Sinzigs unabhängige Tageszeitung Veuifchiands Nummer 61— 2. Jahrgang Saarbrücken, Mittwoch, den 14. März 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt Deeifache düncichtunq. Ut{Bed'ut Seite 2 Tleue SiottewnusteciuiQen Seite 2 Europäische Gedanken Seite 3 Die Saat-als Jxankceichs Wand Seite 3 Unruhe in den{Betrieben Seite 4 Chcunbedains fraqt Deutschland Seile 7 Spanien: Streik«der Reroluiion? Der Nassenkampf für Arbeiterrechte Tide Gegensätze Madrid, 13. März. Die seit Monaten über Spanien Magernde Erregung, die sich i» Teilstreiks äußerte, Hai am Montag zu einer ersten grasten Entladung geführt: der seit Tagen erwartete Generalstreik ist in Madrid aus- gebrochen. Der Ministerpräsident Lerroux hat bis in die etzten stunden beruhigende Erklärungen abgegeben, jedoch Slktfott weder durch seine dämpfenden Reden noch durch Drohungen und Verbote aushalten können. Roch tn den letzten Tagen hat er den syndikalistischen «,^,5^^"ktS»«nd aufgelöst, der etwa eine Million Mitglieder zahlt und sehr radikal sich betätigt. Der Minister- Präsident hat serner den Präsidenten der sozia- t'sttschen Jugend verhastet und das Verbands- 5"» der^sozialistischen Jugend geschlossen. Seit über einer Woche sind die Vauarbeiter im Streik. Da durch das Ruhen der Arbeit die Tunnelbauten für den unter- irdischen Zentralbahnhof durch Grundwasserströmungen in die Gefahr des Einsturzes gerieten und insbesondere auch ein ,»er Pradopromenade, an der die berühmte Gemälde- galerte liegt, einzustürzen droht, hat die Regierung Ver- Handlungen zwischen Unternehmern und Arbeitern geführt Obwohl d,e Arbeiter sich bereit erklären, die drängenden Notstandsarbe.ten zu verrichten, falls die Regierung ihnen die Löhne garantiere, sind die Verhandlongen in den frühen Morgenstunden des Montag gescheitert. Die Regierung liest darauf sowohl die Vertreter der Unternehmer wie die der Urbeiterverbände ins Gefängnis werfe». Diese starke Geste der Regierung Lerroux hat die Lage nur verschärft. Zu dem Streik der Bauarbeiter ist nun der Massenstreik der Metallarbeiter, der Drucker und aller übrigen Angehörigen der graphischen Ge- w e r k s ch a f t hinzugekommen. Die Presse der Rechten hatte verkündet, dast sie erscheinen werde, da sie über hinreichend uichtorganisiertes Personal verfüge. Jedoch konnte im Laufe des Biontag nur die katholische„El Debate" erscheinen. Außerdem kam das sozialistische Blatt„Socialista" heraus, für das sich als dem Kampsblatt der Bewegung das organi- sierte Personal zur Verfügung gestellt hat. In den Straßen der Hauptstadt, zumal in den Vororten ist starke Unruhe zu spüren. Die Passanten werbe» aus Waffen untersucht und zahlreiche Verhaftungen sind vor, genommen worden. Die Regierung bezeichnet die Gerüchte über eine bevorstehende sozio- listische Revolution als Sensationsm acherei von Feinden des Regimes. Sie habe nicht den Willen, die gesamte sozialistische Partei zu unterdrücken, sei aber ebenso entschlossen, den sozialistischen Gruppen, die sich gegen die Gesetze erhöhen, ohne Zögern und mit allen Machtmitteln entgegenzutreten. Trotz der demonstrativ zur Schau getragenen Festigkeit der Regierung ist die Lage in ganz Spanien sehr unruhig und nervös. Aus zahlreichen Provinz- orten werde» Zusammenstöße gemeldet, so aus B a r c e- lona, Taraeona und T a r r a s a. In Madrid selbst sind bisher nur wenige Gewalthaben vorgekommen. Kraft- wagen und Straßenbahnwagen wurden von Streikenden mit Steinen b-worsen. An mehreren Stellen wurden Lebens- mittelläden geplündert und ein offener Markt wurde ans- geräumt. Demonstrationszüge der Arbeiter sind bisher durch die Polizei ohne nennenswerte Anstrengung aufgelöst worden. Die Garnison ist in Alarmznstand, brauchte bisher nicht herangezogen zu werden. Zwei fronten Regierung und Arbeitermassen Madrid, 13. März. Die Regierung bemüht sich, da ihr Zei- tunqen mit einer einzigen Ausnahme nicht zur Verfügung stehen, die Bevölkerung durch Rundfunk zu beeinflussen und ihr klarzumachen, dast es sich bei dem Massenstreik um eine staatsfeindliche Aktion handele. Daran ist soviel richtig, dast hinter den Lohnstreitigkeiten, die den letzten Anstoß zur Streikbewegung gaben, schwere politische und so- ziale Gegensätze stehen. Wenn die Regierung Ler- rour so schnell abgewirtschaftet hat. so deshalb, weil sie die wirtschaftlichen und sozialen Spannungen nicht zu meistern versteht. Der Kern ihres Programms bestand und besteht darin, die sozialen Errunaenschalten der Revolution, die durch die konstituierenden Eortes in die Gesetzgebung aufgenommen worden sind, wieder rückaänging zu machen. Es wurden sogar arbeiterfreundliche Bestimmungen außer Kraft gesetzt, die noch der Diktator Primo de Rivera erlassen hatte. Die Arbeitgeber versuchen sich ihren Verpflichtungen zu entziehen und zahlen, vor allem auf dem Lande. Lohne ganz nach Belieben, soweit nicht die Gewerkschaften sie zu Tariflöhnen zwingen. Tie Gutsherren führen ein re>» diktatorisches Regiment gegenüber den Arbeitern. Die Kauf- kraft sinkt und die Lebensmittelteuerung nimmt zu. Auch die bürgerliche Presse hat die wachsende wirtschaftliche und soziale Zersetzung und den Autoritätsverlust der Regierung nicht bestreiten können. In dieser Situation hat der Ministerpräsident Lerroux vor einigen Wochen den Innen- minister Martinez Barrio und den Finanzminister Lara entlassen. Innenminister wurde der als Arbeiterfeinb und Demagoge geltende Salazar Alonso und Finanz- minister der bisherige Gouverneur der Bank von Spanien Maracco. Diese Schwenkung des Kabinetts nach rechts hat das Mißtrauen der Arbeitermassen noch gesteigert. Die Buchdrucker gerieten in Erregung, als bekannt wurde, baß die Regierung faschistische Spitzel in Buchdruckerci- betriebe entsandt hatte, die dort zersetzend wirken und den Streikbruch organisieren sollten. Der Regierungsfront stell sich eine breite Arbeiterfront gegenüber, die eine Einheitsfront zu werden trachtet. Sei! der Niederlage bei den Parlamentswahlen im November ist die Idee der Arbeitereinheits- front in Spanien stark in den Vorgergrund getreten. Ihr Propagandist ist Largo Caballero, der frühere Ar- beitsminister. Führer der sozialistischen Partei und General- sekretär der Gewerkschaften. Er vertritt den Standpunkt, baß man mit der Demokratie in Spanien während zweieinhalb Jahren Republik für das Arbeitervolk n'chts erreicht habe und das gemeinsame Ziel der Arbeiter aller Richtungen die S o z i a l r e v o l u t i o n zu sein habe. Ter Führer der Syndikalisten, Angel Peatana, einige Vertreter der Linkskommunisten und Trotzkisten streben dem gleichen Ziele zu. Einige Streiks erbrachten den Beweis für die Möglichkeit der Einheitsfront. Man darf sagen, dast die Sozialistische Partei trotz der gegenteiligen Haltung des reformistischen Flügels der Ge- werkschaften den Standpunkt einnimmt, im geeigneten Augenblick gewaltsam die politische Macht zu ergreisen und die Sozialrevolution auf dem Wege der Diktatur durchzuführen. Ob dieser Zeitpunkt jetzt gekommen ist. dürfte allerdings auch den revo- lutionären Führern der Bewegung zweifelhaft sein. Es ist möglich, daß die Regierung den revolutionären Charakter der Bewegung übertreibt, um sich die Basis zu den er- sehnten Verfassungsänderungen durch einen Staatsstreich zu schaffen. Kampfmittel der Regierung Diktatorische Maßnahmen Madrid, 12. März. Nach dem Gesetz zum Schutz dex öffent- lichen Ordnung kann die Regierung nach der Verkündigung des Alarmzustandes folgende Maßnahmen ergreifen: Aus- Weisung von Ausländern, die die öffentliche Sicher- heit gefährden,' Eingriffe in Industrie und Handel: Zensur d er Zeitungen und Druck- sch listen: Einschränkung oder Verbot des Verkehrs in den Straßen: Verbot von Versammlungen und Kundgebungen: Verbot, Fabriken oder Geschäfte zu schließen: Eingriffe in Verbände und Gewerk- schaften: Streikverbote: Einsetzung von Aus- nahmegerichten: Geld st rasen von 10 000 bis 20 000 Pesetas: Absetzung von Beamten und Auflösung der Beamtenverbände: Verbot von Zusammenrottungen: Verhaftung ohneAngabe von Gründen: z w a n g s- weiser Wechsel des Wohn- oder Hwftortes: Aufhebung des Vereins- und Gewerkschafts- rechts. Kriegsschiff gekentert 113 Mann umgekommen? DNB. London, 18. März. Wie Reuter aus Tokio meldet, befürchtet man, daß von der Besatzung des gekenter- ten Zerstörers„Tomotsurs" in Stärke von 118 Offizieren und Mannschaften tatsächlich niemand mehr am Leben ist. Der Zerstörer trieb bei Eintreffen der Hilfsschisse kieloben in der See. Ein Teil der Mannschaft befand sich lebend im Schiffsraum, da ans Klopffignale noch geantwortet wurde. Am Montagabend verstummten die Zeichen, obwohl die Rettungsmannschafte« Lust in den Schiffsraum pumpten. Das Wrack wurde in die Bucht von Sasebo geschleppt, wo man versuchen will, die Toten und die etwa noch am Leben Gebliebene» zu bergen. Gestern und Acute Kein Mensch kann zwei Herren dienen. Und kein Staat zwei Prinzipien. Es ist merkwürdig, daß die Diktaturen unserer Tage diese alte Wahrheit immer wieder vergessen. Solange ihre Führer noch nicht an der Macht sind, pflegen sie sich gern auf das Wort Homers zu berufen, daß„einer nur Herr" sein könne. Sind sie aber einmal„dran", dann suchen sie alle Welt davon zu überzeugen, daß es in ihrem Lande 26 oder 45 oder 66 Millionen Herren gebe— je nach Einwohnerzahl. Denn dann herrscht auf einmal der„Wille des Volkes". Glücklicherweise ist dieser Wille stets derselbe wie der der Diktatoren. Ein wunderschönes Beispiel dafür ist das sogenannte „Gesetj zur Ordnung der nationalen Arbeit". Seine Durchführungsbestimmungen liegen jetjt vor. Nun wissen wir endlich, wie das große Rätsel des Ausgleichs zwischen dem Führerprinzip des Unternehmers und dem Mitredenwollert. der Arbeiterschaft gelöst worden ist. Und da ergibt sich etwas Ueberraschendes: die„Mehrheit" hat scheinbar ein Wort mitzureden. Was ist Mehrheit? Wir holen uns die Antwort aus der Quelle alles heute in Deutschland geltenden Staatsrechts: Mehrheit ist die Verkörperung von Feigheit, Lüge und Dummheit. Wir dürfen sicher sein, daß niemand in Deutschland widersprechen wird. Denn diese Worte sprach Adolf Hitler. Troßdem... Troßdem ruft Adolf Hitler immer wieder angeblich die Mehrheit zu Hilfe. Er tut es beim Volksentscheid von 40 Millionen; er tut es je fit auch im kleinsten Betrieb. Das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit sah ursprünglich vor, daß der Unternehmer„im Einvernehmen" mit dem Betriebszellenobmann, also mit dem„Obernazi" der Belegschaft, einen Vertrauensrat berufe. Der soll den alten Betriebsrat erseßen. Die neue Durchführungsverordnung schreibt jeßt plößlich vor, daß zwar der Vertrauensrat zunächst berufen wird. Dann aber, und das ist das Neue, hat die Belegschaft in geheimer Wahl darüber abzustimmen, ob sie die Vertrauensmänner des Unternehmers haben will. Sie kann sich keinen nach eigenem Ermessen wählen, aber sie kann die Kandidaten des Unternehmers immerhin ablehnen. Dann kann, wenn er will, der„Treuhänder", also der Staat eingreifen. Er kann selbst einen Vertrauensrat bestellen, er kann es auch unterlassen; dann gibt es eben keinen Vertrauensrat. Das ist. wie man sieht, nicht viel. Immerhin: Abstimmung, geheime Wahl— und„die Verkörperung von Lüge, Feigheit und Dummheit entscheidet". So steht es natürlich nicht im Geseß; dort heißt es kürzer„Mehrheit". In der Tat hat diese Mehrheit praktisch soviel zu sagen wie etwa die Mehrheit im Vorkriegsreichstag, nämlich nichts. Aber das sagt sie kraftvoll. Das neue Gesetj hat seine Bedeutung als Ausschlag des Stimmungsmanometers. Moderne Großbetriebe sind in Deutschland immer noch eine dem Nationalsozialismus innerlich fremde Welt. Es ist die Welt einer ewig aufsässigen Arbeiterdemokratie. Hier muß zumindest so getan werden, als ob es noch demokratische Entscheidungen gäbe. Sieht man sich die Bestimmungen genau an, dann erkennt man sofort: keine Entscheidung erlangt praktische Wirksamkeit, die sich gegen den Willen der„Führung" richtet. Die Mehrheit kann dagegen genau so viel tun, wie ein Mann, den man mit zusammengebundenen Händen und Füßen int Wasser wirft und von dem man sagt: wenn er ein Kerl ist, wird er schon schwimmen. „Lüge, Feigheit und Dummheit", sagt der Herr Reichskanzler. In der Tat, eine Volksmehrheit, die von oben so erfolgreich angelogen, irregeführt und eingeschüchtert wird, das ist die einzige Sorte Mehrheit, die der Faschismus sich vorstellen kann; weil es die einzige ist, mit der er zu regieren vermag. An dem Tage, an dem die Mehrheit sich wieder Wahrheit, Einsicht und Selbstvertrauen erzwingt— an dem Tage ist es mit dem Faschismus zu F.vde. Und dieser Tag kommt bestimmt. Argtfs. itom-wien-Bndapest Der Dreierblock dnb. Mailand, 18. März. Die italienischen Blätter ver- weisen in ihren Leitartikeln am Dienstag einheitlich ans die Bedeutung der römischen Besprechungen. Tic bringen Göm- böS und Dollfuß außerordentlich herzlich gehaltene Be- grllßungsworte.„Gazetla dcl Popolo" schreibt, Faß es sich bei den Besprechungen in Rom nicht um die Schaffung eines politischen ober wirtschaftlichen Blockes handelt, der gegen irgendeinen— sei es nun Deutschland oder die Kleine Entente— gerichtet sei, sondern daß die Absicht einzig und allein die sei. die Unabhängigkeit Oesterreichs und Ungarns zu stärken und im Rahmen des Viererpaltes und nach den Richtlinien der italienischen Donaudenkschrift Abkommen wirtschaftlicher Natur zu treffen. Es sei natürlich, daß diele Initiative von Italien ausgehe, da Italien als einziges Land bisher versucht habe, Oesterreich und Ungarn wirkliche Hilfe zu bringen, während die anderen.bi» heute nichts getan hätten» als nach bekannten Methoden die Unabhängig- keit dieser Staaten zu bedrohen". Mussolinis„Vopolo d Italia sagt, baß die von den drei Staaten in der Donau- frage verfolgte Methode,, die man übrigens Europa ebenfalls empfehle, nicht die„peripatbetilchcr Diskussionen" sei, sondern die Methode toaenannter Regionalabkommen, die allein schrittweise zur Wiederbelebung der internationalen Ve- Ziehungen führen könnten. DlMafnr m Estland Verbot aller Parteien estländIsche Regierung hat z« etnem über- raschenden Schlag gegen die estnischen Fi r e i h e i t s- kämpserverbände ausgeholt und sämtliche Verbände im ganzen Land« ausgelöst. Ihre Führer wurden verhaftet. Im ganzen Lande ist der Kriegszustand verhängt worden. * DNSB. Reval, 18. März. Nachdem die cstländische Regie- rung Montag abend den Kriegszustand erklärt hat, ist sie nach der Ernennung de« Generals Laidoner zum Ober- bcsehlshaber zu einer Schließung sämtlicher Organisationen der Frecheitskämpferbewegung auch in der Provinz ge- schritten. Es fanden zahlreiche Haussuchungen statt. Ob die Wahl des Staatspräsidenten unter diesen Umständen statt- finden wird, ist noch nicht entschied». ES sind im übrigen Organisationen der FreiheitSkämpferbemegung geschlogen worden, sondern auch sämtlichen politischen Par- teirn ist jede Tätigkeit verboten worden. Insbesondere dür- fen keinerlei politische Versammlungen stattfinden. Die Regierung begründete die Maßnahme damit, daß sie Material erhalten hätte, aus dem hervorgehe, daß staatsfeindliche Handlungen geplant gewesen seien. Einstweilen ist eo nir- gendS zu Ruhestörungen gekommen. Die Regierung, die auf Grund der erlassenen Verordnungen diktatorische Gewalt ausübt, fühlt sich vollkommen als Herrin der Lage. Sie be- absichtigt, das cstländische Militär von allen Anhängern der FrethettSkämpserbewegung zu reinigen. Die von der Gar- nison angeforderten Mtlitärposten sind wieder zurückgezogen worden. Großmutter auch bei der Reichswehr Berlin, 13. März. Nach Bortrag beim Reichspräsidenten hat der ReichSwehrmistister