"X Nr. 85. Adoimements-Kedlngukgtn: AbonnemenlS-yreis pränumerando! Vierteljahrs 3,30 Mt, monatl� 1,10 Ml>, wöchentlich 28 Pjg, frei inj Hau«, Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntag«. Nummer mit illustrirter Sonntag«. Beilage„Die Neue Welt" w Pfg, Poft- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung«. Preisliste für 1337 unter Br. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für da» übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Srscheini täglich ansier Slontag«. Vevlinev VolkrsblÄkt. 14. Jahrg. Die Dnftrtisns Goltühr beträgt für die fechSgefpaltene»olonsl- »eile oder deren Raum«0 Psg., für Verein«, und VerfammlungS-Anzeigen, sowie ArbeitSmarkt 20 Pfg. Inserate für dt« nächste Nummer müssen bis « Uhr nachmiuag« in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen M« 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis g Uhr vormittag« geöffnet. Zernsprecher: Ami I, Ar. 1203. Telegramm-Adresse: «Sozialdemokrat Berlin". Dentrttlorgcm der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Deduktion: SW. 19, Weul Y-Straße 2. Sonnabend» den 10. April Spedition: SW. 19, Meuty-Straße Z Outttung. Im Monat März sind bei dem Unttrzeichntte» folgende P.iiteibeiträge eingegangen: Zlugsbnrg, U. 40,—. Apolda, v. d. Genossen 6,—. Berlin, Veilräge der Wahlkreise: I. Kreis SO,—(darunter gesammelt Kanvnierstraße 1,50). 2. Kreis 750,—(darunter Ueberschusi vom„Wahren Jakob" 2,65, die Rothen voni Westen 15.—, Waffenrock Posen 1.40. C. L. 5,—). 4. Kreis Ost 1500,— (darunter Wolter'sche Werkstatt Büschingslr. 7 10,—, Putzerkolonne Pritzkow 12,—, Andreas B. 50,—, Damit es besser werde 40.—, Schulz, Niidersdorferstraße, übrig gebliebene Prozente 10,—, gefundene Bons 0,S0, Z. Nov., Dez., Jan 640,95. Ileberschuß der Kranzspende der Eckert'schen Fabrik, Friedrichsberg 27,40, desgl. der Fabrik von Pintsch, Andreas- straße, 14,50, Ileberschuß vom Vergnügen ans dem Stadtbezirk 175 20,—). 6. Kreis. Wedding u. Oranienburger Vorstadt 560,—(dar- uuter Polarlicht 65,—, Ueberschuß der Kranzspende d. Schivarhkopff- sche» Fabrik(Neues Werk) 16.—, desgl. von A. E.-G 85,80). 6. Kr., Schönhanser-Vorstadt 550,—(darunter Kranzspende für die Märzgefallenen„Solidarität" 7,50). 6. Kr., Gesundbrunnen, Rosen- thaler Vorstadl 400,—. 6. Kr., Moabit 250,—(darunter vom auf gelösten Klub„Schiller" 6,—, ein selbständiger Droschkenkutscher —.90. Ueberschuß der Kranzspende der Anhalt. Maschinenfabrik Marlinickenfelde 80,35.) Berlin, diverse Beiträge: Ueberschuß der Kranzspende der Anilinfabrik Treptow 21,10. Mallien 4,05. Fünf Hutmacher, Königstraße 25, 5,50. Rothe Buchbinder, Grün- straße, 5,—. L. n. H. B. 5,05. Gutenberg 100,—. Von Mitgliedern der B— scheu Druckerei 14,—. Ahleniann 5.- Tcgelort, bei Hille 3,—. Ueberschuß der Kranzspende der Fabrik Gebrüder Naglo, Treptow, 12,85. Arbeiter von Schuster ii. Bär 14,40. Mitgl. der U.-Dr. 4.-. A. E. f Brunnenstr. 9,40. I. M. 2,—. Arbeiter und Arbeiterinnen der Buchbinderei von Babing 10,—.— Buchholz, bei Annaberg Posamentenfabr. 2,—. Bergedorf, R. 100,—. Bamberg, Jäck- lein Rohrbach 5,—. Bärenstein i. Sachsen, gesammelt von den Genossen 10,—. Cottbus, S. 10,—. Cassel 100,—. Ernstthal bei Hohenstein, Kindtanfe 2,10. Essen(Ruhr), durch den Vertrauensmann 50,—. Falkenberg(Oberschl.) 6,—. Flensburg 30,—. Frankenthal, v. d. Genossen d. 1. Pfälzer Wahlkreise? 10.—. Falkenslein i. V. 5,—. Greiz n. Umgegend, von den Genossen 50,—. Gießen, von den Genossen 5,—. Glauchau, 17. sächsischer Reichstags-Wahlkreis 100,—. Gößnitz S.-A., von einigen zurückgestellten Genossen 50.—. Hannover 1000,—. Hastedt, von Genoffe» 10,—. Hamburg, 2. Kr. von d. Tabakarbeit. der Firma Franke, Katharinenstr. 86 50,—. München, Waldläufer 5.—. München, Zylinderhut 5,—. Mannheini, v. d. Genossen 50,—. München, von den Genossen des Gärtnerplatz-Viertcls 40,—. Nord- Hause», durch den Vertrauensmann 5,—. Nürnberg, rothe Kastanien 10.—. Oerlinghansen 20,—. Offenburg,„Volkssreund", 10,—. Otteuse», durch Poulsen. 6. Rate 10,—. Reichenberg i. V., alte Garde 50,—. Striegau, von den Genossen 20,—. Stuttgart, Ulrich 20,—. Schncy(Bayern), durch den Vertrauensmann 12,55. Stralau, fröhliche Sänger 30,—. Stralau, Uebersch. der Kranzsp. der Graucrt'sche» Fabrik durch St. 12,60. Spremberg. ges. b. einer rothe» Hochzeit 4,—. Verden, rother Geburtstag d. L. N. 1,60. Württemberg 50,—. H n m b u r g- E i m s b ü t t e l, den 7. April 1397. Für den geschäftssührenden Ausschuß: A. G e r i s ch. Eichenstr. 4. Wenn eine herrschende Klasse oder eine Negiernng sich in Widerspruch mit den gewordenen Verhältnissen und der Zeit- stiömniig gebracht hat, so tritt dieser Widerspruch in allen Regierungsakten, auch den der Politik fernliegenden, greifbar zu tage; und je moderner und einfacher der Gegenstand, desto drastischer offenbart sich der Anachronismus, die Ruck- ständigkrit. Eine modernere und einfachere Frage, als die Regelung des Auswanderungswesens für Deutschland giebt es nicht. Die Ansivandcrungsfrage im allgemeinen ist freilich sehr vielgestaltig und verwickelt. Sie stellt sich entweder als reine P o l i z c i f r a g e dar, die, unter Beobachtung gewisser, längst feststehender Regeln, von den Land- und See- Polizeibehörden ebenso leicht, ja noch leichter zu lösen ist, als der Droschken- und Oninibusverkehr. Oder sie stellt sich— was jedoch leider für Deutschland nicht mehr gilt— als Frage der Politik dar, die mit der allgemeinen Politik im Zusammenhang steht und unter Umständen einen sehr wichtigen, ja den wichtigsten Theil der Politik einer Nation bilden kann. Zum Beispiel bei den Griechen hatte so ziemlich die gesammte nationale Politik in der Aus- wanderungssrage ihren Attsgangs-, Ziel- und Gipfelpunkt. So oft die unter den günstigen klimatischen Bedingungen rasch wachsende Bevölkerung sür das kleine meerumschlungene Ländchen zu zahlreich wurde, ging man daran, von Staats- oder Stadtwegen— Staat und Stadt war dort eins—„die Auswanderung zu regeln"; die geneigten und geeigneten Bürger und Bürgerinnen wurden mit allem Nölhigen ausgerüstet und nach einem vorher sorgfältigansgesuchtcn überseeischen Küftenpnnkt gefahren. Dort gründeten sie eine „Kolonie". So besiedelten die Griechen die Küstenstriche Klein- asiens und des Schwarzen Meeres, den Bosporus, Untcritalien, Sizilien, Südfrankreich. Die Töchterstädte wurden oft größer als die Mutterstädte; überall hin brachten die Kolonisten griechische Kultur und Kunst, und alle Kolonien waren in mehr oder weniger innigem Znsammenhang mit dem Heimathland. Das war die v er- n ü n f t i g st e K o l o n i a 1 p o l i t i k, die je getrieben wurde. Hernach folgte die Makedonische Kolonialpolitik als Nachzüglerin der Makedonischen Eroberungspolitik. Und diese Kolonialpolitik wurde auch später die der Römer, die überall, wo sie eroberten, auch kolonisirten, und denen wir, trotz alles patriotischen Gezeters, die Grundlagen unserer germanischen Kultur verdanken. Wir Deutsche, oder sagen wir: wir G e r m a n e n waren allezeit große Wanderer, Auswanderer und Kolonisten. Die Völkerwanderung war germanisches Werk, und, ob- gleich nicht unter dem gleichen Namen, dauert sie bei den Germanen bis auf den heutigen Tag fort. Die Deutschen, Engländer, Dänen, Schweden, Norweger, Holländer sind allezeit Wanderer und— wenn es ihnen„draußen" besser gefiel— A u s wanderer gewesen. Der Deutsche war von jeher ein Weltbürger; und der pfahlbürgcrliche Gedanke chinesisch- nationaler Absperrung konnte nur in ostelbischen, halb slavisch-kosackischen Jnnkerschädcln aufkommen. Und wahrhastig, das germanische Volk kann auf seine Auswandernngs- und Kolonialpolitik stolz sein: cS hat die alte römische Welt ver- jüngt und als Belohnung sich die römische Kultur genommen — es hat E n g e l l a n d gegründet, das F r a n k e n r e i ch, das O e st e r r e i ch. Sind das nicht glänzende Leistungen von Kolonialpolitik? Oesterreich allein, das slavischen und sonstigen Halbbarbaren abgerungen und germanischer Kultur erschlossen ward, wiegt das indische Reich auf. Oder wöge es ans, wenn das deutsche Volk nicht die Herrschaft im eigenen Land verloren hätte und durch eine Kette un- glücklicher Umstände unter die Botmäßigkeit von Fürsten gerathcn wäre, die sämmtlich nur sür die selbstsüchtigsten, beschränktesten dynastischen Interessen ein Ange hatten, und von welchen auch nicht einer im stände war, den großen uationalcn und zugleich weltbürgerlichen Zug des deutschen Volkes zu verstehen. Das deutsche Volk mit seiner großen nationalen Kolonialpolitik schuf in Oesterreich eine Macht, die, planmäßig voni Mutterland unterstützt und gefördert, heute die B a l k a n h a l b i n s e l m i t s a m m t K o n st a u- t i n o p e l, dem Schlüssel der Weltherrschast, im Besitz hätte. Allein keiner der deutschen Fürsten und sogenannten Staats- männer hat ein Verstäudniß für diese national- inter nationale Kolonialpolitik gehabt. Statt den Strom der deutschen Auswanderung nach dem Südosten Europas zu leiten und einen nnttbersteiglichen Damm gegen russisch- mongolisches Barbarenthnm zu errichten, trieb man durch jämmerliche Polizeichikanen und klein- lich-brutale Vcrfolgnngspolitik die überschüssigen Millionen, die Deutschland zum voruehmsteu Weltreich gemacht hätten, hinaus aus dem Land in ferne Erdtheile und ivarf schließlich, zur Krönung der d y n a st i s ch- j u n k e r l i ch e n„National- Politik", O e st e r r e i ch ans Deutschland hinaus. Und jetzt, nachdem das Kind in den Brunnen gefallen und alles deutsch- gründlich verpfuscht ist, kommt die deutsche Reichsregicrung hinter der Weltgeschichte hergehinkt mit einem Plan, die deutsche Auswanderung, so lange es mit den afrika- nischen Sumpf-, Sand- und Fieberlöchern noch nichts ist, nach — Südamerika zu lenken. O diese über- und unter- menschliche— Bescheidenheit! Der Strom deutscher Auswanderung, den die deutsche Staatskunst gewaltsam von seinen natürlichen Bahnen abgelenkt und der deutschen Natioiialkraft entzogen hat, soll nun auf einmal für die deutsche Nationalkraft zurückgewonnen werden— das ist der Zivcck des Auswanderungs-Gesetzcs. Leider zu spät. Und wäre es nicht zu spät, ein ganz ver- fehlter Weg. Also wenn irgend möglich, will man die deutschen Auswanderer nach Südamerika schaffen— da seien sie für das Vaterland nicht so vollständig ver- loren, wie in den Vereinigten Staaten von Nord- amerika, wohin seit einem Jahrhundert über 91 von hundert aller deutschen Ausivanderer gehen. Aber wer sagt denn der Reichsregierung, daß die deutschen Auswanderer in Brasilien dem deutschen Vaterland, das heißt dem deutschen Junker-, Soldaten- und Polizeireich enger verbunden blieben als in den Vereinigten Staaten? Vor dreißig, vierzig und fünfzig Jahren schwärmten unsere Junker ja für tropische Kolonien in Südamerika, wo sie ein romantisches Junkerreich errichten könnten. Die Versuche sind jedoch kläglich mißlungen, und seitdem ist überall in Südamerika— auch in Brasilien— die R e p u b l i k eingeführt, die deutsche Junkerparadiese nicht duldet. Der wirk- liche Rip van Winkle hat blos 7 Jahre geschlafen; die Rip van Winkle's der deutschen Reichsregicrung aber 7 nial 7 Jahre. Und warum gehen die deutschen Auswanderer denn außer Landes? Man frage drüben in Amerika einmal die Aus- gewanderten— von je hundert, die hinübergezogcu sind, iverden 99 antworten: der Militärdienst, Polizei- C h i k a n e n, S t e n e r ü b e r b ü r d u n g, A r b e i t s l o si g- k e i t, V e r f o l g u n g e n, kurz, d i c p o l i t i s ch e n n d w i r t h s ch a f t l i ch e M i s ö r e hat uns ans dem Vaterlande getrieben. Die Auswanderer flüchten sich vor der deutschen Reichs- Herrlichkeit, die ihnen als Reichselend erscheint. Sie sind froh, dem„nationalen Zuchthaus" entronnen zu sein. Und sie wären verrückt, wollten sie in der einen oder anderen Form zu der Bastille, aus der sie sich glücklich befreit haben, wieder in„nähere nationale Beziehungen treten". Kein Zweifel, unsere Rip van Winkle's schlafen noch immer. Politische Mebeefichk. Berlin. 9. April 1897. In alle» Wipfeln ist Ruh! Die Politik scheint schon unter dem Einfluß des Osterfestes zu stehen, obgleich sie sonst solch poetischen oder gar religiösen Einflüssen, trotz aller Christlichkeit, nicht zugänglich ist. Aber Thatsache ist: auf dem Gebiet der äußeren und inneren Politik ist plötzlich eine Windstille eingetreten, die, nach den sAufregungen der letzten Monate, etwas Unheimliches hat. Windstillen auf dem Weltmeer sind den Schiffskapitänen bekanntlich nicht sehr lieb, weil sie in der Regel die Vorboten furchtbarer Orkaue und Kreisstürme sind. Möge das mit der gegenwärtigen politischen Windstille nicht der Fall sein! An Zündstoff fehlt es ja leider nicht; die Diplo- iiiatie hat den vorhandenen blos noch vermehrt, und da sie keine Frage gelöst, ivohl aber alle nur noch mehr verwickelt, und nur einen Aufschub der Lösung oder Lösungen erwirkt hat, so müssen wir auf Ueberraschuugen und Katastrophen gefaßt sei». Augenblicklich aber herrscht Windstille, und kündet die Osterrnhe sich überall an. Der deutsche Reichstag ist zuerst in die Ferien gegangen, das französische, englische und italienische Parlament folgen in diesen Tagen nach, und der einzige Lärm, der augenblicklich die feicrtägige Ruhe unterbricht, sind die Nachgewitter des französischen Panama und des italienischen P a n a m i n o.— Ucber die Lage im Orient liegen heute die folgenden Meldungen vor: Die„Times" melden ans Konstantinopel vom 8. April: Die Pforte hat während der letzten Woche drei Rundschreibe» an ihre auswärtigen Vertreter gerichtet, in denen sie sordert, die griechische» Truppen sollten Kreta räumen; ferner protestirt die Pforte im Voraus gegen die Einsetzung eines europäischen Gouverneurs durch die Mächte und beschwert sich über die Un- gerechtigkeit, die Mohamedaner auf Kreta zu entwaffnen, während den Christen erlaubt sei, die Waffe» zu behalten. „Daily News" erfährt ans Kanea vom 8. d. M.: Das russische Flaggschiff„Alexander" wird morgen Suda ver- lassen, um den russischen Konsul nach Retnno zu bringen, welcher aus eigener Initiative versuche» will, wenn irgend möglich, eine Zusannnenkunst der krelensischen Führer Herbeizuführen, um ihnen die Vortheile der Autonomie auseinander zu setze». Das russische Kriegsschiff„Nicolaus" geht nach Emyrna, um Kohlen und Proviant in Vorbereitung der Blockade Griechenlands einzn- uehine». Der Kapitän des österreichische» Kriegsschiffes„Krön- Prinzessin Stefanie" erhielt einen Brief von den Jnsnr- g e n t e u aus K i s s a m o, jn welchem erklärt wird, daß bei dem feindlichen Vorgehen der Mächte die Jnsur» g e n t e n verfahren würden, als wären sie im K r i e g s z u st a n d e mit denselben. Der Kampf werde stündlich erwartet. Der österreichische Admiral wird morgen nach Kissamo gehe». Man hält es für wahrscheinlich, daß die Block- Häuser zerstört werde», um sie nicht in die Hände der Jnsurgente,! fallen zu lassen. Ter Skandal von Kreta ist noch innner an keinem einzigen Punkte beigelegt. Treffend charakterisirl die„Wiener Arbeiter-Ztg." die Situation mit folgenden Ausführungen: Aus der Flulh der Depeschen und Korrespondenzen über Kreta, die tagtäglich in das Redaklionsburean einbricht und das Blatt überschwemmen möchte, entnimmt man heute wie morgen, was man gestern und vorgestern entnommen hat: daß der Streit um Kreta ein schmutziger Zivil« prozeß ist, den die Federfuchser nach alten Regeln der Ver- schleppungskunst in der Schwebe erhallen. Ein Strafprozeß bätle es sein sollen— frisch zugreisend, mit den Mißständen kurzer- Hand aufräumend. Statt dessen spielt sich ganz dasselbe ab, was einen Zivilprozeß zu den lieblichsten Dingen auf Erden macht: Vor lauter prozeßhindernden Einreden, die es ans allen Winkeln regnet, wird zur Hauptsache gar nicht verhandelt, und was die Ministerien, Botschaften, Gesandtschaften und diplomatischen Agenturen unter- einander au Noten wechseln, das alles hat nur den Werth der Makulatur. Gleichwie eine Partei im Zivilprozcß durch Nnweiidung mannigfacher Kniffe das Endurtheil im Streit in unabsehbare Ferne rücken kann, indem sie darauf hinarbeitet, vorerst in formaler Beziehung eine ganze Reihe von Zwischenurlheilen erfließen zu lassen, so habe» es die Diplomaten auch in dem Streit um Kreta eingeführt: trotz, oder vielmehr: wegen der zahllosen Noten, Erklärungen, Proteste und Gegenproteste, die alle erst instanzeii' mäßig beantivortet, erledigt und intimirt werden müssen, kommt die saubere Geschichte nicht vom Fleck. Das ist eine merkwürdige Allion, die wir da mit ansehen. Im Zivilprozcß, wenn'? immer bunter und bunter wird, verständigen sich zuiveilen die Parteien unter der Hand und jagen die Advokaten zum Teufel. Daß man den Diplomaten, die aus der allgemeinen llnruhe und Spannung, die sie künstlich hervorgeruse», sür ihr schäbiges Handwerk Profit ziehen, nicht ebenso de» Laufpaß ertheilen kann, ist ein Unglück der Völker, das hoffentlich nicht ewig währen wird. Das Schönste aber ist: wir müssen uns mit den diplomatische» Schmieragen in betreff Kretas befassen, weil wir Soldaten auf Kreta haben, und weil es uns nicht gleichgillig ist, ob man dort aus sie schießt oder nicht.— Chronik der Majcstätsbcleidigiiligö- Prozesse. Ter vor reichlich einem halben Jahre wegen Majeslätsbeleidigung zu 2 Jahren Gesängniß verurtheilte Knecht I. Paulsen ans Panhol ist nunmehr gegen eine Kaution von 2000 M. n»S der Haft entlassen. Wir be- richteten schon, daß das Wiederanfnahme-Versahren in der Sache Paulsen eingeleitet werden sollte, da die Annahme vorlag, daß aus grund falscher Aussage die Verurthcilnng seinerzeit erfolgte.— Deut sche S Reich. — Gegen die D i f s c r e n z i r u n g des Zuckers im neuen Zollgesetz der Vereinigten Staaten ist seitens der Reichs- regierung als einer Verletzung de? Meifibegünstigungsvertrages in Washington Protest eingelegt worden.— — D i» N n t i f i k a t i o n s- U r k u n d e n des Handels« Vertrages zwischen dein Deutschen Reiche und Nicaragua sind deute in Guateinnla ausgetauscht worden. Der Vertrag tritt gleich- zeitig mit dem Austausch der Ratifikationen in kraft.— —- Die Nachwahl tu Torgatl-Liebe nwerda hat mit einein Siege des 5kandidate>l der freisinnigen Volkspartei ge- endet. Knörcke hat mit über 26S0 Stimmen Mehrheit über den reichsparteilichen Kandidaten v. Bussenius gesiegt.— �-Hofrath de Grahl ist nun vom Wolfi'schcn Bureau entlasse». Das ist aber minder wichtig als die Frage, wer den» die Hintermänner des so gcschäflsluudigen, in allen Sätteln»nd Ge,liiiiungen gerechten Hofrathes sind. Herr de Grahl ist viel zu ersahri» n»d zu gewaiidt, als daß er der Dupirle ist. Er hat andere zu tälischen gesucht, aber nicht in eigenem Interesse, sondern rn dem anderer. Wer sind diese?— — Z n den sächsischen L a n d t a g s- W a h l e n. Auf Veranlassung des konservativen Vereins zu Dresden hat das Ministerium des Innern eine Entscheidnug darüber getroffen, ob nach dem„euen Landtags-Wahlgesehe Abschriften von den Wähler- listen ertheilt werde» solle». Die Eulscheidung gehl dahin, daß die Gemeindebehörden— gegen Entgelt»nd soweit sie Zeit und Schreibkräfte haben— auch sernerhin Abschriften von den Wähler- listen geben könne». Verpflichtet sind sie jedoch nickst. Die Ab- schrift kann erkenne» lassen, welcher Abtheilung(Klasse) ein Wähler angehört, über die Stenerverhällnisse der Einzelnen darf sie aber keine Auskunft geben. Es bleibt also im allgemcincn der alle Zu» stand bestehen, daß es vom gute» Willen der Gemeindebehördeii abhängt, ob sie Abschriften geben wollen oder nicht.— Niederhahla»(Sachsen), 7. April.(Eig. Ber.) In einer der lehten Gemeinderaths-Sitzungen stand die leidige Ortsvorsteher-Wahl zur Erörterung. Der kommissarische Verwalter des Gemeinde- Vorsteher- Amtes, ein früherer Rathssckretär ans Würzen, der sich dort mit intensiver, aber»utzloser Sozialistentödtcrei befaßt ui.d deshalb jedenfalls zum Verwalter des gut sozialistischen Nieder- Haßlau erkoren worden ist, erklärte den Gcmeinderaths- Mit- gliedern, daß ihnen das Festhalten an der Kandidatur des abgelehnten Bergarbeiters Bich. Knoll nichts nutze, die vor- gesetzte Behörde tverde ihn stets wieder ablehnen. Der Gemeinde- rath beschloß darauf gegen die üblichen fünf ordnungsparteilicheu Stiminen,�den Beschwerdeweg bis zur höchsten Instanz zu beschreiten, Auch hierin suchte sie der Herr Kommissar zu verhindern, indem er bemerkte, der Jnstanzeuzug sei erschöpft. Diese Erklärung begleiteten unsere Gemciuderaths- Mitglieder mit einem ironi- scheu Lache», worauf ihnen der Herr aber resignirt erklärte, er werde sie wegen dieses Lachens be st rase» lassen. Durch die nunmehr bereits sechsmal erfolgte Ablehnung des Bergarbeiters Knoll als Gemeindevorstand hat die Amtshaupt- znauuschaft dem ohnehin armen Ort ca. 800 Mark mehr Ver- waltungskoste» aufgehalst. Unter Hinweis hieraus suchte der provi- sorische Vorstand die Gemeiuderäthe z» bestimme», von der Wiedermahl des K. Abstand zu nehmen, was diesen jedoch gar nicht einfällt. Sie werden ihn wiederwählen. Gothacr Landtag. Die Koburger Abgeordneten habe» durch ihre energische Drohung, so lange Obstruktionspolitik zu treibe», bis ihr Wunsch, Zurückziehung der Ministerialinstruktion, erfüllt ist, erreicht, daß dieselbe für Koburg zurückgezogen wurde, während dieselbe für das Großherzogthum Gotha iveitcr besteht. Dies hat seinen Grund darin, daß die Koburger Abgeord- neten, ob vom Lande(agrarisch) oder aus den Städten (freisinnig), in dieser Frage sest zusammenstanden, während die Golhaer(7 Sozialdemokraten. 8 Agrarier und nationalliberal- agrarisch gesinnte und 4 Freisinnige, die aber beileibe nicht alle fest zum Freisinn schwören) getrennt warschiren. Der Antrag auf Einführung des Reichstags-Wahlrechts, welchen Genosse Bock tu der vorigen Session stellte, wurde diesmal von einein Koburger Freisinnigen gestellt, ebenso ein zweiter Antrag, unter Beibehaltung des letzigen Wahlsystems gedruckte, ohne Nummer und Stempel versehene Stimmzettel einzuführen. Diese Wahlanträge gaben dem Ministerium die erwünschte Gelegenheit, zu erklären: Ninimt der Landtag eine» dieser Wnhlanträge an so halte sich das Ministerium(Strenge) ver- pflichtet eine gänzliche Umarbeitung des Wahlgesetzes in der Richtung vorzunehme», daß nicht mehr wie bisher der niedrigste Sleuersatz zur Aus- ubungdes Wahlrechts genüge, sondern daß auch dem Besitz sei» rechtliches Moajj von Einfluß gesichert werde undschwebe ihm.Strenge.dasPlural- systein des neuen Meiningischen Gemeindeivahl-Gesetzes. 1—20 Stimmen, vor. Genosse Bock ging mit dem Herrn Minister streng ins Gericht. Er führte aus: Es sei kein Zweifel, daß bei der Stimmung der Regierung und der Majorität des Hauses mit der Zeit ein Gesetz eingebracht würde, ivelches die Bevölkerung nicht entzücken«verde. Er sei überzeugt, daß die Anivesenheit von sieben Sozialdemokrateu der Regierung sowohl wie der Majorität des Landtags arge Be- klemmung verursache.(Widerspruch.) Er bestreite entschieden, daß : nur die reichen Klassen zur Gesetzgebung berufen»nd den anderen Klassen an Wisse», Bildung und gutem Willen über- legen seien. Wer sich der heutigen großen Bewegung ver- schließe, habe keine Einsicht in den Gang der Entwickelung. Manche glaube» nur mit Gewalt, worunter auch die Ausschließung aus den Ver- tretungen falle, etwas erreiche» zu können. Der italienische Minister Cavour habe erklärt, mit dem Belagerungszustand könne jeder Esel tegieren. Auch mit dem Pluralsystem kann schließlich jeder regieren. Glauben Sie denn, daß Sie immer ohne die Sympathie des Volkes existiren können? Welche Wirkung würde es haben, wenn wir hinaus ginge» und dem Volke erzählten, daß jetzt nur noch der Geldsack entscheide? Man habe geglaubt, daß wir jetzt im Landtage un- berechtigte Ansprüche erheben würden. Bis jetzt sei das nicht geschehen und es werde auch nicht geschehe». Es sei kein Zufall, daß gerade in Gotha sieben Sozialdemokraten gewählt seien, da es industriell noch entwickelter sei als Koburg. Es ist stets die Eni- ivicketuug, welche bei Wahlen in die Erscheinung trete. Man solle an einem brodelnde» Kessel die Ventile nicht schließen, sonder» weit öffnen. Wir sind nicht die blutigen Revolutionäre, als welche man uns so gern hinstellt. Wir wolle» uns belhätigen durch ruhige und friedliche Arbeit. Geiiosse Ivos, Schander und Wolf sekuudirten kräftig, schließlich wurde der allgemeine Wahlrechlsantrag mit IS gegen IS Stimmen abgelehnt. Dagegen stimmten auch 6 Koburger. Der Verbesserungsantrag gelangte mit 22 gegen 8 Stimmen zur An- nähme. Unsere Fraktion hat bis jetzt drei Anträge gestellt: Ein- sührung zweijähriger statt vierjähriger Elatsperioden, Ein- sührung eines eigenen Fabrikinspeklors und einer Assistentin desselben, und Abschaffung der Gesinde- Ordnung. Der Antrag auf Einführung zweijähriger Etatsperioden wurde in der Berfassungskommission, der auch Genosse Bock angehört, ein- stimmig angenomnien«nd vom Landtag zum Beschluß erhoben. Der Antrag auf Einführung eines eigenen Fabrikinspektors wurde, nach. dem die Antragsteller die Assistentin, um Einstimmigkeit zu erzielen, diesmal noch fallen ließen, von der Verwallungskommission gleichfalls einstimmig angenommen. Die Gesinde-Ordnung kommt im Spezial-Landtag Gotha zur Entscheidung. Der Einfluß der sozialdemokratischen Fraktion, die sich als solche konstituirt und Genossen Bock zum Vorsitzenden, Genossen D e n n e r zum Schriftführer wählte, übt auf de» Landtag den ihr gebührenden Einfluß aus und sieht den kommenden, nicht uninter- essanten Kämpsen mit Ruhe entgegen.— �»Auf griind des Diktaturparagraphen wurde der französische Jesuitenpater Mury in Metz ausgewiesen. Ans grund des bestehenden Rechts konnte man, wie es scheint, seine lite- rarische» Werke nicht verfolgen, daher wandte man den so beliebten Diktaturparagraphen an.— — Koloniale Duellchronik. I» einem Pistolen- duell wurde der 36 jährige Vorsteher der kaiserlichen Haupt- postagentur in W i n d h o e k, Südafrika, Ober- Postsekretär Sachs, der älteste Sohn des derzeitigen Postsekretärs Sachs in Grauvenz, schwer verwundet. Der Prügelheld hat sich nach hier eingetroffenen, anscheinend authentischen Nachrichten aus bisher»n- bekannten Ursache» mit dem dortigen Ober-Landmesier Dürling duellirt. Die Kugel ist durch den rechten Arm und dann in de» Rumpf eingedrungen und hat dabei die Lunge gesireist; beide Beine sind empfindungslos, das Rückenmark ist wahrscheinlich durch eine» Knochensplitter der Wirbelsäule verletzt, wodurch eine schwere Operation nöthig wurde, über deren Resultat noch keine weiteren Nachrichten vorliegen. Nach dem Ausspruche des behandelnden Arztes wird Sachs selbst im günstigsten Falle auf längere Zeit dienstunfähig bleiben. Vor längerer Zeit ging hier unter den Frommen der Klingel- bentel für eine in Windhoek zu erbauende Kirche herum. In Wind- hoek werde ei» solcher Neubau allgemein als dringendes Bedürfniß eiupsunde». Haben sich auch die beiden Duellanten für den Bau dieses Instituts interessirt?— Oesterreich. Wie», 9. April. Das Abgeordnetenhaus beginnt die gleichzeitige Berathung der D r i» g l i ch k e i t s a» t r ä g e Wolf (Schönererparlei), Funke(deutsch- fortschrittlich) und Steinwender (deutsche Volkspartei) betreffend die letzten Sprachen-Ver- o r d n u» g e n für Böhmen. In seiner Begründung hebt der Antragsteller Wolf die große Erregung der Dentsch-Böhmen hervor, ivelche die Sprachen-Vcrordnungen als eine» Schlag ins Gesicht an- sehen, und weist auf die Rechte des Parlaments hin, welche durch diese Verordnungen verletzt würden. Redner greist in sehr heftiger Weise den Poleuklnb und die Juden a». Funke bezeichnet die Sprachen-Verordnuugen als einen Verfassungsbruch uilter Hinweis ans die Stnatsgrundgesetze und erklärt, die Deutscheu könnten auf dieser Grundlage keinen Ausgleich annehmen und die Wahlkurien nicht als eine Gcgenkonzession anerkennen. Wenn sie dieselben aber nicht erhalten sollten, so würden sie dem böhmischen Landtage fern- bleiben.