I Einzige unabhängige Tageszeitung Veuischiands Nummer 98— 2. Jahrgang j Saarbrücken, Samstag, den 28. April 1934| Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt Tleue Jxtdesucteile in 9Camt>ucQ Seite 2 Die Hahne det Jatecnationate Seite 3 Die deutsche£ahttsenkunqen Seite 4 Tlaticm ats aiiatis tische SteafcechtspoCitik Seite 7 iDatUtshausenec Tlachuxact Seite 7 Finait Kapital hilft Sdiadit und mtlcr bekehren sidi zum Internationalen Liberalismus 3tm Freitag ist in Berlin die internationale Transfer- konserenz zusammengetreten, die Schuldcnkonserenz, die Mittel und Wege suchen soll, wie Deutschlands Auslands- gläubiger in näherer oder fernerer Zukunft zu den Zinsen vnd den Tilgungsraten ihrer Forderungen an deutsche Schuldner kommen sollen. Der Reichsbankpräsident Dr. Schacht hat einen Rundfunkvortrag an das deutsche Volk über die Ursachen und die Bedeutung dieser Konserenz ge- sprachen. Er tat es mit der ganzen Dreistigkeit, die diesen politischen Konjunkturritter auszeichnet. So log er den Hörern, ganz im Stile des Reichskanzlers, vor, in Deutsch- land hätten vierzehn Fahre marxistische Regierungen ge- wirtschaftet.„Marxistische" Regierungen mit Kanzlern wie Fchrenbach, Dr. Euno, Dr. Luther, Wilhelm Marx, Strese- mann und Brüning, mit„marxistischen" Ministern wie von Keudell, von Könitz, von Schlichen. Schiele, Gehler, von Neurath und Dutzenden anderen Deutschnationalen und kapitalistischen Mittelparteilern. Uebrigens seit neun Jahren mit dem„marxistischen" von Hindenburg als Reichspräsi- denten. Allerdings ist soviel richtig, daß sich Herr Reichsbank- Präsident Dr. Schacht im Herbst 1923 durch den wirklichen Marxisten Dr. Hilferding zum Reichsbankpräsidenten emp- fehlen ließ, Dr. Schacht, der damals, um Karriere zu machen, seine demokratisch-republikanische Haltung mit starken Sympathien für die Marxisten groß herausstrich. Er diente denn auch mit Wonne und für eine Viertelmillion Reichsmark jährlich mehreren der Regierungen, die er jetzt als„marxistisch" zu bezeichnen pflegt. Was wirft er den„marxistischen" Regierungen hauptsäch- lich vor? Daß sie Anleihen im Auslande ausgenommen haben, in der damaligen Situation ausnehmen mußten. Der- selbe Schacht, der demnächst nach Nordamerika zu reisen beabsichtigt, um dort eine Auslandsanleihe zu erlangen. Er verhöhnt das„Pumpsystem", das eben erst der Reichsfinanz- minister Gras von Schwerin-Krosigk, auch ein treuer Tiener marxistischer Regierungen durch vierzehn lange Jahre, als Kern seiner Regierungsweisheit geleiert hat. Dr. Schacht erklärt feierlich Deutschlands Transfer- Unfähigkeit. Zwar, so sagt er. kämen die deutschen Schuldner nicht in Verzug, denn sie zahlten Zinsen und Til- gung an die Konversionskasse swas übrigens in zahlreichen Fällen nicht zutrifft), aber die eingezahlten Beträge könnten den ausländischen Gläubigern nicht in ausländischer Wäh- rung zugeleitet werden und mit Reichsmark könnten die Auslandsgläubiger nichts ansangen. In der Tat ist die Einzahlung in die Konversionskasse für die Auslands- gläubiger ungefähr genau soviel wert, als wenn die Summen in einer Rakete nach dem Mond geschossen würden und dort warteten, bis die technischen Fortschritte es ermöglichen, sie wieder Herunterzuholen. Es geht immer noch um ganz hübsche Beträge. Die lang- triftigen Schulden Deutschlands, die diese Konferenz Haupt- sächlich beschäftigen werden, bcliefen sich am 31). September 1933 aus insgesamt 7,44 Milliarden Reichsmark, davon cnt- fielen 3,43 Milliarden aus Anleihen. Beteiligt waren daran die Vereinigten Staaten mit 8 Mil- liarden. Holland mit 1,53 Milliarden, die Schweiz mit 1,05 Mlliarden, England mit 0,81 Milliarden und Frankreich mit 0,48 Milliarden. Tie Zinsschuld Deutschlands aus seinen gesamten Auslandsverpflichtungen ist für 1934 auf rund 800 Millionen Reichsmark zu veranschlagen. Davon ent- fallen auf Aoung- und D a w e s a n l e i h e, die ent- gegen der früheren Demagogie auch von der nationalsozia- listischen Rcichsregierung anerkannt werden, über 100 Mil- lionen Reichsmark. Nach dem augenblicklichen Stand dürste der Zinsen-Bartransfer noch durchschnittlich Devisen für etwa 30—35 Millionen Reichsmark pro Monat erfordern. Dr. Schacht erklärt nun Deutschlands vollendete Unfähig- keit, weiter Devisen für Zinsen und Tilgung zur Verfügung zu stellen. Vorschläge für die Transferkonserenz machte er in seiner sehr allgemein gehaltenen Rundsunkansprache nicht. Man darf aber annehmen, daß Deutschland aus der Kon- serenz vor allem eine Senkung der hohen Zinsen und eine völlige Schonsrist für den Schuldentransser zu erreichen versuchen wird. Mit besonderem Nachdruck wird Deutschland darauf ver- weisen, daß die Hemmungen in der deutschen A u s s u h r die genügende Beschaffung von Devisen unmöglich machten. Wenn das Pfund und die ihm angeschlossenen Währungen eine Entwertung um 37 vom Hundert und mehr, der Dollar eine solche von über 40 vom Hundert, der N e n eine solche um mehr als 00 Prozent verzeichnen, so seien dies neben dem antideutschen Boykott Ursachen des katastrophalen Absinkens der deutschen Ausfuhr, die nur durch besondere internatio- nole Maßnahmen behoben werden können. Dr. Schacht bettelt um Einsicht und Geduld. Seine Hoffnung richtet sich aus Nordamerika, das ein starkes Interesse hat, Rohstosse nach Deutschland zu er- porticrcn. Schachts Sorge sind die Schweiz und Holland, nach denen Deutschland wesentlich mehr ausführt, als es von' diesen Ländern einführt. Die Schweiz und Holland drohen immer wieder, daß sie bei unbefriedigendem Aus- gang der jetzigen Verhandlungen alsbald ein Zwangs- clearing einführen, also aus dem deutschen Export sich selbst bezahlt machen würden. Reichsbankpräsident Dr. Schacht, der hochfahrend über die marxistischen Regierungen spricht, hat gemeinsam mit den nationalsozialistischen Wirtschaftsdilettanten die innere Kauf- krait Deutschlands verwüstet und seinen Export ruiniert. Jahrelang hat man Millionen und aber Millionen Deutsche durch das Schlagwort Autarkie getäuscht und ihnen vor- gelogen, Teutschland könne sich selbst genügen. Die Tema- gogic aus allen Gebieten, das Herunterreißen sachlicher, un- populärer und erst auf längere Sicht wirkender Maß- nahmen durch frühere Regierungen hat durch eine Stim- mungswoge unerhörten Ausmaßes bedenkenlose Volks- redner. wie Hitler und die Seinen, an die Regierung ge- bracht und hat es gewissenlosen Strebern, wie Dr. Schacht, ermöglicht, sich wieder in-die Macht einzunisten. Nun aber sind diese beiden Torten Volksverderber am Ende ihrer Schlagwortlttgen. Sic kehren zurück zu den„liberalistischen" Methoden des Exports und internationaler Finanz- abkommen, freilich in einer Lage, die Teutschlands Situa- tion unerhört geschädigt hat. Sehen Sie hinter die Kulissen ... dann ist die lade Katastrophal" tto Der Basler„Nationalzeitung"(Nummer 190) entnehmen wir: In mehrfacher Verkettung zeigt sich in diesem Zusammen- hang die unslösbare Verbindung Deutschlands mit der Weit- Wirtschaft und die Rücksichtnahme, die es in erhöhtem Maße auf seinen Außenhandel nehmen wird müssen, und die au! Lic Gestaltung seiner gesamten Wirtschaftspolitik von großem Einfluß sein muß. Es kann heute schon gesagt werden(wie gleich an authentischen Aeußerungen nachgewiesen wird), daß der Traum einer freiwilligen deutschen Autarkie aus- geträumt ist. Es ist wirtschaftlich wegen der Wirkung aus die Kosten unmöglich, zugleich einen beinahe maßlosen Agrar- Protektionismus zu treiben und die Industrie mit teilweise unproduktiven Arbeiten in Gang zu halte», wenn man für eine Reihe von fWnfiftnffrn n«new'escn bleibt. Das"•»"•'*'<•' man in der Regierung und du Parteileitung die tuuerpollltschen Erwägungen vorangestellt und sich der Einsicht verschlossen zu haben, daß in der Welt der Wirtschaft letzten Endes nur die Tatsachen gelten. Ueber den Schaden, den Binnenmarktpolitik und Anti- s-mitismns dem deutschen Aussuhrhandel und speziell den '.'jjf-n aba VstSri hoben. bei der nationalsozialistische Bürgermeister von He flu. f."''" n /in«, an der Tagung der deutschen AußenhanoelssteUcn in Bremen sich folgendermaßen geäußert: „Was die Hansastädte verlangen, ist nur, daß ihre Belange anerkannt werden, auch im Binnenland... Wir verlangen nur, daß das, was unorganisch von Bremen oder Hamburg ab- gewandert ist, wieder zurückgeführt wird. Wenn Sie heute durch die Häfen gehen, dann sieht dort alles schon auS, als ob alles in Ordnung wäre. Sehen Sie aber einmal hinter die Kulissen. Daun ist die Lage so ka» a- strophal. wie in keinem Teil sonst in Deutsch- Gestern und heute Klein und unscheinbar war eine Notiz, die vor einigen Tagen durch die Presse ging. Sie betraf das l erbot der Wahr- sagerei, der Hellseherei, der Astrologie und der einschlägigen Zeitungen. Nur wer das Deutschland der vergangenen Krisenjahre von innen her gesehen und erlebt hat, kann sich eine Vorstellung davon machen, was das l leutet. Das war bis vor k„. ,.em ein buntes Zeitungslebrn an den Kiosken! Da hingen sie in Reih und Glied, die Blätter mit den grellroten Aufdrucken und den verschmierten Klischees, die Horoskope, die Sternbilder. die Weissagungen. Männer und Frauen, alte und junge, blickten staunenden Auges auf die fliegende Welt der H linder. die für 15 Pfennig zu kaufen war. Da war das„Neue Deutschland,„Der neue Weg",„Hannssens Zeitung"; da bohrten sich prophetische Widderköpfe zwischen Runenzeichen. Geschrieben war das alles mit einer bilderreichen und verschnörkelten Betulirh- keit: in den Sternen liegt die Zukunft eines jeglichen Bedrohten und Geängstigten, Du weißt schon heute, was übermorgen sein wird! Dahinter strahlte das Lichtauge der Wissenschaft... Diese Zeitungen wurden rasend gekauft. Sie waren Goldgruben für ihre Verleger, die von ihren Einnahmen einen keineswegs okkulten Gebrauch machten. Aber ihre große Aera begann erst, als sie in die Politik einstiegen. Diese Leute kannten ihr Publikum. Sie wußten, daß die Schwärmenden, die Hintergründigen, die miltelständlerischen Dämonen einen Erlöser und Liebling dringend benötigten. War das ettva Brüning, der sauertöpfische Vernunf tkatholik? Stresemann, Otto Braun. Schleicher? Nein, solche Leute konnten den Durst der sehnsuchtstrunkenen Magie nicht stillen. Kurz, bereits seit 1931 zeigten die Horoskope stark auf den kommenden Hitler, nachdem eine Weile vorher Ludendorff in Hochform war. Allmählich kamen dann auch die. anderen Führer aus dem braunen Lager an die Reihe. Eine Weile Gregor Strasser, später intensiv Ley und Kerrl. Man kann nicht sagen, daß ihre immer wiederkehrenden Bilder eine Neigung zur Schmeichelei zeigten. Die Erlesenen der Hintertreppe sahen hier alle gleich grauenhaft aus. Es ist durchaus nicht paradox zu sagen, daß Hitler deshalb siegte, weil ihn drei Jahre lang der Sieg von den Sterndeutern und Handlesern verkündet worden war. Denn es besteht hier ein tiefer Zusammenhang. Die Macher der bunten Blättchen lauschten sehr geschieht an den seelischen Türriffen des unpolitischen Volkes und gaben ihm das, was es wollte: die Perspektive auf den kommenden Erlöser. Jeder, der nach den Hilfsregisseuren des„dritten Reiches" sucht, der trifft immer wieder auf die Spuren der Himmelsleser; auf dieses atmende Stück deutscher Kulturgeschichte, das der Forscher in den Bezirk des Irrationalen verlegt, um einen Haltepunkt im Reiche der menschlichen Irrungen zu besitfen. Also: ohne Hanussen kein Hitler, ohne den Astrologen Taddcius Klose kein Göring! Wahrhaftig, es ist eine abgrundtiefe Undankbarkeit, wenn jefft der Nationalsozialisums seine Wegbahner einfach verbietet. Noch die legte Nummer des„Neuen Deutschland" hatte eine rubinrot leuchtende Schlagzeile: ,.Hitlers Horoskop— Europas Glück". Nun liegt neben der Leiche des ermordeten Hanussen ein publizistischer Eides- und Siegeshelfer neben dem andern. Die Aera des literarischen Mystizismus ist abgelöst worden durch, die absolute Weltanschauung des totalen Staates. Heute freut sich die„Deutsche Presse", das Organ des Reichsverbandes, „daß diese finstersten Erzeugnisse der Druckerpresse, die auf Fang unter den Dummen und Beschränkten ausgingen, diese unwürdige literarische Brunnenvergiftung meist jüdischer Herkunft endlich verschwinden". Man ist wieder blitfblank und schimmernd in ethischer Wehr. Die Frage entsteht: Warum hat man diese Zeitungen verboten? War nicht ihre historische Mission ohnehin erfüllt? Die Pathologie des Massenwahns'braucht sie nicht mehr. Sie hat heute ganz legale Abflußkanäle, im Rausch der Demonstrationen, im Mythos der Uniformen und der besessenen Stimmen am Lautsprecher. Argus. land und auch nicht bei der Landwirtschaft. Als Zeugen nenne ich den Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht, der unsere Lage kennt, der in die Bilanzen der Reedereien und der großen"jr-tfer hineingesehen hat. Wenn nichts für die Hansestädte geschieht, dann müssen sie zusam» Entente cordiale Einmütigkeit in DNB. Paris, 27. April. Der Empfang, den Außenminister Barth on in Prag erhalten hat, ivird von der französischen Presse als bester Beweis für das gute Einvernehmen zwischen beiden Nationen bezeichnet, die in allen Fragen Hand in Hand gingen, so daß der Meinungsaustausch in Prag nicht der Bereinigung, sondern nur der Vertiefung diene. Die positiven Ergebnisse dieser Aussprache werden sich nach dem Ur- teil der Blätter anderwärts zeigen, beispielsweise in Gens. Außenminister Barthou habe Benefch. so berichtet der»Petit Parisien", über alle Einzelheiten der letzten Etappc der Ab- rnstnngsfrage unterrichtet. Tie gemeinsame Taktik, die Frankreich und die Tschechoslowakei beim Wiederzusammen- tritt deS Hauptausschusses der Abrüstungskonferenz ein- nehmen würden, werde sich nach der Haltung gewisser Mächte in der Aussprache richten. Der Tonderberichterstatter des »Matin" behauptet, bereits der erste Tag habe volle Ein- vernehmen in folgenden Fragen gebracht: Abrüstung. An- schlnsi und römische Protokolle. Zur Anschluß frage will die Berichterstatter!» des„Oeuv r e" den Eindruck gewon- nen haben, daß in der Tschechoslowakei die Frage der etivaigen Wiedereinsetzung der Habsburger in Oesterreich nicht die gleiche Reaktion hervorrufe wie einst. DNB. Paris, 27 A^ril. Bekanntlich waren anläßlich der Abfassung der letzten i.anzösischen Note in der Rüstungsfrage Gerüchte über Meinungsverschiedenheiten innerhalb des kleinen Abrüstungsausschusses und auch innerhalb der Regie- rung aufgetaucht. Man hatte behauptet, daß der aus Militärs bestehende kleine Abrüstungsausschuß die Staatsmänner Tardieu und Herriot veranlaßt habe, die ursprünglich Prag-Paris der Abrüstungsfrage von Barthou vertretene Auffassung, daß ein Rüstungs- beschränkungsabkommcn mit Turchführungsgaranticn eine ausreichende Sicherheit biete, zu bekämpfen, und daß diese Aus- fassung schließlich de» Sieg davongetragen habe. In der Tat hat der plötzliche„Umfall" Aufsehen erregt. Heute erklärt das dem Gcncralstab nahestehende»Echo de Pari s", daß weder innerhalb des kleinen Abrüstungsausschusses, noch innerhalb der Regierung jemals Meinungsverschiedenheiten geherrscht hätten. Das Blatt wartet mit Daten und Einzel- heiten auf. die die Einmütigkeit der französischen Haltung in der Rüstungsfrage gegen die Kampagne von links verteidigen sollen, die nach Ansicht de? Blattes geeignet ist. Frankreichs Position bei den internationalen Verhandlungen zu schwächen. Zuriidc nadi Genf DNB. London, 27. April.