Nr. 87. . Abonnements-Kedtngungen: Abonnements-Preis pränumerando: Bierteljährl. 3M) Ml., monatl. 1,10 Ml., wöchentlich LS Pfg. frei in« HauS. Einzelne Nummer s Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftrtrter Sonntag»- Beilage„Dt- Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für ISS? unter Qr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrig« Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheint täglich allster Montag». 14. Jahrg. Die Insertion--Gebühr beträgt für die sechSgefpaltene»olonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Versammlungs-Anzetge», sowie Arbeitimarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bi» 4 Uhr nachmittag» in der Expeditto» abgegeben werden. Die Expedilio» ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis g Uhr vormittag» geöffnet. Devlinev Volksbl�kt. Fernsprecher: vmt I, Nr. 1508. Telegramm-Adresse: »Sotialdrinokral Berlin". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Wedaktion: SW. 19, Wenty-Straße 2. Spedition: SW. 19, Uenty-Straße 3. Der HVAhl-HVÄhvppruch des iinlienifchen Volks. Von Professor Enrico Ferri. I. R o m. 7. April 1897. Am 21. und 28. März haben die allstenieineit politischen Wahle»»ns den Wahlspruch des sVollsgelvifsens über die politischen und sozialen Zustände Italiens gestebe». Wen» lvir auch in Italien sehr weit davon enlfernt sind, das allgenteine Stimmrecht zu haben— denn bei 30 Millionen Ei» wohner» haben wir nur 2 Millionen Wähler, von denen lhatsächlich nur 60 pCt. von ihrem Stimmrecht tvirltich Gebranch machen— so war das Verdikt doch sehr beredt und hat nnserkn herrschenden Klaffen, die in der dedanernswerthesten Unwissenheit hinsichtlich der wahren Zustände und Lebensbedingungen des Landes sind, eine große Ueberraschnng bereitet. Die 508 De putirtemvahle» haben zunächst die für ein Land, wie Italien, natürlichen Resultate geliefert— für ein Land natürlich, das mit seinen südlichen und Jnselprovinzen(mit mehr als der Hälfte aller Wahlkreise) sich noch in einem Zustand des ökonomische» Feudalis »ins und des tiefsten geisiigenNothstands befindet.trotz deräinerschöpflichen Hilfsquellen des Bodens und der hohen Anlagen seiner Bewohner. Das heißt: drei Viertel der Abgeordnelen sind wiedergewählt worden und die Majorität— beinahe 320— hat sich für die Regierung erklärt. Ich sage,„für die Regierung erklärt," denn für verschiedene Kandidaten war dies nur ei» Mittel, um von der Regierung im Wahlkanipf unterstützt zu werden,— unter dem stillschweigende» Vorbehalt, gegen die Regierung zu stimmen, wenn sie einmal gewählt und sicher sind, daß eine neue Wahl»och in weiter Ferne liegt. Anerkennen muß man, um gerecht zu sein, daß Rudini seine Macht, und die direkte» und indirekten Formen der Wahlbeeinflussnng und Einschüchterung nicht in dem Grade mißbraucht hat, wie das Ministerium Crispi bei den Wahlen des Mai I8VS. Besonders bei dem ersten Wahlgang am 21. März haben die Regierungs- Behörden die Freiheit der Propaganda und de: Versammlung ziemlich geachtet, und mit Ausnahme einiger Wahlkreise sind keine besonders anstößigen Wahlbeeinfluffungen vorgekommen, wenigstens nicht von Seiten der Behörde». Dagegen ging es ans Seiten der kapitalistischen und latifundistischen, de» Großgrundbesitz vertretenden Kapitalisten ganz anders zu. Bei den Stichwahlen deS 23. März dagegen hat die Regierung daS Mittel des Drucks und der Wahlbeeinflussnng doch mißbraucht und hat sogar den Kandidaten der Opposition geholfen, nur um die Wahlen von Sozialisten und Republikanern zu ver hindern. Und gerade bei den Stichwahlen haben wir das Wunder(das in allen kapitalistischen Länder» aber sehr natürlich ist, R.d.V.) erlebt daß sich alle Bourgeoisparteien vereinigte», von den Klerikalen bis zu de» Radikal-Konstitutionellen, nur um die Vertreter der sozialistischen und republikanischen Partei zu bekämpfen— eine Koalition, welche von der Lehre des wissenschaftlichen Sozialismus sehr wohl vorausgesehen wird, und die am Horizont des politischen Lebens auch schon außer halb der fieberhasten Zeit der Wahlkämpfe sich abzuzeichnen beginnt. Wie ich Ihnen bereits schrieb, hat Rudini das zwar nicht öffentlich zugestandene. aber praktisch erstrebte Programm: eine Misch maschpartei zu bilde», die in der politischen Ent- Wickelung des Kapitalismus den Anfang vom Ende bedeutet. Rudini wird, wie das immer geschieht, für sein Noviziat, ich meine für das Wagniß der Neuerung, zahlen und die Unannehmlich- leite» feiner Initiative zu tragen haben, den» um die Verschmelzung der Bonrgeoisparteien zu verwirklichen, muß er ein gewurzelte Tenkgewohnheiten, verstärkt durch alte persönliche Ge hnssigkeiten und Eifersüchteleien, die noch in den Vertretern der alte» Parteien von rechts und links, in den Konservativen und de» Progressisten leben, wohl oder übel verletzen und vor den Kopf stoßen. Es läßt sich schon voraussehen, daß in der neuen italienische» Kammer die Regicrungsmajorität sich sehr bald trennen wird, um daS Ministerium Rudini ganz oder theilweise z» stürzen und die Regicrnngsgewalt einer Koalition der progressistische» Parteien zu überliefern, deren Führer Zanardelli, Giolitti nnd Cavallotti sind. Um sich hiervon zu überzeugen, reicht es hin. etwas politische Anatomie mit der italienischen Kammer zu treiben, so wie sie aus de» jüngsten allgemeinen Wahlen hervorgegangen ist. Die zwei größten Ueberraschnngen dieser Wahlen sind die Zermalmung d e r P a r t e i Cr i s p i' s und der wunder- bare Fortschritt der Sozialdemokratie, mit dem ein sehr beredtes Erwachen der republikanischen Partei im Zusammenhange steht. Von der ehemalige» Partei Crispi's sind nur ein bis zwei Dutzend Deputirte übrig geblieben, darunter Crispi selbst, der übrigens i» diesen Tagen der Gegenstand strasrechtlicher Ver- folgung wegen eines neuen Skandals der Bank von Neapel geivorden ist. Von den ehemaligen Ministcrn des Kabinets Crispi sind wieder- gewählt worden: der General Mocenui, dessen Ansehen aber vor der Oeffentlichkeit und im Parlamente vollständig hin ist— hat er doch unsere Verluste in Afrika nicht blas verschuldet, sonder» geradezu organisirt; ferner Professor Bonelli, der frühere Unterrichts- minister, der als politische Persönlichkeit bedeutungslos ist; wieder- gewählt ist auch Sounino, ehemaliger Schatzsekretär, ein ziemlich energischer Man», der sicherlich eine politische Zukunft in Italien hat; er hat aber schleunigst erklärt, daß er mit Erispi, d. h. mit der Politik der gewaltthätigen Reaktion im Innern und des Gr ößenwahns nach außen, nichts mehr zu thun haben wolle, einer Politik, die so energisch durch die Stimme des italienischen Volkes zurückgewiesen und vcrnrtheilt worden ist. In der That sind die lhätigsten und bekanntesten Werkzeuge Crispi's, wie die Deputirte» Galli nnd Fortis nicht wiedergewählt worden; auf dem Wahlschlachlfeld, das eine Walstatt für sie war, sind fast hundert Crispiner geblieben— eine Hekatombe") im wahrsten Sinne des Worts. Diese Vernichtung der Partei Crispi's bedeutet den einzigen wenn auch völlig indirekten Erfolg der neue» politischen Stellung- nähme Cavallotti's, des ehemaligen Hauptes der radikale» Partei, ") Hekatombe, griechisch, heißt buchstäblich ei» Opfer von hundert (Ochsen, Schafen oder auch Abgeordneten). der nebst einem Theil der äußersten Linken unter dem Ministerium Rudini dessen Verbündeter geworden ist. Und die Vernrlheilnng der Partei CriSpi's wurde überall ent- schieden durch die nur z» frischen Erinnerungen unseres schreckliche» Unglücks in Afrika(die Niederlage bei Adua war am 1. März 1836), und durch die zum theil ans die kolossalen Kriegsopfer und das Wachsen der Steuerlast zurückzuführende wirthschaftliche Nothlage. Rudini giebt in seinem offenen Brief an die Wähler Italiens an. daß der Krieg in Afrika 1 835—96 uns 8000 Soldaten und 500 Millionen Lire(Franks) gekostet hat. Für Cavallotti und sein Bündniß mit der Regierung war der Wahrsprnch der Wahlen nickt günstig, den» die Anzahl der neuen radikal-minifleriellen Deputirte» beträgt nur ungefähr 30, ebenso- viel wie in der vorigen Kammer. Wie Cavallotti zugeben mußte, hat das Volksbewußlsciu sich gegen Rudini aufgelehnt, weil er während des ganzen Jahres 1636, trotz der Abschaffung der Aus- uabmegesctze, die sozialistischen und republikanischen Organisationen und Vereine unausgesetzt verfolgte; serner fiel in die Wagschale Rudiui's Brief an seine Wähler, in dem er eine Wahlgesetzreform ankündigte, dahingehend, daß die Großgrundbesitzer drei Stimmen, die mittleren Grundbesitzer zwei und die Arbeiter eine Stimme er- halte» sollten—»ach dem Muster von Belgien, wo indessen die Ar- beiler das allgemeine Stimmrecht besitzen, welches wir nicht haben. Diese zwei reaktionäre» Flecken waren zu schwarz auf dem mehr oder » eniger in allen Farben schillernden politischen Mantel Rudiui's, als daß die Wähler der radikalen Partei Herr» Cavallotti mit großem Enthusiasmus hätten folgen könne». Cavallotti hat sich von der konservativen Partei und der Re gierung über den Löffel barbiren lassen und wird schließlich wie eine ausgedrückte Zitrone beiseite geworfen werden—, es sei den», daß es ihm gelinge, die„liberale" oder„fortschrittliche" pro- gressistische Partei mit Zanardelli und Giolitti wieder auserstehen zu lassen. * 0 Von den 508 Deputirte» gehören, so weit sich bis jetzt überblicken läßt, 230 der minifterieNen Partei, d. h. der Rechten, dem Zentrum und der gemäßigte» Linken, nnd etwa 30 der ministeriellen ä u ß e r st e n Linken an. Von de» übrigen 190 gehöre» ungefähr 80 zur konstitutionellen Opposition, d. h. die Reste der Partei Crispi's(20), die Anhänger Eonnino's(40)»nd die Ultrakonservativen, welche die Koalitions- versuche Rudini's mit Zanardelli, Giolitti und Cavallotti nicht billigen. Ungefähr 60 Deputirte bezeichnen sich als sogenannte„Un abhängige", was soviel heißt wie unsichere Kantonisten, die bereit sind, sich auf die Seite zu schlagen, welche die meisten Aussichten hat, sich in der Macht zu behaupten oder sie zu erober». Man nennt sie bei uns„Askaris des Parlaments", nach de» armen Eingeborenen unfcrer afrikanischen Provinz, die sich als Söldner (Askari) verdingen und für Geld selbst gegen ihre eigenen, ihnen mehr oder weniger nahestehenden Landsleute kämpfen. Die 50 übrigen Deputirten bilden die Opposition der äußerste» Linken, die Herrn Cavallotti nicht Gefolgschaft leiste». Sie t heilen sich rviedcr in 18 oppositionell� Radikale, 15 erklärte Republikaner, 2 unabhängige sozialistische Republikaner und 15 Sozialisten, die sich von allen anderen Parteien und Parlcisckalti rungen abgesondert als selbständige Fraktion zusammengeschlossen haben. Die oppositionellen Radikalen sind ungefähr dieselben wie in der früheren Kammer; und so besteht die große Ueberraschnng, welche die allgemeinen Wahlen gebracht haben, in der großen Anzahl von Republikanern nnd hauptsächlich von Sozialisten, die Rudini in seinem Brief an die Wähler als„die gemeinsamen Feinde" bezeichnete, die nian bekämpfen und zermalnieu müsse. Und wie ich Ihnen schrieb, hatte er die allgemeinen Wahle» in den März verlegt, nur um ein Anwachsen d e r s o z i a- l i st i s ch e n Stimmen nnd Deputirten zu ver- hindern, denn unser Wahlgesetz giebt den neuen Wählern, die sich im Dezember eines jeden Jahrs in die Listen habe» ein- schreibe» lassen, erst vom Juli des folgenden Jahres an das Recht zu wählen. Und Herr Rudini wußte sehr wohl, daß die sozialistische Partei im vergangenen Dezember fast 100 000 neue Wähler veranlaßt hatte, sich einzuschreiben. Obgleich diese am 21. und 28. März nicht mitstimmen konnten, haben wir ei» glänzendes Ergebniß gehabt: im Verlaufe von zwei Jahren, vom Mai 1895 bis zum März I8S7 hat die sozialistische Partei Italiens die Gejammt zahl ihrer Wähler niehr als verdoppelt. Trnckfehlerberichtigung zu dem Leitartikel in voriger Nummer. Das Schreibe» des Staatssekretärs Gresham, das die Meistbegünstigung nur für Preußen, nicht für das ganze Reich an- erkennt, stammt aus dem Jahre I8S4, nicht 1874. Dolitifchc Acbei-flchk. Berlin, 12. April. TflS prenhische Vcreinsrccht. Wie auswärtigen Blättern aus Berlin genieldet wird, soll das preußische Vereinsgesctz in der letzten Sitzung des Staats- Ministeriums nach den Vorschlägen des Ministers des Innern angenommen und die Ermächtigung zur sofortigen Einbringung im Abgeordnetenhause beim Kaiser nachgesucht worden sein. Die Nachricht steht in gewissem Widerspruche mit den von keiner Seite bestrittenen Mit- theilungcn über die Vereinsgesetz-Novelle, die auch wir in unserer letzten Nummer publizirten. Doch wie dem auch sei, Herr v. d. Recke braucht sich keine grauen Haare wachsen zu lassen, bewilligt ihm der Minister- rath und der Landtag, was ja freilich kaum glaublich ist, seine Verböserungen des Vereinsgesetzcs nicht, so kann durch Jnter- pr'etirungen und Heranziehung anderer Gesetze auch so mancher schöne Erfolg erzielt werden.— Die französische Bonrgeoisregieruug führt seit Jahren einen erbitterten und chikanöscu Krieg gegen die sozialisti- scheu Gemeinden, denen sie das Leben mit alle», auch den verwerflichsten Mitteln und Kniffen sauer zu machen sucht. Der verunglückte Feldzug gegen den sozialistischen Maire von Lille ist bekannt— er endigte mit der Niederlage der Regierung durch die Wiederwahl D e l o r i)' s. Den gleiche» Ausgang hatte soeben der Fcldzng gegen die sozialistische Ge- meinde von R o u b a i x(wo Guesde als Abgeordneter gewählt ist). Unter den nichtigste» Vorivänden wurde vor kurzem der Gemeinderath aufgelöst. Gestern hatte die Neuwahl statt. Trotz aller Anstrengungen der Behörden und Ordunngsparteien, die noch am Abend vor der Wahl den neuesten Sozialisten- tödter Deschauel, Vizepräsident der Kanimer, sich nach Ronbaix bestellt hatten, wurden, wie uns Privatdepeschen melden, die Sozia- listen mit glänzender Majorität wiedergewählt. An dem gleichen Tage siegten, nach einer Depesche unseres Korrespondenten, die Sozialisten auch in C a r ni a u x in einer Stichwahl zum Gemeinderath. In Carmaux hatte, ebenso wie in Ronbaix, der seichte Schwätzer Deschanal, der nur die alten Bastiat'schen und Thiers'schen Phrasen herunterhaspelt, für die Ordnungs- Parteien agitirt. Unsere Genossen werde» sich diesen zug- kräftigen Agitator wieder Willen wohl bei schwierigen Wahlen nun stets kommen lassen.— Ter Krieg ist zwar von Griechenland nicht formell er- klärt, aber es wird gekämpft wie im Kriege. In der Welt- geschichte war jedenfalls eine ähnliche Situation, wo sich zwei Staaten bekämpfen ohne ihre diplomatischen nnd sonstigen Beziehungen abzubrechen, noch nicht da. Der„Nordd. AUg. Ztg." wird aus Wien tclcgraphirt: Von hervorragender diplomaiischer Seite wird die Ansicht ver- trete», Gr iechenland werde sich kaum zur Kriegserklärnna entschließen, da es zur Führung eines reguläre» Krieges»»sähig ist. Griechen- land werde sich vielmehr bemühe», auf dem Unnvege von Jnsnr- gentenkämpsen den Glauben zu erwecken, es wäre zum Kriege entschlossen. Dieses alles seien aber vergebliche Einschüchternngs» versuche; i» längstens vier Wochen werde die kretische Frage ent- schiede» sein, weil Griechenland die gegenwärtige Situation länger nicht aushalten könne. Das„Frcindenblatt", das offiziöse Organ des öfter- reichisch-ungarischcn auswärtigen Amtes, schreibt: Durch die Vorgänge an der thessalischen Grenze ist die Situation eine sehr ernste geworden. Zu gleicher Zeit versichert das genannte Blatt aber, daß der Kriegsbrand, wenn ein solcher wirklich ausbrechen sollie, aus die Türkei und Griechenland beschränkt werden würde. Es würde dafür gesorgt werde», daß er nicht weiter greife.