im KM\ W-??-s. x. a\.... M m- gjMfc"$••-• ?•€' r*r-.» Minzige unabhängige Tageszeiiung Veuischlands Nummer 63— 2. Jahrgang I Saarbrücken, Freitag, den 16. März 1934| Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt Spaniens lüiccen Seite 2 E&ect-^Keitmann- Segec- JiiinstCec «Seite 3 Saacteccac ohne Ende Seite 3 JUoentCaux gegen Japst Seite 7 ExpJosjoiu2S0Tote 7000 Kilo Dynamit- 4000 Fässer Bensin 9t e n q o r f, 14. März. Das Neuyorker Büro der Allame- rica Cable Co. erhielt eine Meldung ans Salvador, nach der bei einer Dynamitexplosion unweit von La Libertad in Sal- vador über 400 Personen nms Leben gekommen sind. DNB Neuyork, 15 März. In einem Bericht der„Neu- york Times" über die Dynamitexplosion«, in La Libertad werden wesentlich höhere Berlustzissern angegeben. Dem Blatt zufolge belauft sich die Zahl der Tote naus 250, die der Betletzten aus über 1000. * DNB Neuyork, 15. März. Wie aus La Libertadotem«and. der im afrikanischen Wüstengebiet durch den Sturm auf- gewirbelt worden ist. zurückzuführen. Rom, 15. März. Nach vorausgegangenen Einzelbe- sprechungen hat heute die erste Drcierbesprcchung zwischen Mussolini, Dolliub und Gömbös stattgefunden. Ministerpräsident Gömbös hatte gestern eine Unterredung mit dem deutschen Botschafter. ♦ französische Befrachtungen DNB. Paris, 15. März. Der römische Vertreter der H a v a s a g e» t u r glaubt aus den Erklärungen diplo- malischer italienischer Kreise den Eindruck gewonnen zu haben, daß die Besprechungen zwischen Mussolini, Gömbös und D o l l s u ß nicht den Zweck irgendeines politischen Abkommens ver.folgten. Es sei wahrscheinlich, daß im Anschluß an die Besprechungen eine gemeinsame Er- klärung abgegeben werde, in der die freundschaftlichen Beziehungen der drei Länder zueinander zum Ausdruck komme» und die Notwendigkeit der Unabhängigkeit der Donauländer unterstrichen werbe. Auch die wirtschaftlichen Grundsätze, die sich aus den Besprechungen ergeben könnten, würden keinen trianguläre» Charakter haben, sondern die bestehenden gegen- seitigen Abkommen bestätigen, denen andere Länder iv i c die Tschechoslowakei und T e u t s ch l a nd beitreten t ö n n t e n. Es sei unwahrscheinlich, daß irgend- welche endgültige Abkommen im Sinne von Handelsver- trägen abgeschlossen würden, obgleich die Besprechungen von Fachleuten vorbereitet seien. Man werde sich eher über grundsätzliche Fragen und Methoden unterhalten, möglicherweise auch einen ersten Schritt zur Verwirklichung unternehmen. die endgültige Durchführung aber späteren Verhandlungen vorbehalten. Die Grundlage für' bis gegen- wärtigen Besprechungen müsse man in den Stresacr Ab- kommen und in der italienischen Denkschrift vom 29. No- vember 1988 suchen, in der e i n e V o r z u g s b e h a n dl u n g der österreichischen F n d u st r i e e r z c u g n i s s e und der Getreldevorräte der Donauländer sowie eine gewisse Nenrcglnng für die Transportmöglichkciten über die italieni- scheu Häsen an der Adria vorgeschlagen wurde. Der Außenpolitiker des„Echo de Paris", Pertinax, glaubt nicht daran, daß die Besprechungen zum Abschluß wirklich nutzbringender Verträge führen werden. Der Grund liege darin, daß Ungarn aus keinen Fall die Beziehungen zu Deutschland abbrechen wolle, und auch Italien könne aus verschiedenen Gründen den Forderungen Ungarns nicht rest- los nachkommen. Einer dieser Gründe sei der, daß Mussolini sich nicht mit Frankreich und der Kleinen Entente über» werfen könne. Auch aus wirtschaftlichem Gebiet sei Italien bis an die Grenze deS Möglichen gegangen, und es stehe daher zu erwarten, daß die in Rom getroffenen Abkommen nur nach außen hin bedeutungsvoll aussähen, während in Wirklichkeit die Wiederherstellung des Gleichge- wichles in Mitteleuropa noch recht lange auf sich warten lassen dürfe. Neulrallslerang Oeslerreichs? Die wirtschaftliche Umstellung Von italienischer Seite wird nicht nur immer wieder die Notwendigkeit der österreichischen Unabhängigkeit betont, sondern auch der Gedanke aufgeworfen, daß Oesterreich zum neutralisierten Land werden soll, um mit der Schweiz und Belgien„Inseln deS Friedens" zwischen den Völker« darzustellen. Zu den wichtigen Fragen, die im Zusammenhang mit dem italienischen Plan behandelt werden, gehört die Frag« der Umstellung des österreichischen und des ungarischen Außen» handeis auf Trieft und Flume. Tie Verwirktichüng dieser Umstellung begegnete beträchtlichen Tchwicrigteiien, weil Ungarn die österreichischen und jugoslawischen Eisenbahnen für den Verkehr mit den beiden Häfen benutzen muß, so daß die von Italien gewünschte Reglung eine weitgehende Ver- ständigung aller in Frag? kommenden Mächte über die Eisen- bahnfrachten voraussetzt. Rund um den Skandal Stavishu und Polizei Aussagen von Polizeibeamten Paris, 13. März. Ter parlamentarische Untersuchungsausschuß im Staviskn-Skandal verhörte am Mittwoch eine Reihe höherer Polizcibeamten der Sicherheitspolizei, die übereinstimmend der Auffassung waren, daß Staviskv sein Treiben nur dem großen Einfluß verdanke, den er und seine Freunde in politischen und parlamentarischen Kreisen»e- habt hätten. Einer der vernommenen Beamten erklärte so- gar, daß er von seinem Vorgesetzten gezwungen worden sei, den Bericht über einen von ihm ermittelten Betrüger nach einer gegen seine eigene Ucberzeugung gehenden Richtung abzufassen, weil man angeblich ans gewisse Parlamentarier Rücksicht nehmen müsse, die sich für die betreffende Person verwandt hatten. Ein anderer Zeuge sagte aus, er sei an der Verhaftung eines Buchmachers auf dem Rennplatz durch den ehemaligen Direktor der„Volonte" gehindert worden, der ihm gedroht habe, den damaligen Ministerpräsidenten Tar- dien zu benachrichtigen. Auf die Frage eines Ausschußmit gliedcs. ob es häufig vorkomme, daß die Polizcikommisiare gezwungen seien, derartige gegen ihre eigene Auffassung gehende Berichte abzufassen, erklärte der Zeuge, daß es den Polizeikommissaren natürlich freistehe, solchen Anweisungen Folge zu leisten, eine Weigerung sich aber stctö zu ihrem Schaden auswirke. Der Zeuge erklärte ferner, daß er nach der Aufdeckung eines Ili-Millionen-Diebstahls im Kasino von Iuan-les-Pins eine Rüge von seinem Vorgesetzten erhalten habe, weil angeblich zwei Minister, die den Wahlkreis von Inan-les-PinS vertraten, eingeschritten waren. Man habe ihm befohlen, sich nicht mehr um die Angelegenheit zu kümmern. Dn Schlüsselroman Szenenbtld aus der bewegte» Vernehmung des Anwalts G u i b o u d- R i b a u d des Slaviskn Freundes vor der parlamentarischer Untersuchungskommissio». Vorsitzender Abg. Guernut: Kannten Sie das Buch, das Madame G e r m a i n c R a m o s geschrieben hat'? Angeschuldigter: Ja. Ich kannte auch Madame Germaine Ramos, die von Dr. Lachet zur„Volonte" geschickt war. Gnernut: Sie hatte weder Mann noch Freund aus der „Volonte"? Guiboud: Nein. Guernut: Wen naniilc sie denn in ihrem Schlüssekronian M. Labarre? Guiboud: Ich weiß nicht. Ich habe in diesem Roman Tu- barm, Bonnaurr und— m ich selb st herausgekriegt. Guernut: In Ihrem Roman sagt sie. Seite log. durch den Mund der Person, die Dtavisky darstellt:„Ich habe hundert Abgeordnete, die mir mit Bücklingen ihre Dienste anboten." War er dazu fähig, daS zu sagen? Guiboud: Noch vor einigen Monaten hätte ich nein gesagt, heute sage ich: Ja. Gegenüber gewissen Personen wäre er ohne Zweifel zu solchem Borschlag fähig gewesen. Guernut: Welche Vorstellung machte er sich o» der ooli- tischen Welt? Guiboud: Gar keine. Für ihn gab eS nur Freunde und Feinde. Der Stavisky-Film Wie mitgeteilt wird, wurde ein Film im Zimmer de? Staviskv am Tage seines TodcS gedreht. Ein kleiner Teil des Inhalts ging an die Kinos, wo er einmalig in einer Soiree aufgeführt wurde, aber, wie die Blatter melden, zurückgezogen wird. Ter größere Teil des Films ging der llntcrsuchungskommission zu, die ihn genau studieren wird. * Die Premienc von„Ecs Messieurs de la Tante" steht unmittelbar bevor, und gerade jetzt wird an der monbänsten Ecke der EbampS-Elysecs im M a r i g n a n» T h e a t e r der neue Box-Film„O u a v o l c n i, h o m m c" kreiert. Aller- dings ist hier der öffentliche Skandal nur Hintergrund für einen Starsilm mit allen bekannten Ingredienzen dieses Genres. Aber wenn ein paar Gauner von öffentlicher Moral reden, sich als Beschützer der kleinen Sparer auispielcn, dann glaubt man doch mitten im letzten Leitartikel zu lesen. Und wenn Henri) Garat den charmanten Bankier spielt, der von einer Berbrecherbandc für einige Tage in einem komsor- tablcn Gefängnis festgesetzt wird, damit ein paar Speku- lationen. anders gefingert werden können, als er es sich dachte, wenn Lili Damit« sich von der Gangster-Kvin- pltcin zur Bankiers-Gelicvteii und schließlich Verlobten wandelt, wenn„Train Blen", Mtttelmeerküstc und eine Ver- brechcrhöble mit letztem Komfort aufgeboten wird, wenn Mar OphülS als Rcgiffeur daS Ganze mixt, ohne je den leichten Lustspielton— bei aller Kitschgekabr und aller Aktualitätennähe- zu verlassen, dann ist unweigerlich die Sensation da, und die Erich-Pommer-Prodnktion darf über die Karriere dieses ihres ersten„Skandal"-Films beruh-gt sein. ni. Der Luchstahe„H" 'Nachdem durch die Autopsie festgestellt ist, daß der Richter Prinee lebend vergiftet wurde, gewinnt eine Aeuße- rung des Anwalts der Familie des Ermordeten. Me. Maurice G» rcon besonderes Interesse, der sagt, daß die graphologische Untersuchung des Telegramms und des Holclzettels noch immer nicht stattgefunden habe. Diese Untersuchung scheint un» von höchstem Wert. Wir habe» wiederholt daraus erwiesen, daß die Aenderung des Namens „Ehringer" in„Hallinger" in dem Telegramm dafür spricht, daß Ausländer im Spiel waren bzw. wabrschein- lich ein Mensch, der Deutsch sprach. Denn ein Franzose würde höchst wahrscheinlich den Buchstaben„H" nicht vor be» Namen deS SrzteS gesetzt haben. Der Schäfer von Oranienburg Die braune Hölle enthüllt sich selbst Ernst Heitmann Friedrich Ebert Gerhard Seger Franz Künstler Die Gesichter, die die obenstehenden Bilder zeigen, werden vielen unseren Lesern aus früheren Zeiten bekannt sein. Die Abgebildeten sind die früheren sozial- demokratischen Reichstagsabgeordneten Ernst Heilmann. Franz Künstler, Friedrich Ebert und Gerhard Seger. Auf- genommen sind die Bilder in dem berüchtigten Konzen- trationslager von Oranienburg und entnommen sind sie dem 250 Seiten starken Buch„Konzentrationslager Oranienburg" von SA.-Sturmbannführer Schäfer, dem Kommandanten dieses Lagers. Heilmann, Künstler. Ebert und Seger sind alle vier alte Kriegsteilnehmer und im Felde verwundet. Gegen keinen von ihnen war eine gerichtliche Anklage erhoben worden. Daß sich gegen sie kein Staatsanwalt fand, wie gegen die Zentrumsmänner Ester. Hirtsiefer und selbst Dessauer, ist ein Beweis dafür, wie wenig selbst die Justiz des„dritten Reiches" imstande war. ihnen am Zeuge zu flicken. Den- noch haben diese Männer den Weg nach der Hölle des Konzentrationslagers antreten müssen, und wie es ihnen dort ergangen ist, das sagen besser als alle Worte die Bilder selbst. Wir, die wir jahrzehntelang ihre Freunde gewesen sind, fragen uns entsetzt und erschüttert, welche Leiden die Züge dieser uns wohlvertrauten Gesichter so verändert haben mögen! Wenn nun der Lagerkommandant Schäfer ein Buch er- scheinen läßt, in dem er die Bilder seiner Opfer in solcher Aufmachung zeigt, so enthüllt er damit die grauenhafte Zustände, die im„dritten Reich" herrschen, viel wirksamer, als es irgendeine angebliche„Greuelpropaganda" vermag. Diese Bilder zeigen, was sich heute in Deutschland Menschen gefallen lassen müssen, denen nichts anderes vor- zuwerfen ist. als daß sie eine andere politische Gesinnung hatten als der SA.