verfügt, baß die Bestimmungen dcS Gesetzes zur Wiederherstellung de» Beruksbeamtentums vom 7. April lVSS,§ 8 iÄrierparagrafj sinngemäß Anwendung auf die Offiziere, Deckoffiziere, Unteroffiziere und Mannschaften der Wehrmacht finden. Die Durchführung der Verfügung wird bis 81. Mai 1934 beendet sein. Damit hat auch die Reichswehr restlos vor den braunen Generälen kapituliert/ » DaS bedeutet die Suche nach der Großmutter auch bei der Reichswehr. Hier dürfte sie besonders schwerwiegende Folgen haben. Man weiß, daß die hohe Adels- und Ossi- ziers-Aristokratie, die die entscheidenden Posten bei der Reichswehr inne hat oder in ihrer Verwaltung sitzt, ihre Wappen häufig durch semitische Heiraten vergolden ließ. Die Sprößlinge aus diesen rassenschänderischen Ehen haben sich durchaus bewährt. Aber nun werben sie, nachdem die Gleich- schaltung auch in der Reichswehr den Sieg davongetragen hat, aus ihren Verstecken aufgestöbert und schonungslos ent- kernt, ohne Rücksicht auf feudale Kriegsheldcn der arischen Teile ihre» Geschlechtes? c» sei denn, daß allerhöchste Stellen zu ihren Gunsten eingreisen. Immerhin rechnet man damit, daß zehn bis zwölf Prozent der höheren OfflzicrsteNea unter die Großmutter-Verfügung fallen. Pas Neueste Bundeskanzler Dollfuß hat den bisherigen Staatssekretär Für st Sch önbnrg. Harte» stein zum Minister für Landesverteidigung ernannt. Der„Matin" glaubt z« wissen, daß die Reis« des fran« zöfischen Außenministers nach Brüssel unnmehr endgültig ans den 2». März festgesetzt ist. Um den SS. April herum werde Barthon sich dann nach Warschau und anschließend»ach Prag begeben. ES fei möglich, so erklärt da« Blatt serner, daß der Außenminister inzwischen Gelegenheit haben werde, mit dem südslawischen Außenminister zusammenzutreffen, der den König von Südslawien bei seinem demnächst stattfinde«- de« Besuch in Paris begleiten werde. Der vor kurzem vom Strafgericht j« DIedenhosen wegen angebliche» Spionage z« drei Iahren Gefängnis verurteilte Josef Lchöhn hat in der Gesängniszell««ine« Selbstmord, »ersuch«uternommen. indem er mehrere»»Irankeu.Stücke verschluckte. Er wurde in« Krankenhaus gebracht, wo er streng überwacht wird, da«an einen Fluchtversuch fürchtet. Der französische HandelSmiuister Lgmourenx reiste nach London ab, um dort die französisch.englischen HandelSvertragsverhandlnngen ansznneh- m e n. In unterrichteten Kreisen ist man der Ansicht, daß die ersten Besprechungen nur sehr kurze Zeit dauern werden, da eS sich vorläufig nur um die Reglang der grundsätzlichen Fragen Handel«. England wünsche den Handelsvertrag aas der Grundlag« der Meistbegünstigung, während Frankreich seinerseits das GegeuseitigkeitSverhältnitz fordere. Erst wenn vieler Punkt geklärt sei. werde man an die«nsardeitung eineS Arbeitsplanes gehen könne». Der französische HanbclS- minister reite mit dem Anstrage nach London, so schließt der Jonr, den Standpunkt der Gegenseitigkeit nicht anfzugeben. Die Zollbeamten von Marseille verhafteten gestern den Generalinspekteur der französischen Regie»o« Beirut, der im Begriff war, 198 Kg. Haschisch zu schmuggeln. Neue Fiettenrttstunaen In England und Frankreich DNB. London, 13. März. In der Aussprache über den Flottenhaushalt sprach n. a. der Parlaments jckretär der Admiralität Lord Stanley. Cr erklärte, die Regierung habe stets deutlich zu verstehen gegeben, daß sie kleinere Kreuzer in größerer Zahl wünsche. Sie habe den anderen Mächten in dieser Richtung ein prakliiches Beispiel gegeben, das leider nicht befolgt worden sei. Denn zwei von den anderen großen Seemächten hätten mehrere 10000- Tonnen-Kreuzer gebaut, die viel schwerer bewaffnet seien, als die der britischen Leander-Klasse.n könne man dann sagen, daß zum erstenmal in der Ge- schichte der Menschheit die Nationen der Welt sich aus eine Begrenzung der Rüstungen geeinigt haben. Damit wäre dann der Grundstein deS Weltfriedens gelegt. Nur mit Angst und Hoffnungslosigkeit könne er dagegen an die Mög- lichkeit eines Fehlschlages denken. Eine große Anstrengung sei notwendig, um auch nur ein abgeändertes Abkommen zu erreichen. Aber wenn erst einmal ein abgeändertes und teil- weises Abkommen zustandegebrackt sei, dann werde man einen Unterbau haben, auf dem man künstig weiterbauen könne. Dreifache Hinrichtung in Berlin Zwanzigjähriger auf dem Sdialoff- Dürings Blniarfteil Berlin, 18. März. Auf dem Hofe des StrasgesängnisseS Plötzensee wurden heute früh um 7 Uhr der 24 Jahre alte Kommunist Richard Bahr, ferner die beiden Mörder der Obsthändlerin Könicke, der'XI Jahre alte Friedrich Mann und der ebenfalls 80 Jahre alte Alfred Schulz, von dem Magdeburger Scharfrichter hingerichtet. Bahr war durch das Urteil des seinerzeit in Li»um bei Fchrbellin tagenden Sondergcrichts Berlin vom 1. 12. v. I. wegen fortgesetzter teils vollendeter, teils ver- s u ch t e r B r a n d st i f t u n g ans Grund des Gesetzes zur Abwehr politischer Gewalttaten vom 24. 4. 1983 zum Tode und dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte ver- urteilt ivorden. Er hatte nach seinem eigenen, allerdings erst nach der Verkündung des Urteils abgelegten Geständnis am 1. Oktober v. I. in Tornow eine mit Ernlevorrätcn gefüllte Scheune und zwei Wochen später, am Id. Oktober, in Linum bei Fchrbellin eine Scheune und einen Kuhstall in Brand gesetzt ES handelt sich, wie die Iustizpressestelle wider besseres Wissen behauptet, bei diesen Taten um planmäßige kommunistische Terroraktionen, die wie in den Städten so auch auf dem Lande durchgeführt wurden, um unter der Bc- völkerung Angst und Schrecken zu erregen, und so den all- gemeinen bewaffneten Aufstand vorzubereiten. Dir Mit- tätrr Bahr?, der 30 Jahre alte Gerhard Kehler und der 3S Jahre alte Wilhelm Lbtsch, waren gleichzeitig zu je zehn Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt worden. ES kennzeichnet die ganze brutale Schamlosigkeit deS Ministerpräsidenten, wie er nach seiner furchtbaren Nieder- läge im Leipziger Prozeß noch immer die Kommunistische Partei des individuellen Terrors beschuldigt und der stau- »enden- Welt vorlügt, die-Brandstistnngcn iraendwelcher armer Landstreicher seien Signale zum bowassneten Ans- stand. Es ist die Methode, nach der van der Lübbe abge- schlachtet wurde. Göring braucht Mordl!>gcn, um seine Scharf- richlerarbeit einigermaßen zu rechtfertigen. Die beiden anderen Hingerichteten, Mann und Schulz, wurden am 7. Juli v. I. von dem Schwurgericht bei dem damaligen Landgericht 3 Berlin wegen Raubmordes an der Obsthändler!« Frau Könicke zum Tode verurteilt. Die beiden Mörder waren am 22. Oktober 1932 zu einer Zeit, als die 76sährige Frau Könicke allein zuhause war, in ihre in der Lnthcrstraßc gelegene Wohnung eingedrungen. Die ahnungS- lose Fran wurde von den Tätern plötzlich ru Boden gerissen, durch ein vorgehaltenes Taschentuch am Schreien gehindert und mit einem in Streifen gerissenen Bettlaken aefesselt und auf Bett geworfen. Während Schulz der völlig Wehrlosen ein Kopfkissen ins Gesicht drückte, raubte Mann aus dem Schreibtisch etwa 8000 Mark. Den drei Hingerichteten wurde gestern abend um 7 Uhr das Urteil verlesen. Heute früh wurde als erster Bahr und nach ihm Schulz und Mann durch das Beil hingerichtet. vor dreißigjährige Bischof freigesprochen- wegen„Mangel an Beweisen" Zu den Bischösen, die der Herr Reichsbischof über das ganze Reich verstreute, gehörte auch Wilhelm Beyc.ber in Braunschiveig Bischof wurde. Dieser„Führer" des deutschen Protestantismus ist genau 30 Jahre alt. Seine reii- gtösen Sporen hat er sich als verdienter Kämpfer deö Nationalsozialismus erworben. Dieser junge Mann betreute „seine" Geistlichen, krönte die einen und warf die andern hinaus, wozu ein Hakenkreuzbischof im Auftrage des Reichs- bischofö hinreichend legitimiert ist. ♦ Der frühere Bischof Wilhelm B e y e stand nun in Braun» schweig unter der Anklage der Untreue und des Betrugs. Man warf ihm vor, als früherer Pfarrer deS Dorfes Werzen kleine Unredlichkeiten begangen zu haben. Er soll Beträge auS der Ktrchenkollekte teilweise für sich ver- braucht und 83 Mark, die er einem Klempner schulbete, mit einer falschen Rechnung ans der Kircheukassc bezahlt haben. Der Mitangeklagte Klempner Kley belastet von Beve durch dir Behauptung, daß dieser ihn zur Ausstellung der falschen Rechnung veranlaßt habe. In der Verhandlung zeigten sich intereisante kirchenpolitiiche Hintergründe. Di« Berteidi- gilng suchte den Angeklagten dadurch heransznpanken. indem sie behauptete, der oppositionelle Psarrcrnotbund habe gegen Beve als Landesbilchof ein„Kesseltreiben" veranlaßt. Dem- die er in der eigens dazu gebauten doppelwandigen Karosserie seines Autoö versteck» hatte, um ste am heutigen Dienstag mit nach Kleinasten z« nehmen. dnb. Tokio, 18. März. Nachdem das Wrack des gekenterten sapanischen Zerstörers„Tomotsuro", wie gemeldet, in die Bucht von Sasebo geschleppt worden war, wurde sofort mit den Bergungsarbeiten begonnen. Dabei gelang eS. drei An- gehörige der Besatzung noch lebend zu bergen. Allerdings war ein Bordringen in den Schiffsraum nicht möglich, so daß die Arbeiten erst fortgesetzt werben können, wenn daS Wrack aufgedockt worden ist. gegenüber aber erklärte Landesgerichtsprästdent Lach- m u n b. der Vorsitzende der Verhandlung, daß derartige Schritte von der Kampfstasfel der„Deutschen Christen" unternommen worden seien. Regierungspräsident Dr. Moß nannte den Angeklagten einen„selbstlosen nationatlozia» listischen Kämpfer". Der die Anklage vertretende Oberstaais- anmalt Rasche mußte sich in der Berhandlung gegen den Borivurs wehren er selbst steh« dem Psarrernotbunb nah«! Zu gewissen Borgängen in der Kampfstasfel der Deutschen Christen— leider wurden sie nicht näher genannt — erklärte der Oberstaatsanwalt, daß„selbst in der dunkelsten Zeit marxistischer Berdunke- lungStätigkeit solche Maßnahmen nicht vor- gekommen seien". Das Benehmen deS Angeklagten und seiner Freunde zeuge weder von deutscher Art noch von Christentum. Oberstaatsanwalt Rasche beantragte schließlich gegen den Angeklagten eine Gefängnisstrafe von fünf Monaten. Di? Verteidiger sprachen von„schmutzigen politischen Intrigen" gegen Beve Er sei ein aller und viel verleum- dcter Kämpfer der Nationalsozialisten, der für seine Sache große Opfer gebracht habe. Ter Verteidiger teilte schließlich mit, daß ein Telegramm von der Reichsleitung der Deutschen Christen eingetroffen sei. wonach diese hinter Beve stehe. Demgegenüber aber führte der Verteidiger deS Angeklagten Kley aus. Kley habe unter der Autorität seines Pfarrers, der als Ortsgruppenleiler der NTTAP. an führender Stelle gestanden habe, gehandelt! Nach fast vierstündiger Beratung wurde Beye unter Bei- sallskundgebungen des Publikums freigesprochen. Einzelne belastende Momente seien zwar außerordentlich gravierend, aber es seien auch entlastende Tatsachen vor- Händen. Beye können»! ansMangelanBewetsen freigesprochen werben. Zum Schlüsse erwähnte der Vorsitzende die kirchlichen Kreise, den Streit einzustellen. Ungeheuerlich sei e». daß der Kreis um die Kampfstaffel Untersuchungen angestellt habe, um einen Braunschweiger Geistlichen zu beseitigen. ivoMbdic Gedanha Saanjcblef- Franhrelchs Pfand? Tiefere Bedeutung der Rede de Broqueville's— Tragischer Ernst der Lage— Zeichen der Wendung? Die Rede, die der belgische Ministerpräsident d e Broqueville im Senat gehalten hat, hat überall eine solche Ueberraschung und in Belgien selbst solche Bestürzung bewirkt, daß der Außenminister Hymans zwei Reden hat halten müssen, um die Rede von de Broque- ville beruhigend zu„interpretieren". Die Beruhigung scheint aber nicht eingetreten zu sein. Namentlich ist der tiefe Pessimismus, der als Unterton aus der ganzen Rede von de Broqueville klang, nicht aus der Welt$u schaffen. Und die Rede hat unseres Erachtens durch diesen pessi- mistischen Unterton noch stärker gewirkt, als durch die Gedankengänge, die Herr de Broqueville entwickelte. Freilich war es schon überraschend genug, daß der b e l- g i s ch e Ministerpräsident sich im wesentlichen die Argu- mentation und die Schlußfolgerungen von Simon und Mussolini zu eigen machte und sich auf diese Weise in Widerspruch zur französischen Auffassung setzte. Am stärksten scheint aber in seiner Rede gewirkt zu haben, was er nicht ausdrücklich gesagt, sondern durch einige allgemeine Betrachtungen über den Bersailler Vertrag angedeutet hat. Die Rede fiel durch die Offenheit ihrer Sprache auf, und trotzdem hat de Broqueville sich sehr diplomatisch ausgedrückt. Er hat nicht ausgesprochen, was der eigent- liche Sinn seiner Rede und der eigentliche Grund für seinen Pessimismus ist. Und dies ist: Frankreich und Belgien sind von ihren früheren Verbündeten verlassen und können deshalb nicht den einzig richtigen und not- wendigen Widerstand gegen jede Wiederaufrüstung Deutschlands leisten. Also muß versucht werden, gemein- sam mit England und Italien zu einem Kompromiß mit Deutschland zu kommen, das die Gefahren nach Möglich- keit mildert und die Sicherheit nach Möglichkeit stärkt. Wenn de Broqueville davon sprach, daß es eine Illusion war zu glauben, daß die 27 Mächte, die den Bersailler Vertrag unterschrieben haben, immer untereinander einig bleiben werden, so hat er natürlich nicht an alle mittleren und kleinen Mächte, die auch in Versailles dabei waren, gedacht, sondern an die beiden Großmächte England und Italien. Und als er ausführte, warum der Weg über die Untersuchung der deutschen Rüstungen durch den Völker- bund nicht gangbar sei. so hat er ausdrücklich gesagt, aß England und Italien ihre Zustimmung dafür nicht geben würden. Daher dieser tiefe Pessimismus. Daher die Auffassung, daß die deutsche Wiederaufrüstung nur durch den sofor- tigen präventiven Krieg, den de Broqueville für ein Ver- brechen hält, verhindert werden könne. De Broqueville schloß sich dem englischen und italienischen Standp- nkt nicht deshalb an, weil i h m selbst der Wille zur gemein- samen Aktion gegen die deutsche Aufrüstung fehlt, son- dern deshalb, weil eben England und Italien diesen Willen bisher nicht haben und eine solche gemeinsame Aktion faktisch sabotieren. Wir sogen das nicht, um de Broqueville gegen die Kritik an seiner Rede in Schutz zu nehmen. Diese Kritik, namentlich wie sie von einem sozialistischen Senator vorgetragen wurde, halten wir für völlig berechtigt. Wir wollen aber die wirkliche Pro- blematik aufzeigen, aus der allein die Rede von de Broqueville überhaupt entstehen konnte. De Broqueville hat. wie gesagt, manches sehr diplomatisch ausgedrückt und hat trotzdem offen genug gesprochen, um den ganzen tragischen Ernst der Lage offenbar zu machen. Die Tragik der Lage besteht darin, daß die Schwäche der Mächte, die eine geschlossene Front gegen die Wieder- geburt des deutschen Militarismus darstellen sollten, nicht bloß auf die Schwäche einzelner Staatsmänner und auf die unklare Haltung einiger Parteien zurückzuführen ist. sondern auch den Strömungen und Gefühlen entspringt, die an sich außerordentlich wertvoll sind. Es ist nämlich tragische Paradoxie unserer Zeit, daß die Sehnsucht der Völker nach dem Frieden, ihre stärkste Abneigung gegen den Krieg die Kriegsgefahr nicht mindert, sondern ver- größer!. Der Friedenswille des französischen und eng- lischen Volkes erweist sich zuweilen als eine Kraft, die die Politik der Verhinderung des Krieges nicht fördert, sondern hemmt und zugleich jeder faschistischen Politik, die durch solche Hemmungen nicht gebunden ist, den Vor- schub leistet. Wir haben hier die englische Außenpolitik mehr als einmal scharf kritisiert, sind uns aber klar darüber, daß Herr Simon überhaupt nur deshalb der Leiter der cng- lischen Außenpolitik bleiben kann, weil