahren, damit die ewigen blöden Mißverständnisse aufhören: nichts an dem klassischen Buch des Führers ist kriegerisch oder blutdürstig; erst das schlechte Deutsch macht es dazu. Und der Reichskanzler Hitler, der beim französischen Kadi geklagt hat, ist nunmehr wirklich auf dem richtigen Wege. Er sollte auch bei einem deutschen Gericht eine einstweilige Verfügung erwirken, die es dem Verfasser von„Mein Kampf" verbietet, die friedlichen Absichten des Reichskanzlers noch weiterhin durch seine mindenertiapn literarischen Leistungen zu gefährden. Argu, n London erobert Labour-Mehrheit im Londoner Rathaua London, 10. März. Bei den Kommunalwahlen hat die Arbeiterpartei einen noch viel größeren Sieg errungen, als zunächst zu übersehen war. DaS endgültige Ergebnis lautet: Konservative 66(83), Arbeiterpartei 09(36), Liberale 0(ö) Sitze. Damit hat die Arbeiterpartei zum ersten Male die Mehr- heit errungen. Das Ergebnis dürfte aus die tnnerpolitische Entwicklung ganz Englands von Einfluß sein. Die Regie- rung Macdonalds sieht ihre Autorität dahinschwinden. Der hitlerfreundliche Presselord Beaverbrook Hai höchst persönlich in den Kamps eingegrissen, um die Schlacht zu- gunsten der Konservativen zu entscheiden. Er schimpfte im Stile des Göbbels. Das Auftreten des PresselordS, der sich am Tage vor der Wahl dazu hinreißen ließ, die Arbeiter führer S t r o 1 ch c zu nennen, hat der bisherigen MajoritätS- partei, die über Groß-London mehr als zwanzig Jahre hin- durch ununterbrochen geherrscht hat, wohl eher geschadet. Das Triumphgefühl der Arbeiterpartei nach ihrem erstaunlichen Siege ist natürlich sehr groß. Durch ihn wird die Persönlich- keit des Organisators des Kampfes auf der Labourseite, Her- bert M o r r i s o n. stark in den Vordergrund gerückt. Morri- son ist 40 Jahre alt und war im letzten Labourkabinett B e r- kchrSminister gewesen. Er ist kein sehr eindrucksvoller Redner, doch gilt er unter den jüngeren Labourftthrern als einer ter Begabtere». ^1,'"V'J'.ul*»tLAliiiiii, it. Heldentum der Illegalen Viele Jahre Zuchthaus und Gefängnis für Sozialdemokraten Eine amtliche deutsche Meldung lautet: dnb. Dresden, 0. März. Das Tondergericht Mir das Land Sachsen verurteilte nach viertägiger Verhandlung von 41 Angeklagten nenn wegen Fortführung der SPD.»nd Verbreitung verbotener Druckschriften zu Zuchthaus- strafen von 1—4 Jahren. Die übrigen bis aus zwei» die freigesprochen wurden, wurden zu Gesängnisstrasc», von sechs Monaten bis zu zwei Jahren drei Monate,, verur- teilt. Die Angeklagten hatten sich«. a. mit der Einsuhr und Verbreitung des in Prag von marxistischen Emigranten herausgegebenen„Neuen Vorwärts" besaht und, um ihre Organise^ion zu verschleiern, in Dresden eine Tabakhand- lung gegründet, wofür die Mittel von Emigranten zur Verfügung gestellt worden waren. Diese Mittel stammten zum Teil aus nach der Tschechoslowakei mitgenommenen Parteigelbern der SPD. Einzelne Verurteilte hatten die erhaltene« Gelder auch im«ige- neu Interesse verwendet. Den Schlußsatz dieser Meldung unterstreichen wir. Er kennzeichnet die Schuftigkeit, mit der der Nachrichtenapparat im„dritten Reiche" arbeitet. Selbst Arbeiter, die im lauter» sten Idealismus Freiheit und Leben für ihre Ucberzeugung wagen, sollen diffamiert werden, wenn sich die Kerkerlürcn hinter ihnen schliefen. Niemand wird den Verleumdungen glauben. Wer ein Wagnis auf sich nimmt, wie unsere Freunde in Dresden, tut es nicht, nm ein paar Groschen kür sich zu ergattern. Solches Helden- und Märtyrcrtum schließt Un- treue aus. Bemerkenswert ist, daß die Reichsregierung ihre Taktik, die illegale Arbeit der Sozialdemokratie totzuschwei» gen, seit einiger Zeit ausgeben muß. Insbesondere aus außen- politischen Gründen wurde bis vor kurzem nur von„Korn- munistcn" grtyroche", wenn irgendwo Illegale hochgingen. Man brauchte den Bolschewtstenschreck, um dem Auslande vorzumachen, es ge'e in Deutschland nur noch Faschisten und Kommunisten. Seit einigen Monaten ist aber die illegale Betätigung gerade Oer Sozialdemokratie so planmäßig nnd wirksam, daß die Reichsregierung wohl oder übel diese Ar- bcit nicht mehr ohne weiteres den„Kommunisten" zuschreiben kann. In vielen Exemplaren geht wöchentlich eine sür die ille» gale Arbeit der Sozialdemokratie bestimmte Zeitschrift„So- z i a l i st i s ch e Aktion" aus sicheren Wegen an allen Grcn- zen ins Reich. Sie ist auf hauchdünnenr Papier gedruckt und läßt sich daher leicht verbergen und verbreiten. Die Männer und Frauen, die diese Zeitschrift ins Volk bringen, sind kei- neSwegs alle Sozialdemokraten früheren Stils, wenn auch naturgemäß ein Hanptteil der illegalen Kaders aus geschul- ten Sozialdemokraten besteht. Das Erfreuliche an der Bewegung ist gerade, das, viele junge Kräfte, die sich bisher der Sozialdemokratie versagt hatten, nnn zu ihr stoßen. Diesen Hingen revolutionären Sozialisten verschlägt es nichts, wenn einmal dieser ober jener Aufsatz in der illegalen Zeitschrift ihren Ideen nicht ganz entspricht. Sie wisicn, daß es jetzt»nd zunächst daraus ankommt, alle Widerstandskräfte gegen die faschistische Diktatur zu sammeln und zu beleben. Diese jungen Menschen verrichten Wunder an Tapferkeit und sind dabei zumeist von großer taktischer Vorsicht. Miß- trauisch sind sie gegen alle, die in radikalen Worten schwel- gen. Ihre Arbeit wird schweigend mit ttescm Ernst und hei- ligcr Opferbereltschaft getan. Diese in mancherlei geistigen Abstufungen über das ganz« Reich verbreitete neue Organisation, die noch wenig einheit- lich ist und deren Enzelgrnppen oft nichts voneinander wissen, hat eines gemeinsam: sie grenzt sich streng gegen andere Illegale, auch gegen Kommunisten, ab. Nicht, weil sie deren Arbeit herabwürdigen möchte, sondern weil diese unsere Freunde ihre Mitstreiter genau kennen wollen und nach ihren Ersahrungen dl« Gestapo gerade unter den scheinbar Radikalsten die meisten Spitzel hat. Wir registrieren diese Tatsache aus itclen Gesprächen mit Illegalen, die in dieser Auffassung alle einer Meinung sind. Die SchreckenSurtcile, die gegen unsere tapferen Freunde gefällt werden, sind furchtbar. Abschrecken werden diele har- ten Strafen nicht. Das ist das große Wunder, auS dem der Wille zum Siege erwächst. Venn'» wahr ist... -•. ein Bravo den Oeseerreichern ^icu, März. Die polizeiliche Untersuchung bei der Ge- schäftsführung der Sozialdemokratischen Parteibank hat jetzt ergeben, baß fast fünf Millionen Schilling Gewerkschasts- gelber ins Ausland„verschoben" morden sind. So hat der ehemalige sozialdemokratische Abgeordnete König in Zürich einen Betrag von 1.8 Millionen Schilling abgehoben. Die Gewerkschaft Post- und Telegrasenbetrtebe hatte einen Betrag von 100(X)0 Schilling nach Bern„vcr- schoben". Dieser Betrag ist von einer Berncr Bank an den sozialdemokratischen Führer Maier ausgehändigt worden. Der bekannte sozialdemokratische Führer Adler hob in Zürich 48 000 Schilling, ein anderer Sozialdemokrat 106000 Schilling in Utrecht ab. Ter Zentralverband der Lebens- mittel- und Gcnußmittelarbeitek in Wien hat den Ponsinssonds mit 1 945 000 Schilling nach Zürich„verschoben". Dieser Be- trag ist gleichfalls bereits von Sozialdemokraten abgehoben worden. Gleichfalls ist ein größerer Betrag der Post- und Tclegrasengewcrkschaften, der Konsumgenossenschaften in Wien und Umgebung in das Ausland verschoben worden und bereits von Sozialdemokraten abgehoben worden. Die Re- gierung setzt die eingehende Untersuchung der Geschäfts- gebarung der Arbeiterbank noch fort, da allgemein angenommen wirb, daß noch weit größere Summen Gewerkschaft»- gelber ins Ausland gebracht worden sind, die sich nicht in de» Händen der geflüchteten sozialdemokratischen Führer be- finden. „Skaatsielnde" Auch in Oesterreich Wien, 10. März. Gegen fünf geflüchtete Mitglieder de« sozialdemokratischen Parteivorstandes sind Steckbriese er- lasten worden. Der österreichische Ministerrat hat in seiner gestrigen Sitzung neue Maßnahmen gegen„Staatsseinde" beschlossen, u. a die Entlastung von privaten Arbeitnehmern wegen staatS- oder regierungsfeindlicher Betätigung Russlsdie Hilfe Die Arbeiter der Sowjetunion sammelten für den Unter- stützungSfonds für die österreichischen Arbeiter, die ein Opfer des Faschismus wurden, bereits 1 Million Schilling. Der Zentralrat der Gewerkschaften eröffnete ein spezielles Bank- konio sür die täglich einlausenden Geldbeträge aus allen Teilen der UTTR. Das Präsidium des Zentralen Gcwerk- schaftsrates beschloß, durch die Sowsetsektion der Roten Hilfe eine Million Schilling an die Arbeiteropfer des Faschismus zu überweisen. Zlvillsationsprozeli gegen Hitler 20 000 Amerikaner nehmen daran teil— Luther protestiert vergeblich Wie stark in Amerika die Abneigung gegen das„dritte Reich" und seinen Terror ist, das bewies eine Kundgebung in Neuuork, die durch die Eigenart ihrer Organisation und durch die gewaltige Anzahl der Teilnehmer ungeheures Auf- sehen in der Oeffentlichteit erregte. Die Demonstration wurde als Z'vilifationöprozeß gegen Hitler durchgeführt und ihr Hauptsprcchex mar kein anderer als der frühere amerikanische Unterstaatssekretär R a n m o n d M o l e y.„Ich haste Hitler, weil er meinen menschlichen Brüdern die Gerechtigkeit versagt, weil er ein Feind meines LändeS und meines Rechtes ein freier Mann zu sein, ist." Unter den zwanzig Rednern befanden sich auch der Neu- uorker Bürgermeister La Guarba und der frühere Gouverneur A l Smith Eine Entschließung des Senators Tydings tn der es heißt, baß das politische System, daS zur Zeit in Deutschland herrsche, einen veralteten nnd barbarischen Despotismus barstelle, wurde unter stürmische» Kundgebungen angenommen. Unter den For- Orlel an Offbbels Ein Deutscher hat aus Nizza folgenden Brief an da« Reichspropagandaministerium gerichtet und uns zur Bcr- ösfentlichung übergeben: Sie haben über alle deutschen Sender— selbstverständlich auch nach Afrika— einen ganz rührenden Sketch gesendet, in dem sich drei— selbstverständlich Original-Saarländer— verschiedenen Glaubens und verschiedener politischer Rich- tungen die Hände gereicht und den gemeinsamen Kampf für „unser" Deutschland beschlossen haben. Ich versichere Sie: Es sind einem die dicken Tränen heruntergelaufen! Bitte beantworten Tie mir aber die eine, selbstverständ- lich ganz bescheidene Frage. Es waren: Ein K a t h o l i k, ein Protestant und ein— die Schreibmaschine sträubt sich derungen der Demonstration befanden sich auch Anträge auf Neureglung beS amerikanischen Ainlrechts für Flücht- linge. Scharf wurde auch protestiert gegen die Hitlerpropa- ganga und die Spionage der deutschen Konsulate. Der deutsche Botschafter Luther war wegen dieser Kundgebung, zu der man ihn übrigens eingeladen hatte, in große Erregung geraten. Er wandte sich in einer Protest- notc beim Staatsdepartement vor allem gegen die Erklä- rung des Senators Stödtens, wonach Hitler durch die Kundgebung wegen Verbrechen» gegen die Zivilisation verurteilt worden sei. Man zeigte Luther jedoch die kalte Schulter, das Staatsdeparte- inent erklärte, keine Möglichkeit zu einer Intervention zu besitzen. Schon vor der Kundgebung hatte Luther auf seine Beschwerde eine ähnliche Abweisung erfahren, die Regierung erklärte ihm. daß eS sich nm eine Veranstaltung von Privat- lcutcn handele, in die sie sich nicht einmischen könne. beinahe— K o mmu n i st! Warum, um Gottes willen, habe» Sie nicht ein Biercrgespräch gemacht mit Hinzunahme eine«„Juden"? Das hätte gewirkt! Bielleicht holen Sie das noch nach! Sollten Tie weitere Anregungen brauchen, so stehe ich Ihnen gern zur Verfügung. In diesem Sinne ganz ergeben» Unterschrift. Die Opposition meldet sich Saarbrücken, 10. März. Seit einiger Zeit Hot sich an der Saar eine Gruppe oppositioneller Nationalsozialisten gc- bildet, die jetzt die erste Nummer einer Wrchcnschrift„Die schwarze Fahne" herausgebracht hat. DaS Blatt nimmt in bemerkenswerter Weise Stellung zu den Kämpfen innerhalb der nationalsozialistischen Bewegung an der Saar. Wachsende Verstimmung im Vatikan Das gebrochene Konkordat Rom, 10. März. Die Berliner Meldung, daß Herr von Pape» wegen seiner Erkrankung möglicherweise nicht an der römischen