— Der dritte Antragsteller Steinwender führte ans, nicht die Deutschen, sondern der Staatsdienst verlange, daß die Beamte» deutsch können. Der Dienst erfordere jedoch nicht die Kenntniß der czechischen Sprache. Tie Verordnungen seien geeignet, die dciltschen Bcamtenstellen auch den Deutschböhmen zu ver- schließen. Ministerpräsident Badeni erklärt, die Bestimmung der Amtssprache der Staatsbehörden sei das Recht der Exekutive, ivelches seit dein Beginn der konstitutionellen Aera geübt werde. So große» Werth die Regierung auf die Unter- stützung der czechischen Partei lege, sei die Erlassung der Sprachen- Verordnungen doch nicht etiva aus parlamentarisch- taktischen Gründen erfolgt. Diese Frage müsse vielmehr von einem doppelten Gesichtspunkt behandelt werde»: erstens von dem Standpunkt der Gerechtigkeit und Gleichberechtigung, zweitens von dein der Schaffung einer Basis zur Anbahnung eines friedliche», auf ivechselseitiger Anerkennung und gleichem Rechte beruhenden Zustandes in Böhmen.(Widerspruch links, Unruhe.) Er betrachtet die Lösung der Sprachensrage als eine Vor- aussetzung zu einer gedeihlichen Lösung der böhmischen Frage.(Bei- fall rechts. Widerspruch links.) Da die Regienliig der Ueberzeugung war, daß die Frage im Wege der Verständigung beider Völker- stamme nicht geregelt werden könne, fühlte sie sich verpflichtet, im Rahmen ihrer Befugniß einzllgreifen. Es sollte nirgends der geringste Zweifel aufkommen, daß die Regierung ge- ivillt und fest entschlossen ist, die berechtigten Interessen des deiitschen Volksstainnies in Böhmen zu schützen. Im Sinne des kaiserliche» Handschreibens werde sie sich, unbeirrt durch zeitweilige Parteischwierigkeiten, ausschließlich durch das allgemeine Stantsinteresse bestinnnen lassen. Die jetzt so bekämpfte Maßregel werde doch im Juteresse der politische» Aussöhnung dienlich sein. Allerdings müsse der czechische Aolksstamin das seinige zur Schaffung friedlicher Verhältnisse i» Böhmen beitrage».(Lebhafter Beifall rechts, Widerspruch links.) Die Sitzung dauert fort.— — Die polnischen Wahlen sind nun iin Abgeordneten- hause dank dem entschiedenen Eingreifen der Sozialdemokraten und der sonstigen unabhängigen Abgeordneten aus Galizieu erörtert) worden. De» tiefen Eindruck der zahlreichen haarsträubenden Vergewaltigungen der Wähler, die mit genauen Angaben von Ort uud Zeit und Zeugen angeführt ivurden, konnten die aalglatten Worte Badenr's und der Badeniten nicht verinindern. Das ülbgeordnetenhaus stand gauz unter dem Eindrucke der wirkuugsvolleii Rede des Genossen Daszynski und votirte einstimmig die dringliche Behandlung seines Antrages. Aber die Juiigczechen hinderten die Annahme des Antrages, indem sie dem Grafen Badeni neue Brücken bauten. Eine Depesche ans Wien meldet hierüber: In der heute fortgesetzten Berathung des Dringlichkeitsantrages Daszynski auf Einsetzung eines Ausschusses zur Prüfung der bei den letzten Reichstagswahlen, insbesondere in Galizie», vor- gekommenen Wahlinißbräuche, wurde nach längerer Debatte ein Antrag Stransky mit großer Mehrheit angenommen, wonach der Antrag Daszynski und der entsprechende Antrag Okuniewski dem Legitimationsausschusse zur eventuellen Berücksichtigung der in der Debatte vorgebrachten Thatsachen bei Verifizirung der betreffenden Wahlen überwiesen werden sollen. Gegen diesen Antrag stimmten mit den Sozialdemokraten die Liberalen und die Christ'lich-Soziale». Daß Graf Badeni eine schwere moralische Niederlage erlitten at, geht schon aus dem Leumundszeugniß hervor, das der so übel- elenmundete Polenklub seniein Verlheidiger und Wohlthäter aus- stellte. Hierüber meldet eine Depesche aus Wien: Der Polenklub veröffentlicht eine Kundgebung, in welcher er dem Ministerpräsidenten Grafen Badeni warme Anerkennung für dessen Haltung i» der Debatte über die Wahlen in Galizien zollt und demselben die Versicherung fortdauernden Vertrauens zu seiner Person und Politik ausspricht.— Ungar». Budapest, 9. April, Die liberale Partei wählte in den Aus- schuß zur Revision des Jnkompatibilitätsgesetzes dreizehn Mit- glieder. Acht Mitglieder wurde» der Opposition vorbehalten, die bereits ebenfalls ihre Wahlen in diesen Ausschuß vollzogen hat.— Frankreich. Paris, 9. April. Maret hatte gestern vor dem Untersuchungs- richter in Gegenwart Artvn's eine Vernehmung, bei welcher Arton behauptete, Burdeau habe 60 000 Franks für die Ansarbeitung des Berichts über die Pancuna-Affäre, der für die Kannner bestimmt war, ausbezahlt erhalten; Maret erhielt 90 000 Franks, um den Be- richt zu vertheidigen. Der Sozialist Rouanet wird in der morgigen Kammersitzung beantragen, daß die Aussage» des Untersuchungsrichters Le Poitevin von der Jmmunitätskommission im Amtsblatt veröffentlicht werden. Paris, 8. April. Der Ministerpräsident M e l i» e wohnte heute einem von dem Syndikat der Zucke rfabrikanten aus Anlaß der Bewilligung der Zuckerprämien ver- anstaltete» Banket bei. Meline rieth den Fabrikanten, an den» Gesetze festzuhalten oder, wenn es nolhwendig sein sollte. nur im Einvernehmen mit allen jJnteressenten daran zu rühren. Die Zuckerfrage, die früher eine innere war. ist jetzt eine internationale Frage geworden, aber die Regierung ist entschlossen, bei eventuellen Verhandlungen die Auf- rechterhaltung des Gesetzes von 1843 außer Diskussion zu stellen. Der Ministerpräsident schloß mit dem Wunsche, eine glückliche Lösung der Frage der internationalen Konferenz zu sehen. Ein reizendes Bild in wenigen Zeilen: Herr Meline als Gast bei den koalirten Zuckervertheurern! Seine Bitte, das Gesetz doch nicht sofort zu übertreten! Unsere Rllbenbarone werden Herrn Meline, den obersten Beamten der Erbfeinde, als leuchtendes Betspiel Herrn v. Marschall entgegenhalten.— Paris, 8. April. I» der P a n a m a- A f.f ä r e bildete gestern der Besuch des sozialistischen Abgeordneten Clovis Hugues beim Untersuchungsrichter das Hauptereigniß, weil derselbe die Unschuld des Deputirten erwies. Elovis Hugues wurde außer Verfolgung gesetzt.-- Niederlande. — Unsere Niederländer Genosse» sind eifrig in der Wahlbewegung; sie entwickeln eine größere Thätigkeit als die alten Parteien. Das neue Wahlgesetz giebt ihnen die Möglichkeit, einige Liandidate» durchzusetzen. Es ist aber nicht, wie ein hiesiges Blatt behauptet, allgemeines Wahlrecht. Von der»lännliche» Bevölkerung über 2S Jahren hat j e tz t ungefähr 3/3 das Stimmrecht, — etwa 650 000, während früher nur V3— etwa 320 000, das Stimmrecht hatten. Die Zweite Kammer hat 100 Abgeordnete, unter denen bisher 57 Liberale waren, 3 Radikale, 2S Liatholikeu(unserem Zentrum entsprechend) uud 14 sog. Autirevolulionäre, d. h. orthodoxe Pro- teftanten. Man sieht, frisches Blut thut sehr nolh. England. London, 6. April.(Eig. Ber.) Die Kommission zur Fest- stell, mg über d e n Jameson'schen Einfall in den TranSvaal— nimmt eine etwas unerwarteteWendung. Nachdem schon in früheren Sitzungen«ine Reihe unterer Regierungs-� beamter als Mitwisser an dem Unternehmen blosgestellt worden, hat jetzt das Verhör des Oberst Willoughby dem Verdacht, daß im Kolonialministerium selbst Mitwisser des Unternehmens säße», frische Nahrung gegeben. Herr Willoughby. dessen Verhör an» vorigen Freitag begann und gestern sortgesetzt wurde, hat sich durch einen Brief an das'Kriegsministerium, der Zurücknahme feiner Kassirung erwirken sollte, hereingeritten. Dort erklärte er, er habe an dem Ueberfall nur theilgenoinmen, weil ihn, von Jameson gesagt worden sei, die Reichsbehörden billigte» ihn. Jameson selbst will nur gesagt habe», die Reichsbehörden würden die Sache schon nachträglich billige». Es liegt aber auf der Hand, daß eine solche vage Vehallptung einem Mann in so verantwortlicher Stellung wie Oberst Willoughby— er war der Führer der Regierungstruppen und in keiner Weise Jamesou's Untergebener— nicht genügen darf. Die liberalen Mitglieder der Unter- suchungskonimission bestehen daher darauf, daß er bestimmte Angaben darüber mache, ivas ihm Jameson gesagt habe. Das verweigert Herr Willoughby. Erst stützte er sich darauf, daß es sich um Privatgesprächc handle, und als ihm erklärt wurde, diese Rücksicht könne nicht anerkannt iverden, gab er die Erklärung ab, er verweigere die Aussage ii» öffentlichen,— d. h. Staats-— Interesse nud sei bereit, die Konsequenzen dieser Weigerung zu tragen. Die Kommission hat daraufhin gestern die Sitzung abgebrochen, um erst zu berathen, welche weitere Schritte sie nehme» kann, um Willoughby zur Zeugen« aussage zu nöthige». Inzwischen ruht aber um so größerer Verdacht auf das Kolonial- amt und dessen Leiter— C h a m b e r l a in. Dieser hat bis auf iveiteres die Konsequenzen der Zeugnißverweigerung des Herrn Willoughby zu tragen.— Italien.'« — Die sozialistische Kammerfraktion hat sich konstituirt. Zum Sekretär wurde Geuosse A g n i n i gewählt. Andrea C o st a wurde bestimmt, bei der Diskussion über die Thronrede den Standpunkt der Fraktion zu vertrete». Beschloffen wurde, die Regierung zu interpelliren darüber, wie sie sich zu ver- halten gedenke den Behörden gegenüber, die während der Wahlzeit durch Akte der Willkür sich gegen das bestehende öffentliche Recht vergangen haben. T u r a t i wird diese Interpellation be- gründe». Ferner wurde B i s s o l a t i beaustragt, die Regie- riing über ihre Orientpolitik zu interpelliren. Beschlossen wurde endlich, Abänderungsanträge«inzilbringen zu den von der Regierung entivorfenen Gesetzesvorschlägen betreffend die Invaliden- und Unfallversicheruug der Arbeiter. Andere Gesetze sozialreforinatorischer Natur, wie Schutz der Frauen- und Kinderarbeit, MaxiMalarbeitS- zeit:c. wird die sozialistische Gruppe durch Einbringung von Initiativanträgen herbeizuführen suchen.— Rom, 8. April. Der Senat genehmigte heute den Entwurf der T h r o ii r e d e- B e a» t w o r t ii n g. In dein die Orient- frage behandelnden Theil der Adresse wird der Wunsch ausgedrückt, es möge der italienischen Regierung gelingen, gemeinsam mit den übrigen Mächten den Frieden zu sichern, indem den Völkern Gerechtigkeit geschehe.— Rom, 9. April. Deputirtenkammer. Die Deputirten sind sehr zahlreich erschienen, die Tribünen dicht besetzt. Das Haus setzt die Berathung der Interpellation bezüglich Kretas fort. Sa» G i u l i a n o griff die Politik der Regierung an und b e f ü r« >v ortete die Annexion Kretas durch Griechen- l a n d.— Der Minister des Aeußern, Visconti Venosta, sagt bei Be- antwortiing der Jnterpellatioue» in betreff Kreta's: Die Politik Italiens und der andereu Mächte bedeutet de» Fortschritt im Orient und den Friede» in Europa. Der Minister hebt die Nach- theile hervor, die für Italien eingetreten wären, wenn es aus dem europäischen Konzert ausgeschieden wäre. Griechenland würde keine Demüthifliliigjidaourch erleiden, daß es dem Willen Europa's sich sügle. Wenn die gegenwärtige Krise im Orient überwunden sei, indem sie, ohne Verletzung des Ltatus quo, für die Bevölkerungen eine» Fortschritt verwirkliche, so werde das Ziel der italienischen Politik erreicht sein.— — Thekl weise M i n i st e r k r i s i s. Aus Rom wird telegraphirt, daß die Demission des Justizmiinsters Costa und die Uebernahme seines Portefeuilles durch den früheren Unterrichts- minister Martini als bevorstehend angesehen wird.— —„Kommt er i n s Z u ch t h a u s? K o m in t er nicht ins Zuchthaus?" Das ist die Gretchen-Frage, die das italie- nische Publikum sich seit 3 Tagen vorlegt. Der„e r" ist natürlich C r isp i. Schwer belastet ist er— schwerer war nie ei» Verbrecher belastet— aber er hat F r e» n d e. Der König hat ein Interesse, ihn nicht auf die Anklagebank und ins Zuchthaus kommen zu lassen. Wird der König ihn retten können? Versetzt der König durch diese Parteinahme für einen Verbrecher, den jeder Mann i» Italien als Verbrecher kennt, nicht der Monarchie eine tödtliche Wunde? Kann er die Geschicke sder Monarchie mit denen eines Zuchthaus-Kandidaten zusammenkoppeln? Gestern hieß es, der König habe es gewagt. Heute heißt es wieder, der Hastbesehl gegen CriSpi sei er- lassen. Warten wir ab, wie dieses Duell zwischen öffentlicher Moral und dynastischem Interesse ausläuft. Wie es auch enden mag, unsere Genossen in Italien haben den Gewinn.—- Dänemark. — Verfassungstreue der dänischen Regierung. Am Anfang dieser Woche sollten einige Bedenken des Folkething über eine Reihe Budgetpunkte aus den Jahren 1887/63 und 1894/9S zur Berathung koinmen, mußten aber abgesetzt werden, weil Pro- fessor Scharling, der Wortführer der Rechten, sich als krank meldete. Es ist nur zu begreiflich, daß die Rechte sich vor der Verantwortung dieser Punkte ein wenig drückt, denn namentlich 1894/92 ist von der Regierung fast ebenso ohne Rücksicht auf die Bewilligungen gewirth- schaftet worden, wie in de» Konfliktsjahren. Obwohl 1894/95 mit einem gesetzmäßig bewilligten Budget regiert wurde, hat die Regierung bedeutende Beträge für militärische Zwecke mehr verwendet, dagegen Gelder, die für Knllur-Zwecke bewilligt waren. nicht benutzt! Unter diesen Sumnien befinde» sich allein fast 2 000 000 Kr. für Anlage eines Forts und außerdem'/e Million für andere militärische Zwecke. Nicht benutzt wurden dagegen z. B. 700 000 Kr. für Vermehrung des Wagenparks der Eisenbahnen. Während die Linke nun diese Posten nicht anerkennt, sondern vor dem Reichsgericht Klage gegen das Ministerium erheben wird. ist die Rechte bereit, zuzustinimen, obwohl der„große Vergleich" nur auf der Grundlage zu stände gekommen war, daß die provisorische» Geldaufwendungen nun ein Ende haben sollten! Gestern fand nun die Berathung hierüber statt. Da die Moderalen sich auf die Seite der Opposition stellte», ivurde die nach- trägliche Bewilligung vom Folkething mit SO gegen 15 Stimmen verweigert. Bei der Debatte mußte Prof. Scharling namens der Nichten die ungesetzliche Verniendung der Gelder cni- erkc»nen er will aber einen Strich machen über diese alten Ge> schichten. Der Folldhing behielt sich sein Recht vor, das Ministerium vor dem Reichsgericht zur Verantwortung zu ziehen. In der an- genommenen Resolution heißt es u. a.:„Die bezweifelt in hohem Grade, daß man einen parlamentarischen Ausdruck finden könne, der einigermaßen das Versahren der Regierung charakterisirt." Nortvegen. Christiauia, 3. April. Die Stadtverordnelen beschlossen heute mit-liJ gegen 13 Stimmen, die reine Flagge ohne Unionskennzeichen auf allen städtischen Gebäuden Christiania's zu hissen und zwar zum ersten Mal am 17. Mai, dem Tage der Verfassungsfeier. Damit scheint der Kamps zwischen Schweden und Norwegen, der eine Zeitlang geruht hat, wieder ausbrechen zu wollen.— Afrika. — Ueber die Zukunft Afrika's veröffentlicht der Brüsseler„Soir" ein Interview seines Londoner Korrespondenten mit Charles Dilke, dem ehcinaligeu Unterstaalssekretär im Kabinet Gladstone und jetzigen radikalen Mitglied e des Unterhauses, über die Kongosrage. Dilke ibemängelt die Verwaltung des unabhängigen Kongostaates und erklärt, die europäischen Mächte würden in Afrika mehr Unheil als Gutes anstiften. Im Jahre 1901 werde Frankreich den Kongoslaat erhalle» und zwar mit der Zustimmung Englands und Deutschlands. Diese drei Nationen würden sich übrigens Afrika theilen.— Amerika. Jacksouvillc.(„N.-I. Herald") Am Dienstag Nacht ist es dem Freibeulerdampser„Bermuda" gelungen, mit einer großen für Kuba bestimmten Expedition von dort auszulaufen. Der Dampfer „Kate Spencer", welcher die Leichterschiffe mit der Munition für „Bermuda" außerhalb des Hafens bugstrt hatte, ist von den Be- Hörde» beschlagnahmt worden. Die„Bermuda" werde die Küste der Provinz Santa Clara anlaufen.— Polynesien. — D i e R e g i e r il n g von Hawaii hat die Landung von 400 japanische» Einwanderer» verboten und der Gerichtshof von Haivaii bestätigte das Verbot. Wie verlautet, hat die Regierung der Vereinigten Staaten von Nordamerika ein Kriegsschiff nach Hawaii entsandt, und die japanische Regierung beschloß, das gleiche zu thun.— Eine Interpellation über die amerikanische Zollpolitik ist vor Beginn der Osterferien vom Grasen Kanitz mit Unterstützung der Nationalliberalen, Antisemiten und der beide» konservative» Fraktionen eingebracht worden. Sie hat folgenden Wortlaut: „Beabsichtigen die verbündele» Negierungen— angesichts der bevor» stehenden Erhöhung wichtiger Positionen des Zolllarifes der nord- amerikanischen Union, insbesondere der verschärften Differenzirung der deutschen Zuckereinsuhr—, an dem durch Notenaustausch vom 22. August 1891 getroffenen Uebereinkomme» mit den Vereinigte» Staaten festzuhalten?"_ Das HÄndtvevk in DeutMzlnnd« Ueber die Lage des Handwerks in Deutschland und die Mittel zu seiner Hebung ist namentlich in letzter Zeit sehr viel geschrieben worden. Ein großer Theil dieser Schriften ist darum völlig werth- los, weil ihnen die sichere Unterlage fehlt: Die Kenntniß der that- sächlichen Verhältnisse. Diese Kenntniß, die wir bisher nur über einige Zweige des Handwerks besaßen, verschafft uns jetzt das zehnbändige Sammelwerk des Vereins für Sozialpolitik") über fast alle wichtigeren Handwerke der verschiedensten Landestheile. Daß die ganze Struktur unseres Handwerks im Laufe der letzten Jahrzehnte eine völlig andere geworden war, darüber bestand auch vor Erscheinen dieses Werkes kein Zweifel; daß aber dieser Um- wandlnngsprozeß bereits so weit vorgeschritten war, hatten auch die Kenner gewerblicher Zustände kaum für möglich gehalten. Daß das Handwerk gegenwärtig eine schwere Krisis durchmacht, durch die es in seiner ganzen Existenz bedroht wird, darüber sind sich alle einig; die. Meinungsverschiedenheit beginnt erst mit der Frage, ob und wie dem Handwerk geHolsen werden soll. Daß über diesen Punkt bisher keine Einigkeit erzielt werden konnte, liegt weniger an der Verschiedenartigkeit des politischen Standpunktes, als an der Unkenntniß der Ursachen, durch welche diese Krisis des Handwerks herbeigeführt wurde. Ein großer Theil der Handwerker— vielleicht alle mit ver- schwindenden Ausnahmen— ist noch immer der Meinung, daß das Handwerk durch die Gewerbefreiheit ruinirt worden ist; sie ver- stehen nicht oder wollen nicht verstehen, daß die Gesetzgebung keinen ökonomischen Zustand schaffen, noch weniger aber einen bereits vor- handenen auf die Dauer in ihrem Sinne umgestalten kann, daß sie vielmehr lediglich der offizielle Ausdruck der jeweiligen Ver- Hältnisse ist. Forschen wirf nun nach dem Grunde der Zurückdrängung des Handiverks durch den Großbetrieb, so finden wir, daß es nicht überall derselbe ist, daß vielmehr die Ueberlegenheit des Groß- betriebs auf den verschiedenartigsten Ursache» beruht. Hier ist es die Verbesserung der Technik, welche ihm zum Siege verholfe» hat, rnsbesondere die Einführung maschineller Kraft, wie z. B. rn der Möbel- und Bautischlerei, dort die veränderte Organisation d e r W e l t w i r t h s ch a f t, wie in der Gerberei, die durch die ameriknische Großschlächterei seit End« der 60er Jahre vollständig umgestaltet wurde. Oft ist eS nur die größere K a p i t a l- kraft und die kaufmännische Organisation, welcher das Handiverk erliegt, wie in der Malerei, die trotz keinerlei technischer Vortheile dennoch die Tendenz zeigt, sich großbetrieblich zu entwickeln. In der Schneiderei hat die Uniformirung der Kleidung die Entstehung der Großbetriebe wesentlich beeinflußt. Auch die Kürschnerei ist durch den Wechsel der Mode schwer geschädigt worden, ebenso das Friseur- geiverbe, von dem ein Zweig, das Perrückenmacher-Gewerbe, dadurch fast ganz vernichtet wurde. In anderen Gewerben wieder hat die Uingestaltung der hauSivirthschaftlichen Organi» s a t i o n schädigend gewirkt, wie vor allem in der Böttcherei, deren Produktionsgebiet dadurch sehr eingeengt wurde, daß viele Gegen stände, die früher im Haushalt gebraucht wurden, entweder gar nicht mehr verwendet oder aber aus anderem Material als Holz hergestellt werden. Diese Verdrängung einer Industrie durch eine Konkurrenzindustrie ist namentlich in der Töpferei zu beobachten, die durch Porzella» und Steingut große Verluste erlitte» hat. In mehreren Gewerben, in denen heut die Großindustrie vorherrscht, hat sie, wie in der Kürschnerei, dem Handwerk im Anfange überhaupt keine Konkurrenz gemacht, indem sie sich auf die H e r st e l l u» g von G e g e n st ä n d e n verlegte, die man bis dahin überhaupt nicht her- stellte,(die ganz billigen Pelzwaaren re.) oder die ihres hohen Preises ivegen nur denMeichen zugänglich waren, wie Portemonnaies und andere Porteseuille-Artikel. Sehr interessant ist das Eindringen des Großbetriebes in die Sleinhauerei, da es durch die neuere Schutzzollpolitik erfolgte, welche zunächst die Uebersiedlung belgischer Fabrikuniernehmungen aus deutschen Boden verursachte, deren Beispiel bald von deutsche» Fabrikanten nachgeahmt wurde. So sind es also die allerverschiedensten Ursachen— wir haben nur die wichtigsten anführen können—, welche die Ueberlegen- heit des Großbetriebes über das Handwerk bewirkten. Will man also dem Handwerk überhaupt helfen, so kann dies sicherlich ") Untersuchungen über die Lage de? Handwerks in Deutschland ' init besonderer Rücksicht auf seine Konkurrenzfähigkeit gegenüber der Großindustrie.(Schriften des Vereins für Sozialpolitik, Bd. 62—70.) Leipzig 1S9ö— 97. Verlag von Duncker und Humblot. nicht durch eine allgemeine Maßregel geschehen, wie durch Zwangs- innnng und Befähigungsnachweis. Ueber die Leistungen der heutigen Innungen in wirthschaftlicher Hinsicht sind die Uriheile fast ausnahmslos gleichlautend: die Innungen leisten in dieser Beziehung nicht das geringste. Weshalb aber Zwangs- innungen wirthschastlich mehr leisten sollte» als freie, ist nicht leicht einzusehen. Ebenso steht es mit dem Besähigungsnachweis. Wird derselbe nur für handwerksmäßige Betriebe verlangt, so schützt er nuc vor der unlauteren Konkurrenz in den eigenen Reihen, nicht aber vor der Konkurrenz des Großbetriebs; überdies ist zu beachten, daß es sehr schwer fallen dürste, Handwerks- und fabrikmäßigen Betrieb fchars von einander abzugrenzen. Wird aber der BefähiguugS- Nachweis auch für Fabrik- und Verlagsunternehmnngen verlangt, so würde dies sehr einfach in der Weise geschehen, daß der Besitzer eines solchen Betriebes, falls er nur kaufmännisch gebildet ist, seinen Werkführer zu seinem Kompagnon erhebt mit einer prozentualen Belheiligung an, Reingewinn, die natürlich so abgemessen würde, daß das Einkommen dieses„Koin- pagnons" nicht erdeblich größer würde als früher. Von großer Bedeutung sind auch die Angaben, welche wir in den„Untersuchungen" über die Thäligkeit von Rohstoff-, Verkaufs- genossenschasten zc. finden. Man pflegt ja allgemein zu behaupten, daß in der Gründung solcherGenossenschaften die einzige Rettung des Hand- werks beruht. Die Bersuche.diebisherindieserRichlnng gemacht wurden, sind jedoch zum großen Theil vollständig mißlungen. Sie scheiterten an der Uneinigkeit der dabei betheiligten Meister, die hervor- gerufen wird durch die gegenseitige Mißgunst infolge ihres an und für sich durchaus berechtigten wirthschaftlichen Egoismus. Die Meister können eben nicht wie die Arbeiter Schulter an Schulter gegen den gemeinsamen Feind kämpfen, da sie nicht ge- meinsame Interessen haben, der eine vielmehr in dem andern seine» Konkurrenten sieht und sehen muß, der für ihn oft ein schlimmerer und gefährlicherer Feind ist als der Großkapitalist, der gemeinsame Gegner aller._ Partei""MÄlhvitsxken« Der hundertfnnfnndzwanzigstc Geburtstag Fourißr'ö wurde vorgestern— am 7. April— in P a r i S von der kleinen, aber sehr begeisterten Phalanstere-Gemeinde festlich begangen. AlS Reichstags- Kandidat für den badischen Wahlkreis Heidelberg ist der Parteigenosse P s e i f f l e aus Mannheim aufgestellt; für den rheinischen Wahlkreis L e n n e p- R e m s ch e i d- M e t t m a» n der Parteigenosse Karl Meist aus Köln. Ter Bürgermeister Thomson in Elmshorn hat, wie die bismärckischen„Hamb. Nachrichten" ausplaudern, dem Regierungs- Präsidenten einen„Bericht über die Sozialdemokratie" eingeschickt, worin der mehr und mehr sich vollziehende Anschluß der Kleinbürger an die sozialistische Bewegung wie üblich mit dem „Terrorismus" erklärt wird, den unsere Partei auf diese Kreise der Bevölkerung angeblich ausübt. Zur Chaiaklerisirung des„Berichts" sei folgende Stelle wiedergegeben:„Es vergeht keine Woche, in der nicht mindestens eine sozialistische Versammlung flallfindet, welche meistens gut besucht ist. Es bestehen hier im ganzen 14 Vereine mit theils offen ausgesprochener, theils versteckt gehaltener sozialistischer Tendenz. Sie alle halten regelmäßig ihre Versainmluiigeii ab, veranstalten Vergnügungen, zu denen zahlreiche Einladungen er- gehen, machen im Sommer Ausflüge auf dos Land, alles zur Sammlung der Genoffen und zur Förderung ihrer Sache in wirksamster Weise. Tie Behörde steht diesem Treiben vollkommen machtlos gegenüber, mit verschränkten Armen kann sie müssig da- stehen und zuschauen, wie die Lawine iinaufhallsani, gewaltig und gefährlich wächst. Nach unserer bescheideneu Ansicht kann nur ei» Gesetz wie das von 1878 zur Unterdrückung der gefahrdrohenden Bewegung branchbare Handhabe bieten. Die anderen zur Bekäm- pfung empfohlenen Mittel, wie Volksunterhaltungsabende, Volks- bibliotheken, verschlagen, wie eine mehrjährige Praxis hier lehrt, absolut nichts. Die ersteren werden, soweit sie je patriotische Empsin. düngen anregen sollten, von den Sozialdemokraten nicht besucht und die letztere wird nicht gelesen." Man zieht wohl keinen Fehlschluß mit der Annahme, daß dieser Bürgermeister Thomson zu den Leuten gehört, die durch ihre Wall- fahrten nach Friedrichsruh in die Eintönigkeit des. Sachsenwaldcs Abwechslung zu dringen pflegen. Wie wenig recht die Gegner haben, die Sozialdemokratie des Terrorismus zu bezichtigen, zeigt beispielsweise die Mittheiluug unseres Kieler Partei- Organs, wonach in der holsteinischen Stadt Heide linferer Partei sämmtliche Lokale abgetrieben worden sind, und zwar von Leuten, denen schon ihre Amtspflicht derartige Handlungen verbietet. Todtenliste der Partei. In Schwerin i. M. ist am Donnerstag Abend der wohlbewnhrte Parteigenosse H. Peters in- folge eines Lungeiischlags plötzlich verstorben. Er hat sich ins- besondere unter dem Sozialistengesetz durch eifrige Thätigkeit für die Partei ausgezeichnet, war später Vertrauensmann und wohnte dem Parteitag in Halle als Delegirter seines Kreises bei. Ehre seinem Andenken l Polizeiliches, Gerichtliches ic. — Wegen Beleidigung des Grafen v. F a b r i c e wurde in Dresden der Parteigenosse Fischer, Redakteur an der „Sächs. Arbeiter-Ztg.", zu 300 M. Geldstrafe verurtheilt. Die Beleidigung soll enthalten sein in dem Referat über eine Gerichtsverhandlung gegen eine Kamnierjungfer des Grafen, die von diesem angezeigt worden war, widerrechtlich den Dienst verlassen zu haben. — Der Chemnitzer„Beobachter" hatte mitgetheilt, daß der Parteigenosse C. R i e m a n n wegen seines Auftretens in einer Versammlung zu Hilbersdorf eine auf acht Tage Haft lautende Strafverfügung erhallen hatte. Die Notiz umfaßte nur wenige Zeilen. Da Riemann gegen die Strafverfügung gerichtliche Entscheidung beantragt hatte, sah die Staatsanwaltschaft in dieser Veröffentlichung die vorzeitige Mittheiluug aus einem zum Straf- prozeß gehörigen amtlichen Schriftstück und erhob Anklage wider den Redakteur des„Beobachters", Genossen Rosen ow. Die Verhandlung war vor dem Landgericht. Im vorigen Jahre ist bekanntlich eine Entscheidung des Reichsgerichts ergangen, welche den Strafprozeß als beim Erlaß der polizeilichen Straf- Verfügung beginnend betrachtet und auch auszugsweise, nicht worl- getreue Mittheiluug ans der Anklageschrist u. s. w. als strafbar nach H 17 bezeichnet. In der Verhandlung vor dem Landgericht beantragte der Staatsanwalt die Bestrafung Rosenow's. Der Ver- theidiger, Justizrath v. Stern, bestritt jedoch, daß der Angeklagte sich schuldig gemacht habe, denn es sei nur der materielle Theil der Strafverfügung veröffentlicht und diese Art der Veröffenllichnug wolle das Reichsgericht nicht treffen. Das Urlheil des Gerichts lautete auf kostenlose Freisprechung. Vvozvtz VoMeutÄNn und GeuoWeu. Vierter Tag. Kann sein, kann nicht sein. Die Beweisaufnahme wird fortgesetzt. Auf Antrag der Ver« theidigung wird Sanitätsralh Dr. M i t t e n z w e i g darüber ver- uommen, ob er nach dem, was er bis jetzt gehört, der Meinung ist, daß die Person, welche auf dem Schlesischen Bahnhofe gesehen worden ist, eine Frauensperson gewesen sein müsse. Der Sach- verständige äußert sich dahin: es kann eine Frau, es kann aber auch ein Mann gewesen sein. Es sei nicht ganz u n- möglich, daß eine Frauensperson«ine 2D Pfund schwere Kiste eiligen Schritte? tragen könne, dann müßte es aber«ine sehr kräftige sein. In der Beweisaufnahme folgt sodann der Abschnitt, der den Alibibeweis des Angekt. Kofchemaun betrifft. Präs.: Angekl. Koschemann, können und wollen Sie unS sagen, was Sie am 29. Juni 189ö gemacht haben?