jede Berufung auf die friedliche Verständigung in England eine nahezu maoische Wirkung ausübt. Die Haltung, die die englische Arbeiterpartei noch bis vor kurzem einnahm, ist der beste Beweis dafür. In Frankreich sind freilich die Be- sorgnisse wegen der Sicherheit des Landes unvergleichbar stärker als in England, wo erst in der letzten Zeit sich die Furcht vor dem eventuellen Luftangriff zu verbreiten scheint. Jede französische Regierung fühlt sich aber ver- pflichtet, den Nachweis führen zu können, daß sie nichts unterlassen hat. um die friedliche Lösung zu erreichen, und alles getan hat. um die Kriegsgefahr zu bannen. Das wäre an sich außerordentlich begrüßenswert, wenn nicht die Gefahr damit verbunden wäre, daß mancher ener- gische Schritt, der wirklich dem Frieden dienen könnte, deshalb unterbleibt, weil er in einen Akt der den Frieden bedrohenden Politik umgedeutet werden kann. Dazu kommt in Frankreich die Rücksicht auf die an- deren Großmächte, das Bestreben, seine Politik mit der von England und Italien, soweit es nur geht, zu koordi- nieren. Da die französische Politik auf die gemeinsame Aktion der Mächte hinauszielt, ist für sie diese Rucksicht an sich selbstverständlich. Bis Mitte Oktober war diese Politik auch erfolgreich. Jetzt wissen, wir. daß Deutsch- land durch seinen Austritt aus dem Völkerbund die Front der Mächte gesprengt und die französische Politik um ihre Früchte gebracht hat Frankreich geriet hiermit in Ge- fahr, im'Westen Europas isoliert zu werden. Die Unter- stiitzuna Englands blieb zwar für den ä u ß e r st e n Fall sicher, d h aber für die Zeit, da es schon zu spat wäre. Und Italien benützte die entstandene Verwirrung, um rvr Abrttsfungsgaranlien Deutschlands Paris, 13. März. In gutunterrichteten politischen Kreisen weist man darauf hin, daß die französische Antwort auf die englischen Abrüstungsvorschläge nicht vor Ende dieser Woche in London überreicht werden. Der heutige Ministerrat werde sich zwar mit dem Wortlaut dieser Antwort beschäftigen, den endgültigen Text aber erst nach dem Zusammentreten des Landesverteidigungsrates aufsetzen, der wahrscheinlich am kommenden Donnerstag stattfinden wird. Die Pariser Morgenpresse glaubt nichtsdestoweniger, schon jetzt daraus hinweisen zu können, daß die französische Ant- wort negativ ausfallen werde. Frankreich, so erklärt der „Matin", werde in sehr höflicher, aber sehr entschlossener Form die Bedingungen stellen, von denen es den Abschluß eines allgemeinen Abkommens abhängig mache. Besonders aufschlußreich sind in diesem Zusammen- hang die Ausführungen der Außenpolitikerin des„Oeuvre". Genevieve Tabouis, die ihre Informationen stets bei guten Quellen zu schöpfen pflegt. Sie schreibt am Dienstag, daß bereits bei der letzten kurzen Sitzung des Landesvertei- digungSrates zutage getreten sei, daß sich der größte Teil der Mitglieder der Auffassung des Generals Weygand anschlösse, der dabei in voller Uebereinstimmung mit dem Minister- Präsidenten, dem Kriegsminister und dem Außenminister stehe. Diese Auffassung gehe dahin, daß man in der Antwort daraus hinweisen müsse, daß die französische Regierung an- gesichts der Aufrüstung Deutschlands und angesichts der augenblicklichen politischen Verhältnisse nicht in der Lage sei, sich in der Rüstungsfrage irgendwie zu binden und deshalb dringend rate, abzuwarten, vorausgesetzt, daß England keine besondere Sicherheitsgarantien anbiete. Die französische Regierung, so schreibt Genevieve Tabouis, sei der Auffassung, daß sie durch den Abschluß eines allge- meinen Abkommens, in dem die Zustimmung zur Auf- rüstung Deutschlands enthalten sei, gleichzeitig das einzige Pfand verliere, das sie augenblicklich im Saargebiet noch iu Händen habe. Die Berichterstatter!» will aus sicherer Quelle erfahren haben, daß mau in Regierungskreisen den Stand» pnnkt vertrete, daß Frankreich, wenn es den Abschluß eines solchen Abkommens ablehne, im Januar 1815 mit voller Berechtigung erklären könne, Deutschland habe die Verträge nicht geachtet, und Frankreich sehe sich daher anch nicht ver, anlaßt, sie zu achten, und weigere sich, das Saargebiet zu ver« lasse«, solange Deutschland nicht eine andere Politik ein- schlage. Klare Sprache Vor der französischen Note dnb. Paris, 18. März. Der Außenpolitiker des„Excelsior" schreibt im Zusammenhang mit der bevorstehenden französischen Antwort auf die letzten englischen Abrllstungsvor- ichläge, die französische Regierung habe nicht die Hoffnung aufgegeben, schließlich doch noch zu einem Abkommen zu ge- langen, sie werde aber niemals ihre Zustimmung zu zweifel- hasten Experimenten geben. Der„Petit Parisien" erklärt, daß die französische Antwort keine technische Einzelheiten enthalten werde. Trotzdem fordere ihre Abfassung die größte Aiismerkiamkelt. weil man gegenüber der teilweise gewollten und kalkulierten Un- genauigkeit der Vorschläge eine klare und unzwei» deutige Sprache sprechen müsse. Tic Ausgabe der fran- zösischen Regierung wäre jedenfalls leichter gewesen, wenn man ihr gewisse Zugeständnisse in der Frage der Garantien, der Effektivbestände und der Rüstungen überhaupt gemacht hätte. Keine Propaganda" Und ein Blick in die Küche der„deutschen Front" Tie„Volksftimme" berichtet aus St. Ingbert: Eine Witwe in der Kohlenstraße wurde von den Werbern der„deutschen Front" solange bearbeitet, bis die arme Frau in der Verzweiflung und vor Angst wegen den Drohungen ihren Namen unterschrieben hat. In einer anderen Straße wurde eine Familie von einem jungen Wer- der mehrere Male aufgesucht, um die Unterschrift zur Auf- nähme in die„deutsche Front" zu erreichen. Als dieser junge Mann dabei kein Glück hatte, erklärte er der Familie: „Dann müssen wir annehmen, daß sie zu den Franzosen wollen." In der weiteren Auseinander- setzung erklärte der Werber:„Es geht uns ja nur darum, die Abstimmung zu verhindern, weil es dabei doch sicher einen Kampf gibt, den wir nicht wollen. Wir möchten mit diesen Unterschriften den Franzosen nur beweisen, daß wir die ganze Saarbevölkerung hinter uns haben." Der Werber glaubte, die Familie dadurch einschüchtern zu können, daß er erklärte:„Die ganze Straße hat schon unterschrieben bis aus drei bis vier, und dieselben sind gekennzeichnet." Zum Schlüsse meinte er noch:„Bei einer Abstimmung sind die Franzosen ja doch blamiert, und der Völkerbund hätte sich ja schon um nichts mehr gekümmert". Wie weit der Terror von Tag zu Tag in St. Ingbert in ver- stärkten Maße zunimmt, dazu folgender Fall: In der Generalversammlung der SLS.-Ortögruppe hatte der Füh- rcr Max Braun auf Wunsch der Ortsgruppe gesprochen. Seit dieser Versammlung hat nun der Terror gegen den Lokalinhaber von der Naziseite aus so stark eingesetzt, daß die Familie nicht mehr ein noch aus weiß. Man ging mit allen Schikanen vor und scheute nicht zurück vor den schlimmsten Drohungen, nur um den Lokalinhaber mürbe zu machen. Man ging sogar soweit und drohte ihm. wenn er die Volks- stimme nicht abbestelle, würde sein Sohn, der als Angestellter bei der Stadt beschäftigt ist, entlasse« werden, des weitere» würde die Brauerei Gebr. Becker die Kündigung des Lokals aussprechen, sobald Max Braun nochmals in diesem Lokal spreche» sollte und sie die„Bolksstimmc" nicht sofort abbestellen würden. Wir glauben weder an die Dro- hung, die seitens des Bürgermeisteramtes ausgegangen sein sollte, noch an die Kündigungsdrohung betreffs des Lokals von feiten der Brauerei Gebr. Becker aus. Aber in Wirklich- keit find es von nationalsozialistischen Elementen ausgeübte Terrorakte und Drohungen, um die„Freihcitsfrönt" und ganz besonders die„Volksstimme" zu schädigen. Ein sanati- scher Nazi, von Beruf Schneider, beschäftigt bei einer jüdi- schen Firma in Saarbrücken, äußerte sich einem anderen gegenüber:„Wenn ich gewußt hätte, daß der Landesverräter Marx Brann in St. Ingbert sprechen würde, hätte ich mir die 10 000 Frauken sehr leicht verdienen können." Wir sind diesen Elementen, die dem Lokalinhaber aufs schwerste ge- droht haben, aus der Spur. Es sind jene, die sich jetzt in der „deutschen Front" besondere Pöstchen ergattern wollen. Die- scr ungeheure Gewissensterror scheint sich in allen Orten des Bezirks St. Ingbert bemerkbar zu machen. Wie uns aus R o h r b a ch gemeldet wird hat sich der Ortsgruppeiileiter der NSDAP., ein gewisser Herr Hektar, der selbst nicht ab- stimmungsberechtigl ist, angemaßt, an das Bürgermeisteramt ein Schreiben zu richten, worin er den Bürgermeister aus- forderte, die„Rolksstimme" sofort abzubestellen. In W ö r s ch- weiler ließ ein Werber der sogenannten„deutschen Front" die Katze aus dem Sack. Der junge Mann, namens Ludwig Leiner, sprach bei einem Genossen wegen Eintritts' in die „deutsche Front" vor. Auf das Befragen, wer ihn denn dazu beordert Hätte, erklärte er prompt, der Ortsgruppenleiter. Auf eine weitere Frage:„Was wollt Ihr eigentlich mit dieser Werbung bezwecken?" erklärte der genannte Werber-„W>r wolle« durch diese Probeabstimmung die Franaole« zwingen, das Saargebiet ohne Abstimmung herauszugeben." Noch ein Eiempel Der Generaldirektor der Gruben berichtet Der„Petit Parisien" veröffentlicht eine Unterredung, die der Generaldirektor der Saargruben, Guillaume, dem außen- politischen Redakteur deS BlatteS. BourgueS, gewährt hat. Die Unterredung bezog sich vor allem aui die Propaganda Röchlings gegen die Domanialschulen und den Prozeß, der kürzlich deswegen vor dem Obersten Gerichtshof in Saar- louis stattfand. Guillaume sagt unter anderem: Herr Röchling hat erklärt: „Wer seine Kinder in die französische Schule schickt, der begebt Hochverrat." Man weiß, was das in Hiller-Deutschland bedeutet. Um eine solche Handlung zu bestrasen, sind alle Mittel gut, und trotz der Verordnungen der Regierungs- kommission sind viele von ihnen in ständigem Gebrauch: Drohung mit Entlassung. Entziehung von A r m e n n n t e r st ü tz u n g e n. H a n d g r e i f l i ch k c i t e n, Beleidigungen aller Art gegenüber den Kindern, die die französischen Schulen besuchen. Androhung von Re- pressalien nach 1935 usw. Aber was noch schlimmer ist, das ist der Druck auf die Gewissen durch den saarländischen Klerus auf der Kanzel und im Beichtstuhl. Als Beispiel kann man folgenden bezeichnenden Fall z'tieren. den sich ein Richter geleistet hat. Durch eine Verfügung vom 2. Februar 1938 hat ein Vormnndschastsrichter einen preußischen Berg- mann aufgefordert, seine Kinder von der französischen Schule zu nehmen und sie in isie deutsche Schule zu schicken, und er hat hinzugefügt, daß eine Weigerung aus mehreren Gründen als ein Mißbrauch des.V a t e r r e ch t s angesehen werden und den Verlust dieses Rechtes nach sich ziehen würde." seinen machtpolitischen Vorstoß in Mittel- und Südost- europa zu forcieren. Es schien schon auf dem besten Wege zu sein, einen faschistischen Staatenblock zu schaffen, der das ganze Europa in seiner Mitte durchquert. Da trat aber die Wendung ein, die eine Wendung zur Besserung der Lage werden kann. Vielleicht wird der künftige Geschichtsschreiber be- richten, wie der heldenhafte Kampf einiger zehntausende österreichischer Sozialdemokraten die europäische Kultur gerettet hat. Wir stellen heute fest, daß dieser Kampf die glatte Abwicklung der italienischen Pläne in Mittel- europa zerstörte. Italien sieht sich jetzt vor die Aufgaben gestellt, denen es nicht gewachsen ist, und fürchtet, daß es durch weitere Verfolgung seiner Politik in Mitteleuropa dem deutschen Vorstoß die Chancen eröffnet, die Italien selbst außerordentlich gefährden würden. Mit anderen Worten: Italien kann nicht Mitteleuropa nach seinen Wünschen organisieren gegen die übergroße Mehrheit der österreichischen Bevölkerung, gegen die Kleine Entente und gegen das Deutsche Reich. Es hat aber selbst die Möglichkeit zerschlagen. Oesterreich mit seinem Volk zum Damm gegen den deutschen Vorstoß zu ge- stalten. Aus dieser Situation werden wir die Tendenzen zur schärferen Distanzierung von der deutschen Politik und zur engeren Anlehnung an Frankreich, die in Italien vernehmbar werden, zu erklären haben. ver„veleldlger" Mndenburgs Heinz Liepmann schreibt aus dem Gefängnis Heinz Liepmann hat.seinen Verteidiger Mr. Francois Pauwels aus dem Gefängnis einen Brief geschrieben, in dem er die Gründe darlegt, aus denen er keine Berufung gegen die Gefängnisstrafe von vier Wochen wegen Beleidigung Hindenburgs einlegt. Liepmann schreibt darin, daß er in Briefen auS England. Frankreich und Holland aufgefordert worden ist, Berufung einzulegen, und versichert noch einmal, daß er einen Tat- fachenroman geschrieben hat, d. h. baß die angeblich Hinden- bürg beleidigende Wendung in Deutschland vielfach gebraucht wurde.„Warum wird die Bibel nicht verboten, worin GotteS- lästerungen stehen, die wenn ich sie aussprechen würde, mir einen Prozeß wegen Gotteslästerung eintragen würden'?" fragt Liepmann seinen Verteidiger.„Eine niederländische Rechtbank hat mich verurteilt, nicht weil sie die Wahrheit meiner Reportage in Zweifel zog. sondern weil die Wahrheit ausgesprochen wurde. Ich gestehe, daß mir der Mut fehlt, mich in dieser Sache noch einmal dem Urteil eines Gerichts zu unterwerfen. Ich wohnte in Hiller-Deutschland und weiß, daß es Umstände gibt, unter denen bürgerliche Gerichte ur- teilen wie einst über Galilei geurteilt worden ist. Als mein Vater im Krieg siel und meine Mutter verhungert war, wurde ich als„Kriegskind" nach Holland geschickt. T'e werben begreifen, daß ich mit dem gleichen Schreck, mit den gleichen Gefühlen von damals jetzt wiederum nach Holland kam. Als ich aus dem deutschen Konzentrationslager flüchtete, erschien mir Holland als das Land der Freiheit und des Rechts. Nein, ich sehe ab von meinem Bcrusungsrecht und überlasse es meinen holländische» Freunden, in ihrem Land für Recht zu sorgen. Selbstverständlich lehne ich ein Gnadengesuch ab. Ich nehme an, baß die holländische Regierung ihr Wort hält und mich nach Belgien ausweist. Dann soll ich weiter die Wahrheit schreiben." Verschärfte Anwendung des§ 218 lJnpreßj: Der Arzt Dr. Rauchales wurde von-~ wu» gericht Ofsenbach wegen Abtreibung zu 3 Jahren» auS und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von S Jahren verurteilt. I „Deutsche Freiheit" Nr. 61 ABBKIT UMD WITSdAFT Mittwoch, den 14. Mär* 1931 Instandsetzung von Wohngettäuden Hilfsaktion an der Saar In einer ihrer legten Sitzungen beschloß die Regierung«- kommission zur Weiterführung der in Angriff genommenen Zuschußaktion für die Instandsetzung von Wohngebäuden schon jegt einen vorläufigen Kredit von 500 000,— Fr. zu bewilligen. Die endgültige Festsetzung des zu diesem Zweck im Haushaltplan für 1934 vorgesehenen Betrages ist bis zu den Etatsberatungen für das kommende Rechnungsjahr zurückgestellt worden. Leipzig Enttäuschung Amtlich ist leidliche Zufriedenheit mit der Leipziger Messe befohlen, soweit das Inland geschält in Betracht kommt. Mit dem Ausland„geschält" ist freilich gar nichts anzufangen. Das war eine einzige Pleite. Drei Pressestimmen mögen die Enttäuschung zeigen. So schreibt das„Hamburger Fremdenblatt":■„Das ausländische Einkäuferelement ist zwar ziemlich gut vertreten, vor allem aus den kontinentalen Ländern, aber die Einkäufe auf ausländische Rechnung beschränken sich in vielen Fällen auf Musterorders. Das Geschäft mit den Vereinigten Staaten fällt auf der Messe, wie es scheint, aus. Das technische Spielzeug, soweit es sich um die Inlandsnachfrage handelt, ist gegenüber den Artikeln zum Soldatenspielen(!) zurückgetreten, so daß die Fabrikationsumsteilung auf gewisse Schwierigkeiten stößt." Die„Vossische Zeitung" gesteht:„Die verkauften Mengen sind zum Teil nicht groß, weil die Liquidität des Handels noch verbessert werden muß. Bisher ist das Exportgeschäft, von Ausnahmen abgesehen, gering." Die„Saarbrücker Zeitung" ist noch deutlicher:„Die Erfahrungen der saarländischen Aussteller stimmen ziemlich bündig mit den Erwartungen iiberein, denen wir in unseren vorausgegangenen Berichten Ausdruck gegeben haben: lebhafte Erkundigungen, starke Beachtung der Leistungsfähigkeit, aber kein Geschäft." Sachsens Spitzenindustrie „Prager Presse" berichtet-„Die sächsische Spitzenindustrle befindet sich in einer geradezu katastrophalen Lage. Der Jahresumsatz im Jahre 1933 betrug ungefähr nur 20 Prozent desjenigen von 1927. Die Ausfuhr ist von 598 Doppelzentner im Jahre 1930 auf 104 im Jahre 1933 zurückgegangen." Sterbende Warenhäuser Ungünstige Januarergebnisse Die vom Institut für Konjunkturforschung ermittelten und im Verbandsorgan, dem„lieberblick" veröffentlichten Umsätze der Waren- und Kaufhäuser im Januar 1934 lassen sich wegen der Verlegung der Inventurverkäufe nur schwer mit denen des Vorjahres vergleichen. 