-Sturmbannführer Schäser. Dennoch wird jeder Leser des Schäferchen Buches sich sagen müssen, daß es hundertmal ehrenvoller ist, als Ge- sangener im Konzentrationslager zu sein, als die Ge- sinnung des Herrn Schäfer zu teilen. Zeigt doch jede Zeile des Buches, daß der Sturmbannführer Schäfer ein aus- gepichter Schurke ist, der den Mangel jeglicher Fähigkeit durch einen Ueberfluß vorschriftsmäßiger Gesinnung aus- zugleichen versucht, der selbst zum Lügen zu dumm ist und die Gemeinheit seiner Denkart aus jeder Zeile hervor- leuchten läßt. Was für ein Dummkopf muß dieser Mensch sein, der beispielsweise sich von Engländern, die das Lager besichtigt haben. Wohlverhallungszeugnisse aus- stellen läßt, die mit den Worten„Heil Hitler" schließen! Schäfer leugnet einfach alles. Dabei wird für ihn die gelungene Flucht Segers und seine Schrift über Oranien- bürg besonders fatal. Natürlich leugnet er die Ermordung des Arbeiters Hermann Hagendorf und des Arbeiters S e n s aus Zerbst. Lagerärztliche Zeugnisse und Zeugnisse von Gefangenen stehen ihm in jeder gewünschten Quanti- tät und Qualität zur Bersügung. Die Polemik des Lager- Kommandanten gegen seinen ehemaligen Häftling muß man wenigstens in einer Probe wörtlich genießen: „Gerade noch zur rechten Zeit eröffnete S e g e r seinen Kampf gegen Oranienburg und gegen sein ehemaliges deutsches Vaterland. lOranienburg und deutsches Baterland sind für Schäfer offenbar dasselbe. Red. der D. F.j Noch einmal beschäftigt dieser unsaubere sozialdemokratische Skribent die Presse des Auslandes und bestätigt, wie unrecht wir hatten, als wir diesen Gesinnungslumpen so anständig behandelten, wie das in jedem anderen Lande mit derartigen vaterlandslosen Gesellen nicht geschehe» wäre. Dieser Vor- wurf trifft uns SA.-Führer und SA.-Männer im Lager Oranienburg vollberechtigt." Kann man sich danach vorstellen, wie es Seger ergehen würde, wenn er noch einmal in die Hände Schäfers und seiner Spießgesellen fiele? Aber Seger ist nicht mißhandelt worden, Heil- mann ist n i ch t mißhandelt worden, keiner ist mißhandelt worden, versichert Schäfer. Der Einzelarrest ist eine höchst humane Angelegenheit, und Essensentzug gibt es am Tage höchstens einmal. Wie besonders gut aber gerade H e i l m a n n es gehabt haben muß, das ergibt sich nicht bloß aus den tobsüchtigen Schimpfereien des Verfassers über ihn. sondern auch aus der folgenden Darstellung: „Heilmann gab uns keine Veranlassung, ihn in Einzelhast zu nehmen. Dazu fehlte ihm einmal der Mut und zum anderen Male der Charakter. Als die„Prominenten" vor der Sanitätsstube angetreten standen, um gewogen zu werden, versuchte Heilmann den kranken Mann zu spielen. Er schwankte ausfällig und versuchte dadurch den Eindruck zu erwecken, als ließen ihn seine Kräfte im Stich. Diese Rolle— man kann nur von einer Rolle sprechen— spielte er aber derartig dilettantisch, daß selbst ein Laie das Spiel durchschauen mußte— und siehe da, als er angerufen wurde, er solle stillstehen, da stand Heilmann nicht nur still, sondern legte, ohne daß es von ihm besonders verlangt worden wäre, wie ein zur Ordnung gerufener Rekrut seine Mittelfinger an die Hosennaht. Wenn bei Drohung der Ohnmacht allein ein Anruf genügen sollte, um das körperliche Gleichgewicht im Augenblick wieder herzustellen, dann— glaube ich— sollte das hinreichender Beweis für ausgesprochene Simulation sein." Was war der offenbare Tatbestand? Heilmann war in- folge der erlittenen Mißhandlung so schwach, daß er sich kaum mehr auf den Beinen halten konnte. Ein Feld- webelgebrüll, das sich gegen ihn erhob, trieb ihn an. sich noch einmal zusammenzuraffen. Wie es ihm ergangen wäre, wenn er seine„Simulation" bis zum Hinsinken ge- steigert hätte, darüber kann nach der Darstellung Schäfers selbst gar kein Zweifel bestehen. Heilmann bemühte sich, keine Veranlassung zu Disziplinarstrafen zu geben. Dazu fehlte ihm. wie Schäfer so schön und objektiv sagt,„ein- mal der Mut und zum anderen Mal der Charakter". Darum raffte er sich in seiner Verzweiflung noch einmal auf und stand da„wie ein zur Ordnung gerufener Rekrut". Wir wünschen aufrichtig, daß dag Buch Schäfers recht viel Leser finden möge. Wenn sie richtig zu lesen ver- stehen, so werden sie das Buch aus der Hand legen mit dem Gefühl des Entsetzens und der Scham über die deutschen Zustände von heute. Wollten sie anderen Zeug- nisten nicht Glauben schenken, sie würden es aus diesem erfahren: Es gibt in Deutschland eine Hölle, die heißt Oranienburg und einen Teufel in Menschengestalt, der sie regiert, der heißt Sturmbannführer Schäfer. Terror ohne Ende Die Erpressungen oer„deutschen Front" an der Saar Die„Volksstimme" berichtet: Wir könnten an jedem Tage die Spalten unseres Blatte» nur mehr damit füllen, daß wir in ungezählten Fällen den Nachweis dafür erbringen, wie von feiten der„deutscheu Front" recht lustig weiter geworben wird. Wir haben bereits ausführlich dargetan, daß wir selbst aus alle Eide. Versiche- rungen und Beteuerungen der„deutschen Front" keinen Deut geben. Es muß jemand schon unverzeihlich dumm sein, wenn er nicht längst kapiert hat. daß dieses Verhalten der „deutschen Front" kein Novum darstellt, daß vielmehr die Göbbelssche Lügenwalze nunmehr auch erstmals im Saar- gebiet abzulaufen begonnen hat. Nicht so sehr verständlich aber ist es. daß die Regierungskommtssion des Saargebtetes. die doch in einem BölkerbundSlande souverän ist. derartige neudcutsche Methoden seitens der „deutschen Front" flies: Nationalsozialistische Partei des SaargebieteS) überhaupt nur tm kleinsten anwenden läßt. Wir begnügen uns auch heute wieder damit, nur einige eklatante Beweise für die von uns nach wie vor aufrecht- erhaltene Behauptung: „Die„deutsche Front" erpreßt weiter!" zu erbringen.— In B i l d st o ck ist. wie unS heute von unbedingt zuver- lässiger Seite mitgeteilt wird, am Freitag, dem 9.. und Samstag, dem 10. März 1934, von Werbern der„deutschen Front" auch weiterhin von Haus zu Haus um Aufnahmen in die„deutsche Front" geworben worden. Dabei ist unter üblichen Drohungen aus daS Iahr 19 3 5 der satt- sam bekannte Druck auf die ohnehin schon seelisch stark de- primierte Bevölkerung ausgeübt worden.— In Sulzbach wurde ebenfalls am Freitag, dem 9., und Samstag, dem 10. März 1934 falso ganz planmäßig und bezirksweise!> eine Werbung von Haus zu Haus für die„deutsche Front" durchgeführt, wobei ebenfalls von„frei- willigen" Aufnahmen doch nicht gut gesprochen werden kann. Bielmehr wurde auch in Sulzbach in der übelsten Art und Weise die Einwohnerschaft unter Druck und Terror gesetzt. „Wenn Sie sieh umstellen.. Bei dem Malermeister Schwarz, Saarbrücken. Schloß- berg 3, war ein Arbeiter im 9. Jahre beschäftigt. Er muß also schon mehr als Genügeudes geleistet haben, und er hat dies auch. Daß er Antifaschist ist. daraus hat er nie ein Hehl gemacht. Selbstverständlich hat er während der Arbeit nie politisiert Im Malerhandwerk ist es üblich, baß den Winter über nicht viel zu tun ist. weshalb die Arbeiter in diesen Monaten stempeln gehen müsien. ES muß aber festgestellt werden daß unser Arbeiter in all den Iahren der Letzte war, der entlassen wurde und daß er auch stets der Erste war. der zum Frühjahr wieder eingestellt worden ist. Als nun vor einigen Tagen dieser Arbeiter, wie in jedem Jahre, bei seinem Meister vorstellig wurde, um sich äu-rkundigen wann die Arbeit beginnen wurde, mußte er gewahr werden, daß hfi rpitä tt^uc Borr cinßcftcUi roor&en sind Der Malermeister zöqerte diesmal mit der Einst^una unseres Arbiters, Auf d.e Frage ob er denn irgend etwas gegen ihn ober seine Arbeit einzuwenden habe, verneinte dies zwar Herr Schwarz, sagte aber unserem Arbeiter^wa solaendeS:.... „Wenn Sie sich nmstellen. dann soll es m.r recht sei»" Das sollte also beißen, wenn dieser Arbeiter der„deutschen Front" beitreten würde, so könne er, wie in jedem Jahre, sofort wieder Arbeit bekommen. Dabei sagte Malermeister Schwarz zu seinem langjährigen Arbeiter noch ungefähr dies: „Sie wissen, die Lage spitzt sich hier immer mehr zu, es kommt bald 1933 und dann kommen wir zurück zum Reiche." Gibt es noch einen Zweifel, daß der Malermeister Schwarz diesen Arbeiter nur deshalb nicht eingestellt hat. weil er nicht „freiwillig" der„deutschen Front" beigetreten ist?!— Emigrant Ober die Saargrenze versdüeppl Spitzel der Gestapo Wieder ein Terrorakt reichSbeutscher Nazis aus saarlän- dischem Boden. Aus Erbach lSaarj wurde in der Nacht von Samstag auf Tonntag ein Emigrant von einem Nazispitzel bei Homburg fSaarj über die Grenze gelockt und ins Reich entführt. ES handelt sich um den Polizeiagenten Seim aus Pirmasens, der in der besagten Nacht nach Erbach kam und einen ihm bekannten früher in Pirmasens wohnenden Emi- granten suchte. Er erklärte, in Bruchhof ein Motorrad stehen zu haben, zu dem er noch heute zurück müsse, und bat den Emigranten, ihm den Weg zu zeigen, da er sich nicht aus- kcnne. Dies geschah. Kurz vor der reichsdeutschen Grenze rief der Nazi laut um Hilfe, worauf eine Menge SA.-Leute aus dem Dunkel auftauchten, über den Emigranten herfielen und ihn über die Grenze schleppten. In Erbach soll zwischen den Landjägern und den in Bruch- hos stationierten Agenten der Gestapo ein freundschaftlicher Verkehr bestehen. Politische Bfatfaf In SaarbrOdfen In Saarbrücken ereignete sich am Mittwochnachmittag eine'^were Bluttat mit politischem Hintergrund. Ein Anti- faschist namens Hahn wurde von dem Deutschfrontler Künzer angerempelt. Es kam daraufhin zu Handgreiflichkeiten, in deren Verlaus der Vater des Künzer dem Hahn ein langes Brotmesser mehrfach in die Brust stach. Mit dem gleichen Messer stach dann auch noch der junge Künzer auf Hahn los. der blutüberströmt zusammenbrach. Er wurde ins Kranken- haus eingeliesert und ringt mit dem Tode. Unter allen„Umständen tü So wird das Feld vorbereitet Der„Petit Parisien" übergibt der Oessentlichkeit eine Broschüre mit den bisher noch unveröffentlichten Jnstruk- tionen des deutschen Propagandamintsteriums für die Pro- paganda im Ausland. Es handelt sich um die wortgetreue Uebersetzung der großen Geheimdokumente, die das große französische Blatt vor einigen Monaten bereits in Auszügen bekanntgab. Albert Julien, der Herausgeber dieser Bro- schüre, bemerkt in der Einleitung, baß es sich um die Anwei- sungen des Ministeriums des Herrn Göbbels an die Aus- landsagenten handelt. Für die Authentizität der Dokumente wird garantiert. Unter diesen Dokumenten befindet sich auch ein Abschnitt über die Saarfrage. Unter der Rubrik„Themata, deren so- fortige Behandlung dringend erwünscht ist", werben genaue Anweisungen für die Behandlung der Saarfrage in der Oes- fentlichkeit gegeben. Zunächst wird festgestellt, daß„die häufigere Behandlung dieses Themas immer bedeutsamer wird, je näher die Zeit der Abstimmung heranrückt." Dann heißt es weiter: Es wird also zu einer Abstimmungskampagne kommen, bei der aus deutscher Seite keine Möglichkeit ungenützt blei, den wird. Da die letzte Entscheidung über die künftige politische Zu» geHörigkeit des Saarlandes noch nicht durch die zweifellos für Deutschland günstige Abstimmung selbst herbeigeführt werden wirb, sondern, da in letzter Instanz dem Völkerbund gewissermaßen die Interpretation des Abftimmungsergeb» nisses überlassen bleibt, muß vor der eigentlichen Abstim, muugskampagne«ine weitgehende Aufklärung der öffeut. lichen Weltmeinung einsetzen, damit die an dieser Frage au sich nicht interessierten, aber indirekt zur Mitentscheidung berufenen Mitgliedsstaaten der Liga in einem Deutschland günstigen Sinne beeinflußt werden. Die Grund-Disposttion aller Veröffentlichungen über das „Saarproblcm" muß stets die sein» daß es für Deutschland kein Saarproblem gibt. Das Saarland muß unter allen Umständen an Deutschland zurücksalle«. Besonders betont wird dann noch, daß„Frankreich die Hand zu einer freundschaftlichen Reglung der Saarfrage, wie sie von Deutschland vorgeschlagen sei. nach Lage der Dinge nicht bieten werbe." Ferner wird gewünscht, bei den Ver- ösfentlichungen in Sachen Saarfragen besonders hervorzu- heben, daß eine„Bereitwilligkeit" Frankreichs, Deutschland entgegenzukommen, seit 1919 nie bestanden habe und daß sich selbst der Berständtgungspolitiker Stresemann völlig vergeh- lich um eine vorzeitige Reglung der Saarsrage bemüht habe. Diese Sätze sind bezeichnend für die doppelzüngige Dema- gogie Göbbelscher Propaganda: Auf der einen Seite wird der Völkerbund als„letzte Instanz für die Interpretation des Abstimmungsergebnisses" genannt, andererseits wird er- klärt, daß nur die Böswilligkeit Frankreichs eine freund- schaftliche Reglung der Saarfrage verhindere. Daß Frank, reich tatsächlich in der Saarfrage ohne den Völkerbund nicht entscheiden kann, wird wohlweislich verschwiegen. Denn die Göbbelsschen Instruktionen sind nicht dazu da, der Wahrheit zu dienen, sondern eine Hetze zu schüren, die Herr Göbbels über die ganze Welt verbreiten möchte. „Deutsche Freiheit" Nr. 63 ARBIIT UND WlirSCNAFr Freitag, den 16. ülärz 1934 Landwirfsdiaff des Saargebiefs In der gegenwärtigen Zeit der allgemeinen Erörterung der Saarzukunft wird das Saarbecken fast ausschließlich als Industriegebiet genannt, und doch gehört zur Gesamtbewertung dieses Ländchens auch die Berücksichtigung seiner hochentwickelten Landwirtschaft. Die Landwirtschaft