„Times" meldet ans Brüssel, es verlaure^daß der belgische Außenminister Hymans den italie- nischen Staatssekretär Snvich auseinandergesetzt habe, daß nach belgischer Ansicht eine Vereinbarung unter den Haupt- sächlich interessierten Stationen abgeschlossen werden sollte, bevor eine Verlegung der Erörterung nach Gcin stattfinde, und daß Garantien für die Rückkehr Deutschlands zum Völkerbund gegeben werden müßten. Belgien halte es nicht für unmöglich, ein Abiüstnilgsabtonimcii zu erreichen: aber eine derartige Vereinbarung müsse innerhalb des Völker- bundes abgeschlossen werden. menbrechen. Als Nationalsozialist könnte man vielleicht lagen, dar die Hansestädte dann eben verschwinden müßten, ii'ciiii sie ihre Aufgabe erfüllt hätten. Das mag wirtschaftlich richtig gedacht sein: aber ich rufe Ihnen zu. daß es politisch falich ,g. Es ist in diesen Hansestädten ein zu wertvolles Menjchenmaterial, das nicht verkommen darf." Diese Erklärung, die im Bericht einer deutschen Zeitung enthalten lnicht etwa der Emigrantenpresse entnommen) ist, mun doch nachdenklich stimmen. Sic gibt den Schlüssel zu dein Paims in der Rede, die der Außenminister Neurath am 14. April an einer. Veranstaltung der Freunde des Jbero- Amerikanischen Instituts in Hamburg gehalten hat, in dem es heigt:„In zwei Pnnkten zeichnet sich.die Entwicklung für ^eutichland trotz der allgemeinen Unsicherheit klar ab. TaS eine,ist, da« das Schlagwort der Autarkie, das eine Zettlang in manchen Kreisen eine große Rolle gespielt und I m. Ausland zu manchen Mißdeutungen Anlaß gegeben hat, da« dieses Schlagwort heute in allen maßgebenden .« r c i, e n n b e r w u n d e n ist... Da? zweite ist, da« wir in Zukuntt die Wareneinfuhr planvoller in die Hand nehmen 'uu'ien;•• Die Währungspolitik und die handelspolitische ?>b>chlic«»na vieler Länder hat uns einfach in die Zwangs- läge versetzt, eine planvolle Verlagerung der notwendigen Einfuhr nach denjenigen Ländern vorzunehmen, die bereit sind. 4 eutirfiland entsprechende Werte abzunehmen. «testen wir einmal zunächst fest, daß daS Letztgenannte dem Sinne nach vollinhaltlich die Ausführungen bestätigt, die Bundesrat« chultheß am offiziellen Tag der Schweizer Muitetmc^ in Basel gemacht und über die man sich in Dentichland merkwürdigerweise aufgehalten hat. erkennen wir fernerhin, wie sich die Macht der weltwirt- schastlichcn Zusammenhänge, die man als eine böswillige Erfindung des»Liberalismns" hinzustellen beliebte nach verhältnismäßig kuner Frist einer Regierung als unent- rrnubar erwiefen bat. deren leitende Perkone» einem solchen Eingeständnis so lange als möglich widerstrebt haben durften. }>!an darf annehineu daß die Erklärung Neuraths nicht ohne onfequenzen tür das Verhalten Deutschlands in Handels- pvliincher Einsicht und als«chuldnerland bleiben wird. Es wäre verfrüht, hieran auch Erwartungen auf weitergehende pvlitiiche.rolgernngcn zu knüpfen: aber man möchte wttn- scheu, daß die Erkenntnis auch im deutschen Volk wieder ein- keine, da« leine dauerhafte wirtschaftliche Erholung nur durch eine verständnisvolle Zusammenarbeit mit der Umwelt qe- sichert werden kann. Polizeiobersekretär ßadies Freitod eines Führers der saarländischen Poilzei- bearnten d"l>. Saarbrücken, 27. April. Polizciobcrsekretär Backes, einer der beiden Polizcibeamten, gegen die von der Re- giernngskommissson unter Suspendicrung vom Aintc ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden ist, hat sich heute morgen in seiner Wohnung erschossen. Das Deutsche Nachrichtenbüro versucht, den Polizeiober- setretär Backes z» einem nationalen Helden zu stempeln. Es schreibt, da« die Tat in dem Augenblick geschah, als Backes aufgefordert wurde, die Vorsiandsgcschäste der Vereinigung der Polizeibeamten»ach ihrer Auflösung dem Beauftragten der Regierungskoinmission zu übergeben. Wir erfahren dazu, daß der Selbstmord des Polizeiober» sekretärs mit seiner Amtsenthebung nicht zusammenhängt. Man vermutet, daß er sich wegen Unregelmäßigkeiten in der KaffensüHrnng erschossen hat. Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen. Backes war in der Abteilung A des Polizei- Präsidiums mit der Kasse beschäftigt. * Wie wir noch kurz vor Redaktionsschluß erfahren, hat bereits die erste Prüfung der Kasse eine Unterschlagung von Sikmi Franken ergeben. Tie Kasse wurde darauf sofort ver- siegelt. Bei der Beerdigung eines früheren Schntzhästlings in Innsbruck, der im Krankenhaus an den Folgen einer Magen- operation gestorben war, sang die Menge am offenen Grabe das Horft-Wessel-Lied. Bon zuständiger französischer Stelle wird die Meldung als falsch bezeichnet, daß die französische Regierung in der RiiftuugsfrageeinencneNotcandieenglischc Regierung gesandt habe. Neue Todesurteile Anfang April begann vor dem Haiiscatischcn Sondergerichl in Hamburg unter dem Vorsitz des Landgerichtsdireklors Dr. Rüther ein Massenprozeß gegen 50 antifaschistische Arbeiter und Seeleute. Sie stehen unter Anklage des vollendeten und verjuchten Mordes, Landsriedensbruches und anderer Delikte. In den Jahren 1032 und 1033 sollen sie vier „Fenerübersälle und Terrorakte" begangen haben. In Wirklichkeit handelt es sich um die Abwehr von Nazi-Provo- kotionen, welche in jener Zeit systematisch verübt wurden, um Hamburgs Arbeiterviertel auf Faschistenart zu„erobern". Die Anklage behauptet, daß die Unternehmungen„entweder von der Bezirksleitung der KPD. Wasserkante oder f!> von der Ganleitung des Roten Fronikämpserbundes befohlen" worden find. Aus dieser Formulierung geht bereits die ganze Tendenz des Prozesses hervor. Die Verhandlung soll die verbrecherische Tätigkeit der Kommunistischen Partei„beweisen", um die Pogromstimmuug gegen den Führer der deutschen Arbeiterklasse zu schüren. Deshalb ist die Regierung mit dem Gericht übereinge- kommen, die Prozcßdaner auf vier Wochen auszudehnen, oo- wohl die Regierung seit dem Reichstagsbrandprozeß die Taktik verfolgte, Kommunistcnprozesse wirklich kurz abzu- wickeln, mit drakonischen Strafen zu beenden und den An- geklagten keinerlei Gelegenheit zu ausführlichen Aeuße- rungen zu geben. Diesmal wurde das ganze Göbbelösche Propagandatheater aufgeboten, um ein großes Prozeß- Schauspiel zu bieten. In neu» Reihen sitzen die angeklagten Antisaschisten im Saal, fast bis an die Zuschauer heran, die aber durch eine dichte Polizeikette von ihnen getrennt sind. Auch zwischen den Angeklagten sitzen Polizisten und Gefängnisbcamte, um die„Rnhe und Ordnung" aufrecht zu erhalten. Einige An- geklagte tragen die nestreiste Zuchthauskleidung: sie wurden schon in früheren Prozessen zu schweren Zuchthausstrafen verurteilt und sind hier wieder m t hineingezogen worden. Tie Zuhörerichaft wird in der Hauptsache von den Frauen der angeklagten Antifaschisten gestellt. Diese haben den Rc- gisseuren dieses abgeschmackten ProzeßthcaterS allerdings einen Strich durch die Rechnung gemacht, indem sie wieder- holt ihren Unwillen über die Prozeßführung äußerten, so daß in Hamburg? der Vorsitzende drohte, die Zuhörerbäuke räumen zu lassen. Der Prozeß ist auf grauenhafte Weise vorbereitet worden. Nicht nur, daß man kriminelle Elemente zur Zeugenaussage gegen die Angeklagten bereit hält— die Aussagen in der Voruntersuchung wurden den gefangenen Antisaschisten durch entsetzliche Folterungen erpreßt. Tie verschiedenen„Ge- ständnisse" widersprechen einander so offensichtlich, daß gar nicht verborgen bleiben kann, wie sehr die Angst vor neuen Folterungen und Mißhandlungen die„Geständnisse" diktiert hat. Diese Beobachtung wird uns von einem Hamburger Ar- bciter bestätigt, der die Vorgänge genau kennt. Wie er der »Roten Hilse Teutschlands" versichert, sind die Geständnisse und Bezichtigungen völlig univahr und verdecken vollkommen die provokatorische Rolle der Nazis. Bezeichnenderweise fand in derselben Sache am 0. Juni 1032 bereits ein Prozeß gegen die Arbeiter Michaelis und Tiockfleth statt, die damals freigesprochen wurden, weil keinerlei Beweise gegen sie vor- lagen. Nunmehr soll Ttockfleth im November 1933(!) zugegeben haben, er hätte einen SA.-Mann ins Genick ge- stachen. In der jetzigen Verhandlung zwingt ihn das Gericht, zu erklären:„Ich kam mir dabei vor, w'e ein Vieh", und die faschistischen Zeitungen gehen mit den blutrünstige» Kom- mcntaren auf dieses Stichwort ein. Dieselben Zeitungen erklären übrigens mit auffälliger Betonung, daß Stocksleths Erklärung ein Jahr nach seinem Freispruch ein.Durchaus glaubwürdiges Geständnis">ei. Der Verlauf der Verhandlung zeigt bereits jetzt, daß neue Todesurteile verbcreitet werden. Der Staatsanwalt Jauch und der Vorsitzende Rüther schaffen gemeinsam mit den Nazi- Zeugen eine ungeheuerliche Blutatmosphärc. 10 Todesurteile wurde» in Hamburg bereits ausgesprochen, sechs Todesurteile wurden vollstreckt. Der braune Terror will in der Stadt Ernst Thälmanns neue Opfer. Hamburg ist für die Fasa>isten der ewig gefährliche Unruhenherb, den sie nicht ersticken können. So gre'fen sie wieder zur ver- schärften Rachejustiz. Richten wir die Augen der Welt aus die neuen Schandtaten der Henker. Entlarven wir die Folter-Justiz. D'e Todes- urteile müssen verhindert, die Antifaschisten gerettet werben. Besuch in Dachau Wo 2000 politische Gefangene inhaftiert sind „La Liberte" läßt sich durch einen Sonderberichterstatter über einen Besuch in Dachau schreiben: Der Mann schlug die Hacken zusammen und rief: „Achtung!" Die ganze Werkstatt sprang in tadelloser Haltung auf. Alle nahmen ihre Mützen ab und erwarteten in strammer Haltung, ohne sich zu rühren, die Ankunft des Obersturmbannführers. Die Gefangenen folgten dem Obersturmbannführer und mir bei jeder Bewegung mit den Augen, wei bei einem ständigen Gruß, den ihnen eine eiserne Disziplin befiehlt. Denn es waren Gefangene. Dachau In Dachau, einer kleinen bayerischen Stadt, wenige Kilometer von München entfernt, befindet sieh seit Beginn der nationalsozialistischen Revolution ein Konzentrationslager für politische Gefangene. Die Erde ist schlammig, das Wetter düster. Ueber diesem ganzen Lande liegt eine Stimmung der Verzweiflung. Alle paar Minuten taucht die schwarze Uniform eines SS.- Maunes auf, auf dessen Helm einzig ein Totenkopf und zwei gekreuzte Knochen aus Silber eine düstere Helligkeit werfen. Eine strenge Wache An den Eingängen des Konzentrationslagers halten SS.- Männer mit schwarzen Stahlhelmen und Mauserpistolen strenge Wache. Die Einlaßstheine werden von allen Seiten betrachtet. Die Frauen werden abgewiesen, denn keine Frau hat das Recht, das Lager zu betreten. Wenn man endlich die strengen Wachen passiert hat, kommt man auf einen großen Hauptweg, zu dessen Seiten die einstöckigen Gebäude liegen. Dies sind die Werkstätten, in denen die Gefangenen arbeiten. Die Werkstatt, die wir betraten, war für Schuster bestimmt. Die Hammer, die im Takt geschlagen wurden, hieb »-n bei unserem Eintritt inne. Ebenso war es in allen anderen Abteilungen. Sowie der Leiter der Werkstatt Achtung rief, hörten alle mit der Arbeit auf. Ein wenig später kamen wir in die Werkstatt der Graveure und Goldschmiede. Ein jüdischer Kommunist schnitt mit mechanischer Exaktheit Hakenkreuze. Von überall starrt dieses Hakenkreuz dem Besucher entgegen. Es gibt Hakenkreuze an den Wänden, auf den Gegenständen. welche die Gefangenen herstellen, auf den Fahnen, auf den Horst-Wessel-Denkmälern, welche die SS. an allen vier Ecken des Lagers von Kommunisten errichten ließ. Gefangene! Dachau! Zweitausend Menschen sind hier gefangen, die keine Hoffnung auf Flucht haben, die Tag und Nacht von dreihundert bewaffneten SS.-Leuten in einem Lager bewacht werden, das von Maschinengewehren umstellt, die in Betonmauern eingelassen sind und Tag und Nacht durch ausgerüstete Miliztruppen bedient werden. Die Patronenstreifen liegen ständig in den Korridoren der Vorratsräume bereit. Bedenken Sie ferner, daß der Stacheldraht, der das Konzentrationslager umgibt, nachts elektrisch geladen ist. Wie leben die Gefangenen in den Lagern? Etwa so wie Soldaten in einer Kaserne, die alle verurteilt wären. Frondienste zu tun. Es ist ein Leben im Gefängnis und ein Lehen im Arbeitsraum: denn jeder wird in dem Handwerk beschäftigt, das er ausübte, als er frei war. Die Schneider nähen Upiformen für ihre SS.-Wache; die Schuster flicken ihre Schuhe; wieder andere sind Tischler, Schmiede Maler und Erdarbeiter. Das Lager in Dachau ist wie eine kleine Stadt. Es gibt dort eine Bäckerei, die ganz modern eingerichtet ist und die täglich das Brot für die SS. und für die Gefangenen herstellt. Beide bekommen übrigens dasselbe schwere schwarze Roggenbrot. Es gibt auch ein Lazarett, einen Operationssaal, eine Zahnklinik. Alles das ist in vollkommener Weise organisiert, besser, als in den meisten Kasernen. Der Dienst der SS. Für die 300 SS.-Leute, die dort leben, ist übrigens eine Kaserne da. Als ich ankam, übte eine Abteilung in„Drillich", eingeteilt in Trupps mit je einem Führer, Paradeschritt, Andere Gruppen exerzierten in einiger Entfernung mit Gewehren. Eine weitere Abteilung in schwarzen Stahlhelmen kehrte von einem Marsch zurück; diese großen jungen Menschen— Vorschrift ist eine Größe von 1,75 m— machten den Eindruck von Elitetruppen. Diese Freiwilligen sind alle kräftige, gutausgebildete Burschen. Eine politische Formation, die zur Ueberwachung von Kommunisten bestimmt ist? Vielleicht! Eine militärische Formation? Bestimmt! Das waren sie!... Das Refektorium der Gefangenen ist ein großer Raum. Die Wände sind mit Karikaturen bemalt, die von den Gefangenen selbst unter Aufsicht der Naziwächter ausgeführt wurden. Es sind Karikaturen von Sozialdemokraten, Zentrumsführern, luden und Kommunisten des alten Regimes. Stresemann steht hier neben Torgier und Warburg. Ein kleiner, mit Kohle gekennzeichneter Nazi hält ein Schriftband. auf dem nur die Worte stehen: Das waren sie! Furchtbare Worte in ihrer nackten Brutalität. An der Rückwand des Eßraums streckt ein großes Kreuz ohne Gekreuzigten seine erbarmenden Arme aus. Verboten Ich weiß nicht, ob alle Gefangenen in Dachau Nationalsozialisten werden, aber man tut gewiß alles, um das zu ei reichen. Und weniger mit Gewalt als durch den ungewöhnlichen moralischen Druck, den jene Hakenkreuze, welche überall von ihnen gezeichnet, jene Bilder des Führers, die von ihnen gemalt, jene Denkmäler, die von ihnen zum Gedächtnis Horst-Wessels errichtet wurden, ausüben. Ich wollte mit einem Gefangenen sprechen. Man erklärte mir:„Verboten". Ich wollte photographische Aufnahmen machen. Man erklärte mir:„Verboten". Ich wollte wissen, ob die Gefangenen ihre Angehörigen sehen könnten. Man erklärte mir:„Nein, das ist verboten." Als ich das Lager in Dachau verließ, empfand ich in der feuchten, klaren Luft ein seltsames Gefühl der Befreiung. Jacques Ploncard. Saar-Regierung gegen Polizei-Rebellen Swei Entlassungen- Weitere Disziplinarverfahren folgen Saarbrücken, den 26. April 1984. Die RegieiungSkommission teilt mit:„Die RegierungS- kommission des Saargebietes hat sich in ihrer Sitzung vom 25. April 1934 mit der Entschließung der Bereinigung der Polizeibeamten Saarbrückens vom 19. April 1931 besaßt, die in einer von einer gewissen Anzahl Polizeibcamten besuchten Versammlung angenommen worden war. In dieser Eni- schließung wurde die Entlassung der von der RegierungS- kommission in der letzten Zeit eingestellte» dentschen Polizei- beamteu gefordert und weiter gegen ander? onaebliche Ab- sichten der RegieiungSkommission St?liung genommen. Die Tatsache, daß der Reichssender Berlin bereits am 21. April 1931 die oben genannte Entschließung der Oeffentlichkeit mitteilen könne und daß der Leitartikel der saarländischen Tageszeitung„Deutsche Front" vom 25. April 1934 mit Teilen der von dem Vorsitzenden der Vereinigung der Polizeibeamten gehaltenen Rede sinn- gemäß und wortwörtlich übereinstimmt, ist geeignet, ein besonderes Licht auf die Angc- legenheit zu werfen. Die Rcgierungstommission mußte dieses Verhalten aktiver saarländischer Polizeibeamten schärfstens verurteilen Sie hat festgestellt, daß in der Veschlußsasiung der Bereinigung der Polizeibcamten Saarbrückens ein Verstoß gegen 8 23 des Beamtenstatuts vom 29. Juli 192» zu erblicken ist. der die Verfolgung politischer Ziele durch eine solche Beamten- Vereinigung ausdrücklich verbietet. Die Regierungskommis- sion hat gemäß Artikel 27 des Beamtenstatuts dieAuslösungderBereinigungderPolizei- beamten Saarbrückens beschloffen und angeordnet: Die Borstandsmitglieder der Bereinigung der Polizei, beamten Saarbrücken, Kriminalkommissar Heinrich Becker und