Sinzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 94— 2. Jahrgans Saarbrücken, Dienstag, chn 24. April 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt frankceich und Osteueopa Seite 2 französisch- englisches Befensiolündnis Seite 2 JCongceß dec Saatleegleute Seite 3 „Zeichnet JCciegsanleihe!" Seite 4 Ja den flollluß-JCeckecn Seite 7 Polizeirevolte im Saargebiet Ultimative Forderungen an die Regierungskommisston des Völkerbundes Die Berechtigung der Alarmrufe des Präsidenten Knox erwiesen- Will das Reich einen nationalsozialistischen Aufstand an der Saar? Am Donnerstag, 19. April, sind Teile der saarländischen staatlichen Polizei im Kolping-Haus zu Saarbrücken zusammengekommen, wo sie eine Entschließung faßten, in der in ullimativerForm von der Regierungskommission die sofortige Entlassung derjenigen Polizeibeamtcn gefordert wird, die bis kurzem in reichsdeutschen Diensten gestanden haben. vor Durch diese Handlung kündigten 60 Beamte der Polizei- direktion Saarbrücken, von denen 15 der Schutzpolizei und 45 der politischen und Kriminalpolizei angehören, der Re- gierungskommission den Gehorsam. Unter den 15 Schutz- Polizisten befinden sich die drei Kommissare S ch u l e m a n.n, Schulz und Holz schuh: die politische Polizei ist ge- schlössen unter der Führung des Kriminalkommissars B e ck e r an der Aktion beteiligt, der die„schmachvollen vier- zehn Jahre" als Sozialdemokrat verlebt hat. Wir wissen zur Stunde noch nicht, welche Folgen die Auf- lehnung der 60 Polizeibcamten haben wird. Aber es er- scheint gewiß, daß dieses Ereignis von weiltragender Be- deutung ist. Wahrscheinlich ist es noch nie dagewesen, daß in einem geordneten Staatswesen Polizeibeamte es gewagt haben, faktisch ultimative Forderungen an die Regierung zu stellen. Nur aus der Revolutionsgeschichte kennt man solche Beispiele. Die Meuterei der Polizeibcamten ist offensichtlich als Be- ginn einer Revolution gedacht, welche die Reichsregterung im Saargcbict zu organisieren entschlossen ist. Ter Welt soll gerade in diesem Augenblick gezeigt werden, daß die Regierung des Völkerbundes nicht imstande ist, im Saargebiet gegen den Willen der Nazis Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten. Die 60 Revolutionäre lausen übrigens keinerlei Gefahr. Aus eigenem Entschluß hätten sie sich niemals aufgelehnt. Erst die Reichsregierung hat sie aktiviert und sie von der Gefahrlosigkeit ihrer Haltung über- zeugt. Angeblich richte sich die Empörung gegen die von der Regierungskommission im Laufe des letzten Jahres neu eingestellten Polizeibcamten, die bis zum Anbruch des „dritten Reiches" in Deutschland gedient haben. Sie sind ent- lassen worden, weil sie sich eindeutig gegen die National- sozialisten gestellt haben. Die Regierungskommission, die das Saargebiet eben- falls nach Grundsätzen verwaltet, die den nationalsoziali- stischen entgegengesetzt sind, sah in diesen Beamten aus be- «reiflichen Gründen brauchbare Kräfte für die Ausrecht- erhaltuug der Ordnung, die in erster Linie von National- sozialisten bedroht wird. Selbstverständlich betrachten diese die„Emigranten" als das hauptsächliche Hindernis, die Polizei völlig in ihre Hand zu bekommen und aus diese Weise die Regierung wehr- und machtlos zu machen. Der Haß des„dritten Reichs" gegen diese Leute entlädt sich seit Monaten in einem wüsten Berleumdungsscldzug durch Rundfunk und Presse. Der Zeitpunkt sür den Angriff auf die Regierungskom- Mission ist mit Uebcrlegung gewählt. Es gilt einer Reihe von schweren Gefechten zu begegnen, die der nationalsozia- listischen Sache an der Saar drohen. «- Die großangelegte Aktion der„deutschen Front" hat zweifellos nicht die erhofften Ergebnisse und Wirkungen gezeitigt. Bis zur Stunde sind triumphale Siegesmeldungen ausgeblieben, mit denen sonst die Hitlerpropaganda nicht sparsam ist. Wenn man sich an die Arbeitsschlachten erinnert, die unaufhörlich„siegreich" geschlagen wurden und wochen- lang die Presse beschäftigten, so kann man nur staunen über die. bescheidene Zurückhaltung der nationalsozialistischen Presse, was die Tätigkeit der„deutschen Front" angeht. Wie schlecht es um diese siebt, zeigen die unverbindlichen Presse- Meldungen, daß„dem Bernehmen nach" sehr bald die Auf- nahmelisten geschlossen würden. Dieser Zirkustrick der„un- widerruflich letzten Gelegenheit^ wäre sicherlich überflüssig, wenn die Bevölkerung wirklich hinter der„deutschen Front" stünde. Dagegen ist zu bemerken, daß die oppositionellen Kräfte gegen das„dritte Reich" sich stärker zu regen beginnen. Die größte Sorge bereitet den Nationalsozialisten die H a l- t u n g d e r K a t h o l i k e n. dte der Kulturkampf in Deutsch- lond zum offenen Widerstand treibt. Ihre schärfste Waffe wird die demnächst erscheinende große katholische Tages- zeitung sein, die der alte saarländische Katholikenführer und frühere Chefredakteur des ehemaligen Zentralorgans des Saarzentrums, der jetzt gleichgeschalteten„Saarbrücker Landes-Zeitung", Hoffmann, herausgeben wird. Eine weitere schwere Gefahr sür die Reichspolitik ist die verstärkte Tätigkeit der Freiheitsfront, die neue Propagandamethoden bereits mit Erfolg anzuwenden be- ginnt. Die K o m m u n i st e n haben sich nach längerem Schwan- ken zu einem bedingungslosen Kampf gegen Hitler-Deutsch- land entschlossen und treten für den Status quo ein. In eine Stimmung der Verzweiflung bringt die Ratio- nalsozialisteu aber die katastrophale Wirtschafts- entwicklung in Deutschland, die den Glauben der saar- ländischen Bevölkerung an die nationalsozialistische Füh- rung erschüttert. Die Währungsschwicrigkeiten. die gerade jetzt neue Tevisenverordnungen notwendig machten, und die beginnende Zwangswirtschaft erschrecken selbst alte national- sozialistische Parteigänger an der Saar. Schließlich wird auch der außenpolitische Horizont des „dritten Reiches" düsterer. Tie Aufrüstung trübt notwen- digerweise seine Beziehungen zur angelsächsischen Welt, wie bereits vor einiger Zeit die Aktionen gegen Oesterreich die italienische Freundschaft sehr abgekühlt haben. Der außen- politische Elan der ersten Zeit ist gebrochen. In Gens, wo das Schicksal des Saargebietes beschlossen wird, ist Deutsch- land in einer besonders schwierigen Stellung. Man rechnet mit dem Eintritt Rußlands in den Völkerbund, der dann einen bedeutenden Zuwachs an Macht und Ansehen ge- Winnen würde. Deutschland sähe sich dann als einzige euro- päische Großmacht von dem Genier Forum ausgeschlossen. Bei der nächsten Bölkerbundsratssitzung, die am 14. Mai stattfindet, wird der Einfluß der neuen Konstellation sicher- lich bereits spürbar werden, wenn über die Modalitäten der Saarabstimung Beschlüsse gesaßt werden. * Unter diesen Umständen kann die Reichsregiernng die Saarsrage nur durch eine direkte Aktion wirksam beein- trusscn.«te richtet daher ihre ganzen Anstrengungen auf das Ziel, das gegenwärtige Regierungssystem im Saar- gebiet zu erschüttern. Es ist ihr bereits in einem beträchtlichen Maße gelungen, die Beamtenschast, aber auch große Teile der Bevölkerung durch die Drohungen und Versprechungen unter ihren Ein- fluß zu bringen,^ Dieser Ersolg war möglich, weil weder die Regierungskömmission, noch der Völkerbundsrat die nationalsozialistische Taktik schnell genug durchschauten und ihr entsprechende Abwehrmittel entgegensetzten. Das Bei- spiel Oesterreichs zeigt, daß außerordentlich viel Energie dazu gehört, mit Parteigängern, hinter denen ein mächtiger Staat steht, fertig zu werden. Präsident Knox hat die Gefahr übrigens klar erkannt und wiederholt den Völkerbundsrat darauf aufmerksam ge- macht, daß seine Exekulivorgane unzulänglich sind, um jeder möglichen Gefahr begegnen zu können. In Genf und auch an wichtigen Stellen des Saargebietes selber, scheint man die Alarmrufe nicht ernst genug zu nehmen. Aus Mangel an Entschlußkraft gibt man das Schicksal der Saarbevölkerung in die Hand des„dritten Reiches", von dessen gutem oder bösem Willen der Friede im Völkerbundsgebiet abhängt. Man hat nicht auf den Präsidenten Knox hören wollen. Nun ist das Signal zur offenen Auflehnung gegeben. Der Nationalsozialismus will es aus einen Kamps ankam- wen lassen, wenn die Regierungskommission ihn nicht als die allein maßgebliche Macht im Saargebiet anerkennt. Da nach den bisherigen Erfahrungen und den eindeutigen internationalen Verpflichtungen mit der Kapitulation der Völkerbundsregierung nicht zu rechnen ist, ergibt sich die Frage, welches die weiteren Pläne sind. Die Frage der neueingestellten Polizeibeamten ans dem Reich soll den Hebelpunkt bilden für die restlose Gleich- schaltung der saarländischen Verwaltung. Unterwirft sich die Regierung: so ist dieses Ziel mühelos er- Gestern und heute Wohin treibt Deutschland? Denn das Land ist im Treiben, daran ist kein Zweifel. Die leßtenWochen haben es auch den Zuversichtlichsten offenbart. Zivischen den beiden Klippen der materiellen Not und des Gewissenskampfes zieht der Strom, und man hat nicht das Gefühl, daß am Ruder eine feste Hand sei. Gewaltige Arbeiten sind in Deutschland begonnen worden, und die Regierenden rühmen sich, daß sie Millionen von Feiernden mit Straßenbau und Erntehilfe wieder in die Arbeit bringen würden. Gleichzeitig sperrt das Land die Rohstoffeinfuhr, und es sieht so aus, als ob ganze Industrien demnächst erliegen würden. Die Mark wird hochgehalten mit derselben Verzweiflung, mit der der Kommandant eines untergehenden Kriegsschiffes die Fahne an den Mast nageln läßt. Zugleich wird eine Pumpivirtschaft betrieben, die auf irgendeine Art mit Geldfälschungen enden muß; Anleihen werden bei dem hartherzigsten aller Gläubiger, nämlich der Zukunft gemacht, und auf den Tisch kommt vorgegessen Brot. Ist in diesem irrsinnigen Experimentieren noch ein Plan erkennbar? Es könnte ja sein, daß dies alles zwar von Sekunde zu Sekunde schwankt und zittert wie die Magnetnadel, die doch zuleßt immer nach Norden weist. Es sieht aber nicht so aus. Nachdem die deutsche Politik ein volles Jahr lang nichts anderes tat, als Deutschland militärisch und wirtschaftlich aufzurüsten wie eine Festung, halten seine Führer jeßt Reden über die Notwendigkeit der Weltwirtschaft und V erdammenswürdigkeit eine Handelspolitik, die das Land vom Weltmarkt absperren würde. Im gleichen Augenblick aber sperrt es sich tatsächlich ab, kauft nichts mehr vom Ausland und verliert damit wahrscheinlich die legten Kunden, die ihm selbst noch etwas abkaufen. Wohin treibt das? Wahrscheinlich in eine Art Kriegskommunismus, in der theoretisch alle gleichmäßig arm sind und einige wenige sich wahnsinnig bereichern werden. Auf dem deutschen Lande haben wir diese Kriegswirtschaft bereits; der Bauer muß„abliefern" wie 1917. Die Stimmung des Bauern ist daher so, daß keine deutsche Zeitung mehr etwas darüber zu drucken wagt. Wenn man nun fragt, was sich bei alledem die Verantwortlichen denken, so muß man schon vorher fragen: Wer ist in Deutschland heute eigentlich verantwortlich? Wer will es noch sein? Auf ihre Disziplin sind sie drüben bekanntlich stolz. Disziplin bedeutet, daß jeder tut, was ihm befohlen wird. Die letjte Quelle aller Befehle ist schließlich nur einer, der Oberste, der Führer. Nur er ist verantwortlich; die andren brauchen nur zu gehorchen und können immer sagen, daß sie nicht schuld seien. Der Jugendführer Baidur von Schirach hat dieser Tage erklärt, die Idee des heutigen Deutschland sei die Idee der ewigen Jugend. Das war ein ahnungsvolles Wort. Jugend ist etwas sehr Gutes zu ihrer Zeit, aber ewige Jugend ist nur bei Göttern nicht lächerlich. In Deutschland kann man graubärtige Männer im Braunhemd und mit der Aktenmappe unterm Arm herumlaufen sehen, und man hat das Gefühl, daß dies Baidur von Schirachs ewige Jugend sei. Diese Jugend will mit Gewalt nicht älter und nicht reifer werden. Sie will auch mit grauem Bart keine Verantwortung tragen — das ist das Geheimnis ihrer Ewigkeit. Deutschland treibt in einen Zustand, in dem jeder das Elend mittragen muß und keiner die Schuld mittragen will. Argus. reicht, tut sie es nicht, was gewiß erscheint, so werden neue Aktionen folgen. Wenn die pflichtvergessene Polizeibeamten gcmaßregelt werden, will man sie zu nationalen Märtyrern machen und eine solidarische Haltung aller Beamten herbei- führen, was auf einen Generalstreik hinausliefe. Uns er- scheint es nicht schwer, diesem gefährlichen Plan durch eine energische Aktion, welche die Zustimmung der gesamten be- sonnenen Bevölkerung hätte, zu begegnen. An der Bchand- lung der 60 Rebellen wird es sich zeigen, ob die Regierung ihre Autorität aufrechterhalten kann oder nicht. Fortsetzung siehe 2. Seite Polizeirevolte im Saargebiet Fortsetzung von der L Seite. Die Aktion trüge nicht nationalsozialistischen Charakter, wenn sie nicht aus propagandistische Wirkung berechnet wäre. Die ganze Welt soll erfahren, dag die Sehnsucht nach dem „dritten Reich" nicht mehr zu bändigen ist. Eine ausgeklll- gelte Taktik bezweckt die Täuschung, dag die Saarländer den Abstimmungskampf nicht erwarten können und schon vorher Bürger des„dritten Reiches" werden möchten. Vermutlich ist das die neue Methode, der demokratischen Entscheidung aus dem Wege zu gehen, nachdem die diplomatischen Ber- suche in dieser Richtung sehlgeschlagen sind. Per Arierparagrat Die Wirkung bnb. Berlin, den 21. April 1934. 3u der vom RcichSwchrminister angeordneten Durch- sührung des Arierparagrafen in der Wehrmacht sind in- zwischen die notwendigen Feststellungen getroffen worden. Insgesamt werden davon betroffen: Im Reichsheer: d Offiziere, 2 Offiziersanwärter, 1 Sanitätsofsiziers- anwärter, 81 Unteroffizier« und Mannschaften. In der Reichsmarine: 2 Offiziere, 4 Offiziersanwärter. 