des Saargebiets ist in der Lage, die gesamte Bevölkerung länger als <-in halbes Jahr hindurch allein mit ihren eigenen Erzeugnissen zu versorgen. Diese Tatsache ist umso höher einzuschätzen, als das Saargebiet mit einer Bevölkerungsdichte von durchschnittlich 400 Köpfen pro Quadratkilometer neben dem Ruhrgebiet das dichtbevölkertste Gebiet deutscher Sprache ist. Trotz der hohen Bevölkerungszahl und der starken Industrialisierung ist in dem kleinen Gebiet mit etwa 90 000 ha. landwirtschaftlich genutzter Fläche fast die Hälfte des ganzen Landes dem Ackerbau erschlossen und der Viehzucht dienstbar gemacht. Die Kartoffelernte reicht zehn Monate und die des Getreides 7 Monate landeigener Ernährung. An Schweinen werden im eigenen Land 70 Prozent des Bedarfs gezogen, an Kälbern 45 Prozent und an Großvieh 25 Prozent. Die Milcherzeugung ist sehr umfangreich und beträgt 60 Prozent des Gesamtbedarfs. Der Wert der Gesamterzeugung der saarländischen Land» Wirtschaft beträgt alljährlich rund hundert Millionen Goldmark, und das ist ein Drittel der volkswirtschaftlichen Gesamtproduktion des Saarbeckens. Und dieses wertvolle Produktionsdrittel wird im großen und ganzen von nur einem Zwölftel der Bevölkerung erzeugt. Während in der Industrie 4. r 1 000 Köpfe tätig sind, beschäftigt die Landwirtschaft nur 65 000. Nebenher gibt es allerdings noch zahlreiche Anwesen, die auf kleinem Räume Gartenwirtschaft betreihen zur Deckung des eigenen Bedarfs und zur Ergänzung des Verdienstes. Nichtsdestoweniger hat die saarländische Landwirtschaft trotz des günstigen Absatzmarktes in einem dichtbevölkerten Landstrich ihre Sorgen, denn die ausländische Konkurrenz ist groß, und selbst auf dem heimischen Markt werden von ihrer Seite wichtige Erzeugnisse in der Preisgestaltung maßgehend beeinflußt, so die Milch vom benachbarten Lothringen her, das Schweinefleisch von Polen und das Getreide von Uebersec. Wirfsftaffeberidife- Wlrfsdiaftslttgen Aufs Lügen versteht sich Göbbels im Allgemeinen recht gut, in dieser Kunst ist er ein Meister— das muß ihm der Gegner lassen. Und nicht nur er versteht es gut, er hat auch seine Presse aufs Lügen gedrillt. Und doch— manchmal hapert es doch, manchmal wollen seine getreuen Pressekulis zu sehr lügen, und dann geht es schief. Hier ein Beispiel. Da bringt der„Völkische Beobachter" vom 5. März auf der ersten Seite triumphierend eine. Meldung unter der Ueber- schrift„Arbeitsmangel auf dem Lande". Da heißt es: Die Erfolge der nationalsozialistischen Arbeits- beschaffungsmaßnahmen können nicht besser illustriert werden, als durch ein Ersuchen, das die Landesbauernschaft Schleswig-Holstein an die Handelskammer Kiel gerichtet hat. Es wird zunächst darum gebeten, anzuordnen, daß landwirtschaftliche Arbeitskräfte nicht in der Industrie Aufnahme findeh. Dann wird betont, daß durch die Beschäftigung zahlreicher Kräfte bei Landgewinnungsarbeiten an der Meeresküste ein Mangel an landwirtschaftlichem Personal einsetze, wie in keinem Jahr bisher. Die Landesbauernschaft stehe im Begriff, in Verbindung mit dem Landesarbeitsamt und dem Arbeitsdienst Abhilfe zu schaffen. Trotzdem würden auch die Handelskammern um Unterstützung gebeten." Und dann folgt direkt im Anschluß daran die folgende Meldung: „Entlassungsverbot verlängert. Der Treuhänder der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Pommern hat die Anordnung über das Entlassungsverbot von landwirtschaftlichen Freiarheitern ohne Ersatzeinstellung bis zum 15. Mai verlängert." Hier Arbeitermangel— dort Entlassungsverhot. Wie reimt sich das zusammen? Wenn Arbeitermaugel besteht, pflegen Wie sich deutsche Firmen sanieren Opel als Beispiel Die jetzt erscheinenden Jahresberichte der deutschen Unternehmen lassen wichtige Rückschlüsse ziehen, inwiefern es der deutschen Industrie möglich war, sich im Verlauf des letzten Jahres auf Kosten ihrer Auslandsgläubiger zu sanieren, und ihren Export zum Teil sogar zu steigern. Der soeben erschienene Bericht der Autofirma Adam Opel AG. für die am 9. April stattfindende Generalversammlung zeigt deutlich, in welchem Maße ihr dies mit Hilfe des „dritten Reiches" gelungen ist. Aus der Bilanz geht hervor, daß die Adam Opel AG. im Jahre 1933 9,45 Millionen RM. Schulden tilgen konnte und ihren Export in der Weise zu steigern vermochte, daß er heute 63 Prozent des gesamten deutschen Autocxportes beträgt, und dies trotz den hohen Zollmauern, die Deutschland umgeben. Dies war, wie aus dem Bericht hervorgeht, nur möglich durch die Stillhalteabkommen mit den Auslandsgläubigern, die Dollarentwertung und die zusätzlichen Exportprämien des Reiches. Die Mittel zu den Exportprämien aber bezieht das Reith zum größten Teil aus dem Rückkauf von Sperr- markguthaben, die es seinen Auslandsgläubigern bis zu 40 Prozent unter dem offiziellen Markkurs abnimmt. Seit Februar 1933 konnte sie ihre Belegschaft von 6672 auf 13 009, um zirka 100 Prozent, erhöhen. Im gleichen Zeitraum stieg die Summe der Lohnstunden um 112 Prozent sie betrug im Februar 1933 850 000 und im Fcbru-r 1934 1 800 000. Das Durchschnittseinkommen pro Kopf ist aber um 22 Prozent gesunken. Es betrug vor einem Jahr 1933 RM. im Februar 1934 aber nur noch 1510 RM. pro Kopf und Jahr, und dies trotz einer Erhöhung der durchschnittlichen Arbeitszeit. Seit der Machtübernahme Hitlers in Deutschland, nimmt das„dritte Reich" jede Gelegenheit wahr, seinen Auslands- gläubigem zu erklären, daß es zwar zahlungswillig, im gegenwärtigen Zeitpunkt aber nicht in der Lage sei, den Verpflichtungen nachzukommen. Es bat ein ganzes System geschaffen, das es ihm ermöglicht, Auslandsschulden mit 40 Prozent unter dem offiziellen Markkurs abzudecken, und zieht daraus die Möglichkeit, seiner Industrie zusätzliche Exportprämien zukommen zu lassen, die letzten Endes seine Auslandsgläubiger bezahlen, und die damit dem„dritten Reich" die Möglichkeit geben nicht nur die deutsche Industrie zu sanieren, sondern auch die Wirkung der Präventiv- und Schutzzölle zum Teil selbst wieder illusorisch zu machen. sowieso keine Entlassungen vorzukommen, auch wenn kein Treuhänder inschreitet. Und Pommern und Schleswig-Holstein sind ja schließlich auch keine verschiedenen Welten. Hier wollte man zweimal schwindeln. Das eine Mal wollte man die„siegreiche Arheitsschlacht" feiern, das zweite Mal wollte man die soziale Gesinnung der Nazis feiern— und man war nicht schlau genug zu merken, daß man sich selber widersprach. Klagen in der Holiindnslrle Reidisbalin Die starke Erhöhung der Rund- und Schnittholzpreise sowie der Preise für zahlreiche andere Stoffe der holzverarbeitenden Industrie wirken sich, nach dem Lagebericht des WirtschaftsVerbandes der Deutschen Holzindustrie, mit Rücksicht auf die Lage des in- und ausländischen Absatzmarktes, die eine entsprechende Erhöhung der Fertigwarenpreise nicht gestattet, sehr nachteilig aus. Es ist ein ausgesprochener Rohstoffmangel eingetreten, so vor allem in trockenem Rund- und Schnittholz, ferner in astreiner Kiefer für die Leisten- und Rundstabherstellung, in Buchenstarkholz und anderen schälfähigen Hölzern. Infolge der hohen Holzzölle ist ein Ausgleich dieser inländischen Holzknappheit durch vermehrte Einfuhr kaum möglich. Die Beschäftigung hat sich in den Berichtsmonaten bei manchen Betrieben weiter gebessert, in anderen Betrieben mußten jedoch auch infolge Absatzmangels Arbeiterentlassungen vorgenommen werden. Namentlich in der Möbelindustrie ist die Beschäftigung vielfach zurückgegangen, was teilweise saisonmäßig bedingt ist, zum Teil auch auf die vorübergehende Anszahlungssperre für Ehestandsdarlehen bis 31. 3. 1934 zurückzuführen ist. Besonders die Qualitätsmöbelindustrie hat nach wie vor über Absatzmangel zu klagen. Man rechnet aber mit der Hereinnahme größerer Aufträge aus Anlaß der Leipziger Frühjahrsmesse. Auch wird in der Möbelindustrie sowie andern mit der Bauwirtschaft zusammenhängenden Zweigen der holzverarbeitenden Industrie mit einer Absatzbelebung gerechnet, falls sich im Frühjahr die Bautätigkeit steigert. Die Holzhausbau- Industrie ist gegenwärtig mit der Herstellung von Baracken für den Arbeitsdienst gut beschäftigt Auch in der 4 er- packungsmittelindustrie haben sich die Ahsatzverhältnisse etwas gebessert. In allen Zweigen der holzverarbeitenden Industrie wird jedoch über die nach wie vor unzureichenden Preise und die im Verhältnis zu den Umsätzen zu hohen Unkosten geklagt, wodurch die Rentabilität der meisten Betriebe in Frage gestellt sei. Die Bestrebungen der Fachverbände, durch eine vernünftige Marktordnung für eine Gesundung der Wirtschaft zu sorgen, können so lange zu keinem durchgreifenden Erfolg führen, als den Fachverbänden nicht die nötigen gesetzlichen Vollmachten gegeben werden, um gegen das wirtschaftsschädliche und eigennützige Treiben der Außenseiter einzuschreiten. Auch der Zahlungseingang läßt zu wünschen übrig. Die Ausfuhrverhältnisse, namentlich in der Möbelindustrie, haben sich durch die einfuhrhemmenden Maßnahmen des Auslandes weiter verschlechtert. Mehr Ausgaben als Einnahmen Die Gesamteinnahmen der Reichsbahn beliefen sich im Januar auf 239,06 Mill RM.(29,3 Mill. mehr als im\ or- jähr. 147,9 Mill. weniger als im Januar 1929.) Davon entfielen auf Personen- und Gepäckverkohr 59,06(plus 2,3 bzw. minus 36,4) Mill. RM. und auf den Güterverkehr 162,66(plus 29,0 bzw. minu« 102) Mill. RM. Die Ausgaben beliefen sich im Januar auf 260,9 Mill. RM., so daß sich gegenüber den Betriebseinnahmen eine Mehrausgabe von 21.9 Mill. RM. ergab. Vorwiegend infolge Einstellung von Dienst an fängern erhöhte sich der Personalstand auf 615 384(Dezember: 613 883). U Wie wohnt das deutsche VolkY Die Zunahme der Wohnungen im deutschen Reichsgebiet war 1933 größer als im vorletzten und seit langer Zeit schlechtesten Jahre, 1932. An 200 000 Wohnungen sind durch Um- und Neubauten errichtet. Das Jahr zuvor waren es 160000. Wie kommt es, daß nach Kriegsende, bei verringerter Volkszahl, der(von der Abnutzung abgesehen) unveränderte Vi ohnraum als völlig unzulänglich empfunden wurde? Warum ist falsch, was unter dem Eindruck der Krisenfolgen behauptet ward: der Wohnungsmangel habe sich unversehens in Ueberschuß verwandelt, es sei schon zuviel gebaut worden?— Die Zahlen der Bevölkerungsbewegung geben Antwort. Bedarf an neuem Wohnraum(Kultur- und Wohlstands Veränderungen ungerechnet) entsteht: Durch allgemeine Volkszunahme. Durch verstärkten Anteil der Erwachsenen an der Gesamtvolkszahl. Durch Verkleinerung, und damit raschere Vermehrung der Haushaltungen. Durch (verhältnismäßig) wachsende Zahl der Eheschlüsse und Ehepaare. Alles das trifft für Deutschland seit vielen Jahrzehnten und auch heute noch zu. Viel schneller als die Gesamtbevölkerung wächst die Menge der Haushaltungen, die Schicht der Verheirateten. Um 1880 waren von hundert Deutschen 32 Eheleute, um 1900 35, um 1910 36, um 1925 41, heute sind es 45. Ein Haushalt bestand um 1860 durchschnittlich aus schätzungsweise 6.5 Personen, um 1900 noch fast aus 5, um 1910 aus 4,5; heute sind es 3,7. Dem entspricht die Zahl der Wohnungen ziemlich genau; sie ist stets etwas kleiner als die der Haushaltungen, etwas größer als die der Ehepaare. Hinzu kommt der Bedarf an Ersatzbauten: er ist, da die erneuerungsbedürftigen Bauten aus einer früheren, wohnungsärmeren Zeit stammen, nur etwa mit 0,8 v. H. der jeweils vorhandenen Wohnungen anzunehmen. Daraus ergibt sich folgendes: Um 1860 kam das heutige Reichsgebiet mit kaum fünf Millionen Wohnungen aus. Um 1910 waren et 12.8 Millionen,' bei Kriegsbeginn(und Kriegsende) 13,8. Während eines Ilalbjahrhunderts wurde somit die Zahl der deutschen Wohnungen um 9 Millionen vergrößert, dazu mehr als 4 Millionen aus Ersatzbauten: zusammen über 13 Millionen, im Jahresdurchschnitt eine Viertelmillion neuer Wohnungen.— Wie wurde das seit 1919? Nach der Zunahme der Ehepaare und Haushaltungen zu rechnen, hätte man von Kriegsbeginn an bis heute mindestens viereinhalb Millionen Wohnungen mehr gebraucht, dazu 2,3 Millionen Ersatz: zusammen 6,8 Millionen. Tatsächlich sind nur ungefähr 3,2 Millionen beigestellt worden, noch nicht die Hälfte dessen, was sonst als normal gegolten hätte. Zwischen den beiden letzten Volkszählungen, 1925 und 1933, nahm die Zahl der Haushaltungen im Jahresdurchschnitt um 300 000 zu, das entspricht einem jährlichen Mehrbedarf von etwa 270 000, einschließlich der Ersatzbauten rund 400 000 Wohnungen. Aber selbst im Jahr der stärksten Bautätigkeit, 1929, wurde diese Zahl nicht erreicht. Künftig wird sich die Zunahme der Haushaltungen, wenn auch langsam, freilich abschwächen. Aber noch bis zum Ende des Jahrzehnts ist der wirkliche Jahresbedarf an neuen Wohnungen(einschließlich des Ersatzes) auf 350 000 zu schätzen, und erst zwischen 1940 und 1950 dürfte er auf durchschnittlich 200 000 sinken.