Polizeiobersekretär Backes müden mit sofortiger Wirkung vom Amt suspendiert und aus Grund des vorerwähnten Artikels 27 des Beamten- statuts wurde gegen sie ein ordentliches Disziplinar- verfahren mit dem Ziele dcr Dienstentlas- s u u g eingeleitet. Um die Disziplin innerhalb der staatlichen Polizei in Saarbrücken wieder herzustellen, find weitere Maß- nahmen ergrissen bzw. in Aussicht genom- m e n." * Die„Volksstimme" schreibt dazu noch: Wie wir erfahren, sind die drei Kommissare der blauen Polizei, die an der Versammlung teilgenommen haben, be- reits in die Verwaltung versetzt und einige andere Maß- nahmen sollen noch bevorstehen. Die Absägung der Rädels- sührer und die Auflösung des Polizeibeamtenvereins be- weisen aber, daß die Regierungskommission dieser Polizei- beamtenrebellion jene Bedeutung beimaß, die ihr vom Standpunkt der Erhaltung von Ruhe, Ordnung und Sicher- heit im Saargebiet unbedingt beigelegt werden muß. Dieser Fall in der saarländischen Polizei hat bewiesen, wohin die vcrantwortungs- und skrupellose Agitation und der hcm- mnngslose Terror der„deutschen Front" die Dinge an der Saar zu treiben versuchen. Wir zweifeln nicht daran, daß sich der Bölkerbundsrat der Entscheidung der Regieruugskom- Mission mit einer noch weitergehenden Entscheidung bczüg- lich der allgemeinen Sicherheitswahrung an der Saar an- schließen wird. SaarDebatte im englischen Unterhaus Eine Einheitsfront gegen Nazi-Terror 3m englischen Untcrhause gab es am Donnerstag eine Einheitsfront von der Labourparty über dieLiberalen bis zu d e n K o n s e r o a t i v e n gegen den Noziterror an der Saar. Aus den Interpellationen der Abgeordneten sowohl der Labourparty wie der Liberalen wie der Konservativen ergab sich die einmütige Auffassung des englischen Volkes, die eine unter Noziterror stattfindende Abstimmung als eine Farce empfinden würde und die dagegen mit der ganzen demokratischen Tradition Englands Front zu machen entschlossen ist. Aus der gesamten Saardebatte waren insbesondere zwei Punkte sehr interessant. Der liberale Abgeordnete H a r- court Johnstone verlangte die Meinung der englischen Regierung zu wissen über eine Vertagung der Abstimmung für den Fall, daß der Völkerbund zu der Fest stellung gelange, daß schon heute aus die Saarländer ein un erlaubter Druck, sich für das„dritte Reich" zu entscheiden, ausgeübt werde, und zu der anderen Feststellung, daß sie mit Repressalien nach der Abstimmung zu rechnen hätten. Der liberale Abgeordnete Mander forderte für die Zeit vor, während und nach der Abstimmung eine> n t e r- nationale Polizeitruppe, um für jeden einzelnen Saarländer die Sicherheit von Leben und Eigentum zu ge- währleisten. Der konservative Abgeordnete John Caps er interpellierte den englischen Außenminister über den Schutz der Bevölkerung für die Zeit nach der Abstimmung, für die unter allen Umständen gesichert werden müffe. daß die Bevölkerung von keiner Seite her irgendwelchen Vergeltungsmaßnahmen ausgesetzt werde, ganz gleich. wie die Abstimmung ausgehe und wie der Bölkerbundsrat sich entscheide. Die Haltung der? a b o u r p a r t y ist in dieser Frage ab- sohlt klar, entschieden und eindeutig und sie hat dem eng- tischen Außenministerium wiederholt sehr bestimm« zum Ausdruck gebracht, daß sie von«hm und vom Kabinett Mac- donald-Simon erwarten muß. daß nicht nur die Ber- tragsbestimmungen von Versailles, die eine freie, ge- Heime und unbeeinflußte Abstimmung und den Schutz der Bevölkerung vor. während und nach der Abstimmung vorsehen, erfüllt werden, sondern sie hat auch «ehr klar zum Ausdruck gebracht, daß England nickt eher der Festsetzung eineö Abstimmungsdatums zustimmen dürfe, als bis die hundertprozentige Gewähr für die Einhaltung dreier Bestimmungen gegeben sei. Die Antwort des englischen Außenministers Sir John Simon wies aus das Dreierkomitee hin. das die ausgeworfenen Fragen zu studieren und praktische Lösungsvorschläge zu machen habe. Das gelte sowohl für die Zeil vor wie während ivie n a ch der Abstimmung und umfaffe den G e s a m t k o m p I e x der Fragen, die in der Unterhausdebatte ausgeworfen wor- den seien. * Diese englische Parlamentsdebatte ist um so bedeu- tungsooller, als das englische Unterhaus bereits einmal im Jahre 1923, damals veranlaßt durch den jetzigen Außenminister und damaligen liberalen Abgeordneten Simon und durch den Führer der Liberalen. A s q u i l h, zu der Situation an der Saar Stellung nahm und sich damals sehr scharf und klar für die Freiheit der Bevölkerung gegen jegliche Unterdrückungsmaß- nahmen aussprach. Es liegt also ganz in der hohen Tra- dition dieses ungemein wichtigen Parlamentes, in der Saarfrage jene absolut demokratische Objektivität zu ver- treten, die vor dem Naziterror nicht zurückschreckt und erst recht auf Einschüchterungsmethoden a la Hitler nicht einzuschwenken gedenkt. Die Antwort Sir John Simons als Außenminister war vorsichtig-diplomatisch und zurück- haltend, wenngleich sie allen englischen Entscheidungen die Türe offen ließ, wie sie nach dem Bericht des Dreier- Komitees, fei es im Mai, sei es in späteren Ratstagungen, getroffen werden müssen. Wie Heines hänsle Aufklärung über Stettin AP. Stettin, 26. April. Wie bereits gemeldet, wor dos Bor- gehen gegen die SA.-Leute wegen Gefangenenmißhandlungcn durch die Intervention v. Mackensens veranlaßt ivorden. Wir erfahren dazu noch folgende Einzelheiten: Das Ein- schreiten gegen die Deutschnationalen und Ttahlhelmcr er- folgt wegen einer Ttahlhelmrevolte im Sommer vorigen Jahres, zu deren Niederschlagung der Polizeipräsident von Breslau, Heines, mit seiner Leibwache nach Pommern ge- rufen wurde. Diese Breslauer TA. hauste in Pommern nicht gerade sanft. Es liegen jetzt auch Meldungen darüber vor, welche führenden Wirtschastsleute— neben einigen be- kannten Deutschnationalen— davon betroffen wurden. Zu- nächst wurde der weit über Stettin hinaus bekannte jüdische Großredereibcsitzer K u n st m a n n von SA.-Leuten verhastet und schwer mißhandelt. Kurz danach begab sich ein leitender Angestellter des international bekannten Stettiner Spedi- tionsgeschäites Cohrs u. Amme Nachfolger nachmens Hei- mann ins Braune Haus in Stettin, um in einer Denun- ziationsangelegenheit eines Bekannten zu intervenieren. Er wurde eine Reihe von Tagen dort behalten und gefoltert. Heimann war im Felde Offizier und ichivcr verwundet. Als man ihn wegen seiner schweren Verletzungen nicht mehr bort behalten konnte, ließ man ihn einen Revers unter- schreiben, daß er einen Unfall erlitten habe, und trans- portierte ihn ins Krankenhaus, Ivo die Aerztc verschiedene Knochcnbrüche, schivere innere Verletzungen und so schwere Gesichtsverlehungen feststellten, daß nach dem Befund der GrcifSwaldcr Universitätsklinik, an die der Patient über- wiesen wurde, langsame, aber sichere Erblindung eintreten wird. Da es sich bei Heimann um einen prominenten Ver- treter der Stettincr Gesellschaft und zugleich uin den Reprä- sentanten eines Unternehmens von internationaler Bedeu- deutung handelt, erregte der Fall im Zusammenhang mit der Verhaftung Kunstmanns solches Aussehen, vor alle n:n der Geschäftswelt der an der Ostsee vorherrschenden Reede- reien und Speditonsgeichäfte, daß der Regierung nichts anderes übrig blieb als einzugreifen. Kap an n Situ'zltaft DNB. Marksteinach lBezirksamt Schweinfurt), 26 April. Am Dienstagabend kam es hier zu einer größeren Demon- stration vor dem Pfarrhaus. Die Demonstranten verlangten die Entfernung des erst kürzlich aus der Schutzhast ent- laffenen Kaplans Hehler. Der Gendarmerie gelang es. Tät- lichkciten zu verhindern. Kaplan Hetzler wurde in Schutzhaft gencmmcn. Das Bannes* steht! Wie«flie Fahne der Internationale gerettet wurde Wie wir schon knrz berichteten, ist es gelungen, die Ehrenfahne, die die Internationale der öfter- reichlichen Arbeiterbewegung gespendet hat und die ein Kleinod der österreichischen Arbeiterbewegung i't, ans dem von der Regierung Tollsuß„kon- sisziertrn" sozialdemokratischen Parteihaus zu retten und in Sicherheit in die Tschechoslowakei zu bringen. Ein Genosse, der an der schwierigen Ret- titnasarbeit unmittelbar beteilig« mar. schildert hier Episoden aus der aufregenden Aktion. Ein Wiener Vorsiadtkgsiee. Abcnds, halbleer. Die Stammgäste blättern in abgegriiienen Zeitungen. Ter Ober gähnt. Da fliegt m»nter die Türe aui. Hercinströmt eine auf? a-*ift dunt gemilcht: einige Arbeiter und ihre Frauen, einige„bessere Herrn", gebräunte Sport- jugend. ein, zwei Damen, beinahe gut bürgerlich gekleidet. Tische«verdcn zusa«nmen gerückt. Der Piceolo ilitzt mit einigen Tassen„Hitler" lGroßer Brauneri oder„Tollsuß" (Kleiner Schwarzeri herbei Tie Runde der Neuankömm- linge trinkt einander zu Läßt irgend ivas hochleben. Steckt die Köpfe flüsternd zusammen, bricht immer wieder in heiteres Lachen aus.„Eine nette Geburtstagsfeier"— meinen die Stammgäste und blicken wohlgefällig herüber. Es gibt noch lustige Leute in Wien... ♦*» Indes bestand die Runde ber Zuiallsgäste größtenteils aus „Kurrendierten". Untertanen der christlich-autoritären Re- gierung Toll'uß also, die die Ehre genießen, von der Polizei gesucht zu«verdcn und das Glück dazu, von ihr noch nicht er- wisch« ivorden zu sein. Der schlanke Sportler mit dem schar- fen Profil ist ber letzte Freie von einer Kainp'gruppe. die den Weg in den Tod. vors Standgericht oder ins Geiüngnis gegangen ist.„Wie Brüder«varen wir." hat er mir erzählt, „solche Burschen kommen nimmermehr zusammen." Ter ein- zige Sohn(eines Tischnachbars, ein blutjunges Bürschlein sitzt als„Hochverräter" im Landesgericht. Und andere«viede, aus der Runde haben lieber ihre Eristcnz geopfert, als die besiegte Partei zu verleugnen, sahen schon wochenlang nich« ihr von Häschern umstelltes Heim, schlafen die wenigen«tun- den, die ibnen die illegale Arbeii läßt, bei Freunden Was hat diese Menschen zu so ausgelassener Fröhlichkeit verfuhrt/ Wen- i" Spitze' de» H-rn Fen besonders sp.tze Ohren gehab!.«alte, u'ärc es ihm viclleich« gegluckt, den richtigen Wortlaut der hier(aus begreiflichen Gründen) etwas um- gestellten Gesprächsiragmente zu erfahren. Das Sportmädel:„Ihr blöden Hunde!"— hoben «vir uns jedesmal gedacht, so oft wir einer Heimwehr- Patrouille begegneten. Wenn diese Krautivächter auch nur eine blasse Ahnung gehabt hätten, was die zwei eleganten Damen in ihren Einkauispaketen durch die Stadt trugen!" 1. P r o l e t:„Das Haus war gestürmt. Plötzlich gabs mir einen Stich ins Herz bei dein Gedanken, daß die Fahne der Internationale drinnen geblieben ist. Da haben wir be- schlössen, noch einmal den geheimen Weg zu riskieren. Die Besatzung schlief' bis aui die Torpostcn Auf alle» Bieren sind wir durch das finstere Hau« gerutscht. Die Fahne war noch aus ihrem alten Platz. Als ich«nieder den schweren Stoff zivischen meinen Fingern spürte, hätte ich ain liebsten aufheulen mögen vor Freude." 2. P r o l e t: Ick«vor bei ber Fahnenkompanie des Schutzbundes. Mein Leben lang«verde ich die Riesenkundgebung aus der Hohen Warte nicht vergessen, wo uns die Vertreter der Internationale die Fahne überreichten. Da- inals habe ich nicht geahnt, daß ich sie noch einmal um den Leib gewickelt nach Hause tragen«verde." Arbeiterfrau:„Einige Nächte schliefen mir auf der Fahne. Ich dachte, bei einer Hausdurchsuchuna sei sie unter den Bettlaken am besten ausgehoben. Dort ha« man bei uns noch keine Waffen gesucht. Aber mein Mann konnte kein Auge schließen, auS Angst, daß die Fahne noch einmal dem Gesindel in die Hände fallen könnte. Jetzt ist unS leichter." Ein Kurrendierter:„Herlast'cn tun wir die Fahne nicht mehr und wenn ein paar Leute drauigehen müßten! Aber, was reden«vir immer von den„Einkauispaketen" unserer Damen? Das Geburtstagskind soll leben, hoch! hoooch!.. *** Bon dieser Stunde an wanderte die Fahne einen abcn- teuerlichen Weg: treppauf— treppab— durch die Zins- kaserueu der Wiener Proletarierviertel: ein Stück Weges «rüg sie ein nobles Auto mit«vehendem Heimivehr-Wimpel dahin: dann fuhr sie unter dem Kutschbock eines Bauern «vagen übers Land: sie hörte die treuen Proletarierherzen junger Burschen schlagen, die in dunkler Frühlingsnacht über Feldraine und Waldpfade pirschten, jederzeit des An- rufes der Grenzwächter gewärtig: sie sah ein stürmisches Händeschütteln und hörte die„Internationale" wieder er- brausen aus dem Bodeu eines freien Landes.. Es«vird die Zeit kommen, da einer wicdcrbcireiten Ar- beiterschait Oesterreichs die Namen jener Wackeren genannt «verden dürfen, die gcschivoren hatten, lieber ihr Leben h>n- zugeben, als das teuere Kleinod nochinals in Feindeshand «'allen zu lassen. *** D i e Fahne der Internationale ist ge- rettet! Eine Freudenbotschaft für die geknechteten Arbeiter Wiens und Oesterreichs, eine Verheißung>ür die Sozialisten aller Länder. Denn dieser Purpur kündet Ruhm und Tragik eines schöpferischen, kämpferischen Sozialistengeschlechts am Tonaustroni, seine treue Verbundenheit mit den Arbeitern der Welt. Große Erinnerungen weckt der Anblick dieses leuchtend roten Banners! Es war im Sommer 1981. Vor den Dele- tarische Weltolympiade. Zweimal rauschte der Jubel der Zuschauermaisen aus zum«vilden Orkan. Zum erstenmal ge- schah es, als Koloman W a l l i s ch an der Svitze«einer kernigen Tteiercr angerückt kam, dieser gedrungene Rebell in verwaschener Tchutzbundjackc. der von der Geschickte als Träger eines ruhmvoll-tragischen Schicksals vorbestimmt ge- «vesen ist. Zum anderen Mal rasten Beifallsstürme durch den klingend-klaren Sommertag. als dem Heereszug der Wiener Arbeiter die stolze Fahne der Internationale voianivehte. Ihr folgten die Kolonnen der Schutzbüudler aus den Wiener Bezirken, die Landstrasier. die Simineringer, die Faporiter, die Mcidlinger, die Hietzingcr, die Ottakringer. die Her- nalser. die Töblinger und ber rote Heerbann der allzeit ge- freuen Floridsdorfer. breit dahini'lutende Jugend- und Manneskrast, lohende Flammen bester sozialistischer Gesinnung, Einsatzbereitschaft si'ir die Sache, die aus dem«veiten Erdenrund ohnegleichen ist. ♦** Hunderte dieser Braven deckt heute die kühle Erde, tau- sende schinachten im Kerkcrverl.eß. die stolz ragenden Ge- ineindebaulen zerschossen, der rote BolkSbürgermeister Wiens und seine Mitarbeiter im Geiängnis. Doch das Banner steht! Die Fahne der Internationale, Zeugin des Jauchzens und des Blutes der tapferen Wiener Ar- beiterherzen, Snmbol ihres ungebrochenen Trotzes und ihrer herrlichen Treue, sie acht nun in die Hände der Jnternatio- nale selbst über als Vermächtnis der Toten und Verpflich- tung der Lebenden, bis sie sieg f« oh lockend, ro kündend ihren Wiedereinzng hält in ein freies Oesterreich. i, Deutsche Freiheit", Nr. 98 A8BIIT UMS WIRTSCHAFT Saarbrücken, Samstag. 23. April Gleichgeschaltete Statistik Lohnsenkungen werden„wissenschaftlich" fortgelogen Der Herr Professor W a g e m a u n ist eiu sonderbarer Heiliger. Nach Uebcrwindung einiger Schwierigkeiten ist ihm die Gleichschaltung gelungen, und er durfte die Leitung des Instituts für Konjunkturforschung behalten. Die Nationalsozialisten fanden um so mehr Gefallen an ihm, als der Professor in etwas akademischer Form sieh immer mehr bereit zeigte, das zu vertreten, was der einfältige Feder nur redtI primitiv und brutal vorzubringen wußte und was der ganzen nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik zugrunde liegt: d i e Segnungen der Inflation. Aus einem Vortrag über Krisenbekämpfung in Berlin, den Wagemann vor dem kompetenten Forum der Betriebszelle seines Instituts gehalten hat, konstatiert man zunächst, daß der Brave, der in gleichen I reuen allen republikanisch üheralistisch marxistischen lie- gierungen gedient hat, bereits eiu löOprozentiger Pg. ge- " orden ist. Die Grundsätze der Wirtschaftspolitik ergeben sich diesem W issenschaftler, der so erfolgreich sich streberisch bemüht hat. nicht aus der voraussetzungslosen Forschung, sondern aus den ,,drei Forderungen der Bindung jeden Handelns an die Idee der Volksgemeinschaft, des Führerprinzips und der Heiligung des Blutes und der Heimat". Nun ist Heiligung des Blutes besonders für Leute ohne jüdische Großmutter eine nette Sache, da sie ihnen die Anwendung auf die Wirtschaftspolitik ihre jüdischen Konkurrenten vom Hals schafft, aber wie macht man damit Krisenbekämpfung? Doch wozu ist man nationalsozialistisch gewordener Professor? !