Sinzigs unabhängige Tageszeitung Veatschlands Nummer 99— 2. Jahrgang Saarbrücken, Sonntag Montag, 29. 30. April Chefredakteur: M. B r a u n Aas dem Inhalt Macht soll zahlen Seite 2 Suuichs Mission gescheitert Seite 2 J)as IBcaunlmch 2 (Auszug ä&ec QUnitcafß Seite 4 Qechacd Segecs JCampf Seite 2 Die Morde von Dillsp erg Tete als Ankläger gegen Adolf Hitler («opaöe.) Die amtliche Mitteilung über die Auffindung der deichen von vier Duisburger Gewerkschaftsangestellten isiehe„Deutsi: Freiheit" Nr. SS) bringt die restlose Aufklärung über einer der scheußlichsten Ber- brechen, das im Frühjahr 1933 von Nationalsozialisten an Funktionären der sozial chen Arbeiterbewegung verübt worden ist. Die Ermordeten sind der Angestellte des Metall- arbeiterverbandes Schlösser, der Bezirksleiter des Ver- bandes der Runnschifser Birk, der Angestellte des Ver- kehrsbundes und Vorsitzende des Duisburger Reichsbanners Roden st oct und der ehrenamtliche Funktionär des Zen- tralverbandes der Angestellten, Schmalhans. In der amtlichen Meldung wird behauptet, daß noch nicht festgestellt werden konnte,„wie diese Leute zu Tode ge- kommen find". Das ist eine glatte Lüge. Bereits am 11. November 1933 hat die„Deutsche Freiheit" einen genauen Bericht über die Ermordung veröffentlicht, in dem geschildert wird, wie am 2. Mai 1933 in Duisburg wie im ganzen Reich gegen 19 Uhr vormittags alle Gewerkschaits- büros von schwerbewaffneter SA. und SS. besetzt wurden. Die in den Büros' anwesenden Gcwertschastösekretärc wurden verhaftet und in das Büro des Deutschen Metoll- arbeiterverbandes in der Rnhrortstraße gebracht. Dort wurden die Verhafteten mit Reitpeitschen und Stahlruten bestialisch mißhandelt. Einige der Mißhandelten belasteten die noch nicht ver- hafteten Gewerkschaftsführer in der sicheren Hoffnung, daß es den noch auf freiem Fuß befindlichen gelingen würde, zu entfliehen. Taraui./n fuhren sofort einige Nazikolonnen zu den Angehörigen der- ch in Freiheit befindlichen Funk- tionäre und verhasteten sie als Geiseln. Einige der noch nicht. verhasteten Gewerksc' aftsführer trafen sich in einem kleinen Lokal und erfuhren dort von ber Festnahme ihrer An- gehörigen. Sie beschlossen daraus, sich freiwillig zu stellen, aber nicht den Nazis, sondern der Polizei. Der Nazi- Polizeipräsident lieferte aber die Führer den Nazis aus. und sie wurden zur Verr'mung in das Metallarbeiterhaus 'n der l...yror' a>ze gebracht. Schon auf dem Wege dorthin wurde der Angestellte des Metallarbeiterverbandcs Schlösser in der fürchterlichsten Weise mißhandelt. Dann schleppt man l>en Bewns/'osen in den Heizungs- keller des Metallarbeiterhauses. Dort lagen schon die fürchterlich zerschlagenen Körper des Bezirköleiters der Binnenschiffer Birk, des Angestellten des Bcrkehrsbundes Rodenstock und des jungen Funktionärs des Zentral- Verbandes anwesend w<»r, als die Besetzung durch die SA. erfolgte und den man viehZch mißhandelte, als er es wagte, den Angestellten des ZdA. z« Hilfe zu kommen. Am Nachmittag des gleichen Tages mußten die übrigen Gewerkschaftsführer, mit roten und schwarzrotgoldenen Fahnen drapiert, mi' erhobenen Händen durch die Straßen Duisburgs marschieren, und mit Reitpeitschen. Stahlruten und Gummiknüppeln wurden sie gezwungen, die Jnter- Notionale zu singen, lieber diesen Aufzug berichtete am nächsten Tag die gleichgeschaltete Presse, und sie teilte gleich- zeitig mit, daß die Gewerkschaftsführer Schlösser, Birk, Rodenstock und Schmalhans einem Spezialverhör durch den Führer der NSBO., Multhaupt, unter- zogen worden seien. Die Angehörst, n erhielten nie wieder eine Nachricht, und die Polizei weigerte sich. Nach- srrschungen anzustellen. Zwei Wochen später meldete die Zeitung der NSBO., die damals noch von Multhaupt redi- giert wurde, daß die verschwundenen Gewerkschaftsführer sich ihrer Verhaftung durch die Flucht entzogen hätten. In Wahrheit waren ihre Leichen bei Nacht und Nebel ver- scharrt worden. Die. r a>,'wörtlichen.thaber in Deutschland kennen seit langem die'körber von Duisburg, abe. ihre einzige Vergeltungsmaßnahme bestand darin, daß sie den Anführer der Mörderbande, den Leiter der NSBO.. Multhaupt, nicht mehr in den Reichstag vom 12. November schickten. Man ver- steht daher die Warnung der Polizei, an die Leichenfunde „keine>--i'ss'ige K- binationen zu knüpfen und so die Bevölkerung zu beunruhigen". Von einer beispiellosen 5tiedrigl.it der Gesinnung zeugt es ferner, wenn die amt- lichen deutschen Stellen in voller Kenntnis des wahren Sach- Verhalts die Meldung über den Leichensund mit der Be- merkung versehen, daß man noch Ermittlungen anstelle,„ob die Mordtat nicht mit einer Veruntreuung von Gewerk- jchaftSgeldern zusammenhänge" Das ist die Moral des„dritten Reiches": die Mörder lausen frei herum und die Ermordeten bezichtigt man ein Jahr nach ihrem schrecklichen Tod noch der Unterschlagung. wurden sie iotgefolferf Die Mörder sind In»im und Würden Aus dem Reiche wird uns über die Duisburger Tchand- taten der Parteigenossen des Reichskanzlers noch geschrieben: Am Vormittag des 2. Mai besetzten SA. und ST. auch in Duisburg das Gewerkschaftshäus, das Parteisekretariat und die„Volksstimme". Alle Angestellten wurden im Gewerk- schaftshaus in ein Zimmer gesperrt und dann einzeln zu einem„Verhör" in den Keller gebracht. Nach dieser ersten Folter kamen die Genossen auf die Gänge, wo sie mit er- hvbenen Armen und aus vielen Wunden blutend stundenlang mit dem Gesicht zur Wand stehen mußten Darunter alte Sozialdemokraten von 69 Jahren, die ein Lebensalter in der Arbeiterbewegung ihr Bestes für das Volk an Rhein und Ruhr geleistet hatten. Sie alle wurden entsetzlich geschlagen.. Ihre braunen Pciniger waren durchschnittlich jünger als die Kinder der Gefolterten und konnten zum Teil Enkel sein. Die Vertreter der freien Gewerkschaften in Duisburg, die mit ihrer ganzen Autorität und ihrem unbestechlichen Charakter für die Einheit der deutschen Republik in der Separatistenzeit und für den passiven Widerstand gegen den westlichen Imperialismus bei der Ruhrbesetzung gekämpft hatten, wurden von der nationalistischen Bestie mit eisen- beschlagenen Stiefelabsätzen ins Gesicht getreten. Die Folter wurde gesteigert. Jahrelang ange- peitsch!« Bestialität feierte an ihren Opfern sadistische Orgien. Sorgfältig richteten die jungen braunen Henker am frühen Nachmittage ihre Gefangenen für einen„Fest"zug durch die .lliaupistraßcn der Stadt her. Tie Anordnungen gab ein SA.- Führer, der im. bürgerlichen Berus akademilch gebildeter Snndikus der Industrie mar. Er steht mit brennenden Lettern im Buch unserer Sühne. Einige Genossen mit einer Glatze bekamen drei Pfeile von heißem Teer aus den Kops, an die Wangen Hakenkreuze. Anderen wurden Hakenkreuze ins Haar geschnitten, teil» weise das Haar ausgerissen. Allen waren Gesicht und Glieder zerschlagen, das Blut lies auä Mund und Nase. In diesem Zustande traten die 22 Mann, jeder links und rechts von einem TS.-Mann flankiert, dahinter drei SS.- Leute, jeder Henker mit Revolver und langem Gummi- knüppel in der Hand, den Marterzug durch die Stadt an. Ein alter Sozialdemokrat mußte voran ein an einer Stange gebundenes Bündel geraubter Fahnen tragen. Zwei Genossen bekamen ein Transparent:„Wir sind die Landes- verräter". Eine SA.-Kapelle stellte sich vor den Zug und spielte zu dieser Wanderung nach Golgatha der deutschen Arbeiterbewegung„Das Wandern ist des Müller» Lust". Nach einiger Zeit setzte die Musik ab. Nun wurden die Sozialdemokraten, dauernd die Saude über dem Kopf, im Dauerlaus und bei dauerndem Schlagen mit dem Gummiknüppel durch die Straßen gejagt. Dazu mußten die Gefangenen ihr heiligstes Lied, die Jnternatio- uale, fingen. Immer wieder, zwanzigmal und mehr den Refrain:„Völker hört die Signale—— die Internationale erkämpft das Menschenrecht." Wer nicht laut genug sang, bekam den Gummiknüppel ins Gesicht, wer zu laut sang auch. Aber die Sozialdemokraten sangen, sie hielten die Schläge aus, sie schrien den Tausenden, die die Straße füllten, ihre sozialistische Parole vom Menschenrecht ins Gewissen. Da standen Arbeiter, Männer. Frauen und Kinder mit brennendem Schmerz und heißen Tränen, da standen die christlichen Arbeiter stumm und voll banger Ahnung wie vor einem entsetzlichen Traum- bild. Das Furchtbare auf einer deutschen Straße aber war Tatsache, bei hellem Sonnenschein am Spätnachmittag. Auch Bürgerliche wayen erstarrt vor Entsetzen. Nur wenige waren nationalsozialistisch genug, um diesem Schreckenszug zuzujubeln. Darunter Weiber der„besten" Klasse. Auch fie werde« nicht vergessen. Dieser Prügeldauermarschmit der Juter- nationale dauerte zwei volle Stunden. Einer fiel in Ohnmacht. Der Zug hielt kurz, der alte Mann bekam Ohr- feigen und mußte halb bewußtlos am Arm seiner braunen■> jungen„Erzieher" mitrennen. Endlich am Polizeipräsidium, bisher hatte die Polizei den Zug mit Karabinern begleitet, Fortsetzung siehe 2. Seite Gestern und heute Am 19. April sprach Göbbels vor den Fiihrerrälen des Reichverbandes der deutschen Presse. Herr Göbbels redet viel, aber man muß ihm zugestehen, daß diese Rede vor den SS.