Sinzigs unabhängige Tageszeitung ventschlauds Nummer 85— 2. Jahrgang Saarbrücken-Paris, Freitag, 13. April 1934 Chefredakteur: M. Braun Aug dem Inhalt Die yeheUnitisixoiCe Oiandgccmate Seite 2 tiH!Bcie(. Seuecings Seite 3 Das„lüiutdec" du JiacneschCacht Seite 3 Du Jleidiskamlec vufcetet Seite 7 England wird unruhig Neue alarmierende parlamentarische Anfragen Uber Deutschlands Rüstungen London und Berlin London, 12. April. Die britische Anfrage an die deutsche -'tcichsregierung wegen der bedeutenden Erhöhung des deutschen Rüstungshaushalts ist schon am Montag dieser Woche erfolgt. Man erwartet eine eingehende schriftliche Antwort, die der Austenminister Sir John Simon als Unterlage für die Beantwortung der vorliegenden Par- lamentsinterpellationen benutzen will. Der deutsche Reichs- austenminister von Neurath hat dem britischen Bot- schaster mündlich mitgeteilt, die im Reichshaushalt ein- gesetzte« höheren Summen seien lediglich für den Fall gedacht, dast im Laufe dieses Haus- haltssahres eine Rttstungskonvention zu« st a n d e k o m m e, die dem Deutschen Reich eine entsprechende Erhöhung seiner Mannschafts-, Waffen- und Material- bestände zugestehe. Wenn die schriftliche Antwort Deutsch- lands keine andere Erklärungen enthält, wird sie weder die britische Regierung noch die öffentliche Meinung beruhigen. — Mehrere Parlamentsmitglieder beabsichtigen, die erhöhten Ziffern des deutschen Wehrhaushalts zum Anlast weiterer Anfragen im Unterhaus zu machen. » Der deutsche Propagandaminister Göbbels wartet mit einem neuen, ihm gemästen Mittel auf, um den Versuch zu machen, die Sympathien der englischen Presie zu gewinne«. In den grasten englischen Blättern, wie»Times",»Daily Telegraph",»Daily Erprest" usw. lästt er durch das ihm unterstellte Werbebüro der Deutschen Reichsbahn enorme Anzeige» erscheinen, die für den Besuch Deutschlands werben. Man liest dort, daß die Touristen eine„durchaus freundschaftliche Atmosphäre" sinden würden und dast ihnen »der wärmste Empfang" bereitet werde. Göbbels preist die Reiz« Berlins und Nürnbergs swo der Mordantisemit Streicher regiert«, er empfiehlt Oberammergau und Pots- dam.»Stadt Friedrichs des Groben..» wo«00 Häuser aus der Epoche des berühmten Monarchen erhalten geblieben sind"... ppp dxnt Potsdamer Geist spricht er nicht. Wamsendes Mißtrauen Weitere parlamentarische Anfragen London, 12. April. Die Unruhe in parlamentarischen Kreisen über den deutschen Wehrhaushalt nimmt»«.Bor allem wird der Konservative B o o t h b y am nächsten Mon- tag den Staatssekretär des Aeustereu nochmals fragen, ob er in irgendwelcher Weise Informationen über die Er- böhungen in den deutsche« Flotten-, Heeres- und Lust- Voranschläge« geben kann und»ob die britische Re- «ierung beabsichtigt, irgeueine Aktiv» tn der Angelegenheit zu unternehme». Das liberale Mitglied Man der will die Ausmerksamkc't der Regierung aus die Augebote deutscher Wersten für de» Bau von S riea ssckissen für die brasilianische Flotte richten und fragen, welche Aktion beabsichtigt sei angesichts der Tatsache, dast dies unter Artikel 170 und 19. °iue Verletzung des«ersailler B-rtrages darstelle. Das unionistische Parlamentsmitglied, Brigadegeneral Elifton Brown, will am nächsten Dienstag an den Präsidenten des HandelSamtes die Frage stelle«, ob er angesichts der Tatsache, dast Deutschland sich weigere, seine Anleihen zurückzuzahlen, ob- "leich es zur selben Zeit gr-st- Wiederaufrüstung ausgebe. Schritte«nt-rn-hmen werde, um ei« Einfuhrverbot ans alle nach England eingeführte« deutschen Waren zu legen, bis Deutschland feine Sonderausgaben für Rüstungen herabsetze. JenSelswerKe" Znr Mlmmong in Eng'ond Es gibt viele die der Göbbelschen Propaganda im Aus- lande Wunderwirkung zutrauen. Wie»'n Wirklichkei damit beschoffen ist. erfährt man uberzeugend au» f gendem„englischen Brief" des„Temps, des g ff maßvollen französischen Weltblatts. Der von Robert L. l^ru geschriebene Bericht lautet:_ -Vor Jahresfrist haben wir d'" die be'nae< e>n e^ gemeldet die sich einen Monat nach Regieru g der neuen Diktatur, in England gegen den h'uer,m Laschismus zeigte. Zehn Tage spater war der Eindruck. wir von der öffentlichen Meinung Englands gaben, vollauf bestätigt durch eine graste Aussprache im Unterhaus, in deren Verlaus Sir Austen Chamberlain und andere Redner sich mit Macht gegen die Unduldsamkeil und Gewalttätigkeit der Nazis in Deutschland erhoben. In den zwölf Monaten, die seitdem verflossen, scheint das Wort Nazitum mehr als das Wort Faschismus genannt zu werden, wenn man in England von diesem groben Volke spricht, das„in die Sklaverei ge- stürzt sei". Das Phänomen der Abdankung der deutschen Demokratie oder ihrer Vernichtung durch tückische und ge- wissenlose Mächte flöht den Engländern nach wie vor das Gefühl eines aufrichtigen Bedauerns ein: Man hegt in der Tat allgemein das Gefühl, dast diese sogenannte Revolution des»dritten Reichs" dem deutschen Volke viel kosten wird, und vielleicht auch anderen Völ- kern. Insgesamt sind alle Engländer ohne Unterschied der Partei überzeugt, dast man in Deutschland einem wirk- lichen Rückschritt der Zivilisation gegenübersteht. Alle Arten Mitteilungen, die man seit einem Jahr vom Reich erhält, nicht bloß von verfolgten Flüchtlingen, sondern durch unparteiische Zeugen, durch Reisende, Nachforscher, britische Zeitungsleute, und durch die fast täglichen geräusch- vollen Echos der Nazi-Bersammlungen, die die Sender über die deutschen Grenzen tragen, geben den Engländern er- hevlich zu denken. Es ist so. wie damals, als der Dichter 1871 angesichts des herzzerreistenden Anblicks des besiegten Frankreichs schrieb, scheinen sie alle Tage angesichts des wahnsinnigen Deutschlands zu sagen: We see a vacant place, We hear an Iran heel... lWir sehn die leere Stätte, Wir hörn den eisernen Huf...) Ja, man kann behaupten, dast, trotz aller Tätigkeit der Gesandtschaften, der gewöhnlichen wie der auhergcwöhn- lichen, des Führers und seiner Herrschast. das England von heute sein Mißtrauen im Laufe dieses Jahres v e r- stärkt hat, statt es zu zerstreuen. Der italienische Faschis- mus war keine Bedrohung für die britischen Inseln, und nach einigen Strafpredigten, die Ende 1922 über den Preis, den jedes Volk, das seine Freiheit aufgibt, gehalten wurden, nahm man in England die mussolinische Revolution ziemlich philosofisch aus. Ganz anders stellte man sich gegenüber dem hitlerschen Umsturz: er bildet eine direkte Gefahr, nicht nur für die Verteidi- gung des britischen Reichs, besonders in der Luft, dann auch aus der See, mehr noch für den allgemeinen Welt» frieden, und darüber hinaus ist er eine unverschämte Leugnung des Glaubens der Engländer an die Demokratie, der seit mehr als sieben Jahrhunderten geheiligt ist. In den Augen eines Ausländers ist die ausfallendste Tatsache der Zeit von April 1983 bis April 1984 die wachsende Unruhe und Erreaung, die dem englischen Bolke durch die lauten und tölpelhaften Kundgebungen des germanischen Nazitums bereitet werden. Wie üblich in diesem Lande, hat sich eine Gesellschaft ge- bildet, um das Nazitum und sein Evangelium zu bekämpfen, das ebenso gefährlich für die anderen Völker wie unheilvoll für die Engländer ist. Diese Gesellschaft heißt»Freunde Europas", und seit etwa zehn Monaten hat sie elf Bro- schüren herausgebracht, die bestimmt sind, die Gefahren der neuen politischen Auffassung Deutschlands zu zeigen. Diese Veröffentlichungen sind die folgenden„Hitler und die Auf- rüstung" von J.-L. G arvin.„Hitler. Deutschland und Europa" von einem deutschen Diplomaten.„Die Zukunft Europas" von Wickham Steed.„Die Gefahr für Europa",„Die Hoffnung Europas" von Professor Ein- stein.„Das ausgerüstete Deutschland" von einem unge- nannten Deutschen.„Die deutsche Industrie bereit zum Kriege" von einem deutschen technischen Sachverständigen, Rede über Deutschland" lim Unterhause am 13. April und 5 Juli 1933) von Sir Austen Chamberlain, früher Austenminister.„Wie verhindern wir den Krieg durch ge- meinsame Aktion?" von Lord Howard of Penrith, früherem Botschafter in Washington.„Ein Jahr Httleris- mus", eine Sammlung der Artikel des Berichterstatters der Times" in Berlin, mit Vorwort von Sir Edward Grigg. Mitglied des Parlaments.„Der Einfall in Gröst- britannien".„Die Militärwissenschaft des Professors Banse", mit Vorwort deS AdmiralS Sir Herbert Richmond. Ein Handbuch der Geschichte für die Nazi-Schulen"(1914 bis 1983) mit Vorwort von M. Ernest Barker, Professor der Universität in Cambridge. Diese Broschüren können auf Wunsch zum Preise von 2 penee 0,70 Fr.« vom Sekretariat „FriendS of Surope", 97, St. Stephen's House, Victoria Cmbankment, London S. W. 1, bezogen werden. Die Serie hat eben erst begonnen, weil die Freunde der Freiheit und des Frieden« in Europa selbstverständlich noch viel über daS ungewöhnliche RegierungSsostem. daS sich in Deutschland eingesetzt bat. zu sagen haben, dieses Gewaltsystem, das sich, wie alle Snsteme seinesgleichen, als Retter einführt und nichts als ein gewaltiger Zerstörer ist. Fortsetzung siehe 2. Seite Gestern und heute „Stellt mich vor eine Armee von Kerlen wie ich, und ich will euch eine Republik schaffen, gegen die Rom und Sparta Nonnenklöster gewesen sind"— dieses Wort des Schiller sehen Räuberhauptmanns Moor ist im„dritten Reich" verwirklicht worden. Wir wissen schon aus einer Reihe von Erlassen der Amtsstellen oder aus Aeußerungen maßgebender Vertreter des neuen„Systems", daß in Schulen und bei Staatsprüfungen weniger Wert auf Wissen als auf„Lebenstüchtigkeit" und „Charakter"— wie diese Worte von den Herren aber aufgefaßt werden— gelegt werden soll; daß Schüler und Studenten die Zeit, die sie für die„nationale Bewegung" geopfert haben, anstelle der verbummelten Studienzeit angerechnet werden soll, und ähnliches mehr. Gehirnfaßken und Bücherwürmer werden in Hitlerdeutschland sicher nicht mehr gezüchtet. Welcher Art heute die Jugendausbildung ist, davon erzählt ein amtlicher Runderlaß. Danach soll der Unterricht in Leibesübungen an allen Schulen einheitlich— in Mädchenschulen„sinngemäß"— in Wort und Sache der Ausbildung der Reichswehr nachgebildet und zugleich erheblich ausgedehnt werden. Tatsächlich handelt es sich dabei um eine Rekrutenschule, die zwar keine Waffenübungen einschließt, sonst aber eine vollständige, höchst intensive Vorbildung zur Feldschlacht und zum Grabenkampf darstellt. Da sollen für alle Schulen Hindernisbahnen angelegt werden, die aus mindestens 14 Hindernissen: Gräben bis zu 2 Meter Tiefe, Bretterwänden bis zu 2 Meter Höhe, Schwebebalken, Mauer und Drahtverhau bestehen, auch vermehrt und erschwert werden können. Diese sollen täglich mehrmals durchlaufen werden; sie können durch Tragen von 2 Meter langen Bohlen und Rundhölzer erschwert werden. Das heißt, daß die noch für den Unterricht verbleibende Zeit sich ausgezeichnet zum Ausruhen von diesen schweren Anstrengungen verwenden läßt. Damit sie aber doch auch der Schulung des Geistes zugute kommt, soll sie vor allem der „vaterländischen", d. h. chauvinistisch-militärischen Dressur dienen. Dem Jungen soll vor allem„Achtung vor den heroischen Jahren 1914—1918" beigebracht werden.„Andererseits muß aber der deutsche Junge selbst darauf vorbereitet und zum künftigen Schößen seines Vaterlandes herangezogen werden. Stolz und gerne wird der deutsche Knabe diese Pflicht auf sich nehmen." So ist die Unterrichtszeit dem„vaterländischen Unterricht" im üblen Sinn der Kriegsjahre gewidmet, so wird durch eine Jugendzeitschrift:„Kriegskunst", die den Krieg in den ver- lockendsten Bildern darstellt, dafür gesorgt, daß auch für die Freizeit, soweit sie nicht von Tages- und Nachtmärschen und vaterländischen Anlässen jeder Art beansprucht wird, die lesedurstige Jugend in diesen Dunstkreis gebannt bleibt. Für die Lehrer besteht„Die deutsche Volkskraft", eine Zeitschrift, in der von Generalstabsoffizieren die Methodik des neuen Unterrichts gelehrt wird. Die besten und interessiertesten Jungen sollen weiterhin zum Nachrichtendienst bei Tag und Nacht: Leitungsbau, Blinken, Morsezeichen, Funk- und Fernsprechdienst, herangezogen werden. Dazu soll taktische Ausbildung treten und so eine Nachtrichtengruppe ausgebildet werden, die den Befehlshaber in jeder Gefechts läge über den Stand der Kampfes handlung auf dem laufenden hält. Durch Wettkämpfe der einzelnen und ganzen Gruppen soll die Leistung gesteigert werden. Es kann nicht ausbleiben daß eine derartig kriegsgemäße Ausbildung eine Reihe roher Mißhandlungen Mindergeschickter und zahlreiche U n• fälle und Erkrankungen mit sich bringen wird. Schlimmer aber ist die geistige Verödung, die seelische Verhärtung gegen alles Menschliche, die diese Vorbereitung zum Massenmord als Hauptinhalt der Jugenderziehung herbeiführen muß. Das„dritte Reich" läßt gerne von Aufbau reden Seine Jugenderziehung aber ist nicht Aufstieg, sondern Absturz in rohen Materialismus, der die Marschmuskeln höher bewertet als die Gedanken und die Kraft der Nation an ihren mili tärischen Leistungen mißt und nicht an ihrer friedlichen Arbeit. Noch ein paar Jahre so weiter, und die Welt wird in furchtbaren Ereignissen erkennen, was diese erziehung bedeutet. Jugend- Argu*. Abonnier! die„Penfedie freiüei? Fortsetzung von der 1. Seite. „Teufelswerhe" drei jüngsten Broschüren der„Freunde Europas" die seit Februar herauskamen, zeigen scharf die zwei Haupt« sächlichsten Ausfassungen der Engländer in diesem Augen« blick gegenüber der Hitler-Tyrannei: die Notwendigkeit einer gemeinsamen Aktion gegen einen verbrecherischen Nationalismus, nnd die Wiederkehr des deutschen Miltta- r»smus in der unmäßigsten und der gewalttätigsten Form. Tic gemeinsame Aktion gegen den Frieden, von der hier Ichon die Rede war, hat mächtige Befürworter gesunden in Lord Howard of Penrith, Lord Cecil, Sir Edward Grigg und Mr. Vernon Bartlett, und es scheint durchaus. daß England, trotz gewisser Zögerungen seiner Regierung. >n seiner Gesamtheit bereit ist, seine Verantwortung zu übernehmen und die nötigen Opfer ins Auge zu fassen. Wenn man demnächst England einem Pakt internationaler Zusammenarbeit bettreten sieht, um jede Kriegsabsicht zu verhindern und die Raubtier- oder„ungesättigten" Rationen einzuschüchtern, wird man es zum großen Teil diesen ersten und mutigen Freunden des Friedens verdanken. Im übrigen haben die Tifteleien des Professors Banse nnd das Handbuch der Geschichte für die höhere Schule und die Volksschule, vcnaßt von M. Fikenscher und Karl Ruger, den Briten viele Freude gemacht. Ter Herr Professor Banse, Inhaber des ersten von den Nazis errichteten Lehrstuhls für Militärwissenschaft ist eine Art Picroeole Idas ist eine Person aus dem„Gargantua" von Rabelais ein Dcgenschlucker und Wclteroberer. Red. d. •±>. F.s Er zeigt uns, wie das„dritte Reich", nachdem es Frankreich zerschmettert und England erobert hat, keine Schwierigkeiten kennt. Belgien, Holland, die Schweiz und Mitteleuropa„bis zum Etsch" zu verschlingen und zugleich nut dem Unten Fuß auf Bagdad und die Reiche Alexanders zu treten. Zugleich ist Banse ein Geogras, der in allen Erdcrschiitterungen Gelegenheiten sieht, in Feindesland ein- zulallen und vorzurücken. Der Krieg ist. nach Herrn Banse, ein„geografiiches Phänomen", und deswegen wird sich das nächste Mal„ein Krieg mit Frankreich nicht unter den günsti- gen Umständen abspielen als wenn wir die Gelegenheit ergriffen, bzw. die Erlaubnis erwirkten, durch Belgien und Holland im Norden und durch die Schweiz im Süden zu marichieren". Was England betrifft, so ist das nur ein fetter Bissen, da es zugleich vom Südosten in Richtung London und vom Südwesten über Belfast nnd Dublin von den Hitler- deutschen angegriffen wird, um ihm die industriellen Nieren zu zerschlagen: „Ich gestehe, daß das eine angenehme Aussicht für uns ist," erklärt der Professor,„uns vorzustellen, wie in Zukunft dieses eingebildete und auf seine Sicherheit so vertrauende Volk niedergeschlagen wird, das bann fremden Herren ge- horchen muß in einem Lande, das niemals feit 1006 erobert würde, oder das uns doch wenigstens sein einträgliches Kolonialreich überlassen müßte." Und dieser wunderbare „Pangloß" fFigur aus Voltaires Roman„Eandide", einer, der alles Unrecht für gut erklärt. Red. d. D. F.s fügt mit entwaffnender Naivität hinzu:„Jeder Engländer-und jede Engländerin würden diesen Satz, sosern sie ihn lesen, als Ungeheuerlichkeit oder gar als Blasphemie ansehen." So ists richtig, sie haben diesen Satz genau so gelesen, mitsamt der Empfehlung(Seite 268,„Raum und Volk im Weltkrieg". 