Sinzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 71— 2. Jahrgang Saarbrücken, Sonntag Montag, 25. 26. März 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Aus dem Inhalt Wahlen iti Jiatieu Seite 3 Det JCampf um die, Saue spitzt sich zu Die Affäce wied immet qcößec Seite 7 Seite! B ddKffdir iHwirnW iH Einfuhrdrosseiung gefährdet die Aufrüstung Berlin, 28. März. I« diplomatischen Kreisen Berlins ist man darüber anter- richtet, daß die neue Droffclung der deutscheu Einsuhr durch die Reichsbank bei de» für die deutsche Landesverteidigung verantwortlichen Stelleu starke Beunruhigung Hervorgerufen habe. Es wird geltend gemacht, daß eine Einschränkung der Einfuhr von Rohstoffe« und gewissen Lebensmitteln die Wehrkraft des Reiches schwächen müsse. Aus diesen Gründen, so wird behauptet, würde Deutsch- land deu Abschlnss einer Rüstungskonventio«, die der Auf« rüftuug aller Staaten eine bestimmte Grenze setzt, auf jeden Fall einem allgemeinen Wettrüsten vorziehen. Trotz der intensiven Vorbereitungen, die Deutschland in den letzten Mouote» aus dem Gebiet der Rüstuugen getroffen habe, würde der Zustand seiner Finanzen eine Fortsetzung dieses Tempos auf lauge Dauer nicht gestatten. Zu denen, die gegen die Drosselung der Rohstofseinfuhr protestiert habcu, soll übrigens auch General Göriug gehören. Zu dieser Mitteilung eines Berliner Gewährsmannes jdie sich in ähnlicher Form übrigen» auch in französischen Blättern findet) ist zu sagen, daß die Drosselung der deutschen Einsuhr in der Tat aus längere Sicht auch aus die deutsche Rüstuugs» Industrie zurückwirke» mutz. Ganz allgemein gesprochen, ist natürlich das„potentiel de guerre" eines Landes mit mangcl» haster Rohstoffversorgung gemindert und dadurch auch seine Position in den internationalen Verhandlungen geschwächt. Schon aus diesem Grunde kann man die vielfach verbreitete Ausfassung bezweifeln, die deutsche Einsuhrdrosselung sei nur ein Manöver, um auf die Gläubiger einen Druck auszuüben; obwohl das Reich vielleicht in diesem Sinne aus seiner ent- schlichen Not eine massige Tugend zu machen sucht. ES ist möglich, dass Dr. Schacht, dessen Eigenwilligkeit bekannt ist, und der selbst vor den Spitze» des„dritten Reiches" keinen übertriebenen Respekt hegt, seine Politik der Einsuhr- drosselung begonnen hat, ohne aus die militärischen Wünsche gewisser Stellen Rückficht zu nehmen. Zusammenbrach der Spendenwirfediatt Das Drosselungsgesetz zur Erhaltung der Kaulhrait Berlin, 28. März. Die Reichsregierung hat ein„Gesetz zur Erhaltung der Kaufkraft" beschlossen, das dem Unfug der ewigen Spenden- fammlungen ein Ende machen soll. Die schwere Belastung der Löhne und Gehälter durch Spendenabzüge hat seit langem Proteste der Arbeitnehmer- schaft hervorgerufen! ebenso wurde aber auch in gewerblichen Kreisen, namentlich beS Mittelstandes, über die ungezählten Spenden geklagt, die geradezu kalkulationSgefährdend waren und yffenkundig auf die Preise zurückwirkten. Diese Miß- Wirtschaft soll das neue Gesetz beseitigen. ES steht in seinem ersten Teil eine Kontrolle der Finanzgebarung der juristischen Personen des öffentlichen Rechts und ähnlicher Verbände und Organisationen vor. Die Vorschriften dieses Gesetzes gelten nicht für die Länder. Gemeinden und Gemeindeverbände, für die Träger der Sozialversicherung, für die Deutsche Reichsbank und Reichsbahn, für die Religionsgesellschaften beS öffentlichen Rechts und für die NSDAP. Sie finden dagegen An- wendung auf Verbände und Organisationen, die sich in der einen oder anderen Weise an die NSDAP- anlehnen und auf besondere Anordnung der Reichsregierung auch auf Verbände und Organisationen, die zwar nicht juristische Personen des öffentlichen Rechts sind, wenn an ihrer Finanzgebaruna und an der Erhebung von Umlagen und Beiträgen durch sie ein öffentliches Interesse besteht. Das Gesetz sieht eine weitgehende Finanzkontrolle der Einnahmen und Ausgaben der genannten Verbände und Organisationen vor, ebenso eine Kontrolle der Um- lagen und Beiträge, die von diesen Verbänden und Orga- nisationen erhoben werden. Der zweite Teil des Gesetzes befaßt sich mit der Er- bebung von Spenden, die in Zukunft der Geneh- migung des Stellvertreters des Führers der NSDAP, im Einvernehmen mit dem Reichssinanzminister bedarf. Der dritte Teil enthält Bestimmungen über die Abgabe zur Arbeitslosenhilfe, wonach eine wesentliche Beschränkung in der Abgabepflicht bzw. eine vollständige Befreiung von der Abgabe eintritt. Der von'manchen Hoffnungsvollen begrüßte angebliche „Sozialismus" der nationalsozialistischen Spenbenwirtschaft ist jetzt an der harten Wirklichkeit zusammengebrochen. Allein die von Ghbbels gestartete Winterhilfe hat mehr als 3M Millionen aufgebracht? rechnet man alle die vielen Spenbensammlungen zusammen, so dürfte der Betrag eine halbe Milliarde weit übersteigen. Dies bedeutete auf die Dauer eine östliche Gefährdung der innerdeutschen Kauf- kraft, zumal da in dem ganzen Spendenwesen die K o r r u p- t i o n üppig blühte. Eine 500 Millionen-Anleihe Sdiadit relsl nach Amerika? Berlin. 28. März. Fu Berliner Bankkreise« wird behauptet, dap Reichsbank, Präsident Dr. Schacht sich nach der neuen Gläubigerkonserenz, die zu Beginn des nächsten Monats in Berlin stattfindet, nach den Vereinigten Staaten beaeben wird. Dr. Schacht soll die Abficht haben, mit den amerikanischen Banken über die Gewährung eines Kredits von 580 Millionen Mark zu ver, bandeln, die dazu dienen sollen, den Ankauf der für die deutsche Industrie notwendigen Rohstoffe zu finanziere«. Zu dieser Meldung ist zu sagen, daß sie vielleicht den Tat- fachen noch etwas vorauseilt, daß sie aber zum mindesten auf Pläne, die in der Reichsbank seit einiger Zeit erwogen werden, zurückgeht. Daß Dr Schacht den einzigen AuSweg aus der Katastrophe des deutschen Außenhandels und der drohenden Gefahren für die deutsche Währung in einer Ausländsanleihe sieht, ist seit langem bekannt. Indessen hat er schon einmal v e r g e b l i ch -ine solche Anleihe zu erlangen gesucht, nämlich wahrend der gescheiterten Londoner Weltwirtschaftskonwenz im Juli vorigen Jahres. Inzwischen ist die Lage Deutschlands frei- sich viel bedrohlicher geworden. Das auffallende Lob, das Schacht kürzlich in öffentlicher Rede dem Präsidenten Roose- oelt gespendet hat. ist vielfach als Vorbereitung eines direkten deutschen Hilferufs an Amerika aufgefaßt worden. Für die Projekte einer deutsche» Auslandsanleihe wird übrigens die Verschlimmerung der deutschen Wirtschaftslage, in gewissem Sinne aber als Erleichterung, denn als Er- schwerung betrachtet. Man hofft, daß die Auslandsgläubiger Deutschland nicht fallen lassen würden, da der Ausfall der Konsumkraft von SS Millionen Menschen auS dem Weltmarkt die beginnende Wirtschaftsbelebung im Ausland wieder zer« stören würde. Ein psychologischer Vorstoß in dieser Richtung war bereits die Ankündigung der deutschen Jmportdrosse- lung, zu der man sich freilich ohne höchste Not nicht ent- schlössen hätte. Rücktrittsdrohung Schachts? Wegen der Mark-Abwertungspläne P Ott», 28. März. Obgleich das Auswärtige Amt Gerüchte von Rücktritts- ablichten des RcichSbankpräsibenten Dr. Schacht dementiert hat. will der Korrespondent des„Journal" wissen, daß Dr. Schacht am vergangenen Freitag mit seiner Demission gedroht habe. Er habe sich bei Hitler persönlich über den Druck beschwert, den die Sachverständigen der Nazipartei auf ihn ausüben, um ihn zu einer Abwertung der Mark zu veranlassen. Er habe dem Führer erklärt, er wüde sich zur Demission gezwungen sehen, wenn dieser Druck nicht aufhöre. Diesem entschlossenen Auftreten Schachts sei e» zuzu- schreiben, dass Hitler in feiner grossen Rede in Unterhaching Gestern und heute In keinem anderen Lande der Welt wäre dies möglich. Es ist schlimmer als in Chikago in seinen schlimmsten Zeiten. Erinnert der Leser sich noch an den Namen des Landesbischofs Beye von Braunschweig? Vor kurzem las man in deutschen Zeitungen von einem sonderbaren Strafprozeß gegen diesen Beye. Er war angeklagt, einen Klempnermeister dazu verleitet zu haben, private Reparaturrechnungen zu fälschen und sie vom Kirchenvorstand bezahlen zu lassen. Auch Armengelder, die in der Kirche gesammelt worden waren, hat Herr Beye nicht abgeliefert. Feine Sache für einen Bischof. Er wurde aber freigesprochen. In keinem anderen Lande der Well wäre es möglich gewesen. Was, daß ein Bischof ungerecht angeklagt wird? Nein, daß er ungerecht freigesprochen wird. Ein obsolut zuverlässiger Gewährsmann hat uns die Einzelheiten des Falles berichtet, die die deutsche Presse verschweigen mußte. Der Landesbischof Beye war noch vor kurzem Pastor und Führer der Deutschen Christen in dem Dorfe Wenzen. Dort hatte er auf der Kanzel auch unter anderem gesagt:„Wer sich nicht zu unseren christlichen und deutschen Idealen bekehren will, den werden die Fäuste der SA. bekehren."' Mit gerade dreißig Jahren wurde dieser Evangelist des Faustrechts vor kurzem Landesbischof. Inzwischen sickerten die Gerüchte von seinen einstigen Betrügereien durch. Dem Oberstaatsanwalt schien etwas an der Sache zu sein, und er vernahm einer der Beschuldiger. Da erinnerte sich der Bischof daran, daß man widerspenstige Gegner durch die Fäuste der SA. bekehrt. Er hatte zu diesem Zweck seiner Landeskirche eine Einrichtung geschenkt, die es wohl nur in dem derzeitigen deutschen Protestantismus gibt: eine„Kirchenkampf- Staffel". Dieser Haufe gottesfürchtiger junger Schlagetots begab sich in die Wohnung des erwähnten Zeugen, als er gerade vernommen wurde, überfiel den Oberstaatsanwalt und stieß ihn beiseite mit den Worten:..Hier bestimmen wir, Ob Du da vernimmst, ist uns ganz egal." Folgendes wurde vor Gericht bewiesen: der Bischof hatte, als er noch Pfarrer war, ewig auf Pump gelebt, war stets in Gehaltsvorschuß gewesen und bezahlte grundsäfflich keine Rechnungen. Als ein Klempnermeister ihm eine solche über 83 Mark für eine Arbeit an seines höchst privaten Daches Zinnen überbrachte, da blinzelte der Pfarrer und sagte: „Na, Sie sind doch nicht von ehegestern." Nein, der Klempner war viel eher von übermorgen, nämlich aus dem„dritten Reich", das damals noch gar nicht ausgebrochen war. Kurz und gut, wie sein Pfarrer es verlangte, fälschte er die Rechnung, als ob es sich um eine Arbeit für die Kirche handle, und reichte sie der Kirche ein. Der Kirchenvorstand bezahlte sie. Der Kirchenvorstand war der Pfarrer Beye seihst. Das Gerichtsurteil stellte weiter fest:„.... daß Beye die Armengelder troff mehrfacher Mahnung bis jetjt nicht abgeführt hat. Es läßt, sich nicht verhehlen, daß hinsichtlich dieser Gelder ein gewisser Verdacht besteht, daß Beye diese für sich verbraucht hat. Zu seinen Gunsten muß seine Behauptung, daß die Gelder noch vorhanden seien, berücksichtigt werden, so daß er auf Grund dieser Behauptung wegen Mangels an Beweisen freizusprechen ist." Man muß das genau lesen. Der Pfarrer hat das Geld aus dem Klingelbeutel privat verjubelt. Aber vielleicht hat eine Tante von ihm noch irgendwie ein Sparkassenbuch. Darum kann er behaupten, das Geld sei noch da. Die Armen von Wenzen warten gern solange. Was die Rechnung für dos nichtreparierte Kirchendach betrifft, so hat auch da das Gericht„eine erhebliche Anzahl von Verdachtsmomenten". Aber was ein Bischof mit einer Kirchenkampf Staffel im Hintergrund ist, das v'erurteilt man nicht. Verurteilt wurde nur der Klempnermeister wegen„Beihilfe". Und zwar Beihilfe zu einer Tat. deretwegen dieselben Richter den Herrn Rischof freigesprochen hatten, die also eigentlich garnicht begangen worden war. Und als die Richter diesen gerechten Spruch gefällt hatten, da erhob sich der Vorsitfende und bedauerte, daß die Verhandlung überhaupt stattgefunden habe. In Deutschland grinst man heute schadenfroh über den Fall Stavisky. Ueber diesen Fall bringen die französischen Zeitungen täglich Berichte von vielen Seiten. Ueber den Fall Beye berichtete die deutsche Presse in dreißig nichts- sagenden Zeilen. Und wieviele Fälle mag es geben, von denen überhaupt nur leise unter Eingeweihten geflüstert wird? Das ist der Unterschied. In einem Lande mit freier Meinungsäußerung gibt es Korruption. Unter der Diktatur gibt es nur„Denunziation". Argus. verkündete, da? Naziregime werde auf keinen Fall versuchen, die Ausgaben des Arbeitsprogramms mit der Notenpresse, d. h. mit Hilfe einer Inflation, zu decken. Doch hat Hitler, was viel bemerkt worden ist, nur von einer Inflation„nach Art der Novemberregierung" gesprochen. Diese Aeußerung wird allgemein so gedeutet, daß die Pläne zu einer begrenzten Abwertung der Mark nach amerikanischem Beispiel noch nicht aufgegeben worden sind. Ob freilich die ausgeblutete deutsche Wirtschaft in der Lage ist. der Abwärtsbewegung der Mark, wenn sie einmal be- gonuen hat, eine Grenze zu setzen, wird bezweifelt. Nein!" Frankreichs Antwort an England: „Sie deutsche Aufrüstung ist unvereinbar mit den Abmachungen in der europäischen Verständigung M Die französische Antwortnote auf das englische Memorandum liegt jetzt im Wortlaut vor. Mit ihr dürfte die Abrüstungsdebatte für eine Weile zu Ende sein. Frankreich sagt sein„Nein". Es belastet Hitler-Deutjch- land mit einer doppelten Verantwortung: der un- kontrollierten Aufrüstung und dem Austritt aus dem Völkerbunde. Frankreich will unter diesen Umständen keine Abrüstung in Rücksicht aus seine Sicherung auf sich nehmen. Das ist zugleich die Feststellung, daß zwischen Frank- reich auf der einen Seite und England und Italien auf der andern bisher nicht überbrückte Gegensätze bestehen. Die Abrüstungskonferenz befindet sich auf dem toten Gleis. Denn eine Erklärung von amtlicher deutscher Seite be- weist, daß Hitler-Deutschland nicht daran denkt, die von Frankreich und England geineinsam aufgestellte Forde- rung auf Rückkehr nach Genf zu erfüllen. Und das Ende? Wenn nicht alles trügt und ein außen- politisches Wunder eintritt— das nicht zu erwarten ist—, dann befindet sich Europa in Kürze wieder i m S t a d i u m des allgemeinen Wettrüstens. ver Inhal! Pari?, den 28. März. Ter Wortlaut der französischen Antwortnote ist heute be- kanilt geworden. Das Deutsche Nachrichtenbüro teilt dazu folgendes mit: Tie französische Antwortnote vom t7. März aus das eng- lische Memorandum stellt zunächst fest, das; Frankreich vo» IVA bis 1032 einseitig die Dauer seines Heeresdienstes um WS Prozent, die Anzahl seiner Divisionen um 50 Prozent, seine Truppenbcstände um 28 Prozent und— vom Juni 1932 bis Juni.1933— seine LandesvertcidigungSkredite um 2.3 Milliarden verringert hat. Tic französische Regierung hat in best Antworten, die sie am 1. Januar und am 14. Februar in dem vom Reich angebahnten Meinungsaustausch erteilt hat, in klarster Weise Stellung genommen. In diesen beiden Noten sind Auffassungen klar vertreten und Grenzen ge- zogen worden, über die sich drei Negierungen am 14. Oktober 1033 verständigt hatten. Tie französische Regierung werde sich nur schwer cnt- schließen können, zuzulassen, daß Teutschlands Austritt aus dem Völkerbund, der in der Arbeit deö Genfer Bundes schwere Störungen verursacht hat, Teutschland neue Rechte verschaffen und sllr Frankreich neue Opfer herbeiführen würde» unter denen seine Landesverteidigung vielleicht leiden könnte. Tie französische Regierung erkxnnt daS ehrliche Bemühen her britischen Regierung für einen annehmbaren Kompromiß an, der aber eine Vorbemerkung erfordert. Tie Re- gierung'er Republik hat stet» eiste kontrollierte Herabsetzung der Rüstungen ins Auge gerostt, die schrittweise bis zn einem Stande durchgeführt werden jqlltc, der die Verwirklichung der Gleichberechtigung in einem System.der Sicherheit er- möglicht. Dieses System stieb aus die. Schwierigkeit, daß Teutschland fortlaufend das Programm durchführte, das es seit langen Jahren verfolgt hat, um seine Rüstungen auf einen viel höheren Stand als den durch die Verträge zugelassenen zu bringen. In dem Wunsche, die von Frankreich respektierten Grundsätze und die von Deutsch- land eingenommene Haltung miteinander zu versöhnen, ver- knüpft die britisch-- Regierung nunmehr mit einer sofortigen RnstungSverminderung, die bestimmte Staaten anf sich nehmen sollen, s artige Rüstungssteigcrungen, die anderen Mächten gestattet werden sollten. Frankreich kann weder verstehen, noch zugeben, daß die übertriebene» Ausrüstungsansprüchc, die von einer Seite erhoben werden, als Begründung dafür dienen können, von anderen Mächten NiiltongSverminderung zu verlangen, die dem Interesse'rcr Sicherheit znwidcrlausen. Tie britische Regierung hat auch die Ungerechtigkeit dieser Methoden selbst eingesehen und In dem Memorandum vom 29. Januar baö in den Friedensverträgen für die abge- rüsteten Staaten enthaltene Verbot einer militärischen Lust- fahrt vorläufig aufrechterhalten. Tie französische Regierung schließt sich diesem Standpunkt vorbehaltlos an. Dagegen hält sie sich für verpflichtet, zu der Forderung der deutschen Regierung, ihre Armee unverzüglich und ohne vorhergehende Prüfung des gegenwärtigen Standes aus eine Zahl von 80QQ0Q Mann(mit dem entsprechenden Materials bringen zu können, die entschiedensten: Vorbehalte zn m a ch c n. Würde diese Forderung angenommen, so hätte sie zur Folge, daß die Grundsätze der Völkcrbundssatzuiig und der aus diesen beruhenden