Linzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 87— 2. Jahrgang[Saarbrücken, Sonntag Montag, 15.'16. April 1934| Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt Will cKUCec macsdueceu? Seite 3 £iepmcuin: JsttecHatioHcde JUaAleme. du deutschen imiqcanten Seite 7 tnqlischu tBcief. Seite 1 Du Jäqu hintec den Protestanten Seite 2 Qöftftels gegen die Btsdiöfe Antwort und Kampfansage Ter Reichspropagandamtnister sprach am späten Freitag- abend im Rundfunk. Seine Stimme, etwas ölig und weich wit leichtem rheinischem Einklang, hatte zunächst die Aus- Nabe, den«ieg in der Arbeitsschlacht pränumerando zu ver- unden. Aber wie er es diesmal tat, war nicht uninteressant, t-r lobte die Arbeiter, die trotz niedriger Löhne opferbereit seien.- er tadelte jene Kreise der Wirtschaft,„die da glauben, oie von der Regierung durchgeführte Beruhigung des Pro- ouktionslebens finde ihren zweckmäßigsten Ausdruck in einer durch nichts gerechtfertigten Lohnherabsetzung, ergänzt durch eine noch weniger gerechtfertigte Preis- und Divi- oendenerhöhung". Göbbels Stimme schraubte sich zum Grollton empor. Er ubersah freilich, daß diese„Kreise" dieselben Leute sind, die der„Führer" selber zu Führern der Wirtschaft ernannt hat>. Das alles aber ist nur das Präludium. Denn nachher fuhr Göbbels fort: Die nationalsozialistische Bewegung leitet den Staat nach großen weltanschaulichen Grundsähen und läßt sich i» der Durchführung ihrer aus weite Sicht gesehenen Prinzipien durch nichts und niemanden beirren. Es gibt im Laude nnr wenige und kleine Konventikel, die das bis heute noch nicht eingesehen haben. Wenn beispielsweise Zeitungen, die vor der nationalsozialistischen Revolution nichts oder nur wenig zur Beseitigung des volkszerspaltenden Klassenkampfes getan oder geschrieben haben, heute meinen, sie könnten die Volksgemeinschaft durch Wiederbelebung konfessioneller Gegensähe stören, so beweisen sie damit nur, daß sie des Geistes der nenen Zeit keinen Hauch ver- spürt haben, unterschätzen aber andererseits offenbar die Entschlossenheit, mit der wir gewillt sind, solche srevlerischen Rersuche zurückzuschlagen. Es gibt in Deutsch- land weder eine Arbeiter- noch etne Bürger-, weder eine protestantische noch eine katholische, sondern nur noch eine deutsche Presse. Die Konfessionen in ihrer Betätiguugssreiheit zu beschützen, ist Sache der Regierung. Sie wird diesen Schutz wahrscheinlich wirksamer ausüben als Zeitungen und Parteien. Ihre Hintermänner haben auch am allerwenigsten ein Recht dazu, der Regierung und dem Rationalsozialismus, die allein die Kirche» vor dem Ansturm des Bolschewismus gerettet Habens!! deshalb Reuheidentum vorzuwerfen, weil sie auf dem Gebiet des Politischen die alleinige Totalität für sich beau- spruchen, ansonsten aber jeden nach seiner Facon selig werden lassen. Jedenfalls stehen wir auf der Wacht. Wir werden es nicht dulden, daß das Werk unseres Glaubens irgendwo auch nur den geringsten Schaden erleidet. Unser Langmut ist nicht Schwäche. Die sieghaste Kraft des Rattonalsoztalismns geht über ein paar Dutzend S t ä u k c r zur Tagesordnung über." Der Herr Propagandaminister hat also den deutschen Rundfunk zu einem heftigen Angriff gegen den deutschen Katholizismus und seine Autort- raten benützt. Tie von ihm erwähnten„Hintermänner" sind die deutschen Bischöse. und deren„Hintermann" ist wiederum der Papst. Denn in allen Hirtenbriefen und Oster- botschaften dieses Jahres haben die Spitzen der kirchlichen Hierarchie zum Kampf gegen das nationalsozialistische„Neu- Heidentum" ausgerufen. Göbbels, einstmals Katholik, der sein Studium dem Wohl- wollen katholischer Priester verdankt, steht„auf der W a ch t" g e g e n S t ä n k e r". Er, der astrale Vertreter deS dritten Reichs", besitzt die Legitimität dazu, weil er sich Zeit seines Lebens einer edlen Sprache und einer von Demagogie freien Kampsesweise befleißigt hat. Seine Gattin Magda hat ihm, wie das amtliche deutsche Nachrichtenbüro der Welt offenbart, einen Tag später mit einem Mädchen beschenkt. Bielleicht hindert ihn die junge Vaterfreudc, in den nächsten Wochen gegen die Stänker und Glaubensgenossen auf die Barrikaden zu steigen. Verdaten! Oie Unterdrückung der katholischen Jugend Nunmehr hat der Regierungspräsident in Osnabrück eine Verordnung erlassen, durch die er innerhalb seines Regierungsbezirkes den Angehörigen der k o n f e s s i o- nellen Jugendverbände bis auf weiteres jedes ge- schlössen? Auftreten in der Oeffentlichkeit, das öffentliche Tragen von Bundestrachten oder-abzeichen und Kleidungs- stücken das Mitführen ober Zeigen von Wimpeln oder Fahnen und den öffentlichen Vertrieb oder den ösfent- lichen Verkauf von Presseerzeugnissen untersagt. Außer- dem hat er innerhalb der konfessionellen Jugenbverbände jede sportliche oder volkssportliche Betätigung verboten. Uniform verbot für die jüdischen Jugend verbände Der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände teilt folgendes mit: 1. Auf Wunsch der Reichsjugendführung weisen wir noch- mals nachdrücklichst darauf hin, daß das Tragen von Uni- formen oder unisormähnlichen Bekleidungsstücken für alle jüdischen Jugendbünde verboten ist. Auch das Tragen von Koppeln jeder Art ist untersagt. 2. Auslands- und Grenz- londssahrten bedürfen der Genehmigung durch die Reichs- jugendführung. 11 Du bist schuld! H Hitler»Deutschland macht Frankreich für seinen Rüstungsetat verantwortlich Auf die englische Demarche wegen der Höhe des deutschen Wehretats wird jetzt die in London eingetroffene deutsche Antwortnote bekannt. Lapidarisch wirb erklärt, daß die Er- höhung der Etatzisfer absolut einwandfrei sei. Zunächst habe man im Rahmen des Etats schon Borbereitungen treffen müssen, weil nach Abschluß einer Abrüstungskonoen- tion für Deutschland eine neue Situation in der Wehrfrage eintrete! Im übrigen sei in erster Linie die französische Forderung aus Umbau des stehende» Heeres Ursache sür die Erhöhung der Reichswehrausgaben verantwortlich. Wenn die deutsche Armee eine kurzfristige Dienstzeit erhalten solle, dann erfordere das erhebliche Mehraufwendungen. Die Mehrkosten für die Reichsmarine hielten sich durchaus im Rahmen des Zulässigen, da die deutschen Schiffe durchweg überaltert seien und eine umfassende Erneuerung Platz greifen müsse. Was das Budget des Reichsministeriums für Luftfahrt betreffe, so begründet die deutsche Note die Steigerung der Ausgaben in erster Linie mit dem Ausbau der zivilen Luftfahrt(!) und dem SchutzbebürfniS gegen Flieger- angriffe. Uns scheint, daß eine derartige Antwort nur gegenüber einem Partner möglich ist, von dem man weiß, daß man ihm alles bieten kann. Diese Note ist von geradezu zynischer Dreistigkeit und man darf gespannt sein, ob England daraus wieder nur mit Jovialität reagieren wird. Hinter den Kulissen der Bölkerbundsszenerie bewegen sich in diesen Tagen alle Verhandlungen um die A n e r k e n- nung Rußlands durch eine Reihe von Staaten und den darauffolgenden Eintritt der Sowjet-Union in den Völker- bund. Besprechungen, die zwischen den Führern der Kleinen Entente stattgefunden haben, beseitigten die letzten Hinder- nisse einer Anerkennung der Russen durch die Kleine Entente. Belgien und Dänemark sind ebenfalls so weit, sich einer An- erkennung anzuschließen und lediglich die Schwei, bereitet noch Schwierigkeiten. Es ist damit zu rechnen, daß aus alle Fälle im Laufe der Herbsttagung die Aufnahme Rußlands in den Völkerbund vollzogen wird. Man rechnet damit, daß bis zu diesem Termin auch die Schweiz ihr ablehnendes Verhalten revidiert hat. Sowjet- Rußland hatte ursprünglich zur Bedingung gemacht, zunächst von allen Ländern anerkannt worden zu sein, ehe es den formellen Beitritt zum Völkerbund vollzieht, jedoch scheint heute in Moskau Neigung dafür zu bestehen, auch dann den Eintritt vorzunehmen, wenn dieser oder jener Außenseiter- staat noch keine formelle Anerkennung Rußlands vornehmen will. Die Vorgänge in Genf beweisen erneut die außer- ordentliche Rührigkeit der S o w j et- D i v lo» matie und stellen selbst in der gegenwärtigen Form bracht- licht Erfolge für die Sowjet-Union dar. Gestern und heute Zeitungsnotiz des amtlichen Deutschen Nachrichtenbüros für die Presse: ,,Gestern gelang es einer SA.-Str-.fe, einen eklatanten Fall verbotenen Uniformtragens zu ermitteln. Zwei Angehörige des Nationalsozialistischen Frontkämpferbundes hatten die Kühnheit, in den Straßen unserer Stadt die alte Stahlhelmuniform spazieren zu führen. Die beiden Leute konnten nur durch sofortige Zuführung zur nächsten Polizeiwache durch die SA. vor der berechtigten Empörung des Volkes geschürt werden. Ein strenges Urteil des Sonder- gerichtes ist ihnen sicher." Dies ist. wir gestehen es gerne, eine erfundene Notiz, eine von schmußiger Emigrantenfantasie ausgebrütete Greuelmeldung. Man stelle sich vor: in einer Stadt sollen zwanzigjährige SA.-Knaben das Recht haben, ergraute Kriegsteilnehmer in Feldgrau zu verhaften! Nur wer den vaterländischen Ehrbegriffen völlig entfremdet ist, wird so etwas für glaubhaft halten. Aber in diesem„dritten Reich" geht es merkwürdig zu. Man kann tolldreiste Geschichten erfinden, und zum Schlüsse werden sie wahr. Denn was ist dem Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, angetan worden? Man hat ihn nicht nur aufgelöst; ihn nicht nur zwangsweise in einen Nationalsozialistischen deutschen Frontkämpferbund umgewandelt. Ein offiziellen Osaf-Befehl liegt vor:„mit sofortiger Wirkung" kann jede SA.- oder SS.-Streife jedes Mitglied des neuen NSDF. in der alten Stahlhelmuniform wegen verbotenen Uniformtragens auf der Straße festnehmen und auf die nächste Polizeiwache bringen. Das ist nun das Ende nach solchem Glänze. Im Stahlhelm besaß die deutsche Gamaschenknopf-Symbolik, repräsentiert von Offizieren der Reserve, etwas zu kurz gekommenen Feldwebelleutnants und vielem treuen Fußvolk, ihren Haltepunkt in den Tagen der knochenweichen Weimarer Republik. Hier standen sie wieder in Reih und Glied und dennoch im geziemenden Abstände der Rangordnungen, die das gleich- macherische Zivilleben eingeebnet hatte. Hier lohte das zornige Blinkfeuer der ihrer alten Karriereprivilegien Beraubten empor. Da schlugen die Hacken zusammen vor Prinzen und Generälen, schon vor der Stammlischfahne gab es die Illusion der Offiziersmesse. Die Bäuche waren dicker geworden, aber die Trübheit des bürgerlichen Alltags versank eine Weile in der Erinnerung an Grabentrommelfeuer und Kameradschaft, wenn es auch oft nur die Erinnerung der Etappe war. Das waren die ersten Regimenter gegen die deutsche Demokratie. Ihr Chef, Herr Seldte aus Magdeburg, heute unterworfener Arbeitsminister des„Führers, ihr zweiter Oberst Düsterberg, einst ein mächtiger Schimpfbold, heute ein Emeritierter des Aufbruchs der Nation. Es hatte sich herausgestellt, daß diese stahlharte Lanze von einer Generation von Rabbinern geschmiedet worden war, und sie brach gewaltsam, als sie sich der Seldteschen Kapitulation zu widerseßen wagte. Nun gibt es keinen Stahlhelm mehr. Die früheren Stahlhelmer dürfen nur noch eine offene feldgraue Bluse, braunes Hemd und grünen Binder tragen. Titel, Rangstufen, Führer, grade sind abgeschafft. Keine Schulterriemen, keine Waffe. Dies alles haben SA. und SS. Man ist nicht viel mehr als ein Kriegerverein mit zünf tierischer Regimentstradition und dem Regenschirm in der nervigen Faust, wenn sie nicht in der Tasche