Sinzigs unabhängige Tageszeitung veutschlands Nummer 81— 2. Jahrgang Saarbrücken, Sonntag Montag, 8. 9. April 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Ana dem Inhalt Japanische. JlUgechm&eH tde&nisse in Dachau Seite 2 Seite 3 O&eqinn dec JnflationsscMachi Seite 4 1üa steht Deutschlands Aufrüstung.? TJlein Weg zu 9(Ulec Seite 7 Seite 8 Görina..areilt ein ftfc l öesfern und heute *™ B tPtP B^BB B B^BB B B B M 0i e Eisenbahnfahrt von Berlin nach Frankfurt am Main «.Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit" Nozl-Sdilnder ßs wird aus Berlin folgender für das Ausland be- ftimmter Bericht oerbreitet: In der Strafsache gegen Dr. Hoffmann und Genossen verkündet die Große Strafkammer des Landgerichts in «tertin am Freitag nach mehrtägiger Verhandlung folgen- ö?s Urteil: Es werden verurteilt: 1. Der Kriminalangestellte Dr. Joachim Hofsmann wegen gefährlicher Körperverletzung und Amtsverbrechen und Vergehens zu 13 Jahren Zuchthaus, 2. der Kriminalangestellte K a r l S a l i S wegen gefähr- licher Korperverletzung und wegen Amtsvergehen zu ö Jahren Gefängnis, t..f- der Kriminalangestellte Fritz PleineS wegen ge- fahrlicher Körperverletzung und Amtsverbrechen und Ver- gehens zu 6 Jahren Zuchthaus. 4. der Kraftfahrer Gustav Fink wegen gefährlicher Korperverletzung zu 10 Jahren Gefängnis, 5. der Fleischer Willi Herrmann wegen gefährlicher Korperverletzung zu 6 Jahren Gefängnis, 8. der Musiker H e i n r i ch R i ch t e r wegen gefährlicher Korperverletzung zu 2 Jahren Gefängnis, <• der Kellner Walter Treptow wegen gefährlicher Körperverletzung zu 9 Monaten Gefängnis, 8. der Kriminalasststent Paul Gra funder wegen Be- günstigung zu 300 Mark Geldstrafe. Die Geldstrafe wird durch die erlittene Untersuchungshaft für verbüßt erklärt. A?! 6« bükssttMen Ehrenrechte werden dem verurteilten yotfmann auf Sie Dauer von S Jahren, dem ver- Sahnt"^-ines->"f die Dauer von 3 Jah«n°b- fflnb unt» Ausschluß der Oefsentlich- !L« Ii ÄÄS'*°°" s««.»..«.,..», «lÜ 1, Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: Das Urteil der Großen strafkamemr des Landgerichts Stettin Genossen' i?'er?an^ Strafsache gegen Dr. Hofsmann und 'Jl"gangen gegen Kriminalangestellte und Be- ihnen anv?rtrauter^äftting^^^^ Mißhandlung Auf persönliche Weisung des Ministerpräsidenten Göring, der den nachgeordneten Behörden die korrekte Behandlung aller Häftlinge zur unbedingten Pflicht gemacht und strengste Ahndung etwaiger Uebergriffe und Mißhandlungen an Gefangenen angeordnet hat, ist das Versahren anhängig gemacht und von der Zentralstaatsanwaltschaft mit besonderer Beschleunigung durchgeführt worden. DaS Urteil, in dem auf hohe Zuchthaus- und Gefängnisstrafen erkannt worden ist, zeigt zur Genüge, daß Uebergriffe im nationalsozialistischen Staat nicht geduldet und mit rück- stchtSloser Schärie verfolgt werden. Die Tatsache der Durchführung des Versahrens, die Höhe der ans- gesprochenen Strafen widerlegen am eindeutigsten die in ausländischen Hetzschriften verbreiteten Nachrichten über angeblich mit Duldung der Behörden verübte Greueltaten in Gefängnissen und Konzentrationslagern. Dazu fragen wir: t. Wie können Kraftfahrer, Fleischer, Musiker und Kellner Gelegenheitchaben. Gefangene zu mißhandeln? 2. Warum verschweigt man, daß es offensichtlich Ange- hörige der von Hitler und Göring so hoch gelobten SA.- oder SS.-Banden waren? 3. Warum ist die Verhandlung unter Ausschluß der Oeffentiichkeit, wenn man wirklich die Absicht hat, auf die vielen Tausenden SA.- und SS.-Leute abschreckend zu wirken, die ungezählte politische Gefangene tot und siech geprügelt haben? 4. Warum hat die Zentralstaatsanwaltschaft in Berlin die Anklage erhoben, wenn die Verbrechen in Pommern geschehen sind? Hatte in Pommern kein Staatsanwalt den Mut dazu? 4. Warum wurde die Klage erst auf persönliche Peran- lassung des Herrn Ministerpräsidenten erhoben? 6. Was geschieht in den vielen tausend Fällen, die dem Ministerpräsidenten nicht zu Ohren kommen? 7. Warum hat der Ministerpräsident in den sehr vielen brutalen Fällen von Ausschreitungen der SA. und SS., die ihm bisher amtlich zur Kenntnis gebracht worden sind— wir stellen das unter Beweis—, nichts unternommen? Der Schlußsatz des Berichtes des Amtlichen Preußischen Pressedienstes zeigt, daß es sich um ein r e i n e s P r o p a- gandaurteil handelt. Es ist uns deshalb sehr Zweifel- Haft, ob die Verurteilten wirklich einen wesentlichen Teil ihrer Strafe abzubüßen haben. Es bleibt bestehen: Der Ministerpräsident hat zu Be- ginn seiner Amtstätigkeit wiederholt durch gewalt- tätige Reden gegen die marxistischen„Verbrecher" und durch Lahmlegen der politischen Exe- kutive gegen die SA.- und SS.- Banden massenhaft Ausschreitungen provoziert und begünstigt. Wahr bleibt, daß in zahllosen eid- lich zu beweisenden Fällen die SA. und SS. ihre„ver- hafteten" und blutig geschlagenen politischen Gegner bei den Polizeibehörden abgeliefert hat, ohne daß diese gegen die Schuldigen einzuschreiten wagten, weil sie nicht gegen die Intentionen des Ministerpräsidenten handeln wollten. Die Verantwortung für die maßlosen Ausschreitungen trägt aber der preußische Ministerpräsident und Polizei- minister. Ministerpräsident Göring will seinen Ruf im Auslande oerbessern. Daher dieses Schauurteil. In den Gefäng- nisten der Gestapo und in den Konzentrationslagern wird weiter geprügelt wie bisher. Heilmanns Schicksal Weiß davon Göring nichts? Ernst Heilmann, der Vorsitzende der früheren sozialdemo- kratischen LanbtagSfraktion in Preußen, der im Herbst vorigen Jahres vom Konzentrationslager Oranienburg nach dem LagerBörgermoor gebracht und eines Tages mit ernstlichen Schußwunden in das katholische Kranken- haus Papenburg aufgenommen wurde, ist, wie wir ver- nehmen, aus diesem Ä rankenhause entlassen worden. Heil- mann ist nicht nach Börgermoor zurückgebracht, aber auch nicht in Freiheit gesetzt worden. Er befindet sich als Ge» fangener der Gestapo in einem Gefängnis bei Berlin. Sein körperlicher und geistiger Zustand ist infolge der furchtbaren Behandlung im Konzentrationslager der eines gebrochenen Mannes. Der früher so hochbegabte Mann, einer der besten Redner im Parlament, macht einen abgestumpften und geistesabwesenden Eindruck. Dies ist auch der Grund, warum man es nicht wagt, diesen Mann, der für das„dritte Reich" kaum mehr gefährlich sein kann, auf freien Fuß zu setzen. Man fürchtet, daß allein der Anblick seines Zustandes gegen das Regime zeugen würde. ventsche Richter Nur ein Zentrumsmann— also vogelfrei! In Düsseldorf sind drei Kommuni st cn hin- g e r i ch t^ t worden, weil sie am 20. Juni 1932 angeblich a n n e r Schießerei beteiligt waren, bei der ein SA.-Mann erschossen wurde. Tieben weitere Kommunisten wurden zu lebenslänglichem Zuchthaus„begnadigt". Am Tage der Hinrichtung verhandelte das Schwurgericht in Münster gegen den Schlosser Alois Leding. Er hat in der Nacht zum 0. November 1933 in einer Wirtschaft aus politischen Gründen zwei Schüsse aus nächster Nähe auf den Steuerinspektor Asemann in Borken ab- gegeben und ihn schwer verletzt. Der Angeklagte verteidigte sich: Asemann sei von anßc« ein Zentrumsmann und von innen ein Kommunist gewesen! Der Angeklagte erhielt— ein Jahr vier Monate Gefäng- nis unter voller Anrechnung der Untersuchungshaft! Wäre der Täter ein Zentrumsmann und der Verletzte Nationalsozialist gewesen, so wäre der Täter zum Tode verurteilt und hingerichtet worden! Wir fragen uns: was wird dem schwerverletzten Asemann noch geschehen? Die deutschen Richter sind die SA.-Männer der Justiz. Ihr oberster Grundsatz lautet: Mensch ist nicht gleich Mensch Wer ist rrifz Bremer Ein„Staatsfeind" in— Chikago Berlin. 7. April. In der Liste der Personen, denen kürzlich die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt wurde, befand sich, wie berichtet, auch Fritz Brchmer sBremer). Um andere Per- sonen gleichen Namens vor Verwechslungen mit dem aus der Volksgemeinschaft ausgestoßencn zu schützen, wird vom Reichsministerium des Innern daraus aufmerksam gemacht, daß es sich um den 28jährigen Fritz Brehmer lBremerj in Chikago sUSA.» handle, der als Leiter der dortigen Ortsgruppe des„Reichsbanners" in öffentlichen Borträgen die deutsche Regierung beschimpfe und durch Greuelpropaganda Stimmung gegen das neue Deutschland zu machen versuche. Die Eisenbahnfahrt von Berlin nach Frankfurt am Main dauert etwa neun Stunden, das ist heute noch ebenso wie unter dem System oder dem Kaiserreich. Wessen Zeit dafür zu kostbar ist— was man sich bei einem Pressechef des deutschen Groß- und Ueberseehandels oder einem Reichs- bischof allenfalls vorstellen könnte— der hat wohl auch so gute Verbindungen, daß er einen Freiflug bekommt. Falls die Sache nicht auf Spesen verbucht wird. Im übrigen hockt man eben zu sechs oder acht beisammen wie einst. Und erzählt sich was. Was Sie da eben sehen, ist das Leuna-Werk— kolossales Ding; stellen übrigens dauernd Leute ein. Denn es last sich nicht leugnen, es ist ein Aufschwung da, aber im Leuna-Werk da machen sie ja noch etwas Besonderes, man soll eigentlich nicht davon sprechen.... Ein Bruder meines Mannes ist in Hamburg bei einer Tiefbau-Firma; der kommt nun wirklich mit den Leuten zusammen und sagt, so etwas von einer rührenden Zuversicht hast Du noch nicht erlebt.... So, denkt man, sprechen die Leute in den deutschen Eisenbahnen. So muß man denken, wenn man die deutschen Zeitungen liest. Aber es scheint anders zu sein. Immer wieder hören wir es von Leuten, die gerade durch Deutschland gereist sind. Auf der neunstündigen Fahrt von Berlin nach Frankfurt sieht die Unterhaltung so aus: O, erlauben Sie mal bitte! Darf ich. das Fenster aufmachen? War das Bebra? Gestatten Sie.... Entschuldigen Sie bitte vielmals! Alles sehr behutsam, verbindlich, verschlossen und von einem stummen Flehen begleitet: Fang bitte, um Gottes willen, kein Gespräch an. Das deutsche Volk, vereint in seinen Eisenbahn-Coupes, ist heute von einer geradezu ängstlichen, fast lautlosen Höflichkeit. Im übrigen schweigt es. Denn niemand weiß, wer jemand ist. Man soll daraus keine voreiligen Schlüsse ziehen. Es ist nicht anzunehmen, daß die Reisenden, wenn sie sich sorglos ein fröhliches Auftuen des Mundes gestatten dürften, unisone auf die Regierung schimpfen würden. Ja, man kann getrost behaupten, daß das bestimmt nicht geschehen würde. Aber sie würden eben reden, wie der Untertan das seit etwa drei Menschenalter gewohnt ist. Sie würden feststellen, daß den jungen Leuten endlich wieder einmal Disziplin beigebracht wird und daß das sehr gut sei. Sie würden Ansichten darüber austauschen, daß in der Tat jetft kolossal gebaut wird, aber das Geschäft in Maschinen doch sehr schlecht ist; die Preise, die unsere Firma erzielt, decken nicht einmal die Unkosten. Sie würden sich die neuesten Witje erzählen; einigermaßen wohlwollende über Hitler, vernichtende über Göring und Goebbels. Junge Menschen würden behaupten, daß man zum Sozialismus käme, und ältere würden erwidern. Hitler sei viel zu besonnen für Experimente. Hoffentlich gibt es keinen Krieg, denn das wäre das Fürchterlichste. Ach wo, es gibt bestimmt keinen, die andern haben ja viel zu viel Angst vor uns. Nichts davon heute. Man sagt: Entschuldigen Sie, und meint: denke um Gottes willen nichts Böses von mir; ich bin ganz harmlos. Dies Schweigen der Menschen untereinander ist noch viel schlimmer als das Schweigen der Presse, das den Macht- habern allmählich unheimlich wird. Die Stille brütet Gedanken aus, und wenn das Schweigen so tief wird, daß es auffällt, ist es schrecklich. Die Schweigsamkeit des deutschen Volkes wird langsam unheimlich wie die Mitternacht. Es mag sein, daß gar nichts gefährliches drin ist, noch nicht. Aber wer weiß es? Die deutschen Machthaber haben ein Jahr lang soviel geredet, daß sie erst je(ft darauf aufmerksam werden, daß niemand ihnen zu antworten wagt. Plößlich fürchten sie sich vor dem Alleinsein in der politischen Macht wie ein Mensch, der nachts in einen großen Palast eingeschlossen ist. Darum sagt Hitler, daß ihn fünfzehn Zeitungen langweilen, weil in jeder dasselbe steht. Er weiß genau, daß er ganz allein da ist und niemand ihm was tun wird; aber er hätte lieber, daß viele da wären, von denen jeder den Mund auf- täte und sagte: ich tu dir nichts, mein Führer; ich bin bei dir und folge dir. Aber alles kann man nicht haben. Ein Diktator, der das Schweigen seiner Untertanen nicht verträgt, sollte lieber in Pension gehen, sich ein kleines Häuschen kaufen und abends beim Kegeln sich den neuesten Vig über die Regierung erzählen lassen. 40 Personen ertrunken DNB. OSlo, 7. April. Am Ta-Fjord in der Nähe von Aale- sund ist eine steile Felswand am Meer unter dem Ansturm einer Springflut plötzlich zusammengebrochen und in die See gestürzt. Dabei sind etwa 40 Personen mit in die Tiefe ge- rissen worden und um» Leben gekommen. Nähere Mittei- lungen liegen noch nicht vor. französische Abrüstung unmöglich" Eine neue Antwortnote an England Paris, 6. April. Tie französische Antwortnote auf die englische Ansrage vom 28. Mqrz ist dem französischen Botschafter in London telegrafisch übermittelt worden mit der Weisung, sie der bri- tischen Regierung zu überreichen. Ergänzend verlautet in unterrichteten Kreisen, bah die französische Regierung in der Note ihre Bereitwilligkeit zu Berhandlungen über die angeschnittenen Fragen erklärt. Plan rechnet damzt, dah die französische Regierung inner- halb der nächsten Woche in einer neuen Note ihr« Auffassung über die Art der geeigneten Durchführungsgarantien der englischen Regierung mitteilen wjrd und dah auf dieser Grundlage neue Verhandlungen stattfinden werden. Tie französische Negierung scheint in der Frage des geplanten Abrüstungsabkommens in weitestgehendem Maße auf ihre sonstigen internationalen Bindungen Rücksicht nehmen zu wollen. Es ist anzunehmen, dah die französische Regierung daher auch die Kleine Entente über die Entwicklung dieser Frage auf dem lausenden hält. vcr Inns» Oer Iraniv5ka>en Antwort Paris. 6. April. Ucber den Inhalt der französischen Antwort auf die letzte englische Abrüstungsnote verlautet auS zuverlässiger Quelle, dah die französische Regierung die Frage, ob Frankreich bereit sei, ein Abkommen zur Begrenzung der Rüstungen unter Beteiligung Deutschlands mit noch zu bestimmenden englischen Durchstthrungsgarantien zu unterzeichnen, als zu allgemein bezeichnet, als dah Frankreich bereits grundsätzlich in unzweideutiger Weise seine Zustimmung zu einem solchen garantierten Abrüstungsabkommen geben könnte. •. Zunächst müsse man wissen, wie hoch die EffektivstreitkrSfte und die Rüstungen sein sollten, die nach Meinung Englands Deutschland zu bewilligen seien, und weiter, welches Militär- 'Itatut Frankreich parallel hiermit nach britischer Ansicht haben müsse. Erst wenn die französische Regierung über diese wesent- lichen Punkte Bescheid wisse, könne sie sich in voller Kenntnis der Sachlage äussern. Gegenwärtig bleibe Frankreich den Grundsätzen des HauptausschuffeS der Abrüstungskonferenz treu. Es könne den Anregungen der englischen Note vom SS. Januar nicht zustimmen, die darauf hinausliefen zu gleicher Zeit eiue gewisse Aufrüstung Deutschlands und den Beginn einer Abrüstung Frankreichs zu bewilligen. Auher» dem müsse man bedenken, dah die„Legalisierung" der Auf- rüstung Teutschlands entsprechende Aufrüstungssorderunge« der anderen Mächte mit begrenzten Rüstungen nach sich ziehen würde. Wie weiter verlautet, soll Auhenminister Barthou die Ab- ficht haben, dem englischen Auhenminister demnächst die Durchführungsgarantieu anzugeben, die seiner Anficht nach uncrlählich seien, um eine Verletzung des internationale« Abrüstungoabkommcns zu vermeiden. Sonderbare Haltung Amerikas Washington, 6. April. Wie im Staatsdepartement verlautet, wird Norman Davis einstweilen keine Anweisungen»ur Wiederaufnahme der Verhandlungen über die Abrüstung er- halten. In Washington wartet man vielmehr das Ergebnis der zwischen London und Paris stattfindenden VerHand- lungen ab. Man betont aber, dah Amerika sich niemals im voraus zu Sanktionen oder zu irgendeiner bestimmten Hol- tung verpflichten werde. Amerika sei jedoch bereit, sich im Falle einer Kriegsgefahr mit den übrigen Mächten zu be- raten und, falls Amerika dann zu der Ansicht komme, dah der eine kriegführende Teil der Angreifer sei, werde eS jede Unterstützung des Angreifers unterlassen. Vorbedingung für diese Haltung der Bereinigten Staaten sei aber, wie Norman Davis schon 1988 in Genf ausgeführt hat, die Einigung der Mächte über eine tatsächliche Abrüstung. Widerhall in England lediglidi nene Gegenfragen DNB. London, 7. April. Die englische Morgenpresse ver- öffentlicht ausführliche Andeutungen ihrer Pariser Vertreter über den Inhalt der französischen Antwortnote aus die eng- tischen Anfragen wegen der Sicherheit- und wirtschaftlichen Wünsche Frankreichs. Allgemein wird mit einiger Ein- schränkung festgestellt, dah die französische Note keineswegs eine klare Antwort ans Englands Fragen darstelle, sondern lediglich ans neuen Gegenfragen bestehe. Ter diplomatische Mitarbeiter des„Daily Tele- graph" erklärt, die sranzösische Note könne kaum als ein wikljcher Fortschritt. iMStz iLCfl xM'Maen,„A.chan dl NN gen betrachtet werden. Die augenscheinliche Wirkung der ftän- Mischen Antwort besteht darin, die von England geforderten Erläuterungen über die Garantiewünsche hinauszuschieben, aber England aufzufordern, genaue Vorschläge über das Mah von Rüstungen vorzulegen, das nach englischer Ansicht Deutschland nnd Frankreich vorgelegt werden soll. Eine solche Stellungnahme sei doch etwas seltsam, meint der Berichter- stattet, nachdem die englische Regierung in den letzten Denk- schritte» ihre Ansichten über alle wichtigen Fragen voll- kommen klargelegt habe. Man habe in London gedacht, dah diese Ansichten— nämlich Gleichheit der Jstftärke und der Dienstzeit der deutschen und französischen Heimatarmee, schrittweise Anschaffung aller Defenstvwafsen durch Deutsch- land, schrittweises Aufgeben der schweren und Offensiv- wassen durch Frankreich usw— vollkommen genügen ivürdcn, um Frankreich eine Formulierung seiner Gedanken über die Aussührungsbürgschaften sür das geplante Ab- rüstungSabkommen zu ermöglichen. Die neue französische Note mache jedoch den Eindruck, dah Paris von London die Abfassung vollkommen neuer Vorschläge erwarte. Die Blätter nehmen an, dah eine zweite franzö- sische Denkschrift in wenigen Tagen erfolgen werde. Pertiyar' erwartet, dah die französische Regierung in münd- lichen Verhandlungen England über die iür Frankreich wichtigsten Punkte der Abrüstungsfrage, nämlich die Be- dingungen eines zukünftigen Abrttstungsabkommens und die AussührungSgarantien befragen werde. Der Pariser^Tft»eS"-Berichterstatter