-Journalisten Qualitäten besaß. Es war eine Kapuziner- piedigt, gallig und giftig, voller Bosheit gegen seine früheren Kollegen, die noch im Sißen die Hände an die Hosennaht legten. Lebhafte Zustimmung und Heiterkeit verzeichnet der Bericht nach folgenden Sätfen:„Wenn beispielsweise ein führender Nationalsozialist im Sportpalast eine Rede hält, so bin ich davon überzeugt, daß ich so viel Intelligenz besäße, eine solche Versammlung hundertmal zu beschreiben und immer anders, genau so, wie wenn ich Fotograf wäre, ich die Intelligenz hätte, die Versammlung in hundert verschiedenen Variationen zu fotografieren. Ich würde mich nicht— das ist zwar bequem, aber es ist langweilig— vor das Podium hinstellen und immer wieder den Redner knipsen." Wir sind, wir gestehen es, in ernstlicher Sorge. Denn wir fürchten, daß diese Bemerkung des Herrn Göbbels die deutsche Presse vor jenen Bildern entblößen könnte, die wir immer wieder mit Andacht und Ausdauer betrachten. Das ging in jüngster Zeit schon soweit, daß wir den Text- geschwulsten furchtsam auswichen, gebannt von Führerbildern. Guten Tag, lieber Herr Gauleiter! Gestern i varen Sie bei der Parade. Heute sehen wir Sie wieder bei einer Hochzeil. Und Sie, lieber Chefredakteur/ Wir freuen uns, zum 85. Male irr. Laufe von drei Monaten, Ihre Bekanntschaft zu machen. Eben empfingen Sie noch den Herrn Minister, jetzt sitzen Sie schon wieder bei der Schreibtischschlacht. Aber nun hat die fotografische Linse einen Fehler. Die Sprache und die Schrift kann man zerkauen und zermanschen; diese kleine technische Apparatur aber ist unerbittlich. Herr Gauleiter, wie sifjt Ihre Uniform heute schlecht über Ihrem Bauch! Was machen Sie für ein dummes Gesicht, während die Hitlerfahnen an Ihnen vorübergehen! Was ist das für eine Speckfalte unter Ihrem Kinn! Kurz, die Kamera kann tückisch und grausam sein, und gerade dann, wenn sie eine Fassade zu fotographieren hat, ist sie imstande, die Wirklichkeit schauerlich zu entblößen. Wir sind, auch dieses Geständnis sei gewagt, seit langem Liebhaber der„Fränkischen Tageszeitung", des Blattes, das unter Streichers Sternen leuchtet. Nie aber war eine Nummer so interessant wie die vom 26. April. In Nürnberg wurde wieder einmal eine Galabeerdigung veranstaltet, zu der auch Hitler erschienen war. Von diesem Ereignis wurden 24 Bilder aufgenommen. Siehzehnmal sahen'wir den Frankenführer. Peripherisch sind seine Führerqualitäten nicht ohne weiteres sichtbar. Klein und feist, mit einem kahlleuchtenden Rundkopf und schiefen Kalmückenaugen. Wer auf eine germanische Lichtgestalt geraten hat, erlebt statt eines Siegfrieds einen Eßel. Vierundzwangzigmal erblicken wir den Führer. Er ist düster, versonnen, andächtig, ergriffen, aber auch heiter und kordial. Dies letztere insbesondere zu seinem alten Freunde Julius Streicher. Wie herzlich drückt er ihm die Hand, zwei Augenpaare blicken sich in aufrichtigem Einvernehmen an. Sie sind Freunde und Kameraden geblieben und bleiben es, für und für, komme, was kommen mag. Ich, oberster Osaf, sorgen für den Ethos. Held und Heiliger; Du, mein lieber Julius, darfst Deine kleinen Privatprogrome arrangieren und, meinetwegen, auch von den Franzosen sagen, daß sie ein Bastardvolk von Negern und Juden seien. Ich mache das schon wieder gut mit der nächsten Verständigungsrede. Treue um Treue! Eine Bitte ergeht also aus unserer landesverräterischen Feder an Herrn Göbbels. in der Hoffnung, Erhörung zu finden. Er lasse uns diese Bilder in der nationalsozialistischen Presse. Er falle der Leika nicht in den Auslöser. Es gibt für uns keine bessere Kunde von dem, was täglich von der braunen Macht sichtbar ist als diese Bilder. Auf all den unzähligen Uniformen sifien Köpfe, und deren Anblick möchten wir nicht missen. Argus. Infolge des sozialistischen Maitages wird Dienstag, den 1. Mai 1934, unser Blatt nicht erscheinen. Die norde von Duisburg Fortsetzung von der l. Seite. war eS auch der Göringpolizei zu viel.- sie leitete de« Schreckenszug in den Gefängnishof Tie zweiunözwanzig zerschlagene» Genossen bekamen aber keine Ruhe. SS. und TA, holte sich die Männer einzeln zu „Vernehmungen" zurück ins Gewerkschaftshaus. Darunter die vier Gewerkschaitsbeamten Schlösser. Birk. oben st ock und Schmalhans, deren Leichen jetzt nach einem Jahr im Walde bei Dinslaken gefunden wurden. Der Staatsanwalt hat nicht nvtig. die Mörder z« suchen. sie sitzen heute an der Spitze der Duisburger Behörden und find Leiter der Arbeitsfront. Tie ganze Duisburger Be- völkerung kennt die Mörder. Die SS hat unsere vier Kameraden ,m Duisburger Gewerkschaftshaus nach stundenlanger entsetzlicher Folter er- mordet. Im Hausflur hatte man lediglich die Jacke und Mütze von Schlösser vergessen: sie hingen noch tagelang dort, aber die Leichen der Genossen warnt ttt der Nacht zum 3. Mai weggeschafft. Unseren ermordeten Kameraden aber schwören wir an diesem 1. Mai: keinen Tag versäumen wir, um durch die sozialistische Revolution den Mord an Euch zu sühnen. mehr als 80 öffentliche Versammlungen. außer in London in Bristol, Plymouth. Shef- field. Swansea, Cambridge. Wrexham, Prefton und vielen anderen Prooinzstädten. Da Seger die englische Sprache be» herrscht, ist es ihm möglich, mit der größten Eindringlichkeit zü reden und, wie da» in England üblich ist. nach dem Vor- trag stundenlang Fragen zu beantwortne. Daneben ist er auch in England vielfach interviewt morden, auch von liberalen nnd konservativen Zeitungen, so daß zusammen mit setner schriftstellerischen Mitarbeit an englischen Zeitungen nnd Zeitschriften und seinen überall überfüllten Vorträgen «lue demerkenswerte Publizität für sctne antifaschistilche Ar- bett gegeben Ist. Di« Wut Zutschen Diktatoren über die Tätigkeit Seger« gebt daraus hervor, daß sie seine Frau und sein anberthalbsährigeS Kind noch immer in Schutzhaft halten Seger wird dennoch feine.Kampsrede» fortsetzen. M In der Aprilnummer 16 des„Stürmer". Herausgeber: Ehrengruppensührer Julius Streicher, persönlicher Freund Hitlers, lesen wtr:„Gambetta, der französische Nationalheld, der Diktator von Paris, Krakeeler, Rcvanchard. war Jude. Von Zeit- genossen wird er geschildert als kurzbeinig, mit rundem Bauch, öligem Gesicht, verfetteter Stimme, schwerfällig, von schlechter Erziehung, gewürzt mit Knoblauch, gespickt mit Speck und mit ranzigem Oel eingerieben. Seine jüdische Geliebte. Lconie Leon, die thn zuletzt tödlich verwundete, hatte ihm einen Sohn, Massabie genannt, geboren. Gam- betta hieb eigentlich Bacho(eine Romanisierung des Juden- namens Bach). Er hatte die alte, reiche jüdische Witwe, Julie Adam, zur Herzensfreundin erwählt. Gambetta hatte ein ausgezeichnetes Gedächtnis und wurde von den Juden Frankreichs als„Dauphin von Frankreich" gerühmt. DaS Volk von Paris muß fein Denkmal auf einem Houptplav dulden, weil es die Inden so wollen. Es ist der Ausdruck für den Triumph Jndas über Frankreich. Selbstverständlich besetzte Gambetta alle wichtigen Aewter seines Macht- bercichs mit Juden. Gambetta war auch Freimaurer hohen Grades. Seine Finanztransaktionen Gr seine eigene Rech- nung sind, erstaunlich. 1876 war er noch arm und 1871 schon vielfacher Millionär. Er ist also alles in allem da» Urbild deS politisierenden Juden, die Personifikation der sranzö- fischen Politik." Zu diesem unappetitlichen Erguß nur eine Nein«, aber nicht unwichtige Feststellung: Gambetta war kein Jubel 1. Mai im Wandel der Zeiten 1890 1934 „Was hat er denn getan?"„Was hat er denn getan?" „Er hat den 1. Mai gefeiert!"„Er hat den 1. Mai nicht gefeiertI" Der flord an dem Arbeiter Lukas Die in Saarbrücken erscheinende Wochenschrift„Weit- I a n d" schreibt: Die Berliner Zettungen haben am 20. Dezember 1933 berichtet, daß vier Neuköllner Arbeiter vom Schwurgericht Berlin wegen Mords zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt worden sind. Mehr ist der Öffentlichkeit nicht bekannt gegeben worden. Uns liegt jetzt ein Auszug aus den Akten vor nebst einem Rapport der Brigade 31, Berlin Südost. Wir geben in dem, was hier folgt, nur die aktenmäßig festgestellten Tatsachen wieder, enthalten uns jedes Kommentars, jeder Schlußfolgerung. Die Akten sprechen— ob für oder gegen die SA., ob für oder gegen das Dritte Reich, ob für oder gegen seine Rechtsprechung, das mag jeder halten nach dem Eindruck, den diese Geschehnisse auf ihn machen. In der Nacht von Samstag den 2. auf Sonntag den 3. Dezember gehen die SA.-Leute Leopold Pansegrau und]■ Ochsenfort, die in der SA-Kaserne„Bärwinkel" an der Steinbockstraße zu Berlin-Neukölln stationiert sind, in eine Gastwirtschaft an der Lahnstraße. Sie finden dort vier SS.-Leute aus der SS.-Kaserne auf dem Industriegelände am Oberhafen. Und einige Arbeiter. Im Lokal ist ein Grammophon. Die Uniformierten spielen pausenlos nationale Platten. Und singen den Text dazu. Das Lied:„Lore, Lore..." wird nach Aussage der Zeugen zehnmal und öfter hintereinander gespielt. Gegen zwölf Uhr sagt der Arbeiter Max Lukas— aus Neukölln. Schönweidestraße, 34 Jahre alt, verheiratet, zwei Kinder, stets parteilos gewesen— zu den SA.-Leuten:„Kinder, hört doch mit dem dämlichen Gesinge auf!" Die SA.» und SS.-Leute haben dies Ansinnen nach ihrer Aussage als eine Beschimpfung der nationalsozialistischen Idee empfunden. Sie vermögen das jedoch im^ erfahren nicht näher zu begründen. Es kommt jedenfalls in der Nacht zu einem heftigen Wortwechsel. Die Uniformierten verlangen von Lukas, daß er sich in aller Form entschuldige. Der lehnt das ab, weil er niemanden und nichts beschimpft habe. Darauf schleppen ihn die sechs auf die Straße. Dort wird er mit Fäusten und mit Gummiknüppeln so lange geschlagen, bis er bewußtlos am Boden liegt. Das dauert, nach Aussage der Zeugen, eine halbe Stunde, möglicherweise hat es auch fünf Minuten länger gewährt. Den Arbeiter Lukas, den sie für tot halten, packen die sechs an Schultern und Beinen, schleppen ihn die Lahnstraße herunter bis zur Brücke. Dort werfen sie ihn in den Schiffahrtskanal. Das Wasser steht nicht tief, es ist ja Winter. Die Kälte bringt Lukas wieder zum Bewußtsein. Er schwimmt und es gelingt ihm nach einiger Zeil, das Ufer zu erreichen. Die sechs haben von der Brücke, die in der Verlängerung der Lahnstraße über den Kanal führt, beobachtet, daß Lukas durch das eisige Wasser wieder zu sich kommt. A s er as Ufer erreicht, greifen sie ihn sofort. Sie schlagen etwa Ii Minuten auf ihn ein. dann ist er tot. Sie nehmen ihre Messer— auf denen nach der Anklageschrift„Blut und Ehre" steht- schlitzen dem Lukas den Bauch von oben na unten auf. schneiden ihm die Geschlechtsteile ab. i der Leiche die Kleider herunter, zerfetzen den Korpei- mit Messerstichen, fünfzehn werden später bei der Auktion allein auf dem Rücken gezählt. Den fast nackten Le Jnam schleifen sie am Ufer entlang und dann ubers Feld,< e werfen ihn vor den Straßenbahnhof e!