Sinzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 62— 2. Jahrgang Saarbrücken, Donnerstag, den 15. März 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt See JiassensUeik in Spanien Seite 2 Sa tceiM's die"Deutsche Jcwt Seite 3 JiacschcufUung. tum Qtafikapital Seite 4 Qestapa mit Jaksimiles £ondan ist cot Seite S Seite 7 franhrcidi warnt England Das deuf sdi-französlsdie Sdteingesprädi—Das feilen an der iranzüslsdien Antwortnote für England— Die Verantwortung Londons Paris, 14. März. Der Außenpolitiker des„Echo de Paris", Pertina x, beschäftigt sich am Mittwoch mit der bevorstehenden französischen Antwort aus die englischen Ab- riistungsvorschläge und erklärt es für ausgeschlossen, dast die französische Regierung diesen Vorschläge» zustimmen werde. Eine solche Zustimmung, so schreibt Pcrtinax, käme nicht nur einer LegalisierungderVcrtragsvcrletzungcn gleich, die Deutschland durch die Aufrüstung begangen habe, sondern Frankreich könne nicht einmal zugeben, dast es in seiner Freiheit zur Durchführung der notwendigen Ber» tcidigungsmastnahmen irgendwie eingeschränkt werde. Auch der„Petit Parisicn" ist von einer negativen Antwort Überzeugt. Die einzigen Schwierigkeiten, die der Abfassung der sranzösischc» Antwort noch entgegenständen, lägen in der Form, wie man den französischen Standpunkt darlegen wolle. Es genüge jedoch, die letzte französische Rote an die Reichsregierung und den Brief Barthous an den Vor- sitzenden der Abrüstungskonferenz, Henderso», nachzu- lesen, um überzeugt zu sein, daß sich die französische Regie- rung auch diesmal mit der nötigen Klarheit und Geschmeidig« kcit ihrer Ausgabe enlcdigcn werde. Man habe französischer- feits genügend auf die Gefahren aufmerksam gemacht, die die englischen und italienischen Abrüstung«- Vorschläge für die französische Sicherheit bedeuteten. Es scheine aber, als ob man bisher die Frage ganz auster acht gelassen habe, daß die englischen Vorschläge eine direkte Untergrabung des Bersailler Ber» träges und des Bölkerbundspaktes be» deuteten. Mag müsse sich fragen, was aus der Achtung vor den Verträgen werde, wenn sich eine Macht das Recht anmaße, grundlegende Aenderungcn an diesen Verträgen anzubringen, ohne die anderen Mächte vorher zu fragen, und was aus dem ganzen Teil I des Versaillcr Vertrages werde, der die Militävklauscln enthalte, wenn er nicht nur von Deutschland mit Füßen getrete« werde, son- der» auch von denjenigen Mächten, die ihn dem Reich aus persönlichen Sicherheits- gründen ausgezwungcnhättcn. Wer einen solchen Kompromiß^ schlag einbringe, stelle sich aus den Boden, den das„dritte Reich" beim Verlassen des Völkerbundes gewählt habe. Eine solche Politik könne vielleicht Italien genehm sein, das niemals für den Völkerbund besondere Achtung ge- habt habe, sie sühre aber nur ,« einem improvisierten und auf wenige Mächte beschränkten Abkommen ohne ernste Durchsührungögarantien. Man dürfe sich nicht darüber im Zweifel sein, daß sie außerdem den Tod des Völker» b u n d e s bedeuten würde. In einigen Zeitungen wird behauptet, im Falle eines Scheiterns der Einigung werde der französische Gcneralstab unverzüglich mit einer weiteren Aufrüstung beginnen. DeufsdifranzOslsdiesNotensplel Keine Annäherung Berlin, 14. März. Das deutsch-französische Notenspiel in der Rüstungssrage, das weder von den unmittelbar Be- teiligten noch von den Zuschauern ernst genommen wird, hat wieder einmal eine Fortsetzung erfahren. Diesmal war Deutschland mit einer Antwort an der Reihe. Reichsminister des Auswärtigen Freiherr von Neurath hat dem sran- zösischen Botschafter Poncet eine Antwort auf das sran- zösische Memorandum vom 14. Februar übergeben. Dieses französische Schriftstück hatte noch einmal die tiefen Gegen- sätze in der Kontrollfrage, in der Ausrüstung des deutschen Heeres und in der Auflösung aller militärähnlichen For- mationen herausgearbeitet. Insbesondere hat Frankreich seinen bekannten Standpunkt unterstrichen, daß die ver- mehrte Bewaffnung des deutschen Heeres erst nach seiner Umwandlung in eine Miliz und nach der Auslösung ber SA. und SS. erfolgen dürfe. Die deutsche Antwort bringt die beiden Regierungen in keinem Punkte einander näher, obwohl sie auf acht Schreib- Maschinenseiten in den verbindlichen Formen das nun seit Monaten währende deutsch-französische Gespräch fortsetzt. Offenbar verfolgt die Reichsregierung nur die Absicht ihrer- seits den Faden nicht abreißen zu lassen, obwohl die deutsche Antwort eine starke Belastungsprobe für die Geduld Frank- reichs darstellen soll. Auch die mündlichen Erläuterungen an den französischen Botschafter waren nichtssagend. In ernsten politischen Kreisen hält man es für ausgeschlossen, daß Frank- reich sich zu einer Abrüstung und zu irgendeinem Entgegenkommen an die deutschen Forderungen be- wegen läßt, wenn es nicht wirklich ausreichende und prak- tisch wirkende Sicherheitsgarantien erhält. Darum betrachtet man den deutsch-französischen Notenwechsel als bedeutungs- los und richtet die Aufmerksamkeit auf die französisch-eng- tischen Besprechungen. * Die deutsche Presse hat Anweisung erhalten, über die neue deutsche Antwort außer der amtlichen Meldung einstweilen nichts verlauten zu lassen. „Manöver" Noch verwickelter? Paris, 14. März. Der„Figaro" bezeichnet die Uebergabe der deutschen Antwortnote aus die letzte französische Antwort in der Abrüstungsfrage als ein Manöver der Reichs- regiernng, um die zwischen Paris und London bestehenden Meinungsverschiedenheiten noch zu verschärfen. Es sei zu wünschen, daß die öffentliche Meinung sich nicht über die wahren Absichten Deutschlands täuschen lasse. Auch der„Excelsior" sieht in der Ueberreichung der deutschen Note eine weitere Verwicklung der schon bestehen- den Schwierigkeiten. Barthou habe geglaubt, durch seine Ant- wort vom 14. Februar die sterilen französisch-deutschen Be- sprechungen beenden zu können, es sei aber anzunehmen, daß das deutsche Manöver die Kontinuität der französischen Poli- tik nicht stören werde. Lilwinow am Horizont? Angeblich nach dem Scheitern der Verhandlungen dnb. London, 14. März. Der diplomatische Korrespondent des„Daily Telegraph" schreibt, die Sowjetregierung wolle wiederum eine aktive diplomatische Rolle in Europa spielen. In der Erwartung, daß die Abrüstungsverhandlungen fehl- schlagen, bereite Litwinow einen neuen Sicherheitsplan vor. Dieser würde aus einem Pakt gegenseitigen Beistandes und einem Nichtangriffsabkommen bestehen. Alle Mächte sollen zur Teilnahme eingeladen werden. In dem Plan werde die neue Definition des Angreifers enthalten sein, die in den im Sommer vergangenen Jahres abgeschlossenen Verträgen gegeben wurde. Der Berichterstatter fügt hinzu, diese Definition des An- greifers würde zu einem System kollektiver und automatischer„Sanktionen" führen und beim britischen Reich sicher keine günstige Ausnahme finden, da sie zu Garantien fremder Grenzen führen müsse, die über die Locarno-Garantien Hinausgehen. Berliner Saarsorgen Die Gefährdung des Saargebietes B- rlin. 1». März. Die deutsch« Presse hat Befehl erhalte», sich mit aller Kraft gegen das angeblich durch Frankreich beabsichtigte Hin- einziehen des Saargebietes in die Abrüstungssrage zu wen- den. Man nimmt hier die Ankündigung des„Oeure" sehr ernst, die französische Regierung sei der Auffassung, daß sie durch den Abschluß eines allgemeinen Abkommens, in dem die Zustimmung zur Ausrüstung Deutschlands enthalte» fei, gleichzeitig das einzige Pfand verliere, das sie augenblicklich im Saargebiet noch in Händen habe. In Berliner politischen Kreisen befürchtet man, Frankreich werde nach dem Scheitern der Abrüstungsverhandlungen darauf verweise», daß Deutschland durch seine Ausrüstung den Bersailler Bertrag gebrochen und mithin auch der Teil des Vertrages hinfällig sei, der sich mit dem Saargebiet beschäftige. Die deutsche Presse hat die Anweisung erhalten, den„früheren Feiudbund- mächten" Vertragsverletzung vorzuwerfen, weil sie de« Ar- tikel des Bersailler Vertrages, der das Versprechen einer internationalen Abrüstung enthält, nicht erfüllt hätten. Das Saargebiet sei nicht ein Pfand, mit dem man Geschäfte machen könne. Diese scharfen Töne ändern nichts an der Tatsache, daß Hitlerdeutschland die Saarsrage, deren deutsche Lösung im Januar 1985 vor der Kanzlerschaft Hitlers zweifellos war, unheilvoll verwickelt hat. Gestern und Acute Wir Deutsche neigen dazu, unsere Vereinsmeierei sehr ernst zu nehmen. Vom Bund deutscher Keglervereine bis zum Skatkongreß in Altenburg stehen wir treu zur Sache und treu hinter dem Vorstand. In den gemütlichen Friedenszeiten, die nun schon ein Menschenalter zurückliegen, war das nur ein bißchen komisch. Heute wird es lebensgefährlich. Nach dem Weltkrieg kroch der Soldat wieder in den alten Zivilanzug. Der Verein blieb innerlich gerüstet und folgte dem gußeisernen Trompeter von Säckingen auf dem Aschbecher weiter zu Kampf und Sieg. Jeßt stehen wir da und könwn nicht mehr anders. Aus dem Zusammentreffen von Weltkrieg und Vereinsmeierei entstand das Führerprinzip, und die Vereine heißen jeßt Fronten. Nun kommt alles zwangsläufig. Mit ernster Miene hat ein leibhafter Minister eine besonders grandiose Vereinsmeierei als organischen... wörtlich: organischen Aufbau derWirtschaft angezeigt. Welche Fülle von Problemen vermag doch ein geistreicher Minister in drei Worten ungelöst zu lassen! Was ist hier organisch, was ist Aufbau? Und— schwerster Zweifel— was versteht der Herr wohl unter Wirtschaft? Die Aguren zwinkern. Organisch heiß natürlich, daß alles beim alten bleibt. Wenn ein Minister entschlossen ist, nichts zu reformieren, dann sagt er, er wolle nichts zerstören. Herr Schmitt hat es gesagt. Wo aber Altes, unbrauchbar Gewordenes nicht mutig zerstört und wegräumt, kann man nichts Neues aufbauen. Das ist das Kennzeichen dieser nationalsozialistischen Revolution, das sie dem Spießbürger so teuer macht. Sie hatte den Mut zum Morden und zum Stehlen. Aber sie hätte sofort über Bolschewismus gezetert, wenn mal so eine Glasscheibe kaputt gegangen wäre. Denn das hätte die Versicherung zahlen müssen, der bekanntlich Herr Schmitt nicht fernsteht. Das neue Gebilde soll, wie der Herr Minister sagt, eine Organisation der Wirtschaftsführung sein. Wirtschaftsführung ist, wenn der Arbeiter nicht dabei ist. Ganz offenbar ist der wahre Zweck der neuen Organisation, allen sozialistischen Träumereien im„dritten Reich" gründlich ein Ende zu machen. Der Herr Minister bittet die Herren„Wirtschaftsführer", ihm„Kleinarbeit abzunehmen und einseitige Darstellungen fernzuhalten". Mit anderen Worten: Generaldirektor Schmitt ersucht seine Kollegen als Zensoren und geistige Vormünder seines eigenen Ministeriums zu wirken. Sie sollen dafür sorgen, daß in der Viktoriastraße zu Berlin nur die Ansicht der Unternehmer herrscht. Ein Hauptwunsch ist ihnen von vornherein bewilligt: sie dürfen weiter in ihren Kartellen dem wehrlosen Verbraucher die Preise diktieren. Und das Führerprinzip, so meinte der Minister, soll ihnen das Geschäft noch erleichtern, ohne daß man dabei immer das häßliche Wort Kartell in den Mund zu nehmen braucht. Also: Führerprinzip se teure Preise— so haben wir uns das schon immer vorgestellt. Dann war noch die Rede von Ehre und Ehrgericht. Davon hat man auch in dem Geseß für die Arbeit etwas gelesen. Wer zweifelt hier noch an Gleichberechtigung? Dem Arbeiter wie dem Unternehmer wird Ehre zugebilligt, was außerordentlich vorteilhaft ist. Dem einen bringt sie nichts, dem anderen kostet sie nichts. Die Ehre und das Moralische sollen nicht unterschäßt werden. Aber ist es moralisch, wenn ein Staat, der für die Wirtschaft verantwortlich sein will, sein Volk nur mit schönen Reden füttert? Die Vornehmtuerei der Wohlgenährten gegen die Frage von Essen und Trinken wird nachgerade ekelhaft. Der selbstbewußte Arbeiter, der in jahrzehntelangem Kampf es gelernt hatte, nicht den Kopf zu ducken, der hatte, weiß Gott, schon vor Hitler seine Ehre. Jeßt rächt es sich, daß der nationalsozialistische Staat alles Wirtschaftliche über die Achsel ansieht. Auf leisen Strümpfen schleichen die Herren der Wirtschaft heran, ihm den Hals umzudrehen. Herr Schmitt weiß, was er tut. Hitler ahnt kaum, was er unterläßt. Argus. Wieder zwei Hinrichtungen In Neuruppin dnb. Neuruppin, 14. März. Im Hof des Ttrafgefängnisses Neuruppin wurden am Mittwoch früh gegen S Uhr der Landarbeiter Otto Kuhrt und die Landwtrtsehefrau Frieda Schenk aus Grüneberg sMark) durch den Scharfrichter Grübler aus Magdeburg hingerichtet. Kuhrt war wegen Mordes an dem Landwirt Schenk vom Schwurgericht Neu- ruppin zum Tode verurteilt worden. Frau Schenk hatte ein Verhältnis mit ihm unterhalten und ihn zu der Mordtat angestiftet. Am Abend des 21. Dezember 1932 hatte Kuhrt seinen Dienstherrn aus seiner Wohnung gelockt und ihm mit einem Jagdgewehr aus dem Hinterhalt erschossen, als er in die Hoftür trat. Gftbbels..Volonte .Von Stavisky bestochen! Paris. 