5 Unteroffiziere und Mannschaften. Sic scheiden bestimmungsgemäß aus der Wehrmacht aus. * Gleichzeitig aber wächst die Verstimmung in der Reichs- wehr wegen Hakenkreuzbinde und Arierparagras. Frankreich in Geni DRV. London, 28. April. Der Pariser Korrespondent der „Times" berichtet, höchstwahrscheinlich werde Frankreich in Genf anregen, daß die Mächte gemeinsame Vorstellungen bei Deutschland erheben sollten, falls genügend Unterstützung für diesen Gedanken zu gewinnen sei. Ob die französische Regierung aus Abfassung eines Abkommensentwurses drin- gen werde, der Deutschland später vorgelegt werden könnte, sei noch nicht klar. Mit Sicherheit könne aber angenommen werden, daß die französische Regierung entschlossen sei, ein Rüstungswettrcnnen um jeden Preis zu vermeiden, falls dieser Preis nicht in einem Verzicht auf unmittelbare Sicher- heit, d. h. ank die Fähigkeit Frankreichs, einen Angriff abzu- wehren bestehe. Französisch- englisches Delenslvbündnis London, 28. April. Der italienische Staatssekretär D u v i ch ist hier eingetroffen und hat heute die Besprechungen über die Abrnstungsfrage mit der britischen Regierung auf- genommen. Die öffentliche Meinung schwankt zwischen den wachsenden Sorgen nm die britische Sicherhett in der Luft und der noch immer lebende» Hoffnung, daß eine weitere Aufrüstung vermieden iverben könne. In den Konferenzen mit Suvich wird die Frage erörtert werden, in welchem Ber- hältnis die Rüstungen Frankreichs und Englands während der Dauer des RüstuugsabFvmmeuS Meinender stehen Wu. n und welche Sicherheiten Frankreich gegeben werden könien. Der Gedanke eines Defensivbündnisses mit Frankreich, zu dem sich auch das große Sonntagsblatt„Observer" in seiner heutigen Ausgabe bekennt, wird lebhaft erörtert. Man ver- weist darauf, daß die aggressive Politik Japans im F:enen Osten einen engeren Zusammenschluß Europas notwendig machen werde. Im groben und ganzen sind aber die Hoff- nungen auf einen befriedigenden Verlauf der Besprechungen mit Suvich sehr gering. Franhreldi and Ost europa Bartheus Hission Japan droht Seine Stellung gegen die ganze übrige Welt Washington, 23. April. Der japanische Botschafter Saito hat einem Vertreter des„Washington Star" zum Fernost- Problem u. a. erklärt, daß Japan ein Einspruchsrecht^gcltend mache, falls China Verhandlungen mit dritten Staaten führe. Japan werde jedes Abkommen, das eine dritte Macht mit China gegen Japans Einspruch tätige, als unsreunb- liche Handlung betrachten, was nach diplomatischem Sprach- gebrauch den Abbruch der Beziehungen bedeute. Neue Unruhen in Spanien Straßenkämpfe und Generalstreik in Madrid Madrid, den 22. April 1984. Tie Geiverkschaftsverbändc der Sozialisten haben in der Rächt vom TamStag auf Sonntag in Madrid einen 24,tun. digen Generalstreik proklamiert. Weder die Regierung, noch die Polizei war darauf vorbereitet, so daß dieser Schlag völlia unvermutet und überraschend kam. Innerhalb einer halben Stunde war der gesamte Kraftdroschken-, Straßen- bahn- und Autobusverkehr eingestellt.. Der Streik ist von den Sozialisten als Protestaktion gegen die Regierung und gegen die am heutigen«onntag im Escorial stattfindende Versammln»«, der Reaktion gedacht. Cases und Restaurants und sämtliche Theater und Kinos mußten ebenfalls schließen. Trvtz dieser Lage in der Hauptstadt erklart der Innen- minister. Herr der Lage zu sein. Paris, 28. April. In Madrid kam es am Sonntag zu ernsteren Zwischenfällen im Anschluß an den Ausmarsch der katholischen Jugend, die gegen die revolutionären Umtriebe demonstrieren wollte. Sofort wurde» Gcgenkundgebunacn von extremistischer Seite ins Werk gesetzt. An der Puerta del Tol gab die Polizei einige Warnungsschüssc ab, um die Kundgeber zu vertreiben. Doch diese eröffneten das Feuer auf die Hüter der Ordnung. Die Folge war eine allgemeine Schießerei, bei der viele Personen verletzt wurden und eine den Tod fand. Unter den Verletzten befindet sich ein junger englischer Student. Gegen verschiedene Kirchen und Klöster von Madrid wurden Bomben geschleudert, die jedoch keinen größeren Schaden anrichteten. Auch aus Katalonien werden Zwischenfälle gemeldet. In Sabadell drangen 800 mit Re- volvern bewaffnete Personen in die Geschästsräume der katalanischen Liga ein und zertrümmerten alles, was ihnen unter die Finger kam. In Rcus drang eine Gruppe von Kundgebern in ein Theater, in dem ei» religiöses Stück auf- geführt wurde. Die Zuschauer wurden mit Stockhieben bearbeitet. so bah die Vorstellung abgebrochen werden mußte. In Barcelona haben junge Burschen Anhänger der christ- lichen Jugend, die von einem Bankett kamen, mit Steinen beworfen. Zwei Verhaftungen sind vorgenommen worden. Uarflion„in Berlin" DRB. Paris, 28, April. Ueber die Durchreise des fran- zösischen Außenministers Barthou durch Berlin schreibt der Tonderberichterstatter des„Petit Journal" aus Warschau: Auf dem Bahnhof Zoo stieg der französische Botschafter Francois Poncet in den Zug und begleitete Barthou bis Frankfurt a. d. Oder. Aus dem Schleichen Bahnhof be- grüßte Gesandter Gras Bassewitz, der Che,' des Protokolls, den französischen Minister und unterhielt sich während des 10 Minuten dauernden Aufenhalts mit ihm. iierzlidie ßedeu In Warschau Warschau, 23. April. Der polnische Außenminister Beck gab zu Ehren des französischen Außenministers Barthou ein Essen, an dem u. a. der Staatssekretär des Auswärtigen, Szombck, ber französische Botschafter in Warschau, Laroche, ber Finanzminister Zawadzki und die Präsidenten der aus- wältigen Ausschüsse der beide» Kammern teilnahmen. Außenminister Beck erklärte in seiner Begrüßungsansprache u. a., daß die polntsch-sranzgsischen Abkommen eins der stärksten und dauerhaftesten Elemente der internativnalen Politik seien: denn sie hätten lediglich den Zweck, den Frieden zu organisieren und zu festigen. Tief von der nnveränder» lichen Dauer des Bündnisses unserer Länder überzeugt, erhebe ich mein Glas zu Ehren des Präsidenten der fran- zösischen Republik, zu Ehren unseres GasteS und zu Ehren des Wohlergehens der befreundeten großen Nation. In seiner Erwiderungsrcde erklärte B a r t h o» u. a., daß er stolz sei, ganz Frankreich vertreten zu dürfen, das die Treue wohl zu schätzen wisse. Diejenigen, die bestrebt sind, Schwierigkeiten, die im Leben der Völker unvermeidbar sind, auszunutzen, wissen nicht, was zwei Willen vermöge», die im selben Ideal verwurzelt sind und sich zur Erreichung des- selben Zieles fest»erknüpft haben. Frankreich und Polen wollen niemanden angreifen oder bedrohen: sie achten jedes Recht. Inmitten all der europäischen Probleme stellt die fran- zösisch-polnische Freundschaft einen Faktor des Friedens, der Ordnung, der Sicherheit und der Stabilität dar. Frankreich ist erfreut darüber, daß eS durch nichts von diesem Lande getrennt wird. Die allgemeine Sicherheit ist die unerläßliche Bedingung für eine Herabsetzung der Rüstungen. Obwohl vom wirtschaftlichen Standpunkt aus betrachtet die Interessen Frankreichs und Polens mitunter im Gegensatz zueinander stehen könnten, so bemühen sich die beiden Länder, in gleicher loyaler Weise ihre Interessen wieder einander zu nähern. * Paris, 28. April. A. Sch. Die Reise deS französischen Außenministers nach Warschau und Prag zeigt, daß Frankreich an die Aktivierung seiner Ostpolitik herangeht. Sic unterstreicht, daß Frankreich keine westeuropäische Macht wie England ist, sondern eine k o n ti n en t a l europäische Macht. Frankreichs Lebens- interessen sind mit den Ereignissen an der Donau und an der Weichsel verbunden, wie keine andere europäische Großmacht, weder Italien noch Deutschland, ist es im europäischen Osten engagiert. Hier liegt das Schwergewicht seines Bündnis- systemS. Frankreich kann sich hinter dem Rhein gar nicht zurückziehen, weil seine Verbündeten ostwärts von dem Inn und von ber Oder liegen. Die Aktivierung der Ostpolitik bedeutet fltr Frankreich nichts anderes. alS die Wiederaus» richtung seiner Bündnispolitik und die Vereinheitlichung der Politik seiner Verbündeten. Vor den schweren Ent- scheidungen, vor allem in der RüstungSkrage und im Kampf um Mitteleuropa, will Frankreich sein Bündnissystem enger zusammenschließen und seine Verbündeten auf eine einheit- liche Linie ber europäischen Politik bringen. Es kann in Europa keine Kirchturmpolitik, keine beschränkte regionale Politik mehr geben. Frankreichs Verbündete find eben durch ihre Verbindungen mit der großen kontinentalen Macht an sämtlichen euro- päischen Entscheidungen beteiligt, auch an solchen, die sie nicht unmittelbar territorial berühren. So wird Barthou über die österreichische Frage auch in Warschan, über die Haltung gegenüber der Sowjetunion auch in Prag ver- handeln. Die Verhandlungen in Prag werden einfacher und leichter zu führen sein. Im französischen Bündnissystem ist die Tschechoslowakei eine ständige Größe, mit fester unabänderlicher Tendenz. Durch das Bündnis mit der Tschecho- slowakci ist Frankreich gleichzeitig mit Mitteleuropa und dem Tonauraum verbunden, als führendes nach dem Westen vor- geschobenes Glied der Kleinen Entente ist die Tschecho- slowakei gleichzeitig Einfallstor nach dem Mitteleuropa und Brückenkopf nach der Donau. Zwischen Frankreich und der Tschechoslowakei gibt eS keine Streitigkeiten und selbst keine ungelöste Probleme. Für beide Länder gibt es nur gemein- same Aufgaben. In der österreichischen Frage vertritt die Tschechoslowakei durch ihren Standpunkt auch die fran- zösischen Interessen am besten: weder Anschluß, noch HabS- bürg, noch die italienische Lösung der österreichischen Frage. In der Stellungnahme zum„dritten Reich" bleibt die Tschechoslowakei fest und wird ank keinen Köder hereinfallen. Hier bleibt das französische Bündnissystem gesichert. Biel komplizierter ist die Stellung Polens. Einheitlich und unzweideutig ist heute der Standpunkt Polens nur in der russischen Frage, wo es konsorm mit Frankreich vorgeht. Sonst muß Barthou i» Warschau um die feste Einreihung Polen» in das einheitliche Bündnissystem noch schwer kämpsen. ES genügt für Frankreich nicht, daß Polen mit ihm zu- sammengeht, Frankreichs Ziele werden erst erreicht werden, wenn Polen auch mit seinen Verbündeten zusammen austritt. Frankreich ivill im Osten gegen die Angriffs- und Ausdcbnuugsabsichtcn des Hitlcr-DeucschlandS eine» Groß- block aufrichten, der von Moskau über Warschau mindestens bis nach Prag gehen soll. Hier zeigen sich die Gefahren der jüngste» Wendung ber polnischen Politik. Denn Polen hat nicht nnr eine zweideutige Stellung zum„dritten Reich" ein- genommen, sondern auch seine Beziehungen zu den beiden Flanken t>cr großen osteuropäischen Front, mit der Frank- reich zusammenarbeitet und in deren Mitte Polen steht, mit der Tschechoslowakei und der Sowjetunion, sind gespannt ge- worden. Die Wiederherstellung dieser Front ist heute die entscheidende Ausgabe der französischen Politik. Barthou tritt als Vermittler zwischen Warschau einerseits, Prag und Mos- kau andererseits. Das Gewicht der sowjetrusstlchen Frage darf bei den Ber» Handlongen Barthous keinesfalls unterschätzt werden. Denn die positive osteuropäische Politik Frankreichs findet ihre Grenze nicht an den Pfählen, die Polen von der Sowjetunion trennen, in diese Politik wird auch die Sowjetunion immer fester einbezogen. Die weitgehende russisch-französische Verständigung Ist bis- her eine Parole und eine Tat der französischen Linken ge- wesen. Barthou ist kein Mann der Linken, er gehört zum gemäßigten Zentrum. Aber dle russisch-sranzöstiche An- Näherung ist auch unter seiner Leitung weiter fortgeschritten und unter setner Obhut ist die Borbereitung des Eintritts der Sowjetunion tn den Völkerbund in das entscheidende Stadium eingetreten. Die prosowjetrussische Orientierung gehört von setzt an zum besten Bestand, zur Kontinuität ber flonzösischen Außenpolitik, daran wird keine innenpolitische Schwenkung was ändern können. Dagegen ist eS kein Ge- hcimniS— nur die Sowjetpresse verschweigt das— daß die russisch-polnischen Beziehungen nach dem Abschluß deö deutsch-polnischen Paktes unter dem Einfluß Berlins und durch die plötzlich veränderte Haltung Polen» stark ab- gekühlt sind. Polen hat eS abgelehnt, den gemeinsamen Pakt mit der Sowjetunion zu unterschreiben, um die Baltischen Staaten gegen die Angritsspläne des Hitler-Deutschlanb zu sichern: es hat seine Zustimmung zum russischen Borschlag de» Paktes der gemeinsamen Unterstützung gegen den Angreifer (wiederum Deutschland gemeint» nicht gegeben? es äußert seinen Unwillen gegenüber dem bevorstehenden Eintritt ber Sowjetunion in den Völkerbund. Polen kann zum Binde- glied zwischen Frankreich und der Sowjetunion werden: das will Frankreich. Oder kann eS zu einem Bindeglied zwischen Deutschland und Japan und zu einem Ausmarschplatz gegen die Sowjetunion werden: das will Deutschland. Polen schwankt heute zwischen zwei Entscheidungen. Die Mission BarthouS wird Klarheit schassen müssen, ob die West-Ost-Richtung PariS—Prag—Warschau—Moskau gegen die Jntrigucn und die Kncgspläne des„dritten Reiches" möglich ist. Doumergne und Soildi nie ilalienlsdienailsdien Rellun&versudie für die ADrüslonäshoniereiiz DRB. Paris, 28. April. In ber Unterredung, die der italienische Unterstaatsjekretär Suvich am Sonntag mit Ministerpräsident Toumergue hatte, ist— wie die Presse au- nimmt— der Wunsch Italiens, die Rüstungsbesprechungen auf der Grundlage des italienischen Vor- s ch l a g s einer Rüstungsbeschränkung fortzusetzen, erörtert worden. Daß diese Anregung der nationalen Verteidigung Frankreichs weniger Abbruch tun würde, als der englische Abrüstungsvorschlag, gibt man hier zu, erklärt aber im gleichen Atemzuge, daß auch sie zu einer Legalisierung der unerlaubten deutschen Ausrüstung führen würde, mit der Frankreich sich unmöglich einverstanden erklären könne. Die Lösung des heiklen Problems wird, so schreibt„Excelsior", in starkem Maße von den SicherhettSgarantien abhängen, die England und Italien im Falle eines Angriffs bieten. Daß diese Garantien in der einen oder anderen Form auf ein DefcusivbündniS hinauslaufen müssen, betont „Le Jour". Man versichert, schreibt da» Blatt, baß Mussolini bereit sei, aus diesem Wege sehr weit zu gehen. Sache Suvichs wird es sein, die Engländer davon zu überzeugen. Der offiziöse„Petit Parisien" glaubt mitteilen zu können, daß Ministerpräsident Doumergue Suvich den formellen endgültigen Beschluß Frankreichs bestätigt habe, nicht nur nicht die Verletzungen der Versaillcr Militärklauseln durch Deutschland zu legglisieren und die Heraussetzung des deutschen Militärhaushaltes um 2'/, Milliarden gutzuheißen, sondern angesichts einer die Lage völlig verändernden Auf- rüstung, deren Umfang übrigens niemand kenne, die fran- zösischen Verteidigungsmittel auch nicht im geringsten zu schwächen. Was die Verschiebung der Verhandlungen von der Grundlage der RüstungSherabsetzung auf die der Rüstungsbeschränkung anlange, dürste der Ministerpräsident Suvich davon unterrichtet haben, daß Frankreich tn einer Aussprache hierüber erst eintreten könne, wenn der allein zuständige Hauptausschuß ber Ab, rüstungokonfcrenz sich für diese Veränderung der Grund- läge einer ewaigen Konvention ausgelprochen habe. Endlich habe Doumergue daraus hingewiesen, baß durch dies« Aenderung die Frage der Durchführung«- und Sicherheitsgarantien unberührt bleiben würde, in der weder die Regie- rung, noch das Parlament, noch die öffentliche Meinung Frankreichs mit sich handeln lassen könnte. In Mailand wurde am SamStag von Handelsminister Lamoureux«nd dem italienischen Staatssekretär Asquini ein Wirtschaftsabkommen unterzeichnet. Frank» reich gewährt Italien gewisse Erleichterungen in der Kon» tiugeniiernng für«äse, Früchte«nd bestimmte industriell« Erzeugnisse, Frankreich erhält dafür«nsindrerleichternnge« für Kols.