m Sinzigs unabhängige Tageszeitung Deutschlands Flimmer 65— 2. Jahrgang /Saarbrücken, Sonntag Montag, 18.19. März 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Aug dem Inhalt 7 lekcolaqz? Hein: JleueiiCe Seite 3 9tacie CAacaktecpcofan Seite 3 Jäqtich fasset und fasset Seite 5 JCatdinal Schuttes JCampf Seite 7 ■ Jxovckaieuce an det Saat Seite 8 Biflcrs Vcriwclflnngsruic Die denksdie Wirtschaft In Ersfldrangsnot— SOS. Ruft nie 1918 Seit 24 Stunden ist die deutsche Presse, die bisher Tag iür Tag erlogene Siegesmeldungen aus der deutschen Wirt- schaft verbreitete, in tiefer Niedergeschlagenheit. Die An- kündigung schärfster Drosselung der Einfuhr und neuer noch strengerer Devisenbestimmungen zeigt die Schwere der Ent- scheiöungen an. Was geschieht, möge man aus einem sehr verständlichen Beispiel ersehen: Im Rahmen der Arbeitsbeschaffung sind Millionen Festanzüge für die Mitglieder der Arbeitsfront in Auftrag gegeben worden. Aufatmen in der Textil- industrie, in der Konsektion und im Schneiderhandwerk: Eine monatelange Konjunktur zu lohnenden Preisen und bei sicherer Bezahlung schien bevorzustehen. Die Arbeiter wurden zur Bestellung der Festanzüge gezwungen und die öffentlichen und privaten Unternehmer wurden zu Vor- schössen an ihre Arbeiter, Angestellten und Beamten für die Festanzüge veranlaßt. Aber leider kann die Textilindustrie nicht arbeiten ohne Einfuhr aus dem Auslande. So ging denn mit Rücksicht auf die Notwendigkeit vermehrter Tuch- Produktion die Einfuhr von Wolle sprunghast in die Höhe. Die ausländischen Lieferanten aber kann man nicht, wie das inländische ArbeitsbeschasfungSprogramm mit faulen Wechseln der öffentlichen Hand, die in Jahr und Tag einmal eingelöst werden sollen, zufriedenstellen. Für die Einfuhr braucht man Devisen. Die aber sind uttter Schachts und Hitlers Autarkiewahn dahingeschwunden bis auf einen schäbigen Rest. Also wurde schleunigst Order ge- geben, die Einfuhr von Wolle zu drosseln. Lange Gesichter bei Textilrndustriellen, Konfektionären und Schneidern: Die erhoffte Konjunktur schrumpfte zusammen. Die Zahl der Festanzüge muß viel geringer gehalten werden, und die Einfuhrdrosselung bedeutet Gcschästsstille für viele Unternehmer und weitere Erwerbslosigkeit für noch mehr Arbeiter. Es fehlen also die Devisen für die allernot- wendigste Einfuhr. Das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregierung, soweit es sich nicht mit inländischen Roh- stoffen behelsen kann, scheitert also durch den Devisenmangel für ausländische Rohstoffe. Am 7. März hat die Reichsbank nach einen Bestand von 319 Millionen Mark für Gold und Devisen angezeigt. Die Bedeutung dieser Ztssc wird erst klar, wenn man sich er, innert, daß der frei verfügbare Goldbestand der Reichsbank Ende 1923 aus dem Höhepunkt der Inflation eher über als unter dieser Summe gelegen hat. Was tut der Reichsbankpräsibent in dieser verzweifelten Situation? Er hat auf dem Jahresbankett der amerikani- schen Handelskammer in Deutschland am Freitagabend im Hotel Adlon zu Berlin eine seiner berüchtigten zynischen Reden gehalten und zweierlei angekündigt: 1. ein deutsches Lohndumptng zur teilweise« Rückerobe- rung des Weltmarktes und zur Beschaffung von Devisen, 2. die totale Zahlungseinstellung Deutschlands gegenüber seinen privaten Auslandsgläubigern. Zur Begründung dieser Bankrottmethode hat sich Dr. Schacht einen Dreh ausgedacht, der seiner würdig ist, gber nicht zum ersten Male vorgetragen wird. Er behauptet unter Bezugnahme aus den Layton-Bericht von 1981, daß 10,8 Milliarden Reichsmark aus den kommerziellen Aus- landsauleihen niemals in die deutsche Volkswirtschaft hineingelangt, sondern direkt zu Reparations- zahlungen oerwendet worden seien.„Wenn man zu ihnen noch die Zinsen zuzahlt, und wenn man weiter beachtet, daß unsere Auslandsschuld heute nach den unge- Heuren Rückzahlungen, die wir geleistet haben, nur noch ISMilliardenReichSmark beträgt, so sieht man, daß der gesamte heute noch bestehende deutsche Auslandsschulden- betrag genau seinem politischen Ursprung entspricht." Der Reichsbankpräsident verwandelte also die privaten Auslandsschulden Deutschlands auf dem einfachsten Wege in politische Schulden, deren Verzinsung und Tilgung rein politisch zu betrachten ist. Da das Ausland nach der Mei- nung Schachts und Hitlers eine miserabel schlechte Politik gegen Deutschland macht, und die edlen Menschenfreunde und sparsamen Hausväter an der Spitze des deutschen Reiches verkennt, sind die fremden Völker und ihre Regierungen schuld, wenn die 115 Milliarden Reichsmark Auslandsanleihen von Deutschland weder ver- zinst noch getilgt werden können. Mögen die privaten AuSlanbgläubiger, die vertrauensvoll glaubten, private Ansprüche an deutsche Schuldner zu haben, sich mit ihren Regierunge« auseinandersetzen. Die allein tragen Schuld, wenn Deutschland nach einjähriger ruhmvoller Hitlerherrschast nicht in Gold und Devisen schwimmt und Hitler seine feierliche« Eide auch aus finanziellem Gebiet brechen muß. Schacht jedenfalls kündigt unzweideutig an, daß Deutsch- land bis aus weiteres die ausländischen Schuldner nicht befriedigen kann.„Die Schulben der Vergangenheit lassen sich aber nicht aus dem gegenwärtigen BeharrungSzustand, sondern aus der künftigen GeschäftSbelebung abzahlen." „Künftige GeschäftSbelebung!" Damit sollen sich die AuS- landsgläubiger aus Jahr und Jahr trösten. Nicht eine Spur der Belebung des deutschen Auslandsgeschäftes und damit verbesserte Devisenbilan, ist zu entdecken. Die Schwierigkeit ist um so größer, da die Preise für Roh. ftosse eine steigende Tendenz zeigen, die der Fertigwaren noch nicht. Deutschland muß also für die gleich« Menge an einge- führten Rohstoffen mehr bezahlen, während sein Erlös für Fertigwaren, die es hauptsächlich ausführt, noch immer fällt. Und während die Einfuhren bar bezahlt werden müssen, muß im Export lange kreditiert werden. Das sind Schachts Sorgen, und sie sind um so größer, als seine Borgesetzten, die Hitler und Ley und Heß und Kon- sorten davon nichts verstehen. Zu den zahllosen Tchond- taten gegen die deutsche Kultur kommt der Ruin des beut- schen Wirtschaftslebens durch eine verbrecherische RegierungS- Politik, für die auch Schacht die volle Verantwortung zu tragen hat. Betrügerischer Bankrott nicht nur gegenüber dem Aus- land, sondern auch gegenüber dem eigenen Volksgenossen: Das ist das Ergebnis eines Jahres Hitlerunheils über Deutschland. Im Herbst 1918 richtete das militärisch und wirtschaftlich bankrotte Kaiserreich seinen Hilferuf an den amerikanischen Präsidenten Wilson. Jetzt ergeht Schachts Hilferuf im Namen deS bankrotten Hitlerreichs wieder an einen amerikanischen Präsidenten, an Roosevelt. Er soll retten und drohend werden die internatio» nalen Folgen eines deutschen WirtschaftSzusammenbruchS ausgemalt. So endet Hitlers Traum von Deutschlands Selbstbefreiung, aber die Kosten des Wahns zahlt leider die deutsche Nation. I« höchster Noll Rückkehr nur Kriegszwangswirtschaft- Die Mark am Ende- Ohne Gold und Devisen Gestern und heute Bei den Nationalsozialisten werden seltsame Dinge geflüstert. Man sagt, der kürzlich geschworene Eid der Amtswalter entbinde den Schwörenden sogar von seinen religiösen Verpflichtungen, wenn der Führer es verlange. Dem Kardinal-Erzbischof von Köln ist das Geflüster zu Öhren gekommen. Er antwortete mit einem Hirtenbrief, der oi. Schärfe alles bisherige übertrifft; spricht von Verführung zui.. Heidentum und zum Abfall von Christus und Christentum. Es ist ein ernstes Thema. Manche Leute sehen an ihm freilich zunächst ntir das Politische. Der Nationalsozialismus ist eine Macht, deren Grenzen vorläufig noch schwer erkennbar sind; die Kirche ist ebenfalls eine Macht, und wie weit sie reicht, hat sie in 2000 Jahren genug bewiesen. Geistige MaUu gegen geistige Macht— und das Ergebnis ein heranziehendes politisches Gewitter mit tödlichen Büßen im Schoß. Von der katholischen Kirche ist hier die Rede. Die protestantische ist mit den bekannten Methoden des„dritten Reiches" geknebelt. Troßdem bleibt auch sie bei den drohenden Kampf zwischen Religion und Machtpolitik beteiligt. Die Pfarrer können von den Kanzeln heruntergeholt werden, aber in den Gemütern tobt die Schlacht dennoch, auch bei den Protestanten. Denn hier steht nicht Mensch gegen Mensch, sondern der einzelne selbst ist das Schlachtfeld, und in ihm streiten die Engel mit den Dämonen. In der Tat sieht es nach Zusammenstoß aus. Einflußreiche nationalsozialistische Führer kündigen ihn fast frohlockend mit jedem Tage an. Man braucht nur die Reden des Reichsjugendführers Baidur von Schirach zu lesen. Der junge Mann, der noch vor anderthalb Jahren an dem Portal der Münchener Universität Flugblätter verteilte und sich vor dem Pedell versteckte, macht sich heute anheischig, das Rad der Weltgeschichte in eine neue Richtung zu lenken. Baidur von Schirach ist ein persönlicher Freund Hitlers, Vielleicht gehört er troßdem nicht zum Geheimtrust des Nationalsozialismus. Aber innerhalb der Reichsleitung ist er Repräsentant des wertvollsten Rohstoffs, den die Partei besißt, nämlich der Jugend. Was er spricht, drückt auf irgend eine Weise das Gefühl dieser Generation aus, die morgen das Denken des ganzen Volkes formen soll. Es kommen schwere Zeiten für Hitler, denkt mancher. Aber vielleicht kommen schwerere Zeiten für die Kirche. Zu Beginn des Anno santo 1933 wurde auf dem Peters- Plaß in Rom vom Papste eine große Messe zelebreirt. Katholische Blätter verkündeten mit Stolz, daß 30 000 Menschen daran teilgenommen hätten. 30 000... Wenn Hitler, Mussolini, Stalin sprechen, fängt es bei 100 000 an. In Deutschland ist man bei den ganz großen Gelegenheiten schon über die Million hinausgegangen. Die alte Geistesmacht und die neuen Geistsmächte nehmen sich wenigstens in den äußeren Größenverhältnissen wie zierliche gotische Dome neben Wolkenkraßern aus. In den leßten Jahren blühte in Deutschland das Sektenwesen. Eine unzufriedene, vom Kirchlichen nicht gesättigte Religiosität, die wahrscheinlich nach Millionen zählte, suchte und fand neue Gehäuse. Wer achtet schon auf solche Kulturdokumente. wie farbige Ansichtskarten? Aber sie waren weitverbreitet, jene Postkartenbilder, auf denen eine mehr oder minder nackte Gemeinde in verzücktem Schauer die aufgehende Sonne, anbetete. Das war nicht„Kulturbolschewismus"; es kam von der völkischen Seite. Wahrscheinlich strömt das alles heute der neuen Religiosität des Nationalsozialismus zu. Rudolf Steiner, der Antroposoph, erscheint mit seinem magischen Einfluß auf die Gemüter als Vorläufer Hitlers. Ganz sicher ist das Band, das die katholische Kirche mit ihren Gläubigem verbindet, viel fester als die hier langsam entstehenden neuen Bindungen. Ihre gütige Disziplin ist ernster, ihre Lehre tiefer. Und das Band mag auf die Länge das dauerhaftere sein. Aber man soll sich doch ja nicht einbilden, daß der Papst nur den Finger zu heben brauche, um den Gegenpapst Hitler zu kindlichem Gehorsam auf die Knie zu zwingen. Argus. Nach wahnsinnigen Substanzverlusten ist die deutsche Wirt- schaft jetzt an einem entscheidenden Wendepunkt angekommen. Die Reichsbank bereitet Maßnahmen vor, durch die die bis- herige Reichsmarkwährung praktisch zu existieren aufhören wird. Die Gefährdung der Mark ist so groß, daß nur die völ- lige freiwillige Absperrung Deutschlands vom Weltmarkt die Währung dem äußeren Schein nach noch eine Weile aufrecht- erhalten kann.^^._.. Nach Meldungen der großen deutschen Handelspresse, die sich dort nur an ganz versteckter Stelle finden izum Beispiel „Frankfurter Zeitung". Nr. 136), ist folgendes beabsichtigt: Die deutsche Einfuhr, die bereits vor einem Monat gemalt- jam um iO Prozent verringert wurde, soll nunmehr ans ei» Mindestmaß herabgedrückt werde«. ES soll an Stelle der bis- herigen allgemeinen Kontingentzuteilung in jedem einzelnen Fall geprüft werden, ob die Einfuhr irgendeines Gutes wirk- lich ganz unentbehrlich ist,' andernfalls wird die Genehmi- gung rücksichtslos versagt werden, das heißt der Importeur wird von der RcichSbank keine Devisen zur Bezahlung er- halten. Nachdem die deutsche Wirtschaft sich bereits seit vielen Monaten namentlich mit solchen Rohstoffen eingedeckt hat, die im K r i e g S f a l l e gebraucht werden, glaubt man heute auf gewisse Rohstoffe für einige Zeit verzichten zu können. Diese Einschränkung und Kontrolle der Einfuhr mutet be- reitS wie ein starker Schritt zu dem bolschewistischen Außen- Handelsmonopol an und ist der Methode nach der Beginn einer Art Kriegswirtschaft. Weiter soll die bisherige Möglichkeit, bei Auslandsreisen pro Reisepaß 200 Mark mitzufühlen, beseitigt werden. Fer- ner wird es Auswanderern in Zukunft unmöglich sein, wie bisher Vermögen bis zur Höhe von 10 000 Mark mitzu- nehmen. Man spricht auch davon, ausländische Wertpapiere in deutschem Besitz ihren Eigentümern gegen Entschädigung in deutschem Gelbe wegzunehmen. Der Gesamtwert dieses in Deutschland vorhandenen Auslandswerte wird auf 1,5 Milliarden Reichsmark geschätzt. Die Folge der geplanten Einsuhrdrosselung wird natürlich sei«, daß das Ausland seinerseits noch weniger als bisher von Deutschland kaust, daß die deutsche Ausfuhr noch stärker zurückgeht, die Reichsbank noch weniger Devisen bzw. Gold erhält und die deutsche Reichsmark jedenfalls als Wäh- rung vom Weltmarkt verschwindet. Sie wird zu einem reinen BiunenzahlungSmittel werden; eine deutsche internationale Währung wird es praktisch nicht mehr geben. Deutschland wird nicht mehr imstande sein, sich die für seine Wirtschaft unentbehrlichen Rohstoffe vom Ausland zu kaufen, und das Endergebnis wird ein katastrophaler Zusammen» brach der ganzen künstlichen WirtschastSanknrbelung Hit» lers sein, der wahrscheinlich von einem Zusammenbruch der Währung auch im Inner» begleitet sei» wird. Tie Ursachen für den bevorstehenden VerzweiilungSschritt stnd auS den deutschen AußenhandelSzifsern und auS dem Reichsbankausweis ohne Schwierigkeit zu ersehen. Die deutsche Einsuhr betrug im Februar 1034 878 Millionen Mark(gegen 847 im Februar vorigen JahreSs, die Aussuhr aber nur 848(gegen 874s. Der Ausluhrverlust beträgt also im Februar 85 Millionen Mark(gegen 22 Millionen im Januars: er ist also im ansteigen. Da ist es kein Wunder, da» die Gold- und Devisenvorräte der Reichsbank vom l. Ja- nuar bis 7. März 1034 von 896 auf 819 Millionen gefallen stnd. Dies bedeutet, daß die deutsche Währung nur noch zu knapp 10 Prozent gedeckt ist. Der sortgesetzte Rückgang der Deckungsmittel läßt bereits in naher Zukunft den Tag voraussehen, an dem Deutschland keinen Pfennig an Gold und Devisen mehr haben wird, um auch nur ein Kilo an Einfuhr zu bezahlen. Die ganze Katastrophe ist eine Folge der wahnwitzigen Aularkiepolttik HitlerS und Schachts. ..Arbeiter. Bauer oder Handwerker"? Der Kommerzienrat mit der schwieligen Faust In Leipzig fand ein sogenannter Tag der deutschen Technik statt— lies: Tag der Großindustrie. Wo einer hingehört, dort muß er sein. Darum war auch Herr Hermann Röchling zu sehen und erklärte im Namen aller Kommcrzicnräte des Saargebiets... Nein, so drückte er sich nicht aus. Vielmehr so, geliebter Leser: „Wir alle, ob Handwerker. Arbeiter oder Bauer, wir wer- den beweisen, wie heiß wir Deutschland lieben, das gelenkt wird von dem Doppelgesttrn. unserm verehrten Herrn Reichs- Präsidenten, Generalseldmarschall von Htndenburg, und unserm geliebten Volkskanzler Adolf Hitler." Daß du die Nase ins Gesicht behältst! „Wir Handwerker," sagte der Kommerzienrat.