! Sinzigs unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 97— 2. Jahrgang f Saarbrücken, Freitag, den 27. April 1934 Chefredakteur: MBrtun Aas dem Inha lt Horn iuc Saacfcaqe An die. Wand stellen Alachtkämpfe in Spanien Siitlec sucht Anschluß an die lOeltkonj-untUuc lapen und JCesslec Seite 2 Seite 2 Seite 3 Seite 4 Seite 7 Deutsche Aufrüstung Tatsachen eher Umfang, Tempo und Arf Wir beginnen heute mit dem Abdruck einer Reihe von Aufsätzen, die sich aus Grund unanfechtbaren Materials mit der deutschen Rüstungöpolitik bcschäf- tigen. Nachdem die Nc'chsreg"erung amtlich erklärt hat, dasi sie ohne Rücksicht aus die Meinung des Aus- landes die deutschen Rüstungen so ausbauen werde, wie sie es für die Sicherheit des Landes als notwendig erachtet, brauchen Rücksichten in der öffentlichen Be- Handlung des deutschen Wehrproblems nicht mehr ge- nommen zu werden. I. Die Küsten Dasi Deutschland ausrüstet, ist der ganzen Welt bekannt. Weniger bekannt ist, in welchem Umfang, in welchem Tempo und in welcher Weise das geschieht. Der Reichshaus- halt für 1934 hat über den Umfang der deutschen Rüstungen Klarheit geschaffen. Trotz großer finanzieller Schwierigkeiten, sehr starken Steuerdrucks, sprunghast steigender Schulbenlasten und erheblicher Einschränkung der sozialen Ausgaben sieht der Etat eine Verdoppelung der Ausgaben für die Rüstungen vor. Sie steigen von 671 Mil- lionen Reichsmark im Jahre 1933 auf 1334 Millionen Reichs- suark im Jahre 1934. Im einzelnen ergibt sich folgendes Bild über die Kosten der R ü st u n g e n: in Millionen Reichsmark 1933 1334 mehr Reichswehr 483 638 173 Reichsma ine 186 236 30 Luftwcscn 75 210 185 SA.— 230 250 Wie aus dieser Aufstellung ersichtlich ist. sind Mittel für die Unterhaltung der SA. zum erstenmal in den Etat eingesetzt worden. Niemals zuvor sind Wehrverbände oder Selbstschutz- organisationen vom Staat unterstützt worden. Will man er- wessen, was die Summe von 230 Millionen Reichsmark be- deutet, so braucht man nur darauf hinzuweisen, daß die Geldentschädigung für die gesamte Reichswehr(Offiziere, Unteroffiziere und: annschaften) im Jahre 1933 nur 201 Millionen N-'chs.*k kostete. Die Kosten für die Luftfahrt haben sich von 1933 zu 1934 verdreifacht. Aber man muß berücksichtigen, daß im Jahre 1932 der gesamte Aufwand für die Luftfahrt erst 41.6 Millionen Reichsmark ausmachte, obwohl schon damals ein erheblicher Teil der Mittel Militär hen Zwecken diente. Seitdem Göring Minister für die Luftfahrt ist, haben sich also die Au' aben anf das Fünffache erhöht. Wenn die deutsche Regierung behauptet, die Erhöhung der Ausgaben für die Luftfahrt diene nur dem Ersatz des veralteten Flug- zeugmaterials der p ivaten Lufthansa, sowie dem Ausbau des Streckennetzes und des Nachtverkehrs, so ist das eine starke Zumutung an die Leichtgläubigkeit der Welt. Die Zu- schlisse des Reiches für den privaten Luftverkehr haben bis 1933 nur etwa 20 Million.'» Reichsmark betragen. Für die Einzelheiten der Ausgaben ist man auf die mit Abs- V dürftige und verschleierte Veröffentlichung des Reichsetats im Reichsgesetzblatt angewiesen. Sie ent- hält die Ausgaben nur spezialisiert nach Kapiteln, nicht aber nach einzelnen Titeln. Auch fehlen alle Erläuterungen, sowie Vergleich' mit früheren Jahren. Ist daher auch ein Einbl'k erheblich erschwert, so vermittelt dennoch eine vergleich weise Betrachtung mit dem Jahre 1933 nach einzeln:» Kapiteln viele wichtige Erkenntnisse. Zunächst fällt auf, daß die Kosten für das Kapitel Reichs- w e h r m i n i st e r. die 1933 nur eine Million Reichsmark betrugen, auf 2 339 000 Reichsmark hinaufgeschnellt sind Hier zeigen sich zum erstenmal nicht nur die Spuren des Herrn Röhm, sondern auch die Wirkungen der mit einem Schlage weitgehend vergrößerten Aufgaben der Spitze des Militär- wesens. Betrachten wir die Ansätze für Reichsheer und Reichsmarine getrennt, so ergibt sich folgendes Bild: Lei der Leichswehr Bei den fortdauernden Ausgaben: Der Posten Heeresleitung sieht eine A.ibe von 9 280 000 Rei^smark vor. Sie ist um 1400 000 Reichsmark höher als 1933. Die Besoldung verursacht Ausgaben von 246 370 000 Reichsr-f statt 201876 000 Reichsmark im Borjahr. Di: Verpflegung beansprucht 24 Millionen statt 18 Millionen, die Betreibung 33 Millionen statt 23, die Unterbringun 52 Millionen statt 39, das Sani- tätswesen 5 Millionen sta't 3,8, Waffen. Munition und Heeresgerät 88 Millionen statt 64, Pionier- und Nachrichtenwesen sowie Befestigungen 47 Millionen statt 36. Im Durchschnitt zeigen also alle Ansätze eine Steigerung von 33 Prozent. Noch größer ist sie bei den einmaligen Ausgaben. Diese werden von 27 auf 80 Millionen erhöht. Lei der Leichsmarine sind die angeforderten Mittel, soweit die fortdauernden Ausgaben in Betracht kommen, gegenüber dem Vorjahr kaum verändert. Dar-gen sind die einmaligen Aus- gaben von 39 M Vionen Reichsmark auf 108 Millionen Reichsmark gestiegen. Was bedeuten die„einmaligen" Ausgaben? Nirgends findet man bei dem diesjährigen Etat, welchen Zwecken die einmaligen Ausgaben dienen. Aber aus früheren amtlichen Angaben sFinanzieller Ueberblick 1933, heraus- gegeben vom Reichssinanzministeri'"») kann man sich Klar- heit verschaffen. Dort heißt es: Heer: Ergänzung und Auffrischung der Bestände an Waisen, Munition und Heergerät sowie Verbesserung der Unterbringung usw. Marine: Schisssbaüten, Verbesserung der Werft- und Arseualanlagen, Verbesserung und Vervollständigung der^'"rt idigungsmittel, Waffenausbildung, Auf- krischung der Bestände und Verbesserung der Unter- kunftseinrichtungen usw. Die 10° Millionen, die als einmalige Ausgaben bezeichnet werden, dienen also der besonders schnellen Beschaffung von Waffen, Munition, neuen Schissen usw. Dabei sind aber nicht berücksichtigt die Mittel, die auf dem Umwege über die„Arbeitsbeschaffung" Aufrüstungszwecken dienen. Ueber die Kosten der SA. gibt es im Etat nur den Ansatz von 230 Millionen. Jede Spezialisierung ist sorgfältig vermieden, es wird mit k mm Wort angegeben, wie diese gewaltige Summe ausgegeben werden soll,"m den Eindruck zu verwischen, als ob es sich bei der SA. und ihrei Kosten um militärische Zwecke Handel", sind die 230 Millionen Reichsmark nicht im Militäretat auf' geführt, sondern im Etat der Finanzverwaltung. Das Kapitel trägt die Bezeichnung„Zuschuß zu den Kosten der SA. und des Freiwilligen Arbeitsdienstes". Aber das ist nur zur Irreführung der öffentlichen Meinung des In- u>d Auslandes geschehen. Beides ist Rüstungsvorbereitung. Das Leichsluftfahrtministerium ist erst im Jahre 1933 eingerichtet worden. Es untersteht Göring. Welche gewaltigen Ausgaben man ihm gestellt hat, geht daraus hervor, daß es bereits 1933 mit einem Personal- bestand von 435 Beamten eingerichtet wurde, während das Reichswehrministerium nur über einen Personalbestand von 369 verfügte. Ein Vergleich der fortdauernden Ausgaben der Jahre 1933 und 1934 sieht folgendermaßen aus: A. Lustfahrt Reichsluftfahrtministerium Lustattachees Reichsamt für Flugsicherung Deutsche Seewarte Reichslustaussicht Allgemeine Bewilligungen für Luftfahrt Allgemeine Bewilligungen für Luftschutz 1888 1 887 650 8 468 560 68 817 000 1984 8178 100 44 000 6 889 200 1 275 600 7 800 000 122 19« 000 50 108 250 78 674 050 19158015« Die einmaligen Ausgaben erhöhen sich für das Luft- fahrtministerium von 4,4 Millionen auf 15 Millionen und für das Reichsamt für Flugsicherung von 191000 Reichsmark auf 3 500 000. An diesen Summen sieht man, mit welcher Energie der Ausbau der deutschen Luftrüstung in Angriff genommen wird. (Weitere Aufjätze werden folgen.) Gestern und heute Seit dem Jahre 1872 besteht die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. Man muß sie rühmen, im Namen aller Wohltaten der ärztlichen Kunst. Denn auf den 57 Kongressen, die sie bis zum April 1934 abhielten, zeigten Deutschlands hervorragendsten Chirurgen, daß sie wieder ein Stück vorwärts gekommen waren in der Erkenntnis des menschlichen Körpers und seiner Heilung. Immer waren die deutschen Aeskulap- Stäbe nachher geschmückt mit jungem Grün, zur Mehrung des deutschen Ansehens in der Welt. Aber nun war, vom 4. bis 7. April, die 58. Tagung in Berlin. Der Vorsitzende, Professor Kirchner sah unten im Saale neben ausländischen Chirurgen offizielle Vertreter on SA. und SS. Ihnen galt„ein besonders herzlicher Willkommensgruß 1' Die Leute waren da, sie hatten schnittige Uniformen und strahlten unter dem düsteren Zivil wie ein antiseptisches Operationsbesteck. Kurz, man konnte sie nicht gut übersehen, zumal eine Tagung, die ihnen nicht Loyalität beteuert, heute leicht als Widerstandsnest angesehen werden kann. Die Tragödie der deutschen Chirurgie entfaltete sich erst später. Am ersten Nachmittag hielt der„Erbforscher Baur Breslau ein Hauptreferat über Verhütung erbkranken Na h- wuchses. Er bekannte sich als messerscharfer Operateur nit radikaler Sterilisierungstendenz. Später wurde ein Vortrag des„Amtsleiters" Dr. Groß eingeschoben- zur Führung des Nachweises, daß der Arzt ebensosehr im Dienste des Volkes stehe wie im Dienste jedes einzelnen Kranken. Endlich erschien als Redner jener Oberleutnant Roßbach, der in deutschen Bürgerkriegen praktische chirurgische Erfahrungen gesammelt hat. Er sprach für den Luftschußyerband und prägte den militanten Sag, daß der Luftschutz nicht etwa den Feigen Schuß bieten solle. Er solle vielmehr den Mutigen die Möglichkeit zur erfolgreichen Abwehr geben... Vielleicht fragt jemand: aber wo ist hier die Tragödie? Sie liegt in der Tatsache, daß jenes sorgfältige Ausleseverfahren, das auf allen wissenschaftlichen Kongressen traditionsgemäß geübt wird, heute ohne Widerstand durchbrochen wird. Man läßt den pseudowissenschaftlichen Allerweltsschwätjer ans Pult, er besißt den Stempel der braunen Aktualität und damit Einfluß auf Besetzung von Lehrstühlen und Krankenhausdirektorposten. Aber wir möchten gar nicht soweit gehen und sagen, daß die Herren vom deutschen Chirurgenkongreß bewußt solch rationelle Erwägungen angestellt hätten. Das Leiden sißt viel tiefer. Unter den deutschen Akademikern hatten die Mediziner immer den bescheidensten Sinn für die öffentlichen, kurz für die politischen Dinge. Rudolf Virchow. Karl Ludwig Schleich, Grotjahn: man hat die großen Mediziner, die über ihren Fachhorizont hinausblickten, schnell aufgezählt. Nirgendwo haben sich die Schattenseiten des Spezialistentums so nachtdunkel ausgebreitet wie hier. Bedeutende Aerzte auf der Flucht vor Vernunft und Humanität, mit geschlossenen Augen vor den sozialen Erscheinungen, gleichgültig allem gegenüber, was außerhalb der Forschung lag, ungeheuer willensmächtig vor dem menschlichen Körper, an- passungsbereit vor der politischen Gewalt: das also ist die Tragödie und die Katastrophe. Ein Gespräch mit einem westdeutschen Arzt und Gelehrten kommt uns ins Gedächtnis. Es ging um die großen menschlichen Dinge, gipfelnd in der Höherführung der menschlichen Gesellschaft. Skeptisch sagte der Vielerfahrene:„Ach, glauben Sie mir,— der Mensch ist ein Tier, Sie werden ihn nicht ändern." Wird man es wirklich nicht? Um zuleßt„tierischer als jedes Tier" zu sein, halten wir nicht für den Sinn der menschlichen Vernunft. Aber wem gibt es nicht, zu denken, daß ein Kollektiv von Chirurgen sich zwar von den braunen Gewalthabern beugt, ihre Opfer jedoch übersieht. Kurz, wir vermissten das