>uschweg. Die Identitätspapiere des Lukas nehmen sie an sich. Vorauf sich in ihre Kasernen begeben. Der Vorfall ist beobachtet worden, doch hat es niemand gewagt, SA. und SS in den Arm zu fallen Immerhin- die Polizei wird sofort benachrichtigt. Um 12« Uhr bereits werden Pansegrau und Ochsenfort in der Kaserne«Bawinkel", die anderen kurz darauf in ihrem Lokal auf dem Hafengelände verhaftet Die Kameraden der sechs in den Kasernen widersetzen sich der Festnahme, dem ruhigen nachdrücklichen Verhalten des Polizeioffiziers gelang es jedoch, die Leute herauszubekommen. Am anderen Morgen bereits, am Sonntag, den 3. Dezember, verlangt die Feldpolizei, die im ehemaligen Generalkommando auf der General Papestraße domiziliert und der SA. und SS. als Disziplinarbehörde unterstehen, vom Polizeiamt Neukölln die Herausgabe der sechs. Gleichzeitig werden die Zeitungen über die Reichspressestelle dahin informiert, daß sie über diesen Fall nicht berichten dürfen. Am Montag, am 4. Dezember, verlangt der Untersuchungsrichter die Herausgahe der Gefangenen zwecks Vollstreckung des inzwischen erlassenen Haftbefehls. Die Feldpolizei lehnt das ab. Noch am Nachmittag des gleichen Tages verlangt der Staatsanwalt von Haacke von der Zentralstaatsanwaltschaft aus demselben Grund die Herausgabe. Die Feldpolizei lehnt ab. Am Abend des 4. Dezember ersucht der Justizminister Kerrl, der von den Justizbehörden alarmiert wurde, vom Gruppenführer Ernst, daß er für die Auslieferung der sechs sorge. Ernst muß dem Minister melden, daß er dem Wunsch des Ministers nicht habe nachkommen können. Die Feldpolizei hat sein Ansuchen abgelehnt. Dienstag, am 5. Dezember, beschließt ein Ministerrat unter Vorsitz des preußischen Ministerpräsidenten Göring, daß die sechs des Mords Beschuldigten an die Gerichte auszuliefern seien. Die Auslieferung soll am Mittwoch erfolgen. Am Mittwoch früh leben von den sechs nur noch vier. Zwei werden in der Zelle der Feldpolizei-Kaserne erhängt aufgefunden. Eine Aufklärung dieses Vorfalls in der General Papestraße ist offenbar nicht versucht worden, in den Akten ist nicht davon die Rede. Auch die Namen der beiden Toten finden sich nicht. Nach dem Rapport der Brigade soll der eine der Sturmfiihrer Friß Krause vom Sturmlokal„Kaiser- Friedrich-Turm" in der Kaiser Friedrichstraße zu Neukölln gewesen sein. Der andere ein gewisser Richard Hamann, der viele Jahre Führer des Rotfrontbunds und der Antifa, Neu- Nefle kleine Beschlagnahme In der Reichshauptstadt, Unter den Linden 3, haben seit alten Zeiten zwei bekannte Berliner Klubs ihren Sitz, die .,Ressource von 1784" und der„Klub von 1880". Klubs im Berliner Sinn. Dort aß man gut, dort wurde bin und wieder einmal getanzt. Vor allem aber— dort wurde gespielt. Hoch. Sehr hoch! Zehntausende wurden dort jeden Abend umgesetzt. Das war bekannt. So bekannt wie der Umstand, daß die Klubmitglieder in der Hauptsache nicht- arischen Geblüts waren. Die anderen waren im„Union- Club". Und in der„Deutschen Gesellschaft von 1914", da war man so wohl als auch. Das Dritte Reich brach auf. Es wurde zu Berlin höher gespielt als je zuvor. Nicht gerade im„Klub von 1880", da hatte man andere Sorgen. Vielmehr in jenen luxuriösen Räumen, wo wenige Wochen vor der Umwälzung offiziell das Braunhemd dem Smoking gleichgesetzt und zugelassen wurde. Den Klubs Unter den Linden 3 fiel die Zeit auf die Nerven, sie verlegten ihren Sitz nach der Viktoriastraße. Sie benahmen sich in den neuen Räumen höchst unauffällig, gespielt wurde nicht mehr, man saß halt beisammen und tauschte die zeitgemäßen und unausbleiblichen Sorgen aus. Der Polizeipräsident von Berlin aber verfügte die Schließung. Vor einigen Tagen wurde vor dem Stadtverwaltungsgericht die Sache verhandelt. Die Klubleitung führte an, kölln war, Anfang 1932 zur NSDAP, übertrat und sich erstmalig als Belastungszeuge gegen seine ehemaligen Kameraden in dem Prozeß wegen der Ermordung des Gastwirts Böwe in der Richardstraße zu Neukölln bewährte. Die Abendzeitungen des 5. Dezember berichteten kurz, daß in der Nähe des Straßenbahnhofs fylittelbuschweg ein Lustmord an einem Unbekannten geschehen sei; die vier als Schuldige Festgestellten wurden im beschleunigten Verfahren abgeurteilt. Am 19. Dezember stehen die vier Ueberlebenden vor dem Schwurgericht Berlin unter der Anklage wegen Mords. Unter Hinweis auf die Begleitumstände wird die Öffentlichkeit„wegen Gefährdung der Sittlichkeit" für die ganze Dauer der Verhandlung ausgeschlossen. Aus den Akten geht nur hervor, daß Pansegrau und Ochsenfort bereits im April 1933 unangenehm aufgefallen sind. Als das Haus des Verbands für Freidenkertum und Feuerbestattung e. V. in Berlin SO., Gneisenaustraße, von der SA. besetzt wurde, hatten sie aus dem Magazin des Verbandes einen Sarg genommen und einen Verbandsangestellten hineingeworfen. Den geschlossenen Sarg hatten sie dann durch die Straßen gefahren Der Angestellte ist jetzt, wie in den Akten vermerkt wird im Irrenhaus. Weiterhin sagen die Akten, daß ein Anlaß, gegen Pansegrau und Ochsenfort vorzugehen, damals nicht als gegeben erachtet worden sei. Von den vier Angeklagten wurden je zwei zu 15 und 14 Jahren Zuchthaus verurteilt. Wegen gemeinschaftlichen Mordes. Die Zeitungen vom 20. Dezember geben das Urteil kurz wieder, sie erwähnen jedoch weder durch Wort noch durch Andeutung, daß es sich um Angehörige der SA. und SS. handelt, auch die Kasernen werden nicht erwähnt. Auf Anweisung des Justizministeriums hat der Staatsanwaltschaftsrat von Haacke gegen da» Urteil Revision angemeldet. weil hier Todesstrafe am Platze sei. Ueber die Revision ist unseres Wissens noch nicht entschieden. Es scheint, daß der Fall Lukas auch in den Kreisen der braunen Bataillone Eindruck gemacht hat. Denn in dein Rapport heißt eg, daß die Führung der Brigade 31, welche die SA. und SS. von Berlin-Südost umfaßt, nunmehr energisch durchgegriffen habe. Insbesondere habe der Stabsführer Karl Ose aus der Bergstraße in Neukölln eine erhebliche Anzahl von„Schlägern"„disziplinieren" lassen. Unter der Disziplinierung ist offenbar der Abtransport nach Oranienburg zu verstehen. daß das Spie] völlig eingestellt sei und daß man sich nur noch zu geselligen Zwecken treffe. Die Stadtverwaltungsrichter aber bestanden auf der Schließung,„weil ein großer Teil der Mitglieder des Klubs von 1880 nach den Anschauungen des Dritten Reichs nicht einwandfrei sei". Welche Einwände gegen das gesellige Zusammensein von Nichtariern vorgebracht werden könnten, wurde nicht gesagt. Sie sind generell und von Geburts wegen„nicht einwandfrei", also ist ihnen keine Art und keine Form von Geselligkeit zu gestatten. Sagte das Gericht. Der Polizeipräsident von Berlin bemühte sich nicht so sehr, eine Begründung zu finden. Er erklärte kurz und bündig die Auflösung des„Klubs von 1880" und beschlagnahmte das Klubvermögen. Dies Klubvermögen aber— so berichtet die unverdächtige Berliner Börsenzeitung— umfaßt 4 Millionen Mark! Der Klub wird aufgelöst, weil der Herr Polizeipräsident diese nette kleine Summe gebrauchen kann. Sagt er selbst. Wenn die Nicfatarier morgen wieder einen Klub aufmachen wollen, so steht dem— anständige Finanzierung vorausgesetzt— «ifenbar nichts im Wege. Wenn dann in einiger Zeit das Klubvermögen wieder ansehnliches Format gewonnen hat, so wird sich schon ein Anlaß finden, der zur Auflösung des Klubs zwingt, mit der die Beschlagnahme des Vermögens dann unabwendbar verbunden ist. Ob Sie et glauben oder nicht— der neue Klub ist schon in Gründung!„Faites votre jeu, Messieurs.. Braunbuch II Dimitroff contra Gering Bei Edition* du Carrefour erscheint, in den nächsten Tagen: Braunbuch II, Dimitroff contra Göring", die erste Darstellung in deutscher Sprache des Reichstagsbrandprozesses. Das Buch gibt neues und unbekanntes Material über den Reichstagsbrand und enthält einen Originalbeitrag von Georgi Dimitroff: Wag wollte Hitler mit dem Reichstagsbrand? Wir drucken mit Erlaubnis des Verlags folgenden Abschnitt daraus ab: Georgi Dimitroff, ein Held unserer Zeit 3~cr Band B 6er geheimen Anklageschrift führt die Be- Zeichnung:„Die Bulgaren". Unter diesem Sammelbegriff waren die drei bulgarischen Kommunisten Dimitroff, Poposs u>td Taness der Mittäterschaft am Reichstagsbrände beschul- digt und mit diesem Sammelbegriff wurden sie bis zur Er- öifnung deb Prozesses in der groben Weltpresse bezeichnet. Am 3. Verhandlnngstaqe begann die Vernehmung Georgi Dimitrosf». Mit diesem Tage löste sich der Name Dimitrosf aus dem Sammelbegriff. Dimitroff ivurde zur Hauptfigur des Prozesses, zum Helden für die Millionen Antifaschisten in und außerhalb Deutschlands, zum bewunderten Kämpfer, dem auch die politischen Gegner den Respekt nicht versagen konnten. Der Vorsitzende eröffnete die Befragung Dimitrofss mit der Erklärung, daß der Angeklagte sich in der Voruutcr- suchung undiszipliniert benommen hätte und daß er besser täte, sich vor Gericht anders zu benehmen Die Antwort Dimitroff» auf diese Erklärung des Präsi- deuten war: „Wenn Sie unschuldig wären, wie ich, und wenn man Sie sieben Monate im Gefängnis gehalten hätte, davon fünf Monate Tag und Rächt in Ketten, Tic würden, Herr Präsi- dent, verstehen, daß man nervös werden kann." Diese ersten Sätze leiteten einen Kamps ein, der drei Monate die Verhandlungen des Gerichts ausfüllte und nur durch die Ausschlüsse Dimitrofss unterbrochen wurde. Keine Drohung des Vorsitzenden, kein Entzug des Wortes, keine Entfernung aus dem Gerichtssaal konnten Dimitrosf davon abbringen, den Weg zu gehen, den er zu seiner Verteidigung für notwendig hielt. Der„Petit Parisien" vom 24. Septem- ber hat die Vcrtcidigungsmethoden Dimitrofss mit einem Satz vollständig charakterisiert: „Dimitrosk antwortet nicht auf tragen, er greift an." Mit dieser Methode reißt Dimitrosf faktisch die Führung der Verhandlung an sich. Der kleine TenatSpräsibent oben ist ein alter Routinier. Man saat ihm nach, daß er mit allen Sckwie- rigkeiten in der Verhandlung spielend fertig werden könne. Dem Revolutionär Dimitroff ist er nicht gewachsen. Er will verhindern, daß Dimitrosf eine Erklärung abgibt, bevor er sich— wie die Vorschrift es verlangt— zur Person äußert. Dimitroff tut ihn mit einer Handbewegnng ab: „JA bin ein proletarischer Revolutionär. Ich gehöre nicht zu der Sorte von Sozialisten, zu welcher der deutsche Krön- prinz gehört. Ich bin ein Revolutionär aus Ueberzeugung. Ich bin Mitglied des Zentralkomitees der bulgarischen Kommunistischen Partei und des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale. Ich bin also einer der Führer der kommunistischen Bewegung und als solcher übernehme ich jederzeit die volle Verantwortung für alle Entscheidunqen, alle Dokumente, alle Handlungen der buk- garischen Kommunistischen Partei und der Kommunistischen Internationale. DaS aber auch ist der Grund, warum ich kein terroristischer Abenteurer bin. Ich bin ein entbn- siast'icher Anhänger der proletarischen Revolution, weil ich in ibr den einzigen AuSweg aus der Krise sehe. Diese Worte werden im Gcrichtsiaal des„dritten Reiches" gesprochen. Die Dialektik der Geschehnisse hat den Faschis- mus