Sinzige unabhängige Tageszeitung Veutffchlands Nummer 101— 2. Jahrgang Saarbrücken, Donnerstag, 3. Mai 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Aus dem Inhalt JiaifestfiatCe uiedecqe&caimt Seite 2 Deutsche Aufrüstung. Seite 3 Qötutq AaltqesteiCt Seite 4 TlaUoaaisaziaÜstiscAes Stcafrecht Seite i Cnqtischec!Bcie^ Seite 7 Hitler vor enttäuschtem Volle Der Kanzler ohne Claube und ohne Ziel Neue Drohungen an Niesmacher und Ndrgier- Schweigen der Masse Gestern und heute D. F. Nach der Ankündigung seines Reichspropaganda- Ministers hatte der deutsche Reichskanzler vom Tempelhofer Feld bei Berlin zu 40 Millionen begeisterten und dank- erfüllten Deutschen zu sprechen. Zwei Millionen davon waren vor der Tribüne des Partei- und Staatsführers auf- gebaut. Wenn je, so mußten an diesem nationalen Feiertage Freude und Stolz über das Erreichte und gläubige Prophetie für die Zukunft Sprecher und Massen hinreißen. Dies um so mehr, als unter blauem Frllhlingshimmel, unter Fahnen, Gesang und Musik mit aller Raffinesse der Volkspsychologie und mit allen Regiemitteln politischer Werbekunst die größte Kundgebung versammelt war, die je diese Erde gesehen hat. Was aber geschah? Der Kanzler und Führer verlas eine watte müde Verteidigungsrede ohne Schwung und ohne Widerhall. Seine Phantasie war nicht gehoben von einem festlichen Volke, sondern bedrückt von dessen innerer Zer- rissenheit und dem mächtig wachsenden Unmut über die Zu- stände im Reiche und die Lenker seines Schicksals. Immer wieder brachen Aerger und Angst aus dem Redner hervor gegen die Tadler und Kritiker und Nörgler, ja gegen die „Brutstätten der Volkszerreitzung". Die Millionen Menschen vor ihm schwiegen erstaunt. Viele von ihnen, durch terroristisches Kommando hier zusammen- getrieben, wären auch von einer großen rhetorischen Leistung nicht berührt worden. Die vielen anderen aber waren cut- täuscht. Da hatten sie seit Tagen und Wochen in Betrieben und Zellen und Häuserblocks organisatorische Vorarbeit für diesen Tag geleistet, waren an diesem ersten Mai seit den frühesten Morgenstunden durch die endlosen Straßen Ber- lins marschiert und marschiert, um den einen Mann zu hören, dessen Wille und dessen Zielklarheit ihr ganzer Glt tbe ist, und nun gab es ein ganz großes Versagen: es ging diesem berühmten Adolf Hitler wie ihnen: er stand ratlos vor den riesenhaften Schwierigkeiten und klagte und klagte wie sie über die unermeßlich vielen, die an das neue Reich, an seine Führung und seine Dauer nicht glauben. Klagte über die, die Vergleiche zogen und zu vernichtenden Urteilen über den Nationalsozialismus kamen. Die große Mehrheit ber Versammelten lehnte den Mann ab, der da oben sprach wie gegen eine Wand. Schon als er die turmhohe Rednertribüne betrat, wurde das kund. Die Begrüßung, die einige Tausend in der nächsten Umgebung ihm spendeten, war lau und kurz. Nichts von dem minutenlangen Volksjubel, über den die Offiziösen so gern berichten und auch diesmal berichtet haben. Hunderte Lautsprecher hallten über das Paradefeld. Es gab niemanden auf der weiten Fläche, an dessen Ohr nicht jedes Wort ber Rede des natio- nalen Volkstagcs gedrungen wäre. Nur ganz selten aber gab die Masse Widerhall. Viele lange Minuten war es still wie bei einer professoralen Kathederrede. Gerade auch dann, wenn Hitler seine alte, früher so wirksame Leier drehte von den schrecklichen fünfzehn Jahren der Verzweiflung, den früher üblichen vierzehn Jahren hat er diesmal noch eins hinzugegeben. Gerade auch dann, wenn er seine eigene große Leistung in üblem Selbstlob pries gegenüber der Unfähigkeit und Selbstsucht aller früheren Regierungen. Ja auch dann, als er unmittelbar die Hunderttausende anrief, die als von ihm aus der Erwerbslosigkeit Erlöste in dieser riesenhaften Versammlung standen. Nicht einmal die riefen Dank zu ihm empor. Die am wenigsten, denn sie als das Fußvolk der Arbeitsschlacht glauben nicht an die weltenwendenden Siege, die ihnen der Generalfeldmarschall da oben in schwindet- haften Heeresberichten einreden will. Nur einige Male ging der Beifall über die uniformierte Clague rings um die Tribüne hinaus, und nur an einer Stelle wurde er beinahe allgemein. Das war aber nicht da, wo der Reichskanzler immer wieder gegen die böswilligen Elemente wetterte, und nicht da, wo er sich als den Heiland des Volkes von Streit und Hader feierte, und auch nicht da, wo er sich der Vernichtung des Parte'wesens und die Er- oberung der Gewerkschaften rühmte, sondern das war— sehr lehrreich°füi jeden Schwärmer— da, wo er dem schnöden Materialismus seine Reverenz erwies. Große Zustimmung fand Hitler nur. als er. um endlich etwas Leben in die Massen zu bringen, gegen die Unternehmer loslegte, die über die Lohnzahlung für den 1. Mai zu meckern wagten. Da riefen die Gefolgschaften Beifall, aber ihre Führer blieben Aber wo war das große Ziel, das Führer und Geiolg- schalten, beide schon skeptisch geworden, von ihrem obersten Führer aufgestellt wissen wollten? Er weiß keins und er hat keins. Wie resigniert klingt es. als er die Sofinung ausspricht, daß es„dereinst gelingen wird, das deutsche Volk aus Not und Untergang zu retten, daß er„langsam, aber sicher" die neue Volksgemeinschaft bilden will, daß mit kom- wenden Generationen erreicht werden wird, was mit der heutigen Generation nicht gelingt. Das sind also viel mehr als die wenigen vierzehn Jahre, in denen die Republik von Weimar unterwühlt und umdroht arbeiten konnte. Diese Republik, auf die gerade dieser Rebner die Schuld von Jahrhunderten gehäuft hat. Nun bittet der sonst so erbar- mungslose Kritiker für sich und seine Sache um Geduld auf unabsehbare viele Jahre und Jahrzehnte. Und wer die Geduld nicht hat? Wer nicht glaubt, daß dieses verfahrene und ziellose System zur Rettung Deutsch- lands führt? Nun, der wird zermalmt und ausgetilgt. Zwar bat der Diktator einmal um„gegenseitige Nachsicht", aber nur, um an zehn anderen Stellen zu verkünden, daß nur die Herrschenden diese Nachsicht zu verlangen haben. Denn jede Kritik, die von der herrschenden Clique nicht als aufbauend anerkannt wird— und welche wäre für sie positiv?