4 " Linzige unabhängige Tageszeitung ventschlauds Kummer 75— 2. Jahrgang Saarbrücken, Freitag Samstag, 30.'31. März 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt 9lUftases Abcüstiuiq&büca Seite 2 !Btumeu auf Waltischs Qcak Seite 3 Ue&ecatC machsende Jbildunqsschichten Seite 7 Jxauen&ciefe aus dem„dritten Reich" Seite 7 Golgatha der Kirchen Reidishisdiof oder Kirchenfflrst?- Katholische Judend wird schwer mißhandelt Konrad Heiden hat in seinem Buch»Die Geburt des Drit» tcn Reiches" berichtet, welche Kräfte den Königsberger Wehr- kreispfarrer Müller auf den Sitz eines Reichsbischofs emportrugen. Er hatte, längst ein Getreuer Hitlers, den Königsberger Wehrkreiskommandeur für den Osak gewon- ncn und ihn bewogen, das Amt des Reichswehrministers im ersten Kabinett Hitler anzunehmen. Dieser Reichsbischof Müller hat von Anfang an das Evan- gelium auf kriegerische Weise gelehrt. Er trat sein Amt an mit der gewaltsamen Verdrängung des bereits ordnungs- mähig zum Reichsbischof gewählten Dr. o. Bodelschwingh. Ein Gottessrreiter mit dem Schwerte Hitlers, dessen ge- treuster Knecht in allen politischen Dingen. Die Geschäfte der evangelischen Kirche im Ablauf eines Jahres ist erfüllt vom tobenden Lärm gewaltsamer Zentralisierungen, von der Ver- gewaltigung der evangelischen Freiheit, von Absetzungen und Ernennungen, bei denen mehr als einmal dem deutschen Protestantismus ein Schisma drohte. Die Welt weiß es, dah die deutsche evangelische Kirche nie- mals ein Wort gegen die Unmenschlichkeiten des„dritten Reiches" gewagt hat. Nicht einmal die Opposition! Aller Streit ging nur immer um die inneren Angelegenheiten. Und dieser Streit findet auch seinen Widerhall in einer Kar- sreitagskundgebung des Reichsbifchofs, die»angesichts der kirchlichen Zersplitterung zur Selbstprüfung und Besinnung aufrufen soll". Noch niemals dürfte es eine kirchliche Kundgebung oe- geben haben, die soll vollkommen abseits von aller Re-'igiösi- tat steht. Sie ist nicht, als eine Polemik gegen diejenigen, die sich unter das vom Reichsbischof ausgerichtete Hakenkreuz noch nicht gebeugt haben. Der Reichsbischos wagt es, die ihm nicht willfährigen Amtsbrüder vor dem Angesicht des Ge- kreuzigten zu befragen: ob es wahr sei, dah sie eine Reihe von ihnen geäußert hätetn, es sei Gehorsam gegen Gott, dem Reichsbischof ungehorsam zu sein. Er, der im Dienste der politischen Macht und der Unterwerfung unter die Totalität eines widerchristlichen Staates die Geihel über seine Amts- brüber geschwungen hat, fordert sie auf, zuerst das Unrecht bei sich selber zu suchen! Er klagt diejenigen an, die die Ein- heit zwischen Nationalsozialismus und Kirche abgelehnt hät- ten, um der Wortverkündigung willen.„So ist cS zu einem kirchlichen Kampf gekommen, denn die grohe Masse des Vol- kes mit Erstaunen, aber je länger, je mehr mit Verachtung und Erbitterung gegenübersteht, denn unsere Volksgenossen khnncn es nicht verstehen, wenn Pfarrer sich streiten. Können wir wirklich vor dem Gekreuzigten die Verwirrung der Ge- meinde verantworten. So heiht es wörtlich in der Proklamation des Reichs- bischofs. Wir haben jüngst sein Bild gesehen. Auf dem schwarzen Talar reiht sich ein Kriegsorden nach dem andern. Wir gestehen, dah wir diesem Reichsbischof keinen Respekt empfinden, wenn er sich auf den Gekreuzigten beruft. Er will, wie er wörtlich sagt, keine Amnesty erlassen, weil die andern den Kamps mit„allen Mitteln" weiterführen wollten. Höch- stens würde man darüber beraten, ob und wieweit die aus dem Dienst entlassenen„aufbauwilligen" Kräfte wieder irgendwie für Kirchenzwecke nutzbar gemacht werden könn- ten. unter der Bedingung freilich, daß sie sich jeder Kirchen- Politik enthielten. Es versteht sich, dah sich diese Milde nicht etwa auf Amts- brüder bezieht, bei deren Enthebung„sta a t sp o li t i sch e Gründe" maßgebend gewesen seien. Hier runzelte sich die Stirn des Herrn Reichsbischofs. Schlimm, wer Kirchenoppo- sition betreibt! Aber tausendfach schlimmer ist und für i.nmti ausgestoßen bleibt, wer aus der gläubigen Entscheidung seines Gewissens die Lehren und die Handlungen der Her^. t des„dritten Reiches" nicht deckte oder gar bekämpfte. Ihn treffe, nach Müllers Willen, die gerechte Strafe der braunen Richter. Am Schlüsse seiner Karfreitagsmahnung nimmt der Herr Reichsbischof endlich die Heilige Schrift zu Hand. Er zitiert aus den ersten Korinthern, Kapitel 1, Vers 17:....„dah nicht das Kreuz Christi zunichte werde". Leider ist das Zitat unvollständig. Vers 17 lautet im Wortlaut:„Denn Christus hat mich nicht gesandt, zu taufen, sondern um das Evange- lium zu predigen, nicht mit klugen Worten, aus dah nicht das Kreuz Christi zunichte werde." Fast scheint es so. als ob es schon zu Paulus Zeiten viele Müllers gegeben hätte. Denn es geht dem Herrn Reichsbischof, wie jede seiner Kund- gedungen erkennen läht, weniger um die Predigt des Evan- geliums als um eine„Taute": um die Verpflichtung für alle seine Amtsbrüder, dem widerchristlichen Hakenkreuz mehr zu dienen, als dem in ihrsm Gewissen aufgerichteten Kreuze, das auf Golgatha Jesus trug. Braucht man dafür noch Beweise? Bergangenen Samstag sprach der Reichsbischof in einer Kundgebung der„Deutschen Christen" in der Dortmunder Westfalenhalle. Hier sagte er wörtlich, daß sich die„Deutschen Christen" von Anfang an über ihre Aufgabe klar gewesen seien, den national- sozialistischen Geist in die Kirche hineinzu- tragen. Der Führer des Pfarrernotbundes, Nie- möller, dessen Suspendierung von seiner Dahlemer Ge- meinde nicht anerkannt wird, protestiert in einem Schreiben an den Reichsbischos dagegen, dah man ihm immer noch nicht die Gründe für seine Amtsenthebung angegeben habe. Er habe, als Vater von sechs Kindern, wohl das Recht zu der Frage, was ihm vorgeworfen werde. Da man ihn nicht ein- mal vor seiner Verurteilung angehört habe, so bleibe ihm nichts übrig, als diese Flucht in die Oefsentlichkeit zu nehmen. Keiner von den Opponenten wird von dem Reichsbischos so gefürchtet, wie der tatkräftige und redegewandte Niemöller, der eine gewaltige gläubige Gemeinde hinter sich hat. Ein- geweihte wollen wissen, dah die ganze Karfreitagsbotschaft Müllers entscheidend gegen Niemöller und seinen Kreis ge- richtet sei, wo man immer wieder betone, den Kampf um die Rückgewinnung der evangelischen Luthersreiheit nicht auszu- geben. In Hagen fand in diesen Tagen eine Bekenntnis- vctsammlung evangelischer Christen statt. Hier sprachen der kürzlich strafversetzte Pfarrer R e h l i n g und der»och im Amt befindliche Pastor Busch aus Witten. Es kam zu heftigen Zusammenstößen mit zahlreichen anwesenden „Deutschen Christen", die sogar zu Tätlichkeiten führten. Major Deutelmoser— vermutlich handelt es sich um den gleichen Major, der im Kriegspresseamt eine führende Rolle spielte— versetzte einem„Deutschen Christen" eine heftige Ohrfeige, die zu einem ungeheuren Tumult führte. Die Polizei erschien und löste die Versammlung auf. Aber auch der streitbare Graf Reventlow vom heidnischen Flügel der NSDAP, ist emsig tätig. Er veranstaltete in einem der größten Säle Braunschweigs, wo bis vor kurzem der wegen Mangel an Beweisen freigesprochene Bischof Baye amtierte, einen Vortrag gegen das Christentum. Die„Deut- schen Christen" waren mit einem mächtigen Aufgebot ge- kommen, aber während sie in der Hagener Versammlung gegen die kirchliche„Reaktion" zu fechten hatten, muhten sie in Braunschweig gegen den revolutionären Wotanskult an- treten. Es kam zu unbeschreiblichen Tumulten, als ihnen die Aussprache verweigert wurde. Zornentbrannt fuhr Re- ventlow nach Berlin zurück und richtete in der nächsten Nummer seines„Reichswart" einen Philippika gegen die „Deutschen Christen", die an Saft und Kraft des Tones nichts zu wünschen übrig lieh.„Ich habe in meinem Leben viele Predigten gehört, und war aber gleichwohl überrascht, daß die zahlreich anwesenden Herren Geist- lichen mit einer Stimm st ärke, die man nur „brüllen" nennen konnte, den Saal mit einem ungeheuren Schimpfen erfüllten".... Man sieht, daß der Kampf um das richtige Evangelium trotz aller Beschwörer hemmungslos weitergeht. Bor diesen Erscheinungen christlicher Liebesbetätigung möchten wir dem Beispiel des Herrn Reichsbischof Müller folgen und gleich- falls aus den Corinthern zitieren, Vers 1 des IS. Kapitels:, „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete und hätte der Liebe nicht, dann wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle." » Dies alles vollzieht sich im Reiche des Protestantismus. Man schließe aber nicht daraus, daß sich der deutsche Katholi- zismus im„dritten Reiche" geborgener fühlt. Jetzt erst wird in vollem Umfange bekannt, bah es am vergangenen Sonn- tag nicht nur zu einem Zusammenstoß, sondern zu einer förmlichen Strahenschlacht zwischen Hitlerjugend und Mit- glieder katholischer Jugendverbände gekommen. Was war ge- schehen? In Henningsdorf bei Spandau waren 200 Jungkatholiken vor der Kirche angetreten, um an einer Feier ihres Verbandes unter priesterlicher Führung mit an- schließender Messe teilzunehmen. Plötzlich stürmten etwa 200 bis 800 Hitlerjungen herbei. Sie waren teilweise mit Dolchen ausgerüstet, die man ihnen jüngst zur Vervollkommnung ihrer wehrsportlichen Ausstattung und zur Steigerung des jugendlichen Heldenmutes gestattet hat, es kam zu einer bei- spiellosen, fast eine halbe Stunde währenden Keilerei, bei der Junge gegen Junge stand. Es gab zahlreiche Verletzte, das Blut floß in Strömen. Die Wahlstatt war mit zerfetzten Uniformteilen, Wanderausrüstungsgegenständen und Spiel- geraten übersät.- Die drei Kreuze Auf dem Hügel Golgatha lag die Stätte der Kreuzigung Christi. In der ganzen Welt gibt es die herzenbezwingenden Passionen, die den gleichen Weg wandeln, von der Peinigung bis zum Opfertod am schmerzensreichen Karfreitag. Dies ist nun der zweite Karfreitag im„dritten Reich"'. Der Passionsweg von Zehntausenden hat sich verlängert. Gestäupte, Gequälte, Gemordete werden sichtbar. Es ist uns nicht gegeben, fortwährend an das Sterben von Menschen zu denken; es tvürde uns alle für die Aufgaben des Lebens untauglich machen. Aber es gehört zu den großen Ewigkeilen im Menschheitszuge, daß nichts vom Tode vernichtet werden kann, was von Wert ist. Dieser Tage erfuhren wir von einem Ereignis in Dresden. Am 26. Februar 1933 wurde ein junger Reichsbannermann namens Haupt in Dresden vor dem Staatlichen Schauspielhaus bei einem Zusammenstoß niedergeschossen. Sein Andenken in der Arbeiterschaft ist unverloren geblieben, weil er als das erste Opfer der„nationalen Revolution" galt. Das Grab dieses jungen Menschen erlebte an dem Tage, an dem sich sein Tod jährte, eine Verwandlung: unter Blumen standen drei Kreuze darauf! Drei Kreuze, nebeneinander, schräg in die Erde gesteckt! Sie waren so gruppiert, daß sie jeden an die drei Pfeile gemahnten, an das niedergekämpfte Zeichen der republikanisch-sozialistischen Freiheitsfront. Dauernd pilgerten Männer und Frauen in unaufhörlichem Zuge an diesem Grabe vorbei. Sie standen davor, senkten den Hut und die Häupter mit den verborgenen und verbotenen Gedanken. Kurz, dieser Dresdener Friedhof wurde zu einer Kirche für Menschen, die von den Kirchen selber vielleicht zu den Ungläubigen gerechnet werden. Diese Kirchen— sie haben geschwiegen in diesem Jahre. Sie schrien nicht und klagten nicht an, als Menschen wehklagten und schrien. Sie marschierten mit im braunen Schritt und Tritt oder schlössen Konkordate, die der eigenen Existenz galten. Die Geschichte wird einmal richten, wer die besseren Christen waren. Vielleichit werden dann Gottlose gekrönt vor dem ewigen Richterstuhle. Denn wer selber nicht mehr glauben kann, sieht dennoch die Symbole und hält den Atem an. Von Herodes bis Hitler— auf der Leichenwüstenei liegen sie in unendlicher Reihe. Aber immer erhebt sich aus dem blutigen Körper die Idee, das Kind der unsterblichen Güte, die die Auferstehung ahnt. Brauchen wir zu sagen, daß sich in der deutschen Presse nicht eine Zeile über die wahren Vorgänge findet? Kühl und bei- läufig wird erwähnt, daß es zu kleinen Reibereien gekommen sei und dah der Berliner Bischof entsprechende Vorstellungen erhoben habe. Man stelle sich vor: Kommunistische Jungens hätten vor der Jnaugurierung des„dritten Reiches" einen solchen Sturm vor einer Kirche gewagt. Welche Kaskaden stürmischer Entrüstung wären durch die Spalten der beut- schen Zeitungen geschäumt! Nicht einmal die katholischen Zeitungen wagen ein Wort der Kritik. Mit sorgenvollen Köpfen sitzen inzwischen die deutschen Bischöfe beieinander, den Augenblick befürchtend, wo durch irgendeinen neuen Gewaltakt die zwangsweise Eingliederung der katholischen Jugend in die Hitlerjugend erfolgt. Schon haben die Spandauer Hitlerjungcn mit ihren Dolchen die blutige Gasse gebahnt... Prangerzug für Kleine Und die Baustoff Wucherer? In Neustadt-Glewe Mecklenburgs wurde ein H a u S- besitzer durch die Stadt geführt mit einem umgehängten Plakat, auf dem stand, daß der Träger Mietwucher begangen habe. Ter Mann hatte Umbauwohnungen, die mit Reichszuschuß erstellt waren, nicht nur zu überhohen Miet- preisen vermietet, sondern sich auch noch einen Mietvorschuß von 300 Mark ausbedungen. Und wo bleiben die Prangcrziige für die großen Tpeku- lanten, die die Preise des Baumaterials in die Höhe treiben? Kein Tyndikatsherr hat etwas zu befürchten. Hitleriken prüfen Nach einer Vereinbarung der Obergauführerin Ostlano des Bundes deutscher Mädel mit den zuständigen Schulbehörden sollen in Ostpreußen BdM.-Führerinnen als Beisitzerinnen bei Abiturientin neneramen und Eignungsprüfungen für die Hochschulreife herangezogen werden. „Umgründung" des Stahlhelms Er kann nicht leben und nicht sterben Das Bundespresseamt deS Stahlhelms teilt die Umgründung dieser seit dem Verrat Seldtes in dauernder Unruhe sich befindenden Bereinigung in einen„Nationalsozialisti- scheu Deutschen Froiitkämpferbund jStahlheliN» mit. Nach den neuen Richtlinien für die Arbeit des Stahlhelms ivird er zu einem Kriegerverein alten Schlages herabgedrückt.»Bon der Obersten SA.