— Angekl. Ich denke, daß ich das noch sagen kann.— Der Angeklagte erzählt: Am 29. Juni hatte die L ö w e' s ch e Fabrik, in welcher-r arbeitete, ein S o m m e r f e st bei S t e r n e ck e r in Weißensee. Er habe sich auch zwei Karten geben lassen, hatte aber ursprünglich keine Lust hinzugehen und hatte sich auch dahin geäußert. Er sei gegen 9 Uhr früh zu Gürtler nach Rixdorf gegangen und habe sich dort bis gegen 3 Uhr nachmittags aufgehallen. In dieser ganze» Zeit sei der Ehemann Gürtler nicht zu Hanse gewesen. Von Gürtler sei er zu Westphal gegangen, weil er inzwischen doch Lust zur Theil» nähme am Sommerfest bekommen und die Absicht gehabt habe» den Max Westphal zum Mitgehen zu überreden. Dies sei ihm auch gelungen. Bei Westphal habe er Frau Westphal und eine Zeugin Jeschke getroffen. Er will dann mit Westphal zu einem Friseur gegangen sein, der sie frisirt habe.— Präs.: Haben Sie sich da? Haar vielleicht auch brennen lassen?— Angekl.: Nein, das hatte ich nie nöthig.— Der Angeklagte will dann mit Westphal mit der Pferdebahn zum Alexanderplatz und von da mit einer anderen Pferdebahn nach Weißensee gefahren und dort bis 12 Uhr nacht? geblieben sein. Auf dem Wege nach dem Alexanderplatz habe er einen oberflächlichen Bekannten getroffen.— Präs.: Wie hieß der Mann?— Angekl.: Ich kann mich nicht besinnen.— Präs.: Bitte, denken Sie nur nach!— Angekl.(nach längerem Besinnen): Ich glaube, er hieß Schodry.— Präs.: Sie glauben es nur? Woher kannten Sie ihn denn?— Angekl.: Ich glaube, ich hatte ihn einmal schon mit Westphal gesehen.— Präs.: Haben Sie ihn nicht bei Späth im Diskntirklub gesehen?— Angekl.: Das kann wohl sein.— Präs.: Wissen Sie, welcher politischen Gesinnung dieser Mann ist?— Angekl.: Nein.— Der Angeklagte erzählt weiter, daß er gegen 12 Uhr von Weißensee wieder aufgebrochen sei und noch den Diskntirklub bei Späth auf kurze Zeit besucht habe. Dort habe er die Frau Westphal und einen gewissen Wiesenthal ge« troffen. Da es schon zn spät für die Stadtbahn und die Pferdebahn geworden sei, habe er eine Aufforderung Wicsenthal's. bei ihm zu nächtigen, Folge geleistet.— Präs.: Ist Ihnen der Name Wiesen- thal geläufig, oder müssen Sie sich auch erst längere Zeit auf ihn besinnen?— A n g e k l.: Ich kannte Wiesenthal noch nicht lange, da ich erst kurze Zeit in der Löwe'schen Fabrik arbeitete.— P r ä s.: Haben Sie von Anfang an den Namen Wicsenthal genannt?— Angekl.: Nein.•- Präs.: Warum nicht?— A n g e k l.: Er ist mir nicht eingefallen.— Präs.: Also bei dem Manne, dessen Namen Ihnen nicht einmal einfiel, haben Sie genächtigt? �— Angekl.: Ja, es war nur ein oberflächlicher Bekannter, bei dem ich blieb, weil ich keine Gelegenheit mehr hatte, nach Rixdorf zu kommen. — Präs.: Welcher politischen Richtung gehört dieser Wicsenthal an?— Angekl.: Auch der freien Richtung.— Präs.: Er ist also auch Anarchist. Wo wohnte denn dieser Wieseuthal?— Angekl.: Ich glaube in der Blankenburgstraße oder einer Straße, die so ähnlich heißt. Vorsitzender oontr» Angeklagtem. Der Vorsitzende stellt fest, daß der Angeklagte, als er anderthalb Tage nach dein Soiiimerfest vernommen wurde, nur gesagt habe: er„glaube", daß der Mann, bei dem er genächtigt, Wiesenthal heiße. Der Vorsitzende sucht viele Widersprüche festzustellen, in die der Augeklagte bei seinen verschiedenen Ver- nehmiliigen über sein Thun und Lassen am 29. Juni 1895 sich ver- wickelt habe. Der Vorsitzende erklärt eS auch für ausfällig, daß der Angeklagte nach und nach mit immer mehr A I i b i z e n g e n hervorgekommen i st und beispielsweise einen dieser Allbizengen, der thatsächlich Anarchist ist, fälschlich der Polizei als Konservativen bezeichnet hat. Der Angeklagte erklärt die Schwankungen in seinen Zeilbestiuiinungen mit großer Gewandtheit. Er sucht nach- zuweisen, daß dabei ganz natürlich Jrrlhümer iiiiterlaufen seien und daß er erst nach seiner wiederholten Verhaftung möglichst genau nachgedacht habe und erst nachdem er durch seine wiederholten Ver- nihmniigen erfahren habe, auf welche Momente es vorwiegend an- komme, die verschiedenen Zeitpunkte seines Aufenthalts am 29. Juni und die Personen, die er getroffen, genau aufgeben konnte. Der Vorsitzende stellt aus den Akten fest, daß der Augeklagte sein Alibi zeitlich iiuiuer wieder verlegt habe, wenn er merkte, daß es mit dem Zeitpunkt der Einlieseriiug der Kiste nicht übcreinstiinnite. In einer der früheren Vernehmungen hat der Angeklagte auch verschiedene Vergnüguiigsslätten genannt, die er bei Sternccker in Weißensee besucht haben will, so das See-Theater, den allgeineiiien Bier- ausschank, den Tanzplatz zc., und er hat eine ganze Reihe von Zeugen dafür genannt. Ties geschah aber erst 1897, während er 1896 bei seiner Vernehmung derartige Personen nicht genannt hat.- Der Verlheidiger macht eine Probe auf die Gedächtnißkraft des An- geklagten, indeni er ihm plötzlich die Frage vorhält: wann wohl g e st e r n der Kriminalkomniissarius Bösel veruommen worden sei — ob Vor- oder Nachmittag, ob um 4 Uhr, i'/s Uhr u. dgl.? Der Angeklagte erklärt, daß er sich die Zeil nicht mehr recht klar machen könne. Hierauf wird der Angeklagte Westphal über die Vorgänge am 29. Juni 1395 vernommen. Cr bestätigt, daß er mit Koschemann sich nach Weißensee begeben habe. Ueber die Zeit, in welcher sie zum Friseur gegangen, hat der Zeuge bei seiner ersten Vernehmung gesagt„um 8 herum", später ist er in Uebereiiistimniung mit Koschemann auf 6 Uhr gekommen. Im übrigen schildert er die Vorgänge in Weißensee etwa ebenso wie K. Bei Späth habe er noch die Gürtler und Weber getroffen nud sich schließlich um den weitereu Verbleib Koschemann'? nicht gekümmert. In» Gegensatz zu K. erklärt Westphal bestimmt, daß auf dem Wege zum Alexanderplatz niemand(also auch nicht der Metallarbeiter Szczodry) sie angesprochen habe.— Polizeirath Wolfs macht darauf aufmerksam, daß, als der Szczodry heute in den Saal gerufen wurde, der Angeklagte Koschemaini diesen an» gelächelt habe, als ob er ihm ein Zeichen machen wollte.— Präs.: Kpscheinann, wie erklären Sie dies? Ich denke, Sie kennen den Szczodry nur oberflächlich.! Lächeln Sie alle Leute an. die Sie nur oberflächlich kennen?— Angekl.: Ich mußte eben lachen.- Auch Westphal hat, wie der Vorsitzende aus den Akten feststellt, in seinen Zeitangaben vielfach geschwankt und sie nach und nach so zurück« geschraubt, daß sie die Aufgabe der Kiste � durch Koschemann als unmöglich erscheinen ließen. Auch bezüglich der Per« soueu, die angeblich in seiner Wohnung anwesend waren, als er mit Koschemann von da nach Weißensee ausbrach, hat der Angeklagte vielfach schwankende Aussagen gemacht. Auch er ist erst 1897 plötzlich mit einer ganzen Reihe von Zeugen hervorgetreten, die sie in Weißensee getroffen haben.— Auf Befragen des Ver- theidigers Dr. S ch ö p s bestätigt der Angeklagte, daß Wieseuthal ein sehr gemäßigter Anarchist sei und für Kousumvcreine u. dergl. wirke. Etaatsanw. Kanzow: Ist es dem Angetlagten bekannt. daß Wiesenthal zu hoher Gesängnißstrafe verurtheilt ist, weil er die Ansicht vertreten habe, daß man die Bäckerläden stürmen und das Brot uehme» müsse, wo man es findet? R.«A. Bieber stellt durch Be- fragen des Kriminalkommissars Bösel fest, daß Wiesenthal früher allerdings radikal war, feit längerer Zeit aber gemäßigt geworden ist und von Gründung von Konsuiiivtreiuen das Heil der Welt erblickt. Die Angeklagte Frau Westphal erklärt, daß an dem 29. Juni ihr Mann und Koschemann sicher nicht früher als um 61/» Uhr abends aus ihrer Wohnung weggegangen seien. Die Angeklagte Frau G ü r c l« r bestreitet die Behauptung Koschemann's, daß dieser um 29. Juni 1895 sechs Stunden bei ihr gewesen sei. Sie hat auch schon bei ihrer ersten Vernehmung am 1. Juli 1895 erklärt, daß Koschemann nicht bei ihr war. Sie könne sich auch darin garuicht irren, denn ein gewisser Ernst Kastan habe ihr damals sofort gesagt, daß Koschemann bei i h m war. Auf Befragen eines Geschworenen erklärt Frau Westphal, daß sie zwei Kinder im Alter von 12 und 10 Jahren habe. Präsident und anarchistische MeiueidS-Artikel. Präs.: Es wird behauptet, daß der„Sozialist" in Artikeln über die Bedeutung de? Eides die Anficht vertreten hat, daß ziel» bewußte Sliiarchiste» nicht nur berechtig!, sonder» vor PI l i ch t c t sind. einen Meineid zu leisten, wen» dnrnnf ankommt, gefährdete Genoffen heranZznreißeiu Die Augeklagten behanpten sänunttich. daß sie solche Artikel des „Sozialist" nicht gelesen babein Ter Vorsitzende verliest die betr Artikel ans dem Jahre 1692, die an eine Aenßerung des Staats- anwalls R o in e n in Haniburg anknüpfend, ausführten: Konscguente 'Atheisten seici, nicht int sta,»de. die bindende Kraft des Eides anzu- erkennen, weil die Eidesleistung mit ihrer inneren Ueberzeuguiig im Widerspruch stehe. Wer nicht an Göll den Allmächtigen und All- wlisenden glaube, den könne auch kein Schivnr unter Ai.rufnng dieses Gottes binden. An de» Schivnr brauche sich ein Atheist über Haupt nicht stoßen; es komme lediglich darauf a», ob es ihm zweck dmilich erscheine, ob er die Wahrheit sagen wolle oder nicht. Er dürfe mdzt die Justiz auf de» rechten Weg leiten und ihr die Handhabe zu Verfolgungen und Vernrtheilnngcn geben, sonst wäre er ei» Schurke. Wer einen Meineid im Parteiinteresse leistet, tretet ein für Wahrheit, Freiheit und Recht; ein Sozialdemokrat dürfe nicht nach dem Maßstäbe der bürgerlichen Moral gemessen werden; die Frage der Zulnssigkeit des Meineides Misse von Fall zii Fall entschieden und Humanität und Gerechtig- keit dabei als Maßstab angeivendet werde».— 3!echtsn»>valt Vieber erklärt hierzu, daß die Angeklagten erst scit 1894 den ..Sozialist" lesen.- Bei der Fortsetzuug der Betvcisaufnahnie bestätigt Rriuiinalschtttzmann Radtke, daß Frau Gürtler bei ihrer Vernehmung am 1. Juli 1895 sofort bestritte» habe, daß Kosche- niami zwei Tage vorher bei ihr geivesen sei.— Zeuge Wickler H all II i g und Meister Stelzer bekunden, daß der'Angeklagte Westphal am 29. Juni 1895 von morgens früh bis nach nachmittags 4>/» Uhr in der Telegraphen-Anstalt von Gurlt gearbeitet habe. Der Meister giebt ihm das Zengniß eines ruhigen und fleißige» Arbeiters; er hat ihn auch, nach- dein er das erste Mal aus der Haft entlnssc» worden lvar, wieder eingestellt.— Plätterin P a>, l i» e Knappe ist am 29. Juni 1895 »> der Westphal'schcn Wohnung, Blninenstr. 37», wo sie init ein- wohnte, gewesen. Sie bekniidet, daß sie an jenem Tage, als sie gegen 6 Uhr ans dein Geschäft nach Hause kam, bei Frau Westphal ei» Fräulein Jüschke nnd Herrn Westphal dort getroffen habe. Sie glaube nicht, daß Koschcinann damals srtioii licit war, ihr ist es so, als sei dieser erst später nach- gekommen. Er sei dann mit Westphal weggegangen, nachdem vorher von einem Fest ist Weißensee gesprochen worden war. Sie behauptet, daß sie sich i» der Person Kvschei»a»ii's nicht geirrt haben könne. Ans unederbolle» d r i n g e n d e>, Vorhalt des Vorsitzenden erklärt die Zeugin, daß sie von niemand beeinflußt worden sei, lheilt jedoch mit. daß einmal die Schwester der Westphal, ein Frl. Winkler, vor ihrer Vernehmung bei ihr gewesen sei nnd ihr uiitgetheill habe, daß sie von Koschemann als Zeugin vorgeladen worden sei.— Schiltzmann Busse behauptet, daß diese Zeugin mit Westphal in intimem Verkehr gestanden, wie ihm Frau Westphal selbst erzählt habe. Diese Behauptung wird von der Zeugin und den Angeklagten Westphal Mann und Frau entschieden bestritten. Auf Antrag des R.-A. Bieber soll R.-A. I. Landau, ber die Ehescheidungsklage der Weslphal's geführt hat, geladen werden. Nach Veeudigitug der Mittagspause wird die Vernchmung der Zeugin Knappe sorlgesetzt, welche indessen Thalsachen von Wichtigkeit nicht weiter z» bekunden iveiß. Die folgende Zeugin ist die unverehelichte Magdalena I ä s ch k e. Sie giebt an, daß sie in der Zeil von 1892 bis Oktober 1895 bei dem Angeklagten Westphal ge wohnt hat. Auf die Frage, ob sie zu Westphal einen intimen Ber kehr Unterhalten hat, verweigert sie die Anskunft. Die Zeugin giebt an, daß Westphal am Sonnabend, de» 29. Juni 1695 ivie geivöhn lich um 5� Uhr nach Hause gekommen sei. Sie glaube, sich mit Sicherheit entsinnen zu können, daß Koscheinann bereits an- gekoinmon war, als Westphal erschien. Beide Männer seien gegen 8 Uhr abends nach Weißensee gefahren. Ans die Vorhaltungen des Präsidenten, daß die Zeugin bei ihren frühere» Vernehnniiigen gesagt habe, Koschemann sei nach Westphal ge- kommen, erwidert die Zeugin, daß ihre heutige Darstellung die richtige sei.— Ebenso wie die Vorzengi» wird auch diese Zeugin wiederholt daraus Hingewiese», wie sonderbar es sei, daß sie die einzelnen Zeitpunkte gerade deS 29. Juni 1895 so genau lvissen wolle, während sie doch von keinei» anderen Sonnabende vorher oder nachher diese 5keii»lniß habe.— Eine Frage des Vorsitzenden beantwortet die Zeugin I ä s ch k e dahin, daß sie selbst einige Male auch mit in den Diskulir- klnb gegangen, daß sie aber keine Äliiarchistin sei. Von Koschemann wisse sie nicht, ob er Anarchist sei, dagegen habe ihr einmal Frau Westphal gesagt, daß sie Anarchistin sei.— Die An- geklagte W e st p h a l bestreitet dies; sie könne höchstens gesagt haben, „daß sie slir die Anarchie sei". Auch die Zeugin Knappe giebt zu, daß sie einmal im Späth'schen Klnb war. Weiler richtet sich die Beweisaufnahnle auf folgenden Punkt. Als Westphal verhastet werden sollte, befand sich letzterer auf einer Landparlhie in Friedrichs- Hagen. Abends befanden sich die beiden Zeuginnen Knappe nnd Jäschke an der Jannolvitzbrücke; sie behaupten, daß sie ahnungslos dorthin gegangen seien,»in den Westphal vom Dampfer abzuholen. Plötzlich ,var dort auch der Kriminalschutzmain» Sommer erschienen und hatte ihnen geboten, sofort nach Hause zu gehen. Sie sind auch diesem Gebote gefolgt. Es wird behauptet, daß sie niir deshalb »ach der Jannolvitzbrücke gegangen seien, um den Westphal zu bc- nachrichtige», daß er verhaftet werden solle. Kriininalschntzman» E o in m e r behauptet, daß der Portier des Hauses, in ivelchem West- phal damals wohnte, ihn darauf aufmerlsam gemacht halte. Ter betreffende Portier soll geladen werden. Nächste Zeugin ist die Arbeiterin Marie Wingert, Schwester der Aiigeklagten Westphal. Zwei Schntzlcute behaupte», daß diese Zeilgin bei Beginn des Prozesses im ZenLeilzimmer zu einer andern Zengiu gesagt habe:„Wenn alle Zeuge» so aussagen werde» wie wir, da»,, werden sie nicht viel herausbekommen." Die Zeugin, die dies bestreitet, sagt nichls Weseultiches aus. Frau Dorothea K r n m u o w geb. Karl, sagt aus: Eines Tageö sei Fräulein Wingert zn ihr gekommen und habe sie gefragt, ob sie sich des Nlteutals noch entsinne; als sie dies bejaht, habe Fräulein Wingert weiter gesagt: sie müsse doch»och wisse», daß sie sich an jenem Tage eine Blouse ans der Weslphal'schen Wohnung abholen wollte nnd daß der Angeklagte Westphal damals z» Hause lvar. Als ihr vorgehalten wird, daß die Wingert dies bestrcitet und behanple, daß sie selbst von der Blouse angefangen habe, erklärte sie, genaues darübernicht mehrzü wissen. Dagegen ivisse sie.daß, als sie gegen G'/zUhr die Blouse abhole» wollte, sie den Angeklagten Westphal zu Hause gesehen habe. Auch ein junger Mann sei dort gewesen und noch dort geblieben, als sie um 7'/� Uhr fortgegangen sei. Zeuge Vergolder Szczodry erklärt: Er glaube Koschemann i» verschiedenen Lokale» in anarchistisch en Versammliingen gesehe» zu haben. Er selbst sei Anarchist, glaube nicht an Gott, werde aber die Wahrheil sagen. Zeuge kann sich nicht erinnern, daß er am 29. Juni 1895 de» Koschemann auf seinem Wege nach dem Alexander- platz beziv. Weißensee angesprochen habe. Koscheina»!, glaubt noch immer, daß es der Zeuge gewesen sei.— Rechtsanwalt Bieber: Sie sind Leser des„Sozialist", der einmal Artikel über den Eid gebracht hat. Würden Sie es für statihast hallen, dem Gerichte die Unwahrheit zn sagen, wen» es sich nm einen Gesinnungsgenossen handelt?— Zeuge: Nein. — Rechtsanivalt Dr. Schöps: Ist dem Zeugen ans seine» Besuchen in den Versammlungen bekannt, daß Koschemann besonders aufreizende Reden gehalten.— Zeuge: Er hat wohl gar kein« Reden gehalten?— Auf weiteres Befragen des Ber- theidigers erklärt der Zeuge, daß er am 39. Jniü 1895 de» Kosche- niann auf dem Fest in Friedrichshagen-Müggelschlößchen getroffen habe; er sei ganz vergnügt gewesen und habe nicht den Eindruck gemacht, als ob er Tags vorher ein schweres Verbrechen be- gangen habe. Die Recherchen. Schiltzmann Kazjor hat die Recherchen angestellt, zu welcher Zeit Koschemann»nd Westphal am 29. Juni bei dem Barbier Breuer geivesen seien, wo sie sich die Haare schneiden nnd sich barbiren ge- lassen haben. Er hat in seiiiem schrifllichen Bericht s. Z. mitgelheilt daß Frau Breuer und ein Barbirgehilfe auf seine Frage sich erst besonne» und dann 7 Uhr als die fragliche Zeit angegeben haben. Sie hatten dem Beamten ferner gesagt, daß die beiden während des Haarschneidens uo» einem Fest in Weißensee gesprochen haben. Barbiergehilfe O tz d o r f hat an dem betreffenden Sonnabend (29. Juni) den Westphal rasirt, während Herr Breuer den Kosche- mann rasirt habe. Beide sprachen dabei von einem Fest, ivelches sie an jenem Abende noch mitmachen wollten. Zeuge kann genaues über die Zeit nicht sagen; in einer früheren Vernehmung hat er gesagt: zwischen 4 nnd 3 Uhr. Vor längerer Zeit seien in seinem jetzigen Geschäft zivei junge Damen erschienen und hätte» ihn befragt, ob er sich nicht ans den Sonn- abend besinnen könne, wo er zwei Leute rasirt habe, die von einem Vergnügen in Weißensee sprachen. Er habe dies bejaht und die Damen, von denen die eine Frl. Wingert war, seien wieder gegangen. Zeuge Barbier Breuer glaubt, daß Koschemann deriemge ist, der eiucs Tagcs mit Westphal in seinen Keller gekommen sei und sich die Haare habe schneiden lassen. Die beiden haben von „Jiidenflinten" nnd einem Fest der Löive'schen Fabrik bei Eternecker gesprochen. Zeuge bekundet, daß er zum Haarschneiden schon das Gas habe anstecken müssen nnd daß er dem Kosche- maiiii das Haar hinten militärisch halb lang geschnitten, aber nicht gebrannt habe. Bon seinem Geschäft in der Andreas- siraße gehe man bis zum Schlesischen Bahnhofe zehn Minule», doch gehe auch eine Pferdebahn dorllii». Auch bei diesem Zeugen ist in diesem Jahre einmal ein junger Mann von dreißig Jahren er- schicneii und hat geivmischl, ihn unter vier Augen zn sprechen. Ter sremde Man» hat ihn dann aushorchen wollen, ob er schon eine Vorladung in Sachen Koschemann erhalle» habe; als er Siuskunst darüber venveigert, hat der Fremde gesagt, daß er am fraglichen Sonnabend, wo das Fest in Wcißenseee war, den Kosche- »lami vom Schlesischen Bahnhofe habe abholen wollen, ihn aber nicht»lehr getrosfen habe. Der Fremde hat schlußlich noch gesagt: es-wäre doch schade, wen» Koschemann hineliisiele, er würde gewiß 15 Jahre Zuchthaus bekomme». Auch eine Frau ist einmal bei dem Zeugen gcmckc» und hat gefragt, ob er sich nicht besinne, daß Wcsiphal am 29. Juni 1395, abends, bei ihm war.— Rechtsanwalt Werth auer beantragt, den Zeugen aiisznsordern, dem Koschemann das Haar genau so zu schneiden, wie er es damals geschnitlcn halte. Der Vor- sitzende erklärt, daß er keine Macht habe, einen Zeuge» zu solchem Akt zn zwingcn. Der Zeuge erklärt sich schließlich bereit, das Schneiden des Haares an einem der nächsten Tage vorzunehlneii.— Nechlsanwalt Dr. Schöps: Weiß der Zeuge, ivas ein Vigilant ist?— Zeuge: Ich weiß nur, daß es ein schlechter Mensch ist.— Verth.: Hielt er den Mann, der ihn anöhorchcn wollte, für einen Vigilantcn?— Zeuge: Das gerade nichl.— Staatsanivalt Kanzow: Der Mann, der bei dein Zeugen war, ist kein Vigilant; er sitzt zur Zeit in Untersuchungs- hast nnd ist der Anarchist W a r s ö n k c.— Die Zeugiii, Frau Barbier Breuer glaubt, daß es zwischen �/r7 nnd 7>/« Uhr gewesen, als die beide» in ihrem Keller gewesen. Der eine hat von „J>ldcnfli»teii".Fest und Sternecker gesprochen. Den Angeklagten Westphal kennt die Zeugin als einen älteren Kunden nnd glaubt auch, daß Koschemann der Begleiter des �Westphal gcivcse». Auch bei dieser Zeugin war«ine Frau mit eiiiem Kind geivesen nnd habe >e gefragt, ob sie ein Alibizeugniß ablege» könne. Das!iind habe dabei gesagt: Sich retten Sie doch»lelNen Papa!(Pause). Den weitcreil Bericht über die bis in die Nacht sich ausdehneiide Verhandlung bringen wir in nächster Nnminer. GemeMfdznftliifzoS. Tentschrs Reich. Der Böttchcrstreir in den Brauereien DreödenS ist beendet. Mit Ausnahiue des Bayerischen Brauhauses, das alle Forderungen bewilligte, ist nur die Erhöhung des Minimallohnes um 2,50 bis 7,50 M. pro Monat, das heißt ans 110 M. Monatslohn, er- reicht worden. Von den übrigen Böttcher» Dresdens flehen noch im Streik die Personale von zwei Faßsabriken und zwei Böttchereien. Der Streik der Holzarbeiter(Stiihlbrauchc) in GeringS- Walde gewinnt, wie nns geschrieben wird, täglich mehr an Aus- dchilnng. Die Zahl der Ausständigen beträgt jetzt, trotz starke» Wegzuges, 230 Mann. Einige Blätter berichten von 700 Ans- 'tändigen, was jedoch kcineswegs den thatsächlichen Verhältnissen enlspricht, da am Orte nur 550 Holzarbeiter bcschäitigt sind. Di« UiUernehuicr kämpfen mit allen Mitteln. Die Mitglieder des Holz- arbeitcr-Verbnndcs sind ans dem Mililär-Vercin ansgeschlosscn worden. Einem Militär-Pension beziehende» Arbeiter hat man mit der Entziehung der Pension gedroht, falls er die Arbeit nicht ivieder aufuimmt. Den Arbeitswillige», die zur Zeit allerdings noch sehr gering sind und von auswärts nichl vermehrt werden, lassen die Herren Fabrikanten ihren besonderen Schuh angedeihen. Die Be- völlernng bringt de» Ausständigen die grööte Sympathie entgegen. Selbst die Frauen und Mädchen sind im Interesse des Ansslandes thätig. Zuzug wolle man vermeiden. In Mannheim sind die Differenzen, die in den Drais- F a h r r a d iv e r k e n ausgebrochen waren, zu gimstcn der Arbeiter beigelegt. Um die Verständigung zu ermöglichen, verzichtete der Vorsitzende der Abwehrkommissio» auf seine WiedereiusleUung. Die Holzarbeiter in Speyer haben ihre Forderungen im Wege gütlicher Verständigung mit den Unternehmern bewilligt er- hallen. Nur ein Meister sträubt sich noch, wird aber wahrscheinlich ebenfalls nachgeben. In München beträgt, wie die„Münchner Post" mittheilt, die Zahl der streikenden Schuhmacher zirka 300. Säninitliche von der Gehilscnschast gestellten Forderimgeii wurden bis jetzt von 17 Meistern, darunter 15 Jnnungsmeistern bewilligt. Zirka 60 Meisler erklären sich mit dem Tarif ciiiverstanden, weigern sich aber den vorgelegten Revers zu nuterzeichnen. Ausland. Der Malerstreik in Basel hat mit der Niederlage der Nrbei'er geendet. Aus Schweden. Bei den Arbeiten für die Ausstellung n S t o ck h o l m ist ein Streik ausgebrochen. Die Arbeiter hatten einen Minimnllohn 40 Oere(statt 35) verlangt. Sie erhielten keine Antlvort. Als dann zwei Vertrauensmänner des Fachvereins ent- lassen wurden, legten etwa 70 Arbeiter die Arbeit nieder. Es fanden dann Unterhandlungen zwischen dem Fachverein und den Unter- nehmern statt, lvobei letztere folgende Zugeständnisse machten: 35—40 Oere Stundenlohn, Wiedereilkstellnng der Entlassenen, An- erkenmnig des Rechtes des Fachverein?, Verlrauelisinäiiiier auf den Arbeitsplätzen z» haben, Zurechtweisung des Betriebsleiters wegen eines Ausiretens gegen die Arbeiter. Die Arbeiter sind mit Zunkt 2—4 einverstanden, bestehen"der ans 40 Oere Minimallohn. Soziales. Zu der Explosion in der Borsig'scheu Hedwig-Wunsch- Grube veröffentticht der lönigl. Bergmeister I o k i s ch, der zu- tändige Bergrevier-Beamte, eine Miltheilung, woraus die„Boss. Ztg." folgendes mittheilt: „Die Behaiiptung. daß Borsig und seine Begleiter die Größe der ihnen drohenden Gefahren kannten oder gekannt haben müssen, entbehrt jeder stichhaltigen Begründung, weil diese sich der Brand- kelle in einem frischen und lebhaften Wetterstrome näherten und deshalb nach fachmännischem Ermessen voraussetzen konnten, daß ihnen der Rückweg unter allcn Umständen gewahrt bleiben meide. Dieser blieb z. B. den Arbeitern offen, die sich bei der Explosion am l. April um 12>/z Uhr mittags in nächster Nähe des Explosionsherdes befanden und. ohne weseut- liche Berletziingen erlitten zu haben, in Sicherheil gelangcen. Die Behauptung endlich, daß die verhänguißvolle Explosion durch unvorsichliges Vorgehen mit offenen Grubenlichtern verursacht worden ist, hat sehr wenig Wahrscheinlichkeit für sich, weil ein Ge- menge von Kohleuoxyd-Gas und Luft, das hier in betracht komiiit, schon bei einem sehr geringen Gehalt an erfterem betäubend und lödtlich wirkt, während es erst bei einem weil höheren Gehalt explosibel wird. Wahrschemlich liegt demnach Entzündung des ab- gedämmten explosiblen Gemenges am Feuer des Brandherdes vor." Diese Erklärung des Bergrevier-Beamlen wird schon durch die unwidersprochen gebliebenen Meldungen schlesischer Zeitungen wider- legt, daß der Betriebsleiter der' Hedwig-Wnnsch-Grube, Berg- Inspektor S ch ö I l e r, die Theilnahme an der von Borsig � veranlaßlen Fahrt als allzu gefährlich abgelehnt hatte, und daß die inil Borsig eingefahreuen Beamten nur widerwillig dessen Befehl gefolgt sind. Ebenso ist die Be- haupliing des Herrn Jokisch, es sei wenig wahrscheinlich, daß die Explosion durch unvorsichtiges Vorgehen mit offenen Grubenlichterii verursach l, nicht dazu anaethan, Borsig von der Schuld an der Katastrophe zu entlasten. Dazu gehören andere Beweise, als die Bc- Häuptlingen des Herrn Jokisch. Ucber die Lage des RrbcitSmarkteS im Monat März haben an die von der„Sozialen Praxis" einwerichlete Literarische Zentralstelle für Arbeitsnachweis 23 deutsche Arbeitsnachiveis-An- stallen vergleichbare Berichte eingeliefert. Nach der Zusammen- stellung der„Sozialen Praxis" hat im Vergleich zum März vongi» Jahres der Andrang der Arbeitslosen an 22 Orten abgenommen, nämlich in: Posen, Rixdorf, Dessau, Gera, Essen, Elberfeld, Düffel- dorf, Köln, Wiesbaden. Darmstadt. Strahburg. Heidelberg. Freibnrg, Karlsruhe. Mannheim, Konstanz. Eßlingen, Göppingen. Heilbronn. Fürth, Nürnberg, München. Nur au 3 Orten ist eine Zunahme des Andranges(d. i. geringere Arbeitsgelegenheit, als im Borj chre) zu verzeichnen, nämlich in Berlin, Hannover und folgende» süd- deutschen Plätzen: Franksurt a. M., Psorzheim, Stuttgart, Kannstatt. Ulm, Augsburg. Anfforderung. Im Anschluß au das bereits reröffenilichle Buch:„SlädleveuvaUung und Munizipalsozialismns in England, I. H. W. Dietz. Stuttgart 1897", habe ich die Bearbeitung der denlschen Städteverwaltung in ähnlicher Weise unternommen. Ich richte nun an alle Parteigenossen� welche Mitglieder der städlischni Beiwaltnngskörper sind, die Bitte, mich durch Zusendung von Material, wie allgemeine Verwaltuiigsberichle, Spezialberichie über einzelne Zweige städtischer Verivaltung, insbesondere auch durch Nachrichte» über die Arbeitslöhne und Arbeitszeiten städtischer Arbeiter, über die Thäügkeit der sozialdemokratischen Vertreter u. zn unterstützen. Die Parteipresse bitte ich um Zlbdrnck dieser Zins« forderung. C. Hugo. Degerloch bei Slutlgart. DeKkefichett uni* letzte Macheichten. Breslau, 9. April.