— soll rücksichtsloser unterdrückt werben denn je. Wir gestehen dem Mann zu: er kann gar nicht anders. Sein Gewaltstaat kann nirgendwo so etwas wie Meinungsfreiheit zulassen, weil sofort eine Lawine losbräche, die ihn hinwegfegen würde. Und wenn noch so hohe Fahnenmasten tief in Betonblöcke eingebaut werden: das System, das die Fahnen in der Höhe symbolisieren sollen, hat keine neuen kräftig sich verklam- mernden Wurzeln. Wo der Mann, der es sozusagen geistig repräsentiert, konkret zu werden versucht, kommt er über das alte liberale Schlagwort nicht hinaus„Freie Bahn dem Tüchtigen!" Er hat zwar aus Demagogie das Wort„Sozia- lismus" im Namensschild seiner Bewegung, aber gegen jede Planung der Produktion und Distribution, die allen Schwätzern zum Trotz das Grundproblem des Jahrhunderts bleibt, hat er den armseligen uralten liberalen Spießer- einwand von der„Bürokratisterung unseres gesamten Wirt- schaftslebens". Wir haben diesem Hohlkopf nie eine konstruktive Idee zu- getraut. Er kann keine haben und er hat keine. Und wenn er das ganze Volk hinter sich gebracht hätte, und wenn ihm Europa und die Welt zujauchzte: wir würden uns nicht einen Augenblick blenden und täuschen lassen. Mit diesem Manne, — wieviel Besessenheit dieses Willenszentrum auch erfüllen mag— zieht nicht die neue Zeit. Er sucht mit neuen groß- artigen Propagandamitteln alte überlebte Kräfte zu retten. Das ist alles. Die neu heraufsteigenden Mächte werden ihn vernichten. „Ehre der Arbeit!" Er gibt es als seine neue Losung aus. Als wenn nicht die ganze grobe sozialistische Arbeiter- bewegung ein einziges Loblied aus jede echte körperliche und geistige Arbeit gewesen wäre. Nun tun diese Talmisozialisten, als hätten sie das Ehr- und Selbstgefühl des Arbeiters wecken müssen.„Der Arbeit hoch! Der Arbeit Ehre!" So klang es schon seit Jahrzehnten durch unsere Maifeterlieder. „Volksgemeinschaft." Davon predigen sie, als hätten sie dieses Ziel erfunden, und dennoch war die Gemeinschaft das Ziel des Klassenkampfes von jeher: Der Erde Glück, ber Sonne Pracht, Des Geistes Licht, des Wissens Macht, Dem ganzen Volke seins gegeben. Das ist das Ziel, das wir erstreben. Mit diesem Lied marschierten die deutschen Sozialisten an jedem ersten Mai und mit dem anderen: Wir strecken aus die Bruderhand, das Volk vom Elend zu erretten, Aus geistger Schmach das Vaterland. Nie aber haben wir daran geglaubt, daß die neue große Gemeinschaft dem Volke nur eingeredet oder durch irgendein ausgeklügeltes ständisches Verfassungssystem vorgetäuscht werden könnte. Nie werden wir es glauben. Auch die Massen auf dem Tempelhofer Feld glauben es nicht. Die Geschulten wissen und die Nichtwissenden ahnen und fühlen, daß ein großes neues System aller geistigen und moralischen Erneuerung vorausgehen muß: die gemein- nützige Organisation der Wirtschaft, die aus der anarchischen kapitalistischen Verheerung und ihren ewigen Krisen eine planvolle Gemeinwirtschaft und volle Entwicklung der über- reichen Produktionsmittel der Gesellschaft bringt. An dieser Forderung und an diesem Willen scheiden sich die Geister sür ein Jahrhundert, und die Episode Hitler wirb diese groß- artige geschichtliche Wegscheide nicht aufhalten können. Der deutsche Reichskanzler, in dessen Namen die größten Barbareien verübt werden, die unsere neuere deutsche Ge- Der Reichsminister Göbbels, der es unter dem harnen Mahatma Propagandhi zu einer gewissen Berühmtheit gebracht hat, forderte, die deutsche Presse kürzlich auf, sie solle doch Mut bekommen. Sie sind langweilig, meine Herren, sagte er, aber sie brauchen es nicht zu sein; auch im nationalsozialistischen Staat kann man Kritik üben, probieren sie es nur! Einer hat es probiert. Die postwendende Folge war ein Ukas, datiert auf den Tag vor Hitlers ersten Mai, der begann:„Die im. Verlag Ullstein erscheinende Zeitung„Die Grüne Post ist auf die Dauer von drei Monaten wegen des Artikels„Herr Reichsminister, ein Wort bitte!" von Thomas Trimm in der Ausgabe vom 29. April 1934 verboten worden." Auf diese kräftige Reklame hin haben wir uns natürlich sofort das Blatt gekauft und nachgelesen, was der üble Bursche eigentlich geschrieben hat. Nun, er nahm sich zum Beispiel heraus, Herrn Göbbels persönlich folgendermaßen anzureden:„Sie gehen zwar immer wieder unters Volk, aber mit uns, den Angehörigen der Nichtparteipresse, kommen Sie nicht so sehr in Berührung. Da ich aber auch nicht zu Ihnen kommen kann, denn Sie wohnen in einem großen Haus mit tausend Zimmern, da sißen tausend Männer drin, und tausend Vorzimmer sind da, da sigen wahrscheinlich schon zehntausend Menschen drin Armer Thomas Trimm, dieser Sag war ein schwerer Fehler! Du hast es gewagt, die Vorzimmerbeamten zu beleidigen, indem Du durch die Blume zu verstehen gabst, daß sie Dir ziemlich überflüssig erschienen, und eine Unterhaltung mit ihnen noch überflüssiger. Thomas, das war, gelinde gesagt, nicht weltklug. Dann schriebst Du Unseliger:„Sie sind, Herr Reichs- minister, ein Freund des Wifies und der Ironie. W er so arbeitet, wird nicht leicht gleichförmig. Unsere Grenzen sind da aber enger gezogen"— hast Du damit sagen wollen, Thomas, daß die Verhöhnung der geknebelten deutschen Presse durch Herrn Göbbels ganz von fern sozusagen ein wenig an Feigheit erinnere? Schließlich fuhrst Du fort und das war das stärkste Stück: „Früher, da konnten wir zum Beispiel diese geistige Uebung(nämlich Witj und Ironie) gelegentlich auch an behördlichen Maßnahmen und behördlichen Personen erproben — Herr Reichsminister, bei aller Aufforderung von Ihnen: ich weiß nicht recht" Ja, zum Donnerwetter, da könnte ja einer auf den Gedanken kommen, früher sei dies oder jenes womöglich besser gewesen als heute. Thomas, Du bist mit Recht verboten worden. Und außerdem mit einem guten, saftigen Grund— wenn er auch im Erlaß Deines Chefs Göbbels nicht drin steht. Du hast in Deinem auf Mut stilisierten Artikel auch den Seufzer gewagt:„Wenn man heute in so vielen deutschen Ländern die von uns gefundene Form des Blattes bis in zufällige Einzelheiten kopiert und den Inhalt zu kopieren versucht und so eine traurige Gleichförmigkeit auch noch der Sonntags- Zeitungen in Deutschland schafft..." Um es kurz zu sagen: die Nazis geben seit etwa zwei Jahren eine sogenannte„Braune Post" heraus, die tatsächlich Dein Blatt, Thomas, bis auf die Gestalt der Buchstaben nachäfft. Sie scheinen der Ansicht zu sein, daß sie nun genug von Dir gelernt hätten und daß Du darum überflüssig geworden bist. Also war das Verbot eine Selbstverständlichkeit. Denn auch für geschäftliche Konkurrenten, die zugleich die Herren im Staate sind, gilt das Wort: Man tut, was man kann. Und wenn künftig wieder einmal ein Naziminister behauptet, er wünsche Kritik, und Denken sei in Deutschland keineswegs verboten und außerdem stehe die öffentliche Meinung freiwillig hinter der Regierung— dann werden wir an Dich und Deine„Grüne Post" denken, Thomas, und wissen, was ivir davon zu halten haben. Argus. schichte kennt, hat Gottes Segen angerufen. Darüber