-Führung und der Parteileitung wird zugesichert, daß die dem RSDFB. obliegende Pflege soldatischer Tradition und s o l d a r i s ch e r Kameradschaft als vaterländische Ausgäbe und als Mit- nxbcit beim Ausbau des nationalsozialistischen Staates de» Schutz der SA. und der Partei genießt. Wehrsportliche und w e h r p o l i t i s ch e Tätigkeit gehört n i ch t zu dem AusgabenkreiS des NZTFB." Ter Jammcrkerl Seldte wird durch diesen Ukas, der auch von Ouidenburg, Hitler und Rohm gezeichnet ist,»och mehr als bisher schon der Verachtung seiner früheren Kameraden verfallen. Jüdisdier Großvater gesudif Der Wunsch der deutschen Erbhofbauern War für die deutschen Beamten bis jetzt im«dritten Reiche" das Wertvollste, eine arische Großmutter nachweisen zu kön- ncn, so scheint es bei den Bauern jetzt wertvoll zu werden, nachzuweisen» daß eine seiner weiblichen Ahnen sich irgendwann und irgendwo einmal mit einem Inden eingelassen habe. Tie Ursache Ist das Erbgcsctz. Bekanntlich kann dincn Erb- hos nur erhalten, wer deutscher Bauer ist. Wiederum wird nur ausgenommen in dcii Bauernstand, wer nachweist, daß lein jüdisches Blut in seinen Adern stießt. Aus allen Teilen des Reiches kommen nunmehr die Meldungen, daß die Bauern in der vorgeschriebenen Ahnenreihe suchen, ob nicht die Mutter, Großmutter oder eine der Urgroßmütter sich in einer schwachen Stunde einmal mit einem Juden ein«- lassen haben. Gelingt es ihnen festzustellen, daß vielleicht eine ihrer Ahnen sich mit dem zum Hofe oder zum Torf gehören- den Biehjuden eingelassen hat, so freuen sie sich wie der Bc- amte, der nachweisen kann, daß er eine arische Großmutter hatte. Quietschvergnügt schreiben sie der zuständigen Behörde: «Ich komme für die Aufnahme in den deutschen Bauern» stand nicht in Frage, da meine weibliche Aorsahre soundso mit dem Inden sonnds» sich eingelassen hatte." Dadurch ist die Aufnahme in den deutschen Bauernstand nicht möglich, aber noch wichtiger ist: Das Erbhofgesetz kann nicht angewandt werden. Gelächter geht schon bereits durch einen Teil der deutschen Vanerndörfer, wenn so ein Glücklicher, auf seinen Stockzäh» ncn lachend, sagt:„Ich Hab ein Iud gesunden, nun können sie mich.. nachzulesen im Götz von Berlichingenj. Wie grüßen die luden? Jedenfalls nicht„deutsch" Der Treuhänder der Arbeit. I o h a n n e s C n g e l. hat sich den»Osram-Rachrichten" zufolge bei einer Feierabend- kundgebuug im Berliner Sportpalast d a g e g cn gewandt, daß in den Betriebe» vou den Juden der„deutsche Gruß".an- gewandt werde. Tie Juden rechneten nicht zu den dcaitschen Volksgenossen,' folglich sollten sie auch-den deutschen Gruß nicht anwenden und weder„Heil" noch„Heil Hitler".sagen. Es bleibt ihnen überlassen, wir sie grüßen wollten. Meuterische Befriebsführer „Der Deutsche" gegen die Reichsregierung Berlin, 20. März. TaS offizielle Organ der„deutschen Arbeitsfront"„Der Deutsche" veröffentlicht heute eine Anschrift ans Franken, in der die Frage gestellt wird: „Kann ein Jude der Betriebsiührcr einer deutschen Gciolg- schait sein?" Die Zuschrift v e r n e i n t dies« Frage. In einer redaktionellen Borbemerkung sagt„Ter Deutsche", daß auch er grundsätzlich der Meinung sei. daß Juden als Führer deutscher Arbeiter nicht in Frage kommen könnten. Sowohl die aus dem Streicher-Streife ans Franken stammende Zuschritt wie die redaktionelle Stellungnahme des „Deutschen" sind eine Auflehnung gegen die Reichsregierung, die am 12. März amtlich bekanntgegeben bat. daß auch Nicht- arter ebenso wie Arier Betricbsftlhrer werden können. Die„Auflehnung" ist allerdings ganz ungefährlich. Streicher und der„Deutsche" wissen, daß die amtlichen Erklärungen Bas hilflose„Abriisfungsbüro' Sdielntagung am 10. April London, 29. März. Bei seinem Zusammentritt am 19. April wird sich das Büro der Abrüstungskonferenz seinem ur- sprünglichen Programm gemäß mit der Abänderung des englischen Abrüstungscntwurfs zu beschästigen haben. „Times" weist darauf hin, daß Hcuderson gegenüber den neuerdings ausgesprochenen Zweifeln, ob die Einberufung des Büros unter den gegenwärtigen Umständen ratsam sei, dem Datum des 19. April festgehalten habe, da dem Büro an sich eine bestimmte Aufgabe vorlag. Es habe den Auttrag erhalten, den englischen Bcreinharungöcntwurf gemäß den Vorbehalten umzuarbeiten, die bei der Erörterung der Kon- vention im Hauptansschuß von verschiedenen Ländern bezüg- lich mehrerer wichtiger Punkte sowie bei den inzwischen durch- geführten diplomatischen Besprechungen' gemacht mordest seien. Das Büro werde daher möglicherweise beschließen, die Umarbeitung deS englischen Entwurfs fortzusetzen, um da- durch ein Programm für den HauptauSschuh der Abrüstungs- konierenz vorzubereiten. Auf jeden Fall werde Henderjon bei dem Zusammentritt des Büros am 19. April eine Erklä- rnng abgeben. Ter diplomatische Mitarbeiter des sozialistischen„Tailn Herald" weist darauf hin, daß das Büro keine Bollmachten habe, von seinem Programm abzuweichen. Wenn der eng- ljsche Entwurf ausgegeben und ein neuer gewacht werden sollte, dann könne daS Büro nicht ohne neue Anweisung ar- Veiten. Irgendeine Anregung dieser Art würde die sofortig« Einberuiung der Bollkonferenz erforderlich machen. PariS, 29. März. Die englisch« Regierung hat in Paris eine Rote überreichen lassen, in der um näheren Ausschluß über gewiss« Punkte der letzten französischen Antwortnote gebeten wird. England nnd die Sanhtionen Vondon, 29. Mär». Zu den Besprechungen zwischen Bar- t h o u und.H o m ans in Brüssel meldet der Pariser Bericht- erstatte? ReuterS, daß hierbei insbesondere die Mittel erör- tert worden seien, wie die Garantie» des Locarno- nnd Nsteinlandpakteo im Notfall rasch wirksam gemacht werden können. Es sei beschloß«« worden, daß die zuständigen Be- Hörden in Frankreich und Belgien zusammen die Mittel pkü> fen sollen, durch die die Anwendung dieser Pakte elastischer gestaltet werden kann. In der Reutcrmeldung wird betont, daß England als Garant des Locarnopaktes direkt an diesen in Brüssel aui- geworfenen Gesichtspunkten interessiert sei. Die von Barthou und Hiiinans zur Sprache gebrachten Fragen würden in ihrer Anwendung auf England bedeuten: wie schnell kann man im Notsall aus die Hilse der englischen Flotte, der Lust- strcitkräste und der Armee rechnen? Reuter meldet aus Paris, daß sich der englische und der französische Standpunkt in der S i ch e r h e i t s f r a ge nunmehr einander annähern. Die Franzosen gäben jetzt zu, daß die Sicherheitsfrage aus das Problem der„AusführungS- garantien" hinauslaufe. Ter Londoner französische Botschaf- ter Eorbiu habe, wie verlautet, dem englischen Außenmint- ftcr versichert, daß Frankreich eine Begrenzung der AuS- ttihruiigSgarantie auf Europa einschließlich Rußland zulassen würde. Der Pariser Berichterstatter der„Time S" meldet, daß die Londoner Besprechungen zwischen Sir John Simon und dem französischen Botschafter Eorbin über die französische Note in Paris zwischen dem englischen Botschafter Lord Tur- rell und der französischen Regierung fortgesetzt werden. Zu den Punkten, über die die englische Regierung weitere In- sormalionen anfordere, gehöre die Ansicht der französischen Regierung über die möglichen gcvgraiischen Grenzen einer Konvention. Man Mine annehmen, daß in Paris keine Ein- Wendungen gegen den Grundsatz gebietsmäßiger Garantien erhoben werden, lieber die Frage der Garantien selbst könne kein Zweifel bestehen. Nach französischer Ansicht müsse jeder ernsten Verletzung einer Konvention durch einen Unterzeich» nerstaat in iolgeuder Reihenfolge durch die anderen Unter- zeichnerstaaten-entgegengetreten werden: l. Diplomatisch« Borstellungen, i. finanzielle nnd wirtschaftliche Sanktionen nnd S. Krieg. Der Berichterstatter meldet weiter: Es besteht Grund zu der Annahm«, daß bei einer ungefähren Beibehaltung des jetzigen französischen RüstiingSstaiidcS die französischen Wehr- Ministerien keine Ein wen dun gen gegen eine Konvention er- beben würden, die eine gewisse deutsche Wiederaiisrüstuny zu läßt unter der Voraussetzung, daß dies« Konvention voll garantiert werde. der Reichsregierung zur Iudensrage niirzurTäiiichung deS Auslandes bestimmt sind Und seder Nazi- funktional der am wirtschaftlichen Ruin der Juden arbeitet, dem großen antisemitischen Osas sehr angenehm ist. Sie pleiten aul den nillergruß Aufrecht ins Konzentrationslager Am 21. Mär» hatte sich in der Zeche König Ludwig 1 und 2 inReckling Hausen die gesamte Belegschaft versammelt, um der Uebcrtragung de» Festaktes in Unterhaching beizu- . wohnen. Beim Absingen des Deutschland- und Horst-Wessel- LiedeS erhoben zwei Diplomingenieure, wie die„R hei- ii I i ch> W e ft i ä l i i ch e Zeitung" berichtet, absichtlich sticht die Haitd zum deutschen Gruß, wodurch sie das aus die Bollsgemeinschait gerichtete Empfinden der Versammlungsteilnehmer in provozierender We i se verletzt hätten. Aus diesem Grunde habe die Staatspolizei- stelle Recklinghaitsen die beiden Diplomingenieure in ,S ch u tz ha f t genommen. Pas Neueste Mit dem 1. April 1A1I tritt in Deutschland die neu« Markt» regten« über die Ersassung und den Berkehr mit Hühner- eiern für dao gesamte Reichsgebiet in Kraft. In einem Mansardcnschiaszimmer in W up vertat, in dem sich zwei Kinder im Alten von S'/» und fites Jahren ohne Aussicht befanden, brach am Mittwochabend Feuer aus. Die Feuerwehr konnte die Kinder, die sich in ein Bett in der Nähe der Tür verkrochen hatten, nur als Leichen bergen. Die Kinder find wahrscheinlich im Rauch erstickt. Man»ec, mutet, daß die Kinder mit Streichhölzern in einen Kleider» schrank geleuchtet haben, um sich dort ihren neuen Anzug anzusehen. Der französische Detektiv Peudepince und der Juwelen» sackverständige Seror sind am Donnerstag früh nach Par»s zurückgereist. Ii« haben etwa 69 big 69 Lichtbildausnahme« von Schmuckstücken mit sich genommen, die mit dem Bcr- kauf der Staoiskyschcn Schmuckstücke in Zu- sammenhang stehen. In diesen Dokumenten, so meldet der„Daily Herald", kämen die Namen mehrerer Franzosen vor, die etwas mit den Transaktionen zn te» hätten. Es sei daher mit neuen gerichtlichen Maßnahmen zu rechnen. U. a. sei es wahrscheinlich, daß in den nächsten Tagen einer der reichsten Männer Frankreichs verhaftet werde. Sete Name werde vvrläusig noch geheimgehalten. In der in Nordsrankreich gelegenen Stadt Leerd geriet anscheinend durch Kurzschluß«ine Handtechwrberei in Brand. Infolge mangelnder Wasscrzusuhren konnte« die aus Ron- bair zur Unterstützung herangezogene» Fenerwehrstute die Fabrik nicht retten. Sie brannte oölliq ans. Der Jachschaden belänst sich a«f vier bis süns Millionen Franke». Das Marinekriegsgericht in Tonlon hat zwei Matrosen der Kriegsmarine freigesprochen, die bei einer nächtliche» Schlägerei im Oktober l»»! e'nen Arbeiter töteten und eine» Matrosen der Handelsmarine verletzten. Die angeklagte» Matrosen der Kriegsmarine machten geltend, daß sie in Not, wehr gehandelt hätten, und das Gericht schloß sich dieser Aus» sassung aus Grund ihres gute» Leumundes an. Die spanische Regierung bat dem Parlament einen Gesetz- entwnrs zur Bekämpfung des Berbrechertumö vorgelegt, der die Wiedereinführung der Todesstrafe für die Dauer etees Jahres vorsieht. Ans einer Versammlung der Mosley-Faschisten in Bristol (Englands kam es am Mittwochabend zn schweren Unruhen. Bor der Berjammlungshalle hatten sich Hunderte von Üom- muiilften angesammelt, die Störungsvcrjuche unternahmen, tätlich gegen die Moslcyoiihäiiger vorgingen und das Bcr- jammiungsgebände zn stürmen versuchten. Mehrere Koni» mnnisten mußten mit Gewalt ans dem Saale entfernt wer» den. Starke Polizeikräste stellten die Ordnung wieder her. Fünf Personen wurden verletzt, davon zwei schwer. llonohelträger nnd Etappenschweine Klagen des winlerhlilswerhs In der„Anhaltischeii Tageszeitung" klagt ein stellver- tretender Stabsleiter Selig: „Seitens verschiedener höheren Beamten und Angehörigen ähnlicher Kreise müssen wir oft in nicht mißzuverstehender Art und Weise Bemerkungen hören, die eine offen« Resistenz gegenüber dem Wiiitcrhilfswcrk klar erkenne» lassen. ES ist tatsächlich so weit, daß Sammler und Sammlerinnen schwer zu bewegen sind, in den sogenannten besseren Kreisen Saniiii- lungeii durchzuführen, nuc so mehr, als es zuweilen auch an persönlichen beleidigenden Aeußerungen nicht mangelt. Sieht man sich die Listen zum Eintopfgericht an, so kann man die Feststellungen treffen, daß Regierungsrätc, Direk- toren, höhere Offiziere usw. Beiträge zeichne», die in de« meisten Fälle» absolut nicht dem Einkommen entsprechen und auck in keine», Verhältnis stehen zu der Spende des kleinen Mannes. Ich habe bei der Einsammlung der letzten Eintopfgerichi- spende die Anweisung gegeben, daß jede Haushaltung einen kleinen Beirag mehr spenden-möchte, als es in dem Monat Dezember der Fall gewesen ist. Gerade die Kreise, die unbe- dingt dazu in der Lage gewesen wären, haben diese Weisung nicht beachtet und erklärt, daß sie finanziell nicht dazu in der Lage seien, auch nur 5. ober 10 Pfennig mehr z u geben. Anläßlich der Nageteng des Adlers habe ich nLch persönlich davon überzeugt, baß höhere Beamte, die mir persönlich bekannt sind, sich schweren Herzens entschlossen haben, einen Nagel für 19 Pfennig bzw. 50 Pfennig einzuschlagen. Verschiedene Gastwirte haben mich wiederholt daraus hin- gewiesen, daß ihre Angestellte» vergeblich versuchten, bei Gästen, die den„besseren" Ständen angehöre», den Winter» Pfennig zu bekommen. Andererseits gibt cS aber auch Gastwirte, die von sich auS unserer Sammelbüchse nicht die Aufmerksamkeit schenken, die ihr zukommt und sich nicht entsprechend einsetzen. Zur Rede gestellt, erklären mir. diese Volksgenossen, daß ihr Geschäft darunter leiden würde, wenn sie sich für die Aktion zugunsten des Winterhilsswerks«m setzten, wie- ich es wünsche. Bemerkenswert ist ein Vorfall, der sich in der hiesigen „Harmonie"(Magdeburgl zugetragen hat. Tort tagte der „Deutsche Herren-K lnb". Ich hatte meine Genehmigung dazu erteilt und auch die Genehmigung des AbschnillleiterS Krause eingeholt, daß anläßlich dieser Zusammenkunft eine Sammlung für das Wmterhilssiverl stattfinden tonnte. Ter Oelonoin verhielt sich den Sammlern gegenüber ablehnend und wies daraus hin, baß die Versammlung hinter ver- schlössen«!: Türen stattfände und er erst die Genehmigung des Versammlungsleiters einholen müsse..Es gelang den Lamm- lern nicht, den Saal zu betreten, und diese entschlossen sich, in der Garderobe Ausstellung zu nehmen, nni die Fortgehenden um ein Ovkcr zu Hilten. Einige Herren spendeten insgesamt 6,60 Reichsmark(darunter auch«In Herr mit einem eingeklemmten Monokel einen einzigen Pfennigs. Als die zurückbleibenden Herren auf die Sammler aufmerksam gemacht wurden, kamen zwei Herren und spendeten 199 Reichsmark." Wir kennen sie ans dem Kriege zur Genüge/diese Sorte Helden. Und heute? Es gibt auch heute noch solche„Etappen- schwellte", nur nennen wir sie jetzt nicht mehr mit diesem kerndeutsch:« Wort, sondern wir bezeichnen sie ganz zart als„Spießbürger". Es ist heute auch noch Krieg, der Krieg nämlich gegen Hunger und Kälte. Es gilt in diesem Krieg««ich:, sein Leben und sein Blut zu opfern, sondern nur eine Kleinig» keit zu spenden. Davon drückt man sich, selbst einem sammelnden Kinde die fade Enrschuldigung:„Ich habe schon gegeben" zn sagen und wissen nicht, wie klar Kiuderaugen in diesem Falle sehen. Tie Spießbürger besitzen die Takttesig» keil, dem Sammler für das Eiiuopsgerichi ihre Anwesenheit zU leugnen oder ihn wie einen Bettler abzufertigen.-30, wir kennen unsere Spießerz sie wissen es. aber irotzdem„kneifen^ sie bei jedem Gesccht gegen die Not, beziehen schleunjgß Druckposten, wen» das Winterhilsswerk zu neuem Sturm» angriff ausruft. f Das„Krülidien" hornrni wieder Auch äußerlich zurück zum Untertanen-Geist Berlin. 