Tagung der Malteser-Rittcr teilnehmen könne, hat eine be- sondere Ursache. Die Mission PapenS sollte dazu dienen, den Frieden zwischen der Hitler-Regierung und der katho- tischen Kirche wieder herzustellen. Im Vatikan beobachtet man jedoch gegen Pape» seit dem Abschluß des deutschen Konkordats ein gewisses Mißtrauen. Pape» hatte damals der Kurie zahlreiche beruhigende Zusicherungen gegeben, die später nicht gehalten worden sind. Infolgedessen dürfte er beute nicht mehr der geeignetste Unterhändler zwischen Berlin und dem Heiligen Stuhle sein. Man macht hier kein Geheimnis daraus, daß die Audienz des Kardinal-Erzbischofs Schulte von Köln bei Hitler völlig ergebnislos verlaufen ist. Ebenso vergeblich wartet der Vatikan bis jetzt auf die Rückkehr des bisherigen deutschen Unterhändlers, des Ministerialdirektors im ReichSinnen- Ministerium. B u t t m a n n(der übrigens Protestant ist). Die deutsche Taktik scheint darauf hinauszulaufen, durch längeres Zögern die Kirche in Schwierigkeiten zu bringen. Dabei spielt anscheinend auch die Drohung mit einer Ein- stellnng der staatlichen Zuschüsse eine Rolle. Pas Neueste Das Schnell-Schöfscngericht in Stuttgart verurteilte deu Geschäftsführer der Wintcrhilsslotterie Canftatt wegen Siernntrenang von Winterhilssgeldern zu zwei Jahren Zuchthaus und drei Jahre« Ehrverlust. Der deutsch« Schwergewichtsmeister im Boxe» Vincenz Hower verteidigte am Freitagabend seineu Titel gegen Hein Müller mit Erfolg«nd blieb nach 12 Runde« überlegener Punktsieger. Im Verlans« der Nacht zum Samstag führte die Rettnngs« Mannschaft auf Grube Karsten-Zentrum bei Beuthen den Kamps gegen Kohle und Gestein mit allen Mitteln weiter. Bisher leider ohne weiteren Erfolg. Der im Gestein einge» klemmte Hauer Kapol konnte trotz aller Bemühungen noch nicht freigelegt werde». Wie mitgeteilt wird, verzögern neue Schwierigkeiten da» Rettnngswerk. Der Bezirks?»« der Sozialiften des De parte, mentS!wt mit 4006 Mandatsstimmen eine Entschließung angenommen, die die Einheit als Aktionsgrundlage und daS Bündnis mit der Kommunistischen Partei empfiehlt. 128.» Mandatsstimmen entfiele« aus eine gemäßigter gehaltene Entschließung nnd 460 aus eine noch schärfer gehaltene. Dem„Journal" wird aus St. Nazaire gemeldet, daß eine kürzlich in Genf verhaftete, aber wieder s^ekommene Frau Eleonore Liebermann, die in La BaSle Schmucksache« im Werte von 126 000 Franken gestohlen hatte, von der französischen, belgischen nnd österreichischen Polizei gesucht wurde. Es soll sich um eine der beste» Sowietspioninneu handeln. Die 01 in Sago« verankert gewesenen englischen Krwgs- schisse unter dem Befehl des Admirals»«du sin» in Rich. tung nach Gibraltar ausgelaufen, wo am U M«», Flotte,, manöver beginnen. Das Geschwader des AkuiralS Kelly hat die Ausgabe, die Durchfahrt durch die Meerenge von Gibraltar zn erzwingen, die durch das englische Mittelmeer« gcschwader verteidigt wird. Pressemeldungen znsolge hat das Londoner Präsidium alle Hilfspolizisten, die der faschistischen Bewegung Sir Oswald Mösle»» angehöre«, ihrer Posten enthoben. Obgleich eine amtliche Ber. ordnnng nicht erlassen wurde, ist den Hilfspolizisten die Zugehörigkeit zur Faschistenbewegung untersagt worden, da die Zugehörigkeit zn dieser Bewegung nicht mit den Polizei» lichcn Pflichten vereinbar sei. Rashington. Präsident Roosevelt hat die Alkoholei«, suhrqnote bis ans weiteres ausgehoben«nd die unbeschränkte Einfuhr von alkoholischen Getränken gestattet, um eine Sen- kung der einheimischen Getränkepreise zu erzielen. Reuyork, 10. März. Bei Cheyenne im Staat« Rnoming stürzte am Freitag wieder ein vou eine« Militärflieger g-führieS Postflug,eng-b und verbrannte. Der Führer»nd lein Begleiter, gleichfalls ein Militärflieger, wurde,, getötet. Damit>st die Zadl der bisher bei der Bedienung von Poftflngzeugen umS Leben gekommenen Militärflieger ans 10 gestiegen. Aus Havanna wird gemeldet: Die Regierung hat eine Verordnung vorbereitet, die im Falle des Generalstreiks eine Militarisierung der öffentlichen Dienste oorficht. Im schwedischen Ministerrat am Freitag teilte der Krön- prinz, der in Abwesenheit beS Königs die Regentschaft an«- übt, mit. daß Prinz Sigwarb durch seine Ehe mit einer Bürgerlichen sein Erbrecht verwirkt nnd seiner Titel»nd Vorrechte, die er als Erbfürst genossen babe. verlustig gegangen sei. Der Ministerrat stimmte dieser Maß- nähme zu. Der Kronprinz erklärte, daß Prinz Siqibaro künftig den Familiennamen B e r n a d o t t e führen dürfe. Spilzelsnmpf Wie überall Paris, 10. März. Der Ausdruck Maffia ist in Zusammenhang mit der Ermordung des Gerichisrats Priuce, die noch immer nicht aufgeklärt ist, in aller Munde. Ein bekannter Autor von Kriminalromanen leuchtet heute in einem Ar- tikcl im„Excelsior" hinter die.Kulissen der Polizei-Angeber in Frankreich. Er erklärt, aus dem Schatz seiner Ersah- rungcn, daß die französische Polizei mit Angebern arbeit«, die zn festen Bezügen von monatlich 200 bis 10(XX) Franken angestellt seien. Andere Angeber, auch aus der Unterwelt, würden sozusagen in«Sachleistungen entlohnt, d. h. durch Vergünstigungen, Erlaß eigener Gefängnisstrafen, dadurch, daß die Behörde beide Augen zudrücke gegenüber von Ber- stößcn usw. Der Kriminalschriststcller fügt dann urteilend Hinz«, daß so eine ganze Kundschaft entstehe, die durch ihre Anzeigen von den Verbrechen anderer leben. Diesen Lenken sei alles erlaubt, weil sie zu viel wüßten und groß« Dienste leisteten. * Der sozialistische„P opnlaire" veröffentlicht den an- geblichen Text eines Briefe«, den der Polizeiinspektor Bonn am 6. Februar 1984 über die von ihm vorgenommene erste Vernehmung von Frau Stovifkn an sein« vorgesetzte Be- Hörde schrieb und in dem in Fragestellung angedeutet wird» ob nicht ein mit Polizeipräsident Chiappe bekannter Buch- macher Zograpbos Frau Stauiskn telefonisch gebeten habe, ob sie ihre Aussage nicht noch ändern könne. Hendersons.Dokumente Hinter den Kulissen der Abrüstung DNB. Genf. 9. März. Um die Mittagsstunde wurde in Genf gleichzeitig mit der Veröffentlichung in den wichtigsten Hauptstädten eine Doknmentensammlung aus Veranlassung des Präsidiums öer Abrüstungskonferenz veröffentlicht, die sich mit den Ver- Handlungen der Großmächte befaßt, die in den Monaten an Stelle der Abrüstungskonferenz stattgefunden haben. Die Dokumentensammlung enthält zunächst eine Vor- bemerkung und zwei einleitende Briefe Hendersons. Als Antwort auf die Bitte des Präsidenten, ihm Auskünfte über die zwischenstaatlichen Verhandlungen für den Standpunkt der einzelnen Regierungen zu übermitteln, folgt dann das von Grandi am 7. Februar in London Henderson über- gebene italienische Memorandum, ferner das am 9. Februar mit einem Brief des britischen Außenministers überreichte britische Abrüstungsmemorandum und der Wortlaut der Ausführungen Sir John Simons am 6. Februar 1934 vor dem Unterhaus. Frankreich Im Anschluß hieran sieht man, daß öer französische Außen- minister Barthou am 19. Februar Henderson neben dem französischen Abrüstungsmemoranbum vom 1. Januar 1934 auch die beiden deutschen Stellungnahmen zum Abrüstungs- Problem vom 18. Dezember 1933 und vom 19. Januar 1934 übersandt hat. Barthou faßt in seinem Begleitschreiben den französischen Standpunkt nochmals kurz zusammen. Diese Zusammenfassung enthält nichts Neues. Es wird nur nochmals betont, daß die französische Regierung keine sofortige Verminderung ihrer Rüstungen vornehmen könnte, die mit einer gleichzeitigen Wicderbewasfnung qualitativer Art der durch die Friedensverträge gebundenen Staaten »erknüpft sein würde. Der französische Außenminister wellt ferner darauf hin, daß Frankreich besonderen Wert auf prak- tische Bürgschaften für den Fall der Verletzung des abzu- der» nach Anficht Barthous eine schnelle Entscheidung über Die gegenwärtigen Umstände und vor allem die Beichten« »ignng des Tempos, mit dem gewisse Staaten ihre Auf- rüstnngen in Widerspruch mit den Verträgen betrieben, sor, dern nach Ansicht Barthous eine schneell Entscheidung über die der Abrüstungskonferenz vorgelegten Fragen. Schließlich erwähnt Barthou noch, daß ein Vergleich der Heeresstärken nur möglich sei, wenn man von der Heeresstärke die Ver- bände abzöge, die nach seiner Meinung unzweifelhaft einen militärischen Charakter trügen. In der Veröffentlichung des Präsidenten der Abrüstungs- konferenz wird dann festgestellt, daß das Präsidium der Ab- rüstungskonferenz am 13. Februar in London von diesen hier unterbreiteten Dokumenten Kenntnis genommen hat. Wie schon bekannt, kam man zu dem Entschluß, daß die er- zielten Erfolge die Wiedereinberufung des Präsidiums zu einem näheren Zeitpunkt nicht rechtfertigen würden und daß man weitere Versuche, insbesondere die Verhandlungen Edens zur Beseitigung der bestehenden Gegensätze, noch ab- warten müsse. Aus diefem Grunde sei der Wiederzusammen- tritt des Präsidiums der Abrüstungskonferenz auf den 19. April festgesetzt worden. Schließlich enthält die von Henderson veröffentlichte Dokumcntensammlung noch die französische Antwort an Deutschland vom 14. Februar, die, wie die übrigen Doku- mentc, mit Ausnahme des Briefes Barthous. schon bekannt ist, und ein Aide Memoire der amerikanischen Regierung, das am 19. Fbruar 1934 durch den amerikanischen Gesandten in Bern, Wilson, dem Generalsekretär des Völkerbundes mit einem kurzen Anschreiben übermittelt worden ist. Amerika Das amerikanische Memorandum, das im Wortlaut noch nicht bekannt geworden ist, beschäftigt sich mit dem britischen Memorandum vom 29. Januar. Es betont, daß die Ver- einigten Staaten in vielen Punkten mit den britischen An- regungen sich einverstanden erklären könnten. In anderen Punkten seien sie der Meinung, daß die englischen Vorschläge im Hinblick auf die tatsächliche Abrüstung nicht so weit gehen wie es in Aussicht genommen war. Die amerikanische Regierung betont dann, daß sie es für das Wichtigste halte, die Verteidigungskräfte jedes Staates zu stärken und gleichzeitig die Angrissskraft zu vermindern. Die Erreichung dieses Zieles könne man auf verschiedenen Wegen anstreben: Durch Abschaffung der hauptsächlichsten Anariffswaffen, durch eine automatische und dauernde Kon« trolle und schließlich in Verbindung mit einem allgemeinen Abrüstungsabkommen, durch einen weltumfassenden Nicht- angriffspäkt, der die Verpflichtung enthält, das Gebiet keines anderen Staates in Verletzung der Verträge mit Armeen zu überschreiten. Deutschland Die in der Hendersonschen Dokumentensammlung er- wähnte deutsche Denkschrift vom 18. Dezember 1933 stellt zu- nächst fest, daß an eine Durchführung einer wirklichen Ab- rüstung gegenwärtig nicht mehr zu denken sei und daß sie sich an diese Realität halten müsse. Deutschland macht dann folgende Vorschläge: 1. Deutschland erhält die volle Gleichheit der Rechte. 2. Die stark bewaffneten Staaten verpflichten sich, ihren gegenwärtigen Rüstungsstand nicht zu überschreiten. 3. Deutschland verpflichtet sich, von der Gleichheit der Rechte nur einen so gemäßigten Gebrauch zu machen, daß kein Staat sich dagegen bedroht fühlen könnte. 4. Alle Staaten verpflichten sich gegenseitig zu einer hu- manen Kriegführung und zjm Nichtgebrauch bestimmter, gegen die Zivilbevölkerung gerichteter Waffen. 