— Wir haben jetzt 16.5 Millionen Wohnungen in Deutschland. Rund 20 Millionen würden vorhanden sein, wenn die Bautätigkeit der Volksentwicklung gefolgt wäre; 4 bis 5 Millionen müßten, nach Auffüllung des Fehlenden, bis zur Jahrhundertmitte hinzukommen. Das ist, wenn alles nachgeholt würde, fast eine halbe Milion neuer Wohnungen im Jahresdurchschnitt. Von einem Mangel an Baunotwendigkeit kann keine Rede sein: notgeilrnngenes Zusammenrücken beweist nichts weiter als eben che Not Das helfil„Aufschwung Ein deutscher Wirtschaftsausschnitt Ein Klagelied singt in ihrem Geschäftsbericht für 1933 die „Union Fabrik chemischer Produkte" in Stettin, also ein Unternehmen, dessen Wirtschaftslage sowohl für die deutsche Ausfuhr wie für die Lage der Landwirtschaft kennzeichnend ist. Die Belebung des Frühjahrsgeschäfts, wie schon 1932 festzustellen war, habe auch 1933 angehalten. Dagegen sei der Herbstabsatz wider Erwarten gegen den des Vorjahrs zurückgeblieben. Als Gründe führt der Bericht verstärkte ausländische Konkurrenz und Errichtung neuer inländischer Superphosphat-Fabrikcn an; das letztere bedeutet, daß unter dem Zwang einer künstlichen Arbeitsbeschaffung um jeden Preis neue Betriebe aus dem Boden gestampft werden, für die kaum Absatz da ist. Der traurige Geschäftsgang hindert die Gesellschaft freilich nicht, auf ihre Vorzugsaktien sechs Prozent Dividende auszuzahlen und bei den Banken ein Guthaben von 1,< 8 Millionen zu unterhalten. Dies dürfte aber, so schließt die Verwaltung ihren Bericht trübselig, nicht darüber hinwegtäuschen, daß es sich im wesentlichen um brachliegendes Kapital handle infolge der noch nicht einmal 50prozentigcn Ausnutzung der sämtlichen Anlagen. Die Aussichten für das laufende Jahr seien nicht mit genügender Bestimmtheit abzuschätzen. Es scheint, daß dieser niederschmetternde Bericht Herrn Göbbels versehentlich nicht zur Zensur vorgelegt worden ist. Sehnsucht nach Ausfuhr In dem Bericht über die HV. der Augshurger Kammgarnspinnerei heißt es: In den Ausführungen der Verwaltung stand die Ausfuhrfrage im Vordergrund. Bei der Augsburger Kammgarnspinnerei habe die Ausfuhr immer eine Rolle gespielt. Im Berichtsjahr sei gegenüber 1931 die Ausfuhr weiterhin auf die Hälfte gesunken. Es sei fraglich, ob das lnlandgeschäft wie 1933 den empfindlichen Exportausfall auch fernerhin decken könne. Der Einfuhrüberschuß im Januar sei tssne Mahnung, der Ausfuhr ein besonders Augenmerk zu widmen. Gelinge es nicht, den entsprechenden Absatz der deutschet Waren auf dem Auslandmarkt wieder zu erobern, dann würden ernstliche Schwierigkeiten in(Vir Aufbringung def Devisen für die Einfuhr der benötigten RohstoPe entstehe» Leinenindustrie ohne Export Berichte der deutschen Leinenindustrie stellen Belebung des Inlandgeschäfts infolge der Moderichtung fest. Ueber die Ausfuhr lauten die Darlegungen pessimistisch. Während noch vor einigen Jahren manche Leinwebereien zum großen Teil für den Export arbeiteten, spielt die Ausfuhr heute fast keine Rolle mehr. Die Leinenproduktion muß daher in der Hauptsache in Deutschland verbraucht werden. Gewisse Hoffnungen für eine Wiederbelebung des Exportes werden an die Entwicklung der Mischgewebe aus Flachs und Kunstseide geknüpft. Hierzu bietet eine Erfindung der Elberfelder Glanzstoffwerke die besten Mittel und die Möglichkeit zu außerordentlich schönen und originellen preiswerten Schöpfungen, AuOcnpoiiMcs Ringen am Oesterreich A. E. I. 0. U.: Austriae est imperare orbi universo Nicht zu reden von dem Mochtzuwachs um ein Zehntel Oesterreich ist berufen, den ganzen Erdkreis zu be- für das Reich, entsprechend 2—3 Armeekorps nach voll- herrschen)— so triumphierten die stolzen Habsburger vor zogener Aufrüstung. Der Anschluß würde aber das Reich 400 Iahren. Sozusagen erbliche Kaiser des Heiligen zum un m i t te l b a r e n Na chb arn von Ungarn, Süd- Römischen Reichs deutscher Nation, mit einer Hausmacht, slawien und Italien machen. In Italien, das sich ja die vom Türkenreich bis zum Oberrhein reichte, mit der nie als leistungsfähige Militärmacht bewiesen hat, geht burgundischen Erbschaft die heutigen Länder Holland, die internationale Sympathie für Faschismus nicht so Belgien und Teile von Frankreich umfaßte, dazu Spanien weit, sich die Grenznachbarschast eines Reichs zu wlln- m!.t seinen wachsenden amerikanischen Besitzungen und schen, das drauf und dran ist, das stärkste aller Kriegs- Eüditalien. Wirklich ein Weltreich, in dem„die Sonne Heere zu schaffen, und das trotz aller amtlichen Friedens- nicht unterging". reden von einem stets wachsenden inneren Kriegseifer Heute raufen Hyäne und Geier um das verwesende verzehrt wird. Um so weniger, da die italienische Gewalt- Aas der Reste des Habsburgerreichs. Der nationale Ge- Herrschaft in D e u t s ch- S ii d t i r o l, auf das Hitler danke als politische Triebkraft, der in England und Frank- allerdings, aber doch nur nlit dem bekannten stillen Vor- reich schon am Ende des Mittelalters eine Macht geworden behalt, verzichtet hat, eine dauernde schwärende Wunde war, gewann in Mittel- und Osteuropa erst im IS. I^hr- des deutschen Volkes bedeutet. Zudem liegt es sehr nahe, hundert wachsende Bedeutung. Er mußte vor allem mit die deutsche Politik auf das A d r i a t i s ch e Meer zu der Uber Nationen aller Stämme herrschenden Dynastie lenken, womit der Gegensatz der beiden Gewaltpolitiker Habsburg in Gegensatz geraten. An ibm ist sie zerbrochen, zum schärfsten Ausdruck käme. Auch Ungarn, dessen Während es der gleichfalls national gemischten, ober reaktionäre und revanchelüsterne Regierung sich heute demokratischen Schweiz gelungen ist, über die sprach- noch zu Italien, als der bisher mächtigsten Nachbarschaft, ltchen Verschiedenheiten hinaus eine gemeinsame Staats- hält, würde durch ein angrenzendes, gleichfalls auf eine gesinnung zu entwickeln, ein Stückchen Paneuropa als Aenderung der Karte Europas hinsteuerndes Deutschland Modell innerhalb einander befehdender Nationalstaaten leicht viel stärker beeinflußt und von Italien abgezogen Zu verwirklichen, hat es die unfähige Politik der öfter- werden. Im Kriegsfall ivürde das auch die Sicher- reichischen„Staatsmänner" trotz der günstigen Bedingung, stellung der deutschen Ernährung bedeuten, die in der gemeinsamen Dynastie und der lange als maß- S ll d f l a w i e n aber, das von Italiens Raubgelüsten gebend anerkannten deutschen Kultur gegeben war, nicht ständig bedroht ist, fürchtet noch mehr die alldeutschen fertig gebracht, die Gegensätze zwischen den Nationen ihres Ausdehnungsziele, die es vornehmlich in Slowenien und Staates zu überbrücken. Den genialen Gedanken der— als Morgengabe eines ungarischen Bündnisses— in Sozialdemokraten Renner und Bauer, einest Einheitsstaat mit weitgehender Länderselbstverwaltung und voller K u l t u r a u t o n o m i e d e r N a t i o n e n zu bilden, konnte diese zerklüftete, nach allen Seiten aus- glPfl/ftf f flPff rpflip KlflrfPB'ilfitfl^PI' U einander strebende Monarchie nicht mehr verwirklichen. ll|g||l,|^f J gH$|, JJiB|i]8 III l|flj|fT| Nachdem 1849 die Möglichkeit verpaßt worden war. in„ ff UOMIlVf* UJaEBSüH"» U\11V1 Sozialistisches Echo der Rede Droqueviiies Die gleichgeschaltete Presse Hitlers jubelt. Sie beglück- wünscht die„klare Erkenntnis" der belgischen Regierung und ihres Ministerpräsidenten. Wir begreifen ihr Glück. Wir kennen noch andere, die zu Ehren Brognevilles illuminieren würden. Das find die R ü st n n g s i n d n st r i e l l e n, die gewissenlose Schakale des Völkermordes. Singt die„Brabanconne" tVelgische Rationalhnmne. Red.), tapfere Belgier. E u r e R egierung h a t e n r c in Mörder ein neues Messer geschenkt! e> Die ebenfalls sozialistische„Volksgazet", Antwerpen, fragt: „Tie Frage, die aus jedermanns Lippen liegt, ist die folgende: Welche fremde N e g i e r u n g hat unserem Ministerpräsidenten eingeblasen, ans diese Art die Politik der K a n o n e n f a b r i k a n t e n zu betreiben? Herr Broquevitle bat halbwegs zu verstehe» gegeben, das, Frankreich mit seiner Auffassung übereinstimmt, aber man darf seine Bersiche- rungen nicht immer für bare Münze nehmen. Aber selbst wenn in Frankreich die Rüstungsindustriellen ihren Standpunkt durchgesetzt haben sollten, so ist das noch kein Grund siir Belgien, die rändigen Auftrüge eines anderen zu be- sorgen." Ideal mit besonderer Wärme gedient. In Mailand per- teidigte er in allen Prozessen, in die Sozialisten verwickelt waren. Im Jahre 1921, als Piecinini verräterisch durch einen Faschisten getötet ivurde, nachts vor der Schwelle seiner Tür, vertrat er seine Partei vor den Geschworenen und forderte und erhielt die Verurteilung des Mörders. Dadurch zog er sich den unversöhnlichen Hast der Schergen zu. Im Jahre 1920 mustte Franeo Eleriei nach Wien fliehen, wo er etwa zwei Jahre lebte. Dort machte er die Bekannt- schaft eines O e st e r r e i ch er s, der sich Sozialdemokrat nannte. 1928 übersiedelte er nach Paris, wo er seinen Wiener Freund wiedertraf, den er mehrfach sah und den er auch mit einigen seiner Freunden bekannt machte. Eines Tages erfuhr der Emigrant aber, dast der Oesterreicher ein Spitzel sei. Eleriei machte seinen Freunden davon Mitteilung und hatte von diesem Tage an das Gefühl, dast der Verdächtige sich an ihm rächen wolle. Gerade am vorigen Samstag sollte Eleriei über den heroischen Kampf der öfter- reichischen Sozialdemokratie in Paris sprechen. Der Polizei wurden diese Spuren angegeben. Franeo Eleriei war seit dem Tode des Sozialistenführers Treves (bei dessen Leichenzug im vorigen Jahre auch reichsdeursche Emigranten mitgingen) Delegierter der italienischen sozial stischen Partei. Deutsche Sorgen Brauner Frack und Smoking Das bayerische W i r t s ch a f t S m i n i st e r i u m hat cur- schieden, dast Frack und T m o k i n g in b r a u n e r Farbe, nach den Entwürfen des Reichsverbandes des Deutschen Tchneidergewerbes ausgeführt, dem Gesetz zum Schutz der nationalen Symbole nicht widersprechen. Der braune Smoking ist z. B. parteiamtlich als Konzertkleidung des Nationalsozialistischen Reichssinfonie Orchesters eingeführt worden. Schulterriemen ^Ter preußische Minister des Innern hat zur Frage des Tragens von Schulterriemen folgenden Runderlast an alte Polizeibehörden gerichtet: In der letzten Zeit haben sich wiederholt Misthelligkeiten dadurch ergeben, dast Mitglieder von Verbänden, die nicht in die NSDAP, eingegliedert sind oder denen sonst keine be- sondere Stellung zuerkannt ist, den Tchnlterrie m e n zu ihrer einheitlichen Kleidung getragen haben. Der Schulte r- riemen must heute als ein Uniformstlick oder Ab zeichen gelten, das die Mitgliedschaft zu einem h i n t e r d e r Regierung der nationalen Erhebung stehen- den Verband kennzeichnet. Das Tragen des Schulter- riemens durch die Mitglieder anderer Verbände ist daher nicht gestattet. Auf Weisung des ReichSministerS des Innern werden dem- gemäß die Polizeibehörden ersticht, hiernach gegen das n n b e f u g t e T r a g e n b e S S ch n l t e r r i e m e n s ein-• zuschreiten. Kroatien-Slawonien und dem Banat bedrohen, zumal im letzteren viele Deutsche angesiedelt sind. Noch weit mehr besteht diese Sorge für die T s ch e ch o- s l o w a k e i. Sie wäre im Anschlußfall zum großen Teil von deutschem Gebiet umschlossen, nur mit einem breiten Grenzstück im Osten frei— aber nach Ungarn hin, das auf den Augenblick lauert, wo es, gleichviel, ob mit Deutschland oder mit Italien im Bunde, die Slowakei, die es Jahrhunderte besessen hat, zurücknehmen kann. Dazu wäre der Druck auf die Nordgrenze und ihre, so- weit sie bürgerlich ist, gleichfalls nationalsozialistisch oer- feuchte deutsche Grenzbevölkerung von 3 Millionen kaum mehr zu ertragen. Auch Rumänien würde die Verstärkung der deut- schen Macht, angesichts seiner deutschen Volksteile, des ungarischen Verlangens nach Siebenbürgen und des seit dem Weltkrieg bekannten alldeutschen Strebens zum Schwarzen Meer, nur höchst widerwillig ertragen. So sehen wir im Augenblick die Kleine Entente mit ihren sonstigen politischen Gegnern in dieser Frage einig. Es fragt sich nur, für wie lange. Wie lange es dauern ivürde, bis es den Berliner Meistern der Intrige und Verhetzung