7. Auflage, 1982), dank der Gesellschaft„The FriendS i»' Europe", denn ich übersetze aus dem gleichen Text, da ich nicht das Glück habe, dis-gesammeltew-We-rk«. des Herr». Banse im Urtext zu besitzen.--'* Ter Herr Professor ist höchstlichst verleugnet worden, sowohl in Berlin wie in London, durch Lke ämtlichen Ver- treter Deutschlands, und man-hat sogar erklärt, daß ein zitiertes Werk wie auch seine„Wehrwissenschast" vom Bücher- markt zurückgezogen seien, aber die Engländer haben beob- achtet, daß man sie trotzdem häufig zitiert, auch nach der Unterdrückung, die eine Folge der Enthüllungen von Mr. Steed, von der„Times", vom„News Chronicle" und ande- ren englischen Blättern ist. Die Herren Fikenscher und Karl Ruger sind Pädagogen, die sich, um das Wohlgefallen eines Herrn Schemm zn er- regen, der Minister des Unterrichts in Bayern ist, die Mühe gemacht haben, den Schulkindern von heute und morgen zu beweisen, daß der große Krieg dem friedlichen Reich aus- gezwungen wurde, daß die deutschen überall gesiegt haben und daß sie trotzdem besiegt wurden infolge des Verbrechens der Juden und der Kommunisten. Glücklicherweise ist Deutschland aber„erwacht" dank Hitler, nnd es bleibt nichts anderes übrig, als de» nächsten Krieg vorzubereiten. Diese Bücher für die Kindheit, die Lügen gebären und Haß säen, machen hier den Eindruck von Tenselowerten. Die Gefühle, die sich beim englischen Volke hervorrufen, kann man sich leicht vorstellen. Meinungen der Historiker, der Staatsmänner, der Militärs und Admiräle Englands über diese erschreckende und unangebrachte Literatur stimmen in einem Punkte überein: darin, daß Deutschland um wohl dreißig Jahre in der Entwicklung zurückgekommen ist, daß es von neuem verstockt, agressiv, militaristisch ist, und baß mir nach dem AuS- sprnch des alten Tacitus mit Barbaren zu tun haben, die lüstern auf Beute sind(Gennanps saevos ad praedaw). Man wird vielleicht das britische Weltreich wegen neuer Vereinbarungen zur Aufrechterhaltunq des Friedens zu Rate ziehen müssen, doch soll man nicht glauben, daß die Dominions sich von dem Mutterlande unterscheiden, wenn es nch um die Verteidigung des eigenen Lebens handelt, das schließlich von dem Mutterlande abhängt. Robert— L. Cru. Die geheimnisvolle Handgranate Endlldi ist ein„Kommunist" gefunden! reder Kaltgestellt Vom Währungsreformer zum Stadtrandsiedler Aus Berlin.wird gemldet: Staatssekretär Gottsried Feder, der Wirtschaststheoretiker der nationalsozialistischen Partei und Verfasser der 25 Punkte des Parteiprogramms, der nach der Entfernung des deutschnattonalen Parteiführers Hugenberg und seiner Staatssekretäre in das Wirtschasts» Ministerium berufen wurde, ist heute unter Wetterbelassung seines Titels aus dem Rcichswirtschaftsministerium wieder ausqeschieden. Er wurde zum Staatssekretär für Stadtrand- siedlung ernannt. Versdiwörang In Rumänien Eine Erklärung der Regierung Bukarest, 11. Aprit. Der Miüisterrat veröffentlicht eine amtliche Mitteilung, in der zu den derzeit umlaufenden Ge- rüchten über eine angebliche Verschwörung Stellung ge- nommen wird. Die Gerüchte seien geeignet, so heißt eS darin, eine Atmosphäre der Unruhe und Unklarheit zu er- zeugen. Sie gingen immer von denselben Quellen aus. die daran ein Interesse zu hoben schienen die Ruhe zu stören, deren jede? Land heute mehr denn je bedürfe. ES sei tat- sächlich so, daß die Verfehlung einiger unterer Offiziere, die Nach einer Verlegenheitspause von genau drei Wochen veröffentlicht der Polizeipräsident von Berlin folgende „Feststellungen" zur Aufklärung des Handgranaten- anschlage? Unter den Linden am 21. März d. I., dem Tag der Eröffnung der Aröeitsschlacht. Danach steht es unzweifelhaft fest, daß die in altes Zeitungspapier gehüllte Handgranate aus dem vierten Stock oder dem Dächgeschoß des im Umbau befind- lichcn Hauses Unter den Linden 75—76, Ecke Neue Wil- Helmstraße herabgeschleubert worden ist, nachdem die Zeit- zündervorrichtung ausgelöst war. Es handelt sich um eine Stielhandgranate aus alten Kriegsbeständen. Einer bestimmten Person hat der Anschlag, der zahlreiche Volksgenossen in Lebensgefahr brachte, nicht gegolten. Da sich unter den in Betracht kommenden Fenstern ein breites Gesims am Hause entlangzieht, ist es nämlich überhaupt nicht möglich, von oben her den Fahrdamm und die Geh- bahn zu beobachten. Unter dem dringenden Verbacht, die Hand- granate geworfen zu haben, ist der Maler Erwin Schulze aus Äerlin-Charlottenburg festgenommen morden. Schulze ist zur Tatzeit im Dachgeschoß des Hauses Unter den Linden 76 zusammen mit dem Ialousiebauer Willi Noack beschäftigt gewesen. Zum Nachweis seines Alibis für die letzten Minuten vor der Explosion hat sich Schulze auf seinen Arbeitskollegen Noack berufen, der auch bestätigte, daß Schulze um die angegebene Zeit den Ar- beitsraum nicht verlassen habe. Es ist inzwischen aber fest- gestellt worden, daß Noack eine vorübergehende Eni- sernung Schutzes gar nicht ohne weiteres bemerken mußte. Schulze selbst hatte schon vor seiner Festnahme den Versuch unternommen. Personen seiner Bekanntschaft zu verdäch- tigen. Die von ihm Genannten konnten jedoch ein ein- wandsreies Alibi nachweisen. Schulze hat in den Iahren 1928 oder 1929 dem Rotfrontkämpferbund angehört und war mindestens bis Herbst 1932 Mitglied der KPD. Später will er sich nicht mehr kommunistisch betätigt haben. Er war von 1920 bis 1923 Reichswehrsoldat und zwar im Inf.-Regt. 14 in Konstanz, später bei der Stammabteilung 2 der Artillerieschießschule Jüterbog. Aus der Reichswehr wurde er wegen Gehör- samsverweigerung und versuchten tätlichen Angriffs auf einen Vorgesetzten entlassen und zu einer Gefängnisstrafe von anderthalb Iahren verurteilt. Die Polizei sucht nunmehr nach Personen, die mit Schulze in nähere Berührung gekommen sind, insbesondere auch während seiner Militärdienstzeit. Als wichtig wird es ferner bezeichnet, baß zwei Personen sich melden, die am Tage der Tat die Baustätte aufgesucht haben, und zwar eine Zigarettenhändlerin und ein 35—38jähriger Mann, der sich im Hause erkundigte, ob der Bau für ein Ministerium ausgeführt werde. Der Polizeipräsident appel- ltert zum Schluß an den gesunden Sinn der Bevölkerung, die aufgefordert wird, sich durch Beteiligung an der Aufklärung gegen solche Anschläge nachdrücklich zur Wehr zu setzen. Die Aussetzung einer B e-- lohnung in Höhe von 30 909 Mark bleibt nach w i e v o r in Kraft. „Unzweifelhaft" steht also nur fest, daß eine Hand- granate geworfen worden ist. Das war das einzige, was die Behörde schon am Tage des Attentats zugegeben hat. Daß zwei Handwerker am 21. März im Dachgeschoß des Hauses Unter den Linden 76 beschäftigt waren, hätte man wohl schon am 21. März feststellen können. Offenbar hat die Polizei gegen den jetzt Festgenommenen keinen andern Beweis, als daß er vor langen Iahren einmal Reichswehr- foldat gewesen und angeblich später Kommunist ge- worden ist. Belustigend wirkt, wie die Polizei, die nach ihrem eige- nen Eingeständnis noch ganz im Dunkeln tappt, oder doch so tut, und deshalb an die Mithilfe der Bevölkerung appelliert, doch ganz genau weiß, daß der Anschlag einerbestimmtenPersonnichtgegoltenhat. Obwohl es sich also nach dem dummen polizeilichen Ge- rede um einen Anschlag ohne Ziel gehandelt haben soll, bleibt die Aussetzung einer Belohnung in Höhe von30 000 Mark, 10 000 Mark höher als beim Reichs- tagsbrand, in Kraft. Der Polizeipräsident verschweigt noch immer die Namen der bei dem Anschlag Verletzten. Ganz Berlin behauptet aber, daß der oberste Naziführer der SA. für Berlin- Brandenburg Paul Ernst, durch die Handgranate ver- wandet worden ist. Rund um die Kirchen Protestanten suchen Sdiatz Und besuchen Faulhaber Beim„Reichswart", der Zeitung des nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten Gras Reventlow, sollen, wie United Preß berichtet, vor kurzem namhafte Führer der protcstan- tischen Kirche bei Kardinal Faulhaber vorgesprochen haben, um über eine gemeinsame Aktion gegen die„Deutsche Glaukrensbeweguug" beraten. Ter„Retcbswaxt" fügt zu dieser Meldung hinzu, daß sie zwar unglaubwürdig klinge, daß aber heute vieles möglich fei. was früher nicht.für mög- lich gehalten worden sei. Die Quelle, aus der die Meldung stamme, bürge für ihre Richtigkeit. Bei einer Reihe von protestantischen Pastoren sei die Tendenz für eine gemein- same Bekämpfung der antichristlichen Bewegung tatsächlich vorhanden. Man brauche nur daran zu erinnern, daß die schon seit einiger Zeit im deutschen Protestantismus vorhandene Bewegung für eine Vereinigung mit der katholischen Kirche in letzter Zeit stark zugenommen hat.— Eine große Anzahl protestantischer Pastoren soll, wie wir hören, ein Memorandum an den Papst gerichtet haben, in dem die Ver- einigung der beiden Kirchen von der dogmatischen Seite her dargestellt werde. Selbstverständlich sind praktische Konsequenzen aus der Ueberreichung einer derartigen Denkschrift vorläufig nicht zu erwarten. Immerhin dürfte daraus hervorgehen, baß der Versuch, eine spezifisch deutsche Religion im Gegensatz zum Christentum zu gründen, eine gewisse Annäherung zwischen den beiden großen christlichen Ki'^-n in^"-n>> begünstigt. Sedis Monate Ein katholischer Priester nach dem anderen ins Gefängnis! München, ll. April 1934. Dem 62 Jahre alten katholischen Pfarrer Willibald Wang er aus Gaimersheim bei Ingolstadt, der sich am Dienstag vor dem Soudergericht München zu verantworten hatte, war vorgeworfen worden,„baß er sich verschiedentlich im Kreise seiner Amtsbrttder und auch anderen Personen gegenüber in gehässiger, verleumdertscher Form über den Reichskanzler nnd die Maßnahmen der neuen Regierung ausgesprochen habe, und zwar nach der Machtergreifung." Bei der Verhandlung, die unter Ausschluß der Qessentlich« keit stattfand, gab der Angeklagte zu, qngcbliche Insorma, tionen im Kreise seiner Amtsbrlldcr zur Sprache gebracht, niemals aber sich in hetzerischer Weise geäußert zu haben. Er habe nur den Zweck versolgt. sich Ausklärung zu ver- schassen: er iei nicht gegen die Regierung eingestellt. Nach dem Ergebnis der Zeugenvernehmung hielt das Gericht in drei Punkten einen strafbaren Tatbestand nicht als gegeben, dagegen aber als festgestellt, daß der Benefiziat auch nach der Machtergrcisuna der neuen Regierung sich nochmals im Kreise von Am)sbrübcrn in herabwürdigender, Weise über den Reichskanzler geäußert hatte, und verurteilte ihn wegen Vergehens gegen die Verordnung vom 21. März 1933 zu sechs Monaten Gefängnis. Sturm aui das Dlsdiofspalals Würzburger Szene München, 11. April. In dem bischöflichen Palais in Würzburg haben sich am letzten Sonntag Szenen von un- erhörter Heftigkeit abgespielt. Die Kirchenbehörden hatten in dem nahegelegenen Waldsbüttelbrunn die Ertei- lung der hl. Kommunion abgelehnt. Daraufhin brach die aufgeputschte Menge in das Palais des Bischofs von Würz- bürg ein. Sie konnte nur mit Polizeigewalt und unter gröbsten Anstrengungen aus dem Palais entfernt werden. Der Bischof versprach, der Forderung der Menge, den Pfarrer von Waldbüttelsbrunn abzusetzen, zu entsprochen. — Die Vorfälle scheinen in Znsammenhang mit der Frei, lassung des Pfarrers Stöger zu stehen, der verhastet worden war, weil er das Hitlerregime kritisiert haben sollte. »er angesagte Katholikentag Die tieferen Ursachen lieber die Gründe dieser Absage, die so großes Aufsehen erregte erfährt die Basler„National-Zeitung" folgendes: Das Fest wurde in größtem Maßstab vorbereitet, namentlich entfalteten sämtliche nationalsozialistischen Instanzen und Gruppen Deutich-Oberichlesiens einen geradezu sieberhasten Elan, um der Tagung einen nicht zu über- treffenden Glanz zu verleihen. Die Absichten gingen dahin, dem Katholikentag alle Zeichen einer gewalige» Treueknnd- gcbuna für Hitler und das„dritte Reich" zu verleihen und d'e Bedeutung einer Demonstration nir den römisch-katholischen Glauben abzuschwächen. Dieses Ziel wurde dem katholischen Klernß in letzter Zeit offenbar. In seiner Angst, daß die Tendenz des großen Anlasses völlig verwandelt werden könnte, sagte er dann die ganze Tagungab. in diese verbrecherische Aktion verwickelt seien, vorerst durch die bereits im Gange befindlichen Nachforschungen geklärt werden müßten deren Ergebnis nicht durch Uebertreibungcn nnd Erfindungen vorweggenommen werden könne. Die Re- giernng werde ihre Pflicht der Beobachtung der öffentlichen Meinung de? In- und Auslandes nicht verabsäumen und gegen das Verurteilungswürdige Vorgehen der Feinde Rumäniens Maßnahmen zu treffen wissen. Bei den in der amtlichen Berlauibarung erwähnten Ge- rüchten handelt es sich u. a. um die Behauptung, der