^— Deutsche front" »» Für Frontsoldaten Anmeldung und Schießen Pflicht Uns liegt folgender„Befehl" aus Burbach bei Saar- brücken vor: Bund der Frontsoldaten Burbach, den 80. 8. 1984. Ortsgruppe Burbach Ortsgruppenbefehl! Die Kameraden, die noch nicht Mitglied der Deutschen Front sind, haben sich sofort bei ihrem Ortsgruppenkamerad- schaftssührer anzumelden. Ich habe Veranlagung, daraus hinzuweisen, daß der Be- such der Kameradschaftsabende Pflicht ist. Ebenso müssen die Kameraden unter 35 Jahren die Sport- und Schießabende regelmäßig besuchen. Der Ortsgruppenappell findet am 10. April, abends 8 Uftr, im Saale Busch, Wilhelmstraße, der K r e i s- a p p e l l am 17. April, abends 8 Uhr, in der Wartburg, Saarbrücken, statt. Erscheinen ist Pflicht! An O. K. F. Bolz Front-Heil Hitler! Kameradschaft I. Eicher Ortsgr.-Führer. Georg Bernhard Der Fall Severing und das„Pariser Tageblatt" Aus Prag wird uns geschrieben: Nachdem der Ursprung der Verleumdung gegen Severing einwandfrei festgestellt ist, bleibt noch übrig, das Verhalten espes Emigrantcnblattes zu beleuchten. Es handelt sich um das„Pariser Tageblatt", als desien Ehesredakteur Georg Bernhard zeichnet. Dieses Blatt hat am 1. April eine an- geblichc Havasmeldung über Severings Weg zu Hitler ver- öfsentlicht. In den beiden folgenden Nummern vom 3. und 4. April gab es zwar die Dementis der skandinavischen Presse aus Grund der Erklärungen von Ludwig Severing wieder, hielt aber trotzdem an seiner Behauptung fest. Das Dementi bedeute nur, so schrieb das Blatt, sein Vater sei„noch nicht offizielles Parteimitglied der NSDAP, geworden". Nie- wand wird wohl mehr daran zweifeln, daß Severing endgültig seinen Weg zu Hitler gefunden hat. wurde außer- dem hinzugefügt. Erst als es am 5. April gezwungen war, die inzwischen von der französischen Preffe veröffentlichte Er- klärung von Severing selbst wiederzugeben, gab es— aber nicht offen und ehrlich sondern nur verklausuliert— zu, Severings Dementi sei wohl richtig. Das hinderte das Blatt aber nicht, am 7. April zwei Aeußerungen der Londoner „Times" und der„Neuen Züricher Zeitung", die inzwischen überholt waren, abzudrucken, in denen die Vorwürfe gegen Severing erneut als wahr behandelt wurden. Diese Haltung änderte es auch nicht, als die„Deutsche Frei- beit" am 7 April jene Mitteilung veröffentlichte, durch die das kommunistische Blatt„Deutsche Volkszeitung" in Saar- brücken als bübische Verleumder und Urheber einer bübischen Fälschung gegen Severing entlart wurde. Alle anständigen Blätter, darunter viele, die die Verleumdung gegen Severing überhaupt nicht gebracht hatten, nahmen von dieser Erklä- rung Kenntnis. Anders das„Pariser Tageblatt". Bis zum 10. April brachte es darüber keine Zeile. Wir halten das für»m so erstaulicher, als wir uns schwer vorstellen können, daß Gorg Bernhard, langjähriger Präsident des Reichsver- bandes Deutscher Presse, seine Auffassungen über die Pflichten eines gewissenhaften Journalisten so entscheidend geändert haben sollte. Liest man allerdings die Briefkasten- notiz des„Pariser Tageblattes" vom 9. April, gerichtet gegen die„Baseler Nationalzeitung" dann kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, als wenn das„Pariser Tageblatt" es für etwas Schimpfliches hielte, einen Irrtum einzugestehen. Diese Brieskastennotiz sucht sogar den Eindruck zu erwecken, als ob doch etwas Wahres an der Behauptung wäre. Seve- ring befände sich aus dem„Weg zu Hitler". Wir begnügen uns mit der Gegenfrage: Auf welchem Weg befindet sich Georg Bernhard? Die deutschen Emigranten Verlängert oder nicht? Man schreibt uns aus Straßburg: Das ist die Frage, die man jetzt beinahe aus dem Munde eines jeden Deutschen vernehmen kann, der von Hitlerland in die Verbannung getrieben wurde. Aui Grund eines allge- meinen Erlasses wurden die Behörden angewiesen, die Aus- enthaltsgenehmigung für politische Flüchtlinge bis 80. September 1934 zu verlängern. Aber nicht alle Emi- granten gelangen in den Genuß dieser Verlängerung. Bei vielen ist die Frist abgelaufen, während der sie sich hier auf- halten durften. Sie müssen das Grenzgebiet verlassen. To hart für den einzelnen diese Entscheidung auch sein mag. generell läßt sich dagegen kaum eine Einwendung machen. Die Gründe, die bei der Festsetzung des zugelassenen Pro- zentsatzes der Ausländer im allgemeinen und der Deutschen im besonderen den Behörden als Richtschnur dienen, sind immerhin so gewichtig, daß sie auch dann respektiert werden müssen, wenn eine gewisse Härte sich nicht vermeiden läßt. Der Umstand, daß in diesen Wochen schon viele Flüchtlinge das Grenzgebiet verlassen haben und noch verlassen werden, zwingt alle verantwortlichen Stellen aber nach beinahe end- losen Besprechungen und Studienreisen einmal brauchbare Vorschläge darüber zu machen, wie die Seßhaft- machung der deutschen Emigranten erreicht wer- den kann. Unnütz zu sagen, daß es sich hier nicht um jene Leute handeln darf, die etwas Vermögen retten konnten, sondern in allererster Linie um die vielen Menschen, die ohne jede Eristenzmittel in die Verbannung gingen. Für jene gilt es Arbeit zu schaffen, jener sollte sich die Fürsorge des Flüchtlingskommissars in erster Linie annehmen Die Regierungen einzelner Länder sind bestimmt bereit, nicht nur Asylrecht zu gewähren, sondern auch in gewissen Gren- zen die Arbeitserlaubnis zu erteilen. Zuchthaus Ihr Walllsdis fron Wie», den 22. April. 1934. Tic Witwe de? großen Sozialistenführers in Bruck a. d. Mur in Steiermark. Koloman Wallisch, der nach den Unruhen vom 12. Februar gehenkt worden ist. stand am Samstag wegen Hochverrats vor dem Leobener Schwur- gericht. Frau Wallisch ist an der Seite ihres Mannes ver- hastet worden. Sie erlitt damals infolge der Aufregungen einen Nervenzusammenbruch und Lähmungserscheinungen und kam humpelnd und aus einen Stock gestützt in den Ver- Handlungssaal. Sie erklärte, daß sie sich nicht schuldig fühle. Sie habe nur Zigaretten und Lebensmittel an die Schutz- bundtruppen verteilt. Man könne ihr nicht verübeln, wenn sie an der Seite ihres Mannes ausgehortr habe- Das Schwurgericht erklärte sie dennoch für schuldig und ver- urteilte sie zu einem Jahr Zuchthaus. Bekenntnis der Saarbergleate Der nationalsozialistische Parteistaat ist nidil das Hallur-Deutsdiland der deutschen Arbeiter Am vergangenen Sonntag tagte in Saarbrücken die Jahresversammlung des Verbandes der Bergbau- i n b u st r i e a r b e i t e r. 220 Zahlstellen der Bergleute waren durch Delegierte vertreten. In dieser Zeit, die von den Ab- stimmungskämpsen erfüllt ist, wurde die Jahresversammlung zu einer politischen Kundgebung von h ö ch st e r B e- d e u t u n g. Die Bergleute bilden den Kern der arbeitenden Bevölkerung des Taargebiets. Ihre Entscheidung und ihr Bekenntnis ist nicht zu überhören. Kein Zufall, daß sich der terroristische Kampf der„deutschen Front" immer wieder um die Gewinnung der Bergleute bemüht. Es war bisher ver- gebens und es wird vergebens bleiben. Die Kundgebung des Sonntags Hot erneut bewiesen, daß die im Bergbauindustrie- arbeiterverband organisierten Bergleute in ihrem Bekennt- nis zur Freiheit an der Saar nicht zu erschüttern sind. An dieser Tatsache ändert auch nichts die besondere soziale Situation der Bergleute an der Saar: daß sie sich in wirt- schaftlicher Abhängigkeit vom sranzösischen Grubenkapital be- finden, dos in der Behandlung der Bergleute sehr viele lohn- politische und psychologische Fehler gemacht hat und noch immer macht. Die Kundgebung wurde von dem Führer der Bergarbeiter Julius Schwarz eröffnet. Wir entnehmen seiner von stürmischem Beifall begrüßten Ansprache die folgenden Sätze: „Wir brauchen keine neuen Programme. Unser Programm ist und bleibt der Sozialismus. Hier im ehemaligen Lande der Stumm- und Hilger-Herrlichkeitcn ist der letzte Boden des deutschen Freiheitskampfes Als freie Kampf- inenschen tun wir Bergarbeiter hier unsere P s l i ch t." Stehend nahmen die Versammelten eine Ehrung der toten Verbandskameraden sowie der toten Freiheits- kämpfer in Hitlerdcutschland und in Oesterreich und der durch Katastrophen zu Tode gekommenen Bergarbeiter entgegen. Der Führer der lothringischen Gewerkschaften, Riem, überbrachte die Grüße seiner Organisation. Die sranzösischen Bergleute seien, so sagte er. mit dem ganzen Herzen bei den Trägern des Freiheitskampfes, der mit Bekenner- und Kampfesmut ausgesuchten werde. Dieser Freiheitskampf sei der beste Kampf für die Freiheit, Antifaschist sein ist gleichdenKapttol'smusbekämpfen.(Stürmischer Beifall.» Nachdem noch Bezirksleiter D o b i s ch die Grüße der freien Gewerkschaften des Saargebietes überbracht hatte, wurde eine Reihe von Entschließungen einstimmig angenommen, die als bedeutsame Kundgebungen in den Saarkämpfen zu werten sind. Das Jndustrieprole- tariat bildet«m Saargebiet die weitaus große Mehrheit der Bevölkerung. Seine Willenskundgebungen sind Kennzeichen der Stimmung, die die arbeitenden Massen im Freiheits- kamps der Saar gegen die Auslieferung an den Hitlerterror erfüllt. Die erste Entschließung erklärt, daß der Verband deutscher Bergbauinöustriearbeitsr sich mit einem deutschen Baterland der Freiheit. Gerechtig- keitundMenschenwürdeverbundensühle. Der nationalsozialistische Parteistoat des Terrors, der Konzen- trationslager, der Vertreibung deutscher Volksgenossen und Bernichter der Gewerkschaften sei nicht das Kulturdcutschland der deutschen Arbeiter. Darum protestiere die Generalversammlung gegen die faschistische Saarpolitik der sogenannten„deutschen Front", d.: nach Stumm-Hilger-Methoden unter Drohungen dem Verbände die Versammlungssäle abtreibe und die Mit- glieder mit Versprechungen und Drohungen zum Austritt aus dem Verbände zu bewegen versuche. Die Entschließung i"ndet sich serner gegen den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund.^Dieser Schritt sei eine schwere Schädi- gung der Saarinteressen, vor allem aber der Berg- lcute, deren Lebensschicksal mit dem gesicherten Absatz der Saarkohle verbunden sei. Am Schlüsse heißt es:„Die Delegierten der Generalversammlung lehnen es im Namen der freiorganisierten Bergarbeiter ab. ihre sozialistischen Ideale, freigewerkschaftlichen Aufgaben und Ziele durch Beitritt zur „deutsche Front" zu verleugnen. Die Generalversammlung gelobt, die sreigewerkschastlichc Arbeiterehre im Verband deutscher Bcrgbauindustriearbeiter zu verteidigen." Weitere Entschließungen fordern von der Reichsregierung die Freigabe desimSaargebiet und im Reich liegendenVerbandsvermögens, das rechtswidrig zurückgehalten werde. Es werden ferner eine Reihe von Forderungen an die französische Grubenverwal- tung und die Regierungskommission gerichtet, die sich aus die Einschränkung der Feierschichten, aus die Be- seitigung der Betriebsklagen und die Klagen innerhalb der tariflichen Abmachungen bezieht,. Auch für die Berg- arbeiterjugend werden bestimmte Fvröerüngcn aukge- stellt. Bon Wichtigkeit ist dabei die Erklärung, baß der frei- willige Arbeitsdienst und die Arbeitsdienstpflicht nrcht ge- eignet seien, die Erwerbslosigkeit der Jugend zu beheben. * In später Nachmittagsstunde wurde die Konferenz ge- schlössen. Sie war eine überzeugende Kundgebung für die Freiheit und Geschlossenheit der Freiheitsfront der Berg- leute an der Saar. Deutsche Gerichtsgreuel Cb»bu nach natlonaCsozial süschen Berichten Unter der Ueberschrift„Das Badische Sondergericht tagt" berichtet das in Mannheim erscheinende„Hakenkreuzbanner" (Nummer 165): Die Rache der Braut Ter 40 Jahre alte Emil F. aus Ettlingen, wohnhast in Karlsruhe, hatte eine Braut. Frau G. Er sollte der vierte Mann werden, nachdem lie von den dre, anderen geschieden war. Bei F. entdeckte ,ie noch vorher, daß er nicht der ge- eignete Mann für sie ist. die Verlobung wurde gelöst, trotzdem kam er nach wie vor in ihre Wohnung. Es wird ungeklärt bleiben, aus welch edlen Motiven heraus Frau G. sich bewogen fühlte, F. wegen angeblich in ihrer Wohnung gemachter Aeußerungen gegen unseren Reichskanzler und anderer Persönlichkeilen der Reichs- regierung zur Anzeige zu bringen. Aus ihrem nationalen Empfinden heraus bestimmt nicht. Keineswegs ist Je eine klassische Zeugin. Im Elsaß geboren, soll sie nach Angaben des Angeklagten einer Familie angehören, die stets mit den Franzosen sympathisierte auch während des Krieges. Wie weit diele Angaben zutreffen läßt sich nicht ohne weiteres feststellen jedenfalls unterhält sie heute noch Verwandtschaft- liche Beziehungen zum Elsaß. F. war stets parteilos, ist im Felde gewesen, ging später zur Fremdenlegion nach Marokko, von wo er nach 2'- Jahren desertierte. Bon einer Betätigung für die Kommu- nistische Partei ist der Polizei nichts bekannt, nie ist er radikal hervorgetreten. Daß er Frau G. ueranlaßte, ihren Stiefsohn in die Hitlerjugend und in die RSBO. zu schicken, was sie aber strikte ablehnte, ist ihrem Gedächtnis heute voll- kommen entschwunden. Aber es gefällt ihr heute in Deutsch- land s o o aut, sie ist ja auch schon seit 5. März vorigen Jahres national gesinnt.