mögen sich die Gottgläubigen mit ihm auseinandersetzen. Wir stellen nur fest, daß ihm der Fluch von Millionen und aber Millionen Deutschen antwortet. Deser gesegnete Fluch sprach gewaltig intdj ans dem Schweigen der Berliner Arbeiter auf dem Tempelhofer Felde. Sie und wir waren in dieser Stunde eng verbunden, nicht sie und der deutsche Diktator. ^Er suhlte wohl, daß er diesmal Gegnern gegenüberstand. Darum versagte sogar seine Hysterie. In ihm selbst, der so- lange in seiner Verblendung und in seiner Unwissenheit von einer scherischen Selbstsicherheit war, regen sich die Zweifel und vermehren die Skepsis seiner Hörer. Der Glaube fehlt, und alles wankt. Tie große, umstürzende Entwicklung kündigt sich an: Zweifel, Unzufriedenheit, Kritik, Auflehnung. Rebellion, Ausstand, Revolution. Tie Masse schweigt. Aktiv sind nur wenige. Das sind die heldischen Bahnbrecher. Ihnen mehr als der Masse gilt unsere Hoffnung und unser Glaube. Wir grüßen diese Männer und ehren sie. Wir wissen um ihr Kommen, auch wenn manche von ihnen noch die Uniform des Feindes tragen, den wir hassen. Der„Führer" resigniert, weil die herannahenden Stürme der sozialistischen Umwälzung ihn schrecken. Er und die Seinen beginnen zu fühlen, daß Aufmärsche nnb Preidgten den nahenden Untergang nicht aushalten können. Untergang? Nur für die Machthaber und ihr System. Rettung und Ausbau aber für die deutsche Wirtschaft und die deutsche Nation. Freies Deutschland! Notes Deutschland! Vorwärts! Geheimversammlongen in Oesterreich Wien, 2. Mai. Den Höhepunkt des Wiener Tages bildete der Festzug der Stände. Hinter dem Menschenspalier sah man Heimwehr mit Gewehren, an den Zugängen zur Ring- straße standen Toppelposten mit Gewehr. Essehltendie« A r b e i t e r m a s s e n, die sonst an diesem Tage in Achter- reihen über den Ring marschierten. Sie waren weggeblieben. und hatten sich zum großen Teil zu geheimen V e r- s a m m l u n g e n i n den umliegenden Wäldern Wiens eingefunden. Eine Menge Sozialdemokraten hatte sich am Tafelberg bei Wien versammelt, wo die deutschen sozialdemokratischen Abgeordneten ans der Tschechoslowakei Jeksch und Katz sprachen. Gegen 3 Uhr waren bereits gegen 1001) Menschen versammelt. Sic wurden plötzlich von ans den Wäldern hervorbrechenden Gendarmen ange- griffen und zerstreut. Der Abgeordnete Jeksch wurde verhaftet. Die Menge flüchtete in die Wälder. Unterdes strömte von allen Siten das Gros der Teilnehmer heran und hielt in einer Starke von mehreren tausend Menschen u n t c r f r e i e m H i m m e l d i e V e r s a m m- lung ab. In Wien wurde eine Reihe Verhaftungen vor- genommen. Illegale- Harle Strafen Vor dem Strafsenat des Kasseler Oberlandesgerichts hatten sich wieder mehrere Kommunisten aus Frank- surt a. M. zu verantworten. Der 44jährige Schneider Ludwig Becker und der 30jährige Korbmacher Philipp Scheuer, ein fast erblindeter Mann, hatten von einem aus Frankfurt geflüchteten Kommunisten ans dem Saalgebiet Flugschriften erhalten, deren Verbreitung sie stch an- gelegen sein ließen. Scheuer erhielt ein Fahr sechs Monate Gefängnis, Becker hingegen z w e i I a h r e Zuchthaus. Der Elektromonteur Otto Dambacher, der Kellner Kurt___ Wappler und der Schlosser Fritz Schleicher! hatten den Ver-|»^ff§|€fllgl|§|3I3l|f} such unternommen, die verbotene NGO. wieder auszu-** ziehen, zu welchem Zweck sie in der Wohnung der mit- angeklagten Ehefrau Luise Borch Zusammenkünfte abhielten. Dort wurden auch illegale Schriften vervielfältigt. Dam- bacher, Wappler und Frau Borch wurden zu sc z w e i I o h- reu Gefängnis, Schleicher! als der Anführer zu fünf Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust ver- urteilt. Hai im Saargebiet Fahnen, Girlanden, Transparente, Jlluminationslämpchen und Scheinwerfer— wer am 1. Mai Saarbrücken und andere größere Städte des Taargcbietes erlebte, mußte glauben, daß sich die Menschen an der Saar in einem hypcrpatriotischen Rauschzustande befänden. Aber wo hat man aus echter Hitler- begeisterung geflaggt? Wo war reine wirtschaftliche Be- rechnung maßgebend, im Geiste jenes Verses, den vor einiger Zeit ein saarländischer Nationalsozialist prägte: Deutsch die Saar— nur gegen bar? Wo hatte der terro- ristische Druck durch den Unternehmer oder durch den Haus- wirt den Sieg davongetragen? Wo war es einfach An- passung an den lieben Nachbarn und die Eitelkeit der Haus- frau, nicht weniger Grün und nicht weniger Faunen zu haben als die Gevatterin nebenan? Die ganze Problematik eines Grcnzlandes, das sich aus eine entscheidende Abstimmung vorbereitet, wurde hier sichtbar. Die Wahrheit ist vom Irrtum und von der Verlogenheit nicht mehr zu unter- scheiden. Jeder, der stch dem Bekenntnis zum Hitlermai äußerlich entzog, lief Gefahr, als„Landesverräter" zu gelten. Am erschütterndsten war, daß wir Fahnen und Lampions auch an typischen Proletarierhäusern erblickten. Diejenigen, die am ärmsten waren, feierten den Tag, der in Hitlerdcutsch- land zur Armut noch die Entrechtung gesellte. Am 1. Mai ist drüben das Gesetz zur„Ordnung der nationalen Arbeit" in Kraft getreten, das die sozialen Errungenschaften von sieben Jahrzehnten mattgesetzt hat. Diese Proletarier feierten den Tag, an dem vor einem Jahre ihr einziger sozialer Schutz- wall, die deutschen Gewerkschaften, vernichtet wurden. Wir wissen, daß diese Fähnchen und Girlanden nicht gekauft, son- dern von Beauftragten der„deutschen Front" verschenkt wurden. Aber der Stumm-Hilgcr-Gcist, der jetzt nach dem Wunsche der„deutschen Front" vom Hitler- reiche her wieder an der Saar heimisch werden soll, ist glück- lich, daß er für die entscheidende Stunde seiner Sklaven sicher ist. Um so erfreulicher, daß stch trotz dieses offenen und nnstcht- baren Terrors der WibcrstandSgcist immer deutlicher belebt. Das wurde auch am Maitag sichtbar. In den Straßen Saarbrückens demonstrierten Sozialdemo- kraten und Kommunisten. Die Hauptstraße Saar- briickens sah am 1. Maitage zahlreiche Kundgebungen und Gcgenkundgebungen.„Freiheit",„Rotfront" ain der einen Seite—„Landesverräter".