Abrüstungskonferenz verleugnet und zunichte gemacht würden. Tie französische Regierung weis die Bemühungen der britischen Regierung hinsichtlich der militärähnlichen Ver- bände, gegen die sich die französischen Memoranden vom 1. Jgnuar und 14..Februar gewandt haben, sehr zu schätzen. Die deutsche Regierung gibt heute zu, daß cS nötig ist. fest- zulegen, welche Betätigungsarten diesen Verbänden unter- sagt werben inlissep, damit sie den Ebarakter einer militä- lisch?» Organisation verlieren, der sie letzt nach Form und Satzung nachgebildet sind, um sich auf das politische Gebiet zu beschränken. Nichtsdestoweniger bleiben noch'wichtige Punkte zu klären: Sie beziehen sich auf die vormilitärischen Ver- bände, die Modalitäten der Kontrolle, die UebcrgangSmab- nahmen und ganz besonders die Herstellung von Kriegs- Material. So grob die praktische Bedeutung dieser Frage auch sein mag, sie wird weit überragt von der des wichtigen Problems der D u r ch f ü h r u n g s g a r a n t i c n. Eine Vereinbarung hat nur dann Aussicht durchgeführt$8'werten, wenn sie„ans einer breiten Grundlage beruht, die die Regelung der Rüstungen mit Zusicherungen aus dem politischen Gebiet ver- knüpft". Tie französische Regierung hgt die Vorschläge über eine Konsultation der Mächte geprüft. Diese Vorschläge bedeuten einen Schritt vorwärts: aber ist eine Verpflichtung zur Kon- sultatlon bei Verletzung des Abkommens geeignet, Abhilfe gegen ein?'estges'ellte Verfehlung zu bringen? Die fr an- zö fische Regierung glaubt dies nicht. ES ist offensichtlich etwas Weiteres nötig. So müssen die Signatar- Wächte insbesondere anerkennen, daß sie strikt verpflichtet sind, gegen eine durch die Kontrolle ausgedeckte BertragSver- letzung unverzüglich mit allen als unerläßlich angesehenen Mitteln des Druckes vorzugehen, wobei das Ausmaß der Sanktionen der Schwere der Vertragsverletzung anzupassen wäre. Ebenso muß zugestanden werden, daß, wenn die fest- gestellten Vertragsverletzungen die Sicherheit eines ande- ren Staates gefährden, ein solidarisches Vorgehen der Mächte stattfinden muß, um zugunsten des bedrohten Staats das gestörte Gleichgewicht wiederherzustellen. Schließlich muß immer wieder auf den Völkerbund und seine Satzungen zurückgegriffen werden. Frankreich hat es daher freudig begrüßt, daß die britische Regierung die Rück- kehr Teutschlands in den Völkerbund zu einer„w«senk- l i ch e n Bedingung" für die Unterzeichnung eines Ab- kommen? über die Rüstung gemacht hat. Teutschland könnte leine bessere Garantie für daS Gleichgewicht der Mächte geben, als seine frei von allem Zwang erfolgende Rückkehr in die Staatengemeinschaft, in die es ausgenommen worden ist. Tie Regierung der Republik kann keine« Vorschlag an» nehmen, der die Abrüstung Frankreichs verschärsen würde, indem er gleichzeitig Deutschland eine sofortige und schwer zu begrenzende Legalisierung einer Ausrüstung zubilligt, die es schon jetzt unter Verletzung der Verträge durchführt. vie ersten englischen Stimmen London, 24. März. Aussübrliche Berichte in den Morgen- blättern beschäftigen sich mit dem Inhalt der französischen Rote und dem Beschluß der englischen Negierung, nach einer gemeinsamen Prüfung mit der deutschen und italienischen Antwort den diplomatischen Meinungsaustausch zwischen London. Paris, Rom und Berlin fortzusetzen. Weitere Rück- fragen in PariS werden von den Korrespondenten mit„Miß- Verständnissen" über gewisse Punkte in der französischen Note begründet. Der diplomatische Mitarbeiter des„Tally Herald" sagt, wenn Frankreich tatsächlich auf seinem Standpunkt vom 14. Oktober beharren wolle, so bedeute dies, daß es die Ab- rüstungskonferenz zerschlage, und nichts anderes... Das Echo in Paris TNB. Paris, 24. März. Französische politische Kreise und die Presse versuchen, die am Freitag veröffentlichte Antwort an England trotz ihrer kategorischen Ablehnung der englischen und indirekt auch der italienischen Borschläge als einen „positiven, konstruktiven Beitrag" zum AbrüstungSmerk dar- zustellen. Ter„Petit Parisien" sagt, daß diese„vom reinsten Patrio- tiSmus" getragene Antwort bereits die Zustimmung Bel- giens, Polens und der Kleinen Entente erhalten habe. Sie sei„positiv und konstruktiv" hinsichtlich der Mittel, die vor- geschlagen würden, um im Rabmeu des Völkerbundes die Verpflichtungen aus Artikel 8(Abrüstungsartikelj, die Be- schlüsic der Abrüstungskonferenz und gleichzeitig auch die Teutschland durch die Entschließung vom 11. Dezember 1982 bewilligte„Gleichberechtigung in der Sicherheit" zu verwirk- lichcn. Daß diese Antwort nicht befriedige, stehe außer Zweifel. Jetzt müsse England sich änßcr». Das„Journal" glaubt, die Schlußfolgerung der franzö- fischen Note sei, nach Genf zurückzukehren, um festzustellen, ob Teutschland bereit sei oder nicht zur Annahme der Bürgschaften, ohne die weitere Verhandlungen undcnk- bar wären. Ter sozialistische„Populaire" lLeon Blum! würde die französische Note begrüßen, wenn es sicher wäre, daß der Hinweis auf den einzigen Ausweg„zurück nach Genf" nicht als Ausiluchimanöver, sondern als entschlossener Wille zur rettenden Tat gewertet werden könnte. Sei dies nicht der Fall, bleibe nur noch eine Hoffnung: die heilbringende Juter- vention Rußlands an Stelle des versagenden Frankreich... vie Dolliuß-Iasflz beginnt Großer politischer Prozeß in Wien In Wien hat Freitag früh ein großer, voraussichtlich mehrere Tage in Anspruch nehmender Prozeß gegen a o t i- faschistische Arbeiter und Mitglieder des Schutzbunds begonnen, die an den Februarkämpsen teil- genommen haben. Der Pariser Rechtsanwalt Hajje ist von der Internationalen juristischen Vereinigung nach Wien ent- sandt und wohnt den Gerichtsverhandlungen als Beobachter bei. Selb» vor Gericht anfzutretcn und zu plädieren ist Ausländern durch die österreichische Prozeßordnung nicht gestattet. s Der Schutzbund lebt! Mitglieder des Sozialdemokratische« Schutzbundes haben unter die Wiener Bevölkerung heimlich folgenden Ausruf verteilt: Kameraden!-~ Wir haben gekämpft. Wir sind geschlagen, aber nicht besiegt. Ehre unseren Febrnar-Gcsallcue«! Denkt an unsere Helden Weißet und Wallisch. Ihr Opfer wird nicht vergebens gebracht worden sei«. Wir werden die Verräter zu strafen wisse«. Tie sclge« Henker fürchten die Arbeiterklasse. Sie fühlen den Haß und den Widerstand des Volkes. Tie Nazis versuchen unsere Gunst zu gewinnen. Tie sind die Mörder unserer deutschen Brüder. Wir hoben nichts mit ihnen gemein. Tie Partei ist zerschlagen. Wir haben wieder von vorne angefangen. Freiheit! Die Kämpfer. Ras Heueth Tie evangelisch? Snnodc von Westfalen, deren Delegierten in Dortmund versammelt sind, hat Hitler,.Hindenburg und Frick einen Beschluß übermittelt, in dem sie es ablehnt, Uch den Deutschen Christen zu untcrwersen. Tic westfälische Synode betrachte sich nur den eigenen Mehr- heitöbcschlüssen gegenüber verantwortlich. Tie 1808 Mann starke Belegschaft des Rcichsbahu-Aus- bcsserungSwerkes Köln bat einen eintägigen Streik durchgeführt. Es sollte ein Lohnabbau voraenommcn werden, gegen den die Belegschaft protestierte. Nach Durchführung des Streiks sind die geplanten Kürzungen fallen gelassen worden. In Ncrgheim bei Köln klebten Mitglieder der katholische« Jngendvcrbände Plakate gegen die Hitlerjugend mit der Ausschrist:„Schluß mit der HJ.". In Köln-Sülz wurde der Nazi-Jnngvolkfübrcr Peter Leebach bei einem Zusammenstoß mit katholischen St.-KcorgS-Psadsindern verletzt. Das Württembergische Justizministerium gibt bekannt, daß die Gerichtopreffrstelle des Landgerichts Stuttgart anigchoben wird,„nachdem sür deren Beibehaltung infolge der veränderten polltischen Laae und der Umgestaltung des gesamten Pressewesens kein Bedürfnis mehr besteht". Dieser Ver» ordnung liegt eine Anweisung der Gestapo zuarnnde. wonach über?i"rk»ltnnaen und Prozesse aus politischen Gründen nnr noch aus Anordnung der Gestapo berichtet werden dars. Wegen Beleidigung Hitlers erhielt der Installateur Georg Schlander aus Darmstadt vor dem Darmstädtcr Sonder» gericht 7 Monate Gefängnis. Die ISOprozenllgcn Frank greift Faulhaber an In Weimar sprach Reichsjustizminister Dr. Frank. Er drohte mit einer„gründlichen Musterung" und wandte sich gegen die löüprozentigen Nationalsozialisten, denen man noch nicht scharf genug vorgehe. DaS Thema seines Vortrags „Kamps der Reaktion" umriß drei Arten dieser Reaktion: die politische, die soziale, die religiöse. Hier nannte er, nicht ohne scharfe Angriffe, den Kardinal Faulhaber als Haupttrciber... Der Staatsaufbau, den setzt der Nationalsozialismus schaffe, sei sür Jahrtausende berechnet. Wer da nicht mitmarschieren könne, der schließe sich aus dem Marsch des deutschen Volkes überhaupt au». vie vomhe Das„Attentat"— gegen die Opposition Berlin, 22. März Die Bombe, die an der Ecke Unter den Linden und Wilhelmslraße geworfen wurde, war nicht für Görtng bestimmt. Es steht inzwischen fest, daß Göring sich um die Zeit de»„Attentats" nicht in Berlin aufhielt. Viel- mehr befand er sich zu. jener Stunde etwa 29.Kilometer von Berlin entfernt beim Mittagessen. Diese Tatsachen, die sich in allen Kreisen der hauptstädtischen Bevölkerung wie ein Lauffeuer verbreiteten, haben die Ner- vosität noch verstärkt. Man fragt sich jetzt um so mehr, welchen Zweck der. Bombenwurf verfolgte. In eingeweihten Kreisen ist man der Ansicht, daß der Vorfall den Vvrw.and zu einer neuen, verschärften Terror welle li.e- fern soll und daß die auffallend vielen Verhaftungen während der letzten Tage in verstärktem Maße fortgesetzt werden sollen. Nicht, nur.Göring hat am letzten Sonntag in Eisen erneus gegen die Opposition getobt: auch der GLbbelsschc „Ansriss" bringt gerade in seiner gestrigen Nümvier einen Artikel über daS neue Buch von Sommerfeld:„Kommune", i« dem gesagt wird:„Niemand von uns kann sich wohl ein Bild davon mächen, wie der äußerlich niedergeschlagene Kommunismus nunmehr keinen unterirdischen Krieg gegen das nationalsozialistische Teutschland führt. Wer dieses er schulternde Buch von Tommerfelbt gelesen hat, dem sei," sagt der„Angriff",„der Beweis geliefert, daß z. B. noch kommu- nistische Bezirksleitungen ihren Mitgliedern unverblümt Kampfanwelsungen geben, daß Verbindungen zwischen den in Konzentrationslagern sitzenden politischen Verbrecher», mit den im Ausland befindlichen Gesinnungsgenossen be- stehen. Das Werk," schließt das Blatt,„das von einem Kenner der Materie geschrieben wurde, hat seinen Zweck erfüllt, wenn bieVolksgenossenauSihrer friedlichen R u H e g e r i s s e n w e r d e n." Terrorbilanz eines Jahres Das Welthllsökomitee für die Opfer des Hitlcrsaschiömn» ha» aus Grund von Berichten, die ans erper Hand stammen, festgestellt, daß die Nationalsozialisten seit dem 1. Januar tSSS iSOUl) politische Gegner getötet, 119 682 verwandet und 174 000 in Konzentrationslagern interniert haben. Unter Hinweis ans die öffentliche Erklärung von Göbbets, daß Vertreter des AnSlandcs die Möglichkeit haben, sich von den Verhältnissen in den Konzentrationslagern mit eigenen Angen z« unterrichten, hat der Borstand der tfchcchoilowa, kischen Jnristenvereinigung beim deutschen Innenminister Frick die Bewilligung der Einreise und ungehinderten Be» sichtigung sür ihre Delegation gefordert. Die Delegation, die sich aus Juristen, Aerzten. Journalisten und Arbeitern zusammensetzt, will vor allem die Konzentrationslager i» Sachsen besuche«. Eranhreichs Sparprogramm Paris, 24. März. Ter Finanzministcr Germaiw-Martin wird, ivie der„Matin" erklärt, am Samstag, spätestens, am Montag, seine Besprechungen mit den einzelnen Minister« über die Sparmaßnahmen aufnehmen. Er-wird zunächst mit A r b e i t s m i n i st e r M a r q n e t verhandeln und von diesem Einsparungen in den Sozialversicherungen in Höhe von mindestens.">00 Millionen Franken fordern. Tee Arbeitsminister dürfte einen besonderen Plan entwickeln, durch den es möglich wäre, dem Staat für die kommenden fünf Jahre eine Summe von sechs Milliarden Franken ans den SoziafversicherungSkassen zur Verfügung zu stellen. Ziel der Verordnungen sei, eine 5— 8 p r oz e n I ig c Kü rz un g der Bezüge der Beamten und PensiottS-- empfange», ausgenommen der Frontkämpfer und Kriegsopfer. Schließlich denke man daran, in gewissen Ver- waltnngszweigen die Zahl der Beamten herabzusetzen. Tie Betroffenen würben mit 69 Prozent ihrer bisherigen Bezüge in den Ruhestand versetzt werden. Deutsches Flugzeug über Frankreich Wie erst jetzt aus Metz gemeldet wird, hat am 47. März ei» deutsches Flugzeug die sranzösischeu Grenzbefestigungen über» flogen. Es hielt sich in einer Höhe von etwa 100 Meter und trug die Nummer D 1060 und am Steuer ein Hakenkreuz. Der Borsall hat bei der Bevölkerung stärkste« Unwillen c-regt. Wahlen** In Italien Aus dem klassischen Lande des Paschismus M Von Peter Garwy Am 25. März finden in Italien„Parlamentswahlen" statt. Auch im„korporativen" Staat wird— trotz der höhnischen Verneinung des„verbrauchten Parlamentaris- mus" und der„versagten Demokratie"— gewählt. Ge- wiß— zum Fenster hinaus, mehr für das Ausland als für das Inland. Immerhin— bedarf die heutige, faschistische Reaktion einen pseudodemokratischen Deck- mantel. Der simplistische patriarchalische Despotismus der Vergangenheit ist durch die raffinierte plebiszitarische Diktatur des Faschismus abgelöst. Marx stellte einst fest, der Zäsarismus sei die prostitu- ierteste und die letzte Form jener Staatsmacht, die von der aufkommenden bürgerlichen Gesellschaft als Mittel ihrer Befreiung geschaffen wurde, die aber in der Absteig- Periode der Bourgeoisie in ein Instrument der Unter- jochung der Arbeit durch das Kapital verwandelt wird. Marx meinte damit den Bonapartismus. Die modernste Form des Zäsarismus. dieser„prostituiertesten Form der Staatsmacht", ist zweifelsohne die plebiszitarische Diktatur des Faschismus. In Italien wird„gewählt". Aber es gibt nur eine Partei— die der Diktatur. Es gibt nur eine Kandidaten- liste— die der Diktatur. Und es gibt nur eine program- matifche Wahlrede— die des Diktators. Die Wühler haben übrigens nicht zu wählen. Sie haben nur Ja oder Nein zu sagen. Keine Wahlen, sondern ein Plebiszit unter dem Henkerbeil. Diktator dixit. Mussolinis Wahlrede war nicht nur für„sein Volk", sondern auch für die ganze Welt gehalten. Die Zeit der heuchlerischen Bescheidenheit ^„Faschismus sei kein Exportartikel") ist längst vorüber. Der Sieg des Faschismus in Deutschland und in Oesterreich sowie die jüngsten Ereignisse in Frankreich haben den Gründer des Faschismus mit Stolz. Zuversicht und Hoffnung erfüllt. Der italienische Faschismus werde Welt- faschlsmus. Zum dritten Male erfülle Rom eine Welt- Mission: Rom der Kaiser, Rom der Päpste, Rom des Faschis- mus. Nicht das Dritte Reich Hitlers, sondern das Dritte Rom Mussolinis erhebt den Anspruch auf die „geistige" Führung und auf die politische Weltgeltung. Die Weltpresse hat gerade den außenpolitischen Aus- führungen Mussolinis die größte Aufmerksamkeit ge- schenkt. Zum Teil auch mit Recht. Der Duce hat dies- mal die Alaske der Friedfertigkeit zur Seite gelegt. Die Zerrissenheit Europas und die Zerfahrenheit der bürger- liehen Staatsmänner sind nunmehr zu groß geworden. Der Duce braucht nicht mehr sich zu genieren. Sein Hoch- lied auf den Militarismus, seine Verschmähung des Völkerbundes, sein Führungsanspruch im revisionistischen Block, seine Gegenüberstellung der alten„saturierten" und der jungen landhungrigen Staaten und insbesondere sein offener Expansionsdrang nach Afrika und Asien klingen wie eine Kriegserklärung. Vergebens versuchte Mussolini die Kriegsgeföhrlicke Bedeutung seiner Expansionsansprüche dadurch abzuschwächen, daß er sie nicht in Europa, sondern nach Asien und Afrika verlegt. Der Weg nach Asien und Afrika liegt über Europa. Jede neue Welt- Verteilung hat in gegenwärtigen Verhältnissen einen euro- päischen Krieg zur Voraussetzung. Tie Kolonialansprüche Italiens bilden nur einen Einzelfall des aufblühenden „volkstümlichen" faschistischen Neu-Imperialismus. der sich dem„saturierten" großkapitalistischen Alt-Imperialismus gegenüberstellt. Durch die Alarmstimmung abgelenkt, hat die bürgerliche Weltpresse den innerpolitischen Teil der Wahl- und Paraderede außer acht gelassen. Für die internationale Arbeiterschaft ist aber auch dieser Teil der prahlerisch- kriegerischen Programmrede Mussolinis von größtem Interesse. Gerade auf die sozialen, wirtschaftlichen und politischen„Errungenschaften" des verflossenen Jahrfünfts der Faschistenherrschaft baut der Duce seine Hoffnung auf den baldigen Sieg des Faschismus in der ganzen Welt. Diktatordixit. Der Duce spricht— und predigt. Er spricht von den„märchenhaften Erfolgen" auf allen Gebieten, die seine„kühnsten Erwartungen" überholt haben. Er prophezeit den Sieg des korporativen Staates, die Befreiung der Arbeiter und der Bauern, die Brechung der Macht der Maschine und ihre Unterstellung dem Menschen:„Wir schreiten vorwärts— der neuen Politik und der neuen Wirtschaft entgegen!" Die neuePolitik! Der alte Despotismus in einem neuen Gewand. Denn der korporative Staat bedeutet in Wirklichkeit die Entrechtung und die Entmachtung der Arbeiterklasse und der Bauernschaft. Was nützt Musso- linis„staatsrechtliches" Geschwätz:„Das Volk ist der Leib und der Staat ist die Seele der Nation, darum