(B. H.) Nach einer amtlichen Mittheilinig ist das Grubenunglück auf der„Hedwig-Wunsch-Griibe" ohne Ver- schulden der GelödUten herbeigeführt. Es liegt eine Entzündung des abgedämpsien explosiven Gemenges von Kohlenoxydgas und Lust nm Feuer des Brandheerdes vor. Köln a. Rh., 9. April.(B. H.) Da gestern die Griechen bei Kiffamo die Ansschiffnng einiger Offiziere und Soldaten der Gar- nison Kissamos auf Booten mit englischer und österreichischer Flagge verhindern wollten, bombardirte das österreichische Panzerschiff „Satellit" die Linie der Griechen. Seit heute früh hört man starken Kanonendonner von Kiffamo her, wo heule die Einschiffung der mnhainedanischen Familien nach Kanea stattfinde» soll. Das öfter-■ reichische Admiralschiff„Maria Theresia" ist heute Nachl vor Kiffamo eingetroffen. München, 9. April.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Das hiesige Landgericht II verurthetlle heute abermals zwölf Haberer, und zwar zu einer Gesammtstrase von 2 Jahren und 5 Monaten. Die Strafen stufen sich ab von 0 Monaten bis 2 Wochen. München, 9. April.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Von 300 Schuhmachern, die in den Streik eingetreten sind, sind noch 130 ausständig. 50 Meister haben bisher bewilligt. Zuzug ist auch weiterhin fernzuhalten. München, 9. April.(„Franks. Ztg.") Durch Explosion eines Beiizin-KvchapparateS wurden eine Frau lebensgefährlich, eine andere Frau und ein Kind ziemlich schwer verletzt. München, 9. April.(„Franks. Ztg.") Es ist thatsächlich richtig, daß Bayern seinen eigene» oberste» MilitärgerichlShos bean- prucht. Im Buudesrath scheint ein mit der Militärhoheit der Krone Bayerns zusammenhängendes Zugeftänduiß in dieser Richtung bereits gemacht worden zu sein. Für das übrige Deutschland würde allerdings ein oberster Militärgerichtshof eingerichtet, aber das bayerische Kontiiigent wäre ihm im Frieden nicht unterstellt, im Kriege jedoch wird wahrscheinlich der bayerische oberste Militär- gericklshof ruhen oder in feiner Kompetenz beschränkt»verde».— Lemberg, 9. April.(B. H.) Die russische Militärbehörde hat österreichische Deserteure verschiedener Waffengattungen, die sich schon scit längerer Zeit im Lnbliner Gouvernement mlfhielte», festgenommen nnd unter Eskorte der österreichische» Militärverwaltung in Krakau eingeliefert. Wien, 9. April.(W. T. B.) Abgeordnetenhaus. In seinen Ausführitilgei» sagte der Ministerprästdent noch folgendes: Der Tenor des kaiserliche» Haildschreibens an mich schließt unzweideiltig jede» Gedanke» eines Parteireglincs aus. Ein solches iväre auch nach meiner Ueberzeuguiig in Oesterreich unmöglich. Das Haus möge darin die Gewähr erblicken, daß die Regierung von ihrem Wege sich nicht wird abbringe» lassen. Nach dem Ministerpräsidenten Badeni erklärte der Abgeordnete Pazak, die Spracheuverordming ei die erste Etappe des Ausgleichs. Abgeordneter Palssy erklärte, der konservative böhmische Großgrundbesitzer erblicke in der Spracheiiverordnung keine Konzession an die Czeche», sowie auch keine Provokation der deutsche», vielmehr sei sie nur ei» Sieg der Gerechtigkeit und die Anerkennung der politischen und nationalen Unlheilbarkeit des Königreichs Böhme». Ab- geordneter Jro ruft der Regieriuig zu: Bis hier und nicht weiter. Pininsly versichert die Deutschen der Werthschätznug der Pole», sie stimme» zedoch gegen die Dringlichkeit, da sie sonst ihre politische» Traditionen verleugnen würden. Abgeordneter Schücker bekänipst die Sprachenverordnung vom juridische» Standpunkt. Regierungsvertreter Sektionschef Ruber rechtfertigt Namens des erkrankten Justizministers die Sprachenverordnung. Abg. Depauli erklärt, die katholische Volkspartei stimme gegen die Dringlichkeil, behalte sich jedoch die merilorische Enlschei- dung vor. Stürmische Eillrüstlnigsruse links. Abg. Menger ivendet sich scharf gegen de» Abg. Depauli. Die Sprachen» Verordnung sei mehr politisch als sachlich. Der Schluß der Debatte wird aiigenonniien. Geueralreduer Herold ngt, die Debatte verfolgte lediglich den Zweck, die Deutschen in Böhmen aufzuregen. Generalredner Hohenburger erklärt, die Deutsche» seien ferner für die Hersiellung einer Berftändigung in Böhmen. Hohenbnrger führt ans, die Deutschen wünschten die Her« tellung der Berständigung in Böhmen auf gruud eines direkte» Eiilvernehmeiis beider Nationalitäten. Hierauf wird die Dringlich- keit mit 221 gegen 153 Stimmen abgelehnt. London, 9. April.(W. T. B.) UnIerhanS. Gonrley fragt diel Regierung, ob die verbündeten Mächte vereinbart hätte», älls Griechenland die Räumung Kreia's verweigere, den Piräus und andere griechische Häfen zu blockiren nnd ob die Blockade eine sriedliche oder kriegerische sein iverde? Webster erwidert, er lönne die Anfrage nicht beantworte», die Ab- icht der Mächte könne nicht milgetheilt werden, bis ein definitiver Enlschluß gesaßt sei; er könne evensoioenig sagen, ob die Blockade eine sriedliche oder eine �urö gentium sein werde, welch' letztere einen Kriegszustand zwischen de» Mächten und Griechenland in sich schließe. Berantworilicher Redakteur: August Jaeobey in Berlin. Für den Juslralenlheil vcranlwoilUch: Sh. Glocke in Berliu. Druck und Verlag von Max Babing tu Berlin. Hierzu 2 Beilagen- Kr. 85. 14. 1. Kilagt des Dmück" Knüm VcksdlM. SoillilibtO, 10. Aplii 18S7. L ZlikevKvisckxe Nundfthttu. Dr. Pr. Adolf von Wruksteril: E. v. Vöhlil'Bawcrk: Marx. Leipzig 1396. SOS S. „ Z« m Sl b s ch l ii ß des Marx- s ch c» S y st e m s" 121 S. i» de»„ S t a a t s iv i s s e» s ch a s t- l i ch e» Sl r b e i t e», Festgabe» für Karl Knies", herausgegeben von O. v. Bönigk. Berlin 1896. Wie ivKhrend der letzten 15 Jahre das Verständnift der modernen Arbeiterbewegnng in bürgerliche» Kreisen ganz bedeutend gewachsen ist, so hat in Wechselwirkung damit das Vcrstnnduist des theorelischcn Marxismus in Universitätekreisen gleichfalls sehr beträchtlich zu- genommen. Mau gewöhnte sich nach so viel ruhmlos verlaufenen Bernichtnngsfetdzügeu lhcitiveise wenigstens daran, Marx etwas gründlicher zu lesen, ehe man sich ans das bedenkliche Geschäft der Widerlegungen und Ueberwindnugen einließ. Die sortgesehten Blamagen vorwitziger Marx-Veruichter haben bis zu einem geu'ifsen Grade erzieherisch gewirkt. Auch Herr Dr. Adolf von W e n k st e r n, einer der jüngsten Marx.Pcsieger, der seine kritischen Elaborate mit flolz-bescheidener Kurze„Marx" betitelt, zeigt einigen Niespckt vor seinem Gegner und ha, ihn offenbar„durchaus stndirt mit heißem Bcmühn." Tie ernste Schwersälligkeil der Sprache, der philosophische Anstrich be- sonders des zweiten Theiles, der zurBelenchtnug des Marxismus Aristo- seleS, Prondhon, Stirner, Schopenhauer, Jules Lc Chevalier und Kant »i bunter Reihe ausmarschiren läßt, die uinssenhaste» Zitate — alles wirkt stimmungsvoll zusammen, um dieser Arbeit in de» Auge» des zwar gelangwellten, aber eben darum um so ehrerbietigeren Dnrchschnitlslcsers ein Relief zu geben, durch welches sie sich von den, platte» Niveau der frühereu Marx-Kritik recht eindrucksvoll abhebt.' Wer etwas näher zuschaut, den kann dieser umständliche Apparat allerdings in keiner Weise täuschen. Was soll man von einem Kritiker sagen, der alle» Ernstes den ersten Satz des„Kapital": „Der Reichthum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Pro- duktionsweise herrscht, erscheint als eine„ungeheure Maaren- saunnlung", die einzelne Maare als seine Elenrentarsorm", durch die tiefsinnige Bemerkung anficht, daß ja auch innerhalb des Kapi- talismns noch geivisse Produkte nnluralwirthschastlich. also zu eigenem Bedarf und nicht als„Waare" erzeugt werden? Oder der in eine gegen Proudhon's Lohutheorie gerichtete Stelle im„Elend der Philo- sophie" den Unsinn hineininterpretirt, daß Marx hier die Lehre auf- stelle, ein Gebrauchsiverlh rverde als Waare an sich, als„Gegen- stand des Handels" ohne jede Beziehung zu e i» e m b e- stimmte» G e b r a n ch s z w e ck v e r k a u s l, während Marx gerade an dieser Stelle Proudhon mit dem Einwurf neckt, daß, „ d a j e d c Waare nur zu irgend e i n e nr bestimmte» G e b r a u ch s z>v e ck gekauft>v i r d und niemals als W a a r e a n sich", nach Proudhon's wunderliche» Begriffen überhaupt keine Waaren existiren. Ebenso kleinlich und mißverständlich ist die mit diese» Aus- führungen verbundene Polemik gegen de» Marx'schen Satz, daß die Maaren als Tauschwcrthe„kein Atom Gebrauchswerth" enthalten. Der Verfasser meint hier offenbar einen großen Trumpf anszuspielc», iven» er den Begriff eines„abstrakten allgemeine» Gebrauchswerthes" bildet und die Waaren als Träger eines solchen Gebrauchsiverlhes bezeichnet. Leider vergißt er, daß bei der Erklärung des Austausch- Verhältnisses es nicht darauf ankommt, überhaupt eine Gleichheit, eine geineinsame Eigenschaft der Waaren nachzuweisen, sondern eine quantitativ b e st i in»r t e, eine meßbare Eigenschaft. Tie in den Waaren enthnllene abstrakte Arbeit, die Marx hervorhebt, ist eine solche Eigenschaft, der von Herrn v. Wenkstern entdeckte abstrakte Gebranchsiverth aber nicht. So bleibt es denn, da der Verfasser an diesem Kernpunkt der ganzen Frage vorüber- geht, vollständig geheimnißvoll, ivas er mit seinem„all- gemeinen, abstrakte» Gebrauchswerth" anfangen will. Die Eigenschaft der Waare», quantitativ bestiminter Tauschiverth zusein, hat natürlich zur Vorbedingung, daß sie irgendwie i»e»schliche Bedürfnisse befriedigen, irgend«inen Gebrauchsiverlh besitze». Aber niemand hat das nachdrücklicher hervorgehoben, als Marx selbst; und weiter komint Wenkstern mit dieser seiner Polemik auch nicht. Der ganze Augriff läßt sich nur daraus erklären, daß er zwischen dein Satze, der Gebrauchswerth sei Vorbedingung des Tauschwerthes, und, der Gebranchswerth sei ein die Größe des Tauschwerthes bestimmendes Moineut, in kritisch«»! Uebereiser nicht mehr unterscheide» kau». Mit solchen Tüfteleien steuert der Verfasser einem großen Ziele zu. Noch ein vaar Seiten iveiter und die Mehr- w« r t h- T h e o r i e ist gestürzt! Das geht auf folgende Weise zu: Zucist wird die Entdeckung gemacht, daß der Käufer es insgemein auf den Gebrauchsiverlh abgesehen habe. Nun ist die Arbeitskraft des SIrbeiters zweifellos auch ein Gebranchsiverth für de» Kapilalisten. und zwar ein umso begehrterer, je mehr Profit sich aus ihr herausschlagen läßt.?l l s o ist die Absicht des Kapilalisten beim Kauf der Arbeitskraft nicht aus den Werth der Arbeitskraft, der sich nach den nolhwendigcn Lebensiuitlelkosten bestimmt, sondern auf die V e r w e r t h»» g der Kraft, auf den G e- bruuchs werth gerichtet, welche» die Arbeitskrast als Profit er- zeugender Faktor für den Kapitalisten hat; und mit dieser aller- »eiieste» Entdeckung, durch einen Hinweis auf die Marx'sche Zins- theorie noch schöner aufgeputzt, ist nunmehr„die vollständige Ver- kehrthcit dieser letzte»'Auffassung von Marx, aus die allein erden Mehrwerth als Verkörperung unbezahlter Arbeit basi rt, ganz klargestellt(!), und... der aus die unbezahlte Zlrbeit gegründeten Mehr- w e r t h l e h r e der B o d e n e n t z o g e n". Herr v. Wcnkster» scheint demnach der Meinung zu sein, daß es in der politischen Oekonomie auf die Euldcckuug der Ab- sichten, nicht aber auf die Erforschung der T h a t b e st ä» d e ankommt, die sich aus dem Spiel der Absichten im Rahmen der freien Konkurrenz als wesentliche Tendenzen ergeben. Daß im großen Durchschnitt die Arbeitslöhne sich unter dem Konkurrenzdruck nach den Rcproduklionskostcn der'Arbeitskraft, also in der von der Wrrlhlheorie angegebenen Richtung bestimme», das beweist für die Richtigkeit dieser Werthlheorie noch gar nichts, wenn nicht die Ab- ficht der Kapitalisten beim Ankauf der Arbeitskräfte von vorn- herein auf diesen Effekt gerichtet war! Man sieht, die Deduklionen des Verfassers entziehe» nicht nur der„auf die unbezahlte Arbeit begründeten Mehriverthlehre den Boden", sie bedeuten so ganz neben- her zugleich auch eine grandiose Umwälzung der ganzen ökonomische» Wissenschaft und ihrer bisherigen Methode! Ans derselben Höhe steht eine Reihe anderer Ausführungen. So wird z. B. aus der Thalsache, daß das englische Parlament, wenn auch durch die Empörung der Arbeiterklasse getrieben, in gcsetz- gebcrischer Thäligkeil einen gewissen Arbeilerschntz geschaffen und so die Domäne der'Ausbeulung eingeengt hat, die wahrhast ver- bluffende Folgerung gezogen, daß„diese Arbeit" daher„bei dem Begriff der gesellschaftlich nolhiveudigen Arbeit als ein Theil d e r s e l b e n(wörtlich!) mit berücksichtigt werden muß". Jede Bor- stevung davon, was der Begriff der gescllschasllich nolhwendigcn Arbeit innerhalb der ökonomischen Theorie, d. h. für die Erklärung der Tauschwerlhgrößen leisten soll, ist hier absolut verloren ge- gangen. Ganz besonders liegt unserem Verfasser die werihbildende F a b r i k a n l e n a r b e i t am Herzen, von welcher Maix mit allen Mitleln der Diversion die Aufmerksamkeit seiner Leser ablenke! Ein uralter Ladenhüter. Das Entscheidende hierüber ist bereits von Adam Smith gesagt worden. Die Arbeit des Fabrikanten kann im gesellscdafllichen Durchschnitt doch nur als Arbeit einer qualifizirlen, sorgsam nuSgebildelcu Arbeitskraft gewcrthet werden und fällt in- sofern mit der Arbeit der Techniker, der kattsinännischeii Geschäfts- leilcr n. s. w. in eins zusammen. Das Einkommen der Unternehnicr löst sich aber nicht in den Entgelt für solche gualisizirte Arbeits- kräfte, für welche ja die Lohnsätze bekannt sind, auf, sonder» be- stimmt sich wesentlich nach dem Kapitale, über welches sie verfügen. DaS Unternehmer� Einkommen— nach Abzug des Entgells für gualisizirte Arbeit— ist also nicht Slrbcitseinkommeii, sondern Einkommen ans dem Besitz, ans der gesellschaftlichen Machtstellung, und beruht als solches, das steht auch unabhängig von jeder Werththeorie von vornherein fest, auf der Aneignung fremden Arbeilsprodukles, auf Ausbcntniig. Die Marx'sche Mehr- werthlheorie, welche nur ein Versuch ist, den inneren Modus dieser unbestreitbaren und nicht allein in Unternehmerprofit zu tage tretenden Ausbeutung vollständig klar zu begreifen, wird also durch den Hinweis auf die gualisizirte Uuternchmcrthätigkeit in keiner Weise erschüttert. Das hindert Wenkstern indessen durchaus nicht, mit loyalster Unterstellung triumphirend auszurufen:„Marx hat also Gebrauchsiverlh und jtapilalisteuarbeit thalsächlich bcriicksichtigt: aber um den M e h r w e r t h als das Resultat u n- bezahlter Arbeit zu konstrniren, h a t er beide, trotzdem er sie anerkannt hat, unter den Tisch fallen l a s s e n, h a t sie k u n st v o l l v e r st e ck t." Eine methodisch-fortschrciteude Kritik, die in fruchtbarer Weise die Schwierigkeiten, welche der Marx'schen Werlhtheorie thalsächlich anhaften, aufdeckt, wird man bei Wenkstein, der nur gelegentlich und auch dann in einer verworrenen Darstellung auf die ent- scheidenden Punkte stößt, vergebens suchen. Stall sich hierauf zu konzentrireii, springt er, wie bereits bemerkt, im zweiten Theile seiner Schrift auf allerhand philosophische Erörterungen über, die ihren Zweck, eine Kritik der Marx'schen Geschichtsauffaffung darzustellen, ebenso gründlich verfehlen, wie die Erörterungen des ersten aus die Kritik der Werlhtheorie gerichteten Theiles an ihrem Ziel vorbei- schießen. Jmnierhin bietet die Schlußhälfte, wenn man will, wenigsteus einige interessante Anregniigeu, was man der ersten auch bei bestem Willen nicht wird nachrühmen können. Einen ganz anderen Charakter als die Wenkstern'sche Schrift trägt die Abhandlung von B ö h m- B a w e r k. Die Sprache ist einfach und durchsichtig,'Ausbau und Darstellung klar gegliedert und die Polemik spürt unter Vermeidung kleinlich nörgelnder Einwände die wirklich vorhandenen Schwierigkeiten der Werlhtheorie mit großem Geschicke auf. Es ist dies zweifellos die geschlossenste und am nieisten durchdachte Polemik, die von entschiede» gegnerischer Seite bisher gegen die ökonomischen Theorien von Marx erhoben wurde, eine Polemik, mit welcher alle Versuche, die Marx'sche Lehre im Zusammeiihange darzustellen und iveiter fortzubilden, uothwendig werden rechnen müssen. Dabei schließt die Erufthastigkeit der Kritik die üblichen gehässigen und lächerlichen AnssäUe gegen Marx, von denen z. B. auch die Wenkstern'sche Schrist strotzt, von vorn- herein aus. Die Böhm- Bawerk'schcn Ausführnngen, die im Rahmen einer solchen Rundschan natürlich nicht im einzelnen erörtert werden können, richten sich in erster Reihe gegen die Art, in welcher der dritte Band des„Kapital" das Bestehen einer durchschnitt- lichen Profitrate mit dem„Werthgesetze" in Einklang zu bringen sucht. Die Thatsache, daß gleich große Kapitale in den verschiedensten Produklioiisziveigen, einerlei ob die von ihnen beschäftigte'Arbeiterzahl größer oder geringer, der Tendenz nach gleich große Gewinnsle erzielen, diese Thatsache ist ein Beweis dafür, daß die G e w i n n st e, die sich nach der Größe des angewandten Kapitales richten, von deni Mehr werth, der uothwendig von der beschäftigte». allein Mehrwerth produzireude» Arbeiteranzahl abhängt, differircn müffe». Diese Ab- weichung schließt aber ihrerseits eine Abweichung der Waarenpreise von dem Waarenwerth oder der in den Waaren ent- hallenen Arbeitszeit, also eine Durchbrechnng des Werth- gesetzes ein. Tie Durchbrechung des Weithgesetzes, auf welche Marx ausdrücklich aufmerksam macht, bedeutet aber, und das ist der eigentliche Zielpunkt der Böhm-Bawerk'schen Kritik, die U n g i l t i g- feit derselben. Marx sträube sich gegen diese Konsequenz und behaupte, daß in„letzter Instanz" dennoch das Werthgesetz herrsche, vor allem da, wenn auch nicht die Einzelpreise der Waaren, so doch die P r e i s s n in m e aller kapitalistisch erzeugten Waaren sich nach der Werth m enge des Gesnmintproduktes und die beim Verkaufe des Gesaniintprodnktes erzielte Profitsumme sich deinenlsprcchend nach der in dem Gesammtprodukte wirklich enlhaltenen Mehr- w e r t h in e n g e richte. Die Polemik Bvhm-Bawerk's gegen die in- direkte Herrschaft des Werthgesetzes„in letzter Instanz" deckt mit großem Geschicke eine Reihe wirklich vorhandener Unklarheiten auf. Gerade diese entscheidende Stelle des dritten Bandes, in welcher die durch die Konkurrenz bedingte Abweichung der Profite vom Mehrwerth und dannt der Waarenpreise vom Mehrwerth entwickelt und das Werthgesetz aus eiuem direkt zu einem indirekt be- stimmenden Faktor der Preisregulirung umgedeutet mird, ist nicht mit der inethodischen Sicherheit, durch welche sich die Marx'schen Deduklionen sonst auszeichnen, ausgeführt. Der gemeinsame Gesichtspunkt, der sich durch die ganze Polemik Böhm's hindurchzieht, ist, daß, wenn die ökonomischen Theorien von Marx Giltigkeit haben sollen, der Beweis geliefert werden müsse, daß die in den Produklen steckende Arbeit nicht ein, sondern der Bestimmungsgrund ihres Tauschwerthes sei. Dieser Beweis könne nicht geliefert werden und damit verliere auch das Werthgesetz, die Wurzel und das Endziel der Marx'schen Oekonomie, seine eigentliche Bedeutung. In der That, es verliert die Bedeulinig, die es nach der Dar- stellung von Band I des„Kapital" zu haben schien, die Be- dcutung, gegen welche Böhm- Bawerk's Kritik sich richtet, eben damit aber gewinnt es einen neuen, lieferen Sinn, der nur noch klarer in seinem Gegensatze zu der ursprüngliche» Fassung des Werthgesetzes herausgearbeitet werden inüßle! Was ist denn, wenn man die drei Bünde des „Kapital" überblickt, das einigende Prinzip des ganzen Ge- dankeugauges? Offenbar nicht der Nachweis, daß die Preise nach der in den Waaren steckenden Arbeitsmengc sich ausschließlich richten, denn dieser Nachweis kann, wie der dritte Band zeigt, nicht gesührt werden. Das Einigende liegt vielmehr nur in der ganz all- gemein gcfaßlen Aufgabe, die zwischen Preis und Arbeits- m enge in Wahrheit existirende» Beziehungen zu untersuche». Diese Fragestellung erscheint— näher zugesehen— als das wirklich spezifische Unlerscheidungsmerkmal des Marx'schen Ge- dankenganges gegenüber der gewöhnlichen bürgerlichen Oekonoinic, welche sich mit jener Beziehung gar nicht oder nur ganz oberflächlich abgiebt und eben darum den einzigen Gesichlspuukt, von welchem aus die moderne Volksivirth- schnst in methodischer, wissenschastlich vertiefter Weise betrachtet werden kann, verfehlt. Nur indem man aus die in den Produkten enthaltene Arbeit zurückgeht, tritt, sobald man von diesem Stand- punkte aus die durch die Preisbildung, durch Kauf und Verlauf ver- mittelte Vertheiluug des Gesammtproduktes unter die verschiedenen Klassen betrachtet, der hinler der Freiheit der Kontrakte verborgene Ausbeutungscharaktir der kapitalistischen Produktionsweise und da- mit die innere Natur dieser geschichtlich gegebenen Wirthschasts- weise vollständig klar hervor. Die Frage ist dann weiter, wie diese Ausbeutung durch die Preisregulirung nun im Detail ver- mitlelt wird, und diese Frage, die Kernfrage aller ins Innere dringenden Oekonomie, ist niibeanlworlbar, wenn nicht zu der methodische» Untersuchung der zwischen Arbeitszeit und Waarenpreis cxistirenden Beziehungen fortgegangen wird. Preis wie Arbeitszeit, beides find meßbare Größen; was ihre gegenseitige Beziehung betrifft, so ist offenbar ein doppelles möglich. Entweder richtet sich die Preisgröße direkt nach der in der Waare enthaltciiin Arbeitszeit, oder es findet aus gewissen Gründen»ach gewissen, wenigstens im allgemeinen formulirbaren Regeln eine Ab- weichung von der Norm dieses direkten Verhältniffes statt. DaS jogenanute„Werthgesetz" kann hierüber, richtig verstanden, noch gar nichts ausmachen. Will man sich nicht in unlösbare Widersprüche verwickeln, so darf dasselbe, da das Zusammenfallen von Preis und Zlrbeil ebenso wie ihre Abweichung an sich gleich möglich ist, nur als Hypothese gelten, deren Bestätigung oder weitere Modi- fikatioii Ausgabe der weiteren konkreten Uutersnchiiiig ist. Es müssen die typischen Erscheinungen der kapitalistischen Volkswirthschafl an der Hand dieser einsachen Hypothese, die zu einer llteihe weiterer Folgeriiugen forttreibt, geprüft werden. So gelaugt man, der erste und der zweite Band des„Kapital" sind diesem Zwecke gewidmet, zu einem detaillirten Bilde der kapitalistisch ausbeutenden Volksivirthschast, wie sich dieselbe bei einem direkte» Zusammeiifallen von Preis und Arbeitszeit darstellen würde. Dieses Bild aber, wenn es auch in den Grundzügen die kapitalistische Wirklichkeit wiederspicgelt, widerspricht ihr— und das ist das Problem des dritten Bandes— ebensowohl in gewisser Be- ziehnng, da die Profite von der thatsächlich aus den Arbeitern herausgeschlagenen Mehrarbeit, mithin auch die Preise von der i» den Maaren enthaltenen Arbeitszeit abweichen. Es ist also, nach- dem die ursprüngliche einfache Hypothese von dem Zusamnienfallen von Preis und Arbeitszeit bis in alle ihre Konsequenzen fortgeführt worden, auf Grundlage der so gewonnenen Resullate eine Modi- sika t i o n jener Hypothese vorzunehmen, durch welche der partielle Widerspruch zwischen ihr und der Wirklichkeit gehoben wird. Die einfache Regel des Z u s a in ni e n f a l l e n s beider Faktoren, die zu einer vorläufigen Orientirung unumgänglich nöthig war, ist nun dahin abzuändern, daß die wirklichen Preis« von jener vorausgesetzten Norm nach einer gewissen allgemein formulirbaren Regel abweichen. Aus diesem Ilmweg— und auf diesem Umwege allein— kann die wirkliche Beziehung zwischen den Preisen und der Arbeits« zeit, damit aber auch der wirkliche Modus der Ausbeutung, durch den die kapitalistische Produktionsweise charakterisirt ist, erkannt und im Detail begriffen werden. Entschließt man sich dazu, in der hier angedeuteten von Marx selbst freilich nicht klar ausgesprochenen Weise die Werththeorie umzudenken, so kommt man, scheint mir, im Prinzip wenigsteni über die von Böhm-Bawerk hervorgehobenen Widersprüche hiniveg, ohne daß doch diese Theorie ihre enge Bezichung zur kapitalistischen Wirklichkeit damit verlöre und sich ins Wesenlose verpflüchtigle. Vielleicht darf man hoffen, daß nach so viel langweiligen, leeren und unsinnigen Angriffen gegen die Marx'sche Theorie diese gediegene Polemik sich in einem für den Marxismus günstigen Sinne als fruchtbar erweisen und nach dem Gesetz deS Gegendruckes zu eine.: schärjeren Formuliruug der eigentlichen Grundgedanken treiben wird. C. 8. MommunÄles. 3« Oberlehrern sind vom Magistrals-Kollegium gewählt worden:'An de». Königstädtische» Nealgyinnasium Dr. Röseler, an der Friedrich-Werder'schen Ober-Realschule Dr. Schneidereit, an der Luisenstädtischen Ober-Realschule Dr. Born, an dein Luisen- städtischen Real-Gymnasiiiin Dr. Röhr.—- Bekaniitlich haben die städtische» Behörden eine Erhöhung des Schulgeldes' bei den städlischen Realschulen, soweit es sich«in Kinder auswärts wohnender Personen handelt, beschlossen; soweit auswärtig Wohnende in betracht kommen, welche hier ein Gewerbe betreiben, also hier Stenern zahlen, sollte davon Abstand genommen werden, ebenso bei städtischen Beamten und Aiigestelltc,!, welche durch ihr Amt genölhigl sind, ihre» Wohnsitz außerhalb Berlins zu nehmeii. Die angestellleii Erhebungen haben nun ergeben, daß es sich bei der ersten Kategorie um cliva 40, bei der letzteren um 9 Kinder handelt, die Angelegenheit daher in finanzieller Hinsicht keine Tragweite hat. Tie KonimisstonSßhling wegen Erwerbs des Terrains des Botanischen Gartens ist ü.chi auf unbestimmte Zeit vertagt, wie es in den Zeitnngen hieß, sondern auf zwei Tage verlegt worden. Die- selbe ist ans nächsten Mittwoch angesetzt. Auf Antrag der städtischen Verkehrsdepntation hat das Magistrats-Kollegiuin beschlossen, die öffentliche Dampfer.'Anlcgestelle an der Waiseubrllcke, welche jedermann gegen Entgelt zugänglich ist, als solche eingehen zu lassen»iid dieselbe an Dampsschifffahrts- Gesellschaften im ganzen oder getheilt z» verpachten. Ferner soll die Dampfer- Anlegestelle an der Obersprce, welche infolge der Gewerbe- Ansstellniig als solche eingerichtet worden war, mit Rücksicht darauf, daß dieselbe nur in seltenen Fällen benutzt worden ist, iviederu», als Bootanlagestelle eingerichtet werden. Der OrtSverei» Berlin der evangelischen Gustav Adolf- S t i s t u n g will seine 50. Hauplversamiiilnng der Slifluug in Berlin in der Zeit vom 27. September bis 1. Oktober d. I. ab- halten. Das Magistratskollegiinn hat auf Ersuchen des Vereins zn dieser Versainmliing die Hergabe des Festsaales des Rathhauses sowie die Ausschmückung der Plätze in der Nikolai- und Marien- lirche und des Liilherdenkmals genehmigt. ZfolrnleS» Achtnug, Parteigenossen und-Genossinnen k In der Ver- sainmliing. welche am Sonntag, den II. April, abendS 6>/s Uhr, bei Genossen Z n b e i l, Lindenstr. 