— Die Nachrichten über die Kriegsstärke und die Schlag- fertigkeit der griechischen und türkischen Truppen weichen außer- ordentlich ab, ebenso die Meldungen über die Haltung der anderen Balkanstaaten bei weiterem Umsichgreifen der gricchisch-türkischen Kämpfe. Einerseits hofft man auf volle Neutralität der kleinen Balkanstaaten, andererseits werden von überall Kricgsvorbereitungen gemeldet. Von den außerordentlich zahlreichen Nachrichten registrircn wir blos die wichtigsten. Der„Frankfurter Zeitung" wird ans K o n st a n t i n o p e l gemeldet: Aus dem griechischen Haupiquartier eingelaufene einwandssreie Berichiekonstaliren entgegen englischenMeld»nge>i,daß dasgesaminte Osfizrerkorps scharf gegen den Kronprinzen Stellung zn nehmen beginne. Der Kronprinz werbe, falls er nicht zum Angriff über- gehe, seine Position keine Woche mehr kalten können. Die Offiziere, welche nur die Anordnungen des Nationalkomitees an- erkennen, habe» den Kronprinzen im Verdacht, daß er keine Aktion unternehmen wolle. Giebt der Kronprinz dem Drängen nicht nach, so kau» er persönlich als verloren gelten. Die„Ageuce Havas" bringl Nachrichten aus Trikkala, die besagen, daß, aus guter Quelle stammender Auskunft zufolge, der Plan der Ausstäudischen die Besetzung von Baltinos und den benachbarte» Punkieu war. Die Insurgenten blokire» gegen- wärtig Baltinos, um die Türken an der Räumung des Platzes z» verhindern; die Nachricht, daß Baltinos vo» de» Aufständischen genommen sei, bestätigt sich nicht. Die Aufständischen besetzen ferner die Uebergänge zivischeu Metzovo und Semariua. sowie zwischen Greveua und Diskata; sie haben die Makedouier und Epirolen durch eine Proklamation aufgefordert, sich ihnen anzuschließen. DaS türkische Blatt„Sabah" veröffentlicht zahlreiche Depeschen ans E l a s s o n a vom gestrige» Tage, worin gemeldet wird, daß die nächtlichen Angriffe von griechischer Seile theil- weise von regulären Truppen, iheilweise von Freiwilligen bei Discata, Silo, Metzovo und andere» unbekannte» Orte» fortgesetzt wurde», daß die Griechen jedoch überall zurückgeschlagen wurden nnd keinen Fuß dreit Boden gewannen. Die Verluste ans griechischer Seile seien groß. Unter den Gefallenen befinde sich ein höherer Offizier, viele seien gefangen genommen worden. Auf türkischer Seite seien die Verluste gering. Die Haltung der türkischen Truppe» sei eine vorzügliche gewesen. Da eine Kriegs- erklär»»« nicht erfolgt sei, verhielten sich die Türken aus der ganzen Grenzlinie defensiv. Die„Agence Havas" veröffentlicht aus A t h e n e r Briefen folgende Einzelheiten über die Kundgebungen, welche am 6. April vor dem königlichen Palais stattgefunden haben: „Die Polizei, welche die Errregung der Menge wachsen sah, wollte den Platz räumen, die Manifestanten leisteten Widerstand, warfen mit Steinen nach den Beamten und fenerten Revolver- schüssc auf dieselbe» ab. Ein Stein verletzte den Adjutanten des Königs, Botzaris, leicht ain Gesicht. Sluch auf de» Polizeipräfekte» ivurde mit Steinen geworfen. Die Polizei verhafieie neu» Manifestanten; 2 Polizeibearnte wurden leicht verletzt. Besonders friedlich scheint es in Athen nicht zuzn- gehen. Es gilt dort wohl auch eine Krone.— Chronik der Majcstiitsbcleidignngs-Prozesse. Die bisher »nbestraste Jnvalidensran Dorolhea Graap aus Stobingen stand kürzlich vor ver Strajkammer zu Königsberg i. Pr.» der Majestats- beleidigimg angeklagt, und wurde auch nach nichtöffentlicher Ver-' Handlung zu zwei Monaten Gefmigmß verurtheilt. Der Thatbestand ist nach der„Hart. Ztg." ungefähr folgender: Ende Juni des Jahres lö9S kam die Angeklagte in die Behausung des Besitzers Gronwald, woselbst sie noch andere Personen anwesend fand. Das Gespräch lenkte stch auf die hohen Tagelöhne, welche die Besitzer letzt ihren Arbeitsleuten zahlen müßten, und als Ursache dessen wurde die Agitation der Sozialdemokratie bezeichnet. Dem wider- sprach die Graap, bezeichnete vielmehr die Sozialdemokraten als die Anwälte der arbeitenden und armen Bevölkerung. Ohne die Sozialdemokraten würde es de» Armen noch viel schlechter ergehen. Und hierbei äußerte die in Rage gerathene Fran auch die Majestätsbeleidigung. Nach langer Zeit fand sich ein Denunziant, der die Frau bei der Staatsanwaltschaft und somit dem Gefängniß überlieferte.— Wegen Majestätsbeleidigung war vor mehreren Monaten der Gast- wirth Rösler aus Wittowo von der Strafkammer in Gnese» zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt worden. Auf die angemeldete Revision des Berurtheilten hob das Reichsgericht das Urlheil anf und verwies die Sache an das Landgericht in Posen. Ter Angeklagte hatte in der Haupt- Verhandlung zu seiner Entschuldigung angeführt, daß er bei dem, unter Anklage stehenden Vorgange sinnlos betrunken gewesen sei. lnsch habe er bereits einen Anfall von delmuni tremens gehabt Hierüber halte er eine» Arzt zu vernehmen beantragt, was aber vom Gericht abgelehnt worden war. Hierin erblickte das Reichs- gericht eine Beschränkung der Vertheidigung, welche zur Aushebung des Urtheils führen mußte. Heute wurde nun Rösler nach Ver- nehmung von achtzehn Zeugen und drei ärztlichen Sachverstäudigen freigesprochen. •• Deutsches Reich. — Da« Standesamt als Agitationsstätte fs-r k i r ch l i ch e Handlungen. Der mehrerwähnte, an den Ober° Präsidenten und den Regierungspräsidenten zu Sigmaringen ge- richtete, vom 5. März d. I. datirte Erlab des Justizministers und des Ministers des Innern über die Ergänzung der Formulare zu Bescheinigungen über Aufgebote, Eheschließungen und Geburts- Urkunden lautet: Einer Anregung von kirchlicher Seite gern entsprechend, ordnen wir nach Benehmen mit dem Reichs- amt des Innern und dem Reichs- Justizamt hiermit an, daß 1. die Vorschrift des Z 82 des Persouenstauds- Gesetzes vom S. Februar 1875 auf den Formulare» zu Bescheinigungen über das angeordnete Aufgebot, über die Eheschließung und zum Zweck« der Taufe durch Abdruck ihres Wortlautes am Fußende der Formulare in Erinnerung zu bringen ist, 2. die Standesbeamten bei Aufnahme der Verhandlungen über Aufgebote, Eheschließungen und Geburten die Betheiligten auf ihre kirchlichen Verpflichtungen hinzuweisen haben. Hiernach wollen Sie das weitere veranlassen; die Ergänzung der Formulare hat erst bei ihrem Neudruck zu erfolgen. Am liebsten würde man die Zivilehe ganz abschaffen.— — R e i ch s t a g s- K a n d i d a t u r e n. In Königsberg stellen die Nationalliberalen die Landtags-Abgeordneten Dr. Krause auf. In Wiesbaden II kandidirt die freisinnige Volkspartei den Landtags- Abgeordneten Wintermeycr, die freisinnige Vereinigung hat denLandes- gerichtsrath Dave in Aussicht genommen, die Konservativen scheine» auf eine Kandidatur verzichten zu wollen.— Liebcnwerda, 12. April. Bei der R e i ch s t a g s- S t i ch- wähl im Wahlkreise Lieben werda-Torgau am 3. d. M wurde nach amtlicher Feststellung Prediger emer. K n ö r ck e« Zehlendors(freisinnige Volkspartei)»>it 9467 von 16 342 abgegebene» Stimmen gewählt. Generalarzt a. D. Dr. B u s s e» i u s- Torgau(deutsche Reichspartei) erhielt 6875 Stimme». Unter der Flagge, die Herr v. Stumm hochhält, zu kandidiren, ist ein Pech, das auch nicht gelindert wird, wenn der Oeberste des Bundes der Landwirlhe snr den Kandidaten eintritt. Die Wahl fand statt unter dem Eindrucke der Zentenarfeier und der Mariuefordcrungcn. Daß gerade da ein Kandidat, der die Opposition vertritt, gegen einen Kandidaten, der sonst alle Vor- theile für sich hatte, gewählt wurde, ist eine sehr lehrreiche That- fache. Werden diejenigen die Lehr« beherzigen, für die sie über- raschend kommt?— — Armer Stumm! Nicht einmal der regiernugsfromme „Hamburger Korrespondent" glaubt mehr an seine Arbeiter- sre undlichkeit. Das Blatt schreibt: Frhr. v. Stumm veröffentlicht in der„Post" eine Erklärung über seine Stellung zu der Resolution Hertling u. Gen. betreffend Ausdehnung der Arbeiterschutz- Vorschriften auf das Handels- gewerbe, die de» Hauptpunkt sorgfällig»»igeht. Daß Herr v. Stumm ebenso wie die Konservativen für den ersten Absatz der Resolution gestimmt hat, wonach die Regierungen die Frage. ob und inwieweit in der bisherigen Richtung vorzugehen ist. er- örtern sollen, war völlig selbstverständlich. Dagegen hat Herr v. Stumm gegen den zweiten allein streitigen Absatz der Resolution gestimmt, der die Vorlegung eines entsprechenden Gesetzentwurfs verlangt. Ohne diese Aufforderung hatte der Antrag nur eine platonische Bedeutung. — AnhängerdersozialkouservativenRichtung. welche in der weiteren Oeffentlichkeit durch Namen wie Berlepsch, Rottenburg, Hintzpeter, Massow zc. vertreten wird, beabsichtigen, sich ein eigenes Organ zu schaffen, und zwar ist zunächst die Gründung bezw. der Erwerb eines Wochenblattes ins Auge gefaßt worden. Wie die„Welt am Montag" hört, steht die Realistrung de? Planes schon in allernächster Zeit bevor. Es handelt sich wohl um den Ankauf der„Welt am Montag", welches Blatt seit Monaten zum Kaufe ausgeboten war.— — Zweihundert Mann vom Eisen bah n-Regi- m e n t werden demnächst behufs Ausführung der Arbeiten an der neuen Eisenbahnstrecke Liegnitz-Rawitsch-Kobylin nach R a w i t s ch ausrücken und dortzunächst an zwei Tage» Privat- quartiere beziehen. Im nächsten Monat sollen dann noch etwa 666 Mann der Eisenbahn-Brigade zu gleichem Zwecke auf längere Zeit sich nach dort begeben. Auf diese Weise wird also die Truppen- Abtheilung für d i e unternehmende Banfirma Lenz u. Co.-Stettin Eisenbahn-Arbeiten ausführen, wodurch min- bestens einer gleichen Anzahl freier Arbeiter die Möglichkeit genommen wird, bei dem Bah«bau ihren Unterhalt zu finden.— Die Soldaten mit Steuer- geldern erhalten, durch sie Arbeite» ausführen lassen, wobei die Verdienstgelegenheit für die Steuerzahler vermindert wird, ist eine eigenartige Sozialpolitik und schafft dem Militarismus sicherlich keine Freunde.— Kiel, II. April.(Eig. Ber.) Die Denunziation der National- liberalen gegen den Pastor Paulsen ans Hellewett wegen seiner Festpredigt aus Anlaß der Zentenarfeier am 21. März(siehe Nr. 80 des„Vorwärts" unter Kiel) scheint jetzt die Behörden zur Ein- leituug einer Untersuchung gegen den Pastor Paulsen bewogen zu haben. Ende dieser Woche haben nämlich der Landrath des Kreises Apenrade und der Kreisschulinfpektor eine Anzahl Personen in dieser Sache vernommen. Es wäre aber auch zu schrecklich, wenn ein Pastor über Wilhelm I. anderer Meinung wäre. alS sie oben herrscht, und dieser Meinung auch Ausdruck giebt.— — Die sächsische Regierung und die Umsatz- st e u e r. Wie das„Dresdener Journ." von zuständiger Seite er- fährt, ist von der sächsischen Regierung eine endgiltige Entscheidung über die Belastung der Konsumvereine mit einer Umsatzsteuer noch nicht erfolgt. Nach den„Chemnitzer Neuesten Nachrichten" Nr. 77 soll in jener Sitzung Oberbürgermeister Dr. Beck erklärt haben: „Es liege jetzt eine neuerliche Kundgebung des Ministeriums vor, wonach die Einführnng von Umsatzsteuer», weil unberechenbar in ihren Wirkungen, alS nicht geboten angesehen werde." Wie viel Meinungen hat die sächsische Regierung über die Umsatzsteuer? — Der Großherzog Friedrich Franz III. von Mecklenburg- Schwerin ist Sonnabend Abend 8 Uhr 40 Min. in Cannes an Herzläbmung verschieden. Für de» noch nicht voll- jährigen Erben tritt Herzog Johann Albrecht, der durch sein Interesse für die Kolonialpolitik bekannte Bruder des Verstorbenen, die Regentschaft an.— — Die Errichtung eines selbständigen Fabrik- inspektorats für Sachsen-Koburg-Gotha ist vom Landtage»in- stimmig beschloffen worden.— —„Wenn man in Berlin wüßte," so schreibt der „Germania" ein Mitarbeiter in Bayern,„wie schwer verletzt man bei uns durch gewiffe Vorkommnisse ist, so würde nian sich sorg- fällig vor Taktlosigkeiten hüten. So ist man zur Zeit sehr erregt, daß eine Berliner Behörde i» Schreiben an Reichstags-Abgeordnete — es handelt sich um die Mittheilung, daß ihnen die Zentenar- medaille verliehen sei, statt die Bezeichnung Königreich Bayern zu benützen, das Wort Provinz stehen ließ, das für die Herren in Preußen vorgedruckl war, so daß zu lesen war: Provinz Bayern. Wir sind nun der felsenfesten Ueberzeuguna, daß kein Mensch dabei eine Absicht hatte, sondern daß der betreffende Schreiber einfach aus Bequemlichkeit die Aendernng unterließ. Wie hier aber die Sacke aufgefaßt wird, davon kann man sich in jedem öffentlichen Lokal überzeugen, und dabei ist die Entrüstung bis oben hinauf zu finden. Viel taktloser als die, er Flüchtigkeitsfehler erscheint uns die Schmückung einer Kaserne in Münster am 22. März mit Tafeln. auf denen die Schlacht bei Kissingen als von den Preußen ge- wonnen aufgeführt wird. Wir dächten, daß das betreffende Re- ginient wohl eine stattliche Anzahl von Schlacht« und Siegeslagen aufzuweisen hat, vielleicht rühmlickere, als die Kissinger Schlacht, weshalb man leicht die Enipfindlichkeit anderer Leute schonen könnte, besonders wenn der zweitgrößte Bundesstaat in Frage steht. Wie peinlich würde man solches in Berlin empfinde»? Auf solche Weise tritt immer wieder alles in den Hintergrund, was möglicherweise von anderer Seite gut gemacht wurde. Wer die thatsächliche Stimmung des Volkes kennt, der ist weit entfernt, zu behaupte», daß die Gefühle der Bayern den Preußen sehr sreundschaftliche sind. Schuld daran sind nicht wir, sondern die Preußen selbst."— — Dr. W. W e n d l a n d t, Generalsekretär de?„Bundes der Industriellen", schreibt uns mit Berufung auf das Preß- gesetz mit bezug auf unsere Korrespondenz aus Nürnberg in Nr. 84 des„Vorwärts": In Nr. 84 des„Vorwärts" und Nr. 85 der„Freisinnigen Ztg." ist ein Bericht über die i» Nürnberg am 6. ds. Mts. erfolgte Kon- stituirung eines BezirksvereiuS Nürnberg- Fürth des„Bundes der Industriellen" enthalte», i» welchem unter anderem behauptet wird, daß ich in meinem dortigen Bortrag gesagt hätte, der„Bund der Industriellen" sei aus der Freisinnigen Vereinigung hervor- gegangen; er beabsichtige bei Ablauf der Handelsverträge 1903 einen „Coup", nach welchem de» Industriellen bedeutende Bortheile bevor- ständen. Hierauf habe ich z» erwidern: I. Es ist nicht wahr, daß ich gesagt habe, der Bund der Industriellen fei aus der Freisinnigen Vereinigung hervorgegangen; vielmehr habe ich die Behauptung eiueS Nürnberger Blattes, daß die Bestrebungen des Bundes mit denen der Freisinnigen Vereinigung identisch seien, eingehend durch den Nachweis widerlegt, daß der Bund der Industriellen jeglicher Parteipolilik fern stehe. 2. Es ist nicht wahr, daß ich gesagt haben soll, der Bund„de- absichtige eine» Conp bei Ablauf der Handelsverträge 1903", viel- mehr habe ich ausgeführt, daß der Bund das einschlägige Material aus alle» Branchen der Industrie für die künftige Gestaltung des deutschen Generaltariss öffentlich einzusammeln und der Regierung für die bevorstehende Revision des Generaltarifs einzureichen be- absichtige. Es ist nicht wahr, daß ich gesagt haben soll, die österreichischen Industriellen hätten ihren Haudelsininifter windelweich geschlagen z ich habe überhaupt nicht vom österreichischen Handel.sminifter, son- der» vom Eisenbahnminister gesprochen und zuni Beweise, wie man es nicht machen solle, ausgeführt, daß die österreichische» Industrielle» gegen ihren Eisenbahnminister theilweise in einer Form vorgingen, als ob sie ihn windelweich schlagen wollten. 4. Es ist völlig erfunden, daß ich dem Minister v. Bötticher die Worte in de» Mund gelegt haben soll:„Ich weiß es, die Industrie muß entlastet werden, aber jetzt geht es noch nicht." Bei Besprechung der Arbeiterversicherungs-Gesctze war lediglich von einer Berein- fachung und Vereinigung der den Industriellen auferlegten versichernngStechnischen Arbeilen die Siede, nicht aber von einer Verminderung der gesetzlichen Fürsorge für die Arbeiter. Auch ist der Name des Herrn von Bötlicher von mir in diesem Zu- sammenhange garnicht erwähnt worden. 5. Es ist unrichtig, daß ich gesagt haben soll, der„Bund der Landwirthe" sei lediglich zu politischen Zwecken gegründet worden. vielmehr habe ich den„Bund der Landwirthe" als einen seinem Ur- spruuge nach rein wirthschafllichen Verein bezeichnet, der sich durch Verfolgung von parteipolitischen Zwicken in der Folge selbst ge- schadet habe." So leicht eS wäre, auf die Schwächen der Wendlandt'schen Berichtigung schon auf grund ihres Wortlautes einzugehen, so wollen wir doch erst die Darlegung unseres mit uns seit lauger Zeit in Beziehung stehenden und uns als durchaus vertrauenswürdig be- kannten Korrespondenten abwarten.— Oesterreich. — Selbstmorde im Heere. Laut der seht erschienenen amtlichen Statistik über das Jahr 1895 betrug der Gesammtfiand des.