Einzige unabhängige Tageszeiiung Veuischiands Nummer 78— 2. Jahrgang Saarbrücken, Donnerstag, den 5. April 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Aas dem Inhalt JCalomcw IDalli&chs leistet JCampf von Julius Deutsch. Seite 3 Severing dementiert! «•Tief verzweifelt über die Gerü eilte« die in Umlauf gesetzt worden sind" solcher Nachrichten wehrlos find. Welche Folgen daS tapfere Einstehen für seinen Bater dem Sohne Severings eintragen wird, steht dahin. Aus Kopenhagen wird der..Deutschen Freiheit" geschrieben: „Ekstrabladet" in Kopenhagen, Ausgabe vom 2. April, veröffentlicht den Inhalt eines Telefongespräches, das es am Sonntag, dem 1. April, mit der Wohnung Severings in Bielefeld geführt hat. Der Vertreter des Blattes er- reichte bei seinem Anruf nur den Sohn Severings, Ludwig. Der Sohn erklärte, daß fein Vater krank zu Bett liege, da er infolge der lügenhaften Mitteilungen in der Presse einen schweren Nervenzusammenbruch erlitten habe. Ludwig Severing erklärte auf die Frage des Vertreters des Kopenhagener Blattes:„Esi st nichtwahr,daß mein Vater ein Buch oder eine Broschüre „M einWegzuHitler"gefchriebenha t." Karl Severing hat einem deutschen Journalisten eine Erklärung übergeben, in der es heißt: »Im letzten Sommer habe ich begonnen, meinen Lebens, laus darzustellen, der mich von der Volksschule uud von der Werkstatt in die Staatsleitung geführt hat. Es sollte eine Art Autobiographie sein und ein Versuch, den Lebenslaus der Männer zn zeichnen, die Deutschlands politische Eni, wicklung in den letzten zwanzig Jahren in der Leitung und Verwaltung des Staates mitbestimmt haben. Diese Arbeit, die tn keiner Weise beansprucht, ein politisches Memoirenwerk za sein, ist noch lange nicht abgeschlossen, und was in den letzten Wochen über seinen Inhalt mitgeteilt wurde» findet keine Stütze in den sertigge st eilten Abschnitten. Besonders enthalten sie nicht einen einzigen Satz von dem, was in der„R. W. Z." zitiert worden ist. Ich wäre der Presse sehr dankbar, wenn sie keine weiteren Kommentare veröffentlichen wollte, bevor meine Arbeit abgeschlossen und herausgegeben worden ist." Der Vertreter des Blattes fragte weiter:„Ist es auch unwahr, daß Ihr Vater dem Buch den Titel„Mein Weg zu Hitel" gegeben hat?"„Aber natürlich. Alles, was darüber erzählt und geschrieben worden ist, i st U n w a h r- heit u-nd reine Erfindung. Mein Vater ist tief verzweifelt über die Gerüchte, die in diesen Wochen in Um- lauf gesetzt worden sind. Ich bitte Sie daher, sie so kräftig wie möglich zu dementieren." * Die Pariser Korrespondenz„Jnpreß", die wir gestern öffentlich um Auskunft ersucht haben, teilt uns mit. daß sie die Behauptungen über Severing den„Dernieres Nouvelles" entnommen hat^Dieses Blatt ist uns unbekannt. Es soll eine russische Emigra«tenzeitung sein. Ob weisigardistisch oder von einer anderen Tendenz, wissen wir nicht. Wir können der »Jnpreß" den Vorwurf nicht ersparen, daß sie aus sehr un- sichere Grundlagen hin eine Sensation in die Welt gesetzt hat, die ein grohes Geschenk an den deutschen Faschismus war und von allen gleichgeschalteten Zeitungen frohlockend über- nommen worden ist. Beschämend ist, daß auch antifaschistische Zeitungen, vor allem natürlich kommunistische, die Ver- leumdungen gegen Severing sich zu eigen machten, ehe der geringste Beweis für seinen Verrat vorlag. Etwas mehr Haltung wäre wirklich zu wünschen. Wir benutzen diesen„Fall", um noch einmal vor dem kritiklosen Glauben an Bekehrungen von Antifaschisten zu warnen, die in Deutschland leben und gegen die Verbreitung der ..Bekehrte" Was sie mi dem früheren schlesischen Ober- Präsidenten Lüdemann trieben... In Breslau war vorige Woche das Gerücht verbreitet, Dr. L ü d e m a n n, der frühere Oberpräsident von Schlesien, sei aus dem Konzentrationslager, in dem er seit nahezu einem Jahr gefoltert wird, in Freiheit gesetzt worden. Wie besonders gut unterrichtete Leute wissen wollen, hatte sich Genosse Lüdemann die Freiheit mit einem vollständigen Ge- sinnungswechsel erkaust. Er sei nicht nur zu den Nazis übergegangen, sondern er dokumentiere seine Fahnenflucht aus dem marxistischen Lager auch dadurch, daß er sich nicht scheue, in SH.-Uniform Breslauer Lokale abzuklappern, um mit der Blechbüchse für seine braunen Parteigenossen zu sammeln. Diese Gerüchte erscheinen deshalb völlig unglaubhaft, weil der frühere schlesische Oberpräsideut bei den NaziS ganz be- sonders verhaßt ist. Wie noch erinnerlich sein dürfte, war Genosse Lüdemann im Sommer vorigen Jahres unter be- sonders erschwerenden Umständen verhaftet worden. Man hatte den bejahrten Mann zu Fuß durch die Hauptstraßen Breslaus zu dem weit vor der Stadt liegenden sinzwischen ausgelösten! Lager Durrgop geschleift, während der Feme- mörder Polizeipräsident HeineS im schnittigen Dienstwagen nebenher fuhr. Eine johlende Menge begleitete damals die- sen barbarischen Triumphzug. Im Lager selbst war Lüde- mann auks demütigendste und perfideste mißhandelt worden. So hatte man ihm u. a. drei Pfeile in den Hosenboden genäht, und wenn der Gefangene bei den schweren Erd- arbeiten, die er verrichten mußte, sich bückte, brachen die be- machenden Sadisten über diesen gelungenen Witz in wiehern- des Gelächter aus. Und dieser Mann, der so Grausames erdulden mußte, sollte plötzlich seine Liebe zu den Henkers- knechten entdeckt haben...??! Und doch entbehrt das Gerücht nicht jeder Grundlage. Was war Wahres daran? In verschiedenen Breslauer Cafe- Häusern und Restaurants erregte es vorige Woche begreif, liches Aussehen, als unter den zahllosen Sammlern, die die Gäste auf mehr oder minder erpresserische Weise brandschatz- ten. ein TA.-Mann austauchte, der tatsächlich. der frühere Oberpräsibent zu sein schien. Aber dieser Täuschungsversuch war nur ein ebenso niedriger wie verzweifelter Reklame- trick der Nazis. Man hatte einen braunen Hitlerjüngling, der in der Gestalt dem gefangenen Lüdemann entsprach, einen grauen Vollbart in die Schinderphpsiognomie geklebt, um mit Hille dieses Bluffs der ausgepowerten und gebe- müden Bevölkerung noch ein paar Mark aus den Taschen zu locken. Zum Ueberfluß trug der falsche Llldemann ein Plakat um den Hals mit der Inschrift: Spendet für die SA., damit solche Kreaturen nicht wiederkomme«. Große Wirkung hatte diese teuflisch-originelle Idee nichu Denn diese neueste Gemeinheit der Nazis sprach sich rasch herum. venlscbe Rüstungsausgaben verdoppelt Die Herausforderung Europas ■ Die halbamtlichen deutschen PresseauSzttge über den Reichs- Haushalt für 1034 gingen mit verdächtigem Schweigen über die Ausgaben des Reichswehrministeriums und des Reichs- nerkehrsministeriums hinweg. Auf dem Umwege über Eng- lan» und Frankreich erfährt man nun. in welch ungeheuer- lichem friedensgefährlichem Ausmaße die deutsche Aufrüstung in den Zahlen des Reichshaushalts sich offenbart. Sie ist so gewaltig, daß ein Verstecken der Riesensummen, wie es bei kleineren Geheimrüstungen in früheren Jahren geschah, nicht mehr möglich-st. Im britischen Unterhause hat General S p e a r S den Staatssekretär des Aeußern gefragt, ob er Informationen und welche über das Anschwellen der deutschen Wehrvoran- schlüge besitze. Ferner, ob die britische Regierung Schritte er- wogen habe, um die Verletzung des Bersailler Vertrages, insbesondere d?S Verbot? der Militärflugzeuge zu ver- verhindern, welche Maßnahmen die britische Regierung er- greisen wolle, um angesichts der Erhöhungen im deutschen Heereshaushalt den Zusammenbruch der Abrüstungskonfe- renz zu verhindern. Nach den Veröffentlichungen des Berliner Sonderkorre- sponbenten des„Journal des D e b a t s", dessen An- gaben bei ihrer Genauigkeit zweifellos dem Haushaltplan entnommen sind, werden gefordert für das Landheer 654 648 550 Reichsmark, für die R e i ch s m a r i n e insgesamt 236 243 200 Reichsmark, für die Luftstreitkräfte 210 186 750 Reichsmark. Allein der Luftschutz erfordert über 50 Millionen Reichsmark. An Subventionen für die SA. und für die Abteilung des freiwilligen Arbeitsdienstes werden 250 Millionen Reichsmark Gestern und heute Dem Herrn Reichskanzler Hitler ist in Volksversammlungen am wohlsten. Hier kann ihn keiner fragen und keiner einen Widerspruch wagen. Es ist bekannt, daß er die größte Angst vor fremden Journalisten hat. Um seine Beklemmungen zu sänfligen, werden solche undefinierbaren Frager, die sich nicht vermeiden lassen, vorher genau präpariert. Auf bestimmte Fragen werden dem„Führer" bestimmte Antworten vorgelegt. So geschah es bei der Unterredung, die der Reichskanzler in diesen Tagen mit dem Berliner Korrespondenten des amerikanischen Nachrichtenbüros„Associated Preß", Louis P. Lochner, hatte. Nach dem amtlichen deutschen Nachrichtenbüro hat Hitler hier Gedankengänge„entwickelt", die der Auslandspressechef der NSDAP., Dr. Hanfstaengel, genau überwachte. Das erste Gesprächsobjekt war die Wehrmacht. Wenn er, Hitler, sage, daß wir eine Wehrmacht von 300 000 Mann benötigten, so lasse er sich nicht dazu herbei, nachher auf 250 000 Mann herunterzugehen. Er sei nämlich ehrlich. Er denke nicht an geheime Aufrüstungen. Er wolle nichts als produktive Arbeit: Straßen bauen, Kanäle graben. Dämme errichten. Schleusen anlegen. Verteidigung, nichts als Verteidigung! Der Korrespondent der Associated Preß fragte, wenn man dem amtlichen Bericht glauben darf, nichts weiter darüber. Dann äußerte sich Hitler über das Problem seiner Mitarbeiter. Rings um sich habe er einen ganzen Stab von Sachkennern des wirtschaftlichen, sozialen und politischen Lebens. Die hätten die Aufgabe, Kritik zu üben. Auch die Presse! Es langweile ihn, 15 Zeitungen zu lesen, die fast denselben Wortlaut hätten. Wir jauchzten einen Augenblick auf. Sollte sich der Herr Reichskanzler nach der Verbreitung der„Deutschen Freiheit" in Deutschland sehnen? Unsere Hoffnungen wurden schnell herabgemindert. Er erklärte nachher, daß er selbstverständlich keine Presse dulde, die seine Aufbauarbeit zu zerstören gedenke. Da schon unser Bekenntnis zur Freiheit, zur Wiederherstellung der Volksrechte und der einfachen Humanität im„dritten Reich" Zerstörungsarbeit ist, die unseren Schriftleitern langjährige Zuchthausstrafen eintragen würde, so stehen wir der heimlichen Liebe des Reichskanzlers zum Gesinnungsreichtum der Presse mit Skepsis gegenüber. Dann sagte Hitler:„Ich versicherte den Herren, die mit mir die Regierung übernahmen, selbst denjenigen, die nicht meiner Partei angehörten, daß sie der Stabilität ihrer Aemter gewiß sein könnten." Wenn wir uns recht erinnern, hat dies Hitler nicht nur diesen Herren versichert. Er hat es dem Reichspräsidenten sogar bei seiner Berufung fest in die Hand versprochen. Fünf Monate später flog der Herr Reichswirtschaftsminister Alfred Hugenberg aus dem Amte. Das hat der Herr Reichskanzler gewiß nur vergessen. Wo ist Hugenberg heute? Wir hören, daß er irgendwo auf einem seiner Landgüter knurrend über deutsche Treue philosophiert. Versteht sich, daß Hitler, wie er Herrn Lochner beteuerte, heute rings um sich nur prachtvolle, kantige, aufrichtige Männer sieht. Wirklich kantig? Hitler attestiert ihnen, daß sie sich„in bewunderswürdiger Weise meinen Wünschen unterordnen". Er begrüßt ihren Ehrgeiz, aber bitte, nichts gegen meine Heiligkeit und meine Einzigkeit! Wahrhaftig, es ist glaubhaft, wenn der Reichskanzler versichert, daß keiner von diesen Männern den Wunsch hätte, ihn herauszudrängen. Denn seine Gefolgsmänner ständen hinter ihm in„blinder Einfühlung". Am Ende des Gesprächs hat Hitler, wenn wir dem amtlichen Bericht glauben dürfen,„jungenhaft gelacht". Der Korrespondent fragte ihn nämlich, wie er es fertigbekomme, trog seiner ungeheuren Reisetätigkeit seine Hand am Puls der Nation zu behalten. Antwort:„Mein Haus ist stets offen für meine Mitkämpfer, einerlei, wie schlicht und einfach ihre Verhältnisse sind... Im Verlauf der Tischrunde erzählen sie mir dann ihre Sorgen und Nöte." Was ist Wahrheit? Hitler tafelt mit seinen Vertrauten, vor allem mit seiner byzantischen Leibwache, die er bezahlt. Das ist seine Informationsquelle. Das ist für ihn das deutsche Volk. Herr Lochner ging befriedigt in seine Wohnung zurück. Argus. angefordert. Für die Kriegsinvaliden und die Soldaten der braunen Revolution ist ein Kredit von 1095 270 000 Reichs- mark angefordert. Das„Journal des Debats" errechnet für das Rcichsheer, die Kriegsmarine und die Militärlustfahrt einen G e s a m'- betrag vo 1 644 510000 Reichsmark. Wir lassen dahingestellt, ob diese Gesamtsumme richtig ist. Vielleicht hat der französische Korrespondent eine Reihe von Millionen einbezogen, die höchstens indirekt als RllstungS- ausgaben zu bewerten sind. Demgegenüber aber darf auch nicht vergessen werden, baß Rüstungsausgaben wie in jedem anderen Lande auch nicht nur in den Heereshaushalten zu finden sind und von jeher die Methode beliebt wird, gerrde solche Ausgaben zu tarnen. Wie enorm die deutschen Rüstungsausgaben in die Höhe getrieben werden, zeigt ein Rückblick aus die Reichshauo- stalte seit Ende der Inflation. Die Rcichoauögabcn für die Wehrmacht betrugen Im Jahre 1924: 491 Millionen R®f„ i925: 538 Millionen RM., 1926: 704 Millionen RM., 14:7; 769 Millionen RM., 1928: 827 Millionen RM., 1929: 757 Millionen RM., 1980: 771 Millionen RM., 1931: 760 Millionen NM. Die deutschen Nüstungsausgaben haben fich also glatt verdoppelt. Tie deutsche Neichsrcgieriutg hat den entscheidenden Teil des Friedensvertrages uou Versailles zerrissen und den euro- patschen Großmächten vor die Küste geivorsen, ohne daß deren Regierungen auch nur amtlich zu protestieren wagten. Tie Abrüstungskonferenz in Genf, die längst zu einer Rüstungs- konserenz geworden ist. m?ht sich lächerlich, wenn sie noch über irgendwelche Begrenzungen der Rüstungen Reden hält. Ein Blick auf die deutschen Heeresausgaben zeigt, dast Frankreich um seiner Sicherheit willen seine Rüstungen verstärken wird, und England wird insbesondere se, i>» Lststrüstung vermehren, wenn Teutschland jetzt schon für feite Luftstreitkräfte öffentlich über 200 Millionen NM. ausweist. Man glaubt in England, daß Deutschland jetzt schon über mindestens 250 vollwertige Lampsslngzeuge verfügt. Die deutschen Angaben, dast es sich um Subventionen für Zivil» flngwesen und Rbwehrmaßnahmen gegen Luftangrisse handele, werben in England nicht ernst genommen. Woher nimmt die deutsche RcichSregicrung das Geld für diese riesenhafte Aufrüstung? Bei der Beantwortung er, fordert das leichtsinnige Wort des Reichssinanzminifters, daß eben gepumpt werde, noch eine Ergänzung: man stiehlt hunderte und hunderte Millionen Reichsmark den armen und ärmsten Teile» des Volkes» um sie in Waisen und Munition zu verwandeln. Im ReichShauShalt sind nnr noch 445 Millionen RM. für Arbeitslosenhilfe, Wohlfahrtspflege und Wobnnngs- ivcsen vorgesehen, während es im Borjahre noch 828 MU- Hutten RM. waren. Wie gewaltig der Absturz für die sozialen Ausgaben ist, ergibt sich daraus, dast im Reichshauo- halt eingesetzt waren in den Jahren 102$: 1103 Millionen RM., 10": 1.838 Millionen NM.. 10*1: 1456 Millionen RM„ 1081: 984 Millionen RM. Selbst im Jahre 1928, als die Erwerbslosigkeit einen Tief- stand erreichte, gab das Reick das Zweieinhalbiache der jetzt angesetzten Summ« für soziale Zwecke aus. Man sehe sich den „oeutschen Sozialismus" an: 320 Millionen RM. sind erbettelt worden, und das wird als riesenhafte deutsche Tat ausposaunt, während zur selben Zeit 380 Millionen RM. allein im Reichohaushalt an de« sozialen Ausgaben gekürzt werden. Allein im ReichsbanShalil Tazu kommen die Kur- zungen in den Ländern und in lausenden Gemeinden, die von jeher wesentlich höhere TozialauSgaben hatten als das Reich. Die deutschen Haushalte für Sozialpolitik sind zweifellos um Milliarden gesenkt worden. Krirgsrüstuug und Raubbau an der Bolkskrast, eine Ber- wüstung, die sich schon in steigender Sterblichkeit zeigt: das ist die.nationale" Arbeit einer Regierung, die