Ur. 86. Abomumrut«-Kedingunge«: AbonnimentS-Prei» pränumerando: «i-rteljährl. Z,S0 Ml., monall. l.lOMl.. möchentttch 28 PIg. frei in« Haus. Einzelne Nummer S Psg. Sonntag»- Nummer mit tllustrirter Sonntag»- Beilage„Die Neue Welt" lO Psg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen tn der Post- Zeitung»- Preisliste für ISS? unter Dr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Auiland 3 Mark pro Monat. 14. Iahrgl. Kit Instrtions- Gebühr beträgt für die sechSgespaltene ftolonel- zeile oder deren Raum iß Pfg., für Berel»»- und BersammlungS-Anzeigeu, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bt» » Uhr nachmittag» tn der Srpedition abgegeben werde». Die Expedition ist an Wochentagen bi« 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi» S Uhr vormittag» geöffnet. Erscheint täglich autzrr Montag«. Vevlinev Volksblatt. Fernsprecher:?ml l, vr. tb08. Telegramm-Adresse: „Sozialdemokrat Berlin". Dentralorgan der sozialdemokratischen Uartei Deutschlands. HUdalUio«; SW. 19, Weuly-Ktraße 2. Sonntag» den 11. April 189�. Spedition: 8V. 19. ZZentY-Straße 3. Detttfrhlond ottd die Vevemißken Stooten. Die handelspolitischen Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staateil stehen augenblicklich vor einer ernsteren Krisis, als sie jcnials zn furchten war. An Störungen hat es freilich auch bisher niemals gemangelt. Was heute jedoch ivie eine dunkle Wolke am Horizont auftaucht und was unsere Agrarier inbrünstig herbeisehnen, das ist der offene Zollkrieg mit einem der Hauptabnehmer unserer in- dustrielleil Erzeugnisse. Die ganze Unfertigkeit unserer handelspolitischen Vertrags- Verhältnisse mit der amerikanischen Union tritt bei diesem Anlaß scharf hervor. Wir haben heute selbst mit dem selbstherrlich abgeschlossenen Zarenreich einen Tarif- vertrag, einen Handelsvertrag mit Festlegung zahlreicher und wichtiger Einfuhrzölle; letztere können bis nach der Wende unseres Jahrhunderts von uns wie von unseren Gegenpartnern nicht mehr beliebig bis zur völligen Absperrung erhöht werden. Die Vereinigten Staaten haben sich noch immer diesem Fort- schritt entzogen, der durch die engeren internationalen Wirth- schaftsbeziehnngcn sonst fast überall eingetreten ist. Die Ver- einigten Staaten sind zwar von dem internationalen Austausch dr Produkte ebenso abhängig wie irgend ein anderes zivilisirtes Land. Sie erheben jedoch noch immer deil Anspruch auf imeingeschränkteste Zoll- Autonomie, ans eine willkürliche Zollbelastung jedes Einfuhr- zweiges, die nur beschränkt sein soll durch die Nützlichkeits- erwägringen der eigenen Interessen, nicht aber durch bindende Zusicherungen an das Ausland. Die meisten der amerikanischen Handelsverträge räumen nur das Recht der Meist- begünstig u n g ein; sie verbürgen nur, daß alle nach der Union Waaren importirenden Staaten gleich gut oder gleich schlecht behandelt werden sollen. Und leider hat sich unsere Industrie an eine immer schlechtere Behandlung gewöhnen müssen. Besonders die neueste Tarifreform ist in den Vereinigten Staateil mit einer Rücksichtslosigkeit in Angriff genommen worden, die überall in Europa Befremden und selbst helle Entrüstung hervorgerufen hat. Auf Mitte März wurde der Kongreß zu einer dringenden außerordentlichen Sitzung ein- brrnsen. Der neue Zoll» Gesetzentwurf war mit verblüffender Geschwindigkeit fertiggestellt und ging, fast nur der Form wegen, an eine Kommission, die in wenigen Tagen ihre sogenannte Berathung erledigte. Sowohl Mac Kinley wie Mister Dinley, der Vorsitzeilde des Way« acd Means Committee(Etatskommission), betonen, daß der geplante Tarif in erster Linie den Bundes f i n a n z e n wieder aufhelfen solle, die allerdings ein recht betrübliches Bild zeigen: für die drei letzten Finanzjahre wird insgesammt einDefizit von 137 Millionen Dollars heransgerechnet, für das noch laufende Etatsjahr von rund 50 Millionen. Mit Zollcrhöhungcn sind aber sonderbarerweise besonders solche Waaren bedacht, die Amerika ebenfalls produzirt und ivelche die interessirten amerikanischen Produzenten geschützt sehen wollen. Diese Schutz- und nicht Finanzzölle werden ferner auf eine sHöhe emporgetrieben, daß die Frage zuweilen nur die sein kann, ob die Absicht einer Einfuhrerschwerung oder einer vollständigen Absperrung vorliegt. Wir sprachen zur Zeit der Wahlen die Vermuthnug ans, daß die Zollsätze der ehemaligen MacKinley- Bill wieder in Vorschlag gebracht werden würden. Das ist im großen lind ganzen vielleicht eingetreten; bei cinzelnen Waaren jedoch ist alles bisher an Prohibitionspolitik Dagewesene über- troffen ivordcn. So sind z. B. Wollfabrikate höher angesetzt als in irgend einer je im Kongreß eingebrachten Bill. Von den Kleineisenwaaren sollen billige Scheeren L25 pCt. ihres Wcrthes Zoll zahlen, Zerlegemesser lnit Horngriff 175 pCt., gewöhnliche Tischmesser und Gabeln 157 und Tascheninesser mit vier Klingen gar 230— 270pCt. Selbst der in der Roth des Bürgerkrieges angenommene Einfuhrtarif verzollte diese Waaren lmr mit 35, das Mae Kinley-Gesetz mit 45 pCt. Gewehre, die bisher unter einem Tarif von 35pCt. standen, sollen jetzt 85— 100pCt. zahlen. Im ganzen will Mr. Dinley 112 Millionen Dollars mehr ans der Einfuhr für die Bundeskasie herausholen. Nun be- trug in dem(mit dem 30. Juni endenden) Etatsjahre 1895/96 der Werth der Gesammteinfnhr nach den Vereimgten Staaten 760 Millionen Dollars. Die darauf ruhende Zolllast belief sich bisher schon auf 156 Millionen, stellte also bereits einen Werthaufschlag von 23V» pCt. dar. Sollen jetzt weitere 112 Millionen hinzutreten, so ivürde der Aufschlag— auch ferner gleiche Einfuhrverhältnisse vorausgesetzt— auf über 35 pCt. hinaufgeschraubt werden. Daß diese Beute für die Bnndeskasse nur Vorwand für den Beutezug der Industriellen ist, ergiebt sich schon zur genüge aus der Thatsache, daß Mae Kinley 1890 seine Tarisreform ebenfalls mit finanziellen Erwägungen begründete, damals freilich mit solchen genau entgegengesetzter Art. Da- mals schwamm die Union im Ueberfluß, 1890 hatten die Eiimahmen um 85 Millionen die Ausgaben übcrtroffen; und Mae Kinley rühmte darum seinem Entwurf als Hauptverdienst nach, er werde die Finanzeinnahmcn verringern, weil er— die Einfuhr zurückdrängen werde. Die Schutzzöllner diesseits wie jenseits des Ozeans haben eben immer vor der Oeffcntlichkeit das Verstcckcnspielen geliebt; nur wenn sie untereinander sind, reden sie von ihren eigenen Geschäften. ! Deutschland befindet sich dieser neuesten Entwicklung gegenüber in einer recht unbequemen Lage. Einmal sind selbst rein formell seine Vertragsbeziehungen unsicherer wie die anderer Staaten. Der maßgebende Handels- vertrag von 1828 ist mit Preußen abgeschlossen; er ist dann war ohne Bedenken auf den Zollverein und das Deutsche 'eich angewendet worden, die amerikanische Regierung hat diese Ausdehnung aber niemals als für immer rechtsverbindlich anerkannt. Noch 1874 antwortete der Staatssekretär Grescham auf ein Schreiben des� deutschen Botschafters:„Die Be- stimmuugen(des Vertrages von 1828) stellen den Handels- verkehr zwischen den Vereinigten Staaten und Preußen, nicht mit dem gesammten Deutschen Reiche, auf die Grundlage der Meistbegünstigung." Schlechter wie dieses formelle Recht ist jedoch das wirth- schaftspolitische Gewissen Deutschlands— und bei allen inter- nationalen Auseinandersetzungen fällt der Umstand wesentlich mit ins Gewicht, wie sehr man seinen Gegner oder sich selber ins Unrecht gesetzt hat. Und wir haben es da an uns wahrhaftig nicht fehlen lassen. Wir haben der amerikanischen Tinte aufgeredet, daß sie Glas— dem amerikanischen Pökel- fleisch, daß es Blech sei. Wir haben das amerikanische Schweinefleisch als gesundheitsschädlich mißhandelt und die amerikanischen getrockneten Acpfel als zinkhaltig verdächtigt. An dem amerikanischen Rind entdeckten wir mit einem Male das Tcxasfieber; die amerikanischen Versicherungsgesellschaften haben wir plötzlich aus Preußenund Deutschland hinausmanövrirt. Wenn wir auch seit 1890 unsere Haupt-Einsuhrzölle ermäßigten, so haben wir doch einzelne Waare», zu deren Einfuhr die Vereinigten Staaten wesentlich beitragen(so die Speiseöle, das Baumwollsamenöl) noch im Jahre 1395 höher belastet. Uns besonders zu entrüsten, dazu haben wir somit wenig Anlaß. Nun gar für unsere Zuckerindustriellen, welche ihre Prämien- Politik in Amerika durchkreuzt sehen, oder für unsere Agrarier, welche die Gelreidezufuhr zurückdämmen wollen, einen Zoll- krieg vom Zaune zu brechen— daran denkt die deutsche Arbeite r klaffe vollends nicht. Gewiß, auch wir wollen für unseren industriellen Export möglichst ständige und möglichst erträgliche Zollverhältnisse im Auslande. Jedes ehrliche Bestreben der deutschen Regie- rung, die Vereinigten Staaten zn einem besseren Handelsvertrag mit Deutschland zn bewegen, wird daher auf unsere Unterstützung rechnen können. Wir kämpfen damit für die wirthschaftliche Existenz einer breiten Schicht unserer Arbeiter, die vielfch an der Spitze des Sozialismus marschirt und deren nächste Interessen daher zugleich zusammenfallen mit den Interessen unserer ganzen Arbeiterbewegung. Wir halten eine bessere vertragsmäßige Regelung unserer Handels- beziehungen bei beiderseitigem, guten Willen auch heute noch nicht für durchaus aussichtslos, obwohl wir uns keinen Augen- blick verhehlen, was in Amerika ein siegestrunkener Ring von Jndustriezöllner» und in Deutschland eine agrarische Mehrheit im Parlamente zu bedeuten hat, die auch für die kommenden Wahlen auf ihren Sieg rechnet. Wir werden uns aber aus Leibeskräften dagegen wehren, daß ein Zollkampf zum Ausbruch kommt, den die deutscheu Arbeiter abermals bezahlen müssen mit einer Vertheuerung ihres Brotes, ihres Fleisches und ihres Lichtes, während die eigentlichen Schürer des Kampfes.gar nicht daran denken, ihn durch einen ver- nnnftigcn Frieden später zu einem für unsere Industrie befriedigenden Abschluß zu bringen. politische Xlebevlicht. Berlin. 10. April 1397. Bei politischer Windstille und wenn die Ordnungs- Parteien in besonders heftiger Katzenjammerstinnnung sind, tauchen stets, ebenso gewiß wie die Seeschlange in der Sauren- gurkenzcit, Gerüchte von einer„Spaltung der Sozial- d e m o k r a t i e" auf. Bald ist es der Abfall vom „ehernen Lohngesetz", was uns spaltet, bald der Ab- fall der Partei vom revolutionären Programm, bald da? behagliche Leben der vom Schweiß der Arbeiter sich mästenden Führer, bald die größere Konsequenz und Energie der mythisch-titanischen Anarchisten, bald dieses, bald jenes. Jetzt, wo die Ordnungsparteien in ungewöhn- lichem Maaß— in einem Maaß, wie wohl noch nie zuvor— von„ihres nichts durchbohrendem Gefühle zernagt werden, haben sie sich im Himmel Trost geholt und benutzen die Religion als Sturmbock oder richtiger als Keil, um uns zu„spalten". Die„kon- seqncnten",„zielbewußten" Genossen, in denen die Kraft der Partei steckt, sind empört über die Heuchelei unseres Pro- gramms, daß die Religion Privatsache ist— sie rücken in grimmer Wnth dem Gros der Partei auf den Leib, das zu feig ist, Farbe zu bekennen, und sie werden nicht eher ablassen, als bis die Partei„gespalten" ist.-- Nun, wir wollen unseren Feinden den Spaß nicht ver- derben. Um so weniger, als diese Spaltungsgerüchte, die natürlich nur Spaltungs wünsche ausdrücken, für unsere Partei sehr schmeichelhaft und in gewisser Hinsicht auch be- lehrend sind. Unsere Feinde gesteheu damit ein, daß sie die Hoffnung aufgegeben haben, uns zu überwinden, so lange wir einig sind. Von diesem Geständniß nehmen wir gern Akt.— Die preustische BereiiiSgcsetz-Novelke sollte dem Ab- geordnetenhaus spätestens nach Ende der Osterferien zugehen. Doch scheint dies wieder in Frage gestellt zu sein, denn trotz aller Dementis scheint im preußischen Ministerrath Herr v. d. Recke und v. d. Horst mit seinem neuen Vereinsgesetze, das eine preußische Ausgabe des selig entschlafenen Umsturzgesetzes sein soll, auf starken Widerstand gestoßen zu sein und eine Konferenz des Ministers mit den Vertretern der rechts stehenden Parteien im Abgeordnetenhause soll— wie die „Lid. Corr." meldet— auch keine Aussichten auf Annahme des echt russisch gefirnißten Vereinsgesetzes ergeben haben. Da Herr v. d. Recke aber sehr wenig Lust zu haben scheint, einfach den Paragraphen über das Jnverbindungtrcten politischer Vereine vom Landtage streichen zu lassen, so dürfte wiederum eines der Versprechen des Reichskanzlers Hohenlohe, der, wie erinnert werden mag, auch preußischer Minister- Präsident ist, etwas sehr lange auf Erfüllung harren. Tröstet er sich vielleicht damit, daß er dem Reichstage auch das Ver- spreche» über die Militärstrafprozeß-Ordnnng noch immer nicht eingelöst hat?— Eine Entscheidung im Orient können die nächsten Stunden bringen. Vielleicht sind schon, wenn diese Blätter in die Hände unserer Leser gelangen, griechische und türkische Truppen handgemein. Ueber die Vorgänge an der griechisch- türkischen Grenze verlautet: Zlthen, 10. April. Die Insurgenten betraten am Mittwoch da? makedonische Gebiet; die griechische Bevölkerung hatte ihnen enthusiastische Abschiedskundgebunge» bereitet. Die Banden werden von früheren Osfiziere» der regulären Armee befehligt. Cipriani be- findet sich als Freiwilliger bei den Insurgenten, ivelche auf Kosten der Nationalliga gut bewaffnet sind. Der Verpflegungsdienst ist gut organisirt. Die Nachricht hat in Athen eine außergewöhnliche Be« wegung hervorgerufen. Die i» K o n st a n t i u o p e l erscheinende türkische Zeitung „Eabah" veröffentlicht folgende Depesche aus Elassona: Gestern ver- suchten ungefähr 1000 Griechen die Grenze zu überschreiten. Die türkische» Truppen feuerten und zwangen die Griechen zum Ruck- zuge. Die Verluste auf griechischer Seite sind beträchtlich. Der Ober- befehlshaber der türkische» Truppen Edhem-Paicha und die Komman- danten der dritten und fünften Diviston trafen entsprechende An- ordnungen. Der Ort, an welchem der Durchbruch versucht wurde. ist nicht gemeldet. Weitere in Elassona eingegangene Nachrichten bestätigen den Ausbruch von Feindseligkeiten zwischen griechische» Irregulären und türkischen Truppen. Der größere Theil der in Greven» stationirten türkischen Division unter Hakli Pascha rückt gegen die. ins türkische Gebiet Eingefallenen vor; Marschall Edhem Pascha wird de» sofortigen Vormarsch des türkischen Heeres befehlen. In den Reihen der Angreifer sind griechische Uniforme« bemerkt worden. Die Lage wird hier als äußerst ernst betrachtet. Die türkischen Truppen rücken fortgesetzt gegen die griechischen Freischaaren vor, welche sich bald zwischen drei Feuern befinden werden. Den„Times" wird auS Kanea von gestern gemeldet: Bei der Ankunft in Kiffamo sandte der österreichische Admiral Boote von den britischen und österreichischen Kriegsschiffen ans Land, um die mohaniedanischen Flüchtlinge abzuholen. Als die Boote sich dem Land« näherten, gaben die Insurgenten mehrere Salven auf dieselben ab. Hierauf eröffnete» die Kriegsschiffe ei» Bombardement, bei dem sie Über 80 Schuß abgaben. Etwa 80 mohamedanische Frauen und Kinder liefen zum Strande und schifften sich in die Boote ein, welche bei der Rückfahrt zn den Kriegsschiffe» von den Aufständisch«» weiter beschossen wurden. Man glaubt, daß von den Insurgenten eine Anzahl getödlet sind.— DaS Bliudckuhspicl, welches die englische Transvaal-Kom- Mission seit Monaten spielt, ist leider nicht blos eine erbärmliche Form und nicht blos eine moralische Schande für die englische Regiernng, es soll auch zur Maskirung eines großen Ver- b r e ch e n s dienen, das in aller Stille vorbereitet wird. Nach Mittheilungen aus zweifellos bestunterrichteter Quelle rüstet man in England für einen Krieg gegen die Boerenrepublik. General Wolseley, der in solchen Dingen für die erste Autorität gilt, hat sein Gutachten dahin abgegeben, daß mit 30 000 Mann der Erfolg: vollständige Erdrückung des kleinen holländischen Freistaats sicher sei. Die Erwerbung der Telagoa-Bey durch England hängt mit diesem Plane zusammen. Wenn man die Verhandlungen der palamen- tarische» Untcrsnchnngskommission über die Transvaal-Vorgänge liest, einerseits die festgestellten Thatsache» anderntheils die Versuche, weitere Feststellungen zu hintertreibe», uud Überhaupt die ganze Art wie die Untersuchung geführt wird, ins'Auge faßt, und den geradezu unerhörten Ton sich vergegen- ivärligt, mit dem zahlreiche, der Regierung nahestehende Preßorgane' den Präsidenle» Krüger persönlich und die Boeren im allgemeinen beschimpfe», so kann man sich über den Ernst der Lage nicht läuschen. Wen» nicht alle Anzeichen trügen, will Lord Salisbury sein kläg- liches Fiasko in Ostasien und imOrient deni starke» Rußland gegenüber mit einem wohlfeilen Triumph über de» kleinen Transvaalstaat zudecken. So wohlseil dürfte der Triumph freilich nicht sei». Die Boeren sind zwar nur Milizen, sie haben sich indeß den englischen Truppe» i» allen früheren Kämpfen weit überlegen gezeigt; und sie würden sich natürlich wohl hüten, in offenem Feld eine Schlacht unter Be- dingungen anzunehme», die einer reguläre» Armee das Uebergewicht gäben. Allein bei ihrer außerordentlichen Beweglichkeit zu Pferd und zu Fuß, und bei ihrer wunderbare» Treffsicherheit als Schützen habe» sie es in der Gewalt, den Krieg nach ihrer Weise zn führen, zumal ans einem für de» Feind sehr schwierigen Terrain, das sie selbst aber kennen, wie ihre Rocktaschen. Außerdem wäre den Boeren des Transvaal, wenn es zum Kriege kommt, der Beistand der ebenfalls holländischen Oranje- Republik gewiß, sowie die Sympathie und die werklhätige Hilfe der zahlreichen Holländer der Kapkolonie. Die Transvaal- und die Oranje- Republik zählen zusammen 600000 Weiße, die mindestens S0000 tüchtige Milizleute stellen können. Nebrigens wurde auch ein siegreicher Krieg die Engländer nicht verhindern können, daß die afrikanischen Kolonie» sich mit der Zeit von England lostrennen, ebenso wie die nmerika- nischen Kolonie» es im vorigen Jahrhundert gethan haben, und die a u st r a l i f ch e n es jetzt zn thuu im Begriff stehen.— Deutsches Reich. — Unglück mit£ o f v ä 1 1) e n. Hosrath de(Srnhl, der einer ticiK» Auflaae des Leckert-Lützoiv.Prozesses entgehen möchte, bei der er statt ans der Zeugendank ans der Anklagebank Platz zu nehmen hätte, hat sich krank gemeldet. Er ist plötzlich nervenleidend geworden und befindet sich in einer Heilanstalt in der Nähe von Berlin, ans der er wohl rechtzeitig verscbwindcn wird. Während die neueste der vielen Affären spielte, in der Herr de Grahl eine so unrühmliche Rolle spielte, ist man an einen anderen würdigen Hofrath erinnert worden. Der Geh. Hofrath a. D. Richard Mancho ist am Freitag früh hier gestorben. Er war lange Jahre Bureau- Vorsteher der Registratur des Geheimen Zivilkabinets des Kaisers. vr wurde dadurch besonders bekannt, daß er sich bei der V e r- mittel«ngvonOrdens-nndTitel-AnSzeichnun gen Unredlichkeiten zu schulden kommen lieh und deshalb am 13. Oktober lSSl zu neun Monaten Gefängniß ver- nrtheilt wurde. — Na ch w ahl für den Margarine- und Klage- M o h r. Bei der heilte im 8. Wahlbezirk des Regierungsbezirkes ■Schleswig staltgehabten Landtagsersatzwahl wurden inögesamint 443 Stimmen abgegeben. Hiervon erhielt Kommerzienrath W.� Bolchens(natl.) 265 und Pros. Hähnel lfrs.) 178 Stimmen. Erstercr ist mithin gewählt. — Warum der kürzlich verstorbene Justizrath M a r t i n y in Danzig nicht„Geheimer I u st i z r a t h" geworden ist, darüber giebt eine dortige konservalive Zeitung folgende Ausklärung: Martiny stand vor einige» Jahren dicht vor scinein sojährigen Aintsjubiläum, mit welchen» in der Regel der Titel„Geheimer" verkunpst sein soll. Der alle Politiker ivuhte dies und etwa vier Wochen vor dem Jubilärnn spendete er 1000 Mark für de» sozialdemokratischen Wahlfonds,»vorüber öffentlich qnittirt wurde. Seine Fainilie»var entsetzt, das Jubiläum kam und— der „ Geheime" ging an ihm vorüber!— — Der Allgemeine deutsche H a»i d w e r k« r t a g soll in diesem Jahre sein großes Phrasendresche» schon an, 27. und 23. April vorführen.— — D i e W e r k m e i st e r der k a i s e r l. Werft zu Kiel senden aus Gaarden an die Redaktion der„Berl. N. N." eine Er- klärnng, in der sie die fürchterliche Berleuindung dieses Blattes, daß ste zum großen Theile Sozialdemokraten seien,»nit Entrüstung zurüchiveisen. Charakteristisch für die Denkungsart dieser»virklich mit Unrecht von dem denunziatorische» Berliner Bismarckblatte ver- leumdeten Männer ist der folgende Absatz ihrer Erklärung: Nichtbeachtung unseres unbestreitbaren Gennchls in der Praxis, Abschivächung der Strafbefug n iß und Entziehung der Fühlung mit dem arbeitende» Personal sind Faktoren,»v eiche wohl das Rechtsgefühl eines Werkineisters verletzen und ihm die Freudigkeit zu seinem Wirken nehmen, aber nie den» oberste» Kriegs- Herrn die gelobte Treue zu brechen im stände sind.— — Eines unnahbaren, h o ch e r h a b e n e n B ü r g e r- m e i st e r s kann sich die gute Stadt Liegnitz erfreuen. Auf die i» unserer Nirmmer von» 9. d. Mts. erwähnte, an den Liegnitzer Ober- bürgermeister Oertel gerichtete Anfrage, ist dem Absender seitens der Polizeiverver>valtung folgende Autivort zu theil geivorde»: Auf Ihre in» Austrage der Beschiverdekommission der Gewerkschaften an mich gerichtete Eingabe vom 2. April er. eröffne ich Ihne», daß ich dieser angeblichen Besckiuerdekommission nicht die Berechtigung zu- gestehen kann, eine Behörde um Anskunst über amtliche An- gelegenheitcn zu ersuchen. Die Polizei- Ver, vallrmg.(Unterschrist unleserlich.) Der Herr Oberbürgermeister versteht sich sein?'nit recht bequem zu,»lachen. Ob er damit seinem Ansehen ausHilst, ist eine andere Frage.— — Die U n» s a tz st e n e r»»>» d die sächsische Regie- r u n g. Sächsische Amtsblätter dementiren die Nachricht, daß die sächsische Negierung die Konsuinvereins-Uinsatzsteller abgelehnt habe. Bon einer derartige» Erklärung»visse man an amtliche» Stellen nichts.— Das Dement» geht bloS auf das Wort: Erklärung.— Zur Behandlung politischer Gefangener in Sl�yalt. Herr Regiernngsrath Laue rechtfertigte sich an» Z.April jjff anhnltischen Landtag gegen die Angriffe, die seinerzeit Genosse e u S in, Reichstage und das„Volksblatt für Dessau" gegen die Gesängnißverivaltung in Cosivig erhoben hatte. Herr Laue bc- merkte, daß bei einer Strafe von»nter drei Monaten das Tragen der eigenen Kleidung den Gefangenen gestattet ist,»vährend er sich in bezug auf Abnahme des Haupt- und Barthaares bei einer Strafe von über drei Monate» der Halisorduung fügen muß. Es wird in den» genannte» Artikel behauptet, daß die Strafzeit, »velche für das Belassen des Haupt- und Barlhaares bestimmend ist, nicht drei Monate, sondern sechs Wochen betrage. Aus den hierauf verlesenen Paragraphen der erivähnte» Hausordnung geht jedoch die Richtigkeit der von den, Regierungsvertreter gemachten Aussagen hervor. Ebenso unrichtig erweise sich die Behauptung, daß mit dem Redakteur Gehre, welcher im vorigen Jahre z>vei Monate in Coswig abzubüßen hatte, ailders als»ach der Hausordnung verfahren wurde. In derselben heiße es ausdrücklich, daß Strafgefangenen»mter sechs Monaten das Trage» von eigenen Kleidern gestattet»verde»» kann, selbstverständlich sei hierzu ein vorheriges Erlaubnißgesuch und von zuständiger Stelle die Erlaubnißertheilnng nöthig, und beides lag in» Fall Gehre nicht vor; die Regierung aber habe keine Veranlassung gehabt, den» p. Gehre diese Wohlthaten freiivillig zu enveiss». Ferner habe Peus im Reichstage behauptet, er habe bei ihm(Redner) Besch»vcrde geführt; dies geht aber weder aus den Akten der Gesängnißdirektion noch des Ministeriums hervor, richtig sei nur, daß Pens 2—3 Wochen vor Antritt einer Strafe bei ihn» gewesen fei und bezl. skleidung, Lektüre u. s.>v. un» Ver- gänstigungen gebeten habe, die aber unter Hiniveis aus die Haus- ordnung nicht gelvährt»verde» konnte»», da die Strafe sechs Monate betrug. Den» gegenüber bemerkt unser Partei-Organ in Dessau: Was geht aus dieser Erklärung, die»vir in ihrein Wortlaut den» Bericht des„Anhaltischen Tageblattes" entnehmen, hervor? I. Das Tragen eigener Kleidung kau» gestattet werden bei Strafgefangene» unter 6 Monaten. 