österreichisch-ungarischen Heeresj in diesimj Jahre 282 562 Man». Unter diesen kamen 247 Selbstmorde und 82 Selbstmordversuche vor. Die amtliche Statistik weist sehr charakteristische Daten auf. So ereigneten sich die m e i st e n S e l b st m o r d e bei den Rekruten. Im Monat Oktober wurden 26 Selbstmorde verübt. Anf den Monat November, wo der Rekrut nach einigen Wochen Kasernen- leben am erbittertsten ist, fielen die meisten Selbstmorde, nämlich 35. Der überwiegende Theil der Selbstmorde wird in de» erbst- und Wintermonaten verübt, während die Soldaten in der aserne beschäftigt sind. Im Frühling, während der einzelnen Uebungs- Märsche und Exerzitien im Freien scheint sich die Unzufriedenheit der Soldaten zu lindern, denn wir sehen, daß. während im April die Zahl der Selbstmorde noch 25 betrug, diese im Mai nur mehr 15 beträgt. In, Juni und Juli sinkt diese Zahl noch tiefer herab, in den Tagen der an- strengende» große» Manöver steigt sie plötzlich auf 21, im September be- trägt sie 8, uin alsdann, wie wir schon sahen, im Oktober aus 26 über- zugehen. Das größte Kontingent anSelbstmorden weiftdaszweiteKorps (Wien) auf: hier wurden 35 Selbstmorde verübt, während beim Krakauer Korps die Zahl der verübten Selbstmorde 29 beträgt. In bezug aus die Truppenkörper finden wir selbstverständlich die größte Anzahl bei der Infanterie, 144, Kavallerie 46, Artillerie 16, Jäger 13, bei den bosnisch-herzegowinischen Bataillonen 2. 170 machten ihrem Leben durch Waffengewalt ein Ende, 61 haben sich erhenkt. Interesse erregen noch folgende Daten: Das Motiv ist nur von 151 Selbstmorden und 58 Selbstmordversuchen bekannt. Und zwar war das Motiv bei 53 Fällen Furcht vor der Strafe(20 Versuch«), bei 85 Fällen Ueberdruß des Dienstes, bei 16 Fällen unglückliche Liebe(?). bei 13 Fällen Familienverhältnisse, bei 10 Fällen Geistes- störung oder Unzurechuuugsfähigkeit, bei 7 Fällen schlechte BeHand- lung, bei 4 Fällen Geldkalamitäten, bei je 6 Fällen Lebensüberdruß und Heimweh, in einem Falle körperliches Leiden. Das Motiv der übrigen ist uubekannt. Man kann also sagen, daß jährlich eine Kompagnie Soldaten(KriegSstand) an Selbstmord zu gründe geht. �rallkreich, Paris, 10. April.(Eig. Ber.) Di« Umschmiedung der Reform des Arbeitsnachweises in ein reaktionäres Werkzeug ist nun von der Kammer vollendet worden. Die privaten Arbeitsnachweis-Anstalten, die bisher kraft des Pvlizeidekrets von 1852 blos geduldet wurden, sind gesetzlich anerkannt. Der unent« geltlicke Arbeitsnachweis der Gewerkschaften, in Abänderung der frei- heitlichen Bestimmung des Gewerkschaftsgesetzes von 1884, ist der polizei- lichen Kontrolle unterworfen. Ter winzige Vortheil der Befreiung der Geiverkschafte» von den Stempelgebühren verschwindet gänzlich gegen- über der Thatsache, daß die„Reform" dem unentgeltlichen Arbeits- Nachweis den Lebensfade» unterbindet, indem sie die Entwickelnng der von den Unternehmern bevorzugten ausbeuterischen Anstalten fördert. Während nämlich der Pariser Präfekt, angesichts des heftigen Widerstandes des Proletariats und des Gemeinderaths, seit sieben Jahren keine einzige neue Privatanstalt genehmigte,, wird er dazu durch die„Reform" verpflichtet. Desgleichen können und werden sicherlich neue Raubanstalten wie Pilze aufschießen in allen industriellen Orten, wo sie bisher nicht zugelassen wurden. Die systematischen Betrügereien der Privatanstalten werden dagegen nach wie vor bestehen bleiben. Das Beaufsichtigungsrecht der Präfekien wird sich nicht wirksamer gestalten, weil es nun in einem Gesetz. anstatt in einem Dekret, eingeschrieben ist. Von den sozialistischen Verbesserungsanträge» wurde zufälligerweise nur ei» einziger an- genommen, der den Besitzern der Anstalten das Vermittelungs- geschäst im Verkauf von kommerziellen Betriebseinrichtungen ver- bietet. Alle übrigen Anträge unserer Genossen wurden systematisch verworfen aus demselben blinden sozialistentödlerischen Geiste heraus, der die ganze arbeiterfeindliche„Reform" durch- dringt.... So kam es, daß die Sozialisten, die nach jahrelange» Bemühungen die Verhandlung über den wirklich resormerischcn Kommissionsentwurf erlangt hatten, gegen das von der Regierung znslande gekrackte Machwerk stimmen mußten. Die vor der Gesammt- abstimmung verlesene Protesterklärung unserer Genossen kennzeichnet das neue Gesetz treffend als„ein Werk der Verdächtigung und des Hasses der Bourgeoisie gegen die Arbeiterklasse". Der ehemalige radikale Handelsminister Mesureur protestirte seinerseits im Namen der linksradikalen Gruppe gegen das Gesetz,„welches den bestehenden Zustand verschlimmert".— Paris, II. April.(Eig. Ber.) Zum dritten Mal hat sich die Kammer auf Verlangen der Opposition mit der P a n a m a- Affäre beschästigen müssen— u»d zum dritten Male hat sie die panamistenretterische Arbeit des Kabiuets, wenn auch nur mit 18 Stininien Mehrheit, gebilligt. Das Ereiguiß der gestrigen Sitzung war das zynische Geständniß Rouvier's, als Ministerpräsident Geld von den ihm befreundeten Finanz in än» er» verlangt und angenommen zu haben. Allerdings nicht zu persönlichem Gebrauch, sondern zur Bekämpfung des Bonlangismus, zur Rettung der Republik. Der schamlose Panamist, der aus diese Weise die ganze Opportunist enpartei für seine Mogeleien verantwortlich machte, vergaß aber die Kleinigkeit, daß zur fraglichen Zeit, im Jahre 1887, die bonlangislische Bewegung erst in sehr bescheidenen Ansängen stand. Kein Mensch glaubte übrigens den komödienhaft-pathetischen llnschuldsverstcherungen Rouvier's, nachdem feine unbedingten Ableugnungen in der zweite» Panama-Sitzung sich als freche Lüge erwiesen hatten. Moralisch ist er bereits gerichtet, wenn es ihm auch gelingen mag, der Meline'schen Justiz zu entwischen. Und mit ihm ist die ihn schützende Ordnungspartei ge- richtet. Hat sich doch kein Mitglied dieser Partei erhoben, um gegen Rouvier's Rechtfertigung des Panamismus durch daS„Interesse der Republik" zu protestiren. Das that im Namen der Sozialisten Genosse G r o u s s i e r, zugleich das mitschuldige Schweigen Meline's brandmarkend, der sich darauf beschränkt hatte, die sofortige Einsetzung der im Prinzip bereits beschlossenen parlamentarischen Untersuchungskommission in der Panama-Affäre zu bekämpfen. Nun haben die panamistischen Parlamentarier und ihre Re- gierung für fünf Wochen Ruhe. Vergebens wies Goblet auf die drohende Lage im Orient, auf die Fruchtlosigkeit der bisherigen Tagung, auf die Unmasse der Erledigung harrender Gesetzentwürfe hin. Dem Beispiel des Senats, der Hochburg der Panamisten, folgend, hat sich die Kammer bis zum 18. Mai vertagt. Der Vertagungsbeschluß wurde votirt, weil er in erster Linie die Ber- tusckung der Panama-Untersuchung ermöglichen soll. Ein Neben- gewinn ist eS sodann für die Regierung, während der bevorstehenden — möglicherweise entscheidenden— Wendung im Orient die uner- müdliche Kontrolle der Opposition los zu sein. Ein U e b e r b l i ck über die Leistungen der Regierungsmehrheit während der nun abgeschlossenen größeren Hälfte der ordentlichen Session ist bald gemacht. Sie hat mit Ach und Krach daS Schlendrian- Budget für 1397 erst volle drei Monate nach der ordnungsmäßigen Frist fertiggestellt, die guckermillionäre auf Kosten der BoUSmaffe um weitere 18 Millionen jährlich bereichert, die Margarine zum Vorlheil der Butter-Agrarier und den Rosinen- und Kunstwein zum Vortheil der Weinbau-Agrarier vertheuert, schließlich die Ausbeutung der arbeilSsuchenden Proletarier durch die privaten Arbeitsnachweise- Anstalten gesetzlich sanktionirt. Die Steuerreform dagegen schlummert noch immer in der Budgetkommission, die sich mit der Regierung noch nicht hat«inigen können über die geeignetste Methode, den Pelz der Bourgeoisie zu waschen, ohne ihn naß zu machen... Man sieht, die Gesammtintereffen der Bourgeoisie und die Sonder- interessen der einzelnen Ausbeuterflrnppen sind beim Kabinet Meline vortrefflich aufgehoben, so vortrefflich und so konsequent, wie unter keinem seiner opportunistischen Vorgänger.— — Zur Affäre Arton liegen auS Paris folgende Meldungen vor: Untersuchungsrichter Le Poittevin arbeitete Sonnabend in der P a n a m a- A f f ä r e mit den Kommissären, die in verschiedenen Banken und bei einigen Ministerialbeamten Nach- forschungen angestellt hatten. Es schien hieraus hervorzugehen, daß der frühere Deputirte Saint-Marlin zur Zeit der Emission der Panamo-Loose eine Reihe von Finanzoperationen vorgenommen hatte, obwohl er damals arg verschuldet war. DaS Sauptinteresse de? Tages konzentirte sich indeß auf den ekretär Älrton's, Basteliea. der von der Polizei vergeblich gesucht, aber von einem Journalisten, Gasto» auf- gefunden worden war. Letzlerer hatte dem Untersuchungsrichter ver- sprocheu, ihm Basteliea zu bringen. Derselbe war jedoch zu dem hierfür geplanten Rendezvous nicht erschienen und Gaston Msry erklärte es mit seiner Berufsdiskretion nicht vereinbar, seine Adresse anzugeben. Diese wurde schließlich von dem früheren Polizei- präfekten Andrieux beigebracht und Basteliea als Zeuge vor- geladen. Als er im Justizpalast erschien, erging sich Arton gerade in dem Gange vor dem Kabinet des Uutersuchungs- richterS. Wie er Basteliea bemerkte, trat er auf ihn zu, klopfte ihm auf die Schulter und sagte:„Du bist aber grau geworden, alter Freund." Der Richter verHörle nun Arton und Basteliea gleich- zeitig. Letzterer bestätigte alle Erklärungen Arton's und die Existenz einer Liste von 26 Namen von Parlamentariern, die sich im Besitze des Herrn Le Poiltevin befindet. Das interessante Verhör dauerte biS nach Mitlernacht. Es stellte sich dabei heraus, daß der Deputirte Naquet alle seine Verhandlungen mit Arton in italienischer Sprache gejährt halte. „Lanterna" konstatlrt, daß die Opportunisten durch daS Organ Rouvier's«ingestehen, aus der Panamakasse geschöpft zu habe», um den Bonlangismus zu bekämpfen. Die boulangistische Bewegung entstand jedoch erst einige Monate später.— Belgien. — WassichderKönig der Belgier, der bekanntlich einige deutsche Zeitungsredaktenr« wegen Beleidigung verklagt hat. von seinen eigenen Landsleuten sagen lassen muß, ohne Strafantraq zu stellen. Im„Peuple" lesen wir:„Der König, der soeben erst von England zurückgekehrt ist, will demnächst nach den italieni- scheu Seen abreisen. Wir sind weit davon entfernt, das zu beklagen. aber Herr Leopold, hat er nicht das Gefühl, daß er durch seine hänsige Abwesenheit aufs eklatanste beweist, daß er eine rein dekorative Rolle spielt?" England. — Gegen die Beeren wird jetzt eine förmliche Hätz orga- nisirt, um ihnen die Volkssympathien zu entziehen. Es heißt— und auch in sozialistische Kreise ist diese Auffassung gedrungen—, die Voeren feien durchaus rückständige, rohe Gesellen, denen gegenüber die Engländer die Kultur verträten; und die Forderung der Rhades. Jamesou und Kompagnie, daß die in den Staat eingewanderten Engländer volles Bürgerrecht,— und damit das Mittel, die Boeren zu überstimmen und ihr Land zu annektiren— erhalten sollten, sei durchaus gerechtfertigt. Diese Argumentation beruht auf der falschen Annahme, daß -S sich um ehrliche, wir meinen dona fide Ansiedler handle, die in der Transvaal-Kolonie dauernd sich niedergelassen haben. Das ist nicht der Fall, die Einwanderer sind fast ausschließlich Goldjäger, die nur um der Goldjagd willen ins Land gekommen sind, und die zum größten Theil wieder wegziehen, sobald die Goldfelder erschöpft sind. Dazu kommt noch, daß die Mehrzahl dwser Abenteurer, unter denen sich das bedenklichste Gesindel be- findet, direkt oder indirekt im Solde des Millionenräubers Rhades nnd seiner Kumpane von der Chartered Company steht, welche de» Länderranb wie den Geldraub als Geschäft methodisch betreiben. nnd den Flibnstierzug des.ritterlichen" Glücksritters„Jim"-Jameson zu dem Zweck in Szene setzten, die Aktien ihrer Schwindelgesellschaft in die Höhe zu treiben. Daß die Boeren, die freilich nicht aus der Höhe der sozialistischen, auch nicht der modern demokratischen Welt- anschauung stehen, aber zum mindesten doch so avancirt sind, wie Kreter nnd Armenier,— sich den Spießgesellen der Herren Rhodes, Jameson und Kompagnie nicht in die Hände zu liefern Lust haben kann ihnen wahrhaftig kein vernünftiger Mensch übel nehmen.— Spanien. Madrid, 1l. April. Nach amtlichen Meldungen aus Manila habe» sich an den verschiedenen Punkten des Aufstandsgebiets inS- gesammt 11 ODO Rebellen unterworfen. Norwegen. Christiania, 6. April.(„Köln. Ztg.") Wahlprogramm c. In Norwegen finden in diesem Sommer Neuwahlen zum Storthing statt, bei denen es ohne Zweifel lebhaft zugehen wird, denn beide Hauptgruppen, Konservative und Gemäßigte aus der einen und die Radikalen auf der anderen Seite, haben angesichts des gegenwärtigen Parteiverhältnisses alle Ursache, scharf ins Gefecht zu gehen. Nach den letzten Wahlen war die radikale Slorthingsmehrheit von 64 auf 59 Mann zusammengeschmolzen, denen in dem 1 14 Mitglieder zählenden Storthing 55 Konservative und Ge- mäßigte gegenüberstehen. Eine kleine Verschiebung kann also das Bild völlig verändern, nnd daß die Rechte Sehn sucht hat, wieder einmal die Oberhand zu bekommen. ist erklärlich. Sie hat inzwischen Stellung zu den künftigen Wahlen genommen und in der dieser Tage abgehaltenen Landesversammlnng ihr Wahlprogramm festgestellt. Dessen erster Punkt richtet sich gegen das im vorigen Jahre vom Storthing beschlossene und im nächsten Jahre in kraft tretende G e m e i n d e- W a h l g e s e tz, das so gut wie allgemeines Stimmrecht einführt. Es hat schon vielen Staub aufgewirbelt, denn das neue Gesetz wird dem Arbeiter- element wohl«ine große Vertretung in den kommunale» Körperschaften verschaffen, woran die Steuerzahler bereits mit Grauen denken denn die norwegischen Bürgervertretungen haben ziemlich weih gehende Befugnisse. So arbeitet den» auch die Rechte darauf hin, daß in dem Gesetz, das noch gar nicht ins Leben getreten ist, ver- schieden« Bestimmungen� geändert und eingeschränkt werden, und ohne Zweifel wird sie dies verwirklichen, wenn sie aus den Wahlen stegreich hervorgeht. Weiter fordert sie in ihrem Wahlprogramm die ungestörte Fortsetzung der zwischen Norwegen und Schwede» vor sich gehenden friedlichen Verhandlungen, doch wünscht sie keine bindende Entscheidung in Unionsfragen, solange nicht die Wahl- männer durch neue Wahlen ihre Meinung ausgedrückt haben. I» dem Punkt, der die Förderung der Landwirthschaft ausspricht, ist das Verlangen nach einem mäßigen Schutzzoll, jedoch nicht für Getreide, enthalten, wenn das bisherige Handelsgesetz zwischen Norwegen und Schweden aufhört(was in diesem Sommer wahrscheinlich der Fall sein wird). Ferner spricht sich das Programm sür eine zeitgemäße Arbeitergesetzgebung, sür eine Lösung der Frage der Alters- und Jnvaliditätsversicherung, für ein proportionales Wahlsystem und für das Recht der Storthingsauflösung aus. Die Radikalen halten in ihrem im Februar angenommene» Wahlprogramm die Forderung der MehrheitSregierung aufrecht, außerdem verlangen sie»ach wie vor den eigenen Minister des Aeußern und eigenes Konfulalswefen, während die Rechte einen für Schweden und Norwegen gemeinsamen Außenreichsminister, der Norweger oder Schwede sein kann, haben will. An der„reinen" Flagge, deren Einführung das Storthing bereits zweimal beschlossen hat, hält die Linke auch i» Zukunft fest. Die bisherigen Beschlüsse de? Storthings fanden nicht die Bestätigung des KönigS; nimmt das neue Storthing aber das Flaggengesrtz wiederum an, dann tritt es auch ohne den Wille» des Königs in kraft. Weiter fordert die Linke allgemeines politisches Wahlrecht für alle Männer über 25Jnhre, die sich selbst versorgen. Ferner sind noch zu erwähnen ihre Forderung au� Stärkung deS Vertheidigungswefens, sowie die Abweisung jeder Aus dehnung der unionellen Gemeinsamkeit. Auch die norwegischen Agrarier sind mit einigen Worten zu erwähnen. Sie schloffen sich 1694 zu einem Bunde zusammen, der sich von der Politik fernhalten will, was auch nothwendig erscheint, da er ebenso wie in Dänemark Männer aller Parteirichtungen umfaßt. So ganz kann er sich aber kaum der Politik entschlagen, beispielsweise geht das erwähnte Gemeinde-Wnhl gesetz den Landmännern besonders nahe, und die Forderung. Ab geordnete zu wählen, die gegen dieses Gesetz Front machen, tritt in ihren Reihen immer mehr zutage. Für die Dauer wird ein einträchtiges Zusammenarbeiten der Agrarier kaum möglich fei» und sich eine rein- liche Scheidung vollziehen müssen, denn die Interessen der Radikalen und der Agrarier gehen zu weit auseinander. Vtaftluitd. Petersburg, 11. April.