Bekenntnis, daß der Arzt menschlicher als jeder Mensch sein müsse, wenn er mehr sein will, als der brillante Handwerker medizinischer Kunst. Argus. Wo isf Trofzhl? Paris, 26. April. Der„Matin" behauptet, dasi Leo Trotzki bereits am Dienstag seine Villa in Barbizo» verlassen habe, weil er für seine Sicherheit fürchtete. Er halte sich gegen- wältig außerhalb von Paris bei Freunden auf, und warte den Bescheid der Regierungen ab, an die er sich wegen Ge- Währung eines Asyls gewandt habe. Das Blatt, dessen anti- kommunistische Einstellung bekannt ist, will aus der Um- gebung Trotzkis die Versicherung erhalten haben, daß der ehemalige Volkskommissar kurz vor den blutigen Pariser Februarereignissen zahlreiche Besuche empfangen habe, so daß man auf das seltsame Treiben in der geheimnisvollen Villa habe aufmerksam werden müssen. * DNB. Jstambul, 26. April. Die türkische Regierung hat sich mit der Rückkehr Trotzkis nach den Prinzen-Jnseln im Marmarameer unter den früheren Bedingungen einver- standen erklärt. lensdiner freigelassen Wie erst jetzt bekannt ivird befindet sich Wilhelm Leuschner, ehemals Hesstscher Innenminister und später Vorstandsmitglied des ADGB. wieder auf freiem Fuß. Nach einer Meldung der„Neuen Zürcher Zeitung" wurde Leuschner kurz vor Ostern aus dem Konzentrationslager einlassen. Leuschner hatte noch im Juni 1933 als Arbeit» nehmervertretcr im Berwaliungsrat des Internationalen Arbeitsamtes an einer Tagung in Gens teilgenommen. Der Führer der deutschen Delegation, Dr. Ley, erregte durch sein Verhalten den stürmischen Prolest anderer Tagunqsteil- nehmer und beschuldigte den Sozialdemokraten Leuschner, daß er ihn bei diesem Konflikt nicht unterstützt habe. Trotz- dem wagte Leuschner Ansang Juli die Rückreise nach Deutsch- land, wurde aber bereits in Freiburg im Breisgau vcr- hastet. Zuletzt befand er sich in dem Konzentrationslager Lichtenbnrg bei Kottbus. Von dort erklärte er schriftlich in Genf seinen Rücktritt als Mitglied des Internationalen Ar- beilsamtcs, und die Bestätigung dieser Demission wurde ihm von Genf aus direkt ins Konzentrationslager geschickt. Auch der deutsche Arbcitgebervertreter Vogel hat sein Mandat niedergelegt, nachdem der deutsch? Regierungsvcrtreter be- reils vor längerer Zeit ausgeschieden war. Sdiwindendes ßeidisbanhgold Abwärts! Die Goldabgabcn der Reichsbank haben auch in der dritten Aprilwoche angehalten, doch erfuhr ihr Ausmaß gegen die Vorwoche eine weitere Verringerung. Insgesamt ist eine Verminderung der Währungsreserven um 7 Millionen ein- getreten, die sich aus Goldverkäusen in Paris und London von 7,1 Millionen und andererseits einer kleinen Zunahme der Devisenbestände um 149 009 ergibt. Dabei erhöhte sich der Goldkassenbestand leicht auf 19*2,5 Millionen, während die ausländischen Depots um 8,5 auf 27,8 Millionen zurückgingen. Die Verminderung der deckungsfähigen Wertpapiere hat weiter angehalten und bleibt nur um 1 Million hinter dem bisher höchsten Rückgang in der Vor- wochc von 19 Millionen zurück. Der gesamte Zahlungsmittelumlauf liegt mit 5172 Millionen sowohl unter der Vormonaishöhe von 5194 als auch unter der Vorjahrshöhe von 5216 Millionen. Tie Deckung der Reichsbanknotcn durch Gold und Devisen stellte sich auf unv. 6,8 Prozent. Renfenansprüdie an Auswanderer Berlin, 28. April. sZTA.s Die ReichSversichernngsanstalt für Angestellte hat kürzlich daraus hingewiesen, daß Ver- sicherte deutscher oder ausländischer Staatsangehörigkeit, die Deutichland verlassen, ihre Anwartschast nur durch frei- willige Weitcrversicherung. die nach 8 21 Abs. 2 des An- gestelltenversicherungsgesetzes ohne Rücksicht auf die Staats- angehörigkeit auch vom Auslande aus zulässig, ist, aufrecht- erhalten können. Bei Ausrechterhaltung der Anwartschaft können in Deutsch- land selbst später die Renten, unabhängig von dem zeit- weiligen Ausenthalt im Ausland, bezogen werden. Beim Revtcnbezug im Ausland muß zwischen Reichsdeutschen und Angehörigen solcher Staaten, mit denen Gegcnseitigkeits- abkommen bestehen, unterschieden werden. Tie letzteren Staaten sind Oesterreich, Polen und Jugoslawien. Für Reichsangehörige sowie für Angehörige dieser drei Staaten gilt die Bestimmung, da» die Rente auch ins Ausland ge- zahlt wird. Dabei ist es gleichgültig, in welchem fremden Staat sich der Versicherte aushält. Hingegen erhalten Nieder- ländcr ihre Renten nur überwiesen, wenn sie sich in den Niederlanden aufhalten. Bei den übrigen Ausländern tritt ein Ruhen der Renten ein, wenn sie sich nicht nur vorüber- gehend im Ausland aufhalten. Rem zur Saarfrage Eine vatikanische Stimme Die„Saarbrücker Zeitung" läßt sich unter dem 25. April aus Rom berichten: Die römische„Correspondenca" spricht von der Kam- pagne, die sehr oersteckt von antideutschen Ele- menien im Taargebiet geführt werde mit dem Zweck, die Taarbevölkcrung davon zu überzeugen, daß sie, wenn sie sich mit der Volksabstimmung im nächsten Jahre für die Wiedervereinigung mit Deutschland entscheiden würde, sie von religiösen Gesichtspunkten aus Verfolgungen zu leiden haben würde. Der Zweck sei augenscheinlich, die Bcvölke- rung aufzufordern, die Annexion an Frankreich zu ver- langen oder doch wenigstens die Fortdauer des gegen- wältigen Rcgierungssystems. Die„Correspondenca" fährt fort. Nach ihren Informationen ziele diese Propaganda dahin, die kirchlichen Autoritäten zu überreden, unter dem scheinbaren Äorwand der äußersten Verteidigung der Rechte des Gewissens eine Haltung einzunehmen, die ivcder den allgemeinen Regeln, die von der höchsten kirchlichen Autorität herausgegeben worden find, entsprechen, noch dem religiösen Charakter und der geistigen Mission des Klerus. Es sei ohne weiteres zu verstehen, daß kein Ber- treter der kirchlichen Behörden sich je zu einem solchen Manöver hergeben werde und die Bewohner der Saar würden vollkommen frei sein, die Entscheidung so zn tressen, wie sie sie am zweckmäßigsten halten nnd für am meisten entsprechend ihren Bestrebungen und ihrem Patriotismen und nationalen Geist. * Wir wissen nicht, ob es im Saargebiet jemanden gibt, der von den kirchlichen Autoritäten erwartet, sie würden im Ab- stimmungSkampse eine politische Parole ausgeben. Wir jedenfalls gehören aus leidlicher Kenntnis der katholischen Diplomatie zu diesen Naivlingen nicht. Darum können wir auch nur lächeln, wenn die„Saar- brücker Zeitung" versucht, aus der vatikanischen Stimme, die in der„Correspondenca" getönt haben soll, eine Aufsorde- rung an die Saarkathollken zur Entscheidung für Hitler- dcutschland herauszuhören. Davon wird nicht ein Wort ge- sagt. Der KleruS, so heißt es klar und beutlich, soll sich auf den religiösen Charakter seiner Tätigkeit und seine g e i st i g e Mission beschränken. Die Katholiken an der Taar hätten vollkommene Freiheit, sich bei der Abstimmung so zu entscheiden, wie sie glauben ihren Bestrebungen und ihrem patriotischen und nationalen Geist am besten dienen zu können. Das ist ganz unsere Auffassung. Mit uns aber sind viele Taufende Katholiken der Saar der Meinung, daß nicht nur ihrcn katholischen Bestrebungen, sondern auch dem Geiste des Deutschtums am besten gedient wird, wenn man die Saarbrvölkerung gegen die barbarische Hitlerdiktatur schützt. Gegen Hitler— für ein freies Deutschland! Das bleibt uneie Losung, und der Vatikan hat dagegen gar nichts ein- zuwenden. # Der Kulfnrhampt Schlechte Aussichten für Verständigung Rom, 26. April. Die Auffassung, daß der Papst zu keinen Konzessionen in den Konkorbatsverhanblungen bereit sei, findet ihre Be- stätigung. Zwischen den Vertretern des Vatikans und denen Hitlerdeutschlands klaffen so tiefgehende Meinungsver- schiedenheiten, daß auch nicht die Spur einer Verständigung sichtbar ist. Hinzu kommt die große Erbitterung des PapstcS über das Vorgehen gegen katholische Priester, katholische Zeitungen und die Polemik der nationalszialistischen Presse, die vn der Siaatsauiorität geduldet und gedeckt wird. Ucber alle diese Vorkommnisse hat das päpstliche Sekretariat ge- nauc Berichte erhalten. Ehe nicht absolute Sicherheiten sür die Freiheit der katholischen Erziehung, die Erhaltung der Jugendorganisationen und der Unabhängigkeit der Reli, gionsübung gegeben sind, sind alle Verhandlungen aus- stchtslos. Ministerialrat Buttmann hat über diese Situation ausführlich nach Berlin berichtet. Es ist sehr zweifelhast, ob er die erbetenen Bollmachten erhallen wird. Die Kulturkampsstimmung ist bereits ein so wichtiger Be- siandteil nationalsozialistischer Denkweise geworden und wird von der Presse täglich so stark gcsördert, daß sie kaum noch ab- geblasen werden kann. „llnerirenlidie Dinge" Die„Taarpsalz" berichtet unter dieser Ueberschrist: „DaS München-Gladbacher Kirchcnblatt veröffentlicht in seiner Nummer 14 den Hirtenbrief des zuständigen Bischofs von Aachen über die religiöse Betreuung der Schüler und Schulentlassenen Statt des letzten Absatzes erscheint eine Zensurlücke mit dem Vermerk.„Für diesen Abschnitt ivurde die Druckerlaubnis nicht erteilt." Der Bischof von Aachen hat sofort entschiedensten Protest bei den Ber'lvel Stellen gegen diesen Eingriff der örtlichen Polizei- stellen erhoben. Es stellt eine Verletzung der Konkordats- bcst'.ii,.iungen lArt. 4, Abs. 2« dar, die dem Bischof zusichern, sich in üblicher Weise an die Gläubigen wenden zu können. Wie wir erfahren, durften auch weder die trierischcn Zeitungen noch das Trierer„Paulinusblatt" den letzten Hirtenbriefs des Trierer Bischofs veröffentlichen. Die Katho- liken der Diözese Trier stehen diesem Verbote einer von rein religiöser oberhirtlicher Sorge eingegebenen bischöflichen Kundgebung völlig verständnislos gegenüber." Halholisdie Zeitungen verboten! Unter der neuheidnischen Knute Die„Essener Volkszeitung" ist vom Düsseldorfer Regierungspräsidenten für die Zeit vom*25. April bis 4. Mai einschl. verboten worden. Grund des Verbots ist das von einem Setzer in dem GeburtStagsglückwunsch des Reichs- Präsidenten an den Reichskanzler statt des Ausrufezeichens gesetzte Fragezeichen. Wegen dieser Angelegenheit war, wie berichtet, ein S e tz c r bereits in S ch u tz h a i t genommen worden. Der Setzer ist inzwischen aus der Haft entlassen und vom Verlage der Zeitung entlassen worden. Die„Essener Volkszeitung" stand früher dem Zentrum nahe. Der Oberpräsident von Westfalen bat die in Telgte i. W. erscheinende katholische SonntagSzeitung „M a r i e n b o t e" für zwei Wochen verboten. Auf Veranlassung de» geheimen StaatspolizetamtS hat das badische Innenministerium die weitere HerauS- gäbe der in Pforzheim erscheinenden Tageszeitung „E c c l e s i a" sAugustinus-Berlag, Pforzheim) vorläufig untersagt. Der O b e r p r ä s i d e n t von W e st f a l e n hat im Be- nehmen mit den Gauleitern von Westsalen-Süd und -Nord die Presse der Provinz, insbesondere die kirchlichen Sonntagsblätter, aufgefordert, sich zur Befriedung der Verhältnisse in ber evangelischen Kirche vorläufig aus die Dauer von vier Wochen der Erörte- rung kirchcnpolitischer Dinge zu enthalten, da weitere öffentliche Auseinandersetzungen in der bisherigen Form üble Auswirkungen nach sich zu ziehen geeignet seien. Die Znrttdidrängnng des Mittelstandes Ucber die Krise der nationalsozialistischen Mittelstand»- organisation gibt das Propagandaministerium Ausklärung in Form von Dementis. Danach entspreche die Beurlaubung Dr. von R c n