Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 88— 2. Jahrgang Saarbrücken, Dienstag, 17. April 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt Stachemtecg. Vizekanzlee? Seite 2 JxcMwtc du ttnigcatioH Seite 3 Vecscho&e«e ActeUsschlacht Seite 4 tnde, des JCankoedcäs? Seite 7 „Geheimnis" om Irofzhl Gehü nsf elfe Aufregung in der Presse Paris, 16. April. Am Rande des großen Waldes von Fontainebleau wohnte ein Mann in einer Villa, um die es nicht geheuer war. Das Landhaus steht in dem schönen Orte Barbizon, bekannt durch seine schillernden Frühlingsfarben, die schon den großen Maler Millet gereizt haben. Der Mann hieß Trotzki. Die guten Leute raunten furchtbare Dinge. Die Post wurde nicht durch einen gewöhnlichen Briefträger bestellt, sondern durch einen Motorfahrer. Es kamen und gingen geheimnisvolle Boten. Die Wäscherin gar, so wird geraunt, durfte das Dornröschenschlotz nicht betreten, sondern warf die Wäsche über die Mauer. Also kurz und gut, die Polizei umstellte das Haus, und als sie es umstellt hatten, fanden sie Trotzki. Trotzki, der Ver- Ichollene, der vor Jahresfrist von der Insel bei Konstan- tinopel kam und erst wohl nicht weiter als bis Korsika gehen durfte, und nun saß er hier amWalde von Fontainebleau. Die Brigade von Ponthierry hat ihn erspäht. Doch heißt es nach späterer Meldung, daß er ordnungsgemäß zum Wohnen in Seine-et-Marne ermächtigt sei. Der geheimnisvolle Motorradfahrer wurde ebenfalls ge> fangen. Doch dann wurde, wie die Zeitungen sich ausdrücken, der Angriff aus den ehemaligen Volkskommissar und seine Frau nebst den drei bei ihm wohnenden Schülern ab- geschlagen. Ter Gründer der vierten Internationale war wieder frei. Anscheinend hat die Aktion aus dem tiefen Walde den Zweck gehabt, dem großen Feinde Stalins das Beschäftigen wit der vierten Internationale etwas zu erschweren. Der ..Intransigeant" zum mindesten schreibt:„Wenn der frühere Volkskommissar, wie verlautet, seinen Wunsch der Grün- dung einer vierten Jnternationle nicht fortsetzt, wird man es dabei belassen, seine demnächstige Rückkehr nach Korsika zu überwachen. So stehts. Womit aber nicht gegen die tat- sächliche geistige Bedeutung des vielvertriebenen Trotzki ge- sagt sein soll. * Der gefährlidiste Emigrant Die Entdeckung, daß Leo Trotzki seit September 1933 un- gestört eine von feinen Leuten scharf bewachte Villa in Bar- bizon im Walde von Fontainebleau, also 69 Kilometer süd- lich von Paris, bewohnte, hat in der französischen Oeffent- lichkeit großes Erstaunen hervorgerufen. Die Umstände, die zur Entdeckung der Anwesenheit dieses Towjetpropaganda- wannes bei Paris führten, machen auch auf die breite Masse großen Eindruck. Der Motorradfahrer und Postkurier Trotzkis soll nach dem„Matin" ein deutscher Student namens Klement sein. Er hatte das Pech, vorgestern bei einer seiner Kurierfahrten nach Barbizon ohne Licht zu fahren, weshalb er von Gen- darmen angehalten wurde. Er weigerte sich, seine Papiere vorzuzeigen oder sich als Besitzer der Maschine auszuweisen. Das rief den Verdacht der Gendarmen hervor, die ihn mit aus die Wache nahmen. Dieser Vorfall setzte den Polizei- apparal in Gang und führte zu der Entdeckung Trotzkis, der in Barbizon unter dem Namen Soldow lebte. Nach der Presse besaß Trotzki seit Dezember 1933 eine Aufenthaltserlaubnis des französischen Innenministeriums für das Departement Seine-et-Marne, war also berechtigt, in dem in diesem Departement liegenden Barbizon Woh- nung zu nehmen. Natürlich wird in der Presse die Frage laut, unter der Herrschaft welches Innenministers Trotzki diese Aufenthaltserlaubnis bewilligt wurde. Im Dezember 1983 war Chautemps Innenminister. Chautemps erklärt im „Matin" zu dieser Verwaltungsmaßnahmc, Trotzki habe aus Gesundheitsrücksichten um eine Aufenthaltsgenehmigung in Jnnerfrankreich nachgesucht, da ihm das Klima auf Korsika nicht zusagte. Diese Genehmigung sei ihm auf sein eigenes Risiko hin erreilt worden, was keineswegs außergewöhnlich sei. Das Verhalten Trotzkis habe bisher wohl zu keinen Beanstandungen Anlaß gegeben. Auch sei vermutlich nicht zu befürchten, daß Trotzki nach seinen Schwierigkeiten mit Rußland etwa die Ordnung in Frankreich zu stören plane. Zwei große französische Blätter, der„Matin" und das „Echo de Paris", verlangen unverblümt, daß die französischen Behörden Trotzki ausweisen mögen. Der„Matin" weist darauf hin, daß sogar Franzosen, die irgend etwas begangen haben, der Aufenthalt in den Paris benachbarten Departements untersagt zu werben vflegt. Tagegen genieße der landfremde Trotzki das skandalöse Vorrecht, im Departement Teine-et-Marne leben zu dürfen. Das„Echo de Paris" hetzt gegen die Emigranten genug und befürchtet, daß der bolschewistische Agitator Trotzki, der eine vierte Internationale vorbreite, eines Tages bei einer Maikundgebung an der Spitze der Kommunisten auf die Straße gehen könnte. DaS Blatt schließt auch eine Aus- Weisung Trotzkis nach Korsika aus, denn es schreibt, man würde die Korsen beleidigen, wenn man sie zwingen würde, Trotzki bei sich aufzunehmen. Paris, 16. April. Der„Figaro" wirft die Frage auf, was Trotzki in seiner Villa in Barbizon eigentlich getan oder vorbereitet haben mag. Die Villa scheine ihre Geheimnisse zu haben, denn es seien bei Vornahme einiger Reparatur- arbeiten am Hause die Arbeiter während der Dauer ihrer Tätigkeit eingeschlossen worden. Außerdem sei der Ver- brauch an elektrischem Strom verdächtig groß. Da man in der Villa nach 19 Uhr abends gewöhnlich nur eine elektrische Lampe habe brennen sehen, könne der Stromverbrauch eigentlich nur die Schlußfolgerung zulassen, daß in der Trotzkischen Villa ein elektrischer Motor laufe, der möglicher- weise eine geheime Druckmaschine für die Hcrstelluna von Flugblättern treibe. VIM Stör Hemberg Vizekanzler? Die österreldiisdie Wehrfronf Wien, 16. April. Wie amtlich mitgeteilt wird, ist es dem Bundeskanzler T". Tollfuß gelungen, mit dem Heim- wehrführer Fürsten S t a r h e m b c r g zu einer Einigung zu kommen und„die Grundlage für eine Bereinigung und Ver- ichmelzung aller vaterländischen Gruppen im Rahmen der Vaterländischen Front" zu finden. Es werden in den nächsten ^.agen die entsprechenden Organisationsmaßnahmen er- wlgen, die schon im einzelnen festgelegt sind. Damit sind langwierige Auseinandersetzungen zum Abschluß gekommen, oeren eigentliches Problem in der Rivalität zwischen Star- Hemberg und Dollsuß bzw. zwischen der faschistischen Heim- wehr und der„christlich-autoritären" Regierung lagen. Der Bundeskanzler konnte entsprechend dem von ihm verkündeten autoritären Kurs aus die Dauer keine zweite Machtgruppe neben sich bestehen lassen, die noch dazu immer wieder in aller Oeffentlichkeit mit Ansprüchen auftrat, die den Eindruck er- wecken mußten, daß diese Hcimwehrgarde noch andere, außer- halb des Regierungskurses liegende Ziele verfolge und ihre eigenen Wege zu gehen geivillt sei. Durch die Einordnung der Heimmehr in die Vaterländische Front hofft der Bundes- kanzler offenbar, diesen Zustand zu bessern und sich vor Seitensprüngen der Heimwehr zu sichern. Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Heimwehr ja offenbar trotzdem weiterbestehen bleiben wird. Sie wird vielleicht so- 9ar noch eine erhöhte Machtstellung im Staate bekommen, wenn der angekündigte Ausbau der„Wehr front" in der Vaterländischen Front bedeuten sollte, daß sämtliche be- stehenden Wchrverbände unter der Oberleitung Starhem- bergs zusammengefaßt werden. Nach einer Erklärung des Bundesleiters der Vaterländischen Front. Generaldirektors Dr. S t e p a n. soll die V a t e r l ä n d i s ch e F r o n t die Ver- einigung aller Staatsangehörigen darstellen, die auf dem Boden eines„selbständigen, christlichen, deutschen, berussstän- disch gegliederten Oesterreick" stehen: die Wchrsrout wird eine der drei Gruppen sein, in die sich die Vaterländische Front nunmehr gliedern wird: neben ihr wird es noch die berufsständischen Organisationen und die Gebietsorganisa- tionen geben. Fürst Starhemberg, der jetzt bereits der Stellvertreter des Bundeskanzlers Dr. Dollsuß in der ober- sten Führung der Vaterländischen Front ist, dürste trotz aller Dementis auch sehr bald in die Regierung eintreten» wie vor einiger Zeit angekündigt wurde. Wahrscheinlich wird er zum Vizekanzler ernannt werden. Damit wäre der Kurs der Regierung allerdings völlig eindeutig klargestellt. Die Macht- stellung der austro-faschistischen Heimwehr wäre in ausschlug- gebender Weise in der Regierung verankert. Die Konse- guenzen könnten nicht mehr fraglich sein. Erankreidi und Polen Vor Barthous Reise Paris, 16. April. Außenminister Barthou wird in Warschau zahlreiche politische, militärische und handelspolitische Pro- blemc zu behandeln haben, die gegenwärtig auf der Passiv- seite des französisch-polnischen Bündnisses stehen, so urteilt der Außenpolitiker des„Echo de Paris". Was die militä- rischen Fragen betreffe, so spricht das Blatt von einer An- passung des Militärvcrtrages von 1921 an die heutigen Um- stände. Eine gleiche Anpassungsarbeit soll hinsichtlich der politischen Verträge von 1921 und 1925 vorgenommen und Gestern und heute Das Wort Protestant kommt von protestieren. Es betrifft Menschen, die eine eigene Meinung haben. Denn nur der Ueberzeugte protestiert. Der Unsichere duckt sich und schweigt. Die deutschen Protestanten hätten heute Gelegenheit, sich ihren alten Namen wieder zu verdienen. Ein großer und täglich größer werdender Kreis von ihnen protestiert heute mit einer Ueberzeugtheit, die aus dem Krampf und Schaum der Gleichgeschalteten mit einer bedeutenden Kraft aufsteigt. Ein Schritt, wie ihn jeßt der langjährige Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages, Dr. Wilhelm Freiherr von Pechmann, getan hat, enthält mehr innere Ueber- zeugungskraft als der Schwur von anderthalb Millionen Amtswaltern auf die tönende Wochenschau. Freiherr von Pechmann, ein Führer des deutschen Protestantismus, ist aus der protestantischen Kirche ausgetreten. Das ist eine Tat— aber ist es schon die Tat, die vom deutschen Protestantismus erwartet werden muß? Der Freiherr erinnerte sich wohl des Lutherwortes, daß man„in Gewissenssachen nicht zwingen oder dringen soll"'. Eine Forderung, die der Nationalsoziasmus einfach als Herausforderung empfinden muß. Denn was heißt denn„Gleichschaltung" anders als Beugung von Gewissen und Ueber- zeugung unter fremden Willen? Ob man diesen Willen nun als„gemeinsam" oder„übergeordnet" bezeichnet, tut dabei wenig zur Sache. Der Nationalsozialismus hat bald nach seiner Machtergreifung in der Kirche einen Grundsaß durchzuführen versucht, der in der deutschen Geschichte einen verhängnisvollen und verhaßten Namen hat. Indem er zunächst die protestantische Kirche gleichschaltete und nationalsozialistisch machen wollte, handelte er nach dem abscheulichen Prinzip: cuius regio, eius religio— zu deutsch etwa: wer die Macht besißt, dessen Religion herrscht. Denn das wird ja mit jedem Tage deutlicher, daß die„Deutschen Christen" in der Kirche nicht nur die Posten beseßen, sondern eine neue Religionsauffassung einführen wollen. Es paßt in die Landschaft, daß des Hitlers wilde Haufen dabei die Grundsäße des Dreißigjährigen Krieges anwenden. Und dagegen wehren sich die Gewissen. Das ist gut aber es ist zu wenig. Die den Namen Protestanten zuerst trugen, waren deutsche Fürsten und zum Teil rechte Blutsauger und Leuteschinder. Was heute im Namen und Rahmen der evangelischen Gewissensfreiheit in Deutschland protestiert, ist eine bürgerliche Schicht, die in vielem sicherlich von gestern ist. Das hindert nicht, daß ihre Ideale zum Teil wieder zu denen von übermorgen gehören werden. Diese Schicht hat nicht gegen die Konzentrationslager protestiert, sie hat den Mord schiveigend hingenommen und sich in die Vergewaltigung der politischen Ueberzeugung gefügt. Erst als der Staat in die Sphäre eingriff, die jenseits des Irdischen persönlichste Sache jedes einzelnen ist, begann der Widerstand. Freiherr von Pechmann beruft sich in seinem offenen Brief an den Reichsbischof Müller auf die drei Stellen in den Evangelien, die alle den Spruch variieren: gebt dem Cäsar, was des Cäsars