gelingt, den Keil zwischen beide Teile zu treiben, vor allem Ungarn und das gleichfalls auf andere Grenzen bedachte Bulgarien sich anzuschließen. Die über- all zerstreuten deutschen Siedlungsgebiete, früher Träger friedlicher Kulturarbeit, werden unter dem Einfluß der Göbbels-Propaganda zu ebenso vielen Brandherden. Kommt dazu die weitere Gefahr, die sich aus den all- deutschen Gelüsten auf die Ukraine und nach Asien hinüber, aus dem fanatischen Haß der Göring und Rosen- berg gegen S o w j e t r u ß I a n d ergibt, so liegen hier überall Minen, die jeden Augenblick in einem neuen Weltkrieg explodieren können. Sowie Hitler fertig aus- gerüstet hat. Inzwischen hält er Friedensreden und versteht es treff- sich, die Erben einer ehedem durch ihre Klugheit weit- berühmten englischen Diplomatie einzuschläfern. Ihr Erwachen dürfte schrecklich sein. Ekhard. europa hin zu bilden, nachdem 1800 die Verbindung mir Teutschland durch Bismarck zerrissen worden war, wurde Oesterreich-Ungarn immer mehr der Raupe gleich, die von der Wespenlarve— dem reichsfeindlichen Nationalismus — von innen her aufgefressen wurde. Das führte, ver- Kunden mit einer ebenso anmaßenden wie unfähigen Balkanpolitik, schließlich zum Weltkrieg, dessen Opfer in erster Linie dieses Reich wurde. Die Nachbarstaaten Polen, Rumänien und Serbien wurden auf seine Kosten gewaltig vergrößert, die Tschechoslowakei ganz aus seinem Bestand gebildet. Uebrig blieben zwei kleine, durch die Angliede- rung des Burgenlands von Ungarn an Oesterreich noch unter sich gegensätzliche Staaten. Oesterreich insbesondere als ein wirtschaftlich lebensunfähiges Bruchstück. Sosort nach dem Zusammenbruch hatte Oesterreich, zu dem sich auch das Deutschtum der Tschechoslowakischen Republik bekannte, den Anschluß an die neue deutsche Republik vorbereitet. Deren Verfassung sah schon den Anschluß ausdrücklich vor, mußte aber auf Verlangen der Siegerstaaten in diesem Punkte geändert werden, wüh- rend das Selbstbestimmungsrecht der böhmischen Deutschen durch tschechische Waffengewalt unterdrückt wurde. Eine freie Probeabstimmung im Lande Salzburg ergab- 1919 eine Mehrheit von etwa 99 Prozent für den Anschluß. Dessen gewaltsame Verhinderung war eine der Haupt- wurzeln, aus denen der fanatische Nationalismus in beiden Ländern immer neue Kraft saugen konnte. Selbst der Name„Deutsch- Oesterreich" mußte auf Verlangen der Entente geändert werden— immer im Namen einer „Unabhängigkeit", die gegenüber dem Anschlußwillen weitester Volkskreise— neben den Großdeutschen vor allem der weit stärkeren Sozialdemokratie' nur der reak- tionär-monarchistische Flügel der Chrisllichsozialen war dagegen— in Wahrheit volle, erzwungene Abhängigkeit von der anderen Seite bedeutete. Aehnlich wie im^>a a r- gebiet waren nur einige bürgerliche Kreise gegen den Anschluß ans Reich, die breite Volksmasse aber unerschut- terlich deutsch und reichstreu. ,.. Aber wie im Saargebiet hat sich das Verhältnis auch in Oesterreich geändert, als im„Nationalsozialismus" eine verbrcchenbesudelte, reaktionäre und höchst kriegslüsterne Bandenherrschaft sich des Reiches bemächtigte. Jetzt lehnte die Sozialdemokratie(nach der letzten Wahl 43 Prozent des Volkes) ebenso wie die gesamte christlichsoziale und die Bauernpartei den Anschluß ab: reichlich sieben Achtel des österreichischen Volkes, die freilich durch die reaktionäre Gewaltherrschaft der Dollfuß und Starhemberg mehr und mehr vermindert wurden. Heute, nach der brutalen Niederwerfung der Arbeiterbewegung, wird wohl die Mehrheit der noch politisch berechtigten und politisch tätigen Volksteile auf der Hitler-Seite stehen, während die klerikal-monarchistische Reaktion in der Hauptsache nur noch von ausländischen Mächten gestutzt wird. Natürlich aus Gründen, die mit den Interessen des österreichischen Volkes und seiner„Unabhängigkeit" gar nichts zu tun haben Ebensowenig wie die Anschluhvolitik der Nazis mit dem wirklichen Volkswillen und mit deutscher Kultur. Vielmehr handelt es sich auf beiden Seiten um große weltpolitische und militärische Interessen. Der An» schlich, der in der ersten Zeit einer abgerüsteten, erfüllungsbereiten und friedlichen deutschen Republik eine edle Demonstration der Siegermachte bedeutet und damit neue Friedenssicherheit gebracht hatte, i)t jetzt eine Frage weltpolitischer Strebungen geworden, die neue Weltkriege — man weiß nur noch nicht, zwischen welchen Staaten- gruppierungen— im Schöße tragen. Ist es wirklich nur Eigensinn und nationaler Eifer, der den fanatischen Kampf H si lersu ind e n-'Brud e> stamm beseelt? lieber die Bruchigkeit des Unabhangigkeits- Idealismus der Gegenseite die-n'hrenR^ uberall Völker und Volksplitter unterdruckt, brauchen wir ja kein Wart weiter zu verlieren. Es sind auf beiden Seiten viel- mehr sehr reale, wirtschaftliche und Macht,nteressen, die den Antrieb geben.., Zu der Rede des belgischen Premierministers im Senat schreibt der sozialistische„Voruit"(Gent): Tie Erklärungen Brognevilles haben im ganzen Land begreifliche Erregung hervorgerufen. Was die öffentliche Meinung am meisten verletzt und mit Univillen erfüllt, ist die brutale Tatsache, dast das Opfer des deutschen Ueberfalls von 1914 denselben Bedrückern die Waffen in die Hand gibt, ilin morgen das gleiche Spiel zu beginnen. Es ist da etwas, was gegen den einfachen gesunden Menschenverstand verstößt und wogegen kein einziger Kniff der Herren Broqueville oder Hymans verfängt: während man in allen Tonarten das belgische Volk vor der deutschen Gefahr warnt, während man mit bombastischen Worten er- klärt, dast Belgien sich gegen Deutschland in Verteidigungs- zustand setzen muß, und während hierfür dem Lande eine Last von mehr alS einer Milliarde auferlegt wird, verteidigt der Ministerpräsident des gleichen Belgiens den Standpunkt, dast man Deutschland zugestehen müsse, wieder aufzurüsten, was mit anderen Worten heißt, dast man es Teutschland aufs neue ermöglichen müsse, Belgien zu über- fallen! Griechischer Braunhuchprozeß Protest des deutschen Gesandten Athen, den 13. März 1934. Morgen wird der zweite Strafsenat des Athener Gerichts in einem Sensationsprozest gegen den Publizisten Karvounis verhandeln. Ter angesehene Mitarbeiter der Zeitungen „Proia" und„Estia" wurde auf Veranlassung der Staats- anwaltschatt wegen eines eigenartigen Deliktes angeklagt. Er hat ein Vorwort zu der griechischen Ausgabe des Braun- buches geschrieben!— Die griechische Oesfentlichkeit ist über die Gründe der sonderbaren Anklage im Klaren. Ans Veranlassung des deutschen Auswärtigen Amtes sprach dieser Tage der deutsche Gesandte zu Athen mit Erfolg im Ministerialpräsidium und im Justizministerium vor. um eine Protesterklärung gegen die Verbreitung des Braunbuches in Griechenland abzu- gebe». Wenige Tage nach dem Besuch wurde das Braunbuch in Griechenland verboten und die fertigen Eremplare in der Druckerei beschlagnahmt. Gleichzeitig hat Karvounis eine Vorladung wegen Herstellung und Verbreitung aufrühre- uscher Literatur erhalten. Das hellenische Komitee für die Opfer des HitlerfaschiSmus protestiert öffentlich gegen diese Maßnahme, die nach Ansicht aller fortschrittlichen und intel- lektnellen Kreise einen Liebesdienst an der blutbesudelten faschistischen Diktatur in Deutschland bedeutet.— Ter Karvounis Prozeß wird daher zu einer bedeutsamen Affäre zwischen den antifaschistischen Kräften und den dunklen Drahtziehern der Hitlerdiktatnr in der griechischen Politik. Auf Veranlassung des Vorsitzenden des internationialen Hilfskomitees für die Opfer des Hitlersaschismus, Lord Marlen, hat eine Grupve englischer Oberhaus- und Parka- mentsmitglieder bereits ein Protesttleegramm an das griechische Außenminister!»«« gesandt. Das Internationale Hilfskomitee in Paris, die internatio- nale Liga aeae» Antisemitismus und zahlreiche pazifistische und antifaschistische Organisationen haben Telegramme an die Athener Regierung gerichtet, in denen im Hinblick auf die außerordentlichen Verdienste des Braunbuches bei der Aufklärung des Reichstagsbrandes die Aushebung deS Verbots des Buchs und die sofortige Freilassung des Ionr- nalisten Karvounis gefordert wird. Clericl Das Attentat gegen den italienischen Emigranten Die Pariser Polizei geht in der Untersuchung des Attentat? aus de» italienischen Emigranten Eleriei osscnbar zwei Spuren nach: einerseits der LiebeSaiäre, deren Opfer der frühere Mailänder Rechtsanwalt und jetzige Teidenvertreter gewesen sein soll, andererseits dem Indiz eines politischen Mordes. Eine Privatuntersuchiing hat der„Populaire" geführt. DaS Blatt meldet, dost Eleriei da? Opfer eines faschistischen Attentates geworden sei. Eleriei hat dem ,o»iallstischen ^Deutsche Stimmen• föeilage sin deutschen Freiheit"• Ereignisse und Oes dklc Med Freitag, den 16. Marz ISS» »M MMMMDWMMDIWW Bas kirnte, JCleid Van JJiamas TJlann Wir veröffentlichen ein Kapitel aus dem aweiten Band des Joseph-Romans von Thomas Mann, der bei S. Fischer(Berlin) demnächst erscheint. Nicht, wie vorgesehen, zu den Erntearbeitern, sondern schon zur Nacht des Frühjahrsvollmondes kehrten die Lea- Söhne Hals über Kopf von den Weiden Schekems nach Hebron zurück. Sie kamen angeblich, um das Fesach Schaf mit dem Vater zu essen und mit ihm den Mond zu beobachten, in Wirklichkeit aber, weil sie eine aufregende, alle Brüder nahe angehende Nachricht empfangen hatten, von deren Wahrheit sie sich unbedingt sofort an Ort und Stelle mit eigenen Augen überzeugen mußten, ob nun etwas daran zu ändern war oder nicht. Die Sache war dermaßen wichtig und erschreckend, daß die Söhne der Mägde nichts Eiligeres zu tun gehabt hatten, als einen der Ihren abzuordnen und ihm die viertägige Reise von Hebron nach Schekem zuzumuten, nur damit er den Fernen die Kunde bringe. Selbstverständlich hatte man Naphtali, den Geläufigen, mit der Botschaft betraut. Im Grunde war es, die Schnelligkeit angehend, ganz gleichgültig, wer reist. Auch Naphtali ritt zu Esel, und ob ein Paar langer oder kurzer Beine an den Seiten des Esels herunterhing, machte, genau genommen, nichts aus: der Weg nahm jedenfalls ungefähr vier Tage in Anspruch. Aber Naphtali, Bilhas Sohn, war es nun einmal, mit dessen Person die Vorstellung der Geläufigkeit verbunden war; die Rolle des Boten war nach feststehender Gebereinkunft die seine; und da auch seine Zunge geläufig war, so traf schon zu, daß wenigstens im letzten Augenblick die Brüder durch ihn den Sachverhalt etwas schneller erfahren würden als durch einen anderen. Was war geschehen? Jaakob hatte dem Joseph ein Geschenk gemacht. Das war nichts Neues. Dem„Lamm", dem„Reis", dem „Himmelsknaben", dem„Sohn der Jungfrau", oder wie die eigensinnig gefühlvollen väterlichen Bezeichnungen für den Steineleser nun lauteten, war von jeher unter der Hand an Sondergaben und zärtlichen Aufmerksamkeiten, an Leckereien, hübschen Töpferstücken, Huldsteinen, Purpurschnüren, Skarabäen dies und jenes zugekommen, was dann die Brüder mit finsteren Brauen in seinem lässigen Besitz sahen und um was sie sich verkürzt fanden; an Ungerechtigkeit, eine grundsätzliche und fast lehrhaft betonte Ungerechtigkeit, hatten sie Muße gehabt, sich zu gewöhnen. Dies aber war ein Geschenk von aufschreckender Art und eines, wie zu befürchten stand, entscheidenden Sinnes; es bedeutete einen Stoß vor den Kopf für sie alle. Hier ist der Hergang. Es war Zeltwetter, die Spätregen waren in Gange gekommen. Jaakob hatte sich nachmittags in sein„härenes Haus" zurückgezogen, dessen verfilztes Gewebe, schwarz, mit Ziegenhaar, über neun feste Staugen gespannt und mit starken Seilen an den gerammten Pflöcken befestigt, vollkommenen und sicheren Schutz vor der Segensnässe bot. Es war das größte der ziemlich weit verteilten Siedlung, und als reicher Mann, der darauf hielt, den Frauen ein eigenes Obdach zu bieten, bewohnte der Herr es allein, obgleich es durch ein an den mittleren Pfählen von vorn nach hinten durchgezogenes Gehänge in zwei Räume geteilt war. Der eine diente als Privatmagazin und Vorratskammer: Kamelsättel und-taschen, unbenutzte Teppiche in gerolltem und zusammengelegtem Zustande, Handmühlen und anderes Gerät lagen umher, und Schläuche mit Getreide, Butter, Trinkwasser und aus eingeweichten Datteln gekeltertem Palmwein waren aufgehängt. Die andere Abteilung war der Wohnraum des Gesegneten und zeigte im Verhältnis zu.der halbbeduinisch lockeren Lebensform, an der er festhielt, viel Wohnlichkeit. Jaakob brauchte diese. Seine Ablehnung weichlicher Bindung durchs Städtische