ein einziges Verbrechen am deutschen Volk« ist. vi« 5eh«ISen sn Amerika Deutschland zahlt 3177125 Reichsmark in Dollar Washington, 3. April. lTRB.s Das amerikanische Staats- departement hat über die deutscheu Fälligkeiten am 31. März 1934 folgendes Kommunique veröffentlicht: .Die auf Grund des deutsch-amcrikanischen Schulden- abkommcns vom 23. Juni 1980 am 31. März 1034»on Deutschland zu zahlende Summe in Höhe von 127106 174 RM. setzt sich folgendermaßen zusammen: 1. Rate für Rechnung der Mixed Elaims 123 400 000 RM. 2. Halbiahreszinien(5 Prozent jährlich) für die aufgeschobenen Rixed-Elaiins- Rate« 2 550 000 RM. 3. Fällige Halbjahresrate ftir die Be- satzungSkosten gemäß dem Mvrato- riumsabkommen vom 22. Mai 1922 1 529 049 RM. 4. HalbjahrSzinsen(8 3 i jährlich» ftir die aufgeschobenen Raten der Be- savungskosten 627125 NM. Die am 31. März 1984 iälliae Kapitalraie für die Be* fatzungskosten in Höhe von 9«800 Olm RM, ist von Teutschland :u Ilcbercinstimmnng mit dem«chuldeimbkommen ausge- schoben worden. Die deutsche Regierung bat der Regierung der Vereinigten Staaten mitgeteilt, daß sie dem amerika- ntschen Schatzamt den Gegenwert von 3177 125 NM. in Dol- lar überweisen werde. Diese Summe ist gleich den am 31. März 1084 fälligen Zinsen für die auf Grnnd des Sckuldenabkoininens ausaeschobenrn Kavitqlraten. Von. her Gesamtsumme in Höhe von 3177125 RM. werden 2 550 000 Reichsmark als Halbjahrcszinlen für die aufgeschobenen Mixed-EkaimS-Raten und 627 l25 RM. als Salbjahreszinsen für dix aufgeschobenen Raten der Besatz»ngskosten gebucht werden." Das Deutsche Nachrichten Büro lügt hinzu, daß die Reicks- reaiernng den Betrag von 3 177 125 RM. in Dollar an die Regierung der Vereinigten Staaten gezahlt habe. vi»« Die Deutsche Lusthansa hat am Dienstogadenb de» Rocht- luftpoftverkehr aus der Strecke Paris—Berti» erössnel. Das deutsche Flugzeug, das den Pariser Flughasen Le Bnnrget«« 20.50 Uhr französischer Zeit oerlieh, ist um 22.40 Ubr in Brüssel eingetroffen, wo eine Zmisckienlandung vorgenommen wurde. Neber Köln und Dortmnnd geht der Flug nach Berlin, wo di« Landung um 4.55 Uhr deutscher Zeit erfolgt. Das(V-egenslngzrug aus Berlin, das Berlin um l9.20 Uhr vorlassen hat, wird in Paris kurz vor 5 Uhr erwartet. In den Staaten Minnesota, Wisconsin und Süd-Dakota in Nordamerika kam es durch die starten Regensällc der lebten Tage z„ Ueberschwemmungeu, die zehn Todesopfer forderten. Bei Kalgan in China ist ein D-Zug in voller Fahrt ent- gleist. Bis jetzt werden 30 Tote und Verwundete gemeldet. Wie ans Moskau gemeldet wird, sind drei russtick« Flieger, die in Anahir gestartet waren, um die Mannschaft der „Tschelinsnn" z» ret,«„, verschollen. Ueber ihr Schicksal ist man sehr besorgt. Wi" ans Moskau gemeldet wird, ist die Frage des Beitritts der Svnretnntoi, zum Völkerbund trotz entgegengesetzter Mittelluvgen der ausländischen Presse noch nicht akut. Der Eintritt in den Völkerbund,»o wird in Moskau erklärt, könne nnr z» einem außenpolitisch»ichttgrn Moment u, folge», der»och nicht vorliege Die Attadfc ton Hennigsdorf Nach vierzehn lagen Katholische Berichte... In der„Deutschen Freiheit" hatten wir austührkich über den Sturm von Hitier-Jungens auf katholische Jungschaven>.n der katholischen Kirche in Hennigsdors bei Berlin berichtet. Mit Dolchen in den Fäusten stürmte später am Bahnhof die braune Jugend vor. In kurzein war eine Schlacht im Gange... Jetzt erst, nach vierzehn Tagen, wagt die„Saarbrücker Landeszeitnng" diesen außerordentlich abge- milderten Bericht: Die katholische Ju n g s ch a r Groß Berlin, die die Jungen von|()—14 Jahren umfaßt, hatte für einen der letzten Sonntage in Hennigsdorf an der Havel ein Frühiadrsrrenen an- gesetzt. Zirka 1800 Junqichärler aus den sechs Groß-Berliner Bezirken trafen gegen Mittag in Hennigsdorf ei» und nah- wen auf dem dortigen katholischen Kirchengrundstück Aus- stellung. Von der Polizeibehörde war die(Her" niguug zn diesem Tressen eingeholt worden. Am Nachmittag sollten Sportspiele_ stattfinde». Das Treffen sollte am Abend mit einer Feierstunde im Freien abgeschlossen werben. Tie Durchführung des Dreisens wurde leider durch iol- gendc Vorfälle unmöglich gemacht. AlS die Jmtgschar eben im Begriffe war, vom Kirchengrnndstück zn einem Gelände- spiel abzurücken, zogen etwa 200 Mitglieder der Hitlerjugend, die offenbar aus Hennigsdorf stammten, in geschlossenen Kolonnen aus das Uirchcngrundstück, und zwar mitten durch die Ausstellung der Jungschar hindurch. Während des Durch- Marsches fielen beleidigende Worte wie „Pfaffenzell»bei" und ein bekannte» Jugendlied wurde in gotteslästerlicher Weise folgendermaßen variiert:„Grüß mir den Jesus noch einmal" und„Schön ist der Jesus von 33 Jahren"! Die Hitlerjugend marschierte um den linken Flügel der Ausfiel- lung der Jungschar herum und im Gegenzug. dicht hinter diesem Flügel zurück. Der Vannergruppe des Bezirks Rord- ost wurde dabei das mitgeiührt« Hakenkreuzbanner entrissen. Ter Tiözcsanjungscharsuhrer iah fich daraufhin veranlagt, das Treffen abzubrechen. Tie Teilnehmer zogen im Zschwerge- marsch unter Wahrung strengster Disziplin zum Bahnhof, um die Rückfahrt nach Berlin anzutreten. Als die Jungschärler den Zugang zum Bahnhot erreicht hatten, stürmte» etwa 25— 30 Mitglieder der HJ. aut die an der Spitze befindliche Banner- und Äimpelgruppe d»s Bezirkes Nordwest zu und e n t r i s s e n ihr Banner und Wim- pol. Die wenigen anwesenden Polizeibcamten unter Fuhrung eines Polizeikominisiars, die eingriffen, waren gegenüber dem Vorgehe« der Hitlerjugend machtlos. Durch das Hinzukommen weiterer Trupps von Hitlerjugend wurden auch den übrigen Jungschargruppen die Banner und Wimpel entrissen, einige Speere zerbrochen und einige Marsch- trommeln weggenommen. Tie Hitlerjungen im Ulier bis zu 18 Jahren waren den Jungschärler» körperlich stark über- legen. Tic Hitlerjugend lieferte die Wimpcl zum^c,l an die Polizei ab, die sie vor der Abfahrt einigen Sturmlcharlern aushändigte und?um Bahnsteig geleitete. Das Bischöfliche Ordinariat Berlin hat wegen dieser tief bedauerlichen Vorgänge, zu denen die katholische Jungschar auch nicht den geringsten Anlaß gegeben halte, Em- gaben an den Herren Reichskanzler, den ReichSiimer.ministrr und den Preußischen Ministerpräsidenten gerichtet. * Bei dem Zusammenstoß zwischen den katholischen Jung» scharen und der Hitlerjugend in Hennigsdorf bei Berlin vor einer Woche lang die Hitlerjugend eine blasphemische Version des bei ihr sehr beliebten Marschliedes, denen gewöhnlicher Tert lautet:„Lore, Lore. Lore, Lore— schön sind die Mädchen zwischen siebzehn, achtzehn Jahr." Statt dessen soll, wie kathv- Usche Blätter berichte», gesungen worden sein:„Schön ist der Jesus von dreiunddreißig. Jahr" und„Grüß mit den Jesus noch einmal."' Eure Sache ist unsere Sache Der Papst ermutigt die deutschen katholischen Jugendverbände in ihrer Treue— Die katholische Presse verschweigt diese Botschaft y» Papst Pius der Xl. hat an den GeneralpräseS Msgr. Klens, Düsseldorf, in einem eigenen Handschreiben folgenden kriti- scheu Ostergrub au die katholische Jugend Teutschlands gerichtet: „An die katholischen Jngeadverbänd« Deutschland» GcliebteSöhne! Den Ausdruck kindlicher Ergebenheit gegen den Stell- Vertreter Ehristi und unverbrüchlicher Treue zur Hl. Rieche, den ihr uns übermittelt habt, nehmen wir mit inniger Teilnahme und großer Genugtuung entgegen. Mit inniger Teilnahme: denn ihr habt in vorderster Linie für eure reii- giüsen Ideale bereits große Opier gebracht und bringt sie noch täglich. Mit großer Genugtuung über den Bckenncrmut, den ihr offenbart, und die echt über- natürliche Gesinnung, von der lhr.hche.elt sßid..Trotz alles Schweren, durch das euch die Vorsehung hindurchleitet. und entgegen einer mit Lockrufen irnd mit Druck arbeitenden Propaganda isir eine neue Lebensausfasiiing, die von Ehristns weg ins Heidentum zurückführt, habt ihr dem Heiland und seiner Kirche den Schwur der Liebe und der Treue gehalten und bleibt ge- rade deshalb um so gefestigter in der Hingabe an Volk und Heimat, denen ihr wie in vergangenen Zeiten auch jetzt in engster Verbundenheit selbstlos dienen wollt. Wir kennen aus verantwortungsvoller.Hirtensorge— und mir wissen, daß sie auch die große Sorge eurer Bischole, ist— die Lage der katholischen Jugendlichen Deutschlands. Eure Verbände sollen jedenfalls w i s s t n, daß ihre Sache Unsere Sache i st. Wir führen euch in väterlicher Liebe unter da? Kreuz Jelu Christi, das auf euren Bannern leuchtet, und wenden ruck, euren Eltern und Angehörigen als Krattanelle uner'chütterlicher Glau- benstrene von Herzen den erbetenen Apostolischen Segen. AuS dem Vatikan, Ostern 1934. Pius p. p. XI. Diese päpstliche Botschaft enthüllt den unüberbrückbaren Gegensatz. Ter Papst stellt sich hinter die katholischen Jugend- verbände, die in Hitler-Deutschland verboten und verprügelt werden. Er ermutigt sie in ihrem Kampfe, muß aber erleben, daß die katholische Presse Deutschland» seine Botschaft verschweigt— aus Furcht vor den braunen Machthaber», die ihr die Existenz schwerer und schwerer machen. Unter diesen Ber- Hältnissen bleibt der päpstliche Weckruf nahezu wirkungslos. „Abtreten!" Ein deutsches Gericht bezeichnet die katholische Presse als überflüssig "T r-.f*5«5 na r.: Duisburg, 3. April. Die IN CfierlwiifNJ~erttfccinende katholische ZeiNitzg„Ntn e r T ä g" hatte ziegeircktte Essener ^Nationalzoitvng", das amtliche nattonalsozialiftische Partei- organ, beim Handelsgericht in Duisburg Klage wegen un- lauterer Konkurrenz eingereicht. Tie.Klage stützt sich a»f die Tatsache, daß.man.durch Bedrohung in den Häusern einen Druck aus diejenigen Personen ausgeübt habe, die sich weigerte», die nationalsozialistische Zeitung zu abonnieren. Die Klage wurde abgelehnt/ Katholische Geistliche hätten, so heißt es in der Entscheidung, die Gläubigen aufgefordert, nnr den„Renen Tag" zu lesen. Diei'c Treibereien seien für den konfessionellen Frieden gefährlich. Niemal» seien die christlichen Bekenntnisse besser geschützt worden als durch di? gegenwärtige Negierung. Wenn sich die„Natioualzcituug" gegen die katholische Propaganda entsprechend zu wehren vcr- suche, so sei da? durchaus zulässig. Besondere katholische Tageszeitungen seien heute überhaupt ttberssüifig. Es ge- nttgten für die gläubigen Katholiken die kirchenamtliche» Gcmcindeblätter. Rust RekhskuItusmlnBster? Nach zuverlässigen Meldungen avS Berlin beabsichtigt der Reichskanzler, die bisherige Führung in den Auseinander- setzungen zwischen dem Staat und den christlichen Kirchen in andere Hände zu legen. Bisher war ftir die Behandlung der gesamten Kirchensragen der ReichSinnenministcr Dr. Fr ick zuständig. Ihm hatte Hitler im Jnli des vergangenen Jahres die Schlichtung der Streitigkeiten in der protestantischen Kirche anvertraut, nachdem der preußische Unterrichtsminister Rust gegenüber den Heißspornen der Deutschen Christen, die ihrerseits die Unterstützung GvringS gefunden hatten, fir> nicht hatte durchsetzen können. Auch die Auseinandersetzungen mit dem Heiligen Stuhl über die Auslegung des Konkor- dato wurden vom Neichsinnenininisier durch einen Beaui- tragten. Ministerialdirektor Tr. Buttmann. der ebenso wie sein Vorgesetzter eine wenig kirchcnsrcundliche Persönlichkeit ist, geführt. Dr. Frick hat namentlich in den Kämpfen um die Jugendorganisationen dem Reichsjugendführer Baldur von Tchtrach, der ihm formell unterstellt ist, ziemlich freie Hand gelassen. Wie nun der Berliner Korrespondent d>»r„Times" zu wissen glaubt, soll die Errichtung e-"n e s R e i ch s- unterrichtsministeriumsbevorstehen. Der. be- vorzugte Kandidat für diesen Posten sei der gegenwärtige preußische Unterrichtsminister Rust. ES würde rnchl überraschen. so meint der Korrespondent,, wenn die Errichtung dieses Ministeriums eine Acndcrung in der Oberaufsicht über die Jugendverbände brächte, die dazu beitragen könnte, di« Beziehungen der Verbände zur Kirche und Elternhaus ruhiger zu gestalten. Hitler, so könne mit einiger Zuver- lässigkcit gesagt werden, nehme tiefen Anteil an den Streitig- ketten, die die Beziehungen zwischen den beiden. Kirchen und dem neue» Staate berührten. Es seien Anzeichen vorhanden, daß nach und nach sich eine starke Hand aus dem Gebiet der Jugendbewegung bemerkbar mache, allerdings in ber nuäus» fälligen Art, wie sie dem nationalsozialistischen Regime in solchen Fragen eigen sei. »Inhal eines Geisteskranken Grausiges Geschehen DRB Paris, 4. April. Eine furchtbare Bluttat beging am Dienstag ein Geisteskranker in St. Etirnne. Er mar vor einigen Tagen ans dem Krankenhaus entlassen ivorden, wo er sich mehrere Wochen zur Untersuchung aui seinen Geistes- zustand ausgehalten hatte. 21m Dienstag hatte der kaum 20jäl>rige den ganzen Abend in verschiedenen Wirtschaften zu- gebracht und kehrte betrunken nach Hause zurück. Kurze Zeit später brach er einen Streit mit seinem 77 Jahre alten Groß- pater vom Zaun und ergriff eine Weinflasche, mit der er dem GreiS mitten ins Gesicht'chlug. Dan» stürzte er sich aus den blutüberströmt am Boden liegenden Man» und fchlna solang« aul ihn et», bis der Kopi nur noch eine un- kenntliche Mass« darstellte,«l» d,« von Rachbarn herbeige- rufen« Polizei eintraf, fand sie den plötzlich wahnsinnig Ge- Plenen neben der Leiche seines Großvaters kniend damit beichgstigt. die einzelnen Teile der Gehirndecke zu zerlegen. Er lieg»ch ohne Widerstand abfuhren und antwortete aus die .vrageu der Beamten nur mit einem lauten Lachen. Selbstmordkurve steigt „Reichsgesuudheitsblatt" teilt mit, daß in Großstädten über looooo Einwohner folgende Selbstmord taue gezahlt wurden: Januar 1933: 445; Januar 1934: 477. Entmannung ist die Parole Das Hildesheimer Erbgesunöheitsgericht behandelte in letaer zweiten. Sitzung, insgesamt, siebz^ha Fälle. Da- von wurden be, Hillen II e f r u dj t b a i m a dz u n g a u*. g e i pro ch e n.