ist, und Gott, was Gottes ist. Er hätte beinahe ebensogut sagen können: Religion ist Privatsache und geht den Staat nichts an. Wenn diese Schicht die Gewissensfreiheit verteidigt, so verteidigt sie ein hohes Gut. Aber es gibt keine Freiheit ohne V erpflichtung, und ein Gewissen, das zu den Greueln dieser Zeit schiveigt, ist doch eine fragwürdige Sache. Wir wollen annehmen, daß es zum guten Teil menschliche Schwachheit und Furcht vor dem Stachel des Todes t var, die die deutschen Protestanten zu vielem schweigen ließ, worüber sie hätten reden sollen. Sie schwiegen zu viel Unrecht, Jammer und Herzeleid, wie Freiherr von Pechmann selbst sagt. Die Vergewaltigung der Kirche ist unprotestantisch. Das Blutvergießen aber ist unchristlich. Wann werden die deutschen Protestanten hierzu ihre Stimme erheben und dem herodianischen Staat zurufen: Wer das Schwert nimmt, soll durch das Schwert umkommen? Argus. eine Reihe von Zoll- und Niederlassungsfragen zwischen bei- den Ländern geregelt werden. Zu den deutsch-polnischen Beziehungen bemerkt das Blatt, daß die Sowjets die deutsch-polnische Erklärung vom Februar so ausgelegt habe, als ob sie die Aufteilung West- rußlands zum Gegenstand habe, weil das das einzige Mittel wäre, um Kombinationen in die Wege zu leiten, bei denen sich die Unabhängigkeit Polens mit der deutschen Revanche in Einklang bringen lassen könnte. Eine solche Absicht sei aber wohl nicht durchführbar, und es bestehe vermutlich kein derartiger Plan. Psychologisch gesehen, sei diese deutsch- polnische Februar-Erklärung aber gefährlich, denn sie suche die polnische Politik von der geraden Linie, mithin also von der französischen Politik abzubringen. Mit dem Hinweis auf die Tatsache, daß Barthou vor seiner Abreise nach Warschau und Prag in Paris»och Titulescu sprechen wird, verbindet das„Echo de Paris" die Folgerung, daß in 11 Tagen nach der Rückkehr Rarthons nach Paris die französische Politik in allen ihren wesentlichen Punkten definiert sein werde. Was sollte der Reichstagsbrand?" »» Von Georg Dimitroff Zu dem in Kürze im Verlag„Editions du Garrefour". Paris, erscheinenden 2. Rraunbuch „Dimitroff lantra Göring" hat Georg Dimitroff einen Originalbeitrag geschrieben, de« wir mit Genehmigung des Verlags die folgenden Stellen entnehmen: „WaS war, was bedeutete der Prozeß und fein Ausgang? Der Prozeß— dieser größte politische Prozeß der moder- neu Geschichte— sollte beweisen, daß im Februar 1933 die nationalsozialistischen Henker Europa vor dem Volschewis- mus gerettet hätten... Die deutsche faschistische Presse hat es im Ansang nicht einmal für nötig gehalten, diese Absicht zu verbergen. Meine Mitangeklagten und ich wurden beschul- digr,„Beauftragte der russischen kommunistischen Partei in Moskau" zur Organisierung des bewaffneten Ausstandes in Deutschland mittels der Anzündung des ReichStagsgebäudcs zu sein, mit dem Ziel, ganz Europa zu sowjetisicrcn... Das waren die agitatorischen Ziele dieses ganzen Provo- kationsprvzesses. Was verfolgten die Nazis aber praktisch? Es kam ihnen darauf an, die faschistischen Brandstifter—. denn die ganze Welt war längst im klaren darüber, wo die Brandstifter zu suchen seien— zu rehabilitieren, und zwar sowohl im Lande selbst als auch auch jenseits der Grenzen. Sie wollte» die Schuld der Kommunisten„gerichtsnotorisch" machen. Sie wollten einen Borwand für die ungeheuerlichen Verfolgungen der revolutionären Elemente und für den grausamen Terror schaffen. Diese Verfolgungen, die bar barische Zerstörung großer Kulturgüter, das Wüten gegen die Wissenschaft und Kunst, ja selbst gegen einfache„Frei- geisterei", die Manenpogrome,„Selbstmorde", haben im In und Ausländ viel böses Blut gemacht. Durch die Schaffung eines Vormundes hierfür wollten die Faschisten sich von dieser Schuld reinwaschen... Ein Riesenapparat wurde in Bewegung gesetzt, um die Erreichung dieser Ziele zu sichern. Nicht nur der ganze Polizei und Justizapparat, sondern auch der riesige Zentral npparal der Nationalsozialistischen Partei und der iveitvcr- zweigte Apparat des Propagandamiiiisteriuins wurden mobilisiert. Das alles diente nicht dazu, um die Anklageschrift zu fabrizieren, sondern hauptsächlich dazu,„passende" Zeugen zu finden und zu drillen-... Es kam den Faschisten besonders darauf an„ diese„Zeugen" in Arbeiterkreisen, unter den Kommunisten oder gar unter den Funktionären der r<;volu- tionären Beivegung zu finden... Aber diese Pläne sind kläglich^gescheitcrt. Ungeachtet aller Anstrengungen erwiesen sich im Sinne der Anklage als brauchbare Zeugen nur natio- naksvziaktstnche Abgeordnete, faschistische Fvnrnatisten, Krt- minalverbrecher, Falschiuiinzer, rückfällige Diebe, Pssudo parhen und Morphinisten... Das Debüt des deutschen Faschismus aus der europäischen Bühne in 8en der Dichtkunst" besessen hatte: Drei Monate Gefängnis gegen einen Angestellten der sich völkisch nennenden Zeitung„Göitzschial" wegen„Weiter- Verbreitung unsinniger Gerüchte" über den Reichsstallhalter Mutickmann. Weiter standen zwei Nazis vor den Schranken des Ge- richts, die in ihren Uniformen eine Ivlche Fülle von Be- trügercien verübt hatten, daß der Staatsanwalt sich zum Einschreiten gezwungen sah. Tie Nazisührer Holmut Fiedler erhielt 9 Monate Gefängnis,(er war Feld meist er des Ar- beitsdienstes gewesen!, und der Angeklagte Rudolf vilsert wogen„eines Rattenschwanzes von Betrügereien, Urkundenfälschung und Diebstahl" fünf Jahre Zuchthaus. ♦ Münster. 14. April. sJnpreU: Wegen Verbreitung von „Gerüchten" verurteilt« das Schöffengericht Münster den Angeklagten Kegel zu zwei Monaten Gefängnis. d,« Ange- klagte Frau Hillmann zu 150 Mark Geldstrafe oder 15 Tage Gefängnis. Die Verhandlung ergab, daß die beiden Ver- urteilten„die üblen Nachreden", die sich aus den biirgerme'ster der Stadt Münster bezogen,„zum Teil durch eigene Erfindungen noch verstärkt hatten". Mit keinem Wort wurde bestritten, daß die„Gerüchte" stimmten. Im Gegenteil, Der Herr Oberbürgermeister erklärte in der Verhandlung: „Ich habe es gerade diesen Gerüchten zu verdanken, dag meine Amtsbestätignng beschleunigt wurde." Nachsommer in Landau London, 16. April. Am Tonntag herrschte in London und im Süden des Landes bei fast wolkenlosem Himmel die Temperatur eines Hochsommertages. In London zeigte daS Thermometer 23,9 Grad Eelsius im Schalten, was im April seit 49 Jahren nicht vorgekommen ist. Aus den Bädern an der Meeresküste sind alle Berichte gleichlautend: jvahre Heerlager von Männern, Frauen und Kindern am Strand entlang und die See voll von Schwärmen badender und schwimmender Menschen. Die einzigen, denen das prächtige Wetter unwillkommen ist. sind die für die Wasserversorgung der Städte und Dörfer verantwortlichen Behörden. Die Periode der Trockenheit scheint nicht enden zu wollen, wäh- rend das Land doch nichts so dringend braucht wie reichliche Regeniälle. Da« Neuesta Bei dem Eilenrieder Motorrennen in Hannover ver» unglückte der Berliner Willi Prötzig tödlich. Die Protestkundgebungen der französischen Beamten gegen die Sparerlasse der Regierung verliefen ohne Zwischenfälle. Bei Ronen wurde» 60 Hektar Wald, bei Les Essarts vier, zig Hektar Wald nnd am Marelberg 20 Hektar Wald durch Feuer vernichtet. Die Feuerwehr von Rone« hat sich an die Brandstätten begeben. Man hat bisher noch nicht feststellen können, oh es sich um Selbstentzündung oder Bandstistnng oder eine andere Ursache handelt. Ein Waldbrand ereignete sich am Sonntag auch bei Ehateau Thierry, wo 60 Hektar Ttaatssorst abbrannten. Hier wnrde der Brand durch Funken» slug einer Lokomotive der Strecke Reims—Paris hervor- gerufen. Bei den Löscharbeiten leisteten 100 Mann eines In« santerieregiments Hilfe. Bei dem Feftzug der chriftlich-sozialen Bauern»nd während der Rede des Bundeskanzlers Dollsuß in Graz kam es am Sonntag zu großen Gegenkundgebungen der National» sozialiften und der Sozialdemokraten. Es wurden zahlreich« Verhaftung«« vorgenommen. Der Weitertransport der geretteten Tlcheljufkin» Mannschaft von Wankarem nach Kap Wellen mit Schlitten«nd Flugzeuge« macht weiter gute Fortschritte. Gegenwärtig befinden sich in Wankarem nur noch 82 TIchel, justin-Lente. Aus dem Kabeltelegramm an den Pater des im eolnm- bianisch«n Urwald verunglückten Flngtapitäns Geck geht hervor, daß die Leiche des Kapitäns anfgesnnden worden ist. Bei der Einfahrt in de« Hasen Porto kenterte ein mit zwölf Mann besetztes Boot. Zehn Mann sind ertrunken, die beiden übrigen wurden gerettet, sind aber verletzt. Be:« Zusammenstoß eines Autobusses mit einem Last- kraftmagen in Elyria fOhiof wurden sechs Personen getötet und zwölf schwer»erletzt. Außerhalb des Hafens von Leixos bei Oporto wurde e i n Fischdampser von einer riesigen Welle zum Kentern gebracht. Nur zwei Mann der Resatzung konnten sich retten, die andere» zehn«»tranken. Ilmfall in Berlin und Paris? Taktik in der Rüstungsfrage Paris, Mitte April. A. Sch. Der gordische Knoten der Abrüstung-Aufrüstung sieht immer verwichelter aus. Sind früher Rom und London Unsicherheitsfaktoren bei den Abrüstungsverhandlungen gewesen, so kann es heute scheinen, daß selbst die bisher ruhenden Gegenpole im Kampfe um die Waffen, Paris und Berlin, Aenderungen in ihrer Taktik vor- zunehmen beabsichtigen. Der französische Botschafter in Berlin, Francois Poncet, ist in diesen Tagen nach Paris mit deutschen Verständigungsvorschlägen gekommen. Der konkrete Inhalt dieser Vorschläge ist unbekannt. Ihr Vor- handensein, obwohl von der französischen offiziösen Presse bestritten, unterliegt keinem Zweifel. Es geht um das Kompromiß in der Rüstungsfrage und anderes mehr, allerdings in unbestimmter Form vorgeschlagen. Auch die Geschichte mit der Einladung an Barthou, bei seiner Reise nach Warschau und Prag Berlin zu besuchen, steht im Zusammenhange mit dieser Mission. Berlin macht also wiederum den Versuch, wie im Oktober-November, direkteVerhandlungenmitFrankreichan- zuknüpfen. In irgendeiner Form will man Paris in die deutsch-polnische Verständigung einbeziehen. Wenn das möglich wäre, so nur durch eine Verzichtpolitik Deutschlands nach dem Westen, wie man mit zusammen- gebissenen Zähnen die Verzichtpolitik nach dem Osten eingeschlagen hat. Die Gründe einer solchen Sondierung sind leicht zu verstehen: die Wirtschafts- und Finonzkrise gefährden die Aufrüstung Deutschlands. Berlin hat Angst, daß. wenn es eine Abrüstungskonvention ablehnt, es doch nicht imstande sein wird, ungehemmt die Aufrüstung fort- zusetzen. Dann wäre vielleicht die beschränkte Aufrüstung im Rahmen eines internationalen Kompromisses doch weniger gefährlich, als durch die Wirtschaftskrise zwangs- mäßig beschränkte Aufrüstung ohne Abrüstungskonven- tion. im Wettrüsten mit den finanziell stärkeren Ländern und mit der Perspektive der Konflikte und Sanktionen. Und doch sind diese Verständigungsversuche, wie man sie in Berlin einleiten möchte, hoffnungslos. Sie finden in Paris keine Gegenliebe. BarthouundFrancois Poncet stehen ihnen ablehnend gegenüber. Man hält diese plötzlich aufgetauchten Verständigungs- Pläne für gegenstandslos. Dazu kommt noch, daß die hitlersche Diplomatie diese Verständigungsversuche nicht als eine außenpolitische Offensive, sondern nur als ein lahmes diplomatisches Manöver betreibt. Im Oktober- November hat die ganze deutsche Presse für die deutsch- französische Aussöhnung getrommelt. Man wollte Paris auch überzeugen, daß man in Deutschland eine Ver- ständigung will, man versuchte, die Volksmeinung zu inszenieren. Heute ist es anders. Man flüstert zwar von der„Verständigung" in den obersten diplomatischen Konz- leien, in der Presse und in der Öffentlichkeit geht indessen die Hetze und das Säbelrasseln weiter. Auf die englische Demarche in der Frage der Steigerung des deut- schen Militäretats antwortete der„Angriff" mit einem Ausbruch, zu dem als Motto das Zitat aus dem„Götz" durchaus passen würde. Man ist nicht einmal geschickt genug, die Versöhnungsstimmung vorzutäuschen. Anders sieht die taktische Schwenkung Frankreichs in der Rüstungsfrage aus. Frankreich hat bisher aus allen Kräften gegen jegliche Aufrüstung Deutschlands gekämpft. Frankreichs Generallinie ging bisher dahin, die Steige- rung der