Anschlag habe nicht dem König, sondern der Frau Lupescu gegolten. Pas neueste Das gesamte Rrdaktionspersonal des„Oesterreich- ifchen Beobachters" wurde iu später Nachtstunde ver- haftet. In Siezenheim wurde der Nationalsozialist Georg Lindener von zwei Heimwehrleuten ermordet. In Kutzoben im Kreise Roscnberg OS. flog ein Schmngglernest, in dem größere Mengen Schwefeläther und Rrennspiritns lagerten, in die Luft. Acht Personeu wurden getötet. In Lublin in Polen kam es am Mittwoch zu blutigen Zusammenstößen zwischen Polizei nnd Arbeitslosen, wobei ein Arbeitsloser getötet und über zehn Personen verwundet wnrden. Der Direktor des Schönbrunner Tiergartens, Universi- tätsprofessor Dr. Antonius, wurde wegen nationalfozia» listifchcr Betätigung feines Amtes enthoben. In Almeria in Spanien flog infolge einer Unvorsichtigkeit die Wertstatt eines Fenerwerkers in die Lust. Die gesamte ans sechs Köpfen bestehende Familie des Bc- sitzers der Werkstatt wurde getötet. In radikalkommunistischen Kreisen Frankreich» wird gegenwärtig lebhast die Frage erörtert, ob der kommunistische Abgeordnete Doriot, der tzhrcnsoldat der roten Armee ist, nicht auö der Partei ausgeschlossen werden müßte. Doriot gilt als Anhänger der Arbritereinheitssront und folglich eines Zusammengehens mit den Sozialisten, während ossi- ziell die Beziehungen zwischen den beiden Richtungen deS Marxismus gleichsam abgebrochen find. Das jüngste Schiff der deutschen ReichSmariue, der auf der Kieler Marinewerft erbaute Marinenenbau, erhält den Nomen„S a a r". Es handelt sich um den neue» Stationstender. Ein Brief Severins» »Hatte ich das geschrieben.. „früherer Rechtsanwalt" Nicht einmal das soll zulässig sein Die„Deutsche Justiz", das amtliche Orgau des Reichs- justizministers, des Preußischen und des Bayerischen Justiz- Ministers, veröffentlicht in Nr. 13 einen Artikel von Ministe- rialrat Kunisch, in dem die Frage erörtert wird, ob auf Grund des Gesetzes über die Zulassung zur Rechtsanwalt- schaft ausgeschiedene Rechtsanwälte sich„Rechtsanwall a. D." oder„früherer Rechtsanwalt" nennen dürfen. Die Unzu- lässigkeit dieser Titelführung bei Rechtsanwälten, die aus politischen Gründen ausgeschieden wurden, steht für den Verfasser von vornherein fest. Aber auch den aus Grund ihrer nichtarischen Abstammung ausgeschiedenen Rechts- anwälten kommt nach Ansicht von Ministerialrat Kunisch die Beibehaltung des früheren Titels nicht zu. Dies sei daraus zu schließen, daß das Gesetz über die Zulassung zur Rechts- anwaltschaft eine dem§ 4 des Berussbeamtengesetzes ent- sprechende Bestimmung über Weitersllhrung des Titels nicht enthält. Daß hier eine Absicht des Gesetzgebers vorgelegen habe, gehe auch daraus hervor, daß das Schriftleitergesetz ausgeschiedenen Nichtariern ausdrücklich gestattet, die Be- zeichnüng„Schriftleiter" mit dem Zusatz„a. D." oder„i. R." zu führen. Die durch das Gesetz vom 7. 4. 33 betroffenen Rechtsanwälte sollen aus der deutschen Rechtspflege aus- geschieden werden. Dieser Zweck würde aber nur sehr teil- weise erreicht, wenn man ihnen die Möglichkeit gäbe, in der Form von Rechtsbeiständen oder dergleichen sich doch wieder mit den Rechtsangelegenheiten anderer zu befassen, oder gar ihnen dabei noch durch das Gestatten der Führung des Titels„Rechtsanwalt"— wenn auch mit Zusätzen— eine besondere Förderung zuteil werben ließe. Nichtarische Rechtsanwälte, welche trotzdem weiter den Titel„Rechts- anwalt", sei es auch mit den erwähnten Zusätzen, führen, machen sich gemäß 8 860 Ziffer 8 StGB, strafbar. Man könne weiter bei einer Titelführung in dem erwähnten Sinne an einen Verstoß gegen die Vorschriften des unlauteren Wctt- bewerbsgesetzes denken. Vieh-Chetto auch in Frankfurt am Main Wie in mehreren Städten in Hessen und anderswo wurde auch auf dem Viehmarkt in Frankfurt a. M. eine spezielle Abteilung für südische Viehhändler und ihre Ware geschaffen. Die arische Abteilung befindet sich rechts, die jüdische links. Auf dem Nürnberger Biehmarkt wurden Plakate herum- getragen mit der folgenden Inschrift:„Ich warne euch zum letztenmal: kauft nicht bei Juden! Jeder, der diese Warnung nicht beachtet, wird die Konseguenzen zu tragen haben!" Die Plakate trugen keine Unterschrift, doch nahm man an, daß die Warnung vom Gauleiter Streicher ausging. Raub bei Haussuchungen Die 17. Große Strafkammer des Berliner Landgerichts verhandelte gegen den SA.-Mann Porada und zwei andere SA.-Leute. Wie das Gericht feststellte, hatte Porada aus eigene Faust(?) Haussuchungen in Moabit vorgenommen. Er entwendete dabei u. a. goldene Uhren. Ohrringe und 85 Mark Bargeld. Da der Staatsanwalt Anklage erhoben hatte, mußte das Gericht zur Verurteilung kommen und verhängte über Porada eine Zuchthausstrafe von 4 Jahren. Die beiden anderen SA.-Leute wurden freigesprochen.— Bis vor kurzem konnte die SA. straflos stehlen, was sie nur wollte. Gesprädi Ober die Presse Die Basler„National-Zeituung"(Nr. 163) läßt sich aus Berlin berichten: Schon wiederholt sind schweizerische Zeitungen, auch Num- mern der„National-Zeitung", mit Aussätzen des Schreiben- den im deutschen Reichsgebiet noch in letzter Zeit konfisziert worden. Ueber die Verbotsgründe Wurde uns an informier- ter Stelle folgender Bescheid zuteil: Die sachliche Zuverlässig- keil der betroffenen Artikel wolle man nicht diskutieren. Dagegen könne die Regierung oder vielmehr— die Polizei nicht dulden, daß die reichsdeutschen Leser durch solche in ausländischen, dazu noch deutsch geschriebenen, Blättern ge- äußerten Zweifel am Aufbau des„dritten Reiches" irre gemacht oder gar beunruhigt würden. Der Totalstaat kenne und erlaube nur eine Meinung, ja könne logischerweise gar nicht anders, als nur eine einzige dulden, nämlich die offi- zielle eigene. Um so größer sei daher das Entgegenkommen zu bewerten, daß die ausländischen Blätter in Deutschland überhaupt öffentlich verkauft werden dürfen, nur seien der deutschen Duldung ausländischer Urteile dann eben min- bestens Grenzen gesetzt. An dieser Beweisführung ist, vom Totalstaat aus gesehen, kaum etwas auszusetzen. Und wo käme der deutsche Jour- nalist und Berichterstatter hin, der sich erkühnte, nach aus- ländischem Beispiel eine Lippe zu riskieren? Er würde staute pede abgesetzt oder gar in der Schutzhast versorgt. Ausländische Journalisten bleiben im großen und ganzen nicht nur unbehelligt, sondern werden sogar zuvorkommend, ja beflissen freundlich behandelt. Sie haben es in jedem Sinn leichter als ihre deutschen Kollegen. Das müßte das Aus- land. bevor es über die gegenwärtige deutsche Journalistik den Stab bricht, zuerst bedenken. Denn, wo wäre der Ueber- mensch und Gigant, der einer der unduldsamsten und in gewissem Sinn auch mächtigsten Staatsgewalten, die je in Erscheinung traten, mit dem Mut zur eiaenen publizistischen Courage in jedem Fall entgegenträte? Zwei hervorragende deutsche Schriftsteller, deren hier wieder einmal mit Respekt gedacht sei. Carl von Osliekkn. der ehemalige Herausgeber der„Weltbühne", und Ludwig Renn, der Verfasser des „Krieg", haben eS gewagt: sie sind seit einem Jahr spurlos im Konzentrationslager verschwunden. Angst haben ist da- gegen so menschlich: die Sorae vor dem sofortigen Verlust de« Brotkorbs kür den Fall der eigenen freien Meinung?- äußeruna, vor der dann kaum zu vermeidenden Armut, vor dem lungern feiner selbst und vor allem der Familie, wer wäre ihr nicht zugänglich Nur derieniae. der im Gefühl sicherster Garantie von sich bekannten könnte, unter gar f-«n?n U-nktänd-v w'^de ich aeaeben?nkaUs mit meiner M-inuna hinter dem B»rae halten, wäre beengt, da? Schau- fpi-r das dt- deutsch? Journalistik gegenwärtig gibt, wo- ral'sch»u verdammen. ilmana und riichsfchtslose G-Mgltanmen- dnna e!n-?teltä„nd vöNiae Wilt'äbeia»-it und slnast ander- seit» da,„nd„i<*t,„„de-"« sind im Gm?nd die Kräkte. die 5?„,?a-n»sn- anderen Gesneäche und nrin- ^55^zrnna-n M» tn letzter 5-it ftlter den Zustand der,Deutsche Freiheil", Nr. 85 ARBEIT UND WIRTSCHAFT Saarbrücken. Freitag, 13. April 1934 ..Honjunhlnr Belebung nur auf öffentliche Kosten— Der Hunger hält an Die gleichgeschaltete Presse berichtet: Mit der fortschreitenden Jahreszeit hat der Kohlenbergbau ein weiteres saisonbedingtes Nachlassen zu verzeichnen; trotzdem macht sich der Rückgang im Gesamtabsatj nicht in der Stärke bemerkbar wie in den Vorjahren. Die Lage der Großeisenindustrie hat sich insbesondere durch die von der Reichsregierung ergriffenen Maßnahmen weiterhin gebessert. Dasselbe gilt von der M a- schinenindustrie, insbesondere hei der Landmaschinenherstellung. Der volle Erfolg der Automobilaus- stcllung hat die eisen- und metallverarbeitende Industrie belebt. Die Leipziger Messe hat vor allem dem Inlandmarkt neue Anregungen gegeben. Teilweise sehr große Umsätze konnte die Textilindustrie tätigen. Die Konfektion ist weiter voll beschäftigt. Angeregt durch die Regierungsmaßnahmen nimmt an der Belebung der Gesamt Wirtschaft seit einiger Zeit auch der Holzmarkt teil, dem die auf allen Gebieten eingeleiteten Instandsetzungsarbeiten zugute kommen. Der Bau- markt hat sich aus diesem Grunde ebenfalls günstig entwickelt. Millionen-Insolvenz Das seit 40 Jahren bestehende Textilhaus Kaufmann in Elberfeld, das zu den größten Unternehmungen des W uppertals gehörte und dessen Absatz in ungeheurem Umfange zurückgegangen war, hat seine Zahlungen eingestellt. Die Blätter sprechen von einer Millionen-Insolvenz. rrelhelfsslraie lür„Schwarzarbeit" Gegen jede Art von Schwarzarbeit nimmt der Mannheimer Polizeipräsident Stellung in einem Erlaß, der„bis zum Erlaß der zu erwartenden reichsgesetzlichen Bestimmungen" Strafanweisungen enthält. Danach soll jeder Arbeitnehmer, der Schwarzarbeit verrichtet, mit einer Freiheitsstrafe rechnen müssen. Bei wiederholten Verstößen wird mit persönlicher Schutzhaft gedroht. Auch Arbeitgebern, die Schwarzarbeit verrichten lassen, droht eine Freiheitsstrafe. Alle in diesem Zusammenhang ergangenen Bestrafungen sollen öffenili-h bekanntgegeben werden. Polizei aui Eierhonlrolle Mittwochmorgen wurde mit großem polizeilichen Aufgebot eine Kontrolle der Zentralmarkthalle Berlin am Alexanderplatz vorgenommen. Das Ziel war, alle diejenigen Aufkäufer und Zwischenhändler von Eiern zu erfassen, die entgegen den gesetzlichen Vorschriften noch Eier unmittelbar bei den Erzeugern oder bei den Kennzeichnungsstellen ohne Mitwirkung der Bezirkszentralen aufkaufen. Eine große Anzahl von solchen Händlern und Aufkäufern wurden festgestellt. Ihre Ware wurde beschlagnahmt und Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet. Vor wenigen Tagen wurden in Stettin ebenfalls in großem Umfang Kontrollen durchgeführt. Die Uebertretungen der neuen Bestimmungen wurden auch hier festgestellt und zur Anzeige gebracht. Solche Kontrollen der Märkte werden auch anderwärts erfolgen. Die Butter 5 Mark je Zentner billiger Um dem mit Beginn der Grünfütterung stärker werdenden Milch- und Butterangebot einen gleichmäßigen Absatz zu gewährleisten, werden die deutschen Butterpreise auf Weisung des Reichskommissars für die Milchwirtschaft in allen Butterklassen ab II. April um 5 Reichsmark je Zentner herabgesetzt. Der Buttergroß- und Kleinhandel ist verpflichtet, diese Preisherabsetzungen auch beim Weiterverkauf zu berücksichtigen. 7 Milliarden Spareinlagen Im Februar stiegen die Spareinlagen der preußischen Sparkassen um 138.2 Mill. RM. auf 7019,7 Mill. RM. und überschritten damit zum ersten Male die 7-Milliarden-Grenze. V>n diesem Einlagerungszuwachs entfielen 55.8 Mill. RM. auf den reinen Einzahlungsüberschuß, dessen Höhe insbesondere auf die günstige Entwicklung der Einzahlungen zurückzuführen ist. Neben dem Einzahlungsüberschuß wuchsen 41,6 Mill. RM. Zinsgutschriften den Spareinlagen zu. Endlich haben sich die Spareinlagen in Preußen noch um 38.2 Mill. RM. Lebertragungen aus der Aufwertungsrechnung und 2,6 Mill. RM. Umbuchungen erhöht. Japans Exportsiege Die japanische Ausfuhr gußeiserner Röhren hat nach den Angaben des Korrespondenten der Agence Economicjue et Financiere in Tokio in den letzten Jahren in einem Ausmaß zugenommen, das man nur als gewaltig bezeichnen kann. Aus nachstehenden Zahlen ergibt sieh, daß es der japanischen Eisenindustrie gelungen ist, den Wettbewerb der europäischen und amerikanischen Eisenwerke in zunehmendem Maße namentlich von den ostasiatischen Ausfuhrmärkten, besonders seit 1931, zu verdrängen. Die Ausfuhr von Großröhren betrug nämlich 1929 0,54 Mill. Tonnen, 1930 1.03, 1931 12,90, 1932 13,60, 1933 17.27 Mill. Tonnen., Für 1934 rechnet man in Japan mit einer Ausfuhr von 25 Mill. Tonnen, wogegen die Einfuhr nach Japan schon seit Jahren völlig aufgehört hat. Nach Bestimmungsländern, Häfen und Abnehmern geordnet, gingen die japanischen Gußröhren 1933 an: China 6,2 Mill. Tonnen, Mandschurei 5,96, Niederl.