(Das Gericht Hatte i« seiner ersten Sitzung bereits in sieben Fällen Unfruchtbarmachung angeorbnetJ Keleman Walllschs letzter Kampf Die tief echte In Steiermark- Rückzug und Verrat Im Hochgebirge- Ein militärischer Führer von Rang , der Verlagsanstalt„Graphia" in Karlsbad wird dieser Tage ein Buch von Julius D e u t s ch, dem ersten Heeresminister der Republik Oesterreich, erscheinen unter dem T itel: ,,t) er Bürgerkrieg in Oesterreich. Eine Darstellung von Mitkämpfern und Augenzeuge n." Julius Deutsch war der Führer des Republikanischen Schutzbundes, der heldenmütigen Kämpfe- für Oesterreichs Freiheit und Unabhängigkeit. Wir drucken ein Kapitel nachstehend ab: In den Kleinen Städten und Märkten der Steiermark war vor einigen Iahren der Heimwehrfaschismus die große Mode der intellektuellen und halbintellektuellen Schichten. Die Aerzte, Rechtsanwälte, Notare. Post- beamten, Gerichtsbeamten, Eisenbahnbeamten usw. stan- den größtenteils im Lager der Heimwehr. Die Werks- beamten der größten Industrieunternehmung Oesterreichs, der„Alpinen Montangesellschaft", preßten auf Geheiß ihrer Generaldirektion auch eine Anzahl Arbeiter in die Heimwehr. Die Bewegung mündete schließlich im Sep- tember 1931 in das Abenteuer des Pfriemerputsches. An diese Episode sei deshalb erinnert, damit die Heu- chelei der Heimwehrführer, die sich jetzt über den Repu- blikanischen Schutzbund in den höchsten Tönen moralischer Entrüstung ergehen, während sie selbst vor drei Iahren einen regelrechten Putsch inszenierten, in das richtige Licht gesetzt werde. Wobei überdies ein sehr beträchtlicher Unterschied zwischen diesen beiden Ereignissen besteht: Der Pfriemerputsch war ein S t a a t s st r e i ch. ein zu- gegebenermaßen planmäßiger Angriff aus die geltende Verfassung, während in den Februarkämpfen der Repu- blikanische Schutzbund sich in der Abwehr befand und die Reste der noch geltenden Verfassung verteidigte. Die steiermärkische organisierte Arbeiterschaft war vor drei Iahren die Mauer gewesen, an der der Heimwehr- putsch schließlich zerschellte. Im Jahre 1934 war die Heim- wehr in der Lage, an der Seite der Staatsmacht Rache zu nehmen. Die Schutzbündler kämpften in der Steiermark unter den gleichen ungünstigen Umständen wie in den anderen Bundesländern. Auch in den Industriegebieten der Steier- mark versagten infolge der Krise die wirtschaftlichen Kampfmaßnahmen der Arbeiterschaft. Die Kämpfe in Graz In der Landeshauptstadt Graz war es schon am Mon- tag klar, daß der Generalstreik nicht durchdringe. Hand in Hand mit dieser Erkenntnis zeigte sich eine gewisse Unentschlossenheit des Schutzbundes. Einzelne Abtei- lungen waren zu Aktionen entschlossen, aber es fehlte ihnen an Waffen. Trotzdem setzten die Schutzbündler den Versuchen der Polizei, die Straßen zu räumen, heftigen Widerstand entgegen. Im Verlaufe der Zusammenstöße wurden einige Wachstuben gestürmt, die Polizeileute ver- jagt oder gefangengenommen. Als die Polizei Verstär- kung erhielt, mußten sich die Schutzbündler zurückzieben. Da in den inneren Bezirken von Graz eine Fortsetzung des Kampfes aussichtslos erschien, begab sich ein Teil der Schutzbündler in die Umgebungsgemeinden von Graz, wo in der Nacht von Montag auf Dienstag heftige Kämpfe entbrannten. Am leidenl-haftlichsten waren die Kämpfe in Eggenberg. Dort hatten sich Schutzbündler im Haufe des Konsumvereins gesammelt, wo sie von Polizei, Gendarmerie und Heimwehr angegriffen wurden. Als sich die Regierungstruppen anschickten, das Gebäude zu stürmen, wurden sie mit heftigem Feuer empfangen. Im Verlaufe des Kampfes drang Heimwehr in die Wohnung des Direktors der Konsumgenossenschaft, der zugleich Bürgermeister von Eggenberg war, und raubte sie vollständig aus. Das gleiche geschah bald darauf dem Konsumverein selbst. Das Haus wurde von Artillerie, die am Plabutsch Aufstellung genommen hatte, mit Gra- naten beschossen. Als sich infolge des Bombardements die Schutzbündler zurückziehen mußten, eroberte die Heimwehr den Konsumverein. Sie machte sich so- fort an die Plünderung. Die ganzen Lager- bestände an Mehl. Teigwaren. Brot usw. wurden auf Last- autos geschleppt und weggeführt. Was man von den vor- handenen Lebensmitteln nicht wegschleppen konnte, wurde durch Verunreinigung gebrauchsunfähig gemacht. Nach dieser Heldentat bemächtigten sich die Heimirehr- leute einiger Frauen, die den Schutzbündlern Tee verab- reicht hotten, beschimpften sie in der unflätigsten Weise und schleppten sie unter fortgesetzten Mißhandlungen ins Gefängnis. Die Schutzbündler machten einen Gegenangriff,^r- oberten das Genossenschaftshaus wieder und drängten die Regierungslruppen bis an die Grazer Stadtgrenze zurück. Bon dort mutzten sie heftigem Artilleriefeuer weichen. Aber die Regierungstruppen konnten nur Schritt für Schritt Terrain gewinnen. Erst als den Schutzbündlern die Munition ausging und sie infolge Nahrungsmangels total erschöpft waren, gaben sie den Kampf auf. Nicht minder tapfer kämpften die Schutzbündler in vielen anderen steiermärkischen Städten und Märkten, so in den Grazer Vororten Andritz, Gösting. Punti- 5am. dann in Sankt Michael, Thörl, Grat- orn. Götz. Sinnersdorf, Sankt Peter- Freien stein. Straßgang. Leoben. Köflach, Voitsberg. Iudenburg, Kindberg und Weiz. Trugen, die Gefechte in diesen Orten mehr den Charak- ter größerer oder kleinerer Scharmützel, waren die von Bruck a. d. Mur und Kapfenberg ungleich bedeu- tender. Die Kämpfe in diesen beiden Städten gehören zu den größten, die der Schutzbund in den Februartagen geführt hat. Koloman Wallisch Soldat der Revolution Die Arbeiter von Bruck und Kapfenberg zählten seit Iahren zu den bestorganisierten der Steiermark. Sie haben auch zur Zeit des schwersten Heimwehrterrors nicht nackvegeben. sondern der Sozialdemokratischen Partei und den freien Gewerkschaften unverbrüchliche Treue ge- halten. Der Aufbau dieser guten Organisation und die geschlossene Kameradschaft ihrer Mitglieder ist nicht zum mindesten das Werk ihres Führers, Koloman Wal- lisch, gewesen. Aus dem Banate stammend, ist Wallisch nach dem Zu- sammenbruch der ungarischen Rätediktatur in die Steier- mark gekommen. Weil er zur Zeit der Rätediktatur eine Regierungsfunktion in seiner Heimat bekleidete, hat man ihn in der Steiermark— und darüber hinaus bald in ganz Oesterreich— als einen wilden Bolschewiken hin- gestellt In Wirklichkeit war Wallisch niemals Kommu- ruft gewesen, auch nicht zur Zeit der ungarischen Räte- diktatur, sondern stets ein guter Sozialdemokrat. In tak- tischen Fragen war er durchaus gemähigt und besonnen, sich seiner Verantwortung stets bewußt. Er war ein Prolet in des Wortes bester Bedeutung. Der innere Zusammenhang zwischen ihm und den von ihm geführten Arbeitermassen war geradezu ein natur- gegebener. Er war Fleisch vom Fleische und Blut vom Blute des Proletariates. Ein Gang mit Wallisch durch die Stadt Innsbruck war ein Erlebnis. Jung und alt grüßte ihn, hielt ihn an. frug um Rat— man sah, er war der Freund. Berater, Führer und Seelsorger der Arbeiter in einem. Nach jahrelangem Wirken als Vertrauensmann in Bruck wurde er zum Landesparteisekretär der Steier- mark gewählt und muhte in die Landeshauptstadt über- siedeln Bevor er von Bruck wegging, versprach er den Arbeitern, wiederzukommen, wenn die Stunde des Ent- scheidungskampfes geschlagen habe. Wallisch hielt Wort. Als am 12. Februar der Generalstreik ausgerufen wurde, eilte er zu seinen Brucker Genossen. Die ersten Kämpfe entwickelten sich um den Besitz der Gendarmeriekasernen Sowohl in Bruck wie in Kapfen- berg wurden die Kasernen blockiert, die Gendarmerie ein- geschlossen und dadurch außer Aktion gesetzt. Als Militär heranrückte, mußte die Belagerung der Kasernen auf- gegeben werden. Der Schutzbund bezog eine starke Stel- lung auf dem die Stadt beherrschenden Schloßberg. Es waren dort nicht nur die Schutzbündler aus Bruck, son- dern auch die aus Kapfenberg, Diemloch, Hafendorf. Parschling, Thörl und anderen de- nachbarten Orten. Von allen Seiten rückten Abteilungen des Bundes- Heeres, verstärkt durch Heimwehrformationen, g^gen den Schloßberg vor. Artillerie beschoß die Stellungen des Schutzbundes. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch begann der Sturm der Regierungstruppen. Hin und her wogte der Kampf, stundenlang hielten sich die kämpfenden Parteien die Waage, bis die bessere Bewaffnung auf der Regierungsseite und der beginnende Munitionsmangel bei den Schutzbündlern auch hier den Kampf entschieden. Der Schutzbund mußte den Schloßberg preisgeben. Noch gaben sich aber die Tapferen nicht geschlagen. Wallisch führte vierhundert seiner betreuen durch den Utschgraben über den Eisensattel zum Hochanger. Don dort wollte man nach Frohnleiten absteigen. Die Abschiedsrede des Führers Sechs Stunden wanderte die Abteilung, bis über die Knie im Schnee versinkend. Zu Tode erschöpft, von Hunger geplagt, langte sie in Sturm und Kälte auf der fast 1599 Meter hohen Alpe an. Die meisten Schutzbündler waren für diesen Marsch ganz ungenügend ausgerüstet. Es fehlte an Schuhen und Kleidern. Die paar Almhütten boten keine windgeschützte Unterkunst. Die Mannschaft verzweifelte. Zwei Tage hielt man sich trotz aller Unbilden auf der Alpe Dann erklärten viele, es nicht mehr länger aus- zuhalten. Wallisch pflegte eine Beratung mit den Unter- Syrern und gab nach ihr jenen Genossen, die glaubten, den Strapazen nicht länger gewachsen zu sein, den Rat, ins Tal hinab zu gehen. Die ganze Schar wurde zusammengerufen. Zum letzten Male sprach Wallisch zu den Brucker Arbeitern. Er wür- digte die von ihnen vollbrachte Leistung, dankte den top- seien Mitkämpfern und beschwor sie, trotz der augenblick- lichen Niederlage die Hosfnung aus den schließlichen Sieg des Sozialismus nicht aufzugeben.... Tränen standen den Schutzbündlern in den Augen, als sie von ihrem geliebten Führer Abschied nahmen— um ihn nie wieder zu sehen. Dann begann der Abstieg derjenigen, die sich, durch die Wälder schleichend, nach Bruck zurückwandten. Auf dem Wege dahin versteckten sie ihre Gewehre und die anderen Waffen. Wallisch beschloß, sich mit dem bei ihm bleibenden Rest der Schutzbündler nach der jugoslawischen Grenze durch- zuschlagen. Etwa vierzig Mann harrten bei Wallisch aus. Mit ihnen unternahm er einen kühnen Zug über die Berge, verfolgt von großen Abteilungen der Regierung?- truppen. Alle Wege, die zu Tal führten, waren abge- sperrt, auf den Bergen tauchten Soldaten und Gendarmen auf Skiern auf. Immer aussichtsloser schien der Versuch, sich durchzuschlagen. Auf den Kopf des Genossen Wallisch hatte der Vizekanzler Fey eine Belohnung von 1999 Schilling gesetzt, die er einige Tage später auf 5999 Schilling erhöhte. Wallisch trennte sich von seinen Gefährten und unternahm, nur von seiner Frau begleitet, das Wagnis einer einsamen Flucht. Sie mißlang. Als Wallisch und seine Frau, die Berge ver- lassend, im Tale weiterhasteten, wurden sie von einem Eisenbahner erkannt. Die hohe Prämie oerlockte den Unglückseligen. Er verriet die Flüchtlinge. Gendarmen mit Autos und Motorrädern machten sich auf den Weg. bis es ihnen gelang. Wallisch auf einer Straße zwischen Ardning und Liegen zu fangen. Der Treuesten und Top- fersten einer war in der Gewalt blutgieriger Häscher. Der Judas, der Wallisch verraten hatte, ist seines Lohnes nicht froh geworden. Eine Woche nach dem Ver- rate fand man seine Leiche, von mehreren Kugeln durchbohrt, in einem Walde bei Liegen, in der Nähe der Stelle, an der Wallisch von den Gendarmen verhaftet worden war. Bericht der letzten Tage Einer von den Getreuen, die am längsten bei Walliich aushielten, berichtet über die letzten Tage ihres Zu- sammenseins: Nach dem Abmarsch der meisten Schutzbündler von der Hochebene blieb ein Rest von etwa hundert Mann bei Wallisch. Wir gingen nach einer kurzen Rast in der Rich- tung Frohnleiten weiter. Eine halbe Stunde vor dem Orte kamen uns Genossen aus Frohnleiten entgegen und fragten uns. wieviel wir wären. Als Genosse Wallisch sich um die Lage im Orte erkundigte und auch fragte, wie stark die Mililärbewegung dort ist, erfuhren wir, daß sich im Orte Frohnleiten überhaupt kein Militär befand. Wir hielten ungefähr eine Stunde Rast und nahmen nach langer Zeit den ersten Imbiß. Milch und Brot, zu uns. Es war dann unter den Führern und den Vertrauens- leuten eine kurze Beratung, worauf wir uns wieder in das Gebirge zurückzogen. Es war beschlossen worden, in den Morgenstunden den im Bezirksgericht inhaftierten Parteisekretär zu befreien. Genosse Wallisch sendete eine aus 8 Mann bestehende Patrouille zur Rekognoszierung aus, doch kaum war die Patrouille fünf Minuten von uns entfernt, hörten wir eine Schießerei: die Patrouille war dem inzwischen eingelangten Militär in die Hände ge- fallen, einige Leute wurden verwundet, andere verhaftet und nur einem Mann war es gelungen, zu entkommen, der uns über diese Vorgänge Bericht erstattete. Es wurde nun unsere Truppe kampfbereit gestellt, wir leisteten dem Militär in einem Gefechte Widerstand, mußten aber, da wir der Uebermacht nicht standhalten konnten, weiter in das Gebirge flüchten. Als wir uns nach längerem, mehr oder weniger geordnetem Rückzüge wieder um den Genossen Wallisch sammelten, waren wir nur noch 25 Mann. Wohin die anderen gekommen sind, konnten wir nicht mit Bestimmtheit sagen. Das Militär hat uns, als wir nach dem Angriff zurück- gingen, nicht weiter verfolgt. Als wir auf der Hochalm anlangten, schickte Genosse Wallisch nach Frohnleiten, Pernegg und Bruck, und zwar nicht nur um Kundschafter- dienste zu leisten, sondern auch um Lebensmittel zu be- sorgen. Er gab jeder dieser Patrouillen 29 Schilling mit. Von diesen ausgesandten Patrouillen kam aber keine mehr zurück. Nun wurde, da wir ja nicht länger im Freien bleiben konnten, auf die Suche nach einem Unter- schlupf gegangen, denn die Nächte waren so kalt, daß man es ini Freien nicht aushielt. In unmittelbarer Nähe der Hochalm fanden wir ein leeres Bauerngehöft, in dem wir nach Aufstellung von Avisoposten Unterkunft nahmen. In diesem Bauerngehöfte fragte uns Genosse Wallisch meh- rere Male, ob wir denn unter den obwaltenden Um- ständen weiter bei ihm bleiben wollten. Als die Ge- nassen das bejahten, war er zu Tränen gerührt, umarmte die einzelnen Genossen und dankte ihnen herzlich für ihre Treue. Gefecht auf der Alm Gegen 2 Uhr nachmittags kau: jiu Lauer, oer|.o)>o merkwürdig verhielt, daß wir in ihm einen Spion ver- muteten. Genosse Wallisch fragte den Mann, was er denn hier mache, worauf dieser erwiderte, er müsse sich den Weg besehen, da er die Absicht habe, in den nächsten Tagen einen Heutransport von der Hochalm aus durch- zuführen. Wir hatten aber alle das Gefühl, daß der Bauer nur ein Spion sein konnte, denn sein Gehaben ließ dies erkennen. Kaum eine Stunde nach dem Weggang dieses Mannes bemerkten wir aus großer Entfernung, daß über die nächstgelegene Anhöhe— es war dies die sogenannte„Schneide", die der Bauer auf seinem Rück- wege passieren mußte, zuerst ein Mann, in kürzeren Ab- ständen je 5 Mann und dann aufeinanderfolgend 59 bis 69 Leute die Schneide passierten. Wir konnten, der Ent- fernung wegen, noch immer nicht feststellen, ob dies Schutzbündler oder reguläres Militär wären. Genosse Wallisch gab den noch übriggebliebenen 19 Genossen den Befehl, sich in Schwarmlinie aufzulösen, vorzumarschieren und sich zum Angriff bereitzuhalten. Als wir eine Strecke vorgegangen waren, bemerkten wir, daß die Heran- marschierenden Soldaten waren, die gerade damit be- gannen, unsere aufgestellten Avisoposten, die bereits ge- fangengenommen waren, zu durchsuchen. Genosse Wal- lisch hatte das Kommando übernommen und war an der Spitze der Schwarmlinie. Er gab den Befehl, Halbkreis- förmig Aufstellung zu nehmen, Deckung zu suchen, damit wir nicht umzingelt werden konnten und erst auf sein Kommando zum Angriff überzugehen, respektive das Feuer zu eröffnen. Kaum daß diese Einteilung getroffen war, hörten wir, daß Genosse Wallisch den ersten Schuß abfeuerte, der auch für uns das Zeichen zum Angriff war. Durch das energische und zielbewußte Auftreten unseres Kommandanten. Genossen Wallisch, gelang es uns,— ob- wohl wir der zahlenmäßig schwächere Teil waren—, die mit einem Maschinengewehr ausgestatteten Soldaten zu- rückzudrängen. Wer dabei den Genossen Wallisch sah, hat ihn erst als richtigen Kämpfer schätzen gelernt. Es läßt sich gar nicht so schildern, wie es in Wirklichkeit war. Wir drangen bis an die Waldlisiere vor. denn weiter konnten wir nicht vordringen, weil zwischen uns und dem Gegner eine breite Wiese lag, die uns keine Deckung ge- boten hätte. Nach einem fast halbstündigen Gefecht sahen wir. daß vor der Front des Militärs zwei unserer ge- fangenen Avisoposten vorgetrieben wurden, die uns in einem fort zuriefen:„Genossen, nicht schießen, hier sind lauter Genossen!"