militärischen Macht Deutschlands zu verhindern. Dafür war es bereit, selbst etappenweise abzurüsten. Noch im März hat die Note Barthous an England Deutschlands Aufrüstung für glatten Vertragsbruch erklärt. Jetzt ändern sich die taktischen Zielsetzungen Frankreichs. Im Vordergrund steht nicht mehr die Nichtzulassung der deut- schen Aufrüstung, sondern deren Neutralisierung. Un- schädlichmachung. Das kann auf zwei Wegen erreicht werden: einmal durch die Aufrechterhaltung der mili- täuschen Kraft Frankreichs auf der jetzigen Höhe, durch die Ablehnung jeglicher eigener Abrüstung, dann durch die internationalen Vereinbarungen gegen die weitere Aufrüstung Deutschlands. Frankreich beginnt heute den zähen Kampf um dasneue System der Sank- tionen. Die Sanktionen des Versailler Vertrages find nach der zehnjährigen Nichtanwendung abgestumpft war- den. Neue Sanktionen, neue internationale Verein- barungen, neue Strafmaßnahmen im Falle der weiteren Aufrüstung Deutschlands können nur auf Grund eines neuen und besonderen Abkommens erreicht werden. Nicht mehr die Wiederabrüstung Deutschlands auf das Niveau des Versailler Vertrages, sondern die aktive Unterstützung Englands bei der endgültigen Beschränkung der deutschen Aufrüstung— dahin geht die Anstrengung Frankreichs. Es hieß früher: Nichtaufrüstung Deutschlands, fein Ver- bleiben im Rahmen des Versailler Vertrags bei der etappenweisen Abrüstung Frankreichs. Heute heißt es: Nicht-Wiederaufrüstung Deutschlands über ein bestimmtes Maß hinaus und Sondergarantien gegen jede weitere Aufrüstung bei der Nichtabrüstung Frankreichs. Das heißt nicht, daß Frankreich bereit ist, jetzt schon die Aufrüstung Deutschlands über den Rahmen von Versailles anzuer- kennen. Aber Frankreich gibt zu verstehen, daß im Falle, wenn England wirksame Sicherheit gegen jede neue Aufrüstung Deutschlands geben wird, es die deutsche Auf- rüstung des Jahres 1933 in irgendeinem Maße für den Stand des neuen anerkannten Gleichgewichts annehmen kann, wie das England und Italien verlangen. Eine solche Lösung würde keine Entspannung herbeiführen. Tie Abrüstung würde endgültig zu Grabe getragen werden. Diese Lösung würde auch keinen Aus- weg für das Hitlerdeutschland bedeuten, dos weder seine Wiederabrüstung, noch auf die Dauer die Beschränkung seiner Aufrüstung dulden will. Der neue Apparat der Sanktionen würde wie ein Damoklesschwert über dem deutschen Faschismus schweben. Nazi* in Schweden Stockholm. 14. April. fJnpreß.) Die riesigen Fensterscheiben des großen jüdischen Warenhauses NordiSka Komaniel sind mit Diamanten zerschnitten worden: der Sachschaden beläuft sich aus 15«WO Kronen. Auch die Fensterscheiben mehrerer kleinerer Geschäfte wurden zerstört. Diese Attentate werden als unmittelbare Folge der antisemitischen Hetze der„Alle- handa". des größten Organs der konservativen Partei, betrachtet. Internationale Probleme der deutschen Emigration Bon Heinz Liepmann 5. vle neuen Berufe Sechzehn Regierungen, die Mitglied des Völkerbundes sind, fanden sich zur ersten Sitzung des Berwaltungsrates des hohen Kommissariates für die deutschen Flüchtlinge am 6. Dezember in Lausanne zusammen. Den Borsitz führte ein Engländer und der temperamentvolle Verfechter der Sache der Emigranten war der französische Senator Börenger, der auch schon im Bölkcrbundsgremium die hitlerdeutsche Minderheitenpolitik angegriffen hat. Man entnimmt den Be- richten dieser Lausanner Sitzung, daß das Thema, welches den beteiligten Regierungen am meisten am Herzen lag, war. wie man die deutschen Flüchtlinge am besten aus den Nachbarländern Deutschlands in die überseeischen Länder abschieben kann. Senator Bsrenger, aus Lausanne zurückgekehrt, machte in Paris darüber folgende Mitteilung: Den stärksten Zustrom von Verbannten hat Holland mit 5000 Flüchtlingen und Frankreich mit 30 000. fDiese Zahlen beziehen sich im wesent- lichen nicht auf die gesamte Auswandererschaft, sondern— weniger aus die aus wirtschaftlichen Gründen Deutschland verlassen Habenden, als die um Lehen und Freiheit Fliehen- den.) Im Verhältnis zur Größe der Länder und zur Anzahl der Einwohner seien diese beiden Länder— so sagt Senator Bsrenger— damit an der Grenze ibrer Aufnabmesäbigkeit. Aehnlich gehe es Tschechoslowakei, Polen und Schweiz. In Frankreich seien über 20000 Flüchtlinge mit acht Millionen privat gesammelter französischer Franken verpflegt und be- bcrbergt worden. Jetzt seien die privaten Mittel erschöpft, die französische Regierung stelle zwar als Unterkunstsräume ehemalige Kasernen zur Verfügung, aber jetzt müsse eine entscheidende Aktion heginnen, um den Flüchtlingen, denen man nur eine Uebergangszeit habe erleichtern können, zu Erwerbsmöglichkeiten zu verhelfen. In wesentlichen Punkten können wir uns mit Börengers Meinung einverstanden erklären. Berenger ist nicht nur der französische Vertreter in dem Völkerbundskommissa- riat für die deutschen Flüchtlinge, sondern auch Präsident der größten französischen Hilfsvereinigung des„Comitee Nationale de Secours des Refueies Allemands". Es geht aus seinen Aeußerungen ziemlich eindeutig hervor, daß die Nach- barländer Deutschlands nicht mehr zur finanziellen Unter- stiitzung der deutschen Flüchtlinge bereit sind. Das muß offen ausgesprochen werden. Und so zwingt auch diese Tatsache— neben den vielen anderen— zur B e r u f S u m s ch i ch t u n g. Diejenigen, die nach monatelangem Bemühen keine Möglichkeit gefunden haben, in den Gastländern ihren alten Beruf auszuüben, müst'en umlernen. Und zwar müssen sie so umlernen, daß sie nicht für ein paar Gelegenheiten versorgt sind, sondern sie müssen sich die Grundlage zu einer neuen Existenz schassen. Da die Nachbarländer Deutschlands große Schwierigkeiten machen bei der Annahme von Arbeitsstellen, gibt es nur zwei Wege: entweder solche Berufe und Stellungen zu finden, in denen das Gastlanh keine Beeinträchtigung der eigenen Arbeitnehmerschait sieht. Oder aber in überseeischen Ländern ein neues Leben zu beginnen. Soweit wir Senator Verenget verstanden haben, erwartet das Völkerbundskommissariat für die deutschen Flüchtlinge aus Amerika zebn Millionen Dollar, wovon zunächst die große jüdische Vereinigung..Joint Distribution Cornitee" zweieinhalb Millionen Franken zur Verfügung stellt. Diese Gelder scheinen lediglich für Ansiedlungen und Berufsum- schichtungen in Uebersee bestimmt zu sein. Tie beiden Möglichkeiten der Emigration stehen also klar vor uns. Beide beginnen und enden mit der Berufsumschich- tung. Was kann der einzelne tun? Wie kann er feststellen, für welchen Beruf er nicht nur geeignet ist, sondern der gleich- zeitig auch genügend Chancen bietet? Die Frage ist nur individuell zu lösen. Generell ist dazu lediglich folgendes zu sagen: Mitglieder der söge- nannten freien Berufe scheinen in jeder Beziehung am härtesten von der Emigration getroffen zu sein. ES gibt wenig Chancen für sie, sich in den Gastländern ohne weiteres in ihren alten Berufen zu etablieren. Besonders schwierig scheint die Situation für Politiker und Schauspieler. Beide sind an die Clague ihrer Heimat gebunden. Ein paar Politiker haben in China und Rußland Anstellungen ge- fundcn, der große Rest— soweit er unvermögend ist— darf sich nicht über die wahre Lage täuschen, wenn die inter- nationale Presse in Zeiten der Anti-Hitlerkoniunktur ein paar Artikel von ihnen gebracht bat. Auch die Schauspieler, die nicht in der Lage sind, in kürzester Zeit eine fremde Sprache so zu lernen, daß sie zur zweiten Muttersprache wird, und die außerdem nicht die besonderen Schwierigkeiten der international angewandten Kontingentspolitik überwinden können, sollten sich, obn? zu zögern, genau wie die Politiker, neuen Berufen zuwenden.— Für einen Teil der Schrift- steller und Journalisten gibt es augenblicklich noch eine Kon- junktur: sie wird aufhören, wenn das Interesse der Welt für die Vertriebenen erlischt, und wenn sich erst aus der großen Anzahl der deutschen EmigrationSzeirungen herausgestellt haben wird, welche zwei oder drei von ihnen übrig bleiben. In der Sprache des Gastlandes zu schreiben, ist erst nach jahrelangem, vielleicht jahrzehntelangem Aufenthalt viel- leicht möglich. Und mit Ueberseyern journalistisch zu arbeiten, wird auf die Dauer weder erfreulich noch rentabel sein.— Musiker und bildende Künstler haben höchstwahrscheinlich nicht zu sehr unter den typischen Qualen der Emigralion zu leiden, ihre Arbeit ist meistens weder an Sprache noch an Arbeitsbewilligung gebunden. Man hört sogar, daß Musiker, die sich auf Filmmusik verstehen, Chancen haben. Soweit der Bericht über Politiker und Künstler.— Med i- ztner, Juristen und N a t i o n a l ö k o n o m c n können nur, wenn sie über größere Mittel verfügen, verschiedene Examina der Gastländer nachholen. Viele, besonders der Mediziner, finden augenblicklich in Laboratorien Arbeits- Möglichkeiten oder praktizieren gemeinsam mit Aerzien der Gastländer. Man hört viel Widerspruchsvolles über diele Methode, recht viel Ablehnendes, denn es sei eine Verschlcp- pung der Krise und ein AuSweg von zweifelhafter Wirkung. Die größten wirklichen Chancen scheinen Mediziner und Juristen in gewissen überseeischen Ländern zu haben: uns sind mehrere Fälle bekannt, in denen es Deutschen gelungen ist, in China und im südlichen Amerika in ihren alten Be- rufen zu arbeiten. Wir sind uns der Schwere dieser Feststellung bewußt. ES muß aber immer wieder gesagt werden, daß uns allen nur geholfen wird, wenn wir klar sehen. Und wer von den Intel- lektuellen dazu körperlich und seelisch in der Lage ist, sollte es versuchen, sein Brot mit manueller Arbeit zu verdienen. Einer der bekanntesten deutschen Soziologen, Universitäts- Professor und Ehrendoktor, verkaust in einer holländischen Stadt Gemüse, das er selber zieht. Einer der bekanntesten deutsche Autoren von internationalem Ruf lebt in Sud- srankreich als Bauer und fühlt sich— so schreibt er—»heiter und glücklich wie noch nie".— Jeder weiß, daß diese Bei- spiele hundertfach vermehrt werden können. Und es ist eigent- lich kein einziger Fall bekannt geworden, in dem Jntellek- tuelle nicht mit ihrem neuen Berus landwirtschaftlicher oder handwerklicher Art zufrieden gewesen wären. Für die K ausleute ist die psychische Lage komplizierter, real aber einfacher. Sie besitzen selten die Uebung, ihren All- tag von geistigen Erkenntnissen bestimmen zu lassen, und so fällt ihnen die Ueberlegenheit, mit der Intellektuelle den Bc- rufswechsel vornehmen können, viel schwerer. Trotzdem hört man von Hunderten von Fällen, in denen Kaufleute sich zur Berufsumstellung entschließen konnten und gut da- bei gefahren sind. Es gibt ja in den neuen Berufen auch immer wieder Möglichkeiten, unter Anlehnung an die früheren Erfahrungen, kaufmännische Möglichkeiten aus- zunutzen. Wer irgend Kapital hat, versucht es, in den Gast- ländern mit jenen Artikeln Geschäfte zu machen, deren das Gastland bedarf und die es noch nicht oder unvollkommen be- sitzt. Man kann übrigens dabei die Feststellung machen, daß ein größerer Prozentfatz der kapitalkräftigen deutschen Kauf- leute in Holland und in den nordischen Ländern lebt. Auch in Frankreich sind eine Reihe von meist kleineren Unterneh- mungen gegründet wordem zum Teil als Kollektivs. Spiel- waren. Schokolade, Schlagsahne, Autowinker sind Artikel, die man in Deutschland besser herstellt als in Frankreich. Hier boten sich Möglichkeiten, die alle ausgenutzt werben. Das Eigenartige bei den Kaufleuten ist ja gerade, daß sie meistens innerhalb ihres eigenen Berufes umschichten. Es bleibt noch über die vielen jungen Mädchen zu sprechen, die entweder ihre Hörsäle und Kontore in Deutsch- land verloren haben, oder aber die die Lust dieses Deutsch- lands nicht atmen zu können glaubten. Soweit sie nicht in den Cafes gelandet und gestrandet sind, sondern wirklich die Haltung und die Würde besaßen, die eine derartige Emigra- tion von ihnen verlangt, so haben sie beinahe alle als Steno- typistinnen, Fotografinnen oder Haushaltsgehilsinnen Unter- kunft gefunden. Die neuen Berufe verlangen ganze Menschen. Die Um- st e l l u n g, die von den meisten verlangt wird: v o m K o p s- a r b c i t e r z u m H a n d a r b e i