106, stattfindet, wird Gen. G r e m p e über:„Sitte nnd Sittlichkeit bezüglich der Ge- schlecht s bezieh n ii gen bei verschiedenen Völkern" referire». Liege Betheiligiing erwünscht. de» Parteigenoffen, welche dieser Tage verhaftet wurden. �>d gestern, Freitag Abend, der Hutmacher Karl Schulz, der Maurer Hermann B n d» ch und der Arbeiter G u t s ch k e aus der Haft entlassen. Desgleichen befinden sich die Mutter und Schwester des Genossen Franz Schulz wieder auf freiem Fuße. Der letztere nnd dessen Brüder sowie die Genossen Klose und Erbe befinden sich noch in Haft. Vom Rechtsanwalt Heine sind Schritte ein- geleitet, die Jiihaflirten frei zu bekommmen. Johannes Camin t. Wir erhalten heute die Mittheilung, daß der Klavierarbeiter Johannes C a ni i n im Zuchthause zu Halle gestorben ist. Camin war während des Sozialfftengesetzes ein eifriges Mitglied der Partei und halte sich auch der Gewerkschasts. beivegung, dem Klavierarbeiter-Verein, eng angeschlossen. Nach Aufhebung des Sozialistengesetzes wandte sich der Verstorbene der Strömung der sogenannten Unabhängigen zu, später wurde er mit de» anarchistischen Theorien bekannt. Die Verbreitung anarchistischer Zeitungsnummern brachte ihm schließlich— Kl/z Jahre Zuchthans ein. Wie weit er dem Anarchismus zugeneigt war, ist heute kaum festzustellen; angenommen darf werden, daß er als ei» Opfer seiner Vertrauensseligkeit, seiner politischen Unerfahreuheit und seines etwas heftigen Teinperaments be- trachtet werden muß. Von diesem Standpunkt aus konnten wir ihm nie das Mitgefühl niit seinen» herben Schick- sal versage», trotzdem seine politischen Anschauungen von den uuserigeu ungeheuer»veit entfernt sind. Ca min .nm � 1892 mit dem Bergmann Höver aus tselsenkirche», dem Haudelsma»»» R e u n t h a l e r aus Berlin, dem Schuhmacher Li u s f aus Berlin, den» Fabrikarbeiter W i n n e r aus Iserlohn und dem Schriftsetzer Dobberstein ans Iserlohn unter der Anklage der Majestätsbcleidigung und der Aufforderung zum Hochverrath vor dem Reichsgericht. Die Verhairdlungen fanden unter Shisschluß der Oesfentlichkeit statt und so viel bekannt»vurde, hatten die Angeklagten de»„Anarchist" und die„Autonomie" verbreitet, deren Inhalt der Anklage zu gründe lag. Diese Blätter befleißigten sich auch zur damaligen Zeit, die heftigsten Augriffe gegen die Sozialdemokratie zu schleudern, und das ivar die Lockspeise, um einige u>it der Taktik der Partei unzn- fnedeiie Leute zu Helfershelfer» einer gelvisse»- und ehrlosen Gesellschaft zu mache», die von London aus ihr frevelhaftes Spiel trieb. Der übrige Inhalt dieser Schriften sollte zum Verderben der Irregeführten werden, denn in dem Hochverrathsprozeß erhielte» C a in i» und R e n n t h a l e r ö Jahre 6 Monate Znchlhaus, der Schriftsetzer D o b b e r st e i n»vurde freigesprochen und die übrige» Angeklagten zu 5 Jahren 6 Monate», 5 Jahren 3 Monaten und 4 Jahren Zuchthaus vcrurtheilt. Ein überaus Harles Urtheil, wen» man bedenkt, daß »»» einem Lande,»vo Preßsreiheit herrscht, eine Anklage ausgeschlossen »vare. Camin»vurde nach dein Zuchthaus zu Halle überführt und der schon damals kränkelnde Mann hat die Marter des Zuchthauslebens bis jetzt ertragen müssen. Als ihn seine Frau zu Weihnachten bc- suchte, konnte er, vom Reißen gepeinigt, sich nur mit Unlcrstütznng des Gefangenenaussehers heranschleppe». Am 3. April schrieb Frau Camin an ihre»» Man», und vor einigen Tagen kam der Brief ungeöffnet mit der Aufschrift zurück„Adressat gestorben". So ist er eingescharrt, ohne daß Frau und Kinder eine Nachricht erhielten, ohne daß sie ihn» die letzte Ehre eriveisen konnten. Sollte nicht auch in» Zuchthause das christliche Enipfinden dem Sträfling gegenüber angebracht sei», daß mit dem Tod die Schuld des Mannes anslischt? Soll ihn» auch noch nach dem Tode der Makel anhafte»? Und müssen die unschul- dige» Kinder und die Frau den Kelch bis zur Neige lehren? Wir wissen nicht,»velchen Grundsätzen die Zuchthans-Venvaltung huldigt, »ach ihren Vvrschriste» mag sie ganz richtig gehandelt habe», aber das Gefühl der Menschlichkeit bäumt sich auf gegen eine solche Be- Handlung. In das Grab gesunken ist nicht ein Ehrloser! Er hat schiver, zu schiver für seineu Jrrthnn» gelitte». Ueber die Grnudstiickc und Wohuniigen BerliuS cutnehme» wir den» neuesten Bericht der städischen Steuerdeputation(für 189S,g6) die folgende» Angabe», die wegen des Fortfalls der Mieths- sleuer(die zu»verlhvollen Ermittelungen über die Berliner Mieths- Verhältnisse Gelegenheit bot) zum erste» Male»veniger ausführlich als sonst sein könne». Ende 1895(in Klaninicrn die Zahlen für Anfang 1335)»vurden hier 23 935(23 730) benutzte Gr»», d. st ü ck e ermittelt, wovon 23 392(23 222) bebaut und 543(508) unbebaut, aber als Zimmer-, Kohlenplätze u. f.»v. benutzt»vorden »varcn. Dazu kamen 1773(1745) ertraglose Parzellen(Baustellen). An Wohnungen(und Geschäfts-, Dienst-, Fabrik-, Arbeits- räumen)»vtirden 406 449(401 453) gezählt, und zivar 440 302 (429 854) veriniethete(auch von» Wirth selber benutzte oder Miethssrci an andere überlassene) und 20 037(31 599) leere. Die»och unverinietheten Wohnungen in Neubauten siiid nicht Mitgezählt. Die leeren Wohnungen»varcn 5,0(0,8) pCl. aller vorhandenen. Hier ist seit einer Reihe von Jahre» zun» ersten Male »vieder ei»» Rückgang— sogar in der absoluten Zahl!— ein- getrete». Der Bericht erklärt das a»ls einer Aenderung des Zählungsverfahrens und aus Fehlern in den früher von den Eigen- lhümern gemachten Meldungen. Zum Theil dürfte der Rückgang aber auch dadurch zi» stände gekoinnien sein, daß einerseits die B a u s p e k u l a t i o n sich in den letzten Jahre» i» der Vermehrung der Neubauten doch etivas eingeschränkt hat— die Zunahme der Zahl aller Wohnungen gegen das Vorjahr»var i» 1830: 5,7, 1891: 4.0, 1892: 3,9, 1833: 2.8. 1894: 2.0, 1895: 1,1 pCt.— und daß andererseits infolge erneuter, schon 1895 ziemlich erheblicher Zunahme des Zuzugs»vieder»nehr Wohnungen eine» Miether sinde» konnten. Der M i e t h s»v c r t h»var Ende 1895 durchschnittlich für eine veriniethete Wohnung 003 M (Anfang 1335: 080, 1894: 034, 1893: 037, 1832: 035, 1891: 074, 1890: 059), sür eine leere 451 M.(Ansang 1895 bis 1890: 440, 448, 413, 450, 401, 541). Der Micthsiverth der leeren Wohnungen zeigt keinen regelmäßigen Gang; hier, ,vo es sich um eine verhältnißmäßig kleine Zahl von Wohnungen handelt, vermögen schon»venige theure, zufällig leer stehende Wohiinnge,» den Durch- schnitt stark zu beeinflussen. Bei den vermielheten Wohnungen kann die A b n a h n» e der D u r ch s ch n i t t s»» i e t h e zurückzuführen sein auf stärkere Bevorzugung kleiner Wohnungen oder auch darauf, daß die Wirthe sich in größerem Umfange zu Erniäßigungen bequemt haben. Sie habe» das thatsächlich schon seit 1888 in immer steigenden» Maße thun müsse». Nach dem I890cr Aufschivung aber dürften sie, i» anbetracht des m a s s e n h a s t e n Zuzugs und des gesteigerte» Wohnungsbedürsnisses, für die nächste Zeit»vieder et>vas andere Saiten auszuziehe» versuchen. Der Besuch der städtischen Fortbildutigöschulen für Jüitglinac hat 1335/30 in» Sommer gegen das Vorjahr erheblich ab-, im Winter nur»venig zugenommen. Ueberblickt man das ganze letzte Jahrfünft, so ergiebt sich sür das Winter-»vie für das Sommersemestcr ei» sogar recht bedeutender Rückgang. Es»vurden notirt: Theilnehmer belegte Kurse Sommer Winter Sommer Winter 1331/32... 7100 7733 12 087 13 474 1892/33... 7320 7739 11 071 12 239 1893/34... 0719 7207 11327 12 773 1834/35... 0350 7303 12 013 12 589 1395/90... 0073 7403 11 100 12 089 Die Theilnehmerzahl»var in» Sommer des Schuljahres 1895�30 so niedrig,»vie i» keinen, der letzte» Vorjahre, und im Winter»var sie noch inilner niedriger als 1891/92 und 1892/93. Mit der Zahl der belegten Kurse steht es ähnlich. Der Rückschritt ist noch größer, als er auf den erste» Blick erscheint. Man darf nicht vergessen, daß voin Winter 1830/91 bis Winter 1335/90 die Zahl der Schulen vo» 10 anf 12, der Unterrichtsfächer von 12 auf 13, der Kurse von 410 auf 474 erhöht»vorden ist. Von dieser Vermehrung der G e- legenheit zur Theil n ah nie an» Fortbildungs- Unterricht hätte mau auch einen vermehrten Besuch erivarten dürfen. Eine Zunahme des Besuchs hätte außerdem schon deshalb eintreten»nüsse»,»veil ja auch die Bevölkerungsziffer Berlins in- zivischen geivachsen ist.(Von 1390 bis 1835 haben sich speziell die hier zumeist in belracht kommenden 15— 20jährigen männlichen Per- fönen vo» 07 341 auf 72 325 vermehrt.) Wenn der Fortbildnngsschul- besuch trotzdem nicht zu-, sondern abgenommen hat. so ivird mau unter de» mancherlei Ursachen, die hier»nilsprechen könne», vielleicht nicht in letzter Linie die unglückliche Wahl der Unterrichtszeit (Wochentagsabende und Sonntagniorgen) nennen müssen. Wer die ganzi Woche hindurch von früh bis spät arbeitet, von dem kann man weder am Abend noch au, Sonntagmorgen die nöthige Frische und,»vas durchaus verzeihlich ist, auch nicht eine besondere Lust zun» Lernen erivarten. Die Verlegung des Unterrichts auf die Vor- oder Nachmittage der Wochentage»vürde freilich, da da»,» die Lehrherren ihren Lehrlingen den Besuch der Schulen noch mehr erschiveren»vürden, als es heute schon der Fall ist, die Einsührung der Verpflichtung zun» Besuche z>ir Folge haben»nüsse». Es ist bekannt,»vie sich die städtische Ver- »valtung gegen diese Forderung sträubt, und»vie ihr der gesammte „Freisinn" darin sekundirt. Man weiß eben sehr gut, daß die Einsührung des obligatorischen Fortbilduugsunterrichts, die übrigens auch zur Beseitigung des Schulgeldes für alle Fächer führe» miißte, den meiste» Lehrherren noch viel unbeqnemer»väre als manchen» leruunlustigeu Schüler. Der„Kindersegen" ist bei den Unbemittelten im all- gemeinen größer als bei den Wohlhabenden. Daß dieser alte 'Erfahrungssatz auch.für Berlin gilt, das zeigt sich,»venn man aus den Vollszählungs-Ergebnissen den Antheil der Kinder an der Bevölkerung für jede» der 18 S t a d t l h e i l e(Standesamts� bezirke) Berlins gesondert berechnet. Aus dem Ergebniß der Zählung von 1395 theill das letzte Berliner„Statistische» Jahrbücher' zur Alterszusammenschuug der Bevölkerung der einzeluen Stadt theile zunächst nur die Unterscheidung nach 10jährigen Geburtsjahr� Gruppe» mit. Die in den Jahren 1830 bis 1895 geborene», also 0— 3li/l2 Jahre alten Kinder»vare» pro 10 000 der Be völkerung in den Bezirken II. Friedrichstadt 1123, I Altstadt 1143, IX. Spaudauer Viertel 1345, III. Schönebergcr Vorstadt 1350, VI. diesseitige Luisenstadt mit Neu-Cölu 1377, Xlla. östliches Moabit mit Friedrich-Wilhelmstadt 1400, IVa.»veslliche Tempclhofer Vorstadt 1505, Vlla. Ivestliches Stralauer Viertel 1730, Ya.»vesl liche jenseitige Luisenstadt 1307, Xa. südliche Rosenlhaler Bor stadt 1849, VIII. Köuigsvicrtel 1872, XI. Oranienburger Vorstadl 1305, IVb. östliche Tempelhofer Vorstadt 1971, Vlld. östliches Stralauer Viertel 2202, Vd. östliche jenseitige Luifeustadt 2390, Xb. nörd- liche Rosenthaler Vorstadt 2427, Xllb.»vestlichcs Mobil 2439, XIII. Weddiug 2473. Die vonviegeud von einer ärmeren Be- völkerung beivohuten Stadttheile habe» durchgängig die höchsten Zahle». Das Bild muß»och klarer»verde»,»venn bei der Berech u»ng einerseits Waisenhäuser, Erziehungsanstalten». s.»v., anderen seits Kasernen, Gefängnisse, Altersversorgungs-iilnstalten u. s.»v ausgeschaltet»verde». Wenigstens sür das Militär, dessen Hauptmasse sich fast nur auf einige, venige Stadttheile beschränkt und in diesen die Zllterszlisaunnensetzung der Bevölkerung stark beeinflußt, läßt sich auf grund des bisher ver- öffentlichlen Materials die Ausschaltung vornehme». Thnt man das(»vobei außer Betracht bleiben darf, daß auch »iiter dem Militär eine Anzahl Fainilienväter sind), so ändert sich der Antheil der 0—9'l/is jährigen au der Bevölkerung i» mehreren Bezirken nur»venig oder fast gar nicht. I» anderen erhöht er sich merklich, besonders i» den Bezirken I ans 1171, IX auf 1401, Xlla auf 1585, XI anf 1953, IVb anf 2020, Vb auf 2430 pro 10 000. Der Kinderreichthnn» einiger Bezirke, namentlich von Vb, tritt dadurch noch schärfer hervor. An» deutlichsten»vürde sich bei der Berechnung des Antheils nur der 0—1 jährigen Kinder ergebe», daß die Wohlhabende» viel»venigcr als die Unbemittelten zur Ver »»ehriing der Bevölkerung durch Geburten beitragen. Zur Anstalts-Kraukeiipflcgc der Säuglinge. Daß erkrankte Säuglinge in ein Krankenhans konimen, gehör» in Berlin zu den Ausnahmen. Das dürfte zivar(selbstverständlich) nicht ausschließlich, aber doch zu einen»»vesentlichen Theile auf den oft und auch i» letzter Zeit»vieder diskntirten Umsland zurückzuführen sei», daß in Berlin die Gelegenheit zur Verpflegung von Säuglingen in An- stalten überhaupt noch sehr gering ist. Bekannt ist, daß die Berliner Krankenhäuser Kindern noch öfter als Erivachsenen »vegeu zeitweiligen Platzmangels die Aufnahme veriveigern müssen,— auch solche Krankenhänser, die nur für Kinder bestimmt sind. Bon 10 052 in» Jahre 1890 gestorbenen Kindern unter einem Jahr(Todtgeborene nicht initgezählt) starben nur 951(9,5 pCt.) i» einen» Krankenhause, speziell von 7527 Ehelichen 385(5,1 pCt.), vo» 2525 Unehelichen 500(22,4 pCt.). Schon diese Zahlen lassen er- kennen, von»vie geringen» Umfang die Anstalts-Krankcnpflege der Säuglinge in Berlin ist. Die Zahle» dürften sich über- dies noch erheblich verringern, iven» alle diejenigen Säug- linge— und das gilt namentlich für die Unehelichen— ausgeschieden»vürde», die in Anstalten zivar lebend gebore» »vurde», aber bald nach der Geburt»och darin»vieder verstarben. (Von 43 310 in» Jahre 1330 lebend geborene» Kindern»vurde» 2540 [5,3 pCt j in Anstalten gebore», speziell vo» 41 090 Ehelichen 355 [0,9 pCt.j, von 7220 Uneheliche» 2185[30,3 pCt.s). Ohne Ziveisel »vürde die Errichtung»veiterer Anstalten für Säuglingspflege,»vir sie jetzt von verschiedenen Seiten gefordert»vird, die Kindersterblich- keit in Berlin wenigstens um c t>v a s verringern. Im Vergleich zu den zahlreichen andcren Schädigungen, die die Gesundheit und Widerstandsfähigkeit der Kinder, besonders der Proletarierkinder/ herabmindern, fällt freilich der Mangel an Gelegenheiten, kranke Säuglinge in Anstalten zu pflege», nicht sehr ins Geivichl. Schul-GesundheitSliste» führt das D o r o t h e e n st ä d t i s ch e R e a l g h»n» a s i n m, um eine fortlaufende Uebersicht über den Gesundheitszustand der Schüler zu erhalten. Die Einrichtung scheint jedoch nicht amtlich vorgeschrieben zu sein. Sie dürfte einer privaten iilnrcgnng des Leiters der Anstalt, des Prof. Schwalbe(eines der Begründer des„Vereins sür gesundheitgeniäße Erziehung der Jugend") ihre Entstehung verdanken. Sie verdient aber, nachgeahmt und von Amts»vege» eingeführt zu»verde». Noch mehr als sür die höheren Schule» wäre sie sür die G e»n e i n d e s ch n l e n zu »vünschen. Hier könnte die Führung offizieller Gesundheitslisten einen vorläufige» Nothbehelf bilden für die oft geforderte(auch von dem genannten Verein beantragte, aber von der Schuldepntatio» nicht genehinigle) ärztliche Untersuchung der Geiiieiiideschul Kinder. Aus solche» Gesundheitslisten würde sich unter andern» er- geben, um»vieviel der Gesundheitszustand in de» Volksschulen ungünstiger»lud die Sterblichkeit größer ist als in den höhere» Lehr anstalte». Schul-Brausebäder bestehen jetzt(die Neu-Eröffiningen zu Beginn des Svmmersemesters eingerechnet) au sieben Gemeinde- Doppelschuleu, nämlich an den Schulen Nr. 103 und 182 (Qnitzoivstr. 115), Nr. 190 und 193(Graunstr. 11), Nr. 139 u. 205 (Alt-Moabit 07- 70), Nr. 200 u. 212(Siemcusftr. 20—21), Nr. 204 u. 213(Christburgerstraßc), Nr. 207 u 210(Strelitzerstr. 42), Nr. 203 u. 211(Prinzen-Allee 02— 00), Da immer nnr die neu erbauten Sckulhäuser mit Bade-Einrichtung versehen werde», so kann es noch recht lange dauern, bis die Schnlbäder in Berlin allgemein ein geführt sind. Die Kosten für den Betrieb der oben genannten sieben Brausebad-Anlagen sind auf 4300 M. pro Jahr veranschlagt »vorden. Verfrommnngöstrebeu und Friihkouzrrte. Bezüglich der Frühkonzerte au den Oster- und Pfingst-Feiertagen ist den Polizei» Hauptmannschaften vom Polizeipräsidiuin eine Verfügung zugegangen, »vonach diese Ko>izerte durch die bekannte Polizei-Verordnuug von» 10. Oktober 1890 nicht verboten sind, für dieselben aber die Ein- schränkungen des§ 12 Absatz 3 gelten. Danach dürfen an diese» Tagen Musikaufführnngen u. dergl. in Schanklokalen nur statlfinden, »venn der ernste, de» Feiertagen entsprechende Charakter gewahrt »vird. In Arbeiterkreiscn erregt es vielfach Univille», daß eine Anzahl orthodoxer Brüder sich mit ganz unmotivirter Aufdringlich- keit in Privatverhältnisse von Personen mische», deren Wohl und Wehe den Frommen bis dahin»neistens völlig gleichgiltig geivcsen ist. Wenn ein Brautpaar sich verheiratheu will, so dauert es nicht lange, und Braut und Bräutigam erhalten vom„Gemeinde-Kirchen- rath" ein Schreiben mit der Aufforderung,„zu den, ernsten Schritt, »velche» Sie zu lhui» im Begriffe sind, auch den kirchlichen Segen einholen zu»vollen". Man brauche keinen Festanzug, denn „wir»nache» darauf aufmerksam, daß in unserer Kirche Gelegenheit geboten wird, auch an Wochentagen und zu Stunden, an welchen außer den unmittelbar Betheiliglen nicht auf andere Anivesende zu rechnen ist, in einfachem Anzüge vor dem Altar zu erscheinen." Uns»verde»» zuiveilen solche Schreiben, mit Randvenierknngen bilteren Spottes versehen, von de» Empfängern zugesandt. Wie glauben, daß diese Art der orthodoxe» Agitation nils eine Ver- Minderung der Aktionsfähigkeit ihrer Jnteressentei» schließen läßt. Früher gingen die Froinmen von Haus zu Haus; die üblen Er- fahrungen, die sie auf derartigen Wanderungen macheii mußten, scheinen die Leutchen darauf gebracht zu haben, es mit der bequemeren schriftlichen„Eirnvirkuug" bewenden zu lassen. Tie Polizei und die Disziplin in höheren Schulen. Wegen Theilnahuie an einer die Trunksucht fördernden Schülerver- bindung»varen einer Korrespondenz zufolge im Februar fünf Unter- sekundaner eines Realgymnasiums ausgeschlossen»vorden: drei andere sollten zur Strafe statt Oster» erst Herbst das Zeugniß zun» einjährigen Dienste erhalten. Die fünf Ausgeschlossenen meldeten sich darauf zur Prüfung bei der Prüfungskommission sür Einjährige und»vurden auch auf grund eines von der Polizei ausgestellte» Uubescholtenheits-Zeugnisses trotz des Widerspruches des Provinzial- Schulkollegiums zugelaffe». Die Theilnahme an der Verbindung »vurde von der Polizeibehörde und dem Vorsitzende» der Prüfuugs- kommissio» nicht als ein für die Polizei in betracht koinniendes Vergehen angesehen. Infolge dieser Entscheidung»vnrde dann die Strafe der drei noch aus dem Gynniasiu»»»veilende» Theilnehmer in eine Carcerstrafc verivandelt. Tie fünf zur Prüfung Zugelassenen haben aber sämmtlich die Prüfung nicht bestanden.— Die Beeidignug des Staatssekretärs des Neichs-Postamts Herrn Dr. vo» Stephan findet Sonntag, den II. April, um Vel Uhr, von» Lichthof des Postmuseums, Ecke der Leipziger- und Mauer- straße, aus nach dem Kirchhose der Dreifaltigkeitslirche, Aaruther- straße, statt. Eine recht fühlbare Konkurrenz machen den deutsche» Fabriken die amerikanischen und englischen Fahr- r a d- F a b r i k a n t e>», iuden» sie jetzt, zum Beginn der Saison, den deutsche» Markt»nit ihren Fabrikaten förmlich überschivemnien. East i»it jedem Dampfer treffen große Sendungen Bicycles in amburg ein. So halte der kürzlich dort von Neiv-Iork an- gekonimene Dampfer„Foreland" über tausend Räder gelade», auch der Dampfer„Thor" brachte»ine größere Sendung an die Stadt. Eine merkwürdige Erklärung über de» Mangel an Krankenhäuser»» in Berlin hat nach den» soeben veröffentlichleu stenographischen Bericht über die letzte Verhandlung des Teltower Kreistages in dieser Sitzung der Stadtralh Krcisdcpulirtc Marggraf gegeben. Anknüpfend an die den» Landrath des Kreises vor einiger Zeit von» Berliner Magistrat zugegangene Miltheilung, daß in hiesige» Krankenhäusern absolut kein Platz zur Anfnahme auswärtiger Kranken vorhanden sei, fuhr Stadtrath Marggraf wörtlich fort:„Ich kann auch die Gründe angeben. Wir hatten ein neues Krankenhaus in Berlin beschlossen, der Plan war schon fertig, da trat ein Wechsel in der Leitung des Bauamtes ein,»vir erhielten einen neue n Stadtbau rath und dieser k a s s i r t e die s ä ni m t l i ch e» bisherigen Pläne, so daß jetzt von vorne angefangen wird. Ich glaube nicht zu viel zu sagen,»venn ich annehme, daß innerhalb 5 Jahre»»vir keine Vermehrung der Berliner Krankenhäuser habe»»»verde»»." Das ist recht»>»?-- sichtsvoll." Daö königl. Polizeipräsidium theilt»nit, daß außer den bereits früher zur Prüfung von Bierdruckapparaten berechtigten Sachverständigen neuerdings auch der Ingenieur Fritz Schmidt zu Charlottenburg, Knefebeckstr. 17 wohnhaft, autorisirt worden ist, der- artige Prüfungen vorzunehmeu und Bescheinungen darüber zu er- theilen.— Ferner»vird im Interesse der Angler nochmals darauf hingeiviesen, daß nach einer Vereinbarung des hiesigen Polizeipräsidenten mit dem Regierungspräsidenten zu Potsdam, Gesuche um Ertheilnng der Erlaubniß zum Angeln während des Sonntag? oder»vährend der>v ö ch e n t l i ch e n Schonzeit der Fische auch in den außerhalb der Berliner Weichbildgrenze befindlicheu Gewässern zunächst dem Berliner Polizei- Schifffahrtsburean zur Prüfung und gutachtlichen Aeußerung vorgelegt»verden müssen. Der Kaiser hat, wie daS„Berk. Tagebl." meldet, den Direktor der Knnstgewerbeschnle in Straßburg, Professor Ceder, beauftragt, eine A in t s k e t t e zu entwerfen, deren Bestimmuiig er sich vor« behalten hat. Die Idee, den Berliner Stadtväteru Amtskette» aii» zulegen, hat der König Friedrich Wilhelm IV. kurz vor der 1848» Revolution ausgesührt. Nachträglich werden uns noch folgende Firmen namhaft ge« macht, die ihren Arbeitern den 22. März als Feiertag aufzwangen, ohne ihnen den schuldigen Lohn hierfür zu zahle». Metall- waare n- Fabrikanten: Rudolf Krüger, Michaelkirch« straße; hat bei früheren Gelegenheiten gezahlt, ist aber jetzt dem Verbände der Kühueinänner beigetreten. Schuster u. Bär, Priuzessinnenstr. 17; Webisch, Krouleuchter-Fabrik, Gitschiner« Straße 93. Gärtnereibesitzer Oekouomierath L. Späth in Rixdorf blieb ebenfalls seinen Arbeitern den Lohn schuldig. Lederwaaren» farikanten: El kau, Gcorgenkirchstraße; Co bau. Dresdenerstraße; Dotti, Neanderstraße; Scholz Nachf., Schöneberg, und Loh Söhne, Wilhelmstraße. Die Firma Loh Söhne gab das Ver» sprechen ab, den Lohnarbeitern die anfgezwungenen Feiertage be- zahlen zu wollen. Am Zahltag jedoch waren die Chess vermißt und die Komtoristen konnten selbständig in der Angelegenheit nicht handeln. DaS Nicsenferurohr„Treptow-Steruwarte" soll Milte April»vieder eröffnet und dem Publikum von neuem übergeben werden. Ei» Bild deS Elends. Unter dem Verdachte de? Kinde?- mordes ist gestern, Freitag, vormittags um 11 Uhr, die 37 Jahre alte Zimmernianiiswitlwe Auguste Nitzschel, geb. Buchholz, aus der Slralsunderstr. 14 festgenomnien worden. Die Frau bewohnte mit ihren vier Kindern im Alter von 4 bis 13 Jahre» ein kleines Stübchen im Keller und lebte in den dürftigsten Verhältnissen. Von der Stadt erhielt sie monatlich 13 M. Armeiinnterstützung. Gestern Morgen gab sie einem fünften Kinde das Leben. Diesem soll sie den Hals umgedreht haben. Die Polizei des 89. Reviers bat sie unter diesem Verdachte festgenommen und einstweilea als Polizei- gefangene mit einem Krankenwage» einer Anstalt zugeführr. Die Leiche des Kindes wurde dem Schauhause überwiesen. In der Angelegenheit wird noch berichtet, daß die Hanptzengin, die Arbeiterfrau Paulaus, die neben der Beschuldigte», wohnt, von der Kriminalpolizei eingehend vernommen worden ist. Die Wohnung ist von der Behörde geschlossen worden. Die vier Kinder befanden sich gestern Abend noch unter der Obhut der Wirthsleule. Frau Nitzsche wohin in der Stralsunderstraße mit ihre» Kindern erst seit vier Wochen. Die letzte» der alten Baracke», welche die Marienkirche um- säumen und die zu den ältesten Wohnhäusern Berlin- gehören, werden jetzt ebenfalls abgetragen. Es sind dies die Häuser Kloster- straße 13. 14, 15 und Marienkirchhof 15, 10, 17. An stelle der au? der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts stammenden Gebäude werde» große Geschäftshäuser errichtet werden. Tie Theaterzensur. Das Alexanderplatz-Theater wollte ein Sensationsstück„Prinzessin Chimay" zur Aufführung bringen. Die Polizei ordnete jedoch einen anderen Titel an, und so wird denn das Stück heute unter dem Namen„Eine tolle Prinzessin" gegeben. Eine» Dolchstich in die linke Brust versetzte sich auf der Polizeiwache des 12. Reviers der Schlosser Arthur Gießler, der am Donnerstag Nachniiltag 3 Uhr wegen einer in einem Schanklokal bc- gangenen Ungehörigkeit siftirt worden ist. Gießler wurde in bedenk- lichem Zustande in ein Krankenhaus gebracht. El» falscher Kriminalbeamter. Zu dieser in Nr. 91 ge- brachten Notiz erhalten mir folgende berichtigende Zuschrift: Der betreffende Vorfall war nickzt in der Nacht zum Sonntag, sondern vom Freitag, den 2. April, zu Sonnabend, den 3. April. Ich habe nicht eine anständige Dame belästigt, sondern ich wurde von einer Dame belästigt, mitzukommen. Schließlich lief sie davon und ich sah sie dann mit einem Herrn. Diesen fragte ich, ob e r Beamter sei, ich wollte die Dame feststellen lassen. Ich habe mich nicht als Be- amter ausgegeben. Carl Pinnar. Von durchgehende» Pferde», die vor einer dein Molkerei- bescher Bolle gehörenden Kutsche gespannt waren, ist am Donnerstag Nachmittag 21/2 Uhr an der Ecke der Invaliden- und Chaussee- straße das Dienstmädchen Hermine Riemer zu Boden gerissen und so schwer verletzt worden, daß es in ein Krankenhaus gebracht werden mußte. Z» der Wege» wiederholter Unterschlagung erfolgten Vcr- Haftung des Rendautc» R. vom königlichen Aichungsamt werden noch folgende Einzelheiten mitgethcilt: A. zählt öv Jahre, er hat eine dreißigjährige Dienstzeil hinter sich, in der er sich bisher tadel> lo- geführt hatte. Nach zwölfjähriger Militärzcit kam er zum Aichungsamt, dem er achtzehn Jahre angehört hat. Am vorigen Freitag traf bei seinem Direktor die Denunziation ein, die einer der Geldlente erstattet haben soll, die er angegangen hatte, um das Deffzit decken zu könne». Alsbald wurde eine Revision vor- genommen, die das bekannte Ergebniß hatte. Ans Bericht an das Ministerium wurde die Verhaftung A.'s verfügt. Sie hatte schon im Laufe des Vormittags ausgeführt werden sollen, doch A., der seit Sonnabend sein Schicksal kannte, hatte sich von der Ve- hausnng ferngehalten, da er der nachmittags stattfindenden Beerdigung seiner Schwägerin, einer Schwester seiner Frau, noch beiwohnen wollte. Als er dann mit seinen Zlngehörigen gegen sechs Uhr vom Kirchhofe heimkehrte, ward ihm von Beamte» be- deutet, ihnen nach dein Aichuiigsamte zu folgen. Hier fand ein zweistündiges Verhör statt, worauf A.»ach dem Alexauderplatz in Hast gebracht wurde. Der Erbschaftsprozeß, der den Beamte» feiner Pflicht abwendig gemacht hat, war gegen den Vater seiner Frau, mit der er in zweiter Ehe vermählt ist, angestrengt worden. Der Prozeß soll zu gnnsten A.'s entschieden sein, aber die erstrittene Summe war ihm noch nicht ausgezahlt worden. Im Zirkus Busch ist die Abschiedsvorstellung am nächsten Donnerstag. Heule ist Benefizvorstellung für Frau Direktor Busch. Etwelche Esel(vierfüßige) will sich der Berliner Thier- s ch n tz v e r e i n zulegen. Die Thiere sollen vor Reklainefnhrwerke gespannt werden, um so für Benutzung des Vetters Langohr als Zugthier Propaganda zu mache». Die bis jetzt übliche Benutzung von Hunden zum Ziehen von kleineren Fuhrwerken wird vom Thier- schutzvercin als tadelnswerlhe Quälerei bezeichnet. ttitgliirksfälle im Straßenverkehr. In der Stralauerstraßc lief gestern, vormittags, der 50 Fahre alte Schuhmacher Gustav Rholtz gegen einen Geschäftswagen, gerieth unter die Räder und erlitt schwere Verletzungen an beiden Füßen. Er wurde nach der Charitce gebracht.— Vor dem Hanse Usedomstr. 14 wurde vor- mittags der fünfjährige Sohn des Glasers Dürrbanm durch einen übcrinäßig schnell fahrenden Milchwagen überfahren und an Koff und Rücken schwer verletzt.— Gestern Mittag fiel der 8 Jahre alte Willy Ziehm beim Spiele» von einer Ufertreppe des Lustgartens in den Sprcekanal, wurde indessen, ohne Schaden genommen zu haben, aus dem Wasser gezogen.