„Separatisten",„Aufhängen!" auf der anderen Seite. Die Saarbrttcker Polizei hatte einen harten Arbeitstag. In den Abendstunden sah sie sich ge- zrvungen, die Bahnhofstraße zeitweilig abzusperren. Der Oberbürgermeister von Saarbrücken. Herr Dr. Neikes, hatte ausgerechnet auf den 1. Mai eine Stadt- verordnetenversammlung angesetzt. Sie sollte dem Gcdächt- niS der vor 25 Jahren erfolgten Gründung Groß-Saar- brückens gewidmet sein, war aber praktisch eine Demon- stration. An der Front des Rathauses waren Hitler und Hindenburg-Büsten zu sehen. Beide wurden zu Ehren- bürgern der Stadt Saarbrücken ernannt. Die Veranstaltung war e>ne ofimfrind'g? K>eraussorderung. denn die Regie- rungskommisston hatte jede öffentliche Maidemonstration ver- boten. Die Linke war der Sitzung demonstrativ fern- geblieben. Während der Rede des Oberbürgermeisters er- tönten von der Straße her laute Frciheitsrufe. Auch die Internationale wurde gesungen. Auf dem Kleinen Exerzierplatz Saarbrückens fand nach- mittags eine stark besuchte Kundgebung der freien Sportler statt. Die antifaschistischen Veranstaltungen wurden gekrönt durch eine eindrucksvolle Maifeier im über- füllten F>'stsaale der AW. Hier hielt Max Braun die Ansprache, die mit stürmischer Begeisterung aufgenommen wurde. Ausgezeichnetes leisteten die sozio- ristische Arbeiterjugend und die freien Turner Zum Schluß sang man gemeinschaftlich die Internationale. Noch Immer..Novemberwahl" Der nationalsozialistische„Freiheitskamps" in Dresden berichtet:„Der 20 Jahre alte Arbeiter Kurt Friedrich Krabl aus Radcberg hatte sich im November 1033, kurz vor der Volksabstimmung, in sehr mißliebiger Weise über die Wahl geäußert und außerdem führende Nationalsozialisten und Reichsministcr beschimpft und verächtlich gemacht. Die Große Strafkammer des Dresdener Landgerichts verurteilte ihn jetzt zu sechs Wochen Gefängnis." Ein Trauen-Wellkongreß Gegen Krieg und Faschismus Ein auf breitester Grundlage konstituiertes Initiativ- komitee ruft die Frauen der ganzen Welt zn einem Kongreß gegen Krieg und Faschismus auf, der in der Zeit der 20. Wiederkehr der Kriegserklärung vom 28. bis 30. Juli in Paris stattfinden wird. Dem Initiativkomitee sind zahl- reiche Zustimmungserklärungen bedeutender Persönlich- leiten aus verschiedenen Lagern und Ländern zugegangen. Anfragen sind zu richten an:.Oomtte ck'Initiatieo b'emlnen Iii Larackis. Ha« MeuertK Wie die Blätter melden, hat das Innenministerium dem Führer der Unabhängigen Arbeiterpartei Maxton mitgeteilt, es könne Trotzki nicht erlaubt werden, sich auf einer der britischen Kanalinseln ansässig zu machen. Zwischen Bertretern der deutschen und der süd- slawischen Regierung ist ein Handelsvertrag unter- zeichnet worden. # Die Regierung der Bereinigten Staaten hat in Tokio einen diplomatischen Schritt unternommen und von der japanischen Regierung Ausklärung über ihre Chinapolitik verlangt. * In der Nähe von Barcelona überfuhr an einem Bahn- Übergang ein Eiscnbahnzug eine Gruppe von Ausslüglcrn, von denen drei getötet und elf schwer verletzt wurden. Die„Volksstimme" berichtet aus Saarbrücken: In der Nacht zum Dienstag wurden an den verschiedensten Stellen der Stadt von Nationalsozialisten.rote Fahnen ver- brannt. So u. a. auch am St. Johanner Markt. Die Nationalsozialisten hatten bereits vorige Woche einen Einbruch in das Sporthaus der freien Rasenspieler ani dem Sportplatz an der Meher Land- straße verübt, die Fenster zertrümmert, die dort gelagerten roten Fähen verbrannt und die Sportgegenstänbe, Fußbälle usw.. zerschlagen und zerschnitten. R e i n st e r B a n d a l i s- m u s. In der Nacht zum Dienstag war das Sportkaus der freien Rasenspieler von drei Genoffen besetzt. In der Nacht näherten sich dann zirka 80 Nationalsozialisten, um das Haus zu stürmen. Dem tapferen Verhalten der wachhabenden Ge- nosscn war es zu verdanken, daß nichts weiter passierte. Eine ganze Reihe von Mitgliedern der Freiheitsfront, die das Abzeichen für das Internationale Turn- und Sportfest an Pfingsten trugen, wurden verhaftet und mit zur Wache genommen. Den vielen Nationalsoziali st en, die kleine nid gr». ße nationalsozi alNtlsche Parteiabzeichen, und vor allem das im Saar- gebiet verbotene Naziabzeichen des„dritten Reiches" trugen, geschah nichts. Gegen sie. die ganz offen ihren Hitlergruß in der Stadt demonstrierten, schritt niemand ein. Einigen Polizeibeamten blieb es aber vorbehalten, den Nichtglcichgeschalteten. den Freiheits- und Rot-Front-Gruß zu untersagen..Die Hitler demon- stration wurde offenbar als ganz legal be- trachtet. vie rote ratine- Des Sultans von Sansibar In den Abendstunden kam es aui der Bahnhof st r a ß e in Saarbrücken zu weiteren Krawallen. Sic spielten sich vor einem Hause ab, an dem eine roteFahnc hing. DieP er- sonen, die das Haus verließen, wurden in gemeinster Weise angepöbelt und jüdische Straßenpassantcn beschimpft, die Polizei nicht stark genug war, um die Nazimaniscstantcn zu zerstreuen, mußten Landjägerabteilungen zu Fuß und zu Pferde herangezogen werden. Die Straße wurde mehrmals geräumt, aber immer wieder kam es zu Demonstrationen, so daß die Polizei energischer vorgehen mußte. Verschiedene Nazijüstgllilge wurden f e st g e n o m m e n. Schließlich versuchte ein Nazi unter dem Gejohle der Menge, an der.Hausfässade emporzuklettern. um die rote Fahne herunterzureißen. Zwei Meter von der Fahne entfernt wurde er aber von einem Polizisten wieder heruntergeholt. Tie Kundgebungen seiner Nazifrcunde veranlassten im Lanie des Abends Herrn Minister Ko ß m a n n, sich in seinem Kraftwagen an Ort und Stelle zu begeben und sich das Schauspiel anzusehen. Da im Saaraebiet keine Parteisahnen, sondern nur Völker- rechtlich anerkannte staatliche Flaggen gehißt werden dürfen, sei den Herren Nazis mitgeteilt, daß die rote Flagge ohne jede Inschrift die offizielle Flagge des Sulta- n a t e s von Sansibar ist. Geheimbefelile... Aber es gibt keine SA. an der Saar! Der„Generalanzeiger" für das Saar'gcbiet schreibt: Daß es sich bei diesem ganzen Feiertagsrummel nicht um eine spontane Kundgebung der Bevölkerung, sondern um eine von der Zentralstelle angeordnete und bis in die kleinsten Einzelheiten durchorganisierte Demon st ration gegen die Regierungskommission handelt, konnte jeder auf den ersten Blick erkennen. Zum Beweis, baß sich unsere Behauptungen nicht auf Vermutungen aufbauen, sondern dokumentarisch zu belegen sind, diene nachstehend abge- druckter Geheimbefehl, der im Original vorgelegen ist und von der NSDAP, nicht als Fälschung hingestellt werden kann. NSDAP. Streng-Geheim Kreisleitung Saarbrücken-Land Bfhl AI, 173-XX; Datum 18. 4, 1934 18 Uhr Befehll Da uns laut Verordnung der Regierungskommission ver- boten ist, am„Tage der Nationalen Arbeit" unser Denkmal einzuweihen, verordne ich: 1. In allen Einheiten der SA und SS. ab Sonntag, den 20. 4. 34, abends 20 Uhr, oberste Alarmstufe. 2. Für den 1. Mai sind alle Urlaubsvergünstigungen auf- gehoben. 3. Sind in den Orten an der lothringischen Grenze Vor- bereitungen zu treffen, um dortselbst illegale Demonstra- tionen durchführen zu können. 