t e r, ist in den meisten Fäl- len nicht nur Gewähr kür eine neue Existenz, sondern auch den Betroffenen selber in jeder Beziehung nützlich. In fast allen Ländern wirb es zum Frühjahr Bedarf an Landarbei- tern geben. Nichts ist empfehlenswerter, als diese Chancen auszunützen, und die eigene Neigung zu dieser Arbeit kenneu zu lernen. Wir leben in einer Zeit der Umformung vieler sozialer und menschlicher Werte. Die geistigen Menschen Deutschlands haben in den letzten Jahren schmählich versagt. Hoffen wir auf das Geschlecht, das bei dem Neuaufbau un- seres Deutschlands nicht nur den Himmel, sondern auch die Erde kennt. M!c- Eqnador- Höingen riöglichKeiien iür einwandernde Joden Santiago de Chile, 14. April iZTA.) Der Außenminister von Chile gibt amtlich den Wortlaut einer Erklärung bc- kannt, die er als Antwort aus Bitten, die Einwanderung deutscher Juden nach Chile zu erleichtern, abgegeben hat. Tie Erklärung lautet: Die Regierung steht den verschiedenen an sie gelangten Gesuchen betreffend die Einwanderung deutscher Juden nach Chile mit großer Sympathie gegenüber. Die Regierung wartet Informationen und die Beantwortung von Anfragen zwecks Herausgabe eines detaillierten Kommuniques zu diesem Gegenstand ab. Bon Spanien aus hat die Regierung daS Ersuchen um Einwanderungserlaubnis für 2000 deutsche Juden erhalten. Obwohl die chilenische Regierung in Ein- wanderungssragcn keinen Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden macht, hält sie doch eine Einwanderung solchen Ausmaßes mit Rücksicht auf die starke Arbeitslosigkeit im Lande nicht für wünschenswert. Die gegenwärtig in Chile lebenden 12 ODO Juden stellen ein arbeitsames Bevölkerungs- clement dar, das sich den Landesverhättnissen a>tt angepaßt hat. Todesurteile in Polen fPG.) Seit 1928 bis zum heutigen Tage besteht auf dem ganzen Gebiet der polnischen Republik das standrechtliche Verfahren kür einen großen Teil der im Strafgesetze vor- gesehenen strafbaren Sandlungen, einige politische Delikte in- begriffen. Das charakteristische an diesem Versahren ist, daß nur eine Instanz besteht und daß als einzige Strafe die Todesstrafe ausgesprochen werden kann.-In diesen 5 Jahren wurde diese Ausnahmejustiz, die fast zur Regel Neuqork, 14. April. fZTA.) Aus Quito, der Hauptstadt der südamerikanischen Republik Equador, wird der Jüdischen Telegrafen-Agentur mitgeteilt: Die an Naturschätzen reiche, aber wirtschaftlich noch nicht entwickelte Republik Equador besitzt Möglichkeiten für jüdische Einwanderung bestimmter Berusskatcgorien. Namentlich für Klcinindustrien besteht weiter Spielraum. Die jüdische Gemeinschaft in Equador ist die jüngste und darum kleinste in ganz Südamerika. Meist kommen die Juden nach Equador aus der benachbarten Republik Peru. Es wäre zu wünschen, baß die zuständigen jüdischen Institutionen Eu- ropas die Möglichkeiten einer jüdischen Einwanderung in Equador prüfen und zum besten ausnutzen. Aus Bogato wird der ITA. meeldct, daß eine gemischte jüdisch-kolumbianische Kommission unter der Leitung des bekannten Politikers David A. Pardo die Möglichkeiten einer jüdischen Einwanderung nach Kolumbien studiert. Die Minister für auswärtige Angelegenheiten, Sandel, Industrie und Landwirtschaft stehen dem Plan mit Sympathie gegen- über. geworden ist, so gehandhabt, daß durchschnittlich jeden Monat 7 Todesurteile vollstreckt wurden. Bon den gefällten Todes- urteilen wurden 62,7 Prozent vollstreckt. In den zwei düsteren Jahren des zaristischen Regimes 1906—1908, die der der Diktatur ergebene Strasrechtslehrer M a k o w s k i in seinem„Strafrecht" als die„blutigsten" bezeichnet, wurden bloß 40 Prozent der gefällten Todesurteile vollstreckt. Es gibt in der Welt wenige Staaten, in denen in Friedenszeiten eine so grausame und blutige Strafgesetzgebung und Strafjustiz besteht. />■ :V«V^&Äj5 P^ jBjwp i^t WMDM WÄKUÄMKZW ^WWM- 'v'^ UEH.DEN M'CH r n' U l ÜrtSV???^SVr-'""K£ X«.Xu D Hiermit beginnt die Arbeitsschlacht! Siegheil! Vorbei das[esi! Die verschobene Arbeitssdilacht oder Relthssfatlhalter Hulschmanns erster Spatenstich Wahre Nachrichten aus Teutschland klingen oft un- wahrscheinlich. Wir versichern darum, da» der nach- folgende Bericht ans allerbester Quelle stammt und buchstäblich wahr ist! Red. Am 21. März eröffnete Hitler die„Arbeitsschlacht". Er selber sprach in Unterhaching, wo der erste Spatenstich am Bau einer Autostraste getan wurde— anscheinend zerbrach diesmal nicht der spaten wie voriges Jahr bei der Grund- stcinlegung für den neuen Münchner Glaspalast der silberne Hammer in des„Führers" Hand. HitlerS Rede wurde in ganz.Teutschland gehört. Auf öffent- liehe» Plätzen, in den Gaststätten und Rundsunkgcschäftcn dröhnten die Lautsprecher, und Plakate forderten die Passanten auf, einzutreten und die Rede des„Führers" an- zuhören. Allgemeine Arbeitsruhe gab der Stunde die Weihe. In TreSden wurde sogar die Gerichtsverhandlung gegen."'2 Sozialdemokraten auf einige Stunden unterbrochen, weil der Schwurgerichtssaal für die Uebertragung der Hitlerrede vor den versammelten Justizbeamten gebraucht wurde: in den Nachmittagstnnden wurde dann der Kampf gegen den inneren Feind mit erfrischten Sinnen weitergeführt, und da Hitler in seiner Rede soeben versichert hatte, dast Teutschland ein sozialistisches Land sein konnte man mit um so besserem Gc- wissen die Zuchthausurteile gegen Marxisten ausknobeln. Wie in Unterhaching und wie gleichzeitig noch an ver- schiedenen Stellen Deutschlands wurde zur selben Stunde auch bei Dresden der erste Spatenstich an einer zu bauenden Autostraße getan. Es geschah in Kemnitz-Stetzsch, einem Dresdner Borort am Rande des Stadtgebietes. Auch hier war das ein großartig ausgezogener Akt. SS. und TA., Stahlhelm, Arbeitsdienst, Polizei, Eisenbahner, Straßen- bahner standen parademästig aufmarschiert. Auch die Arbeits- losen waren zur Stelle: man hatte sie an den Stempelstellen sammeln und geschlossen nach Kemnitz marschieren lassen. Run konnten sie hier mit eigenen Qhren und Augen hören und sehen, wie die Albeitsschlacht begonnen und der Arbeits- losenfrage der Garaus gemacht wurde. RcichSstatthalter M u t s ch m a n n. der mit belgischen Garn- geschälten den Weltkrieg für seine Person gewonnen hat und also weist, wie man Schwierigkeiten bcikommt, stand hier im Namen des„Führers". Er schritt die Front ab und hielt eine große Rede, in der er noch einmal das„Novcmber- softem" verdammte, das den Menschen weder Arbeit noch Brot gegeben habe, und die Regierung Hitler lobte, die schon 3,5 Millionen Arbeitslosen Beschäftigung gebracht habe— wenn daS so weiter geht, wird das„dritte Reich" bald in alle Welt depeschieren müssen: Sendet sofort Arbeitslose, sonst Arbcitsschlacht unmöglich! Räch dem RcichSstatthalter sprach der Gauleiter. Dann dröhnte aus dem Lautsprecher die Stimme des„Führers", klendslähne Für Uniformschneider AuS einem Brief: Die Frau eines Zchueidergchilscn aus Nordbcntschland schreibt an eine befreundete Familie in Frankreich u. a.: „Bei der Sipo-LIefcrung war der TurchschnittSverdienst 13 bis 15 Reichsmark die Woche. Ja, in einer Woche hatte er nur 8,95 Reichsmark verdient und das bei 18 Stunden Arbeit. Leider sind so die M Reichsmarl, die ich von Dir erhalten habe, mit drausgegangen und ich sollte mir doch einen Mantel dasür kaufen. Nun nähen wir fleißig, um ans alten Sachen Neues zu machen." Tie in vorstehendem Briese angegebenen Lohnbcträgc sind im Akkord verdient. Der Mann ist ein guter flotter Schneider und verdiente immer Spitzcnlöhne. Die Familie besteht ans 1 Köpfen. Man sieht, daß die Arbeitsbeschaffung im Tchneidergewrrbc nur zu Hungerlohnen reicht. dem deutschen Volke, Arbeit und Brot, Frieden und Freiheit versprechend. Und dann kam der feierliche Augenblick: die ersten Spatenstiche. Ter Reichsstatthalter tat sie eigenhändig. Tann gab er den Spaten dem Gauleiter. Auch dieser grub und gab den Spaten einem dritten Würdenträger, der auch einige Schollen abstach — für eine Autostraste war das schon ein ganz hübscher An- sang. Und als somit die Arbeitsschlacht auch in diesem Gc- fechtsabschnitt eröffnet und alles richtig begonnen war, marschierte die ganze Parade unter den Klängen des Horst- Wessel-LicdeS ab. Das war am 21. März. Am 22. März pilgern einige Arbeitslose aus der Stadt hinaus nach Kemnitz— der Andrang dort ivird zwar groß sein und wahrscheinlich kommt ohne Protektion keiner an, aber man muß es versuchen: vielleicht haben sie doch Glück. Gegen Mittag kommen sie zurück. Enttäuscht und höhn- lachend: Nein, so was haben sie»och nicht erlebt.'Nicht einmal im„dritten Reich"! Gestern dieser Tamtam— und heute? Kein Mensch ist an der Baustelle, ja, es gibt überhaupt keine Baustelle! Und die ersten Spatenstiche?— Tic sind geschüttet, eingeebnet — sind verschwunden! Unser Gewährsmann, dein sie da? erzählen, glaubt es ihnen einfach nicht. Das muß er erst selber gesehen haben! Gleich am Nachmittag fährt er hinaus nach Kemnitz-Sietzsch: einen der Erwerbslosen nimmt er mit. Und nun stehen sie auf dem Schauplatz des gestrigen Theaterzaubers. Es ist kein Irrtum möglich, die Spuren des Aufmarsches sind deutlich zu sehen, Leute, mit denen sie s, rechen, schildern ihnen die Frier. Und hier ist die Stelle, wo der Mutschmann grub— wahrhaftig: die„ersten Spatenstiche" sind sauber eingeebnet, damit niemand stolpert, denn Ordnung muß sein. Und da steht sogar eine große Tasel mit der Aufschrift: Arbeiter werden nicht angenommen, Arbeitsaufnahme für drei Monate verschoben. Tie„Arbcitsschlacht" ist verschoben: man kann getrost von einer Schiebung sprechen. Wie lang werden diese drei Monate sein? Das geht die Maulkorbträ'ger im„dritten Reiche" gar nichts an. Sie haben den Tamtam durch den Rundfunk mitanhörcn dürfen. Nun mögen sie ruhig glauben, daß die Arbcitsschlacht im Gange ist. daß nun auch in Kemnitz- Stetzsch bei Dresden die Leute arbeiten wie die Bienen— wenn sics nur g l a u b.e n! Glauben macht selig. Es soll aber doch geschehen, daß die Leute über diese „ersten Spatenstiche" stolpern. Und das merkwürdige ist: sie stolpern, gerade weil daS Loch eingeebnet worden ist! Aus dem„Neuen Vorwärts". ver Verkehr sinkt welter (Jitpreß.) Ans dem Bericht der«Allgemeinen Lokalbahn u. Kraftwerke AG., Berlin, entnehmen wir:„Der Rückgang der Bcrkehrszahlcn bei de» Bahnunternehmungcn und Auto- busbetrieben ist merklich geringer geivorden: doch konnte hier eine weitere Senkung der Berkchrscinnahmcn nicht verhütet werden. Tie Uebcrschiiise aus den eigenen Betrieben und die Erträgnisse der selbständigen Unternehmungen sind von 3,60 Millionen im Borjahr ans 3,33 Mill. Reichsmark gc- funken. Bei der Tuisburgcr Straßenbahn GmbH, ging der Verkehr nicht mehr so stark zurück, jedoch wird eine weitere Minderung der Einnahmen verzeichnet. Ein Sachkundiger Ein früherer Schutzhästling hatte sich in einem Lokal in Altona sehr abfällig über ein Konzentrationslager, dessen Insasse er gewesen war, geäußert. Das Altvnaer Söndcrgericht verurteilte ihn zu acht Monaten G e- f ä n g n I s. Des Reichskanzlers Quartiermacher Ein lustiger Gaunerstreich Im Juli 1983 erschien bei einer Kommcrzienratswitwe in! Garmisch ein schlanker, eleganter Herr in einer etwa san- tastische» goldbordierten Uniform und stellte sich als Flieger- kapitnn der„Westfalen" vor. Er sei bcanstragt, so erklärte er weiter, für den Reichskanzler Adolf Hitler Quartier zu machen, der demnächst nach Garmisch komme und sich die Villa der Kommerzienrätin zur Wohnung anscrschen habe. Tie treuherzige Frau glaubte dem Fremden auss Wort, stellte ihm ihr Auto mit Ehausseur zur Verfügung und händigte ihm aus sein Verlangen auch 220 Mark als„lebens- länglichen Mitgliedsbeitrag" für die Fraurnjchast der NSDAP, ein. Am nächsten Tage ließ sich der„Herr Kapitän" mit dem Auto nach München zum Flughasen fahren, voll- führte hier ejn höchst wichtiges Hin- und Herlaufen, zeigte dem Ehausseur ein soeben landendes Flugzeug als das dcS Reichskanzlers und ließ sich schließlich zum„Braunen Haus" fahren. Hier blieb er einige Zeit im Innern, erschien dann wieder, ließ sich nach Fürstenfeldbruck fahren und von dort nach Augsburg, wo er für» erste entschwand, indeS die Garmiicher Kommerzienrätin