2. Die Haarschnittsprozedur und Bartrasnr kann solchen Ge- fangenen erspart»verde»,»velche»veniger als drei Monate zu verbüßen haben und denen das Tragen eigener Kleidung ge- stattet ist. Daraus folgt zunächst, daß die Kritik,»velche der Reichstags- Abgeordnete Pens im Reichstage an der anhaltischen Strafanstalts- Hansordnung geübt hat, durchaus berechtigt»var. Denn selbst« verständlich ist die Länge einer Strafe durchaus kein Maßstab für die Ehrenhaftigkeit oder Ehrlosigkeit eines Strafgefangenen. Uebrigens»vird es für viele eine ebenso überraschende Neuheit sein wie für uns, daß bei Strafgefangenen unter 6 beziv. 3 Monaten von dem Ansialtskleidungszivang bezw. der Haarschnittsprozedur »venigstens abgesehen»verde» kann. Das hat bisher»och kaum ein Mensch ge»vußt. Anderenfalls würde die Slrafanstalls-Konnnissio» schon öiter Gelegenheit gehabt habe», kundzuthun,»ach, velche» Grundsätzen sie diese nach der Hausordnung mögliche Erlaubniß gestattet. Insbesondere»vürden soivohl Peus, als er seinerzeit auch eiumal 2 Monate Strashaft verbüßte,»vie auch Gehre ziveisellos diese Erlaubniß erbeten habe». Es»vürde sich aber auch gehören, daß die nuinnehr bekannt geivordene» Vorschriften der Hausordnung jede»»» Gefangenen kennen zu lernen durch Aushang Gelegenheit ge- geben»vürde, und man sollte erwarten, daß gerade den volitischen Gefangenen gegenüber die Erleichterungen, die die Hausordnung gM währt, auch in Anwendung kommen. Jfß — Wie Arbeitgeber- Petitionen zu st Md e kommen. In der Reichstagssitzung von» 17. März 1897 haben Kardorff und Manteuffel den Ai»trag gestellt, den Bnndesrath zu ersuchen, die vom ihm am 4. März 1396 erlassene» Bestinnnungen über den Betrieb der Bäckereien und Konditoreien abzuändern. Als Begründung dieser Forderung führten die Antragsteller die schwere Schädigung des Bäckergeiverbes an,»vie diese aus zahlreichen ihnen zugegangene» Petitionen der Arbeitgeber hervorgeht. Inwiefern derartige Arbeitgeber-Petitionen nn allgemeinen geeignet sind, als Basis für Abänderungsvorschläge hinsichllich der Sozialgesetzgebung zu gelten, leuchtet ohne»veiteres aus folgenden von der„Neue» Zeit" »viedergegebenen klassischen Aussührunge»» des neuesten Jahresberichts der badischen Fabrikinspektion eil». Die Durchführung des§ 105l der Gewerbe-Ordnung, sagt Dr. Wörishoffer, hat besonders be- züglich der Mälzereien mehrfache Erörterungen nöthig geinacht. Es »vurde anfangs von den Fabrikbesitzern»viederholt augegebe», man könne i» den zugelassene» drei Stunden die in diesen Betrieben u»- umgänglich»öthigen Sonntagsarbeilen nicht vornehmen, und man könne auch keine gegenseitige Ablösung eintreten lassen,»veil jeder Arbeiter für seine Malzhaufen speziell verantivortlich sei. Nunmehr sind aber i» den Anlagen dieses Jndustrieziveiges die früheren Bedenken offenbar gesch>v»lnden; denn die Fabrikinspeklio» hat nichts mehr wahrgenonnnen, daß uennensiverthe Ver- letzungcu der genannten Gesetzesvorschrift vorkommen. Um so größer mußte daher das Befreinden Wörishoffers sein, als unter den Mälzern, die beim Bundesrath»vegen besonderer AuSiiahinebestiininllngeil vorstellig geworden waren,»veil die jetzigen Vorschriften den Betrieb erheblich schädigte», sich auch acht Anlagen ans dem Großherzoglh»»»» Bade» befanden. Da die Angabe» dieser übereinstimmenden gedri�ckle» Petitionen sich in» Widerspruch mit den Wahrnehmungen der Fabrikinspeklio»» befanden, hat Dr. Wöris- hoffer eine Prüfung der Verhältnisse in diesen Anlagen veranstaltet, »velche zu folgenden» Ergebniß führte. In der größten dieser Au- lagen zeigte sich der Vollzug völlig einivandfrci. Der Besitzer, »velcher die Arbeitseintheiliiug auf den Vorschlag der Fabrikinspeklio»» eingeführt hatte,»var sehr überrascht zu höre», daß er eine Petition eingereicht habe. Er»ahin an» anderen Tage von der Petition Ein- ficht und erklärte die Unterschrist für diejenige seines Neffen, derProkura führe, dem Betriebe aber ganz fern stehe und der offenbar garuicht geprüft habe, um»vas es sich handelt. Derartige Drucksachen, fügte er Hinz»»,»vürden oft ans Gefälligkeit gegen die Uebersender unter- zeichnet, ohne daß man der Sache besondere Bedeutung beilege.— In den» ziveilen Betriebe, der die Petition unterschrieb, erklärte der den Betrieb leitende Theilhaber, von einer solche» Eingabe nichts zu»visse». Er nehme a», daß sei» den» ganzen Betriebe fern- stehender Kompagnon die Eingabe unterzeichnete. Ei» Bedürsniß zu einer Aenderung der Vorschriften liege nach seiner Ansicht nicht vor, denn seine Anlage kommt am Sonntag mit zivei anstatt drei gesetz- lich gestatteten Arbeitsstunden aus.— Die dritte petitionirende Firma»var der Fnbrikinspektion überhaupt nicht bekannt. Als sie a»>fgesucht»vurde,»vnrde erklärt,»»»an betreibe nur Wem- Handel und Brannl>veinbre>»nerei. In früheren Jahren habe man»vohl auch Malz bereitet. Von einer Eingabe an den Bundesralh»rollte man nichts wisse». Dann gab aber der eiue Theilhaber doch zn, einmal etwas derartiges unterschrieben zu haben, möglicheriveise sei es die betreffende Petition geivese».„Die Sache sei ihm»vahrscheinlich ziveckmäßig erschienen, und aus diesem Grunde habe er»vohl geglaubt, sie durch seine Unterschrist unter- sttttzeii zu sollen."— Der vierte Petent, sagt der Fabrikinspektor, hat bis zu der letzte» Revision den Vorschriften fortgesetzt keine Rechnung getragen, und scheint von denselben auch keinerlei Kenntniß genoinmen zu habe». Er»vnrde desivegen schon früher bestraft.— In der süilste» der petitionirende»» Anlagen erklärte der Besitzer, daß die unerheblichen Svnntagsarbeiten ganz gut in drei Stunden be- »vältigt»verde» könnte». Einen Grund für die Unterzeichnrrng der Petition»viißte er nicht anzugeben.— Der sechste Petent,, der Be- sitzer einer Malzfabrik und Mclassebrennerei, sprach sich dahin aus. daß der Gegenstand der Petition nunmehr für die Zlnlage ihre Be- deuluug verloren habe. Die Malzfabrik sei an die Aktienbranerei verpachtet, für die er früher das Malz hergestellt habe. Hier»vie in allen Brauereien seien Personen für die Ablösung genug vor- Händen. Auch»venn er die Mälzerei»vieder in eigenen Betrieb nehine,»verde er de» Vorschriften über die Sonntagsruhe Genüge leisten können. Die ihm zugesandte Eingabe habe er seines Er- innerns deslvege» unterschrieben,»veil der von ihn» befragte Mälzer- meister die Sache für ziveckmäßig erklärt habe.— Ter siebente — übrigens sehr kleine— Betrieb befand sich mit seinen Sonntags- arbeite» völlig in Ordnung. Der Besitzer, der zugleich Wirth ist, nimmt an, seine ihn» nicht mehr erinnerliche Unterschrift»vege» einer an ihn ergangenen driugeiiden Aufforderung abgegeben zu haben.— Aehulich lagen die Verhältnisse bei den» achten Petenten. Hier»vnrde ausdrücklich erklärt, nian habe die gedruckte Eingabe gar nicht gelesen und sie nur im Hinblick aus das sehr drängende Begleitschreiben unterzeichnet. Die zieinlich große Anlage »var übrigens erst im Bau begriffen, konnte demnach noch keine Er- fahrunge» haben. Mit Recht schließt Dr. Wörishoffer diese Schildeningen mit der Bemerkung ab, daß es überflüssig sein dürfte, dem Ergebniß dieser Erhebungen»och etlvas beizufügen. Und dies um so mehr, als keiner der Petenten auch nur das geringste Interesse an der Art der Erledigung der an den Bundesrath gerichtete» Vorstellungen zeigte.— Oesterreich. Prag, 10. April. Nach einer Meldting der„Narodni Listi" soll die für Böhmen erlaffene Sprachverordnung auch sür Mähren publizirt»verde».— Belgie». — In der Kainmer tan» es bei Berathung über das B u d- g e t d e s M i n i st e r i u m s des Innern zn scharfe» Ansein- andersetzungen zivischen dem Minister und den sozialistischen Ab- geordneten. Iii Belgien»verde» die Bürgernieister aus der Mitte der Gemeinderälhe heraus gewählt. Unsere Genossen habe» in einer Reihe von Gemeinderälhe» die Mehrheit nnd haben auch son»»t den Bürgermeisterposten besetzt, die Geivählten»vürden aber von der Re- gierung regelmäßig nicht bestätigt. Der Genosse D e f» e t inter- pellirte den Minister, ob er nicht bald diesen skandalöse» Zustände» abzuhelfen gedenke. Der Minister stützte sich in seiner Antivort darauf, daß die Betreffenden sich geiveigert hätten, dem Könige den Eid der Treue zu leiste». Sie hätte»» sich also selbst außerhalb des Gesetzes gestellt und könnten deshalb vo»» der Regierung nicht an- erkannt»verde». Spauie«. Aus Mauila ist beim schiveizerische» Bundesrath ein Bericht des eidgenössischen Konsuls Preisig eingetroffen, welcher de» Verlauf der dortigen Ereignisse vom Dezember bis zu Anfang des März darstellt. Die Situation hatte sich gebessert, einzig die Provinz Cavite mit Cavite Viego befanden sich noch i» der Gewalt der Insurgenten, »velche über 60—70 000 Mann verfi'iate», und wohl Geivehre, aber keine Kanonen mehr besaßen. Die Jnsurgente» in Cavite konnten deshalb der spanlschen Artillerie nicht standhalte»». Ei» Seitenstoß der J»si»rgenten auf Manila wurde an» 25. Februar nachmittags nuternonime». Der Zvllposte» an» Hase»,»vnrde an- gegriffen. Ei» Lieutenant und«in Sergeant»mirde» getödtet, die übrigen Zollivächter verjagt. Die Truppen der Marine eilten aber alsbald herbei und nacb lebhaftem Scharmützel, das bis gegen Abend dauerte, konnte die Ruhe»vieder hergestellt»verde»». Bon da a» bis zum S. März, de»» Datun» des Briefes, herrschte Ruhe und erschien die Erhebung als beigelegt. Die heiße Jahreszeit hat nun begonnen. In dieser Zeit wird sich die Insurrektion z»lrück- halten; dagegen befürchte man de» Ausbruch von Typhus und Cholera.— Afrika. AnS Kapstadt wird gemeldet: I» der gesetzgebenden Versamm- M,g des Kap brachte gestern Dutoit sür den ZIsrikaner-Bund folgende Resolution an: Das Haus»viinscht mit Rücksicht ans die ernste Lage in Südafrika seiner Meinung Ausdruck zu geben, daß das überiviegende Interesse der Völker in diesem Lande darin be- steht, den Frieden zivischen den europäischen Rassen aufrecht zu erhalte». Das Haus vertraut darauf, daß seitens der ver- schledenen Regierungen alle Anstrengmiaeu zu diesem Zwecke gemacht werden. Eine z, veite Resolution wurde von dem Führer der Opposition JuneS beantragt. Dieselbe giebt»bensall» dem ernsten Verlangen Ausdruck, den Frieden zu sichern und»vechsek- seitiges Vertraue» in und zivischen den verschiedenen Staaten und Kolonien zu schaffen; die besten Mittel seien hierzu die strikte B.- obachtung der Bestiinmuiigen der Londoner Konvention d»irch beide Parteien, die Aushebung der gerechtfertigten Beschwerdegründe von feiten der Transvaal-Regierung und das Verbleiben bei einer Politik der Mäßigung von feiten der englischen Regierung. Im Verlaufe der Berathungen sagte das Mitglied für Beaufort-West, M. Wieber, es sei die Pflicht der Regierung, die kaiserliche Regierung zu »varnen, daß Krieg»nit Transvaal de» Ausbruch eines Bürger- krieges in Südafrika bedeuten würde.— Amerika. — Von der mexikanische»Republik hört man»venig, allein was man hört, zeigt, daß das Land,»velches seit dem Scheitern der Napoleonischen Räuber-Expedition und dem tragischen Fall des armen Erzherzogs(„Kaisers") Maximilian sich innerer Ruhe zu er- freue» hat, in seiner ökonomischen Entivicklung außerordentlich voran- schreitet und bereits eine starke Industrie hat. Der Bergbau, ob- gleich noch immer bedeutend, steht hinter der Industrie und dein, zum theil großkapitalistisch geivordene» Ackerbau,»veit zurück. Die Staatsverfassung ist der ainerikauischen nachgebildet; und der Präsident P o r f i c i o D i a z, der Nachfolger vo» I u a r e z, legt besonderen Werth auf die Ausbildung des Schnlivesens. Mit Be- schämuiig lesen»vir in dem Briese eines Herrn Hauauer aus Philadelphia, der Mexiko bereiste: „Seit die National-Regierung das öffeiitliche Schnlsysten, unter ihre Verwaltung gestellt hat, ist ein riesiger Fort- schritt zu verzeichnen. Außer den Volksschulen und Erziehnngs- anstalten für Lehrer giebt es jetzt in Mexiko eine große Anzahl voir�g e»verbliche» und technischen Schulen, Bilduiige- instituten für K n» st und Wissenschaften. Religiöser Unterricht in allen öffentlichen Schulen ist strengstens untersagt. Das ist der Erziehung in der a m i l i e vorbehalten; der Staat n» u ß allein ildung. Fleiß und Patriotismus lehren— so sprach der Präsident Tiaz zu inir." Und Deutschland— daS intelligeuz-staatliche Mnsterland der Schulen?—_ Ter BnndeSrath. Die letzte Sitzung»vurde mit einen» Nach- ruf für den verstorbenen Staatssekretär v. Stephan eröffnet. Nach dein Eintritt in die Tagesordnung»vurde dem Gesetzentwurf, be- treffend de» Servistarif und die Klasseneintheilung der Orte—, den, Antrage, betreffend den zollfreien Einlaß der von dem internationalen landivirthschaftlichen Maschinenniarkt in Wien zurückgelangenden Güter,— dem Antrage Preußens, be- treffend die Einführung einer Bezeichnung für 100 Kilogramm,— sowie eine»» Antrage, betreffend die Verfügung über einen Arbeits- platz bei der zoologischen Station in Rovigno, die Zilftimmunß er- lheilt. Die Enlivürfe von Gesetzen für Elsaß-Lolhringen über die Besoldung der Lehrer und Lehrerinnen an öffentliche» Elenientar- schulen und über die Vizinalstraßen»vürden den zuständigen AuS- schüssen überwiesen. Außerdem»vnrde über verschiedene Reichstags- resolutionen, so»vie über Eingaben Beschluß gefaßt. Heute hielt der Ausschllß des Bundesraths für Handel und Ver« kehr eine Sitzung._ Ei» Kongreßjahr ist sür die s o z i a l i st i s ch e W e l t das Jahr 1897. Außer den üblichen Jahreskongreffen der f r a n z ö s i- scheu, italienischen, österreichische», deutschen, belgischen, dänischen und schwedischen Sozialdemokraten habe»»vir dieses Jahr zu Ostern einen Kongreß der holländischen Sozialdeinokraten in Arnheim; im Jlcki einen skandinavischen Kongreß zu Malniö für die dänische, schwedische und uonvegische Sozialdemokratie; ferner»eben den» alljährliche» englischen Geiverkschaftskongreß«ine», internationalen Ge- iverkschaftskongreß in England, einen internationalen Bergarbeiter-Koilgreßin London, und endlich eine inter- nationale Arbeiterschntz-Konferenz in der Schweiz. Bei der Börgerausschußwahl iin Dorfe Sandhofen bei Manilhein» siegte in der dritten Klasse der sozialdemokratische Wahl- Vorschlag»nit 165 Stimme» gegen 40 der vereinigten Gegner. Zu», Vertranensmann für M i t t w e i d a i. S. ist der Kolporteur Emil Z er che geivählt. Adresse: Weststraße 169. Polizeiliches, Gerichtliches ,e. — Wegen Beleidigung von Polizeibeainten»vurde der frühere verantivortliche Redakteur der„ B r a» d e n b u r g e r Zeitung", Genosse Hugo, vo»» Schöffengericht zu 3 Wochen Gefängniß ver- nrtheilt. Es handelt sich un» einen Artikel,»vorin der Polizei vor- geivorfe»»var, einen bezechten arretirten Arbeiter auf der Wache im Ralhhause geprügelt zn habe». Der betreffende Arbeiter be- stätigte dies unter Eid, das Schöffengericht schenkte aber den Alts- sagen der Polizeibeamten Glauben. — Das„Niederlausitzer Volksblatt" meldet: Zu 30 Mk. Geldstrafe, vnrde vom Schöffengericht der Zigarre, in, acher Paul' W i n k l e r verurlheilt,»veil er in einer sozialdeinokratischen Partei- Versammlung ein Hoch ans die Sozialdemokratie ausgebracht hat. Vor dem Ausbringen des Hochs hatte Winkler die Anwesend«»» von seinen» Vorhaben in Kenntniß gesetzt und etlvaige Gegner, die sich durch das Hoch belästigt fühlen könnte», aufgefordert, den Saal zu verlassen. Gegen das Urtheil»vird selbstverständlich Berufung ein- gelegt»verde». — Im„Lüneburger VolkSblatt" war lliiter den Geldern, die beim Ge»verkschaftskartell für den Hamburger Hafen- arbeiler-Streik eingegangen waren, anch quitlirl, daß von einem Unteroffizier des 2. Hann. Dragoner-Regiinents Nr. 16 eine Mark gegeben»vorden sei. Deswegen stellte der koinmandirende General v. Seebeck gegen den verantivortliche»» Redakteur Riedlinger Slrafantrag»vegen„Beleidigung". Nach einer»»»»»steriellen Ver- ordnung»st de» Mannschaften der belvaffnetei» Macht verboten, sich ohne erlheille Erlaubniß an Sammlungen zn betheiligen. Durch die Quittung sollen die Unlerosfiziere der Pflichtverlctzllng be- schuldigt und es soll eine Thalsache behauptet»vorden sein,»velche geeignet erscheint, die Unteroffiziere des Dragoner-Regimeuls Nr. 16 in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen. Das Landgericht in Lüneburg erkannte gegen de» Angeklagte» auf 50 M. Geldstraf« »md auf die übliche» Nebenstrasen. Das Gericht hat es nicht als eine Beleidigung aufgefaßt, daß behauptet»vurde, daß ein Unter- offizier an der Samnilmig sür die Streikenden sich betheiligt habe. Auch wllrde angenoinme», daß der Angeklagte von der ministeriellci, Verfügnng keine Kenntniß gehabt habe. Als vera»t»vortlicher Berichterstatter sei er anch nicht bestraft, sondern»veil er die Quittung in einem sozialdeniokratische» Organ veröffentlicht hat. Es sei unangebracht und unstatthaft, wenn Soldaten, die zum stehen- den Heere gehöre», sich au Stelleu»vendeu, deren Angelegeuheitc» iu sozialdeniokratische»» Organen veröffentlicht werden. Das Hab« der Angellagle geivußt nnd deshalb sei er zu bestrafe». — Wege» eines Aufrufs für die Hamburger Hasenarbeiter, der in der Breslau er„Volksmacht" veröffentlicht»var und »vorin es hieß:„Wollt Ihr zu V e r r ä l h e r n an Enren Hamburger Arbeitsbrüdern»verden?"»varen von» Breslauer Schöffengericht der Unterzeichner des Aufrufs, Schipp mann ans Haniburg und der Redakteur Z a h n zu je 14 Tage» Gefängniß verurlheilt»vorden, »veil sie§ 153 der Ge»verbe-Ordnu»g verletzt hätten, indem sie durch Ehrverletzung den Zuzug„ach Hainburg hätten fernhalte» wollen. Die Verurtheilten legte» Berufung ein, das Landgericht bestätigte aber das Erkenntniß des Schöffengerichts. — In H a I l e a. S.»vurde der Parteigenosse K o h l h a r d t »vegen Beleidigung des Ober-Polizei-Jnspektors W e y d e m a n n zu 3 Wochen Gefängniß verurlheilt. Der Staalsamvalt hatte sechs Monate beantragt!— Die Beleidigung»vurde i» den» Inhalt einer sogenannten Boykottkarte gesunden, die Kohlhardt einem Zimmer- mann namens Fleischer gegeben hat. Dieser denunzirt« ihn dann. Kosi�emÄNN und Genossen. (Sitzung vom Freilag Abends In der Sitzung vom Freitag Abend werden zunächst einige Zeugen vernommen, die in der Löwr'schen Fabrik arbeite» und an dem Fest in Weihcusee theilgenommen haben. Einige dieser ZengenauZsagen sind un- wesentlich. Bezüglich des Schlossers Arthur Zobel hatte Kosche- mann behauptet, daß er diesen auf dem Fest in Weißensee um acht Uhr abends getroffen habe. Der Zeuge Zobel meint, daß es viel früher gewesen sein müsse. Er wisse, daß die Kafseestunde, also zwischen 4 und 4>/2 Uhr, vorüber war, als er bei einem Rundgang Koschemann traf. Er glaube, daß es nicht später als SVe Ubr war(d. h. also zu einer Zeit, wo Koschemann noch bei Westphal gewesen sein will), jedenfalls glaube er bestreiten zu sollen, daß er Koschemann um 8 Uhr gesprochen habe. Als er diesen traf, war ein anderer Mann bei ihm, aber nicht Westphal, sondern ein kleiner Mann, der sogenannte O-Beine hatte. — Schlosser K a r p hat die dunkle Vorstellung, daß er Koschemann bei dem Fest in Weißensee gesehen habe und zwar etwa gegen 8 oder KVe Uhr, er ist aber in jeder Beziehung unsicher und will nichts auf den Eid nehmen.— Arbeiter Paul K i n d l e r hat den Kosche- mann auf dem Fest gesprochen; nach seiner Meinung ist es zwischen 8 und 8 oder gar 9 Uhr gewesen. Er will das deshalb wissen, weil er bei der Verhaftung Koschemann's sich sofort gesagt habe, daß er ihn doch zu der kritischen Zeit in Weißensee ge- sehen habe. Auf Befragen erklärt der Zeuge, daß er politisch zwischen Sozialdemokratie und Freisinn stehe, aber doch mehr nach der ersteren hinneige, serner bekundet er auf eine Frag« des Staatsanivalts, daß er den bekannten Aufruf im„Vorwärts" (unterzeichnet von Warkönke) gelesen habe, in welchem Arbeiter der Löive'schen Fabrik, die Koschemann am �9. Juni 1895 in Weißensee in der Zeit von 7>/» bis 9 Uhr abends gesehen haben, aufgefordert werden, sich zu melden. Der Zeuge er- klärt, daß er evangelisch sei, an Gott nicht glaube, sich aber selbst- verständlich in seinem Gewissen für verpflichtet halte, vor Gericht die reine Wahrheit zu sagen. Als der Ausruf im„Vorwärts" er- schien, sei er bereits vernommen gewesen.— Schlosser Ferdinand Schwarz, der sich als konservativ bezeichnet, ist von Kosch- mann als Zeuge seiner Anwesenheit in Weißensee vorgeschlagen ivorde». Es ist ihm ganz dunkel so. als ob er ihn gesehen habe» könnte, dies könnte aber erst nach W/* Uhr gewesen sein.— Schlosser Hermann G r ö p e r hat den Koschemann um l/29 bis 9�2 in Weißensee gesehen, aber nicht in Begleitung Westphal's, sondern eines anderen Mannes. Ganz genau weiß auch er die Zeit nicht, meint aber, es sei wohl noch hell geivcse», so daß noch kein Licht brannte.— Arbeiter Gustav H e l l m i ch ist von Westphal vorgeschlagen, besinnt sich aber nicht, diese» gesehen zu haben. Koschemann kennt er überhaupt nicht. W e st p h a l macht darauf ausmersam, daß er den Zeugen, den er uuter dem Spitz- name»„Trompeter bei den Husaren" sehr gut kenne, ganz deutlich gesehen und begrüßt habe; er habe mit dem Meister Bütlner bei dem Bierausschank gestanden und getrunken. Der Zeuge be- stätigt letzteres.— Schlosser Willy Riedel gehörte bei dem Fest in Weißensee zum Komitee. Er bekundet, daß er de» Angekkagten Westphal schon in der Zeit zwischen 4 und 8 Uhr dort gesehen habe. Er wisse das deshalb genau, weil Westphal doch nicht mehr zur Fabrik gehörte und eigentlich nichts auf dem Feste zu thun hatte. Er habe dies auch dem Westphal gesagt, als dieser Biermarken verlangte. Der Zeuge will bestimmt nach spätestens 8Vz Uhr keine Biermarken mehr vertheilt haben. Der Zeuge bekundet weiter, daß Westphal mit einer Dame in Schwarz draußen gewesen sei. Der Angeklagte bestreitet dies und behauptet, daß sich der Zeuge in der Zeit irre.— Rechtsanwall Bieber: Es ist festgestellt, daß der Angeklagte bis 4Vs Uhr in der Friedrichstraße bc, Gurlt ge- arbeilet hat, dann nach seiner Wohnung in der Blumenstraße gehen mußte, um seinen Arbeitsanzug mit dem besseren Anzug zu ver- tauschen— und nun kann man sich doch leicht berechnen, ob es ihm möglich war, schon um 6 Uhr aus dem Fest zu sein.— Ruch Zeuge Riedel bekundet, daß einmal eine Frau Grünke zu ihm gekommen sei und ihm eine» Brief Westphal's an? den» Gefängniß gezeigt habe, wonach dieser ihn als Zeugen geladen habe. Die Frau habe ihn auch gefragt, ob er nicht aus- sagen könne, daß er den Westphal erst zur Zeit des Feuerwerks in Weißensee gesehen habe. Er habe gesagt, das könne er nicht und sei nicht weiter darauf eingegangen.— Andere Zeugen, die bekunden solle», daß sie Westphal in Weißensee gesehen haben, können dies nicht sagen. Bei mehreren von ihnen sind Leute gewesen, die sich»ach ihrer Wissenschaft bezüglich des Westphal erkundigten. Zu diesen Erkundigern gehörte Frau Grünke, deren Mann,.der Schriftsetzer Grünke im„Sozialist" Zeugen für Wespbal gesucht hat. Sie ist mit deni Bruder des Angeklagten Weber zu ver- schiedenen Personen gegange», da Westphal in einen» Briefe ersucht hatte, sich doch nach Zeugen für ihn mnzuthun. Westphal hatte solche Personen genannt. Sie habe die letzteren keinesivegs beeinflusse»»vollen; dies wird von einem der betr. Zeugen auch be- stätigt.— Sodann»vird Kriminal-Wachlmcister F r i ck über die Herkunft des zur Hölleninaschine verivendeten Revolvers vernommen. Er hat festgestellt, daß der Revolver von dem Revolvermacher Karl Rech zu Mehlis in Thüringen ge- macht fein muß. Auf allerlei Umivegeu sei der Revolver zun» Kauf, nanu Müller in der Neuen Königstraße, Ecke des George»- kirch. Platze?, gekommen und müsse hier von dem Attentäter gekaust »vorden sei». Der Fabrikant habe einen Theil der Revolver an die Firina Gebauer i» Schmalkalden abgesetzt und von der letztere» habe der Kaufmann Müller in Berlin den Revolver bezogen.