sind der Staat und das Volk eins." Es fehlt ein Endglied in dieser Phrasendrescherei: die postulierte„Einheit" des Volkes und des Staates ist in der Person des Diktators verkörpert und nur auf dem Wege der Rechtlosigkeit und des Terrors erreicht. Schließlich hat der französische König das offene Geheimnis des„totalen" Staates längst verraten: „L'ötat c'est moi"... Die neueWirtschaft! Eine seltsame Mischung aus den zünftlerischen Reminiszenzen und den staatskapitalisti- schen Versuchen. Gewiß ist manches Großzügige auch im faschistischen Italien wie einst im bonapartistischen Frank- reich versucht und erreicht. Der Umbau und die Ver- schönerung der Städte, die Trockenlegung der Pontinischen Sümpfe, die Ausgrabungen der altrömischen Ueberreste,— alles dies ist nicht wegzuleugnen. Aber das alles genügt bei weitem nicht, um über die„neue Wirtschaft" zu sprechen, die„weder Kapitalismus noch Sozialismus, aber beiden überlegen fei". Hot denn die neue Wirtschaft des Faschismus Italien von den Auswirkungen der Weltkrise gerettet? Auch nach der offiziellen Statistik beträgt die Zahl der unterstützten Arbeitslosen 1 200 000. Die„neue Wirtschaft" des Faschismus ist die getarnte, zum Ueberdruß bekannte kapitalistische Wirtschaft nur mit einer staatskapitalistischen Prägung. An dem Grundsatz der kapitalistischen Ausbeutungs- und Profitwirtschaft wird nicht gerüttelt. Hinter der politischen Allmacht der faschistischen Partei steckt die ökonomische Allmacht des Kapitals. Die demagogischen Zugeständnisse an den Mittel- stand und an die Bauernschaft ändern nichts an diesem Tatbestand. Die„Wahlen" am 25. März zum italienischen Pseudo- Parlament werden selbstverständlich mit dem„fast ein- stimmigen" Sieg der Diktaturpartei enden— ebenso wie es im Hitler-Deutschland bei den jüngsten Reichstags- wablen der Fall war. In den Diktaturländern sind das Volk und die totale Staatsmacht— wenigstens nach außen- immer„eins". Bis allerdings der Tag kommt, wo die verlogene„Einheit" unter dem revolutionären An- stürm des werktätigen Volkes im Nu zusammenbricht. Das obgesdiworene Programm „Illusionen und Fantasie Aufmerksamen Beobachtern kann es nicht entgehen, daß seit etlicher Zeit in fast allen programmatischen Reden der braunen Oberhäuptlinge eine bestimmte Wen- dung wiederkehrt. Wir wissen aus Erfahrung, daß in solchen Fällen kein Zufall obwaltet, sondern eine propagandistische Absicht am Werke ist. die durch ständige Wiederholung des Gleichen über irgend ein unangeneh- mes Faktum hinwegtäuschen will. Nehmen wir. um zu erkennen, worum es sich handelt, eine Rede des Führers selbst und eine seines obersten Propagandachefs, womit wir ja zweifellos tonangebende Leute der NSDAP, vor uns haben. Hitler erklärte bei Einweihung der Automobilausstellung: Als ich vor einem Jahr die Ehre hatte, die erste Auto- Mobilausstellung im neuen Reich zu eröffnen, befand sich die deutsche Wirtschaft auf einem Tiefpunkt, der das Schlimmste befürchten ließ. Nur Maßnahmen von ein- schneidender Wirkung und größter Eindringlichkeit konnten vielleicht noch Abhilfe schaffen. Die Armee der Erwerbs- losen die Not ihrer Lebenshaltung, gaben den katego- rischen Befehl, unter Verzicht auf alle wirt- s ch a f t l i ch- t h e o r e t i s ch e n Illusionen und Fantasien die Maßnahmen durchzuführen, die allein noch geeignet sein konnten, dieser allgemeinen Not zu steuern. Mit ähnlichen Worten sprach Göbbels bei Eröffnung der Leipziger Messe den gleichen Gedanken aus: Die Gefahr, daß wir als blasse Doktrinäre mit dem Leben selbst und seinen unabänderlichen Gesetzen in Konflikt gerieten, haben wir auf das Glücklichste vermieden. Wir haben die Probleme aller Art als Praktiker angefaßt und, soweit das im Rahmen des Möglichen lag, einer greif- baren Lösung zugeführt. Unbelastet mit s a r b l o s e n T h e o r l e n und b l a s s e n Doktrinen sind wir an die Arbeit gegangen und haben den Kampf gegen die große Not aufgenommen. Keiner von uns hat sich dabei irgendwelchen trügerischen Illusionen hingegeben. Wir wußten zu gut. wie schwer das Erbe war. das wir übernahmen, um auch nur einen Augenb ick darüber im unklaren zu sein, daß eS Hartester An- strengungen, eines verbissenen und zähen Angriffsgeistes, einer unerschütterlichen Standhaft.gkeit und eines durch nichts zu beirrenden gläubigen Idealismus bedurfte, um Deutschland aus der tödlichen Krise herauszufuhren. Man hat hier das deutliche Gefühl, daß die Nazifuhrer. indem sie mit vollen Backen ihr Eigenlob blasen, sich doch zn Wahrheit gegen einen unausgesprochenen Vorwurf verteidigen. Und so ist es auch. Was ist denn ge- meint mit den„Illusionen und Fantasie n", auf die verzichtet zu haben Hitlers Stolz ist? Was versteht Göbbels unter„farblosenTheorien und blassen Doktrinen", die er auf das Glücklichste vermieden haben will? Ersetzen wir diese abstrakten Begriffe durch das Konkretum, das sie verschleiern sollen, so ergibt sich, daß nichts anderes gemeint ist als das Programm der NSDAP., nichts anders gemeint ist als die„ewig unab- änderlichen" 21 Punkte vom Jahre 1920, die das angeb- lich unverrückbare Ziel nationalsozialistischen Strebens bilden. Diese Punkte enthielten u. a. die Brechung der Zinsknechtschaft, die Verstaatlichung der Trusts und Konzerne, die Vernichtung der Waren- und Kaufhäuser, die Gewinnbeteiligung der Arbeiter und Angestellten usw. usw. Jetzt, in beiden Fällen vor einer kapitalistischen Zu- Hörerschaft, vor Automobilindustrie und Großhandel, wiesen zwei oberste Führer der Nazi mit schlauem Augen- zwinkern darauf hin, wie sie als„Praktiker", d. h. als ge- treue Knechte des Kapitalismus nichts von diesen„blassen Theorien" in die Wirklichkeit umgesetzt haben. Zwischen den Zeilen ihrer Rede ist zu lesen:„Na, was sind wir doch für feine Leute! Haben wir Euch nicht gesagt, daß den Kapitalisten kein Haar gekrümmt würde, daß all das sozialistische Gerede nur Schaumschlägerei für die Massen der Gläubigen sei? Seht, wie treu wir unsere geheimen Versprechungen, gegen die ihr uns das Geld für die Propaganda gabt, innegehalten haben!" Für die enttäuschten Massen draußen klingt freilich ein anderer Sinn aus der Rede:„Wie, auf Sozialismus habt Ihr gerechnet? Wir hätten das verheißen? Aber das find ja nichts als Illusionen und Fantasien, mit denen man keinen Hund hinterm Ofen hervorlockt, blasse Doktrinen, von denen kein Mensch satt wird. Wir. als die echten Praktiker, mußten all das über Bord werfen, um die Wirtschaft anzukurbeln." So verhöhnen die Naziführer heute das Programm, mit dem sie einst die Massen köderten. Und in einem Punkte kann man Göbbels schon recht geben: hier bedarf es wirklich„eines durch nichts zu beirrenden gläubigen Idealismus", um diesen Riesenbetrug nicht zu durchschauen! Domen" Einst und jetzt In Nummer 5 der gleichgeschalteten Metallarbeiterzeitung werden die alten Lügen über die Korruption in den freien Gewerkschaften wiedergekäut. Zur Illustration dieser Lüge geben wir einige Stichproben über das Verhältnis der Angestellten bei den alten und bei den gleichgeschalteten Gewerkschaften: Beschäftigte früher jetzt Bezirksleitung Erfurt d. Fabrikarbeiterverbandes 3 95 Ortsverwaltung Mühlhausen d. Textilarbeiterverb. 2 28 Ortsvermaltung Mühlhausen DMB..... l 92 Ortsverwaltung Gera DMB........ 2 7 Ortsverwaltung Görlitz DMB 2 5 Ortsvermaltung Dortmund DMB.4 9 Ortsverwaltung Hörde DMB........ 3 8 Ortsverwaltung Schwerte DMB....«^..— 3 Ortsverwaltung Barop DMB. 2 Ortsverwaltung Magdeburg DMB...... 9 15 Im DMB. Görlitz sind außerdem noch ein Chauffeur, ein Auto und ein Motorrad hinzugekommen. Im Gesamtverband Görlitz erfolgte am 25. Januar 1934 eine plötzliche Revision, deshalb stürzte sich der Kassierer, ein früherer Kaufmann, aus dem Fenster und blieb tot liegen. Das ist bereits der dritte Mann auf diesem Posten, der Mein und Dein verwechselte. Im DMB. W e i ß w a s s e r wurden 4999 RM. unter- schlagen, und in Hirschbcra 3999 RM. In Erfurt wurden n r Nazis aus dem DMB. heraus- geworfen, weil die Kasse nicht stimmte, und ein fünfter ver- kaufte DMB.-Beitragsmarken auf eigene Rechnung. In Hörde hat der Kassierer des DMB. 900 RM. veruntreut. Der Kassierer der NSBO., Neuhaus, in E s s e n hat 21990 Reichsmark unterschlagen. Er hat sich im Gefängnis erhängt. Unten wird geknausert Bei den Bonzen oben merkt man nichts davon Hamburg, 22. März.(Jnpreß.) Der„Völkische Beobachter" veröffentlicht eine Statistik über die Ausgaben für die Mit- glieder des„Freiwilligen Arbeitsdienstes". Daraus geht hervor, daß die Gesamtausgaben pro Kopf und Tag 1,71 Mk. nicht übersteigen dürfen. Dieser Satz liegt noch unter den Ausgaben für Strafgefangene, die täglich IM Mk. betragen. Bon den 1,71 Mk. entfallen auf die Verpflegung 79 Pfg., 07 Pfg. sind für Unterkunft, Berwaltungskosten des Lagers, Abzahlung der Uniform, Beiträge zur Unfallversicherung, Einrichtung usw. bestimmt. Die Arbeitsdienstler selbst er- hallen pro Tag 25 Pfg., von denen noch„freiwillige Spenden" gezahlt werden müssen. „Wissentlich falsdie Angaben" Erbanlagen und Ehestandsdarlehen Der preußische Innenminister hat im Anschluß an die vom Reiche herausgegebenen neuen Personalbogen für die Be- werber um Ehestandsdarlehen Richtlinien für die ärzt- liche Untersuchung der Bewerber ausgestellt, Ehe- stanösdarlehen wegen eugenischer Bedenken abzu- lehnen. Um die erfahrungsgemäß immer wiederkehrenden wissentlich falschen Angaben über eigene oder in der Familie bestehende Erkrankungen nach Möglichkeit ein- zuschränken, empfiehlt der Minister Erkundigungen bei der zuständigen Fürsorgestelle oder beim Gemeindevorsteher. Zur Nachprüfung der über den Tchulerfolg eingetragenen Angaben sei es ratsam, die Borlage des Schule nt- lassungszeugnisseS zu verlangen. Wenn bei der Be- Handlung von Gesuchen um Gewährung von EhestandSdar- lehen noch nicht die gleichen Forderungen erhoben werden dürften, wie sie dem Gesetz zur Verhütung erbkranken Nach- wuchses zur Grundlage dienten, so sei das in der Tatsache begründet, daß bei der Gewährung von Ehestandsdarlehen der Gesichtspunkt der Arbeitsbeschaffung über- wiegen müsse. Die Frage einer Erweiterung der Vorschriften im Sinne einer stärkeren Betonung eugenischer Interessen werde noch geprüft. Vorerst müßten sich jedoch die Ab- lehnungsgründe in erster Linie auf solche vererblichen Krankheiten beschränken, bei denen eine Verheiratung nicht im Jnteresssse der Volksgemeinschaft liegen könne. Keuaunas-»nd Gebärunsähigkeit allein sowie höheres Lebensalter könnten noch nicht als Grund für eine Ablehnung anaesehen werden. Bei einzelnen statistischen Landesämtern liegen Gesuche von heiratswilligen Personen vor. ihnen für die Anträge auf Bewilligung von Ehestandsdarlehen die T o d c s u r- fachen ihrer Vorfahren aus dem Ur Material der Todesursachen st ati st ik mitzuteilen. Der Reicks- innenminister hat in einem Schreiben an die Landes- regierunaen zum Ausruck gebracht, baß ein« Auskunfter- teiluna über Todesursachen einzelner Verstorbener g r u n d- sätzlich abzulehnen sei. Nur in besonders begründeten Fällen könne ausnahmsweise eine solche Auskunft zulässig fein. Wie soll da die berühmte„Familienforschung" möglich werden? Dinker mW krause ..Deutsche Volkskirche" des Zünders wider das Blut Berlin, 22. März. Ueber die„Deutsche Volkskirche" sprach dieser Tage ihr Gründer und Leiter. Dr. A. Dinier ffrüher„Geistchristent^m"). Er wiederholte seine alte These, daß Christus als Gallläer Arier gewesen sei und die Lehre Christi für die arischen Völker nicht etwas absolut Neues, sondern eine neue Offenbarung der alten arischen Licht- bringerlehre bedeute. So ließen sich wahrer deutscher GotteS- glaube und der HeilandSgedanke durchaus vereinen. Diese erneuerte Heilandslehre ermöglicht nach Ansicht Dinkers erst die Entfaltung des deutschen Wesens. Sie sei das sittlich- religiöse Ideal, das das deutsche Volk brauche, da es zur echten Volksgemeinschaft strebe. Die Bewegung Dinters und die volkskirchliche deutsche Glaubensbewegung(Dr. Kraujel fühlen sich innerlich gegenseitig als Ergänzung, da Krause mit ähnlichen Grundsätzen nur mehr Wert auf die Eigenart der deutsche« Kulturgeschichte legt. Eine besondere Note erhalten die Ausführungen Dinters dadurch, baß Krause kürzlich betonte, man müsse in Sachen der Religion zu einem arteigenen Wertmaßstab zurückkehren: was vom Christentum vor einer solchen Wertung Bestand habe, solle auch beibehalten werben. Unmöglich sei der Ge- danke, daß man zwar das„dritte Reich" an- erkenne, Gott aber mehr gehorchen müsse als den Mensche».., Deut sehe Freiheil", Nr. 71 ARBEIT UM» WIRTSCHAFT Sonntag/Montag, 25. 26. März 1934 Die Welt rüstet Aufschwung in Nickel und Kupfer Der A h s a§ des Nickeltrusts hat nadi eiuer durch die Wirtschaftskrise verursachten scharfen Schrumpfung im letzten Jahr auf der ganzen Linie einen kräftigen Wieder- aufschwung genommen. Die Entwicklung des Absatzes der beiden wichtigsten Erzeugnisse des Trusts, nämlich des Nickels und Kupfers, ist nachstehend veranschaulicht: In Mill. Ibs. Nickel Kupfer 1929 125,6 81.8 1930.. v.. 75,3 107,7 1931* i■,■ 5o,7 96.9 1932..... 34,4 57,7 1933 74,4 113,7 Der Nickelaksatz hat sich danach im letzten Jahr weit mehr als verdoppelt(die Steigerung beträgt genau 116 Prozent), wobei die International Nickel Company ihre Stellung am Weltnickelmarkt durch Erhöhung ihres Lieferantenanteils am Weltverbrauch von rund 60 Prozent 1932 auf 78 Prozent 1933 wieder bedeutend befestigen konnte. Der Kupferabsatz des Nickeltrusts ist ebenfalls 1933 nahezu auf das Doppelte des Vorjahrsumfangs gestiegen und hat damit einen neuen Höchststand in der Geschichte des Unternehmens erreicht. Außer diesen beiden Haupterzeugnissen hat der Nickeltrust im letzten Jahr noch 9,1 Mill. Ibs. einer besonderen Nickel-Kupfer-Legierung(gegen 7,62 Mill. Ibs. 1932 und 13,15 Mill. Ibs. 1931), 6,29 Mill. Ibs. gewalztes Nickel(3,94 bzw. 4,1 Mill. Ibs), 876 303 Unzen Silber (652 638 bzw. 8822 983), 21 355 Unzen Gold(23 042 bzw. 23 304) und 77 198 Unzen Platinmetalle(19 300 bzw. 51 585) abgesetzt. Was wird aus der Reichsmark? Luxemburgs Banken wollen keine Mark haben Man schreibt uns aus Luxemburg: Die Rede, die der deutsche Reichsbankpräsident Dr. Hjalmar Schacht dieser Tage gehalten hat, aus der die sinkende deutsche Golddeckung, und damit zusammenhängend die Entwertung der Mark zum mindesten nach dem Auslande hat, ist an den Banken Luxemburgs nicht spurlos vorübergegangen. Am Montagnachmittag haben vereinzelt Banken bereits Bedenken gegen die Hereinnahme größerer Markbeträge geltend gemacht. Dienstagvormittag hat eine große und als besonders kulant und vornehm bekannte Bank es überhaupt auf Weisung der Direktion abgelehnt, Mark anzukaufen und stellte in Aussicht, daß eventuell im Laufe des Vormittag eine andere Weisung von der Devisenabteilung ..Einkäufe nur am Orte" Folgen des von den Nazis großgezüchteten Krämergeistes Reichs wirtschaftsminist er Dr. Schmitt hat an die Lau- Delegierungen ein Rundschreiken gerichtet, worin er sich da- gegen ausspricht, daß örtliche Stellen, Verbände, Berufsvertretungen unterschiedlich auch kommunale und staatliche Behörden die Bevölkerung auffordern, ihre Einkäufe nur ,.am Orte" zu tätigen. Bei aller Anerkennung der 3 erbundenheit, die zwischen der Ortsbevölkerung und den einheimischen Ortsgeschäften gegeben sei, werde doch bei derartigen Aufforderungen übersehen, daß das Reichsgebiet ein einheitliches Wirtschaftsgebiet darstellt und daß zahlreiche wirtschaftliche Unternehmungen in ihrem Absatz an örtliche Grenzen einfach nicht gebunden werden könnten. Solche Unternehmungen würden durch die Parole, „nur am Orte' zu kaufen, geschädigt. Die Folgen eines aolchen örtlichen Wirtschaftsprotektionismus seien daher eine ernste Störung des wirtschaftlichen Wiederaufbaues innerhalb der Gesamt Wirtschaft. Dazu komme, daß teilweise noch solche Aufforderungen gelegentlich mit Androhung dienstlicher Nachteile für den Fall der Nichtbefolgung bekräftigt würden. Derartige Androhungen seien ungesetzlich. Sie stellten einen in jeder Beziehung unberechtigten Eingriff in die Entschließungsfrei- heit des einzelnen dar, gegen den mit aller Schärfe einzuschreiten sei. Der Minister bittet, die nachgeordneten Stellen zu veranlassen, daß sie künftig den geschilderten Aufforderungen an die Bevölkerung, einerlei von wem sie ausgehen, mit Nachdruck entgegentreten. Keine ffldisdien„Werkf aiirer" Oder doch? In der amtlichen Mitteilung über die Bildung der Ver- trauensräte in den Betrieben war, wie das schon aus dem Wortlaut des„Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit" hervorging, darauf hingewiesen worden, daß bei den Vorschriften über den Führer des Betriebes keine Unterscheidung zwischen Ariern und Nichtariern getroffen werde. Nach Erlaß der amtlichen Verlautbarung hat jedoch die Gauleitung der NSBO.'DAF. in Mittelfranken ihrerseits eine Erklärung veröffentlicht, die in der Presse dieses Gebietes verbreitet wurde und die folgenden Wortlaut bat: „Wir geben bekannt, daß im Bereich des Gaues Mittelfranken Juden als Betriebsführer nicht in Frage kommen. Jüdische Geschäftsinhaber haben einen arischen Vertreter zu benennen. Gauleitung der NSBO.'DAF." Der Treuhänder der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Bayern nimmt jetzt zu dieser Erklärung der Gauleitung der NSBO.'DAF. in Mittelfranken Stellung. Er erklärt dem„Staatsanzeiger" zufolge: „Diese Bekanntmachung und Anordnung entbehrtder gesetzlichen Grundlage, weil das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit keine Bestimmung enthält, auf die sie gestützt werden könnte. Außerdem steht diese Veröffentlichung im Widerspruch zum Inhalt der amtlichen Mit* t e i I u n g über die Bildung der Vertrauensräte vom 12. März 1934, in der hinsichtlich der Frage, wer Führer eines Betriebes sei, folgendes festgestellt wurde: „Die erforderlichen Vorschriften über den Führer des Betriebes sind bereits im Gesetz(gemeint ist das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit) getroffen..Von der Aufstellung besonderer Voraussetzungen ist dabei auch hinsichtlich der Staatsangehörigkeit und der Rassenzugehörigkeit abgesehen worden. Auch nichtarische Unternehmer können Führet des Betriebes sein Das entspricht den Verlauthatungen der Reichsregierung, nach denen die Bestimmungen des Gesetzes über das Beruf«beatrtentum für das Gebiet der Wirtschaft keine Anwendung finden."" 