— Während der Angeklagte ste im Ge- richtssoal korrekt mit„Sie" anspricht, faucht sie tempera- mentvoll auf ihn los:„Was sagscht du?" Eine Untermieterin der Frau G. spielt ebenfalls eine Rolle, die als Zeugin austritt und die die Aussagen des F. teilweise gehört haben will. Sie ist in einen Ehescheidungs- prozeß verwickelt in dem F. als Zeuge auftreten soO und so steht einer gegen den anderen. F. bestreitet, die Aeußerungen in irgendeiner Form getan zu haben doch machen beide Frauen ihre Aussagen unter Eid. Der Be itz eines Revolvers, was F. weiter zur Last gelegt wurde, wird von ihm nicht bestritten, er will ihn später weg- geworfen haben. Der Staatsanwalt beantragt eine Gesamtstrafe von 14 Monaten: abzüglich 8 Wochen Untersuchungshaft, welchem Antrag das Sonbergericht auch entspricht. Der„Nebelspalter" Ter aus der Anklagebank sitzende tschechische Staats- angehörige. der 31 Jahre alte Franz R aus Krefeld, ist den Polizeibehörden der rheinischen Städte so hinreichend be- kannt und hat sich dort so wenig Sympathien erworben, daß er aus dem preußischen Staatsgebiet ausgewiesen wurde. Er ging nach der Schweiz, die ihn aber wieder abschob, und io kam er nach Baden Aus Zürich bringt er eine Nummer des bei uns verbotenen Schweizer Witzblattes„Der Neben- spalter" mit. die er am 21 Januar 1934 in einer Herberge in Freiburg i. Br. anderen Wandcrgenossen zeigte. Dort wird er in Hast genommen. R. behauptet, daß er das Blatt einem bekannten Müglied der NSDAP, in Krefeld habe zeigen wollen, doch läßt sich dieser Mann, der einen alltäglichen Namen trägt, nicht feststellen. Das Gericht verurteilte R. nach dem Antrag des Staats- anwaltes zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr, zehn Wochen Untersuchungshaft werden angerechnet. Weiter er- klärt das Gericht für zulässig, daß die zuständig: Berwal- tungsbehörde R innerhalb sechs Monaten aus dem deutschen Reichsgebiet ausweisen kann. Bin Jahr Gefängnis für Verbreitung kommunistischer Druckschriften Gänzlich unbestraft ist der 82 Jahre alte Wilhelm K. aus Mülhausen i. E>, der sich wegen Verbreitung kommunistischer Hetzschriften in der Zeil vom Mai bis November 1933 in der Oststadt in Karlsruhe zu verantworten hat. Er kam als ehe- maliger Kassierer der KPD. nach der nationalen Erhebung in Tchutzhafl und dürste also etwas gelernt haben. Nach Ver- lauf dieses Winters, in dem er und leine Familie die Wohl- taten des Winterhilsswerks kennenlernte, will er sich voll- kommen gewandelt haben und nach seiner Freilassung ein anderer Mensch werben. Vorerst hat er die vom Sondergericht ausgesprochene Strafe von einem Jahr Gefängnis zu verbüßen. Do er ge- ständig war, werden ihm dre' Monate der Un'ersuchungshaft angerechnet. Auch der Staatsanwalt hatte Strafe in dieser Höhe beantrage Mit benommenem Kopf anscheinend ein chronischer Zustand, ging der 27jährige an- geklagte ,n Basel geborene Joses Sch(jedoch Deutscher» am 28. Januar d. I. bei Lörrach von Basel kommend über die Grenze Er ist bekannt als Mann der ziemlich Alkohol ver- tragen kann. Auch an d'eiem Tage war er erst in der Spanischen Weinstube dann anschließend noch tanzen, und es ist schon möglich, daß er nicht mehr ganz nüchtern war. Beim Grenzübertritt wirb ihm von einem Beamten eine Zeitung ans der inneren Rocktasche gezogen, die in Saar- brücken erscheinende«Deutsche Freiheit". Sch. ist zunächst perplex, wie kommt diese Zeitung in seinen Rock, lieber die Herkunft macht er drei versch edene Angaben, welche ist richtig? Jedenfalls will er den Inhalt nicht gekannt haben und auch über die Gefährlichkeit nicht unterrichtet gewesen sein. Mit Rücksicht auf den späten Zeitpunkt. Januar 1934, hält der Staatsanwalt eine exemplarische Strafe für angemessen und beantragt 1'/» Jahre Zuchthaus oder 1 Jahr 4 Monaie Ge- fängnis. Das Gericht erkennt auf eine Strafe von 10 Mo- naten. abzüglich 2 Monate Untersuchungshaft. Die Absicht zur Weiterverbreitung konnte Sch. nicht nachgewiesen werden. Die..illegale" Schreibmaschine h. 6. Bor dem in Bremen tagenden Strafsenat des Han- seatischen Oberlandesgerichtes hatten sich acht Antifaschisten zu verantworten, denen man vorwarf, eine.illegale" Schreibmaschine verstecktgehalten zu haben. Tiefe Maschine ging im Laufe der Zeit durch mehrere Hände und wurde schließlich in der Erde vergraben. Das Gericht verhängte über sieben Angeklagte, unter denen sich eine Frau befand, Gefängnisstrafen von neun Monaten bis zu zwei Jahren. „Deutsche Freiheit", Nr. 9-1 ARBEIT UMD WIRTSCHAFT Saarbrücken, Dienstag, 24. April Hamburgs Abstieg Die ersten drei Monate 1934 schließt Hamburg mit einem Seeschiffsverkehr von 3931(i. V. 4078) Schiffen und einem Rauminhalt von 4 365(4 235 Mi II. NRT. ab. Antwerpen» Verkehrszahlen lauteten 2418(2307) Fahrzeuge mit 4,192(4,177) Mi II. NRT. und die von Rotterdam 2445(2191) Schiffe mit 3,693(3,275) Mi». NRT. Rotterdam zeigt also mit einem Plus von 0,418 Mi». NRT. die größte V erbesserung gegenüber dem Vorjahr. Bei Antwerpen betrug sie 15 563 NRT. und bei Hamburg 0.130 Mi». NRT. Ende 1933 betrug der Vorsprung Hamburgs vor Antwerpen, am gesamten Jahresverkehr gemessen, 0,447 und vor Rotterdam 2,526 Mi». NRT. Am Ende des ersten Vierteljahrs 1934 stellte sich der Vorsprung Hamburgs vor Antwerpen auf 0,172 und vor Rotterdam auf 0,627 Mi». NRT. KTo! und Eisen Die wachsende deutsche Metalleinfuhr Die deutsche Metalleinfuhr ist in kräftigem Steigen begriffen, was natürlich zu der Anspannung der Devisensituation und den damit verbundenen Rontroll maßnahmen geführt hat. Eine„Amens" entnommene Tabelle, die die Entwicklung der deutschen Metalleinfuhr(roh, Bruch, alt, Abfälle und Legierungen) veranschaulicht, zeigt, daß sich der Gesamtaufwand für diese Importe von rund RM. 159 Mi». 1932 auf 186 Mi». 1933 erhöht hat und in den ersten zwei Monaten 1934 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres weiter von 25 Mi», auf 39 Mi», gestiegen ist. Im Monatsdurchschnitt beliefen sich die Importe in den ersten zwei Monaten des vergangenen Jahres auf 12,7 Mi»., im ganzen Jahre 1933 auf 15,5 Mi», und in den ersten zwei Monaten dieses Jahres auf 19,4 Mi». Jan. u. Febr. Einfuhr in Tonnen 1932 1933 1933 1934 Kupfer...... 175 161 207 141 28465 46201 Zink. 101 788 100 626 12 140 22 475 Blei 50 657 48 685 5 226 9 686 Zinn 12 110 14 872 2 354 2 684 Sonstige unedle Metalle. 9 844 16 064 1 912 3 289 zusammen in Mi». RM. 159,16 186,07 25,35 38,82 „Sdieo vor Wechseln' In der Hauptversammlung der Dresdner Bank wandte sich das Vorstandsmitglied Dr. S ch i p p e I mit aller Deutlichkeit gegen die Vorwürfe, daß bei den Großbanken der Anteil der größern und mittlem Kredite an den Gesanitkrediten betragsmäßig noch immer viel zu groß wäre. Kreditekönnten doch nurent- sprechend dem Bedarf und den vorhandenen Betrieben und Betriebsvermögen gegeben werden. Da aber nach Betriebsvermögen und Kreditbedarf ein weitaus größerer Teil der deutschen Wirtschaft auf größere und große als auf kleine und mittlere Betriebe entfalle, so sei es nur logisch, daß bei einer Großbank, die doch für die Kredit Versorgung der Gesamtwirtschaft zur Verfügung zu stehen hat, summenmäßig auf diese Betriebe auch mehr Kredite kommen müssen als auf Kleinbetriebe, wenn nicht wichtige Teile unsrer Wirtschaft in ihrer Kreditversorgung benachteiligt werden sollen. Die Bereitwilligkeit zur Kredithergabe werde durch die anhaltende Scheu vor dem Wechsel beein- t r ä eh t i g t. Und die glaubten an Hitler (Inpreß.) Das sächsische Ministerium des Innern hat folgende Organisationen mit sofortiger Wirkung aufgelöst und verboten: Reichsverband der Reichsbankgläubiger; Reichsbund der Inflationsopfer e. V.; Aufwertungs- und Aufbaupartei; Freier Bund für Volkes Recht und Aufwertungs- Reichsbankgläubiger und Inflationsgeschädigte aller Art; Bund bayerischer inflat ionsgeschädigt er Staatsbürger; Schutz- verband der Hypotheken-, Pfandbrief- und Obligations- gläubiger in Bayern. Das Vermögen der aufgelösten Vereinigungen wird beschlagnahmt. Das Redl! der Sklaven (I. T. F.) Adolf Hitler hat sich einst ausdrücklich als Schüler des italienischen Faschismus bezeichnest. Er hat die NSDAP, nach dem Vorbild der Faschisten Italiens mit Unter- nehmergeldern ausgerüstet und im Auftrage seiner Geldgeber die arbeitenden Massen unterdrückt. Jetzt müssen die Sklavenhalter der italienischen Arbeiterschaft anerkennen, daß die Schüler den Meister übertroffen haben. Die„Lavoro I ascista'*, das Blatt des italienischen Korporationsministeriums, erklärt:„Was den Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit anbetrifft, so sind wir gern bereit, anzuerkennen, daß Deutschland schon weiter ist als Italien. Tatsächlich hat der Nationalsozialismus jeden Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit mit einem sehr einfachen und durchsichtigen Mittel abgeschafft: er hat die Arbeiter an Händen und Füßen gebunden dem Kapitalisten ausgeliefert. Wer»ich überzeugen will, der lese die zwei jüngsten Gesetze über die Arbeit und die Ordnung der Wirtschaft, die im Reiche(am 1. Mai) in Kraft treten und er wird sehen, daß die deutschen Arbeiter nur e i n Recht haben, das Recht, ihren Arbeitgebern zu gehorchen." Tarisenhang unmöglich! Zu Anfang des Jahres waren Meldungen verbreitet worden. daß auf I. Mai eine allgemeine Senkung der deutschen Personentarife um etwa 20 bis 25 Prozent zu erwarten sei. Jetzt wird von zuständiger Stelle bestätigt, daß diese Absichten zwar vorgelegen hätten, daß sie sich aber gegenwärtig nicht durchführen ließen. Die Reichsbahn gebe Zeichnet Kriegsanleihe!" Der Griff nach den Spargeldern „Es wird gepumpt!" Mit dieser klassischen Wendung hat Hitlers Finanzminister, Graf Schwerin von Krosigk die Frage nach dem Ursprung des Geldes für die Arbeitsbeschaffung im„dritten Rei-h" beantwortet. Man glaubt den Studiosus Biertimpel im zwölften Semester, nicht den verantwortlichen Säckelhüter eines Großstaates über die Grundlagen seiner Finanzgebarung reden zu hören. Klingt dieses kernige„Es wird gepumpt" doch fast wie der berühmte§ 11 des Bierkomments: Es wird gesoffen!? Dennoch, dieses treudeutsch„Es wird gepumpt"— es war nicht ganz offenherzig. Es fehlte nämlich eine wichtige Ergänzung, es fehlte die Angabe, bei wem und von wem gepumpt wird. Die entnimmt man weit unauffälliger der Presse des„dritten Reiches", wo schamhaft etwas über die„Einschaltung der Sparkassen" in die Finanzierung der Ar itsbeschaffung mitgeteilt wird. Wo im„dritten Reiche"„geschaltet" wird, ob„gleich oder„ein", da steht die Sache faul. Die Einschaltung der Sparkassen ist nur ein euphemistischer Ausdruck für den Tatbestand, daß das Geld derSparer jetzt in das Danaiden- faß der„Arbeits-" lacht" hineingeschüttet wird. Es gab während des Weltkrieges besonders kluge Leute, die wollten keine Kriegsanleihe zeichnen, weil ihnen diese zu unsicher schien, sie trugen ihr Erspartes lieber zur alten soliden Sparkasse. Wie sie sich nachher die Augen rieben, konnten sie gewahr werden, daß statt ihrer die alte solide Sparkasse das Geld in Kriegsanleihe verwandelt hatte... So ähnlich ist es auch jetzt. Die deutsche Sparkassen- und Giroorganisation bat einen Plan ausgearbeitet, der darauf hinausläuft, mindestens 1500 Millionen Reichsmark, also anderthalb Millarden, aus Spareinlagen im Laufe des Jahres 1934 für die Arbeitsbeschaffung bereitzustellen. Da ea aber für die Sparkassen gewisse Vorschriften gibt, die den Sparern die Sicherheit und Liquidität ihrer Einlagen garantieren sollen, so verlangt dieser edle Sparkassen verband die Aufhebung, bzw. Milderung der zur Zeit geltenden „starren ind heute überholte n" Liquiditätsbestiin- mungen. Man merkt deutlich, wie hier die schiefe Ebene betreten wird, auf der die Spargelder in den Abgrund rollen werden. Damit der Sache aber ein gewisser versöhnlicher Humor nicht fehlt: just dieser Tage schaltet sich der Schußverband der deutschen Sparer gleich und ließ öffentlich erklären, daß sein früheres Mißtrauen gegenüber Regierungen wie Brüning nunmehr geschwunden sei, daß der Verband deshalb gegenüber der nationalen Regierung seine Trutz- und Kampfstellung aufgebe und sein neues Ziel darin aehe, die Bevölkerung über den Wert des Sparens aufzuklären. Uns ist. als töne es von weither: Zeichnet Kriegsanleibe... sicherste Anleihe... zeichnet Kriegsanleihe! Aufblähung des Zwischenhandels Zwischen 1925 und 1935 Mit der Volkszählung vom 16. Juni 1933 wurde gleichzeitig eine Berufszählung und eine landwirtschaftliche und gewerbliche Betriebszählung durchgeführt. Die vorläufigen Ergebnisse der gewerblichen Betriebszählung werden jetzt in„W irtschaft und Statist i k" veröffentlicht. Wenn sich die Ergebnisse der gewerblichen Betriebszählung auch nicht auf den tiefsten Stand der Wirtschaftstätigkeit beziehen, so geben sie doch einen Gesamtüberblick über den Bestand an Gewerbebetrieben zu einem Zeitpunkt, der noch verhältnismäßig nahe am Krisentief lag. Ein Vergleich der gewerblichen Betriebszählung 1933 mit den Zahlenangaben der gewerblichen Betriebszählung 1925 läßt daher erstmals die Wirkungen der Krise auf die gewerbliche Wirtschaft und ihren strukturellen Aufbau in nahezu vollem Umfang erkennen. Bei der gewerblichen Betriebszählung vom 16. Juni 1933 wurden im Deutschen Reich(ohne Saargebiet) gezählt: Krise erwerbslos gewordenen Arbeitnehmer„selbständig" gemacht hat. Gütererzeugung und Güterverteilung zeigen hinsichtlich der Veränderungen in den Betriebs* und Personalzahlen erhebliche Unterschiede. Während sich der Be- triebsbestand in Industrie und Handwerk geringfügig vermindert hat, ist er in Handel und Verkehr um 5,8 Prozent gestiegen, wie nachstehender Vergleich der Zahl der Betriebe zeigt: Betriebe A MicFittandwirtsch. Gärtnerei, Tierzucht und Fischerei B Industrie und Handwerk C Handel und Verkehr Gewerbe insgesamt. 