t e l n s, des Präsidenten des Deutschen In- dustrie- nnd Handclstags, nicht den Tatsachen. Ob es sich bei dieser Richtigstellung um mehr als eine Formsrage bandelt, bleibt abzuwarten, denn wie der„Neuen Zürcher Zeitung" von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, sei die kttns- tige Stellung der Industrie nnd Handelskammern„noch nicht endgültig abgeklärt". Ihre Funktion zur Wahrung regionaler Interessen aus wirtschaftlichem Gebiete werde anerkannt. Die Frage des ständischen AufbauS, den Renteln stets als seine Hauptausgabe betrachtet hat, bleibt gemäß dem Willen deS ReichSwirtschaftSministcrs Dr. Schmitt nach wie vor zurückgestellt. Gleichfalls bleibt also die Ausschaltung von Rentclns mit oder ohne formelle Bcurlaubunq eine vollzogene Tatsache. Die Handelskammern werden rein auf ihre örtliche Zuständigkeit beschränkt, und ihr Spitzcnorgan. dessen Präsidium v. Renteln inne hat, ist dadurch völlig über- flüssig geworden. Ende der„Deutschen Tageszeitung" Berlin, 25. April. sDNB.» Die„Berliner Börsenzeitung" veröffentlicht heute folgende Mitteilung: Die„Deutsche Tageszeitung" wird am 89. April d. I. i h r Erscheinenein st ellen Gemäß einer freundschaftlichen Vereinbarung zwischen dem Verlag der„Deutschen Tage»- zeitung" und dem Verlag der„Berliner Börsenzeitung" wird den Beziehern der„Deutschen Tageszeitung" statt dieser die„Berliner Börsenzeitung" vom 1. Mäi ab auf einen Monat zugestellt werden. Japans VorstoD An die Wand stellen ddrlnss neue Todesdrohungen tlnsdiuidiger in der Todeszelle Essen, 26. April fJnpreß). Göring läßt seine vor mehreren Tagen dem Rcuterbüro gegebene Erklärung, daß er neue drakonische Maßnahmen beschlossen habe, durch einen fast beispiellosen Artikel in der ihm nahestehenden Essener „National-Zettung" ergänzen. Das Blatt schreibt:„Was der Ministerpräsident Gvring ausführte, war nichts geringeres, als eine neue und erheblich verschärfte KriegSansage gegen alle Feinde der nationalsozialistischen Reichsregierung... In den ersten Wochen der Revolution wurde rücksichtslos und mit manchmal brutaler Schärfe gegen jeden TtaatSfeinb vorgegangen. Heute droht den Wühlern und Hetzern... eine Haft, die keineswegs so abschreckende Formen hat. daß sie diesen Elementen als Risiko erscheint. DaS wird jetzt anders werden. lJm Original gesperrt.) Der Minister Präsident sagte, daß er sich nicht scheue, ein Stempel zu statuieren und... jene Elemente, die auch heute noch wider besseres Wissen da» Reich verleumdeten und zum Umsturz schüren, an die Wand zu stellen. Daß Blatt veröffentlicht dann folgende, vom Deutschen Nachrichtenbüro geheim gehaltene Erklärung GöringS in seiner Rede bei Uebergabe der Geheimen Staatspolizei an Himmler:„... Wir. die wir verantwortlich sind kür die Erhaltung be» Staate» und unsere» herrlichen Reiches, wollten zögern, iene Kreaturen, die da» Reich stürzen wollen, zu zertreten*? Nein, wir zögern nicht, wir werden sie zer- treten, rücksichtslos, wir werden niemand quälen oder schin- den, aber wir werden sie erschießen." Pari», 26. April tJnpreß). Da» Reichsgericht hat die Revision des gegen den 20jährigen Joseph Reitinger verhängten Todesurteils zurückgewiesen. Rcitinger, der wegen der Tötung eines SA.-Mannes in Frankfurt verurteilt wor- den ist, hat während der ganzen Prozcßdauer energisch be- stritten, aus den SA.-Mann geschossen zu haben. Tie Internationale Juristische Vereinigung teilt nun mit: Ju letzter Stunde ist ein neuer Zeuge erschienen. Getrieben von der Angst, daß infolge seine» Schweigen» ein Unschul- diger getötet werden könnte, hat er sich beim Sekretariat der Internationalen Juristischen Bereinigung gemeldet. Er war Zeuge de« Zusammenstoßes zwischen der SA. und Frank- surter Arbeitern im Juli 1982 und kann insbesondere über die Roll« Reitingers bei diesem Zusammenstoß genaue An- gaben machen, die in krassem Gegensatz zu dem stehen, was das Gericht sür festgestellt erachtet hat. Tie Internationale Juristische Bereinigung hat diese Tatsachen unverzüglich per Einschreiben dem Preußischen Justizminister Kerrl mit- geteilt und ersucht, die zuständigen deutschen Behörden über das Austauchen neuer Zeugen mit äußerst wichtigen Bekun- düngen in Kenntnis zu setzen. Der amerikanische Botschafter bei Hirota DNB. Tokio, 26. April. Auch der amerikanische Bot- schafter hat nunmehr den japanischen Außenminister Hirota aufgesucht und ihn um Aufklärung über die japanische Chinapolitik gebeten. In der japanischen Presse macht sich jetzt die Neigung be- merkbar, weiteren Erörterungen über diese Frage aus dem Wege zu gehen, nachdem die japanischen Erklärungen in der Chinafrage im Auslande eine so starke Wirkung hervorge- rufen haben. Es wirb aber daraus hingewiesen, daß die au»- wältigen Mächte die„ehrlichen Beweggründe Japan»" an- erkennten. Im übrigen gibt man zu, daß die Brrösfent- lichung der in Frage stehenden Erklärung unzwcckmätzig ge- wesen sei, Sanatorium nabsbnrgLothiingen In Bad Gastein haben die drei unverheirateten Töchter des letzten Grobherzogs von Toscana, Ferdinands IV., Germana, Agnes und Margareta, einen Hotelbetrieb er- öffnet. Das Haus trägt den Namen„Hotel und Sanatorium Habsburg-Lothringcn". Pas Menestg In Idar-Oberstein hat sich in einem Ansall von Schwermut ein 22 Jahre alter Diamantschleifer das Leben genommen. Der Arzt hatte ihm au» Gesundheitsrücksichten verboten, zu arbeiten, was sich der junge Mann so zu Herzen nahm, daß er sich mit einem Messer Pulsader nnd Kehle durchschnitt, so daß er innerhalb weniger Minuten verblutete. Wie das Presseamt der O b e r st e n S A.- F ü h r n n g mit- teilt, dürfen Mitglieder de» ehemaligen Stahlhelm- bnndeo, die bereits in die SA. R. j. übernommen sind, eigenmächtig an» der SA. R. I. nicht ausscheiden, nur«m sich anderen Vereinigungen'anzuschließen. Der Vollzugsausschuß des Verbandes der fran» zösischen Post- und Telegrafen bramten hat eine Entschließung angenommen, in der in schärfster Weise gegen die Amtsenthebung der die letzte Streikbewegung lei- tenden Kollegen protestiert wird. Auch andere Beamten- und Angcstelltenverbändc haben ähnliche Entschließungen auge» nommen und Gegenmaßnahmen angekündigt. In verschiedenen Gegenden von T« n i S wurde die selten» Erscheinung von rotem Sandregen beobachtet. Der Mthampf in Spanien Regierungs- oder Staatskrise? DNB. Madrid. 25. April. Das Kabinett Lerroux hat soeben dem Staatspräsidenten seinen Gesamtrücktritk er- klärt, der von diesem auch angenommen worden ist. Die Gründe hierfür sind in den Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Kabinett und dem Präsidenten über das Amnefiiegesetz zu suchen. Alarmzusfand verhängt DNB. Paris. 26. April. In Spanien ist nach Meldungen aus Madrid der Alarmzustand verhängt worden. In Madrid soll das Gerücht verbreitet sein, baß der Konflikt zwischen der Regierung und dem Staatsoberhaupt dieses veranlassen könnte, sei'' Amt niederzulegen. Die spanische Regierungs- krise wird in Paris aufmerksam verfolgt, doch glaubt man anscheinend nicht, daß sie sich zu einer Regimekrise erweitern könnte.„SS t auch," so schreibt das Organ Herriots, die „Ere Nouvelle",„zwischen den republikanischen Staatsmän- nern Spaniens Meinungsverschiedenheiten über die beste Art. der Demokratie zu dienen, bestehen, sind doch alle vor- behaltlos der'"ublik ergeben, die die geschassen haben und die!>u organisieren sie sich bemühen, und das ist das wesentliche." Bombenansdilag gegen den Innenminister DNB. Paris» 26. April. Aus Madrid wird von einem Bombenanschlag gegen den Innenminister berichte!. In dem Augenblick, als der Minister das Ministerium verließ, um seinen Wagen zu besteigen, wurde eine Bombe geschleudert, die unter dem Fahrgestell des Wagens explodierte, ohne größeren Schaden anzurichten. Die Täter konnten bisher noch nicht festgenommen werden. Die Gründe Madrid, 26. April. Der durch das Amnestiegesetz herauf- beschworene staatspolitische Konflikt hat eine unerhotste Wen- dung von großer Tragweite genommen. Die Regierungs- krise ist nun doch ausgebrochen, und zwar in einer Form, die die Person des Präsidenten der Republik in den Mittelpunkt stellt. Alcala Zamora wollte, wie bereits gemeldet, das Amnestiegesetz zur nochmaligen Behandlung an die Cortes zurückverweisen. Der Ministerpräsident verweigerte aber, wie nachträglich bekannt wird, für diesen Akt die Gegenzeichnung. Alcala Zamora hat darauf das A m n e st i e g e s e tz und zwei Dekrete, durch die dessen anfechtbaren Wirkungen ausgehoben werden sollen, nach langem Widerstreben unterzeichnet. Gr hat aber diese Dokumente zugleich mit einer persönlichen Verwahrung begleitet, in der er seine Bedenken gegen In- halt und Fassung des Gesetzes noch einmal ausführlich dar, legt und ausdrücklich betont, daß er seine Unterschrift nur unter dem Zwang der Umstände hergegeben habe, weil eine andere Regierung als die gegenwärtige zur Zeit nicht möglich sei, und daß er das Amnestiegesetz gegenüber weiteren Konsequenzen als das geringere Uebel erachte. Diese Erklärung ist zwar im Wortlaut der Oeffentlichkeit und selbst dem Parlament noch nicht bekanntgegeben, sondern nur zunächst dem Kammerpräsidenten und dem Justizminister zugeleitet worden. Die Tatsache einer solchen Kritik des Staatsoberhauptes an den Beschlüssen der Parlamentsmehr- heit und der Haltung der Regierung hat jedoch genügt, das Kabinett Lerroux zum Rücktritt zu ver- anlassen. Damit ist die Krise eingetreten, die Alcala Zamora unter allen Umständen vermeiden wollte, und es hat sich eine Situ- ation von einer Verworrenheit ergeben, aus der vorläufig kein Ausweg sichtbar wird. Me es harn Letzte Eindrücke aus Spanien (Von unserem Madrider Berichte.^ tc.) I.W. Madrid. 24. April 1934. Die spanische Republik macht sei dem Zurmachtkommen des Radikalen Lerroux' den entgegengesetzten Weg durch, den ihr das Revolutionskomitee des Jahres 1939 31» zu dem außer Azana, dem Sozialisten, dem Republikpräsi- denten Alcala Zamora ebenfalls Lerroux gehörte, vorge- schrieben hatte. Langsam aber sicher fällt sie wieder in den jahrhunderte- alten Trott der Rückschrittlichkeit, des Iesuitismus, der Korruption zurück. Alle Errungenschaften der Republik unter Azana— soweit sie eine Verbesserung für die Arbeiterklasse, den Vormarsch zur Laiisierung des Landes, Aufräumen mit den alten Feudalrechten und der tiefeinge- wurzelten Korruption des Beamtentums bedeuten, werden so schnell wie möglich vom Parlament unter Leitung des Kabinetts Lerroux zunichte gemacht. Dieses Parlament mit seiner Rechtsmehrheit zeichnet sich vor allen anderen Parlamenten der Welt durch seine absurde Unsensiblität in allen Humanitären und sozialen Fragen aus, Unsensibli- tät, die sich in Kundgebungen äußern, die den Außen- stehenden erschreckt stutzen lassen, die Frage auferlegend: Ist das, was hier geschieht, nur Ahnungs- oder wirklich eine solche Kultur- und Niveaulosigkeit?! Seit Lerroux Ministerpräsident ist. löst eine Ueber- tretung der Arbeitsgesetze durch die Unternehmer, eine Streikbewegung die andere ab. Lebensmittel und Roh- stoffe sind im Preise gestiegen, die Pesete ist gefallen. Und statt der von Lerroux angekündigte„Pazifizierung der Geister" war es niemals unruhiger in Spanien denn heute. Alle paar Wochen findet eine Kabinettskrise statt, weil der eine oder andere Minister sich mit der Hal- tung des Pabinetts nicht einverstanden erklärt, oder weil seine Unfähigkeit mit der offiziellen republikanischen Haltung der Republik einverstanden zu bleiben, allzu offenkundig wird. Und warum das alles? Weil Lerroux so sehr in den Banden der extremen Rechten verstrickt ist, daß er, wollte er es auch wirklich, nicht mehr zu seinem eigentlichen Standpunkt zurückfindet. Er hat zugelassen, daß die Kammer den Klerusmitgliedern, denen von Azana die Staatsmittel entzogen worden waren, wieder staatliche Gelder in Höhe von zwei Drittel ihrer einstigen Bezüge zugebilligt hat. * Er hat mit seinem Kabinett ein Amnestieprojekt ausge- arbeitet, das grundsätzlich nur die monarchistischen und militärischen Elemente, die sich am 19. August 1932 gegen die Republik wandten, begnadigt. Alle jenen monarchistischen Putschisten dürften nach diesem Projekt sofort die Kerker verlassen: alle von Azana ihres Amtes entsetzten Funktionäre und Offiziere— auch wenn sie sich Vergehen administrativer Art zuschulden kommen ließen, werden wieder in ihre Posten eingesetzt. Alle vom Verantwortungsausschuß des verfassunggeben- den Parlaments zur Rechenschaft gezogenen Elemente der Diktatur dürfen wieder— mit Ausnahme einzig des Königs— in Spanien tun und lassen, was sie wollen. Sie erhalten sogar Staaispensionen ausgesetzt. Den auf ausdrücklichen Wunsch Alcala Zamoras entschädigungslos ent- eigneten Feudalherren, die sich am Augustputsch beteiligt hatten, werden ihre Güter wieder zurückgegeben. Für Kapitalflucht Verurteilte werden amnestiert... Dagegen: Soziale Aufrührer, die für ein Kommunist!