Sinzigs unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 80— 2. Jahrgang Saarbrücken, Samstag, den 7. April 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt Jioioman Waltisch ludet dem Qalqen/ jB eticht eines Augenzeugen Seit« 3 (Rtistunös~Mampf? &rankwei€h verfangt entweder fidker fkeitsgarantien oder freie Jiand Paris, 6. April. Die französischen Minister hatten hent« wieder Ministerrat, in dem neben dem zweiten Abschnitt der Sparmaßnahme« auch die Antwort der sran« zösischen Regierung anf die letzte» englische« Fragen in der Abrüstnngsangelegenheit fest» gestellt wurde. Diese Antwort, so schreibt der»Matin", sei vom Austen» minister bereits aufgestellt und bedürfe nnr noch der Zu« stimmnng des Ministerrates. Sie sei sehr kurz und enthalte die Mindestgarantieforderunge« vor dem Abschluh eines Ab- rüstungsabkommens. Sie sei austerdem sehr klar gehalten und schlieste zweideutige Auslegungen der französische« Sicherheitsforderungen aus. Die Note werde voraussichtlich sofort an den französischen Botschaster in London gekabelt, da- mit er sie sogleich dem Foreign Office übergeben könne. Die rabikalsozialiftsche„Vre Nonvelle" schreibt in diesem Zusam- menhang, man werde sich von Tag zu Tag klarer darüber, dast der Locarnovertrag unvollständig sei und erst an dem Tage wirklich wirksam werde, an dem die moralischen Garan- tien, die er enthalte, sich nicht nur ans die Rheingrenze be- schränken, sonder« auch anf die Kleine Entente ausgedehnt würden. Es sei zu hoffe«, dast England diese» französischen Standpunkt verstehe und den Bemühungen zu» Orgauifie- rung einer internationalen Sicherheit beipflichten werde. Das»Oeuvre" weist daraus hin, dast man englischerseits einen grasten Unterschied zwischen den Durchführungsgaran- tien des Abrüstungsabkommens und der Erhöhung der all- gemeine» Sicherheit mache. Man sei in England wohl bereit, sich an den Durchsührungsgarantien zu beteiligen, werde aber keinen Schritt tun, um die Sicherheit der Grenzen auch auf die Ostgrcnzen auszudehnen, die heute nur durch den Kellogg- Pakt geschützt seien. Macdonald und Sir John Simon seien sich darüber einig, in der Frage der Durchsührungsgarantien die Borschläge Paul Boncours und Hendersons vom Dezem- ber vorigen Jahres anzunehmen, d. h. eine Reihe von auf- eiuanderfolgende« Sanktionen zu tresfeu, falls das Ab- rüftuugsabkommen verletzt werden sollte. Diese Sanktions- maßnahmen würden aber erst in allerletzter Linie in mili- tärische« Sanktionen bestehen, die erst dann einsetzen sollten, wenn alle anderen Druckmittel ersolglos geblieben seien. England werde jede sranzöfische Forderung zurückweisen, die aus eine genauere Auslegung des Artikels 16 hinausgehe und eine Erhöhung der augenblicklichen Sicherheit anstrebe. Der Anstenpolitiker des„Echo de Paris" Pertinax stellt ebenfalls fest, daß man englischerseits einen Unterschieb zwi- schen de« Durchsührungsgarantien und der allgemeinen Sicherheitsgarantie mache. Gerade deshalb scheine es, als ob der französische Austenminister in der Frage der Durch- sührungsgarantien eines Abrüstungsabkommens sich im Augenblick noch nicht festlegen dürfe. Wenn England außer- dem die Frage vorlege, ob Frankreich gewillt sei.-in Ab- rüstungsabkommen zu unterzeichnen, besten Durchsührungsgarantien England übernehmen würde, so könne man darauf nicht antworten, bevor man nicht wiste, wie dieses Abkommen überhaupt aussehen werde. Ilm die Garantie London. 6. April. Britische Regierungsmänner versuchen den Präsidenten der Abrüstungskommisston Henberson, der auch mit dem amerikanischen Delegierten Norman DamS Besprechungen hatte, für die sofortige Vertagung der auf den 10. April anberaumten Sitzung des Abrüstungsbüros zu ge- Winnen Die französische Note, so wird angeführt, treffe zu spät ein, um für die Sitzung vom 10. April noch nutzbringend verwandt werden zu können. Da Nordamerika sich zu weigern scheint, an einer Kollektivgarantie für eine allgememe Ab- rüstungskonvention teilzunehmen, erwagt setzt die britische Regierung falls eine Kollektivgarantie nicht unmittelbar herstellbar sein sollte, ob die Mächte von Lo-arn- sich vielleicht unter sich z u s a m m e n s ch l i e st e n könnten, um ihrerseits die Einhaltung der AbrüstungSkonvcntion durch sich selber zu garantieren. hm Grabe nodi... DNB. London, 6. April. Der diplomatische Korrespondent bes„Daily Telegraph" schreibt, er sei von mastgeben- der Seite zu der Erklärung ermächt, gtwordenbab Me in Paris verönentlichte Behauptung, wonach die britische siegle- ntng aufgehört Rtbe auf wirkliche Abrüstungsmatznahmen hinzuarbeiten, völlig unbegründet sei. X te ie- rung schiebe ihre Forderung nach RMungsvermlnderung «icht bloß Begrenzung aus den jetzigen stand- nach wie vor in den Vordergrund. TieS gelte ebenso sehr für die Lust- wie für die Land rüstungcn. falls Konferenz scheitert... A. Sch. Paris, 6. April. Frankreich geht von der Voraussetzung der dauernden Vertragsbrüche deS Hitler-Deutschland aus. der illegalen Aufrüstung en groS. Frankreich verlangt, dast zunächst das wirkliche Ausmaß dieser Aufrüstung geprüft wird und lehnt es ab, dieser Rüstung die rechtliche Legitima- tion zu geben. Frankreich lehnt auch den Hitlerschen Plan der 300 000-Mann-Reichswehr kategorisch ab. Wenn es zum Abschluß einer Abrüstungskonvention kommen soll, dann verlangt Frankreich vor allem die Klärung zweier Fragen: der Formen einer wirksamen Kontrolle und der materiellen Mittel der Sanktionen, d. h. der i n t e r n a t i o- nalen Straf- und U n t e r d r ü ck u n g s m a ß- nahmen gegen jede Verletzung der neuen in der Ab- rüstungskonvention enthaltenen Rüstungsbestimmungen und -beschränkungen. Die Kontrolle ist nach französischer Aus- fastung nur ein Instrument der Kontrolle und Prüfung, an sich bietet sie keine Gewähr, daß die Aufrüstung Deutschlands nicht fortgesetzt wird. Seitdem die Antworten Barthous an England die Frage nach den Zwang»- und Gewaltmaß- nahmen gegen die widerrechtliche Ausrüstung gestellt hat, steht diese Frage im Vordergrund der Auseinandersetzung. Nach der französischen Auffassung können gegen den Verletzer der Nichtaufrüstungsbestimmungen sämtliche Druckmittel angewendet werden: von der Warnung über die Finanz- und Wirtschaftsblockade biszum Krieg. Die ungesetzliche Aus- rüstung, sei es durch die Herstellung der Munition, sei eS durch den Ausbau der Kriegsorganisation, soll nötigenfalls mit der Waffe des Krieges verhindert werben. Die letzte Sicherheit des Friedens gegen den Staat, der den Krieg vorbereitet, soll die solidarische Kriegsbereitschaft der anderen sein. Ohne eine solche Sicherung bei der Ber- wirklichung der Rüstungsbeschränkung ist für Frankreich und seine Verbündeten kein Abschluß einer AbrttstungS- konventio» möglich. Es geschieht zum ersten Male bei diesen AbrüstungSver- Handlungen, daß die Gewalt als die höchste Beschützerin des Friedens angerufen, und ihre internationale Organiste- rung als die entscheidende Sicherung der Nichtaufrüstung an- gesehen wird. Soweit hat die deutsche Aufrüstung den Kampf um die Abrüstung gebracht. Was geschieht aber, wenn es zu keiner internationalen Verständigung in dieser Frage kommt? Der deutsche und der französische Standpunkt über den mög- lichen Inhalt der Abrüstungkonvention sind direkt ent- gegengesetzt. Wie der Berliner Korrespondent de? »Matin" die Stimmung in den nationalsozialistischen Regie- rungskreisen wiedergibt, will Berlin so oder so eine Ent- scheidung herbeiführen: entweder den Abschluß einer Ab- rüstungskonvention— aber nur mit Erlaubnis und Zu- lassung der deutschen Ausrüstung,- oder keine— dann die Be- wegungsfreiheit für die Aufrüstung. Dieser These steht die französische entgegen: wenn eine Abrüstungskonvention, dann ohne Aufrüstung: und damit keine Aufrüstung vorkommt, der Ausbau eines mächtigen Kontroll- und Sanktions- apparates, der über sämtliche Zwangs- und Geldmittel ver- lügen soll. Für den Fall, daß eS zu keiner Abrüstungskonvention kommt, will Frankreich auch für sich die Bewegungsfreiheit erhalten. Die Note Barthous spricht für diesen Fall von der»Bestimmung der Politik deS Landes nur»och durch feine direkten Interessen. Für Frankreich kann diese Bewegungsfreiheit entweder den Appell an die Sanktionen des Versailler Vertrages oder die aktive Teilnahme an dem Wettrüsten bedeuten. Es gibt auch andere Möglichkeiten. To spricht ein führende» Blatt der französischen Linken— und zwar keinesfalls ablehnend— von der Möglichkeit, daß Frankreich das Saargebiet als sein Pfand betrachtet und auch sich durch die Bestimmungen deS Versailler Vertrages nicht mehr gebunden hält, wenn Deutschland sich der Abrüstnngsbeftimmungen des Vertrages entledigt. Wenn die Hemmungen für das Wettrüsten bei- seite geschoben werden, dann werden die Generalstäbe baS letzte Wort zu sagen haben und dieses wird nicht Frieden lauten. Die unversöhnliche Kampfhaltung in der Rüstungsfrage macht den deutsch-französischen Gegensatz wiederum zum zen- traten und gefährlichsten Gegensatz in Europa. Damit ver- schwindet die Hoffnung deS deutschen Faschismus, durch einen Ausgleich mit Frankreich seine außenpolitische Stabilisierung Gestern und freute D. F. Klären uiir nun den„Fall Severing" vollkommen auf. Man wird gleich sehen: es ist ein journalistischer Fall. Ein sehr tiefer Fall. Ja, eigentlich schon ein abgrundtiefer Sturz emigrierter Journalisten. Auf jeden Fall aber ein sehr lehrreicher Fall. In Saarbrüchen erscheint seit einigen Wochen eine kommunistelnde Wochenschrift„D e u t s ch e Volks- zeitung". Ausgerechnet sie war in der Lage als einzige Zeitung der Welt, das Vorwort Severings zu seinem viel berufenen Buche zu veröffentlichen. Es war aber nur ein vorzeitiger Aprilscherz, des geistigen und moralischen Niveaus eines solchen Blattes würdig. Im Briefkasten machten die Herren Redaktionsbübchen: Aetsch! Sie grinsten über einen Hauptspaß, denn sie hatten das„Vorwort Severings" unter Benutzung entsprechend herausgerissener und retuschierter Stellen aus alten Reden Severings und aus seinem vor einem Jahrzehnt erschienenen Buche„Aus dem Wetterund Watterwinkel" selbst fabriziert. Das„Vorwort" wurde einer russischen Emigrantenzeitung Neueste Nachrichten" zugespielt. Nehmen wir wohlwollend an, dieses Blatt habe die Aufklärung der Lausbüberei im Briefkasten der„Deutschen Volkszeitung" nicht gelesen. Es nahm jedenfalls das Vorwort ganz und gar ernst. Nun stürzte sich ahnungslos die Pariser Zeitungskorrespondenz„Inpreß" auf die Sensation und stellte sie wer weiß wieviel Redaktionen zu. Auch uns. Wir versenkten die Bombe in den Papierkorb. Zwar wußten wir den Ursprung der Madie noch nicht, aber wir ahnten eine Felonie. Wir wollten Beweise sehen. Andre Zeitungen der deutschen Emigration übten diese Skepsis nicht. Sie schlugen Severing an den Schandpfahl des Verrats für Hitler, noch ehe eine Zeile des Severingschen Buches vorlag. Nun wurden gerissene Propagandisten in Deutschland hellhörig.„Severings Weg zu Hitler" das mußte wie eine moralische Erschütterung der verhaßten Marxisten in Deutschland, mußte als eine moralische Eroberung des deutschen Faschismus im Auslande wirken. Freilich,..Inpreß" oder eine Zeitung emigrierter Journalisten durfte nicht als Quelle genannt werden. Also wurde die hochkapitalistische„RcinischWestfälische Zeitung" zur Aufnahme der Notiz kommandiert, und nun ging die Meldung durch Rundfunk und Telefon über die ganze Erde. Tausende und tausende Zeitungen, zehntausend vielleicht, meldeten, schrieben, leitartikelten, daß der berühmteste und ehedem hitlerfeindlichste deutsche Sozialdemokrat seines Herzens Zuge folgend zum Nationalsozialismus übergegangen sei. Als es soweit war, als die Diffamierung Severings für Millionen Menschen feststand, als die deutschen Nationalsozialisten ihren Propagandaerfolg, frei und freudig geliefert von deutschen Antifaschisten, voll erzielt hatten, taten sie das Ihrige: das Blatt des Reichspropagandaministers erklärte mit hohem Stolz, Severing müsse vor den Türen des Nationalsozialismus stehen bleiben,„denn es liegen zwischen uns und Severing alle Toten unserer Bewegung". Bitter genug, daß daran deutsche Antifaschisten erst durch Herrn Dr. Göbbels erinnert werden mußten. Es scheint uns, daß auch in diesem Falle, und leider nicht rum ersten Male, die politische Rechte besser wußte als die Linke, was diese tat. Das ist die journalistische Belichtung des„Falles Severing". L'ebrig bleibt: Der frühere sozialdemokratische Minister schreibt in Deutschland ein Buch, aus dem bisher niemand auch nur einen Sa ff kennt. Man beurteile Severing so ablehnend wie nur möglich: beim besten oder beim bösesten Willen wird man zu diesem Werk erst Stellung nehmen können, wenn irgend etwas daraus authentisch vorliegen wird. Versprechen wir, das Buch sehr gründlich und sehr kritisch vorzunehmen, immer vorausgesefft, daß ein deutscher Verlag es unter dem jetfigen Regime überhaupt herausbringen sollte. auf lange Sicht zu erreichen. Die direkte Aussprache, die deutsch-französische kapitalistische Verständigung sind noch im November der Haupttrumpf und die entscheidende Hoffnung des deutschen Faschismus gewesen. An der Tatsache der deutschen Aufrüstung zerbricht diese Hoffnung, und ohne Ber- ständigung mit Frankreich kann es keine außenpolitische Stabilisierung des deutschen Faschismus geben. Streiks in Nordamerika Die Arbeits st reitigkeiten i n Nordamerika gewinnen an Ausdehnung in verschiedenen Landesteilen. In den Autowerken MilwaukeeS und in anderen Städten Ms- consinS gelang zwar die Beilegung, dagegen wird in Detroit eine Ausdehnung des Streiks befürchtet, der in einem Werke mit 1600 Arbeitern begann. In Alabama stellten sämtliche Kohlengruben den Betrieb ein, da die vom Bundesamt für Behebung ber Wirtschaftskrise sestgesetzten Löhne als zu hoch angesehen werden. f raniösisdu Sozialisten in krönt Kundgebungen der Allgemeinen Arbeitervereinigung DNB. Paris» 6. April. Die Allgemeine Arbeiterver- einigung, deren Generalsekretär Jouhaux ist, hat für den 7. und 8. April zwei große Kundgebungen in Paris an- gesetzt, die den Abschluß der in letzter Zeit stattgehabten regio- nalcn Kundgebungen bilden sollen. In diesen Kundgebungen soll noch einmal das Programm der wirtschaftlichen Erneuerung durchgesprochen werden, das sich aus folgenden Punkten zusammensetzt: 1. Wiederbcschäf- tigung der Arbeitslosen durch Perkürzung der Arbeitszeit, 2. Jndustrieankurbclung durch Aufnahme großzügiger öffent- licher Arbeiten, 3. Aufstellung eines Mindestverdtenstes für jeden Industriezweig, 4. Preisfestsetzung für lanbwirtschaft- liche Erzeugnisse, 5. Verstaatlichung des Kredits und Ban- kcnkontrolle, 6. Kontrolle der Schlüsselindustrien durch die Kollektivität und die Arbeiter und Angestellten, 7. Einsüh- rung tn daS öffentliche Verwaltungswesen eines Wirtschaft- lichcn Organismus, der das Recht haben soll, Herstellung und Verbrauch einander anzupassen und die verschiedenen Wirtschaftszweige zu kontrollieren, 8. Verwaltungs- und Steuerreform. Der Generalsekretär der Allgemeinen Arbeitervereinigung hat den Ministerpräsidenten um einen Empfang gebeten, um ihm die Ansicht der Vereinigung gegenüber den letzten Spar- maßnahmen der Regierung darzulegen. Die Bereinigung, die ausgesprochen marxistische Tendenzen verfolgt, wendet sich natürlich gegen die Jnflationspolitik und fordert eine Abwertung des Franken. Spione und kein Ende Angeblich französische Offiziere DNB. Paris, 6. April. Nach hier vorliegenden Meldungen aus Toulon ist man einer angeblich großangelegten Spio- nageangelegenheit auf die Spur gekommen, die von sran- zöstschcn Offizieren zugunsten Deutschlands durchgeführt wor- den sei. Schon seit einigen Tagen habe man in Kreisen der Kolonialarmee in Toulon von der Entwendung von Schrift- stücken gesprochen, die äußerst wichtig für die französische Landesverteidigung seien. Die ausführenden Personen dieser Diebstähle, die in der Gegend von Straßburg verübt wor- den seien, seien ein höherer Offizier und ein Artillerieleut- nant, die einem in Toulon stationierten Regiment angehörten. Diese Offiziere seien jedoch seit einigen Tagen nicht mehr in Toulon. und man müsse daher annehmen, daß sie bereits verhaftet worden seien. Sowohl auf Seiten der Militärbehörde wie der Polizei bewahre man jedoch streng- stes Schweigen über diese Spionageangelegenheit, die