„Wir Ar- beiter," sagte der Kommerzienrat,„Wir Bauern," sagte der Kommerzienrat. Und dachte wahrscheinlich an die Arbeiterlöhn«, die im Reiche Hitlers so schön langsam, aber sicher absinken. Es dibf nodi ßidifer Ein Freispruch in Düsseldorf Die„Nationalzeitung" in Esten berichtet: In einer Beleidigungsklage gegen einen Duisburger Kaufmann hatte der jüdische Rechtsanwalt Dr. Rottenstein (Duisburgs in seinem Plädoyer die Worte gebraucht: „Der Angeklagte hat nicht in meiner Muttersprache ge- redet, sondern in der wüstesten, antisemitischen Radau- und Hctzsprache, wie sie in einer gewissen Presse üblich ist." Es war nicht gerade schwer, den Schluß auf die„gewisse Presse" zu ziehen, die der jüdische Anwalt dabei im Auge hatte. Eine Beschwerde des Angeklagten beim Justizminister verursachte ein ehrengerichtliches Verfahren. Und zu diesem stand am Obcrlandcsgericht in Düsseldorf der Termin an, zu dem außer dem angeklagten Anwalt der damalige Gegner und unser Berichterstatter geladen waren. Rechtsauwalt Dr. Rottcnftein ward« sreigesprocheul Die Gründe dieses Urteils sind natürlich nicht bekannt, eS wäre aber immerhin bemerkenswert, sie zu erfahren. Denn hier ist von einem an einem deutschen Gericht zu- gelassenen, also vorläufig noch geduldete» Jude» behauptet worden, die durch die jüdische Hegemonie eines ganzen Menschenalters veranlaßt« kerndeutsche Sprache der Abwehr sei die wüsteste antisemitisch« Radau» und Hetzsprach« einer gewissen Presse. Da mit dieser Presse nur die der Partei nahestehenden Blätter gemeint sein tonnten, ergibt sich der Schluß von selbst, wenn er nicht einer Nachprüfung unter» zogen werben sollte. Ob es bei diesem Urteil bleibt? Am Galgen Justizmord in Oesterreich (P.®.) Das Auslandsbüro österreichischer Sozialdemo- traten teilt mit: Nach den österreichischen Ausstandstagcn ist in Stenr der junge Arbeiter Josef A h r c r vom Standgericht zuist Tode verurteilt und gehenkt worden, weil er den Heim- wehrmann Zehentner ermordet habe, lieber diesen Fall sind nunmehr im AuSlandßbüro österreichischer Sozial- demokraten von Steyrer Tchuybündleru, denen es gelungen ist, über die tschechoslowakische Grenze zu entkommen, nach- dem sie vorher von Bauern in ihren Höfen verborgen ge- halten wurden, folgende unbedingt verläßliche Mitteilungen zugegangen, die sich auf eigene Wahrnehmungen stützt: Der Arbeiter Joses Ahrer wohnte in derselbe Baracke, in der auch die Steyrer Heimwehrsamilie Löschcnkohl wohnte. Am 12. Februar, nach Ausbruch des Generalstreiks, kam es in der Baracke zu einem heftigen Konflikt zwischen Ahrer und Löschcnkohl, wobei Löschenlohl mit einigen anderen Heimwehrleuten Ahrer bedrohte. Ahrcr setzte sich zur Wehr und zog seine Pistole. Die Pistole versagte aber, Ahrer konnte nicht schießen. In diesem Augenblick kam ein anderer Schutzbündler, der mit einein Jnfanteriegewchr bcivaffnet war. Ahrer zu Hilfe und streckte mit einem Schuß aus seinem Gewehr den Heimmehrmann Zehentner nieder. Tie Familie Löschenkohl, die mit Ahrcr seit langem in Feind- schalt lebte, erstattete die Anzeige gegen Ahrer. daß er es gewesen sei, der Zehentner getötet habe. Diese Anzeige war bewußt falsch. In der Tat wurde aber Ahrer auf Grund dieser Anzeige zum Tode verurteilt und gehängt. Der wirkliche Täter ist schon vorher bei den Kämpfen in Stenr gefallen. Ahrer war ein pflichttreuer und begeisterter Sozial- demolrat und Schutzbündler. Die Behauptung der lokalen Presse, daß er Kommunist gewesen sei. ist falsch. Obwohl er unschuldig verurteilt wurde, hielt er sich vor Gericht standhaft und selbstbewußt. Sein letztes Wort war: Hoch die Internationale Ahrer hinterließ eine Lebensgefährtin, die im achten Monat schwanger ist. Mussolini- Gömbös- Dollfaß Das politische Abkommen von vorn Abkommen die Rede von einer möglichen Revision der terr!« dnb. Rom, 17. März. Laut Mitteilung der„Agenzia Stesani" hat am Freitagnachmittag im Palazzo Benezia zwischen Mussolini, Tollfuß und Gömbös eine neue Zu- sammenkunst stattgefunden, die drei Stunden dauerte und in der die am Donnerstag begonnene Erörterung der wirt- s ch a f t l t ch e n und politischen Fragen mit der Para- fierung zweier Protokolle abgeschlossen wurde. Di« Protokolle sollen bereits am Samstag unterzeichnet werden. „In den Gedankengängen des Viererpäkts" dnb. Paris, 17. März. Der römische Vertreter der Havaöagentur erklärt im Zusammenhang mit den römischen Besprechungen, daß die beiden Protokolle, die am Freitag von Mussolini, Dollfuß und Gömbös parafiert worden stnd, am heutigen Samötag unterzeichnet würden. Es sei wahrscheinlich, daß neben der gemeinsamen Berlaut- barung, die im Laufe des Samstag herausgegeben werben würde, auch der Wortlaut des einen der beiden Protokolle veröffentlicht werde, das politischen Charakter trage. Dieses Protokoll vereinige die drei Länder nicht zu einem festen Block, sondern beschränkt sich darauf, die gemeinsamen Juter- esse» und die Notwendigkeit einer dauernden Zusammen« arbeit festzustellen. ES sei im übrigen von denselben Ge- dankengängen getragen wie der Viererpakt und enthalte eine Einladung an alle anderen Mächte, die an der Wicberherstel- lung des Gleichgewichts In Mittelruropa interessiert seien, ihm beizutreten. Es scheine auch nicht, daß im politischen torialen Klauseln der Friedensverträge sei. Die Pariser Presse hält vorläufig noch mit ihrem Urteil zurück, solange die Einzelheiten nicht bekannt sind. Pertinar schreibt im„Echo de Paris", es sei unwahr- scheinlich, daß Ungarn die Garantie für die Unabhängigkeit Oesterreichs in einer Form übernehme, die es mit Deutsch- land überwerfen könnte. Die territorialen Forderungen Un- garns seien nach wie vor sehr stark, und Ungarn glaube, diese Forderungen nur im Verein mit Deutschland durch- sehen zu können. Im übrigen könne nur ein Abkommen zwischen Italien und der Kleinen Entente den österreichischen Angelegenheiten einige Stabilität geben. Eine solche Ver- ständigung sei aber unmöglich, wenn sie vorher Ungarn zur Begutachtung vorgelegt werden müsse. Für Frankreich sei die Hauptsrage die. ob Mussolini nach den Verhandlungen mit Ungarn und Oesterreich noch so viel Handlungsfreiheit habe, um mit der Kleinen Entente eine Verständigung herbcizu- führen. Das„Oeuvre" zieht ans den gestrigen Verhandlungen die Schlußsolgerung, daß Italien und Ungarn die Unabhängig- kcit Oesterreichs garantieren und ein Wirtschaftsabkommen getroffen würde, um dann gleichartige Verhandlungen mit der Kleinen Entente aufzunehmen. Das Blatt begrüßt diesen Gang der Ereignisse und erklärt, daß die Lage in Rom noch nie so günstig kür Frankreich gewesen sei. D'e Nachrichten- agentur Radio will wissen, daß Mussolini den Oesterreichern einen Freihasen in Trieft und den Ungarn einen solchen in Fiume eingeräumt habe. Der„Angriff" pleifef Er geht in den„Völkischen Beobachter" über Berlin, 16. März. Der Verlag des„Völkischen Beobachters" hat die Mehrheit der Aktien des„Angriffs" erworben und beschlossen, den„Angriff" nur noch als Abendausgabe des bisher nur morgens erscheinenden„Völkischen Beobachters" heraus kommen zu lassen. Tie Auslage des„Angriff" geht ständig zurück. Offiziell wird angegeben, daß sie vom De- zember bis zum Februar von 04200 aus 68 667 gesunken ist. Gleichzeitig soll die Auflage der Berliner Ausgabe des„Völ- tischen Beobachters" gestiegen sein, aber sein Verlag be- hauptet selbst nickt, daß die Steigerung den Verlust des„An- grifss" weit macht. Die ganze gleichgeschaltete Presse leidet unter ähnlichen B-zieherverlusten. Zur Zeit schweben Fusionsverhandlungen zwischen einem alten Berliner bürgerlichen Verlag und einer früher sehr ungesehenen westdeutschen Zeitung. Beide Zei- tungen wollen sich durch den Zusammenschluß vor dem Untergang retten. t» Weifbflhne" wird Kommunistisch Willi Schlamm scheidet aus> Prag, 15. Marz. Der bisherige Schriftleiter und Leit- artikler der„Weltbübne" Willi Schlamm hat der Presse eine Erklärung des Inhalts übergeben, daß zwischen dem Ver- lag der Weltbübne und dem kommunistischen Verleger Mttn- zenberg Abmachungen getroiken sind, die auch den Inhalt der «Weltbühne" betreffen. Er sehe sich außer Stande, diesen Ab- machen zu entsprechen und scheide deshalb sowohl al» Schrift- leiter wie als Mitarbeiter der„Weltbtthne" auS. Denfschnaflonle Zeitung verboten! Königsberg, 17. März. Der Obcrprändent der Provinz Ostpreußen hat die„Ost- ?'* e Zeitung" in Königsberg auf Grund deS ' brr Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz des deutschen Volk» vom 4. Februar 1088 ans die Dauer von vierzehn Tagen, und zwar vom 17. März 1084 bis 80. Marz 1084 einschließlich, verboten. Ein Jammerherl Die NSDAP, gibt ihm das Gnadenbrot Der lrübere Regierungspräsident und zeitweilige SenatS- Präsident Walter Grützner wird als Regierungsrat an die Regierung in Köln versetzt. In früheren Jahre» erregten seine mehrfachen Eingaben an den damaligen preu- ßischcn Ministerpräsidenten Braun Aufsehen. Er wurde daraufhin 1036 anS der SPD. ausgeschlossen und trat Ende 1080 zur NSDAP, über. Erschossen Polizeioberwachtmeister von Einbrechern Aachen, 17. März. In der Nacht zum Samstag gegen 5 Uhr wurde in Aachen ein Oberwachtmeister von Ein- brechern erschossen. Nach den bisherigen Ermittlungen bat der Polizeioberwachimeister die Einbrecher, die mehrer« Aktentaschen mit Weinilaichen und Lebensmitteln bei stch trugen, gestellt und ist hierbei von ihnen niedergeschossen worden. Tragödie zur See Nach neunzehnstündiger Irrfahrt dnb. Dublin, 17. März. Ei» englisches Tankschiff entdeckte am Freitagabend auf der Höbe deS irischen Haken» OueenS- lown ein Rettungsboot, in dem sich die zwölfköplige Besatzung eine? gesunkenen belgischen DampierS befand. AlS das Tankschiff beidrehte und Strickleitern heruntergelassen wurden, legten sich die Schiffbrüchigen nlle über«ine Seite de» Bootes und brachten e» zum Kentern. Infolge der Dunkelheit und der außerordentlich stürmischen See konnten nur fünf Mann gerettet werden, die anderen sieben er» tranken. Unier ihnen befand sich auch der Kapitän des bel- glichen Schiffes. Als das Boot von dem englischen Tanker gesichtet wurde, hatten die Schiffbrüchigen bereit» eine neun- zehnstündig« Irrfahrt hinter sich. Dussisffics Hoheitsgebiet verletzt Das japanische Motorfahrzeug Tokio, 17. März. Zu den russischen Meldungen über eine Verletzung des russischen Hoheitsgebiets durch ein japanisches Motorfahrzeug wirb durch die amtliche japanische Tele- grapben-Agentur Rengo eine Erklärung abgegeben. Danach habe eS sich bei dem in der Stühe der Askold-Jnsel am Hasen- eingang von Wladiwostok angehaltenen japanischen Motor- boot um das Fischereifahrzeug„Tajima Maru" gehandelt, das im Dienste der Fischereiversuchsstallon der Präsektur Hyogo stehe. TaS kleine, nur 76 Tonnen große Fahrzeug habe auf einer Fifcherciuntersuchungösahrt gerade vor Wladi- wostok einen Maschinenschaden erlitten und sei dann von svivjelrussischcn Fahrzeugen angehalten worden. Man habe daS Boot, das nichts anderes als ein Fischerboot sei. später wieder freigelassen. Die amtlichen japanischen Kreisen ieten über den Bericht der„Taß" vom 15. März über diesen Bor- fall außerordentlich erstaunt. In diesem Zusammenhang von „Spionage" zu sprechen, sei eine unbegründete Verbuch- tigung. Man glaubt In sapanischcn Kreisen, daß die Bebanp- tung. es handele sich hier>»m einen Spionagesoll, von den SvwsetbehSrden in der Absicht aufgestellt worden sei.»m aui die Verhandlungen einen Druck ausüben zu können, die zur Zeit wcyen der Freilassung deS auf mandschurischem Gebiet in der Nähe de» Kleinen Hänka-Sees nvtgelanbeten russischen B ombensliegerS geführt werden. Der fteuscbheifsgartel „Verlier aber den Schlüssel nicht" Paris, 17. März. Vor dem Pariser Strafgericht wurde am Freitag ein Prozeß verhandelt, der vor Monaten die ver- mischte Chronik der ganzen französischen Presse in spalten- langen Artikeln füllte. Es handelt sich um den inzwischen zur Berühmtheit gelangten Keuschhcitsgllrtcl, den ein Pariser Arbeiter Littiere seiner jungen Frau ausgezwungen hatte. Die Aussagen der jungen Frau vor Gericht standen jedoch in Widerspruch zu den Erklärungen des Hauptzeugen, eines Pariser Orthopäden. Während die junge Frau bc- hauptete, daS Fvlterinstrumcnt gegen ihren Willen getragen zu habe», schilderte der Orthopäd unter nicht endcnmollcn- dem Gelächter der Zuhörer, wie Littiere mit seiner jungen Frau in sein Geschält kam. um den Gürtel zu kaufen. Das mittelalterliche Instrument habe der jungen Frau io gut gefallen, daß sie es nach der Anprobe nicht wieder habe ad- legen wollen. Tie habe ihrem Mann vor seinen Augen den Schlüssel mit dem