— Der folgende Zeuge, Kaufmann Müller, bestätigt, daß er von der Firma Gebauer i» Schmalkalden Revolver bezogen habe, aber ob der An- geklagte einen solchen in seinem Geschäft gekauft, vermöge er nicht zu bekunden. I» gleichen» Sinne äußer» sich die Angestellten des Kaufnianus Müller. Schriftsetzer Grünke, der folgende Zeuge, ist einige Monate hindurch der Vermielher des Angeklagten Westphal geivese». Er hat einen Aufruf im„Sozialist" erlassen, »vonach diejenigen Personen sich nieldcn sollen,»velche den Angeklagten Westphal an» Abende des 29. Juni 1895 bei der Feier in Weißensee gesehen haben; der Ausruf habe keinen Er- folg gehubt. Das Petschaft. Frau Kaiser, die Inhaberin einer Stenipelfabrik, weiß zn bekunde», daß sie eliva acht Tage vor dem Attentat«in Petschaft i»lt den Buchstaben„C. B." an einen jungen Mann verkauft habe, der«inen sächsische» Dialekt gesprochen habe. Der Angeklagte Koschemann muß die Worte»vieder- holen, die der Käufer des Petschaftes in dem Laden der Zeugin sprach; die letztere vermag ihn an der Sprache nicht»vieder zu er- kennen und Koschemann behauptet, daß er den sächsischen Dialekt nicht sprechen könne. Die Zeugin hat auch früher gesagt, daß der Käufer ein blühendes Gesicht und auch elivas kleiner geivcse» sei, als der Angeklagte Koscheuia»». Frau Bertha Wunsch, »velche ein gleiches Geschäft hat,»vie die Vorzeugin, hat am 27. Juni a» eine» junge» Mensche» ein Petschaft zun» Siegel» mit den Buchstaben„C. B." verkauft. Der junge Mann habe es sehr eilig gehabt. Die Zengi» hat früher gesagt, daß Koschemann dein Käufer sehr ähnlich gesehen habe, bei ihren späteren Vernehmuugcii ist sie schivankend geivorden, jetzt nieint sie, daß sie ih»„nicht so genau angesehen habe". Allerdings erinnere der Angeklagte Kosche- mann an de» Käufer. Es handelt sich noch um die Beleidigung der Zeuginnen Jäschke und Knappe. Etaatsanivalt K a n z 0 w beantragt die Nicht- Vereidigung der beide» Zenginnen.»veil sie unter dem Verdacht« der Begünstigung stände»; die Verlheidigcr Dr. Schöps und Bieber beantragen die Vereidignug, da sie den erivahnten Verdacht sür völlig unbegründet halte» Der Gerichtshof beschließt, särnmtliche Zeugen zu vereibc». Nachdem dies geschehe», schließt der Vorsitzende die Sitzung um 11'/« Uhr. Fünfter Tag.' Vorsitzender Landgerichtsdirektor R i e ck eröffnet die Sitzung um 9Vz Uhr. Die Beweisaufnahme dreht sich zunächst noch»veiter um die Frage, ob Koscheinann an» 29. Juni 1895 abends in Weißensee war. Bestimmte Bekundungen über den Zeitpunkt»verde»» nicht erzielt.— Arbeiter Ernst Kaftan, ein Besucher des Diskutir- klubs bei Späth, bezeichnet den Koschemann als„kommunistischen Anarchisten, in taktischer Beziehung Theoretiker". Der Zeuge ist am 3l).Juni mit Koschemann in Friedrichshagcngeivesen, erbestreitel.daß er am Attentatslage mit K. zusammen geivesen sei, wie die Angeklagte Gürtler»viederholt behauptet hat. Letztere verivechsle, wie der Zeuge behauptet, die Tage Sonnabend und Sonntag: am Sonn- abend habe die Ludivig Löive'sche Waffensabrik in Weißensee, am Sonntag die Ludivig Löive'sche Maschinenfabrik in Friedrichshagen ihr Sommersest gefeiert. Der Zeuge will am Sonntag mit Koschemann in Friedrichshagen zusa>n»»en gewesen sein und das Soinmerfest der Neuen Freie» Volksbühne besucht haben.— Der noch einmal als Zeuge vernommene Landrichter Hallervorden bekundet: Er habe auch schon bei einer der ersten Vernehmungen deS Wcstvhal diesem vorgehalten, daß er ja in Weißensee mit einer„Dame in Schwarz" gesehen »vorde» sei. Bei dieser plötzlichen Vorhaltung sei der Angeklagte augenscheinlich bestürzt geivesen. Der Angeklagte giebt dies zu; er habe gehofft, daß er entlassen werden würde und war nun bestürzt, daß plötzlich»vieder ein neues Belastuugsmoment gegen ihn hervorgeholt»verden sollte. Der Landrichter Hallcrvorde»- habe»nit seinen Fragen außerordentlich starkau' i h n(Westphal) einzuwirken gesucht.— Zeuge H a l l e r- vorden bestreitet letzteres ganz entschieden. Er stehe auf dem Stand- pnnkt Lölve's, daß sich ein Richter jediveder Beeinflussung zu enthalte»» habe. Er wirke deshalb nie»»als nach einer bestimmte» Richtung hin ans Angeklagte oder Zeugen ein und stelle niemals so- genannle Snggestiv-Fragen.— Ter Zeuge hat dann noch eine ganze Reihe vo» Fragen zu beantlvorten, welche von der Bertheidigung ausgeivorse»»verde»» und sich auf die Art der Voruntersuchung, die erfolgte oder nicht erfolgte Zuziehung von Verlheidigern und Staatsanwalt?c.-c. beziehen. Einige Schivierigkeit niachl die vom Rechtsanwalt Bieber ausgeivorfeue Frage, ob der Zeuge der Angeklagten Westphal nicht selbst geralhen habe, Beschiverde gegen ihre Verhastnng zu erheben und ob er ferner nicht selbst damals der Ansicht geivesen sei, daß sich eine Verhaftung der Frau Westphal nicht aufrecht erhalten lasse, sie vielmehr bald»vieder entlassen werden»nüßte.— Auf die erste Frage antivorlct Landrichter Hallervorde», daß er i» jeden» Falle bei Ausführung des Haftbefehls den betreffenden sage, daß sie das Bescknverderecht haben. Ans die ziveite Frage verweigert der Zeuge die Slntivort, da er nur über Thatsachen auszusagen verpflichtet sei, hier aber ein Urlheil von ihm verlang!»verde. Nach längerer Dis- knssio» hierüber beantragt Rechtsanivalt Bieber einen Gerichls- beschluß, dieser wird aber unnöthig, da der Zeuge auf Rath des Vorsitzenden schließlich die geivünschle Auskunst giebt. Diese geht dahin: Er sei allerdings der Ansicht geivesen, daß die Rolle, die Frau Westphal gespielt, nach den Akten eine so passive war, daß, wie damals die Dinge lagen, voraussichtlich eine Schuld der Frau nur schiver>iach»veisbar sei. Thatsächlich sei er also der Ansicht geivesen, daß Frau Westphal»ach Lage der Sache aus der Untersuchungshaft entlassen»verde,» konnte, in- dessen sei das nur seine ganz subjektive Meinung gewesen.— Staatsanwalt Kanzoiv: Hat der Zeuge die Ueberzeugnilg gehabt, daß in dieser Sache viel D n r ch st e ch c r e i e u stattsir.dc» müßte»?— Zeuge: Er habe allerdings sehr oft das Gefühl gehabt, daß irgend etwaS vorgehen müsse, was man nicht kon- lrollire» könne»nd»vas jedenfalls nicht de» Ziveck der Auf- Ilärung, sonder» der Verdunkelung hatte. Er habe»viederholt den Angeklagten gesagt, daß»venu sie ihre Unschuld irgendivie beiveisen könnten, sie an ihm einen hilsebereiten Förderer finde» würdeu und es ihm gar nicht daraus ankommen würde, zu diesem Zweck die ganze Nacht hindurch zu arbeiten. Statt dessen»vurden»»nrner»vieder andere Alibizeugen genannt, die Behauptllnge,» der Augeklagle»»vurden alle Tage geändert»c.:c.— Staatsanwalt: Würden Sie. Herr Zeuge, es auch als Durchstecherei betrackten,»venu irgend jemand— er sei wer es sei— ohne richterliche Erlaub»» iß die Zelle eines A»ge- klagten aufsucht?— Zeuge: Geiviß, daS ist ja gänzlich uiier- laubt!— Der Zeuge»vird hierauf eiltlassen. Der Besuch in KönigS-Wusterhauseu. Die Beiveisanfnahme wendet sich sodann einem andere» Thema z».— Präs.: Koschemann,»varen Sie'mal in Königs- Wuster- Hausen?— Angekl.: Jawohl, mehrere Male, das letzte Mal am zweite», Pfiugstseisrtage am 3. Juni 1395.— Präs.: Waren Sie allein dort oder mit ai.deren Personen?— Angekl.: Mit mehreren Personen. Wir besnchten nieinen in Königs- Wuster- bansen»vohnenden Onkel, den Sckmied Kosche»»»»»»». Außer meinen» Vater und meinen» jetzt verstorbenen Onkel»varen»och andere Personen dabei, z. B. z»vci junge Daniel», Namens Grell.— Präs.: Haben Sie bei dieser Gelegenheit etivas über Ihre Ansichten über Politik und Religion geäußert?— Angekl.: Ja, ich habe anarchistische Ansichte» geäußert und mich gegenüber der Religion ablehnend veihalteii. Es ist aber unwahr, daß ich die Religion als „Mumpitz" oder„Unsinn" bezeichnet habe.— Präs.: Nm»»var ja wohl auch»och ein Bidliolheksdiener Johannes Brede in Königs- Wnsterhause»»nit Ihnen zusammen.— Angekl.: Das ist ein ent- fernter Venvandler von mir, mit dem ich nicht gut stehe.— Präs.: Warm» denn nicht?— A» g e k l.: Unsere Ansichten gingen zu»veit aus- einander: ich war sreigeistig»nd er ein Stück Antisemit, denn er schiinpste aus die Inden.— Dieser Brede hat, wie die Ziviesprache des Vorfitzenden mit dem Angeklagten ergiebt, schiver belastende Aussagen gegen den letzteren gemacht. Danach soll er i» Wüster- Hausen gefragt haben,»vann der Oberst Krause seine Sprechstunden habe, er soll serner gesagt haben:„Der erste, der daran glauben niuß, ist der Oberst K r a n s e",»nd endlich soll er de» Brede nach einer alte» Weckeruhr gefragt und am ziveite» Pfingslfeiertage bei eine»» Uhrmacher in Königs-Wusterhause» eine Uhr gekaust und in einem Packet mit nach Hause genommen habe».— Der Angeklagte webrl sich gegen diese Beschuldigungen anfs heftigste.— Präs.: Sie »verde»» doch wohl nicht ziveifelhast sei», daß,»ven» diese Be- schuldigungen des Brede zuiräsen, dies schiver belastend für Sie sein würde?— Angeklagter: Das muß ich zugeben, bebanpte aber, daß Brede sich dies alles bösivillig er- fnndeu hat.— Präsident: Welchen Grund sollte de»» Brede haben?— A>1 g e k l.: Ich kann mir nur denken, daß Brede ent- »veder bestochen ist oder sich die 1000 M. Belohnung verdiene» »vollte.— Der Präsident hält dem Angeklagten vor, daß er gegen- über diese»» für ihn außerordentlich gefährlichen Zeugen bei seineii erste» Veruehniunge» eigentlich recht»venig ei»zu»ve»den ge- habt habe. Er habe zuerst bestritten, daß am ziveiten Pfingstfeiertage überhaupt von einer Weckeruhr die Rede ge- Ivcsc» sei und daß jemand ein Packet getragen habe. Später habe er sich dann besoinicn, daß ein anderer ,»it Brede von einer Uhr gesprochen habe und daß sein Onkel ein Packet getragen, daS so groß geivesen,»vie z,vei Zigarrenkiste». Letzteres habe er dann dahin abgeändert, daß dies Packet rund geivesen sei. Gegen die Glaubivürdigkeit des Brede habe er gar nichts einzuwenden gehabt.— Präs.: Der Untersuchungsrichter hat Sie dann ausdrücklich gefragt, ob Sie denn glauben, daß Brede einen Meineid leisten könnte, und Sie habe» aus- drücklich geantwortet, daß Sie Brede eines Meineids nicht sür sähig halten.— Angekl.: Man irrt sich ja manchmal in den Leuten. Bei dem Kriniinalkominissarins von Tausch hätte früher wohl auch niemand gedacht, daß er »vege» Meineides verhaftet werden könnte.— Präs.: Was»vissen Sie denn vom Kriniinalkommissariu? v. Tausch?— 8l» g e k l.: Ich Hab» gehört, daß derselbe in den» Prozeß Leckert-Lützow eine» Meineid geleistet haben soll.— Präs.: Woher erfayren Si- denn so was im Untersuchungsgefängniß?— Angekl.: Es ist mir erzählt»vorden.— Präs.: Wer erzählt Ihnen denn so etivas im Untersnchungsarrest?— Angekl.(nach längerem Besinnen): Das »vill ich nicht sagen.— Präs.: Herr Staatsanivalt, es dürfte gut sein, wenn Sie sich merlten, was iin Untersuchungsgefängniß die Gesangenen alles erfahren.— Der Vorsitzende stellt serner ans den Akten fest, daß der Angeklagte später allerlei gegen die Glaub- Würdigkeit des Brede vorgebracht»nid ihn der wissentlich salschen Anschuldigung beschuldigt habe. Er habe dann in einer Eingabe an den Untersuchungsrichter verlangt, dem Brede gegenübergestellt zu»verden. Koschemann charakterisirt den Brede. Ans innner»viederholte Fragen des Vorsitzenden, warum er denn diese für ihn so schiveriviegende Beschuldigung Brede's zuerst eigentlich nicht klipp und klar zu»viderlegen versucht habe, sagt der Angeklagte immer»vieder: er habe der Sache keine Bedeutung bei- gelegt. Rechtsanivalt W e r t h a u e r deutet durch eine Frage an den Angeklagten an. daß Brede anfänglich den Wunsch ausgedrückt habe, das) sein Name dein Koschemann gegenüber verschwiegen bliebe.— Präs.: Können Sie elivas gegen die Glaub>vürd»g- keil des Brede vorbringen?— Angekl.: Ja wohl, das könnte »ch.— Präs.: Nun dann heraus damit?— Angekl.(nach kurzem Besinne»): Das»vill ich nicht.— Präs.: Warum denn nicht?— Angekl.: Das»vürde meinen Prinzipien wider- sprechen.— Präs.: Also, obgleich Sie»viflen, daß eS sich hier um eine sehr schwierige Sache für Sie handelt,»vollen Sie den Brede hier schonen, während Sie ihn früher so»venig geschont haben, daß Sie ihn der»vissentlich falschen Dennnziation besch»>ldiglen.— Angeklagter(»vieder»ach einigem Besinne»): Ich»veiß. daß sich die Polizei bei Brede erkundigt hat,»velche Bücher bestimmte Personen lesen.— Präs.: Darin liegt doch nichts Schlimines sür Brede.— Angekl.: Ich hielt es sür schliinin; ich verabscheue Brede.— Präs.: Das ist also alles, was Sie so in Aufregung versetzt, daß Sie es mit Ihren Prinzipiell nicht vereinbar halten, eS hier»nitzutheil-n?— Angekl.: Der Brede hat mir selbst gesagt, daß er noch nicht gestempelte Bücher aus der Universität entwendet und bis nach Kö»igs>v»istcrhausen verschleppt hat.— Präs.: WaS »varen denn das sür Bücher?— Angekl.: DaS muß ich mir erst»iberlege».— Auf Befrage» des Dr. SchöpS erklärt der Angeklagte, daß er anfänglich geglaubt habe, der Untersnch>»ngsrichter»volle ihm niit der Brede'schen An- gelegenheit nur auf den Zahn fühlen. Erst nachher habe er sich die Sache überlegt und sei dann z» dem Schluß gekominen, daß er die Konfronlirung mit Brede verlangen könne. Er gebe zu, daß, »ven» die Beschuldigungen des Brede nicht als falsche An» schuldigungen nachgeiviesen»verden könnten, die Sache für ihn ge- sährlich»verde» könnte.— Präs.: Haben Sie die Vorivürfe gegen Brede auch anderen Personen»nilgetheilt?— Angekl.: Ja»vohl, aber erst, nachdem Brede's Denunziation ein- gegangen»var.— Präs.: Also in» Untersuchungsaesängniß, da widersprach es Ihren Prinzipien nicht mehr? Wem haben Sie davon Mitlheilung gemacht?— Der Präsident geht verschiedene Personen durch, die Koschemann im Gefängniß nur gesprochen haben könnte; Kosckemann verneint, diesen Personen etivaS gesagt zu haben. — Präs.: Wer bleibt dann noch übrig? In» UntcrsnchnngSgefängniß. N.-A. Werlhauer: Ich halte dein Angeklagten folgende? vor' Es ist ja zien»lich durchsichtig, daß er in» Unlersuchnngsgesängniß irgend»velche Berbi», du», gen gehabt haben m u ß. Ich»nache ih» darauf ausmerksan», daß es in seinen» Jntercffe liegt, es z» sage».— Präs.: Wollen Sie sagen, mit wem Sie im Ge- fäiigniß in Verbindung gestanden Hobe»?— Koschemann(nach einigen» Besinne»): Vor der Hand nicht.— Präs.: Wa>»» denn? — Ä» g e k l.: Ich muß es mir erst überlegen.— Präs.: Wie lange brauchen Sie dazu?— Angekl.(besinnt sich): Etiva eine Stunde. — Präs.: Da»» weise ich den Schuh»»a>i>» a», streng darüber zu »vacheu, daß der Angeklagte inzwischen mit niemand, außer »nit seinen Bertheidiger», spricht.— Nach einer Weile fragt der Präsident nochmals, ob sich der Angeklagte die Sache überlegt habe und sagen»volle, ob und durch»ven er Verbindnngen mit der Außenwelt gehabt»nd die Gelegenheit gesunden habe, Kassiber»ach außen zu schicken. Die Bertheidiger er- kläre»»viederholt, daß sie die betreffenden Miltheilunge», Kosche- »nanu's dringend wünsche», dieser bleibt aber dabei: er»volle erst mit seine» Bertheidiger»» Rücksprache nehmen. Auf Befragen des Dr. Schöps erklärt der Angeklagte»och, daß der Untersuchungsrichter ihn» seiner Zeit gesagt hatte, er»»übte ans der Untersuchungshaft «utlasse»»verde», wenn nicht der Brede'sche Fall dazwischen ge« kommen»väre.— Der hiemlf aufgerufene Zeuge Direktor Dr. Ger- Hardt von der kgl. Bibliothek giebt de»» Bibliotheksdiener Brede, der seit 19 Jahren in» Amte se», ein durchaus günstiges Zengniß. Von Bücherentiveiidungeii des Brede sei nichts bekannt geworden. er habe»nir selbst eine kleine Unregelmäßigkeit zugegeben: er bat eimnal ein durch ihn von der Bibliothek entnommenes Buch einem Schutzmai»» geliehen. Der Zeuge bekundet weiter, daß rines Tages ein anonymer Brief bei der UniversitätSverwaltung eingegangen sei,»velcher den Brede deS Diebstahls an Büchern be- schuldigte. Die Berivaltung habe sofort de» Eindruck gehabt, daß es nur darauf abgesebe»»var, die Glaubwürdigkeit des Brede in dieser Sache abznschivächen.— Koschemann erklärt aus Befragen des Vorsitzenden, daß er von dein anonym«, Briese nichts iviffe und auch die Kassiber nicht geschrieben habe,, velche die Schutzleute bei einer Haussuchung bei dem verhasteten Warsönke vorgefunden haben. Neuer Zusammenstoß zwischen Berthridignng und %)■>»' fitzenden. Bon, Veriheidiger Dr. Schöps richte» sich an den Kriminal- schutzmann Busse einige Fragen, die sich darauf beziehen, wie er mit dem Brede in Verbindung gekommen»st und»vi« er ih» über seine Wahrnehmungen in Königsivusterhause» vernommen hat. Er bestreitet,»nil Brede über die Belohnung gesprochen oder ihin die Einzelheiten der Anssage snggerirt zu haben. Ruf Wunsch des Zeuge», Busse hält der Vorsitzende ihm zur Auffrischung seines Gedächtnisses eine» Theil feines bezügl. Berichts vor. R.-Ä. Dr. SchöpS be« hanplel, daß der Vorsitzende den Bericht vorgelesen habe, nnd beantragt, die? zu protokolliren.—> Der Borsitzende erklärt die Behauptung des Vertheidigers sür nn- richtig, da er thatsächlich nur„vorgehalten" habe.— Dr. Schöps bleibt dabei, daß der Vorsitzend« den Bericht wörtlich vor- gelesen habe und beantragt Gerichtsbeschluß über seinen An» trag und Protokollirnng.— Der Vorfitzende erklärt, daß der Ge« richtsbeschluß vorbehalten»verde» solle. Die Kassiber. Die BeiveiSanfnahme wendet sich hierauf den Kassibern zn. »velche bei Warsönke vorgefunden sind und von Koschen»ann ge« schriebe» sei» sollen. Redakteur Langenbruch bekundet, daß zwar manche Aehnlichkeiten in der Handschrist Koschemann's nnd der Handschrift auf den Kassibern vorliegen, daß er aber doch nickt darüber hinaus- komme, zu sagen: es sei möglich, daß der Angeklagte die Kassiber geschrieben habe, er müsse es aber dahingestellt sein lassen. Gerichtschemiker Dr. I e s« r i ch hat nach seinein eigenen phvlo- graphische» Verfahren vergrößerte Photogranime der beide» in Frage stehenden Kassiber und zur Bergleichung damit Photogramme von aiilbentische» Handschristsproben Koschemann's angefertigt und ver- theilt die Photographien, die die Schrift erst lesbar gemacht, m» die Mitglieder des GerichtshoseS, der Geschworene», dank und an die Bertheidiger. Der Echreib-Sachverständige Sekretär Altrichter schickt Folgendes voraus: Er habe sein Gutachten zunächst innerhalb »»'eiliger Stunden abgeben müssen. Bald darauf habe ihn der Ver- theidiger Rechtsanwalt W e r t h a u e r auf dem Korridor getroffen nnd ihm gesagt:„Na, Sie haben auch ein Gutachten abgegeben?" Auf die bejahende Antwort habe der Bertheidiger lächelnd gesagt: „Wenn wir Ihne» nun aber den bringen, der die Kassiber wirklich geschrieben hat?" Dies« Bemerkung hat de« Sachverständigen vc.- nulapt, fein Gntachten'wiederholt nachzuprüfen, er ist aber immer wieder>u demselben Ergebnis! gekommen, welches er nach längerer Äegriindnng dahin zusammenfaht: Er sei g a n z ü b e r z e u g t. daß St o s ch e i» a ii» die Kassiber geschrieben habe. Die Siassiber sind anscheinend mit Tinte geschrieben, was auffallen muß. da Gelegenheit. Feder und Tinte zu benutzen, den Unter- snchungsgefangenen in» allgemeinen»i�ch t gegebe» ist. N»»» ist aber dein Koschemann Gelegenheit geivorden, Tinte und Feder in die Zelle zu bekominen, anderseits scheint die Tinte aus Stiefelwichse zu bestehen. Nach Beendigung dieses Gutachtens beantragt Rechtsamvalt Dr. Schöps in» Anschluß an seinen früheren Antrag zu Protokolliren. daß der Vorsitzende ihn» während der Vernehmung des Kriminal- schutzmannes zweimal das Wort entzogen habe. Er beantragt hierüber einen Gerichtsbeschluß. Dieser wird gleichfalls norbehalte». Der dritte Schreib-Sachverstnndige, Gerichtssekretär D r o g o l i». giebt sein Gutachten dahin ab: Unter Berücksichtigung der Verhältnisse, unter denen die Kassiber geschrieben sein»nüssen, unter Berücksichtigung deS engen Raumes, in dem die Schrift zusammengedrängt werden mußte und unter Berücksichtigung der Abiveichunge» und Aehnlich- leiten der Schrift könne er sagen: mit einiger Wahrscheinlichkeit ist anzunehmen, daß die Kassiber von Kofcheinann geschrieben sind. Nach dem Gutachten des Dr. Jeserich ist die Tinte Stiefelivichse unter Ziisatz eines kleinen Quantums wirklicher Tinte. Die Kassiber lauten: I. Pauline Knappe, Metzerstraße 38, Magdalene Jäschke. Wienerstraße 14. können bezeugen, daß ich am 29. Juni Iö9S von 4—6 Uhr nachmittags bei Westphal»rar. Barbiergehilfe Otzdorf»var damals beim Barbier Breuer, er muß sich auch noch deutlich erinner». Schlosser Ferdinand Schivarz, der Arbeiter Paul Kiiidler, Schlosser Heriiiann Gröper haben mich in Weißensee»in- gesähr um 8 Uhr gesehen. Von 23 Zeugen, die de» Thäter ge- sehen haben»vollen, sagen 5 mit Bestimmtheit, ich»var jene Person. neun es kann möglich sein,»ein» sagte», ich bin es nicht. Die in eiste Belastung liegt in d e>» falschen Aussagen von Brede, meine Zeuge» gegen Brede sind nicht vorgeladen. Brede sagt aus: 1. ich hätte gesagt, der erste, der fällt, ist Krause; 2. ich hätte mich nach den Burcaustunden des Krause erkundigt; 3. ich hätte am 3. Juni 1895(ziveiten Psingstseiertag) in Königs- W»»sterhause»> eine Weckeruhr gekauft. Mein Vater und Wilh. Grell können bezeugen, daß ich keine Uhr hatte; ebenso»»»eine Tante»veiß, daß das Packet,»velches mein verstorbener Onkrl a»is Königs- Wusterhausen brachte, keine Uhr enthielt. Ein anderer, mir gänzlich fremder Mann hatte sich eine Weckeruhr gekauft; dieses»vird mir in die Schuhe ge- schoben. Derselbe»var in trunkenem Zustande»nid hatte in einem »veißen Taschentuche eine Uhr. Grünagel, Jahnstr. I, muß sich un- bedingt darauf erinnern können.(Den Randbemerkungen in den Akten zilfolge hat Brede, Kersten und Frau Grell ausgesagt, ich hätte am 3. Juni 1895 in Königs-Wusterhausen eine Weckeruhr gekauft, dieselbe als Packet in einem Taschentuch getragen. Kersten und Frau Grell irren sich oder Brede hat dieselben beeinflußt. Mein Vater und Grünagel können bezeuge», daß ich mich nicht von ihnen an jenem Tage getrennt, also es muß auf Jrrlhum beruhen,»vas Kersten und Frau Grell ausgesagt, der Brede besitzt nämlich das Zeug dazu, un- befangene Menschen sörnilich zu hypnolisiren. Frau Brede sagt aus: I ch hätte gesagt, Religion ist Unsinn und»vaS in der Bibel steht Mumpitz, ich könnte> ur vier unglücklich und lausende glücklich »lachen. Frau Grell sagt ans, ich hätte gesagt, man muß die Behörden mit Gcivalt beseitigen, ebenso soll ich die Religio» geschmäht haben. Frau Grell soll doch bedenke», daß ich solch' ähnliche Aenßerungen in ganz anderem Sinne gebraucht habe. Von Gürtler hatte ich mir eine Weckeruhr erst »ach der Thal geborgt. Der Journalist Olivier Kaul, Frau Lisctte Weber sollen ihre A»»ssagen gegen die Gürtler zurücknehmen, gegen dieselbe ist Anklage wegen Begünstigung, Gotteslästerung, Majestütsheleidigung erhoben. Kriminalkommissar Bösel sagt ans, Westphal und ich»rären an, 29. Juni„m ein Uhr nachts zu Späth ganz erregt und erschöpft angekonnne». Wiesen- thal, Späth und andere können das Gcgeutheil bezeugen. Westphal und ich sind der Thäterschasl, Weber und Frau Westphal als Mitivisser angeklagt. BibUotheldieuer Brede hat dem Schmied Heinrich Koschemann die ganze Thierarznei- und Beschlagschmiede-Lehre aus der kgl. Bibliothek geliehen, serner an Studenten und andere Personen; soivie Bücher ohne Stenipel der kgl. Bibliothek entivendet. Es müßte anonyme Haussuchung beantragt»verde». Dem Gürtler noch mitzuth-ilcn: Frau Rade- »nach« und Kinder in Rixdorf, Frau Leue, Frau Bröge, sollen ihre Aussagen gegen Frau Gürtler nicht beschivörcn. Die Westphal'scheu Entlastungszeugen»vollen denselben nicht in Weißensee gesehen haben. Mein Rechtsamvalt ist Hugo Rosenfeld, Friedrich- straße 131a." Soiveit der erste Kassiber.— Präs.: Koschemann, der Rechts- anmalt Rosenfeld»var Ihnen ursprünglich als Vertheidiger zu- getheilt's— A n g e k l.: Ja. In dem zweiten Kassiber»verde» die verschiedensten Zeugen aufgeführt und angegeben,»vas sie aussagen solle». Bezüglich des Brede heißt es:»venu diese Zlussagen nicht widerlegt »verde», so»verde ich unschuldig verurtheilt. Meine Tante, die auch Warsönke kennt, kann bezeugen, daß in dem Packet meines ver- storbeiien Onkels keine Weckeruhr»var. Sonnabend, den 29. Juni, nachinittags 6 Uhr in der Wohnung bei Westphal, 6»/« Uhr zntn Friseur Breuer in der Andreasstraße, der Tischler Böttcher in Britz hat mich j» grauem Anzug und Hut un» 6>/4 hineingehe» sehen, um 63/4 trafen»vir den Vergolder Schotlre. Wir fuhren dann»ach Wejßensee zum Sommerfest der Löive'schen Fabrik, daselbst traf ich den Schlosser Zobel zc. k. Präs.: Angekl. Koschemann, haben Sie die Kassiber geschrieben? A n g e k l.: Ich»vill jetzt keine Aussage darüber machen.