1933 fand der Inventurverkauf überall Anfang Januar statt, während er in diesem Jahr an den meisten Plätzen in der ersten Hälfte des Februar abgebalten wurde. Die besonders ungünstigen Umsatzergebnisse im Januar sind also wahrscheinlich auf diesen Sonderfaktor zurückzuführen. Bei den Warenhäusern lagen die Umsätze um 35 Prozent unter Vorjahrshöhe(im Dezember 1933 9 5 Prozent, im Durch»chnitt 1933 rund 19 Prozent) wobei der niedrige Stand zu berücksichtigen sei, den dir Umsätze bereits vor einem Jahr erreicht hatten. Die Umsätze der Kaufhäuser waren um 27 Prozent(Dezember 1933 1.3 Prozent), Durchschnitt 1933 13,5 Prozent) niedriger als in der gleichen Vorjahrszeit. In Textilien und Bekleidung lagen die Warenhausumsätze 41.5 Prozent, die Kaufhausumsätze 28 Prozent unter Vorjahrshöhe, während die Umsätze in den Fachgeschäften für Textil- und Manufakturwaren um 1,2 Prozent und in den Fachgeschäften für Herren- und Knabenkleidung um 1,6 Prozent niedriger waren als vor einem Jahr. Bei diesem Vergleich muß jedoch beachtet werden, daß die Inventurverkäufe für die verschiedenen Betriebsformen des Einzelhandels nicht die gleiche Bedeutung haben. Für die großen Häurer spielen sie eine größere Rolle als für die kleineren und mittleren Betriebe, so daß die Verlegung bei den großen Betrieben besonders starke Umsatzausfälle hervorrufen mußte. Ein abschließendes Urteil wird sich erst gewinnen lassen, wenn auch die Ergebnisse für den Februar vorliegen. SS rtthrerprlnzip" Im Handwerk Hier wird ohne Kündigung gearbeitet Vom Reichsstand des deutschen Handwerks wird daraur hingewiesen, daß auf der ersten Reichstagung der Präsidenten der Handwerkskammern das Führerprinzip im deutschen Handwerk restlos verwirklicht und der Weg zu einer gesunden Aufwärtsentwicklung geebnet worden sei. Die Handwerkskammer Präsidenten hätten nämlich einmütig folgende Erklärung abgegeben: „Ich erkläre hierdurch daß ich aus der Notwendigkeit des nationalsozialistischen Führerprinzip heraus jederzeit bereit bin, mein Amt als Präsident der von mir geleiteten Handwerks- oder Gewerbekammer dem Reichs hondwerksführer bedingungslos abzutreten und auf Ersuchen des Reichshandwerksfiihrers von meinem Amte zurückzutreten. Damit v e r z i ch t e ich gleichzeitig auf die Geltendmachung irgend welcher Ansprüche oder Rechte an die von mir geleitete Körperschaft, und zwar auch dann, wenn sie mir gesetzlich. Statuten oder etatsmäßig an sich zuständen Ich versichere, daß ich von dieser Erklärung auch meiner gesetzlichen Aufsieht« Behörde unter Uebersendung des Wortlauts Kenntnis gegeben habe." Unzufriedene Bauern (Inpreß) Die Bauernschaft des Erzgebirges wählte eine Ab Ordnung, die beauftragt wurde, bei der Bezirksbauptraann Schaft gegen die„Neureglung der Milchwirtschaft" zu pro testieren, nach der die Bauern zur Abgabe von 2 Pfennig pro Liter Milch an die Behörden verpflichtet sind. Unruhe in den Betriehen „Disziplin oder..." Die Aufhebung fast der gesamten arbeitsrechtlichen Schugbestimraungen durch das am 1. Mai in Kraft tretende Gesetz zur Versklavung der deutschen Arbeiterschaft(euphemistisch Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit genannt), hat eine außerordentliche Erregung unter den Arbeitern ausgelöst.„Aus zahlreichen Meldungen ersehe ich", muß der Berliner Treuhänder beruhigen,„daß allgemein bei den Belegschaften... die Besorgnis besteht, nach dem 1. Mai keine stabilen Lohn- und Gebaltsgrundlagen mehr zu haben. Viele Werksangehörige befürchten, daß die Löhne und Gehälter willkürlich gesenkt werden könnten. Nach Mitteilungen sollen sich auch Werksleitungen gegenüber den Betriebs Vertretungen in dieser Richtung geäußert haben. Dadurch ist Unruhe in die Wirtschaft gebracht worden."„Um all dem Gerede wirksam entgegenzutreten", verspricht der Berliner Treuhänder, daß die bisherigen Tarife als untere Lohngrenze für die Zukunft weiter gelten sollen.„Eine Unterschreitung der Grenze ohne Zustimmung des Treuhänders der Arbeit ist in keinem Ealle gestattet"; mit seiner Genehmigung, sagen sich die Arbeiter, können also die Löhne doch gesenkt werden! Die mißtrauischen Arbeiter ließen sich durch die Versicherung des Berliner und Bremer Treuhänders nicht beruhigen. Die Erregung wuchs, als bereits am Tage nach der Erklärung des Berliner Treuhänders das Reichsarbeitsministerium das Versprechen dieses Treuhänders in aller Form dementierte: nach Möglichkeit sollen die Tarife nicht verlängert werden! Um die Unruhe in den Betrieben zu dämpfen, versuchte man eine Ablenkung. Eine- Reihe deutschnationaler und jüdischer Kleinunternehmer wurden wegen Preistreiberei vorübergehend verhaftet, und in der Pfalz wurden elf Dorfbäckermeister eingesperrt, weil sie das 6-Pfundbrot lim zehn Pfennig im Preise erhöhten. Doch auch dieses Ablenkungsmanöver verfing diesmal bei den Arbeitern nicht, die in zwölf Monaten„drittes Reich" ihre Erfahrungen gesammelt haben. Die„deutsche Arbeitsfront" versuchte nun in ihrer Ratlosigkeit, durch Drohung mit dem Konzentrationslager die Diskussion in den Betrieben zu unterdrücken. Das Presseamt der„deutschen Arbeitsfront" erließ eine Warnung unter der Uebersehrift:„Disziplin oder...".„Die Behauptungen, die jetzt in den letzten Tagen da und dort von Miesmachern oder Uebcrängstlichen verbreitet worden sind, nach dem 1. Mai würden die Löhne gesenkt, müssen auf das schärfste bekämpft werden... Disziplin, ihr Meckerer und kleinen Geister, sonst geht es auch wie den Bäckermeistern in der Pfalz!" Wer sich gegen Lohnsenkung wehrt, kommt also ins Konzentrationslager. Deutsches Lohndumolng dreht (ITF.) Einflußreiche deutsche Exportkreise verlangen, wie der Reichsbankpräsident Dr. Schacht mitteilte, Abwertung der Mark bei gleichbleibenden Geldlöhnen, um damit durch gleichzeitiges Valuta- und Lohndumping die deutsche Ausfuhr zu steigern. Die nationalsozialistische Regierung schreckt jedoch im Augenblick noch vor einer offenen Inflation zurück, da sie den Widerstand der Millionen kleinen Sparer fürchtet, die auf Grund ihrer Erfahrungen bei der Entwertung der Mark im Jahre 1923 auf jede offene Infia- tionsinaßnahme mit einer Panik reagieren würden. Die Diktatur fühlt sich einem zu erwartenden gleichzeitigen Widerstand dieser Sparer und der Arbeiter noch nicht gewachsen. Die Exportkreise sollen daher die Möglichkeit eines kombinierten Währungs- und Lohndumpings erhalten, aber bei Schonung der kleinen Sparer, auf Kosten der Arbeiter und der ausländischen Gläubiger. Reichsbankpräsident Dr. Schacht hat den an der Ausfuhr interessierten Kreisen versprochen, daß Valutadumping durch das Scripsverfahren weiter ausgebaut werden soll. Wie bekannt, erhalten die ausländischen Gläubiger den größten Teil der ihnen zustehenden Zinsen nicht in bar, sondern in Zinsgutscheinen(Scrips), für die die deutsche Golddiskontbank nur einen Bruchteil des Nennwertes in nichtdeutschen Devisen zahlt. Der dadurch dem Gläubiger vorenthaltene Teil der Zinsen wird zur Förderung des deutschen Exportes verwandt, d. h. zu einem Dumping, das nach der Erklärung Dr. Schachts jetzt verschärft werden soll. Gleichzeitig hat Reichswirtschaftsminister Dr. Schmitt auf den die beschleunigte Zerschlagung der letzten Reste der Arbeiterorganisationen zurückzuführen ist— durch die Einführung der Werktarife die Voraussetzung auch für ein Lohn» dumping geschaffen, also für speziellen Lohndruck(auch von Fall zu Fall!) in der deutschen Exportindustrie. Damit wird das Lohnniveau nicht nur aller anderen deutschen Arbeiter, sondern auch der Arbeiter aller Länder bedroht. „Berge von Klagebriefen" (Inpreß.) Der„Führer des schleaischen Hausbesitjes", Jenke, erläßt einen Aufruf, dem wir entnehmen?„Wir, der schlesische Haus- und Grundbesitz, sind die gewaltigste Wirt- schaftsmacht, die berufen ist. der deutschen Kultur, dem Kulturfortschritt zu dienen". Trotzdem wollen die„Meckerer" nicht schweigen.„Undankbar und unverständig sind Hausbesitzer wie'Mieter", beißt es weiter,„die da behaupten, daß die Regierung nichts für sie getan hätte. Die Uebernahme der Führung des schlesischen Hans- und Grundbesitzer Vereins brachte mir Berge von Klageschriften seitens der Mieter- schaft." Zwangsversdtkkungen Fabrikarbeiterinnen und„Landhilfe" Das Hamburger Arbeitsamt hat in Gegenwart von Vertretern der Presse den Versuch gemacht, einer Anzahl junger erwerbsloser Fabrikarbeiterinnen Arbeit in der Landwirtschaft nachzuweisen.(200 000„Landhelfer ohne Lohn" sollen bekanntlich bereits in der Landwirtschaft untergebracht worden sein.) Das„Hamburger Fremdenblatt" schreibt über den Versuch des Arbeitsamtes folgendes:„Es muß hier leider offen ausgesprochen werden: sehr vielen dieser jungen Fabrikarbeiterinnen scheint in der Zeit ihrer Erwerbslosigkeit das moralische Rückgrat verloren gegangen zu sein. Im Arbeitsamt Kohlhöfen sind etwa 300 ledige junge Fabrikarbeiterinnen zusammengerufen worden, denen Arbeit in der Landwirtschaft nachgewiesen werden soll. Daraufhin melden sich über 150 von 300 krank. Keines der Mädchen meldete sich trotz mehrfacher Anfrage freiwillig für die Landhilfe! 30 Mädchen schieden freiwillig aus der Unterstützung aus und verzichteten auf jegliches Geld. 52 Unterstützungssperren mußten verhängt werden, da die Erwerbslosen sich weigerten, die angebotene Arbeitsgelegenheit anzunehmen. Der Rest, etwa 200 Mädchen, erklärte sich zur Arbeitsannahme bereit, nachdem ihnen die Verpflichtung zur Arbeit und die Folgen ihrer Weigerung klargemacht wurden. Die Durchführung aber stößt, wie sich mehrfach gezeigt hat. bei den städtischen Erwerbslosen auf vielfachen Widerstand." Dieser Bericht ist um so aufschlußreicher, als er erkennen läßt, unter welchem Druck die Erwerbslosen zu nicht diskutierbare> Bedingungen auf das Land verschickt werden. 139 Millionen neue Osthilfe... (Inpreß.) Die Bank für deutsche Industrieobligationen gibt bekannt, daß im Rahmen der Osthilfe bis zum 30. September 1933 219 Millionen Reichsmark aufgewandt wurden; am 28. Februar war der Betrag uin 64 Millionen auf 233.36 Millionen Reichsmarck gestiegen. Die Auszahlung weiter 75 Millionen ist bereits bewilligt und soll demnächst erfolgen. ... und Baumstümpfe für Erwerbslose (Inpreß.) Im Hugenbergschen„Tag" vom 8. März erschien ein Foto von Notstandsarbeiten, die an der Landstraße Berlin—Zossen in Groß Machnow durchgeführt werden Unter dem Bild, das eine Anzahl von Erwerbslosen bei Erdarbeiten zeigt, befindet sich dieser Text:„Durch die Verbreiterung der'Landstraße Berlin—Zossen müssen ungefähr 70 alte Linden niedergelegt werden. Die Arbeit wird von Erwerbslosen durchgeführt, die dafür das Hole der Bäume erhalten." Berlins„wertvollste Maßnahme" (Inpreß.) Der Staatskommissar für die Stadt Berlin, Dr. Lippert, erklärte in der Funkstunde Berlin:„Wenn Sie mich nach den mir am wertvollsten erscheinenden Maßnahmen fragen, so möchte ich vor allem darauf hinweisen, daß annähernd 5000 altbewährte nationalsozialistische Kämpfer innerhalb der Berliner Verwaltung neu in Lohn und Brot gebracht worden sind." Früher hieß so was: Parteibuch Wirtschaft. Geist des Nationalsozialismus (Inpreß.) Die„Westfälische Landeszeitung" schreibt:„Wir wollen der Hoffnung Ausdruck geben, daß bis zur nächsten Versammlung des grafischen Gewerbes die Firmen des grafischen Gewerbes, die es angeht, sich eines nationalsozialistischen Geistes befleißigen, andernfalls ist zu erwarten, daß bei der nächsten Versammlung des grafischen Gewerbes einige Druckfirmen öffentlich au den Pranger gestellt werden". Was ist geschehen? Die Firmen, denen mit dem Pranger gedroht wird, hatten zu niedrige Preise gemacht. „Arbeitsschlacht" gegen Selbstrasierer In einer Handwerker Versammlung in Neumarkt(Bayern) beantragte die Friseurinnung die Einführung der Besteuerung von Rasierapparaten. Amerikas Großverdiener Die großen amerikanischen Konzerne, die mit nur wenigen Ausnahmen in Verfolg der Wirtschaftsdepression in eine schwere Rentabilitätskrise hineingeraten waren, hatten im letzten Jahre angesichts des konjunkturellen Wiederaufstiegs fast durchweg eine bemerkenswerte Besserung der Ertragsverhältnisse zu verzeichnen. Die nachstehend zusammengestellten Abschlußergebnisse von 15 Großkonzernen zeigeil, daß zwei Gesellschaften im letzten Jahre an Stelle der 1935 erlittenen Verluste Gewinne erzielt haben, daß weitere viel Unternehmen ihre Gewinne im Vergleich zum Vorjahre teilweise beträchtlich steigern konnten und daß bei fünf Gesell schalten erhebliche Verlustminderungen eingetreten lind. Gewinne bzw. Verluste(—) in MiU. Dol 1929 1931 1932 l93f General Motors.. 245.97 96.88 0.16 83.21 U. S. Steel Corp..195.45 13 04— 71 18— 36 52 American Tel& Tel. 166,00 166,67 145 91 137.46 duPont de Nemours 78.17 53,19 26.23 38,9J New York Central Railroad... 77.43 2.43— 18.26— 5.41 General Electric. 67,29 40.96 14.40 13.4?. Bethlehem Steel. 42.24 0.12 19,40— 8,74 Woolwortb... 35 66 41.35 22.10 28.6 4 Reynolds Tobacco. 32.21 36.40 33.67 21.15 Western Electric. 26.99 10,82— 12.63— 13,7. Chrysler. 21,90 1,47— 11.25 12,13 Youngstown Sheet. 21.56— 7.04— 13.27— 8,34 Goodyear.... 18,61 1.33— 0,85 6,02 United Fruit... 