noch bedeutende Folgen haben könne. Grotte Treuhänder Krise Was stedii dahinter? In nicht weniger als sechs deutschen Landcsarbeitsbezirken sind überraschend die sogenannten„Treuhänder der Arbeit" zurückgetreten. Da für sie aus der Stelle Ersatz gefunden ivurde, muß man annehmen, daß es sich um eine vorbereitete Aktion handelt. Mit der vorläufigen Wahrnehmung der Geschäfte eines Treuhänders der Arbeit sind in den nachstehenden Wirt- schaftsbezirken folgende Persönlichkeiten beauftragt worden: Wirtschaftsbezirk Bayern: Kurt Frey, M. d. R.; Wirt- schastsbczirk Brandenburg: Dr. Daeschner? Wirt- schaitsbezirk Niedersachsen: Dr. Josef Klein? Wirt- schaftsbezirk Pommern: Konteradmiral a. D. C l a a s e n? WirtschastSbezirk Sachsen: Ernst S t i e h l e r, M. d. R.? Wirtschaftsbezirk Westfalen: Syndikus Karl Hahn. Für diese offenkundige Treuhänderkrise wirb eine recht fadenscheinige Begründung gegeben: daß die Treu- händer Reichsbeamte seien und daß daher einige von ihnen, die bisher noch andere Posten bekleideten, wegen dieser Toppelbeschästigung auf die Treuhänderschaft verzichtet hätten. Das klingt überzeugend. Am unwahrscheinlichsten wirft es bei der am meisten Hervorgetretenen Persönlichkeit unter den jetzt Abgehenden, dem Brandenburger Treu- händer Engel. Dieser hat noch vor wenige« Tagen eine scharf unternchmerseindltche Rede ghalten, ist der er erklärte, er werde jeden Unternehmer in hohem Bogen hinauswerfen, der sich unsozial benehme. Wer einmal vom Ehrengericht der Arbeit abgeurteilt sei, möge sich keine Hoffnung darauf machen, jemals wieder in der deutschen Wirtschaft eine» Posten als Belriebsführer zu finden. Demnach scheint der Treuhänder von Brandenburg vor wenigen Tagen noch keineswegs daran gedacht zu haben, daß er demnächst wegen seiner Beschäftigung beim Berliner Magistrat auf seine Tätigkeit als Treuhänder werde verzichten müssen. Es scheint im Gegenteil so, als ob gerade diese kräftige Rede dazu bei- getragen hat, ihn als Treuhänder im Staate des„deutscheu Sozialismus" unmöglich zu machen. Im übrigen verdient bemerkt zu werden, daß von den neu- ernannten Treuhändern ein einziger seiner Herkunst nach Arbeiter ist, nämlich der sächsische Treuhänder Stiehler, der das Maurerhandwerk gelernt hat. Später war er Straßen- bahnschaffner und zuletzt Kanzleiassistent. Der an Stelle Engels tretende Dr. Daeschner war lange Jahre Leiter einer Eisen- und Metallgießerei im Rheinland: hier habe er, wie eine offizielle Begrüßungsnotiz ihm nachrühmt, aus sozial- politischem und arbeitsrechtlichem Gebiet besondere Erfahrungen gesammelt. Der neue Treuhänder von Westfalen, Hahn, war von MV bis 1933 Syndikus des LandesausschusscS für die sächsischen Arbeitgcbcrverbäude. Der neue Treuhänder von Niedersachscn, Dr. Joses Klein, war Sozialsekrctär im Werk Uerdingen der I. G. Farbenindustrie. Konteradmiral Claasen, der die Geschäfte des Treuhänders für Pommer» führt, hat Verdienste bei der Bekämpfung deS Hercro-Auf- stände» in Deutsch-Südwest und des mitteldeutschen Kommu» nisivus.jm Frühjahren» erworben, wo er esst Freikorps- Bataillo.t führte? zuletzt war er Kommandeur der Festung Swinemündc. Von dem Treuhänder für Bayern, Kurt Frey, wird nur mitgeteilt, daß er 1902 geboret, wurde und seit einer Reihe von Jahren der NSDAP, angehört. Was sich im einzelnen be, dieser Trcuhänberkrise abge- spielt hat, wird mau vielleicht mit der Zeit noch erfahren. Wahrscheinlich dürfte der stärkere Einfluß, den der Reichs- wirtschaftsminister Dr. Schmitt in letzter Zeit auf daS Reichs- arbeitSministerium auszuüben sucht, zu der Krise beigetragen hab.en. Jolksverrai durdi Greisinnen Devisenprozesse vor dem Sondergerldif Tie Berliner„Germania" berichtet folgende deutschen Greuel: Das Berliner Sondcrgericht sprach zwei Urteile gegen weibliche Sünder wider das Gesetz gegen Verrat au Deutsch- lands Volkswirtschaft. I 0 7 Jahre ist Klara M o s e r in Ehren alt geworden. Zeit khres Lebens ist sie Hausangestellte gewesen. SS Jahre un- unterbrochen in ihrer jetzigen Stellung. Um sie ist es einsam geworden. Ihre Eltern starben kurz nach Kriegsende in Karlsbad. Auch Klara Mosers Geschwister leben jenseits der Grenze. In Wien und Karlsbad. Als die Eltern gestorben waren, hatte Klara ein Sparkassenbuch geerbt. 590 Goldmark. standen drauf. Aber das Mädchen, das über eigene Spargelder auf Berliner Sparkassen verfügte, hatte das Karlsbader Guthaben belassen, wo es war. hatte Zins auf Zins zum Kapital schreiben lassen. Einmal, als sie den Bru- der in Karlsbad besuchte, hatte sie ein paar Mark abgehoben. Dann aber nicht wieder. Klara Moser war also ohne Zweifel Besitzerin eine? anS- ländischen Guthabens. Aber, sagt sie, sie war sich der Be- deutung dieser Tatsache und der daraus folgernden Ver- pflichtungen nicht bemußt. Es kam zum Tckntze der deutschen Währung und zur Sicherung der Robstoffeinfuhr die Devisen- Gesetzgebung vom Jahre 1931. ES kam die noch straffere Reg- lung der Tevisenwirtschaft durch das Volksverratsgcsetz vom Herbst 1933. Klara Moser las, sagte sie, keine Zeitungen. Sie Anrief I ArnriedI las nicht, daß sie verpflichtet war, ihr ausländisches Guthaben /»IlljMJ bei der Karlsbader Sparkasse in Deutschland anzumelden Also meldete sie es nicht an. 1931 nicht und 1983 nicht. Jahr drei Tagen Gefängnis und 200 Mark Gelb- strafe. Das Gericht nahm nicht vorsätzliches Verschulden der Angeklagten an. Vorsätzlich handelt nach Meinung des Gerichts, wer bewußt und ehrlos aus der Volksgemeinschaft ausbricht. Verrat an der Volkswirtschaft ist Verstoß gegen die Treuepflicht. Solcher Vorsatz ist im Fall der Klara Moser nicht anzunehmen. Sie hat ihr Leben im engen Kreise ihrer Hausgehilfcnpslichten verbracht. Sie hat nicht aus eigen- süchtigen Beweggründen gehandelt. Das geht^fa schon daraus hervor, baß sie dem kranken Bruder das Spargeld vorbehaltlos zur Beringung stellte. Andererseits mußte ein- fach die Frau so viel Anteil an dem Geschick ihres Landes nehmen, daß sie von den wichtigsten Gesetzesbestimmungen zum Schutze der deutschen Volkswirtschaft und deutschen Währung Kenntnis nehmen oder sich über sie belehren zu lassen sich bemühte. II Aehnlich milde beurteilte das Sondcrgericht auch den Fall der gleichfalls an der Schwelle deS Greisenalters stehenden 9 7 Jahre alten Fran Ann Schräder, die wegen fahr- lässigen Verstoßes gegen das Volköverratsgesetz vom 1. August 1933 und wegen vorsätzlichen Vergehens gegen die Devisenverordnung vom 12. Juni 1931 zu einem Jahr einer Woche Gefängnis und 309 Mark Geldstrafe verurteilt wurde. Im Oktober 1933 kam über Klaras in Wien wohnenden Bruder eine schwere und kostspielige Krankheit. Klara schickte dem Bruder in einem Brief einen SO-Mark-Tchein. Und schrieb dazu, daß der Bruder, wenn er mehr täte brauchen, es nehmen sollte von ihrem Goldmark-Guthabcn auf der Karls- bader Sparkasse. Dieser Brief wurde vom Fahndung«- beamten der deutschen Kontrollbchördcn geöffnet. Klara Moser war als Besitzerin eines Auslands-Gnthabens ent- larvt, das anzumelden sie unterlassen hatte. Die Folge war ein? Anklage wegen des Verbrechens des wirtschaftlichen VolkSverrats vor dem Tondergericht. Mindeststrase drei Jahre Zuchthaus und zusätzlicher Ehrverlust. Auch bei Zu- billigung mildernder Umstände immer noch«in Jahr Zucht- HauS. Das Sondergericht verurteilte die Frau ivegen fahrlässigen Verstoßes gegen das Gesetz vom 12. Juni 1938 und Vergehens gegen die Devisenverordnung vom 1. August 1931»u«iu c m Vor Verlust der Arbeitsstelle Berlin, 3. April sJnpreßs. In der„Klinischen Wochen- schrist" von Ansang März 1934 lesen wir aus Seite 320: „Anträge auf Heilbehandlung haben im letzten Jahr gegen- über 1930 um 99,5 Prozent abgenommen. Dt« Zahl der Behandlungsbedürftigen dürfte kaum abge- nommen haben. Lediglich die Angst, ihre Arbeitsstelle durch ein Heilversahren zu verlieren, veranlaßte sehr viele, den Antrag zurückzustellen, abgesehen davon, daß auch die Landesversicherungsanstalten in ihrer Fürsorge sich nur aus einige wenige Krankhettsarten beschränken mußten." Dnca-Hrise Moralische Niederlage der rumänischen Regierung Bukarest, 9. April. Im Prozeß gegen die Mörder des Ministerpräsidenten Dura fällte das Kriegsgericht des 2. Armeekorps soeben nach Istägiger Verhandlung das Urteil. Der Student K o n st a n t i n e s c u, der die tödlichen Schüsse auf Duca abgegeben hatte, erhielt lebenslängliche Zwangsarbeit, ebenso seine beiden Helfershelfer, die Studenten B e l i m a c e und C a r a n i c a. Alle übrigen An- geklagten wurden freigesprochen, darunter der Führer der Eisernen Garde Codreanu, und der General Can ta- c u z i n o. Das Urteil hat in Bukarest einen außerordentlich starken Eindruck gemacht, weil es in der Praxis aus eine R e h a b i- litierung der Eisernen Garde hinausläuft und eine schwere innenpolitische Niederlage der Regierung Papa- rescu bedeutet. Vor allem wird jetzt die Eiserne Garde wahr- scheinlich einen außerordentlichen Zulauf bekommen. Was die Regierung tun wird, läßt sich im Augenblick noch nicht sagen. Bereits vor einer Woche hieß es, daß sie im Falle eines Freispruchs der Führer der Bewegung zurücktreten und einer Regierung des Feldmarschalls Averescu Platz machen müsse. Die Entscheidung darüber liegt jedoch bei der Krone. » Rücktritt? DNB. Budapest, 6. April. Sämtliche Budapester Morgen» blätter bringen Bukarester Meldungen, wonach die rumänische Regierung dem König bereits ihren Rücktritt angeboten habe. Der König soll jedoch den Rücktritt nicht angenommen haben. Sicher sei. daß Titulcscu seine Mitarbeit an einer neugc- bildeten Regierung ablehnen werde. Als Sensation wird von den Budapestcr Blättern das Gerücht verbreitet, der König trage sich mit dem Gedanken, den Führer der Eisernen Garde, Codreanu, in Privataudienz zu empfangen.„Magyarsag" stellt fest, daß in Rumänien keine Möglichkeit zur Lösung der Regierungskrise auf parlamentarischer Grundlage be- stehe. Man rechne infolgedessen in politischen Kreisen mit einer Diktatur unter Averescu und GogS. *« Die rnmänische Kammer ha« das Gesetz ,«« Schutz des Staates angenommen und sich bis 16. April oertaat. Di« Stellung der Regierung gilt als gefährdet. Gandhi Zur Beteiligung an den Wahlen DNB. Kalkutta, 9. April. Gandhis Einverständnis mit der Teilnahme der Swaraj-Partei an den kommenden Wahlen gewinnt besondere Bedeutung durch seine Bemerkung, daß er denjenigen Mitgliedern der Kongreßpartei die Beteiligung an der Wahl anrät, die das Empfinden haben, daß der passive Widerstand von Einzelpersonen nicht der innenpolitisch rich- tigc Weg ist. Der passive Widerstand von Einzelpersonen ivurde im Sommer 1-933 an Stelle des passiven Widerstandes der Masse zum Programm der Kongreßpartei erhoben. Durch Gandhis Erklärung wird die Swaraj-Partei zu einer Art Flügel der Kongreßpartei, und eine Spaltung zwischen de» gemäßigteren und den extremen Nationalisten wird aus diese Weise vermiede»,----------»■ . i.»t ±4 i-i.-<-»-1«4 v> si- t.>i• i c Pas Neuest* In einem Steinbruch iu der Näh«»o» Bitre ereignete sich am Donnerstag eine schwere Explosion, wobei durch umher» fliegende Stahlftückc zwei Arbeiter getötet und ein dritter lebensgefährlich verletzt wurden. AuS bisher unbekannter Ursache platzte eine mit Preßluft gejüllte Stahlflasche, die zum Anlasse« eines schweren MvtorS diente. Der Arbeits« aufseher, dessen Kleidung in Brand geraten war, hatte die Geistesgegenwart, in einen nur wenig tiefen Brunne« z« springen, und kam so davon, ohne Schaben z« nehmen. Im nordamerikanischen Ucberschwemmungsgebiet wurden 20 Leichen geborgen. Der Sachschaden beträgt mehrere Mil« lionen Dollar. Darch Indianer»urde im Urwald in Kolumbien der Direktor einer amerikanischen Grnbcugesellschast als letzter Ucderlcbcuder eines Flugzengunsalls, dem vier Menschen zum Opfer sielen, völlig erschöpft aufgefunden. Ein Flußschiss stieß im I n d n s in der Nähe von Ghaziabad gegen den niedrig häuacndcn Ast eines BanmcS,»nd daS Wasser drang in dos dadurch entstandene Leck«in. Unter den 50 Passagieren an Bord des SchisseS, dt« z« einem Fest i« Freien fuhren, entstand eine Panik. Sie sprangen über Bord, wobei acht« ob ihnen ertranken, da sie nicht schwimme» konnten. Fll'Icrs Testament In Rebftein bei Roschbach am Bodens«« brannten am Donnerstag ei« Doppelwohnhaus unb noch ei» anderes HauS nieder. Eine Frau von Sggersriet, die i««i««m dieser Hänser zu Besuch weilte, kam in den Fl«««e««»» Leben. Auf Wachs geredet h. b. Der außenpolitische Mitarbeiter von„Ekstrabladet", Kopenhagen, schreibt in diesem Blatt: Eine der Schwierigkeiten des diktatorischen Einmanns- Regierungssystems ist die Frage um die Nachsolgeschast, wenn der Gründer des Systems verschwinde:. Einige Dilta- torcn unserer Tage haben selbst gezeigt, daß sie sich über diese Schwierigkeit klar waren. Leuin hinterließ in seinem Testament eine Charakteristik von einer Reih« seiner bedeutendsten Mitarbeiter, und fak- tisch war er es. der Stalin zu seinem Erbfolger ernannte. Mussolini soll ebenfalls„elwas niedergeschrieben" haben, aber Hitler ist trotzdem der. der die Installation seines Nach- folgcrö auf die originellste Weise vorbereitet hat. Nach dem, was ich von einem Manne erfahre, der sich in Hitlers nächster Umgebung bewegt hat. bat der„Führer" sein ganzes politisches Testament auf Grammosonplatten gesprochen. Wenn er stirbt, oder wenn er tot ist, werden diese Platten, die schon jetzt in große» Mengen fertig vorliegen sollen, Deutschland mit Hillers eigener Stimme erzählen, baß Hitlers gegenwärtiger Tiellvcrtrcter, Heß, sein Nach- folger als Führer des Reiches werden soll. Das dürste an vielen Stellen Enttäuschung auslösen. „Diplomatieus" «- Herr Diplomatieus hat sich in vielen Fällen alö außer- ordentlich gut unterichtet gezeigt. Es ist durchaus mögl'ch. daß er auch tn diesem Falle Recht hat. Aber nötig war diese Umständlichkeit eigentlich nicht. Die NSDAP, hat im Lause ihres Wirkens derartig viele politische Papageien gezüchtet, daß sie getrost aus Grammosonplatten verzichten könnte. Wallisch unter dem Galgen Der Bericht eines Augenzeugen Der OND. erhält aus Steiermark folgende erschütternde Schilderung eines gefangenen Kameraden Koloman Wallischs über den Heldentod des Märtyrers der steirischen Arbeiterschaft. Das Kreisgericht Leoben faßt einen normalen Häft- nngsftand von 100 Mann. Wir waren am Sonntag, den 18. Februar, bereits 400 Mann zusammengepfercht in den Zellen. Wie die Arbeiter der ganzen Welt um unseren Führer W a l l i s ch in größter Sorge waren, so auch wir alle. Trotz strengster Abgeschlossenheit hatten wir daher wegen Wallisch eine Verbindung mit der Außenwelt hergestellt. Um 4 Uhr nachmittags klopfte ein Hausarbeiter— das ist ein Kriminalhäftling, der in der Küche Geschirr abwusch — cm unsere Zellentür und sagte uns mit bebender Stimme, daß man soeben unseren Wallisch ins Gefängnis gebracht hatte. Ihn und seine Frau haben 60 Gendarmen in einem großen Autobus, der vorne und hinten von be- waffncten Motorradpatrouillen gesichert war, nach Leoben gebracht. Um diesen Menschen, der ein ganzes Leben lang mit ehrlichem Herzen und bestem Wollen für die Arbeiter- schaft nur Gutes getan hatte, besonders zu demütigen. ihm seine Zivilkleider abgenommen und ihn in Straflingskleider gesteckt. Man brachte ihn und seine Frau in den besonders gesicherten Weibertrakt. In die Zelle Nr. 6 sperrte man Wallisch, in die Zelle Nr. 8 seine Die Zelle, für zwei Sträflinge berechnet, ist o schritt long und gerade so breit, daß man die beiden Arme seitwärts ausstrecken kann. Sie hat in einer Höhe von etwa 4 Meter ein kleines, mit breiten Eisenstäben vergittertes Fenster. Man versperrte die Zellentür nicht, wie das sonst üblich ist. sondern hatte für Wallisch eine ganz besondere Vorsichtsmaßregel getroffen. Die Tür blieb offen, in der Zelle selbst waren zwei Iustizbeamte und der ganze Gang des Weihertraktes war mit Gendar- men und Stahlhelmern vollgepfropft. Vor dem Kreis- gerichtsgebäude versah Militär den Sicherheitsdienst und hatte an verschiedenen Stellen Maschinengewehre auf- gestellt. Wallisch wurde noch am Sonntag dem Unter- suchungsrichter zum Pflichtverhör vorgeführt, ebenso seine Frau. Der Montag vormittag war wieder mit Ver- nehmungen durch den Untersuchungsrichter ausgefüllt und am Montag um 14.20 Uhr wurde ihm der Prozeß vor dem Standgericht gemacht. Nachdem das Todesurteil gefällt war, brachte man unseren Wallisch wieder in die Zelle Nr. 6. Er hatte sich eine dreistündige Frist ausgebeten, um sein Testament machen und seine Frau sprechen zu können. Sein Ver- Leidiger, Dr. Helmut Wagner, hatte inzwischen, gegen den Willen des Genossen Wallisch, ein formelles Begnadi- gungsgesuch an den Bundespräsidenten telefonisch ab- gegeben, das weder vom Gericht noch vom Staatsanwalt befürwortet worden war. Bezeichnend ist, daß D r. D o l l- fußhöchstperfönlichschonMontagum7Uhr abends aus Wien telefonisch anfragte und den Vorsitzenden des Standgerichtes. Oberlandesgerichts rat Dr Fritz Marinitsch, befragte, warum der Prozeß so lang dauere. Wallisch empfing in seiner Zelle den Besuch seiner Frau Paula. Diese tapfere Frau war vor ihrer Verhaftung keine Minute von der Seite ihres Mannes gewichen und ihm selbst im Feuerkampfe beigestanden. Als sie nun erfuhr, daß man ihren Koloman, mit dem sie über ein Jahr- zehnt in glücklicher, kinderloser Ehe lebte, zum Tode ver- urteilt hatte, wußte sie. daß sie ihn nur wenige Stunden haben würde. Sie brach in einen erschütternden Schrei- Krampf aus. Mit der großen Liebe, die dieser Mann stets allen seinen Genossen entgegengebracht hatte, mit dieser versöhnenden Liebe hat der große Volksredner, der alle Leidenschaften auszulösen und zu regeln vermochte, seine Frau beruhigt Es ist ihm diesmal nicht gelungen. Der Bruder der Frau Wallisch war aus Marburg gekommen und erhielt eben- falls Zutritt zu seinem Schwager. Er und leine Schwester weinten unablssig und nun versuchte es Koloman Wallisch, mit einem Scherz die traurige Situation zu beendigen und seine zusammengebrochene Frau zu besänftigen. Er saß auf seinem Strohsack, klopfte sich mit der rechten Hand schaltend auf den Oberschenkel und meinte lachend!