— Wir haben uns aber durch diese Kriegslist keineswegs irre machen lassen. In diesem Kampfe wurde einer unserer Genossen durch einen Brust- schuß schwer verwundet: wir nahmen ihn auf dem Rück- zuge mit. Nach der Sammlung bemerkten wir. daß sich wieder einige Genossen von uns zurückgezogen hatten— es waren jetzt nur mehr 12 Genossen übriggeblieben. Da wir die Aussichtslosigkeit eines weiteren Widerstandes einsahen, gingen wir gegen den Eispah, der zirka 800 Meter hoch ist, in der Absicht zurück, in diesem Gebiet Schutz und Persteck zu finden, weil die dortigen Wälder und Schluchten größtenteils unwegsam sind. Beim Einbruch der Dunkelheit kamen wir zu einer Almhütte. Wir waren vor Hunger. Durst und anderen Strapazen so hergenommen, daß wir alle Kräfte an- spannen mußten, um uns überhaupt noch aufrecht erhalten zu können. Genosse Wallisch ersuchte mich, nachdem ich den Inhaber der Hütte persönlich kannte, zu ihm zu gehen und zu trachten, irgend etwas zum Essen zu bringen. Es bedurfte aber längerer Fürsprache, bis sich die Bäuerin bereit erklärte, ein Kilogramm Fleisch zu kochen, und da kein Brot zur Verfügung stand, besorgte die Bäuerin nach langem Bitten von einer, eine Stunde entfernt ge- legenen Hütte Brot. Es war dies die erste etwas aus- giebigere Mahlzeit, die wir nach den drei so strapaziösen Kampftogen zu uns nehmen konnten. Nachdem wir unsere Mahlzeit beendet hatten, be- sprachen wir uns, was nun weiter geschehen solle und ver- einbarten, daß wir uns in kleine Gruppen teilen, von denen jede auf eigene Faust die weitere Flucht bewerk- stelligen möge. Genosse Wallisch, Genosse X,. und ich blieben beisammen, die übrigen Genossen entfernte» sich und ich habe von ihnen, bis auf zwei Genossen, welche auf unserer Flucht nochmals unseren Weg kreuzten, nichts mehr gehört. Mißlungen! Wir hielten uns in den zwei darauffolgenden Tagen in Heuschobern vergraben. Genosse 3£. desorgte die Verpflegung. Weil wir es jedoch in unseren Verstecken vor Kälte nicht aushalten konnten, verkrochen wir uns später in Stallungen, in denen es etwas wärmer war. Freitag abends ersuchte mich Genosse Wallisch, mit einer Rodel gegen irgendeine Ortschaft zu fahren, um Er- Kündigungen einzuziehen, was denn eigentlich los sei, denn wir wußten ja seit Tagen nichts mehr von der Außenwelt. Im Orte angelangt, suchte ich nach verschie- dener Richtung hin zu rekognoszieren, und zwar ob die Uebergänge über die Mur stark besetz^ seien und ob eine Flucht über den Fluß möglich wäre. Schließlich sollte ich Geld für die weitere Flucht zu beschaffen suchen, denn wir hatten nichts mehr. Ich erfuhr, daß die Mur nicht allzu stark besetzt sei. Geldmittel konnte ick nicht auftreiben, da die Kassierer oder jene, die Geldmittel besaßen, verhaftet oder flüchtig waren. Ich hörte fetner. daß man bereits davon Kenntnis hotte, daß sich Genosse Wallisch mit an- deren Genossen versprengt in den Waldungen aufhalle und daß 300 mit Skiern ausgerüstete Soldaten auf der Suche nach Wallisch seien. Wir wurden von Freunden dringendst aufgefordert, zu flüchten. Nachdem ich diesen Bericht dem Genossen Wallisch überbracht hatte, wurde der Entschluß gefaßt, noch in den frühen Morgenstunden des 17. Februar gemeinsam auf einer Rodel bis zur Ort- schaft Utsch zu fahren. Im Tale irrten wir von einer Hütte zur anderen. Zufällig hörten wir, daß sich auch die Frau des Genossen Wallisch irgendwo in dieser Gegend versteckt halte. Nach langem Suchen fanden wir sie. Unsere größte Sorge war es nun, Geld für die weitere Flucht aufzutreiben, weshalb ich neuerdings beauftragt wurde, einen solchen Versuch zu unternehmen. Zu diesem Zwecke schlich ich zu verschiedenen Genossen und Leuten, die mir bekannt waren, aber leider überall umsonst. Nun versuchte ich. zu Genossen Wallisch zurückzukommen, was mir aber auch nicht mehr gelang. Ich habe ihn nicht mehr gesehen. Ein Henker gcriditei Am 21. März wurde in G r a z, der stcirische» Landeshauptstadt. am Lendkai die Leiche des Schutzkorpömannes Johannes Iuchö aus der Mur gezogen. Die Leiche wies eine Schub- munde am Hinterkopf aus. Wie der OND. aus Graz erfährt, ist der Tchutzlorpsmann Fuchs der Henker des Grazer A r b e i t e r k a in m e r s e k r e t ä r s Stanck gewesen. Er war früher Diener im Anatomischen Institut der Grazer Universität und hatte sich freiwillig als Scharfrichter dem Standgericht zur Verfügung gestellt nnd die Hinrichtung an Stauet vollzogtn. Fuchs ist bereits unmittelbar nach der Hin- richtung von Grazer Arbeitern mit Bicrkrügeln beworfen und verprügelt worden. Er hielt sich dann eine Zeitlang ver- steckt. Nun ist der Henker Stancks gerichtet. iWie der OND. bereits gemeldet hat, sind schon am 5. März in Engcnbcrg bei Graz zwei Heimwchrler erschossen auf- gefunden worden. Neben ihnen lag ein Zettel mit der Auf- sehnst„Rache für Stanck".) GehcnKI, gefoltert, gefangen Eine österreichische Zwischenbilanz Der Saar-Faschismus mobil unser Letztes einsetzen" NSDAP Hingerichtet: Lebenslänglich: 20 Jahre Kerker: 13 Jahre Kerker: 12 Jahre Kerker: 10 Jahre Kerker: S—«Jahre Kerker: 9 Kämpfer, ö Kämpfer, 6 Kämpfer, 10 Kampier, 0 Kämpfer, 4 Kämpfer, 7 Kämpfer. Seift! Der Bürgermeister fordert Rechenschaft lieber eine Vernehmung des Bürgermeisters Seih im Polizeigefäugnis in der Rossauerlände erfährt der OND- aus Wien: Als Bürgermeister Teitz von einem hohen Poltzcibcamten einvernommen wurde, wartete die Frau eines sozialdemokratischen Funktionärs im Ncbcnraui». Dort hörte sie folgendes: Der Beamte forderte den Bürger- meister ans, sich doch endlich„zu verantworten". Daraus antwortete Bürgermeister Seitz sehr nachdrücklich:„Ich bin von zwei Dritteln des Wiener Volkes zum Bürgermeister gcivählt worden. Bon dem Platz, aus den mich das Ber- trauen meiner Mitbürger gestellt hat, wurde ich mit Brachialgewalt fortgeschleppt. Ich bin aber noch immer der gewählte Bürgermeister dieser Stadt. Nicht ich habe mich vor der Polizei zu verantworten, son- dern die Polizei hat sich vor mir zu verant- »»rtf#!* «WWW» Hannover. 8. April. sDNB.) Bei einer großen Saar- Kundgebung in der hiesigen Stadthalle sagte der Führer der Saardentschen Dr. Renn, a.:„Wir wissen, daß wir schweren Monaten entgegengehen, aber wir sind stolz darauf, daß wir uns für das Deutschtum einsetzen können. Ganz ans uns ge- stellt, werden wir diesen Kampf zu einem siegreichen Ende führen. Wenn wir in de» nächste» Wochen wieder in den Kamps hineingehen, so wisien wir, daß cS nicht allein um uns geht, sondern nm die deutsche Ehre, die uns wertvoll ist. So sehr wir auch den Frieden wünschen, für Deutschlands Ehre werden wir unser Letztes einsetzen. Bedingungslos wollen wir zurückkehren zum Reich»nd kennen dabei keine» Schacher." Da hat sich einer mal recht deutlich ausgedrückt. Was heißt das:„To sehr wir auch den Frieden wünschen...?" Es ist eine glatte Drohung mit Gewalt und verrät, vielleicht gegen den Willen des Sprechers, was die Herrschaften im stillen planen. Interessant an diesem Vorgang ist die Tatsache, daß keine saarländische Zeitung es wagt, die Worte des Herrn Neu in der Originalfassung wiederzugeben. Aber dieses Schwei- gen macht die Rede nicht ungeschehen. Die Ungeschicklichkeit des Wortführers der saarländischen Delegation kann durch nichts abgeschwächt werden. Ter Herr hat eben nur geglaubt, im„dritten Reich" das aussprechen zu können, was in der „deutschen Front" auch im Saargcbiet Allgemeingut ist. Je- dcnfallS ist Dr. Nen kein unbeschriebenes Blatt, sondern einer der maßgeblichen Führer der„deutschen Front" nud auch diese Worte, die offensichtlich nicht für die Lekscntlichkeit bestimmt waren, haben die Bedeutung, die offiziellen Aus- lassuugcn nationalsozialistischer Führer zuzukommen haben. Es besteht kein Zweifel, der Faschismus spielt an der Saar mit dem Feuer! Daß die Herrschasten mit den Plänen, die in den Tiefen ihrer Herzen verborgen ruhen, sich aber verrechnen, dafür wird gesorgt werden! Tarnung und Täusdiung Die Saar bietet momentan äußerlich das Bild ver- hältnismäßiger Ruhe— aber von der unerhörten Nö- tigung ihrer öffentlichen Probeabstimmung bis zur mate- riellen Existenzvernichtung aller im Wirtschaftsprozeß Abhängigen, die nicht nach der Röchlingweise tanzen wollen, hat die sogenannte„deutsche Front" der Saar- Piraten, die die Saar-Spaniolen abgelöst haben, ihre terroristischen Boykott-, Aechtungs- und Verfehmungs- maßnahmen dauernd weiter gesteigert. Dafür liegt uns eine Fülle erdrückenden Materials vor. Aber die P r o b e a b st i m m u n g mit ihren gesamten Nötigungs- und Vergewaltigungsmaßnahmen ist von einer viel weniger beachteten, aber für den Frieden Europas viel gefährlicheren Probe-Mobilmachung be- gleitet. Schließlich soll ja die Probeabstimmung nur ein Täuschungsmanöver für die ins Pfefferland verwünschten Leute vom Genfer Quai Wilson sein, denen man nicht traut und die man stolz wie ein Glücksritter im Oktober vorigen Jahres verließ-- während man sich letzten Endes nur auf die sogenannte Realität der e'.enen militari- ,'chen Stärke zu verlassen gedenkt. Die Leitlinie dieser Vorbereitungen findet man in den verschiedenen Aus- lassungen Hitlers, Popens, des Staatsrates Simon usw. zur Saarfrage, deren mehr oder weniger unverhüllte Drohungen an Genf und Frankreich nicht mißzuoerstehen sind— aber die praktische Durchführung, die selbstver- ständlich ebenfalls sorgfältig getarnt wird, sieht etwa so aus(die nur punktierten Angaben sind von uns gestrichen): Kiene weübübne nidif kommunteflsdi! Eine Richtigstellung! In der Nr. 55 unserer Zeitung brachten ivir eine Meldung aus Prag„Weltbühne ivird kommunistisch". Wie uns die „Neue Weltbühne" mitteilt, ist diese Information unrichtig. Die Ehesredattion gibt uns Auskünfte über die Ursachen des Ausscheidens Willi Schlamms, die rein politisch und redaktionstechnisch sind, auf die wir aber nicht näher eingehen wollen, und fährt fort: „Wir versichern Ihnen nun, daß weder Willi Mttnzenbcrg noch irgendeine andere Stelle der Dritten Internationale noch eine von ihr unmittelbar noch mittelbar abhängige In- stitntion an der„Neuen Weltbühne" finanziell in irgendeiner Form beteiliqt ist. Wir versichern Ihnen ferner, daß auch nicht die Absicht besteht, eine solche Beteiligung herbeizu- führen, und daß darüber während des ganzen Bestehens der „Neuen Weltbühne" auch niemals verhandelt wurde. Wir lügen hinzu, daß im ganzen Betrieb der„Reuen Weltbühne" und selbstverständlich auch in der Redaktion kein Mitglied der Kommunistischen Partei vorhanden ist. Der unter- zeichnete Chefredakteur ist politisch durchaus unabhängig nnd bat Willi Münzenberg in seinem Leben zweimal flüchtig ge- sehen, das letztem»! vor vier Jahren. Wir betone», daß die „Neue Weltbühne" genau wie die„Weltbühne" zur Zeit des Erscheinens in Berlin frei von jeder politischen Bindung ge- führt wird, und daß wir nicht anstehen werden, Kritik a» allen Parteien einschließlich der kominunisilschen zu üben, wenn sich das nach unserer Ansicht als notwendig heraus- stellt. Amtliche Greuelmeldung S el S*' n* 3tpti K( 2" pre&-) Tie„Pommersche Tagespost". Rr. 71 vom 2a. Marz, meldet:„Berhungert Im «reise Könitz zwiichen den Ortschaften Pagelow und Neu- kirch ivurbe im Straßengraben die Leiche einer unbekannten Frau gesunden, die schon etwa zwei Wochen dort gelegen haben muß. Die ärztliche Untersuchung ergab, daß die be- daucrnSwerte Frau buchstäblich verhungert ist." Ortsgruppe..... Hauptzelle... Saarbrücken, den 17. 2. 1931. An die Zellenleiter der Hauptzellc Die Zellenleiter haben bis zum 25. 2. 1931 folgende An- gaben nach hier zu meiden: 1. Wieviel Schulen und Turnhallen befinden sich i» der Zelle. Die Schulen nnd Turnhallen sind namentlich getrennt mit Angabe der Straße und Hausnummer auszustthren. a) Wieviel Klaffen hat jede Schule? bj Wieviel Personen können in den Schulen bzw. Turn- hallen znm Schlafen untergebracht werden? 2. Angabe der Hotels nnd Gaststätten mit Belcgungö- Möglichkeiten IZimmer«nd Betten 1- und 2schläsrlg). Nach Straßen und Hausnummern geordnet. z. Wieviel Privatquartiere kann jede Zelle stellen, d. h. wieviel B.-G. können zum Schlafen in der Zelle untergc- bracht werden. Die Angaben dienen zwecks Unterbringung der rcichsdeutschen Bolksgenoffen für die Abstimmung. Der Termin»st nnbcdingt einzuhalten. Heil Hitler! Der Geschäftsführer der Hauptzelle.... gez. Unterschrist. Es hätte erst gar nicht des allzu durchsichtigen Hin- weises auf den angeblichen Zweck der„Unterbringung der reichsdeukschen Volksgenossen für die Abstimmung" be- dürft, um diesem Befehl der„deutschen Front" an ihre Zellenleiter das wahre Gesicht zu geben, das er für jeden, der ihn zu lesen versteht, hat. Man erinnert sich dabei dann auch der unwiderleg- lichen Beweise für die W e i t e r e x i st e n z von S Sl. und SS. an der Saar trotz Verbot, die die Regierungs- Kommission dem Völkerbund unterbreitet hat. Man er- innert sich, daß zirka 25 000 junge Saardeutsche durch die hitlerdeutschen sogenannten Arbeitsdienstlager mit ihrem „Wehrsport" hindurchgegangen sind bzw.. hindurch- gehen und^mit entsprechender Ausbildung und zu entsprechenden Zwecken an die Saar zurückkehren. Man erinnert sich an die vielen Belege und Beweise eine; dauer nd e n militärischen Ausbildung de? nationalsozialistischen Jugend und ihrer Iungmänner durch geeignete Chargen- träger des alten Heeres innerhalb der Saar selbst und an die Befehle benachbarter reich»- deutscher Nazi-Gauleiter an ihre SA.- und SS-Leute. sich jederzeit zum Einmarsch und zur„Hilfeleistung" an der Saar bereit zu halten. Man erinnert sich nicht zuletzt an die Existenz der sorgfältig getarnten Caarlegion Hitlers nach dem Vorbilde seiner österreichischen Legion— und man weiß dann, was hinter aller Täuschung und Tarnung des Terrors an der Saar als ultima ratio nozi- deutscher Saarpolitik vorbereitet wird! Wobei einem dann zugleich einfällt, daß Hitlers dro- hende Vergewaltigung Oesterreichs nur durch M u s{o l i n i s am Brenner aufmarschiertes Armeekorps verhindert wurde! Und vielleicht läßt das Grab aller Saarabstimmungs- Hoffnungen für die Gleichschaltung, nämlich der wirt- schaftliche Zusammenbruch des„dritten Reiches", der im zweiten Frühling hitlerscher Macht- Usurpation begonnen hat, die braunen Bataillone erst recht als die letzte Hoffnung in der Saareroberimg er- scheinen. Bei Tobsüchtigen, insbesondere aber solchen mit ver- brecherischen Grundanlagen, muß man aus j e d e n Wahn- sinn gefaßt sein— dem allerdings nur dann Erfolg winken könnte, wenn man sich von ihm überraschen ließe. Max Braun. Freimaurer in Sdmft&alt Von einem„Bruder" denunziert b- b. Nach dem Erlaß des preußischen Ministerpräsidenten sollen die Logen über ihre Auflösung beraten. Also stellte in Flensburg ein getreuer Hitleranhänger in der letzten Logen- Versammlung den Antrag, die Loge aufzulösen. Diese? Mit- glied machte auch Vorschläge über die Verteilung des Logen- Vermögens. Dabei wurde ihm vom Vorsitzenden ber Loge, Sch., das Wort abgeschnitten. Der Vorsitzende nahm in seinen Ausführungen eine scharfe Stellung gegen den Nationalsozialismus ein. Taraufhin wurde er von dem na- kionalsozialistischcn Logenbruder, übrigens der einzige der bei der Abstimmung für die Auslösung der Loge stimmte, denunziert. öet NSDAP, brach nach dem Bekanntwerden des Abüimmungsergebniffcs die vorgeschriebene Erregung aus, so daß der Lvgcnvorfitzende aus Gründen persönlicher Sicherheit in Schutzhaft genommen werden mußte. pevlsenurteii Sieben Jahre Zuchthaus für 30 000 Mark 6. 6. Neben den mehr oder weniger offenen Reden tus verfloßenen Temokraten Hjalmar Schach, zeigen die fürs,:- mu-s,^ der d:ut>che»«ondergerichte gegen Devise.:- schucker die wahre Not der deutschen Finanzen ganz klar. «o verurteilte jetzt das Kasseler Sondergericht den 32- jahrigen Einkäufer Adolf Kern aus Kastel wegen Ber- geben s gegen die Ttviseuverordnung und Verbrechens nach dem Gesetz gegen den Verrat der deutsche» Volkswirt, schaft zu sieben Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust, weil er ersparte Beträge in einer Hohe von schätzungsweise(!) 39 909 Mark in einer Baseler Bant Deponierte. Abonniert Hie„Deulscke freibelt" Seiifsdie ftimmen• zur ,9eulsfficn freiHeil'> ftciinlssf und Sesdkitäten wiMrmmmamKm Donnerstag, dan S, Aprii 1934 3tut aß~x>de£„deutschet Qcuß"? Das hat cfCecmaHU angerichtet... . Zitate, die ivir nachstehend veröffentlichen, muß Jeder wörtlich lesen. We/ nach der Erkenntnis der„deut- sehen Seele" strebt, wird aus ihnen die wertvollsten Aufschlüsse empfanden. Sie stammen aus dem Sprechsaal der , Deutschen Allgemeinen Zeitung" und behandeln die nun schon seit Monaten tobende Streitfrage, ob man beim (-ruß den Hut abnehmen oder sich mit dem ,.deutschen Gruß begnügen soll. IV ir geben jedem, der hin und wieder eine gleichgeschaltete Zeitung zur Hand nimmt, den Rat, sich nicht in politische Leitartikel zu verkrampfen. Hier spricht nicht eine Meinung, hier spriiht Cöbbels. Darum sehe er„weiter hinten" nach, suche die scheinbar unpolitischen Artikel und Notizen und er wird vorn„dritten Reich' viel mehr, vielleicht alles ir issen... Also: Ein gewisser Hermann hatte geschrieben,'ältere Leute una Damen solle man zuerst durch Abheben des Hutes begrüßen. Hier das Echo: Oberstleutnant a. D. Eylerts: Lüneburg, 26. 