14. März. Der parlamentarische Untersuchungs- ausschnß für den Stavisky-Skandal setzte die Vernehmung des Rechtsanwaltes und ehemaligen Attaches im Finanz- Ministerium, Guiboud-Ribaud. bis in die späten Abendstunden fort. Man befaßte sich mit der Zeitung„Volonte", deren Direktor Dubarry bekanntlich im UntcrsuchungS- geiängnis fitzt. Guiboud-Ribaud mußte zugeben, daß das Blatt von Stavisky weitgehende Unterstützungen erhalten habe. Er erklärte aber gleichzeitig, daß auch die französische Regierung monatlich 40 000 Franken zahlte, obgleich stc zu- mindest seit April 1933 die Beziehungen deS Blattes zu Stavisky gekannt haben müsse. SfavlshQS Scherns Gerichtsrat Prince wurde erst betäubt Paris, 14. März 1984. Im parlamentarischen Untersuchungsausschuß werben die Untersuchungen über die Hin- tergründe des Falles Stavisky lebhast fortgesetzt. Mit großer Spannung sah man der Veröffentlichung der Unter- schriften aus den Scheckblocks Staviskys entgegen. Aber es gab keinerlei sensationelle Ueberraschungen. Außer vcrschte- denen Banken tauchten nur bekannte und bereits genannte Ramcn von Leuten auf, die teils verhaftet sind, teils dauern- den Verhören unterzogen werden. In Diion werden die Untersuchungen an der wieder ausgegrabenen Leiche des Gerichtsratcs Prince fortgefetzt. Drei neue Sachverständige wurden ernannt. Es soll inzwi- schcn festgestellt worden sein, daß der Tod des GerichlSrates erst durch das Ueberfahren aus den Eisenbahnschienen ein- getreten sei. Man habe jedoch in den Lungen und dem Magen des Toten Betäubungsmittel festgestellt, so daß die Auf- sassung, daß Prince erst betäubt und dann aus die Schienen geworfen worden sei, wieder an Wahrscheinlichkeit gewonnen hat. Die Polizeibehörden verfolgen mit Emsigkeit weitere Spuren der Täter. Ein greifbares Resultat scheint jedoch bis zur Stund« nicht erzielt worden zu sein. Sozialistischer Emigrant ermordet Geheimnisvoller Tod eines italienischenSozialisten Paris. 18. März. Ein geheimnisvolles Verbrechen, hinter dein man einen politischen Mord vermutet, ist heute morgen kurz nach 8 Uhr hier begangen worden. Der italienische Rechtsanwalt Franca Clericl. der Mitglied des Vor- siandes der sozialistischen Partei ist und deshalb aus Italien sllichtete, wurde von einem Unbekannten, alS er fein Haus verließ, um sich in sein Büro zu begeben, angehalten. Nach kurzem Wortwechsel schoß der Unbekannte eine Kugel in die Herzgegend des Italieners ab. T ö d l i ch g e t r o s s e n sank Franco Clerici nieder und wurde sofort in ein Pariser Krankenhaus gebracht,- dort starb er bald nach seiner Ein- lieferung. Der Mörder benutzte die Verwirrung der Zeugen des Dramas, um zu fliehen. Man hat eine genaue Personal- beschreibung deS Mörders. In Kreisen der Pariser Kriminal- Polizei glaubt man, daß eS sich um einen Mord mit politischen Motiven handelt. Marokko 150 000 Eingeborene durch die Franzosen unter» worfen dnb. Paris, 14. März. Nach den letzten hier vorliegenden Meldungen aus Rabat bcläuft sich die Zahl der bei den militärischen Operationen im südlichen Teil des Atlas- gcbirgeS unterworfenen Eingeborenen auf rund 130000 Mann. Die französischen Truppen sind im Lause der letzten beiden Tage weiter nach Süden und nach Südwesten vor- gedrungen und haben u. a. den Hauptsitz des aus spanisches Gebiet geflüchteten Etngeboreneusührers Merrebi Rebbo be- setzt. Ein anderer Führer, Belgacem N'Gadi, der angeblich der geistige Führer der Widerstandsbewegung unter den Eingeborenen gewesen sein soll, hat sich ebenfalls unter- worfen. Dollfuß als Vasall Mussolinis Wien, 14. März. Bundeskanzler Dollsuß gewährte einem Vertreter der„Agenzia Stefani" eine Unterredung. Er er- klärte, Italien handele in der Frage der Gesundung der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse im Donauraum naturgemäß auch in seinem Interesse, allein die Bedeutung des italienischen Planes liege eben darin, daß er mit den eigenen Interessen Italiens auch die LebeuSnotwendigkeitcu der anderen Völker und Staaten berücksichtige. Er freue sich, daß in dieser Beziehung zwischen Italien und Oesterreich volle U eberein st im mung bestehe. Jt a l i e n, Oesterreich und Ungarn, fuhr Dr. Doll- fuß fort, haben ja ein gleich starkes Interesse daran, an der Donau einen Zustand herstellen zu helfen, in dem sich die wertvollen Kräfte in diesem für das ganze europäische Land so wichtigen Gebiet nicht im Kampf miteinander aus- reiben, sondern der die Zusammenfassung dieser Kräfte in neubr, entsprechender Form zum Zwecke der Wieder- grsundung deS Wirtschaftslebens und der gemeinsamen Kulturarbeit ermöglicht, ein Ziel, das niemanden von der Mitarbeit ausschließen wird, weil seine Erreichung im Inter- esse aller liegt. Alle reichsdeutschen Zeitungen verboten! Wien, 14. März. Das Bundeskanzlsramk veröffentlicht eine neue Verfügung zum Verbot der reichsdeutschen Zeitungen in Oesterreich, die alle Zeitungen mit Ausnahme der wissenschaftlichen und Fachblätter erneut bis 16. Juni 1934 verbietet. * Das Verbot lautet wörtlich:„Tic Verbreitung aller im Deutschen Reich erscheinenden Tageszeitungen, ferner aller anderen dort erscheinenden Zettungen und Zeitschriften sWochen-, Monats-, BiertcljahrSzeitschrifte» und dergleichen! wird mit Ausnahme jener, die ausschließlich wissen- schastlichen oder sachlichen Zwecken der lieber- mittlung von Sportnachrichten oder zur Unter- Haltung dienen tworunter auch die schon bisher zu- gelassenen illustrierten Zeitschriften und Modezcitschristen fallen! für die Zeit vom 17. März bis einschließlich 16. Juni 1984 verboten. Die gegen bestimmte Zeitungen für längere Zeitdauer verfügten Verbreitungs- verböte werden hierdurch nicht berührt." Frankreich spendet Beifall Oesterreichs Loslösung von Deutschland dnb. Paris, 14. März. Die römischen Besprechungen wer- den von der Pariser Presse sehr aufmerksam verfolgt und eingehend kommentiert. Ganz allgemein steht man in Frank- reich dem Plan Mussolinis nicht ablehnend gegenüber, weil man in ihm die einzige Möglichkeit sieht, Oesterreich dem deutschen Einfluß zu entziehen. Die„Ifo urnee Industrielle" schreibt in diesem Zusammenhang, daß man französischerseits anerkennen müsse, daß Italien der Bor- postep für den Widerstand gegen den deutschen„Drang nach dem Osten" sei. Der„Quotidien" begrüßt es, daß auch die italienische Regierung eingesehen habe, daß wirtschaftliche Maßnahmen am geeignetsten seien, den Anschluß zu vcr- hindern. ES stehe allerdings fcsi. daß Italien allein Oester- reich nicht viel helfen könne.„Ordre" schreibt, Frankreich könne nur wohlwollend allen Bemühungen gegenüberstehen, die darauf gerichtet seien, die Aussaugung Oesterreichs durch Deutschland zu verhindern und die wirtschaftliche Erneue- rung und das gute Einvernehmen im Donaubecken wieder- herzustellen. Der römische Berichterstatter des„Petit Puristen" betont, daß das Abkommen, das Mussolini zwischen Oesterreich, Ungarn und Italien zustanbezubringcn versuche, im Geiste des vom Duce ausgearbeiteten Donau- planeS und deS Viererpaktcs gehalten sein werbe. DieS be- weise, daß Italien nicht von der Haltung abgewichen sei, die es bisher in allen mitteleuropäischen und besonders in der Donauirage eingenommen habe. Das„Journal" schließt sich den zustimmenden Kommentaren der übrigen französische» Presse nur bedingt an und erklärt, daß Mussolini nur dann ein wahres Friedenswerk vollbringe, wenn es ihm gelinge, Ungarn zum Verzicht aus Gegenforderungen zu bewegen und Deutschland von seinen Rüstnngsforderongeu abzu- bringen. Frankreich nehme bei den römischen Besprechungen die einzig logische Haltung ein, indem es vollkommen ab- scits bleibe. Der Massenstreik In Spanien Der Bauunternehmer neben nach- Druskerstreik vollständig Der sieg der Schweizer Demokratie Zürich, den 18. März. Bundesrat Heinrich Häberlin, der Vorsteher de« Eid- gcnössischen Justiz- und Polizeibepartements, hat, nachdem das von ihm ausgearbeitete Orbnungsgesetz bei der Volks- absttmmung am vergangenen Sonntag verworfen worden ist, sein Rücktrittsgesuch eingereicht. Häberlin bekleidete auch in den Jahren 1926 und 1931,.das Amt deö Bundespräsidenten. Schon im Jahre 1023 war nach der Ablehnung der so- genannten Lex Häberlin durch das schweizerische Volk ver- schiedentlich der Rücktritt Häberlin« gefordert worden, doch m, dürfte erst d'- abermalige Ablehnung de? Orbnungsg'setze»%I|ir Jf|ff)f|r| den Anlaß zu seinem Rücktritt gegeben haben. Madrid. 14. März. Die Aktivität der streikenden Arbeiter ist einmütig und groß. In allen Teilen der Stadt kleben sie an Mauern und Häuser Plakate, in denen die Einwohncrschalt zur Soli- darität aufgerufen wird. Zu Zusammenstößen ist es nur an einzelnen Stellen gekommen. Die Streikenden halten Disziplin und distanzieren sich von Elementen, die Plünde- rungen versuchen. Es besteht Aussicht, daß der Bauatbeiterftrrik«>t einem vollen Siege der Arbeiter endet. Die Unternehmer haben die Forderung der Arbeiter auf Einführung der 44,Stunden- ivoche im Baugewerbe mit Lohnausgleich angenommen. Diese Forderung, die auch durch einen ministeriellen Schiedsspruch gestützt wird, hat in erster Linie den Anstoß zu dem Konflikt im Baugewerbe gegeben. Em Teil der Unternehmer war schon seit Wochen mürbe, aber die Unternehmerverbände steiften ihnen den Rücken. Die Regierung wünscht, daß ein paritätischer Ausschuß von llntcrnehmern und Arbeitern unier Hinzuziehung eines Rcgierungsvertreters alle mit dem Streik zusammenhängen- den Fragen lösen soll. Für die Beilegung des Streiks der Druckereiarbeiter bestehen einstweilen keine Aussichten. Er ist vollständig. Auch die Straßenverkäufer streiken. Es er- scheinen immer noch nur die katholische Zeitung„El Debate", die unorganisierte Arbeiter beschäftigt, und das Kampsblätt der Arbeiter„El Tocialista" Beide Blätter wurden jedoch nicht, wie die Regierung ursprünglich verfügt hatte, nur in den Polizeikommissariaten der einzelnen Reviere verkauft, sondern von Anhängern der beiden gegnerischen Parteien auch auf den Straßen und in den Lokalen feilaeboten. Für den Vertrieb der„Debate" hatten ssch die Verbände der katholischen Jugend, insbesondere Studenten, eingesetzt. Diese Gruppen standen unter starker Polizeideckung, was nicht hinderte, daß e? an zahlreichen Stellen der Stadt zu Tu- multen kam, bei denen Pakete der„Debate" verbrannt wurden. Schwerere Zusammenstöße ereigneten sich in einem Arbeiterviertel. Hier wurde eine Anzahl von Personen durch lim„Tsdieljaskln" Die Rettungsaktion für die Besatzung Moskau, 14. März. Die Regierungskommission für die Rettung der„Tscheljuskin"-Besatzung teilt mit. daß die Flug- zeugbasis nunmehr von Kap Wellen nach Kap Wankarem verlegt worden ist, wo bessere meteorologische Verhältnisse herrschen. Der Flieger Ljapadewski hat am 10., 11. und 12. März drei Flüge unternommen, um das Lager Pro- fessor Schmidts zu erreichen,' er mußte sedoch immer wegen VersagenS des Motor« wieder umkehren. Am 14. März wird Lsapibewski von Kap Wankarem auS feine Flüge zum Schmidt-Lager wieder aufnehmen. Der Dampfer„Stalin- grad" ist in Olsutorfkofe an der Osttüste Kamtschatkas ein- getroffen, wo er Flugzeuge und Brennstoffe löschte. Im Lager Professor Schmidts ist alles wohlbehalten. Die Drift hat fast aufgehört. Die geographische Lage war am 13. März 63,24,9 Grad nördlicher Brette und 137,17,3 Grad westlicher Länge. * Im Pariser Stadtrat ist ein Antrag eingebracht worden, der die Stadtverordnetenversammlung anfsordert, dem ver, storbenen König von Belgien aus einem großer Pariser Platz «in Denkmal»« setze«. Der Cunard-Dampfer„Berengaria" dnb. London, 14. März. Der Eunard-Dampfer„Beren- garia" tras Dienstagabend nach einer stürmischen Uebersahrt mit starker VerGätung aus Neuyork in Southampion ein Am Sonntag wurde das große Schiff von riesigen Wellen »ermaßen bin und her geworfen, daß zwei im Kassenrauis eingebaute Stahlschränke von drei Meter Höhe und einem .Gewicht von je zwei Tonnen losgerissen und umgestürzt wurden. Zahlreiche Möbelstücke und viel Geschirr wurde zcr- krochen. 10 Fahrgäste und ein Mann der Besatzung erlitten leichte Verletzungen. Mittwockvormittag muß das Schiff be- reits wieder die Fahrt nach Neuyork antreten, es wird 150 Risten Gold im Werte von 1,3 Millionen Pfund Sterling, 3000 Barren Silber und 6000 Kisten Likör mitnehmen.' Das Neueste Das japanische Kriegsministerium teil* mit, daß am lt. März ein Sowjetslugzeug insolge Motorstör«,ig eine Notlandung in Ostmandichutuo. nördlich vom Hanka-See, vorgenommen habe. Die Behörden haben die Insasse» des Flugzeuges, ben Flieger unb eioen Ossi,irr. in Haft ge- nommen. In der Garage eines Arztes in St. Germer bei G'sors brach insolge der Leichtsinnigkeit des Chauffeurs, d»-r bei einer brennende« Petroleumlampe Benzin abfüllte, Feuer anS. Die Fenermehr»nd die Bewohner des Ortes waren aerade beschäftig«, den Brand z« löschen, als ein« furchtbare Erplo- Schüsse verwundet. Die Verhaftungen dauern in großem ltmlange fort. In Barcelona ist der Versuch eines Demonstration«- streif« gegen den Faschismus zusammengebrochen. Dafür ruht die Arbeit in einigen katalanischen Industriebezirken sowie in einer Reihe von Ortschaften deS übrigen LgndeS. Die Regierung erklärt, daß die Lage keinen Anlaß zn Be- unruhigungen böte. Der Ministerrat beschloß, den lt. April alS Tag d«S'dreijährigen Bestehens der Republik bftsmaf besonders festlich zn begehen' Ausserdem leitete er den Eortes einen Entwurf zur Erhöh ung der Eisen- b a h n t a r i s e zu, was von den Eis enbahngcseli- schaften zür Linderung ihres Defizit? für unumgänglich erachtet wurde. Generalstreik in Katalonien DNB. Madrid, 14. März. Die Streiklage in Madrid hat sich im Lause des Dienstags nicht verändert. Die am Tiens- tag als einzige Abendzeitung erschienene konservative„Epo- ca" fordert das sofortige Verbot ber soztali- st i s ch e n P a r t e i und ihrer in der UGT zusammengefaßten Geioerkschaflen. In Barcelona ist der Generalstreik nicht ausgebrochen. Dagegen wurde Südkatalonien von einer ausge- dehnten Streikwelle ersaßt. In vier katalanischen Provinzstädten ist der Generalstreik erklärt worden und in weiteren sechs' iÄädten find Tetlstretks ausgebrochen, lln- ruhen wurden nicht gemeldet. Grabschändung DNB. Bareelona, 14. März. Zwei Unbekannte, die man für Mitglieder einer rechtsstehenden Organisation hält, begaben sich am Dienstag in Barzelona an das Grabmal des ehe- maligen Präsidenten M acta und steckten das Blumen- gcbilde in Brand, das den 12 Meter großen Stern am Denk- mal umgibt. Als die Wärter durch das Feuer aufmerksam wurden, eilten sie herbei und gaben mehrere Schüsse aus die beiden Männer ab. die ihren Rückzug ebenfalls durch Revolverjchüjse deckten. sio» erfolgt« und ein 16V-Lit«r.Benzi«faß in die Luft flog. D«e Stichflamme war in einer Entfernung von 36 Kilometer z» sehen. Sieben Personen, die sich in unmittelbarer Näh« be« fanden, wurden z. T. sehr schwer verletzt. DaS Feuer konnte schließlich gelöscht werben. Der letzte Jahrgang der französischen Rekruten für 1084 ist nach einer Meldnng der France Milttaire aus den 1«. und 17. April einberufen worden.. In Pinezow sKongreßpolens wnrden drelßig Inden wegen„staatöseinblicher kommunistischer Werbe, tätigkeit" verhastet. Am Mittwochsrüh betrug die Zahl der geretteten Ueber, lebenden des Zerstörers„Tomotsuru" 11. 