schlägt eine weniger pessimistische Note an und meint, die französische Antwortnote sei ein Zeichen, dah Frankreich uiuunehr bereit sei. „der äusserst wichtigen Entscheidung ins Antlitz zu blicken", womit die Frage der Aussührungsgarantien gemeint sei. In diesem Lichte gesehen, verspreche die französische Antwort einen wichtigen Fortschritt zur Erzielung eines Abrüstnngsab- kommens. Der diplomatische Mitarbeiter des„Daily Herald" sagt, die französische Note verlange nicht etwa nur Aus'ührungs- bürgschakten, sondern weitere Bürgschaften kür die„allge- meine Sicherheit". England werde in verschleierter Weise ausgefordert seine Verpslicktungen aus dem Völkerbunds- statut uns den Locarno-Verträgen auszudehnen nnd zu ver- mehren. Unter keinen anderen Bedingungen sei Frankreich bereit, eine Begrenzung seiner eigenen Rüstungen oder einer Erhöhung der deutschen Rüstungen zuzustimmen. BeraUgnng in Spanien Nor noch vereinzelte Ausschreitungen düb. Madrid, 7. April. Ter spanische Innenminister teilt mit, bah die Regierung die sofortige Aushebung des Alarm- zustandes beschlossen habe. Das Kabinett sei der Meinung, ' daß die ordentlichen Gesetze zur weiteren Aufrechterhaltung der Ordnung genügten. Ferner sei die Regierung entschlossen, die energischsten Mahnahmen gegen die Brandstiftungen in Kirchen, die in der letzten Zeit wieder außerordentlich über- Hand genommen haben, zu ergreisen. I» San Fernando bei Eadix haben drei Anarchisten mit vorgehaltenen Pistolen den Pförtner des dortigen Geiäng- Misses eingeschüchtert und fünf politische Gesinnungsgenossen, die des Mordes verdächtig in den Zellen sahen, befreit. In Madrid hat eine künsköpsige Anarchistenbande einen Lade» muten in der Stadt ausgeraubt. Die Täter konnten un- erkannt entkommen. In Madrid, Balenoia, Zaragossa und Barcelona danern die politischen Streiks weiter an. In der letztgenannten Stadt kam die Polizei einer Anarchistenbande aus die Spur, die die Ermordung der massgebenden dortige» Politiker plante. Hungerstreik und Gefängnisbefreiungen dnb. Paris, 7. April. In Cadix gelang eS zwei Straf- gefangenen im Anschluß an einen waghalsigen Ucberfall von drei Helfershelfern aus dem Gefängnis zu entkommen. In den Nachmitagsstunden des Freitags klingelte ein Mann an der äusseren Geiängnispiorte nnd bat den einzigen anwesen- den Gefängnisausseher, zu össnen, da er ein Paket für einen Gefangenen auszuhändigen habe. Kaum war der Gefängnis- Wärter dem Wunsche nachgekomen, als er von drei anderen bis dahin versteckt gebliebenen Männern überfallen und ge- fesselt wurde. Man nahm ihm die Zellenschlüssel aus der Tasche und öffnete eine Gemeinschaftszelle, in der sich sieben Gefangene befanden. Nur zwei von ihnen machten aber von der Flnchtmöglichkett Gebrauch! die anderen fünf weigerten sich. Bisher ist es nicht gelungen, die Spur der Flüchtlinge aufzunehmen. Im gleichen Gefängnis haben etwa 300 Gefangene den Hungerstreik erklärt, weil sie die Anwendung des Amnestie- gesetzeS aus sich fordern. Es handelt sich um Gefangene, deren Vergehen sozialen Charakter trägt und um Diebe. Das neueste Bon der grossen Staskammer des Landgerichts Stettin wurden mehrere Kriminalangestellte wegen Gesungenen- Mißhandlung zu hohen Zuchthans- und Gcsängniestrasen vernrteilt. Wie der österreichische Staatssekretär für das S'cherheits- wrsen, ttarwinsky, mitteilte, befinden sich in den öfter- reichischen Konzentrationslagern gegenwärtig 75N National- soziatisten nnd 114 Sozialdemokraten.— Ob die Zahl stimmt, lassen wir dahingestellt. In Minneapolls verübte» SIMM) Arbeitslos« schwere Auo- jchreitungen, bei denen zahlreich« Personen verletzt wurde». Ein abscheulicher Gistmord wird ans dem spanischen Dorfe Scrradilla gemeldet. Eine dort wohnhaste Bäuerin hatte im Einvernehmen mit ihrem Geliebten den Plan gesaht, ihren Mann ins Jenseits zu befördern. Sie versuchte es zuerst da- mit, dah sie ihm ins Trinkwasser Schweselhölzer wars. Als das keinen Ersolg zu haben schien, löste sie Ratteugist im Trinkwasser aus. Ter Manu wurde nach dem ersten Glase be- reits krank nnd muhte sich hinlegen. Die Frau setzte aber die Kur sort, bis der Mann nach wonigen Tagen starb. Di« Frau sowohl wie ihr Liebhaber wurden»erhastet und haben de- reits ein Geständnis abgelegt. Ter Präsident der Abrüstungskouscrcnz, Henderson, ist Freitaguachmittag i« Pari» eingetrosseu. Japanische Fliegerbomben dnb. Peking, 7. April. Wie aus Kalgan berichtet wird, er- schienen gestern sechs japanische Bomben- und Jagdflugzeuge über der Stadt, die Flugblätter abwarfen, in denen die be- vorstehende Besetzung Kalgans durch japanische Truppen an- gekündigt wird. Eine chinsische Abwehrbatterie beschoß ein japanisches Flugzeug, allerdings ohne Wirkung. Die Flug- zeuge haben, den Berichten zufolge, daraus das Feuer er- widert und mehrere Bomben abgeworfen. Sabotierte Einheitsfront Paris, 7. April. Die Allgemeine Arbeiteroereinigung hatte für den kommenden Sonntag eine große Protestkundgebung gegen die Sparmaßnahmen der Regierung angekündigt. An dieser Kundgebung sollten Berteter der Arbeitergewerk- schatten, der Beamtenvereinigungen und der linksgerichteten Kriegsteilnehmerverbände teilnehmen. Auch die kommu- nistischen Gewerkschaften waren eingeladen worden, um eine gemeinsame Abwehrsront auszustellen. Da die Komm»- nisten, obgleich sie selbst auch in diese Einheitsfront ein- getreten waren, angekündigt hatten, dah sie die Sozialistischen Abwehrmahnahmen gegen die Gesetzeserlasse sabotieren würden und im übrigen die ordnungsgemässe Durchiührung der Kundgebung verhindern wollten, hat die Direktion des Sportplalastes. in dem diese Kundgebung stattfinden sollte, sich in letzter Minute geiveigert, die Halle zu vermieten. Da- mit ist der Plan der Arbeitergewerkschaften einstweilen ins Wasier gefallen. In einer Antwort, in der den komm»- nistischen Gewerkschaften die heftigsten Vorwürfe gemacht werden, heißt es, daß die Kundgebung nicht stattfinden werbe. ES sei damit jede Möglichkeit aus der Welt geschafft worden, zwischen der marrisiischen allgemeinen Arbeltervereinigung und den kommunistischen Gewerkschaften eine Einheitsfront im Kampfe aegen die Sparmaßnahmen der Regierung zu bilden. liürzung der Kriegspensionen Schonung der Schwerbeschädigten DNB. Paris, 7. April. Die französischen Minister treten am kommenden Dienstag erneut zu einem Ministerrat zu- sammen. um sich mit der Neuorganisierung der Eisenbahnen und mit dem zweiten Abschnitt de? Sparprogramms zu be- schättigen. Da eS sich bei den neuen Sparmaßnahmen um Opfer handelt, die von den ehemaligen Kriegsteilnehmern gebracht werden müssen, hatte man bisher angenommen, dah die Regierung aus besondere Schwierigkeiten stoßen würde. Jetzt verlautet jedoch in gut unterrichteten politischen Kreisen, daß solche Schwierigkeiten kaum auttreten würben. Die Regierung habe die Absicht, die Pensionen der KriegSteil- nehmer um 3 Prozent zu kürze»: dabei sollen Schwerkriegs- nerletzte nicht berührt werden, ebensowenig wie wiederver- heiratete Kriegerwitwen, die ausserdem nur 500 Fr. Im Fahr bezieben. Die Regierung erhofft von diesen Maßnahmen eine Einsparung von etwa SM Millionen Franken. Hierzu kämen die 70Y Millionen, die man sich ans den GinrniJjnwn der StaatSlotterie verspricht, so daß die Gesamteinsparungen nach oben abgerundet eiwa eine Milliarde ergeben würden. Da bereits 2>7#> Milliarden durch die ersten Svarerlasse vor- banden sind, würden sich die gesamten Einsparungen ans 3,70 Milliarden belaufen. Das Defizit beträgt rund vier Milliarden, so dah die Regierung nur»roch etwa 800 Millionen zu suchen branchte, um das Loch endgültig zu stopfen. Hinrichtung Ein Mädchenmörder DRV. Berlin, 7. April. Die Instizpressestelle Berlin teilt mit:^Der 24 Jahre alte Mörder Paul Lehmann, der am 26. September v. I. vom Schwurgericht II bei dem Land- gerichi Berlin wegen Mordes zum Tode und dauerndem Ehr- vertust verurteilt worden war, ist beute morgen um 0 Uhr im Hofe des Strafgefängnisses Plötzensee von dem Magde- burger Scharsrichter durch das Beil hingerichtet worden. Leb- mann hatte am Abend des 20. Februar d. I. seine Geliebte, die damals 27jährige Berta Bleick in der Nähe der Bahn- statlon Bergeröamm über das Geländer einer Brücke in den sogenannten Großen Graben gestürzt und sich in den Besitz eines von der Ermordeten mitgefühlten Koffers gesetzt, in dem sich u. a. auch Bargeld befand. Der preußische Ministerpräsident hat von dem Be- gnadigungSrecht keinen Gebrauch gemacht, weil Lehmann den Mord nach einem wohldurchdachten heimtückischen Plan und aus niedrigen Beweggründen verübt hat. Eesthrawattenlled Selbstverständlich ietzen wir die Löhne runter In dem Maße, wie der Margarinepreis Mit der Dividende um die Wette klettert, Denn wir sind mit der Finanz sehr eng vervettert. Fest geschlossen ist der Intressentenkreis. Darum lächle, Volksgenosse, und sei munter. Schmücke, wenn du nicht mehr kannst. Deinen ausgedörrten Wanst Mit dem Schmuck, den man bisher nicht hatte. Mit der neuen deutschen Festkrawatte. Selbstverständlich wird die Marmelade schlechter. Aber unire Erbsensuppen sind gekonnt. Fleisch- und Butternahrung sind bei uns veraltet. Auch das letzte Kochgeschirr ist gleichgeschaltet. TaS besorgte gern die deutsche Arbeitsfront. Kraft durch Freude macht den Hunger stilgerechter. VolkSgenosie, drückt der Schuh, Zieh am HalS die Binde zu. Von der Not. die dich am Kragen hatte, Macht dich frei die deutsche Festkrawatte. O Germania, was machst du für Geschichten. Warum liehest du dich mit den Räubern ein? Nun verluderst du in Gaunerei nnd Schacher. Deine Kräfte saugen die Krawattenmacher. Und das arme Volk muh dich erneut besrein. Deine Schinder, deine Schänder wird e» richten. Keinen gibt eS, der entschlüpft. Alle weiden sie geknüpft An den Strick, den man bisher nicht hatte. Au die neue deutsche Festkrawatte. Der Rote Ha»4 Erlebnisse in Dachau Tatsachen aus einer Stätte des Grauens Ein deutscher Sozialdemokrat, der lange Monate im Konzentrationslager zu Dachau zugebracht hat und sich nun im Auslande in Sicherheit befindet, sendet uns einige Auszüge aus einem demnächst erscheinenden Erinnerungs- buche: Sklavenarbeit und Stockhiebe Als ich verhaftet und ins Gefängnis eingeliefert wurde, bekam ich einen Haftbefehl, in welchem zu lesen stand daß ich zum„Schutze meiner eigenen Person" in„Schutzhast" ge- nommen werbe. In dem vielgepriesenen Ordnungsstaat mußte es jedoch mit der Ordnung nicht weit her sein: man schien für meine Sicherheit, für die ich ganz bestimmt selber gesorgt hätte, trotz meiner Einkerkerung nicht Gewähr bieten zu können. Man lieferte mich deshalb zu meinem eigenen Schutz ins Konzentrationslager Dachau ein. Zu„meinem Schutze" wiederum schlugen mich meine„Schützer" mit mehr als hundert Stockhieben auf den nackten Körper bewußtlos und nur mit knapper Not wurde mein derart geschütztes Leben erhalten. Nach meiner Wiederherstellung war es zum Schutze meiner Gesundheit notwendig, daß ich, wie alle anderen politischen Gefangenen, Zwangsarbeit leistete. Wie diese aussah, mag nachstehende wahrheitsgetreue Schilderung berichten. Trotz der miserablen Ernährung mußten wir Gefangenen täglich neun bis vierzehn Stunden schwer arbeiten. Ich war„besonderer Liebling" und kam deshalb in die berüchtigte Kiesgrube. Die meisten sozialdemokratischen Funktionäre und besonders die Juden er- duldeten in dieser Kiesgrube die schlimmsten Drangsalterungen. Unzählige Gefangene haben das Erdreich der Kiesgrube mit Blut, Tränen und Schweiß genetzt. Unter Stock-, Peitschen- und Kolbenhieben haben wir ge- schuftet. Hatte der Scharführer Frank aus Würzburg das Kommando über diele Arbeits- Kälte, mutzte zumindest einer bewußtlos vom Platze getragen werden. Es ist unmöglich, die Namen all derer zu nennen, die in der Kies- grübe ihr Blut verspritzten. Während der grimmigen Dezember- und Januarkälte muß- ten die Gefangenen mit nacktem Oberkörper, dem eisigen Wind ausgesetzt, dem gefrorenen Boden mit harter Mühe Scholle um Scholle abringend arbeiten. Wer einen Augenblick ' rschnaufen wollte, mußte nicht nur die gröb- sten Beschimpfungen erdulden, sondern auch gewärtig sein Prügel zu bekommen oder inS eiskalte Grundwasser geworfen zu werden. Da die meisten nicht mit Schaufel und Pickel vertraut waren gab es bald schwere Blasen an den Händen, und da man trotzdem weiter schuften mußte, hing jedem die Haut in Fetzen von den Händen und jeder Spglenstich verur- sachte großen Schmerz. Der gewonnene Kies wirb auf Feldbahngleisen zu den Baustellen gefahren. Die Gefangenen müssen mit den schwerbeladenen Rollwagen ständig im „Marsch, marsch!" laufen. Keuchend, fast zu- sammenbrechend, nur durch die Angst vor Schlägen vielfach aufrechterhalten, stürmen die armen, gepeinigten Menschen die Geleise entlang, ab und zu getroffen von einem heim- tückischen Hieb unserer„Schützer", die schimpfend neben uns herliefen mit der„freundlichen" Ausforderung:„Wollt ihr laufen, ihr Hurenhuude!" Als ich am Tage meiner Entlassung zusammen mit elf Gefährten diese Schandstätte verließ, bot sich uns zum Ab- schied nochmals diese fürchterliche Schinderei und wir sahen, wie der Scharführer Frank den dahinrasenden Gefangenen immer wieder ein Bein stellte, um einen von ihnen zu Fall zu bringen. Beinbrüche haben sich auf diese Weise wieberholt ereignet. Wir gingen außerhalb des Tores dieser Hölle noch eine Weile schweigsam weiter, bis ins Innerste erschüttert und ergrimmt. Ausatmend, diesen Bestien entronnen zu sein, gelobten wir uns sodann alle zwölf, daß wir den glühenden Haß gegen dieses Tchandioftem niemals in uns erlöschen lassen. von SS.-Leuten umringt, die wie blutgierige Wölfe auf Beute lauern. Ein solcher Empfang ist immer Gelegenheit, die verbrecherischen Neigungen abzureagieren Viele Hunderte von Gefangenen in Dachau tragen die Spuren solcher„Be- grützung" am mißhandelten Körper. Von den vielen Fällen, die mir bekannt sind, will ich hier nur eine„Probe" wieder- geben. 1. Dr. Erich Braun, Arzt aus Coburg, wurde am 1. Juli, vormittags tll Uhr, im Keller unter der Ge- fangenenküche unter Aufsicht des Scharführers Erbs- müller mit einem Ochsenziemer und Gummiknütteln derart geschlagen, daß ihm die Haut und das Fleisch in Fetzen von Gesäß und Rücken hingen. Dr. Braun lag monatelang im Revier. Vom rechten Gesätzbacken wurde ihm später das abgestorbene Fleisch ausgeschnitten, wobei ein fast zwei Hände großer Fleischfeyen abgelöst werden mußte. Als Dr. Braun nach seiner Genesung in die Kiesgrube abkommandiert wurde, schlug man ihn neuer- Vings bewußtlos. 2. Fritz Ecker. Parteiangestellter, Weiden i. Oberpfalz, ist auf Betreiben des Mordbuben Liebwein Franz aus Weiden vom Scharführer Erbsmüller am 1. Juli zur „Vernehmung" in den Keller geführt worden und wurde dort aufs grausamste gefoltert. Den Kopf hatte man ihm mit einer Decke umwickelt. In der Baracke, wohin Ecker Konzeniraiionslaaer Daclia«, der IMl des Todes *• Konzentrationslager Dachau auf drm Oeiändr Orr DeutKÄ* «LAUTHUNGIN ZUM HAN t. Torwicht am Haupttor. t. Se-Btreltechelt Gebäude(Folterkammer). II Neugeboute Arrette 3. Kommandantur. 4. Schubraum. 5. Gelange-——•" nenktlche. 6. Gefangenenapelaeraum. 7. Lager wache. 8. o-kj"'*" barock« mit k] Gelangenenbaracken. 9. Revier* Getangenen arreiten. 10. Maulve« für Gelangen«. 12. Si Kaierne. 13. Ss Speiteraum. 14. Sa-Revler. 15. Alter Plerdeatal). 16. a-c) Maichinengewehrtürme; d) Transformatorenhau» (W«H«nkammer).17.Werkitatten.l8. Alt« Kiesgrube* Im Dlufrausdi Die feigen, vertierten TS.-Horben in Dachau wählen sich ihre Opfer zumeist auS den Neuankömmlingen. Kaum sind die Gefangenen dem Transportwagen entstiegen, werden sie sich noch mühsam geschleppt hatte, fiel er bewußtlos zu- lammen. Infolge der durch die unzähligen Stockschläge aufs nackte Gesäß verursachten Blutstauunaen stellten 'ich schwere Herzbeklemmungen ein, worauf Ecker Ein- 'pritzungen in den Oberschenkel bekam. Wochenlang onnte Ecker nur auf dem Bauche liegen. Da sich das im Mäß gestaute Blutwasser und Eiter durchfraßen, mußte cker aus operativem Wege ein handgroßes Fleischstück, erlault, ausgeschnitten werden. Volle 8 Tage lang lag Ecker mit 42 Grad Fieber danierdcr. Z.Ter arbeitslose Wolf gang Mühlbauer wurde mit vorgehaltener Pistole am 1. Juli gezwungen, den Mund zu öffnen, worauf ihm zwei„Erneuerer deutscher Kultur" hineinspuckten. Mühlbauer mußte die Spucke verschlucken. Sodann riß man ihm das Hemd vom Leibe und schlug ihn, bis er zusammenbrach. 4. Ter Reisevertrcter Justin Wilmersbörfer aus Weiden wurde mindestens 2llmal von dem SS.-Mann Liebwcin Franz mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Tann hing man ihm ein Plakat um mit der Aufschrift: „Ich bin ein Bonze." So wurde er fotografiert und mußte dabei künstlich lachen. Daraufhin zog man ihn ins nahe Klosett und schlug ihn erbärmlich mit Stöcken. W. mußte zweimal operiert werden. Kaum genesen, wurde er beim Bäckereiumbau mit schwerer Arbeit be- schästigt und schon am ersten Tage neuerdings schwer mißhandelt. Sobald er bewußtlos war. legte man ihn unter den Hydranten und übergoß ihn mit Wasser, worauf man aufs neue auf ihn einschlug. Von morgens 7 Uhr bis mittags 11 Uhr wurde W. auf diese Weise von den SS.-Leuten Liebwein aus Weiden und Frank auS Würzburg gepeinigt. Wiederholt bat W.:„Herr Schar- führer, bitte, erschießen Sie mich doch." Das sind nur vier Fälle von den mehr als dreißig Fällen, die sich allein am Samstag, dem 1. Juli, im Lager Dachau zutrugen. PrlvaHusltz Im Reich der Hitler, Göring und Konsorten wird nicht nur in den Konzentrationslagern geprügelt und nicht nur die politischen Gefangenen werden mißhandelt, sondern auch in den Gefängnissen werden Strafgefangene mißhandelt. Nach- stehender Einzelfall dokumentiert die Barbarei in deutschen Gesängnissen und zugleich die Tatsache, daß neben der staat- lichen Exekutive auch eine private Justiz existiert. In Weiden i. Oberpfalz ist der wegen seiner Trunksucht und Ausschweifung bekannte SS.-Mann Weidhas eines Nachts 12 Uhr betrunken in die Gastwirtschaft„Neue Welt gekommen und hat mit den Gästen sogleich Streit begonnen. Im Verlauf der Auseinandersetzungen bekam Weidhas mit einer Bierflasche einen Schlag aus die Nase. Als Täter wurde der verheiratete Schuhmacher Andr. Hagen in„Schutzhait" genommen und ins Landgerichtsgefängnis eingeliefert. Gegen Hagen wurde das Strafverfahren wegen Körperverletzung eröffnet und unter Zubilligung mildernder Umstände bekam Hagen zehn Monate Gefängnis. Der verletzte Weidhas, der Provokateur, mußte jedoch seine Privatrache haben. Eines Tages holte der Gefängniswachtmeister den Hagen aus der Zelle und sagte ihm, er solle ins Vernehmungszimmer kom- men. Hier wurde nun Hagen von vier SA.