alles für die Ankunft des Reichskanzlers vorbereitete. Ein Wiedersehen gab es erst seht vor dem Schöffengericht in der Au, woselbst der„Qnartiermcister des Reichs- kanzlers", in Wirklichkeit der etiva zwanzigmal vorbestrafte Seemann Max Hcinkel sich wegen Betrugs im Rücklall ver- antworten mußte. Er bat zwar um Zubilligung mildernder Umstände, hatte aber kein Glück damit: daS Urteil lautete nämlich ans ein Jahr Zuchthaus, 50 Mark Geldstrafe und darüber hinaus aus SicherheitSvcrwahrung ans unbestimmte Zeit. Reichswehr als Rartelheer „Unterricht iiher politische Tagesfragen" Berlin, 12. April. ReichsiveHrminister Generaloberst von Blomberg hat folgende Verfügung erlassen: „Das erste Jahr der nationalsozialistischen StaatSführung hat die Grundlagen für den politischen und wirtschaftlichen Neubau der Nation gelegt. DaS ziveite Jahr stellt die Not- ivendigkeit der geistigen Durchdringung der Nation mit den Leitgedanken des nationalsozialistischen Staates in den Bordergrund. Ich ordne daher an, daß künstig dem Unterricht über politische T a g e S f r a g e n in der Wehrmacht von allen Dienststellen erhöhte Bedeutung beizumessen und ge- steigerte Aufmerksamkeit zuzuwenden ist. Um eine einheit- liche Durchführung des Unterrichts über politische TageS- fragen zu gewährleisten, wird das Reichsivebrministeriuin künftig gedruckte„Richtlinien für den Unterricht über poli- tische Tagessragen" als Anhalt herausgeben." Den gesamten Hausrat gepfändet lJnprest.f Die Zivilkammer des BreSlauer Landgerichts hat gegen einen Juden, der nach Myslowitz in Polen auswandern wollte, ein unerhörtes Urteil gefällt. Es hat die Pfändung des gesamten Hausrats für zulässig erklärt, ob- ivohl die Zivilprozeßordnung bestimmt, daß der notwendigste Hausrat unpfändbar ist. DaS Gericht hat sein Urteil damit begründet, daß die betreffende Vorschrift der Zivilprozeß- ordnung„nicht für einen Haushalt besteht, der ins Ausland verlegt werden soll". Warum nicht? Wenn man doch so viele Frauen und Kinder von Emigranten von Staats wegen um alles bestohlen hat. Arme- sollen sterilisiert werden fJnprest.I Die„Klinische Wochenschrift" berichtet über einen Vortrag des Nationalsozialisten Looss„Zur Verhütung der Entstehung lebensunivertrn Lebens, insbesondere zur enge- nischen Sterilisation". Looss hat nach diesem Bericht gerade- zu ungeheuerliche Forderungen ausgestellt. Er verlangt, daß zum Zwecke einer Entscheidung über die Sterilisation,„die unter Fürsorge Stehenden" und die„Armen-Unterstützungs- cmpfängcr" amtsärztlich untersucht werden. Vm woUte Qesthk&ie aus Veesden 3e* iSsefie Stimmen»(Seil«ige zur..Deutscfien Freiheit"» Ereignisse und HessMthien MS, I MZ Dienstag, den 17. April 193» Äeee 35owstew kam lucück *t „Qtundics vetänqstiqt Am 10. Februar 1934 fuhr Herr Benno Bornstein nach Berlin zurück. Sozusagen direkt auf freundliche Einladung des Herrn Innenministers.— Herr B. B.(wie man ihn in seinem Geschäft rücksichtsvoll genannt hatte) war bis Frühjahr 1933 Teilhaber der von ihm gegründeten Berufskleider- fahrik Gebrüder Wiesel gewesen. Da er nie einer politischen I artei angehört und kaum ein nachweisbares Verbrechen begangen hatte, konnte er sich mit Recht als einer der„durch Hetzblätter der Systemparteien grundlos Verängstigten" betrachten. Die hatte der väterlich besorgte Minister doch nahezu gastfreundlich aufgefordert, zum Wirtsvolke zurückzukehren. Herr B B. kehrte zurück. Schon im D-Zug Zürich—Basel— Stuttgart dachte er:„Recht haben sie, die forschen Leute von der Regierung, daß sie zwischen den ewig unzufriedenen Elementen, die jetzt draußen weitermeckern, unterscheiden und unsereinem, der manche rigorose Maßnahme gewiß nicht Unterschreiben, aber immerhin aus der Einstellung des neudeutschen Menschen heraus begreifen kann." Herr B. B. dachte tatsächlich in solch langen Sätzen. Schon seit seiner Einjährig-Freiwilligen-Zeit. Weiterhin philosophierte er:„Wie schön, wieder in einem deutschen—(er dachte sogar„deutschen")— Wagen zu sitzen, in knapper, aber reeller Weise von einem geschulten Speisewagenkeilner Bedient zu werden. Einmal hat man doch genug von den ewigen Maidlis mit ihren schlimmen Kehllauten und dem Hohen Frankentrinkgeld." Und als ihn hinter Schaffhausen der prompt erschienene Kontrolleur zackig anfuhr,„Fahrkarte bitte!!", fühlte er sich wieder ordentlich heimisch. Bahnpolizei und SS. waren schon dagewesen und hatten bei einem Blick in den Speisewagen nicht mehr Notiz von ihm genommen, wie von einer gebrauchten Serviette.— Dann schlief er bis kurz vor Berlin. Erwachend betrachtete Herr B. B. gerührt die Häuserfronten von Steglitz, seiner früheren ^ ohngegend. Es schienen ihn sogar weniger Hakenkreuz- flaggen an diesem— aus irgendeinem Grunde festlichen— Abend zu grüßen, als vor seiner Abreise. Die Stadtbahnhöfe glänzten abendlich sauber, die Lichtreklamen in den Vergnügungsvierteln leuchteten so bunt wie ehemals und Herr B. B. fühlte eine wohlige Schwäche unter seinem jüdischdeutschen Herzen.„Heimgekehrt," dachte er. Dann passierte leider die kleine Rempelei am Bahnhof Zoo. Herr Bornstein wurde nicht erwartet. Da er sparsam war, trug er mit mühsam abgespreiztem Arm selbst seine Rindledertasche. Und da wollte es der unglückliche Zufall, daß aus der Hardenbergstraße ein schmucker SS.-Mann geschritten kam, der mit aufgestemmten Armen über den schmalen Bürgersteig ging. Wahrscheinlich in keiner anderen Absicht, als seine gutsitzende schwarze Montur besser zur Geltung zu bringen. Aber er stieß in dieser ein wenig selbstgenießerischen Haltung an den Herrn B. B. Dieser, wohlabgewogen, weder zu knapp noch zu höflich, sagte deutlich: „Pardon". Und hielt das als ehemaliger Großkaufmann wahrscheinlich für geistesgegenwärtig. Aber der Schwarzweise reagierte in unerwarteter Weise und rief in markigem Ton:„Pardong?— Du Saujud sachst zu mir Pardong?!— Ick wer Dir Pardong!!" Und schon flog Herrn Bornsteins Hut infolge des unsanften Stoßes vor die Brust aufs Pflaster. Es war kein Wunder, daß auf diese laute Szene unterm hallenden Stadtbahnbogen hin beherzte Jünglinge von der HJ. und einige SA.-Leute stehenblieben, um sich den hutlosen Mann näher anzusehen, der sich also an deutschem Sprachgut verging. Die wenigen Zivilisten hasteten so unbeteiligt wie nur eben möglich vorbei.— Mochte es eine atavistische Reflexbewegung aus liberalistischen Zeiten sein oder was immer, jedenfalls, Herr B. B. hob abwehrend den linken Arm in Augenhöhe. Das hätte er nicht tun sollen. Es war mindestens angedeuteter Widerstand gegen die nationalen Verbände. Kein Wunder, daß die erregte Menge eine bedrohliche Haltung einnahm. Was wiederum den streng rechtlichen Schupobeamten vor dem Ufa-Theater ver- anlaßte, im Laufschritt mit gezogenem Gummiknüppel den Damm zu überqueren und dem bedrohten SS.-Mann zu Hilfe zu eilen. Besser gesagt, den völlig aufgelösten Heimkehrer zu seiner eigenen Sicherheit in Haft und mit auf die Wache zu nehmen. Die disziplinierte Volksmenge folgte. Schien es nicht mehr als recht und billig, Herrn B. B. nach dem Woher und Wohin zu fragen, so geriet der Zurückgekehrte schon bei der zweiten Frage des sehr höflich inquirierenden Beamten in Verlegenheit. Sie lautete, was er denn im Auslande gesagt hätte, wenn er nach den deutschen Verhältnissen befragt worden sei. Er habe nichts darauf gesagt und derartige Gespräche über die Heimat möglichst vermieden, entgegnete Herr Bornstein. Und das war ebenso diplomatisch wie unklug. Denn der verhörende Beamte hatte strikte Anweisungen in bezog auf rückkehrende Nid,tarier und mußte verordnungsgemäß erwidern:„Schweigen über deutsche Verhältnisse ist auch Greuelpropaganda!" Darum war es ganz in der staatlichen Ordnung, daß Herr B. B. der Gestapo zur weiteren Befragung übergeben wurde. Als er nach vier Wochen das Westsanatorium verließ und einer von der Umgebung heimkehrenden Standarte auf der Tauentzien begegnete, kehrte Herr Bornstein nicht etwa um, sondern machte kurz Front und salutierte. Soweit es die beiden Stöcke erlaubten, mit deren Hilfe er sich fortbewegte. Und war von da ab nicht mehr grundlos verängstigt. Charlie Kaschno. Dee Außcuch dec Es läßt sich nicht länger leugnen: der geistige Umbruch der deutschen Nation ist Tatsache geworden. Unter der glorreichen Aegide der Herren Jobst, Blunk usw., usw. feiert der teuerstandene deutsche Genius wahre Orgien in Schönheit und Kultur. Wer es nicht glaubt, lese die Feuilletons deutscher Zeitungen. Wir wollen ihm dabei behilflich sein, «ndem wir nachstehend ein besonders schönes Exemplar der neudeutschen Geisteshaltungsprodukte im Auszug wieder- Beben, das gegenwärtig die Runde durch die deutsche Presse «nacht. Leider können wir nichts für die Verbreitung des ruhmvollen Namens des Literaturherstellers tun, da selbiger sich schamhaft hinter einem kleinen—f— versteckt hat. * Das war—— wie man sehen wird— wirklich falsch angewandte Bescheidenheit. Das Kunstwerkdien ist überschrieben: Die Mannsehaftsstube. Und es heißt darin: „Was ist die Mannschaftsstube? Na— das weiß am Ende ®ogar der Herr Einjährige. Also. Herr Doktor.'' „Die Mannsehaftsstube ist der Aufenthaltsraum für die Mannschaften..." „Nu hör mal einer den Herrn Professor!... Und dabei 'age iths doch jeden Tag hundertmal:„Die Mannschnfts- »tube ist stets reinlich und sauber zu halten. Sitjen! Damit wir in der Stube Ordnung haben, haben wir eine Stubenordnung. Woraus setzt sich die Stubenordnung zusammen? „Die Stubenordnung setzt sich zusammen aus dem Stubenältesten und dem Stubendiensthabenden...^ „Richtig! Und woraus besteht der Stubenälteste? „Der Stubenälteste besteht aus einem Gefreiten oder Gemeinen und den Befugnissen eines Vorgesetzten... „Recht! Bei was vor allem ist der Stubenälteste Euer Vor- Besetzter?" „Bei Unordnung usw...." „Auch in seinem Schranke muß sich der Soldat jederzeit vorschriftsmäßig verhalten. Was gehört zu einer guten schrank Ordnung?" „Zu einer guten Schrankordnung gehören Reinlichkeit, Ordnungsliebe und ein Vorhängeschloß.,. „Recht! Sitzen! Sehen Sie Herr Doktor, das war eine Antwort. wie sich, gehört... Ich prophezeie Ihnen, daß Sie nur die einfachsten Fragen nicht beantworten können. Wieviel Paar Stiefel hat ein Soldat?" „Zwei Paar Stiefel.. „Wovon?" „Von Rindsleder..." „Unsinn! Wovon stets ein Paar geputzt»ein muß. In was trägt der Soldat sein Geld bei sich?" „In seinem Geldbeutel..." „Blech! In kleineren Mengen... Um was. »Um notwendige Einkäufe zu machen. Lauter Zimt! Um den Hals trägt er es... Was sind Bezüge?". „Die Bezüge sind die Ansprüche der Militärpersonen auf Gehalt oder Löhnung.. „Hat jemals ein Mensch einen solchen Grünkohl verzapft? ... Die Bezüge sind beim Eingreifen der wollenen Decken auf gesäuberte Tische und nicht auf den Fußboden zu legen.. * Und so geht das immer weiter. Der Verfasser wie der gleichgeschaltete Leser schwelgen in der behaglichen Situation, in der der Vorgesetzte kraft Litze und Knopf den Untergebenen malträtiert, nur weil er vermutlich klüger ist als der Schikaneur. Sie schwelgen darin wie Schweine im Futtertrog. 