Bemerken ausgehändigt:„Verlier ihn eber nicht." Der Angeklagte bestritt ebenfalls, gegen den Willen seiner Frau gebändelt zu haben, und bebanptete, ne habe erst Klaae einaereickt. als er sich weaen ibreö Leben«- wandels gezwungen geieben babe. sie während seiner Ab- Wesenheit noch obendrein in der Wohnung einzuschließen. Nachdem auch noch die Portierirau erklärt hatte. Fran Littiere habe es nicht besser verdient, ließ daS Gericht Milde walten nnd verurteilte den Ehemann wegen FrciheitSbe- raubung und Folterung zu acht Tagen Gefängnis mit ve- währungssrist und 50 Fr. Geldstrafe. Pas Neueste Die kommunistische Humanit« teilt mit. daß das fran« zösisch« Innenministerium daS Erscheinen des in italie- «iicher Sprache erscheinenden Organs„Noftra Bandicra" ver» boten hat, nachdem e» kürzlich eine ebenfalls in italienischer Sprache erscheinende kommunistische Zeitung„Bandiera Rossa" verboten hatte. Nach einer Mitteilung be»«rbeitsmiuisterlums belies sich die Zahl der amtlich eingetragenen Arbeitslosen in Frankreich am k«. Mär, ans 856 498, anßerdem wurden 158 Wohlsahrtsempsängcr gezählt. Gegenüber der Borwoche ist eine Zunahme von 1496 Arbeitslosen zu verzeichnen. Einer sowjetamtlichen Meldung zufolge ist es i« Chi» lisch,Turkcftan z» blutigen Kämpfen gekommen, in deren Verlaus 2666 Personen niedergemetzelt wurden. Drei junge Neger in Hernandv(Mississippis»urden nach gerichtlicher Verurteilung wegen Schändung junger weißer Frauen gehängt. Während eines Lustmanövers in der Nähe»ou Dijvn stießen zwei Kampsslngzeuge zusammen. De« Führer de» einen Apparates gelang es noch rechtzeitig, sich mit de« Fall, schirm zu retten, während der andere mit seiner Maschine abstürzte und aus der Stelle tot war. In Barcelona bemächtigt« sich am Freitagabend eine Gruppe von Kommunisten einer Straßenbahn. Nachdem sie die Fahrgäste gezwungen hatten, auszusteigen, steckten sie de» Wageu in Äraub. Man vermutet, daß es sich um eine» Rache, akt Handelt, da die Straßenbahngesellschast kürzlich mehrere Unruhestifter«utlasseu hatte,— Nekrologe? Nein: Reveliiel D. F. Es ist unbestritten, daß die Regenten des„dritten Reichs" Meister der Propaganda find. Allerdings sind ihre Methoden so sehr aus Deutsches und Allzudeutsches abge- stimmt, daß dieselben Werbemittel im Ausland oft genug nicht nur versagt, sondern abgestoßen haben. Auch die nationalsozialistischen Massenpsychologen können also irren, und wir glauben, daß Fehlgriffe vor- liegen, wenn sie glauben, mit Teilbekehrungen abge- dankter sozialdemokratischer Führer drinnen und draußen Staat machen zu können. Paul Löbe, lange Jahre Reichstagspräsident, hat mehrere Interviews gegeben, deren Inhalt weder national noch sozialistisch war und die deshalb von der Presse des „dritten Reichs" nationalsozialistisch begrüßt werden. Karl Severins soll ein Buch geschrieben haben. Es soll irgendwie und irgendwo etwas Positives an der Hitlerei entdecken. Grund genug, daß der deutsche Rund- funk dieses kommende Ereignis ein paarmal in die Welt ruft. Was soll das eigentlich? Glaubt man. daß irgend je- mand außerhalb der deutschen Reichsgrenzen den Aeuße- rungen Löbes oder Severings über den deutschen Faschis- mus irgendeine Bedeutung beimißt, wenn von beiden feststeht, daß sie kampflos in Deutschland leben wollen und alle Welt weiß, daß dies nur bei bedingungsloser Unter» werfung unter die braune Diktatur möglich ist? Will man durch den Hinweis auf die angebliche Bekeh- rung von ehemalmen sozialdemokratischen Führer Per- wirrung in die illegale Arbeit tragen? Das wäre ein lächerliches Beginnen Keiner der jungen Kämpfer, die ihre Freiheit und ihr Leben wagen, sieht auf die miniftrablen Figuren des Parlaments von ehemals. Er bewertet sie lediglich als Gestalten einer abgeschlossenen Epoche. Ihr Verhalten hat für die sich entwickelnde neue sozialistische Aktion keine Bedeutung. Es sei denn, daß ehedem führende Männer jetzt als Soldaten der Revo- lution schlicht in Reih und Glied stehen. Auf Severing und Löbe trifft das nicht zu. Die Propaganda mit ihnen kann also höchstens die müde Gewordenen ganz hoff- nungslos machen, und das wäre weiter nicht schlimm oder sie kann die Erbitterung der aktiven Revolutionäre steigern und sie anspornen, den Bruch mit dem Ber- gangenen noch rücksichtsloser und tiefer zu vollziehen. Das aber ist eine Wirkung, die von der Nationalsozialist!- fchen Werbung mit den keineswegs goldenen Worten einzelner aus der früheren sozialdemokratischen Führer- generation gewiß nicht beabsichtigt ist. Die nationalsozialistische Agitation mit Löbe und Severing ist also auszuhalten. Diese Reklame des Herrn Dr. Eöbbels lohnt die Kosten nicht. Wir wundern uns aber, wie stark da und dort die Neigung ist, den Anlaß zu benutzen, auf Löbe und Severing und einige andere zu ihrer Zeit wohlverdiente Männer Nekrologe zu schreiben. Es soll anerkannt werden, daß diese Nachrufe von der bürgerlichen Heuchelei 6« mortuis nil nisi ben« frei sind. So gründlich frei, daß einer dieser Gedenkartikel, wenn auch mit mißbräuchlicher klassischer Formulierung, nahezu die Grenze politischer Pornographie erreicht. Wozu diese Nekrologe? Uns wären sie gleichgültig, wenn wir nicht aus der Häufung dieser Rückschau spürten, wie gering bei sonst erleuchteteren Geistern als uns die Erkenntnis von der Wucht und Gewalt der Katastrophe ist, in die wir vor einem Jahr hineingerissen wurden, die wir noch erleben und deren mächtigste Stürme noch vor uns stehen. Vielleicht ist es für dünne Schichten nicht uninteressant, aber es ist bestimmt höchst unwichtig, sich mit der persönlichen und politischen Seelenverfassung der Männer eingehend zu beschäftigen, die vor einigen Iahren Minister oder Präsidenten hießen. Eine ruhigere Zeit mag sie geschichtsforschend betrachten. Für uns, wenn wir für Augenblicke in das ferne, ferne Land des Früh- jahrs 1933 zurückblicken, ist das Persönliche so winzig, daß es der Betrachtung nicht lohnt. Rückblick hat für den Politiker nur Zweck, wenn er die Erkenntnis des Gegenwärtigen und des Zukünftigen ver- mehrt. Wir finden nicht, daß uns die Beschäftigung mit den Persönlichkeiten, die einmal als Arbeiterführer in aller Leute Mund waren, viel weiter bringt. Daß die persönliche Verleumdungsflut verebbt ist, beweist nur, daß die Männer vom Faschismus nicht mehr gefürchtet werden, denn er sucht jeden zu vergiften, der ihm unbe- quem ist. Rückschau lohnt sich gewiß auf die Sozialdemokratie und ihre gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen Gruppen, wenn man sie als Erscheinungen einer im Grunde schon am 1. August 1914 zu Ende gegangenen evolutionären Geschichtsperiode wertet. Diese ganz ge- waltige Organisation war politisch eine Wahlmascyine zur Erlangung möglichst großen parlamentarischen Einflusses auf die wirtschaftliche, finanzielle und sozialpolitische Ge- letzgebung. Sie war gewerkschaftlich und genossenschaft- lich eine Friedensmacht zu möglichst ruhigem Aufstieg des materiellen und geistigen Lebensstandards der Massen. So war der Körper, und so war der Kopf. Daß in diesem Riesenorgonismus auch Zellen mit der Ahnung kommender revolutionärer Umwälzungen lebten, wissen wir, aber sie beherrschten weder die Apparatur noch den Geist. Nicht zuletzt, weil sie dem wirklichen Wesen der deutschen Arbeitermassen in jener Zeit gerade wegen des Ungestüms und der revolutionären Zukunftsschau fremder waren als die tüchtigen, nüchternen und in vielem sehr gewandten und überlegenen Verwalter der großen und immer wachsenden Organisationen. So kam es, daß die deutsche Arbeiterbewegung in den umfassenden Welterschütterungen, die wir aus der Ge- schichte kennen, zwar treue Sachwalter und Sacharbeiter auf so manchem Gebiete in Menge hatte, aber sehr wenige Politiker mit Fantasie und Willen und übrigens auch im Grunde sehr wenig kampfwillige in der Glut des Glaubens sich opfernwollende Massen, wobei dahin- gestellt bleiben mag, ob Heroismus überhaupt Millionen- fach denkbar ist. Auch wenn Löbe und Severing und manche andere mehr gewesen wären, als sie uns im rückschauenden Urteil zu sein scheinen, hätten sie den Niedergang der gesamten alten sozialistischen Bewegung nicht aufhalten können. Auch sie mußte die Bahn nach den Gesetzen vollenden, in denen sie zum Leben gerufen und entwickelt worden war. Wir täuschen uns und die Jugend über die Schwere unserer Aufgabe, wenn wir in der Kritik an Menschen hängen bleiben, die vielleicht mit Recht als politische Leichname bezeichnet werden. Laßt die Toten ihre Toten begraben. Recht so! Aber laßt uns auch zeigen, daß wir selber recht lebendig sind, gewillt und kraftvoll genug, uns mit Gegen- wart und Zukunft positiv auseinanderzusetzen. Neue Analysen, neue Konstruktionen, neue Organi- sationen, neue prophetische Schau und aus allem und über allem der felsenfeste Glaube an die nationale und internationale sozialistische Gestaltung der Welt: das ist es. was wir brauchen. Die neuen Führer, die uns voran, gehen sollen, kommen nicht aus der Schattenwelt des Vergangenen, sie können aber auch nicht ernannt werden. Alles Bedeutende wächst langsam, und es nimmt sich die Zeit zu diesem Wachstum. Die Unreife und die Unge- duld schaffen das nicht, was wir brauchen, aber die frucht- lose Nekrologie wollen wir erst recht nicht. Die geistige Inventur, die wir vornehmen, soll gründ- lich sein. Die Götzenzertrümmerung auch. Im Grunde liegt beides schon weit hinter uns. Wer jetzt seinen Witz übt, muß sich im wesentlichen zwei Ziele stecken: Sturz der faschistischen Barbarei und Aufbau der sozialistischen Gesellschaft. Und auf beiden Gebieten Verachtung allen Nurkritikern und Phraseuren! Weite Horizonte wollen wir und Kameraden, die nicht nach dem Woher fragen, sondern nach dem Wohin. Schluß nun mit den Nekrologen! Wir treiben weder Ahnenkult noch Ahnenschändung. Zeigt uns, was ihr schärfer seht und besser könnt als die nun Versunkenen. Darauf allein kommt es an Wer anders handelt, steht im Verdacht, die Wurzeln seines Wesens viel tiefer in der Vergangenheit^u haben, als er wahr haben will. Revolution? Gut. Ein großes Wort, wenn der Wille zum Letzten dahintersteht. Ein ekler Schleim, wenn es zur rednerischen und literarischen Floskeln entwürdigt wird. Revolution? Ja! Aber zunächst in jedem, der das Wort gebraucht. Los von dem Vergangenen und hin zur Zukunft. Halten wir uns auf dem Totenfest) der Geschichte nicht auf. Schluß mit den Grabgesängen und den Leichpredigten. Wir wollen sie nicht hören. Das preußische Heer hat einen guten Brauch. Wenn es den gefallenen Kameraden die drei Salven über die Gruft geschickt hat, rücken die Truppen nicht mit Trauer- chorälen, sondern mit klingendem Spiel, mit schmettern, der Marschmusik ab. Machen wir es genau so. Laßt die Trauernden und die ewigen Rückschaukritiker an den Gräbern stehen. Jetzt und für immer. Weit schon sind sie und ihre Zeit hinter uns. An den Bruchstücken ihrer Nekrologe, die uns von fern her noch erreichen, fühlen wir. in welchem Tempo wir marschieren. Das Ausnahmegesetz Es steht ein Blatt beschrieben im Buch der deutschen [Schmach'• das muB der Teufel liehen bis an den jüngsten Tag. Das steht auf schwarzem Grunde mit roter Flammenschrift,. das schwärt wie rote Wunde mit schwarzem Schlangengif. Das schreit in alle Weiten wie wilder Tonschriftfluch, das schreit in alle Zeiten und schreit doch nie genug. 0, hätt ich Donnerstimme wie Wolken im Turnier, ich brüllt in rasendem Grimme, ein Wetteruristier. Ich rollte alle Geschütze blauschwarz am Himmel auf und spiee rächende Blitze, gerichtet Lauf an Lauf. Weh Dir, du fetter Würger du Staatsverbrecher Staat,, für hunderttausend Bürger das Seil der Missetat! Für hunderttausend Deutsche das niederträchtge Netz, die Slavenhalterpeitsche,. gewunden vom Gesetz! Du Bluthund deiner Brüder, Spürdogge der Gewalt, du grüngeschwollene Hyder im feigen Hinterhalt! Du stürzende Lawine von Bosheit und Verrat, du mordende Maschine mit qualbespritztem Bad! Du Folterbank der Freien. Schandfeme für die Not, und doch mußt du gedeihen für unser Aufgebot.