17 Leichen sind geborgen worden Der Aeltestcuansschnß des estländischen Paria« ments hat die Selbstauslösung des Parlaments beschlösse«. Bisher sind etwa 360 Freiheitskämpser vcrhastet worden. I« bulgarischen Ministerrat kam es bei Be« ratuung über die Verwaltung der staatlichen Kohleoberg, werke zu großen Meinungsverschiedenheiten. Man rechnet mit dem Ausbruch einer Kabinettskrise. Wie die Telegrafenagentur der Sowjetunion berichtet, habe« in der Nähe von Leningrad Bcrsachc mit einem neuen automatischen Stratosphärenballon ftattge- sUnben. Ein in der Gondel angebrachter drahtloser Sender funkte vom Augenblick deö Starts an die Mcßergebnisse von Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit. Der Ballon er- reichte als größte Höhe 13 666 Kilometer, wo eine Tempe» rotur von mindestens 55 Grad Celsius herrschte. Bei Er» reichung der Maximalhöhe barst. w>e erwartet, die Ballon, hülle,»nd die an eine« Fallschirm beseitigten Apparate de, gönnen niederzugehen. Vermutlich sind sie iu der Nähe des Ladogasees gelandet. Belgien für Saar-Freiheit! lebhafte Kundgebung im beigisdien Senat gegen den Terror Das„Pfand" Saargebiet Die Meldung der einflußreichen Autzenpolitikerin des »Oeuti:c", daß man an offizieller französischer Stelle im Saargebiet ein„Pfand" erblicken, um aus die Rüstungs- abmachungen mit Deutschland einen Druck ausüben zu können, hat in der gleichgeschalteten Presse lebhafte Unruhe hervorgerufen. Die„Frankfurter Zeitung" schreibt u. a.: Daß solche Pläne in manchen Köpfen spuken, haben wird kürzlich angedeutet,— so sehr wir sie bekämpfen, begrüßen wir, daß eine ernsthafte französische Zeitung nun ganz ofsen zugibt, daß es tasächlich Leute gibt, die einer„Kon- vention" aus dem Wege gehen wollen, um im trüben Ge- wäfser einer vertragslosen Zeit besser fischen zu können. Wir begrüben dieses Eingeständnis, denn es erlaubt uns, diese Art von Polemik vor aller Welt ins richtige Licht zu stellen! Der Plan und die Gefahren, die er mit sich bringt, sind leicht zu durchschauen, aber wie naiv, wie sträflich naiv sind manche Leute! Hat mau in Paris das Saarstatut «icht gelesen? Weiß man nicht, daß dieses deutsche Land nicht französischen Generälen ober Ministern zum Pfand gegeben wurde, sondern daß eine internationale Treu- händerschaft für das Saargebiet errichtet wurde, eine Treuhänberschaft des Volkerbundes? Hat man vergessen, daß das Saargebiet nach der Abstimmung automatisch dem Land zufallen muß für das sich die Be- völkerung entscheidet,— somit Deutschland? Sachlich ist es richtig, daß das Saargebiet der Treuhänder- schaft des Völkerbundes untersteht. Deutschland aber bat seine Genfer Position, die entscheidende Bedeutung auch für das Schicksal des Saargebiets hat, durch seinen Austritt aus dem Völkerbund geschwächt. Es besteht also die durchaus legale Möglichkeit eines französischen Uebergewichts in den Entscheidungen um die Saar, über das man sich in Hitlerdeutschland nicht beklagen darf. Die„Frankfurter Zeitung" als gestrenge Wächterin des Saarstatuts! Man sieht sie selten in dieser Rolle. Die un- zähligen V e r st ö ß e. die die Anhänger des„dritten Reiches" zum Schaden der deutschen Sache sortgesetzt gegen seine Be- stimmungen begehen, durch Terror, Aechtung und Fahnen, sind für ein gleichgeschaltetes deutsches Blatt natürlich nicht existent. Geheimnisvolle hundert Millionen Das Pariser„Oeuvre" veröffentlicht eine merkwürdige Meldung. Danach sollen Verhandlungen schweben über 100 Millionen, die den geldbedürftigen Saarländern gegen hypo- thekarische Sicherheit geliehen werden solle. Der Kredit solle durch solidarische Zusammenarbeit eines französischen Bank- instituts, des„Credit Fourier", mit der D e u t s ch e n D i s- kontogesellschaft aufgebracht werden. An sich bringt die Meldung nichts Neues. Derartige Gerüchte gehen schon seit Monaten durchs Saargebiet. Interessant sind nur die politischen Schlußfolgerungen, die die Meldung des„Oeuvre" daran knüpft. Sie spricht von der geistigen Atmosphäre, in der diese Verhandlungen geführt würden und sagt:„Man kann daraus schließen, daß aller Wahrschein- lichkeit nach das Plebiszit im kommenden Jahre gar nicht stattfindet, und daß eine Verlängerung des gegenwärtigen Regimes erfolgt." Sollten wirklich derartige Verhandlungen stattfinden, so halten wir die daran geknüpften politischen Schlußfolge- rungen für durchaus irrig. Uebre das Schicksal der Saar wird an anderer Stelle entschieden, als an den Grüntischen einiger Bankiers, so hoch man ihren Einfluß auch ein- schätzen mag... Ei Wilhelms rinanzsorgen Aus Doorn kommen Gerüchte, daß der frühere deutsche Kaiser sich ernsthaft mit dem Gedanken trage, nach Deutsch- land zurückzukehren. Von zuständiger Stelle werden diese Absichten dementiert. Es wird jedoch zugegeben, daß man Ex-Wilhelm immer größere Schwierigekiten macht, um in den Besitz seines in Deutschland liegenden Vermögens und der regelmäßigen Zinsen zu gelangen. Die Bestimmungen über die Kapitalaussuhr werden gegen ihn schärfer an- gewandt als bisher. Man darf vermuten, daß diese Maß- regel mit den vom Hitlerreich bekämpften monarchistischen Störmungen zusammenhängt. B r ü s s e l, l». März. Mg. Drahtb. uns. Korrespoud.l In der heutigen Sitzung des belgischen Senats, die sich mit dem Budget des Auhenministeriums befaßte, lenkte der belgische Universttätsprosesior Bermeylen die Ausmerk« samkeit des Senates ans das Saarproblem. Bermeylen hielt eine längere Rede, in der er die Einzelheiten des Saar- Problems darlegte and feststellte, daß dieses Problem von größter Konsequenz für den europäischen Frieden und von allergrößtem Interesse auch für Belgien sei, nicht nur in bezog aus Belgiens direkte Interessen iwomit wohl Eupen- Malmedy gemein» warj. sondern auch in bezug auf Belgiens Interesse am Völkerbund und die Wahrung seiner Autorität und seines Prestiges. Bermeylen stellte sest, daß die Freiheit des Plebiszits unter allen Um» ständen gewahrt werden müsse, und zwar rest- los. und daß nicht geduldet werden könne, daß sich die Nationalsozialisten bzw. die nun vorgeschobene sogenannte„de u> f»ß F einen Terror erlauben, der den Best immun, gen des Vertrages und den Bedingungen öer Abstimmung zuwiderlause. Mit erhobener Stimme erklärte dann Bermeylen, daß un- widerlegliche Beweise vorhanden seien, daß die sogenannte „deutsche Front" in direkten Beziehungen zu der National« sozialistischen Partei Deutschlands und zu der deutscheu Rc, gieruug stehe und von beiden abhängig sei.„Ist es. so fragte Bermeylen, mit dem Bersailler Ber» trag zu vereinbaren, daß eine Regierung, die an dem Resultat des Plebiszits direkt interessiert ist, in einem solchen Umfange in die Politik des Saargebietes hinein» regiert?"— Bermeylen sordcrte sodann, daß sich die belgische Regierung als Mitglied des Bölkerbundes für die Einhaltung des Vertrages und seiner Bedingungen über die Abstimmung bezüglich ihrer Freiheit und Uubeeinflußbor, keit einsetze» müsse. Bermeylen, der als eine der charakteristische« Erschei» nungen im belgischen Senat großes Ansehen genießt, erregte gewaltiges Aufsehen und fand nicht nur den Beifall der belgischen Arbeiterpartei, deren Mitglied er ist, sondern auch aller übrigen Parteien. Ihm antwortete Außenminister H y m a n s. der dem Redner erklärte, daß sich die belgische Regierung mit seinen Ausführungen identifiziere und daß er überzeugt sein könne, daß der Bölkerbundsrat diese Frage mit besonderem Interesse und größter Sachlichkeit und Gc- »auigkeit beobachten und bearbeiten werde. 5o trclbfs die„deutsche front" lagd auf Gäste Saalabtreibung! Saarbrücken, 18. März. Die„deutsche Front" hat bekanntlich erklären lassen, daß sie jede Werbung verbiete. Sei es, daß die„deutsche Front" nicht die Macht hat, ihre Anhänger zu zügeln, sei es, daß die Anmeldungen so spärlich einlaufen, daß nachgeholfen werden muß— Tatsache ist jedenfalls, daß für die„deutsche Front" nach wie vor geworben wird und daß dabei Methoden ange- wandt werden, die auss schärfste zu bekämpfen sind! Wie aus zahlreichen Meldungen übereinstimmend hervor- geht, ist man dazu übergegangen, in zahlreichen Detailge- schäften Anmeldescheine zu deponieren. Entgegen dem Ein- druck, den man in der Oessentlichkeit erwecken möchte, handelt es sich aber keineswegs nur um„Annahmestellen". Ueber- einstimmende Beobachtungen haben ergeben, daß oft genug Besucher dieser Geschäfte von nationalsozialistischem Perso- nal angegangen wurden, ob sie bereits Mitglieder der „deutschen Front" seien! Andererseits hat in den letzten Tagen eine wahre Jagd auf Restaurantsbesucher eingesetzt. In den verschiedensten Fällen ist beobachtet worden, baß Besucher solcher Lokale von der Bedienung angegangen wurden, sich für die„deutsche Front" einzuzeichnen. Man scheut sich nicht, selbst ausgesprochenen Nachtbummlern, die morgens früh in einem Lokal ihre Sauf- tour beenden, die Scherns vorzulegen und gleich die Aus- nahmegebühr von einem Franken zu kassieren! Auch in diesem Falle trifft das Borhergesagte zu. Gäste, die der Bedienung bekannt sind und die derart angegangen werden, können die Aufnahme nicht ablehnen, sollen sie sich nicht den bekannten Folgerungen aussetzen: Aechtung und Boykott! Schließlich scheint man teilweise recht eigenartige Mittel ergrissen zu haben, um genügend„Annahmestellen" für die „deutsche Front" zu bekommen. Uns wird z. B. ein Fall ans Saarbrücken berichtet, in dem man an einen Geschäfts- mann herantrat, das bekannte Schild auszuhängen. Der mit dieser Mission betraute Angehörige der„deutschen Front" war unvorsichtig genug, dem Geschäftsmann rund heraus zu lagen, daß„er ja sonst Bescheid wisse"! Die Drohung ist unverhüllt zu erkennen! Schließlich aber, und das ist der stärkste Beweis gegen die offizielle Parole der„deutschen Front", ist auch festgestellt worden, daß reguläre Hauswerbungen stattfinden. ,Ich kann mir unmöglich..." Die Sozialdemokratische Partei des Saargebiets von Neuweiler hatte eine Kundgebung angesetzt für den 18. März, nachmittags 8 Uhr, mit den Referenten Max Braun und Richard Kirn. Darum war der Vorsitzende der Ortsgruppe beauftragt, den Saal festzulegen. Am 25. Februar verhandelte er mit dem Wirt Nikolaus Bastian über die Saalfrage. Auf die Frage des Genossen Reis, ob der Saal uns zur Verfügung gestellt werden könnte, sagte der Wirt:„Selbstverständlich könnt ihr ihn haben." Also hätte die Kundgebung.steigen können. Ein wahrer Sturm muß eingesetzt hohen von Naziseite, um den ver- fluchten Marxisten das Lokal abzutreiben. Ja, selbst Nazis von Sulzbach sollen sich darum bemüht haben, was aller- Vings vorerst noch Vermutung ist. Wir stellen folgende Drohungen fest, die der Wirt Bastian am 9. März ausgesagt hat und die ihm anscheinend gemacht wurden, indem er sagte: „Ich kann mir unmöglich die Wirtschaft kurz und klein schlagen lassen, außerdem käme mir die Bevölkerung an den Hals." H Kein Platz mehr in den Saargruben!" Aus Püttlingen wird der„Bolksstimme" berichtet: In Wirklichkeit ist eS ja so, daß nach wie vor der Terror dieser Leute gegen alles daS, was sich nicht gleich- schalten läßt, unbehindert weiter geht. So geht man auch in Püttlingen wieder von Haus zu Haus und sucht diejenigen auf. die sich bis jetzt noch nicht entschließe« konnten, dieser sogenannten„deutschen Front" beizutreten. Dabei wendet man die schon aus vielen Orten an dieser Stelle gekennzeich- neten Methoden und Kniffe an. Trifft man einen ganz„Bock- beinigen" an. der nicht schreiben will, so fehlt es auch nicht an versteckten Drohungen. Dabei wird besonders verwiesen auf die evtl. Beschästigungsmöglichkeit nach 1Ö85. So geniert man sich nicht, den Bergleuten, die auö begreiflichen Gründen von dieser„deutschen Front" nicht viel wissen wollen, zu sagen:„Nach der Rückgliederung ist sür diejenigen, die nicht Mitglied der„deutschen Front" find, kein Platz mehr aus den Saargruben." Marterungen und Morde In Hamburg Noch ist das Entsetzen und die Empörung über die Er- mordung der Antifaschisten Andre und Dolgner in Hamburg nicht verstummt, da werden neue Mordtaten der Hamburger Naziö bekannt. Wie die illegale Rote Hilfe Deutschlands er- fährt, sind die Arbeiter John Trettin und Karl Lesch im Zuchthaus Fuhlsbüttel nach furchtbaren Marte- rungen erschlagen worden.