60,8 37,1 komme, die einen Ankauf dann ermögliche. Andere Banken wiederum zahlten für Papiergeld einen Kurs zwischen 8,20 und 8,35 Franken pro eine Mark und erklärten, daß sie Betläge über 500 oder 1000 Mark auf keinen Fall eintauschen können. Die Erkundigungen unseres Mitarbeiters haben das Ergebnis, daß man in den Kreisen der Bankiers in den letzten Tagen ein größeres Angebot von Reichsmark beobachten konnte, während die Zahl der Abnehmer immer geringer wird und die Banken erst dann wieder ohne Rationierung Mark annehmen können, wenn die entsprechende Nachfrage zu verzeichnen ist. Niemand weiß, wie sich Herr Schacht die im Anmarsch befindliche Inflation, die eigentlich unter der Erde schon lange vorhanden ist, weiterzuführen denkt und darum ist wahrscheinlich dieses starke Mißtrauen gegen die deutsche Währung zu erklären. Ein ungelöstes Problem Die Reichsleitung der NS.-Hago hat an sämtliche Dienststellen folgende Mitteilung gerichtet: „Auf Grund gegenseitiger Vereinbarungen zwischen der Reirhsleitung der NS.-Hago und dem Beauftragten für die deutschen Verbrauchergenossenschaften wird angeordnet: 1. Die Werbung der Verbrauchergenossenschaften hat sich ausschließlich auf ihre bisherigen bzw. auf ihre ausgeschiedenen Mitglieder zu erstrecken. Verstöße gegen diese Anordnung werden vom Beauftragten für die deutschen Verbrauchergenossenschaften mit sofortiger Amtsenthebung geahndet werden. 2. Sämtliche Dienststellen der NS.-Hago werden hiermit angewiesen, jeden Kampf in jeder Form gegen die Verbrauchergenossenschaften zu unterlassen. Verstöße werden ebenfalls mit sofortiger Amtsenthebung geahndet." Der Informationsdienst der Arbeitsfront fügt folgende Bemerkung hinzu:„Die Anordnung beseitigt bisher noch besiehende Unklarheiten. Sie beweist, daß im nationalsozialistischen Staat Interessentenkämpfe nicht geduldet werden. Diese sind auch nicht nötig. Wenn, wie bekannt, die Verbrauchergenossenschaften nur 4 Prozent des gesamten Umsatzes repräsentieren, so droht dem Kleingewerbe und dem Kleinhandel von dieser Seite keine Gefahr mehr. Der Ausdehnung der Verbrauchergenossenschaften sind durch die obige gemeinsame Anordnung klare Grenzen gesetzt, die nicht mehr überschritten werden. Dafür garantiert die nationalsozialistische Disziplin." Audi früher schon war der Anteil der Verbrauchergenossenschaften am gesamten deutschen Umsatz nicht höher. Was für ein Geheul haben da die Nazi-Agitatoren erhoben! Ihr jetziger Rückzug wird die Nazi-Mittelständler nicht beruhigen. Die müssen die obige Erklärung als„Verrat" empfinden. , Säuberung" Ausrottung jüdischer Geschäfte Das Reichswirtschaftsministerium gibt bekannt, daß die an Arbeitslose und sonstige Bedürftige ausgefolgten Bons für Schuhe und Kleider, sowie andere Gebrauchsgegenstände nur in arischen Geschäften eingelöst werden dürfen; jüdische Geschäfte sind zur Einlösung berechtigt, wenn deren Inhaber zu 60 Prozent kriegsbeschädigt sind, d. b daß sie im Kriege zwei Gliedmaßen verloren haben. Solche jüdischen Geschäfte gibt es aber nur sehr wenige, da Kriegsverletzte dieser Klasse im allgemeinen nicht arbeitsfähig sind. Die Regierung kündigt eine„Säuberung" des Buchhandels in der Weise an. daß„unzuverlässige Elemente" nicht mehr Inhaber von Buchläden sein dürfen. Die Vereinigung nationalsozialistischer Gewerbetreibender in Hamburg kündigt die Bildung einer antijüdischen Liga zur wirksamen Durchführung des Boykotts gegen jüdische Firmen an. Sowjetische Textilerzeugung verstärkt Die Baumwollindustrie der Sowjets hat, wie aus den Kontrollziffern hervorgeht, im Monat Januar 208,7 Mill. Meter an Geweben und 30 600 Tonnen an Garn erzeugt. Die Wollindustrie bat laut der gleichen Estrop-Information an Garn rund 4000 Tonnen und an Gewebe 8,19 Mill. Meter produziert. Der Monatsplan der Wollindustrie ist hiermit llOprozentig erfüllt. Die Flachsind ustrie erzeugte 14,25 Mill Meter und überholte hiermit die Erzeugung des gleichen Monats v. J um 14,8 Prozent. Ganz beträchtlich ist die Steigerung in der T rikotagenindustrie, die ihre analoge Vorjahrsziffer um 35,7 Prozent überschritten hat, wobei die Erzeugung von Unterwäsche sich auf das Zweieinhalbfache erhöhte Kursverluste der deutstfien Auslandsanleihen Die deutschen Auslandsanleihen hatten in der letzten W oche unter dem Einfluß der die wachsenden Trans ferse hwierigkeiten Deutschlands bezeuge n- den großen Goldverluste der Reichsbank auf der ganzen Linie empfindliche Kurseinbußen zu verzeichnen. In Neuyork büßten die i prozentigen deutschen Bonds im Durchschnitt 9'/i Prozent und die 6-prozentigen Bonds annähernd 6'/' Prozent ihres Marktwertes ein. 28. Mai 23. Sept. 3. März 10. März 17. März 1932 1933 1934 1934 1934 7"/, Dollar- anleihen: Neuyork 27,7 44.8 67,5 6.,2 Amsterdam 27,9 28,3 40,0 39,0 6'/> Dollaranleihen: Neuyork 21.6 30,5 56,5 55,0 51.5 Amsterdam 22,0 20,0 34,8 32,4 29,8 An der Amsterdamer Börse mußten die iprozentigen deutschen Dollaranleihen in der vergangenen Woche ebenfalls Werteinbußen von durchschnittlich nahezu 5 Prozent und die 6 l /*prozentigen Dollarbonds von rund 8 Prozent hinnehmen. Auch an den Börsen von London, Paris und Zürich haben die dort notierten deutschen Auslandsanleihen in der letzten Woche durchweg Kursverluste erlitten. Internationaler Börsenindei Im Weltbörsengeschäft zeigten Publikum und Spekulation in der letzten Woche hei vorherrschender Schwächeneigung im allgemeinen wieder große Geschäftsunlust. Lediglich an den Börsen von Neuyork, Berlin und Wien konnten sich die Aktienkurse im Durchschnitt ungefähr auf dem Niveau vom vorigen Wochenende halten, während alle anderen größeren Effektenmärkte mehr oder weniger empfindliche Kursverluste hinnehmen mußten. I. lüril Ii. Febr. 24 Fibr. Z. Hirt# Hirz'I. ilri Ends 19J7.10O"/. 1935 1934 1934 1954 1934 1954 Berlin 31,4 30.8 31,5 31,8 32,3 32,3 London 55,7 75,8 78.3 79,9 82,5 79,9 Paris 54,7 59.9 59,2 57,9 56,4 55,0 Brüssel 26,7 28.9 28,2 28,1 28,1 26,9 Amsterdam 28.7 35,0 34,7 34,1 34,9 34,3 Stockholm 9,5 12,9 13,0 13,3 13,3 13,0 Zürich 41.0 44,6 43,8 43,7 42,8 42,3 Wien 34,3 30,2 30,2 33,4 32,6 32,6 Prag 51,2 61,3 63,1 62,2 60.1 59,7 Neuyork 32,4 67,4 65,2 64,8 62,7 62,8 Durchschn.: 36,6 44,7 44,7 44,9 44,6 43,9 Sparhassai-nupolheken Auf Kosten der Liquidität und der Sicherheit Die Sparkassen und Girozentralen haben nach der „Deutschen Sparkassenzeitung" einer führenden Partei- und Regierungsstelle einen Plan unterbreitet, dessen Realisierung eine Unterstützung des Arbeitsschlachtprogrammes der Regierung durch Bereitstellung von zusätzlichen 1500 Mill. Sparkassenmitteln bezweckt. Einzelheiten darüber werden noch nicht mitgeteilt. Es wird damit gerechnet, daß der Zugang an Spareinlagen 1934 etwa"/» Milliarde erreichen wird und daß weitere 250 Mill. wohl durch den Abbau überholter Liquidität» besti in mungen frei werden könnten. Die dadurch geschaffene Summe von 1 Milliarde soll in verschiedenartiger Weise der Arbeitsbeschaffung zugeführt werden. Anscheinend ist nicht vorgesehen, sie ausschließlich oder auch nur zum überwiegenden Teil in erst- stellige Hypotheken anzulegen. Vielmehr wird der Nachdruck darauf gelegt, daß der Personalkredit versorgt werden müsse. Auch in bezeig auf den zweiten Teil des Programme», der die Bereitstellung von 500 Mill. für zweite Hypotheken vorsieht, werden nur Grund- zöge des Planes bekanntgegeben. So ist zum Beispiel nicht ersichtlich, woraus der Fonds von 500 Mill. gespeist werden soll. Die Aufbringung der Gesamtsumme von 1500 Mill. sei allerdings an eine Voraussetzung geknüpft: nämlich an eine klare und mutige, mit der bisherigen etwas bürokratisch ängstlichen Haltung brechenden Entscheidung der Aufsichtsbehörde. Lichtblick: die Schnapsindustrie hofft Die Ferd. Rückforth Nachf. AG., Stettin, stellt im Bericht für 1933 erstmals wieder eine geringe Belebung des Spirituosengeschäft» fest. Die Preise hätten jedoch noch zu wünschen übriggelassen, so daß man noch nicht rentabel arbeiten konnte. Immerhin zeigen sich dank den Regierungsmaßnahmen Ansätze zu einer leichten Besserung. Auch Hie Aussichten für das neue Jahr seien nicht ungünstig. Hie Absatzsteigerung habe angehalten und mache»ich auch bei den Brauereien immer mehr bemerkbar. Die von der Gesellsihaft geübte vorsichtige Bilanzierungspolitik lasse hoffen, i n* h- seh barer Zeit die Dividendenzahlung wieder aufnehmen zu können. Schlechter Bierabsatz Die Dortmunder Ritterbrauerei AG., Dortmund, berichtet: Der dividendenlose Abschluß ist einmal auf Belastung durch die Beteiligungsbetriebe sowie auch darauf zurückzuführen, daß der Bierabsatz gegen das Vorjahr noch weiter zurückgegangen ist. Dieser Rückgang erklärt sich im wesentlichen daraus, daß der Absatz in erheblichem Umfange auf dem Flaschenbiergeschäft aufgebaut war, das unter der großen Arbeitslosigkeit des Absatzgebiete» besonders seit wer gelitten hat. In den ersten Monaten 1934 sei aber eine leichte Besserung zu spüren. Deutsche Stimmen• Beilage nn„Deutschen Freiheit"• trctgntsse und Geschichten Sonntag-Montag, du Ii. und U. Müh<»34 Deutschland~i Tlläcnenstucm lüalther Jlodes Streitschrift Eigentlich ist man in unieren Tagen ein wenig davon ab* gekommen, mit Theten oder Manifesten wirken 10 wollen. Et sei denn, man wolle die nicht gerade sehr geistvollen Wahlanschläge aller Parteien an den Litfaßsäulen als Nachfahren jener scharf geschliffenen Waffen ansehen, die man einstmals, alt et sogar in Deutschland noch geistigen Kampf gab, dazu gebrauchte, den Gegner nach allen Regeln der Kunst ad absurdum zu führen. Die Streitschriften unserer Zeit triefen von Wissenschaftlichkeit. die Schmähschriften Strogen von Unrat. Beides läßt sie wirkungslos verpuffen. Zwar knallen hier Meinungen und Ansichten mit Böllerschüssen aufeinander, aber es fehlt das Feuerwerk dabei, es fehlt das Leuchtende, Lustige, es fehlt das Pulver das uns aufpulvert, es fehlt das, was dem Leser in der Erinnerung bleibt. Einem österreichischen Anwalt, dem Verteidiger in Wien Walther Rade ist es vorbehalten geblieben, die Streitschrift und das Pamphlet wieder aufleben zu lassen. Der mit Eifer stets nach Neuerungen und Erneuerungen strebende Verlag „Europa-Verlag, Zürich", sorgt für Herausgabe und Verbreitung.„Deutschland ist Caliban" heißt die kleine Broschüre. Worauf die meisten Menschen in tiefes, aber hoffnungsloses Nachdenken versinken dürften. Selbst der Besitz des kleinen Knaurs würde hier nicht viel helfen. Caliban ist eine Figur aus Shakespeares„Der Sturm", ist— wie Walther Rode sicherheitshalber(wenn auch erst auf Seite 151 des Büchleins) vermerkt—„das bodenständige, zufällig Menschenantlitz tragende Geschöpf der isolierten Erde; ist Wildheit, Treulosigkeit und Roheit in einer Person". Wie gesagt: Deutschland— das ist Caliban. Mit einem Elan legt der Anwalt gegen diesen Caliban los, daß einem das Herz höher schlägt. Hier sprühen Geist, Gift und Galle und, was das Wichtigste ist, Funken. Hier flammt ein Feuerwerk auf, durchglüht von Schmerz, Satire, Ironie und tiefster Bedeutung. Einen Fehler hat das Ganze: Es ist zu sehr auf die Intellektuellen zugeschnitten, und auch der Intellektuellste dürfte noch ein kleines Lexikon für Fremdwörter benötigen. Aber es lohnt sich, dieses kleine Buch Seite für Seite durchzulesen. Denn hier spricht ein Mann, der mit allem, aber auch mit allem aufräumt, was sich um den Nationalsozialismus als„Mythos" gruppiert hat, der es aus* rottet mit dem Feuer und dem Schwert der großen Lächerlichkeit. Wunderbar sind seine überraschenden Definitionen: „Die Führer werden von einem Täuschungstrieb beherrscht. der geradezu an— Aufrichtigkeit grenzt..." „vor Hitler war der deutsche Proletarier und Kleinbürger ein Niemand, heute ist er ein nationaler Mann, ein bewußter Arier, der— stolze Besitzer einer Vorhaut. Wer kann da noch sagen, daß Hitler dem deutschen V olke nichts gegeben habe?!..." „Allerdings, man wollte die Welt nicht verbessern, man wollte sich in den Besitz der—— unverbesserlichen Welt setzen..." „Nur Menschen wurden getötet oder in den Selbstmord getrieben, mit Sachwerten ist man höchst schonungsvoll umgegangen..." „Jude sein, heißt: keinen durch erfolgreiche Gewalt begründeten Anspruch, sondern nur die Duldung zur Rechtsgrundlage seines Aufenthaltes auf dieser Erde haben... Judentum— ist der Zustand des Menschen vor und nach dem ihm bestimmten Pogrom." Auf jeder Seite immer wieder neue Ueberraschungen. Lest dieses kleine Buch, das die ganze Weisheit Hitlers und seiner Genossen in einem einzigen, großen, wissenden Lachen auflöst! Wir Emigrance» aber sollten uns die Worte Bodes mit großen Buchstaben aufmalen auf eine mächtige Tafel, die wir in jedem Augenblick vor uns sehen:„Warten, aber—— nicht hoffen—" Und kämpfen, daß sich das Warten lohnt! „Qiast du^Bekannte gesehen?" Stac=Autcxqcamme und£uxus=JCucocte In der„Eleganten Welt", dem mondänen Organ der oberen braunen Zehntausend, lebt der Nationalsozialismus der großkapitalistischen Wirklichkeit, nicht jener Nationalsozialismus. von der der Rattenfänger Göbbels den romantischen Kleinbürgern und den irregeleiteten Proletariern zu ei zählen weiß. Wie die„spartanische Einfachheit" der braunen Legenden- bildung in Wirklichkeit aussieht, darüber berichtet nun in schöner Offenheit die Rubrik„Sprechen Sie noch?" Wollen Sie wissen, wo und wie sich die braunen Herrscher von den Sorgen ihres diätenreichen Lebens erholen? Im Luxuskurort Garmisch! Also lassen wir die braune„Elegante" sprechen: „Du bist über vierzehn Tage in Garmisch gewesen." „Genau drei Wochen. Wundervoller Sport, die Schnee Verhältnisse waren ideal!" „Hast Du Bekannte gesehen?" „Exzellenz S o 1 f war da, Prinz und Prinzessin Heinrich Reuß, Konsul Fritsch(bekannter Nazi), Dr. Hjalmar Schacht mit seiner Familie, Frau Staatsrat Ernst(Frau des SA.-Oberführers von Berlin-Brandenburg), Kommerzienrat Neuerburg(brauner SA.-Finanzier und Zigarettenmillionär), Paul Oskar Höcker, Karl Henkel, Direktor Karstadt, Freiherr von Hugen und noch viele andere. Rudolf Heß(Stellvertreter Hitlers in der Führung der NSDAP.) war im Schneefermerhaus an der Zugspitze." Was aber tun die Nazibonzen, wenn sie sich in Garmisch amüsieren? Sie geben— in Schmutzkonkurrenz mit Willy Fritsch und Liane Haid— Autogramme! In der Tellfilm- Premiere, so teilt die ,;Elegante Welt" mit, waren sämtliche Naziprominenten, von Hitlerund Göring bis Prinz August Wilhelm. Also schmockt es im Hitlerblatt: „Es war ein ganz großer Abend!"