-Indien 1.4. Britisch Indien 0 75. Holland 1,2 Mill. Tonnen, Norwegen 76 589, Aegypten 10 000 t, Ver. Staaten 9072 t. Wie der kürzlich erfolgte Zuschlag an die Japaner bei einer Ausschreibung von Wasserleitunasröhren in Mexiko gezeigt hat. dehnt sich im laufenden Jahr der japanische Wettbewerb auf weitere Länder aus. Außer in den bereits genannten Ländern bemühen sich die Japaner namentlich in Argentinien und Brasilien. Die Sdiweiz und Dentsdilands Transfer Warenexport und Fremdenverkehr Der^ orsteher des eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements, Bundesrat Schullheß, führte am 11. April auf der schweizerischen Mustermesse u. a. aus: „Was den Transfer betrifft, so haben wir volles Verständnis dafür, daß ein Land, das sich in der Lage Deutschlands befindet, seinen Verpflichtungen nur durch Warenlieferungen nachkommen kann. Wir sind und waren stets bereit, entsprechende Warenbezüge zu machen. Unsere Handelsbilanz mit Deutschland verzeichnet im Jahre 1933 einen Ueberschuß des Wertes der Einfuhr über unsere Ausfuhr von 323.6 Millionen Franken, also um einen Betrag, der Deutschland erlaubt, einen erheblichen Betrag für den Fremdenverkehr zur Verfügung zu stellen, und seinen Verpflichtungen voll nachzukommen; auch dann bleibt ihm noch ein erheblicher Ueberschuß. Für die kommenden Verhandlungen kann ich nur auf das verweisen, was ich schon früher mit aller Bestimmtheit erklärt habe: Die Schweiz kann in keinem Falle zugehen, daß Deutschland seinen Verpflichtungen ihr gegenüber nicht nachkomme und den Transfer verweigert, während wir für diese Bezüge Beträge zu überweisen hatten, die denjenigen unserer Guthaben weit übersteigen. Wir werden daher mit aller Energie die Forderung geltend machen, daß der Transfer der schweizerischen Guthaben wenigstens in bisheriger Weise erfolgt. Wir sind überzeugt, daß Deutschland unseren Standpunkt als gerechtfertigt anerkennen muß. Andere Gläubigerstaaten können sich darüber nicht beklagen. Mögen auch sie deutsche Waren in dem Ausmaß zulassen, in dem wir es tun, dann wird es Deutschland möglich sein. auch ihnen gegenüber seine Verpflichtungen zu erfüllen. Wir hoffen, daß in den kommenden Verhandlungen ein Abkommen auf der von uns angegebenen Grundlage getroffen werden kann, und zweifeln nicht daran, daß die deutsche Regierung den Willen hat, uns entgegenzukommen." Bundesrat Schultheß streifte schließlich auch die inner- politische wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz und mahnte zum Zusammengehen aller Kräfte. GtäBltigerftonfcrenz Ende April Uebcrr die Besprechungen des kleinen Gläubigerausschusses wurde folgende Mitteilung ausgegeben: In Basel haben Besprechungen zwischen Vertretern der langfristigen Auslands? gläubiger Deutschlands stattgefunden mit dem Ziele, den Boden ßür die vorgeschlagene Vollkonferenz mit der Reichsbank in Berlin vorzubereiten. Es waren die Länder England, Holland und Schweden, die Schweiz und die VereinigtenStaatenvonAmerika vertreten. Es beistand Einstimmigkeit darüber, daß die Schwierigkeiten lediglich solche des Transfer und nicht der Zahlungsfähigkeit seien, und es wurden.Ansichten über die geeignetsten Methoden, der Lage zu begegnen, ausgetauscht. Die Vertreter hatten ebenfalls inoffizielle Besprechungen mit Dr. Schacht, und da genügende Fortschritte in Bezug auf die Schaffung einer Grundlage für die Vollkomferenz erzielt worden sind, wurde beschloss:r«, diese auf Ende April einzuberufen- Autarkie und Lebensstandard Von F. H. Fentener van Vlixsingen, Präsident der Internationalen Handelskammer, Paris (MTB.) Paris, Ende März. Gibt es ein Land, das praktisch ohne Welthandel leben und doch einen angemessenen Lebensstandard bewahren kann? Nun, bekanntlich gibt es viele Länder, die die Möglichkeit einer Autarkie überhaupt nicht ins Auge fassen können. Zum Beispiel mein eigenes Land, Holland, das sehr dicht bevölkert und arm an Rohstoffen ist. Ohne internationalen Güteraustausch könnte es seine Einwohner nicht einmal bei einer Rückkehr zum mittelalterlichen Lebensstandard ernähren. Oder Großbritannien. Wie wäre es um den Lebensstandard Großbritanniens ohne den Welthandel bestellt? Nehmen Sie Deutschland, Italien, Belgien, die Schweiz, die skandinavischen Länder und Sie werden die gleiche Antwort finden. Wenn ein Land zur Autarkie fähig ist, so sind es die Vereinigten Staaten. Aber die Amerikaner werden sich keineswegs auf sich allein zurückziehen. Sie wissen, daß der auswärtige Handel von unmittelbarem und lebenswichtigem Interesse nicht nur für die 10 Prozent der Bevölkerung ist, die am Export interessiert sind, sondern mittelbar auch für das Land als Ganzes. Seine Preisgabe oder Verringerung würde den gegenwärtigen Tiefstand hinausziehen, unseren Lebensstandard herabdrücken und unermeßliche soziale Wandlungen hervorrufen. Es ist von größter Bedeutung festzustellen, daß noch kein Land bisher erklärt hat, am Export nicht mehr interessiert zu sein. Im Gegenteil versuchen alle Produktionsländer mit allen Mitteln, sich den größten Absatz auf dem Weltmarkt zu sichern. So miisesn wir, wenn wir daran denken, daß es einen Absatz ohne Kauf nicht gibt, zu dem zwingenden Schluß gelangen, daß keine Regierung ernstlich davon überzeugt ist, daß die strenge Selbstgenügsamkeit ihrem eigenen Lande dienlich sei. Und doch wird der Welthandel jeden Tag mehr und mehr durch eine immer wachsende Anzahl von Hemmnissen eingeschränkt, die ihm bereitet werden. Ich für meinen Teil werde erst dann davon überzeugt sein, daß die Selbstversorgung möglicherweise gewissen Ländern zum Wohlstand verhelfen kann, wenn ich feststelle, daß diese Länder freiwillig ihre Ausfuhr durch künstliche Maßnahmen verringern, in dem Maße wie sie die Einfuhr einschränken. Bis dahin werde ich noch glauben, daß die Wohlfahrt des Landes es erheischt, daß es die Waren erzeugt, für die es am meisten geeignet ist, und daß es den Produktionsüberschuß gegen solche Waren austauscht, die andere Länder besser oder billiger herstellen können. Aus diesem Grunde kann ich mir nicht erklären, wie auch nui einer von uns seinen gegenwärtigen Lebensstandard aufrechterhalten kann, wenn wir nicht zu einer größeren Freiheit des Welthandels zurückfinden. Bedeutet dies aber, daß wir sobald wie möglich zu den alten liberalistischen Wirtschaftssystemen zurückkehren müssen, die sicherlich großen Reichtum und Wohlstand in die Welt gebracht haben? Müssen all die künstlichen Wirtschaftsmaßnahmen beseitigt werden, die von den Regierungen zur Verteidigung oder Wiederherstellung der Wohlfahrt ihrer Länder ergriffen worden sind? Müssen aBe neuen Wirtschaftspläne zum Wiederaufbau der Wirtschaft aufgegeben werden? Ich glaube, daß selbst Adam Smith zögern würde, diese Fragen zu bejahen. Die Wirtschaftsstürme, die heute die Welt erschüttern, werden nicht spurlos vorübergehen. Es werden sich mancherlei bedeutende Watndlungen in der Weltwirtschaft ergeben, die sich als dauerhaft erweisen werden, und die Welt wird zweifellos neue Mittel und Wege finden müssen, um neue Wirtschaftsprobleme zu lösen. Die Zeit wird uns zweifellos erkennen lassen, in welchem Umfang die Völker, die sich neuer wirtschaftlicher Wege und Systeme bedienten. Recht gehabt haben und inwieweit sie fehlgegangen sind. Jetzt ist es noch zu früh, um über den richtigen Weg zu entscheiden; sicherlich ist es Pflicht einer jeden Regierung, den besonderen Weg zu bestimmen, den sie im Interesse des Landes beschreiten zu müssen glaubt. Was mir aber als äußcerst falsch erscheint ist, daß dies in den meisten Fällen ohne Rücksicht auf die Interessen anderer Länder geschieht. Wenn die Länder auf diesem Wege weiter- schreiten und jedes seire eigenen Absichten und nur diese verfolgt, so kann die Welt nur immer tiefer in den Sumpf geraten, ohne ihren alten Wohlstand jemals wiederherstellen zu können. Nicht nur durch die Wirtschaft»maßnahmen, die dielnteressen anderer vernichten, nicht durch den Schutz der eigenen Erzeugnisse in einer die anderen schädigenden Weise, sondern lediglich durch ein gemeinsames internationales Vorgehen zwecks Erfassung der Mittel und Wege zur Wiedervereinigung der gegenseitigen Interessen können wir den Ausweg aus den wirtschaftlichen Irrwegen finden, in denen wir uns während der Weltkrise verloren hatten.— Die Zeiten sind vorbei, in denen eine gesunde Geschäftspolitik gebot, sich nur um seine eigenen Geschäfte zu kümmern. Unser Handel iM zu verwickelt geworden, ist zu sehr mit dem der andere« verflochten. Unser Handel kann nich blühen, wenn der de« anderen nicht gedeiht.„Euer Gewinn ist mein Gewinn, en lt. Verluste sind meine Verlustte", war niemals so wahr ah heute.> Rasch eingetroffen Vor einer Woche wurde hier im Anfrfjfuß tut eine Statistik über das Sterben der deutschen Presse geschrieben: TS ivird ivobi nicht mehr lange dauern, bis im»drillen Weich" daS Nichtlesen von Zeitungen verboten und unter Strafe gestellt wird. Jedem deutschen sein Zwangsabonne- ment,— wie es schon Zwangsabonnements für gewisse Theater gibt— und dann mag die Zeitung ruhig sterben»- langweilig sein: e? kommt nicht mehr darauf an: gelesen, oder wenigsten» gehalten muh sie doch werden! Da» sollte ein bihchen satirische Uebertreibung sein, aber im»dritten Reich" wird au» der Satire viel rascher Wirklich- feit, als ein harmloser Verfasser träumt. Wir lesen nämlich: Der braunschweigische Lanbesbauernsührer Niesecke hat einen Ausruf erlassen, in dem er sagt, in den Kreisen der Vauernschait sei es bisher üblich gewesen, bei Beginn der Frühjahrsbestellung die Zeitung bis nach der Herbstende abzubestellen. Tas möge in den früheren Jahren berechtigt gewesen sein, da die damaligen Regierungen dem deutschen Volke wenig zu sagen gehabt hätten, ftetzt aber sei es für jeden Pflicht und Schuldigkeit, sich durch stän- digeS Lesen der Zeitungen über das tägliche Nie- schehen zu unterrichten. Er halte es daher für seine Pflicht, darauf hinzuweisen, dah eine Abbestellung der Zei- tung für den Bauern während de» Sommerhalbjahres nicht mehr angängig sei. sondern d«b ti Pflicht eine» jeden deutsche« vauern sei. die Zeitung auch rend dieser Zeit weiter»u lesen. w 31« also,— haben wir zu viel prophezeit?! Tranen»erden angebaut Auch als Lehrerinnen Obwohl von amtlicher Seite erklärt wurde, dah man h'e Frauen in den ihnen gemäßen Bennien belassen werde, wer- den die Frauen jetzt auch auö dem Erziehungswesen oer- drängt. In Hamburg wurden alle weiblichen Schnldirektoren pensioniert. Tas Verhältnis der Lehrkräfte an den Mädchen- schulen soll 2:8(also zwei Frauen auf drei Männerl werden. Daß die Zahl der zum Studium zugelassenen Frauen nur noch 10 Prozent der männlichen Studierenden betragen darf und für das Medizinstudium für ganz Deutichland aus 75 beschränkt wurde, Ist bekannt. Am charakteristischsten ist da» männliche Führerprinzip innerhalb der Fronenschaft. Tie Frauenorganisationen werden ja jetzt überall von Männern geleitet. Fn den ebemal» liberal-bürgerlichen Kreisen wird dieser Entwicklung ein zäher, aber sirb nicht laut äußernder Widerstand entgegengesetzt. sT jmid &eutstfke Stimmen• Beilage zur„Deutsdken&weifkeit"• Ereignisse und GestAicfkicn •■**':. ijj* 1"'tl't'."I Freitag, den 13. April 1934 Jtiich&MQ in seinec Stoße „Tlazifithcec sefut dich an Vier kalte Wände. Nahe beieinander. Kleiderschrank, Waschbecken, Bett; ein Sessel, der einstmals mit Samt überzogen war, dessen Sitzfläche nnter der Last der schweren Jahre in sich zusammengeduckt ist: ein Stuhl, der nur wackelt, wenn man ihn anfaBt: Hotelzimmer. Kalt, fremd, Unfreundlich, höhnisch, trostlos: Flüchtlingskomfort! Kalte Wände?... Nur äußerlich. In Wirklichkeit hängen sie voller trüber Gedanken, angesammelt im Laufe von Wochen, von Monaten. Gedanken, die kein freudiger Ausblick verjagt, wie das einzige Fenster nur den Blick auf graue Mauern gewährt, Gedanken über Reiht und Unrecht, über Wenn nnd Aber, über Sein oder Nichtsein. Unablässig grübelt er in diesem Zimmer und erwägt dies und jenes. Und sobald sich die frische Hoffnung zerschlagen, denkt er sich aufs neue einen Plan aus, wie sich ernähren. Um bald darauf abermals dazusitzen auf dem wackeligen Stuhl— dem Wahrzeichen seiner jetzigen Existenz— oder dazuliegen auf dem schmalen harten Bett und sich die alte Frage vorzulegen: was anfangen, bevor der letzte Franken' verbraucht ist?... Ist dieser Tag da. dann braucht er nicht mehr nachzudenken, dann löst sich die Frage von selbst. Aber, er will sieh nicht heimlich, wie ein Dieb, von hinnen schleichen. Er ist unschuldig... Er will nicht sterben. Er 'st jung. Er will leben. Er steckt voller Kenntnisse. Seit einem Jahre hat sich sein Wissen gewaltig bereichert. Die Ereignisse, mit- und selbsterlebte, haben seinen Gesichtskreis erweitert, haben seinen Geist durchgerüttelt. Hellsehend 'st er geworden, dem Sinn des menschlichen Daseins nachzuforschen, den Unsinn einer Zivilisation zu erkennen, die sogar die nächsten Früchte des Bodens dem„Herrn der Erde" vorenthält, so er nicht klingende Münze dafür erlogt... Das Leben, das so einfach schien, hat sich für ihn als Problem aufgeworfen. Was quält er sich mit offenen b ragen ab. auf die es an Antworten nicht fehlt, an Antworten, die meist nur Halbheiten sind und in neue Fragezeichen münden? Schließlich, was nützt alles Philosophieren? w o es um solch nackte Realitäten geht? Das einzige große Fragezeichen seines Heute bedeutet: arbeiten, um sein Brot zu verdienen. Schwer will er arbeiten, wenn es sein muß. Todmüde des abends in die Laken kriechen und plumpsackig einschlafen. Nur nicht mehr solche Nächte, in denen er nicht zum Schlaf kommen kann, weil ihn die Angst bedrängt, weil ihn die Sorge wachhält um das, was nächstens werden soll und "mß: das Unvermeidliche... Zwar taucht dazwischen wieder die Hoffnung auf, die ewige Trösterei, die Gleißnerin, die ihm Hilfe, Versorgung, irgendeine frohe Wendung vorgaukelt: vielleicht gelingt dies, vielleicht kommt jenes... Hirngespinste. die in der Frühdämmerung des folgenden Tages verfliegen, wie Schmetterlinge, die zerstäuben, wenn man sie aufaßt. Es ist 2 Uhr, 3 Uhr. Müdigkeit— des zermürbten Gehirns, der unterernährten Glieder— übermannt ihn doch. •Das sind die schönsten Stunden seines Daseins. Wenn er nichts davon weiß, daß es Sorgen gibt, daß ihn sein Vaterland ausgestoßen, daß er verloren in der Fremde, unter Fremden herumirrt, verlassen, verarmt, hilflos, eine wehrlose Beute des unbarmherzigen Schicksals, das so viele Seinesgleichen getroffeil bat. 5 Uhr. Die innere Unruhe schreckt ihn auf. Selbst der Schlaf unterbricht nicht dieses unausgesetzte Grübeln, wenn auch glücklicherweise unbewußt. Er will daran denken, daß Jausende dem selben Leid verschrieben sind. Ein Trost soll os ja sein, im Unglück Genossen zu haben. Ein Trost? Worin besteht er? Darin, daß er nicht allein zugrunde geht? Soll tatsächlich, im wörtlichsten Sinne, die schändliche Drohung wahrgemacht werden: Juda verr...! So hatte es zu Hause begonnen, in seiner Heimat, die er liebte, aufrichtig, gutgläubig liebte, wie nur irgend ein Arier. Unflätig, gemein war der Anfang, roh und brutal die Fortsetzung. Verjagt hat ihn sein Geburtsland, in dem allein er daheim war. Demokrat. gewiß, das war er; das hat er bezeugt in der Meinung, als Deutscher das Recht und die Pflicht zu haben, an der politischen Entwicklung des Vaterlandes teilzunehmen, wie jedermann; als Angehöriger des Reichsbanners die Ansicht zu vertreten, die er für richtig hielt; gegen eine sinnlose Reaktion anzukämpfen, die das arme Deutschland nur noch tiefer ins Unglück reißen muß. Jude?... Er war es kaum. Den religiösen Bräuchen war er früh entwachsen, um als Freidenker sich unbeschwert von der Zusammengehörigkeit mit nur einem Teil seiner deutschen Landsleute zu fühlen, die, wenn auch nur in rein religiösem Sinne— gesondert standen. Waren nicht seine Kameraden wahllos Protestanten, Katholiken, auch Juden? Andern Glaubensgenossen mag es eine Linderung ihres Loses bedeuten, daß sie für ihren Gott leiden! Ihm war es anfänglich nicht einmal vergönnt, ein Gemeinschaftsbewußtsein mit jenen gleicher Abstammung zu finden, weil der Rassegedanke seinem Deutschtum fremd blieb... bis er grotz seinem Unglauben zum Juden gestempelt wurde, als den er sich kaum noch ansah, zum Nur-Juden. Ja, jetzt zählt er sich selbst zu diesen Pestbehafteten, er empfindet mit ihnen, daß auch