(„Köln. Ztg.") Eine größere Anzahl von Studenten ist infolge einer durch Strafanzeige herbeigeführten Entdeckung zahlreicher verbotener Schriften sowie Vervielfältigmigs- apparate verhaftet worden. Der dem Rektor der Petersburger Universität bewilligte längere Urlaub wird mit diesen Vorkommnissen in Verbindung gebracht.— Rumänien. — Die M i n i st e r k r i s i s ist beendet; die Klique der großen Bojaren hat gesiegt, Herrn Sturdza's Jnlrigne» waren von Erfolg, er ist nun wieder einmal Ministerpräsident. Zu fürchte» ist, daß das neue Kabinet etwas russenfreundlicher ist, wie sein Vor gänger.— Slsten. Yokohama, 12. April. Die japanische Regierung hat beschlossen, zwei Kriegsschiffe»ach Hawaii zu e n t s enden und einstweilen ein« weitere Auswanderung zu verhindern. Die von der Regierung von Hawaii zurückgewiesenen Auswanderer sind in Kobe eingetroffen. Die japanische Presse fordert dringend ein« feste Haltung gegenüber Hawaii und de» Vereinigte» Staaten. In Hawaii fürchtet man die Ueberfluthung der Jnselrepublik durch japanische Einwanderer, die sobald sie die Majorität der Be- völkeruug erlangt hätte», den Anschluß a» Japan proklamiren würden. Da die Vereinigten Staaten die, Einverleibung Hawaii's in Aussicht genommen haben, scheinen wir vor dem Ansaugt eines japanisch-nordamerikanischeu Konfliktes zu stehe».— Slmerika. New-York, 11. April.(„Franks. Ztg.") Die Demokraten, Popn- listen nnd Silberrepublikancr im Senat schloffen ein Bündniß ab, dessen Spitze gegen die Versuch« zur Verbesserung der Währungs- gesetze gerichtet ist. Auch wurde die Tarisbill erheblich geändert, speziell betreffs Häute, Zucker und Wolle. Wieder ein neues Beispiel, wie die alten politischen Partei- gruppirungen von den neuen reinen und ausgesprochen wirthschaft- liche» Interessenvertretungen verdrängt werden.— Rew-York, 11. April. Der Washingtoner Korrespondent des „Commercial Advertiser" meldet. der französische Bot- s ch a f t e r werde binnen kurzem einen Protest gegen die T a r i f b i l l überreiche».—_ Die„Leipziger VolkSzeitung" hat mich mit einer Kanonade auf ein harmloses Feuilleton-Spätzchen, das ich in der„Neuen Zeit" aufflattern ließ, kollegialisch salutirt. Zum Glück haben die Papier- pfropfen, mit denen gefeuert wurde, keinen Schaden gelitten— das wäre sehr bedauerlich gewesen, da es recht hübsche Zitate sind, denen ich gelegentlich vielleicht noch einige beifügen werde. Wozu aber die Breitseite? Um zu beweisen, daß es in Holland Elend giebt? Das war nicht nöthig. Um zu beweisen, daß ich die allgemeine Lebenshaltung in Holland zu hoch geschätzt habe? Aber verträgt sich in der heutigen Gesellschaft Elend, haarsträubendes Elend nicht mit einem relativ hohen Niveau der Lebenshaltung? Ist in England der SWvds.ni ofLife nicht anerkanntermaßen höher als in Deutsch« land. trotz des krassesten Elends, das in weiten Kreisen herrscht? Habe ich etwa das Vorhandensein sozialer Roth in Holland be- stritten? Ich war ja dort, un> die holländischen Genossen zu unter« stützen, die dieses Elend abschaffen wollen. Doch ich soll das Ausland aus Kosten des Vaterlandes ver- herrlicht haben! Das ist mir von dem Organ des Herrn Stumm, von der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" nnd anderen Patriotenblättern schon so oft gesagt worden, daß ich wahrhaftig anfange, es zu glauben. Ich will mich jedoch mit einem gewissen Lessing trösten, der„in Preußen die Sachsen lobte und in Sachsen die Preußen". Auch der großen deutschen Arbeiterbewegung soll ich nicht gerecht gewesen sein. O ich Armer! Ich hatte gedacht, das wäre so ziemlich der letzte Borwurf, den man i»ir mache» könne; und insbesondere hatte ich gedacht, der Zweck meiner Reise nach Holland sei es gewesen, diese große deutsche Arbeiterbewegung meine» bolländischen Zuhörern in ihrer ganzen Größe zu zeigen;— und ich hatte mir auch bisher«ingebildet, dies nicht ohne Erfolg getha» zu haben. Zum Schluß eine kleine Berichtigung.„Die eigene Nation-- zu gunsten anderer Nationen in Schatten zu stellen, ist eine alte und nicht erfreuliche Gewohnheit aus der Verbannung", meint der erfahrene Bombardier, der die Papierpfropfen abgefeuert hat. Nein. Hier ist der Bombardier arg aus dem Holzwege. Mit der Liebe zum Vaterland ist's wie mit anderer Liebe— sie wächst durch die Entfernung. Die Verbannung erhöht die Vaterlands- liebe, erweitert aber auch den Gesichtskreis. Berlin, den 12. April 1897. _ 28. Siekimg) t. Nsrkei-Mslthvtchten« Die Tagesordnung des ungarischen Parteitages, der in der Zeit vom 6. bis 8. Juni in Budapest abgehalten wird, lautet nach der vorläufigen Festsetzung: I.Bericht der Parteileitung, 2. Bericht der Delegirten, 3. die Landesbewegung zur Erkämpfung des allgemeinen Wahlrechts, 4. Arbeiterschutz-Gesetzgebung, 5. Vereins und Versammlungsrecht, 6. Partei-Organisation, 7. Parteipresse, 8. Wahl der Parteileitung. Unsere Briiffeler Parteigenossen haben auf dem Gelände der dortigen Jndnstrie-Ausstellung ein großes Terrain gemiethet, auf dem sie ein„Id»iecm du Peuple"(Volkshaus) errichten wollen. Das Haus, welches ei» freundliches Restaurant enthalten wird, soll ein Sammel- und Treffpunkt für die die Ausstellung besuchenden Sozialisten abgeben. Polizeiliches, Gerichtliche»«. — Die frühere„U u t e r f r ä n k i s ch e V o l k s t r i b ü n e" in Würzburg hatte die schonende Behandlung kritisirt, die dem wegen Sittlichkeitsverbreche» verurtheilten Pfarrer Dr. Hemberger ans Mechenried durch die Gendarmerie zu theil geworden ist. Der betreffende Artikel enthielt noch scharfe Auslassungen über das sitt- liche Verhalte» katholischer Geistlichen. Durch diesen Artikel soll der Redakteur Heinrich Bock„groben Unfug" begangen haben. Er erhielt deswegen ein Strafmandat über 50 M., das vom Schöffen- gericht bestätigt wurde. tlirlzes. Berlin nnd Umgebung. Herr MagnnS, Ziegelstr. 2. ersucht uns in einem«�reiben, niitzutheile», es sei unrichtig, daß er einen Arbeiter ge maßregelt habe. Was die Bezahlung der Sonn- und Feiertage anlangt, so setze er jeden bei ihm eintretenden Arbeiter vorher davon in Kenntniß, daß solche bei ihm nicht stattfinde. Vom Verein der Chemigraphen wird uns dagegen geschrieben, daß die bei Herrn M a g n us ausständig gewordeneu Kollegen an der Anschauung festhalten, daß die Entlassung ihres Kollegen eine Maßregelang gewesen sei. Ferner bestehen sie auf der Forderung der Bezahlung der gesetzlichen Feiertage, wie es in jedem Geschäft dieser Branche gebräuchlich ist nnd früher auch bei der Firma Magnus üblich>var. Schließlich verlangen die Kollegen statt der täglichen eine 14tägige Kündigungsfrist. Orts-Krankcnkasse für de» Gewerbebetrieb der Kanflente, Handelsleute nnd Apotheker. De» Mitgliedern, besonders de» Delegirten zur Nachricht, daß alle Anfragen und Briefe, die Agi- talion betreffend, nur an Ernst Förster, Ritlerstr. 22, Hof l. 4 Tr. zu richten sind. Die A g i t a t i o» s> K o m m i s s i o n. Quittung. Von der Matinee im Feenpalaft(Metallarbeiter- Kasse Berlins nnd Umgegend) 300 M. empfangen. Der Vorstand des Verbandes der Hase narbeiter Deutschlands. Deutsches Reich. An die Lederarbeiter aller Länder! Den Kollegen zur Nachricht, daß in N i e m e s in Böhmen die Weißgerber mit den Unternehnieru in Lohndifferenzen gerathen sind. Durch frühzeitiges Hinterbringen sind schon Maßregelungen erfolgt. Deshalb , verde» die Kollegen aller Länder ersucht, den Zuzug dorthin streng fernzuhalte». Die in- und ausländischen Parteiblälter werden um Abdruck gebeten. Das internationale Sekretariat der Lederarbeiter. I. A.: G. K u s k e in Berlin, Lortzing- straße 34. GciverkschaftS-Abrechnnnaen. Unter st ützungSverein deutscher H u t»> a ch e r. Iii. Quartal 1896. Einnahme (inkl. Bestand ultimo Juni 74 333,60 M.): 88 779,15 M. Ausgabe: a.) der Hanplkasse: 8139,09 M.; b) der Filialen: 7632.23 M. Davon Arbeitslosenunterstützung: a) ans der Reise: 1182,30 M.; b) am Orte: 5448,39 M. Für Ausständige nnd Gemaßregelte: 3093,65 M.— An Beiträgen wurden entrichtet von 2153 Mit- lieber» 25 090 k 45 Pf.= 11 299,50 M., von 759 Mitglieder» 437 ä 25 Pf.-- 2109.75 M.. und von 233 Mitgliedern 2644 k 15 Pf.=■ 396,60 M. Zentralverein der Bildhauer Deutschlands. Jahresbericht für 1896. Einnahmen inkl. 47 168,18 M. Bestand vom»1. Dezember 1885): 128 882 06 M. Ausgaben: 34 232,11 M. Davon Unterstützungen bei Streiks: 6243 M.. bei Arbeitslosigkeit am Orte: 29 652,50 M., auf der Reise: 6742,75 M, bei Arbeits- Unfähigkeit: 7628 M.. für Agitation: 794.11 M., für die Fach- zeitung: 6800 M.; Unterstützung von Streiks der eigene» Gewerk- chast: 280 M., fremder Gewerkschafte» 1700 M.— Mitgliederstand im IV. Quartal 1896: 3172. Ter Zeutralverband deutscher Werftarbeiter, der erst im Mai vorigen Jahres ins Lebe» getreten ist, zählt bereits 2200 Mit- , lieber. In diesem Frühjahr hat man die Gründung einer Anzahl diliale», so in S t e t t i n, D a n z i g, E l b i n g u. s. w. in Ans- icht genommen. Der Sitz des Verbandes ist Bremerhaven. Die Adresse desselben ist: O. O e l l e r i ch in L e h e bei Bremer- Häven, Batteriestr. 6. Bor Zuzug von DrechSleru«ach Bernau(Söhle'S Werkstatt) wird gewaml. Die Ortsoerwaltung. Ter Verein der Kellner nnd Berufsgenossen in Hamburg bat einen Tarif ausgestellt, wonach de» in der Garlenbau-Ausstellung befindlichen WirthschaftS-EtablissementS Personal vermittelt werden soll. Für Kellner wird pro Monat 50 M. festes Gehalt, sür Aus» Hilfsarbeiter an Sonntagen 3 M., an Wochentagen 2 M. verlangt. Vor- und Nacharbeiten(Putzen) ist extra zu bezahlen. In KottbnS dauert der Streik in der Mittag'scheu Bau- tischleret fort. Nur ist insofern eine Aenderung eingetreten, als sich die Maschinenarbeiter mit den Tischlern solidarisch erklärten und alle bis auf einen ebenfalls die Arbeit einstellten. Am Zimmererstreik in Königsberg i. Pr. sind, wie die „Königsb. Volkstrib." in ihrer letzten Nummer mitiheilt, 82 Mann detheiligt. Der Streik betrifft diejenigen Firmen, die den vom Ge- werbegericht sehlgeschlagenen und von der Mehrheit der Unternehmer bewilligten Stundenlohn von 45 Pf. nicht zahlen wollen. Zuzug ist streng fernzuhalten. Aus dem Waldeubnrger Kohlenrevier wird von bürger« lichen Blättern berichtet, daß am 10. April die Vertrauensmänner der Bergleute den Grubendirektoren die aus Einführung der acht- stündigen Schicht nnd auf eine Lohnerhöhung von 10 pCt. gerichteten Forderungen der Belegschaften unterbreiteten. Die Schuhmacher Kassels sind mit der Innung überein- gekommen, einen gemeinsamen Arbeitsnachweis zu errichten. Derselbe tritt am 3. Mai auf vorläufig ein Jahr in Giltigkeit und wird von sieben Meistern und siebe» Gesellen ver- waltet. Die Oberaussicht über diese Kommission führt der Ober- meister der Innung nnd der erste Bevollmächtigte der Kasseler Filiale des Vereins deutscher Schuhmacher. Unternehmer, die den vereinbarten Lohntarif nicht bezahlen, sollen keinen Gesellen be- kommen. Eine öffentliche Schuhmacherversammlung erklärte sich mit diesem Abkommen einstimmig einverstanden. In der Feldschlößchen Brauerei in Dessau haben, wie das „Volksblatt sür Anhalt" meldet, 23 Brauer und H i l f s- arbeitet die Arbeit eingestellt, weil ihre Lohnforderungen ab- gewiesen wurden, die nur dem entsprechen, was in anderen Brauereien Dessaus längst bezahlt wird. Die Ausständigen verlange» sür ge- lernte Brauer einen Wochenlohn von 25 M.(zur Zeit theils 21, 22 nnd 24 wöchentlich, theils 120 M. monatlich), für ungelernte Arbeiter (die aber dieselben Arbeiten verrichten) 20 M.(bisher 16 M.) und für Kutscher 18 M.(bisher 16 M.) Zur Situation im sächsischen Bergrevier wird uns geschrieben: Die Beschlüsse des Bochumer Delegirtentages der christlichen Berg- arbeiter-Vereine und die rege Agitation des Deutschen Berg- und Hüttenarbeiter-Verbandes üben eine Rückwirkung aus die sächsischen Bergarbeiter aus. In zahlreichen Versammlunge» der letzten Zeit haben dieselben gleichfalls eingehend ihre Lage besprochen und allenthalben wurde die niedrige Entlohnung, die hinter der der Ruhrbergleute noch bedeutend zurücksteht, erörtert. Häuerlöhne von 3 M. sind das Maximum. Slrafabzüge in bedenklicher Höhe sind an der Tagesordnung, dazu kommt die rücksichtsloseste Verfolgung der freien Meinungsäußerung. Aber noch mehr. Ans den sächsische» Gruben herrschen auch sonst sehr besserungsbedürftige Verhältnisse. Betriebseinrichtungen prinritivster Natur fordern täglich neue Menschenopfer, Bade- und Wascheinrichtungen sind nirgends vor» handen, ferner mangelt es an Luftschächten zur Ableitung giftiger Gase inid Wetter. Das sächsische Grubenkapital will eben nichts bewilligen, trotzdem durch das sächsische„Jahrbuch für Berg- und Hüttenwesen" eine Steigerung der Unfälle um 5 pCt. festgestellt ist. Aus 100 Mann Belegschaft kamen in Sachsen im Jahre 1896 15 Unfälle, im Chemnitzer Revier zeigten sich sogar 20 pCt. Mit Zuversicht sehen die Bergarbeiter Sachsens dem zu Ostern d. I. in Helmstedt zusammentretenden Bergarbeiter-Kongreß entgegen, der alle diese Dinge berühren und durch bestiminte Vorschläge den Gesetzgeber zinir Eingreifen veranlassen soll. Die Frage der ein- müthigen Organisation ist rege geworden, und zahlreiche An- Meldungen zum Verband deutscher Berg- und Hüttenarbeiter erfolgen fast tagtäglich. Die Arbeiter lerne» von den Grubenbesitzern, über die jetzt das Gerücht kolportirt wird, sie wollten sich an die große westdeutsche Unternehmerkoalition anschließen. Eine schwarze Liste, die die Namen von 51 st r e i k e n d e n Maurer» enthält, haben, wie die„Leipziger VolkSzeitung" erfährt. die Maurermeister F. Zitzmann Nachf. und F. Hoffmann in Mark- r a n st ä d t i. S. versandt. Verboten wurde die Abhaltung der Konferenz der Textilarbeiter Sachsens, die am ersten Osterfeiertag in M e e r a» e abgehalten werden sollte. Das Verbot stützt sich auf § 3 des Gesetzes über die Sonntags- und Feiertagsheiligung vom 10. September 1870, wonach die Abhaltung von Versammlungen an den ersten Feiertage» der drei hohen Feste verboten ist. Das Leipziger Gewerkschaftskartell hat in der Zeit vom 1. Oktober 1896 bis zum 31. März 1897 insgesammt 46869,47 M. sür Streikzwecke gesammelt beziehentlich von den Organisationen zugewiesen erhalte». Die größte Summe der Streikunterstützungen hat der Hamburger Hafenarbeiter-Streik erfordert, nämlich 38 800 M. Der Weißenfelser Schuhmacherftreik wurde mit 3500 M. unterstützt, außerdem sieben andere Streiks mit Beträgen von 8,80 M. bis 960 M. Die Gesamnitausgaben beliefe» sich für Streikzwecke auf 45 280,71 M. Die gesammten Einnahmen des Gewerkschastskartells betrugen 43 842,22 M., die Ausgaben 47 713.11 M., so daß ein'Kassenbestand von 1129,11 M. blieb. Außer dem Gewerkschaftskartell sandte die Partei 3500, die Maurer 1000 M. und die Expedition der„Leipziger Volkszeitung" etwa 7000 M. nach Hamburg, so daß sich die Unterstützung der Hamburger durch Leipzig auf gegen 50 000 M. beläufl. DaS Gewerkschaftskartell in Gera hat auf da? Jahr 1896 statistische Erhebungen angestellt über die Stärke der dortigen Gewerkschaftsbewegung, über die ortsüblichen Tagelöhue und über die Arbeitszeit in den einzelne» Berufen. Den geringsten Arbeits- lohn hatten die Bäcker, nämlich 1 Mark bei 12—14 Stunden Arbeitszeit; die Schuhniacher verdienen 1,75 Mk. bei 13 Stunden. Dagegen erreichte» Glaser und Metallarbeiter bei 10>/s stündiger lilrbeitszeit 2,75—3,50 Mk., die Buchdrucker bei 3>/s stündiger Arbeits- zeit 3,50—4 Mk.— Organisirt waren am 31. Dezeniber 1396 von 120 im Berufe thätigen Bäckern 33; von 156 Brauern: 38; von 175 Lederarbeiter»: 36. Dagegen waren die 16 Böttcher alle, von den 116 Buchdruckern 100 und von 760 Maurern 320 organisirt. Von 10 000 Textilarbeitern gehörten der Organisation nur 800 an. Im letzten Jahre erheblich zugenommen haben die organistrte» Maurer: von 72 auf 320; die Zimmerer: von 36 aus 120, und die Textilarbeiter: von 500 auf 800. Die Maurernieister Gräfenthals i. Th. haben sämmtlich die Forderungen der Maurer auf 28 Pf. Stundenlohn für Arbeiten innerhalb Gräfenthals und Umgegend und auf 30 Pf. für weitere Entfernungen gütlich bewilligt. Zwei Meister äußerten sogar, die Gesellen hätten schon längst vorgehen sollen. Die Z i m m e r n> e i st e r haben nun den Tagelohn ihrer Gesellen frei- willig von 2,50 M. auf 3 M. erhöht. In der Mannheimer Zuckerfabrik hatte da? Personal For- derungen gestellt, die ziemlich alle abgelehnt wurde». Es stehen deshalb ernste Differenzen bevor. Fünf Zuckerböden-Arbeiler habe» bereits die Arbeit niedergelegt, um sich weniger gesundheitsgefähr. liche und lohnendere Beschäftigung zu suchen. Von betheiligter Seite werden nun alle Arbeiter, die in Zuckerfabriken q u a l i s i- z i r t e Arbeit verrichten, um vorlänstge Vermeidung des Zuzuges ersucht. Die Tiincher Würzbnrgö beschlossen für den Fall der Ab- lehnung ihrer Forderungen den Generalstreik. Bei 5 Meistern haben bereits 30 Mann die Arbeit niedergelegt. Ausland. Aus Budapest wird telegraphirt: Der DirektionZrath des Landes- Agrikulturvereins beschloß, beim Honved- nnd Kriegs- Ministerium eine Petition einzureichen, daß im Falle eines Felda rbeiler-Streiks Soldaten z u Feldarbeiten verwendet werde». 