— Es steht ein Blatt beschrieben im Buch der deutschen Schmach, das muß der Teufel lieben bis an den jüngsten Tag. Sturm läutet das Gewissen Es zittert die Geduld: Wann wird mit eins zerrissen das Riesenblatt der Schuld? H e n c k e 11. Er wirb wegen„staatsfeindlicher Gesinnung" entlasten. Die Familie seiner Frau bat inzwischen Beziehungen zu ben Nazis angeknüpft. Der Schwiegersohn, von dessen Lohn man jahrelang gelebt hat, war jetzt zur Belastung für die ganze Familie, zu einem„schwarzen Fleck" geworden. Man veran- laßt die Frau, ihren Mann zu denunzieren. Ter Mann wird verhastet. Ein Familienleben ist zerschlagen. Eins von sehr vielen. So wird jetzt in Deutschland die Heiligkeit des Fami- lienlebens wieder hergestellt. Es gibt aber ein noch fürchterlicheres Druckmittel. Das ist die Drohung, den„unverbesserlichen" Eltern die Kinder weg- zunehmen. Ich weiß nicht, wie weit diese Praxis fortgeschrit- ten ist. Mir sind aber schon einige Fälle, in denen„marxi- »'tischen" Eltern die Kinder weggenommen wurden, bekannt. Die Angst vor diesem Kinderraub spielt aus jeden Fall schon jetzt keine geringe Rolle. Zwar meinen immer noch viele, die Nazis seien einer solchen Gemeinheit doch nicht fähig. Ich fürchte, diese Gutgläubigen irren sehr. Die braune Soldateska ist jeder Gemeinheit sähig. Das wurde in nicht wenig Fällen inzwischen bewiesen. Diese Zeiten sind sür die meisten Menschen in Deutschland eine harte Eharakterprobe. Nicht von allen wirb diese Probe bestanden. Die..Erziehung" durch den Terror zeitigt doch ge- wisse Erfolge. Tie Menschen werden aber nicht— das ist der große Rechenfehler der derzeitigen Machthaber— für das neue Sustem gewonnen, sondern innerlich vollkommen ge- brochen. Sie werden Widerstands- und kampfunfähig ge- macht. Die Mittel sind die seelische Folter, materielle Not und als natürliche Folge der körperlichen und seelischen Schwäche Selbstverachtung. Im Innern lebt aber bei jedem ein tiefer Saß gegen diejenigen, die sie zerbrochen haben. Und so werden die Menschen von den Machthaber» erzogen, die aus ihre„heroische" Weltanschauung pochen. Die anderen bleiben fest, und für sie ist diese Zeit der Prü- fung eine unschätzbare Schule des Ebarakters. Für die Män- ner und für die Frauen, für die Erwachsenen sowie für die Kinder. Ein kleiner Junge, besten Vater verhaftet war, bat daS Deutschlandlied in der Schule nicht mitgesungen. Auf die Frage des Lehrers nach dem Grunde, antwortete der Acht- jährige:„Solange mein Vater eingesperrt ist. singe ich das Lieb nicht!" Der Vater ist inzwifchen entkalken worden, und der Sohn kann letzt wieber sinaen. Das Horst-Westel-Lied singt er aber auch heute noch nicht. Diesen Jungen wird weder die heutige Schule mit ihren die Seelen der Kinder vergiftenden Methoden noch der Ter- ror brechen. In der überzeugten sozialistischen Familie aewach- len, ist er nicht durch die verlogenen Phrasen und nicht durch Drobunaen, sondern durch die Ueberzeugung und die charakterfeste Haltung der Eltern zum Geiste der Freih-it und zum Ehrgefühl erzogen worden. Als ich vor meiner Abreite von diesem Jungen Abschied nahm, dachte ich mit Zuversicht an Deutschlands Zukunft! Harte Ciiarakterproben Erziehung durch den Terror Man schreibt uns aus dem Reich: Wir haben in unserem Gefängnis die Zeitungen gelesen. Wir haben auch schöne Worte gelesen von den großen er- zieherischen Aufgaben, die sich der Nationalsozialismus ge- stellt hat. Nach der Uebernahme der Macht sollen die Seelen derjenigen erobert werden, die bis jetzt Gegner des Ratio- nalsozialismus gewesen sind. Die„Münchner illustrierte Presse" brachte einmal Bilder aus dem Konzentrationslager in Dachau, das dabei als„Erziehungslager" bezeichnet wurde. An„Erziehungsarbeit" fehlte es auch in unserem Gefängnis nicht. Tie physischen Mißhandlungen sind als Erziehungsmittel nicht geeignet. Der Mensch, der gemartert wurde, behält für das ganze Leben den Haß gegen seine Henker. Tausende werden in Deutschland zu physischen Krüppeln gemacht, man versucht aber Millionen durch den Druck des Terrors zu moralischen Krüppeln zu„erziehen". Man will den Men- schen dazu zwingen, daß er„sich umstellen", d. h. seine Ueber- zeugung und seine Führer verleugnen, seinen Kameraden untreu werden, sie verraten, bespitzeln und denunzieren soll. Das Wort:„Jetzt müssen Sie sich umstellen" hört man über- all. Man muß sich„umstellen", um wenigstens die Hoffnung auf Beschäftigung zu haben. Man muß sich„umstellen", um sich dadurch von den Verfolgungen zu retten. Und ist man verkästet, muß man sich„umstellen", um das Konzentra- tionslager zu vermeiden, oder um dadurch die Entlastung zu erkaufen. Die meisten Gefangenen ertragen die„Schutzhaft" sehr schlecht viel schlechter, als eine befristete Gefängnisstrafe. Sie sind wegen der Ungewißheit ihres Schicksales bedrückt. „Wie lanae noch?" Diese Frage wird täglich gestellt. Und dazu kommt noch das Damokles-Schwert des Konzentra- tionslager. Erschwerend wirkt natürlich der Gedanke an die Familie, die meistens völlig mittellos zurückgeblieben ist. Die Konzentrationslager werden nicht nur wegen der Miß- Handlungen gefürchtet, sondern auch und vielleicht in einem nach viel stärkerem Maße, weil man dort von der Familie völlig getrennt gehalten wird. Der nervöse Zustand der Gefangenen wird ständig durch die Gespräch? über die Entlastung und namentlich durch die M-tteilnvaen von der bald bevorstehenden( ntlasiung ge- nährt Einer von nnS bat diele ltävd.aen Gefvrache als „Greuelnachrichten" bezeichnet.«?? ist Methode: Hoffnungen werden erweckt und damit fvstematisch bte Enttäuschung und in der Folge schwere seelische Depression vorbereitet. Und dazu die ständige Mahnung:„Sie müssen sich umstellen.. In einigen Fällen genügt es, wenn eine Erklärung abge- geben wird, in der die früheren„Irrtümer" bekannt werden und ein Treubekenntnis zur nationalen Regierung folgt. In anderen Fällen wird verlangt, die Umstellung durch die Tat zu beweisen, d. h. man verlangt den Verrat an Sache und Führer. Häusig werden die Frauen der Gefangenen unter Druck gesetzt. Noch vor der nationalsozialistischen Revolution sind viele Kommunisten zu den Nazis übergelaufen. Deshalb hat fast jeder Kommunist frühere Genosten und Freunde, die jetzt aktiv bei den Nazis tätig sind. In manchen Fällen be- mühen sich diese ehemaligen Kommunisten ehrlich, ihren srü- Heren Freunden zu Helten. Manchmal spielen sie aber eine ganz üble Rolle. Zur Frau eines Gefangenen kommt ein solcher früherer Freund und sagt: Wir wissen, daß N. un- schuldig ist. Er weiß aber, wer die Schuldigen sind. Sag ihm, daß er sie nennen soll. Tut er das. wird er sofort entlassen. Tut er es nicht, dann....!" Die Frau leistet zunächst Wider- stand. Dann aber, durch die furchtbare Not erschöpft und seelisch zusammengebrochen, fängt sie an den Mann zu quälen. Es handelt sich um beleidigende Aeußerungen über die„Na- ttonale Regierung", die angeblich in einer Kneipe gemacht wurden. Der Mann bestreitet den Vorgang als solchen. Eines Tages sagt die Frau:„Man hat schon den Schuldigen gefunden. Du wirst aber sitzen bleiben oder ins Konzentra- tionslager gehen, wenn Du ihn nicht nennst." Ueberlegen wir uns diesen, scheinbar nur wenig bedeuten- den Fall. Der Verrat(ber nicht begangen wurdel würde in diesem Falle keine Bedeutung haben. Der angeblich Schul- dige war sehr bekannt. Man wollte trotzdem den Verrat er- zwingen, um den Gefangenen zu einem moralisch gebroche- nen Menschen zu machen, ihn von seinen Freunden zu trennen. Die nationalsozialistischen Elemente finden häufig Ber- Windete in den Schwiegereltern. Selbst erwerbslos, sind sie nun gezwungen, die Töchter mit den Kindern zu erhalten. So entstehen die Familienkämvse, die im..dritten Reich" auch für die Erfüllung der großen erzieherischen Aufgaben bentttzt werden. Die deutsche„Nationale Revolution" ist groß in ihrer Niederträchtigkeit. Ein Reichsbannermann ist verheiratet mit einer Frau aus einer kommunistischen Familie. Der Mann ist hochqualifi- ziert« Arbeiter und hat eine gut bezahlte Stellung gehabt. GODbels Propagandarczepte Die Enthüllungen des„Petit Parisien In vollem Umfange bestätigt- Ein lehrreiches halbes lahr Der„ Petit Parisien" hat die beiden Dokumente, die er auszugsweise am 16., 17. und 22. November 1933 veröffentlichte, nun im vollen Wortlaut— sowohl den deutschen Originaltext wie die französische Uebersefcung— in Form einer kleinen Broschüre veröffentlicht. Die bisher unbekannten Stellen, die sieh vor allem mit den außerdeutschen Telegrafenagenturen befassen, würden die Echtheit, wenn es heute noch notwendig wäre, über jeden Zweifel erheben. Der Herausgeber des großen Pariser Blattes, Albert Jullien, enthiilt"herdie« in der Einleitung einige interessante Einzelheiten, die auch solche Leute aufklären werden, die nicht imstande sind, den Charakter der Dokumente zu beurteilen. Er schreibt: ..Aus dem Inhalt der Dokumente selbst, die in dieser Broschüre.reinigt sind, geht hervor, daß das von Dr. G ö b b e 1 s geleitete Amt seit dem Monat April 1933 den verschiedenen diplomatischen deutschen Vertretunren; m Ausland KlcIstlinien für die Propaganda gesandt hat. Es waren jedoch nur unvollständige Anleitungen. Diejenigen, die wir ve.ZHentlicht haben und deren vollständigen Text wir nun wiedergeben, sind bestimmt gewesen, jene zu vervollständigen, wie ausdrücklich am Schluß des ersten Dokuments behauptet wird. Es handelt sich also im ganzen um die ersten Anweisungen, die von dem Rrichsm'-istp- rium für Volksaufklärung und Propaganda ausgearbeitet wurden. Das erklärt ihren außerordentlich ausführlichen Charakter, die Bestimmungen über die Art und Weise ihrer Beförderung— nämlich ausschließlich durch die Schilfe der detitschen Schiffahrtsgesellschaften—. die Empfehlungen, sirh des Telegrafen so wenig wie möglich zu bedienen, niemals die Funkstationen zu benupen. die zu leicht abgehört werden können, die Kabeltelegramme nach dem Code C. B. zu chiffrieren und endlich der Befehl an die südamerikanischen Agenten(die Propaganda ist i" Brasilien U"d Argentinien besonders intensiv), ihre Berichte nach Montevideo, der Hauptstadt Uruguais zu befördern, um nicht die Aufmerksamkeit der argentinischen oder brasilianischen Behörden zu erregen. Dieser Aufwand an Vorsichtsmaßregeln hat nicht verhindert, daß die wichtigsten Schriftstüdce. die in dieser Broschüre vereinigt sind, sich verirrt haben und in andere Hände gefallen sind. Matt kann sich dazu nicht gentig beglückwünschen. Sie liefern ebenso aufklärende wie kostbare Einzelheiten über die Grundsätze und die Methoden der deutschen Propaganda, über die Bemühungen, Mißtrauen zwischen den Völkern zu säen, indem sie sogar zu falschen Nachrichten greift, über die besondere Rolle, die in dieser Hinsicht den diplomatischen Vertretern des Reichs im Ausland zufällt und endlich über das wesentliche Ziel dieser Propaganda, das heißt, über die wahren Absichten der Außenpolitik Hitlers. Unbeschadet der pazifistischen Proteste, über die eine der wichtigsten Persönlichkeiten, die sie erhoben haben (Göbbels), hier selbst offen erklärt, was sie ivert sind, sucht Hitler-Deutschland mit allen Mitteln die Ordnung zu zerstören, welche die Friedensverträge begründet haben. Es bemüht sich, ebenfalls mit allen Mitteln, sich in diesem Kampfe die Zustimmung und die Unterstützung der Weltmeinung zu sichern, indem es versucht, Frankreich für den Fctll einer späteren Revanche zu isolieren. Es stellt seine Militärmacht wieder her, und seine Ansprüche wachsen und werden wachsen genau in dem Maße der Aufrüstung. Soll man sich darüber aufregen oder, wie einige, sich damit beruhigen, daß die angewendeten Methoden nur rein diplomatischer Natur sind? Es handelt sich nicht darum. Vielmehr kommt es für unser Land, das in Gefahr ist, das Opfer zu werden, darauf an, die Methoden dieses tragischen Spieles festzunageln, zu enthüllen, um sich nicht fangen zu lassen, und zu verhindern, daß die anderen Länder getäuscht werden." Wird die Welt daraus lernen? Es ist heute von besonderem Reiz, in den mehr als ein ha.bes Jahr alten Dokumenten zu blättern, die durch die in- zischen inretretenen Ereignisse seltsam illustriert werden. Nehmen wir zum B^i.>piel die Stellen, die sich im allgemeinen Teil auf Polen. Frankreich und England beziehen. ..Polen gegenüber." heißt es„hat die nationalsozialistische Regierung Deutschlands vorerst eine versöhnlichere Haltung eingenommen und zwar deshalb, weil nach dieser Richtung besondere Bemühungen im Gange sind, eine Erfüllung der deutschen Forderungen auf eine andere Weise zu erreichen. Selbstverständlich sind diese Forderungen in keiner Weise aufgegeben worden, ebenso wenig wie die Forderung nach Rückgabe mindestens eines Teiles der deutschen Kolonien in Uebersee." Ueber Frankreich und England wird gesagt:..Die außenpolitische Lage Deutschlands ist gegenwärtig derjenigen in den Jahren 1910 bis 1913 ähnlich. Der unversöhnliche Gegner Deutschlands, und zwar sowohl des ,.demokratischen" wie des nationalsozialistischen Deutschland, ist Frankreich... Richtig ist aber, daß England als der stärkste und gefährlichste Partner Frankreichs zu gelten hat, weshalb sich auch alle außenpolitischen Bemühungen der Reichsregierung darauf richten, das Verhältnis zwischen diesen beiden Ländern zu stören... Es soll nichts unterlassen bleiben, um eine Revision des \crsailler Diktats auf dem Verhandlungswege zu erreichen. Es darf aber auch nichts unterlassen werden, was sich auf die Möglichkeit bezieht, daß Deutschland gezwungen sein könnte, sich seine Rechte auf andere Weise zu nehmen. Die Forderungen Deutschlands im Sinne einer Revision des Versailles Vertrags sind bekannt. Es soll jedoch hier kurz bemerkt werden, daß im Vordergrund dieser Forderungen jefjt die Rückgabe des Saargebiets steht, weshalb die unveräußerlichen deutschen Ansprüche auf Elsaß- Lothringen jefjl nicht so betont werden sollen, wie dies sirh dem Wunsch und der Stimmung des deutschen Volkes entsprechen würde.., Als Endziel der nationalsozialistischen Außenpolitik hat zu gellen: die Wiedererlangung aller Gebietsteile rund um Deutschland, in denen eine deutsche Minderheit besteht." Als diese Äeußerungen vor einem halben Jahr durch die Veröffentlichungen des„Petit Parisien" bekannt wurden, erschienen sie weiten Kreisen unglaubhaft. Insbesondere reicht die Phantasie einiger verfetteter Politiker nicht aus. um sich ein solches Maß an brutaler Berechnung, Energie und Zielstrebigkeit vorzustellen. Solche Eigenschaften pflegten sie nur im Reiche der Romandichtung zu suchen. Inzwischen sind aber Ereignisse eingetreten, die geradezu die Probe aufs Exempel liefern. Und es ist daher anzunehmen, daß nunmehr die ganze Welt an die Kunst des Dr. Göbbels und an die unbeugsame Energie Adolf Hitlers glaubt. Ob sie sich auch belehren läßt, ist allerdings eine offene Frage. Schutzhaft als„Erzieherin" Sie bleibt bestehen Der preußische Ministerpräsident hat eine neue Regelung der Schutjhaftbestimmungen in Preußen angeordnet, die in gewissen Teilen der deutschen Presse eine frische Begeisterung für den nationalsozialistischen Ordnungsstaat hervorgerufen hat. Rudolf Kircher von der„Frankfurter Zeitung" bot die Nachricht wegen ihrer„sehr bedeutungsvollen Tendenz" seinen Lesern iu besonderer Aufmachung dar. Die„aus den Bedürfnissen einer revolutionären Umwälzung geschaffene Einrichtung" sei zwar nicht„völlig beseitigt, wohl aber in einem entscheidenden Punkt umgestalten oder durch Wiederaufrichtung früherer Rechtsschranken eingeengt worden". Die„Rheinisch-Wcstfälische Zeitung" sieht in der Verordnung geradezu eine schlagende Widerlegung der Greuelmärchen. In Deutschland sei im vergangenen Jahr„in keinem Augenblick Geseß und Ordnung suspendiert gewesen". Daher könne„der neue Staat ein milderes Verfahren gegen jene Isolierten" anwenden. Willkür wird fortgesetzt Die Schutjhaft ist im„dritten Reich" das Strafmittel der Verwaltungsbehörden geworden. Sie wird ohne Urteil und auf unbestimmte Zeit verhängt; eine Berufung gegen sie gibt es nicht. Die neuen einschränkenden Bestimmungen, die nur für Preußen