■ Folgende Einzelheiten werden der RHD. darüber bekann». John Trettin wurde bei seiner Verhaftung erklärt, er käme nur zur Vernehmung auf die Polizeiwache. Das Auto fuhr jedoch nach Fuhlsbüttel, von wo Frau Trettin wenige Tage später einen Brief ihres Mannes erhielt, daß es ihm gut ginge. Zwei Tage darauf überbrachte ihr ein Beamter den Totenschein. Eine Todesursache war daraus nicht an- gegeben: der Beamte erklärte mündlich. Trettin habe sich erhängt. Jedoch konnte bei der Besichtigung der Leiche eine etwa 15 Zentimeter lange schwarze Narbe vom Ohr bis zum Kehlkopf festgestellt werden. Auch war die Wäsche des Toten blutig. Karl Lesch. der bereits einmal verhaftet, nach einigen Monaten aber freigelassen worden war, wurde am 29 November v. I. erneut verhaftet. Am 31. Dezember er- hielt seine Frau den Totenschein ihres Mannes: ebenfalls ohne Todesursache. Auch diesmal behauptete ber Beamte, der Gefangene habe sich erhängt. Bei der Besichtigung der Leiche wurde eine Narbe am Kinn festgestellt. Der Tote hatte die rsähne tief in die Unterlippe gebissen. Sein Körper war bis zum Kinn verdeckt. Wäsche wurde der Frau nicht zurück- gegeben Sie M in einem solchen^nftand gewesen, sagte man ihr. daß der Staatsanwalt sie beschlagnahmt hätte. Als die Frau des Ermordeten schließlich das Jakett ihres Mannes erhielt, fand sie darin eine Mitteilung an sie und einen Streifen blutiges Keua. Danach hat Lesch die vier Wochen seiner.{Saft in einer völlia dunklen Kerker,elle zugebracht. Er mußte obne Schübe und Strümpfe liegen und war aesesselt. Da es weder Bett noch«ritfche oab. mußte er aus dem mit grobkörnigem Sand bestreuten Fußboden zubringen. Diese furchtbaren Tatsachen müssen die ganze Welt erneut geaen den faschistischen Terror riittelv Protestiert überüü öie o cit täiii nie tt^ Mvr5e, verbinde t, daß die kühnen antifaschistischen FrelheftSkruipfer Deutschlands physisch ausgerottet werden. tt „Madien Sie sldi fertig zur Beerdigung Die illegale Rote Hilfe Deutschlands erhält.die Mitteilung, daß Schchr, der zusammen mit den Kommunisten Stein- surth, Schwarz und Schönhaar ermordet wurde, vom Tage, seiner Verhaftung an, die im Oktober erfolgte, bis zun Tage seiner Ermordung fast täglich von vier SA.-Leuten'n der schlimmsten Weise gefoltert worden ist. Man verlangte auch von ihm, daß» er„Heil Hitler" rufen sollte, was er aber strikt ablehnte. Ueberaus bezeichnend für den Zynismus der Nazis ist die Art, wie den Angehörigen der Tod bekannt gegeben wurde. Die Frau des Landtagsabgeordneten Steinfurth— die ih'-cn Mann in der Gefangenschaft in Sonnenburg geheiratet hatte, um ihn überhaupt besuchen zu können— war ebenfalls in Haft. Einige Beamten kamen in ihre Zelle und erklärten: „Wir teilen Ihnen mit, daß Ihr Mann gestorben ist. Mache» Sie sich fertig zur Beerdigung!" Das war zwei Stunden vor der Beerdigung. Unter schwerer Bewachung wurde sie im Polizeiauto in die Wohnung ihrer Eltern gebracht und ebenfalls unter Polizeibewachung zur Beerdigung auf den Friedhos. Vom Grabe ihres Mannes weg mußte die schwer geprüfte Frau wieder in das Gefängnis Barnimstraße zurück. Gesterreldi- ein Gaigenleld „Sie können ihn schon hängen sehen!" Im 19 Wiener Bezirk wurde ein Arbeiter verhaftet, und sein verzweifelter Vater ging zur Polizei, um Auskunft über fein Schicksal einzuholen. Ihm wurde geantwortet:„Ihr Sohn? Wir wissen nicht, was mit ihm ist. Geschossen soll er haben. Kommens morgen, da können Sie ihn fdjon hängen sehen!" 17 Kinder ans einmal niederkartätscht Im Goethehos traf eine Granate in einen Kellerrrtn. in dem die Kinder deS GoethehofeS untergebracht waren. Nach Feststellung eineS^loridsdorker Arztes wurden 1.' Kinder dadurch sofort getötet, viele andere schwer oerletzt. In Floridsdorf werden zahlreiche Kinder»ermißt, die Eftern lausen verzweifelt herum, doch können sie sie»»cht finden und nichts erfahren, da die Behörden alles tun, um die Zahl der ermordeten Kinder zu vertuschen. Schlimmer als die Kommune-Schlächter Ein bekannter bürgerlicher Jurist, der einem Stadtgerichts» prozeß beiwohnte, erklärt, daß sich die Grausamkeit und der Zynismus des Vorsitzenden und deS Staatsanwaltes nicht in Worte kleiden lassen. Das„Bewcisverfahren" sei viel kürzer alS bei Bagatellsachen bei den Bezirksgerichten. Dabei endete jeder dieser Prozesse init Todesurteil oder schlimmsten Kerkerstrasen. Das zynische Verfahren unserer Standgerichte erscheint mir schlimmer als das Vorgehen der Schlächter der Pariser Kommunarden, schließt der Jurist seinen Bericht. Tier Zelfungsleufe in Sdiufzhaff Weil sie die braunen Werbemethoden kritisierten Memmingeu, 13. März. In Schutzhaft genommen wurde», der Verlagsdirektor Fries, die Schriftleiter M a y r und Feiner und der Berichterstatter Hering, sämtlich von den vereinigten Zeitungen„Memminger Volksblatt" und „Memminger Zeitung". Anlaß zu der Maßnahme haben— wie mitgeteilt wird— ein Flugblatt und ein Artikel gegeben, die in der SA. und in der Bevölkerung große Erregung verursacht hätten. Es sei in ihnen behauptet worden,„daß SA-Männer oder Leute in SA.-Uniform bei der Werbung für die nationalsozialistische Presse mit ganz unzn- lässigen Methoden vorgegangen seien..." Beamtenabbau In Hamburg Hamburg, 12. März. Auf einer öffentlichen Kundgeb,tng. die von der Ortsgruppe Barmbeck-Zoll der NSDAP, in Hellbrook veranstaltet wurde, führte Staatssekretär AhrenS unter anderem aus: „Wir werden znm 1 April dieses Jahres einen erhebliche» Teil des gesamten Beamtenapparaies abbaue», weil»vir wissen, daß außergewöhnliche Zeiten außergewöhnliche Maßnahmen fordern. Wir hätten diese Maßnahine schon»m November vorigen JahreS treffen sollen. Lediglich wegen des bevorstehenden Winters haben wir sie damals zurück« gestellt. Wir werden noch weitergehen, indem wir eine große Zahl von Maßnahmen, die heute der Staat wahrnimmt, wieder an die freie Wirtschast zurückgeben. sBerschleuderung städtischer und staatlicher Betriebe an das Privatkavital. Die Red.j „Deutsche Freiheit" Nr. 62 ARBEIT UMD WIRTSCHAFT Donnerstag, den 15. März 1934 Marschrichtung GroßkaDitalismus Nicht einmal Ständestaat, sondern kapitalistische Diktatur Reich* wirtsdiaftsininister Dr. Schmitt hielt am Dienstag im Reichswirtschaftsrat vor Vertretern der Industrie, des Handels, des Handwerks, des Reichsnährstandes und aller übrigen an der Vi irtsdiaft beteiligten Kreise einen Vortrag über das Gesetz zur Vorbereitung des organischen Aufbaues der deutschen Wirtschaft. Er führte u. a. aus: Ständestaat„zurückgestellt" I im Dezember) das Höchstniveau im Mai 1931 von 11.22 Milliarden mit 11,27 Milliarden zum ersten Male überschreiten können. Süßstoff-Schmuggel Infolge der Verteuerung des Zuckers hat sich ein ungeheurer Süßstoffschmuggel entwickelt, der trotz der schweren Strafen unaufhörlich zunimmt. Am stärksten ist er an der deutsch-polnischen Grenze hei Reuthen. Amerikanischer Finansskandal Drei der prominentesten Angeklagten Andrew Mellon, der frühere amerikanische Schatzsefretär T h. L a m o ii I, der Partner des BankkönigS I. P. Morgan. I i m in i) Wolke r. das einstige Oberhaupt von Neuyork. Aus Neuyork wird berichtet, daß die Regierung der Per- einigten Staaten eine Reihe der wohlhabendsten und bekann- testen Finanzgrößen Amerikas wegen Steuerhinterziehung verklagen wird. Es handelt sich bei den prominentesten An- geklagten um den ehemaligen Schatzsefretär der Hoover- Regierung, Mellon, einen der reichsten Amerikaner und Be- sitzer des Allnmininm-Trusts, serner um den Partner des Bankenkönigs Morgan, Th. Lamont sowie den früheren Bür- germeister von Neuvork, Jimmy Walker. Mellon war über 10 Jahre lang der Leiter de? amerikanischen Schatzamtes. Seine ANnminiumgeschäste sollen in der letzten Zeit in der amerikanischen Oeffentlichkeit schärfstens 5ritisiert worden sein. Er wird beschuldigt, seine Stellung als Schatzsefretär zugunsten seines eigenen Konzerns mißbraucht zu haben. Tie scharfen Maßnahmen der amerikanischen Regierung werden darauf zurückgeführt, daß der jetzige Präsident Roose- velt entschlossen sei. den finanziellen Großichiebern endgültig das Handwerk zu legen. Die Mitteilung von der Klage gegen die drei Finanzgewal. Ilgen hat nicht geringe? Aussehen erregt. Man wird ans die- sen Prozeß gespannt sein dtirfen. Kohlcnabsafz an der Ruhr sinkt Die Aussichten lilr die Saar gruben gering-„LösiUSe Ausländer Das offizielle deutsche Nachrichtenbüro sDNB) berichtete vor einigen Tagen Uber das„fortgesetzte Ansteigen der Be- legschaftszisser des RnhrbergbaueS". Tie Belegschaftsziffer des Ruhrbergbanes lag nämlich Ende Februar um mehr als 1100 Mann hoher als Ende Januar und ist seit dem Ties- punkt im September 1932 insgesamt um 23—24 000 gestiegen. Dazu wurde aber bemerkt:„Man kann damit rechnen, daß zur('seit durch Einlegen von Feierschichten mehr als 20 000 Mann Uber die augenblickliche BeschäftigungS- Möglichkeit hinaus von den Ruhrzechcn in Arbeit gehalten werden." Ohne daS Einlegen von Feierschichten wäre also die Zahl der Beschäftigten im Ruhrbergbau aus dem Tiesstand von September 19S2 geblieben. Das ist auch nicht verwunderlich, da der bis jetzt nicht sehr erheblichen Steigerung der Förderung eine sehr erhebliche Steigerung der Leistungsfähigkeit pro Mann und Schicht gegenübersteht. Die Lage des Ruhrbergbaues bleibt außerordentlich schmic- rig. Tie Gesamtfördcrung im Jahre 1933 war immer noch um 37 v. H. geringer als 1929, während zum Beispiel die Ge- samtiörderung der Saargruben im gleichen Jahre um 22 v. H. hinter der von 1929 zunickblieb. Die Steigerung der Förderung wird für den Ruhrbergbun mit dem verschärften Konkurrenzkampf verbunden und deshalb von der Berschlech- terung der Erlöse begleitet. Für im? Ist von Interesse, daß sich der Konkurrenzkampf.mit besonderer Schärfe aus dem süddeutschen Kohlenmarkt abspielt. Tic Bergleute an der Saar werden von der„deutschen Front" damit vertröstet, daß die Saargrnben nach der Rückgliederung ihre frühere Stellung auf dem süddeutschen Kohlenmarkt werden eiuneh- wen können. Das darf aber angesichts des vorhandene» Kampfes um den süddeutschen Markt als ausgeschlosien gelten. Im letzten Bericht über den süddeutschen Kohlenmarkt in der„Deutschen Bcrgwcrks-Zcitung" lesen wir:„Ter Weit- bcwcrb um die einzelnen industriellen Geschäfte bleibt ivci- ter beachtenswert. Bon einer Beruhigung der Verhältnisse im Wettbewerb kann trotz des Anschlusses des Aachener Re- viers an das Rheinisch-Westfälische Kohlensyndikat nur mit Beziehung ans diese beiden Produzenten gesprochen werben. Obcrschlesicn setzt seine Berkaufsbemühnngen in alter Form fort, ferner die französische Verwaltung der ehemalig flakali- scheu deutschen Saargrnben und der Lothringische Bergbau. Das Ausland wird neben Holland durch englische Liefe«59- gen vertreten." Man merkt, daß das Blatt, das die Interessen des Ruhr- gebietes vertritt, ohne besondere Freude davon spricht, d s auch die Taarkohle am Wettbewerb in Siiddentschland teil- nimmt. Ja. man hat R»gar das Gefühl, daß die Taarkohle i c Bericht gleich mit den anderen„l ästigen Ausländern" behandelt wird. An der Ruhr hat man nur schweren Her» zens damit abgesunden, daß die Rnhrkohle in Süddciitjchland in starkem Maße durch die Aachener Kohle verdrängt wurde und man möchte am liebsten jede andere Konkurrenz aus- schalten. Wenn man noch berücksichtigt, daß. wie aus dem glet» chen BÄtt ersichtlich ist, sogar die englische Kohle aus dem süddeutschen Markt als stärke Konkurrenz auftritt Iber Bericht führt das ans die Pfnndcnlwertnng zurück!, so müssen dte Aussichten für die Eroberung dieses Marktes durch di« Saarkohle als gleich Null erscheinen. Gestapo So arbeitet die geheime Staatspolizei Die Methoden, deren sich die Geheime Staatspolizei de- dient, um dunkelste und verwerflichste Ziele zu erreichen, ubertreffen an hemmungsloser Skrupellosiqkcit alles normal Wägbare. Abgesehen von den brutalen körperlichen Mißhandlungen, denen Gefangene oder zum Verhör bestellte Häftlinge aus- gesetzt werden, bedient sich die Gestapo der schonungslosesten Methoden individueller Berrätertätigkeit. Tie läßt bckannt- lich im In- und Ausland alle irgendwie einer anständigen, also hitlergegnerischen Gesinnung verdächtigen bespitzeln. Sic bedient sich dabei letzten Lumpenpacks— und demgemäß sind auch die von diesen Spitzeln an die Gestapo gelieferten „Beweise" anzusehen, die aber oft genug als ausreichend für die„Uebcrsllhrung" der unglücklichen Opfer angesehen werden, da ja die Gerichte des„dritten Reiches" willig der braunen Kanaille gehorchen. t. I u I H g I *»riin- Haa^lhof, 4«n 1?.Oktober 1933*; Kaiatr Korso 20 b/lildhag»n. S«ar foohrto Pqau i b»btn sieh g»at»rn ob alclf gewandt,alt d»r Bitt» na tinig» Zillen an Sl». Dl««Pn» w»r»ut»n, daS Sit atra»mar gewisasR?uroht heraus nicht' Bach Da'Jtachland zurJokkahran. Ich vtralohara Ihnan hlarait, daS gagan SJa auch nicht das GarJrgsta In Dan'sohland rorllagt und d»6 31» otrh dar Traonnng von ihr»*>c»>nn nngahlndart nach Deutschland kciM» ond hlar laben können. Ich halta dlaa»ogar für trfoMarlielv '« loh arlnnara an atine frUharan 3chralb»n e*ed«M». j ua in Barlin noch etwas für Sla and Ihr Kind zu rntt»n. 3»h» wahrscheinlich dürfte»s daan&chat wegen dar Grauelpropr^an- da, die Ihr Kann la Auslände treibt und Uber die aan m n»u unterrichtet ist, zu seiner Ausbürgerung au» Deutschland koaaan. Ks könnte dann»»in, d»0 da» geaaste Ugentua tob Staat beaehlagnahat lind»In® regen wird. Tlallaloht tat nn durch Ihre Anwesenheit in Deutschland nach Trennung eon lb»« Mann noch etwas für das Kind 9 rettet werden. Da» es eo koaaen Vir de war alr klar, a'ni habe ich dies bereits in aeiren früheren Schreiben an sie sua Aua« druck gebracht. HHRBmaaMi die Landeoberg eadap N.J.