„Jetzt weiß ich nicht, müßt Ihr sterben oder ich?" Man fragte pflichtgemäß, nachdem Wallisch sein Testa- ment gemacht hatte, in dem er sein Vermögen— nämtich seine Einrichtung und die 8 180—, die man ihm bei seiner Verhaftung abgenommen hatte— seiner Frau ver- macht, ob er noch weitere Wünsche habe. Er bestellte sich ein Glas Wein, ein Stück Torte sowie eine Tageszeitung. Man brachte ihm einen Liter Wein in einem Glaskrug, zwei Gläser und eine ganze Torte. Alles hatte man in einem benachbarten Gasthaus besorgt. Um Zeitungen wurde ein Iustizbeamter in ein Kaffeehaus gesendet. Wallisch, der sonst nie Alkohol zu sich nahm, trank den Liter Wein nahezu restlos aus. Er nahm auch ein Stück Torte zu sich und las flüchtig, was man von seiner Ver- Haftung in den Morgenblättern geschrieben hatte. Inzwischen herrschte im Hause des Kreisgerichts fieberhafte Spannung. Nur einer von allen blieb ruhig, das war Wallisch selbst, denn er wußte, daß er sterben muß. Er hatte dies auch schon zur Zeit des zweiten Autounfalles gewußt und hätte damals Zeit genug gehabt, um durch Freitod seinen Henkern zu entkommen Er hat dies nicht getan, weil er in seinem ganzen Leben gewohnt war. für alles das, was er tat oder unterließ, einzustehen. Als nach der zweiten Stunde der Vorsitzende des Stand- gerichts, Dr. Marinitsch, und die übrigen Mitglieder des Senats mit seinem Verteidiger in seiner Zelle erschienen und ihm die Nachricht brachten, daß das Todesurteil an ihm vollstreckt werden müsse, da brach die Todesangst um ihren Mann wieder in der sonst so tapferen Frau aus. Ein entsetzlicher Schreikrampf, der alle zutiefst erschüt- terte, ergriff diese Frau und ihrem Schmerz machte erst der Gefängnisarzt ein Ende. Er überreichte dem Ge- nassen Wollisch ein mit Chloroform getränktes Taschen- tuch, mit Wallisch selbst seine Frau einschläferte. Noch einen Wunsch hatte der Todgeweihte und bereitwillig er- füllte man ihm auch diesen. Der Mann, der über ein Jahr- zehnt mit den Brucker Arbeitern gelebt und gekämpft hatte, wollte vor seinem Tode mit Genossen aus Bruck sprechen. Drei junge Burschen, tapfere Schutzbündler, die mit Wallisch an dem Kampf beteiligt und mit ihm im Leobner Gefängnis inhaftiert waren, brachte man in die Zelle Er empfing sie mit heller Freude, gab jedem die Hand und sagte$u ihnen:„Bleibt weiter brave Proleten. Die Zeit wird bald kommen, in der wir siegen werden." Diese Worte waren zu den drei Genossen gesprochen, aber an die Arbeiter der ganzen Welt gerichtet. Nun fragte man den Gefangenen, ob er einen Priester sprechen wolle. Er verneinte entschieden aber höflich. Während seine von ihm überaus geliebte Frau auf dem Strohsack schlummerte, machte er sich zum letzten Gang fertig. Um halb 12 Uhr nachts erschien der Scharfrichter Spitzer aus Wien, der mit seinen zwei Gehilfen schon den ganzen Tag in verschiedenen Gasthäusern herumgesoffen ha.le vor der Zelle und rief in seinem wienerischen Dialekt hinein:„Also Kommens außa." Noch immer ruhig ant wartete Wallisch seinem Henker:„S i e werden es schon noch erwarten." Der Gerichtshof war bereits im Gange vor der Zelle selbst erschienen, die Henker empfingen Wallisch und die beiden Gehilfen nahmen ihn. der in- zwischen wieder seinen blauen Sonntagsanzug hatte an» ziehen dürfen, in die Mitte. Mit dem bekannten Polizei» griff faßte man den Todgeweihten links und rechts am Arm. Voraus schritten die Mitglieder des Gerichtshofes. Hinter ihm ging an erster Stelle Spitzer, der Henker, der mit einem schwarzen Mantel, einem Halbzylinder und weißen Handeschuhen bekleidet war. Dann folgten sen- sationsgierige Zuschauer, darunter Gendarmen und Mtlt« täroffiziere, Zivilisten, außerdem Richter und zwei Aerzte, der Gefängnishausarzt, Medizinalrat Dr. Krämer, der Distriktsarzt Dr. Schatz Man führte unseren unvergeßlichen Helden durch einen langen schmalen Gang des ehe- maligen Klosters des Dominikanerordens und jetzigen Kreisgerichtsgefängnisses hinaus auf den sogenannten Holzhof, der von einer hohen Mauer eingeschlossen ist. In den Holzhof gehen etwa 8 Zellenfenster, die zum Unterschied von den übrigen Zellensenstern nicht kleine, in großer Höhe angebrachte Luken, sondern normal große, allerdings vergitterte Fenster sind. Von unserer Zelle aus konnten wir daher die Vorbereitungen für die Hinrich- tung Wallischs genau betrachten. Kriminalhäftlinge mußten ein tiefes Loch graben, ein 3,20 Meter hoher Pflock wurde eingesetzt und eine kleine Stiege für den Henker hergerichtet. Diese Arbeit mußten deshalb Straf, gefangene durchführen, weil sich in ganz Leo den keinZimmermeisteroderTischle'rzudiefer Arbeit hergab. Um 11 Uhr nachts zogen 60 Mann Militär, bis auf die Zähne bewaffnet, mit Stahlhelmen ausgerüstet, in den Hof ein und bildeten um den Richtplatz ein Viereck. Es war genau 23.40 Uhr, als man unseren unvergeßlichen Führer in diesen Hof brachte. Als er an unserem Fenster mit erhobenem Haupte, von den Henkersknechten geführt, vorbeiging, warf er gerade den ersten Blick auf den in einem Winkel stehenden Galgen und warf für eine kurze Sekunde den Kopf hoch. Er schritt zur Richtstätte mit dem gleichen energischen Schritt, mit dem wir diesen Menschen so oft schon in Versammlungen zum Redner- pult gehen sahen. Wallisch wurde mit dem Rücken zu dem vierkantigen Holzpflock gestellt, der Henker schritt die wenigen Stufen, die vor dem Pflock aufgestellt waren, hinauf, und nun rief unser Wallisch die letzten Worte, die eine Huldigung für die Partei, der er diente, waren, in die lautlose Stille der Nacht hinein:„Es lebe die Sozialdemokra- tie, hoch die Freiheit!" Als er zu sprechen be- gönnen hatte, hoben ihn die Henkersknechte auf. der Henker Spitzer warf die Schlinge um den Kopf und im gleichen Augenblick zogen die beiden Gehilfen den Körper nach unten. Die letzte Silbe des Wortes„Freiheit" erstarb in seinem Munde. Genosse Wallisch war sofort bewußtlos geworden und erlitt keinen irgend sichtbaren Tobes- Kampf. Die Schergen hängten sich, der eine an die linke, der andere an die rechte Schulter, damit die würgende Schlinge noch fester schließe. Nach wenigen Sekunden stieg Spitzer die Stufen hinab, nahm den Hut ab und sprach die Worte:„Ich melde die Vollstreckung des Ur- teiles." Es herrschte Totenstille, als plötzlich aus einem geöff» neten Zellenfenster der Schrei in die Nacht gellte; ..Mörder!" Man versuchte noch in der Nacht den Rufer festzustellen, er wurde nicht gefunden. Genau zwei Stunden später wurde der leblose Körper unseres Helden abgenommen, in einen schlichten Holz» sarg gelegt und mit einem Auto aus den Leobener Fried- hos gebracht. Im Dollfuß-Hauss Die Folgen einer geglü kten F ucitt Wien, 5. April. Die Flucht der Schutzbündler und Ratio- nalsozialisten aus dem Linzer Strafgefängnis beschäftigt weiterhin allgemein in hohem Maße die hiesige Oefsentlich- keit. Die Flucht wird jetzt allgemein als geglückt angesehen. Bei St. Floria am Inn ist ein verlassener Personentraft- wagen vorgefunden worden, der von den Flüchtlingen bis »ur Grenze benutzt worden ist. Die politischen Folgen dieser Angelegenheit lassen sich noch nicht übersehen. Wie verlautet, steht der Rücktritt des Prä- fidenten des Obersten Gerichtshofes, Dr. Dinghofer, der Mit- glied der Großdeutschen Volkspartei ist, unmittelbar bevor. Dr. Dinghofer war Mitglied des Treierkollegiums, das nach dem Sturz der Habsburger Monarchie die Regierung?- geschälte in Oesterreich übernahm. Auch die Stellung des Staatssekretärs der Justiz Dr. Glaß gilt als erschüttert. Bei dieser Gelegenheit soll eine weitere Veränderung im Kabinett vorgenommen werden. So verlautet, daß noch im Laufe dieser Woche der dem Landbund nahestehende Ingenieur Haslacher mit der Leitung eines neu zu schafsenden Staatssekretariats für die Forstwirtschaft beauftragt verden soll. Es verstärkt sich jetzt in unterrichteten Kreisen der Ein- druck, daß die bisherigen unüberbrückbaren Gegensätze inner- halb der Regierung über die grundsätzlichen Fragen der neuen Verfassung zu weitgehenden Personalveränderungen innerhalb des Kabinetts führen werden. Insbesondere sollen sich die Gegensätze zwischen den Forderungen der C h r i st- lich-Sozialen aus einen föderalistischen Auf- b a u der Verfassung und den Heimwehrforderungen aus eine zentralistische Lösung erheblich verschärft haben. Eine entscheidende Rolle in den gegenwärtigen Ver- sassungsberatungen spielt die bisher noch völlig ungeklärte Frage ob dem Bundespräsidenten die Befugnis zu einer A nde ung de, Verfassung eingeräumt werden soll Dieser Frage wird naturqemäß in legitimistilchen Kreisen eine ent- scheidende Bedeutung beigemessen. Die Verkünbung der Ver- faffung wird infolge der bestehenden Schwierigkeiten voraus- sichtlich sich noch auf einige Zeit hinauszögern, so daß mrt einem Inkrafttreten der neuen Verfassung frühesten? in einigen Wochen gerechnet werden kann. Au? diesen Vorgängen im Dollfuß-Lager ist zu erkennen, daß der Vorfall in Lrnz benutzt werden soll, um im häuslichen Streit der Regierung die unbequemen Elemente an die Wand zu drücken. Aber die Flucht der Linzer Gefangenen hat auch tatsächlich eine politische Note, die nicht unterschätzt werden darf. Die gemeinsame Fluchtaktion von Schutzbünblern und National- sozialisten wird von den Hitler-Faschisten benutzt, um inner- halb der österreichischen Arbeiterschaft Stimmung für eine nationalsozialistisch- sozialdemokratische Einheitsfront zu machen. Man spekuliert dabei aus die Erbitterung und den Haß der Arbeiterschaft gegenüber Kartätschen-Dollsuß und beabsichtigt■-Oirlich nichts anderes als einen Mißbrauch der Sozialisten. E? kann keinen Zweifel darüber geben, daß nach einer Niederwerfung von Dollfuß die Nationalsozialisten zur blutigen Niederknüppelung der sozialdemokratischen Arbeiterschaft übergehen würden. Hoffen wir, daß die öfter- reichische Arbeiterschaft gegenüber den Rattenfängermeth.den der Hakenkreuzler standfest bleibt und klar erkennt, daß ihre Befreiung vom Joch der Tollfuß, Fen und Konsorten nur durch den revolutionären Kampf der Sozialdemokratie ein- mal möglich sein wird. Prozeß gegen 50 Arbeiter Hamburg. 5. April 1984. DonnerStagvormittag begann vor dem Hanseatischen Sondergericht ein Prozeß gegen 50 Arbeiter, die des voll- endeten und versuchten Mordes, des Landfriedensbruches. Bergehen gegen das Waffengesetz und der Beihilfe zu all diesen Delikten angeklagt sind. Die Nazijustiz hat alle mehr oder weniger von Nationalsozialisten im Jahre 1982 ver- ursachten und heraufbeschworenen Auseinandersetzungen mit politischen Gegnern herausgegriffen, um den-50 Arbeitern den Prozeß machen zu können. E? ist bei den Zuständen im .dritten Reich" schon selbstverständlich, daß kein National sozialist wegen der zu gleicher Zeit an Kommunisten und Marxisten versuchten Mordtaten zur Verantwortung gezogen wird. Diese Mörder dürfen in diesem Prozeß wahrscheinlich als Zeugen auftreten. Alle Mittel sind recht, um die Gegner des Nationalsozialismus den Henkern de?„dritten Reiches" auszuliefern und um sie jahrelang ins Zuchthaus bringen zu können. Man will durch den Prozeß selbst erst...Kommunisten» Bluttaten a u s k l ä r e n und strafrechtlich erledigen" Daher soll der Prozeß auch voraussichtlich vier Wochen dauern. Denlsdier Himmel Das sind Löhne! h. b. In Fallersleben werden gegenwärtig 250 Unter- stüyungsempfänger mit Erdarbeiten am Mittellandkanal beschäftigt. Tic Arbeiter wohnen in primitiven Baracken und arbeiten 48 Stunden wöchentlich Mittagessen erhalten sie zu einem Preise von 40 Pfennig pro Mahlzeit aus den Feld- küchen des Lagers. Im übrigen müssen sie sich selbst be- köstigen. Es wird ein EinheitSlohn von S2 Pfennig pro Stunde ge- zahlt. Das sind pro Woche 24,90 Reichsmark. Davon gehen für die Mittagsmahlzeit 2,80, für vom Wohlfahrtsamt„ge- lieferte", das heißt geliehene Arbeitskleidung 2.— bis 8.— Reichsmark und sonstige Abzüge rund 8.— Reichsmark her- unter. Es verbleiben also den schwer arbeitenden Lager- insassen bestenfalls 17,— Reichsmark pro Woche, von denen sie sich im Lager und ihre Familie in der Heimat ernähren müssen. Einer dieser Arbeiter übersandle uns eine genaue Abrechnung, aus der hervorgeht, daß er bei der Kopfzahl seiner Familie eine Unterstützung von 18.40 Reichsmark er-' hielt. Er erhält also weniger Lohn als Unterstützung und muß wöchentlich höhere Aufwendungen für Ernährung und getrennten Haushalt machen, als da? vor seiner„Jnarbeit- nähme" der Fall war. Abonniert die„Deuf sdie r reiben" ».Deutsche Freiheit", Nr. 80 A3BIIT UND WIRTSCHAFT Saarbrücken, Samstag, 7. April öie Welt-Konjunkturentwicklung Dar notleldenO««leuisch« Außenhandel und die Deflatlonstendensea Der Vierteljahreshericht de* Instituts für Konjunktur- Forschung zählt die Anzeichen für Belebung auf einigen deutschen Wirtschaftsgebieten auf: Baumarkt, Textil- und Rüstungsindustrie, also auf den Gebieten, die direkt oder indirekt durch öffentliche Mittel gefördert. Zur Exportfrage äußert sich der Bericht wie folgt: Insgesamt blieb die deutsche Ausfuhr im Januar und Februar um 9 pCt. unter dem Vorjahresstand, so daß der Binnenmarkt die eigentliche Stütze des Aufschwungs bleibt. Der Automobil Industrie dürfte die Kostendegression, die sich aus ihrer besseren(nlandsheschäftigiing ergibt, auch im Auslandsgeschäft zugute kommen. In der Eisenausfuhr der Welt konnten namentlich England und Amerika— offenbar infolge handels- und währungspolitischer Umstände— ihren Anteil auf Kosten Deutschlands und Belgiens vergrößern. Die Auslandsaufträge bei den deutschen Maschinenfabriken betrugen im Januar 35,8 pCt. des Standes von 1928 gegen 29,0 pCt. im gleichen Vorjahresmonat Während der Maschinen- export nach verschiedenen Ländern gesteigert werden konnte, glaubt das Institut, mit Rücksicht auf Valutawettbewerb und die umfangreiche Kreditgewährung anderer Lieferländer, keine bedeutende Steigerung des Russengeschäfts erwarten zu können; auch die Aufnahmefähigkeit des polnischen Maschinenmarktes wird nicht allzu hoch veranschlagt. Die internationale Konjunkturentwicklung wird wieder hoffnungsvoller beurteilt als iui Ilcrbst 1933, zumal der Rückschlag in USA. von einer neuen Aufwärtsbewegung abgelöst wurde. Der Bericht unterscheidet zwei Länder- gruppen: Fortgesetzt bat sich der Konjunkturaufschwung in den Staaten, die frühzeitig den Kampf gegen die Deflation aufgenommen haben oder eine besonders aktive Konjunkturpolitik betreiben, so außer den Vereinigten Staaten Deutschland, Japan, Schweden und England. Dem britischen Weltreich kam die Empire-Politik des Mutterlandes und die Festigung wichtiger Warenmärkte zustatten. Südafrika z. B. zieht Nutzen aus„der stark erhöhten Rentabilität des Goldbergbaues und der glänzenden Lage des Wollmarktes. Am Weltgetreidemarkt mehren sich die Gesundungszeichen, da dem erneuten 25prozentigen Rückgang des europäischen Zuschußbedarfs eine fortschreitende Anbau-Beschränkung in den wichtigsten Uebcrschußgebicten gegenübersteht.