Linzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 74— 2. Jahrgang| Saarbrücken, Donnerstag, 29. März 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt Dee deutscht!Bcutkcoitkcutzlec Seite 2 Jleichsausveckauf. und Subventionen Seite 2 Äcei JCöpfe auf dem Jbtech Seite 3 ßec neue JudenBoyhett Seite 4 Die Sbfuveiz und die Jkesselceiheit Seile 7 rranhrcidi- Belgien einig! Gemeinsame Erklärung gegen Hlflerdeutsdilands WiederanfrOstnng und iflr Sldierheitsgaranflen Brüssel, 28. März. Der französische Außenminister Barthou fit nach einer kurzen Audienz beim König nach Paris zurück- gereift Ueber die Besprechungen zwischen Barthou und dem bei glichen Außenminister Hymans heißt es in einer amtlichen Verlautbarung, daß Uebereinstimmung festgestellt worden sei bezüglich der Gefahr einer Wieder- ausrüstung Deutschlands und daß die Außenminister « slch besorgt gezeigt hätten hinsichtlich der Folgen, die ein Rüstungswettlauf nach sich ziehen würde. Sie haben den Abschluß einer internationalen Konvcn- tion, die ernste Garantien für ihre Ausfüh- r u n g enthalten müsse, als wünschenswert bezeichnet. Paris, 28. März. Mit ähnlichen Worten wie schon in Brüssel, äußerte Außenminister Barthou bei seiner Rückkehr nach Paris seine Befriedigung. Er erklärte, er könne nur seine volle Genugtuung zum Ausdruck bringen. Der König habe hinsichtlich Frankreichs Gefühle geäußert, die die Annahme zuliehen, daß der junge Herrscher ebenso wie sein Bater ein großer Freund Frankreichs sei. Der wesentliche Teil des in Brüssel veröffentlichten Kommuniques über seine Besprechungen mit dem belgischen Außenminister Hymans sei der erste Teil, der sich aus die Oppositio»Frankreichs und Belgiens gegen eine Wiederaufrüstung Deutschlands be- ziehe. Die französische Regierung habe sich nie einem Ab- rllstungsabkommen widersetzt. Bedingung aber sei, daß es feste Erfüllungsgarantien enthalte. Auf diesen Grundlagen sei die Verständigung mit Belgien erzielt war- den, zu der man sich in Frankreich nur beglückwünschen könne. * „Die erste Station'' Wirtschaftliche Blockade und militärische Hilfeleistung Paris. 28. März. Französisch-belgische Einigung in der Ab- lehnung der deutschen Aufrüstung, die den Frieden gefährde — das ist das Leitwort, mit dem die französischen Blätter fast einmütig' die kurze Reise des französischen Außen- Ministers Barthou nach Brüssel besprechen. Daran schließen sich die bekannten Freundschaftsbeteuerungen und zuletzt Ab- rüstungsmaßnahmen an. So erklärt z. B. der„Matin", eS sei Frankreich wie Belgien unmöglich, ein allgemeines Ab- rüstungsabkommen anzunehmen, das nicht alle Sicherheit^ garantien den Ländern gebe, die unter dem Kriege am meisten gelitten hätten. Barthou wolle jetzt eine richtigere Beurteilung der Tatsachen in England erreichen. Das„Echo de Paris" spricht von Brüssel als erster Station der Rundreise, die der Minister unternehmen wolle, um die Bündnisse und Freundschaften Frankreichs wieber zu be- festigen, die sich unter Briand und Paul Boncour gelockert hätten. In dem Brüsseler Kommunique unterscheidet das Blatt eine allgemeine Tendenz, was zum Ausdruck komme darin, daß gesagt werde, daß Frankreich wie Belgien die Ausrüstung Deutschlands als Gefahr ansehen und eine belgische Tendenz, die zur Begegnung einer solchen Ge- sahr immer noch den Abschluß eines internationalen Ab- kommen« als wünschenswert ankebe. Wünschenswert sei ein solches Abkommen, bemerkt das Blatt, aber auch sei es mög- lich? Hätten die DurchführungSgarantien, die Frankreich ver- lange, Aussicht aus Annahme? England wolle doch höchstens eine wirtschaftliche Blockade in Rechnnng stellen, in Wirklich, keit sei aber militärische Hilfeleistung unerläßlich, und wenn nicht Frankreich, so würden andere Staaten das aussprechen. Hoffentlich haben Barthou und Hymans die Notwendigkeit anerkannt, den französischen und den belgischen Generalftab zu einer eifrigeren Zusammenarbeit zu bestimmen als das in den letzten Fahren der Fall war. In dieser Hinsicht sei ein gutes Borzeichen, daß General Kermina trotz Erreichung der Altersgrenze im Dienst bleibe. Der„Figaro" will durch die Reise Barthous alle Befürchtungen der Rebe Brocquevilles zerstreut sehen und glaubt auch feststellen zu können, daß die englische Oefsentlichkeit den allgemeinen Charakter der fran- zösischen Ticherheitsforderungen zu begreifen beginne. „Ordre" stellt in den Bordergrund, daß die belgische Regie- rung vor allem eine möglichst enge Zusammenarbeit zwischen Frankreich und England und Italien wünsche, gleichgültig, welche Opfer die französische Regierung dabei ihrer eigenen Ausfassung bringen müsse. Die Schwäche dieser belgischen Auffassung liege darin, daß die Aktion des englisch-sranzösifch- italienischen Blocks gelähmt und die Entente unwirksam werde, wenn die drei Staaten dem Reiche zu viele Zugeständ- nisse machen würden. England prüft und prüf! Der französtsdie Botschafter bei Englands Außenminister Furcht vor dem Angreifer Die englische Haltung London, den 28. März 1984. Die englisch-französische Aussprache ist einstweilen so wenig fruchtbar, daß die Sitzung des Büros derAbrüstungs- k o n s e r e n z. die auf den 19. April festgesetzt war. wahr- scheinlich wieber vertagt werden muß. Hauptschwierigkeit ist die Sicherheitsfrage. Die englische Regierung ist nach wie vor geneigt, die bisherigen Sicherheitsfaktoren zu erneuern und sie zu einer Kollektivgarantie der abzuschließenden Rüstungskonvention zusammenzufassen. Frankreich ver- laugt aber darüber hinaus eine allgemeine Sicherheits- garantie für die bestehenden kontinentalen Grenzverhältnisse, verbunden mit einem Abkommen über die Definition des Angreifers. Neben der Sanktionsfrage tritt der Gedanke von Regionalverträgen wieder in den Vordergrund. Ge- wisse politische Kreise sehen in der Tat in solchen Regional- vertrügen ein Mittel, die Staaten Westeuropas und beson- ders auch England vor den Gefahren einer über die be. stimmten Grenzen hinausgehenden deutschen Ausrüstung zu schützen. Sicherheit im Vordergrund Frankreichs Botschafter bei dem britischen Außenminister Loudou, 28. März. Nach dem diplomatischen Mitarbeiter des„Daily Telegraph" sind in der Besprechung zwischen dem englischen Außenminister Simon und dem französischen Bot- schafter Corbin eine Anzahl Kragen erörtert worden, die sich aus der letzten französischen Note ergaben. Ter Botschafter habe dem britischen Außenminister wettere Informationen über Frankreichs Forderungen nach neuen TicherheitSbürg- schatten in Zusammenhang mit dem geplanten Abrüstung?- abkommen gegeben. Diese Mitteilungen, zu denen Corbin aus Paris besondere Anweisungen hatte, dürften dem bri- tischen Kabinett bei seiner heutigen Beratung sehr wertvoll sein, wenn es sich um die Festsetzung der Richtlinien für die nächste britische Mitteilung an Frankreich handle. Britische Delchshonlerem gefordert Langwierige Verhandlungen London, 28. März. In einem von Lord Howard of Penrith, Sir Eward Grigg und Wickham Steed unterzeichneten Brief an die„Times" wird gesagt, daß die britische Regierung un-—————————— verzüglich eine britische Reichskonferenz einberufen sollte, die die Aufgabe haben würde, über die Frage der Sicherheit, r|l||f*|| In U llllf der Abrüstung und der Stellung des britischen Reiches zum*■■■ Völkerbund Beschlüsse zu fassen. Wenn sich nicht die Regie- rungen Großbritanniens und der Dominien au? eine Politik der Verteidigung und der Sicherheit einigten, bann würden die kriegerischen Vorbereitungen in der ganzen Welt un- aufhaltsam weitergehen. Zur Abrüstungsfrage sagt der diplo- matische Korrespondent der„Morning Post": Wenn Berichte aus Paris zutreffen, dann scheint die Lage so zu sein, daß Großbritannien sich bemüht. Frankreich zur Mitteilung seiner Mindestforderungen in der Sicherheitsfrage zu veran- lassen, während Frankreich versucht, Großbritannien dazu zu bewegen, ein Höchstgebot zu machen. Eine Besprechung auf dieser Grundlage kann lange dauern, mit einer baldigen neuen Wendung ist auch nicht zu rechnen. Gestern und freute Eine Todesanzeige: In Berlin starb, betrauert von vielen Angehörigen im gesegneten Alter von 86 Jahren Frau Lina Herz, Schloßherrin auf Preßfeld in Franken. Wie aus dieser inner jüdischen Angelegenheit eine große nationalsozialistische Affäre wurde, davon wollen wir heute berichten. Sie spielt auf der Festwiese des„dritten Reiches", in Nürnberg. Jüngst wurde hier die Ansichtskartenliteratur, ivie wir am Rande bemerken möchten, in reizender Weise bereichert. Hitler war da und blickte strahlenden Auges seinen Franken- führer Julius Streicher im Auto, am Rednerpult, an der Festtafel an. Der kleine Streicher mit der Spiegelglatte, dessen Leibesfülle der Koppelriemen nicht mehr zu halten vermag, sonnte sich in der Gunst seines Osafs. Dieser erfolgreiche Mann, Organisator des sich in diesen Tagen jährenden Judenboykotts, erlebt augenblicklich in seiner Hauptstadt einen Pressestreit an der Bahre jener oben erwähnten alten jüdischen Dame, der ihm Sorgen bereitet. Das offizielle nationalsozialistische Organ Nürnbergs, das es in der Konkurrenz mit Streichers„Stürmer" nicht leicht hat, heißt„Fränkische Tageszeitung". Daneben lesen aber die Nürnberger immer noch den eifrig gleichgeschalteten„Fränkischen Kurier". Was war nun geschehen, was grub die Streitaxt aus? Frau Lina Herz war nicht nur Schloßbesißerin, sondern auch Ehrenbürgerin der Gemeinde Preßfeld. Sie verdankte diese Auszeichnung zahlreichen wohltätigen Stiftungen zugunsten der Armen. Es war am 1. März, als der„Fränkische Kurier" dies zu schreiben wagte:„Dem deutschen Menschen ist es anerzogen, daß er vor dem Greisenalter und insbesondere vor dem in Gott erstarrten Angesicht eines Toten mit Kampfreden, besonders aber mit Schimpfreden schweigt." Es ist schrecklich genug, aber er sagt es, der„Fränkische Kurier", daß die 86- jährige, unendlich wohltätige und nun in die Ewigkeit eingegangene Frau Jüdin gewesen sei. Jüdin! Wahrhaftig, da möchte man nicht mißverstanden werden. Die Wohltaten der Verstorbenen, so fügte er hinzu, seien nun einmal ein historische Tatsache, und man dürfe nicht feige genug sein, die Wahrheit zu verschweigen. Die Folgen dieser Flucht vor der Feigheit blieben nicht aus. Nun trug die„Fränkische Tageszeitung" einen Sturmangriff auf die mit einer Jüdin liebäugelnde Konkurrentin vor. Mit den dicksten Lettern, die ihre Seßmaschinen zur Verfügung haben, nannte sie das Verhalten des„Fränkischen Kuriers"„ein längeres Ausschleimen über die Jüdin Herz". Das Geschmus um diese Jüdin sei so widerlich, daß fortan der„Fränkische Kurier" kein Recht mehr habe, sich national und deutsch zu nennen. Wer heute noch Juden lobhudele, der beweise, daß sein Anteil am Schicksal der deutschen Nation nichts anderes sei als Geschäft. Geschäft! Ein Dolchstoß mitten ins Herz des„Fränkischen Kuriers"! Zitternd vor SA., antwortet er, daß er vierzehn Jahre treu gekämpft habe gegen Novemberrevolution, gegen Demokratie, Marxismus und Parlamentarismus. Darüber be- siße er Atteste vom Feldmarschall und vom Führer. Darauf gestüßt, pfeife er auf das Zeugnis einer Zeitung, in deren Verlag... Erschrocken liest dann der Deutsche, daß der heutige nationalsozialistische Verlag Nürnbergs in vormärzlichen Zeiten zahlreiche Weimarer Sumpfblüten zu Zeitungssträußen gebunden habe. Ja, daß der Prokurist dieses Zeilungshauses für seine verschiedenen Blätter ganze Seiten voll Anzeigen angenommen habe, deren Auftraggeber gut alt- testamentarische Namen wie Gutmann, Strauß und Bacharach führen. Ganze Klischeeseiten iverden zum Beweise dafür nachgedruckt. In Flugblättern wendet man sich voneinander mit..Ekel" ab. Dieser Ekel ist dann