er zum Volk der ewig Verfolgten gehört; er will es empfinden, sie sind seine Genossen, seine Leidensgenossen. Doch eine geistige Beziehung zu jenen, die am unbekannten Jordan eine neue Heimat finden mögen, meldet sich nicht. Seine Heimat ist nicht Palästina. Sie liegt am Rhein. „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten..." Heimalklänge, die ein anderer Jude ohne Glaube in die rührendste Klage gesungen hat, die Emigrantenpoesie jemals sd uf. Er weiß es jetzt. Ein übervolles Maß von Traurigkeit bedeutet ihm, daß er niemals wieder im Leben ganz glücklich sein wird, falls er der Loreley nur aus der Ferne gedenken darf. Er schläft schließlich doch noch einmal ein. Ein Lächeln stiehlt sich aus der Bitterkeit der verkrampften Züge. Und nun weckt ihn der neue Tag. Neu... Doch alt, weil den voraufgegangenen gleich. Dasselbe Lied und Leid. Ein billiger Schluck wärmenden Kaffees, ein Butterbrot... Er steht wieder auf der Straße. Was tun? Es schauert ihn. Er weiß nicht, was mit sich selbst anfangen. Lebhaft schwirrt es um ihn herum. Menschen, die ein Ziel haben. Sie stürmen die Treppenstufen der Untergrundbahn herauf, sie springen behende von Autobussen ab, sie eilen aus den umliegenden Straßen hervor. Gehen rasch ans Tagewerk. Sie arbeiten. Sie verdienen ihren Unterhalt. Gut oder schlecht: sie haben ihr täglich Brot. Und er? Wie lange noch?... Er sieht Hunderte an sich vorüberziehen und hat keinem zu folgen. Er hat kein Ziel. Ueberflüssig ist er inmitten dieser Menge. Soll er irgendeinen warmen Raum aufsuchen?, im Lesesaal eines Hotels, breitspurig im Sessel, den Wartenden spielen?, in der Depeschenhalle einer Zeitung die letzten Nachrichten und Bilder studieren, die ihm so gleichgültig sein müssen? Beinahe lacht er auf. Nun ja, es stimmt schon: er spielt den gelangweilten Rentner. Nur daß er keine Renten, sondern gleich das Kapital versetzt, sein letztes Geld... Und niemand hilft ihm. Niemand. Zu keiner Unterstützung hatte er sich gemeldet, solange er selbst noch ausreichende Mittel besaß. Jetzt ist es zu spät. Wieder eine jener Ungerechtigkeiten, von denen die Welt strotzt? Nicht einmal, andere waren nur klüger gewesen, hatten vorgesorgt und waren im Recht. Die übelsten Tage haben sie wenigstens hinausgeschoben. Für ihn sind die üblen Tage da; die Tage, da man vor dem Ende steht. Eine erschütternde Wehklage, und zugleich eine schwere Anklage gegen die gesamte Menschheit. Aber sie verhallt in dein düsteren Wald, an dessen buntscheckigen Bäumen nur Selbstsucht blüht. Die Welt predigt Nächstenliebe und ist erfüllt von Eigennutz... der Menschen, der Völker... und sogar der bessergestellten Schicksalsgenossen. Ist es wert, in dieser Welt zu leben? Vielleicht nicht. Aber die Natur ist stärker. Unbesiegbar. Der Selbsterhaltungstrieb wehrt sich. Wer lebt, will weiterleben. Will... Aber... J o d e 11. Zu einem Buch Hier sieht Europa nackt, dokumentarisch Spezial-Verbrechertum, bewußt und arisch. Das— unbekümmert um die Menschheit— haust. Unfug und Untat in verworr'nen Knäuel; Kein Greuelmärchen, sondern echte Greuel. Die Welt verwundert sich, Europa graust. Nur keine Hemmung oder Lustverdrängung: Entführung, Ueberfall, Zerstörung, Sprengung. Weg mit der Menschlichkeit— es gilt die Tat! (Die Wahrheit gegen Propagandadichtung.) Hier seht das Werk: Bedrohung und Vernichtung. Wer glaubt ans Endziel, an den Musterstaat? Und wer dies las und vor dem Tun erstarrte, Der wisse: Dies ist nur die Musterkarte, Ist nur ein Rinnsal von der blut'gen Spur. Darum, sich wappnend gegen braune Horden, Ist der Entschluß in allen reif geworden: Zusammenschluß zur Rettung der Kultur!! W* Eckenroth. Adolf, dec Städte&auec Auf den Spuren Ludwigs II. Adolf Hitler hat zur Zeit, als er noch ein simpler Parteiführer mit unsicheren Perspektiven war, einen erheblichen Teil der Gelder, die er von der Schwerindustrie erhalten hat, in das Braune Haus in München verbaut. Er hat sich selbst dabei als dilletierender Architekt betätigt— wie einst Wilhelm II., der auch die Schwäche hatte, den Fachleuten ins Handwerk zu pfuschen. Bei Adolf war es noch etwas anderes: er hat nie etwas richtig gelernt. Er wäre gein Architekt geworden— wenn er nur das Zeug dazu gehabt hätte! Deshalb bat er sich von dem Architekten Troost das Braune Haus hinsetzen lassen, damit es nun die Welt als Adolfs Werk bewundere. Seitdem er Diktator geworden ist, ist ihm das Braune Haus zu bescheiden, nicht mehr repräsentativ genug. Er läßt jetzt den Königsplatz in München neu aufmachen. Zwei große Bauten werden nach den Plänen des inzwischen verstorbenen Architekten Troost hingesetzt, ein Führerhaus und ein Verwaltungsbaus für die NSDAP. Wer bezahlt? Als Antwort auf diese Frage genügt die Feststellung, daß in Hitlerdeutschland Staat und Partei eins sind. Adolf ahmt Ludwig II. ebenso nach wie Wilhelm II. Der letztere war etwas verrückt, bei dem ersteren hat et sich noch bei Lebzeiten nicht mehr verschweigen lassen. Alle drei haben eines gemeinsam: das krampfhafte Bemühen, Andenken zu schaffen für die Zeit nach ihrer persönlichen Katastrophe. Jucüoänqlets mische Pläne Wie man„Weltanschauung" durch Musik„propagiert", das wird uns Herr Staatsrat F u r t w ä n g I e r in Bälde zeigen, wenn er mit seinen ,— immer noch nicht ganz judenreinen— Berliner Philharmonikern nach Paris kommen wird. Er wird, wie man jetzt erfährt, nicht nur einig« Konzerte leiten, sondern er wird sich auch als Operndirektof Görings den Parisern präsentieren. Und da er ja unbedingt den Franzosen einmal zeigen muß, wie man eigentlich richtig Oper macht, so wird er sich nicht— wie der minderrassige Bruno Walter— mit dem Ensemble der Großen Oper begnügen, sondern er wird sich seine Schützlinge aus Berlin mitbringen. Und, wie sehr gut Informierte wissen wollen, werden das gerade jene Herren sein, gegen die die Wiener Staatsoperndirektion ein Disziplinarverfahren eingeleitet hat, weil sie als vom österreichischen Staat fest engagierte Sänger gleichzeitig als Gäste der Berliner Oper an Partei- Veranstaltungen der NSDAP, teilgenommen haben. Vielleicht hält der Herr Staatsrat die französische Oeffent- lichkeit für so schlecht in Thealerdingen orientiert, daß sie seine Provokation nicht merkt P. W. Sie sehen sich xm 35 Joioqcaphien ooctcefflichec Vlännec Als Deutschland noch zu den zivilisierten Staaten gehörte, fußten sich die Gerichte mehrfach für die Naziführer interessieren. Kaum einer ist darunter, dessen Personalakten in Ordnung sind; kaum einer, der nicht wegen krimineller Ver- eeheu in den Kerker oder ins Irrenhaus gehörte; nicht ein einziger gradgewachsener Kerl in der ganzen Garnitur. Das 'st dem politisch einigermaßen Orientierten bekannt, und v'enn er ein Buch in die Hand nimmt, wie die Sammlung »••Vazi/üArer sehen dich an!"(Editions Du Garrefour, Paris), *<> geht er mit dem Bewußtsein heran: Was kann da schon Neues drin sein! Aber beim Lesen staunt man, wie vieles "> diesem 33 Biographien neu erscheint oder in der Erinnerung aufgefrischt werden muß. Wie wenige z. B. wissen, daß der junge Hitler sein Geld mit Bilderfälschungen verdiente. mit jüdischen Freunden im Kaffeehaus lungerte, daß er 1923 Herrn Kshr mit gefalteten Händen seine Liebe zur •' Anarchie versicherte: .Wenn Exzellenz gestatten, werde ich selbst unmittelbar von der Versammlung zu seiner Majestät(dem Prinzen Rupprecht) fahren und ihm mitteilen, daß durch die deutsche Erhebung das Unrecht, das seiner Majestät Hochseligem Vater widerfahren ist, wieder gutgemacht wird..." (Aussage Pöhners im Hitler-Prozeß.) Wieviele wissen, daß auch der arische Riesenschwindler Iv«r Kreuger zum Spenderkreis des„Arbeiterführers" Gehörte? Daß Göring am Tage des Münchener Hitlerputsches anordnete. den Stadträten müsse mit dem Kolben der Schädel eingeschlagen werden?! Wer weiß es, daß Göbbels sich noch 1923 von den jüdischen Direktoren Blumenau mit Geldmitteln versorgen Zeiulhti /UH ließ, daß Joseph strebsam mit dem jüdisch demokratischen „Berliner Tageblatt" wegen eines Redakteurnostens verhandelte, daß er seine dramatischen Jugendsünden mehreren jüdischen Theaterdirektoren wärmstens ans Herz legte?! Wem ist bekannt, daß der Landwirtschaftsminister Darre 1927 von der ostpreußischen Landeswirt Schaftskammer wegen Unregelmäßigkeiten entlassen werden mußte? Daß dieser selbe Ehrenmann sieh zum 38. Geburtstage, 14 Tage nach seiner Ernennung zum Minister, bei Wiesbaden ein pompöses Denkmal setzen ließ und höchstselbst mit einer Rede tiefster Ergriffenheit einweihte?! Wer weiß, daß der Vater del nationalsozialistischen Wirt schaftsunsinns, Dr. Feder, seine Zinsknechtschaftsfantasien und seine Mitarbeit einst der marxistischen Regierung Bayerns, dem jüdischen„Novemberverbrecher" Eisner, freundlichst offerierte?! Daß noch vor sechs Jahren verschiedene der obersten Nazibonzen einander Lumpen, Verräter, ehrlose Wortbrecher usw. schimpften?! Daß Herr Rosenberg den heutigen Reichsbanknazi Schacht noch 1927 in einer braunen Steckbriefbiographie zu den schlimmsten Novemberverbrechern rechnete?! Wir greifen nur einige der weniger bekannten Punkte auf und fragen: In welcher Partei, in welchem Regierungslager ist jemals so viel Kehricht beisammen gewesen?! Das alles wird in diesem Buche dokumentarisch belegt. Das Buch spiegelt die edlen Profile der nationalsozialistischen Götter. Halbgötter und Drahtzieher scharf, treffend und beklemmend. Es schenkt sich physiologische Erörterungen und läßt Tatsachen sprechen; denn wie unzulänglich erscheint die stärkste Fantasie neben den Tatsachen des„dritten Reichet!" B. Br« „Apostel", Kriegsknechte und Henker Der bekannte jüdische Schriftsteller Schalom Asch, der früher ein großer Freund Deutschlands war, erklärte einem Vertreter des„Pariser Tageblatt" über Hitler:„Als Prophet des Hasses, als Fanatiker der Zerstörung, schri:t er nicht vor der widerwärtigen Heuchelei zurück: Er tritt alt Friedensapostel auf! Er, der einen lauteren Pazifisten wie Ossietzky seit vierzehn Monaten im Kerker einem sicheren Tode entgegensiechen läßt! Er, der Berta v. Suttners„Die Waffen nieder", das Dokument des deutschen Pazifismus, verbrennen ließ! Wer sind die Stützen dieses Friedensapostels? Kriegsknechte wie Göring und Böhm, Henkersknechte wie di» Fememörder Schnitze, Heines!" La recherche de la paternite „Die Frage nach dem Ariertum eines unehelichen Kindes, das wegen Fehlens der Vaterschaftsanerkenuung nicht in der Lage ist, Nachweise über seine Abstammung väterlicherseits beizubringen, wird dahingehend beantwortet, daß ein solches Kind bei arischer Herkunft mütterlicherseits bis zum Beweise des Gegenteils oder wenn nicht die besonderen Umstände'des Falls dagegen sprechen, als arisch anzusprechen ist."(Bescheid des Reichsinnenministers an die Reichsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege vom 8. 12. 1933.) Das deutsche Rote Kreuz ist umorganisiert worden, natürlich nach dem Führerprinzip. Bezeichnend ist, daß die Hilfeleistung hei inneren Unruhen nun auch zu seinen Aufgaben gehört. Der bisherige Präsident von Winterfeldt-Menkiu wird durch Herzog Carl-Eduard von Sachsen-Gotha ersetzt; sein Stellvertreter ist Generaloberstabsarzt Dr. Hocheisen. Die Berufung der beiden lauic-t tür vier Jahre, was den Optimismus der Ernenner zeigt., Das bunte Matt .Deutsche Freiheit", Nummer 85 DCf ÖC3Ci)tCtC Von Peter Vitter Er gatte. einen kleinen Laden in dem riesigen Gebäude- komplex gegenüber der Trainkaserne im zwölften Bezirk. Als die Schießerei allmählich aufhörte, Polizei und Heim- wehren das Viertel besetzten, sahen ihn einige Arbeiter in Begleitung eines Wachtmeisters die Straße entlang gehen. Der Polizist wies auf verschiedene Fenster. „Sie haben Ihren Laden hier— Sie müssen wissen, ob aus diesen Fenstern geschossen worden ist." Ob er es mußte, ob er angab, daß aus jenen Fenstern ge- schössen wurde, konnten die lauschenden Arbeiter nicht fest- stellen— aber er sah sich scheu um und senkte die Stimme, so daß der Polizist gezwungen war, näher an ihn heran- zutreten. Jedenfalls nahm die Polizei sehr viele Verhaftungen vor, darunter auch einige Unterführer des Schutzbundes. Bis heute ist noch k/iner von ihnen zurückgekommen... Obwohl der Großteil der Arbeiter jenes Viertels ohne Beschäftigung ist, ging sein Geschäft ziemlich gut— bis zu jenem Borsall, da er mit dem Wachtmeister nach der Schießerei gesehen worden war. Seit jenem Tag betrat kein Mensch mehr seinen Laden. Die Arbeiter gingen mit geballten Fäusten und finsteren Wienen daran vorbei, ohne seine unterwürfigen Grüße und Bemerkungen zu beachten. Zuerst dachte er: Sie werden schon wieder kommen... Denn er war so ziemlich der einzige, der auf Kredit gab in der Siedlung. Dann aber, als bereits drei Tage verstrichen waren und sein Geschäft wie eine Pestgrube gemieden ward, schickte er seine Tochter vor— ein Mädel von achtzehn Jahren, mit einem von Pickeln übersäten Gesicht. Sie ging zögernd von Tür zu Tür, erkundigte sich nach dem Befinden, sprach im Türrahmen mit den Frauen, ungeschickt und nicht imstande, Worte der Entschuldigung für den Bater zu finden, der unter so schwerem Verdacht stand. Die meisten Frauen nahmen diesen Besuch zum Anlaß, um, zwar schweren Herzens, ihr den Rest der gestundeten Beträge hinzuwerfen. Obzwar in diesen Tagen jeder Groschen mehrmals als sonst in der Hand umgedreht wurde, bevor man ihn verausgabte. Und manche der Frauen wars eine Bemerkung hin.„Unseren Bater haben sie geholt!" Das Mädel zuckte unter diesen oder ähnlichen Worten wie unter einem Peitschenhieb zusammen, ging weiter von Tür zu Tür—, gab es schließlich aus und kam weinend in den Laden zurück. Nun beschloß der Alte, selbst den bitteren Gang zu ver- suchen. Mit unendlicher Beredsamkeit suchte er sich von dem Verdacht reinzuwaschen— übersehend, daß gerade dies erst recht die Arbeiter von seiner Schuld überzeugen mußte. Und je mehr er redete, desto verschlossener und schweigsamer wurden die Bewohner der. Siedlung, denen er immer wieder beteuerte, daß zwischen dem Gespräch mit dem Wachtmeister und den Verhaftungen kein Zusammenhang bestünde. Sie hörten ihn zwar an, aber ihre steinern abweisenden Gesichter spiegelten ihm die wahre Meinung jener wider, die vier Tage lang hinter Barrikaden der Polizei und den Heimwehr- soldaten getrotzt hatten. Er bekam nur einsilbige Ant- worten:„Und mein Mann?"