(Auch Japan forciert den Getreideanbau!) Allgemein ist daher in der) überseeischen Rohstoffländern eine Erholung eingetreten. Gedrückt ist dagegen die Lage in den südamerikanischen ABC-Staaten, die noch immer mit den Strukturwandlungen ihrer wichtigsten Absatzmärkte zu kämpfen haben, so z. B. Chile mit seinem Salpeterproblem. Als konjunkturell zurüdt- geblieben nennt der Bericht endlich die Goldbloddänder Frankreich, Schweiz, Holland, Polen und Italien, die mit Rücksicht auf Währung und internationale Wettbewerbsfähigkeit von einer wirksamen konjunkturpolitischen Bekämpfung der ans der Zahlungsbilanz-Entwicklung herrührenden Deflationslendcnzen absehen, und die europäischen Agrarländer, deren Absatz durch die zunehmende Selbstversorgung der Industriestaaten und die. Absperrung wichtiger Zuschußgebiete eingeengt wird. Siege" in der Arbeitsschlacht Hitler bat die Welt durch seine„Arbeitsschlachten" in Erstaunen zu setzen versucht. Unter Einsatz riesenhafter Mittel wurden angeblich Millionen von Arbeitslosen in Beschäf- tigung gebracht. In welche Beschäftigung? Unter welchen Arbeitsbedingungen? Die letzte Frage ist in Deutschland selbst verpönt! Man schweigt aus Angst. Und doch weiß die denkende Hell, daß es entwürdigende Lohn- und Arbeitsbedingungen sind, unter denen im Reich Angehörige aller Berufe — Erdarbeiten verrichten müssen, wenn sie zur glorreichen ..Arbeitsschlacht" auserwählt werden. Erdarbeiten? Ja, wohin man schaut! Keine produktiven Neuschöpfungen der im „dritten Reich" so viel gerühmten privaten Initiative, nein, Staatsaufträge, Kommunalaufträge, sinnlose Unternehmen eines armen Volkes, das nicht gefragt wird, wenn seine letz- Wirtschaftsreserven für Maßnahmen verpulvert werden, die an sich schön und nützlich sind, die sich aber nur ein reiches Volk leisten kann. Daß auch die demagogischsten Kniffe und der höchste Stehkragen nicht vor dem Sündenfall zu schützen vermögen, zeigt das Verhalten der Herren Hitler und Dr. Schacht. Einst konnten sie über die durch die Arbeitslosigkeit erzwungenen öffentlichen Notstandsarbeiten, die das„System" ehrlich bei ihrem Namen nannte, ach so tapfer schmälen. Und heute?? Die Darmstädter..Landeszeitung" vom 28. März 1934 zeigt an einigen Beispielen, wie in Wahrheit die'„Arbeitsschlacht" innerlich beschaffen ist. Nichts von Belebung der privaten Wirtschaft, nichts von echter produktiver Auftragserteilung, sondern Staatsaufträge, Kommunalaufträge, Erdarbeiten, Erdarbeiten———. Dazu einige technische Maßnahmen, alles zu Lasten öffentlicher Kassen, also zu Lasten des Herrn Schwerin-Krosigk, offiziell zugegebenen Pumps! In 45 000 Tagewerken wird der Stromlauf des Rheins korrigiert. zweifellos eine„sehr dringliche" Maßnahme! In 80 000 Tagewerken errichtet der Staat bei Herrnsheim einen Hochwasserschutzdamm. weil, weil im Jahre 1882 dort ein so fürchterliches Hochwasser war! Andere Flußdämme, Wasserschutzmanern und Eindeichungen und Straßenbauten runden das Bild.. Das kleine Flüßchcn Lahn wird kanalisiert, d. h. schiffbar gemacht. Zweifellos eine sehr wichtige Sache, wenn— Schiffe fahren würden! Aber so? Für den inneren Güterverkehr reicht die Reichsbahn mehr als genügend und wegen des Transports der Exportgüter braucht man sich wohl in Hitlerien keine Sorge zu machen. Besonderer Erwähnung aber ist noch eine andere Phase der„Arbeitsschlacht" wert:„Der Bergkegel und die geschichtlich interessante Ruine zu Schwabsburg"(wer weiß, wo das ist?) werden vor drohendem Zerfall bewahrt!! So enthüllt eine nationalsozialistische Zeitung ungewollt den Schwindel von der gesteigerten Wohlfahrt, von der normalen Entwicklung der Wirtschaft zu neuer Blüte. Millionen von Kubikmetern Erde werden bewegt, es wird geschippt und gekarrt. Ein Volk von Kärrnern befestigt Ruinen aus vergangenen Tagen, dieweilen Stümper und Lügner die deutsche Wirtschaft und Währung ruinieren. Hiittfenhurgpregrantna 1916 und 1934 Im dritten Jahre des Weltkrieges Sellien die deutsche Wirtschaft eine plötzliche Blüte zu erleben. Während vor dem Kriege die Sachverständige» geglaubt hatten, daß ein Krieg die Industrie zum baldigen Erliegen bringen und zu Massenentlassungen von Arbeitern führen würde, zeigte sich das Gegenteil: die gesamte Industrie arbeitete in so fieberhafter Anspannung, daß ein empfindlicher Mangel an Arbeitskräften eintrat. Ihm abzuhelfen, führte das Gesetz über den vaterländischen Hilfsdienst den Arbeitszwang für alle irgendwie Arbeitsfähigen ein. Wenn man nach dem„was?" der Beschäftigung fragte, so konnte man allerdings erkennen, daß nur e i n e i n x i g e r Artikel hergestellt wurde: Kriegsmaterial. Alle andre babrikation wie die von Möbeln, Hausrat, Zivilklei- düng usw. hatte völlig aufgehört, dafür aber waren die bisher für diesen Bedarf der Bevölkerung arbeitenden Fabriken restlos auf irgendwelche Kriegsmaterialien, Granaten, Uniformen oder Sandsäcke, umgestellt worden. Das sogenannte„Iiindenburgprogramm" wurde in dieser Weise durchgeführt. Das„Wunder" einer Hochkonjunktur mitten im Kriege war dabei fast ohne Zwang erreicht worden, soweit die Besitzer und Leiter der Werkstätten in Frage kamen, nämlich durch Riesenstaatsaufträge. Das wesentliche an diesen Aufträge aber waren die gebotenen Preise. Sie waren das Lockmittel. Man knauserte nicht im mindesten, man zahlte vielmehr für Kriegsmaterial jeden verlangten Preis. Die Folge war ein Wettlauf der Betriebe, die lieferten, was sie nur liefern konnten. Sogar die Arbeiterschaft ließ i'an in bescheidenen Grenzen an dem Segen teilnehmen. um ihren Fleiß und Leistuneseifer anzuspannen: Niemals bisher waren in der deutschen Industrie Löhne gezahlt worden wie die von 1915 17. Allzugroße Begehrlichkeit der Belegschaften ließ sich leidet abwehren durch den Hinweis auf das Hilfsdienstgesetz und— durch die Verschickung jn den Schützengraben. Freilich erhob»ich schon damals die gleiche Frage, die wir jüngst aus dem Munde des deutsdien Reichsministers für Finanzen hörten: Wer bezahlt das eigentlich alles'— 4ber nur wenigen Nachdenklichen machte dies Konfzechrecb'-n"»diien doch der Geldstrom, der sich aus den Kas«en des Reiches über die Industrie ergoß, schier unerschöpflich zu sein. Die lästigen Frager wurden mit Redensarten vertröstet. Dabei unterließ die Regierung sogar, obwohl die Sozialdemokratie es unablässig forderte, die ungeheuren Kriegsgewinne, die auf Grund des Hindenburg- Programms in die Taschen der Unternehmer flössen, mit einer Sondersteuer zu belegen! Aber die Illusion, daß irgend ein Wundersäckel die Produktion mit unerschöpflichen Mitteln speise, sollte bald verfliegen. Es trat etwas ein, was zunächst„Teuerung" genannt wurde: ein ungeheures Anziehen der Preise. Die Arbeiter mußten sehr bald feststellen, daß sie trotz ihrer hohen Löhne weit weniger kaufen konnten als vorher. Am meisten litten die Festbesoldeten, Sozialrentner u. dgl., deren Bezüge ganz unzulänglich wurden. Man schimpfte in jenen Tagen weidlich auf die„Wucherer", die die Preise hochtrieben. Erst sehr viel später wurde dem Volke klar, daß die „Teuerung" nichts war als die Kehrseite der beginnenden Geldentwertung: die Inflation hatte eingesetzt. Der wundertätige Geldstrom, der die Industrie so herrlich angekurbelt hatte, er war aus sehr realen Quellen geflossen: ausgeleert waren die Sparkassen, die Reserven der öffentlichen und privaten Versicherungsanstalten, die Bankeinlagen und all die Kapital an häuf ungen, die bisher als das „Fett" des Wirtschaftskörpers anzusehen waren. All das war nun„verpulvert" im buchstäblichen Sinne des Wortes. Warum wird diese alte Geschichte hier aufgetischt? Der Reichsfinanzminister beantwortete bekanntlich die Frage, woher das Geld für Hitlers„Arbeitsschlacht" käme, mit dem klassischen Worte:„Es wird gepump t." Und dann liest man in der Nazi-Presse die Ueberschriftzeile„Einschaltung der Sparkassen in die Arbeitsbeschaffung". Und nun wird vielleicht manchem aufgehen, daß die„Ankurbelung" der Wirtschaft Anno 1934 im Prinzip nichts anderes ist als die Wiederholung des Hindenburg- Programms von 1916'17. Die Parallele stimmt sogar insofern. als die Fabrikation von Kriegsmaterial der Hauptgegenstand der vom Staat in Gang gesetzten Produktion von 1916 wie von 1934 ist. Genau wie 1916 werden die Reserven der Sparkassen usw.„eingeschaltet" in diesen Pro veß, d h. sie werden für unproduktive Zwecke verausgabt. Ein..Wunder" ereienet sich heute so wenig wie damals. Wohl aber kann jeder sich die Folgen ausmalen, der an den Satz glaubt, daß gleiche Ursachen gleiche Wirkungen hervorrufen! Julius Civilis. Audi ein..Reingewinn" Bei der deutschen Landesbankzentrale Man schreibt uns aus London: Da Sie immer so treffende Auszüge aus den deutschen Zeitungen bringen, das deutsche„Wunder" der„Wirtschaftsbelebung" darstellend, sende ich Ihnen anbei einen Ausschnitt aus der„Frankfurter Zeitung". Bitte beachten Sie den „Erfolg" des Arbeitsbeschaffungsprogramms in der Notiz „Deutsche Landesbankzentrale". Es heißt da: „Der Reingewinn ist nicht in dem gleichen Maße gewachsen. Er erhöhte sich zwar auf 609 066(471 076) RM, aber.. Nicht„Ja. aber", sondern: Ja. Hustekuchen! 609 066 RM. Reingewinn— angeblich— 193? 471 076 RM. R eingewinn 1932 137 990 RM. scheinbarer Gewinuzuwachs 1933 gegenüber 1932. Zu berücksichtigen ist aber: 138 389 RM. Gewinnvortrag von 1932 zu 1933; dagegen nur 42 312 RM. Gewinnvortrag von 1931 zu 1932. 96 077 RM. wurden also nicht im Jarhe 1933 mehr verdient, sondern stammen aus dem Gewinn des Jahres 1932. Hinzu kommt noch, daß 200 000 RM., die 1932 vor Ausweisung des Gewinnes für Anleihekosten zurückgestellt wurden, nicht auch 1933 vorher abgezogen wurden. Also 96 0,7 und 200 000— 296 077 RM. sind von dem Gewinn von 609 066 abzuziehen, um den wahren Gewinn des Jahres.433, verglichen mit 1932. zu finden. Das sind nach Adar Riese: 312 989 RM. 471 076 RM. Reingewinn 1932 158 087 RM Differenz. D. h 158 087 RM. sind 1933 mindestens weniger verdient worden als im Jahre 1932. Ich sage„mindestens", weil anzunehmen ist— nach diesen Methoden—, daß die Berechnung der anderen„Gewinnposten" in ähnlicher Weise erfolgt ist Der erstarrte Kapitalmarkt Kein N„geschr.ft der Hypothekenbanken Die noch nicht beseitigte Starre des Kapitalmarktes, die ein Neugeschäft auf Pfandbriefgrundlage bislang nicht gestattete, läßt auch die Hypothekenbanken noch nicht zu einer Gesdiäftsbelebung gelangen. Das drückt auch dem jetzt vorliegenden Bericht der Gemeinschaftsgrnppe Deutscher Hypothekenbanken und der ihr angeschlossenen sechs Institute den Stempel auf. Es kommt in einem weiteren Rückgang des Pfandbrief Umlauf s und Hypothekenbestand und in einer Minderung der Erträgnisse zum Ausdruck. Bei der Gemeinschaftsgruppe hält sich diese in einem durch die Verhältnisse bedingten, noch als mäßig zu bezeichnenden Umfang. Die Dividende ist mit 5 Prozent bei allen Gemeinschaftsbanken wieder um 1 Prozent gesenkt worden. Von besonderen Interesse ist wiederum die Entwicklung der Zinsrückstände. Bei allen sechs Banken waren am Jahresschluß 24,9(23,8) Mill. RM. Zinsen rückständig, das sind bei einem Jahressoll von rund 196 Mill. RM. 12,7 Prozent(i. V. 11,5 Prozent). Ipäusttlc Iis Württemberg Uelier die Lage der Industrie in Württemberg berichtet die„Frankfurter Zeitung": Die A u i f n h r habe sich von ihrer rückläufigen Bewegung noch nicht erholt, auch die Leipziger Messe habe im allgemeinen nur wenige Auslandsaufträge gebracht. In der Maschinenindustrie hätten die in den letzten Monaten zunächst vereinzelt aufgetretenen Besserungserscheinungen der Beschäftigungslage im allgemeinen angehalten. Eine Einheitlichkeit sei jedoch nicht festzustellen; bisweilen seien aber fühlbare Steigerungen des Beschäftigungsgrades zu beobachten. In der Baumwollspinnerei und Weberei habe der Auftragseingang für Garne und Robgewebe erheblich nachgelassen gegenüber vorher zum Teil sehr starker Nachfrage. Die Beschäftigungsverhältnisse in der gesamten Baumwollindustrie seien auf Grund der großen Abschlüsse der vorangegangenen Monate für die nächste Zeit gut. Die Preise hätten sich etwas gebessert..Auslandsgeschäfte seien teilweise nur für Spezialartikel möglich gewesen. In der Trikotagen-Industrie halte der günstige Geschäftsgang an. Es lägen bereit* Aufträge für Sommer, Herbst und teilweise auch für den Winter vor. Audi in der Strickerei-Industrie seien Beschäftigungsgrad und Auftragseingang weiterhin befriedigend. Infolge kurzfristiger Bestellungen hätten sieb Arbeitsstauungen ergeben. Pas Auslandsgeschäft stocke nahezu vollständig. Der Zahlungseingang habe sich verschlechtert. Dan der Moskauer ilnfergrundbabn Die Moskauer Arbeiter haben bereits vor mehreren Monaten Geschlossen, den Bau der ersten Linie der Untergrund- bahn bis zum 7. November dieses Jahres fertigzustellen Die Bauarbeiten schreiten rasch fort, da die gesamte arbeitend© Bevölkerung Moskaus an ihnen lebhaft Anteil nimmt. L in die Losung„das ganze proletarische Moskau baut die Unter- grundbahu" wahr zu machen, hat eine große Anzahl von Moskaue: Arbeitern den arbeitsfreien Tag des 24. März dazu benutzt, um bei dem Bau mitzuhelfen. Ueber 80 000 Arbeiter> folgten dem Rufe der Gewerkschaften und kamen in geschlossenen Zügen, mit Fahnen und Musikkapellen an der Spitze zur Arbeitsstelle. Arbeiter der verschiedensten Industriezweige, Ingenieure. Professoren, Angestellte und Studenten beteiligten sich an der Arbeit. Diese„kommunistischen Sonnabende", die auch bereits früher durch einzelne Betriebe organisiert wurden, sind nicht nur eine moralische Unterstützung der ständigen Arbeiter des Bahn- bans, sondern fördern auch die Fcrtiestellnn« außerordentlich. Petroleum auf Sachalin Aus Moskau wird gemeldet: Die Petroleiimproduktion auf Sachalin stieg von 17 0v0 Tonnen im Jahre 1928 auf 250 000 Tonnen 1933 und soll dies Jahr auf 300 000 gebracht werden. Es wurden 4 neu© üelvorkommen gefunden. deutsche Kimmen° Se»«S« zu,.»eufssfien. freföizfsse und ——■ i iHMHHHi!' Samstag, den 7. April 1»34 Sieben JCisten voll tutetn SBiichecdiehstahl nachgedacht... Sieben Kisten voll waren es. In der größten lag unten darin ein großes rotes Fahnentuch. Sieben Kisten mit all den Schätzen, die durch viele unstete Jahre zusammengetragen waren, angefangen bei den Kriegsausgaben der Inselbiicherei, Reclams— endend bei den letzten Erscheinungen der vor Jahr und Tag noch nicht gleichgeschalteten Büehergilde. Keineswegs war das alles marxistische oder nur revolutionäre Literatur. Aber sie haben alles mitgenommen, ohne Bescheinigung, ohne auszusuchen, sie haben alles gestohlen, was ich mir erworben hatte von der Stunde an, da zum ersten Male ein Buch das Herz entzündete mit dunkler Musik. Das war Rilke„Cornet'*— wir schrieben 1915, ich war vierzehn alt. Daneben stand Gide„Der verlorene Sohn", die Stimme des Verlorenen an den jüngeren Bruder:„Kehre du nicht zurück!" Seither ist vieles geschehen. Ich lernte einen Beruf und kam nicht hinein. Ich hatte viele Berufe und blieb keinem treu. Ich hatte Freundinnen, schließlich eine Frau. Ich habe ein Kind, das man mir jetzt zu nehmen droht. Eins nur blieb im Auf und Ab, das Ziel: Deutsche Revolution, die Entscheidung: Klassenkampf, das Bekenntnis: Freundschaft! Zu erwerben gab es nicht viel. Es langte sogar nicht einmal jeden Tag zum Sattessen und Ruhigatmen. Aber das machte fast nichts. Nur Bücher bezeichneten dauerhaft den Weg durch die Jahre, ersehrieben, geschenkt bekommen, erworben, tausend, zweitausend, noch mehr, behütet und geliebt, beginnend bei den grauen Kriegsbänden der Rilke, Trakl. Werfel, den zer- lesenen Reclamausgaben von Fichte und Hegel, die bunten Reihen entlang, jeder Umschlag eine Erinnerung an Gestalten, Töne, Bilder, Abende, bis zu den würdigen breiten Rücken der Jahrbücher, der ökonomischen, politischen, psychologischen Fachliteratur, den Dissertationen der Freunde. Es war keine mit Vorbedacht aufgebaute Bibliothek. Di»se Blumen waren in vielen Gärten gepflückt, diese Früchte aus zahlreichen