3. Alle Staaten nehmen eine gleichmäßige und allgemeine Kontrolle an. 6. Alle Staaten garantieren sich die Aufrechterhaltung des Friedens durch den Abschluß von Nichtangriffspakten. Deutschland fordert dann eine Heeresstärke von 399 999 Mann und beansprucht eine Reihe von Jahren für die Um- wanölung der Reichswehr. Die Defensivwasfen dieser Armee müßten denen anderer moderner Heere entsprechen. Die Um- wandlu-•> der Reichswehr würde in keiner Weise die Art und den Charakter der SA. und SS. berühren, da diese keine militärischen Verbände sind. Die Laar Die deutsche Note erwähnt noch, daß der Gedanke an eine Rückkehr des Saargebietcs ohne Abstimmung die Erregung der öffentlichen Meinung in Frankreich und Deutschland ver- meiden sollte, wie sie sich im Gefolge einer Wahlkampagne zweifellos zeigen würde. Falls aber die französische Regie- rung diesen Standpunkt nicht annehmen könnte, so würde die Reichsregierung die Frage als erledigt ansehen. * Frankreich und Italien „L'Oeuvre" schreibt: ... Wird diese französisch-italienische Einmütigkeit bezüglich der Probleme in Mitteleuropa sich auch auf die Abrüstungsfrage erstrecken? Das wäre sehr wichtig, aber es scheint, als ob, wenigstens heute noch, eine abweichende Auffassung besteht. Wenn wir recht unterrichtet sind, empfand Mussolini, ebenso wie Frankreich, für das englische Memorandum nur wenig Neigung... Kraftvoll und realistisch, wie er ist, legte er einen italienischen Plan vor, den Hitler anscheinend fast unverändert annehmen will. Nach diesem Plan soU— wie man weiß— jeder sechs Jahre lang auf dem gegenwärtigen militärischen Rüstungsstand beharren; es handelt sich allerdings dabei nur um eine einfache „Pause", da die Ersetzung der Waffentypen, natürlich unter der Bedingung, daß ihre Zahl niemals überschritten wird, dauernd erfolgen kann. Die Deutschen dagegen sollen diejenigen Verteidigungswaffen anschaffen, die ihrem Heer von 250 099 Mann entsprechen, über ihre militärähnlichen Verbände, die alsdann entwaffnet werden müßten, sollen sie eine Kontrolle zulassen und sie dürfen die Jagd- und Bombenflugzeuge besitzen, die der Stärke ihres Heeres entsprechen. Schließlich müßte dieses Abkommen eine Garantie für die Durchführung erhalten, die durch eine internationale Kontrolle gewährleistet würde, da die Sicherheit nur auf dem Vertrag von Locarno und anderen, bereits unterzeichneten Pakten beruht. Kurz, Mussolini sei der Ansicht, daß, was auch immer komme, ein allgemeines Abkommen über die Rüstungen in Europa unerläßlich sei, um das Wettrüsten zu verhindern, das recht schnell zu einem Kriege führen müsse. Wären diese Vorschläge, allerdings unvermeidlich in veränderter Form, früher während der Unterhandlungen in Genf gemacht worden, da das Vertrauen zu den internationalen Verpflichtungen, die Deutschland eingehen könnte, noch nicht erstorben war, so hätte man aller Wahrscheinlichkeit hoffen dürfen, die Grundlage für eine gewisse Verständigung zu finden. Heute erscheint diese Lösung mehr als zweifelhaft. Wenn wir den Erklärungen Barthous Glauben schenken, die er vor wenigen Tagen dem Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten gab— und nach dem, was man in gut unterrichteten Kreisen hört—, scheint die Regierung durchaus nicht geneigt zu sein, ihre Handlungsfreiheit in einem Europa, das so gefährlich in Verwirrung geraten ist, zu verlieren. Die Argumente, die diese Haltung motivieren, werden— des sind wir sicher—, Italien die Uebereinstimmung seiner und unserer politischen Ziele klar machen. Die gestohlenen Saar-Gelder Wie lange nodi wird den Saargewerhsdialten Ihr Redit vorenthalten? Am 2. Mai vergangenen Jahres zerschlug Hitler die durch- aus unpolitischen und allein den wirtschaftlichen Interessen der deutschen Arbeiter dienenden freien und später die christlichen Gewerkschaften Deutschlands. Was aber geschah mit dem mehrere hundert Millionen Mark betragenden beweg- lichen und unbeweglichen Vermögen, das jahrzehntelang von den Beitragsgroschen der deutschen Arbeiterschaft zusammen- gespart wurde? Der„Volkskanzler" Hitler ließ es„be- s ch l a g n a h m e n". Um hierfür nach außen hin den Schein der Berechtigung zu erwecken, wurde die Welt vom Propa- gandaminister G ö b b e l s mit angeblichen ungeheuren Korruptionsenthüllungen angelogen. Es genügt wohl zu er- wähnen, daß, wie schon Braun-Severings Staatszuschuß von 2 Millionen Mark zur Wahl des früher von Hitler selbst ver- achteten und heute„sehr verehrten" Herrn Reichspräsidenten Hindenburg wider besseres Wissen von den Nazis als persön- licher Diebstahl der beiden Minister bezeichnet und daß schon die Gewährung von Gewerkschaftszuschiissen an solche poli- tische Parteien, die im Parlament sozialpolitische Forde- rungen vertraten, als ungeheuerliche Korruptionsfälle be- zeichnet wurden. Zu welchem Zwecke wurden die Vermögen der deutschen Gewerkschaften' eigentlich beschlagnahmt? Wo bleibt die genaue öffentliche Rechenichastsablegung über die «ahmten" Werte? Wann werden dte Gewerkschaftsmitglieder das Verfügungsrecht über die von ihnen zusai^engesparten Gelder und Werte zurückerhalten, oder womit will Hitler die weitere Zurückbehaltung begründen. Halt es Hüler etwa für gerecht und„ehrenhaft", daß diese Werte in den großen bodenlosen Staatstopf hineingeworfen werben und schließlich in erheblichem Umfange solchen Personen zugute kommen, die ihr Leben lang selbst nicht nur keinen Pfennig fll d«e Gewerk- schatten übrig hatten, sondern diese sogar bekämpften. Hält es der„sozialistische Bolkskanzler« Hitler für richtig, daß den Millionen gewerkschaftlich organisiert gewesenen Volksgenossen ihre durch jahrelange Beitragszahlungen er- worbeneu Erwerbslosen-, Rechtsschutz-, Notsall-, Kranken-, Sterbe- und Jnvalidenunterstützungen vorenthalten werden? Für die saarländischen Arbeiter aber erhebt sich die wichtige Frage, wo nimmt Hitler eigentlich das Recht her, die in den beschlagnahmten Gewcrkschastsvermögen enthaltenen Ber- mögensteUe der saarländischen Beitragszahler ebenfalls zu „beschlagnahmen"? Ist das Saargebiet etwa schon eine Provinz des„dritten Reiches" geworden, ohne daß wir dies recht merkten? Oder ist es noch Völkerbundsgebiet, dessen Bewohner laut Friedensvertrag dem Schutze Frankreichs unterstehen? Wo nimmt Hitler das Recht her, die in den vielen Gewerkschafts- verbänden Partei-, Kriegsbeschädigten-, Arbeitsinvaliden-, Sport- und sonstigen Unterstützungsorgantsationen und-ein- richtungen steckenden Anteile der saarländischen Arbeiter, so- weit er deren Vermögen„beschlagnahmte", einfach mit zu „beschlagnahmen"? Müssen sich die Arbeiter im Saargebiet diesen dreisten Raub ihrer Vermögensanteile und die damit verbundene Zertrümmerung ihrer wohlerworbene« Anrechte still« schweigend und fatalistisch gefallen lassen? Da unseres Wissens der Regierungskommission schon vor längerer Zeit diesbezügliche Anträge aus den saarländischen Gewerkschaftskreisen unterbreitet wurden, würde es die Oessentlichkeit heute lebhaft interessieren zu erfahren, ob und mit welchem Erfolge sie sich bei der deutschen Regierung für die sofortige Freigabe der widerrechtlich beschlagnahmten Vermögensanteile verwendet hat. Hitler hat durch die Mitbeschlagnahme und Nichtwieder- freigäbe der saarländischen Vermögensanteile das Fürsorge« wesen der saarländischen Gewerkschaften mit zertrümmert. Falls Hitler den Vermögensraub nicht freiwillig heraus- gibt, ist es Pflicht der Saarregierung, die Angelegenheit schnellstens dem Völkerbund zu unterbreiten. Völkerbund und Saarregierung haben die Verpflichtung übernommen, für das Wohl der saarländischen Arbeiter zu sorgen. Sollen sie sich nicht als polittt^ ohnmächtig erweisen, dann mögen sie mit aller Energie und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dem Gewaltstreich Hitlers entgegentreten. Gleidisdiaifungmitraarsdiinuslh Die„Saarbrücker Zeitung" berichtet: Besseringen, 7. März. Musikverein Besseringen. Der in der Jahresschlußversammlung abgegebene Geschäftsbericht zeugte von einer unverbrüchlichen Treue des Vereins zum neuen Deutschland. In feierlicher Weise vollzog sich die Gleichschaltung, die mit einem Sieg-Heil auf das deutsche Vaterland und seine Regierung und dem Absingen des Deutschland- und Horst-Wessel-Liedes endete. Zum Führer wurde N. Wilhelm bestimmt, der seinen Führerrat ernannte. Rektor Crames sprach über Zweck und Ziele des Musikvereins und bei deutscher Marschmusik vergingen Stunden im Geiste des Dritten Reiches. Einigen Mitgliedern, die die Gleichschaltung nicht sa ohne weiteres an sich vollziehen lassen wollten, verging außerdem Hören und Sehen. Ein Brie! Als Stimmungszeichen Ich bin gerade außerhalb des Reiches unterwegs, und da will ich es nicht versäumen, einmal an Euch zu schreiben. Wir alle denken immer wieder an Euch und sind Euch im Innersten unseres Herzens dankbar. Jawohl, besonders wegen der Tüchtigkeit und der Sauberkeit des Charakters sind wir heute erst recht stolz auf unsere früheren Führer in der schweren Zeit von 1918 bis 1932, und wir haben auch allen Grrtnd dazu. Oft läuft das Herz über, aber der Mund muß schweigen. Euch hat man verdammt und verdächtigt, aber was machen die heutigen Führer? Das hiesige Amtsgericht mußte sich in diesen Tagen be- fassen mit Sittlichkeitsverbrechen der Herren PH. H. sSonder- kommissar der bayr. Staatsregierung), B.(Setter der städt. Polizei), beide vorbestraft mit 3 Jahren Zuchthaus), H. Z. lein bekannter Säufer und Skandalmacher). Sie wurden gestraft. Es muß schon sehr schlimm gewesen sein, daß überhaupt bei so hohen Persönlichkeiten eine Bestrafung erfolgte. In die Zeitung kam nichts. Die Herren sind noch in Amt und Würden. Das Volk muß schweigen. Ich frage mich oft: Wer besudelt denn nun das deutsche Nest, doch nur diese Herren. Ich glaube, wenn Hitler wüßte, was diese Herren sich geleistet haben, würde er sich doch schämen. Wie gerne würde ich Euch einmal erzählen, wie es hier gegenwärtig zugeht. Entschuldigt die schlechte Schrift. Es geht unterwegs nicht besser. Euer Leben ist nicht schön, doch habt Ihr für etwas gelebt, das wieder auferstehen wird, glaubt es mir. „Ehrenhändel" und Volksgemeinschaft Mensur für alle Der„Wegweiser", die offizielle Korrespondenz der Deutschen Turnerschaft, veröffentlicht unter ber Ueberschrift„SA. aus Mensur" folgendes: „Wenige werden wissen, daß in der SA. Bestrebungen darauf hinzielen, Ehrenhändel mit ber blanken W a ffe-auszutragen. Wenn auch die Durchführung dieser Aktion noch nicht zur Tat geworben ist, so wird doch die Forderung des Führers, daß jeder Deutsche die Waffe zu führen versteht, in erster Linie dazu beigetragen haben, daß dieses Bekenntnis zur Mensur aus fruchtbaren Boden ge- fallen ist. Damit würde endlich das Problem einer einseitigen Ehraufsassung jener Kreise verschwinden, die sich allein bisher berechtigt glaubten, Nicht-Akademikern das Recht aus Genug- tuung verweigern zu müssen. Diese Ausdehnung aus alle Stände, ja mitbin auf alle Volksgenossen, ist ein nicht zu unterschätzender Schritt zur Volksgemeinschaft, zumal keinem Deutschen als Angehörigen der SS., der SA. der Partei und anderen Organisationen, zusammengeschlossen im Deutschen Reich, das Recht auf seine Ebre streitig gemacht werden kann. Diese Neuordnung einer SA-Fhrenordnung oder sogar einer allgemeinen Bolksehrenord- n u n g geht parallel mit einem Neubau der praktischen Aus- wertung des Schlägerfechtens." leit als Wunderfä'er Händedruck statt Lohnerhöhung Der Führer der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley. kehrt zum Grundsatz Friedrichs des Großen zurück: nicht mit Gelb, sondern mit„Ehre" zu bezahlen. Ueber seine Ein- drücke auf einer Rundreise durch Deutschland erklärte er: „Es war wundervoll, zu beobachten, wie Schüchternheit, Niedergeschlagenheit, ja zum Teil auch gegnerischer Grimm und Haß durch den einfachen Händedruck zweier Männer- überwunden wurden. Nicht ein einziger von den 09 999 Menschen, denen ich in diesen Wochen die Hand gedrückt habe, fragte mich, ob ich nicht höhere Löhne oder neue Tarif- vertrage in der Tasche hätte. Das beweist mir. daß sich der deutsche Arbeiter nicht um Pfennige schlägt, sondern nur um seine Ehre." Beschwerdebrief— 1 Jahr Gefängnis! Vor dem thüringischen Sondergericht hatte sich ein Schriftleiter zu verantworten, weil er in einem Schreiben an den Reichsminister Heß unbegründet führende Nationalsozialisten Thüringens angeschuldigt hatte. Er wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. »Deutsche Freiheit" Nr. 59 MBEIf MV WtRT$nd man fragt sich nur noch:„Quand m£me?" Reidisbanhausweis vom 7. März DNB Berlin, 9. März. Nach dem Ausweis der Reichshank vom 7. März 1934 hat sich in der verflossenen Bankwoche die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln uud Schecks, Lombards und Wertpapieren um 66.1 Millionen auf 3618,5 Millionen Reichsmark verringert. Im einzelnen haben die Bestände an Handelswechseln uud-Schecks um 95,5 Millionen auf 2861.8 Millionen Reichsmark, die Bestände an deckungsfähigen W ertpapieren um 9,2 Millionen auf 344,5 Millionen Reichsmark und diejenigen an sonstigen Wertpapieren um 1,4 Millionen auf 332,0 Millionen Reichsmark zugenommen, dagegen d! e Lombard bestände um 169,9 Millionen auf 78,3 Millionen Reichsmark und die Bestände an Reichs- schatzwechseln um 2,3 Millionen auf 1,9 Millionen Reichsmark abgenommen. An Reich sb anknoten und Renten hanksch einen zusammen sind 119.6 Millionen Reichsmark in die Kassen der Reichsbank zurückgeflossen, und zwar bat sich der Umlauf an Keichsbanknotcn um 108,1 Millionen auf 3386,0 Millionen Reichsmark, derjenige an Rentenbankscheinen um 11,5 Millionen auf 346 6 Millionen Reichsmark verringert. Der Umlauf an Scheidemünzen nahm um 13,6 Millionen auf 1431,. Millionen Reichs- mark ab. Die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen haben sich auf 62,3 Millionen Reichsmark, diejenigen an Scheidemünzen unter Berücksichtigung von 5.5 Millionen Reichsmark neu ausgeprägter und 1.6 Millionen Reichsmark wieder eingezogener auf 236 ,8 Millionen Reichsmark erhöht. Die fremden Gelder zeigen mit 519.4 Millionen Reichsmark eine Abnahme um 10,8 Millionen Reicbsmaik. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen haben sieh um 20,9 Millionen auf 319.3 Millionen Reichsmark vermindert. Im einzelnen haben die Goldbestände um 20 6 Millionen auf 312,9 Millionen Reichsmark und die Bestände an deckungsfähigen Devisen um 0.3 Millionen auf 6.4 Millionen Reichsmark abgenommen. Die Deckung der Noten betrug am 7. März 193 1 9,4 Prozent gegen 9,7 Prozent am Ultimo Februar d. J. Deufsdie Ausfuhr 1933 In Prozent des Höchststandes Es ist interessant, sich klar zu machen, wie sich die Ausfuhr in die einzelnen Länder gegenüber dem Höchststand, der zumeist 1929, teilweise auch 1928 oder 1927, bei Chile 1930 erreicht wurde, entwickelt bat. Schweiz 56 Proz. Großbritannien 31 Pro: Türkei 50„ Japan 31 Niederlande 45„ Dänemark 30 ,, Belgien-Luxembg. 45„ Oesterreich 27 Portugal 44„ Rumänien 2 c China 43„ Argentinien 27. Südafrika 40., Tschechoslowakei^4, Schweden 39„ Ungarn 24 r Spanien 39„ Vereinigte Staaten-4 ,. Italien 38„ Australien'4„ Norwegen 33.. Griechenland 23 ,. Sowjetrußland 3. ,, Finnland- V Brasilien 36„ Niederländ.-lndien 21 ,. Britisch Indien 35„ Jugoslawien 19„ Frankreich 34„ Lettland 18.. Aegypten 33„ Estland 1'" Litauen 33„ Polen 14„ Kanada 33„ Chile' Wie man sieht, ist die Streuung in der AusfuhrembuBe ganz außerordentlich stark. Sie bewegt sich zwischen'6 nn> 8 Prozent, wobei das Kuriosnm keine Berücksichtigung e<• funden hat daß unsere Ausfuhr nach Palästina sich auf 95 Prozent des Höchststandes gehalten hat. Unter den kleineren Ländern behielt außerdem Irland mit 64 Prozent der Höchst- ausfuhr einen guten Platz. Ausfuhr ittdlsdten Kapitals — Nur bei Verlust von 26 Prozent möglich Berlin, 9. März.(ZTA.) Die Reichsdeviseubcwii t- scbaftungsstelle veröffentlicht neue Bestimmungen für Kapitalausfuhr durch Personen, die endgültig Deutschland verlassen. Laut Zirkular Nr. 8 1934 kanu ein solcher En..- gi„„t sein Vermögen der Golddiskontbank in Berlin über- geb°n. die ihm den Gegenwert in Obligationen oder Auslandswährung zur Verfügung stellt. Will er dann sein Kapital im Ausland realisieren, so muß er sich mit e.uera Versust von mindestens 26 Prozent abfinden: die Differenz kommt der deutschen W ährungshank zugute. Die neuen Bestimmungen bezwecken eine Erleichterung der Auswanderung von Juden und enthalten die Bedingung, daß ein Jude, der auf diese Weise mit seinem Kapital ausgewandert ist, nicht mehr nach Deutschland zurückkehren darf. Die Bestimmung, daß nach Palästina auswandernde Familien je 1000 englische Pfund mitnehmen dürfen, bleibt hiervon unberührt; will aber ein Palästina-Wanderer mehr als 1000 Pfund ausführen.«o muß er»ich ebenfalls mit einem 26prozentigen Verlust des zusätzlich eingeführten Kapitals abfinden. „VorsorgUdie" Kündigungen Auch ein Zeichen der„Belebung" Der Präsident der Rei.hsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung bat in einem Erlaß die Landesarbeitsämter darauf hingewiesen, daß Dienstverträge mit Angestellten bisher in erheblichem Umfange und über das wirtschaftliche Bedürfnis hinaus befristet abgeschlossen würden, und daß auch von vorsorglichen Kündigungen zu viel Gebrauch gemacht worden sei. Eine Einschränkung solcher Maßnahmen sei dringend geboten, denn befristete Einstellungen und vorsorgliche Kündigungen heiasteten die Angestellten mit der Ungewißheit über ihr weiteres Arbeitsschicksal, stellten sich hemmend der Vertiefung des von der Reich»regierung angestrebten Treueverhältnisses zwischen Führer und Gefolgschaft entgegen und trügen auch zu vermeidbaren Schwankungen des Beschäftigungsgrades hei Die Arbeitsämter werden daher angewiesen, diese Vorgänge zu beobachten und auf Abstellung zu dringen. Olympiade 1936 Unhöfliche deutsche Gastgeber Deutschland bereitet sich auf die Olympiade 1936 vor. Wohl oder übe! mutzte Hitler die Bedingungen, besonders der Amerikaner, schlucken, datz auch die jüdischen Sportler der einzelnen Länder daran teilnehmen dürfen. In den deutschen Mannschaften wird allerdings kein jüdischer Cportler zu finden sein. Sie wurden inzwischen alle aus den Verbänden ausgeschlossen. Wie alles in Deutschland, so erscheint auch die Stellung der Nationalsozialisten zum internationalen Sport und zur Olyinpiade widerspruchsvoll. Autzenpolitische Gründe verbieten es ihnen, nachdem schon vor ihrer Herrschaft beschlossen wurde, die Olympiade 1936 in Deutschland stattfinden zu lassen, sich offen zu ihrer Gegnerschaft gegen diese grötzte internationale Sportveranstaltung zu be- kennen. Um so deutlicher werden sie, wenn es sich darum handelt, im Lande selbst ihre Prinzipien durchzusetzen. Vor uns liegt das soeben herausgekommene Buch des Sportreferenten der SA.-Brigade 32 Berlin-Mitte. Bruno Malitz, datiert voin Jahre 1934. Es dürste weiteste Kreise interessieren, was hier einer der Führer der neudeutschen Sportbewegung, der Gastgeber der kommenden Olympiade, zu sagen hat. Er schreibt:„Der Nationalsozialismus betrachtet Sport als Dienst am Volk, wie die militärische Dienstzeit Dienst am Volke war". Malitz erinnert an den Sportführer des beginnenden 19. Jahrhunderts Friedrich Ludwig Jahn und schreibt: „Seine Leibesübungen waren aufgebaut auf dem Hätz gegen Napoleon, gegen Frankreich." Zur Olympiade: „Sport ist Spielerei. Sport ist Variete. Vergnügen. Zirkus. Rummel, sobald Tausende von Menschen einigen Weniaen zuschauen... Franzosen. Belgier, Polacken, Iudenneger sind auf deutschen Aschenbahnen gestartet, haben auf deutschen Fußballplätzen gespielt, sind in deutschen Schwimmstadien geschwommen, aber datz die intcr- nationalen Beziehungen Deutschlands zu unseren Feinden sich gebessert haben sollten, wird wohl kein Mensch be- haupten mit Ausnahme jener Vaterlandsverräter, die in Frankreich, Genf und Prag pazifistische und deutschfeind- liche Reden schwingen... Wir Nationalsozialisten sehen nun gar keinen, aber auch gar keinen Wert für unser Volk, wenn Nxger durch Teutschland reisen und ihnen unsere Besten zum Kampfe entgegengestellt werden." Wie man sieht, sind die Gastgeber der olympischen Spiele nicht gerade sehr höflich gegenüber ihren Gästen. Solche offenen Worte schaffen Klarheit. Ebenso offen gibt der nationalsozialistische Sportführer unumwunden zu. datz der neue Sport in Teutschland zur deutschen Aufrüstung gehört wie alles, was sich zur Zeit in Deutsch'and abspielt. „Unser reger Sportbetrieb"— schreibt er—„wird unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfinden. Wir lassen auch nicht Trainer und Sportlehrer zu, da es für uns Deutsche selbstverständlich ist, z. B. in unserem Militärwesen, keine ausländischen Soldaten hineinschauen zu lassen." Hier wird offen ausgesprochen, datz der Sport in Teutschland als ein Teil seines Militärwesens behandelt wird. An Stelle sportlicher Wettkämpfe einzelner Vereine untereinander tritt immer offener der straff organisierte Wehrsport, nachdem die einzelnen Verbände unter das Kommando eines militärischen Sportführers gebracht wurden. Ueber das Ziel des Wehrsports schreibt Malitz: „Wenn etwas je gefürchtet war. so war es in der WeU die deutsche Wehrkraft. In unserem Staate wird die Jugend wieder wehrfähig erzogen. Gepäckmärsche. Ge- ländeübungen. Schießen, Kartenlcsen, Entsernungschäven wird jungen Menschen gelehrt. Allein die überlegene Aus- bildung des deutschen Soldaten in der FricdenSzeit impfte dem ganzen Riescnorgaiiisinus jenen suggestiven Glauben an die eigene Uebcrlcgenheit in einem Umfange ein, den selbst untere Gegner nicht für möglich geHallen haben. Denn was in den ganzen Monaten des Hochsommers und Herbstes 1014 von den vorivärtsfegenben deutsche» Armeen Krokotiiiiägd mit Sarah Von Michel Georges-Michel Berechtigte Uebcrtragung auS dem Französischen von Gertrud Jsolani War ich in Frankreich mit unserem angesehensten Ge- lehrten— nämlich Bergson—, im Kino, so ging ich in Amerika mit der berühmtesten unserer Tragvdinnen aus die Jagd nach w'lden Tieren. DicS geschah— versteht sich— bei einem Milliardär. Der freundliche Herr empfing die große Sarah liebens- würdig in seinem Park, einem riesigen Anwesen, Ivo die seltensten Exemplare der neu-indischen Tierwelt gleichsam frei herumliefen. „DaS Hab ich ja alles, alles bei mir zu Haus" sagte Sarah.„Aber" Eine Art Amazoncnstiom floß durch den Park.... „Ich möchte.... Gibts hier in dem Fluß Krokodile?... Ja natürlich glbts- welche," beantwortete Sarah Bernhardt gleich selbst die Frage.„Oh, ich möchte so gern Krokodile jagen! Morgen, nicht wahr? Gut. einverstanden, also morgen!..." „Natürlich— morgen" wiederholte der freundliche Gastgeber, niedergeschmettert von ihrer lebhaften Zung.nscritg- feit. Und dann feuerte er Telegramm auf Telegramm kreuz und guer über ii Kontinent:„Sendet umgehend Krokodile zu jedem Preis." Um Mitternacht langte ein ganz kleines Krokodil an. das aussah, wie ein Baby aus allen Vieren. Rasch gruben es die Leute in ein Loch am Flusse und flohen zu ihrem Lager. Um sechs Uhr früh weckte eine ungewöhnliche Stimme sämtliche Bewohner. Am Portal des Schlosses erschien Sarah mit einem Ge- folge, seltsam beschuht, gefiedert lcdcrumhullt. mit großen Kämmen im Haarknolen. sechs Patronenbuchsen, Gewehren zum Answech ein»nd am Vnsen eine mattrote welkende Dol'e „Her mit den Jndianerkähnen den Barken... Aus. an. zur Jagd'". Man hielt da? Motorboot bereit ld'e Jndianerkahne hatte man doch vollkommen vergesse»! aber die^akaten listen seuchten, die Pazifisten und die Völkeruersöhner, die Pan- curopaer haben in deutschen Landen(w i r denken an die Olyinpiade 1 oao. D. Rcd.j keinen Platz. Sie sind schlim- mcr als die Cholera, die Lungenpest, die Syphilis, schlimmer als die brennenden Horden der Kalmücke», schlimmer als Feuersbrunst Hungersnot, Deichbrnch. große Dürre, schlimmste Heuschreckenplage, schlimmer als an unsterblichem Angriffsgeist und Angrisfsmnt geleistet wurde, war das Ergebnis jener unermüdlichen Erziehung in den ganzen Friedensjahren." Malitz merkt wohl selbst, daß solche Ausführungen im Ausland Aussehen erregen müssen. Und so fragt er:„Wollen wir keine olympischen Spiele? O ja! Wir halten sie aus internationalen propagandistischen Gründen sogar kür notwendig." Wie auf allen Gebieten, so glauben auch die deutschen Sportfübrer. datz sie eine besondere„Weltmission" haben. Natürlich und in erster Linie der Kampf gegen das Juden- tum. Wir sind schon einiges gewohnt, an antisemitischen Beschimpfungen. Herr Malitz hat hier einen Rekord auf- gestellt. Juden, Pazifisten und Paneuropäer werden in dieser parteiamtlichen Schrift der Nationalsozialisten solgendermatzen beschimpft: „Die jüdischen Führer im Sport und die jüdisch ver« Herr Malitz ist überzeugt, daß diese Auslassung mit dci Zeit von der ganzen Welt akzeptiert wird. Er führt Ge schichtödaleu an, um zu zeigen, daß es immer die Deutscher waren, die Europa gegen die Hunnen, gegen„das raubend» wilde Ungarnvolk" und gegen andere Feinde Europa: verteidigten. Malitz glaubt, daß die Welt in nicht allzu ferner Zeit die Deutschen rufen wird zur Führung in Kamps gegen das internationale Judentum. Er schreibt: „Die schlimmste Schlacht, schlimmer als die gegen die Hunnen steht der Well noch bevor, die Schlacht gegen da»- Judentum. Der Kamps ist»m so schlimmer, weil es keine öffentlich brennende und mordende, wild daherstürmeude Masse ist. sondern ein zersetzendes heimlich schleichendes, lügendes, arglos scheinendes religiöses Volk." Tos sind die Gastgeber der Olympiade 1936. P. E. Mond. Reichstag der Vierzigjährigen VerjRngung 11, und was dabei daraus Bsasn «• Aus dem neuen Reichstagshandbuch ergibt sich, daß von den 661 Abgeordneten des heutigen Reichstages 379 am 12. November zum erstenmal ein Mandat erhalten haben. Der parlamentarisch älteste Abgeordnete ist Dr. Spahn, der bereits 1910 im Reichstag saß. Hilgenberg und Vögler traten 1919 ein. 81 Abgeordnete blicken auf vierjährige parlamentarische Erfahrung zurück. Das Lebensalter der Rcichstagsmitgliedcr ist, wie man erwarten durste, im Durchschnitt wesentlich niedriger als früher. Man findet: unter 39 Jahre: öl(1330: 21) „ 30.