gezwungen, dem Kommunisuihs. dem er das Wort für immer verbieten wollte, selbst die Tribüne zu stellen, von der aus die Prinzipien des Kommunismus verkündet wer- den. Der Kommunismus ist von der Hitler-Regierung zum Freiwild erklärt. Aul den Kommunismus steht in Hitler- Deutschland der Tod. Und nun erhebt sich seine Stimme mit- ten im faschistischen Deutschland. Die Stimme dringt über diesen Gerichtssaal hinaus. Sie pflanzt sich fort, sie uerviel- sacht sich. Sie erreicht— getragen von Hunderttausende» und Millionen kleiner illegaler Fluaschriiten— daS Haus dcS deutschen Arbeiters. Tie dringt durch die Wände der saschi- stischcn Gefängnisse und Konzentrationslager. Tie gibt Hoff- nung denen, die der faschistische Terror zum Verzagen ge- bracht bat. Tie verleibt Mut den Kämpfern, die am Erliegen sind. Tie erfüllt die Herzen derer, die die Kahne des anti- faschistischen Kampfes nicht auS der Hand gelegt haben, mit Krende und Stolz auf ihren Mitkämpfer und Kübrer. Dimitroff verspricht denen, die ihm foloe». keine Wunder. Er sagt unerbittlich und unermüdlich die Wahrheit. Ter KaschiSmuS lcunnet den Klassenkampf. Der Kamvs. der zwischen Dimi- iroff und dem Gericht tobt, ist ein Stück dcS Klassenkampfe?, der im Lande draußen in den verschiedensten Formen mit unerbittlicher Schärfe weitergeht. Es wird im Gerichtssaal davon gesprochen, daß Dimitrosf in Bulgarien zum Tode verurteilt sei. Dimitroff antwortet: „Ich habe gehört, daß ich in Bulgarien zum Tode verur- teilt bin. Nähere Erkundigungen habe ich darüber nicht eingezogen, denn das interessiert mich nicht." Tie Zuhörer fühlen, daß dieser Satz von Herzen kommt. Dimitroff gehört in die Reihen jener Revolutionäre, die im zaristischen Rußland mutig dem Henker und der sibirischen Verbannung trotzten, die im faschistischen Teutschland in illc- galen Verstecken und Kellern, von Hitlers Schergen gehetzt, den zähen und opferreichen Kamps gegen das faschistische Re- gimc leiten, die mutig und ungebrochen da? Schal'ott vestei- gen und deren Namen die internationale Arbeiterklasse mit Bewunderung und mit Stolz nennt. Der General Göring hat vor Gericht die Kommunisten „Henkersknechte und Büttel der verkommensten sadistischen Auffassung, die überhaupt in menschlichen Hirnen Platz haben kann." aenannt. Nun steht einer ihrer Führer vor Gericht und erklärt, jederzeit die volle Verantwortung für alle Eni- schcidnnaen der Kommunistischen Internationale zu übern eh- men. Sein Austreten vor Gericht ist so eindrucksvoll, daß die Londoner„Times"— unzweifelhaft dem General näher als den Kommunisten— schreibt: „Dem Bnlaaren scheint natürliche Würde angeboren." Die bäuerliche Welt steht vor einer unerklärlichen Erschei- vuna. Sie wird in dieser Form zum ersten Male mit dein Kommunismus konfrontiert. Der Bürger verflicht sich hin'er den Boomst des Wunders zu verschanzen. So wie er kür van der Lübbe die Bezeichnung„da? Rätsel van der Lübbe" erkand, so gibt er Dimitrosf den Beinamen,„das Wunder Dimitroff", obwohl nichts Wunderbares an diesem Mann ist. Die Worte, die Dimitroff spricht, sind ihm von keiner „höheren Macht" eingegeben. Tie sind das Ergebnis eines dreißigjährigen Kampfes auf Seiten der Arbeiterklasse, das Ergebnis eines breißigiährigcn theoretischen und praktischen Studiums der Arbeiterbewegung. Aus seiner revolutionären Arbeit strömt ihm das Wissen, die Kenntnis und die Er- kenntnis zu. Aus seiner revolutionären Arbeit ist er— ob- wohl durch Kerkermaueru und Polizeiwand von der Außen- ivelt abgeschlossen— zutiefst mit den Massen draußen vor- bundcn, die zum gleichen Ziele drängen wie er. Diese Ber- bundenheit verleiht ihm die Kraft für sein Auftreten vor dem Reichsgericht. Er reißt nicht nur die Führung im Ge- richtssaal an sich, er unterjocht sich nicht nur den faschistischen Senat. Er zwingt die Gegner in der ganzen Welt zu höchster Bewunderung. Und damit zugleich zur Erkenntnis, daß es gegen diese Kraft auf die Daner keinen Widerstand gibt. DaS fchwcdische Blatt„Göteborgs HandclStidning" schrieb am Tage nach Dimitrofss Aussage: „Der Prozeß in Leipzig kann einen großen Nagel in den Sarg des Tnstems schlagen." Die revolutionäre Energie Dimitrofss sprengt den Rah- men der Verhandlung. Die Hitler-Ncgicrung wollte einen Prozeß gegen den Kommunismus machen. Nun wird ihr von Dimitrosf der Prozeß gemacht. Die Mutter Dimitroffs Während sich dieser unerbittliche, atemberaubende Kamps zivifchen Timitrois und dem faschistischen Gericht abspielt, sitzt in der vierten, fünften Bank der Zuhörer eine alte Frau. Jeden Morgen, eine Viertelstunde vor Beginn er- scheint sie iu Begleitung zweier anderer Frauen, nimmt ihren Platz ein und verfolgt die Vorgänge im Gerichtssaal mit gespannter Aufmerksamkeit. Sie ist in ein schwarzes Tuch eingehüllt. Tiefes Tuch umrahmt ein spitzes, faltiges Gesicht, in dem zwei glühende, dunkle Augen sofort den Blick auf sich ziehen. Die gleichen unerbittlichen und doch strahlenden Auge» blicken aus Dimitrofss Gesicht. Die alte Frau ist Paraschkewa Dimitrowa, die Mutter Georgis. Sie ist zwciundsiebzig Jahre alt. Sie hat Bulgarien vcr- lassen, als der Prozeß begann. Tic fuhr zum ersten Male in ihrem Leben mit der Eisenbahn. Um wegreisen zu kön- neu. mußte sie eine Steuerschuld im Betrage von ungefähr einhundert Mark entrichten. Die Dimitrofss sind arm. Ein- hundert Mark sind eine unerschwingliche Summe. Tie Ar- heiter Sofias, die von Hnngerlöhnen leben, haben diese hun- dert Mark in einer Viertelstunde aufgebracht. Wo Dimitrofss Mutter hinkam, eiupsina sie ein mächtiges Gefühl der Liebe und Solidarität. Tie Pariser Arbeiter holte» die Mutter ihres Dimitrosf vom Bahnhof ab. Zehntauscnde von ihnen kamen, um die Mutter Dimtroüs in einem Meeting zehü Worte in einer fremden Svrache sprechen zu hören. In Leip- zig und Berlin erhielt sie täglich Hunderte von Briese». Tie deutschen Arbeiter versicherten die Mutter Dimitrofss ihrer unverbrüchlichen Tolidaritä! mit ihrem großen Sohne. Sie verstand kein Wort der Sprache, die im Gcrichtssaal gesprochen wurde. Aber sie beariki alles. Manchmal mitten in der Verhandlung wandte sich Georgi Dimitrosf um und blickte nach der Mutter. Die beiden verständigten sich mit einem Blick. Die Jugend Dimitroffs Georg! Dimitroff ist der älteste Sohn dieter«"'rechten alten Frau. Der Vater, mazedonischer Arbeiter, uiuß:e slüch- len, als die Türken die großen mazedonischen Pogrome ver- anstalteten. Als Emigrant mußte er in Radomir, später in Sofia, den Lebensunterhalt für zehn Menschen verdienen. Die Fran Paraschkewa hatte ihm sechs Söhne und zwei Töch- ter geboren. Die Jugend des Georgi Dimitroff ivar hart. Die mazedonischen Emigranten waren der Tpielball der Polizei. Man jagte sie von Ort zu Ort. Wenn der junge Dimitroff aus den Hof herunterkam, um mit den Kindern der Rachbarsamilien zu spielen, so sielen sie über ihn her und schlugen ihn. ES war nicht leicht, den jungen Georgi zu schlagen. Er griff oft an, bevor die Bande über ihn hersallen konnte. Vom ersten Tage, wo er denken konnte, wurde sein Denken von der Poli- tik geformt. In der Schule saß er auf der letzten Bank, weil er Mazedonier und der Sohn eine» Arbeiters war. Die Polizei kam oft ins Haus. Ter Vater mußte oft zur Polizei. Wenn der Pater seine Arbeit ablieferte, so fand der Brot- Herr immer einen Grund, Ihm etwa? abzuziehen. Ter letzte Grund war, daß er Mazedonier war. Der junge Georgi Dimitrosf lernte da» Unrecht frühzeitig kennen. Seine Mut- ter wollte ihn studieren lassen. Tie, die nicht lesen und schrei- ben konnte, aber die im L-ben las und sich zurecht fand ivie nur wenige, sie wollte nicht, daß ihr Tobn Arbeiter werde ivie der Vater. Sie dachte, daß Tchule und Bildung ihm ein besseres Lebe» eröffnen müßten. Tie mußte ihre Pläne ans- geben. Zehn Menschen wollten essen. Ter junge Georgi Dimitroff ging mit dreizehn Jahren zur Arbeit. Er wurde Druckerlehrling. Georgi Dimitroff stand täglich zwölf Stunden am Tetz- kästen. Des Nachts arbeitete er beim trüben Licht einer Petroleumlampe an seiner Fortbildung. Die Druckerei- arbciter Bulgariens gehörten zur Elite der Arbeiterschaft. Hier geriet Georgi mit einer neuen, unermeßlichen Gedankenwelt in Berührung. Hier formten sich seine ersten Er- kenntnisse vom sozialen Leben. Er war wenige Monate im Betrieb, als ein Streik in der Druckerei ausbrach. Dieser erste Kamps der Arbeiterschaft, an dem er praktisch teilnahm, gab seinem Lebe» die Richtung. Im Jahre 1899 wurde in Sofia die Bttchdruckergeiverk- schalt gegründet und der junge Dimitroff mar unter ben Mitbegründern. Mit sechzehn Jahren schrieb er seine erste Broschüre über„Die Geiverkschastsorganisation als Kampf- wassc der Arbeiterklasse". In den Jahren 1900 bis 1003 wuchs innerhalb der Buch- drnckergewerkichait unter Dimitrosf? Fübrnnq der revolu- tivnäre Flügel, der 1008 eine revolutionäre Gewerkschasts- vereinigling der Buchdrucker bildete. Im gleichen Jahre trat Dimitroff in die sozialdemokratische Partei Bulgariens ei», wo er vom ersten Tage zum linken Flügel, zu den iogenann- tcn TeSnjackcn idcn Enaherzigonj gehörte. Tie Desniaken bildete» den Kern der späteren Kommunistischen Partei Bulgariens. 1904 wurde unter der aktiven Teilnahme TiuiitroitS die revolutionäre Föderation der bulgarischen Gewerkschaften gegründet. Dimitrosf wurde in den Zcntralrat dieser Föderation gewählt. 1007 machte ifin daS Vertrauen der Aewerk- ichastsmitqlicbcr zum Sekretär. In dieser Eigenschaft hat Dimitroff einen scharfen prinzipiellen Kamps gegen den reformistischen Flügel der Gewerkschaftsbewegung geführt und dessen Einfluß in den Inbustrieverbanden nahezu völlig verdrängt. Unter der Führung Dimitrofss^entwickelten nch im Lande zahlreiche Kämpfe, deren wichtigste die Bcrg^ arbeitcrstreiks,n Pernik— dem bulgarischen Ruhrgebict und in den Kupsergruben von Ielliseina waren. I« seiner Eigenschaft als Gewcrkschastösekretär schrieb Timitrosi eine große Anzahl von Broschüren, die den Problemen des Klos- senkampies gewidmet waren. Tie Statuten der bulgarnchcn Gewerkschaftsbewegung sind sein Werk. Dimitrosf wurde von den bulgarlichen Arbeitern in den Stadtrat von Sofia und 1013 in das bulgarische Parlament gewählt. Line Familie von Revolutionären Acht Kindern hatte Paraschkewa Dimitrowa das Leben geschenkt. Sie haben sich alle in den proletarischen Kampf eingereiht... Ter zweite Sohn, Nicolai, wanderte 1907 nach Rußland aus, um dort das Buchbinderhandwerk zu erlernen. Er suchte und fand schnell Anschluß an die revolutionäre Arbeiter- bcivegung. 