3. Als alter Offizier möchte ich nur ein Beispiel anführen, das beweist, daß zu einem höflichen Gruß durchaus nicht unbedingt da«„Abnehmen der Kopfbedeckung" erforderlich ist. vielmehr auch früher schon eine andere Grußform völlig gleichberechtigt daneben bestand, nämlich der militärische Gruß durch Aulegen der Hand an die Kopfbedeckung. Unsere Frauen haben es jedenfalls niemals als ein Zeichen von Unhöflichkeit angesehen, daß wir vor ihnen nicht die Mütje oder den Helm abnahmen. Daß gegenüber neuen Formen, wie es der deutsche Gruß ist, bei der älteren Generation zunächst gewisse Hemmungen bestanden, verstehe ich aus eigener Erfahrung durchaus. Ith würde es aber als einen Fehler bezeichnen, wenn der deutsche Gruß hi gewissen Fällen durch Abnehmen der Kopfbedeckung ergänzt werden sollte, wodurch er selbst als nicht vollwertig gekennzeichnet würde. Wer die Hemmungen nicht so. schnell über- winden kann, mag lieher den alten Gruß beibehalten, bis das Verhalten der anderen auch ihn an den neuen Gruß gewöhnt hat. Pfarrer Kuck; Berlin, 26. 3. „Als der deutsche Gruß eingeführt wurde, geschah dies sicher nicht in der Absicht, den männlichen Teil der Bevölkerung der selbstverständlichen Pflicht zur Höflichkeit (d. h. zum Abnehmen des Hutes) zu entbinden."— Die hier von Herrn 0. Hermann ausgesprochene Ansicht erscheint niir abwegig. Der deutsche Gruß, wie ihn unser Volkskanzler wünscht, ist iu seiner ästhetisch schön wirkenden Forin die Höflichkeit; nur darf er nicht salopp ausgeführt werdeil. Dus Ahnehmen von Hut oder Mütze obendrein würde den deutschen Gruß schwerfällig und hinfällig machen, sobald der Grußende nur etwas in der Hand zu tragen hätte. Der mili- tarisch« Gruß, hei dem der Grüßende den Helm oder die D.enstmütjc auf dem Kopf behält, galt und gilt doch auch nicht als unhöflich. Nein: nicht deutscher Gruß und alte Form d Hutahnelimens. sondern der deutsche Gruß, mit strammer Haltung und Aufmerksamkeit ausgeführt, muß jetzt als die Höflichkeitsform schlechthin hingenommen werden. Unschöner als die frühem Höfliehkeitsfnrm ist die neue ganz gewiß nicht; warum aber dann unhöflicher?- W. Böhringer: Duisburg, 25. 3. IXemi ich heute als Vierzigjähriger nicht allein meine freunde, sondern ganz ebenso jede Frau und jeden Mann, auch jeden wirtschaftlich Bessergestellten, wenn ich beim Be. treten eines Geschäftes oder Büros mit dem deutschen Gruß grüße, so hat das weder mit„Belieben", noch mit„Erziehung" etwa» zu tun. Wenn der Pimpf, wenn der Hitlerjunge und das Hitlermädchen, der SA.- und SS.-Mann, wenn jeder Deutsche der deutschen Frau und dem deutschon Mann, gleichviel welchen Alters, diesen Gruß entbietet, so hat auch die« nichts mit„Belieben" oder„Erziehung" zu tun. Wir benutzen diesen Gruß einfach, weil er für uns heute die e i n- zige Möglichkeit bedeutet. Warum soll denn in dem straff ausgeführten deutschen Gruß weniger Achtung und weniger Höflichkeit liegen als in dem Ahnehmen der Kopfbedeckung? Lag und liegt denn im Gruß von uns Vorkriegs- und Kriegssoldaten und von unseren Reicfaswehrsoldaten weniger Achtung, weil Mütze oder Helm nicht abgenommen werden? Ist etwa der deutsche Gruß nicht deshalb am Platze, weil er den Aelteren etwas Neues bedeutet? Freut es denn nicht jede deutsche Frau und jeden deutschen Manu, vor al|era wenn der junge Bub und das Mädel mit gerecktem Arm und blankem Auge uns sein„Heil Hitler" entbietet, und sieht denn nicht jeder den freudigen Dank und Stolz, venu wi>«bociso erwidern? rm Auch in diesen kleinen Din- g>,n steht die Revolution noch vielfach am Anfang. Jiffer, Reg. V. Präsident i. R.: Der Auffassung, daß die Anwendung des deutschen Grußes die wünschenswerte Höflichkeit vermissen ließe, muß eut- hitdjpn widersprochen werden. Im Gegensatz zum Abnehmen der Kopfbedeckung, das als Grußform /.wischen Menschen »in Unterwürfigkeit grenzt, ist das Hochstrecken des Arme» I. im deutschen Gruß ein s t o l z e r G r u ß. wie ihn-cho» unsere. Urväter und-miitter angewendet haben. Daß dieser Gr,iß sich noch nicht allgemein eingeführt hat, beruht teilt auf einer gewissen Schwerfälligkeit der Gewöhnung, bei vie- le,, aber auch auf Vorurteil und Opposition gegenüber allen Neuerungen. Wollte man sich nach den Vorschlägen '■ea IJcrru H eichten, der bald den Hut abnehmen, bald dfn 'cutsrjjeu Gruß bald leide Grußformen nacheinander an- wende" will, so lauft das auf ein Kompromiß hinaus, das au üblen Parlamentarismus erinnert. Angesichts solch verfehlter Vorschläge wäre e» erwünscht, wenn von a u t o r i t a t i v o r Stelle mit noch stärkerem Nachdruck, als dies bisher geschehen ist, auf die Anwendung des deutschen Grußes gehalten würde. Studienrat Dr. Kügler: Berlin, 27. 3. Den temperamentvollen Ausruf„Flaps ab" von 0. Hermann vermag ich ganz und gar nicht zu billigen. Der sogenannte deutsche Gruß ist den Beamten und Lehrern innerhalb der Dienstgcbäudo vorgeschrieben, und sie sollen ihn möglichst auch außerhalb anwenden. Wer heim Heere gedient hat, mußte sich für die Zeit, die er des Kaisers Rock trug, auch au eine andere Grußform gewöhnen, selbstverständlich auch den Damen gegenüber! Inwiefern soll vor ihnen denn nun der allgemein gültige deutsche Gruß flapsig sein? Ich selber werde ihn nun erst recht anwenden und werde abwarten, oh es jemand wagen sollte, mich deswegen zu beleidigen! Werner Ostmar: B e r l i n, 27. 3. Hitlers Gefolgschaft ist durch viele Jahre bis heute mit dem Gruß„Heil Hitler" ausgekommen. Er ist spontan von allen Menschen guten Willens, von den Behörden, und dann auch von den Schulen übernommen worden. Er ist ni. E. nach die beste und ausdrucksvollste Form der Ehrerweisung, die ein Deutscher dem andern und gleichzeitig dem Führer darbringen kann. Herr Hermann verlangt für die„älteren Mitmenschen" und für„Damen" erst Entblößung des Hauptes. Ich habe noch nicht bemerkt, daß ältere Deutsche oder ältere deutsche Frauen jemals den Gruß, der für den Führer gilt, für sich als zu geringwertig erachtet hätten. Die Gedanken, die Herr Hermann widergibt, sind für den Nationalsozialisten gar nicht denkbar. Gibt es jemand in Deutschland, der eine höhere Ehrerweisung verlangen darf als der Führer selbst? Unsere früheren Grußformen ließen sich so wunderschön nuancieren(man konnte auch etwas anderes als nur Hochachtung im Gruße zum Ausdruck bringen), je nach Stand und Interessen, die im Spiele waren. Man konnte die Klassenunterschiede prächtig herausheben. Der Hitlergruß hat dem ' ein Ende gemacht; er gilt für die g a n z e Volksgemeiusdiai t total, ohne Kompromiß. Jede Erörterung anderer Grußmög- lichkeit würde eine Deklassierung des Hitlergrußes bedeuten Er macht es, Gott sei Dank, unmöglich, noch einen Titel hin zuzusetzen. So ist er der einzig mögliehe Gfcuß fiir den, der sich der Volksgemeinschaft verbunden fühlt. In Berlin und auch wohl anderswo findet man heute oft ein Türschild mit der Aufschrift:„Hier gilt nur der deutsche Gruß„Heil Hitler!" Damit sind Sorgen, wie Sie Herrn 0. Hermann plagen, ein für allemal gebannt. Ernst Beneche: Berlin-Steglitz, 26. 3. Die Aera Hitler hat die Jugend aufgerüttelt; Höflichkeit und Achtung gegen(las Alter und das weibliche Geschlecht sind überall zu bemerken. Flapse hat es immer gegeben, solche Dickhäuter weiden nie ganz aussterben. Der deutsche Gruß gibt bei seiner Einfachheit jedem Volksgenossen die; Möglichkeit, auch das Alter zu ehren, indem man mit dem Erheben des rechten Armes eine Verbeugung verbindet. Beim alten Gruß war j» dieses auch üblich. Den Kombinationsgruß lehne ich jedenfalls ah. Georgi Stoll: Berlin-Charlottenburg, 27. 3. Der deutsche Gruß ist heute die Grußform, bei welcher der Hut auf dem Kopf bleibt. Abgesehen davon, daß es amtlich vorgeschrieben ist— ich weiß es aus der Schute, die ja besonderen Wert auf Grußformen legt—, sieht es auf der Straße zu komisch aus, wenn— namentlich ältere Leute— verwirrt an den Hut fassen, dann den Arm ausstrecken, wieder an den Hut fassen, endlich den Iint unten haben und die Person grüßen Tie die meistens dann schon vorbei ist. Stellen Sie sich doch bitte einmal vor, daß der Grüßende eine Mappe oder ein Paket unterm Arm hat. Was soll der Unglückliche tun? Vielleicht stehen bleiben, das Paket hinstellen, den Hut abziehen und dann den Arm hochheben? Ich glaulie, es wäre dann schon besser, die zu grüßende Person zu bitten, so lange stehenzubleiben, bis man mit der Prozedur fertig wäre. Der deutsche Gruß aber soll erstens von allen ausgeübt werden und zweitens nicht lächerlich gemacht werden. denn er drückt einen Dank dem Führer gegenüber aus und wirkt ohne störendes Beiwerk schön. Es werden diesmal nicht die jungen Menschen, sondern die älteren Leute etwas zulernen müssen. Das kubische Schubern Dec JWuaeiHefiaß dec Juden, mh Dacce demaskiert Man weiß, daß es der Reich«emährungsminister Pg. Walter Darre besonders mit„Blut und Scholle" hat. Bei ihm fängt der deutsche Mensch erst an, wenn er nachweisbar eine Mischung aus deutschem Boden und deutschem Blute ist. Doch, wie diese Merkmale einwandfrei feststellen? Da kam dem Darre ein Geniehlitz: Das Schwein muß helfen! Der Mann, dem heute die deutsche Ernährungswirtschaft ausgeliefert ist, setzte sieh hin und schrieb eine Schrift, die er also betitelte:„Das Schwein als Kriterium für die nordischen Völker- und Semiten". Damit man erfährt, womit heute im einstigen Laude der Denker und Dichter Papier bedruckt wird, seien aus Darre« monumentaler Abhandlung zwei aufschlußreiche Zitate hierhergesetzt. Auf Seite 6 offenbart sich Herrn Darre die Welt des Schweins folgendermaßen:„Das Schwein ist durchaus das Opfertier des nordischen Sonnenkults oder hängt wenigstens damit zusammen. Die Eine he in bezug auf die freiheitliche Stelle der Frau, wohl eine Sonderheit nordischer Menschen, ist der Sonne geweiht und wird in Rom noch lange durch ein Schweineopfer bestätigt. Es scheint festzustehen, daß genau in demselben Maße, wie die Semiten alles ablehnen, was mit dem Schwein zusammenhängt. dieses Tier umgekehrt hei den nordischen Völkern in allerhöchstem Ansehen stand. Man. kam zu dem erstaunlichen Ergebnis, daß die germanische agrarische Gesetzgebung sich fast völlig um das Hausschwein herum zu gruppieren pflegt." Aus dieser Gruppierung um das Hausschwein bezieht der Verfasser den Srhreihstoff für die nächsten zwei Seiten seines gedankentiefen Werkes, um dann— auf Seite 8— glücklich den historischen Ursprung unseres ganzen Weltelends aufgespürt zu haben:„Aus dem Dunkel der alten Geschichte tauchen zwei menschliche Rassen auf, die in ihrer Einstellung z umSchwein vollkommene Gegensätze sind. Während die Semiten das Schwein weder kennen noch annehmen, es mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln aus ihrer Volksgemeinschaft ausschließen, steht das Schwein i iu Kult der noriliichenVqlker au erster Stelle." Womit Darrö triumphierend verkünden kann, überzeugend bewiesen zu haben, daß das Schwein tatsächlich ein Kriterium für nordische Völker sei. Nur der bekenne sich zum Schwein, der ein echter, nordischer Mensch sei, nach Rasse und Geburt. Damit sei auch die Unterscheidung zwischen hochwertigen und minderwertigen Menschen erleichtert. Denn minderwertiges Geschöpf dieser Erde ist, wer sich nicht rückhaltlos zum Schwein bekennt. Nicht erst Darre hat dem Schwein diesen Ehrenplatz im „dritten Reich" zugewiesen—■ seine Anbetung hat am 30. Januar 1933 begonnen! Solidarität in(KaCCand Hubermann spielt für die Flüchtlinge Bronislaw Hubcrmann gibt am 23. April in Amsterdam ein Konzert, dessen Gesamteinnahmen an „N oodfonds 193 3"(voor bijzondere Joodsche belangen) an das„N eutraal Vrouwencomite voor de vluchtelingen" und an den„Acaderoisrh Stenn- fonds voor Intellektueelen" abgeführt werden. Hub ermann hat auf jede Entschädigung verzieh- t e t. Die an die Komitee« abgeführten Summen sollen restlos zur Unterstützung deutscher Flüchtlinge dienen. Den Ehrenvorsitz des für dieses Konzert gebildeten Ehren- komites führt der Amsterdamer Bürgermeister Dr. W. de V 1 u g t. Karten(Preise: f. 2,50, f. 3,50 und f. 4,50) können schriftlich vom Büro des„Notfonds 1933", Amsterdam, Westeiade 12, angefordert werden. Deinste„Deutsche Jiant" Das jüdische Liesehen Wörtlich aus der„Deutschen Front" in Saarbrücken(14. Mäta 1934): „Räumt die Leichen weg!" Nettroy „Der selige Nestroy hätte wohl nie geglaubt, daß er einmal zum Leichenbitter für eine so berühmte Nachfahrin aus depi Walzerl and mißbraucht würde, w;e es die„heilige Liß- beth", alias Elisabeth Bergner uud noch früher polnische Jüdin mit unaussprechlichem Namen aus dem Ghetto Wiens für alle Theaterbegeisterten in Europa war. Die Bergner. dieses schwindsüchtige Geschöpf, das zusammen mit ihrem kindlich-naiven Tonfall und einer affektierten Singsprache die Frau mit den hundert Komplexen auf die Fuhne brachte, war eine Treibhauspflanze des Weimar-Deutschlands Eberl- Scheidemann-Reinhardt. Max Reinhardt, der Oberzauberer der Demokratie, Erbe des Theaters Brahins, machte dieses 90pfündige Nervenbündel zur Eleonore Düse des November- deutschland. Die Bergner, nach der die geschäftstüchtige Judenkonfektion seidene Blusen benannte, träumte von Ruhm, verwandelte ihre abendlichen Rekordgagen iu Festungsmauern fiir ihre Villa in Dahlem und heiratete, nachdem die Zeitungen der Welt über ihr„trautes Zusammensein" genügend geschrieben hatten, den Juden Czinner aus Wien, einen Mensche» von geradezu abschreckender Häßlichkeit- Damit hatte das jüdische Lieschen zum drittenmal ihren Namen gewechselt. Die Heirat fand statt unter ellenlangen „Hofberichten" aller Boulevardblätter auf einer Spritztour nach England, wohin sie beizeiten ihr Geld und nach dein 30. Januar auch ihre unschätzbare Persönlichkeit rettete." £eees bedauert ,.. In der Frauenbeilage des„Angriff" vom 10. Februar findet sich im Anzeigenteil in winzigster Aufmachung folgendes Inserat: Berichtigung In meinem Buch„Juden sehen dich an" sind auf Seite 8 die Herren Buggisrh und Reißner als Juden aufgeführt worden. Dieselben haben ihre nirhtjiidisrhe Abkunft glaubhaft versichert, so daß ich ihre Aufführung als Juden bedauere, Dr. J. von Lecrs, Deutsche Freiheit Nummer 78 Das bunte Vlatt Donnerstag. S. April 1984 Eine fast peinliche Geschichte Hach Ostern 19)4 Von Rene Dumont Wer Paris kennt, die Kunst und das gute Essen liebt, war sicher schon einmal auf den Champs Elysees, im Louore und im Restaurant L. an der Place de la Madelaine. Es ist dies eines jener alten Lokale, die der würbige Pariser mindestens iede Woche einmal zu besuchen pflegt, um mit der Sach- kenntnis eines Lukull und dem heiligen Ernst eines Franzis- kaners die dem Gedächtnis sämtlicher großen Kochkünjtler geweihte Messe zu zelebrieren. Und, glauben Sie mir. der Pariser versteht eS noch heute, obwohl sich manche schlechten amerikanischen Gewohnheiten, als da sind: Massenabfütte- rung, Speiseautomaten- und Uni-Prix-Restaurants, einzu- bürgern beginnen, sich dem Kult des guten Essens mit Liebe, Pathos und fast religiöser Ergriffenheit hinzugeben. Man tadle ihn nicht. Gott hat dem Menschen die Sinne des Ge- schmacks und des Geruchs verliehen, nicht um sie mit Schweinsbraten und Kartoffelsalat, sauren Knödeln und Königsberger Klops zu erschlagen, sondern um sie mit pikan- ten Saucen, zarten Trüffeln und edlen Weinen zu pflegen und zu verfeinern. In dieses schöne und würdige Restaurant kam vor einigen Monaten ein elegant gekleideter Herr von etwa vierzig Iahren, der sich in nichts von den übrigen Gästen des Lokals unterschied. Er war grau meliert, trug eine schwarze Horn- brille, dunklen Anzug, blaue, diskret getüpfelte Krawatte und glich eher einem Industriellen als einem Akademiker. Er setzte sich in die Nähe des