Feldern erwachsen. Wenn man mir die marxistische Literatur, die Marx-Engels- Lenin Bebel Bände genommen hätte, dazu die aus ihren Gedanken entsprossenen, dann würde ich, da man einen Anlaß sähe, nicht viel sagen. Das koloniale Regime in Deutschland, das die blutrünstigen altjüdischen Rassegesetze neu kultiviert, hat solche Ungeheuerlichkeiten verübt, daß dies zu wenig wäre, darüber zu reden. Doch stahlen mir die braunen Fremdenlegionäre vierzig Bände Jean Paul, eine kostbare Ausgabe des Dichters, in dessen Zaubergärten sie nicht zurechtfinden. sie nahmen mir Hölderlin und Stefan George, die Nietzschebände, die Goetheausgahe, Bücher, in denen unser nie verwirklichtes Deutschland erlesenste, einzige Form, Weltenklang angenommen hatte. Neben den barbarisch-großartigen Denkergebnissen Kierke- gards standen einige Bände Luther, die Auseinandersetzen- gen mit Erasmus, die Reden und Schriften seiner hohen Zeit. Die Knechte des Pg. Müller, Reichsbischof, haben diese Bücher gestohlen. Herr Rassendiktator Erich und die Inkarnation neuarischen Wesens, die sich Göbbels nennt, reden gern und hochtrabend über Fichte. Aber die Bücher dieses Mannes, in dem ein großartiges Feuer brannte, entzündet an JAc£iebstes laäee das... Neudeutsche Mädchenerziehung Wir lesen im..Frauenspiegel" Nr. 56 vom 26. Februar 1934 folgendes Gedicht: Wenn ich ein junges Mädchen war, Mein Erstes wäre das: Ich nähme Woll und Nadel her Und strickt ohn' Unterlaß. Ich ließe fort das Radiospiel, Das doch nur Ohrentrug, Gespielt wird ja doch viel zu viel, Gestrickt aber nie genug. Wenn ich ein junges Mädchen wär, Mein Zweites wäre das: Ich kontrollierte etwas mehr Die Wäscherin am Faß. Ich stellte, wenn die Waschzeit ist, Roman, Lektüre ein, Mit spannenden Romanen liest Man keine Wäsche rein. Wenn ich ein junges Mädchen wär, Mein Liebstes wäre das: Ich ging zur Köchin in die Lehr Und kochte selber was. Der Hausfrau ziemt es sicherlich, Wenn sie gut kochen kann. Und könnt ich diese, bekäme ich Auch sicher einen Mann. der Großen Französischen Revolution, ließen sie stehlen. Man nahm nicht nur die Bücher, man wollte mich treffen, ich verstehe das wohl— und man traf mich ja auch. Aber diese Taten, verübt von den Nachläufern eines Mannes, in dessen Munde das Deutsch seinen eingeborenen Glanz verliert, der mit den Methoden einer verflossenen Kolonialperiode im Lande Goethes haust, sind mehr als die Ausdrücke niedriger Gehässigkeit gegen den Gegner. Sie verraten recht eigentlich, daß die gegenwärtige deutsche Kolonialregierung einen Angriff bedeutet auf das, was im besten Sinne deutsches Weltbürgertum ausmacht, auf die Aufgabe und den Reichtum des geistigen Deutschland. Hebbel spricht einmal bitter von der Tatsache, daß der Deutsche verhaßt sei bei allen Nationen. Hier haben wir die Ursache, so klar wie nur möglich. Nicht der Deutsche schlechthin ist verhaßt, sondern dieses fürchterliche Rückfällen in die Barbarei, diese innere Unsicherheit, die den Spuk ermöglicht, daß heute Mörder und Lügner mit den Gedanken der besten Deutschen Spott und Hohn treiben können. Sie haben mir noch viel mehr gestohlen, an dem das Herz hing.^ icle Bilder, gesammelt auf weiten Wegen, Bücher, zu denen ein intimes Fühlen und Erinnern ging, die unvergeßlichen Romanreihen, von denen die großen Erschütterungen ausgingen, Dostojewski, Zola, Nexö, Norris. Ganz zuletzt war mir noch in die Hände gefallen jenes unheimlich aufwühlende Biointerview Tretjakows über den Lebenslauf eines__ w jungen Chinesen, ich hatte noch einmal die großen Epen der tC/ßff fl ttttt So(il'lt(XgH'tOCQ€H Gegenwart durchflogen, Travcus„Totenschiff",„Die weiße"...,.........., Rose", das erschütterndste„Regierung". Dann N,Als Widerwärtigeres g.bt es als die Mischung von Gareines Tages fliehen. Ein Freund packte mir weiße mußte ich nachher die Bücher ein. Es gelang ihm noch, sie fertig einzupacken. Ehe sie weggeschickt werden konnten, holte sie dann die SA. für den Scheiterhaufen. Audi die große leuchtende Fahne müssen sie mit verbrannt haben, die eigentlich noch einmal weiten sollte, wenn einst wieder die Freiheit regiert. Der Diebstahl geschah tiefstens mit Mordabsicht. Sie nahmen, da sie mich nicht erwischten, die Summe von Erlebnissen, die sich mit Wort, Klang, Bild der Bücher verband. Sie rotteten das aus, an was ich midi gehängt hatte. Die von Bier und Unterwerfung erfüllten Gehirne empfanden Vergnügen dabei, zu zerfetzen und verbrennen, was Wegweiser, Leitstern, Nahrung ist für Hirn und Herz. Die jungen Fremdenlegionäre der braunen Diktatur haben vergessen, woher sie kommen. Sie waren eingeklemmt zwischen Aussichtslosigkeit und Hunger seit vielen Jahren. Ihr Wille lag brach, ihre Triebe wucherten ins Leere. Nun gab einer eine Richtung, zwar zurück in die Unfreiheit des Ghettos, zurück zu einem Germanentum, das weder Vergangenheit noch Zukunft hat, aber doch eine Richtung— und sie marschierten, marschieren heute noch, tapfere, wohl veranlagte, aber völlig verwirrte und kranke Jugend. Führern folgend, die um weniger als etliche kahle Wüstenfelsen Generationen in die Vernichtung führen. So tief der Haß gegen jene Mörder der Freiheit ist. so tief ist die Liehe zu dem Lande, das sie verwüsten, und das Mitgefühl mit der Jugend,-die sie minieren.' R. fBäef. cm meinen unqe&otenen Sehn Van Qeacg iüiCman Mein lieber Junge! Nun hast Du also Dein Kommen angemeldet Was sollen wir. Deine Eltern, dazu sagen? Wir haben lange überlegt, und dann sind wir übereingekommen, daß ich Dir diesen Brief schreiben soll. Und ich muß, um Dir alles auch recht verständlich zu machen, ziemlich weit ausholen. Es ist jetzt bald ein Jahr, daß wir nicht mehr in unserem — und also auch in Deinem— Vaterland sind. Drüben, wo Dein\ ater und Deine Mutter aufgewachsen sind, in jenem herrlichen Land, das sie Deutschland nennen, herrschen heute die Barharen, herrschen Terror, Folter und Tod. Und nun stufte ich schon. Barbaren— Terror— Folter— lod: Worte, die Du nicht verstehen kannst. Und siehst Du, mein Junge, das ist auch der Grund, warum Du nicht kommen tollst— vorläufig nicht. Du kämst hinein in eine Welt, so voll unfaßbaren Grauens, so voll von Widersinn und Widernatürlichkeit, so voller Entsetzen und Gram, daß Du selbst es vorzögest, nicht da zu sein. Du kämst zu uns, ohne Vaterland, ohne Heimat, hin und hergeworfen zwischen zwei Sprachen und somit zwei Völkern, und Dein kleiner Verstand wüßte nicht zu fassen, was um Dich vorgeht. Du kämst zu uns, willkommen und nicht willkommen. Willkommen von uns, und nicht willkommen von jenen, die Deine Eltern vertrieben haben. Du wärest jahrelang vielleicht behaftet mit der Schmach, ein Mischling, ein Bastard zu sein •— in den Augen jener, die sich besser dünken als wir. Du kämst zu uns, und vielleicht käme am selben Tage der Krieg, jener Krieg, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt. Deinen Vater brächten sie nachhanse als einen Haufen Knoden und Blut, Deiner Mutter würde vom giftigen Gas der Leih zerfressen— und Du? Und seihst wenn das nicht käme- Du würdest'«Sachsen in einer Atmosphäre, vergiftet vom Selb.tzerfle.sJung t eh der Menschen, vergiftet vom Haß. vergiftet von Moder und Unrat..,,... Und wenn Du größer würdest: in der Schule wurden s.e Bich lehren, den Nachbarn zu hassen, sie wfirdeB Ihch leh r'n. daß es immer arm und reich gehen müsse auf Erden '-a daß es recht sei, daß der eine Nichts habe und andere " Zinnsoldaten würden sie Dir als Spielzeug gebe«. und Dir »gen, der bunte Rock des Soldaten se. e.n Ehrenkleid unc. >' ht das Kleid eines Mörders. Und wenn Du dann der Schule entwachsen wärest, dann würden sie Dich entweder beiseite werfen als unnütz und Dich zum Müßiggang verurteilen, oder Du ständest am Fließband der Fabrik, Du säßest in einem staubigen Kontor, Du ständest hinter einem Ladentisch, acht oder neun Stunden am Tag, gehetzt, ausgebeutet, für ein paar Hungergroschen. Oder— und auch das Schlimmste werden sie Dir nicht ersparen— sie werden Dir ein Gewehr in die Hand drücken und sagen:„Der, der gestern Dein Bruder war, der gestern gleich Dir am Fließband stand, der, der eine andere Sprache spricht als Du— er ist beute Dein Feind. Gebe hin und töte ihn!" Nein, mein Junge— das alles wollen wir Dir ersparen. Du sollst nicht aufwachsen in einer Umgebung, deren schreckliche Eindrücke Du im Greisenalter noch nicht vergessen hättest — falls sie Dich nicht vorher irgendwo verscharren. Ja, Du sollst kommen, mein Jungf! Eines Tages, wenn wir wieder drüben sind in unserem Vaterland, und wenn wir dort nie Herren sind und nicht jene, die heute oder gestern herrschten— dann sollst Du kommen! D» sollst aufwachsen' in einer Zeit, die nichts mehr kennt von Haß, von Krieg und Terror, von Ausbeutern und Ausgebeuteten. Du wirst eine» Tsges kommen, mein Junge, so wahr wir eines Tsges wieder in der Heimat»ein werden. Und Dn wirst ein Kämpfer werden, mein Junge, ein Kämpfer gegen alles Unrecht wie jener Karl, dessen Namen wir Dir gehen wollen zur Erinnerung an jenen großen Karl, den sie erschlugen, dieselben, die heute unsre Kameraden morden. Du wirst kommen, mein Junge, und wenn Dir Deine Eltern von Tagen erzählen, die dann vergangen sind, dann wirst Du froh sein, daß Du diese Tage nicht miterleben mußtest. Du wirst kommen, mein Junge, denn daß Du kommen kannst in einer Zeit, schöner und freier als diese, dafür sind Deine Eltern außer Landes gegangen— und dafür werden sie zurückkehren. Bis auf den Tag, mein Junge! Aus der kleinen jüdischen Gemeinde kommt das Prinzip der Liebe her: es ist eine leidenschaftliche Seele, die hier unter der Asche von Demut und Armseligkeit glüht: so war es weder griechisch, noch indisch, noch gar germanisch. Nieftsdj'-. tenlauben-Kitsch, verdrängter Erotik und Hurragefühlen, mit der in Deutichland das große Weltkriegsmorden vorbereitet wird. Da liest man in den„Hamburger Nachrichten" einen Bericht über ein..Buntes Ijuftsdtutffest" in Fuhlsbüttel: „Das war in der Tat einmal etwas Besonderes und fein Durchdachtes, ein Fest, durchaus auf den Ernst eingestellt und dabei mit einem wundervollen Humor gepaart, so daß es noch lange nachklingen und nachhalten wird. Gleich die Festansprache des Abschnittführers führte jedem Teilnehmer den hohen Ernst und die Notwendigkeit, Luftschuft zu üben und zu treiben, vor Augen... Es folgte dann die Aufführung einer„ernst-heiteren" Revue:„W enn am Sonntagmorgen der Luft- lehnt; s i ch rührt..." Alles schlägt zum Guten aus, die Frauen erkennen in dem Luftschutz mehr als eine Spielerei und Lotte bekommt ihren schneidigen Halbzugsführer. Wir nahmen am Kirchgang mit Hindernissen, mit und ohne Gasmasken teil und ließen uns auch das Preisriechen mit nachfolgender Entgiftung nicht entgehen..." Es haben nur noch die röchelnden Opfer moderner Giftgase, aufgetriebene Leichen von Männern, Frauen und Kindern mit verzerrten Gesichtern und in Qual verrenkten Gliedern gefehlt. nicht"... Di« Reichsmusikkammer befiehlt Der Präsident der Rcichsmiuikkammer, Richard Strauß, erläßt folgende Anordnung:„Personen, die in der Oeffent- lichkeit einer auf Erwerb gerichteten musikalischen Tätigkeit, haben bis zum 1. April 1934 die Mitgliedschaft der Reichs- musikkammer zu erwerben. So wird durch Eingliederung in den für diese Tätigkeitszweige allein zuständigen Iach- verband„Reichsmusikerschaft" erworben und ist Voraussetzung für die künftige öffentliche Betätigung. Der Naih- weis des Erwerbs der Mitgliedschaft wird durch eine Mitgliedskarte erbracht, die der Fachverhand„Reichsmusiker schaft" jedem Mitglied Im Auftrage Her Reichsinusiker- suiaii jcuciu MisgMvw WU o kammer ausstellt. Jedes Mitglied hat die ihm ausgestellte Mitgliedskarte bei der Ausübung seiner Tätigkeit stets hei sich zn führen und auf Verlangen jedem Polizeibeamten oder den von mir zur Kontrolle besonders bestellten Personen vorzuweisen. Wer den Nachweis der Verhandszuge- hörigkeit nicht erbringen kann, wird an der Ausübung seiner Tätigkeit verhindert. Diese Anordnung findet auch auf Ausländer Anwendung." Sthonztit Noch kei.i Festanzug für Arbeiterinnen Der Leiter des Orgauisationsamtes der Deutschen Arbeitsfront gibt bekannt: Um alle Differenzen zu klären, die in der Frage der Kleidung für alle weiblichen Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront aufgetreten sind, wird hiermit verfügt, daß für all«' weiblichen Angehörigen der Deutsche» Arbeitsfront und der Reichsbetriebsgruppen eine einheitliche Uniformieruug nicht vorgesehen ist. Es bleibt den Mitgliedern selbst überlassen, sich dem deutschen Charakter entsprechend bei allen Anlässen zu kleiden. Der Festanzug für Arbeiterinnen— das kommt erst beim nächsten Ankurbelungsversuch mit untauglichen Mitteln! Es ist eine letzte Reserve. AufoaÄe det deutschen Jugend Der„Armanen-Verlag", der die Bücher des berüchtigten Professor Banse herausgebracht hat, kündigt in einem Prospekt aus der„Reihe Deutsches Schrifttum" folgende Werke für den Schulgebrauch an: „Aufbruch der Nation"— von Untersekunda ab. „Soldatendienst"— von Untersekunda ab. „Die Front kehrt heim"—- von Untersekunda ab. „Der Krieger" von Untersekunda ab. „Putsch"— von Untersekunda ab. „Die Stimme der Toten"— von Untersekunda ab. Die Aufgabe der deutschen Jugend kennzeichnet dieser Verlag so:„Das Vermächtnis der Toten des Krieges an die Jugend soll unüberhörbar laut werden. Es ist ihre hohe Aufgabe, es zu erfüllen. „Deutsche Freiheit" Nummer 80 Das bunte Matt Samstag, den 7. April 1934 Der yug ohne Vremse Von einem ehemaligen jFurforgqogltttg Alles Hölzerne unseres Eßraums, Fensterkreuze. Türen, Tische. Bänke, war schmutzig braun,- die Wände dunkelgelb, nach Angabe des Direktors gestrichen. Bor uns hatten wir zerbeulte Blechteller voll„Himmel und Erde", eine Geschichte aus Kariofseln und Aepfeln samt Schalen, Kernen und Ge- häufen. Unsere Hausmutter war sparsam und überzeugt, daß wir die Schalen ruhig miteffen würden. „Schweinesutter!" Männe Kaptur klatschte den Lössel in den Teller, daß sich viele Kleckse in die nächste Umgebung setzten. „Sauerei!" Männe hatte mit seinem Schlag nur die vorderste Kupp, lung eines langen Eisenbahnzuges voll Erbitterung, Haß und Wut gelöst. Der Zug kam ins Rollen, lies immer schneller: „schlagt doch alles zusammen"„Hunde"—. Hundert- zwanzig Achsen liefen sich heiß.„Wir verlangen einfach, daß wir besseres Fressen kriegen und daß der Alte nicht mehr schlagen darf, und daß" Da kam der Alte angesaust. Sofort waren alle, die ihn sahen, ruhig. Tie bekamen rote Köpfe, als einige, die den Alten nicht sahen, weiterschrien— „und daß wir ein anständiges Tafchengeld kriegen"— „Hunde", dann die Stille wie einen kalten Luftzug spürten, und ohne sich zu vergewissern, sich langsam setzten. Der Eisenbahnzug hatte eine Kraft, die tausend Häuser, Männer und andere Züge überrennen konnte, die keinen anderen Gesetzen zu gehorchen brauchte, als den ihr inne- wohnenden der Schwere und Beharrung. Wenn nicht die lumpige Bremse gewesen wäre. Die Bremse aus Angst, Unterdrückung und Autorität des Fürsorgeamtes. Der Zug stand ganz still. In den Gesichtern stand nur Angst und Be- drückung. Im Schlaftaal wurde beschloffen, einen Delegierten zum Landesjugendamt zu entsenden. Er sollte die Zustände schil- dern und um Hilfe bitten. Noch in derselben Nacht lockerten wir gemeinsam zwei Gitterstäbe und unser Männe kletterte durch. Wir sahen ihm nach und hatten das Gefühl von Be- lagerten, die einen letzten verzweifelten Versuch machen, ihr Leben zu retten. ll Am nächsten Tage arbeiteten wir im Freien. Es war die selbe Antreiberei und Schufterei wie sonst, aber wir reagier- ten anders daraus. Das Gefühl, daß irgend etwas im Gange war, das uns helfen würde, während wir hier froren, steifte uns den Rücken. Der Erzieher merkte nichts. Ein Junge war ausgerissen, fertig. Am dritten Morgen schneite es. Wir bekamen schwere Schuhe und gefütterte Soldatenröcke. Wir füllten und schoben die Loren und der Tchneematsch und die feucht? Luft drückten uns nieder. Zweifel über Männes Erfolg tauchten auf: „Ob er überhaupt wiederkommt?" „Wir verklagen den Teufel bei seiner Großmutter." „Die Bande steckt unter einer Decke." „Soll das also immer so weiter gehen mit dem Schuften und der saumäßigen Fresserei." Es ging wirklich so weiter. Am Abend schlug der Erzieher Overdick einem der kleinsten Jungens die Nase blutig. Am folgenden Tag gab es wieder„Himmel und Erde". Mit Schalen. Kernen und Gehäusen. Es gab einige Unruhe, aber zu einem ernsthaften Krach kam eS nicht. Alle waren ent- mutigt. denn alle hatten auf das Erscheinen des Delegierten gewartet. Wir waren sehr niedergedrückt. Währenddessen war Männe durch die verschneiten Wälder des Taunus gelaufen. Siebzig bis achtzig Kilometer in jeder Nacht. Er konnte nur bei Nacht marschieren, da er in An- staltskleidung geflohen war. Es war keine Heldentat, denn eS war nur für hundertzwanzig Fürsorgezöglinge getan wor- den. Deshalb wurde auch Männe, nachdem man ihn flüchtig vernommen, zur Strafe in eine sehr strenge Erziehungs- anstatt verbracht. IN Einige Tage später gab es wieder Radau im Eßraum. Kein „Himmel und Erde" sondern: Töpfe mit Suppe, guter Fleischsuppe: Töpfe mit Kartoffeln, überreichlich,- Töpfe mit Gemüse; Töpfe mit Sauce, fabelhaft riechend und die Hausmutter persönlich, gefolgt von einem plattentragenden Küchenjungen, große Stücke Fleisch austeilend. Wir konnten es nicht fassen, es war überwältigend. Zuletzt lag noch ein Stück Fleisch auf der Platte. Männe Kapturs Portion. In der Küche hatte man vergessen, seinen Namen zu streichen. Wir waren auf einmal mißtrauisch ge- worden. Die Tür ging aus. Hundertzwanzig Köpfe fuhren herum. Herein kamen einige dicke Herren und Damen. Lächelten freundlich:„Guten Tag. Jungens", ließen sich Kostproben geben.