• iihrerpriuzip+ Volksgemeinschaft+ Blutheiligung= Kreditausweitung. Die neue volkswirtschaftliche Gleichung ist gefunden. Hier ist ein Wunder, glaubet nur! * Der brave Wagemann ist ein forscher Kerl. Seine Kreditausweitung hats in sich. Die Arbeitslosigkeit wird beseitigt, indem man Aufträge erteilt und sie mit faulen Wechseln finanziert, für deren Einlösung die Reichsbank ihren Notendruck zur Vc. rügung stellt. Aber Wagemann weiß, daß solche Inflation Preissteigerung mit sich führt. Also muß diese bekämpft werden. Das ist für den totalen Staat sehr einfach, er senkt die Kosten. Wörtlich:„Gefahren, die eine Kreditausweitung zugunsten der Konsumbelebung mit sich bringt, kann durch eine gleiche Kreditausweitung zugunsten der Kostensenkung ausgeschaltet werden... Eine Geldvermehrung um eine Milliarde kann in ihrer Wirkung ausgeglichen werden durch die Ausgabe einer weiteren Milliarde." Man sieht, das Rezept ist verflucht einfach: zuerst erhöhl man die Ausgaben durch Notendruck und dann senkt man die Einnahmen um denselben Betrag und ersetzt das Defizit durch neuen Notendruck. Es läuft auf die Behauptung hinaus, wenn man eine Kerze von zwei Seiten zugleich anzündet, kann sie nie verbrennen! W ir wollen nur hoffen, daß Herr Wagemann bald Zeit erhält, sich auch mit anderen Wissenschaften als der Nationalökonomie zu beschäftigen. Welche Revolution könnte er in der Wärmelehre vollbringen! Wenn wir uns mit diesem Unsinn überhaupt beschäftigen, so aus zwei Gründen. Einmal ist diese„Theorie" die genaue Beschreibung der wirklichen natio- nalistischen Praxis. Die Nationalsozialisten haben einerseits Riesenausgaben nicht nur für zum großen Teil unproduktive Arbeitsbeschaffung, sondern ebenso für Rüstungen und Unterhaltung der SA.-Armee gemacht, andererseits die Steuern insbesondere für die Landwirtschaft und den Hausbesitz dauernd heruntergesetzt. Sie haben in der Tat die Kerze von beiden Seiten zugleich angezündet, ein unabsehbares Defizit erzeugt und den Staatshaushalt so in Unordnung gebracht, daß eine Sanierung ohne Staatsbankrott immer unmöglicher erscheint. * Sodann aber sind die Auffassungen des Wagemann deshalb wichtig, weil er ja der Leiter des Konjunkturinstituts ist, dessen V eröffcntlichungen bei der völligen Unterbindung jeder unabhängigen Wirtschaftsberichterstattung fast die einzige Grundlage für die Beurteilung Per deutschen Wirtschaft darstellt. Man kann sich leicht vorstellen, in welcher Weise dieser Mann, politisch ein gleichgeschalteter Streber, wissenschaftlich ein gefährlicher Wirrkopf, die statistischen Daten zu recht manscht, um sie in Gefälligkeitswechsel auf die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik zu verwandeln. Und dies i«f um so eher möglich, als ein Teil der Resultate, zu denen das Institut gelangt, bei dem heutigen Stand der deutschen Statistik nicht auf exakten ziffernmäßigen Erhebungen, sondern auf Schätzungen beruht, die dem subjektiven Ermessen oft nur zu erheblichen Spielraum lassen. In der Tat herrscht in Wagemanns Veröffentlichungen immer mehr ein hemmungsloser Optimismus vor, in der Beurteilen- der bisherigen Resultate ebenso wie in den Prophezeiungen über die künftigen Erfolge. Aber dem guten Willen entspricht nicht immer das Können und so finden sich manchmal Widersprüche, die sich mit dem überlauten Sieges- geschrei nicht recht zusammenreimen lassen. Einige Beispiele: Das Institut entdeckt, daß im letzten Winter„entgegen a'lcr Erfahrung" das Arbeitseinkommen der Arbeiter, Angestellten und Beamten gestiegen sei Es habe im vierten Vierteljahr 1933 6,77 Milliarden RM. betragen, im ersten Viertelj.' r 1934 werde es mehr als 6.8 Reich»mrrk betrafen feegen 6 Milliarden im ersten Vierteljahr 19331. Während das Einkommen im Winter 1933 34 um nicht ganz ein Prozent gestiegen sei. sei es in den vier vorhergehenden Wintern(1929 bis 1932) ut.i 7. 11. 18 und 7 Prozent gesunken. Da das Lohnniveau, dem Willen der Peichsrecicrunsr entsprechend, so gut wie ganz stabil blieb, sei die Zahl der Einkommensbezieher fast ausschließlich durch die Beschäftigung, das Einkommen des einzelnen vor allem durch die Arbeitszeit bestimmt. Die Behauptung, daß das Lohnniveau ganz stabil blieb, ist leider eine I, ii g e Das beweisen nicht nur die sehr zahl- reid-" t>ele-t«*" Mitteilungen von Arbeitern, da« zeigen auch vielfache uns zugegangene Mitteilungen aus Unter» nehmerkreisen. In einzelnen Fällen läßt es sich ja auch aus den veröffentlichten Bilanzen entnehmen. So war im Siemenskonzern, wo man— wie in zahlreichen anderen Fällen— trotz einer Umsatzverminderung um 20 Prozent zwangsweise Arbeiter aufgenommen hatte, und die Beschäftigtenzahl von 73 000 im Jahre 1932 auf 79 000, also um sechs Prozent, im Jahre 1933 gestiegen war, die Lohnsumine von 19 Millionen, um 13 Prozent gesunken. Aehnliches ist von anderen großen Konzernen, auch von solchen, die augenblicklich eine gewisse Sonderkonjunktur genießen, bekannt. Leider werden präzise Angaben immer sei- teuer. So ergibt sich aus dem Geschäftsbericht des IG.-Far- benkonzerus eine Steigerung der Roheinnahme(der Gesamtumsatz wird nicht bekanntgegeben) von 476 auf 491 Millionen, also um 15 Millionen, etwas über 3 Prozent. Die Löhne und Gehälter stiegen von 173 auf 175 Millionen und blieben so mit zwei Millionen, kaum 1,5 Prozent, absolut und relativ hinter der Erhöhung des Rohgewinnes zurück. Leider wird — lind wohl mit voller Absicht— nicht angegeben, wie hoch die Arbeiterzahl war. Aus verschiedenen Mitteilungen der IG. ging aber eine beträchtliche Erhöhung hervor, und jetzt wird gesagt, daß die Zahl der Arbeiter in den eigenen Betrieben am 1. März 19.34 mit 63 936 um 35 Prozent und die der Angestellten mit 17 761 um 10 Prozent über dem Tiefstand vom 1. Oktober 1932 lag. Da 1934 nur 4344 Arbeiter und 605 Angestellten dazukamen, so muß die Vermehrung von rund 40 000 auf 60 000 bei den Arbeitern und von 15.300 auf 17 000 hei den Angestellten zum großen Teil während des Jahres 1933 erfolgt sein. Und mit dieser starken Vermehrung der Arbeiter ist die Lohnsumme fast gleichgeblieben! Da über 90 Prozent der Belegschaft Kurzarbeit bat— 40 bis 42 Stunden in der Fünftagewoche— so ist wohl ein Teil der Arbeiter Vermehrung auf Ausdehnung der Kurzarbeit zurückzuführen. Aber daneben mußte die Arbeiterschaft auch große Lohnopfer auf sich nehmen, um diese weit über die wirklichen Prodnktionsanforderungen hinausgehende Arbeitervermehrung zu— finanzieren. . Deutsches Unternehmen" Berlin, 25. April. Ein Emaillierwerk aus Triberg im Schwarzwald hat in den letzten Tagen den NS-Hago-Dienst- stellcn durch Werbepostkarte ein Emailleschild ..D eutschcs Unternehmen" angeboten. Die NS- Hago weist aus diesem Anlaß noch einmal darauf bin. daß eine solche Bezeichnung und die Anbringung aller ähnlichen Kennmarken verboten ist. Die Abteilung„Propaganda" der NS-Hago gibt ihrer Verwunderung darüber Ausdruck, daß trotz der nun schon oft genug ausgesprochenen Verwarnung immer noch Eirenen den 3> rsndi unternehmen. Dienststellen der Pewegüng unter bewußter Umgehung der Reichslcitung für Privatgeschäfte auszunützen. Denn aus diesen Lohnkürzungen der Arbeitenden schafft der nationalsozialistische W irtschaftsführer die Bezüge für die Neueingcstcllten! Man begreift, daß seihst ein Göbbels es in seinen Propagandareden nicht mehr ganz vermeiden kann, von den großen Opfern der Arbeiter zu reden. ♦ Aber das alles ignoriert der strebsame Herr Wagemann. Da die Ta.iflöhne offiziell nicht abgeändert worden sind, sondern die Löhne nur in der nichtamtlichen Wirklichkeit heruntergedrückt wurden, braucht sich ja der Mann um die Tatsachen nicht zu kümmern: Er multipliziert einfach seine Tariflöhne mit der Zahl der Arbeitenden und den(keineswegs etwa exakt erfaßten) Arbeitsstunden und flugs erscheint das erhöhte Arbeitseinkommen im Winter, das„der bisherigen Erfahrung widerspricht". Fälschung? O nein, einzige Methode, die für die amtliche Statistik zulässig ist! Trotz all dieser Kunststücke bleibt das Ergebnis mager genug. Nach den Angaben des Instituts betrug das Arbeitseinkommen. das auf dem Höhepunkt im Jahre 1929 noch 44,5 Milliarden betragen hatte. 1932 nur 25 860 Millionen und stieg 1933 auf 26 086 Millionen, also nur um 226 Millionen. Ein klägliches Resultat angesichts der doch mindestens 2,5 Milliarden, die allein aus öffentlichen Mitteln für die Arbeitsbeschaffung aufgewandt worden sein sollen. Selbst diese Zunahme wandelt sich aber in ein Minus, wenn man berücksichtigt, daß die Einkommen aus Arbeitslosenhilfe, Sozialversicherung und öffentlicher Fürsorge im Jahre 1933 gegenüber dem Vorjahre von 5.4 auf 4.8 Milliarden, also um 800 Millionen gesunken sind! Da der Ernährungsindex von 107,3 im Januar auf 114,2 im Dezember 19.33 hinaufgegangen ist, kann man sich von der Besserung der Lebenshaltung einen Begriff machen.„Die Einzelhandelsumsätze in Nahrungs- und Genußmitteln sind im Januar 19.34 um 3.3 Prozent dem Wert nach gestiegen. Den Mengen nach sind sie um 2.9 Prozent g e s u n k e n." Von ihren gesunkenen Löhnen müssen die Arbeiter mehr Geld für weniger Nahrung ausgeben. Das genügt als Kritik nationalsozialistischer Wirtschaftspolitik sowohl als aueli zur Beurteilung der Kunststücke des Wagemann, des„Führers der gleichgeschalteten Statistik"! Dr. Richard Kern. Die iraniihisdie iteiüeüftanssc Iii Frankreich ist durch die bekannten Maßregeln des Kabinetts Doumergue betreffend den Ausgleich des Staatshaushalts mittels Senkung der Beamtengehälter und Kürzung der Kriegspensionen an der Börse ein Stiinmungsumschwung eingetreten. Es handelt sich um einen Umschwung psychologischer Natur. Kurssteigerung der Staatsrenten 3" o ewige Rente.. 67,50 4"'« Rente von 1917. 73,80 4°'» Rente von 1925. 100,95 4 l'»% Rente von 1932 A 79.60 4''2% Rente von 1932 B 80,45 75,90 83.90 101,60 89,25 88.05 8.70 10,10 0.65 9,65 7.60 Kommando inr Heirat- Gegen r rauenarOeit M ii n cfj e n, 25. April. Ter Staatssekretär N e i tt ö n r ö t vom Reichösinanzmini- ftcrium kündigte In einer in München gehaltenen Ansprache eine neue Methode der Arbeitsbeschaffung an. Künftighin sollen in jedem Jahr°200 000 Kranen mehr als bisher hei- raten, die dann„aus die Tauer aus dem Arbeitnehmerstand auascheiden". In fünf Jahren macht das eine Million. Turch die gesteigerte Heiratslust würden weitere 200 000 Arbeiter in der Möbel- und Hausgeräteindustrie und noch einmal 200 000 int Baugewerbe unterkommen. Nach dieser Milch- Mädchenrechnung folgten Vorschriften für die grauen:„Tie noch vorhandenen weiblichen Arbeitslosen muffen in erster Vittie in die Ehe, in die Hauswirtschaft und in die Landwirt- schast überführt werden. Es sollte in keinem Tvall mehr vorkommen, dast Unternehmer in Städten weibliche Arbeitskräfte einstellen. Im Bericht der Reichsanstalt für den Monat März steht der Satz:„Zum Teil wurde die Be- obachtuna gemacht, dast weibliche Kräfte das Arbeitsamt meiden, aus I-nrcht, in die Landwirtschaft vermittelt zu werden." Ein solches Verhalten kann nicht genügend ge- brandmarkt werden." v'.e Steffi Stettin Stolle»; Ihr letztes Kinderheim Stettin. 25 April. iInsa.) Auf der Ratsherrensibnng der Stadt Stettin wurde be- schlössen, das letzte noch bestehende städtische Kinderheim „Bismarckhöhe" auszulösen,«ei einer Bettenzahl von 143 waren zum Schluß nur noch 00 Kinder in dein Heim— die Iolge der radikalen Beschneidiing der dafür zur Verfügung gestellte» Mittel. Von den 00 Kindern wurden 17 im städtische» Waisenhaus untergebracht. Strahlend erklärten die Ratsherren der Presse, dast die Stadt mit dieser Man- nähme 41<»00 Mark spart. Andererseits haben die Ratsherren für den Van der SA.-Siedluna 80 Hektar Baugelände lvom Gebiet des städtischen GulrS HeinrichShof) unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Auch wurde ein ganzer Schub„verdienter 'Nationalsozialisten" aus höhere Posten gestellt, so zum Bei- spiel der Schwimmeister Sonntag, ein SA.-Mann, der zum Vollst recknngssefretär lSchuldeneintreibnngj ernannt wurde. „Natt, dem Talmuff" Skandalöse Ablehnung nichtarischer Richter Tie ftrage der Ablehnung nichtarischer Richter iv e g e n B e i 0 r g n i s d e r B« f a n g e n h e i t hat mehrfach die Gerichte beschäftigt. Eine Kammer des Landgerichts München I. hat in einer Zivilsache unter dem 7 Dezember 1038 ein Ablehnnngsgcsnch gegn einen nichtarischen Land- gerichtsdirektor zurückgewiesen und dabei ausgeführt, dast ein Richter nicht wegen seiner nichtarischen Ab- st a m m n n g als solcher abgelehnt werden könne, son- dern nur dann, wenn gerade diese Abstammung mit Rücksicht ans die b c s v n d c r c n U m st ä n d c des Iallcs einen Grund zur Besorgnis bilde. Eine Kammer des Landgerichts Berlin Hat weiter unter dem 7. November 1988 zum Ausdruck gebracht, es genüge zur Ablehnung eines nichtarischen Richters, wen« eine ver- ständige Partei ans sachlichen Grunde» bereditigi sei, Befangenheit zu besorgen. Objektive BesangenHeit sei zur Ablehnung nicht erforderlich. Damit ist in einem nicht geringen AnSmastc die s u b j c k- t i v c Auffassung einer Partei für die Irage der Ablehnung mitentscheidend geworden. Zn welchen Konsequenzen das führt, zeigt der Bcichlust einer Kammer des Landgerichts Berlin(L. G. Berlin. 80, Z. K. Bcschl. v. 23. Iebr. 1034. 