— Präs.: Sagen Sie dies ,»ir, um die Sache hinzuziehen?— Angekl.: Neu».— Präs.: Wer hat denn die Kassiber geschrieben?— Angeklagter: Eine andere Person.— Angellagter Gürtler: Herr Präsident, ich bitte, den Angeklagten Koschemann zu veranlassen, daß er sagt,»ver die Kassiber geschrieben hat, ich habe nicht Lust, hier länger z» sitze»».(Heiterkeit.)— Präs.: Ja, Sie höre» ja, er »vill eL nicht sage».— Ein Geschivorener bittet, an die Gürtler die Frage zu richten, ob sie selbst die Kassiber geschrieben habe. Die Angeklagte Gürtler verneint dies»nil Entschiedenheit. Um 374 Uhr tritt eine einstündige Mittagspause ein. Nach Wicderbeginu der Sitzung verkündet der Vorsitzende de» Beschluß des Gerichtshofes, daß die auf die Protokollirnng bezüglichen Anträge des Nechtsaniv. Dr. Schöps erfüllt»verde» sollen. Gleichzeitig habe der Gerichtshof den Rechts- ainvalt Dr. Schöps in eine O r d u n n g s st r a f e von Ivo M. ivege» grober Ungebühr verurtheilt. Sodann»vird Ze»lge Bi ermann aus Karlshöhe bei Fürstenivalde vernommen, gegen den durch eine anonyme Starte einiual Verdacht augeregt»vorden»var. Er hat keine Ahnung von der Sprengkiste und meint, daß die anonyme Karte vielleicht der Racheakt eines entlassenen Arbeiters oder dergleichen sein müsse.— Uhrmacher Hübscher hat seinen Laden in Königs- Wusterhausen dicht am Bahnhofe. Er führt solche Junghans-Uhren, »vie sie zur Höllenmaschine verivendel»vorden ist. Stach seinein Buche hat er am 4. Juni 1395 eine solche Uhr verkauft; in den» Bilch stand ursprünglich erst der 3. Juni angegeben, es ist dann aber eine 4 daraus gemacht. Wie das zusammenhängt,»veiß der Zeuge nicht.— Arbeiter Grell ist»nit in der Gesellschaft ge- »vese», die am 3. Juni mit dem Angeklagten Koschemann nach Königs-Wnsterhansen zu dessen Onkel gefahren ist. Der Berliner Zug trifft nach dem Kursbuch«1» 9 Uhr 39 Minuten vormittags dort ein, der Uhrmacher muß deshalb seine» Lade» schon geschlossen gehabt haben, doch giebt er die Möglichkeit zu, daß auch 'mal elivas bei verschlossenem Laden noch in der Privativohnung verkauft»vird.— Briefträger Grün«gel n»d die nächste Zeugin Emma Grell bestreiten, daß Koschemann ans der Heimfahrt ei» Päckchen bei sich gehabt habe. Emma Grell Verantwortlicher Nedattenr: August Jacobe») in Berlin. Für den In »»eint, daß der Onkel des Koschemann ein solches Packet gehabt habe.— Frau Wilhelmine Grell, die Mutter der letztere» Zeugin ineint, daß der alte Kofcheinann ein Päckchen bei sich gehabt habe, als sie von Königs-Wusterhansen heimfuhren.— Schmiedenieister K 0 s ch e m a» n aus Königs-Wusterhansen, der Onkel deS An- geklagte» veriveigert seine Aussage. Der folgende Zeuge ist der Schmied Heinrich Ko s ch e n» a» n, Vetter des Angeklagten Kosche- man». Er»veiß sich der Vorgänge am ziveiten Pfingstfeiertage 1895 nicht»nehr zu entsinnen, glaubt aber, daß sein Vater, der verstorbene Koschemann, einen halben Napskuchcn»nitbekonnnen hat, der in einem rothe» Taschentuch getragen»vurde. Den Inhalt des Tuches habe er mit eigenen Augen allerdings nicht geprüft. SodaNn»vird der Biblivthekdie»»« Johannes Brede vernommen. Er ist dtlrch seine Frau ein»veitläufiger Verivandter des Angekl. Koschemann. Er hat an den» Ausflug nach Königs- Wnsterhausen theil genommen. Während der Angeklagte behauptet, daß er von Anfang 1894 bis Pfingstei» 1895 nicht in Wusterhausen geivesen ist, erklärt der Zeuge, daß er init Koscheniaii» in der Zivischenzeit in den» genannten Orte»var. Bei dieser Gelegenheit habe Koschemann über die Zustände in Deutsch- land gesprochen und gesagt, daß es besser»verde» müsse.„Der erste der fällt, ist der Oberst Krause" habe der Angeklagte gesagt. Der Zeuge habe gefragt:„Welcher Krause?"—„Nim, der Polizei- Oberst."—„Warum denn er, er hat ja doch mit der politischen Polizei»»ichts zu thun."—„Ja, das ist ganz egal" habe der Slngeklagte geantivortet.— Am Abend des ziveiten Pfingst- feiertagcS hat der Zeuge gesehen, daß der Angeklagte einen in einem rothen Taschentuch befindlichen Gegenstand ans einem Stuhle neben sich liegen hatte, als die ganze Gesellschaft noch vor der Ab- fahrt von Königs- Wusterhausen in einem Gartenlokale eingekehrt »var. Der Zeuge hat gefragt,»vas in den» Packet sei und die Antivorl erhalten: EZ ist eine Weckeruhr, die ich gekaust habe, ich»vohne in Rixdorf und arbeite in der Ackerstraße.— Präs.: Zeuge, ich halte Ihnen vor, daß der ?lngcklagte Koschemann entschieden bestreitet,»vas Sie über ihn bekunde». Sie sagen auch, daß er Sie befragt hat,»vas ein Polizeispitzel sei,»van»» der Dienst der Polizeibeamtcn beginnt und ähn- liche Redensarten. Er bestreitet dicZ mit aller Entschiedenheit und ebenso, daß Ihre übrigen Bekin-.dniige» der Wahrheit entspreche». Sie sind zu einen» Ihnen bekannten Schutzmaniie gegangen, dem Sie Ihre Wissenschast von dies'? Sache uiitgelheilt haben, darauf sind Sie als Zeuge vernommen i wrdon. Ich frage Sie nun, haben Sie sich bei dem betreffenden S-'nhinann gemeldet, nachdem die Bclohii'ing von 1000 Mark ans die Entdeckung deS Thäters durch die Anschlagsäulen bekannt gegeben war?— Zeuge: Ja, eS ist nachher geivesen, aber ich habe es nicht des- »vegen getha», sondern weil ich es für ineine Pflicht hielt. Ich habe die Aenßerungen Koschcmann's früher als R e n 0 in n i st e r e i gehalten, erst spater, als das Attentat durch die Zeiinnaen de- kannt wurde, fielen sie mir wieder ein.— Präsident: Sind Sie nicht einmal zur Verantwortung gezogen»vorden. iveil Sie Bücher aus der Königlichen Bibliothek entivendet habe»? — Zeuge: Nein, niemals.— Präs.: Haben Sic nicht einmal»iibefugterweife Bücher verliehe»?— Zeuge: Ja, das muß ich einräumen.— Präs.: Wollen Sie also alle Ihre Bekundungen in betreff Koscheniann's unter Ihrem Eide aufrecht erhalten?— Zeuge: Ja, das»vill ich.— Präs.: Sie habe» früher auch erzählt, daß Koscheiiian» Sie kurz vor Pfingsten 1895 gebeten hat, ihm eine alte Wecker-l'.hr zn überlasse»?— Zeuge: Ja, das ist auch wahr, ich konnte ihm aber keine geben.— Der Vertheidiger Koscheinann's nimmt den Zeugen i» ein längeres Verhör, der letztere hält aber alle seine Behauptungen ans- recht.— Verlheidiger Dr. Schöps: He« Zeuge,»venn Koschemann verurtheilt»vird,»verden Sie dann ans die ausgesetzte Belohnung Anspruch erheben?— Zeuge: Nein. Es folgt die Vernehmung der Ehefrau Anna Brede. Ihre Aussag n» in betreff der Pfingsttour sind ohne Belang. Wechlmeister Frick fand in der Wohnung der Angeklagte» Gürtler in der Küche einen Dolch in Papier einge>vickelt. Auf dem Papier stand die Adresse des Angeklagten Koschemann. Die Angeklagte Gürtler behauptet, daß der Dolch Eigenthum ihres Ehcninnncs sei.— Höfert giebt an, daß er die Waffe in völlig verrostetem Zustande in einem Müllkasten gesunden habe. Bei der Verhaftung deS Angeklagte»» Westphal wurden bei ihn» drci Rezepte gefunden, welche die Vorschriften zur Herstellung von Sprengstoffen enthielten. U»» 9>/- Uhr vertagt der Präsident die Verhandwng biS Dienstag, vorniiltags S'/s Uhr. Dcntschoö Reich. Urbcr de» Maurerstreik in Brandenburg a. H. schreibt die„Brandend. Ztg.": Die Aussichten der Streikenden sind alS durchaus gut zu bezeichnen. Noch immer hat sich kein Streikbrecher gesunden, auch nicht ein einziger Maurer ist lhätig. Nebe» den jetzt i» Angriff genominenen Bauten stehen eine ganze Anzahl in Aussicht. In kurzer Zeit»vird die Arbeit außerordentlich gehäuft sei». Die Zahl der Slreike»dc>i verringert sich von Tag zu Tag. Schon sind 136 Mann»ach anderen Orte» abgereist,>vo ihnen Arbeit angeboten»var. Es sind jetzt noch 284 Streikende am Ort, darunter 67 Arbeiter. Da in einer ganze» Reihe von Orten Maurer i» größerer Zahl verlangt»verden, hat der Zentralvorstand des Verbandes der Maurer augeordnet, daß die Abreise i» der nächsten Woche in größerem Umfang vorgenoinmen»vird. Die Unter- nehmer»verden also nach Veendiguiig des Streiks,»venu sie nicht ganz schnell dazu schreiten. Mangel n» Arbeitern haben, trotzdem sie dieselben dann sogar in größerer Zahl brauchen. Aus Kiel»vird uns geschrieben: Nachdem die Tischler Kiels vergeblich versucht hatten, die Meisler zur Bewilligung eines Mini m a l lohnes von 38 Pf. pro Stunde zu bewegen(die Meisler halten schon in der ersten Sitzung mit der Lohiikonimissio» der Gesellen die Verhandlung abgebrochen, als die letzteren nicht ans einen N 0 r in a l lohn von 33 Pf. eingehen»volltei»), faßte eine öffentliche Tischlerversammlung de» Beschluß, an die Meister die Forderung zu stelle», den jetzigen personellen Loh» um 3 Pf. pro Stunde zu erhöhe» n»d als Mindestlohn 38 Pf. pro Stunde gelten zu lassen, ferner bei Akkordarbeit eine Erhöhung der bisherigen Preise um 19 pCt. vorzunehmen und für das Selbsthalten von Werkzeug pro Woche 69 Pf. zu vergüten. Wenn bis zum 13. d. M. die Forderungen nicht bewilligt sind,»vird die Arbeit in den be- treffenden Geschäften niedergelegt. In geheimer Abstimmitilg stiniinte» 123 Verheirathete n»d 52 Ledige für diese Beschlüsse und 11 Verheirathete dagegen. Zuzug ist sernzuhalte». Ter Zimmererstreik in Rordeuhamm»st»ach ziveitügiger Dauer zu gunsten der Arbeiter beendet. Der seitherige Lohn betrug bei Ilstündiger Arbeitszeit 35 Pf. per Stunde, die Forderung»var lostündige Arbeitszeit und 49 Pf. Stundenlohn. Die Gesellen einigten sich mit den Meistern auf Ill'/estündige Arbeitszeit»nid 40 Pfennige Stundenloh». Nebcr den Schuhmachcrstreik ,'»« Bremen berichtet unser dortiges Partei-Organ: Die Innung hat sich bis jetzt noch nicht bereit erklärt, abermals»nit der Kommission der Arbeiluehiner in Verhandlung zu treten; voraussichtlich»vird der Streik daher noch längere Zeit dauern. Bon den Tischlern Barmens arbeite»» zirka 389 zu den neuen Bedingungen. Im Streit stehen noch 23. Streitbrecher sind in» ganzen»ur 17 zu verzeichnen. Zu der Maßregewug riiieS fast 6Vjährige» Eisenbahn- arbrttcrs in Brrslan schreibt die„Volksmacht":„Der von der Eisenbahnverivaltung eiitlassene Arbeiter Hofmeister»st,»vie »ins von zuverlässiger Seite ans das bestimmteste versichert»vird, nicht etiva Sozialdemokrat, so»»der,i,»vie er stets betonte, Gegner derselben, und hat immer rcichstreu und patriotisch gewählt, wie er jedem, der es höre» wollte, versicherte. Die Eisei>bah»»verwaltui»g ratenthcil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck»nd Verlag von i hat also nicht etiva einen„gesährlichen rothen Hetzer»md Agitator" auf das Slraßenpflaster gksetzt, sonder» eine»»„gutgesinnten Arbeiter", der sich, gedrängt von de» viele» Uebelsländen, die den Eisenbahn- arbeiter bedrücken, hinreißen ließ, in der Versammlung seine Zustiiiiiiiling zn einer Vereinigung der Eisenbahner laut ans- zuspreche»." Die„Breslauer Morgen- Zeilung" schreibt zu derselben An- gelcgenheit:„Wir erfahren, daß Hofmeister sich zur national- liberalen Partei zählt und 17 Jahre nuunterbroche» an der Rechte-Oder-Ufer-Eisenbahn als Arbeiter beschäftigt»var. Uebrigeus ist.»vie»vir a»ls zuverlässiger Quelle berichten können, die durch den Ilkas der Eisenbahn-Direktion beabsichtigte Wirkung nicht eingetreten. Von den Arbeitern,»velche sich znin Hamburger Eisenbahner- Verbände einzeichneten, ist»ur ein Mann zurückgetreten, dagegen hat sich eine größere Anzahl Eisenbahner neu einzeichnen lasse»." In Benthe»»vrirde der Parteigenosse H n e ans Essen vom Landgericht wegen Beleidigung der Staatsaiiivaltschast nnd der Kattoivitzer Poiizei-Jnspektion gemäß dem Antrage des Staats« anivalls zu 159 M. nnd den üblichen Nebenstrafen verurtheilt. Die Beleidigung»vurde gefunden in dem Leitartikel der„Deutschen Berg- und lH ü l t e n a r b e i t e r- Z e i t u>, g" vom 25 Juli 1896, der die Ueberschrift trägt:„Wie man uns in Oberschlesieu behandelt". Herr Hue»var nicht selbst anivesei»d, ihn vertrat Rechts- anivalt Dr. Freu n d. Ter Hafcnarbcitcrstreik in Magdeburg»st beigelegt. Er brach aus,»veil ein der Orgauisatio» angehörender Hafenarbeiter von der Hasendircktion entlassen worden»var. Der Hamburger Zenlrnlvorstand des deutschen Hasenarbeiicrverbandes sandte sofort einen Vertreter nach Mngdeburg ab, der»» Gemeinschaft mit einer Stonunissioii der Streikenden mit dem Oberbürgermeister verhandclle. Wie die„Volk�stimme"»nittheilt, wird der enilassene Arbeiter vis zur Erledigung der Streitsache, beziehentlich bis zu seiner Wieder- einstelluna, von der Sladiverwaltung nnlerstützt. Infolge dessen haben die Streikenden die Arbeit»vieder ausgenommen. Ucbcr den Stand des Tchnhmachcrstreikö ii» Offenbach- Obcrrad theilte, wie dns„Offenb. Abendblatt" berichtet,>» de- letzten Versammlung der Ausständigen die Lohnkoniinissioii niit, daß »inter de» 427 Personen, die seit?l»fa»g an dem Streik theiliiahnie», mir 18 Uebcrläufer zu verzeichne» sind. Den Fabrikanten ist es ge- lunge», ein Drittel der Arbeitsplätze mit andern„Kräften" zn be- setzen. Die Versa»»nl»»g beschloß eiiistiiiimig Fortsetzung des Sirciks, da sich die Fabrikanten auf eine Verständigung absolut nicht ein- lassen»volle». Ter Streik der Schmiede Niirnbergö»vurde für beendigt erklärt, da die Forderungen bewilligt sind. Ausland. Ans Falkenau in Böhmen»vird gemeldet, daß 259 Berg- l e u t e einer Zeche der Dzieditz-Haberspirker Kohleiigewerkschaft»»» Streik stehen. Ursache dieser Arbeitseinstellung ist die nur iheilweis« Einführung der Zehiistuiidenschicht. Die Unternehmer verlangen von den Bergarbeitern, daß sie in der Mittagsstunde in der Grube bleiben, und»vollten die Frühstückspause so einrichten, daß die Förde- rung keine Unterbrechuiig erleide. Ferner sollen die Uebertagsarbeilee bis um 6 Uhr, somit zivölf Stunde», verjähren. Damit ist die Be- legschast nicht zufrieden; sie verlangt, daß alle Arbeiter, über oder unter Tags, der Verkürzung der Arbeitszeit ans zehn St»»>dc>i theil- hastig werden. Es gährt im ganzen Kohlenrevier,»veil die Wer?« besitzer überall an den» Zehnstundentag herumschacheri». Auö der Schivciz. In Aar au streiken die Lithographen und Steindrucker der Lithographischen St u» st a» st a l t von Müller». Trub. Die Forderungen sind: Verkürzung der Arbeitszeit für Lithographen von 9Vz ans 8'/« Stunden, für Drucker von 19 ans 9 Stunden. Die Arbeiterpresse»vird»in Abdruck ge- beten. Das Streikkomitee.(Adresse:„Lithographia" in Aarau, Pelzgaffe 63.) An de» Osterfeiertage»»verde»» außer dem bereits erwähnten Verbandstag der Metallarbeiter auch die D e l e g i r t e n- V e- s a>» m l n n g e» der Lithographen und M a»» r e r, beide i»l Bern, und die der Tabak- und Z i g a r r e»» a r b e i t e r ab- gehalten. AnS Brüssel»vird gemeldet: In M a r i e m 0 n t ist»vegen Entlassung eines Arbeiters ei» Bergarbeiter streik aus- gebrochen. In säm»i»tlichen Gruben wird nicht gearbeitet. VepsMzen und letzke Muchvichkeu. Miiuche», 19. April.(Privat- Tepesche des„Vorivärts".) Die Schneider habe» nun insgesammt von fünf Firmen anstands- los Lohnerhöhung beivilligt bekomme». Der Streik der Schuh- macher dauert fort. Die Meister suchen neue Unterhandlungen anzubahnen. Fra,»rf>:rt n. M.. 19. April.(B. H) Wie der ,. Franks. Ztg.- a»S Dresden t-legraphirt»vird, beschlösse» die sächsischen ttnrlell- Parteien für die bevorstehenden Landtags- Wahlen ein abermaliges Zusammengehen gegen die Sozialdemokraten. Köln a. Rh., 19. April.(W. T. B.) Die„Kölnische Zeitung" schreib!: An der griechisch- türkischen Grenze ist es zn einem � Olulvergießen gekominen, griechische Freischaareu sind i» türkische? Gebiet eingedrungen, dagegen scheint nicht, daß griechische Truppen sich denselben angeschloffe» haben. Paris, 19. April.(W.T.B.) Dns„Echo de Paris" meldet, die Beschäbignuge:»,»velche das Panzerschiff„Jaurögniberry" durch vor- zeitiges Losgehe» eines Torpedos nnlängst erlitte», würden sich als so schiver erweisen, daß das Schiff dem aktiven Geschivader nicht zngetbeilt werde» könne. Paris, 19. April.(W. T. B.) Deputirteukammer. Berry fragt an, ob die Kainmerserirn die Untersuchung in der Pannma-Affäre nicht verzögerten. Ronanet fragt, ob noch andere Parln»»e»lSwi!g>ieb-r verfolgt»verde»» würden. Jnstizminister Daria» anlivorlet, bis zur Stunde habe ihm die Auklagebehörde kein Dokument znkoinnien lass-n. welches neue Gesuche»n» Erinächtigung zn gerichtlichen Verfolgungen vornusseh?», ließe. T'Hiigncs»adelt, daß die Justiz nicht völliges Licht in die Panama- üliigelegenheit bringe und richtet heftige Vorlvürfe gegen Ronvier. Letzterer verivahrt sich lebhast gegen die Verleuiildnnge»», mit denen er verfolgt»verde; er versichert, er habe niemals Pauaina« geld erhalten,»veder für sich selbst, noch für den Kampf gegen den Boulaiigismiis. Die Worte D'Hngnes' nnd RonvieuV'»ersetzen das Haus in lebhafte Erregung nnd rufen heftige Zwischenruf.' von verschiedenen Seiten hervor. Hadert verlaugt die Einseyung einer parlamentarischen Uiitersüchnngskoniinissio». Ministerpräsident Meline erklärt, die Kaimner könne sieh nicht an die Stelle'»er Justiz setze»; er wirst der Opposition vor, daß sie jeden Tag We Panamafrage anfwerfe, um diese gerichlliche Angelegenbeit in eine politische zu verwandel»; er erklärt, die Gerechtigkeit werde ihren Lauf gehe».(Beifall.) Die Debatte wird darauf geschlossen. Die Kaiiinier nimmt mit 262 gegen 244 Stiinmen die von der Regierung akzeptirte einfache Tagesordnung a». Goblet sprach sodann den Wunsch aus, die Kaiinner möge nicht vor der Abstimniuug über ge« wisse Gesetzeutivürse und ehe sie über die Augelegeuheiien in, Orient unterrichtet sei, anseiiiaiider gehen. Ministerpräsident Meline er- widerte, daß, falls ernste Ereignisse eintreten sollten, die Ka»»»ern einberufen werden würde». Die Kammer beschloß mit 399 gegen 256 Stimmen, sich bis ziii» 18. Mai zu vertagen. Rom, 19. April.(W. T. B.) Deplitirleiikaimner. Tie Besprechung der Jiilerpellationen nnd Anfragen über Kreta wird fortgesetzt. Nachdem Cappel! i(Zentrum), Teechio(Linke) "»d Jmbriani(äußerste Linke) das Wort ergriffen Harle», brachten Musst im Nainei» der Radikale», Bovio im Namen der Nepnbliknner und Bissolati im Namen der Sozialisten Tages- ordnuiigeii ei». Nachdem der Ministerpräsident di Rudini erklärt hatte, daß die Negierung eine dringliche Abstimmung der Kanimer ver- lange,»vurde beschlossen, über die Tagesortnnngen morgen zu ver» handeln. Sodann»vnrde die Sitznng anfgehoben. >iox Babing in Berlin. Hierzu 3 Beilagen 11. tluterhaltnngsblatt j gr. se. i4. mm. i. Kiltzt des JotiDlrt$n Kttliiltt KglltsdlM.« A'rii 1837. VlomtttttttÄles. Der Pferdebahit-Ausschuß der Stadwerordueteu-Versainuilnng hat Freitag Abend in zweiter Lesung den Vertrag auf Umwandlung in elektrischen Straßenbahn-Betrieb festgestellt und damit seine Arbeit beendel. Zwischen der ersten und zweiten Berathung des Vertrags- entwurfs hatte eine Redaklionskommission die in erster Lesung be- schlosseneu Abänderungen formtllirt. Die Beschlüsse erster Be- rathung wurden im wesentlichen nach den Vorschlägen der Niedaktions- kominission bestätigt, nur die Beschlüsse bezüglich des Mitbenutzungs- rechts der Pferdebahn-Linien durch fremde Unteruehiner sowie die Einrichtung der Pensionskasse wurden schärfer formnlirt. Wir geben nachstehend die hauptsächlichen Veränderungen gegen die bestehenden Verhältnisse, wenn der Vertrag zu stände kommt. Der jetzt geltende Vertrag läuft bis Ende des Jahres ISIl. Vorgeschlagen ist eine Verlängerung des Vertrages bis zum Ablauf des Jahres Ivl9. Als Gegenleistung für diese Verlängerung sollen die Gesellschaften Vertrags- mäßig verpflichtet werden, den Pferdebahnbetrieb innerhalb süns Jahren nach Abschluß des Vertrages in einen elektrischen umzu- wandeln, bei dem theils Akkumulatoren, theils oberirdische Strom Zuführung als Betriebssystem in Anwendung kommt. Statt der jetzigen Abgabe, die acht Prozent von der Brutto-Einnahuie beträgt, sollen die Gesellschaslen später dieselbe Summe von der Brutto� Einnahme, und außerdem die Hälfte des Reingewinns, soweit derselbe 12 pCt. des jetzigen und 6 pCt. des neuen Aktienkapitals übersteigt, zahlen. Die Entnahme der Betriebskraft hat aus den städtu scheu Elektrizitätswerken zu erfolgen. Die Pflasterkosten bezw. Er- Neuerung und Instandhaltung des von den Gesellschafte» in Anspruch genommenen Straßenpflasters bleiben im wesentlichen in dein bis- herige» Umfange bestehen. Die Gefellschaften»uissen auf Verlangen angemcsseue im Winter erwärmte Wartehallen beschaffe». Die so genannten Sommerwagen sind so einzurichten, daß eine Benutzung der außerhalb der Wagen angebrachten Lausbretter durch die Schaffner nicht mehr»othwendig ist. Auf Verlangen müssen in» Winter die Wagen mit Heizung versehe» werden. Die Gescllschasten dürfen die Wagenführer nicht länger als 10 Stunden täglich beschäftigen. Die Gesellschaften müsse» sich Kreuzung, Anschluß und Mitbenutzung ihrer Anlagen von fremden Unternehmer» gefallen lasse». Die Mitbenutzung darf jedoch auf je einer Linie 650 Meter nicht über steigen. Spätesteus nach Verlauf von drei Jahren nach Abschluß des Vertrages dürfen die Gesellschaften für jede ununterbrochene Fahrt innerhalb des jeiveiligen städtischen Weichbildes sowie über letzteres hinaus bis zum Endpunkte jeder Linie in sänuntlichen Vor orten nur 10 Pf. erheben. Es müssen außerdem Abonnements- und Schülerkarte» ausgegeben, sowie Arbeilerfrühwagen zu ermäßigten Preisen eingerichtet werden. Der Tarif der einzurichtenden Güter- beförderung unterliegt der Genehmigung des Magistrats. Die Fest setzung der Aufeinanderfolge der Wagen und der Anfangs- und Schlußzeiten des Verkehrs unterliegt der Genehmigung des Magistrats Zu einer Verkürzung einer Linie des jewettigen Fahrplanes bedarf es der Zustimmung des Magistrats. Di« Gesellschaften sind ver- pflichtet, eine Pensionskasse— entsprechend den in Staats- und Reichsbetrieben geltenden Bestimmungen— für die Angestellten und Arbeiter ihres Betriebes einzurichten. Das Statut muß binnen sechs Monaten nach Abschluß des Vertrages fertiggestellt fei» und unter- lwgt der Genehmigung des Magistrats. Da die Gesellschaften nur uuter der Bedingung eine Pensionskasse einrichten wollen, wenn der Magistrat sich bereit erklärt, die sich aus dem Peusionsstatut ergebenden Gesellschaftsverpflichlungcn bei Erlösche» des Vertrages zu übernehme», so hat der Ausschuß einstimmig beschlossen, der Stadt- verordneten-Versammlnng zu empfehlen, diese Forderung der Gesell- kchaften zu genehmigen und als Bedingung für den definitiven Abschluß des Vertrages die Zustimmung des Magistrats zu dieser Forderung zu verlangen. Der vorstehend skizzirte, einundvierzig Paragraphen enthaltende Vertrag wurde bei der Schlußabstimmuug im Ausschuß mit 9 gegen 4 Stimmen angenommen. Die dissentirende» Stimmen wollten theils in der ganzen inneren Stadt Akkumulatoren-Betrieb einrichten und nur auf den Außenstrecken oberirdische Stromzufiihriing zulassen, theils wollten diese Ausschußmitglieder den Gesellschaften nicht längere Milbenutzungsstrecken als 400 Meter auserlege». Am nächsten Donnerstag findet die Berathung des Vertrages im Plenum der Stadtverordnete»- Versanimlung statt. Wie der Magistrat und die Gesellschaften entscheide» werden, bleibt abzuwarten. Die sozial- demokratischen Stadtverordneten werden vermuthlich unter der Voraussetzung, daß sämmtliche, vom Ausschuß vorgeschlagenen Be> stiminunge» von der Stadtverordneten- Versammlung genehmigt werden, bei der Gesammtabstimmung für den Vertrag votiren.