„Hm, schmeckt gut. Jungens, was." Hinter den lächeln- den Dicken stand der Alte, daß keiner wagt nein zu sagen. Er lächelte auch, aber es war zur Hälfte Hohn. Ganz schnell hatten wir begriffen. Das mit dem guten Essen und den lächelnden Dicken. Diese Herren da spielten Theater. Wir dachten daran, daß sie unseren Männe verhaftet hatten, und daß sie große Reden hielten, und daß sie es waren, die alle Papiere, die uns zu dieser Hölle verdammten unter- schrieben. Jetzt spielten sie vor uns armseligen Fürsorge- zöglingen Theater:„Schmeckt gut, Jungens, was." Was in uns vorging, war einfach, daß die Bremse an dem Zug kaputt ging. Es entwickelte sich rasch eine Feindseligkeit, eine eisige Kluft zwischen den Dicken und uns, die die Dicken vergebens mit Worten zu überbrücken versuchten. Die Kluft wurde aber immer größer. Wir schwiegen und blickten drohend nach dem Häufchen hin, in dessen Mitte der Alte stand. Er hatte das Grinsen vergessen. Die Dicken wollten sich einen guten Ab- gang sichern und gingen.„Wiedersehen, Jungens." Wir lachten und brüllten hinter ihnen her. Sie sahen sich nicht um. ES war eine Flucht. Der Zug hat keine Bremse mehr. Wenn jetzt jemand oder etwas die Kupplung auslöst...! G o l o. Saktkulturpräsident nimmt Ärgernis Der Präsident der amerikanischen Liga sür Nacktkultur ging dieser Tage natürlich bürgerlich angezogen in eine Music-Hall auf dem unteren Broadway. Es wurden die neuesten Tanzschöpfungen der Saison gezeigt, umrahmt von Songs und Sketschs, die gerade die Grenze des Erlaubten streiften. Der Herr Präsident war mit diesen Darbietungen gar nicht recht zufrieden. Ganz aus dem Häuschen ging er aber, als plötzlich sechs Tänzerinnen auf die Bühne sprangen, die wohl bekleidet waren, aber durch die Raffiniertheit ihrer Kleidung, die nur aus einigen Zentimetern Silberlame bestand, derart aus das Publikum wirkten, daß der Präsi- dent der Nacktkulturliga sich in seinem Schamgefühl aukS gröblichste verletzt fühlte. Er sprang aus, schrie wild in die Borstellung hinein, ein Aufruhr entstand, Polizei schritt ein und brachte den wild um sich schlagenden Herrn an die frische Lust. Beim Verhör auf der Wache ergab sich die seltsame Ehrenstellung beS Krakelers, der erklärte, gerade die An- deutung der Kleidung und die scheinbare Verhüllung einiger Körperteile sei unanständiger, als jede Nacktkultur, denn der freie unbekleidete Mensch wäre daS reinste auf der Welt. 12 Fahre mit der Messerklinge im Gehirn Oer Patient hat nichts gemerkt... Amerikanische Blätter berichten von einem erstaunlichen Fall; ein ehemaliger Kriegsteilnehmer lief fünfzehn Jahre hindurch mit einer abgebrochenen Messerklinge im Gehirn herum, ohne daß ihn diese Verletzung irgendwie behindert hätte. James P. Sherry, ein Angestellter der Kodak-Werke in Rochester, hatte im Wettkrieg an der Westfront gekämpft. Dort wurde er durch ein Schrapnell verletzt und nach einer mehrwöchigen Behandlung im Kriegslazarett als geheilt entlassen. Nach Beendigung des Krieges kehrte er nach Amerika zurück, heiratete und ging seinem früheren Beruf nach, ohne daß sich irgendwelche Folgen der Kriegsverletzung gezeigt hätten. Vor kurzem stellten sich bei ihm jedoch Kopfschmerzen ein. die sich immer häusiger wiederholten, so daß Sherry einen Arzt zu Rate zog. Dieser konnte trotz sorgfältiger Unter- suchung zu keinem Ergebnis kommen und schickte den Paiienien in eine Klinik, wo er geröntgt werden sollte. Durch die Röntgenaufnahme wurde die überraschende Fest- stellung gemacht, daß Sherry eine Messerspitze im Gehirn stecken hatte. Er wurde operiert und befindet sich jetzt, nach der geglückten Entfernung des Fremdkörpers, auf dem Wege der Besserung. Auf welche Weise die Messerspitze bei der Explosion in seinen Kopf kam. ist sür die Aerzte nicht ganz klar. Sie vermuten, daß die Spitze in die Füllung des Schrap» nells geraten war. Das Erstaunliche aber ist, daß der Ber- letzte selbst nicht gewußt hat, welch gefährlichen Gegenstand er fünfzehn Jahre lang in seinem Gehirn herumtrug. Der Roboter von Paris 250 000 Pariser wollen monatlich von der Post wissen, wie spät es ist. Sie rufen neugierig beim Telefonamt an und er- halten auf ihre Anfrage die genaue Zeit. Die interessante Neuerung ist, daß es keine menschliche Auskunft ist, die der Mann am Hörer erhält, sondern die Antwort eines Uhren- Roboter». Eine Platte ist derartig exakt besprochen, daß sie sortlausend die Zeit angibt und auf automatischen Anruf automatisch antwortet. Di« Engländer wollen diesen Apparat jetzt auch für London einführen, denn die Oberpostdirektion hat ausgerechnet, daß dies« sprechende Uhr durch Vermehrung der Telefonruf« dem Staatssäckel im Jahre zirka zehn Mil- lionen Franken einbringen würde, etwa das Doppelte von dem, was Paris an seinem Uhren-Roboter verdient. Kathederblüten Lustige Anekdote» Die meisten römischen Kaiser fielen durch Selbstmord oder durch fremde Hand. Dagegen erlebte Diokletian die große Genugtuung, eines natürlichen Todes zu sterben. * Wäre Cäsar nicht über den Rubikon gegangen, so läßt sich gar nicht absehen, wohin er noch gekommen wäre. * Wir haben es hier mit einer Heldin, und zwar in diesem Falle mit einer weiblichen Heldin zu tun. « Gestern habe ich einen Aufsatz gelesen, durch den ich belehrt wurde, daß die Hosen, die wir tragen, aus dem Jahr« 1800 stammen.^ Die venezianische Verfassung ist eine gemischt« Aristokratie, aus der eS schwer ist, wieder herauszukommen. * Gotha ist nicht weiter von Erfurt entfernt al» Erfurt von Gotha. * Die Kälte wächst gegen den Nordpol um zehn Grad, zuletzt fvrins R« AAM1 A1t( Liebesheirat des Him An der Rechtsfakultät der Pariser Sorbonne war vor einem Jahr zugleich mit vielen ihrer Landsleute eine junge chinesische Studentin eingeschrieben: Fräulein Nguyen Huu Hao. Die neue Generation hat die tausendjährigen Tradi- tionen asiatische" Lebensweisheit und Lebenskunst abgestreift und gegen nüchterne, normalisierte Formen eingetauscht. Fräulein Hao trat als durchaus moderne Dame mit stark ausgeprägtem Freiheitsdrang auf, ganz wie ihre euro- päischen Kolleginnen. Die Nächte hindurch saß sie in den Eafes des Quartier Latin und rauchte ganze Pakete von „bleu", den schwarzen, kräftigen Korporalszigaretten. Statt des geblümten Kimonos trug sie einen Tailleur aus einer Werk- stätte der rue de la Paix und ihre Schuhe waren wahrschein- lich nach Maß auf dem Boulevard des Italiens gemacht. Trotz dieser äußerlichen Europäisierung aber blieb sie, als was ihre Vorfahren sich bezeichneten: Ein Kind des Him- mels, ein unwirkliches blumenhaftes Geschöpf des Fernen Ostens, in die graue europäische Wirklichkeit des Jahre» 1983 verschlagen Trat sie in den Vorlesungssaal, so wurden ihre Kollegen plötzlich leiser, sie lieben die groben Ausdrücke des Pariser Argot, sie waren beflissen um sie. Sie nahm alle Aufmerksamkeiten mit einer rührenden Selbstverständlichkeit hin. in der sich Zaghaftigkeit und Sicherheit sonderbar mischten. Ihre Professoren schätzten in ihr eine begabte, schnell auffassende Schülerin von äußerster Kultiviertheit und Beschlagenheit in allen Bildungsdingen. Neben geistigem Wissen eignete sich Nguyen Huu Hao auch ein paar banale Kenntnisse an. Sie interessierte sich zum Beispiel dafür, wie man einen europäischen Rostbraten zu- bereitet, selber eine Kleinigkeit an einem Hut oder Kleid verändert.„Wer weiß," dachte sie sicherlich,„vielleicht werde ich einmal Hausfrau..." und sie wollte eben ein modernes europäisches Mädchen„up to date" sein. IieiVlOymS Von Aesn Laurent Da machte sie eines TageS an der Sorbonne auf den Bänken der Rechtsfakuljät die Bekanntschaft eines Prinzen von Annam. Heute ist er schon Kaiser seines Landes, S. M. Bao Tai. Aber damals studierte er noch sehr fleißig euro- päische Rechtswissenschaft. Nach der Borlesung gingen der Prinz und die kleine Chinesin in ein Cafe des Quartier Latin und rauchten endlos„blaue". Sie sprachen von Politik, der Frühlingsblüte in Annam und dem neuesten The-Dan- sant in Deauville. Der Prinz war hingerissen: er hatte sich schon immer eine so europäisch vorurteilslose, kluge und offene Kameradin gewünscht. Ehe er etwas dazu tat, war er schon verliebt. Und neun Monate später gab der Hof von Annam seinem Volke folgendes kund: „Entsprechend den Wünschen Ihrer Majestät der Kaiserin- mutier und Ihrer Majestät der Kaiseringroßmutter haben Wir beschlossen. Uns zu verehelichen. Wir haben dazu eine Frau von untadeliger Erziehung gewählt und beschließen, Sie zum Rang einer Kaiserin zu erheben. Wir haben beschlossen, mit den Sitten der Vergangenheit zu brechen. Genau so wick wir bei der Wahl Unserer Mitarbeiter keine Wahl zwischen Nord und Süd machen, ebenso ließen Wir Uns bei der Wahl der zukünftigen Lebensgefährtin nur durch Ansehung ihrer Verdienste leiten. Wir hoffen, daß Sie durch Ihr Beispiel vollauf den Ihr zustehenden Titel:„Die erste Frau des Reiches" verdienen wird. Sobald Sie Einzug in den Palast gehalten hat, wollen Wir Sie in den Kaiserlichen Purpur einkleiden. S. M. Bao Dai." Aber so einfach war es doch nicht. Nguyen Huu Hao ist gläubige Katholikin. Der Prinz Buddhist. Er wollte gerne dem Wunsche seiner Gattin nachkommen und sich nach katho- lischem Ritus trauen lassen unter der Bedingung, daß er sich nicht zum Katholizismus tonvertieren müsse. Denn bieS käme in seinem, dem buddhistischen Glauben anhängenden Lande geradezu einer Umwälzung gleich, die von den ernste- sten staatspolitischen Konsequenzen begleitet wäre. Sieben Monate gingen nun die Unterhandlungen mit dem Heiligen Stuhl zur Erlangung ber Erlaubnis hin und her. die Ehe nach katholischem Ritus zu trauen. Die Erlaubnis wurde schließlich verweigert. Da beschloß nun die Prinzessin, zum Glauben ihrer Vor- fahren zurückzukehren. Die Ehe wurde nach buddhistischer Sitte geschlossen, aber durchaus nicht mehr mit dem früheren Aufwand, sondern ganz schlicht, abgekürzt und fast europäisch sachlich. Die Prinzessin wurde inthronisiert, die künftigen Gatten tauschten die Namen aus und taten das übliche Gebet zu den Vorfahren, das war alles. Der Hof von Hue, der das Versailles oder Schönbrunn von Annam ist, sah freilich die rasche Liebesheirat und die mo- derne Prozedur nicht ganz ohne Erstaunen und ohne Kritik. Nicht daß man dem Herrscher verübelt hätte, ein Mädchen aus bürgerlichem Geblüt geheiratet zu haben, im Gegenteil. Ein altes annamitisches Gesetz untersagt den Kaisern aus eugenetischen Gründen, sich mit anderen Frauen als solchen unaristokratischer Herkunft zu verheiraten. Aber das euro- päische Tempo erregte Mißsallen, die Unterhandlung mit dem Papst und die nur ganz oberflächliche Beobachtung der Ahnensitten. So hatte die junge Frau es vorabsäumt, sofort nach der Trauung sich in die Gemächer der Kaiserinmutter zu begeben,„um acht Tage lang Schwiegertochter zu sein", das heißt, sich von der Schwiegermutter über die Anforde- rungen der Ehe aufklären zu lassen. Das junge Paar hielt aber anscheinend solchen Unterricht bereits für überflüssig und ist fest entschlossen, als modernes Herrscherpaar über Annam zu regieren und nie ganz die Stunden deck Quartier Latin zu vergesse»... Ifafliolisdie Opposition an der Saar „Es ist onbegreiflich, daß der Völkerbund.. I» Straßbura erscheint die ausfallend hitlerfreunb- liche katholische Zeitung„Der Elsässer". Alle Augenblicke wird sie von der gleichgeschalteten Presse anerkennend zitiert. Gerade aber in diesem Blatt erschien am 20. März ein Artikel, dessen Inhalt bisher die„deutsche Front" ihren Lesern nicht mitteilte. In diesem Artikel, der sich mit der Freiheit der Saarabstimmung beschäftigte, finden wir fol- gende Stellen: „Die Dinge haben sich im Saargebiet erheblich zugespitzt, nnd die„deutsche Front" ist im Begriffe, das Plebiszit„vor- wegzunehmen". Sie organisiert unter Drohungen. Einschlich terungen, vermessenen Worten ihrer Werber eine Art Privalabstimmung, die der Welt einen faxt accompli vortäuschen soll und die dazu bestimmt wird, Eindruck aus die politische Welt zu machen. Es versteht sich von selbst, daß die derzeitigen Taarpolitiker den Kopf vollkommen verloren haben und jedes politischen Realitätensinnes bar geworden sind. Welcher Art find die EinschüchterungSmethoden? Zunächst darf hier betont werden, dah die Keltisch« Regierung lue im Entstehen begriffen gewesene sogenannt« katholische Opposition zur Zeit mit Mitteln niedergeschlagen hat, die eines Kulturstaates unwürdig find. Der Führer der Opposition, der Chefredakteur der weg- weisenden„Saarbriicker Landeszeitung". Johanne? Hoff mann, wurde unter Drohungen und materielle» Druckmitteln gezwungen, sein Amt niederzulegen und ver- pflichtet, sich während drei Jahren im Saargebiet politisch' nicht mehr zu betätigen, andernsallS ihm sein Ruhegehalt entzogen und seine kinderreiche Familie dadurch aus die Straße gesetzt wird. So sieht der„christliche" Staat Hitlers aus. der durch Herrn von Pape» diesen Auftrag vermittels des Ministerialdirektors und ehemaligen Reichspresic-Chess ■ijX. Katzenberger durchführen liest. Dr. Katzenberger ist als brutaler Mensch bekannt, wie es auch notorisch ist, dast er seiner Zeil durch Herrn Dr. Brüning zu etwas gekommen ist, denselben Herrn Brüning, den Dr. Katzenberger heute als„Deutschlands größtes Unglück" bezeichnet." Auch die holländische Presse warnt! „He t 93 olk", eine der größten holländischen Zeitungen, ein Blatt, das Weltruf genießt, und wegen seiner außen- politischen Publikationen besonders in diplomatischen Kreisen stark beachtet wird, nimmt in einem grundlegenden Artikel ausfuhrlich Stellung zu der gegenwärtigen Situation im Saargebiet. Dabei schreibt das Blatt u. a.: „Bor einem Jahr zweifelte niemand daran, dast der über- wälttgende Teil der Bevölkerung znrück nach Deutschland wollte. Aber von dem Tage ab. als der Faschismus seine Gewaltherrschaft antrat, und neben all seinem BarbariSmus, den er entfaltete, die elementarsten politischen und. sozialen Rechte vernichtete, erklärten die Antisaschisten des saar- gebiete? mit allem Nachdruck, daß sie wohl gute Deutsche seien, aber unter keinen Umständen freiwillig die Sklaverei des„dritten Reiches" auf sich nehmen würden. So erhielt die Parole, die gegen eine Rückgabe de? Saargebietes an Deutschland eintrat, einen außerordentlich großen Anhang. Als es aber den Anschein gewann, dast diese Bewegung die Chancen kür die Gewinnung einer Mehrheit erhielt, setzte ein brutaler Terror e i n. Die Söldner deS„dritten Reiches" tyrannisierten das Saargebiet! Der alte Unter- offiziersgetst, gepaart mit der Brutalität des deutschen Fa- schismuS. feierte Triumphe. Man nimmt einfach die Eni- fcheidung von 1985 voraus und jeder, der sich nicht unterwirft, bekommt zu kühlen, daß es ihm schlecht ergehen wird, wenn er den Wünschen und Anforderungen der nationalsoziali- stischen Ncbenregierung nicht gefügig wird." Nachdem da? Blatt auf Einzelheiten des Terrors der „deutschen Front" eingeht, schließt es folgendermaßen: „Es ist unbegreiflich, daß