17,80 6.78 5.71 9.21 Radio Corp.... 15.89 0,77— 1,13— 0,53 Die in der Tabelle aufgeführten 15 amerikanischen Gesellschaften hatten zusammen im Jahr 1933 einen Gewinnsaldo von 276,87 Millionen Dollar zu verzeichnen gegen nur 100.21 Millionen Dollar im Vorjahre, jedoch 465,17 Millionen Dollar 1931 und 1063,17 Millionen Dollar im Prosperitätsjahre 1929, „Vertrauensmann" ohne Rechte Das„Arbeitsgesefz" des„dritten ßeidies" enthüllt sidi ö»b, Berlin, 12. März. Amtlich wird mitgeteilt: Im Hinblick nuf die im März durchzuführende Bestellung bcr Vertrauensmänner sind die Durchftthrungsbestimmun- llcn zu dieser Frage von besonderer Wichtigkeit. Es ergibt sich aus ihnen in Verbindung mit dem Gesetz in den Grund- Zügen etwa solgcnde Rcglung: Die Ausstellung der Liste der Vertrauensmänner hat von Führer deS Betriebes im Ein- vernehmen mit dem Bctriebszellcnobmann des Betriebes also einem Angehörigen der Gcsolgschast, zu erfolgen. Hat der Betrieb keinen Betriebsobmann, so ist die Aus- stcllung einer Liste nicht möglich. Estritt nicht etwa an die stelle des BctriebSzellcnobman- »es des Betriebs eine außerbetriebliche Stelle der Betriebs- zellenorganisation. ES kann daher tn diesem Falle lediglich die Berufung der Vertrauensmänner und ihrer Ttellvertre- ter durch den Treuhänder der Arbeit erfolge». Diese Berufung kommt ferner in Frage. wenn eine Einigung zwischen dem Führer des Betriebes und dem BetriebSzelleuobniann des Betriebes nicht zu erzielen ist oder aus sonstigen Grün- den ein Vertrauensrat nicht zustandekommt. Die Berufung von Vertrauensmännern und Stellvertreter» durch den Treuhänder der Arbeit ist in iedem Fall in sein Ermessen gestellt. Ter Treuhänder der Arbeit kann also unter Um- ständen auch von der Berufung absehen. Der Betrieb bleibt in diesem Falle ohne VertrancüSrat. '■Der„Führer" Die erforderlichen Vorschriften über den Führer deS Bc* tricbcs sind bereits im Gesetz selbst getroffen. Bon der Ausstellung besonderer Voraussetzungen ist dabei auch hinsichtlich der Staatsangehörigkeit und der Rasscnzngc- Hörigkeit abgesehen worden. Auch nichtarische Unternehmer können daher Führer des Betriebes sein. Das entspricht den wiederholten Berlaut- barungen der Reichsreaierung. nach denen die Bestimmungen des Gesetzes über das Berussbeamtentum für das Gebiet der Wirtschaft keine Anwendung finden. Dje Voraussetzungen, denen die Vertrauensmänner ent- sprechen müssen, hat das Gesetz in 8 8 bestimmt. Es ist dabei u. a. vorgesehen, daß sie der DAF. angehöre» müssen. Gegen Einsprüche über die Liste der Abstimmungsberechtigten ent- scheidet der Betriebssichrer. Ein besonderer Einspruch gegen diese Entscheidung deS AbstimmunasleiterS ist nicht vvrgc- sehen. Er kann nur Im Zusammenhang mit einer Nachprii- fung deS gesamten Verfahrens nach Durchführung der Ab- stimmung unter den weiter unten besprochenen Voraus- sctzungcn erfolgen. „Abstimmung" Ergibt sich bei der Abstimmung für keine der als Ver- tranensmänner und Stellvertreter ausgestellten Personen eine Mehrheit, so kann der Treuhänder der Arbeit die Ver- tranensmänner und Stellvertreter in der crsorderlichcn Zahl berufen. Die den Abstimmungsberechtigten gegebene Möglichkeit, einzelne Personen von der Liste der Vertrauensmänner und der Stellvertreter zu streichen, kann dazu führen, dast die Berücksichtigung der Angestellten oder die Berücksichtigung der Arbeiter im VcrtrpncnSrat in einem offenbaren Mist- Verhältnis zur Zusammensetzung der Gcsolgschast stehen würde. DaS gleiche Mistverhältnis in der Zusammensetzung des Vcrtranensrates kann sich dadurch ergeben, dast bei Aus- scheiden eines Angestellten aus dem Vcrtrauensrat der in der Reihenfolge der Liste an seine Stelle tretende Ersatzmann nicht gleichfalls Angestellter, sondern Arbeiter ist oder das, bei Ausscheiden eines Arbeiter? als Ersatzmann ein Angc- stelltcr einrückt. Da? Gesetz sieht daher vor. dast der Treu- händcr der Arbeit zur Beseitigung eine? offenbaren derarti- gen Mißverhältnisses i» der Zusammensetzung des Ver- trauensrates ans Antrag des Führers des Betriebes ein- zclnc Vertrauensmänner abb-rufcn und durch andere Ver- trauensmänner ersetzen kann." Die Zwangsjacke Da? sogenannte„Gesetz zur Ordnung der nationalen Ar- beit" enthüllt sich. Bei der ersten Veröffentlichung waren die Einzelheiten dieses Gesetzes noch nicht genau zu erkennen. Es bestand zwar schon damals kein Zweifel über die Tat- fache, dast mit diesem Gesetz die völlige Zertrümmerung deS GiordaniKoi Von G. E. Modigliani Einer der giosten Gemeindcbautcu des Noten Wien, daS damals noch nicht vom Blut der Arbeiter rot war, trug den Namen Matteottihof. Heute hetstt das Gebäude, das an- lästlich des Internationalen Kongresses 1931 Gegenstand einer unvergestlichen Kundgebung war, Giordani-Hof. Wer ist Giordani? Warum ist er eine Art Nivale des sozialisti scheu Märtyrers? Geordani ivar ein KriegSvcrletzter. Im Oktober 192» wurde er auf einer Gegenliste gegen die Sozialisten zum Gemcinderat von Bologna gewählt. Die Sozialisten stellten bei weitem die Mehrheit. Giordani gehörte also der Minderheit an, aber sein bisheriges Verhalten, seine Zu- geHörigkeit zur radikalen Partei, wenn wir nicht irren, seine persönliche Art bewirkten, dast er mit seinen Gegnern recht gut stand. Ter Sieg der Sozialisten, die ihre seit einigen Jahren betriebene Koinmunalpolitik fortsetzen wollten, sehr energisch die Steuergerechtigkeit vertraten und möglichst grostc Teile des Gemeindebodens und der Wohl- sahrtSeinrichllingen den bäuerlichen Organisationen zur Verfügung stellten, entfesselte die Wut der Grostgrund lesitzer. Sic beschlossen, das Gemeindehaus am Tag der Ncueinsetzung der neuen Gemeinderäte, Ende Oktober 19?» bemanner anzugreifen. Tie Sozialisten stellten sich zum .Kampf. Sie hatten nicht erkannt, dast sie in eine Falle gc- raten sollten da die Polizei und die Armee den Auttrag er halten Halle, den Angriff der wrostgrundbcsitzer zu unter stützen An einen, der letzten Oktobertage 192». als anläst lich des Einzuges der neuen Gemeinderäte in das Ge- meindchaus diese und der Platz davor von Massen erfüllt waren, griffen die Grostgrundbesitzer an, stießen aber auf bewaffneten Widerstand. Es gab Tote, darunter Giordani. der aus nächster Nähe im Sitzungsiaal erschossen worden war. Selbstverständlich besetzten Polizei und Armee sehr rasch das Gemeindehaus. Die Falle hatte sich geschlossen. Belagerungszustand Auslösung der Arbeiterorganisationen und der roten Gemeindevertretungen in der Gegend usw. Es war der Beginn der faschistischen Gegenoffensive, obwohl Mussolini offiziell dieser„Bewegung" seine Zu- stimmung nicht erteilt hatte. Von allen Ereignisien dieses Tages-war es die brutale und sinnlose- Ermordung Arbeitsrechtes vorgenommen wurde, aber anhand der brok- kcnweise herauskommenden Ausführungsbcstimmungen lästt sich nun ziemlich klar überblicken, in was für eine Zwangs- sacke künftig der deutsche Arbeiter gesteckt wird. Da sieht man zunächst, dast nur dort Vertrauensmänner der Betriebe gewählt werden können, wo Betriebszellen- organisationen der NSBO. bestehen, das heistt also, wo wenigstens ein Teil der Belegschaft nationalsozialistisch orga- nisiert ist. Ganz eindeutig werden damit in einem Gesetz die Arbeiter, schichten die nicht nationalsozialistisch organisiert sind, als Menschen zweiter Klaffe degradiert. Vertrauensmänner, die »ichtnationalsozialistisch organisiert sind, khnncn überhaupt nicht gewählt werden. Wir haben bereits beim Bekanntwerden de? Gesetze? dar- auf hingewiesen, dast diese Vertrauensleute, die für den Unternehmer so eine Art geduldeten Stab darstellen sollen, vollkommen bedeutungslos sind. Mit welchem Zynismus aber die angebliche arbeiterfrcundliche Regierung des drit- ten Reiches an dieses Gesetz herangegangen ist. gebt daraus hervor, dast auch alle Entscheidungen über die Wahl solcher Vertrauensleute in der Hand des BetrtcbsfllhrerS, daS heistt des Unternehmers liegen. Die Wahl selbst wird also unter dem Einslust deS Arbeitgebers praktisch dann zur Beden- tungslosigkeit verurteilt, wenn dem Herrn Ehef daS Ergcb- niS nicht gefällt. Charakteristisch ist auch die Tatsache, dast man durch die Einschaltung von Sonderrechten für die Angestellten eine neue Klaffcnschcidung zwischen den Arbeitnehmcrgruppcn gc- schassen hat und unzweifelhaft den Angestellten wieder in jene unwürdige Rolle drängen will, die ihm zeitweise die Stcllung deS Lakaien eingebracht hat. Es ist nur ein Teilabschnitt, der mit der obcnstehenden Ver- ordnung aus dem neuen Gesetz bekannt wird, aber deutlicher konnte das„dritte Reich" sein wahres Gesicht nicht enthüllen. Zweimal freigesprofflen! Versuchte Diffamierung eines Essener Beigeordneten In einem großen Korruptivnsprozcst gegen neun Angc- klagte, in der Hauptsache f r ü h e r c E i s euer st ä d t i j ch c Beamte, wurde heule von der Große» Ttraskammcr in Esten nach vierzchntätiger Prvzcstdaner das Urteil gefällt. Der frühere Verwaltungsdirektor der Essener Krautenan- stalten, K u h I m a n u. wurde wegen Lebensmittelfälichuug, sortgcsctzen Betrugs und Amlsunlerschiagung zu einem Jahr Gefängnis, ein mit Kuhlmanns Straftaten in Zusammenhang stehender Essener Schlächtermeister z» 1 Jahr 6 Monaten Ge- iängnis verurteilt. Zwei iveilere Angeklagte erhielten je 4 Monate, zwei andere je 3 Monate Gefängnis. Unter den beiden Freigesprochene« befindet sich auch der frühere Essener Beigeordnete Dr. M c u r e r. der b e k a u n i l i ch in einem größeren gegen ihn vor kurzem allein geführten Prozeß c b e u f a l l s f r e i g c- s p r o ch e n worden ist. In der U r t e i l s b e g r ü n- d u u g wurde angeführt, daß gegen Dr. Meurer, der in der Anklage gegen ihn vorgeworfene Verdacht des Fleischbezugs ohne Bezahlung vom städtischen Krankenhaus nicht mehr als begründet angesehen werden könne. Hitlers Spitzbuben Der Reichskanzler läßt ein Arbeiterheim stehlen Die Polizeidircktiou LudwigShafen hat durch Verfügung vom 12. vorigen Monats das gesamte Vermögen des Tvuri- stcnvereins„Die Naturfreunde", Ortsgruppe Ludivigöhasc», auf Grund des NcichSgcsctzcs über die Einziehung volks- und staatsfeindlichen Vermögens zugunsten des Landes Bayern eingezogen. Die Einziehung erstreckt sich inSbeson- derc aus das Natursreundchaus in Elmstein und die Boots- Hausanlage in der Hasengasse usw. Verbot christlicher Zeitungen Das„Evangelische Gemeindeblatt" lKirchenzeitung für Ost- preußenj ist bis zum 21. März verboten worden.— Auch eine Reihe katholischer Blätter haben Verbote erhalten, io die „Ostdeutsche Morgenpost" bis zum 17. März, die s,Hildes- heimer Landespost" auf vier Wochen, die„Tremonia" in Dortmund, die..Westdeutsche Volkszeitung". die„Wittener Volkszeitung", das„Märkische Volksblatt", das„Lünener Volksblatt" und die„Eastrop-Rauxeler Volkszeitung". Bie Tariflöhne sinken und die Lebensmittel steigen Im„Angriff" des Herrn Reichspropagandaministers Dr. Göbbels vom 1». März 1934 finden wir folgende— sorgsäl- tig versteckt in der 4. Beilage— ungemein aufschlußreiche Notiz: Tariflöhne 1933 34 Im gewogenen Durchschnitt aller erfaßten Gewerbe lagen die Tariflöhne am 1. Januar 1934 sür mit 78,4 Rpf. um 1,0 v,H. mit 68,1 Rpf. um 0,3 v. H. mit 62,1 Rps. um 1,1 v. H. mit 61,6 Rpf. um 1,1 v. H. mit 43,3 Rpf. um 0,5 v. H. männliche Facharbeiter männliche angelernte Arbeiter männliche Hilfsarbeiter weibliche Fach- und angelernte Arbeiter weibliche Hilfsarbeiter unter den am 1. Januar 1033 gültigen Lohnsätzen. Wenn man sich durch die absichtlich in verwirrender Fülle hingestreuten Zahlen unbeirrt hindurchliest, findet man also: nach einem Jahr Hitlerherrschaft haben sich die deutschen Tariflöhne sogar laut Hitlerstatistik im Durchschnitt um ein volles Prozent gesenkt. In der gleichen Zeit sind aber die Lebenshaltungskosten im Reichsgebiet— ebenfalls nach den Angaben des Ttati- stischen ReichSamtes in der offiziellen Zettschrift„Wirtschaft und Statistik"— um 2,1 Prozent gestiegen, nämlich von In- depzifser 118,4 aus 120,0. Die reinen Ernährungskosten stie- gen sogar um 4,8 Prozent— weil die Großagrarier bekannt- lich mit ihren alten Sechszylinder-Autos nicht mehr auSkom- men können. Also: im ersten Jahr von HitlerS Herrschaft sanken nach Hitlers Eingeständnis die Löhne um 1 Prozent, die Lebens- haltungSkosten aber stiegen um mehr als 2 Prozent. Wie groß mögen da Lvhndruck und Teuerung erst in Wirklichkeit sein? Und zur gleichen Zeit im Saargebiet? Hier haben leider die Stellen, die dazu im Stande wären, eine Gesamtübersicht nicht vorgelegt. Den vorliegenden Angaben der Handelskanr- mer Saarbrücken läßt sich aber entnehmen, daß vom ersten bis dritten Vierteljahr die Bergarbelterlöhue etwas gefun- ken, die in der Eisenhüttenindustrie um ein geringes gestie- gen sind. Dagegen sind im gesamten Saargebiet die Lebens- haltungskosten vom 1, Januar 1033 bis 1. Januar 1931 ge-, funken, nämlich von 522 auf 517,- noch stärker aber die Preise im Kleinhandel: von 510 auf 501. Die? sind, schloß Landes, reine Indexzahlen, die mit dem absoluten LebenShaltniinsminimum nichts zn tun haben: es sind lediglich die auf Franken angerechneten deutschen Index- zahlen, die die Preise von 1013 mit der angenommenen Zahl 100 zugrundelegen, In Hitler-Deutschland also fortdauernde Verschlechterung: im Saargehiet, wo immerhin die freien Gewerkschaften noch nicht geknebelt sind, sondern noch ein Wort mitzureden haben, eine, wenn auch leichte Besserung. Tie Lehre ist schlagend: Ivo der Arbeiter durch seine sreigewählte Interessenvertretung etwas Einfluß aus die Wirtschaft besitzt, vermag er seine— gewiß immer noch kärgliche— Lebenshaltung wenigsten? zu behaupten und sogar leicht zu bessern. Unter der Herrschast von Thyssen, Schmitt und Schacht gibt es nur eines: den Riemen enger schnallen. Giordanis, die in der Oesfentlichkeit die größte Erregung hervorrief. Die gerichtliche Untersuchung über die Ereignisse, die mit größtem Eifer mehr als ein Jahr lang geführt wurde, hatte noch nicht zur Feststellung des Mörders Giordanis geführt, als ein wahrer Theater-Eoup eintrat. Ein BerusSver- brecher in Bologna ersticht seine Geliebte und verbrennt die zerstückelte Leiche. Er wird verhaftet und gesteht. Kein Zweifel: er war auch der Mörder Giordanis. Er selbst hatte es zugestanden. Nach dem Mord hatte er bei dem Priester einer kleinen Stadt in der Gegend Schutz gesucht. Während seiner Fahrt dorthin hatte er in der Eisenbahn alles erzählt. Sein Signalement stimmte genau mit der von mehreren Zeugen gegebenen Beschreibung deS Mörders Giordanis überein. Dieser Verbrecher, den ich nur mit dem Anfangsbuchstaben seines Namens R. bezeichnen kann, da ich seines wirklichen NamenS nicht sicher bin, war nicht ein gewöhnlicher Verbrecher, sondern bereits mehrmals rückfällig und ein Lockspitzel, denen sich die Polizei bereits früher bedient hatte, um Zwischenfälle in roien Versammlungen herbeizuführen und andere ähnliche Aus- träge durchzuführen. Die Sozialisten in Bologna verlangten daher unverzüglich eine weitere Untersuchung und 3t. wurde als Mörder Giordanis vor das Geschworenengericht gestellt. Man konnte unter anderem feststellen, daß die Polizei R. unmittelbar nach der Ermordung Giordanis beim Ver- lassen des Gemeindehauses verhaftet, ihn aber nach wenigen Stunden sreigelaffen und nicht mehr beunruhigt hatte, ob- wohl sie sowohl seine Erzählungen in der Eisenbahn als auch seinen Autenthalt bei dem Pfarrer kannte, der wäh- rend einiger Tage dem Mörder gezwungenermaßen Asyl gewährte. Bor dem Schivurgericht traten als Entlastungszeugen ausschließlich Polizeibeamte aus, die alles taten, um den Mörder Givrdinas freizubekommen. Da die Verhandlung sich in einer Amosphäre der Entspannung abspielte, in der eö wiederholt zu Szene» allgemeiner Rührung kam. ent- schieden sich die Geschworenen dahin, dast der Mörder GiodaniS nicht festgestellt sei. um so mehr als R wegen der Ermordung seiner Geliebten bereits zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt war. Dennoch liest der Proze« keinen Zweifel bestehen, kaum selbst bei der Witwe der Ermordeten, die über erfolgreiche Verteidigung der anderen Angeklagten gerührt ivar. Giordani war von dem Lockspitzel der Polizei ermordet worden. In Bologna weist das heute noch jedes Kind. Auch Mussolini weist es, ebenso ivie noch viele andere Einzel- heiten im Zusammenhang mit der Ermordung Giordanis. Anläßlich des Prozesses um die Ermordung Matteottis. über die Benito Mussolini gleichfalls sehr genau orientiert ist, erfuhr ich persönlich folgendes: Filippo Turati hatte damals von einem Eisenbahner, der aus leicht verständlichen Gründen seinen Namen nicht , angab, aber mitteilte, wie nian mit ihm in Verbindung treten könnte, einen Brief erhalten. Anonyme Briese stieße» bei Turati ans Mißtrauen und so legte er auch diesen beiseite, ohne sich um ihn zu kümmern. Einige Zeit später konnte ich ihn lesen. Es ivar zu spät, um die darin enthaltenen An- gaben zu benüyen. Abel seinen Inhalt habe ich nie ver- gessen. Es ivar die ausführliche Darstellung der geheimen Beratung, die Mussolini in Bologna abhielt, um die blutigen Tage von 1020 vorzubereiten, darnnter auch einen Alt, der geeignet wäre, die öffentliche Meinung gegen die Roten zur Empörung zn bringen. Die Ermordung Giordanis kann