gelten, heben die grundsätzliche Zulässig- keil dieser grausamen Verwaltungsstrafe nicht auf. Sie wird nur der Kontrolle des Ministerpräsidenten unterworfen. Trotzdem ist anzuerkennen, daß nunmehr der Willkür gewisse Schranken gezogen werden. Die Herren der bürgerlichen Presse haben wirklich einigen Grund, sich über die Stärkung der staatlichen Ordnung zu freuen. In den neuen Bestimmungen zeigt sich die Tendenz, die Selbständigkeit der unteren Partei- und Staatsorgane einzuschränken. Diese Entwicklung wird zweifellos noch Fortschritte machen. Aber die bequeme Einrichtung der Schutzhaft bleibt erhalten. Die durch die Verfassung gewährleistete Freiheit der Person und der Wohnung wird nicht wiederhergestellt. Die höheren Verwaltungsstellen sind nach wie vor in der Lage, eine mißliebige Persönlichkeit, die gegen das bestehende Recht in keiner Weise verstoßen hat, auf unabsehbare Zeit in einem Gefängnis oder Konzentrationslager verschwinden zu lassen. Damit ist in Deutschland ein Zustand geschaffen, wie er in Frankreich vor der großen Revolution geherrscht hat, als der König seine Untertanen durch„lettres de cachet" in die Bastille werfen lassen konnte. Die unbegrenzte Macht der Diktatur ist mit der Würde eines freien Bürgers nicht vereinbar. Aber es fehlt nicht an gelehrten Sklaven, die eine Einrichtung loben, die ihrer eigenen Natur allerdings recht angemessen ist. Nicht nur gegen aktive Staatsfeinde, meinte z. B. Dr. Werner Spohr in der„Deutschen Justiz", sei die Verhängung der Schutz- haft angebracht, sondern z. B. auch„aus erzieherischen Gründen" gegen Kritiker der nationalsozialistischen Bewegung. gegen Miesmacher und andere. Auch die„Frankfurter Zeitung" stellt fest, daß die Schutzhaft„sowohl Vor- beugungs- wie auch Erziehungsmittel" sei. Göring im Hintergrunde Wir glauben nicht fehlzugehen, wenn wir aus der Tatsache, daß der preußische Ministerpräsident sich persönlich dieses ausgezeichnete Machtmittel vorbehält, auf einen akuten Anlaß schließen. In der letzten Zeit sind immer häufiger„unsoziale Arbeitgeber" in Schutzhaft genommen und in ein Konzentrationslager überführt worden. Die niederen, sozialistisch eingestellten Organe der Partei fanden offenbar ein zu großes Wohlgefallen an der Beseitigung mißliebiger Unternehmer. General Göring soll aber für die proletarischen Slimmunren wenig Sympathien besitzen, dagegen sehr freundliche Beziehungen zu schwerindustriellen Kreisen unterhalten. Es wäre auch unwahrscheinlich, daß sein plötzlich erwachendes Rechtsgefühl ihn zur Beseitigung der schreiendsten Mißstände veranlaßt hätte. Viel näher liegt es, anzunehmen, daß er den unteren Parteiinstanzen eine gefährliche Waffe gegen das Unternehmertum aus der Hand nehmen wollte. (faser Führer ist bekannt Ii rh ein grsRer HnndeHcbhaben »•Deutsche Freiheit" Nr. 65 ARBEIT UMD WIRTSCHAFT Sonntag/Montag, 18.'19. Märe 1934 Die Well Goldbestände Veränderungen in den letzten Jahren 1931 1932 1933 (in Millionen Goldpfund) Täglich besser und besser Verworrene Wirtschaftspolitik 832 206 668 98 85 74 63 39 89 76 44 51 824 285 621 79 76 78 77 19 89 82 44 49 U. S. A. 833 Britisches Reich 212 Frankreich 554 Schweiz 93 Holland 73 Belgien 73 Italien 61 Deutschland 48 Spanien 89 Rußland 65 Japan 53 Argentinien 53 vlnl und Elsen" Die Rüstungskonjunktur Für Februar d. J. liegt jetzt die Statistik der Roheisenerzeugung vor. Nach den in der Zeitschrift Stahl und Eisen veröffentlichten Ermittlungen des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller stellte sich die deutsche Roheisenerzeugung im Februar auf 549 962 t gegen 543 330 t im Vormonat, was bei 28(31) Arbeitstagen eine durch- »chnittliche arbeitstägliehe Zunahme auf 19 642 t(17 527) bedeutet. Die Ergebnisse in den einzelnen deutschen Bezirken— im Vergleich mit dem Vormonat und den gleichen vorjährigen Zeitabschnitten— sind aus folgender Zusammenstellung zu ersehen: Febr. Jan. Febr. Jan. in Tonnen 1934 1934 1933 1933 Rheinland-Westfalen 448 237 455 663 275 613 348 495 Sieg-, Lahn-, Dillgebiet u. Oberhessen 22 504 19 930 14 965 15 339 Nord-, Ost- u. Mitteldeutschland 60175 46 697 36 894 27164 Suddeutschland 19 046 21040 12 416 11800 Insgesamt: 549 962 543 330 339 888 402 798 Arbeitstäglich: 19 642 17 527 12139 12 993 Partei und Oesdtäft Was alles möglich ist Der Gauschatzmeister der NSDAP, in Neustadt a. d. H. gibt bekannt, daß es allen Dienststellen verboten sei, parteiamtliche Empfehlungen für irgendeine Ware oder ein geschäftliches Unternehmen auszuhändigen. Alle Gliederungen der NSDAP, hätten sich von jeglichen geschäftlichen Unternehmungen und Beziehungen vollkommen fernzuhalten. Jeder Verstoß hiergegen werde dem Parteigericht gemeldet und geahndet. Acht Millionen Subvention Auf einer Berliner Tagung der„Piano-Front" wurde mitgeteilt, daß in Deutschland gegenüber 127 000 Klavieren im Jahre 1913 und 18 000 im Jahre 1927 nur noch 1260 im Jahre 1933 angefertigt worden sind. Das bedeutet gegenüber 1927 einen Rückgang um 93 Prozent. Nun sollen nach Angaben des Bankdirektors Hullsteiner 20 000 Klaviere durch die Schulen bestellt werden. Von der Regierung ist eine Hilfe von 8 Millionen Mark bewilligt worden, die mit 4 Millionen bereits in Anspruch genommen wurde. Auf der Tagung wurde vorgeschlagen, den Verkauf gebrauchter Instrumente mit einer Sondersteuer von 25. Prozent des Verkaufspreises zu belegen, die an die„Piano- Front" abzuführen sei. Brauer und wirfe Schlechtes Biergeschäft Nach dem Bericht für das Geschäftsjahr 1933 hat sich der zahlenmäßig nicht genannte Inlandabsatz gut auf Vorjahreshöhe gehalten. Die Verwaltung ist der Ansicht, daß die Brauereiindustrie als Konsumgüterindustrie eine allgemeine Wirtschaftsbelebung erst verhältnismäßig spät spüren werde. Das Volkseinkommen möge insgesamt schon jetzt gestiegen sein; die Einzeleinkommen seien jedoch noch mehr einander angeglichen worden, was den Bierkonsum beeinträchtige. Eine wesentliche Absatzsteigerung könnte gegenwärtig nur von einer weiteren erheblichen Herabsetzung der Ausschankpreise erwartet werden und hierzu bedürfe es aber einer radikalen Biersteuersenkung durch Beseitigung der Gemeindebiersteuer und starke Kürzung der Reichsbiersteuer. Der Auslandabsatf sei abermals beträchtlich gesunken, und dieser Rückgang sei hauptsächlich auf eine Verschlechterung der Wirtschaftslage und auf Absperrungsversuche der westlichen Nachbarländer zurückzuführen. Die Boykottbestrebungen aus politischen Gründen haben der Gesellschaft eine nennenswerte Beeinträchtigung nur in USA. gebracht. Die Bierausfuhr dorthin scheiterte aber auch an den unübersteig- baren Zöllen, an der Dollarabwertung und an der ausländischen Schleuderkonkurrenz. Trotzdem aber habe die Gesellschaft ihr Beteiligungsverhältnis am gesamten deutschen Ausfuhrgeschäft weiterhin erhöhen können. Die Lage des Wirtestandes sei äußerst gedrückt geblieben, und hierfür u. a. kennzeichnend, daß das Unternehmen im Berichtjahr gerade auch seinen alten, guten Kunden weitgehend mit Darlehen helfen mußte. Eine Umsatzsteigerung, die eine Vermehrung der Wirtschaftsbetriebe rechtfertige, sei sobald auch nicht su erwarten. Trotzdem sei unter den bestehenden Wirt.ch.ft.betrieben auch«•£»"««**«» gewisser Umschichtungs- und Ausleseprozeß nicht aufzuhalten. Die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik ist heute noch ein Chaos von sich widersprechenden Tendenzen, ein Tummelplatz entgegengesetzter Interessen, eine Häufung von Anläufen, Experimenten, Befehlen und Gegenbefehlen, die bei allem selbstbewußten Prahlens mit der„Führerautorität" eine zwar sehr regierte, aber wenig dirigierte Wirtschaft schafft. Man nehme nur die Politik gegenüber Warenhäusern, Konsumvereinen und jüdischen Firmen. Während die offizielle Politik im„Interesse der Arbeitsbeschaffung" die Einstellung des Kampfes immer wieder fordert, geht der Boykott im Lande, von den nationalsozialistischen Unterführern immer neu angestachelt, mit fast unverminderter Schärfe fort. Und dieser Boykott wirkt: Während im Jahre 1933 die gesamten Handelsumsätze nach den Angaben des Konjunkturinstituts um 6 Prozent hinter denen des Jahres 1932 zurückgeblieben sind, ist der Umsatz der Warenhäuser um 18,7, der Kaufhäuser um 13,5 zurückgegangen. Das ist Klassenkampf zwischen dem händlerischen Mittelstand und dem kapitalistischen Großhandel. Wichtiger sind aber die Widersprüche in anderen Wirtschaftsgebieten. Eindeutig freilich und in der Wirkung am verhängnisvollsten ist die Unterwerfung der Arbeiterschaft unter die Doppeldiktatur des Kapitals und der nationalsozialistischen Parteiführung. Am 1. Mai laufen bekanntlich alle bisher geltenden Tarifverträge ab. Der Arbeitsvertrag wird dann grundsätzlich von dem Führer-Unternehmer für die Gefolgschaft- Arbeiter festgesetzt. Der Treuhänder kann, muß aber nicht, für größere Betriebe an Stelle der Tarifverträge Tarifordnungen erlassen. Bisher haben nur zwei Treuhänder— der von Berlin und der von Niedersachsen— erklärt, daß das bisherige Lohnniveau beibehalten werden soll. Ganz abgesehen davon, daß bei der Steigerung der Lebenshaltungskosten eine solche Reglung eine Senkung des Reallohnes bedeutet, so besteht ja überhaupt gar keine Garantie, daß die Bestimmungen eingehalten werden. Wir wissen aus früherer Zeit, daß die Arbeiterschutzbestimmungen solange nur auf dem Papier gestanden haben, bis die Macht der Arbeiterorganisationen so erstarkt war, um ihre Einhaltung durchsetzen zu können. Und damals lebten die Arbeiter noch in einem Rechtsstaat, während nach dem nationalsozialistischen Arbeitsgesetz ja jeder Unternehmer Herr im Hause und sein eigener Gesetzgeber ist. Aber selbst wenn es den Arbeitern in den Großbetrieben, für die wohl allein Tarifordnungen in Betracht kommen, gelingen sollte, halbwegs die Befolgung der Arbeitsbedingungen durchzusetzen, wer wird diese Innehaltung in den zehn- lausenden Kleinbetrieben in der Stadt und gar auf dem Lande noch nach der Zerstörung aller unabhängigen Arbeiterorganisationen überwachen und durchsetzen? Ohne Gewerkschafts- und politische Freiheit, ohne Kontrolle der Arbeitsgerichtsbarkeit, ohne Streikrecht gibt es keine wirksame Verteidigungsmöglichkeit der Lebenshaltung, geschweige die Möglichkeit ihrer Verbesserung! Diese Tatsache der Unterwerfung der Arbeiterklasse nicht nur unter die Profitbedürfnisse des Großkapitals, sondern auch unter die Interessen des unter Umständen selbst schwer ringenden Kleinkapitalisten und Handwerkers, der sich durch. Lohndruck seine Konkurrenzfähigkeit zu erhalten sucht, ist aber um so bedeutsamer, da im übrigen die nationalsozialistische Politik darauf hinausgeht, die Preise gerade der wichtigsten Güter des Massenverbrauchs zu erhöhen. Am rücksichtslosesten geschieht das im agrarischen Sektor und es vergeht wirklich fast kein Tag ohne eine preis verteuernde Maßnahme. So wurden durch eine Verordnung vom 22. Februar in die Monopolbewirtschaftung für Oele und Fette auch die tierischen Fette und Schweinespeck einbezogen. Der Zweck ist natürlich, die Fett- und Speckpreise noch weiter zu erhöhen. Zwei Tage vorher wurde der Beimischungszwang von inländischem Schweineschmalz zur Margarine und zu Kunstspeisefett auf 12,5 Prozent erhöht, eine Erhöhung um 2,5 Prozent, nachdem bereits im Dezember 1933 die Beimischungsquote von 5 auf 10 Prozent erhöht worden war. Der Zweck ist natürlich, wie es im Dezember offiziös so schön hieß, die Entlastung des inländischen Schweinemarktes, der unter zunehmendem Angebotsdruck stehe, deutlich gesagt. Verteuerung des Schweineschmalzes und neue Verteuerung der Margarine, um ihre Konkurrenzfähigkeit gegenüber Butter und Schmalz weiter herabzusetzen. Nach einem Jahr h. b. Wer sich genau über den Erfolg der Wirtschaftsund Arbeitsbeschaffungspolitik des„dritten Reiches" informieren will, hat nur nötig, die vor einiger Zeit veröffentlichten Berichte der gleichgeschalteten Zeitungen über die Wirtschaftslage in Rhön und Spessart nachzulesen. Zu diesen Berichten sind noch eine Reihe von Einzelheiten nachzutragen, die unglaublich anmuten, aber wahr sind. Eine ganze Reihe von Dörfern in diesen Elendsgebieten mit 500 bis 600 Einwohnern haben bis zu 60 000 Mark Gemeindeschulden. Es kommen also auf jeden Mann, jede Frau, jedes Kind von vornherein rund 100 Mark Belastung als Anteil an den Gemeindeschulden Da die Familien alle sehr kinderreich sind, macht das 700 bis 800 Mark pro Familie. Die persönliche Verschuldung der Spessart- und Rhönbauern übersteigt alle Begriffe. In Partenstein, Kreis Lohr, werden die gesamten Privatschulden für 380 Familien auf 600 000 Mark geschätzt. Das sind für die einzelne Familie rund 2000 Mark. Seitdem die Arbeitsämter im Zuge der Arbeitsschlacht Sperrmaßnahmen gegen den Zuzug von Arbeitskräften getroffen haben, hat sich die Lage der Rhön- und Spessartbevölkerung weiter verschlechtert, da dadurch die Möglichkeit, im westlichen Industriebezirk Stellung zu finden, restlos zerstört worden ist. .Viele dieser Erwerbslosen sind seit.langen Monaten aus- Die Wirkung der Agrarpolitik in ihrer Gesamtheit läßt sich schwer berechnen. Im ganzen bedeutet der Agrarschutz eine Verschiebung der Einkommen von den städtischen Konsumenten zu den ländlichen Produzenten in der Höhe von vielen Milliarden. Genauer aber sind wir orientiert über die Kosten der nationalsozialistischen Agrarpolitik, die etwa im ersten Drittel 1933 eingesetzt hat. In seinem letzten Vierteljahrsheft hatte das Konjunkturinstitut angegeben, daß infolge der agrarpolitischen Maßnahmen die Verkaufserlöse der Land- Wirtschaft„im Wirtschaftsjahr 1933/34 um etwa eine Milliarde zunehmen werden. Ein großer Teil dieser Summe ist reine Einkommensteigerung; denn auf der Kostenseite sind eine Reihe von Erleichterungen eingetreten." Im letzten Wochenbericht werden diese Angaben ergänzt. Danach wird der Gesamterlös 1933 34 auf 7251 Millionen RM. geschätzt gegen 6463 im Vorjahre, also eine Steigerung um fast achthundert Millionen oder zwölf Prozent. Ausdrücklich betont das Institut, daß der Mehrerlös hauptsächlich auf den Preisanstieg durch die neue