280 S. 12 135/33) über den im neuen Heil 15 der„Juristischen Wochenschrift" folgendes mitgeteilt wird: „Nach§ 42 ZPO. ist nicht erforderlich, dast der Richter ob- jcktiv befangen ist, es genügt vielmehr zur Ablehnung, dast eine verständige Parte! auS sachlichen Gründen berechtigt ist, Befangenheit zu besorgen. Solche sachliche» Gründe sind vorliegend nicht von der Hand zu weisen. In ihrem Schriftsatz führt die Beklagte aus:„Es- kommt hinzu, dast bei den Juden nach den Vorschriften des Talmud die falsche Aussage gegenüber einem Richlinden nicht nur erlaubt, sondern sogar vorgeschrieben ist, ivenn auch manche Juden Angst haben vor dein StA. und nicht immer gewaat wird, diese Vorschrift des Talmud zu befolgen, so ergibt sich doch aus ihr eine der- artige Verwahrlosung der jüdischen Anssagemoral vor Ge- licht, dast den Aussagen von Inden, zumal wenn sie an der Sache selbst interessiert sind, und sich in einer Situation be- Huden, dast sie den Meineid für schwer nachweisbar halten können, mit alleraröstter Vorsicht zu begegnen ist, mit der- selben Vorsicht, mit der man ihnen grundsätzlich bei allen geschäftlichen Transaktionen begegnen mutz, wenn man nicht schwer hereinfallen will." Ta man unterstellen mutz lso sagt das Gericht zu diesen Ausführungen der Beklagten. Sckrift- teitnng.), dast diese Ausführungen die persönliche Auffassung der Beklagten selbst, nicht blast die ihres jetzigen Prozest- bevollmächtigten wiedergeben, so ist. zumal von der Wiir- dianng der A n s i a a e der angegriffenen j ii d i- scheu Zeugin die Entscheidung des Rechtsstreits weit- gehend abhängt, nickt zu verkennen, dast die Beklagte in der Tat die Besorgnis hegen darf, dast gegenüber diesen scharfen Angriffen an» die iüdische Eides- und Geschäfts- moral der abgelehnte Richter als Nichtarier ihr gegenüber nicht völlig nn beton gen bleiben werde. Es kann hierbei nicht in? Gewicht fallen, dast nack seine,- dienst- liehen Aensterung der abgelehnte Richter selbst und seine Eltern christlicher Religion s.nd. da schon das Vorhandensein jüdischer Vorsahren im Rahmen deS BeamtengcsctzeS bei den gegen das Judentum gerichteten Angriffen die Besorgnis der Beklaaten bezüglich der Befangenheit de? abgelehnten Richters zu rechtfertigen geeignet erscheint." Weitergeben! Weltergeben! I Werten Sie die„Deutsche Freiheit" nach d< m Lesen nicht fort. Geben Sie das Blatt an Leute weiter, die der Aufklärung und Belehrung bedürfen I I deutsche Stimmen• föeilage zur„deutschen Freiheit"• itei&nisse und Geschichten S»m»taq, d>n 28. April 1934 tBiec- iuc swdatw Qesundung R. Der Führer der Gruppe Lebensmittel der deutschen Wirtschaft, Herr Brauereidirektor und Oberbürgermeister Schüler, Dortmund, läßt in der„Westfälischen Landesieitung" vom 21. April einen Artikel über die nationalsozialistische Brauindustrie erscheinen, der einige ergötzliche Pointen enthält. Schüler ist ein hohes Tier mit vielen Aemtem und Titeln, einer der zehn Wirtschaftsheiligen, die den verfahrenen Karren aus dem Sumpf zaubern sollen. Er kann nicht gut deutsch, aber so gut wie Ley handhabt er das komplizierte Instrument Sprache auch. So vernehmen wir denn folgende "ns Blut und Boden entsprossene Wahrheit:„Das dem Deutschen von vorgeschichtlichen Zeiten her im Blute liegende Begehren nach einem gegorenen Getränk aus der Gerste hat dem deutschen Brauer das Gesetz seiner Arbeit vorgeschrieben. Die Gleichschaltung seiner Erzeugung auf das Ziel des deutschen Trinkbegehrens verbindet ihn mit Volkstum, Sitten und Gebrauchen ungleich stärker, als es die Fabrikation eines lediglich marktfähigen Gegenstandes vermöchte". Der volksverbundene Brauer hat nun die Aufgabe,„die Existenzgrundlage einer noch größeren Volksgemeinschaft sicher zu stellen... und so in dem Kampfe um die soziale Gesundung seinen Mann zu stehen..." Von Hitler wird erwartet, daß er„dem leidenden Braugewerbe neuen Lebensraum" verschaffen wird". „Und sie tranken immer noch eins", erzählt die zweifelhafte Sage von altgermanischem Brauche. Es scheint, daß dieses falsche Bild den Herrn Wirtschaftsführer nicht ruhen läßt. Die altnationale Betätigung des Humpenschwingens muß wieder zur Blüte gebracht werden, auf daß die„soziale Gesundung" marschieren kann. Bier macht gesund, das ist unumstößliche Wahrheit— den, der es herstellt und verkauft. Dem, der es trinkt, schadet es zwar, es macht dumm, geschwätzig, kritiklos, schließlich krank. Doch macht das nichts aus. Der nationalsozialistische Grundsatz lautet„Mein — Nutz geht vor dein— Nutz", in diesem Sinne ist die „soziale Gesundung" unterwegs. Wir denken an ein Wort, das 1918 gesprochen wurde:„Hätten wir Friedensbier ge, habt, wäre die ganze Revolution nicht gekommen!" Die Saufkultur hat nicht nur den Zweck sozialer Gesundheitspflege an den Brauereibesitzern, sie hat einen hervorragenden politischen Sinn. Trinkende Arbeiter denken nicht! Lcy feiert nicht umsons* seine Klassenverbrüderungsakte mit viel Bier. Herr Schüler ist nicht umsonst Wirtschaftsoberster geworden. Das„dritte Reich" verlangt gebieterisch das „Lebensmittel" Bier gegen den grimmigen Freiheitshunger seiner Massen. Bier muß strömen. Herr Brauereidirektor Schüler wird sein Möglichstes dazu tun, daß die Sklaven der braunen Diktatur ihre wachsende Erkenntnis ersäufen in dem aus Blut und Boden gewachsenen urnationalen Erzeugnis: Bier! Wenn aber die große Sozietas der Hungernden gesunden soll, muß es Herrn Schüler viel, viel schlechter gehen als bisher. Klare Gehirne sind die Todfeinde sozialer Narkotika. Es gibt manche Anzeichen dafür, daß sich das deutsche Proletariat weder durch Schülers Bier noch durch Hitlers Nimbus lange mehr berauschen lassen wird... Deutsche£egende .Von Stefan Heym: Und Er ging wieder durch das Land, als kleiner Mann, und ziemlich unbekannt. Sein leiser Blick sei, glaubte er, genug; doch Er vergaß, daß Er nichts mehr bedeute. Es kam ein Haufen bunt behängter Leute, der eine Fahne vor sich trug. Und allem Volk war strammes Grüßen Pflicht. Er wüßt es nicht, Er tat es nicht. Sie schleppten Ihn zum Keller der SA. Der Himmel senkte sich in düstren Farben. Sie sahen nicht die alten Kreuzesnarben. Es war derselbe Weg nach Golgatha. Es war derselbe Weg. Und Ihm ward schrecklich klar, 'daß Er damals umsonst gestorben war. Sie schlugen auf Ihn ein Da Er nur lächelte, entblößten sie voll Wut beim Prügeln ihr Gebiß. Nur daß diesmal kein Altarvorhang riß, als Er in Blut und Schmerz verröchelte. Er fuhr zum Vater auf, Sein Antlitz war wie Stein. Und bat die jubelnden Engel, sie möchten stille sein.. Zwei Zweitschriften „D ie Sammlung." „Die Sammlung", die im Q u e r i d o- V e r I a g(Amsterdam) erscheinende und von Klaus Mann unter dein Ratronat von A n d r 6 Gide, Aldous Huxley und H e I n r i eh Mann herausgegebene Literarische Monatsschrift, bringt in ihrer neuen Ausgabe essayistische Arbeiten holländischer Publizisten über die holländische Mentalität (Menno ter Braak„Geist und Freiheit"), das holländische Theater(Hendrik Schölte„Bühne in Holland"), die holländische Literatur(E. du Perron„Holländische Literatur") und zeitgenössische holländische Musik(Constant v an Vessem..Zeitgenössische holländische Musik). Ein Hollandheft also, das durch eine kleine Auswahl von Prosa und Lyrik holländischer Autoren(Gedichte von Stephen Spender, Jan H. de Groot, Halbs Kool, Prosa von Sjoerd Broersma) ergänzt wird.> Ein vortrefflicher Gedanke. Denn die geistige Landschaft Hollands war bisher eine europäische terre incognita. Obwohl uian Paris, Brüssel, London, und Berlin von Amsterdam aus >u wenigen Viertelstunden nnt dem Flugzeug erreichen kann, und obwohl der Holländer von der bequemen Möglichkeit, andere Länder zu besuchen, zu Schiff, mit der Eisenbahn und dein Flugzeug reichlich und gerne Gebrauch macht, führte Holland bisher trotz der fast phänomenalen polyglotten Veranlagung der Holländer ein, allerdings selbsigewollles, apartes, saturiertes, geistiges Eigenleben. Zu Unrecht gilt dieses Volk als ein Händlervolk, das um ein paar Cente jede Geistigkeit verkauft. Die Vorstellung, der immer wieder von oberflächlichen Menschen Ausdruck gegeben wird, von dem holländischen Käshändler ist ebenso falsch wie die von dem italienischen..Mauscfalle-Rattcfalle"- Händler und dem verlausten Polen. Ein junger holländischer Schauspieler, wohl der Künstlerischste des Landes, nannte in einem Gespräch, das ich mit ihm hatte, seine Landsleute die Chinesen Europas. Die Deutschen sagen von den Westfalen, man könne einen Sack Salz mit ihnen essen und wisse doch noch nichts von ihnen. Dasselbe kann man von den Holländern sagen. Ihr weltberüchtigtes Phlegma ist nur eine Maske, hinter der sie ihr fast nervöses individualistisches Leben verbergen. Dieses Holland-Heft der„Sammlung" lüftet die Maske, wenn es auch nicht völlig demaskiert.„Die Sammlung" hat damit bewiesen, daß sie nicht nur, was die Auswahl ihrer Mitarbeiter anbetrifft, sondern auch in ihrer geistigen Gesamttendenz eine europäische Zeitschrift ist. Have. „Heue deutsche föfättec" Etwa» mehr als ein halbes Jabr ist vergangen, seitdem die Monatsschrift„Neue Deutsche Blätter" zu erscheinen begonnen hat. Sie dankt ihr Entstehen dem V er- leger Wieland Herzfelde, der mit dem Malik-Verlag von Berlin nach Prag zu emigrieren gezwungen war. Ueber die ziffernmäßige Entwicklung die die Verbreitung der„Neuen Deutschen Blätter" in den wenigen Monaten genommen hat, erfährt man etwas in Nummer 4. Daß die Auflage erheblich ist(im Dezember bereits 5300), ist erfreulieh, weil sie den Bestand der Zeitschrift sichert. Die„Neuen Deutschen Blätter" sind nicht nur eine literarische, noch nur eine politische Zeitschrift. Nicht nur ein Kampforgan»in Kultur, noch allein eine Streitschrift für Menschenrechte. Sie sind kein Blatt ausschließlich für die Intellektuellen oder nur der Popularität. Wenn die Zeit- schrift sich auch in der Hauptsache darauf beschränkt, dem Deutachtum dienen zu wollen, so erreicht sie doch weit mehr: Was durch Broschüren. Belehrungen. Vorträge, entsprechende Zeitungslektüre nicht oder nur halb gelang, das haben die „Neuen Deutschen Blätter" erreicht, das Verständnis für die sozialen Probleme zunächst einmal gefühlsmäßig aufzuschließen. Das ist viel, sehr viel, wenn es auch nicht all-»» bleiben darf. Daß es nicht alles bleibt, dafür sorgen jene Beiträge, die die Zusammenhänge in der einen oder anderen Form, die den Willigen und Unwilligen gleich fesselt, nachweisen. Scheinbar der Unterhaltung dienend, belehren diese Beiträge, wenn sie einem nicht das Herz aufreißen. Die„Neuen Deutschen Blätter" haben nur einen Fehler, sie sind zu teuer für den Durchsrhnittsgeldheutel. Man wünscht sie, wie die billigen Hausfrauenblättdien von Haus zu Haus kolportiert zu sehen. Auch wo sie nur aus Neugierde oder gar Sensation gelesen werden sollten und das würden sie oft, darüber täusche ich mich nicht, würden sie die richtige Wirkung nicht verfehlen. Ganz gewiß würden sie der großen Masse der Indifferenten die Notwendigkeit des Kampfes gegen jeden Art Faschismus verständlich machen. Nicht verschwiegen soll werden, daß die„Neuen Deutschen Blätter" auch mancher Gegnerschaft begegnen.„Asphalt-Literatur" und ähnliche, ohnmächtigen Neid verratende Bezeichnungen bleiben jedoch die wenig sachlichen und noch weniger überzeugenden Argumente dagegen. Solche Schlagwort-Kritik ist nur geeignet, die Existenzberechtigung der Monatsschrift „Neue Deutsche Blätter" noch näher zu untersuchen und da stellt sich heraus, daß ihr Bestreben um so wichtiger ist, je- mehr die Zeitschrift die zur Gewohnheit gewordene Lüge im menschlichen Fühlen und Denken auf allen Gebieten, die sie berührt, nachzuweisen versteht. Saba. Wiener Zensur Der dritte Band von Meyers Konversationslexikon wurde in den Buchhandlungen beschlagnahmt. Die Konfiskation erfolgte wegen der in dieser Ausgabe des sogenannten„Kleinen Meyer" enthaltenen Darstellung de« Wiener F-'.-nnr- Auf- Standes. Satan Jiacx Wo bleibt der Irrenarzt Ein Dr. Walter C I a a s s e n hat bei Ludwig Schröter in Berlin ein Buch erscheinen lassen, das er„D er Wille tur Kraft" nennt. Amerikanische Zeitungen, denen die psychologisch anscheinend nicht sehr versierten Kommis des Reichspropagandaministeriums„Werbeexemplare" dieses einzigartigen Buches geschickt haben, bringen in größter Verblüffung größere Auszüge aus diesem„Standardwerk" neudeut- scher Gelehrsamkeit. Man ist sehr versucht, das Ganze'als einen leidet grotesken Aprilscherz abzutun, wenn man nicht wüßte, daß im Lande der braune» Narren der Unsinn Methode und der Sinn als..untermenschlich" verschrien ist—! Schon mit dem Waschzettel des Verlags beginnt es. Hier wird eingangs triumphierend festgestellt, daß der Kraftwille des Herrn Ginassen dem Marxismus auf„allen seinen Schleichwegen" folgt, um, bescheiden, wie derartige Waschzettel nun einmal sind, treuherzig blinzelnd hinzuzufügen, daß der Herr Ciaassen„das nationalsozialistische Gegenstück" zu dem„Kapital" des Juden Marx geschrieben habe. Herr Ciaassen hat es mit dem„Satanismus"! Den Marxismus nennt der unfreiwillige Humorist eine besonders scheußliche Erscheinung des Kollektivismus, um dann wörtlich das folgende zu sagen: „Deutschland war es, aus dem Karl Marx, der Jude, aus dem Friedrich Engels, der Germane, hervorgingen. Beide sind die Stammväter des schändlichste» Satanismus, den die Welt je erlebte, je erleben wird".„Engels, dieser göttliche arische Idealist, wurde in den Dienst des satanische» jüdischen Idealisten Marx gedrängt!"„Das Walten einer höheren Macht", so berichtet uns dieser Satansexperte mit erhobenem Zeigefinger,„kann direkt bewiesen werden. Diese höhere Macht aber ist die des Satans. Eines Menschen Hirn hätte die teuflische'Lehre des Marxismus niemals erfinden können!" Und so geht es weiter, mehr als sechshundert Seiten lang. Nicht nur über den Satan Marx und seinen marxistisch zci motivierenden teuflichen Pferdefuß, sondern auch über de» „Sexual-Bolschewismus". An einer besonders markanten Stelle heißt es: „Biologisch, eugenetisch, d. h. schließlich auch moralisch ge- sprodien, bleibe es ziemlich gleichgültig, wie die gebildeten Klassen aussterben, durch welche Art von Sterilisierungen, durch Fraß, Suff, Sterilisierung der Männer oder der Frauen, ob per anum oder per vaginam. mit oder ohne Lues." Das ist also der„geistige Aufbruch der deutschen Nation", den Göbbels und die Seinen so hymnisch besungen haben! Bedauernswerte Irre, die in ihren Komplexen herumwühlen. Wahnwitzige, die mit ihren Feberfantasien Fangball spielen, als die Repräsentanten des„neuen Deutschland"! Aber kann man von einem System, das morphinistische Brandstifter nicht in Ketten legt, sondern als Ministerpräsidenten wüten läßt, andere„geistige Erzieher" als armselige Narren ä la Ciaassen erwarten! Pierre. Deutsches Humplied „Auf die Gewissensfrage, woher das Geld für alles komme, erwiderte ich: es wird gepumpt." Reichsfinanzminister Schwerin von Krosigk. (Melodie: Im tiefen Keller...) Im Rcichsbanlckcllcr sitz ich hier Bei einem Rest Devisen, Und denk:„In welcher Frist droht mir Der Abschied auch von diesen? Das leßte Gold trägt grad man raus,— Weis soll uns das Gelumpe?!— Ich füll in Ruhe Wechsel aus Und pumpe— pumpe— pumpe! Sind vorbelastet auch fünf Jahr So mit Millarden sechse. Bleibt mir das schnuppe ganz und gar. Das Geld aus nichts ich hexe. Und kracht es einst— nun wohl, dann kracht Es gleich mit Stil und Stumpe. Das walte Gott und Hjalmur Schacht! Ich pumpe— pumpe— pumpet M u c k i. 3 dt c&tCUUtCt Jacke Sie wissen nichts— Aus Saarbrücken schreibt man uns: Den Berg herab kommt eine Schar Mädchen in braunen cken. Schon aus der Ferne hört man sie singen. Als sie ran sind, versteht man es. Sie singen nicht mehr, wie das nst war. vom grünen Wald und vom Wandern, von Liebesick und Liebesleid Mannhaft tönt ihr Kehrreim:„Schön Ii. zu streiten für das Vaterland! Derlei Lieder hört man immer wieder, eigentümlicher- isr von Mädels mehr als von Burschen. Vielleicht spielt i denen schon der Hintergedanke herein, daß vor al.ein e es sein werden, die die Süßigkeit des Streitens für s Vaterland Iiis auf die Neige werden auskosten müssen, iweil die großen Führer sich in den Kommandanturen d Etappen pflegen und die Hintermänner glänzende^ Ge- iäftsal,Schlüsse ihrer Waffenfabriken buchen.(„Kinder, sprach einmal im ehemaligen„Simplicissinius' ein alter rr zu seinen Enkeln,„das war eine große Z e. t! Da her, wir einmal an einem Tage 100 000 Mark verdient.) e Mädel sehen das mehr gedankenlos an, widerstandslose der gewisser Lehrer und Zeitungsschreiber.„Man sollte che Schurken an die Kette legen," sagt Schillers Karl Sie wissen es auch nicht mehr, die tapferen Hitlei iddier Vinter und Großmütter Tag und Nacht um den Vater, den Mann, den Sohn gezittert haben, wie sie voll Schreck aufschrien, wenn die Briefträgerin— ihr Mann war draußen— ein Schreiben mit dem Stempel des Truppenteils brachte, wie sie bei Nacht aus dem Schlummer fuhren mit dem Gedanken: Vielleicht auch du! Und wie sie standen, in langen Reihen, tagelang und Nächte hindurch, um ein Stücken Butter, ein paar Gramm Fett, ein armselig Ei oder etwas Gemüse für ihre hohlwangigen Kinder zu erhaschen. Wie sie in Granatfabriken ihre Kräfte aufzehrten, in der Sprengstoff- und Giftgas- Industrie ihre Gesundheit ruinierten. Andere aber scheffelten Millionen, andere bekamen den Pour le Merite für die vielen Gefallenen ihres Truppenteils und schickten den Burschen mit Butter und Fleisch und Wertsachen in die Heimat. Von all dem wissen die dummen Mädel nichts! Die es aber wissen und doch aus tollem Chauvinismus, aus schnöder Gewinngier, aus erbärmlicher Angst um ihre Stellung der Jugend die Wahrheit verhehlen und sie mit Lügen vom „schönen Streit fürs Vaterland" ihrem Unglück zuführen— solche Burschen sind nicht wert, einen öffentlichen Posten zu bekleiden. Heute aber regiert das in Deutschland. Und im Saargebiet plappern sie alles besierur nach und suchen noch zu überbieten .Deutsche Freiheit". Nummer»8 Das bunte Vlatt Samstag. 