-40„ 342(146) „ 40—50„ 189(171) „ 50—60„ 53(178) „ 60—70„ 21( 54) „ 70-80„ 1(5) über 80 1( 2) Während beispielsweise der zum Vergleich herangezogene Reichstag von 1930(da ja durch den nationalsozialistischen Zustrom schon erheblich„aufgefrischt" war» noch ein Paria- ment der Sechzigjährigen darstellte, kann man heute von einem der Vierzigjährigen sprechen. Die drei ältesten Abgeordneten sind Litzmann, Bruckmann und Dr. Hugcn- berg. Die Berufsstatistik Von den 661 Mitgliedern entfallen aus Land- und Forst- Wirtschaft, Weinbau» Gärtnerei 113, aus Gewerbe, Industrie und Handel 10>>, Angestellte und Arbeiter 107, Schriftsteller, Verleger und Schriftleiter 21 s1930: 67!, Hochschulprosessoreu nur»och 3, Lehrer 16, Acrzte, Zahnärzte und-technikcr, Apotheker 9, Rechtsanwälte nur noch 8(1930: 10), freie Berufe 27, B c r u f S b e a in t e 150, Geistliche 1, ehemalige Offiziere 22, P a r t c i a n g e stel lt e 7 8. Interessant ist, daß es nicht weniger als 78 Nazibonzen im Reichstag gibt und außerdem 150„Bcrufsbeamte", dagegen nur 107 Arbeiter und Angestellte, die natürlich eben- falls irgendwie im nationalsozialistischen Parteiladen stehen. Zu sagen hat der„verjüngte" und„revolutionierte" Reichstag nichts mehr. Die Abgeordneten bekommen monat- lich 600 Mark Diäten frei Haus geliefert, die sie, da der Reichstag kaum 3 Tage im Jahre zusammentritt, als Taschengeld verwenden können. So wurde Dank der„nationalen Revolution" der ver- jüngtc Reichstag zum korruptesten Parlament der Welt. Die Opposition leb! Trotz aller Schreckensurteile Das Svndergcricht Mannheim verurteilte einen Schweizer wegen Schmuggels kommunistischer Druckschriften z» zwei Jahren und sechs Monaten Zuchthaus. Ter Strafsenat des Oberlandesgerichts verhängte über den Schneider Toebert aus Mainz eine Zuchthausstrafe von einem Jahr und neu» Monaten, weil er„illegale Brand- und Hetzschriften" in großer Menge bezogen und verbreitet hatte. Die Nazipresse bezeichnet den Verurteilten, dem es zugestandenermaßen niö^ich mar,„große Mengen" illegaler Schriften zu vertreibe», als den„letzten Kommunisten in Mainz". Dem Kaufmann Alfred Graf in Nagold und dein Kauf- mann Erwin Schick in Pforzheim wurde vorgeworfen,„über das Schutzhastlagcr auf dem Heuberg und auch in anderer Hinsicht Greuelnachrichten»erbreitet zu haben". Gras er- hielt voin Soildcrgcricht Mannheim fünf. Schick sechs Mo« nate Gefängnis. Der Kaufmann Siegfried Tachsenrödcr aus Einbeck, der nach mehrfachen Verwarnungen wegen fortgesetzter Zer- sctzungstgtigteit in Haft genommen worden war, wurde ans Anordnung der Geheimen Staatspolizei in das Konzen- traiionslagcr Papenburg überführt. vle Opler in Wien 37 jüdische Gefallene (ITA.) Wie die Jüdische Tclegrafcn-Agentiir aus zuver- lässiger Quelle erfährt, sind in dem jüdischen Teil des Wiener Zcntraliriedhoses 37 Juden, die während der Kämpfe zwischen dem Republikanischen S-kintzbund und der die 3te- gierung Tollfnß unterstützenden Polizei und Helmwehr ge- fallen waren, begraben worden. Dazu kommen mehrere ge- sallene Juden, die von den Schutzbündlern a»i nichtjüdtschen Friedhöfen beerdigt wurden: ihre Zahl ist nicht festzustellen. Diese Tatsachen sind eine eklatante Widerlegung der von den.Christlichsozialen ausgestellte» Behauptung, daß die jüdischen Schutzbündler aus Feigheit an den Kämpfen nicht teilgenommen haben. Dieie Behauptung soll die östcrrcichi- schen Arbeiter gegen die Juden austietzen und in die Reihen der Christlichsozialen treiben In Wirklichkeit aber sind die jüdischen Angehörigen des Schutzbundes überall dem Ruie der Führer gefolgt, was durch die verhältnismäßig hohen Zahlen der gefallenen Juden bewiesen ist. Abonniert die„Oeufsdse Freiheit" sich ihre LivrceS vom Leibe und sprangen halbnackt, mit aus der Waifensammlung neraubtcn Lanzen, in den Kahn neben die große Tragödiu und stießen ein wildes Geschrei aus. tlnb nun los! „Gott, wie amüsant! Stein, ist daS luftig, mein Lieber, ist das reizend." Aber die Nacht kam. und man halte das unglückliche Krv- kvdil noch immer nichl erwischt. Endlich entdeckte es ei» Parkwächter, fesselte seine Pfote mittels einer Harpune und legte den Strick in Sarahs Hand! „Ich hab's. ich hab's!. Es beißt doch nicht etwa?...? Man beiah es sich näher. Man stellte fest, daß das Krokodil gerade seine Schlafperiobe hatte. „Ach nein", sagte der freundliche Gastgeber,„c? beißt nicht, es schläft, es wird»och drei Monate schlafen: es hat sa seine Tchlafperiode.." „Es schläft! Bier Monate laugt... Lieber Freund, am Ende sechs Monate. Ganz egal ich nehme es mit... Ich will meine Jagd haben I" Und Sarah tat etwas, was sie nur allein tun konnte. Sic packte cigeiitsiiiidig das Tier in die Kiste und expedierte es »ach Bellc-Jsle. Nu» war aber Sarah früher daheim, als das Krokodil. Eines schönen Tages wurde sein Ankunft gemeldet. Tie Schauspielerin lies sofort dem Frachtstück entgegen. „Mein Krokodil'... Mein schönes Krokodil.. Nein, nicht in den Garten... i» die Halle... Laßt mich aufbinde». Es ist ganz ungefährlich. ES schläft ia ein Jahr lang, ein ganze? Jahr.." Sic öi'ncte ganz allein das Paket. Ihr kleiner Lieblings- Hund kläfite»nd sprang um das Krokodil herum, das end- lich zum Borschein kam. „Es schläft ein Jahr! Aber das Tier gähnte, zweifellos, und der kleine Hund kläffte wohl ei» bißchen zu nah, denn er verschwand sehr bald in dem Rachen des Krokodils. Große Aufregung. Sarah steigt auf das Piano. Pitou sucht dasGewchl. schießt und tötet das gräßliche Amphiblum. Als es sich nicht mehr bewegte, sprang Sarah herunter und berührte das Krokodil. DaS wurde dann ausgestopft und ist seitdem eine Zierde der Halle Sie aber dachte nur noch an ihre» kleinen Hnnb und murmelte: „Sein Grab!..." ii Widernafürlidi" Nicht Röhms Liehesieben, sondern die arischjüdische Mischehe Das Problem der Mischehen-Anfechtung hat die Gerichte schon mehrfach bcschäitigt. Es geht namentlich um die Frage, ob die Ehe zwischen einem arischen und einem nicht- arischen Teil wegen Irrtums über eine wesentliche Eigenschaft angefochten werden kann, wenn der arische Teil zwar gewußt hat, daß der andere Nichtaricr war, aber über die Bedeutung, die der Nassennnterschicd heute angenommen Hai, sich bei Eingehen der Ehe nicht die richtigen Vor- stellungcn gemacht hat. Das Landgericht K ö l» hat sie be- iaht, das K amincrgcricht(mit überzeugenderer Be gründungs verneint. Nunmehr ivlrd eine Entscheidung des OberlandeSgerichts Karlsruhe bekannt, die die Ansech- tnng zuläßt, weil sie Mischehen für„nicht nur nicht ivüu- schenswcrt, sondern verderblich, unnatürlich und wider- n a t ii r l i ch" hält. Allgemeinere Tragweite wird dieses Urteil übrigens nicht haben. Denn selbst wenn man die Anfechtung? Möglichkeit bejaht, hat doch die jür die Anfechtung vorgeschriebene sechs- monatige Frist spätestens im April letzten Jahre? zu lausen begonnen. Tic ist also, wie das Landgericht Köln selbst au- genommen und Landgcrichtsdirektor Dr. Grusendorf in einer seiner Anmerkungen in der„Deutschen Justiz" ge- nauer dargelegt hat, in allen den Fällen, in denen im Ot- tober 1933 Klage»och nicht erhoben war. abgelaufen. Riisliger töOjäbriger Er heiratet zum vierzehnten Male Der Türke Z ovo A g a. der sich rühmt, der älteste Mensch zu sein, hat die Absicht, sich zum vierzehnten Maie zu ver- heiraten. Seine Braut steht im 40. Vebensjalirc. Da sein jetziges Einkommen zur Heirat nicht ausreicht, hat er bei der Stadtverwaltung in Konstaiitiuopel den Antrag gestellt, seine monatliche Pension i» Höhe von 30 türkischen Pfunden z» verdoppeln. Zaro Aga will angeblich im Jahre 1774 geboren sein, wäre also 160 Jahre alt... To wenigstens berichtet die„Deutsche Allgemeine Zeitung". Deutstfie Stimmen•(Beilage xuw..Deutsdkei i Freiheit"• Ereignisse und GescMdhiett ■■ Vi' ilct' ililiililft Sonntag-Montag, den<1. und 12. M«r» 1934 •DtCt QßdicfitC tine Auslese aus vielen Jbiel eines deutschen Siudiencats Mein Freund, die Zeit ist fast schon wieder groC wie Anno vierzehn, da wir Knaben waren und bartlos jung noch, Kinder, unerfahren und doch schon reif für hartes Manneslos. Wir kamen heim und hatten viel gesiegt und brachten doch nur leere, müde Hände; nun war der schöne Wunschtraum jäh zu Ende, in dem wir uns vier Jahre lang gewiegt. Und jeßt, mein Freund, wie herrlich ist's zu se' daß wieder eine Jugend sich bereitet, von unsrem hehren Ideal geleitet, in ihren edlen Knabentod zu gehn! 0 wüßtest du, wie mir das Herze lacht, wenn ich die Jungen seh in ihren Bänken, wie sie die Knabenseelen freudig schenken dem Ideal von Deutschlands Sieg und Macht. 0 könntest du das große Auferstehn, des deutschen Herzens Aufstieg doch erleben; du fühltest es mit heiligem Erbeben: soll Deutschland groß sein, muß es sterben gehn: Soviel in meiner Kraft liegt, will ich tun, dem Sachgeschlecht den kühnen Mut zu spenden: sein Blut an große Taten zu verschwenden und heldenhaft im Massengrab zu ruhn. Ich bin mir meiner Pflicht vollauf bewußt, ein deutscher Lehrer weiß, was er sich schuldet: kein feiges Zaudern sei hinfort geduldet; der Kriegsruf ist des deutschen Mannes Lust, Wir hier, mein Freund, wir stehen an der Front, wir sind mobil, wir sind das Volk in Waffen, und unsre Schüler werden, glaub mir'», schaffen, was damals wir gewollt und nicht gekonnt. Doch Schluß je fit, Freund, und echten deutschen Gruß! Ich muß in meine Klasse, und am Leben des alten Fden Geist der Jugend heben (beziehungsweise des Arminius). Max Barth. Manchmal müssen wie denken Manchmal am Abend müssen wir denken — obwohl man es eigentlich verbot— nach tagelangem Fahnenschwenken und bei dem dürftigen trockenen Brot: Wie das so wäre, wenn alles gerecht, und das Wort kein Betrug, wenn die Brüder noch lebten, die man erschlug, wenn Göring kein Mörder und Morphinist wäre und Hitler ein Sozialist— wenn der Marschtritt, der schwere, der Arbeiterheere unsere Forderung vorwärts trug— Dann träten wir hin vor die Herren im Sessel; „Sieh da! Stehn Sie mal auf! Lassen Sie uns mal ran! Uns die Maschinen! Unser die Kessel! Heute fängt etwas Neues an!" Aber die lachen. Paffen den Rauch der Zigarren uns ins Gesicht Und rühren sich nicht. „Wenn wir euch nicht entlassen, ihr Lumpen, seid froh— Abtreten! Marsch! Zur NSBO...!" Manchmal des Nachts, da müssen wir denken ■— weil wir vor Hunger immer erwachen—- wie das sein wird... wir werden nichts schenken Wir werden ihnen die Rechnung machen. In der Hand die Gewehre quittieren wir den großen Massenbetrug, quittieren wir die Brüder, die man erschlug... Wir werden nicht flaggen und werden nicht feiern, wir werden keine Reden leiern— wenn der Marschtritt, der schwere, der Arbeiterheere, an die Türen der Villen schlug— Dann treten wir hin vor die Herren im Sessel: „Sieh da! Stehn Sie mal auf! Lassen Sie uns mal ran! Uns die Maschinen! Unser die Kessel! Heute fängt etwas Neues an!" Die werden nicht lachen. Die werden in den Knien beben Und sich erheben. Wir werden Gefängnisgilter zerhauen. Und an die Maschinen gehn, unser Reich, unser großes, freies, gerechtes Arbeiterreich aufzubauen! Gesinnung, Was rot ist, ist nicht blau, Was gestern war, braucht morgen nicht zu sein, Doch, alle Deutschen sind in grau, Der Führer sagt, das muß so sein. Die Welt ist dazu da, um ihr Gesicht zu ändern Die Politik streicht dieses dann in ihren Farben an, Das nennt man dann seine Gesinnung ändern. Und jeder tuts, so gut er kann. Versteht Ihr also dann, wieso es kam. Daß heute dort so viele sind. Wo gestern niemand war? So lang wir leben, ist des einzeln höchstes Sehnen. Dort zu sein, wo die meisten stehen. Man sagt den Tieren nach. Es könnte nur in Rudel tränken. Die Menschen aber kann man zu ihrer größten Schande sich nur in Herden denken. Deshalb, lieber Leser: Hinein in den Menschenherdengesinnungsverein. Marius. Die Union dec Jkaunen 9Cond Mhweitzec TJleUuutg ^ir veröffentlichten kürzlich die Gründung der„Union nationaler Schriftsteller" unter Führung von H. Johst. Mit ihr scheidet das gleichgeschaltete deutsche Schrifttum aus dem internationalen Pen-Klub aus. Wie man im deutschsprachigen neutralen Ausland die Neugründung und ihr Programm beurteilt, dafür gibt die„Neue Zürcher Zeitung" ein anschauliches Beispiel: „Die internationalen Instrumente sind verstimmt. Deutschland hat den Pen-Klub, die größte Schriftstellerorganisation, verlassen. Nach einem offiziellen deutschen Schreiben hat die Exekutive in London Deutschland zugemutet, kommunistische Autoren in den Reihen des deutschen Pen-Klubs anzuerkennen. Im Grunde geht der Streit um die Emigranten und die Nicht-Deutschstämmigen.