geballt ist. Ja, das ist nun das Ende. Es ließe sich viel dazu sagen, über Sinn und Geschichte des Ablaufs der Militarisierung einer Nation, über die Machtkämpfe der feudalen und der plebejischen Prätorianer auf dem Rücken einer Republik. Die Tatsachen sprechen. Der Ehrenvorsißende des einstigen Stahlhelms, der Herr Reichspräsident von Hindenburg, sieht zu, wie seine Standarte auf dem von der braunen Totalgewalt erstürmten Schüßengraben auf Halbmast geht. Hunderttausend waren es 1930 in Koblenz. Hundertfünfzigtausend 1931 in Breslau. Feldgraue Meere auf Exer- zierpläßen! Und 1932, unvergeßbar, die Harzburger Front. Hakenkreuz am Stahlhelm, schwarzweißrotes Band, aber damals hat Hitler siegestrunken seine feldgrauen Kameraden nicht gegrüßt. Sie durften noch einmal im Januar 1933 mitjubeln. Heute hat der Soldat des künftigen Weltkrieges die Vollmacht, den des vergangenen auf der Straße zu verhaften. Argus. Schwerindustrie und Leu DNB. Düsseldorf, 18. April. Staatsrat Dr. L e y weilte am Freitag in Düsseldorf, wo er in der Tonhalle an die Unter- nehmer des Wirtschaftsbezirks Westfalen einen Appell rich- tete. Namens der Unternehmerschaft des Bezirks begrüßte Direktor Poensgen den Führer der DAF. und erklärte die Bereitwilligkeit der Wirtschaftsführer zur Mitarbeit. Dann sprach Gauleiter Florian, der erklärte, der Sinn der Tagung bestehe darin, die Befriedung auf fcm Wirte jchastsgebiet herbeizuführen. Loringhoven Der reaktionäre Nachfolger Schückings Berlin, 13. April. Die deutsche Negierung hat den Pro- fcssor der Rechte an der Universität Breslau, Staatsrat Dr. Freiherr von Frcytagh-Loringhoven, an Stelle des Pro- sessors Dr. Tchiicking, der wegen seiner antifaschistischen Ge- sinnung abberufen morden war, zum Mitglied des Ständigen Schiedshofes im Haag ernannt. Die Ernennung zum Mitglied des Ständigen Schiedshofes, der nicht mit dem nach dem Kriege auf Grund der Völker- bundssatzung eingesetzten Ständigen Internationalen Ge- richtshof im Haag zu verwechseln ist, ist gemäß dem ersten Haagcr Abkommen zur friedlichen Erledigung internatio- naler Streitfälle von 1907 erfolgt. vas Geständnis Das Bombenattentat von Berlin DNB. Berlin, 13. April. Ter Polizeipräsident in Berlin gibt bekannt: Der Maler Erwin Schulze, der sich unter dem dringenden Verdacht, den Handgranatcnanschlag Unter den Linden am 21. März 1931 ausgeführt zu haben, seit dem 1. 4. 1934 in Hast befindet, hat die Tat eingestanden. Das Geständnis be- slätigt die in den Berliner Morgenblättcrn vom 12. April bekanntgegebene Veröffentlichung, daß die Handgranate aus dem Dachgeschoß des Hauses Unter den Linden 75—76 geworfen worden ist. Nähere Einzelheiten können im Jnter- esse der weiteren Untersuchung noch nicht bekanntgegeben werden. Es fällt auf, mit welch außerordentlicher Zurück- h a l t u n g der amtliche Nachrichtendienst diese Meldung ver- breitet. Tie steht in krassem Gegensatz zu den sensationellen Esfckten, mit denen das Attentat umgeben wurde: auch im Widerspruch zu der hohen Belohnung von 30 000 Mark, die für die Entdeckung der Täter ausgesetzt wurde. Das alles macht stutzig. Wer weiß, wie nach heutigen neuen Polizeimethoden in zahlreichen Fällen„Geständnisse" herbeigeführt wurden, der behält sein Mißtrauen. Von keiner hitleramtlicheu Seite ist übrigens den Meldungen, daß die Handgranate dem höchst mißliebigen Berliner Gruppen- sührer Ernst gegolten habe, widersprochen worden. Jeder- mann wird also die„näheren Einzelheiten" mit Spannung erwarten. ver Jäger hinter den Protestanten Der nationalsozialistische Kommissar soll In der Klrdie Ordnung sdiaffen... In Lebensgefahr! Der frühere kommunistische Reichstagsabgeordnete Dr. Neubauer iJnpreß.j„Manchester Guardian" erfährt, daß der frühere kommunistische Abgeordnete Dr. Theodor Neubauer, der im Reichstagsbrandprozeß als Entlastungszeuge für Torgler austrat, neuerdings ins Konzentrationslager Papenburg überführt worden ist. Neubauer leidet an einer Herz- und Lungenafsektion. Die Moor- und Sumpfgegend um Papen- bürg ist außerordentlich gesundheitsschädigend, die Getan» genen werden mit der Gewinnung von Tors, mit Trocken- legung des Tumpsgekändeö beschäftigt und stehen bei ihren Arbeiten bis an die Knöchel in Wasser Man fürchtet, schreibt das englische Blatt, daß Neubauer die Behandlung, der er gegenwärtig ausgesetzt ist. nicht überlebt, wenn er nicht un° vcrzüglich befreit wird." Zuchthaus für 55 Leute Blutmethoden wurden untereinander angewandt dnb. Dortmund, 13. April. DaS Schwurgericht verurteilte den 26jährigen Metzger Fritz Hunscheid und den 25 Jahre alten Schweizer Jnberwtsch aus Dortmund-Marten wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu je 12 Jahren Zuchthaus und 10 Iahren Ehrverlust. Die Angeklagten, die der SA. angehörten, hatten im Februar 1933 mit dem Bergmann Beter ohne jede Ursache einen Sireit vom Zaune gebrochen und ihn so schwer miß- handelt, daß er nach 15 Stunden seinen Verletzungen erlag. In der Verhandlung bekannte sich Hunscheid offen als schuldig, während Inderwisch versuchte, von der Tat abzu- rücken. Der Staatsanwalt hob hervor, daß politische Motive dem Verbechen nicht zugrunde gelegen hätten. * Entgegen diesem Bericht des gleichgeschalteten Nachrichten- büros stellen wir fest, baß eS sich nicht um einen zufälligen Streit handelt, sondern um die Austragung interner Diffe- renzen, bei der die verurteilten SA.-?eute nichts anderes taten, als die Totschlagsmethoden, die bei ihnen gegenüber politischen Gegnern üblich sind, auf einen Angehörigen der eigenen Reihen anzu.oenden. »Itters Harrlhatnr Unsere gestrige Meldung, daß der in das Geistliche Ministerium der„Reichskirche" neu berufene Ministerial- direktor Dr. Jäger als strammer Nationalsozialist den Auftrag hat, das Reinigungswerk endlich zu vollenden, wird schnell bestätigt. Heute liegt bereits eine entsprechende„Botschaft" vor. die von ReichSbischof Müller und Dr. Jäger gemeinschaftlich unterzeichnet ist. Es heißt darin: „Mit dem nationalsozialistischen Aufbruch im deutschen Volke, das zu den Urquellen seines Lebens zurückgefunden hat, ist auch die evangelische Kirche in Bewegung geraten. Tie das deutsche Volk bewegenden Fragen sind als Forderung in die Kirche gedrungen Im Zuge der Entwicklung entstand in der evangelischen Kirche harter Streit Neben dem Kamps um geist- liche Dinge brach bei der äußeren Umformung der Kirche ein Kamp? um äußere Ordnung, um Disziplin und Füh- rung aus. Unglücklicherweise wurden diese verschiedenen Auseinandersetzungen vielfach miteinander verquickt. Der Streit um geistliche Dinge wurde auch mit kirchenpolitischen Machtmitteln und der Kampf um die äußere Ordnung mit geistigen Argumenten ausgefochten. Geistliches Ringen folgt eigenem innerem Gesetz. Mit äußeren Mitteln soll und kann nichts entschieden werden. Aber eine feste äußere Ordnung hilft, daß um unseren Glauben wirklich nur geistlich gerungen wirb. Darum ist es notwendig, unter Vermeidung von Glaubensstreitigkeiten zunächst die äußere Ordnung der deutschen evangelischen Kirche zu festigen und auszubauen. Vor Inangriffnahme dieser Ausgabe hat der Reichs- bischof unter Zustimmung des Geistlichen Ministeriums den Min.-Direktor und Leiter der evangelischen Angelegen- Helten im preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung Jäger unter seinem Verbleiben in dieser staatlichen Dienststelle als rechtskundiges Mitglied in das Geistliche Ministerium berufen. Es wird die verantwortliche Ausgabe de? rechtskundigen Mitgliedes im Geistlichen Ministerium sein, in Fort- führung des Versassungswerkes des Jahres 1933 die organisatorischen Fragen der Kirche der Lösung zuzu- führen. Das Ziel dieser Arbeit ist eS. unter voller W a h- rung des Bekenntnis st andes und des Glaubensgutes unserer Kirche, wie es in den einzelnen Gauen Ausprägung gefunden hat. unter Berück- sichtiguna auch des geschichtlich gewordenen Eigenlebens die angebahnte rechtliche Einheit in der Deutschen Evange- tischen Kirche zu vollenden." Das klingt nahezu versöhnlich. Amtlich wird dazu gesagt, daß der Inhalt dieser Botschaft geeignet sei,„den Weg zum Frieden in der evangelischen Kirche zu weisen. In Wahrheit ist das Gegenteil der Fall. An der Spitze der Bot- schaft steh» das Bekenntnis zun,„national- sozio l i st ischen Aufbruch der Nation". Die Kirche soll also nicht nur den Staat, sondern auch die welt» anschaulichen Grundsätze des Nationalsozialismus, da? Bekenntnis zur Gewalt, zur Rassentheorie, zur Rechtlosigkeit zu den ihrigen machen. Darum geht der religiöse Streit im Innern der Kirche. Die von Jäger durchzuführende äußere Ordnung hat den Zweck, die Unterwerfung im Zeichen des Hakenkreuzes mit allen Konsequenzen für den Glauben zu organisieren. Das ist die entscheidende Kampfansage an die Opposition. Wäre es ander», so müßten die zu vielen hundert Fällen erfolgten Maßreglungen von Geistlichen sofort zurückgenommen werden. Aber Dr. Jäger denkt nicht daran. Der große Feldzug gegen die evangelische Freiheit wird jetzt erst richtig beginnen. krelherr von Pechmonn „Ich kann in dieser Kirche nicht länger bleiben" Am Ostermontag richtete, so berichtet die„Frankfurter Zeitung", Dr. Wilhelm Freiherr von Pech- mann, der Direktor der Bayrischen Handelsbank und von 1924 bis 1930 Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages, ein Schreiben an den Reichsbischos, in dem er ihm seinen Austritt aus der Evangelischen Kirche mit- teilte. Der Brief, der im„Protestantischen Kirchenblatt" veröffentlicht wird, warnt:„Wenn Sie alles zunichte machen wollen, was wir in unserem vierhundertjährigen Kirchen- wesen an Einigkeit haben und haben können, dann machen Sie das Experiment der E i n h e i t s k i r ch e; je mehr „Einheit" desto weniger Einigkeit, wahre, lebendige, dauer- haste Einigkeit." Herr von Pechmann kommt im weiteren auf den von ihm schon im Juni letzten Jahres gegebenen Rat zurück,„so hoffnungslos der Rat damals war und heute erst rech: ist", auf dem eingeschlagenen Weg halt zu machen. Der Schluß des Briefes lautet: „Nun habe ich zwar, Tie wissen es ja, seit April v. I. oft und oft protestiert: gegen die Vergewaltigung der Kirche, gegen ihren Mangel an Widerstandskraft, auchgegenihr Schweigen zu viel Unrecht und zu all dem Jammer un» Herzleid, das man, aus einem Extrem ins andere fallend, in ung«zählte „ntchtarische" Herzen und Häuser, ch r i st liche und jüdische, getragen hat. Aber ich habe bisher nur in Wort und Schrift protestiert, und immer ganz ver- geblich. Es ist Zeit, einen Schritt weierzugehcn, b. h. durch denAuStrittauseinerKirchezuprote stieren, die aufhört, Kirche zu sein, wenn sie nicht abläßt, die auch von Ihnen wieder proklamierte„Einheit zwischen Nationalsozialismus und Kirche" zu einem integrierenden Bestandteil ihres Wesens, zur Richtschnur ihrer Verwaltung zu machen: wenn sie nicht abläßt, sich einem Totalitätsanspruch zu unterwerfen, in dem ich schon an sich, vollends aber in seiner Anwendung auf Glanben und Kirche, nichts anderes zn erkennen vermag, als einen Rückfall in vor- und widerchristlichen Absolutismus: Matth. 22. 21: Mark. 12. 17: Luk. 20. 