2R. März. Nach einer neuen Verfügung des Reichs- wehrministcrS wird anstelle der bisherigen Feldmütze mit Tnchschirm für Unteroffiziere und Mannschaften die Feld- mühe ohne Schirm in ähnlicher Form, wie sie in der alten Friedensarmee getragen wurde, wieder eingeführt. Der Offizier trägt in Zukunft zum Fclbanzug eine weiche Feld- mütze mit glattein Schirm in Form der bisherigen Dienst- mtttze mit einem aus weißem Tuch gestanzte» Eichenlaub- kränz. Ist das Begeisterung? Wir lesen im„Angriff" des Dr. Göbbels vom 23. März: Mit dem scharfen Erlaß, den der preußische Justizminister HansKerrl der Bekämpfung des Denunzianten- tums widmete, ist eine ernste Warnung ausgesprochen worden, die sich leider als notwendig erwies. Waches Interesse für die politischen Dinge, sachliche Kritik, die fördert, anregt und gute Ideen bringt, ist etwas sehr Wünschenswertes und wurde von dem Führer des neuen Reiches wiederholt gefordert. Es ist das Recht der deutschen Oeffentlichkeit und besonders der Angehörigen der alten Kämpferarmee Adolf Hitlers, an ihrer Stelle die Augen offen zu halten und darüber zu wachen, daß die Gewinne der nationalsozialistischen Revolution nicht ver- geudet, daß die Idee des nationalen Sozialismus nicht ver- raten wird. Solche sachliche Kritik erhält ihre Berechtigung aber nur durch eingehende Kenntnis der in Frage stehenden Materie und durch unvoreingenommene gründliche Prüfung des etwaigen Mißstandes. Aeußerungen - so ehrlich erregt und gutgläubig sie auch vorgetragen wer- den—, die diese Boraussetzungen entbehren, verlassen das Gebiet der erlaubten und ge- forderten Kritik und verdienen die härteste, verächtlichste Bezeichnung, die das deutsche öffentliche Leben kennt: Denunziantentum. Verleumdung, Ehrabschneiderei— Hetze! Die mit Recht zu Wächtern der Revolution Gewordenen, die Mitglieder der alten braunen Garde, werden sich solch einer schimpflichen Handlungsweise nie hingeben können. Die Idee, die ihrem Leben Sinn und Inhalt gab. hindert sie für immer daran. Die Verüb« solcher Niedrigkeiten sind vielmehr unter den N e u l i n g e n des Nationalsozialist mus zu suchen, die noch immer der Gewohnheit ergeben sind, zu reden, bevor sie zu denken begonnen haben. Wenn es sich nicht gar um kleinliche Gegner des neuen Staates handelt, über die kein anderes Wort zu verlieren ist, als das „Schuldig!" der Gerichte. Die als Meister vom Himmel Gefallenen jedoch, denen eine Spur guten Willens zugestanden sei, sollen sich durch diese ministerielle Warnung zum Denken vor dem Reden bewegen lasten. Sie sollen sich sagen lassen, daß abfällige Aeußerungen über im öffentlichen Leben stehende Personen oder gar über Ein» richtungen unseres Staates dazu angetan sind, das für das Gelingen des Aufbauwerks unseres Führers unerläßliche Vertrauen des Volkes zum Staat zu erschüttern, daß damit schlimm st e Sabotage betrieben und die Sache der im Auslande heyendenEMigranten gefördert wird. Diese Kurzköpsigen mögen einsehen, daß sie— unbewußt— in die Reihen der Feinde des Vaterlandes eintreten und somit, wie Selbstmörder, ihr eigenes Glück und das ihrer Kinder zu verhindern be- müht sind. Der nationalsozialistische Staat ist wahrhaftig stark ge- nug, sich eines solchen Verrates am Vaterlande zu er- wehren. Und das gesund empfindende deutsche Volk wird über diese Verleumder den Stab brechen. Denn für den Denunzianten hat es weniger Verständnis als irgendeine andere Nation, nennt sein Mund ihn doch den größten Schuft im ganzen Land. Es mutz übel stehen um die Stimmung in breiten Schichten des deutschen Volkes, wenn solche Drohungen gegen die Kritik von Mund zu Mund ausgestotzen werden. Und es mutz auch übel stehen um die innere Kraft eines Staatswesens, das erst die Kritik der Presse getötet hat und dann die Kritik am Biertisch und im Familienkreise mit solch geradezu hysterischer Angst verfolgt. Denn in- dem der„Angriff" diese Kritiker heuchlerisch Denun- zianten nennt, fordert er selbst— wenn auch nicht direkt — zu nichts anderem als Denunziation auf. Die Kleinen sollen sich gegenseitig denunzieren, damit die Hitler und Göring vor Widerspruch sicher sind. Wir gehörten nie zu denen, die dem„dritten Reich" bei jedem Schwächezeichen bereits sein baldiges Ende voraussagten. Aber wir stellen wieder einmal fest, datz es innerlich schwach sein mutz: viel schwächer jedenfalls, als es vor der Welt tut. Wenn man diesen Staat sieht, der von jedem Luftzug der Kritik Zahnschmerzen bekommt, dann hat man fast wieder Respekt vor der sonst so gar nicht respektablen Weimarer Republik. Gdbbels räumt eine Position Sein««Angriff** erleidet eine schwere Niederlage DN8. Berlin. 28. März.„Der Angriff" veröffentlicht eine Mitteilung an seine Leser, in der es heißt, daß sich ter Zentralverlag der NSDAP. Franz Eher Nachf. G. m. b. H. entschloffen habe, den„Angriff" mit Wirkung vom IS. Aprll 1984 unmittelbar in den Zentralverlag einzugliedern. Diese Neuorganisation mache die Liquidation des Berlage« der Angrifs-G. m. b. H. erforderlich. Im Einvernehmen mit Reichsminister Dr. Göbbels, dem Gründer des„Angriff", habe der Zentralverlag alle Vorbereitungen getroffen, um den Angriff unter Wahrung seiner Tradition als revolutionäres Kampfblatt der Bewegung in Berlin zur führenden nationalsozialistischen Abendzeitung der Reichshauptstadt zu machen. Der Redaktionsstab, der künstig der Gesamtleitung des Chefs der Zentralschriftleitung, Pg. Weib, unterstehe, werde entsprechend den Aufgaben neu organisiert." Alle schönen Worte helfen nicht über die Tatsache hinweg, daß Herr Göbbcls eine Schlappe erlitten hat. Zwar wird in der vorstehenden Meldung behauptet, daß die Liquidierung des„Angriff"-Berlages„im Einvernehmen mit Reichs- minister Dr. Göbbels" erfolgt sei— Eingeweihte wisse» jedoch, daß es mit diesem„Einvernehmen" eine merkwürdige Bewandtnis hat. Schon zu der Zeit, als Verhandlungen geführt wurden die Verlegung des„Völkischen Beobachter" von München nach Berlin, hat sich Göbbels mit aller Eni- schiedenheit gegen diesen Plan eingesetzt, weil er die Kon- kurrenz für sein Blatt fürchtete. Man hat sich dann darauf geeinigt, den„Völkischen Beobachter" in München und in Berlin erscheinen zu lasten. Trotz dieser Konzession ist der „Angriff" des Herrn Göbbels von dem eigenen Partei- Konkurrenzunternehmen vernichtend geschlagen worden. Im übrigen ist die Liquidierung des„Angriff", der „aktivistischen, lebendigen und modernen" Berliner Zeitung, ein erneuter Beweis dafür, baß das Interesse der deutschen Leser an den parteiamtlichen Naziorganen immer mehr zu- sammenschrumpft. Jedenfalls ist dieser Kommentar zu der Feststellung, daß die„NS.-Preste seit der Machtergreifung Hitlers ihren Leserkreis unaufhaltsam erweitert" habe, beut- lich genug. Sterbende Zeitungen Berlin, 28. März. Ueber die bevorstehende Einstellung weiterer Zeitungen berichtet heute die„Deutsche Allgemeine Zeitung" aus Augsburg: Die im Köstel-Verlag in München erscheinende„Allgäuer Zeitung" mit ihren selbständigen Äopsblättern„Kausbeurer Bolkszeitung" und„Lindauer Volkszeitung" stellt am t. April ihr Erscheinen ein. Da6 im 81. Jahrhang erscheinende„Lindauer Tageblatt" wird mit der nationalsozialistischen„Lindau« National Zeitung" verschmolzen. Zwei Fronten Scheidung der Geister an der Saar Bon H. Petri. M. d. L. I» den letzten Wochen und Monaten ist in der Saarbevöl- kerung ein Reknigungsprozeß im Gange, der hoffentlich erst dann sein Ende erreicht, wenn die hundertprozentige Rei- nigung und Klärung der Geister vollzogen ist. Eine be- sondere„deutsche Front" hat sich gebildet, worin jeder Saar- deutsche ein besonderes Bekenntnis ablegen und unter- schreiben muß, datz er Deutscher ist. Diejenigen, die dieses besondere Bekenntnis nicht ablegen, gelten nicht als voll- wertige Deutsche. Die deutsche Sache an der Saar ist an- scheinend nicht in guter Verfassung, sonst brauchten derartige besondere Bekenntnisse wohl nicht abgelegt zu werden. Sind nationale Gefühle so oberflächlich, daß sie jeden Tag neu ein- gehämmert werden müssen? Eigenartige Stimmungsbilder bieten die Fahnenparaden im Saargebiet. Parolenmäßig werben Fahnen ausgehängt und eingezogen. Eine Fahrt durch das Saargebiet an einem solchen Flaggentage gibt Aufschluß über die bestehenden zwei Fronten. Die Fahnenparolen werden befolgt von vielen Geschäftsleuten, die zum Teil vom„dritten Reich" begeistert, zum Teil gute Miene zum bösen Spiel machen wollen, weil sie befürchten dem Boykott ausgesetzt zu werden, wenn sie bei der Flaggenparade fehlen. Die nächste Kategorie der Fahnen- hisser sind die freien Berufe und Beamten. Von den Arbeiterhäusern sind im besten Falle S Prozent mit Fahnen geziert. . Wenn also das Fahnenbild gleichzeitig als politisches Stimmungsbild gelten soll, so können die beiden Fronten als zwei gleichstarke Gruppen der Saarbevölkerung an- gesehen werden. Die ursprüngliche Deutsche Front, die sich aus 98 Saardeutschen aller Parteien zusammensetzte, ist von Hypernationalisten gewissenlos zerschlagen worden. Die Pa- rolen„Deutsche gegen Deutsche" des„dritten Reiches" haben ihre Wirkungen auf das Saargebiet nicht verfehlt. Deutsche gegen Deutsche demonstriert das Zerrbild der beflaggten und nicht beflaggten Häuser im Saargebiet. Und diese sich in Haus und Rache gegenüberstehenden Deutschen sollen eine Volks- gemeinschaft verkörpern und der Welt verkünden, wir wollen zurück zu unserem Vater- und Mutterlande. Wie paradox das klingt. Kann dieser Teil der Saarbevölkerung, deren Gesinnungsfreunde in Deutschland um Leben und Freiheit und Ehre um das gleiche Staatsbürgerrecht gebracht wurden, die, obwohl sie ihre Pflichten für das Wohl des Volkes nach bestem Wissen und Gewissen getan haben, geächtet, geschmäht, verfolgt und vertrieben werden, leichtfertig hinwegsehen und für die Rückgliederung in dieses Vaterland begeistert sein. Es müssen schon eigenartige Charaktere sein, die das ver- mögen, die ihre Kampfgenossen, die im Kamps um Mensch- heitsideale eine Niederlage erlitten haben, verleugnen, im Stiche lassen und nun mit dem siegreichen Gegner lausen, die gestern noch aus voller Kehle„Rotfront" oder„Freiheit" oder „Fester noch nach jedem Sturm steht der Zentrumsturm" und am nächsten Tage seelenlos„Heil Hitler" rufen. Ueber- läufer, Deserteure, politische Schmetterlinge und Speku- kanten gibt es leider bei politischen Machtänderungen. Solche Feststellungen wird auch die Hitlermacht einst machen müssen. Diese Torte Charaktere ist im Saargcbiet leider zahlreich vertreten. Sie zieren die neu etablierte„deutsche Front". Viele von ihnen wollen die günstige Gelegenheit wahr- nehmen, als ehemalige Saarbündler, als Micumleute ihr beflecktes deutsches Schild reinzuwaschen. Anderen ist das so tapfere Herz, für den wahren Sozialismus zu kämpfen und auch das Aeußerste in seiner ganzen Person dafür einzu- setzen, reichlich vorher in die Hose gefallen. Sie werden in der Hitlerfront dieselben Jammerlappen sein. Die aufrich- tigen, überzeugten und wahren Charaktere sind in der natür- lichen deutschen Front stehen geblieben. Sic haben die Probe für ihre Staats- und Weltanschauung, der sie durch einen unerhörten psychologischen Druck im Privatleben, in kirch- licher und weltlicher Organisation unterzogen wurden, be- standen. Diese deutsche Freiheitsfront im Taargebiet wird ihre Stellung behaupten und erweitern. Sie wird mit klarer Ueberlegung und Besonnenheit den Weg zum wahren und echten Sozialismus gehen. Sie wird ihr Deutschtum nicht oerleugnen und sich mit jedem Deutschen von edler und ge- rechter und wahrhaftiger Gesinnung identisch erklären. So unterscheiden sich die beiden Fronten im Säargebiet: Auf der einen Seite die neugebildete, durch Druck und Terrormaßnahmen zusammengetriebene„deutsche Front". Sie ist ein willenloses Instrument in den Händen des Unternehmertums und scheut sich nicht, ihre kapitalistischen Handlangerdienste mit einem sozialistischen Mantel zu ver- brämen. Sie geht den Weg, den die Blutspur des deutschen Faschismus vorzeichnet, den Weg. der nicht nur in Not und Elend, sondern unzweifelhaft in Krieg und Verderben führt. Ihr gegenüber steht die„Deutsche Freiheitsfront", die den Weg zu einer wirklichen sozialistischen Gesellschaft aufzeigt, die mit aller Leidenschaft die Freiheit als das höchste Gut verteidigt und Friede und Wohlfahrt im gemeinsamen Streben mit anderen Völkern für alle Zukunft erhalten und gestalten will. Russlsdi-mdiidsdiiirisdier Streif Die fernöstliche Wetterecke Charbi«, 29. März. Neun räterussische Angestellte der ost- chinesischen Eisenbahn sind von den mandschurischen Behör- den auf russisches Gebiet abgeschoben worden. Sie werden der kommunistischen Propaganda und regierungsfeindlicher Ver- schwörungen beschuldigt. Der russische Generalkonsul hat beim mandschurischen Außenminister schärfste Verwahrung eingelegt, da die Bezichtigungen, wie er sagt, grundlos seien. Proletarlsdies Golgatha Blumen auf Wallischs Grab „Man muß zu jeder Tat bereit sein, aber auch bereit, sein, sich zu opfern." Wallisch vor dem Standgericht. Der OND. erhält aus Steiermark den Bericht über die Rede, die K o l o m a n W a l l i s ch, der Märtyrer der steirischen Arbeiterschaft, vor dem Standgericht ge- halten hat: Auf die Frage des Vorsitzenben des Stand- gerichts:„Fühlen Sie sich schuldig?" antwortete Wallisch: „Wenn Ttarhemberg schuldig ist, bin ich es auch. Die Ar- beiterschaft wurde unerhört provoziert. In St. Lorenzen wurden wir von der Heimwehr angegriffen. Auf dem Felde blieben vier Tote, die Angreiser ginge» straffrei au». Beim Pfriemerputsch wurden zwei Schutzbündler getötet, auch diese Mordtat blieb ungesühnt. In den letzten Jahren sprach Starhemberg die Sätze:„Köpfe müssen in den Sand rollen, einer muß liegen bleiben. Kampf bis aufs Messer." Ueber den Aufstand sagte Wallisch:„Seit Ausschaltung des Parlaments befanden sich die vollziehende Gewalt und die Gesetzgebung in einer Hand. Der BerfassungsgerichtSoof ist ausgeschaltet, die Wahlbestimmungen der Arbeiter sind beseitigt Die Folgen blieben nicht aus. Die Arbeitslosenversicherung wurde verschlechtert, die Unterstützung von MW auf 58 Wochen gekürzt Die Personalvertretungen der Post- und Bundesangestellten wurden ausgeschaltet, die Presse- und Versammlungsfreiheit aufgehoben, die Betriebsräte in den Bundesbetrieben wurden ausgeschaltet. Waffensuchc folgte aus Waiiensuche Dann kam die Auflösung des Schutz- bundes und dann folgte die Bewaffnung der Heimwehr. Selbst Verbrecher wurden gegen die Arbeiter unter Waffen gestellt. Es folgte die Verstärkung der Exekutive und die Bildung des Schutzkorps ohne gesetzgebende Körperschaft. Die Partei zeigte immer Friedensbereitschast und wollte an der Herstellung normaler Verhältnisse mithelfen. Es folgte aber die Herausforderung der bewaffneten Heimwehr in Tirol. Die Gefahr der Auslösung und des Verbotes der Partei kam immer näher. Die Arbeiter wurden durch diese Verhältnisse förmlich in den Ausstand gezwungen. Sie waren bereit, die Verfassung vor den Meineidigen zu schützen und ihre Rechte zu verteidigen. Ich habe nicht die Absicht, mich von irgend einer Sache zu drücken Was ich gesagt und getan habe, dafür stehe ich unter allen Umständen ein. Die Brucker Arbeiter haben mir, als ich nach Graz versetzt wurde, gesagt: Ja, jetzt wo es ernst wird, fahrst Du weg. Darauf habe ich ihnen erklärt, wenn es wirklich ernst wird und die Arbeiter kämpfen müssen, dann werbe ich dabei sein. Ich habe in dieser Stunde zu meinen Leuten gehört und damit mein Wort eingelöst. Ich weiß genau, baß ich verurteilt werden muß. Ich bettle nicht um Gnade, ich brauche keine Gnade Ueber den 19. Februar 1984 wird die Weltgeschichte, wird die Arbeiterschaft urteilen. Dieser Tag wird allerdings nicht in Ehrenlettern in der Geschichte der Leobner Justiz angekreidet sein. Seit meinem IL Lebensjahre habe ich alS Maurerlehrling gearbeitet und war in der Jugend schon ausgebeutet, mit IS Jahren war ich Gehilfe, als Siebzehnjähriger ging ich auf die Wanderschaft in Oester- reich und Deutschland. Bon 1919 bis 1913 diente ich beim Militär. Dann war ich Baupolier. Bon 1914 bis 1917 war ich im Krieg und wurde ausgezeichnet. Der Sozialdemokra- tischen Partei gehöre ich schon seit dem Jahre 1995 als Mit- glied an Ich war nie etwas anderes als Sozialdemokrat. Ich habe mein ganzes Leben der Arbeiterschaft gewidmet, ihr zu dienen, und zwar mit Erfolg, war mein Ideal. Weil ich ehrlich für die Arbeiter kämpfte und mit Erfolg mit ihnen für sie tätig war. darum ist der Haß der Gegner so groß.