— Rene Post. Der Magistrat hat nunmehr der Stadtverordneten Versammlung die Vorlage wegen Verkaufs der sogenannten alten Post unterbreitet u>»d dieselbe ersucht, dieselbe möge darin einwilligen, daß das Restgrundstnck Königstraße 1/6, Poststraße 1 und Burg- straße 7 von etwa 1489 Quadratmetern Größe mit den darauf und auf der an der Königstraße vorliegenden Straßeulandfläche von etwa 335 Quadratmetern befindlichen Gebäuden für einen Preis von 1 900 000 M. unter den in der Vorlage vom Magistrat enthaltenen Bedingungen freihändig verkauft wird. Nach diesen Bedingungen ist zwar nur die Restfläche von zirka 1439 Quadratmeter dem Käufer aufzulassen, dagegen gehen die ans dem Gesammtgrund stücke vorhandenen Gebäude auf denselben über. Dieser ist aber ver» pflichtet, auf seine Kosten u. A-: I. spätestens binnen 3 Monaten nach Ablauf der jetzt noch schwebenden Miethsverträge, also längstens bis l. Juli 1898 a) diejenigen Gebäude bezw. Gebänlichkeiten, welche auf der Straßenlandfläche von 335 Quadratmeter sich befinden, ab» zubrechen und vollständig zu beseitigen, b) die auf dieser Fläche vor- bandenen Kellereien und sonstigen Vertiefungen, namentlich auch soweit sie durch Herausnahme der Fundamente entstehen, zuzuschütten und den Boden zu ebnen, o) alsdann die freigelegte Fläche der 355 Quadralmeter an die Stadtgemeinde znr Verwendung als öffentliches Straßenland unentgeltlich zu übergeben; II. binnen ferneren sechs Monaten die auf dem verkauften Rest- grundstücke verbleibenden Baulichkeiten mit einer anständigen, der Gegend zur Zierde gereichenden Fassade, deren Ge- nehmignng der städtischen Hochbau- Verwaltung zusteht, zu versehen.— Es steht jedoch dem Käufer frei, die ihm verkaufte» Gebäude gänzlich abzubrechen. In diesem Falle ist er aber den Bedingungen z» I a, d, o verpflichtet; III. das Restgrundstück von 1489 Quadratmetern spätestens binnen Jahresfrist nach dem Gebäude» Abbruch, also längstens bis 1. Juli 1899— siehe oben zu I— wieder zu bebauen, wobei betreffs der Fassaden das vorstehend unter II Gesagte gleichfalls gelten soll. In beide» vorgedachten Fällen— Umbau und Neubau— müssen IV die in den Nischen der III. Etage an der Burg- und Königstraße zetzt befmdlichen vier Statuen aus Zinkblech, sowie die auf dein Hauptgesimse stehende» neuen Sandsteinfiguren als Schmuck des Gebäudes erhalten bleibe». Diese sämmtliche» vorgedachten Verpflichtungen sind durch Ein- tragung in Abtheilung II. des Grundbuches des Äestgrundstückes sicher zu stellen K. Der Magistrat hat der Stadtverordneteu-Versammlung die Auflösung des Zentral-Baubureans und des Nachtrags- Baubureans der Kanalisation resp. die Bereinigung dieser Bureaus mit dem Bureau der Deputation für die städtische» Kanalisations- werke und Rieselfelder zur Kenntnißnabme initgetheilt. Zugleich er,»cht der Magistrat die Versammlung, sie möge sich damit einver- standen erkläre», daß die Stelle eines technischen Direktors für die Oberleitung der gesammteu Bau- und Betriebsangelegeuheiten der Kanalisationswerke abgeschafft werde und sie wolle auf grund des 56 Rr. 6 der Städte-Ordnuiig über die Besetzung der Stelle durch Herrn Bau-Jnspektor Adams eine Erklärung abgeben. ToltAleS. Tie Lokalliste für Berlin und Umgegend ist neu heraus gegeben und der heutigen Nummer unseres Blattes beigefügt worden. Bei der Wichtigkeit der Lokalfrage erwächst den Parteigenossen namentlich zum Sommer die dringende Pflicht, die Lokalliste strenge zu beachten. In nächster Nähe der Reichshauptstadt besteht noch der traurige Zustand, daß behördliche und ordnungsparteiliche Einflüsse die sozialdemokratisch gesinnte Arbeiterschaft au der Wahrnehmung des bischen Vereins- und Versammlungsrechts hindert, das in Preußen unter den unzeitgemäßestcn Verklausulirungen gesetzlich festgelegt ist. Den Saalabtreibereien gegenüber bleibt uns kein Mittel übrig, als die Lokalsperre, und diese dort, wo nöthig, dnrchzuführen, muß das Bestreben aller Parteigenossen sein. Arbeiter, Partei genossen, besucht daher nur solche Lokalitäten, welche auf der L i st e v e r z e i ch n e t stehen. Auch in diesem Kampfe führt uns Beharrlichkeit und Energie zum Ziele! Jgn der neuesten Polizeiaktion gegen Parteigenossen im v«ten und sechsten Reichstagswahlkreise ist noch zu berichten, daß imch bei den Parteigenossen Hermann Schulz, Wienerstr. 50, August Uebel, ebendaselbst, und bei Otto Schabitz, gleichfalls dort, mit negativem Resultat gehanssucht worden ist. Uebel und Schulz wurden zur polizeilichen Vernehmung nach dem Alexanderplatz zitirt, jedoch nach mehrstündigem resultatlosen Verhör wieder entlassen.— Die beiden Brüder des Genoffen Franz Schulze sind gestern eben- falls aus der Hast entlassen. Bon Parteigenossen des vierten ReichStagS-Wahlkreises (Südost) wird zum Ostersonntag, mittags 12 Uhr, im Konzerlhaus Sanssouci, Kottbuserstr. 4a, eine Matinee der S t e t l i n e r S ä» g e r veranstaltet, auf die wir hiermit hinweisen. Da der Eintrittspreis auf nur 30 Pf. festgesetzt ist, steht gewiß ein zahlreicher Besuch zu erwarten. Die Adresse des BertranensmanneS vom V. Berliner Reichstaas Wnhlkreis ist von jetzt ab Max Mager. Rücker straße 4, 3 Tr. Tie Verwaltung der städtischen Strasteureinignug in der Hauptstadt des Staates der Sozialresorm geht bekanntlich in der Nichtersüllung der ihr obligenden sozialen Pflichten dem Privat- Unternehmerthum insoweit mit leuchtendem Beispiele voran, als sie die Hilfsarbeiter, die sie im Winter zum Schneeschippen:c. anstellt, nicht zur Krankenversicherung anmeldet. Dies ist möglich auf dem Auswege, daß die Arbeiter, ganz unab hängig davon, ob sie in der That auch vielleicht wochenlang beim Magistrat in Beschäftigung stehen, immer nur auf höchstens fünf Tage angestellt werden, also auf einen Tag weniger als der Zeitraum ausmacht, in welchem der Unternehmer zur Erfüllung der gesetzlich vorgeschriebenen Leistungen verpflichtet ist. Nun hat einer dieser Arbeiter den dankenswerthen Versuch unternommen, die Belriebskrankenkasse der städtischen Straßen- reinigung znr Erfüllung ihrer Pflichten zu zwingen. Dies ist ihm, wie vorweg bemerkt werden mag, auch mit vollem Erfolg gelungen. Der Kläger war von der Direktion der städtischen Straßen reinigung vom 23. Januar bis zum I. Februar und ferner vom 7. Februar bis zum 12. Februar als Schnecschipper gegen 2 M. 25 Pf. Tagelohn beschäftigt worden. Am 9. Februar erlitt der Kläger in dieser Beschäftigung einen Unfall durch Erfrieren der linke» Hand. Dieser Unfall gestattete ihm allerdings die Fort setzung der Arbeit bis zum 12. Februar und verhinderte ihn auch nicht, sich noch am 13. Februar zur Arbeil anzubieten. Er hat indeß laut ärztlichem Attest bereits am 13. Februar ärztliche Be Handlung nachgesucht und ist von dem Arzte, der ihn bchaudelte, für die Zeil vom 13. Februar bis einschließlich den 21. Februar krank und arbeitsunfähig erklärt worden. Der Arzt brachte für diese Behandlung einen Honorarsatz von 6 M. in Anrechnung. Der.Arbeiter stellte bei der G e w e r b e d e p n t a t i o n den Antrag, ihm unter Anerkennung der Versicherungspflicht seiner Be schäftigung die statutenmäßigen Unterstützungen znznsprecheu und die beklagte Kasse zur Zahlung des ärztliche» Honorars von 6 M. anzuhalten. Der Magistratskommissar für die Orts- und Betriebs-Kranke» lassen hat daraufhin entschieden, daß der Anspruch des Klägers als berechtigt anerkannt werde» muß; die Kasse hat für nenn Tage das übliche Krankengeld in Höhe von 19,30 Mk. zu zahlen und außerdem die Kosten für die ärztliche Behandlung in beantragter Höhe zu übernehmen. I» der Begründung dieses Urtheils heißt es: „Nach der Tendenz des Gesetzes und nach der Absicht der Kommission, welche auch in den Motiven zur Novelle zu Artikel I, Ziffer 3, ausdrücklich ausgesprochen ist, soll die vorübergehende Natur einer Beschäftigung als Grund des Wegfalles der Ver- sicherungspflicht nur dann anerkannt werden, wenn sie eine kürzere als einwöchige Tauer der Beschäftigung bedingt. Letzteres ist für die Bewältigung der Schneemassen i» den Straßen Berlurs, zu welcher die städtische Verwaltung im letzten Winter zeitweilig bis zu 2500 Arbeitern beschäftigte, nicht der Fall. Beklagte hat auch diesen Einwand nicht erhoben. sondern vielmehr unter Berufung auf den Arbeitsvertrag darauf hingewiesen, daß die städtische Verwaltung die Schneeschipper nur auf fünf Tage anstelle, sodaß also jedesmal die Beschäftigung derselbe» im Voraus durch Arbeitsvertrag auf einen Zeitraum von weniger als einer Woche beschränkt sei..." „Wenn die Beschäftigung des Klägers und der übrigen Schnee- schipper im Wege einzelner Arbeitsverträge eine Reihe von fünf- tägigen, sich unmittelbar anschließenden Beschäsligungsperioden bildet, so liegt in der Art und Form dieser fünftägige» Arbeits vertrüge und fünftägigen Lohnperioden unstreitig thntsächlich eine Umgehung des Gesetzes, ein Widerspruch mit dem§ 30 des Krankenverflcherungs-Gesetzes vor, auch wenn diese Umgehung und dieser Widerspruch nicht beabsichtigt war und wenn die regelmäßigen, aufeinander folgenden fünftägigen Arbeitsperiode», welche für Schnee- schipper eingeführt waren, auch sonst aus verwaltungstcchnischen Gründen zweckmäßig sein mögen. Weil es feststeht, daß zur Be- wältignng der Schneemaffen hunderte von Arbeitern, und unter diesen auch der Kläger, länger als eine Woche beschäftigt worden sind, so kann die Beklagte sich dem Anerkenntniß nicht entziehen, daß sür alle diese Personen trotz der vor- geschützten fünftägigen Arbeitsperioden eine gesetzliche Kra n lenversicheritngs-Pf licht vorgelegen hat." „Wenn Gesetz und Statut der Kasse die in Rede stehende Be- schästiguug versicherungspflichtig machen, soweit sie gegen Lohn erfolgt und länger als eine Woche dauert, so ist es nach Z 80 des Gesetzes den Arbeitgebern untersagt, im Wege von Arbeits- vertragen die BeschäfligungSdauer in kleinere, die Dauer einer Woche nicht erreichende Perioden zu zerlegen und so, beabsichtigt oder nicht, die vom Gesetz bestimmte Versicherungspflicht der Arbeiter zu beseitigen oder illusorisch zu machen. Vertragsbestimmungen, welche diesem Verbote zuwider lausen, haben folgeweise keine rechtliche Wirkung. Während einerseits der Be- klagten bei dieser Sachlage, wenn nicht die Pflicht, so doch wenigstens das Recht zugesprochen werden muß, die statutenmäßigen Beiträge von der Deputation der städtischen Straßenreinigung als Arbeit- geberin für alle diese Schneeschipper einzuziehen, so liegt ihr anderer- seits die Verpflichtung nicht minder ob. nach Maßgabe des Statuts diesen versicherungspflichtigen Echneeschippern, welche Mit- glicder der Kasse durch ihre Beschäftigung werden, im Erkrankungs- falle U n t e r st ü tz u n g zu gewähren." So das Urtheil in seinem wesentlichen Theil. Traurig ist, daß die städtische Verwaltung erst ans diese Weise an ihre selbstverständ- lichen sozialen Pflichten erinnert werden muß. Bei der Jnvaliditäts- und Altcrö-Versichernngsaustalt Berlin sind im Lause des Vierteljahrs I. Januar/31. März 1897: 123 Anträge auf Gewährung von Altersrente eingegangen; aiis der Zeit vor dem I. Januar 1397 lagen noch 13 Anträge vor, Hinsicht- lich deren die Entscheidung noch ausstand. Von diesen 146 Anträgen sind bewilligt 73, abgelehnt 41,anderwciterledigt2.mid unerledigt aufdas folgende Vierteljahr übernommen 25. Bis zum 31. März 1397 waren insgesammt bewilligt an Altersrenten 3431. Bon diesen sind aus- geschieden durch Tod 804, ans anderen Gründen 69, zusammen 873, so daß am I. April 1897: 2558 Altersrenten-Empfänger vorhanden waren.— Innerhalb des gleichen Vierteljahrs sind 474 Anträge auf Gewährung von Invalidenrente eingegangen und 162 unerledigt aus dem Vorvicrteljahr übernommen. Von diesen 636 Invalidenrenten- Anträgen sind 273 bewilligt, 141 abgelehnt, 20 anderweit erledigt, 202 unerledigt auf das folgende Quartal übernommen worden. An Invalidenrenten sind bis zum 31. März 1397 überhaupt 3720 bewilligt worden. Ausgeschieden sind inzwischen durch Tod 1095, aus andere» Gründen 83, zusanimen 1134. Mithin war am 1. April 1397 ein Bestand von 253 Jnvalidenrenten-Empsängern aufzuweisen. Für eine Durchlöcherung der Sonntagsruhe wird i» Unternehmerkreiscn Propaganda gemacht auf grund einer Kammer- gerichts-Enlscheidung, welcher mau eine cigenthümliche Auslegung zu geben versucht. Nach der gedachten Entscheidung des Kammer- gerichts ist eine Uebertretung der die Sonntagsruhe regelnden Bestimmungen auch dann straflos, wenn ein w i r t h s ch a f t l i ch e r N o t h st a n d zu befürchten ist. Ein derartiger wirthschaftlecher Nolhstand könnte eintreten bei der Ernte ans dem Lande»«. dgl. m. Besonders findige Unternehmer glauben nun einen„wirthschaftlichen Nothstand" herausklügeln zu können, wenn sie Sonntags nicht ar- beiten lassen. Natürlich werden sie aber mit einer solchen Auffassung schwerlich Glück haben. Seltsame Sparsamkeit. Durch die Zenteiiarfeier ist bekanntlich der Stadlsäckel in erheblicher Weise erlesehtert worden. Demgegenüber nimmt sich der Beschluß der Stadtverwaltung, daß in diesem Jahre bei den Reparaturen des Stra�enpfiasters möglichst gespart werden soll, recht sonderbar aus. Di« Jntersffeuten, be- sonders die Steinsetzer, sind von diesem Beschlüsse sehr wenig erbaut. Der GeschäftöpatriotiSmus unterläßt es nicht, sich auch den Tpd des Herrn v. Stephan zu Nutzen zu machen. Gin hiesiger Lithograph bietet„Erinnerungs-, Traner-, Post- und Weltpostkarten" an. Ob dies schöne Stück Pietät viel Dumme heranlockt-? Dem Besucher des Berliner Aquariums werden in den tischbafsins verschiedene neue Gäste auffallen, die zu den größten elteuheiten gehören und zum theil hier noch nicht zu sehen waren. Völlig neu für das Institut ist ein unserer Quappe und den Schell- fischen verwandter Fisch aus dem Miltelmeer, ein Gabeldorsch (Phycis), dessen an der Kehle stehende Bauchfloffen auf einen langen. am Ende zweigespaltenen Strahl verkümmert sind. Ein aus der Adria neu angekommener Fisch trägt den Namen„Herürgskönig" (Xeus faber), und zwar seiner eigenartigen Schöichett wegen und zufolge des Umstandes, daß er den Schaar«» der ihm zur Nahrung dienenden Heringe und Sardinen folgt, während ihn die alten Römer ob seiner glauzreichen olivenbraunen oder gelblichen Körper- färbe„Faber"(KÜpferschmied) nannten. Man erkennt diesen, dem Aquarium bisher fehlenden Makrelenfisch leicht an dem stark seitlich zusammengedrückten nackte» Körper, dem großen Kopf, den zu langen Wimpeln ausgezogenen Bindehäuten der starken Rückenstacheln und einem jede Körperseite zierenden großen schwarzen, weiß umrandeten Fleck. Aus dem Treptower Park. Auf Anordnung der Staats- anwaltschafl dürfen die Abrißarbeiten des Wasserchurms, welche infolge des Unglücksfalles im vorigen Monat eingestellt wurden, erst wieder aufgenommen werden, nachdem der Neue See sowie der von diesem nach dem Karpfenteich süheende Kanal zu- geschüttet ist.— Der Arbeitsausschuß der Berliner Gewerbe- Ausstellung hat die Arbeiten für die ZuschüUmig aus- geschrieben. Die Zuschüttung kann nunmehr, nachdem die Kuppelhalle des Hauptgebäudes beseitigt und die Ausschüttung des- selben freigelegt, ohne weitere Schwierigksiten in An griff genonimen iverden. Ob dies nun endlich geschehen wird?— Zur bffchleunigten Diwchführiing der Planiruugsarbeiien des Parkes, die bereits zum theil in Angriff geuommen worden sind, wird gegen die Pächter, welche nach Abriß ihrer Gebäude die Schuttmassen in den lförgen und Anlagen haben liegen lassen, nunmehr zwangsweise vorgegangen werden, eventuell die Beseitigung des Schuttes durch den Arbeilsausschuß sür Rechnung der Pächter ausgeftihrt. Ein größerer Theil des Parkes soll unter allen Unrständen noch in diesem Frühjahr in völlig regulirtem Zustande für das Publikum frei« gegeben werden.— Vom Wasserthurm wurden in der Nacht zu vorgestern 10 Meter fünfzöllige eiserne Röhren abgeschraubt und von den Dieben unbeobachtet fortgeschleppt.— In der gestrigen Nacht wurde ein Dieb festgenommen, welcher die Bretter von den den Park ninsäumendcn Reklameständen losgerissen hatte. Schutzmann und ärztliches Attest. Geheimrath Becher hat in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Aerztekammer Bertin von einem hiesigen Arzt folgendes Schreiben erhalten:„Es wird Sie als Vorsitzenden der Aerztekammer vielleicht interessiren, folgendes Vor« kouimniß zu erfahren. Ich hatte als Arzt desHosschauspielersa.D.X.ein tenguiß ausgestellt, das bekunden soll, daß Herr X an schwerer erz- und Nierenaffeklion hoffnungslos darniederliegt, nicht mehr im stände sei, die Feder zu führen und somit eine Unterschrist unter eine Pensionsquittung nicht zu erlangen sei. Dieses Attest wurde als unzureichend angesehen behufs Erhebung der Pension, und dem Ueberbringer des Attestes bedeutet, es würde aber genügen, wenn ein Schutzmann zu Herrn X, hinginge und der Patient anstatt der Unterschrift drei Kreuze machte. Daß Herr X., wenn er dazu fähig wäre, auch im stände sein könnte, seinen Namen zu schreibe», fiel dem Antwortgeber nicht ein. Ein Schutzmann hat mehr Glaubwürdigkeit, als das Attest des be- handelnde» Arztes. Eine im Polizeistaate nur zu natürliche Er» scheinung. Die Grundbesitzer der Oranienburger Vorstadt und des Web- ding pelitioniren an den preußischen Landtag um Verlegung des Botanischen Gartens nach der Gegend vor der Jungfern« Haide. Aus dem Militärstaate. Nach einer Mittheilung des„Gast« ivirthsgehilfeu" hat bei der Stetten Speisewagen-Gesellschaft ein Gast- wirthsgehilfe sich um eine Stellung beworben, er erhielt aber seitens des Direktors dieser Gesellschaft, eines Herrn Major a. D. einen ablehnenden Bescheid und zwar aus einem sehr charakteristischen Grunde. Der Herr Major hatte nämlich an dem Stellungsuchenden auszusetzen, daß derselbe noch im M i I i t ä r v e r h ä l t n i s s e st e h e und daß dadurch der Betrieb der Neuen Speisewagen-Gesell» schaff gestört werde» könnte. Der Segen de? Militarismus wird durch dieses Vorkommuiß auf eine recht absonderliche Art ver- anschaulicht. Jedenfalls ein recht fürsorglicher Beamter, der Herr Major a. D.! Die letzte Gläubiger- Versammlung im Konkurse Max Simon hat nun endlich einen Ueberblick sowohl über die Aktiven. wie auch Passiven gegeben. Die Gläubiger, etwa 700 an der Zahl. von denen 150 in Berlin wohnen, haben den Verkauf des in Berlin befindlichen, auf 150 090 M. taxirten Waarenlagers im ganzen zum Preise von 85 000 M. a» eine Firma in der Landsbergerstraße be» hJiQiflt. AuS den Gefammt-Ältiven dürfte ein Erlös von 200000 M. zn erreichen sein. Znr Vcrtheilung gelangen nach dem auaenblick- nchen Bestand 10 pCt. Die Gläubiger sind über die Vorgänge des Konkurses ziemlich erregt, und es ist eine Anzeige an die Staats- Anwaltschaft abgegeben wölben, nach welcher die Konkursanmeldung nicht in ganz gesetzmäßiger Weise vollzogen sein soll. hat das Spiele» mit Schuhwaffcu ein schweres Ung-ack herbergefuhrt. In der Exerzierstraß- versuchte am Freitag .iachmittag der 13 jährige Sohn des Schmiedes Hartwig de» Hahn emes geladenen Terzerols. das dem gleichaltrige» Sohn des Bar- viers Müller gehörte, zu spannen, indem er die Waffe gegen einen Laternenpfahl drückte. Hierbei entlud sich das Terzerol und die Kugel drang dem Knaben Fritz Müller in die Brust. Er wurde sofort nach dem Kaiser- und Kaiserin Friedrich- Krankenhause ge- bracht, ivo die Aerzte eine gefährliche Verletzung feststellte». . Poliklinik. Dr. M u g d a n hat seit dem 1. April Friedrich- fuoBc 131 d(Ecke Karlstraße) eine Poliklinik für Kinderkrankheiten eröffnet, in der Kinder Unbennttelter werktäglich von 2 bis 3 Uhr nachmittags unentgeltlich behandelt werde». Ein großes Fener wiithcte in der vergangene» Nacht auf dem Grundstück Rungestraße 21. Dort sah u», 11 Uhr ein Privat- wachter, der auf dem Hofe stand. Feuer im 4. Stock des Quer- gebaudes, der als Trockenboden der Coundö'schcn Färberei(Inhaber Hetschingl) dient. Unmittelbar darauf schlugen auch schon die Flammen zu den Fenstern heraus. Mau alarmirte die nur wenige Schritte entfernt liegende Feuerwehr in der Köpenickerstraße, und d«ese meldete, sobald sie auf der Brandstelle erschienen war. Groß- fever nach. Man war des Feuers, da auf dem umfangreichen Grundstücke mit mehrere» Fabriken, einer Spedition jc, große Gefahr drohte, um 3h Uhr früh Herr. Der Brand hat den Dachstuhl und den vierten Stock vollständig zerstört und auch die Decke des dritten Stockes durchschlagen. Wie es entstanden ist, weiß man nicht. Der Schaden ist bedeutend, der Betrieb der Färberei aber nicht wesentlich gestört. Herr Karl Schneidt berüchtigten Zlndenkens hat uns gestern brieflich angezeigt, daß er sich mit dem Chefredakteur des„Berliner Herold" geprügelt habe. Er habe den Mann geschlagen, ohne von diesem wieder geschlagen ivordcn zu sein. Schade! Eine Verkehrsstörung wurde Sonnabend Mittag in der Jernsalemerstraße dadurch veranlaßt, daß«in mit Gerüststangcn vollbeladener Wagen an der Ecke der Schützenstraße zusammenbrach und zwar gerade auf dem Pferdebahngeleise. Um den Verkehr aus' recht zu erhalten, wurden die Pferdebahnwagen durch die Lindew und Kominandtintenstraße über den Dönhoffsplatz geleitet. Von einem Kohlenwagen wurde gestern Vormittag 10 Uhr 'ein Arbeiter vor dem Hause Oranienstr. 141 überfahren. Der Schwerverletzte mußte dreiviertel Stunde» aus der Straße liegen, bevor ihm ärztliche Hilfe zu theil wurde! Verschmähte Liebe zu einer verheiratheten Frau hat den 44 Jahre alten Bnreaudiätar Eugen Steffanski zu»» Selbstmord ge> trieben. Steffanski und die Frau des Maschinisten I. aus der Tilstlerstraßc kannten sich von Kindheit an. Der Bnreaudiätar wohnte ' auch bei ihr, solange ihr Mann i» Berlin war. Als I. später zur See ging, verkehrte Steffanski nach wie vor bei der Frau, nachdem er in der Nachbarschaft eine andere Wohnung bezogen hatte. Schließlich verliebte er sich in sie, wurde aber abgewiesen und erhielt dann auch keinen Einlaß mehr in die Wohnung. Gestern aber kam er wieder und als ihm abermals nicht geöffnet wurde, griff er zum Revolver und jagte sich an der Thür auf dem Treppenflur im vierten Stock eine Kugel in den Kopf, die ihn auf der Stelle tödtete. Sief- fanski war früher beim Magistrat. Nachdem er diese Stellung auf- gegeben hatte, wollte es ihm nicht gelingen, eine andere zu bekonuneu. Frau I. hatte ihn wiederholt unterstützt, sobald er aber Geld hatte, war er liederlich und verpraßte es in weiblicher Gesellschaft. Die Juwelcndiebe Schmidt und Hertel, die inzwischen in den Flügel A des hiesige» Untersuchungsgesüngiiisses eingeliefert worden sind, werden gleich de» beiden Hehlern tJiosenzweig und Samkowic schon in nächster Zeit sich vor dem Gericht zu veranl- warten haben. Die beiden letzteren sind höchst wahrscheinlich gestern, Sonnabend, von Wien nach hier übergeführt worden. Von den ge> ftohlenen Gegenständen hat Herr Luckwaldl für etwa 10 000 Mark wieder herbeischassen können. SlttS de» Nachbarorte»». Eine Polizeithat. In W e i ß e n se e sollte Freitag Nach- mittag der 43 Jahre alte Arbeiter Karl Zenker aus der Langhaus- straße durch einen Schutzmann zur Polizeiwache gebracht werden. Als er Widerstand leistete und den Schutzmann thätlich angriff, zog dieser blank und versetzte dein Zenker u. a. einen Hieb über das rechte Ellenbogengelenk, der ihn so schwer verletzte, daß man ihn nach der Charitee bringen mußte. Die Parteigenosse» von Ncinickcndorf, Eichbornplan. Dall- dorf, Hermsdorf ec. werde» auf die heute, Sonntag, nachmittags 3'/2 Uhr, in B ö t t i ch e r's„Secschlößchcn" zu Reinickendorf, Markt- platz 1, stattfindende Vereinsversammlung des Arbeiter- Bildungs- Vereins„Zukunft" ganz besonders aufmerksam gemacht. Der V or sta n d. Friedenau. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß die Ver- sammlung des Arbeiter- Bildungsvereins am Dienstag, abends SVa Uhr, in Friedenau bei Weinert, Siönnebcrgstr. 8, stallfiudet. Es kommt die Broschüre über die politische Polizei in Preußen znr Bor- lesung. Auch wird die Parteispedition in Erinnerung gebracht. Genossen, welche noch wo anders abonnire», mögen sich in die Liste» einzeichnen, welche ausliegen in S t e g l i tz bei T i e k e, Albrecht- straße 125, S ch e l l h a s e, Ahornstr. ISa, Mohr, Düppelstr. 8, im Keller, sowie in Friedenau bei Weinert, Röunebcrg- straße 3, und beim Spediteur Hermann B e r e s e e, Kirchstr. 15, Hof, Seitenfl., 2 Tr. Auch nimmt Bestellungen entgegen der Bor- sitzende des Arbeiter-Vildungsvereins, Ernst S u d r o w. Steglitz, Düntherstr. 