28. April 1934 Weltkrise bis ins smdseedorf London, im April. Tie Lagune um die Insel herum, abgeschlossen gegen den Ozean durch das Korallenriff, blendet die Farben von einer Vielfalt und Leuchtkraft, die der Nordländer nicht für wog- lich hält, bevor er sie nicht gesehen hat. Steil, wie die Klippen in den Dolomiten, ragen die Reste eines alten, vor Urzeiten explodierten Vulkankraters über dem vom Urwald bedeckten Berg empor, der die Insel bildete: romantische Schauer neben der heiteren Lyrik der Farben. Die Abende am Strande, an der Bucht mit dem Wrack, unter der goldgelben Tropendämmerung sind von einer erdrückenden Stille: auch der Melancholiker kommt aus seine Kosten. Der Wunsch- träum von der seligen Insel ist Hier erfüllt— wenn man nicht so genau hinsieht. Im Dorf der Eingeborenen geht es politisch lebhafter zu, als man denken sollte. Bei uns klagt der Landwirt über zu niedrige Butter- und Eierpreise, in der Südsee der Ein- geborenen über zu billige Kopra- und Vanillepreise. Seit der Europäer die Eingeborenen durch Erhebung von Steuern in Geld aus dem Zustand der Naturalwirtschaft heraus- drängte, ist der Chinese mit seinem Warenladen wirtschaftlich der Herr der Insel geworden. Er ist es also, der so schändlich wenig für die Kopra zahlt. Darum ist er der bestgehaßte Mann aus der Insel. In Wirklichkeit liegt die Sache etwas anders. Ter Ein- geborene kommt einfach nicht daraus, es einmal selber mit dem Handel zu versuchen, er hat hoffnungslos wenig Talent dasür. Da also doch irgend jemand dasein, muß. der es tut. so tui es der Chinese. Er kauft die Kopra aus, um sie nach dem nächsten großen Hasen zu schissen, wo der Dampfer nach Amerika oder Australien anlegt, und gibt dem Ein- geborenen das Geld, das er haben muß. wenn der weiße Verpaßter Frühling Im Eisenbahnabteil sitzen dieselben Leute, die man immer dort antrifft, der Geschäftsreisende, der aus einem Durch- ichreibebuch seine Austräge und Provisionen ausrechnet: der Intellektuelle, der Kreuzworträtsel löst, die farblose Dame, die gar nichts tut, gar nichts denkt, vielleicht gar nicht exi- stiert. Aber dann steigt in Duisburg ein Mensch ein, der weniger üblich ist. Ehe man ihn recht sieht, riecht man ihn schon: seltsame, aber nicht einmal unangenehme Mischung von Tee und Schnaps. Man denkt an Matrosen: aber hier iü nicht das Meer, hier ist nur Duisburg, der große Hafeu für die Schleppkähne. Und dahin gehört denn ,-udj der kleine bewegliche Mann mit der blauen Schisfermütze, dessen ver- irocknetes braunes Gesicht ebenso gut vierzig wie sechzig Jahre alt sein kann. Ein Gespräch kommt bald in Gang: der kleine Mann sorgt schon dafür mit seinen lebhasten Augen von diesem gewissen ausgewaschenen Bau. in dem man die ganze Weite des Wassers spürt, das sie täglich überblicken und mit se»..:m wie aus Holz geschnitzten Mund, in dem er ruhig einen Priem hin- und he wälzt. Jawohl, er fährt aus dem Rhein, immer zwischen Mannheim und Duisburg: schön ist das, o ja. Im. tcr was zu tun und immer was zu sehen. Jetzt haben sie in Duisburg ausgeladen und fahren erst in zehn Tagen wieder auswärts. Und inzwischen gibts Urlaub. Drei Monate war man nicht daheim.— Wo das denn sei? Ein Strahlen geht über die holzgeschnitzten Züge. Da. wo's am Rhein am allerschönsten ist. In Salzig, nahe bei Boppard. Der Zug fährt durch die trübe.Flachlandschast: in einigen Gärten suchen ein paar kümmerliche Obstbäume sparsame Blüten herauszustecken, um auch ihrerseits etwas für den Frühling zu tun. Geringschätzig streifen die Augen des Schis- fers darüber hin.„Das ist ja alles gar nichts. Die paar Bäume. Aber bei uns, das ist eine Obstblüte. Wenn ich jetzt heimkomm, dann blühen alle Kirschbäume bei uns in Salzig. Nee, das können Sie sich nicht vorstellen, wenn Sie's Beamte mit der Sieuerforderung kommt: der Chinese schafft die Waren heran, die der Eingeborene braucht oder nicht braucht, aber kauft, wie Eisenwerkzeuge, die notwendig sind und Leinenschuhe, die nicht notwendig sind. Ter Eingeborene will auch einmal ins Kino gehen, falls eins da ist, ein Rad oder eine Nähmaschine besitzen— und damit sängt das Un- glück an: er nimmt Vorschuß bei dem Chinesen. Und eines Tages treibt der Chinese seine Außenstände ein. daran hat der Eingeborene überhaupt nicht mehr gedacht. Das endet dann regelmäßig damit, daß der Eingeborene dem Chinesen das Land hergeben muß, von dem er lebt. Der Haß gegen den Chinesen steigt weiter. In einem Dorf entlud sich dieser Haß eines Nachts in der Weise, baß einige Eingeborene beim Chinesen einbrachen und den Laden ausräumten: der Chinese, in berechtigter Furcht vor Prügeln oder Schlimmerem, blieb unsichtbar. Der An- fllhrer der Bande war übrigens der braune„Diakon", der hiesige Stellvertreter des weißen Geistlichen, der auf einer anderen Insel wohnt. Aber der Chinese rührte sich am andern Morgen. Er konnte sich sogar aus den weißen Gendarmen berufen, das Recht der Europäer war durchaus aus«einer Seite, und die geraubten Waren kehrten in seinen Laden zurück. Tie Weltkrise macht sich auch auf den Südseeinseln schlimm bemerkbar Es lohnt kaum mehr noch, Kopra zu ernten. Tie Eingeborenen haben in den Zeiten, wo es ihnen gut ging, die Bananen im Busch verkommen lasten und sich von australischen Konserven genährt. Nun droht ihnen Hunger. — Und wer ist wieder schuld? Wäre der Chinese an der Macht, wäre vielleicht der Europäer der Sündenbock: solange der Europäer an der Macht ist. ist es der Chinese,, denn ein Sündenbock muß aus alle Fälle da sein, wenn es den Leuten schlecht geht— es ist überall aus der Welt dasselbe. nicht gesehn haben. Alles ganz weiß vor lauter Blüten, die ganzen Gärten weiß den Berg heraus. Und all die Bienen summen dadrin. Und der Tust, der Dust———. Soviel Jahr Hab ich das nicht mehr mitgekriegt. Aber dies Mal hats geklappt mit dem Urlaub." Der Geschäftsreisende sieht von seinem Turchschreibebuch dem Schiffer ein bißchen spöttisch gerade in die Augen.„Tja, mein Lieber, wenn Tie sich da mal nicht irren. Die Obst- blüte bei Boppard ist nämlich schon vorüber. Doch, doch, vor- gestern bin ich noch in der Gegend gewesen. Da blüht nichts mehr."„Ja, aber," stammelt der Schisser,„woher denn, wie denn?"„Der Herr hat ganz recht," mischt sich der Intellektuelle ein und lugt bedeutend durch seine Brillen- gläser.„In dieser Gegend ist es ja viel wärmer als hier. Da beginnen die Obstbäume mindestens eine Woche früher zu blühen."——„Und hören auch früher wieder auf," fügt der Geschäftsreisende hinzu und lacht wie über einen guten Witz. Der Schiffer kann und will nicht begreifen.„Das kann doch nit sein: all die Blüten! Und all die Bienen! Wie lang Hab ich das nit mehr gesehen! Und all die Tage jetzt aus dem Schiff Hab ich alleweil gedacht und mich gefreut, mal wieder die Kirschbäum daheim blühen zu sehen." Die beiden Herren lächeln sich amüsiert zu. Tann nimmt jeder wieder seine Beschäftigung vor, der Reisende sein Turchschreibebuch. der Intellektuelle sein Kreuzworträtsel, die farblose Dame ihr Nichts. Nur der vertrocknete kleine Mann schüttelt immer noch den Kops und seine harten braunen Hände, die er zwi- schen den Knien herunterhängen läßt, zittern ein wenig. Sein Mund hat ganz vergessen, den Priem hin- und herzu- schieben, und er murmelt:„Nee, daß man den Tust nit mehr einziehen kann, den Dust——" und seine lebhasten hellen Augen streifen traurig und verächtlich die kümmerlich blühenden Obstbäume an der Strecke. L. A. Versteigerte Liebe Zwei Millionäre aus Bridgeport in den Vereinigten Staaten, die beide schon hoch in den Sechziger waren, hatten sich gemeinsam in ein wunderschönes Mädchen von 2b Jahren verliebt. Miß Gertrude Schultheiß, die heiß Umworbene, konnte sich nicht entscheiden. Schließlich einigten sich die beiden Millionäre daraus, jeder von sich aus oer An- gebeteten ein Angebot zu machen, man wolle dann sehen, auf welches von beiden das lunge Mädchen einging. Herr Mundet, der erste der Millionäre, bot ihr ein Einkommen von 10 000 Dollar pro Jahr, eine weitere beträchtliche Summe als„Sicherheit" und zwar nicht weniger als 3501*10 Dollar und natürlich außerdem— seine Liebe.— Herr Muller, der zweite Millionär, war auch nicht kleinlich. Er bot erst einmal dasselbe und obendrein noch ein spesenfreies Luxusappartement in der vornehmsten Gegend von Neu- york. Fräulein Schultheiß akzeptierte das Angebot des zweiten Millionärs und Herr Mundet zog sich verärgert vom Kampfplatz zurück.— Nun aber geschah etwas, mit dem die junge Braut nicht gerechnet hatte. Bierzehn Tage nach diesem Angebot legte sich der alte Millionär hin und starb. Die Erben erkennen natürlich den Vertrag nicht an, weil er unsittlich sei. Der erste Millionär will von Fräulein Schultheiß nichts mehr wissen— und nun haben die Richter das Wort. Polizei kämpft gegen Regenschirme Ein Polizeiplerd muß seine Nerven behalten, es muß gegen alle Gefahren der Straße gewappnet sein. Es darf sich nicht aus dem Piertaktgleichschritt bringen lassen, wenn es rundherum trompetet und schießt, und schreit und hupt, es darf nicht scheuen, wenn Steine geworfen werden, es muß mutig in die dichtesten Menschenhausen hinein traben— denn Ordnung muß sein— und ein Polizeipferd ist eben ein Hüter der Ordnung.— Gegen alle diese Gefahren wer- den die Pferde aus dem Kasernenhof ausgebildet, sie kamen als junge Rekruten in die Ställe, und wenn Polizeipserde avancieren könnten, dann hätten sie schon alle nach der Aus- bildung die Tressen. Nur ein Fehler stellte sich bei einem der besterzogenen Schlachtrosse heraus. Bei einer Demon- stration hatte es mutig die Gegner zurückgedrängt, hatte Steinwürse und Schimpsorgien über sich ergehen lassen, bis ein wild gewordener Bürger seinen Regenschirm zückte und ihn gegen das Pferd aufspannte. Das Pserd scheute und warf seinen Reiter in die Masse. Seither gibt es einen Extrakurs Polizeipserdekampf gegen aufgespannte Regen- schirme. Ävignon das Paradies der Raken Avignon, die berühmte Stadt der sieben Päpste, ist das Paradies der Katzen. Stolz verkündet jeder Einwohner dieser Stadt, daß in den Mauern der alten und ehrwürdigen Stadt noch niemals eine Katze brutal behandelt worden sei. Tie Tiere beherrschen die Straßen und fühlen sich glücklich wie nirgends auf der Welt. Zum Dank dafür hat Avignon keine einzige Ratte aufzuweisen. Sind aber die Bewohner von Avignon Katzenfreunde, so ist jeder Automobilist ein Katzenfeind Eine Katze, die über die Fahrbahn gelaufen ist, bedeutet für jeden Fahrer ein Unglück. Deshalb hat die weise Stadtverwaltung von Avignon ein Warnungsschild ausgestellt:„Automobilisten, fahrt langsam und gebt acht auf die Katzen!" Die jüngste Großmutter Die Heirat eines 94jährigen Greises hat in Rom einiger- maßen Aussehen erregt, da er dadurch, daß er ein 21jähriges Mädchen heiratete und als seine Frau heimführte, zugleich ein originelles Familienleben schuf. Aus seiner ersten Ehe hatte der alte Mann einen derzeit S7jährigen Sohn, der auch bereits zwei Töchter, die im 32. und 34. Lebensjahre standen, hatte, die Enkel also erheblich älter sind als deren Sties- großmutter. Begegnung mit einem Attentäter Oer Mysteriöse unter dem Friedensengel Es war ein wundervoller Oktobersonntag. Die Möven stürzten sich kreischend aus dem blauen Dunst zur Isar hin- ab und Buben rauften sich um reife Kastanien. Da lies ein dunkler halbmodern gekleideter Mann un- ruhig am Friedensengel umher, blieb sinnend vor dem Wasserbecken auf der Treppe stehen und wurde dann wieder unruhig. Ich wartete aus eine Frau, und wenn man eine Frau erwartet, benimmt man sich ähnlich. So kamen wir beide ms Gespräch. In seinem ganzen Auftreten zeigte er sich als Angehöriger der intellektuellen Kaste des Süd-Ostens. Das sind die Leute, die sich— wenigstens bei uns— stets eines korrekten zuvorkommenden und doch reservierten Benehmens be- fleißigen, selbst wenn sie nur Gummimantel und Dauer- wüsche tragen. „Sind Sie Bulgare?", frage ich, nachdem er mir ein leicht melancholisches Lied von der Schönheit Münchens gesungen hatte. Er verneinte und die Art der Verneinung ließ den Albanesen erkennen. Ich ersetzte aber dieses Wort sofort mit Schtschüpetar lAdlerssohnj. Ein stolzer Schimmer glitt über sein Antlitz, und als ich Ihm erklärte, daß ich sein Land und lein Volk kennen und schätzen gelernt hätte, wurde er zutraulich. Er suche jemand, sprach er, dem er eine wichtige Erfindung chemischer Art vermachen möchte. Mich hätte er dazu aus- ersehen. Als ich ihm zu verstehen gab, daß es mir viel- leicht möglich sei, ihn mit einem Gelbmann in Verbindung zu bringen, wies er dies höflich ab, da er an der Sache, die für die Menschheit von großer Bedeutung sei, keinen Nutzen haben wolle und auch nicht haben könne. Seine Worte enthielten dunkle Andeutungen, die man in verschiedener Weise auslegen konnte. Er sprach von Paris, von Gerechtigkeit, vom yäßlichen Daseinskampf in Amerika. Seine Wäsche trug er schon'ehr, sehr lange, und manches an- dere ließ daraus schließen, daß sein Leben in letzter Zeit recht unruhig gewesen war. Ich schlug ihm einen Treffpunkt zu einer bestimmten Zeit vor, er wies es ab. Ich bat um seine Adresse— höflich wich er aus. Als er dann merkte, daß ich mißtrauisch zu werden begann, zog er seine Papiere, um zu zeigen, daß er kein Betrüger sei. Nun lehnte ich ab, sie auch nur anzusehen, da ich an die Ge- pflogenheit vieler Deutscher, bei jeder Gelegenheit den Kriminalisten zu spielen, andere Leute auszuschnüsseln ,.nd zu bevormunden, nichts halte. Außerdem wußte ich, daß ich es mit keinem Gauner zu tun hatte, wohl aber mit einem psychisch unklaren Menschen. Auch begriff ich, daß ich hier — zwischen frohen Ausslüglern und der lachenden Feier- tagswelt der Großstadt— plötzlich in ein düsteres Ereignis getreten war, ich war es mir bewußt, jedoch nicht imstande, es zu deuten. Als ich am anderen Tage— verabredungsgemäß— bort- hin kam. wohin er mich bestellt hatte, erfuhr ich. daß er am selben Abend vorher bereits abgereist war. Morgens kam er an, abends fuhr er weiter. Seltsam: oft muhte ich an den mysteriösen Menschen unterm Friedensengel denken. Ich verfolgte die Zeitungen und wartete auf ein Ereignis, in dessen Mittelpunkt dieser Mann stehen müsse. Natürlich hatte ich nicht an ein Attentat gedacht. Und wenn dieses doch der Fall gewesen wäre, so märe es mir gar nicht möglich gewesen, ein Attentat zu verhindern. Wie hätte ich das tun sollen? Die Polizei alarmieren? Welche? In allen Weltstädten? Ich dachte eher an eine fürchterliche Erfindung, etwa an eine Zerstörung des Sauerstoffes in einem Gebiete inner- halb einiger Minuten oder an so etwas ähnlich Schreckliches. Und dann eines Tages füllten Telegramme die Zeitung und ein Bild stand dabei. Und dieser Mann aui dem Bilde war der mysteriöse Mensch unterm Friedensengel. Er war ein albanefischer Attentäter Buciterna. Tausend Franken für eine Wimper Eine junge«inoschauspielerin hatte sich während der Aus- nahmen durch die Schuld des Regisseurs die Wimpern ab- £?l!5SK: l in Ohnmacht und am nächsten Tage machte fte durch ihren Rechtsanwalt bei der Filmgesellicha^ einen Schadenersatzanspruch von 50 000 Franken geltend. Be« ~ Dt dem Schiedsgericht brachte der An- Wiwn-/'.«5!f ,e einem Preis von 1000 Fr. pro «Sim. f 4e'. und er hätte noch nie gehört, daß eine VSSTr?'V ,el® ert ki. Da sprang der Anwalt der w!tter al/i^. e" ren' weine Klientin besitzt nichts E Ii» 11 ton nmndereolltn Augen und die Wimpern n für diese Schönheit. Ter Rahmen verloren"'»wischen Auge und Wimper Tachverstän biatn 1^°dsger.ch. beschloß die Ladung eine- Simn /r Ä L. Augenwimpern. der den Wert der -V mper einer Schauspielerin taxieren soll. Nationalsozialistische Sfrairedifspolitlk II Fssul sind die neuen Herren nichts Wenn Eifer und Eni- lchlossenheit, die schlimmen Zwecken.dienen, als Tugenden anzusehen sind, dann dürfen sie sich ihrer mit Recht rühmen, «o ist auch die Arbeit ain neuen Strafgesetzbuch, für die ein besonderer Ausschuß eingesetzt und eine Denkschrift des Justizministeriums mit den Grundzügen deS 8« schaffenden Gesetzes veröffentlicht worden ist, in vollem Gange. Auch die gleichgeschaltete Gelehrtenschaft befaßt sich mit den Streitfragen, die im Rahmen der neuen„Wettan- schauung" noch zu klären sind. Wir sehen hier von rein theo- Wischen oder minder wichtigen Fragen ab und betrachten nur das grundsätzlich oder praktisch Bedeutsame an Hand der Denkschrift. Im Bordergrund soll der Schutz des Volkstums stehen: 'Nasse und Blut im Sinne von Autoritäten Hermann Wirth und Streicher: eine Illusion als Grundlage des Ganzen. Erkennt doch die Denkschrift selbst an, daß von einer rein deutschen Rasie keine Rede sein kann. Um dieses Miich- volt verschiedenster Rassen und Kulturen in einer Reinheit zu bewahren, von der die wirklich einigermaßen reinrassigen Völker der Nordgermanen am wenigsten wissen wollen, ®eröen im bekannten Sinne„Rasseverrat".