—„Und unser Vater?" So ging das zwei Wochen. Kein Mensch betrat den Laden und jeder im Viertel, der es noch nicht wußte, erfuhr es: „Wir haben ihn mit der Polizei gesehen, wir hörten, wie ihn der Wachtmeister ausfragte. Wir wissen, wie er, der von unseren schwer erworbenen Groschen profitierte, durch Dummheit oder Verrat dazu beitrug, daß unsere Genossen der Polizei in die Hände fielen." Und eines Morgens prangte eine blutigrote, in aller Eile quer über sein Aushängeschild hingeworfene Ausschrift: Verräter! Er gab sich keine Mühe, dieses Menetekel abzuwaschen. Als der Wagen vorfuhr, der sein Mobiliar wegbringen sollte, schien die Gasse und der große Bau tot. Aber hinter jedem Fenster, aus jeder Wohnung starrten haßerfüllte Augen auf sein verlegen geschäftiges Tun, auf jede seiner Bewegungen. Wenn Blicke töten könnten, hätte er seinen verdienten Lohn erhalten, ehe er noch die Rollbalken hinter dem leeren Laden schloß. Heimweh aus dem Äether Tagsüber läßt es sich im Hotelzimmer allenfalls aushalten: aber wenn am Abend, beim kümmerlichen Licht einer spar- sam an die Decke geklebten Lampe die ganze Trostlosigkeit des unpersönlichen Raums deutlich wird, dann kommt die Budenangst des Emigranten, und man knausert lieber noch ein bißchen mehr am Abendbrot, um dann in irgendeinem Case stundenlang hinter einem einzigen„nature" oder „creme" sitzen zu können. Am Boulevard Saint-Michel gibt es viele Arten von Cafes: große, strahlende Säle mit lebhaftem internationalen Hin und Her— und richtige beschauliche Bistrots,— aber auch ein Cafe mit Musik, kein rauschendes Bums, wie an der Republike und keine ausgedonnerte Fremdenangelegenheit wie in der Avenue Wagram. Ein einfaches Studentenlokal mit kleinen Sofas, dunkelrot getönt und matt erleuchtet, und die Musik bestreitet ein Lautsprecher, der alle möglichen Sender herbeiholt. ' Ist es eil Wunder, daß allabendlich viele junge Deutsche hier hocken, die Musik lieben, aber keinen Lärm, um in dicjer anspruchslosen Atmosphäre zu plaudern oder zu arbeiten? ... die letzte Ansage war deutsch: kaum einer hat es bemerkt. Aber nun ertönt— denn es geht auf Mitter.)t — das Horst-Wessel-Lied... dann das Deutschlandlieb... Das Mädchen., ant Ecktisch hebt erst den Kopf vom Brief an die Eltern, die drüben geblieben sind, stößt dann den Freund leicht mit dem Ellbogen an. Der blickt von seiner Zeitung auf und sieht ein wenig unsicher drein. „Hab schon gehört. Macht es Dir immer noch was?" Das Mädchen hebt die Schultern, antwortet nicht. „UcbrigenS hast Du recht," fährt er fort.„Man glaubt oft. damit fertig zu sein: aber wenn ich das Deutschlandlied höre, wird es mi jedesmal wieder sonderbar zu Mute. Es war doch einmal unser Lied und unser Land." Die stolzen Töne sind verklungen. Es knackt leise... Man stellt einen anderen Sender ein... Plötzlich huscht selige Heitet. Helena Paris, 12. April. Kommandant Marcel, ein alter verdienter Offizier der französischen Armee, ist auf dem Wege nach der kleinen Insel St. Helena, deren Name für jeden Franzosen einen traurigen Klang hat. Hier starb der große Korse nach sechs- jähriger Verbannung, hier war der Sieger von Austerlitz und Jena ein alter Mann geworden. Kommandant Marcel fährt mit Zustimmung des Auswärtigen Amtes, um das Haus von Longwood, in dem der gestürzte Kaiser den Rest seines Lebens verbrachte, zu einem Museum umzugestalten. Am 5. Mai. dem Todestag Napoleons, wird Marcel den Traum seines Lebens verwirklicht und auf St. Helena eine würdige Erinnerungsstätte geschaffen haben. Die Vorarbeiten für dieses Museum laufen schon seit langen Jahren. Die Engländer, die Feinde von einst und Freunde von heute, haben ihre Einwilligung zu allen Ar- beiteu auf der Insel gegeben. So wird das Haus von Long- wood, das bisher versallen war und teilweise als Stall be- nutzt wurde, seine Wiederauferstehung feiern und Fremde aus die Insel locken. Das neue Museum wird eine vollständige Kollektion der alten hervorragenden Gravüren ausweisen, die das Leben des„General Bonaparte" auf der Insel zeigen. Die alten Möbel werden wieder herangeschafst, die der englische Gou- verneur, der sich zu einem brutalen Gefängniswärter er- niedrigt hatte, sofort nach dem Tode des Kaisers in sein Schloß schassen ließ. Die wundervolle Einrichtung des kaiserlichen Eßzimmer? ist noch vollständig erhalten, und die Engländer stellen die Möbel selbstverständlich dem Museum zur Verfügung. Man will versuchen, das Haus von Long- wood wieder so herzurichten, wie es zur Zeit Napoleons aussah. Der Kommandant Marcel, der mit dieser ehrenvollen Auf- gäbe betraut wurde, hat sein Leben lang nach Spuren seines großen Kaisers in der ganzen Welt gesucht. Er hat vor dem Bett in Ajaccio gestanden, wo eine Mutter einem HeroS das Leben gab. Er hat die Schule von Brienne besucht, deren Bänke einst ein kleiner Bonaparte gedrückt hat. Auf allen Schlachtfeldern Italiens, in Austerlitz und Wagram hat Kommandant Marcel den Weg des Kaisers verfolgt. Und jetzt wird die Errichtung des Museums auf St. Helena die Krönung seines Lebens sein. Er behauptet, daß Frankreich vieles gut zu machen habe, was es gesündigt hat. Wohl>nd im Jahre 1840 die Gebeine des Toten mit feierlichem Prunk nach Paris überführt worden und an den Ufern der Seine beigesetzt, inmitten der Stadt, die der Kaiser so sehr liebte. Aber hiermit wurde nichts weiter erfüllt als der letzte Wunsch im Testament Napoleons. Aber St. Helena blieb bis jetzt vergessen weit draußen im fernen Meer.... „Ädolf"' nicht viel wert Deutschland hat eine Kolonie in der Stid-Atlantik Seit hundertunüneun Jahren landete vor einigen Tagen wieder ein Engländer, der„Milford" an der Küste einer kleinen Insel in der Süd-Atlantik. die Jahre hindurch„die Mysteriöse" hieß. Aber die Franzosen nennen dieses Eiland „Bouvet", weil der Franzose Bouvet im Jahre 1789 die Ge- stade entdeckte und bort das Banner Frankreichs hißte. Als er von seiner Entdeckung nach der Heimat zurückkehrte, hatte Frankreich andere Sorgen, als sich um einen kahlen Felsen da irgendwo im Meer zu kümmern. Man vergaß die Eni- deckung, und erst 1825 pflanzte der englische Kapitän Noris das engl'sche Banner auf die Insel und nahm im Namen seines Königs von dem Lande Besitz. Wieder vergingen Jahrzehnte: im Jahre 1893— der Fran- zose Bouvet und der Engländer Noris waren längst ver- gessen— ging wieder ein Schiff vor der Insel vor Anker, diesmal war es ein deutscher Dampfer, die deutsche Flagge wehte jetzt auf der„Mysteriösen". Und im Jahre 1927 ging wieder die deutsche Fahne am Mast des CapS dieser seit- samen Insel hoch. Das Reich hatte sich ohne viele biplo- matische Borverhandlungen eine Kolonie erobert, eine Kolonie, die nicht viel wert ist, die keine Einwohner hat,.ber immerhin eine Kolonie. Im folgenden Jahre trat England generös seine Rechte auf die Insel an Deutschland ab, das dort eine meteorologische Station errichten wollte. E"^and trat Rechte ab, die eigentlich Frankreich zu ver- geben hatte, denn irgendwo in den Archiven des französischen Marineministeriums wird eine Urkunde eines gewissen Bouvet schlummern, in der die Entdeckung der Insel und die Hissung der französischen Fahne kundgetan wird. Vizeadmiral Evans, der Kapitän des Kreuzers»Mil» ford", gab nun der staunenden Welt Bericht von dieser Insel, die heute stolz den Namen„Adolf" führt. Die Insel„Adolf", vor kurzer Zeit zu Ehren des deutschen Kanzlers auf diesen Namen getauft, ist also offiziell eine deutsche Kolonie. Die Engländer sind großzügig, auch die Franzosen wollen nicht das alte Dokument aus den Archiven suchen, sie finden nur, daß der Entdecker Bouvet etwas zu kurz gekommen ist. Sie sagen selbst, daß die Insel nicht viel wert sei, für längeren Aufenthalt ungeeignet, nichts als eben ein Felsen im Meer, aber schließlich hat sie doch ihr Landsmann entdeckt und nicht der Deutsche„Adolf", dessen Namen sie heute trägt. Die seltsamste s>traße der Welt Die brasilianische Stadt Santana ist nur durch eine« Ttraßendamm von der uruguanischen Stadt Rinera getrennt. Mitten durch diese Straße läuft die Grenze, auf dem einen Bürgersteig gehen die Brasilianer spazieren, auf dem anderen die Uruguayer. Eine ausgezeichnete Gelegenhett bietet sich hier den Verbrechern, die in aller Seelenruhe auf der einen Straßenseite einen Laden ausplündern können, gemütlich über den Damm gehen und die alarmierte Polizei vom frcm- den Land aus höhnisch auslachen. Jetzt aber hat die uru- guayische Regierung mit der brasilianischen ein Abkommen geschlossen, daß in diesem Ausnahmefall die Polizisten beider Länder zusammenarbeiten dürfen, und daß das Ausliefe- ruugsverfahren„im kleinen Grenzverkehr" vereinsacht i. rd. Vüro-Äbresse: D-Yug Die englische Eisenbahn will ihr« Hilfe zur Ueberwindung der Krise beweisen: sie glaubt noch immer, daß Zeit Geld ist, eine Weisheit, die durch die Millionen Arbeitslosen der Welt schon zur Genüge widerlegt worden ist. In den großen Fern- zügen wird jetzt ein Waggon eingestellt, der aus zwei Kabinen besteht. Hier stehen dem Publikum Schreibmaschinen, damen und Schreibmaschinen zur Verfügung. Die Abteile sind wie reguläre Büros eingerichtet, mit allen Adreßbüchern. Federhaltern, Bleistiften, Durchschlagpapier bis zu den Heft- klammern herunter. Der englische Kaufmann wird also die Briefe einer schönen Sekretärin diktieren können, während der Zug im Hundert-Kilometer-Tempo davonsaust. Die fer- tigen Briefe werden auf den Hauptpostämtern sofort ver Expreß wettergelettet. •••• Der Reidiskanzlcr verbiete! Nldit die Jodenverfoignngen seines rrenndes Sfreldier, sondern Zeitungen, die darober beriditen Tor einigen Tagen wurden die„Basier Nachrichten" wegen eines Aufsatjes von Dr. Oerli„Zur Lage der deutschen Juden in Deutschland beschlagnahmt. So zeigt sich Deutschland gegenüber der Schweizer Presse erkenntlich für die Presseverordnung, die die Schiveizei Bundesregierung nicht zuletjt gegen die in der Emigration erscheinende deutsche Oppositionspresse erlassen hat. Wir geben den Aufsaß, der die Mißbilligung der deutshen Behörden erregt hat. nachstehend wieder. Es muß immer wieder darauf hingewiesen werden, daß der deutsche Reichskanzler persönlich für die Ausschreitungen Streichers und ähnlicher Kumpane verantwortlich ist. Aus- . landein gegenüber versucht der Reichskanzler, wie wir uns erst dieser Tage überzeugen konnten, van den Judenverfolgungen abzurücken. Das ist nur Heuchelei, denn der Nürnberger Gauleiter und Staatskommissar S t r e-i ch e r gehört nach wie vor zu den Intimen Hitlers und ist mit vielen Ehren und Würden durch den Reichskanzler und Parteiführer Hitler ausgezeichnet. Dt. Oerli schreibt: »Zu Ostern war es ein Jahr her, seitdem im Dritten Reich der demonstrative Iudenboykott stattfand. Damals wurde dem kritisierenden Ausland unter der Hand t>.deutet, so kös sei die Sache nicht gemeint? das neue Regime müsse der Volksseele etwas an greifbarem Antisemitismus bieten? wenn diese dann genügend ab- reagiert habe, werde die Regierung schon für vernünftige Einschränkung sorgen. Nun geht es aber den deutschen Juden zusehend schlich- ter. Die gesetzlichen Arierbestimmungen, die sie im Bereich der akademischen Berufe zurückdrängen, werden vielfach extensiv ausgelegt und angewandt. Vor uns liegt z. B. ein Erlaß des Oberbürgermeisters von Frankfurt a. Tl., der rügt,„daß sich eine Reihe von städtischen Bediensteten anläßlich ihrer Erkrankung in Behandlung jüdischer Aerzte begeben hat", und anordnet, daß die Betreffenden disziplinarisch zur Rechenschaft gezogen werden? diesinn- gemäße Anwendung der Ausnahmebestim- m u n g e n des§ 3 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums dürfe nicht zugelassen werden. Am 10. März hat der ärztliche Amtsleiter der Provinz Hessen-Nassau und der Bezirksstelle Frankfurt a. M. einer Äerzteversammlung folgendes dargelegt: «Bei solcher Lage der Sache ist der zwar legal sich voll- ziehende, aber unerbittlich geführte Kampf gegen das Judentum in der Aerzleschaft ein Gebot der Stunde. Wir haben und dürfen kein Interesse daran haben, daß jüdische Aerzte auf Frankfurter Boden beruflich weiter gestützt oder gar in wchutz genommen werden. Wir dürfen nicht eher ruhen, als bis alle christlichen Krankenhäuser von jüdischen Kollegen gesäubert und auf ihre jüdischen Krankenhäuser und Arbeitsstätten beschränkt sind. Es kann nach den jähre- langen Erfahrungen und Erlebnissen keinem deutschen Arzt mehr zugemutet werden, mit oder nur neben einem jüdischen Kollegen beruflich arbeiten zu müssen Daß er sonst in keine Berührung mit ihm kommt, ist Sache jedes einzelnen deutscken Kollegen. Würden alle deutschen Kollegen, auch die bisherigen Mucker, sich das alles oben. Gesagte von nun ab zur Richtschnur nehmen. wäre damit allein schon trfcl gewonnen und wäre es mit der Aerzteschaft und ihren Aufgaben besser bestellt." Aehnlich geht die Zurückdrängung der jüdischen Intellektuellen auch in andern Berufen vor sich. Detail- lierte Auskunft über das ganze Gebiet gibt das sogenannte „Schwarzbuch", eine Dokumentensammlung, die 1934 in Paris vom Comitd des D616gations Juives herausgegeben worden ist und durchaus nicht in die Kategorie»Greuel- Propaganda" gehört. In französischer Sprache ist in Genf beim Büro d'Insormation der Union Suisse des Com- munautes Israelites erschienen:„La persscution des Juifs en Allemangne. Lois et ordonnaces instituant un regime de diserrmination ä l'ögard des ressortissants allernands de race nonaryenne." . tatsächlich nimmt für die Juden in Deutschland die Möglichkeit des normalen Broterwerbs beständig ab. Sie werden auch im Handel Schritt für Schritt zurückgedrängt, und zwar nicht nur aus den führenden Stellungen. Ion- dern auch aus den bescheidensten Angestellten- und Agentenpositionen. Man hätte denken sollen, daß den Juden, wenn sie nicht verhungern sollen, wenigstens diese Zone noch einigermaßen reserviert bleibe. Am Palmsonntag ist es in Gunzenhausen in Mittelfranken zu schweren Ausschreitungen gegen die dor- tigen Juden gekommen. Da die uns zugängliche deutsche Presse darüber schweigt, ist man hier auf die Berichte des „Israelitischen Wochenblattes für die Schweiz" angewiesen. Einer dieser Berichte lautet: „Ohne äußeren Anlaß überfielen am Sonntag. 25. März, abends in der Zeit von 3- 10 Uhr. Truppen von SA. und SS. sämtliche jüdischen Einwohner von Günzenhausen. Die Leute wurden in ihren Wohnungen über- fallen! Wo die Türen nicht freiwillig geöffnet wurden, sind dieselben mit Gewalt eingeschlagen worden. Samt- iiche jüdischen Männer, zum Teil auch Frauen, und sogar Kinder, wurden ins Gefängnis geschleppt und auf dem Wege dorthin in fürchterlicher, roher Weise miß- handelt und verprügelt. In Verzweiflung ob dieses barbarischen Ueberfolls hat ein kbjähriger Jude, um den ihn erwartenden Qualen zu entgehen, seinem Leben ein Ende gesetzt Ein anderer 30jähriger Jude wurde in seinem Garten erhängt aufgefunden Ein Greis von 76 Zahren, ohnedies gebrechlich, wurde auf dem Weg ins Ge- fängnis besonders schwer mißhandelt. Ein fürchterlicher Anblick, wehrlose Männer, notdürftig bekleidete Frauen und schreiende Kinder von-einer sich wie wild gebärdenden Horde durch das Städtchen geführt zu sehen. Die Grau- samkeiten wurden im Gefängnis fortgesetzt und spotten jeder Beschreibung. Am Montag. 