19» 74 362 1 897 929 1 613 740 TOT" 1925 Veränderung 19» gegen '925 in> 74 748 1 909 5Ub 574 121 1W37T — 1.6 — 06 -5.8 -tz TT Gewerbeabteilung A N«chtlandwirtschaftl. Gärtnerei, Tierzucht und F scheret.... B Industrie u. Handw. C Handel und Verkehr Gewerbe insgesamt Betriebe Zahl I I 14 43/ SM 1925 73 708 12 834 393 5 497 4en IS 394.159 - 23 0 - 30,7 - 0.3 - 5|.j Am 16. Juni 1933 gab es also in Deutschland rund 3.5 Millionen gewerbliche Betriebe mit 14.4 Millionen beschäftigten Personen und 24,8 Millionen PS installierter Kraftmaschinenleistung zum Antrieb von Arbeitsmaschinen. Der wirtschaftliche Niedergang in den letzten Jahren, der in der gewaltigen Zunahme der Arbeitslosenzahl seinen sichtbarsten Ausdruck fand, tritt auch beim Vergleich der Ergebnisse der gewerblichen Betriebszählungen von 1925 uud 1933 in Erscheinung. Die Zahl der im deutschen Gewerbe beschäftigten Menschen ist in diesen acht Jahren von 18,4 auf 14,4 Millionen, also um mehr als ein Fünftel, zurückgegangen. Die Zahl der Gewerbebetriebe hat sich dagegen um rund 75 000(rund 2,2 Prozent) erhöht. Da diese Zunahme hauptsächlich in Gewerbezweigen mit handwerklichem und kleingewerblichem Einschlag sowie im Einzelhandel festzustellen ist, dürfte sie vor allem darauf zurückzuführen sein, daß sich eine größere Zahl der durch die Die wichtigsten Erkenntnisse über die Wandlungen ün strukturellen Aufbau der gewerblichen Wirtschaft vermittelt aber erst die unterschiedliche Entwicklung im Betriebs- und Personalstaud der einzelnen Ge werbegruppen. So ergibt sich zunächst, daß der Güterverteilungsapparat innerhalb der gesamten Wirtschaft im Jahre 1931 einen breiteren Raum einnimmt als iin Jahre 1925. Er beschäftigte 1925 drei Zehntel, 1933 aber nahezu vier Zehntel aller gewerblich tätigen Personen. Bemerkenswert ist, da3 die Beschäftigung weiblicher Personen zwar insgesamt von 4,7 auf 4,1 Millionen zurückgegangen ist, daß ihr Anteil an der Gesamtzahl der gewerbetätigen Menschen jedoch von 25,4 auf 28,2 Prozent gestiegen ist. Gerade diese Zahlen zeigen eine gewisse Schwäche jeder statistischen Erfassung an einem Stichtag. Seit Mitte Juni 1933 dürfte gerade hier eine erhebliche Wandlung eingetreten sein. Trotzdem biete» die Statistik natürlich der Wirtschaftspolitik wertvolle Grundlagen und tiefe Einblicke in die V irtschaft, worauf nocD zurückzukommen sein wird. zwar zn, daß der offizielle Durchschnittsfabrpreis von vier Pfennig pro Kilometer z u h o ch sei, obwohl etwa 78 Prozent sämtlicher Reisenden bereits Ermäßigungen bis zu 75 Prozent auf diesen Tarif erhielten. Erst zum 1. Mai sind wieder neue Fahrpreisermäßigungen durchgeführt worden. Da aber die Ausgaben der Reichsbahn nach wie vor die Einnahmen übertreffen, ist eine allgemeine Tarifherabseßung nicht möglich. Zugunsten minderbemittelter Kreise wurden gewisse neue Vergünstigungen eingeführt, wodurch Ausfälle von rund 46 Millionen Mark entstehen, von denen nicht anzunehmen sei. daß sie durch eine Steigerung des Verkehrs ganz gedeckt würden. Preissteigerungen bis zu 80 Prozent In einem Erlaß an die Badische Industrie- und Handelskammer warnt der badische Finanz- und Wirtschaftsminister Köhler die ihr angeschlossenen Verbände und Innungen vor Preissteigerungen. Bei der Vergebung öffentlicher Arbeiten sei in den letzten Wochen beobachtet worden, daß die eingereichten Angebote der Unternehmer hinsichtlich der Preisstellung alle gleichlautend waren. Es handelt sich dabei offensichtlich um Preisfestsetzungen der Innungen. Dabei wurden Preissteigerungen bis zu 80 Prozent im Vergleich zu den Preisen vor drei Monaten festgestellt. Der Minister wendet sich scharf gegen diese unberechtigte Preistreiberei, an der weniger das Bauhaupt- gewerbe als vielmehr die Baunebengewerbe beteiligt seien. Die russische Staatsanleihe Die auf die Initiative der Magnitogorsker Arbeiter aufgev legte Zeichnung der zweiten Folge der inneren Anleihe für den zweiten Fünf jahresplan verläuft in der gaiiWDn Sowjetunion mit großem Erfolge. Ununterbrochen laufen Meldungen über die außergewöhnliche Begeisterung ans Städten, Dörfern, Betrieben, Kollektivwirtschaften, Sowjntwirtsdiaf- ten, von auf hoher See befindlichen Schiffen und von Stationen in der Arktis ein. Dutzende von Millionen Rubel wurden bereits gezeichnet. Seit der ersten Sowjetsnleihe liehen die Werktätigen ihrem Staate über 9.5 Milliarden Rubel, allein während des ersten Planjahrfünfts waren es ungefähr 6 Milliarden Rubel. Die Staatsanleihen spielten bei der Finanzierung des sozialistischen Aufbaus eine ungeheure Rolle. Alle diese Anleihen wurden ausschließlich zur Finanzierung der VolkswirUclw'.t und des Kulturaufbaus verwendet. Ein Beweis für die große Popularität der Anleihen ist die ununterbrochene Zunahme der Zahl der Anleihebesitzer. Von 6 Millionen im Jahre 1927 stieg sie auf 40 Millionen im Jahre 1933. Während der 13 Jahre seines Bestehens des sowjetischen Staatskredites zahlte der Staat 1834 Millionen Rubel Anleihezinsen und Gewinne an die Bevölkerung, wovon 560 Millionen auf das Jahr 1933 entfallen. Im laufenden Jahre werden über 800 Millionen zur Auszahlung gelangen. Die Werktätigen bauen also ausschließlich aus eigenen Mitteln ohne Anleihe von außen diu sozialistische Wirtschaft auf. S)euisdke Stimmen* fäeita&e xur.Deutschen eifkeit"• Ereignisse und Geschieh ten m Dienstag, den 24. April 1934 „Was hake ich ihnen getan?" Elisabeth fBecguec berichtet Die„Wiener Sonn- und Montagszeitung" veröffentlicht ein Gespräch des Berichterstatters einer pidischen Zeitung, das vor dem Verbot ihres Filmes stattgefunden hat. Wir entnehmen der Unterhaltung: „Sie kommen jetzt au» Deutschland? Können Sie mir erklären... was diese Menscheu von uns wollen? Was haben ^ir ihnen getan?"' Elisabeth Bergner zeigte eine widerwärtige Karikatur. Plötzlich sprang sie auf: „Sagen Sie mir, wenn Sie es können, was habe ich diesen Menschen getan? Ich hin eine Künstlerin, ich habe mich nie "m Politik gekümmert, verstehe gar nichts davon, habe n i e 6 iner Partei angehört, nie eine Zeile geschrieben, "ie eine Rede gehalten... ich habe nichts getan als gespielt, gespielt, gespielt! Was habe ich diesen Menschen getan, daß sie mich jetzt beschimpfen, in den Dreck liehen? Ich will Ihnen sagen, was ich ihnen getan habe: ich habe ihnen immer nur das Beste gegeben, was ich hatte. Das biß- rhen Kraft, das ich habe, habe ich immer bis zum hetzten eingesetzt für meine Kunst. Ich habe mich nicht geschont, ich habe es mir nicht leicht gemacht. Wenn ich etwas erreicht habe, wenn ich„berühmt" bin, v enn ich Liebe im Ueberfluß geerntet habe— ich habe es fir verdient, ich habe redlich dafür bezahlt." Sie ging erregt im Zimmer umher und blieb dann dicht v or mir stehen. „Es gibt so viele Dinge, die wir Frauen nicht begreifen, die ^tr euch Männern einfach glauben müssen. Ich verstehe nichts von all dem, was jetzt in Deutschland politisch vor sielt geht, und ich muß jede Erklärung akzeptieren, die ihr mir dafür gebt. Aber in meinem kleinen Kreis weiß ich Bescheid, da lasse ich mir nichts vormachen. Und wenn man heute in deutschen Utax J$cod 50 Jahre ,27. Mai wird der Dichter und Publizist Max Brod i J a h re alt. Verschiedene literarische und gesellschaftliche ruppen j„ P r ag»nd in anderen Städten der Tschechoslowa- *' bereiten aus diesem Anlaß Ehrungen für den Dichter vor. Das Prager Neue Deutsche Theater begann die Reihe j.' eser Ehrungen mit der Aufführung von Breels schon mit r olg über verschiedene Bühnen gegangenem Schauspiel „Lord Byron kommt aus der Mode". Max Brod, Dr. jur., 1884 in Prag geboren, war zunächst '"> Staatsdienst tätig, den er 1924 als Sektionsrat verließ, U| n in die RedAtion des„Prager Tagblatts" einzutreten. Er j s t Mitbegründer des jüdischen Nationalrates in Prag. Seine künstlerische und jüdische Persönlichkeit wird im„Jüdischen Ecxikon"(Spalte 1173 1175) u. a. wie folgt charakterisiert: „Der Grundcharakter seines Künstlertums ist die Liebe zum Leben(Eros), wozu allmählich und in immer neuen Wandlungen die Versenkung in sein Judentum als ethisches Ele- "lent hinzukommt. In der ersten, von ihm als„Indifferentis- jnus" bezeichneten Epoche erscheint die Liebe zum Leben als hingebungsvolle Betrachtung ohne straffes Willensaiel(„Tod •Ich loten", 1906;„Schloß Nornepygge":„Der kleine Lo"; „Die Höhe des Gefühls";..Weiberwirtschaft"); das Judentum ,5 t ihm nur eine der vielen Erscheinungsformen des Lebens („Jüdinnen",„Arnold Beer"). In der zweiten Epoche sam- Die JCette Blättern schreibt, ich sei dem deutschen Publikum fremd, hätte ihm nichts zu sagen, man wolle mich nicht mehr, so weiß ich: das ist nicht wahr! Vielleicht kann man den Leuten jetzt verbieten, sich meine Filme anzusehen, vielleicht kann man den Schriftstellern in Deutschland verbieten, für mich einzutreten. Aber eins kann man nicht: den Menschen, die mich als „Heilige Johanna" gesehen haben oder als das russisch« Mädchen„Ariane", die Erinnerung daran rauben, ihr Erlebnis umfälschen. Ich habe sie ergriffen, sie haben mich geliebt, ich müßte es auch ohne die Tausende von Briefen, die ich aus Deutschland bekommen habe— aus der tiefsten deutschen Provinz wie aus Berlin. Nein, das alles ist nicht wahr, was man jetzt über mich schreibt. Und ich begreife nicht, warum es geschieht. Was habe ich diesen Menschen getan?" „Sie sind eine Jüdin, Elisabeth Bergner!" Sie flüsterte mehr, als sie sprach: „Nur weil ich eine Jüdin bin? Ist das mein ganzes Verbrechen?" „Ja, ich bin eine Jüdin! Hören Sie: ich habe immer gewußt, daß ich eine Jüdin bin, ich habe es nie geleugnet, aber ich habe es auch bis heute nie wirklich erlebt. Das Tiefste erlebt man immer im Unglück. Ich bin eine Jüdin, ich bin stolz darauf! Ich will, daß jedermann weiß, daß ich eine Jüdin bin. Nicht nur die, die mich heute beschimpfen, sollen es wissen, sondern auch die, die mich verehren. Es wäre mir unerträglich, wenn irgend jemand glauben könnte, die Jüdin Elisabeth Bergner wolle sich hinter der Künstlerin Elisabeth Bergner verstecken. Ich bin eine Jüdin, meine Feinde sollen es wissen und meine Freunde." Wir gehn ohne Ende von Hand zu Hand, zerknittert, zerdrückt und zerlesen. Wir schüren die heimlichen Brände irrt Land, roir kleben an rissiger Mauerwand und werden gelesen, gelesen. Wir sind die Lunten am Dynamit, rotglimmende, schivelende Funken. Wir sind die Kette und sind der Kitt. Die Zögernden, Lauen, die reißen wir mit und stopfen das Maul allen Unken. Nimm uns Genosse und du Kamerad und klebe uns hin an die Ecke. Du bist eine Speiche im rollenden Rad, die Brücke zum Ufer, ein roter Soldat, du bist ein Glied unserer Kette. Kurt Doberer. Jeg- ganz gtofi melt sich das Judentum in ihm zu der sittlichen Forderung, Gott mitzuhelfen an der Vervollkommnung der Welt („Tycho Brahes Weg zu Gott", 1916;„Eine Königin Esther"; „Das gelobte Land";„Das große Wagnis"). Die dritte Epoche ist deutlich gekennzeichnet durch die Problematik des Sittlich-Guten. Schon in früheren Werken, besonders in„Eine Königin Esther" angedeutet, tritt die Frage nach der sittlichen Notwendigkeit und dem lebensfördernden Wert des Bösen hervor(„Franzi", 1922;„Klarissas halbes Herz", 1923; „Leben mit einer Göttin";„Reubeni, Fürst der Juden", 1925). Brod ist Vertiefung des Verständnisses für die menschheitliche Bedeutung der jüdischen Lebenserfassung zu danken. Sein Hauptwerk in dieser Beziehung ist das zwischen der zweiten und dritten Epoche entstandene zweibändige Bekenntnisbuch:„Heidentum, Christentum, Judentum"(2. Auflage 1922). Außerdem sind hier zu erw«inen die glänzenden Essay-Sammlungen:„Sozialismus im Zionismus" und„Im Kampf ums Judentum"(beide 1920). Ein streng philosophisches Werk„Anschauung und Begriff /gemeinsam mit Felix Weltsch) erschien 1913. Viel Interesse bei Publikum und Kritik fand der vor wenigen Monaten erschienene Roman von Max Brod„Die Frau, die nicht enttäuscht". In der„Weltwoche" wird der Major Fey, Führer der österreichischen Heimwehren, geschildert, wie man eben Wiener Prominente zu schildern pflegt, seien sie nun vom Film oder von der Politik.„Er ist schon, er ist unerbittlich", hat eine französische Journalistin, der er es offenbar angetan bat, von der Politik.„Er ist schön, er ist unerbittlich", hat eine richterstatters:„Er stößt den Rauch aus— nur einmal— besinnt sich dann einen Augenblick, blickt im Kreise lim sich (wie der Vater aus dem Struwelpeter) und beginnt zu reden... er hat das blasse Gesicht eines Intellektuellen, die breiten Schultern eines Mannes der Tat und riesige, immer unruhige Augen. Ich denke mir, während ich zuhöre, für eine Frau, für jede Frau müsse es ein Sieg sein, diesen Blick einen Augenblick auf sich lenken zu können.—(Leider erfahren wir nicht, oh es gelungen ist.)— Fey ist der geborene Redner. Wenn er auch sehr gut spricht, so hat man doch das Gefühl, er mache eine Konzession. Er denkt an etwas anderes.—(Ein untrügliches Zeichen für den geborenen Redner.)— Selten sieht man einen so intelligenten Kopf auf einer Uniform. Er bringt die schmalen Lippen beim Reden kaum auseinander—(woher es wohl kommt, daß ihm viele nicht so recht verstehen)—... Plötzlich beginnt er sich zu beleben... Er findet Gesten, nimmt eine Zigarette aus einem silbernen Etui—(schon wieder, das kennen wir doch schon vom Film)— steckt es in die Tasche zurück—(eine Beobachtungsgabe!)— ballt die Fäuste, streckt seinen Arm, öffnet seinen Mund ganz groß und läßt die Worte vibrieren."