- schcs oder anarchistisches Ideal kämpfend mit der Waffe in der Hand angetroffen worden waren oder die sich Feld- flüchte oder Lebensmittel zur Stillung ihres Hungers an- geeignet haben, dürfen auch weiterhin in den Gefängnissen bleiben. Vor allem aber auch die Sindikalisten-Aufrllhrer aus dem Dezember letzten Jahres. Tie Kleinen hängt man— die Großen läßt man laufen!... Ein solches Amnestiegesetz. mit 269 zu 1 Stimme(bei Enthaltung der Sozialisten und der Linken) angenommen, hat nicht gerade„die Geister pazifiziert". Selbst Alcala Zamora hat sich noch nicht entschließen können, es gegen- zuzeichnen. Trotzdem die Regierung zu vertuschen ver- sucht, daß hier Schwierigkeiten bestehen, ist dies doch durchgesickert. Alcala Zamora hat erklärt, daß einzelne Punkte des Projektes antikonstitutional und für ihre Durchführung die Entlassung einzelner Gesetze, die die alten Gesetze Azanas zunichte machen, notwendig seien. Der Ministerrat begann am Alontagspüh um 19 Uhr im Präsidentenpalais zu tagen^nd vertagte, ohne ein Resultat gefunden zu haben, seine Sitzung auf Dienstagvor- mittag. Das sieht nicht günstig aus für das Kabinett Lerroux. Denn: verweigert der Republikspräsident seine Unterschrift dem ihm vorgelegten Amnestieprojekt, so be- deutet das ein Mißtrauensvotum gegen Lerroux und die sofortige Niederlegung des Kabinetts. * Schon am Sonntag hat die Regierung Lerroux eins reichlich schwere Erschütterung erhalten. Für diesen Tag war von den katholischen Iugendverbänden unter Leitung Eil Rabies ein Massenaufmarsch iip„El Escoriol"(Wohn- sitz Philipps II. und Begräbnisstätte der spanischen Könige) in Aussicht genommen worden. Die Iungsozia- listen, die eine Gegenorganisation organisieren wollten, erhielten keine Erlaubnis dazu, während man Gil Nobles höchsten polizeilichen Schutz und Sicherheit zusagte. Sehr böses Blut machte ein Verbot der Regierung gegen eine Demonstration des Ateneo de Madrid(des Klubs, in dem die Republik ausgebrütet worden war), das gegen die neuerdings für ein Jahr als Gegenmaßnahme für die Unruhen in Aussicht genommene Todesstrafe manifestieren wollte. Bürgertum und Arbeiterschaft war also gleich- mäßig verbittert gegen die Erlaubnis zu dem faschistisch- katholischen Massenaufmarsch. Der Innenminister Salazar Alonso, ein Zwillingsbruder von Dollfuß(vor einigen Tagen erklärte er. Hitler und Mussolini könnten sich an ihm ein Beispiel nehmen, wie man ohne Diktatur reibungslos die öffentliche Ordnung wahre.), hatte jedoch bei seinem Versprechen der Ruhe- Garantierung an die Katholiken und die übrige Bevölke- rung einen Faktor außer acht gelassen: Die Madrider Arbeiterschaft. Am Samstag, dem 21., um 11 Uhr nachts— also in der Nacht vor dem Faschisten-Meeting— gab die sozialistische Arbeiterjugend Geheimorder an alle Madriüer Gewerkschaften aus, daß um 12 Uhr nachts ein 24stündiger Protest-Generalstreik beginnen müsse. Und— um 12 Uhr nachts gehorchte die Arbeiterschaft mit einem Enthusias- mus, einer Disziplin, daß es für den objekriven Be- obachter fast unheimlich schien. Um 12.19 Uhr waren sämtliche Autos, Taxis und Straßenbahnen von den Straßen verschwunden. Um 1 Uhr fuhr die letzte Unter- grundbahn, kein Autobus, kein Gaslicht mehr. Die Stadt lag wie ausgestorben. Die Kino- und Theaterbesucher, die um 1.15 Uhr diese Vergnügungsstätten verließen, erlebten keine geringe Ueberraschung. Geschlossene Cafes, ge- schlossene Bars, keine Verkehrsmittel und überall in den Straßen Arbeitergruppen und Polizei, letztere mit schuß- bereitem Revolver und aufgepflanzten Bajonetten. Am Sonntagfrüh gab es weder Wasser noch Brot. Eine Brücke auf dem Wege zum Eseorial und ein Stück Schienen waren gesprengt worden. Die Spezialzüge mit den Manifestanten konnten nur unter schärfster Polizei- aufsicht fahren. Die Landstraßen waren mit Nägeln und Glasscherben bestreut worden, die Autobuschauffeure weigerten sich, die Manifestanten zu fahren. Statt 59 999 Personen, wie angekündigt, sah die Per- sammlung im Escorial kaum 19 999. Außerdem schneite es, so daß weder der angekündigte faschistische Parade- marsch noch andere„sportliche" Veranstaltungen statt- finden konnten. Der Plan der Iesuitenpartei, durch einen gewaltigen Aufmarsch ihrer Leute das neutrale Bürger- tum für sich zu gewinnen, ist vorläufig einmal— dank der Haltung der Madrider Arbeiter und Iungsozialisten— gescheitert. Die Regierung sah dem Streik machtlos zu. Zwar spickte sie die Straßen mit Polizei, was aber weder die restlose Arbeitsniederlegung, noch oie Explosion zahl- reicher Bomben vor geöffneten sireikbrecherischen Cafes hinderte. Der Streik ging so weit, daß der eineinhalben Zentner schwere Bürgermeister von Madrid seine Leibesfülle auf seinem eigenen Paar Beine spazierenführen mußte, da die Munizipalarbeiter und Chauffeure ebenfalls nicht arbeiteten. Ein weiteres humoristischen Detail ist ein Ueber- fall der Menschenmenge auf das Zivil-Gouvernement von Madrid, wo sie sich der dort zum Verkauf augestapelten Brote bemächtigte und ungehindert damit abzog. Während oben beim Gouverneur die Vorsitzenden der Volkshaus- Kommission für den Streik Rechenschaft ablegen sollten. Im allgemeinen verlief der Streik ruhig. Am Sonntag- abend kam es an der Puerta bei Sol(Hauptplatz und Mittelpunkt Madrids) vor dem Innenministerium zu einer sinnlosen Schießerei. Augenzeugen, darunter ein Iour- nalist, berichten, daß die Polizei plötzlich vollkommen grundlos in die wartende Menge schoß. Frauen und Kinder warfen sich zu Boden, trotzdem gab es einen Toten, fünf Schwerverletzte, darunter ein Engländer, und mehrere Leichtverletzte. Der Journalist, der den Ereignissen beige- wohnt hatte, hatte mit dem Innenminister eine sehr euer- gische Aussprache, indem er diesem erklärte, die Polizei habe einen völlig sinnlosen Alordanschlag begangen. Der Minister erklärte darauf, daß die Pvlizeitruppen sich nur gegen einen Angriff verteidigt hätten. Diese„offizielle" Ansicht stimmt aber mit keinem Augenzeugenbericht über- ein. Die„Oja del Lünes" brachte daher auch einige vor- sichtige Linien, in denen es hieß, daß, falls Uebergriffe von der Polizei geschehen seien, man die Verantwort- lichen zur Rechenschaft heranziehen werde. Unleugbar ist nach all diesen Ereignissen das Kabinett Lerroux wieder einmal in seinen Grundfesten erschüttert. Aber wenn auch eine neue Krise stattfindet, ist noch längst nicht gesagt, naß Lerroux endgültig fällt. Wie in keinem anderen Lande der Welt haben sich in Spanien zwei klare Truppen gebildet: die proletarische und die kapitalistische, zu der man auch das Kleinbürgertum rechnen muß. Diese letzte Gruppe hat Angst vor einer Links-, d. h. heute Arbeiterregierung. Sie wird alles tun, um sie zu ver- hindern. Heute noch ist die Kapitalistengruppe an der Macht. Freiwillig wird sie nicht darauf verzichten. Lerroux bedeutet Schutz— kleines Uebel. Aber der Streit spitzt sich zu. Für die Arbeiterschaft ist Lerroux in seinem offenkundigen Widerspruch zu seinem Vorleben das rote Tuch. Fast zieht sie Sil Nobles vor. Mit dem Generalstreik und seiner ausgezeichnet difziplinären Durchführung hat die Madrider Arbeiter- schaft aber nicht nur wirksam gegen den Klerikal-Faschis- mus und seine radikalen Beschützer protestiert, sondern sie hat für die gesamte übrige Arbeiterschaft Spaniens einen symbolischen Akt der Anfeuerung durchgeführt. Dieser Generalstreik war die erste revolutionäre Aktion der spanischen Arbeiter. Dabei wird es nicht bleiben. Es wird weitergehen. Die Nazttark rollt Hunger Im Lande- Propagandamillionen draußen (ZTA.) Die Zeitung„Social-Demokraten", bie jetzt Re- gierungsorgan ist. veröffentlicht konkrete Zahlen über die Aufwendungen der Nazi-Propaganda im Ausland. Danach hat das Reichspropagandaministerium für seine Zwecke aus- gegeben: In Oesterreich fünfzehn Millionen Mark, in der Tschecho- slowakei fünf Millionen, in der Schweiz 756(WO, in Schweden 500 006, in Dänemark und in Finnland 200 000, in Rumänien 500 000, in Holland 1,5 Millionen. 2 Millionen in Südamerika und 4 Millionen in den Vereinigten Staaten von Amerika. Außerordentlich große Summen, die jedoch nicht genau beziffert werben, wurden auch in Frankreich und England ausgegeben. Es gäbe heute kein einziges Land mehr, in dem nicht Nazizellen beständen. Die Zeitung teilt ferner mit, daß die Agenturen der großen deutschen Schiffahrtslinien wahre Filialen des Pro- pagandaministers Wöbbels darstellen. Obgleich das Geschäft der deutschen Linien um bie Hälfte gesunken sei, habe man das Personal ihrer amerikanischen Filialen verdoppelt. Auch die deutschen Konsulate seien von Agenten bevölkert. Nicht weniger alS dreihundert Emissäre seien allein in den Ver- einigten Staaten tätig. Ein sehr großer Teil der oben erwähnten Riesensummen wird direkt für antisemitische Propaganda ausgegeben, weil die Leiter des Reichspropagandaministeriums aus Erfahrung wissen, daß man durch die Aufweckung des„Schweinehundes im Menschen" am besten den Boden für den Nationalsozialis- mus auflockert. Gute Zelten lür füi* „Winterhilfe" für Wilhelms Schwiegersohn (Jnpreß.) Die illustrierte Beilage des„Hamburger Fremdenblattes" bringt das Foto eines riesigen Schlosses: des Schlosses Herrenhaus bei Hannooer, das im Jahre 1869, zusammen mit der Domäne Ealemberg, dem braun- schweigischen Serzoghaus unter der Regierung Bismarcks enteignet worden war. Dieses Schloß ist jetzt, nebst der Domäne Ealemberg dem Herzog Ernst August zu Braun.