— Nachmittags fiel ans dem Bellealliance- Platze der 49 Jahre alte Tapezier Franz Schmiedecke beim Besteigen eines in der Fahrt befindlichen Pferdebahnwagens hin und verletzte sich schwer an der Hand und an der Stirn.— An der Ecke der Invaliden- und Chansseestraße wurde nachmittags die unverehelichte Hermine Riemer durch eine Kutsche, deren Pferde durchgegangen waren, überfahren und am 5tvpfe schwer verletzt.— Beim Absteigen vom Vorderraume eines durch die Gerichtstraße fahrenden Pferde- bahnivagens fiel abends die ISjährige Arbeiterin Rosa Wittig � hin, gerieth unter die Räder und erlitt eine schwere Verletzung am linken Fuß. Ans de»» Nachbarorten. Jshauuiöthal, Rieder- und Ober Tchöuewcidc. Wir geben den Parteigenossen hierniit bekannt, daß die B o r u s s i a- B r a u e r e i ihre Säle der Arbeiterschaft wieder zur Verfügung gestellt hat. Der Arbeiter- Bildungsvereln hält am heutigen Sonnabend, abends 8'/z Uhr in dem kleinen Saale der Borussia-Brauerei seine Versamm- lung ab. Verschwuude» ist seit neun Tagen der am 10. Dezember 1866 geborene Versicherungsagent Arthur Kirchstein, der in Rixdors, Wiß-� mauustraße 46, wohnte. Kirschstein holte am 1. April aus dem Bureau der„Viktoria" in der Neuen Friedrichstraße, wo er angestellt ist, sein GeHall ab, kam aber von diesem Ausgange nicht wieder nach Hause. Man vermnthet, daß der Verschwundene, der in linder- loser Ehe lebte, einem Unglück oder einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Kirschstein in von schlanker Statur, trägt dunkles Haar und dunklen Schnurrbart. Wer über seine» Verbleib etwas anzu- geben weiß, wird gebeten, der Ehefrau MittheUung ju machen. Ju Siidcude, Mariendorf und Laukiviff find die Arbeiten der lltohrlegung für die lang erwartete Gasleitung begonnen worden. Der Anschluß der Leitung erfolgt an das schon vorhandene Röhren- netz von Steglitz. Südende und Marieudorf habe» seit vorigen Sommer auch schon elektrisches Licht. Munft imfc MMenfisMfk. — Die seit Neujahr im Verlage der Buchhandlung Vorwärts Berlin erscheinende Wochenschrift„In freien Stunden" hat es sich als Ausgabe gesetzt, dem Bedürfniß nach guter und zugleich billiger Romanlekiüre gerecht zu werden. Jede Woche erscheint ein boges- starkes Heft, das eine reichillustrirte Sioman-Forlsehung enthält. Die inneren Unischlagseite» bringen Gedichte, Skizzen, Notizen und kleine Aussätze über Themen der verschiedensten Wissens- gebiete. Vermischtes und Hnmoristisches. Die Illustrationen sind künstlerisch ausgeführt, die Ausstattung der Hefte ist eine ansprechende. Der gegenwärtig lausende Ronian heißt„Siebzehnhundertdreiundnennzig", stammt aus der Meisterfeder Victor Hugo's, und schildert in der Hauptsache den Kampf der Konventstruppen mit den aufständischen Bretone» und Vendeern. Nach diesem Roman werden Erzählungen von Robert Schweichel: „Ans dem Leben der Enterbten" zum Abdruck gelangen.— Wir können„In Freien Stunden" aus das beste empfehle».— _— Im Schiller-Theater ging am Donnerstag Moser's uraltes „Stiftungsfest" in Szene. Das Stück ist so harmlos, daß auch der bärbeißigste Kritiker ermattet die Hände sinken läßt und beim An- blick des Schwankes sich barmherzig der Verse erinnert: „Dies Kind, kein Engel ist so rein, laßt's Eurer Huld empfohlen sein". So sei denn nur konstatirt, daß das Publikum des Schiller-Theaters, dem ja so wie so Moser viel näher liegt, als der große Poet aus Schwabenland, sich ausgezeichnet an allem amüsirte. ivas der Verfasser als Witz betrachtet wissen wollte. Eine recht flotte Aufführung trug ihr Theil dazu bei, dem„Stiftungssest" zum Erfolge zu verhelfen. Herr Patry war ein Frauenaubeler von wunderbarer Unverwüstlichkeit, und Herr Schmasow gab das eifrige Vereinsfaktotum so schweißtriefend, daß er sich unter den Naturalisten einen Ehrenplatz sicher» könnte. Sehr hübsch spielten auch die Herren Steinecke und Eyben ihre behäbigen Rollen; desgleichen ist den Herren Reiniann und Blank nur gutes »achzusagen. Die Damen Levermann, Pauly und Detschy zeigten sich ebenfalls von ihrer besten Seite.— — Die bereits angezeigte Vorstellung des Vereins„Freie Biihue" findet Sonntag den II. April mittags 12 Uhr im Deutschen Theater statt. Zur Aufführung gelangen„Am Ende" von Marie v. Ebner-Eschen dach und„Grete's Glück" von Emil Marriot. Die Borstelluug ist eine öffent- liche. Für Nicht-Mitglieder ist eine beschränkte Anzahl von Billets an der Kasse des Deutschen Theaters zu den üblichen Abendpreisen dieses Hauses(ohne Vorkaussgebühr) zu haben.— — Ucbcr daS Berliner Natioualdcnkmal fällt Ferdinand Aven arius in seinem ,, K u n st w a r t"(13. Heft 10. Jahrg.) folgendes Urtheil:„Wir erinnern uns der Wettbewerbe, bei denen Begas nicht einmal ein Nebenpreislein erwischte, und all der Sonderbarkeiten, die damals verblüfften und erkälteten, erinnern uns des Reichstagsbefchlusses, erinnern uns der Parallele zwischen dem Denkmale Friedrich's II., das der Monarch auf eigene Kosten aber wohlberathen vom Tüchtigsten setzen ließ, und diesem Denkmale hier, das die Nation zwar bezahlte, das aber ausführte nach kaiser- liche» Wünschen, auf einem Platze nach kaiserlicher Wahl, der, welcher so ziemlich allein nach kaiserlicher Ansicht der Tüchtigste war. Da steht es nun, eine Art von Vorbau vor dem Schloß, von kei»°r Stelle, als von den Schloßfenstern aus, gut zu sehen,»ngroß und un- einfach, beinahe stumpfsinnig im Wiederholen derselben abgebrauchten Motive, kunstgewerblich, wo munumentale Kraft am Platze, in seinem Besten von theatralischem Schwünge, grundsremd dem Geiste nach ihm, den es seiern soll und der vor allem eine würdige Milehrung der Männer gewünscht hätte, die ihm halfen, ja, die ihn leiteten,— als Ganzes ein Prachtstück etwa a la Louis XIV. Was hilft's diesen Thatsachen gegenüber, daß manche Einzelheit sehr schön herausgekommen ist, weil ja doch Begas i» der That ein Meister wenigstens im äußerlich Formalen ist? Was ist denn bei einer solchen Aufgabe mit kalter äußerer Schönheit gethan? Wie wird man in hundert Jahren über dieses sogenannte National- denkmal denken?... Nun ist geworden, was werden mußte; man nenne die Dinge beim rechten Namen: das Nationaldenkmal ist verfehlt. Nichts schützt auf die Dauer vor dieser Erkenntniß, die heut noch die Nachwehen der Jesttagssiimmung umschleiern mögen."— Sozistls Der Staatsanwalt gegen die GcwerbegerichtS-Beisitzer. Der Kellner A., Mitglied des Gcwerbegerichls zu Berlin, hatte in einer Versammlung der Arbeitnehmer und Beisitzer jenes Gerichts gegen den Vorsitzenden des Gerichts schwere und ungerechtfertigte Vorwürfe erhoben. Aus diesem Thatbestande halte aus Ver- anlassung der Verwaltungsbehörde die Staatsanwaltschaft den Antrag, den A. seines Amtes zu entsetzen, bei dem Landgericht gestellt im Anschluß an§ 19 des Gesetzes über die Gewerbcgerichie, welcher bestimmt:„Ein Mit- glied des Gewerbegerichls, welches sich einer groben Verletzung seiner Amtspflichten schuldig macht, kann feines Zimtes entsetzt werden. Die Entsetzung erfolgt durch das Landgericht. Auf das Verfahren finden die Vorschriften für Strafsachen statt." Das Landgericht lehnte jenen Antrag ab und das Reichsgericht verwarf die hiergegen eingelegte Revision, indem es nach„Mittheil, der Deutsch. Jurist.-Ztg." ausführte: Das Gesetz erläutere nicht den Begriff der„Amtspflicht". Aus den Verhandlungen über den Gesetzentwurf gehe nur hervor, daß man den Begriff nicht auf Handlungen oder Unterlassungen innerhalb der amt- lichen Thätigkeit habe beschränken wollen. Bedenklich sei es daher, daß der Vorderrichter nur Verstöße gegen die Obliegenheiten des Amtes als Beisitzer des Gerichts unter jenen Be- griff habe bringen wollen. Allein das Urtheil werde getragen durch die Feststellung, daß eventuell die Verletzung der Amtspflicht keines- wegs eine grobe sein würde. Diese Anficht stütze sich auf den guten Glauben des Angeklagten, auf den Mangel jeder veriverslichen Ab- ficht, auf die vermeintliche Beein'vächliguug der Stellung der Bei- sitzer des Gewerbegerichts. Eine rechtsirrthümliche Auffassung sei hieraus nicht zu eninehmen. Die Revision der Staatsanwaltschaft erscheine daher nicht begründet. Gevidjks Rettung. Ist ein Zlngeklagter, der nichts weiter verbrochen hat, als daß er die Entscheidung des Gerichts über ein polizeiliches Strafmandat anrief, verpflichtet, auf der Anklagebank Platz zu nehmen? Diese Frage wurde gestern seitens der IV. Strafkammer am Landgericht II in bejahendem Sinne entschieden. Der Bauunternehmer Bischoff in Treptow hatte am Baumschulenweg ein Haus gebaut und soll sich dabei einer geringfügigen baupolizeilichen Uebertretung schuldig ge- macht haben. Er erhielt ei» polizeiliches Strasmandat, gegen welches er Einspruch erhob. Das Schöffengericht verwarf seinen Einspruch und erkannte auf 20 Mark Geldstrafe. Hiergegen legte der Angeklagte Berufung ein, weigerte sich aber in der zweiten Instanz, die Anklage- bank zu betreten. Der Staatsanwalt verlangte einen Gerichtsbeschluß darüber, ob der Angeklagte nicht so gut wie jeder andere auf die Anklagebank müsse. Der Gerichtshof zog sich zur Berathnng zurück und verkündete nach einiger Zeit folgenden Spruch:„Es handelt sich hier um einen Akt der Sitzungspolizei. Das Gericht hat daher keinen Beschluß gefaßt. Die Entscheidung darüber, ob ein An- geklagter innerhalb oder außerhalb der Schranken Platz zu nehmen hat, steht dem Vorsitzenden zu. Als solcher bestimme ich, daß der Angeklagte sich auf die Anklagebank zu ver- fügen hat, falls derselbe überhaupt persönlich erscheinen will, wozu er nicht verpflichtet ist, da es sich nur um eine Ueber- tretung handelt und Angeklagter durch einen Vertheidiger vertreten ist. Besteht der Angeklagte aber auf seinem persönliche» Erscheinen, so würde ich erforderlichenfalls Zwangsmaßregeln anordnen, um ihn aus die Anklagebank zu zwingen. Will Angeklagter nicht er- scheinen, so hat er den Saal zu verlassen oder sich in den Zuschauer- räum zu begeben." Der Angeklagte that das letztere und setzte sich in den Zuschauerraum. I« Düsseldorf hat gestern der Barrison- Prozeß begonnen. Lona und Fleuron waren anwesend. Der Prozeß wurde dann ver- tagt zur Beweiserhebung über das Privatleben der BarrisonS. GemevkMaiftlickzeS. Berlin und Umgebung. Achtung, Steinarbeiter! Bei der Firma Zache, Marmor- waaren-Fabrik, Kotlbuser Damm 87, haben sämmlliche Steinmetzen die Arbeit wegen Lohndifferenzen niedergelegt. Zuzug ist streng fernzuhalten. Achtung, Zimmerer! Bei dem Bauunternehmer Wilhelm Gericke in Zehlendorf sind Differenzen ausgebrochen, die dort beschäftigten Zimmerer verlangen den dort üblichen Stundenlohn von vv Pf. Der Arbeitgeber sucht jetzt Zimmerer in B e r l i n. Zuzug nach Zehlendorf ist vorläufig fernzuhalten. Die Lohn« k o m in i s s i o n der Zimmerer Berlins und Um- g e g e n d. I. A.: Theodor Fischer. Achtung, Chemigraphe»? Di« Kollegen der Firma I. M. Magnus u. K o in p, Ziegelstr. 2, legten wegen Maß- regelung eines Kollegen und Nichtbezahlung der Feiertage gestern die Arbeit nieder. Die Chemiegraphen werden ersucht, den Zuzug nach Berlin fernzuhalten. I. A.: Max S a h m, Berlin, Forsterstr. 36. A« die Bau-, Erd- und gewerbliche» Hilfsarbeiter richten wir das dringende Ersuchen, sich sammt und sonders der Organs- 'ation anzuschließen. Kollegen! Solange Ihr keine feste Organisation besitzt, seid Ihr der Willkür der Unternehmer ausgesetzt. Sucht in der Vereinigung eine Stütze; aber beschränkt Euch nicht aus die Gründung von Vergnügungsvereinen, sondern tretet Eurem Berufs- verein bei, der die Besserung Eurer Lohn- und Arbeitsverhältnisse ins Auge faßt. Es genügt aber auch keineswegs nur dem Verein anzugehören und seine Beiträge zu entrichten, fondern jeder soll auch die Versammlung besuchen und thatkräftig niit eintreten für die Verwirklichung unserer Ziele. Für die OrtSverwaltung. I.«rüger. Die Maurer Köpenicks haben, etwa 100an der Zahk. am 2. April die Arbeit niedergelegt. Sie hatten in einer Versammlung am 17. März einen Lohntarif angenommen und den Meistern unter- breitet. Da diese bis zum 1. April eine Antwort nicht ertheilt hatten, erfolgte der angekündigte Ausstand. Von sieben Meistern haben seitdem zwei bewilligt; 37 der Ausständigen haben anderswo Arbeit gefunden; Streikbrecher haben sich noch nicht gefunden. Dagegen arbeiten an einer Baustelle(Wattenfabrik) 4 Gefangene des«öpe» nicker Amtsgesängnisses. Deutsches Reich. Gewerkschaftsabrcchnunge«. Verband der Zimmerer Deutschlands. Jahresabrechnung 1896. Einnahme (inkl. Bestand vom Jahre 189ö: 31 546,02 M.): 114 061,47 M. Ausgabe: 71 969,24 M. Davon für Agitation: 4063,65 M.; für Streiks: 29 594,34 M.; für das Verbandsorgan: 24 987,98 M. Bestand am Jahresschlüsse: 42 092,23 M. Der Verband zählt 255 Filialen. Zentralverband Deutscher Maurer. Jahres- abrechnung 1896. Einnahme(inkl. 3381,20 M. früheren Kassen- bestandes) 194 550,— M. Von den Ausgaben kommen auf Agitation: 14 096,65 M.; auf das Fachorgan: 33 904,06 M.; an den Streikfonds wurden abgeführt: 58 500,— Mark. Der iiassenbestand betrug am Jahresschlüsse: 70 913,10 Mark. Der Streikfonds vereinnahmte 86 719,16 Mark, wovon 36 575,37 Mark für Streikzwecke ausgegeben wurden.— Im Jahre 1895 hatte der Verband in 164 Zahlstellen 11 736 Mitglieder, am 1. Januar d. I. dagegen in 356 Zahlstellen 23 646 Mitglieder. Für Arbeits e i n st e l l u n g e n wurden in den Jahren 1892 bis ein- schließlich 1896 ausgegeben: 66 825,35 M.. 76 531,16 M.. 92 798,21 M., 102 625,21 M. und 203 452,03 M. Im Jahre 1395 trat man in 30 und im Jahre 1896 in 79 Orten mit Forderungen an die Unternehmer heran. Im Jahre 1895 wurden die Forderungen in 9 und 1396 in 35 Orten ganz oder theilweise ohne eine Arbeitseinstellung an- erkannt; dagegen wurde in 11 resp. 5 Orten nichts bewilligt. 1895 kam es in 10 und 1896 in 33 Orten zu Arbeitseinstellungen. Ins- gesammt wurde erreicht: eine Erhöhung des Stundenlohnes für 50 200 Maurer, eine Verkürzung der Arbeitszeit um eine Stunde für 14 880 Maurer und eine halbe Stunde für etwa 10 000 Maurer, dagegen kommt auf jeden Streikenden ein Verlust von 8 Arbeits- tagen und 30,40 M. Arbeitslohn. Aufruf an alle Möbeltischler, Drechsler und Maschinen- arbeiter Deutschlands. Kollegen und Genossen! Wie Euch be- kannt, ist in den Möbelfabriken Lübecks ein Streik ausgebrochen und nun werden in allen möglichen Zeitungen Annoncen erlassen, um Arbeitskräfte anzuwerben. Kollegen, wir warnen Euch, folgt diesen Lockrufen nicht, denn es sind hier genügend Arbestskräfte vor- Händen. Sorgt dafür, daß überall, wo solche Annoncen auflaiicheir, sofort eine kräftige Gegen- Annonce veröffentlicht wird. Unterstützt uns in unserer gerechten Sache und hallet den Zuzug fern. Hoch. die Solidarität! Die Streilkommisston der Holzarbeiter Lübecks. I. A.: D. R o h d e, Ledcrstr. 3. Die Eisenbahnvcrwaltnug i» Breslau hat durch Anschlag in den Werkstätten den Beilritt zum Deutschen Eisenbahner- verband verboten. Zuwiderhandelnde sollen sofort entlassen werden und jeden Anspruch ans Pension:c. verlieren. Dieser Drohung ist denn auch der 60jährige Dreher Hofmeister, der 20 Jahre seine Dienst« der Eisenbahnverwaltuug geleistet hat, zum Opfer gefallen. Der gebrechliche Mann hatte die Kühnheit, seine Mitarbeiter in schlichten Worten zum einigen Zusammenschluß auf- znfordern. Dieses„Verbrechen" muß für die Eisenbahnverwaltuug so gefahrdrohend gewesen sein, daß die Entlassung des alten Arbeiters verfügt wurde. Man schreibt un? hierzu aus Eisenbahnerkreisen: Es bedarf keiner Prophetengabe, um vorauszusagen, daß dem Verbände in allen Betriebs- direklionen mit denselben Maßregeln entgegengewirkt werden wird,. nicht nur in Preußen, sondern auch im übrigen Deutschland. Die Folge wird sein, daß gerade die Elemente unter den Eisenbahn- bediensteten, die der Arbeiterbewegung die meisten Sympathien entgegenbringen und sich deshalb zum Eintritt in den Verband ver- pflichtet fühlen, auf die Straße fliegen und ihre Arbeitsplätze Leuten überlassen, mit denen die Verwaltungen machen können, was sie wollen. Das ist aber nicht wünschenswerth und nützt der Arbeiter- bewegung garnichts. Der Versuch, die Eiseubahnbediensteten im. Deutschen Reiche in einen nach dem Schema des Gewerkschaftswesens errichteten Zentralverband zusammen zu fassen, scheint überhaupt wenig erfolgversprechend. Abgesehen davon, daß die Entscheidung über die Arbeitsbedingungen der Eisenbahnbediensteten in letzter Instanz' bei den Regierungen und Parlainenten liegt, ist das Personal der Eisenbahnen einer viel zu großen Konkurrenz ausgesetzt, um auf grnnd von s 152 der Gewerbe-Ordnung sich mit Erfolg bethätige» zu können. Es giebt weite Kreise der Bevölkerung, die sich förmlich zum Eisenbahndienst drängen, weil er eine gewiß nichts weniger als reichliche, aber jedenfalls eine ziemlich regelmäßige Versorgung dielet, die dazu noch der Hoffnung Raum gewährt, auch einmal die Stellung als Vorarbeiter, Werksührer oder eine sonstige Beförderung zu ergattern. Die Lücken, die durch die Entlassung der für den Verband thätigcn Eisenbahnbediensteten entstehen, würden im Hand- umdrehen allein durch die Mililäranwärter ausgefüllt sein. Was gethan werden kann, das ist, zuverlässiges Material über die Arbeitsbedingungen der Eisenbahnbediensteten zu sammeln und auf grnnd dffsen die Oeffentlichkeit für deren Lage zu interessiren, kurz auf die Agitation durch die Presse ist das Gewicht zu legen. Damit verbindet sich die Aufgabe, auf diesem Wege durchzusetzen, daß den Personalen der Staatsbetriebe endlich grundsätzlich das Recht gewährt wird, Kollektivbeschwerden u. s. w. einreichen zu dürfen, die von den Betriebsinstanzen bis hinauf zum Minister untersucht und beantwortet werden müssen. Tie Stuckatenre Kölns a. Rh. haben den neuen Lohntarif i» 12 Geschäften unterschriftlich bewilligt bekommen, in 10 noch nicht. In Magdeburg haben nun, wie die„Volksstimme" mittheilt, die Hafenarbeiter bis auf 10 Mann die Arbeit eingestellt. Die Zahl der Streikenden beträgt 130. Die Lohnbewegung der S l u ck a t e u r e ist zu gunsten der Ar- bester beendet. Die S t e i n h a u e r fordern den Neunstundentag, 55 Pf. Stundenlohn für ältere und 45 Pf. für jüngere Gehilfen, 20 Pf. Aufschlag für Ueberstundeu, an den Vorabenden der Fasttage Feier- abend um 4 Uhr ohne Lohnabzug, Auszahlung des Lohnes am Sonnabend innerhalb einer Viertelstunde nach Feierabend. Ter Schnhmacherstreik in Brem«« war Gegenstand der Verhandlitiig des Gewerbegerichts als Einigungsamt. ES kam betreffs verschiedener Punkte zu einer Verständigung, der Streik dauert aber noch fort, bis alle strittigen Punkte erledigt sind. Die Maurer Leipzigs faßten, nachdem die Unternehmer jedes Entgegenkomnien betreffs der Forderung der Verkürzung der Arbeitszeit abgelehnt haben, fol- geude Resolution:„In Erwägung der Unannehmbarkeit der Bs- dingungen, den Mindest> Stundenlohn für altersschwache sowie für Junggesellen ans 43 Pf., für den übrigen Theil auf 43 Pf., mit Beibehaltung der zehnstündigen Arbeitszeit auf zwei Jahre festzu« setzen; und in der Erwägung der öfteren Arbeitslosigkeit und der damit verbtlndenen schlechten Lebensbedingungen betrachtet die Maurerschast die Verkürzung der Arbeitszeit als ein nothwendiges Hilfsinittel zur Gewährleistung besserer Arbeitsgelegeuheii. In der ferneren Erwägung, daß in zwei Verhandlungen mit den Meistern eine Einigung nicht erzielt wurde, so lehnt es die Maurerschast ab, an einer dritte» Verhandlung mit den Meistern theilzunehmen. Bevor jedoch in eine Arbeitseinstellung eingetreten wird, soll der letzte Weg der friedlichen Vereinbarung beschritten werden. Die Versammlung beschließt daher, das G e w e r b e g e r i ch t als Einigungsamt anzurufen." Vevsomimlun�vtt. Die Zimmerer nahmen a»» Donnerstag in ihrer öffentlichen Vcrsannnliuig den Situationsbericht nber Lohn und Arbeitszeit ent- gegen. Nach den Ausführungen des Mitgliedes der Lohnkominissio», K n b e- Charlottenburg, ist gerade jetzt, trotz der kürzeren Arbeits- öktt, die Arbeitslosigkeit größer als je zuvor. Die letzte statistische Aufnahme habe ergeben, daß in Berlin und sämmtlicken Vor- orten nur 3391 Zimmerer arbeiten. 27 Arbeitgeber mit -tö? Zimmerern halten die im Vorjahre erknmpsten For- oerungc» thciliveise nicht ei», jedoch sind dies meistens Arbeitgeber, welche weit in der Umgegend von Berlin, wie in Lichterfelde. Tegel, Teltow, Bernau u. s. w., wohnen und auch von dort ihre Arbeiter mitbringen. Es müsse nun in diesem Jahre versucht werden, auch in diesen Fällen Remedur zu schaffen. In der Disknssio» wurde von sämmtlichen Rednern das Resultat als ein zufriedenstellendes bezeichnet und müsse man jetzt in der rilhigen Zeit vor allen Dingen an die Stärkung der Organisationen denken. Reuter verlangt besonders, daß die Lohnkommission ihr Augenmerk mehr aus die Tiesbnu-Arbeiten lenke, da meistentheilS in diesen Betrieben noch 10 Stunden gear- beitet werde. Znm zweiten Punkt, Stellungnahme zum l. Mai,' referirtc F'scher. Redner empfahl vollständige Arbeilsrnhe, da Maß- regelungen in großem Maße nicht vorkommen könne». Da ja bei der Zentenarfeier auch viele Zimmerer unfreiwillig seiern mußte», sei die beste Antwort darauf das f r e i iv i l l i g e F e i e r n und würdige D e m o» st r a t i o n am Vormittage des I.Mai. Nachdem noch O b st. Knüpfer, Nickert u.a. in denlselben Sinuc gesprochen, wurde folgende lliesolntion einstimmig angenommeu: Die Berliner Zinnnerleute erkläre», daß der 1. Mai durch vollständige Arbeitsruhe gefeiert werden muß, wenn der Zweck deiselbc», als Dem onstrationstag für Verkürzung der Arbeits- zeit und zur Erringung der Gleichberechtigung, zn gelten, erreicht werden soll. Deshalb beschließt die heutige Versammlung, deiisclben wie im Vorjahre durch Arbeitsrnhe zu begehen und ver- pflichten sich die Anwesenden, dafür zu sorgen, daß jeder unserer Berufsgenossen an der Feier theilnimmt. Die dicserhalb von de» Arbeitgebern Geinaßregelten erhalten die für Gemaßrcgelte festgesetzte Unterstützung. Alle an der Feier Theilnehmenden erhalten als späteren Ausweis»vieder eine Maimarke, welche in das Orgauisationsbnch eingeklebt werden maß. Der dritte Punkt der Tagesordnung: Bericht des Delegirten der Gewerkschaftskommissio». wurde der vorgerückten Zeil wegen vertagt, jedoch dem Delegirten bei der Abstimmung der Resolutionen freier Spielraum gelassen.— Hierauf gab L e h m a u n in seiner Eigenschaft als Revisor den Kassenbericht. Demnach waren bis zum 27. März inkl. des alten Bestandes 759 033 M. einge- uommen und 3093,35 M. ausgegeben, somit bleibt ein Kassenbestand von 4496,33 M. Redner bemängelt die schivache Belheilignng an de» Sammlungen, da die Ausgabe die Einnahme bedeutend über- steige und ersucht um regere Betheiligung an denselben, um zn jeder Zeit gerüstet zn sein. Hierauf erfolgte der Schluß der gut besuchten Bersaininluug. Ju Steglitz fand am Sonntag den 4. April eine öffentliche Bau- arbeiter-Versammlung statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde das Andenken des verstorbenen Reichstags-Abgevrdneten Karl Schnitze geehrt durch Erheben von de» Sitzen. Kollege C. Krüger- Berlin referirte über Organisation und Agitation, der Delegirte Kollege Sauer über den deutschen Bauarbeiter-Kongreß. Zum Schlüsse wurde bekannt gemacht, daß am Sonntag den II. April eine öffent- liche Bauarbeiter-Versammlnng in S ch ö n e b e r g im Lokal von Obst, Grunewaldstr. 110, nachmittags 2'/- Uhr, stattfindet. Schöncbcrg. Am 5. April fand eine Generalversammlung des Arbeiter-Bildungsvereins behufs Abrechnung vom I. Quartal statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde das Andenken an unseren verstorbenen Genossen, Reichstags-Abgeordnelen Schnitze, durch Er- heben von den Plätzen geehrt. Genosse Hoppe hielt einen Vortrag über„die besitzenden Zilaffe» der Landbevölkerung", dem eine rege Diskussion folgte. Nach Erledigung einiger Vereiusangelegenheite» wird bekannt gegeben, daß die nächste Versammlung am 3. Mai bei Obst, Grunewaldstr. 110, stattfindet. Hierauf ersvlgte Schluß der gutbcsuchten Versammlung. Vevmifrfikes vom � Zunahme d e S deutschen Tabakverbrauches. Innerhalb des Jahrzehnts 1885/86 bis 1895/96 hat das deutsche Tabak-Großgewcrbe 740 960 Tonnen Rohtabak verarbeitet, i» den ersten fünf Jahren 353 630 Tonnen, in den zweiten süns Jahren aber 387 330 Tonnen und im Jahre 1395/96 allein nicht weniger denn 82 890 Tonnen, gegen 61560 Tonnen in 1885/36. Der Verbrauch des ausländischen Rohtabaks hat stetig zugenommen.— In den Jahre» 1835/36 und 1886/37 entfielen vom Gesammtverbrauch des dentsche» Tabak-Großgeiverbes an Rohtabak noch 37 pCt. aus inländischen und 63pCt. auf ausländischen; in den folgende» zwei Jahren verschob sich dieses Verhältniß um 1 pCt. zn gunsten des ausländischen, in den darauffolgende» abermals um 1 pCt., sodann in de» Jahren 1894/95 und 1895/36 wiederum um 1 pCt., so daß im zuletzt ge- nannten Jahre 67 pCt. ausländischer und 33 pCt. inländischer Roh- tabak verbraucht worden sind.— — Wegen vorzeitiger Aufführung der dramatischen Legende „ W i l l e h a l in" hat das Elberfelder Stadt-Theater an Herrn von Wildenbruch eine Konventionalstrafe von 500 Mark gezahlt. Herr von Wildenbrnch hat diese Summe der„Pensionsanstalt deutscher Journalisten und Schriftsteller" überwiesen.—„So hat „Willchnlm" doch noch einen guten Erfolg gehabt," meint das Blatt, dem wir diese Notiz entnehmen.— — Die Aufführung von Offenbach's„Orpheus in der Unter- welt" ist in Aachen„ans Gründen der Sittlichkeit" verboten worden.— — Innsbruck mit Witten zählt 80 Welt- und 125 Ordens- Priester. Unter den letzteren befinde» sich 32 Jesuiten, 24 Prä- monstratenscr, 17 Franziskaner, 14 Kapuziner, 13 Redemptoristen, 13 Servilen und 10 Benediktiner. Die Zahl der Ordenssrauen de- trägt 465, wovon 66 Ursulincrinnen. 21 Karmeliterinnen, 13 Kreuz- schwestern und 365 Barmherzige Schwestern sind. Die theologische Fakultät zählt 269 Hörer, die das geistliche Kleid tragen.— — I» Knpferberg bei Kulmbach(Bayern) sollen die alten ersoffenen Kupferlager wieder in Betrieb genommen werden. 50 Ar- beiter sind bereits mit der Entivässerung beschäftigt.— — Im Züricher See sind einige russische Polytcchniker, die eine Spaziersahrt unternommen hatten, ertrunken.— — Für dreißigtausend Frauken Uhren sind in Zürich ans einem Uhrenmagazin gestohlen worden.— — Die große Elcktrizitäts-Gesellschast bei Rh ein selb«» in der Schweiz hat ihren gesammten noch verfügbaren Strom einer dcutsch-fianzösischen Gesellschaft erschlossen, welche bei Rhcinfelden eine Fabrik für Calcium-Carbid errichtet.— — Ans deni Pariser I n d u st r i e p a l a st, in dem am 19. April eine große Kunstausstellung eröffnet werden soll, sind vier werthvolle Bilder gestohlen worden.— c.e. Ein fideles B e g r ä b n i ß. In V i n c e n n e s(Frank- reich) starb dieser Tage im Aller von 80 Jahren ein gewisser Fröret, der testamentarisch verfügt hatte, daß er in lustiger Weise begraben werden wolle. Der Leichenzug nahm daher einen sehr heileren Verlauf; die„Leidtragenden" tanzten und sangen hinter dem mit Blumen und bunten Bändern geschmückten Sarge und zeigten sich im wahren Sinne des Wortes als lachende Erben; dazu spielte eine Musikkapelle die flottesten Operettenmelodie». Nach dein Begräbniß fand in einer Kneipe ein solennes Festessen statt, bei welchem man den Verstorbene»— hoch leben ließ. Dann wurde ein Tanzkräuzchen veranstaltet, das bis zum frühen Morgen dauerte.— — Seit 37 Jahren hat Spanien keinen so heißen März gehabt, als in dieser» Jahre. Die höchste Temperatur im Schatte» betrug 23,3 Grad Celsius. Am 29. März siel die Temperatur plötzlich, und das Maximum war 12 Grad geringer als an den Tagen vorher.— — Der Bürgermeister des italienischen Alpendorfcs Rheines, ein Jagdaufseher, wurde in seiner Stube durch einen Schuß in den Hinterkops getödtet.