die Plattform zum Einbruch ins Abonnentengehege der ekelhaften Konkurrenz. Dies ist nun wochenlang Nürnberger Ereignis. Hier sang Wagners Hans Sachs unter dem Holunderbaum sein schönstes Lied:„Wahn, Wahn, überall Wahn!" Vielleicht sißt er jeßt im Himmel neben der alten Jüdin Frau Lina Herz und sieht erstaunt auf sein Nürnberg herab, falls er nicht befürchten sollte, wegen seinen zweifelssüchtigen Zerseßungsgedanken zu den getarnten Weisen von Zion gerechnet zu werden. Howald. Eine Nacht unter Wasser Autosagasta(Chile), 28. März. Die Kordillerenslüsse sind infolge der zahllosen Wolkenbrüche derart angeschwollen, daß zahlreiche Ortschaften von den Wassermassen ernstlich bedroht werden. Die Stadt Baquedano ist überschwemmt. Die Ein- wohner flüchteten in die Berge. Viele von ihnen ertranken unterwegs. Auch die Stadt Copiado, die 29 099 Einwohner zählt, steht zum Teil unter Wasser. Die Brücken und Geleise der Antofagasta—Bolovia-Bahn sind an mehreren Stellen weggerissen. Infolge der Zerstörung der Wasserleitungen herrscht überall großer Mangel an Trinkwasser. ReichsaasverKaaf und Subventionen Die Verwirfsdiaiiuna des Reidisgufes dordi die Refdisregternng las deutsche Nachrichtenbüro verbreitet einen Auszug aus öeui vom Reichskabinctt verabschiedeten Rctchshaushalts- plan für 1984. Er ist in Einnahme und Ausgabe mit 6 458 28l 600 Reichsmark um rund e i n e ha l b c Mil- Marke höher a l S der vorjährige Reichs Haus- haltöplan. Ter Reichstag ist mit rund 7.6 Millionen Reichsmark- .Hosten eingesetzt, wofür er nicht das geringste zu leisten braucht. Der Haüptteil des Betrages sind korrumpierende Schweigegelder von jährlich 7200 RM. an jeden Abgeord- netcn. Da er auch nicht zur Durchleuchtung des Retchöhaus- Haltes berufen wird, ist es für daS Volk unmöglich, sich mit dem stieichshauShalt kritisch auseinander zu setzen. Auf- fallend ist, schon an dem kurzen Auszug, daß ein so wichtiger und kostspieliger Haushalt wie der des Reichswehr- Ministeriums überhaupt nicht erwähnt wird. Auch der R e i ch s p r o p a g a n d a m i n i ste t'Dr. Göbbels übt eine Ungewohnte Bescheidenheit. Er iaht der Presse nicht mit- teilen, wie viele Millionen Mark die deutschen Steuerzahler für die ReichSpropagailda auszubringen haben. Die Sozial- Versicherung einschließlich Arbeitslosenhilfe, Wohlfahrtspflege und Wohnungswesen erscheint im Haushalt nur noch mit knapp einer Milliarde Mark. Wenn man berücksichtigt, dast die jetzt veröffentlichten Haushaltsvoranschläge der Gemeinden durchweg ebenfalls große Senkungen der Sozial- ausgaben melden, so steht fest, daß Reich, Länder und Gemeinden die Sozial- ausgaben«in mehrere Milliarden Mark eingeschränkt haben. Etwa ein Zehntel der Einsparungen, nämlich 82» Millionen Mark, find durch den Bettel des Winterhilfs- werks gesammelt worden nnd werden nun als„deutscher Sozialismus" und als„größte soziale Tat, die die Welt bisher sah", ausposaunt. Der Bcichshaushalt bringt Subventionen in Höhe von 8',. Millionen Mark„Garantien" an die Seeschiffahrt und Zur Förderung des deutschen Außenhandels bis zum Höchst- betrage von 100 Millionen Mark. Die Ordnung des Marktes kür Milcherzeugntsse und Eier und die für Bich- und Schlachterzeugnine erfordern fe 8 Millionen Mark. Auf der Einnahmeseite erscheint ein Posten, der die ganze Ludcrwirtschast des„dritten Reiches" oiienbart:„Erlös aus dem Verkauf vou Vorzugsaktien der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft und Divi- dendenabgabe mit 224,2 Millionen.". Es ist also zu verstehen, wenn der Reichskanzler in seiner von den Zuhörern so mißfällig aufgenommenen Rede in Unterhaching wahrheitsmidrig sagte:„Die Hosten kür die Arbeitsbeschafsung werden aus lausenden Haushaltsmitteln aufgebracht". Nein, man verramscht daS Reichsgut und pumpt außerdem Milliarden über Milliarden, wie dieser Tage der Rcichsfinanzminister den Reichskanzler Lügen strafend öffentlich erklärt hat. Die Verramschung der Reichsbahn-Vorzugsaktien wird um so toller, wenn man dann aus der Ausgabenseite liest, daß die Reichsbehörden eine Garantie dafür übernehmen, daß für die aus Reichsbesitz im Rechnünassahr 1084 zum Verkauf kommenden Vorzugsaktien der Deutschen Reichs- bahn-Gesellschaft den Inhabern dieser Wertpapiere ein« Divi de-nde. von mindestens 7 Prozent jährlich gezahlt wird. Dieser ReichsauSverkaitt mit Dividenden-Garantien von 7 Prozent geht unter der Firma„Deutscher Sozialis- mui" und aus Grund des„Verstaatlichungs"-Programms der NSDAP, vor sich und unter dieses prachtvollen Reichs- kanzler» herrlicher Parole„Gemeinnutz geht vor Eigennutz". Dqb der Reichshaushalt im übrigen, soweit die Ein- nahmen in Betracht kommen, aus purem Schwindel beruht, ist mindestens an einem Posten klar nachzuweisen. Es wird eine U e b e r w e i s n n g der R e i ch s p o st mit 150 Millionen Mark eingesetzt. Eben erst aber hat die Reichspost für das Jahr 1088 einen erheblichen Fehlbetrag nach- gewiesen. Woher sollen also die 150 Millionen Mark aus den Kassen der Reichspvst genommen werden? Entweder muß die ReichSpost dem glorreichen Beispiel der Reichs- regirrung mit den Rcichsbahn-Aktien folgen und Ber- mögensbestände verkloppen, oder sie muß die ISO Millionen Mark irgendwo zusammenpumpcn und die Zinsen an Ge- buhrcncrhöhuugeil oder am Personal herauswirtschaite». ^Die Regierung dieses Reichshaushaltsplans gehört vor den StaatSgerichtshof weaen Verschleuderung von Volks- vermögen wegen Beraubung der ärmsten Sozialrentner und wegen betriiaertscher Manipulationen mit den Reichs- finanzen. Der dcntedic BankrottKanzler „Mein Kampf" für Dcnfsdilands Ruin Der Reichskanzler Adolf Hitler hat, wie man weiß, einen heroischen Kampf gegen die»marxistische Mißwirtschaft" zu führen. In jeder seiner Rede» erzählt er von dem fürchtet- lichett Erbe, das ihm die schändlichen Marxisten hinterlassen haben, und wie er sich abmühen müsse, sei» geliebtes deutsches Volk zu retten. Das ist in vollem Umfange die Unwahrheit. Auf einem Gebiete ist der Reichskanzler besonders leicht und eindringlich der Flunkere! zu überführen: aus dem de.r deutschen Devisenwirtschaft. Recht gründlich hat daS. soeben der Staatssekretär P Sss e vom McschSniixksck§gf!sMiüisic/ium in eisten, Vortrage vor der ausländischen.Presse besorgt. Die letzte Reichsregierung mit marxistischer Beteiligung hgtten mir von 1028 bis 1080, Tie hinterließ die Reichs- bank mit so reichlichen Devisenbeständen, und io gutem Exportgeschäft, daß noch En.de des Jahres 1031. mit seiner großen Bankcnkrisc bei der Reichsbank 1100 Millionen Reichsmark Devisenbestand vorhanden waren, eine.Summe, die im Verlaufe des Jahres sich ani OÄi Millionen RM. ermäßigt hat. Mit fast einer Milliarde Devisen wurde also die Reichsbank von den Hitler und Schacht übernommen. Wir verfügte» Ende Juni 1083 über 274 Millionen, Ende Oktober 1033 über 414 Millionen, eine Steigerung des Devisenbestandes, die— das hat der Reichsbankpräsident deS öfteren auch in der internationalen Oeffentlichkeit auSge- führk— zurückzuführen war auf daS HochverratSgesetz. das Devisenbestände nach Deutschland zurückgeführt^ hat. Ende Dezember 1083 betrug der Devisenbestand 200 M'lltönen und nach dem letzten RcichsbankauSivris 202 Millionen, also«in Verlust von 134 Millionen t» nicht ganz drei Monaten. Die ReichSregierung Hitler läßt jetzt schon die dcviien- politisch berüchtigte JnflationSregierung Cuno weit hinter sich. Deutschlands Devisenbestände sind geringer als auf dem Höhepunkt der Inflation im Jahre 1928. Unter Ein- rechnung der Auffüllung des Bestandes durch da. Hoch- verratsgesetz bat die Regierung Hitler last eine Milliarde Devisen verwirtschaftet. Das unruhige„dritte Reich Hitler-Jugend gewaltsam gegen katholische Jungmannen «fe Dem genauen Beobachter der Entwicklung im„dritten Reich" fällt eine wachsende Unruhe und Nervo- s i t ä t auf. Tie Nachrichten über. Warnungen vor Schumrz- sehern häufen sich, während der Gletchschaltungsprozcß im verschärfte» Tempo durchgeführt w'rö. Es ist bei der ver- schärften Pressezeniur sehr schwer, zwischen den Zellen zu erkennen» welcher Anlaß zn den Warnungen und Ber- Haftungen vorgelegen hat. Hier die Nachrichten eines TageS: „Rücksichtslos vorgehen" Der Senator für Inneres und Justiz in Bremen teilt mit: »Trotz aller Warnungen und Ermahnungen, ja selbst trotz energischer Maßnahmen werden immer noch, und zwar in den letzten Wochen in rerstärktem Maße, gegen Persönlich- ketten, die im öffentlichen Leben stehen, gegen Mitglieder der Regierung, leitende Beamte der Behörden, führende Männer ber Partei, ihrer Verbände nnd Organisationen, frivol erfundene und leichtfertta weiter- getragene Verdächtigungen erhoben, die geeignet sind, das Ansehen dieser Männer herabzusetzen und ihre Ansbauarbett für unser Volk zu schädigen. ES gilt, diese widermärtiae ZersetzunaSarbeit in ihrer ganzen Niedrigkeit und Verächtlicbkeit zu treffen und auszurotten. I» Neber- cinstimmung mit dem Herrn preußischen Iustizm'nister habe ich daher anaeorbntt daß die Geheime Staatspolizei und dir Kriminalpolizei rücksichtslos geaen Denunzianten und Gerüchtemacher vorgehen. Ich habe weiter die StaatSan- waltschaiten angewiesen, Strafverfahren aeaen derartige Elemente mit besonderem Nachdruck zu betreiben und auf ciitc strenge Bestrafung hinzuwirken." öftren Fa"l*""ber geht weiter Wie in Freiburg i. B. ist nunmehr auch in M qnnheIM ein« Aktion aeaen das Ruch mit den Adventsrrediaten des Kardinals Faul ha ber dnrchneführt morden. Tie Mannheimer Buchhändler haben sich durch Unterschrift vex> psl'chtet. die Predtaten auch als Einzelbroschüren nicht mehr in den Handel zu bringen. von H I. auf katholische Jugend Berlin 27. März. Am letzten Sonntag wurde in Hennig», dorf bei Berlin von der F u n g s ch a r b e» k a t V o l i l ch e n Iunamännerverbande» ein FrühsahrStrefien in Form eines Generalappell» veranstaltet, an dem etwa l800 Iungschärler aus Groß-Berlin im Alter von l0 bis 14 Iahren teilnähme». Sie hatten sich aus dem katholischen Kirchcngrundstück in Hennigsdorf aufgestellt, wollten am Nachmittag Sportspiele durchführen und das Treffen mit einer abendlichen Feierstunde abschließen. Nach einer Mitteilung des Katholischen Jugendamtes der Diözese Berlin sei die Durchführung des Tressens jedoch nicht möglich gewesen, weil sich Zusammenstöße mit etwa zweihundert Mitgliedern der Hitler-Iugend ereignet hätten. Als die Iungichar zu einem Geländespiel habe abrücken wollen, seien dick Angehörigen der Hitler-Jungen in gc- schlosienen Kolonnen durch die Ausstellung der Inngschar hindurchmarschiert und dabei seien auch beleidige» Aeuße- rnngen gefalle». Einer Gruppe der Inngschar sei auch daS mitgesübrte Hakenkreuzbanner entrisien worden. Das Tretten sei infolge dieser Vorgänge abgebrochen worden. Bei der Ab- fahrt am Bahnhof seien her Inngschar weitere Banner und Wimpel entrissen, einige Speere zerbrochen und einig« Marsch- trommeln weggenommen worden. Ein Teil der Wimpel sei später von der Hitlersngend an die Pol'zei abgegeben wor- den. DaS bischöfliche Ordinariat Berlin habe weaen dieser Vorgänge Eingaben an den Herrn Reichskanzler, den Reichs- innenmin'ster und den prenßifchen Ministerpräsidenten ge- richtet. Ems Ein bei der S t a d t v c r iv a l t u n g Em» vorübergehend beschäftigter Arbeiter hatte sich trotz Aufforderung feine» Vorgesetzten geweigert, an der Kundgebung ans Anlaß deS Beginnens der zweiten ArbeitSschlacht im Rathaussaal teil- zunehmen Tatsächlich blieb er auch der Kundgebung fern. Er wurde nnverzügltch feines Dienstes enthoben. Drei Staatsgefährliche Drei Ben« heimer Einwohner waren in der Nacht zum 22 März auf dem Nachhausewege von Lorsch nach BcnShcim von einem Beamten des Schutz- und Sicherheit?