4. Die Stürme 4-III, 4-1, 6, 8-XI, 9-VII, 10-IX haben zum Dienst am 1. Mai in Saarbrücken anzutreten. 5. Letztere in unauffälliger Kleidung, da es gilt den Auf- marsch der Kommunisten zu stören. 8. Nähere Anweisungen zu Punkt 3 folgen. 7. Die Führung in der Frage 4 übernehme ich selbst. Durch Kurier Standarten-Führer lgez. Unterschrift) Dieser Geheimbcfehl beweist nicht nur, daß es sich bei der „Kundgebung" um eine von der NSDAP, angeordnete Demonstration gehandelt hat, sondern, daß vor allem d i e 91®$ AP. Saar gebiet noch nicht aufgelöst ist, daß die SA. an der Saar noch immer existiert und daß man den heutigen 1. Mai anscheinend zu einer Art von Probemobilmachung benutzt hat. Haf-Festi&alle n!ec2erseE>rannt Große Aufregung in SOddeulsdiland Augsburg, 1. Mai. In der Nacht zum 1. Mai ist die große Sängerhalle in AugSburg, ein etwa 150 Meter langer und 80 Meter breiter Holzbau in Flammen ausgegangen. Der Brand erregt in ganz Deutschland großes Aussehen, weil in dieser Halle der Nationalfesttag gefeiert werden sollte. Die Halle war prächtig dekoriert, mit Lautsprechxranlagen und festlicher Beleuchtung eingerichtet. Auch ein kostbarer Flügel war auf dem Podium aufgestellt. Der Gauleiter Wahl hat noch in der Nacht ein ausgeregtes Telegramm an den Reichs- kanzler, an den Reichsinnenminister, an den Reichs- propagavdaminister, an den bayerischen Reichsstatthalter, an den bayerischen Ministerpräsidenten und an den bayerischen Innenminister gerichtet und eine bolschewistische Brandstiftung behauptet. In einer Pressebesprechung hat aber ine Polizei zugeben müssen, daß Beweise für eine Brandstiftung noch nicht vorliegen und der Brand auch durch Fahrlässigkeit oder Selbstentzündung hervorgerufen worden sein kann. Spuren von Sprengstoffen oder Brandbomben sind nicht gefunden worden. Wie groß die Aufregung ist, geht daraus hervor, bah ins- gesamt 73 Personen in Schutzhaft genommen wurden. Diese Leute sind der Tat nicht verdächtig, aber man befürchtete politische Kundgebungen und setzte daher alle fest, von denen man glaubte, daß sie solche Demonstrationen organisieren könnten. Sddagende Weiler London, 80. April. Eine schwere Explosion ereignete sid am Montagvormittag kurz vor 8 Uhr in der Plank-Lane> Zeche in Leigh-Lancashire. Nach einem noch unbestätigten Ge- rücht sind 18 Bergarbeiter ums Leben gekommen. Etwa 20 Mann wnrden verletzt. Die Rettungsversuche waren am Montagvormittag noch in vollem Gange. Etwa 210 Berg- leute befanden sich zur Zeit der Explosion in dem betroffenen Grubenabschnitt. Gegen 10 Uhr waren 90 von ihnen ge> borgen. Man glaubt, daß es stch um eine Kohlenstaubexplosion handelt. Aufmarschgebiete präpariert Prag, SO. April. Das dem tschechischen Außenmiüisterium nahestehende„Lidovenvviny" meldet, daß längs der tschecho- slowakischen Grenze auf der deutschen Seite des Erzgebirges eine neue Betonstraße angelegt wird. Belm Bau werden durchweg Mitglieder der Arbeitslager beschäftigt. Die Lei- tung liegt in den Händen von Personen, die militärischen Kreisen nahestehen. Außerdem werden dicht an der Grenze Betonbauten errichtet, die die Gestalt von Scheunen haben, jedoch viel massivere Wände besitzen, so baß der Gedanke au betonierte Unterstände naheliegt. Weiter werden Holzbrücke» durch neue Eisenbetonbrücken ersetzt. Deutschlands Aufrüstung Bewaffnung und Ausrüstung a) Versorgung mit Rohstoffen ;.-.^ n t" eI.£ Ö em Umfange die technische Aufrüstung vor sich geht, ist am oeiten aus der starken Einsuhr von Rohstoffen zu ersehen, die der Kriegserzeugung dienen. Sie hält trotz der Demseunot Deutschlands unverändert an. Das zeigen auch die Zahlen für die Monate Januar und Februar 1334. Deutschlands Metalleinfuhr sin To.) Kupfer Januar u. Februar 1932 13482 -„„ 1933 22125 „„„ 1934 38 296 Zink Blei Zinn Nickel 13 524 9132 1 976 499 12102 5 226 2 354 621 22 362 9 686 2 684 1 072 Auch die innerdeutsche Wirtschastsrüstung wird mit großen Mitteln gefördert. Besonders eifrig wird die Steigerung der deutschen Oel- und Benzinproduktion ge- trieben, obwohl die Herstellung drei- bis viermal mehr kostet als der Bezug aus dem Ausland, zumal der Reichskasse auch «och die Zolleinnahme entgeht. Die Benzinproduktion aus Braunkohle ist schon 1933 von der JG.-Farben in Leuna stark erweitert worden. Genaue Angaben werden im Geschäfts- bericht verschwiegen. Die Rohölproduktion Preußens ist in den letzten zehn Jahren von 60 000 To. auf 232 000 To. er- weitert worden. Sehr interessant ist ein Bericht im„Deutschen Reichs- anzeiger" Nr. 91 vom 19. April. Danach hat Pros. ing. L. Ubbelohde von der Technischen Hochschule Charlottenburg in einem Vortrag über«Der deutsche Äineralöl-Wirtschafts- plan" gesagt: „Die inländische Verarbeitung eingeführten ausländischen Rohöles stelle nur eine halbe Maßnahme dar, denn i m Falle eines Falles würde sich ein Mangel an dem votwendigen Rohmaterial einstellen." h) Die Herstellung schwerer Waffen Die für die Wasfenerzeugung zugelassene Rhein- m e t a l l- Düsseldorf bringt die neueste Sorte Maschinen- gewehre heraus. Die Patronen brauchen nicht mehr in einem Gurt befestigt zu werden, sondern werden automatisch in den Lauf hineingezogen Die Fabrik hat auch eine Anzahl Ver- suchsexemplare eines neuen Tchnellfeuergeschützes für Flug- zeugabwehr hergestellt. Dieses Geschütz besitzt fünf rotierende Läuse und soll eine Feuergeschwindigkeit von 1000 Schuß pro Minute erreichen. Die Lastautosabrik Büssing- Braunschweig fabriziert Tanks serienweise. Einige Versuchsmodelle kleinerer Tanks, sogenannte Tanketten, stehen schon bereit. Auch bei den Deutschen Werken in Kiel werden Tanks hergestellt. Die frühere Karlsruhe-Waffensabrik, setzt Berlin- Karlsruhe in Berlin, fertigt Maschinen zur Herstellung von Kriegsmaterial an. Auf der S ch i ch a u w e r f t in Elbing werden Tanks her- gestellt. Die Waggonfabrik Linke-Hossmann in Breslau fertigt Tankteile an, die Waggonfabrik C h r i- stoph u. Umnack in Görlitz schwere Geschütze. Löwe- Berlin hat grobe Austräge an besonders langen Drehbänken für Flak-Langrohrgeschütze. DeutscheWerkeSpandau stellen neue Maschinen auf, nachdem sie mehrere Jahre prak- tisch in den Kriegsabteilungen stillgelegen waren. c) Herstellung von leichten Waffen und Munition < Außerordentlich groß ist die Zahl der Fabriken, die in den Dienst der Aufrüstung gestellt sind. Die weltbekannten Firmen Siemens, AEG. und Löwe- Berlin arbeiten in drei Schichten zu acht Stunden. Diese Firmen hatten zum Teil vom Kriege her in großer Zahl Revolverdrehbänke auf Lager. Zum Teil werden neue Drehbänke aufgestellt. Sie werden in der Hauptsache von der Werkzeugmaschinenfabrik P r i t t l e r in Leipzig bezogen. Auch dieses Unternehmen arbeitet in drei Schichten. Die Drehbänke dienen der Her- stellung von Granaten, Kaliber 77, 105 und 150 Millimeter. In Verlin-Brandenburg gibt es keinen arbeitslosen Re- volverdreher. Tie Nachfrage nach solchen Facharbeitern ist so groß, baß man sie sogar aus den Konzentrationslagern holt. Bei Siemens u. Halske ist eine Maschine für eine Pistole ganz neuer Konstruktion und einem Kaliber von 11 Millimeter hergestellt worden. L o r e n z- Berlin stellt Maschinengewehre her. Sehr stark ist B o r s i g- Berlin be- schäftigt. Dieses vor zwei Jharen bankrotte und mit Reichs- mittel« subventionierte Unternehmen hat seine Belegschaft auf 3000 Mann erhöht. Ursprünglich wurden nur SA.