25! So lange als irgend möglich habe ich diesen Schritt hinaus- geschoben, von dein ich nicht zu sagen brauche, ivas er mich kostet. Nun aber kann und darf ich nicht länger zögern. Ich bitte Tie, die Erklärung meines Austritts aus der Deutschen Evangelischen Kirche hiermit entgegenzunehmen. Verehrungsvollst bleibe ich, hochwürdigster Herr Reichs- bischof. Ihr sehr ergebener sgez.f Dr. W i l h. F r h r. v. P e ch m a n n, verfassungsmäßiger Präsident des Deutschen Evangelische» Kirchentages von 1924 bis 1930." « DaS„Protestantische Kirchenblatt" schreibt dazu:„Es wirkt erschütternd, wenn ein Mann ivie Frei- Herr von Pechmann erklärt, er könne in dieser Kirche nicht mehr bleiben. Bon Pcchmann, der trotz seines Alters noch mit voller Krast an leitender Tlelle der Bayrischen Handels- dank steht, hat von klein auf mit ganzem Herzen an seiner lutherischen Kirche gehangen und mit allen Kräften für sie gearbeitet Wenn er jetzt sich nicht nur zurückzieht, sondern austritt, so sagt diese Kundgebung allen leitenden Stellen?n Reich und Kirche, die ihn in seiner beruflichen und kirchlichen Tätigkeit kennen: So kann eS nicht weitergehen!" DNB. Prag, 14. April. Wie die„Libovo Novini" melden, hat die Verbalnote des Präger deutschen Gesandten Dr. Koch in der Angelegenheit der K a r i k a t n r e n a u s st e l l u n g ManeS das Ergebnis gehabt, daß Minister Dr. Krofta seiner Umgebung erklärte, er könne sich nicht in eine künstlerische Angelegenheit, wie sie die Ausstellung darstelle, einmischen. Krofta 5abe aber durch die Vermittlung eincS Beamten des Außenministeriums den Verein Mancs ersucht, aus dem Ausstell»ngs?enster das Bild des Reichskanzlers Hitler zu entfernen, das vor allem den Anlaß zu dem deutsche» Schritt gegeben hat. Das Blatt bemerkt dazu: Tie Entfernung des Bildes stellt lediglich ein Entgegenkommen der AusstellungSleitung dar. Ein neues Karikaturenarrangement mit Stalin. Dollluh und einheimischen Politikern wurde veranstaltet. Im Innern der Ausstellung hat man nichts geändert. »er Schweizer Dundesrat Die Neuverteilung der Departements DNB. Bern, 13. April. Der Schweizer Bundesrat hat ain Freitagmittag die Neuverteilung der Departe- m e n t s vorgenommen. Danach wird Bundesrat Meyer, der bisher das Jnnendepartement verwaltete, das Finanz- und Zolldepartement übernehmen. Von den beiden neugewc.blten Bundesräten erhält Bundesrat B a u m a n n das Justiz- und Polizeidepartement und Bundesrat Etter daS Departement des Innern. Bundesrat Motta behält daS Departement des«cußeren. Tchultheß das VolkSwirtschaftSdepartement und Bundesrat Pilet daS Post- und Eisenbahnbepartement. In den Stellvertretungen für die einzelnen Departements sind kleine Verschiebungen eingetreten. Ferner erfährt der Ausschuß für Finanz- und Währungsfragen eine Neugestri- tung durch das Ausscheiden von Bundesrat Musy. Bundesrat Schultheß bleibt in diesem Ausschuß, Bundesrat Motta scheidet aus. An seine Stelle tritt Bundespräsident Pilet, ferner an Stelle von Musy Bundesrat Meyer. Druchsaler EisenhahnbrOdce Teilweise zerstört ' DNB. Bruchsal, 14. April. Di« vor der Einfahrt in den Bahnhos Bruchsal befindliche Eisenbahnbrücke wurde in der vergangenen Nacht dadurch teilweise zerstört, daß ein auf einem Güterzug befindlicher Kran sich während der Fahrt gelöst hatte, hin und her pendelte und bei der Durchfahrt durch die Brücke Teile derselben mitriß. Die Gewalt der Zer- störung war derart, daß die die Brücke tragenden Beton- klötze aus dem Boden gerissen und grobe Teile der Brücke selbst über das Gleis geschleudert wurden. Die Nordeinfahrt von Heidelberg her in den Bahnhof Bruchsal ist gesperrt. Der Verkehr wird umgeleitet. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Schwerer relsslurz bei Grondona Elf Tote DNB. Mailand. 14. April. Zu einem kürzlich erfolgten schweren Felssturz in Grondona werden noch folgende Einzelheiten berichtet: Grondona. das auf einem Hügel liegt wird mit seinen wenigen Häusern von einer hochgelegenem aus FelSplateau«rbtuten Schloßruine mit zwei um 1500 er- bauten Türmen beherrscht. Zwischen diesen Türmen hat sich im Laufe der Jahrhunderte ein tiefer. Felsspalt gebildet. An dieser Stelle ist der Fels dann auSetnanbergebrochcn. Tie zusamenbrechenden Turmruinen stürzten zusammen mit un- geheuren Felsmassen in die Tiefe und begruben die unten liegenden Häuser unter sich. Die Zahl der Toten beträgt elf. inige Verletzte befinden sich in bedenklichem Zustande noch im Krankenbaus. Am gestrigen Freitag sind weitere Stein» ,nassen niedergegangen, dt« indessen nennenswerten Schaden nicht anrichteten. Die Behörden beabsichtigen, den noch über- hängenden Teil deS Felsens mit Dynamit zu sprengen um wettere Gefahren zu beseitigen. Die Bevölkeruno der ge- sährdcten Zone hat die Häuser geräumt. Ueber 200 Personen sind in Baracken untergebracht. Slebzehnfacher Mörder Nach monatelanger Verfolgung in der Wüste gefangen genommen • u«pril. Der berüchtigte Wüsten- rauber Abu Jildeh, der 17 Morde aus dem Gewissen hat, wurde nach aufregender monatclanger Jagd durch die Wüste von der englischen Polizei gesangen genommen. Die Polizei muß:« mit größter List vorgehen, um den Räuber zu fassen, der geschworen hatte, lieber Selbstmord zu begeben, als sich fangen zu lassen. Bei der Verfolgung spielten neben dem Rundfunk auch Polizeihunde eine große Rolle. Um den u w?r»» tauich«n. verkletd«te» sich mehrere Polizeibeamte als Uraver. gelanq es. Abu Jildeh und seinen «meßgesellen Muitasa«rmeel. der ebenfalls mehrere Morde beaangen hat, in einer Höhle einzukreisen Die beiden n* I l*{£° uf i samten, mußen sich aber schließ- getötethaben 6 t# ein4' as"® earatc" verwundet oder Pas Neuest« oeridÜt^fsahrtsstreik hat da« ständige Schied«. ^^ Arbeitgeber de» Streik als«n. zur stabil..?i...5 M e" aen unb Matrosenverbände Erteilt Entschädigung an die Arbeitgeber»er. ,o^ftige»"Mak^b^^"x"''^' beschlossen, die S par, und betreffen, öurrfi h' ehemaligen Froui'ämpser iu\«St mit sofortiger»irknng i« Kraft Außenministers üb» di^BUduna^^^'?' b'« Borschlag de» tischen Bertretungen in"ö, ,,.»mh* spanischen diptoma» stimmen englischen Dominions znzu- U nt e rf ch^ag nn^'c 25»"^ bic^ln trage» von 48 Mark»» eiue»^?!^«-Ip-ndeten Be. verurteilt worden war nnh lT c) Monaten Zuchthaus f',".acltgi hatte, wurde von ÄÄZ.li rt' il Berufung selben Strafe, verschärft hnrrf, k•» Strafkammer z« der» Ehrenrecht. aus^ D-uer^..^» btr bürgerliche» Die Sowjetregieruua hl,.!kt«?„ verurteilt, landen ic.h« in Höhe von« s f 1""""" *«11« der Anleihe soll ein Fo.hi, Milliarden Rubel. Mit zweiten Fünsjahresplane^gebildZ?'««den"' b«» Will Hitler marschieren? Annektionspläne um das Saargebiet Paris, 13. April 1934. „Matin" und„Echo de Paris" berichten auf Grund von Informationen aus sicherer Lluelle aus Straßburg. daß in der Pfalz und in der Rheinprovinz gegenwärtig Vorberei- tungen getroffen würben, um längs der Saargrenze Hitlerverbände aufmarschieren zu lassen für den Fall, daß in Paris oder im übrigen Frankreich Unruhen ausbrechen sollen. Die SA.-Abteilungen hätten, erklärt das„Echo de Paris" Anweisung erhalten, in diesem Falle sofort ins Saargebiet einzurücken. Es handle sich vor allem„um die braunen Regimenter Nr. 6g. 245. 246 und 258 aus Trier und Birkenfeld. Aus der Pfalz würden sich die braunen Regi- menter 17, 18. 22 und 23 in Marsch setzen." daß die Maßnahmen der letzten Zeit nichts anderes dar- stellen, als eine Wiederbelebung der SA. Röhm hat aber auch in einem sogenannten„amtlichen" Erlaß damit zu- gegeben, daß die angeblichen Provokateure, von denen man immer wieder der Oeffentlichkeit erzählt, die eigenen Nazi- Führer sind, denn hier im Saargebiet weih jedermann, baß kein Geringerer als Herr Pirro diese SA.-Abteilungen in Form seiner„Hilfspolizei" aufgezogen hat. Im übrigen darf man wohl annehmen, daß der Erlaß Röhms auf die obenstehenden Pariser Enthüllungen zurück- zuführen ist und die Richtigkeit derselben indirekt bestätigt. Zu dieser sensationellen Nachricht veröffentlicht das Göb- belsche Propagandaministerium ein lendenlahmes Dementi, in dem es u. a. heißt: „Es handelt sich bei dieser Falschmeldung um den Versuch im französischen Volke falsche Auffassungen über die Gesühle des deutschen Volkes gegenüber Frankreich hervorzurufen. In Deutschland denkt kein Mensch daran, aus den Schwierig- leiten eines fremden Nachbarvolkes irgendwelchen Nutzen ziehen zu können oder ziehen zu wollen, trotz gewisser Er- fahrungen, die Deutschland seinerseits in ähnlicher Lage hat machen müssen." * Diese kümmerliche Erwiderung versucht von den Fest- stellungen bei bekannten französischen Zeitungen in plumper Weise abzulenken, ohne auf die Behauptungen einzugehen. Dieses Dementi ist nichts weiter als ein verlegener Wort- schwoll und wird dadurch zu einer B e st ä t i g u n g der fran- zösischen Meldungen. Das aber bedeutet Alarm für das Saargebiet! Nach den Methoden der deutschen Politik und besonders der deutschen Außenpolitik ist ein derartiges militärisches Abenteuer des„dritten Reiches" durchaus nicht ausgeschlossen. Die Hemmungslosigkeit mit der die neu- deutschen Machthaber durch die offene Ausrüstung des Reiches die anderen Staaten provozierten, läßt allen Befürchtungen Raum. Wenn Hitler-Deutschland ungeniert die Verpslich- tungen des Friedensvertrages bricht und fieberhaft neue Kriegsvorbereitungen trifft, dann ist es bis zum militä- rischen Vorstob nur ein Schritt! Die bisherige Toleranz der Verhandlungspartner hat das „dritte Reich" zu seinen Vertragsbrüchen ermutigt, soll die Langmut aber wirklich soweit gehen, daß die„braune Armee" auch auf kaltem Wege Gebietsannexionen vor- nehmen kann? Europa ist gewarnt! Die falsch ange- brachte Duldsamkeit gegenüber der kricgstollen faschistischen Soldateska kann in allerkürzester Zeit zur Entzündung eines Brandherdes führen, der die ganze Zivilisation mit Tod und Verderben bedroht. Zugleich aber sind diese Borgänge ein Fanal für den Völkerbund, denn er erhält— vielleicht zum letztenmal — die Chance, die hilterdeutschen Friedensstörer mit den notwendigen Machtmitteln zur Räson zu bringen. Wird man angesichts dieser Dinge in Genf aber vor allem ein- sehen, daß unter den obwaltenden Umständen eine einwand- freie Volksbefragung im Saargebiet nicht gewähr- l e i st e t ist und daß im Gegenteil weitgehende Maßnahmen erforderlich sind, um die Souveränität des Völkerbunds- gebietes zu sichern? Eine Bestätigung»Sinns Berlin. 14. April. Der Stabschef der SA.. Herr-Röhm. hat am Freitag einen Erlaß herausgegeben, in dem erklärt wird, daß im Saar- gebiet entgegen den Bestimmungen versucht wurde, TA„Ein- heiten zu bilden und zur Tätigkeit zu bringen. Der Erlaß behauptet bann, daß diese SA.