Ausgangs, klemmte ein Monokel inö linke Auge und bestellte die Speisekarte. Der Kellner, elegant wie ein Großfürst, brachte die Karle und beriet den Gast mit diskreter Ueberredungskunst. Der Gast aß mit guter Ruhe und vorzüglichem Appetit. Er fing mit Austern an, nahm dann ein Kaviarbrötchen, hier- auf eine getrüffelte Gänseleber, danach ein Filet de Sole a la Creme und Pertrix sur Canape. Dazu trank er einen alten Rotwein und ein Gläschen Hennessy. Zum Nachtisch bestellte er einen Brie und Reis a l'imperatrice. Bis dahin ereignete sich nichts Besonderes, nichts, was ein anderer Gast nicht auch getan hätte. Nur als der Reis ser- viert war, geschah etwas noch nie Dagewesenes. Der Gast nahm ein paar Löffel von dem Reis a l'impera- trice, der in einer herrlich roten Fruchttunke schwamm und legte plötzlich seinen Löffel mit allen Anzeichen des Ekels weg. Dann winkte er den Kellner heran und sprach mit ihm einige Worte, wobei er immer wieder mit Abscheu auk den Teller wies. Der Kellner, der Lots Eheweib nach ihrer Ber- Wandlung zur Salzsäule glich, entfernte sich hierauf in einer Eile, die weder mit seiner, noch des berühmten Lokales Würde zu vereinbaren war. Schon nach wenigen Minuten kam er mit dem Geschäftsführer wieder, der einen Blick auf den Reis warf, um sofort, weiß wie ein Tischtuch, zurückzufahren. Ein in den Annalen dieses alten Restaurants unerhörter Fall hatte sich ereignet. Mitten in dem Reis, genauer gesagt, der köstlichen Fruchttunke, schwamm... es war ungeheuer- lich, schwamm etwas Totes, ein höchst penetranter Kadaver... Der Geschäftsführer bat den Gast fast kniefällig, ihm, mög- lichst ohne Aufsehen zu erregen, zu folgen. Der tat dies eisigen Gesichts. Draußen brach der Skandal los. Der Gast tobte— und dies mit Recht. Er nannte das Lokal einen Schweinestall und belegte den Geschäftsführer und Kellner und das würdige Restaurant mit unqualifizierbaren, in hohem Maße uuparla- mentarischen Bezeichnungen. Der Geschäftsführer sah aus wie Napoleon nach dem Brand von Moskau. Gebrochen, erschüttert und fast weinend, hörte er den Empörten an. Er entschuldigte nichts. Er hätte auch nichts entschuldigen können. Er bat den Gast immer nur um eines: um Schweigen. Als dieser zögerte und erklärte, er fühlte sich sehr unwohl, was man ihm übrigens auch ansah, seine Nerven ertrügen baS Ereignis nicht, bot man ihm 500 Franken Schmerzensgeld. Die nahm der Gast mit sichtlichem Widerwillen, aber doch leicht besänktigt an Dann verliest er, von der demütigen Kellnerschait und dem gebrochenen Ge- schäktskührer begleitet, erhobenen Hauptes das Lokal wobei er noch einmal daraus hinwies, daß er nie mehr das Nestau- rant betreten werde. Man atmete auf, als er draußen war. An diesem Abend trank der Gast einen Kaffee im Hotel Cleridge und einen Cocktail im Lido. Das Cleridge bezahlte 850 Franken, das Lido 400 Franken Schmerzensgeld. TaS gleiche ereignete sich am Tage darauf im Mafestic, im Cafe Coupole, im Hotel Georges V und zwei Tage später in Mar- feille. dann in Rice, schließlich auch In Cannes. ES mag sein, daß ich den einen Ort und daS andere Hotel vergessen habe. Auf alle Fälle rate ich Ihnen dringend, die angegebenen S'ädte zu meiden, da man IKnen bestimmt kein Schmerzensgeld mehr zahlen wird Dagegen werden Sie sicher in Berlin und London Erfolge haben. Nur eine Bitte habe ich: versuchen Tie die Sache nicht in Kopenhagen Dort beabsichtige ich nämlich, demnächst meine Ferien zuzubringen. Er wartet... Liebes-Romantik im heutigen Oeuyork Seit fünf Jahren beobachten die Neuyorker, wenn sie in den frühen Morgenstunden aus den Wohnvierteln den Läden und Geschäften der City zuströmen, einen merkwürdigen Mann. In Lumpen gehüllt, mit zerrissenen Schuhen, trottet er von den Elends-Quartieren von Long-Jsland langsam dem Stadtteil zu, in dem sich die Wohnpaläste der oberen Zehntausend erheben Sein volles, etwas schwammiges Ge- '-cht verrät unter dem struppigen Bollbart den Mann in den besten Jahren. In seinen blauen Augen flackert müde Resig- not ton, Verzicht auf Glück und Hoffnung. An seiner Seite lauft ein kleiner munterer Hund, der offenbar nichts von der dumpfen Sorge seines Herrn ahnt. Durch nichts unterscheidet sich der Mann von den Bettlern und Erwerbslosen, die in ständigem Anwachsen das Prole- tcriat der von der Weltkrise heimgesuchten amerikanischen Riesenstadt vermehren. Ein Bettler, ein Ausgestobener, ein Arveitsloser? Auf einer Bank gegenüber einem der prächtigsten Wohn- paläste nimmt er allmorgendlich Play und starrt mit den traurigen blauen Augen auf die überladene Fassade, hinter der die schwerreiche Witwe Iosefine Leckie ein zurückgezoge- nes, aber von jeder Not fernes Leben verbringt. Bisweilen bewegt sich ein Borhang hinter einem der großen Fenster, und die Umrisse einer Frau werden für einen Augenblick ilchtbar. Der zerlumpte Mann bewegt sich kaum nur in seine wasserhellen Augen tritt ein dunkler Glanz. Ein Luxus- wagen verläßt in den Vormittagsstunden das Portal. Der Bummler bleibt aus seinem Posten, bis ber Wagen ein paar stunden später zurückkommt und langsam hinter den schwe- rcn Gittertoren verschwindet Erst wenn der Abend herein- bricht und die Konturen des Hauses in ber Dunkelheit ver- ichwindcn. weckt er seinen Hund und trottet langsam seinen Weg nach Long-Jsland zurück. Fünf Jahre, Tag für Tag, treibt ber merkwürdige Mann in Lumpen dies merkwürdige Spiel. Er kommt, er wartet, er geht, und kehrt zurück. Nichts geschieht. Nur Tage. Mo- nate, Jahre eines Lebens ohne Sinn und Hoffnung ver- rinnen. Jetzt ist doch etwas geschehen, durch das die Neunorker Oesfentlichkcit aus den Mann aufmerksam wurde und seine LebenSgeschichte erfuhr. Der Wirt des Hauses, richtiger der Aohnspelunke, der ihm gegen einen Mietzins von 10 Dollar monatlich einen kleinen Raum überlassen hatte, wartete ein Jahr lang vergeblich aus sein Geld. Dann verlor er die Ge- duld und das Mitleid. Er ließ seinen völlig verwahrlosten und verarmten Mieter auf die Straße setzen. Bei der Srmit- tierung fand man seltsames Mobiliar. Einen schäbigen Sessel, einst ein Prunkmöbel. Programme von Premieren, die vor fünfzehn Jahren in der Metropolitan Opera, dem teuersten Theater Neunorks, stattgesunden hatten, eine Reihe alter Bände des Social Register, des Adreßbuchs der amerikanischen Millionäre. Briete der Familie Martin, eines der reichsten und vornehmsten Geschlechter im Staate Texas, die heute noch zu den Sternen des Social Register gehören. Herr und Hund ließen die Exmittierung mit fatalistischer Gleichgültigkeit über sich ergeben Sie blieben vor dem Hause, aus dem sie vertrieben wurden, zwikchen dem Gerttmpel, daS keinen Auktionator reizen konnte, und ließen sich von den Reportern, deren Neugier erwacht war, fotografieren. Bald hatten sie die Geschichte des eigenartigen ManneS, der nicht den geringste» Versuch mach' sich gegen sein Schicksal zu wehren, heraus und tonnten ns Ende einer romantisch- tragjichen Leidenschaft in ihren Blättern berichten. Richard Martin, der Sohn des schwerreichen Büß Martin, hatte das üppige und konfliktlose Dasein eines jungen Mannes geführt der keine andere Torgen kennt, als daS Geld, das sein Vater verdiente, auf die angenehmste Art und Weise auszugeben In dem sickeren Bewußtsein, daß die Quelle seines Wohllebens niemals oersiegen würde. Sein Glück schien dem G.pfel nahe, als der gut aussehende junge Mann eine schöne, gleichfalls begüterte junge Landsmännin kennen lernte, und in ihr die Frau seines Lebens gefunden zu haben glaubte. Er bat um ihre Hand. Sie zeigte aus den Ring, den ihr der Neuyorker Millionär Leckie aus den Finger gesteckt hatte. Kurze Zeit später land die Trauung statt Josesine Leckie zog in das Palais ihres Gatten und vergaß den abgewiesenen Freier. Richard Martin suchte zu vergessen, so. wie verwöhnte junge Leute ihren Liebeskummer zu vergessen suchen. Er gab in sinnloser Verschwendung Geld aus. und betäubte sich mit Vergnügungen, die ihm kein Vergnügen mehr bereiten konnten Seine Familie suchte den Haltlosen zu zügeln. Sie bezahlte seine riesigen Schulden. Der Vater sperrte ihm die Zuschüsse, er machte neue Schulden, die keiner bezahlte. Er begann zu trinken, zu verkommen Da trat ein unerwartetes Ereignis ein, das seinem abschüssigen Lebensweg eine günstige Wendung»u geben schien. Der reiche Leckie starb plönlich und hinterließ keiner Josesine den Palast und ein Millionenvermöqen. Richard Martin börte jetzt auk zu trinken und wartete die Trauerzeit ab. Dann ließ er sich bei der jungen Witwe melden. Er wurde nicht vorgelassen. Er schrieb und erhielt keine Antwort, Gram, Verzweiflung und Wut mochten ihn käst irrsinnig. Er beschloß unterzugehen, aber nicht durch den Strick, durck die Revolverkugel, sondern langsam, und vor den Augen der Frau, die ihm Glück und Leben hätte bedeuten sollen. Fünf Jahre vollzog er Tag kür Tag diesen schauerlichen Selbstmord. AnkangS wenigstens in der stillen Hoffnung, daS Mitleid würde die Liebe erwecken, die er vergeblich erfleht hatte, dann in wachsender Ergebenheit und Entschlossenheit, sich selbst zu vernichten. Jetzt, nach der Ennittierung, wird er mit keinem Hund in einem Neunorker Armenhaus Zuflucht suchen müssen. Er trägt auch dieteS Schicksal mit»oikcker Gleichoültiakeit. Denn auch vom ArmenbanS führt her Weg zu der Bank gegenüber dem Hause von Josefine Leckie... Sowjetkünstler und Gelehrte nach dem Auslande Um dem gesteigerten Interesse des Auslandes für die Sowjetunion entgegenzukommen, werden auch in diesem Jahre zahlreiche Persönlichketten ber Wissenschaft und Kunst Reisen nach dem Auslände unternehmen. Professor Pinke- witsch reist nach Finnland und Norwegen, wo er Vorträge über das VolkSbildungSweken in der Sowjetunion halten wird. Der Polarforscher Obrutschow reist nach Polen. Der Moskauer Pianist Lew Oborin. die Sängerinnen Irma Jaunsem und W. Barsowa werben Tournee? in Westeuropa und den Vereinigten Staaten unternehmen. Außerdem wurde daS Moskauer staatliche jüdisch? Theater nach Amerika und das Wachtangow-Theater nach Polen eingeladen. In flattrig weißem Frühlingskleid von Wolke« Mousseliue auf blauem Himmelsgrnnd, erschien Frau Sonne etwas vor der Zettl Ich war noch nicht bereit und sprang mit einem Satz ans«eine« Schlaf. Dort unten lag die Stadt von Sonnenkringeln augemalt» so still und brav, als ob sie wirklich Ostern hat! Die Wärme schien zurückgestrahlt vom Straßenasphalt, grau und glatt. Ganz spärlich, furchtsam sast bot dieser und auch jener Ast ein zartes, blasses Frühliugsblatt. Ein Dust von Sonne und von Grün lag in der flimmernd blauen Lnft. Ich ahnte irgendwo ein Blühn, ein Blühn von Krokus und von Flieder! Jetzt klangen zwei, drei Vogel-Lieder— Gott, dacht ich mir, Gott, ist die Welt doch schön: Man könnte heut spazieren geh«— mit ihr,_ der Freundin, die man so erträumt! Die Welt war einmal ausgeräumt! Vergessen Haß- und Krieges-Plnuder— Und Wunder über Ofter-Wunder: Die Menschen lächeln, wären gut, man niä< sich ,n man zög den Hnt, man aing ani sankt aem^lbten Wege«, man könnt sich unter Bäume lege» in Leelcnrnh und spürt sich kaum! Die Erde war ein FrüblinaStranm, ein Traum, ganz zart und selbstvergessen—— Statt dessen aber! Ach statt dessen...» Die Sprachen der Welt DaS Sprachengewirr, das nach dem mißglückten Turmva« zu Babel unter der Menschheit ausbrach, hat, wie die fran- zösische Akademie der Wissenschaften neuerdings festgestellt hat. das Ausmaß von 6771 verschiedenen Sprachen erreicht. Fast 4000 dieser Sprachen gehören aber nicht mehr den lebenden an, heute spracht die Menschheit nur noch in 2706 verschiedenen Zungen Bon den Weltsprachen wird natürlich Englisch am meisten gesprochen Englisch ist für 160 Mtl- lionen Muttersprache und für weitere 60 Millionen Um- gangssprache. ES folgen Russisch und Deutsch als Kultur- sprachen mit etwa 90 Millionen, wobei bei der Höhe der deutschen Zahlen zu berücksichtigen ist. daß hier daS Jiddische, daS dem deutschen Sprachgut de» Mittelalter» entstammt, viel zur Verbreitung der deutschen Sprache im Osten bei- getragen hat. Das Sprachgebiet ber spanischen Sprache er- streckt sich auf etwa 75 Millionen dann folgen Französisch und Italienisch, die von zirka 45 Millionen als Muttersprache gesprochen werden. Hierbei sind die Kolonien nicht voll in Anrecknung gebracht, wo sich daS Französisch immer mehr und mehr als Muttersprache einbürgert. Portugiesisch, einst eine der meistgetprochenen Weltsprachen, wird heute nur noch von etwa 30 Millionen Menschen verstanden. Rekord im Kchnellsnp'eben... In Madrid wurde von Rices Samara der kürzlich in Wien aufgestellte Rekord im Schnellanziehen mit sechs Se- künden unterboten. Der Wiener Konkurrent hatte für die Tät gkeit des Aus-dem-Bettspringen. Baden. Rasieren und Anziehen der Unterkleidung, Schuhe und Anzug ohne West« die Zeit von 110 Sekunden gebraucht. Der Spanier brauchte für all dies« Dinge nur 104 Sekunden, wobei er noch einen Anzug mit Weste anzog. Die Zeit wurde durch Stoppuhr vor Zeugen genau festgehalten. Der Wiener fühlt sich in seinem Männerstolz getroffen und soll, einer unbestätigten Nachricht zufolge leinen spanischen Konkurrenten aufgefordert habe», sich mit ihm vor einer Jury zu messen. Lachen nicht verlernen Das Allheilmittel.„Sind Tie denn mit meiner Medizin zufrieden gewesen, Herr Krause?"—„Das war ein vorzüg- liches Mittel, Herr Doktor— drei Löffel haben genügt, um meinen Rheumatismus wegzubringen, zwei Löffel haben de« Schnupfen meiner Tochter geheilt, und den Rest hat meine Frau genommen, um das Silber zu putzen." In der JustrukttonSstunde. Feldwebel:„Kaczmarek. stellen Sie sich vor: Tie haben Wache. Es ist schon dunkel. Plötzlich kommt jemand von hinten, umfaßt Sie so, daß Tie von Ihrer Waffe keinen Gebrauch machen können. WaS würden Tie tun?" Kaczmarek:„Herr Feldwebl, ich würde sagen: »Laß sofort lo», Frieda, ich bin im Dienst!"" Blutarmut. Die FamUie Srallowitsch ist trotz der Nok unserer Tage schwer reich geworden. Frau Krallowitsch geht mit ihrer Tochter Ada zum Doktor, weil da» Fräulein Krallowitsch anscheinend nicht ganz gesund ist.„Gnädige Frau," sagt der Diktor.„Ihre Tochter ist etwas blutarm. Da Eisen dagegen ein altbewährtes Mittel ist, werde ich vorerst nur Eisen verschreiben."—.Eisen, Herr Doktor?" sagt Frau Krallowitsch.„Warum nur Eisen? ES kann ruhig'waS Bes- sereS fein. Sie dürfen ihr auch Gold oder Platin verschrei- ben." «/iches Herz verträgt bas nicht.„Nein, lieb« Fr«. Ihre Wohnung in meine« Haus« müssen Sie sofort räume»! . verloren. Sie haben Ihr« Möbel verkauft. Sie haben nicht» zu essen, außerdem ist Ihr Man» ei» Krüppel,— so viel Unglück auf einem Haufen kann ich in meinem Hause nicht sehen, da» greift wich zu sehr aal« Ein öcheimilrkular Habidtis . Air sind in der Lage, folgendes oertrauliches Rund- schttiben zu veröffentlichen; ^'..T Müschen, den Iii. März IM. NeichSiührung des Kampirings der Teutich-Ocsterreicher im Reich. Rundschreiben Nr. 23 34 Ableitung IV lPropagandas Werbcplakat: AuS außenpolitischen Gründen. wird angeordnet, daß staatliche Stelleu, wie Reichsbahn, Reichspost u. dgl. von der Belieferung mit unseren Werbcplakatcn auszu- nehmen sind. Die. Ortsgruppen muffen gewärtigt sein, das? diese Stelleu den Anschlag oder Aushang unserer Plakate ablehnen. Postverkehr nach Oesterreich: Um den Dienststellen ein Bild vom Umiang des gewöhn- l i ch e n Poftverkehre nach Oesterreich zu geben, teilen mir mit, daß ungefähr 31 000 Briefe. 