1909 von einem Polizeispitzel verraten, wurde er nach Sibirien verbannt. Er erlebte die Oktaber-Revoluiion nicht mehr. Anfang 1917 starb er in der sibirischen Ver- bannung. Tie Tochter Magdalena, wie Georgi auch jung dazu ver- urteilt, in Fron zu gehen, erwarb ihren Lebensunterhalt als Näherin. Sic war eines der erste» weiblichen Mitglieder der bulgarischen Schneidcrgeivcrkschatten. Tie spielt auch heute noch in der bulgarischen Gewerkschaftsbewegung eine hervorragende Rolle. Der dritte Sohn. Konstantin, war das zweite Opfer, das die Paraschkewa Dimitrowa dem Imperialismus zu zollen hatte. Ihr Sohn Konstantin siel im Balkankricg. Der nächste Sohn. Boris, Eisenbahnarbeiter, verbrachte und verbringt sein Leben zivifchen Eisenbahnwerkstatt und Gefängnis. Vor einem Jahr erst wurde er aus den Gc- sängnishöllcn des bulgarischen Faschismus entlassen. Der Hingste Tohn, Theodor, starb von den Händen der bulgarischen Polizei. 1923 nach dein Attentat aus die Sofioter Kathedrale wurde er aus der Straße verhaftet. Der Ver- Haftung ging ein Kamps voraus, in dem ein Polizist ver- mundet ivurde. Die Polizei setzte alles daran, einen bei Theodor Dimitroff gefundenen Zettel zu dechiffrieren. Tic schlug Theodor drei Tage und drei Nächte, um ihn zn einer Aussage zu bringen. Aber sein Mund blieb verschlossen. Die Polizei hat ihn im bulgarischen Gefängnis erschlagen. Die süngste Tochter der Paraichkewa Dimitrowa. Elena, war Mitglied der Kommunistischen Jugend und später der Kommunistischen Partei Vulgariens. Sic kennt Bulgariens Gefängnisse, wie ihre Brüder sie kennen. Sie hat kurze Zeit nach der Verhaftung ihres BruderS Georgi eine Reise durch die europäischen Länder gemacht, um die Arbeiterklasse für die Befreiung der unschuldig Angeklagten auszurufen. Der achtzehnjährige Neffe Dimitrofss wurde 1988 zu zwei Jahren Gefänanis verurteilt, weil er am Vorabend von Karl Marx' Gedenktag revolutionäre Losungen an die Mauern ber Sofioter Häuser malte.~ Ljubow Dimitrowa Die LcbcnSgcschichic TimitroHs wäre unvollständig ohne de» Bericht über seine Ehe. Dimitrosf war seit 1005 mit einer serbischen Arbeitertochter. Ljnbow Iwoschewitsch verheiratet. Lindow kannte gleich ihm die Schattenseiten des Lebens. Gleich ihm hat sich in harter Arbeit ihre politische Entwick- lung vollzogen. Mit vier Jahren schon war Ljuboiv Iwosche- witsch Waise. Sie wuchs bei einer Tante aus» die sich als Näherin mühselig ihr Leben verdiente. Liuboiv mußte als sechsjähriges Kind schon Näharbeit verrichten. Tic Tante war dem Alkohol verfallen. Sie vertrank nahezu alle?, was durch Näharbeit mühselig verdient wurde. Tie machte es sich zur Gewohnheit, die junge Ljubow täglich zu schlagen. DaS junge Mädchen flüchtete mit zehn Jahren aus dieser Marter- Hölle und führte vier Jahr das furchtbare Leben dcS Heimat- losen Prolctaricrkindes, das aus Stiege», unter Brücken, in Kellern schlief und durch ZufallSarbeit gerade daS Brot per- diente. Mit vierzehn Jahren gelang es ihr, eine feste Stellung in einem Tchncideraiclier zu finden. Hier trat sie In Berührung mit dem politischen und gewerkichafttichen Leben der serbisch?» Arbeiterklasse, das damals nicht so hoch entwickelt ivar wie das der bulgarischen. ES zog sie nach Bul- garien. Tie wanderte mit siebzehn Jahren aus, arbeitete in Rustschuk in einer Wäicherabrik. Vor ihrer Auswanderung schon war sie Mitglied der serbischen Arbeiterpartei geivesen. Tie fand i» Bulgarien schnell den Anschluß an die b»l- garifche Sozialdemokratie. In der Bewegung lernte sie Dimitroff kennen. Liuboiv Iwoschewitsch arbeitete nnermüd- lich in der Gewerkfchg't der Schneider und Wälchenäher. Tie wurde Redakteur in der Gewerkichastszeituna, ebenko wie Tiuiitrvts Redakteur des„Raboiniicheski Wicstnik" lArbei- terzeituitgl wurde. Im Licht der Petroleumlampe saßen sie oft an einem Tisch und schriebe» die Artikel für ihre Zeituu- gen. Ljnbow Iwoschewitsch entwickelte sich im Laufe der Iabre nicht nur zur hervorragenden politischen Mitarbci- icrin DimitroHS, sie wuchs darüber hinan? zur Dichterin der serbischen Arbeiterklasse. Dieses Proletarierkinb hat den Kampf der serbi'chen Arbeiter in Liedern geschildert, die beule»och von ihnen gesungen werden. Vier Gedichtbände, in serbischer, bulgarischer und russischer Sprache erschienen, sind vom Werk dieser Zlrbaiterdichteriu erhalte» geblieben. Die Nachricht von der Verbaftuna Dimitrofss traf sie mit furchtbarer Gewalt Tic. deren Gesundheit und Körperkraft in den langiährigen. aufreibenden Kämpfen in Bulgarien und in der Emigration untergraben waren, konnte diesen Schlag nicht ertragen. Sie starb wenige Monate nach der Verhaftung Dimitrofss. Sie starb an der Provokation, di« gegen ihren Mann geplant i»ar. Sic hat sich in ihrer Arbeit und tu ihrem dichterischen Schassen ein Denkmal errichtet. Dies Kind- kein Endel Ist so rein! Das„Enfant tcrriblc" der Hltlrrregicrung, Alfred R o-- fett 6er(t, läßt in einer Presseerklärung verkünden, daß er niemals einen Plan eines GewaltstreicheS auf Memel ans- gearbeitet habe. Diese Meldungen dienten nur dazu, von de* angeblichen litauischen Geivaltmaßiiabmen abzulenken. Wie konnte man auch nur den lilienreinen Alfred Rosen- berg beschuldigen! Hat er doch während deS Krieges aus der Gegenseite für Rußland und geaen Deutschland im Baltikum gestanden—»nb setzt sollte er umgekehrt Gewaltpläne schmieden zur Eroberung de» Baltikums kür Hit- ler?!—: Das können nur wiederum die böse» Franzosen, Marxisten, Inden oder- Radfahrer erfunden haben! Deutsche Stimmen• föeilage cur„Deutschen Freiheit'• Ereignisse und Geschichten BJiaLamgBM Sonntag-Montag, d*n». und Z». April 1734 JCäeg gegen Der tschechische Künstlervereiu„Mänes", die repräsentativste Kunst Vereinigung der Techechoslowakei, veranstaltet gegenwärtig in Prag eine Internationale Karikaturen- Ausstellung. Tschechische, französische, englische, amerikanische und belgische Künstler sowie etliche deutsche Emigranten haben ihre Arbeiten ausgestellt. Das Hauptgebiet der Karikaturen ist selbstverständlich die Politik. Die Karikatur macht vor niemandem Halt, auch nicht vor dem Staatspräsidenten der tschechoslowakischen Republik, vor Masaryk, der ebenso wie Edvard Benesch, das Schicksal, karikiert zu werden, mit humorvoller Fassung zu tragen versteht. Weniger Fassung bringen die Diktatoren Europas auf. Als erster meldete sich der deutsche Gesandte, der ehemalige Demokrat Koch, in offizieller Note gegen die Ausstellung. Namentlich eine Fotomontage von John Heartfield hatte es ihm angetan: eine Röntgenaufnahme des Führers. Man sieht schöne runde Goldstücke in den Magen de« Führers gleiten, aber aus seinem Munde kommt Blech, ordinäres, gewöhnliches Blech. Diese Fotomontage und besonders die nterschrift: Frißt Gold, redet Blech, erregte den Unwillen des Gesandten. Das Außenministerium wandte sich an den Künsterverein und bat um Entfernung des Bildes; aber der ^ erein gab nicht nach. So griff die Polizei ein, eine Unter- Buchungskommission begab sich in die Ausstellung und begutachtete die Karikaturen. Das Kompromiß, eine Karikatur Dörings aus dem Schaufenster der Ausstellung zu entfernen, gefiel dem Gesandten nicht und so verfügte denn die Polizei die Entfernung des Hitlerporträts von John Heartfield und etlicher anderer Bilder, darunter besonders des Hindenburg- Porträts von Schukajew, Paris. Das Einschreiten des Gesandten Koch und der tagelange Zweifel, ob Hitler weggehängt werde, machte der Ausstellung eine Riesenreklame. Sie wies und weist einen Rekordbesuch auf, denn auch das, was geblieben ist, reicht noch immer >us. um den Antifaschisten Vergnügen und befreiendes Lachen zu bereiten. Kaum hatte der Gesandte Koch für John Heartfield« Rubin »ich so erfolgreich eingesetzt, meldete«ich— der österreichische Gesandte Marek. Auch er war gekränkt und bean- Jüdische Sc standete die Kunstgattung der Karikatur. Da für die Tschechen das altösterreichische Wappen, der Doppeladler, so ungefähr das Hoheitssymbol ist, das sie am meisten verachten, beschwerte sich Marek über die Verächtlichmachung des Doppeladlers, die ebenfalls Heartfield begangen bat. Weit mehr erregte ihn noch eine Zeichnung des tschechischen Künstlers Frantisek Bidlo:„Charitas". Man sieht den Galgen und den Henker. Ein schwerverwundeter Delinquent wird, sorgfältig verbunden, von Arzt und Krankenschwester betreut, zur Justifizierung emporgehoben. Kein Wort, kein Strich sagt, daß dieses Bild ein österreichisches Ereignis abbildet; aber der Gesandte hat sich dennoch getroffen gefühlt und des Bildes wegen protestiert. Der Gesandte Marek hat eich nun nicht allein damit begnügt, politisch zu protestieren, er hat gleichzeitig erklärt, daß die von ihm gerügten Kunstwerke ohne jeden künstlerischen Wert seien. Was über die Kompetenzen eines Gesandten immerhin hinausgeht. Wenigstens findet das der Künstlerverein„Mänes", dessen sachliche und strenge Jury ihren guten Ruf hat, und was schließlich ein Gesandter kann, nämlich beim Außenministerium protestieren, das kann ein Künstlerverein auch. So hat denn der Verein..Mänes'" gegen den Kunstkritiker und Gesandten Marek beim Außenministerium protestiert und um die Zurückweisung der ästhetischen Meinungen des österreichischen Gesandten gebeten. Inzwischen steigt der Besuch der Ausstellung von Tag zu Tag und die protestierenden Gesandten werden ausgelacht. Dieses Gelächter hat die Gesandten vorsichtig gemacht. So konnten täglich im„Befreiten Theater" die schönsten Strophen gegen Hitler und Dollfuß gesungen werden und nun wird gar noch, über vielseitiges Verlangen, das witzige Anti-Hitler-Stück „Der Esel und sein Schatten" neuerlich aufgeführt. Aber da es gegenwärtig außer Deutschland und Oesterreich sonst noch Faschismus gibt, was man aus der Karikaturausstellung lernen kann, meldet sich soeben noch der polnische und italienische Gesandte zum Protest. Nur der portugiesische schweigt, nicht etwa weil sein Faschismus auf festeren Füßen steht, sondern weil der in Prag wirklich nicht karikiert worden ist. F. B. Die„geringsten Bedenken" Der Ausschluß jüdischer Kinder von den höheren Schulen *ürd nach dem neuen Erlasse des preußischen Unterrichts» minister« vom 7. April bald in vollem Umfang vollzogen »ein. Der vorjährige