- Man mutz zu jeder Tat bereit sein, aber auch bereit sein, sich zu opfern." Wallischs letzte Worte vor der Hinrichtung, zu der er mutig schritt, waren:„Es lebe die Sozialdemokratie! Hoch. Freiheit!" Blumen aus Wallischs Grab Unmittelbar nach der Hinrichtung wurde Koloman Wölkisch noch in der Nacht zum 29. Februar auf dem Leobner Zentral- friedhof eingescharrt und das Grab mit dem Erdboden eben gestampft. Die Arbeiter lagen aber auf der Lauer und wußten so den Platz des Grabes des teuren Toten. Schon am nächsten Morgen lag ein prächtiger Kranz aus dem flachen Boden und immer wieder kamen neue Blumen und Kränze. Tagelang schaffte die Heimwehr die Blumen vom Grabe Wallischs weg. aber die Arbeiter wurden nicht müde, das Grab immer neu zu schmücken. Schließlich blieb der Gendarmerie nichts anderes übrig, als die Blumen auf dem Grabe Wallischs zu lassen Polizeibeamte entfernen jetzt nur Abzeichen und geschriebene Nachrufe. Von früh mor- gens bis abends stehen ununterbrochen Arbeiter und Ar- beiterinnen am Grabe ihres Märtyrers. Auch Tafeln mit Inschriften wurden bei dem Grab angebracht. Sie lauten: Wir wollen versuchen zu ermessen, Was Du uns warst. Wir wollen niemals vergessen, Wie Du für uns starbst. Nur mit tiefstem Herzweh stehen wir gesesjei. Aber tausend Tränen, die die Erde netzen, Die Deinen Körper umgibt. Werden uns stark machen. * Wir kommen wieder!. Wie dem OND. aus Wien berichtet wird, kleben an sehr vielen Plakatsäulen und an vielen Häusern Klebezettel, die eine erhobene Faust zeigen, darum« stehen die Worte: Wir kommen wieder! „Deutsche Freiheit", Nr. 75 UA MM| M MM UM VW■ MM I äM% fltfV^kM I Freitag Samstag, 30. 31. Man 1934 Die deotsdie Eiportbafastrophe Als die deutsche Außenhandels-Statistik für den Monat Januar gezwungen war, zum ersten Male seit vollen drei Jahren einen Passiv-Saldo von 22 Millionen zuzugehen, geschah dies, indem man ausdrücklich betonte, der Januar sei der schlechteste Monat und schon der Februar werde bestimmt eine sichtbare Besserung bringen. An und für sich ist diese Behauptung schon deshalb unrichtig gewesen, weil der Januar erfahrungsgemäß eher eine Steigerung der deutschen Ausfuhr zu bringen pflegt. Wie hilflos die deutsche Wirtschaftspolitik der jetzt in immer schärferem Tempo über sie hereinbrechenden Exportkatastrophe gegenübersteht, geht jetzt schon wenige Wochen später daraus hervor, daß bereits die Februar-Handelsbilanz, die noch soeben aufgestellten Behauptungen Lügen straft. Von einer Besserung ist selbstverständlich keine Spur. Der Außenhandel bleibt passiv und der Einfuhrsaldo ist sogar von 22 Millionen iui Januar auf 35 Millionen Mark im Februar gestiegen. Der schäbige Rest der Gold- und Devisendeckung der Reichsbank schrumpft von Woche zu Woche weiter zusammen und es ergibt sich jetzt eine Situation, die von nüchternen Kritikern der deutschen Wirtschaftspolitik schon etwa seit Mitte des vergangenen Jahres klar vorausgesagt wurde: DieLügenhaftigkeit der Statistiken läßt sich nicht m eh r aufrecht erhalten. Die ungeheure Steigerung der Rohstoffbezüge für die Rüstungsindustrie belastet die Handelsbilanz auf der einen Seite in ganz untragbarer Weise, auf der anderen schrumpft der Export immer weiter zusammen und es müßten tatsächlich Zeichen und Wunder geschehen sein, wenn nur auf Grund der alten Reserven, also insbesondere des Schleuderverkaufes der früher aufgehäuften Läger tatsächlich während des ganzen Jahres 1933 die aktive Handelsbilanz vorhanden gewesen wäre, die amtlich ausgewiesen wurde. Des Rätsels Lösung ist aber ziemlich einfach. Aus Prestigegründen konnte sich das Hitler-System nicht entschließen, eine passive Handelsbilanz auszuweisen, weil mit diesem Augenhlide das Märchen vom ivirlschafiiichen Aufstieg Deutsdilands, der ja eine Folge der.,nationalen Erhebung" darstellen sollte, schon allzu früh als Lüge enthüllt worden wäre. Man hat also weiter dem gutgläubigen Inland und dem von Monat zu Monat bereits skeptischer werdenden Auslande eilte verhältnismäßig günstige Entwicklung vorgespiegelt und wenig Rücksicht darauf genommen, daß sich die Anzeichen dafür häuften, daß die Wirklichkeit wesentlich ungünstiger war, als die Behauptungen der gleichgeschalteten Statistik. Man geriet hierbei in ein immer größeres Dilemma. Solange nämlich Exportüberschüsse vorhanden waren, erklärten die Auslandsgläubiger immer wieder, daß doch eigentlich gar kein Anlaß dafür bestände, die Transfer- und Zinszahlungen immer weiter zu kürzen. Die Reichsbank verlor zwar ständig Gold und Devisen, aber das Ausland ließ sich doch von der bei den Schuldenverhandlungen immer wieder hervorgeholten Behauptung von der deutschen Armut nur wenig beeinflussen, solange es auf die Exportüberschüsse des deutschen Außenhandels verweisen konnte. Auch die Hinweise auf die riesigen Rohstoff-Importe für die Rüstungsindustrie, die bei dur fortgesetzten Einschränkung der Schuldenzahlungen schließlich auf Kotten der Gläubiger gehen mußten, fruchteten nichts, denn die Reichsbank erklärte, daß der Außenhandel ja nach wie vor aktiv sei, so daß man sich diese gewaltigen Importe an Metalien, Baumwolle, Cellulose usw. gestatten könne. Mit der Jahreswende ist hier nun ein Umsdiwung eingetreten. denn der ständige Rückgang des Exportes und die kostspielige Rüstungseinfuhr begann sich jcfjt immer stärket in der Devisen-Bilanz der Reichsbank abzuzeichnen. Erfahrungsgemäß fließen die Devisen für exportierte Waren der Reichsbank durchschnittlich immer erst einige Monate später zu und auch die Rohstoffimporte sind zumeist erst nach einiger Zeit zu bezahlen. Hierdurch wurde eine brist gewonnen, die man reichlich ausgenützt hat. Diese Frist ist aber jetzt zu Ende. Seit dem Regierungsantritt des„Führers" am 31. Januar 1933 bat sich der Deckungsbestand der Reichsbank bereits von 922,5 auf 319 Millionen Reichsmark vermindert. Allein seit dem 31. Januar 1934 ist eine weitere Einschrumpfung des Deckungsbestandes von 383 auf weniger als 320 Millionen Reichsmark eingetreten. Unter diesen Verhältnissen wird es freilich unmöglich, das Märchen von der aktiven deutschen Handelsbilanz der Welt weiter zu erzählen und so hat man sich denn offenbar sehr schweren Herzens dazu entschlossen, mit der Statistik der Wirklichkeit langsam näher zu kommen, die Behauptung vom angeblichen Exportsaldo aufzugeben und die Welt langsam an einen steigenden Passivsaldo der deutschen Handelsbilanz zu gewöhnen. Mit der internationalen Konjunktur hat diese ganze Eni* u'icklnng überhaupt nichts zu tun, denn das Volumen des Welthandels bessert sich jagt langsam auf der ganzen Linie. Der Verfall des deutsdien Exportes segt sich aber ständig weiter fort und tritt dem bisher gutgläubigen Leser der deutschen Statistiken allerdings ganz besonders scharf entgegen, weil er den jegigen Ziffern nicht nur die Fort- segung des Verfalles entnehmen muß. sondern weil in ihnen auch die nachträgliche Berichtigung der früheren erlogenen Ziffern enthalten ist. Betrachtet man die wenigstens bis zum Augenblick des „deutschen Erwachens" einigermaßen zuverlässigen amtlichen Statistiken des deutschen Außenhandels, so ergibt sich in wenigen charakteristischen Ziffern etwa folgendes Bild: 19 3 1 wurde ein monatliches Durchschnitts Aktivem von annähernd 2 40 Millionen Reichsmark ausgewiesen, es sank 1 9 3 2 bereits auf 9 0 Millionen. 1 9 3 3 ist nun nach der Hitler-Statistik angeblich nur ein weiterer Rückgang auf 5 5 Millionen Reichsmark eingetreten. Dieser Aktivsaldo genügte zwar bei weitem nicht, um auch nur laufend die Auslandsschulden, die monatlich mindestens 80 Millionen Reichsmark erfordert hätten, zu zahlen, aber wenn diese Ziffer von 55 Millionen der Wirklichkeit entsprochen hätte, so wäre der deutsche Exportsaldo nicht einmal allzu viel stärker zurückgegangen, als derjenige anderer Länder, deren Ausfuhr unter der Krisenentwicklnng litt. Für die ersten beiden Monate des Jahres 1934 gibt man jetzt nicht nur ein völliges Verschwinden des Exportsaldos zu, sondern sogar einen Einfuhrüberschuß. Wie man unter diesen Verhältnissen die Zahlungen an das Ausland selbst in der heutigen, auf äußerste reduzierten Form aufrecht erhalten kann, bleibt völlig unerfindlich. Die deutschen Wirtschaftsblätter plädieren seit einiger Zeit denn auch bereits für eine weitere erhebliche Verminderung der Zahlungen und zicar auf sage und schreibe 15 Prozent. Würde man sich hierzu entschließen, so könnte natürlich von einer Schuldenzahlung überhaupt nicht mehr gesprochen werden, denn diese 15 Prozent wären bestenfalls als eine formale Geste des guten Willens anzusehen. Auf der Grundlage der jetzt von der Hitler-Regierung zugegebenen Einfuhrüberschüsse für Januar und Februar ist aber selbstverständlich auch an diese früher propagierte Aufrechterhaltung einer selbst nur 15prozentigen Schuldenzahlung nicht mehr«u denken. Deutschland würde damit die wichtigste Waffe verlieren. die ihm für seine Handelsvertragspolitik bisher noch geblieben war. Die Welt, die sich aus mancherlei Gründen um deutsche Waren längst nicht mehr reißt, hat immer noch wieder Importe aus Deutschland bewilligt, weil man auf diese Weise in der Lage zu sein glaubte, wenigstens einen Teil der Deutschland früher geliehenen Gelder zu retten. Mit dieser Aussicht dürfte jetzt endgültig vorbei sein und nicht nur in der Handelspolitik, sondern auch in der gesamten Außenpolitik Hitlers wird man diese wichtige Tatsache wahrscheinlich schon recht bald spüren. Auch von hier aus ergeben sich dann naturgemäß neue Rückwirkungen auf den Export und auf die Handelsbilanz, so daß es recht fraglich bleiben muß, wie lange man noch die Rohstoffimporte für die Rüstungsindustrie fortsetzen und bezahlen kann. Also Devalvation der Mark? Zweifellos ist der Verzicht auf die Goldparität, der, wie ausdrücklich bemerkt werden muß, im Gegensag zu anderen Ländern, die ähnliche Maßnahmen vorgnommen haben, keineswegs freiwilliger Natur sein wird, lediglich eine Frage der Zeit. Wichtiger aber ist die Frage, ob man auf diese Weise der deutschen Wirtschaft Hilfe leisten kann. Bei einer nüchternen Beurteilung der durch die tüchtige Wirtschaftspolitik der verschiedenen„Führer" beute geschaffenen Verhältnisse wird man diese Frage rückhaltlos verneinen müssen. Die Frage kann offen bleiben, ob es durch währungspolitische Maßnahmen möglich ist, einer an und für sich gesunden Wirtschaft den Anschluß an eine Besserung der Weltkonjunktur zu verschaffen. Sicher ist, daß eine im tiefsten Lebensnerv todkranke Wirtschaft, wie sie Hitler-Deutschland heute als Ergebnis der sinnlosen und amateurhaften Politik seiner„Führergarde" darstellt, durch inflationistische Maßnahmen niemals gesunden kann. Die Krankheitskeime des deutschen Wirtschafts- und Finanzlebens sind durch eine lügenhafte Berichterstattung gleichgeschalteter Fachleute und durch eine Politik, die immer nur auf Fristgewinn eingestellt war, innerlich abgekapselt worden. Die Krankheit hat große Teile des deutschen Wirtschaftsorganismus bereits zerfressen und bricht jetzt nach außen. Die Exportkatastrophe der ersten beiden Monate dieses Jahres und der Zusammenbruch, dem die deutsche Währung und die Reichsbank unter der weisen Führung des Herrn Dr. Schacht jetzt entgegengeht, werden sehr bald auch den letzten Skeptiker, der sich immer wieder durch die gefärbten Berichte der Berliner Stellen beruhigen ließ, überzeugen, daß dieses System unvermeidlich zur Katastrophe führt. Jan Severin. Deutschlands Selbstblockade Ein Urteil des„Manchester Guardian" lieber die deutsdien Wirtschaftsmaßnahmen, die stark an die ehemalige Kriegswirtschaft erinnern, schreibt der„Manchester Guardian": „Die Erklärung der deutschen Regierung, daß jeder Kauf und jede Einfuhr von gewissen Rohstoffen und Halbfabrikaten bis auf weiteres eingestellt werden, enthüllt mit einem Schlage die gegenwärtige Schwäche von Deutschlands Wirtschaftslage. Denn sie bedeutet, daß Deutschland sich außerstande sieht, lebensnotwendige Einfuhren zu bezahlen, auch wenn deren Verkürzung die inländische Industrie vollständig in Verwirrung bringt. Sicherlich zeigten die letzten Außenhandelsziffern Deutschland in einer gefährlichen Situation, die Reichsbankpräsident Dr. Schacht der sinnlosen Schuldenpolitik gegenüber Deutschland zuschreibt. Ein anderes Symptom der deutschen Finanzkrise war das Gesetz, das die Aktiengesellschaften zwingt, ihren Gewinnzuwachs in Staatspapieren anzulegen. Auf der anderen Seite behauptet die deutsche Regierung, in Jahresfrist rund 3 Millionen Menschen wieder in Arbeit gebracht zu haben. Mag diese Leistung auch wieder durch den Fall der Lebenshaltung ausgeglichen sein, so bedeutet sie doch für die Regierung eine starke Ausgabenbelastung in Form von Darlehen, Bürgschaften und Zuschüssen. Die Gründe für den Verfall des deutschen Außenhandels sind sicher zum großen Teil politischer Natur. Indessen hat auch die Ausnützung der Währungssituation durch Dr. Schacht— während Deutschland nominell beim Goldstandard verblieb, wurden seine Gläubiger tatsächlich in entwerteter Mark bezahlt— das Vertrauen des Auslandes erschüttert. Andererseits führte der Versuch, im Ausland Verkäufe in nicht entwerteter Währung abzusetzen, zu einem Verlust von Kunden, so in Finnland, Skandinavien und England, das den Goldstandard offen, sowohl im Inland wie im Ausland, aufgegeben hat. Zweifellos haben sowohl politische wie finanzielle Gründe Deutschland auf die Scheltelhöhe einer wirtschaftlichen Krise geführt. Es ist eine bittere Lehre für dieses Land, aus der es lernen mag, daß sein wirtschaftliches Gedeihen, ebenso wie das unsere, von normalen internationalen Handelsbeziehungen abhängt. leqs Aprilscherz In den Betrieben In der ersten Aprilwoche finden die„Wahlen" zu den Betriebs-Vertrauensräten statt. Diese Vertrauensräte, die am 1. Mai an die Stelle der Betriebsräte treten, lassen sich mit diesen nicht vergleichen. Sie tagen unter Vorsitz des Unternehmers, der in der Regel nur dann, wenn es ihm beliebt, eine Sitzung einzuberufen braucht; zu sagen haben sie nichts, sie können den Unternehmer nur beraten, er bleibt jedoch in seiner Entscheidung völlig frei: für Eingriffe in die Betriebsführung sind disziplinarische Strafen angedroht. Diese Vertrauensleute des Unternehmens werden nach einem Verfahren gewählt, das wie ein Aprilscherz anmutet. Der Unternehmer stellt im Einvernehmen mit dem Obmann der Nazizelle die Kandidatenliste auf, auf der nur Mitglieder der Deutsdien Arbeitsfront, die„jederzeit rüchhaltlos" für die NSDAP, eintreten, stehen dürfen. Unter persönlicher Leitung des Unternehmers oder seines ständigen Stellvertreters findet dann eine Abstimmung statt; die Belegschaft darf keine eigenen Kandidaten aufstellen, sie hat nur die Auswahl unter den Kandidaten des Unternehmers und kann einzelne Namen ausstreichen oder die ganze Liste ungültig machen. Als gewählt gilt jeder, der mindestens die Hälfte aller abgegebenen Stimmen erhält. Kommt kein Vertrauens- rat zustande, oder ist in einem Betrieb niemand in der NSDAP, organisiert, so kann der Treuhänder von sich aus einen Vertrauensrat ernennen oder bestimmen, daß dieser Betrieb ohne Vertrauensrat bleibt. Als Vertreter der Angestellten soll der Unternehmer, wie amtlich mitgeteilt wurde, vor allem sachverständige„leitende Persönlichkeiten" aufstellen. Zeigen die Arbeiter durch Ausstreichen ihrer Namen, daß sie zu diesen leitenden Angestellten kein Vertrauen haben, dann kann der Treuhänder auf Antrag des Unternehmers einfach erklären, daß die ganxt- England und die deutschen Schulden Eine vornichtige Regierungserklärung Im englischen Unterhause richtete der Abgeordnete Sir P. Goff an die Regierung die Anfrage, ob sie sich darüber klar sei, daß die Unterlassungen von Zahlungen auf deutsche Obligationen in britischem Besitz Vorbeugungsmaßnahmen gegen die künftige Unterbringung deutscher und anderer ausländischer Anleihen notwendig machten. Ferner fragte der Abgeordnete, ob die Regierung vor der Anerkennung des deutschen Transfermoratoriums die deutschen Stellen darauf aufmerksam machen wolle, daß eine Vereinbarung mit den britischen Gläubigern wünschenswert sei. Der Leiter der Finanzabteilung des Schatzamtes erwiderte, die Regierung sei sich klar über die ernsteWirkung, die die erwähnte deutsche Aktion voraussichtlich haben würde. Die deutsche Regierung