9iie Bewilligung dieses schamlosen Verlangens könnte gerade nodz fehle», um die von den verbummelten magyarischen Grund» defitzeru bis auss äußerste ausgebeuteten Landarbeiter zum Massen- anschluß an die sozialistische Bewegung zu bestimmen. Ei» Ausstand der Sardcllenstscher wird aus Trieft ge- meldet. In Comisa besteht seit vorigem Herbste eine Differenz zwischen den Sardellenfischern und den drei Konservenfabriken über de» Fischpreis. Die Fischer stellten die Arbeit ein, und da sich die Berhaudlungen mit den Fabrikanten, die eine Preisherabsetzung fordern, zerschlugen, traten die Fischer mit einer Triesier Fabrik in Berhandlung, die den Lieferungsvertrag anf 40 Schiffe zu den ge- forderten Preisen abschloß. In BrllgcS in Belgien legten SV Arbeiter einer Pinsel- u n d B ü r st e n f a b r i k die Arbeit nieder, weil ihnen der Lohn um 25 pCt. gekürzt werden sollte. FUr die skandinadischen Schneider Londons besteht schon längere Zeit eine Organisation. Die Leiter derselben mache» gegen- rvärtig große Anstrengungen, alle ihre Landsleute, die sich als Schneider in L o n d o n aushalten, zur Organisation heranzuziehen. Dabei werde» sie von dem Londoner Gewerkschastsrath kräftigst unterstützt.— Die unorganisirteu Ausländer, anch die Deutschen, sind in England vielfach die Lohndrücker Die Arbeiter der Schuhindustrie in N o r w i ch(England) strecken zwecks Anerkennung eines Minimallohnes. Die Bergleute des Mearmuth- Schachtes in Sundrrland in England haben den Ausstand beschlossen, weil Nicht-Unionsleute in der Grube beschäftigt waren. Der Streik der Spinner in Balenza(Italien) dauert fort. Der Unteruehnier hat die Forderung: I2stü»dige Arbeitszeit (statt I4stündiger) und SV Centesimi(72 Pf. statt wie bisher 6ö Pf.) Togeslohn abgelehnt. Es stnd viele Verhaftungen vorgenommen worden; die Stadt ist gewissermaßen in Belagerungszustand versetzt worden. Die Polizeigewalt liegt in den Händen des Bürger? meisters(Lindaco), und das ist, wie wir schon mittheilten, der be- treffende Unternehmer selbst. Uebcr eine» Kampf rnssischer Arbeiter um Verkürzung der Arbeitszeit wird uns geschrieben: Vor zwei Jahren reichten die Arbeiter mehrerer Fabriken in Minsk in Westrußland ein« mit vielen Hunderten von Unterschriften versehene Bittschrift an den Gouverneur ein. Sie forderten darin die Herabsetzung der bisher 16— IS stündigen täglichen Arbeitszeit aus 12 Stunden. Dabei stützten sie sich auf ein Gesetz der im Jahre 1762 verstorbenen Kaiserin Katharina II., wonach in Werkstätten nicht über 12 Stunde» gearbeitet werden darf. Der Gouverneur entschied im Sinne der Arbeiter und beauftragte die Polizei, die Durchführung zu über- wachen. Die Fabrikanten organisirte» sich nun i» großen Vereine», um durch den Druck auf die Arbeiter die Durchführung der Ver- ordnung zu verhindern; im übrigen war der Zweck der Vereinigung, die Polizei zu bestechen. Das letztere war bald erreicht. Die Arbeiter wurden verfolgt, wenn sie die Erfüllung des Gesetzes forderten. und die Fabrikanten brachten das System der schwarzen Listen gegen sie in Anwendung. Trotzdem gingen nach mehreren Streiks die Arbeiter schließlich doch als Sieger aus dem Kampfe hervor, sie setzten de» Zwölfstundentag durch. Mnkevnrszmvv-'Ve rbii n d e. Die„Sachs. Arb.-Ztg." schreibt: Es dürfte bisher nicht bekannt gewesen sein, daß im oberschlcsischrn Judnstriebczirk ein weit verzweigter Schtvarzc Listen- Verband existirt. Fast s ä m m t- liche, besonders die großen Hütten-, Gruben- und Metallverarbeilungs-Werte haben sich diesen« Verbände angeschlossen. Fast täglich laufen in den Bureaus Liste» von Arbeitern ein, die an einem der betheiligten Werke— meist ist„Widersetzlichkeit" der Grund— entlassen ivorden sind und nun auf keinem Verbandsiverke eingestellt«verde« dürfen. Die dortigen Arbeiter haben von dieser Einrichtung natürlich keine Ahnung und irren oft Wochen lang auf der Arbcilssnche umher, bis sie endlich bei einem nicht zun« Verbände gehörigen Werke ankommen oder sich entschließen, nach einer anderen Gcge>«d zu wandern. Von der oberschlesische» Presse, die von diesen« Verbände sicher Kenntniß hat,«var nicht zu erivarte», daß sie ihn endlich der Oefsentlichkeit denunzirle. Dieser Verband erklärt so nianches, «vorüber man sich bisher«minderte, vor allen, de» von den Werken so oft, auch jetzt schon«vieder, in Szene gesetzten falschen Lärm über Arbeitsmangel und die»viederholten Vorstellungen bei der Regierung um Erleichterungen bei der Annahme ausländischer Arbeiter, während doch ii» der That von Arbeitermangel keine Rede sei» und eher partielle Arbeitslosigkeit festgesteUt«verde» konnte. In de» letzten Geiverbe- Jnspeklionsberichte»(über das Jahr I69S) wird i» einem oberschlesische» Berichte ausdrücklich augegebe», daß die von den Werksleitungen erbetenen Erleichterungen unnöthig«vare» und daß»och minier die zu besetzenden Stellen mit arbeitslose» hiesigen Arbeitern besetzt werden konnten. Sollten die dortige» Geiverbe- Jnspektorate von diesen« echt kapitalistischen und echt»nationale»" Verbände bisher keine Ahnung gehabt habe»? Die Thongrubenbesitzer von Hettenleidelheim In der bayerischen Rheinpsalz haben unter dein Name»„Bereinigte T h o» g r u b e n- G e s e l l s ch a f t" ein Syndikat errichtet, das bereits die Preise der einzelnen Thonsorten beträchtlich erhöht hat. Der �entralverband der Industrielle» Oesterreichs hat seine Mitglieder aufgefordert, an der bisherigen Uebung festzuhalten und den Arbeitern die Freigabe des 1. Mainichtznbe- willigen. Ebenso hat der Zeutralverband an die Regierung eine Eingabe gerichtet, damit die alljährlich an alle Staatsbetriebe er- gehende Weisung, daß der 1. Mai nicht freigegeben werden dürfe, möglichst bald erfolge. Mögen die Leutchen thnn, was sie nicht lassen können Die Arbeiterschaft feiert den 1. Mai mit um so größerer Inbrunst, je- niehr Uiiternehmerthlun und Behörden dem Wellseste der Arbeiter Hiiiderniffe zu bereiten suchen. Soziales. Aerzteproletariat. Man schreibt unS: Di« Bedingungen. «velche die Vereine, Kassen, Eriverbsgesellschaften den Aerzte» stellen, «verden immer unwürdiger. Den Gipfelpunkt aller Anerbietungen, «velche seit langer Zeit den deutschen Aerzten unterbreitet wurden, erreicht dasjenige einiger Hamburger Geldsackleute. In viele» medizini- schen Blättern stand dieser Tage die Annonce einer nur mit Chiffre bezeichneten Firina, die sich also sehr wohl auS ihrer Anonymilät herauszutreten hütet, wonach für eine asiatische Dampferlinie SchiffS- ärzte gegen freie Station und Geträn keent- s ch ä d i g u n g gesucht werden. Also keinen Pfennig Gehalt bei einer Stellung, die zwar an sich nicht immer viel Arbeit erfordert. aber doch das Lebe» auss Spiel setzt und im übrigen mit nicht unerheblichen Nebenausgaben,«vie der für Uniform rc. ver- knüpft ist. Es wäre wirklich zu wünschen, daß die Aerzte derartigen unverschämten Anerbielungen satter Geldprotze» aufS schärfste entgegenträten. Die Krankenversicherung im Jahre l8S4. Die Gesammt- zahl der in die gesetzliche Krankenversicherung einbezogenen Personen betrug nach der vom kaiserliche» statistischen Amt mitgetheilten Statistik am Ende des Jahres 1834 6 933 412 Personen, gegen 6 754 735 Ende 1893 und 4 234 173 Ende 1835. Von der Gesa», nit- zahl der Versicherten kamen auf die Gemeinde-Krankenversicherung 1 163 462, aus die Orts-Krankenkassen 3 109 100, auf die Belriebs- Krankenkassen 1 351 344, die Bau-Kranke»kafle» 19 653, die Jnnungs- Krankenkassen 84 630, die eingeschriebenen Hilfskassen 651 570 ilnd auf die landesrechtlichen Hilfskassen 59 593 Personen. Aus Zwickau wird uns geschrieben: Neuerdings treten hier infolge des Kohlenabbaues erhebliche Boden- senkungen zu tage, unter ähnlichen Begleiterscheinungen wie in« Eislebener Disstrikt. Das Niveau des Schivanenteichs, eines an die Kohlenpiätze an« Weichbilde der Stadt a»gre»»e»den idyllische» WeiherS, ist seit Jahresfrist um über 1 Meter zurückgegangen. Be- sonders aber machen sich die Senkungen an den Häusern bemerkbar, die infolge der Emsturzgesahr erheblich an Werth verlieren. Die «nergischen Schritte der Betheiligten haben die Bergbehörde veran- laßt, eine Sachverständigen-Kommission ei>«zusetzen, die sich mit der Frage beschäftigen soll, ob die Kohlenabteufung bis unter die innere Stadt zulässig oder angängig sei. Diese Konimission hat vor einigen Tagen unter dem Vorsitze des Bergraths Scheibnerz-Lugau getagt, jedoch«var es leider nicht möglich, das Resultat der Verhandlungen zu erfahren. Nntersnchnng über die Zustände im LehrlingSwesen in Wien. Auf Anregung der Ethischen Gesellschaft in Wien hat sich eine Gruppe von Personen, die zumeist auch der Kominission der vorjährigen Enquete über die Lage der Arbeiterinnen angehört habe», entschlvffen, eine eingehende Untersuchung der Lehrlings- zustände in Wien zu veranstalten und unter anderem insbesondere eine größere Anzahl von Personen zu vernehmen,«velche eben ihre Lehrlingszeit vollendet haben und deshalb geeignet sind, diese Zu- stände so anzugebe»,«vie sie t» der Gegeinvart«virklich bestehen. Die Enquete begann am letzte» Sonntag niit der Vernehmung von Experten aus dem Geiverbe der Bäcker. Ju Luzcrn«vird in« Mai eine WohnungS-Enquete und Volkszählung vorgenominen. Die Entwickelung der großkapitalistischen Unternehmnugen geht in Rußland mit Riesenschritten vor sich. In« Jahre 1393/94 zählte man noch kau«» 60 Aktiengesellschaften mit 64—34 Millionen Rubel Grundkapital. 1895 waren 95 Gesellschaften mit einem Grundkapital von 110 Mill. Rubel vorhanden, während in« Jahre 1396 allein 120 neue Gesellschasten niit mehr den» 100 Mill. Rubel ins Leben traten. Zum große» Theil sind das ausländische Kapitalien. Gerichts Leitung. Wegen Beleidignng des GerichtsPhysikilS Sanitätsraths Dr. Mttlenz>veig hatte sich gester» der Redakteur der„Charlotten- burger Nachrichten" Buchdruckereibesitzer OS'vald Kuorr in ziveiter Instanz vor der Straskanuner IV des Landgerichts II zu verant- «vorten, nachden« er von« Schöffengericht seinerzeit zu drei Wochen Gesängnib verurtheilt«vorden«var. Es Handell sich um mehrfach erörterte Jrreuhaus-Angelegenheiten. Die Verhandlung wurde jedoch vertagt, da der Angeklagte einen umsangreichen Entlastungsbeiveis antreten will. Die Skandalgeschichte»«velche sich zivischen de»« Hofpianisten Georg Liebling und dem Mnsikreferenten Max Lölvengardt abgespielt hat, beschäftigte gestern die siebente Strafkammer des Landgerichts I in der Berufungsinstanz. Aon dem Schöffengericht «var Liebling der öffentlichen Beleidigung für überführt erachtet und zu 14 Tagen Gefängniß verurtheilt»vorden. Die Berufung«vurde gestern v e r«v o r f e n. Wegen Beleidigung des Inhabers der Auskunftei W. S ch» in m e l p f e» g halte s. Z. das hiesige Schöffengericht de» Agenten S. A d a«n s k i zu vier Monaten Gesängniß verurtheilt. Es handelte sich«un eine Schrift unter dein Titel„Moderne Vehme", in welcher der Angeklagt« heftige Angriffe gegen die Aus- kunstei Schimmelpfeug gerichtet hatte. Au« 3. d. M. stand in dieser Sache Termin in der Berufungsinstanz an. Das Urtheil der Straf- kammer«vich von demjenigen des Schöffengerichts insofern ab, daß nicht eine fortlaufende Handlung, sondern vier selbständige Hand- lungen augenoninien«vurden. Die Strafkammer hielt aber eine Strafe von z»vei Monaten Gefängniß für ausreichend. Mit der Frage, ob die Bersammluugen dcS„Vereins christlicher junger Männer" als religiöse zu betrachten sind, hatte sich gestern die ziveite Slraskaiiuuer des Landgerichts I zu be- schäfligen. Der Gründer des Vereins, Graf Bernslorff, hat i» der Waldeinarstraße einen ehemaligen Fabriksaal gelniethet, in«velchem der genannte Verein allabendlich sei»« Versanunlungen abhält. Die- selbe» beginne» niit der gemeinsamen Absingung eines Chorals, dann hält entiveder ein Kandidat der Theologie oder ein sich dazu berufen fühlender Laie eine Ansprache und den Schluß bildet ein Gebet. Am 10. Januar störte ein Gast, der 19 jährige Arbeiter Karl Bittner, die harmlose Versainnilung durch Lache»«vährend der Ansprache. Es«vurde Anzeige gegen ihn erstattet««nd Anklage«vegen Störung des Gottesdienstes gegen ihn erhoben. Der Staatsanivalt hielt zivar keine Störung des Gottesdienstes für vorliegend, aber bezeichnete de» Saal doch als einen zu religiösen Versammlungen bestimmten Ort und die Ansprache als eine gottesdienstliche Hand- lung, die durch de» Angeklagten gestört«vorden sei. Er beantragte gegen ihn das zulässig niedrigste Strafmaß—«inen Tag Gefängniß. Der Gerichtshof«var der Ansicht, daß der Verein christlicher jllnger Männer nicht als eine Religiousgesellschaft angesehen werden könne, zum Begriffe der Gotteslästerung gehörten außerdem beschimpfende Aeußerungen und darunter sei Lachen nicht z» verstehen. Keiner der einschlägigen Paragraphen des Stras-Gesetz- bnches könne auf den Angeklagien Anivendung finde». Da er nicht auf die erste Aufforderung gegangen sei, liege höchstens ein HauS- friedensbrnch vor und dazu sei die Stellung eines Antrages nöthig. Der Angeklagte müsse daher freigesprochen«verde«,. Ei» Brief verfängliche» Inhalts hat de«» Geheimsekretär in« Marineministeriuni Otto Borrmann seine Stellung gekostet und ihn« eine Anklaae«vegen Vergehens in« Amte zugezogen, welche gestern vor der erste» Straskanuner des Landgerichts I gegen ihn verhandelt«verde«, sollte. Den, Angeklagten«var bekannt, daß die Kupfer- und Messingiverke C. Heckmann in DniS- bürg Lieferungen für die Marine erhalten hatten. Im Febmar dieses Jahres richtete er an den Inhaber der Firma ein Schreiben, «vorin er um Gewährung eines Darlehns von 300 M. gegen Ber- Pfändung einer Lebensversicherungs-Police bat. Er bedürfe des Geldes,»«in seine erkrankte Ehefrau operiren lasse» zu können. Zum Schluß soll er sich erboten habe», der Firma darüber,«vie ihre Fabrikate von niaßgebende» Persönlichkeiten benrtheilt«vürden, soivie über andere die Firma interesstrende Angelegenheiten Mittheilnng zumachen. Der Brief gelangte zur Kenntniß seiner vorgesetzte» Behörde. Im Terinin bestritt der Augeklagte, daß er mit diesen Worten»nd i» diesem Sinne das Anerbieten gemacht habe, und da der Brief nicht bei den Alien war, wurde beschlossen, die Verhandlung zu vertage», nm die Inhaber der Firma kommissarisch zu vernehmen. Verhä»tgnißvolle Folge» hat die rohe Ausschreitung eines L e h r m e i st e r s gegenüber seinem Lehrlinge gehabt,»velche gestern die II. Strafkammer am Landgericht II beschäftigte. Der Schlächtermeister Ernst H a r k e r aus Schöneberg war beschuldigt, einen seiner Lehrlinge i» so schwerer Weise körperlich mißhandelt zu habe», daß der Verletzte i» dauerndes S i e ch t h u m versallen ist. Der Angeklagte, ein junger Anfänger, arbeilet mit einem Ge- scllen und vier Lehrlingen. Ain 23. November vor. Js.