— Das Ausscheiden Deutschlands aus dem internationalen Bunde müssen wir ebenso bedauern wie begreifen. Bedauern, weil das Fehlen Deutschlands dem internationalen Pen-Klub eine problematische Struktur gibt. Noch problematischer allerdings dünkt uns das Vorhaben des ausgeschiedenen deutschen Pen-Klubs, nun seinerseits zu einer Weltorganisation, einer„Union Nationaler Schriftsteller" aufzurufen. Der Wunsch, doch wieder ein internationales Instrument zu formen, zeigt deutlich, daß Deutschland seine Isolation erkennt und aus ihr einen Ausweg erstrebt. In dem deutschen, von Hanns Johst gezeichneten Aufruf lesen wir: „Die kulturelle Persönlichkeit des Vaterlandes— das ist unser Programm- Nicht die Auflösung des Begriffes, sondern seine Sicherung, die Sicherung aller der großen und kleinen Vaterländer nebeneinander, ihr Ausströmen in die Kunst, in die Sittlichkeit notwendig erwachender Formen— das ist die Richtung unserer Gesinnung, die auf nichts weiter zielt, als auf die vertiefte Ehre der Völker und die Sammlung zu einer neuen menschlichen Gemeinschaft." Wir kennen nicht einen schweizerischen Schriftsteller von einiger Geltung, der an der Auflösung des Begriffes„Vaterland" teilhaben wollte. Wir wissen, daß auch andere im internationalen Pen-Klub vertretene Länder ihr nationales Kulturbewußtsein zur Geltung bringen und der Auffassung sind, daß jedes Land seinen Pen-Klub nach eigenen Gesetzen formen muß. Und eben, weil die deutsche Schweiz deutsche Denkwelt tiefer zu verstehen glaubt als Länder, die mit Deutschland nicht durch Sprache und Kultur schicksalhaft verbunden sind wie die Schweiz— glauben wir Schweizer nach dem Ausscheiden Deutschlands erst recht eine verpflichtende Sendung im Rahmen der internationalen Schrift- Stellergemeinschaft auf uns nehmen zu müssen. Die Schwierigkeiten einer„Union Nationaler Schriftsteller nach deutscher Konzeption dürtten große Schwierigkeiten begegnen. Das Deutschland wohlgewogene Italien würde nicht zugeben, daß ein italienischer Autor jüdischer Herkunft kein nationaler Schriftsteller sein könne. Es sei auch nicht verschwiegen, daß der„hohe Begriff des Vaterlandes nicht das ausschließliche Sinnen und Trachten eines jeden Dichters sein muß. Wenn Schriftsteller den Staat vergotten, so engt sich ihre Problemwelt auf ihr„Zuhause", auf ihr Land ein. Sie interessieren sich erfahrungsgemäß wenig mehr für Ge- meinschaftsprobleme, sie schließen sich ab— und es ist fast eiu Widerspruch, international wirken zu wollen." * Die deutsche JtensQcuppe Nachdem das Exekutiv-Komitee des Internationalen PEN- Clubs festgestellt hat, daß die deutsche PEN-Gruppe die Grundsätze des PEN-Clubs verletzt hat, haben einige zur Zeit außerhalb Deutschlands lebende deutsche Schriftsteller im Einverständnis mit dem Exekutiv-Komitee den Plan gefaßt, eine neue autonome PEN-Gruppe im Geiste des Internationalen PEN-Clubs zu gründen. Diesem Plan haben sich bisher angeschlossen: Heinrich Mann, Georg Bernhard, Bernhard von Brentano, Fritz Landshoff, Lion Feuchtwanger, Bruno Frank, Oskar Maria Graf, Max Hermann Neiße, Emil Ludwig, Klaus Mann, Peter Mendelsohn, Balder Olden. Rudolf Olden, Paul Ron- biczek, Ernst Toller, Arnold Zweig. Mitglieder des früheren deutschen PEN.-Clubs, die sich der neuen Gruppe anschließen wollen, werden gebeten, an den englischen PEN-Club, 101a, Wigmore Street, London W 1, zu schreiben. Oskar Kaufmann baut das Habimah-Theater Der berühmte Berliner Theater-Architekt Oskar Kaufmann, der Deutschland verlassen mußte, baut jetzt das neue Theaterhaus für Habimah in Tel Aviv, das über modernste und technisch vollkommenste Bühneneinrichtung verfügen und 1000 Sitzplätze enthalten wird. Durch eine neuartige Ventilationsanlage wird der Besuch des Hauses auch in der heißen Jahreszeit ermöglicht sein. Auch ist das Dach abhebbar, so daß man im Sommer unter freiem Himmel spielen kann- Das Habimah Haus wird auf einem Hügel an der Rothschild- und Achad-Haam-Straße, im neuen Zentrum von Tel Aviv, erichtet. Dec TJledizinec m dec Weltesche Er sucht hier Nornen und Walküren Alle deutschen Aerrte, die ihren Beruf nicht nur als Geldquelle betrachten, sondern ihn sozial und wissenschaftlich ernstnehmen, sind über die zynische Verwegenheit, mit der die Naziführer in die Medizin eingreifen, tief bestürzt. Das Bekenntnis zur„Naturheilkunde", die Förderung des Kur- pfuschertums, das Gesetz über die Sterilisation finden bei den Aerzten wachsenden Widerspruch; aber drohend wendet sich der„Reichsärzteführer" Dr. Wagner gegen die Unzufriedenen und mahnend redet ihnen das„Aerzteblatt für Sachsen" ins Gewissen. In diesem famosen Aerzteblatt heißt es: „Die Einsteinsche Relativitätstheorie und die Freudsche Psychoanalyse sowie ihre Verkünder waren Kräfte jener Art, die an den Grundlagen unserer arisch-germanischen Kultur nagten— wie der giftige geringelte Nidhögger an den Wurzeln der Weltesche Ygdrasil in unserer tiefsinnigen E d d a." Und der Schriftleiter der„Sächsischen Aerztezeitung". Dr. Seeliger, ruft seinen Kollegen zu: „Kehrt heim zu den Vätern, zu den Quellen, zu Mi" m i r s Brunnen, zu den raunenden Runen und Weistümern der Nornen und Walküren; werdet deutsch an an Leib und Seele, an Geist und Gemüt! Auch als Aerzte!'' Vergeblich werden strebsame Aerzte in ihren medizinischen Handbüchern die Worte„Nidhögger, Ygdrasil. Mimir, Norne" gesucht haben; aber diese medizinischen Handbücher sind eben„liberalistische" Altertümer, die gesamte moderne Medizin ist eine„marxistisch-materialistische" Erfindung. Junge Aerzte, die in Deutschland hochkommen "wollen, mögen aber die wissenschaftliche Medizin, diesen „giftig geringelten Nidhögger", aufgeben, sich unter dem Stammbaum Ygdrasil ansiedeln, die Kranken zu Mimirs Brunnen schicken und sich bei den Nornen und Walküren informieren, wie man Krebs, Tuberkulose, Angina pectoris behandelt. Rezepte aber werden künftig lauten:„Man schütte drei Stabreime in reines Mimirwasser, tauche etwas Ygdrasil- wurzel(nicht angenagt!) in die Lösung murmle dreimal „Edda hilf!" und schmiere den Kranken mit der Wurzel an. Heil Hitler!" JCitsch zieht JCitsch an Jede Laientruppe soll überwacht werden... Der Leiter der Ministerialabteilung für das hessische Bildungswesen, Kultus, Kunst und Volkstum, Ministerialrat Ringshausen, weist in einer Bekanntmachung darauf hin, daß sich in der letzten Zeit die Fälle mehren, besonders auf dem flachen Land, in denen von unberufener Seite Theateraufführungen veranstaltet werden, die dem hohen Ziel der deutschen Bühnenkunst, am kulturellen Wiederaufbau des deutschen Volkes mitzuarbeiten, in keiner Weise gerecht werden. „Es handelt sich oft— heißt es in dem Aufruf— um künstlerisch ganz minderwertige Machwerke; mitunter wird sogar versucht, aus dem tiefen Erleben der nationalen Erhebung und ihrer Helden oder aus der nationalen Begeisterung unserer Volksgenossen Geschäfte zu machen. Die Wiedergabe liegt meist in der Hand ganz unzulänglicher Truppen. Es kann nicht geduldet werden, daß die großen kulturellen Aufgaben des neuen Staates durch solche Machenschaften sabotiert werden. Gerade für den noch unverbildeten und darum aufnahmefähigen Sinn der Bevölkerung der kleineren Orte ist nur das Beste eben gut genug. Die Ministerialabteilung beauftragte daher im Einverständnis mit der Reichstheaterkammer bis zu einer vom Reich zu erwartenden Neureglung die Intendanten des Landestheaters in Darmstadt, des Stadttheaters in Gießen und des Stadttheaters in Mainz für das Gebiet der drei Provinzen des Landes mit der Ueberwachung aller Theateraufführungen und der gutachtlichen Entscheidung über den künstlerischen Wert der Theatergruppe und ihrer Darbietungen." Wacuu Jlücksicht? Sie sollen froh sein, daß sie noch da sind Dem„Berliner Tageblatt" wird aus Leipzig gemeldet: In der Sitzung des Hauptausschusses der Leipziger Stadtverordneten wurde ein Antrag angenommen, der die vorläufige Suspendierung vom Amte mit dem Ziele der Dienstentlassung für Oberstudiendirektor Dr. Behrends und für die Lehrerin Vorwerk von der Goethe-Schule zum Gegenstand hatte. Dem Antrag lag folgender Tatbestand zugrunde: Fräulein Vorwerk hatte im Unterricht einer Schülerin die Deklamation eines antisemitischen Gedichtes von Dietrich Eckart untersagt, weil sie fürchtete, daß dadurch zwei jüdische Schülerinnen der Klasse in ihren Gefühlen verletzt werden könnteq. Auf eine Beschwerde des Vaters der betreffenden Schülerin hatte Oberstudiendirektor Dr. Bchrpnds versucht, das Verhalten der Lehrerin zu rechtfertigen und sich gleichsam mit ihr solidarisch erklärt. Eine derartige Handlungsweise von Lehrern und Lehrerinnen könne, so wurde ausgeführt, im nationalsozialistischen Staate unter gar keinen Umständen geduldet werden, und der Hauptausschuß beschloß deshalb in dem obenerwähnten Sinne. O&caunäug ige JComplexe Der„Angriff" berichtet, ein Hitlerjunge sei kürzlich schuldbewußt bei einem Arzt erschienen, um ihn unter Hinweis auf seine braunen Augen und sein rabenschwarzes Haar nach seiner Rassezugehörigkeit zu befragen. Dem Hitlerjungen sei das Minderwertigkeitsgefühl förmlich auf der Stirn geschrieben gewesen.