hinderte nicht, daß er einiges Behagens bedurfte, wenn er sich zu Betrachtung und denkerischer Gottesarbeit vor der Welt in sein Eigenstes zurückzog. Auf der Vorderseite in Manneshöhe offen, war das Gemach am Boden mit Filz und darüber noch mit Teppichen in Buntwirkarbeit warm bedeckt, von denen andere sogar die Wandgehänge überkleideten. Ein Bettlager, mit Decken und Kissen belegt, aus Zedernholz, stand auf erzenen Füßen im Hintergrunde. Mehrere Tonlampen auf verzierten Untersätzen, flache Schalen piit kurzen Schnauzen für die Dochte, brannten hier immer, denn armselig und einem Gesegneten nicht anständig wäre es gewesen, im Dunklen zu schlafen, und auch bei Tage unterhielt die Bedienung immer das Del, damit nicht eine Redensart, die schlimmen Untersinn hatte, auch nur im eigentlichen Sinn anwendbar würde und man nicht sagen könne, Jaakobs Lampe sei erloschen. Bemalte Henkelkrüge aus Kalkstein standen auf dem flachen Deckel einer Truhe aus Sykomorenholz, deren Wände mit blau glasierten Toneinlagen geschmückt waren. Der Deckel einer anderen, geschnitzten und beschriebenen Truhe auf hohen Beinen dagegen war gewölbt. Es fehlte nicht an einem glühenden Kohlenbecken im Winkel, da Jaakob zum Frösteln neigte. Stuhlhocker waren vorhanden, dienten aber selten zum Sitzen, sondern vielmehr zum Abstellen von Gebrauchsdingen: ein kleiner Räucherturm stand auf einem, aus dessen fensterartigen Oeffnungen feine, nach Zimt, Styraxgummi und Gal- banum duftende Rauchwolken hervorkräuselten: ein anderer trug einen Gegenstand, der von der Wohlhabenheit des Besitzers zeugte: ein wertvolles kunstgewerbliches Gerät phöni- zischer Herkunft, golden, eine flache Schale auf zierlichem Untergestell, das dort, wo man es mit der Hand umfaßte, eine musizierende Frauenfigur zeigte. Jaakob selbst paß mit Joseph in der Nähe des Eingangs auf Polstern an einem niedrigen Taburett, auf dessen gravierter Bronzeplatte das Brettspiel aufgeschlagen war. Er hatte den Sohn zu diesem Zeitvertreib, bei dem früher Rahel seine Gegenspielerin gewesen war, zu sich gerufen. Draußen rauschte auf Oelbäume, Busch und Stein der Regen nieder, der nach Gottes Gnade dem Korn des Tales die Feuchtigkeit verlieh, die es brauchte, um die Sonne des Frühsommers bis zum Schnitt zu ertragen. Der Wind klapperte leicht mit den Holzringen am Zeltdach, an denen die Spannseile befestigt waren. Joseph ließ den Vater im Spiele gewinnen. Er war absichtlich ins Feld„Böser Blick" geraten und dadurch so in Rückstand und Nachteil gekommen, daß Jaakob, zu seiner angenehmen Ueberraschung— denn er hatte mit großer Unaufmerksamkeit gespielt— ihn schließlich schlug. Er gestand seine Zerstreutheit ein, und daß das Glück mehr Anteil an diesem Ende gehabt habe als sein Scharfsinn. „Wärest du nicht so zeitig zu Falle gekommen, Kind," sagte er,„so hätte ich notwendig unterliegen müssen, denn meine Gedanken schweiften ab, und ich habe schwere Fehler begangen, du aber hast sinnreich gezogen und nichts versäumt, dein Mißgeschick wieder gutzumachen. Deine Art zu spielen erinnert sehr an Mamis, die mich so oft in die Enge trieb. Sowohl ihre Art, beim Nachdenken den kleinen Finger zu beißen, wie auch gewisse Listen und Kunstgriffe, die sie liebte, erkenne ich zu meiner Rührung bei dir wieder." „Was hilft's?" antwortete Joseph und reckte sich, indem er den Kopf zurücklegte, einen Arm zur Seite streckte und den anderen zur Schulter bog.„Der Ausgang spricht gegen mich- Da das Väterchen obsiegte bei zerstreuten Gedanken, wie wäre es dem Kind erst ergangen, hätte es deine volle Aufmerksamkeit gegen sich gehabt? Der Gang wäre rasch zu Ende gewesen." Jaakob lächelte.„Meine Erfahrung," sagte er,„ist die ältere und meine Schule die beste, denn schon als Knabe habe ich mit Jizchak gespielt, deinem Großvater meinerseits, und später gar oft mit Laban, deinem Großvater von Seiten der Liebliehen, im Lande Naharajim. jenseits der Wasser, der ebenfals ein Spieler von zäher Ueberlegung war." 3ilaqe des£adeeclaums Ich zornsinge wie der sterbende Schwan Meine Wutklage in diese Nacht, Welche, statt Sonnenlichts, die brutale Macht Ausbreiten und Wahrheit verdrängt durch Wahn. War ich edler Lorbeerbaum Nicht des Ruhmes grünster Traum? In Schweinefressen Habt ihr mich vergessen. Mit meinen Blättern habt ihr Stirnen gekrönt. Deren jede den Ruhm verhöhnt. Europa, blödes Tirol, worin ich verwildre! Wie muß ich seufzen, wenn ich euch schildre. Welche Häupter ich hier ziere, Deren Schädel, gefüllt mit alldeutschem Biere, Nie andern Appeal erlebt als den von Sex—. Ich bin(wie der Jude) asiatisches Gewächs, Aber(wie mit dem Juden?) wär's heut mit mir ex? Müssen meine Ruhmestage verbleichen? Lieber diente ich nur gegen Fliegenplage Oder balsamierte nur Leichen, Als daß der German Harthaupt und Hannsheinzalraune Midi mißbrauchen zum heis'ren Klang ihrer Ruhmesposaune; Als daß ein Renn mich binde an seinen eitelen Schwanz, Und die Jobste mich schwenken in ihrem dummen Tanz. Meinen bittren Duft, meine ätherischen Oele Verbrauch' ich in der Hitlerschen Trauerhöhle, In der der relativistische Ruhm Rassisch durchsudelt das Menschentum. Zur Klosettbürste habt ihr meine Zweige gewunden. Für ar'sche Marsyasse. von Apoll geschunden Aber ich bin kein genordeter Arier, Bin Asiat«, südlicher Vegetarier Mit Geistesekel vor eurem berühmt strammen Fleisch, Das ihr umwertet zum Geist mit Lügengekreisch. Mitten in eure stinkigen Ruhmesflammen Brause ich:— Ruhm, Juda und Geist gehören zusammen. Ruhm krönt mit Lorbeer keinen Antisemiten. Pöbelruhm verwechselt ihr mit Ruhm, sterbliche Banditen. Juda gebar eure tiefste Kultur, Und eure Barbarei heilt Juda nur— Was ist euer Kant— und wenn ihr mich steinigt— Als Moses, durch Marcus, den Juden, gereinigt! Ernst Marcus rektifiziert(alles andre ist Stuß) Den jüdisch-christlichen Spiritus. Der Lorbeer winkt Kant durch Juda und Marcus erst jetzo, Und eure Arierkultur war nur schmutziges Intermezzo. Dann erst ist gesorgt, daß der Lorbeerbaum in den Himmel wachse, Zum Sternenruhmbaum erblüh', um den(besser als um Ygdrasil) als Achse Die Erde rotiert in der Sonne Strahlen, Und— statt eures albernen Ruhmes Prahlen— Mein Lorbeer die Menschheit krönt vom Pescheräh bis zum Germanen, Der im Judentum sucht seines Geistes Ahnen:— Es wölbt sich der Kultur triomphalis arcus Von Moses über Spinoza zu Kant-Marcus, Qh nordischer Christenmensch, du sollst mich nicht länger benutzen, Um meinen Kranz mit gemeiner Stirn zu beschmutzen! Ich zornsinge(wie der sterbende Schwan) Meine Wutklage in diese Nacht, Welche, statt Sonnenlichts, die brutale Macht Ausbreitet und Wahrheit verdrängt durch Wahn. My Mona, Itaqen an einen Kapitalisten Wenn du stolz durch Vestibüle wandelst, Wenn du selbstbewußt dein Scheckbuch ziehst, Wenn du im Privatkontor verhandelst Oder in ein Luxusbad entfliehst. Wenn du eine Limousine steuerst, Wenn im Frack du vor dem Spiegel stehst Wenn du mit Champagner dich befeuerst Oder zu der„teuren" Freundin gehst. Stören da nicht manchmal die Gedanken An der armen Brüder Erdenleid, An die Schwestern, die vor Hunger wanken, Deine satte Selbstzufriedenheit? Fühlst du nicht, daß deine Prunkgemächer Eine dunkle Räuberhöhle sind? Zitterst du nicht manchmal vor dem Rächer Oder bist du wirklich taub und blind?— Du bist einer von den frechen Dieben, Die ein Schurkenstaat vor Strafe schützt, Die ein„Recht", das sie sich selbst geschrieben. Wirkungsvoll beim Stehlen unterstützt. Die mit Polizisten und Soldaten Gegen die beraubten Opfer zielen Und vor Gott, den täglich sie verraten, '-«rhönen Kirchen knien. H o r a t i o- „Bas ist det 7 Hensch" Roman von Andree Malraux Ein Dichter des jungen Frankreich hat die offizielle Bestätigung seines Werks und verdienten leuchtenden Ruhm gefunden: Andree Malraux, dessen Roman„La condition humaine" mit dem„Prix Goncourt", der bedeutendsten französischen Literaturauszeichnung, gekrönt wurde.„La condition humaine"—„Das ist der Mensch", erscheint im April 1934 im Europa-Verlag, Zürich, der damit der zeitgenössischen deutschen Lesergemeinde ein Werk in die Hände gibt, in dem— für die französische Literatur erstmalig— der großartige Versuch gewagt und eindeutig entschieden wird, Analyse und Tat, bisher als entgegengesetzte Pole gewertet, in einem Atem zu bannen. Malraux zeigt mit aller notwendigen Klarheit, daß eine gutgewählte Handlung, spannend, und bis zum erregenden Ende geführt, die geistige Wahrheit am tiefsten enthüllt.„La condition humaine" spielt in Shanghai im Frühjahr 1927, zur Zeit der proletarischen Aufstände in„jenem Volk der Geschwüre, der Tuberkulose und des Hungers". Wesentlicher als dieser Hintergrund, der bewegt ist wie ein Film, ist die Art, wie jede Figur, die an seinem Geschehen teilnimmt, in dieses eintritt. Keine und keines ist nicht wichtig genug, ganz gleich, ob es sich um den mitleidlosen Terroristen Tschen oder um den berauschten Theoretiker Gisoß handelt. Es bleibt schwer, Malraux zu erklären: er ist Revolutionär, und doch bewegt er zuerst und am innigsten als Dichter. Mit wie viel Zartheit ist die Liebe Kyos zu May gleichsam in duftigen Aquarelltönen gemalt; wie herbinnig ersteht Katows Händedruck an dem Kameranden, den er tötet, um ihn zu retten. Malraux analysiert; aber sein Genie trägt ihn fort zu Synthesen und Mythen; er ist skeptisch, und besingt doch die Tat, die Herausforderung, letzten Endes den Glauben. Sein Werk möchte man als die Erneuerung des tragischen Willens, oder als die kritische Tragödie des Willens betrachten, geschrieben von einem Vertreter des geistigen Frankreich, den kennen und schätzen zu lernen erregendes Zeiterlebnis sein wird. Albert Ehrisma n n- Jähst als Auslandspeapaqandist Der entlassene Dramaturg des Staatstheaters Hanns Joh^t hielt in Kopenhagen und Stockholm Vorträge über„Deutsche Dichtung", worüber der„Völkische Beobachter" sich berichten läßt:„Gerade, weil er sich dessen bewußt sei, daß die Unkenntnis des Auslandes auch heute noch die kulturpolitischen Repräsentanten des neuen Deutschlands als ungeschlachte Grobiane und rücksichtslose Antisemiten betrachte, die statt mit dem Füllfederhalter zu schreiben ein germanisches Schwert in nur rote Tinte tauchten, müsse und wolle er— Hanns Jobst— zur Förderung des gegenseitigen Verständnisses alles vermeiden, was diesem Verständnis hinderlich wäre." Von diesem Grundsatz ausgehend, hat der Nazipropagandist Jobst es für zweckmäßig gehalten, die berüchtigte Pogromszene aus seinen„Propheten" nicht vorzulesen. Zeit=7lati i'+. ic-x:■•-v.::;m üöc hindert ist und er in diesem Amte nicht entbehrt werden kann. Für Beförderungen nationaler Kämpfer gilt nicht die Altersgrenze von 60 Jahren. Arbeiter, die bevorzugt aus der Ncbenliste in die Anwärte.ltste übernommen werden, können auch innerhalb der Anwärterliste bevorzugt angestellt werden. Eignung vorausgesetzt, können A n g e- stellt« in die nächst höhere Vergütungsgruppe übernom- men werde». Die Souderbcstimmungen gelten auch lur solche Eisenbahner, die erst nach dem 30. Januar 1933 in den Reichsbahndienst eingestellt stnd! Witze strafbar WWW Auch ein Stimmungszeichen Die Polizeidirektion Gotha weist daraus hin, daß jeder, der sich herabwürdigende Aeußerungcn über Mitglieder der Regierung oder über Führer der nationalsozialistisch^» Bewegung in Form sogenannter Witze erlaube, gerichtliche Bestrafung zu gewärtigen habe. Ahnungen der Kriegsopfer „Der Dank des Vaterlandes ist euch gewiß" In deutschen Zeitungen liest man: Es wird das Gerücht verbreitet, daß da» kommend« Heereöversorgungsgefej, Rcntenkiirzungen und-entziehungcu bringen werde. Das neue Gesetz wird zur Zeit bei den in Frage kommende^ Re- gierungsstcllen bearbeitet: solange es also nicht unserer i.r- ganiiation zur Begutachtung vorliegt, kann von irgend- welchen geplanten Maßnahmen insbesondere von bevor- stehenden Kürzungen nickt gesprochen werden. Es handelt stch hier sicherlich um unverantwortliche c-chwatzcr, die an- scheinend nichts Besseres zu tun haben. Derartigen Gerüchten ist entgegenzutreten und die Verbreiter stnd zu melden an die zuständigen Stellen der NSKOV. Deutscher Gruß nur für Deutsche Der R e ichs m i n> ster sii r V olksan f kl ä r ung und Propaganda nimmt Anlaß, daraus Hinzuweisen, daßweutsche Firmen tn ihrem Schrittwechsel mit ausländischen Häusern eS vermeiden sollten, sich alo Grußsorm des„H e I l H i t l e r zu bedienen. 