«vurden Schiveine geschlachtet. Einer der Lehrlinge, der 17jährige Ha»S Müller,«var seiner Meinung nach nicht schnell genug bei der Arbeit, darüber gerieth der Meister in Zorn »nd«vars»un ein scharfes Werkzeug,«nit dem er eben die Borsten von einem im Brühtrog liegende» Schiveine abschabte, uach dein Lehrling. Das Unglück«vollte es, daß daS Werkzeug de» Lehrling gerade über dein Wirbel des Ellenbogengelenks traf, so daß der Arn« vom Moment an nicht niehr zu gebrauche»«var. Der Verletzte «vurde von seinem Vater sofort in ärztliche Behandlung und drei Tage später in die chirurgische Klinik des Dr. Adler i» Schöne- berg gebracht. Von hier aus ist der Patient zivar als geheilt entlassen ivorden, jedoch der Arm ist steif geblieben und«vird für alle Zeiten un- beweglich bleiben. Dr.Adler fügte seine«» diesbezüglichen Gutachte» hinzu. daß infolge der Verletzung das Gelenkwasser ausgeflosse» fei. Früher seien solche Verletzungen meist tödtlich verlaufen, bei dem heutigen Stande der antiseptischen Behandlung sei es jedoch leicht, die Folge» zu lokalisiren, ohne daß der Gesannntorganismus i» Mitleidenschaft gezogen wird. Das betreffende Glied bleibe aber steif. Hätte das Wurfgeschoß jede andere Stelle de? Armes getroffen, so würde höchstens eine kleine Schramine entstanden fein. Kreisphysikns Dr. Elten führte a»S, daß zwar der Arm immer steif bleiben werde, daß aber der Fall doch nicht unier den Z 224 des Strafgesetzbuches falle, da nach der neuesten Judikatur des Reichsgerichts zur A»»ve»du,«g des tz 224 erforderlich ist, daß der Gesannntorganismus beeinträchtigt wurde,«vas im vor- liegenden Falle nicht zutreffe. Auf grund dieser Gutachten erkannte der Gerichtshof aus ß 223».(Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeuges) aus s ü» s Monate Gefängniß. Mildernde Um- stände«vurden versagt,«veil die Handlung als eine sehr rohe an- zusehen sei und in belracht gezogen«verde«« müffe, daß der Meister einen Lehrling, der seinem Schutze anvertraut»var, in solch schiverer Weise verletzte. Die Schadensersatzklage des VaterS des Verletzten «vird aus den« Zivilivege ausgetragen»verden. Die Rechtsgiltiakeit einer Bestiinmuilg der Polizciverord- »«nng vom 14. März 4896, den Berliner Markthallenverkehr betreffend, wurde im Verlaufe des Strafverfahrens gegen de» Cafetier Nagel angez»veifelt. Nach jener Verordnung«st das Betreten der Markthalle»»ur zu Marktzivecke» gestattet. Dein Nagel, der an einige Standinhaber auf Bestellung gekochten Kaffee lieferte, ivurde es untersagt, zu diesem Zivecke die Halle zu beUeien. Darauf fußend, daß ihn ja der Auftrag seiner Abnehmer zur Lieferung des Kaffees berechtige, kümmerte er sich jedoch an das Verbot nicht. Hierauf erhielt er eine Anklage. In den erste» beiden Instanzen ivurde Nagel freigesprochen. Das Landgericht nahin an, daß die fragliche Bestimniung der Polizeiverordnung entschieden über das Maß des Erlaubten hinausgehe,«ven» sie de» Standinhaber» das Recht verkümmere, ihren Kaffee sich bringen zu lasse», von«vem sie wollten. Die Standinhaber seien Miether und wie die Miether anderer Räume berechtigt, sich beliebig ihre Gebrauchsartikel nach dem gemietheten Platze bringen zu lasse». Der Strafsenat des Kan«n»ergerichts gab aber am 12. April der Revision des Staats- anwalts statt und«vies die Sache in die Vori,«stanz zurück. Die strittige Bestimmung in der gei'�niiteu Polizeiverordnung sei ans grund des§6 des Polizei-VerwaUuugsgesetzes erlassen und rechts- g i l t i g. Wegen Ausführung einer öffentliche» Kollekte«vurden die Parteigenossen Veit und Röhr in Magdeburg vom Landgericht zu je 5 M. verurtheilt. Die Angeklagten hatten in einer öffenl- ichen sozialdemokratische» Versainnilung au« II. März 1836 die lTeller überivacht, in die die Versammlungsbesucher ihr Scherflein thaten,««nd Veit hatte das Geld dann ein- gesteckt, nm es den» Vertrauensmann abzuliefern. Der Uebelthäter, der die Ausstellung der Teller veranlaßt hatte, wurde der Polizei nicht bekannt, der„Ver- anstalter" konnte also auch nicht bestrast werden. Die St>af. kammer»ahm nun au, daß die Angeklagte» auf jeden Fall bei der Ausführung einer nicht genehmigten Kollekte mitgeivirkt hätten und deshalb strafbar seien. Unsere Genossen legten gegen das Urtheil Revision ei» und begründeten dieselbe damit, daß von einer Kollekte' überhaupt nicht die Rede sein könne. Bei einer solchen«verde doch das Publikun, belästigt, das sei hier aber nicht der Fall geivese». denn die Teller hätten ruhig allf den, Tisch gestanden, ohne daß sie. die Angeklagten, jeinand zum Zahlen aufgefordert hätten. Der Strafsenat des Kammergerichts wies indessen au« 12. April die Revisto» zurück. Die Kollekte«väre erst mit der Abführung des Geldes a» den Vertrauensmann beendet geivese» und die An- geklagten hätten unziveiselhaft«ine die Kollekte vermittelnde Thätigkeit eiitfaltet._ Verpamurlnttgen. Die Freie Vereinigung der Kanfleute hielt am Mittivoch. den 7. April, i» den Armin-Hallen ihre ordentliche HalbZjahrsver- sammlung ab. Aus dem Bericht des Vorsitzenden Lissau er ist zu entnehmen, daß die bereits in der letzten General-Versammlung kon- statirte günstige Ent>vickelnng der Geiverkschaft«veiter Stand gehalten und die Milgliederzahl«nieder um ein beträchtliches zugenommen hat. Die allivöchentlich Mittwoch stattfindenden Vortrags-Abende erfreuten sich eines recht zahlreichen Besuches. Anläßlich der Be- rathnng deZ Handelsgesetzbuches hat der Vorstand dem Reichs- tag bezüglich des sechsten Titels, der von den Handlungsgehilfen handelt, einen neuen Entivurf zugehen lassen, der die Fordertlnae» der Gehilfenschaft z«lm Ausdruck brachte. Unterstützt ivorden sind diese Forderunge»»ur vo» der Fraktion der sozialdeinokratische» Partei,«velcher«vir es auch zu danken hatten, daß einige der in diese»« Entivnrf enthaltenen Forderungen zur Annahme gelangt seien. In allen den Fällen, i» denen dem Vorstand Mittheilung von Mißständen in einzelnen Geschäften geworden ist, ist derselbe energisch eingeschritten und hat auch zum größten Theil die Ab- stellung der Mißstände erreicht. Es sei dringend zu«vmischen, daß die Handlnngsgehilfen. sobald ihnen ein Unrecht geschieht oder sie unter Mißständen zu leide» habt», die geeignet sind, ihre Gesundheit zu gefährden, sich an die Organisation «venden, die»ur ihre Interessen wahrzunehmen ge>villt ist.— Nach dem Kassenbericht, den der Kasstrer Alb. K o h n erstattete. betrugen die Einnahme» im ersten Quartal 1897 512.85 M.. die Ausgaben 504,75 M., so daß ein Kassenbestand vo» 8,07 M. ver« bleibt. Während»och ei» großer Posten Außenstände zu verzeichnen ist, sind Schulden überhaupt nicht iiiehr vorhanden. Dem Vorstand , vurde auf Antrag H i n tz e' s einstimlnig Decharge crtheilt. Ein Antrag Borchardt's, für Bibliothekzivecke«»onatlich einen Be- trag von 10 M. auszuiverfen, wird nach längerer Diskusston an- genommen. Bei der hierauf stattfindenden VorstandSivahl«vurden §eivählt: erster Vorsitzender Julius Lissauer, ziveiter Vors. l l b. K o h««; erster Schriftführer W i l h. S«v i e n t y, zweiter Schriftführer I. K a l i s k i; erster Kasstrer Jonas Stahl, zweiter Kassirer: Richard Ludwig; Beisitzer: Wohl- gemuth, Walther, Breslau er. Zum Bibliothekar wird der Kollege Friedländer gewählt. Unter Verschiedenes kommt der Vorsitzende Lissauer auf die bereits durch eine öffentliche Versaiiunlilug bekannt gewordene Absicht der Hau, burger und Leipziger Kollege», ein neues Handl«»»gsgehilfen-Organ zu gründen. zurück und weist an der Hand des Abonnenten- VerzeichniflcS nach, daß Berlin gerade die Hälfte aller Abonnenten aNein stellt,«vährend Hamburg nur ganze 5 Exemplare erhält. Lissauer schlägt den Mitgliedern die folgende, vom Gesammt- vorstände in der letzten VorstandSsitzUNg einstimmig beschlossen« Resolution ziir Annahme vor: „Die am 7 April tagende Generalversammlung der Freien Vereinigung der Kausleute zu Berlin erklärt sich energisch gegen jede Neugründnng eines Haudlnngsgehilse»- OrganS; sie erklärt ferner «veiter, daß sie den„Handels-Angestellten"»ur so lange als obligatorisches Organ betrachtet, als derselbe die gleiche prinzipielle Haltung beivahrt«vie bisher." Die Resolution«vurde nach langer Debatte einstimmig angenomme». Angenommen«vurde ebenfalls ei» Antrag, daß bald nach Ostern eine Mitglieder- versan»»ll«ng stattfinde» soll. Nachdem Lissauer mitgetheilt hatte, daß Mittivoch, den 14. April, Genosse Schulz über„Fritz Reuter" spreche» wird, trat Schluß der Versammlung ein. Maurer. Eine Mitgliederverfamnilung der Zahlstelle II der Maurer tagte am Freitag für Friedrichsberg und Umgegend. Nachdem beschlossen«vurde, i» Friedrichsberg eine Zahlstelle des Verbandes zu eröffnen,«vurde der provisorische Vorstand gervählt. Es»vurden geiväblt: Poll«» ei er, erster Vorsitzender; Marquardt, ziveiter Vorsitzender; S i e b e r t, erster Kassirer; Laube, ziveiter Kassirer; Fredo, Schristiührer. Außerdem machte Kollege F r i tz s ch auf de» Streik in Brandenburg aufmerksan« und sorderie die Versammelten auf. nicht zi« Streikbrechern zu werde», es»väre» bedauerlicheuveis« schon«velche zu verzeichnen geivese««. DezieMett und letzte Vacheichten. Wiesbaden, 12. April.(B. H.) Ein internationaler Hoch» stapler, vo» Geburt Russe, welcher»inter dem Naineu eines Obersten v. Protopoppoff hier große Schivindeleie» oussührle,«mirde von der hiesigen Eirafkaniiuer heule zu 2 Jahren 5 Monaten Znchlhans nno 5 Jahren Ehrverlust vernrlheilt. "Verantwortlicher Acdalteur! August Jacvbry in Berlin. Für den Jnseratentheil verautwortlich:»h. Glocke in Bertin. Druck und Verlag von Max Badiug ,n Berlin. Hierzu 1 Beilage u.«nterhaltnugeblatt. Sr. 87. 11.|( mm. Keilage des Lsmiirts" Kerlmer MllisblM Kommunales. Stadtverordneter Tr. Stryk, der frühere Vorsitzende der Stodtverordiielenversomiiilmig. ist am Sonntag Mittag 12 Uhr. 68 Jahre alt. einem Schlagfluß erlege». Herr Stryk mar bekanntlich selbst viele» unserer Kommunalliberalen zu lammfromm. Als es sich im Jahre 1892 daruin handelte, an Forckenbeck's Stelle einen neue» Oberbürgermeister zu wählen, schien sich Dr. Stryck für die Kandidatur des Landraths Stnbenrauch, die von oben her begünstigt wurde, zu interessiren. Als ihm �zuin Borwurf gemacht wurde, daß er einer Aufforderung des Oberprästdenten von Achenbach zu einem Besuch in dieser Angelegenheit Folge geleistet habe, fiel ans seinem Munde das für ihn verhängnißvolle Wort von„im fem Vorgesetzten". Unter dem Sturm der Entrüstung, den dieses Wort des ersten Selbstverwaltnngsbeamten der Stadl Berlin erregte, legte Dr. Stryck sein Amt nieder; er wurde zwar nnedergewähll und nahm das Amt wieder an. aber nach wenigen Wochen legte er es von neuem nieder und an seine Stelle trat Dr. Langcrhans. Bor kurzem war Stryck Vorsitzender des Konutee's zur Errichtung des— Kaiserin Augnsta-Denkmals! Die Sitzung der Kommissiou des Magistrats betreffend den Erwerb des Terrains des B o l a n i s ch e n Gartens, welche au nächsten Mittwoch angesagt war, ist heute wiederum vertagt worden und wird voraussichtlich am 26. d. M. stalthaben. Uokolos. Zu der Schicßaffäre an der Exerzierstraße wird unZ be richtigend mitgetheilt. daß nicht der Knabe Gustav Hartwig das Unglück augerichtet hat, sondern daß im Gegentheil ans Hartwig der Schuß abgefeuert morden ist, der zu so schlimmen Folgen führte. Der Verdacht richtet sich gegen einen Knaben Müller, der nach Aus- sage mehrerer Kinder bereits an de» vorhergegangenen Tagen mit einer Pistole auf der Straße gespielt haben soll. Zur Lokallifte wird nns berichtigend mitgetheilt, daß in Hankel's Ablage die Nestauration Koppel, Saal und Garten zu haben ist in Zeuthen ist K ü n z e l, Saal und Garten, und I s e r t' s Lolch für Arbeiterversammlungen zu haben. Ferner sind folgende Jrrthümer richtig zu stellen: Das Lokal von Böhmert steht versehentlich unter Hermsdorf gehört aber zu Henningsdorf. Die unter Reinickendorf verzeichnet stehende Lokal- kommission gehört zu Rixdorf. Im 6. Berliner Reichstags-Wahlkreis, Schönhauser Vorstadt, ist das Lokal von Julius Wernau, Schwedter� straße 23/24, nachzutragen. Der Vertrauensmann: E. S e i b e r t in Zeuthen. Von Parteigenoffen der Roscnthaler Vorstadt und des Gesundbrunnens wird am Ostermontag, mittags 12 Uhr, in Marien bad, Badstraße 3b/36 eine Matinee der hnmoristischen Gesellschaft Strczelewicz arrangirt, aus die wir hiermit hinweisen. Der Eintritts- preis ist auf 2S Ps. festgesetzt; näheres im Programm. Die£ liebtheit der Gesellschaft birgt wohl im voraus für guten Besuch. Der Vertrauensmann. De» Mitglieder» des sozialdemokratischen Wahlkreises für den dritten Reichstags-Wahlkreis zur Nachricht, daß am Char- sreitag, den 16. April, eine Frühpartie nach dem Spandauer Bock, Pichelsberge u. s. w. stattfindet. Treffpunkt 8t/z Uhr morgens am Bahnhof Westend. Um rege Betheiligung ersucht der Vorstand. Zur Statistik des Berliner Schulwesens. Nach dem Schul deputations-Bericht für 189ö/96 gab es in Berlin Ende 1835 fbezw. 1894) im ganzen 389(375) Schulen mit 5032(5091) Klassen und 233 319(231 661) Schulkindern. Darunter waren speziell 211(296) Gemeindeschule» mit 3549(3475) Klassen und 185 699(183 338) Kindern. Ans je 199 Personen der Bevölkerung kamen 13,99(13,99) Schulkinder, darunter speziell 11,96(11,97) Gemeindcschulkinder. DerAntheil der Schuljugend an der Bevölkerung ist schon seit 1383 in fast ununterbrochenem Sinken. Nach der im Schuldepntations-Bericht hierzu milgelheilten Tabelle iväre übrigens 1395 eine Zunahme des Antheils eingetreten. Das ist je- doch nicht der Fall. Thalsächlich hat von 1894 zu 95, wie aus den oben mitgetheilten Verhältnißzahlen zu ersehen ist, eine Abnahme stattgefunden. Die Tabelle giebt nämlich für die letzten Vorjahre bis 1894 viel zu niedrige Verhältnißzahlen an. Die Zählung vom 2. Dezember 1895 ergab bekanntlich eine Bevölkerungsziffer, die hinter der durch Forlschreibung für diese» Termin im voraus berechneten ganz außerordentlich weit zurückblieb. Infolgedessen wurde die nach jeder Zählung stattfindende nachträgliche Korrektur des Fortschreibnngs- Ergebnisses des letztverfloslenen Jahrfünfts diesmal erheblicher als sonst. Daraus ergab sich aber auch die Nothwendigkeit einer erheblichen Korrektur aller aus der Bevölkerungs ziffer für das letzte Jahrfünft berechneten Verhältnißzahlen(Ge- bnrten, Sterbesälle, Eheschließungen, Almosen- Empfänger, Be- strafnngen n. s. w.). Die Schuldeputation scheint das jedoch bei ihren Angaben über den Antheil der Schuljugend an der Bevölkerung nicht fürnöthig gehaltenzuhaben. Sie hat für dieVorjahrebisEnde18g4diei» den Vorjahr-Berichten gegebene Tabelle einfach wiederholt, deren Ver- hältnißzahlen, wie gesagt, besonders für die letzten Jahre zu niedrig ausgefallen sind, weil sie aus einer zu hoch angenommenen Bevölkerungsziffer berechnet wurden. Für Ende 1395 ist dagegen eine aus dem letzten Zählungsergebniß gewonnene Bevölkerungsziffer benutzt worden, so daß hier die richtige Verhältnißzahl herauskam, die natürlich höher werden mußte, als die falsche von 1894, aber niedriger ist als die richtige von 1334.(Der Verfasser der Tabelle ist in seiner Naivelät konsequent genug, in der Kolonne„Bevölkerungs- zahl" für 1894 i 1724 659, 1895: 1 673 527 anzugeben und dann als „Zunahme der Bevölkerung" für 1895 herauszurechnen: minus 46 123, also eine Abnahme zu konstaliren.')' WaffermilitariSmuö in der Schule. Der kürzlich heraus- gegebene 18. Jahresbericht über die Charlottenschule enthält auf Seite 29 neben anderen behördlichen Verfügungen die folgende abgedruckt:„1. März 1337. Das königl. Provinzial-Schul- k o l l e g i u m empfiehlt die Anschaffung von„Wislicenus. Deutsch. lands Seemacht sonst und jetzt" und bringt den Ministerialerlaß vom 24. Januar 1895— U II 79— Verfügung vom 8, Februar 1895— I 841— betreffend die Verwendung des vater- ländischen Romans„Gerke Sutemine" von Gerhard v. Amynlor und des Dr. Güßfeldt'schen Werkes über die N o r d l a n d r e i s e n Seiner Majestät des Kaisers und Königs als Prä- m i e n für Schüler der oberen Klasse» höherer Lehranstalten in Er- nnerung."— Auch diese Art der Agitation unter den Kindern und Unmündigen dürfte dem heutigen System schwerlich einen Kreuzer einbringen. Pietätlose Erinnerungen an Stephan werden hier und da durch Auswärmung seiner Gedichte aufgefrischt. Der vollendetsten eines ist das folgende Produkt: Als der Polizeipräsident Herr v. Madai aus dem Amte schied und nach Frankfurt übersiedelte, telegraphirte v. Stephan aus Dresden, wo er sich damals aufhielt, an die zur Abschiedsfeier Versammelten:„Männerherzen sind be- trübet,— Weil sie ihn so sehr geliebet.— Aus den Augen vieler Schönen— Quillen heute heiße Thränen.