«O degenerier t» anoraal B-la^'-ar-aa imj «aaHakMa^eaade durub ihre krankhafte Verenki gung eOadab mmmmtmmm ee*Vaaa(M*aMaMwMM» kann nicht ander»,trotz«' dea es gerade die ir'ndsnbsrg war, die ihn in Deutschland reingeritten"hat. SehlieSllnh aus tmimmm auch wies«, dag die Wrau Landenberg auch aittlarwelle in Barcelona In, den Geruch einer Hure-ekeuwen ist. Trott ist an »ine Änderung nieaale zu denken, die Iendenberg wird viel «•kadkMMaawe noch dahin bringen, wo aMagMagMaaa« befindet. loh halte für das Beets, dal nie sich uegehend alt '•* In Verbindung aetren und dann na oft Deutaohland zurückkehren. Mit bin ich JhT. Q 1. Nußbaum Ein etwas neues Mittel ist eS, politische Flüchtlinge durch unmittelbare Bedrohung ihrer im Reiche lebenden Angehörigen beeindrucken zu wollen. Aber noch neueren Datums dürfte die besonders raffinierte Methode sein, mit der dieser Tage der sattsam bekannte Kriminalrat Konrad Nußbaum vom Nachrichtendienst der Gestapo in Berlin versucht hat, die Ehefrau eines Emigranten unter Zusiche- rung vermögensrechtlicher Borteile zur Trennung von ihrem Gatten und dann zur Heimkehr ins liebliche„dritte Reich" zu bewegen,„wo ihr keinerlei Gefahren drohen können". Er unterstützt diese drohgemischte Verlockung mit heftigsten per- sönlichen Hinweisen auf... außereheliche Beziehungen des Gatten, um so noch ein wenig stärker und— gemeiner ans die Frau einzuwirken, die allerdings trotz Sockung und Drohung und Ueberredung dem Kriminalrat glatt absagte. ES steht außer Zweifel, daß— wäre sie heimgekehrt— man sie nur als Geisel benützt haben würde, um ihrem Gatten jede weitere Tätigkeit gegen Hitler mit der Pression, daß seine Frau sonst ins Konzentrationslager käme, unmöglich zu machen Die Gestapo und der Chef ihres famosen„politischen Nach- richlendienstes", Kriminalrat Nußbaum, sind in der Wahl ihrer engsten Vertrauensleute und Mitarbeiter keineswegs wählerisch. Wir sind in der Sage, heute drei Urkunden im Faksimiledruck zu veröffentlichen, die dies schlagend bck- weisen. 2. Die„adlige" Spionin Mit dem Brief Nußbaums vom 12. Oktober 1033 wird die versuchte Verleitung einer Ehefrau zum Verlassen ihres Mannes unter Zusicherung vermögensrechtlicher Vorteile einerseits und intimster Enthüllung von Schlafzimmer- angelegenheiten andererseits angebahnt. Mit dem„Aus- weis", den derselbe Herr Nußbaum am 5. Dezember 1033 ausstellte, wird bewiesen, daß dieser famose Nachrichten- general des Herrn Göring eine Frau, die er selbst als„kraul- hast veranlagte Hure" bezeichnet, gleichzeitig als— Spitzel legitimiert! Mit der dritten Urkunde wird bewiesen, daß diese Frau— die B a r 0 n i n st!>1 t h M a r i a v 0 n L a»- denberg, geb. König— nicht nur Agentin der Gestapo ist, sondern auch gleichzeitig den Roman„Die braune Pest"(der gegenwärtig in der Saarbrücker„Volks- stimme" erscheint und in Kürze in der Schweiz als Buch herauskommen wird» durch den Verlag Farquarson in Lon- do» nach England vermittelt hat. So daß nur die Frage zu stellen iibrig bleibt: läßt die Gestapo diese Frau von Landen- berg wissentlich antihitlerische Propagandawerke im Aus- land vertreiben, um ans diese Weise irgendwelches Ausspionieren durch die nach außen hin als„völlig links ein- gestellt" auftretende Baronin zn ermöglichen, oder leistet diese Naziagentin— des besseren Verdienstes wegen— nach beiden Richtungen hin ihre Dienste? Immerhin muß oermerkt werden, daß die Gestapo die Personalakten der Freifrau von Laudenberg sehr genau kennt: insbesondere, daß Fräulein Ruth Maria König, Toch- ter eines Schlächtermeisters in Berlin-Neukölln, durch eine von einem ihrer Freunde finanzierte reine Namenoheirat zur Baronin avancierte, indem dieser ihr den„uradligen" Freiherrn Wolf-Dietcr von Laudenberg als Titel Ehemann kaufte.(Die Ehe wurde sechs Wochen nach der formellen Heirat geschieden!» Der„namcngebende" Ehemann entpuppte sich später als mehrfach mit langjährigen Zuchthausstrafen vorbestrafter Erpresser und Betrüger, der zuletzt eine lange Freiheitsstrafe wegen Erpressungen im Zusammenhang mit der Eheschließung des Fräulein König bekam! Daß die Göringsche Gestapo selbstverständlich alle Grundsätze der Moral unbeachtet läßt, wenn sie dadurch ein Werkzeug findet, daS sie gegen ihre Gegner im Auslände einsetzen kann, darf nicht überraschen. Die Nazibonzen schreien machtvoll gegen alle Art von Namensheiraten— aber wenn es sich um Spitzel der Gestapo handelt, dann wird diese Walze sofort abgesetzt. (Geheimes Äaatspolizeiümt Abt. III- Nachr.-Dienst. terlin, den s. 12. 1033> A U s'.7 I S Buth Maria Freifrau von Landenberg geb. König(geb. Berlln-iUxdorf 2b.Mhrs 1910), reist in Auftrage 1:3 Geheimen Stoatspollzelnmtes. Alle Behörden und Dienstateilen werden ersuch t.dle Arbeit der Genannten zu erleichtern und Ihr vorkomneri- denfalla Hilfe und Beistand zu leisten. Die Grenzuberwachung30rgano werden ersucht,in den Fällen,wo auf Veranlassung der Genannten Bcschlognalioen von Illegalen Vinte ri&l,Drucksachen,desgleichen von Gell u.s.w.vorgenommen wiru, Ihr Auf rfunooh entsprechende Bescheinigung auszustellen.^ Frau von L n ndenberg weist sich durch Helsepass des _Poli tei-Prasldiums Berlin(Charlotterhurg) oua„ MM N./-« 3. Das Opfer Frau von Laudenberg hat am 23. Dezember Barcelona— mo ihr der Boden zu heiß wnrbe— vertanen und sich wieder nach Berlin begeben. Im Flugzeug. In Stuttgart denn»- zierte sie alsbald einen Ingenieur, von denen Beziehungen zu einem Auslandsdeutschen sie Kenntnis erhielt. Als Lohn empfing sie M»« Reichsmark von den im Fahrzeug des De- nunzierten gefundene» und„beschlagnahmten" Wertsachen. Sic hatte auf diese Summe von oisizieller deutscher<-eitc in Barcelona bereits einen Vorschuß von 2000 Peseten ausbezahlt bekommen. Das Opfer der Denunziation wurde am IHAR80N,■ [alJÄ h.oubs. r in squarc IN, w.ffU '«br<»ry, 1954. Barone«* 1» Undsnbsr* wrot« - on» od the IStfe lotober h»d sent Vr. Farduhdrson BRAUNE PEST,«nd»n ft irwe«wrt on the BCth .he»»nuaoript. The NB.®f DIE®AUNS FEST .u hwnded to kr. Bttin 6.r on tbe- 28th November, when he oelled et t», V offl°e. Tour« feithMUy,•_« f&Jrfc^ £ Seoreterr 1 '17. Februar zu zwei Fahren Zuchthaus(!) verurteilt. Aller- größte Vorsicht ist gegenüber dieser gefährlichen, skrupellosen Naziagcntin. die heute in Frankreich oder Svanicn, morgen in Holland auftaucht und sich stets auf vor längerer Zeit er» schlichen? Empfehlungen bekannter linksstehender Persön- lichkciten stützt, unbedingt geboten. Und nicht weniger vor ihrem hohen Chef, dem Kriminal- rat Nußbaum, der zwar bereits durch verschiedene Tinge schwer kompromittiert ist, jedoch erst vor wenigen Tagen in Berlin lächelnd äußern konnte, an ihn könne niemand heran, selbst Göring nicht, und wenn es doch geschehe, dann werde er auspacken.... Kraft durch Freude" Fflr Nazibonzen aus den Uewerkschaftskassen Tic Bonzen der Teuischen Arbeitsfront haben mit Ausnahme der mit Gehaltszahlung vielbeschäftigten Kassierer prak- tisch nichts mehr zu tun. Lohn- und Arbeitsbedingungen dik- tieren die Treuhänder(nach Inkrafttreten des Versklavung?» gesctzcS am I. Mai die Herren Unternehmer», Tanz- vergnügen und Familienansflüge veranstaltet der Bcr- gnngungsverein„Kraft dnrch Freude", so daß für die An- gestellten der Deutschen Arbeitsfront das ernsthafte Problem entsteht, wie sie ihre Bürozeit ansiiillen können. Die Teutichc Arbeitsfront fühlte sich deshalb verpflichtet, wenigstens für Geselligkeit zu sorgen und hat umfangreiche Neueinstellungcn vorgenommen. Tie Bezirksleitung Erfurt des FabrikarbeitcrverbaudeS z. B. beschäftigt jetzt 2-', An- gestellte, während früher 8 wirklich Arbeit leisteten. Fn der ReichSbctriebsgruppe Metall wurden in der Ortsnerwaltung Magdeburg, mit früher 9 Gewerkschaftern. 15 Nazibonzen untergebracht,' Dortmund, mit früher 1 Gewerkschaftern, '.» Nazibonzen untergebracht: Gera, mit früher 2 Gcwcrk- schafter, 7 Nazibonzen untergebracht: Görlitz, mit früher 2 Gewerkschaftern. k> Nazibonzen untergebracht: Schwerte (Rubraebieti, wo alle Arbeit ehrenamtlich aeleistct wurde. 3 Nazibonzen unteraebracht: Barop(Nuhrqebict», wo Arbeit cbensalls ehrenamtlich geleistet ivurde, 2 Nazibonzen unter- gebracht. Wo krsiher 2 Vertrauensleute der Beleaschasten arbeitete», sitzen beute 7 Nazibonzen. Selbstverständlich Ick jedermann d'von überzeuat, daß diese Einstellungen unbedingt nöt.a waren Hat doch der Smatsiekretär Reinhardt weben noch Lnmal erklärt:„ES wird heute in DeuI.chland nM e.ne Mar? mehr ansaegcben. als zur Wahrintg der allgemeinen Interessen de? Volksganzen unbedingt erwrdeilich ist. /-v5-rv-i q,. r Nerwgltnng des von de» Nationalsozialisten JÜSi,»««<» Ä wurde durch den Geiieral'taatsanivalt als^enbanbei_ ir. Leu eivaewtzt. Fn seinem An'tfaa.vermalten die Kasfiercr der NSRO die geraubten Arbeiteraeldcr und die von dtr zäitlcrdiktalur den Arbeitern abgevrcßten Mitalledsbeitrage. Die Praris dieser Treuhänder ist unaeivobulich schwierig. F» der Ortsvkrmaliung G ö r l I tz der Reichsbetriebsgruppe Verkehr und öisenik»che Betriebe ssrüber Gesamtvcrvandi mußten bereits 2 Kassierer, die mein und de.» ner.vcch.eltcn, hinausgeworren werden. Am 25. Januar 1334 wurde zur Beruhigung der mißtrauischen Görlitz« Arbeiter die flaue wieder einmal plötzlich revidiert. Der Kassierer, ein fiühercr Kaufmann, stürzte sich während der Revision aus dem Fenster Er starb den Herren sehr gelegen, sonst halten sie in » Quartalen bereits den dritten Kassierer wegen Unter- schlagung entlassen müssen. Görlitz ist kein Einzel,all. Da die Mitglieder keinerlei Kontrollrecht mehr besitzen, sind Unterschlagungen außer- ordentlich erleichtert. In Essen erhängte sich der Kassierer „Harmonie" Mit Krach und Schlägerei Fn Düren im Rheinland kam*8 vergangene Woche in einer Bancrnversammlnng zu einer wüsten Schlägerei. Die Bauern wehrte» sich gegen die neue Verfügung, die ihnen untersagt, die Milch an den Kunden zu lieser». Die Milch muß neuerdings an die städtische Molkerei abgeliefert wer- den. Früher bekamen die Bauern, bei direkter Lieferung an den Konsipnenten pro Liter 0,22 RM., während sie heute nur noch 0,12 RM. dafür erhalten. Der von den Nazis ein- gesetzte Händler beliefert jetzt die ehemaligen Knuden der Bauern nnd steckt also die f»,w RM. ein. Ans diese Meise kommen die Pgs. in gut bezahlte Stellen. Fn dieser Ber- sammlnng wurden Rufe laut, z. B.:„Ihr habt uns belogen und betrogen". Der Referent der Versammlung erwiderte, daß die Maßnahmen von den Nazis durchgeführt würben, auch wenn die Hälfte der Bauern dabei auf der„Strecke" bliebe. ES kam zu Tumulten. Die Polizei mußte eingreifen, wurde jedoch ans dem Saale getrieben. SA. nnd ST. wurden zur Verstärkung der Polizei alarmiert, wurden aber gleichfalls aus dem Lokal geprügelt. Was stellte sich am Ende heraus? Verhülle, o Böhm, Dein Haupt: der Führer der Opponenten, die Deine brave TA. und die zuverlässige SS. samt Polizei aus dem Saale trieben, war ein Sturmb—"führer Deiner eigenen SA. Der„Westdeutsche Beobachter" bringt zu dieser Versamm- lung einen Bericht, worunter unter anderem zu lesen(tektf: der NSBO., Nenhaus, dem die Unterschlagung von 21 nun Reichsmark nachgewiesen wurde. Fn der Meichsbetriebs- gruppe Metall(früher Metallarbeitervcrband» wurden in W cißwasscr(Brandenburgs tiilO RM. unterschlage», in H i r s ch b c r g(Schlesien» Sihio RM.: in H ö r d e(Westfalen) begnügte sich der Kassierer bescheiden mit«12 RM. Ten Bogel abgeschossen hat in den letzten Monaten Erfurt (Thüringen). Dort hatten gleich 5 dieser wackere» Treu- händer Arbeitergroscheii als ihr persönliches Eigentum„ver- waltet". Tic Brave» haben wahrscheinlich einen Lieblings- »atz des Reichspropagandaministcrs Dr. Göbbcls zu wör<- lich genommen: ivaS«vir einmal in Händen haben, lassen wir nie wieder loö! „Tic Versammlung ist harmonisch verlaufen." Eine wunder- bare„Harmonie". Richter werden geriifielt Staatssekretär Freister im preußischen Justizministerium äußerte sich grundsätzlich über die Stellung des Richters zur kriminellen Erbschaft der November-Republit. Er sagte n. a., ein Gericht dürfe sich nicht zu». Nichter über die Geschichte auswerfen. Nichts anderes bedeute eS, ivciin ein Gericht ein Strafversahren gegen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die a»S der Oeffcntlichkcit abgetreten find, zum An- laß nimmt, sich zur Zensur der politischen Qualitäten solcher Persönlichkeiten zn machen nnd sich in bcr Urteilsbegründung dem bereits gesprochenen Urteil der Geschichte cntgegenzu- stellen. Vom nationalsozialistischen Standpunkt ans, der im Staat allein maßgebend sein könnte, bedeute es einen Rückfall in die Methoden des neutrale» Staates und somit eine Sünde wider de» Geist» wenn etwa ein Gericht einen An- geklagten zwar wegen Untreue verurteile, aber gewisser- inaßen entschuldigend glaube hinzufügen zu müsse», daß in- folge eines angeblich guten, vielleicht aber unzulänglichen politische» Willens in anderen Angelegenheiten des deutschen Volkes dieser Mann nicht so scharf nernrteilt werden dürfe. Das Volk kenne keine reuigen Landesverräter. Die deutsche Justiz sei nicht dazu da, die DcnknngSart der Männer von ehedem und ihre kleinlichen Partcianschauiingcn ans dem Umweg über die Urteilsgründe wieder zum Ansehen zu bringen. Deutsche Stimmen• föeilage zur..Deutschen Freiheit"• Ereignisse und Geschichten j^iiffj'iipjll'Wip DonnerstSg, den 14, Marz 1934 Dec Jiiolay 1 i Das„jus primae noctis", das einstens waltete. Wünscht er wieder, für Gleichgeschaltete. Er ist Professor... und lehrt die Art, Wie sich der Pg. passend paart. Er hebt die Feder zum Hitlergruß Und schreibt ein Buch, das hat Hand und Schmuß. Auf biologischem Wege Liefert er die Belege. II „Wer einem Weib die Unschuld nimmt. Und als der Erste bei ihr liegt. Dem ähneln die künftigen Kinder bestimmt Die sie von einem Andern kriegt. Sie denkt bei dem an diesen... Das ist erwiesen. Drum bleibe der Bräutigam erstmals fern- Die Hochzeitsnacht gehört iem Herrn! Der tut es mit den Mädeln: Die Rasse zu veredeln." III So er.