'resident des neuen sozialistischen Londoner Stadtrats Snell. der frühere Unterstaatssekretär sjtr Indien, zum Präsidenten des neuen Londoner Stadtrate» ge- der zum erst n ül'» der Geschichte dieser volk- n Stadt der Welt ein- sozialistische Mehrheit aufweist. Der RerentlOwe gegen den Papst immer sfflrmlsdiere Angriffe-„Die deutschen Katholiken warten" Das Organ der Heiben-Germanen, gesammelt in der „Deutschen Glaubensbewegung", heißt„R e i ch S w a r t". In dieser Zeitung, in der der nationalsozialistische Reichstags- abgeordnete Graf Reventlow federführend ist, wird eine täglich wildere Hetze gegen Katholizismus und Papsttum ent- faltet. Am 11. März übergipfelt das Blatt alles bisher Dagewesene. Es schreibt zu der Nachricht, daß Kardinal Faulhaber zum Kardinal-Legaten ernannt werden solle, wörtlich:„Der als Deutscher geborene Kardinal würde, damit alS Vertreter der Kurie bei einem ausländischen Diplo- maten geworden sein, der auch außeramtlich mit Deutschland nichts zu tun hätte, sondern alles Deutsche als Ausland an- zusehen hätte. Ihm müßte deutsche Zwietrachr und Spaltung als ein kirchenpolitisches Ziel erscheinen und demnach von ihm erstrebt werden." Hier wird also mehr offen gesagt, daß Faulhaber im Auf- trage des Papstes in Deutschland Sabotage zu treiben hat. In einem zweiten Artikel gegen Faulhaber wird diesem vor- geworfen, er habe sich für die Feinde seines deutschen Voter- lande» eingesetzt. Begründung: Weil er während des Krieges gegen die Störung französischer ZivilgotteSdienste und Haussuchungen deutscher Soldaten in französischen Kirchen entschieden Vorstellungen erhob. Zum Schluß wird die Entfernung FaulhaberS von seinem Posten gefordert. Gelbst die gleichgeschaltete„Saarbrücker Landeszeitung" ist in Heller Empörung. Eine solche Hetze gegen den Papst und einen der hervorragendsten Kirchensürsten werde von den Katholiken in ihrer großen Mehrheit als untragbar empfunden.„Der ReichSwart" trägt am Kopse das natio- nalsozialistische Abzeichen. Da wird für ihn wohl auch die Rosenbergsche Weisung gelten müssen:„D i e deutschen Katholiken warten auf ange- messene Maßnahmen gegen diesen beruf- lichen Störer de» religiösen Friedens." Wer ist der Störer? Der„ReichSwart"? Rosenberg? Die Fassung des katholischen Blatte» ist etwa» zweideutig. Jeder weiß— auch die Katholiken wissen eS—. daß der Appell an Rosenberg, den Kultursiegelbewahrer deS„dritten Reiches", in katholischen Dingen ergebnislos wäre: Denn r» gibt neben Reventlow keinen wilderen Hasser des Katholizismus und des Papsttums als ihn. Die Polemik wird schärfer Der Kampf um die katholischen Jugendorganisationen tritt ins akute Stadium Aus einer Kundgebung i n Esten erklärt« der Reich»- jugendstthrer Baldnr von Tchirach, baß die Hitlerjugend nicht daran denke, vor den katholischen Jugendorganisationen Halt zu machen. Die „Saarbrltcker Landeszeitung" sagt dazu/ daß die Art, wie Tchirach dies« Frage anfasse,„denkbar ungeschickt" sei. Für die Frage der katholischen Jugenderziehung hätten proiestan-. tische Kreise mehr Verständnis als Herr vou Schirach, „aiich wenn sie die» weniger betonten". In dem gleichen Blatte findet man einen Leitartikel, der sich erneut mit der„Deutschen Glaubensbewegung" auseinandersetzt. In welchen Formen sich diese Auseinander- setzung abspielt, dafür als Beleg nur einen einzigen Satz: „Wie soll auch nur von Mensch zu Mensch eine Achtung der gegenseitigen lleberzeugungen möglich sein, wenn der eine von anderen behauptet, wie das die Anhänger der Glaubens- bewegnng gegenüber den Ehristen aller Lager tun. er sei ein Verd erber der indogermanischen Rasse- werte und demgemäß«!» Schädling des Volks- tumS? Zn einer solchen Auffassung kann man freilich auch nur von einem Standpunkt kommen, der Rasseprinzipien willkürlich aus daö rein geistige Gebiet des Glaubenslebens überträgt, und der dem Christentum in der.Diskussion ein Grsich' gibt, wie e» in dieser Verzerrung in Wirklichkeit ni'vei'k» existiert." Katholischer Protest Gegen Hitlerjugend und BdM. Die katholischen Ttadtpsarrcreien von Ulm und Neu Ulm erheben in ihrem Kirchenblatt Einspruch dagegen, daß die„Hitler-Jugend". der„Bund Deutscher Mädels" und die eingegliederte„TB.-Jugend" am Sonntag geschloffen, einschließlich der katholischen Mitglieder, zum Gottesdienst ins Ulmer Münster, also in die e v a n- ge lisch« Kirche geführt worden seien. Darin liegt eine Verletzung verbriefter Rechte der katholischen Kirche. Ihren wörtlich! Verkaufs verbot gegen Faulhaber Die gleichgeschaltete„Saarbrücker Landcszeitung" stellt in ihrer Nummer vom Dienstag, dem 13. März, folgende wehmütige Betrachtung an: „Die„Neue Pfälzische Landeszeitung" berichtet: Die Fach- schaft der Freiburger Buchhändler hat sich auf die Borstel- lungen der Freiburger Hitlerfugend in einer ehrenwörtlichcn Erklärung verpflichtet, das Buch des Kardinals Faulhaber „Judentum, Christentum und Germanentum" nicht mehr zu verkaufen und die etwa noch vorhandenen Vorräte sofort an den Verlag zurückzuschicken." Diese offensichtlichen terroristischen Drohungen gegenüber konfessionellen Vereinigungen sprechen eine beredte Sprache. Es kann keinen Zweifel darüber geben, daß für alle Regungen religiöser Glaubens- und Handlungsfreiheit die letzte Stunde geschlagen hat und diejenigen Katholiken, die sich von der„Gleichschaltung" neue Jmnulse kür ihre Reli- gionßgemeinschaften versprachen, schmählich enttäuscht worden sind. Sphärenmusik für„konfessionellen Frieden" Eine kennzeichnende Neuorganisation hat im Rahmen der nationalsozialistischen Partei stattgesunden. Der Stellvcr- treter Hitlers, Rudolf Heß, hat bei der Reichsleitung der NSDPA. eine„Abteilung für kulturellen Frieden" ge- schaffen. Zu ihrem Leiter wurde der Pg. Hermann von Detten berufen. Von Detten gehörte bisher zu der„Arbeitsgemein- schaft katholischer Deutscher", die von dem Vizekanzler von Papen in» Leben gerufen worden war und ursprünglich als Sturmbock von rechts gegen das Zentrum diente. Diese Organisation ist im rein nationalsozialistischen Staat ziem- lich überflüssig geworden. Die Schassung einer eigenen Abteilung mit dem etwas sonderbaren Namen„kür kulturellen Frieden" zeigt indessen, wie gefährdet ein solcher Frieden im gegenwärtigen Deutschland offenbar Ist. Die von uns an anderer Stelle wieder- gegebene Rede des ReichsjugendsührerS Baldur von Tchirach war ein neues Zeichen kür die ungewöhnliche Spannung zwischen der Reichsregierung und dem Vatikan. Außerdem wurde der Pg. Stenger zum Leiter des„Per- bindunqsstnbeSi" zwischen NSDAP, und Reichsregierung und 'der Pg. Ludoviei zum Beauftragten sijr SiedlilNsisfragc» er- nannr.'-.- Oranienburg bleibt Die„Frankfurter Zeitung" berichtet: In der Sonniag«- ausgab« hatten wir berichtet, daß zum Ende dieses Mouars auch das Konzentrationslager Oranienburg aufgelöst würde. Es handelt sich jedoch nicht um dieses Konzentrationslager, sondern um Tonnenburg. Der Irrtum ist aus einem Hör- fehler entstanden. Weitergehen« Veitergehen« I Werten Sie die„Deutsche Freiheit" nach dem Lesen nicht fort. Geben Sie das Blatt an Leute weiter, die der Aufklärung und Belehrung bedürfen! I feinste jüdische SelchwaceH* und lOienec Obäckecei-Qe&diälte JUui& SS, AVENUE WAG#AM. l.I Carnot 27-6: 58, BUE DE PASST, Ul Au»euil»-61 Dr. Sp£claliste H>, rue am Itlvoii- MAfro Qtaiclc 1ADIKAUE HKILIMG.«> BUTT., TAUT- mmä PRAUKNKRANKHKITEN Itllaii II«• f I• a a e Beieoandee Njeoe.tr ßrhandlunfs»rtbod-D Klakm. itit Impiunflsvcfiahre» frypafte»loa •latpriuun*«» rtlut.«od Hitn.U«n»»»a»»no«a 5p«- nakatnu Sil»«*«« Wunevt tu« .orarssatiiedee Uel'Ck to»©— II aad -SoT-aUW sooal»*«Ubf T»» Xi to- ah. Mao»prick«» a• I i« k INSERIEREN BRIN6T SEWINN Loterie Nationale Lose der 8.9. und 10. Ziehung zu ver* kaufen: Ganze, Halbe,Vier tel u. Achtel« Stücke• 8. Ziehung den 20. März In Verkauf vorhanden alle die 20 Serien der achten Ziehung (A. B. C. D. E. G. H. K. L. M. N. R. J. S. V. U. T. Y. X. Z.) Luxemburg-Lotterie(Sweepstakej Ganzes Los 36 Fr., Halbes Los 19 Fr., Viartal Los 10 Fr., Achtel Los 6 Fr. Alle Bestallungen für Russland A. Godovannikoff 30, Quai da Paisy, Paris(16-) Tal.: Jasmin 01-50- Malio Passy|r Eintritt ins Büro nur Sailangang> 2, Av. Rene-Boylesve. OHan von 9-7 Uhr, ohne Unterbrechung, auch Samstags und Sonntags. Pariser Berichte Pariser Straflenhalender Der Pariser Brotpreis ist von 1,95 Franken auf 2 Franken für das Kilo infolge Aufschlagens des Getreidepreises erhöht vorden. * Automatisch eingerichtet wurde das Fernsprechamt „Italie". Unter dem neuen Selbstanschluli sind auch die Teilnehmer der Vororte Villejuif(wo es die bekannte proletarische Schule gibt), Ivry, Vitry, le Kremlin-Bicetre zu erreichen, die bisher vorübergebend den Aemtern Gobelins und Glacieres zugeteilt waren. In der bekannten Angelegenheit der Metro-Gesellschaft wegen angeblicher Verwendung mehrerer Millionen Franken zur Wahlhilfe wurde eine gerichtliche Untersuchung eröffnet. * An der Porte de Saint-Denis, dem bekannten Wahrzeichen Ludwigs XV., werden augenblicklich die Steine der Wölbung an einem großen Gerüst ausgebessert, was viele Neugierige anlockt. * Unschuldsbeteuerungen brachte nebst einem falschen Alibi der ehemalige Unteroffizier Perrier auf der Polizeiwache vor, der als„Hauptmann von Köpenick" in den Versailler Kasernen in Verdacht stand. Perrier war freiwillig gekommen und wurde im Anschluß an seine Darlegung wegen dringenden V.rdachts verhaftet. rei rnnue 43.13 Möiro P i o a 11 e Deutschte Poliklinik. Patts. 02., ßue de la ßochietoucaulc •) Allgemeine Konsultationen mit 9 SpezUHmn. b) Chirurgie c) Geburtshilfliche Klinik<0 Zahnärztliches Kabinett Innere Medizin, Augen«, Ohren«, Nasen« und KehlkopfkranJu ZweistAckigeslSanatoriumsgebinde. Vierstöckiges Gebäude. 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März, beginnt ein neuer Kursus im Französischen für Anfänger in der Taverne Martel, 6, Rue Martel(Metro: Chateau d'Eau), um 20.40 Uhr. Dann jeden Freitag von 20.40 bis 22.40 Uhr. Den Unterricht gibt eine französische Lehrerin nach der direkten Methode, jedoch erfolgen die Erklärungen in deutscher Sprache. Höchstteil- nehmerzahl pro Kursus 15 Personen. Bei erneut starkem Andrang werden zwei neue Kurse eingerichtet werden. Preis: 2 Franken pro Stunde. Anmeldungen 5 Minuten vor Beginn der Unterrichts. Geselligkeitsabend im Deutschen Klub Am Samstag, dem 17. März, um 21 Uhr veranstaltet der Deutsche Klub zu Paris einen neuen Bunten Abend, zu dem er alle nicht gleichgeschalteten Mitglieder der Pariser deutschen Kolonie herzlichst einlädt. Geselliges Beisammensein mit Tanz, Ping-Pong, Schachspiele, Zeitungslektüre. Eine deutsche Sängerin singt heitere Lieder und lustige Chansons. Ein deutscher Pianist spielt Fragmente aus der Symphonie in Blue(von Gershwin) lind Walzer(Chopin). Gäste sehr gerne willkommen. Es wird um 5 Frauken zur Deckung der Unkosten gebeten(von Stellungslosen 3 Franken). Starker Besuch des Louvre Die neuen Säle des Louvre, insbesondere die ägyptischen Altertümer im Erdgeschoß, weisen einen Riesenbesuch auf. Die Neuordnung um die Daru-Treppe mit der Siegesgöttin von Samothrake wird sehr bestaunt. Natürlich ergießt sich der Strom der Kunstfreunde, unter denen sich auch sehr viele Emigranten befinden, auch in die Säle mit den berühmten Kostbarkeiten wie etwa die Apollo-Galerie oder die Sammlungen der herrlichsten Maler der Welt. Die Neuordnung der Franzosen des 19. Jahrhunderts im zweiten Stock findet viel Andächtige. Der Louvre ist, wie wir ergänzend feststellen, Sonntags umsonst von 10 bis 4 Uhr geöffnet; von 12 bis 2 sind nur einzelne Abteilungen abwechselnd wegen der Tischzeit der Wärter geschlossen. Montags ist der Louvre nicht zugängig. Die falschen Haifische Im Hiflelmeer Aix-en-Provence, den 13. März 1934. Nach dem„Schwefelbade" des Sarret sowie der„bayerischen Schwestern" und einem anderen großen Mordprozeß hat die Rhonemündung abermals ihre Sensation. Diesmal haben die Pariser, die sich so gerne über Marseille und den proven;alischen Dialekt lustig machen, besonders was zu lachen; denn auf der Anklagebank sitzen eine Reihe von Fischern, die falsche Haifische fingen und die Prämie für diese Meerungeheuer von der Mairie von Saint-Mariea- d e- I a- M e r einsteckten. Haupt der achtzehn Angeklagten ist der Bürgermeister Esprit Pioch, der offenbar die Absicht hatte, aus dem kleinen Küstennest einen großen Badeort zu machen, und der sich dabei gründlich verhauen hat. Er soll der kleinen Gemeinde, die nur ein Budget von 300 000 Franken hatte, für 28 Millionen Schulden aufgehalst haben, für alle möglichen kostbaren Bauten und Anlagen, zu denen auch eine