17 000 Postkarten, 14 MM Drucksachen, 1400 Warenproben und mehrere hundert Päckchen täglich, von Dentfchkand nach Oesterreich gehen. Daraus ist ersichtlich, welche Arbeit die österreichische Post- Verwaltung hätte, wollte sie die gesamte Post kontrollieren.' Angesichts dieser Zahlen wird den Ortsgruppen nochmals eingeschärft den Beriand der Briese möglichst verschiedenartig,so wiezeitlichvndörtlichge- trennt, durchzuführen. Auster als Briefe, Postkarten und Drucksachen soll keine Bersendungsart gewählt werden. Adressen niederösterreichischer Orte: Ortsgruppen und Stützpunkte, die im Besitze solcher Adressen sind, werden aufgefordert, lausend beschriftete Briefumschläge in zwei« bis dreifacher Ausfertigung der Reich»« führnng einzusenden. Anregung bezüglich der Antwortschreiben auö Oesterreich: Bielleicht läßt es sich in manchen Ortsgruppen ermögliche», sämtliche nach Oesterreich gehende Briese mit einem Ber- merk iNummer oder Zeichen» zu versehen, der mit einem in der Ortsgruppe zurückbleibenden Verzeichnis übereinstimmt. Wenn dann der Empfänger aufgefordert ivird, dieses Kennzeichen, ohne feineu Namen nennen zn müssen, im Antwortschreiben anzuführen, wird eine Wiederbeliefernng gerade jener Leute möglich sein, bei denen unsere Propaganda auf fruchtbaren"Boden gefallen ist, ohne«ine Entdeckung de- fürchten zu müssen, lieber den Erfolg diese» Borgehens»volle gelegentlich berichtet werden. Anolaodosendnngen: ......E.S ist selbstverständlich, daß jenen Ortsgruppen. die Briese über das Ausland senden. ihre Leistungen wegen der Höhe , des Purtos doppelt angerechnet werden. Redner-Material: Alle Dienststellen werden dringend auigelordert, die Be- stellungen des Redner-Marerials sofort vorzunehmen. Das Material wird ab 4. Lieferung nunmehr ausschließlich gegen Bestellung zugesendet. Heil Hitler! Müller, e. h. Propagandaleiter.' Flacht aas dem Gefängnis Zwei Nationalsozialisten, drei Sozialdemokraten und ein Beamter entkommen Wien, 3. April. In der Nacht zum 9. April zwischen 2 und 6 Uhr morgens sind aus dem Linzer Gefängnis die beiden nationalsozialistischen Häftlinge Fgvaz Kastner und Karl Strastmayr sowie die sozialdemokratischen Schutzbund- sührer Richard Bernaschek sder Führer der Linzer Kämpfe am 12. Februar». Otto Hanschka und Franz S ch l a g i n durch Nebersteigung der Umfassungsmauer gc- flüchtet. Die Flucht hat der Fustizoberwachtmann Dobler aus Linz ermöglicht, der den Nachtdienst zu verschen hatte. Dobler ist mit den anderen Gefangenen zusammen geflüchtet. Ts wurden sämtliche Grenzkontrollstellen sofort be- nachrichtigt. Außerdem wurden der Gefängnisleiter und die beiden Instizbeamten, die mit Dobler den Nachtdienst ver- sahen, bis zur Klarstellung de? Falles mit sofortiger Wirt- samkcit vom Dienst suspendiert. fl. d. ß. erhöh sich Störungen verbeten Die„Schkesifche Zeitimg" gibt parteiamtlich bekannt: »Reichstagsabgeordncter E. Fenke bittet uns, bekanntzv- gebe», dag er imihreud seines Erholungsurlaubs nicht durch Anfragen oder Bittgesuche gestört werde» möchte." Herr Fenke ivar, ehe er durch verrückte Hitlerreden zu einträglichen Parlaments- und sonstigen politischen Stellen empcrrückte, Delegrafenassistent. Jetzt fühlt er sich so sehr in seiner Majestät, dah er sein getreues Volk bittet, ihn nicht im geruhigen Verzehren seiner Diäten und verschiedenen Gehälter zu stören. Wovon erholt sich übrigens der nationalsozialistische Parlamentarier? Die zwei bis drei Sitzungen jährlich, die mit 7200 Mark Iahresdiäten honoriert werden, können doch die Herren nicht so stark strapazieren? Und so etwas redete früher von„marxistischen Bonzen", und Millionen glauben es. Iranzftsisdie Sparmaßnatimai: 2,7 Nffliarflen IßensiOBshttrzangca ungeklärt Paris, 4. April. Die französische Regierung hat im-Lauste eines Ministerrates heute. Mittwoch, den ersten Teil der Ge- sctzeser.lvsse-v«sabfchlci>ot, her zum Ausgleich des HanShaltS au f. dem Wege von Sparmaßnahmen und Gehaltskürzungen dienen»»lt.-. i.,■ Finairzmi»ister Germa bn M a rtin erklärte in diesem Zusammenhang' dem innenpolitischen Berichterstatter des .E ch o d e P a r i S". das? das Werk de? sinanziellen Wieder- gefundung Frankreichs die moralischen und materiellen Krä'te des Volkes nicht übersteige. Man müsse nur de» Mut und den Willen zum Handel« haben. Man habe znr Genüge festgestellt, daß der Franken die gesundeste Währung der Welt sei. Vorbedingung für die Beibehaltung dieses Rilkes sei aber, daß die Schwierig kettest der öffentlichen Finanzen diese Währung nicht schwächten. Die Regierung werde heute den Ausgleich zwischen Einnahmen und Ausgaben vornehmen und begehe damit die Handlung eines guten FamilienvalerS. Der Berichterstatter dc6 Blattes sügt hinzu, das? sich der erste Abschnitt der Sparmaßnahmen, der aus lö Gesetzes- erlassen bestehe, aus rund 2,5 Milliarden Franken belauie. An rein haushaltmäßigen Einsparungen der einzelnen Ministerien sollen stA» Millionen Franken erzielt werden. Außerdem erhofft man aus der Nenorgauifierung der Eisenbahnen eine Ersparnis von 200 Millionen, die den 2,5 Milliarden ßlvznzufssäcn sind. Die Frage der Penstons- kürzungcn der ehemaligen Kriegsteilnehmer ist noch nicht ge- klärt, die Verhandlungen mit den Frontkämpiervereini gungen werden vom Ministerpräsidenten, dem Finanz- minister und dem Pensionsminister geführt. Es sollen an- gehlich berechtigte Aussichten für eine Einigung bestehen. Presseknebelsinfonie Bon Rudolf Psister Soli: Schweizer stimmet an nun die Presseknebelsinionie! Also heißt der neuste Schlager; Noch sind schwarj're nicht auf Lager? Tntti: Ja, die Ttaatskunst wird stets trüber- Maul gehalten... Schwamm darüber Toll: Künftig dürft ihr nicht mehr schreiben. Wic's die Bluttnrannen treiben. Ob sie Teigen hoch ausrichten, Ob sie bloß per Beil hinrichten! Tutti: Ja, die Ttaatskunst wird stets trüber— Maul gehalten... Schwamm darüber! Soli: Haltet gut im Zaum die Presse; Prüfet eurer Lettern Nässe, Sckivärm» kür Mondsucht und für Mieder, Präget nur noch Beitchenlieder! Tutti: Denn, die Ttaatskunst wird stets trüber- Manl gehalten... Schwamm darüber! Soll: Nennet rings die Bölkcrlenker Nicht mehr Mörder, Bluthund. Henker, Solches hat sie baß verdrossen, Wenn sie auch viel Blut vergossen! Tntti: Denn, die StaatSkunlt wird stets trüber— Manl gehalten... Schwamm darüber! Soli: Da der„Staatsfchntz" kam zu Schanden, Schuf man„Notrcdst" hier zu Landen, Ilm den FreibeitSheiikern allen Katzen ducke lud zn gefallen... Tultt: Denn, die StaatSkunsi wird stets trüber— Maul gehalten... Schwamm darüber! Soli: Riitligeist. las? uns im Frieden. Schweig von Tcll und Winkclrieden. Zeit ist endlich zu?iergcsien. Was an Freikeit wir besessen! Tutti: Reißt es aus der Brust... Schwört lieber: „Maul gehalten... Schwamm darüber!" Slus dem„Freien Aargancr". Die sterblidiheit wächst! Sinken der deutschen Volkskraft Da« Deutsche Nachrichtenbüro versendet folgenden Bericht, dem man anmerkt, wie schwer es ist, das an den Geburten» zitier» und am sich verfchtechternden Gesundheitsstand abzu» lesende deutsche Elend einigermaßen zu verbergen: Im Berichtsjahr trat, wie das Preußische Stattstische Landesamt mitteilt, eine iveientlich« Aendernng in der H e i r a t ö frequenz ein. Nachdem die Fahre 1M1 und 1982 einen starken Rückgang in den Hciratszjsser» gebracht hatten, der sich auch im ersten Vierteljahr 1983 fortsetzte, trat im »weiten Vierteljahr unter der Ein?virkung der durch Gesetz vom 1. 0. 1938 geschaffenen Ehestandsdarlehen eine starke Steigerung ein. die im»»eiteren Verlans des Fahrn? un- vermindert anhielt. Die mittlere H c r r a t s zitier aller preußischen Gros?ftädte, die sich 1032 auf 8,8 Promille beltef, Weg auf 10.7 Promille. An dieser Steigerung nahmen samt- ltche preußisch« Großstädte teil. Die Geburtlichkcit entwickelte sich in de» einzelnen Groß- ftädten sehr»erschieden. Die meisten Großstädte, insbesondere die des rheinitch-westsälischen F n d» st r t e g e b i«t e S, halten noch einen Rückgang ihrer Geburtenziffer zu ver- zeichnen. Andererseits machte sich bei einer Reihe von G"ß- städtcn eine erfreuliche Zunahme der Geburtenziffer vc- meikbar. , Fniolg« einer im ersten Viertel des Berichtsjahres aufgetretenen Grippeepidemie erhöhte sich die Sterblichkeit nicht . unerheblich. Während im vorhergehenden Fahr der Durch- schnittswer» der Sterbeziffer aller Großstädte 10,7 Promille betrug, beliei er sich im Berichtsjahr ans Promille. Die Säuglingssterblichkeit war dabei günstig. Ans ie 100 Lebendgeborrne kamen im Durchschnitt der Städte 7.0 Todes- iälle von Kindern unter einem Jahre, während es im Jahre vorher 8.0 Kinder gewesen waren. Infolge der größeren Sterblichkeit blieb der Geburten» Überschuß unter dem Stande des Borjahres. Der Durch- schnittsmert aller Gebnrtcnübcrschußzissern betrug 2,3 Pro» mille gegenüber 3.0 Promille im Borjahre. Danton • 1794» 5. April» 1934 Von Hermann Wendel Danton gehört der Revolution ganz und ... bis zum Tode. FaureS. Am 18. Germina des Fnhres 2 der Republik oder nach dem allen Kalender am'>. April 1791 starb Dankon, den ei» nur zu williges Tribunal als Hochverräter zum Tode verurteilt hatte, auf der Guillotine. Tic Menge, die den ge- raumigen Reoolutionsplatz, heute Place de la Eoncorde, . iMKr begrüßte das Riedersahren de» Messers mit dem üblichen: Hoch die Republik!. aber ein Geschichtsschreiber wie Michelct versichert, daß den besten und auirichtigstcn - Republikanern zumute gewesen sei. als habe man Frankreich 7: selber enthauptet. Wie immer es sich damit verhielt, von Ltt-dwig XVf. und R o b c S p i e r r e abgesehen, weckte kein Kopf in seinem Fall solchen Widerhall wie dieser, denn wenn jemand im bewegten Vordergrund der atemraubendcn Ereig- ' Nisse feit dem Bastillenslurm gestanden hatte, so Danton. Da Rob e s p i e r r e fast unumschränkt im Lande gebot, als sich T a n k o n S.-chtcktal vollzog, sind von den Historikern Set franzöfiststen Revolution die meisten entweder Danto- nisten und Antirvbcspterrtsten oder RobeSpierristcn und Antidantonisien: der Zwiespalt Aulard- M a t b i e z> fort- gesetzt bei beider Schülern, hält diesen Gegensatz bis heute eilen.• Aber weil d i e tu vra Ii st t f rt» c GeiGichts- betracht u n g die Revolution unter großen Gesichtspunkten als ein Ganzes- laßt, vermag sie der Gironde ihre Ehre zn lassen wie der Montagne und kann RobespierreS tragische Größe anerkennen, ohne Danton in den Siaub zu zerren. Dem fehlte sicher zu einem Tugendbold alles; die Bezieh t i g n n g e n d e r K ä il f l i ch k e i t und Bestechlichkeit nmschwirrtcn ibn wie übrigens viele andere Führer der Be- weaung de-' Dritten Standes, auch, und wag es an hieb- und stichfesten Beweisen für die Beschuldigungen mangeln, so spielt doch jenes Zwielicht um seine Gestalt, in dem sich prgbleiyatische. Naturen zu bewegen pflegen, Aber Schlacken hin. Schlacken her. der StA einer unae- .stümen Seele war bei Danion mehr, Der Bauernenket. der , aus dem heimatlichen A^lä-s^i-SustC W P tHer Advokatur tarn,..galt out Fug als einer her stärksten • Motor« der geivaltigen Umwälzung, deren Sache er vpm ersten Augenblick an zu der seinen gemacht hatte. Fa. kein zweiter verkörperte so die Gesamtheit dieser Revolution, die. nicht nur Frankreich, sondern auch die Welt erschütternd, den Diu'chbrnch des Bürgertums durch die Decke der feudal-adso- stilistischen Ordnung bedeutet«. Zweifellos fühlte er. der sich selbst als Boll empfand, mit den darbenden Massen nicht anderes als R o b e S v i e r r c und T a i n t- F» st; dem Hungernden Brot zu schassen, hieß auch fein Bemühen, und den Maftbürger erschreckte sein drohendes Wort. PariS verfüge über unschätzbare Reichtümer, und dieser Schwamm müsse ! ausgepreßt werden. Aber der von nationalökonomischen Leb- reu wenig wußte, hatte.eine kerne Witterung für den bour- geoisen EbaraNer der Revolution.»Die ewige Ausrechterhal- tiing seglichcn Eigentums, sei es. territorialer, individueller oder industrieller Art," feierlich verkündend, war er für die Entfesselung der Produktivkräfte, für die Entfaltung»er kapitalistischen Wirtschaft, kür eine aar nichl karge, gar nicht spa'tanische Republik, in der Aufschwung der Gewerbe mit Blüte der Künste wetteiferte. Indem er so die Bourgeoisie mit der Nase ans ihre geschichtliche Aufgabe stieß, übertraf Danton an revolutionäre?n Ingenium jene rückwärts gerichteten Schilssirmer. deren soziales Ideal ein stagnierendes Boll von kleinen Eigentümern am Pflug und an der Hobel- baut war. Bon seinem fast untriigltchen Instinkt lies? sich Danton auch beraten, wenn er sich in den politischen Kampi war». Wohl hatte auch er die Hetlswahrheiten der Enznlloplädie erfahren, aber was fing»eine frisch zupackende Nalnr mit Theorien n»d Formeln, mit Schema und Softem an! Ihm ging es um das Greifbare, die Wirklichkeit« das Leben. u»d eben deshalb rühnste.Friebrich E n g e l s Ihn als den.größten bisher bekannten Meister revolutionärer Taktik". Diese Taktik brachte ihn am Ende in den tödlichen Verdacht der„Mäßigung", aber, ob Präsident des Klubs der Eorde- liers, ob erster Fustizminister der jungen Republik, ob Abge- o»oneter des Nationaltouvents. ob Seele des ersten Wohl- sahitsausschusics. nie betrachtete er es als Inbegriff revolutionärer Kriegskunst, stierbaft mit dem Kopf gegen eine dicke Mauer zu rennen. In Danton steckte allezeit mehr Be- sonnonbeit, als der erste Blick osjeubarte. und«ng»'tir»igcr Fanatismus war gewiß nickt kein Teil. Geschworener Feind de» Königtums, überlegt er doch, ob die Hinrichtung Lud- w i g s XVI. außenpolitisch die Dinge nicht unheilbar ver- wirre: Schöpfer des RevoiutionStribunalS. kehrte und wshrte er sich doch gegen das unnötige Blutvergießen der zügellosen Tchreckensherrschast, und bis eS gar nicht mehr anders ging, mühte er sich eiternd und beschwörend um d-e Erhaltung oder Wiederherstellung einer einheitlichen Revolution S- iront, da er nicht mit Unrecht in der Feindschaft zwischen Gironde und Montagne eine schwere Gefahr für die Republik sah. Auch zeigt« er sich, das Gegenteil von starrsinnig, stets willig. Illusionen zugunsten besserer Erkenntnis über Bord zu iverien: der den Konvent zunächst als„Generalinturrek- tionsausichuß gegen alle Könige des Erdballs" betrachtete, bremste als erster mit dem Propagandakrieg, als er seine Un» durchinhlbarkeit erkannte. Älber wie ivar Danton ans der andere»? Seite berufen und bereit, die vor den Wagen d.r 2levolut>on geschirrten Rosse anzutreiben, ohne Scheu vor Verantwortung und jede Stunde zu seinen Taten stehend! Die revolutionäreEnergiederBolksmasscalS Kraftanell nutzend, setzt« er die Halb- und Halben vom Scklaa des Bürgermeister» Bailli» und des Nationalgarden- beseblsbaberö Laiaoette matt und belebte mtt seinem mächtigen Odem die-Tuilerienstürmer. die die Bourbone??- Monarchie über den Hanken rannten, und svlanae Rcvosu- tionäre ssir die Freiheit fechten, wir ihnen wie das Erz der Sturmglocke die Losung inS Ohr klingen, die am 2. Sev- tember 1702 Danto» angesichts des vom Feind überfluteten Landes der Legislative znkchtendert:„Kühnheit! Aber- m a l s Kühnheit! Und z n vi dritten Kühnheit!" Uitbwi? nimmt, mit ihren Zn?etdeutigkciten und Mängeln, die Persönlichkeit des Tribunen für sich ein! E';i iozialistiicher Schriftsteller beiß« ih» den„Beethoven der Re- valutiön". ein anderer cr?a»?l»eine Erscheinung mit dcur Zitat:„Eine ieurig« Wirklichkeit, aus de», großen Feuc-- schoßc der Natur selbst", und F a» r e S läßt ihm die Gerech- iigkeit wlderiahren. daß er nie demagogenhaft an Mind.- wertigkeitsgektihke und niedriae Selbstsucht appelliert habe, sondern vor allem..an die Kräne des gesunden, unverrcnkt n Leben», an den natürlichen Hiinger^nack Glück und Frende, an eine umfassende und brüderliche Sinnlichkeit." Fn der T i steht Danton vor uns als„der große lachende Heide", e n Kerl von Fleisch und Blut, nnt roten Backen und breiten schultern, iiberaucllcnd von San und Kraft, mit tausend Wurzeln der Wirklichkeit verhaktet und sich selbst bis zum Tode getreu:„zeig." herrscht er aus dem Blutgerüst den He,:- ker an,„meinen Kops dem Volk! Es lohnt!" Als es deshalb einem genialen deutschen Dichter darum ging, in einem wirklichen Menschen alle Problematik der Revolution zn spiegeln, griff er zu ihm und keinem andern: so schrieb Georg Büchner.Danton» Tod". Pariser Beruhte Pariser StraBenhalender Zwei„eipaux" haben bekanntlich die vier Millionen de» Sweepsteake Luxembourgeois gewonnen, das mit dem ersten Pariser Frühjahrsrennen verbunden war. Der Name„eipaux", den die republikanischen Garden tragen, ist eine Abkürzung aus muni-cipal. * Bei den Rennen, die sich jetzt in den bekannten Parke»' Rennplätzen wie Auteuil, Longchamps und Saint-Cloud folgen, pflücken die Pariser Kinder nach altem Brauch wieder auf den Wiesen die dort wachsenden Pissenlits, die beliebte Pflanze der französischen Salate. « Donnerstag 14 Uhr ist in der Comedie Fran^aise billige Matinee des„Arztes wider Willen" und der„Femmes savan- tes", abends„Coriolan". Das„Grabmal des unbekannten Soldaten" wird am Samstag wieder gegeben. Sonntag 14 Uhr „Coriolan" in der Matinee.