— Doch weigert sich eine Braut (Die Trulle hat eine Schrulle), Wird Göbbels mit dem Amt betraut Als idealer Bulle. Dann kriegt sie ein Kind wie Baidur süß, Genordet, mit zwei linke Füß, Vom Ohr zum Oehrchen reicht sein Mund, Die Bäckchen hängen tief herunt. Das Köpfchen, gottbehüte. Gleicht einer Tüte, Tüicd£ey stecilisied? Tötung der Vielfraßer und Trunkenbolde! In einem Vortrag über die Rassenpflege der Germanen erklärte der bekannte Rasseprophet Günther nach dem Bericht des„Völkischen Beobachters": „Die Tötung und Vernichtung erbschwachen und erbkranken Nachwuchses sowie erwachsener Schädlinge wie Verbrecher, Trunkenbolde, Vielfraße, Verräter, Feiglinge u. a-, dürfe nicht als Vergeltung oder als Abschreckung, sondern müsse vom Gesichtspunkt der Reinhaltung der , Sippe betrachtet werden." Das sind ja traurige Aussichten für den trinkfrohen Ley und manchen andern.— Gegen das Christentum aber wetterte Günther folgendermaßen: „Gegen diese in einer Weltgeborgenheit ruhende Religion der Rassenstärke und Rassenreinheit sei die jüdischchristliche Weltanschauung mit oft beispielloser Härte Sturm gelaufen. An Stelle des jeder Arroganz fernen inneren Stolzes, an Stelle des Ideals vom Starken, vom Gesunden, sei die Demut, sei der Schutz des Schwachen und Kranken als Vorbild aufgestellt worden." Natürlich steht der Professor d?s„dritten Reiches" voll und ganz auf dem„germanischen" Standpunkt, wonach die Kranken und Schwachen mit Kastriermessern, Sterilisation und sonstigen Gewaltmitteln auszurotten sind. Der„ungeheure Beifall", den der„V B." notiert, könnte manchem Christen, der sich nicht nur so nennt, zu denken geben. T>ie JCehlen der JUfeeendace Gemeinschaftslager Hanns Kerrl denkt an Horst Wessel Des Todestags Horst Wessels wurde im Gemein- schaftslager Hanns Kerrl durch einen Alarm mit anschließendem Marsch gedacht. Um 4 Uhr weckte der Trompeter die Lagerinsassen, 4.07 Uhr stand der Lehrgang ange- treten auf dem Kasernenhof. Auf getrennten Wegen marschierten die einzelnen Züge über den Truppenübungsplatz hinweg und hinein in das märkische Land. Nadi einem langen Platt rückwärts weicht das Stirnchen hin. Am Unterkiefer fehlt ein Kinn; Das Rüsselnäschen blutlos-weiß. Ein langgedehnter spitzer Steiß, Die Aeuglein spärlich wie ein Spalt, Jedoch die Klappe schleimt und lallt; Zwei Aermchen hebt es. dürr wie Holz—— Der Vizevater lächelt stolz: „Es ward empor gezüchtet!" Die Mutter schreit und flüchtet. IV Der Biologe sieht das Kind Und sagt, indem er sachte sinnt: „Den ersten tastenden Versuch Der Zukunftszeugung zeigt mein Buch. Zwar Stamm und Rasse sind gestählt. Doch schmerzt mich, daß die Krönung fehlt; Mein Bändchen, schwer von deutschem Geist, Fühlt sich im Grunde doch verwaist: Was soll mein Zukunftszeugungsband . In Röhms und Hitlers Hinterland?" Alfred Kerr. *) Dieses Gedicht hat bereits ein Schicksal hinter sich. Es lag zuerst der Redaktion des„Simplieus" in Prag vor, die es für den Abdruck fertig machte. Der tschechoslowakische Zensor machte jedoch einen Strich durch den Teil II(von: „Wer einem Weib die Unschuld nimmt..." bis„Die Rasse zu veredeln"). Dieser Abschnitt mußte wegfallen und an seiner Stelle steht darum die„Simplieus" das Wort^konfisziert"... Umweg wird Jüterbog erreicht. Auf dem Marktplatz tritt der Lehrgang in geschlossenem Karree an. Durch wenige kurze soldatische Worte gedenkt ein Abteilungsführer der Bedeutung des Tages. Nach einem kurzen„Stillgestanden" zu Ehren Horst Wessels steigt das Horst-Wessel-Lied aus den Kehlen der Referendare. Um 7.45 Uhr, nach 18 Kilometer langem Marsch, marschieren die Referendare wieder in ihrem Lager ein. Um 8 Uhr steht der Lehrgang im offenen Karree zur Flaggenparade angetreten. Unter stummem Gruß steigt die Hakenkreuzflagge auf Halbmast. Um 9.30 Uhr beginnt wieder der alltägliche Dienst." „Die Justiz." Hand des Hüchelns Lehar— ein„Wehrkomponist"? „Der Erzieher", ein Organ des„Nationalsozialistischen Lehrerbundes", kennzeichnet die Aufgaben der deutschen Kunst folgendermaßen: Theater, Malerei, Bildhauerei und Musik— sie haben einen Zusammenhang mit dem Wehrwillen. Ja. sie vermögen ihn zu stärken, sie stärken ihn... Nicht nur Stücke vom Heldentum eines Schlageter, nicht nur kleine vaterländische dramatische Werke können i^nd sollen letzten Endes den Wehrwillen stärken, auch die Operette kann den Kampf ums Deutsche Reich und seine Größe, die langersehnte, stärken Wenn ich in Lehars„Land des Lächelns" sitze und von der Heimatliebe der deutschen Prinzessin höre, die sich im fremden Chinesenland nicht wohlfühlen kann, dann weckt auch dieses sogenannte„leichte" Werk letzten Endes ein Gefühl der deutschen Heimatliebe, und diese kann sich nur auswirken, wenn die Heimat in sicherem Schutz ist, wenn— W e h r w i 11 e da ist." Qeschändetee Jboden „Es mag ja in Palästina ein ganz nettes Bild geben, wenn der Isaak Trompetenschleim den Acker bebaut und die Rebekka Löwenmaul ihre Ziegen melkt. Unsere Bauern aber werden sich dafür bedanken, ihren deutschen Boden auch nur von den Plattfüßen des Auswurfs fremder Rasse betreten zu lassen.—„Der Deutsche", Organ der Deutschen Arbeitsfront. JUassenhampl um die JestunifocM Die Frackfront gegen die Kluftfront Die deutschen Unternehmer haben sich dagegen gewehrt, daß sie die gleiche Uniform der Deutschen Arbeitsfront tragen sollen wie die Arbeiter. Im Zeichen der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft wurde darauf verfügt, daß der Arbeitsfront-Anzug invierStoffqualitäten geliefert wird, deren Preise von 5,40 RM. pro Meter für die Proletenuniform bis auf 11 RM. für den Anzug des Herrn Generaldirektors steigen. Dem Proleten werden 30 RM. vom Lohn für einen Anzug von der Stange abgezogen; die feinen Leute, die beim Maßschneider arbeiten lassen, zahlen je nach der Qualität der Zutaten:„Die Preise werden vom Schneidermeister selbst bestimmt, es gibt also demnach keine festgesetzten Preise." Da aber für alle Qualitäten die gleiche Machart vorgeschrieben ist, erkennt man die feinen Leute erst, wenn die Proletenkluft blankgewetzt ist. Die Unternehmer verlangten deshalb für sich das Recht, bei Abendveranstaltungen im Frack oder Smoking erscheinen zu dürfen. Die Leitung der Arbeitsfront kam in Verlegenheit. Gäbe sie den Unternehmern nach, so würden die Arbeiter sich noch stärker gegen die Lohnabzüge für die Arbeitsfront- Uniform wenden als bisher. Sie half sich schließlich auf eine salomonische Weise: die feinen Leute müssen zwar die Uniform erster Klasse anziehen, aber sie dürfen dazu statt der Arbeitermütze einen Zylinderhut aufsetzen. Die Unternehmer- gaben sich damit nicht zufrieden. Die Leitung der Arbeitsfront erklärte schließlich erregt:„Fest steht, daß die alten Nationalsozialisten Frack. Smoking und Gut als die Requisiten einer vergangenen Epoche ansehen." Die Unternehmer beriefen sich jetzt auf Adolf Hitler, von dem Dr. Ley am 10. September 1933 im Kölner Rathaus berichtet hatte: „Adolf Hitler hat einmal zu mir gesagt: wenn ich es könnte, ich würde jedem Arbeiter einen Smoking schenken." Tlichtacische Studenten Wenn»ie auf Approbation in Deutschland verzichten... Der Preußische Kultusminister Ruit hat in einem früheren Runderlaß zum Ausdruck gebracht, daß bei reicht» deutschen Studierenden der Medizin und der Zahnmedizin eine Promotion erst nach erfolgter Approbation erfolgen könne. Solchen reichsdeutschen Studierenden n i ch t• arischer Abstammung, die entsprechend den für Ausländer geltenden Bestimmungen ohne vorherige Erteilung der Approbation promovieren wollten, blieb daher bisher nur übrig, auf die deutsche Staatsangehörigkeit zu verzichten. Um jedoch solchen reichsdeutschen Medizinstudierenden nichtarischer Abstammung, die nach der Ablegung des Staatsexamens das Deutsche Reich verlassen und im Ausland eine feste Stellung angenommen haben, Gelegenheit zur Erwerbung des Doktorgrades zu geben, hat sich in diesem Falle das Preußische Kultusministerium in einem neuen Erlaß mit der Aushändigung des Doktordiploms unter besonderen Bedingungen einverstanden erklärt. Nach diesem Erlaß haben im Ausland befindliche reichsdeutscbe Studierende nicht- arischer Abstammung, die auf die Aushändigung des Doktordiploms Wert legen, bei der zuständigen Fakultät einen entsprechenden Antrag einzureichen. Dem Antrag sind ausreichende glaubhafte Unterlagen beizufügen, aus denen sich ergibt, daß der Betreffende eine feste Anstellung oder die Aussicht auf eine solche im Ausland erlangt hat. Dem Gesuch ist ferner beizufügen eine besondere Erklärung, mit der auf die Approbation im Deutschen Reich verzichtet wird. Diese Erklärung ist an die zuständige oberste Behörde zu richten. Das Preußische Kultusministerium behält sich die Genehmigung in jedem einzelnen Fall vor. Ein Anspruch auf Aushändigung des Diploms besteht nicht. ZeitsTlotizm Die Gratis-Verdeutschten Der amtliche preußische Pressedienst teilt mit:„Dem preußischen Minister des Innern gehen fortgesetzt Anträge auf kostenlose Verdeutschung fremdklingender Namen zu. Alle diese Anträge sind den Regierungspräsidenten einzureichen." Diese Teutonen, die sich ihrer Namen schämen und sich, allerdings kostenlos,„verdeutschen" wollen, sind schon eine Nummer für sich. Die Reinigung Aus den Volksbüchereien und Lesehallen des Berliner Wedding sind 1000„marxistische" Bücher entfernt worden. Sie wurden„im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel" durch Naziliteratur ersetzt. 1üas man sich zuflüstert „Wissen Sie, wie der Volksmund Görings Berliner Palais nennt?— Das Gewandhaus!" „Was ist der Eintopfsonntag?"„Eine falsche Vorspiegelung brauner Tatsachen!" * Göring hat an Hitler einen Brief geschrieben. Wissen Sie, was darin stand?„Adolf, Adolf, gib mir meine drei Bulgaren wieder!" *. „Haben Sie die letzte Hitler-Rede gehört?"—„Ja, schon vor einem Jahr!" „Waren Sie gestern in der Versammlung?"—„Ja, es war sehr erhebend! Am Schluß haben wir alle das Horst Wessel- Lied gesungen. Vierzig Leute sind festgenommen worden."—> „Weshalb denn?"—„Weil die Stimmung so einmütig war!" • „Sind Sie auch gleichgeschaltet?"—„Natürlich. Ich hungr* genau so wie die anderen!" Pips. Das tBeüelmoM Aumi kassiect untec den Hinden In Deutschland sind die Bettler von den Straßen - verjagt, denn die Bettelei ist zum Monopol des braunen Staates geworden. Bruno Brandy. Von allen Demagogen der Nazipartei wußte keiner, gegen Marxismus,„vollgefressene rote Bonzen, bequeme Pöstchen" und Gehälter sozialdemokratischer Angestellter wütender zu belfern als Heinz. Keiner versprach vom„dritten Reich" so viel und so freigebig wie Heinz: sofortiges Ende des Elends, der Arbeitslosigkeit, des Almosenwesens, Erneuerung, neue Moral, schlichte Gehälter für Führer... Als auf diese Weise endlich das„dritte Reich" erschwindelt ward, machte auch Heinz große Karriere, besiedelte eine Siebenzimmerwohnung, saß im Parlament, hatte noch zwei Posten nebenbei, bezog dreifaches Gehalt, fuhr im eigenen Auto— ein satter, vollgefressener Typus des braunen Um- sturzgewinnlers. Er könnte ebenso gut Heines oder Ley oder Killinger heißen. Eines Tages stand er auf der Straße, streckte den Arm aus und bettelte. Aha, denkt ihr, also gibt es eine Nemesis, auch im„dritten Reich"... Nein, lieber Leser, die gibts vorläufig noch nicht. Der Mann schüttelte seine Büchse im Auftrag der Hitler-Partei, denn in diesen Tagen begab sich„die große Sammelaktion des SA.-Führerkorps der SA.-Gruppen Berlin- Brandenburg", wie es in der Presse hieß, Nazipresse und Rundfunk rühmten, daß die Führer keinerlei Unbilden der Witterung scheuten, um„im Rahmen des Winterhilfswerks"' auf der Straße für ihre arbeitslosen Kameraden die Sammelbüchsen zu schwingen. Bei Wotan, die scheuen weder H ind noch Sonnenschein, die scheuen nur eins: ihre Bonzengehälter zeitgemäß herabzusetzen. Lieber greifen sie zum Klingelbeutel, denn das tut ihnen nicht weh, sondern nur dem angeschnorrten Publikum und macht außerdem noch populär. Denn da die Presse das Maul zu halten hat und über die Riesenbezüge der korrupten Nazibürokratie nicht zu berichten wagt, entsteht daraus in naiven Volksteilen der Oel- druck von den armen, braven, proletarischen Naziführern mit den Sammelbüchsen. Prinz A u w i kassierte unter den Linden, vor dem Hotel Bristol. D i e Gegend kennt er gut. Dort erholen er und seinesgleichen sich bei proletarischen Gedecken ab 4 Mark aufwärts von den Beschwernissen des Führerdaseins. Der dreifache Gehaltsempfänger und Großverdiener Heinz aber stand in der Nähe des Luxushotels Kaiserhof, in dem Arbeiterführer Hitler 1931 schon für 10 Tage und 11 Mann nicht mehr als 4048 Mark verpraßte. Dort sammelte er in schlichtester Uniform, ein einfacher, anspruchsloser Soldat, der ebenso gut Heines oder Ley oder Killinger beißen könnte und den von seinen armen Kameraden nichts unterschied alt drei Garderobenschränke, eine luxuriöse Wohnung, eigenes Auto, bourgeoises Einkommen und ditto Menü—— aber sonst nichts. Gregor. London ist rot O. G. London, 10. März 1934. Vor etwa einem Monat fiel das Rote Wien nach rühm- vollem Kampf. Was Verleumdungen, was eine ununter- brochepe Presseheye gegenüber dem sichtbaren Erfolg der sozialistischen Gemeindeverwaltung nicht vermocht hatten, das gelang schließlich der brutalen Gewalt det Geschütze. Wie«, an dessen Beispiel sich die Arbeiter überall in der Welt aufgerichtet hatten, vor dessen großartiger Wohnungs- und Wirtschaftspolitik selbst objektive Gegner Respekt hatten, wird heute von engherzigen Reaktionären im Interesse des Besitzes regiert. Ein Monat ist vergangen, seit die rote Fahne vom Wiener Rathaus heruntersank. Ein Monat— und schon steigt die rote Fahne über der größten Gemeinde der Welt, über London, empor.