sei bereits in Kenntnis gesetzt, daß die englische Regierung für den Fall, daß irgendein vorübergehendes Opfer von den Gläubigern unter den gegenwärtigen Umständen verlangt würde, darüber mit den Gläubigern verhandelt werden müsse, um ihr Einverständnis zu erlangen. „Times" Ober Deutschlands Finanzen „Times" befassen sich in längeren Ausführungen mit der schlechten Lage der deutschen Finanzen und der Unsicherheit der deutschen Währung infolge Sinkens der Golddeckung in die Nähe des Nullpunktes und kommen zu dem Schluß, daß die deutschen Behauptungen, diese Lage sei durch die Zahlung der Reparationen hervorgerufen, durchaus nicht stichhaltig seien— die Reparationen seien mittels ausländischer Devisenanleihen gezahlt worden—; die Verlegenheit, in der sich Handel und Finanzen in Deutschland befinden, aei zu einem großen Teil auf die Zerstörung der Wirtschaft infolge der Depossedicrung und Ausstoßung der Juden zurückzuführen. Wählerei ein Thester war, und den Vertrauensrat nach eigenem Gutdünken neu besetzen. Dliif und Elsen Die Rüstungskonjunktur Wie schon die kürzlich erschienenen Monatsberichte der Eisenverbände erkennen ließen, hat sich die Aufwärtsbewö gung am Eisenmarkt weiter fortgesetzt. Der sogar in den Wintermonaten nicht unterbrochene Beschäfligungsanstieg beweist den durch die Arbeitsbeschaffungsniaßnahmen erzeugten und den sich in der eisenschaffenden Industrie if stärkstem Ausmaß auswirkenden Auftrieb. Die arbeit» tägliche Produktion in Walzwerkserzeugniaaen beläuft sich im Februar auf 24 597 t gegenüber 21694 t im Januar 1934 und 13 251 t im Februar 1933. Der größte Tiefstand war im August 1932 mit einer arheitatägiiehen Erzeugung von 9950 t zu verzeichnen. Somit iat bis Februar d. J. eine etwa 150prozentige Arbeitssteigerung eingetreten. In Auswirkung der Außerordentlich gehobene» Arbcitsbesthade der Automobilindustrie, des Maschinenbaues, der Kleineisen- eraeugung und dergleichen wird in Verbindung mit dem in den kommenden Monaten zu erwartenden verstärkten Baueisenbedarf mit einer weiteren Beschäftigungszunahme der Eisenhüttenindustrie, die zu erneuten umfangreicheren Belegschaftsverstärkungen führen dürfte, zu rechnen sein. Das kommt in der bei allen Dispositionen und Lagereindeckungen von Seiten der Händler und der Verbraucher wahrnehmbaren Großzügigkeit zum Ausdruck. Die Abschlußbestände der Verbände und Konzerne haben eine teil Jahren nicht gekannte Höhe erreicht. Die allgemeine Auftriebsbewegung stützt sich Uberwiegend auf die am Binnenmarkt herrschende Bedarfssteigerung. Nur in Walzwerkserzeugnissen ist in den letzten beiden Monaten eine Ausfuhrbelebung zu spüren. Deutsche Stimmen•(Beilage xur..Deutschen Freiheit"» Ereignisse und Geschichten Samstag, den 31. Mt« 1934 Siitlec im JU Hereinspaziert! Hereinspaziert! Auf zwei Erwachsene kommt umsonst ein Kind! L rason't ist da nichts zu machen. Vier Franken muß man schon blechen, wenn man int Panoptikum hinein will(Soldaten und Unteroffiziere zahlen wochentags die Hälfte). Ind wer gar ins fantastische Kabinett oder in den Tempel des Brahma eintreten will, so kostet das noch einmal je ein Frank fuffzig. Da ist man also drin, und alles kommt einem unheimlich Tor. Das Licht ist gedämpft. Ein Spiegel neben dem anderen. Plötzlich meint man mit jemanden zusammenzustoßen, doch es ist nur eine Wachsfigur. Entsetzlich! Auf einem Sofa sitzt ein junget Mädchen, schön angemalt und gut angezogen. Man hat das Verlangen, sie anzusprechen, aber es ist nur eine Puppe. Auf einem anderen Sofa wieder ist ein Mann über seiner Zeitung eingeschlafen. Man wundert sich, daß niemand ihn in seinem Schlaf stört. Erst bei näherer Betrachtung entdeckt man, daß auch dieser Mann nur eine achsfigur ist. So wird für die Belustigung des Publikums gesorgt, was auch ausdrücklich im Katalog vermerkt wird. Man muß es schon dem Museen Grevin bescheinigen— es ist aktuell. Gleich vornean ist schon der neue französische Ministerpräsident Chautemps ausgestellt. Neben ihm Paul- Boncour und Daladier. Marlene Dietrich und Greta Garbo drehen gerade eine Filmszene; ihr Partner i»t Charles Boyer. Es beehren sich dann vorzustellen Mister and Missis Molli- son. Von oben bis unten in Lederbekleidung versteht sieh. Und mittendrin ein Ausschnitt aus dem chinesisch-japanischen Krieg: Kampf an der großen Chinesischen Mauer. In einer Ecke steht Maurice Chevalier und lächelt Charlie Chaplin zu. Es folgen Grock und die Fratellinis. Und auf einmal steht man vor Mussolini, der, ordenumhangen, die rechte Hand zum römischen Gruß erhebt. Scheißlich schick, sagt dazu der Wiener. Gleich nebenan steht der Herr von Hindenburg. Die wuchtige Wachsfigur ist mit einem Gehrock und Plastron gekleidet. Tja, man hats weit gebracht! Erst kaiserlicher Feldmarschall, dann Präsident der Deutschen Republik und nun Reichspräsident von Neudeck. Was Verfassungseide einem alles einbringen können! Ihm gegenüber, in soldatischer Haltung, steht Hitler. Braune Uniform, schwarzer Schlips, Hakenkreuzarmbinde. Dazu das bekannte Bürstenschnurrbärtchen. Die Backen sind, wie bei einer Kokotte, reichlich mit Rouge bepinselt. Viele Liebe scheint auf diese Figur nicht verwandt worden zu sein. Man sieht das auch an dem Hakenkreuz. Es ist einfach in die Binde hineingemalt worden, ohne sich viel um Symmetrie zu kümmern. Mit dieser Hitlerfigur scheint schon vieles angestellt worden zu sein, wahrscheinlich der Aehnlichkeit wegen. Auf der Abbildung im Katalog hat der„Führer" lange Socken mit Stiefeln an. Jetzt hat man ihm hohe, braune Schnürstiefel angezogen. Hitler wechselt täglich seine Phrasen, im Panoptikum wechselt man ihm die Schuhe. Man zerbricht sich den Kopf, was sich wohl der Mann dabei gedacht haben muß, als er die Gruppierung der beiden „Heroen" vorgenommen hat. Da steht nun der Mariehai und guckt fast in den Himmel(ob er um gutes Wetter bitten will, der gottesfürchtige Herr?), während Hitler au ihm aufsieht wie zu einem Gott. Wahrlich zwei Panoptikumfiguren par ezcellence! Was sich die Pawlowa dabei denken muß, diesem„großen Mann" immer den.... Rücken zukehren zu müssen. Nicht auszudenken! Schluß mit Hitler! Ich gehe jetzt int Revolutionsmuseum. Da ist es interessanter. Man sieht da wenigstens Männer, die etwas von Revolution verstanden. Männer, die Fortschritt und nicht Rückschritt der Menschheit gebracht haben. Mirabeau, Danton, Robespierre, das waren doch ganz andere Männer! Warum hat man sie nur in den Keller transportiert?! Solche Männer im Keller aufzustellen, ist ungerecht. Man transportiere lieber den Hitler in den Keller, da gehört er hin. Es gibt da einen Platz für ihn. Im Zirkus, neben Nero. Am Ausgang spielt sich eine sehr luttige Szene ab. Vor dem Kasten, wo sich Dollfuß und Herriot die Hände schütteln(kürzlich noch stand an dieser Stelle der Sieger der Tour de France, Georges Speicher, sie transit.... übrigens verschwinden die Staatsmänner genau so schnell, sobald sie vom Schauplatz der Politik abgetreten sind), sm Ausgang also unterhalten sich zwei Männer sehr eifrig. Der eine ist der Direktor des Museums, der andere ein Ausländer. Man erkennt das an seinem schlechten Französisch. Der Ausländer schlägt dem Direktor folgendes vor: Da es so viele Leute in Paris gäbe, die eine Wut auf Hitler hätten, möge er freundschaftlicherweise gestatten, daß man in die Hitlerfigur einen Nagel schlagen könne. Diese Einrichtung würde nicht nur eine größere Anziehungskraft auf das Publikum ausüben, sondern auch noch einträglich sein. Für solch einen Nagel könne man einen bis zwei Franken nehmen. Die Besucher würden sie mit Kußhand zahlen. Der Gedanke ist nicht schlecht, meint der Direktor und verspricht, sich die Sache zu überlegen. Ob man gerade auf diese Weise seine Wut gegen Hitler auslassen soll, scheint ein zu billiges Vergnügen zu sein. Und ob der Direktor damit ein Geschäft machen wird, ist auch noch fraglich. Bei der Wut würde die Hitlerfigur nicht lange standhalten. Hoffen wir lieber, daß die Figur bald an ein Provinzmuseum verkauft wird, wie es mit den anderen Figuren geschieht, die politisch ihre Rolle ausgespielt haben. M. B r u s t o w. du te£aus und eine Seele SiüchttiugsÜedec von einst/ Van 3ku.no ÜSrandg Das Schicksal des heimatlosen Freiheitskämpfers, der Volk und Vaterland verließ, um Freiheit und Gesinnung zu retten, hat das Gemüt der Menschen oft bewegt. In der Zeit des Deutschen Absolutismus hüllte sich die Lyrik der Romantiker gern in dies Gewand, wenn sie eine Feder für die Freiheit einlegen wollten. Sofern der Dichter nicht mit der Zensur karambolieren wollte, mußte er seinen Stoff von fremden Schauplätzen beziehen. Der Widerhall, den die Freiheitskämpfe anderer Völker im Herzen der vormärzlich eh Romantiker finden, drückt sich in Fliichtlingsdichtungen aus, deren Empfindsamkeit Pathos und Rhythmus uns Kindern eines sachlicheren Zeitalters weniger romantisch als naiv, sentimental oder gar leis komisch anmutet— so wandeln sich Maß und Versgefühl der Zeiten. Das hat sich U h I a n d wohl kaum träumen lassen, als er seine Ballade von der„Biddassoabrücke" dichtete: Spanische Rebellen flüchten über den Grenzfluß in„fränkschen Gau", rollen die Fahne zusammen, suchen„eine Freistatt in der Fern"; alle bluten, nur der Führer Mins, benarbter als alle anderen, ist diesmal unverwundet. Als ein alter Kriegsmann dies preist, da rafft sich der müde Mins vom Steine empor: Blickt noch einmal nach den Bergen, Wo die Sonne sinken will: Seine Hand, zur Brust gehalten, Hemmt nicht mehr des Blutes Lauf, Auf der Biddassoabrücke Brachen alle Wunden auf. Mächtige romantische Wallungen hinterließen vor allem die polnische Unabhängigkeitskämpfe; sie spiegelten sich in L e n a u s Polenliedern. Als 1794 der letzte Aufstand(vor der dritten Teilung Polens) zusammenbrach, gingen viele der Anhänger Kosziuskos in Exil. In Lonaus Lied vom Polenflüchtling irrt der Held„im quellenarmen Wüstensand arabischer Nomaden": Ein Polenheld und grollet still, Daß noch sein Herz nicht brechen will. An einer Oase schläft er schließlich ein. Eine Beduinen- schar findet ihn: Sie sehen der Narben Heiligtum Auf blasser Stirn und Wange; Dem Wüstensohn zu Herzen geht Des Unglücks stille Majestät. Als er aufweckt, grüßen sie ihn mit Liebe und einem Ge- 5 K, der von„Blutrache, nach der Väter Brauch", nur so cl Mint. Anfangs lauscht der Flüchtling entzückt, dann packt ii.i entsetzliches Heimweh: Doch nun der Pole schärfer lauscht, Sinds fremde, fremde Töne; Was ihn im Waffenglanz umrauscht, Arabiens freie Söhne, Auf die der Mond der Wüste scheint: Da wirft er sich zur Erd— und weint. Aber der allgemeine Schwärm für die unglücklichen pol „Uchen Freiheitshelden konnte leider nichts daran ändern, daß diese Konjunktur jahrzehntelang von Glücksrittern, Hochstaplern und Schwindlern arg ausgebeutet wurde. In don Scbänken und Salons der westliehen Länder saßen pom pös benamsete Nepper und Nassauer, die von ihren Heldentaten bei Ostrolenka brannten, ohne je einen Schuß Pulver gerochen zu haben. Diesen Rittern brannte Heinrich Heine sein Gedicht von Krapülinski und Wschlappski aufs Fell: Wohnten in derselben Stube, Schliefen in demselben Bette! Eine Laus und eine Seele, Kratzten sie sich um die Wette. Speisten in derselben Kneipe, Und da keiner wollte leiden. Daß der andre für ihn zahle, Zahlte keiner von den Beiden. Das war wohl das satirischste aller Flüchtlingsgedichte der damaligen Zeit, das teutonischste jedoch lieferte Franz Dingelstedt, einst seiner oppositionellen Gesinnung wegen in Ungnsde gefallen und 1843 vom württem* bergischen König wieder in Amt und Würden aufgenommen. Audi dieses betitelt sich„D ie Flüchtlinge" und beginnt:„Et sind der Männer fünf bis sechs um einen Tisch gesessen."... Und alle— der Spanier, der Russe, der Grieche, der Lombarde, der Schweizer— fluchen den Tyrannen ihrer Heimat: So wirbelte durch das Gemach Auf blauer Tabakswolke Das Bild von mancher großen Schmach, Von manchem großen Volke. Nur einer ist still geblieben:„Ein blasser Junge, mit blondem deutschem Lockenhaar, mit blöder deutscher Zunge.. Und als ihn die andern fragen, warum er so früh in Acht und Bann wandern mußte und warum er dem„Land, das ihn verraten", nicht Zeter rufe, dt steht der blonde Jüngling auf. und wirft ein Glas herrisch an die Wand,„im Au*e blaue Blitze": Das wolle Gott im Himmel nicht. Das solches je geschehe! Nein! Wer mit deutscher Zunge spricht, Ruft Deutschland niemals Wehe! Er rieft. Und Hers und Stimme brach In lang verhalt'nem Weinen. Solches gefiel den deutschen Despoten, so brauchten sie ihre Untertanen! Mcrhten sie auswandern, flüchten, ins Exil gehen, aber Unterdrücker und Vaterland sollten ihnen immer untrennbar sein! Die Vorteile dieser Begriffsver- manschung hat auch Hitler erfaßt; auch er läßt«eine Barden in die Saiten stürmen und läßt sie alt vaterlandslos und Landesverräter beschimpfen, die einen Unterschied zwischen Deutschland und dem braunen Despotismus machen. Das Verebben der Romantik setzte auch die Flüchtlings lieder in der deutschen Lyrik außer Kurt. Das Volk trat auf die politische Bühne, Herweghs und Freiligraths revolutionäre Lyrik fegte über den Plan und kündete die 48er Sturmjahre an; sie wurden die Väter einer neuen sozialen Dichtung, die für individuelle Leiden und Schick- »-.le einzelner wenig Raum läßt.^ Der Zeitdichtet spricht (vor seiner Schreibmaschine) Tip-tip'tip und Tap-tap-tap. Nein, der Stoff wird mir nicht knapp, Lauter Sensationen: Roosevelt,— Stalin,— Prince und Fey, Friedensschmus und Kriegsgeschrei. Hungernde Millionen. Jeder Tag ein blutger Witz: Konferenzen und— Miliz, Maskenball und— Leichen. Dollarkurt— Sanierungs-Traum.. Kleiner Abstand— Zwischenraum. Deutlich unterstreichen. Tap-tap-tap und Tip tip tip: Reisescheck, Transfer und Scrip. Handelsziffern schrumpfen. Hoch die Nahrung« Autarkie! Helft der Waffenindustrie! Hetzen, Uebertrumpfen: Selbstlob, Wahn und Rassenhaß— Visumzwang und Nansenpaß,— Gruß und Hoheitszeichen. Stempelgeld und— Reisescheck. „Ich bin groß und du bist Dreck!" Deutlich unterstreichen. Tip tip tip und Tap-tap-tap. Geld ist rar und Geld ist knapp. Giftgas-Philosophen. Börsensturz und Sturz beim Sport—- Bürgerkrieg und Massenmord— Ringsum Katastrophen. Punkt!!