Erlaß„gegen die Ueberfüllung deutscher Schulen und Hochschulen" wird darin eingeschärft, auch für Private Anstalten. Bei Vorhandensein nichtarischer Kinder verschiedener Art sind die mit arischem Blut- Einschlag zu bevorzugen, ebenso die länger ansässigen vor den später zugewanderten Familien. Soweit arische Kinder einzuschulen sind, müssen sie bevorzugt werden, such wenn dadurch der Anteil der Nichtarier unter den zu- gebillligten Satz von 1,5 Prozent sinkt. Dieser Prozentsatz, der nach dem Staatsdurchschnitt des jüdischen Bevölkerung«- »nteils festgesetzt ist, gilt auch von den Orten, wo dieser Anteil höher ist(z. B. in Berlin 5 Prozent). Schließlich wird den besonderen höheren und mittleren Lehranstalten für jüdische Schüler, auch privaten, die Aufnahme von Schülern in diesem Jahre völlig verboten. Diese letzte Anordnung zeigt ebenso wie die willkürliche Prozentberechnung usw., daß es den herrschenden Antisemiten gar nicht auf eine verhältnismäßige Verteilung der Schüler nach„Rassen" ankommt, sondern auf die böswillige Ausschließung der Juden von der höheren Bildung überhaupt. Zum ausdrücklichen Bekenntnis zu diesem„Greuel sind sie noch zu feige, und erreichen deshalb durch allerhand ^ erklauselierungen denselben Zweck. So werden unfähige und verbummelte Nazisprößlinge vor der jüdischen Konkurrenz bewahrt. Wie das auf die Leistungen wirkt, macht den Kust-Trabanten keine Sorge. Eine weitere Berücksichtigung ist noch den Juden zugedacht,„denen vom Standpunkt einer im nationalsozialistischen Geiste geführten Gemeinschaftserziehung die verhältnismäßig geringsten Bedenken entgegenstehen"— also den Leuten vom Neumann-Bund und ihresgleichen, die ach so gerne mitmachten, wenn sie nur Zugelassen würden. So möchte man die anständig gesinnten Juden beglückwünschen, daß ihre Kinder von der„Er- riebung" dieser Nazi-Brutanstalten mit ihrer seelischen Verrohung und Verdumpfung und den besonderen Judenqnäle- reien verschont bleiben. Die Verordnung aber ist ein Ausdruck der niederen Willkür, Konkurrenzangst und Gehässigkeit, die im„dritten Reiche" regiert und selbst die Blüten des früheren Zarismus hinter sieh läßt. Die zahmen Juden im Saargebiet dürfen danach der Zukunft ihrer Kinder hoffnungsvoll entgegensehen. Vielleicht, wenn sie noch ein bißchen besser kriechen, gelten ihre Kinder als solche, denen die„verhältnismäßig geringsten Bedenken entgegenstehen. Also in den Staub vor der Nazipeitsche! Vielleicht findet ihr dann Gnade vor ihren Augen. Tloiizeti iuc tähuPficditik er.— In der neudentschen Schulpolitik hat sich nichts Wesentliches verändert. Immerhin lassen sich einige„Fortschritte" auch hier konstatieren. * Das nennte Schuljahr sollte laut Ankündigung eingeführt werden als Land jähr. Man las das Vors.huß-Lob dieser Ein- richtnn« in allen Zeitungen. Nun ist der Termin herangekommen. Das Landjahr wird nur für wenige Tausend Kinder durchgeführt, und auch für diese nur verkürzt. e Da die maßgeblichen Oberbildungsbonzen sich über die Grundsätze der neuen Bildungspolitik nicht einigen konnten bisher, wurde die Einführung der für 1934 angekündigten neuen Lehrbücher wiederum um ein Jahr verschoben. * Im Verlauf des Kampfes gegen die katholische Kirche beschließen nationalsozialistisch geführte Gemeinden in Baden und Bayern hie und da die Umwandlung der katholischen in Simultanschulen. Ob diese Bewegung größeren Umfange annehmen wird, läßt sich noch nicht übersehen. » Die Streitigkeiten um die Reste und das Vermögen der alten Lehrerorganisationen geht heftig weiter. Die„Führer" verleumden sich gegenseitig, in Westfalen und Berlin wurden mehrere Lehrer, die sich weigerten, den Nazis das Vermögen der alten Verbände zur Vergeudung auszuliefern, verhaftet. In Halle wurde ein Lehrer verhaftet, weil er seinen„Führern"' Korruption vorgeworfen hatte. * Vor einigen Tagen gab der Schirach einen neuen Befehl heraus. Mitnehmen der Fahrtenmesser„Blut und Ehre" in die Schule sei nun endgültig verboten. Das ist der dritte Befehl dieses Inhalts. Die Wiederholung läßt darauf schließen, daß da ziemlich viel faul war im Staate Dänemark. Wir haben seinerzeit berichten können, daß zwei Berliner Pimpfe auf der Fahrt zum Nürnberger Parteitag erstochen wurden bei Streitigkeiten untereinander. Immer wieder klagen die Lehrer über blutig ausgetragene Streitigkeiten. Es kommt sogar vor, daß die mißliebigen Lehrer von den bewaffneten Hosenmätzen aus der Klasse gejagt werden. Jedenfalls hat die Bewaffnung der Schuljugend schon katastrophale Folgen gehabt. £etler■?b\ zu helfen. Rein ans diesem Grunde hatte er für alles Geichchen in näherer und weiterer Umgebung Interesse. Er iur bei den Naturfreunden, um einen Vortrag anzuhören, .— IMOTTEl b.küt t a y Lüh, PAKiS t/O) (Gare* Nord ei äs/) Telephone bot zürn. l7-Sü Schöne Limmer, metsstge Preise. Wenn Sie.ge- nUtUch und ruhig i'on/ cr wollen so steigen im HAtel T A V 1.0 R" ab. be r rein kulturellen Charakter trug, nahm auch mal eine Mit- gliedskarte der„Sowjetsreunde",— politisch organi- fielt lufle a nie. Seit einigen Fahren unterhielt R. ein Freundschaftsver- HLltniS mit einer jungen Dame, der er rttckhaltslos vertraute und. alS sie im Februar dieses Jahres auf dem Feldberg mar, wurden Briefe gewechselt, die R. verhängnisvoll werden sollten.— Die Zustände in Oesterreich, die sich gerade zu Ansang des Jahres zuspitzten, gingen R. im Kopse herum, und als die Nachrichten von dem von der österreichischen Regierung angerichtete,» Blutbad zu uns karten. war R dgvon so. aus dem Gleis gebracht/baß er viel Unüberlegtes schrieb. Er wgrs Dollsuß-Regicrung und FäschiSMuS durche nanvkr. hob Moskau hervor, sprach von Juden und nationalen Cristen- schweincn. die arbeitende Klasse tritt einst als Rächer auf usw. Alle Briete hatten den gleichen Sinn, und wenn R. nun behauptet, sich lediglich gegen die österreichischen Zustände ausgesprochen zu haben, so kann ihm das nicht ohne weiteres geglaubt werden. Das Gericht ersieht aus dem Briefinhalt eine Verächtlich- machung der deutschen Reichsregierung und verurteilt R. zu 6 Monate,, Gefängnis abzüglich 1 Monat Untersuchungshaft. In diesem Urteil ist der Persönlichkeit R.s. der auch bis fetzt nicht vorbestraft ist. reichlich Rechnung getragen. Der Staats- anmalt hatte ein Jahr beantragt. Beamter verhaften Ein Stimmungszeichen Auf Veranlassung des Landeshauptmanns der Rhein- Provinz wurde am Donnerstag im Dienstgebäudc der Pro- vinzialverwaltung der Landesoberinspektor P e r u ch e in Hast genommen, der beschuldigt wird, daß er sich im Zu- sammenbang mit der Düsseldorfer Rede des Rctchsmitiisters Diu Wöbbels eine Verächtlichmachung des nalionalsozia- Itstischen Staates habe zuschulden kommen lassen. Pcruche . wurde heute dem Schnellrickter vorgeführt, der auf Grund der Verhandlungen die sofortige Inhaftnahme an- geordnet hat. Ein„Kommunist" Um durch ök Polizei eine Stellung zu erhalten, hat der 25 Jahre alte Karl R. aus Radolfzell seine kommunistische Gesinnung geändert. Doch steht nicht einwandfrei fest, wie weit, und ob ehrlich. Fast sieht es so aus, als ob er nur scheinbar für die Polizei arbeitet, sich aber doch noch heimlich für die Ziele der KPD betätige. Um der Polizei angeblich bei der Aufdeckung illegal weiter- geführter kommunistischer Organisationen behilsl'ch zn sein, gibt er einmal Ort und Zeit eines Jugendtreffens bekannt, ein andermal erzählt er, daß verbotene Zeitungen über die Grenze kommen würben. ES ist aber möglich, daß er bei diesem Schmuggel sogar mitgeholfen hat Tatsache ist. daß R. jetzt seine» Schwager, den 29jährigen Ernst G. aus Tingen beschuldigt, im Mai vergangenen Jahres verbotene Zeitschriften besessen zu haben. Er sei von ihm zur Verbreitung dieser Zeitungen ausgefordert worden, habe aber abgelehnt und dafür den 22 Jahre alten Eduard K. aus Radolfzell vorgeschlagen. Er habe K. mit G. zuiam- mengesühri. sie hätten beide aus K. solange eingeredet, his dieser sich bereit erklärte. Von G. wären an K. 8 Exemplare der Baseler„Rnndschau" übergeben worden, wovon dieser o verteilt habe.— So ist die Darstellung des R., die im Wider- spruch steht zu den Aussagen der beiden anderen Angeklagten. Alle drei hatten sich gestern wegeu Verbreitung verbotener Zeitschriften zu verantworten. Parteimitglieder waren alle drei nicht. R. war Mitglied des KJV. G. der Roten Tport-Union und s. Mitglied der Antifa. Das Urteil des Gerichts lautete: für R. und G. je ein Jahr Gefängnis, für K. zehn Monate. Mildernd wurde be- rücksichtigt. daß die Tat weit zurückliegt. TrotzM nofli ohne Asq! DRV. Paris, 28. April. DaS„Journal" will berichten kön- ven. daß Trotzki nach seiner Flucht auS Barbizon sich zunächst nach Lagnv Therignv begeben, aber auch diesen Zufluchtsort am Freitag verlassen habe, weil er sich dort nicht mehr sicher fühlte. Trotzki soll sich irgendwo im Seinedepartement aus- halten, ohne baß die Blätter nähere Angaben zu machen in der Lage sind. Das„Journal" behauptet überdies, daß alle bisher von Trotzki um ein Awlrecht angegangenen Regie- rnngen einen ablehnenden Bescheid erteilt hätten, auch die türkische, so daß ihm nur noch die fkandinavisckeu Länder offenstehen, die sich bisher»och nicht geäußert hätten. Spanien Verschleppung der Entscheidung DNB. Madrid, 28. April. Der LösungSversnch der spa- Nischen Regierungskrise nimmt immer mehr den Charakter einer Aktion zur Rettung der Stellung beS StaatSpräsi- denten an. Ter mit der Regierungsbildung beauftragte Minister Samper. der Mitglied der radikalen Partei ist. hat durch seine Besprechungen eine Grundlage geschaffen, auf der ein dem zurückgetretenen ähnliches Kabinett gebildet werden kann. Wenn dt« radikale Partei im letzten Augen- blick keine, personellen Schwierigkeiten macht, dürfte noch heute mittag die neue Regierung gebildet werden. StraAburger Wotiienbericlri Straßburg, den 27- April 1934. Elsaß und Saarfrage Auf den regionalen Kongressen der verschiedenen elsäßischen Parteien nahm man in den letzten Wochen in Reden oder in Resolutionen Stellung zur Saarfrage. Meist geschah dies in einem durchaus toleranten Sinne. D. h. die Parteien der verschiedensten Prägung forderten für die saarländische Bevölkerung das Selbstbestimmungsrecht und gaben der Hoffnung Ausdruck, daß der Völkerbund dgfür sorgen möge, daß im Saargebiet jeder Terror von welcher Seite er auch komme— im Hinblick auf eine freie und