„Rassege- iahrdung" und..Verletzung der Rassenehrc" bestraft. Sogar die theoretische Bekämpfung der Rassenlehre, d. b. die Ber- trctung echter Wissenschast wird als„böswilliges Entgegen- wirken gegen die rassischen Ausklärungsbeitrebungen" mit Ttraie bedroht. Dieser Einbildung einer nicht vorhandenen Germanen- rasse, vor allem aber ber Erhaltung ber im nationalsozialisti- scheu Staat trotz des Schwindels von der Abichasiung der Klassen in der„Volksgemeinschaft" auis äußerste gesteigerten Klassenherrschaft, dienen die Vorschriften zum Schutze der Staatsordnung. Sie verraten, da es sich um das Allerheiligste des autoritären Staates handelt, besondere Härte. Todesstrafe, die überhaupt in diesem Entwurf eine große Rolle spielt, ist aui schweren L a n d e s v e r r a t ider natürlich auch die Preisgabe der zahllosen Geheimnisse des heimlich ausgebauten riesigen Militärwesens umfaßti und Hochverrat. Verschärfte Strafe droht dem Landesverrat durch Greuelhetze. Wir dürsen uns da- nach wohl auf Zwicken mit glühenden Zangen und Vierteilen gesaßt machen. Auch die nicht wider besseres Wissen er- folgende Behauptung erdichteter oder entstellter Tatsachen, die„unsachliche Kritik Unberufener" ist als„Staatsverleum- dung ,u bestrafen. Erhöhte Strafe trifft die Bcichimpmng höchster Staatsorgane, und strafbar ist auch die Ausstellung „unwahrer oder gröblich entstellter" Tatsachenbehauptungcn. die das Ansehen der nationalsozialistischen Volksbewegung und ihrer Formationen zu schädigen geeignet sind. SS. und SA stehen heute den früheren Majestäten gleich, ein Bc- weis für den reaktionären Charakter der monarchistischen Bewegung. Ganz allgemein ist auch jeder zu bestrafen, wer „wissentlich in der Oessentlirbkeit zu einem Tun oder Unter» lassen aufkordert. das dem Wobse des Reichs oder eines Landes schadet", oder der„falsche Gerüchte ausstreut, um in der Bevölkerung Angst, Schrecken oder Unruhe zu erregen" — d. h. jeder, der in irgendeiner Hinsicht sich dem Despoten- tum unliebsam macht. Alle die Willkürhandlungen, die bis- her un- und widergesetzlich von den braunen Horden be> gangen wurden, sollen künftig gesetzlich sein. Von der Ausgabe des Gesetzes, eine deutliche Richtschnur zu bilden, durch deren Jnnehaltung der Staatsbürger sich vor Strafe schützen kann, ist nicht mehr die Rede. So soll auch der alte Strafrechtsgrundiatz. daß keine strafe ohne ausdrückliche gesetzliche Androhung verhängt werden darf, beseitigt werden. Die Anwendung neuer Strafgesetze aus die Zeit vor ihrer Verkündigung Anwendung von Strasbestimmungen sollen zulässig sein, wenn es sich um Taten bandelt, die„nach gesunder Volks- anschauung sichtlich verwerflich sind". Man denke sich diese Kautschukbestimmungen angewendet von nationalsozialistisch zusammengesetzten Gerichten, die unter ber Aussicht von TA.» Stürmen tagen, und man wird die Bewohner der orientali» scheu Despvtenstaaten um ihre Rechtssicherheit beneiden. Damit auch in keinem Fall einem Gegner de?„SnstemS" eine menschliche Strafe zuteil werden kann, wird sicherge- stellt, daß politiiche Verbrecher keine Milderung zu er- warten haben. Festungshast wird ihnen ausdrücklich ver- sagt. Dafür wirb der Zwei kämpf, diese Auflehnung bevorzugter Staatsangehöriger gegen die allgemeine Rechts- ordnung, grundsätzlich st r a' f r e i gemacht! Auch sonst kann in besonders leichten Fällen die Strafe beliebig gemildert oder mit Zustimmung des Staatsanwalts ganz von strafe abgesehen werden. Ein Gebanke, der wie mancher andere des Entwurf« bei einer normalen Rechtsprechung durchaus -Zustimmung verdiente, der aber in der ganz von Gehässig- keit und Parteilichkeit erfüllten„Rechtsordnung", als die der nationalsozialistische Staat sich barstellt, zweifellos zu weiterer Willkür und Begünstigung„gutgesinnter" Ber- brecher den Vorwand bieten wird. Wie denn überhaupt die unbedenkliche Vetguickung von Staat und Partei alles preisgibt, was sonst als Grundlage der Gerechtigkeit, die --ohne Ansehung der Person" walten sollte, gegolten hat. Wirk- lichkeit ist dieses Ideal ja nie gewesen, aber noch nie hat die Gesetzgebung es mit solch offener Schamlosigkeit preisge- geben. . Zusammenfassend kann man diese Gesetzesmacherei etwa s° kennzeichnen: Alle Handlungen der Anhänger de- herrschenden Suitems sind, ,owe. l sie dem ft' straflos- alle Handlungen^er Gegnerdes softem- tmo. soweit es das Interesse des svstems verlanksi. zu -7 Wollte».an ehrlich sein, so könnte man«ich mit der Ver kündigung dieses Satzes begnügen und die g>^->s,rlicb Ausarbeitung des Strafgesetzbuches waren. Aber ehrch sein wollen sie nicht. Darum müssen schonkl.ugende Worte, wie Sittlichkeit, gesunde Bolksan'»auu"g w de g, h schützt fj?i^cr^'lrt'triU°tuo|b^o°n'he*-. r"»»g b'Äf Kunden oder erschwert werden. Stillegung. Aussperrung.$t 1 bat heute nach 0 C|I der Begebung der Tat »' 1 tusnn t? Täters a» «........»Äi' w»r ober bereits die neue Strafe vre». gebung ihren„Führern" und Ausbeutern an Händen und Füßen gefesselt ausgeliefert sind. Verweigerung der A r b e i t s d i e n st p s l i ch t wird bestraft. Auf der anderen Seite wird Lohn wucher und Berfemung von Arbeitern durch schwarze Listen verboten— leider von demselben Staat, der die Gewerkschaften, das wirkliche Schutzmittel gegen Ausbeutung, in eine gelbe Dekoration verwandelt und selbst Hunderttausende Arbeiter aus ihren Stellen verjagt hat. Wer kann danach an die Ehrlichkeit solcher Ttraibe- stimmungen glauben'/ Tasselbe wird gelten von dem Ver- bot des B o d e n w u ch e r s da doch gerade dessen Schutz die Machtergreifung Hitlers herbeigeführt hat. Die Strafe für.Klassenaufreizung fällt weg,„weil es jetzt Klassen nicht mehr gibt, sondern nur noch Volksgc- Nossen". Dafür wird wegen„Volksverhetzung" bestrast, wer „öffentlich in einer den Volksfrieden gesährdenten Weise Angelegenheiten des Staates zum Gegenstand hetzerischer Er- örterungcn macht" oder solche Schriften verbreitet. Das deutsche Volk ist glücklich— wehe dem, der es in seinem Glücke stört! Waltershausener Nachwort „Viele sind Minder oder Enkel vergewaltigter Mütter" Der große Waltershausener Mordprozeß hat, wie wir berichteten, mit dem Freisprach des an- geklagten Ehausseuro und SA.-Mannes Liebig ge- endet. Das„Volksurtcil", von den fränkischen Streicher- Blättern wild uud drohend gefordert, bat den Sieg er- rungen. Wir veröffentlichen nachstehend das Nachwort der„Fränkischen Tageszeitung" zu dem Freisprach. Es wird von uns nachgedruckt, weil es sich um ein be- sonders kennzeichnendes Dokument des Geistes handelt, der jetzt In Deutschland herrscht: „Himmel und Erde wurden in Bewegung gesetzt, das Fallen des drohend über dem Haupt jener adeligen Dame schwebenden Damoklesschwertes zu verhindern. Fenster'cheibcn zerbrachen, Briete wurden geschrieben, falsche Anschuldigungen erhoben, Privatdetektive gekauft, Verleumdungen verbreitet und- Fühlung mit allerhöchsten Stellen gesucht. Es sollte die Sache Werther und Liebig ganz insgeheim und unter Ausschluß der Staatsanwaltschaft und Gerichtsbehörden abgetan werden... Liebig war angeklagt— gesetzmäßig mußte also alles gegen ihn ausgewertet werden, und das wurde wahrhaftig gründlich besorgt. Und während wir hier tatenlos zuschauen mußten, geschah es, daß im Lauic einer Debatte die in diesem Knlammenhang zunächst unwesentlich erscheinende Frage der Abstammung der snngen Frau v. Waltersbansen zur Sprache kam. Die Kenntnis jüdischer Art ist un? Deutschen nur förderlich, ist geradezu deutsche Pflicht Und da nun stellt sich ein deutscher Baron in den Gerichts- saal und schreit, als ob man ihm das Hemd auszöge, diese Behauptung sei eine Lüge! Und wie war es dann wirklich? Der Urgroßvater der Baronin Waltershausen ivar noch 1887 Jude— und 1888 finden wir ihn alsdann im Alter von 27 Jahren in den Schoß der evangelischen Kirche ausgenommen. Er war evangelisch geworden. Aber was besagt das uns Nationalsozialisten? Nichts und alles! Denn wir wissen, daß Judenblut sich hält und sortdauernd alles verseucht, was sich mit ihm verbindet. Aber selbst, wenn wir dies nun nicht so scharf feststellen würben, so müssen wir dennoch vermerken, daß. ivas dem einen recht ist dem andern nur billig sei» kann. Und es spielt deswegen gar keine Nolle, ob aus dem Abkömmling des Juden nachmals eine Baronin oder sonst etwas geworden ist.— Dieses Unglück, Judenstämmling zu sein, widerfuhr leider mehreren Familien in Deutschland und wir müssen uns deswegen auch fragen, ivteso und warum. Viele sind Kinder oder Enkel vergewaltigter Mütter, die vielleickl bei Juden bedienstet waren: viele aber sind auch die Rach- kommen solcher, die»m äußerer Vorteile, wie des Besitzes und Geldes wegen, sich den Juden verbanden. Hier die noch immer besseren Menschen zu erkennen, ist sehr, sehr leicht, und wird heute schon von kleinen Kindern begriffen..." * Wir fragen in aller Bescheidenheit, ob etwa die jüdische Großmutter oes Fürsten Bismarcks auch von Juden ver- gcwaltigt worden ist... Ein Landesbischof wird eingeführt... „Die andern müssen es eben lernen" n 1£' ra' l' or f®''"" n- die zur... nicht galten, sind zu Ungunsten de? Täter? anzuwenden wenn Zeit strafwürdig und sittlich verwerflich >.»»«. —' strafbar erkl.Ate 5-ndl»ng Ist ein« nich, an-dritckllä. z. ' om•••"/•.... sittlich verwerflich und n,' T' 1 1 stimmten Siiaigciee s" hat der Richte, sprechend aiigewliE nein dt- fordert, c t eilt- In Wiesbaden wurde der neue Landes- b i fch o f Dr. D i e t r i ch in fein Amt eingeführt. Seine Rede bei der kirchlichen Feier beleuchtete in bemerkens- iverter Welse den Ziviespalt in der Evangelischen Kirche. Wir entnehmen ihr: „Ter heroische Mensch sei jetzt die Lösung, der nichts Schwächliches, Süßliches. Begriffliches dulde, auch nicht im Ehristentuui. Er sei das Gericht über das Ehristentum. Viele wollten das nicht wahrhaben und sagten, der heroische Mensch sei Natur, sei der elementare, noch nicht ivicder- geborene Mensch mit seinen wilden Kräften. Gott sei Tank, sagten wir, er sei wieder elementare Natur, aber sie stehe in Gotteshand und sei die Voraussetzung für eine Erneuerung des(Christentums. Andere wendeten ein, Adolf Hitler sei politischer Führer, aber daraus sei mit seinen eigenen Bekenntnissen zu antworten. Er sei stark, weil er sich vom obersten Herrn senden lasse und mit Hilfe des Stär- keren besiege er den starken Feind. Adolf Hitler habe den Weg zu einem neuen Ostern gelegt und sei der Hinweis ans eine Auferstehung, wie wir sie in der dcntschen Geschichte nie erlebt haben. Das dürfe nicht austerhalb des Kirchenraumes bleiben. Was draußen geschehen sei, dem könnten wir uns in der Kirche nicht entziehen. I» diesem Sinne werde heute der Kampf in der evangelischen Kirche um die letzte Entscheidung geführt und in diesem Sinne fasse er sein Bischossamr auf. Wenn er an dieser Stelle stehe, so hänge es zusammen mit der großen deutschen Revolution und mit den Forderungen, die sie a» die Kirche zu stellen habe. Die Kirche dürfe sich nicht neraötzen, sie sei nicht das Gekänanis Ebristi. sondern sein Werkzena. Ter heutige Kamps sei der Kamps des Lebens geacn die Erstarrung Inneres und äußeres Leben müßten zusammen aus einem Guß sein,»m lebcndia zu sein. Tota- lität des Staates heiße, daß der Staat ein ganzer Staat sein Sommerfeldt? Den Mann kennen wir doch! GöringS Pressechef, Herr Martin H. S o m m e r s e l d t. ist kürzlich dadurch hervorgetreten, daß er ein Buch über die unterirdische Arbeit der proletarischen Opposition in Deutsch- land unter dem Titel„Kommune" herausgegeben hat. Wir sind in der Lage, über einen sehr interessanten Zug auS der Vergangenheit dieses Herrn zu berichten. Sommer- feldt war ein paar Jahre hindurch Redakteur an dem konser- vativcn Pastorenblatt„Der Reichsbote". Bekannt wurde sein Name, als er im Jahre 1926 die Aufmerksamkeit der preußischen Polizei ans die Spuren eines Fememordes lenkte. Er ist in dem danach vom 11. bis 26. März 1927 vor dem außerordentlichen Schwurgericht beim Landgericht 8 Berlin lBorsitz: Landgerichtsdirektor Sicgertj geführten Prozeß gegen die Mörder des Feldwebels W i l m s auch als Zeuge ausgetreten. Sommerfeldt hat damals gegen seinen Freund, den Führer eines Kommandos der schwarzen Reichs- wehr in Rathenow. Oberleutnant Fuhrmann, ausgesagt, der ihm den unter seiner Leitung aus Bciehl des Oberleut- nants Schulz durchgeführten Mord an Wilms eingestanden hatte. Sommerfelüts Zeugnis trug erheblich zur Berurtei- lung des Schulz bei. Dem Zeugen Sommerfeldt war des- wegen die Rache der Feme angedroht worden. In Görings Vorzimmern dürfte er jedoch vor der Feme vorläufig sicher sein. LoDonr-Sieg Ein Anzeichen für Kommende» Fn Hammersmith-Nord.«orort vo„ Sonden bat der Kandidat der englischen Arbeiterpartei, Genosse M müsse und die Totalität der Kirche könne mit ihm nicht in Widerstreit geraten. Er heiße willkommen alle Pfarrer, die aewillt i-i-n dem Werk der Einheit mit allen Kräften zu d'enen. und die dem Volk nicht die Freude verderben wollten, cvingeliich sind nationalsozialistisch zugleich zu sein. Di-»d rn müßte', es eben lernen und die es nicht lernen, seien eben dann nicht tragbar." .Neoheidenlum" Staatspolizeiliche Anordnungen im Bezirk Aachen Aachen, 26. April. Wie die Staatspolizeistelle für den Be- zirk Aachen mitteilt, sind in den verschiedenen Tages- zeitungen des Regierungsbezirks in der letzten Zeit wieder- holt zu den kulturpolitischen und religiösen Auseinander- sctzungen der Gegenwart Ausführungen gemacht worden, in denen der Begriff eines deutschen Neuheidentums in Beziehung gebracht wird zu Bestrebungen des National- sozialismus. Da derartige Ausführungen den gegebenen Tat- fachen in keiner Weise entsprächen und infolgedessen eine Be- unruhigung der Oesfentlichkeit darstellten, werde daraus Hingewiese», daß die betreffenden Zeitungen in Wiederholungs- fällen mit scharfen Maßnahmen zu rechnen haben. Die Ttaatspolizeistclle weist ferner darauf hin, daß wieder- holt gegen das Verbot für die katholischen Jugend- verbände, die bisherige Tracht zu tragen, verstoßen wvr- den sei. In Zukunft werde nian bei Zuwiderhandlungen mit scharfen polizeilichen Maßnahmen und vor allen Dingen mit der Einziehung unerlaubt getragener Uniformstücke zu rechnen habe. West, den konservativen Gegenkandidaten mit S.',16 Stim- mcn Mehrheit geichlagen. Noch bei der letzten Wahl siegten die Konservativen mit einer Mehrheit von 6917 Stimmen. Dieser Wahlausgang ist symptomatisch für den Stimmungo- umschwnng in England, insbesondere aber für die allgemeine Mißstimmung in England gegenüber der Regierung Mac- donald-Simon. Es unterliegt kaum noch einem Zwei- sel, daß das nächste englische Kabinett nach den Wahlen e i n sozialistisches Kabinett sein wird Die spanische Krise Um die Staatspräsidentschaft DRB. Paris, 27. April. Uebcr die spanische Regiernngs- krise liegen aus Madrid Meldungen vor. nach denen die Lage sich folgendermaßen umreißen läßt: Die Rechte und die Mitte treten für ein neues Kabinett Lcrroux und die Bei- bchaltung der jetzigen Eortes ein. die Linke wünscht eine R e- gierung der republikanischen Konzentration und d i e A u f l ö s u n g d e r K a m m e r, die Sozialisten ior- dern für sich die Regierungsgewalt. Während die Rechte den Präsidenten der Republik zum Rücktritt ver- anlasien möchte, versucht die Linke mit Unterstützung der Sozialisten um ihn eine sichere Mehrheit zu scharen. Tie Lö- sung der Krise erwartet man für Freitag, nachdem das Staatsoberhaupt den früheren Ministerpräsidenten Martinez Barrio und den Oberkommissar von Tpanisch-Marokko. Avello, angehört hat. In gewissen Kreisen hält man die Bil- dung einer Regierung unter Aoello, der parteipolitisch nicht gebunden ist, nicht für ausgeschlossen. T6i rnnil6 43-13 M6iro P 1 g a i) e Deutsche Poliklinik Paris, 62, Rue de la Rochefoucauld «I Allgemeine Konsultationen n it9 Speztaluien. b) Chirurgie innere Medizin, Augen». Ohren», Nasen» und Kehlkoptkrank» ZweistöckigesJSanatoriumsgebäude. Vierstöckiges Gebäude. Zimmer aeiten. Röntgen Diathermie. Elektrotherapie. Spezialbehand» Kleine, mittlere und große Chirur» mit 1 bis 4 Betten. 