keinen anderen Sinn gehabt haben als diesen. Turati hatte geglaubt, daß es sich um die Darstellung eines Narren handle. Ich hingegen hielt stets daran fest, daß der Brief die Wahrheit sagte. Zudem konnte man seither in Erfahrung bringen, dast noch zahlreiche andere Lockspitzel bei den Ereignissen in Bologna mitgewirkt hatten. Giordani ivar also das Opfer eines Mörders, den man als Faschist bezeichnen kann, selbst wenn die Faschisten„offiziell" bei den Ereignissen in Bologna 1920 nicht mitgewirkt haben, die von den Großgrundbesitzern und den Nationalisten mit der Helsershelferschast der Regierung des Faschistensrenndes Giolitti vorbereitet und provoziert ivorden waren. Und am Grunde des Verbrechens ist die Hand Mussolinis zn finden. Für diejenigen, die ihn näher kennen, ist es nicht über- rajchend. daß er, im letzten Grunde der Verantwortliche der Bluttage in Wien, verlangt hat, daß an die Stelle des Namens Matteotti der eines anderen seiner Opfer trete, daS er auf da? Schnldkonto der Sozialisten setzen will. Wie muß er gelacht haben, als er vorschrieb, der Matteottihof sollte künftig Giordanihos heißen. Aber wenn auch der Name geändert ist, so erkennt man doch auf der Stirnwand des Wiener Gebäudes das gleiche Urteil über die saschisti- jchen Verbrecher, die sich des Abschaums der Menschheit bedienen. Deutsche Stimmen•(Beilage zur„Deutschen&weifkeit"• Ereignisse und Geschichten IfllijllilillBlllillB Mittwoch, dan 14. M»rz 1934 M UMUT^MlNllL Jiuhm um JÜeß&aud -Die(Koc&t V)esset-Jjidustciz Wirklich: wenn man die Nazipresse liest, gerät man mitunter in Versuchung, Wilhelm den Zwoten um Entschuldigung zu bitten. Man hat den Ordensfimmel dieses theatralischen Monarchen bespöttelt, man hat die unter seinem Regiment grassierende Sucht nach Titeln und Auszeichnungen verlacht, der Wilhelm wacker Vorschub leistete. Aber gegen Hitler war Wilhelm doch ein Waisenknabe, was öffentliche Ehrungen anbetrifft. Unter ihm mußte ein Beamter immerhin seine fünfundzwanzig Jahre redlich abdienen, ehe er ,.Rat" wurde oder einen PLiepmag vierter Güte ins Knopfloch geheftet bekam. Die Hitler-Gesellschaft regiert gerade ein Jahr und hat schon dem Kleinsten in ihren Reihen mehr Auszeichnungen verliehen, als etwa Bismarck, Moltke und Roon zusammen im ganzen Leben aufzuweisen hatten! Kein Tag vergeht, ohne daß nicht einer von ihnen Ehren- ■ bürger wird. So prangt z. B. der preußische Justizminister K e r r 1, ein dummer August, über den man noch kurz vor Etablierung des„dritten Reiches" in seiner Vaterstadt Peine die saftigsten Geschichten hören konnte, jetzt als Ehrenbürger der Nachbarstadt Hildesheim in der Zeitung. Ganze Spalten des„Völkischen Beobachters" sind gefüllt, weil irgendein brauner Bonze gerade seinen 33., ein anderer seinen 28. Geburtstag feiert. Am tollsten ist es mit denen, deren„Unsterblichkeit" parteiamtlich festgestellt ist. Ueber den in den Freiheitskriegen gefallenen Theodor Körner, der immerhin ein Dichter von einigem Rang und freiwilliger Lützower Jäger war, ist nicht halb soviel hergemacht worden wie über jenen zweifelhaften Horst Wessel, dessen„geistige" Leistungen ein paar stümperhaft gereimte Nachdichtungen sind, und dessen„Märtyrertum" darin besteht, daß er ein Opfer der dunklen Kreise wurde, in denen er verkehrte. Die Bücher, Dramen und' Gesänge, die auf seinen Namen gehen, sind Legion, aber sie genügen anscheinend nicht, um diesen „Helden" der Volksseele nahezubringen. Schon kündet der betriebsame Verlag FranzEher, der das Bombengeschäft mit Hitlers„Mein Kampf" gemacht hat, gleich zwei Neuerscheinungen„zum Todestag des deutschet» Freiheitshelden" an: Horst Wessel in Bild mit ISO(!!!) Kupfertiefdruckbildern (wie oft hat der im Alter von 24 Jahren Gestorbene sich danach wohl fotografieren lassen?!), außerdem ein von Jngeborg Wessel, der Schwester, geschriebenes Buch:„M e i n Bruder Hors t". Horst Wessel ist danach eine Industrie geworden, einträglich für viele, einschließlich seine nächste Verwandtschaft. Doch warum sollen sie sich ausschließen vom Zug der Zeit, der dahin geht, die rechtzeitige Begeisterung für Hitler nun in wirtschaftliche Vorteile umzusetzen?— Nein, wir denken an etwas anderes: Jahrzehnte hat es gedauert, ehe dem toten Schiller sein erster Biograf erstand. Heinrich von Kleist zählte fast ein Vierteljahrhundert nach seinem Tode zu den Vergessenen, ehe er für die deutsche Oeffentlich- keit wieder entdeckt wurde. Hans von Marees, der bedeutendste deutsche Maler des 20. Jahrhunderts, war bei seinem Tode nur einem ganz kleinen Kreise bekannt und fand erst zwanzig Jahre später einen Biografen. Von Robert Mayer, dem genialen Entdecker physikalischer Grundgesetze wußte jahrzehntelang kein Mensch etwas, die umwälzenden Entdeckungen, die Mayer in den Jahren 1842 bis 1851 machte, blieben bis 1862 verschollen, erst kurz vor seinem Tode begann Mayer berühmt zu werden. So sieht das Schicksal wirkliche r Leiitung, wirk- lichenGenies aus. Ein 24jähriger unreifer Jüngling aber, dessen ganze Leistung ein paar Saalschlachten und ein paar Holperverse sind, steigt empor auf Fittichen des Ruhmes, sein inhalt- und bedeutungsloses Leben wird erforscht bis in die kleinsten Winkel, jede Belanglosigkeit dieses Daseins wird auf Seiten und aber Seiten Druckerschwärze festgehalten, am laufenden Band entsteht eine Horst-Wessel- Forschung, eine Horst-Wessel-Literatur, alles skrupellos zurechtgefälscht und zurechtgebogen durch das Göbbelssche Propagandasystem! Zeichen des geistigen Tiefstandes einer Zeit und eines Systems! „3 m ihcm QefüMen ecCelzt" Ttlein£eipziq£o&' ich mit „Salander" schreibt in der Basler„National-Zeitung": Eine Berliner Zeitung berichtet, daß der Hauptausschuß der Leipziger Stadtverordneten die Einleitung des Dienstentlassungsverfahrens gegen den Oberstudiendirektor Dr. Rehrends und gegen die Lehrerin Fräulein V ö r w e r k beschlossen habe wegen einer Handlungsweise, die im neuen Staat„unter gar keinen Umständen mehr geduldet werden könne". Worin bestand die staatsbedrohende Handlungsweise? Sie bestand in folgendem: In der Mädchenschule, an der die beiden Lehrkräfte angestellt waren, sollten Gedichte nach freier Wahl aufgesagt werden. Eine Schülerin wählte dazu ein rassenstrammes Gedicht des verstorbenen Dietrich Eckart, dem die deutsche Literatur bekanntlich die Prägung der eindrucksamen kategorischen Imperative„Deutschland erwache" und„Juda verrecke" verdankt. * Die Lehrerin Vorwerk hat nun die Deklamation des Haßgedichts aus der Eckartschen Leier untersagt, und zwar, es ist kaum zu glauben, weil sie befürchtete, zwei nicht voll- arische Schülerinnen der Klasse könnten dadurch in ihren Gefühlen verletzt werden Daraufhin beschwerte sich der Vater des poesievollen Mädchens, das nun um die Freude, seinen Lieblingsdichter zu Gehör zu bringen, gekommen war, bei der Schulleitung. Was aber tat der Oberstudiendirektor Behrends?„Er hat' versucht, das Verhalten der Lehrerin zu rechtfertigen, und sich gleichsam mit ihr solidarisch erklärt." Höchste Zeit, daß solche zerstörerischen Lehrkräfte vom Einfluß auf die Jugend ferngehalten werden. Was würde sonst aus Leipzig werden, wo zwar zur gegenwärtigen Messe nichtarische Besucher mit der Versicherung des freundlichen Empfangs geradezu herzlich eingeladen werden, aber Rücksichten auf Kindergemüter eben doch immerhin eine Staatsbedrohung zu bedeuten scheinen? • Ich erwähne die bezeichnende Geschichte nicht deshalb, weil sie ein so erschütterndes Bild von den herrschenden Grundsätzen und Auffassungen gibt, nebenbei auch von dem, was sich bei den schwächsten und hilflosesten Geschöpfen der verfemten Rasse an Gefühlstragödien abspielen mag. Wir sind darüber leider gut unterrichtet. Aber ich finde es tiöstlich, daß es mitten in dieser Atmosphäre noch solche aufrechte und anständige Menschen gibt wie diese beiden tapferen wirklichen Erzieher. Das wahrhaft heldische Deutschland lebt also doch noch, auch wenn seine Träger gegenwärtig aus dem Dienst entlassen sind. Sie möchten, geneigter Leser, wissen, wie die Leipziger Schule heißt, an der die Geschichte passiert ist? Natürlich: Goethe-Schule! Miiitäcmusih Paul Mathes war kriegsblind. 1918, wenige Tage vor dem Waffenstillstand, nahm eine Granate ihm das Licht der Augen und verkrüppelte ihm den rechten Arm. An ein Arbeiten war nicht zu denken. Mit wenigen Franken Rente fristete er mit den Seinigen das Leben. Paul saß in seiner armseligen Stube und hörte sich die Vorführungen des Radios an. Es war sein einziges Vergnügen in seinem dunklen Dasein. Mitleidige Menschen hatten ihm die Anlage gelegt. Er wartete, den Kopf in die Hände gestützt, auf die nächste Vorführung. Da vernahm er die Stimme des Ansagers: Achtung, wir beginnen jetzt mit unserem Militärkonzert und spielen als erstes den Parademarsch des ehemaligen Infanterie-Reg. 181. In seinen Stuhl zurückgelehnt lauschte er der Musik, ein Marsch folgte dem andern. Da ist er denn wieder sehend geworden. Aus dem Dunkel seiner Umgebung heraus sieht er bei den Klängen der verschiedenen Parademärsche die ehemaligen Angehörigen der Regimenter als Kinder harmlos mit Bleisoldaten spielen. Mit ihren kleinen Kanonen schießen sie nach dem Spielzeug, jubeln, wenn ein Schuß getroffen hat und der Bleisoldat fällt. Mit Papierhelmen, Holzsäbeln.und Kindergewehren ziehen sie durch die Straßen und spielen Soldaten und Krieg.— Dort kommen junge, kräftige Männer von der Musterung singend und lachend daher. Sie sind glücklich, daß man sie zum Militär genommen. Und nun ein Regiment in Feldgrau. Geschmückt mit Blumen sind Helm und Gewehr. Begleitet von Vater, Mutter, Frau und Kindern marschieren sie unter den Klängen ihres Parademarsches zum Bahnhof, um nach der Front verladen zu werden. Pause.— Paul dachte nach. Was zog denn soeben an ihm vorüber? Sein Leben! Gab es denn als Kind etwas schöneres für ihn als Soldaten spielen? Und dann, als er sich stellen mußte, wie hatte er sich da gefreut, daß er angenommen wurde. Als der Krieg ausbrach, zog er mit Begeisterung ins Feld, um sein Vaterland zu verteidigen. Doch nur zu bald kam die Ernüchterung. Er erkannte, daß er das Werkzeug anderer war und heute kommt ihm zum Bewußtsein, daß seine Erziehung schuld an dieser Kriegsbegeisterung war.— Er, der einst leuchtenden Auges durch die Welt gegangen mit Zukunftsplänen im Kopf, ist jetzt auf seinen Wegen auf die Hilfe eines Hundes angewiesen. • Wieder vernimmt er die Stimme des Ansagers:„Als nächstes hören Sie den Marsch„Alte Kameraden". Wieder sieht Paul sie vorbeimarschieren. Zerrissen, dreckig, zerfetzt kommen sie vorbei. Ein unübersehbarer Zug nähert sich. Skelette, eingehüllt in feldgraue Fetzen, mit zerrissenen Schuhen, den Stahlhelm auf dem kahlen Schädel, ziehen vorüber. Es ist der Zug der „auf dem Felde der Ehre" Gefallenen. Es kommen die Kranken und Siechen.—- Hunderttausende Kindey und Frauen, unterernährt, kraftlos. Dann ein endloser Zug trauernder, weinender Mütter, Kinder, Bräute. Doch— was ist das? Einige hundert Luxus- automobile beenden den Zug. Die Insassen mit zufriedenen, lachenden Gesichtern. Die Frauen sind nach der neuesten Mode gekleidet, gepudert, geschminkt und behangen mit Geschmeide. Sind das auch Trauernde? Nein! Kriegsgewinnler! Dieselben, die während des Krieges dem Volke vormarschierten. Allerdings nicht an der Front, sondern durch Zeitungsartikel und großes Mundwerk. Die, die vom„Dank des Vaterlandes" sprachen. Aber Hunderttausende mußten ihr Leben zur Anschaffung dieser Automobile für diese fettglänzenden Gesichter lassen. Da spricht der Ansager und weckt Paul aus seinen Träumen. Ei sagt:„Zum Schlüsse hören Sie:„Deutschland, Deutschland über alles!" Da reißt Paul sich die Hörer vom Kopf und schreit in die Finsternis ein Wort:„Lügen!". Konrad Franz,- Caveant Consuies! An die Minister des Westens Wie lang noch streut ihr Worte in den Wind und sä-t„Versöhnung" auf verstockte Felsen? Ihr tut, als wüßtet ihr nicht, wer sie sind— und habt schon ihre Krallen an den Hälsen!— Ihr zittert vor dem„Krieg", nein, vor dem Wort— und glaubt den„Frieden" mit Glaces zu fördern.»» Indes trainieren sie den Völkermord: Chemie, Bazillen! Heil den Fliegermördern! Kein Schrift und Siegel und kein Menschenrecht das sie nicht höhnend tausendmal geschändet! Ihr aber klügelt, wie ihr„gleiches Recht" auf die vertierte braune Horde wendet! Worauf denn wartet ihr? Auf Attilas geheimen Wink zum Ausbruch eines Brandes? Wascht nur die Hand in Unschuld! Das— ja, das!— ist schon der Untergang des Abendlandes! Hans Mühlestein. T)ez!Becguec=3uCiH Ein Einspruch des englischen Botschafters Aus London wird berichtet, daß der Bergnerfilm„Katharina von Rußland" im Anschluß an den Berliner Skandal von dem Präsidenten der Reichskulturkammer verboten worden ist, nachdem er vor der Premiere selbstverständlich die Zensur passieren mußte und unbeanstandet durchgelassen worden war. Die Herstellerfirma des Films hat beim englischen Botschafter in Berlin gegen das Verbot interveniert. Sie hat erklärt, daß die randalierenden Elemente in keiner Weise die Meinung des großen Publikums vertreten haben. Als Beweis führt sie an, daß bereits eine Stunde nach der Eröffnung des Vorverkaufs sämtliche Plätze für die Dauer einer Woche ausverkauft waren. Es wird als möglich angesehen, daß der englische Botschafter in Berlin gegen das-Verbot des Films offiziell protestieren wird. Siqnate aus cKoClaitd Unser Amsterdamer Kunstberichterstatter meldet uns: Ende Februar veranstaltete die Wagnervereini« gung von Amsterdam eine Reihe von Opernvorstellungen, die BrunoWalter dirigierte. In der letzten dieser Vorstellungen— Mozarts„Entführung aus dem Serail"— sollte u. a. der deutsche Tenor Julius Patzak auftreten — im letzten Augenblick sagte er aber ab. Da holländische Zeitungen diese plötzliche Absage darauf zurückführten, daß Julius Patzak einen Wink von oben bekommen habe, unter Bruno Walter nicht aufzutreten, schickte Patzak ein ärztliches Attest, daß er ernstlich an einer Stimmbandentzündung leide. Er hatte nicht damit gerechnet, daß ihm die Amsterdamer auf den Mund sähen. Und so liest man jetzt in holländischen Zeitungen, daß man in Amsterdam sehr darüber entrüstet ist, daß Patzak, dem von einem Arzt des„dritten Reiches" schwere Erkrankung attestiert worden war, unmittelbar nach der Absage in einem deutschen Rundfunkkonzert mitgewirkt hat, das von drei deutschen Sendern übertragen wurde. • Fritz Busch, der eine Reihe von sechs Konzerten des „Concertgebouw-orkest" in verschiedenen Städten Hollands dirigieren soll, ist, aus London kommend, zu den Proben in Amsterdam eingetroffen. * Großes Aufsehen hat die Enthüllung der sozialdemokratischen Zeitung„Het Volk" hervorgerufen, daß die Administration des Amsterdamer Concertgebouw 800 Freibilletts für ein Opernkonzert an die faschistische Partei Musserts ausgegeben hat. Der wethouder voor de Kunstzaken von Amsterdam hat eine strenge Untersuchung angeordnet. * Für den holländischen„Bond van Arbeiderszangvereeni- gingen" hat Jan W. Jacobs einen„Vierzigstundenmarseh" geschrieben, den Otto W. de Nobel in Musik gesetzt hat. Der Bund hat außerdem eine Reihe von Kinderliedern des deutschen Komponisten Hans Krieg in sein Repertoire aufgenommen, die Jan W. Jacobs ins Holländische übersetzt hat. ZeU=7latlzen Lügen gestraft Hitler und Frick, die den Anteil von Juden^.eien Berufen bis zu 70 Prozent öffentlich behauptet haben, werden von einer Statistik des Aufklärungsamtes für Bevölkerungspolitik und Rassenpflege Lügen gestraft. Danach stellt sich der Anteil der Juden in der Wirtschaftsabteilung „Oeffentliche Verwaltung, Kirche und freie Berufe" auf 5,94 Prozent. Er liegt nur 1,09 Prozent über