-Grundungen„selbstverstand, lich das Werk von Provokateuren sei". Dieser Erlaß RöhmS ist in charakteristlscherWeisedieB- stätigung für die Vorgänge an der saar. Es wird zugegebe. ,Der nächste Krieg" Paris, den 18. April 1934. Nachdem die Debatte wegen der Truppenbewegungen eines Krieges durch das Buch Banse, der die Neutralität von Belgien, Holland und der Schweiz zu gleicher Zeit verletzen möchte, in Fluß gekommen ist, veröffentlicht die„Illustration" folgende Betrachtung: „Die Zusammenziehung der deutschen Truppen im Falle eines Krieges mit Frankreich kann mit Leichtigkeit nur aui dem unteren linken Rheinuser, bei der Mündung der Mosel in den Rhein, aus der elsässischen Front oder auf der bayerischen Hochebene erfolgen. Gegenwärtig ist die französisch-deutsche Grenze sozusagen schon geschlossen, aber die belgische und die holländische Grenze keineswegs, ebensowenig die deutsch-schweizerische Grenze. In weiteren zwei Fahren etwa wird allein die Provinz Limburg-Süd noch einen leichten Durchgang nach Bel- gien und Frankreich bieten. Die Schweiz dagegen wird dann genügend bewaffnet sein, um sich einem feindlichen Einsall in Richtung Genf zu widersetzen, wenn auch nicht, die Gegend Basel zu verteidigen. Also bleibt das französische Gebiet noch auf verschiedenen Punkten gefährdet: 1. In der Gegend im Norden, zwischen dem Meer und der Maas, wo es keine Befestigungen gibt und wo wir, wie Belgien, einem Einfall ausgesetzt sind, der durch Süd- Limburg stattfindet: 2. In der Gegend Burgund und Elsaß-Süb, die ungenügend verteidigt sind. Freilich, die Finanzlage erlaubt es nicht, in jedem der be- teiligten Länder die Mittel ins Werk zu setzen, die nötig wären, um ihre völlige Sicherheit zu gewährleisten." Land ohne Postgeheimnis Befugnisse der deutschen Diktaturbehörden Der Reichspostminister hat den ihm unterstellten Post- ämtern jetzt eine genaue Anweisung darüber zugehen lassen, welche Polizeibehörden nach den neuesten preußischen Bestimmungen befugt sind, in das Post-, Telegrafen- und Telesongehcimnis einzugreifen. Zuständig sind auch für das gesamte preußische Staatsgebiet das Geheime Staats- p o l i z e i a m t in Berlin für die Landespolizei- bezirke die Staatspolizei stellen. Die Staats- polizeistellcn sind auch ohne Rücksicht aus die Grenzen der Landespolizetbehördcn zuständig. Für da» Verbot periodischer Druckschriften und für Eingriffe in das Post-, Telegrafen- und Fernsprechgcheimnis ist neben dem Poljzeiprä- s i d e n t e n in Berlin auch das Geheime Staats- r o l i, e i a m t zuständig, also nicht nur dieses ausschließlich. Eingriffe in das Post- und Telegraiengeheimnis können neben den Kreisvolizeibehörden auch die Behörden der Ge- Heimen Staatspolizei jeweils iür ihren Amtsbereich vor- nehmen. Eingriffe in das Fernsprechgcheimnis aber nur die Staatspolizeistellen. An der Zuständigkeit der Landespolizei- behöröen für das Verbot periodischer Druckschristen ist. wie der Reichspostminister hervorhebt, nichts geändert worden. Keine freie Soorühsfimmnng mögüdi... Eine alarmierende Erklärung der Saar Regierung Gcus. 18. April. Heute wird in Gens der Wortlaut eines neuen Briefes veröffentlicht, den der Präsident Knox vor kurzem an das Generalsekretariat des Völkerbundes gerichtet hat. In diesem Schreiben weist der Präsident der Regierungs- kommission des Saargebietes aus die Auswüchse der Propaganda hin, welche die„deutsche Front" im Saargebiet treibt. Die Regierungskommission— so schreibt Knox— mußte mit Bedauern feststellen, daß die Versicherungen, die der Führer der„deutschen Front" der Regierungskommission abgegeben hat. nicht eingehalten wurde«, denn obgleich die Mitgliedserklärung abgeändert wurde, ob- gleich das Sammeln von Unterschriften in den Betrieben im allgemeinen aufgehört hat, vermutlich, weil das Werk schon vollendet ist. und obgleich die Werbebesuche in den Woh- nungen beträchtlich nachgelassen haben, besteht weiter eine intensive Propagandatätigkeit." Die Regierungskommission erklärt weiter, daß es sich hier um eine Art Vorab st immung handelt, die zum großen Teil ihrer Zuständigkeit entgeht. Aus diesem Grunde halte sie es kür ihre Pflicht, den Rat ernstlich auf ein Manöver aufmerksam zu machen, das schon jetzt daraus hinausläuft, die Freiheit, das Geheimnis und die Aufrichtigkeit der Abstimmung schwerzugefährden.... * Diese Erklärung der Regierungskommission war seit langem fällig, denn es war erstaunlich, mit welcher Gelassen- heit die vom Völkerbund eingesetzte Regierung das Treiben der gleichgeschalteten Nazikreise im Saargebiet hinnahm. Wenn unmittelbar vor der Tagung des Drcier-Ausschusses, der über Saarabstimmung beschließen soll, ein solcher Alarm- ruf laut wird, dann wiegt allerdings die Erklärung des Herrn Knox besonders schwer. Ob die Völkerbunds- kommission aus der Tatsache die notwendigen Schlüsse ziehen wird, daß nunmehr selbst die von Genf aus eingesetzte Saar- Regierung eine ordnungsgemäße Abstimmung nicht für gewährleistet hält? Terror Legen den Katholizismus — auch im Saargeblei ES scheint so. als ob auch im Saargebiet der Zwist zwischen Hitlerjugend einerseits und katholischer Jugend andererseits sich öffentlich bemerkbar macht, denn der Grundsatz Hitlers „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir" hat sich auch bei der Ottweiler HJ. breit gemacht. Wie uns mitgeteilt wird, fand am Freitagabend auf der Steinbacherhöhe eine Feier der katholischen Jugend unter dem Borsitz des Herrn Kaplan Brand statt. Zweck der Feier sollte die feierliche Ausnahme der Schulentlassenen in die KI. sein. Diese Feier sollte jedoch ohne die nötige Unter- Haltung nicht vonstatten gehen. Die HJ. witterte hierbei wiederum eine schöne Rauferei und als die Feier beendet war, sielen heimlich herbeigeschlichene Nazijünglinge über die wehrlosen schulentlassenen katholischen Kinder her und verprügelten dieselben nach dem Modus der braunen Söldnerknechte. Es wundert uns nur, da nicht auch noch der Herr Kaplan Brand bei diesem Borfall zu Schaden gekommen ist, Frechheiten hat er sich, so wie man hört, wohl von diesen Nazijünglingen gefallen lassen. Ob die gleichschaltungssreudigen Saar-Katholiken aus diesem kleinen Zwischenfall gemerkt haben, was ihnen im „dritten Reich" blüht? Hin Arbeitssoldat eriähit deutsche? St°b°°benutz"/'den Reise nach Dänemark, um dort einige wich! g p^ Dinge zu erledigen. Es glückte uns.. mit h. roar( du kommen. Nachdem sein erstes Mibtraue g begann sab er uns auf verschiedene Fragen«uskunft und vega» von sich aus dem,willig zu-rzahlen. Dabei bat er uns aoe^ immer wieder, ja nicht etwa seine» Ramen z den Ort seiner Herkunft näher zu bezeichnen.... mer wieder, ja nicht etwa seinen Namen z > Ort seiner Herkunst naher zu bezeichne. Deutschland fErtÄft Z AT"" suswü Volkskanzler ist gut. sagen«ie lieber nuagm- >lt treffen Sie das Richtige. -ind Sie Marxist?"«ixb nicht viel das weiß ich nicht. Ich bin>ungi» wählen Politik gekümmert. Als ich ittm Aber kurze sie. habe ich die Sozialdemokraten s^ nächsten t später wurde ich-rw-rbSlos. Da rgW™ m(f)t besser le kommunistisch.,^is es dann„ivrde immer webe. im Gegenteil, bre Untcrstutzu a^ hin ich zu ir und Aussicht auf«rbe,t wir^ Versammlungen er übergegangen. Denn in alle«&^ol in den Naziflugblättern wurde uns ja«roe prochen.".. z.r ArbeitSfchlacht 5aben Sie denn nach dem Beginn der e Arbeit erhalten?"... r Das dürfen Tie doch sogar mehr als mir l getne. Und irlith nicht falsch verstehen-^..^^andiert wurde, habe ich zuerst zur Arbettsschlach. komman^^ mn mich mächtig gefreut. Aber das om n!er Gebiet war zum^5"^^^manzig^Wochen lang wir wurden bevorzug.^ebandeU- M e sinn- ich mit Schaufel und Hacke bescha ä mußte» ste Arbeit, die man sich denken r^^,undzwan,lg wtelang einen großen Platz umg^ Senn e g regnete, timeter unter der Erdschicht i fußhoch an. Alles melte sich dort da» Wasser mehr a.», quietscht« und quatschte nur so. wir wurden naß bis auf die Knochen. Aber gearbeitet werden mußte bei jedem Wetter. Auch als Frost einsetzte und die Tonschicht eisenhart ge- froren war, mußten wir weiterschuften. Und das Schlimme war, daß uns niemand sagen konie, welchen Zweck eigentlich die ganze Würgerei haben sollte." „Wie war die Behandlung der Arbeiter?" „Es herrschte eine blödsinnige Antreiberei. Wir wurden schlimmer herumgejagt als früher die Muschkoten auf den Kasernenhöfen. Dazu gab es viel« Schikanierungen seitens der Vorgesetzten aus der TS. oder SA." „Haben Tie denn wenigstens einigermaßen verdient?" „Das kann ich Ihnen genau sagen. Ich bin verheiratet und habe drei Kinder. Wir arbeiteten 46 Stunden pro Woche und erhielten einen Stundenlohn von 50 Pfennig. Das waren brutto 26 Mark. Davon gingen 2,67 allgemeine Ab- züge und rund 8 Mark Fahrgeld herunter, so daß man mit 14,88 Mark nach Hause kam. Meine Unterstützung, die ich vor der ArbeitsjchlaÄt bekam, betrug 14,86 Mark. Ich habe also trotz der schweren Arbeit noch einen Schaden von fünsund- dreißig Pfennig pro Woche gehabt. Sie können mir glauben. 35 Pfennig ist heute für einen deutschen Arbeiter viel Geld. Dazu kommt noch etwas anderes. Ich kam früher mit der Unterstützung viel besser aus als später mit dem Lohn. Denn ich konnte länger schlafen und dadurch Nahrungsmittel spären Außerdem waren während der Arbeitsschlacht die Aufwendungen für Stiefelsohlen und Kleidung viel höher als vorher, wo man alles mehr schonte, um den Kindern möglichst gutes Essen geben zu können." „Waren die Verhältnisse vor Hitlers Regierungsantritt beffer**** J m Jahre 1931 bekam ich über 23 Mark Unterstützung sro^ Woche, das waren 9 Mark mehr als unter Hitler." Mußten Sie damals auch arbeiten?" "Der damalige S«nat hatte eine sozialdemokratische Mehr- heit Er organisierte ebenfalls Notftanbsarbeiten. an denen man freiwillig teilnehmen konnte. Ich habe m'ch damals auch aemeldet. Wir hatten gute Arbeitsbedingungen und wurden ti'pl besser behandelt als heute." Wie wurden Tie damals entlohnt?" „Wir arbeiteten 48 Stunden pro Woche und erhielten Tariflohn. 98 Pfennig für die Stunde. Ich verdiente 47,64 Mark pro Woche und hatte 3,96 Abzüge, kam also mit 43.68 Mark nach Hause." „Wenn es Ihnen damals verhältnismäßig gut ging, wieso haben Sie dann erst kommunistisch und später national- sozialistisch gewählt und nicht sozialdemokratisch?" „Wir wußten ja damals nicht, daß es uns tatsächlich er- träglich ging. Ueberall wurde auf die Sozialdemokraten ge- schimpft, und keiner von uns glaubte in der Zeit, daß es uns jemals schlechter ergehen könnte. Das haben wir leider erst später erfahren." „Wurden Sie auch von der Winterhilfe unterstützt?" „Ja. Ich erhielt vom November 1933 bis zum Februar 1934 insgesamt 3 Zentner Kohlen. 1 Zentner Kartoffeln und 12,46 Mark in Gutscheinen für Hülsenfrüchte und andere Lebensmittel." „Das ist doch eine recht große Leistung, scheint uns!" „Ach du lieber Himmel! In der gleichen Zeit des vorigen Winters erhielt ich von der Volkshilfe 4 Zentner Kohlen und 21 Mark in Gutscheinen. Dazu vom Wohlfahrtsamt 8 Zentner Kohlen. 4 Zentner Kartoffeln. Ehe die Nazis mit ihrer großen Reklamehilse und mit ihren Zwangssamm- lungen kamen, bekam ich also im ganzen 9 Zentner Kohlen 3 Zentner Kartoffeln und 8,66 Mark in Guischeinen mebr als nun. Auch mit der Versorgung mck Kleidungsstücken für die Bedürftigen hat es früher viel besser geklappt als ievt" „Wie ist denn nun die Stimmung unter denen die von diesen Dingen betroffen werden?"' e Don »Das können Tie sich ja selber denken. Alles schimvik i.vd murrt über die trostlosen Verhältnisse und über das»roß. spurige Austreten der neugebackenen Nazibonzen Wir haben immer auf unsere Bonzen geschimpft, und es waren ia wabl auch welche dazwischen, bei denen es berechtigt war was eS eigentlich heißt, von richtigen Bonzen reaiert zu werden, das haben wir jetzt erst gelernt." egicrr „Wie denken Sie über den Kamps der zum«t,,„. Hitlersystems führen soll? Wissen T-e etwas vok illeaaler Arbeit? Beteiligen Tie ssch daran?"' legaler .Darüber möchte ich mich nich, äugern" „Wünschen Tie Hitlers Sturz?" »Lieber heute als morgen!" Onstiindiger Streik in Paris Im I laupttelegrafenamt TNB. Paris, 13. 