— — Der russische Kriegsminister therlt im„Ruskij Invalid" eine» Befehl des Kaisers von Rußland mit, wonach die Verbringung von Verbannten»ach Sibirien nunmehr auf der sibirische» Eisenbahn zu erfolgen hat. ce. Russische Blätter schildern dieLage derDuchoborzen im Kaukasus, welche im Jahre 1336 in vier Kreisen des Gouv. Tiflis ohne Geld- und Nahrungsmittel in einem ungewohnte» Klima angesiedelt wurden, als überaus traurig. Tie Frauen und Kinder der armen Leute sind völlig erblindet. Infolge Mangels an Nahrungs-� mittel» entwickelte sich bei ihnen aus Blntarmnth die sog. Hühner- b l i n d h e i t. Die Augen sind anfangs stark entzündet und blut- rolh. Dann überziehen sie sich mit einem weißen Häutchen und ver- lieren die Sehkraft. Die Duchoborzen(„Geisteskämpfer") sind eine an die Quäker erinnernde religiöse Sekte. Sie schätzen die äußere Kirche mit ihre» Priestern und Sakramenten gering, verwerfen die Zeichen des Kreuzes und die Dreicinigkcitslehre und verweigern Eid und Kriegs- dienst.— — Preise alter Bilder. In London wurde» dieser Tage für ein Männerporträt von Franz HalS, datirt 1674, 71620 M. gezahlt.— — In Buenos Aires sind durch Explosion von Feuerwerks- körpern 10 Personen ums Leben gekommen.— — Von der P e st. Bombay, 3. April. Seit dem Aus- bruch der Pest sind hier 10 343 Erkrankungen und 3239 Todesfälle vorgekommen. Die Gesammtsterblichkeit in der letzten Woche betrug 1007 Falle. In der ganzen Präsidenlschast wurden bis zum 2. d.M. 22 668 Pesterkrankungen und 18 361 Todesfälle verzeichnet.— — Z u r L i u d e r u n g d e r H u n g e r s n o t h i n I n d i e n sind laut Mittheilnug der Regierung im englischen Unterhaus anS England und von auswärts 667 000 Psnnd eingegangen; der Ge- sammtbelrag der Zeichnungen für diesen Zweck betrage 737 000 Psnnd. — Was ist das a»f so viele!— Briefkasten der Redaktion. Die juristische Tprechsiiiude findet Montags, Dienstags, Freitags und Sonnabends, abends von 7—8 Uhr statt. Richter. Ausnahme in dieser Form nicht möglich. De» Angehörigen von Friedrich Michclscn theilcn wir mit, daß für sie ans unserer Redaktion ein Brief eingetroffen ist. Adalbertstr. 8. 1. Sie kümien auf Zahlung von Alimenten in Höhe von etwa 15 M. monatlich für jedes Mmd klagen. 2. Nur der Junge, der geschlagen hat, hastet.— Geriugswalde 1«. Die Krankenkaffen-Bücher, Arbeitsbücher und Werkzeuge müffen herausgegeben werden. Gegen eine Lohnforderung kann der Arbeitgeber den durch etwaige Nichtiniiehaltung der Kiiiidigiingssrist ihm zugefügten Schaden aufrechnen.— H. S. 91. Solche ist uns nicht bekannt.— M. D. 41. Nein.— C. Leider nein. WittcrniistSiibersicht vom 9. April I8»7. Wetter Prognose für Toiiuabcud, den 10. April 1897. Vielfach heiler, zeitweise wolkig, am Tage ziemlich warm bei schwachen südöstlichen Winden; keine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner Wetterb n reo». Sozialdemokrat. Verein„Vorwärts" Berlin. __ Freitag, den 16. April(Charfrcitag);"Wi Fußpurtie nach Tegel, Tegelort und Spandau. Treffpunkt früh 8 Uhr im Feldschlößchen, Miillerstr. 142, für Nachzügler bei Rübsam in Tegel, Schloßstraßc, vormittags 11 Uhr. Zahlreiche Betheiligimg auch seitens der saiigeskimdigen Mitglieder er- wartet__ 275/11 Der Borstand. i SoWemokr. Ilmin joiilrtö". General-Versammlung am Dienstag, den 13. April 1897, abcuds 8Vz Uhr, im Lokal des Herrn Knmnic»-, Berlinerstraste Nr. 55. Tagesordnung! t. Kassenbericht. 2. Bericht des Vorstandes und des Bibliothekars Z. Neuwahl des Vorstandes. 4. Vcrcinsaiigelegenhciteii und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimirt.— Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht__ 232/13_ Per Vorstand. Zentralverband deutscher Brauer. Tonntag, den 11. April 1897, nachmittags 8 Uhr, im Lokal de? Herrn Stabernark, Jnselstr. 10: Monats-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Chemikers Dr. W o l l h e i m über:„Die Lust und ihre Bcrflüssigung." 2. Wahl der Revisoren der Verbandskasse. 3. Innere Ver- einsangelegenheit und Verschiedenes. 11/14 Per Voratand. Achtung! Achtung! Berbaud der Berqolder. Ulontag;, den 12. April 1807, abends p&nkillch S'/z Uhr, bei GronMC, Annenstraste Nr. 10: Waoneiks VsriKmnrIttttg. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom Stiftungsfest. 2. Abrechnung vom zweite» Quartal. Bericht der Revisoren. 3. Wahl eines Revisors zur Hauptkasse. 4. Ver- schtedeneö und Fragekasten. 225/16 Die Kollegen werden gebeten, sich rege an dem Verlauf der Billets zur Urania zn betheiltgen, welche in der Versammlung beim Kassircr zu haben sind. Per Vorntand. UklbM aller in im MelnliiniMrie besch. Arbeiter Berlins und Umgegend. Achtung, Rohrleger und Helfer! Die Versammlnng für Monat April fallt ans. Ter Borstand. Leder- 1». Galanteriearbeiter- und-Arbeiterinnen. Montag, den 12. April 1897. abends 8Va«hr, im Lokal deS Herrn Henke, Naunynstraste 27 s HF" Oeffeutliche Versammlung."HW Tages-Ordnung: I.Vortrag des Genossen Joh. Timm über: Die Ansdehnung der Kraiilelwersicheniiig ans die Hausarbeiter. 2. Diskussion und Verschiedenes. Zahlreichen Beiuch erwarten 26/3 Die Vertrauensleute. Stereotypeure u. Galvanoplastiker. Sonntcig, dm 11. April, vormittags 11'/, Uhr, in den �iwiudailev. XonmmitäsuteuLir. 20 Gr. öffentliche Versammlung. TageS-Ordnuiig: 1. Vortrag über Gewerkschaftsbewegung(Referent wird in der Ver- sammlnng bekannt gemacht). 2. Bericht deS Delegirten der Gcwerkschasts- Kommission und Neuwahl desselben. 3. Verschiedenes. Da die Versammlung präzise beginnt, so bittet um recht pünktlichen und zahlreichen Besuch_ 265/11 Der Einberufer. Lederarbeiter! onnabcnd, 10. April, abends 81/, Uhr, bei Mist, Badstraste 19 Oeffeutliche Nersammlmm i' in der l.cdcrfabrikatlon beschäftigten Ai aller rhclter et (Welssgerber, L-oligcrber, Färber und Bernfsgen.) Tag es-Ordnung: 1. Vortrag des Genosse» Heinrich Schulz:„Gegen die Prügel- Pädagogen". 2. Beschlußfassung über unsere diesjährige Maifeier. 3. Die fernere Taktik und Ausgaben der Gewerkschasts-Kommissioii. 4. Gewerk- chaftlichcs. 107/2 Zu dieser Versammlung sind die Frauen hiermit besonders eingeladen. Der Bertranensmann. Verband der Möbelpolirer. Heute Abend 8'/, Uhr bei Keller, Koppcnstrastc 29, General- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht deö Vorstandes, des Kassirers u. s. w. 2. Wahl. 3. Anträge. 4. Verschiedenes.- Die llraniabilletö, welche bis heute Abend nicht retour gegeben sind, gelten als verkauft. Die Kollege» werden ersucht, ihr Mit- gliedsbuch oder ihre Karte an der Kontrolle vorzuzeigen. Montag, den 12. April, abends 8'/- Uhr, Swineinnnderstr. 85, MA" Versammlung."HW Tages-Ordnung: 146/19 1. Vortrag deS Kollegen Ä. Renter über:„Denkmäler". 2. Diskussion. 3. Werkstcllen-Angelegenheiten und Verschiedenes. Uni pünktliches Erscheinen bittet_ Der Vorstand. FreieVolksbültne. Sonntag, den 11. April, nachmittags 3 Uhr, im ■m Ztvelte Anff'Uhrnng von>»» Der Kaufmann von Venedig für die 11. Abtheilnng(blaue Karten). Die Verloosung der Plätze beginnt um 2 Uhr. Anmeldungen zur Ol. Abtheilung werden in allen Zahlstellen entgegen genommen. Die Karten müssen mit 2 Marken in der ersten Rubrik versehen sein. MM- Die Monatsschrift„Pie freie Volksbühne" ist mir in den Zahlstellen ü 10 Pf. zu haben. Im Theater wird dieselbe nicht verkauft. Per Vorstand. Neue freie Volksbühne. Montag, den 12. April, abends 8 Uhr, in der Ressonrce, Konunandantenstrasse 57: Detlev v. Liliencron-Abend. Zum Vortrag k o in in e n nur Dichtungen L i l i e n c r o>f S. Programme znm Eintritt sind in allen Zahlstellen des Vereins zu haben. Entree sür Mitglieder 40 Pf., Gäste 50 Pf._ 150/12 «i U 8 Z K Gastwirtlischaftvofl C. Lindenhayn Frlcdrlchstrassc 2. OHMi Zimmer von 35—30 Personen. OOWOW Saal biö 80 Personen mit Piano.— Garten n. Kegelbahnen. D JJ KLubeitvv�Vevlerlzvslokttl. Mirdorf. Sonntag, de» 11. April, nachmittags 1 Uhr, tut Lokal des Herrn Kummer, Berlinerstr. 55, Oefientliche Versammlung der Zimmerer. Tagesordnung: 1. Bericht Über Arbeitszeit und Lohnhöhe. 2. Stellung- »ahme zum 1. Mai. 3. Bericht deS Delegirten des Gewcrkschaftskartclls. 4. Verschiedenes. 277/4 Der Lertrauensmanii. Allen Freunden und Genossen empfehle bei AuSfiügen und Besuch von Kirchhöfen mein Weiss» und Bairlsch-Kler-Uokal. 1358S» Paul Spindler, Schönstr. 10(letztes Wirthshaus am Pferdemarkt). Freunden und Bekannten hierdurch zur Nachricht, daß ich mein Weist- und Bairisch-Bier-Lokal von P.. Koppenstr. 47 nach M., Volwftr. 43(Ecke Streliherpraße) verlegt habe. Weistbicr wie bekannt— sogar noch besser, wie in der Äoppenstraße—, hiesige u. auswärtige Biere. gr. Fruhstiilkstisch. V.R. Vereinszimnicr für 80—100 Personen zu kl. Fcsilichlciien, Bersauiinlungen, sowie für Zahlstellen:c. steht zur Verfügung. Wilhelm Lorenz N» Koltastr. 43, TeIeph0II. *f liucmt UUI UUit, Elke Strelitzcrstrastc. Schulz' Festsäle, vorm. Pasten Xene KOnlg- Strasse 7. Jeden Donnerstag: 8928* P a ni e n- K r ä n z e h e n. Jeden Sonntag: = Großer Ball.= Vcrciiisztmnier. Saal für Berfamin- lungcn frei. Ed. Schulz, Gastwirth. Empfehle allen Freunden und Be- kannten mein Weist- und Bairisch- Bier-Lokal, sowie Vereinszimmcr n. Kegelbahn. Pennann Boise, Tilsiterstrabe Nr. 35, 1460b Möbel unter Garantie guter Arbeit. Theil- Zahlung gestattet. 11548* Frz. Müller. Alte Jakobstr. 65. Empfehle mein Weiss-»nd Bayrischbier- Lokal allen meinen Freunden und Bekannte». Anglist Pieberstein 13938*1 Lausitzerplah 12a. Elke Eisenbahnstr., fr. 8aiisitzcrPlatz 2. Empfehle allen Freunden und Ge- nassen mein Keij-u. Vl!mslli-Bitt-Ll>ksl sowie warmen Frühsliids-, Mittags- u. Abcndtisch. II. BOIIer. _ F e Ii n st r a ß e 20. Coa! t220 Personen) steht noch >Zdi»1 einige Tage in der Woche für Vereine n. Gcsellichaften frei. Perd. Cnrald, Schöiileinstr.N. Veraiilivortlicher Redakteur: ülugnst Jacobcy in Berlin. Jiir den Jnseralentheil veranlivorllich: Th. tttlockc in Berlin. Druck und Verlag von Max Bad mg in Berlin. »r. ss. u. mtm 2. Aeilllge des„Umack" Kerliner KlksblM.*>*10. wm SoWUche Vrksse DeitWlMs. 2. Quartal 1SS7. Zentral- Organ. »Vorwärts" Berliner Bolksblatt, Beuthstr. 2. S.W. 19. täglich erscheinend. Missenschaftliche Wochenschrift. „Tie Nene Zeit." Revue des geistigen und öffentlichen Lebens. Stuttgart, Furthbachstr. 12. Täglich erscheinende Zeitungen. Bant„Norddeutsches Volksblatt" Nene Wilhelmshavenerstr. 3S. Bielefeld„Bolkswacht" Schulst*. 20. Brandenburg„Brandenburger Zeitung",„Märkisches Volksblatt", St. Annenstr. 33. Branuschweig„Braunschw. Volksfreund" Kannengießerstr. 13. Bremen„Bremer Bürger-Zeitung" Hankenstr. 21/22. Breslau„Volksmacht" Neue Graupenstr. S/6. Caffel„Volksblatt für Hessen" Hohenthorstr. 2. Dortmund„Rheinisch- Westfälische Arbeiter- Zeitung" Westen- hellweg 120. Dresden„Sächsische Arbeiter- Zeitung" Ammonstr. 61. Diiffeldorf„Niederrheinische Volkstribüne" Karlsplatz 3. Elberfcld-Barmen„Freie Presse" Kleine Klotzbahn 10. Erfurt„Thüringer Tribüne" Futterstr. 7 p. Frankfurt a. M.„Volksstimme" Großer Hirschgraben 17. Fürth„Fürther Bürger-Zeitung" Königstr. 95. Geestemünde„Norddeutsche Volksstimme" Gevrgstr. 13. Gera„Reußische Tribüne" Zschochern 54. Halle a. S.„Volksblatt sür Halle" Geiststr. 21. Hamburg„Hamburger Echo"' Gr. Theaterstr. 44. Harburg„Volksblatt" Deichstr. 4. Hannover„Volkswille" Burgstr. 9. Hof„Oberfränkische Volkszeitung" Bismarckstr. 6. Kiel„Schleswig-Holstein'sche Volks-Zeitung" Bergstr. 11. Köln„Rheinische Zeitung" St. Agatha 3.(Auch erscheint eine Wochen-Äusgabe.) Leipzig„Leipziger Volkszeitung" Miltelstr. 6/7. Lndwigshafe»„Pfälzische Post" Oggersheimerstr. 10. Lübeck„Lübecker Volksbote" Johannisstr. 50. Lüneburg„Luneburger Volksblatt" Lambertikirche 11. Magdeburg„Volksstinime" mit Beilagen:„Der Landbote" und „Die Frauenpost". Schmiedehofstr. 5/6. Mainz„Mainzer Volkszeitung"(Hessische Volksstimme) Margarethengasse 13. Mannheim„Volksfiimme" 1. 3, 5. München„Münchener Post" und„Augsburger Volkszeitung" Sene- felderftr. 4, I. Nordhausen„Nordhäuser Volksblatt" Gumpertstr. 3. Nürnberg„Fränkische Tagespost" Weizenstr. 12. Offeubach„Offenbachcr Abendblatt" Große Marktstr. 25. Saalfeld„Saalfelder Volksblatt" Rosmaringasse 15. Stettin„Volks-Bote" König Albertstr. 15. Stuttgart„Schwäbische Tagwacht" Furthbachstr. 12. Wurzburg„Fränkische Tribüne" Lochgasse 11. Wöchentlich dreimal erscheinende Klätter. Burgstädt„Die Volksstimme" Augustusstraße. Chemnitz„Der Beobachter" Gartenstr. 29. Crefeld„Niederrheinische Volkstribüne" Am Ostwall 133. Deffan„Volksblatt für Anhalt" Landstr. 38. Dortmund„Westfälische Volkstribüne" Hagen, Selbeckerstr. 3. Lüdenscheid, Lonisenstr. 7. Unna, Klosterwall 18. Dresden„Der Volksfreund" Gerbergasse 1. Falkenstei»„Vogtländische Volkszeitung", Anzeiger sür Stadt und Land. Forst i. L.„Märkische Volksstimme" Frankfurterstr. 11. Gotha„Gothaisches Volksblatt" Mohrenberg 7. Greiz„Reußische Volks-Zeitung" Untere Silberftr. 1. Offenbnrg i. B.„Volksfreund" Kesselstraße. Rostock„Mecklenburgische Volkszeitung" Hopfenmarkt 19, Solingen„Bergische Arbeiterstimme" Kaiserstr. 29. Zwickau i. S.„Sächsisches Volksblatt" Richardstr. 15. Wöchentlich zmeimal erscheiuende Klötter» Aachen„Aachener Volksblatt" Büchel 46. Altenburg„Der Wähler" Hillgasse 7. Breslau„Die Wahrheit" Neue Graupenstr. 5/6. Delmenhorst„Delmenhorster Volksblatt" Bahnhofstr. 23. Langeubielan„Der Proletarier aus dem Eulengebirge" Ober- Langenbielau, 2. Bezirk. Miinchen-Gladbach„Arbeiterstimme" Solingen, Kaiserstr. 29. Saatfeld„Thüringer Volksfreund"(Thür. Waldpost) Rosmarin- gaffe 15. „Thüringer Volksblatt"(Schwarzburger Volksfreund) Rosmarin- gaffe 15. „Neustädter Volksblatt" Rosmaringasse 15. Solingen„Solinger Freie Presse" Oststr. 31. Möchenttich einmal erscheinende Klötter. Bant„Die Nord-Wacht" Neue Wilhelmshavenerstr. 38. Berlin„Gazeta Robotnicza" Andreasstr. 73a. Brannschweig„Der Landbote" Kannengießerstr. 13. Gießen„Mi'ttelventsche Sonntags-Zeitung" Kirchenplatz 11, Halberstadt„Sonntags-Zeitung" Bakenstr. 37. Königsberg i. Pr.„Volks-Tribüne" Knochenstraße 32 y. Monatlich einmal erscheinend. Hanau„Der Banernfreiind" Philipp Lndwigs-Anlage 9. Witzblätter(Erscheinen alle 14 Tage.) München„Süddeutscher Postillon" Senefelderstr. 4. Stuttgart„Der wahre Jacob" Furthbachstr. 12. Illnstrirte« Zlnterhaltnngsblatt. Hamburg„Die Neue Welt" Große Theaterstr. 44. Erscheint wöchentlich einmal. GwtrWllstsptkffe DniWIMs. 2. Quartal 1897. Dreimal wöchentlich erscheinend. Leipzig-Rendnitz„Correspondent für Deutschlands Buchdrucker ündSchriftgießer", Seeburgstr. 3/5. Wöchentlich erscheinend. Altenburg„Correspondent für die Arbeiter und Arbeiterinnen der Hut- und F i l z w a a r e n- I n d u st r i e" Wilhelnfftr. 2, parterre. Berlin„D i e A m e i s e", Organ des P o r z e l l a n a r b e i t e r- Verbandes, Charlotten bürg, Marchstr. 22, l. „Der Bauhandwerker", Berlin 80., Manteuffelstr. 14. „B i l d h a u e r- Zeitung", Neanderstr. 3. „Allg. Fahr-Zeitnng", Schützenstr. 58. „Ter G a st w i r t h s g e h i l f e", Jüdenstr. 36. Bochum„Deutsche Berg- und Hüttenarbeiter- Z e i t n n g". Bremen Deutsche„B öttcher-Zeitung", Langestr. 100 I. Burgstädt„Der Textilarbeite r", Marienstr. 285. Gotha„Schuhmacher- Fachblatt", Mohrenberg 7. Hamburg„Correspondenzblatt der G e n e r a l k om>n i s s i o n der Gewerkschaften Deutschlands", Zollvereins-Nicder- läge, Wilhelmstr. 8 1. „G l ü ck auf!"(für F o r m e r) Hamburg-Eilbeck, Konventstr. 5. „Der G r u n d st e i n"(für Maure r) St. Georg, Neue Brennerstr. 19 II. „Holzarbeiter- Zeitung", Eimsbüttel, Bismarckstr. 10. „Bruder S ch m i e d", Uhlenhorst. Herderstr. 21. Hs. 8 II. „Fachzeitung für Schneide r", 2. Durchschnitt 10. „Der Z i m in e r e r", Barmbeck, Feßlerstr. 28 I. Leipzig„Der Tabakarbeiter"(f. Cigarren arbeite*) Mittelstr. 7. Leipzig-Rendnitz„B u ch d r u ck e r- W a ch t", Oststraße 41. Leipzig-Schkcnditz„Graphische Presse", Schkeuditz. Linden-Hannover„Brauer- Zeitung", Falkenstr. 29 II. Löbtan-DreSdcn„Der Fachgenosse"(für Glas-, Porzellan- und Thonwaaren-Arbeiter), Reisewitzerstr. 34. Nürnberg„Deutsche Metallarbeiter-Zeitung", Weizenstr. 12. Offcnbach a. M.„Die G l a s e r- Z e i t u n g". Stuttgart„B u ch b i n d e r- Z e i t u n g", Heusteigstr. 30. „Der H a n d s ch u h m a ch e r", Böblingerstr. 44. Zwickau„Glück auf!"(für Bergarbeiter), Rosenstr. 25, II. Monatlich dreimal erscheinend. Berlin„Der Töpfer"(Fachblatl sür Töpfer und Zieglcr), Rofenthalerstraße 57. Alle 14 Tage erscheinend. Nltenbnrg„Einigkeit", Publikationsorgan für die deutschen Müller und Konditoren, Pfeffer- und Lebküchler- Verbände, Manergasse 4b. Berlin„Barbier- und F r i s e u r- Z e i t u n g", Prinzen« Allee 17. „Der Courier", Zentralorgan für die Interessen der im Handels-, Transport- und Verkehrsgewerbe beschäftigten Arbeiter Deutschlands. „Der Handels-Angestellte", N., Schönhauser Allee 151. „Der Handels- Hilfsarbeiter", Organ für alle im Handels- und Transportgewerbe beschäftigten Hilfsarbeiter Deutschlands, 0,, Kommandantenstraße 25 I. „Lederarbeiter- Zeitung", X., Prinzen-Allee 90. „Sattler- u. Tapezirer- Zeitung", dl., Jnvalidenstr. 145. „Allg. S t e i n setz er< Zeitung", NW., Waldenscrstr. 18. „S o l i d a r i t ä t", Organ aller im graphischen Berufe be« schäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen, Chausseestr. 52. „Vereins-Anzeiger sür Maler", 0., Fruchlstr. 51. Frankfurt a. M.„Neue Deutsche Dach dock er-Zeitung", Buch» gaffe 10. Hamburg„Der Arbeiter"(sür Bau- und Hilfsarbeiter) Eilbeck. Konventstr. 5. „Deutsche B a ck e r- Zeitung", Organ des Bäckerverbandes, Ida- straße 15/17. „Der Goldarbeite r", Bartelsstr. 96 l. „Der S ch i f f s z i m m e r e r", Eilbeck, Konventstr. 5. „G ä r t n e r- Z e i t n n g", Organ für die Interessen der Gärtner und ihrer freien Vereinigungen, Marklstraße 10, H. 1 p. „Der K u p f e r s ch in i e d", Eilbeck. Kautstr. 24, III. „Tapezirer- Zeitung", Rostockerstr. 1, HI. Hannover„Der Proletarier"(sür Fabrik- ec. Arbeiter und Arbeiterinnen) Burgstr. 1. Leipzig„Zeitschrift für G r a v e u r e und Z i s el e u r e", Hain« straße 19, IV. Stuttgart„Die Gleichheit". Zeitschrift für die Interessen der A r b e i t e r i n n e n. Furthbachstr. 12. Monatlich einmal erscheinend. Berlin„Der Bäcker", Organ für die Interessen der Bäcker- gesellen Berlins und Umgegend, 5klosterstr. 101. „C o r r e s p o u d e n z- B l a l t des Verbandes der im V e r- golderge werbe beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen Dentschlnnds", Oppelnerstr. 43, v. IV. „Ter Bureau- A u g e st e l l t e", dl., Arkouaplatz 3, II. „ D i e G c w e r k s ch a f t", Organ für die Interessen der Ar- beiter in Gasanstalten und sonstigen städtischen Betrieben. Skalitzerstraße 141a, IV. * 1- Obige Zusammenstellung veröffentlichen wir zu Beginn jedeS Quartals. In der Zwischenzeit sich ergebende Adreß- oder sonstige Veränderungen bitten wir uns behufs Vormerkung mitlheilen zu wollen. Hamburz-Eimsbllttel, Eichenstr. 4. Der geschästsfiihrende Ansschntz. März. 1. 3. 6. 8. 9. 10. Mnkerm neuesten Vurs. Leipzig. In der Revistonsinstanz Genosse Fröhlich- Burgstädt vier Monate Gefängniß wegen Beleidigung de- Offizierkorps. Hamburg. Ein Seemann, der einen Arbeitswilligen ge schlagen, drei Monate Gefängniß. Genosse Wabersky eine Woche und ein Quai- Arbeiter drei Tage Gesänguiß wegen Vergehens gegen§ 153 der Gewerbe- Ordiitiiig. Ein dritter sechs Wochen Gefängniß. Neun Arbeiter wegen Vor- nähme verbotener Saminlunge» je 10 M. und zwei je 5 M. Geldstrafe. Breslau. Genosse Gerhardt wegen Beleidigung eines Fabrikinspektors einen Monat Gefängniß. Kiel. Wegen Vergehens gegen das Vereiusgesetz drei Ge nossen je 50 und zwei Genossinnen je 15 M. Geldstrafe. Außerdem zwei Genossen wegen Beamtenbeleidigung bezw. VerÜbung groben Unfugs 14 Tage resp. 1 Woche Gefängniß. Ein Genosse wegen Nölhigung eines Arbeitswilligen 3 Monate Gefängniß. Hamburg. Ein am Streik Betheiligter wegen Körper Verletzung 2 Monate, wegen Vergehens gegen§ 153 der Gewerbe-Ordnung zwei je 1 Woche, vier je 3 Tage und einer 5 Tage Gefängniß.— Wegen Vergehens gegen die Straßenordnung drei je 10 M. Geldstrafe. Wriezen. 10 M. Geldstrafe Genosse Salomen wegen Beleidigung von Polizeibeamten. Leipzig. In der Berusuiigsinstanz Genoffe Noak-Pegan wegen Verrufserklärung 4 Tage Gesänguiß. Hamburg. Wegen Bedrohui�g, Nölhigung u. f. w. ein am Streik Betheiligter 4 Monate, ein anderer 1 Monat, ein dritter 3 und ein vierter 1 Woche Gefängniß. Ein anderer wegen unerlaubten Sammelns 10 M. Geldstrafe. Lübeck. Genosse Friedrich wegen Beleidigung eines Werk- Meisters 3 Wochen Gesängniß. Crimmitschan. 150 M. Geldstrafe Genosse S ch e r m- Nürnberg wegen Fabrikanienbeleidigiing. Leipzig. J» der Revisionsiiistanz Genosse Kloth 10 Tage Gesängniß wegen versuchter Erpressung.— Genosse Wienicke aus ß 153 der Gewerbe-Ordnung 5 Tage Gefängniß. Hamburg. Am Streik betheiligt Gewesene, einer wegen Sach- beschädiguiig 25 M., wegen Uebertretuug der Straßen ordnung 3 Arbeiter 30 bez. 10 M. Geldstrafe.— Noch einer wegen Widerstands 1 Woche Gefängniß. Wegen Beleidigung eines Schutziuaiins ein Streikender 10 M. Geldstrafe.— Ein anderer wegen Mißhandlung 3 Wochen Gefängniß. Wegen verbotenen Sammelns zwei je 10 M.. zwei wegen Uebertretuug der Straßenordnung je 3 M.«nd einer wegen Beleidigung 15 M. Geldstrafe. 2 Monate bezw. 6 Wochen Gefängniß 2 Heizer wegen Mißhandlung.— Wegen des gleiche» Reats ein dritter 10 Woche» Gefängniß.— Noch zwei wegen Uebertretuug der Straßenordnung je 10 M. Geldstrafe. Dortmund. Wegen unerlaubten Sammelns ein Bergmann 15 M. Geldstrafe. Breslau. 150 M. Geldstrafe Genosse Zahn wegen Be- leidiguug von Polizeibeainleii. 10. Lübeck. In der Nevisionsinstanz Genosse Friedrich wegen Fabrikantenbeleidigung 3 Monate Gefängniß. „ Berlin. Die MctaNschleiser Diener und Schmidt 1 Monat bezw. 1 Woche Gefängniß wegen Vergehens gegen § 153 der Gewerbe-Ordnung. 11. Waudsbcck. Wegen Beleidigung eines Arbeitswilligen eil Brauer 10 M. Geldstrafe. „ Hamburg. Wegen Nöthigung und Mißhandlung ein Ar beiter 4, ein anderer 6 Monate Gefängniß. Ein dritter 2 Tage.— Wegen iinerlanbleu Sammelns drei Arbeiter je 10 M. und einer wegen Vergehens gegen die Straßeiiordnung 6 M. Geldstrafe. 12. Leipzig. In der Revisionsinflanz Genosse B c t h g e-Magde bürg wegen Richterbeleidigung 2 Monate Gefängniß. , Spandau. 10 M. Geldstrafe Genosse S ch r ö e r wegen uu- erlaubten Sammelns. „ Berlin. Genosse Elze wegen Beleidigung eines Kaufmanns 30 M. Geldstrafe. „ Hamburg. Zwei Wochen Gefängniß wegen Nöthigung ein am Streik betheiligt Gewesener. Zwei andere wegen Miß- Handlung sechs bezw. einen Monat Gefängniß. „ Breslau. Wegen unerlaubten Sammelns Genosse Zahn 20 M. Geldstrafe. „ Leipzig. 20 M. Geldstrafe Genosse Rex Häuser wegen Beleidigung eines Arbeitswilligen. „ Dresden. In der Nevisionsinstanz Genosse Fröhlich- Burgstädt wegen Richterbeleidigung drei Monate Gefängniß 13. Berlin. In gleicher Instanz Genosse H u t h- Brandenburg eine Woche Gefängniß wegen Bürgermeisterbcleidigung.— Genosse I a c o b e y wegen Beleidigung der Breslauer Staats anwaltschaft vier Wochen Haft. „ Hamburg. Wegen Nölhigung bezw. Bedrohung ein Hafen arbeiler drei Wochen, ein anderer zwei Monate und 14 Tage Gefängniß. Drei andere wegen verbotenen Saminelns 10 bezw. 18 M. Geldstrafe. „ Miin che«. 150 M. Geldstrafe Genosse Gärtner wegen Verübung groben Unfugs.— Derselbe wegen Beleidigung eines Försters 2 Monate Gefängniß. „ Halle. In der Berufungsinstanz Genosse M a n n i g e 1 wegen Beleidigung des Bergraths L e u s ch n e r 1 Monat Gesängniß. Erstinstanzliches Urtheil 4 Monate. 15. Berlin. In der Revisionsinstanz Genosse R e tz e r a u- Ripdorf wegen Gendarmenbeleidigung 2 Monate Gesängniß. — Genoffe Roland wegen Dr. Hans B l u in-Beleidigung 150 M. Geldstrafe. „ Hamburg. Eine bezw. drei Wochen Gefängniß 2 Hasen- arbeiter wegen Nöthigung.— Ei» dritter wegen Mißhand- lung 6 Monate Gefängniß. „ Dresden. Genosse Sindermann wegen Beamten- beleidigung 20 M. Geldstrafe. „ Mainz. In der Berufungsinstanz die Genossen Jost und Tiefe! wegen Vergehens gegen die Sittlichkeit je 5 M. Geldstrafe.. 16. Hamburg. In der Revisionsinstanz ein Hafenarbeiter wegen Nöthigung 3 Monate Gefängniß. 17. Zwei andere wegen Beleidigung Arbeitswilliger je 20 M. Geldstrafe.— Ein vierter wegen Nöthigung 1 Monat Gefängniß. 19. Zwei Hafenarbeiter 14 bezw. 5 Tage Gesängniß wegen Be- leidiguug Arbeitswilliger. 23. 24. 25. 26. 27. 20. Ein Steinsetzer und ein Zimmerer wegen Mißhandlung Arbeits« williger je 6 Monate Gefängniß.— Ein Schauerinan» vier Woche» Gefängniß wegen Hausfriedeiisbriichs. „ Frankfurt a. M. Genosse Knoop wegen Polizeibeleidignng 15 M. Geldstrafe. . Düsseldorf. 5 Monate Gefängniß Genosse Michels- Köln wegen Beschimpfung der evangelischen Kirche. „ Hamburg. Wegen Polizcibeleidigung Genosse Wabersky 30 M. Geldstrase. „ Hamburg. Ein Kohlenarbeiter wegen Vergehens gegen tz 153 der Gewerl-e-Oidnung 1 Monat Gefängniß.— Zwei Seelente 6 bezw, 3 Wochen Gefängniß wegen Entweichens vom Schiff. Itzehoe. Wegen Bedrohung Arbeitswilliger ein Maurer 6 Monate Gefängniß. Hamburg. 50 Mark Geldstrafe ein Schauermann wegen Beleidigung des Seeamts. Wegen Beleidigung bezw. Nöthigung ein Hafenarbeiter 20Tage, ein anderer 2 Monate Gesängniß. Ein dritter kommt mit 20 Mark Geldstrafe davon. Leipzig. In der Reoisionsiiistanz Genosse Steiger 4 Monate 2 Wochen, und Genosse Salomon 4 Monate Gefängniß wegen Gotteslästerung.- Genosse Thiel Horn, Hannover. 2 Monate Gesängniß wegen Majestätsbeleidiguiig. Hamburg. Genosse S l e n z e l wegen Gelidarmeii-Beleidigling 14 Tage Gesängniß.— Ein bei dem Krawall ans dem Schaar- markt betheiligter fünf Monate Gefängniß wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt. Berlin. Einen Monat Gefängniß Genoffe W ey chta wegen Aufreizung.— Wegen Beleidigung des Amtsvorstehcrs die Geiiossen Mohr, S ch w e r i ck e und B a ch m a n n auZ Sieglitz je 20 M. Geldstrafe. „ Mülhausen i. E. Genosse Keßler- Mannheim drei Monat« Gesängniß wegen Nachtwächter-Beleidigling. Essen. Wegen Beleidigung eines Staatsanwalts Genosse K»n i s ch in Düsseldorf 300 M Geldstrafe. „ Hamburg. Wegen Bcrrufserklärung ein Zimmerer zwei Wochen Gesängniß.— Wegen Nöthigung und Körper- Verletzung ein Maschinist zwei Monate und eine Woche Ge- säugniß. 29. Wegen Beleidigung städtischer Beamten Genoffe Wabersky 50 Mark Geldstrafe.— Ein Hafenarbeiter wegen Verrufs- erklärung eine Woche Gesängniß. 30. Ein anderer wegen des gleichen Vergehens 14 Tage Ge- fängniß. „ Saalfeld. Wegen Magistratsbeleidigung Genoffe Hof mann 50 M. Geldstrafe. „ Lenzen. Genoffe L a d e m a n n wegen Verübung groben Un« fngs 50 M. Geldstrafe. „ Berlin. 50 M. Geldstrafe Genosse Jacobey wegen Heber« treinng des Preßgesetzes. 31. Hamburg. Wegen Beleidigung des Hamburger Börsen- kommiffars Genosse Wabersky 500 M. Geldstrase. Jnsgesammt wurden erkannt auf 2400 M. Geld- niid 10 Jahre, 10 Monate 3 Wochen und 4 Tage Gesängllißstrafe. Hainbiirg-Eimsbüttel, den 7. April 1897. Eichenstr. 4 I. Der geschäftsführende Ausschuß. Die Kiusivttndernng Veuksichee Nus vom Veichlsgebiek geht seit einer Reihe von Jahren bestänvig zurüö. Wie es ja ohne weiteres einleuchtet, hiingl die Thatsache. ob wehr oder weniger Personen sich zur Auswanderung veranlaßt sehen, mit den wirth- schastlichen Verhältnissen zusammen. Herrscht starke Arbeits- und Verdienstlosigkeit oder sind die Lebensmittel lheuer, dann wird eine größere Zahl von Personen zu dem Entschluß komme», ihr Glück in der Ferne zu versuchen, als bei befriedigenden wirlhschastlichen Zustände» in der Heimath. Der Höhepunkt der deutschen Ans- wandererzahl wurde im Anfang der SOer Jahre mit über 200000 Auswanderern jährlich erreicht. Die Zahlen ginge» dann langsam zurück und sanken bis lS86 ans 33 000 lährlich. Der letzte Höhe- pnnkt war in den Jahreil der Theuerung 139l und 1892 mit 120 000 und 116 000 Auswanderern jährlich. Seitdem sind mit den billigeren Lebensmittelpreisen und der besseren Geschäfts- konjunktur der letzten Jahre die Auswandererzahlen bedeutend zurückgegangen. Nach dem soeben dem Reichstag zugegangenen Bericht der Neichskonnnissare für das Auswanderungswesen im Jahre 1396 sind deutsche Reichsangehörige über deutsche Häfen ausgewandert im Jahre 1896: 2S771. davon 14 042 männlichen und 11 729 weiblichen Geschlechts. Davon stammten aus der Landwirthschaft 2776(10.8 Prozent), der Industrie 4667(18.1 pCt), dem Handel und Verkehr 3521(13,7 pCt.), dem Arbeiterstande 5706(22,1 pCt.), den freien Be- russarten ec. 798(3,1 pCt.), bei 8303(32,2 pCt.) war der Berns»n- bestimmt.