„Das läßt sich denken. Meinem Jungen darf ich davon gar nichts erzählen, sonst jammert er!" „Weshalb denn?" „Er denkt an die Autogramme die ihm dabei entgangen sein könnten!" Vom Garmischer Luxushotel zum Autogrammgeben und wieder zurück: sie opfern sich wirklich auf im Dienste der deutschen Wiedergeburt. Piere cKuqo von cKofmannsthal Ein Vortrag von Professor Alewyn Am Samstag, dem 17. März 1934, sprach Professor Dr. Alewyn über Hugo von Hofmannsthal im großen Hörsaal des Germanistischen Instituts Paris. Alewyn, der in jungen Jahren nach dem Tode des unersetzlichen, unvergeßlichen Friedrich Gundolf(f 1931) dessen Lehrstuhl der neuen Literaturgeschichte in Heidelberg erhalten hatte, mußte sein Lehramt verlassen, weil eine seiner Großmütter Halbjüdin war. Er ist z. Z. Gastprofessoren der Pariser Sorbonne. Die ästhetisch und kulturkritisch fein differenzierten Ausführungen gaben kein eigentliches Bild des Dichters, wozu tiefere Analysen und viel mehr Zeit nötig sei, sondern lieferten nur Vorstudien zur Behandlung des Themas. Hugo von Hof- mannsthal sei bereits in seinen Frühwerken in Versen von unsagbarem Wohlklang und unendlicher Süßigkeit von einer so todesnahen Vollkommenheit und Vollendung gewesen, daß das tiefeingewurzelte Mißtrauen des deutschen Menschen gegen alles Vollkommene an sich ohne den langen, mühevollen Werdegang, auch den Dichter umgeben habe, Hofmannsthal sei immer auf der Flucht gewesen vor seinem eigenen Mythos, bestrebt, das Unvollkommene, Gebrochene darzustellen wie umgekehrt Stefan George am Werke war, seinen eigenen Mythos zu gestalten. Das erstere sei schwerer gewesen als dies letztere- Dann entwickelte Alewyn die geistige Welt des Barock und der österreichischen Landschaft, die dem Norden gleicher Sprache so fremd und unverstanden geblieben sei, und die österreichische Kultur der letzten Jahrhunderte, die in Plastik, Malerei, Architektur, Schauspiel und Regie von solchem Reichtum und so rauschhafter Fülle sich entfaltet habe, daß daneben das Lebenswerk Richard Wagners als der schattenhafte Abglanz„eines entwurzelten Literaten" verblasse. Ebenso sei Max Reinhardt, dem Hofmannsthal als dienender, anonymer Textdichter der Richard-Strauß- Opern(— nach Auffassung des George-Kreides eine Entweihung des aristokratischen Dichtertums—) wesentlich zu seinen Erfolgen verhelfen habe, nur der letzte Sprosse einer mächtigen Dynastie von großen Regisseuren und Theater- männern Alewyns geistiges Ringen offenbart zugleich die Tragik der geistigen Gegenwartssituation. Hatte bereits Hermann Grimm, nach der Mitte des vorigen Jahrhunderts als Kunst- und Literaturhistoriker das Sehnsnchtshild einer (Geschichte der menschlichen Fantasie in der Seele, schrieb bereits um die Jahrhundertwende ein so großer, bedeutender Gelehrter und Erzieher wie Henry Lichtenberger, der den Vortrag Ale»yns mit Begrüßungsworten einleitete, ein Friedrich Nietzsche-Buch, so zeigt fich heute mehr und mehr, wie die ungeheuerliche Zeitproblematik auch nicht zuletzt den fachwissenschaftlichen Rahmen sprengt in den Geisteswissenschaften und zu kulturphilosophischer, psychologischer und soziologischer Betrachtungsweise drängt. Eine solche Aufgabe konnte auch Alewyn noch nicht lösen. Ihre Lösung hat eine universalistische Bildung und einzigartig schöpferische Persönlichkeiten zur notwendigen Voraussetzung. Dr. Heinrich Gart. QMets untec englischen Studenten Werbung für nationalsozialistische Kultur Die englischen Universitäten sind neuerdings mit Nazi- Werbeschriften überschwemmt, in denen die englischen Studenten eingeladen werden, Deutschland im kommenden Sommer zu besuchen, um die„nationalsozialistische Kultur" zu studieren. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Hochschule für Politik im August 1934 eine Reihe von Vorträgen in englischer Sprache veranstaltet. Als Themen werden genannt:„Deutschland, wie man es im Auslande sieht",„Der Wendepunkt der nationalsozialistischen Revolution" mit einer Diskussion über die Juden, den Marxismus und die Revolution.„Die Konzeption des nationalsozia- stischen Staates",„Deutschlands Kampf um einen Volksstaat",„Die soziale Ehrenrettung Deutschlands",„Geschieht^ der deutschen Diplomatie",„Hitlers Außenpolitik",„Das deutsche Heer und seine Geschichte",„Die SA. der NSDAP.". An der Marburger Universität sollen Naziführer vor Besuchern aus England über„Wiederherstellung der Ehre des neuen Deutschland" sprechen. Den Hörern werden Reiseerleichterungen versprochen.., Jlja threnbucQ iiher Oesterreich II ja Ehrenburg veröffentlicht eine historisch kritische Darstellung der jüngsten Ereignisse in Oesterreich unter dem Titel„Der Bürgerkrieg in Oesterreich". Er untersucht Ursachen, Ablauf und die voraussichtlichen Folgen der blutigen Ereignisse. Die Arbeit erscheint soeben deutsch als Sondernummer der„Neuen Deutschen Blätter", Prag. Es braust der Sturm um mein Gemach, Peitscht die schlummernde Seele wach, Treibt in taumelnden Wirbeln den Staub, Wirft zur Höhe das dürre Laub, Schleudert vom Felsen die Steine hernieder, Schwingt gewaltig sein dunkles Gefieder— Brause, Sturmwind, brause Nächtig um meine Klause! Brause Sturm, du erfreust mein Herz, Reißest die Seele himmelwärts, Jagst die Wolken in fliegendem Drang, Spielst mit den Tannen am Waldeshang, Reißest vom Aste den dorrenden Spahn, Brichst dem Frühling die breite Bahn! Brause, Sturm, durch die Lüfte, Dring in modernde Grüfte! So braust empor des Volkes Macht, Daß manch ächzender Bau erkracht Tief in morschen Gebälkes Grund. Keiner Glocke metallner Mund Kann dies Aechzen übertönen, Da in der Arbeit starken Söhnen Tief der nagende Gram sich wob. Mächtig zum Sturm die Stimme erhob. Brause, Sturm, durch die Lande, Sprenge knechtende Bande! Brause, Sturm, ob du Tod auch bringst, Ueber die Welt das Schwert hinschwingst: Alles, was morsch und faul sich ballt, Reißest du nieder mit Allgewalt, Blasest gewaltig dein Wolkenhorn, Füllest es laut mit der Menschheit Zorn, Führst die neue Welt empor, Oeffnest. des neuen Friedens Tor—- Brause, Sturm, durch die Welt einher Ueber die Lande, über das Meer! Brause, Sturmwind, brause Nächtig um meine Klause* Eckart. Die Hummer Das Geschäft ging miserabel. Und der Löwenbändiger wollte außerdem unbedingt bis Montag sein Gehalt nachgezahlt haben, weil er sonst... Ach, er war gefährlicher als seine Bestien und brauchte das Geld zum Ankauf einer neuen SA.-Uniform. Dem Direktor standen die Haare an Berge: die täglichen Einnahmen reichten kaum zur Deckung der Fütterungsspesen. Und die Löwen waren die Hauptnummer. Da— am Sonnabend— hatte er plötzlich einen Einfall. Und Sonntag früh las man überall im Städtchen, daß der Zirkus abends eine Galavorstellung gebe, deren fünfte Nummer so ausgezeichnet sein würde, daß ein jeder, dem sie nicht gefallen sollte, das Doppelte des von ihm gezahlten Eintrittsgeldes an der Kasse zurückerhalten werde. An diesem Sonntag sprach man im Städtchen nur noch von dieser Vorstellung, und jederman beschloß im Stillen, durch die einfache Erklärung, die Nummer hätte ihm nicht gefallen, etwas zu verdienen. Deshalb wurden die teuersten Plätze trotz der Erhöhung der Eintrittspreise zu allererst ausverkauft. Gegen Mittag war überhaupt kein Platz mehr zu haben, und um zwei erschien ein Anschlag, demzufolge die Vorstellung angesichts des großen Erfolges wiederholt werden sollte. Auch zu dieser Vorstellung waren die Karten bald im Verkauf vergriffen. Der Direktor rieb sich die Hände. Der Löwenbändiger bekam sein Gehalt. Andere Artisten durften sich gleichfalls endlich einmal sattessen. Und überdies blieb noch soviel übrig, daß man sogar an eine Weiterreise denken konnte. Dann begann die Vorstellung. Die ersten vier Nummern beachtete kein Mensch. Nach der vierten aber erscholl ein Tusch, in der Manege erschien, im Frack, ordenbehängt und Zylinder in der Hand, der Herr Direktor persönlich und sagte: „Deutsche Männer und Frauen! Hochverehrtes Publikum! Es kommt jetzt die große Haupt- und Festnummer des Gala- Programms. Wem diese Nummer nicht gefällt, der darf sich das Doppelte des gezahlten Eintrittspreises an der Kasse abholen. Ich aber habe die Ehre, Ihnen diese unüberbietbare Nummer jetzt anzuzeigen. Achtung! Die SA-Kapelle spielt Ihnen nun als fünfte Nummer des Programms vaterländische Lieder. Heil!" H. B. im„Simplicus", ZeU=?lotier(frinx ohne Sand Prinz Alexis Mdivani hatte das Glück, die reichste Erbin Amerikas zum Altare führen zu können: Barbara Hutton, die Erbin des Mannes, der mit 5- und 10-Centstücken als Warenhauskönig sein Vermögen machte. Die Dollarprinzessin ist nun eine echte Prinzessin geworden, aber es sind heute schlechte Zeiten für derartige Märchenprinzen und Prin- zessinen in der Welt. Die Hochzeitsreise, die rund um die Welt gehen tollte, stößt auf erhebliche Schwierigkeiten, denn der Prinz hat einen georgischen Paß und der Staat Georgien ist schon längst in die Sowjetunion aufgegangen. Nun muß sich das Brautpaar das pittoreske Japan mit einem Krimstecher von der Kommandobrücke ihres Dampfers ansehen, das wildromantische Schanghai durfte die Gattin nur alleine betreten und der Gatte saß traurig in seiner Kabine. In der ganzen Welt fand die reichste Erbin und der schönste Märchenprinz verschlossene Häfen. Aber Geld heilt viele Wunden und wird doch noch manches verschlossene Land öffnen. Crtebte Weitgesdhidkien Miß Blanche Vennizer. eine geborene Rumänin, hat einem Reporter, der sie entdeckte, ein Stück ihres seltsamen Lebens erzählt. Eine Fan, die im 20. Jahrhundert lebt, kann, wie es hier bewiesen ist, ein halbes Dutzend und noch mehr Revolutionen mitmachen, sie kann eine Portion Weltgeschichte erleben, wie es in früheren Jahren doch nicht möglich war. Miß Vennizer hat die seltene Begabung, jede Sprache der Welt nach dem Klange sofort zu erlernen und in drei Monaten spricht sie diese neue Sprache perfekt.„Ich habe Wohl fast jeden Teil von Europa gesehen, ich war im Zentrum der Revolution in Rußland, ich war während einer der vielen Revolutionen auf dem Balkan in Schutzhaft, in Smyrna mußte ich gleich zwei Volksaufstände über mich ergehen lassen. Als Gattin eines englischen Kapitäns kam ich noch gerade zur Revolution in Mexiko zurecht, wurde auf der Heimfahrt von der spanischen Revolution überrascht und war gerade in Deutschland, als dort der Umsturz kam. Ich habe eigentlich genug von Revolutionen, aber die Welt lockt mich doch, ich werde wieder reisen, vielleicht finde ich ein Land, wo gerade zufällig einmal Frieden herrscht." JlufwedunG im Qenerafstab Was man sidk zuflüstert Dänemark ist das friedfertigste Land der Welt. Es ist hier abseits aller Abrüstungskonferenzen nur einmalig geschehen, daß ein Kriegsminister aus eigenem Antrieb Heer und Flotte vermindert. Die Dänen, diese friedlichen Germanen, haben eingesehen, daß es für das kleine Land unmöglich ist, erfolgreich am Wettrüsten teilzunehmen, die meisten Forts der Feste Kopenhagen sind schon längst zu Volksparka umgestaltet und die noch vorhandenen reichen gerade zum Salutschießen aus. Etwas zuviel ist denn aber doch gespart worden. Vor dem Generalstab steht nicht ein' mal ein Soldat Wachtposten, während doch in jedem andere« Generalstab der Welt eine ganze Wachtkompanie stationiert ist. Dafür hängt aber eine schöne große Glocke am Eingang, mit einem Schild,„Nachtglocke zum Generalstab". Seit Jahren ist diese Glocke nicht benutzt worden, bis plötzlich diser Tage Sturm geläutet wurde. Die Aufregung unter den hohen Militärs war ungeheuer, aber der verschlafene Nachtwächter konnte beruhigend melden, daß nicht Krieg vor der Türe stünde, sondern einige betranken« Studenten. „Haben Sie schon für die„Winterhilfe" gegeben?" „Ganz freiwillig! Man weiß ja schließlich, wie es in so einem Konzentrationslager aussieht!" » „Göbbels hat ja ein Buch geschrieben: Vom Kaiserhof in die Reichskanzlei." „Jawohl, weißt du, wie es eigentlich heißen müßte?„Der braune Sozialismus marschiert!" „Gestern war die SA. bei mir.- „Menscbenskind, hat sie was gefunden?" „Nichts Besonderes. 50 Mark." » „Woher kommt das wohl—? Die Arbeitslosen Ziffer nimm» ab und die Zahl der Arbeitslosen nimmt zu?" „Woher das kommt?.Von der Statistik!" E I p s in der„Wahrheit* Hier Hitler- Faschismus an der Saar Ter Präsident der Regierungskommission wor es, der in einem Bericht an den Völkerbundsrat den Gedanken einer Sicherheitspolizei für den Schutz der Abstimmung aufwarf. Die Schaffung einer solchen Polizeitruppe ist schneller er- folgt, als es der Herr Knox geahnt hat, der einzige kleine Umstand ist dabei nur, datz diese„Hilfspolizei" aus der Privatarmee des Herrn Adolf Hitler rekrutiert wurde. Bis zur Stunde hat man noch nicht vernommen, daß die Regie- rungskommission gegen die Schassung dieser braunen Saar-Miliz irgendwelche Maßnahmen unternommen hat und es taucht die Frage auf. ob die Regierung mit diesem Verhalten die„Hilfspolizei" der Pirro-Röchling-Front toleriert. Diese..Hilfspolizei" stellt kein Novum dar, denn vor Jahresfrist hat man im Reiche Gelegenheit gehabt, die Tätigkeit einer ähnlichen Truppe zu beobachten. Auch da- mals war es Hitler, der seinen braunen Söldnern Polizei- vollmachten erteilte und ihnen damit praktisch den Frei- brief für den grausamsten Terror ausstellte, den die Welt- geschichte je kennen gelernt hat. 12 Monate sind eine lange Zeit und mancher dürfte bereits wieder vergessen haben, was damals die gesamte zivilisierte Welt erschütterte. So ist denn das Unfaßbare möglich, daß trotz der grausamen Blutspur der Hitlerschen SA.-Polizei heute im Saargebiet in aller Öffentlichkeit die Formierung eines solchen Terror-Korps vorgenommen werden kann. Der einzige Unterschied besteht darin, daß vor einem Jahre Hitler seine Soldateska in einem von ihm beherrschten Lande los- ließ, während jetzt der Versuch unternommen wird, das gleiche auf einem Territorium zu tun, das der Hoh'its- gemalt des„dritten Reiches" offiziell entzogen ist. Wenn aber Hitler damals feine„Hilfspolizei" in aller Legalität einsetzen konnte, dann kann man heute an der Saar noch nicht einmal behaupten, daß es diesmal illegal geschehen fei. Zwar hat die zuständige Polizeigewalt der Hitler- Truppe keine Vollmachten erteilt, aber dafür tat das Herr Pirro. Mit dreister Selbstverständlichkeit hat die nätio- nalsozialistische Landesleitung der Regierungskommission die Befugnisse abgenommen und noch ist kein Wort der Verwahrung, geschweige denn eine durch- greifende Maßnahme gegen diese Viachtanmaßung zu verzeichnen gewesen. Die braune„Saar-Polizei" hat ihre Tätigkeit bereits ungehindert aufgenommen. In Beeden hat sie schon>".,re ersten Proben abgelegt und das dort festgestellte skrupel- lose Auftreten läßt noch allerhand erwarten. Schließlich ist ja die Saar-SA. nicht ganz ohne Uebung, auch wenn sie ihrem Vorbild im Reiche bisher nicht völlig gleich- kommen konnte. Erst in der letzten Woche hat Hitlers Garde hier einige Beweise dafür geliefert, als in zwei Fällen unabhängig voneinander Emigranten ge- waltsamüberdieReichsgrenzever schleppt und der Gestapo ausgeliefert wurden. Tos mußte noch bei Nacht und Nebel erfolgen, jetzt, nach der Ausrufung des sogenannten„Ordnungsdienstes", wird man wesentlich einfacher zu Werke gehen können. Es desteht kein Zweifel: Mit der Formierung der braunen„Hilfspolizei" hat der Faschismus an der Saar seinen großen Coup gewagt! Gelingt es, in aller Offen- heit die Terror-Banden als Polizeitruppe aufmarschieren zu lassen, dann ist man für alle kommenden Fälle Herr der Lage. Es ist ein hohes Spiel, das die Herren Pirro und Röchling riskiert haben, aber sie konnten es sich er- lauben, nachdem der erste Schlag, der Probe-Abstimmungs- terror. so ungehindert vor sich gehen konnte. Mit der Probe-Abstimmung war es gelungen, zum ersten Male in größtem Ausmaße festzustellen, wie weit die Druckmittel für die eigentliche Entscheidung ausreichen, und mit der neuen„Hilfspolizei" hat man nun das Gewaltinstrument, das dem bisherigen moralischen Zwang auch auf andere Weise Nachdruck verschaffen soll. Herr Pirro hat die Katze aus dem Sack gelassen und erklärt, daß durch die Schaffung seines„Ordnungsdienstes" die Herbeirufung einer internationalen Hilfstruppe, wie sie Herr Knox vor- geschlagen hat. überflüssig geworden sei. Jeder darf sich nun ein Bild nach eigener Vorstellung machen, wie die Sicherung der Abstimmung unter dieser Terror-Organi- sation aussehen würde. Es gibt im übrigen auch dafür eine hinreichende Parallele: Die Reichstage..wahl" vom 12. November des vorigen Jahres! Dabei hat auch die SA. den„Ordnungsdienst" versehen und das Resultat fiel dann auch vollkommen nach Wunsch aus. Die nichtgleichgeschalteten Saarbewohner sind nicht ge- willt, diese Entwicklung mit der Gelassenheit über sich er- gehen zu lassen, mit der sie dem Anschein nach die Saar- Regierung aufnimmt Es kann keinen Zweifel darüber geben, daß die saarländischen Freiheitskämpfer sich nicht willen- und wehrlos dem braunen Terror beugen werden. Es wird dem Faschismus nicht gelingen, auf kaltem Wege das Saargebiet zurückzugliedern und mit seiner getarnten SA. die Methoden der Gestapo zu legali- sieren. Die Kundgebung der Saar-Arbeiterschaft am vorigen Sonntag hat eindeutig Zeugnis davon abgelegt, daß die werktätigen Massen des Saarvolkes ihren Frei- heitswillen nicht niederknüppeln lassen und zur Wahrung ibrer ureigensten Rechte zum äußersten entschlossen sind. Der große Coup der„deutschen Front" hat die Situation bis aufs äußerste zugespitzt, die Saar-Arbeitersäiaft wird dafür sorgen, daß auch dieser Trumpf der Röchling. Pirro und Konsorten nicht sticht! Hier Freiheit! Hit der Fanst Ins Gesldif Ucberfall auf einen Juden und merkwürdige» Verhalten der Polizei cy, t f> cr Nackt zum Montag kam cs auf dem Marktplatz in Homburg z» einer politischen Schlägerei. Dort trat au§ er Wirtschaft Schaumlöffel der Jude»rtu r Hir sch, um mit einem Bekannten nack Hause zu flfcken. Vor 6er Wmfchaft stand eine Horde Nazis, unter der sich der«Mauer Dt 1 b n befand Als dieser Hirsch sah,.sprang er^"ch au, diesen zu. schlug ihm mit der Faust mehrere Male inS Geficht, brachte ihm Äratzwunden bei und trat ihn noch. Obwohl sich der Vorgang unmittelbar vor der P olizei wache ab spielte und der Ueberfallene laut um Hilfe ries, e r s ch i e u öle Polizei nicht. Als Hirsch dann sofort Anzeige er- stattete und die Sache vor das Schnellgericht bringen wollte, machte ihm die Polizei plausibel, daß es sich bei dem Uebcr- fall keineswegs»m politische Motive handle. Genau das Gegenteil dürste erwiesen sein. Denn Hirsch ist als Anti- saschist und Jude bei den Nazis bestens äehaßt. Im übrigen ging dem Vorfall nicht der geringste Wortwechsel voran?, ivaS allein schon beweist, daß der Ueberfall ein p o l i- t i s ch e r gewesen sein muß. Pflicht der Polizei wäre cs deshalb gewesen, die Angelegenheit sofort vor den Schnell- richter zu bringen. Dabei muß noch bemerkt werden, dab die Polizei, im Gegensatz zu sonstigen Rowdys, mit den Nazis auf dem Polizcibüro sehr anständig verfuhr, denn dieselben spielten sich dort direkt als Herren auf. Volksabstimmung oder Volksbefragung? Gerüchte um die Genfer Tagung des Laar- Juristenausschusses Wir berichteten bereits über die Genfer Tagung des juristischen Untersuchungsausschusses über die Taarabstim- mung. Dem Ausschuß sind drei Hauptfragen vorgelegt. Die Frage nach der A b st i m m u n g s b e r e ch t i g u n g, der Durch fllhrungderAbsttmmung und die Frage nach den B e f u g n i s s e n, die der Völkerbund gemäß dem Saar- statut besitzt. Ruber einer Reihe von Fragen, die sich in diesem Zusammenhang aufwerfen, hat der Jnrlstcnausschutz sich auch damit zu beschäftigen, ob außer der geplanten Ab- stimmungskommission noch ein besonderes Organ im Saar- gebiet geschaffen werden soll, dessen Funktionen erst nach der Abstimmung beginnen würden. Ein sogenanntes„Ab st im- mungSgericht, dessen Kompetenzen gegenüber dem Völkerbund und der Regierungskommission abgegrenzt wer- den sollen. lieber die Ergebnisse der Beratungen ist bisher offiziell nichts bekanntgegeben worden. Es wird strengstes Still- schweigen über die Verhandlungen gewahrt. Und wie immer in Fällen, wo man nichts weiß, ist der Gerüchtemacherei Tür und Tor geöffnet. So wird auf der einen Seite behauptet, die Fünftenkommission habe beschlossen, die Abstimmung zu verschieben. Eine rudere Version besagt, baS Saargebiet solle in vier geograsische Abschnitte ausgeteilt und alle zwei Jahre in einem Abschnitt abgestimmt werden.