— Doch wir hoffen, will er gehen,— Daß wir manchmal wiedersehen— Unser» theuren Freund Madai:— Frankfurt ist ja nicht— Hawai." Wozu? Durch Ministerialverfügung ist der Erlaß der hiesigen Polizeibehörde betreffend öffentliche Musik und Konzerle in der Char woche ganz bedeutend verschärft worden. Bekanntlich hatte die Polizei für Konzertlokale zc. die Vergünstigung gewährt. daß nach Einreichen der Programme für die Charwoche Gesangs- vortrüge, ferner Vorstellungen ernsteren Charakters auf Spezialitäten- bühnen gestattet sein sollten. Dieses Entgegenkoinmen ist jedoch, wie erwähnt, durch eine Ministerialverfügiing aufgehoben, nach welcher unter allen Umständen jegliche Musik und Konzerte, Vor- und Schau- stellungen von Personen in Konzcrtlokalen und an sonstigen öffent- lichen Orten, nicht erlaubt seien. Durch das Verbot fällt in dieser Woche jede Volksbelustigung ans. Ob der Minister wirklich von der wunderlichen Meinung beseelt ist, daß es jemals möglich sei, die Berliner Einwohnerschaft durch irgend welche Mittel zu ver- frommen? Sonntagsruhe während der Feiertage. Das Polizei- Präsidium theill über die Sonntagsruhe während der bevorstehenden Feiertage folgendes mit: L Am ersten Oster- und Pfingst- Feiertage dieses Jahres dürfen im Handelsgewerbe, so- weit der Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen staltfindet, Gehilsen, Lehrlinge und Arbeiter nur nach Maßgabe der folgenden Bestimmungen beschäftigt werden: a) im Handel mit Milch, mit Back-, Kondilorwaaren und Konfitüren, während der Zeit von 5 bis 19 Uhr vormittags und von 12 bis 2 Uhr nachmittags, d) Im Handel mit Fleischwaaren während der Zeit von 5—19 Uhr vormittags. c) Im Handel mit Kolonial- und Vorkostwaaren, mit Brenn Materialien, mit Bier und Wein, mit Tabak und Zigarren während der Zeit von 3 bis 19 Uhr vormittags, ä) Im Handel mit Blumen während der Zeit von 7 bis 19 Uhr vormittags und von 12 bis 2 Uhr nachmittags, e) Im Handel mit Druckschriften auf den Bahnhöfe» während der Zeit von �i/� bis 19 Uhr vormittags k) In der Zeitungsspedition während der Zeit von 4 bis 9 Uhr vormittags. II. Am zweiten O st e r- und P f i n g st- F e i e r- tage finden lediglich die allgemeinen Vorschriften über die Sonntags ruhe im Handelsgewerbe Anwendung. Der vorgestrige Palmsonntag» der bekanntlich für den Geschäftsverkehr freigegeben war, bot dasselbe Bild, das sich schon früher an Sonntagen vor große» Festen gezeigt hat. Die größeren Geschäfte erachteten es meistens nicht der Mühe wcrlh, überhaupt zu öffnen, und die Ladeninhaber, welche sich und ihrem Personal den freien Sonntag raubten, klagten abends über schlechte Ein- nähme. Eine Aenderung der Bestiinniungen über die Sonntagsruhe in dem Sinn«, daß höchstens der Sonntag vor Weihnacht freigegeben werde, ist sehr am Platze. Die städtische Schuldeputatio» hat einem Gemeindeschnl lehrcr, der einig« geimpfte Schüler veranlaßt hatte, den bekaiinten Jmpfgegner und Magnetopalhen Gerling zu besuchen, damit er un- bedeutende Begleiterscheinungen der Impfung in Augenschein nehme, brieflich ihre Mißbilligung aussprechen und ihm dringend an- empfehlen lassen, in solchen Fälle» sich an die Eltern der Geimpften zu wenden, damit diese mit dem belheiligtcn Jmpsarzte Rücksprache nähme». Jede Beeinflussung, die den Schein erwecke, als mißtraue der Lehrer dem gesetzlichen Jmpfverfahren, sei unzulässig, und be- sonders in der Ueberweisung der Kinder an eine Person, die ohne staatliche Berechtigung ärztliche Kuren übernehme, erblicke die Schul- depulation einen Mißgriff des Lehrers, dein nur Erziehung und Unterricht der Jugend übertragen worden sei. Das Polizeipräsidium hat nunmehr der Berlin-Charlotten bnrger Straßenbahn-Gesellschaft die Genehmigung zum elektri scheu Betrieb« der Linie Westend-Knpfergraben ertheilt. Die Geschwindigkeit der Fahrten darf 25 Kilometer in der Stunde an keiner Stelle übersteigen und ist in den Krümmungen der Bahn an verkehrsreichen und unübersichtlichen Stellen, sowie überall da, wo Fahrhindernisse plötzlich eintreten können oder wo dies von der Aufsichtsbehörde für erforderlich erachtet wird, aus zehn Kilometer in der Stunde bezw. auf das von der Aufsichts- behörde erachtete Maß zu verringern. Nach einem Zank mit seiuer Brant hat sich in der Nacht zum Montag gegen 11 Uhr der 29 Jahre alte Schneider Johann Biniskiewicz, der in der Blninenthalstraße 2 bei dem Bäcker Ramdor wohnt, auf der Straße zu erschießen versucht. Der junge Mann rog einen Revolver aus der Tasche und jagte sich vor dem Hanse Thiergartenstraße 3 eine Kugel in die linke Brust. Ein Schutzmaun des 33. Reviers brachte ihn mit der Braut in ein Krankenhaus. Der Revolver war noch mit drei Patronen geladen. Prof. Dr. Hans Müller, der erste ständige Sekretär und Senator der königl. Akademie der Künste und Lehrer für Musikgeschichte an der Hochschule für Musik, ist Sonntag Morgen nach längerer Krankheit gestorben. Prof. Müller, ein Sohn des Dichters Müller von Königswinter, war nach dem Tode R. Dohmes, den er schon während deffen Krankheit vertreten hatte, zum ersten ständigen Sekretär der Akademie ernannt worden. Staatssekretär v. Stephan ist am Sonntag unter großem Pomp zur letzten Ruhe bestattet worden. Die Leiche wurde im Neubau des Reichspostamts aufgebahrt und von da durch die Wilhelmstraße und über den Belle-Alliance-Platz dem Friedhose in der Barulherstraße zugeführt. Der Kondukt halte insoweit eine entfernte Aehnlichkeit mit dem imposanten Grabgeleite, das acht Tage vorher unserem Parteigenoffen Schultz« gegeben worden war, als auch Proletarier daran theilnahmen. Es waren dies die Post-Unterbeamten, deren Leiden unter Stephan's Regiment so mancher sozialdemokratische Abgeordnete im Reichstage hat schildern müffe», und die Telephon� arbeiter zweier Firmen, deren eine, Mix u. Genest, am Zentennr seiertage vergeffe» hatte, ihren Arbeitern den schuldigen Lohn ans' zuzahlen. Deni Sarge des sozialdemokratischen Abgeordneten folgten die zehnlausende Proletarier freiwillig; an dem Leichengepränge des Postgewaltigen nahmen sie theil, weil Brot süß schmeckt. Ein nicht geringer Schrecken wurde am Sonntag Abend kurz vor 3 Uhr in der Philharmonie während des Konzerts des philharmonischen Orchesters durch einen Schaden an der elektrischen Leitung hervorgerufen. Der Konzertsaal war plötzlich in egyptische Finsterniß gehüllt. Bei einer improvistrten Beleuchtung mit Kerze», Küchenlampen, Streichhölzern ec. wurde das Konzert noch ein Weilchen sortgesetzt und dann vor der Zeit geschlossen. Das Publikum verhielt sich musterhaft und seine Ruhe gab auch dem Leiter deS Hauses die für einen Moment verlorene Fassung wieder zurück. Die elektrische Thurmbah» der vergangenen Berliner Ge- werbe-Ausstellung ist vom Konkursverwalter an einen Elberfelder Industriellen für zehn Jahre verpachtet worden; die Gläubiger glauben auf diese Weise ihre Forderungen von 299 999 M. heraus- zuschlagen. Der Thurm wird aus einer Anhöhe in der Um- gebung Elberfeld-Barmens zur Ausstellung kommen. Eine schwache Hoffnung. Ein blutiger Vorgang hat sich in der Gegend der Alsenbrück« am Sonnabend Abend zugetragen. Gegen 9>/4 Uhr wurde der Ar- beiter Lnckivald aus der Teglerstraße von zwei Begleitern nach der Charitee gebracht. Mit einem scharfen Messer war ihm am linken Unterarm das Fleisch fast ringsum sammt Sehnen und Ader» durch- schnitten, sodaß er sich infolge des starken Blutverlustes nicht auf- recht erhalten konnte. Gleich nach der Einlieferung Luckwald's wurde der Schisser Hohenfee der Charitee zugeführt. Er wollte durch einen Tritt vor den Leib umgestoßen und bewußtlos liegen geblieben sein, während die Begleiter Luckwald's ihn als denjenigen bezeichneten, der in so furchtbarer Weise von dem Messer Gebranch gemacht hätte. Ein Messer wurde nicht bei ihm gefniiden. Hohenfee war in keiner Weise verletzt und wurde nach der Polizeiwache in der Albrechtstraßc gebracht. Einen Selbst, uord-Versuch ans der Polizeiwache hat in der vergangenen Nacht der wohnungslose 29 Jahre alte Schlosser Max Schil gemacht. Dieser wurde im Kaiser-Cafo unter dem Ver- dachte, wiederholt Paletots gestohlen zu haben, festgenominen. Ans dem Wege zur Wache des 33. Reviers in der Charlotteustr. 25/26 entkam er dem Schutzmann an der Ecke der Friedrich- und Krouenstraße und lies davon. Als der Beamte, derihm nachsetzte, ihnanderJerusalemer- straße einholte, wars er sich zu Boden und stellte sich so, als ob er von Krämpfen befallen wäre oder Gift genommen hätte. Er wurde in die Detentionszelle gebracht, um heute Morgen der Kriminal- polizei zugeführt zu werden. Als man nach einer Weile zusah, was er mache, stellte sich heraus, daß er einen Selbstmordversuch unter- noinmeu hatte. Die Wunde, die er sich am Halse beigebracht hatte, war so erheblich, daß man den Verletzten zunächst einem Kranken- hause überweisen mußte, in dem er als Pvlizeigesangener gehalten wird. Brand eines KaronffelS. Am Sonntag gegen 19 Uhr wurde die Feuerwehr nach einem nnbenannten Grundstück auf dem Danziger Felde an der Weißenseer Grenze berufen, woselbst ein großes Karoussel in Flammen stand. Bei dem Eintreffen der Löschmannschaften war das ganze leichte Ba»werk schon in Flammen aufgegangen, so daß von demselben nichts mehr zu retten war. Verletzungen von Per- sonen haben glücklicherweise nicht stattgefunden, da am gestrigen Palmsonntag das Karoussel nicht in Betrieb sein durfte. Selbstmorde nnd Selbstmordversuche. Am Sonnabend wurde der Weinhändler K. in seinem von innen abgeschlossenen Weinkeller in der Friedrichstraße erhängt aufgefunden. Zerrüttete Vermögensverhältnisse dürften ihn zum Selbstmord getrieben haben. — In der Nacht zum Sonntag schoß sich im Friedrichshain der stud. med. L. eine Revolverkugel über dem rechten Ohr in den Kopf. Er wurde taumelnd auf dem Landsberger Platze bemerkt und »ach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht, wo die Ver- letzung als lebensgefährlich bezeichnet wurde. Auf dem Wege zum Krankenhause gab L. an, daß ein Zerwürfuiß mit seinen Eltern ihn in den Tod getrieben habe.— Montag Nacht versuchte der 19jährige Sdineider Johann B. vor dem Hause Thiergarteustr. 19 aus Liebes- gram sich durch einen Schuß in die Brust zu tödten. Er wurde noch lebend nach der Charitee gebracht. Tie Zopfabschncider fangen wieder an, ihr Unwesen zu treiben. Folgender Vorgang, der gemeldet wird, mag zur Aufnierk- samkeit mahuen. Eine Dame hatte am Sonnabend einige Be- sorgungen zu machen und ging dann ungefähr nach 7 Uhr mit ihren drei Kindern nach der Zentral-Markthalle. Ihre älteste Tochter, ein Mädchen von 16 Jahren, hatte ein Paar wundervolle rothblonde Zöpfe. Als die Mutter mit ihren drei Töchtern gegen 8 Uhr zu Hause angekommen war, sah sie zu ihrem Schrecken. daß die Zöpse von roher Hand bis zur Hülste abgeschnitten waren. NuglückSfätte im Strasteuvrrkehr. Am Sonnabend Nach- mittag wurde in der Skalitzerstraße der 4 Jahre alte Knabe des Buchbinders Koh», als er unmittelbar vor einem Wagen der elektrische» Slraßeiibahn über die Straße laufen wollte, umgestoßen und eine Strecke fortgeschobeu, bevor der Wagen zni» Stehen ge- bracht werden konnte. Er halte scheinbar nur leichte Verletzungen davongetragen.— Gestern Nachmittag wurde an der Ecke der Geridst- und Pankstraße die 71jährige Wittwe Wilhelmine Reuter. geb. Zorn, von dem auf einem Zweirade sich übermäßig schnell fort- bewegenden 16 jährigen Arbeiter Paul Schöning überfahren und am Hinterkops erheblich verletzt. Sie erhielt ans der Unsallstation 4 einen Verband.— Beim Spielen lief nachmittags vor dem Hause Kochstr. 53 die vierjährige Tochter des Jnstrumentenmachers Machalet gegen einen Omnibus, gerieth unter die Räder und erlitt leichte Verletzungen. Im Zirkus Renz findet am Donnerstag, den 15. d. M., eine grobe Galavorstellung mit besonders gewähltem Programm statt, in welcher sich Herr Renz mit seiner tresslichen Künstlerschaar vom Berliner Pnblilum ver- abschieden wird, um nach Leipzig iiberzusiedelir. Im Alexaudcrplatz-Theater wird jetzt die Skandalgeschichte der Prinzessiii Ehimay dramatisch vermöbelt. Der„urkomische" Bendix spielt auf seine alten Tage den lebensstarken Zigeuner Riga und Henny Schmidt muß von der Loge ans aus die Bühne stürzen, um den„Urkomischen" zn umarnien. Zuletzt löst sich das rüde Machwerk in einen Kankan auf. Uns soll nicht wundern, wenn die Direktion des Alexanderplatz-Theaters nächstens aus die Geschmack- losigkeit verfällt, den Prozeß Koschemann zu dramatisiren. Ans de» Nachbarorten. Unser Parteigenosse Zietzcrau-Rixdorf tritt heute die Strafe von 2 Monaten Gesängniß an, die ihm zudiklirt worden ist, weil er es gewagt hatte, als Gemeindevertreter in öffentlicher Gemeinderaths- Sitzung die bekannten Vorgänge mit allzu scharfen Worten zu schildern, deren Helden versdliedcne Angehörige des in »nsereni Vororte stationirten Gendarmeriekorps sind. Wir wünsche» unserem Genossen, daß er diese Strafe ohne allzu große Schädigung an seiner Gesundheit überstehen möge, und daß er noch lange berufen sei, im Interesse unserer Partei seine Pflid>t zu thini. Retzerau ist bekanntlich auch Vertrauensmann von Rix« dorf. Als solcher verlritt ihn während der zweimonatlichen Haft unser Genosse Wilhelm Sy, Tischler, Bergstr. 16, Hof 2 Tr., Rix- dorf. Alle Sendungen und BesteUungen, welche den Vertrauens- ma» betreffen, sind vorab an diese Adresse zu richten. Köpenick. Am Sonntag unternimmt der Arbeiter-Gesnngverein Morgen- roth eine Frlihpartie nach Berlin zunr Genossen Zubcil, Lindenstr. 196. Ge- nossen, welche gewillt sind, sich daran zu beiheiligen, sind willkommen. Treffpunkt früh 5 Uhr beim Genossen A. Schulz, Schönerlinderstraße. Auch die Schönrbrrger Barbiere und Friseure wollen den Preis sür Barbieren ans 15 Pf. und für Haarschueiden ans 40 Pf. erhöhe». Ei» bedauerlicher Unglücksfall seltsamer Art ereignete sich Sonntag Mittag im Grunewald hinter Westend. Eine Gruppe von Personen, unter denen sich auch der zweiundzwaiizigjährige, aus Krücken gehende Arbeiter Ricnier, am Verlorenen Weg wohnhaft, befand, passirte in der ersten Mitlagsstunde die Wruiiewaldchanssce in der Richtung nach Pichelswerder. Plötzlich brach die rechte Krücke. auf welche sich Riemer stiitzle, ailseiiiander und der junge Mann stürzte zu Boden. Er fiel so unglücklich, daß er einen komplizirteu Bruch des rechte» Unterarms erlitt und nach einem Berliner Kranken- Hause überführt werde» mußte. Kraiikcnrasse»- Patriotismus i«l Kreise Teltoiv. Der Vorstand der Freien Vereinigung der Ortskrankenkassen im Kreise Teltow hat anläßlich der Zentenarseier an den Kaiser eine kunstvoll gearbeitete Adresse gesandt, in welcher dem Kaiser„für die Fortführung des großen segensreichen Werkes der A r b e i t e r- V e r s i ch e r u n g, zu dem der hochselige Kaiser aus eigener hochherziger Entschließung durch die allerhöchste Botschaft vom 17. November 1881 den Grundstein gelegt", der ehrerbietigste Dank der genannten Ortskraukenkassen aus« gesprochen wird." Beim Wäschcspülen ertrunken ist am Sonnabend die an Krämpseii leidende Ehefrau des Tischlermeisters Engel in Köpenick. Man fand die Unglückliche an dem nach dem sogen.„Frauentag" führenden Wassersteg ihres aus dem Kietz gelegenen Wohnhanses mit de», Kopf in dem kaum zwei Fuß tiefen Waffer, während die Fuß» »och auf dem Steg lagen._______ Soziale Rechtspflege. Irrsinn als Folge«ines Bctricbsnnfalles. Der Posthalter lind ehemalige Lnndwirth Kayser verstarb am 21. Okiober 1895 in einer Irrenanstalt un Erschöpfung infolge chronischer Entzündung des Gehirns u»d scinec Häute. Seine Wiltwe führte die tödtticke Erkraiikung auf einen Unfall zurück, den Kayser im Jahre 1899 a»f seineiu damaligen Gute beim Dreschen erlitte» hatte, und machte dcSbalb bei der landn'irthfchastlichen BerufSgenofsenschaft Ne»te»- ansprüche geltend. Sie wurde indessen abgewiesen. Tie Bernfsgenossen- fchaft war der Meinung, daß zwischen jenem Unfall nnd dem Gehirnleiden ein ursächlicher Zusammenhang nicht bestehe und daß im übrigen die gesetzliche zweijährige Frist, in der Ansprüche ans Unfallrenten erhoben werden müssen, längst verstrichen sei. Gegen diesen Bescheid ergriff Frau Kays« das zulässige Rechtsmittel und erzielte auch beim Schiedsgericht ein günstiges Erkenntniß, worauf die Bernfsgenossen- schast Rekurs einlegte. Aus dem Material, was dem Reichs- V e r s i ch e r u n g S a m t vorlag, ist folgendes herauszugreifen. Als Kayser im Herbst 1890 auf seinem Gute das Dreschen überwachte, wurde er von der Maschine erfaßt und mehrere Male mit dem Kopfe re» den steinigen Boden geschleudert. An den Folge» des Unfalles wurde dann drei Monate lang behandelt. Alle Erscheinungen sprachen für eine Gehirnerschütternng. Schließlich konnte er feine landwirth- schaftliche Thätigkeit wieder aufnehme». Nach den Angaben der Frau klagte er von da ab öfter über Kopsschmerzen, die ihn vorher nie belästigt hätten; auch will die Frau Kayser von nun an bei ihrem Manne eine gewisse Geistesschwäche bemerkt haben. Nach etwa einem Jahre mußte K. sein verschuldetes Gut unter Verlust des darin enthaltenen Vermögens von etwa 45 000 M. aufgeben. Er wurde auf verschiedene Empfehlungen nun»ach einander Hilssarbeiter in einem statistischen Bureau, Buchhalter bei einein Ziegeleibesitzer, Rentmeister und zuletzt Postagent. Er konnte jedoch, wie mehrere Aussagen und auch die Angaben seiner Frau ergeben, alle diese Stellen nicht recht ausfüllen, da seine geistige Verfassung immer schlechter wnrde. Frau Kayser will ihm sogar alle wesentlichen Arbeiten eines Postagenten abgenommen haben. Im November 1S94 mußte K. in die Irren anstall aufgenommen werden.