— Kein Wunder, daß ihm niemand widerstehen kann— sagt die„Basler Nationalzeitung" dazu. Det Aethec- nicht total V. E. 301 Der neue Volksempfänger, dessen Herstellung und Massenvertrieb auf die Initiative des Propaganda min isteriums zurückgeht, sollte die Isolierung des deutsche» Volkes vervollständigen, die Empfangsmöglichkeit ausländischer Sendestationen ausschließen. Amtlicher und Parteidruck wird aufgeboten, um die Verdrängung der größeren Empfangsapparate durch den V. E. 301 zu erreichen. Das ist weitgehend gelungen. Gründlich mißlungen ist aber die Absieht, die deutsehe Hörerschaft mit Hilfe des E. V. 301 auf den deutschen Aether zu beschränken. Aus dem Racliomaulkorb V. E. 301 ist durch wenige Handgriffe und ohne Kosten ei» Empfangsapparat zu machen, der einen einwandfreien Empfang der Sender Prag, Straßbnrg, Luxemburg und sogar Moskau ermöglicht. In allen Teilen Deutschlands wird Göbbels V. E. 301 von seinen Besitzern umgehastelt und zum Empfang ausländischer Stationen benutzt. Im Aether hört die faschistische Totalität auf. Jcage an De. Witl: Sind Rindviecher Arier? _ Die gleichgeschaltete„Nürnberger Zeitung" berichtet über «inen hochinteressanten Vortrag, den ein Dr. Will bei der Ortsgruppe Nürnberg—Wöhrd der NSDAP, hielt. Der Red- "er hatte sich ein Thema gewählt, das, wie die Zeitung schreibt,„für jeden deutschen Menschen ungeheuer wichtig" 'st. Das Thema lautete:„Die Aufwertung des nor- tischen Blutes durch das Rindvie h." Dieser Herr Dr. Will, der sein und seiner deutschen Volk- Renosscn Blut durch Rindviecher aufnorden will, hat zweifellos das Richtige getroffen. Er scheint dabei sein eigenes Versuchskaninchen gewesen und den künftigen deutschen Voll- tindviechern mit gutem Beispiel vorangegangen zu sein. Ihm Heid die Volkseenossen noch nicht große' Rindviecher genug, *'e müssen deshalb aufgewertet werden. Unter besonders großem Beifall führte der Dr. Will dann ganz tolle Seitenhiebe gegen die Juden. So erklärte er. da „die Juden die Pockenschutzimpfung nur erfunden haben, Weil sie damit die Erbmasse, den Sitz der Rasseeigenschaften, «ersetzen wollen." So seit„die Pockenschutzimpfung der erste geglückte Großangriff des Juden gegen die Erbgesundheit. F'ne vollkommen erschöpfende Antwort auf die Frage, o> nun die Rindvierher Arier oder die Arier Rindviecher Sind, ist Herr Dr. Will allerdings schuldig geblieben. Sargen des 3xeuhändecs Wie grüßt der Jud? Wie grüßt der Christ? Der Treuhänder der Arbeit für Berlin, Herr Eng• l. bat — das muß man schon sagen.— seine Sorgen. Neulich hat er 'ich in einer Sportpalastrede mit der Frage beschäftigt, wie in den Betrieben die Arier und die Juden einander au gru- ßen haben. Der deutsche Edelgruß„Heil Hitler" wird nämlich entweiht, wenn er an einen jüdischen Paria gerichtet wird oder gar von seinen Lippen kommt. Also grüßen sich nur die arischen Betriebsangehörigen mit„Heil Hitler!" Zu dert jüdischen aber sagt man„Guten Morgen!" oder„Guten Tag!" oder sonst etwas ähnliches, was man in vernünftigen Zeiten zu allen vernünftigen Menschen zu sagen pflegte.— Ein diesbezüglicher Erlaß ist in Vorbereitung. Das alles ist, wie man bemerkt, furchtbar wichtig und interessant. Aber noch interessanter wäre es zu erfahren, wie die Berliner Arbeiter über die Sorgen des Herrn Engel denken. Diese Berliner Arbeiter, schnoddrig, kaltschnäuzig, überkritisch, stets bereit, an allem und jedem ihren scharfen Witz zu üben— diese Berliner Arbeiter waren zu Tausenden im Sportpalast versammelt, hörten sich die Redereien von Engel an und schwiegen!? Hat der Wundertäter Adolf Hitler wirklich das Wunder vollbracht, sie so zu verwandeln, daß sie sich für ihre Lohntüten nicht mehr interessieren, dafür aber für die Grußformen, die zwischen Juden und Christen angewendet werden? Nein, das kann keiner glauben, der die Berliner Arbeiter kennt! Sie werden für den Blödsinn, den man an ihnen und mit ihnen verübt, Rache nehmen. Unsterblich bleibt der Berliner Witz! QCitlecs Auspufl Eine Anzeige aus„Motor und Sport" Nr. 15: Die deutsche Auspuff-Sireue... schafft freie Bahn. Die deutsche Motorrad-Fanfare! Das deutsche Ansaughorn! ... Erhältlich in den Werkstätten usw. Der deutsche Auspuff, Marke Fanfare, verstänkert leider die ganze europäische Atmosphäre und schaut„freie Bahn" für die— Rüstungsindustrie! Vlacsch! Ttlacsch! Inflation in Märschen Die führende deutsche Musikerzeilschrift„Musik" in Berlin kann voll Stolz die aufregende Tatsache verkünden, daß in einem einzigen Jahr nicht weniger als 178 neue Märsche komponiert wurden. Das ist fürwahr eine„rettende Tat"! Der deutsche Rundfunkhörer vernimmt diese Neuigkeit mit Grausen. Er hört schon seit einem Jahr auf allen deutschen Sendern nichts anderes als Marschmusik.(Im Ausland stellt schon lange niemand mehr deutsche Stationen ein.) Der neu- deutsche Musikgeist kann sich anscheinend nur im Marschtempo austoben. Wenn das der vielgefeierte Richard Wagner erlebt hätte! Aber verwunderlich ist die Sache nicht. Die„genialen" deutscheu Komponisten hören ja nichts anderes als: „Ohne Tritt marsch!",„Auf, marsch, marsch!" und„Zurück, marsch, marsch!" Zeit=7lotizen Die braunen Prominenten Göring hat folgende Künstler der Berliner Staatstheater zu„preußischen Kammersängern" bzw.„preußischen Schauspielern" ernannt: Heinrich Sdilusnus, Rudolf Bockelmann, Jaro Prohaska, Helge Roswänge, Marcel Wittrisch, Frieda Leider, Maria Müller, Margarete Klose, Käte Heidersbach, Gustav Gründgens, Werner Kraus, Friedrich Kayßler, Lothar Müthel, Maria Koppenhöfer, Emmi Sonneraann. Mit dieser Ernennung ist eine langfristige Bindung an die Berliner Staatsbühnen und ein Ehrensold verbunden... National unverlässige Universitäten? Der Führer des Kreises Berlin der Deutschen Studentenschaft, Frendenberg, teilt mit, daß im kommenden Semester 5000 Studenten aus der Berliner Friedrich-Wilhelm-Universität herausgezogen und den ostdeutschen Universitäten Breslau nnd Königsberg überwiesen werden, „Deutsche Freiheit", Nummer Sä Das bunte Matt T.ensteg, Sä. April 1981 Die Trüffelschnitte Als ich heute die kleine Konditorei betrat, um etwas Butrergebäck zum Abendtee zu besorgen, verließ den Laden gerade ein junger magerer Mensch, ohne Mantel trotz der Kalte, der offenbar eben ein längeres Gespräch mit dem Verkäufer beendet hatte. In dem weitzbekleideten Konditor- jüngling schien das eben Gehörte noch nachzuschwingen, denn während er mein Gebäck abwog und mit geübtem Nachdruck ein Plätzchen nach dem anderen in die Tüte schleuderte, um die Waage zum Nachgeben zu bringen, schüttelte er Mitleid- voll das blondgelockte Haupt „Das ist ein Elend," seufzte er,.^vierzig Pfennige verdien! der Mann in der Stunde als Malergeselle, und auch das nur drei Tage in der Woche." „Dann hat er also gerade eine Mark vierzig zum Leben am Tag." gab ich verständnisvoll zu bedenken,„wenig genug sür Wohnung, Kleidung und Essicn." „Ja, ja," nickte der Lockige betrübt,„aber—" und dabei ging ein hoffnungsvolles Lächeln über sein pickliges Gesicht, „trotzdem kaust er sich jeden Abend eine Trüffelschnitte sür zwanzig Pfennig. Jeden Abend um halb sieben. Er geht sonst nirgends hin, in kein Kino, kein Theater, aber seine Trüfselschnitte mutz er haben." Der Lockige schien bereit, je nach Wunsch das verzeihlich zu finden oder mit mir in moralische Entrüstung auszu- brechen. Aber ich enttäuschte ihn, ich äußerte nur ein un- definierbares„So, so", zahlte und ging— einigermaßen nachdenklich. Ich überlegte:— da war also ein junger Mensch, der rund ein Siebentel seines Einkommens für „Schleckereien" verausgabte, wie der Moralist mit deutlicher Mißbilligung äußern würde Für zwanzig Pfennig könnte er sich täglich ein Pfund Brot kaufen, zweifellos, und bei einem Monaisetat von achtundreißig Mark vierzig blieb ver- mutlich nicht mehr als diese zwanzig Pfennig für das Abend- brot übrig, das er offenbar eben durch jene Trüffelschnitte ersetzte. Ein merkwürdiger Asket des Luxus also, bereit, sich Entbehrungen aufzuerlegen, um das unsinnige, aber viel- leicht von Kindheit an gehegte Verlangen nach jener Trüffel- schnitte befriedigen zu können, die für ihn das Symbol des Wohllebens und des unbekümmerten Lebensgenusses war. Wie heißt es in der Bibel? Der Mensch lebt nicht vom Brot allein! Allerdings ist dort nicht gerade an Trüfselschnitte gedacht, sondern an geistigere Güter. Aber trotzdem, auch diese Trüsfelschnitte ist eine Art ideellen Gutes, eine Art Verheißung, der Abglanz einer besseren Welt, und diese schon fast symbolische Trüffelschnitte gibt dem junge« Menschen Kraft und Mut, das graue Elend seines Alltags zu ertragen. Vielleicht ißt er sie übrigens nicht einmal selber, sondern bringt sie seinem Mädchen als Liebesgabe mit, aber auch das änderte nichts, auch so gibt er sein Geld für eine Süßigkeit aus. Mögen die Sozialpolitiker und Nationalökonomen sagen was sie wollen, nichts ist so not- wendig wie das Ueberflüssige. Und jeder Mensch braucht seine Trüfselschnitte notwendiger als das liebe Brot, ganz gleich welche Gestalt nun diese Trüsfelschnitte annimmt. Und wer noch den unbekümmerten Heroismus aufbringt, sich diese Trüfselschnitte zu leisten, obwohl oder gerade weil er sie sich nicht leisten kann, der ist noch nicht ganz ver- armt, auch wenn er Hunger leidet. Die großen Fürsten und Herren früherer Zeiten haben das beffer gewußt und verstanden als wir. Sie waren unbedenkliche, aber prak- tische Psychologen. Sie ließen ihre Untertanen vielleicht in Hunger und Elend verkommen, um sich für die er- preßten Groschen der Armen ein Lustschloß zu bauen oder unerhörte Feste zu seiern, aber dafür gaben sie den armen Teufeln ab und zu die Trüfselschnitte in ungeheurer Di- mension, ein märchenhaftes Schlaraffenland mit Saufen und Fressen, wo ganze Ochsen am Spieß für jeden Hung- rigen bereit waren und Wein in Strömen aus den Brun- nen floß, genug, um ein ganzes Jahr des Elends vergesien zu machen. Wie dürftig und phantasielos wirkt dagegen das soziale Unrecht von heute in der kümmerlichen Maske ernster Sorge um das allgemeine Wohl. Wenn man schon gewissenlos genug ist, nicht für das tägliche Brot zu sorgen, sollte man wenigstens die Trüfselschnitte nicht vergesien. Uebrigens bin ich natürlich auch durchaus Ihrer Mei- nung. Herr Generaldirektor, baß die Tarife der Arbeiter noch immer viel zu hoch sind. Die Leute treiben einen un- verantwortlichen Luxus, kaufen sich Trüsfelschnitte, während die Wirtschaft an den übersteigerten Löhnen zugrunde geht und auf die Großmut des Staates angewiesen ist. Unerhört, unerhört sowas! Aber, wie ich mit Erstaunen sehe, bin ich— sehr gegen meine Absicht— im besten Zuge, hier eine Apologie sür Hitler zu liefern. Nur daß dessen„Trüfselschnitte" sozusagen jedes materiellen Nährwertes entbehrt. Oder sollten doch schon Feuerwerke— pyrotechnische und rhetorische—, verbunden mit Aus- und Fackelzügen, Paraden und Demonstrationen den Hungrigen genügen? Clerc. Gelnrnoperation mit Kurzwellen Aufsehenerregende Versuche in Wien Im Wiener Psychologischen Jnstibut berichtete Professor Scheminsky dieser Tage von Aussehen erregenden Versuchen, die er seit erniger Zeit an Tieren vornimmt, um die Wir- kung von Kurzwellen auf das Gehirn festzustellen. Besonders interessant waren seine Demonstrationen an einem lebenden Huhn. Läßt man durch das Gehirn des Huhns Kurzwellenströme hindurchgehen, so wird die Tätigkeit dieses Organs sofort ausgeschaltet, als ob es durch einen Eingriff entfernt worden wäre. Es handelt sich hier also um eine Operation ohne Messer, ohne Blutverlust und ohne Wunde. In dem Augen- blick, als das unsichtbare Instrument in Wirksamkeit tritt, verliert das Versuchshuhn jedes Bewußtsein. Es bleibt regungslos, wie versteinert, stehen, seine Willensimpulse sind ausgeschaltet und es reagiert nur noch durch unwillkür- Nchc Reflexbewegungen. Man kann dem Huhn mit dem„weggezauberten" Gehirn das schmackhafteste Futter vorsetzen: es macht keine Miene, auch nur ein Körnchen aufzupicken. Man muß es künstlich füttern und tränken. Merkwürdig ist sein Verhalten, wenn man es auf den Rücken legt. Dann meldet sich reflexartig das gestörte Gleichgewicht. Das Tier ist sofort wieder aui den Beinen und— verharrt weiter regungslos in dieser Stellung. Marconis„elektrisches Messer" In Chelmford wurde vor einer Gesellschaft von Aerzten und Gelehrten ein neuartiges Instrument vorgeführt, das von Marconi und seinen Mitarbeitern zu chirurgischen Zwecken konstruiert wurde, und das unblutige Operationen mit Hilfe von Kurzwellen ermöglicht. Dieses„elektrische Messer" ist eigentlich ein Stäbchen ohne Schneide, das mit einer Kurzwellen-Apparatur verbunden ist. Wird es zum Beispiel an ein Stück Fleisch herangeführt, das aus einer Metallplatte ruht, und der Stromkreis geschlossen, so kann man mit virtuoser Sicherheit das Fleisch entzweischneiden. Eine glatte, trockene Schnittfläche bleibt zurück, kein Tropfen Blut geht verloren. Wenn auch die Erfindung im Prinzip nicht neu ist, so wurde sie doch von Marconi zu einer bisher ungekannten Vollkommenheit entwickelt. Das Geheimnis ihrer Wirksamkeit besteht darin, daß der Zauberstab eine mit Hochspan nungsstrom geladene Elektrode darstellt. Beim Schließen des Stromkreises entwickelt sich eine solche Hitze, daß die Zellen, die sie berührt, radikal getötet werden. Die Blut- gefäße ziehen sich unter der Einwirkung des Stabes zu- sammen und werden gewissermaßen oersiegelt. Ein beson derer Wert dieses Versahrens liegt darin, daß nach der Ope- ratio» an der amputierten Stelle keine lebenden Zellen zu- rückbleiben, die den Verlauf der Heilung gefährden könnten. Geschwüre. Wucherungen usw. können vom Arzt mit dem „elektrischen Messer" entfernt werden, ohne daß die Gefahr einer Infektion eintreten kann. Der„Flohtöter" Außer dieser Erfindung ist Marconi vor kurzem noch mit einem anderen Heilapparat vor die Oeffentlichkeit getreten. Er beruht auf dem Prinzip, daß man mit Hilfe von Ultra- Kurzwellen im Körper künstliches Fieber erzeugen kann. Marconis„Flohtöter", wie ihn die englischen Aerzte in humoristischer Weise nennen, soll imstande sein, Bazillen im kranken Organismus abzutöten. Der Apparat wird gegen- wärtig in emer Reibe von Kliniken erprobt. Hunger im smlpetergebiet In Chile hungert ein Großteil der Bevölkerung. Nach der großen Revolution vor etwa zwei Jahren ist das Land noch immer nicht zur Beruhigung gekommen. Aber keine Revolution kann einem Land Brot bringen, dessen einziger Reichtum der Salpeter ist. Das Salpetergebiet Chiles, das die einzigen abbauwür- digen Salpeterlager der Welt ausweist, umsaßt eine Fläche, die etwa 800 Kilometer lang und stellenweise bis zu 50 Kilo- meter breit ist. Diese Zone, die der Chilene Pampa nennt, liegt zum größten Teil aus den Hängen der mittleren Anden in einer Höhe von 000 bis 2000 Meter über dem Meere, aber auch selbst in Höhen von 4000 Meter wird noch Salpeter ge- sunden. Als Entdecker der Salpeterlager Chiles gilt der Naturforscher Thadäus Hänke. der in Bolivien ansässig war und 1800 nach eigenen Plänen die erste Salpetersiederei er- richtete. Aber erst um l830 hat man den Natronsalpeter als ganz vorzügliches Düngemittel erkannt, das seither in rie- sigen Mengen nach Europa verschifft wird. In den jetzt be- stehenden 160 Fabriken, die rund 65 000 Arbeiter beschäftigen, steckt ein Kapital von annähernd 500 Millionen Dollar: die Jahresproduktion bewegte sich um 8 000 000 Tonnen. Es ist ganz natürlich, daß die Weltwirtschaftskrise mit der sinkenden Kaufkraft der Völker auch auf den Geschäftsgang der Talpeterindustrie ungünstig einwirkt. Sie trägt aber keineswegs die Hauptschuld an jener Krise, die augenblick- lich ganz Chile erschüttert. Eine andere, weit ernstere Ur- sache ist die. Entdeckung des Verfahrens zur Herstellung von künstlichem Stickstoff aus der Luft, durch die dem Chile- salpeter eine gefährliche Konkurrenz erwachsen ist. Nicht weniger bedeutsam für die revolutionäre Stimmung des Landes ist aber auch die Tatsache, daß die Methoden der Ge- winnung und Verarbeitung des Salpeters in den letzten Jahren immer weiter verbessert worden sind: diese Ver- besserungen laufen nämlich letzten Endes auf eine immer stärkere Mechanisierung der Arbeit hinaus. Ter auf die Straße geworfene Arbeiter ist plötzlich überflüssig geworden im Wirtschaftsleben und rebelliert... MTP. Mit sechs Unzen um ein Mädchen London. 