Agrarpolitik zurückzuführen ist; nur bei Getreideerlös 1,45 Milliarden gegen 1,38 im Vorjahr— spielt die Erhöhung der abgesetzten Menge infolge der Rekordernte und der Unterbindung der Einfuhr eine Rolle, während die Preise etwas unter dem Vorjahrsstand lagen. Bei Fleisch behauptet das Institut ebenfalls einen mengenmäßigen Mebrabsatz um etwa 3.5 Prozent. Aber entscheidend für den Mehrerlös von 2,44 Milliarden gegen 2,1 war die Preissteigerung. Diese allein bewirkte die Steigerung beim Milchverkauf— 1,62 Milliarden, 200 Millionen mehr als im Vorjahr, während die Menge um etwa 2 Prozent zurückging. Dasselbe gilt für Eier— 269 gegen 237 Millionen und Kartoffeln, die bei unveränderlicher Verkaufsmenge 324 gegen 270 Millionen erbrachten. Auf der Kostenseite wurden zu Lasten der Allgemeinheit die Zinssenkung für den größten Teil der Agrarkrise auf 4,5 Prozent durchgeführt, die landwirtschaftliche Umsatzsteuer auf 1 Prozent ermäßigt, die Grundvermögenssteuer um 100 Millionen gesenkt, die Gebäudeinstandsetzung aus öffentlichen Mitteln gefördert und die Landwirtschaft von der Arbeitslosenversicherung befreit. Aber auch auf industriellem und gewerblichem Gebiete verfolgt die nationalsozialistische Politik das Ziel der Preissteigerung, nur daß hier kleinbürgerliche, kapitalistische und bisweilen auch Konsumenteninteressen stärker miteinander ringen als auf dem agrarischen, wo die Rücksichtslosigkeit der Preissteigerung nur an der Schranke der Kaufkraft auf Hindernisse stößt. In Stuttgart hat das Kaufmännische Ehrengericht der Handelskammer den Verkauf von Waren durch Großhändler ohne angemessene Handelsspanne für sittenwidrig erklärt und ebenso hat die Weimarer Handelskammer gegen„Preisschleuderei" mit heftigen Drohungen Stellung genommen. Der Wirtschaftsminister gibt zwar von Zeit zu Zeit Erklärungen gegen Preissteigerungen von sieh, schafft aber andererseits fortlaufend Zwangskartelle, die das Recht (und vor allem die Macht) haben, die Preise zu„regulieren". So sind jetzt die bestehenden Kartelle für Zement zwangsweise erneuert und den Außenseitern auferlegt worden, die Kartellpreise und Lieferungsbedingungen einzuhalten. Die Neuerrichtung und Erweiterung von Anlagen ist verboten. Also Zementmonopol mit wesentlicher Begünstigung der bisherigen kartellierten, zum Teil teurer arbeitenden Firmen. In ähnlicher Weise sind die Hohlglaserzeuger zu einem Zwangskartell zusammengeschlossen worden. Zugleich wurde die Aufstellung von automatischen Maschinen und die Wie- derinbetriebstellung stillgelegter verboten. Auf der einen Seite wurde für die Neuanschaffung von Maschinerie für das laufende Jahr Steuerfreiheit gewährt, auf der anderen Seite wird zugunsten von handwerklichen und kleinkapitalistischen Betrieben die Maschinenverwendung unterbunden. Hier und da darf sich noch ein Gauleiter oder Betriebszellenobmann erlauben, gegen einen„preis wuchernden" Unternehmer, namentlich einen Juden, loszugehen, aber im ganzen geht auch die Industriepolitik auf Beschränkung der Konkurrenz, Verringerung der Produktion, Erhaltung der technisch und organisatorisch rückständigen Formen hinaus. Mit Recht sagt der„Economist", daß diese Einschränkungen, je mehr Wirtschaftszweige sie erfassen, desto mehr das Nationalprodukt vermindern, eine Erhöhung des Arbeitseinkommens und der Kaufkraft vereiteln und die Exportfähigkeit vermindern müssen. Aber es„geht doch täglich besser und besser!" Dr. Richard Ksrr gesteuert und warten vergeblich auf Wohlfahrtsunter- Stützung, weil die Gemeindekassen leer sind. In Premich, Kreis Kissingen, müssen die Wohlfahrtsempfänger mit geringfügigen Zahlungen aus dem Ausgleich- fond zufrieden sein. Familien mit sieben Personen erhalten im Monat höchstens 20 Mark Unterstüßung. Dabei gehört zur notdürftigsten Stillung des Hungers und des Bedarfs für eine derartige große Familie in dieser Gegend mindestens ein zehnfacher Betrag! 250 000 Menschen sind es, die in den genannten Umständen dahinvegetieren. Die Nationalsozialisten haben bisher keinen Finger krumm gemacht, um diesen Unglücklichen zu helfen. Sie vertrösten die Halb- und Dreiviertelverhungerten auf einen großen Hilfsplan, dessen Maßnahmen allerdings noch nicht feststünden. Das einzige, was man bis jetzt an Hilfsmöglichkeiten herausgeknobelt hat, ist der geniale Ausweg, diese Elendshütten in Rhön und Spessart zu Erbhöfen zu erklären! So zerstiebt bei den vom Kapitalismus so hart mitgenommenen Bevölkerungsschichten eine Illusion nach der anderen. Jeden Tag hämmert er ihnen aufs neue mit harten Schlägen in das Bewußtsein, daß ihnen der Nationalsozialismus nicht helfen kann und nicht helfen will. Es wird der Tag kommen, an dem sie die Konsequenzen aus ihrer Enttäuschung ziehen werden. Wehe dann denen, die sie betrogen haben! 1 Deutsche Stimmen•(Beilage zur..Deuiseften Freiheit"• Ereignisse und Gestfkitfkien wmmmmmmmmmmm mmm Sonntag-Montag, den 18. und<9. H d de wollen nichts hergeben. Meine Lieben, das neue Jahr hat sür uns ein schlechter Anfang genommen, es soll aber niemand hungern nnd nie- mand frieren, aber das richtige Elend scheu sie nicht. Wie viel stand schon in der Zcitung was schon alles gestiftet und ver- teilt wurde, aber wir haben nur ein klein wenig davon ge- spürt. Liebe... bis nächsten Monat am 2». habe ich einen Wechsel von 80,00 Mark und wenn ich kein Geld bringen kann, dann müssen sie halt das Häuschen versteigern. Der ..., wo die Kasse gehabt hat, der ist eingesperrt. Er hat viel Geld unterschlagen. Es ist alles kaputt bei ihm. ... Meine Lieben, ich könnte schreiben bis morgen früh... Seid nun viclmal gegrüßt. von Mutter. Meine Lieben, noch nachträglich... E. wird nicht mehr gesund werde», sagte der Arzt und A. war auch drei Wochen im Bett an der Grippe. L. und W. waren am Donnerstag bei ihnen und haben ihnen im Wald Holz geholt. Die haben tiiiM.«-» fivrnnrn und niirfi»irbts iu pifrn. Unterstützung be- Der Skandal der Ebeslandsdai leüen Wer nidiis hat. bekommt oudi nichts Mit ungeheurer Reklame hat die Regierung Hitler im Juni vorigen Jahres ein neues Rezept zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit durch Förderung der Eheschließungen verkündet. Wer eine Ehe eingehen ivollte, dem versprach der Staat ein Darlehen von vollen 1000 Mark, falls seine Frau ihren selbständigen Erwerb aufgab. Nicht weniger als 125 000 solcher Darlehen sollten im Jahre 1033 gewährt werden,- 1034 sollte es sogar das Doppelte sein, nämlich 250 000. Das war ein großes Versprechen. Aber e» hat sich in- zwischen herausgestellt, daß eS nicht gehalten werden wird. Im ersten halben Jahr hat man frisch drauflos bewilligt, nnd zwar statt 125 000 gleich 183 000 Darlehen. Denn die Reichsbank hatte ja eine Notenpressc, die nach den Rezepten der nationalsozialistischen Finanzgrößen Feder und Rein- Hardt Geld aus nichts zaubern kann. Aber soviel, wie der Herr Staatssekretär im Reichsfinan,Ministerium, Herr Reinhardt, sich vorstellte, kann sie anscheinend doch nicht. Darum ist durch einen Erlaß von Anfang Februar mitten durch die ganzen Ehestandsdarlehen ein scharfer Schnitt gemacht worden. Statt 1000 sollen auf einmal nur noch 500 Mark gegeben ivcrden. DaS Kunststück mit 500 Mark einen Haushalt zu gründen, macht natürlich sehr vielen lyncn unu ijautn ii/utit im« muo•,*> nichts zn brennen und auch nichts zu essen. Unterstützung kommen sie keine. Ucberall ein anderer Jammer. To könnte einen zzausyalt zu gründen, macht natürlich sehr vielen ich fortmachen. Aber jetzt will ich mir 12 Pfg. besorgen und nationalsozialistischen Führern wenig Kopfzerbrechen d„ den Brief abschicken, weil Hitler!)" sie für ihre Person es strikte ablehnen, zu heiraten,'und Was kosfcl dreimal Sicgifeil? Zwei Millionen Reichsmark* 1 v Die Spekulation der Hitler-Regierung geht darauf, daß die Menschen heute schon wieder vergessen haben, was gestern gewesen ist. Sonst würden sich einige Leute noch an folgen- des erinnern: Vor vier Monaten wurde unter ungeheurem Tanitam ein sogenannter Deutscher Reichstag gewählt, d. h. eigentlich gewählt wurde er nicht, weil keine Auswahl vor- banden war, sondern nur sür die Liste der NSDAP, ge- stimmt werden durste. Auf diese Weise gelangten 001 von Hitler Auserkorene in den Parlamentshimmel, die anti- parlamentarische NSDAP, verfügte damit über mehr Reichstagsabgeordnctc als früher sämtliche Parteien „korrupte» Systems" zusammen. Was haben diese 061 Männlein lWeiblein werden „dritten Reich" sowieso nur noch zum Gebären zugelassen) was haben diese 601 Masculina nun bisher geleistet? Am 12. Dezember, also rund vor drei Monaten war„Erökf- nungSsitznng". Vielleicht Hütte sie ebenso passend auch des im „Schlußsitzung" heißen können, denn bisher ist weiter keine Zusammenkunft der 061 erfolgt oder auch nur geplant, selbst- verständlich haben auch keine Ausschüsse getagt— schon aus dem Grunde nicht, weil fast keine gebildet wurden. In der einzigen Sitzung hörten die 001 in strammer Haltung zwei Ansprachen an nnd brachten am Schluß ein kräftiges drei- maligcs„Sieg Heil!" aus. Für diese Leistung— dreimal„Sieg-Heil!" bezieht jeder der AuSerioähltcn feit vier Monaten 750 Mark„Aufwands- cntschädigung" monatlich—, welcher Aufwand ist eigentlich zu entschädigen außer dem bißchen Stimmauswand für 3— drei—„Sieg-HeilS"? Macht pro Mann bisher 3000 Mk. Ent- schädiguug(je 1000 für ein„Tieg Heil"!) oder bei 001 Manu insgesamt 1 083 000, rund 2 Millionen Reichsmark. Und nun fragen wir: Sollte» sich nicht in Deutschland 001 Arbeltslose finden, die das bißchen Statistenrolle billiger als für 2 Millionen Reichsmark spielen?! darum auch nicht wissen, welche Verpflichtungen eine Ehe- schließnng mit sich bringt. Aber selbst diese 500 Mark sind gegenwärtig nur ein ziemlich leeres Versprechen für die Zukunft. Augenblicklich werden überhaupt keine Darlehen erteilt: man nennt das verschämt eine„augenblickliche Stockung". Sie soll vor- läusig bis zum 31. März 1031 dauern. BiS dahin mögen die Paare eben zusehen, wie sie ohne Ehe durchkommen. Falls wirklich am 81. Mär» die Darleben wieder ausgezahlt werden, wird eS aber bittere Enttäuschungen geben. Wir lesen darüber in der„Kölnischen Zeitung" vom 12. März: „Außer der vom Ministerium angekündigten Unterbrechung in der Erteilung von neue» Ehestandsdarlchns bescheiden bis zum 31. März 1031 und der vorläufigen Begrenzung der Durchschnittshöhe deS einzelnen Darlehens auf 500 Mark besteht die Einschränkung der bisherigen Nicht- linicn vor allem darin, daß von nun an mittellose A n t r a g st c l l e r bei der D a r l e h n s g e w ä h r u n g ausscheide n. In der Anweisung für die Gemeinden zum Gesetz über Förderung der Eheschließungen war u. a ausgeführt, die Arbeitslosigkeit des Antragstellers bilde keinen ausreichenden Grund für die Annahme, daß die Ehegatten ihrer Verpflichtung zur Rückzahlung deS Darlehens nicht nachkommen würden. Daraufhin haben die Finanzämter — und nach jener Anweisung tonnte» sie auch wohl nicht gut anders— zahlreiche Ehestandsdarlehen auch an Arbeits- lose geivährt. Tie Darlehnsemptänger waren dann vielfach mangels jeglicher eigner Mittel für die Führung ihres Haushalts, insbesondere auch die Zahlung ihrer Wohnungs- miete lediglich auf die Arbeitslosenunterstützung angewiesen. In solchen Fällen lag e» klar auf der Hand, daß durch die Hingabe des Ehestandsdarlehens der große bevölkcrungs- politische Zweck des Gesetzes sich nicht erreichen ließ. Einer der beiden nächstliegenden Zwecke, nämlich die Belebung der Möbel- und der Hausgeräteindnstric, wurde zwar dadurch gefördert, daß die Ehegatten sich mit den als Darlehen empfangenen Bcdarssdcckungsjcheinen Möbel und HanSgerät anschaffen konnten. Aber einen ordentlichen eheliche» Haus- halt vermochten sie bei den knappen Mitteln ihrer Arbeits- loscnunterstntzung in sehr vielen Fällen doch nicht zu führen." Das heißt deutlich und kaltblütig: wer schon etwas hat, der bekommt ein Ehestandsdarlehen, weil er es ja besonder» notwendig braucht. Wer aber nichts hat, der kriegt auch nichts, und kann mit seinem Mädchen weiter im Stadtwald spazieren gehen. Denn das ist der Grundsatz deS„deutschen Sozialismus": Wer viel hat, der wird gar bald noch viel mehr dazu bekommen. Wer nur wenig hat, dem wird auch das Wenige genommen. Wenn du aber gar nichts hast, ach. dann lasse dich begraben! Denn ein Recht zum Leben, Lump, haben die nur, die was haben. Aus zwei Metropolen „Ein Arbeiter könnt' einen Minister lehren" Ein englischer Journalist machte eine Forschungsreise durch die Londoner Jndustriequartiere, um sich über die Stillegung der Fabriken und das Elend der Arbeitslosig- keit an Ort und Stelle zu informieren. Er berichtet in der Zeitschrift„The New Statesman and Nation", daß er furcht- bare. Armut und unfreiwillig feiernde Männer gesehen habe, bis er zu einem Stahlwerke gelangte, das nach Aus- jage der Nachbarschaft unter höherer Konjunktur arbeitete als seit vielen Jahren. Die Arbeiter machten Ueberstunden, Zusatzschichten waren eingelegt, Hämmer stampften usw. Der extra harte, zu Panzerungen bestimmte Stnhl wird geschmolzen und ge- walzt. Der Berichterstatter pirschte sich an Kisten heran, in denen die zum Härten des Stachles erforderlichen Mine- ralien verfrachtet gewesen waren und stellte fest: sie waren aus Deutschland bezogen. Deutschland hilft also zur Auf- rüstung Englands— hilft vielleicht auch England zur Auf- rüstung Deutschlands? Als Kulturmerkmal ist vielleicht noch sonderbarer die Tatsache, daß in einem umfangreichen Industriezentrum voll Elendsstätten und Erwerbslosigkeit allein die Nüstungsindustrie floriert: Nebenschichten in Waffensabriken— Arbeitslosigkeit in allen Aufbauge- werben! Könnte nicht selbst das Kapital einsehen, daß eS besser placiert wäre, diese furchtbaren Quartiere der Armut und des Elends, diese Glums und Jnfektronshöhlen niederzu- reißen und neue, großzügige, gesunde Wohnstätten zu er- richten, mit Hygiene und modernem Komfort ausgestattet, ein Feld der Tätigkeit und Prosperität für zahlreiche In- dustrien. Eine Ankurbelung^ der gesamten Wirtschafts- gebiete— anstatt der Uebevarbeit auf