-Leuten in Emp- fang genommen und aufs Grausamste verprügelt. Hagen hat hernach den Staatsanwalt und die Gefängnisverwaltung davon unterrichtet und seine Verletzungen gezeigt. Der Staatsanwalt hat gegen die Prügelhelden, die einen Wehr- losen fürchterlich mißhandelten, nicht das geringste unter- nommen während Hagen den einen Schlag, der im gegen- fettigen Raufhandel geführt wurde mit zehn Monaten Ge- fängnis„sühnen" mußte. Auch den Gefängnisbeamten, die doch Helfershelfer der vier SA.-Strolche waren, wurde nicht einmal eine Rüae erteilt. So sieht die„Rechtspflege" im Hitlerschen„dritten Reich" aus. Jeder SA.-Lümmel macht sich die„unabhängige" Justiz Untertan und diese ist nichts anderes als die Hure der braun uniformierten Zuhälter. Deutschland erwacht „Die Konzentrationslager sind notwendig," sagte erst kürz- lich wieder der vom Größenwahn besessene Herr Göring. Ja, sie sind dem Hitlerreich unentbehrlich. Man braucht sie, um das murrende Volk in Aengsten zu halten. Die Herren Machthaber, welche immer so auffallend oft von ihrer„un- erschütterlichen" Machtposition reden, fühlen sich nämlich gar nicht so sicher, denn es ist ihnen nicht unbekannt, daß sie weit- hin im Volke ausgespielt haben. Besonders auch unter lang- jährigen, früher sanatischen Nationalsozia- listen, die grenzenlose Enttäuschung zur offen gezeigten Er- bitterung führte. An unzähligen Einzelfällen könnte ich dartun, welcher Art diese Erbitterung ist. Zur Eharakterisie- rung der Stimmung unter den SA. Leuten diene folgendes Erlebnis: Nach 40wöchentlicher Gefangenschaft im Konzcntrations- lagcr Dachau wurde ich entlassen und einige Tage nach meiner Heimkehr besuchte ich ein Gasthaus. Zu meinem Leid- wesen saß darin ein uniformierter TA.-Mann, der sich bei meiner Jnfchutzhaftnahme besonders gegen mich ausgelassen und erklärt hat, vor Ablauf von fünf Jahren dürfe ich keinesfalls aus dem Lager entlassen werden. Wie war ich nun erstaunt, als dieser SA.-Mann ans mich zuging, mir die Hand darbot und mich freudigst begrüßte. Als ich daraus nur kühl reagierte, steckte mir der SA.-Mann einen rasch ge- schriebenen Zettel nachstehenden Inhaltes zu:„Lieder Fred! Verzeihe mir, daß Du mich so uniformiert siehst. Es tut mir fürchterlich leid, daß eS so kam. Viele von unS hoffen, daß eS bald anders kommt und sind mit Dir." In Dutzenden ähnlicher Fälle gewann ich die lieber- zeugung, daß trotz Konzentrationslager, die Angst durch die Erbitterung verdrängt wird. Deutschland erwacht. Die tägliche Nazlhorruplton Berlin, 6. April. sJnpreß.l Ter Berliner Kassierer der „Arbeitsfront". Gruppe Hilfsarbeiter des Grasischen Gewerbes. Hahn, wurde wegen Unterschlagung von 10 000 RM. zu 2 Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Vorsitzende des„Betriebsrats" im Ullstein-Verlag, Herter, der aus Bayern nach Berlin geholt worden war, ist wegen Unterschlagung der für Weihnachtsunterstützungen ge- sammelten Gelder verhaftet worden. Auch hier handelt es sich um etwa 10 000 RM. Der Nazi-Oekonom des früheren Gewerkschaitshaujes in Lerlin ist unter Mitnahme baren Geldes und Hinterlassung großer Schulden geflohen. Der Adjutant des Führers der NSBO. bei der Betriebs- direktion der Eisenbahnverwaltung Nürnberg, Seelmann, hat 70 000 Mark Organisationsgelder unterschlagen und ist flüchtig. Rechtswirrwarr Die juristische Wissenschaft in Sorge sJnpreß.) In dem neuesten Heft der„Deutschen Juristen- zeitung" nimmt Professor Dr. Hellfritz zu dem streit Stellung, der zwischen mehr oder weniger echten Nazi- Professoren darüber entbrannt ist. ob der heutige deutsche Staat ein Rechtsstaat sei. Hellfritz stellt zunächst fest, daß über diese Kardinalirage gerade die Juristen, die am eifrigsten mitzuarbeiten bemüht sind, untereinander nicht einig werden können, und daß„wir gegenwärtig in einer Verwirrung der Rechtobegriffe leben, wie sie für.die Wißenichaft nicht ärger gedacht werden kann". Diesen Streit will enden, indem er zunächst den Satz verkündet, dag„Gemhle und wissenschaftliche Gedankengänge verschiedene Dinge stnd und„daß der Jurist das Recht eines Staates nicht gestalten kann,„wenn er die theoretische Grundlage des Rechts aus- schaltet". Hellfritz muß selbst zugeben, daß die Bestimmungen der Weimarer Verfassung, welche die personliche Freiheit garantieren sollen, ausgehoben worden sind, ober er tröstet sich damit, baß dies nur in der Uebergangszeit geschehen sei: die Gesetzmäßigkeit sei inzwischen schon in großem Maßstabe wieder hergestellt, so daß also die Symptome eines Rechts- staates schon gegeben seien: deshalb aber sei der heutige Staat noch lange kein„liberaler Staat". Aus Grund dieser Feststellungen, welche offensichtlich die NSDAP, beruhigen soll, glaubt Hellsritz seine Behauptung, baß der national- sozialistische Staat, trotz allem, was dem widerspricht, ein Rechtsstaat sei, vor Angriffen der Nazijuristen geschützt zu haben. gez. Schmalz Die 10 Punkte des Gauleiters h. b. Der ungekrönte König des Hannoverlandes, Gau- leiter Kurt Schmalz, seines Zeichens ein durchgefallener Konditorlehrling, hat folgendes Dekret erlassen und da- mit seine Untertanen der Mühe enthoben, über die Ver- wendung ihrer Pimperlinge selber zu entscheiden: „Jeder Volksgenosse hat die Möglichkeit, in der jetzt be- ginnenden Schlacht gegen die Arbeitslosigkeit zu beweisen, daß er dem Befehl des Führers:„Arbeit schaffen!" be- dingnngslos Folge geleistet hat. Jeder Volksgenosse erhält deshalb eine Arbeitsnachweis- karte, aus der im Einklang mit seiner Leistungsfähigkeit der positive Anteil an der Arbeitsschlacht bewertet wird. Jeder Volksgenosse muß vom 21. März ab seine sämt- lichen Belegquittungen über getätigte Käufe, Austräge und Bestellungen ausheben, da diese als Unterlage zur Punkt- bewertung gellen werden. Jeder Volksgenosse kann unabhängig von der materiellen Höhe seiner Käufe im Rahmen seiner wirtschaftlichen Ver- Hältnisse entweder durch Anschaffungen oder persönliche Hills- oder Arbeitsleistung die geforderte Punktzahl er» reichen. Jeder Volksgenosse muß seine ganze Kraft dareinsetzen, die zehn Punkte bald zu erfüllen! Bon meinen allen Parieigenossen aber erwarte ich, daß sie auch hier wieder mit unermüdlichem Eiser vorangehen und die Fahne zum Kamps gegen die Arbeitslosigkeit vorantragen. Hannover, den 20. März 1034. lgez.j Schmalz." Die Arbeitsnachweiskarten gehen den Verteilungsstellen in den nächsten Tagen zur Weiterleitung zu. Jeder Ge- schäftsmann muß sich bereit halten, die bei ihm getätigten Käufe und Aufträge als solche aus Wunsch zu bescheinigen. Wenn das nur keine Pleite wird, lieber Gauleiter. Im allgemeinen pflegt nämlich auch bei alten Parteigenossen die Liebe da aufzuhören, wo der Geldbeutel anfängt. Geschäft! lJnpreß.) Die amtliche Tageszeitung der NSDAP, für den Gau Sachsen,„Der Freiheitskampf", verkündet in einem ganzseitigen Inserat:„Das Justizministerium hat der amt- lichen Tageszeitung der NSDAP.„Der Freiheitskamps" mit Wirkung vom 1. April ab die Eigenschaft als alleinige? Amtsblatt für den Amtsgerichtsbezirk Dresden übertragen." Denkmal für die Matrosen des„Potemkin" Odessa, 1. April. IFSU.j Die Denkmalschutzkommission der Stadt Odessa hat nach langem Suchen aus dem christlichen Friedhof von Odessa das Grab des Matrosen Grigori Waku- lintschuk aufgefunden, der als erstes Opfer der Revolte des Panzerschisfes„Potemkin" 190S fiel. Die Mannschaft deS Schiffes hatte die Beerdigung Wakulintschuks durchgesetzt, die Stadtverwaltung verheimlichte aber den Ort. wo das erste Opfer des Matrosenausstandes begraben wurde. Erst nach vieljährigeu Untersuchungen ist eö jetzt gelungen, das Grab ausfindig zu mache». ..Deutsche Freiheit", Nr. 81 ARBEIT URO WIRTSCHAFT Saarbrücken. Sonntag Montag, 8. 9. April iwc BpscEi zur deutschen Inflationsschlacht Von Jan Severin Görings Kampf gegen Schacht Im„dritten Reich" ist bekanntlich durch RegierungserlaR der Klassenkampf seit dem 1. Mai 1933 beendet und an seine Stelle ist die deutsche Volksgemeinschaft getreten. Unglücklicherweise hat aber auch diese neue Volksgemeinschaft den Krisenverfall der Wirtschaft bisher nicht aufhalten können. Hinter dem übrigens mit seltenem Ungeschick gewebten Lügenschleier der Statistiken und der Berichte über die Beseitigung der Arbeitslosigkeit* kommt vielmehr immer deutlicher die katastrophale Gestaltung der deutschen Wirtschaftslage zum Vorschein. Nicht nur die Devisendecke der Reichshank, sondern auch die goldene Decke der Profite des Industrie- und Finanzkapitals wird immer kürzer und der Kampf der Beteiligten, doch noch ein möglichst großes Stück von ihr zu ei haschen, verschärft sich somit immer mehr. Es wäre hierbei natürlich frivol, von einem Wiederauflehen oder gar einer unentwegten Fortsetzung des Klassenkampfes zu sprechen, denn der ist erstens verboten, zweitens aber ist die arbeitende Klasse von jeder Mitwirkung an der Wirt- Schaftspolitik, also an ihrem eigenen Schicksal ausgeschlossen. So könnte es wenigstens scheinen, wenn man erkannt hat, daß hinter den Kulissen ein ungeheuer ernster Kampf zwischen den einzelnen Interessentengruppen ausgebrochen ist und daß diese verschiedenen Cliquen des Monopolkapitals hierbei auf die Arbeitnehmer keinerlei Rücksicht mehr zu nehmen brauchen. In Wirklichkeit muß man aber bei der Analysierung des Aufmarsches zur kommenden deutschen Inflationsschlacht, also bei dem Kampf um das ganz große neue Geschäft immer wieder feststellen, daß indirekt die Stimmung der arbeitenden Massen doch als sehr wichtiger Faktor mitspricht und die Entscheidungen, die die verschiedenen politischen und wirtschaftlichen..Führer" augenblicklich für ihre Gruppen fällen, sehr stark beeinflußt. Ein wirklicher Machtfaktor ist die Arbeiterklasse im gegenwärtigen Deutschland trotz allem nicht. Sie dient als wichtige Figur in dem großen Schachspiel, aber die Rücksicht, die die Führer immer deutlicher grade auf diese Figur nehmen müssen, scheint doch zu zeigen, daß sie keineswegs mehr in dem Maße Herren ihrer Entschlüsse sind, wie sie es bisher vorgegeben haben und wie sie es auch heute noch mit allerdings schwindendem Erfolge der Außenwelt vortäuschen wollen. Die Schranken, an die die angebliche Entschlußfreiheit der geborenen deutschen Führernaturen stößt, werden immer enger und unüberwindlicher. Zunächst allerdings handelt es sich darum, daß bei diesem Kampfe um die immer kürzer werdende Profitdecke jede Gruppe mehr oder weniger eine Gefangene der anderen kapitalistischen Gruppen geworden ist. Zwischen ihnen spielt sich jetzt hinter den Kulissen der große Kampf um die Reichsmark ab. Der Charakter der Entscheidungen wird immer provisorischer, da jede Gruppe die andere ausspielt und mit mehr oder minder Geschick die Stimmung der Massen einzusetzen versucht. Jeder Sieg einer Gruppe trägt schon immer wieder den Keim zu einer kommenden Niederlage in sich und man kann schon heute feststellen, daß bei allen diesen Vorgefechte» um das endgültige Schicksal der deutschen Wirtschafts- und Währungspolitik die Kräfte der sich gegenseitig angreifenden und aufreibenden herrschenden Gruppen des Monopolkapitals jedenfalls nicht größer werden. Die Position S ch a ch t s, der immer deutlicher als Exponent des Finanzkapitals hervortritt, wird in erster Reihe von den besonders am Export interessierten Gruppen der Industrie berannt. Die sich auf dem europäischen Kontinent mit unheimlicher Geschwindigkeit fortsetzende Devalvationswelle erschwert die an und für sich schon durch unzählige Kontingents-Mauern auf ein Mindestmaß verringerte Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Ausfuhrindustrien immer mehr. Allerdings hat man durch das raffinierte Verfahren der Scrips, der zahllosen Sperrmarksorten, der Registermark und Exportvaluta bereits seit langem auf dem Umwege über die Währung eine Exportprämie eingeführt, die schon heute das Ausmaß der englischen und amerikanischen erreicht hat. Aber das Verfahren bleibt außerordentlich kompliziert und wird durch die verschiedenen Zugrständnise, die man aus Gründen der Handelspolitik und der Auslandsverschuldung einzelnen Ländern machen mußte, immer schwerfälliger. Von dieser Seite wünscht man also eine klare Abwertung, der Mark, die etwa derjenigen des Dollar ent- s p r e ch e n soll. An und für sich wäre hierdurch vielleicht nicht einmal sehr viel für den Export gewonnen, denn es würde sich ja nur um die nachträgliche Sanktionierung und endgültige Festlegung einer gegenüber dem Auslande schon längst bestehenden Mark-Entwertung handeln. Immerhin erhofft man zweierlei von einer solchen offiziellen Aufgabe der Parität: Erstens nämlich wird man von den Verhandlungen, die Herr Schacht im Auslande führt und von seiner Gnade hinsichtlich der Anerkennung eines„zusätzlichen Exportes" unabhängig. Man hofft die Einmengung der Reichsbank in das industrielle Exportgeschäft und damit in das ganze Gebühren der großen Industrien zu beseitigen, dem Finanzkapital also in der Gestalt des Herrn Schacht einen schweren Schlag zu versetzen. Andererseits erwartet man ein beträchtliches Sinken des Reallohnes und damiteinestarke Verminderung der Selbstkosten, die doch wieder dem Export wenigstens zunächst einen Impuls gehen kann. Die Löhne werden nämlich schließlich nicht in Scrips oder Sperrmark, sondern in der„hochwertigen" offiziellen Reichsmark gezahlt und hier glaubt man durch eine eindeutige Abwertungsaktion einen weiteren Teil der Krisenverluste auf die Schultern der Arbeitnehmer abwälzen zu können. An und für sich würde das neue Arbeitsgesetz ja auch die Möglichkeit zu scharfen Lohnsenkungen schaffen, ohne daß man die Reichsbank besonders zu bemühen braucht. Aber die Durchführung dieses Gesetzes erscheint immerhin als ein zweischneidiges Schwert und sie steht im Grunde ja mindestens ebenso scharf im Widerspruch zu den früheren Versprechungen der Nazi-Regierung, wie eine Abwertung der Reichsmark. Grade dieser Punkt wird von der zweiten Gruppe der Befürworter einer Inflation und der noch erbitterteren Schacht-Gegner in den Vordergrund gerückt, nämlich von den für den Binnenmarkt arbeitenden Unternehmungen, ganz besonders aber von der Rüstungsindustrie. Diese haben in erster Linie ein Interesse an der Fortführung des..Arbeitsbeschäffungsprogrammes". Grade jetzt beginnen die Rüstungsaufträge seit einigen Monaten sehr stark zu fließen und zahlreiche Unternehmer, die schon fast als erledigt galten, wie besonders diejenigen der Automobil-Industrie, sitzen heute vor vollen Schüsseln und wollen grade den Schmaus beginnen. Jede Unterbrechung berührt hier unangenehm und man ist sich offenbar ziemlich klar darüber, daß die Stimmung der Arbeiterschichten, selbst der volltsändig fasdiisierten Teile der Arbeiterklasse eine offene Lohnsenkung nicht ruhig hinnehmen würde. Gewiß ist man überzeugt, daß man bei den heutigen Machtmitteln der Regierung, die jeden Streik unmöglich machen, Auswege schaffen würde. Aber in jedem Falle erscheinen grade jetzt soziale Auseinandersetzungen dem Geschäft abträglich. Hier- zu kommt, daß die außenpolitische Lage unsicher bleibt und daß man daher nicht weiß, ob und wie lange das sich grade jetzt so ausgezeichnet anlassende Rüstungsgeschäft fortgesetzt werden kann. Kurz gesagt, man will die augenblickliche Konjunktur bis zur Neige auskosten und zieht deshalb zur Senkung der Lohnkosten den Umweg über die Devalvation gegenüber demjenigen einer eindeutigen Lohnsenkung vor. Unter diesem Gesichtswinkel der möglichst raschen und gründlichen Aufrüstung treten auch die kapitalfreundlichen Nazi-Führer wie G ö r i n g für diesen Umweg ein. Bei ihnen spielt allerdings die Finanzierungsfrage die wichtigste Rolle, denn man ist sich trotz der optimistischen Ausführungen des Herrn Dr. Schadet, der ja überzeugt ist, auf einer neuen kurzen Gastspielreise nach den USA. ohne Schwierigkeiten eine Anleihe von einer halben Milliarde Mark zu bekommen, darüber klar, daß dieser Optimismus unsinnig ist und daß ohne eine neue Beschaffung von Finanzierungsmöglichkeiten über die Reichsbank eine Fortsetzung des Arbeitsbeschaffungsprogrammes, anders ausgedrückt der Rüstungsaufträge unmöglich ist. Schließlich kommt für viele Industrien noch hinzu, daß man bei der Vornahme einer Devalvation eine"erhebliche Entlastung von den großen Markschulden erzielt. Die Zinsen und Tilgungsraten für die Valutaschulden zahlt man ja bekanntlich sowieso nicht und in vielen Fällen sind heute die Mark- schulden weit drückender geworden, als diejenigen, die auf Dollar oder Gulden lauten, zumal man, schon rein nominell an den Dollarschulden durch die Abwertung der amerikanischen Valuta reichlich verdient hat. Die Markschulden sind aber unentwegt hoch, die Zinsen müssen gezahlt werden und die neuen Eingriffe in den Anlagemarkt haben zu starken Kurssteigerungen geführt, die nicht einmal den Rücklauf dieser in Deutschland selbst untergebrachten Anleihen möglich und zweckmäßig erscheinen lassen. Man sieht also, daß ei eine recht breite Front von Kämpfern für die deutsche Inflation gibt und daß sie auch in der Politik an denjenigen Exponenten des Regimes, denen die Aufrüstung wichtiger ist als alles andere, einen wertvollen Rückhalt haben. Bin! nnd Eisen Der Inlandmarkt weiter belebt Der Bericht des Zweckverbandes der Industrie- und Handelskammern zu Bochum, Dortmund, Essen und Münster über die Lage der Großeisenindustrie im Monat März 1934 stellt fest: Der Monat März brachte allgemein eine weitere Besserung. Roheisen- und Rohstablerzeugung übertrafen die Februar-Ziffern.»Vor allem der Inlandsmarkt zeigte eine Belebung. Die Abnahme der Betriebsvorräte infolge des immer stärker einsetzenden Frühjahrsgeschäftea hatte eine Verlängerung der Lieferfristen seitens der Werke zur Folge. Das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Regierung zeitigte günstige Auswirkungen auf den Eisenmärkten. Die Aussichten werden weiter zuversichtlich beurteilt.— Der Auslandsmarkt zeigt nur eine langsame Rrsserung. Der starke Wettbewerb der Länder mit entwerteter Währung wirkt nach wie vor hemmend. Schlechter als 1914 (Inpreß.) Im neuen Haushaltplan der Stadt Stuttgart sind die Wohlfahrtsausgaben um fünf Millionen Reichsmark gesenkt worden. Die Ausgaben für Tiefbau-— also im wesentlichen für Straßenunterhaltung— werden von 8.5 auf 3,3 Millionen Reichsmark gekürzt; sie liegen damit lim 1,2 Millionen Reichsmark unter denjenigen des Jahres 1914. , Der Haushaitplan enthält ferner die bezeichnende Mitteilung, daß die Steuereinnahmen einen„schmerzlichen Rückgang" erlitten hätten. „Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?