- schweig und Lüneburg, der mit einer Tochter des Ex-Kaisers verheiratet ist, vom„nationalsozialistischen Volksstaat" zu- rückgegeben worden. „Deutsche Freiheit", Nr. 97 ARBEIT UMD WIRTSCHAFT Saarbrücken, Freitag, 27. April Hitler wartet auf die Konjunktur Der Tiefpunkt der Weltwirtschaftskrise ist nach ziemlich übereinstimmender Auffassung der Politiker und Wirtschaftsfachleute überschritten und es zeigen sich in einzelnen Landern deutlich Ansätze zu einer Besserung. Die Frage, ob sich aus diesen Anfängen eine echte Konjunktur etwa im Sinne der Jahre von 1927 bis 1929 entwickeln wird, bleibt offen. Ein großer Teil der Arbeitslosigkeit ist strukturell und wird auch durch eine Konjunkturbesserung nicht beseitigt werden. Die Rüstungsindustrie spielt bei den heutigen Resserungssymptomen eine sehr große Rolle, so daß es einstweilen noch schwer fällt, zu entscheiden, in wie weit die Besserung bisher eine echte Konjunkturbelebung darstellt und in wie weit sie auf eine künstliche und deshalb unter Umständen redet kurzfristige„Ankurbelung" zurückzuführen ist. Immerhin sprechen die nüchternen Ziffern der internationalen IV irtschaftsstatistik stark für die Wahrscheinlichkeit, daß dieses Jahr und vielleicht auch das nächste im Zeichen einer sukzessiven Steigerung der Produktion, einer Besserung des Absatzes und auch einer gewissen Erhöhung des Beschäftigungsgrades stehen wird, wenn nichts Unerwartetes eintrifft oder vielmehr, wenn nicht Entwicklungen ausbleiben, mit denen heute auch der nüchternste Betrachter der internationalen Konjunkturlage leider rechnen muß. In jedem Falle wird diese Erleichterung auch die Verhältnisse der Staatsfinanzen verschiedener Länder bessern, schon weil die immer wichtiger gewordenen Belastungen der Sozialetats geringer werden dürften. Die neuere Entwicklung in England gibt hierfür deutliche Beweise. Obwohl dort gewiß wichtige Sondermomente mitsprechen, wird man doch feststellen müssen, daß die westeuropäischen Staaten jetzt langsam aus der schlimmsten Krise herauszukommen scheinen. Man ermäßigt die Steuern, einzelne Industrien haben zweifellos einen echten Konjunkturanstieg zu verzeichnen, kurz, es gehen Dinge vor, die auch derjenige, der im Grunde skeptisch bleibt, nicht übersehen darf. Diese Dinge sind vor allem deshalb wichtig, weil man nun gezwungen ist, sich mit der Frage zu beschäftigen, ob und in welcher Weise die Diktaturen von dieser Konjunkturbelebung profitieren werden. Bedeutet ein internationaler Konjunkturaufstieg zwangsläufig eine Stabilisierung des Faschismus in denjenigen Ländern, wo die Diktatur bereits aufgerichtet ist?— Das ist eine der ersten und wichtigsten Fragen, deren Beantwortung die vorerst recht zarte Wirtschaftsbelebung verlangt. ck Es ist üblich geworden, hierbei auf das Beispiel der i t a- I i e n i s ch e n Entwicklung zu verweisen und darzulegen, daß Mussolini sich in einer Zeit, die zweifellos stärkere Widerstände gegen den Faschismus auslöste, als die heutige, vorwiegend deshalb behaupten konnte, weil er mit seinem Regime in die wirtschaftliche Aufschwungsperiode hineinkam. Man meint, er habe damals eben Glück gehabt und eine Diktatur, die heute dasselbe Glück habe, werde sich schließlich in ähnlicher Weise stabilisieren können. Parallelen dieser Art sind immer gefährlich. Die heutige Zeit zeigt ganz andere Voraussetzungen und was Mussolini selbst angeht, so ist sein Regime vielleicht niemals grade in wirtschaftlicher und finanzieller Hinsicht stärker bedroht gewesen, als grade jetzt im Augenblick einer sich langsam bessernden Weltkonjunktur. Die Diktaturen haben die Krise hauptsächlich in der Weise überstanden, daß sie die vorhandene Wirtschaftssubstanz ihrer Länder bis zum äußersten zur Stützung des Regimes und zur Vortäuschung einer besseren Lage verwandt haben, als sie in Wirklichkeit bestand. Dag gilt in weit höherem Maße noch als von Mussolini von seinem Epigonen Hitler, dessen Vorgänger und Schrittmacher Papen und Schleicher sich bereits ebenfalls, wenn auch nur vorübergehend dadurch halten konnten, daß sie eine spätere Konjunkturbesserung vorausnahmen. Von dem damals unzweifelhaft falschen Standpunkt ausgehend, daß die Krise bereits überwunden sei, hat Papen mit diesem System der V orbelastung der Zukunft begonnen, indem er die Steuer- gutscheine schuf und Hitler hat diesen, zwar wenig genialen, aber überaus bequemen Weg nach Kräften ausgebaut. Der Leiter der Reichsfinanzen hat rückhaltlos festgestellt, daß das Geld zur Bezahlung aller Arbeitsbeschaffungsprogramme„gepumpt" ist und hinzugefügt,„diesen Pump nehme ich durchaus nicht leicht, sondern erkenne durchaus an, welche schwere Vorbelastung für künftige Jahre darin liegt." Der Aufwand für die Rüstungen im Jahre 1933— in der verschleiernden Terminologie des„dritten Reiches" auch„Arbeitsbeschaffungs-Programin" oder„Erste Arbeits- schlackt" genannt— betrug allein 4 Milliarden in Steuergutscheinen. Aus früheren Jahren, d. h. aus der schüchternen Anfangszeit des autoritären Regimes unter Papen und Schleicher stammen noch zwei Milliarden Schulden und schließlich ist noch ein Betrag von 1 bis 1,5 Milliarden an Steuergutscheinen hinzuzurechnen, den man für die„Zweite. Arbeitsschlacht" auswerfen will. Rundet man nur wenig nach oben ab, viel weniger als man es nach der bisherigen Beurteilung der offiziellen Angaben auf ihre Richtigkeit tun dürfte, so ergibt sich hier die Kleinigkeit von acht Milliarden und es bedarf wirklich schon eines recht bedeutenden Konjunkturaufschwunges, um diesen Betrag wieder abzudecken. * Aehnlich wie bei den Staatsfinanzen, ist es auf fast allen Gebieten des Wirtschafts- und Finanzlebens im„dritten Reich". Man hat von der Hand in den Mund gelebt. Verdient wurde, wie die Handelsbilanz zeigt, so gut wie nichts, die vorhandenen Devisen wurden vertan, die Auslandsschulden nicht bezahlt. Der internationale Kredit Deutschlands ist immer weiter zusammengeschrumpft und heute auf dem Nullpunkt angelangt, d h. das Ausland beschäftigt sich nur noch mit der Frage, ob und wie es einen kleinen Teil des in Deutschland investierten Geldes retten kann, aber an die Gewährung neuer Kredite denkt kein Mensch mehr und Herr Schacht wahrscheinlich auch nicht. Das„dritte Reich" marschiert mit einer gewaltigen Vorbelastung in die kommende Besserung der Weltkonjunktur. Hierzu kommt eine gewaltige psychologische Belastung, die darin liegt, daß man ständig mit falschen Ziffern gearbeitet hat. Man ist also nicht einmal in der Lage, eine gewisse Besserung wirklich auszuweisen, weil die übertriebenen aus der Krise stammenden Ziffern noch immer sehr viel günstiger sind, als selbst gebesserte Werte, die sieh aus einem Konjunkturanstieg eventuell ergeben könnten. Der deutsche Export findet in der ganzen Welt verrammelte Türen und selbst, wenn sich ein internationaler Preisaufstieg für Industriefabrikate ergeben sollte,— nach ziemlich übereinstimmender Ansicht der Weltwirtschaftler ist aber auf längere Sicht im günstigsten Falle nur mit einer„Mengenkonjunktur", also mit zwar erhöhter Absatzmöglichkeit, aber mit ziemlich unverändertem Preisniveau zu rechnen— so wird das„dritte Reich" hieraus wenig Nutzen ziehen. Die Phalanx gegen die deutsche Ausfuhr ist heute in der ganzen Welt weit fester geschlossen, als diejenige gegen das japanische Dumping und selbst wenn man mit Hilfe des neuen Arbeitsgesetzes das Ziel erreichen sollte, den Wettkampf in der Preisunterbietung mit den Japanern aufzunehmen, bleiben die Aussichten sehr gering. * Wenn Hitler also von einer internationalen Konjunkturbesserung viel für eine Erleichterung der Lage des„dritten Reiches" erwartet, so wird er enttäuscht werden. Aber diese unausbleibliche Enttäuschung hat noch eine andere, recht ernste Seite, wenn man bedenkt, daß im Zeichen einer solchen Konjunkturbesserung die wirtschaftliche und finanzielle Leistungsfähigkeit der anderen kapitalistischen Staaten eine sehr erhebliche Stärkung erfahren wird. Auch hier wieder sind die englischen Vorgänge genau zu verfolgen. Die Erhöhung der Ausfuhr bedingt eine Besserung des Beschäftigungsstandes und dieses Sinken der Arbeitslosenziffern entlastet den Staatshaushalt. Gewiß wird man bei einer solchen Entwicklung nicht nur in England, sondern auch in anderen Ländern zunächst schon aus psychologischen und propagandistischen Erwägungen kleine Steuerermäßigungen vornehmen. Aber Wer das Finanzgebahren der europäischen Staaten in den letzten Jahrzehnten kennt, wird sich kaum einbilden, daß diese gesamten Entlastungen des Etats oder auch nur der größte Teil den Steuerzahlern zugute kommen wird. Selbst wenn alle Voraussetzungen vorliegen, entschließt sich jeder Finanzminister auf die Dauer ntir sehr schwer zu Steuerermäßigungen. Die Rüstungskapazität der europäischen Staaten wird als wichtigste Folge einer solchen Konjunkturbesserung eine starke Erhöhung erfahren. Die Kriegs- und Marine-Minister, die bisher selbst um die kleinsten Posten vor den Parlamenten kämpfen mußten, werden bald ihre Hand aof die Budgetüberschüsse legen und sie werden hierbei angesichts der immer bedrohlicher werdenden Aufrüstung der faschistischen Staaten und vor allem Hitler-Deutschlands nicht einmal große Schwierigkeiten haben. Die Rüstungskapazität der demokratischen Länder, die bei einer Fortsetzung der sich jetzt in ihren Anfängen zeigenden Konjunkturbesserung langsam aus der Krise herauskommen, wird sich also beträchtlich erhöhen. Die Rüstungskapazität Hitler-Deutschlands ist aber schon jetzt fast erschöpft und sie wird selbst im günstigsten Falle kaum das bisherige Niveau aufrecht erhalten können. Unter dem Zwange der wirtschaftlichen Tatsachen wird das Hitler- Regime gezwungen sein, das Tempo seiner Aufrüstung, für die schon jetzt die Rohstoffe zu fehlen anfangen, immer mehr zu verlangsamen, während das Rüstungstempo der anderen Staaten steigt. In dem Augenblick, wo man sich über diese Tatsache klar zu werden beginnt, ist der Gefahrenpunkt für den Ausbruch eines neuen imperialistischen Krieges gekommen. Das Hitler-Resime wird nicht abwarten können und wollen, bis seine Rüstung unmodern geworden ist und von den anderen Staaten quantitativ und qualitativ stark überflügelt wird. In diesem Zeitpunkt wird sieh der deutsche Faschismus gezwungen sehen, die Flucht nach vorn zu beginnen, also den Ausbruch des Krieges herbeizuführen. Von diesem Augenblick an arbeitet jeder Monat gegen die militärische Schlagfertigkeit Hitler-Deutschlands, genau so, wie bish r jeder Monat, den man gewinnen konnte, für diese Schlagfähigkeit arbeitete. In der Periode eines Konjunkturaufstieges muß sich also zwangsläufi» schon aus rein wirtschaftlichen Erwägungen für Hitler-Deutschland eine Umkehrung der Verhältnisse ergeben, die während der Krise und insbesondere im Aufrüstungsjahre 1933 herrschten, als man das größte Interesse an einer Verschleppung der internationalen Verhandlungen zeigte. Kommt es zu einer stärkeren Belebung der Weltkonjunktur, so wird eine verstärkte Agressivität des Hitler-Regimes in der Außenpolitik mit dem Ziel einer bewaffneten Auseinandersetzung eine der ersten und wichtigsten Folgen dieser Belebung sein und auch die präsumptiven Bundesgenossen Hitler-Deutschlands würden dann diese Politik unterstützen. Hitler wartet auf die Kon- junktur— aber es wird die Konjunktur des Massenmordes Jan Severin. sein. Die Zillsfrage Ueber die Entwicklung im neuen Geschäftsjahr wurde in der Deutschen Hypothekenbank Meiningen-Weimar ausgeführt, daß eine wirksame Einschaltung der Hypothekenbanken in den Arbeitsprozeß solange nicht zu erwarten sei, als nicht das Problem der Zinsen gelöst sei. Eine abwartende Haltung sei nicht geeignet, Fortschritte herbeizuführen. Im Hinblick