4. Im Pariser Haupttclegrasen- a m t und in einigen Telegrafenämtern der Provinz haben die linksradikalen Angestellten- und Beamtenverbände Frei- lag mittag ihr« Streikdrohuug in die Tat umgesetzt und die Arbeit eine Stunde ruhen lassen. In Paris versammelten sich etiva 1800 Angestellte und Beamte aus dem Hof des Tele- grafenamteS. wo einige Neben gehalten'wurden. Der Post- minister hat die Abteilungsleiter aufgefordert, noch im Kaufe des Freitag einen Bericht auszuarbeiten und die Namen der Nädelsführer bekanntzugeben In Kreisen der Angestellten wird erklärt, das? ein Vorgehen dcS Ministers gegen die Streikenden die Lage nur noch verschärfen würde, weil die linköradikalen Beamtenverbände geschlossen hinter den be- troffcnen Beamten stehen würden. Bewegung unter den französichen Eisenbahnern In PariS ist für Montag der Nationalrat der Eisenbahner- gcwcrkschaft einberufen worden, weil die Ansicht der Regie- rung besteht, die Gehälter der Eisenbahner, nach den Gehalts- kürzungen der Beamten und entsprechend den Abstrichen an den KriegSrentcn. zu vermindern. Wie verlautet, beträgt das Gehalt eines Eisenbahners 8000 Fr., dazu kommen allerdings noch für die Eisenbahner der großen Städte freie Verkehrsmittel, und ferner Kohlen. Inzwischen hat das französische Gcioerkschafts- kartcll einen Ausschuß von fünf Mitgliedern eingesetzt, um die Beschlüsse der zusammengetretenen Generalstände wegen des Programms öffentlicher Arbeiten in die Tat um- zusetzen. Auch wurden Beschlüsse wegen des 1. Mai gefaßt. Tolle antisemitische Hetze Daraus entstehen die Pogrome Prag, 9. April. sZTA.) Die Pogromwelle in Mittclsrankcn und der antisemitische Terror In anderen Teilen Deutsch- lands wird unterstrichen durch eine ontijndische Pressehctze, die offenbar von einer gewissen Stelle aus dirigiert wird. Unter der Ueberschrift„Die Geißel der Menschheit" führt „Deutsche Zeitung", Berlin lAbendausgabe vom 4. Aprili, aus. das Judentum sei die Mutter des Marxismus und Kommunismus, im Namen des Judentums werde zum Präventivkrieg gegen daS heutige Deutschland gehetzt.„Tie Wahrheit", Berlin, 7. April, erklärt, der verstorbene amen- konische Finanzmann Otto H. Kahn sei einer der 800 Weisen von Zion gewesen und habe den Kampf der Alliierten gegen Teutschland finanziert. Er übernahm mit Morgan die Auf- legung der DaiveS-Anleihc und half so die Tridutzahlungen Deutschlands in französischem Interesse fundieren. Er ver- diente Millionen an deutschem Schweiß und Fleiß. Blut und Tränen unzähliger Deutscher sind durch ihn vergossen worden. ^-Bekanntlich war es Otto H. Kahn, der nach dem Kriege Deutschland half, ans der Isolierung herauszutreten. Er forderte seine amerikanischen Landsleute auf. Besuchsreiscn nach Deutschland zu unternehmen. D. Red.)„Berliner Illu- striertc Nachtausgabe" vom 5. April nennt Einstein, dessen warmeS Verhältnis zum Deutschtum außer Zweifel steht und dessen vornehme Zurückhaltung auch gegenüber dem Hitler- Regime Bewunderung erregt, eine„Laus im fremden Pelz", einen„ausgeblasenen hnsterischen Hasser alle? Deutschen", der„jede Möglichkeit benutzt, um in Wort und Schrift seine Giftblase der Lüge und Verleumdung zu entleeren". Zum Schluß heißt es:„Einstein, dieser moderne Ahasver, ist jetzt der gemeinsten und deshalb gefährlichsten einer. So lange seine Kriegshetze gegen die Friedenspolitik Deutschlands in der anglo-amerikanischen Presse groß abgedruckt wird, müssen ivir ibm ab und zu auf seine schmutzigen Finger klopfen." „Deutsche Zeitung", 5. April, veröffentlicht eine Liste von Inden, gegen die Tteucrsteckbriefe erlassen wurden. Tie Liste ist kurz, meist handelt es sich um Beträge von einigen tau- send Mark, die angeblich ins Ausland gebracht wurden.„Ost- land", Berlin(30. März), hetzt gegen die Juden, die die „deutsch-»'nische Annäherung stören".„Stürmer". Nürnberg (Nr. 13 vom März) veröffentlicht ungeheuerliche Greuel- geschichten von Juden, die die bäuerliche Bevölkerung aus- saugen, und nennt dabei Namen und Adressen. Er nennt Namen und Adresse eines Juden, der zweimal hintereinander niit arischen Frauen verheiratet war,„drei Bastarde in die Welt gesetzt hat," und fordert, daß dieser Jude„sofort sterili- siert wird und d'»on ihm erzengte» Bastarde auch". Spionage in der Tscheche! Zahlreiche Verhaftungen Sascha«, 13. April. Tic Orgaue der Polizeidirektion in Kafchau verhasteten bei der Rückkehr der Demobilisierten z» Ende März d. I. aus dem Kaschaucr Bahnhofe den 2Sjährigen Studenten der Prager Universität Josef T o t h, der ans Kromeriz, wo er seine aktive Militärdienstzeit verbracht hatte, nach Michalann zurückkehren wollte. Toth gestand beim Ver- hör. daß er bereits sei dem Jahre 1931 gegen Belohnung für den ungarischen Nachrichtendienst arbeitet, und zwar gemein- sam mit dem 20jährigen Stefan Erncst Fedack, staatlichem Lehrer an der Kirchenschul: in Lastovee bei Michalany. Fedack hatte seinen aktiven Militärdienst in Uzhorod im Jahre 1923 verbracht. Fedack gab Toth Material, das dieser nach Ungarn weiter schaffte. Aus Grund ihrer Aussagen wurden verhaftet: der 87jährige Landwirt Stephan Hrabovsky. der 28jährige Landwirt Micha! Toth. der 24jährige Hörer der medizinischen Fakultät Ladislaus Magyary, sein Bruder Ludcvit, der 3'jährige Maurermeister Stephan Laczko. sämtliche aus Michalany. serner der Chauffeur Alexander Czehlar au? Belaty und der 24jährige I. Bodnar aus Lastovee, der eben demobilisierte.— In Prag wurde im Zusammenhang mit diesem Vorfall der Hörer der medizinischen Fakultät Aval- bcrt Budal verhastet. Englischer Brief 0. G. London. 10. April 1034. Großbritannien'— ein Kontinent für sich Großbritannien ist trotz seiner engen Verbindung doch ein Kontinent für sich. Es steht zwischen Europa und dem britischen Weltreich. Wer Großbritannien als nur euro- päifch betrachtet, irrt ebenso wie andererseits die Gruppe um Lord Beaverbrook irrt, die nur das Empire sieht und von Europa nichts wissen will. Die Probleme, die die europäische Länder aufs tiefste aufwühlen, berühren England nur am Rande. Man lägt sich durch den kontinentalen Streit nicht in der Beschau- lichkeit stören. Ja, die Abrüstungsfrage! Sie berührt England, das vor allem seit der Entwicklung der Luftfahrt empfindlich geworden ist, aber sie berührt England doch wieder weniger als die europäischen Staaten. England wünscht dringend eine Abrüstungskonvention, um dem ge- fürchteten Wettrüsten zu entgehen, dem sich ja auch England nicht ganz entziehen könnte. England v* zu diesem Zwecke zu weitgehenden Konzessionen bereit. Wie es Deutschland in der Ausrüstungsfrage nachgab, so ist es jetzt bereit, Frankreich in der Sicherheitsfrage entgegen- zukommen. Wer England die kalte Schulter zeigt, kann auf Konzessionen rechnen: denn England will seine Ruhe haben und deshalb eine Konvention zustandebringen. „Besser eine schlechte Konvention als gar keine"— so lautet heute die Parole Englands. Die Ruhe ist die Hauptsache. Deshalb auch der AergerEnglandsüberdenneuendeutschen Rüstungsetat und über den Bericht von K r u p p, der eine starke Betriebserweiterung meldet. Das sind Tatsachen, die es unmöglich machen, den Kopf weiter in den Sand zu stecken. Deshalb auch die offenbar von der Regierung bestellte Anfrage des konservativen Abge- ordneten Boothby über den deutschen Rüstungsetat. Dieser Anfrage und der Antwort Simons jEngland hat durch seinen Berliner Botschafter Erkundigungen einziehen lassen) gab die ganze Presse weite Publizität. England weiß, daß das an den Tatsachen nichts ändern wird, aber es soll ein Warnungszeichen für Deutschland sein, eine An- Kündigung, daß auch die englische Geduld einmal ein Ende haben könne. Weitere parlamentarische Anfragen bewiesen es. Und doch. aN diese Dinge stehen trotz ihrer großen fach- lichen Bedeutung nur am Rande der englischen Politik. Dm das Budget Dos Rätselraten um das kommende Budget interessiert die Oeffentlichkeit weit mehr. Für kontinentale Begriffe ist das wiederum erstaunlich. Im kontinentalen Paria- mentarismus— soweit er noch existiert— ist das Budget eine zwar wichtige, aber trockene und uninteressante An- gelegenheit. Da werden umfangreiche Drucksachen ver- öffentlichst die nur von den paar Budgetfachleuten durch- gearbeitet werden, der eine oder andere Parlamentarier interessiert sich vielleicht noch für seine Spezialgebiete, andere freuen sich» daß die Budgetdebatte Gelegenheit bietet, über alle nur denkbaren Probleme$u reden. Aber die Oeffentlichkeit interessiert sich nur wenig für die ganze Angelegenheit. Anders in England. Dort ist das Budget eine aus- regende Sache. Einmal wird in ihm alljährlich die Höhe der verschiedenen Steuern, vor allem der Einkommen- steuer, neu festgesetzt, je nach der Höhe der benötigten Mittel— das Budget bietet also Gelegenheit zu ange- nehmen und unangenehmen Ueberraschungen. Sodann aber ist das Budget bis zu seiner Bekanntgabe in der großen Rede des Schatzkanzlers ein strenges Geheimnis. Nur dem Schatzkanzler und seinen engsten Mitarbeitern ist das Budget vorher bekannt, selbst die Kabinetts- Mitglieder erfahren den Inhalt nicht. Am Tage der Budgeteröfsnung begibt sich der Cchatzkanzler feierlich zu Fuß ins Parlament mit einem berühmten Käftcken unter dem Arm- durch ein Spalier von Pressefotografen. Im dicktgefüllten Parlament öffnet er dann das Zauber- käftcken und enthüllt das Geheimnis in einer großen Rede, worauf ihm der Führer der Opposition Dank und Anerkennung ausspricht, um am nächsten Tag das Budget in Grund und Boden zu verdonnern. Das ist englische parlamentarische Tradition. Dieses Jahr wartet man gespannt aus freudige Ueber- raschungen. Es ist bekannt, daß die Steuereinnahmen einen beträchtlichen Ueberschuß ergeben haben, wobei zum Teil die gebesserte Wirtschaftslage, zum Teil die Nicht- Zahlung der Schulden an Amerika, zum Teil der Tod einiger reicher Männer, der hohe Erbschaftssteuer- einnahmen erbrachte, Schuld hat. Wie wird nun Chamber- lain, der Schatzkanzler, den Ueberschuß verteilen? Daß die Arbeitslosenunterstützung erhöht wird, wird von allen Kreisen bestimmt erwartet, aber darüber hinaus hoffen die Beamten und die Lehrer auf die Rückgängigmachung der Gehaltskürzungen der letzten Jahre und die Steuer- zahler hoffen auf Einkommensteuerermäßigung. Wen wird Chamberlain am nächsten Dienstag freudig, wen wird er unangenehm überraschen? Darüber spricht England heute. Die Dürre England ist von einer bösen Dürre heimgesucht. Schon der letzte Sommer war ungewöhnlich warm und trocken, ewig strahlender Sonnenschein— in dem feuchten Eng- land ein ungewöhnliches Ereignis. Aber auch der Herbst und Winter brachte nur wenig Regen, und jetzt ist auch das Frühjähr wieder trocken. So droht Wassermangel im Lande. Die Reservoirs reichen nicht aus. Auf dem Lande sind schon höchst unangenehme Situationen entstanden, jetzt beginnt auch die Lage in den nordenglischen Städten bedenklich zu werden. London hat vorläufig noch reich- lich Reserven. Das Parlament hat schon zwei Notstands- gefetze verabschiedet, jetzt ist das dritte eingebracht, das den Lokalverwaltungen freie Hand zu Notmaßnahmsn gibt. Auch in London wurde trotz des vorläufig genügen- den Vorrats die Bevölkerung zur Sparsamkeit auf- gefordert. Bei der bewundernswerten engliscken Selbst- disziplin hat diese Mahnung, hinter der keinerlei Zwang stehst bereits erheblichen Erfolg gehabt. Und der Faschismus Die faschistische Gefahr ist zwar nach wie vor nicht akut, aber sie darf auch nicht vernachlässigt werden. Mosley entfaltet eine immer stärkere Aktivität, ununterbrochen hält er landauf, landab Versammlungen ab, die meist sehr gut besucht sind, allerdings vielfach von Gegnern und Neugierigen. Mosley ist ein guter Redner und