-Leute eingestellt. Da ihre Leistungen schlecht waren, wurde die Ein- stellung nach beruflichen Gesichtspunkten ohne Rücksicht auf die Gesinnung vorgenommen. Borsig fabriziert schwere Ma- schinen. ewebre. Er hat neue Spezialmaschinen ausgestellt. In der alten stillgelegten Flugzeughalle wurde eine Munitions- dreherei ausgebaut.. Man baut sogar neue Hallen für Gcschützdrcherei. Borsig und Rheinmetall sind nur durch einen Bretterzaun getrennt. Es besteht eine innige Zu- sammenarbeit zwischen den beiden Unternehmungen. Das Herz der deutschen K le i n w a ffe n fabrikation ist Suhl und seine Umgebung. Dort herrscht Hochkonjunktur. Geschlossene Fabriken sind wieder geöffnet. Alle Betriebe arbeiten in drei Schichten. Es werden auch Maschinen zur Herstellung von Kriegsmaterial angefertigt, während im all- gemeinen nur Revolver und Gewehre hergestellt werden. In Ruhla und Sömmerda werden Flugzeugabwchr- geräte hergestellt. In Sömmerda ist ein Flugzeugabwehr- geschütz hergestellt worden, das 1000 Schuß in der Minute abgeben soll. Im gleichen Maße ist in privaten und staatlichen Unter- vehmungen die Fabrikation von Munition im Gange. B o r s i g-Berlin, S i e m e n s- Berlin, L o r e n z- Berlin, Hasse u. Wrede-Berlin sind besonders zu erwähnen. S ch u ck e r t- Nürnberg fabriziert neue Ausschlagzünder, die die Bezeichnung„Thermosslaschenverschluß" haben. Während bei den alten Granatzündern Zahlen eingraviert waren und vor Abschuß auf eine dieser Zahlen eingestellt wurden und nach der entsprechenden Zeit explodierten, sollen die neuen Zünder jeweils beim Aufschlagen explodieren. Der alte Zeit- znnder ließ nämlich erkennen, aus welcher Entfernung die Granate abgeschossen war. Das wird setzt unmöglich. Im A r s e n a l in Dresden, auf dem Truppenübungsplatz Zeit- Hain lSachsen), wo sich während des Krieges Munitions- fabriken befanden, wird wieber gearbeitet. d) Herstellung von Flugzeugen und Flugplätzen Besonders umfangreich ist die Vorbereitung der Luft- rüstung. Deutschland verfügt bereits jetzt über eine riesige Zahl von Flugzeugen. Ein erheblicher Teil wurde aber nicht aus Mitteln des Reichs angeschafft. Seit dem Frühjahr 1933 wurden Gemeinden, Verbände, Firmen und Privatpersonen veranlaßt, Flug- zeuge zu stiften. Das ist in erheblichem Ausmaß geschehen. Die Maschinen stnd genormt und von gleichem Typ. Nur wenige stnd startbereit. Tie Mebrzahl liegt demontiert und verpackt in Hallen. Deutschland kann innerhalb kurzer Zeit durch einfache Montage seinen Bestand an startbereiten Flugzeugen auf ein Mehrfaches erhöhen. Trotzdem wird eifrig an der Herstellung weiterer Flugzeuge gerarbeitet. Alle Automobilfabriken und III Motorensabriken stellen Flugzeugmotore her. Das gilt vor allen Dingen für die DKWerke in Sachsen und für die Boye- rischen Motorenwerke lBMW.j. Bei BMW. sind drei große Arbeitshallen gebaut worden für eine Belegschaft von 2000 Mann. Man begründete den Bau mit einem russischen Auftrag über 5000 Fliegermotore. Selbstverständlich sind sämtliche Flugzeugfabriken bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit beschäftigt. Junkers in Dessau beschäftigt 9000 Menschen. Es werden neue Mon- tagehallen angelegt, und zwar in Form von Arbeitersied- lungen, Häuser mit tiefen Kellern, Die Focke-Wulf- Werke in Bremen arbeiten in drei Schichten mit erhöhter Belegschaft. Dasselbe, gilt von den deutschen Dornier- Werken bei Friedrichshasen. Sie stellen schwere Kampsflug- zeuge her. Das ist auch der Fall bei den Flugwerken in Warnemünde. Der Flugzeugbau Johannisthal er- zeugt Ausbildungsslugzeuge. Die Werft Blohm u. Boß in Hamburg baut neuerdings Flugzeuge. Die A T G. lAllgemeine Transportgesellschaft) Leipzig hat feit einigen Monaten ihre Produktion umgestellt. Sie erzeugt Flugzeugtragflächen. Die Firma stellt Leute ein, die vorher bei Junkers in der Flugzeugmontage ausgebildet waren. Solche Leute gibt es bei Junkers einige Tausend, die nach ihrer Ausbildung in ihre Heimat zurückgehen. Flugzeughallen werden gebaut von der Firma H. Gossen- Berlin-Reinickendorf und K o m n i f in Elbing. Flügplätze werden in allen Teilen Deutschlands neu angelegt: Im Munsterlager bei Bremen, in Demmin(Pommern), in der Pfalz, in Ottobrunn bei München, in Harburg o. E. usw. Ein Seeflugzeughasen ist in Seerappen bei Königsberg entstanden. Diese neuen Flugplätze kommen schon wegen ihrer Lage für die private Luftfahrt nicht in Betracht. Der Flugplatz in Kottbus ist ausgebaut worden und jetzt dreimal so groß wie vorher. Besondere Mannschasts- hallen sind im Walde errichtet worden. Neue Flughallen zur Unterbringung von 70 Flugzeugen, deren Dächer mit Moos abgedeckt sind, wurden'erbaut. Der neuerbaute Flugplatz O t t o b r u n n bei München ist in Betrieb genommen. Dort sind Fliegerstürme der SA. und Mannschaften der Verkehrsfliegerschule untergebracht. Der Flugplatz wird zur Ausbildung der SA.