(Freilich nur bildlich, denn die Engländer sind nicht so dramatisch.! Zum ersten Male in der Geschichte ist London von der Labour Part» erobert worden. Seit 27 Jahren regierten die Konservativen die Kommune(in der Kommunalpolitik nennen sie sich Mnnicipal Reformers, 1907 hatten sie die liberale Herrschast beseitigt. Sie regierten, n ie es Konservativen zu tun pflegen, ideenlos,.immer nur au»' die Interessen der besitzenden Klasse bedacht, nur die sozialen Reiormen bewilligend, die gar nicht zu umgehen waren. Seit 1922 mar die Labour Party auch in der Londoner Kommunal- Politik die offizielle Opposition, ohne es freilich je auf mehr als 42 Mandate von 124 zu bringen. London blieb lange Bollwerk der Konservativen, auch bei den Wahlen zum Unter- hauS. Als bereits die Jndustrrebczirke Schottlands, die Berg- iverksdiitrikte von Wales und Durham, die Arbcitcrivahl- kreise Mittelenglands Labour-Abgeordnete ins Parlament entsandten, blieb die große Mehrzahl der Londoner Wahl- kreise trotz der zahlreichen Arbeiterbevölkerung konservativ. Rur einige reine ArbeUcrbezirke des Ostens entsandten Labour-Abgeordnetc. Und nun ist London doch erobert worden. Die Wahlen zum Londoner County Council zeitigten geradezu einen Erdrutsch. Im vorigen vor 3 Jahren ge- wählten County Council hatten die Konservativen eine Zweidrittelmehrheit: 83 Konservative, 32 Labour Party, 6 Liberale. Die Wahlen vom 8. März 1934 aber halten das folgende Ergebnis: 09 Labour Party, 25 Konservative, 0 Liberale, also eine Labour-Mehrheit von 14. London ist rot. Der Sozialismus hat zunächst einmal für die nächsten drei Jahre die Möglichkeit zu zeigen, wie er die größte Ge- meinde der Welt zu regieren versteht. Denn der County Council(Grasschastarats bestimmt die Geschicke der Ge- meinde, nicht etwa der Lord-Masor. der Oberbürgermeister, der von den Wirtschaftsorganisationen der Innenstadt, der City, gewählt wird und im wesentlichen rein repräsentative Funktionen hat, die ihm Hunderttausende kosten, die er aus der eigenen Tasche zu bestreiten hat(daher kann nur ein reicher Mann zn diesem Posten gewählt werden). Der Londoner County Council hat Einfluß aus wichtigen Gebieten, er bestimmt das Tempo der WohnnngSpolitik, er bestimmt das Tempo der Zerstörung der berüchtigten TlnmS (Elcndhäuser), er hat Einfluß auf die Gesundheitspolitik, . auf die Verwaltung der Wohlfahrtsmittel und aus die Schul- Politik—»m nur die wichtigsten Arbeitsgebiete zn nennen. [■Hier, kauft der Sozialismus zeigen, Iva? er.zu leisten vermag, wenn er im Besitz der ungestörten Mehrheit ist. Bei der Beurteilung des Wahlergebnisses darf man frei- lich nicht außer acht lassen: die Wahlbeteiligung ist bei eng- ltscheu.Kommunalwahlen stets sehr schwach. Auch diesmal betrug sie nur etiva 33 Prozent, freilich immer noch beträchtlich mehr als bei den meisten vorhergehenden Wahlen zum Londoner County Council, wo die Wahlbeteiligung oft nur 25—28 Prozent betrug. Auch muß die wichtige Talsache be- rücksichtigt werden, daß Labyur Party nicht nur die Mehr- heit der Mandate, sondern auch die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen erhalten hat, was bei dem englischen Wahlsystem keineswegs immer zusammenfällt. Mit 341390 Stimmen hat die Labour Party die höchste Stimmenzahl er- halten, die je eine Partei bei Londoner County-Council- Wahlen erhielt. In den meisten Wählbezirken standen sich nur Labour und Konservative gegenüber, die einst London beherrschenden Liberalen hatten in den meisten Bezirken von vorneherein verzichtet, wo sie sich noch zum Kampfe stellten, wurden sie von Labour geschlagen. Die Kommunisten hatten in verschiedenen Arbeiterbezirken Kandidaten aufgestellt, aber keiner erhielt mehr als ein paar hundert Stimmen. Alle kommunistischen Kandidaten zusammen brachten es bei 372 000 abgegebenen Stimmen nur auf etwas über 40011 Stimmen. Die Faschisten haben überhaupt nicht kandidiert, sie wollen erst bei der nächsten Parlamentswahl aus- marschieren. *' Uebrigens fanden in der gleichen Woche auch die Wahlen zu den übrigen provinziellen Conuty Councils statt, die allerdings in der Oeffentlichkeit gar keine Beachtung fanden, da die Bedeutung der Provinz-County-Conucils im Gegensatz zum Londoner sehr gering ist, sie haben nur die wenig bedeutenden Fragen der provinziellen Selbstverwaltung zu entscheiden, vielfach werden die Wahlen sogar aus völlig in- politischen Basis durchgeführt und die Wahlbeteiligung ist meist minimal. Als Kuriosität sei erwähnt, daß in einem südenglischen Wahllokal ganze v Wähler abgestimmt haben. Soweit auch diese Kämpfe politischen Charakter halten, brachten sie ebenfalls durchweg Labourerfolge, selbst im agrarischen Süden Englands. Die vorhandenen Labour- Mehrheiten in Durham(Nordosten) und Wales wurden verstärkt. Im ganzen hat die Labour Party auch in der Provinz über 100 Mandate gewonnen. Genaue Berichte fehlen aber in sämtlichen Zeitungen•— nur die Lokalblätter berichten jeweils über ihren Bezirk—, da diese Wahlen nur wenig interessieren. In den Elendsbezirken des Waliser Bergbaus, wo die Mehrzahl der Bevölkerung seit Jahren erwerbslos ist, haben die Kommunisten zum ersten Male einige Mandate erringen können. DaS Londoner Wahlergebnis, das übrigens nqch einem sehr ruhigen— wer nichks von der bevorstehenden Wahl wußte, merkte aus den Straßen gar nichts davon. Plakate und Flugblätter fehlten fast ganz— und im allgemeinen auch einigermaßen sachlichen«alilkamps«nur in einem Bezirk kam es zu stürmischen Bersammlungsszenen» zustande kam. ist ein Stimmiings,eichen für die künftige allgemeinpolitische Entwicklung. Aber eS hat auch eine sofortige sachliche und persönliche Auswirkung. Sachlich: die Labour Party kann ihr Kommunalprogramm durchführen, der Führer der Londoner Labour Party, Herbert Morrison, hat bereits am Tage nach der Wahl ein detailliertes Programm verkündet — im Mittelpunkt steht Wohnungsbau, Slumbekämpsung. Reform des Gesundheitswesens. Persönlich: Herbert Morri- son, der siegreiche Führer, ist noch mehr als bisher in den Vordergrund englischer Politik getreten. Er, der als Ver- kehrsminister der letzten Arbeiterregierung Ordnung in das Londoner Verkchrschaos gebracht hat, war einer der wenigen Erfolge dieser Regierung. Schon seit einiger Zeit spricht man von ihm, dem söjährioen Polizistensohn, der Tatkraft, Organisationstalent und Charakterstärke mit einem starken Idealismus vereint, als dem kommenden Führer der Labour Party, wenn die ältere Generation, die Henderson und LanSbury, die Führung abgeben wird. Morrison ist jetzt erst einmal„Premierminister von London" Beweist er in dieser Eigenschaft, daß er nicht nur zu siegen versteht, sondern auch den Sieg ausnutzen kann, dann ist für ihn die Bahn zur Parteiführung frei, dann wird vielleicht aus dem heutigen „Premierminister von-London" der kommende Premier- minister Großbritanniens So mag der 8. März, an dem Labour zum ersten Male London eroberte, historische Bedeu- tung erlangen. „Valette sie France" Die Gründung einer politischen Zeitung vor 300 Jahren Es ist jetzt fast auf den Tag genau dreihundert Jahre her, daß die erste politische Zeitung Frankreichs, die„Gazette de France", gegründet wurde. Haben auch sonst Zeilungs- gründungen mitunter seltsame Ursachen, so ist doch die Grün- dungsgcschichte dieser ersten politischen Zeitung Frankreichs die sonderbarste unter allen. Am Ende des Jahres 1023 erteilte Ludwig XIII. einem Herrn Theophraste Renandot die Erlaubnis zur Herausgabe von regelmäßig erscheinenden Mitteilungen politischen In- Haltes aus allen Ländern Europas. Einige Monate vcrgiu- gen, bis— im Jahre 1024— die neue Zeitung erschien. Tic damals durchaus nicht mit Zeitungen verwöhnten Pariser stürzten sich auf das neue Blatt und fanden zn ihrer Freude unter dem Titelkops den ihnen wohlbekannte» Namen Theophraste Renandot. Mit Skalpell und Feder. Wer aber war dieser Renandot? Es war erstaunlicher- weise der berühmteste Arzt von Paris! Der alte Bericht ftfcj r ihn und seine Gründung lautet: Thcophrastius Renandot, ein Arzt von Paris, sammelte überall Reuigsten, um seinen Kranken die Zeit zu vertreiben. Dadurch sah er sich bald berühmter als alle anderen Aerztc. Allein,„da nicht leicht eine ganze Stadt krank ist oder sich einbildet, es zu sein, so dachte er, er könne sich ein ansehnliches Einkommen ver- schaffen, wen» er dem Pubjico fliegende Blätter mitteilte, welche die Neuigkeiten verschiedener Länder enthielten. Ties war der— medizinische Ursprung der ersten pvliti- scheu Zeitung Frankreichs. Renandot konnte— da die „Gazette de France" einträglicher wurde als die einträgliche Praxis des Arztes— auf alle anderen Kuren bald verzichten. Metternich hat Angst vor dem Paradies Es war am 13. März 184°8. Wien. Ungeheure Erregung. Das Volk ans den Barrikaden. Die Studenten ziehen singend durch die Straßen. Der Kanzler, Fürst Metlernich, der best- gehaßte Mann von Wie», sitzt mit seinen Freunden beratend beisammen. Da meldet man ihm die Entscheidung des Kaisers. Sie ist für Metternich, dessen Absetzung vom Volk verlangt wurde, nicht glücklich ausgefallen...Der Kaiser hat dem Verlangen der Vcvöl.le.r«ng stailgegeben Unter Metternichs ohnehin nicht allziivielen-Bekannten,* die nm ihn versammelt sind/ erklären daraus einige,„vhn>!- hin seit langem gewarnt" und die Politik des Kanzlers ver- urteilt zu haben...- Eilier— besonders darauf bedacht, sofort Abstand zwischen der gestürzten Größe Und sich zu setzen— sagt:„Hätten Sie mir doch gefolgt, Exzellenz, so wäre die kaiserliche Ungnade zu verhüten gewesen... Haben Sie nicht Angst vor der Ver- antwortung und vor der Hölle, da Sic letzt allerhöchst gemäß- regelt wurden?" Metternich antwortete mit einem sehr deutliche» Blick aus den Sprecher: „Nein— ich fürchte die Hölle nicht! Ich habe nur Äugst, daß man mich im Paradies neben einen Dummkopf setzt...l" Adolf Sonnenthal simuliert auf der Bühne Adolf von Sonnciilhal. der berühmte Schauspieler, dessen 22. TodeStag in dieses Jahr fällt, war mitunter— freilich überaus selten— von ziemlich derber Bissigkeit. Bor allem dann, wenn er nicht gestört sein wollte. Einmal saß er in einem Gartenlokal in einer Vorstadt von Wien und lehnte die Sessel an den Tisch, damit sich niemand zu ihm setze. Dennoch kam ein Fremder, grüßte nicht, und setzte sich zu Sonnciikhal, Er rief— stotternd— zum Kellner:„B...bi... bitte u.. um ein G...Glas B.,ier!" Da schrie Tounenthal:„I. I. Ich a.. a u ch Der Fremde kannte natürlich den große» Schauspieler Sonnenthal, sah ihn gekränkt und vorivurssvoll an und machte ihm stotternd begreiflich, daß es für eine» Sonnen- thal höchst unfein sei, sich über das Gebrechen ctncS Fremden lustig zu machen., Sonnenthal aber stotterte weiter:„J..J..Jch st..sto.. stottere a.. a.. aber wi. wirklich!" Da rief der Fremde:„W..Was? Auf 6.. 66. B.. B. Buhne st., stottt.. stottern-Sie a..a..aber nicht!" Und Sonnenthal, sehr ernst: „I.., auf d.d.. der B.. Biih.. Bühne m. ich s.. si.. si.. fiin simulieren!" . der ni.. . ramm.. muß Luxus-Zeppelin Der neue Luftschiffbau Friedrichshasen, 13. März. Deutschlands jüngstes und größtes Luftschiff,„L. Z. 129", gehl in Friedrichshasen seiner Vollendung entgegen. 248 Meter lang und 41 Meter im Durchmesser, so sind die Ausmaße des Duraluminium- gcrippes, das die neuen großen Bauhallen der Zeppelin- Werft beherbergen. Das Gerippe hat, obwohl verschiedene Neuerungen angebracht wurden, die die Sicherheit erhöhen, mehr Raum und Begncmlichkeit geschaffen. Hand in Hand mit der Raiimvcrgrößerung geht eine Erweiterung der Trag- kraft des in 10 einzeln verschließbare Schotten eingeteilten Schissi'»,-erweitert wurde besoftbers der Platz für Fahr- gaste..Das-Schiü hat«in A- und ein B-Teck, die iiberein- ander liegen und ganz in den Rumpf eingebaut sind. In, A- Deck befinden sich der Speisesaal, der Rauchsalon, eine Aufeilthaltshalle, Schreib und Lesezimmer und rechts und links von' den TageSräumen ein Wandelgang mit Fenstern, Schlafkabinen mit kaltem und warmem Wasser. Das unter dem A-Deck liegende B-Deck enthält ebenialls noch Schlaf- und Bodenräume, setner die Maninchastöräume. Der Schins- beherbergt den Fübrerranm mit Funk-, Steuer- und Meteorologenstand. Die vier Maybach-Rohölmotoren ver- mögen dem Schiff eine Geschwindigkeit von 130 bis 120 Ttniidenkikpmetcr zu geben. feinste indische Setchmacen= und lüieaec Obächecei-Qeschäfte f-acis SS. AVENUE WAG8AM,>»« Carnot 27-6: SS. 8UE OE PASST, Ut Aut.uil J3-6I OammMftneMei J. Mastchenko I, Sl Hn-ft,• M. Op4»7J-7» Klaldar. MSnM,, R.p.rl.ru.g Zu verkaufen oder xu vormioten: I. giesserei>n St. Denis, 14000 Meter, davon t 200 Meter bedeckt in vollem 2. tf ross gerberei Betrieb in Chevreuse, 10 000 Meter, davon 2000 Meter bedeckt. Wasserkraft, nach Belieben. 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Alle, die Anteile dieser Lose gekauft haben, werden gehe en. sich zn melden, um das Geld abzuheben. Schrittliche Autor- derungen ausder Provinz müssen die Quittungen beigefügt sein. Für die nächsten Ziehungen wieder ganze, halbe, viertel und zehntel Lose zur Verfügung. Pariser Beruhte Pariser Straßenhaiender Die Wiederaufnahme von„Coriolan" in der Comedie Fran- ^aise ist erfolgt. Vor der Vorstellung wurde das Publikum gebeten, Kundgebungen zu unterlassen. Der Beifall war stark. * Mittwoch morgen reist Annabella, die berühmte französische Filmschauspielerin, nach Hollywood ab, um den Cha- rell-Film„Zigeunerlied'' mit Charles Boyer zu drehen. Sie will Ende Mai in Paris zurück sein, um„Mächte von Moskau' unter der Regie von Cronowski zu spielen. * Wie wir hören, veranstaltet die Quäker-Organisation in der rue Guy-Ia-Brosse Sonntags Wanderungen und Ausflüge in die Umgehung zu billigen Preisen, an denen sich auch deutsche Emigranten beteiligen. Der letzte Ausflug war in die Wälder von Montmorency. * Die verstorbene Pariser Volkssängerin Eugenie Büffet, die die Montmartre-Lieder des beliebten Aristide Bruant sang, hieß mit ihrem Volksnamen„Nini". Sie sammelte für die Armen auf den Höfen der Reichen.. * Toulouse, die Stadt, in der nach den Beschlüssen von Pre- Saint-Gervais der sozialistische Kongreß vom 1. Pfingsttag bis zum folgenden Freitag, 20. bis 25. Mai stattfindet, ist die alte Hauptstadt des Languedoc und liegt 713 Kilometer von Paris. Die Stadt in ihrer fruchtbaren südlichen Gegend hat etwa 150 000 Einwohner. Pariser Sechstagerennen Am Dienstag begann im Vel' d'Hiv' das 16. Pariser Sechstagerennen. 