26. März, mußten auf Befehl alle jüdischen Geschäfte geschlossen bleiben. Erst die von der nahen Großstadt herbeigerufene Hilfe hat diesem zügellosen Treiben ein Ende gesetzt, und nachdem die Grundlosigkeit dieses Ueberfalls festgestellt war, wurden die gepeinigten Juden, nach 24stündiaem Martyrium, wieder auf freien Fuß gesetzt. Der Vorfall ist um so be- schämender, als nicht einer den Mut aufbrachte, für die Juden, die schon Jahrhunderte das Städtchen friedlich be- wohnen, einzuspringen." Für Franken, wo diese Dinge sich ereigneten, ist Staatskommissar Herr Julius Streicher, Herausgeber des Wochenblattes„Ter Stürmer". Dieses erscheint in einer Auflage von 47 000 Exemplaren. Wer es liest, kann sich nicht wundern, daß die vom Herrn Staatskommissar bearbeitete Bevölkerung Frankens ent- sprechend reagiert. In einem redaktionellen Leitartikel der uns vorliegenden Nr. 7 vom Februar 1934 lesen wir zum Beispiel folgenden lapidaren Satz:„Auf Grund unserer Kenntnis in der Iudenfrage sind'wir der Ansicht, daß eigentlich alle Juden entmannt werden müßten." Prince Selbstmord des Richters wird behauptet Paris, in. April 1934. Die Untersuchung in der Prince-Afsäre ist. nachdem Aben- teurer-Gestalten eine, nach der anderen aufgetaucht sind, nicht einen Schritt weiter gekommen. Wir haben das Roman- mädchen und den„Mann im kittgrauen Ueberzieher" vorbei- huschen sehen, wie sahen die Gcspensterautos um die Come- aux-Fses, die Gestalten aus der Unterwelt, den„Baron", den ehemaligen Mädchenhänbler Ventura, das halbe unter- irdische Marseille. Der geschäftige Inspektor Bony suchte die Mörder, ein Kompromittierter beging Selbstmord, einer wurde oerrückt und sprang in die Seine, nichts ist dabei raus- gekommen. Auch der ganze Guyana-Skandal lebte nutzlos wieder ans. Ter„Matin" hat eine Privatuntersuchung durch den Beamten Riboulct gemacht, nichts ist herausgekommen. Drei englische Therlock Holmes und zwei Sensations- jcurnalisten haben für den„Paris-Soir" die Gegend ab- gegrast, das Resultat blieb das gleiche. In diesem Moment der Abstumpfung, in dem niemand mehr die Märchen des einsamen Orts um Dijon hören will, kommt T u p u n in einem vom„Oeuvre" veröffentlichten Memoire mit der Theorie heraus, daß der Richter Prince eigentlich Selbstmord begangen haben könne. Er vertritt den Standpunkt, dast Prince im Jahre 1929, wenn er auch die Bedeutung der Affäre Staviskn damals noch nicht habe überschauen können, doch in ihrer Bekämpfung versagt habe. Daher die groste Erregung, in der sich Prince seit dem 1. Februar und besonders seit dem 29. Februar anlästlich seiner bevorstehenden Vernehmung befunden habe. Das ist, von einer grossen Menge Peglcitmatcrial geleitet, der Haupt- tnhalt Kieler Behauptungen. Daraufhin sucht der sozialistische«P o p u l a i r c" eine ganze Reihe Anomalien des Falls zusammen. So zum Bei- spiel soll die Beschreibung deS Käufers deS Messers besser auf Prince selbst als aus einen anderen passen, und die Fingerspuren auf dem aufgefundenen blutigen Messer seien noch nicht mit denen des Prince verglichen worden. Im An- schlust daran stellt das Blatt einige Fragen. To. ob es wahr sei, daß Prince am IS. Februar, einige Tage vor dem Drama, sich zu der Agentur der Societe Generale begeben habe und dort fein Konto abgehoben habe. Dann, warum man sich, während seine Mutter in der religiösen Pension des Abbs Chaulon in Dijon ein Telefon unter Nummer MS gehabt habe, sich des Namens des Dr. Ehringer bedient habe bei dem Telefonat, womit man sich der Möglichkeit einer leichten Nachprüfung durch telefonische Rückfrage aussetzte. Ferner sei es eigenartig, dast Prince nach seiner Ankunft in Dijon seiner Frau das unerklärliche Telegramm geschickt habe. ES scheine auch, dast Prince am 19. Februar bei einer Gerichtsverhandlung vor den Geschworenen der Seine den Fall Lacaudrisre kennen gelernt habe, der die Frau Legoff bei Saint-Maur-des-Fossses aus dem Zuge wars, wobei ihr beide Beine abgefahren wurden. Schließlich wird gegen die Theorie einer„Maffia" angeführt, dast Prince den Mittag- zug nach Dijon nur deswegen erreicht habe, weil er seine Aktenmappe vergessen hatte und nach Hause zurückkehrte, wo er von dem mysteriösen Telesonanruf in Dijon benachrichtigt wurde. « Soweit die neuen Argumente, die in Frageiorm in dieser so mysteriösen Mordsache auftauchen. Fest steht nur das eine, daß die ausgerührte französische Volksseele nicht eher zur Ruhe kommen wird, als bis dieser eigenartigste aller Morde völlig und überzeugend a u s g e k l ä r t ist. Gerettet! 62„Tscheliuskin"- Leute In Sicherheit Moskau, 11. April Die Flieger Molokow, Kamanin und Slcpncw haben am Dienstag in drei Flugzeugen ti Angehörig» des„Tscheljuskin"»LagerS nach Wankarem ge- bracht. Moöka«, 11. April. Der Flngstafsel KamaninS ist es am Mittwoch gclnngen, noch 11 Mann aus dem„Tschel- juskin"-Lager nach Wankarem zu bringen. Damit find inner, halb zweier Tage 33„Tscheljuskin"-Lente gerettet worden. Moskau, 11. April. Wie aus Wankarem gemeldet wird, haben drei Flugzeuge der Sowjetunion weitere LS Mann aus dem Ticheljustin-Lager nach Wankarem gebracht. Ins- gesamt find also 63 Mann gerettet worden. Gegenwärtig befinden sich noch 38 Teilnehmer der Expedition auf der Eis- schölle. Auch Pros. Schmidt, der Leiter der Expedition ist bereits nach Wankarem gebracht worden. Moskau, 12. Avrtl. Der Leiter der Rcttungsarbeiten, Uichakow hat der Regierungskommission einen Bericht über die Einzelheiten der Rettung der Tscheljuskinbesatzung über- mittelt. In diesem Bericht heißt es: Am 7. April starteten drei Flugzeuge von Wankarem nach dem Lager Prof. Schmidts, das in 45 Minuten erreicht wurde. Bei der Landung wurde das Flugzeug Slepnews beschädigt. Slepnew begann sofort an Ort und Stelle mit den Repara- turarbeiten. Die beiden anderen Flieger. Kamanin und Senker Altarbild Geheimnisvoller Diebstahl eines unersetzlichen Kunstwerks In Gent befindet sich in der Kirche von St. Bavo das berühmte Altarbild der Brüder van Eyck. Fetzt haben unbekannte Täter einen Flügel des Altarbildes gestohlen. Ein Teil des mehrflllgeligen Gentner Altarbildes befand sich lange im Berliner Kaiser-Friebrich-Museum. Aus Grund des Bersailler Vertrages mußten die kostbaren Gemälde an Belgien ausgeliefert werden. Es handelt sich um den Flügel, öer die Darstellung Johannes des Täufers und der Gerechten Richter enthält. Wie dazu aus Brüssel gemeldet wird, schwebt bisher noch völliges Dunkel über dem Frevel der an diesem Kunstwerk der altslämischen Malerei begangen worden ist. Obwohl die Polizei sofort die Untersuchung ausgenommen und eine ge- naue Beschreibung der gestohlenen Altartafe! überall ver- reitet hat. liegen noch nicht die geringsten Anhaltspunkte und Spuren vor, die zu der Entdeckung des Täters führen konnten. Die Tafel ist 1.59 Meter hoch und 63 Zentimeter breit. Der Diebstahl wurde Mittwoch früh entdeckt. Als der Schweizer der Kathedrale St. Bado seinen Morgenrunbgang durch das Gotteshaus machte und den Vorhang vor dem Altar wegzog, sah er zu seinem Entsetzen, dast die untere Tafel des linken Flügels aus dem Rahmen gerissen und. verschwunden war. Die ersten Feststellungen lassen darauf schließen, dast der Dieb sich wahrscheinlich am Dienstag abend in der Kirche versteckt und sich hat einschließen lassen. Die verschlossene Tür der Kapelle, in der der Altar aufgestellt ist. war aufgebrochen. Der Dieb muß durch eine Seitentür, die er gleichfalls ausgebrochen hat. entwichen sein. Die Bestürzung in der Bevölkerung ist allgemein Der groste Flügelaltar stellt in prachtvollen Einzelbildern das menschliche Seelenheil vom Sündensall bis zur Erlösung dar. Dcr Altar hat eine wechselvolle Geschichte. Seit der französischen Revolution waren verschiedene Teile außerhalb Gents. Die Bilder von Adam und Evä befanden sich seit Mitte des vorigen Jahrhunderts tm Brüsseler Museum. Seit 1920 ist der Altar wieder in seiner ursprünglichen Gestalt, mit Ausnahme eines bereits im 16. Jahrhundert verlorengegangenen Teils, in der Kathedrale St. Bavo auf- gestellt. Mylotow traten alsbald de» RUckslug mit fünf Ticheljuskin- lernen an Bord an. Uschatow ictbst H:eU sich drei Tage taug im Lager au>. Das Lager Pros. Schmidts ist von grogeu Eiodlöaen«iugejchiojfen. Die Leute lind IN einer Baracre und in zehn Zellen unter» georacyr.^n aueu llraumen sind uamine errichtet, die ore Zimmerlemperaiur autrecyleroauen. Die Zelte werden von Benzmtampen erleuchtet, die von den Ticheijutfiiueuten erfunden worden sind. Lebensmittel, Heizstoiie, warme Klei- düng sowie eine Küche und Backerei und vorhanden. Das im ersten Augenbtick scheinbar ruytge und wohlgestaltete Leben erweist sich bei näherem Zuiehen als ein Leven auf dem Bulla». Das Lager leb« in ununterbrochener Spanuung und in Erwartung des Eisganges. Am v. April zerstörte der Eisgang die Küche. Am 9. April mebte das Lager seit dem Un:ergang dcr T>chelluftin den allerstärksten Elsdruck, der die Baracke eindrückte, ein Motorboot zerstörte und einen Teil der Holzniatenalie» vergrub Ter Flugplatz, auf dem die Maschine Slepnews stand, wurde völlig vernichtet. Ein zweiter Eisdruck veränderte den Lagerbezirk vollkommen. Fm Ticheliujkinlager herrscht eine MobilisierungSordnung, die mustergültig arbeitet. Wenige Augenblicke nach Eintreten des Etsdrucks nehmen die einzelnen Leute ihre vorgeschric- Venen Plätze ein. Tie A u t o r i l ä t P r o f. S ch m> d ts u n d seines Stellvertreters«obrowsk ist er- schüttert. Der Abtransport der Leute nach dem Festland erfvlgt in strenger Reihenfolge nach einer aus Grund des physischen Zustandes und dcr Widerstandskraft des einzelnen zusammengestellten Liste. Am 9. April hat die Besatzung des Lagers nach Abwehr des Eisdruckö das Flugzeug«lepnervs zu einem ziveiten Ich Kilometer entfernicii ,vl»gplatz geschleppt. Am folgenden Tage beendete Slcpncw seine Repa- räturarbeiten und brachte sechs Personen n a ch d e m Festland, während Kamanin in einem Fluge drei und Molokow in drei Flügen 18 P er- sonen in Sicherheit brachte. Am 11. April unternahm Kamanin drei Flüge und brachte 15 Personen nach Wanka- rem. Am gleichen Tage gelang es Molokow.>>^vier Flügen 29 Personen, darunter Pros. Schmidt, in Sicherheit zu bringen Im Lager verbliebe» unter der Leitung Bvbrowsk 28 Personen, die von ihrer Rettung überzeugt sind. Am 7 April ivgr in das Tchmib.tlagcr ein Hunde- gespann gebracht worden, wodurch den Zurückgebliebenen die Bergung der wertvollsten Instrumente und Materialien er- leichtert wirb. Von Wankarem aus werden die geretteten Tscheljuskinleute nach Eap Wellen gebracht und von dort weiter nach der Borsehnngsbucht.- Uschakow gibt in seinem Bericht dcr Hoffnung Ausdruck, dast am IL. April bei günstiger Witterung die Rettungsaktion abgeschlossen werden kann. Am gleichem Tage soll Professor Schmidt, falls sich sein Gesundheitszustand nicht bessert, in ein Krankenhaus nach Alaska gebracht werben. Pariser Beruhte Pariser Straßenhalender Der scheidende englische Botschafter Lord Tyrrell mit seiner Gemahlin hat in Erinnerung an seinen Sohn, der auf französischer Erde gefallen ist, der Stadt Bethune 10 000 Franken vermacht, damit jedes Jahr am Waffenstillstandstage den Armen der Stadt eine Unterstützung ausgezahlt werden kann. Zugleich hat er gesagt: Wie könnte ich die französische Erde verlassen, wenn mein Sohn darin ruht?— Der neue Botschafter Sir George Clerk wird am 2. Mai sein Amt antreten. * Der fianzösische General Nießel hielt in der Hochschule für Politik einen Vortrag über die deutschen Rüstungen. * Max Brauns Bericht über den Saar-Terror der Nazis wird von den Pariser Blättern in großen Auszügen wiedergegeben. * Anläßlich der 9. Ziehung der Nationallotterie können die üblichen Witze, daß das Glück nach dem„Midi" oder„Midi moins cinq" fällt, diesmal nicht gemacht werden, weil das große Los diesmal nach Cherbourg im Norden in einen Krämerladen ging, wo ein pensionierter Kolonial-Hauptmann, ein pensionierter Bahnbeamter als dessen 84jähriger Schwiegervater, ein Hotelbesitzer, zwei Casino-Angestellte und ähnliche Leute die Nummer 92 993 in ausgerechnet 13 Teillosen spielten. * Eine Meldung, daß die„Francerie"(im deutschen Titel: „Die Marne") das neue Werk von Paul Raynal im Berliner Staatstheater eine Woche lang in französischer Sprache gespielt werde, erregt in Paris Staunen und Verwunderung. * Viel Interesse findet der Plan eines Films über den Louvre. Im ersten Teil soll der Bau gezeigt werden, im zweiten der Reichtum an Kunstschätzen, im dritten die neuen Säle. * Im Empire lief der neue Greta-Garbo-Film„Königin Christine". Romain Rolland heiralet seine Sekretärin Es kommt nicht nur in Filmen vor, Romain Rolland, der große französische Schriftsteller und Urheber des„Jean Christophe", verheiratet sich dieser Tage mit seiner Sekretärin, einer Russin, die den Namen Kandachev führt. Romain Rolland ist 68 Jahre alt. Er bewohnt die Villa„Olga" in Villeneuve am Genfer See. Preiswert zu verkaufen Neue Villa gel. In Stadtdien ca. 20 km von Straßburg, Bahn- u. Straßenbahnverbindung. Herrliche Aussicht auf Vogesen. S Zimmer. Küthe, Radeeimmer. ea 20 Ar Feld und Garten, wovon ca 20 Ar eingezäunt.