— Wenn ihr so weiter rast. Werden bald, zerfetzt, vergast Unsre Knochen bleichen. Keiner ist des andern Knecht. Menschenrecht bleibt Menschenrecht! Deutlich unterstreichen!! Charlie Kasthno. „JihrifUeiter sind Staatsorgane" Der Hauptmann führt... Der Reichsverband der deutschen Presse trat im Hous der Presse zu Berlin zu seiner ersten Arbeitstagung nach der Bestätigung seiner neuen Satzungen zusammen. Der Verband ist heute nach ganz neuen Gesichtspunkten aufgebaut und hat zahlreiche neue Aufgaben erhalten. Die Arbeitstagung wurde vom Führer des Reichsverbsndes, Chefredakteur Hauptmann a. D. Weiß vom„Völkischen Beobachter", eröffnet, der in längeren Darlegungen das Schriftleitergesetz und seine Auswirkungen erörterte und die Neuorganisation des Reichsverbandes behandelte. Er wies besonders darauf hin, daß diedeutachenSchriftleiternunmehr Organe des Staates seien und daß der Reichsverhand für eine straffe autoritäre Zusammenfassung aller deutschen Schriftleiter sorgen werde. Er sei nunmehr zu einem Institut des deutschen Kulturlebens geworden. Er wie« noch darauf hin, daß im Gesetz und in den Durchführungsbestimmungen der Organisationszwang für Schriftleiter im Reichsverhand der deutschen Presse ausdrücklich festgelegt sei und jeder anderen Organisation vorgehe. Chefredakteur Weiß teilte dann mit, daß er in den kleinen Führerrat des Reichsverbandes, der künftig an die Stelle des engeren Vorstandes tritt, folgende Herren berufen habe: Hauptschriftleiter Alfred Ingemar Beradt (Deutsches Nachrichten-Büro), Hauptschriftleiter Karl Busch(„Der Deutsche"), Schriftleiter Günter cT Alque« („Volk. Beobachter"), Hauptschriftleiter Caroly Kamp* mann(„Der Angriff"), Hauptschriftleiter Fritz Lücke (..Berliner Nachtausgabe"), Hauptschriftleiter Werner Pfeiffer(Vertreter auswärtiger Blätter), Hauptschrift leiter Karl S i I a x(„DAZ."). Ferner sind ernannt worden zu Vorsitzenden von I achaus- schüssen: Hauptschriftleiter Dr. Hans B o I I tu t n u(DNB) zum Vorsitzenden de« Fachausschusses der Sportredakteure, E M. K ö h n(Ufa) zum Leiter des Fachausschusses der Kritiker, Frau R i e h a r d zur Leiterin des Fachausschusses der Schriftleiterinnen, Hauptschriftleiter Schulz zum Leiter de« Fachausschusses der Zeitschriftenredakteure, Dr. Kroll(„Köln. Ztg.") zum Leiter des Fachausschusses der Handelsredakteure und Dr. Hermann(Atlantik) zum Leiter des Fachausschusses der Bildberichterstatter. ,* Beschlagnahmt! Für das Land Thüringen ist die im„Nationalen Verlag" in Berlin-Wilmersdorf erschienene Broschüre„Gerechtigkeit! Zur Lösung der Judenfrage!" von Dr. v. Oppeln-Bronikowski, ferner das im Verlag von Jakob Keyner in Leipzig erschienene Buch„E n 11 a r v t e G e s c h I c h t e" von Werner Hegemann polizeilich beschlagnahmt und eingezogen worden. Auch in Oesterreich Judenfilme unter deutschem Drudt Verhandlungen, die in letzter Zeit zwischen den deutschen und den österreichischen Filmherstellern geführt worden sind, haben au dem Ergebnis geführt, daß diese sich bereit erklärten, jüdische Filmschauspieler künftighin nicht mehr in den von ihnen hergestellten deutsch-sprachigen Filmen auftreten au lassen. Da der größte Teil der österreichischen Filmerzeugung deutschsprachig ist, so bedeutet diese Abmachung, daß die jüdischen Schauspieler praktisch völlig aus dem österreichischen Film verschwinden. Nur in den ganz wenigen österreichischen Filmen, die in englischer oder französischer Fassung herausgebracht werden, können sie noch Verwendung finden. e Also eine Wiener Notiz. Es ist den deutschen Herstellern, die unter dem Druck der Reichsfilmkasse standen, gelungen, den österreichischen Film zum Ausschluß aller Juden tu zwingen. Ein erfolgreicher Gleichschaltungsversuch im Reiche der Politik, Vorläufer für kommende Dinge. Deutsche Freiheit Nummer 74 Das bunte Matt Samstag, de« St. März 1984 UarfreitÄgs-Prozesiion in der Heiligen Stadt Ordensbrüder mit verhüllten Gesichtern am Titusbogen Alljährlich am Karfreitag durchziehen die Brüder des Miseri Cordias die Stadt Rom, wobei sie ein grobes Holzkreuz mit sich tragen, um auf diesem Zuge und an diesem Tage des Passionsweges Christi zu gedenken. ywei Austen Frankreichs Bretagne, eine Welt für(Ich- Töte d'Or, eine Welt für andere Cote d'Or Am Fuße des maurischen Bergmassivs gelegen, auf dem schönen^Küstenstreifen zwischen Cannes und St. Tropez erinnert St. Raphael„an ein römisches Dorf, das in dem Gols von Neapel liegen könnte". Vom Westen her beschattet es der wilde, dunkelgrüne Wald, der an den Bergabhängen des maurischen Massivs wächst, im Osten scheinen die zwei sprungbereite Löwen die Stadt zu beschützen. Am schönsten ist die Stadt abends kurz vor Sonnenuntergang. Die byzau- tinische Kirche und die farbigen Häuser erstrahlen in rotem Licht, die Fensterscheiben leuchten wie Rubinen und das Meer schillert wie Perlmutt. St. Raphael ist seit jeher die Stadt der Künstler und Intellektuellen gewesen. Das Klima der Stadt ändert sie immer wieder unter dem Einfluß der zwei Zonen, die sie beherrschen, der kontinentalen Zone und der Meereszone. Im Winter beträgt die Mitteltemperatur 10 Grad im Januar, ll im Februar, 12 im März und 13 Grad im April. Im Frühling ist die Mitteltemperatur 18 Grad, im Sommer 22 bis 28. Regenfälle sind äußerst selten, Nebel fast unbekannt und die Lust, die besonders mild und rein ist, ist außerordentlich wohltuend. Tie Vegetation ist wunderbar. Herrliche Pappeln neigen ihre Wipfel, grüne Palmen umrahmen die Küste, farbige Blumen schmücken die Gärten. Rosen. Geranien, Nelken. Mimosen, Iris und Beilchen blühen schon in den ersten Februartagen. In der Nähe der Wälder ist die Luit vom Duft des Lavendels, des Klees und der Veilchen durch- drungen. Solche duftende, leuchtende Orte liegen dicht nebeneinander an der ganzen Cote d'Or. Da ist Agay mit seinen roten Felsen, da ist Trayas, einer der größten Orte mit vielen Hotels und einer wunderschönen Promenade. Da ist St. Tropez, der neueste und zur Zeit modernste Kurort der Cote d'Or. Aber ob er klein oder groß, ob näher dem Meere oder am Gebirge gelegen, ähneln sich die Städte mit ihren iärbigen Häusern und ihrer märchenhaften Vegetation. Es ist im Grunde genommen ganz gleich, in welchem dieser Orte man Ausenhalt nimmt. Ueberall ist die blaue See, die Berge, die klare, reine Luft, überall ist es gleich unwahrscheinlich, märchenhaft schön. Die schöne Bretagne Zu der Zeit der Eroberung Galliens durch die Römer, berichtet die Geschichte, ließ sich ein mächtiges Fischervolk, die Beneten. an der Südseite des Atlantischen Ozeans nieder. Seit dieser Zeit bilden die Fischer ein Volk für sich, das eine eigene Industrie besitzt und die den Eindruck erweckt, der ganzen übrigen Bevölkerung Frankreichs ebenso, fremd zu sein, wie zur Zeit ihrer Einwanderung. In der Bretagne haben die Fischer nichts mit den Bauern gemein und sprechen mit großer Verachtung von den„Erdarbeitern". Sie sind in „Stämme" geteilt die jeder einen bestimmten Namen haben, die alte Rasse wird durch das stillschweigende Gesetz, daß Ehen nur innerhalb dieser Cliquen geschlossen werden, rein er- halten. Es gibt einige Familiennamen, die immer wieder vorkommen. So z. B.„Porsmoguen, Guilcher und Milner" in der Gegend der Insel Sein. Ter Fischsang, der zuerst nur betrieben wurde, um der Bevölkerung die nötige Nahrung zu verschaffen, hat sich mit der Zeit zu einem Handelszweig ausgebildet. Ein schwung- hafter Fischhandel wurde an den Ufern des Meeres betrieben und es entstand das Bedürfnis nach Häfen. Seltsamerweise wurden die bretonischen Häfen, deren ursprünglicher Zweck ja der Handel mit Fischen war, hauptsächlich Kriegshäsen. Und erst in der l^ten Zeit kehren sie wieder zu ihrem ur- sprünglichen Zweck zurück. So ist Lorient auf dem Wege, ein großer Fischhandelsplatz zu werden. Im Hasen von Lorient und in der Gegend der Insel Croix liegen jetzt durchschnitt- lich 1300 Schiffe, die meist der SöOO-Tonnen-Klasse angehören. Große Konservenfabriken tragen zur Belebung des Handels bei. Aber das Zentrum der Konservenindustrie ist nach wie vor Nantes geblieben. Schon 1800 erfand Francois Appert aus Nantes ein neues Verfahren, das ermöglichte, Lebens- mittel längere Zeit in verschlossenen Büchsen frisch zu er- halten. Und es geschah gleichfalls in Nantes, daß der Groß- industrielle Jean Colin zum ersten Mal das Verfahren von Appert zum Konservieren von Sardinen anwandte. Seitdem hat die Konservenindustrie in Nantes einen unerwarteten Aufschwung genommen, dem auch wahrscheinlich das An- wachsen der Bevölkerung an der Küste zu verdanken ist. Die ganze Küste der Bretagne wimmelt von Fischerbooten, die in der Nacht ihre dunkelblauen Netze, die kaum vom Wasser zu unterscheiden sind, nach den Sardinen auswerfen. Hätte man vor dem Kriege von Brest, als von einem Handelshafen gesprochen, so würde man bestimmt als Un- wissender ausgelacht worden sein. Brest war vor dem Kriege ein grober Kriegshasen, der schon seiner Lage nach sich schlecht zum Handelshafen eignete. Handelshafen waren Penmarch und Douarnenez. Diese Häfen waren aber wieder zu flach und wurde nach langem Hin und Her doch Brest zum Haupt- Handelshafen ernannt. Es wurde ein großes Bassin aus- gebaggert, auf das die„Brester" noch heute sehr stolz sind. Diesem Bassin verdankt Brest die bedeutende Rolle, die es beute in dem Fischhandel spielt. Bon der ganzen Küste der Bretagne werden hier die Fische abgeladen, die im Lause der Woche gefangen wurden. Hier werden sie sortiert. Ein Teil wirb nach Nantes an die Konservenfabriken verkauft, ein Teil auf verschiedene Schiffe verladen, die dann in alle Teile Frankreichs und manchmal sogar in andere Länder verschickt werden. Das alte Fischervolk, das zur Zeit der Eroberung Galliens durch die Römer eingewandert ist, hängt mit so tiefer Liebe an seinem Küstenstrich, ist so tief verwurzelt mit ihm, wie der Bauer an seiner Scholle. Der harte Kampf mit der See hat den Bretonen gestählt, das entbehrungsreiche, schwere Leben hat ihn wortkarg und verschlossen gemacht. Es gibt kaum an der ganzen Küste Frankreichs noch ein Volk, das so seine Sitten und alten Gebräuche festgehalten hat, wie das bretonische. MTP. Wenn eine Frau sich„verfleht" Mißgeburt verursacht durch einen„Kiug»Koug"»Film? Der alte Volksglaube, daß gewisse Geschehnisse und Ein- drücke auf eine werdende Mutter Gestalt und Charakter des Kindes maßgebend bestimmen sollen, das von vielen Aerzten als schlimmer Aberglauben bezeichnete„Versehen" von Schwangeren, scheint wieder einmal eine beglaubigte Be- srätigung gefunden zu haben: Tie Tochter des Hausierers Traußig in Preßburg brachte dieser Tage ein Kind zur Welt, das mehr einem Affen als einem Menschen glich. Es hatte abnorm lange Arme und einen dichtbehaarten Fleischwulst als Kopf Die Mißgeburt war so häßlich, daß man sie oer unglücklichen Mutter gar nicht zeigte. Das Kind lebte nur einige Stunden und wurde im Anatomischen Institut der Preßburger medizinischen Fa- kultät präpariert. Als Ursache der Mißgeburt wird der Umstand bezeichnet, daß sich das schwangere Mädchen vor mehreren Wochen den amerikanischen Sensations-Film„King-Kong" angesehen hat. dessen Hauptrolle bekanntlich ein Menschenaffe spielt. Das Mädchen war von dem Kinobesuch mit allen Zeichen des Entsetzens und Ekels nach Hause gekommen und tagelang litt sie unter starken Depressionen, die ihr der Film verursacht hatte. Auch die Aerzte erklären es in diesem Fall für durch- aus möglich, daß die schwere seelische Erschütterung während der Schwangerschaft, die durch die Erscheinung des Affen- menschen auf der Leinwand ausgelöst worden war. die Ur- fache für die Bildung der seltsamen Mißgeburt gewesen ist. Rarwoche O Woche, Zeugin» heiliger Beschwerde! Du stimmst so ernst zu dieser Frühliugswonue, Du breitest im verjüngten Strahl der Souue des Kreuzes Schatte» auf die lichte Erde» Und senkest schweigend deine Flöre nieder? Der Frühling darf indessen immer kelmeu» Das Veilchen duftet unter Blütenbänmeu Und alle Bögleiu singen Jnbellieder. O schweigt, ihr Böglein auf den grünen Auen! Es hallen rings die dumpfen Glockeukläuge, Die Engel singen leise Grabgesänge? O still» ihr Böglein hoch im Himmelblauen! Ihr Beilchen, kränzt heut keine Lockenhaare! Euch pflückt mein frommes Kind zum dunkeln Strauß«, Ihr wandert mit zum Mnttergotteshanse, Da sollt ihr welken auf des Herrn Altare. Ach, dort, von Tranermelodien trunken, Und süß betäubt von schweren Weihrauchdüften Sucht sie den Bräutigam in Todesgrüfte», Und Lieb und Frühling, alles ist versunke«! M ö r i ck e. Gin Hund als Angeklagter Bor dem Friedensrichter des 18. Arrondifsements stand Mlle?)., eine schöne, ranke, schlanke, blonde Französin, aber ihre Miene war gar nicht so liebreizend, wie man es von einer so schönen Pariserin erwartet. Sie klagte gegen einen jungen armen Maler, der in einer Dachkammer des Monr- parnasse haust oder vielmehr gegen dessen Hund. Mlle.?). ist von Beruf Modell. Während sie in Ausübung ihres Berufes in der Dachkammer, gleich unter den Dächern von Paris, auf einem Podest stand und das Borbild des Gemäldes einer schaumgeborenen Venus darstellte, sprang der Hund des Malers ins Zimmer und biß der Venu» in die Wade. Die Venus verwandelte sich in eine Furie. Der Schluß deS Dramas spielte sich jetzt vor dem Friedensrichter ab. der den Biß mit 2 Hundert-Franken-Scheinen heilen wollte. Da der Maler, wie es in diesem Beruf häufig vorkommen soll, über' Barmittel in dieser Höhe nicht verfügte, begnügte sich die Klägerin mit dem Bild der schaumgeborenen Venus, deren unglückliches Modell sie war. Protest mit einer Pferdekraft Die Bäter aller Gemeinden haben jetzt große Geldsorgen. Und in den Rathäusern zergrübelt man sich die Köpfe, wie man um alles in der Welt neue Geldquellen erschließen könne. Die Ortsgewaltigen einer kleinen irischen Gemeinde bei Cork sind auf die geniale Idee verfallen, den Motor- verkehr in ihrem Orte zu besteuern. Aber die Autobesitzer wußten sich zu helfen. Bor der Gemarkung der Stadt etablierte sich ein Pferdehändler. Unter großem Hallo wurde vor jedes ankommende Auto ein Pferd gespannt und so trabte das Roß mit seinem Auto friedlich durch die Straßen. Da man Pferdefuhrwerke beim besten Willen nicht als Fahrzeuge mit motorischer Kraft bezeichnen kann, wurden die armen Stadtväter um ihre Steuer geprellt und mußten das Gesetz wieder rückgängig machen. Die Fahne Unter den ehemaligen Kriegsteilnehmern Frankreichs herrscht große Aufregung. Es stellt sich jetzt heraus, daß die Fahnen der 279 Regimenter, die nach dem Kriege auf- gelöst sind, nur noch Fetzen sind. Sie waren bisher im Armeemuseum aufbewahrt, wo sie wohl hauptsächlich durch die Zentralheizung schweren Schaden genommen haben. 93 Banner tapferer Regimenter scheinen fast vernichtet. Die übrigen haben auch schon schwer gelitten. Jetzt will man auf dringende Forderung der alten Frontkämpfer die Reli- quien des Sieges retten und sie in lustdichten Vitrinen auf- bewahren, um sie vor weiterem Verfall zu retten. pariser Taxichauffeure lernen fliegen In Toussu bei Paris haben sich verschiedene Pariser Taxi- chausfeure zu einer Fliegerschule zusammengetan. Sie wollen fliegen lernen, weil sie glauben, dies in absehbarer Zeit durch die billigen Bolksflugzeuge, den» bereits für 1300 Franken gibt es kleine Modelle, die für die Schulung völlig ausreichen. Bald werden also die Pariser mit Luft- taxen durch die Stadt sausen und mitleidig auf das Ge- wimmel in den durch den Riesenverkehr völlig verstopfte» Straßen herunterschauen. Wilde Löwen gesucht Für einen Film wurden eine Anzahl besonders wilder Exemplare des Königs der Tiere verlangt. Da aber alle Löwen Kaliforniens durch ihre lange Gefangenschaft und ihre Mitarbeit am Film so zahm geworden sind, daß sie beim besten Willen nicht mehr als Raubtiere anzusprechen sind, mußte extra für diesen Zweck eine Löwenschule ge- gründet werden, in der die Tiere wieder zu Raubtieren erzogen werden sollen. Das Fleisch wird ihnen, in mensch- liche Puppen verpackt, gereicht, damit sie sich— wenn sie an diese Ernährungsart gewöhnt sind— als wild?