einem einzigen, mörderischen und der unproduktiven Aufwendung für die Erwerbslosenunterstützung auf allen anderen? Diese Frage geht unter den Arbeitern von Mund zu Mund und der Erwerbslose Nr. I. 47 485(siebenundvierzig- tausend!) hat sie in einer Flugschrift behandelt:„Hundert neue Städte in Großbritannien". Es ist«in nationaler Ausbauplan für England, der die Würdigung und Unter- stützung namhafter Volkswirtschaftler gefunden hat. Ein erwerbsloser Arbeiter beschämt die Regierungsweisheit der hohen Herren! Posrom von Arnswalde Ein Nachspiel in Genf (ZTA.) Die Ende Februar 1SS4 in Arnswalde, Pommern, vorgekommenen pogromartigen Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung haben ein Nachspiel in Genf. Deutsche Versicherungsgesellschaften, die für.den in Arnswälde ange- richteten Schaden haftbar und bei schweizerischen Gesell- schatten rückversichert sind, haben eine genaue Schilderung der Borgänge nach Genf geschickt, bei zu entnehmen ist: Am?lbend des 24. Februar wurden in Arnswalde sämtliche Häuser, in denen Juden wohnen, alle jüdischen Ge- schatte, Synagogen und Gemeindeinstitutionen plötzlich, wie auf ein gegebenes Zeichen hin, mit Feldsteinen bom- bordiert. In mehrere jüdische Wphnungen wurde mit Revolvern durch Türen und Fenstax hineingeschossen. In keiner jüdischen Wohnung blieb auch' nur ein Fenster ganz. Gleichzeitig drangen die der SA. angehörenden Angreifer in das Haus der jüdischen Gemeinde, in die Synagoge und in die Wohnung des Rabbiners ein, zerstörten die Innen- einrichtung der Synagoge, löschten das Ewige Licht(ner tamidj, zerrissen und schändeten die Heiligen Bücher. Die ganze Nacht durch wurde die jüdische Bevölkerung unter einem beispiellosen Terror gehalten. Am nächsten Morgen flüchteten die meisten jüdischen Einwohner, ihre ganze Habe zurücklassend, aus Arnswalde, um nicht mehr dorthin zu- rückzukehren. In dem Bericht wird betont, daß der Bersicherungs- schaden hoch ist und daß bisher keiner der Angreifer ver- hattet wurde Ein anderer Bericht an schweizerische Rück- Versicherungsgesellschaften hat ähnliche antijüdische Aus- schreitungcn in Neuwedell zum Inhalt, wo die jüdische Be- völkerung auch körperlich schwer mißhandelt wurde mit dem Ziele, sie zum Verlassen der Stadt zu zwingen. „Dentsdie Front" gibt Terror zn Aber es sind natürlich nur„Provokateure" ^Täglich unterbreitet die deutsche„Freiheitsfront" an der Saar der Öffentlichkeit und damit hoffentlich auch dem Völkerbund Material über die Tatsache, daß an der Saar eine öffentliche Probeabstimmung unter terroristischem Druck auf die Gegner der„deutschen Front" stattfindet. Dieser Terror kann nun auch von der„deutschen Front" mcht mehr geleugnet werden. Ihr Landesleiter Pirro erläßt folgende Kundmachung: Der Aufmarsch der Deutschen Front hat in den Reihen des Gegners stärkste Verwirrung hervorgerufen. Nun- mehr greift der Gegner zu einem Mittel. Er schickt Provokateure in die Deutsche Front, die versuchen sollen, als angebliche Beauftragte der Deutschen Front die Saaröeutschen unter Einsatz von Terror und Zwang zum Eintritt in die Deutsche Front zu veranlassen. Die Landes- leitung bittet alle Saarländer um sofortige Mitteilung, durch wen und wo ein Versuch unternommen wurde, die Aufnahme in die Deutsche Front unter Druck zu erwirken. Es ist notwendig, daß die Deutsche Front von derartigen Elementen sofort gesäubert bzw. frei gehalten wird. Die Provokateure und ihr durchsichtiges Machwerk werden ent- larvt werden. Es wird also an der Saar dieselbe Tarnung des Hakenkreuz- terrors wie im Reiche versucht. Als vor einem Jahre die braune Terrorwoge sich erhob und auf die Gegner losstürzte, waren es„marxistische Provokateure", die sich der zehn- tausendfachen Ausschreitung schuldig machten. Freilich trugen sie braune SA.- und schwarze SS.-Uniformen. Aber dann waren es eben nur oerkleidete„Kommunisten". Marxisten in gestohlenen Hitleruniformen drangen in die Wohnungen ihrer Gesinnungsfreunde ein, zertrümmerten die Einrichtung und mißhandelten und verschleppten die Menschen. Auch wenn sie die Opfer in die Keller der braunen Häuser schafften und dort die Folterungen fortsetzten, immer waren es„verkleidete Marxisten", die sich als„Provokateure" in die Reihen der streng disziplinierten und humanen SA. und SS. eingeschlichen haben. Denselben dreisten Schwindel versucht man nun an der Saar. Es sind aber nicht Provokateure, die terrorisieren. Das Wesen des Nationaliozialismus ist Terror. Seine Anhänger wollen die totale Diktatur über alle Gegner. Der Weg dazu ist an der Saar genau wie im Reiche die gewaltsame Unter- drückung heuchlerischer Tarnung. Stellen wir fest, baß die„deutsche Front" die massenhafte« Terrorakte zugibt. Nageln wir an, daß der Landesleiter Pirro nicht einen einzigen„Provokateur" mit Namen nennen kann. An der Saar geht eine illegale terroristische öffentliche Probeabstimmung vor sich. Die Gegner der„deutschen Front" rufen das immer wieder in die Welt. Was wird aus der Soerrrnark? An» den von Ausländern oder Ausländsdeutschen in Deutschland liquidierten Grundstücken und sonstigen Vermögenswerten entsteht die sogenannte Kreditsperrmark, die an den deutschen Börsen lebhaft gehandelt wird. Im Juli vorigen Jahres hatte sie mit 30 Prozent ihren Disagio-Tief- punkt aufgewiesen, der inzwischen durch eine Reihe von Monaten auf 19 Prozent gehalten werden konnte. Jetzt hat sie wieder eine ziemlich kräftige Erhöhung auf etwa 29 Prozent erfahren. Der Hauptanlaß liegt wohl darin, daß die amerikanischen Besitzer deutscher Skrips, die bis zur Beseitigung der durch das neue amerikanische Wertpapiergesetz geschaffenen Kotierungsschwierigkeiten zurückgehalten worden waren und sich zu erheblichen Beträgen angestapelt hatten, nunmehr freigegeben worden sind. Das Angebot an Sperrmark hatte sich so stark erhöht, daß die deutsche Golddiskontbank als Abnehmerin den Annahmekurs heruntersetzen mußte. Außerdem war der Sowjetregierung vor einiger Zeit das Recht gegeben worden, monatlich fünf Millionen Sperrmark zur Erleichterung von Warenkäufen in Deutschland zu erwerben. Die Außenhandelsstelle der Sowjetunion machte jedoch von diesem Recht vorläufig keinen Gebrauch, da sie es vorzieht, ihre Einkäufe durch eigene Exporte zu kompensieren. Dies liegt ja auch durchaus im Sinne ihres Wirtschaftsprogramms. Das steigende Disagio der Sperrmark ist ein Symptom für die immer stärker wachsenden Spannungen in der Struktur der deutschen Währung; es beweist auch deutlich, daß die Schachtschen Pläne zusätzlicher Exportsteigerung durch raffiniertes Sperrmarkdumping nur einige Zeit lang wirksam sein können, um dann— ebenso wie jedes andere Dumping — an inneren Konsequenzen effektloser zu werden: Je mehr Sperrmark ans nicht bar transferierten Zinsen, Emigrantenguthaben und Auslandsvermögen entstehen, desto schwerer fällt dem Reich die Liquidierung dieser Guthaben, auch durch erste Zusatzexporte. In Wirklichkeit haben sich aber unter sogenannten Zusatzexporten sehr häufig normale Exporte verborgen, die, durch geschickte Handhabung der Auslandsgläubiger, deren eingefrorene Guthaben wieder loseisen mußten. Die Reichsstellen konnten bei den Anträgen den Zusatzcharakter des Geschäftes nicht erkennen und mußten daher in liberaler Weise die Anträge bewilligen. Auch um derartigen Manipulationen vorzubeugen, bestimmt ein Runderlaß der Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung vom 10. März, daß die Importeure für ihre Auslandszahlungen zunächst Rembourskredite zu verwenden haben, soweit diese Zahlungsweise bei den eingeführten Waren üblich ist. Erst wenn feststeht. daß die Importfirma sich keine Rembourskredite beschaffen kann, hat die Devisenstelle eine Devisengenehmigung für Kassazahlungen zu erteilen. In erster Linie sollen hierbei die Devisenreserven der Reichsbank geschont, sodann aber auch Mißbrauch von Sperrmarkzahlungen verhindert werden- Auch soll mit diesen Maßnahmen das aus den Verrechnungsabkommen mit mehreren ausländischen Nationalbanken stammende Reichsmarkangebot im Ausland verknappt werden, um den Kurs der Reichsmark weiterhin aufrechterhalten zu können. Durch die Disagio-Vergrößerung der Sperrmark, also die Wertverminderung dieser speziellen Außenhandelsdevise, und die vorübergehende Streckung der Zahlungsanforderuu- gen wird der Fortbestand der Notreglung vorübergehend erleichtert. Jedoch läßt sich die Sperrmark als Exportdevise nicht von der Reichsmark, die ja gleichfalls mit den Funktionen der Exportdevise eng verknüpft ist, völlig unabhängig machen. Durch die Disagioverminderung wird den Konsequenzen der deutschen Devisennot auf die Reichswährung vorübergehend ausgewichen, aber zugleich verhindert, daß die zusätzlichen Exporte in ihrem vollen Ertrag der deutschen Devisenbilanz zugute kommen. „Die Dinge drängen zu einer Entscheidung über die Auslandsverschuldung," hat Herr Schacht auf der Generalversammlung der Reichsbank ausgerufen. Das Disagio der Sperrmark gibt ein außerordentlich deutliches Symptom für die gewaltige Spannung der deutschen Devisenbilanz. Der besprochene Erlaß der deutschen Devisenstelle zeigt gleichfalls die Richtung an, in der Herr Schacht vorerst den Konsequenzen der Devisenmisere auszuweichen gedenkt: Durch Verschiebung offener Kassazahlungen auf Rembours-Kredite unter dem Stillhalteverfahren soll eine möglichst große Zahl deutscher privater Auslandsschulden provisorisch festgelegt werden, um so evtl. weiteren Eingriffen seitens des Reichs ausgeliefert zu sein. (Pariser Theater Dimanche 18 Mars. Opere: Croisiere Jaune(fils)(21 h). Opera-Comique. Mme. Butterfly(14 h) Franquita(20.30 b). Comedie-Franqaise. Le Malade Imaginaire, La Double incon- stance(14), Le Monde ou I'on s'ennuie, Le Caprices de Marianne(20.45 h). Odeon: Tristan et Iseut(14.30), La Fleur merveilleuse 20.30 h). Atelier: Richard III.(15 et 21 h). Gymnase: Le Messager von Henry Bernstein mit Gaby Morlay(21 h). Madeleine: Le Passage des Princes(Offenbach)(20.45 h). Michodiere. Les Teraps difficiles(20.30 h). Michel: Parole d'honneur(21 h). Oeuvre. Les Baees(15 et 21 h). Palais-Royal: La Familie Vauberlain(21 h). Theaire de Paris. Tavaritch(20.45 h). Sarah-Berhardt: Alibi 14 von Jean Guitton(20.15 h). Chatelet: Rose de France(20 h). Gaite-Lyrique: Le pays du sourire(Das Land des Lächelns) von Lehar(14.45 et 20.45 h). Mapodar: L'Auberge du Cheval Blanc(Im Weißen Röß'l). Musik: Benatjky. Regie: Erik Charell(20.30 h). Pigalle: La Chauve-Souris(Die Fledermaus). Regie: Max Reinhardt(20.30 h). Porte Sait-Martin. Wiener Walzer(Operette von Johann Strauß, Vater und Sohn), mit Andre Bange(20.30 h). Trianon-Lyrique: Rigoletto(20.30 h). Casino de Paris: Revue: Vive Paris mit Cecile Sorel(20.30) Trocadero: Rede de Valse(Crian. Lyr.)(14.30 h). Lundi 19 Mars. Opera. Don Juan(20 h.) Opera-Comique. Relache. Comedie-Franqaise. La Couronne de Carton(20.30) Odeon. Troilus et Cressida(20.30). Atelier: Richard III.(21 h.). Gymnase: Le Messager von Henry Bernstein mit Gaby Morlay(21 h). Madeleine: Le Passage des Princes(Ooffenbach)(20.45 h). Michodiere: Les Temps difficiles(20.30 h). Michel: Parole d'honneur(21 h). Oeuvre: Les Raees(21 h). Palais-Royal: La Familie Vouberlain(21 h). Theatre de Paris: Tavaritch(20.45 h). Sarah-Bernhardt: Alibi 14 von Jean Guitton(20.15 h). Gaite-Lyrique: Le pays du sourire(Das Land des Lächelns) von Lehar(20.45 h). Mogador: L'Auberge du Cheval Blanc(Im Weißen Röß'l). Musik: Benatzky, Regie: Eric Charell(20.30 h). Pigale: La Chauve-Souris(Die Fledermaus); Regie Max Reinhardt(20.30 h). Porte Saint-Martin: Wiener Walzer, Operette von Johann Strauß, Vater und Sohn, mit Andre Bange(20.30 h). Casino de Paris: Revue Vive Paris mit Cecile Soret. Im 2. Akt: Maitresse de Rois von Sacha Guitry(20.20 h). Chatelet: Rose de France(20 h). Folies-Bergere: Folies en Folie, Revue mit Mistinguett 20.30 h). Kinos Actualites-Chine TAuto(31, Bd. des Italiens): Sportfest in Moskau. Alle Führer der USSR. und 100 000 Sportler. „Die Rose von Klarney," eine Komödie in Farben. Agriculteurs: L'Homme Invisible(de Wells), vers. originale, sous-tires franc. T. 1. j. ä 15 et 21 h. Sam. et dim. 2 mat. ä 14.30 et 17 h. Bonaparte: L'Homme Invisible(de Wells), vers. originale, sous-titres franc. T. I. j. ä 15 et 21 h. Sam., dim. et fetes ä 14.30, 17 et 21 h. Champs-Elysees(118, Ch. Elysees): Craddle Song(Dorothea Wieck) vers. orig. sous-titres fran;ais. Cine Hotel de Mille(20, rue du Temple): Raspoutine et sa Cour. Cine Opera: L'Homme invisible. Delta(17 bis, Bd. Rochechouart): Raspoutine et sa Cour- Ermitage-Club des Ursulines: Vol de Nuit(Täglich 15 und 21 h, Samstags und Sonntags 14.30, 17 und 21 h). Lord Byron(122, Cb.- Elysees): The Bowery(vers. orig), sous-titres franpais. Madeleine: Esquimaux. Sous-titres fran;ais. Marivaux: Les Miserables(2eme partie. Les Thenardiers). Marignau(27, Av. Ch. Elys.): Du a vole un Homme. Miracles(100, rue Reaumur): Catherine de Russie(Elis. Bergner, Fairbanks jun.). Montrouge Theatre(70, av. d'Orleans): Raspoutine et sa Cour(John Lionel, Ethel Barrymore). Moulin-Rouge: Les Miserables(1er film): Tempete sous un crane. Pantheon(13, rue Victor-Cousin): Man braucht kein Geld (vers. originale), Matinee 2 h. 30, 4 h, 45. Soiree ä 9 h. Vers, allem- S.-t. franejais. Paramount: Club de minuit. Parnasse Studio: The Warrior's Husbaud. Pte de St. Cloud Palace: T. 1. j. Soir 20.45. Jeudi, sam. 2.45. Dim. et fetes permanent de 14 h ä 19 h. 30. La Guerre des Valses(Fernand Gravey, Drnaem). Raspail 216. The Silver Cord(I. Dünne), s. t. fran;ais. Studio Acacias(47, rue des Acacias): Onle vesterday(Marg. Sullavan. John Boles). Studio Etoile(14, rue Troyon): Leise flehen meine Lieder (Unvollendete Sinfonie von Schubert). Vers, allem, sous- itres francais. Perm, prix red. de 14.30 ä 19 heures. Soir ä 21 h. Studio Universel(31, avenue de l'Opera): Ann Carver's Profession, d 14 h. ä 20 h. Soiree 21. h. 15. Ursulines: La Rue sans nom(Gabriel Gabrio et Const. Remy). De Wilson ä Roosevelt(retrospective americaine). Washington Palaee(14, rue Magellan): Whistling in the Dark. Permanent 2.30 ä minuit. Washington Club(14, rue Magellan): Mad. Age, Brig Money (Eddi Quillan, Rob. Armstrong) s.