— Das ist Hen* Schachl mit sein em Kind" Deutsche Stimmen•(Beilage zur„(Deutstfken Freiheit"• Ereignisse und Qesdiidkten r; j- Sonntag-Montag, don 6. und 9. April 1934'''■'■ S'" IS lillllli S&c&stwuxcd JU4Z4&&tCM Von Jtam£i ndenhecg In der Zelle herrschte Stille— unheimlich lautlose Stille. Ein kleiner schmutziger Tisch, eine Bank, an der Wand die hochgeschnallte Pritsche, in der Ecke der stinkende Kübel und schräg oben ein Schachbrett mit hellen azurblauen Feldern: Die Sonne lachte ironisch grinsend durch das Gitter iu den so trüben Käfig. Zusammengekrümmt auf der Bank saß ein Mann, den Kopf schmerzgequält in die mageren Hände gepreßt. Einige Male schon hob er den Kopf und schaute in die azurblauen Felder, um gleich darauf wieder in die alte Stellung zurückzuzucken, wie von einem elektrischen Schlag getroffen. Wie das schmerzt— aber er mußte es immer wieder tun, ganz lautlos. Nur das schwere Klopfen seines Herzens, das unter dem angstvoll dumpfen Druck zu bersten drohte und das Blut bleischwer gegen die Schläfen hämmern ließ, konnte er hören. Ob er noch denken konnte?— Vor einigen Tagen, vielleicht sind es auch Monate, war das Urteil. Die Verhandlung war kurz, kalt. In dem Gerichtssaal sqßen hinter der Zeugenbarriere zwei Pressevertreter, die Besucherbänke waren von braunen Uniformen besetzt. Auf der Anklagebank saßen aufrecht drei junge Männer den Richtern mit ihren starren gefühllosen Gesichtern gegenüber. Die Nerven gespannt, die Augen scharf auf die Richter geheftet, saßen drei junge Kämpfer. Mit ihren letzten nach langer Untersuchungshaft noch gebliebenen Kräften, bereit die Entscheidung über Leben und Tod entgegenzunehmen. Wäre ein Mensch im Saale gewesen, er hätte ihnen ansehen müssen, wie sie verzweifelt ihre letzten Kräfte zusammenrafften, um ja nicht schwach zu erscheinen vor dem verhaßten Feind. Er hätte spüren müssen, wie sie diese Kräfte aus einem Glauben schöpften, aus einem Glauben an ihre Sache und aus einem Haß, einem kämpferischen Haß gegen die Todfeinde dieser Sache. Ja, es war der Glaube an eine große Sache, der sie auf die Fragen des Vorsitzenden mutig erklären ließ: Wir sind unschuldig an dem, was Sie uns unterschieben und daß wir Revolutionäre sind, brauchen wir nicht zu bereuen. Wir kämpften für die Freiheit und werden aitch für sie zu sterben wissen. Groß und mutig war dieses Wort. Aber es wurde von den Richtern nicht beachtet. Zehn, vielleicht auch zwanzig Zeugen beschwörten die Schuld der Angeklagten, die in gemeinsamer Tat den SA.-Mann Schulze ermordet haben sollen. Haben sie das getan? Was fragen wir! Ueberall in dem Millionenreich wüten die braunen Banden. Tausende sind ihnen zum Opfer gefallen, tausende werden gefangen gehalten und geprügelt wie Hunde. Ip Millionen sauberen Arbeiterherzen lebt der Schrecken blutschnäuziger Hunderudel. Und wenn nun ein solcher Hund daneben gebissen hat und selbst fiel, wer hat da die Schuld? Fahrt zur Hölle! Ihr blutrünstigen Räuber, ihr Totengräber heiliger Menschenrechte! Der schweizer Publizist J. B. R u s eh, dessen Meinung in seinem Lande nicht wenig gilt, nimmt in der Basler„National- Zeitung" zu dem Presseerlaß des Bundesrates Stellung. Wir entnehmen seinem Aufsatz die folgenden Stellen: ..Der Bundesratsheschluß kann in seiner praktischen Ausführung zu einer einseitigen Inschutznahme der nationalsozialistischen Regierung und des Nationalsozialismus und I asrhismus durch Bundesrat und Bundesanwaltschaft gegenüber der ganzen Schweizerpresse führen. Die allfällig zur Maßregelung gelangende Presse ist dieser Maßregelung gegenüber wehrlos. Es gibt wider die Vorkehren des Bundesrates, auch wenn sie durch längere Einstellung der Erscheinung eines Blattes das betreffende Presseunternehmen ruinieren, keine staatsrechtliche Berufung ans Bundesgericht. Es ist ganz der Wahl und dem Ermessen des Bundesrates und der Bundesanwaltschaft überlassen, antinationalsozialistischen und antifaschistischen Schweizerzeitungen das Lebenslicht auszublasen. Wohl ist Voraussetzung des Vorgehens die„besondere Schwere der Ausschreitungen". Aber die Waage dieses Schwergewichtes ist in Bern. Die nationalsozialistischen Behörden haben schon eine Reihe von Zeitungen im Reichsgebiet verboten unter Beanstandung irgend eines ihnen nicht behagenden Artikels. Sollte diese Maßregel von außen her dem Bundesrat in seiner offensichtlichen Angst vor allem Ausland schon genügen, auch seinerseits die betreffenden Zeitungen zu verwarnen? Alle Blätter, welche den Nationalsozialismus und Faschismus bekämpfen, sind auch im eigenen Lande gegen jede reaktionäre Strömung eingestellt, sie gehören dem dieser Strömung bisher sehr zugetanen Bundesrate gegenüber zur Opposition. Der Bundesratsbeschluß gibt dem Bundesrat eine Handhabe, über den Weg der Beanstandung außenpolitischer Kritik am Nationalsozialismus und Faschismus namentlich wegen ihrer Innenpolitik ihm unangenehm gewordene Blätter zu unterdrücken. Es ist anzunehmen, daß er vorerst nicht so weit gehe. Wenn er aber so weit gehen wollte, würde es ihm sein eigener Pressebeschluß gestatten. Irgend ein von Respekt nicht gerade überfließender Artikel wider Hitler oder Mussolini könnte als Eingriffsbeweggrund genügen. In Paris. Saarbrücken. Brüssel und Prag erscheinen von den aus Deutschland geflüchteten Demokraten und Republikanern„Zeitungen der Verbannten". Es sei erinnert an die..Pariser Zeitune" von Georg Bernhard(gemeint ist das Pariser Tageblatt". Red. d...D. F."), an die„Deutsche F r e i h e i t", das..Westland", die nach Prag geflüchtete ••Weltbühne" und andere. Desgleichen gehen von Paris und Eondon aus italienische antifaschistische Zeitungen in die Welt. In diesen Blättern spricht zum Teil die Vertreter- ••hafteineshochachtbaren. erfreulichfreien und vornehmen Geistes. Aber sie kämpfen alle gegen Faschismus und Nationalsozialismus und dieser ihr Kampf Aber diese Räuber haben Macht, große Macht, sie entscheiden über Tod und Leben von Millionen. Warum sollen sie nicht auch über Tod und Leben der drei auf der Anklagebank entscheiden können? Sie haben die Macht und können sie mit brutaler Gewalt ausnützen— und sie haben sie ausgenützt... Zwei bekamen einen lebendigen Tod im Zuchthaus befohlen, der dritte aber sollte nächste Woche hingerichtet werden. 0, wie kalt, wie grausam kalt klingt diese Sprache. Zuchthaus! Tod! Der dritte saß in seiner trüben, unheimlich stillen Zelle. Kein Laut, kein Gedanke quälte ihn mehr. Ihn quälte nur ein Schmerz: wielange noch lebendig tot sein?— Draußen schien die Sonne, in die Zelle warf sie die Schatten der dicken Gitterstäbe. Zwischen eisigem Schatten und lachenden Sonnenstrahlen sollte er sich auf den Tod vorbereiten. Er hatte es schon getan, hatte Abschied genommen vom Leben, vom Kampf, von der Liebe.— Da plötzlich erschien ihm doch das Gespenst, das Beil in des Henkers Hand. Ein furchtbarer Schreck lähmte mit einem Schlag seinen ganzen Körper. Das Herz setzte aus, das Blut kreiste nicht mehr, schlug nicht mehr wie Hämmer an die Schläfen, kalter Schweiß trat auf die Stirn.— Die ganzen Tage und Nächte daher hatte er sich vorbereitet auf diesen Augenblick, wo er dem Tod Aug um Aug gegenüberstehen würde— und jetzt hat es ihn erschlagen, eine Vision der grauenhaften Wirklichkeit. Ein Schrei, ein Schrei, der die unheimliche Stille zerriß und selbst die gefühllosen Wächter erzittern machte, löste sich von der schreckenstarren Brust eines Mannes, der ein Leben für das Leben kämpfte und. nun zu Tode gequält. Dann wußte er nichts mehr— Draußen aber wurde es lebendig. Wärter rannten hin und her, Telefone rasselten, Sanitäter trugen einen blutüberströmten Körper fort. Das Gefängnis dröhnte von den Schreien, dem Gestampfe und Klopfen der andern Freiheitlosen.— Dann wurde es wieder still, still wie immer. Im Justizkrankenhaus lag kraft- und blutlos ein Sterbender. Vier weiße Kutten sprangen um das Bett herum, bemüht, dem farblosen Körper wieder Leben zu geben. Sie kommandierten einen Kameraden von ihm herbei, der mit seinem Blute helfen mußte. Die aufgebissene Pulsader war bald wieder zugenäht. Man hatte einem Menschen das Leben„gerettet". Warum? „Am 4. März 1934 wurde der im Prozeß gegen die Mörder des SA.-Mannes Schulze zum Tode verurteilte Kommunist X durch Handbeil hingerichtet." ist von einer tiefen Leidenschaft durchglüht. Allen diesen Zeitungen soll der Eintritt in die Schweiz inskünftig versperrt werden, während der„Völkische Beobachter", die ganze nationalsozialistische Agentenpresse weiterhin unser eigenes Volk mit dem braunen Bazillus verseuchen darf? In dieser Maßnahme käme eine Einseitigkeit der Haltung unserer Bundesbehörden in den großen geisterscheidenden Kämpfen unserer Tage zur Geltung, die geradezu einer offiziellen Förderung der nationalsozialistischen Eingarnung der Schweiz gleichkäme. Die gesamte Kulturwelt, die lebhaften Anteil an der Rechts- und Freiheitsverteidigung der deutschen Emigranten nimmt, müßte eine solche Haltung der schweizerischen Eidgenossenschaft als Preisgabe gerade seiner Ueberlieferungen ansehen, welche bisher die Achtung der Schweiz in der Welt begründeten. Wir würden in den Augen der einer Diktatur noch nicht verfallenen Menschheit zu einer Provinz des nationalsozialistischen Deutschland herabsinken und nichts so, wie diese zuvorkommende Verfolgung aller Gegner Hitlers durch den Bundesrat selber mußte in Berlin als Einladung wirken, sich möglichst bald und intensiv der„befreundeten Schweiz" anzunehmen." tin tieuec Jeaaen Das neueste Werk Travens, das jetzt bei der Büchergilde Gutenberg Zürich, Morgartenstraße 13, erschienen ist, führt den Titel:„DerMarsch ins Reich derCaob a".(Ein Kriegsmarsch). Das Buch ist kein Roman, sondern, wie im Untertitel gesagt, ein Kriegsmarsch. Es ist der Krieg um die Caoba. Ein Kriegsmarsch ohne Glockenspiele, Oboes, Klarinetten. Aber ein Kriegsmarsch mit schmetternden Hörnern, schweren Pauken, Trommeln in Mengen, gellendes Schreien, schrilles Pfeifen. Klatschen von Peitschen, wildes Fluchen, Tumult von Packtieren, die in Sümpfen versinken oder von schmalen Felspfaden abbrechen und in Abgründe stürzen, Todesächzen von Menschenquälern und Menschenfressern, die von Indianern gerichtet werden, Bauen und Zusammenbrechen von Brücken, Knistern nächtlicher Lagerfeuer, Fauchen hungriger Tiger, dumpfes Schreien großer Brüllaffen, Aufbäumen meuternder Indianer, rauschende Wasser reißender Urwaldströme, Plätschern geschwätziger Bäche im Dschungel. Das ist die Instrumentierung zu diesem Kriegsmarsch, der, wie ein jeder Kriegsmarsch, endet mit der Ankunft auf dem Kriegsschauplatz. Es soll sich unter diesem„Kriegsmarsch" nur keiner etwas vorstellen, was er sonst njit diesem Begriff empfindet. Etwas ganz anderes bietet der Autor in seiner fesselnden und farbigen Darstellung, die uns in Dschungel und Urwälder Mexikos führt, und uns die Gedanken und Empfindungen indianischer Proletarier offenbart. Wer dieses Buch gelesen hat, wird seinen Gesichtskreis wesentlich er- weitert haben. Deutsche Wissenschaft Die Nachfolger auf den Lehrstühlen Professor Kretschmer, der Marburger Psychologe, hat in seinem im Jahre 1929 erschienenen Buche„Geniale Menschen" ein herrliches Wort über die Rolle der Psychopathen in der Politik geschrieben. Es lautet: Die Psychopathen sind immer da. Aber in den kühlen Zeiten begutachten wir sie, in den heißen b e h e r• sehen sie uns. Das Wort hat sich alsbald an seinem Urheber bewahrheitet. Als Adolf Hitler zur Macht kam, mußte Kretschmer den Vor» sitz der„Allgemeinen ärztlichen Gemeinschaft für Psychotherapie" niederlegen. Diese von Sigmund Freud, dem Begründer der Psychoanalyse gegründete Vereinigung wurde zunächst aufgelöst, dann gleichgeschaltet. Den Mitgliedern dieser ehemals ernsthaften Forsch Vereinigung wurde auferlegt, daß sie— Adolf Hitlers Buch„Mein Kampf"„mit allem Wissens diaftlichem Ernst" durcharbeiten und als Grundlage ihrer Forschung anerkennen" sollten! Man staunt: allenfalls hätte man sich denken können, daß Hitlers Schmarren als Fundgrube für die psychopathischen Komplexe seines Verfassers wissenschaftlich hätte ausgebeutet werden können! An die Stelle Kretzsdimers aber ist der Schweizer Dr. C. G- Jung getreten, der die Parole ausgibt,„den Unterschied zwischen germanischer und jüdischer Psychologie nicht länger zu verdunkeln". Warum auch? Verdunkelt werden nur Ruhm und Ansehen der einst in der ganzen Welt gepriesenen deutschen Wissenschaft... * Auf den Heidelberger Lehrstuhl für Philosophie, den einsv. Männer wie Kuno Fischer und Wilhelm Windelband innehatten, wurde als Nachfolger des überalterten Heinrich Richert Professor Krink berufen. Krink hat, wie sog die deutsche Presse zugibt, niemals studiert. Er war bis 1924 Volksschullehrer in Baden, und lehrte bis 1928 an der pädagogischen Akademie Frankfurt. Damals versuchte er, sich an der Frankfurter Universität zu habilitieren, diese lehnte jedoch seine Habilitation wegen wissenschaftlicher Unzulänglichkeit ab. Wutentbrannt begab Krink sich ins Lager der nationalsozialistischen Opposition und hetzte gegen das„System", das an seiner wissenschaftlichen Unzulänglichkeit Anstoß zu nrWen wagte. Zum Dank machte Hitler ihn nach der Machtergreifung zum Rektor der Universität Frankfurt, und jetzt erhält er einen Dauersitz auf einem der geachtetsten Lehrstühle der deutschen Philosophie: Für die Philosophie, di° die SA. braucht, genügt es ja am Ende.., Qott witt es Nämlich sterilisieren Im„Mitteilungsblatt des Amtes für Volkswohlfahrt im Gau Düsseldorf" schreibt Herr Dr. Robert Friedrich unter der schwungvollen Ueberschrift:„Der Herrgott will es" über die Sterilisation: „Manche Pfarrer erklären, der Herrgott wolle nicht, daß wir die Minderwertigen und Erbkranken unfruchtbar machen... Darauf gibt es nur eine Antwort. Die Geschichte der letzten vierzehn Jahre hat bewiesen, daß nicht alle Priester den Willen des Herrn richtig verstanden haben... Und darum, meine lieben Mitarbeiter, gehen Sie frisch ans Werk,.. setzen Sie für dieses hohe Ziel alle Ihre Kräfte und Ihren ganzen Idealismus ein, und gehen Sie mit der unerschütterlichen Ueberzeugung ans Werk.„Der Herrgott will es!" Societas Adotphi... „Tollatur signum ordines cogantur, SA. incedit gradu constanti. Vos pui certamine factionum delebantur nobiscum manes progredimini...*„Wissen Sie, was dies ist? Das Horst-Wessel-Lied in lateinischer Uebersetjung! Ein braver deutscher Studienrat hat sich der hehren Aufgabe unterzogen, das Wessel-Lied ins Lateinische zu übertragen und in der „Braunen Post" schreibt er:„Sowohl die Schüler unseres Realgymnasiums haben es mit Begeisterung gesungen, als auch zwei Fachkollegen äußerten sich anerkennend darüber." — Bisher war Latein eine tote Sprache. Nun endlich beginnt sie ihren wahren, ihren letzten Zweck zu erfüllen. Horst Wessel statt Horaz! Recht so! Der gute Magister hat sogar herausgefunden, wie„SA." zu übersetzen sei:„Societas Adolphi". Lächerlichkeit tötet? In Deutschland nicht! Gäbe es sonst ein„drittes Reich"...? Was man sich zuflüstert Gebessert Aus dem Konzentrationslager zu X sollen fünfzig Mann zur Entlassung kommen. Der Befehl lautet dahin, daß solche Schutzhäftlinge auszusuchen seien, von denen anzunehmen sei, daß sie sich gebessert hätten. Der Kommandant läßt sich darauf die Liste vorlegen und bespricht die einzelnen Fälle mit seinem Adjutant. „Wie steht es mit dem M?" „Seit vier Wochen im Lazarett". „Ursache?" „Verletzungen an Kopf, Nierengegend, Gesäß". „Befinden?" „Von Woche zu Woche verschlechtert". „So, den können wir dann wohl als gebessert ansehen..." Mucki. 2J ec letzte(Roman Jahoh Wassermanns trägt den Titel„Joseph Kerckhovens dritte Existenz" und erscheint in Kürze im Verlag Querido, Amsterdam. Bruder, glückauf! Lieber für Freiheit sterben, als in der Knechtschaft verderben! Drauf! immer drauf! Hoffmann von Fallersleben, Schweizer(heiheit~ wohin? Die gesamte JCultucwett stellt diese Jxage Das bunte Matt „Deutsche Freiheit", Nummer 81 Sonntag-Montag, 8. 9. April 1931 Maubeuge und Vertry Zwischen Von Georg Ärtur Wir liegen zwischen Mau beuge und Berkry i« Ruhe. Jawohl, was man so Ruhe nennt. Es wird Front- Material auf Feldbahnen verladen, exerziert und dergleichen tolles Zeug getrieben. Da gehen zum Beispiel Granaten durch unsere Hände,' ein schönes Vergnügen, solch ein Gra- natcntransport. Die Granatenkörbe sind hart und ausge- trocknet. Wie man sie auch angreift, immer reiht man sich ein Stück Haut vom Leibe. Mancher arbeitet trotz wahnsinniger Hitze im Waffenrock, wickelt sich die Aermelaufschläge um die Hände. To gehts ein wenig besser, aber es ist auch eine Qual niehr. Das Trinkwasser ist stinkig und ungenießbar. Es ist eben kein Trinkwasser, wie wir entgegen der Meinung unseres Hauptmannes mehr als einmal festgestellt haben. Wir trinken es nicht mehr. Einer ist immer unterwegs nach schwarzer Brühe. Die ist wenigstens abgekocht. Nur der Feld- rvebel säuft das stinkige Wasser. Aber auch nur, ivenn es der Hauptmann sieht. Tic Sklavensecle will uns damit eins aus- wischen... Tausend kriegsgcfangene Rumänen liegen in der Um- gcbung. Tie sind in Arbeitskompanien eingeteilt und in ihrer grossen Mehrzahl zum Stellungsausbau bestimmt. Hundert- fünfzig sind uns zugeteilt. Es sind stille, schweigsame Bnr- scheu, mit gelben eingefallenen Gesichtern. Der Hunger und die Ruhr haben sie gezeichnet. Sie sind schwach und kraftlos und tauge» schlecht zur Arbeit. Es kann einem leid tun, wie sie über alles halbwegs Eßbare hersallen. Ratten können nicht schlimmer sein. Wir sind geiviß ausgehungert, aber diese Meuschen kairn man mit gutem Geivifsen als Verhungerte bezeichnen. Was wir schon Absall nennen, das wird von ihnen mit gierigem Auge erspäht und ohne Zögern verschlungen. Dabei stinkt das Zeug oft schon von weitem. Die Leute sind lammfromm, willig und ängstlich. Wenn man sie nur an- spricht, zucken sie zusammen, verdrehen ihre hungermüden Augen und stammeln mit blutleeren Lippen irgend etwas Unverständliches, wahrscheinlich eine Beschwörungsformel gegen den Krieg. Alle zwei Tage kommt ein Pfarrer. Er lieft den Gesan- genen aus einer rumänischen Bibel vor, gibt ihnen den himmlischen Segen und preist mit weithin schallender, kräf- tiger Stimme Gottes unendliche Liebe. Tie Gefangenen sitzen im Karree um den Geistlichen, schlafen oder blicken hinaus zu dem schön sprechenden Mund, dessen Lippen blutrot und gesund aussehen. Ter Gottesdienst scheint den Rumänen zu gefallen. Tie liegen, wenn Gottes Wort dem Ende zugeht, gewöhnlich schlafend aufeinander und träumen sich hinein in die Wunderwerke göttlicher Barmherzigkeit. Aber der Geist des Krieges ist unerbittlich. Stiefelabsätze und Fäuste zwingen die Ausgezehrten zur trostlosen Gewiß- hcit neuen Arbeitsbeginnes. Das ist der vollendete Jammer. Man sollte sie wenigsten» liegen und schlafen lassen. Kein Vieh kann arbeiten, wen» es dem Verhungern nahe ist, und Stieselabsätze und Gewehrkolben sind nicht dazu angetan, die Würde der Arbeit wesentlich zu unterstreichen. Niemand lehnt sich auf gegen diese Roheit, nicht einmal der Pfarrer, dem die Obhut dieser Menschen anvertraut ist. Die aber, denen ihr brutales Verhalten zum zweiten Selbst geworden ist, was sind das für bemitleidenswerte Halunken! Sie wissen nicht, was sie tun, sie sind die Opfer ihrer eigenen Grausamkeit... Unser Feldwebel ist auch hier der Schlimmste. Er ist der Meinung, eine Schwanzfeder vom deutschen Aar zu sein... und ist doch nichts anderes als ein Bösewicht, und zwar keiner von den kleinen. Tie Gefangenen zittern vor ihm. Das tut ihm wohl, das will er so haben, der Teufel. Manchmal schlägt er einen. Das ist fürwahr eine rechte Kunst, Ruhrkranke niederzuschlagen. Sie fallen, wenn man sie nur anrührt. Und die unser Feldwebel anrührt, müssen ins Lazarett gebracht werden... Es kommt ein Alarmbcfchl.., Gruppe eins bis sechs muß antreten. Wir werden auf Autos verladen. Im Gefangenenlager neun soll etwas los sein. Man stutzt, schüttelt die Köpfe— und vermutet. Das ist alles, was ein Landsturmmann tun kann: Im übrigen hat er nur den Befehlen zu gehorchen, und wenns auf die Schlacht- dank geht. So will es das Kriegsgesetz. Es werden Tragbahren mitgenommen. Alles ist in fieber- hafter Ausregung. Warum'? Wozu Tragbahren? Unsere Hirne werden wieder einmal durch tausend Ungewißheiten aufge- peitscht. Sollten sie gar meutern, da drüben? Kaum möglich! Nein, ausgeschlossen! Zum Meutern gehört Krast und Mut. Die Menschen da drüben können kaum ihren Körper aufrecht erhalten, geschweige denn rebellieren. Vielleicht eine Ruhr- epidemie? Pfui Teufel!.., Die Fahrt beginnt. Hinter der Anhöhe 1ö, in einem zerschossenen Buchenwald, liegen das Rcgimentsdepot und das Gefangenenlager neun. Nach viertelstündiger Fahrt über die holperige Landstraße biegen wir i» einen Feldweg ein, der in sanftem Gefälle gegen den Buchenwald hinabführt. Das Barackenlager wird sichtbar. Ein seltsamer Lärm schlägt uns entgegen. Wir horchen gespannt auf. Ein Chaos fürchterlicher Menschenlaute überdröhnc das Tosen und Summen der Wagenmotore. Markerschütternde Schreie, das Brüllen Wahnsinniger gellt zitternd durch die Luit. Unsere Nerven erstarren. Also auch hier keine Ruhe! Ucberall die Fratze des Krieges, überall seine schaurige Melodie, die Melo- die des Todes... Man kann es noch so oft hören, das Schreien zu Tobe Ge- troffencr: es schmerzt einem immer wieder, es tut einem immer wieder leid, wie unschuldige Menschen einander zer- fleischen, nur, weil sie eine andere Uniform tragen... Wir kommen näher an das Lager. Fürchterlicher, entsetz- licher wird der Lärm. Im Kampsabschnitt wirb nicht so an- haltend, markerschütternd gebrüllt. «Was ist los?... Was hat das zu bedeuten?... Die Posten, an denen wir vorübcrsahren, geben ans unsere neugierigen Fragen nur abweichende Antworten.