4. Charlottcnbnrg. Das Logenrestaurant, in welchem der Maurer- gesangverein Geselligkeit II heut« eine Festlichkeit abhält, ist sür Arbeiter-Versammlunge» nicht zu haben. I» dem Disziplinarverfahren gegen den Bürgermeister P l a s ch k e in Strausberg, der, wie mitgelheilt, kürzlich wegen Sittlichkcitsverbrcchens von der Strafkammer am Landgericht II Berlin freigesprochen wurde, ist nunmehr Termin zur Zeugen- vernehniung vor dem Untersuchungskommissar, Regierungsrath K l o t s ch, auf Dienstag, den 13. d. M., im dortigen Rathhause an- beraumt worden. Theskov. Die„Neue freie VolkSbiihne" veranstaltet am Montag Abend im Saale der Ressource, Kommandantenstraße, einen Detlev von Liliencron-Abend. Lieder Liliencrons, von BrahmS, Kahnt, Hermann, Berger, Maucke, Nodnagel komponirt, werden gesungen, kleinere Dichtungen werden von Bühnenmitgliedern vorgetragen werden. Frl. D e t s ch q hat ihren noch auf zwei Jahre lautenden Ver- trag mit dem Schiller-Theater zum 1. Juli d. I. wegen Krankheit gelöst.— Schade! T>I«at«r-Woch»nchro>»IK. Opernhaus. Sonntag, denn. Aprtl:„Tan»- Häuser." Ansang 7 Uhr.' Montag, IS.:„Tristan und Isolde." Tristan: Herr Emil Aerhüuser, vom Großh. Hoftheater in Karlsruhe, als Sast. Ansang 7 Uhr. Dienstag,>s.:„Ter Evangoliinann." Mittwoch, it.:„Die Meislerstnger von Nürnberg." Srolzing: Herr(Sinti Göhr, Haue Sachs: Herr Tbeod. Reichmann, als(Säfte. Ansang otj Uhr. Tonnerstag, 16.: Oesseniltche Konzertprobe zur w. Sinfonie der lönigl. Kapelle. Freitag, I».: Weschlossen. Sonnabend, 17.: iv, Sinfonie der lönigl. Kapelle. Sonnlag, is.:„Undln«." Monlag, is.: Zum 1, Mal: Haschisch,- SchousplelbauS, Sonntag, 11,:„Olhello, der Mohr von Venedig," Monlag, Ii,: l„Die Quitzows." Tienstag,>6:„Egmoni," An- sang 7 Uhr. Mittwoch, lt.:„Ta« Leben ein Traum." Donnerstag, 16,: 8e- schlössen. Freitag, 18.:«eschiosse». Sonnabend. 17.: Oeschlossen. Sonnlag, is.:„Faust." Monlag, 19.: Zum co. Male:„isu." Dienstag, so.: Zum ioo. Male:„Ter Bibltolhelar."— Reue» lönigllches Opernlheater(Kroll). Sonnlag. tt. April:„WohlihSttge grauen."«r- möstigte Preise. Sonntag, 19. t„Tottor Rlanä." Monlag, 19.;„Der Verschwender."— Das Deutsche Thea le r hat in dieser Woche folgenden Spielplan: am Heuligen Sonntag„Die versunkene»locke", morgen Monlag„Einsame Menschen", Dienstag„Ton Torlos" mit Joses Kainz in der Tiielrolle, Mittwoch„Die versunkene»locke", Donnerstag„Morituri." Charsreilag bleibt das Theater geschlossen, Sonnabend und nächstfolgenden Sonntag Abend„Die versunkene Glocke". Tie Naästnitlagsvorftellung am Heuligen Sonntag fallt wegen der Matinee der Freien Bühne aus, nächstsolgenden Sonmag Nachmittag„Die Weber".— Im Berliner Theater geht diesen Sonntag Nachmittag Wildenbruchs„Konig Heinrich" zum 186, Male in Szene.„Kaiser Heinrich" wird Dienstag gegeben,„Das neu« Sedol" wirb Sonnlag Abend und Mittwoch swiederholi.„Renaissance" gelang! Monlag. Osterionntag und am dritten Feierlag, die Luftlptelnovilät„Kinder der Bühne" Sonnabend und Osler- monlag zur Aussührung, Donnerstag wirb als si, Abonnemenls-Borstellung „Kabale und Liebe" ausgesührl und stnden bet dieler»elegenhett etnige Tetrnl« statt. Freilog bleibt da« Theaier und die Kasse geschlossen. Nachmiliags-Bor- slellungen: 1. Feierlag:„Die Jungfrau von Orleans", 8. Feiertag:„Tors UN» Stadt", s. Feieriaa:„Faust".— Im Lsssing-Thealer wird der Spielplan dieler Woche durch den sröhlichen Ersolg beherrschl, den die Novität„Seine vsftzielle Frau" in der lustigen Bearbeitung von Friedrich Erdmann-JeSniher ioeben erreicht hat. Das Werl wird am heutigen Sonntag, Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag mir Franz Tewele als Gast zur Aussührung gelangen. Am Charsrettag bleibt dnS Theater geschlossen, während am Sonnabend zum ersten Mal das drelattsge Baudeville„Toledad" gegeben wird, in welchem das Ferenczn-Enseinble unter Minvirluna von Franz Tewele sein Gafttpiei im Lesstng- Thrater beginnen wird.— Wochensptelplan des Neuen Theaters: Täglich 7j( Uhr abends„Trilby". Heule Nachmittag 3 Uhr„Marcelle" Oftersonnlag, den 18. Avril, Ii Uhr Matinee: Vorstellung der bramalilchen«esellschasi„FrühlingSreis". Abends„Trilbg", Ostermontag, den 19. April, nachmittags 3 Uhr„Marcelle", abendS„Trilbn".— Im SchilierThealer stndel heule Nachmittag die Bor- steliung zu gunste» des Lette-Vereins statt. Zur Aufführung kommt Shalespears'S „Ein Winiermärchen". Abend« 8 Uhr wird das Anzengruder'sche BollSslüek„Der Meineiddauer" gegeben. Montag und Mittwoch stnden Wiederholungen von Moser'« Schwan!„DaS StiflungSsest", Dienstag eine Wiederholung von Reichel'« Schauspiel„Die Bildhauer" statt. Donnerstag geht„Maria Sluarl" in Szene, Frcilag bleibt das Theater geschloffen. Sonnabend lommt zum ersten Male „Bauernehre"(OvaNari» ruaucanaz. Sizilianische AoltSszenen in 1 Akt von Giovanni Berga, deutsch von Otto Eisenichih, und„Ter eingebildete Kranke' Lustsplel in 3 Alien von Mokiere, zur Aufführung.. Im Thealer Unter den Linden erleidet wegen Heiserkeit de« FräuleinS kornelli der Spielplan in- soser» eine Abänderung, als Sonntag nachmittags„Ter Bettelstudenl", abends „Die Fledermaus" mit Ballet tn Szene geht.— Nächsten Sonnabend ist dt« erste Aufführung de« neuen Vaudevilles„Der Kognac-Köntg".— Theater de» Westens, Ter neue Spielplan ist folgendermabsn ssstqesetzt: Jacobson'« Pols' „Ter Mann lm Monde" wird am heuligen Tonntag, am inorgigen Monlag und Sonnabend Abend und nächsten Sonnlag Nachintttaa gegeben. Am Dienstag wird Gustav«adelburg zum lehien Mal den„Neis-Reistingen" spielen. Am Mittwoch wird das Blumenthal'sche Lustspiel„Zwei glückliche Tage" zum ersten Mal ausgeführt und am Tonnerstag, am nächsten Sonnlag Abend und am Montag wiederholt, Freitag bleibt da« Thealer geschloffen.— Ganz besonders sei daraus hingewiesen, daß die heutige NachmtltaaS-Borstellung erst um 3)i Uhr ihren Ansang nehmen kann, da um Ii Uhr die Matinee zum Besten der„Rudolf Falb- Spende" stattstndel.— Friedrich Wilhelni städtisches Theater. Heute Abend wlrd das Berliner Sittenbild in 6 Akten von Emtl Melzer:„Zimmer- mann'S Lene" wiederholt und bleibt bis ans weiteres aus dem Spielplan. Heute Nachmittag geht das soziale Drama tn 6 Aufzüge» von Gerhardt Hauptmann: „Bor Sonnenausaang" bet lleincn(Abonnemenis-) Preisen tn Szene Die beifällig ausgenommene Tichiung tn I Ali von Martin Wagener:„Katn'S Tod", wird morgen zum zweiten Male gegede ,.— In, Zentral-Theater stndel heule die vorlegte SonntagS-Borstellung des„Fidelen Abend" statt.— Im Ostend- Theater gelangt heute als Nachmittagsvorstellung bei halben Kassenpreisen zum lehten Male„Berlin, wie eS weint und lacht" zur Aufführung. Abends 8 Uhr geht die lustige Paffe„Klein Geld" zum 10. Male in Szene. In anbetracht des Palmsonntags ist der Beginn der SonntagS-Abendvorstellung auf s Uhr sestgeseht. Für die Eharwoche wird das Repertoire durchweg von„Klein Geld" d«herrsä)t werden.— Im Bolks-Theater haben die Wiederholungen von„HovsenrathS Erben" Ersolg gehabt. Am Sonntag gelangt vorher die einaktige Posse„Eine verfolgte Unschuld" zur ersten Aussührung. In derselben debütirt die neue Souorette des BollS-TheaterS Fr. Toni Griao von Köln. August Reiff spielt den Rentter Christoph Meger. Die Vorstellung deginnt wie stet! an den Sonntagen schon um 7 Uhr.— Im Alexanderpiatz-Theater wird heute Abend zum ersten Male„Eine tolle Pnnzeh" mit Bendix und Hennq Schinid wiederholt. Dem Stücie vorher geht der Einakter„Endlich allein".— Im Apollo-Theater bleibt die neue, interessante Ktnetographenserte auch tn dieser Woche aus dem Reperlotre._ Gerichts � Leitung. Ei» Messerstecher erhielt gestern durch Urtheil der vierten Slrufkamnier des Landgerichts I eine harte Strafe. Der An- geschnldigte, Schlächtergeselle Otto Hinz befand sich an einein Jammr-Abende mit mehreren Bekannten in dem Otto'schen Schank- geschäfl in der Franksurlerstraße. Als die Köpfe von den reichlich genossenen Getränken erhitzt waren, entspann sich ein Wortwechsel. Um Thätlichkeiten vorzubeugen, trat der Wirth dazwischen. Hierüber gerieth der Angellagte dermaßen in Wnth, daß er ein großes Taschenmesser hervorzog, es öffnete und in gesichr- licher Weise alle übrigen Personen damit bedrohte. Der Wirth wurde von dem Angeklagten an der Hand schwer verletzt, so daß er theilweise erwerbsunfähig bleiben wird. Ebenso wurde die Ehefrau Otto in die Hand gestochen. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten ein Jahr Gefängniß, der Gerichtshof«rkannte aber auf zwei Jahre Gefängniß und ordnete die sofortige Verhaftung des Bernrtheilteu an, In Breölau war ein Schutzmann Schubert zu 20 Mark Geld- straf« verurlheitt worden, weil er einen R e g i e r u n g s- B a u- s ü h r e r, den er ststirte, durch die Worte beleidigt Halle:„Wenn Sie nicht schneller gehen, werde ich Ihnen Beine machte»!" Das Gericht hatte in seinem Erlenntniß ausgeführt, daß ein Echutzmann sich einem gebildeten Manne gegenüber anders benehmen müsse, als hier geschehen sei. Die vom Schutzmann eingelegte Revision ist gestern vom Reichsgericht verworfen worden. Für Radfahrer. Der Amtsrichter Daberkow erhielt ein Straf- mandat, weil er sich gegen eine Oberpräsidial-Berordnung vergangen haben sollte, die folgendes bestimmt: Radfahrer müssen in der Dnnkelheit Fußgänger, die Insassen von Fuhrwerke» u. s. w durch Glockensignale ans ihre Annäherung aufmerksam mache». Daberkow hatte nn» gegen 9 Nhr abends beinahe ei»«» Gendarmen angefahren. Er hatte ihn nicht gesehen und deshalb auch nicht geläutet. I» den ersten Instanzen wurde er mit der Begründung zu einer Geldstrafe ver- urtheilt, daß er in der Dunkelheit immerfort hätte klingeln müssen. Der Angeklagte legte hierauf gievisio» ei» und vertrat den Standpunkt, daß er nicht gezivungcn rverde» könne, ohne Unterbrechung die Signalglocke in Bewegung zu halkeu. Er hob auch hervor, daß«r den Gensdarm erst im letzten Moment erblickt habe, also zu spät, um noch zu läuten. Nach§ 59 des Slrafgeletzbuches müßte er demnach freigesprochen werden, denn darin heiße es: Wenn jemand bei Be< gehung einer strafbaren Handlung das Vorhandensei» von That- umständen nicht kannte, welche zum gesetzlichen Thalbeslande gehöie» oder die Strasbarkeit erhöhen, so sind ihm diese Umstände nicht zu- zurechnen. Der Strafsenat des Kammergerichts folgte diesen Aus- sühruugen und sprach Daberkoiv frei. Man könne nicht verlangen, daß sorlivährend geläutet werde, und Fahrlässigkeit könne man Daberkow auch nicht vorwerfen. Tic Nähniaschinenfabnk von Vinfcld«. Locke in Meißen und die sächsische Ttaatsautvaltschaft. Zu 1 Monat Gefängniß ivurde Genosse Arno R e i ch a r d in Dresden wurtheilt, weil er die Zustände der Nähmaschinenfabrik von Bin seid u. Locke in Meißen i» öffentlicher Versammlung scharf kritisirt hatte. I» dieser Sache stand früher schon einmal Termin an, damals wurde aber die Verhandlung vertagt, weil Reichard ein Mitglied des Richterkollegiums, de» kouservaliven Reichstags-Kandidaten, Landrichter Rosenhageii. ablehnte. Mik Reichard ist der Metallarbeiter Oertel angeklagt, weil er u.a. gesagt baden soll, die Fabrik sei nicht nur ein Zuchthaus, sondern ein Hungerthnrin. Während die Fabrikanten Sonntags in die Kirche gingen, müssen die Arbeiter arbeiten. Als in der langwierigen Verhandlung Reichard durch Vorlegen von Lohnzetteln u. s. w. nachwies, daß thatsächlich noch schlechtere Löhne gezahlt würde», als er nach der Anklage angegeben, zog der Staats- anwalt die Anklage theilweise zurück. Sieichard wies weiter nach, daß die Gefängnißorduung sür Sachsen humanere Be- stimmungen enthält, als die Arbeitsordnung von Biufeld u. Locke. Durch Vorlegen einiger Geschäftsbriefe der Firma legte er dar. daß diese Firma auch in Handelskreisen als inkoulant bekannt ist. Als er den Nachweis versuchte, daß einige Arbeiter mit eminent hohen Strafen belegt wurden, beantragte der Staatsanwalt Aussetzung der Ver- Handlung und I n h a f l i r u n g N e i ch a r d's wegen Kollusionsgefahr. Es zeige sich, daß Reichard bei den Metallarbeitern im ganzen Deutschen Li eiche B e w e i s m a t e r i a l zusammengetrommelt habe und das würde weiter geschehen, wenn er auf freie ni Fuße bleibe. Die Verhaftung geschah nicht. Belastungs- zeugen sagen aus, daß die Fabrik schon seit vielen Jahren in weiten Kreisen den Namen„Hungerthurm" führe. Die Strafe lautete für Reichard auf I Monat, für den Mitangeklagten aus 14 Tag- Gefängniß. Ein schlagfertiger Seelcnhirt scheint der Pastor Ehlerding in G r o ß- I I d e zu sein. Das zuständige Amtsgericht eröffnet« im Mai des vorigen Jahres gegen den Mann das Hauptuersahren wegen vorsätzlicher körperlicher Mißhandlung. Der Anlaß dazu lag in folgendem Vorgänge. In Bültum spielten eines Tages mehrere Knaben Murmel, darunter auch der Schüler Barte. Gerade als letzterer emsig dabei war. Kugeln zu werfen, erschien Hochwurden aus dem Plane. Während die anderen Kinder ihm die eingedrillte Reverenz machten, kam Barte, der Ehlerding den glücken zukehrte, damit etwas zuspät. Auch fiel der Gruß in der Hitze des Kugelgesechts etwas flüchtlger aus, wie der der Kämeraden. Schwapp— hatte Barte eine derbe Ohrfeige weg.s Der Vater des Knaben beantragte die gerichl- liche Bestrafung des Prüglers Er machte geltend, sein Sohn habe nicht gleich grüßen können und es hätte doch dem Angeklagten, als einem berufenen Berlreter der christlichen Güte und Milde nicht zugestanden, sofort zuzuschlagen. Die Regierung in H>>des- heim erhob nunmehr zu gunsten des Pastors den Kouflut. Sie betonte, der Schläger könnte nicht strafrechtlich verfolgt werden, weil er als Lokal- Schulinspektor zu der Ohrfeige befugt gewesen sei. Der Erste Staatsanwall hielt die Sache für noch nicht genügend aufgeklärt, der Oberstaatsanwalt aber und der Minister für geistliche Angelegenheiten erklärten den Konflikts. beschlitß für begründet. Das Ober-Verwaltungsgericht erkannte denn auch im Sinne der letzten Gutachten, so daß das gerichtliche Ver- fahren gegen den milden Pastor endgiltig eingestellt werden muß.— Ein Pfarrer, der zugleich Schulinspektor ist, hat also das Recht, auf der Straße Schüler durchzuprügeln. Eiu beleidigter Literarhistoriker. Aus Hamburg wird berichtet: Der hiesige Schriftsteller Dr. Gerhardt, welcher vom Literarhistoriker Dr. Mauerhoff-Jena wegen Beleidigung, begangen durch eine scharfe Kritik über Mauerhoff's hier gehaltenen Vortrag: „Hamlet und die Hamletforscher" angeklagt war, wurde vom Schöffengericht sreigesprocheii. Vevftlntttrlttttjgett» Die Modell- und Fabriktischlcr tagten am 6. April im Vor- städtischen Kasino, Ackerstraße 144. tkollege Ahrends hatte da? Referat über Lohn« und Arbeirsverhältnisfe in den Fabriken und Organisation übernommen. In der Diskussion schilderten ver- schieden« anwesende Kollegen die traurigen Verhältniffe, hauptsächlich die lange Arbeitszeit und die hygienischen Zustände in den Fabriken. Der Referent forderte noch zum regen Anschluß an den Deutschen Holzarbeiter-Verband auf, dann könnten diese Zustände alle beseitigt werden. Eine dahingehende Resolution wurde einstimmig angenommen.— Zum Schluß wurde seitens der Kollegen der Wunsch laut, in vier bis fünf Wochen wieder eine Versaminlung mit Sieserat abzuhalten. Ferner wurden die Kollegen seitens des Obmanns noch ausgefordert, sich Bertranensniänner zu wählen und diese in die Sitzungen zu entsenden. Im Bericht über die Manrerversainmlung in der gestrigen Nummer muß es heißen: Gefordert wird Abschaffung der Akkordarbeit, statt Abschaffung der Baubude n. Kebritci-iZildungel'chiile. Semester-Fcile» bis Mitte April. Di« z»rrli>»ll« d»r Arbeit»,-DI>»»»g»sch»>», Brunnen fir. 86, ist loortjen- tagt von o—'j Nhr, Sonntags von 4—0 Nhr, unenlgettltch sllr jedermann geöffnet: die E e s ch ä s I S st e l l e der Schule N., Brunncnslrade 86. die den Vereint- vorstände» zur Bcrmittelung von Vorträge» wiffenschastltäjen Charolter« zur Verfügung sieht, Ist ebensalis von 0-0 Uhr nachmittog« geöffnet. Arbr>trr-�i>»g«rdii»d Berlins und Umgegend, Vorsthender Ad. Neinnann, Poseiuolkersir. 3. All« Aendcrungen im Vercinskalender sind»Ii richten o» Friedrich Kort»>», Mnntcuffelstr. 49, v. 8 Tr. s»nd der gesellig»,, Arbeiter»»«»!»« Kerilr.» und Hl»>a»«»»d. All- gusqrisien, den Bund betreffend, sind zu richten an H. Bendtr. Aierandrinen- strab- loa, Arbeiter- Pgncherb»»» Der»»« und Zlmgege»». Aendirunaen im BereinSkalender sind zu richte» an Hermann Braun schweig, Dresdener- straße 30, 8. Hol. 4 Tr. Prion«. eheater-SZesellschaft„Erika". Montag, den 18, April, abend» 0 Uhr, im Reslauranl Nowack, Manleuffelstr.!l: Sitzung. Kam»riterli»rs»>d sür Arbeiter»»d Arbeiterinn»». Montag, den 18. April, abends Uhr, in llohn'S Festsälen, Beuthstraße 80: General- Versammlung. Borlrag det Herrn Tr. Christeller über: JnsetiionS-Krankheileii unter besonderer Berücksichttgung der Tiphlherie. Neuwahl des Vorstande«. AUgemei»» Laniilie»- Ste-bekass». Heule Zahilag: Allerstraße Ii» bei Dieel». Berliner Palnrheiloerel»„Zlik»»st". Montag, den 18. April, ab.nd» OX Uhr, in, Grand Hotel Alexanderplatz: Borlrag über: Die Zuckerkrantheil und die Nalurheilmethode. Referent Herr Max Canitz. sangverein Harb. MonalSsttzung am Monlag, den 18. April, abends » Uhr, bei Schulz, Beteranenstr. is. Briefkasten der Expedition. Bergcr. R. Das Inserat kostet 4 M. Wister»»�öiibc>'sickit vom It>. April Wcitei Plvgiivsc für Sonntag, de» It. April IbiV7. Nachts etwas wärmer, am Tag« lühler mit zilnehmender Be» wölkung, etwas Regen und mäßigen nördlichen Winden. Berliner W e t t« r b n r« a u. Ärlieitsliilllkt. Alhtllilg, Kolzürbkiter! In der Wertstätt von J. O. Eisholz, Krantstr. 52(Gewerbehof), haben 45 Tischler wegen Lohn- differenzen die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist sernzuhallc»! IMe Ort«- Verwoltunff d.deutsch.Holznrbeiter-Berbaiibes Zahlstelle Berlin. 88/7 General. Berufs-Agcnten sucht sür Berlin und Provinzen die Allgemeine Volts-Kranlenkaffe(E. H. 126.) Müllersir. 175, III. 1415b ZToi-hmetzchor. 14826 Gestell- und BambuS-Arbeitcr verl. Eankan, Kleiubeerenstr. 24. Slnswartefrau ganzen Tag such, wüldner, Mantcuffelstr. 67, Qgb. III. üLolchnor Confect. Stickerei 14326 nur erste Krast verlangt David Riese, Jägerstr. Lb. klÄNckireetriee auf Kragen, geübte Plätterin bevor- zugt, bei hohem Gehalt sür große anS- wältige Wäschesabrik verlangt. Offert, sab 3. it. 497 Hauptpost- lagernd. 1472b Karton- für bezogene Kartons verlangt Dhoodor Xailian, 1462b Stallschreib erste. 2". verlangt Farbigmacher 1492b Stallschrciberftr. 1«. 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Unser Mitglied 4ö6/7 MaeS ist am 8. d. M. verstorben. Die Be- erdigung findet am Sonntag, den 11. April, nachm. um 4 Uhr, von der Leichenhalle des Gnaden-Kirchhofs in der Barsußstraße(bei der Müllerstraße) statt. Die Lokalverwaltung. Todes-Anzeige. Den Mitgliedern des Lese- und Diskutirklubs„Friedrich Engels 1" hiermit die traurige Nachricht,, daß unser Mitglied 100/12 GusUnr Griindel Freitag früh verstorben ist. Die Beerdigung findet Montag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle der Zions- gemeinde in Weißenfee aus statt. Um zahlreiche Betheiligung bittet Der Borstand. tierdurch die traunge Nachricht, mein lieber Mann, unser Vater und Schwiegervater, der Töpser Albert»lez-er am Freitag Nachmittag um 2 Uhr iw der Anstalt zu Dalldorf verstorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, nachm. 4 Uhr, auf dem Friedhos«t der Anstalt statt. Die trauernden. Hinterbliebenen. I d a M e y e r geb Prescher nebst Kindern. 1497b _________ u. Sterbe» Kasse her Berliner HMieoer (Eingeschr. Hilsskasse Nr. 61). Das Mitglied unserer Kasse Wilhelm l.iefeld. Niederwallstr. 14, ist nach langem Leiden gestorben. Die Beerdigung findet Sonntag, den 11. April, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Werderschen Kirchhofes in der Berg- mannsttaße aus statt. Der Vorstand. Todes-Anzeige. Vereinigung der Maler«. s. w., Filale I. 124/20 Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied Guutnv Simon verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 11. d. M., vormittags 11 Uhr, von der Leichenhalle des jüdischen Kirchhofes in Weihensce, Lothringen- straße aus statt. Um rege Betheiligung bittet Der Borftand. Dodes-Anzeiae. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber. Mann, mein guter Vater, der Barbier Gustav Gründel, Weißcnburgersttaße 40, nach langem Leiden am 9. April 1897, früh 4>/. Uhr, entschlafen ist. 1473b Die Hinterbliebene trauernde Wittwe nebst Kind. Die Beerdigung findet am Montag, den 12. April, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle derZionsgemeinde in Weißensee aus statt. Todes-Anzeige. Den Kollegen der Freien Vereinigung selbständiger Barbiere u. s. w. die ttaurige Nachricht, daß unser lieber unvergeßlicher Kollege 265/14 vustav Gründel, Weißenburgerstr. 40, nach langem schweren Leiden an der Proletarier- ttankheit am 19. d. M. verschieden ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 12. d. M, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Kirchhofes der Zionsgemetnde in Weißensee, aus statt._ Der Vorstand. Fiir Krankellkassemitglieder. Künstl. Zähne, Blomben-c. Schmerzt. Zahnziehen mittels Lachgas. An- gehörige der Kassenmitglieder werden zu denselben Kassenpreisen behandelt. Genossen gewähre aus Wunsch bequeme Theilzahlung. �49 1b Georx lurael, Zahntechniker, Gr. Hambnrterstr 40. II. Berliner Ressource,* rSmitaj, 25.|ptil, ftti|t»Ptiitii, I Schuhvaarenhans Carl Stiller l Gegründet 1867.| Jerusalem enstrasse 40, am Dönhoffplatz.[ GegrUndot 1867« Damen« Schuhwaaren. 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Da bekanntlich in den letzten Tagen vor dem Feste der Andrang der Kundschaft in meinem Geschäfte ein zu starker ist, als daß jeder Einzelne, trotz bedeutender Personalverinehrung, mit der sonst üblichen Aufmerk- samkeit bedient werden kann, so werden diejenigen meiner sehr geehrten Kunden, denen es Ntögliilx ifl, fvühev zu häufen, im eigenen Interesse höflichst gebeten, ihren Bedarf rechtzeitig decken zu wollen. Nusiunhlfendunülen können vor dem Feste nicht gemacht werden. Heute Sonntag geöffnet vis 6 Uhr abends. BtewQii'-SvkukwaanSii. Rossleder-Halbschuhe geeignet für Strassen-, Touren- und Hausschuhe, 4 Mk. Rossleder-Halbschuhe mit Blatt, z. Schnüren od. mit Gummizügen, sehr dauerhafte Strapazirschuhe, 5 Mk. Ressleder-Halbschuhe mit Blatt, z. Schnüren od. mit Gummizügen, in elegant. Ausführung, spitz, od. eokig.Fatzon, 6 Mk. oder Rindleder- Zugatlefel, ganz gl., m, derb. genag. Kemledersohl., vorzügl. Strapazirstiefel, 8, 50 Mk. Rossleder-Zugstiefel in hochfein. Form u. 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April, abends 8 Uhr, oe!«i-osisv 117(Königsbant): Geueral-Bersammluug Tages-Ordnung: I- Thätigkeitsberichü 2. Kassenbericht. 3. Wahl des Vorstandes. � Wahl der Revisoren. 5. Vortrag deS Reichstags-Abgeordneten Genossen risvlivi'. v. Dislusston. 2i2ll6 Um zahlreiches Erscheinen ersucht _ Der Torstand. 5. Wahlkreis. Mittwoch, 14. April, abends 8 Uhr, im Saale der Brauerei Friedrichshain: Gr. gsfentl. Tolks-Bersaiiiinlililg Tages-.Ordnung: Bortrag des Reichstags- Abgeordnete» HTIIIr. Liebknecht. DiSkussion.— Um zahlreichen Besuch bitten 2ll/3 Die Vertrauenspersonen. Allit'lllg! lZlisl'IMnkiii'g. Achtung! Dienstag, den I». April I8S«, abends 8 Uhr, im Lokal Bismarctshöhe. Wilmersdorserstr. 39: Ocffcntlichc Uolks-Uerfammwng Tages-Ordnung: 204/1 I. Vortrag des Genossen Calw er. 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zum 1. Mai. 4. Verschiedenes. __ Um zahlreiches Erscheinen wird ersucht. Der Vertrauensmann. HÜr* Schöneberg."WW Große öffeutl. Uolksversammlung fuv WlÄttttvv ttnd Llvauen im grossen>8aale d. biehlossbrauerel, llanptstr. 111/11», am m o n t a g, den IS. April, abends 8 Uhr. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Or. Joel über: Das Problem der menschlichen Willensfreiheit. 2. Bericht der Parteispedition. 