die Passivität der Regierung auf der einen Seite, die Führer- losigkeit der Labour Partn auf der anderen Seite gibt ihm Ansporn. Noch in diesem Monat will Mosley in der Albert Hall, dem größten Raum Londons— sie faßt über 10 000 Personen— reden. Kaum eine der Versammlungen und Echwarzhemdenparaden verläuft ungestört, oft gibt es blutige Köpfe. Erst gestern hat der schwerfällige, konservative Innenminister die Uniformicrung der Schwarzhemden als eine Provokation bezeichnet und mit- geteilt, daß er Material über die Wirkung der Uniform- verböte in anderen Ländern gesammelt hat. Aber wann wird er handeln? Die wildantisemitische Imperial Faschist League, eine kleine Sonderorganisation, versucht sich auch in Ver- sammlungspropaganda. So wollte sie vor einigen Tagen in einem kleinen Ort in der Nähe Londons eine Ver- sammlung abhalten. Sie verbreitet: Flugzettel, wc es u. a. hieß„Juden und andere unerwünschte Element: haben keinen Zutritt". Daraufhin zahlte die Gemeinde auf Veranlassung des Pfarrers den Mietpreis für den Gemeindesaal zurück, die Versammlung konnte nicht statt- finden. Der Pfarrer erklärte, er bedaure nur, daß keine Pferdeschwemme im Ort sei, um den Hetzern ein kühles Bad zu bereiten, aber eventuell genüge auch der Enten- teich. Auch in England gibt es also scharfe Gegensätze. Und doch— England ist ein Kontinent für sich. Ein kleines Beispiel. Vor einem Jahr starb Cynthia Mosley, Oswald Mosleys Frau, die Tochter des bekannten Lord Curzon, eines früheren Außenministers und Vizekönigs von Indien. Cynthia Mosley war stets den Wegen ihres Mannes gefolgt. Mit ihm ging sie von den Konservativen zur Labour Party, für die sie 1923 ins Unterhaus gewäblt wurde. Mit ihm verließ sie die Labour Party und wurde Faschistin. Jetzt wird in der Presse ein Aufruf veröfsent- licht, zum Andenken an diese wertvolle Frau ein Cvnthia- Mosley-Kinderheim zu gründen. Dieser Aufruf zur Ehrung der Frau des Faschistenführers ist unterzeichnet von dem Ministerpräsidenten Macdonald, von dem Laboursührer Lansbury, von dem konservativen Churchill, von dem Generalsekretär der Liberalen Muir, von dem unab» hängigen Liberalen Lloyd George und von anderem Gegnern des Faschismus. Das ist England! Verräter geriditet iInpre.)„Het Volk" berichtet, daß der frühere Leiter des Kreises Wien-Wcsi des Schutzbundes. Koerbel. sterbend auf- gefunden morden ist. Koerbel war ein Verräter, der, während seine Leu'e vom Schutzbund kämviten i» einem Ausruf, der von der Heimwehr gedruckt und überall angeschlagen wurde feinen Uebcrgang an Dollluß erklärt und Waiien an die Heimwehr ausgeliefert hatte. Er ist seinen Stichverlctzungen inzwischen erlegen. ver Senker Altar Ein Deutscher als Dieb? Brüssel, 13. April. lEig. Meldg.j Nach Auslassung eines erfahrenen Polizeimannes. M. Muster, jetzt in Ruhestellung, den die„Jnd^pendance Belge" befragt hat, ist der Diebstahl am Genter Altar das Wert von Deutschen, die gegen den Beriailler Vertrag protestieren wollten. Derselben Ansicht ist der Kanonikus Van den, G heyn. Der frühere Polizeibeamte erzählt, ein Buchhändler in der Näh« der Kirche Saint-Bavon sei von einem Deutschen aus- gesucht worden, der gesagt habe, er möchte Ansicht»- karten deS Bildes sehen, das in Berlin gestohlen worden sei. Dann habe er für 22 Franken Fotos des Altarbildes „Agneau mystigue" gekauft und zwar bloß von diesem. Daß ein Nachbar das Geräusch eines AutoS vor der Kirche in der Nacht gehört haben will, ist bereits bekannt. ..«liiddidie Reise" auf der Ostchinabahn im letzten Jahre Chabarowst, 13. April. lFSU.) Die hiesige Presse veröfsent- licht den Bericht dcS Sowjetdirektors der Ostchinabahn. Rudy, über die Arbeit der Bahn im letzte» Jahre. Aus dem Bericht ergibt sich, daß trotz der politischen und wirtschaftliche» Krise in der Mandschurei und der kriegerischen Aktionen, die im Gebiete der Bahn unternommen wurden, das finanzielle Ergebnis sehr günstig ist. Auch die ungesunde Konkurrenz der von Japan errichteten siidmaudschuriichcn Eistabahn- linien und die außerwirtschastlichen Zwangsmaß»»bmcn haben der Entwicklung der Bah« keinen Abbruch tun können, obwohl z. B. der Transitverkehr mit»er Ussuribahn unter- künden wurde. Im Laute des Jahres traten folgende Zwischenfälle ein: elf böswillig herbeigeführte Zugzusammen- stoße. 38 bewaffnete Ueberuille, 89 Versuche, Entgleisungen herbeizuführen. 19 Brandstiftungen. 197 Ueberfälle auf«»• gestellte, 00 Angestellte wurden ermordet, 99 verwundet, 40P verhaftet. Trotz aller dieser Maßnahmen betrugen die Eine nahmen der«ahn 33,83 Millionen und die Ausgaben 23,7» Millionen Goldrubel. Ter Kassenbestand der Bahn betrug am 1. Januar 1934 7,38 Millionen Goldrubel, obwohl die japanische Militärverwaltuna bisher noch nicht ihre Schulden für die Truvventrnnsporte bezahlt hat. die allein für 1933 über 11 Millionen betrugen. Die Erfolge auf finanziellem Gebiet wurden durch eine sehr sparsame Verwaltung und die wahrhaft heroische Arbeit des Personals erzielt, das trotz aller Gefabren für ihre Sicherheit und ibr Leben die Arbeit fortgesetzt hat. Dicier Bericht ist von aroßer Bedeutung für die demnächst ivicder beginnenden Verhandlungen über den Verkauf der Ostbahn, bei denen es der Mandschurei und Japan wesentlich schwer fallen dürfte, von der Wertlosigkeit der Linie zu sprechen. Der Freund des Ex-Kaisers lJnprcß.) Die Leipziger Behörden haben das Buch„Meine ersten Zweijahrtausende" beschlagnahmt. daS von dem alten Freund Wilhelms II., George S. Viereck, und dem jüdischen Schriftsteller Paul Eldridge gemeinsam verfaßt worden ist. Der Vater Vierecks, ein sozialdemokratischer Abgeordneter der siebziger Jahre, war ein natürlicher Sohn Wilhelms l. deutsche Stimmen• föeilage zur..Deutschen&teifceit"• Ereignisse und Geschichten Sonntag-Montag, don<5. und 14, April 1934 Die JCuliucceaktwu w Oestetteich W i e n, 5. April 1934. Schon wenige Wochen nach der blutigen Niederwerfung der österreichischen Arbeiter beginnt sich selbst auf kulturellem Gebiet der beispiellose Abstieg des Landes zu zeigen. Die Zertrümmerung des großen kulturellen Werkes, das die Arbeiterbewegung in jahrzehntelanger selbstlosester Arbeit aufgebaut hatte, begann mit der Vernichtung der sozialistischen Kulturorganisationcn und— getreu nach Hitlers Vor- bi!d— mit dem Diebstahl ihres Eigentums. Noch vor den Februarereignissen begann die Heimwehrpresse eine Hetze gegen die Arheiterbibliothekcn und beschimpfte sie als„Brutstätten des Kulturbolschewismus". Nach dem blutigen Sieg, als die Henker ihre Beute in Sicherheit zu bringen begannen, mußten die Arbeiterbibiiotheken als die ersten daran glauben. Eine Kommission wurde eingesetzt, damit sie die Bibliotheksbestände untersuchen und die„marxistische" Literatur ausscheide. Aber nun geschah etwas Seltsames; die Kommission erklärte, daß die Bibliotheken von„auffallend hohem Niveau" seien und daß nur sehr wenige Bücher ausgeschieden werden müßten. Welche das sein würden hat die Zensurkommission allerdings noch nicht mitzuteilen gewagt. Ein Lob aus dem Munde einer solchen Kommission ist natürlich eine zwiespältige Angelegenheit; es beweist zwar, daß selbst die schwärzesten Mucker nur wenig Anstoß zu nehmen im Stande waren, ansonsten aber ist ein Lob aus dem Munde von Dilettanten, wie sie in der Kommission sitzen, ganz und gar unangebracht. An der Kommission, die sich anmaßt eine Weltbewegung wie den Marxismus zu sezieren, ist nur eine Tatsache bezeichnend: seitdem es in Oesterreich Arbeiterbibliotheken gibt, wurde sorgfältig darauf geachtet, in ihre Verwaltung keine Buchhändler dreinreden zu lassen, damit jede Möglichkeit der Korruption vermieden werde. Seitdem die Februarhyänen das Arbeitereigentum„verwalten", gilt dieser Grundsatz nicht mehr; in der Verwaltungskommission spielt die wichtigste Rolle ein Herr Guido Zernatto, einer der Besitzer der Wiener Buchhandlung Braumüller. Dieser Zernatto ist auch sonst für den heutigen Kurs charakteristisch, als Lyriker von mittelmäßiger Begabung war er Mitglied des Pen-Clubs und hat diesen verlassen, als im Club ein Protest gegen die Hitlerbarbarei angenommen wurde. Bis zum Februar ließ er sich die Wahl zwischen braunem und weiß-grünem Faschismus offen. Die großen Wiener Volkshochschulen sind von allen Dozenten gereinigt worden, die auch nur in den geringsten Ver» dacht geraten könnten, etwa auf dem Gebiete der Physik eine andere Quelle als den Thomas von Aquino heranziehen zu wollen. Der Ersatz, den der Volksbildungskommissär, ein Herr Lugmayer, den Instituten aufgezwungen hat, ist in keiner Weise zureichend. Man darf ruhig sagen, daß das Werk von Ludo M. Hartmarin nicht mehr besteht. Noch schlimmer als auf dem Gebiet der Erwachsenenbildung macht sich die Reaktion im Schulwesen geltend. Zunächst hat man die Leiter aller städtischen Schulen beseitigt, die im Verdacht standen. Sozialdemokraten oder Freigewerkschafter zu sein. Bis zum Sommer sollen 600 Lehrer und städtische Beamte auf die Straße geschmissen werden; vorwiegend Konfessionslose und Sozialdemokraten. Die religiöse Freiheit, die der Friedensvertrag dem österreichischen Volk garantiert, ist also praktisdt beseitigt. Von dem Druck, der auf Konfessionslose in Oesterreich ausgeübt wird, kann sich niemand eine Vorstellung machen. Es heißt buchstäblich für jeden einzelnen Konfessionslosen, der in Arbeit steht oder Arbeit haben will: entweder Eintritt in die katholische Kirche oder Verhungern. Die Arbeitslosenämter vermitteln keinem Konfessionslosen Arbeit! Kein Wunder, daß viele Konfessionslose in die Kirche zurückkehren. Mit welchen Gedanken, das kann sich jedermann vorstellen. Das Regierungsblatt„Reichspost" schreibt in einem Triumphartikel mit zynischer Offenheit:„Nach dem 15. Februar, buchstäblich mit dem letzten Schuß, wurden die Bäche zum mächtigen Strom und die Seelsorger standen vor der schweren, aber dankbaren Aufgabe, über 22 000 bisher in die Irre Gegangenen wieder der Kirche anzugliedern." Der religiöse Zwang macht sich natürlich auch in der Schule geltend. Selbstverständlich besteht die religiöse Freiheit der Kinder nicht mehr, a 1 I e, ob konfessionslos oder katholisch, müssen an allen religiösen Hebungen teilnehmen. Dieser Druck wird sich noch verstärken, denn als Ersatz für die auf die Straße geworfenen Lehrkräfte sollen nur noch Absolventen klösterlicher Lehrerbildungsanstalten aufgenommen werden. Das pädagogische Institut der Sadt Wien, eine der edelsten Leistungen der roten Gemeinde, ist durch Entlassung aller modernen Lehrkräfte überhaupt reformiert worden. Menschen von internationalem Ruf mußten verschwinden: an ihre Stelle traten obskure Leute, wie der Jesuitenpater Bichlmayer oder ein Herr Karl Ernst Butz, den bisher auch in Oestereich kein Mensch kannte. Die Zweizüngigkeit der Hauptschulklassen, deren Wert darin bestand, daß auch dem Arbeiterkind der Weg zur Mittelschule offen stand, ist abgeschafft worden. Damit:st für Arbeiterkinder der Fremdsprachunterricht nicht mehr obligat, er ist allein den Kindern der höheren Schichten vorbehalten. Diese Maßnahme ist um so absurder, als doch ein Land des Fremdenverkehrs sprachkundige Menschen braucht. Aber die Herren von heute sehen nichts außer ihrem Klasseninteresse, das sie eben vor der Konkurrenz der Proletenkinder zittern läßt. Den Eltern hat man die Möglichkeit genommen, sich gegen die Verschlechterung der Schule zu wehren. Die Elternvereine dürfen weder Sitzungen