dem Anteil der Gesamtbevölkerung. Eine neue Universität in Rykowo Eine Universität für Metallarbeiter wurde im Lenin- Kulturpalast im Rykowo(Ukraine) eröffnet. In dieser Universität werden zwölfmal monatlich Klassen für 200 Arbeiter eingerichtet. Der Unterrichtsstoff enthält Fächer über Industrie, Landwirtschaft, Medizin usw. Aus dem Nachlaß Wassermanns Im Nachlaß des verstorbenen Dichters Jakob Wassermann hat sich ein unveröffentlichtes Manuskript vorgefunden, in deip„Der Fall Mauritius" für die Bühne bearbeitet worden ist. Neues Kaiserdenkmal Der Senat von Lübeck bat die Errichtung eines Denkmals zu Ehren des Ex-Kaisers beschlossen, dessen Grundstein bereits vor 30 Jahren gelegt wurde,- Das rote London Programm der Arbeiterpartei London, 12. März. Die neue sozialistische Mehrheit im Londoner Gemeinbcrat Läßt über ihren Sieg kein Gras wachsen. Herbert Mor- r i s o n, der Leiter der Ratsfraktton, war Ende der Woche bereits auf dem Rathause, um sein neues Programm dort vorzutragen. Das wichtigste Problem ist der Wohnungsbau und das Aus- röumen.mit den Elendsvierteln. Es sind mindestens 100 000 veue Wohnungen notwendig. Die sozialistische Fraktion wird mit weitgehenden Plänen auswarten, um diesen Bedürfnissen gerecht zu werden. Die von der Rechten zu erwartende Ob- struktion gegen derartige Maßnahmen wird die sozialistische Mehrheit mit allen denkbaren Mitteln verhindern. Große Aufmerksamkeit wird auch der Einrichtung von Krankenhäu- fern und der Reorganisation der Armcnkürsorge gewidmet sein. Daneben soll dann noch in erster Linie das Unterrichts- wesen für Arbeiterkinder verbessert werden. Morrison erklärte unserem Vertreter, baß man großzügig wirtschaften wolle, aber keinen Groschen verkehrt ausgeben werde. Frauentag in Sowjeirnßland iTeschnischer Grundunterricht Moskau, g. Mär». lFSNI In der ganzen Sowjetunion wurde der 19, Internationale Frauentag<8. März) feierlich begangen! Er stand diesmal im Zeichen der Arbeit der Frauen in der Industrie, im Kampfe»m bessere Waren- aualitat und die richtige Ausnutzung der vorhandenen Maschinen. DaS Zentralexekutivkomttee der Sowjetunion hatte beschlossen, daß an diesem Tage besondere Maßnahmen getroffen werden sollen, um aktiv arbeitende Frauen zu verantwortlicher Arbeit in den Sowjets, den Genossen- schatten, den gesellschaftlichen Organisationen und den Be- .trieben heranzuziehen. Das Volkskommissariat für Schwer- Industrie Hai seinerseits eine Anweisung herausgegeben, nach der alle Frauen, die im Betriebe arbeiten, im Lautt des IahreS technischen Gr und Unterricht erhalten sollen. Weiterhin wird die Zahl der Schülerinnen in den Fabrikschulen aus mindestens 25 Prozent, in den technischen Mittelschulen aus 25—8» Prozent und in den technischen Hoch- -schulen aus 20—25 Prozent festgesetzt. In allen Betrieben werden zum internationalen Frauentag:dk besten Stoßarbeiterinnen prämiiert werden. Zur Teilnahme an den Kundgebirngen ist in Moskau eine von den„Freunden der Sowjetunion" organisierte tnter» nationale Delegation von 70 brauen aus allen Ländern Europas eingetroklen. Unter den von den größten Betrieben ihres Landes gewählten Franendelcaierten befinden sich 12 Französinnen. 7 Engländerinnen. 0 Deutsche, vorwiegend Industriearbeiterinnen der verschiedensten politischen Richtung. Sie werden antchließend an die Feierlichkeiten in MoS- kau eine einmonatige Rette durch die Sowjetunion unter- nehmen, während der ste ssch mit der Lage der arbeitenden Frau im zweiten Fünfjahrplan bekanntmachen werden. ChamlHTlain fragt Deutschland Dimifroff ..'iw»Jj. *ih(C! vm:tW Zivilisation gegen Barbarentum London, 12. März'Bürgerrechten ins Gesicht schlägt. Ich frage Deutschland: Wie kann es er- warten, einen gewissen Standard in der Schätzung der Nationen zu erlangen, wenn es innerhalb seiner eigenen Grenzen Menschen in Fesseln schlägt und die Nachkommen des allen JSrael in Gefangenschaft schmachten läßt. Ich appelliere an Deutschland nicht allein im Interesse der Juden, sondern in seinem eigenen wohlverstandenen Inter- esse, von seiner Politik der Tevossedicrung und Hinaus- drängung der Juden zu lassen. Ahmt Deutschland daS Bei- spiel des historischen Spanien nach und drängt die Juden aus seine» Grenzen, so wird es ebenso verarmen, wie Spa- nicn nach der Austreibung der Juden verarmte. Wir, die Nationen der Welt, würden Deutschland in seinen Forde- rungen nach Gleichberechtigung gern entgegenkommen, aber wie ist es möglich, mit einem Lande gleich zu gleich z» sprechen, welches seine eigenen Bürger nicht duldet und ver- drängt? Zum Schluß appellierte Austen Ehambcrlain an die Juden, nicht den Mut zu verlieren, und schloß mit dem leidenschaftlichen Ruf:„Tie Besten in der Welt stehen auf Ihrer Seite und wollen Ihre Sache verfechten!" James de Rothschild führte in seiner Ansprache auö: Ans Grund einer vagen Rassethcorie tat Teutschland seine Juden in Acht und Bann und nahm ihnen die Gleichbcrech- tignng. Kaum einer ist unter uns, der nicht Freunde oder Verwandte in Teutschland hat, um die er bangt und um deren Schicksal sein Herz blutet. Viele jüdische Familien in Deutschland, die seit Jahrhunderten mit Deutschlands Erde sich verbunden fühlen, ziehen dem Exil den Freitod vor. Di« alte Generation ist ohne Hoffnung. Die Tore aller Länder» mir Ausnahme Palästinas, sind ihr verschlossen. Ich fürchte, daß der Exodus der Juden ans Deutschland noch sehr lange andauern wird. Es muß sür die Ausgewanderten eine Zu- sluchtsstätle>» Palästina gefunden werden. Die? ist durch- ans möglich, wenn auch Palästina klein ist Man denke an Manhattan und Middlesex, wo auf einem kleinen Terri- torium eine riesige Bevölkerung lebt: vor 40 Iahren noch hätte man dies nicht für möglich gehalten. Die europäischen Staaten sind an der Scßhattmachung der Juden in Palästina interessiert. England besonders, da ein Viertel der gesamten Juden- hcit der Welt in englisch sprechenden Ländern lebt. Di« Schassung deS Jüdischen Nationalbeims in Palästina wird das jüdische Volk auch außerhalb Palästinas in eine Lage bringen, daß es den gleichen Status wie andere Völker einnimmt. Sir Herbert Samuel erklärte: Die jüdische Arbeii in Palästina ist beispielhaft für den jüdischen Idealismus. Sogar in der heutigen material'stisch denkenden Zeit kann sich i>aS jüdische Volk nicht zu einer Maierialislerung seiner Ideale bequemest. Mau hört, daß in Liverpool. Washington und Newuork große Kaihedralen errichtet werben: in Palästina aber wird jetzt ein HauS Gottes erbaut, daS nicht aus Stein gemacht ist. sondern aus menschlichem Blut und menschlichem Leben: und die Opfer werden gern gebracht. Bisco» ntEecil osChelwood brachte einen Trink- sprnch aus das Jüdische Natwnalhcim aus und sagte, er empfinde stark und lies die Tragik der südlichen Siiuativn: ein Volk mit einer, ruhmvollen Geschichte und hohen Kultur streikt heimatlos durch die Länder. Tie jüdisch« Begeisterung für und die Hoffnung aus das Nationalhelm in Palästin« sind gut zu verstehen. Tie Ereignisse im heutigen jüdischen Leben verstärken den jüdischen Anspruch. Hätten die Juden schon heute ein Nattonalhetm mit einer eigenen Regierung, sie würden geschützt sein, denn diese Regierung hätte ihr« Inte- rcssen gewahrt. Für die deutkch-iüdHckcn Flüchtlinge, deren Zahl vermutlich noch wachsen wird, ist Palästina die einzige Hoffnung und Hilfe. Iostah Wedgwood erklärte. Lord Balfour habe, als er seine Deklaration über Schaffung des jüdischen National- he'MS an Baron Rothschild richtete, das Unrecht da« die Alte Welt an den Juden begangen hat, wieder gutmachen wollen. Holland zum Asylrecht ,(FSH).— Die drei ans den deullchen Gelängnissen srei- gelassenen Bulgaren Dtmitroff. Poposs und Tanett erhalten täglich Einladungen von Betrieben. Städten und Kollektiv- wirtschatten, die ihnen ihre Gastfreundschaft anbieten. Es ist jedoch anzunehmen, daß die drei Kommunisten diese Ein- 'ladungen nicht annehmen und ssch wegen ihrer durch den monatelangen GesängniSaiifenthalt angegriffesten Gesund- hcitszustand einer längeren Kur unterziehen werden Abnahme der Emigranten Auch in der Tschechoslowakei Die Zahl der reichsdeutschcn Emigranten in der Tschecho- slowakei nimmt zusehends ab. Betrug ihre Zahl im Juli v. I. noch 4000, so ist sie gegenwärtig aus nicht mehr als 1000 in der gesamten Republik zusammengeschmolzen. Davon werden etwa 600 unterstützt. Die Abwanderung der Emi- grantcn ist vornehmlich nach Palästina, aber auch nach Frankreich, Spanien und England erfolgt. SO bis 60 Emigranten, hauptsächlich Techniker, wurden von Ruß- land aufgenommen. Für die Unterbringung des Restes wer- den konstruktive Maßnahmen ergriffen werden. Durch die Vermittlung eines tn London gebildeten Informationsbüro? sollen insbesondere Facharbeiter nach Südamerika geschafft ^ werden. Der FlüchklingSkommissar in Lausanne hat die Patronanz über alle Sammlungen für die Emigranten über- nommcn. Untersuchung der Hiflergreuel Internationaler Juristen-Ausschuß Die französische Sektion des Hilfskomitees für die Opfer ^des Hitlerfaschismus trat Freitag den 9. März, zu einer Sitzung zusammen, in der ein Bericht der Sekretäre übe-r die Tätigkeit des Komitees im vergangenen Jahre entgegen- genommen wurde. Die Sitzung, die unter dem Vorsitz des Professors P r e», a n t lTorbonnes stattfand, hörte einen Be- richt de? Abgeordneten Ggston Bergern über den Lon- doner Gcgenprozeß. Der.Vertreter der katholischen Pazifisten Berenger lcklng dlne SolldarttälSaktion issr die verfolgte deutsche Geistlichkeit vor. Frau Professor Lahy-Holle- becque schlug als Vorsitzende des internationalen Unter- suchungsausichusscs der Greücl in Hitler-Deutschland eine .Delegation aus mehreren Aerztcn. Juristen und Schrift- stellern zur Aufklärung der in letzter Zeit erfolgten Terror- akte vor. Jean Langer in, der bekannte Pbmiker. wies ans die Notwendigkeit hin, die kommenden politischen Pro- zessc des deutschen Faschismus, und besonders den P^zeß gegen Tbälmann, einer schärte» Kontrolle durch die Welt- vssentlichkeit zu unterziehen.. Auf Borschlag des internationalen Komitees, einen Unter- . fuchungsausichuß well bekannt er Juristen lllr^«-Aufklärung der Verfolgungen und Morde«»^^ntichen«»tifaschssten nächsten? in»afHuatw cinanb«« trn?.OomHe« «eorge- P?och° Bernard ach«, f* /n*i et»* n v m ff 11 6 W C vCtlt Je?» D^a lfaeed«? Maler Paul Sig na« und dem Biologen Jean Painleve. Der Fall Liepmann W. Ä. Kramers schreibt u. a. in„D e G r o e n e A m st e r d a m m e r": „Die Konsequen'en aus diesem Fall sind bedrückend für jeden, der das freie Wort als eines der schönsten Güter des Gemeinschaftslebens ansteht. Lassen wir uns nun daran ge- wöhnen, daß es mit der Pressefreiheit aus ist! Eigentlich ist der Name doch immer schon Betrug gewesen. Der Fall Licp- mann ist außerdem die Aenßerung einer noch viel seigeren Fur^» als der vor der Ueberrebungskratt des Gegners. Hier kam bei dem Ankläger eine geistige Beschränktheit an den Tag, die einen völligen Mangel an titerarischen Unterschci- dungsvermögen zeigte, gleichzeitig aber Furcht vor der Rache eines„befreundeten Staatsoberhauptes", die sür einen Soldaten, selbst wenn es ein abgedankter ist, und für einen aus- rechten Holländer sehr feige ist und von Kriecherei zeugt, der auch der kleinste Hauch von Nationalbewußtsein fehlt." Die über die Grenze gesetzten Deutschen Wir entnehmen aus der Rubrik„Hier in Holland" der „Haag scheu Post": „Was wir in unserer vorigen Nummer a» dieser Stelle über die vier über die deutsch« Grenze gesetzten Fremden schrieben, hat uns folgendes Schreiben von einem Juristen eingebracht: In der H. P. wurde in der vorigen Woche unter„Hier in Holland" Kritik ausgeübt aus die Handlungsweise des Bürgermeisters von Laren, der die vier dort festgehaltenen deutschen Sozialisten über dtö deutsche Grenze setzen ließ. Wo der Schreiber sich abfragt, ob man hier nicht juristisch und gleich- zeitig human hätte handeln können, möchte ich anmerken, daß es für mich noch die Frage ist, ob man ivohl hier Juristisch richtig gehandelt hat. Das Fremdengesetz von>849 bestimmt tn Artikel 11, erster Absatz:„Der Fremde, der sür die öffentliche Ruhe gefährlich ist, kann auf unseren Befehl über die Grenze gesetzt werden." Vierter Absatz:„Er wirb nach Möglichkeit über die Grenze gefetzt, die er selbst angibt." Die Worte„nach Möglichkeit" bieten in diesem Fall, wo doch andere Leute aus dieser Gesellschaft über die belgische Grenze gesetzt worden sind, keine Schwierigkeiten... Das Gesetz vom 17. Juni 1918 enthält spczialcre Maß- regeln hinsichtlich der auasnbltckltchen Aussonderung«- zustände. Das Gesetz ist noch nicht widerrufen. Dieses Ge- setz spricht nur von der Möglichkeit. Fremden, die für die öffentliche Ordnung, Sicherhett. Gesundheit und Sittlichkeit als gefährlich erachtet werben.... einen gewissen Auient- haltsort innerhalb des Reiches in Europa anzuweisen und sie borthin überführen zu lassen oder aber ihnen den Ans- enthalt an gewissen Prien des Reiches zu untersagen und sie davon fern zu halten. Ein Gesetzesentwurf von 1919 zur Er- gänzuilg dieses Gesetzes mit einer Bestimmung, die unverzügliche Entfernung über die Grenze ermögliche» sollte, ist liege» geblieben. Wie unwesentlich auch in der Praxis die Bedeutung dieser Gesetze'sein mag. aus dem oben Beschriebenen ergibt ssch m. E zur Geuügc. daß ein anderes Auttreten dieses Bürger- m'eisters juristisch nicht weniger zu verantworten gewesen ''Ter Schreiber der Rubrik:„Hier in Holland" fügt noch "ouj'r legen den verantwortlichen Instanzen gerne die -Meinung dieses Einsenders, vor. Nichts wäre uns lieber, als daß die lehr unsnmpathische Haltung des Bürgermeisters von Laren nicht nur als unmenschlich, sondern auch als jurl- stisch'unverantwortlich befunden würde." Womit deutsche Kinder spielen In einem Artikel der„H a a g s ch e n P o st":„Für die H. P. auf Reisen in Nazsland", lesen wir u. a. folgendes: „Ein Mensch, ein deutscher Mensch vor allem, muß doch etwas haben zum Spielen. Denn ist der Mensch eigentlich so viel mehr als ein Kind? Und ist umgekehrt das Kind denn etwas so grundsätzlich anderes als ein Mensch? Nein, in Deutschland in dieser Hinficht sicher nicht. Denn auch die Kinder tun mit an der Uniformtragerei— und um genau zu sein, es ist bei ihnen genau so wie bei'den Erwachsenen— ss" müssen daran mittun. DaS bedeutet natürlich nicht im mindesten, daß«8 n'chi sehr viel Große und Kleine gibt, die nicht alles mit großer Hingabe tun, waS man von ihnen ver- langt. Natürlich ist es für die Kinder nicht weniger als für die Großen schon etwas Herrliches, in einer Uniform herum- lausen, die Fersen aneinander schlagen zu dürfen, hintereiner Reihe von Hakenkreuzfahnen zu marschieren, Erwachsenen, Kameraden den deutschen Gruß bieten zu dürfen und Dienst zu tun. Waffen? Nun ja, wenn sie einmal Hitler-Junge sind, dürfen ste auch schon das Messer an der Seite tragen. Und die Kleineren? Nun ja, sie haben alle einmal Geburtstag ober fetern Weihnachten, und in allen Warenhäusern sind für diese Gelegenheiten hölzerne nachgemachte Granaten zu kriegen und Gewehre, die noch nur mit Kügelchen schießen. Es gibt noch mehr solcher„Herrlichkeiten" zum Gebrauch bei den„Uebungen" auf dem Feld. Siedlung jüdischer riBdifllnge In Holland Unter Mitwirkung der holländischen Regierung wird in Kürze das Comite voor biszondere Joodsche Belange» in der Wteringermeerpolder eine jüdische Siedlung errichten. In dieser jüdischen Land- und Gartenbankolonie sollen 300 bis 400 junge deutsche jüdische Flüchtlinge, die nach Palästina oder in ein anderes Land auswandern wollen, unter der An- leitung holländischer Land- und Gartenbausachleute umge- schult werden Für vorläufig zwei Jahre hat die holländische Regierung dem Comite noch zu kultivierenden Grund in Pacht gegeben. Direktor ist der deutsche emigrierte Arzt Lubinsky. Die Kolonisten werden in Baracken untergebracht, an deren Errichtung sich die holländische Regierung eben- falls beteiligt. DaS Zusammenleben soll sich nach Art der palästinensische» Chalutlim(Pioniere) vollziehen. Die Kolonie soll aus sich selbst gestellt werden, d. h. einzelne Kolonisten sollen als Handwerker Bäcker, Schuster, Kleider»,acher usw. ausgebildet werde». Weibliche Kräfte solle» die Küchen und die Haushaltungen versorgen. Die Siedlung soll keinen bleibenden Charakter haben. Di« holländische Regierung hat als ausdrückliche Bedingung ge» stellt, daß die Kolon'sten den holländischen Bewohnern der Wiertngmeerpolder keine Konkurrenz machen. Abonniert die„Beulsdie treiben" rei. rrinne 43-13 M6tro P I o o 11 e Deutsche Poliklinik Paris, OZ, Rue de ta Rochefoucauld a) Allgemeine Konsultationen„u 9 Spezciliran. b) Chirurgie c) Gebnrtahili liehe Klinik J) Zahnärztliches Kabine« Ohren-, Naien- und Kehlkopfknnk. Zweutöckige>|SanjtortnBi>BeMnde. Vierstöckiges Gebäude. Zimmer Zehn, und Mundchirume. Gold- irmie. Elektrotherapie Spetiälbehend- Kleine, mutiere und große Chirur. mit 1 bis 4 Betten. 