- diensteS dabei betroffen worden, wie sie kommunistische Lieder sanaen und Rolfront-Rufr ausbrachten Tie wurden festge- nommen und ins Konzentrationslager Ost Hofen gebracht. 14 000 Hamburger Radfahrer kontrolliert lInpreßi. Auf der Suche nach illegalem Matertal wurden bei..Radiakrerrazzien" bei Hamburger Polizei in der Zeit vom 5 bis 10. März nach Schätzung von Polizeibeamten rund 14 000 Fahrräder kontrolliert. Katholische Jagend „Ihre Eingliederung in die Hitler-Jugend wird durchgesetzt" Am Sonntag fand eine Führertagung des Gebietes Hoch- land lBayeritt der HJ. und des Jungvolks statt. Ober- gebietsführcr Axmann gab eine schriftliche Botschaft des durch Krankheit am Erscheinen verhinderten Reichsjugcnd- führcrs Baldur von Schi räch bekannt. In dieser Bot- schalt heißt es u. a., daß in der neuen Epoche zwei besondere Aufgaben zu erfüllen seien, nämlich die Schulung und ferner die Eingliederung der katholischen Jugend- verbände in die HJ. Nach dem Vorgehen der evan- gelischcn Iugcndverbändc sei nicht einzusehen, warum die • katholische Jugend in Deutschland für sich einen Ausnahme- zustand in Anspruch nehme. Je länger die Eingliederung der katholischen Jugend in die HI. hingezögert werde, desto zwangsläufiger werde sie sich durchsetzen. Man gebe der Kirche, was ihr gebühre, nämlich die Religion, dem Staate aber die Jugend.— Anknüpienb erklärte Innenminister A d o l f W a g r. c c, daß er bei dem Verbot der marxistischen Jugcndverbäude nur halbe Arbeit getan habe. Hätte er die konfessionellen Verbände ebenso verboten, dann wäre so manches erspart geblieben. Das größte Recht an der Jugend habe der Staat und damit der N at to nalsozio Issums und seine Jugendbewegung. Patronen out Reisen Die„Deutsche Reichspost"„rüstet ah"! Wir lesen in der„Frankfurter Zeitung": „Die Deutsche ReichSpost hat versuchsweise zugelassen, Patronen für Handkeuerwafsen in festen Holzkistchen ver- packt als Päckchen oder Bricfpäckchen zu versenden." Aus diesem erfreulichen Entschluß der deutschen Reichs- post ist zu ersehen, wie überaus abgerüstet es im Lande Hitlers und Dörings zugeht. Der Patronen- b r i e f wird zum lieben Morgengruß des gleichgeschal- teten Untertanen. Und Hitler spricht am Radio von Frieden. „Zeitlebens" Anläßlich der zweiten fachwissenschaftltchcn Woche für Strafrecht in Berlin, an der Richter, Staatsanwälte usw. teilnehmen, erklärte der Staatssekretär Dr. Freister, daß ein nationalsozialistischer Staat Landesverräter, wenn sie auch nicht deS Geldes wegen, sonder» aus irgendwelchen ideellen Beweggründen gehandelt haben, nicht wieder in die Volksgemeinschaft aufnehmen könne. Die Volksgemeinschaft sei eine Naturetnhett, aus der man sich ausschließen könne, in die man aber nie wieder zurückkehren könne. A»x* den weiteren Ausführungen FrctSlerS war erkenn- bar, daß der Angeklagte nach dem neuen Strafprozeßrecht noch wehrloser gemacht werden soll. Es sei nicht angängig, sagte der Staatssekretär, Staatsanwalt und Angeklagten gleiche Rechte im Strafprozeß zu geben. Die Vaiera an England Die englisch-irischen Beziehungen London, 29. März.„News Ehroniclc" zufolge erklärte der Präsident der vollziehenden Gewalt des irischen Freistaates, de Valero, in einer Unterredung: ES ist keine Rede davon, daß wir uns am Rande des wirtschaftlichen Bankrott« de- finden. Solche Behauptungen werben von unseren politischen Gegnern in Umlauf gesetzt und im Auslände verbreitet. Die britischen Tonderzöllc hoben unseren Handel geschädigt, aber eS uns zugleich ermöglicht, unsere eigenen Hilfsmittel schneller auszugestalten, als eS sonst möglich gewesen wäre. Der Fortschritt ani industriellem Gebtete ist erstaunlich. Wir ändern gegenivärtta unser WlrtschaitSsnstem. Wir verwan- dcln uns aus einer Art Farm, die England mit Vieh r>er- sorgte, in ei» ausgeglichenes Wirtschaftssystem, in dein Landwirtschaft und Industrie die gleiche Bedeutung haben. Uebcr die Blauhcmdcnbeivegnng sagte der Präsident, sie sei gefährlich, weit sie zuin Bürgerkrieg führen könne: aber der Nationalcharakter des irischen Volkes sei unzugänglich für die faschistische Weltanschauung. Zum Schluß kam be Valera auf die englisch-irischen Be° Hebungen zu sprechen und sagte: In England wirb der Ber- such gemacht, uns eine unvernünftige Feindseligkeit gegen- über den Engländern zuzuschreiben. Das ist ganz grundlos. Ein unabhängiges Irland würde viele Gründe haben, in freundschaftlichem Verkehr zu Großbritannien zu stehen. Wir ergänzen einander in manchen Beziehungen. Es würde z. B. vom Gesichtspunkt der militärischen Sicherheit im Kriege aus betrachtet, nicht aut kür Großbritannien sein, wenn der gegen- wältige Wirtschaftskrieg der irischen Viehzucht ein Ende machen würde Die britische Regierung braucht nur zu sagen, daß sie Irland nicht ausbeuten, sich in seine Angelegenheiten nicht einmischen und in die RegierunaSform Irlands nicht hineinreden werde. Dann wird eine Verständigung möglich sein. Da« Neue«t* In Wienen am Grundlsee ist«S zn einem BergrnEch ae, kommen, darch de» 12 Vanernböse verschüttet wurden. Der Schaden wird ans einige hunderttausend Schilling geschätzt. Wie Havag ans Lissabon berichtet, ist der Mörder des deutschen Gesandten v. Baligand, Franke-Diechowiki. des» den Diplomaten>030 erlchoß, als er gerade den deutsch«» Kreuzer„Königsberg" besucht hatte, au Bord des deutschen Dampfers„Eap Arcoua" überaesührt worden. Diechowsti, de? geisteskrank ist, soll in ein deutsches Irrenhaus gebracht werden. Die österreichische Regierung beabsichtigt, in der nenen Verfassung neben der Streichung der Bezeichnung„Republik" onch das bisherige republikanische Wappen Oesterreichs, den Adier mit Hammer und Sichel, abzuschaffen und den Doppel- adler der habobnrgischen Monarchie wieder einzuführen. Ferner soll ber 1. Mai znm Staatsfciertag erklärt werden. Die französische Regierung hat den rumäni« sehen Außenminister Titulescu z« einem ossiziel» len Besuch nach Paris eingeladen. Das Repräsentantenhaus in Washington hat "-tt her er»n»her(lrf>en Zweidrittelmehrheit den Einspruch Roosevelts gegen die KriegSpeteranen» vorlag« überstimmt. In O r a n ist eine 118 Jahre alte Frau Hetima-ben-Ab- dclah gestorben. Li« hatte als 12iährigeö Kind die Besetzung von Bel-KbeS durch die Franzosen erlebt und erzählte bis in ihr hohes Alter noch mit erstaunlicher Gedächtnisstärke Episode« ans den damaligen Kämpfe». Slavlsku- Geschäfte des Röchling-DUros Eine naassndinng mit kompromittierendem Desultal Die lothringer Zeitung„Le Lorrain" bringt aus Paris folgende Meldung: »Mr. Hude, ein mit der Untersuchung in der Stavisky- Affäre beauftragter Beamter, begab sich heute nach der Rue Ampere 61, wo sich die LORSAR(Societe anonyme des aciers fins de Lorraine et de la Sarre) befindet. Er uahm eine Haussuchung vor, die fich vor allem aus Bc- weise für dle Tätigkeit Staoiskys auch an der Saar konzentrierte. Eine größere Menge Abschnitte von Wertpapieren scoupuress der Zeitung»La Volonte" konnte von ihm beschlagnahmt werden.»La Volonte" ist die Zeitung, die vor einigen Monaten eine üble antifranzösische Hetzkampagne in der Saarsrage betrieben hat." '»Le Lorrain" bemerkt dazu, daß diese Angelegenheit ein neues Licht ans diese traurige Affäre wirst. Wir geben diese Meldung, die auch in der übrigen französischen Presse verbreitet wird, unfern Lesern zur Kenntnis. Man bann gespannt darauf sein, was die nähere Untersuchung dieser Verbindung Pariser Röchling- Verkaufs st elle—„Volonte" er- bringen wird. Nicht minder interessant ist es zu erfahren, wie Hermann Röchling, der Hauptvertreter der„deutschen Front", sich zu dieser Haussuchung in seinem„LORSAR" stellt und was es mit den„ooupures" der „Volonte" auf sich hat. die hierbei beschlagnahmt wurden.— Heute wollen wir daran erinnern, daß die„Volonte", eine Zeitung, die ehemals der französischen Linken nahe- stand, seit einem Jahr ihre politische Haltung änderte und sich besonders hitlerfreundlich zeigte. Artikel dieser auf Göbbels umgestimmten„Volonte" machten dann die Runde in der gleichgeschalteten und Nazipresie im Reich und noch mehr im Saargebiet. Ein fiumimn Röchling-Interview wurde dort veröffentlicht und besonders sympathisch für Röchling und die oeuljcye Nazi- Front an der 6aar aufgezogen. Im ersten Röchling- Schulprozetz war; wenn wir uns recht erinnern, ein Ver- treter dieses Blattes als einziger französischer Journalist anwesend. Er hat seinem Blatt einen Bericht übermittelt, der ebenfalls„Verständnis" für die Haltung Röchlings zeigte. Das sind doch interessante Verbindungen. Daß es aber nicht nur Zusammenhänge ideeller Art gab, sondern auch geschäftliche, darauf scheint die Haussuchung im Röchlingschen„LORSAR" mit der Beschlagnahmung einer Menge von Wertpapieren hinzudeuten. Die Haussuchung in der Pariser Röchling-Verkaufsstelle wurde von einem inderStavisky-Affäre tätigen Beamten und in Verbindung mit dieser ausgeführt. Man suchte Verbindungen Staviskys mit Röchling und fand vorerst geschäftliche Be- Ziehungen ausgerechnet zur hitlerfreundlichen „Volonte". Diese„V olo n te" aber ist am st ärk st e n in der Stavisky-Affäre belastet. Ihr Direktor sitzt in Untersuchungshaft und ein Redakteur eines im gleichen Verlage erscheinenden Blattes(„Paris Midi") ebenfalls. Die französische Linkspresse behauptet aber schon seit Monaten, daß die„Volonte" nicht nur von Stavisky. sondern auch vom„dritten Reiche" bedient— um nicht zu sagen gekauft— wurde. So laufen also die Fäden einer Affäre Stavisky- „Volonte" jetzt bis zu Röchling und ins Saargebiet und vielleicht auch darüber hinaus bis ins„dritte Reich". »er..»«Mdckannle Deutsche Röchling Was man in Paris sagt Paris, den 27. März 1934. Die Blätter bringen heute abend die Meldung, daß der Untersuchungsrichter in der Stovisky-Afläre M. Hude heute eine Haussuchung bei der Aktiengesellschaft für Berkaus lothringischer und saarländischer Erze»L o r s a r" abgehalten hat.„Lorsar"(eine Abkürzung aus..Societe anonyme de vente des aciers fins de Lorraine et de la Sarre) hat seine Büroräume in der rue Ampere in der Nähe der Champs Elysees. Der„Temps" teilt mit. die Haussuchung habe die Gegenständlichkeit der Anklagen des Gironde-Abgeordneten M. Henriot bewiesen, die soeben in dieser Sache erhoben wurden. Die.Lorsar" ist. wie berichtet wird, zur Hälft« aus sran- zösischen, zur Hälfte aus deutschen Elementen zusammen- gesetzt. Der Direktor ist ein T e u t s ch e r, im„TempS" wird er Koelin genannt, der»Paris Soir" spricht von einem »wohlbekannten Deutschen" Roechliu. In den Räumen der„Lorsar" wurden Zeitungsausschnitte aus der„Volonte" gesunden ideren Beziehungen zu Sta- visky sowohl wie zu Hitlerdcutschland via Dubarry bekannt sinds, und zwar besonders„antifranzösische", wie„Paris Soir" sagt. Ebenso wurden Dokumente aus den Monaten Oktober, November und Dezember 1933 beschlagnahmt, aus der Zeit, iu der man in Frankreich, wie ebenfalls das ge- nannte Blatt sagt, über die Ungeeignetheit einer Abstimmung an der Saar sprach. Gesfapo beschönigt Wie eine Saar-Entführung entstellt wird Die Verschleppung des jüdischen Kaufmanns Katz bei Schwemlingen ins„dritte Reich" wird naziamtlich jetzt so bestätigt und„beschönigt": „DNB. Trier, 27. März. Ein Kaufmann aus Deutsch- land, der der KPD. angehörte und sich vor etwa einem Jahr in Saarlouis niedergelassen hatte, kam dieser Tage mit einem Auto über die Grenze auf deutsches Gebiet. Grenzbeamte fanden in dem Wagen zwei Radioapparate, die der Kaufmann in Deutschland verkaufen wollte sowie staatsfeindliche Druckichristen. Radioapparate, Druck- schritten und Auto wurden beschlagnahmt, der Besitzer fest- genommen." Ist das nicht harmlos? Dabei weiß man. daß Katz in eine ihm gestellte Falle gelockt wurde und daß der Steller dieser Falle zur Zeit im Saargebiet im Gefängnis sitzt, um sich wegen dieser Verschleppung demnächst vor der Strafkammer zu verantworten. Drei Köpfe auf dem Block Düsseldorfer Arbeiter werden hingerichtet... Dienstag morgen sind in Düsseldorf wieder drei Kommunisten hi»gerichtet worden. Die Erk- rather Arbeiter Emil Schmidt, Peter Hipertz und Otto Lukat. Der offizielle Kommentar des Deutschen Nachrichtenbüros teilt mit, daß der Ministerpräsident von seinem Begna- digungsrechte keinen Gebrauch gemacht habe, da die„ruchlose Tat" ein„typisch kommunistisches Verbrechen" sei. Die Bor- gänge des 20. Juni 1932, die dem Urteil zugrunde liegen, werde» so dargestellt, als hätten sich die Erkrather Kommu- nisten planmäßig zu einem Ueberfall auf die harmlosen SA.