noch Versammlungen abhalten und die Ausspracheabende zwischen Eltern und Lehrern sind verboten. Gleichzeitig hat man die Unentgeltlichkeit der Lehrmittel eingestellt. Erst nach vielen Gesuchen wird sie einzelnen Kindern zugestanden werden. Wie einst im alten Oesterreich werden die unentgeltlichen Lehrmittel wieder ganz anders aussehen als die Lehrmittel, die die Eltern ihren Kindern kaufen, damit die armen Kinder von vorneherein wissen, daß sie sich eben von den Kindern reicher Eltern unterscheiden. Der Katholizismus im Deutschen Reich der Hitler und Göring leidet schwer unter den Verfolgungen durch die braunen Barbaren. Aber weit mehr als den Katholiken im Reich geschieht, geschieht in Oesterreich im Namen und Zeichen des katholischen Christentums den Arbeitern. Die blutigen Mittel der Gegenreformation aus dem 16. und 17. Jahrhundert feiern im Herzen Europas ihre Auferstehung. Es ist kein Zweifel, daß der Triumph dieser Methoden nicht von langer Dauer sein wird. Das eine aber ist sicher, daß diesem Triumph des Klerikalismus eine furchtbare Gegtn- bewegung folgen wird. Jloxi&ZC!JjkexUCt&tiC^ ftaqual, Jacques JCCeia, Cocteau Die erste Aprilhälfte hat endlich einige der Hoffnungen erfüllt, um die man sich bei dem Verlauf, die die Pariser Spielzeit während der letzten Monate zu nehmen schien, schon fast hätte geprellt wähnen können. Daß„Das Grabmal des unbekannten Soldaten" von Paul Raynal im Spielplan der„Comedie-Francjaise" erneut einen Platz gefunden hat, wäre restlos zu begrüßen gewesen, wenn sich das„Haus Molieres" seiner Pflichten gegen den großen lebenden Dramatiker bewußt geblieben wäre. Es kann sich nämlich bei der Aufführung eines derartigen Werkes nicht lediglich um die Tatsache handeln, daß es gespielt wird: nein, w i e es gespielt wird, darauf allein kommt es an. Die vorliegende Wiedergabe war aber kurzerhand unter aller Kritik. Die verdienten Ei folge der beiden letzten Wochen lagen bei den Bühnen Dullins und Jouvcts. W ar Charles Dullin mit der Ausgrabung eines Fünfakters von Shakespeares Zeitgenossen John Ford vielleicht dieses Mal etwas weniger glücklich, so hat er mit„L e s C o q s' 1 von Jacques Kle>n, dem eröffnenden Stück dieses fast allzu reichhaltigen r rieb- jahrsabends, einen besonders glücklichen Griff getan. Jacques Klein war bisher, nur durch die Theatergruppe„La Com- pagnie du Rideau", nur für ein enger umschriebenes Fub.i- kum als Dramatiker erschlossen worden.„Les Coqs( ie Hähne) zeigen ihn als eine jugendliche Begabung, die im Humor und in der Tiefe des Empfindens zu sehr brtrarht- liehen Entwicklungshoffnungen berechtigt.^ Die Schicksale eines Häufleins junger Leute, in deren Studiensaal die Lie e und der Krieg gebrochen sind, wird uns mit anziehendster Anschaulichkeit geschildert und eine vorzügliche Inszenierung tut alles Ihrige, um dem Werk seine gebührende Geltung zu verschaffen. Daß diese Inszenierung..Wladimir Sokolott gezeichnet war, verleibt ihr ein besonderes Interesse, rnn, in der Truppe Tairoffs geschult, wird dieser zweifellos als Regisseur in Paris einen weit wichtigeren 1 latz au u„en können, als es ihm schauspielerisch voraussichtlich vergönnt g-•weceu wäre. Der Darsteller Sokoloff, dessen Pariser Ruf aus dem Film stammt, war in seinen verschiedenen Debüts auf den Bühnen Rödlers Abel Devals und Charles Dullius nicht übet mäßig glücklich gewesen: als Spielleiter hatte er sich schwerlich günstiger einzuführen vermocht a s durch Wie aus soeben veröfsent- lichten amtlichen Statistiken hervorgeht, ist der Anteil der jüdischen Bevölkerung Palästinas an der Gcsamtbevölkerung Im Lause de? JabreS 1033 auf volle 22 Prozent gestiegen. Ungeachtet der Hindernisse, die die Palastinarcgierung der jüdischen Einwanderung entgegenstellt, wurden i. I.>033 30.327 jüdische Rcueinwandcrer registriert. Tie jüdische Be- volkeruug Palästinas zählt jetzt 245 000 Seelen, lieber 15 000 jüdische Neueinwanderer baben im Verlaus des letzten JahreS Arbeit auf verschiedenen Gebteten gesunden. In in- dnttriellen Betrieben ivnrden 400(1 Arbeiter neu eingereiht. Ebcnsoviele haben bei Bauarbeiten Beschäftigung gefunden, gegen 3000. neue Arbeiter hat die Landwirtschaft auf- genommen. Die übrigen Einwanderer haben als Beamte und Angestellte Beschäftigung gefunden. Slraßburöcr Wochenbericht Vier glückliche Fußballer In Thann gewannen vier Fußballspieler bei der Ziehung der 9. Tranrlie der Nationallottcrie eine Million. Zvar gaben die glücklichen Gewinner bis jetzt ihre Namen noch nicht, doc*- wird ihnen in dem Städtchen die H ahrung des Inkognitos nicht gelingen. Da sie jetzt Millionär geworden sind, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als die Freuden und Leiden dieser überraschenden Vermehrung ihres Vermögens ausaukosten.— In Straßburg gewann eine Stammtischgesellschaft hunderttausend tranken. Ehe man hier an die Teilung des Geldes geht, will man zuerst im Autocar eine Schweizerreise machen und sehen, was dann noch übrig bleibt. Neuigkeiten Eine etwas aus dem Gleise geratene Automobilistin. die ihre Anfängerkenntnisse weit überschätzte, fuhr in Neudorf aus alter Fußgängerübung auf das Trottoir und rannte drei Personen über den Haufen. Eine Frau wurde dabei erheblich verletzt., Seim Abriß eines Hauses gegenüber vom Building an der Ecke Grand rue stürzte ein Gerüst ein. Zwei»• arbeitet wurden schwer verletzt. In der Kue e Solcure wurde der Fuhrmann Schneider vom eigenen Fuhrwerk totgefahren. Der Aeroklub d Alsace nahm am vergangenen Samstag auf dem Polygon mit mehreren Flugzeugen seinen regelmäßigen Schulungsbetrieb auf, Leute, die am Fliegen Spaß baben, können unter günstigen Bedingungen ein Touristik-Zeugnis erwerben-......>- Im Mär, wurden von der Polizei«73 Verkehrssünder festgestellt. Neben Geldstrafen in verschiedener Hohe wurde m elf Fällen Entziehung des Führerschein« ausgesprochen. An Stelle der Signalglocken erhalten die Feuerwehrautos auf Grund eines einstimmigen Gemeinderätsbeschlusses Hupen. Der„Elsässer" erblickt darin eine „Assimilation an die Pariser Verhältnisse". Die Straßburger Elektrizitätsgesellschaft verteilt bei einem Reingewinn von 11371013 Fr.(11 300096 i V.) eine Dividende von 8 Prozent, wie. im Vorjahr. Das Telefonamt Straßburg nahm eine neue Serie von Anschlußnummern zwischen 10 000 und 10 300 in Betrieb. Die neuen Nummern werden wie folgt verlangt:(Beispiels weise 10 080) zehn-null-achtzig. Am 23. April findet im Verwaltungsgebäude eine SitzuNg des Generalrats des Bas-Rhin statt. In einem Aufruf bittet die Mairie die Bevölkerung, im Interesse der Hebung des Fremdenverkehrs Fenster, Balkone, Terrassen, Vorgärten usw. mit Blumen zn schmücken. Die gestörte Pilsudski-Feier vor Gericht Von sieben jungen Leuten, meistens Kommunisten, die wegen Störung der Pilsudski-Feier, die von der polnischen Kolonie im„Salle de Fleurs" in Neudorf vor einigen Wochen veranstaltet wurde, vor Gericht standen, erhielt einer wegen vorsätzlicher Körperverletzung 15 Tage Gefängnis, ein anderer wegen Gewalttätigkeit 10 Tage Gefängnis, drei weitere wegen gewaltsamen Eindringens in fremdes Eigentum je 8 Tage Gefängnis. Zwei Teilnehmer wurden freigesprochen, weil ihnen eine Schuld nicht nachzuweisen war. Die Spartätigkeit in Straßburg Seit sechs Jahren haben sich die Gesamt guthabe» der Sparer bei der Städtischen Sparkasse fast verdreifacht. Im vergangenen Jahr erreichten die Zinsen allein eine Höhe von 17,9 Millionen Fr. Die Zahl der Einleger ist von 137 931 ita Jahre 1928 auf 167 310 im vergangenen Jahr gestiegen. Bei der Bevölkerungszahl der Stadt Straßburg, die jetzt etwa 180 000 Einwohner und 52 000 Haushaltungen zählt, zeigt die Zahl der Einleger, daß die Sparkasse auch von Auswärtiger stark benutzt wird. 180 Millionen Fr. wurden 1933 eingezahlt Die Rekordziffer war 229 Millionen 1931. Ueber 100 Fr. zahlten 110 490 Einzahlerein, unter 100 Fr. gahs 16 000 Ei* /.ahler. von 5 bis 20 Fr. zahlten 3000 Personen ein. Die Rückzahlungen erreichten im abgelaufenen Jahre die Rekordhöhr von 162 Millionen Fr., trotzdem haben Gesamtguthaben und Sparer zugenommen. Die Sparkasse konnte aus den Spargeldern 77,2 Millionen Fr. Hypothek engelder gehen, mit denen 287 neue Wohnhäuser, in denen 1048 Wohnungen untergebracht sind, gebaut werden konnten. In der Woche vom 3. bis 7. April wurden 4 745 527 Fr. neu eiu^*"«1»k. Der gegenwärtige ZinsfuÄ ist 3,5 Prozent. Protestkundgebung der Beamten In einer- gut besuchten Versammlung protestierten die Beamten in der„Aubette" gegen diu Decrets-Iois. Sprecher der. verschiedenen Berufsgattungen der Beamten kamen zu Wort. Die Beamten wurden aufgefordert, sich zu einem P rötest streik bereit zu halten. Die V ersammlung verlief ruhig. Kunstkalender Im Stadttheater brachte das deutsche Schauspiel- ensemble Maz Halbes..Der S t r o m" neu heraus und erzielte einen großen Erfolg. Die Leharoperette..Der Za rewitsch" steht in dieser Woche zum ersten Mal auf dem Programm.— In der Galerie Aktuaryus stellen der Landschaftsmaler Grosjean und der Glasbildhauer Colone aus Nancy ihre neuesten Schöpfungen aus. Im Elsässischen Kunsthaus lenkt der bekannte Maler Luc HüLr das Interesse der Kunstfreunde auf sich. Die Wiener Sängerknaben kommen am 29. April ins jetzt schon ausverkaufte Sängerhaus, am 30. April singen sie im Münste r. Vorverkauf bei S. Wolf^ Meiseugasse. E. D, Pariser Deridite Pariser Straßenhalender Der Abgeordnete der Gironde M. Henriot, der«einer Zeit die Enthüllungen über den Guyana-Skandal und seine Beziehungen zu Stavisky und Arlette Simon machte, hat ein Buch über den 6. Februar geschrieben. Es ist bereits das dritte dieser Art auf dem Markt. « Am Sonntag bringt Poste Parisien„Evocations de danses" der bekannten deutschsprachigen Schriftstellerin Hermynia Zur Mühlen. ck Im Empire sind die alten Kostüme zu ,.Kathinka u, die die Mitspielerin von Rita Georg getragen haben, ebenso wie die der Operette„Deuz sous de Fleurs" versteigert worden. * Sehr viel Aufsehen erregte es, daß ein von der„grünen Minna" Transportierter es fertig brachte, ein Brett zu lockern und zu entfliehen. Der„Held" dieses Abenteuers ist der 18jährige Roger Gaudart, ein Junge, bleich, mit Röteflecken, eine gelbliche Mütze auf dem Kopf. Er war wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und Beleidigung von Schutzleuten verhaftet worden und sollte nach dem Depot am quai d'Horloge gebracht werden. * Vom Pariser Polizeipräfekten wird die Verordnung von 1911 zur Sauberhaltung der Straßen in Erinnerung gebracht. Es ist verboten, auf Straßen, Bänken oder Anlagen usw. Papier, Abfälle, Obstschalen usw. wegzuwerfen oder sie dort liegen zu lassen. * Die Linie 66 der Pariser Trambahn ist durch Autobusse ersetzt, die von Colombes nach Porte de Clignancourt fahren, außerdem sind die beiden Linien 90 und 94 durch eine Autobuslinie von Clamart bis Malakoff ersetzt. ¥AYl@IB HOTEL b, RU b 7 A YLOk. PARIS HO) (Garen Nord et Est) Telephone Botzar in 17-85 Schöne Zimmer, müssige Preise. Wenn Sie gemütlich und ruhi£ wohnen wollen, so steigen Sie im HAtel.. T A V L d R" ab. Sosialistin Saarländerin, 37 Jahre, möchte Oesinnungsfreund nicht unter 40 Jahre, der Wert auf Häuslichkeit legt, kennen lernen. 