die durch den Völkerbund ein- gesetzte Saarregierung einen derartigen Terror stillschweigend ansieht. Die Regiernngskommisfion steht unter der Leitung des Engländers Knox, der anfänglich seine Ausgabe konse- gneut anpackte, aber nunmehr offensichtlich densleben refer» vierten Kurs steuert, wie die britische Regierung." Graser Priester im Herber Nadi SfrafverbOOung Im Inleresse der ölfenllidien Sldierhelt Ueberilihrung in gesdilossene Anstalt Die nationalsozialistische Presse berichtet aus öln: -WWW Am Mittwochmorgcn stand vyr dem Kölner Sondcrgericht enler jener Hctzapostel, die durch ihr außergewöhnlich schädigendes Treiben eine beständige Gefahr für StaatundBolkbildenundderen Unschädlichmachung daher eine Pflicht der Selbsterhal- t u n g ist. Der jetzt llsjährige Pfarrer a. D. Leonhard Jansen nahm nach seiner im Jahre 1916 erfolgten Pensionierung seinen ständigen Wohnsitz in Adchen, nachdem er vorher in der Eitel mrhrgre..Jahre hiltdurchein e. ,Psarpgenwi«de. bc- ''' anlassung. infolge_ n Verkalkung die für seinen Priesterstand erforderliche Selbstbeherrschung vermissen ließ. Mit seiner früheren Pension von 500 Mark, heute erhält er noch 310 Mark monatlich, führte der Pfarrer ein recht beschauliches Daesin. Er reiste sehr viel ins Ausland und gerade der Umstand, vast er ausfallend häusig Holland, Beligen, Lurcmburg und das Saarland aussuchte, brachte ihu schon vor über Jniireö-. trist bei der Aachener Kriminalpolizei in den Verdacht, aus seine» Reise» üble Hetzereien gegen das neue Deutsch- land zu betreiben. Seine Ueberwachung hat aber in dieser Hinsicht keine greisbare Belastung gegen ihn ergeben. Am 4. Dezember vorigen Jahres fuhr der Pfarrer von Aachen nach Geilenkirchen und zog hier, noch bevor der Zug abging, einen Alleinmitreisenden gleich in ein politisches Ge- sprach Nachdem er sich auffallend vergewissert hatte, daß sonst Niemand mebr in dem Abteil war. legte er auch sofort los. Das Herz krampte sich bei einem alten Manne beim Anblick der heutigen traurigen Zustände in Deutschland zusammen. Man dürfe zwar nicht allcö sagen, was man denke, aber ein Elend sei es, daß er so etwa? noch erleben müsse. Der Mit reisende, der bis kurz vorher 14 Jahre in Holland gelebt hatte, wollte nun Näheres wissen, wobei er bei dem schwatz- .und redcsüchtigen Pfarrer vor die richtige Schmiede kam. Dieser wetterte dann auch gegen die Regierung und den bestehenden Staat, daß der Mitretsende erst nicht wußte, was ihn mehr erschreckte, die Schimpferei des Pkar- rers, ober der Mut, mit dem gerade ein Geistlicher hier aus- trat und alles verdonnerte, was in jahrelangem Kampfe endlich errungen worden war. Die Reichstagsabgeorduetcn bezeichnete der Hetzer als Ge- findet, die 500 Mark monatlich erhielten, obschon für sie IVO Mark auch genügten. Denn anstatt der Arbeiter säßen doch z« zwei Drittel nur Barone und Beamte im Reichs- tag. Wetter behauptete er. Hitler habe in Bauern 40 katho- tische Priester verhaften lassen, weil sie dem Volk Aufklärung geben wollten. Ebenso seien über 400 katholische Priester in Konzentrationslager gesteckt worden. Hitler habe auch einen Answeisungöbesehl gegen den Münchener Srzbischos Fanlhaber erlassen, der nur durch das Dazwil-^entreten des ReichsstattbalterS von Epp nicht durchgeführt worden fei, weil sonst sich das ganze bayrische «olk ausgelehnt haben würde. AIS eigne Meinung setzte der Pfarrer noch hinzu:„Gestern war hier ja der Tag der Pferde: kommende Woche gibt Hitler dann wohl Befehl, auch ein Fe st der Idioten abzu- halten!" Von Hitler und Htndenburg behauptete er weiter, sie betrieben den größten Schwindel und stopsten sich nur da- mit ihre eignen Taschen voll. Bismarck sei wenigstens ein Staatsmann gewesen, der sich nicht bei Lebzeiten, wie Hitler, eigne Denkmäler dnrch Benennung von Straften und An- nähme der Ehrenbürgcrrechle auch der kleinsten Dotier ge- setzt habe..... Bon Papen sei ein Schuft-nd Verrater am Zentrum, für den kein Geistlicher mehr Achtung habe. Darre habe 40000 Bauern zu sich kommen lassen und sie dann Nach Strich und Faden belögen. Ein grober Teil der Anklagepunkte bestritt der Pfarrer mit aller Entschiedenheit und zu den übrigen erklärte ct- ,,~aö glaube ich nicht, das kann ich nicht gesagt habest, dennt es würde meiner ganzen pvliti chen Emstcllung durchaus nnder- sprechen" Er beschuldigte dann seinen Mitreisenden, daß gerade dieser über den Minister Görtng geschiinpit und damit gerade die Veranlassung zu der Unterhaltung interner Art gegeben habe, um allerdings, wie er heute glaube, ihn aufs Glatteis zu führen,' was ihm jedoch nicht gelungen sei.>Ver- mutlich hat die Gestapo einen Provokateur als Reisegefährten mitgeschickt. Ret. d. D. F.s Hätte in der Unterhaltung mit dem Mitreisenden etwas mißverstanden morden sein können, so»vor dies aber bei der Fülle der sich ergänzenden Beleidigungen nicht mehr anzu- nehmen, wie der Pfarrer es umgekehrt hinstellen wollte. Da gegen sprachen auch überzeugend die unter Eid gemachten Bekundungen des Mitreisenden, der sich gerade deswegen so empört hatte, iveil ein Priester einem wildfremden Mann gegenüber mir derartig unwahren Behauptungen kam. BezsigtU Saarstchiö/es harte der Angeklagte dem Zeu- gen gegnüber noch behauptet, baß es niemals mehr nach Dentschland zurückkomme, da? wisse er aus dortigen Priestertreisen ganz genau,»nd deshalb habe auch der Papst seinen Bertrcter Testa dorthin geschickt. Im übrigen seien auch die Aachener Geistlichen viel zu feige, osseN ibre Meinung zu bekennen, wohingegen der katholische KlcruS in Trier und an der Luxemburger Grenze einen ganz anderen Bekenner»!»« zeige. lieber die Herzncurose und Nervosität des Angeklagten sagte Med.-Rat Dr. Kapp als Sachverständiger, daß diese wohl aus einer früheren Tätigkeit als Anstaltsgeistlicher in einer Epileptikeranstalt herrühre, wo ihn das viele mensch- liche Elend dort krank gemacht habe. Im übrigen bezeichnete der Sachverständige de» Angeklagten aber nicht als einen Erkrankten im Sinne des Paragraphen 51. wohl sprach er ihm dagegen eine verminderte geistige Z n r e ch n n n g&■ sähigkeit zn, die für das Strafmaß Berücksichtigung zu finden habe. Für Staatsanwalt Dr. Rcbmann bestanden nach der Zeugenaussage keinerlei Bedenken, daß der Angeklagte im Sinne der Anklage als übcrsührt gelten konnte. Lediglich mit Rücksicht aus j>ic verminderte Zurcchnungssähigkeit stellte er seinen Strasantrag ans sechs Monate Gefängnis. Im weiteren aber beantragte der Staatsanwalt die U n te r- bringung des Angeklagten in eine Heil-»nd P f l e g e a n st a l t, weil er bei feinem Reisetrieb und seiner passionierten und gefährlichen Geschwätzigkeit eine Gefahr iür die Allgemeinheit bilde. Das Urteil folgte dem Antrage de? Staatsanwaltes auf sechs Monate Gefängnis, bei Anrechnung der UntersuchungS- liast, die bereits seit dem 14. Januar besteht. Gleichzeitig er- ging die Anordnung der Unterbringung des Angeklagten in eine geschlossene Anstalt. Hierzu sagte die Urteilsbegründung durch LandgertchtSdirektor Greeven besonders, daß der Angeklagte von keiner Schwatzhaftigkeit doch nicht lassen könne und gerade als Priester und im geistlichen Rock bei vielen unbedingte Vertrauenswürdigkeit»nd sicheren Glau- den erwecke, weshalb ihn aber der Staat im Interesse der ösfentlicheu Sicherheit nicht mehr frei herumlausen lasse» könne. ..lumpen" Zur Devisenwirtschaft h. b. Der Hannoversche Kurier schreibt in seiner Nr. öd: „Bei einer planmäßigen Förderung der Verwendung deutscher Lumpen würde man also allein aus diesem Teil- gebiet der Wirtschaft zirka 200 Millionen an Devisen sparen und 100000 Personen mehr Beschäftigung verschassen können." Wir waren bisher der Ansicht, daß die Verwendung deut- icher Lumpen tm.chritten Reiche" außerordentlich starke Förderung gefunden habe. Wenn aber noch hunderttausend übrig sein sollten wir haben vorläufig nichts dagegen, sie auch noch zu verwenden. Nur dürft« e» ein Irrtum be» H.Ä. sein, durch ihre Verwendung zu sparen. Wir sind im Gegen- teil der Ansicht, daß ihre Berwendnna im Endeffekt sehr teuer zu stehen kommen wird. ver versdiwnndene tuftpassagler h. b.„EhstraWobct", Kopenhagen, meldet in seiner Nr. 28 in großer Aufmachung einen mysteriösen Vorfall, der sich auf dem Hamburger Flugplatz abgespielt hat, und der für den Betroffenen leicht zu schwersten Folgen hätte führen können. Der Bericht lautet folgendermaßen: „Innerhalb der Lustfahrt hat man seit dem nationalsozia- listischen Siege in Deutschland außergewöhnlich viel Paisa- giere jüdischer Herkunft, die die direkte Erpreß-Lust-Route Amsterdam—Kopenhagen ohne Zwischenlandung in Deutsch- land benutzen., Kürzlich wurde nun eine Maschine dieser Route aus Grund außergewöhnlich schlechten Wetters über Westdeutschland ge- zwungen, eine Zivischenlandung vorzunehmen. Das gab An- laß zu einem Mysterium: das erst in diesen Tagen seine Lösung fand, nachdem es mehrere Tage hindurch sowohl die deutsche Polizei wie auch die internationale Luftfahrt be- schäftigt hatte: ein Passagier war verschwunden. In der Erprekmaschine, die gegen Erwartung in Ham- bürg niederging, befand sich ein jüdischer Passagier. Als die übrigen Paisagiere sofort nach der Landung in das Nestau- rant des Hamburger Lui'thafcns Fuhlsbüttel gingen, blieb dieser Passagier in der Kabine sitzen, obwohl der Flugzeug- tührcr ihn darauf aufmerksam machte, baß man mindestens mit einem cinstündigen Ausenthalt rechnen könne. Nach einer Stunde erhielt man neue Wettermeldungen, nach denen sich das Wetter besserte. Man wartete trotzdem aus Gründen der Sicherheit eine weitere halbe Stunde. Der Flugzeugführer ging erneut zu dem jüdischen Passagier, um ihm den weiteren Aufenthalt mitzuteilen und riet ihm. eine kleine Ertrischunq einzunehmen. Der Passagier lehnte das ab und blieb im Flugzeug sitzen. Als man nun endlich starten wollte, entdeckte man, daß der Jude aus dem Flugzeug verschwunden war, während sein Mantel und sein Kokser sich im Flugzeug befanden. Der Flugzeugführer meldete nach einer vergeblichen Suche da? Verschwinden des Mannes der Hamburger Luftfahrt- behörde. Der wachthabende Polizeiofsizier teilte ihm darauf- hin mit, daß der Verschwundene von der deutschen Polizei gesucht würde. Es wurde sofort eine Streike nach ihm eingesetzt, die aber erfolglos verlies. Ehe das Flugzeug startete, beschlagnabmte die deutsche Polizei aus dem fremden Flugzeug Mantel und Kokser des Reisenden. Dem versolatcn Passaaier ist e? nach einiacn Tagen ac- hingen, die holländische Grenze zu überschreiten. Er wandte sich an den Lnhhafen in Amsterdam, um sein Eigentum— Mantel und Koffer— wieder zn erlangen und erfuhr bei dicker Gelegenheit, daß sich diese Dinge in den Händen der deutschen Polizei befanden." „EKstrabladet" fügt diesem Bericht folgende Aeuße- rungen hinzu: „Die Affäre richtet die Frage aus, ob die Passagiere in einer Transitmaschine, die für einen kurzen' Zeitraum in einem fremden Lusthasen landet, ihre Pässe kontrollieren lassen müssen, wenn sie nach dem Fahrplan das betreffende Land aar nicht besuchen wollten und die Maschine während des Aufenthalts nicht Verlanen." Wir haben diese Frage der Kgl. holländischen Luftfahrt» gesellschaft vorgelegt. Stationschef Dir. de Iong ant- worte te: Die Passagiere einer Routenmafchie sind einer Kontrolle unterworfen, Die Behörden der verschiedenen Länder wün- scheu sie auszuüben. Aber wenn eine Maschine am Grund des Wetters oder etwas ariderem zwischenlandet, und ae- wisse Palm giere haben kein Visum kür das betreffende Land, so wird für gewöbnlich nichts geschoben. Indessen können die gegenwärtige« Verbältnisse dazu iübren. daß wir Passagiere gn Bord haben, die an? politischen Gründen nicht gerne deutschen Boden berühren wollen, nnd gerade desbalb die Erpteßroute„anßenherum" wählen. Nach dem Vorgefallenen werden wir eine neue Reyluna durchführen. An den Taaen, an denen baS Wetter westwärts so schlecht ist. daß mit einer Zwischenlandung in Deutschland gerechnet werden kann, wer- den wir dieses den ausländischen Passagieren im Koven- haqener Flughafen mitteilen, damit sie im gegebenen Fall ihre Reise anssetzen können. Selbstverständlich wollen wir niemanden schützen, der wegen wirklicher Verbrechen ver- folgt wirb, aber es kann sich in diesen Zelten um rein„innen- volitische Phänomene" handeln, und eS ist nicht anaenehm istr nnS. diejenigen zn sein, die von dielen Dingen Betraf- ienen in den Rachen des Löwen zu liesern." Es ist beschämend. Außerdeutsche Liiftfohrtbehörden müssen ihre deutschen Passagiere warnen, wenn deutsches Territorium angesteuert werden muß! Sie Marth der Uniform Der„Geheime Staatskommissar" Neumünster in Schleswig-Holstein war in diesen Tagen der Schauplatz einer modernen ttöpenickiaöc. Der Schisjs- koch Sieinwaller statiele, angetan mit einer funkelnagelneuen SA.-Unisorm, dem Gute Ponsdvrs einen Besuch ab und führt« in der dort tagenden Feuerwehrversammlung große Reden, Er gab sich als stellvertretender geheimer Staatskommissar aus Hamburg aus und hielt eine flammende An- spräche, die sich mit den menschenunwürdigen Wohnvcrhält- inssen aus dem Gute belaßte. Die anwesenden Landarbeiter tubelten ihm begeistert zu. Runmehr knöpfte sich Steiuwaller den Gutsinspektor Vieh- mann vor und drohte ihm, ihn sofort in ein Konzcntrations- lager abführen zu lassen. Dabei bemerkte er so nebenhin, daß auf dem Wege zum KZ.„schon mancher verlorengegangen sei". Angsterfüllt gab der Inspektor daraus vor versammelter Mannschaft das Ehrenwort, schleunigst für Abhilfe der skandalöse» Verhältnisse zu sorgen Aber unserem Helden genügte daß durchaus nicht. Er»m- gab sich am nächsten Tage mit eine Eskorte uniformierter SA.-Leute und jagte den Rittmeister a D. Graf Otto zu Rantzau und den Gutsverwalter von Rösing. Fritz v. Postel, in gleicher Weise ins Bockshorn. Inzwischen hatten aber die Herren von und zu die Gen- darmerie alarmiert, die den menschenfreundlichen„geheimen Staatskommissar" verhaftete. Er wurde vor dem Schössen- gericht kurzerhand zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Von einem Vorgehen gegen d: e Junker, die ihre varteiae- nössischen Landarbeiter schlechter halten als ihr Vieh, hat man bisher nich!« gehört. vas Zeifongsslerben Auch die„Deutsche Tageszeitung" Die„Deutsche Tageszeitung" wird, laut„Pest-r Llyod", mit dem l. Juli ihr Erscheinen einstellen. Samt- lichen Redakteuren und Angestellten ist zu diesem Termin gekündigt worden. Die„Deutsche Tageszeitung" war einst das bedeutendste grvßagrarische Organ Deutschlands und befaß insbesondere unter dem Ehekredaktcur Oertel, der auch lange Jahre Reichstagsabgeordneter war, großen Einfluß. Pariser Beruhte Pariser SlraBcnhaKnler Eine Ehrung der beiden großen Toten des Pasteur-Instituts ist dadurch vollzogen worden, daß im 15. Bezirk der Teil der rue Du tot.