- Kameraden zusammengeschlossen und den SA.-Wachmann Hilmer feige aus dem Hinterhalt erschossen. » In Wirklichkeit wissen wir, auS einwandfreier Quelle, daß der Sachoerhalt ein ganz anderer war. Die Erkrather SA.-Leute gehörten zu den berüchtigten Mord- kolonnen von Düsseldorf und Umgebung. Sie terrorisierten planmäßig alle Antifaschisten, organisierten Feuerüberfällc und machten die Arbeiterviertel von Erkrath und Gerres- heim unsicher. Mehrere Tote sind auf ihr Schuldkonto zu setzen. Anfangs Juli 1932 war eine Gruppe von Gerresheimer Arbeitern aus einem fahrenden Zug beschossen worden. Ein Arbeiter wurde verletzt. Der Täter gehörte der Erkrather SA. an. Die Arbeiter, denen die Geduld gegenüber diesem mörderischen Treiben ausging, beschlossen eine Protest- demonstration. Sie zogen in Gruppen nach Erkrath. Dabei wurden sie von der SA., die in Gräben und HauSeingängen Deckung genommen hatte, beschossen. Sicherlich werden einige Kommunisten nicht ganz waffenlos gewesen sein. Es kam zu einer gegenseitigen.Schießerei, bei der der SA.-Mann Hilmer. dessen Tod jetzt durch die Hinrichtung der drei Kom- muuisten„gesühnt" sein soll, sein Leben ließ. Seltsam war allerdings das Untersuchungsergebnis. Da- nach war einwandfrei festzustellen, daß Hilmer von hinten aus nächster Nähe erschossen worden war. Also konnte Hilmer nur von seinen eigenen Kameraden getötet worden sein. Diese Tatsache sollte durch die Aussage eines früheren Kommunisten, der zu den Nazis übergetreten war. widerlegt werden Auf Grund der Denunziation dieses Renegaten wurden außer den drei jetzt hingerichteten Kommunisten weitere 9 Leute verhaftet. Die Angeklagten konnten jedoch die Unwahrheit der Angaben des Verräters nachweisen und vor allem feststellen, daß der jetzige SA.-Mann bei den Straßen- kämpfen selbst beteiligt war. Alle Angeklagten, einschließlich de« SA.-Mannes, waren im September vom Schwurgericht Düsseldorf»um Tode verurteilt worden. Bei drei Kommu- nisten wurde die Strafe vollstreckt, alle übrigen Verurteilten wurden zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt. Der SA.- Verräter gehört natürlich zu den letzteren. Das Deutsche Nachrichtenbüro knüpft an die Tatsache der Begnadigung eine seltsame Schlußfolgerung: Der Ministerpräsident habe von seinem Begnadigungsrecht Gebrauch ge- macht, weil der größte Teil der Bevölkerung von Gerres- heim durch jahrelange Arbeitslosigkeit in„den Bann des Kommunismus" geraten sei. Dieser„Bann" sei jetzt ge- brachen. Das Wahlergebnis vom 12. II. 1933 habe gezeigt, baß sich Gerresheim„geschlossen" zu Adolf Hitler bekenne. Und als Belohnung quasi für diese»Einmütigkeit" solle „Gnade vor Recht" ergehen. Die„Gnade" des Herrn Ministerpräsidenten hat weniger sentimentale Hintergründe. Er ist sich wohl nicht im un- klaren darüber, welche Auswirkungen eine Hinrichtung von 12 Mann unter der Düsseldorfer Arbeiterbevölkerung und darüber hinaus im ganzen Industriegebiet hervorrufen wurde. Und s o mächtig ist er nicht, daß er diesen Faktor bedenkenlos übergehen könnte. nadie Hagen I. 38., 26. März. Die Polizeiverwaltung Milspe teilt mit: Am Montagmorgen wurden aus Veranlassung der Staatsanwaltschaft Hagen 16 Personen wegen des Verdacht? des Hochverrats, der Ausführung von Sprengstoffanschlägen und des Waffenbesitzes festgenommen. Die den Fest- genommenen zur La st gelegten Beschul- bigungen fallen in die Zeit vor der national- sozialistischen Revolution.(!!) Die Verhafteten werden in absehbarer Zeit wegen dieser Delikte zur Ab- urteilung gelangen. Weil er den Eltern die Wahrheit sehrieh DaS Sondergericht Nürnberg-Fürth verurteilte den sechs- undzwanzig Jahre alten verheirateten arbeitslosen Mecha- niker Johann Renner, weil er in einem an seine in Rotter- dam lebenden Eltern gerichteten Brief unwahre Angaben über die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland gemacht hatte, zu vier Monaten Gefängnis. Die staatsgefährliche Kanzel Das Tondergericht Dortmund verurteilte in Warendorf (Westfalen) den Rektor des Klosters Vinnenberg. O. Böcker, wegen schwerer Angriffe gegen die Regierung und verleum- derischer Beleidigungen des Reichsministers Dr. Göbbels und des preußischen Ministerpräsidenten Göring zu zehn Monaten Gefängnis und fünf Monaten Festungshaft. Straf- verschärfend wirkte die Tatsache, daß die Beleidigungen zum Teil von der Kanzel erfolgt waren. Das Gericht ging über den Antrag des Staatsanwalts, der wegen Verstoßes gegen den Kanzelparagrafen drei Monate Festungshaft beantragt hatte, noch hinaus. Illegale Drei mußten freigesprochen werden In Rostock fand wieder einmal ein„Kommunistenprozeß' statt. 11 Kommunisten hatten sich wegen„hochverräterischer" Handlungen zu verantworten. Illegale Verbreitung von Flugschriften, Zeitungen ünd Broschüren warf ihnen die Anklage vor. Es wurden verurteilt drei Angeklagte zu einer G«- fängnisstrafe von je zwei Jahren sechs Monaten, zwei Angeklagte erhielten je zwei Jahre Gefängnis, e i n An- geklagter 1ö Monate Gefängnis, ein weiterer Angeklagter 13 Monate Gefängnis, vier Angeklagte wurden zu einer Gefängnisstrafe von je einem Jahr verurteilt, e i n Ange- klagter wurde lediglich wegen Vergehens gegen das Schuß- wafsengesetz zu einer Gefängnisstrafe von einem Monat ver- urteilt. Drei Angeklagte wurden aus Kosten der Staats- kaffe freigesprochen. Die beschlagnahmten Gegenstände werden eingezogen. Unter den Angeklagten befand sich auch ein Russe namenS Cohnfeld. Das Versahren gegen ihn wurde abgetrennt, da man anscheinend noch nicht genügend„BelastungSz.ugen" gegen ihn aufmarschieren lassen konnte. In der Urteilsbegründung wurde viel geredet von den „staatsgesährlichen" und„hochverräterischen" Handlungen der Angeklagten. Der Russe Cohnfeld wurde als»besonders gefährlich" bezeichnet, da er„nach Deutschland gekommen sei. um die politischen Ziele der KPD. durchzuführen". Drei der Angeklagten wurden freigesprochen. Ein Beweis dafür, wie übereilig man denen den Prozeß macht, die„kom- munistisch" verdächtig erscheinen. Denn wäre auch nur der leiseste Schatten eines Verdachtes geblieben.— kein Richter des„dritten Reiches" hätte diese»Staatsfeinde" frei- gesprochen. * (Jnpreß.) Im Stuttgarter HochverratSprozeß gegen neun- zehn Kommunisten wurden alle Angeklagten zu Gefängnis- strafen von sechs Monaten bis zu zwei Jahren und elf Mo- naten bestraft. (Jnpreß.) In Köslin wird augenblicklich£ftt Hochverratsversahren gegen 26 Kommunisten aus Kolberg durchgeführt. Die Angeklagten sind beschuldigt, die KP illegal weiter- geführt zu haben. (Jttpreß.) Bor dem Sondergericht fijr das Layd Sachsen, das im Schwurgerichtssaal des Dresdner Landgericht? tagt, begann ein Hochverratsprozeß gegen S2 Angeklagte, die der illegalen Tätigkeit zugunsten der SP. beschuldigt werden. Hochverrat— Zuchthaus (Jnpreß). Der Strafsenat des Hamburger Oberlandes- gerichts verhandelte im Rostocker TtändehauS wegen Hoch- verrats gegen drei Angeklagte, von denen zwei je drei Jahre Zuchthaus, der dritte drei Jahre Gefängnis erhielt. Im Anschluß an dieses Urteil ist die Verhandlung gegen weitere 16 Angeklagte wegen des gleichen Delikts aufge- nommen worden. Göring „Ich habe gemordet'' (Jnpreß.) In dem kürzlich erschienenen Buch von Göring lesen wir:„Ich gab die schärfsten Anweisungen, ich forderte rücksichtslos den Einsatz der ganzen Person in der Nieder- ringung staatsfeindlicher Elemente. Ich erklärte damals vor Tausenden von Volksgenossen, jede Kugel, die aus dem Lauf einer Polizeipistole geht, ist meine Kugel. Wenn man das Mord nennt, dann habe ich gemordet, das alle? habe ich befohlen, ich decke das, ich trage die Verantwortung dafür und ich habe mich nicht zu scheuen." Briefkontrolle! Vorsicht bei allen Briefen nach Deutschland Aus Polen wird uns geschrieben: „Daß die aus Deutschland ins Ausland gehenden Briefe stichprobenweise zensiert werden, ist wohl allgemein bekannt. Aber weiß man in Kreisen der Emigranten auch, daß die nach Deutschland gehende Post durchschnüffelt wirb? ES wurden in letzter Zeit mehrere Briefe von mir angehalten und beschlagnahmt. Als Beweis dafür lege ich einen Brief bei. den ich von einem Freunde erhielt. Ich glaube, daß Sie vielleicht im Interesse der Emigranten in Ihrer Zeitung darauf hinweisen könnten, daß auch die aus dem Auslande nach Deutschland gehenden Briefe durchsucht und beschlag- nahmt werden. Es war mir früher schon öfters ausgefallen, daß Briefe mit ein bis zwei Tagen Verspätung bei den Adressaten in Deutschland angekommen waren. Vermutlich wurde da immer die ganze Post durchsucht." Der beigelegte Brief lautet: „Dein letzter Brief von Ende Februar ist nicht bei mir angekommen, er ist in Aachen festgehalten worden. Warum? das we'ß ich nicht. Hattest Du etwas Verdächtiges gegen Deutschland geschrieben? Das Polizeipräsidium schickte mir einen Brief, ich möchte sofort Deine Adresse angeben und Deinen Beruf. Hast Du von dort schon etwas gehört? Ich möchte Dich nun bitten, doch recht vorsichtig zu sein, sonst läßt man dich nicht mehr in Deutschland herein, obschon ick weiß,-daß es vielleicht ganz harmlos war, was Du ge- schrieben hast. Was auch kommen mag, ich halte fest und treu zu Dir..." nie richtige Instanz Für die Hochschulreife Die Gebietsftthrung Ostland der„ Hi t l e r j u g e n d" und der Gau bei Bundes„Deutscher Mädel" haben vom Oberpräsituum in Königsberg ein Vorschlagsrecht für die Zubilligung der Hochschulreife zuge- billigt erhalten. Das Vorschlagsrecht wird durch Sonder- beauftragte des Gebietsführers der H. I. und der B.-d.-M.