22. April. In North Shields in England wurde der Kamps zweier Boxer um die Gunst eines Mädchens nach allen Regeln des Faustkampfes im Rmg<-entschieden Zwei Maltheser, Joe Nicholo und Emanuel Philipps, beschlossen, die Konkurrenz um ein von beiden geliebtes Mädchen ein für allemal durch sportliche Entscheidung aus der Wett zu schassen. Mit sechs Unzen Handschuhen und harten Ban- daaen trugen sie diesen Kamps um ihr ferneres^eöen aus, während das Streitobjekt mit liebenden Augen lm Zuschauer» räum saß und interessiert den Kamps verfolgte. Die Polizei machte zuerst Einwände, aber der Manager versicherte den Beamten, daß behördlicherseits kein Grund zum Einschreiten vorlag. Als die beiden Rivalen den Ring betraten, sah man, daß Emanuel den kleinen Joe um Haupteslänge überragte. Und das Glück schien sich auch zu Ansang dem Mann m,t der langen Reichweite zuzuwenden. Doch der kleine Joe konnte sich im Lause des Kampfes durchsetzen und den Langen nach Punkten besiegen. Emanuel Phillipps nahm die Entscheidung an und wird Trauzeuge bei dem jungen Eh^aare sein. MTP. Eine Frau schlägt 3!ack Dempsey K. o. Tie große Krise hat auch das Vermögen des ehemaligen Weltmeisters Jack Dempsey schwinden lassen. Er muyte nch wieder bequemen, in den Ring zu steigen, und da er nicht mehr der jüngste ist. kann er auch nicht mehr gegen die großen Kanonen antreten. Der Ex-Champion der Welt muß «roh sein, in irgendwelchen mittleren und kleinen städten Amerikas, bei kleinen Börsen, mäßigen Partnern gegen- übergestcllt zu werden. Jetzt stand er in Alexanbria, einer kleinen Stadt im Norden der Bereinigten Staaten, dem Boxer Plumer gegenüber. Der Schiedsrichter war nicht energisch genug, um darauf zu achten, daß dieser Kampf in aller Fairneb geführt wurde. Plumer gelang es, den Ex- Champion in der siebenten Runde für kurze Zeit zu Boden zu bringen, aber diese Zeit nutzte er aus, um dem Gegner einige Fußtritte zu verabfolgen. Dempsey sprang auf, ein Wort gab das ändernder alte müde Kämpfer wurde wieder zum Löwen und mit ein paar woblgezielten upper-cuts war der Abend für Plumer beendet. Nicht aber für seine Frau, die am Ring saß. Ohne daß es jemand verhindern konnte, sprang sie in den Ring und ging wie eine Furie aus Jack Dempsey los, zerriß ihm das Trikot, raufte ihm die Haare und der große Jack konnte nichts anderes tun, als ins Publi- kum zu ilüchten. um der wütenden Amazone zu entgehen. Nun drohte.der Kampf zwischen dem Schiedsrichter und der Gattin des Borers Plumer weiterzutoben. aber diesem weit weniger kräftigen Mann gelang es schließlich, die Dame aus dem Ring zu heben und Jack Dempsen unter dem Heulen der Zuschauermenge zum Sieger»u erklären. Em unfreiwilliger Fakir ßroct Operationsnadeln 23 Fahre im Körper Vor dem Zivillandgericht in Wien ist seit fünf Jahren ein Prozeß anhängig, den der Vertreter Alfred Vollrath gegen den Krankenanstaltsfonds angestrengt hat. Dieser Prozeß, der bereits alle Instanzen durchlaufen hat, muß jetzt neuerlich in erster Instanz durchgeführt werden, ohne daß es ivohl gelingen wird, die Frage zu lösen, wie ein Mensch 28 Jahre lang mit zwei spitzen Nadeln im Leib zu leben ver- mag. Vollrath wurde 1S10 in einem Wiener Krankenhaus einer Blinddarmoperation unterzogen und fühlte von diesem Zeit- punkt ab immer wieder Beschwerden, ohne daß es gelungen wäre, die Ursache dieses Uebels festzustellen. Erst eine im Jahre 1029, also nach 19 Jahren, durchgeführte Röntgen- Untersuchung brachte das überraschende Ergebnis, daß Boll- rath in seinem Körper eine einen Zentimeter und eine zwei Zentimeter lange Operationsnadel beherberge. Bollrath behauptete nun, baß diese beiden Nadeln aus Un- achtsamkeit bei der seinerzeitigen Operation in seinen Kör- per gelangt waren und begehrt 5000 Schilling(5000 Zlotyj Schmerzensgeld, 5000 Schilling Verdienstentgang und eine monatliche Rente von 150 Schilling(150 Zlotys. Der Kläger will in den letzten Jahren durch die verursachten Beschwerden außerstande gewesen sein, seinem Vertreterberuf, der ihn ständig auf den Beinen hält, nachzukommen. Die beklagten Krankenanstalten bestritten jede Schuld und gaben sogar der Meinung Ausbruck, daß der Kläger die Na- deln verschluckt haben müßte. In den ersten Instanzen wurde bann auch die Klage abgewiesen, erst der Oberste Gerichts- Hof ordnete eine nochmalige Durchführung des Beweisver- sahrens an. In dieser Revisionsverhandlung erklärte der medizinische Sachverständige Prof. Dr. Stejskal. daß die Nadeln wohl bei der Operation w den Körper bei Patienten gelangt sein müssen, daß jedoch die behaupteten Beschwerben nur zum Teil auf diese Fremdkörper zurückgeführt werden könnten. Der Prozeß wurde weiter vertagt. Inzwischen hat sich Bollrath entschloffen, zum Zwecke der Entfernung der Nadeln eine neuerliche Operation vor- nehmen zu lassen. Flsschensammlung;u versteigern „Menschen gibt'S, die sich verrammeln hinter eigenartigen Schätzen, und die nichts als Flaschen sammeln, die sie auf Regale setzen."— In Paris wird jetzt eine der komischsten Sammlungen der Welt, eine Sammlung von ISläsern und Flaschen zur Versteigerung kommen. Es wird wohl kaum jemand wissen, welche seltsamen Formen Flaschen haben können. Bei der Vorbesichtigung konnte man neben kostbaren Kristallslaschen vor allem Monarchenbüsten. FrauenporträtS und Denkmäler bewundern. Recht sinnig ist bei den meisten Büsten, baß die Köpfe alS Pfropfen gedacht sind und abnehm- bar sind. Bei Napoleon kann man aus dem Hut trinken, bei JuliuS Cäsar hingegen dient der hohle Kopf als Glas und der übrige Körper alS Flasche. Das seltsamste aber ist, daß der Auktionator auf hohe Preise hofft, da viele dieser Flaschen einmalig sein sollen. Die Nation .Und was dabei Mache ist..• Man schreibt uns: Die österreichische Presse berichtet, baß Frau Habicht, die Gattin des früheren nationalsozialistischen»Landesinspektors" für Oesterreich, in Linz, seinem seinerzeitigen„AmtS- siy". weile, um die endgültige Uebersiedlung inS Deutsche Reich durchzuführen. Wie viele Wochen ist es her, daß er Tollsuß das Ultimatum gestellt hat, nach dessen Ablauf der Endkamps mit voller Wucht wieder aufgenommen werden solle! Und nun— sang- und klanglos, wie ein geprügelter Hund, hat sich das„dritte Reich" vor dem derzeit noch besser gerüsteten römischen Gesinnungsfreund zurückgezogen. Wie sie die Lstansprüche den vormaligen„polnischen Schweinen" für 10 Jahre geopfert haben, wie Hitler feierlich wiederholt aus Elsaß Lothringen verzichtet, wie er schon vor vielen Jahren Deutsch-Südtriol preisgegeben hat, so zieht er sich nun gesenkten Hauptes vor dem österreichischen.„Bruder» stamm" zurück, dessen Wiedergewinnung eine Zeitlang sein heiligstes Ziel sein sollte, dem ein nicht enden wollender Lärm in der Mamclukcnpresse wie im amtlichen Rundfunk gewidmet war. Nun ist alles totenstill. In allen Gipfeln hörest du kaum einen Hauch. Was will das besagen? Nu» nichts anderes, als daß alle diese nationale Mache, all daS hysterische Gezeter, das je nach Bedarf heilige Begeisterung, tiefe Kümmernis, unverrückbare Kampfentschlossenheit markieren mußte, nichts als eine Mache gewesen ist, ein zu bestimmten diplo- malischen Zwecken angeblasenes und ebenso rasch zu anderen diplomatischen Zwecken wieder abgeblasenes künstliches Manöver ohne jede Spur echter, ehrlicher, natürlicher Trieb- krast. Seit Jahren ist das Saargebiet die Stätte der gleichen gefälschten nationalen Begeisterung. Was 14 Jahre selbst- verständlich« Ucberzeugung jedes Saarländers gewesen war: die einheitliche deutsche Gesinnung und der Wille zur deutschen Volksgemeinschaft, das wurde zerrissen durch die Einsetzung der verbrecherischen Bandenhcrrschast im Reich, die jedem Echtdcutschgcsinntcn schärfste» Widerstand und dir Verteidigung dieses Restes vom braunen Terror freien Reichgebiets zur heiligen Pilicht macht. Seitdem die An» wendung aller Reklamekünste. aller Verdächtigungen, aller Einschüchterungsmittel. Millionen über Millionen hat das bankrotte Reich übrig, um Menschen zu kaufen, Zeitungen zu bestechen, Propagandareisen und Feste jeder Art zu veran» stalten. Laßt den Goldstrom für einen Monat verssegen. nehmt sür eine Woche die lähmende Angst vor den ve-brcche- tischen Gewalttaten des„dritten Reiches" weg— und der Spuk wird im Winde wie FrühlingSncbel verflattern. Zwei Stunden von dem von nationalsozialistischem Ileher- wahn kochenden bürgerlichen Saarbrücken liegt die.benso deutsche Stadt F o r b a ch im französischen Lothringen. Wer merkt dort, wo wirklich die fremde Sprache regiert, auch nur etwas von nationalem Widerstand? In einer Baseler Zeitung lesen wir den Berich» von der Studienreise einer Volkshochschule ins Wallis, das in seinem oberen Teil deutsche, im unteren französische Bcvölkc- rung hat. Die bürgerliche Zeitung dieser gutdeutschen Schweizer Stadt erzählt die verschiedensten, intersssantcn Dinge von der Reise- aber nicht ein Wörtchcn von der nationalen Gliederung des Wallfset Volkes. Kein jeurtg«» Bekenntnis zur eigenen Ration, keine Gehässigkeit gegen die andere— die nationalen Unterschiede sind da wie andere, werden geachtet, geben aber keinen Anlaß zur Hetze und zum Streit.- O. man brauchte nur ein paar Dutzend feile Schreiber und Schwätzer dahin zu schlcken. Millionen springen zu lanen, zu versprechen und zu drohen, Ausmärsche zu veranstalten, Uni- formen einzuführen, zu hetzen und zu terrorisieren— im Handumdrehen wäre eine lohende nationale Begenrerung bei zahllosen Gedankenlosen, wäre die schönste Verhetzung der Nationalitäten im Gange. Mache, gewissenlose und verderbliche Mache der ganze wilde Nationalismus! Mache zur Verdeckung dunkler Bestechungen. v!c österreidilsdten Freiheitskämpfer Schweißen um ihre Prozesse Der 12. Februar Julius Deutsch: D« r Bürgerkrieg in C fit u» reich. Ein« Darstellung von Mitkämpfern und Augenzeugen. Mit einer Umschlagzeichnung von Th. Tb Htm« und 24 Leiten Illustration. Berlagsanstalt Graphia, Karlsbad. Dr. Julius Deutsch, der erste Kriegsminister der Republik Oester» reich, der Gründer und Kührer de» Republikanischen Schutzbundes, ha, als gehetzter Flüchtling seine Heimat verlogen, nachdem er tagelang tm Mittelpunkt der mörderischen Bürgerkriegskampse ge- standen. Lein nun vorliegender Bericht ist die erst« aussübrliche und authentische Schilderung der heldenmütigen«ämpsc. die der Schutzbund zur Verteidigung der Bersaiiung. z»m Lchutz der an» gegriffenen Bürger, und«rbeiterrechte geslihrt hat. Er tft nicht nur ein historische» Dokument von einzigartigem Wert, sondern auch ein Kleinod sür den Bücherschrank jedes Freunde» der republi. konischen Freiheit. Deutsch beschränk, sich nicht aus die Darstellung bcr militärischen Ereignisse, er gibt auch ihre politische Vor- (Kschichie und damit ein großes zusammenlassendes Bild der geschichtlichen Ereignisse in Oesterreich von ihren Ansängen an bis zum blutigen Ende Er spricht auch da, Bitterste an»,«ndem er zeigt, wie der Schutzbund isoliert gegen eine große Uebermacht kämpfte, well die gefühlsmäßige«nmpathl» der vevStkerung kein« prak-' tisch« Auswirkung fand und im Generalstreik versagte. Man lernt die kämpfenden, aber auch dle besiegten Schutzbstndlcr gls wahr« beiden rennen, die N» in seder Lage mit Leidenschaft als Streiter für Menschentum und Freihell bekannten. Ein tragische», aber auch erhebende? Stück weltgeschichtlichen»lassenkampses zieht in Wort und Bild mit plastischer Eindringlichkeit an uns vorüber. Da» Im- schl-gbild, da» in künstlerischer Form den todesmutigen Ber- teidiqcrn de» roten Sien» huldig», ist von Theodor Thomas Heine gezeichnet. Nene Kampfschriften l.... Georg Decker!„Revolte und Revolution. Der Weg zur grrihrit". Bcrlagsanstalt Grapbia. Karlsbad. Prosessor Dr. Georg Decker, der. rühmlich bekannte marxistische «zcrscher. hat einig» Monate seiner Kerkerhaft Im 1,dritten Rel«" dazu benutzt, nicht nur mit hellen Augen seine Umgebung zu be- trachten, sondern auch die interessantesten sozialpsychologischen Untersuchungen anzustellen. Das Ergebnis tft ein« Schrift, die bei aller Schwere des»erarbeitenden Stoffes doch in jeder Zeil« leben»- frisch wirkt,«eil fie aus unmittelbar Erlebte« ihren Ursprung ge» >nd ausgezeichneter schriftstellerischer Kämpfer erweist. Möge seine Stimme von vielen gehört, möge sctn Wort von vielen weitergegeben werdcnl Soeben erschienen: UO fsf und Revolution Der Wag zur Freiheit Von Georg Decker Der Verfasser saß im fahre 1933 monatelang hinter den Mauern deutscher Gefängnisse. Er zerfetzt das Harademän. telchen einer„nationalen Revolution" und enthüllt sie als den geglückten„Aufstand der Gescheiterten", die für persönliches Mißgeschick und eigenes Versagen das„System" verantwortlich machten. Georg Decker gewinnt neue Ausblicke auf den Weg zur Freiheit: Die Klüt, zwischen der angeblichen„nationalen Geschlossenheit" und der realen Wirklichkeit reißt täglich tie er auf.