unbeeinflußte sowie geheime Abstimmung unterbleibt. Nun tagten am vergangenen Sonntag auch die u t o- tomiitrn'' des Elsaß, die in der elsäßischen„Landcc* Partei" und in der„autonomsttischen Kampfgemeinschaft ousammen geschlossen sind. Ihr Kongreß interessiert uns nur, insoweit er sieh mit der Saarfrage beschäftigte. Die dort angenommene— übrigens durch den deutschen Rundfunk mit Wohlbehagen verbreitete Resolution— unterscheidet sich von der der anderen Parteien durch ihre in die Augen springende Inkonsequenz. Die Resolution fordert„eine Behandlung der Saarfrage nach den im Vertrag von V ersailles ausdrücklich anerkannten Grundsätzen des Völkerrechts Gut so! Die Resolution begrüßt weiter„grundsätzlich die Reg- lung der Frage auf Grund des Selbstbestimmungsrechts' Ausgezeichnet! Nun aber kommt die Wendung. Die Landespartei und die Autonomistische Kampfgemeinschaft, die soeben noch für Selbstbestimmungsrecht im Rahmen des\er- sailler Vertrages eintraten, fordern dann in der gleichen Resolution unter Hinweis darauf, daß durch„eine Abstim- tnungskampague die jetzt schon vorhandene Erregung wesentlich gesteigert und die. deutsch-französischen Gegensätze verschärft würden, daß die französische Regierung„auf die Abstimmung. deren Ergebnis ja doch nicht mehr zweifelhaft sein könne, verascht«". In diese, Zusammenstellung enthalt die Resolution ein Gemisch von Forderungen, die sieh gegen- seitig aufheben. Mau kann nicht SelLstLestimmungsrecht für die Bewohner des Saargebiets und gleichzeitig Verweht aut die Abstimmung fordern, die doch ein wesentlicher.BesUnd- teil des Selbstbestimmungsrechtes ist. Im übrigen scheinen die eleäßischen Autonomisten, die man allerdings keinesfalls vergleichen darf mit jenen Strömungen, die im Saargebiet für die Autonomie eintreten, gar nicht bemerkt zu haben, wie sie mit dieser Resolution nicht nur Dinge, die völlig unvereinbar sind, in einen Topf warfen, sondern sich auch selbst ihrer eigenen ideellen Existenzgrundlage beraubt haben. Den Verzicht, den sie von der französischen Regierung für das Saargebiet wünschen, hat Hitler in bezug auf das Elsaß bereits ausgesprochen. Warum also noch autonomistische Arbeit. wenn schon... Doch das geht uns eigentlich nichts an. Darüber schreibt die hiesige nichtautonomistiscbe Presse beinahe jeden Tag. Fürs Saargebiet aber bleiben wir bei unserer Forderung, Aufrechterhaltung des Selbstbestimmungsrechtes, Durchführung der geheimen und unbeeinflußten Abstimmung! Wenn das Ergebnis dieser Abstimmung„jetzt schon nicht mehr zweifelhaft sein kann", so wird man die paar Monate ja noch abwarten können. Oder ist man sich des Ergebnisses der Abstimmung etwa doch noch nicht so sicher, wie man in Resolutionen zu tun beliebt? Es scheint fast so! Zwei Zwischenfälle Ein Naziautomobilist fuhr dieser Tage mit einem Wagen in der.Münstergasse vor, der links und rechts je ein nietal lenes Hakenkreuz trug. Die Bevölkerung ließ sich diese Provokation nicht gefallen, entfernte die Hakenkreuze und setzte an deren Stelle die Trikolore. Dem Automobilist geschah weiter nichts.— Auf der Eisenbahnbrücke wurde gegen Mitternacht ein französischer Gendarm von einem De utaehen angefallen, der sich auf der Brücke bis auf die französische Seite herüber geschlichen hatte. Der Gendarm konnte sich seines Angreifers erwehren, der ihn versuchte über das Brückengeländer hinunter in den"ström zu werfen. Als dem unbekannten Deutschen sein Vorhaben nicht gelang, flüchtete er in Richtung auf das deutsche Ufer. Die deutsche Brückenpolizei wurde von dem Vorfall sofort verständigt, ihre Untersuchung verlief bis jetzt ergebnislos. Aussperrung in der Tabakmanufaktur In der Tabakmaniifaktur verhängte die zuständige Behörde über die Arbeiterschaft eine Aussperrung von einem Tag, über die Beamtenschaft eine solche von sechs Tagen, weil, die gesamte Belegschaft vor einigen Tagen durch einen eiostündigen Proteststreik ihren Unwillen gegen die Deerets-Lois bekannt gegeben hatte. In einer großen Kundgebung jn der„Glocke"' protestiertet die von der Aussperrung betroffenen Arbeiter und Beamten gegen diese Maßnahme. Kommunistischer Gemeinderatswahlsieg Bei den Nachwahlen im Gemeinderat in Lingolsheim erzielte die kommunistische Liste 13 Sitz«, die unabhängige 2, wodurch eine gewaltige kommunistische Mehrheit herbeigeführt wurde. Teurer Tabak Ein Handelsvertreter aus Zürich verstand es über die Schweizer Grenze einen größeren Posten Tabak, Zigarren und Zigaretten nach Straßburg zu schmuggeln. Hier wurde er am Bahnhof jedoch ertappt. Die Ware wurde beschlagnahmt. Außerdem diktierte ihm das Gericht einen Monat Gefängnis und 9912 Fr. Fiskalstrafe zu. Zwei Monat für einen erzwungenen Spaziergang Der Einbrecher Keller, der dieser Tage, als er vor Gericht stand, durch Ueberrumpelnng des ihn bewachenden Gendarmen ausreißen konnte, aber bald wieder eingefangen wurde, erhielt für seinen erzwungenen Spaziergang zwei Monate Gefängnis. Politische Flüchtlinge: ja» aber die anderen.,. In der Frübjahrsession des Generalrats des Bas-Rhin stand auch die Flüchtlingsfrage zur Debatte. Ueberefnstim- inend wurde von den Rednern aller Parteien betont, daß gegen den Aufenthalt wirklicher politischer Flüchtlinge nichts einzuwenden sei, daß man aber mit aller Rigorosität gegen jene vorgehen solle, die nicht einwandfrei nachweisen können, daß sie lediglich aus politischen Gründen Deutschland verlassen haben. Der Herr Präfekt antwortete auf die verschiedenen Anfragen, daß er diese Meinung teile. Um genaue Feststellungen machen zu können, würden gegenwärtig gründliche Erhebungen durchgeführt. Die politischen Flüchtlinge können mit dieser Handhabung der Angelegenheit durchaus einverstanden sein. Straßburger Konzertleben Nach Bruno W alter mit den Philharmonikern aus Wien, die einen Uberfüllten Sängerhaussaal begeisterten, und dem berühmten Fritz K r e i a 1 e r, der beute gastierte, wird sich am 3. Mai das weltbekannte B u s e h q u a r t e 11 vorstellen, das eine Gesamtaufführung der Beethovenquartette bringt. E. D, Pariser Berichte Pariser Straffenhaiender Der französische Innenminister hat im Kabinettsrat mitgeteilt, da Ii die Ausländer, die sich am 1. Mai an den Kundgebungen beteiligen, ausgewiesen werden sollen. ch Auf der Mitgliederversammlung der emigrierten deutschen Journalisten hielt Stefan Vallot einen Vortrag über die Rechte der Journalisten. Er erklärte, daß die„rote" oder die „grüne" Karte kein Recht auf Theater- oder Filmplätze gäbe, sondern nur, nach Einladung der Direktion, von der Steuer befreie. Der„coupe-file", ausgestellt in der Polizei-Präfek- tur, gäbe in der Praxis auch nicht viel Rechte. Dagegen hat sich die carte international der Föderation als von moralischem Wert erwiesen. * Bei den Studentenwahlen in Paris gab es verschiedene Differenzen. Zum Vorsitzenden der„A", der Allgemeinen Studenten Versammlung, wurde der Student Charles Le Clercq gewählt. Die Sektion der Rechte protestierte gegen diese Wahlen. * Die am Sonntag in Mantes stattfindende Stichwahl zwischen Be.gery und Sarret steht im besonderen Interesse von Paris. * Bei dem neuen Verfahren gegen den Gangster Baron de Lussatz. der jetzt in Paris sitzt, handelt es sich um die Herkunft eines neuen dreikarätigen Diamantringes, der bei dem Monagassen gefunden wurde. Der Ring wurde aus der Fassung genommen, um feststellen zu können, ob es ein bei dem Juwelier Tiffany in der rue de la Paix gestohlener Diamantring ist. * Vom Montag an wird die Linie 73 von Rathaus Saint-Quen nach Porte de Neuilly in Autobusverkehr verwandelt. * Die Pariser Blätter veröffentlichen das interessante Bild von Miß Rosa Jung, der Tochter eines Deutschen und einer Chinesin, die zur Zeit die berühmteste Filmschauspielerin Ostasiens ist. CInbrodi bei RoihsdiUd In das Besitztum des Baron Rothschild in Ferneres(Seine et Marne) sind drei arme Teufel und jugendliche Missetäter eingedrungen. Sie haben nicht etwa die Rothschiidschen Millionen sondern nur einige Fasanen um die Ecke gebracht, di e sie geschossen haben. Ferner haben sie auch noch vier Liter Schnaps erbeutet. Dann hat einer der Rothschiidschen Wächter die Wilddiebe erwischt und sie nach einem Handgemenge der Ortspolizei übergeben, in deren Gewahrsam sie aus Aerger ein paar Fenster zerschlugen. Man hat die Täter nach Meaux gebracht, wo sie sitzen. Es sind drei zwanzigjährige Jungens aus Paris, die diese Dummheiten begangen haben. Das Ende der Dollu Slsters Mit dem Tanzen der Dolly Sisters ist es vorbei. Die eine, Rosy, ist zwar der Sorgen enthoben, sie hat den englischen Lord Mortimer Dawis geheiratet. Aber die andere, Jenny, muß sich mit dem Leben herumplagen. Nach schwerem Autounfall, der sie entstellt hat, mußte sie alle ihren Schmuck versteigern. Einer der schönsten Ringe der Welt, ein Brillant von 51 Karat 75, 4 Millionen Franken TrmilÄ 43-13 M6iro P i g a 1 1 e Deutsche Poliklinik Paris, 62., ßue de la Rochefoucauld a) Allgemeine Konsultationen mit 9 Speniliiteo. b) Chirurgie c) Geburtshilfliche Klinik d) Zahnärztliches Kabinett Innere Medizin, Augen», Ohren», Nasen» und Kehlkoplkrank» ZweistöckigesJSanatoriumsgebäude. Vierstöckiges Gebäude. Zimmer Zahn- und Mundchirurgie. Gold» aeiten. Röntgen Diathermie. Elektrotherapie Spezialbehand» Kleine, mittlere und große Chirur» mit 1 bis 4 Betten. 3 Aerzte, 3 Heb» und Porzellan krönen,»Brücken tung bei Blut». Harn» u. Geschlechtskrankheiten gie. Die allermodernsteEinrichtung ammen und 2 Operationssäle. Kautschuk-Arbeiten Ordination täglich von 9—12 und 2—8; Sonntags und Feiertags von lO—12 und 2—4 Uhr cm Jeutsie indische Setchwucen- und lüiencc fBächecei-Qeschäfle JUicis SB. AVENUE: WAGRAM, Ul. Camot 27-63 58. RUE DE PASSY, Tal Autauil 33-61 Berühmte Hellseherin 62. Rue de Täglich 2 Dr. fcs*sciences occultes Astrologie, Chiromancie Cartomancie, Psychoanalyse spricht geläufig deutsch la Rochefoucauld(i. Hof, Tr.C, 2. Stock rechts) •7 Uhr außer Donnerstags— Metro: Pigalle. Doktor Wachtel und Doktor Axel Geschlechtekrankheiten, Männer und Frauen Nase, Hals, Ohren 123, Bd. Söbastopol.