^'lmdar- steller präsentieren. Hilfe gegen den Gastod 7 Durch Einatmen von Kohlenoxydgasen, meist in verschlossenen Garagen, finden alljährlich 3000 Menschen den Tod. Für alle diese Menschen, die durch das Ausströmen von Gasen in Lebensgefahr geraten sind, ist jetzt Rettung mög- lich. Den Vergifteten wirb eine Infektion von MethylengaS gemacht, das in den Blutstrom eindringt und die grau- famen Wirkungen des Oxygens absorbiert. Die Versuche, die mit dieser eigenartigen Heilmethode gemacht worden sind, haben bereits zu guten Resultaten geführt. Rund um die Straftenschlacht Chlappe bekennt sich su seinen Freunden Paris, 29. März. Die Arbeit der beiden parlamentarischen Untersuchungsausschüsse in Sachen Stavisky und zur Klärung der Pariser Straßenunruhcn vom 6. Februar bringt eine Fülle von Einzelheiten, ohne daß diese sich zu einem deut- lichcn Gesamtbild verdichten. * Im Staviskn-AuSschuß wurde der frühere Polizeipräsident C h i a p p e aufs neue vernommen. Von seinen Aussagen ist nachzutragen, daß Ehiappe mehrfach seine persönlichen Freunde vor den Ausschußmitgliedern anerkannte. Zo ver- leugnete er weder seine Freundschaft zu einem Vorsitzenden eines Spielklubs, noch zu dem naturalisierten Franzosen und Buchmacher Zograpbos und bemerkte aus aggressive Fragen nur. es stehe ihm doch frei, sich seinen privaten Verkehr ans- zusuchcn. ivie er wolle. Im übrigen deckte Ehiappe seine srü- Heren Untergebenen und stellte der Polizei das Zeugnis aus, dag sie in der Behandlung des Falles Ztavifkn getan habe, was möglich gewesen sei. Chiappc schloß seine Anssagcii'mit der sinnigen Bemerkung, es sei geradezu ein Glück, das, Stavisk» nicht auch noch einen Presseausweis der Polizei- präfektur besessen babe, den er als Hintermann der Zeitung „Volonte" sicher hätte erlangen können. * Vor dem Ausschuß, der die Vorfälle am ss. Februar unter- sucht, wurde die mangelnde Umsicht und mangelnde Einheit- lichkcit bei der Leitung des Ordnungsdienstes kritisch be- leuchtet. Ohne weitere Folge blieb eine Bemerkung über den Reichstagsbrand, die folgendermaßen entstand: Ein Ausschußmitglied brachte sein Erstaunen darüber zum Aus- druck, daß der polizeiliche Ordnungsdienst das Kammer» gebäude auch noch vor Kundgebern verteidigte, als die Kammersitzung längst geschlossen»nd die Abgeordneten nach Hause.gegangen ivarcn. Daraus siel die Bemerkung, die Ver- teidigung des KammeraebäudeS sei doch wohl nötig gewesen, denn hätte nicht das Beispiel des Reichstagsbrandes an- steckend wir können?— Einer der Polizeikommissare. der am 8. Februar an der Madelaine-Kirche Dienst hatte, erklärte übrigens, daß er. mit der Schärpe angetan, durch Trompeten- signale die vorschriftsmäßige Warnung erteilt hätte, ehe er seine Beamten gegen die Menge habe einschreiten lassen. Zur Sfoalsrclorai Paris, 29. März. Der Unterausschuß des gesetzgebenden Ausschusses, der sich mit der Ttaatsresorm beschäftigt, hat beschlossen, eine Abänderung deS Artikels 5 der Verfassung vorzuschlagen, die die Auslösung der Kammer durch den Präsidenten der Republik aus An- trag des Ministerpräsidenten und ohne vor- herige Zustimmung deS Senats erlauben würde. Verschärftes Waffen verbot Paris, 29. März. Wie der„Matin" berichtet, hat der Staatsrat de» Entwurf einer Verordnung gebilligt, die da» aus dem Jahre 1924 stammende Gesetz über den Besitz und daS Tragen von Waffen ergänzt., In die Liste der verbo- tcnen Waffen werden außer Revolvern und Pistolen aller Art noch aufgenommen Dolche, Do.'chmesser, Gummiknüppel. Totschläger, Ztockdcgen usw. sowie alle Gegenstände, dir ein» für die öffentliche Sicherheit gefährdende Waise bilden könnten. Von den Waffen Händlern wird verlangt, daß sie Register führen, in die sie jeden Kassenverkauf und den Namen de? Käufers sowie den mit Lichtbild versehenen Ans- iveis, den der Käufer vorzeigen muß. eintrage». Di« Radikalsozialisten schließen aus Paris, A>. März. Der Vorstand des Vollzugsausschusses der Radikalsozialistifchen Partei und der Disziplinarrat haben nach Anhörung der Beteiligten die Abgeordneten Hu li n und Proust, deren Namen im Zusammenhang mit den Stavisku-Asfären genannt worden waren, aus der Partei ausgeschlossen. Aus der Untersuchung der Partei er- gebe ,ich. daß die beiden Abgeordneten Handlungen begangen hätten, die. wenn st« auch nicht gerichtlich strafbar seien, doch mit der Würde des ihnen anvertrauten Mandats unverein- bar seien. Dadurch hätten Ne gegen ihre Pflicht gegenüber ihrer Partei verstoße», und deshalb erfolge ihr Ausschluß. Großes Sparprogramm Frankreichs Zunächst Kürzungen von 2SSZ Millionen krausten Pari», 29. März. Der„Matin" berichtet iiber den Verlaus und das Ergebnis des gestrigen Kabinettsratcs. man habe einen Plan zur Förderung der wirtschaftlichen Ausrüstung des Landes ins Aug« gesaßt, wie ihn Arbeitsminister Mar» auet ausgearbeitet habe, der die Unterstützung de» Minister- Präsidenten Doumcrgue erhalten habe, während der Finanz« minister Germain Martin und der Minister für öffentliche Arbeiten Flandin Einwendungen erhoben hätten. Bei Durch- führung des Planes solle» hie Mittel der Tvzialvcrsicherungs- lasse herangezogen werden. Ucbcr die Beteiligung der ehe- maliacii Frontkämpfer an den zu bringenden Opfern zum Zwecke des Haushaltausglctches sei eine lebhastc Ausein- andersctzuüg entstanden. Marincministcr Pietri sei für«ine sofortige Regkung der Frage eingetreten, aber Ministerpräsident Doumcrgue habe die Prüfung der die ehemaligen Frontkämpfer betreffenden Maßnahmen für den zweiten Teil der HaushaltauSgleichbcstimmnngen zurückstellen lassen, da er einer Abordnung der Frontkämpfer vnssproche» hatte, die 4'..V...aa$.... v".<' J,--.- aui&iu, ,»,-»,'4 fw»-»»> Frontkämpfer würden die letzten sein, von denen man Opfer fordere. Der tiabinctisrat habe sich dann aus einen ersten Teil von Haushaltausgleichsmaßnahmeu in Höhe von 2883 Millionen labzudecken sind insgesamt vier Milliarden) geeinigt, die sich wie folgt zusammensetzen: ■V)0 Millionen sollen durch Kürzung von Zivilvensione» eingespart werden ldic Höchstvcnsioncn sollen von 43 000 auf 85000 Fr. herabgesetzt werden. 700 Millionen sollen durch lOprozenttge Herabsetzung der Zabl der Beamten eingespart werden. 520 Millionen durch eine Gehaltskürzung aller Beamten ohne Ausnahme um ö bis 10 Prozent, 800 Millionen durch Einsparungen bei den die Landeä- Verteidigung betreffenden Ministerien, also Kriegs«. Marine- und Luftfahrtministerium. 505 Millionen durch Einsparungen und Zusammenlegungen gewisser Aeustcr. Behörden und Stellen. (jeherall wachsende ßlldongssdiidricn Ein Qneil der politischen tinruhe Seit dem Kriege hat in fast allen Händern die Zahl der Studierenden zugenommen! teilweise doppelt und dreifach. Die Zunahme beträgt, wie wir einer kürzlich veröffentlichten Statistik entnehmen, von 1918 bis 1982 in Oesterreich 81,2 Prozent Schweiz 48,0 Deutschland 68,0„ Italien• 70,0„ Schweden 72,6„ Dänemark 78,8„ Frankreich 78,7, Spanien 814« Dann sola«« Norwegen. Niederlande und Griechenlano mit mehr als 100 Prozent. Polen mit 281. Lettland mit 8l1 und Bulgarien gar mit«77 Prozent Zunahme. Noch viel größer ist die Zunahme des FrauenstudiumS. Sie erreicht in Schweiz 148 Prozent Niederlande 245« Schweden Italien Frankreich Ungarn Deutschland Spanien 288 Prozent 81«. SU. 421 476„ 497 Und nun die Gegenseite: um wieviel ist die Zahl der Hoch- schullehrer gewachsen? Darüber liegt uns keine Statistik vor, aber wir wissen, daß hier die Zunahme mit der der Studenten nicht entfernt Schritt hält. Das ist aber lediglich eins von vielen Smnptomen, di« in allen Ländern zeigen, daß ein« ziffernmäßig stark anwachsende akademische Jugend im ar» jellschastltchcn System kein Unterkommen findet. Jung« Län» der, die erst heute in die Kultursphäre vorrücken, haben zwar wohl einen starten Bedarf. Im ganzen aber gilt: in Europa wächst die akademisch gebildete Schicht, aber nicht im gleichen Maße der Bedarf nach ihr. Und auch«twaS anderes wächst leider nicht: die Gesamtsumme an wirklicher Bildung in den Völkern. Viele studieren, aber sie studieren aus irgendein Oer Mordlall Prince Neue Fährten Paris, 29. März. Erst in der Nacht zum Donnerstag wurde bekannt, daß die Pariser Polizei mit großer Energie neu« Fährten zur Klärung deS MordlalleS Prince verfolgt und daß drei Personen in Paris und eine in Marseille seit Mittwoch früh 7 Uhr einem Kreuzverhör unterworfen wer- den, da» bis in die vierte Stunde der Nacht zum Donnerstag in Paris noch andauert. Gleichzeitig werden gewisse Aus« sagen der Zeugen an Ort und Stell« nachgeprüft. Die Fährten dürsten gewichtigen Charakter haben. Denn außer dem ungewöhnlich starken Aufgebot an Polizei- kommissaren, die sich bei den Verhören ablösen, sind die vei- den Staatsanwälte in Dison fernmündlich nach Pari» be- rufen worden und haben am Mittwochabend die Reise nach Paris angetreten. Das langwierige Verhör in Parts betras folgende Per« soncn: einen 40 Jahr«, alten Staatsangehörigen Monacos namens Gaetan d'Hcrbon de Luitatz, genannt der Baron, von Beruf Buchmacher, der in einem großen Hotel in den EhampS ElpfeeS-in Zimmer bewohnt, da» fc Tag 80 Fr. kostet, ferner zwei andere Buchmacher namens Paul Vendure und Gaeton Müller, die beide Wahlagentcn von Marseille und korsische Abgeordne.e waren. In Marseille wurde Francoi» Svirido verhört. Die vier Zeugen sind ausgesordcrt worden, vor allem über ihre Tageseinteilung am So. Februar, dem Tage der Er- mordung PrinceS, Auskunft zu geben, de Lussatz soll nach dem„Journal" ausgesagt haben, daß er vom.18. bis 28. sich In Monte Carlo aufgebalten habe. DaS„Journal* will über die Gewohnheiten de Lussatz Auskunft geben können und be- richtet, de Lussatz habe in seinem Hotel nie jemanden empfangen und sei jedem ausgewichen. Er pflegt« gegen 5 Uhr früh nach Hause zu kommen und ging nie vor Mittag weg. Häufig unternahm er Reisen, und zwar, wie er sagte, nach der Riviera. Er dürfte über reichliche Mittel verfügt haben, da er regelmäßig teure Tanz-«nd Nachtlokale aus- suchte. Vergebliche Verhöre? Paris, 29. März. In den frühen Morgenstunde» deS Donnerstag scheint es. als ob die Fährten, die die Polizei in der Mordsache Prince seit Mittwoch früh init großer Energie veiiolat, doch nicht die Aufklärung bringen, obwohl sie zur Aufdeckung lichtscheuer Elemente geführt hat. Die ein« der verhörten Perionen, Gaeton Muller. der in Pari» «ine Garage besitzt, ist Donnerstaa früh wieder au« dem Polizeipräsidium entlassen worden. Müller hat am Taa« der Ermordung Princes an de Lussatz ein Auto verkauft. Gegen- wärttg werden noch die Alibiangaben der anderen von der Polizei verhörten Personen nachgeprüft, doch scheint inan polizeilicherscits die Hoffnung ausgegeben zu haben, die Mör- der Prinec» selbst in der Hand zu haben. Nach einigen Morgenblättern loll de Lussatz übrigen» eine schwer belastete Vergangenheit haben. Er soll mehrere Morde auf dem Gewissen und in England zehn Jahr« Zwangsarbeit verbübt haben. Skandal In der rdmisdten Oper Trotz Mussolinis Anwesenheit Rom. 28. März. In der königlichen Oper in Rom kam es zu einem großen Skandal bei der Uraufführung einer Over von Malipiero. zu dem Pirandellv den Text geschrieben Vati«. Das Stück hieß„Die Geschichte vom untergeschobenen Sohn". Ed ivar eine unzusammenhängend« Geschichte tn wenig verständlicher Sprache, zu der der«omvonist ein« ziemlich mißtönende Musik hinzugefügt hatte. Vom erstem Akt ab begleitete da» Publikum die Vorstellung mit Pfeifen und spöttischen Zurufen. Trotz der Anwesenheit Mussolinis wuchs der Lärm von Akt zu Akt. Das Publikum stimm!« Gassenhauer an und übertönte die Stimmen der Sänger. Pirandellv, der den Skandal von einer Loge aus mit au- gehört hatte, verließ das.Theater, ohne ein Wort zu sage». Der Komponist blieb unsichtbar. Da» Stück wurde sofort abgesetzt. Brvtiach los. Tie durchschnittliche Bildung de» einzelnen sinkt. Das Ideal de» Akademikers wird in wachsendem Maße die Versorgung: gerade dteS Ideal aber findet mit allgemeiner Zunahm« de» Massenftudium» immer weniger lein« Erfüllung. Mehr Studium, weniger Bildung, mangelhafte Versorgung — was tut diese Jugend notwendigerweise? Sie beschäftigt sich mit Politik- wie sie'» versteht. Man lese die Reden»nd »och besser dt« Gedichte de» ReichSjugendiührer« Baldur von Schiroch und man bat den Typ vor sich: ausgerüstet mit de« ganzen Halbbildung seiner Zeit. Air fürchten, daß das,«in wenig besser oder ein wenig schlimmer, überall so sein wirb. Das Problem der Bildung oder richtiger, daS Problem der Halbbildung muß gelöst werden. Sonst wird diese Jugend überall faschistisch. rrauenbriele aas dem„drillen Reich SA.„untersucht" Mädchen! Aus Schlesien wird uns geschrieben: In verschiedenen Gegenden unsere» Lande« wacht sich setzt ein toller Unfug breit. Angeblich um der Verbreitung ver- lwtcner Schriften zu begegne», sind besondere Abteilungen der SA. gebildet worden, denen der Kampf gegen den Schriftcnschmuggel obliegt. Diese Abteilungen„zur beson- deren Verwendung" haben da« Recht, auch Körperdurch- suchungen vorzunehmen und machen von ihm reichlich Gebrauch. Dabei fällt allgemein aus, daß I u n g e Frauen n.n d Mädchen mit besonderer Vorliebe zum Gegenstand solcher Amtshandlungen gemacht werden. Sie werden aufgefordert, in einen Hausflur mitzukommen, und dort wird dann„untersucht". Di« aus diese Weise schamlos Belästigten müssen dann noch froh sein, wenn ihnen weiter nichts passiert. Sie müssen sich hüten, über das Vorgefallene zu sprechen, weil sie sonst riskieren, wegen Verbreitung von Greuelnach- lichten ins Konzentrationslager zu kommen. Würde aber der Gatte, der Vater, der Freund einer so belästigten Frau einen der schcnnlofcn Burschen niederschlagen, so hätte der Henker ein Opfer mehr! Die braune Besatzung an ber Oder unb der Neiße ist viel schlimmer al» e« die schwarze am Rhein war: gegen sie gibt es überhaupt keinen Schutz. Im.korrupten Zwischenrrich" dursten auch Diebinnen und Prostituierte nur von weiblichen Bertrauenspersonen untersucht werden: in dem glorreichen „dritten Reich" aber, in dem bekanntlich die„Ehre der Frau" besonders geschützt ist, müssen sich ehrbare deutsche Frauen von schmutzigen Lümmels alle» gefallen lassen. Die anständige Bevölkerung Schlesiens würde es heute mit Freuben begrüßen, wenn ausländische Korrespondenten dem Amtsbereich der Brückner unb Heines ihr Augenmerk zuwenden wollten. Lärm in der ausländischen Press« ist das einzige, vor dem das Gesindel noch Angst hat. Der Dank Ans dem Brief einer V o l k S h i b l i o t h« k a l i n an die „Deutsche Kämpferin", eine nationalsozialistische Frauenzeitschrift lMärzhcst 1994): „Viele Jahre stand ich im Beruf, vor und während meiner Ehe, Immer mit der gleichen Liebe zu meiner Arbeit, der Arbeit am Menschen, und beseelt von der großen kulturellen Aufgabe, di« wir zu erfüllen haben. Ich habe stets danach gestrebt, mein Amt für Volk und Vaterland nach bestem Gewissen zu verwalten. Betonen möchte ich noch, daß ich bereit» von 1SS1 imeiner Amtsübernahme) an alles daran gesetzt habe, um ungeeignet« Bücher lAsphaltliteratur und volksverseuchendes Schrifttum« meiner nach echter und auf- rechter Literatur verlangcnden bäuerlichen Leserschaft sernzu- halten. Wir haben auch kein einzige« Werk ablehnender Lite- ratur angeschasst! Dafür wurde ich am I. April 198» fünf Monat« lang zwangsbeurlaubt. Dann erhielt ich die Kündigung ahne An- gab« des Grundes. Aus mein sehr gutes Zeugnis setzte man die Bemerkung, daß man mich aus Grund der Bestimmungen über das Doppelverdiener!»m sich erhielt eine Entschädigung von 28 RM. monatlich!» habe entlassen müssen, und zwar geschah das in dem Augenblick, als man auch meinen Mann aus„Sparmaßnahmen" seines Amtes als Stadtbibliothekar enthoben hatte. Sie wollen nicht auks Land! .,. 800 arbeitslose Mädchen sollte» von Hamburg nach dem Osten zur Landbilse deportiert werden, um die Statistik zu verschönern und die Staatskasse zu erleichtern. Laut„Ham- burger Fremdenblatt" meldete sich keine einzige dazu frei« willig, aber Uber 180 meldeten ssch krank. 