— Was an diesen Meldungen richtig ist. können wir im Augenblick nicht fest- stellen. Zweifellos aber ist es, daß der Iuristenausschuß sich über die Frage unterhalten hat, ob der Völkerbundsrat kvm- petent ist, die Volksabstimmung im Saargebiet zu ver- schieben. Die gleichgeschalteten Saarbrttckcr Zeitungen beklagen sich bitter darüber, daß diese Frage überhaupt auf- gerollt werden könne. Auch die Frage soll aufgetaucht sein, ob der Völkerbunds- rat der Saarbevölkernng zur Ermöglichung einer freien und unbeeinflußten Abstimmung Garantien für die Zeit nach der Abstimmung zu geben habe. Hierzu soll der Iuristenausschuß erklärt haben, daß dies« Frage»war nicht in den Verträgen behandelt sei, daß aber ein Beschluß darüber durchaus in de» Macht des Völkerbundes liege. Dies alles sind aber mehr oder weniger begründete Ver- mutungeu der einzelnen Korrespondenten. Genauere» über die Ergebnisse der Beratung wird man erst erfahren nach Ueberreichung des VerichtsentwurfeS au den Taar-AuS- schuß. Die Verhandlungen dauern länger, alS man zuerst an- nahm. Vor Anfang nächster Woche ist mit der Fertigstellung der Gutachten nicht zu rechnen. Wir werden nach Kenntnis der tatsächlichen Vorgänge anS- führlich dazu Stellung nehmen. Antreten! Appell zur Anmeldung in der„deutschen Front" Bezeichnend für die Situation ist folgendes geheime Rnnd- schreiben des Stahlhelms ,.B.». F. Ortsgruppe Saarloniö. SoarloniS,«. März 1M4. Ortsgrnppenbesehl! Am SamStag, lll. Mär, 10S4, 20.M Uhr, trete» alle Samerade» der Ortsgruppe»um Appell im kl. Waat« de» Saalbaus au. Die Mitgliedsbücher und Ausweise sowie Militärpapiere sind von allen Kameraden mitzubringen Feder Kamerad muß mir bis dahin Meldung mache» können, daß er leine Anmeldung sowie die der Fawili,,,- angehörtgen znr..deutschen Fronte vollzogen hat. Kinder «nter 20 Fahren werden nicht anfgenommen. Nur die beigefügten Zettel find die richtige» Anmelde- formnlare, die ausgefüllt während des Appells abgegeben Wege« der Wichtigkeit des Appells darf kein Kawerad fehle». Frontheil Hitler! gez. Hoffman«, OrtSgrnppenfnhrer." * Also mit Appell und aus Befehl wird der Eintritt in die„deutsche Fronte vollzogen. DaS alles nennt Herr Pirro„freiwillig". Zugleich beweist dieser Befehl erneut, daß im Saargebiet, ohne daß die Regieruugskommis« ston etwa« dagegen zu tun vermag, militaristische Organisationen ihr Unwesen treiben können. Antreten, melden, ob die Großmutter schon in der„deut- schen Fronte ist,' Onkel, Tante und Nichten nicht vergesse». Zur Beglaubigung find sogar die M i l i t ä r p a p i e r e mit- zubringen. Ober sollte da? Mitbringen dieser Papiere nicht noch einem anderen Zwecke dienen? Will man nicht fest- stellen, bei welcher T r u pp e n so r m a t i v n und in welcher Slgrnschait der Frontsoldat gedient hat, ob er am MG. ausgebildet ist, ob er Scharfschütze war. ob er Richtkanonier war? All diese Dinge find sicher interessant zu wissen für die Leitung, damit der Mann dem- nächst znr Eroberung des SaargebirteS richtig eingesetzt werden kann. Ist eS nicht so? WaS will man sonst in den Militärpässen feststellen können? Tie„deutsche Front" sucht nicht nur unsere Großmütter alS Mitglieder zu ge- Winnen, sondern verfolgt auch noch andere Zwecke, wie dieser Ttahlhelmappell beweist. ver„totale" llnternehmerslaal Krupp bat den Oberbelehl Ober die Wlrtsdialf Maulkorb der„Ordnung Berlin, 23. März. Der Führer der deutschen Industrie. Dr. Krupp von Bohlen und Halbach, hat au die deutscheu in- dustrieUeu Unternehmer einen Ausruf zum Beitritt in die TAF. erlassen, in dem eS u. a. heißt: Ich habe bereits am 28. November v. F. im Anschluß an den damaligen„Ausruf an alle schaffenden Deutschen" die industriellen Unternehmer zum Beitritt in die DAF. aufge- fordert mit dem Hinweis darauf, daß die deutschen Unter- nehnicr an der Verwirklichung der hohen Ziele der Arbeits- front„Herstellung einer wahren Volksgemeinschaft aller im Arbcitslebe» schassenden Menschen" freudig mitarbeiten werden. Das inzwischen erlassene Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit sowie das Gesetz zur Vorbereitung des organischen Aufbaues der deutschen Wirtschast und die aus Grund dieses Gesetzes von dem Herrn RcichSwIrtschaftS- minister verfügten Maßnahmen machen meinen damaligen Ausruf an die industriellen Unternehmer noch dringender. Ueber die Beziehungen und die Aufgabenverteilung zwischen TAF. und de» aus Grund des Gesetzes zur Vor- bereitung des organischen Ausbaues der deutschen Wirtschaft uom Reichswirtschaflsminifter geschaffenen Wirtschaftsorganisationen sind sowohl seitens des Reichswirtschaftsministers wie des Führers der DAF., Staatsrat Dr. Len, eindeutig klärende Veröfientlichnngen erfolgt. Hiernach ist Aufgabe der deutschen Arbeitsfront und ihrer zu diesem Zwecke geschaffenen RcichSbetriebsgruppen,„die schassenden deutschen Menschen zusammenzufassen»nd sie alS VolkSgc» Nossen, als Nationalsozialisten auch innerlich zur Volksgemeinschaft zu bringen." Liegt demnach so die„Menscheusöhrnug" bei den Einrichtungen der DAF.. so ist Ausgabe der durch da» Ge» setz znr Borbereitnng des organischen Ausbanes der deutschen Wirtichast geschafsenen Wirtschaftsorganisationen, die Führung der sachliche« Ansgaben der Wirtschaft: Die Unternehmer find alS Führer der vetried« dnrch die neu geschaffene Organisation lediglich der setzt gebildete« Wirt, schaftssührnng nnterworfeu. Sie untersteben al» Führer der Betriebe also nicht der DAF. Herr Krupp geniert sich also gar nicht mehr, in aller Ocssentlichkeit festzustellen, wer praktisch in Deutschland zu bestimmen hat. Für un» find diese Offenbarungen nichts Neues und nichts UeberraschendeS. aber wir registrieren sie gern, weil einer der gewaltigsten Jndustriebarone in zwar vornehmen Worten, aber immerbin feststellt. dabLey die Interessen der deutschen Arbeiterschaft an das U n' c r Ii c h m e r t u m verraten hat. TaS Attest des Herr» Krupp von Bohlen wird sicher bei der ge- samten Arbeiterschaft aufmerksam beachtet werden, denn ein- dcutiger ist bisher von großkapitalistischer Seite noch nicht festgestellt worden, daß im„dritten Reich" die Unternehmer „Herren im Hause" sind. Dienst beim Herrn Direktor TNB. Berlin, 23. März. Die RcichSrcgierung hat gestern, wie gemeldet, das„Gesetz zur Ordnung der Arbeit in öfsent- lichen Verwaltungen und Betrieben" verabschiedet. Hiermit ist die in Aussicht genommene Sonberreglung für die Ver- waltungen und Betriebe der öffentlichen Hand ergangen. TaS neue Gesetz ficht für die Reglung der Arbeit im össcnt- lichen Dienst den Erlaß von Dienstordnungen durch den Führer der Verwaltungen oder Betriebe vor und gibt in Fällen, in denen eine Gruppe von Verwaltungen und Be- trieben einer gemeinsamen Verwaltung unterstchen, deren Führer das Recht, eine gemeinsame Dienstordnung zu er- lassen. Die Dienstordnung entspricht etwa der Betriebsord- iiiing des Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit. An Stelle der Treuhänder der Arbeit treten i» dem neuen Gesetz Sondertreuhändkr für den öffentlichen Dienst, die vom RcichSarbeitSminister im Einvernehmen mit den beteiligten ReichSministern bestellt worden,»nd Richtlinien oder Tarif- ordnungen für eine Gruppe öffentlicher Verwaltungen und Betriebe erlassen können. Für öffentliche Verwaltungen, die Hoheit s- befug nisse ausüben, sieht daS Gesetz einen VertrauenSrat nicht vor. Im übrigen werden in Verwaltungen und Betrieben der öffentlichen Hand Ver- trauensräte in gleicher Weise wie in der Privatwirtschaft ge- bildet. Ihre Befugnisse entsprechen im großen und ganzen denen der VertrauenSräte nach dem Gesetz zur„Ordnung der nationalen Arbeit". Auch die Vorschriften über die soziale Ehrengerichtsbarkeit und den Kündigungsschutz des Gesetzes sind in dem neuen Gesetz mit geringfügigen durch die bcson- der« Stellung der öffentlichen Verwaltungen»nd Betriebe gebotenen Abweichungen enthalten. TaS Gesetz tritt am t. Mai 1034 in Kraft. « Also in öffentlichen Betrieben haben die Direktoren noch größere Befugnisse alS die Betriebsleiter in der Privatwirt- schalt und die Arbeitnehmer in Betrieben mit HoheitSbesug- nissen erhalten«inen besonders derben Maulkorb. Ein feiner „Arbeiterstaat", ein seiner„Sozialismus"! Kundgebung gegen Henkerjustiz Breslau, 23. Mär» sInpreßl. Nach der Berküiidung de« Todesurteils gegen den Breslauer Arbeiter Hahn kam e» im Gerichtsgeoäube zn erregten Kundgebungen. Die„Tchle- fische Zeitung" berichtet darüber:„Nachdem Hahn und Hai,da aus dem Gerichtssaal geführt worden waren, kam es»och draußen aus dem Gange zu unliebsamen Szenen. Wütende Rufe und Schreie aus den Kreisen der de» Verurteilten nahestehenden kommunistischen Elemente führten schließlich dazu, daß der Gang geräumt werden mußte." Durch die ungewöhnliche Vermehrung unserer Korrespondenz sind wir gezwungen, eine Kollektiv» antwort auf die Fragen die uns gestellt worden sind, zu veröffentlichen u. durch die Presse folgende Präzisionen über den Gebrauch und die Wirksamkeit unserer Produkte bekannt zu geben: | a Die Haut ist nur schön, wenn sie gesund ist. Ohne heilkräftige Eigen- schaften kann also eine Schönheitscreme nicht wirkungsvoll sein. 2. THO-RADI«t enthält absolut sämtliche wirksamen Bestandteile welche in seiner Formel auf gezählt sind, die im„Laboratoire national de contröle des medi- caments" unter Nummer 319-8 eingetragen ist. A THO-RADIA wirkt als Vorbeugungs» und Heilmittel in allen Fällen, welches auch die Beschaffenheit der Haut oder ihrer Unvollkommenheiten sei. 4 Die Creme THO-RADIA muß am Tage wie jede andere * Schönheitscreme angewandt werden und für die Nacht in doppelter Dosis, da die Ruhe günstiger für die volle Wirkung der heilsamen Substanzen ist. 2 THO-RADI\ ist für d e rationelle, tägliche Haut« " pflege unentbehrlich. Jedoch kann man sie mit dem gleichen Nutzen für sämtliche Stellen der Haut und besonders für die Hände verwenden. Cr. T. Burnand Der Gebrauch der Creme THO-RADIA eignet sich auch ausgezeichnet für die Männer. Ein tüchtiges Auf« tragen vor dem Schlafengehen unterhält die Gesundheit der Haut und schützt gegen das Feuer des Rasiermessers. 7 t Die Poudre THO-RADIA, die als Hauptbestandteile Radium Thorium und Titan enthält, ist speziell ausgearbeitet, um die Wirkung der Creme zu vervollständigen und die Haut gegen schädliche Ausstrahlungen, besonders die ultravioletten Strahlen zu schützen. Die Qualität seines Binde-Mittels garantiert außerdem für eine vollkommene Adhäsion u. ein unvergleichlich mattes Aussehen der Haut. 0, Creme und Poudre THO-RADIA erzielen durch ihre vereinte Wirkung folgende Resultate. Sie regen die Vitalität der Zellen an, fördern den Blut. Kreislauf, festigen die Gewebe, scheiden das Fett aus, ver» ™ rn, Deformation der Poren, verhüten und heilen die Flechten, Pickel, Röten, bekämpfen die Veränderungen der Epidermis, vermeiden und entfernen die Falten, er. halten die Frische, das jugendliche Aussehen des Teints. 9.'?' e. THO.RADIA.Produkte können nur vom Apo* theker verkauft werden wegen der arzneilichen Bestand' teile, welchen sie ihre Wirkungskraft verdanken 10.®' e THO-RADIA-Produkte sind garantiert, nicht nur was ihre vollständige Unschädlichkeit anbelangt, aber auch für ihre verschönernde und heilende Wirkung durch den Docteur en Pharmacie, unter dessen Kontrolle sie nach der Formel von Docteur Alfred Curie hergestellt werden. Die Personen, welche von uns eine Auskunft verlangt haben, werden ohne Zweifel in den zehn obenstehenden Paragraphen die gewünschte Antwort finden. Wir stehen jedoch immer zur Verfügung aller Damen, welche Erklärungen über Punkte wünschen,welche wir nicht genügend berührt haben. PARIS■ 20, rue des Capucines, 20 Ein würdiger Kamerad Zuchthäusler und Vorkämpfer der„nationalen Revolution" In Berlin wurde kürzlich ein Heiratsschwindler zu 1 Jahr 8 Monaten Gefängnis verurteilt. Der„Völkische Beobachter" berichtet darüber: „£>ft genug gibt es im Leben eine Enttäuschung, wenn man sich das Borstrafenregister seiner lieben Mitmenschen ansieht. Zweifellos hätten die vier jungen und weniger jungen Damen, die sich bereit erklärt hatten, ehre Strafanzeige zu- rückzuziehen, auch kaum die richtige Antwort von ihrem „Freund" Hermann Kretels erhalten, denn auch das Schöffen- gericht mußte ihn erst an seine Z u ch t h a u s st r a s e er- inner». ES waren zwar eineinhalb Jahre, aber KretelS hatte sie doch„vergessen".„Aufzugöingenieur". so bezeichnete er sich stolz. lieber seine geschäftliche Tätigkeit wurde wenig bekannt, mehr dagegen über seine O f f e n b a r u n g s e i d e. Der„Anszngsingenieur" begnügte sich meist damit, seine Damenbekanntschaften„hochzunehmen", er lieh sich von ihnen Geld und löste jede Beziehung, wenn er auf weitere Summen nicht mehr rechnen konnte. Nur bei der Anna will er feste Absichten gehabt haben, als er ihr S p a r k o n t o e r- leichterte. Aber seine„festen" Absichten gerieten ins Wanken, als er ihr einen größeren Betrag schuldete. Pflicht- schuldig nahm er jetzt Anstoß an einem vermeintlichen Nebenbuhler und ging, recht besorgt um seine„Zukunft", wieder zu dem Vermittler, der ihn mit der„Zukünftigen" bekannt ge- macht hatte. Es war ein reiner Zufall— ein-peinlicher—, daß auch Anna zu der gleichen Zeit in dem Büro erschien, um über den„Verlobten" Auskunft einzuziehen. Als sie sich so unverhofft wiedersahen, zweifelten sie an der gegenseitigen Treue und zogen die rein„geschäftliche" Verbindung der dauernden vor einem Standesamt vor. Das taten auch die übrigen Bräute,„p 1 a u 1 o s a u s g e s u ch t e I a h r g ä n g e, die erkennen ließen, daß der Angeklagte weniger an Heirat als an Geld gedacht hatte". To sagte das Gericht, das ihn wegen fortgesetzten Betruges zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt und so- gleich einsperrte." Bergessen hat Hitlers Leibblatt— natürlich aus Versehen —, daß der Zuchthäusler und Heiratsschwinvier Kretels seil vielen Jahren zu den Borkämpfern der„nationalen Revo- lution" zählte. Als sie mit List und Tücke, durch Gemein- Helten und Betrug erschlichen war und- nach dem Vermögen der Gewerkschaften auch das der Sozialdemokratischen Partei von braunen Dieben gestohlen worden war, wurde Kretels Verwalter der Aktiengesellschaft Lindenhaus. Im„dritten Reich" sind halt auch Zuchthäusler angesehene Herren, soweit sie bei Hitlers Kampf um die Futterkrippe dabei waren. In dem in der Lindenstraße 3 gelegene» Gebäudekomplex dieser„Linüenhaus-AG." befand sich früher der Sitz des Vor- siandes der Sozialdemokratischen Partei, die„Vorwärts- Druckerei", der„Vorwärts-Verlag" und die„Vorwärts- Redaktion". Als Verwalter der„AG. Lindenhaus" hatte Kretels auch mehrere Häuser am Belle-Allianee-Platz zu be- treuen, die früher Eigentum des„Vorwärts-Berlages" waren. Hier ließ der braune Bursche im September eine größere Privatwohnung von SA. regelrecht ausplündern. Er selbst sicherte sich den Hauptanteil der Beute, so ein modernes Schlafzimmer und vieles mehr. Wenn die Herren Führer sich an und in gestohlenen Gebäuden gesund machen, warum soll ein Unterführer schließlich nicht sein Glück in g e- stohlenen Betten versuchen? Es ist nicht der einzige Zuchthäusler, der Hitler zur Macht »erhalt, dann zu Amt und Würden gekommen, dem Vorbild größerer Spitzbuben im„braunen Ehrenkleid" nacheiferte. Es ist auch nicht der letzte, denn in Hitlers braunem Haufen sind die„Kretels" alltägliche Erscheinungen. Vor zehn Jahren wurde Griechenland Republik Exkönig Georg II. Zaimis, der heutige Staats- von Griechenland. Präsident des Balkanlandes. Oer älteste Mensch der Welt heiratet zum 14. Male „Oerüdife" Was sich das Volk erzählt, weil es der Presse nichts glaubt Bon«, 22. März. In Bonn war eines Tages das Gerücht in die Welt lanciert worden, der Oberbürgermeister und der Beueler Bürgermeister seien in Urlaub gegangen. Wer das Geschwätz eigentlich aufgebracht hatte, an dem auch nicht ein Wörtchen wahr war, konnte nicht ermittelt werden. Jeden- falls hatte es auch eine 26jährige Verkäuferin irgendwo auf- geschnappt, die nichts Eiligeres zu tun hatte, als es im Laden eines jungen Geschäftsmannes weiter zu erzählen, aber schon mit dem Zutun, daß die beiden Bürgermeister in den Urlaub geschickt seien und auch ins Konzentrationslager kommen würden, da sie Unterschlagungen begangen hätten. Der Geschäftsmann erzählte diese Neuigkeit einem 2lljährigen Schneider, der sie brühwarm an seine Schwester, eine 24- jährige Verlagssekretärin, weitergab, daß die Bürgermeister schon nach Berlin beordert seien, um sich persönlich vor Hitler zu verantworten. Die Verlagssekretärin wiederum setzte ihren Bräutigam, einen 23jährigen Kraftfahrer, genauestens über das Gerücht in Kenntnis, bei dem es dann weit genug war, weil er es in seiner Garage jedem erzählte, der es hören wollte. Als das Gerücht diese Runde gemacht hatte, waren die Unterschlagungen schon eine gegebene Tatsache, und die Bürgermeister saßen schon in Schutzhaft, wie die letzten es weiterkolportierten.