„Wcrdets schon sehen!" rufen sie und machen eine scheinbar gleichgültige Hand- bewcgung. Einer springt ans unseren Wagen auf. Im Nu drängt sich alles zu ihm.„Was gibts?" fragen wir, uns ein- ander überschreiend.„Nichts weiter," gibt der Posten brüllend zurück:„Tie Rumänen haben das Regimentsdepot er- brachen!"... Unsere Neugier ist fieberhaft. „Zusammengeschossen?..." Der Posten winkt energisch ab. Ein bitteres Lächeln liegk aus seinem Mund. Sein Schweigen erregt uns. Wir werden ärgerlich. Im Lager, dem wir uns auf fünfhundert Meter genähert haben, ist lebhafte Bewegung deutlich wahrnehm- bar. Wie in einem Ameisenhaufen wimmelts da durchein- ander... „Na, was gibts, du Trottel?".. Der Posten lächelt sein stereotypes Lächeln.„Nichts wei- ter"... spricht er brüllend heraus:„Die Kerls sind über den Reis hergefallen. Dumme Bande, die! Glaubten, frißt das Pferd den Hafer roh, so können mir auch den Reis roh fressen. Das ist die ganze Geschichte. Natürlich, nun platzen denen die Därme. Brrr, so'n Pech!"... Jetzt unterscheiden wir deutlich die entsetzlichsten Szenen, drüben im Lager.„Wieviel sinds denn?" fragen wir. „Hundert!"... „Was. Hundert?.., Hundert haben rohen Reis ge- fressen?"... Von Walter s>outhard(London) Der Nonstopflug»in die Erde ist seit einigen Jahren Wunschtraum gewesen. Jetzt scheint er wirklich zustande zu kommen, denn diesmal bereiten ihn Menschen vor, die auf dem Gebiete des Flugwesens bereits Höchst- leistnngen vollbracht haben, vor allem der Himalaja- Flieger E t h e r t o n. Der Vorort Ehelsea gehört sonst nicht zu jenen Gegenden Londons, in denen die großen weltumstürzenden Pläne ge- faßt werden. Es ist ein Orr, der von den Wohnhäusern von Arbeitern und kleinen Leuten erfüllt ist, die Kaufläden ver- meiden die Größe der Citygeschäste— in Ehelsea wäre damit auch kaum etwas anzufangen. Um so merkwürdiger ist es, daß vor einigen Wochen ein gerade freistehendes kleines Büro in Ehelsea von Menschen gemietet wurde, denen man sonst eine andere Umgebung als erwünscht zugetraut hätte. Es war dies eine Gruppe von Technikern, Meteorologen und Fliegern. Und der Auftraggeber, in dessen Namen das Büro in Ehelsea gemietet wurde, war niemand anderer als Lady Houston. Lady Houston ist, wie die einen behaupten, eine etwas närrische Dame, die einen Sparren hat sdic Engländer habe» das schöne Wort„Hobby" dafür), die andern— und diese andern sind höchst ernst zu nehmende Menschen, nämlich Geograsen, Aeronautiker, Hochalpinistcn usw.— nennen Lady Houston eine Jdcalistin reinsten Wassers, die ihr Geld statt es in Wohltätigkeitsteenachmittagcn anzulegen, in Förderung der Wissenschaft auf dem Wege der Luftschiffahrt investiert. Bekanntlich hat Lady Houston den Himalajaflug 1933 finanziert, jenen Flug, bei dem es gelungen ist, weite Strecke» des höchsten Gebirges der Welt kartograsisch auf- zunehmen und eine Menge iveißer Flecke von dgr Erdkarte zu tilgen. Die Flüge sind unter Leitung des Obersten Ether- ton ausgeführt worden, der 16 Jahre als Offizier der anglo- indischen Armee im Himalajagebiet zugebracht hatte und das Terrain kannte wie kaum ein Geograf vom Fach. Den Plan für den Himalajaflug hatte Oberst Blackcr ausgearbeitet, ein Spezialist für Gebirgszüge, deren technische Voraussetzungen ganz verschieden sind von denen über relativ nor- males Gelände, weil die Steigfähigkeit der Maschinen der Atmosphäre angepaßt sein mnß. Davon abgesehen, plant Sir Alan C o b h a m einen Rekord- flug England—Australien, bei dem jede Zwischenlandung vermieden werden soll. Bis zum heutigen Tage ist noch kein Aeroplan gebaut worden, der eine solche Tragfähigkeit hätte, daß er für eine Strecke wie die von England nach Australien genügend Brennstoff und Oelvorräte mitnehmen könnte. Wie also will Sir Eobham seinen Nonstopflug durchführen? Nun, es wurde bereits einmal davon berichtet, daß ameri- konische Flieger sich nenn Tage lang in der Luft gehalten haben, indem sie neuen Brennstoff, in der Luft getankt, von einem andern Aeroplan übernommen haben. Wiley Post, der einäugige Pilot, der im Vorjahr in acht Tagen die Erde um- flogen hat, mußte Zwischenlandungen vornehmen, um seine Brennstoffvorräte zu ergänzen. Dennoch konnte er die Reise- zeit um die Erde auf ein Zehntel jener Zeit herabmindern, die PhileaS Fogg zu seiner Reise im Jnles-Vcrne-Noman gebraucht hat. Sir Alan Eoham kombiniert die Methoden Wiley Posts und der amerikanischen Lufttanker,' er will während seines England—Anstralien-Fluges fünfmal in der Luft Betriebsstoff übernehmen und auf diese Weise ohne Zwischenlandung aus seiner Heimat zum fünften Erdteil fliege». Aber in dem früher erwähnten kleinen Büro in Ehelsea wird etwas Größere? vorbereitet, als der England—Anstra- lien-Flug Sir Eobhams. Lad» Houstin läßt in dem kleinen Büro die Voraussetzungen berechnen und die Vorbereitungen treffen die erforderlich sind für einen Flug um die Welt ohne Zwischenlandung. Eine solches Flugnnternehmen ist in der Geschichte der Lustschisfahrt noch nicht dagewesen. Der Ge- danke ist ebenso kühn wie geniah „So beiläufig zwei Zentner, jawohl... die verwirrtest Hunde. Nun haben sie's... O je, o je"... Unsere Wagen passieren das Drahtverhau des Lagers. Wir verlassen die Wagen und werden vom Hauptmann des Lagers empfangen, der in offenbarer Ratlosigkeit die Hände über den Kopf zusammenschlägt und keine Befehle zu erteilen vermag. Was gibt es auch hier noch zu befehlen?... Neberall wälzen sich Menschen auf dem Boden: bald zu- sammengekrampft, bald bliyhaft auseinanöerschnellcnd. Ans Nase, Mund und Ohren bluten sie. Ihre Gesichter sind blau und grün. Aus verquollenen Augen blickt der Tod. Manche haben es schon überstanden. Sie liegen da, mit aufgerissener Uniform. Die anderen haben den Höhepunkt ihrer Agonie ebenfalls überschritten. Tic schlagen nur noch matt um sich. Nur einzelne schreien noch. Zwei Aerzte sind erschienen. Sie jagen hilflos umher, weil es allenthalben zur Hilfe zu spät ist. Sie und wir sind vollkommen überflüssig. Wir erschweren nur den Todeskampf der anderen, für die eine Kugel Barm- Herzigkeit wäre. Aber das ist Mord. Du sollst nicht töten... darum lassen wir die anderen hübsch anszappeln und heben unsere Patronen für gesunde Menschen auf. Ja, ja, das ist die Ironie des Krieges. Wir stehen da und warten, bis die anderen ihren Heldentod für ihr Vaterland gestorben sind. Würdest wir sie erschießen, so kämen wir vor ein Kriegs- gericht und das Völkerrecht wäre verletzt. Das ist zwar eine komplizierte Menschlichkeit, aber dagegen läßt sich nichts' machen... Vor unseren Augen sterben hundert Menschen an zwei Zentnern Reis, wovon leicht tausend hätten satt werden können. Sie haben ihn ungekocht verschlungen und nun quillt er ihnen die Därme auseinander. Es ist nicht alles in Orb- nnng auf der Welt, aber im Kriege geht's doch ein wenig zu sehr drunter und drüber... Zwischen Maubeuge und Bertry schaufeln wir ein Massen- grab. So sind wir doch nicht ganz unnütz gewesen, bei dieser entsetzlichen Geschichte. Der Nonstopflug um die Welt soll, ebenso wie der Mount- Everest-Flug, mit einer eigens dazu konstruierten, besonders motvrenstarken Maschine durchgeführt werden, die ein kom- j biniertes Wasser- und Landslugzeug sein wird, so daß die Flieger für die Eventualitäten einer Notlandung zu Lande> und zu Wasser gerüstet sein werden. Die Versorgung mit j Benzin und Oel soll von Tankflugzeugen in der Luft er- I folgen. Tie Reiseroute soll nicht die gleiche sein, wie sie mit Rücksicht auf vorhandene Zwischenlandungsplätze Wiley Post gewühlt hat, vielmehr ist eine Flugstrecke von rund 21066'1 englischen Meilen, länger als der Acquator, vorgesehen, die i alle fünf Kontingente berühren soll. Als Piloten, die einander, wie das bei einer solchen Flug-| strecke nicht anders denkbar ist, ablösen, sind Colone! Ether-| ton und Colone! Blacker vorgesehen. Sic werden von j Eroydon oder einem andern englischen Flugplatz aus starten, um an Grönland vorüber nach dem Nordpol, bc-> ziehungsweise seiner Nachbarschaft zu fliegen, um auf diesem kürzesten Wege die Nordspitze von Amerika zu erreichen. Bon dort ans geht der Weg südwärts über Sibirien, Japan und? die Philippinen nach Australien. Vom fünften Erdteil aus« geht es südwestwärts nach dem Antarktisgebiet, von dort: nach Ueberfliegung des Kap Horn, der Südspitze Amerikas,« wieder in den Atlantischen Ozean, dessen südlicher Teil mit dem Flug nach Westasrika überquert werden soll. Und nun sind wir bei der letzten Etappe dieser etappenlosen Reise an- h gelangt: dem Rückflug von Afrika nach England. Gelingt dieser Flug, so sind damit nicht nur der Atlantische und der weitaus größere Stille Ozean, sondern auch die beiden Pole aus einem Flug überflogen, von der Ueber- querung sämtlicher Kontinente ganz zu schweigen. Möglich ist das nur, wenn auf der ganzen Flugstrecke in den ent-; sprechenden Abständen Tankflugzeuge der Wcltumflieger harren, die aus gegebene radiotelefonische oder telegrafische Signale zeitgerccht aufsteigen und die glatte Ucbernahme der Brennstofsergänzung zu bewerkstelligen vermögen. Es wäre traurig, wenn dieser Flug infolge technischer Unzulänglich- keitcn mißlingen sollte, noch trauriger wäre es, wenn die Wetterlage über der einen oder andern Flugstrecke ein Weiterfliegen und damit die Wcltumfliegung verhindern sollte. Das wäre weder den Piloten noch Lady Houston zu wünschen, die so opferwillig diese größte Leistung der Aero- nautik ermöglichen wollen. „Rothäute" ehrenhalber Die Rothäute, einst von den Bleichgesichtern aus ihren Jagdgründcn vertrieben und fast zum Aussterben gebracht, werden jetzt bekanntlich in Reservaten gehegt und gepflegt. Sie sind wahrhaft hundertprozentige Amerikaner, ein Ehrentitel, der dem Amerika von heute heilig ist. Die Rot- häute sind die wahren Aristokraten des Landes und Aristo- kratie verpflichtet. Ihre Häuptlinge, die bei den alljährlichen Treffen, den modernen Stangenanzug ausziehen und im prachtvollen Schmuck ihrer Ahnen über die Prärie sausen, haben einen Titel zu vergeben, der aber für ein Bleich- gesicht nur schwer zu erreichen ist: sie überreichen dem Aus- erwählen einen besonders schönen Kopfputz mit den Federn in den Farben ihres Stammes und ernennen ihn zur„Rot- haut ehrenhalber". Aber die Indianer wachen über den Lebenswandel ihrer Ausgezeincheten. Streng werden die Listen geprüft, die die Namen der Ehrcnangehörigen ihrer Stämme enthalten und rücksichtslos wird der Stab über das Bleichgesicht gebrochen, das sich nicht würdig gezeigt hat, Bruder genannt zu werden. Bei der letzten Versammlung wurde ein gewisser„Jimmy mit dem lächelnden Blick" smit bürgerlichem Namen Walker. Exbürgermcister von Ncuyorkj ans der Gemeinschaft der Rothäute ausgeschlossen, es wurde ihm verboten, die Jnsignicn des Stammes weiter zu tragen». Konstopflug um die Welt Wo steht«He deutsehe Aufrüstung f Fransdsische Stimmen rar europäischen Schicksalsfrage Wettrüsten iXe T( m p»" schreibt: Wo steht die deutsche Aufrüstung? Die Frsge ist sehr umstritten. Der„Mercure de Franre", der eine erste mit Dokumenten belegte Studie über dieses Thema veröffentlicht hat, widmet ihr in seiner letzten Nummer einige mit X... unterzeichnete Seiten, die die größte Beachtung verdienen. Der Verfasser, der nur die Zahlen verwendet, die dem Völkerbund offiziell dnrdi die Berliner Regierung mitgeteilt wurden, stellt fest, daß, wenn man sich streng an die im Budget aufgeführten Ausgaben Deutschlands für das Jahr 1932 hält, das Reichsheer während dieses Jahres offiziell über 4291 Offiziere aller Grade, 20 913 Unteroffiziere und 63 987 Mannschaften verfügt hat. In der gleichen Zeit zählte das Reichsheer füi die Führung von zwei Armeekorps, sieben Infanteriedivisionen und drei Kavalleriedivisionen 46 Generäle. Für das Kommando von 41 Regimentern führen die Listen 119 Obersten auf; für das Kommando von 91 Infanteriebataillonen, 122 Kavallerieschwadronen und 52 Artilleriegruppen, im ganzen 265 Einheiten, verfügte das Reichsheer über 703 Oberstleutnants und Majore; zur Leitung von 381 Infanteriekompagnien und 79 Artilleriebatterien zählte man 1930 Hauptleute und Leutnants. Das bedeutet die Verwendung von sechs Obersten in bestimmten Regimentern, vor allem in der Artillerie, und zum mindesten drei Obersten oder Oberstleutnants in den Infanterieregimentern; überdies verfügen die Regimenter aller Waffengattungen über einen Ersatzkader von höheren Offizieren, deren Vorhandensein nur durch die Mobilmachungspläne Deutschlands gerechtfertigt ist, die die Verwendung dieser Offiziere in neuen Formationen vorsehen. Der Mitarbeiter des ,. Mercure de France" erinnert zudem • n die Existenz der Offiziere aller Grade, die seit zwölf Jahren das Heer vor Ablauf ihrer Dienstzeit verlassen haben: 5i00 Offiziere haben seit 1922 das Heer verlassen— und man findet sie in den verschiedenen Ministerien und Verwaltungsstellen des Reiches wieder. Und was die Unteroffiziere betrifft, von denen man eine allgemeine Ausbildung Verlangt, die sie befähigt, Offiziersstellen auszufüllen, so fndet man in den offiziellen Listen 10 542 Unteroffiziere für *) 635 Soldaten, d. h. einen Unteroffizier für vier Mann, kährend tatsächlich nur einer für fünfzehn Mann vorgesehen ist. In der Artillerie befehligen 2231 Unterofiziere 8007 Mann— und um zum Grade eines Unteroffiziers der Artillerie aufzurücken, haben die Anwärter Prüfungen zu bestehen, zu denen das Kommando über eine Batterie gehört. Bei den Pionieren findet man 700 Unteroffiziere für 2093 Soldaten; in den Nach richten truppen 532 Unteroffiziere auf 3055 Mann. Schließlich bilden die Beamten mit Offiziersrang(in der Intendantur, den Arsenalen, an den Militärschulen und beim Befestigungsdienst) einen Bestand von insgesamt 1500 Offizieren. Der Mitarbeiter des„ Mercure de France" schreibt: Man sollte nicht verkennen, daß der Aufbau des deutschen Heeres und seine Mobilisierung unter den Bedingungen, die wir soeben aufgezeiegt haben, ein beachtliches Material zur Bewaffnung neuer Einheiten notwendig machen. Nun steht es fest, daß seit dem vergangenen Oktober Deutschland aus Holland äußerst wichtiges Material erhallen hat, das für die Herstellung von Kriegsgerät bestimmt ist. Man ist sich ebenfalls bewußt, daß die Untersuchungen, die in den Laboratorien der Armee und den Kriegsfabriken unternommen wurden. der Heeresleitung erlaubt haben, die Prototypen von völlig neuen Waffen herzustellen. Wenn man die industrielle Macht Deutschlands berücksichtigt, kann kein Zweifel darüber herrschen, daß das Reichsheer in kürzester Zeit mit dem Material versorgt werden kann, das es braucht. Gewisse Informationen gestatten die Behauptung, daß die Herstellung von Kriegsmaterial in den legten Monaten intensiviert worden ist und daß Deutschland seit dem letzten Januar über ein Artilleriematerial und Maschinengewehre zur Bewaffnung von 21 Divisionen verfügt. Man weiß auch, daß Deutschland ungefähr 3000 Geschüße vor der Kontrollkommission verborgen hat. Es scheint also, daß es in der Lage ist, nicht nur 21 Divisionen zu bewaffnen, von denen jede ungefähr mit 120 Kanonen ausgerüstet wäre, sondern auch eine Korpsartillerie und Armeeartillerie zu bilden sowie eine bedeutende Reserve. Woraus man den Schluß ziehen kann, daß sich Deutschland ohne Frage zum Kriege rüstet und daß es die Sache Frankreichs ist, aus diesen deutschen Vorbereitungen die Konsequenzen zu ziehen, die es bezüglich der Reorganisation seines eigenen Heeres ziehen muß. Die 300 OOO Mann Und was dazu gehört Pierre Bernus schreibt in„Journal des Debat s": Reichskanzler Hitler hat dem Berichterstatter der..Associated Preß" interessante Erklärungen abgegeben. Er drückt sich im Ton eines Mannes aus, der der Ansicht ist, niemand könne ihm widerstehen. Er hat die Stärke, die er für das Reichsheer fordert, auf 300 000 Mann festgesetzt, und er wird eine niedrigere Zahl nicht annehmen. ,.lch werde mich den Befehlen niemandes unterwerfen", sagte er.