- Moderne Einrichtung für Hühner und Schweinezucht (mittlerer Betrieb) Schriftliche Angebote unter Nr. 791 an die„Deutsche Freiheit" Saarbrücken Wichtige Dahn in rranzöslsdi-Afriko Aus Fez wird gemeldet, daß M Poncet, der Generalgouverneur von Marokko, das Teilstück von Fez nach Tazza der großen Verbindungsbahn, die Marokko und Algier vereinigt, eingeweiht und befahren hat. Diese Linie ist 120 Kilometer lang. Sie ist der. wichtigste Teil der großen Strecke von Marrakesch im Westen nach Tunis im Osten, die das ganze große afrikanische Reich Frankreichs an der Nordküste durchschneidet. An der Einweihung haben viele Eingeborene teilgenommen. Die Bahn übersteigt beim Ausgang von Fez die Stadt und bietet von der Höhe einen wunderbaren Fernblick. Sie fährt dann durch zwei Tunnels(der erste 1410, der zweite 1360 Meter lang), die ganz in den Ton gegraben sind, und steigt über sieben Viadukte. Die Arbeiten der Bahn sind anderthalb Jahr vor dem gesetzten Ziel fertig geworden und werden als Großtat französischer Ingenieurkunst bezeichnet. Die Hisflngoeff redet Der Cine-Club Lumiere, der wöchentlich während der Saisonmonate im Eremitage-Ursulines-Cinema(Champs- Elysees) tagt, bot in seiner letzten Sitzung eine Sensation: Mi»tinguett präsidierte einer Diskussion Uber„ Film und Music-Hall". Der am Film nicht Interessierte mag über die Leinwandleute lächeln, die ihre Nachmittage in dieser verrückt gewordenen Zeit noch mit ästhetisch-technischen Erörterungen vertreiben können. Der Mann vom Bau wird anders urteilen. Einig waren die Diskutierenden, in deren Meinungskämpfe die allverehrte„Mis—" mehr als einmal recht temperamentvoll eingriff, in der Feststellung, daß Film und Revue— wie Film und Bühne überhaupt— zwei grundverschiedene Kunst- disziplinen mit demgemäß auch grundverschiedenen Gesetzen darstellen. In allen anderen Fragen ließ man mehr seine persönlichen Ansichten und Wünsche spielen. Von der Frage der Farbe, die ein wesenseigener Bestandteil der Bühnen- schau ist. bis zur soziologischen Frage der Eintrittspreise und der damit möglichen Massenwirkung wurde alles behandelt, was Film und Revue verbindet oder trennt: Film in der Reiue zur Darstellung von Märchen- oder Reisetricks, Revue als Bühnenschau, in das Programm des großen Filmtheaters eingebaut, Music-Hall und ihr Milieu als Filmstoff, das Programm der Finanzierung, die Konkurrenz zwischen Kino und Music-Hall, die Möglichkeiten des Darstellers in Revue und Film. Die Veranstaltung war, trotz der Sensation des anwesenden Revuestars, mehr als nur gesellschaftliche Unterhaltung. Und eine der aus dem Publikum geäußerten Meinungen konnte man nach Schluß sofort auf ihre Richtigkeit prüfen: es handelt sich um die nicht ganz neue Erkenntnis, der Unterschied zwischen Film- und Bühnen-Revue bestehe darin, daß rei. rnnue 43-13 M£iro P i q a 11 e Deutsche Poliklinik Paris. 02., Pue de la Rodiefoucaulc *) Allgemeine Konsultationen mit? Spezialisten b) Chirurgie c) Geburtshiltliehe Klinik d) Zahnarztliches Kabinett Innere Medizin, Augen», Ohren», Nasen» and Kehlkopfkranke ZweistöcktgcsJSanatorinmsgeblude. Vierstockige» Gebäude. Zimmer Zahn und Mundchirurgie. Gold» aeiten. Röntgen. Diathermie. Elektrotherapie Spezialbehand» Kleine, mittler* and große Chirur« mit I bis 4 Betten. 3 Aerzte^3Heb» und Porzellankronen.»Brucken, long b« Blut». Harn» o. Geschlechtskrankheiten gje. Die aller modernste Einrichtung ammen and 2 Operationssäle. Kautschuk» Arbeiten Ordination täglich von 9—12 und 2—8; Sonntags und Feiertags von lO—12 und 2—4 Uhr man wohl bei der Revue, nicht aber beim Film die Sterne am Bühnenausgang erwarten könne. Hier waren die meisten durch die Anwesenheit der Mistinguett entschädigt. m. Carpentier im„Toboggan"-Film Und Jack Payne,„der König der Schallplatte" Im R e x• C i n e m a, an den großen Boulevards, tritt in der Bühnenschau jetzt Jack Payne mit seiner Jazzband auf. Viele gehen wohl nur hin, um ihn, den„König von Schallplatte und Radio", wie er sich bescheiden selbst nennt, zu hören. Man hat ja seine Platten im Ohr, die von vor zwei Jahren, die weich und klangvoll waren, und die neuen Aufnahmen, die kraftvoller, aber auch lärmender sind. Und wenn man ihn und seine 21 Boys nun leibhaftig vor sich hat, ist man ein bißchen überrascht über diesen sehr forcierten Blechlärm in den meisten Nummern, der einem sehr schnell auf die Nerven geht. Wahrscheinlich ist das auch im Jazz die neue muskulöse Linie, die dann ergänzt werden muß durch einige„sweet songs" mit Mikrofonsänger und Scheinwerfereffekt, die nicht nur süß, sondern meist auch gleich„süßlich" sind. Aber vielleicht will dieser sympathische„Jazzkönig" (der wievielte in zehn Jahren?) dem Pariser Filmpublikum nur eine Sorte aus seiner Kollektion vorführen. Die Herren wissen äugen- und ohrenscheinlich, wie teuer Ruhm erworben, wie leicht verloren ist.„Kaufen Sie die neuen Platten, zu haben im Foyer!"— Nun ja, und im Kino sozusagen als Vorprogramm, sind schließlich auch diese paar technisch meisterhaft hingelegten Nummern eine Sensation. Die zweite Sensation gibt es dann nicht auf dem Ring, sondern auf der Leinwand: Georges Carpentier, Frankreichs berühmter Boxer, als Film-Protagonist.„T obog- g a n" nennt sich dieser Film, der eine Menge interessanter dokumentarischer Sportaufnahmen(z. T. aus Carpentiers Box-Jahren) enthält, und der doch wieder, trotz aller löblichen Ansätze, infolge eines unmöglichen Buchs bekannt ist. Dieser alte Champion, der sich noch einmal in großer Form managen läßt, den„Dreh" aber nicht mitmachen will, und also selbstverständlich in aller Form k. o. geschlagen wird, der von dem Millionenverdienst so gut wie nichts abbekommt, bald wieder Zeitungen verkaufen muß,— eine unwahrscheinliche Figur auch ohne die unvermeidlich unglückliche Liebesgeschichte. Erfreulich Carpentier selbst, der den alten Boxer spielt, ruhig, echt, ohne Lieber- treibungen.,, m. Die Mär von der Königin von Saba Die„condition humaine" von Andre M a 1 r a u x mit dem Goncogrt-Preis gekrönt, ist ein guter China-Roman, aber in die Ueberfliegung der Stadt der Königin von Saba durch den Dichter hatten wir gleich Zweifel gesetzt. Jetzt erhält der „Temps", wohl die zuverlässigste französische Zeitung, folgenden Brief von M J. Beneyton: „Die aus Djibouti kommende Nachricht scheint volle Irrtümer über die Identität der gesichteten Ruinenstadt zu stecken. Die Stätte von M a r e b, dem alten Mariaba, Hauptstadt des Königreichs Saba, ist in unzweideutiger Weise bekannt. Mareb liegt auf einer Höhe von etwa 2000 Meter und ist in der Luftlinie etwa 400 Kilometer östlich vom Roten Meer entfernt. Mit tausend Gefahren bezahlte es der Gelehrte Halevy um 1870, daß er die Stadt besuchen konnte. Sofern die von M. Malraux überflogenen Ruinen sich unter dem Sande von Tehama ausdehnen, an der Küste, so handelt es sich sicher nicht um das antike Saba. Auch sind es nicht die Ruinen von„Tamna", die ich im Jahre 1911 entdeckt habe und über die ich der Geografiscben Gesellschaft von Frankreich berichtete. Diese wurden von Henri Cordier, Mitglied des Instituts, dem historischen und naturwissenschaftlichen Studienausschuß im Unterrichts- und Kunstministerium übermittelt(1916). Irgendein Gebäude oberhalb des Bodens bemerkte ich damals nicht. Ich bin so oft in den Jahren 1900 bis 1913 durch das Tehama des Temen geritten, daß es mir zweifelhaft scheint, ob die gesichteten Ruinen einer antiken Stadt zugehören. Vielleicht handelt es sich eher um die Ruinen von M o k a, einer im 18. Jahrhundert blühenden Stadt, die, nachdem die Häuser kaum hundert Jahre standen, verlassen wurde, weil der Hafen vor etwa fünfzig Jahren versandete." Soweit die Zuschrift. Uns scheinen hier auch eher Moka- Träume als Saba-Erlebnisse obzuwalten. BBIEFKftSIEH .Gelehrter", Csforb. Dank für Ihren»rief. Sir freuen uns, Safe Sie bort eine Möglichkeil zur Arbeit gefunden haben, die Sie be- friedigt. Sie stellen freilich eine Frage an uns, die wir nicht ohne weiteres beantworten können. Sie schreiben:„Wäre es Ihnen nicht einmal möglich, diejenigen arischen und nichtmar^istischen Hoch- ichullehrer auf einer besonderen Ehrentafel der aufrechten Gesin- nung namhaft zu machen, die aus eigenem und freiem Entschluß aus ihre Professur verzichteten, um sich nicht der braunen Diktatur ihrer Kultusministerien unterwerfen zu miiisen? Ich habe die beut- scheu Zeitungen aufmerksam gelesen, doch niemals wurde ein solcher Fall namhaft gemacht Aber vielleicht ist mir etwas entgangen und Sie wiyen mehr." Sir müssen Ihnen nicht ohne Beschämung gestehen, daß wir solche deutschen Hochschullehrer nicht kennen. Senn wir heute lesen, wie„einmütig" sich die deutschen Professoren zu Hitler bekennen, so werden Sie unseren Pessimismus begreisen. Aber vielleicht gibt es einige aufrechte Männer unter den deutschen Hochschullehrern. Vielleicht führt diese Notiz dazu, datz wir aus ein- geweihten Leserkreisen etwas darüber erfahren. Bevey. Sir haben uns gefreut, nach längerer Zeit wieder von Ihnen zu hören. Dank für Zeitung und Bericht. Sie schreiben uns Über die Fafchiftenoersammlung in Besen:„Die Faschisten hatten nicht viel Erfolg. Ein großer Teil der Besucher im vollen Saale amüsierte sich königlich, als die Herren Redner durch den Saal gingen und den Arm zum Gruh erhoben. Sir dürfen hoffen, dast sich diese Menschenkategorie in unserer Gegend nicht breit macht." Auf den Fall Pfitzner werden wir in nächster Zeit zurückkommen. Auf- richtige Grütze. Münchener in der Fremde. Sie schicken uns Bilder auS den „Münchener Neuesten Nachrichten" von den geplanten Monumental- kauten der NSDAP, am Königsplatz. Selche Fronten, welche Ar- laden, welche Pracht! Alles hat Hitler höchst persönlich mit feinem kürzlich verstorbenen architektonischen Freund und Berater Pro- fcjfor Trost selber geplant und durchgearbeitet! Der verhinderte und gescheiterte Baumeister— endlich hat er im Rausche des Ehrgeizes fein Ziel erreicht, und nun baut er drauf los, wie weiland Ludwig von Bayern, besten Prunkschlösser fein Boll teuer bezahlen mutzte. Man lese, wie die„Münchener Neueste Nachrichten" diese Riesen- bauten, die Millionen kosten, begründen:„Die Bauten sind mit ihrem unvergleichlichen, in sich ruhenden Zusammenhang aller Teile ein Symbol des durch unerhörte Kraftentfaltung aus dem ChaoS zum Kosmos geläuterten Volkes" Und das alles in München! Und für München, wie es der„Führer" will. Kosmisch schäumt da« Bier in allen Matzkrügen deS Münchener Hofbränhauses. St. Dye(Loire). Der Zeitungsausschnitt ist zwar Monate alt, aber fein Inhalt ist interessant geblieben. Sir drucken ihn noch ab. Hilde G. Ihre Mitteilung, datz in Mannheim von 2000 jetzt aus der Schule entlassenen Mädchen nur ISO in der Volkswirtschaft untergebracht werden können, deckt sich mit ähnlich ungünstigen Angaben, die aus allen Gebieten des Reichs vorliegen. Die NS.» Frauenschasten umgeben diesen entsetzlichen Zustand mit öligen Phrasen Über die Haushaltsführung. Man stelle sich vor, waS diese Mädchen zuhaute lernen können, wenn die Mutter vielleicht schon seit Jahren den Haushalt mit dem Elendseinkomme» eines Er- werbSlosen„führen" mutz. Ruth 3., Donos. Unter anderem schreiben Sie unS:„In der Soche vom 9. bis 15. April sollen in Deutschland die Jugendlichen aller Berufe zu einem Berufswettkampf antreten. Dabei wird aber ausdrücklich erklärt, datz es selbstverständlich fei, datz nur arische Jugendliche als Teilnehmer zugelayen werden."— Sabr- fcheinlich fetzt das„dritte Reich" voraus, datz die fungen Juden auch ohne Berufsioettkampf das Rennen machen werden. Dr. iug. H. B-, Warschau. In der„Deutschen Bergwerks-Zeitnng" hat Ihnen ein Aufsatz von Dr. K. Freydank mitzfallen. Ter Mann klagt:„Sarum gebrauchen wir eigentlich nicht heule wieder das gute kerndeutsche Wort„Arsch", das noch zu Luthers Zeiten all- gemein üblich war und vor wenigen Jahrzehnten sogar in den amtlichen Bekleidungsoorschristen gedruckt wurde?"— Sir sind nicht Ihrer Meinung. Im Gegenteil: gerade in Verbindung mit dem von Herrn Freydank so geschätzten Sort lassen sich die plastischen und treffsicheren Charakteristiken geben, die so vielen Deutschen de? „dritten Reichs" zukommen. Erziehen wollen Sie da? Geben Sie eS auf. Der Berliner sagt:„Jejen Haufen Mist kann man nich an- stinken". Früher Nürnberg. Es war uns entgangen, datz die„Fränkische Tageszeitung" sich verdächtig aufregt über„Greuelpropaganda", die seit dem Reichsparteitag in Nürnberg getrieben wird. Nun sieht sich auch das„Evangelische Kirchenblatt" genötigt, Gerüchte zu demen- tieren, die im Zusammenhang mit den diesjährigen Konfirmandin- neu und ihren Beziehungen zu Teilnehmern am Reichsparteitag hartnäckig in Nürnberg kursieren. Die hehren Ideale der Hegehöse scheinen da wohl etwas zu früh geübt worden zu sein. Für den Gefamtfnbal» verantwortlich: Johann P i tz in Dud- weller: für Inserate: Ctto Kuhn in Saarbrücken Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH. Saarbrücken 8. Schützenstratze 5.— Schließfach 776 Saarbrücken. Kinos Actualites L'auto.(31, Bd des Italiens)„L'Heure joyeuse de Mickey Mause". Ein Sportfilm. Aktualitäten. Agriculteurs(8. rue d'Athene). L'Homme invisible(C. Rails, G. Stuart. W. Harrigan).(Tägl. 15 und 21; Sbds„ Sonnt., Ftgs. 14.30, 17. 21). Apollo(rue de Clichy). Prolongue; Toujours dans mon Coeur. Originalfassung.(Tägl. 14—2). Bonaparte(Place St-Sulpice). L'Homme invisible.(Tägl. 15 und 21. Sbds., Sonnt., Ftgs. 14.30, 17, 21). Champs-Elysees(118, av. des Champs-Elysees). La Croisiere jaune.(Tägl. ununterbrochen von 14.30 bis 19; Sbds. und Sonnt, von 13.45 bis 20.15). Cine-Opera(32. av. de I'Opera). L'Homme invisible(C. Rails, G. Stuart. W Harrigan).(Tägl. ununterbrochen von 14 bis 20: abends 21). Colisee(38. av. des Champs-Elysees). Le Club des casse-cou, Originalfassung mit französischen Untertiteln.(Tägl. ununterbrochen von 14.30 bis 19.30; Abendvorst. 21). Elysee-Gaumont(79. des Champs-Elysees). Design for Living (Fred March, Miriam Hapkins, Gary Coopert). Tägl von 14.30—20 und um 21). Ermitage Cltch Vrsulines(72, av. des Champs-Elysees). Vol de Nuit(Tägl von 15—21. Sbd. u. Sonnt 14 30. 17. 21) Mndeleine(14. rue de la Madeleine). Esquimaux(ein Film von Van Dvke). amerik Originalfassung, franx. Untertitel. (Tageskino von 14 Uhr ab). Mesange(3, rue d'Arras). Apres nous le deluge.(Tägl- 14.30 u. 20.45, So. u. Feiert, ab 13.30 Perm.). Miracles(100, rue Reaumur). Au bout du monde.(Tägl. 16 u. 21; Sbds., Sonn- u. Feiert. 14, 16.30, 21). Pantheon-Cinema(13, rue Victor-Cousin). Sehnsucht„202" mit Magda Schneider. Raspail 216. A man's Castle.(Tägl. 14.30. 16 30. 20.30, 22.30). Studio Caumartin(25. rue Caumartin). Lady for a day(ame- \a 5"«'"»>lassuug mit franz. Untertiteln).(Tägl- 14.30, 19, 21.15; Sonn- u. Feiert. 14.20. 20.15). ll'iJO^löls'u^) aCe St" Augustin)- Fille du Sud"( Tä*!- Studio Gilbert(115, rue de Vaugirard). Madame Butterfly! Mon Chapeau.(Tägl. Perm, ab 13.30. Abendvorst. 20 30). U ti'°. e fl,^^ 4, rue Troyon). Svmphonie inaehevee Leise flehen meine Lieder). Deutsche Originalfassung. (Tagl. von 14.30 bis 19; 21 Uhr). Studie 28 I(10, rue Tboloze) La Soupe au canard(Duck soup) Originalfassung mit franz. Untertiteln.(Tägl. von 16—21; Stgs. ununterbrochen von 15 19). Studio Pornasse(11 rue Jules-Chaplain). Thomas Garner. Studto Vnwersel(31, av. de l'Opera). Une soiree etrange- (Tagl. von 14—20; Abendvorst. 21) UrsuUnes(10. rue Ursulines). La r„e nom. mit Gabriel RHAkTX t°T n rmyi Von WiI,on bi» Roosevelt(ein Ruckblick auf die Geschichte Amerikas).(Tägl. 15, 21; Sbds. u. Sonnt 14.30, 17) s Washington-Palace(14, rue Magell.n) Collige humour