-Fliegerstürme verwendet. Es fliegen Doppeldecker und Jagdflieger. Auch die schweren Maschinen aus Oberwiesenfeld(ohne Fenster im Rumpf und mit ausfallend starkem Motorengeräusch) sind zu beobachten, trotz der Tarnung durch Leinwandüberzug. In München- Oberwiesen seid befinden sich zwanzig schwere Kampfflugzeuge, die im Passagierslug nicht ver- wendet werden. Die Flugzeuge sind dreimotorig und durch das dumpfe Gebrumm leicht von den Verkehrsflugzeugen zu unterscheiden. Auch fehlen ihnen die Kabinen. Der Flugplatz S ch l e i ß h e i m bei München wird durch den Arbeitsdienst ausgebaut. Es werden zwei dreischisfige Hallen, 40 Meter lang und 30 Meter breit, gebaut, auch eine große Anzahl von Wohnhallen. Die Flugzeugpilotenausbildung war bis zum Vorjahr sehr teuer. Sie kostete 1400 Mark. Jetzt ist die Teil- nähme an diesen Kursen umsonst. Die Flugschüler sind Stu- denten, Gymnasiasten und junge Techniker. Am 18. April hat der Reichslustfahrtminister Göring eine sehr wichtige Verordnung erlassen. Es werden 16 Luft- ämter errichtet, denen alle Ausgaben aus dem Gebiet der Lustfahrt übertragen werden. Man begründet diese Maß- nähme mit verwaltungsmäßiger Vereinfachung. Davon kann aber im Ernst gar keine Rede sein. Die für die Luftfahrt wichtigen Maßnahmen, Flugsicherung, Wetterbeobachtung, Fahrplan usw. wurden bisher bereits einheitlich vom Reich unter Ausschaltung der Landesbehörden geregelt. Bei der neuen Organisation handelt es sich um eine Zusammen- fassung unter rein militärischen Gesichtspunkten. Der frühere Führer des Flugbootes„Do. X.", Chri- stiansen, ist jetzt Ministerialrat im Luftfahrtministerium. e) Herstellung von chemischen Kampfmitteln In Aken an der Elbe wird eine chemische Fabrik erbaut, es soll ein Teil der Produktion von Ludwigshasen nach Aken verlegt werden. Die Anlagen sind zum Teil unterirdisch. Die Arbeitsvermittlung geht von der NSDAP, und der Reichswehr aus. Das Leunawerk in Merseburg stellt Arbeiter für Kriegsproduktion ein. Die Firma Drager'» Lübeck erzeugt Gasmasken. Auch in Hamburg ist eine Fabrik, die 200 Arbeiter beschäftigt, neu errichtet worden. Sie erzeugt ebenfalls Gasmasken. f) Herstellung von Ausrüstungsgegenständen Auch die Herstellung von Ausrüstungsgegenständen ist im vollen Gange. Munitionskästen, Geschoßkörbe, Stahlhelme, Seitengewehrscheiden, Patronentaschen, Tornister,^rtachel- draht, Motorräder usw. werden von zahlreichen Betrieben in ganz Deutschland erzeugt. Bei Zeiß-Jena wird in einer Sonderabteilung eine Gruppe von 18 Arbeitern mit der Herstellung eines beson- deren Richtinstrumentes zu dem Flugabwehrgeschütz be- schäftigt. Seine Verwendung soll alle Schwierigkeiten beheben, die sonst ein bewegliches Ziel bietet. Ein Flugzeug, das von diesem Instrument gesichtet wird, soll praktisch nicht mehr aus der Feuerlinie geraten. Die optische Industrie in Wetzlar arbeitet in drei Schichten. Befestigungen und sonstige Vorbereifungen a) Befestigungen im Osten Im Heilsberger Dreieck(Ostpreußen), wo militärische Anlagen erlaubt sind, befinden sich 25 Arbeitslager mit je 150 Mann. Sie werden ausschließlich militärisch aus- gebildet.' Auch in den übrigen Teilen des Ostens sind Befestigungen vorgenommen worden, so z. B. bei C r o s s e n a. Oder. Dort ist auch ein neues Kraftwerk vorwiegend zu militärischen Zwecken gebaut worden. An der ganzen polnischen Grenze lagern fast in jedem Bauerndorf große Mengen Stacheldraht. Die Leitungen des Kraftwerkes sollen sowohl gleichzeitig oberirdisch und unterirdisch sein. Aus der Strecke Frankfurt a. O.—Breslau liegt das Krall- werk Finkenherd. Auf dieser Straße sind bereits wiederholt nachts Versuche mit Strahlen an fahrenden Auto- mobilen gemacht worden. Durch die Strahlen sind fahrende Autos plötzlich zum Stehen gebracht worden. Die Versuche sollen demnächst auch an Flugzeugen ausprobiert werden. Auch von der sch lesischen Grenze gegen Polen und gegen die Tschechoslowakei liegen Nachrichten über starke Befestigungen vor. h) Kasernen und Unterkünfte Von überall liegen Nachrichten vor, daß Kasernen und milt.dn■■■*'<••'' Tie in den l-tzten zehn Jahren zu Wöh- nungs- oder Bürozwecken zur Verfügung gestellt worden sind, in kurzer Zeit geräumt werden müssen. Teilweise sind die Kasernen bereits geräumt. c) Ausbau der Marine In Kiel werden bei den Deutschen Werken U-Boote in leicht zusammensetzbaren Teilen gebaut. Damit steht auch im Zusammenhang die Einrichtung von U-Boot-Schulen. Ferner werden in Kiel und in Wilhelmshaven je ein Panzerkreuzer von 6000 To. der Leipzig-Klasse gebaut. Fröhlich nah Verschiedene Errungenschaften? Es war am 1. April sehr amüsant, die enttäuschten Ge- sichter der Briefträger zu beobachten, die zum großen Teil einmal begeistert waren für die kommenden Verbesserungen, die das„dritte Reich" bringen sollte. Nun müssen sie zu ihren erheblichen Abzügen am geringen Gehalt auch noch Sonntags die Post austragen, was sie unter dem verfluchten „System" nicht brauchten. Wenn die Schadenfreude vorsichtig genug zur Schau getragen wird, gibt es noch keine Schutz- Haft. Darauf waren unsere Leute bedacht. Eine ähnliche Enttäuschung gab es auch bei den Bäckern, für die ohne vorherige Befragung wieder das Nachtbackverbot aufgehoben wurde. Sie sagen, weil irgend ein Stenz in der Bonzenuniform die warmen Brötchen etwas früher wünschte. Eine Veröffentlichung, wonach die Reparaturdarlehen für Hausbesitzer bereits vergriffen sind, hat auf die naiven Bewunderer des„dritten Reiches" auch etwas ernüchternd gewirkt. Sie glaubten tatsächlich an Wunder und müssen nun sehen, daß es keine Wunder gibt, wenn das Geld zu Ende geht. Die Zeitungen klagen stark über die erschreckend zunehmen- den Diebstähle aller Art, worunter die Autodiebstähle einen besonderen Rang einnehmen. Auch das Wildern und die Roheitsdelikte der Jugend nehmen zu. Kein vernünftiger Mensch hat etwas anderes erwartet. V ertrauensratswahlen Gegen die niederschmetternde Wirkung der sogenannten Vertrauensratswahlen, die offenbar überall dieselbe Ab- lehnung der großen Mehrheit ergeben, scheint man jetzt das auch sonst sehr wirksame Mittel des Verschweigens an- zuwenden. Es sind nun schon mehrere Fälle bekannt ge- worden, wo das Ergebnis gar nicht mitgeteilt wird. Die einzige Veröffentlichung, die man bis jetzt lesen konnte, be- handelte das Ergebnis bei den städtischen Arbeitern in Pix- masens, aber auch da wird nur mitgeteilt, daß die Saudi- baten über 50 Prozent der Stimmen erhalten hätten. Also selbst bei dieser gut sortierten Belegschaft, die von allen be- kannten Marxisten grünblich gereinigt wurde, ist also das Ergebnis sehr mager ausgefallen. Verhaftung und Verurteilung eines Verteidigers Einen interessanten Blick in die gegenwärtigen deutschen RechtsverHä issc gewährte die letzte Tagung des Sonder- qerichtS in Frankenthal. Dort wurde der Rechtsanwalt Theobald Schultz aus Ludwigshasen zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, weil er angeblich während der Ver- teidigung eines tüchtigen Nazianhängers von Pirmasens den Gauleiter Bürckel beleidigt haben soll. Der Bäcker Fichtner von Pirmasens hatte, wie so viele seiner TA.