- Gauleitung ausgeübt werden. Angst vor Eva Aus Anordnung des Regierungspräsidenten wurde tn Hildesheim ein Fräulein Eva Möller aus Göttingen wegen Verächtlichmachung und Beleidigung des Reichskanzlers und des Reichsministers Dr. Göbbels und wegen reaktionärer Betätigung in polizeiliche Schutz- Haft genommen. „Priil ss schweizerischen Ufers: Deutschlands Strom, Deutschlands Grenze? Durch Wäldex, Berge und Tunnels schraubt sich der Zug höher und weiter in das Land der Eidgenossen hinein. Da erhebt sich die Habsburg, Ruine europäischer Geschichte, noch heut dominieren die Trümmer, Symbol für blutahnende Gegenwart, weit hinaus in. die Landschaft. Die Weiden haben die ersten hellgrünen Kätzchen angehangen, der Früh- ling holt tief Atem in. diesem vor aller Welt gesegneten Land. Fern am Horizont steigt es gewaltig in die Höhe: die Berge! Ein erstes beglückendes Grüßen. Da sehen sie uns an mit leuchtenden Firnen: Säntis. Glarner, Engelberger Alpen, Erinnerung an unwiderbringliche Zeit, da die sterbende Epoche noch nicht den Vorwärts-Marschtritt des Faschismus im zermalmten Genick verspürte. Am Zürichs« spielen Kinder. Sie füttern die Wasservögel. Dem friedlichen Volk der schwarzen Tauchenten mit den weitzgrauen Schnäbeln gelten die Brosamen. Aber schon werden die geruhsamen Taucherlis aufgeschreckt von den zänkischen, futterneidischen Möven. Zu zweien und dreien suchen sie dem enteilenden Entlein, das, einsam auf sich selbst ihrer Uebermacht entgegen, angewiesen ist, den Bissen abzu- jagen. Bloß einige wenige, sollen wir sie die Intelligenteren nennen?, entziehen sich dem gewaltsamen Zugriff durch ein blitzschnelles Untertauchen im sonnenglänzenden See. Und doch sind der Taucherlis so viele, spärlich nur ist die Möven- schar unter ihnen, aber die Weißbefrackten erwischen dennoch die settesten Happen. Erschrocken und jeder für sich ziehen die Massen der Taucherlis ihre Wasserbahn.... * „Zit zwei Städten ist es gut zu leben," sagt Alfred Kerr. Und er meint Paris und Zürich. Aber nirgends ist Geld im Beutel so wichtig als in der größten Stadt der Schweiz. Ueberall locken die entzückendsten Frühjahrskleidchen der. •Haute Couture, der Konfektion, gepflegte Frauen beipundern die tausend Kleinigkeiten der luxuriösen Mode, die mit der zunehmenden Krise immer erfindungsreicher und kost- spieliger wird. In den Juwelenläden der Bahnhofstraße liegen zierliche Diamantenkolliers, schimmernde Perlen in seidene Ostereier gebettet, Brillantenkreuze, die Hunderte von Schweizer Franken kosten und mit einem feinschriftigen Etikett versehen sind:„Für die Konfirmation!" Warum auch nicht? Die Schweiz, die Bank des kapitalistischen Europas, mit all dem geflüchteten Gold der anderen von Faschismus und Entwertung bedrohten Staaten, weist auf den Kopf ihrer Bevölkerung ein Vermögen von fünfzehntausend Franken auf. Ein Vermögen, von dem die eidgenössischen Erwerbslosen nicht das mindeste wissen. Ihre Zahl beträgt umgerechnet auf den Kopf der Bevölkerung und im Größenverhältnis zu Deutschland nur ein Viertel der deutschen Erwerbslosigkeit. Aber wer die Villenviertel von Hamburg oder Berlin kannte, der steht trotzdem mit andäch- tigem Staunen über das reiche Gelände des Zürichsees, über Gärten und Einfamilienhäuser mit bunten Giebeln und vielen flachen Dächern, der schaut den schnittigsten und mo- dernsten Autos nach, die, eines hinter dem anderen, in rasen- dem Tempo, als kämen sie eine kapitalistische Minute zu spät ans Ziel, durch Straßen und Alleen jagen. # Der Gedenktafeln gibt es viele in Zürich. Dort steht, noch vornehm eingeschlossen im Park, die Wesendoncksche Villa. Wagners Tristan-Erlebnis bergen die knospenschwellenden Bäume von Zürich-Enge, das vor zwei Generationen Zürichs„Westend" war. Gedenktafeln zieren jene Häuser unten in der Altstadt nahe dem Limmatquai, wo Gottfried Keller geboren wurde und zwischen noch immer sickernden Stadtbrunnen und gepflegten Handwerkerhäusern von ehr- würdig vielhundertjährigem Alter sein versponnen glück- hastes Bürgerleben lebte. Aber nahe dem wunderschönen Barockbau des alten Gewerkschaftshauses, das seine Pforten gleich vor zwei neuen prächtigen Gewerkschaftsbauten schloß, führt eine schmale, kleine Gasse, so schmal und steil, kein Wagen fährt hindurch. In dieser Gasse steht ein einfaches Haus, und keine Gedenktafel weist auf seine besondere Existenz hin: Darin hauste in dürftiger Stube in jähre- langer Emigration mit der Lebensgefährtin einer, der eine Welt mitveränderte: Wladimir Jljitsch Lenin..... Vunte Welt Lampe« und Oel Vom 95jährige» John Davison Rockefeller sprach man jüngst wieder in allen Ländern, als dieser sagenhafte Mann, dessen langes Dasein selbst schon ein Märchen geworden ist, in eine Alters- und Lebenskrise geriet, die er scheinbar aber- mals überwunden hat. Die vielen Milliarden, die der Schöpfer des Standard Oil Trusts, der Beherrscher des Pe- troleummarktes der Erde, erworben hat, haben zu seinem internationalen Ruhm kaum soviel beigetragen, wie die mehr als SM Millionen Golddollar, die er für gemeinnützige, vor allem sür wissenschaftliche Zwecke, gestiftet hat. Bei dieser Gelegenheit erinnerte man sich hier in Genf, das die von ihm gegründete und unterhaltene, großartige Völkerbunds- bibliothek erwachsen sieht, der oft verblüffenden Methoden, mit denen er seinen Leliwpertalismus in Gebieten aus- breitete, die sich ihm lange spröde verschlossen hatten. Be- sonders originell war die Art, wie er die Millionenbevöl- kerung ChinaS an das Petroleum gewöhnte. Er ließ unter den Chinesen in verhälnismäßig kurzer Zeit über zehn Emigranten in Zürich! Kommen sie an, wohnen sie im Hotel, so sollen sie gewarnt sein: kein lautes Wort unter- einander! Oesfne unversehens deine Zimmertür, hinter der du mit Freunden beisammen sitzest, so fliegen gleich Haus- diener und Stubenmädchen mit hochroten Köpfen auseinan- der. Deutschland hat kein Geld, um seine Auslandsschulden zu bezahlen, aber die Göbbelssche Propaganda bezahlt gleich bar..... Bald zieht man in möblierte Zimmer, in Pen- sionen, und dann wird gekämpft. Ein zäher, unerbittlicher Kampf mit der Fremdenpolizei: Erlaubnis zur Nieder- lassung und, in einzelnen glücklichen Fällen, Arbeits- erlaubnis! * In Zürich wird Theater gespielt. Hier besteht augenblick- lich d a s deutsche Theater-Ensemble, das durch die Gleich- schaltung im Reich verloren ging. Regisseure und Schau- spieler von Weltruf, von den braunen Herren teils durch den Großmuttersluch, und häufiger wegen des Borwurfs. „Kulturbolschewist" zu sein, vertrieben, haben sich zusammen- gefunden und spielen Theater, Moderne und Klassiker. Alfred Braun, im Sommer mit Fritz Ebert und Heilmann im Konzentrationslager, steht heute als Marc Anton im „Julius Cäsar" unter Gustav Hartungs Regie aus den weit- bedeutenden Brettern. Auch ein Neffe des Herrn Reichspräsi- denten gehört zu den Kollegen Brauns, Karl Eberls, Steckels. Ginsbergs, der kleinen Christiane Grauhosf, und wie sie alle heißen. Aber der Mann, der den Obernazi in den Bruhsnerschen„Rassen" spielte, darf nicht wagen, die Grenze des Landes zu überschreeiten, wo sein Verwandter, sagt man, regiert.... Uebrigens die„Rassen"! Die Schweizer Fron- listen, die„Harus"-Rufer und Nachläufer des Faschismus aller Spielarten, hatten für die dritte Aufführung einen großen Schlag inszeniert, der aber zu einem Schlag ins Wasser wurde. Statt„Harus" hieß es„heraus" für sie, und die behäbigen Bürgersfrauen beteiligten sich im echtesten Schwyzerdütsch an dieser Wahrung ihres teuer bezahlten Theaterbesuchsrechtes.... Irgendwo in der Altstadt hat bislang Erika MannS „Pfeffermühle" allerhand kleine pikante Antifaschismen ge- mahlen. Ihre Mitarbeiterin Therese Giese ist erkrankt, zur Zeit, als das Kabarettensemble in Basel agiert. Erika kon- feriert wie immer. Sie kündigt einen Ersatz an, einen jungen Mann, dessen Gedichte und Songs noch heute häufig über die deutschen Sender zu hören sind. Allerdings wird er dann mit einem Inkognito umgeben, das„Altes deutsches Volkslied" benannt wird. Erika Mann lüftet aber das von dem Rundfunkminister so ängstlich verfügte Geheimnis: Walter Mehring! Die zum Scheiterhaufen verdammten Songs klingen auf, und die Auguren lächeln..... » Komödianten sind eine schlimme Gesellschaft. Herr Göring sollte sie am besten samt und sonders von der deutschen Bühne verbannen. Nach außen schreien sie„Heil Hitler!", um das Amt mit Pensionsrecht in den Großstädten nicht zu verlieren. Da tragen sie im Rockaufschlag sogar stolz und breit das Mitgliedsabzeichen der NSDAP., aber unzuver- lässig sind sie für die neuen Machthaber: Sammlungen für in Not geratene Hästlingsfamilien werden von ihnen ver- anstaltet. Ueberhaupt, ihr Spott übt sich bis zur Ehrfurcht vor dem„Führer". Erzählt da eine bekannte Berliner Schauspielerin, von deren allerhöchsten Beziehungen man flüstert, höchst despektierlich den Kollegen, daß Adolf sie zum Tee besuchte. Er war mit weißen Glacehandschuhen angetan und trug ihr den obligaten Blumenstrauß mit einem Hand- küsse und linkischen Verneigung zu. • Abfahrt von Zürich! Noch einmal grüßen die Freunde vom Bahnsteig, noch einmal winken die Alpen den Abschieds- grub. Schon versinken sie im Abendlicht, die fernen freien Gipfel, die dem ältesten demokratischen Lande der Welt ge- hören und eingebettet sind zwischen drei faschistische Dikta- turen. Wird die Freiheit aus den Bergen eine Heimstatt behalten? Hoch hortet sich das Gold in den Stahlkammern der schweizer Banken, hoch und höher. Ringsum wankt eine Welt. Sind Demokratie und Kapitalismus auf die Dauer vereinbar? Mit bangen Fragen vor der Zukunft verlassen wir das Land, dessen Volksrechte auf dem Rütli vor vielen Jahrhunderten unveräußerlich festgelegt wurden und leben- digen Atem behielten für alle, die mit der Freiheit und dem Menschenrecht untrennbar verschwistert sind. Grete Link. Millionen Petroleumlampen verteilen und forderte nur sür das zugleich gelieferte Oel einen billigen Preis. Bald darauf mußte er eine eigen« Flotte von Tankschiffen bauen, um das geforderte Riesenguantum von Petroleum nach China zu befördern, wo obendrein die amerikanische Petroleumlampe Jahrzehnte lang zum Nutzen der Industrie der Bereinigten Staaten den Markt beherrschte. Di« ewige Völkerwanderung Die oft gehemmte aber nie aufhörende Wanderbewegung in allen Länder ist in ihrem Zu- und Abstrom Gesetzen unter- warfen, deren Erforschung mannigfache Aufschlüsse aus kul- turellem, politischem, vor allem aber auf wirtschaftlichem Gebiete gewährt. Hier ist wieder die Weltkonjunktur der ent- scheidende Regulator. In welchem Maße sie sich auswirkt, das hat das Internationale Arbeitsamt in Genf jetzt an der Hand sorgfältig gesammelter Zahlen untersucht. Es ergibt sich, daß die Weltkrise— niemand wird sich darüber wundern — die Wanderungen erheblich eingeschränkt hat. Ein Haupteinwanderungsland Europas ist seit langem Frankreich) darum ist das Bild hier besonders lehrreich. Es nahm 1927 aus andern Ländern 64 999 Menschen auf, der Zuwachs stieg 1939 auf 229 999 Ankömmlinge. Dann kommt Wie der Taifun chagenbeck zerstörte Die japanischen Blätter berichten in größter Ansurachung über das Unglück, das den bekannten Zirkus Hagenbeck be- troffen hat. l'Wir haben darüber kurz berichtet. Red.) Ein schwerer Wirbelsturm, der über das ganze westliche Japan niederging und in Osaka schätzungsweise dreißigtausend, in Tokio mehr als zweitausend Häuser zerstört hat, suchte auch die Zeltbauten der berühmten Tierschau heim. Di« Raubtierwagen hielten Stand! Der Zirkus gab gerade in der Stadt Fukuoka in der japanischen Provinz Chikuzen an der Rordküfte von Kyushu. der zweitgrößten der japanischen Inseln, ein auf mehrere Tage berechnetes Gastspiel. Die Stadt Fukuoka hat etwa einhunderttausend Einwohner und großen Schiffsverkehr. Zahlreiche Menschen sind zu den Hagenbeck-Gastspielen von der weiteren Umgebung nach Fukuoka hereingekommem Die Zirkuskatastrophe geschah im Beisein einer großen Menschenmenge. so daß es als ein Wunder bezeichnet werden darf, daß außer dem sehr erheblichen Materialschaden kein Verlust von Menschenleben zu beklagen ist. Ter Taifun siel über die Tierzelte her und riß sie im Augenblick lang auf, die Fetzen wirbelten in der Luft herum und klatschten weit entfernt nieder. Bretter und Türen wurden hochgerissen und durch- schlugen einen Teil der Anlagen. Glücklicherweise widerstanden die festgebauten Raubtierwagen dem Taifun, sonst wäre eine unabsehbare Katastrophe entstanden. Elefanten und ihre Wärter Die Elefanten verhielten sich, da sich die Wärter in ihrem Stall befanden, merkwürdig ruhig. Nur als der Sturm die Decke des Zeltes einriß und heftig hindurchfegte, dröhnte das Trompeten der gewaltigen Tiere klagend zu den Augen- zeugen des Unglücks hinaus. Die ganze Katastrophe hat nur wenige Minuten gedauert. Bevor alle Augenzeugen des Taifununglücks recht zur Besinnung kamen, war alle« bereits wieder vorbei und der Wirbelsturm fegte viele Meilen weit über das Jnselreich