3zaqödie in Qtoßha&ecsdocf Der Bürgermeister und die Dienstmagd Wir wollen der„Fränkischen Tageszeitung", dem offiziellen, unter Aufsicht Streichers stehenden Nazi-Blatt Frankens nicht unrecht tun. Nicht jeden Tag wird gegen Juden gehetzt. Nicht jeden Tag sind sie internationale Hyänen, blutgierig auf Christen versessen. Nein, es gibt in dieser Zeitung auch eine andere fränkische Kunde, Dorfidyllen mit reizenden Einlagen, Liebesgeheimnisse und Seitenhiebe, die die Lektüre der„Fränkischen Tageszeitung" angenehm machen. Am 10. April fanden wir hier im Fettdruck diesen Bericht: „In verschiedenen Tageszeitungen erschien dieser Tage unter Gerichtsnachrichten ein Bericht über eine Verhandlung, in der angeblich der Bürgermeister von Großhaberi- dorf mit seiner Dienstmagd ein Liebesverhältnis unterhalten haben soll. Der Bürgermeister von Großhabers- dorf legt Wert auf die Feststellung, daß der Berichterstatter in jener Verhandlung sieh, allerdings unverständlich, gründlich verhört hat, und daß in der Verhandlung nicht das Wort Großhabersdorf, sondern Re h d o r f gefallen ist. Der Bürgermeister von Großhabersdorf ist außerdem noch Ortsgruppenleiter der NSDAP. Wir möchten deshalb alle diejenigen, die die falsche Notiz in jenen Zeitungen gelesen haben, dringend bitten, in ihrem eigenen Interesse von unserer heutigen Notiz Kenntnis zu nehmen. Den Zeitungen jedoch möchten wir im Interesse der Wahrung des Ansehens unserer Bewegung nahelegen, bei der Auswahl derartiger Berichte mehr Vorsicht walten zu lassen. Der Vollständigkeit halber sei nämlich noch hinzugefügt, daß von dem betreffenden Berichterstatter Bindungen zu gleichgeschalteten Herrschaften des früheren Systems nicht ganz mit Unrecht vermutet werden, Bindungen, die einen Hieb auf den jetzigen Bürgermeister von Großhabersdorf nicht ungern gesehen hätten." Soll man das so verstehen, daß nicht der Bürgermeister von Großhabersdorf, sondern derjenige von Rehdorf es gewesen ist, der der lockenden Sünde wider das Blut erlag? Die verführerische Dienstmag hat, wie dem auch sei, einen hochgezüchteten Edelarier zu Fall gebracht, vielleicht als eine Delegierte der Weisen von Zion. die zwecks Vergiftung des deutschen Liebeslebens überall ihr Unwesen treiben. JlatationsceptiUen .Von Kurt Doberer: Wir drucken nuf rollender Ewigkeit mit stinkender Farbenschmiere. Wir nageln die grinsende Fratje der Zeit auf holzige Zeitungspapiere. Wir mengen aus Blut und Eisen die Welt und notieren die Börsentabellen. Wir machen aus Tod und Teufel Geld und liefern was sie bestellen. Wir machen den Volkszorn und auch den Krieg und montieren die Heldentaten. Bis tum dreckigen Ende verkünden wir Sieg, dann melden wir: Barrikaden. • Es wechselt der Chef, es wechselt der Kopf, schon stinken sie frisch, die Latrinen. Leicht schläft das Volk und schnell wächst der Zopf, rasch rollen die Schwindelmaschinen. Hier nüßen nicht Palmzweig, nicht Zetergeschrei und nicht Paragrafenprothescn. Hier hilft nur: den ganzen faulenden Brei auszukehren mit eisernem Besen. „2CäA(teceiQeC&es" in 3Ciliet=Qeutsch(and Verhinderter Bildersturm in Braunschweig Man hat die ruhmreichen Farben der deutschen Republik, denen Freiligrath seine schönsten Lieder sang, zugunsten des schwarzweißroten Kompromißlappens von Versailles solange verhöhnt und in den Schmutz gezerrt, bis der Haß gegen die jahrhundertealten Farben schwarzrotgold auch dem letzten Hitlerjugendpimpf in Fleisch und Blut übergegangen war. Und nun befindet man sich nach dem Siege der nationalen Revolution in Bezug auf die Flaggenfrage in einer geradezu grotesken Situation. In der noch immer geltenden Reithsverfassung heißt es, daß die Farben des Deutschen Reiches schwarzrotgold seien. Die Nazi« behaupten, das neue Deutschland sei das Reich des Nationalsozialismus, dessen Feldzeichen das Hakenkreuz bildet. Hindenburg ordnet an, respektive bekommt angeordnet, daß neben der Fahne von Potempa die— alte schwarzweißrote Fahne gleichberechtigt gezeigt werden müsse. Kein Mensch in aller Welt findet sich in diesem Wirrwarr zurecht. Auch die SA. und SS. hat große Schwierigkeiten bei der Lösung dieses Problems. Darum laufen sie Sturm gegen alle Embleme des Reiches die irgendwie an eleu Staat der Freiheit und der Volksherrschaft erinnern. So verlangte die braunschwfigische SA. von ihrem Ministerium, in dem neben dem verkrachten Mittelschulrektor und Ministerpräsidenten Dietrich Klagges der mit mangelhaftem Examen ausgerüstete Rechtsanwalt Alpers als Justizminister sitzt, trotzdem er an einer Reihe von Morden an wehrlosen Bürgern beteiligt war, daß die Amtssdiilder der Reichsbehörden, die bekanntlich noch immer den rotbewehrten schwarzen Adler auf goldenem Grunde zeigen, schleunigst beseitigt werden müßten. Daraufhin hat der braun- schweigische Ministerpräsident folgende Verlautbarung erlassen: „Aus nationalsozialistischen Kreisen sind in letzter Zeit wieder Einwendungen gegen die Amtsschilder der Reichs- behörden, die den schwarzen, rot bewehrten Adler auf goldenem oder goldgelbem Untergrund zeigen, mit der Begründung vorgebracht worden, die Beibehaltung dieses Untergrundes bedeute eine Konzession an die Anhänger des bisherigen Systems. Bereits im Vorjahre ist in einer durch das Reichsinini- sterium des Inneren veranlaßten Pressemitteilung darauf hingewiesen worden, daß der Reichsadler als Reichs- wappen schon seit Jahrhunderten und insbesondere seit dem Jahre 1871 auf goldenem oder goldgelbem Grunde dargestellt werde und daß es daher nicht angängig sei, in der Beibehaltung der alten Amtsschilder eine Erinnerung an das Weimarer System zu erblicken. Es handelt ,! vollkommen verzweifeltes Ge- ficht zu, während sie immer jtoch wie gelähmt am Erdboden tauern blieb. — Hat Ihnen jemand etwas, zu Leid getan?• Antoinette schüttelte langsam den Kopf, dann schluchzte sie plötzlich laut und stieß unerwartet hervor: — Nein, nein Mademoiselle, aber mein Fritz ist tot. Ich war ratlos. Ich wußte nicht wer Fritz war. Ein Ber- lobter? Freund? Schatz? — Wer ist Fritz— fragte ich etwas dumm. — Ach Mademoiselle, mein Kind ist es. Und dann folgte unter vielen Tränen diese traurige Ge- schichte: Als sie 17 Jahre war, hatte sie ein Kind bekommen. Es wqr ihre erste Stelle in der Stadt, sie kam vom Gebirge und wußte nichts vom Leben. Der Monsieur, bei dem sie diente, hatte eine kranke Fran, die in Sanatorien vegetierte. Und er war sehr imponierend. Wissen Sie, er schrieb Kücher, in denen er von schönen Danven und der feinen Welt sprach eines habe ich auch gelesen. Er sagte, ich sei ein Geschenk der Berge, und es war alles neu und seltsam, was er mit mir ansing. Und dann kam auf einmal der Fritz. Sie habe nicht gewußt, wohin mit ihm, denn ihre Muter sei früh ge- storben, und der Vater habe eine Stiefmutter geheiratet, eine schlimme, so daß es keine Heimat mehr gegeben hätte. Als Monsieur sah, wie mir immer schlecht war, und ich auch immer dicker und hätzlicher wurde, da sagte er, nun soll ich wieder heim, und er gab mir das Reisegeld und auch noch sonst eine gute Summe. Er sagte, ich solle nicht weinen, denn er sei so einer, für ihn dürfe es immer nur das Schöne geben, die häßlichen Sachen im Leben würden ihm schaden, er könne dann nicht mehr solche feinen Bücher schreiben. Ob- wohl ich doch erst das Geschenk der Berge war, schalt er mich nun etwas Häßliches und sagte ich soll fortgehen. Heim konnte ich nicht, weil mein Bater doch die Stiefmutter geheiratet hatte. Zur Schwester, die im Nachbardorf verheiratet war, wollte sie auch nicht, denn das sei immer schon so eine feine und herrische gewesen, und sie habe auch den Schullehrer ge- heiratet. Nun wußte sie gar nicht was tun, und verbrachte vor lauter Unschlüssigkeit ein paar Nächte im Freien. Schließlich wurde es gar zu schlimm, und so schreib sie ihrer Schwester alles. Dies sei sehr schwer gewesen, denn was sollte sie sagen. Die Schwester antwortete dann, es sei eine Schande, schrieb sie und noch viel Moralisches und Böses, aber es träfe sich deswegen gut, denn sie könne mit ihrem Schullehrer kein Kind bekommen, und wolle eineS annehmen. Ich kam dann ganz heimlich nachts an, wurde in das oberste Stockwerk gebracht, das nicht bewohnt war, und durfte nie fort, die ganzen dreieinhalb Monate, nicht, bis der Fritz kam. Ich mußte viele Redensarten über mich ergehen lassen, was ich für eine Hure fei, und die Mutter fürwahr drehe sich im Grab. um. Meine Schwester ging auch nie fort, und so meinte das Torf, es sei ihr Kind. Aber sund hier liefen ihr viele Tränen über das breite und brave Gesicht) ich habe es ja doch gestillt, und so war es also immer noch meines. Ich ging dann wieder in Stellung, aber in Hotels, denn von den Monsieurs, die schöne Bücher schreiben, und dann auf einmal Kinder machen, hatte ich genug. Der Fritz wuchs bei meiner Schwester auf und sie war sehr gut zu ihm. Sie hat sich fast eingeredet, es sei wirklich ihr eigenes Kind, so eine Verrückte war sie. Im Dorf hat keiner was gewußt, so dachten wir jedenfalls. Wenn ich zwischen der Saison zur Schwester heimkam, so waren alle recht hart zu mir, wegen der Schande, das wollte mir die Schwester nie verzeihen, ob- wohl sie doch durch diese Schande den Fritz bekommen hatte. Ich habe immer viel gearbeitet in der Saison leine vage Bewegung mit dem Scheuerlappen) aber bei meiner Schwe- ster mußte ich fast noch mehr zupacken. Der Schwager fand das nicht so recht, aber gegen meine Schwester kam er nicht auf, die war allweil die Stärkere mit ihrem Mundwerk und dem feinen Gehabe. Den Fritz hütete sie ängstlich vor mir. Er wurde wie ein besserer Herr erzogen, mir war das nicht recht, ich mußte dann immer an Monsieur denken, und ich wollte doch nicht, daß der Fritz so einer wird. Als ich das einmal zu ihr sagte, schrie sie, ich solle still sein, so eine wie ich könne doch nicht in Kindererziehung dreinreden, und das sei überhaupt ihr Kind. Einmal habe ich gehört, wie sie zu dem Fritz gesagt hat: Mit der Tante Antoinette mußt du nichts zu tun haben, sie ist zu gewöhnlich, das ist nichts für dich, der du auf einer höheren Bildungsstufe stehst. Der Fritz hat was gemurmelt, ich verstand nicht recht was, weil ich im Nebenzimmer aufräumte. Er war ein sehr nervöses Kind, und mit 18 Jahren schrieb er ein Gedicht, was in der Zeitung kam, ich zeige es Ihnen nachher, wenn Sie wollen, Mademoiselle. Ich nickte, und sie fuhr fort: Als der Fritz 15 Jahre war, benahm er sich sehr frech zu mir, Tante Antoinette, meine Stiefel sind nicht glänzend, Tante Antoinette, wecke mich morgen um S Uhr, Tante Antoinette, renne doch schnell zum Kaufmann und hole mir etwas Tinte usw. Aber daran war meine Schwester schuld, die ihm das so beigebracht hatte, und der Schwager, wie ge- sagt, kümmerte sich um nichts und las den ganzen Tag in seinen Büchern. Und bann war der Fritz auch sehr heiß- blütig und jähzornig. Einmal beim Staubwischen in seinem Zimmer ist mir ein kleiner Topf heruntergefallen und zer- brachen. lEs mutz etwas Künstlerisches gewesen sein, denn er sammelte das und es kam von sehr weit her.) Darüber begann er so wütend zu werden, daß er laut schrie und mich schlug. Hier auf die Backe lund sie zeigte auf ihre grob- knochige rechte Wange.) Ich war ganz entsetzt, denn ich war doch seine Mutter, und fast hätte ich ihm das gesagt. Aber ich habe doch seiner Zeit schwören müssen, es niemals zu er- zählen, und so schwieg ich denn auch da. Meine Schwester kam auch dazu, sie hatte gesehen, wie er mich geschlagen hatte. Sie rief nur: Fritz, so etwas tut doch ein wohlerzogener Junge nicht, aber Antoinette, du bist dermaßen ungeschickt, wie konntest du nur Fritzens schönsten Tops zerbrechen. Ich war ganz unglücklich und sagte gar nichts, weil mir die Tränen kamen. Aber abends,»» wissen, daß vielen unserer evangelischen Mitchristen ähnliche Er- kenntnio ausdämmert, wolle» wir frage», ob es nicht mög- lich ist, daß unseren Brüdern die Rh ckk ehr erleichtert werde, indem überall, wo eine ganze Gemeinde mit ihrem Pfarrer zurückkehren will, ihr dieser, wenn er als Prir! r der sathylischen Kirche angenommen und geweiht werden kann, als Geistlicher, andtrnjalls als Rcligionslehrer belaste» werde." Dieses Schreiben wird auch uvm„Siievnatovc Romano", dem Organ des Vatikans, veröffentlicht. Das läßt da tauf slyiiesteü, dast man in Rom diesen Schritt s c b r e in st nimmt. Angeblich sollen bereits Entscheidungen für de» Fall ins Auge gefaßt werben, daß diese Konversionsbeivegung eigen größeren Umfang annimmt., Drohungen gegen Katholiken Stuttgart. 16. April Das Ttiitiaarter Amtsblatt der NSDAP., der„NS.