— Sprechstunden v. 9—12 u. 2—8 Uhr; Sonntags vormittags Metro: Reaumur, St Denis wert, befand sich auch darunter. Er wurde im Vorjahr für 1 625 000 im Hotel Drouot mit versteigert. Wegen dieses Verkaufs steht die flitterlos gewordene Tänzerin jetzt gar vor der Strafkammer. Der Staat will von ihr 11 Millionen haben, also das wäre die sichere Vernichtung dieses Lebens, das in Schminke und Glanz begann... Der schöne Ring ist ein Geschenk des reichen Engländers Seifbridge, mit dem Jenny 1926 in Cannes lebte. Er war „zur Ausfuhr" gekauft, und Jeny schickte ihn, um die Luxussteuer zu sparen, nach London, was keine Kosten verursachte, und ließ ihn dann nach Paris zurück kommen. Diese Tour führte ihr inzwischen verstorbener Sekretär Rosenberg aus. Sie selbst hatte den Ring vorher sechs V ochen in Cannes getragen, aber nur als Provisorium, mit vorübergehender Erlaubnis. Jenny Dolly macht vor Gericht einen recht traurigen Eindruck. Sie betont immer wieder, mit stark englischem Accent im Französischen, daß sie die Geschichte mit dem Hinbringen dt Ringes nach London nicht verstanden habe. Sie sagte immer wieder:„Ich habe den Ring bezahlt und getragen." Das Gericht will in vierzehn Tagen sein Urteil sprechen, ob die Steuer und der Zoll die 11 Millionen von der verunstalteten Luxustänzerin haben sollen. Tuberkulose und Geschlecht— Eine neue Krankheit Bei einer der Sitzungen der Pariser Akademie der Medizin wurde über die seltsame Tatsache gesprochen, daß in sämtlichen Ländern die Tuberkulose mehr die Männer als die Frauen anfällt. Auch nach der französischen Statistik ist die Zahl der lungenkranken Männer größer. Die Krankenhäuser sind darauf aufmerksam gemacht worden, sich dieser Tatsache in der Zahl der Betten für Männer anzupassen. In der Gegend Saone et Loire, also in Burgund, aber auch in anderen Bezirken ist eine neue Krankheit entdeckt worden, die sich hauptsächlich durch eine scharlachartige Röte auszeichnet. Daneben bestehen Nervenschmerzen, Verdau- ungs- und Atembeschwerden. Diese Krankheit wurde bereits 1828 festgestellt, aber man glaubte sie erloschen. Früher trat sie als Epidemie auf, heute ist sie nicht mehr ansteckend, aber sie ist mit solch starken Schmerzen verbunden, daß selbst Opium in starker Dosis den Schmerz nicht lindert. Besonders werden kleine Kinder im Alter von 18 Monaten bis fünf Jahren von dem Leiden befallen. Bei Chalons sur Saone hat man seit neun Jahren 46 Fälle, festgestellt von denen 5 t ö d 1 i c h verliefen. Die Krankheit führt den griechischen Namen Acrodynie. BRIEFKASTEN „FrHz Franz Nenmann" Ueber dies erst in Brüssel und jetzt im Athenee in Paris aufgefühite Stück schreibt Lucien Descaves im„Intransi- geant" u. a.:„Ist eine Verständigung mit Deutschland möglich?", fragt der Autor Benjamin. Er hat dieses Problem aufgeworfen, ein wenig wie Paul Raynal in der„Marne". Eine Französin an den Ufern der Loire, deren Mann in einem deutschen Konzentrationslager im Kriege gestorben ist, hat zwei Kinder. Pierre und seine Schwester Cordelia möchten eine Ferienreise nach Deutschland machen. Der Großvater, der selbst unter der Invasion gelitten hat, stimmt zu und gibt eine Adresse in Stuttgart an. Im zweiten Akt kommen die Kinder entzückt von dem Empfang zurück, den ihnen Fritz Franz Neumann bereitet hat. Er selbst bringt sie in die Tonraine zurück. Im dritten Akt tritt er auf. Das ist der beste. Fritz Franz besitzt die ganzen Komplexe seiner Rasse. Er empfindet Liebe zu Cordelia-und möchte sie heiraten. Die Mutter ist dagegen, die Tochter weniger. Der Deutsche benimmt sich dabei so ungeschickt, daß er den Abschied nehmen muß. Er geht.., aber vorher gibt er der Mutter einen Halsschmuck, den sein Vater 1915 in den Ardennen gestohlen hat(zwar ausgerechnet bei den Eltern seiner jetzigen Freunde). Die Absicht, nicht vergessen zu machen, daß Fritz ein Feind ist, hat den Verfasser offenbar veranlaßt, etwas aufzutragen. Der Deutsche mag wohl oder übel nicht wissen, woher der Schmuck stammt, die Szene, wie Fritz Franz Neumann sein Geschenk zurückholt, ist peinlich und entgegen der Idee des Stückes.,. Und dann wird die französische Familie zu sehr vor den Rachen des Wolfs geworfen. Aber der schlaue Großvater wußte doch, was er tat, als er eine Annäherung versuchte, die zum Scheitern verurteilt ist, wie in der „Marne". Eine kleine Rede des Großvaters über die Unmöglichkeit dieser Annäherung beendet das Stück und läßt uns den Eindruck nicht eines..Hoch die Herzen", sondern eines„Lasset alle Hoffnungen fahren". Wie traurig!..." Die Oeffnung des Salons Im Grand Palais hat sich das große Friihjahrsereignis der Kunst vollzogen: der Salon wurde eröffnet. Es ist diesmal eine unabsehbare Schau von sechs- oder siebentausend Landschaften, Akten, Stilleben, Porträts schöner Frauen, Politiker und Kardinäle, Skulpturen und Monumentalwerke wie des Wandgemäldes für das Rathaus des 5. Pariser Bezirks von Auhrv. in 43 Sälen. Es sind die Werke des Geschmacks der akademischen Empfindungen dieser Hauptkunst der Malerei. Viel genannt werden unter anderm mehrere Bilder aus der französischen Gesellschaft. Das Neuerwachen religiösen Lebens zeigt unter anderm eine Skulptur der kürzlich heilig gesprochenen Bernardette von Lourdes. Es gibt auch eine große Reiterstatue des Marschalls Foch, bestimmt für Tarbes. Soziale Stoffe sind naturgemäß an diesem gesellschaftlichen Ereignis seltener. Selbstverständlich ist ein Gang durch die unerhörte Fülle dieser Farben eine Tagesarbeit. Der erfahrene Kritiker Raymond Escholier vergleicht die Ausstellung mit dem Geist von Ingres. Maurice Raynal schreibt unter anderm scherzhaft von einem Bilde einer Kirche, das sehr fein ist, gezeichnet: Führer, nach näherer Erkundigung ist es aber nicht von Adolf Hitler. Wir empfehlen einen Besuch allen denen, die Sinn für die Farben unter diesem Himmel haben. ft. 6., Hoogevcrs. Ter Inhalt ist zu utopisch, als daß er und zu« Abdruck hätte reizen können. Wegen der Schlußsätze wären wir übrigens in einigen Ländern verboten worden. Das wollte» Sie uns doch gewiß nicht antun. Liege Gnillemins. Sie schreiben uns:„Sie brachten im Herbst 1988 eine kurze Darstellung der Mordtat an den vier Gewerk» schasis-Angeftellten in Duisburg, die am 2. Mai 1988 geschunden durch die Straßen geschieisi wurden.— Die„Köln. Ztg." Nr. 207 tum 25. 4. 1984 meidet den Kund von vier Leichen im Dinslaken« Staaissorft: es handle sich zweifellos um die seit dem 2. Mai alS vermißt gemeldeten Gewerkschafts-Angestellten, deren Namen Sie seinerzeit schon genannt haben. Wörtlich:„Ob die zweisellos vorliegende Mordtat in Zusammenhang zu bringen ist mit einer Veruntreuung von Gewerkschastsgeldern im vergangenen Jahre, unterliegt zur Zeit noch Ermittlungen." Die Sprache versagt einem, das ist das Gemeinste, was ich nach allem von der braunen Pest gehört habe, und ist wohl nicht mehr zu übertressen!" Sic müsten sich nicht so wundern, lieber Freund. Lesen Sie folgende Sätze:„... In der Größe der Lüge liegt immer ein ge- wi»er Faktor des GcglaubtwerdenS, da die breite Masse eines Volkes im tiessten Grunde ihre» Herzens leichter verdorben alS bewußt und absichtlich schlecht sein wird, mitbin bei der primitiven Einsalt ihres Gemütes einer großen Lüge leichter zum Lpser fällt al? einer kleinen..." Wo das steht? In„Mein Kamps" von Adolf Hitler. Der Man« ist setzt deutscher Reichskanzler. Die deutsche Verwaltung und die deutsche Presse sind entsprechend. Per. Der Tecleutestreik in Dänemark war doch wohl bedeutender, alS sie bei der Niederschrist Ihre« Aussatzes angenommen haben. Ihre Schlußfolgerungen mögen trotzdem richtig sein, aber sie wirken in Anbetracht der Tatsachen nicht überzeugend. Di« Gegenseite würde mächtig einhaken. Colin Roß. Nun sind Tie, der überradikale und überpazisistisch« Novemberverbrecher von 1918, also glücklich bei Hitler angekommen. Wir haben mit den starken Magcnncrven, die unS jahrelange llcbung anerzogen hat, Ihr« Beweihräucherungen an Ihr neue» Ideal in der Berliner„Morgenpost" gelesen. Dieses Papier, das nun mit vollem Recht seinen alten Berliner Namen„Mottenpost" trägt, bat man uns übrigens unverlangt als Ersatz für die ruhmlos eingegangene„Vossische Zeitung" zugestellt. Um zu solchen Zielen zu gelangen, hätten Sie wirklich nicht die ganze Welt zu bereisen brauchen. H. C, Paris. Fhnen ist bekannt geworden, daß neuerdings alle Mitglieder der Actio« Francaise und die Camelots du Roi mit Revolvern bcwaiinet worden sind.— Die Faschisten sind die reine Revolver-Internationale.„Tic Welt wird schöner mit jedem Tag, man weiß nicht, was immer noch werden mag." „Di« Saarpsalz". Sie als katholisches Blatt äußern leichte Un- zusriedenheit, weil eine Nazi-Iugendzeitung„Tie Fansare" sich den Herrn Kardinal Faulhaber, der sich erdreistet im„dritten Reich" katholische Predigten zu halten, wie solgt vorgenommen hat:„Herr Kardinal, wir wehren uns! Blut und Ehre unserer Rasse lassen wir uns auch von Ihnen nicht besudeln! Das iunge Tcuischlanb wehrt sich entschieden gegen Schriften, die leicht den Anschein erwecken könnten, die Einigung des deutschen Volkes und daS Aufbauwerk Adoli Hitlers zu sabotieren."— Seien Sie immerhin sroh, daß Sic noch unter dem Bölkerbundsregime leben, denn sonst dürsten Sie den verehrten Hitlersungen Ihren Beisall zu Flegeleien gegen einen Kirchensürften nicht versagen. Der Hitler- junge August Pieske ist ein Edelreis des neuen Deutschland. Kardinal Faulhaber jedoch ist ein Diener des Medizinmanns in Rom, semitisch verseucht und ein Saboteur am deutschen Ausbauwerk. L. K. Sighetul-Marmatici sRumäniens. Leider können wir Ihne« mit der gewünschten Auskunst nicht dienen. Wir kennen entsprechende französische Firmen nicht. Für den Gcsamtinhalt verantworlltch: Johann P i tz in Dudweiler: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH„ Saarbrücken 8, Schüyenstraße 6.— Schließfach 776 Saarbrücken. jPocFeiir fpccifllisFc > DEUTSCHSPRECHEND i Münchener u Poriser FakultA 17, rue Reaumur Mttro Arts-et-Metier» od. RApubllquo Frauen-, Blut«, Haut-, Harn« und Geschlechtskrankheiten, Tripper, Syphilis, Münnerjchwäche. Neueste Heilverfahren. Elektrizität. Harn*. Samen* und Blutanatyien. Massige Bedingungen.(Auch Hir Kassenversicherte, i Täglich von 9- 1 und t- 8.30. Uhr Sonn* und Feiertags von 9 bie 1 u. aul Rend. v. Tel. Arch.54«27 Inserieren bringt Gewinn! Chirurg.*Mediz. Klinik Pr-Etting er 168ter, Avenue de Neuilly, N E U I LLY»sur-Seine. Tel.: Maillot 95-50.— Ständige Betten. Dauernder ärztlicher Tag« und Nachtdienst. Konsultation erster Professoren.— Stationskranke pro Tag ab 40 Fr. Entbindungen. Gewissenhafte Behandlung. Jeglicher Komi. 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