auf die Unsicherheit über die Zinsgestaltung wurde das Sparerpublikuin den 6prozentigen Wertpapieren mehr und mehr entfremdet, während sich in Schuldnerkreisen Unmut breit macht über die zu hohe und sehr unterschiedliche Zinsbildung. Die Anwendung irgendwelchen Zwanges in der Zinsfrage sei zu verwerfen. Die kostbaren Reichsmarknoten Zur Erhaltung der Devisenbestände der Reichsbank hat die Reichsregierung kürzlich ein allgemeines Ausfuhrverbot für Reichsmarknoten(Reichsbanknoten, Rentenbankscheine lind Privatbanknoten) und inländische Goldmünzen erlassen. Danach dürfen Reichsmarknoten und inländische Goldmünzen überhaupt nicht mehr ins Ausland, ins Saargebiet oder aus dem Inland in die badischen Zollausschlußgebiete versandt oder überbracht werden. Die bisher noch zugelassenen Versendungen von Geldsorten in Postsendungen beziehen sich nicht mehr auf Rcichsmarknoten und inländische Goldmünzen. Postsendungen, die Reichsmarknoten und inländische Goldmünzen enthalten, werden künftig von der Annahme ausnahmslos ausgeschlossen. Stärker besdtäfflgfc Industrie Nach der Industrieberichterstattung des Statistischen Reichsamtes hat sich die Zahl der beschäftigten Arbeiter von 51,6 Prozent im Februar auf 54.4 Prozent der Arbeiterplatzkapazität im März erhöht. Noch stärker, nämlich von 46,5 Prozent auf 49,9 Prozent der Arbeiterstundenkapazität. hat die Gesamtzahl der geleisteten Stunden zugenommen. Dementsprechend hat sich auch die durchschnittliche tägliche Arbeitszeit eines Arbeiters erhöht; sie beträgt 7,43 Stunden gegen 7,28 Stunden im Vormonat. In den Produktionsgüterindustrien ist die Beschäftigung doppelt so stark wie im Vormonat gestiegen. Die größte Belebung zeigt hier die Bauwirtschaft. Im Baugewerbe hat die Zahl der Beschäftigten um 11 Prozent der Höchstbeschäftigung zugenommen. Betraf gegen Wirtschaftskrise Das wird helfen! München, 25. April.(Inpreß): Der Staatssekretär Reinhardt vom Rcichsfinanzministerium kündigte in einer in München gehaltenen Ansprache eine neue Methode der Arbeitsbeschaffung an. Künftighin sollen in jedem Jahr 200 000 Frauen mehr als bisher heiraten, die dann„auf die Dauer aus dem Arbeitnehmerstand ausscheiden". In fünf Jahren mache das eine Million. Durch die gesteigerte Heiratslust würden weitere 200 000 Arbeiter in der Möbel- und Hausgeräteindustrie und noch einmal 200 000 im Baugewerbe unterkommen. Nach dieser Milchmädchenrechnung folgten Vorschriften für die Frauen:„Die noch vorhandenen weiblichen Arbeitslosen müssen in erster Linie in die Ehe, in die ,i->, Hauswirtschaft und in die Landwirtschaft überführt werden. h y( Es sollte in keinem Fall mehr vorkommen, daß Unternehmer in Städten weibliche Arbeitskräfte einstellen. Im Bericht der Reichsanstalt für den Monat März steht der Satz:„Zum Teil wurde die Beobachtung gemacht, daß weibliche Kräfte das Arbeitsamt meiden, aus Furcht, in die Landwirtschaft vermittelt zu werden." Ein solches Verhalten kann nicht genügend gebrandmarkt werden." Sdiledifes PZandbrleigesdtäft In der Generalversammlung der Deutschen Gentraiboden- Kredit-AG. in Berlin wurde mitgeteilt, daß die Bank sich bemüht hat, im Rahmen der beschränkten Mittel, die dafür zur Verfügung stehen, Darlehen für Hausreparaturen au Vorzugsbedingungen zu geben. Die Anträge nach solchen Darlehen blieben indessen, besonders außerhalb Berlins, g e- ringer als erwartet wurde. Im Pfandbriefgeschäft hat das neue Jahr enttäuscht: weder zum Januar- noch zum April-Termin hat sich ein nennenswertes Anlagegeschäft gezeigt. Die Zinsrückstände betrugen im Verhältnis zum Zinsenzoll der jeweils letzten zwölf Monate Ende März 1934 ebenso wie vor einem jähr fast 17 Prozent. Et sind auf Zinsrückstände bis Ende März rund 3 Millionen RM. eingegangen. In der GV. der Frankfurter Hypothekenbank wurde der Abschluß für 1933 mit 5(6) Prozent Dividende genehmigt. Ueber das neue Geschäftsjahr erklärte die Verwaltung folgendes: Die geschäftliche Lage hat sich im laufenden Jahr nicht wesentlich geändert. Ein Pfandbriefverkauf ist leider auch jetzt noch nicht möglich. Neue diemlsdie and mefallargtsdic Werke In USSß. MoSfet«, 25. Jlpril. An her Hüffe de» Asowschen Meere» in Taganrog wurde ein S a u e r ff o f f ro e r f in Betrieb gefetzt, dessen Säulenanlage zu einer Leistung von jährlich 7201X10 Kubikmeter befähigt ist. Tekarbonisatoren und Trockenbatterien, die für die ähnlichen Sowjetfabrifen der früheren Planperiobe aus dem Au«land bezogen werden muhten, wurden für da» Werf Taganrog durch die Moskauer Autogenwerke hergestellt. Die gleiche Eftrop-Jnkormation besagt ferner, dah in Swerdlowlk, der Hauptstadt des Uralgebietes, der Bau eines metallochemischen Kombinat» in Angriff genommen worden ist. da» über eine Erzanreicherungsanlage und ein.Kupferwerk mit einer Jahresleistung von 50 000 Tonnen, ferner über Erzeugung»- betriebe für Schwefelsäure, Superphosphat und K r i o l i t verfügt. Im Kaliwerk S o I i k a m s 5, dessen Leistung mit IL Mill. Tonnen vorgesehen ist, sind bisher der erste Kalischacht, die chemische Konzentrationsanlage und die elektrische Heiszentrale in Betrieb. Da» erste gröbere sowjetische Kaliangebot steht derzeit in Holland zur Terhandlung. ^eutsdke Stimmen••Beilage zur„Deutsdken&reifkeit"• Ereignisse und Qest/kitfkien Freitag, den 27. April 1934 ..m„i ,:i!•■. i,' 1" W»V»N»W J)a wendet sich det Qeist mit Qcausen Das Ucteil eines Jthuxeizecs Met das Mcifttum des„dritten Reiches" Ständestaat Oesteueich Max Rychner, piner der klügsten, seine Worte fein und vorsichtig wägenden Publizisten der Schweiz, übt in der Nummer 706 der„Neuen Zürcher Zeitung" Kritik an den Büchern auf dem Markte des„dritten Reiches". Sein Urteil verdient Kenntnisnahme in größerer Weite. In Deutschland gibt es eine uferlose Romanliteratur, die nicht zur richtigen Literatur gehört, aber doch in Hunderttausenden von Exemplaren verschlungen wurde. Die Produktion ist genau so stetig wie die Nachfrage, Export findet kaum statt; die Binnenmarktverhältnisse können als befrie- digend gelten. Die betreffenden Romane werden alle nach dem gleichen Küchenrezept hergestellt. Es hat sich bewährt, J*ie der Aufbau des Mittagessens etwa, dessen Schema: Suppe, Fleisch, Gemüse, Nachspeise, kaum mehr diskutiert werden dürfte. * Das Romanschema ist ungefähr so: Graf Egon von Dunner- kiell, der prächtige Wildling, fällt in Liebe zu Kätchen Blaffke, dem scheuen Reh und Förstertöchterchen. Der w etterharte Vater Dunnerkiell ergrimmt ob seines Sohnes unstandesgemäßer Neigung, die Gräfinmutter hat reichlich Gelegenheit, manch stille Zähre zu weinen, denn der lamilienstunk gerät alsbald in Gang.(Komplikationen: der schlimme Baron Adolar tänzelt um Kätchen, aber er ist ein ^chwerennöter und meint es nicht ernst! Das züchtige Mädchen wendet unwillig errötend das Köpfchen ab. Zweite Komplikation: Auf dem Schlachtfeld von Gravelotte haben der alte Graf Dunnerkiell und Baron Falkertpfiff sich Brüderschaft geschworen und dabei noch abgemacht, daß ihre Kinder sich einst heiraten sollen. Aber Baronesse Elfriede v on Falkenpfiff, das gertenschlanke Schloßfräulein von achtzehn Jahren, reitet am liebsten mit dem witzigen Assessor Kuno Knapp von Knappsack über den Anger, und wäre um seinetwillen zu manch unüberlegtem Schritt fähig. Sie liebt Kgon ebensowenig wie er sie. So entsteht auch in ihrem Hause Verdruß.) Selbst beim Regiment kann Egon sein Kätchen nicht vergessen. Der rauh-joviale Oberst merkt, daß mit seinem jüngsten Leutnant etwas nicht stimmt. Nun gerät die Roman- handlung in große Fahrt, und alles kehrt sich zum Erfreulichen. Der eisenharte alte Schnauzbart von Oberst hat ein weiches Herz. Und wie er sich für seinen Leutnant beim alten Dunnerkiell verwendet und diesen beim Portepee faßt, unter Aufrufung gemeinsamer Jugenderinnerungen hei den Pasewalker Husaren, da gehen beiden die Augen über, Graf Dunnerkiell ruft seinen Goldjungen Egon, und wie dieser in guter Haltung im Jagdzimmer unter den Geweihen der Sechzehnender steht, öffnet Vater den Gewehr- schrank— und wer entsteigt ihm? Kätchen, das errötende Kätchen! Große feuchte Szene, Verlöbnis usw. Mit einem anspielungsreichen Scherz empfiehlt sich der alte Oberst als Pate.(Baronesse Elfriedens Schicksale sind ähnlich; sie e rhalt den witzigen Kuno.) Nun gibt es einen konventionellen Schluß und einen revolutionären. Der konventionelle ist solcherart: gleich nach üeni Verlöbnis stellt sich heraus, daß Kätchen gar keine Blaffke ist, sondern keine Geringere als Komteß Adelheid "lettmenstetten! Allerlei Familienbelange brachten es mit 81 ch, daß der Schleier des Geheimnisses über dieses interessante Kind gebreitet werden mußte. Einzig Förster B'affke und sein treues Weib Martha Blaffke wußten darum. Jn knorriger und dennoch devoter Rede enthüllt der fächcr- härtige Förster dem Grafen das Notwendige. Nun dreht dieser edle und fromme Mann die Augen himmelwärts und dankt unvermittelt dem. der alles so weise vorbedacht. Die Gräfinmutter weint ein übers andere Mal, ihr schmerzliches Glück sprengt ihr fast das Herz. Egon heiratet ebenbürtig! (Baron Adolar bleibt ein Schwerennöter und Junggeselle. Er führt eine flotte Klinge und ist bei seinem Regiment als frohgelaunter Tausendsassa ungemein beliebt.) Der revolutionäre Schluß jedoch lautet so: die Dunner- iells forschen aufgeregt in Kätchens Stammbaum herum erfolglos. Sie ist und bleibt eine Bürgerliche, ein Blaffke. Kgon geht sehenden Auges eine Mesalliance ein. Nicht ein- •dal Geld hat sie, dabei könnte man's wohl gebrauchen. Aber da solltet ihr einmal ihren Herzensadel sehen! Ihre Sinnes- ar t ist so beschaffen, daß man sie als vornehm bezeichnen dtuß. Inmitten dreist-hochmütiger, giftig zischelnder Neiderinnen von Stand behält sie einen unbeugsamen Takt, eine schlafwandlerische Sicherheit voller Herzenspracht. Die alte Fürstin Bentlingsberg erkennt das als erste, zieht die Ertötende am Ohrläppchen und krächzt auf ihre drollige ™ eise:„Kopf hoch, Kindchen! Für diesen Lausbuben von Kgon scheinst mir noch lang gut genug! In guten und schlimmen Zeiten halt dich nur an mich, die alte Julie-Louise, *ch bin über die Flausen hinaus! Und nun gib mir einen Kuß..nein da, auf die Stirn, sonst sticht dich mein Bart.