— Gegen den Kraftfahrer beantragte Staatsanwalt Dr. Rebmann eine Gefängnisstrafe von 4 Monaten und gegen die übrigen 4 Angeklagten je 8 Monate Getängnis. Das Sonbergericht er- kannte aus die beantragten Strafen. Liebestragödie— Zwei Tete Kiel, 23. März. In einem Hause der Eckernsörber Allee spielte sich gestern abend eine Liebestraiödie ab, die zwei Menschenleben forderte. Der verheiratete Ingenieur P. er- schoß dort in ihrer Wohnung die Witwe D. und tötete sich dann selbst. Revision gegen Todesurteil Breslau, 23. März. Der am IS. d. M. vom Breslauer Schwurgericht wegen Tötung des Stahlhelmmanns Müller aus Grünberg zum Tode verurteilte Arbeiter Hahn sowie der wegen Beihilfe zum Morde zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilte Heida haben gegen das Urteil Revision beim Reichsgericht eingelegt. Der Staatsanwalt, der auch gegen Heida die Todesstrafe beantragt hatte, hat im Falle Heida auch von M aus die Revision angemeldet. 8raune Menschenräuber Der Arbeiter R., der an der tschechoslowakischen Grenze bei Reichender« wohnt, wurde vor zwei Tagen aus seinem Häuschen von Insassen eines vorüberfahrenden Autos her- ausgerufen. In der Annahme, man wünsche eine Auskunst von ihm, ging er hinaus. Drei Insassen verließen das Auto, verwickelten R. in ein kurzes Gespräch, hieben plötzlich mit Stahlruten auf ihn ein und versuchten ihn in den Wagen zu zerren. R. schrie laut um Hilfe und wehrte sich, so gut er konnte. Als auf seine Hilferufe Leute herbeiliefen, ließen die Banditen von ihm ab und fuhren der Grenze zu. R. blieb blutüberströmt mit ernsten Hiebwunden liegen. An der Ueberfallstelle fand sich folgendes vor und wurde der OrtS- polizei übergeben: Ein Mitgliedsbuch der NSDAP, au? den Namen Göricke lautend, und Betäubungsmittel. R. gab bei der Polizei an, der genannte Göricke sei vor einigen Tagen bei ihm erschienen, habe sich als Emigrant ausgegeben, und versucht, Namen und Adressen von geflohenen Arbeitern zu erfahren. Mit fremden Federn geschmückt Bei Niederfinow in der Mark Brandenburg wurde daS von der sozialdemokratischen Regierung in Bau genommene riesige Schiffshebewerk das in einem einzigen Arbeitsgang UlüO Schiffstonuen 36 Meter hoch heben kann, seiner Be- stimmung übergeben. Heute nimmt der Faschismus diesen Bau als sein Werk in Anspruch. Ter riesige Trog ist an nicht weniger als 266 Drahtseilen aufgehängt SlraßDiirger wodienbcrlcM M a J&f teil 1® Hav r^Al/lefvAm rlaw I /%ff a*>ia ISIntinrinl iikpf rlptTl Q 5^ Der Goldstrom der Lotterie National über dem Elsaß Nachdem bisher bei den Ziehungen der Lotterie National das Elsaß immer etwas stiefmütterlich bedacht worden war, leerte bei der achten Tranche die Glücksgöttin ihr Füllhorn in verschwenderischer W eise rund um das Straßburger Münster aus. Noch meldeten sich nicht alle Gewinner, ganz vorsichtige werden überhaupt ungenannt bleiben wollen, und doch dürfte so gut wie sicher sein, daß neben vielen Hunderttausendern auch etwa drei Millionen- Gewinne nach dem Elsaß gefallen sind. So vermutet man in Straßburg selbst einen Millionengewinn, da die Serie M, die allein vier Millionen-Gewinne enthielt, fast ausschließlich in Straßburg verkauft wurde. In Wattweiler teilen sich zwanzig Personen, die das Los gemeinsam gespielt haben, in eine Million. Und auch in M u 1 h o u s e kassierte ein Geschäftsmann eine Million ein. Glück hatte das zwölfjährige Töchterchen des Bäckermeisters Utz in Geispolzheim, das sieh in Straßburg ein Los kaufte und nun 100 000 Fr. damit gewonnen hat. In Herrlisheim verleibte ein junger Sehreiner seiner Kasse 100 000 Fr. ein, während in Straßburg der Wirt der„Marseillaise" am Broglieplatj und ein Bäcker aus der Langstraße je 100000 Franken einsteckten. Außerdem wurden noch zwei Lose, die 100 000 Fr. gewonnen haben, hier abgesetzt, doch zogen es die glücklichen Gewinner bis jetzt noch vor, unerkannt zu bleiben. Auch einige Gewinne von 50 000 Fr. entfielen auf hiesige Bürger. Die Glücksgöttin machte also bei der achten Tranche ihr Versagen bei den vorhergegangenen Ziehungen in beziig auf das Elsaß wieder wett. Die Losverkaufsstellen dürfen sich auf einen lebhaften Verkauf für die nächsten Ziehungen gefaßt raachen. Straßburger Antwort an das„Abendblatt" Wir lesen in der demokratischen„Neuen Zeitung":„Dan ..Saarbrücker Abendblatt", das Organ des getarnten deutschen Nationalsozialismus, das aus Opportunitätsgründen die sonst jedem„deutsd i Edeling" eigene Wahrhaftigkeit und Offenheit zurückstellt und jetzt unter der Marke„Deutsche Front*" politische Geschäfte zu machen sucht, befaßt sich mit dem letzten Kongreß der Republikanisch-Demokratischen Partei in Straßhurg. Aus den in dem üblen ncudcutschen Schnodderstil gehaltenen Ausführungen geht hervor, daß vor allem der Zorn über die entschiedene Absage der Elsässer an den deutschen Nationalsozialismus mitspricht. Schon der Titel verrät es:„Elsässische Französiinge befassen sich mit der Saarfrag e". Die ganze Art und Weise, in der die einzelnen Redner und ihre Darlegungen dann zergliedert werden, erinnert in jeder Zeile an die bekannten Propagandastellen. Besonders unerhört findet das Organ der„Deutschen Front" das in der Entschließung zum Ausdruck gebrachte Verlangen, daß die Ehrlichkeit der Abstimmung gewahrt werden müsse, daß der'Warenaus- ta.ue.ch a.cif all? Fälle in Fluß bleibe. Daß es der„Deutschen Front" beim Verlangen nach Ehrlichkeit so unbehaglich zumute wird, wie dem Mpphistopheles, dem man das Kreuz hinhält, wirkt in keiner Weise überraschend. Naiv ist die Frage, was denn die Demokratische Partei„die Saarfrage angehe". Das mag wohl in erster Jcjnie davon herrühren, daß uns der Vertrag von Versailles noch nicht so weit aus der E r i' n n er r p ti g entschwunden ist wie den Herren, die in der Nebelwelt des„dritten Reiches" leben. Die..Fröntier" werden es einstweilen schon noch hinnehmen müssen, daß Frankreich—- und damit ist eine Stellungnahme der verschiedenen französischen Parteien gegeben— sich dafür interessiert, was an der Saar wird..." Vielleicht besitzt das„Abendblatt*' unter des gewaltigen Teutonen Schlemmers Führung soviel Mut, diese Abfuhr seinen Lesern vorzusetzen. Dann kommen die Herren Redakteure dort wenigstens nicht aus der Uebung, sind sie doch im Zitieren gewisser lothringischer Pressestimmen sonst so tüchtig." Die Radikalen gegen den Faschismus Auf der Generalversammlung der Radikal-Sozialistischen Partei des Bas-Rhin wurde eine Entschließung angenommen, in der u. a. gegen die faschistischen Umtriebe protestiert wird, die bereits blutige Zwischenfälle hervorgerufen und die Wirtschaftstätigkeit paralysiert haben und die das Land dem Bürgerkrieg entgegenzuführen drohen, indem sie Frankreichs Sicherheit in Gefahr setzen. Die Föderation des Bas-Rhin ersucht die Regierung, diesen Treibereien ein-Ziel zu setzen. Unter Bezugnahme auf die verschiedenen Skandalaffären verlangt die Föderation der Radikal- Sozialisten, daß die Partei unverzüglich die erforderlichen Maßnahmen ergreife, um die unerwünschten Elemente, ohne Rücksicht auf die Persönlichkeit, auszuschließen. Die Föderation ist der Ansicht, daß die Aufgabe, die sich das Ministerium Doumergue auferlegt hat. energisch durchgeführt und schnell beendet werden muß. damit man wieder zu normalen Regierungsniethoden zurückkehren kann. it Es wird ungeheur viel geredet. Die französische Sprache Hai ein Wort„toufsu". Daö Heißt etwa: überladen, überhäuft, es ist das im Deutschen nicht existierende Adjektiv zu dem Worte Dickicht oder Haarschops. Ein Artikel ist zum Beispiel toufsu und wird deswegen von der Pariser Zeitung abgelehnt. Aber, daß ein ganzer Gegen- stand toufsu ist, erleb: man zum ersten Male in diesem sonst so klaren lateinischen Land an der Angelegenheit des „Meiöken" Alexandre. Metegues sind lästige Ausländer, Menschheitsexemplare. die zur Zeit unter dem„cent pour eensi'-französischen Himmel nicht sehr beliebt sind. Die ganze Stavisky Galerie jedenfalls hat, obwohl Mabame ArletteS Wiege In dem Lande der sanften Verse eines Alfred de Musset stand und obwohl jetzt sogar bei einem leibhaftigen General mit dem unnach- ahmlich lranzösischeu Namen Bardi de Fourton hausgesucht wurde, in staviskyschen GrnndstückSdlensten stand, nicht dazu beigetragen, daß die Jnlernationalität von Parts, wo immer- hin eine Million fremde wohnen, gesteigert wird.. Aber nicht nur nach der Ausländer«! hin geht das tont fit, auch nach der inhaltlichen Ausdehnung. Was sich da besonders ein Boulevardblatt an Zumutung an das Publikum leistet, geht auf keine Kuhhaut. Täglich Romanstofsr. Kaum brechen Diebe oder Neugierige in das Stavisky-Hans in Ebamonix ein, gleich heißt es: geheimnisvolle Abgesandte der Mörder— und es wimmelt überhaupt von Geistern, außer von denen an der einsamen Mordstelle der Combe-aux-FöeS, die man nicht findet. Fürchterlich ist der Romanstosf wieder bei der neuen toufsu- Expedition nach G u n a n a in Französisch-Zentralamertka, da, wo der Pfeffer wächst. Daß Staviskv den ehemaligen Abgeordneten dieses Gebietes, den merkwürdigen Zeit genossen Jean Galmot im Fahre 1020 durch seine Bande ermorden ließ, steht für gewisse Leute außer Zweifel, oder toird mindestens mit so sensationeller Zubereitung aufgetischt, daß man, um ein ins Französische übergegangenes deutsches Wort zu gebrauchen, die Rockenbollen spürt. Dabei steht die Liebe des Guyaners zu Madame Arlette, damals noch un- verheiratet, am Rande. Schließlich starb der gunaner Held, wie ssch das in solchen Rittergeschichten gehört, an einer Ber- gistung, die er sich an einem Trünke zuzog, und den sollen ihm, wie in der Renaissance bei den Borgia, die Berschwo- reuen der Bande gereicht haben. So hat der Deputierte der Gironde. M. Henriot, vor dem Untersuchungsrichter eut- hüllt, der es einigermaßen den Alem verschlug. Wohlgemerkt, alles das kann sein, und es ist jedenfalls den Stavtskys zuzutrauen, auch wenn sich inzwischen wohl schon herausgestellt hat, daß einer der Hauptbelastcten, Brouilhet, ein alter Tlavilkv-Freund, um die Zeit gar nicht in Guyana war. Und die Witwe es vergifteten Galmot hat erklärt, daß sie Stavisky nie gesehen hat. Wie dem aber auch sei, selbst wenn der schöne Alexandre mit seiner Maffia vor acht Fahren einen Abenteurer des Ruhms aus dem Lande Guyana tötete, so bringt dieser Tatznsammenhang die Suche nach der„Affäre", nach den Mördern des Rich- tersPrinee, noch nicht weiter. Und solange diese Mörder von Dijon nicht gesunden sind, wird das politische Gewissen in Frankreich keine Ruhe haben. Nicht umsonst hat der Mi- nister Ch 6 ron gejagt, daß eine Bande von Uebel- t ä t e r n das Land in Trubel stürzt. Was ihnen sehr ge- lungen ist. Man sollte sich vielleicht auch etwa» mehr um gewisse andere wichtige Dinge kümmern! Im übrigen soll man die Schlagschatten dieser Abenteurer nicht übertreiben. Es ist ziemlich sicher, daß die Republik mit allen Kräften nach einer Reinigung der Atmosphäre drängt, mit den Sensationen fertig wird. Die Herren in Deutschland sollen sich nur nicht einbilden, durch diese Aitäre, die den Kern des Franzosentums wirklich nicht berührt, irgendwie in Frankreich weiterkommen zu können. Ach nein, die Menschenrechte sitzen hier sehr fest und werden es ewig bleiben, und wenn die Presse in Berlin nicht täglich einen Staucher von der Regierung kriegte, dann sollte sie mal die Worte von C l e m e n t B a u t e l in dem Rechtsblatt „Journal" abdrucken, der so etwa gesagt hat: daß eS manch- mal lange dauert, bis die Diktatoren kommen, das einzige, was feststeht, ist. daß sie hier sehr schnell den tarpeiischen Fels hinunterfliegen.— Wünschen wir Deutschland das Gleiche! Baptist. Lpur in Nürnberg? Wie gemeldet wird, hat der französische Konsul in Nürnberg den Behörden in Dijon mitgeteilt, daß ein dunkle? Auto, dessen Fniassen die Ausmerksamkeit der Polizei ans sich zogen, im Laute des MonaiS durch Nürnberg fuhr. Die Nummer wurde notiert und der Snrete mitgeteilt. Auch Millerand? Paris, 24. März. Der paxlamenlarisch« Stavisky Ausschuß soll daran denken, die Eiribern'ung des eben erst in die Ferien gegangenen Parlamenis für die kommende Woche zu beantragen, damit die parlamentarische Fmmiinität der schwer belasteten Senatoren Odin und Pnis und der Ab- geordneten Hnlin und Proust noch vor Ostern anfgelsvben werde. Au? dem Berhör des Senator« Odin ist zu ermähnen, daß der Zeuge einen früheren Präsidenten der Republik als Stavisky-Kunden bezeichnete. Nach längerem Zögern erklärte er, es handle sich, wie man be Haupte, um M i l l e r a n d.- Bcnioinmcit wurde am Freitag auch der frühere Ministerpräsident Ebaulemps. Er be- bauptete, weder Stavisky, noch Ar leite Simon, spätere Frau«taviskys, gekannt zu haben. Kommunistischer Husarenstreich Fn AdlerShof bei Berlin. Friedlandstraße. wurde vor einigen Tagen an einem Haufe eine Tafel mit der Zuschrift angebracht:„Hier wohnte der kommunistische Laudtagsabge- ordnete Erich Steinfurth. Er wurde am 2. Februar von der Geheimen Staatspolizei lSS.l ermordet. Wir werde» seinen Tod rächen, indem wir in seinem Geiste bandeln. Kammu nistisch« Partei." Außerdem wurden sämtliche Straßenschilder mit Zetteln:„Erich-Steinsnrt Straße" überklebt. Die Täter konnten nicht verhaftet werden. Setmeizerieeftee eeo teftheadftekarei, Konditor»*. Wem»«md Üfcftrt 7xoduUs Jhhmid. 79. Boilmfd d« ltnt»MT|,> rite 3t. lurni JUlllS, de«*aro do H!i« Ttiefen 4 Linien fgreiolqt tinter BO'TZAfttS 31-H •E hinkag« und AtnfoMm*•««»^erwiMWi 5 BRILLANTEN. GOLD» SILBERWAREN. UHREN§ Cj*l*OT*tom.V-f«4al» Bit 1R*. 49, fAUIIOLKU WOYIIHA* IKS x chhhmkiö*** ip»ic.hi ohcjch sseewo' ti ntOTMiiti^ tMi eifi' in nmdwr Da mmsdl neidet J. Mastchenko f. Ree C K Mer*4 m Hmr«.. tgl. Opfeg 72-7« Kleider, MlnNl,• Utwrbsilus^, R»p*H«run< —?AYl©E5 H©m_- 6. KUt 7 AY LÜk. t'AKlS(W) (Gares Nord et Bset Telephone tiotzurts 17-83 Schone Limmer mässtge Prent. Wpnn Sie ge mlitltch und ruhie. wuhnm wollen so steigen Sie In, /Miel.. T A V L O 3»•• ab. fernste(udische SeUucuuen* und Wienet!BäcAeeei-QescAätte SS. AVENUfc WAGRAM SS. RUI DE PASST, 1*1 I»i Carito« 27-63 Airiouil 33-61 An unsere Bezieherund Leser! Wir erhalten in letzter Zeit Beschwerden da, rüber, daß die„Deutsche Freiheit" entweder verspätet oder auch garnicht'ankommt. Wir bitten alle Beschwerdeführer, sich an ihrem Ort mit der Post oder der Bahn in Verbindung zu setzen, da von Saarbrücken aus die Zeitung nach wie vor pünktlich jeden Tag abgeht. An der Post oder Bahn des Auf. gabe-Ortes liegt die Verzögerung nicht, davon konnten wir uns überzeugen. Verlag der„Deutsehen Freiheit" Autogcschichten Bei B i s ch h e i m versuchten drei junge. Kerle ein Auto auf offener Straße anzuhalten. Der Chauffeur wich ihnen aus. Daraufhin schössen die Wegelagerer mehrmals hinter ihm her, verfehlten jedoch glücklicherweise ihr Ziel. Sie wurden verhaftet.— Mit 500 Fr., die er als Anzahlung leistete, ergaunerte sich ein hier ansässiger Italiener hei einem Garagisten ein Auto, das 6000 Fr. kosten sollte. Als der Garagist nicht zu seinem Geld kommen konnte, stellte er Strafantrag. Nun erfuhr er, daß das Auto längst den Weg ins Pfandhaus angetreten hatte. Der Italiener wurde festgenommen, später aber bis zu seiner Aburteilung auf freien Fuß gesetzt.