203/20 Der Tertrancnsmann. ST Rixdorf! Montag, den IS. April, abends p r il z 1 s o 8V2 Uhr, In den„Tlktoria-8iilen", Hermann- Strasse 50, Oeffcntl. Versammlung slililiilttilh. KrlltlkellkltsseuulitglieiiervoilRixilors ll.Brij. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Reichstags-Abgeordneten Robert Schmidt über:„DaS Krantenversicheruugs-Gese«, nnd die Arbeiter." 2. Diskussion. 3. Die bevorstehende Delegirtenwahl bei der Rixdorfer Ortskranlenkasse. 4. Vcr- schiedenes. 203/19 Bei der sämmtliche Arbeiter intcressirendcn Tagesordnung wird zahl- reiches Erscheinen erwartet. Ganz besonders sind die Mitglieder der Rix- dorfer Ortökrankenkasse hierzu eingeladen. Zur Deckung der Unkosten 10 Pf. Entree. Der Einberufer. Stralau! Rummelsburg! Friedriciisberu T Montag, de» IS. April, abends 8V2 Uhr, bei Pictkofski in Rummelsbnrg, Haupt-Strahe Nr. 83: Protest-Versammlung. Tagesordnung: Die Folterungen in Barcelona. Referent: Herr Fr. De m p n> 0 l s. Diskussion.' i40Lb Jeder freiheitsliebende Mensch ist zu dieser Versammlung eingeladen. FtaMuHg! Putze Achtung! r! Montag, den 12. April, abends 6 Uhr, im Lokal von Col/tt» Ke«tl)str. 20121(großer Saal), Grosse öffentliche Versammlung der Putzer Berlins und Umgegend. Tages- Ordnung: I. Stellungnahme zum 1. Mai. 2. Die Provinzial- Konferenz der Maurer der Provinz Brandenburg. Wahl der Delegirten. 3. Bericht der Lohnkommisston über unsere gegenwärtige Lage. 133/20 Zahlreiches Erscheinen ist dringend nothwendig. Die Lohnkommission. Freie Lemiiipig der ZmlderHmjtker Derlins und Umgegend. Dienstag, den 13. April, vormittags 1«>/S NHr, in de» Arminhallen, Kommaudauteustr. 20, Ausserord. Generalversammlung. Tages- Ordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Kassenbericht vom 1. Quartal 1897. 3. Bericht und Neuwahl deS Borstandes. 4. Bericht und Neuwahl des Bibliothekars. k>. Bericht und Neuwahl des Arbeits- nachweiö-Vorstchers. 0. Wichtige Vereinsangelcgcnheitcn. 90/11_ Der Torstand. Verband aller im Handels- und Transport-Gewerbe beschäftigten Hilfsarbeiter. Dienstag, 13. April, abds. 8V2 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenst. 20 General- Versammlung"WD Tages-Ordnung: 1. Mittheilungen. 2. Viertcljahrsbericht. 3. Anträge. 4. Geschäftliches. Da die Tagesordnung sehr wichtig ist, ersuchen wir die Mitglieder, recht pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimirt. Freitag, den 10. April tEarfreitag»: Herrenpartle nach dem Spandauer Bock, Pichelsberge u. f.>v. Treffpunkt von s>/, Uhr ab ans Bahnhof Westend. Um rege Betheiligung ersucht 85/18 Der Torstand. �tPSHtl Dacfsnronf Friedrichshagen am Müggelsee. s» ÜII allll ncSlHUI aOl, zwischen Müggclschloss u. Anssichtsthurm, mit neu erbauten großen Hallen, großem Tanzsaal, 2000 Pers. Unterkommen gewährend, Dampfer-Anlage, den geehrten Gciverkschaften, Vereinen und Fabriken bei Sommerpnrtien bestens empfohlen. A. Degcbrodt. Deutscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Montag, den 12. April, abends gv- Uhr: Dezirks-Versilmmliluge«: Uedding und Gesundbrunnen: im„Kolbergcr Talon", Kolbergerstr. 23. Vortrag des Gen. Ändert über:„Unsere Krankenkassen", Diskussion. Wahl eines Beitragsannnlers. Roftiithalkr»iid Zchönhauser Vorladt: bei HVeman, Tchwedterstr. 23/21. Vortrag. Diskussion. Wahl von zwei Beitragsammlern. Werkstatt- angelegenheiten.— Hierzu sind die Kollegen Reinhardt und Elabwou der Werfflatt Ulich, Kastanien-Allee 90, ganz besonders eingeladen. Osten nnd Nordosten: bei Thiele, Fruchtstr. 36a. Vortrag deS Kollegen Toft über„den Untergang deS Kleinhandwerks" Diskussion. Werkstattaugelegenheiten.— Folgende Werksiellen sind zu dieser Versammlung eingeladen: Stein, Gr. Frankfurterstr. 80: Bauer, Land- wchrstrahe 5/0; Eisenblätter, Weinstr. 9/ Genossenschaft»Selbsthilfe", Fruchtstr. 05� Südosten: bei Rantcnberg, Oranienstr. 180. Vortrag des Genossen Fr. Hansen. Diskussion. Westen und Südwesten: im Lokale des Herrn iüühlke, Dennewihstrasse 13. Vortrag des Genossen Millarg über:„Gewcrbegerichte". Diskussion. Wahl eines Beitragsammlcrs. Werkstattangclegcnheiten. Moabit: im Lokale Stromstrasse 28. Vortrag. Diskussion.— Zu dieser Versammlung sind die Kollegen von Lnnert». Kühne und Hcrzer eingeladen. xnedrlchsberg. bei Delneeke, Friedrich Karlstr. 11. Vortrag. Diskussion.— Die Kollegen von Plath n. Falkenhayn, Frankfurter Chanffee 121; Holstein, ebendaselbst! Stappelberg, Frank- surter Allee 194■ und Arndt, Rummelsburgerstr. 72, werden ersucht, dieser Versammlung zu erscheinen. z tiedtichsfelde. bei Herrn Gehnl«, Prinzen-Allee 6. Vortrag deS Kollegen Mass. Diskussion. Wahl des Bczirksleiters. In allen Versammlungen werden außer der angegebenen Tagesordnung auch Verbandsangclegenheiten erledigt. Gäste haben Zutritt.— Neue Mitglieder werden aufgenommen. Um zahlreichen Besuch der Versammlungen ersucht 33/10 Die Ortsverwaltnng. Branchen-Versammlung der Dvechsler am Dienstag, den 13. d., im Lokale des Hrn. Keller, Koppenstr. 29(Tunnel). Tages-Ordnung: 1.„Der Untergang des Kleinhandwerks durch die moderne Produktions- weise". Kollege Tost. 2. DiSkussion. 3. Wie iverden die Errungenschasten unserer lchten Lohnbewegung aufrecht erhalten? Die Kollegen des Ostens werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. Besonders eingeladen sind die Kollegen der Werkstätten der Herren Reinieke, Pallisadcnstr. 10; Riede, Krautstr. 38; Rost, MarkuSstr. 30; Drechsler, Grüner Weg 70. Charlottenburg! Holzarbeiter! iontag, den 12. d. IL, abends 8 Uhr. im Lokal Leder Bismarck- Strasse 74, OeSentl. 3J>etiammUmö Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Stellungnahme zum 1. Ma 3. Verschiedenes. an 88/10 Mslklilstrimenten- Arbeiter. Heute Sonntag, den 11. April 1897, abends O'/a Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20, Meffentl. Vevlnnrnrluttg. Tages- Ordnung: 1. Anatomischer Vortrag des Herrn Otto Grund- man»(Naturarzt), über:„Ein Blick in das Innere des Menschen. De- monstration an einer lebensgroßen Figur. 142/9 Nachdem: Geselliges Beisammensein. Eintritt 20 Pf. Der Vertrauensmann. Metallarbeiter! Hontag, den 12. April 1897, abends 8V? Ihr, In Ahrens' Brauerei, Thurmstr. 22 29 Große öffentliche Versammlnug Tages-Ordnung: »Die Skrbeits- nnd Lohn-Verhältnisse der Berliner Metall- arbeite? und giebt es eine Harmonie der Interessen zwischen Unter- nehmern und Arbeitern?" Referent: Hanl Lltlin. Zu dieser Versammlung sind besonders eingeladen die Kollegen derFirmen: Borsig und der Berlin-Anhaltischen Maschinenban-Aktien-Gesell- schaft, sowie die Mitglieder des Hirsch-Tunder'schen vlewerkvereins. Der Vertrauensmann der Berliner Metallarbeiter. 107/3_ Otto N a c t h e r, N., Anklamerstr. 44. Bekanntmachung! Gr. öffentliche Versammlung sümmtl. Droschkensüßrer Berlins nnb Urngegenb am Mantag, den 12. April, abends 9 Uhr im Saale der„Norddeutschen Brauerei", Chauffeestr. 38. Tages--Ordnung: 1. Soll die neue Polizeiverordnung eine Sonntagsruhe im Droschken- gewerbe herbeiführen? Referent: Reichstags- Abgeordneter Robert Schmidt. ll.'Wahl einer Kommission, welche die Agitation für Durch- führnng der Sonntagsruhe zu betreiben hat. ,3. Stellungnahmt zum 1. Mai. 4. Diskussion. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Da diese Versammlung von großem Interesse für jeden Kollegen ist, so erwarten die Unterzeichneten einen zahlreichen Besuch. Erscheine daher ein Feder. 52/0 Die Vertrauensmirnuer. I. A.: H. Schul». Graveure! Ziseleure! Montag, den 12. April, abends 8% Uhr im großen Saale des Herrn Brochnow, Sebastianstr. 39 Oeffeutliche Verfantmlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des ReichStagö-Abgcordneten Dr. Ltitgcnau;„Die Verkürzung der Arbeitszeit in ihrer Gesamintwirkung." 2. Diskusston. 3. S l e l l u n g n a h m c z u r M a i f e i e r. 4. Verschiedenes. Um recht regen Besuch bittet l307b Der Vertrauensmann. Maler. Mlklrer u.vem.Berllfsgkn. Filiale 11. Montag, de» 12. April 1897. abends 8'/. NHr. im Lokal des Herr» lltibncr, Swinemünderstr. 42: Mitglieder« Versammlung- Tages-Ordnung: 124/19 1. Vierteljährlicher Kassenbericht. 2. Wahl der Hilfskafsirer. 3. Wie stellen sich die Mitglieder zur Verschmelzung der Filialen? Die Ortsverwaltung. Vildnnasberein„Mehr Licht" Sonntag, 11. April, abends 8V2 Uhr, Alcxanderstr, ä7c, (Englischer Oarten): V e v f A m m l u n g. Vortrag:„Das Problem der menschlichen Willensfreiheit Referent vr. Jos l. Diskussion.— Daran!: 50/11 Geselliges Beisammensein und Tanz. Nrhknng: Nrlztuttg: Mannor-«. Granitarbeiter. Dienstag, den 13. April, abends 8 Ehr: Grosse öffentliche Versammlung bei Hoffhiann, Alexanderftrasse 27c. Tages-Ordnung: 1. Der 1. Mai und seine Bedeutung. 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zum Streik bei der Firma Fink. 4. Verschiedenes. 205/12 Alle in der Sleiiiindustrie beschäftigten Arbeiter sind verpflichtet, in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Vertrauensmann. Achtung, Steinarbeiter! Montag, de» 12. April, abends 8 Uhr, im„Englischen Garten": Grosse össeutliebe Scbrifthauer-Yersammlung. Tagesordnung: Stellungnahme zu den Geschäften, wo der'Tarif nicht bezahlt wird, und Verschiedenes.— Es ist Pflicht jedes Schristhauers, in dieser Versammlung zu erscheine». 172/15__ Der Vertrauensmann: F. Fischer. Maler M BerOgenchil! Dienstag, den 13. April, abends 8>/z Uhr, in Cohn's Festsälen, Beuth-Siraße Nr. 20—22(großer Saal): Oelfentl. Versammlung Tagesordnung: 1. Bericht der Revisoren und deS Vertrauensmannes. 2. Neuwahl derselben. 3, Bericht des Delegirten der Gewerkschastskommission. 4. Stellung- nähme zum 1. Mai. In anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist es durchaus noth- wendig, daß jeder Kollege in dieser Versammlung erscheint. Der Tcrtranensmann. 196/2 _ L. Jakobeit, Friedrichsberg, Gürtelstr. 32._ a I e r. Dienstag, 13. April, abends V/z Uhr, in den Anninhallen, Kommandantenstr. 20: Mitglieder-Versammlung der Filiale Berlin 1. Tagesordnung: 1. Kassenbericht.. 2. Wahl der Hilfskafsirer. 3. Verschiedenes. 125/1__ Der Torstand,_ Achtung I Achtung! IW VeffeilMr Nersammlung der an Holzbearbeilungs- Maschinen beschält. Arbeiter am Montag, den 12. April, abends 8 Uhr, bei Wille, Andreasstr. 26. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Delegirten zur Berliner Gewerkschaftskommission und wie stellen wir uns zu den Resolutionen. 2. Stellung zum 1. Mai. 3. Wahl der Revisoren. 4. Gewerkschaftliches. NB. Die Kollegen werden ersucht, pünktlich zu erscheinen. 83/10 Der VertrauenSman». Verband der Kürschner. Montag, den 12. April, abends V/z Uhr, bei Feind, Weinstr. 11: Venensl-Venssminlung. Tagesordnung: Bericht des Vorstandes. Neuwahl desselben. 93/9 Der Torstand. Bekanntmachung der Zeiltral-Krailkeil- 11. Cterbt- töp.DaehdeckerW)d)l. (E. H. 09) Sitz Berlin. Den Mitgliedern und Orts- Vor- ständen zur öffentlichen Kenntniß folgendes: Stach der Einnahme des Jahres 1896, laut Anweisung der Aufsichtsbehörde, müssen dem Reservefonds 1101,07 M. zugefügt werden. In diesem Winter war aber ein großer Theil der Mitglieder über die Durchschnittszahl erlrankt und folge- dessen mußten einzelne Verwaltungen viel Zuschuß erhalten; grund dessen war es nicht möglich, den Reserve- fonds anzulegen. Um nun der ikasse eine außerordent- liche Generalversammlung, die mit vielen Kosten verbunden ist, zu ersparen, hat der Zentralvorstand nach ß 13 des Hilfskasscn-Gesetzes folgenden Beschluß in der Vorstandssitzung vom 2. April d. I. gefaßt: Jedes Mitglied der I., U. nnd III. Klasse hat eine Extrasleuer von 2 M., die Mitglieder der IV. Klaffe je 1 M. zu entrichten. Dieser Extra- beitrag ist bis zum 1. Mai d. I. ein- znzichen und in der ersten Woche des Monat Mai an den Zentralkassirer Frltsc Wienich, Oppelnerstraffe 31, einzusenden. Der oben genannte Betrag muß bis zuin 15. Mai d. I. angelegt seilt und der Behörde die Bescheinigung vorgelegt werden. Den Mitgliedern ist dieser Betrag mit den Extrasteuer-Marlcn in dem Quiituugsbuch, oben am Rand, ein- zukleben. Der Zentralvorstand. I. A.: Fritz Hanke, Vorsitzender, Marburgcrstr. 2. 54/0 Orts-Krankenkasfe der Tabak- Fabrikarbeiter. Generalversammlung. Sonntag, den 25. April, abens 7 Uhr, nach Schluß der Kassenauflage im Kassenlokal, Landsbergcrstr. 108. Tagesordnung: 1. Bericht der Rc- Visionskommission. 2. Antrag auf Dccharge. 3. Geschäft!. Mittheilungen. Der Vorstand. Leutra! tmd Sterbekasse der Maler. Filiale IT, West. Versammlung Montag, den 12. April, 8>/, Uhr abends, im Kassenlokal, Kulm- sträße 30.— Tagesordnung: Kassen- bericht. Verschiedenes. 1417b Die örtliche Verwaltung. Mcltei'- 14776 Konsum-Genossenschaft „Befreiung". General-Versammlnng Dienstag, den 20. April, abends 6 Uhr, im Lokal des Herrn.loftl(oberer Saal), Andreasstr. 21. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bilanz. 3. Bericht deS Aufsichtsrathö. 4. Be- schlutzsassung über Vettheilung des Reingewinnes. 5. Statutenänderung und Anträge. 0. Wahl des Vor- standes. 7. Ergänzungswahl des Aus- sichtsraths. 8. Verschiedenes. Die Bilanz nebst Gewinn- und Wer- luft-Rechnung liegt in den Geschäfts- lokalen zur Einsicht der Mitglieder ans. Der Torstand der Arbeiter- Konsum- Genossenschast „Befreiung"(Eingetr. Genoffenschast mit beschränkter Hastpflicht) zu Berlin. Paul Stief. Oskar Witzle. Zu unserem jährlich stattfindenden Osterveranügen am 1. Ostertag in Kohn's Festsälen, Beuthstr. 20/21, ladet hiermit alle Freunde und Gönner er- gebcnst ein der Gesangverein Mkerfruhling(Stucfutenrc) M. d. A.-S.-B 1475b Achtung! Achtung! Vereine. Einige THeater-Vereine haben ver- fchiedene bereits abgeschlossene Tage rückgängig gemacht. Es sind deshalb vom 1. Mai ab verschiedene Sonn- abende und Sonntage in jedem Monat frei geworden. Ich bringe mich dieferhalb in empfehlende Er- innernng. Grosse und kleine Säle von 80, 100, 200 bis 500 Pers. fassend. Grosser(Karten mit Tl>caterbühne, 1500 Personen fassend. S verdedte Kegelbahnen. Julius Wernaus Male, Schwedterstr. _ Täglich: k5-_ C W a r m e* I rühstück, .vi vi zur Auswahl. y\ Echt ünohtner ürgerb räu Pilsener, hiesiges I- u. dunkl. Lagerbier Wcfoftbicr. Beraulworlkicher Liedakleur: August Jaeobcy in Bult». Für de» Juserateulheil verantivorllich: Th. tvloeke i« Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. it. se. Ii mm. 2. Ktilllge des„JsnuMs" Kerliiltt MlksdIM. SMi-ß. u. Aptil 1867. Movveppottdenzrn. Zürich, 8. April.(Eig. Ber.) Am 8. Juni soll, wie aus Bern gemeldet wird, die B u n d e s v e r s a m nr l u n g aus 4 Wochen zur Sommersession zusammentreten, in welcher die Eisenbahnverstaat- lichnng und Kranken- und Unfallversicherung die Hauptgeschäfte bilden werde». Für letztere kommen nach den definitiven Anträgen der nationalräthlichen Kommission 600 000 obligatorisch versicherte Persouen in betracht, wofür die Krankenversicherung 14 S40 000 Fr., die Unfallversicherung 9120 000 Fr., beide zusammen 23 660 000 Fr. per Jahr aufzubringen haben. Von dieser Summe hätten zu tragen: die Unternehmer 11 329 000 Fr., die Arbeiter 6 091000 Fr. und der Bund 4 240 000 Fr.(Staatsbeitrag.) Im Kanton St. Gallen fanden am letzten Sonntag die Regierungsrathswahlen statt, wobei die 7 bisherigen Minister, darunter die beide» Demokraten Curti und Dr. Kaiser, ohne Gegenkandidaten wiedergewählt wurden. Herr Curti erhielt mit 34802 die meisten Stimmen. Für die nun folgenden Ka n tonsraths- wählen haben die Liberalen der Stadt St. Gallen, welche daselbst die Mehrheit haben, bereits einen Sitz den Demokraten und Arbeitern überlassen, welche nun den bereits mehrmals aufgestellten Genossen Oswald, Zeichner, kandidiren iverden. Der Kanton A p p e n z e I l- Zl n ß e r- R h o d e n»nacht nun ebcnfalls ein wenig in A rb ei t e r s ch ntz. In dem von der Re- gierung ansgearbeiieten Entwurf eines neuen Wirthschasts- gesetzes wird bestimmt, daß Personen unter 13 Jahren,»venu sie nicht zur Familie des Wirthes gehöre», nicht zur regelmäßigen Be- diennng der Gäste verwendet iverden dürfen, daß jedem Wirthschasts- angestellten zwischen 8 Uhr abends und 8 Uhr morgens eine»n- unterbrochene Nachtruhe von mindestens 8 Stunde» zu gewähren und ferner jede Woche einmal zwischen 8 Uhr morgens und 8 Uhr abends 6 Stunden frei zu geben sind. Die weibliche» Angestellte» hat der Wirth in seinem Hause zu beherbergen. In der am Lö. April stattfindenden Landsgemeinde figurirei» unter den nenn Punkten der Tagesordnung auch drei Stenergesetze, worüber abzustimmen ist. Im Kanton Luzern wird ein neues Gesetz über die Sonntagsruhe erlassen. Das Gesetz verbietet alle industrielle, gewerbliche und landwirthschaftliche, sowie jede lärmende und störende Arbeit an Sonntagen sowie an de» Festtagen Neujahr, Dreikönigen, Maria Lichtmeß, Josefstag, Maria Verkündigung, Charfreitag, Zluffahrtsfest, Frohnleichnamsfest, Maria Himmelfahrt. Allerheiligen, Maria Empsängniß, Weihnachten und die Namenstage der betiesfenden Kirchenpatrone; merkwürdigerweise ist da vonOstern und Psingsten, ivelche doch je zwei Feiertage haben, nicht die Rede. Aus- genoinmen von den Bestimmungen sind die Friseure, Metzger. Apotheker und die Bäcker, sowie die Vorschriste» des eidgenössischen Fabrik- gesetzes bezüglich Gestattung von Sonntagsarbeit. Die Kaufbnden sind regelmäßig an Sonn- und Feiertagen während des Vormittags- Gottesdienstes geschlosien zu halten, an Oster« und Pfingst- Sonn« tagen, erstem Weihnachtsfeiertag, Allerheiligen und eidgenössischem Bettag bis nachmittags S Uhr. Uebertretunge» werben mit 10 bis 100 Frs. bestraft. Basel, 3. April.(Eig. Ber.) Die offenen Stenerfrage» ge- hören zum eisernen Bestand der Verwaltungen der Schweizerkantone. Bei der»»gelingende» Art der Entwickelung des steuerpflichtigen Vermögens und Einkommens fällt immer nur ein Theil in betracht, bei den großen Vermögen und Einkommen vielfach nur ein Drittel bis die Hälfte und es müssen daher meist ziemlich hohe Stenern auferlegt werden, die dann natürlich zu weiteren Verheimlichungen, auch bei den Kleinen, führen. So bleibt der Stenerertrag immer ein ungenügender, während andererseits die Bedürfnisse des Staates und die von allen Seiten an ihn gestellten Ansprüche immer höhere iverden. In dieser Lage befindet sich auch der Kanton Basel und eS hat daher die Regierung ein neues Stenergesetz aus- gearbeitet, ivelches die Revision des seit 1330 bestehenden Steuer« gesetzes und damit die Erhöhung der Steuereinnahmen um eine Million Franken pro Jahr bezweckt. Nach der Vorlage sollen künftig Einkommen von über 16 000 Fr. 5 o/o statt jetzt 4 0/o Stenern bezahlen, während die Einkommen unter 2400 Fr. etwas entlastet werden. Bei Vermögen von über 60 000 bis 100 000 Fr. soll die Steuer von 1 ans 1>/s0/oo, von über 100 000 bis 200 000 Fr. ans 2 o/gg und für»och höheres auf 3 0/oo erhöht werden. Die Gemeindesteuer erfährt eine Erhöhung um 60 pCt. Die Erhöhung aller drei Steuern soll, wie gesagt, die Jahreseinnahmen»>»«ine Million Franks erhöhen. Auch das Wohnungswesen soll eine neue gesetzliche Regelung erfahren. Die Basler Regierung hat einen Gesetzentwurs ausgearbeitet, der das Schlaf- und Kostgängerwesen regeln und den sogenannten Ortsgebrauch betreffend das Mielhsverhältniß genau abgrenzen und unterscheiden will. Alle Wohnungen sollen bezüglich sanitärischer Kontrolle einer siebeugliedrigen Wohnungskommission nnterstellt werde», ivelche mehrere Wohnnngsinspektoren erhalte» soll. Dieselben erhalten einen Jahresgehalt von 2400 bis 4000 Fr. Die Wohnnngskommission hat über die Bewohnbarkeit der Wohnungen zu entscheiden, gegen deren Entscheide der Rekurs an die Regierung offen steht. Nachdem auf Betreiben der organisirten Bauarbeiter im vorigen Jahre in Zürich Baukontrolleure oder Inspektoren angestellt wurden, verlangt auch der Basler M a u r e r f a ch v e r e i n in einer Eingabe an den Großen Rath(Landtag) den Erlaß gesetzlicher Bestimmungen zur Verhütung von Ungluckssällen aus Bauten. Paris, 8. April.(Eig. Ber.) Der sozialistische Abgeordnete Marcel S e m b a t hat heute einen Dringlichkeitsantrag ein- gebracht auf Einsetzung eines„Nationalen Gerichts", das über folgende Verbrechen imd Vergehen zu erkennen hätte: über die Schädigung des öffentlichen Vermögens durch Minister, Abgeordnete, Senatoren und Inhaber irgend eines Wahlmandats überhaupt, sowie über Diffamations-(Verlenmdnngs-) Prozesse gegen dieselben Personen und die Beamten über Vergehen der Beamten jedes Ranges in Ausübung oder gelegentlich der Ausübung ihres Amtes; über das Auf- Häuferthum, die Agiotage:c.(Ringe, Spekulationsschwindel). Daneben hätte das„Nationale Gericht" eine fortgesetzte Enquete über d e» 11 r s p r u n g aller g r o ß e n V e r m ö g e n zu führe» und vorkounnenden Falles das erschwindelte Vermöge» zu konfis« z i r e n. Daß das Gericht auch über die P a n a m a« A f f a i r e zu urtheilen hätte, ist selbstverständlich. Der ganze Antrag ist der jahrelange» Straflosigkeit der Panamisten entsprungen, der offen- kundigen Rechtsverdrehung der„unabhäugigen Justiz" zu gnnsten der panamistischen Säulen der bestehenden Ordnung. Das Gericht würde ans 270 für drei Jahre gewählten Mitgliedern bestehen, hervorgegangen aus der allgemeinen direkten Listenwahl durch die einzelnen Departements.— Man sieht, es ist ein Antrag, der an den Gedankengang des kleinbürgerlich- utopistischen Terrorismus der großen französischen Revolution anknüpft, einen Gedankengang, der noch immer in zahlreichen Köpfen der französischen Sozialisten spukt. Die antisemitische„Libre Parole" konnte mit recht die Urheberschaft der Sombat'schcn Idee für ihre» Chefredakteur, Edouard D r u m o» t, beanspruchen. Im übrigen täuschte sich Sembat keinen Augenl�.ck über das Schicksal seines Antrages. Mit dem gleichen Erfolg hätte er die sofortige Vergesellschafllichung aller Produktion-- mittel beantragen können. Aber auch der bezweckte Demonstrations- effekt wäre viel wirksamer ausgefallen, wenn die Kompetenz des „Nationalen Gerichts" auf politisch-fiuanzielle Korruptionsafsären, wie den Panama-, den Südbahn- und den Phosphatschwindel, be- schränkt worden wäre. Der Antrag wurde durch die Vorfrage mit 366 gegen 126 sozia- listische und sozialistisch-radikale Stimmen beiseite geschoben. Sembat versprach aber, die Kundgebung zu wiederholen.— London, 6. April.