** Auf dieses Signal hin bekehren sich die hochgesinnten Hochgeborenen zu Kätchen, die bösen Verstockten bleiben verstockt. Egon und Kätchen aber werden glücklich und kinderreich. Dieser Roman ist mit ganz kleinen Varianten, Tausende von Malen geschrieben und vielmillionenmal gelesen worden, er in also soziologisch bedeutsam. Kleinbürger(vielfach, u"d mit größten Erfolg, Frauen!) haben ihn erdichtet und m it ihren Herzensträumen ausgestattet. Mit abgöttischer ^ crehrung werden die oberen Stände geschildert, d. h. in einer Art von Oeldruckmanier kitschig aufgeschönt und mit Dieser Unterschied erschwere die deutsche Konkurrenz aus dem Weltmarkt. Dir. Keßler sprach dabei kein Wort von dem deutschen Dumping auf dem Weltmarkt, das hatte er offenbar vergessen. Aber er stellte damit sest, daß an eine Lohnerhöhung für die deutsche Arbeiterschaft überhaupt nicht zu denken sel. rein wirtschaftliche Erwägungen würden das unmöglich machen, dafür aber seien Lohnkürzungen not- wendig! So sieht es im„dritten Reich" aus. Und der nationalsozia- listische Wirtschaftsführer Dir. Keßler spricht die Sprache des„Führers"! Nationalsozialistische Strafrcchtspolitih Nationalsozialismus und Verbrechen Die endgültige Geschichte des Nationalsozialismus, dieses letzten Versuchs der Verteidigung der Klassenherrschaft unter den besonderen KrankheitSformen des deutschen Ucbernatio- nalismuS und der Bandcnherrschaft, wird neben dem poli- tischen Historiker und dem Soziologen der Psychiater und der Kriminalist zu schreiben haben. So sehr steht das individuell Und sozial pathologische Element in den entscheidenden Punkten dieser Bewegung.' Wohl niemals häl eine tcak- tionäre Umwälzung in dem Maße wie diese den v e r» brccherischen Charakter hervorgekehrt. Aus ihrer Betätigung, sowohl in ihrer oppositioncll-„helbischen" wie in ihrer regierend-„ausbauenden" Epoche, kann man das ganze Strafgesetzbuch zusammenstellen. Bon der einfachen Schmähung und der verleumderischen Beleidigung zur plan- vollen Organisation von Körperverletzung, Menschenraub und Mords von Diebstahl, Erpressung und Fälschung über die Amtsvergehen zu den gemeingefährlichen Verbrechen (Brandstiftung, Sprengstoff) und Landesverrat. Dazu das weite Gebiet der Sittlichkeitsvcrbrcchcn mannigfacher Art und die Legalitäts-Meineide der Führung. Alles— außer dem Hochverrat, der doch eigentlich zum Wesen einer „revolutionären" Partei gehören müßte. Aber er konnte im Stadium der Vorbereitung bleiben, da die Machtübernahme, die ste ruhmredig Revolution nennen, dank der Gewissen- losigkeit der führenden Staatsbeamten behufs Verhinderung ernsthafter Siedlungspolitik aus Junkerland und Veröeckung schwerster Korruption(Osthilfe!) ohne Kampf erfolgen konnte. Was ste seitdem an grauenhaften Verbrechen jeder Art, planmäßig und im größten Umfang, begangen haben, kann nicht einmal mehr durch die Not und Leidenschaft des Machtkampfes beschönigt werden. Es ist die AuSlcbung der gemeinsten Jn.tinkte: der Nachgier, der räuberischen Er- Pressung und der einfachen Lust an Menschenguälerei und Schadenzufügung, die Betätigungsiormen der'bösartigen, zu- gleich feigen lG r e u e l„m ä r ch c n" I) und gewalttätigen Verbrechernatur. Es konnte nicht fehlen, daß diese Bewegung, die zugleich mit Lockung und Drohung, mit dem Appell an Angst und Gewinnsucht arbeitet, die Elemente des GewohnheitS- Verbrechertum? mit Macht an sich zog. Dort fanden sie reiche Betätigung ihrer wilden und gewinnsüchtigen Instinkte, zu- gleich mit der Gewähr der Straflosigkeit oder doch— schon in der Republik!— mildester ober unvollstreckter Straf- urteile. Dazu— was auch andere unreife und seelisch un- entwickelte Schichten anzieht: in dem Uniformwesen, den Auszügen und Kundgebungen s'nd die infolge starker Eni- wicklungshemmungen im Kindischen stecken gebliebene Ver- brecher- und Zuhälterscele stärkste Befriedigung. So gelang es auch. jc::e Kreise dieser Elemente, die zuerst aus die Welt- revolution gesetzt hatten, durch die Ansicht auf raschere und .gefahrlose Befriedigung ihrer. Neigungen in die Jahren Zuchtbaus, einer zu 1", Jahren Zuchthaus, einer zu 1'/. Jahren Zuchthau?, einer zu 1 Jahr und 2 Monaten Zuchthaus? 16 weitere Arbeiter erhielte» insgesamt 17 Jahre und 8 Monate Ge- iängnIS, (Jnpreß.) Die Polizei in Emmerich meldet:„Berfchiedent- lich konnte die Polizei einzelne Hetz- und VerlenmdungS- ichriften beschlagnahmen. Jetzt gelang der Ennnericher Rhein- pvljzei ein guter Fang. Aus einem holländischen Schlepp- kahn. der mit Altpapier befrachtet war, beschlagnahmte sie eiwa 1000 Exemplare einer in Rotterdam gedruckten Hetz- schritt." Prinz Anwl-Sfteleln Alles wird zur„Schlacht" Berlin, 24. April. Die SA.-Gruppe Berlin- Brandenburg führt vom Donnerstag dieser Woche an eine„S t i e s e 1 s ch 1 a ch i" durch, durch die, wie Gruppen- sichrer Prinz Aug» st Wilhcl m heilte vor der Presse sagte, bis zum I. Oktober dieses Jahres Zehntausend-.'» von SA.-Männern Stiesel verschafft werden sollen. Diese Aktion sei eine direkte Fortsetzung der aus dem Winter bekaimten Sammeltätigkeit zur Beschaffung von Mänteln. Der SA.- Mann habe im Gegensatz zu seinem Arbeitskameraden, der keinen SA.-Dienst geleistet habe, einen großen Teil seines Einkommens für die Beschattung deS Dienstanzuges aufzuwenden. Die kleinen Spenden der Biermillionen-Bevölke- rung Berlins sollten es nun der Gruppe Berlin-Branden- bürg ermöglichen, den bedürftigen SA.-Männern diese finanzielle Belastung abzunehmen, zumal sie außer dem Schuhwerk. da? für sie ietz' bereitacstellt werden solle, auch große Aufwendungen für die Instandhaltung des Dienst- anzugeS hätten. BandenlUbrer DIMnger Ueberall und nirgends DNB. Ehikago, 26. April. Das Heer von Polizeibeamten, das mit der Suche»ach dem Schrecken des- amerikanischen Mittelwestens, Dillinger und seiner Bande, beauftragt ist. hat anch Mittivoch keinerlei Erioig auszuweisen gehabt. Im Gegenteil schein! sich die Spur der Verbrecher weiter zu ver- flüchtigen. Gleichzeitig wurde das Erscheinen des Banden- führers an verschiedenen Orten gemeldet, die zum Teil über 1000 Mellen voneinander entfernt sind. So wurde ein lieber- fall aus eine Farm in Elkriver(Minnesota! Dillinger ebenso zugeschrieben wie ein gleichfalls am Mittwoch erfolgter Bankraub in Akron lOhio). Ebensalls aus Grund einer An- zeige wurde in Staunton sBirginia) ein nach Washington gehender Eilzug angehalten und nach^dcr Dillinger-Bande durchsucht. Aber auch hier war keine Spur von den Ver- blechern zu finden. «tri^TafuJ Deutsche Poliklinik EEä£ä<£S»£ *1 Allgemeine Konsnltationeo mit9 Spezuli««. b) Chirurgie c) Geburtshilfliche Klinik d) Zahnärztliches Kabinett Innere Median, Augen», Ohren», Nasen» und Kehlkoptkrank» ZweistöckigeslSanatoriumsgebäude. Vierstöckiges Gebäude. Zimmer Zahn und Mundchirurgie. Gold» ueiten. Röntgen Diathermie. Elektrotherapie, Speaalbehand» Kleine, mittlere und große Chirur* mit 1 bis 4 Betten. 3 Aerzte, 3 Heb» und Porzell an krönen,»Brücken Hing bei Blut». Harn» u. Geschlechtskrankheiten gie. Die aller modernste Einrichtung ammen und 2 Operationssäle. Kautschuk-Arbeiten Ordination täglich von Q—12 und Z—8; Sonntags und Feiertags von 10—1Z und Z—4 Uhr Pariser Berichte Pariser Straßenholender Bruno Walter mit den Wiener Philharmonikern hat am Donnerstag in der Pariser großen Oper sein angekündigtes großes Gastspiel gegeben. * Der Prozeß des Exleutnants Desire David, der Heirats- sdjwindler und vordem deutscher Spion in Düsseldorf war, wurde wegen des Ausbleibens einiger Zeugen auf den 14. Mai vertagt. ♦ Von den zwanzig Ausländern, die sich am 20. Februar an der Kundgebung vor dem Rathaus beteiligt hatten, wurden zwei, die bereits Ausweisungsbefehle hatten, nach einer in der Präfektur verbrachten Nacht über die Grenze gebracht. Sechs weitere erhielten den Ausweisungsbefehl, einer wurde wegen tätlichen Angriffs auf einen Schutzmann in Untersuchungshaft genommen. Die anderen wurden wieder freigelassen, aber ein Verfahren gegen sie wurde eröffnet. * Am Mittwoch, dem 2. Mai, 21 Uhr, spricht David Luschnat im Amphitheatre Micheiet der Sorbonne in deutscher Sprache über Stefan George. * Schmeling und Anny Ondra reisten durch Paris. Schmeling wird am 13. Mai in Barcelona gegen Paulino kämpfen. 150. Jahrgang des.,Figaro" Am Freitag findet in Pari« ein in der Theatergeschichte, aber auch in der Geschichte der großen Revolution besonders bemerkenswertes Ereignis statt. Am 27. April sind hundertfünfzig Jahre verflossen seit jenem historischen Tage, an Tim die„Hochzeit des Figaro" in Paris zum ersten Male gespielt wurde. Man weiß, daß dieses Werk des Beaumarchais, ebenso wie sein ,.Barbier von Sevilla" die damalige Pariser Gesellschaft ungeheuer durch die Freiheit der Anschauungen erregte. Unter den Vorläufern von 1789 muß fast ebenso wie Rousseau und d'Alembert, Montesqieu und Voltaire die Aufführung de«„Figaro" am 27. April 1784 genannt werden. Die Comedie Francaise führt an dem Gedenktage das unsterbliche Werk um 20 Uhr auf. Deutscher Klub Am Samstag, dem 28. April, um 21 Uhr ist im Deutschen Klub geselliges Beisammensein mit Tanz. Damen und Herren sind als Gäste sehr gerne willkommen. Es wird um einen Unkostenbeitrag von 5 Franken gebeten(von Stellungslosen 3 Franken). Der Deutsch? Klub wurde 1925 gegründet. Er ist der Treffpunkt aller Nichtgleich geschalteten. Der Deutsche Klub ist nur Samstags ab 21 Uhr geöffnet. Jeden Samstag kann im Deutschen Klub Schach oder Ping-Pong gespielt werden. Spion in Düsseldorf. spdler fronenveriOhrer Desire(der Begehrte) heißt er mit Vornamen. Und das stimmt, obwohl der Exleutnant Desire David, der deutscher Spion und französischer Frauenverführer war, allem Anschein nach nicht besonders schön zu nennen ist. Grauer Hut, lichteres Haar, dunkel, schwarzer Schnurrbart unter der Nase, so sitzt er vor Gericht. Aber dafür hatte er, wenn nicht alles täuscht, einen schmachtenden Blick, und jedenfalls hat er gleich Hunderttausende von Franken bei liebedurstigen Damen erbeutet. Desire war Kriegsleutnant, er hat den Krieg mit zwei Auszeichnungen überstanden und war zweimal verwundet, ist 80prozentig Kri^beschädigter. Aber das hinderte ihn nicht, nach dem Ende des Weltringens Spionage zu treiben. Im Jahre 1926 widmete er sich in Düsseldorf, durch die Vermittlung einer jungen Dame, dem Spionagedienste für die deutsche Reichswehr. Im Anschluß daran machte der Kriegsleutnant mehrfach Bekanntschaft mit Gefängnissen. Die Entstellung Oer Marseillaise Am 24. April war die Wiederkehr des Tages, an dem Roger de Lisle beim Bürgermeister von Straßburg, Dietrich, die Marseillaise sang. Roger de Lisle war einer der Freiwilligen, die in den Krieg gegen Oesterreich zogen und die beim maire geladen waren. Auf Wunsch der Freunde komponierte er das Lied in seinem Zimmer in der Nacht und nannte es zunächst„Kriegslied der Rheinarmee". Erst nach mehrmaligem Umtaufen erhielt es den Namen„Marseillaise". Das Waldmuseum von ronfainebleau Der Wald von Fontainebleau, eine der wunderbarsten Waldungen Frankreichs, ist durch die Affäre Trotzki neuerdings noch bekannter geworden. Besonders Barbizon hat Weltruhm erlangt. Ausflüge nach Fontainebleau im Frühling sind für jeden, der es sich leisten kann, von großem landschaftlichen Reiz. Man fährt am nächsten von der gare de Lyon, die Fahrt dauert etwa fünf Viertel Stunden. Schöner ist ein Umweg bis Melun und dann, nach Umsteigen, immer der Seine entlang. Das Schloß von Fontainebleau, das von Franz I. errichtet wurde, ist besonders durch Napoleon bekannt. Es hat aber auch sonst seine Geschichte, so ließ hier in der Hirschgalerie die heute wieder so„aktuelle" Königin Christine, die Tochter Gustav Adolfs, ihren Stallmeister ermorden, worauf sie aus Frankreich fliehen mußte. Auch fand hier die Widerrufung des Ediktes von Nantes statt, durch das Heinrich IV. in Frankreich Glaubensfreiheit verbürgt hatte. Infolge des Widerrufs gingen bekanntlich zahlreiche Hugenotten alt Emigranten nach Deutschland. Weiter war hier der Papst Pius VII. während seiner zweijährigen napoleonischen Gefangenschaft. In den Napoleon-Zimmern sind u. a. der Hut, den der Kaiser bei der Rückkehr von Elba trug, und der Tisch, auf dem er seine zweite Abdankung unterzeichnete. Der große Hof des Schlosses ist die Cour des Adieux, auf der Napoleon 1814 Abschied von den Trappen nahm. Nach seiner Entlassung aus dem Zuchthaus in Rennet, der Hauptstadt der Bretagne, lernte er eine Dame Ciaire kennen, die ihm ihr ganzes Vermögen, Sehmuck und Werte anvertraute. Desire verpulverte alles, und die Schmuckstücke versetzte er schleunigst im Mont-de-piete, der vielbesungenen Pfandstätte der Pariser Boheme und Armut. Seine Schwester, die ihm dabei half,— eine Vierzigjährige mit etwas breiten Zügen— teilt wegen dieser Hilfsdiense mit ihm die Anklagebank vor einer der Strafkammern im Pariser Justizpalast. Später heiratete der Exleutnant diese Beraubte, aber sie hatte bald genug und ließ sich scheiden. Die Ehe bestand noch, als Desire im Schnellzuge von dem heute so berühmten Bayonne aus eine Dame Dickson kennen lernte, der er sich als Redakteur am„Mercure de France" und Mitinhaber eines großen Verlags aufredete. Diese Dame vertraute ihm 300 000 Franken an, die sie nie wieder sah. Desire schenkte ihr aber großmütig, von ihrem eigenen Gelde, ein Auto für 32 000 Franken, ein Klavier für 5000 und ein wunderbares Köfferchen für 2500. Im ganzen erleichterte er dieses Opfer um 560 000 Franken. Auslandsdeutscher in Eupeu. Ihre Anregung geben wir an die Parteileitung weiter. Dr.»au LeerS. Sit, der Bielschreiber des Nationalsozialismus, haben auf einer Grenzlandtagung der Prege in Bad Türlheim— wir zitieren nach der„Saarbrücker Zeitung"— unter anderem gesagt:„Alles Traditionelle sei im Aufbau des neuen Teutschland abzulehnen. Die Revolution dürfe nicht verwischt werden durch die Tradition. Ter italienische Faschismus stelle nur die Krönung des Liberalismus dar und sei mit dem völkischen Nationalsozia- lismus nicht zu vergleichen."