— Außer den 25 000 Deutschen wurden im Jahre 1896 noch 96 000 Ausländer über deutsche Häsen befördert, davon 40 000 aus Oesterreich-Ungarn und 32000 aus Rußland. Speziell über Hamburg wurden befördert 1895: 55 097, 1396 aber nur 52 748 Personen. Der Reichskommissar für Hamburg sagt dazu, daß der Hafenarbeiter- Streik die Rhedereien anfangs gezwungen habe, einen Theil der Auswanderer dem Nord- deutschen Lloyd in Bremen zuzuschieben, sonst wäre die Ans- ivandererbeförderuug über Hamburg vermuthlich ebenso hoch wie im Vorjahre gewesen. Kür die russischen und g a l i z i s ch e n, meist jüdischen Auswanderer sind in Hamburg auf einem der in die Häfen hinein- ragenden Quais besondere A u s w a n d e r e r h a l l e n gebaut worden, wo die Passagiere bis zum Abgang des Schiffes untergebracht werden. Zum Schutz gegen die Gefahr von Krankheitseinschleppuuge» sind in der Anstalt Bade- und Desinsizirvorrichtungen eingerichtet, deren sich diejenigen Auswanderer bedienen müffen, welche die Kontroll stationen nicht passirt haben. Die ordnungsmäßig über die Koutrollstationen eintreffenden Auswanderer sind schon an d e r G r e n z c g e- waschen und d e s i n f i z i r t worden. I» den Schlafsälen werde» die Auswanderer nach Geschlechtern. Konsessionen und Herkunftsländern getrennt untergebracht. Das Esse» wird i» zwei Küchen, und zwar in einer derselben von jü- dischen Köchinnen nach mosaischen Vorschriften hergestellt. Ein Rabbiner aus Hamburg wacht darüber, daß nichts gegen den mosaischen Ritus geschieht. Die russischen Auswanderer beabsichtigen keineswegs fämintlich, sich im Ausland dauernd niederzulassen, sondern sie bestehen zum große» Theil aus männlichen Arbeitern. die sich in Nordamerika für die Bergwerke ans ein oder zwei Jahre verdingen. Bei ihrer Ansprilchslosigkeit sind sie im stände, dort einige Ersparniffe zurückzulegen, mit ivelchen sie dann wieder nach Rußland zurückkehren. Man trifft Rnffeu, die zum dritten und vierten Mal eine derartige Reise unternehmen und theilweise als Führer neuer derartiger Auswanderertrupps diene». Soziales. AnSwanderer-Elriid. Eine sehr beachtenswerihe Schilderung, wie es den Auswanderern in Brasilien ergeht, finden ivir in der in S t. P a u l o in Brasilien erscheinenden Zeitung„Germania". Sie ist zugleich eine eindringliche Warnung vor jenen gewissenlosen Agenten, die mittellose Familien zur Auswanderung überreden, um sie dann ihrem Schicksal zu überlassen. Das Blatt schreibt: Ein trauriger Anblick bot sich dieser Tage den Bewohnern unserer Staatshanptstadt Desterro dar. Von Rio eingetroffene Emigranten lungerten rath- und thatlos ans de» Straßen herum. Die Bundesregierung, welche früher den Kolonisationsdienst verivnltete, später dem Staat einen Zuschuß von 200 Kontos für Kolonisations- zwecke zuwies, hat für diesen ivichtigen Dienst kein Geld mehr; dem Staat ist es bei seinen beschränkten Mitteln nicht möglich, zu kolonisiren, sodaß ankommende Einwanderer nicht ans die geringste Unterstützung rechnen können. So kam es daß die frisch An- gekommenen obdachlos, hungernd sich auf den Straßen herumtrieben. Der deutsche Konsul wurde beim Gouverneur vorstellig, der indessen auch nicht mehr machen konnte, als den Leuten in der Einwanderer- Herberge Unterkunft zu aeben. Inzwischen sind diese Bedauernswerthen hier in Blume»«» angekommen, wo sich das Schauspiel wiederholte: keine Behörde, nicht einmal der Kolonisationsagent wußte etwas von der Ankunft der Leute. Wiederum war es der deutsche Konsul, der sich der Leute annehmen mußte und für die Beköstigung derselben gutsagte, falls die Regierung die Bezahlung der Spesen verweigern sollte. Man denke sich einmal i» die schreckliche Lage der Aermste»; fern der Heimath, in einem Lande, das ihnen der Sprache, Sitten und Gebräuche nach vollkommen fremd ist, ohne einen rothen Heller in der Tasche, mit dem Hunger kämpfend! Um die Roth einigermaßen zu lindern, verkaufen sie das beste von ihrem Hab und Gut zu Schleuderpreisen, jedes Stück Wäsche, daS momentan zu entbehren, wird veräußert; mancher lieb gewordene Gegenstand, gar werthvolle Andenken werde» geopfert, nur um sich über Wasser zu erhalten! So heute, was aber morgen, wenn die Leute drin im Urwalde sitzen, vielleicht erst nach einem Jahre etwas ernte», keinen Verdienst haben, der Geschäftsmann nicht mehr borgen will oder kann und dann nichts mehr da ist, was noch verkauft werden könnte, um den Hunger zu stillen, den Kindern ein Stückchen Brot geben zu können? Von der GlaShiitte der Arbeiter in Aldi ist jetzt wieder viel die Rede in französischen und deutschen Bonrgeoiszeitungen. Die deutschen schreiben es natürlich de» französischen nach, und die sranzösischcn Bonrgeoisblätter haben ihre sehr gute» Gründe, denn soeben ist festgestellt worden, daß ein Revolver-Attentat, welches der berüchtigte Ressegnier, der„moralische" Vater der Arbeiter-Glashütte, im Herbst ans sich machen ließ, vor Gericht als gemeine Fälschung entlarvt ward, wie das für jeden Vernünftigen von vor» herein feststand. Die empfangene Ohrfeige quittirt nun Herr Ressegnier durch eine Flnth von Verläniudungen, die er über die Glashütte in Umlauf setzt. Neulich waren es ei» paar anarchistische Hampelmänner, welche die„Tyrannei" der sozialistischen Geschästsverwaltung in bengalische Beleuchtung zu stellen hatten— heute sind es ein paar Arbeiter, die „wegen Mangels an Arbeit" aus der Glashütte entlassen werde» mußten, an welche die neueste„Hätz" anknüpft. Wir wissen nicht, ob Arbeiter in Albi entlassen worden sind; doch wir wissen, daß es der Glashütte nicht an Arbeit fehlt. Kein Zweifel, es ist ei» schwieriges Unternehme», ein solches Geschäft zu begründen und zu leiten. Wir haben dies von vornherein ausgesprochen. Und es fällt uns auch nicht ein, zu sagen, die Schwierigkeiten seien über- wunde». Das aber steht fest, die französischen Gewerkschaften und sonstigen Arbeiter-Organisationen fahren fort, die Glashütte von Albi zu unterstützen; die Bestellungen laufen zahlreich ei» und der Absatz ist gut. Und da die Arbeiter in der Regel baar zahlen, so ist nach dieser Siichtung hin alles in erwünschter Ordnung. Die Hauptschwierigkeit— und das ist die Schwierigkeit, mit welcher bei derartigen Unternehmunge» größeren oder kleineren Stils die Jlrbeiter aller Länder zu kämpse» haben liegt iu dem Mangel an kaufmännisch geschulten Kräfte». Allein auch diesem Mangel wird allmälig abgeholfen. Die Arbeiter müffen sich eben für die Funktionen, welche bisher die Bourgeoisie besorgte, Kräfte aus ihrem eigenen Schooß heranziehen. Das kostet Schweiß und Lehrgeld, ist aber eine»»- «rläßhche Vorbedingung der Emanzipation des Proletariats.— Soziale Nechtspsttese. Gegen die Gesellschaft„Privatpost" klagte der Expreß- fnhrer Groß beim Gewerbegericht auf Herauszahlung seiner Kaution von 50 Mark, die ihm verweigert wurde, weil bei einem Sturze des Klägers Fahrrad beschädigt worden war. Der Vertreter der Be- klagten berief sich auf eine Vertragsbeslimmung, wonach die Kaution eine Sicherheit sein soll für den Schaden, den der Fahrer durch irgend welche Handlungen oder Unterlassungen verschuldet. G. machte demgegenüber gellend, er sei infolge großer Glätte— es war im Januar— z» Falle gekommen und im nächsten Moment fei ein Pferd in das Vorderrad hineingetreten. In seiner Bestürzung hätte er es unterlaffen, den Führer des Pferdes sich zu notiren oder sich einige Zeugen zu sichern. Der Ver- treter der Gesellschaft vermochte über de» Hergang nichts zu be- Haupte», noch vermochte er die Darstellung des G. zu bestreiten; er stützte sich lediglich ans jene Vertragsbestimmung. Die Gesell- schaft wurde verurtheilt, die 50 Mark heraus- zuzahlen. Der Vorsitzende führte aus, Schadenersatz-Ansprüche müßten genau nachgewiesen werden, und das sei hier nicht geschehen. Nicht der Kläger hätte seine Schuldlosigkeit nachweisen müssen, sondern die Beklagte sein Verschulden. Der Nachweis, daß G. durch fahrlässige oder böswillige Handlungsweise den Schaden verursacht habe, fehle aber gänzlich._ VevpÄmmlungvtt. Die Bauarbeiter Rixdorfs hielten am 21. März im Lokal von K. Kramer, Hermannstr. 199, eine öffentliche Versammlung ab. Der Delegirte Kollege R. H e i n e in a» n erstattete Bericht vom Kongreß. Au der Diskussion betheiligten sich B o t e n i ck, Meyer, W i l m s, H ö p n e r und G. H e i n e m a n n. Dieselben sprachen im Sinne des Delegirten und wurde nachdem eine Re« solution angenommen, i» welcher die Versammlung sich mit den Arbeiten des vierten Kongresses der Bauarbeiter Deutschlands ein- verstanden erklärt. Nachdem wurden von mehreren Bauarbeitern die Mißstände auf den Bauten scharf krilifirt, besonders die schlechten Baubuden, Klosets und mangelhaften Schutz- dächer. Kollege G. He ine mann wies darauf hin, daß es die heiligste Pflicht eines jeden Bauarbeiters ist, um Leben und Gesundheit zu erhallen, derartige Miß- stände sofort bei der Polizei resp. Behörde anzuzeigen. Bau- arbeiter Kühne bedauerte, daß die Akkordträger gegen die Lohn- arbeiter»»solidarisch Handel». Der Vorsitzende behandelte das Submissionswesen und meint, daß die Behörden größtentheils durch die Submission die schlechten Löhne und Verhältnisse herbeiführen. Zum 1. Mai wurde folgende Resolution angenommen:„Die heute in giixdorf tagende öffentliche Versammlung der Bauarbeiter ver- spricht mit aller Energie dahin zu strebe», daß auf allen Bauten, wo den Bauarbeitern nicht direkt ein materieller Schaden erwächst. die Arbeit am 1. Mai ruht. Nachdem erfolgte Schluß der Ver- sammlung. Eine öffentliche Versammlung der Kammmacher und Vcruföaenoffen tagte am 5. April bei W i l k e, Andreasstr. 26. kkollege A r r e n s referirte hier in einem beifällig aufgenommenen Vortrag über die Nothivendigkeit der Organisation. Leider war die Versammlung nur mäßig besucht. Es wäre wirklich zu wünschen, daß in den Versammlungen, wo unsere Lohn- und Arbeitsbedingungen gemeinsam besprochen werden, die Kollegen zahlreich erscheinen. Bäcker. Am Dienstag, den 6. April, nachmittags 4 Uhr, tagte bei G r ü n d e l, Brunnenstraße 183, die Monats-Versammlung des Fachvereins der Bäcker. Das Referat des Genosse» W a l d e ck M a n a s s e wurde mit Beifall aufgenommen. Nach darauf ölgender kurzer Diskussion wurde das Protokoll und der Kassen- berichl verlesen und angenommen. Nachdem wird noch darauf auf- merksam gemacht, die gut besetzte Bibliothek recht zahlreich zu be- nutzen und einem neu zu gründenden Diskntirklub beizutreten. Die Kostiimschncidcr und.-Schneiderinncn waren am 6. April in den A r in i ii h a l l e n zahlreich versammelt, um darüber zu be- rathen, was zu thnn sei. um die Errnngenschaflen vom vorigen Jahre aufrecht zu erhalten. In seinem einleitenden Referat be- zeichnete Timm die Zunahme der Stückmeisterei, der Frauen- arbeit und der konfektionsmäßigen Herstellung von Kostümen als Erscheinungen, auf welche ein besonderes Augenmerk zu richten sei. Die diesbezüglichen Zustände in ver- chiedenen Geschästen erfuhren denn auch eine ausführ- liche Kritik sowohl vom Vortragenden, wie von einer Reihe von Diskussionsrednern. Die in der Kosiümbrnnche Beschäsiiglen wurden verpflichtet, überall da, wo die neunstündige Arbeitszeit noch nicht besteht, bei der gegenwärtigen Saison entschieden für deren Ein- ührung zu wirken und sich zu diesem Zweck mit ihrem Arbeitgeber zu verständigen. Zum Schluß wurde zu reger Betheiligung an der 1. Mai-Versammlung aufgefordert; dieselbe findet am Vormittag des I. Mai in den Arminhallen statt. Die Schmiede und Berufsgenossen nahmen in einer am Mittivoch abgehaltenen öffentlichen Versammlung einen Bortrag Litfin's entgegen, der für die Organisation plädirte. Die nuii olgende Besprechung der Maiseier rief auch die Frage hervor, ob die Schmiede, wie bisher, auch in diesem Jahre eine eigene Mai- marke ausgeben sollen. Rüther rielh, im Hinblick auf den gc- planten Zusammenschluß aller Metallarbeiter, man möge die von den Metallarbeitern herausgegebene Maimarke ver- treiben. Dieser Vorschlag veraulaßte eine längere Debatte über die Zweckmäßigkeit des Znsaniuieuschlusses und die zu diesem Behuf bereits stattgehabten Besprechungen. Es wurde be- chloffeu, die Maimarken vom Vertrauensmann der Metallarbeiter zu vertreiben, das einlaufende Geld aber dem Vertrauensmann der Schmiede zu belassen und bezüglich der Maifeier sich den Beschlüssen ver Metallarbeiter anzuschließen. Nunmehr berichtete der Gewerk- chastskommissions-Delegirte Helm über seine Thätigkeit und legte sein Amt nieder. An dessen Stelle wurde Krause gewählt und Lange zum Stellvertreter bestimmt. Der Delegirte erhielt die Weisung, für die Taktik, welche die Gewerkschaftskomniission bezüglich Regelung der Streiks einnimmt, zu stimmen. Die Kassenführung des Verlrauensmannes wurde von den Revisoren als richtig an- erkannt. Wädrend der Versammlung bemerkte Bosin, daß er nicht wegen Unfähigkeit— wie es nach dem Bericht des„Vorwärts" über die vorige Versammlung scheinen könne— von seinem Amt als Revisor zurückgetreten sei, sondern andere Gründe hätten ihn dazu veranlaßt. Eine stark besuchte öffentliche Manrerversammlnug, die am Donnerstag bei Keller, Koppensiraße tagte, diskutirte über die aufzustellenden Forderungen in dieser Bauperiode. Zu diesem Punkt lag eine Resolution der Lohnkommission vor, in der darauf hin- gewiesen wird, daß bereits im Jahre 1839 ein Lohn von 60 Pf. pro Stunde bezahlt wurde, der aber zur Zeit auf 55 Pf., stellenweise noch tiefer herabgedrückt worden ist, trotzdem die Anforderungen im allgemeinen jedes Jahr größere und die Lebensmittel- preise sowie Wohnungsmiethe bedeutend gestiegen sind. Ferner, daß durch die immer vollkommener werdende Technik und das verbessert« Maschinenwesen in fast allen Gewerben Tausende brotlos werden und gezwungen sind, im Bau- gewerb« ihr Unterkomnieii zu suchen, wodurch die Zeiten der Arbeits- losigkeit sehr oft wiederkehren und von längerer Dauer werden, so daß nur bei sehr wenigen Kollegen der Jahresverdienst 1000 M. übersteigt. Es werden in dieser Resolution sodann folgende Forderungen, die bereits im vorigen Jahre geltend gemacht, aber nicht allgemein zur Durchführung gelangt sind, aufgestellt: Ab- s ch a f f,u ng der Baubuden, Einhaltung der Pausen, pünktliches Feierabend mach« n, Beschaffung von guten Baubuden, Abschaffung des Zwanges, eigenes Werkzeug zu halten, h um a n e Behandlung seitens der Poliere u. s. w. Im weiteren eine Erhöhung des Stundenlohnes von 55 Pf. aus 60 Pf. S i l b e r s ch m i d t begründete in längeren Ausführungen diese Forderungen. Der Redner ist der Meinung, daß die Unter- nehmer den in der Jiesolulion gemachten Vorschlag, mit der LoHii-t kommission in Unterhandlung zu treten, um die Forderungen de Arbeiter zu diskutiren, annehmen werden. In der hierauf folgenden Debatte wurde von der Mehrzahl der Redner die bevorstehende Bauperiode als eine voraussichtlich sehr gute geschildert; auch in der Provinz sei die Konjunktur eine außerordentlich günstige, sodaß ein Zuzug von außerhalb nicht zu erwarten ist. Es konnte serner konstatirt werden, daß ca. 7400 Arbeitskontrollkarten bisher zur Ausgabe gelangt sind und wöchentlich 700 bis 800 M. an frei- willigen Beiträgen für den Streikfonds abgeführt werden; ein Resultat, das zu den beste» Hoffnungen berechtigt. Es wurde sodann die Resolution angenommen und die Kommission be- auftragt, die oben angeführten Forderungen den Arbeilgedern zu unterbreiten und mit denselben zwecks F e st l e g n n g eines Lohntarifs eventuell inUnter Handlung zutreten. Eine spätere Versammlung wird, nachdem die Antwort der Arbeit- geber erfolgt ist, über die weiteren Maßnahmen befchließen. Hierauf berichtete B l a n r o ck über die Thätigkeit der Gewerk- schaftskommission. Nachdem ein Antrag von einem Redner, die Koni- Mission nicht mehr zu beschicken, abgelehnt worden war, wurde P a n s e r als Delegirter und S i l b e r s ch m i d t als dessen Stellvertreter gewählt. Die Angelegenheit der Rabitzputzer, die wünschen, daß sich die Lohnkommission der Maurer auch mit ihren Verhältnissen be- schästige, wurde, wie auch verschiedene andere Anträge, bis zur nächsten Versammlung vertagt. Ferner gelangte em Antrag zur Annahme, nach welchem die Kommission beauftragt wird, eine Bau- kontrolle vorzuuehmeii, um die Mißstände festzustellen, welche in bezug auf die Baubuden, auf die Sicherheitszustände und alle sonstigen das Leben und die Gesundheit der Arbeiter gefährdenden Mängel vor- Händen sind. Das gesammelte Material soll dann in öffentlichen Versammlnngen besprochen und bearbeitet der Stadtverordneten-Ver- saninilung unterbreitet werden. Es wurde noch auf die Lohnbewegung in Brandenburg, Köpenick, P o t s d a ni und R ü d e r s- d o r s aufmerksam gemacht und aufgefordert, den Zuzug nach den genannten Orlen fernzuhalten.(Auch nach F o r st und Eil r st e n w a l d e ist Zuzug fernziihalte».) Ein Antrag, den treikenden in Brandenburg 500 M. ans dem Fonds zu überweisen, wurde, nachdem S i l b e r s ch m i d t bekannt gegeben hatte, daß die- selben die Unterstützung durch die Organisation erhalten, abgelehnt. Zum Schluß wurde mitgelheilt, daß am Sonntag, vormittags 10 Uhr, eine Mitgliederverfaninilnug des Vereins zur Wahrung der Jnter- essen der Berliner Maurer im Englischen Garten, Alexanderstr. 27c, stattfindet. Tie HauSdieurr, Packer, Kutscher». f. w. beschlossen in ihrer Versammlung vom 8. April, daß diejenigen Berufskollegen. welche es ohne wesentliche wirthschaftliche Nachtheile thun können, den I. Mai die Arbeit ruhen zu lassen haben. Diejenigen, welche zur Arbeit gezwungen sind, werden verpflichtet, einen Theil ihres Tagesverdienstes der Agitation zu opfern. Diese Beschlüsse wurden gefaßt, trotzdem der Referent, ein Herr Dempwolf, für absolute Arbeitsrnhe eingetreten war. Der Rechenschafts- bericht des Vertranensmaiines H o f f m a n n wies eine Ein- nähme von 259,43 Mark gegenüber einer Ausgabe von 178,03 Mark auf, fodaß 81,40 Mark Bestand verbleiben mußten; 60 M. seien hiervon für Druckerschulden abgeführt, 21 M. dem Nachfolger Hoffinann's überwiesen. Den Vertrauensleuten wurde aufgegeben, die Abrechnung innerhalb 8 Tagen zu prüfen und einer demnächst eiiizubernsenden Versauimlung von ihrem Befund zu berichten; H o f f m a n n wurde entlastet. 720 Bons stehen noch aus, 144 verloren gegangene Bons wurden als nicht vorhanden erachtet, über die zirkulirenden weißen Bons wurde beschlossen, dieselten für Berlin zurückzuziehen. Die geplante Einsetzung einer Sonntagsruhe-Kommission scheiterte, weil von den Vorgeschlagenen sich niemand weiter wie Pölitz zur Wahl stellte. Die Versammelten beschloffen daher, alle Uebertretungen der Sonntagsruhe und dahingehende Beschwerden an Pölitz gelangen zu lassen. Als Delegirter zur Gewerkschastskommisflon berichtete Pölitz über die Erweiterungen der Thätigkeit des Gewerk- scbaftsbureans und die Nothwendigkeit der Einstellung eines zweiten Beamten. Diskutirt wurde hierüber nicht, sondern es wurde» Pölitz(für die lokale Richtung) und Schumann (für die zentrale Richtung) als Vertreter der Hausdiener w. in die Gewerkschaftskommission delegirt und es deren Gut- achten überlassen, sich an der betreffenden Stelle zu äußern. Zum Schluß entspann sich noch eine längere lebhaft« Debatte über«inen Artikel:„Märzseier und Zentenarfeier" im „Haudelshilfsarbeiter" und in der Berliner Presse, laut welchem sich der„Verein Berliner Hausdiener" an dem Auszug« zur Zentenar- feier betheiligt haben sollte. Von Mitgliedern des Vereins Berliner ausdiener wurde dieses als grobe Unwahrheit bezeichnet und der edakteur des„Haudelshilfsarbeiter" erbot sich, eine fachliche Be- richtigung aufuehmcn zu wolle». Ardeiter-KIIdniigakchnIe. Semesler-Ferien biz Mitte April. $i, gtCliatlt der A»beiter-Kitd»»v»schnle, Brunnentlr. 25, ist Wochen- tag« von o—« Udr, Sonnlag« von«—9 Uhr,»»enlgelttich sllr jedermann geöffnet: die(L e s ch ä s I« st e I l e der Schule N., Brunnenstrabe 25, die den Veretn«- vorständen zur Vermtttetung von Vor trögen wtsteiischafltiche» Tharatter« zur Bersügung sieht, ist ebinfall« von o- 9 Uhr»achmtttag« geöffnet. Kri»it-r-Kn»v«ri>»»d Berlin»»ud Umgegend. Borstgender Ad. SI«»»iat»i, Pasewatlerstr. s. Alle Nendernugen im Verei»«tale»der sind zu rlchlen an Friedrich fi oi t« m, Mantenffettir. 10, v. 9 Tr. Silin» der gesrlligeii Ai deiieroereine Berlin» und zimgegeiid. Alle Zuschriften, den Bund betreffend, sind zu rlchlen an H. Ben dir, Mexandrinen- straße loa. Kheiiter- lind ziergniigitngovereln„KemiilTaiic«". Heule, abend« 9 Uhr, bei Pauch«, Schlesischeslr.»st Sitzung. Lreirrligiöfe Genieiudr. Sonnlag, den II. April, vormittag« 9 Uhr. im proben Festsaal der Berliner iiiessoutce,«ommandanlenstr. ö7t Versammlung Frelrellglöle Vorlesung.— Um II Uhr vormittag« ebendaselbsl: Vorlrag de« Herrn Waldecl Manafs«!»uliurgeschidttsich-« vom Islam.— Moniag, den 12. April, abend«(sj Uhr, pünkllich, im(Ingusche» Barten, Aleranderstraße»rat Beschltebende Versammlung.„Wahl". K> deii«r-Sii,ig«rb»»d Kerlin» tu,d zlmgegend Sonnlag, den II. April, vormittag« ii Nhr, i« Saale der Brauerei FriedrichShain. Uedungsstunde, Siehe Inserat de»„Borwärt«" vom 4. Aprtl. Besuchszeit verschiedener Museen«nd sonstiger Sehenswürdigkeiten. Alte« und Neue« Museum am Lustgarten. Besuchszeit täglich, mit Ansnahnte de« Moniag« in den a Wintermonaten von lo—« Nhr, in de» 6 Sommermonaten von 9—8 Uhr: Sonntag» im! April— September 12 bi« 6 Uhr, Ottober und März 12-5 Uhr. November und Februar 12— t Uhr, Tezember und Januar is-z Uhr(Nuentgelllichj.— Die National- g a l l- r i e in der Mitseumsstrabe. Besuchszeit Wochentag« von!()-» Uhr sMor.tag« ausgenommen). Sonn lag« im April— Sepiemder von 12 dt« 9 Uhr, im März und Oltober 12— b Uhr, Februar und November 12— t Uhr, Januar und Dezember>2—8 Uhr sllnentgeltltch),— Kunstgewerbe- M u s e u m ,! Prtnz Aibrechistr. 7.(geöffnet an den Wochentagen(Montags ausgenommen) im Sommer von 9— z Uhr, im Winter von io— 3 Nhr. Sonntag«, April— September van 12—« Uhr, Ottober und März 12— s Uhr, November und Februar 12—4 Uhr. Dezeinder und' Januar 12— 8 Uhr(lluent- geltllch).— Museum für V ö l t e r t u n d e. Königgräherftr. 120, Besuch«- zeit wie im Kunftgewerde-Museuut(Unenig-lilich).— Hhäiene-Museum, »losterftr. tö. Besuchszeit Sonntags wie im»unstgewerbe-Museum. Außer- dem Dienstags und Freitag« von 10—2 Uhr(Unentgeltlich).— Museum s ü r Naturtuude, Jnvalidenfir. 42. Besuchszeit Sonntag« wie im Kunst- tewerde-Museum. Außerdem Montag« und Sonnabend« von II— 8 Uhr.— A u s e u»1 für deutsche Vollsirachie n und Erzeugnisse de« Ha u«g ewer de«,«loslerstr. 8«. Jeden Tag mit Ausnahm- de« Mittwochs von II— 2 Uhr geöffnet. EinirittSgeld t Erwachsene 60 Ps., Kinder 25 Ps., Vereine Sonntags I» Ps.— R- i ch s p 0 st- M u s e u m, Leipzigerstr. 15 13c öffnet Sonntag« 12—2 Uhr, Montag«, Dieitstag«, Donnerstag«, Freitag« von 11—2 Uhr(Unentgelilich).— Rathhau«,«öntgslraße, igeofsnet täglich außer Donnerstag und Freitag vo» 11—8 Uhr.(Unentgeltlich). Au«. lichtsthurm(SintriltSprei« 2v Ps.).-» u n st a u« st e l l u n g de« llerein« Berliner Künstler, Wilhelmstr. 92. Sonnlag« Ii—-Uhr. Wochentag« 10 di« 4 Uhr. 5V Pfennig Eniree.— Siernwarl«, Sacke- plah 8a. Mittwoch« und Sonnabend« von 9 btz n Uhr Vormittag«.— Urania, Wissenschaftliche« Thealer. SIernwarie. Jnvalidenstraße 57-S2 und Taubenstr. 48/49. Geössnet von 5 Uhr NachmiNag« di« 10K Uhr Abend«. Eniree 59 Ps. Zuschlag für Theater von 60 Pf. bi« 5 M.— Aquarium: Schadowstr. 14. Eeöstnel von 9—« Uhr. Eniree Sonnlag« 60 Ps.,«u jedem lehlen Sonnlag im Monat 25 Ps.— Eastan's Panoptikum, Friedrich- straße. Eeössnel 10—10 Uhr. EinirillSprei« 50 Ps.— P a s s a g-- P a n 0 p i i k u in 10—10 Nhr. Sinlriltspreis 60 Pf.— Marine-Panorama, Am Lehrter Bahnhos. Sonntag« von 9— g Uhr. Eniree 60 Ps.—«aiser-Panorama Passage(Unter den Linden),«eössnet von 9 Uhr Morgen« bis 10 Uhr Adend« 800 oerschiedene Reiseit, LandschasiSbiider. Jede Reise 20 Ps.— Zoolo. gischer Earken, Lützowufer. Sonmagi 50 Ps.— Borsig'« Earle» mit Palme nhau«.«U-Moabtl«5/8,. Eintrittspret« 50 Ps.— O e s s e n t- liche Lesehall- der Deutschen Eesellschas, für Ethische Kultur, Neue Schonhauserftr. 18. Unentgelliich geöffnet am Werktag abend« von 0 di« io Uhr, Sonnlag»X— 1 vorm., 5-10 avends,— Städtische L e i e- h nl l e, Mohrenstr. 41, geöffnet Wochentags abend« von 9—0 Uhr und Sonn' g« von 11 bis 2 Uhr, ffüt den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei _ Berantwortung. Wheakev. Sonnabend, den 10. April. Opernhaus. Undine. Schauspielhaus. 1812. Deutsches. Die versunkene Glocke. Berliner. Kinder der Bühne. Lessing. Seine ofstzielle Frau. Schiller. Das Stiftlmgssest. Neues. Trilby. Westen. Die berühmte Frau. Nachmittags 4 Uhr: Hitnsel und Gretel. Linde«. Prinz Methusalem. Thalia. Heirath auf Probe. Zentral. Ein fideler Abend. Residenz. Associos. Ein angenehmer Gast. Bclle-Alliance. Onkel Britfig. Zllexanderplah. Eine tolle Prinzeß. Ostend. Klein Geld. Friedrich- Wilhelmstüdtisches. Zimmennann's Lene. Bolls. Hopfenrath's Erben. Zlpollo. Spezialitaten. American. Luiupe-Gastsviel: Ritter Benno von Schreckenstein. 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April 1897. abends 7 i/z Uhr: Eilte- Vor stell« nx. Durchschlagender Erfolg. Ans der Mappe eines Aiesettgebirgs-Phtlittliße». Außerdem: Joujo» hlpplqne mit 12 Freihcitspfcrden, dressirt und vorgeführt vom Direktor Kr. Renz. Auftreten des berühmten Schulrciterö Mr. Gabercl mtt dem Schulpferdc Albarac. El Bolero. spanische hohe Schule, geritten von 0 Damen und 0 Herren. Zum ersten Male: Ein Duell nach dem Balle, komische Szene von der berühmten Künstler- Familie Agonst. Sonntag, II. April(Palmsonntag): Eine Borstellung abends 7'/, Uhr: Aus der Mappe eines Riesen- gebirgs- Phantasten._ Baimlior BOrse. Schlust der Saison am 15. April. Sonnabend. 10. April 1897. abends 7t/, Uhr: Parade-(»ala- Vorstellnng zum Benefiz für Frau Birelctor Busch. An Eleganz und Reichhaltigkeit des Programms das Ncm plus ultra aller Borstellungen der Saison. zWr* Elite- Programm.-MW Narf) Sibirien. |P(r Wiederholung d. Todesfahrt mit dem Fünfgespaun. MW Morgen: Ä Vorstellnnxen. Nachmittags 4 Uhr: (1 Kind unter 10 Jahren frei). Grosse Clown-Yorstelliing. Abends-Vz Uhr: Nach Sibirien. Goncoi'llis Variete-Theater Rrnnnenstr. 154. Täglich: Grosse Theater- und Sspezialitlltcn-Torstellnnfr. Grostartiges April- Programm l Neu! Grand Attraktion. Gebr. Forre, Jnstrumentalist. Nenl Hertha Eorenai, brillante Kostümfonbrette. Knospe und Stengel. fasse in 1 Akt. Osterfeiertagen: Neues exellentes Programm. Anfang Wochentags 7t/, Uhr. Sonntags ö Uhr. Umtausch-Billets haben Giltigkeit. Mum-ulellermaren-fahrto Oskar Gundau,"7"'-«". Reell und billig kauft man in der Norddeutschen schuh- fabrik von W. Ifitsohke, gegründet 1872, Skalisterftr. 13, Ecke Admiralstraße, am Kottbuser Thor. Blousen, Jupons, fertige Wäsche, Handschuhe, M Corsets, Putzartikel, Gardinen, Portibren,| kauft man am billigste» im{ Waarenhaus A. Brascli, Brtickenstr. 8. Eraukfurterstr. 70. Rosenthalerstrasse 4 j Vorzeiger des Inserats erhalten 3 pCt. 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