Arena und ein zoologischer Garten gehörte. Die Blätter der Rechten versuchen aus der Geschichte des kleinen Ortes, den sie selbst ein Fischer- und Zigeunernest nennen, einen politischen Fall zu machen. Aber gewiß mit Unrecht. Der größenwahnsinnige Esprit Pioch wußte selbst nicht, wohin er gehörte; 1922 zuerst gewählt, war er anscheinend eine Zeit lang Kommunist und dann„extremer Unabhängiger". Er war ein Wirrkopf. Tardieu hat ihn vordem als Minister des Innern abgesetzt, aber er wurde von den Fischern der Camargue, der wilden Gegend am Rhone- Delta, wieder gewählt. Das ist wohl die ganze Politik dabei. Seine Freunde, Fischer, Bauern, Weingärtner gleich ihm, darunter drei Frauen, drücken die Anklagebank. Esprit Pioch sitzt schon sechzehn Monate in Untersuchungshaft. Auch der Totengräber der Gemeinde soll mit beteiligt sein und ein Mädel, die als Stenotypistin am Rathaus beschäftigt war und gar nicht tippen, konnte. Angeblich sollen auch zwei Rathäuser im Etat gewesen sein, und Tote sollen noch Gehalt bezogen haben. Die Verhandlung hängt auch mit einem anderen bevorstehenden Sensationsprozeß zusammen. Denn sie beschwört das Andenken des Präfekten der Rhonemündung, M. Cau- seret, berauf, der von seiner früheren Geliebten Mlle. Ger- mained'Anglemont getötet wurde, ein Fall, der demnächst ebenfalls vor die Geschworenen kommen wird und das größte Aufsehen erregt. Die großen Konzerte der Wodie Felix von Weingartner dirigiert die beiden Pasdeloup-Konzerte dieser Woche im Theathre des Champs- Elysees. Im Samstagkonzert(Beginn 5 Uhr) kommen ausschließlich russische Komponisten zur Aufführung(Tschai- kowsky 6. Symphonie, Barodine 2. Symphonie und Rr. Korsa- koffs Klavierkonzert). Das Sonntagskonzert bringt ein Berliozprogramm(mit der Fantastischen Symphonie, Benvenuto Cellini-Ouverture, Szenen aus„Romeo und Julia" und„Fausts Verdammung"), Beginn 16.30 Uhr. -i- Philippe Gaubert führt im nächsten Konzert der Societe des Concerts(2, rue du Conservatoire, am Sonntag um 3 Uhr) die in Paris selten gespielte dritte Symphonie von Brahmi auf. Marg. Long spielt in diesem Konzert, das noch Werke von Debussy, Florent Schmitt und Chabrier bringt, das Klavierkonzert f-Moll von Chopin. Die Generalproben dieser Konservatoriums-Konzerte sind öffentlich; sie finden jeweils Samstags morgens um 9.30 Uhr statt. Einheitspreis: 10 Franken. * Paul Paray dirigiert die beiden Colonne-Konzerte (Theatre du Chatelelet). Zur Aufführung gelangen am Samstag(17 Uhr) Werke von Beethoven, Liszt. Wagner, Canteloube, de Preville und Lermanjat, am Sonntag(17.15 Uhr) Werke von Beethoven, Mozart, Tschaikowsky, Tomas! und Ravel. * Beim nächsten Poulet-Konzert im Theatre Sarah- Bernhardt am kommenden Sonntag(17 Uhr) werden unter Leitung G. C1 o e z' Werke von Dukas(La Peri und Der Zauberlehrling), Aubert, Debussy und R. Korsakoff aufgeführt. * Das Ssmstagkonzert des Orchestre LamoureuX (Salle Gavean. 45, rue La Boetie, 16.45) leitet M. Waersegers (Werke von Wagner, Liszt, Händel, d'Indy, S.-Saens und Dukas; das Sonntagskonzert(15 Uhr) Henri Tomasi (Werke von Moussorgsky, Beethoven, Jaubert, Tomasi, R. Korsakoff). # E. D u h r u i 11 e bringt in seinem Sonntagkonzert in der Ecole Normale(78, rue Cardinet) Mozart, Beethoven, Bizet, S. Safens, Lacroix und Beyer. Beginn 14.45 Uhr. Das neue Palestina Das ist der Titel eines großen Reportagefilms, der seit einiger Zeit mit großem Erfolg in Paris aufgeführt wird. Der Zuschauer erhält einen einzigartigen Eindruck der wirtschaftlichen und kulturellen Wiedererneuerung Palestinas. Der Film wird belebt durch einen Begleitvortrag des Verfassers Dr. lack Levy, der wirtschaftliche Anregungen und kulturelle Bemerkungen interessant verknüpft. Die nächste Aufführung findet in Paris am Sonntag, dem 11. März, 20.45 Uhr im Saale„Palestine", 30, Rue faubg. Poissonniere, statt. Der Ballon Ein deutsch-französisches Kabarett Eine Anzahl emigrierter Schauspieler und Kabarettisten haben sieh— endlich— mit einigen französischen Kollegen zusammengetan, ein Kabarettprogramm auf die Beine gestellt und in der salle Adyar ein dankbares Publikum gefunden. Man kennt die meisten Mitglieder von deutschen Theatern und Kabaretts her. Daß Julia Marcus eine ernst zu nehmende Künstlerin ist, die neue Wege sucht weitab von dem, was bisher landesüblich unter„Tanz" verstanden wurde, wissen wir von ihren Soloabenden. Max Fromm ist ein ausgezeichneter Komiker, Therese Baerwald schlägt mit jeder ihrer Parodien ein, sie hat eigentlich nur Da-Capo-Nummern in ihrem Repertoire. Jede Programmnummer hält Niveau, zumindest die Soloniimmern. Was noch ni ht gelungen, weil zum großen Teil überhaupt noch nicht vorhanden, das ist ein einheitliches und vor allem neues Gesicht des Ganzen. Gewiß: die Linie ist bereits angedeutet, z. B. in den vorzüglichen französischen Confen- rencen Yves Deniauds, in den— an sich jedoch zu schwach geratenen Ensemblenummern: Arrivee, Finale und Groupe de Dause Hier muß die Arbeit fortgeführt werden, wenn das Ganze über eine gelungene Improvisation hinauskommen soll. Ein guter Regisseur(und dazu ein sehr nötiger Inspizient) wird sich ebenso wie ein paar Textdichter unter der Menge der emigrierten Künstler finden lassen; Deniaud wird ein paar französische Kameraden wohl beisteuern können; Komponisten und Musik-Arrangeure sind in Kosma, Daus und Stone in ausgezeichneter Qualität vorhanden. Also: nach diesem geglückten Start an die Arbeit, dann wird das Publikum— auch das französische— in Zukunft nicht fehlen, m. BRIEF KASTE W »Fröhlich Pfalz«. Aus einer einzigen Pfälzer Zeitung senken Sie uns folgende Zeugniye blühenden Wirtschaftslebens: Der Bürger» Meister von Pirmasens droht in öffentlicher Bekanntmachung Gegenmaßnahmen gegen solche Zuziehende an, die nur in die Stadt ziehen, um in den Genuß der Wohlsahrtsunterstützung zu kommen. Das Elend ist also vielerorts so groß, daß die paar Mark Armen- Unterstützung wöchentlich als ein Ideal erscheinen.— In Neustadt a. d. H. gibt der Gauleiter bekanntgab die Mittel für die Ein- kleidung bedürftiger Kommunikanten und Konfirmanden vergriffen sind, obwohl noch viele Anträge vorliegen.— Die Stadt Pirmasens beklagt sich, baß die Steuern nicht eingehen und droht Zwang«- maßnahmen an. Wenn das im„System" vorgekommen wäre! W. L., Kopenhagen. Es ist uns bekannt, daß man sich im Auslande da und dort durch das Reklamegeschrei über die„Winterhilse" täuschen läßt. Man weiß draußen nicht, daß die gesammelten 800 Millionen sich auf 17 Millionen Deutsche verteilen, und zwar auf alle Wintermonate. Noch wichtiger aber ist, daß die Unterstützung«- bedürftigen— nie war die Zahl so groß wie fetzt— nur einen Teil der Beträge zurückerhalten, die an den Woftlfahrtsausgaben der Gemeinden und an den Staatszuschüjsen zu diesen gekürzt worden sind. P. T., Prag. Nach Ihren Mitteilungen bringen sudetendeutsche Nationalsozialisten vor Gericht die sonderbarsten Ausreden vor, u« glaubhaft zu machen, daß dieser oder jener nicht Heil Hitler! gerufen habe. Erklärte da jüngst einer, er habe gesagt.Heil Hüttler!", und damit den Besitzer einer Hütte gemeint! Ein anderer ver- sicherte, er habe gerufen„Heu Hitler!", und er habe das griechische Wort heu— wehe gemeint, also sagen wollen:„Wehe Dir, Hitler!". Besonders dummschlau aber wollte ein junger Mensch sein, der sagte, er habe gerufen:„Heil Liter!" und damit seine Kameraden zum Trinken animieren wollen. Die geschilderten Vorfälle sind keine Witze, sondern haben sich in der Budweiser Gegend ereignet. C. Sch., Paris. Wir hab^n Ihnen für die Zeitungsausschnitte zu danken. Ihr Vergleich scheint uns ober nicht zuzutreffen. Ihre Gruppe hatte damals das volle Recht» sich im Rahmen der Ber- fassung frei zu betätigen. Ihre Preß'e wurde verbreitet und ihre Flugschriften und Sie hätten parlamentarische Vertreter erlangen können, wenn sie im Volke genügend unterstützt worden wären. Wo gibt es jetzt solche Freiheiten für die Gegner des Regimes in Deutschland? Angestellter W. T. Sie haben ein Rundschreiben des Deutsch- nationalen.Handlungsgehilsenverbandes einsehen können, das die Gleichgültigkeit und Lässigkeit der Mitglieder gegenüber dem Ber- bandsleben und in der Erfüllung der Pflichten beklagt. Die Be- sucherzahlen der Pslichtversammlungen seien beschämend. Die Ar-, wie sich die Mitglieder über ihre eigene Organisation äußerten, sei gewissenlos und niederträchtig. Besonders bedauerlich sei, daß es sich dabei um eingeschriebene Mitglieder der NSDAP, und um SA.» Leute handele. eand. med. W. Im„Gesundheitslehrer" wird, wie Sie uns mit. teilen, gegen die Homöopathie zu Felde gezogen, die ort- und wesenS- fremd sei und deren Begründer, Samuel Hanemann, Jude gewesen sei. Die Naturheilkunde dagegen sei rein deutsch und arisch,>a sie beruhe auf der nordischen RunenweiSheit.— Es ist uns bekannt, daß viele Lebensreformer dem Hitlerfimmel erlegen sind. Da« sollten Sie aber die Naturheilkunde nicht entgelten lassen. Be- denken Sie. daß auch viele Mediziner verrückt geworden sind. So manche davon simulieren allerdings nur völkischen Antisemitismus, denn ihr Hitlergeschrei entspringt lediglich dem Neid gegen die jüdische Konkurrenz. Badens«. Es dürfte richtig sein, daß der frühere badisch« Minister Remmele und die ehemaligen Führer der KPD. Bock und Schubach endlich aus dem Konzentrationslager entlassen worden sind. Noch Pressemeldungen sollen sie„freiwillige" Loyalitätserklärungen ab- gegeben haben. Pharisäerhafte Entrüstung hat uns nie gelegen. Am wenigsten halten wir sie gegenüber Leuten für angebracht, die durch viele Monate Konzentrationslager zermürbt worden sind. Sind Sie, der Sie sich in Sicherheit bringen konnten, unbedingt so gewiß, daß Sie nach einem Fahr Konzentrationslager noch der Held wären, der Sie jetzt— zu sein glauben? .Naziplakate". Ihre Mitteilung lautet:„Sie brachten eine» Artikel über die Plakate der Winterhilfe, welch« Antt-Nazi- Zeichnungen enthielten. Ich habe selbst festgestellt, daß dieses durch- aus der Wahrheit entspricht. Ich habe gesehen, wie in Berlin SA. diese Plakate ganz offiziell wieder abmachte. Der Zeichner dieses Plakates soll, dem Bernehmen nach, ins Konzentrationslager ge- kommen sein." Auch Ihre sonstigen Mitteilungen waren für un« von Interesse. ES freut uns besonder», daß Sie sich überzeugt habe«, wie gut wir über die Vorgänge im Reich unterrichtet sind, und wie gewiyenhaft wir berichten. Roch immer ist es der Gestapo nicht ge- lungen, uns zu dementieren. Leseriu, Luzeru. Vielleicht ist Ihnen mit folgender Mitteilung über die Frühjahrsmode gedient: „Alles Strenge, allzu Ernste ist verbannt. Flott, leicht, be- schwingt muß man gekleidet sein. Zu dem knappen Kleidchen, der lockeren Bluse werden Mäntelchen, Jacken, Umhänge getragen, denen die Schneiderphantasie den amüsanten, originellen Schnitt gab. Knopf- oder.Schleifengarnitur bleibt beliebt. Die Ueber- betonung der Achseln ist verschwunden, Leinen tritt in allen Farbenschattierungen auf. Durch den Durchschuß mit einem Woll- faden hat der Stoff an Dchmiegsamkeit gewonnen, braucht die Trägerin das Zerdrücktwerden nicht mehr zu befürchten. Be- sonders nett: Helles Leinen mit dunklem Futter. Weitzschwarz ist die Krone aller Neuheit." So lautet ein deutscher Modebericht, für den wir nicht verantwortlich sind. Im übrigen: Nicht, was schön ist. ist Mode, sondern was Mode ist. ist schön. Oppositioneller Ratioualsozialift". Sie wundern sich, daß neuer- dings im Reiche die Arbeitgeber angebettelt werden,..Arbeit für alle alten Kämpfer der NSDAP, zu schaffen" und fragen uns, wie das möglich ist, wenn zutrifft, daß Millionen Arbeitskräfte neu eingestellt worden sind. Unsre Antwort ist: 1. ist zweifelhast, wie« viele bisherige Erwerbslose wirklich Arbeit bekommen haben, 2. sind die sogenannten„alten Kämpfer" ein Kreuz für alle Unter» nehmer. Diese.Fämpser" haben nichts gelernt als Hauen und Stechen und„Heil Hitler!". Die Unternehmer sind froh, wenn sie solche Brüder, zu deren Einstellung sie^ gezwungen werden, bei erster Gelegenheit wieder loS werden und dafür geschulte marxistische Arbeiter einstellen können. Der qualifizierte Arbeiter ist noch immer innen rot und wird es trotz allem braunen Anstrich bleiben. I. Z. O., Geneve. Die Adresse ist uns nicht bekannt. Ihre Grüß« erwidern wir. Das Gedicht ist leider nicht geeignet. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Pitz in Dud» weiler: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH. Saarbrücken t, Schützenstraße 5,— Schließfach 776 Saarbrücken.