— Sie Schwätzer mitten doch, daß der italienilche Faschismus seinem deutschen Stiefbruder ähnliche Bor- würfe macht. Munolini hält Hitler sllr eine Karikatur des Faschis- NIUS. für einen rohen Knecht des Kapitalismus. Wer sagt nun die Wahrheit? Sie haben recht und die Italiener auch. Es ist hüben und drüben derselbe Schwindel unter andern Uniformen. W. B., Amsterdam. Ihnen haben wir für folgende Zuschrift zu danken:„Sie bringen in Ihrer letzten Sonntagsnummer die Nach- licht, dag die deutsche Jüdin Helene Mayer Tamen-Florettmeisterin der USA. geworden und daß sie„wegen ihrer Zugehörigkeit zum Judentum" Deutschland verlogen mußte. Sie sollten bei dieser Gelegenheit als einzige deutschrepublikonische Tageszeitung aber auch daran erinnern, daß diese deutsch« Jüdin, als sie noch für die deutschen Sportverbände auf der Amsterdamer Olympiade sieg- reich focht, die Gelegenheit dazu benutzte, gegen die deutsche Repu- blik und ihre Karben in einer von der ganzen Welt beachteten und für ihr Vaterland höchst blamablen Weise zu demonstrieren. Während dit deutschen Sportler unter den ehrwürdigen deutschen Farben aufmarschierten und im friedlichen Wettkampf sich be- tätigten, hielt die Klorettmeifterin es für angezeigt, demonstrativ immer wieder mit einem schwarzweißroten Fähnchen zu schwenken, um der Welt ihr Mißvergnügen über die Republik, die sie gesandt und geehrt hatte, zum Ausdruck zu bringen. Sie ließ sich für diese Heldentat dann von der gesamten reaktionären und faschistischen Presse Deutschlands begeistert feiern. Wenn Sie heute feststellen, daß diese deutsche Jüdin als Emigrantin in Amerika lebe, sollten Sie dann nicht hinzufügen, daß sie dieses Schicksal selbst mit herbei- geführt und darum tausendfach verdient habe?" Au mehrere. Wie hoch die protestantischen Bischöse bezahlt werden? Wir wissen es nicht genau. Tie gleichgeschaltete Presse ist in solchen Dingen säst so zurückhaltend wie in der Bericht- erslattung über braune Bestialitäten. Ein führender deutscher Theologe sagt« uns jüngst, der beurlaubte Bischof Hossenfelder be- ziehe noch immer IfiOOO Mark jährlich. Mit den Kirchenkassen soll es ansonsten schlecht bestellt sein, weil die Mißwirtschaft und das Durcheinander in der Kirche auch schwere finanzielle Einbußen verursacht hat. Die Mißstimmung vieler Pfarrer, insbesondere der Hingen, ist nicht zuletzt auf die starken Gehaltskürzungen zurück- zuführen, von denen die hohen Bischofsgehälter böse abstechen Der Wald ist 17 000 Hektar groß und von einzigartiger Naturschöuheit. Prachtvolle Spaziergänge sind darin möglich, sehr zu empfehlen für Himmelfahrt oder Pfingsten. Einer der berühmtesten alten Bäume ist der„Telemaque". Die vom carrefour de la Fourche zu erreichenden Rochers oder Gorges de Fronchard sind die nächsten schönen Wege. Der neue Jacques-Feyder-Film In einer Presseaufführung sah man den neuen Feyder- Film„Le grand jeu". Ein künstlerisch einwandfreies und ein in der Gesinnung sauberes und sogar mutiges Werk. Hauptgeschehen ist eine Liebeshandlung. Pierre Richard Wilm ist der Hauptdarsteller, zuerst ein verwöhnter Pariser Lebejüngling, dann Fremdenlegionär, sympathisch in beiden Phasen, echt im Temparament'sausbruch, sparsam in der Geste, ohne Starallüren. Marie Bell gibt die zwei Frauen, um die es geht: die Pariser Kokotte großen Stils und das in zweifelhafter marrokanischer Kneipe aufgefischte Mädel. Aber wichtiger als die eigentliche Handlung wird in der Regie Feyders Begleitbild, Begleitklang: Marokko, Fremdenlegion. Da wird nichts beschönigt, da wird in knappen Strichen das Leben in den Kolonien gezeigt: Märsche, Wüstenbrand, Märsche, Kneipen, Bordelle, wieder Märsche, Arrestzellen, viehische Schläeerei, eine Hölle mit einer Musterkollektion weiblicher und männlicher Teufel. Und mitten drin ein ganzer Mensch, eine alternde Frau, halb resigniert, halb noch voller Geltungstrieb, eine schauspielerische Meisterleistung der Francoise Rosay. Und alles untermalt und nicht nur untermalt von einer Musik Hans Eiß- lers, die an manchen Stellen zum wesentlichsten Filmbestandteil wird. Da ist ein Marsch der Legionäre, kommt von ferne, ist nah, verschwindet wieder, das ist musikalisch und tontechnisch so gut, daß dieses Marschbild spontanen Beifall bekommt. Nirgends ein billiger Schlager, überall in aller Un- aufdringlichkeit mehr als nur Stimmungsmalerei. Endlich wieder einmal ein Film, der nicht nur gute Schauspieler, sondern auch einen Regisseur von Format und Können hat, der ebenso mit dem Darsteller wie mit dem Musiker wesentlich zu arbeiten versteht. Spitzenproduktion in jeder Hinsicht! m- Als agrege des lettres— das ist die höchste Stufe der akademischen Studien nach sehr schwerem dreifachen Examen— und Professor nahte er dann einem Fräulein, der er 250 000 Pranken entlockte. Die Nachfolgerin opferte 100 000. Ein Fräulein Spiegel kam mit 10 000 weg(hatte vielleicht nicht mehr im Besitz). Schließlich kriegte es Desire aber mit einer Madame Renault zu tun, die dem Heiratsjäger den Prozeß machte. Sie ist die einzige aus der Galerie, die sich als Zivilklägerin neben das Gericht stellte. Der kühne Jäger und Freund der Reichswehr hat inzwischen eine Ehe mit einer jungen Frau geschlossen, die ihm in drei Verträgen 250 000 Franken brachte und heute noch zu ihm hält. Diese Frau des alternden Sünders erschien vor den Schranken und flehte die Milde der Richter an.„Sie kennen nicht sein wahres Innenleben", sagte sie,„ich habe ihn gebessert". Aber der Mann in der Toga war spöttisch: Ach, Madame." meinte er,„wären Sie doch lieber daheim geblieben.. Der Alltag hat wieder einmal gezeigt, was sonst nur in Romanen vorkommt. SB. H. K., Zürich. Ihnen verdanken wir einen kleinen Ijefto« grophicrlen Zettel, den Sie in Berlin„gesunden" haben. Wir habe» das kleine Papier mit Ehrfurcht in die Hand genommen. Es ist ein heiliges Zeichen des illegalen Kampfes, der Freiheit und Leben jedes Tätigen bedroht. Man sieht dem Zettel an, unter welchen Ge- fahren er hergestellt und verbreitet wurde. Er ist wichtiger als jede» Blatt von uns, das hinübergeschmuggelt wird. Ter Text des ille- galen Flugzettels lautet: Gewissensfragen: Warum werben die Ministcrgehälter nicht auf 12 000 herabgesetzt? Wozu Bizekanzlergehalt? Wozu 000 Abgeordnete mit Diäten? Warum hält man die Papen-Notverorbnung noch aufrecht?— 8 Millionen sogenannte unsichtbare Erwerbslose werden einfach nicht mehr gezählt. Warum nicht? Vizekanzler wird Herrenreiter im llnionklnb! Die Spendensammelei schwäch« Kauskraft!— Die vermögenden Kreise werden geschont! Warum? Tonrbrodt-Eupen. Für Zeitungsausschnitte und Mitteilungen sind wir immer dankbar. Schlesier. Besten Dank für die Zeilungsausschnitte aus Schlesien. Der Krampf des Obermörders Heines läßt in der Tat darauf schließen, dag die Stimmung in seiner TA. oberfaul ist. Badeuser. Wie Tie uns mitteilen, ist in Mannheim am neu er- öffneten städtischen Luftbad eine Tafel angebracht worden, die be- sagt, daß Nichtariern der Zutritt zum Lustbad nicht gestattet ist. Die guten Leute werden bedauern, daß sie die Juden nicht überhaupt von Luft und Sonne ausschalten können. Daß der liebe Gott, der doch zweifellos reinragiger Arier ist, seine Sonne auch über die Juden scheinen läßt, ist ein bedauerlicher Mangel der Schöpfung. Er hätte seinerzeit am siebenten Schöpsungstage, statt sich auszu- ruhen, eine NSBO. oder eine Gruppe der deutschen Christen bilden sollen, um sich von diesen Höchstleistung/n seiner Schöpfung über die Notwendigkeit einer sudenfreien Well belehren zu lassen. Nizza. Nun müssen Sie nach Teutschland zurück. Zum Abschied von der„Deutschen Freiheit", die Sie dort regelmäßig gelesen haben und nun im„dritten Reiche" werden entbehren mühen, schreiben Tie uns:„Sollte Gott, daß Ihre Prophetie, daß ich Ihr Blatt noch in Deutschland werde lesen können, cn Erfüllung geht. Bei meinem hohen Aller hat man keine lange Wartezeit mehr. Jeden Morgen, wenn ich ausgehe, ist mein erster Weg an einen Kiosk, um die „Freiheit" zu kaufen. Wie wird sie mir bei meiner Rückkehr man- gel». Die verlogenen gleichgeschalteten Zeitungen lese ich nicht. Wenn ich im nächsten Winter noch lebe und wieder an die Riviera komme, hofie ich die„Freiheit" wieder zu finden."— Seien Sie überzeugt: Wir bleiben auf dem Posten! Lina D. Es ist natürlich Absicht, wenn die deutschen Behörden und die deutsche Presse in den Berichten über illegale Arbeit fast nur von„Kommunisten" sprechen. Man will im Auslande den Ein- druck wachhalten und verstärken, daß die deutsche Hitlerdiktatur da» Bollwerk gegen den Bolschewismus sei und deshalb die Unter- stützung der internationalen Kapitalisten verdiene. Für den Gesamtinhatt verantwortlich: Johann Pitz tn Dud- weiler: für Inserate: Otto Kuhn tn Saarbrücken. Rotationsdruck und Vertag: Verlag der Bolksstimme GmbH„ Saarbrücken 8, Schützensiraße k>.— Schließfach 776 Saarbrücken. Soeben erschienen: DER FASCHISMUS UND DIE INTELLEKTUELLEN Untergang des Deutschen Geistes Von Landgerichtsdirektor* ¥* Ein hoher deutscher Justizbeamter zeichnet in dieser Schrift das geistesfeindliche Gesicht des heutigen Deutschland. Ge« schichtstorschung wird durch Rassenblödsinn lächerlich entstellt und zu reaktionären Staatszwecken umgelogen. Richter und Pfarrer, Professoren, Künstler und Dichter werden in die Zwangsjacke eines delirierenden Despotismus gesteckt oder wandern in die Konzentrationslager. Immer tiefer sinkt der Geist, bis ein Ejwachen in Blut und Grauen droht. Preis in: Belgien 7,50 Fr./ Dänemark 1,50 Kr./ Frank- reich 5,50 Fr./ Großbritannien—,1,5£/ Italien 4,— Lire Niederlande—,50 Gulden/ Oesterreich 1,80 Schilling/ Palästina—,70 P. Pfd./ Polen 1,85 Zloty/ Schweden 1,45 Kronen / Schweiz 1,10 Fr Tschechoslowakei 7,— tschechische Kronen / USA.-.35 S BESTELLUNGEN DURCH JEDE BUCHHANDLUNG oder direkt an Verlagsanstalt„Graphia" Karlsbad