„Wenn ich überzeugt bin. daß eine bestimmte Richtung gut ist, so verfolge ich sie bis zum Ende". Da man ja zu diesen 300 000 Mann die der militarisierten Polizei hinzufügen muß, so sieht man, daß das Reich ein beständiges Heer von min- Ostens 450 000 offiziell anerkannten Soldaten besitzen will. L r allmächtige Führer läßt keine Diskussion zu. Seiner Ansicht nach muß Deutschland durch ein Abkommen die Legalisierung alles dessen erhalten, was es unter V erletzung «ier bestehenden internationalen Verträge erreicht hat und, "enn möglich, noch einiges mehr. Was man ihm nicht ge- währt, wird er sich nehmen. Die Vergangenheit zeigt, was die Zukunft bringen wird. W«-nn der Eingriff durchgeführt ist, wird die Berliner Re- g'erung ihn wiederholen. Ohne Zweifel will Hitler den An- •<*>«in erwecken, daß, wenn er eine so große Zahl tur da« Reichsheer verlangt, er nicht gezwungen sein will, insgeheim «u tun, was ihm offiziell untersagt wäre. Das ist auch die Ansicht bestimmter nichtdeutscher Diplomaten, die behaupten, das Reich würde mit seinen Rüstungen aufhören, wenn man es zufriedenstellte. Unglücklicherweise genügt es, die Augen nicht geschlossen zu halten und nicht von allen guten Geistern verlassen zu sein, um zu wissen, wie es in Wahrheit steht. Die Truppen, die Deutschland fordert, sind nur der Kern eines viel größeren Heeres, für das sie den Grundstock und den Rahmen bilden sollen. In dieser Hinsicht ist der Mangel an jeglicher Aufrichtigkeit beim Reichskanzler offenbar. Er will nicht, daß man mit Sicherheit mit den Hitlerformationen rechnet, die einer intensiven Ausbildung unterworfen sind, durch welche sie zu einem mächtigen Kriegswerkzeug werden. Das sind nur zivile Organisationen, versichert die Berliner Regierung ohne Lachen. Für diese angeblichen Zivilisten opfert diese Regierung im diesjährigen Budget eine Milliarde 500 Millionen französischer Franken, ohne die Summen zu berechnen, die von dem Etat der Militärpensionen genommen werden, um sie für die Hitler-Formationen auszugeben. Für diejenigen, die wirklich über die Lage unterrichtet werden wollen, kann man die Lektüre der Nachrichten, die weiter über die Militärausgaben des Reiches gegeben werden, gar nicht dringend genug empfehlen. Durch eine einfache Prüfung des Budgets erhält man die wertvollsten Aufschlüsse. Und das ist nur ein Ausschnitt, den man durch viele andere ergänzen müßte, um eine genaue Vorstellung von der militärischen Macht Deutschlands zu erhalten. Z. B., um nur eins zu nennen, der Bau eines gewaltigen Netzes von Autostraßen erfolgt gewiß nicht allein aus friedlichen Gründen. Alles ist für die Zukunft berechnet. Um die modernen Ausdrücke zu gebrauchen, kann man sagen, daß auf militärischem Gebiet die deutsche Dynamik der französischen Statik gegenübersteht. Die Pläne zu einem Abkommen, die anzunehmen man uns einlädt, haben das Ziel oder hätten auf jeden Fall die Wirkung, die Dynamik zu fördern und die Statik beizubehalten. Die ganze Welt sollte das wissen und erkennen, daß eine solche Lösung für den Frieden nicht gut ist. Die Meinung des Generalstabs „L' E c h o de Paris" schreibt zu der französisch-englischen Auseinandersetzung über die Abrüstung: Diejenigen Blätter der englischen Presse, die am unverhülltesten den Machtstandpunkt zum Ausdruck bringen, geben sich den Anschein, als betrachteten sie die französische Note vom 17. März nicht als eine Ablenkung des von England am 29. Januar vorgeschlagenen Kompromisses, um es der Abrüstungskonferenz zu ermöglichen, ihre Arbeiten fortzusetzen. Die Darlegungen der französischen Regierung, erklären sie im wesentlichen, sind nur eine Neuausgabe der früher in Paris schon verkündeten These über eine Verbindung der Abrüstung mit der Sicherheit. Aber die Londoner Vorschläge werden nicht Punkt für Punkt diskutiert. Wir können diese Kritik nur schwer begreifen, denn trotz der ideologischen Entgleisungen von Paul-Boncour wurde die Ansicht der französischen Regierung über die einzelnen Probleme, die die Abrüstung mit sich bringt, nicht einmal, sondern zehnmal wiederholt. Auch war es durchaus nicht nötig, daß Barthou alle diese Dinge von Anfang bis zu Ende wieder aufgriff. In Wahrheit will London nicht verstehen und hofft, daß das Ministerium der nationalen Einheit früher oder später besiegt wird und daß an seine Stelle ein Kabinett der Kapitulation tritt. Folglich bemüht man sich, Zeit zu gewinnen und die Verhandlungen in die Länge zu ziehen. Versuchen wir auf den Fragebogen der„Times" zu antworten, wie klug er auch immer abgefaßt sei: „Ihr sagt nichts über die Dauer eines eventuellen Abrüstungsabkommens." Antwort:„Darum nicht, weil die Dauer des Abkommens in keiner Weise die Grundsätze, um die es sich handelt, berührt, nämlich die Anwendungsweise der Rechtsgleichheit, die uns vorgeschlagen worden ist." „Ihr geht stillschweigend über den englischen Plan bezüglich der Luftrüstung hinweg." Antwort:„Wir haben ihn implicite angenommen, indem wir darauf hinwiesen, daß England in der Luft und sogar auf dem Wasser sich durchaus nicht zu der Gleichheit der Rechte zu bequemen scheint." „Ihr habt euch nicht zum Kaliber der Kanonen und der Größe der Tanks geäußert?"—„Darum nicht, weil wir auf eine Erklärung warten, wie man einen Angreifer hindern wird, auf einem Schlachtfeld, das er wählt, und zu einer Stunde, die er festsetzt, mit den Angriffswaffen aufzutreten, deren uns das Abkommen beraubt haben würde." „Ihr verteidigt noch die Rechte, die ihr aus dem Vertrag von\ ersailles ableitet."— Darum, weil diese Redete immer noch dem internationalen Gesetz entsprechen. Und es ist nicht unsere Sache, die Aufrüstung des Reiches zu legalisieren, die unter Verletzung des Vertrages durchgeführt wurde, solange wir den Verdacht haben können, daß ein Angriff beabsichtigt und vorbereitet wird. Wenn nach alledem morgen ein Konflikt ausbräche, so müßten die internationalen Tribunale, die ihr fordert, trotz allem wohl das bestehende Recht berücksichtigen. Und warum sollte das neue Abkommen von Deutschland strenger befolgt werden, als die früheren? Weil es freiwillig unterzeichnet haben würde? Verletzte es nicht die entmilitarisierte Zone im Rheinland, die doch in den Verträgen von Locarno bestätigt war, die es im Jahre 1925 als eine Gunst forderte? Und den Dawes-PIan? Und den Young-Plan? „Deutschland stimmte der automatischen und periodischen Rüstungskontrolle zu: warum erwähnt ihr dieses Zugeständnis mit keinem Wort?" Antwort:„Weil Deutschland sich niemals mit klaren Worten mit dieser Kontrolle einverstanden erklärte und weil wir der Ansicht sind, daß eine Kontrolle in einem so gedrillten Lande wie Deutschland nicht wirksam durchgeführt werden könnte. Was die militärischen Verbände betrifft, so genügt es, daß ihre Mannschaften im Marschieren und Schießen ausgebildet sind, um sie als Soldaten ansehen zu müssen." „Deutschland fordert nicht, daß ihr in den ersten Jahren eure„Angriffs"-Riistung, über die ihr heute verfügt, herabsetzt."—„Ohne Zweifel kann es die Angriffs-Rüstung auf jeden Fall in kürzester Zeit herstellen, und ihr, Engländer, nehmt es noch auf euch, ihre Abschaffung von uns zu verlangen. Wie dem auch sei: hinsichtlich der in der Zeit der Vormobilmachung zur Verfügung stehenden Streitkräfte befriedigt uns die gegenwärtige Lage der Dinge nicht. V ir halten sie sogar für gefährlich. Das Mißverhältnis der Kräfte zwischen den Deutschen und uns ist allzu groß. Die Beibehaltung des Status quo liegt also schon nicht mehr in unserem Interesse." „Barthou fordert nicht nur Sicherheiten für die Durchführung des eventuellen Abrüstungsvertrages, sondern auch die Garantie der Grenzen." Antwort:„Die Grenzsicherungen müssen billigerweise für den Fall vorgesehen werden, daß sich ein Staat der Waffen bedient, die er sich unter V er» letzung des eventuellen Vertrages verschafft hätte, um in ein Nachbarland einzufallen und es zu besetzen." „Die Reichswehr, die heute 100 000 Mann umfaßt, würde nur auf 300 000 Mann erhöht werden. Antwort:„Die Reichswehr zählt gegenwärtig 175 000, wenn nicht mehr. Und der achtmonatige Dienst verschlimmerte die zahlenmäßige Unterlegenheit der französischen Truppen, die in der Zeit der Vormobilmachung eingezogen werden könnten, noch weiter in verhängnisvoller Weise. Um den Vorschlag überhaupt nur in Betracht ziehen zu können, müßten die militärischen Verbände völlig verschwinden." So liegen die Dinge. Man kann noch endlos fortfahren. Und während wir unbeweglich bleiben, verstärkt Deutschland jeden Tag die Macht seines Heeres. Pertinax. Frankreichs Schwierigkeiten Philippe Barres schreibt aus Berlin im„M at in": Die schlechte Laune, die hier die französische Note an England erregte, hat sich noch nicht gebessert und kommt mit aller Heftigkeit zum Ausdruck. Was müsen wir davon denken? Vom Rechtsstandpunkt aus ist es völlig klar: Deutschland verlangt von uns, daß wir eine Aufrüstung ratifizieren, die bereits jetzt unter Verletzung der Verträge zur Tatsache wird. Man wiederholt hier: Wir wollen nicht mehr das Militär Statut von Versailles. Die ganze Weh muß diese Weigerung zur Kenntnis nehmen. Man ist sich darüber vollkommen klar, daß diese Haltung nicht gerechtfertigt ist. Man weiß sogar, daß die deutschen Rüstungen, von denen das deutsche Volk wenig weiß, in Paris wohl bekannt sind; aber in typisch deutscher Einstellung möchte man bis jetzt glauben, daß sogar dieses Wissen Paris zu Zugeständnissen veranlaßtr. Und weil diese Hoffnung»ich nicht erfüllt, erregt die französische Antwort an England hier so großen Zorn. Es gibt eine Formulierung, die für den, der das Reich kennt,»ehr verwirrend ist. Man hört oft die Acußerung: d»: Aufrüstung des Reichs ist eine vollendete Tatsache. Nein. Die Aufrüstung Deutschlands geht ihrer Vollendung entgegen. Das ist nicht das gleiche. Deutschland hat eine erste Etappe erreicht, aber wenn man glaubt, es sei auf dem Rüstungsstand angelangt, den es erstrebt, so beginge man einen schweren Irrtum. Wcuu die deutsche Aufrüstung schon jetzt vollendet wäre, so würde man eine sehr viel schärfere Politik in Deutschland machen als gegenwärtig. Die Probleme des Anschlusses, des polnischen Korridors und der Saar, nur um diese zu nennen, würden viel rücksichtsloser behandelt als gegenwärtig, und Europa würde zu einem noch unruhigeren Erdteil werden als er es bereits ist. So bandelt es sich darum, zu verhindern, daß es dazu kommt. Es handelt sich darum, sich nicht mit einer vollendeten Tatsache abzufinden, sondern eine zukünftige sehr bedrohliche Tatsache zu verhüten. Wenn man sich darüber einig ist, kommt man zu folgender Frage: wie katin man die völlige Aufrüstung Deutschlands verhindern? Dazu sagen einige: um die Aufrüstung Deutschlands zu beschränken, muß man seine teilweise Aufrüstung sanktionieren und es zu einem Abrüstungsabkommen veranlassen, das von den großen Mächten unterzeichnet ist. Dann hat man die Gefahr einer weiteren getarnten Aufrüstung Deutschlands zwar nicht gebannt, aber man bat ein System von Sanktionen gegen die Deutschen, und man wird eine internationale Front geschaffen haben, die gegenwärtig nicht vorhanden ist. Diese Schlußfolgerung ist ganz überzeugend, aber sie ist doch nicht fehlerfrei. Für Deutschland scheint es das Bequemste zu sein, der Lage, die e» unter Verletzung des Friedensvertrages geschaffen bat, Anerkennung zu verschaffen. Von dieser eroberten Stellung aus könnte et eine neue Etappe in Angriff nehmen, während Frankreidi und die übrigen Länder sich durch die eingegangenen Verpflichtungen beschränkt sahen. Deutschland befände sich vielleicht einer gemeinsamen Front dieser Mächte gegenüber. Sie würden vielleicht Proteste oder Sanktionsandrohungen wegen dieser oder jener Ueberschrei- tung der zugelassenen Rüstungen erheben: aber man ist hier der Ansicht, daß ein Deutschland, das mit Verteidigungs- traffen verseben ist, die es gegenwärtig fordert, und die durch nicht geringe mehr oder weniger geheime Rüstungen verstärkt sind, keine allzu starrköpfigen Gegner in Europa finden würde. Wie dem auch sei, dieser Weg scheint durch die französische Antwort verlegt zu sein. In der begreiflichen Annahme, daß man nicht zu einem Rüstungsabkommen gelangen kann, prüft man nun hier, was jetzt zu tun ist. Deutschland wird nicht zum Völkerbund zurückkehren, über den es das Todesurteil gesprochen haben möchte. Es bildet sich auch ein, daß das Scheitern der Abrüstungsverhandlungen Frankreich zur Last gelegt würde. Auf militärischem Gebiet wird es offen volle Freiheit in Anspruch nehmen. Und indem es so das Wettrüsten eröffnet, wird es behaupten, Frankreidi habe es so gewollt. Keiner täuscht»ich hier über die Schwierigkeiten dieser Taktik. Die Welt wird nicht entzückt»ein. die deutichen Kanonen wiederzusehen; aber man rechnet auch damit, daß die Welt gegen Frankreich erzürnt sein wird. Frankreich; so sagt man. hat durch die Politik der Kon* promisse, die es zehn Jahre lang geführt hat, seine Trabanten Belgien, Polen, die kleine Entente daran gewöhnt, die Aufrüstung Deutschlands als unvermeidlich zu betrachten. Es hat diese Aufrüstung im Anfang nicht verhindert, e.1 s es noch ohne große Schwierigkeiten zu bewerkstelligen war. Und jetzt möchte es durch das Wettrüsten das Versäumte wieder gutmachen. Man zählt die Nationen auf, die nicht gewillt sind, sich zu einem solchen Wettrüsten hinreißen zu lassen: man führt die kürzliche Rede von de Broqueville im Namen Belgiens an; man spricht vom Zögern der Tschechoslowakei, den geteilten Gefühlen Polens, dem Geldmangel in diesen Rändern, Man weist nachdrücklich auf die gleiche finanzielle Schwierigkeit Italiens hin. Das wäre, so sagt man, der tiefere Grund der kürzlichen Rede Mussolinis, der seine Rüstungen nicht verstärken kann und der nicht die überlegene Stellung aufgeben will, die Italien erreicht hat. Alles in allem möchte man glauben, daß das endgültige Scheitern der Abrüstungsverhandlungen für die französische Außenpolitik Schwierigkeiten schaffen würde. Man möchte auch mit den innerpolitischen Schwierigkeiten Frankreichs rechnen. Man zählt darauf, daß die neuen Anstrengungen, die für die nationale Verteidigung notwendig sind, nicht populär sein werden, daß die deutsche These von der Verantwortung für das Wettrüsten selbst in Frankreich in den Parteien der Linken und vielleicht auch anderswo Verteidiger finden werden. Alles dies erweckt das deutliche Gefühl, daß Frankreich, um sich heute verspätet gegen die Wiedererstehung der deutschen Militärmacht zu erheben, nicht sehr viel Energie aufbringen wird. Es handelt sich nicht nur einfach um ein militärtechnisches und finanzielles Problem. Der Kampf wird sich auf dem Gebiet der auswärtigen und der inneren Politik abspielen, und auf diesen vier Gebieten muß die französische Regierung vorbereitet sein. Fügen wir hinzu, daß genau die gleiche Notwendigkeit auch im Falle eines Rüstungsabkommens vorhanden sein würde. Denn die Wiederaufrichtung Deutschlands ist ein Werk, bei dem sich die Hitler-Regierung durch kein Abkommen hindern lassen wird; sie wird es mit aller Kraft gegen alle und trotz allem verfolgen. Am 15. Geburtstag der Faschistischen Partei Mussolini bei seiner»rohen*' ,<•*• vom Balkon des Palazzo Venezia „^Deutsche Zceiheit" A&anitemeatspceise: Saargebiet Frankreich Luxemburg Belgien Neubelgien (Eupen-Malmedy) Holland Dänemark Schweden Schweiz Oesterreich T schechoslowakel England Palästina Spanien Polen Rußland Argentinien fr. Fr- fr. Fr. belg. Fr. belg. Fr. belg. Fr. 11. Kr. Kr. schw. Fr. Schilling Kr. sh sh Peseta Zloty Rubel Peso IM •Monat 12.- 12,- 15,- 15,- 12,- 1,50 3,20 2,60 2,40 7,50 30,- 4,- 4,- 6,- 4,20 1.- 3,— Einzelverkauf! 0,60 0,60 0,70 0,85 0,50 0,12 0,20 0,20 0,20 0,30 1,20 3 d Bei Zusendung unter Kreuzband durch die Post sind die Portogebühren vom Besteller mit dem Abonnementsbetrag zu entrichten „Mein Weg zu Hitler" Wie Kommunisten dem deutschen Faschismus helfen Wir haben gestern nachgewiesen, daß die große Welt- Sensation, Seoering habe eine Broschüre„Mein Weg zu Hitler" geschrieben, aus eine Kommunistische Fälschung zurückgeht, die in der Redaktion des kommunistischen Wochenblattes„D e u t s ch e B o l k sz e i t u n g" in Saarbrücken verübt und von dort in Pariser Zeitungen lanciert worden ist. Um jeden Zweifel auszuschließen, daß ein journalistisches Bubenstück von seltener Gemeinheit vorliegt, ergänzen wir unsere Mitteilungen wie folgt: Am 15. März schrieb die Redaktion der„Deutschen Volks- zeitung" unter dem großen Titel„M ein Weg zu Hitler", von Karl Seoering, folgende Einleitung:„Wir sind durch einen glücklichen Zufall bereits heute in der Lage, einen Auszug aus der Einleitung des neuen Buches von Karl Seoering„Mein Weg zu Hitler" der internationalen Arbeiterösfentlichkelt zu übermitteln. Dann folgt der an- gebliche Auszug, der den Weg in tausende Zeitungen ge- sunden hat. In der gleichen Nummer aber vom 15. März der„D. V.