„Es genügt jetzt nicht, die Voraussetzungen der im heutigen Deutschland schon vorhandenen Unzutriedenheit zu prüfen, es muß der Weg gefunden werden, diese Unzufriedenheit in politische Leidenschaft und einen fanatischen politischen Willen zu verwandeln Preis in: Belgien 7,50 Fr./ Dänemark 1,40 Kr. /• Frank» reich 5,50 Fr./ Großbritannien—,1,5£/ Ital en 4, Lire Niederlande—,50Gulden/Oesterreich 1,80Schilling/ Polen 1,85 Zloty/ Schweden 1,45 Kronen/ Schweiz 1,10 Fr Tschechoslowakei 7,— tschechische Kronen/ USA.—,35# BESTELLUNGEN DURCH JEDE BUCHHANDLUNG oder direkt an Verlagsanstalt„Graphia" Karlsbad Pariser Bcridiie Pariser Siraflenhalender Die Orchester, die in den öffentlichen Gärten von Paris spielen, erhalten für jedes Konzert von der Stadtverwaltung die Summe von 382,95 Franken. * Am Donnerstag, 21 Uhr, findet eine Mitgliederversammlung des Verbandes deutscher Journalisten in der Emigration 2, rue Montpensier statt. Stephan Valot spricht über die „Berechtigung der französischen Journalisten", ferner wird über„Presserecht im„dritten Reich" und„Emigrantenpresse" referiert. * Eine Kundgebung der Sektion Frankreich des Schutjver- bände» fordert mit Schärfe und Nachdruck die Freilassung von Carl von Ossietky, Ludwig Renn, Kurt Hiller und allen gefangenen Antifaschisten. Insbesondere möchten wir unsererseits noch an die Tragödie des alternden und mutigen Erich Mühsam erinnern. * Im Grand Palais wird am Freitag der„Salon", die Frühjahrsausstellung eröffnet. * Zugunsten der griechischen Stiftung der Universitätsstadt und des Cercle Fran^ois Villon(der auch eine Anzahl deutscher Künstler betreut) wurde eine Ausstellung von Bildwerken des Museums der Akropolis 2 bis, Villa Guibert(83, rue de la Pompe) vom hellenischen Gesandten eröffnet. Es sind Kunstwerke, die 480 vor unserer Zeitrechnung durch die Perser bei der Eroberung der Acropolis umgeworfen wurden. Es handelt sich um Skulpturen von einzigartiger Schönheit, eine seltene Gelegenheit für nur wenige Tage. * Lotte Schoene und Laurits Melchior wirken als Solisten hei einem außerordentlichen Konzert mit, das M. Theodore Mathieu, der musikalische Leiter des Senders Poste Parisien, am Mittwoch mit seinem Orchester in der salle Pleyel gibt. Ptiilharmonia Die nächste Orchesterprobe findet am Donnerstag, dem 26. April. 20.45 Uhr, im Restaurant Dardik, 41, rue Richer (Metro: Cadet oder Montmarte) statt. Dortselbst auch die nächste Chorprobe am Montag, 30. April, 20.45 Uhr. Aktive und passive Mitgliedschaft kann auf einer Probe mündlich oder schriftlich: Philharmonia, 45, avenue du General Michel Bizot, Paris 12 e, angemeldet werden Das Stendhal-Museum Wie bekannt, wird in Grenoble, der bergigen Heimat von Henri Beyle, der unter dem Namen Stendhal Weltberühmtheit erlangte, demnächst ein Museum des eigenartig empfindsamen Menschen und Schriftstellers eröffnet werden. Die Vorbereitungen zur Sammlung der Erinnerungen des Verfassers von„Rouge et Noire" sind fast vollendet. In der Heimat des Mannes, der das Verstecken so liebte, daß er nicht nur eine gleichgültige norddeutsche Stadt, die er unter der napoleonischen Besetzung kennen gelernt hatte, zu seiner Patin machte, sondern sogar seinen Grabstein fälschte, steht bereits ein Monument des Dichters, nach dem berühmten Medaillonbilde des großen Malers David d'Angers. Es befindet sich in den Anlagen am Rathaus der Stadt. Die Eröffnung des Stendhal-Museums soll am Samstag, dem 5. Mai, vormittags stattfinden. ret. mniie 43.13 Möiro P 1 o a 1 1 e Deutsche Poliklinik Paria, OZ, Rue de la Rochefoucauld Allgemeine Konsultationen mit 9 Spezialisten. b) Chirurgie c) Geburtshilfliche Klinik«f) Zahnatt fli ch e» Kabinett Innere Medizin, Augen». Ohren-, Nasen- and KehlkopfkranK» ZweistöckigesJSanatortunisgeMnde, Vierstöckige« Gebäude. Zimmer Zahn, und Mundchirurgie. Gold- aeiten. Kontgtm, ,Diathermie. 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Sebastopol.— Sprechstunden v. 9—12 u. 2—8 Uhr; Sonntags vormittags Metro: Reaumur, St. Denis Das Gastspiel ruriwängters Daß das Berliner Philharmonische Orchester samt seinem Leiter heute ein Stück Propaganda des„dritten Reiches" bildet, ist bekannt. Und doch gehört ein Stück Hitlerei mit umgekehrten Vorzeichen dazu, die rein künstlerische Bedeutung dieser Musikanten nicht anzuerkennen. Wer dieses Orchester vor zwei, drei Jahren gehört hat und es wieder hört(mit einem unter Aufbietung von allerlei Höflichkeit noch vorhandenen schwarzen Renommierjuden am ersten Geigenpult), dem scheint„alles beim Alten geblieben". Das mag im Angesicht Hitlerdeutschlands ein Lob sein, für den Fachmann ist es Lob und schärfster Tadel zugleich. Das Pariser Gastspiel der Berliner Philharmoniker war aufschlußreich. Was französische Kritiker— wir haben eine recht wesentliche Stimme hier vor Tagen bereits zitiert— andeuteten, das müssen wir klar aussprechen: in Deutschland herrscht auf musikalischem Gebiete Vorkriegsgeist. Immer noch ist der Geist und Stil Richard Wagners formgebend. Die Apotheose selbstherrlichen Interpretentums hat die ganze Kulturwelt um die Jahrhundertwende kennen gelernt. In Deutschland, dem Lande Richard Wagners und Wilhelms II. herrscht es heute noch. Von Bülow bis Furtwängler, es ist dieselbe Linie. Was könnte auch den heutigen Herren lieber sein als eine Kunstübung, die selbst die göttliche Reinheit einer Mozartschen Serenade mit Bayreuther Parsifal- Wolken umschattet?— Der Ausländer mag sich von der Seltsamkeit des Eindrucks bluffen lassen. Nichts kann über die Tatsache hinwegtäuschen. daß von der deutschen Musikkultur erst wieder Impulse ausgehen werden, wenn sie ihre heutige Erstarrung überwunden sein wird. Paul Walter. Deufsdie und französische filme Wir haben uns, aus gebotener Zurückhaltung, mit der Frage der deutsch-französischen Filmheziehungen seit längerer Zeit nicht beschäftigt. Aber wir haben die Entwicklung scharf beobachtet seit dem Moment, wo in Frankreich auch der Boykott von Hitler-Filmen gefordert wurde und die französischen Produzenten erklärten, daß sie noch an die bestehenden Verträge gebunden seien. Dann erlebten wir die wunderbare und machtvolle, man kann sagen, rasende Entwicklung von Paris zur internationalen Filmhauptstadt Europas. Wir sahen den großen Vertrag der Amerikaner in Paris, wie er sich insbesondere in der Arbeit von Fritz Lang und G. W. Pabst an der Seine ausprägte. Wir erlebten die Verlegung der Hauptarbeit der europäischen Zentren Hollywoods von der Friedrichstadt nach Paris. Und wir sahen eine prachtvolle Eigenarbeit der französischen Kamera, die solche Wunderleistungen wie„La Maternelle" oder„La Bataiile", dazu die große Triiogie der„Miserables" nach Victor Hugo und die Belebung der großen Klassiker des französischen Geistes hervorbrachte. Und wir fragten jedesmal, wenn wir an dem durch besondere Unterschriften mit der Ufa und der Filmkulturkammer verbundenen Aubert-Palast vorbei gingen: weswegen eigentlich diese Zusammenarbeit mit einem Lande, in dem der„Hitlerjunge Quex" läuft? Kann Frankreich, das Land des Geschmackes, nicht alles aus Eigenem und mit Amerika leisten? Jetzt schreibt Jean Chataigner im Filmteil eines der angesehendsten Informationsblätter, die für den Filmmarkt besonders entscheidend sind, ganz etwas Aehnliches. Der Artikel des„Journal" stellt fest, daß die französischen Filme in Zukunft keine Aussicht haben, in Deutschland gespielt zu werden. Frankreich habe sich boi der Regelung schlechter gestellt. Mehrmals seien selbst Filme, die die deutsche Zensurkarte hatten, nicht gespielt worden. Ein geheimnisvolles Machtwort habe ihre Aufführung in öffentlichen oder geladenen Kreisen unterdrückt. Neuerdings hat der Propagandaminister G ö b b e 1■, wie der Artikel mitteilt, die Generaldirektoren der wichtigeren Firmen versammelt, um mit ihnen die Zulassungsbedingungen in Deutschland zu prüfen. Es sei beschlossen worden, außer in bestimmten Fällen nichts mehr einzuführen und drie deutschen Hersteller zu veranlassen, Drehbücher zu verwenden, die die Tugend, den Edelmut und die Vaterlandsliebe Hitlerdeutschlands preisen. Der französische Beurteiler schließt daraus auf eine doppelte Notwendigkeit zur Verteidigung: einerseits müsse der Filmaustausch zwischen Frankreich und Deutschland schärfstens überwacht werden(man wird»ich erinnern, daß die französische Filmzensur vor einiger Zeit voiji Kultusauf das Innenministerium übertragen wurde)— andererseits müsse eine vollständige und tatsächliche Reorganisation des französischen Kinos durchgeführt werden, dessen Privatinteressen denen der Allgemeininteressen-untergeordnet werden müßten. Der Verfasser beschwört die Zögernden und Widerstrebenden mit bewegten Worten, seinem Rate zu folgen. Wir halten diese Aufforderung für außerordentlich wichtig und beherzigenswert. Wenn wir uns die neue deutsche Produktion ansehen, in der Filme wie„Der Werwolf" aus dem dreißigjährigen Kriege nach dem verhitlerten Buch von Löns, „Die Reiter von Deutsch-Ostafrika" und dergleichen vorkommen, ja, wenn man vielleicht an den in Paris selbst beabsichtigten deutschen Polizeifilm„Polizei-Akte 909" denkt und an die große Rolle, die die„Gruppe Leni Riefenstahl" spielt(die„des Führers Filmschauspielerin" ist), so sieht man hier manches gleich dem geübten Auge des Kameramannes klarer. Fritz Lang über„Liliom" Fritz Lang veröffentlicht in der Pariser Presse eine Erklärung der Arbeit, die er auf Einladung Erich Pommers an dem Volksstück„Liliom" leistete. Er sagte u. a.. daß ihn der Verzicht auf seine Muttersprache gezwungen habe, die klarste und einfachste Formel seiner Gefühle zu suchen und im tiefsten Innern zu wühlen. Lang lobt dann seine großen Mitarbeiter an dem in Paris entstandenen Film. BRIEFKftSTEW 150 Mk. Barcelona. Mehr als in der Notiz angegeben, ist uns auch nicht bekannt. Tic Mitteilung entstammt einer Zeiiungs- korrespondenz. Vielleicht fragen Sie direkt in Palästina oder bei einer jüdischen Hilfsorganisation an. Wir bedauern, Ihnen keinen heileren Bescheid geben zu können. H. K., Gens. Es scheint uns doch zuviel verlangt, in einem so weit verbreiteten Blatte wie der„Deutschen Freiheit" irgend einen Querulanten öffentlich anzuprangern, der in Gens verleumderische Behauptungen über den und jenen ausstreut. Nehmt euch den Burschen mal unter vier Augen vor und sorgt dasür, daß er das pädagogische Gespräch nicht so bald vergißt. L. St., Paris. Wenn ein Lob so klug begründet wird, darf man sich darüber freuen. Biele Grüße. Bäk, Riele«. Ihre Karte erhalten. Selbstverständlich können wir Ihnen die Zeitung mit wechselnder Adresse zustellen. Wir haben mehrere solcher„Fälle". Ihr Auftrag wird also wunschgemäß aus- geführt. Freundliche Grüße. „Berliner". Wie Sie uns schreiben, wünscht der Haus- und Grund« besitzerverein des Ortes Nowaweß bei Berlin eine Namensände- rung, da der Ort häusig mit den gleichnamigen Orten in Polen und in der Tschechoslowakei verwechselt wird. Während des Krieges wurde Zabrze in Hindenburg umgetauft. Man könnte Nowawes nach dem neuesten Berliner Ehrenbürger benennen, etwa Göbbelsau. „Tchleswig-Holfteiu meerumschlungeu..." Nicht erst auS Ihrem Briese wissen wir, daß in der deutschen Nordmark die Hitler« begeisterung, die dort besonders hoch schäumte, sehr nachgelassen hat:„Die Bauernschaft de? Dorfes Schafflung richtete an den Reichskanzler ein Schreiben, in dem sie ihn aufforderte, endlich die den Bauern gemachten Versprechungen durchzuführen. Sie erhielten einen von Hitler eigenhändig unterzeichneten Brief, es sei Pflicht eines jeden Staatsbürgers, in erster Linie pünktlich seine Steuern zu zahlen. Eine Schuldentilgung komme vorläufig nicht in Frize. Die Antwort löste ungeheure Erregung unter den Bauern auS." Das„dritte Reich" wird schon noch die Wahrheit des Wortes zu spüren bekommen.„Ter Bauer ist kein Spielzeug." Astrologe. Sie sagen„Schicksalsschaiien über 1S34" voraus, und zwar in der Form heftiger Auseinandersetzungen zwischen der deutschen Reichsregierung und der internationalen Hochfinanz: „Kosmisch angezeigt ist diese herausziehende Wende in sinanz- und kreditpolitischer Hinsicht durch den in den nächsten Monaten er- folgenden erstmaligen Eintritt des Planeten Uranus, des Neu- schöpsers und Umgestalters, in das Geld» und Finanzzeichen Stier. Hoffentlich holt sich Schacht bei Ihnen Rat für seine Gläubiger« kenserenzen. Wenn man die Transferkonferenzen in astrologische Zirkel verwandelte, ließe sich vielleicht noch manches retten. AW.-Tousilm-Theater Saarbrücken. Das neue Programm bringt in saarländischer Erftaussührung den amerikanischen Tonfilm„D i e Maske d e s Anderen"(The Masqueraderl mit Ronald Eol« man und Elijsa Landi. Eolman spielt in diesem Film einen eng« tischen Parlamentarier, der sich durch Alkohol und Morphium ruiniert hat. und den Doppelgänger dieses Mannes, der für den Lord im Parlament einspringt, um sein Land zu reiten. Im Bor« Urogramm zeigte Pathe-Journal interessante Aufnahmen vom 17 Jahrestag der Sowjets in Moskau. Tie Vorführung beginnt täglich um 20.30 Uhr. Für den Geiamtinhalt verantwortlich: Johann P i tz in Dud» weilen für Inserate: Cito Kuhn in Saarbrücken Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH„ Saarbrücken 8, Schützenstraße 5.— Schließsach 776 Saarbrücken. Lose der IQten Ziehung der nationalen Lotterie Ganze Lose, Halbe, Viertel und Zehntel können noch heute, den 24. April bis einschließlich 9 Uhr abends gekauft werden JEDERMANN KANN SICH EIN LOS SICHERN Nachdem aber die Nachfrage außerordentlich groß ist, wird gebeten, ja nicht zu warten SEPARATER EINGANG IN DAS BUREAU NUR VON DER SEITENGASSE- 2, AVENUE RENE BOYLESVE A. GODOVANNIKOFF, 30, Ouai de Passy, PARIS(16°) Tel.: Jasmin 05-50 Metro: Passy