-t. franc- Mardi, jeudi, sam. et dim., 3 et 9 h- 30, I. Mastchenko 7» Kim«t» Marcfc* St. Hnwl• Tal Optra 72* 79 KVttda», Mliltl, o Goldpiandoricte, Siädteaaltihea sowie sämtliche deutschen Wer toapiere kauft zu den höchsten Preisen gegen bar, nur aufgewertete oder mit Atalosanggscatin PIERRE BICKERT 6, Rae Selihdci/ Strasbourg/ T6I. 36.18 Welche junge Dame wünscht mit freldenken- dem Manne itlsdssrr), in freiem beruf tätig, die Ehe- Schliessung! DleDame j oll demManne auch im Beruf durch Bar»)a«kSM lismMilsn. MMHurw. Usias mi UM n Jxoduits Jttmid 1%. BMluvani 4e ttnuAuiff, I. nw 9t. laurwat yUtClS f bil l«r»«* Tatwfww« ltm«a wrwtmfl nfer MTttftlt•»-* 9ernste jüdische Selcfiuuuen* und Wienec Häduui-QeschäUt JUuit, SS. AVENUfc WAGRAH, 1*1. 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Der falsche Marquis, der eigentlich Adalberte Pallavicino heißt, machte von sich reden, als er bei Bekanntwerden der Spionageaffäre Lydia Stahl ausgewiesen wurde. ♦ Violette Nozieres hat sich einen neuen Anwalt genommen, den Verteidiger Jean-Charles Legrand. * Wir machten kürzlich auf die Wanderungen der Quäker- Organisation in der rue Guy-de-la-Brosse aufmerksam. Diese Wanderungen ßnden im Rahmen der Veranstaltungen einer internationalen Jugendgesellschaft statt. Es liegt jedoch Veranlassung vor, darauf hinzuweisen, daß diese Veranstaltungen unparteiisch sind, mit anderen Worten, daß auch Hitlerjugend daran teilnimmt. * Dienstag, den 20. März, geben die Pariser Symphoniker onter ihrem ständigen Dirigenten Pierre Monteux einen Beethoven-Festabend, bei dem vierhundert Mitwirkende die Nennte bringen. Es werden auch Teile aus der Großen Messe und das S. Klavierkonzert gegeben. Solisten sind große Kräfte der Pariser Oper. Das Konzert ist im Theatre des Champs Elysees. * Wie sich herausstellt, ist der Hochzeitsreisende Simono- vitch, der den verdächtigen Mann im Zuge nach Dijon beobachtet haben will, der Sohn des Sekretärs des russischen Wunderbauern Rasputin. * Im Ausstellungspark an der Porte de Versailles wurde die landwirtschaftliche Preisschau eröffnet. Man sieht u. a. prächtige Rinder aus der Normandie. * Der französische Senat stimmte einem Beschluß der Kammer zu, nach dem die Herstellung gewöhnlicher Schaumweine innerhalb eines bestimmten Weinbezirks der Champagne verboten ist. * Zum Nachfolger des berühmten Pasteur-Forschers Dr. Roux in der Akademie der Medizin wurde Dr. M. Ramon, Direktor der Pasteur-Abteilung in Carches, Neffe des Verstorbenen, gewählt. Der Prince fall wird Immer undurdKdringlidicr In der Affäre Stavisky und des armen Prince, dessen Gebeine in Paris zur Autopsie eingetroffen sind, kennt sich niemand mehr recht aus. Sensationen und Gerüchte jagen einander, die Untersuchung aber tritt auf der Stelle. So muß selbst die Aussage der jungen Witwe Stavisky, die den Chinchilla mit dem schwarzen Tuchmantel vertauscht hatte und den Kragen vors Gesicht hielt, zu einer großen Sensation herhalten. In Wirklichkeit hat sie aber nichts aus dem vornehmen Hotel Claridge enthüllt, was nicht schon über den politischen Kreis ihres Abenteurers bekannt war. Romagnino, der elegante Sekretär des„escroc" war dagegen so„keß", die beiden Regierungen rechts und links. Chautemps und Tardieu, in Bausch und Bogen zu verdächtigen, ohne daß einer hier im Lande der Freiheit ihm entgegengetreten wäre. Was sonst geschehen ist. sind mehr Verrücktheiten und Unglücksfälle. So ist der junkerliche Anwalt, der die Toga des Innenministers Frot nach dem Schießtag verbrannt hat, im Justizpalast verrückt geworden oder er war nach einem guten Mahl betrunken; jedenfalls mußte er nach einer Nervenheilanstalt gebracht werden, weil er dummes Zeug anrichtete. Der Anwalt von Voix und Guiroud ist auch schon an stillem Nervenheilort, weil er in die Seine sprang, und jetzt ist auch Yvonne Taris, das Romanmädchen von der Gare de Lyon, die die schönsten Märchen über den Richter Prince und seinen Begleiter, den angeblichen Mann mit dem kittgrauen Ueberzieher gedichtet hat, in die Seine gesprungen, obwohl es noch recht kalt ist. Was Wunder, daß da wieder aus Dijon die schärfsten Märchen über einen„sosie" kommeh, einen D o p p e 1 g ä n g e r, der an Stelle von Prince begraben sein soll. Er selbst, soll irgendwo, wie in alten Sagen, gefangen sitzen. Es wird wahrlich Zeit, daß Licht in diese Affäre des Mordes kommt— die des Betruges ist jetzt genügend aufgeklärt! Ein neuer Pariser Sensationsprozeß Die Ermordung des Präfekten der Rhonemündung— Germaine Huot vor den Geschworenen der Seine Am Ende der eben begonnenen neuen Schwurgerichtsperiode steht ein ganz großer Sensationsprozeß. Es handelt sich um die behauptete Ermordung des Präfekten der Rhonemündung Causeret durch seine Geliebte Ger- Maine Huot. In der Wohnung dieser Dame: 8, avenue du Parc-Monceau, nachmittags 1.30 Uhr wurde Jean Causeret durch einen Pistolenschuß getötet. Das war vor Jahresfrist am 7. März 1933. Die Anklage lautet auf Mord. Aber der Verteidiger L e g r a n d leugnet, er sagt für die Angeklagte, das Ganze sei nur ein unglücklicher Zufall gewesen. Germaine hatte ihren Geliebten bei einer Lüge ertappt und ihn nur zum Scherze mit einer Pistole bedroht. Der Präfekt Causeret habe eine Bewegung mit dem Arme gemacht, und dabei sei der Sschuß wider Willen losgegangen. Causeret war verheiratet. Seine Witwe hat sich den berühmten Anwalt Torrei genommen, der der Auffassung des Staatsanwalts beitreten wird. Sicherlich steht einer der sensationellsten Sittenprozessse zu erwarten. Frau Simonowitsch Eine Berlinerin als Zeugin im Stavisky-Prozeß Der Hochzeitsreisende Simonowitsch, der den Mann im kittgranen Ueberzieher auf der Fahrt nach Dijon beobachtet haben will, ist, wie sich herausstellt, ein Angestellter oder eigentlich wohl„Anreißer" eines Spielklubs„F r o 1 i c s". Dies ist eine etwas merkwürdige Pariser Stätte, die inzwischen ihre Pforten schließen mußte. Die brau des Mannes Simonowitsch, die gleich ihm morgens um 9.30 Uhr zur Surete bestellt wurde und bis abends gegen 18.30 Uhr warten mußte, ist eine Berlinerin, eine geborene K i m p e 1. Der Mann ist aus Lodz. Frau Simonowitsch wurde insbesondere auch nach dem Zweck einer Reise gefragt, die sie vor einigen Wochen nach Berlin machte. Sie sagte, daß sie die Reise gemacht habe, um vor ihrer Hochzeit ihre Eltern noch zu besuchen. Frau Simonowitsch, die wenig Französisch spricht, wurde mit Hilfe eines Dolmetschers vernommen. Das Verhör war erst abends um 20.30 Uhr beendet. Der junge Ehemann Simonowitsch hatte von seiner Gesellschaft drei Tage Urlaub bekommen, die er als Hochzeitsreise nach Dijon und in Burgund verbrachte. Weiter wurde auch der Vater Simonowitsch, der angebliche Privatsekretär des geheimnisvollen sibirischen Bauern R a- s p u t i n,„des Väterchen Grigorij", von der Surete vernommen. Bonsanti Aufdeckung des Mordes an Cleriei Paris, 17. März. Wenn nicht alles täuscht, ist der italienische F a s c h i s t, der sich in einer kommunistischen Versammlung in der bekannten salle Bullier auf dem Montparnasse erschossen hat. der Mörder des italienischen Emigranten Cleriei. Der Faschist hatte einen Ausweis des Fascio von Paris bei sich. Er hat sich während der Reden schwer verletzt. Röchelnd wurde der Mensch, der den Namen Bonsanti führt, nach dem Hospital Gochin gebracht, wo er starb. In den Taschen des Toten entdeckte man einen Brief, in dem sich der Faschist selbst bezichtigte, Cleriei getötet zu haben. Bonsanti war im Mai 1933 verhaftet und wegen Führung eines falschen Recepisse auf den Namen Sandron zu 15 Tagen Gefängnis verurteilt worden. Die Aufklärung erregte in Emigrantenkreisen ungeheures Aufsehen, wie auch die Begehung dieser ungeheuerlichen Tat. Eröffnung der Daumier-Ausstellung Die von uns bereits erwähnte Daumier-Ausstellung. die Sammlung der Werke des großen revolutionären Satirikers, ist nunmehr in der Orangerie an der place de la Concorde eröffnet worden. Der gewaltige Spötter, der die Schäden der Justiz und des Parlaments geißelte, ist beute so aktuell wie möglich geworden. Das Gesamtwerk des großen Lithografen, Zeichners und Malers zu sehen, der auch Deutschland so viel gegeben hat, ist ein gewaltiger Eindruck für alle freien Geister. Den heute wieder zu scheinbarem Leben erwachten„Schrumpfgestalten der Despoten" marschiert dieser meisterliche Angreifer der„Rückkehr der Könige" immer noch nach, sie mit seinem scharfen Griffel stechend. Wir empfehlen den Besuch der Ausstellung, zn dem der Louvre einen ausgezeichneten Katalog geliefert hat. angelegentlichst. BRIEFKASTEN H. Kopenhagen. Aber lieber Freund, Tie nehme» diese!« Schreiberling Beckmann viel zu wichtig. Wir denken nicht daran, an seinen Blödsinn eine Tpalte Tay zu vergeuden. Mag er doch über die Emigranten in Tönemark zusammenschmieren was er will. Ei» paar Zeilen kräftige Abfuhr genügen. H. B. Die schreiben un» aus Holstein: Ein TA.-Mann aus Burg» drrs hatte schwere Kopfschmerzen. Er wandte sich an den Brief- kastenonkel seiner gleichgeschalteten Heimatzeitung und fragte:„Wo- her stammt das Kommando„Marsch!"?— Der Redakteur sah im Lexikon nach und war sehr betreten. Dann antwortete er:„Dieses Kommando, womit der Truppe befohlen wird, sich in Bewegung zu setzen, ist dem französischen Imperativ„marche!" nachgebildet. Da- gegen hat die französische Heeressprache das Kommando„Halte!" von den Deutschen übernommen." Womit die nationale Ehre also notdürftig repariert sein dürfte. Leonore 8. Tie belehren uns:„Ihr Modeberichi im Briefkasten ist nicht vollständig: Die moderne und streng a la Berliner Mode ge- kleidete Frau darf bei ihrem Anzug nicht vergege». eine„meitze Gardenie, die nach innen sanst errötet anzustecken. Tie läuft sonst Gefahr, als nicht„auf der Höhe" angesehen zu werden. Biel- leicht tragen Tie das für die Leserin in Luzern noch nach. WoS es mit der„sanst errötenden Gardenie"(wörtlich aus einem deutschen Modeberichi) auf sich hat, überlasse ich Ihrer üppig wuchernden Fantasie... Bielleicht will man nach dem eintönigen Braun allseits wieder mehr Farbe in die Mode bringen. Und da« es schon zum„Erröten" kommt, beweist wie sehr die ehemalige Bor- liebe für Rot immer noch vorhanden ist und sich zunächst nur schüchtern vorwagt. Quand-meme:„Erröten" ist wieder modern!" Die Edelste» der Nation. In Darmstadt war am 0. März ein große Bauarbeiter-Versammlung. Der Verbands-Kreisleiier Kobold sagte u. a. über die Gewerkschaften:„Lumpen und Tpiybüben standen an ihrer Tpiye, der deutsche Arbeiter wurde schamlos be- logen und betrogen!"— Diese verlogene Schimpferei hat«r vom Reichskanzler gelernt. Der schimpft seine Gegner auch Halunke« und Lumpe». Die bleiben dennoch und gerade deshalb Ehren- männer. Was aber sind in den Augen anständiger Arbeiter der Reichskanzler und seine bezahlten und bestochenen Kreaturen? Auf die Antwort stehen in Deutschland Ist Jahre Zuchthaus, weil sie wahr ist. MaxismnS, Rom. Tie freuen sich, daß Tie hier regelmäßig die „Deutsche Freiheit" erhalten können. Ihre Freude ist unsere Freude. Wir werden dafür Sorge tragen, daß die deutschsprachigen österlichen Rompilger unsere Zeitung nicht vergeblich suchen. Deutsche Katholiken bekunden schon heute weitgehendes Interesse. Emigrantin in Nancy. Wir können Ihnen nur zum Teil zu- stimmen. Der Begriff der Emigration ist geadelt durch lange Menschenreihen, die ihre Heimai unter dem Druck innerpolitischer Despoten oder außenpolitischer Eroberer verließen. Unseres Wi„enS ist eine Geschichte der Emigration mit ihren geschichtlichen, gesell- schaftlichen und kulturellen Hintergründen und Wirkungen bisber nicht geschrieben worden. Wer es versuchte, müßte jahrelangen Fleiß an diese große Ausgabe verwenden. Die schlagen statt beS Wortes„Emigrantion",„Exil" oder„Verbannung" vor, und Die verweisen dabei auf einige der schönsten Gedichte Freiligraths. Man kann darüber streiten, aber es ist schließlich für die Sache gleich- gültig, ob man von den Aufgaben der Emigration oder des Exils im Kampfe gegen Hitler spricht. Es kommt aus die Kämpier selber an. Tentobald, Metz. Ihr Brief brachte uns heitere zehn Minuten. Selbst Nürnbergs„Stürmer" verblaßt da. Wenn Tie daran zweifeln, daß man im Soargebiet zu zahlreichen jüdischen Einwohnern mit der dringenden Bitte kommt, daß sie sich in die Listen der„Deutschen Front" einschreiben möchten, so unterschätzen Sie die Wendigkeit Ihrer Brüder an der Saar. Hier verschlägt es weiter nichts, wenn man seine Leidenschaft zur Rückgliederung mit tadellosen Quer- Verbindungen zur französischen Rüstungsindustrie vereinigt. Warum sollte da ein Serber der„Deutschen Front" an den südischen Aerzten und Rechtsanwälten vorübergehen, die er lSW ihrer Existenz berauben will! Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Pitz In Dub- weil«; für Inserate: Ctto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der VolkSNimme GmbH, Saarbrücken 8, Schützenstraße 5.— Schließfach 776 Saarbrücken. iltfdem fp^dallste I DEUTSCHSPRECHEND I Münchener u. Pariser FakultÄt 17, rue Reaumur MAtro Arti-et-Mitler. od. Rspubllquo Frauen-, Blut-, Haut-, Harn-und Ge- sdilechtskrankheiten, Tripper, Syphi- Iis, Männerjchwädie. Neueste Heilverfahren. Elektrizität. Harn». Samen» und Blutanalysen. Massige Bedingungen.(Auch für Kassenversicherte.) Täglich von 9- 1 und 4- 8,30. Uhr Sonn» und Feiertags von 9 bis 1 u. auf Rend. v Tel. Arch. 54»27 Drs.G.und M.Spitzer 3, avenue de la Rlpublique, Paris. M4tro Rlpublique, Tel. Oberkampf 86-23. Sprechstunden: 1-3 und 6-8 Uhr Haut», Geschlecht«*, losere und Kiaderkraakbeitee Epilation Diathermie Deutsches Zahnärztliches Institut IT" I 12, RUE DE CKHiAi. Mftro i BUecke, Pigaüe Tai. Trimü 50.27. Sprechende»• 9.12, 2»8 Uhr I Zahn»«. Mund kr an kh.. Röntgen. Elektrotherapie, Prothesen, Kronen. Brücken in Gold, Platin u. Porzellan NEUHEIT: PORZELLAN.KRONEN UND.BRUCKEN I Umarbeitung schlechtsitzender Gebisse mit voller Garantie für guten Sitz. 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