-Z." unter der Rubrik„Antworten der Redaktion" steht zu lesen: „Der in der vorliegenden Ausgabe von uns abgedruckte angebliche Auszug aus dem neuen Buch von Karl Severwg ist in unserer Redaktion entstanden. Mit Ausnahme der Einleitung, des Schlußsatzes und einiger unwesentlicher Zutaten im Gesamttext, besteht dieser Artikel aus wörtlichen Zitaten Teverings, entnommen seinem Buch„Im Wetter- und Watterwinkel", dem„Bor- würts" und den Londtagsprorokollen." Das Kommunistenblatt hat also ein Gemengsel aus Worten Seoerings, die vor langen Iahren unter ganz anderen politischen Verhältnissen und wer weiß in welchen Zusammenhängen gesagt oder geschrieben worden sind, mit eigenen Zutaten vermengt und als„Einleitung des neuen Buches von Karl Seoering" zurechtgemacht. Die Redaktion der„Deutschen Volkszeitung" in Saar- brücken und diejenigen antifaschistischen Journalisten, die den über alle Maßen niedrigen Schwindel verbreitet haben, verdienen ehrenhalber in das Göbbelssche Propa- gandaministerium berufen zu werden, denn sie haben der deutschen faschistischen Propaganda einen gewaltigen Dienst geleistet. Papst hinter den denfsdien B sdiOfen Er nimmt den Vertretern der deutschen katholischen Jugendverbände ein neues Gelöbnis ab und fordert sie zum Widerstand gegen ihre Unterdrücker auf... Die aufsehenerregenden Osterbotschaften der deutschen Bischöfe waren, wie wir bereits berichteten, in e n g e m E i n- vernehmen mit dem Pap st erfolgt. Am Heiligen Stuhl ist man jetzt der Auffassung, daß eine Verständigung mit dem deutschen Nationalsozialismus auf Grund neuer Konkordatsverhandlungen nahezu ausgeschlossen ist. Man er- kennt, daß alle Zusagen der amtlichen deutschen Vertreter wertlos sind gegenüber dem brutalen Gleichschaltungswillen und den neuheidnischen Gedankengängen, die zum obersten Gebot des kämpferischen„dritten Reiches" erhoben wurden. Darum ist Rom jetzt zum Widerstand entschlossen. Darum haben die deutschen Bischöfe entsprechende Weisungen er- halten. Am 5. April empfing der Papst mehrere hundert Mit- glieder der deutschen katholischen Jugend- verbände„Neues Deutschland" und„Sturm- schar". Er ehrte sie durch eine Ansprache in deutscher Sprache, die an Deutlichkeit keinen Wunsch offen ließ: „Wir wissen, wie nur wenige es wissen können, wie schwer und peinlich die Stunde ist, besonders für Sie, für das katholische Deutschland und die katholischen Jungmänner. Tagtäglich erhalten wir Nachrichten, aber leider keine guten. Nehmen Sie unsere Segenswünsche entgegen zu allem, was Sie bereits haben leiden müssen und vielleicht noch zu leiden haben werden. Die Stunde ist gekommen, da sich jeder an das stolze Wort der ersten Er- lösung erinnern muß, da„die Apostel hinausgingen, weil sie gewürdigt wurden, für den Namen Christi zu leiden". Wir wissen, daß Tie dem katholischen Glauben in Deutsch- land Ehre verschaffen., Wir werden, wo immer es möglich sein wird, stir Sie kämpfen. Es hängt nicht von uns ab, was die anderen tun können und tun wollen. Richtig oder besser gesagt unrichtig ist es, daß man, wie wir leider wissen, während man verhandelt, mißhandelt! Wir werden, was immer es auch kosten wag. die Wahrheit sagen und verteidigen und verteidigen damit Ihre Rechte, die Rechte des Gewissens sind-" Auch der römische„Messagero" veröffentlicht einen langen Auszug aus der Ansprache, die der Papst gestern an 300 junge deutsche Katholiken richtete, die er in Audienz emp- fing. Diese Rede, sagt das Blatt, bezieht sich auf die schwer- wiegende Frage eines Weiterbcstehens oder eines Ver- schwinbens der deutschen katholischen Jugendverbände, soweit sie ein besonderer Zweig der Hitlerjugend sind. Die Beun- ruhigung lasse sich erklären durch die Tatsache,„daß die Be- wegung weiter besteht, die dahin drängt, die katholische Jugend vollständig in die staatlichen Institutionen einzu- verleiben. „A v e n i r e d' I t a l i a" gibt in einem langen Artikel mannigfaltige Beispiele für die Schwierigkeiten, auf welche die katholische Jugend in Deutschland stößt. Man möge nicht glauben, schreibt das Blatt, daß sich der Konflikt auf Presse- Polemiken und Reden beschränkt. So wurden zum Beispiel am 25. März 1000 junge Katholiken von 10—14 Jahren, die in Hennigsdorf bei Berlin eine Tagung abhielten, von 200 Hitlerjungen von 16—18 Jahren überfallen und miß- handelt. vle Eansl! Die„kleinen, trüben Kanäle" Die Presse des„dritten Reiches" bläst bereits Alarm. Die Herrn Streicher nahestehende„Fränkische Tageszeitung" schreibt, daß es außerordentlich befremden müsse, daß in den letzten Tagen Kreise der römisch-katholischen Kirche eine ver- steckte Kritik an den Einrichtungen des Nationalsozialismus und eine Verherrlichung Roms vor dem deutschen Vater- Deufsdies Elend Göbbels duldet amtliche Greuelpropaganda Fast um die gleiche Stunde, da der Reklameminister des Hitlersystems bei der Eröffnungsfeier der Leipziger Messe in hymnischen Worten die Herrlichkeit der heutigen deutschen Verhältnisse pries— verschickte sein Stellvertreter im Berliner Gauamt fol- genden Bettel brief für die RS.-Volkswohlfahrt: „Liebe Eltern, Ihr freut Euch täglich von neuem, wenn Eure Kinder mit frohem Lachen aus der Schule kommen und für den Rest des Tages als Eueres Daseins Sonnen- schein Euere geordnete Häuslichkeit verschönen. So sollte es überall sein! Wißt Ihr von der Not und Entbehrung, die in Hundert- lausenden von Berliner Familien herrscht und gerade die lande übten. Es bedürfe keines besonderen Nachweises, baß sich ein machtbewußter Staat einen solchen Eingriff in seine Rechte und seine Interessensphäre gefallen lassen könne.„Es dürfe einfach nicht sein, baß die Bemühungen der Regierung, den Deutschen eine deutsche Sehnsucht nach vertieftem deutschem Wesen anzuerziehen, durchkreuzt werden, indem die Kirche einen neuen Ultramontanismus auf ihre Fahnen schreibt, den Deutschen einen neuen Internationalismus an- zuerziehen sich bemüht. Nachdem wir die Sturmflut des geistigen Verderbens, der Uneinigkeit durch mächtige Kanäle gebannt haben, können wir nicht dulde«, daß sie durch kleine trübe Kanäle wieder hineinkommt. Tie welche sei gewrcnt, so kann der Ausgang des Kampfes, nachdem sich der Start so machtvoll und einheitlich gefügt hat, nicht zweifelhaft sein." Niehls veröffentlichen" w Katholische Fastenpredigten In zwölf katholischen Kirchen von Berlin hielten während der ganzen Karwoche allabendlich Jesuiten- und Franziskaner-Patres ihre Fastenpredigten, die sehr ent- schiedene und kämpferische Töne gegen die von Alfred Rosen, berg und Baldnr von Schirach vertretenen Ideen anschlugen. Die Krönung bildete die Karfreitagspredigt des Bischofs Bares, die durch Lautsprecher auch der vor der St.-Hedwigs- Kathedrale versammelten Menschenmenge zugänglich gemacht wurde. Ter Kanzelredner eiferte gegen die Totalitäts- anspräche der politischen Gewalten, gegen die antichristlichen Bewegungen und die Schriften, die er als„Sakramente de? SatanS und Erzengnisse der Sünde" bezeichnete. Auf Erden sei alles vergänglich außer der Kirche. Am folgenden Tag erhielten alle Berliner Zeitungen die Anweisung, über die bischöfliche Predigt nichts zu ver» öffentlichen, es sei denn, daß dazu in abweisendem und kritischem Sinne Stellung genommen werde. Die katholische Presse schwieg sich deshalb aus, während der„Völkische Be- obachter" und der„Lokalanzeiger" die Worte des Bischofs als unzulässigen Einmischungsversuch bekämpften. Abermals Terror Urteil Katholischer Pfarrer zu vier Monaten Gefängnis verurteilt Mainz, 6. April. Der katholische Pfarrer Johann Baptist Schubert in Maiuz-Amöncburg soll sich am 29. Juni bei einer Unterredung mit einem Lehrer während der Pause im Schulhos über die nach§ 4 des Gesetzes zur Wieber» Herstellung des Berussbcamtcntums erfolgte Entlassung des Amöneburger Zentrumsvorsitzenden und Lehrers Merten zu Aenßerungen gegen den Rcichsstatthalter Sprenger haben hinreißen lassen, die als„heimtückische Angriffe" gegen die Reichs- und Länderrcgieruugen angesehen wurden. Ter An- geklagte versuchte seinen Aeußerungen einen anderen, nicht strafbaren Sinn unterzuschieben, wurde aber durch die cid- liche Aussage des Lehrers„überführt". Der Staatsanwalt beantragte sechs Monate Gefängnis, das Sondergericht er- kannte aus v i e r M o n a t e G e f ä n g n i s. In der Urteils» begründung wurde ansgesiihrt, daß nur deshalb aus die .niedrige Strafe" erkannt worden sei, weil die Aeußerungen des Verurteilten zu einer Zeit gefallen seien, als die Ver- einbarungcn des Reiches mit der Kirche noch nicht abge» schlössen waren. Also hatte ein Nazi-Lehrer den Pfarrer denunziert. Jetzt müssen Hochwürden für ein wahres Wort vier Monate im Gefängnis über die Herrlichkeiten des„dritten Reiches" nachdenken lernen. Kinder am härtesten trifft? Wißt Ihr, daß Tausende Ber- liner Kinder nicht satt werden, nur notdürftig bekleidet sind, kein Bett zum Schlafen haben und in einer Um- gebunH leben müssen, die ihr Wachstum unterbindet? Die NS.-Volkswohlfahrt sieht ihre edelste Aufgabe darin, diese Schäden zu ermitteln und zu beseitigen, damit auch diese armen Kinder Gesundheit und Freude haben und auch zur Erholung verschickt werden können. Helft auch Ihr dabei! Erfüllt Euren Kinder die Bitte, die sie Euch mit dieser Aufforderung vortragen. Werdet Mitglied der NS.-Volkswohlfahrt!" * Ein vernichtendes Eingeständnis! Nach 14 Monaten Hitler-Regierung allein in Berlin noch Hunderttausende von Familien(!) in bitterster Not, Kinder ohne Bett, ohne Nahrung und Kleidung— wer hat recht: Herr Dr. Göb- bels in Leipzig oder skjn Stellvertreter in Berlin?!(KDR.j Sflraffborger Wochenbericht Nazisportler in Straßburg Zum zweiten Male innerhalb kurzer Zeit weilte am vergangenen Karfreitag eine deutsche Fußball-Mannschaft in Straßburg, um gegen den bekannten Fußballklub Racing zu spielen. Es ist gewiß nicht die Schuld der hiesigen Bevölkerung, die von Hitler-Deutschland nichts wissen will, wenn diesen Besuchen hitlerdeutscher Sportler ein Interesse entgegengebracht wurde, das nicht allein sportlichen Gefühlen entsprang. Schließlich weiß man allgemach auch im Ausland, daß die deutsche Sportbewegung ebenso vom großen Zuge der Gleichschaltung erfaßt wurde, wie viele andere Organisationen, die man mit großem Pomp und Getöse in das helle Scheinwerferlicht des völkischen Wiederaufbaugeschreis gestellt hat. Wenn darum heute deutsche Sportler ins Ausland reisen, so sind sie mehr denn zu anderen Zeiten Repräsentanten des„neuen Geistes", in dem sich die angebliche Erneuerung des deutschen Volkes und Staates unter Adolf Hitler vollzieht. Während das vor etwa vierzehn Tagen erfolgte Gastspiel der„P h ö n i»"-Mannschaft von Karlsruhe die Gemüter des Publikums nicht allzu sehr zu erhitzen vermochte, obwohl di* Phönix-Leute mit dem römischen Gruß und Sieg-Heil-Geschrei den Platz betraten, gabs bei dem Gastspiel der bekannten Spiel Vereinigung Fürth am Karfreitag bemerkbare Gegendemonstrationen. Die Kommunisten hatten in der Nacht zum Spieltag einige nicht mißzuverstehende Inschriften an der Umzäunung des Platzes angebracht. Als die Fürther den Platz betraten, um ohne Sieg-Heil, aber mit dem Hitlergruß dem Sportpublikum ihre Reverenz zu machen, scholl ihnen ein kräftiges Pfui aus vielen Kehlen entgegen. Die Meinungen über die Nützlichkeit einer solchen Demonstration, die weniger den Sportler als dem von ihnen vertretenen Lande galt, gingen allerdings unter dem Publikum erheblich auseinander. Die Pfuirufer erwirkten sogar bei einem anderen Teil der Zuschauer lebhaftere Beifalls- Ausbrüche, als man sie im allgemeinen gewohnt ist. Ein oberflächlicher Beobachter ist leidet geneigt, in dieser Antwort des Publikums an die Pfuirufer eine Sympathiekundgebung für die Hitlersportler zu erblicken. Wir zweifeln keinen Augenblick daran, daß die Hitlerpresse auch in diesem Sinne berichten wird Eine solche Schlußfolgerung aus der Beifallskundgebung des anderen Teils der Besucher zu ziehen, geht gehörig daneben. Diese Vorfälle dürfen lediglich als ein Beweis dafür angesehen werden, daß in demokratischen Ländern die traditionelle Toleranz eben auch den Vertretern eines intoleranten Volkes zustatten kommt, so wie ja der Faschismus in allen Ländern, vornehmlich aber in Deutschland, sich der Einrichtungen der Demokratie bediente, um sie zu erwürgen. Solange also ein großer Teil des Volkes den Faschismus in seinem wahren—Wesen noch nicht erkannt hat, wird man sich wohl oder übel mit dieser Haltung abfinden müssen. Nicht uninteressant ist in diesem Zusammenhang die Meldung einer hiesigen Zeitung, nach der sich die Hitlersportler später im vertrauten Kreis alles weniger als begeistert über die Zustände in Hitlerdeutschland ausgelassen haben sollen. Um die Fürther zuhaus nicht in Verlegenheit zu bringen, sei darüby geschwiegen. Es scheint also nicht jeder ein Nazimann zu sein, der in Deutschland eine braune..Uniform trägt- Das soll inzwischen auch schon ' Adolf und sein röhmiacher oberster SA.-Konmraandeur Tse- ^ merkt habend.1:.!>,.„ Fort mit der Nczifahne, sonst... Eiu unliebsame Verzögerung seines Anto-Osterausflngs nach dem Elsaß mußte ein Abgesandter des Statthalters Sauckel aus Thüringen an der Rheinbrücke in Kauf nehmen. Er fuhr am Ostersonntag mit seinem hakenkreuzbewimpelten Auto stolz wie ein... deutscher Hitlermann an der französischen Paßstelle vor. Dort bedeutete man ihm ■ehr höflich and ebenso unzweideutig, daß er mit der II i t- I e r f a h n e am Wagen nicht einreisen dürfe. Der gute Mann aber wollte den französischen Beamten nicht glauben, fuhr demonstrativ zurück und erkundigte sich bei den deutschen Grenzwärtern, ob er sich eine solche„fremdländische Einmischung" in seine Privatangelegenheiten gefallen lassen müsse. Als man ihm dort klar machte, daß auf der Straßburger Seite eben Frankreich und nicht das„wieder zu erobernde, deutsche Elsaß" beginne, zog er verduzt sein Fähnchen ein. Die flatternde Hitlerfahne am Auto war ihm doch den Verlust einer schönen Vogesentour, auf die er mit Hitlerfahne hätte verzichten müssen, nicht wert. Stavisky und Mülhausen In Mülhausen beschlagnahmte die Staatsanwaltschaft bei einer gewissen Lina Rein, deren Schwester zum Freundinnen-Kreis des Millionenschwindlers Stavisky gehörte, Schmucksachen, Fotos und Briefe, die mit der Affäre in Verbindung stehen sollen. Lina Rein ist die Freundin eines Mül- hansener Industriellen, der ihr eine luxuriöse Achtzimmerwohnung eingerichtet hat. Der General der 1'Armee de la Mission Von der Strafkammer wurde-der 46 Jahre alte August Sund zu zehn A! maten Gefängnis und 100 Franken Geldstrafe verurteilt. Bei Sund handelt es sich um den geriebenen Schwindler, der im vergangenen Jahr unter der Firma „L'Armee de 1 a Mission" hier ein Unternehmen eröffnete, das durch seine Bettelagenten Straßburger Bürger um zirka 30 000 Fr. schröpfte. Sund selbst führte den Titel eines Generals und legte sich auch eine entsprechende Fantasieuniform au. Trotz seiner Rafi- nesse ist er nur ein kleiner Schwindler. Die„Generäle" im „dritten Reich", siehe Göring, verstehen das Geldmachen viel besser, als er. Große Waldbrände bei Weißenburg und Bitsch Am Ostersonntag entstand ans bis jetzt noch ungeklärter Ursache im sogenannten Pfaffenteich bei Weißenbnrg ein ausgedehnter Waldbrand, dem etwa sechzig Morgen besten Waldbestandes zum Opfer fielen. Die rasch herbeigeeilte Feuerwehr sowie Militärabteilungen waren lediglich in der Lage, die weitere Ausdehnung des Brandes zn verhindern. Man nimmt an, daß das Feuer böswilliger Weise angelegt wurde. Am Dienstagnachmittag gegen drei brach in der Nähe des Lagers B i t s c h, hart an der pfälzischen Grenze ein großer Waldbrand aus, zu dessen Bekämpfung neben der Feuerwehr das gesamte 153. Infanterieregimet ausrücken mußte. Nach 24stündiger Bekämpfung konnte das Feuer eingedämmt werden. Teilweise war auch das Munitionsdepot hei Bitsch-Lager in Gefahr. Man nimmt auch hier Brandstiftung als Ursache an. Am Dienstagabend wurde Förster Ebeloann vom Forsthaus Gutenbrunnen zusammen mit dem Straßeuwärter C a n 11 n aus Dann in Haft genommen. Die beiden Männer werden beschuldigt, das Forsthaus Gutenbrunnen in Brand gesteckt zu haben. Protest der Beamten Die Bt-amtenförderatiou übergibt der Presse eine. Note, in der aufs lebhafteste gegen die Gehaltskürzungen protestiert wird. Die Beamten fordern auf. sich zur Aktion gegen die Sparmaßnahmen der Regierang bereit zu halten.»,-;■> r; Straß burger Kunstkalender Es ist notwendig, nochmals auf das Konzert des berühmten ^ iolinkünstlers Hubermann hinzuweisen, der am 10. April im Sängerbans gastiert. Vorverkauf bei S. Wolf. Hubermann stellte bekanntlich die Reineinnahmen seines Konzertes in Amsterdam den Komitees für deutsche Flüchtlinge zur Verfügung.— Herr Motte-Lacroix, früher Lehrer am Konservatorium in Straßburg, gibt am Freitag, 13. April, im Heklor-Berlioz-Saal ein Klavierkonzert. Vorverkauf bei S. Wolf.— Im Stadttheater stehen„Tiefland",„Paganini",„Pellcas et Melisande", Max Halbes„Der Strom" und„Hasenklein kann nichts dafür" auf dem Pro- gramm. ß. Pariser Thealerbrief Shakespearekonjunktur— Die„Comedie-Frangaise" So sonderbar es klingen mag: zur Zeit ist Shakespeare in Paris der erfolgreichste Dramatiker. Im„Atelier" hat Charles Dullin seine bewundernswürdige Inszenierung von „Richard III" fast bis zur zweihundertsten Aufführung gebracht, und der nunmehr im Verlage der Nouvelles Edition» Latines veröffentlichte Bearbeitungstext Andre Obeys erweist seine Stichhaltigkeit auch für den kritischsten Leser. Die „Comedie-Francaise", die Repertoire- und Abonnemenlsver- pflichtungen zu halten hat, spielt bei geschlossener Abendkasse, so oft„Corioian" gegeben wird; sie hat sich unter diesen Umständen sogar zur Einschaltung einer Shakespearewoche entschlossen, die— neben dem aktuellen Römerstück — noch..Hamlet" und„Der Widerspänstigen Zähmung" umfassen wird, und, seit seinem Bestehen— d. H. seit 1681— dürfte das das erste Mal sein, daß sich„Haus Molieres" so vorbehaltlos in den Dienst eines fremden Dramatikerz stellt. Bei»einem stark entwickelten Sinn für„Konjunktur" hat •ich inzwischen auch Paul Abram. der Leiter des staatlichen „Odeon". mit einer weiteren Shakespearevorstellung zu Worte gemeldet. Er hatte die noch aus den Zeiten Geiniers überkommene Verballhornung des„Kaufmanns von Venedig" durch einen Herrn Nepoty schon vor einigen Monaten wieder auf den Spielplan gesetzt; jetzt hat er die alljährliche Galavorstellung der„Freunde des Odeon zu einer\^ieder- einstudierung von„Troilus und Cressida" benutzt, das seit den Tagen Antoine» auf keiner Pariser Bühne mehr gezeigt worden war. Es erscheint mir schon als Irrtum, dieses Shakespearesrhe Spätwerk durch Schubert- und Offen bacherhe Musik zu Illustrieren, denn diese„Tragikomödie ist tinter allen Werken Shakespeares vielleicht das grausamste. Diese neue Variation über das Romeomotiv spielt it. einer aus den Fugen geratenen Menschheit, in der sich Ther- sites und Cressida als die extremen Pole gegenüberstehen. Die provinziellen Regiekünste und die meist durchschnittlichen Darsteller, mit denen man diesem schwierigen Werk im„Odeon" beizukommen versucht hat, erstickten die wenigen Werte dieser Aufführung, unter denen die Cressida der bezaubernden Janine Crispin einen benderplatj einnahm. Dullin und Emile Fahre haben uns durch ihren Einsatz für Shakespeare viel zu sehr verwöhnt, als da» wir uns im „Odeon" den Rückfall in jene Methoden gefallen lassen möchten und dürften, die zeitweilig zu völliger Entfremdung Shakespeares von der französischen Bühne geführt hatten. Wenn wirklich, wie es heißt, Antoine und Jacqnes Copeau im Laufe der kommenden Spielzeit wieder als Theaterleiter tätig werden, so ist bestimmt darauf zu rechnen, daß sie über „Shakespeare in Frankreich" weiteren wichtigen Aufschluß liefern werden, hat doch Copeau noch ans seiner denkwürdigen Zeit im„Vieux-Colombier" eine Bearbeitung von „Wie es Euch gefällt" vorliegen, deren szenische Realisation zu seinen liebsten Plänen zählt, obwohl er sie vielleicht ans kollegialer Rücksicht auf ein Parallelprojekt Victor Barnows- kys hinter andere Aufgaben zurückstellen wird. Und in der I at ist es letzten Endes auch weniger Shakespeareerneuerung als die Raumschaffung für junge einheimische Werte, die seine Bewunderer von Jacques Copeau erwarten. Oft— meist zn unrecht— hört man, daß die„Comedie- r ranyaise" der jungen Generation keinen Raum gönne. Wenn sie nicht alles tut, was gerade hier ihre Aufgabe sein könnte, so liegt das einmal an der grundsätzlichen Konzeption ihrer Aufgabe, die in der Pflege des gesamten französischen Dramengutes bestellt. Gewriß, es ließe sich im einzelnen hier einiger Wandel schaffen; vereinzelte Honoratioren der„So- ciete des Auteurs Dramatiqnes" wären vielleicht durch wertvollere jüngere Kollegen zu ersetzen. Immerhin