3 Aerzte, 3 Heb» c) Geburtshilfliche Klinik d) Zahnärztliche* Kabinett Zimmer Zahn- und Mundchirurgie. Gold» lung bei Blut». Harn» u. Geschlechtskrankheiten gie. Die allermodernsteEinrichtung ammen und 2 Operationssäle. und Porzellankronen. Kautschuk» Arbeiten Brücken Ordination füglich von 9—12 und 2—8; Sonntags und Feiertags von lO—12 und 2—4 Uhr Drs.G.und M.Spitzer 3, avenue de la Ripublique, Paris. 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In Mantes hat der als dritter Kandidat aufgestellte Bürgermeister Dreyfus von Epone die Parole gegen Bergery und für den rechtsstehenden Sarret bei der Sonntags-Stichwahl ausgegeben. * Sonntag findet ein großes Flugfest in Vincennes statt, bei dem ein Match zwischen Boret und Detroyat und ein weiteres Match zwischen Helene Boucher und Liesel Bach stattfindet. ♦ Der Maler Rene Piot, der u. a. die Bühnenbilder zu der „Tragödie des Sokrates" von Florent Schmitt und der„Elek- tra" von Richard Strauß hergestellt hat und dessen Bild „Provence" unter den modernen Ankäufen des Luxembourg hängt, ist verstorben. Ferner verstarb der jüdische Maler Leopold Gottlieb, der vorwiegend biblische Stoffe, wie s,Juden im Gebet",„Christus in der Barke" gemalt hatte. * Auf die Nachricht, daß das große Los der 10. Ziehung an zwanzig Polizeibeamte in Lausanne in der Westschweiz gefallen ist, entwickelte sich in zahlreichen Pariser Tabakläden ein unendlicher neuer Gesprächsstoff. Bei Valenciennes gewannen vier polnische Arbeiter 1 Million Franken. # Die Freilassung von Jo-la-Terreur, dem Gangster, der die von Staviskys Privatsekretär Romagnino versteckten Schecks ausgeliefert hat, regt„Gallus" zu einer Glosse an. in der er die Aushebung gewisser Banden der„Terreurs" in Paris und Marseille fordert. Das Dunhel um Prince Paris, den 26. April. Nichts ist schlimmer wie der Zweifel Im Falle des Richters Prince, der das Land aufregt, ist immer noch nichts erwiesen. Die Gangsters sind entlassen, irgendwelche Spuren bleiben nicht. Die Stavisky-Kommission sucht eifrig die Motive, die den unglücklichen Richter bei seiner Abreise zu der vermeintlich kranken Mutter nach Dijon, auf Grund eines seltsamen Telefonrufs geleitet haben können. Sie hat jetzt erneut den abberufenen Staatsanwalt Pressard, dann getrennt von ihm den höchsten Richter Lescouve vernommen. Der entscheidende Passus der Vernehmung Lescouves ist folgender: Vorsitzender Guernut: Halten Sie auch den Satz in Ihrer Aussage aufrecht, daß Prince, als er zu Ihnen ging, sein Todesurteil unterzeichnete? Präsident Lescouve: Ja, ich halte das aufrecht, aber mit folgenden Bemerkungen. Niemals hat in meinem Geiste ein Zusammenhang zwischen der Ermordung des Prince und der Verantwortlichkeit, die auf Pressard fällt, bestanden. Unser Ansschußbericht erklärt, daß wir die Ehre Pressard in nichts antasten, wie kann man sagen, daß wir ihn für einen Mitschuldige i des Mordes hielten? M. Jean Zay: Sie sind also überzeugt, Herr Präsident, daß Prince mit Vorsatz und Ueberlegung durch Verbrecher getötet ist, die sich nur der Papiere bemächtigen wollten, die er bei sich trug? Lescouve: Ich bin niemals mit einer Untersuchung über diesen Punkt betraut worden. Aber wenn Sie mich nach meinem Eindruck fragen, so glaube ich. daß das, da man ihm nichts anderes gestohlen hat. die Absicht der Mörder war. M. Jean Zay: Aber erlauben Sie mir, Sie zu fragen, wie konnten die Täter nach Ihrer Ansicht wissen, daß er die Papiere bei sich trug? Lescouve: Da gibts doch einen Umstand, von dem ich im Moment nicht weiß, ob ich darauf vor der Kommission hingewiesen habe. Von der gare de Ly° n hat Prince seiner Gattin telefoniert und ihr gesagt, daß er Notizen vergessen hätte, die ihm sehr von Nutzen sein könnten. In seinem Löschumschlag hat man diese Notizen gefunden. Es waren Notizen, die er in den Akten der Stavisky-Gesellschaft la Fonciere Die„Deutsche Freiheit" Einzig« unabhängig« Tageszeitung Deuliehlend* mulj man regelmäßig lesen Bestellschein Ich ersuche um regelmäljig« Zusendung der„Deutschen Freiheit" Name:-»— Straf;«: den—■ Unterschrift Verlag der„Deutschen Freiheit" Saarbrücken 3• Sehützenstrel;« 5* Postschließfach 776 entdeckt hatte, und die bewiesen, daß er seine Pflicht getan hatte. M. Mandel: M. Pressard hat Kenntnis gehabt vom Bericht Cousin, da er am 31. Juli und 10. Oktober 1931 Berichte machte, in denen er auf sie Bezug nahm. Er erwähnt besonders, daß Alexandre in dieser Zeit vor der 13. Kammer verfolgt wurde. Lescouve: Diesen Bericht kannte ich nicht. M. Mandel: In aller Loyalität möchte ich Ihnen erklären, daß ich finde, Ihr erster Bericht über Pressard war von übertriebenem Wohlwollen, aber der zweite Bericht erscheint zu hart... Wenn Sie den Bericht vom 10. Oktober gekannt hätten, wären dann Ihre ersten Folgerungen andere gewesen? Lescouve: J a. BBI6FKASTCM Meftgecmeistcr ft. in S. Neulich Hai die„Frankfurter Zeitung" zur luneingestandenens Bedrückung der deutschen Prep« durch die Totalitätsansprüche aller möglichen und unmöglichen nationalsozia- listischen Stellen einen Aussatz veröffentlicht:„Sind mir langweilig?" Sie untersuchte mit dieser Frage die Ursachen des Be- zieherschwunds, ohne zu einer klaren Erkenntnis zu kommen oder sie doch zuzugeben. Bon Ihnen hören wir, daß auch die Kleischer- Verbandszeitung in die Diskussion eingegriffen Hai mit der Krage „Sind wir wirklich feige?" Beide Kragen sind berechtigt, und die Antwort ist: langweilig und seige! A. K., Boulogne sSeiuej. Besten Tank für Ihre Ausmerksamkeit. Der Aufruf liegt aber nun zwei Monate zurück ,und wir wollen da- her nicht mehr dazu Stellung nehmen. Uebrigens haben wir ahn- liehe Mahnungen wiederholt in unserer Zeitung glossiert. Wir geben zu, daß der fränkische Äreisleiter eine gute Portion gesunden Menschenverstand zeigt. Dr. 2., Kopenhagen. Ihnen haben Borberichte über die große Maiseier auf dem Tempelhofer Felde besonders gesallen:„Drei sünsgeschogige Mietshäuser auseinandergebaut, würden gerade mit den hohen Fahnenmasten dieselbe Höhe erreichen. Tie sie umrahmenden sechs anderen Fahnen sind„nur" 36 Meter hoch. Rechnet man die Tuchflächen der 3000 Fahnen der Tribüne und die der Umrahmung zusammen, so erhält man eine Fahnentuchfläche von 22 000 Quadratmetern. Ter gan>,e Lustgarten könnte aus diesem Tuch mit einem d o p pe 11 e n Baldachin überspannt werden"— Ja, so wird einstweiler die Wirklichkeit überall im„dritten Reich" mit Fahnen- tuch zugedeckt. Aber auch Fahnen verschleiszen, und dann wird der große Propagandaschwiudel offenbar werden. An mehrere. Wir können Ihnen keine Auskunst geben. Unsere wiederholte Frage an die kommunistische Prqge, wie oer setzige polt- tische Standort Torglers sei, ist unbeantwortet geblieben. So Ist denn die Behauptung des Chefs der Geheimen Staatspolizei vor der ausländischen Pres,«. Torgler sei nicht mehr Kommunist, un- widersprochen. Neuerdings behauptet eine Meldung der„Europa- preß", Torgler habe einem Besucher gesagt:„Ich bin ein Mensch, der seelisch, aber nicht körperlich gelitten hat. Warum kann man-S da nicht lagen, mich als Agilationsobsekt zu benüyen? Ich ver- lange, daß man mit diesen Lügengeschichten Schluß macht. Sie kön- neu mir nur schaden. Je eher man mich in Frieden läßt, desto eher komme ich heraus. Torgler erklärte dann aus eine weitere Frage, daß er, wenn er freigelassen werde, sich nicht mehr um die Politik kümmern werde: er wolle in Ruhe mit seiner Familie leben."— Wollen die maßgebenden Kommunisten nicht endlich sagen, was ihnen über die geistige Haltung Torglers bekannt ist? X. B., Straßburg. Wir sind mit Ihnen der Meinung, der Ausbau der„Technischen Nothilfe" hängt damit zusammen, daß die Hitler- diktaiur infolge der sich verschlechternden Wirtschaftslage mit Lohn- kämpfen rechnet. In allen Teilen des Reiches werden die Mitglieder setzt zweimal wöchentlich zusammengerufen. In Berlin fand ein Pslichtappell der Unterführer der Teno statt, bei dem der Landes- Propagandaleiter Schulze-Wechsungen erklärte, daß in Kürze an die Zuverlässigem der Unterführer besonders hohe Anforderungen ge- stellt werden würden. Mit diesen Maßnahmen hängt auch die Er- setzung des Reichsführers der Teno, Lummitzsch, der dem Stahlhelm nahestand, durch den Nationalsozialiften Hampe zusammen. Jnso- fern ist die Wiedereinstellung von Arbeitskräften bedeutsam, und seien sie noch so gering entlohnt. Die Tätigkeit im Arbeitsprozeß bringt Solidarität der Arbeiter, während die Erwerbslosigkeit die Solidarität zerstört. Katholik W. Handeln Sie nach dem Wort Ihres Münchener Kampfkardinals 7r. Faulhaber:„Als Nachfolger der Apostel haben die katholischen Bischöfe die heilige Sendung, da« Lehrgut des Glau- benS zu verkünden, die Taufe und die übrigen Sakramente ,ü ipen- den. die sittlichen Gebote Jesu zu lehren, und zwar unter den„Böl- kern", also auch für das öffentliche Gemeinschaftsleben. Wo aber Christus den Auftrag gibt„Ihr sollt verkünden", kann keine Macht der Erde gebieten:„Ihr sollt schweigen!" Dr. P. H., Prag. Wir danken für die Belehrung. Das Wort soll bei uns nicht mehr verwendet werden. Die Ueberschrist stammt aus einer Korrespondenz Hoffentlich führt das Mißgeschick nicht zu einem Abbruch der gute» Beziehungen. Nötigenfalls find wir zu einem Sühnebesuch bei dem Präfidenten Masarnk bereit. Reichspropagandaminifter Dr. Göbbels. Sie sind doch sonst ein ganz durchtriebener Junge, warum lassen Sie eigentlich die paar Zeitungen, die Sie mit wer weiß welchem Auswand zu hinreichen- dem Verständnis für das sogenannte neue Deutschland gebracht haben, so leichtfertig kompromittieren? Durch da? häufige Zitieren in Ihrer Presse war beispielsweise die Pariser„Volonte" schon lange in üblem Geruch, ehe man wußte, daß er nicht nur von Ihnen, sondern auch von Ihrem Sozius Stavisky stammte. Jetzt ist beinahe seden Tag„Notre Temps" als einzige vernünftige Stimme aus dem sonst so verbohrten Frankreich in der deutschen Preß« zu finden. Wenn es Ihnen nicht gelingt, mehr Zeitungen auf dem weiten Erdenrund durch ihre metallisch tönende Beredtsamkeit zu beeindrucken, sollten Sie wenigstens für eine schonende Dosierung der Zitate sorgen. Geben Sie eine entsprechende Anweisung an Ihre Korrespondenzbüros und an Ihre Mannschaften in den deutschen Redaktionen. Tie armen Kerle sind so froh, wenn sie unter 10 000 Auslandszeitungen ein einziges Wort des Verstehen« für die Hitleritiz aufpicken können, daß ihnen in der Freude darüber gor nicht der Gedanke kommt, sie könnten durch das stch immer wieder- holende Zitieren eines und desselben Blatte» bei bösen Menschen, die es ja nun einmal geben soll, einen bestimmten Verdacht er- wecken.— Bei der Gelegenheit unsere Glückwünsche zu Ihrem Familienzuwachs. Sie wenigsten» stellen Ihren Mann in der Ge- burtenschlacht. Wann rücken Hitler und Röhm aus der Etappe de« Junggesellentums endlich in die Front ein? Muntern Sie die beiden Drückeberger auf zum„Sozialismus der Tat"! Man kann doch nicht von Ihnen verlangen, daß Sie ollein die Führerariftokrati« fortpflanzen. Oberbürgermeister Lteiel in Nürnberg. Sie haben ein« große Aktion zur Hebung de« Fremdenverkehr» in Nürnberg eingeleitet. Alle Nürnberger solle» in den BerkehrSverein. Ihr Aufruf enthält diese schöne Stelle: „Im neuen Deutschland Adolf Hitlers ist Nürnberg mit AuS- Zeichnungen und Ehren überhäuft worden. Für ewige Zeiten ist es zum Sitz der Reichsparteitage erklärt. Tie Augen der ganzen Nation sind ans unS gerichtet! Die Stadtverwaltung hat alles ge- tan. um Nürnberg wieder zum„Tchatzkästlein des Deutschen Ret- ches" zu machen. Die Altstadt wird von allem Undeutschen gesäubert, Schäden werden wieder geheilt. Für den Ausbau des neuen Nürnberg liegen großartige Pläne vor. Die ideelle und materielle Unterstützung aller Stellen ist hierfür geftckert. Was der Kanzler des Reiches und die Stadwerwaltung für Nürnberg getan haben, soll Euch leuchtendes Vorbild und Ansporn sein!" Sie haben da? Entscheidende vergehen: Der„Führer" hat seinen intimen Freund, den Radaubruder, Pornographen und Mordantt- iemiten Streicher zum Herrn über alle Nürnberger gemacht. Sein« Prangerzüge, seine schweinischen Zeitungen und seine Judensagden verpesten Nürnbergs Atmosphäre. Wenn Sie das nicht glauben, so verbreiten Sie das Bild dieses Streicher mit einigen seiner vtebt- schen Aussprüchen als Werbung für Nürnberg im Auslände. Der Widerhall wird Ihnen zeigen, warum Sie über den Rückgang des Fremdenverkehr» tammern müssen. Walter H., Gent. Uns brauchen Sie nicht davon zu überzeugen, baß die große Mehrheit des deutschen Volke« keinen Krieg will. Kommt e? aber daraus an? Bismarck hat am S). Februar 1876 im Reichstage gesagt:„Die Masorität hat gewöhnlich keine Neigung zum Kriege. Der Krieg wird durch Minoritäten oder in absoluten Ttaa- ten durch Beherrscher oder Kabinette entzündet." D-S patzt doch wohl genau aus die jetzige Situation. Westfälische Landeszeitung. Was ist mit Eurer Redaktion los? Ihr seid ja unter die Greuellügner gegangen? Wir lesen in eurem hundertprozentigen Naziblatt:„Allenthalben in der Wirtschaft mutz man beobachten, daß der Jude wieder seine alten Methoden auszu- nehmen beginnt. Sie haben konstatiert, daß ihnen sa heut« nichts mehr geschieht. Weshalb sollen sie dann nicht sich wie- der bemerkbar machen und zeigen, daß es ja doch nicht ohne st« geht!"— Da den Juden„heute nichts mehr geschieht", muß ihnen also früher etwas geschehen sein. Damit überführt Ihr Euer» Herrn Reichskanzler, der dem Auslande ständig daS Gegenteil vorerzählt hat. der Lüge. Uebrigens stnd gerade setzt in mehreren Gegenden Teutschlands die wildesten Judenpogrome in Gange. In Tortmund wohl noch nicht? Darum wollt Ihr etwas nachhelfen. Deshalb hättet Ihr aber doch nicht gleich mit Greuelgeschichten kommen müssen. Dr. A. Lodz. Zur Beantwortung Ihrer Anfrage reicht unsere Kenntnis der Rajsensrage nicht aus. Jüngst hat aber die Pariser Zeitschrift„Bu" eine Tasel veröffentlicht mit der„Rangordnung" der einzelnen Rassen, wie sie sich nach der nationalsozialistischen Zeitschriftenliteratur ergibt. Die Reihenfolge steht so aus: Deutsche, Skandinavier, Nordamerika»«!, Engländer, Iren, Italiener, Fran- zosen, Spanter, Südamerikaner, Polen. Russen, Hindu», Japaner, Chinesen, Araber, Juden und Neger sin dieser Aufstellung werden ausdrücklich die Zulukaffern genannti. Abgesehen davon, daß zahl- reiche Nationen fehlen, ist besonders bezeichnend da» Fehlen von Ungarn, Finnen und Türken. Hier bestand wohl«in Widerstreit zwischen den an sich vorhandenen Sympathien und der Tatsache, daß es sich dort um Nichtarter handelt. Irotzkift. Wundern Tie sich doch nicht, daß die deutschen Nazi» für ihr Festabzeichen zum 1. Mai auch da» Symbol der Sowjetrepublik, den Hammer und die Sichel gestohlen haben. Wir gestehen Ihnen übrigen», daß gerade diese« Snmbvl schon manchen politischen Pro» vagandisten Kopfzerbrechen verursacht hat. Es ist in seiner Bild- baftigkeit und Größe nicht zu überbieten. Hüt den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Pitz in Dud- weiter: für Inserat«: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der BolkSstimme GmbH„ Saarbrücken 8, Tchützenstraße 5— Schließfach 776 Saarbrücken. Alle Sendungen für Verlag u. Redaktion der „Deutschen Freiheit" sind zu adressieren: Saarbrücken 3 SchUtzenstr. S n Postschließfach 776