(Eig. Ber.) Während die Bewegung unter den Masehinenbaiiern und Eisenbahnern des Nordens in das Fahrwasser der Einigungsverhandlnngen eingelangt ist, kündigt sieh eine Revolte von A n g e st e l l t e n des P o st- und T e l e g r np h en d i e n st e s an. Die Reformen, die das Postdepartement nach den Vorschläge» des sogenannten Tweedmouth'Komitee kürzlich bewilligt hat und die mit dem I. April in kraft getreten sind, haben bei einem großen Theil der Postangestellten das Gegentheil von Befriedigung hervor- gerufen: Es wird geklagt, daß die Ansbesserunge» im ganzen viel zn mäßig ausgefallen seien, und daß i» einer Reihe von Füllen der geringe Vortheil durch Entziehung von Extra-Einnahme» und Verschärfung der Dienstansprüche mehr wie aufgehoben werde, so daß die be- treffenden Beamtenkategorie»»ach Einführung der Reform sehlechter situirt seien wie vorher. So gaben die Telegraphenbeamten des Londoner Zentral-Postamts, die besonders schlecht weggckoinme» sein solle», ihren Empfindungen dadurch Ausdruck, daß sie am Tage des Inkrafttretens der neuen Verordnung fast sämmtlich mit Trauer- binden um den Arm ihren Dienst antrale». Große Protestversaunn« liingen sind bereits abgehalten worden; die der T e l e g r a p h i st e» unter dem Vorsitz des Sir Albert Rollit, Präsident der Londoner Handelskammer und konservativer Abgeordneter für den Wahlkreis Süd St. Pancras, und die der Briefträger unter dem Vorsitze deS Professor Stuart, liberaler Abgeordneter für Shoredity. Dies die beiden Dienstkategorien, die am schlechtesten weggekommen zu sein scheinen. Aber auch die B r i e f s o r t i r e r, die den Löwen- antreil der Aufbesserungen davongetragen habe», erklären sieh durchaus unbefriedigt. In einer gestern Abend ab- gehaltenen, stark besuchten Versammlung der Fawcett-Assoziatiou (ein nach dem verstorbenen liberalen Generalpostmeister Fawcett benannter Verein von Postangestellten) wurde das neue Reglement von ihrer Seite einer äußerst absprechende» Kritik unterworfen. In die Einzelnheiten der Beschwerdepunkte einzutreten, würde zu weit führen. Ein allgemeineres sozialpolitisches Interesse ist mit ihnen nicht verknüpft. Es handelt sieh da meist um rechnerische Vergleiche zwischen Gewinn und Verlust bei der neuen Verordnung. In einzelnen Fällen wiederholt sich in kleinein Maßstäbe, was sich vor einigen Jahren»ach dem Streik der Oumibuskoiidnktenre herausstellte. Damals bewilligten die Kompagnien die verlangte Verkürzung der Dienstzeit und einen Normallohn, führten aber dafür allgemein das Fahrscheinsystem ein, eine Maßregel, die einem Theil der Kondukteure mehr nahm, als die erwähnten Zugeständnisse ihnen gaben. Nach dem neuen Postreglemeut ist es z. B. den Briefträgern verboten, beim Publikum Subskriptionen für Weihnachtsgesehenke zu sammeln, aber der Ersatz, der ihnen dafür geboten wird, ist in vielen Distrikten sehr viel geringer, wie der Durchschnittsertrag dieser Sammlungen. Prinzipiell ist das Verbot der Sammlungen durchaus zu billigen, ob es aber cht der Praxis sich bewähren wird, ist eine andere Frage.,. Man kann den Briefträgern nicht verbieten, ihnen freiwillig angebotene Geschenke anzunehmen— ein solches Verbot würde blos Umgehungen aus der einen und Denunziationen auf der anderen Seite provoziren. Das System des Sammelns auf grund von Sub- skriptionslisten hatte aber das gute, daß die Gesehenke unter die ver- schiedenen Angestellten der einzelne» Postämter gleiehmäßig vertheilt wurden, jetzt dagegen wird in dieserHinsicht die schönsteAnarchie und damit auch die größte Ungerechtigkeit obwalten, und man kann es den Be- troffeuen nicht übe! nehmen, wenn sie den theoretischen Fortschritt mit eine»! sauren Gesicht ausnehmen. Aehnliehc Widersprüche sind in den Bestimmungen über die Ueberzeitarbeit enthalten, der Segen ist nirgends ganz ungemischt. Welehe Schritte unternommen iverden sollen, um wenigstens die gröbsten Benaehtheiligungen abzuwehren, ist noch unbestimmt. Es herrseht bei den am»leisten Enttäuschten— eben den Telegrnphisten und Briefträgern— eine starke Strömung, die einen Streik oder ähnliche„unkonstitutionelle" Kampfmittel für geboten hält. Andere wollen eine Agitation für die Einsetzung einer neußn königlichen Kommission zur Prüfung ihrer Beschwerden ins Werk setze». Sie schreiben den ungünstigen Ausgang der Tweedmouth« Kommission dem Umstand zn, daß unter Lord Tweedmouth selbst nur höhere Beamte des Postamts in derselben saßen, die als Bureaukraten vor allem darauf bedacht waren, am Budget der Subalternbeamten zu spare». Aber dieser Vorschlag wird von vielen als Gleichbedeutuug mit Verschleppung erklärt, bei der nichts herauskommen. Man müsse das Eisen schmieden, so lange es heiß ist. Ob diese Ansicht, die Oberhand behalten und zu welchem Mittel gegebenenfalls gegriffen werden wird, um eine verbessernde Ergänzung des neuen Reglements zn erlangen, mit abgewartet werden. Jedenfalls herrseht eine starke Gährung, und ein Ausbruch in der einen oder anderen Form scheint kaum vermeidbar. «• Im Londoner Grafschaftsrath wurde gestern über die Pachtbedingungen für die dem Grafschaftsrath gerichtlich zu- gesprochenen, aber von ihm der alten Gesellschaft wieder verpachteten T r a m>v ay- L in i e n verhandelt. Die Möglichkeit, die Linien in eignen Betrieb zu überuehmen, ist dem Grasschaftsrath von der im Bunde mit der jetzigen Regierung operirenden Fraktion der„Gemäßigten" abgeschnitten worden. Ei» Versuch der Arbeitergrnppe, die Einführung der acht- stündigen Arbeitszeit in die Kontraktsbedingungen hineinzubringen. sehlug fehl. Der Antrag erhielt nur 43 gegen 60 ablehnende Stimmen. Eine Anzahl Progressiste», denen— wie ihnen von den Arbeitervertretern erklärt wurde— in Hinblick auf die nächsten Neuwahlen das Herz in die Hosen gefallen, stimmten mit den Gemäßigte». Und so bei allcu anderen Versuchen, die Arbeitsbedingungen gegen die Komiteevorschläge zu verbessern. Daß der Ausblick aus Neuwahlen zur Aengstlichkeit in bezug auf sozial- reformatorische Maßregeln veranlaßt, ist außerordentlich bezeichnend. Aber es erklärt sich aus der Taktik der organisirten Sozialisten gegenüber den Progressiste». Findet vor der nächsten Wahl keine Verständigung zwischen beiden Fraktionen statt, so ist die Wahl einer Mehrheit von Gemäßigte» fast sicher. Eine moralische Niederlage haben die Gemäßigten der Graf« schaftsraths übrigens in ihrem Feldzug gegen das ihnen so ver- haßte Betriebsam t für Regie- Arbeite» erlitten. Die Art, wie dieser Feldzug eingeleitet, geführt und verloren wurde, erinnert an de» famosen Feldzug ivegen der Tonne Zement, den di� Bismärcker Anfang der achtziger Jahre gegen das„Rothe Haus" führten. Großartige Enthüllungen über die Korruption im Betriebsamt wurden angekündigt, ein Tammany Hall ärgster Sorte sollte aufgedeckt iverden, das dem Publikum ein für allemal den Geschmack an dieser sozialistische» Schöpfung nehmen iverde. Und was ist herausgekommen? Nichts, gar nichts, außer der Thatsache, daß einige Beamte in wohlmeinender Absicht einige technische Verstöße begangen haben, die an sich freilich sehr tadelnswcrth, aber schon in dem regelmäßigen Kontrolverfahren entdeckt und ordnungSgemäsi berichtet waren, ehe die Gemäßigten ihr Geschrei erhoben. Aber nicht ein Pfennig ist unrechtmäßig verwendet worden, und da» Komitee hat anerkennen müssen, daß die vom Betriebsamt ausgo» führten Arbeite» im ganze» durchaus solide und preiswerlh sind. Seine technische Leitung ist glänzend gerechtfertigt und seine Ankläger spielten bei Feststellung des Untersuchungsberichts eine überaus klägliche Rolle. Aber was nützt oder was schadet die moralische Niederlage, >ven» die Wähler die Konsequenzen derselben nicht ziehe» wollen? Bei den Shopkeepers behalten die Gemäßigten doch Recht.— l_ Beste und biiügste Bezugsquelle für Mäudier, Restaurateure und Wiederverkaufer! iß Sumatra-Decke mit gemischter, langer Einlage ohne Spitzeneinlnge oder gar Rippen I Weißer Brand, tadellose Arbeit. -I.sgv>- u. Versand-Haus. Rixdorf, Bergsir. 67. Am Ringbahnhof. Mik<4! ünffnnn 0, Eer-in WohNiigs Möbei! nömlBr, MtttMllßr. 13 EimWiNM — bis 3000 Mark in jeder sofort lieferbar. k. Schulz, Möbel- und Polsterwaarenfabrik gegründet 1878. 1302!,« Belchenbergeratrasse Xo. 5, zwischen Kottbnscr Thor nnd Ritterstrasse. Sehr großes Lager bürgerlicher Wohnnngs-Ginrichtiinge» in Nußbaum u»b Mabagoni von 240, 300, 400, 500, 000, 800 bis 10000 M. in mir anerkannt gediegener Ausführung._ Berliner Schuh- und Stiefel-Fabrik E. 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Und leider finden sich auch immer wieder— Leute, die auf derartige schwindelhaft« Anpretsmigen hineinfallen, um allerdings nach kurzer Zeit die trübe Erfahrung zu machen, daß sie die nur aus Ramschwaare bestehende» Gegenstände mit dem so„fabelhaft billig" erscheinenden Schleuderpreis noch viel zu theuer bezahlt haben. Wer sich aber vor Schaden hüten will und auf wirtlich reelle Bedienung Anspruch macht, meide solche Reklame- und Ausverkauf-Geschäfte und besorge seine Einkäufe bei soliden Firmen; die Preise sind auch vier im eigenen Interesse so billig wie nur irgend möglich gestellt. Gestützt auf den langjährigen guten Ruf meines Hauses,— eine Folge der gewissenhaften Bedienung meiner weitverbreiteten Kundschaft— darf auch ich getrost mein Geschäft zu den bestrenoimnirteften der Herren- und Knabcn-Garderoben-Branche am hiesigen Platze zählen. Die Besichtigung meines r e i ch s 0 r t i r t e n Lagers in fertigen Anzügen, Paletots, Mänteln rc. ist auch Nichtkäufern gen: gestattet und besonders jetzt nach Eingang der Neuheiten für die Frühjahrs- und Sommersatson sehr zu empfehlen. Einige der recht geschmackvollen Muster sind in meinen 5 großen Schaufenstern ausgestellt. Die Preise sind streng fest, an jedem Gegenstand deutlich in Zahlen vermerkt und in anbetracht der vorzüglichen Qualität der Stoffe und besseren Ausführung biRger als wie sie die sogenannten Reklamegeichäfte zu bieten im stände sind. Anfertigungen nach Maaß werden in eigener Werkstatt und in kürzester Zeit, wenn nöthlg schon wnerhaw 12 Stunden ausgeführt; für t a d e l» l 0 s e n S i tz der Kleidungsstücke leiste ich G a r a n t i e. Zwecks ungenirter Anprobe sind A n k l e t d c- K a b t n e t s vorhanden. Ich habe das Bewußtsein, auch den verwöhntesten Ansprüchen tn jeder Weise genügen zu können und richte qvher an das geehrte Publikum das Ersuchen, bevor es semen Bedarf anderweitig deckt, sich von der Wahrheit meiner Offertp zu überzeugen. Hochachtungsvoll: Carl Zobel, DtMN- tlttb MabtN-ModkN. 80" KÄÄÄ"e «eramwortlicher Liedakleur:«iignft Jaesbey in Berlin. Für den Inserat, nthell verantivortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und«erlag von Mag ivading in Berlin. lacqoes M. Berlin. Mit Rücksicht auf meine grojje auswärtige Kundschaft und Vielseitigkeit meines Lagers fcTm.? iu klsiner Sduift die von mir ncboteiie große AnZwcihl z» bringen.— Vitt« deshalb de» freundliche» Leser» mein onssnlirlichej In- serat aufuierfsaln zu verfolgen, sowie meine Preise der von mir genau beschriebenen Onalitäten mit den jetzt allgemein üblichen Änsnalimcprciseii zn vergleichen. Trotz zahlreichster Anfeindungen, die sich in neuerer Zeit wieder geltend machen, iverde ich nicht ermüden, nach wie vor verbessernd und verbilligcrend ans de» Markt sämmtlicher von mir osscrirtcn Artikel zu wirken. ». tS.SW Will SchchliMtil«»N All'-»» beachten I Fabrik uns I. Kaufhaus "Ö?" j m 0(Stadtbahnhof Spaudauer Bl'lllke Nk.? Börse). Garantie f. beste Haltbarkeit d. Garantiescheine, Von dem Anspruch aus Entschädigung bitte den ausgiebigsten Gebrauch zu machen. «W Bei etwaiger Unzufriedenheit ist weiter kein Wort zn verlieren«ötftig, sondern nur Vorlegung oder Einsendung des Reklamationsscheines.— Jede Reklamation ist mir willkommen und wird über jedes Erwarten des Käufers zur größten Zn- sriedenheit erledigt.— Es sind innerhalb der letzten 4 Joyr« über 8500 Neklomationen zur größten Znfritdenhtlt aller Rcklanianten von mir erledigt worden, wovon sich jeder Besucher durch kausmännisch geführte Bücher überzeugen kann.— Die mit einen, ♦ bezeichneten Artikel sind ansnahmsweise theils nnt Factis- znlhatcn in der Einlage hergestellt, da sie sonst ihren Zwrck— sehr leicht zu sein— nicht erfüllen. Die Anschauung, daß eine Spaneinlage zwischen Sohle und Brandsohle minderwerthig sei, ist eine irrige.— Die Spaneinlage ist um mehr als da? Drei- fache thenrer als das Leder, welches man hierfür zn verwenden pflegt.— Spaneinlage ist nicht nur leichter, sondern auch in ianitärer Hinsicht mehr zn empfehlen als Leder.— Auf die Haltbarkeit übt die Einlage keinen Einfluß ans. KitW II. Suiitithjllinrr sää ipfe» der Vollkommenheit erreiche«, zum Theil verkanfle. Verkaufs-«. Versandtbedingungei«: Gegen Nachnahme oder vorherige Einsendung des Betrages. Porto trägt der Besteller. Von 15 Mk. an versende franco auf meine Koste»,— tvStltt Kliufev filh nnf diese Zeitu«g dezieht.— Nichtconvenireudes bitte mir in. Originalzustand zurückzusenden und empsängt der Besteller alsdann sofort sein Geld zurüek.— Das Maß bitte durch Versenken eines genau passende» Stabes in den getragenen Stiesel festznstelle» und in Centimetern anzugeben, und ob Spann hoch oder niedrig. Für GttUlMischuhe, obgleich zn den besten Fabrikate»»� gehörend, übernehme keine Garantie. Plüsch- ll. Corvonetschttlie" mit Ledersohle U.Absatz. Herren-Fnßliekleldllttg! 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Der Vorstand ist nun zu der Ansicht gekommen, daß bei diesen Verhaltnisse» die Schule in der heutigen Verfassung nicht mehr haltbar ist. Man müsse nach Wegen suchen, die das eigentliche Bildungsziel der Schule ebenfalls erreichen, ohne daß man auf fremde und immer unsichere Unterstützung angewiesen sei. Die Be- theilignng an den Unterrichtssächern sei in sämmtlicheu Kursen ge- stiegen.— Aus dem von Königs erstatteten Kassenbericht geht hervor, daß in letzter Zeil die Ausgaben bedeutend größer gewesen sind, als die Einnahmen. Gegenwärtig ist noch ein Bestand von 424 M. vorhanden. I» der Diskussion greift Lame den Vorstand an, der vieles an- gefangen, aber nichts recht durchgeführt habe. S ch iv edler führt an, daß unter den Schüler» die Meinung allgemein vor- herrsche, der Vorstand habe die Kassengeschäfte der Schule schlecht geleitet. Mau hätte die Verbindung mit den» Schiller-Theater nicht abbreche» sollen. Königs weist den Vorwurf zurück, daß das Interesse Tnrk's bei Aufgabe der Beziehungen zum Schiller-Theater in Frage gekommen sei. Es habe sich vielmehr herausgestellt, daß das ganze Schillertheater seiner Zeit gegen die„Freie Volksbühne" gegründet worden sei, deshalb habe mau die Verbindung anfgegeb'n. Fränke l bemängelt die hohen Hono- rare von bo und K0 M., die auf den Festlichkeiten für Redner und Sänger:c. bezahlt worden sind.— Aus der Versammlung wird angeregt, daß Schulz den Vorsitz der Versammlung niederlegen solle, rveil er selbst Partei sei. Schulz erklärt jedoch, daß er nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht habe, den Vorsitz weiter zu sühreu.— Riedel, Mücke, Schmidt. H o ltz:c verurtheile» ebenfalls die bisherige Geschäftssührnng des Vorstandes, namentlich die Lesehalle habe der Schule nur geschadet.— Königs vertheidigt den Vorstand, der urit allen seinen Unternehmungen nur versucht habe, Geld für die Schule heranzuschaffen. Daß nicht alles geglückt sei, liege an den Verhältnissen, sei aber nicht Schuld des Vorstandes. Hansen verurtheilt das Vorgehen in der heutigen Generalversammlung. Man gebe jetzt, wo die Sache nicht mehr gehen wolle, dem Vorstand den Eselssußtritt. Der Vorstand habe nur im Auftrage der Ma- jorität der Generalversammlungen gehandelt. Daß die Karre fest- fahren würde, war vorauszusehen, aber mit anderen Mitteln hätte man sie auch nicht weiter gebracht. Der Vorstand habe jedenfalls den besten Willen gehabt, sein Vorgehen sei auch bisher gebilligt worden; man habe daher jetzt kein Recht, ihm die ganze Schuld au dem jetzige» Mißerfolg zuzuschreiben. Der Vorsitzende Schulz er- klärt, daß er finanziell, geistig und körperlich Opfer für die Schule gebracht habe. Die Schule habe von jeher nur auf unsicheren Ein- nahmen basirt. Daß jetzt gerade die Einnahmen ausgeblieben sind, sei nicht Schuld des Vorstandes. Der Unterricht sei jedenfalls in den letzten Jahre» besser geworden, als er früher war. Die Schule sei aber finanziell nicht haltbar. Dem Kassirer wird darauf die 'Decharge ertheilt. Der Vorsitzende Schulz entwickelt nun folgenden Reform- plan. Man wolle einen allgemeinen Arbeiter- Bildungsverein gründen. Von diesem sollen Festlichkeiten und wissenschaftliche Vor- tragscyklen veranstaltet werden. Diese Cyklen sollen in öffentlichen Lokalen und nur dann abgehalten werden, wenn sich eine genügende Zahl von Theilnehmern findet, die durch ihre Beiträge die Kosten selbst aufbringt. Der Vorstand unterbreitet folgenden Vorschlag: „In Erwägung 1) daß di« finanzielle Grundlage der ittrbeiter- Bildungsschule eine sehr unsichere ist; 2) daß die festen Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen nicht entfernt die hohen Ausgaben für den regelmäßigen Unterricht decke::; 3) daß die unregelmäßigen Einnahmen ans Schenkungen und Festübcrschüssen schwankend sind, und oft ganz ausbleiben: hält der Vorstand es für unmöglich, daß die Schule in ihrer bisherigen Form weiter existireu kann. Er beantragt daher, eine Kommission, bestehend aus den sechs von der Generalversamm- lung zu wählenden Vorstandsmitglieder» und drei anderen Mit» gliedern mit dem Rechte der Kooptation zu wählen, die in Verbin- dung mit geeigneten Persönlichkeiten im Laufe der nächsten Monate eine Organisation des Vereins zu berathen hat, durch welche der Zweck der Weiterbildung der Mitglieder erreicht wird, ohne daß dadurch die finanzielle Existenz der Schule gefährdet wird. Die Kommission hat bis zun: August d. I. in einer außerordentlichen Generalversammlung entsprechende Vorschläge zu machen. Der Unterricht fällt während dieser Zeit aus, dagegen bleibt die Schule in ihrer sonstigen Thätigkeit bestehen." Der Antrag wird angenommen. Ferner beschließt die Ver- sammlung, die beiden vorhandenen Bibliotheken zu vereinigen und im Lokal der Nordschule durch eine Mitgliederkommission ver- walten zu lassen. Ebensalls angenommen wird der Antrag, die Lesehalle und den Referentennachweis sofort aufzuheben. Es folgt die Vorstandswahl. Schulz lehnt trotz mehrseitiger Aufforderung ab, ein Amt anzunehmen. Es werbe» daraus gewählt: 1. Vorsitzender Mücke, 2. Vorsitzender Same, 1. Schriftführer Loch- m an», 2. Schriftführer Rösner, Kassirer Königs, 2. Kassirer B r e t k i. In die neuugliedrige Konimission: Kaken, Riedel, Frau Merkel. Zu Revisoren: Buchdrucker Mücke, Fräulein Adler, B e h r e n d und W u z i k. Schluß nachts 2 Uhr. lieber das Handwerk und die politischen Parteceu sprach Redakteur W e i u h a u s e u am Freitag in einer nur schwach be- suchten national-sozialen Volksversammlung. Der Redner schließt aus den neueren statistischen Erhebungen, namentlich auS den Er- gebniffen der Gewerbezählung von 1832 und 1395, daß die Annahme, das Handwerk sei unrettbar verloren, eine falsche sei. Er besprach eingehend die Stellung, welche die politischen Parteien zu der neue» Handwerkervorlage einnahmen und schloß mit der Be- merknng: Wen» die National- Soziale» Vertreter im Reichs- tage hätten, dann würden dieselben niit aller Wärme für den Entwurf eingetreten sein. Sie hätten auch versucht, Ver- bessernngen zu gunsten der Gesellen und Lehrlinge durchzusetzen. Er wolle damit nicht sagen, daß die National-Sozialen die einzig wahren Vertreter der Handwerker wären. Die Handwerker sollten die Vertreter ihrer Interessen nicht nach ihrer politischen Richtung, sondern nur nach ihrer Stellung zu den Handwerkerfragen an- sehen. Dem Vortrage folgte eine sehr ausgedehnte Debatte, die sich Iis lange nach Mitternacht hinzog. Die Ober- meister H a r t m a n n von der Gastwirths- Innung und Völker von der Steinmetz-Junung vertraten den zünftlerischen Standpunkt, nach welchem die Zwangs-Jnnung als unerläßliches Mittel zur Rettung des Handwerks angesehen und die Handwerker- vorläge als in dieser Hinsicht nicht weit genug gehend ver- warfen wird. Herr v. Gerlach erwiderte den Obermeistern, daß der Entwurf den Meistern immerhin genug biete. Dagegen würden die Interessen der Gesellen nicht genügend gewahrt. Dem engherzig-zünftlerischen Standpunkt der beiden Jnnungsvertreter traten namentlich die national-sozialen Redner Klumker und Tischen dörfer energisch entgegen, indem sie betonten, daß die Erhaltung des Handwerks in der hergebrachten Form weder möglich noch nothweudig sei. In seinem Schlußwort bemerkte der Referent, daß er nicht glaube, dem Handwerk werde allein durch die Or- ganisation geholfen. Dazu wären noch andere Mittel erforderlich. Er wünsche, daß die Handwerker den guten Willen seiner Partei, ihnen zu helfen, auerkennen. Der Verband der Graveure, Ziseleure it. hielt am Dienstag, den 6. April seine regelmäßige Versammlung ab. Der Vorsitzende weist darauf hin, daß des Osterfestes wegen die Generalversaunnlung auf Dienstag, den 27. April, verlegt werden muß. Des weiteren werden die Kollegen gewarnt, nach Schweden Stellung zu nehmen, wenn sie sich nicht vorher über die dortigen Firmen erkundigt haben. � So war in letzter Zeit einem Graveur ein Lohn von 55 Kronen gleich zirka 62 M. monatlich angeboten wordeu. Der betreffende ist infolge dessen wieder zurückgereist. Alsdann hielt Kollege Guttmann einen Vortrag über:„Die soziale Bedecrtung des Darwinismus". Unter Verschiedenem wurde das Ausbleiben der! Fachzeitung gerügt und vom Vertrauensmann auf die am 12. April stattfindende öffentliche Versammlung aufmerksam gemacht. Hieraus� erfolgte Schluß der gutbesuchten Versammlung. Die Lackirer(Filiale IV) der Vereinigung der Maler, Lackirer/ Anstreicher und verwandten Berussgenoffen Deutschlands) hielten an: 6. April bei Schöning ihre Generalversaunnlung ab. Nach dem Bericht des Kassirers, Kollege» Roland, stand im letzten Quartal einer Einnahme von 155.37 M. eine Ausgabe von 150,90 M, gegenüber; mithin blieb am Schlüsse des Quartals ein Bestand von 4,47 M. Den: Kassirer wurde Dcharge ertheilt. Nachdem Kollege G u i a r d den Bericht für das Geschäftsjahr 1396j97 gegeben hatte,. wurde zur Wahl des Vorstandes geschritten, und Rauteuhaus als Bevollmächtigter, Linde als Kassirer. Löbke als Schriststchmv Sehmisch und Schulte als Revisoren, Kießling und Riedel als. Stellvertreter des Kassirers Roland und als Mitglied der Be- schwerdekommission Höfs gewählt. Groß und Fechner be- kleiden das Aint des Bibliothekars. Nachdem der Antrag Höfs in betreff der Verschmelzung sämmtlicher Filialen in eine einzige ab- gelehnt wurde, trat Schluß der Versammlung ein. Weißeusre. An: Dienstag den 30. März fand im--fiokal de? Herrn Höfling eine leider schwachbesuchte Versammlung des sozial-, demokratischen Arbeiter-Bereins statt, woselbst Herr I. Wollheim einen ausgezeichneten Vortrag hielt über: Die Luft mid ihre Ver-� flüssigung.— Dem Vortrag folgte eine recht rege Diskussion. Der Sozialdemokratische Agitationsverein für den Reichs- tags-Wahlkreis Stralsund-Franzburg-Rügen hiell an: 4. April seine Generalversammlung ab. Nach dem Bericht des! Vorstandes wurden 7 Vereinsversammlungen und 2 Vorstands-� sitzungen abgehalten. An Agitationsmaterial wurde gesammelt:u:d in den Wahlkreis geschickt, in: letzten Quartal rund 240 Kilogramm. Ferner wurden zweimal Flugbläter hergestellt und zwar einmal! Ivoog, das zweite Mal 15«00 Exemplare. Der Kassenbericht er«. giebt mit dem Bestand vom vorigen Quartal eine Eimrahme von 125,31 M. Die Ausgaben belaufen sich ans 88,05 M., sodaß ein Bestand von 37,26 M. verbleibt. Die Versammlung ertheilte dem' Kassirer einstin:, nig Entlastung. Es wird beschlossen, bei den halb- jährlichen Wahlen nur die Hälfte des Vorstandes neu zu wählen. Danach werden neu gewählt: S ch n l d t, Vorsitzender, S ch u l tz e, Schriftführer und Henning, Revisor. Es wird noch beschloff«», daß die Versammlungen während des Sommerhalbjahres und zwar� von: 1. April bis 30. September monatlich nur einmal, am Montag nach dem 15. abgehalten werden sollen. Gutachten! 284017,32 Meter Waaren in Worten ,>IipcilM«devtvier«ndachtzigtanf/z Uhr.— Entree 3V Pf DoNtt'stllg, den 13. April: AbsMeds-Vorstsüimg. Circus Renz Karlatrasse. Sonntag, den 11. April 1897 (Palmsonntag), nur eine Vorstellung, abends 71/2 Uhr: Ans der Mappe eines RieseiiiseliilO-Psinntnsteil. Außerdem: li trakehucr Fuchs- Hengste, dressirt und vorgeführt von Herrn Hugo Herzog. Einfache und doppelte Bagnettessprünge, aus- geftihrt von 12 Ungarn. Frau Robert Renz mit dem Schulpferdc Ehd und mit dem irländ. Vollblut- Springpferde Blitz. Ein Duell nach dem Balle, komische Szene von der berühmten Künstler-Familie Agoust. Ein Pariser Restaurant, eine neue und originelle Jonglir-Szene von der bc- rühmten Künstlcr-Familte Agoust. Morgen: Alis der Mappe eines Riesengebirgs- Phantasten. M Lehter Sonntag. Sonntag, 11. April 1897: 2 grobejlorftellunsen 2 Nachliiittags t Uhr: (1 Kind unter 10 Jahren frei). Grosse Komiker-Vorstellung. Auftreten fämmtl. Elows in ihren besten Nuimnern. Das Ryder-Trio, die besten Skaters der Welt. Abends 7l/i Uhr: ZLunn 108. Males Nach Sibirien. Mgp- Wiederholung d. Todes- fahrt mit dem Fünfgespan».'TBUfc Außerdem die hervorragendsten Nummern des Reportoirs. Morgen: Nach Sibirien._ �rtsiHtt.'iiW Herren tomer, Touren- All 1| l Iii Ul l, romer, Damenrowerbill. Kasse. Theilz. gestatt. Brunnenstr. 10, 1. Goncordla Variete-Theater Brnnnenstr. 154. Täglich; Grosse Theater- und Spczialittiten-Vorstellnng. Grostartiges April- Programm! Neu! Gran»! Attraktion. Gebr. Forre, Jnstrumentalist. Nett! Hertha L-orenzi, brillante Kostümsoubrette. Knospe und Stengel. Posse in 1 Alt. 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