3 Aerrte,^ Heb- und Porrellankronen.-Brücken. U. Geschlechtskrankheiten ete. 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BERIIUMG KOSTENLOS Pariser Deiidite rausih-Anzeiger Generalmusikmeister Fritz Busch(früher Dresden), der erste„reinarische* 4 deutsche Musiker, den die deutschen Retter, da er sich nicht willenlos gleichschalten ließ, aus dem Amte jagten, hat zusammen mit dem früheren Berliner Intendanten Karl E b e r t die größten Erfolge in Südamerika gehabt. Die Universität E d i n b u r g hat Fritj Busch zum Ehrendoktor ernannt. Der berühmte Musiker, der augenblicklich in Amsterdam weilt, wo er für den erkrankten Mengelberg einige der großen Concertgebouw-Konzerte dirigieren wid, soll Mitte Mai das Privat-Opernhaus, das sich der bekannte englische Kunstmäzen C h r i s t i e auf seinem Landgut Glyndebourne in Sussex geschaffen hat, mit zwei Mozartopern eröffnen. Felix von, Weingartner wird am 17. und 18. März zwei Konzerte des Orchestre Pasdeloup im Theatre des Champs-Elysees dirigieren. Das eine der beiden Programme enthält ausschließlich russische Komponisten(Tschai. kowsky, R.-Korsakoff, Borodine), das zweite wird ein Berlioz- Festkonzert sein als nachträgliche Gedenkfeier des 65. Todestages Berlioz'(gest. 8. März 1869). Enrique Arbos, der Direktor der Madrider Philharmonie, hat zwei Konzerte spanischer Musik in Paris geleitet. Es fanden eine Reihe privater und offizieller Empfänge statt. Pierre Monteux, der im vorläufig letzten Zyklus- konzert des Orchestre Symphonique, de Paris die zweite Symphonie von Brahms zur Aufführung brachte, dirigiert Mitte März die Londoner Königliche Philharmonie. Er bringt ausschließlich französische Werke zur Aufführung. Solist wird Jacques Thibaüd sein. Das Orchestre Symphonique de Paris plant die Einrichtung von Privatkonzerten für junge Komponisten, die auf diese Weise ihre Werke hören sollen, bevor sie einem größeren Publikum vorgeführt werden. Bruno Walter dirigiert, wie angekündigt, am 14., 16. und 19. März Mozarts„D o n Juan" in der Pariser Großen Oper. Für Ende März bereitet die Oper„La Princesse lointaine" von Widor vor. Die Opera Comique brachte das einaktige Intermezzo„Idylle Funambulesque" von Paul Arosa und Robert Planel. Die letzte Oper von Richard Strauß„Arabella" kam in Monte-Carlo zur französischen Erstaufführung. Der berühmte Pianist und Komponist Serge Rachraa n i n o f f gibt am 23. März sein einziges diesjähriges Konzert in der Salle Pleyel. PßlZ088Cll 211 500 uxeniq. g.etcaqeneTJladeCte Gros und Detail zu(haute couturc): aTzueeben B aTinge e Ge- Tages- Abend-. Sportkleider und Pelze w erden firhdftsunkosten. Keine momentan verkauft bei. Jiaaf-OccasUms Schritt,. Anfragen unter SO 958 an Agence Havas,' METZ(Lothringen) Pariser Theaferbrlef („Die Rassen" von Ferdinand Bruckner im„Theatre de TOeuvre") Nachdem die letzten Pariser Theaterwochen fast völlig dem Geschehen der Straße nachgeordnet worden waren, hat das mutige„Theatre de 1 Oeuvre 44 soeben das Rassendrama von Ferdinand Bruckner herausgebracht; unter den bewährten Händen der Uebersetzerin Renee Cave hatte die französiche Fassung des Werkes von der Prägnanz des Originaltextes nichts eingebüßt, so eigenartig den deutschen Zuhörer die fremdsprachige Wiedergabe gerade dieses Textes auch hätte anmuten mögen. Was Inhalt und Form dieses jüngsten Stückes von Bruckner betrifft, so dürfen sie seit der deutschen Uraufführung in Zürich wohl als bekannt gelten. Merkwürdig und charakteristisch ist aber eines: unter dem tiefen Eindruck aktuellen Geschehens geschrieben, vermittelt das Werk heute einen sonderbar zwiespältigen Eindruck. Es ist ein Gemisch aus allzu großer Ereignisnähe und einem unverkennbaren Willen zu Distanzierung und Gestaltung. Trotzdem ich nicht daran zweifle, daß es eine beträchtliche Anzahl von Pariser Aufführungen erleben wird, liefert es jedoch in seinem heutigen Stadium für ein französisches Publikum weder den Reiz der Sensation noch die Erhebung eines Dichterwerkes. Wenn ein gewisser H rbert Ihering sich noch mit jenen Dingen der Bühne beschäftigte, die im Nazilande verpönt sind, so wäre der Fall der„Rassen" von Ferdinand Bruckner für den ehemaligen Wortführer des„Zeittheaters" gewiß ein ganz lehrreiches Beispiel für die Hinfälligkeit der eigenen Theorie. Die Aufführung der„Rassen" in Paris stand unter der Leitung von Raymond Rouleau, der vor einigen Jahren mit einer erfolgreichen Wiedergabe von„Krankheit der Jugend" in Paris debütiert hatte. War„Krankheit der Jugend" eine imponierende Ensembleleistung gewesen, durch die sich eine Handvoll aus Brüssel kommender junger Künstler den Pariser Boden zu erobern suchte, so erweist sich der inzwischen arrivierte Rouleau als Regisseur von guten Durchschnittsqualitäten. Seine Stärke lag dieses Mal auf der Darstellungsseite und der intellektuelle Sadist, den er aus dem Nazibonzen Rosloh gemacht hat, war eine äußerst beachtliche Könnensprobe. Den darstellerischen Glanzpunkt des Abends dagegen bildete der jüdische Student Sieglmann des jungen Julien Bertheau, der mit dieser ergreifenden Leistung alle Hoffnungn realisiert hat, die seine Freunde seit Jahren in ihn gesetzt haben. Dagegen war leider die tragende Rolle Karlanners völlig falsch besetzt worden, und damit fielen die darstellerischen Voraussetzungen für ein tieferes Verständnis des Bildes, das Bruckner uns von der germanischen Psyche zu geben sucht. Lydia Balachowa war eine in Ton und Geste gelegentlich überzeugende Helene, doch beeinträchtigte ein sinnloses Grimassenspiel ihre Wirkungsmöglichkeiten. Die übrigen Darsteller: teils achtbar, teils mäßig. Die Dekoration: geschickt. Wahrscheinlich käme diesem Werk ein größerer Saal als der des„Oeuvre" besser zustatten. Ein lebhaft interessiertes Elitepublikum spendete für Darstellung und Werk großen Beifall. Hans-Adalbert v. Maitzahn, 4, Rue Poussin, Paris(16). Drs.G. und M.Spitzer 3, avenue de la R^publique, Paris. Metro Ripublique, Tel. Oberkampf 86-23. Sprechstunden: 1-3 und 6-8 Uhr flaut«, Geschlechts«, inner« und Kinderkrankheiten Epilation Diathermie Inserieren bringt Gewinn! BRIEFKASTEN Pg. Falk. Sie Hoben laut der„Hessischen LandeSzeitung" in Eber, siadt u. a. gesagt:„Heute haben die anderen Mächte rings um uns herum die gleichen Leiden durchzumachen, wie wir sie hinter uns haben. Sie haben ihre Arbeitslosigkeit, sie haben ihren Bürgerkrieg, sie haben ihre Schiebungen, sie haben ihre Korruptionen, sie haben ihre Juden und— unsere dazu." Es mag ja sein, daß Sie ein streng arischer Falk sind. Tie semitische Linie Ihrer Familie ist allerdings viel zahlreicher. „Ermordet". Der frühere sozialdemokratische Bezirksporieisekre- inr Willi Sieke in Köln ist vor einigen Wochen gestorben. Man hat ihn im Sommer vorigen Jahres ins Konzentrationslager geschleppt. Ter schon vorher leidende Mann hat die Strapazen nicht über- standen. Er wurde schwer krank vor Weihnachten entlassen und ist bald darauf gestorben. Auch er ist auf die Mordliste zu setzen. Kläre Sch. Ihre Mitteilung, daß im Reiche noch immer vir- hastete Sozialistinnen geprügelt werden, weil man von ihnen den Aufenthalt führender Illegale oder die Lagerstätten von illegalem Material wissen will, wird uns von illegal arbeitenden Freunden bestätigt. ES gibt, keine Schande, deren sich die Gestapo nicht bedient. Zürich. Wir daetken Ihnen für die Uebersendung der Zeitung. Die wenig ruhmvolle Lebensgeschichte Schlageters haben wir schon vor einigen Monaten sehr ausführlich behandelt. Daß dieser sonder- bare Nationalheld bezahlte Verbindungen mit dem polnischen Hauptmann Dubitsch hatte, steht ebenso fest wie der Verrat seiner Kameraden an die Franzosen, als er in dsren Hände gefallen war. Die Nationalsozialisten haben nur Sinn für theatralische Mache, nicht aber für schlichtes Heldentum. Darum sind sie auf National- Helden von der Art Wessels und Schlageters hereingefallen. Die Denkmäler dieser nationalsozialistischen Landsknechte sehr geringen Formais werden nicht ewig stehen. Dr. W. R., Basel. Für den Stand der Beschäftigung nach der Krankenkaßenstatistik liegen vorläufig erst die Zahlen von Ende Januar vor. Der Stand von Ende September war am 81. 1. »och nicht aufgeholt(18,52 gegen 18,92 Mill). Cg Eolonia lag. Im(früher) heiligen Köln war am Sonntag wieder einmal ein Naziaufmarsch gegen die katholischen Jugend- vereine, die gerade im deutschen Rom vernichtet werden sollen. Laut dem„Westdeutschen Beobachter" sagte der Gebietssührer Wallwey:„Unsre Idee hat wie eine Krankheit die junge Genera- tion ergriffen und von dieser kann sie niemand b e i I e«." In der Diagnose stimmen wir mit dem Pg. Wallwey überein. In der Therapie sind wir nicht so hoffnungslos. Wahr- fcheinlich wird eine kräftige Eisenkur Helsen. Dr. W., Locaruo. Haben wir nicht registriert, daß Göring den Mitgliedern des deutschen Luftsporiverbands erlaubt hat, zum Dienstanzug einen„Fliegerdolch" zu tragen? Wir holen es hiermit noch. Ihre Frage„Was wolllest Du mit dem Dolche, sprich?" können wir nicht beantworten. Fragen Tie direkt bei Göring an. Ausländern schreibt er gerne höfliche Briefe. „Aus Wuppertal". Tie teilen uns mit, daß die Stadtverwaltung von Wuppertal die Absicht hatte, ein Stadtwappen zu schassen, daS den bergischen Löwen mit dem Hakenkreuz darstellte. Die Regierung hat das nicht genehmigt, da das Hakenkreuz nur im Landeswappen, nicht aber im Stadtwappen erscheinen dürfe. Es ist ein Kreuz mit dem Hakenkreuz, dachte der Oberbürgermeister von Wuppertal und ließ ein neues Wappen ausarbeiten, das den bergischen Löwen aus einem Garnbündel stehend zeigt. Aus diese Weise behält das Vieh wenigstens warme Tatzen. Dr. Adolf Ehrt. Sie haben ein Buch verfaßt„Terror, die Blut- schuld des Marxismus in Deutschland". Sie sind ja eine feine Nummer Geschichtsschreiber. In Ihrem Buche stehen nur die Blut- taten, die Ihre Auftraggeber als„marxistisch' 4 ansehen. Dagegen unterschlagen Sie die endlose Reihe von erwieset.ermaßen natio- nalistischen Morden: Liebknecht, Lugemburg, Eisner, Haase, GareiS, Erzberger, Rathenau und die vielen Fememorde, deren Ber- anstalter jetzt in hohen Staatsstellungen sitzen, und die mindestens tausend Morde, die den Reichskanzler Hitler mit grausig blutiger Spur umgeben. Daß die Papensche„Germania" Ihr Lügenwerk in hohen Tönen preist, gehört durchaus zum Stil dieser Zeitung, die in„marxistischen" Zeiten anständig, sogar beinahe christlich war. Saarburg. Sie übersenden uns die„T r i e r I s ch e Landes- zcitung", die sich„leidenschaftlich und mit Schärfe" gegen den heidnischen Geist im Nationalsozialismus wendet, wenn auch dies Wort selbstredend nicht ausgesprochen wird. Ihre Frage ist, weshalb in der„katholischen" Presse an der Saar solche Polemiken nicht mehr zu lesen sind. Vielleicht können gewisse Reichskassen daraus Antwort geben. Wer an der Saar in einer„katholischen" Zeitung in Lohn und Brot bleiben will, mutz zunächst und zuerst National- sozialist sein. Katholizismus ist seiner Karriere nur schädlich. Journalist Straßburg. Unsere Meldung ist zutreffend. Di« „Stolberger Zeitung" ist verwarnt worden, weil sie an ihrer national- sozialistischen Konkurrenz Kritik geübt hat. Im System der deutschen Diktatur Ist das eigentlich nichts Außergewöhnliches. Partei und Staat sind eins. Die Nazipresse dient der Partei und mithin dem Staat. Wer diese Presse kritisiert, ist ein Staatsfeind. Wer sie nicht abonniert, ist ein Saboteur. Wer nicht annonciert ebenfalls. Jedes Volk hat die Knute, die es sich selbst geschaffen hat. London. Auch als Emigrant können Sie uns unter Ihrem Namen schreiben, wenn Sie„Via France" adressieren. Erfreulich ist Ihr« Mitteilung:„Bei dem gestrigen Kauf Ihrer Zeitung, deren eifriger Leser ich bin, fand ich darin diesen Bogen. ES wird Sie sicher sehr freuen hieraus festzustellen, daß in einem Zeitungsgeschäft in Lon- don von 88 gekauften Zeitungen in deutscher Sprache 19 Exemplare der„Freiheit" vertreten sind." „Aus Berlin". Ihrem Briese entnehmen wir:„Ich war vor zirka 6 Wochen in Berlin und habe hier folgendes festgestellt: Bor einigen Tagen brachten Sie einen Artikel über die Abstempelung der Stoffe, die für die Kleidung der Arbeitsfront verwendet werden. Vielleicht ist Ihnen nachstehendes noch nicht bekannt: Jeder Meter Futter- und Anzugstofs muß einen Stempel tragen, den die Partei- leitung ausstellt. Der Preis für den Stempel beträgt: 9,59 RM. für den Anzugstofs und 9,25 RM. für den Futterstoff. Außerdem müssen 9,25 RM. für das Gros Knöpfe imit dem Rad der Arbeit und dem Hakenkreuz) abgeführt werden.— Also ein« neue Steuer für die Arbeiter!" Für den Gelamtinhalt verantwortlich: Johann P i tz in Dud» weiler; für Inserate: Otto Kuhn tn Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH. Saarbrücken 8, Schützenstroße 5.— Schließfach 779 Saarbrücken. Sleuerfragen Gesellschaftsgründungen Wenden Sie sich an F. BRIQUEU LICENCIE EN DROIT ehemaliger Kontrolleur der direkten Steuer» behörden, um vom offiziellen Standpunkt aus beraten zu werden. 25, Bd. Bonne-Nouvelle, PARIS(2). Telefon Louvre 22-93 b, KU t 1 AULOH, PARIS 110) (Garet Nord et Est) Telephone Botzuru 17-83 Schöne Limmer, müssige Preise. Wenn Sie gemütlich and ruhig wohnen wollen, so steigen Sie Im Hbtei„TAYLOR" ab. g. Einkau und Auslösung vom Versatzamt I BRILLANTEN. GOLD .« SILBERWAREN. UHREN tägliche Gelegenheit»»Verkäute £ BETTER, 49. FAUBOURG MONTMARTRE aa&aaao manjprichi deutsch ammas» Doktor Wachtel und Doktor Axel Geschlechtskrankheiten, Männer und Presen Nase, Hals, Ohren 123, Bd. Sfbastopol.— Sprechstunden v. 9—12 u. 2—8 Uhr: Sonntags vormittags Metro: Reaumur, St. Denis Folgende Nummern der Lose, die im Büro II. GODOVANNIKOFF gekauft worden sind 30, QUAI 0E PflSSY, PARIS(16'), Telefon: Jasmin 01-50 (Seiteneingang: 2, av. Rene-Boylesve). Metro Passy 8. Ziehung, 13. März 1934 um 9 Uhr haben gewonnen: X 77 438 X$0611 R 00 611 R 12 611 Strie E 17 438: 100 000 Fr. Z 81019.... 10000 Fr. L 87 019.... 10000 Fr. E 17 019.... 10000 Fr. 50 000 Fr. 50000 Fr. 50 000 Fr. 50000 Fr. 847 Lose, deren Nummern m. 7 endigen, haben je 2C0 Fr.gewonnen Luxemburger Lotterie(sweepstake) 1 Los 36 Fr-, Los 19 Fr.,'/< Los 10 Fr.,'/» Los 6 Fr. Alle, die Anteile dieser Lose gekauft haben, werden gebeten, sich zu melden, um das Geld abzuheben. Schriftliche Autor- dernngen ausder Provinz müssen die Quittungen beigefügt sein. Für die nächsten Ziehungen wieder ganze, halbe, viertel und zehntel Lose zur Verfügung.