dahin. Lorenz Hagenbeck benachrichtigte seine Hamburg-Stellinger Verwaltung durch folgendes Funktelegramm von dem Vor- .gefallenen: „Wahnsinniger plötzlicher Taifun. Gesamtzeltanlagen und Einrichtungen völlig vernichtet. Setzen trotzdem Gastspiel fort unter Benutzung des Reservematerials. Beordert schnellstens neue Zelte und Einrichtungen. Taifun dauert an. Sonst wohlauf. Lorenz Hagenbeck" ' Die Meinung, daß es sich bei der Meldung von dem Un- glück um ein billiges Reklamemanöver handle, wird durch die Berichte der japanischen Blätter widerlegt. Man bedauert allgemein das Pech dieses Riesenunternehmens in Japan. Vlinbe spielen Fußball Ei« Wettkampf im Dunkeln— Der rasselnde Ball Ein seltsamer Fußballwettkampf wurde dieser Tage in Upper Norwood sEnglands ausgetragen. Das Spiel fand in vollkommener Dunkelheit statt und eine der Mannschaften setzte sich ausschließlich aus Blinden zusammen. Um den Fuß- ball beiden Parteien bemerkbar zu machen, niemand konnte ihn sehen, war er mit Erbsen gefüllt. Ein Schiedsrichter war bei dem Spiel nicht zugegen. Er hätte bei der Dunkelheit doch nicht seines Amtes walten können. Die Spieler verstän- digten sich gegenseitig durch Zurufe. Es zeigte sich, daß die Blinden sich weitaus besser nach dem Geräusch orientieren konnten. Es kam zu einer ganzen Anzahl von Torschüssen. Mit 7 zu 8 Toren blieben die Blinden Sieger. Aber sie waren erheblich überlegener, als es im Torverhältnis zum Aus- druck kommt. Vor allem wußten sie geschickt das Zusammen- prallen mit einem anderen Spieler zu vermeiden. Da'sich das„Fußballspiel im Dunkeln" durchaus bewährt haben soll, wird man es wahrscheinlich in ganz England einführen, um blinden Fußballspielern die Möglichkeit zu geben, ihre Kräfte auch mit gesunden Spielern zu messen. Der Mann ohne Gedächtnis In den Straßen von Sao Paolo wurde von der Polizei ein vollkommen verwahrlostes Individuum aufgegriffen und wegen Vagabundage dem Schnellrichter vorgeführt. Der Mann konnte keinerlei Angaben über seine Person machen, und erst nach außerordentlich schwierigen Verhandlungen er- gab sich das überraschende Ergebnis, daß dieser Mann ein gewisser Paolo Amaral aus Rio de Janeiro war, der ein Vermögen von 39 Millionen Peseten besaß. Zur Zeit forscht man nach, wie der Millionär in diese völlig hilflose Lage geraten konnte, und was mit ihm in der letzten Zeit ge- schehen ist. ein schneller Absturz,' 1931 sinkt die Zahl der eingewanderten Arbeiter auf 192 999, im Jahre 1932 auf 79 999. An Rück- Wanderern zählte man 1927 etwa 99 999,1928 etwa 54 999,1929 nur 39 999. Von da an 1939 bis 1932 ein neuer Anstieg der Heimkehrer: 44 999. 93 999 und schließlich 199 999. Auch in dem typischen Auswanderungslande Italien fällt die Zahl der Emigrierenden 1939 bis 1932 von 221 999 auf 58 999. während die der Rückwanderer 82 999, 64 999 und 49 999 beträgt, so daß 1982 das Plus der Auswanderer auf 18 999 herabgedrückt wird. Sogar in Polen, wo noch 1939 79 999 Menschen mehr aus- als einwanderten, überwiegt schon zwei Jahre später die Zahl der Repartr'ierten die der Emi- grierenden um 29 999. Maßgebend dafür war vor allem der Konjunkturwechsel in Amerika, der zu weiterer Drosselung der Einwanderung führte. Diese überwog in den Bereinigten Staaten noch 1929 mit 132 999,1931 aber— wer hätte das für möglich gehalten!— wanderten 24 999, im Jahre 1932 sogar 47 999 Menschett mehr aus als ein. Im selben Jahre hat selbst Argentinen. in das noch 1927 162 999 neue Bewohner gepilgert waren, seit langem zum erstenmal 11 699 mehr AuS- wanderer als Ankömmlinge. Aehnlich verläuft die Bewegung in Mexiko und Brasilien. Die Schweiz und die Pressefreiheit Bedeutung der einschränkenden Maßnahmen Der Wortlaut des Beschlusses, den der Bundesrat gefaßt hat, besagt u. a.:* Presseorgane, die durch besonders schwere Ausschreitungen die guten Beziehungen der Schweiz zu anderen Staaten ge- sährdcn, werden verwarnt. Bei Nichtbefolgung der Ver- warnung wird ihr Erscheinen aus bestimmte Zeit v e r- boten. Der Bundesrat entscheidet aus Antrag des Justiz- und PolizeidepartemenlS. Die Kantone haben für die Durch- führung des Verbotes zu sorgen. Ter Bundesrat ermächtigt die B u n d e ö ä n w a l t- s ch a s t. iic aus d cm Ausland eingeführten Druckschriften der genannten Art bcschlaguah- m e n zu lassen und beim Bundesrat Antrag auf Einziehung zu stellen.— Die Strafverfolgung, gestützt auf Artikel 42 des Bundesstrafrechts, bleibt vorbehalten. Zur Begründung wird n. a. ausgeführt: Ende Ro- vcmber 1988 beauftragte der Bundesrat daS Politische De- partement und daS Justiz- und Polizcidepartement, gemein- sain die Frage zu prüfen, ob gegen schweizerische Zeitungen, die durch ihre heftige Schreibweise die auswärtigen Be- ztehnngen der Schweiz gefährden, administrative Maß- nahmen ergriffen werden könnten. Das Politische Departement kam im Laufe des Februars 1984 aui die Sache zu- rück, unter Hinweis aus die Haltung des„Kämpfers" und des„Vorwärts" vom 10. Februar iman sprach von Hiller als einem Meuchelmörder, von H i t l e r b e st i e n. b e st i a l i j ch e n Mordtaten der Hitler-Regierung. von den blutigen Taten des Henkers Göring usw.). Mit Schreiben vom 0. Februar 1984 machte die zürcherische Justtzdirektion aus den Leitartikel des„Kämpfers" vom 6. Februar aufmerksam, worin Hitler und Göring als Schurken und die deutsche Regierung als eine Bande von Mördern bezeichnet werben. Das Jugendkomitee gegen Krieg und Faschismus verteilte«in Flugblatt in Bafel, in dem Göring und Göbbcls als die wirklichen Brand- st i f t c r' t i t u l i e r t wurden. Das baslerische Justizdcpar- tement fragte in Bern an. ob man dagegen nicht einschreiten könne. Wegen des Flugblattes, das von der Karlsruher Zeitung„Der Führer" aufgegriffen und abgedruckt wurde, und die schweizerischen Behörden scharf angegriffen worden. Die B u n d e S a n w a l t s ch a f t bat viele Attacken schweizerischer kommunistischer und sozialistischer Blätter auf fremde Regierungen anläßlich von schwerwiegenden Ereiq- uissen(Reichstagsbrand, österreichischer Bürgerkrieg) fest- gestellt. Die beiden in Frage kommenden Regierungen wurden durch Aeukicrungen nnd Zeichnungen gröblich beleidigt. Solche Entgleisungen finden ihren Nieder- schlag auch in Druckschristen, die in der Schweiz vertrieben wurden,' ebenso in der Emigrantenpresse(„Deutsche Freiheit",„Der Gegenangriff"), welche Eingang in unser Land finden. Das Justiz- und Polizeidcpartcmenl stellt üch auf den Standpunkt, daß in normalen Zeiten An- griffe auf die Ehre fremder Regierungen gemäß Artikel 42 des Bundesstrafrechts verfolgt werden können. In k r i t i- scheu Zeiten könne jedoch der Bundesrat, ge- stützt auf Artikel 102. Ziffer 8 und 9, Bundesverfassung, administrative Bor» kehren ergreifen. Daher werden für die Dauer der kritischen Zeitverhält, nisse administrative Maßnahmen gegen die Presse nnd an- dere Druckerzeugnisse erforderlich. Der Bundesrat ist ge- ivillt, die v ö l k e r r e ch t l i ch c n Pflichten, aber auch die des Änstandes zu wahren und nicht zu warten, bis aus- ländliche Regierungen vorstellig werden. Dabei ivird an» erkannt, daß die Ueberwachung der Presse schwierig ist, auch der Entscheid darüber, ob eingeschritten werden soll. Da t Personal der Bundesanwaltschaft muß eventuell zur Bewältigung der Ausgabe»er- mehrt werden. Bon einer allgemeinen Verordnung gegen den Mißbrauch der Preisefreiheit wird abgesehen. Der Bundesrat begnügt üch vorderhand mit der grundiätz- lichen Entscheidung, daß bei vesonders schweren Ausichrei» tnngcn, wodurch die guten Beziehungen der Schiveiz zu anderen Staate» gefährde tiv er- den, eine Verwarnung und bei ihrer Nichtbeiolgung ein Verbot des Erscheinens aui bestimmte Zeit.ans- gesprochen wird. DaS Einschreiten soll nicht bei jeder Un- sreundltchkeit erfolgen, fondern nur in wirklich gravi«- r enden Fällen. Die Pressefreiheit wird in ihrer Aus» Wirkung aus schweizerische Berhältnisse durch den Bundes- ratsbeschluß in keiner Weise berührt. Eine Ablehnung Die Basler„Rational-Zeitung" schreibt: Eine Beschränkung der Pressefreiheit steht einen, demokratischen Staat nie gut zu Gr- ficht. Sie kann immer zu willkürlicher Unter- drückung unbequemer Meinungen mißbraucht werden, besonders wenn die Formulierung der Bestimmungen dehn- barer Auslegung unterliegt. Besonders aber befürchten wir. daß der Bundesrat da- durch, daß er offenbar unter den, Druck der Empfindlichkeit ausländischer Regierungen sich z» diesem schwerwiegenden Schritt entschlossen hat. seine Stellung in der Pflege der auswärtige», Beziehungen nicht erleichtert. Bis jetzt konnte stch unsere Regierung gegenüber fremden Demarchen über die Haltung der Schweizer Presse aus die durch die Bundesverfassung sanktionierte Preise frei» heit berufen. Es ist zu erwarten daß nun die Emp- tindlichkeit der»rem den Regierungen sich weit häukiger und nachdrücklicher äußern und der Bundesrat unter Berufung auf die neuen Beftim- mnngen unter dauernden Drnck gefetzt wird. Die Befürchtung, daß damit schließlich das Recht der freien Kritik fremder Slaatsdoktrinen. die eine Gefahr kür unser eigenes Land darstelle», beengt werden könnte, ist deshalb nicht von der Hand zu weifen. Internationale Ober Oesterreich Der Vorstand der Arbeiter-Internationale Ist am Wochen- ende in Paris unter dem Vorsitz von Vanderveldc zusammen- getreten: Ernmmencrl lDeutschland). Bracke sFrankreich». GillicS(England), Albarda(Schweden), Abramowttsch sRuß- lonbl, Madigliano(Italien), Liebermann(Polen), Graber (Schweiz), Lindsttöm(Schweden», Soukup sTichechoslowakei), ein Vertreter der österreichischen Sozialdemokratie, der Schatzmeister der Internationale, van Roosbxoeck, und Sekretär Adler. Einem Teil der Sitzung ivohnten gleichfalls als Eingeladene bei Eitrine und SchcvenclS, Sekretär und Präsidenten der Äewerkschastsinternatlonale. Der Vorstand hörte einen detaillierten Bericht über die öfter- r ichischen Ereignisse, den der Vertreter der österreichischen Sozialdemokratie erstattete. Diesbezüglich hat der Borstand «"»stimmig eine Resolution votiert, in der er den öfter- reichischen Arbeitern, welche den Kamm für die Freiheit ge- führt haben, den Ausdruck seiner Solidarität nnd seiner Bewunderung übersendet und die Regierung Dollfuß an- schuldigt, das Recht ihres eigenen Volkes und die Vcrpflich- tnngcn der intcrnattonalen Verträge mit Füßen zu treten. Der Vorstand hat dann den Tert des Aufrufs zum 1. Mai festgelegt, der an die Arbeiter der ganzen Welt nnd besonders an. die. Oesterreichs gerichtet»verde» ivird. Bei der Diskussion der Situation in den verschiedenen Ländern bat der Vorstand mit Entrüstung Kenntnis ae- Kommen vom Verbot der jugoslawischen Regierung, die Sozialdemokratische Partei in Jugoslawien neu zu bilden. Im Namen der für die Prüluna der französischen sozia- li'tiicken Partei gebildeten Bicrerkommission hat Sekretär Adler den» Büro die Schlußfolgerungen vorgelegt, zu denen die Kommi^-on einstimmig gekommen ist. Die Kommission ist der Ansicht, daß unter den obivallenden Umständen eine Intervention ihrerseits keine günstigen Resultate zeitigen könnte, nnd ersucht das Büro, ibr Vertrauen zu schenken hin- sichtlich des Moments, a» öe»i sie ihre Aktion ivicöer aus- nehmen könnte. Das Ausland glaubt nichts (Jnpreß.) Der„Nieuwe Rotterdamsche Courant" bestreitet, daß die Zahlen der Internierten in Nazi-Konzentralions- lagern, die von beutscher RegterungSseite angegeben worden sind, stimmen.