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Offenbar sind die Karten so verteilt, daß Friedrich Sieburg das aufgeklärte und der„Angriff-Pariser das unverfälschte Barbarentum zu vertreten hat. Dazu paßt es dann wunderbar, daß die Nazis, Studenten und Herr von Heimburg, bei gelegentlichen Anlässen in Paris als Redner mit Sammet- händchen auftreten. Neuerdings nimmt sich der„Angriff aufs ungenierteste das französische„Marxistenpack" vor. Dies geschieht anläßlich eines verlogenen Berichts über die Zusammenstöße, die in den Champs Elysees zwischen Anhängern der Solidarite Franxaise und Verkäufern der Zeitung„Le droit de vivre" stattfanden. Der„Angriff benutzt diese rein innerfranzösischen Vorgänge zu einer üblen Hetze gegen die Emigranten. Nun kann ja zwar auch ein Emigrant mal etwas werden, wie der österreichische Emigrant Adolf Hitler in Deutschland bewiesen hat, aber in Frankreich hält sich jedenfalls aus wohlerwogenen Gründen die Masse der Emigranten von jeder Einmischung in die inneren Verhältnisse des Landes fern. Wir erinnern daran, daß wir z. B. vor dem französischen Generalstreik die Flüchtlinge ausdrücklich aufgefordert haben, sich von Kundgebungen fernzuhalten. Auch die Behauptung des„Angriffs", daß die Liga gegen den Antisemitismus unter der Leitung deutscher Juden stehe, ist erlogen. Hingegen gehören zu den vom„Angriff" mit beleidigten führenden Persönlichkeiten dieser Organisation die hervorragendsten Vertreter des französischen Geisteslebens. Wir wollen im einzelnen nicht alle aufzählen, wer zu der „famosen Liga gegen den Antisemitismus" und dem „jüdischen Marxistenpark"(wie es der„Angriff" zu nennen beliebt) alle gehört. Wir wollen nur feststellen, daß sich darunter die angesehensten Politiker der französischen Republik, hervorragende Mitglieder und Vorsitzende auswärtiger Kommissionen und der Leiter der Rathäuser der bedeutendsten Städte Frankreichs mit betroffen fühlen müssen. Frankreich ist ja vielleicht den„deutschen Angriff" gewöhnt, aber gar so klobig sollte er doch nicht kommen.——— Der Radio-Vortrag Henri Dergsons Der berühmte französische Philosoph Henri Bergson hat in dem ersten der neu vom Ministerium eingerichteten philosophischen Vorträge auf Radio-Paria die Entwicklung de* französischer Geistes aus den Denkern Palcal und Descartes bis zu Henri Poincare gefeiert. Bergson erklärte dann die Hauptprinzipien des französischen Denksystems, das insbesondere auf der Logik aufgebaut ist, und legte ein Bekenntnis zu dem Leben des französischen freien Volkes ab. Den nächsten Vortrag dieser Art hält der Professor Brunseh vieg. Mitglied des Instituts, am Dienstag, dem 17. April, über die„Aufrichtung der Moral", eine Woche darauf spricht Professor de B r o g I i e. vom Institut, über die geistige und sittliche Bedeutung der Physik. Der Telefonrofi Ein Telefonruf, ein redigiertes Wort in einem Telegramm entscheidet manchmal. Im Telegi«mm von Dijon ist es das seltsame„H", das der Absender vor den Namen des Doktors Ehringer gesetzt hat, das auffällt. Im Falle des Ministers Dalimier ist es der Telefonruf wegen der Bayonner. Diese Reden und Gegenreden vor dem Untersuchungsausschuß sind von attischen Eigenschaften, von platonischer Schärfe, von großem und spitzfindigem römischen Format. Es ist äußerst interessant für Dramatiker, sie zu lesen. So wie diese müßten die Szenen eines neuen Ibsen aufgebaut sein. Nur geht es hier um das Ernsteste, das es gibt, um die Wirklichkeit. Nun haben sie es also rausgekriegt, die Herren in der Kommission, der kluge und unerbittliche Vorsitzende Abgeordneter G u e r n u t als alter Menschenrechtler am meisten hat nicht locker gelassen. Schließlich ist es heraus: der Zeuge Henry, einer der Aktuariusse des Ministeriums der Arbeit hat gestanden, daß der berühmte Telefonruf wegen der Bayonner von Pierre Alype stammte. Ein großer Fisch gefangen. Der Kabinettsekretär des Ministers Dalimier selber hat durch Telefon angeordnet, einen Brief zugunsten der berühmten Bons zu redigieren. Die Folge dieser Eröffnung wird die Aufhebung einer weiteren Immunität sein. Briefe, Telegramme, Fernsprüche haben ihr Schicksal. Die Untersuchung ist einen großen Schritt weiter gekommen.— Elim-Paris Der neue Greta-Garbo-Film„K önigin Christin e", der im Empire erschienen ist, ist unter der Regie von Rouben Mamoulian geschaffen worden. Im Paramount läuft jetzt ein neuer„Casanova"-Fi!m mit Mosjukin. Im Colisee sieht man den Film„R oiair e", nach einem amerikanischen Unterhaltungsroman. Das Ende der Bandifen auf Korsika Mit den Banditen auf Korsika und ihrer Romantik gehts zu Ende. Das Fallbeil, auch„Monsieur de France" genannt, mit dem der verstockte Sarret hingerichtet wurde, ist nach der Insel der Blutrache gefahren, wo der französische Henker Deibler auf den Banditen T o r r e wartete, dessen Hinrichtung bestimmt war. Torre, ein junger, kühner und gefährlicher Verbrecher, stand neulich stolz und verachtend vor seinen Richtern, zusammen mit seinem unbeholfenerem Vetter, den er wie ein Kind schützte. Eine echte alte Banditennatur geht in ihm zugrunde. Einer aus alter Raubfamilie, aus der Bande des großen„Einäugigen", einer, der sein Leben schwer gegen die Polizei verteidigte und die Felsen herunter gestürzt hat, als sie ihn fangen wollten. An Torre klebt Blut, er stirbt den Tod als einer der letzten der Banditen alten Schlages, die in die Volksphantasien und in die Moritaten übergehen. Ja, mit den Banditen auf der Felseninsel geht es zu Ende. Dieser Tage hat man die grausame Mär von dem Banditen S p a d a gelesen, der, weißhaarig und barfuß, wie einem Grabe entstiegen, in Marseille von dem Verließ seiner Heimatinsel eintraf. Er trug ein seltsames braunes Gewand und um die Schultern ein langes Christus-Kreuz. Ob Simulant oder Wahnsinniger, das soll jetzt die Beobachtung des Irrenarztes lehren. Jedenfalls war dieser Aufzug durch Marseille auffallend und belehrend. Ja, mit dem Banditentum auf Korsika gehts zu Ende. Dos Ende Sorrefs Wie nachträglich aus dem„Intran" bekannt wird, ist die Guillotine, mit der Sarret in Aix-en-Provence hingerichtet wurde und unter der dann auf Korsika der Bandit Torre sein Leben aushauchte, nicht mehr ganz diensttauglich. Es wird grauenhafter Weise bekannt, daß Sarret nicht durch den ersten Druck getötet wurde, sondern daß der Scharfrichter Deibler ein zweites Mal den entsetzlichen Knopf drücken mußte, um den„Mörder mit dem Schwefelbade" zu töten. BBUDKttlTNM „Wefttanb", die in Saarbrücken erscheinende unabhängige deutsche Wochenzeitung, bringt in ihrer Ausgabe vom 14. April u..r. diese Beitrage: Hitlers erste Niederlage— Rosenbergs Kamps gegen Rom— Streng vertraulich: Dümpelmann..1— Rassenluche an der Saar— Konzentrationslager Vulkanwerst— Der Verfall der deutschen Presse— Wieder Ersatzstoffe. Hedwig fl. Das ist ja eine glühende Liebeserklärung an die „Deutsche Freiheit".— Den Brief aus dem Reiche, für den wir be» sonders danken, hoffen wir gelegentlich verwenden zu können. „Holländer". Ihre Drohungen mit Mord und Totschlag, sosern wir uns einmal in Holland sehen lagen, haben wir mit der bei so hart- gesottenen Sündern verständlichen Fassung entgegengenommen. Ob Sie wirklich Holländer sind? Trotz Ihres fehlerfreien Holländisch bezweifeln wir es. Aber wenn schon: warum sollte es nicht auch unter den Holländern verrückte Sadisten geben? Odenwälder. Ihnen verdanken wir einen Bericht aus einer hessischen Zeitung, die mit Stolz aus Erbach berichtet, dag dort der Odenwaldklub beschlossen hat, einheitliche Wanderkleidung anzu» schaffen. Der Wanderdolch wird auch noch verliehen werden. Blauiveiß. Wenn Sie uns zuverlässig berichten, woran wir nicht zweifeln wollen, hat das Amtsgericht Nürnberg am 28. Februar einen sechsjährigen Knaben Kurt EiSner von dem Vornamen Kurt befreit und ihm dafür den Vornamen Erich gegeben. Kurt Eisner hieß der im Jahre 1919 von dem Grafen Arco ermordete sozialistische Ministerpräsident Bayerns. Die Eltern hätten beantragen sollen, dem Jungen den Namen Arco zu geben, um so als gute Christen» menschen zu zeigen, daß ihnen ein nationalsozialistischer Mörder lieber ist als ein jüdischer Idealist, der Kurt Eisner war. H. K., Paris. Im Reichstagshandbuch haben Sie folgende Ein» tragung des derzeitigen deutschen Reichskanzlers gefunden:„Hitler, Adolf: Reichskanzler in Berlin. Wahlkr. 24 fOberbayern-Schwabenl. Geboren am 20. April 1889 in Braunau am Inn: katholisch. Be- suchte Volksschule und Unter-Rcalschule. War, um seine Studie«' zu ermöglichen, Bauarbeiter. Von 1914 bis 1929 Soidat. Zur Zelt deutscher Reichskanzler.— Mitglied des Reichstags seit der 8. Wahl» Periode 1938." Sic schreiben uns dazu:..Als typischer kleinbürgerlicher Parvenü schämt sich Hitler seiner handarbeitenden Vergangenheit. Er ent- schuldigt sie mit„Studien". Sie sollten einmal fragen, was er eigentlich studiert und in welchem Beruf er reüssiert, hat, ehe er voll- tisch« Wunderdoktor und Heiland der Deutschen wurde. Es würde sich dabei ergeben, daß Herr Hitler bis zu seinem Eintritt in das politische Leben, immerhin als 31sähriger, eine gescheiterte Existenz war."— Richtig, Er ist ja auch das Sprachrohr der Gescheiterten.- H 6., Prag. Aber natürlich sind auch die Schachvereine gleich» geschaltet. Am Rhein, so haben wir gelesen, sind„wilde" Schach- vereine, die dem nationalsozialistischen Großdeutschen Schachbund nicht angeschlossen sind, sogar verboten. Wenn sie sich nicht unter- werfen, werden sie aufgelöst und das Spielmaterial wird ihnen durch Beschlagnahme gestohlen. Warum sollen die Schachvcrcine ander? behandelt werden als die Bereine der Kaninchen-, Ziegen- und Kanarienzüchter? Das ganz« Teutschland muß dem allgemeinen Führerfimmel angeschlossen sein. Außerdem steckt hinter der Gleich» schaltung auch des kleinsten Vereins noch etwas mehr: man fürchtet, daß in unkontrollierbaren Vereinen sich getarnte Opposition an» siedeln könnte. „Nahe." Trösten Sie sich mit der^chmuckwarenindustrie von Pfbrz- heim, die ganz auf den Hund gekommen ist. Der Umsatz betrug 1927 141,1 Millionen, sank 1932 auf 69,5 Millionen und fiel 1933 weiter auf 42,2 Millionen.— Auch das dürfte eine Folge des Primitivität»- kults der Marxisten sein. Wenn demnächst nach des Reichskanzlers großem Plan 12 Millionen Deutsche in eigenen Wagen durch Ger- maniens Gaue fahren, werden sie sich und ihre Krauen und Töchter wieder mit Schmuck behängen. Geld werden sie bei dem rasende» Wirtschaftsausschwung ohnehin haben wie Heu. „Die neue Weltbühne", Prag 1, M-lantrichova 1. Heft IS, des neuen Jahrgangs ist soeben erschienen und enthält folgende Bei- träge: Herm. Budzislawsti: Kirchen im Klassenkampf: LouiS Fischer: Trotzkis Tragödie: H. R. van Doorn: Tie Sache mit dem Optimist II: Gerat» Hamilton: Sowsetchina: Stefan Hcnm: Gläubigerkonferenz: Albert Grimm: Zwei Bastarde: Heinz Pol: Lebende Kommune:». M.«Iland: Die Arbeitsschlacht: Erich B-inert: Tie Völkerhändler: Bemerkungen— Antworten. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P t y in Dud» weil«: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Boiksstimme GmbH„ Saarbrücken 3, Schützenstraße S.— Schließfach 77« Saarbrücken. mm iMmimmi IV«retw&renge«chlft Marti, Roidftor*!, Wtim tmd UUn Jxoduüs Jthmid lt. Soalaror« s« Sfraate—g. S, ri. St Um» JUlCiS, MlinaPU Tslslaa 4 LialM vsratalgt amtwr aOTZMK M-It Werbt lür die..Deutsche Freiheit" jPorfcur fpccinfisde I DEUTSCHSPRECHEND I Münchan« u Pariser PakultSt 17, rue Reaumur Mstro Arts-st-Mttlsri od. Bspublique Frauen-, Bluf«, Haut», Harn- und Ge- idilechtskrankheiten, Tripper, Syphilis, Männerichwäche. 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