80 schieden aus der Untersttttzung au» unb verztchteten aus jeden Groschen, um daheim bleiben zu dürfen. Schließlich brachte man 2flQ so iv«U. daß sie sich zur Annohm« der Arbeit bereit erklärten, nachdem ihnen ihr« Pflichten und die Folgen einer Weigerung gewacht worden waren. «s ig der reine Sklavenhandel!.,. Pariser Berichte Pariser Straftenhalender Die neue Bergbahn, die von der place St. Pierre nach Sacre-Coeur auf den Montmartre hinaufklimmt und die wir bereits erwähnten, wird elektrisch betrieben werden. Sie soll Ende des Jahres eröffnet werden. Sie tritt an Stelle der alten 19ol stillgelegten Bahn. Das Projekt einer Rolltreppe wurde aufgegeben. * In der Akademie der Wissenschaften war eine Debatte über die Frage des gelben oder des weißen Lichtes bei den Autos. Von wissenschaftlicher Seite wurde erklärt, daß gelbes Licht nur Sinn habe, wenn ihm weißes entgegensteht. Der berühmte Spezialist M. Andre Blondel hält dagegen an dem gelben Licht fest. * Der bekannten Tänzerin Mistinguett ist das Mißgeschick widerfahren, seiner Zeit mit„Jo dem■ Schrecklichen", dem Helden aus der Stavisky-Lnterwelt, fotografiert zu werden. * Ein Entwurf des neuen Seine-Präfekten hat dem Pariser Stadtrat eine Verbesserung der bekannten Schlachthäuser de la Villette vorgeschlagen. Es soll ein Schlachthaus für Schweine errichtet werden. * Anscheinend ist eine in Paris wohnende Verwandte des deutschen Generalobersten von Kluck zusammen mit einem in Paris wohnenden Deutschen bei einem Automobilunfall im französischen Süden getötet worden. Aus Bordeaux wird gemeldet, daß Alexandra von Kluck, 22 Jahre alt, mit einem Landsmann namens Gutschmidt, 27 Jahre, bei Barbezieux getötet wurde, als der Wagen gegen eine der am Straßenrande stehenden Platanen fuhr. Die beiden Insassen waren sofort tot. * In Paris hat mit dem Siege von ,.Pour le Roy" im großen Frühlingspreis von Auteuil wieder die Saison der Rennwetterei begonnen, die teilweise in den PMU.-Stellen der Tabakläden eine wahre Volksleidenschaft ist. Juristen in der Emigration ^as Rechtsbewußtsein ist in Deutschland zerstört. Zu viel Unrecht hat sich nach dem Umsturz mit der Maske eines ..nationalen Rechtes" drapiert. Aber in Paris hielt im Kreise der„Association des Juristes allemands Emigres" der weit bekannte französische Advokat Dr. See einen Vortrag in der Mutualite über das„Internationale Privatrecht unter Berücksichtigung der Beziehungen auf französisches und deutsches Recht". Er legte seinem Referat eine Reihe deutscher Werke über internationales Privatrecht zugrunde, de.sen erste. Zusammenfassung im Bürgerlichen Gesetzbuch hervorgehoben wurde. Bei seiner theoretischen Untersuchung ging See auf die wissenschaftlichen Grundlagen und die Geschichte des noch immer erst im Anfang stehenden internationalen Privatrechts ein. Er brachte nicht nur das engere Gebiet seiner Rechtsbestimmungen, sondern auch Wo kehren wir bei unserem Osterausflug ein? Bei IDOLF RIES anl der SCHÖNBICH! Herrlicher Ausflugsort'l Schone Gartenwirtschaft Gute Bewirtung I Kaffee. Kuchen ff. Biere und Weine, Wurst, Fleischspeisen, u. a. mehr Es ladet ein RIES Addl neben den Fragen der Nationalität mit ihren Auswirkungen das Fremdenrechl in den verschiedenen Ländern und die Entscheidung von Rechtsstreitigkeiten bei Verschiedenheit der Normen in den beteiligten Staaten zur Besprechung. Unter den neueren Quellen auf nationaler Grundlage wurde vpn See das polnische und das marokkanische Fremdenrecht angeführt. Er beklagte auch den Mangel einer einheitlichen Rechtsprechung im Rahmen des internationalen Handelsrechts und warnte davor, daß sich ein Land auf diesem überstaatlichen Gebiet zum Schiedsrichter für die anderen aufwerfen wolle. Der Vortrag brachte wichtige Anregungen und wurde mit starkem Beifall aufgenommen. W. A. Germainc Huot und der bäuerische Prinz Paris, 28. März. Die Geliebte das Rhone-Präfekten hat keine gute Presse gehabt. Eine Kokotte, eine alternde zumal, die einen Troß von Prinzen und reichen Industriellen nach sich schleppt, das ist kein Gegenstand der Ausstellung in einer an Konflikten reichen Zeit. Man bat der 47jährigen, die dreißig Jahre lang im Dreck des Lebens stand und die Gelüste der oberen Schicht befriedigte, ihre Herzlosigkeit vorgeworfen. Was anders soll man nach solchem Leben wohl sein? Der Herzog, der polnische Graf, der dicke Agha Khan und die anderen haben sie genommen, was sie wert war. Sie zahlten gut, Germaine besaß ein Haus und einen 18karätigen Diamanten. Als sie in die Jahre der Klimax kam und keine Leidenschaft mehr einflößte, warfen sie sie weg oder fingen damit an. Da hat sich die untergehende Hetäre an dem letzte» feinen Mann, den sie hatte, an dem Präfekten Causeret, gerächt. Der Präfekt Causeret war in ein Warenhaus gegangen, um dort Einkäufe für eine andere zu machen, und hatte es ihr verheimlicht. Sie hatte ihn durch eine aufgedonnerte Privatdetektivin beobachten lassen. Zu Hause leugnete er, da legte sie im Scherze auf ihn an, er machte eine Bewegung, wie die Angeklagte sagt, und da gab es den verhängnisvollen Schuß. Die Portierfrau bezeugt, sie traue ihr den Mord nicht zu. sie habe auch in der ersten Aufregung nur von unfreiwilligem Töten gesprochen. Der Schießsachverständige aber Weinte, die Lage des Einschusses Deutsche Poliklinik ESÄ5S.S' i) Allgemeine Konsultationen mit? Spezialisten b) Chirurgie c) Geburtshilfliche Klinik d) Zahnärztliche* Kabineti Innere Median, Augen*. Ohren*, Nasen* und Kehl köpf krank. ZweistöckigesJSanjtoriumsgeblnde. Vierstöckig« Gebäude. Zimmer Zahn, und Mundchirurgie. Gold» aeiten. Röntgen. Diathermie. Elektrotherapie Spezialbehand' Kleine, mittler* und große Chirur. mit 1 bis 4 BetteD. 3 Aerzte, 3 Heb- und Porzellankronen.«Brücken Inns bei Blut*. Harn* u. Geschlechtskrankheiten gje. Di# aller modernst* Einrichtung tmmto und 2 Operationssäle. Kautschuk« Arbeiten Ordination füglich von 9—12 und 2-6; Sonntags und Feiertags von lO—12 und Z—4 Uhr w Ors.G.und M.Spitzer 3, avenue de la Republique, Paris. Metro Ripublique, Tel. Oberkampf 86-23. Sprechstunden: 1-3 und 6-8 Uhr ttsots, Geschlechts«, inner« and Kinderkrankheiten Epilation Diathermie 9r. Kardos II, rue de Douai, Metro: Plgalle, Tel. 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Arch. 54*27 Steuerfragen Gesellschaffsgründungen Wenden Sie sich an F« BRIQUEU LICENCIE EN DROIT ehemaliger Kontrolleur der direkten Steuer» Behörden, um vom offiziellen Standpunkt aus beraten zu werden. 25, Bd. Bonne.Nouvelle, PARIS(2). Telefon Louvre 22»93 JUWELEN LEHM Diamanten— Perlen— Silber— Gold VERKAUF: Paris— 43, rue Latayette— Expertise schließe die Abwehrbewegung des Präfekten aus, die die Dame im schwarzen Mantel mit Biberettebesatz behauptete. Dieser Mord ist nicht aufzuklären. Er hat keine Zeugen gehabt. Die Täterin hat ihn kalt, gefühllos, wie die Presse sagt, rekonstruiert, zusammen mit dem Dr. Paul, dem he- rühmesten aller Gerichtsärzte. Diese Gefühllosigkeit wird ihr als Belastung angerechnet. Wie nun aber, wenn sie dabei aufgeregt gewesen wäre? Nein, dieser Mord ist nicht aufzuklären. Gefühllos ist sie vielleicht, diese Frau, die sich dreißig Jahre lang den Spitzen der internationalen Gesellschaft verkauft hat. Aber an einer Stelle erwachte ihr Herz, rührte sich die alte„Kokotten-Ehre", die es immer gegeben hat. Das war, als sie den bayerischen Prinzen wegwarf. Das war an der Stelle der Verhandlung, als von diesem Prinzen Franz Josef die Rede war, der sie heiraten und mit nach Deutschland nehmen wollte. Die Möbel waren schon gekauft. Da lehnte sie ihn ab:„Ich war es, die nicht wollte", sagte sie einfach vor Gericht. Mit diesem Ausspruch glaubte sie viele Schuld zu bezahlen. Das Maß der Schuld und Sühne in solchen Prozessen steht nie fest. Aber immer, wenn ich sie lese, steht mir das Bild der Geliebten des greisen Freiherrn von Hammerstein vor Augen, die im deutschen Reichstag saß, während ihr verheirateter Galan eine Rede über den Wert der Ehe und die Ordnung im Staate hielt. Da rief sie ihm nach der Rede die berühmten Worte zu:„Ihr seid doch alle Heuchler.. ," Gründung eines französisdien Kino Archivs Soeben ist die Verordnung geschaffen worden, die das seit langem geplante Kino-Archiv in Paris ins Leben ruft. Alle Filme müssen in Zukunft diesem Archiv, das sich im Troca- dero befindet, zugeleitet werden. Dort können sie von Autoren, Regisseuren, Kunsthistorikern und so weiter besichtigt werden. Jeder Film ist mit einer Karte versehen, die den Titel, das Datum der Uraufführung, die Länge des Streifens, den Namen der Autoren, der Hersteller und Bearbeiter angibt. Die Filme gehen ins Eigentum des Staates über und dürfen zu geschäftlichen Zwecken nicht benutzt werden. Zu pädagogischen oder dokumentarischen Zwecken können in Ueberein- stimmung mit dem Hersteller Positive angefertigt werden, die zu gemeinnützigem Gebrauch bestimmt sind, nämlich wie die Fotos der Archive der schönen Künste. Der Staat hat auch das Recht, mit Genehmigung des Herstellers, bei Festen oder feierlichen Anlässen Filme offiziellen Anstrichs vorzuführen. Die Einrichtung im Trocadero, dem Orte der pariser Volksvorstellungen, ist von großem künstlerischem und erzieherischem Wert. Andr£ Gide nnd der Kamps Segen den Faschismus Andre Gide, der berühmte französische Schriftsteller, ist offenbar den Mißbrauch seines Namens zu gewissen Propagandazwecken, die mit dem wahrhaften Kampf gegen den Faschismus wenig zu tun haben, leid. Er hat seinen Namen unter den Teilnehmern zum antifaschistischen Kongreß seinerzeit zurückgezogen und veröffentlicht jetzt in der bekannten Kunstzeitung„Comedia" einen Begleitbrief, den er im Mai v. J. an das Komitee gerichtet hat. Darin erklärte er etwa, daß er sich auch verbittet, daß sein Name zu allen möglichen Komitee-Zwecken gebraucht wird, an denen er weder Anteil nehmen wolle, noch dürfe. Damit aber seine Zurückziehung nicht falscher Beurteilung ausgesetzt sei und um zu verhindern, daß der Eindruck entstehe, daß er nicht mehr mit ganzem Herzen bei der Bewegung sei, bitte er, den Namen stehen zu lassen. Weiter erklärt Andre Gide, daß er zu dem„Recht auf den Blick des Rechts beim Nachbar" stehe. Dank diesem Recht seien die Unschuldigen im Reichstagsbrandprozeß freigesprochen und endlich freigelassen worden. Seine Reise nach Berlin und seine persönliche Intervention für die Befreiung von Taneff, Popoff und Dimitroff beweise hinreichend, daß er nicht in das antifaschistische Komitee eingetreten sei, um desto wirkungsvoller handeln zu können. Ein gleicher Grund habe ihn abgehalten, in die Kommunistische Partei einzutreten. Die freie Gemeinschaft scheine ihm besser als die Ehe, hier wie sonst. BRIEFKASTEN La Plala. Sic schicken uns einen Brief eines deutschen KteundeS, der zu den ältesten Nationalsozialiften und zur SA. gehört. Tic interegante Stelle lautet:.. T. h. man disponiert setzt selbst in größten Betrieben doppelt vorsichtig in bezug auf Stellenbeseyung und stellt lieber 2 Mann zu wenig als 1 zuviel ein!— Es ist wirklich ein Trauerspiel mit den Arbeitsmarktverhältnissen. Seit geraumer Zeit wird auch vorerst nur SA., SS. und Kriegsteilneh» mein Arbeit vermittelt. Tienst tue ich schon lange nicht mehr, da mich die ganze Lage anwidert, besonders die vielen„Organisationen" und deren„Veranstaltungen", die überall zur Pflicht gemacht wer- den. Als ob in Teutschland die Leute nur Objekte ihres Propaganda- Ministeriums sind! Kurz, für mich ist hier kein Raum mehr und ich denke nun seit einiger Zeit schon an Siedlung oder dergl. in Süd- amerika. Was drauS wird, weiß ich natürlich noch nicht. Ich sammle auch zunächst Material usw. Gegebenenfalls brauchte ich natürlich wohl auch ein gewisses Anfangskapital."— Sie sollten den Brief allen hakenkreuzbegetsterten Teutschen zeigen, von denen es nach Ihrer Miiteilung auch dort nicht wenige gibt. Gruß allen Freunden! Aeltere Nummern der„Teutschen Freiheit schicken wir Ihnen gern herüber. Tie erste Kreuzbandsendung ist unterwegs. Tr. S. W Es ist nicht möglich, alle Roheiten der neuen Pogrom- welle, die sich in Teutschland zu entwickeln scheint, zu verzeichnen. Tas Neueste ist, daß die Nazipreise Bolksdemonstrationen gegen Blät- ter mit jüdischen Anzeigen organisiert. In Sagen hat sich sogar der Nazi-Oberbürgermeister an die Spitze so schmutziger naiionalsoztali- stischer Geschästspropaganda gestellt. Er zog mit einer Bande von Krakehlern vor das Gebäude der„Sagen» Zeitung", um einen „Bolksprotest" zu veranstalten. Tas Dortmunder Naziblatt schrieb gleichzeitig:„Wir haben nicht vergesien, woher das Geld kam, mit dem sich die Kommunisten bei Pferdemetzger Cohn betranken, ebe sie uns übersielen. Wir haben nicht vergessen, mit welchem Geld sich das Reichsbanner unisormierte und sich Gummiknüppel und Schußwaffen aus Suhl kaufte. Und heute wagt es diese Zeitung, diese selbe Judenschaft zu beweihräuchern." So bringt man die antisemitische Volksseele zum Kochen. „Zirndorser Rochrichten". Einem Zeitungsausschnitt entnehmen wir:„Schon seit Wochen und Monaten hört man gelegentlicher Unter- Haltungen am Biertisch, in der Bahn und ans der Straße, überall dort, wo eben Menschen zusammenkommen, Witze und Witzchen überdieReichsregierung. ihre Führer, über die SA. oder irgendwelche nationalsozialistischen Dienststellen. Bon dummen, ge- dankenlosen Menschen werden dieselbe» weitererzählt...." Cannes. Ihr Brief über die Vergangenheit ist ja recht kritisch, aber wir nehmen Ihre Borhaltungen über die politischen Sünden der deutschen Linksparteien mit Respekt vor der großen Erfahrung eines so alten und dennoch so frischen Geistes entgegen. Wir freuen uns, daß Sie, nachdem sie nach langer Pause nun im Ausland wie- der einmal eine sozialistische Zeitung lesen konnten, unseren großen Abstand von dem Bergangenen erkennen und würdigen. BeHallen Sie bei Ihrer Rückkehr in das„dritte Reich" die„Deutsche Freiheit" in gutem Gedächtnis. Wir hossen, Sie werden noch erleben, daß unier Blatt in einem befreiten Deutichland erscheinen kann. Martin Rockenbach. Sie nun auch! Einst gaben Sie„Orplid" heraus, die sublime katholische Zeitschrift mit weitgesteckten geistigen Jnterenen, Wortführer eines im Glauben geborgenen Ethos, För- derer jungkatholischer Dichter, bei deren Betreuung Sie viel« Ber- anlwortung zeigten. Bor einer Reihe von Jahren übernahm Sie Ernst Hardt für die literarische Abteilung des Westdeutschen Rund- sunks. Während Ihr Förderer Hardt, dem Sie alles, Posten und Einfluß, zu verdanken haben, gehetzt und totkrank, ins Gefängnis gesteckt wurde wegen seiner liberalistischen Toleranz im Kölner Sendehause— was taten Sie? Sie zogen eine pickseine braune Uni» form an mit einem hübschen Spiegel auf dem Kragen nnd durften bleiben. Jüngst sah man Sie in einem großen westdeutschen Blatte in eben dieser Uniform im Bilde. Hinter den Brillengläsern blickten Ihre Augen genau so bieder und fromm wie früher in die Welt: in Ihr Land Orplid, nämlich das„dritte Reich". Schwedenpunsch. Besten Dank für Ihre Mitteilung. Tas schwedische Königshaus hat für die Erhaltung seiner blonden und blauäugigen Reinrassigk-it seltsamerweise niemals diese rechte Neigung gehabt. Tas lieg! wohl darin, daß der Stammvater Bernadolle und die Stammutter aus dem Hause Clary vor unserm heutigen Reichsrasse- wart keineswegs ein strenges Examen bestehen würden. Tai kleine Fräulein Erika Patzek, das setzt den Schwedenprinzen Sigvard ge- heiratet hat, obwohl ihr Bater Berliner Grundstücksmakler von zweifelhafter arischer Abkunft ist, hat übrigens eine interessante Tante bekommen. Ter Bruder der schwedischen Kronprinzegin, also der Schwiegermutter der tetzigen Prinzenin Sigvard-Payek, hat eine Enkelin jenes Sir Ernest Cassel geheiratet, der vor zwei Men- schenaltern als kleiner südischer Banklehrling von Köln nach Lvn- don zog. Hier machte er seinen Weg, wurde reich, Hosbankier und immer hilfsbereiter Freund Eduard VII. Alljuda hat eben überall die Hand im Spiele. Ter kleine Casiel, einstmals Stift im Kölner Bankhause Oppenheim, ist vermutlich einer von jenen„Weisen von Zion", die nicht ruhen, bis sie edelstes arisches Gewächs bis ins dritte und vierte Glied semitisch durchseucht haben... Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P i y tn Dud- weiler: für Inserat«: Otto Kuhn in Saarbrücken Rotationsdruck und Verlag: Verlag der BolkSstlmme GmbH, Saarbrücken 8, Schützenstraße 5,-- Schließfach 778 Saarbrücken, 3 1»