„Diese Ziffern können unS nicht viel Ver- trauen einflößen, weil»vir absolut sicher auf Grund von alten, aus zuverlässigen Quellen erhaltenen Zahlen wissen, daß viel mehr Menschen in den Konzentrationslagern ge- fangen gehalten ivurben, als die zur gleichen Zeit bekannt- gegebenen Maximalzahlen aus der Zeit der höchsten„Blüte" dieser Lager zugaben." Das Blatt»oendet sich dann gegen die Versuche der Nazipropaganda, die Konzentrationslager als„eine Art humanitärer Einrichtungen" hinzustellen.„Wir »vollen z. B. nur an die Beschreibung des Berliner Korrespondenten der„Times" erinnern, nachdem dieser unter offizieller Führung Lager besucht hatte. Man würbe hier in Holland in der Lage sein, eine ganze Anzahl außer- gewöhnlich lehrreicher ärztlicher Atteste vorzulegen, die auf Grund der körperlichen Untersuchung der aus den Lagern Freigelassenen, unmittelbar nach ihrer Ankunft in Holland, ausgestellt wurden. Wir habe« selbst de« Besuch solcher Opfer gehabt, die«och„«angenehme äußere Zeiche« der „meuschlichen Versorgung" zeigte«." „tinsinnige Emigrantenlogen" Und wo bleibt die Richtigstellung? Berti«, 27. März. Ein sogenannten„Rationalkomitee zur Unterstützung der Opfer der deutschen Nationalsozialisten" kündigt an.„daß seit dem 1. Januar 1988 8 000 Gegner des Nationalsozialismus in Deutschland getötet worden seien. Davon seien 37 hingerichtet worden, nnd zwar 28 emhanptet. 119 882 Personen sollen verletzt und eine Anzahl verstümmelt worden sein. Die Zahl der in Konzentrationslagern und Ge- sängnissen befindlichen Personen belaufe sich aus 174 000. Von Oktober btS November 1938 seien 50183 Personen in» Gefängnis mißhandelt worden." Diese Behauptungen, die längst widerlegten Brgunbnch- lligen entstammen, sind so unsinnig und tragen de« Stempel ganz offenkundiger Gehässigkeit, so daß cS die Rctchsrcgie- »u»g ablehnen muß, darauf einzugehen. * Im„Braunbuch" stehen, wie wir uns überzeugten, diese „Lügen" nicht. Der Einwand, den die Reichsrcgierung an- »ührt, um sich von einer Klarstellung zu drücken, ist also hin- »ällig. Daß 37 Hinrichtungen— inzwischen sind es längst mehr— vollzogen wurden, ist anS den amtlichen Berichten zu- samincn zu rechnen. Di« genaue»» Zahlen über die sonstigen braunen Barbaren wird die'Reichdrtgicriing iiir drr'Oeffentlichkeit zu»Iber- gebe>»»vage ij. 2 000 Tote In Hahodate Tokio, 28. Mär». Bei den AufräumungSarbeiten in der Stadl Hgkodate, von der vorige Woche drei Viertel durch Feuer in Asch« gelegt.ivurdc, sind biöher 1878 Leichen ge- borgen worden. Tie AufräumungSarbeiten gehen weiter. Man befürchtet, daß die Gesamtzahl der Toten 2000 über» steigen wird. Der Schaden heträgt schätzungsweise 150 Mil- ljpnen i)eti(etwa 110 Millionen Reichsmark). Göbbels annektiert Berliner Oper Er rivalisiert mit Göring Berlin, 27. März. Der RcichSminister für Bolksauskla- rung und Propaganda, Dr. Göbbels, Halle zum heutigen Dienstag eine Versammlung dcS gesainten künstlerischen und technische» Personals der Städtischen Oper, Charlotten- bürg, einberufen, in ivelcher er folgende Mitteilungen machte: Das Rcichskabinett bat in seiner letzten Sitzung die Ueber- leitnng der städtischen Oper, Cbarlottenburg. a»S dem Besitz der Stadt Berlin aus das Reich und die Weitersührung der Oper als reichseigenes Institut beschlossen und die zu diesem Zweck erforderlichen Mittel bereitgestellt. Die bisherige Städtische Oper, Charlottcnburg, erhält den Namen„Deut- sches Opernhaus". Die Führung und Verwaltung der Oper wird von dem für das deutsche Theater- und Kunst- wesen zuständigen Reichsministerium für Volksauskläruug und Propaganda ausgeübt. Reichsminister Dr. Göbbels wirb sckwn in den nächsten Tagen den neuen Intendanten berufen. Aus die Wahrung eines hohen künstlerischen Niveaus des Deutschen Opernhauses wird besonderer Wert gelegt»verden. Um dem Hause eine« wärmeren und repräsentativen Charakter zu geben, wirb sokort bei Beginn der spielfreien Zeit mit dem Umbau wesentlicher Teile des Theaters begonnen. Die neue Spiel- zeit soll am 15. September dieses Jahres beginnen. * Hinter dieser amtlichen Meldung verbirgt sich eine neue Bankrotterklärung der Kunstpolitik des„dritten Reiches". Die Berliner städtische Oper»var trotz deS stärksten Drucks auf Beamte und Angestellte angesichts der katastrophalen Lage der Berliner Gemeindefinnnzen nicht mehr zu halten. Jetzt wird sie einfach vom Reich„übernommen", denn für GöbbclS-Propaganda fehlt es nicht an Mitteln. Zugleich ha! der kleine Doktor mit der Ucbcrnahmc der Bühne endlich seinen großen Triumph gegen Göring. Zwischen beiden besteht ein heftiger Konkurrenzkampf um die Betreuung der Theater. Hat Göring setnr Lindenoper, so hat Göbbels setzt sein eigene«„Deutsches Opern- haus". Rationelle Gemeinschaftsarbeit ist Nebensache, die große deutsche EinSelisidee hat öS noch nicht fertlg gebracht, die zerfahrenen Berliner OvernhauSverhältnisle z» ordnen. Sie werden im RivalitätSstreit zweier braunen Prima- donnen kostspieliger und zerfahrener al» se zuvor. Pariser(Theater Jeudi 29 Mars Opera. Relache. Opfra-Comique. Le» Pechcurs de Perle», Le» Noces de jeau- nette(20). Comedie Franeaiie. La Madone a l'Etoiele. Recitation, Polyeucte(14). Odeon. Iphigenie, Le« Precieuse« Ridicules 04.15), Tristan et Iseut(20.30). Le« autres online lundi. Atelier.— Richard III.(21). Gymnnte: Le Messager ron Henry Bernstein mit Gaby Morlay(21 h). Madeleine: La Pastage des Prinees(Offenbach)(20.45 h). Michodiere. Le« Temp» difficiles(20.30 h).. Michel: Parole d'honneur(21 h). Oeuvre Les Races(21). P.laii-Royal: La Familie Vauberlain(21 h). Theaire de Pari». Tavaritch(20.45 h). Sarnh-Berhardt: Alibi 14 von Jean Gnitton(20.15 h). Chatelet Rose de France(20 h). Gaite-Lyrique: Le pay« du«ourire(Da« Land de« Lächelns) von Lehar(14.45 et 20.45 b). Magodar: L'Auberge du Cheval Blane(Im Weißen Röß'l). Pigall«: La Chaiive-Souri»(Die Fledermaus). Regie: Max Reinhardt(20.30 h). Porte Saint-Martin. Wiener Walser(Operette von Johann Strauß. Vater und Sohn), mit Andre Bauge(20.30 h). Cnnno de Pari s* Revue: Vive Paris mit Cscile Sorel(20.30) Foliei-Berger«. Folie» en Folie, Revne mit Mistinguett. (20 30 h). Kinos Actualite» TAuto(31, Bd. de« Italiens) Bai des petits Iii« blane«. Sketsch mit Laurel und Hardv. Pariser Sechstagerennen und ein Trickfilm. Agrieulteurt(8, rue d'Athene). L'Hoinme invisible(C. Rails, G. Stuart. W. Harrigan).(Tägl. 15 u. 21; Sbds., Sonnt.. Ftgs. 14 30. 17. 21.) Bonaparte(Place St-Sulpice). L'Homm« invisible.(Tägl. 15 u. 21, Sbd»., Sonnt., Ftgs. 14.30, 17. 21.) Champi-Elvi+e»(118.»v. des Champs-Elysees). La Croisisre saune.(Tägl. onunterbr.». 14.30 bis 19; Sbd«. n. Sonnt, von 13.45 bis 20.15.) Metange(3, rue d'Arras). Princesse Nadia; Lady Lou. Cinr-Opera(32. av. de I Opera). L'Homme invisible(C. Rails, G. Stuart. W. Harrigan).(Tägl. ununterbr. von 14—20; abends 21). Coliiee(38.«v. de« Champs-Elysees). Le Club de« ca»«e-cou. (Tägl ununterbr. von 14.30 hi« 19.30; Abendvorst. 21.) Elysee-Gaumont(79. de« Champs-Elysees). Design for Living (Fred. March. Miriam Hopkins, Harry Cooper).(Tägl von 14.30 bis 20 u. um 21.) Eremitage Club Urtulinet(72, av. de» Chaups-EIysees). Vol de Nuit.(Tägl. von 15 bis 21, Sbd. u. Sonnt. 14.30, 17, 21.) Madeleine(14. rue de la Madeleine). Esguitnaux(ein Film von Van Dyke), amerik. Originalfassung, frans. Untertitel.(Tageskino von 14 Uhr ab.) Marignan(27, av. de» Champs-Elysees). On a vole un horarae. Marivaux-Puthe(15, Bd. des Italiens). Ce« messieurs de la Sante. Miraele»(100, rue Reauraur). Katharina von Rußland(Elis. Bergner, Douglas Fairbanks jr).(Tägl. 16 u. 21; Sbd»., Sonn- u. Feiert. 14. 16.30, 21.) Pantheon Cinema(13. rue Victor-Cousin). Man braucht kein Geld(H. Niser, Hedy Kiesler). Raspail 216. A man'» Pastie.(Tägl. 14.30. 16.30. 20.30, 22.30.) Studio Caumartin>25. rue Caumartin). Lady for a day (amerik. Originalfassung mit frans Untertiteln).(Tägl. 14.30. 19. 21.15; Sonn- u. Feiert. 14.20. 20.15.) Studio Diamant(Place St. Augustin). Loyalties.(Tägl. 14.30, 16.45 u. 21.) Studio Gilbert(115, rue de Vaugirard). Mon Chapeau.(Nachmittags 13.30- Unuuter.br.» abends 20.30.) Studio de C'Etoile(14, rue Troyon). Symphonie inachcvec (Leise flehen meine Lieder). Deutsche Originalfassung. (Tägl. vou 14.30 bis 19; 21.) Studio 28(10. rue Tholose). La Soupe au canard(Deich soup), Originalfassung mit frans. Untertiteln.(Tägl. v. 15 bis 21; Stgs. ununterbr. v. 15 bis 19.) Studio. Parnasie(11. rue Jules-Chaplain). Thomas Garner. Studio Vnivertel(31, av. de I'Opera). Ann Carver's Profession.(Tägl v. 14 bis 20. Abendvorst. 21.) Temple Seiet tion(77, rue du Fbg. du Temple). Chateau de rene. Ursuline»(10. rue Ursulines). La rue«ans nom, mit Gabriel Gabrio und Consl. Remy; Von Wilson bis Roosevelt(ein Rückblick auf die Geschichte Amerikas).(Tägl. 1.5. 21; Sbd». u. Sonnt. 14 30. 17.) Waihington-Palaee(14, rue Magella«). Wbisting in the Dark (Cuna Merkey, Williana Truck) Pariser Deridiie Pariser Straßenhalender Die Pariser Blätter veröffentlichten im Sportteil lange Berichte über den Rugby-Sieg der französischen Mannschaft in Hannover. Sie bezeichnen Hannover als die Hauptstadt des deutschen Rugby, wie Toulouse die des französischen ist. lieber den Parademarsch der Nazis zeigen sich die Blätter leicht belustigt. * Les Gens de Lettres, die berühmte französische Schrift- Stellerorganisation, hielt ihren Kongreß ab. Dieser zeichnete sich aus durch das Auftreten von M. Bourdon vom Syndikat der Journalisten, der mitteilte, daß ein Autor, der nicht dem Gens de Lettres angehört, bloß 4 bis 10 Franken für Nachdruck eines Artikels vor Gericht erhalte, ein Mitglied aber 500 bis 1000 Franken. Eine Resolution Bourdons wurde angenommen. In den Vorstand wurden u. a. Duhamel und Jules Romains gewählt. * Clement Vautel schreibt im rechtsstehenden„Journal" eine erbitterte Glosse darüber, daß in einem Ordnungsblatt jemand ein Inserat aufgab:„Arzt sucht Telefon-Sekretärin, die im Haushalt helfen kann. Au pair." Er bezeichnet dies als weißen Sklavenhandel. So reagiert eben das bürgerliche Paris auf derlei Dinge! * Der vom Hitler-Verlag Eher gegen den Verlag„Nouvelles Editions Latines" in Paris wegen unberechtigter Ausgabe von„Mein Kampf" angestrengte Prozeß wurde auf den 4. Juni vertagt. Der Verlag Eber verlangt unter anderm die Vernichtung des Satzes und 1000 Franken Schadenersatz für jeden aus der Druckpresse hervorgegangenen Band. Unseres Erachtens sollte man sich in Frankreich zu gleich auch Um das Recht der Gleichberechtigung, angesichts der Verletzung von Urheberrechten französischer Autoren in Deutschland, kümmern. Oha« Facti.Kenntnisse Israeliten Inteil. Herr oder Dame, die über ca. 20 Mille RM. verfügen u. denen Mög» liebkeit fehlt«ich passende neue Existenz r. schaffen, wird hiermit Gelegenheit geboten, sofern«iefieude hätten, Hir konkurrenzlose leichte Haus'lndustric (patentiert,«ogar D.R.P.) schnell ausgebildet zu werden u als Vertrauens mann»ür renom. flott« i gehende Schweiz. 