„Angriff" hat daraufhin den Führer des Berliner nationalsozialistischen Aerztebundes, Staatsrat Conti, interviewt, der allgemein von der Rasse als einer erweiterten Familien verwand tschaft sprach und sagte, alle Menschen deutschen Stammes lassen sich, wenn man nur um Jahrhunderte zurückgreift, auf eine ganz beschränkte Zahl gemeinsamer Ahnen zurückführen. Darauf sei die Lehre von der Gemeinsamkeit des Blutes und des Instinkts zu gründen. Eine Lösung für die Seelennöte des braunäugigen und schwarzhaarigen Hitlerjungen hat also auch Dr. Conti nicht finden können Sfraßburßer Wochenbericht Straßburg, 9. März 1934. Sonntag der Parteikongresse Mit drei Parteikongressen erbrachte der vergangene Sonntag einen sichtbaren Beweis für die politische Aktivität des Elsaß. Die Elsässische Volkspartei(UPR.), die Demokraten nnd die Sozialdemokraten(SFIO.) hielten ihre Föderationskongresse ab. Während auf den» Kongreß der Volkspartei in erster Linie gegen die verschiedenen Skandale und ihre Wiederholung, sowie gegen da» sogenannte Logenwesen und eine hiesige Zeitung protestiert wurde, erzwang sich der demokratische Parteikongreß durch ein bemerkenswerte» Referat des Depute Frey öffentliche Beachtung. Uns interessiert an dieser Rede vor allem das übrigens auch auf dem Kongreß der UPR. zum Ausdruck gekommene Bekenntnis gegen den Faschismus. In seiner Definition des deutschen Faschismus traf Herr Frey den Nagel auf den Kopf. Wie die faschistischen Phrasen von den..deutschen Brüdern im Aus- la-.J" auf den Elsässer wirken, geht aus folgendem Abschnitt der Freyschen Rede hervor, den wir seiner Originalität halber im Wortlaut veröffentlichen: ,.W i r sollen da wohl auch als Auslandsdeutsche gelten dürfen? In ihrer aller Namen möchte ich hier ausdrücklich erklären: Wir verbitten uns derartige Sachen! Ein für allemal: Wir sind keine Auslandsdeutschen, wir sind Franzosen! Wir haben mit Deutschland keine Schicksalsgemeinschaft und wir haben— vor allen Dingen seit Durchführung der nationalsozialistischen Revolution keine Kulturgemeinschaft mit ihm. Gerade in dem Maße, in dem ihr eure nationalsozialistische Propaganda durchführt, in dem gleichen Maße entfremden wir uns von euch. Gerade auf was ihr euch berufen wollt, habt ihr gründlich kaputt geschlagen! Wir haben an eurer Theorie keinen Teil und nicht einmal Verständnis dafür! Ein Beweis, wie wenig deutsch wir je gewesen sind!" Mit einer solchen Deutlichkeit ist wohl noch selten von einem bürgerlichen Politiker im Elsaß der deutsche Nationalsozialismus nach Hause geschickt worden. Und man kann nicht einmal»aeen, daß der Herr Depute mit dem, was er da über Deutschland sagte, nicht recht hätte. Er hat nur zu recht Die Stimme des Herrn Frey wiegt doppelt schwer, als man nicht nur in Kreisen der Demokratischen P. lei oder gar der sozialistischen Arbeiterschaft, bei der diese Haltung selbstverständlich ist, so denkt, sondern auch bei den meisten anderen bürgerlichen Parteien, abgesehen von ein paar nicht gerade bedeutsamen Absplitterungen. Die Sozialisten beschäftigten sich auf ihrer Tagung mit verschiedenen politischen und wirtschaftlichen Fragen, zu d> q Lösung der sich im Zustand dauernder Anarchie befindliche Kapitalismus nicht mehr fähig ist, und forderten in einer einstimmig angenommenen Entschließung eine Neuordnung der Dinge, die nur durch die sozialistische Planwirtschaft auf kollektiver Grundlage erfolgen könne. Die sozialistische Arbeiterschaft bekundete weiter auf diesem Kongreß den ernsten Willen, faschistische Tendenzen im eigenen Land mit allen Mitteln zu bekämpfen und billigt die Haltung der sozialistischen Parteiinstanzen und der CGT. im Kampfe gegen die Bestrebungen, auch in Frankreich die demokratischen Rechte des Volkes upd die Freiheit der Arbeiterschaft zu teseffigep. Mit einem Aufruf ztir Einigung aller Arbeiter unter den Fahnen des Sozialismus ge'olite der Kongreß der Gesamtpartei die unverbrüchliche Treue im Kampf. Von mehr lokaler Bedeutung ist. daß die SFIO. zur Verwirklichung der Einheitsfront der Arbeiter und den Austritt der KPO. aus der Volksfront gefordert bat. Das Wirtschaftsjahr 1933 in Elsaß-Lothringen Aus den vorliegenden Berichten über die Ergebnisse der Wirtschaft in Elsaß-Lothringen läßt sich die angesichts der Weltkrise nicht unerfreuliche Feststellung machen, daß die Ergebnisse der Produktion den Stand des Vorjahres nicht nur erreicht, sondern teilweise sogar überschritten haben. So konnte die Pechelbronner Petroleumgewinnung ihre Erzeugung von 74 000 auf 79 300 Tonnen steigern, der Kalibergbau den Vorjahrsahsati bei Verminderung der Lagerbestände überschreiten und die Produktion auf der Vorjahrs- höhe halten, die Schwerindustrie die Roheisenerzeugung auf 2 194 000 Tonnen hinaufschrauben, wobei sich allerdings gegen Ende des Jahres eine langsam sinkende Tendenz bemerkbar machte, die die günstigen Ergehnisse des ersten Halbjahres etwas beeinflußte. Die Erzförderung stieg von 11 630 000 auf 13 141 000 Tonnen. Die Kohlenförderung erreichte 5 393 000 Tonnen In der Maschinenindustrie zeigt sich ein leichter Rückgang, der in Zusammenhang zu bringen ist mit der Schrumpfung in der Textilindustrie, die als ein Hauptabnehmer der Spezialmaschinen gelten darf. Die Textilindustrie schnitt am schlechtesten ab Hier machte sich die weitere Lahmlegung de» deutschen Marktes bemerkbar und auch die japanische Konkurrenz darf als eine der Ursachen des Rückgangs gewertet werden. In der landwirtschaftlichen Produktion ging zwar die Weinerzeuguhg mengenmäßig zurück, aber durch die Verbesserung der 0»alität konnten höhere Preise erzielt werden. Die Hopfenernte übertraf alle Erwartungen und der Ertrag der Weizenernte übersteigt um 25 Prozent das Ergebnis des Vorjahres. Eine groß angelegte Schmuggelaffäre Gegenwärtig beschäftigt sich die Polizei mit einer groß angelegten Schmuggelaffäre, deren Aufdeckung vor einigen Tagen gelang. Schon seit Jahr»n werden in Frankreich große Mengen Thermosflaschen und Seidenstrümpfe deutschen Ursprungs verkauft, die unverzollt eingeführt worden snd. So sollen ganze Güterzüge von deutschen Seidenstrümpfen, als alte Lumpen deklariert, unverzollt die Grenze passiert haben, wobei auch die Kehl-Straßhurger-Linie benutzt wurde. Nun hat der Untersuchuhgsrichter eine Verhaftung in der Angelegenheit vorgenommen. Ein gewisser Scholen», naturalisierter Franzose, der in Straßburg ansässig ist. wurde verhaftet und in die Fadengasse unter dem Verdacht eingeliefert. an der Schmuggelaffäre führend beteiligt zu sein. Auf die Ergebnisse der Untersuchung darf man gespannt sein. Verschmähte Liebe Am Königshofer Glacis gab der 19 Jahre alte Jacques Beyendorf, aus Pirmasens gebürtig, drei Schüsse auf die 21 Jahre alte Elise Laroche ab, die mit ihren Eltern etwa zwanzig Meter entfernt von dem Barackenquartier des Täters Folgende Nummern der Lose, die im Büro fl. GODOVANNIKOFF gekauft worden sind 30, QUII DE PflSSY, PARIS[16 1, Telefon: lasmin 01-50 (Seiteneingang: 2, av. Rene»Boy!esve). Metro Passy 8. Ziehung, 13. März 1934 nnt 9 Unr haben gewonnen: feinste jüdische Selchwaren** und Wiener ßäckecei Qescfiäfte JUuis 58, AVENUE: WAGRAM, I.I Camot 27-63 58, RUE DE PASST, I«) Au».*! 33-61 Serie E 17 438: 100 800 Fr. IwnwetiwrtMMo»no WorvtwareNqtwcMft tri. ftwMtfttorM, mmd Liter» Jxaduits Jihmid 71, losisw« tf» Sti»»,»f». I, ro. St. Isars»; JUuis, Mi tsr* Ss q* TMafan 4 Lima» sarslalgt mar MrUtlt S»-1* X 77 438 X 50 611 R 00611 R 12 611 50 000 Fr. 50000 Fr. 50 000 Fr. 50000 Fr. Z 81019 L 87 019 E 17 019 10000 Fr. 10000 Fr. 10 000 Fr. 847 Lose, deren Nummern m. 7 endigen, haben je 2li0 Fr. gewonnen rQ$QSI£OCHOfö&HOt99HCHOHCflOH3HMHCKHCHOH3!'ö hink an* urnJ Auslobung www « BRILLANTEN. GOLD 4 SILBERWAREN. UHREN •iaticn, i irlr ,rshnli.Virk:sti | am er,«t», fAtiBOUKt. siosrr n•»,» ike «Hssaaaa«am ipbicmi osuisch ao-oca Luxemburger Lotterie tsweepstoke) 1 Los 36 Fr.,'/« Los 19 Fr.,'/» Los 10 Fr.,'/» Los 6 Fr. Alle, die Anteile dieser Lose gekauft haben, werden gebe'en, sich zn melden, um das Geld abzuheben. Schriftliche Autor» derungen ausder Provinz müssen die Quittungen beigefügt sein. Für die nächsten Ziehungen wieder ganze, halbe, viertel und zehntel Lose znr Verfügung. Die Wallkänalbrücke fertiggestellt Im Zug der neuen Straße, die jetzt Königshofen mit Straßburg verbindet, wurde auch eine neue Brücke, die sogenaunte Wallkanalbrücke erstellt, die nun dem Verkehr übergeben werden kann. Der Tram nimmt seinen jetzt wesentlich kürzeren Weg nach dem in den letzten Jahren stark vergrößerten Vorort bereits über die neue Brücke. Was tat Paul Keller in Deutschland? Der vor einiger Zeit beim dritten Einbruch in das Bürohaus der Gewerkschaften in Her St.-Gotthardt,Straße überraschte angebliche Berüfseinhrecher Paul Keller, sitzt immer noch in Untersuchungshaft. Die polizeilichen Instanzen sind eifrig mit der Aufklärung der verschiedenen Einbruchsdiebstähle beschäftigt, die dem Verhafteten nachgewiesen sind. Während man bis zur Verhaftung des Täters der Aufassung sein konnte, daß die Einbrüche politischen Charakter haben könnten, ließ man diesen Verdacht teilweise wieder fallen, als sich herausstellte, daß mit Paul Keller ein lange gesuchter Berufseinbrecher gefaßt worden war. Nun stellte sich aber,, wie wir in Erfahrung bringen konnten, heraus, daß in der Zeit, die zwischen den verschiedenen Einbrüchen lag. der Einbrecher mehrere Reisen nach Deutschland unternahm. Dieser Umstand spricht wieder mehr für die erste Annahme, daß der Täter im Auftrag bestimmter deutscher Stellen gehandelt hat. Es gibt in Deutschland Herren in Ministersesseln, dir sich nicht scheuen, gedungene Mörder auf ihren politischen Gegner loszulassen, warum sollten die gleichen Herren Skrttbel haben, Berufseinbrecher zur Erreichung ihres Zieles einzusetzen?! Die Beamten protestieren Die Sektion des Bas-Rhin der Föderation Generale des Fonctionnaires protestieren in einer der Oeffentlichkeit über- gehenen Resolution gegen die Herabsetzung der Ausgleichszulage von 16 auf 14 Prozent und weisen daraufhin, daß sie durch diese Gehaltskürzung viel schwerer betroffen worden seien, als ihre Kollegen in den anderen Departements. Kurse für Fayence- und Porzellanmalerei Die Städtische Kunstgewerbeschule richtete einen neuen Spezialkurs für Fayence- und Porzellanmalerei ein, die vor allem auch die gute Tradition der elsaß lothringischen keramischen Kunst pflegen und fördern soll. Frühjahrseinzug mit Musik In der Orangerie, dem beliebten Straßhurger Park, findet. am Sonntagnachmittag ein Konzert der Stadt- und Pompiermusik statt, mit dem die tüchtige Kapelle das Wieder- erwachen der Natur und den Anbruch der schöneren Jahreszeit zu feiern, gedenkt. Das Elsässische Theater wird einen lustigen Einakter spielen und ein.Ball wjrd das Konzert beschließen. Wer möchte bei freiem Eintritt den Spaziergang in die Orangerie am Sonntag nicht unternehmen, noch dazu die Veranstaltung selbstverständlich im Saale abgehalten wird und keine Gefahr besteht, daß der Wettermann, dem man doch nicht allzu sehr trauen sollte, einen Strich durch dia Rechnung macht! Kunstkalender Im Elsäasinhen Kunstbaus sind Werke des Malers Rene Allenbach ausgestellt, der in Zeichnungen und Oelgemälden die Schönheiten der elsässischen Landschaft preist.— Mme Trensz-Dieh! macht in den Räumen des Automobilklubs ihre Arbeiten, meist Oelgemälde mit Motiven aus den Vogesen und Altstraßburg, einer größeren Oeffentlichkeit zugänglich, während in der Galerie Aktuaryus eine lehrreiche Ausstellung altchinesischer Kunst zu sehen ist.— Im städtischen Kupferstichkabinett erregt eine kleine Ausstellung alt- elsässiqcher Volkskalender Aufmerksamkeit. Der älteste der ausgestellten Kalender ist in Straßhurg im Jahre 1573 ge- druck.— Am Sonntag. 11. März gastiert im Sängerhaus der berühmte französische Jazz Künstler Ray-Ventura mit seinen lß Virtuosen— In einem Einweihungskonzert der großen Orgel in der St.-Paulus-Kirche wird man am Sonntag den berühmten Pariser Organisten Herrn Geliier kennen lernen. — Am 15. März veranstalten im Sängerhans Charles und Magdeleine Panzer» ein einmaliges Konzert.— Die Donkosaken machen am 27. März den Straßburgern wieder einmal ihren Besuch. E. D. Rund um den 6. Februar Behauptungen über Innenminister Frot Paris, 10. März. Der zweite Teil der Sitzung des parla- mcntarischcn Untersuchungsausschusses zur Klärung der Stratzcnunruhen vom fi. Aebrnar war im tvejcntlichcn durch die nicht einmal zu Ende geftihrtc Eicacitüberstellung Arot — Oberst de la viocque(Leiter der Bereinigung Eroix de feu) und Arot— de Kerrillts ausgeftillt. Oberst de la Rocque sagte zu den Arot zugeschriebenen Staatsstreichabsichten. am tf. Januar habe ihn ein Mittelsmann ausgesucht, der ihm ve richtete, Arot möchte eine„Mannschaft" von den Nenw'.'.a- listen bis zur Rechten bilden, die beim Eintreten gross:r Schwierigkeiten beim Präsidenten der Republik vorstellig werden würde, um als energische junge Leute zu verlangen, das) ihnen die RegterungSmacht anvertraut werde Er habe für die Bereinigung Eroix de feu eine Beteiligung ,>- widerte, es wäre daran nicht» Wahres, so hätte er sich mit dreier Antwort zufrieden gegeben.