— Der Direktor einer Provinzial-Jrrenanstall kam i» seinem Gutachten zu dem Schluß, daß doch ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Unfälle und dem Tode vorhanden sei. Die fortschreitende Entwickelung einer einzigen chronischen Nervenkrankheit ersieht er daraus, daß bald nach dem Unfälle unter dem Bilde einer Gehirnerschütterung Bewußt- losigkeit und heftige Kopfschinerzen eintraten, daß K. ein Jahr später eine große Aufgeregtheit, eine bereits fortgeschrittene Geistesschwäche und eigenthümliche Sprachstörungen zeigte und daß dann allerlei Lähmungserscheinungen der Pupillen, eine Lähmung der Harn- blase und eine Erhöhung der Schmerzempfindlichkeit folgte», bis K. in der Anstalt der Entkrästung erlag. Das Reichs- Versicherungsamt schloß sich dem Gutachten an und erklärte auch den Einwand der Verjährung für verfehlt. Die gesetzlich be- stimmte Zeit sei allerdings bei Erhebung des Anspruches abgelaufen gewesen, indessen müsse angenommen werden, daß hier einer der Ausnahmefälle des§ 64 Abs. L des landwirthschaftlicheu Unfall- versicherungs-Gesetzes vorliege. Es sei sicher eine von seinem Willen unabhängige Folge der Krankheit Kayser's gewesen, daß er seine» Zustand und dessen Zusammenhang mit dem Unfälle nicht er- kannte. Die zwangsweise Heranziehung bo» Prostitnirten zn Beitragen fiir die städtische Krankenverstchernng, wie sie von der Polizei in etiva zehn preußischen Städten geübt wird, i st g e- s e tz l i ch unzulässig. Das wurde, wenn auch in etwas ver- blümter Form, so doch mit genügender Deutlichkeit vom Chef- Präsidenten des Ober-Verwaltungsgerichts, Exzellenz P e r s i u s, namens des Gerichtshofes am 9. April in der Publikation eines Urtheils ausgesprochen. Ein Mädchen wollte von der Eilten- kontrolle befreit sein, der 1. Senat des Ober- Verwaltungsgerichts konnte aber materiell nicht entscheiden, da der Genehmigung deS Antrages f o r ni e l l e Bedenken entgegenstanden. Die Angrisfs- fristen waren versäumt worden. Dessen ungeachtet gab der Senat zu erkennen, wie er über einige der strittige» Punkte denkt. So führte Prästdent P e r s i u s betreffs der Heranziehung des Mädchens zn Versicherungsbeiträgen aus: Könnte der Senat die Berechtigung dieser Heranziehung im vorliegenden Falle nachprüfe», dann hätte er zunächst z» erwägen, ob sich die Begründung einer Krankenkasse für Prostituirte im Hin- blick auf den§ 161 des Strafgesetzbuches rechtfertigen lasse. In der Heranziehung zu Beiträgen an die Stadt liegen keine polizeilichen Motive; auch das Krankenversicherungs-Gesetz bietet kein« Hand- h a b e d a f ü r.— Für den, der die Praxis und vor allem die Terminologie des Gerichts kennt, heißt das: Die bewußte Inanspruchnahme der Prostitnirten i st ungesetzlich.— Das Gericht erklärte n. a. auch, daß stttenpolizeiliche Verfügungen solche Ver- fugungen seien, gegen die gemäß ß 127 des LandeSverivaltungs- Gesetzes daS Verwallungsstreitversahren zulässig sei. Vevsernrntsungen. Gin hänSlicher Zwist im Verband deutscher Kriegs- Veteranen hat eine Neugründung geboren unter der Bezeichung: „Bereinigung deutscher Kriegsveteranen Kaiser Wilhelm der Große." Letzter« Vereinigung hatte am Sonntag eine Versammlung von Kriegsverteranen nach den Konkordia-Sälen berufen, um Mitglieder zu werben. Bei dieser Gelegenheit wurden auch die Ursachen der Spaltung erörtert, wobei es zum theil so lebhaft herging, daß von Kameradschaftlichkeit nichts mehr zu merken war. Aus den ziemlich erregten Debatten ging hervor, daß der frühere zweite Vorsitzende des Verbandes deutscher Kriegsveteranen und mit ihni «ine Anzahl von Mitgliedern diesem Verein den Rücken gekehrt haben, weil sie mit der Geschäfts» und Kaffenstthrung des Vorstandes im höchsten Grade unzufrieden sind und dieselbe für nicht tadellos. mindestens aber für eine solche hallen, die mit dem eigentlichen Verbandszweck— Unterstützung bedürftiger Kameraden— nicht im Einklang steht. Man sprach davon, daß für eine Generalversamm- lnng des Verbandes tausende von Mark an Reisekosten, Diäten:c, verpulvert worden seien. Von 22 000 M. der Verbandseinnahmen sollen allein 17 000 M. für Agitation, Gehälter und dergleichen v«- wendet und nur 2000 M. für die Unterstützung der Veteranen übrig geblieben sein. Unter solchen Umstände» habe man nicht mehr mit- machen können. Man danke für eine Kameradschaft, die sich nur „im Saufen und Freffen bethätige". Mit den Kriegervereinen wolle man auch keine Gemeinschaft haben, weil in denselben die jungen Leute, die keinen Feldzug mitgemacht haben, dominiren und die alten Veteranen an die Wand drücken. Deshalb habe man die Nengründung vollzogen. Diese Ausführungen der Anhänger der neuen Vereinigung wurden von den Getreuen des alten Verbandes häufig durch gereizte Gegen- bemerkung unterbrochen. Im Saale bildeten sich kleinere, heftig diskutirende Gruppen, und bald nach Eröffnung der Versammlung entfernten sich die Gegner der Neugründung unter lebhaften Reichen des Unwillens. Die Zurückbleibenden konnte» nun das Sunden- register des Verbandsvorstandes ungestört weiter besprechen. Dem Verbände deutscher Kriegsveteranen, von dem behauptet wurde, daß er weder Statuten habe noch Sitzungsprotokolle abfasse, sich auch keiner geregelten Kassenführung erfreue, prophezeite man, daß er den Keim des Todes in sich trage. Eine ansterordentlichc Generalversammlnng deS Verbandes aller in der Metallindustrie beschäftigten Arbeiter tagte am Dienstag, den 6. April, in Cohn's Festsälen, um Stellung zu nehmen zur Feier des!. Mai. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde der seit letzler Generalversammlung verstorbenen Kollegen Friedrich Schulz. Fritz Schulz. Emil Neumann und Heyder in üblicher Weise gedacht. Kollege Litfin gab einen kurzen Bericht über die Feier des I. Mai im Vorjahre; hiernach haben 2139 Kollege» an diesem Tage die Arbeit ruhen lasse», von diesen hatten 1239 Kollegen beschlossen, zu feiern, welches der Organisation gemeldet worden sei. Durch die Feier deS 1. Mai kam es verschiedentlich zn Maßregelungen nnd Aussperrungen, namentlich bei de» i» Gießereien beschäftigten Arbeitern; betreffende wurde» demzufolge unterstützt. Sollten bei der diesjährigen Feier Aus- sperrungen stattfinden, würden die Kollegen ebenfalls unterstützt; aus alle Fälle ist es uolhwendig, daß überall dort, wo Zweidrittel der Kollegen vollberechtigte, organisirte Kollegen in den Betrieben vor- Händen sind, gleichviel welcher Organisation dieselben angehören. dahin gewirkt werden müßte, daß am 1. Mai nicht gearbeitet werde; auch solle man. da LohnzahlungStag ist, den Lohn nicht an diesem Tage, falls nicht schon vorher gezahlt, erhebe», sondern stehen lassen bis Montag eventuell auch länger. ES wurde serner auf die stattgefnndene Zentenarfeier hingewiesen, an welchem Tage der größte Theil der Kollegen unfreiwillig und ohne Bezahlung habe seiern müssen. An diesem Tage konnte also die Produktion ruhen ohne daß man hörte, daß diefertwegen eine Schädigung stattgefunden; mögen die Kollegen hieraus die Nutz- anwendung ziehen. Die deutschen Unternehmerverbände haben be- schloffen, einen jeden Arbeiter, welcher den 1. Mai feiert, zu entlassen; dieses dürfe aber die Kollegen nicht abhalten, trotzdem für die Arbeits- ruhe einzutreten; die Metallarbeiter müssen beweisen, daß sie sich um derartige Beschlüsse den Teufel scheeren und in weit größerer Zahl wie im Vorjahre, die Arbeit ruhen zu lassen. Eine längere Debatte fand zu diesem Punkt statt, nach Schluß derselben wurde folgende Resolution elnstimmig angenommen:„In Uebereinstimmnng mit den Beschlüssen der internationalen Arbeiter- kongresse zu Paris 1839, Brüssel 1891, Zürich>893, London 1896, feiert der Verband den 1. Mai als das Weltfest der Arbeit, ge- widmet den Klassenforderungen des Proletariats, der Verbrüderung und dem Weltfrieden. Als würdigste Feier des 1. Mai betrachten die Versammelten allgemeine Arbeitsruhe. Die heutige General- Versammlung macht es den Mitglieder» zur Pflicht, für die allgemeine Arbeitsrnhe einzutreten, und überall da, wo die Möglichkeit vor- Händen ist, die Arbeit am 1. Mai ruhe» zu lassen. Da aber die Möglich- keit, für die wirthschaftliche» Schäden einzutrete», nur in beschränktem Maße vorhanden ist, beschließt die heutige Gnieralversammlung: In allen Werkstätten, in denen �/z der dort Beschäftigten voll be- rechtigte Mitglieder der Gewerkschafts-Organisation sind, haben die dort Beschäftigten eine schriftliche Abstimmung vorzunehmen; laut unseren Grundsätze» erwarten wir, daß die Minorität sich der Majorität anschließen wird. Das Resultat dieser Abstimmung ist dem Bor- stand bis zum 25. April anzuzeigen, später eintreffende Berichte können nicht berücksichtigt werden. Für alle unter diesen Bedingungen den I. Mai durch Arbeitsruhe feiernde Mitglieder tritt der Verband mit seiner materiellen Hilfe ein. Ueber eventuelle Maßregelungen seitens der Unternehmer wie über alle weiteren Schritte faßt eine am 3. Mai stattfindende Generalversammlung Beschlüsse." Im Anschluß hieran wurden die Kollegen ersucht, in den nächsten Tagen Werkstattversammlnngen oder Besprechnngen einzuberufen. um die gewünschte Abstimmung vorzunehmen; serner wurde mit- getheilt. daß am 1. Mai Vormittag ein« Metallarbeiler-Versammlnng bei H. Martens, Friedrichslr. 236, stattfindet. Zu geschäftlichen Mittheilnngen des Vorstandes wurde von feiten des Vorsitzenden beklagt, daß die Vertrauensleute beim Umzug ikpce neue Wohnung nicht angeben, die Kollegen wurden dringend ersucht, dieses umgehend dem Arbeitsnachweis zu melde», da ver- schiedentlich Adressen zurück gekommen sind. Betreffs des Arbeitsnachweises wurde beantragt, die Bureau- stunden in demselben zu ändern, ebenso auch die ArbeitSauSgabezeit zu verlegen nnd zwar so, daß nur vormittags eine einmalige Adressenausgabe für jede Gruppe stattfindet, die Nachmittagstunden nur für geschäftliche Angelegenheiten zn benutzen sind und eine Ver- Mittelung von Arbeit nicht mehr stattfinden zu lassen. Es wurde beschlossen, den Arbeitsnachweis vormittags von 9—1 Uhr und nachmittags von 4—7 Uhr geöffnet zn halten und die Arbeits- vermittelung für Gruppe �r. Klempner, Rohrleger, Helfer, Vor- mittag 10 Uhr; für Gruppe v. Schlosser, Dreher, Schmiede, Mechaniker, Vormittag 11 Uhr; für Gruppe C. Gürtler, Drücker, Former, Hilfsarbeiter, Vormittag 12 Uhr zu erledigen. Diese Aenderung soll dem Uuternehmerthum in nächster Zeit durch Zirkular mitgetheilt werden. von diesem Zeitpunkt an tritt dieselbe erst in krast. Ferner bewilligte die Generalversammlung für bauliche Aendernngen und Renovining des Arbeitsnachweises die Summe von 500 M., auch wurde es für gut befunden, daß der Mieths- vertrag auf 5 Jahre abgeschlossen sei. Da in nächster Zeit ein neues Mitgliederverzeichniß angefertigt, die Adressen an die Unter- nehmer betreffend Arbeitsnachweis, aus dem Adreßkalend« anszu- schreiben sind, beschloß die Versammlung bis auf weiteres noch einen Hilfsarbeiter einzustellen und beauftragte hiermit den Schriftführer Skalsky.— Zum Schluß wurde bekannt gemacht, daß das diesjährige Somniersest am 10. Juli Schloß Weißensee stattfindet. Tie Stereotype«» und Galvauoplastikcr waren am Sonn- tag in den„Arminhallen" versammelt. Ei» Vortrag Timm's über„Gewerkschaftsbewegungen" wurde mit Aufnierksamkeit verfolgt und mit regem Beifall entgegengenommen. Nach lebhaft« Diskussion verpflichteten die Versammelten, durch Annahme einer entsprechenden Resolution, die Berufskollegen, sich der Organisation anzuschließen und die noch Fernstehende» hinzuzuziehen. Den Bericht über die Thätigkeit der Gewerkschafts- Kommission gab Braunschweig, und die Versammlung erklärte sich bereit, bei, ans ihre Berufsgruppe entfallenden Koftenantheil zur Erhaltung des Gewerkschaftsbureaus weiter zu übernehmen. B r a n n s ch w e i g wurde hierauf wieder als Vertreter in die Gewerkschastskommission delegirt, Sterniyky zu dessen Stellvertreter ernannt. Zum Schluß wurde aufgefordert, überall da, wo es irgend möglich, ain 1. Mai die Arbeit ruhen zu lasse». In der Versa», mlnng der Barbiere, Friseure, Pcrrüitcu- machcr, welche gut besucht war. hielt Kollege Simso» eine» bei- fällig aufgenommenen Vortrag über:„Die geplante Preiserhöhung." Die sich an den Bortrag schließende Diskussion war eine äußerst an- regende. Alle Redner vertraten die Ansicht, daß die jetzige Zeit am geeignetsten sei, eine Lohnausbessernug durchzuführen. Der Vertrauensmann gab hierzu bekannt, daß im Mai an einem Tage fünf öffentliche Versammlungen stattfinden, die die zu unternehmenden Schritte berathen solle», und forderte zu lebhafter Agitation ans. Mi» tz»s»>>aU« der Acb-it-r-KUtmng« schilt». Brunnenslr. u, ist wllch?». lag« von»—« Uhr, Sonntags von«—»Uhr. unentgeltlich sür jedermann geöftuei; die Geschäfts stelle der schule It., Brunnenstrabe die den VereinS- vorstSnden zur Berintttclung von Vortragen ivissenschastliche» Sharakter» zur Verfügung lieht, ist ebenfalls von o~» Uhr nachmittags geöffnet. Ztl d»it-r-z>>i>»-l dl>»d Berlins und Umgegend. Borfttzender illd. Neuina»», Vaseivallerftr. 3. Sine Stendern»gen im VereinSlalender sind ju richten an Friedrich aortui», Mantenftelstr.«». v. 3 Zr. Kund der geselligen Ardeitervereine Kerlin» und ztmgegend.«ll- Zuschrtften, den Bund belrefsend, sind zu richten an H. B e n d t r.«lexandrtnen- strakte loo. Zirbelter- tztaucherbund Kerlin» nnd Umgegend. Aenderungen im VeretnSfaiender find zu richte» an Hermann Braunschivetg. Dresdener. straße 80, a. Hof, 4 Tr. Zentrolrerein der KIldhauer. Heule abend 81 Uhr, Annenftr. 1«: General- verfammlung. Beschluß über die wettere freie Zustellung der Btlbhauer Zeitung. Briefkasten der Redaktion. Weltuntergangs-Rnsagei'. Erzählen Sie Ihre Dummheiten der Frau Blaschke. H. 43. Haben wir schon anderswo gelesen. Charlottenburg H. Zahlen Sie lediglich daS. was Sie für angemeffen erachten. Der Zahnarzt inügte dann klagen. Ueber die Höh« seiner Rechnung würde der gerichtliche Sachverständige ein Gutachten abzugeben haben.— G. K. 1874. Bis zum vollendeten 21. Lebensjahr.— M. Z.«4. Nachträgliches Marlenkleben wäre zulässig. Die Anzahl der zur Erlangung der Altersrente erforderlichen Marken hängt vom Alter deS betreffenden ab. Die Wartezeit beträgt an sich 1410 Wochen. Sie ver- ringert sich— f a l l s der betreffende für die Jahre 1888, 1889 und 1890 mindestens 141 Wochen als solche nachgewiesen hat, in denen er hätte kleben inüffen, wenn damals das Slebegefey schon gegolten hätte— für die vor dem 1. Januar ISäl Geborenen um so viel Beitragsjahre und Wochen, als ihr Lebensalter am 1. Januar 1891 an Jahren und vollen Wochen das vollendete 40. Lebensjahr überstieg. Das Jahr ivird dabei mit 47 Wochen tn Ansatz gebracht.— I. L. Die Schwester haftet nicht; indeß besteht für den landrechtlichen Theil hierüber Streit.— Lola Monte». Der Arbeitgeber ist zur Anmeldung u. s. w. verpflichtet.— C. Siderer. New.- F. u. T. Rixdorf. Ja.- Mehr Licht. 1. Ja. 2. New. WlttcrunaSiibersicht vom 18. April 1897- Wetter-Prognose fiir Dienstag, den IZ. April I8S7. Ein wenig kühler, zeitiveis« ausklärend, vorwiegend trübe mit leichten Regensällen und mähige» nördlichen Winden. Berliner Wetterburean. Danksagung. Freunden und Bekannten, dem Personal von Spinn u. 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