— Einem Sdiiltigheimrr Händler wurde ein zur Reparatur iibergebenes Motorrad bei der Probefahrt gestohlen. Schon schickte er sich an, seinem Klienten den Verlust zu ersetzen, da.fuhr ein Unbekannter auf dem Rad an seinem Laden vor. Er ließ ihn sofort festnehmen. worauf sich herausstellte, daß der Festgenommene das Rad zu einem Spottpreis von einem D e u t s rh e n erstanden hat. Dieser!sx natürlich verschwunden. Riesenverluste der„France Mutualiste" Durch Gesetz ist den ehemaligen Kriegsteilnehmern in Frankreich die Möglichkeit gegeben, sich durch Einzahlungen in eine Pensionskasse eine Rente zu sichern, wobei der Staat zu den Einzahlungen 25 Prozent beisteuert. Viele Elsässer Kriegsinvaliden und Kriegsgefangene zahlten ihre Beiträge an die„France Mutualiste". hei der nun eine aus dem Elsaß entsandte Untersuchungskommission große Verluste festgestellt hat, die infolge verschiedener Fehlspekulationen eintraten. Unter den Einzahlern herrscht darüber große Erregung, da sie mit Recht den Verlust ihrer Gelder befürchten. Man scheint aber eine Reglung treffen zu können, durch die die von den Einzahlern geleisteten Beiträge erhalten werden. Das giftige Medikament Das Söhnchen eines Automechanikers in Barr, der sein krankes Auge mit einem ärztlich verschriebenen Medikament zu kurieren suchte, erwischte die Arzneiflasche und trank ihren Inhalt. Das Kind atarb einige Stunden apäter unter großen Schmerzen. Briefmarkenausstellung Ueber die Osterfeiertago findet in Mülhausen eine große Briefmarkenausstellung statt, zu der Interessenten aus dem ganzen Elsaß erwartet werden. Der neue Schachmeister Die Straßhurger Schachmeisterschaft für 1954 fiel an Herrn Wolf Gaaton vom Gerde d'Echecs 1924. An zweiter Stelle folgen G i r a r d o t und Z e 11 i n. Kunstkalender Mit einem Konzert, dessen Programm selten gehörte Kompositionen von Haydn. Mozart, Bach und Kuhnen aufwies, beschloß die Societe de Muaicjue de Chamhre im Hektor- Berlioz-Saal des Konservatoriums unter Leitung des Direktors Fritz M ü n ch die winterliche Konzertsaiton, Die Werke wurden in der Urfassung mit Clavecin geapielt, au deaaen Handhabung die hervorragende Clavecinistin Alice E h 1 e r a aus London gewonnen war. Das Konzert wirkte dadurch besonders reizvoll. Der Jazzdirigent Ray Ventura heimste im überfüllten Sängerhaus einen triumphalen Erfolg ein. Die Darbietungen seines Orchesters offenbarten eine eminente Virtuosität und sprühten von Witz und Humor. Mit der Prograramnummer:„Hallo, hallo, ici radio Jerusalem: Jazz Adolf Hitler" bewies Ray Ventura seinen Sinn für zeitgenössischen Witz in der Musik. Da» Wiener Phil, harmonische Orchester unter Bruno Walters Leitung gastiert am 23. April im Sängrrhaus. der berühmte Geiger Hubermann hat sein Erscheinen im gleichen Saal auf den 10, April angekündigt. Vorverkauf für beide Konzerte bei S. W o I f in der Meisengasse.— Am Dienstag, 27. März, treten die Donkosaken im Sängerhaus auf.— Eine umfangreiche Gemäldeausstellung, von vier in Paris lebenden Künstlern veranstaltet, lockt in den Aubette- Saal.— Ueber die Kunst im Elsaß im 15. und 16. Jahrhundert sprach der Konservator des Gemäldemuseums im Lesesaal des Rohanschlosses.—- Das Stadt- t h e a t e r brachte Lehars Operette„P• g a n i n i" in neuer Inszenierung heraus.— Das Pariser Theatre de l'Odeon gastierte zum erstenmal in Straßburg mit dem erfolgreichen Schauspiel von Henri Giere:„L e beau Metie r". e. a ■ r Pariser Dcrkhle Pariser SfraOcnkalender Die Oslerferien in den Pariser Schulen dauern vom Samstag, 24. April, Nachmittagsunterricht, bis Sonntag, 8. April, Schulbeginn Montag, 9. April, zu üblicher Zeit. Die ecoles primaireg und maternelles schließen von Mittwoch, dem 28. März, bis Montag, 9. April. * Die Pariser Museen sind am Karfreitag und am Ostermontag geschlossen, am Ostersonntag geöffnet bei freiem Eintritt. Am Freitag„feierte" Paris den Jahrestag der ersten Beschießung durch die dicke Kanone im Jahre 1918. Der erste Schuß fiel morgens 7.30 Uhr. Die Pariser rannten an die Fenster. Um 8 Uhr fiel der zweite Schuß, um 8.25 der dritte. Um 9 Uhr wurde das Warnzeichen gegeben. Dann hörte man den ganzen Tag trockene Detonationen alle Stunde. Es gab zehn Tote und fünfzehn Verletzte. In der rue die Belleville erregte die Erschießung dev Concierge M. Boudon durch einen jähzornigen Mieter namens Boudon großes Aufsehen. Der Mieter weckte den Concierge um elf Uhr aus dem Schlaf und forderte ihn auf, den Lautsprecher eines Nachbarn abzustellen. Der Conciergp, wütend wegen des Weckens, brauchte jetzt auch schärfere Ausdrücke und wurde von dem erregten Mieter mit drei Schüssen niedergestreckt. Der Mieter, ein etwa vierzigjähriger, ärmlich gekleideter Mann, wurde verhaftet. * Wie entschieden wurde, wird Radio L. L. in Zukunft keinu politischen Kundgebungen mehr senden. « In der Galerie Seligmann, rue de la Paix, wurde eine bedeutende Ausstellung des Malers Ingres und seiner Schüler eröffnet. Das Venedig des Westens verschwindet Nantes, die Stadt an der Loire, erhält ein neues Gesicht, In Nantes, der bedeutenden Hafen- und Handelsstadt ar> der Mündung der Loire, nur 56 Kilometer vom Ozean entfernt, sind seit einigen Jahren Bauarbeiten von kühnsten Ausmaßen und mit modernsten Mitteln der Technik zur Umgestaltung des Loirehafens in Gang. Sie sollen im Laufe dieses Jahres die Fertigstellung eines wichtigen Bauabschnittes bringen. Das Bauprojekt, mit 50 Millionen Franken veranschlagt, wird das Gesicht der alten Stadt der Herzöge der Betragne, deren Schloß an der Loire eine touristische Attraktion ist, vollkommen verändern. Nantes war in Gefahr, ein zwar malerisches, aber wirtschaftlich sterbendes„Venedig des Westens" zu werden. Die Loire bildete bereits 5 Arme, die trotz aller Drainage am Austritt der Loire ins Meer den Stand des Wasserspiegels immer weiter senkten und die Schiffbarkeit herabsetzten. Man entschloß sich daher, 3 Arme zuzuschütten und außerdem noch den Lauf des Erdreflusaes, der von Norden der Loire zufließt, unterirdisch u m z u• lenken- Sie soll schon in diesem Jahre, statt wie bisher mitten durch die Altstadt ihre Wasser zu tragen, ein erhebliches Stück loireaufwärts, unmittelbar zu Füßen des Schlosses in den Kanal Saint-Felix münden, von wo aus die Wasseregulierung mit der Loire durch eine neue elektrische Schleuse erfolgen wird. Das einstige Loire-Venedig mit seinen Lagunen ist bereits tot. In den früheren Flußarmen, die die Ihsel Feydeau um; spülten, haben sich die Kinder von Nantes ein neues Spielfeld geschaffen. Bald wird auch die Eisenbahn nicht mehr am Ufer der Loire entlang als Gefährte der Tramhahn durch die Stadt fahren, pur durch eine niedrige Barriere von den Quais getrennt. Auch diese Romantik muß verschwinden. Die Hauptstrecke Paris-Quimper wird in einem Tunnel unterirdisch gelegt, und die bisherigen beiden Bahnhöfe der Staatsbahn wie der Orläans werden zu einem Bahnhof vereinigt. Es werden neue Quais und große Verkehrsadern ebenso wie neue Brücken über- die abgeänderten Flußläufe erstehen. Die Stadt von heute, fast 200 000 Einwohnern (in der durch das berühmte Edikt vpn Nantes der Religions- friede zwischen den Bekenntnissen geschlossen worden ist), steht an der Schwelle einer neuen und für die Wirtschaft des ganzen Landes bedeutsamen Entwicklung. Herabsetzung des Pariser Milchpreises Der Milchpreis in Paris ist von 1.50 Franken der Litet vom 1- April an auf 1,40 Franken herabgesetzt worden und vom 15. April an auf 1,30 Franken. Diese Herabsetzung ist insbesondere auch wegen der Kinder begrüßenswert. Die Arbeitslosen Nach der amtlichen Statistik ist die Zahl dar registrierten Arbeitslosen in Frankreich von 350 656 auf 349 267, also um 1264 gefallen, nach der Wochenzählung vom 17. März. Aber es sind etwa 25 000 Stempelnde mehr als, im Vorjahre. In Paris wurden 99 200 Arbeitslose gezählt, davon 27 500 weibliche. MoslKUmschao Aus Amsterdam kommt die Nachricht, daß der Pariser Dirigent Pierre Monieos, der soeben in England als Gastdirigent der Kgl. Philharm. Gesellschaft in Londön gefeiert wurde, seine Dauerverpflichtupg zur Leitung eines Zyklus von Konzerten des Amsterdamer Concertgebouw lösen wil'. Monteux will vor allem wegen seiner ausgedehnten Pariser Verpflichtungen nur noch gastweiae auswärts tätig sein. Wie man ans Amsterdam gleichzeitig' erfähzt, sollen während Bruno Walters Pariser Aufenthalt Verhandlungen mit diesem Dirigenten geführt worden sein wegen Uehernahme der durch Monteux' Auascheiden freiwerdenden Konzerte. Walter würde zunächst auf die drei'ersten Monate der kommenden Saison die Gesamtleitung der Concertgebouw Goncerte übernehmen. Wenn die angeknüpften Verbandlangen, wie es den Anschein-hat, zum Ziele führen wer- rei. rriniie 43.13 M6lro P l q a 1 1 e Deutsche Poliklinik Paris, 02., Rue de la Rochefoucauld «1 Allgemeine RonanltaHones m*9 SmUIm b) Chirurgie Innere Medizin. Augen-. Ohren-, Nrn. und Kehlkopfkren*, Z-mrtAckigref&n c) GehnrtahfliHche Klinik<0 Zahnärztliches Kabinett binde. Vierstöckige* Gebinde, Zimmer Zahn, and Mundchirurgie. Golde aeiten. Röntgen, Diathermie. Elektrotherapie Spezialbehand» Kleine, mittlere and große Chirur» mit 1 bis 4 Betten. 5 Aerzte, 3 Heb» und Porzellankronen,»Brücken '®f bei Blut», Harn» o. Geschlechts krankhaften gj*. Die aller modernste Einrichtung smw>»n and 2 Operationssäle. Kaotschnk» Arbeiten Ordination ISgilch von 9—12 und 2—8; Sonntags und Feiertags von lO—12 und 2—4 Uhr Doktor Wachtel und Doktor Axel Geschlechtskrankheiten, Männer nnd Frauen Nase, Hals, Ohren 123, Bd. 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Diathermie INSERIEREN BRINGT GEWINN ßerüehsii tu ue«Inserenten der„Deutscfienfoeißeit" ua den, könnte man ebensosehr das Amsterdamer Ordiester zu seinem neuen Leiter wie Bruno Walter zu seinem neuen Tätigkeitsfeld beglückwünschen. Der Kölner Generalmusikdirektor und Musikhochschulleiter Martin Abendrot b, um den soeben, weil er sich als freier Künstler nicht restlos gleichschalten lassen wollte in der rheinischen Musikstadt ein heftiger Kampf zwischen NSDAP, und Studentenschaft entbrannt ist, wird noch in dieser Saison einige Konzerte in Amsterdam dirigieren. Dr. Felix von Weingartner, der soeben in Paris als Gastdirigent zweier Pasdeloup-Konzerte außergewöhnlichen Erfolg hatte, wird im Mai die B a s 1 e r Schubert-Festwoche leiten, in derem Rahmen u. a. alle 8 Symphonien des Wiener Romantikers zur Aufführung gelangen. Bei gleicher Gelegenheit bringt das Stadttheater Basel eine Neueinstudierung von Webers„Oberen" in der Bühneneinrichtung F. v. Wein- gartners. p. W. Pariser(Theater Dimanche, 25. Mars Opera. La Princesse Lointaine(20). Opera-Comique. Reläche. Comedie Frangaise. Sapho(20.30). Odeon. Tartuffe, Les Plaideurs(20.30). Atelier.— Richard III.(21). Gymnase: Le Messager von Henry Bernstein mit Gaby Morlay(21 h). Madeleine: Le Passage des Princes(Offenbach)(20.45 h) Michodiere. Le« Temps difficil.es(20.30 h). Michel: Parole d'honneur(21 h). Oeuvre. Les Races(21). P^lais-Royal: La Familie Vauberlain(21 h). Theaire de Paris. Tavaritch(20.45 h). Saroh-Berhardt: Alibi 14 von Jean Guitton(20.15 h). Chatelet. Rose de France(20 h). Gaite-Lyrique: Le pays du sourire(Das Land des Lächelns) von Lebar(14.45 et 20.45 b). Magödar: L'Auberge du Cheval Blanc(Im Weißen Röß'l). Pigalle: La Chauve-Souris(Die Fledermaus). Regie: Max Reinhardt(20.30 h). Parte Sait-Martin. Wiener Walzer(Operette von Johann Strauß, Vater und Sohn), mit Andre Bauge(20.30 h). Casino de Paris: Revue: Vive Paris mit Cecile Sorel(20.30) Folies-Bergere. Folie« en Folie, Revue mit Mistinguett. (20.30 h). Lundi, 26. Mars Opera. Reläehe. Opera-Comique. Le Barbier de Seville(14.30), Louise(20). Comedie Frangaise. Coriolan(14). La Couronne de Garton (20.30). Odeon. Troilus et Cressida(14.30 et 20.30). Gymnase: Le Messager von Henry Bernstein mit Gaby Morlay(21 h). Madeleine: Le Passage des Princes(Offenbach)(20.45 h). Michodiere: Les Temps diffieiles(20.30 h). Miqhel: Parole d'honneur(21 h). Oeuvre. Lea Races(21 h). PalaissRoyal: La Familie Vauberlain(21 h). Theatre de Paris: Tavaritch(20.45 h). Sarah-Bernhardt: Alibi 14 von Jean Guitton(20.15). Chatelet: Rose de France(20 h). Gaite j Lyrique: Le pays du sourire(Das Land des Lächelns) von Lehar(14.45 et 20.45 h). Mogador: L'auberge du Cheval Blanc(Im weißen Röß'l). Pigalle: La Chauve-Souris(Die Fledermaus). Regie: Max Reinhardt(20.30 h). Porte Saint-Martin: Wiener Walzer(Operette von Johann Strauß, Vater und Sohn), mit Andre Bauge(20.30 h). Camino de Paris: Revue Vive Paris mit Cecil Sorel. Im 2. Akt: Maitresses de Rois, von Sacka Guitry(20.30 h). Folies-Bergere: Folie« en Folie, Revue mit Mistinguett (20.30). BWEHCflSTEN „fficftlanb", die in Saarbrücken erscheinende unabhängige deutsche Wochenzeitung, bringt in ihrer neuesten Ausgabe u. a. folgende Beiträge: Tie Märzofsensive— Tie Spur des Sozialismus— 3ft ein Putsch der Saar-Nazis möglich— Hitlergeist in den Saarschulen — Wer hilft dem Völkerbund?— Kommandierte Industrie— Tat Sterben Glied um Glied. Pazifist Zg. Sie haben ubersehen, dost Helmuth von Gerlach in der„Deutschen Freiheit" die lächerliche Behauptung der national- sozialistischen Prege schon richtig gestellt hat, er sei sür die Rück- gliederung des Saargcbietes an Deutschland, so lange drüben die Hitlcr-Barboren hausen. Sie und leider eine ganze Reihe von Pazifisten waren geneigt, sofort über Gerlach herzufallen. Wir haben rorgezogen, uns zunächst bei Herrn von Gerlach selbst zu infor- Mieren. Man muß doch nicht auf jeden Nazischwindel hereinfallen. Lüttich. Die Mitteilung, daß der„General-Anzeiger" in Esch- weiser bei Aachen sein Erscheinen eingestellt hat, kam prompt an. Es ist ja weiter nicht schade um das Blatt. Au der Gleichschaltung gehen sie alle«in. Recht so. UebrigenS haben wir sichere Nachricht, daß das„Westdeutsche Grenzblatt" in Aachen einen Bezieherschwund von 40 v. H. hat. Wer mag denn diese tägliche Telbstbeweihräuche- runq der Nazibonzen noch lesen und immer wieder die rohen Visagen ansehen? ZS. Landau. Ihnen ist aufgesallen, daß der stellvertretende Gau- lciter in Berlin, Pg. Görlitzer, bei einer Rede vor Beamten— laut „Völkischem Beobachter" vom 8. März— gesagt hat:„Bedenken gibt es in der Allgemeinheit gegen den Nationalsozialismus heute nicht mehr. Wenn es überhaupt noch welche gibt, so hat sie jeder zu Hause für sich allein."— Zynisch oder dumm, Herr Görlitzer? Das ist hier die Krage. Dr. Hans Steluacher. Tie Gnade Ihres derzeitigen Herrn hat Sie zum Reichsführer des Verein« für da» Deutschtum in- Auslcnd gemacht. Dieser Verein hat sich immer sehr um die Gunst führender Marxisten bemüht. Und Sie? Im„Angrisf" schreiben Sie, die Republik von Weimar sei ein„zweif-khaftes deutsches Staatswesen" gewesen. Diesem Staatswesen haben Sie, äußerlich wenigstens, mit unzweiselhafter Treue lauge Jahre gedient. Nicht nur in den Bor- zimmern der Minister dieser Republik, gerade auch ihrer waxxisti- scheu Minister, waren Tie ein ständiger Gast, auch bei vielen marxistischen Arbeiterkonfcrenzen waren Sie hörend oder redend anwesend. Nie haben Sie die geringste Abneigung gegen öen Marxismus oder die Marxisten geäußert. Noch vor wenig mehr als einem Jahre nicht. Und nun der verdächtige Eifer des Renegaten, der in einem Gedenkaussatz aus den Ruhrkampf im Jahre lS'28 verlogen die Tatsache umgeht, daß gerade die rheinischen Marxisten der Sern der nationalen WiderstandSfront gewesen sind! Ihr Gerede über den Kampf an der Saar macht auf uns keinen Eindruck. Bon Treue sollten Die nicht sprechen. Westgrenze. Sie berichten uns:„Einem jüdischen Arzte In unserer Industriestadt konnte nicht die Kagenpraxis entzogen werden, weil er sich die Knochen für das Vaterland kaput schießen ließ und Kriegs- beschädigter ist. Jndegen ist ein Mann, der im Kriege für würdig erachtet wurde, Verwundete zu pflegen und vor dem Tode zu retten, deswegen noch lang« nicht zum ärztlichen Rapport im„dritten Reich" geeignet. Bekanntlich ist beruflich« Zusammenarbeit eines arischen mit einem jüdischen Mediziner im Lande der Arierparagrafen nicht statthast. Jnfolgedegen entzog man dem jüdischen Sollegen, dem«an die KagenpraxiS nicht abzwacken konnte, wenigsten» auf kaltem Weg« die einträgliche SonntagSpraxiS. Denn um dies« zu übernehmen und alternativ zu verwallen, hätte er ja mit gleichgeschalteten Kollegen beruflich verhandeln miiiien, und solch«„AeSkulapalien" sind natür- lich der Gesundheit aller echten Patienten im„dritten Reich" ab» träglich. Heiratslustiger Emigrant in Frankreich. Zur Eheschließung in Frankreich benötigen Tie eine genaue Abschrift Ihre« GeburtSakteS, Abschrift, deren Ausfertigung nicht älter ol« drei Monate sein darf. Verlangen Sie diese von Ihrer Heimatsgemeinde per Einschreiben unter Beilegung der Gebühren und des Porto» In Form von „Rückentwertscheinen". Falls Sie keine ober eine abschlägige Antwort bekommen, wenden Sie sich an da« für Ihren jetzigen Aufenthalt«- ort zuständige Amtsgericht, das dann eine Ersayurkunde lacte de „startetet ausstellen kann. Weitere Auskunft erteilt Ihnen gern das zuständige französisch« Bürgermeisteramt. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P! tz In Dud» weiler; für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH„ Saarbrücken 8, Schützcnstraße 5.— Schließfach 778 Saarbrücken. Doricut fp^ciaffafc I DEUTSCHSPRECHEND I Münchantr u. Pariser FokultÄt 17. rue Reaumur Mdtro*rti-ot-M*tleri o«l. Mpubllquo Frauen-, Blut-, Haut», Harn« und Ga- ichlecktzkrankheiten, Tripper, Syphl» Iii, MJfnnarichwlidie. Neuaite Hall» verfahren. Elektrizität. Harn». Samen» und Blutanalyien. Massige Bedingungen.(Auch für Kaxsenversicherte.) Täglich vön 9- 1 und 4- 8,30. Uhr Sonn* und Fti^rtags von 9-bis 1 u. auf Rend. v. TeUArch. 54»27 SEROKLINIK VON PARIS 71. Boulevard da Cllchy- Metro Blanche Harnleiden. ehrenischei und machet Tripper. Mi Uta reicht, Cytttaa. P rottete. FRAUENLEIDEN Blutkrankheiten Venenenttündung Hämorrhoide SyphiU«, Haut. und Kopfhauterkrankungen AimchUa. Piorlub,— Nene Behandlungsmethode auf elektrischem Wege nnd durch ultraviolette Strehlen. S-nthee.pl. od AuW.Hemo.fter.pi,_ Mt..,ge, Honorar. K und 14—20 Ubx. Sonntags von 9— 12 Uhr. 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