(an der das Pasteur-Institut liegt) zwischen boulevard Pasteur und rue des Volontaires„rue du Docteur- Koux" genannt wurde, während der neue Square am boulevard Lqfebre„Square du Docteur-Calmette" heißt. Die avenue Pasteur erhielt den Namen„rue Emile-Duclaux". Wie wir hören, soll die Pariser große Ausstellung entsprechend dem Plan einer Exposition des Arts, des Metiers, de la Vie Ouvriere et Pavsane auch eine große Abteilung von Darstellungen des Arbeiterlebens enthalten. * Die Tochter des Präsidenten der tschechoslowakischen Republik Massarvk ist mit ihrem Gemahl, dem capitaine Galaret, im Flugzeug in Bourget eingetroffen. * Die Leiche Staviskys wurde in Gegenwart seiner Frau auf dem Pere-Lachaise neben den Gräbern der Eltern Staviskys heigesetzt. Arlette Stavisky durfte ferner einer ärztlichen Untersuchung ihrer Kinder Micheline und Claude in einer Klinik in Neuilly beiwohnen. Sie fuhr in Begleitung zweier Inspektoren dorthin. * Infolge der neuen Regierungsverordnungen wird auch da» französische Gerichtswesen erheblichen Einsparungen ausgesetzt. So werden in den Hauptstädten der Arrondissements die Funktionen des Friedensrichters von einem Richter des Gerichts erster Instanz. wahrgenommen, und in den Hauptstädten der Kantone(Kreise) werden gewisse richterliche Posten aufgehoben. * Am nächsten Sonntag findet im Schlosse Blois. einem der schönsten der Loire-Schlösser, um 15.30 eine Renaissance- Feier statt, an der Lieder des alten Dichters Joachim Du Balley aus dem Kreis der Pleiade. zu der auch Ronsard gehörte. erklingen. Die Lieder werden im Kostüm gesungen, dazu Harfe, Viola da gamba, Tänze. Abfahrt von der gare d'Orsay. Fujita- Ausstellung In der Galerie Jean Charpentier beginnt demnächst eine Ausstellung dar Bilder des bekannten japanischen Malers Fujita, von dem man augenblicklich nicht recht weiß, wo er steckt. Andre Warnos bemerkt in einer Besprechung des „Intran" dazu:„Das war in der Zeit, die schon nicht mehr jene Wunderzeit war, in der die ganze Malerei Goldwert hatte, aber das Leben war noch schön genug für die Maler. Pascin führte damals alle Samstage eine große Gefolgschaft durch Restaurants und Champagnerkneipen, und seine Freigebigkeit bildete jedermanns Entzücken. Jeden Montag war bei van Dongen Aufmarsch der rasendsten Eleganz. Derain lenkte aus dem Gleichgewicht geratene Wagen, Utrillo kaufte ein festes Schloß in Beaujolais, und Fujita glitt dahin, aus seinem graurosa Hotel am Parc Montsouris heraustretend, saß in seinem hellen Wagen, der mit Wildleder gefüttert war, wie in einem Schatzkästlein, und fuhr nach Deauville, um an Ueberspanntheiten mit den Größen des Kinos zu wetteifern. Nahm er diese Spiele ernst? Ich glaub es nicht. Sein asiatisches Lächeln war wie eine Schranke zwischen dem, was u m ihn, und dem, was i n ihm war. Scheinbar lag immer eine Welt zwischen seiner japanischen Seele und seinem Pariser Leben." Die Bilder von Fujita, Oel und Zeichnungen, Akte und Landschaften sind meistens aus der Zeit 1930 und 1931, einige sind älter. Sehr interessant und sehr feinadrig, aber es bleibt die Frage, ob diese fernöstliche Fremdheit, dies rätselhafte Antlitz des Selbstporträts aus einer Aristokratie, die heute den Weltkrieg gegen Korea und China aufnimmt, uns heute noch etwas gibt. Die 30 Zimmer des Königs von Siam Das Königspaar von Siam, das bis Samstag in Pari-, bleibt und die Flamme am Grabe des unbekannten Soldaten angefacht hat, bewohnt 30 Zimmer in einem Luxushotel gegenüber dem Tuilerien-Garten. Es ist eine Wohnung, die diverse Könige, und unter anderem auch der Prinz von Wales inne hatten. Die Zimmer sollen sehr prunkhaft mit Möbein diverser Stile von Louis XIV. bis zum Empire ausgestattet sein. Wenn man» genau wissen will, so hat der König natürlich einen Haufen Siaraesen mitgebracht, u. a. den Prinzen Devavong, den früheren Außenminister, den Prinzen Vaka- noud, seinen Neffen, den Prinzen Thavara, seinen Arzt— in Siam sind anscheinend auch die Leibärzte Prinzen, unter dem tun sie's nicht—, drei Kammerherren und eine Ehrendame. Ein Kolonial-Infanterieregiment, das 21., ist zu Ehren der Siamesen, die vielfach in der Stadt gesehen werden, abgeordnet. Ein Wagen mit den Wellen, ohne menschlichen Lenker! Der französische Ingenieur Duisaud hat der Academie eine ganz fantastische Erfindung vorgeführt, die von unabsehbarer Bedeutung für den Schnellverkehr werden kann. Es handelt sich um einen Wagen, der mit Präzision nach einem vorher entwickelten Plan ohne jeden Fahrer läuft. Dieser Wagen hat keinen Motor. Er wird auch nicht durch elektrische Fernwellen gelenkt, sondern durch ein neues Prinzip der„Endomechanik", das heißt: der Innen-Mechanik. Nach diesem Prinzip erhält er eine Reihe von Aufträgen, die ihm stufenweise gegeben werden und die er mit bemerkenswerter Genauigkeit erfüllt. Ein Band bewegt sich automatisch mit einheitlicher Bewegung. Auf diesem Band ist der Plan mit den Entfernungen und Winkeln eingetragen. Durch löcherungen lösen an gewünschten Stellen elektrische Kontakte aus und leiten den Mechanismus ab. Natürlich ist diese grandiose Erfindung vor allem von Bedeutung für die Verkehrssicherheit des Menschenlebens Der Frfinder glaubt, daß man ein Rettungsboot bauen könne da» selbsttätig Schiffe aus Seenot rettet. Man erörtert auch die Möglichkeiten besatzungsloser Flugzeuge, Schiffe. F. astwagen und»o weiter Auch an die Einwirkungen auf die Kriegsgefahr ist zu denken, da man mit Hilfe dieser Wunderwagen vielleicht die grauenhaften Gase durch Anlegung einer Schutzzone wirkungslos machen könnte. Deutsche Poliklinik££<&£££' •) Allgemeine Run—Ititicw r", b) Chirurgie c) Geburtshilfliche Klinik d) Zahnärztliches Kabinett Inner» Median. Augen.. Ohren.. Nasen, und Kehlkap,krank, ZweutdckigeilSsnJlomiinsgeblude. VUrstoduge» Gebäude. Zimmer Zahn- und Mundchirurgit Gold, aeiten. Röntgen. Diathermie. Elektrotherapie. Speaaibehard- XU--... mittler» und große Chiron mh I bis 4 Betten. 3 Aertte. 3 Heb. und Porzellan krönen..Brocken long bei Blnt-, Harn. s. Geachlachtakrankhaitan gta. Dia allermodemataEinrichtunt immer, und z Operahonatäla. Kautschuk,Arbeiten Ordination tügllch von 9—12 und 2-S; Sonntags und Feiertags von lO—12 und 2—4 Ul\r «B Existenz Mühle in Luxemburg mit Wasserkraft and Fischerei, zur Einrichtung eines Touristcn- und Wochenendheimes geeignet, günstig zu verkaufen. Mittellose unerwünscht. Anfrag, an die„Deutsche Freiheit", Saarbr., unt. Sdi. M. jMsecatmaHnahme FÜR STRASBOURG £ifoaicie Jlopuiaue 2, RUE SEDILLOT 2 HINTER DER BÖRSE Drs.G.und M.Spitzer 3, avenue de la Republique, Paris. Metro Republique, TeL Oberkampl 86-23. Sprechstunden: 1-3 und 6-8 Uhr riaut», Geschlechts*, innere und Kinderkrankheiten Epilation. Diathermie Existenz für Emigrantin Junge Dame, perfekte Schneiderin, für Puppen- und Maskotten-Atelier(Trachtenpuppen) gesucht. Selbige mußte vollständig u. selbständig nach eigenen Ideen und Entwürfen arbeiten können. Evtl. Atelierleitung. Wohnung and Pension Kleine Kaution müßte gesiellt werden. Angebote unter H. S. an die ,,Deutsche Freiheit", Saarbrutfeen. Werbt liir die„Deutsche Freiheit" Steuerfragen Gesellschaftsgründungen Wenden Sie sich an F. BRIQUEU LICENCIE EN DROIT ehemaliger Kontrolleur der direkten Steuerbehörden, um vom offiziellen Standpunkt aus beraten zu werden. 25, Bd. Bonne.Nouvelle, PARIS(2), Telefon Louvre 22»93 Jedenfalls ist die Bedeutung dieser Neuerung ganz ungeheuer, und die Academie, deren Mitglieder die Erfindung außerordentlich bewunderten, fragen sich bereits, welcher besonders erfahrene Seemann ausersehen werden könnte, um auf den Automaten im Voraus die nötigen Wendungen im Falle eines Seesturms zu übertragen. Von unserem Standpunkt aus scheint es uns insbesondere epochemachend, daß durch die geniale Tat eines Franzosen die widerliche fatalistische Grundüberzeugung der Hitle- rianer von der Unentrinnbarkeit der Kriege widerlegt wird. Bürgermeister Herriot und der Brotpreis Minister Herriot hat in seiner Eigenschaft als maire von Lyon den Stadtrat der Seidenstadt veranlaßt, die Reglung des Brotpreises aufzuheben. Diese Entscheidung geschah wegen der Spanne, die zwischen dem geregelten Brotpreis(2,05 Fr. für den Laib Brot) und dem geforderten Preis für Weißbrot und Mehl liegt. Die Bäcker wollten den Preis nicht senken. Nunmehr fällt das Privilegium der Brotpreis-Reglung fort, und die Bäcker werden der freien Konkurrenz überlassen. Paris über das Berliner Theater Der Berliner Berichterstatter der„Comoedia" spricht sein Erstaunen darüber aus, daß die Deutschen, auch die geschmackvolleren, sich heute an derben Stücken ergötzen, die im„dritten Reich" in Ermangelung von Helden- Stoffen gegeben werden. Im Lessingtheater, das ehemals von Brahms geleitet wurde, wohnten der Führer in Person, Göring, Göbbels und der Exkronprinz dem Stücke„Krach um Jolanthe" des bekannten Billinger bei, in dessen Mittelpunkte bekanntlich eine Sau steht. Bei einem Aktschluß sieht man unter Delirium der Menge den Hinterteil eines Schweins allein auf der Bühne. In einer Szene sieht man drei Schweine, mehrere Schafe, eine kleine Ziege, Hühner und Gänse auf der Bühne. Die Ziege springt auf den Tisch, um Zucker zu naschen. Ein Polizist richtet allerhand Unsinn an, ohne allerdings eine braune Uniform zu tragen. Aehnlich auch im Großen Schauspielhaus. Ferner hat Fred Antoine Angermayer(jetzt hat er aus dem„Antoine" ein A. gemacht, lies Anton. D. B.) hat ein Stück„Wunderwasser" verfaßt, eine derbe Liebes- geschickte aus Oldenburg geschrieben, die im Theater am Nollendorfplatz, der ehemaligen Piscator-Bühne, für 40 Pfennige auf allen Plätzen von der„Arbeitsfront" gespielt wird. Im Großen Schauspielhaus ist der Eintritt sogar umsonst. Auf derselben Linie liegt es wohl auch, wenn R. A. S t e m m I e(ehemals„Kampf um Kitsch") die selige Tante Charleys ins Filmgewand hüllt. Der französische Berichterstatter bemerkt dazu:„Das ist ein Theater, das man sich schwerlich auf unseren Boulevards vorstellen könnte." Das Familienbillet Für den Familienvater, gleichgültig ob Franzose oder Ausländer, hat Frankreich allerlei Annehmlichkeiten geschaffen. Eine von ihnen ist das„Familienbille t". Es wird bei einer Mindestentfernung von 300 Kilometer an Familien von mindest drei Köpfen ausgegeben, auch wenn darunter ein Kind unter sieben Jahren sich befindet. Mit dem Familienbillet verbilligt sich die Reise der zweiten Person um 25 Prozent, die der dritten um 50 Prozent, die jedes weiteren Familienmitgliedes um 75 Prozent. Außerdem wird bei einer Reise von mindestens 400 Kilometer hin und zurück noch eine weitere Ermäßigung gewährt, die von 10 bis 40 Prozent steigt. Schließlich kann das Familienhaupt für die Dauer des Ferienaufenthaltes seiner Familie mit dem Familienbillet eine Carte dTdentite erhalten, die es ihm ermöglicht, jeweils zum halben Fahrpreise seine Familie in der Sommerfrische so oft er will zu besuchen. Für kürzere Reisen empfiehlt es sich, die um 20 Prozent (bzw. 25 Prozent in der ersten Klasse) ermäßigten Einzel- Rückfahrkarten zu nehmen, die z. B. bei einer Reisestrecke von 500 Kilometer sieben Tage gelten. Ihre Gültigkeit ist zu den Festen verlängert. Zum Besuch der Heilbäder und Kurorte Frankreichs werden in der Vor- und Nachsaison(1. Mai bis 25. Juni und 20. August bis 30. September), zum Besuch der Seebäder am Kanal, am Ozean und am Mittelmeer in der Reisezeit vom 25. Mai bis 30. September 33 Tage gültige Rückfahrkarten bei vorgesehener Mindeststrecke ausgegeben. Die Ermäßigung beträgt 25 Prozent bis 30 Prozent in der ersten, 20 Prozent bis 25 Prozent in der zweiten und 20 Prozent in der dritten Klasse. Bedingung ist ein zwölftägiger Aufenthalt am Reiseziel. Für Touristen sind die Ausflugskarten nnd die Rundreisekarten sehr nützlich Die für Eisenbahn und Autobus kombinierten Rückfahrkarten, je nach Entfernung um 20 bis 30 Prozent ermäßigt, ermöglichen es die Autobusfahrkarte auf den schönsten Strecken Frankreichs bereit* am Fahrkartenschalter mitzukaufen, BBI6FKSISTEM «ntnwrpen. Wir danken Ihnen für den Ausschnitt aus der„Net» littet Börsen-Zeitung". Diesmal haben Sie sich allerdings unnötige Mühe gemacht. Amtliche deutsche Meldungen lesen wir stets im amtlichen Nachrichtenbüro. Wichtig sind für uns eigene Berichte der Zeitungen. „Wohlauf, die Lnft geht frisch und rein..•" Brief und Zeitungs- ausschnitt aus dem Frankenland erhalten. Wir lasen mit Ver- gnügen, wie sich der„Fränkische Kurier" in Nürnberg darüber beklagt. dag die Sammelbüchsen der SA. sich immer mehr mit Vor- kriegsgroschen, Biermarken. Metallstüctchen und alten Kragen- knöpfen füllen.»Wohltaten find wohl gut, und wohl dem, der sie tut." Cannes. Wir danken Ihnen bestens für die beiden Nummern der bayerischen Zeitung. Auch uns hat dieser edle Bruderstreit heitere Augenblicke bereitet. Gerne erwarten wir Ihre Mitteilungen über die Erlanger Korps. Es ist richtig, daß das Bankhaus Stein in Köln, das bei der Gründung des»dritten Reiches" eine so wichtige Rolle spielte, keine jüdische Firma ist. Die Inhaber der Bank sind Baron Kurt von Schröder und Heinrich von Stein. Wäre es 1923 nach diesen Herren gegangen, dann gäbe es heute einen rheinischen Pufferstaat nach den Wünschen der Separatisten. Beide Herren hatten im Herbst 1923 den Plan einer eigenen rheinischen Goldnotenbank mit Hilfe ausländischer Devisen fix und fertig? die marxistisch- republikanische Arbeiterschaft und ihre maßgebenden parlamen- torischen Vertreter verhinderten aber diese Gründung. Heute können Sie den Herrn Baron von Schröder in einer der schnittigsten braunen Uniformen bei festlichen Gelegenheiten bewundern. Diese braune Prominenz hat im Januar 1933 in seiner Villa— es ist eine der schönsten von Köln— die denkwürdige Aussprache zwischen Papen und Hitler mit darauffolgender Versöhnung vermittelt. Daß das Bankhaus Stein heute im Rheinland führend ist, und Baron Kurt von Schröder die Kölner Industrie- und Handels- kammer als Pionier des„dritten Reiches" präsidiert, versteht sich vou selbst.— Im übrigen danken wir Ihnen herzlich für alle Ihre Anregungen und Wünsch«. Sie fallen auf fruchtbaren Boden. B. B., SB. Bon einem kurzen Aufenthalt im Ausland schreiben Sie uns:»Wir alten Gewerkschaftler spielen mit den NSBO.-Leiuen Katz und Maus, und ahnungslos lassen sie sich von uns zu „Marxisten" machen. Neulich schlug unser Unternehmer die Ein- führung einer wöchentlichen Feierschicht vor. Die RSBO wurde von uns still und sachte mobil gemacht nnd protestierte. ES kam ihr Oberbonze und verhandelte zwei Stunden allein mit dem Unter- nehmer. Dann kam er rouS und sagte, es seien eigentlich zwei Feierschichten notwendig. Wir hatten inzwischen die NSBO. be- arbeitet, und so sagte ihr Obmann, die Belegschaft wäre bereit, zwei Feierschichten anzunehmen. Schon wollte der Nazibonze in da« Direktorbüro zurückstürzen, um seinen großen Erfolg zu melden, als sein Pg. hinzufügte...„wenn wir Arbeiter nur eine Feierschicht zu tragen haben und die zweite Feierschicht die Firma bezahlt". Es folgte ein TobsucbtSanfall bes braunen Bonzen: Da» sei reiner Marxismus! Die NSBO. schlug nun eine Betriebs- Versammlung vor, worauf der Nazibonze einen verstärkten Wut- onfall bekam: Das wäre dovvelter Marrismns, und die ganze Bande gehöre ins Konzentrationslager. Wir grienten, und die NTBO wird die Lehre sobald nicht vergehen. Dr. S. R. Sie machen uns darauf aufmerksam, daß trotz Hitler fauch Röhm hat mitgeholfen! im Jahr 19:18 die Geburtenziffer in Bayern um 5700 geringer war als im Vorjahre. Der„Völkische Beobachter" ist über die wachsende Impotenz des„dritten Reichs" (und seiner führenden Männerl begreiflicherweise sehr zornig. Er droht:„Sollten sich aber die in Aussicht gestellten Zuschüfle nicht als genügender Anreiz zur Hebung der Geburtenfreudigkeit erweisen, so ließe sich ihre Uebertragung auf die Provinz immer noch recht- fertigen, während man in Berlin nah durchgreifender 1!) vorgehen müßte." Sie fragen uns. w I e Hitler und Röhm„durchgreifen" werden. Da versagt unsere Fantasie! L.«., Zürich. Wir danken Ihnen für den Hinweis, daß laut einem Bericht der„Neuen Züricher Zeitung" der nationalfozia- listisch« Rassenforscher Günther auf der Berliner Tagung der heidnisch-religiösen Glaubensbewegung den Germanen u. a. nach- gerühmt hat, sie hätten die homosexuell sich betätigenden Männer er- säuft oder gehenkt. Ein Glück, daß diese Praxis in Neugermanien noch nicht eingeführt ist. Sonst würden die germanischen Zierden Röhm und Heines uns nicht mehr lange erhalten bleiben. „Emigrantin-. In zahlreichen Ländern find die Währungen nach dem Kriege erschüttert worden. Nach einer uns vorliegende« Statistik haben sich in den letzten drei Jahren die Währungen wie folgt verschlechtert: Japan um SO v. H., Argentinien HO, Australien 46 Dänemark 46, Finnland 42, Schweden 39, Amerika 86. Kanada 86, England 34, Südafrika 84, Irland 38, Aegypten 88, Indien 83, Eftland 32, Jugoslawien 21, Oesterreich 21, Tschechoslowakei 20, Bulgarien 4, Rumänien l v. H. Stabil blieben die Währungen von Frankreich, Schweiz, Belgien, Polen, Holland, Teutschland, Italien und Ungarn. Kaiserslautern. Tie machen uns die„Pfälzische Presse" zugänglich, in der ein Dr. Oterendrop die Forderung Hitlers, den„Bolls- wagen" zu schaffen, mit der deutschen Wehrhastigkeit tn Verbindung bringt. Vielleicht denken dieser Oterendrov und sein Hitler daran, die„Volkswagen" gleich als Miniaturtanks auszubauen oder doch wenigstens mit einem leichten Maschinengewehr zu bestücken. Auf diese Weise könnte feder Wochenendausslug zweckmäßig zu einer motorisierten Manöverübung ausgenutzt werden Schon die Säug- ltnge könnten sich so an da» Briegsübren gewöhnen. Für den Gesamttnhalt verantwortlich: Johann P i tz In Dud- weiter: für Inserate: Otto Kuhn tn Saarbrücken Rotationsdruck und Verlag: Verlag der BolkSstimme GmbH.. Saarbrücken 8, Schützenstraße 5,— Schließfach 778 Saarbrücken.