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AuWl 33-61 Der Erfolg liegf in der Rekl n ame! nierlartn Sie deshalb in dar Deutschen Freiheit" Ein Gedenktag, den mtier nidif erwähnt Am?9 März 1918, in der„großen Zeit", wurde die Pariser Kirche Saint-Gervais da» Opfer eine» Bombardement», dem mehr al» hundert Tote zum Opfer fielen. Am Karfreitag werden zur Erinnerung an diesen schrecklichen Tag um 5 Uhr abend» die Sänger de» Chors unter der Leitung von Paul Le Flem u. a. den„Crucifixus" von Loti und Motetten»ingen. Allen Angehörigen der Pariser Hitlerkolonie ist die Teilnahme an diesem Gottesdienst zu empfehlen, zur Erinnerung an das Wort:„Den Tag haben wir ersehnt." Madame Stavlskii im Kittdien Die Beschäftigung von Madame. Arlette im Gefängnis Petite Roquette ist die große Sensation der Pariser Presse. Die schöne Frau hat zwar auch schon 1926„gesessen", aber damals wurde sie gerade Mutter. Damals„saß" sie in der Gefängnis-Klinik. Madame Arlette wurde, wie der Mitwelt verraten wird, durchsucht, und ihr Hut wurde von einer Mitgefangenen ehrfurchtsvoll in Papier eingewickelt. Dann erhielt sie eine Zetfe mit drei Betten. Die wurde, um jeden Selbst- Mordversuch auszuschließen, der Vorschrift der zum Tode Verurteilten unterworfen, das heißt, das elektrische Licht über ihrem Bette brannte immer, damit sie von der Schwester durch das Guckloch stets beobachtet werden konnte. Arlette, so heißt es, schlief die erste Nacht nicht eine Minute, aß auch nicht. Die Mitgefangenen, die schon ihren Einzug mit fieberhafter Spannung erwartet hatten, waren wütend, weil die„Neue" zum Waschen in ihrer eleganten Kleidung erschien. Die Witwe des„escroe" mußte sich dann in dem Waschraum waschen, wobei sie ihre noch von Henna geröteten Nägel eintauchte. Eine Mitgefangene warf sich auf sie und wollte ihr in die Haare fahren, was natürlich große Aufregung hervorrief. Madame Stavisky wurde dann der Wäscherei-Abteilung überwiesen und schnitt Tuche zurecht, wobei ihr ihre frühere Beschäftigung als„erste Hand" in der Konfektion augute TAL rnnilA 43«13 MAtro Plgalle Deutsche Poliklinik Porta, OZ, ßue de lo ßochefoucould | Chirurgie c) Geburtahüf liehe Klinik«0 Zahnärztliche. Kabine« Inner« Median. Aug«.. Ohren., Nun. od Kehlkopfkrank. ZweCetsckigesJSeeeeerteMfefcSed«. VWeatAekt(W Gebinde. Zimmer Zahn, nnd Mnndch.rurgre Gold, betten. Röntgen. Diathermie. Elektrotherapie, Speziaibehand« Kleine, mittler« and große Chiror» mit 1 bis 4 Betten. 5 Aerzte, 3 Heb« and Porzellankranen««Bracken. Inns bei Bin»., Hein. a. Ge.cKleehnkrankKeiten(U- Di.«iUrmoderoet.Enmebtmu nimm nnd 3 Operetwueil«. Kautschuk. Ar boten a) Allgemein« Konsultationen m» 9 SpeaCeHtten. Ordination füglich von 0—12 und 2-8; Sonntags und Feiertags von lO—12 und 2—4 Uhr m Dodeur tfpeciatiste I DEUTSCHSPRECHEND I Münchener u. Pariser Fakultät 17, rue Reaumur Mdlro Arfi-«t-M6tl«r> od. 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Sie trägt ihm auf, daß er der Mutter Küsse bringen soll,„sechzehn von ihr und zehn von dem Bruder". Die Gefangene beschäftigt sich mit ihrer Zukunft, mit der Stellung, die sie in einem Modehaus einnehmen will, wenn sie wieder herauskommt. Angeblich hat ihr Mann ihr nur 40 000 Franken gelassen, und davon ist durch den Zugriff der Gläubiger nicht viel geblieben, dann hat sie die Beerdigung in Chamonix bezahlt, und allein die Ueber- führung'des Körpers nach Paris hat 3000 Franken gekostet. Vielleicht müssen die Verteidiger den Antrag stellen, wie es heißt, die beiden Kinder der Wohlfahrt anzuvertrauen. Und inzwischen findet man in London die Brillanten des Vaters. Theater and film In Paris Die Uraufführung des Oedipus-Stiickes„La machine infernale" von Jean Cocteau, das mit großer Spannung erwartet wird, ist auf den 10. April verlegt worden. Die Premiere ist in der Comedie des Champs Elysees. * In den Ambassadeurs wird am 29. März die„Bete noire" im Abendspielplan aufgeführt, die viel von sich reden machte, weil sie nach der öffentlichen Generalprobe unter der Regie Franz von Mendelssohns abgesetzt wurde. * Der seit langem erwartete Film„Ces Messieurs de la Sante" läuft jetzt im Marivaux. Die Handlung ist bekanntlich eine Bankschieber-Komödie, die durch die„Affäre" ihre besondere aktuelle Note und durch die überragende Darstellung des Schauspielers Raimu ihren künstlerischen Wert erhält. * Richard Strauß hält sich an der Cote d Azur auf und komponiert eine Oper„La Femme silencieuse" nach dem Drama des alten Engländers Ben Johnson, dessen„Volpone" vor einigen Jahren in Berlin ein großer Erfolg war. In der Oper fand die erste Aufführung der„Princesse lointaine" von Witkowski statt. „Pro Mu»ica" In Paris haben sich eine Reihe schaffender und ausübender Musiker zusammengeschlossen, die allen denen, die von keiner der nationalen Sektionen der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik Vertretung und Förderung erwarten können, ein neues Forum schaffen wollen. Die neue Gruppe»oll alle in der Fremde lebenden Musiker umfassen. Die konstituierende Versammlung am vorigen Sonntag hat zunächst einen Arbeitsausschuß mit der Sammlung aller einschlägigen Adressen und der Vorbereitung eines Konzertes möglichst noch in dieser Saison beauftragt. Die vorläufige Adresse der neuen Musikergruppe ist: Pro Musica, 73, Bd. St. Michel, Paris Ve. Osferhonzfrfe Am Gründonnerstag und Karfreitag finden nachmittags 17.30 in der„Chapelle des Invalides" zwei geistliche Konzerte statt, in denen u. a. Werke von Bach Händel, Haydn und Schubert zur Aufführung kommen. Am Karfreitag gibt es außerdem folgende Konzerte: 17 Uhr: Eglise St. Gervais. Geistliches Konzert(Werke von Palestrina, Victoria, Chambonniers, Weelkes, Gibbons, Byrd, Guilain, Raison). 20-45 Uhr: Theatre du Chatelet. Concert» Colonne(Wagner- Abend unter Leitung von Paul Paray, mit G. Hoerner nnd M. Forti als Solisten). 21 Uhr: Salle Pleyel, 252 Fbg. St. Honore. Don Kosaken Chor(8. Jaroff). 21 Uhr: Salle Gaveau, 45, rue La Boetie. Letztes Lamoureux-Konzert in dieser Saison: „Les Beatitudes" Geistliches Oratorium von C. Franck (Leitung: E. Levy). Am Karsamstag findet nachmittags um 17 Uhr im Theatre du Chatelet das letzte Zykluskonzert des Orchestre Colonne unter Leitung Paul Parays statt. Zur Aufführung gelangen Werke von Franck. Montrichard. Du- parc, Pierne, Chabrier. Karfreitag, Karsamstag und Ostersonntag werden außerdem in fast allen Pariser Kirchen geistliche Konzerte gegeben. BRIEFKASTEN Egon, Kopenhagen. Herzlichen Dank für Ihre Anekdote. Sie ist gut, zumal sie den Borzug hat, wirklich wahr zu fein. Alfo: In einer norddeutschen Großstadt erfreut sich der Komiker des StodltheaterS der größten Beliebtheit. Jeder kennt und liebt ihn. Schon durch die Art des Überhasteten Sprechens reizt er zum Lachen. Es versteht sich von selbst, daß er sofort nach dem Siege der„nationalen Revolution" eines der dicksten Hakenkreuze am Rockaufschlag trug. Bon früher war er jedoch noch mit einigen Beziehungen zu bekannten Sozialdemokraten belastet. Eines Tages trifft er die Frau eines dieser„Untermenschen" auf der Straße. Er geht auf sie zu. brückt ihr die Hand, macht traurige Kulleraugen und sagt, aus sein Haken- kreuz weisend:„Ja, meine Liebe! Schlimme Zeiten, schlimme Zeiten!" H. L.«n Marseille. Tie schreiben uns: Ich möchte übrigens nicht versäumen, Ihnen zu sagen, daß es mir jedesmal die größte Freude macht, die„Deutsche Freiheit" zu lesen. Meine deutschen Freunde hier stimmen mit mir überein." Vir danken Ihnen und anderen für die Anerkennung und werden uns bemühen, ihr mehr und mehr gerecht zu werden. „Unzusriedener Leser Paris". Also diese sehr unpolitischen und harmlosen Anekdoten haben auch in einer gleichgeschalteten Zei» tung gestanden? Durchaus möglich. Deshalb werden sie nicht schlich» tcr, und wir bereuen nicht, sie auch gebracht zu haben. Für Ihr« Aufmerksamkeit danken wir Ihnen. Wenn Sie nie mehr Grund zur Unzufriedenheit mit unS finden, sind wir sehr zufrieden. Arzt aus Berlin. Sie schicken uns die Nummer 11 des„Deutschen Aerzteblattes" vom 17. März und streichen folgende Notiz an:„Die Saarregierung hat an Stelle der deutschen Beamten zahlreiche aus Teutschland geflohen« Verbrecher(Emigranten!!, und zwar hauptsächlich in die saarländische Polizei, eingestellt, die nunmehr ihrem Haß gegen die reichstreue Saarbevölkerung freien Laus las. sen können. Der Genfer SaarauSschuß wird, wenn er sich die Mühe machen sollte, feststellen können, daß die RegierungSkommistion ab- sichtlich rachetürstige Gegner des neuen Deutschlands und gebrand- markte Landesverräter mit„Spezialaufgaben" betraut hat."— Sie sehen, wie trefflich die deutschen Aerzte politisch informiert werden. Emigranten und gemein« Verbrecher— da gibt es keine Qualität», unterschiede mehr. „Deutsche Freiheit" drüben! Einem Privatbrief entnehmen wir: „Bestätige dankend den Smpfang und habe mich sehr darüber ge» freut. Den Inhalt der Zeitung habe ich mir zu Gcmüte geführt und werde noch lange davon zehren und zehren lagen. So etwas empfin- det man wie einen lang entbehrten Lichtstrahl nach endloser Dunkel« heit." „Treue Tante". In Ihrem Briese lesen wir:„Ich kann mir vor- stellen wie Ihr Saarländer nach Erlösung lechzt. DaS geliebte Vater» land erwartet Euch und wirb alle an sein« väterliche Brust drücken. Denn es wird allen wieder gut gehen; wie es uns geht. Der Ar- beiterschast geht es bei uns jetzt schon sehr gut. Jeder opfert so gerne und gibt mit vollen Händen. Ich möchte desgleichen tun, aber meine Unterstützung reicht leider nur zum nackten Leben. RM. 14,70 für drei Personen die Woche, bei SS RM. Monatsmiete. Wenn ich mal an der Reihe bin, kostenlos in die Alpen fahren zu können, wird mein Körper auch bester sich der Umhüllung anschließen. In der Älpenlust werden die bleichen Wangen auch wieder rot werden. Ja man tut vieles für uns arme Menschen. Ich las vor Wochen in der Stadt Esten ein Transparent:„Der ärmste BolkSgenoste soll Ehrengast der Nation sein." Aber nur Gebuli, bald wird auch für Euch die Stunde der Erlösung schlagen. Bis dahin sind wir schon im Himmel." Aaouymer„Schweizer" Forscher. Sie schreiben uns ein« Kart« folgende» Inhalts:„Als Schweizer erlaube ich mir Ihnen gegen- über die Meinung zu sagen, daß Sie der größte Lügner sind, den ich je gesehen habe. Nicht ein einziges Wort^ beruht auf Wahrheit in Ihrer Tchwindelzeitung. Um mich zu überzeugen, ob Sie die Wahrheit servieren, bin ich persönlich in Deutschland gewesen und muß konstatieren, daß die Bevölkerung bester lebt als vorher, allerdings sind die Volksschwindler verschwunden sowie die Inden, die ja nur auf die Dummheiten der anderen Mit- menschen gelebt haben. Ich hoffe es wirb in der Schweiz auch dazu kommen, daß dieser Abschaum der Menschheit verduftet. Im weitern möchte ich Sie gerne treffen in der Schweiz, persönlich würde ich Sie beohrfeigen, Sie gemeiner Schuft. Sin neutraler Schweizer der die Sache ehrlich haben möchte."— Ihre„Forschungen" im„dritten Reiche" übertreffen an Optimismus noch weit die Reben der Hitler und Göbbel». Leider sind Ihre Angaben doch etwa» zu allgemein. Wir laden Sie ein, vor unserem weitverbreiteten Leserkreise die Unterlagen für Ihre grandiosen ökonomischen Entdeckungen zu er- bringen/Bitte, nehmen Sie da? Wort! Bartlett, London: Sie schreiben un»:„Als regelmäßiger Bezieher der„Deutschen Freiheit" drängt es mich, Ihnen ein Erlebnis zu berichten. Bor kurzem war ich in einem großen Kino in der Lon« doner Eitv. Der Zuschauerraum war überfüllt. ES kam die Woche»- schau, mit einem großen TA.-Aufmarsch und unendlich vielen Fah- nen. Alle» sah sich das Publikum ohne die geringste Demonstration on. Da erschien plötzlich Hitler am Rednerpult. Auch jetzt noch kein Laut im Raum. Da begann Hitler zu sprechen, mit seiner drohenden, bellenden, sich überschlagenden Stimme. Plötzlich: Gelächter auS einer Ecke! Es war das Signal zu einem sich reihenweis« sich fort- setzenden, nicht endenden Lachen, vor dem die Stimme des Redner» nahezu unterging. Man lachte immer noch, al» schon da« nächste Bild- gezeigt wurde. Es war eine solch wirksame Ablehnung, ein solcher Hohn In diesem Gelächter, daß darin unendlich viel mehr lag, als in einem lauten Protest. Ich habe in diesen Augenblicken mebr al« je zuvor vom Wesen de» Engländer» begriffen. Er kann die tönen, den und schreienden Worte aufgeplusterter Heldenhaftigkeit nicht ertragen und reagiert durch Ironie." Für den Gesamtinhol» verantwortliche Johann P i tz in Dud» weiler: für Inserate: Qtto Kuhn in Saarbrücken Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH., Saarbrücken X, Schützenstraße 5.— Schließfach 776 Saarbrücken. i