-Kurier", widmet den Spannungen zwischen der katholischen Kirche und den Nazis.einen Leit- ortifel, in dem die folgenden Drohungen z» lesen sind:„In- ivieweil führende Zentruntspotentateit ihre Hand im Spiele haben, die den Verlust ihrer ehemaligen politischen Macht- stelluiig nicht verschmerzen können und in völliger Ver- kennung der wirklichen Machtverhältnisse im„dritten Reich* zwar vorsichtig per distance, aber dasür hinter den Kiilinen um so entschiedener gegen den Stachel zu lecken suchen, läßt sich im einzelnen Fall gewiß schwer kontrollieren," Aber„die bekannten Spuren schrecken". Tas Blatt fordert deshalb, „daß die schwarzen Lukre,gestalten tunlichst umgehend in ihre verdienten Schranken zurückgewiesen werden und endlich einmal vollkommen in der Versenkung verschwinden".. Kommunisten« Sie sprengten eine Versammlung Saarbrücken, 18. April. In Saarbrücken streiken zur Zeit mehr als 800 Er- iverbslose. die von der Stadtverwaltung zur Pilichiarbeit eingesetzt worden waren. Tie Freiheitsiront an der Saar und die freie Gewerkschaftsbewegung des Saargebietes haben die streifenden Arbeiter in ihren gerechten Forderungen unterstützt. Tie sozialdemokratische Stadtverordnelensraktion hatte eine dringliche Stadtverordnetensitziina zur Beschluß- fassung über die Forderungen verlangt und in einer statt- gefundenen Ha»pta»sschiistfitzu»g hat sie sich energisch für die Forderungen der Pslichtarbeiter eingesetzt. Für Sonntag waren die Streikenden zu einer Ver- s a m m l u n g eingeladen worden. Von der Streikleitung war beschlosten worden, dqst M a x B r a u n. der Führer der Freiheitssront, in dieser Veranstaltung reden solle. Es kam jedoch nicht dazu, da die Kommunisten g e i» e i>, s a m in i t N a z i e l e m e n t e n beschlossen hatten, die Knndaebiina unter allen Umständen zu sprengen. Bereits vor Beginn der Veranstaltung wurden die Stuhlstange», ans denen die Stühle aufgereiht sind, gelöst und einzelne Stuhlbeine „gebrauchsfertig" gemacht. Tann erhob sich gleich.zu Beginn ein ohrenbetäubender Lärm und verschiedene der anwesenden Nazi.Kommunisten versuchte» gegen die. Veriam»il»»as- lettuna vor^udriuaen. Daraus wurde hie Versammlung geschlossen und der Saal geräumt. Tiekr Vorfall ist beschämend und charakteristisch s>i.>- die Kommunisten. ES konnte»her die Nöte der Pflichtarbeiter überhaupt nicht ei» cinziaes Wort getagt werden. Und darum gebt es den kommunistischen Schreier» ja auch nicht, Sie haben sich wieder einmal, anaesti'tei durch nationalsozialistisch« Lockspitzel, zum Handlanger der arbeiterfeindlichen Clique gemacht. Gruße Erelhelfskondgebung Die Freiheitsfront von Snlzbach lTaari hatte am Svnntagnachinittag zu einer Kundgebung in ihrem Heim im Tulzbacher Wald aufgerufen. Sie konnte mit dem Erfolg mehr als zufrieden sein: lieber 1500 begeisterte Menschen beteiligten sich an dieser Demonstration, die einen eindrucks- vollen Verlauf nahm. Räch einem einleitende» Vortrag über die Ziele des Kampfes der Frejheitsbeweaunst von E t i c n n e- Neun- kirchen sprach Mqx Brau». In einstündiacr Rede schilderte er de» starken Austrieb der Freiheitsbewegung an der Saar und die große Krise des Nationalsozialismus. Seine Ans- sührunaen fanden stürmischen Beifall. Ein wirkungsvoller Sprechchor nmrahqite die Veranstaltung. Im holländischen Urteil Dm neue Ausländergesetz Kram««, schreibt u. a, t»„He t B a d e r la» d" lDen Haag»: «Das deutsche Fremdengesetz wird umgeändert, und ich «vürde jedem, der sich einmal einen Witz über das„dritte Reich" erlaubt hat, anraten, nn» austerhalb der Grenze» vieles Reiches zu bleiben. Denn ein Ausländer, der sich ver- »chtlich über die Regierung ausläßt, wird über die Grenze Besetzt. Aber er kann auch was noch ärger ist, in ein Gefängnis oher ein Konzentrationslager kommen. Es ist dabei ganz Bleichgültig, ob die Verächtlichmachung in Teutschland oder »Uberhalb stattgefunden hat... Denkt doch einmal an den braven, gute» driltenreichsgesinnt«» Holländer, der nach dem Genuß von etwas deutschem Bier aus einer Wirtschaft ging, »n einem schlafenden Wehrmann vorbei kam und ausrief: ..Deutschland erivache!" So etwas würden wir natürlich als einen Scherz beschauen aber das deutsche Publikum war darüber in heller Entrüstung und wollte den Mann verfolgen lassen. Und eS besteht sogar einiger Grund, um anzunehmen, daß der dentiche Richter nicht weniger kriminell ist als die --r-iriichastsbeincher. Wen» sie einmal eine Hiiler-Karikaiur wit einem amüsierte» Lächeln betrachtet haben und ein ge- jährlicher Herr in der Nähe saß- Reserveleutnant Branden- bürg oder so— geht dann lieber»ich: nach Oberammergau »der wandert nicht mit einem Rucksack»ach dem Schwarz- wald! Ten» dann könntet ihr vielleicht eine Leidensfigur^ in einem Panionsspielchen werden oder... sogar in den Sack gesteckt werden" Stiefkind Holland Wir seien u a. In der„Haagschen Post": „Noch immer besteht die lästige Bestimmung dast Deutsche, die in den Ferien nach Holland reisen wollen, nur Reisegeld in der Höhe von 200 Reichsmark mitnehmen dürfen, während d'iselben Reisenden»ach Belgien. Frankreich und der Schweiz für denselben Zweck 700 Reichsmark bei sich haben dürfen. Woran Holland, das nach dem Krieg sofort bereit war. Deutschland bei dem Wiederaufbau seiner Industrie zu helfe» und ihm dazu noch einen anhaltenden Kredit von 300 Millionen gab. diese Maßregel zu danken hat. bleibt für viele ein ungelöstes Rätsel. Schon verschiedentlich haben wir aus dieses seltsame Rätsel und seine Ungerechtigkeit hin- gewiesen, ja die wirischastliche Tummheil davon beleuchtet. Es liegt doch ans der Hand, daß Teutschland, wenn es so weiter geht, keinen Besuch mohr von Menschen zu erwarten hat, die lwlländiich deuten und fühlen. Ter Holländer ist nicht engherzig von Anffassunis und wirklich nicht kleinlich, er ist gutmütig von Ari und s:eht nicht an allem gleich die Schattenseiten aber bei all diesem Wohlwollen gibt es auch für ihn eine Grenze, über die er sich nicht ohne tveiteres hinwegsetzen kann. Sein Gerechtigkeitsgefühl lehnt sich da- gegen auf ES geht nicht um ei» pro oder contra hinsichtlich des Hitlerregimes. Hier betrifft es nicht diese oder jene poli- tische Ueberwegung. sondern eine willkürliche feindliche Hal- tuna gegen unser Land und unier Volk, die Deutichland nicht ändern w'll. Niemand aus der ganzen Welt, nicht iii»r in nnserm Land, begreift es. daß Holland anders behandelt wirb als die übrigen Nachbarländer: Belgien, Frankreich und die Schweiz." Trautes Idyll! An anderer Stelle lesen wir in der„H a a a s ch e» P v st": „Ter Reisende in Teulschland bekomm: ein beklemmendes Gefühl von Einjamke-t. Er sühlt sich so absolut als Fremder, dem man mißtraut. Aber er kommt zu dem Schlust. dast nickt er, der Ausländer, allein ein Fremder ist. denn auch die Deutschen unter sich werden Fremde. O äußerlich niNit; äußerlich ist alles Kameradschaft»nd Gesinnunaseinheii. Aber der Herr des Hauses«lüstert.im Wohnzimmer mit seiner Frau, weil Personal im Hause ist. Und die Menschen sprechen viel und eifrig miteinander, aber was sie aus dem Hirzen habe», verschweigen sie. Man ist vorsichtig und miß- iranisch, aber das darf man selbst nicht zeige». Hindenbnrg hat stets väterlich ermahnt:„«cid einig!" Gut, die Einigkeit ist da. Aber möge» die Geiste? aller holländische» Holde» uns vor einer solchen Einigkeit bewahren, die seelisch veriremdet, ja verfeindet!" Olympische Spiele 1934 Wir entnehmen aus der„Post Scripta" der Haagjchen P o st: „In Deutschland find außer der autoritativen Regiernng noch immer viele andere Leute, die neben den hohen In- stanzen mitregieren. Kürzlich erst ereignete sich i» der Film- weit etwas Derartiges, als der von oben für gut befundene Film„Katharina, die Große" unmöglich gemacht wurde, weil eine jüdische Schauspielerin in diesem mitspielte. Dieie Schauspielerin hatte niemals einem armen Deutschen etwas zuleide getan. Auch über Max Baer können wir nichts anderes sagen, als das, wenn er ivieder mit einem deutschen Boxer ringe» wird, er seine Boxhandschuhe mit Sammet versehen wird. Wie wir hören, wird er dazu bald Gelegenheit bekommen Wenn wir das. was mit seinem Film passierte, als charakteristisch ansehen müssen für den Sportge st der SA., dann können wir für die Olympischen Spiele in Teulschland wenig Gutes prophezeien." Hitler unterschätzt einmal wieder! lieber ögs Interview, das Hitler mit dem Berliner Korr«- spvndent der„Ass. Preß" hatte, lesen wir im„H a n ö e l s- b l a d" sAntsterdami u. a.: Hitler annehmen kann, dast man in Amerika seine Versicherungen als siiste» Kuchen aufesse» wird, ist iinde- areiflich. Und ans dem Schluß des Interviews ergkvi sich, daß der Führer, der versicherte, dast alle«eine Mitarbeiter sich seinem Willen unterwerfen und dast keine Rede sei» kann von Bestrebungen mit dem Ziel, ih» zu verdrängen. Er rechnet auf eine Herrschaft von acht Jahren(bisher waren es vierij. In bieser Zeil will er Deutschland besser und glück- licher machen. Man kann gespannt sein aus den Eindruck, den dieses Prefiegespräch in Amerika machen wird. Wir bezwei- fein, oh der Reichskanzler diesmal einen geschickt?,, Zug ge- macht hat indem er die Einsicht der amerikanische» Tages- presse sp gering einschätzte und glaubte, daß sie alles für ernst nehme: Pariser Berichte Pariser Straßenkalender Eine George- roß-Ausstellung, die bis 28. April dauert, wurde 30, rue La Boetie eröffnet. * Der Milchpreis in Paris wurde erneut gesenkt und beträgt jetzt 1,30 Fr. das Liter. * In der Comedie Franeaise wurde das Stück„L'Embugcade" von Kistemaekers übernommen. Die Lose der Nationallotterie nach dem geänderten System werden Freitag herauskommen, und die erste Ziehung wird am 3. Juli sein. Die Serien unterscheiden sich nicht mehr durch Buchstaben, sondern durch Ziffern, weil viele Käufer die Serien X, Y, Z nicht nehmen wollten. Henri Rodieltes Ende Henri Rochette, der berühmte Schwindelbankier, gewissermaßen der Stavisky der Vorkriegszeit, hat sein Leben auf abenteuerliche Weise im Gerichtssal,„in den Sielen" kann man sagen, geendet. Der Veteran der Strafprozesse war schwer darüber bekümmert, daß sein Bruder sich am Freitag an einem Bahndamm aus Verzweiflung erschossen hatte. Daraufhin ging Henri in den Justizpalast, in dessen Kammern er so oft brilliert hatte, und tötete sich auf den Zuhörerbänken während einer Rede des großen Verteidigers de Moro-Giafferri. Der graue Herr mit dem Vollbart hatte sich mit einem Rasiermesser einen furchtbaren Schnitt am Halse beigebracht. Die Richter und Anwälte sahen den Toten an, erkannten ihn und riefen:„Aber das ist ja Rochette." Rochette stammte aus Melun, dem kleinen Ort oberhalb der Seine in der Gegend von Fontainebleau. Er wäre am 21. April 56 Jahre alt geworden. Dieser große Millionenbetrüger war ein ausgezeichneter Schüler, so daß er, als Sohn einfacher Eltern, ein Stipendium zum Besuche der höheren Schule erhielt. Von 1904 an gründete er Banken über Banken, in denen er Vertrauensselige um viele hohe Summen neppte. Unter anderm schuf er die Bank Franco-Espagnole mit 20 Millionen und die Bergwerksgesellschaft de la Nerva mit ebenfalls 20. Im ganzen regierte er einige Jahre darauf in zwanzig Gesellschaften, und ähnlich dem schönen Alexandre, glänzte er in den Blumenschlachten der Azurküste als König, mit seiner Frau und den Töchtern als Hofstaat. Damals ging er, gleich Alexandre, auch damit, um eine Tageszeitung sein eigen zu nennen und ein großer Politiker zu werden. Aber die Verhaftung 1908 kam dazwischen und der Vielgewandte wurde, obwohl 52 000 seiner getreuen Anhänger oder gekauften Freunde zu seinen Gunsten bei der Kammer intervenierten, zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. 1912 gab es einen großen Skandal, weil der faule Bankier die Strafe nicht absaß. Dann wurde die Strafe in zwei Jahre umgewandelt, aber der Meister des Schwindels saß auch diese nicht ab, sondern floh nach England und dann nach Amerika. Im Krieg wurde Henri Rochette, der unter falschem Namen ins Heer eingerückt war, auf Urlaub verhaftet und mußte seine Strafe nachsitzen, die inzwischen auf drei Jahre wieder angewachsen war, aber im Jahre 1916, bei der großen Offensive, kam der Sohn von Melun wieder frei. Nach diesem Mißgeschick erhielt er im ersten Friedensjahr abermals zwei Jahre Gefängnis, da er zehn Millionen während seiner Freilassung auf Bewährung um die Ecke gebracht hatte. Dann gründete er als Monsieur Cadoure ein Handelsmuseum und sammelte dabei 400 000 Franken Unterschriften, auch erleichterte er einen früheren Schulmeister, den er mit 12 000 Franken als Direktor anstellte, um 60 000 Franken Ersparnisse. Zum Schluß war er noch in die Affäre„Bourse et Finance" verwickelt, eine faule Gesellschaft, die er gegründet hatte, und in die O u s t r i c-Affäre. Die Freundschaft mit diesem Schwindelbankier brachte ihm 1931 abermals zwei Jahre ein und als das Berufungsgericht diese Strafe auf drei Jahre erhöhte, war es mit Henri Rochettes Gleichmut vorbei. Er sagte damals schon:„Das kostet Blut." So sank der Vorkriegs-Stavisky dahin, dem Nachkriegs- Stavisky auch im Tode gleich. Er hat ein Buch„Die Stunde des Spartakus" hinterlassen. rei rrinite qz.LZ M6iro p l o o 11 e Deutsche Poliklinik Paris, GZ, Rue de la Rochefoucauld j| Allgemeine Konsultationen mit 9 Spezialisten b) Chirurgie c) GeburtahilUiche Klinik d) Zahnärztliches Kabinett Innere Medizin, Augen», Ohren», Nasen» und Kehl köpf krank» Zweistöckiges|Sanatoriumsgebände. Vierstöckiges Gebäude, Zimmer Zahn» and Mundchirurgie. Gold aeiten. Röntgen. Diathermie. Elektrotherapie, Speualbehand. Kleine, mittlere und große Chirur. mit 1 bis 4 Betten. 