— Bei der Gegenttber- Itellung vor dem Ausschuß deutete Kerrilis an, Arot könnte ihn durch die Einladung zu dieser am 3. Aebrnar gegen Abend abgehaltenen Unterredung möglicherweise in der Ab- 'icht geladen haben, ihrt in sein Spiel zur Srrinaun, der Macht einzuspannen. Lange Widersprüche entwickelten ick darüber, oh Arot, wie Kerrilis bebaumele. sich nach einem Telefongespräch mit Daladter abfällig über seine mangelnde Aolgerichtigkeit ausgesprochen habe, was Arot bestreitet. Die Verhandlungen des Ausschusses werden am SamStag sortgesetzt. Moglicherweise findet eine Ivegenüberstelluiig Aroi— Ehiappe statt. ai'l wurde eine unbekannte Krau in der Badewonne eine» Pariser Hotels tot aufgesunden. Etwa eine Stunde vorher hatte ein Unbekannter mit ihr zu, lammen das übrigens teure Zimmer aemietet. Der Un- bekannte war dann nach einiger.fteit herunter gekommen und sagte zum Portier, er komme gleich wieder. Die ilnter, iuchung der Polizei beweg« sich ans Eirund der Annahme, das, es sich entweder um einen 3iacheatt oder«« fct* Verbrechen eines Sadisten handelt. Pariser Dcrtdile Pariser Straficnkalcnder Im Theatre de TOeuvre hat die öffentliche Generalprobe der„Rassen*' von Ferdinand Bruckner, dea Stücke«, das in einer westdeutschen Universitätsstadt unter Hitler spiel' stattgefunden. * Der Verwaltungsrat der franrösisehen Sorialistenpartei he* schäftigte sich mit der Emigrantenfrage und beschloß, das möglichste zu tun, um den politischen Flüchtlingen und besonders auch den österreichischen zu helfen. Am Sonntag findet bekanntlich in Pre Saint-Gervais die Tagung des Landesrats statt. * Rene Baudrieu, der im Jähzorn den Bankier Dignae in der rue de Clichy als dessen Kunde niederschoß, hat sich der Polizei gestellt. * Der französische Arbeitsminister Marcjuet hat im Amt tnr die Arbeitskarten von Ausländern Remedur geschaffen, nachdem sich anläßlich der Fälle Rita Georg und Marianne Kupfer große Unordnung gezeigt hatte. Die Empfehlungen der beiden Künstlerinnen haben sich bekanntlich wieder gefunden, sie waren scheint« nur verlegt. * Ein gewisser Joseph Noblot, der wegen Schwindeleien vom deutschen Gericht in Düsseldorf zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt war, erhielt von der 11. Pariser Kammer ohne Berücksichtigung dieser Strafe neue zwei Jahre Gefängnis. Die Einheitspreisgeschäfte Nach dem Beschlüsse der Kammer auf Aufhebung der Einheitspreisgeschäfte innerhalb drei Monate hat der zuständige Senatsausschuß den Senator Cäillier beauftragt, einen Text auszuarbeiten, der, ohne die. Einheitspreisgeschäfte aufzuheben, doch der Auffassung der Kammer insofern Rechnung trägt, als der Charakter dieser Geschäfte juristisch-rharf definiert werden soll. Der vormalige JJ.ef.ht Cautiers, der eine Regelung der Verkaufsbedingungen und der Auslage der Waren vorsah, soll wieder herangezogen werden, und ebenso die im Ausschußbericht der Kammer vorgesehene Sondersteuer. Ein Jahr lang läuft das Wasser Ein Hausbesitzer der rue Saint-Dominique in der Nähe des Boulevard Saint-Germain fiel kürzlich aus allen Wolken, weil er eine Wasserrechnung über den enormeü Betrag von 5000 Franken erhielt. Das Haus wurde von oben bis unter durchsucht, um den mysteriösen Wasserfall zu entdecken, — vergebens, alle Hähne waren ordnungsgemäß verschlossen. Da kam eines Tages der Kommissar der Polizei, die etwa« bei einer Mieterin zu beschlagnahmen hatte,— und siehe da, eine Dame, die ein kleines Zimmer bewohnte und seit Monaten fort war, hatte das Wasser laufen lassen. Es lief seit fast einem Jahr.(Göring hätte gesagt:„Schnell meine Admiralsuniform!"). Einbruch in ein französisches Schloß? Eine besonders abenteuerliche Meldung kommt aus einem französischen Schloß an die Oise, in der Gegend von Pari«. Dieses Schloß, I a Breviire mit Namen, ist einer Madame A s h b e r g gehörig und war im Oktober von dieser der Union internationale de secours zur Verfügung gestellt worden, um dort Kinder deutscher Flüchtlinge unterzubringen.; Vor etwa einem Monat bemerkte die Leiterin der Fluchtlingskolonie, Frau H a ß e, daß jemand nachts in das Büro eingedrungen war. Der nächtliche Gast hatte eine gefüllte Brieftasche liegen lassen, aber die Zettel mitgenommen, auf denen die Personalien und die Adressen der jungen Emigranten verzeichnet waren. Damals machte man, wie erklärt wird, kein Aufhebens von der Sache, aber neuerdings hörte man abermals nachts ein Fenster klirren. Zwei Dienstboten wachten auf und eilten an Ort und Stelle, sahen aber nur. wie zwei Gestalten in der Dunkelheit sich eiligst entfernten. Die Suretä Generale ist über diese dunklen Dinge benachrichtigt worden und hat, wie gemeldet, eine Untersuchung eingeleitet. Wir sind auf das Ergebnis dieser Aufklärung gespannt. Sollten wirklich Nazis die Täter sein, so weiß nun ja, wo deren Zellen in Paris zu finden sind. Die Textilarbeiterbewegung In Verviers in Belgien ist seit zwei Wochen Textilarbeiterstreik. In Nordfrankreich gärt es ebenfalls. In Lille drängen die Unternehmer auf Lohnabbau. In einigen Betrieben erfolgten Entlassungen von Arbeitern, die an dfem Tage des französischen Generalstreiks mitgemacht hatten. Wie wjr hören, ist damit zu rechnen, daß ab Montag der Textilarbeiterstreik auf Lille, Rouhaix, Toureoing und das nordfranzösische Becken übergreift. Die Tagung des sozialistischen Landesrats Bei der Tagung des sozialistischen Landesrats, die am Sonntag, dem 11. März, morgens 9 Uhr, beginnt, sind nur Delegierte zugelassen. Die Presse ist ausgeschlossen. Die Beratungen sind in der salle des fetes du Pre-$aint-Gervais, Grande.Rue und 1, rue Emile-Augier. An den Ausgangs-, pforten der Metro Porte de« Lila« und Porte du Pre-Saint- Gervais geben Mitglieder der Jeunesses socialistes, kennbar an drei Pfeilen, Auskünfte. Entdeckung der Stadt der Königin von Saba? Andre Malranx, der Verfasser des Buches„La condi- tion humaine" und diesjähriger Träger des Goneourt Preises, hat der Zeitung„Intransigeant" aus Djibouti ein Telegramm geschickt, daß er und der Hauptmann der Reserve Corniglion, mit dem er auf Reisen gegangen war, die Sagenstadt der Königin von Saba entdeckt und überflogen hätten. Zwanzig Türme oder Tempel ständen noch. Die Stadt, an der Nordgrenze des Rouhat el Khali, sei fotografiert worden Selbstverständlich bleibt eine wissenschaftliche Bestätigung dieser Nachricht abzuwarten. T6l. 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Die polizeiliche Flutzbrigade wurde alarmiert, aber bevor sie noch in Tätigkeit treten konnte, fischte ihn ein Matrose von einer der vielen„Zillen", die die Seine herabschwimmen, aus dem märzlichen Wasser. Man brachte ihn dann in ein Heim der Ruhe im Westen der Hauptstadt. Der Urheber dieses Bades ist der Pariser Anwalt des ver- hafteten Stavisfy-Anwalts G u i r o u d, dieses vielseitigen Mannes, und des eleganten Privatsekretärs Romagnino dazu, dessen Affären viel von sich reden machen. Er vertrat auch Boix, den Mann, der Stavisky bis in dessen letzte Zuflucht nach Chamonix gefolgt ist und von dessen Rolle vor dem Selbstmord des Schwindlerfönigs auch die seltsamsten BRICFKASTEN Zu« Kapitel Einheitsfront. Die kommunistische„Deutsche Volks- zeitung" veröffentlicht folgende Briefkastennotiz: C.$. Mühlhausen. Du schreibst unS: Mit großer Freude begrüße ich die Herausgab« der„Deutschen Volks-Zeitung". Endlich die Zeitung für uns alle, die an der Niederringung der faschistischen Diktatur mit wirklich klaren Zielen arbeitet. Ganz im Gegensatz zu der französisch eingestellten„Freiheit". Wir geben dieser Notiz weitere Verbreitung. ES wäre schade, wenn sie nicht überall gelesen würde. SB. 8. Saarbrücken. Tie haben Recht: Dte Bilder über die Winterreifen von ,4krast und Freude" beweisen deutlich, daß die glücklichen Ferienreisenden allermeist Naztbonzen, aber keine Arbeiter waren. 8. Ooarlonls. Sie machen uns darauf aufmerksam, daß in Berlin am schwarzen Brect der„Akademischen MonatSblätter", dem Organ der katholischen Burschenschast, der Ausschluß des Regierungsrats Danzebrink bekanntgegeben wird. Danzebrink war früher bei dem Oberprästdium in Münster und bei der Regierung in Arnsberg tätig. Seit einiger Zeit ist er. wie zahlreiche andere deutsche Beamte auch, in den Diensten der RegierungZkommission für da» Saar- gebiet, Darum wird er nun durch die katholische Burschenschast als „Landesverräter" diffamiert. Herr Danzebrink, der niemals Marxist war, jedoch ein aufrechter katholischer Republikaner, wird es ertragen können, nicht mehr einer Verbindung anzugehören, die zwar noch die Universalität deS Katholizismus in ihrem Namen führt, ober auf nationalsozialistischen Befehl zu einer kläglichen Partei- siliale herabgesunken ist. Auch das wird nicht ewig dauern. Die Szenerie wandelt sich in solchen Zeiten rasch. Bor zehn Fahren wurde RegierungSrat Danzebrink wegen seiner deutschen Pflichterfüllung von den Franzosen auS Amt und Heimat vertrieben. Jetzt muß er sich„Landesverräter" schelten lassen, weil er nicht Sklave der Nazibonzen fein will. In einer nahen Zukunft werden die„Landesverräter" von der Art DanzebrinkS wieder als gute Deutsch« gelten. Superintendent Sie. 8lingenb»rg. Ein« schmerzhafte Nachricht für Sie. Man hat Sie auf Verfügung des rheinischen LandesbischofS vom 1. März von Ihrem Amt als Superintendent in Köln entbunden. Haben Sie nicht 12 Jahre hindurch gegen„Weimar" bei jeder Gelegenheit gehetzt? Haben Sie nicht für die baldige Rückkehr der Hohenzollern gebetet und unzählige nationalistische Weihe- reden gehalten? Jetzt hat man Sie einfach„entbunden". Wie hätten Sie gesommert, wenn Ihnen das verdientermaßen durch republikanische Staatsmänner geschehen wäre? Jetzt werden Sie, setzt müssen Sie schweigen unter dem Diktat der Nazis, die Sie so lieben und für deren SA. Sie zwei Söhne hergaben. Brüssel. Der Emigrantenclub 1928 lädt zu dem am Montag, dem 12. März. 20.30 Uhr stattfindenden Bortrag de» im Exil lebenden Schriftsteller» Hermann Kesten über„Wende der Deutschen Literatur seit 1088?"«in Maison de Artistc», Grandplace IS. Ein- tritt 8 Franken, Mitglieder frei. «. H. Poris. TS ist richtig, daß au» Neuyark gemeldet worden ist,»r». John D. Rockes-ll-r sei der Sozialistischen Partei beigetreten. Gerüchte gingen. Voix, der bereits 45 Tage wegen Hehlerei in dieser Sache abgemacht hat, ist jetzt neu wegen Beihilfe zum Betrug und Hehlerei verhaftet worden. Offenbar mutz es sehr schwer sein, das Stavisky-Konsor- tium vor Gericht zu vertreten, sonst wäre der Anwalt nicht in die Seine gesprungen. Ein weiterer, den es erwischt hat, ist der Exdirektor vom Stadtkredit von Orleans, namens Desbrosses. Der sitzt jetzt ebenfalls auf Veranlassung des Untersuchungsrichters in der Villa Chagrin. Im übrigen hat man nur neuerdings 403 Schecks ans Licht gezogen, Immerhin sür einige Dutzend Milliönchen. Aber der Verstümmler des Prince, besten Leiche jetzt in Paris auf Gift untersucht wird, ist noch nicht gefunden, so sehr man auch die geheimnisvolle Gegend um den Bahn- Übergang von La Come-aux-Fees in der Nähe der Universitätsstadt Dijon absucht. Kurz vor ihrer Heirat mit dem Erben der Rockefcllerschen Millionen hatte sie eine Reise in die Sowjet-Union gemacht.— Ob sie nun kommunistische oder sozialdemokratische Genogin geworden ist, geht au? der Nachricht nicht klar hervor. Warten wir ab, welche Konsequenzen Mrs. Rockeseller aus ihrer Ueberzcugung zieht. Ein paar Millionen Dollar jährlich als Extrabcitrag an die Internationale wären nicht zu verachten. Reuyvrk. Karikatur au» der„Evening Post" mit Dank erhalten. .Di« neu« Weltbühne", Prag 1, M-lantrichova 1, Heft 10, ist soeben erschienen und enthält folgende Beiträge; Willi Schlamm, Verantwortung. Otto Bauer, Di- Vorgeschichte der Kanonade. E. Lengyel, Hitler und die französisch- Presse. Heinrich Mann, Denken nach Vorschrift. Loui» Fischer, Faschismus und Bolschewismus. Max Bergncr, KriegScrnährung wird trainiert.— Bemerkungen — Antworten. „Weftland", die in Saarbrücken erscheinende unabhängige deutsche Wochenzeitung, bringt in dieser Woche u. a. folgende Beiträge: Pest in Nürnberg.— Seine bischöfliche Gnaden, der Ehes de» Stabes.— Marxisten wider Willen.— Die Leipziger Messe.— Der Abrüstungsschwindel. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P> tz in Dud- weiter; für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH. Saarbrücken 8, Schützenstraße S.— Schließfach 77« Saarbrücken. t>. KU t 7 A YLOA, P AR 18 HO) {Gare* Nord et Bsr) Telephone Botzarts 17-83 SdtOne Zimmer. mdsstge Preise. Wenn Sie ge- mütlidt und ruhte wohnen wollen, so steigen Sie im Hdtel„TAYLOR" nh. STUDIO PARNASSE II, rue Jules-Chaplain— Danton 86-67 THE WARRIOR'S HUSBAND mit Elissa Laad!- Dazu..Fourire" STUDIO Tel. Opera 40-05 LADY I0R \ RAY der erfolgreich» sie Ulm der Saison j>amras«ftneidet J. 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