spielt die „Maison de Moliere" die Werke Raynals und Achard, Zimmer, Lang, Boiissac de Saint-Marc, Guitry, und Cocteau standen und stehen in den letzten Jahren, als Vertreter des zeitgenössischen Schaffens, u. a. auf ihrem Spielplan. Für viele Autoren von heute ist jedoch die allgemein begehrte Ehre, auf der traditionsgeheiligten Nationalbühne gespielt zu werden, bestimmt nur ein halber Gewinn. Zuerst materiell, da ein Hans, das rund 150 Werke im Jahre anzusetzen hat, keine Serien spielen kann, dann aber künstlerisch, da die Riesenbühne und der feierliche Raum der„Comedie" für Grazie und Subtilität einen höchst gefährlichen Rahmen bilden. Hier könnte und müßte zwar durch die Schaffung eines„Studios" Abhilfe zu schaffen sein, was Qualität und Quantität des Ensembles ohne weiteres erlauben wurden, doch liegt dem französischen Staat jede Neigung zum Mäzenatentum auf dem Gebiet der Kunst— und insbesondere des Theaters— so fern, daß eine praktische Erfüllung derartiger Forderungen bis auf weiteres in das Gebiet der Wunschträume zurückverwiesen werden muß. Zwei neuerliche Beispiele mögen dennoch hier erwähn! „Hausmeister a. D." Brief eine« Erwerbslosen ... Bin nun schon seit dem 27. April 1388 ohne Stellung. Führe setzt den Titel„Hausmeister a. T." Tu meinst, ich hätte selbst gekündigt? Sehe ich denn so ans? Wieso? Nachts gegen 1 Uhr kamen Leute von der Hilsspolizei und bestellten einen Gruß vom diensthabenden Wachtmeister, ich möchte un- bedingt mal zur Wache kommen. Ich ahnte nichts Böses, denn meine Weste war rein. An einer einsamen Stelle, da. wo aus 200 bis 300 Meter keine Häuser stehen, wurde ich von hinten gesaßt. Das Maul mit einem Knebel zugehalten und dann sankt aus den Bauch gelegt. Je ein Mann an jeder Hand und jedem Bein. Drei oder auch vier, hinten hat man ja keine Augen, schlugen nun feste mit Gummiknüppel aus meinen Unaussprechlichen bis zu den Kniekehlen. Einige Tritte und gut gezielte Faustschläge ins Gesicht und dann durfte ich nach Hanse kriechen. Meine Frau, welche Tu ja von der Fotografie her kennst, kannte ihren Plann nur an der Wäsche wieder Man halber Körper war schwarz. Am anderen Vormittag brachte mein Nachbar(Polizeibeamteri mir die fristlose Entlassung ans Bett. Auf den Rücken konnte ich leider nicht fallen, denn da lag ich ja bereits drauf. Das heißt, ich lag mehr auf der Gegenseite, denn mein Rücken war zu empfindlich geworden. Acht Wochen Bettruhe war das Ergebnis dieses nächtlichen Spazierganges. Und was meinst Tu, soll ich verbrochen haben? Rate mal,' einige Träger der Nationalen Erhebung hätte ich beleidigt oder darüber etwas gesagt. An meine Stelle kam ein hiesiger NSDAP Gemeinbevertreter. Außer mir hat man noch zwei von hiet schwarz und grün begninmiknüppelt... „Arbeiter Zeitung" rerboteu Saarbrücken, 6. April. Die Regierungskommission hat die kommunistische„Arbeiter-Zeitung" aus eine Woche ver- boten. Das Verbot wird mit Artikel 15 Nr. 5 der Ver- ordnung vom 28. November 1333 begründet, dessen Tat- bestand durch einen Artikel in der heutigen Nummer des Blattes als erfüllt angesehen wird, der die Ueberschrist trägt:„Roier Kampsmai der Saar-Werktätigen". Die„Deutsche Freiheit" Einzig« unabhängig« Tageszeitung Deutschlands muß man regelmäßig lesen Bestellschein Ich enuch« um r«gelmaf)ig« Zusendung der„Deutschen Freiheit 1' Strafjej«t» Orb——- j den Unterschrift Verlag der„Deutschen Freiheit" Saarbrücken 3> Schützenstraße 5- Postschließfach 776 sein, um die Berechtigung eines Rufes nach Abhilfe zu beweisen. Als jüngste Novität ist in der„Comedie-Fraiieaise" ein Stück von Jean Sarment zur Einstudierung gelangt, das „La Caurenne de Carton"(Die Pappkroue) heißt. Man kann sich vor diesem Werk ilea begabten Verfassers nicht gegen den Eindruck verschließen, daß des seligen Meyer-Förster Studenteuprinz und Hamlet. Prinz von Dänemark, die Gevatter seines jungen Königs gewesen seien. Das bemerkenswerte an dieser Aufführung, die vielleicht keinem dringenden Bedürfnis der Stunde entsprach, war die Wirkungslosigkeit, zu der Sarments vielgepriesener Dialog, der mir oft etwas geistreichelnd-prätenziös erscheinen will, sich in der erdrückenden Pracht des Nationaltheatersaales verurteilt sah. Und— selbst bei Musset gelangt man manchmal zu der gleichen Beobachtung. Trotz aller Bemühungen der Theater- leitung. den Bühnenrahmen für die Mussetauffiihrungen möglichst zu verengern, folgt das Publikum einem hundertprozentigen Mussetabend im„Hause Molieres" nicht mit dem vollen Genuß, den diese erlesenen doch meist zarten Kunstwerke zu spenden vermögen. In beiden hier zitierten Fällen wäre es sinnlos, für das Verpuffen mamher Textpassagen bei der Darstellung die Schuld zu suchen, denn in„La Cou- ronne de Carton" standen neben Jean Yonnel. dem Träger der Hauptrolle, unüberbietbare Künstler wie Madeleine Renan und Ledoux auf der Bühne, und selten hat wohl.„On ne badine pas avec l'amour"(Man scherzt nicht mit der Liebe) von Musset dem Ideal so nahe kommende Darsteller gefunden wie Germaine Rouer und Maurice Escande, durch deren Gewinnung eich das Nationalensemble vor kurzem unschätzbar bereichert hat; neben diesem sah man an dem Mussetabend den genialen Komiker Dnbosq und Jean Weber in seiner strahlenden Jugend, der— erstmalig— in dem abschließenden Verszweiakter„Louisen" den Herzog gab. Aus den erwähnten neuen Vorstellungen der„Comedie- Franfaise" ging wieder eindeutig hervor, daß es der ersten staatlichen Sprechbühne an wertvollen Kräften gewiß nicht gebricht, daß aber szenisch, besetzungstechnisch und regielich — hauptsächlich bei Musset— recht viel zu wünschen übrig bleibt, und daß andererseits der Rahmen des historischen Hauses für darstellerische Echtheit eine aufschlußreichere Prüfstelle bildet als für den dichterischen— nicht aber für den rein dramatischen— Wert eines Bühnenwerkes. Hant*Adalbert v. Maitzahm Pariser Dcrldite Pariser Straßenkalender Am Samstag begann in Paris die Tagung der„Ceneral- stände der Arbeit", die das Gewerkschaftskartell einberufen bat. Am Sonntagnachmittag findet ein Meeting im Vel' d'Hiv' statt. * Das Empire, das Theater des Stavisky-Freundes Hayotte, in dem Rita Georg sang, wird demnächst seine Wiedereröffnung als Kino feiern, und iwar mit dem neuen Film Greta Garbos „Königin Christin» von Schweden", der mit Spannung erwartet wird. * Dienstag, den 10. April, findet die nächste Ziehung der französischen Nationallotterie statt. * Jean Cocteaus Schauspiel„La machine infernale", das den Oedipus-Stoff bebandelt, wird am 10. im Studio der Champs Elysees gespielt werden. * In dem historischen Camille-Desmoulins-Keller hinter dem Palais Royal hat sich ein deutsch-französisches Kabarett„Die Laterne" niedergelassen, das den Montmartregeist von Bruant und den des Weddings von Mehring vereinen will. * Die Premiere des Films„Sappho" nach Alphonse Daudet Im Marignan steht bevor Die französische Sommerzeit beginnt Mit dem Sonntag nach Ostern ist in Frankreich der Beginn der Sommerzeit angesetzt, durch deren Ortszeit die französische Uhr der deutschen„gleichgeschaltet" wird. Die Sommerzeit fängt am Samstag, dem 7. April, an in der Weise, daß dieser Tag eine Stunde kürzer ist und um 23 Uhr bereits der Sonntag, der 8. April, aus dem Zeitenschoße tritt. Mrn darf also nicht vergessen, am Sonntag eine Stunde frijher aufzustehen, um Schritt mit der Ortszeit zu halten. Der Frühling im blühenden Paris, in den weißen und roten Blüten, in dem mit Macht überall treibenden Grün ruft alle Langschläfer. „Cumul" Eins der Worte, die schlagartig auftauchen, ist„cumul". Von den neuen„decrets-lois", auf deutsch müßten wir wohl sagen: Notverordnungen, die jetzt in Frankreich erlassen sind, werden u. a. alle Doppelverdiener getroffen, das sind die Leute vom„cumul". Niemand darf also etwa zwei bezahlte Stellungen einnehmen, und das ist auch bis in die Pensionen und Familienzulagen genauestens geregelt. Um den einschneidenden Sinn dieser Bestimmungen zu verstehen, muß man wissen, daß der„cumul" in Frankreich außerordentlich verbreitet ist. Fast jeder zweite betreibt ja irgendeinen Nebenerwerb, und die Beamtinnen sind im Gegensatz zu dem in Deutschland üblichen Brauch meist verheiratete Frauen. Das Wort„cumul" wird also nicht aus der Mode kommen, nachdem der Kampf gegen den„eumu- lard" entbrannt ist, der sich natürlich zur Wehr setzt. An unsere I Bezieher und Leser! I Wir erhalten in letzter Zeit Beschwerden darüber, daß die„Deutsche Freiheit" entweder verspätet oder auch gar nicht ankommt. H Wir bitten alle Beschwerdeführer, sich an ihrem Ort mit der Post oder der Bahn in Verbindung zu setzen, da von Saarbrücken aus die Zeitung nach wie vor pünktlich jeden H Tag abgeht An der Post oder Bahn des Auf» gabe»Ortes liegt die Verzögerung nicht, davon konnten wir uns überzeugen. Verlag der„Deutschen Freiheit" Deutsche Kavallerie-Offiziere in Paris Der Marschall Potain hat, der Franzose in Zivil, eine Abordnung grauer deutscher Reiteroffiziere empfangen, die nach Paris gekommen sind, um an den Rennen in N i c e teilzunehmen. Es handelt sich um eine Erwiderung der Teilnahme französischer Reiteroffiziere an dem militärischen Reiterfest in Berlin vorigen Jahres. Außerdem sind noch Offiziere vieler anderer Nationen geladen. Das ganze ist ein Akt der internationalen Höflichkeit. Man zeigt den Deutschen unter anderm das Grab Napoleons im Invalidendom. Andere Stätten, die» weniger passend sind, aber kennzeichnender für das Verhältnis des deutschen Nationalsozialismus zu Paris— wir denken nur an die zahlreichen Einschußstellen aus den letzten beiden Kriegen 1870 und 1918— wird man ihnen wohl nicht zeigen. Cambrai verliert ein Wahrzeichen Die alte Spitzenstadt Cambrai im Norden Frankreichs, berühmt durch den„Damenfrieden", der dort zwischen den beiden großen Feinden Franz I von Frankreich und dem Kaiser Karl V. durch weibliche Verwandte abgeschlossen wurde, verliert ein altes Wahrzeichen. Es ist der„Gallus". Ein„Gallus stand früher auf allen Stadttürmen von Frankreich. Aber mit der Zeit wurden diese Wächter alle eingezogen, und nur der von Cambrai blieb, um die Tradition hochzuhalten. Nun ist aber auch er der Sparsamkeit und der Krise zum Opfer gefallen. Die Arbeiter in Cambrai sagen, das laufende Band hat ihn ersetzt. Abonniert die„Dentsdie treiben Deutsche Poliklinik£&£&££»£ a) Aß gemein» RondWnMi■*« spejuttutn. b) GUrargi- c) Geb« lab nf liehe Klinik d) Zahnärztliche« Kabinett Innere Medizin, Augen», Ohren», Nasen» and Kehl kopfkrank» ZweistÄcktgesßanadoriemsgeblede. Vierstöckiges Gebäude. Zimmer Zahn- und Mond Chirurgie. Gold» oeiten. Röntgen. Diathermie. Elektrotherapie. Spcnijhrhmä» Kleine, mittlen and große Ghinir« mit 1 bis 4 Betten. 3 Aerxtc, 3 Heb- und Porzellan krönen.»Brücken long bn Blut». Harn» u. Geschlechtskrankheit*» gja. Dia aller modernste Einrichtung mmts und 2 Operationssäle. Kautschuk» Arbeiten Ordination täglich von 9—12 und 2—8; Sonntags und Feiertags von 10—12 und 2—4 Uhr m Drs.G.und M.Spitzer 3, avenue de la Ripublique, Paris. Mötro Rlpublique, Tel. Oberkampf 86-23. 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Massige Bedingungen.(Auch für Kassen versicherte.) Täglich von 9. 1 und 4- 8,30. Uhr Sonn» und Feiertags von 9 bis 1 u. auf Rend. v. Tel. Arch. 54-27 Ein neuer Kommandant in Metz Auf Vorschlag des Kriegsministers Petain wurde der Divisionsgeneral L a n g 1 o i s, Kommandant der 10. Region, zum Militärgouverneur von Metz und Kommandant der 6. Region ernannt. Die 10. Region in Rennes(Bretagne) wurde dem Kommandanten der 42. Infanterie-Division G u i t r y übertragen. Die Rassen-Zunahmen In der Pariser Akademie der Wissenschaften(Mathematik, Naturwissenschaften undTechnik) trug der Physiologe Charles Richert eine„demographische Studie" über die Entwicklung der Rassen vor. Der Redner erklärte, daß er erstaunt sei über das ungeheure Anwachsen der Großstädte Japans und Chinas mit ihrer gelben Bevölkerung und über die amerikanischen Städte, in denen die Angelsachsen(?) mit Negern und Rothäuten gemischt seien. Er hat ausgerechnet, daß es in zehn Jahren, wenn dieses Anwachsen anhält, ein Mehr von 150 Millionen Asiaten. 40 Millionen Mischlingen Amerikas und nur von 20 Millionen Europäern geben werde. Der Zuwachs der europäischen Bevölkerung soll sich noch dazu auf den Donauraum und die slawischen Länder begrenzen. Das Gleich- gewicht wäre also gefährlich gestört, und man müsse über dies Problem nachdenken. Vergebens wird man in dieser statistisch-wissenschaftlichen Betrachtung etwa die Unsinnsargumente der deutschen Nazis suchen. Abgesehen davon, daß es diesen besonders schmerzlich sein muß, daß sie, trotz der berühmten Ehedarlehen des Hidallah-Helden Göbbels, in dieser Vermehrungstabelle eine nur unrühmliche Rolle spielen. Kinos Actualites L'auto.(31, Bd des Italiens)„L'Heure joyeuse de Mickey Mouse". Ein Sportfilm. Aktualitäten. Agriculteurs(8, rue d'Athene). L'Homme invisible(C. Rails, G. Stuart, W. Harrigan).(Tägl. 15 und 21; Sbds., Sonnt., Ftgs. 14.30, 17, 21). Apollo(rue de Clichy). Prolongue; Toujours dans mon Coeur. Originalfassung.(Tägl. 14—2). Bonaparte(Place St-Sulpice). L'Homme invisible.(Tägl. 15 und 21, Sbds., Sonnt., Ftgs. 14.30, 17, 21). Champs-Elysees(118, av. des Champs-Elysees). La Croisiere jaune.(Tägl. ununterbrochen von 14.30 bis 19; Sbds. und Sonnt, von 13.45 bis 20.15). Cine-Opera(32, av. de l'Opera). L'Homme invisible(C. Rails, G. Stuart, W. Harrigan).(Tägl. ununterbrochen von 14 bis 20; abends 21). Colisee(38, av. des Champs-Elysees). Le Club des casse-cou, Originalfassung mit französischen Untertiteln.(Tägl. ununterbrochen von 14.30 bis 19.30; Abendvorst. 21). Elysee-Gaumont(79, des Champs-Elysees). Design for Living (Fred. March, Miriam Hopkins, Gary Coopert). Tägl. von 14.30—20 und um 21). Ermitage Club Ursulines(72, av. des Champs-Elvsees). Vol de Nuit.(Tägl. von 15—21. Sbd. u. Sonnt. 14.30, 17, 21). Madeleine(14. rue de la Madeleine). Esquimaux(ein Film von Van Dyke). amerik. Originalfassung, franz. Untertitel, (Tageskino von 14 Uhr ab). Marignan(27. Av. des Champ-Elysees). Sapho. Marivaux-Pathe(15, Bd. des Italiens). Ces Messieurs de la Sante. Mesange(3, rue d'Arras). Apres nous le deluge.(Tägl. 14.30 u. 20.45. So. u. Feiert, ab 13.30 Perm.). Miraries(100. rue Reaumur). Au bout du monde.(Tägl. 16 u. 21; Sbds., Sonn- u. Feiert. 14. 16.30. 21). Pantheon-Cinema(13, rue Victor-Cousin). Sehnsucht„202" mit Magda Schneider. Raspail 216. A man's Castle.(Tägl. 14.30, 16.30, 20.30, 22.30). Studio Caumartin(25, rue Caumartin). Lady for a day(ame- rikanisdbe Originalfassung mit franz. Untertiteln).(Tagl. 14.30, 19, 21.15; Sonn- u. Feiert. 14.20, 20.15). Studio Diamant(Place St. Augustin). Fille du Sud.(Tägl. 14.30, 16.45 u. 21). Studio Gilbert(115, rue de Vaugirard). Madame Butterfly; Mon Chapeau.(Tägl. Perm, ab 13.30, Abendvorst. 20.30). Studio de L'Etoile(14, rue Troyon). Symphonie inachevee (Leise flehen meine Lieder). Deutsche Originalfassung. (Tägl. von 14.30 bis 19; 21 Uhr). Studie 28(10, rue Tholoze). La Soupe au canard(Duck soup), Originalfassung mit franz. Untertiteln.(Tägl. von 15—21; Stgs. ununterbrochen von 15—19). Studio Parnasse(11, rue Jules-Chaplain). Thomas Garner. Studio Universel(31, av. de l'Opera). Une soiree etrange. (Tägl. von 14—20; Abendvorst. 21). Ursulines(10. rue Ursulines). La rue sans nom, mit Gabriel Cabrio und Const. Remy; Von Wilson bis Roosevelt(ein Rückblick auf die Geschichte Amerikas).(Tägl. 15, 21; Sbds. u. Sonnt. 14.30, 17). Washington-Palace(14, rue Magellan) College humour, BBIEFKaSTEN C. Zürich. Unser« Mitarbeiterin Grete Link dankt Ihne» hery» lich für Ihre.«arte. Sie ist froh, von Ahnen berichtigt zu werden. ES gibt alfo an dem Haufe„Zum Jakobsbrunnen", in dem Lenin in der Zeit feine» Züricher Exils wohnte— wie bescheiden ist bat Haus, wie klein mag das Zimmer fei»!— eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:„Hier wohnte vom 21. Februar ISIS bi» 2. April 1617 Lenin, der Führer dertzrufsifchen Revolution." Ei« fügen hinzu: „Wir Zürcher fnicht alle) find stolz auf diese Gedenktafel, die i« Ruftrag de» Stadtrate» errichtet wurde" Mau braucht nicht Rom» muntst zu fein, um sich vor der Bedeutung Lenin» zu beugen und seine geschichtlich« Leistung zu bewundern. Daß die» auch Ihr Stadt« rat tat, gereicht ihm zur Ehre. Ihren Gruß erwidern wir in Rache» radfchast. H. JB., Preßbnrg. Die„Reichspost", da« offiziöse Organ der Wiener Bundesregierung, protestiert gegen da» Projekt der nach der Tschechoslowakei emigrierten Sozialdemokraten, die Rinder der Ge« töteten bei sich zu beherbergen, soweit die Familien ohne Existenz« mittel zurückgeblieben sind. Da» Blatt fordert die Behörden auf, den Rindern der früheren Sozialdemokraten keine Paste auszustellen. Und solche» Pack nennt sich Christen und läßt sich voipredigen: „Lastet die«indlein zu mir kommen." H. Z., Lnzer». Sie machen un» auf folgende Meldung aufmerk- lam:„Tie protestantisch« St. Marienkirche in«KnigSberg-Neumark hat neue Rirchenglocten mit dem Hoheitszeichen der NSDAP, er« Helten."— Erst jetzt gewinnt Schiller» Lied von der Glocke Sinn: „Friede fei ihr erst Geläute". „Weftland", die in Soarbrücken erscheinende unabhängig« deutsche Wochenzeitung, bringt in ihrer neuesten«u»gabe u. diese«ei. träge: Gold iür Eisen— Offener Zwist»wischen Staat und«irche -„Aus der Flucht erhängt"— Deutschland vor neuen Erzesten— Ter Aufbau der Reichswehr— Tümpelmann und seinesgleichen— «urfürstendamm 1981— GSbbel» lenkt die Saarkino». Die neu« Weltbühne. Prag 1. Melantrichvva 1/8. Heft 14 ist fv« eben erschienen und enthält folgende Beiträge: Hermann Budzi». lawski: Europa im Umbau. Joses Holpern: Schweizer Regierung«, frise, H. R. van Doorn: Der„Optimist" I,®.«irckchof: Spanien vor der Entscheidung. W. Grimm: Fulvio Suoich,«. Großmann: Hilf« für Emigranten, Georg Walter: Neue Ruffenfilme, Beä merkungen— Antworten. Für den Gefamtinhalt verantwortlich: Johann P i tz in Dud« weiter: für Inserate: Otto Ruh» in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH„ Saarbrücken 8. Schützenstraße b.— Schließfach 77S Saarbrücken. Mi MMMIMMn *v«tWBrBogBttfcift tiM«sMekirti. KeMitor»«. Hilm m4 UUn Jxoduits JWunid lt. tMlovnM«. Itnatari. s, ru iL luran JUlÜS, tat dnr.•• rui TiltfM 4 Liniin v»r»totfT Mttr MTttRIS If-tf feinste jüdische Selcfitween* und Uhenet O&äehecei-Qesdiäfie JUicis SB, AVENUE WAGRAM, Tel. Camo* 27-63 SB. RUE DE RASSY, TeL Auteuil 33-61 |H1 Deutsches Zahnärztliches Institut I 11, MB OK OOUAI. Mite.. Itewta, PigalU r«L TeteM«0.17.-,ii ,n j, W I Zäh*«. Mnndkranhk., Röntgen, fn.knnten.pi., Prateewm, Kraam, Brdcken m Gold, Platin n. Poraellan NEUHEIT: PORZ EL LAN.KRONEN UND.BRUCKEN I Umarbeitung schlecht,inender Geblase mtt«11« Gerate« fcr guten Site. 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