5 Aerwe.JHeb. und Porzellankronen..Brucken, lung bei Blut». Harn» u. Geschlechtskrankheiten gie. 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Die Witwe des ermordeten Richters Prince und sein junger Sohn haben vom französischen Justizminister in einem großen Dokument, das sie ihm in Begleitung ihrer Anwälte übergaben, die Bestrafung der Schuldigen gefordert. Dieses Dokument, das die elementarste aller Sprachen, die des Blutes spricht, ist menschlich unendlich ergreifend und juristisch von außerordentlicher Schwere. Die Nächstbeteiligten sagen, daß ein Selbstmord, daß eine geistige Umnachtung des Richters ausgeschlossen sei. „Bis zum letzten Augenblick, wo er bei den Seinen war, machte er den Eindruck völliger Klarheit und Ausgeglichenheit". Wohl war er in schwere Dinge verstrickt, aber nicht als belastet, sondern— als Ankläger. Frau und Sohn sind überzeugt, daß der Richter in den Hinterhalt gelockt und getötet wurde.— Sie zählen alle Umstände auf, in denen Prince seit dem 20. Februar lebte, und fügen den fünf Theorien— Verbrechen eines Irren, Verbrechen eines Verbrechers, Privatrache, Rache eines Verbrechers, Rache aus Gründen auswärtiger Politik— eine sechste hinzu: die Verknüpfung des Mordes mit dem Fall Stavisky. Die Rolle Princes bei der Unterredung mit dem Präsidenten Lescouve insbesondere wird genau geschildert. Die Art, wie er sein Gewissen erleichtern wollte, die Art, wie er von zwei Doku- meten sprach, nämlich zwei Briefen des Staatsanwalts Pressard, die ihn bedrückten.„Es ist nicht zweifelhaft," sagt der Bericht,„daß es sich um dienstliche Mitteilungen handelte, durch die M. Pressard den Richter Prince während der Ferien ersucht hatte, die Verfolgung Stavisky. entweder zu verlangsamen oder gar anzuhalten." Interessante Einzelheit: in einem Gespräch mit einem Zeugen hatte Prince, der der Affäre Stavisky größte Bedeutung beimaß, gesagt:„Sie ist ebenso schwerwiegend wie der Fall des Halsbands der Königin". Und ein andermal sagte er:„Pressard und ich hassen einander wie Todfeind e." Ferner teilen Mutter und Sohn mit, daß Prince eine kleine Aufzeichnung vergaß, wegen derer er vom Bahnhof noch telefonierte. Es handelt sich um folgende Handnotizen: 24. März 17 868 L. 22. März 30 18. März 18 015 L. 15. April, Uebertragung von Pachot. Diese Notizen sollten ihm nach Auffassung der Familie es erleichtern, sich die Daten der Uebergabe der Berichte in Sachen Stavisky ins Gedächtnis zu rufen, er brauchte diese Daten für seinen Bericht bei Lescouve. Die Eingabe fordert zum Schluß den Justizminister auf, ohne Zeitversäumnis die nötige Aufklärung zu schaffen und der Familie des unglücklichen Richters Prince ihr Recht zu geben. Es handelt sich unzweifelhaft um ein sehr gewichtiges Dokument, das mindestens angetan ist, die Theorie des Selbstmordes gründlich zu erschüttern und die„sechste Theorie"(— Verknüpfung mit Stavisky—) scharf zu unterstreichen. BBIWKaSTfN Göbbels-Rem>uisze«z, Bern. Wir danken Ihnen für Erinnerung und Einsendung. Auch wir waren keine besonderen Freunde des vor sünf Jahren in Holland verstorbenen Maximilian Haiden. Seine politischen Extratouren hinter den Kuligen bestimmter Cliquen in der Vorkriegszeit schätzten wir ebensowenig, wie die Sprach- verkünstelung in seiner alten„Zukunft". Nach dem Kriege haben ihn die mit Stahlhelm oder mit Hakenkreuz geschmückten Frei- schärler so inbrünstig gehaßt wie kaum einen anderen, weil er die nationalistische Selbftvergöttcrung beißend kritisierte. 1925 wäre er fast einem nächtlichen Ueberfall erlegen: ein Heldcnjüngling schlug ihn so über den Kopf, daß er eine schwere Schädelverlctzung erlilt. Haiden, vor neuen Attacken nicht sicher, zog nach Solland, wo er 1929 starb. Sie schicken uns nun den Wortlaut des„Nachrufes" aus Wöbbel«' Feder im„Angriff" vom 7. November l929 wörtlich: „Maximilian Haiden ist durch eine Lungenentzündung hingerichtet worden. Damit geht eine« der gemeinsten und niederträchtigsten In» dividuen, die Deutschland an den Rand dcS Abgrundes gebracht haben, auS dem Zeitlichen heraus. Maximilian Haiden ist der Tbv der südischen Literaturbestie, die bedingungslos und ohne Rücksicht da? Kastrecht deS Wirtsvolkes mißbraucht und ihrem ewigen Trieb zur Zerstörung frönt. Das deutsche Volk hat ihm und seinesgleichen ein Meer von Blut und Tränen zu verdanken. Sonst sagt man:„de mortuis nil nisi bene!" Das hat bei unseren Vernichtern keine Gel- tung. Wir bedauern am Tode dieses Mannes nnr, daß er uns die Möglichkeit genommen hat, aus u n s e r e A r l mit Isidor Wilkowsky abzurechnen. Dr. G." Parker vperndrlel ,,,Die Feme Prinzessin", deren Uraufführung in der Großen Oper stattfand, hat Edmond Rostands gleichnamige dramatische Legende zum Vorwurf. Der Komponist M. W i t k o w s k i, der als Direktor des Konservatoriums in Lyon lebt, hat den Text hergerichtet, dessen Märchenklang und dessen Farbkontraste wohl den Opernmusiker reizen können. Nach seinem Kommentar war es sein Ziel, ein musikalisches Drama, bei dem das Orchester nur Begleitung bleibt, zu schreiben. Man kann damit zugleich Stärke und Schwäche der Witkowskischen Partitur feststellen. Es ist etwas wie eine französische Schreker-Nachfolge in diesem Werk entstanden: der untermalende Klang ist im Orchester herrschend, über ihm erhebt sich das gesungene Wort, die sinngemäß deklamierende menschliche Stimme. Aber was sich bei Schreker aus einer wirklichen Opernfantasie zwangsläufig ergab, das spielt sich bei Witkowski in einem merkwürdig luft- und umrißlosen Raum ab. Der legendäre, unrealistische Vorwurf dämpft die Farben. Es ist eine Klangflut ohne Halt und Zentrum. Die Aufführung der Academie(mit Suzanne Balguerie, M. Singher und Le Clezio in den Hauptpartien) war von Philippe G a u b e r t musikalisch aufs liebevollste betreut. Die beiden neuen Bühnenbilder M. Charlemagues gaben einen besonderen stimmungsvollen Rahmen. Zur gleichen Zeit fast erschien in der Komischen Oper die Wiederaufnahme des lyrischen Dramas„Auferstehung" von Franco Alfano. Der Text dieses Opernwerkes geht auf T o I s t o i» Roman zurück. Es ist im Jahre 1904 entstanden, und in Paris bereits vor etwa einem Jahrzehnt gegeben worden. Der italienische Komponist, der in Deutschland studiert hat, und dessen dramatische Werke fast sämtlich auch in deutscher Sprache aufgeführt wurden, ohne«s zu einem durchschlagenden Erfolg zu bringen, muß der veristi- sdhen Schule zugerechnet werden. Jener Richtung des musikalischen Dramas also, die um die Jahrhundertwende herum insbesondere in Italien versuchte, der musikalischen Bühne durch realistische Stoffe neue Lebenskraft zuzuführen. Alfano hat in diesem ersten Opernwerk versucht, eine Verbindung zwischen dem damals neuen Stil und einem russischen Vorwurf zu schaffen. Er hat russische Opernkunst studiert und auch rein musikalisch auf sich wirken lassen, was man deutlich aus dem folkloristischen, aber auch aus einigen ariosen Wendungen der„Auferstehungs"-Partitur heraushört. Der Versuch einer solchen Verbindung wäre heute noch interessant, besäßen wir nicht ein jüngeres und stärkeres Werk, das die Synthese russisch-italienischer Musik auf einer bedeutend höheren Ebene geschaffen hat, Puccinis „Tnrandot", die Alfano selbst nach Puccinis Tode vollenden half. In diesem Schwanengesang des bisher letzten italienischen Opernkomponisten von Weltgeltung ist alles das erfüllt, was in Alfanos Frühwerk in der Anregung stecken bleibt. Damit ist nicht gesagt, daß die Oper Alfanos nicht des Interessanten und Hörenswerten eine Menge bietet. Zumal die Pariser Komische Oper zwei Spezialbesetzungen einzusetzen hat: Mary Garden, die zwar als Bauernmädchen unglaubhaft bleibt, aber vom zweiten Bild, vom Beginn des eigentlichen Romans der Caterina Mikailovna ab, eine auf Pariser Opernbühnen selten zu sehende schauspielerische Leitung bietet. Ihr zur Seite Rene Maison als Prinz Dimitri, einer der herrlichsten Tenöre und gleichzeitig einer der besten Menschendarsteller der französischen Oper. Nennt man noch C. G a u 1 d als Simonson, nennt man C 1 o e z' saubere musikalische Arbeit und die charakteristischen Bühnenbilder, so ist das Wesentlichste über diesen Abend der Komischen Oper gesagt, der wesentlichere Aufgaben näher stehen. P. W. Auf„seine" Art. Heute kennt man sie noch besser als damals. Dies ist eines der schönsten Ehrenatleste, das sich der Herr Reichsvropa» gandawinifter in seiner ersolgreichen Lausbahn ausgestellt hat. S. F., Brüssel. Ihnen ist ein Werbeblatt für die Rückgewinnung der ehemals deutschen Kolonien in die Hände gefallen, das folgende» „Lied" enthält: „Mit Herz und Hand sür Togoland! Mein ganzes Tun für Kamerun! Hall treu und fest an Deutsch-Südwest' Dem Herzen nah bleibt Deutsch-Lst-A! Tsingtau: dich vergeß ich nicht! Deutsche Tüdsee, Märchenland, Dein gedenk ich unverwandt!" Deutsche Psychiater in die Äolonialsront! Ostsriesländer in Holland. Ihnen haben enttäuschte B... und Bürger aus Oldenburg mitgeteilt, baß das Staatsministerium streng verboten hat, durch Eingaben mit gesammelten Unterschristen be- vorstehende Maßnahmen beeinsluyen zu wollen.— Der Naziminister hat recht, und Ihre Beschwerdeführer haben unrecht. Man kann von den echten Nazibonzen nichts anderes erwarten, als daß sie aus allen Winkeln die Reste der Demokratie auskehren. Wer die Leute in den Sattel gehoben hat, darf sich nun nicht beklagen, wenn er ihre Peitsche fühlt. Früher«»ruber«. In Ihrem Briefe an uns teilen Tie u. a. mit, daß die Haushälterin des Pfarrers von St. Heinrich in Fürth wegen Kotteslästerung, soll beißen wegen Beleidigung unseres großen Führers Hitler, i» Schutzhaft genommen worden ist. Wußten Sie es noch nicht?„Wer den Führer beleidigt, beleidigt das deutsch« Volk." K. W. Lodz. Luxemburg-Ttadl ist sehr schön gelegen, wie über» Haupt das kleine neutrale Ländchen liebliche landschaftliche Reize hat. Es ist überdies billiger als das Saargebiet und Frankreich, von Holland ganz zu schweigen. Schwierigkeiten bei der Niederlassung gibt es aber, wie heutzutage überall. Das Kroßherzogtum Luxem- bürg wird von der klerikalen Partei beherrscht. Seine„Armee" besteht, wenn wir recht gut unterrichtet sind, aus 359 Mann. Oberster Kriegsherr ist der Gemahl der Großherzogin, der unsere« Wissens im Range eines Obersten steht. Der eigentliche Befehlshaber ist ein Major. Ein paar Stürme Röhms könnten das ganze Land erobern, aber sie werden sich hüten. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Pitz in Dud- weiter: sür Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken Rotationsdruck und Verlag: Verlan der BolkSstlmme GmbH., Saarbrücken S, Schützenstraße 5.— Schließfach 77» Saarbrücken. Drs.G.und M.Spitzer 3, avenue de la Ripuhlique, Paris. Mdtro Rlpubiique, Tel. Oberkampf£6-23. Sprechstunden: 1-3 und 6-8 Uhr flaut», Gesch'echts«, innere und Kinderkrankheiten Epilaron Diathermid ff>orfeiir fpecioliste ! DEUTSCHSPRECHEND l Münchener u. Pariser Fakultät 17, rue Reaumur M6tro Arts-et-M6tiers od. Röpublique Frauen», Blut», Haut», Harn» und Ge» jchlechtjkrankheiten, Tripper, Syphi» Iis, Männerschwädie. Neueste Heilverfahren. Elektrizität. Harn», Samen» und Blutanalysen. Massige Bedingungen.(Auch für Kassen versicherte.) Täglich von 9- I und 4- 8,30. Uhr Sonn» und Feiertags von 9 bis 1 u. au< Rend. v. Tel. Arch. 54-27 Erfahrener, tüchtige seriöser Reisender 37 Jahre, ledig, sucht Reiseposten für Elsaß, Saar, Schweiz u. 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