15 Paare fahren, darunter eine deutsche Mannschaft. Die Liste der Teilnehmer ist folgende: Guerra-Di Paco (Italien); Linari-Piemontesi(Italien); Pijnenburg-Walls(Holland); Jean Aerts-Cherlier(Belgien); Albert Buysse-Deneef (Belgien); Stoepel-Thierhach(Deutschland); Brocardo-Guim- bretiere(Frankreich); Cfi. Pelissier-Leducq(Frankreich); A. Magne-Ignat(Frankreich); Boucheron-Mouton(Frankreich); Dayen-H. Lemoine(Frankreich); Choury-Fabre(Frankreich); Richard-Francis Faure(Frankreich); Coupry-Pecqueux (Frankreich); Peix-E. Diot(Frankreich). Die luoiter Hesse Die Frühjahrsmesse in Lyon, der Seidenstadt, ist durch H e r r i o t eröffnet worden, aber nicht in seiner Eigenschaft als Minister— da den französischen Ministern die Teilnahme an derlei Festlichkeiten durch einen neuen Erlaß des Vaters des Vaterlandes Döumergue nicht mehr gestattet ist—, sondern als Bürgermeister der Rhone- und Saone-Stadt. Interessant ist, so weit wir sehen, daß nicht das„dritte Reich", wohl aber das Saargebiet amtlich vertreten ist. Auf dem Bankett sprach neben Herriot der Bürgermeister Pett- k o f f von Sofia und der Vertreter der sowjetrussischen Handelsdelegation Ostrowski. Wie man weiß, war Herriot in Sowjetrußland. Zu den Hauptsehenswürdigkeiten der Messe gehört der I.yoner„GuignoL", eine berühmte Abart des Kaspertheaters, und die Hundertjahrfeier des Todestages von Jacquard,.dem Einführer der mechanischen Webstühle in dem Lyoner Seidenbezirk. TÄL rrinilÄ 43-13 MSiro P Igalle Deufsche Poli klin ik Paris,©2., Rue de la Rochefoucauld *' Allgemeine Konsultationen«at9 Sp«rt.li« ra b) Chirurgie c) Geburtshilfliche Klinik d) Zahnärztliche* Kabinet« innere Medizm, minien und groß»China-, mit 1 bi,«Betten., Arrar.lH.lv und Porrellankronen.Brücken tun« b«) Blut#. Harn» o. Getchl echtste ran kheiteu eie. 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Berühmte Werke über die Großen unter den Deutschen, vom Nietzsche-Buch um die Jahrhundertwende bis zu seinem Anteil am Goethe- Jahr, zeichnen seine Lebensarbeit aus. Er setzt, wie kaum ein anderer, die Arbeit Gundolfs fort, für die im„dritten Reiche" kein Raum mehr ist. Er ist einer der Alemannen am Straßburger gothischen Griffel und am Isenheimer Altar des verzückten Grünewald, deren Heiligtum unter Frankreich sicherer als unter dem heutigen Deutschland ist. land ist. Elsässer von Geburt hat er sein Leben und seine Kindheit in Paris verbracht. Sein Vater, Protestant und Pfarrer wie der von Brion, bei dem Goethes junge Dichtung entstand, war elsässer Emigrant. Das war nach dem grauenhaften Kriege von 1870, der, wie wir heute deutlich erkennen, nicht nur das Unglück Frankreichs, auch das Deutschlands war, da der Sieg die übelste Bismarcksche Macht- und Unmoralzeit nach sich trug, die in erster Linie schuld war, daß der alte Geist Leasings zerstört wurde. Hitler ist da nicht ein Anfang, sondern das Ende einer Entwicklung. So erkennt ihn wohl auch der greise Gelehrte, der weit, weit über allem steht, was heute in dem Reiche der Banse und der Feder und der Günther über Kultur gelehrt wird. Nichts rührender, als den Mann mit dem weißen Bart und dem kühnen Gelehrtenschädel in diesen Wochen über „Deutschland" lesen zu hören: mit dem Willen zur Gerechtigkeit, und doch mit der schmerzvollen Weisheit der alten •Faust-Erkenntnis:„Sie ist gerettet? Ist gerichtet." Baptist. Das Pfandhaus von Orleans ist zu In Orleans, der berühmten, auch von Schiller bedichteten Stadt, die sonst manchmal mit ihren über 70 000 Einwohnern etwas abgelegen zu sein scheint, ist etwas Neues geschehen, das die Leute aufregt. Der Senator-Bürgermeister hat nämlich das Pfandhaus geschlossen. Die Verpumpung von Geld auf Betten, Ringe, Uhren und dergleichen, die sonst der Brauch dieser Städte ist. wurde bis auf weiteres eingestellt. Allerdings brauchen sich die Pfandschein-Inhaber nicht zu beunruhigen. Ein Anschlag gibt den Einwohnern der Stadt der Jungfrau von Orleans bekannt, daß alles ausgelöst wird und daß die Sparkasse mit fast 1.4 Millionen Franken Aktiven den Stürmen gewachsen ist. Die Schließung der Schalter des Versatzamtes ist eine Folge der Verhaftung des Direktors und des Schätzers des Credit Municipal von Orleans, die ebenso wie ihre Kollegen „Die Dassen" in Paris Da unsere Auffassung des Anti-Hitler-Stückes von Ferdinand Bruckner im Pariser Theatre de I Oeuvre vielleicht für befangen erklärt werden könnte, geben wir im Folgenden die Stimme der modernen Pariser Schriftstellerin C o 1 e 11 e wieder. Colette schreibt in ihrer Eigenschaft als Theaterkritikerin des großen Blattes„Journal: „Das Stück, das Bruckner„Die Rassen" nennt, ist in hervorstechender Art vergegenwärtigt worden durch das Drama, das sich in Deutschland abspielte und noch abspielt: ein Land merzt auf die simpelste und brutalste Weise alles aus, was es als der Herrenrasse fremd erachtet, und wirft sich dann zum Richter dieser von ihm vorgenommenen Ausmerzung auf. Im Verlaufe von acht Bildern, die geschickt und unterhaltsam, aber auch menschlich ergreifend sind, stellt Bruckner der Nazi-Auffassung die Auffassung der Freiheit gegenüber. Die Freiheit tritt für die Achtung vor der Persönlichkeit ein, die entgegenstehende Auffassung unterwirft den Menschen in blindem Wahn einem Rassenprinzip, taucht ihn in neue Mystik, treibt ihn durch grobe Mittel in den Fanatismus. Die Unparteilichkeit des Autors ist nur eine scheinbare, br beauftragt T e s s o w, den jungen Nazistudenten, in glühendem Rausch, und R o ß I o h„den Führer einer Nazi-Abtei- lung, die wir das ganze Stück hindurch sehen, die Reinen zu erhitzen, die Lauen zu strafen. Wir sehen als Streiter des Freiheitlichen nur K a r 1 a n n e r, das ist ein Student, der seit zwei Jahren die junge Jüdin H e 1 e n eliebt. 51 enn Karlanner auf das niedrige Saufen und auf das Faulenzen verzichtet hat. um Geschmack an der Arbeit, am geordneten und intelligenten Leben zu gewinnen, so dankt er das nur Helene und noch einem jungen Juden S i e g e 1 ra a n ni, der sanft und arbeitsam, als erklärter Feind der Gewalt vor allem zurückschreckt, was die Grenzen des Vernünftigen Ub Aber^Karlanner unterliegt rasch der Anziehungskraft einer Masse, die aufgerührt wird durch unablässige Propaganda, die der Persönlichkeit keine Aussicht auf Entwicklung gibt, taub gegen Klänge, abgerichtet wie Automaten. Er verläßt Helene, und sie läßt ihn stolz gehen, sie will ihrer Rasse treuer als ihrem Geliebten sein. Er wird Nazi und Bekenner, als ob das Bekennertum die notwendige Abtötung, der Schmerzensweg sei, um zu sich selbst zu entfliehen... Roßloh, Führer in der Finsternis, von Ehrgeiz und politischem Sinn zerfressen, erkennt leicht den Grund der tiefen Trauer Karlanners und unterwirft ihn furchtbaren Prüfungen: gerade Karlanner muß den Siegelmann verhaften, vorbeischleppen, ihn feige der Menge vorwerfen— dann kommt die Reihe an Helene... Aber diesmal bäumt sich Karlanner. er übt Verrat. Dank ihm kann Helene in Begleitung Siegelmanns fliehen, nach Palästina. Das letzte Bild, die Verhaftung des verurteilten Karlanner, der Ungehorsam des ins Herz Gestoßenen bei den letzten Befehlen Boßlobs, sein Zapneln mit den Flügeln im Leim bleibt noch lange in unserer Erinnerung. Unparteiisch im Ton, den mit freiheitlich empfundenem Protest die Antwort auf den Nazi-Wahn gebend, ist das Stück von Bruckner eine um so schärfere Anklage gegen den Nationalsozialismus. Von wem verlangt man auch, unparteiisch zu sein in einem Konflikt, wo Gedanken, die die Menschenwürde zum Aufruhr bringen, ihr Spiel zu treiben wagen? Die junge Truppe der„Oeuvre" spielt jung, mit Feuer, die Sprünge scharf, in Ausholung und Bewegung ohne Rechnung. wie es die Ehre und die Macht der Jugend ist. Tania Balachova ist Helene ganz und gar, bitter und teilnahmslos. Das Gerechtigkeitsgefühl, das ausdrucksvolle, schöne Gesicht von Julien Bertheau hat sehr der Persönlichkeit des Siegelmann gedient, und Raymond M a u r e 1 erliegt nicht unter der schweren Rolle des Karlanner. Ramend Rouleau hat erwartungsgemäß die Rolle des Roßloh gewählt. Man findet an diesem jungen großen Schauspieler eine Gefälligkeit statt des Boshaften, einen Willen zu herrschen, neben der eine Herrschaft über sich und eine verborgene und merkbare Verachtung, was zuweilen widersprechend, aber immer verführerisch wirkt?" in Bayonne dem„schönen Alexandre" zu nahe ins Auge gesehen haben. Die beiden Orleans-Leute sind, da die Untersuchung jetzt alleine von Paris geführt wird, auf dem Austerlitz-Bahnhof eingetroffen und in die Sante eingesperrt worden. ■DUFKASTIM Pg. Kronprinz Wilhelm". Sie haben sich als TA.-Mann loftfi« miert und fotografieren lagen. Die gleichgeschaltete Preste»er- breitet das Bild. Noch immer sehen Sie so leichtfertig aus wie Anno Verdun, a^> sie in Tennisklust die Parade über die seid- grauen Männer abnahmen, die Sie als ein unfähiger Repräftn- totionsfeldherr in den Tod schickten. Amüsieren Sie sich noch immer gut? Und nun sind Sie trotz jüdischer Freundinnen und sonstiger Rassenschande in der TA.? Das geschieht dem Hitler recht. Di« Emigranten des Komitees in Paris. Ihre Zuschrift hat den Fehler anonym zu sein. Sic dürfen Vertrauen zu uns haben. Senden Sie uns eine sachliche Erwiderung und wir werden sie gerne bringen. UebrigcnS werden wir bei Pariser Freunden an- fragen. Jbiza. Ihrer Anregung werden wir folgen. Bilbao. Das ist etwas viel verlangt, aber wir werden unS be- mühen. F.«., Nenyork. Besten Tank. Tie beiden Gedichte erscheinen. Heil Schwiftgcbel! Es gibt, wie wir der„Saarbrücker Zeitung" entnehmen, einen SA.-Brigadeführer Tchwitzgebel. Der hat nach der- selben Zeitung aus einer Taarkundgebung in Zweibrücken geredet, es sei eine Beleidigung für die Saarländer, wenn irgendjemand sagt, er wolle das Saargebiet rctlcn. Nanu? Warum gründet man da die„deutsche Front" und wirbt hcrzzerbrcchend für dieses große Röchling-Unternehmen? Warum redet man davon, daß im Saar- gebiet ein Kamps zwischen Teutschland und Frankreich stattfindet? Warum die ganze Gcldvergeudung? Warum das ganze Theater, wenn es eine Beleidigung ist, an der Hitlerbegeifterung der Saar» cinwohner zu zweifeln? Da sind Widersprüche, die durch den saar- deutschen Schlachtruf„Heil Schwitzgcbcl" nicht gelöst werden. ylter Sozialist. Sie haben noch Bismarck und sein Ausnahmegesetz erlebt, und Ihr Vergleich mit Hitlerdentschland fällt sehr zugunsten Bismarcks aus. Zu einer Versklavung wie der in Hitlerdeutschland hat sich Bismarck in seinen wildesten junkerlichen Träumen nicht oerstiegen. Immerhin stammt von ihm das Wort:„Ich schätze an dem ganzen Regime nichts so sehr wie die absoluteste Oessentlich- keit; es soll kein Winkel des öffentlichen Lebens dunkel bleiben." Sch. Tunis. Es ist schön, daß Tie auch dort der„Deutschen Frei- heit" gedenken. Tic Probenummern gehen ab. Ihr Abonnement haben wir vorgemerkt. Den sonstigen Inhalt Ihres Brieses geben wir an eine geeignete Stelle weiter. Dr. W. F. Das Dreieck aus dem linken Aermel ist ein Abzeichen für alle, die vor dem 31. März 1982 der TA. oder der SS. bei» getreten und seitdem ununterbrochen Mitglied geblieben sind. In solchen Kinkerlitzchen ist der Nationalsozialismus groß. Wo das Esten fehlt, gibt es Tressen. Lehrer W Sie lästern uns, weil wir von einer evangelischen „Parteikirchc" geschrieben haben. Mann Gottes, wo leben Sie eigentlich? Nach unwidersprochenen Berichten hat der Rcichsbischof Müller, also der Mann, zu deften Führerschaft Tie sich in Ihrem Briefe an uns bekennen in der berühmten Sportpalaswersammlung am 2. März gesagt, es werde die Zeit kommen, wo nur noch nationalsozialistische Pfarrer auf den Kanzel» stehen und wo die Gemeinden die oppositionellen Pfarrer wegfegen und ihnen und ihrem Anbang eine Antwort erteilen würden, daß diesen Leuten Hören und Sehen vergehe. Nun also: Parteikirchc oder nicht? Der Gruß dcS Heilands war: „Friede sei mit euch!" Wir würde es ihm wohl ergehen, wenn er jetzt mit diesen schönen Worten zwischen eine Horde Heil-Hitler» Pfarrer geriete? W. A., Paris. Den Aufsatz haben wir gelesen. Die Beschimpfung ehemals führender Sozialdemokraten scheint sich noch immer zu lohnen. H. S., Warschau. Die japanische Entwicklung ist noch stürmischer als Sie annehmen. Zur Zeit des russisch-japanischen Krieges, vor 30 Jahren, zählte Japan 40 Millionen Einwohner und verfügte nur über einige in den Anfängen steckende Industrien. Tie japanische industrielle Produktion verdoppelte sich von l904 bis I90g, verzehnfachte sich 1929 gegenüber 1909 und wuchs seitdem um 00 Prozent gegenüber 1929. Die Bevölkerung inkl. Korea beträgt gegenwärtig 92 Millionen, inkl. der Mandschurei 124 Millionen. Für den Gcsamtinhalt verantwortlich: Johann P> tz tu Dud» weiler; für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken Rotationsdruck und Verlag: Verlag der BolkSstimme GmbH„ Saarbrücken& Schützenstiaße 5.<— Schließfach 776 Saarbrücken.