„Troilus und Cressida" mit der Musik von Offenbach und Schubert kommt am Donnerstag und Samstag im Odeon zur Vorstellung, und Sonntag 14.30 Uhr in der Matinee. * Im Mai kommt von Neuyork nach anderthalbjährigem Aufenthalt in Amerika das berühmte Bild„Porträt meiner Mutter" von Whistler in den Louvre zurück, das die Vorlage einer am 13. Mai anläßlich des Muttertages herauskommenden amerikanischen Briefmarke wurde. Weizmann in Palästina Die Zeitung„La Syrie" in Beyrouth meldet, daß Dr. Weizmann, der Zionistenführer, in Begleitung von Chertok dort eingetroffen ist und vom Hohen Kommissar Grafen Martel empfangen wurde. Wie angenommen wird, will Weizmann wegen der Niederlassung jüdischer Familien in Syrien und im Libanon verhandeln. Upton Sinclair Gouverneur? Nach einer Meldung der„Comedia" soll Upton Sinclair, der bekannte amerikanische proletarische Schriftsteller, die Absicht haben, zum Posten des Gouverneurs von K a 1 i f o r• n i e n zu kandidieren. Weiter wird gemeldet, daß das Buch„Ist Hitler der>«"g?" des amerikanischen Journalisten Leland Stowe in Deutsch land verboten wurde. Expedition nach St. Helena Eine französische Expedition ging nach St. Helena unter Führung des Majors der afrik sehen Jäger Marcel ab, um das Napoleon-Museum auf der Insel einzuweihen. Die englische Regierung hat den in Empire gehaltenen Eßsalon zur Verfügung gestellt. Eine amerikanische Familie in Cannes namens P a r d e e stiftete u. a. 37 alte Gravuren über das Leben des Kaisers auf der Insel. Das Haus des Verbannten wird Museum werden, und der Adjutant, der es bewohnte, wird in das Haus des Gererais Montholon ziehen. Der Führer der Expedition wird das kleine Schlafzimmer von Marchand, dem Kammerdiener, bewohnen. Vom keltischen Vaterland Zum Ableben von Josef L o t h Mit dem Tode des großen Keltenforschers Josef Loth, der den Lehrstuhl für keltische Sprache und Literatur an der berühmten Forschungsstätte des Instituts de France innehatte, wird der Blick wieder auf das interessante alte Volk gerichtet, das in Frankreich noch in der Meerprovinz der Bretagne wohnt und das seine nächsten Anverwandten in den Galen von Wales und in den Iren der grünen Insel hat. Aber auch zahlreiche Namen Deutschlands, insbesondere der Rhein und viele Orte der Eifel sind keltisch und die Trierer kann man, wenn man in den Spuren der Rasseforschung wandern will, ohne weiteres als einen deutschsprechenden Keltenstamm bezeichnen. Der bekannteste Vertreter der französischen Keltenforschung ist wohl Henri Martin, der vor etwa fünfzig Jahren verstorbene Sohn von St. Quentin, der die neunzehn- bändige„Geschichte Frankreichs" geschrieben hat und in ihr überall die keltische Seele und Rasse findet. Nach dem Glauben des keltischen Mythos ist dieses Volk das älteste Europas und die Stammutter aller übrigen. Auch die orphischen Ueberlieferungen und andere Dinge, wie die Druiden-Forschung, die man in England seit zweihundert Jahren betreibt, hängen mit dem Keltentum zusammen. Der geborene Süd-Bretagner Josef Loth. der jetzt in seiner Heimaterde in Guemene-sur-Scorff im Morbihan beigesetzt wird, hob die Ansichten Henri Martins, der sonst ein ausgezeichnetes Nachschlagewerk schuf, der aber gerade wegen seiner Keltomanie bestritten ist, zur einwandfreien Wissenschaft. Er hatte lange Jahre die keltische Professur an der keltischen Universität R e n n e s inne, in der Stadt am Zusammenfluß der beiden bretonischen Ströme Ilie und Vilaine. Seit 1910 wirkte er unter der Kuppel von Paris, in der Akademie. Loth hat alle bretonischen• Dialekte gesammelt und viel über die alten keltischen Lieder und Märsche, auch etwas über die„keltische Einwanderung in Armorique vom 5 bis 7. Jahrhundert" veröffentlicht(wobei unter„Amorique" das heutige Gebiet der Bretagne zu verstehen ist). Er gründete auch die„Annales de Bretagne" und war hervorragender Mitarbeiter der„Revue Celtique" Auch beteiligte er sich an der internationalen Keltenforschung, was durch die Verleihung des Ehrendoktorats von Wales, von Glasgow, von Dublin und von Genf zum Ausdruck kam. Bekannt ist. daß die keltischen Ueberlieferungen in den keltisch gebliebenen Teilen des britisch-irischen Inselreichs, wo um die sechziger Jahre das„Eisteddfodou", eine literarische Gesellschaft in ^ ales gegründet wurde, besonders gepflegt werden. Man sieht, daß es auch eine Rassenforschung ohne Totschlagen und Anspruch auf Herrentum gibt. Daß die alten deutschen Volkssagen, wie Aschenbrödel und Dornröschen usw. im Ursprung wahrscheinlich keltisch sind, haben wir an einer anderen Stelle schon zweimal hervorgehoben. Baptist. Die französischen Arbeitslosen Nach den Zahlen vom 24. März ist die Zahl der Arbeitslosen in Frankreich um 2342 gefallen. Amtlich werden 347 000 Arbeitslose angegeben. Für Groß-Paris werden 173 638 Stempelnde gezählt, 1294 weniger. rei. rrinue<5.12 Mäito Pigolle Deutsche Poliklinik Poris, 02, Rue de to Rochefoucauld •) Allgemeine Konsultationen«n, inner? Medizin, Augen», Ohren», Nasen» und Kehl! heilen. Röntgen, Diathermie. Elektrotherapie Spes hing bei Blut», Harn» o. Geschlechtskrankheiten H Zweistöck igesj&ai c) GeWtaMHliehe Klinik et) Zahnärztliche. Kabinett Vierstöckiges Gebäude. Zimmer Zahn» und Mundchirurgie. Gold» lheka>d. Klein«."«Urtier.«nd'fioSeChnf. mtt I bc« 4 Berte*. 5 Arn*. 3 Heb. and Ponellankrooen.-Brfieken. O» Di..ll*r«ködern*t*£inridura», nun«nd 2 OprotionuiW Kaut-ehak. Arbeite» Ordination tögllch von 9—12 und 2—S; Sonntags und Feiertags von lO—12 und 2—4 ühi KB Doktor Wachtel und Doktor Axel Geschlechtskrankheiten, Männer and Frauen Nase, Hals, Ohren 123, Bd. Sebastopol.— Sprechstunden v. 9—12 u. 2—8 Uhr; Sonntags vormittags Metro: Reaumur, St Denis feinste jüdische Seldiwacen* und Wiener^Bäckecei Qescfiäfte jUuis 58, AVENUE WAGRAM. lel- Camot 27-63 58. RUE DE PASSY, T»L Auieuil 33-61 jPocfeur fpecioliste I DEUTSCHSPRECHEND I Münchener u Porleer Fakult6t 17. rue Reaumur Mdtro Art»-e»-M*tieri od. Btpubllque Frauen«, Blut«, Haut», Harn« und Geschlechtskrankheiten, Tripper, Syphilis, Männerschwäche. Neueste Heil« verfahren. Elektrizität. Harn«, Samen» und Blutanalysen. Massige Bedingungen.(Auch für Kassen versicherte.) Täglich von 9- 1 und f- 8,30. Uhr Sonn» und Feiertags von 9 bis 1 u. auf Rend. v. Tel. 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In den wunderbaren jardins de I» Fontaine, mit ihren Römererinnerungen, fand ein Essen an Tafeln im Freien statt, das von den sozialistischen Stadtvätern von Nimes geboten wurde. Dort hob der Bürgermeister sein Glas mit dem Wein von Nimes auf die soziale Republik. Später traf man sich in der berühmten Römerarena, wo eine spanische Truppe eine Vorstellung gab. Die Menge der Jugend in dem gewaltigen Rund aus der klassischen Zeit, und darüber der Himmel des Südens, und die junge Garde holen ein unvergleichliches Bild. Heines Sterbebaus In den„Nouvelles Litteraires" wird darauf hingewiesen, daß das Sterbehaus Heinrich Heines 3, rue Matignon abgerissen worden ist, ohne daß die Tafel, die auf die alte Stätte der Matratzengruft hinweist, erneuert wurde. Die bekannte Kunstzeitschrift fordert die Commission de Vieux-Paris auf, dafür zu sorgen, daß Tafeln, die auf große Männer hinweisen, bei Abbruch erneuert werden. Auch die Tafel am Sterbehause von Scribe sei nicht wieder angebracht worden. Wir möchten bei dieser Gelegenheit die große Heine-Ge- teinde in allen fünfundzwanzig Ländern, in denen die „Deutsche Freiheit" gelesen wird, darauf aufmerksam machen, daß«ich auch das Denkmal Heines auf dem Montmartre-Friedhof in traurigem Zustande befindet. Die berühmten Verse:„Wo wird einst des Wandermüden— letzte Ruhestätte sein?" sind kaum noch zu lesen. Vielleicht finden sich Freunde des Dichters, die die letzte Ruhestätte des Dichters der Loreley wieder herstellen. Wir selbst sind bereit. Gaben zu diesem Zwecke anzunehmen un im Geiste des Dichters zu verwenden. Pluslh Rundsdiaa Oskar Fried, der bekannte deutsche Dirigent, der seit einem Jahre ständig in Paris lebt, hat sich nach Rußland begeben, um zwanzig Konzerte in Moskau, Leningrad, Kiew, Baku und Tiflis zu dirigieren. Fried wird in der Hauptsache moderne französische Musik bringen. Paul Abraham, der in Deutschland boykottierte, erfolgreiche Operettenkomponist erhielt den Auftrag, für den Film„Ungarische Fantasie", der Episoden aus dem Leben L i s z t s zum Gegenstand hat, die Originalmusik zusammenzustellen. Im Brüsseler„Palais des Beaux-Arts" kam Raeines„Atba- lie" mit der überaus selten gespielten Bühnenmusik M e n* delssohn-Bartholdys zur Neuaufführung. Große Niederlage der Filmschauspielerin des Führers in Paris Im Prachtbau Ecke avenue Friedland und rue d'Artois wurde ein Prachtkino mit L-eni Riefenstahls Grönland-Film „SOS Iceberg" eröffnet. Dieser Film stammt bekanntlich noch aus der„jüdischen" Zeit von des Führer* Filmschauspielerin Er wurde seinerzeit von der deutschen Abteilung der Universal gedreht und soll nach glaubhaften Berichten die schöne Summe von 225 000 Mark gekostet haben. Der Amerikaner Laemmle, der Herr der Universal, hat aber auch mit der jetzigen Spekulation von der Zugkräftigkeit der braunen Führerin Riefenstahl sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Die Wahrheit ist, daß so eine Pleite wie dieser SOS- Film schon lange nicht mehr da war. Die Pariser Kritiken waren hundeschlecht, sie schwiegen fast übereinstimmend die nationale Riefenstahl, Heldin des Braunen Hauses, tot und stellten fest, daß der gleichzeitig auf den großen Boulevards laufende Film„Esquimeaux" viel besser ist. Resultat davon war, daß, wie man uns sagt, zeitweise bloß 10 Mann in das Machwerk hineingingen, so daß ein Anschlag an dem neuen Kino bekannt gibt, daß die Vorstellungen wegen Umdis- Positionen bis zum 5. April ausfallen. Also solche Pleite war noch nicht da. Anscheinend haben selbst die Pariser Nazis die Filmschauspielerin de» Führers mitsamt dem Flieger Udet im Stiche gelassen. Nur weiter so; im Anschluß an den Bergner- und den Baer-Skandal ist dies eine ganz schöne Fortsetzung der nationalen Film-Pechsträhne. »BI6FKAST1M X. St., Saarbrücke». I» Preußen gibt--S keine Ministerpensionen, sondern Uebergangsgelder, die sich nach der Amtsdauer richten. Sagen Sie den kommunistischen Pharisäern dies: Eine ganze Reihe von führenden Kommunisten haben von der Republik, die sie al» kapitalistisch, al» faschistisch und arbtiterverräterisch bis ausS Melier bekämpften, Gehälter und Pensionen angenommen, von den Parla- mentSdtäten ganz zu schweigen. Hielt man ihnen daS vor, so out- warteten sie, daß sie keinen Grund hätten, dem verhaßte« Staate etwas zu schenke». Leouare R. Wir nahmen davon Kenntnis, daß Kupfer als Haar- sarb« schöner soder schön zurecht gemachter! Frauen nicht mehr Mode ist, sondern nun das Platinblond vordringt.»Denn die Coiffure iss4 muß metallisch schimmern." Wir fügen unS. Um- lernen ist uns immer noch lieber als umfärben. „Darmftädter". Wie Sie unS mitteilen, fand in Wiesbaden ein „SameradschaftSlager der Preß«" statt. Die Sache war natürlich militärisch aufgezogen. DaS finden wir im Gegensatz zu Ihnen ganz in der Ordnung. Gehorsam und Disziplin ist für die Ge- meinen der Presse im„dritten Reich" die Hauptsache.— Außerdem scheinen Sie zwei Themen zu beanstanden: 1. SV Minuten Ge- schichte der deutschen Press«, 2. Charakter und Journalismus. Je mit S Minuten Aussprache! Diese„s Minute»" unterstreichen Sie miß- billigend. Wieso denn? Wir müßten nicht, wie man länger als S Minuten über den„Charakter" der gleichgeschalteten Presse reden könnte. Dr. H. C.. Bukarest. Wie Sie un» mitteilen, ist dort ein sehr rühriger Agent HitlerdeutschlandS geschnappt worden:„In der Wohnung de» deutschen Staatsbürger» Arthur Konradi wurde eine notiooalsozialisttsche Propogandazentrale ausgehoben. Es wurde festgeNellt, daß Konradi über größere Propagandafonds verfügt." Für solch« Leule hat daS„dritte Reich" immer Geld. Thüringer Wald. Einem Ausschnitt auS einem Thüringer Pro- vinzblatt entnehmen wir, daß Reichsstatthalter Saukel in Bezug auf die Devisenlage erklärte, durch Mißerfolg« dürfe man sich nicht beirren lassen. Die Reserven Deutschlands seien mehr ideeller Art. — Leider sind diese„Reserven ideeller Art" nicht börsen- und nicht transferfähig. Auch scheinen sie von den Naziführern selbst nicht besonders geschätzt zu werden, denn die Herren Reichsstatthalter lassen sich ihre Ministergebälter in Reichsmark und nicht in ideellen Werte« auszahlen und ihre Gauleitergehälter und AufwandSent» schädigungen nicht minder. Leserin i» Kown». Sie schreiben un»:„In Litauen wird— »benso wie übrigen» in Holland, Frankreich, Belgien, Dänemark, da» al» erste» Land Abweftrmaßnabmen ergriff— darüber Klage geführt, daß au» dem Ausland kommende Postsendungen, die über Deutschland gehen, überhaupt nicht oder verstümmelt und geöffnet ankommen. Besonder« wird davon die Post au» Frankreich und der Tschechoslowakei betroffen. CS wird erwogen, beim Weltpost- verein eine Beschwerde einzureichen und sofortige Abhilfe dieser Zustände zu verlangen und andernfalls eine Umleitung deS Post- verkehr» vorzunehmen" Di« Umleitung wird wohl da» Sicherste fein. Dr. med A. Sie Sie un» mitteilen, hat die„Aerztezeltuna" ge» schrieben:„Ein weiblicher Arzt ist ein dovpelgeschlechtliche» Wesen, da« der natürliche und gesunde BolkSinstinkt ablehnen muß."— Zu welchem Blödsinn doch der Brotneid auch Akademiker verleitet. Jungfazialift Straßburg. Die Mitteilungen de« Blatte« sind min. desten« ungenau. Tie sozialdemokratische RetckstagSfraktion hat am 4. August 1914 zwar den SriegSkrediten zugestimmt, hat aber an der Begrüßung de» Deutschen Reichstag» durch Wilhelm II. im Schloff« zu Berlin nicht teilgenommen. In der Fraktion waren e», wenn wir un» recht erinnern, 14 Abgeordnete, die sich gegen die Krieg», kredite erklärten, unter'ihnen Liebknecht, Ledebour und Hugo Haafe. der dennoch au» Fraktionsdisziplin die berühmte Erklärung im Plenum verlesen hat. Auch Liebknecht sliate sich der Fraktion», disztplin. Erst im Dezember bei der zweiten«reditbewilligung brach er au». Pfalzgraf. Ihre Zeitungsausschnitte mit den Jammerliedern über mangelnde Zahlungsfähigkeit der Hausbesitzer sind sehr interessant. E« fließen zwar die Summen au» öffentlichen Mitteln für die In- ftandsetzungSarbeiten, aber die Bauhondwerker sehen nicht» von dem Betrag, den die Hausbesitzer auS ber eigenen Tasche aufbringen sollen. So wenigstens behaupten die Pfälzer Zeitungen, und die werden«s doch wiffen. Auch diese» Klagelied ist ein Beweis für den gesunden Aufschwung deS deutschen Wirtschaftsleben». »Köln am Rhel», du schönes Städtchen". Sit teilen un« mit. daß «an sich in Köln setzt folgenden Witz über die beiden Lokalpoßen- siguren„Tünne»" und„Schäl" erzählt: Tünne» wird au? dem Kon- . I" 9?*,'""asien. Schäl fragt ihn au- und Tünne» ist „.n m 6rzi'kung»anstalten zum Nationalsozialismus de» Lob-, ..(an werde behandelt wie im Sanatorium. Die Verpflegung «S"iT"">»"- lli^^rfaen» un'i.^i"'"''" fttUtf4(n«»»fuhr lag im Jabre Äinnr äsH"?« ,«.!i un>>-»""«"»»• Für den Gesomtlnhalt verantwortlich: Johann P i n«„-r',,«" '°r Inserat.: Otto K° h n in Saarbrücken,»««t UnSSä und Verlag: Verlag der BolkSstimm. GmbH. Saarbrücken n Schützenftraßtz 5.- Schließfach 77« Saarbrücken~ aarbrÜcft* t,