-Freunde Herrn Bürckel als einen Separatisten bezeichnet. Gegen diesen Vorwurf, der in Reden und Zeitungen von Nazi- anhängern vor der Machtergreifung immer wieder gegen Bürckel erhoben wurde, hat sich dieser Mann bis heute nicht reingewaschen. Nach der Machtergreifung ließ er seine Feinde einfach verhaften, verprügeln und aus ihrer Heimat ver- weisen, womit für ihn die Sache erledigt schien. Aber bei allen möglichen Anlässen wird auch heute der Vorwrui erneut er- hoben, und zwar immer wieder von semen eigenen An- hängcrn, die natürlich genau Bescheid wissen, was los war. Bürckel ist aber jetzt eine so hohe Persönlichkeit geworben, daß es ihm gelingt, gegen jeden Angreifer hohe Gefängnis- strafen zu erwirken, wobei aber die gut eingeweihten Per- sönlichkeiten zwecks Aufklärung der Angelegenheit nie ge- hö-t werden. Fichtner erhielt 6 Monate Gefängnis. Sc n Anwalt wurde sofort verhaftet nnd erhielt nun ein Jahr Gefängnis, weil er Fichtner verteidigt hat und dabei eben» falls nicht umhin konnte, gewisse verdächtige Umstände im Leben Bitrckels anzudeuten. Nun kann er ein Jahr lang über die herrliche Rechtsordnung des„dritten Reiches" nach- denken. Etwas mehr Glück hatte der Fabrikarbeiter Jakob Dahl aus Niederauerbach, der einem Fremden- legionär geschrieben hatte, die Arbeiter seien seht in Deutsch- land die reinsten Wirtschastssklaven, es werde aber die Zeit kommen, wo mit dem Faschismus abgerechnet werde. Wer heute die Wahrheit sage, werde verhaltet nnd nach Dachau verbracht. Für diese reine Wahrheit erhielt er zwei Monate Gefängnis. Ein tapferer„Knedif" Der Fackelzug Aus Wallhalben in der Pfalz wird berichtet:„Wegen groben Unfugs wurde der 26jährige Dicnstknecht Feldheiser von Wallhalben vom Amtsgericht Waldfischbach zu vier Wochen Haft verurteilt, wogegen er, wie auch der Amts- enwalt Berufung einlegte. Bei einem anläßlich des Wahl- crgebuifles am 12. November abends in Wallhalben abgehal- tenen Fackelzug mit Feier vor dem Rathaus hatte der An- geklagte beim Absingen des Deutschlandliedes die Mütze.auf dem Kops, die Zigarette im Mund und die Hände in den Taschen behalten. Bo« den Gendarmen zur Rede gestellt, warum er nicht die Mütze abgenommen und den Arm nicht erhoben habe, gab er zur Antwort, er habe nicht gewollt. Die Kleine Strafkammer Zweibrücken verwarf die Berufung des Angeklagten, gab der des Amtsanwalts statt und verurteilte ihn unter Aufhebung des er st richterlichen Urteils wegen groben U n- fugs zu 6 Wochen Haft und zu den Kosten der beiden Berufungen." QMng kaltgestellt Engtands Wunsdi erfüllt... N:nker den ftnffssen der kleinen velMsretarm Vor einigen Wochen veröffentlichte die„Deutsche Frei- heit eine Nachricht, die damals vielem Erstaunen und noch größerem Unglauben begegnete. Diese Meldung(„Eng- land fordert Görings Kopf") besagte, daß von maßgebender englischer Stelle ein Druck auf Hitler aus- geübt worden sei, um Hermann Göring sobald wie möglich aus der Spitzentruppe der braunen Diktatoren zu entfernen. Es wurde dem Reichskanzler nachdrücklich ver- sichert, daß Hitlerdeutschland erst dann wieder als gentleman like unter den Nationen Europas angesehen und entsprechend behandelt werden könne, wenn es sich von Göring trenne, dem Manne, der mit den Schandtaten des braunen Regimes am engsten verantwortlich ver- Kunden sei. _ Schneller, als man erwarten konnte, ist dieser Wunsch Englands erfüllt worden. Tie entscheidende Schwächung des Einflusses von Hermann Göring wurde soeben vor- genommen durch eine„kleine R e i ch s r e f o r m", die die personellen Hintergründe der Entthronung Hermann Görings in Preußen nicht ungeschickt verbirgt. Die amt- liche Mitteilung darüber lautet: „England fordert Görings Hopf" Berlin, den 1. Mai. In einem Schreiben des Reichspräsidenten von Hindenburg an den Reichskanzler Adolf Hitler gibt der Reichspräsident seine Unterschrift zum Erlab einer„kleinen Rcichsreform". Danach scheidet Hermann Göring in seiner Eigenschaft als preußischer Staatsminister und preußischer Innenminister ans dem Amt, bleibt aber preußischer Ministerpräsident. Der Reichsinnenminister Dr. Frick übernimmt zugleich das Amt des preußischen Innenministers. Hermann Göring hat ein Schreiben an den Reichskanzler Adolf Hitler gerichtet, in dem er die oben veröffentlichte Reg» lang vorschlägt. Das Schreiben trägt die Unterschrist: In un- wandelbarer Treue Ihr dankbarer Hermann. Adolf Hitler hat darauf Reichsinnenminister Frick auch mit dem Amt des preußischen Innenministeriums betraut, und an Göring ein Schreiben mit der Anrede:„Mein lieber Göring" gerichtet, in dem es heißt, daß Göring bereits am l7. März 1H84 den Borschlag gemacht habe, Frick mit dem Amt des preußischen Jniienminiftcrinms zu betrauen. Hitler schreibt weiter, daß Göring selbst den Wunsch geäußert habe, im Hinblick aus die Bedeutung der Reichsrcsorm und unter Zurückstellung seiner eigenen Person, als preußischer Staats- minister und Minister des Innern von seinem Amt ent- Kunden zu werden, Seinem Wunsche wäre man nunmehr nachgekommen. Hitler erklärt weiter in diesem Schreiben, daß Göring selbst daraus hingewiesen habe, daß er die ihnen gestellten be- sonderen Ausgaben in der preußischen Verwaltung inzwischen gelöst habe. Zum Schluß wird noch einmal betont, daß Hitler nur dem eigenen Wunsch Görings in dieser Angelegenheit nachkomme. Zugleich wird bekannt gegeben, daß ein Rcichsministcrinm für Wissenschast, Erziehung und Volksbildung neu gebildet worden ist. Zum Reichsminister ist für dieses Amt ernannt morden der preußische Kultusminister R u st. * Ziehen wir da? Fazit: Göring bleibt zwar der preußische Ministerpräsident, zugleich aber muß er die ganze Exekutiv- macht des preußischen Staates an Frick abgeben. Wenn es so dargestellt wird, als ob der„dankbare Hermann", wie Herr Göring seinen Brief an Hitler unterschreibt, selbst seine Ent- machtung angeregt hätte, so wird das schwerlich jemand irre- führen. Görings Verzicht auf das preußische Innen- Ministerium ist in der Wirklichkeit der Abschluß langer und schwieriger innerer Kämpfe, die mit vollkommener Nieder- läge GöringS geendet haben. Ausschlaggebend waren dabei weniger innenpolitische Erwägungen, als ein Druck von außen: Göring ist von England gestürzt worden! Man beachte den Tag. an dem Herr Göring den Wunsch ge- äußert haben soll, das preußische Innenministerium an Frick abzutreten. Hitler nennt als Datum den 17. März dieses Jahres. Drei Tage früher, am 14. März, hat der englische Lord- stegelbewahrer Eden im englischen Parlament über Eindrücke seiner europäischen Reise berichtet. In dieser Rede hat Eden in einer in der diplomatischen Geschichte wohl ziemlich einzig- dastehenden Form gegen Göring Stellung genommen. Er hat nämlich Bezug auf eine Rede von Göring genommen, die er als für die Verständigung mit Frankreich störend dar- stellte. Er. so führte Eden aus, sei offen bereit, den Unter- schied anzuerkennen, der zwischen einer militärischen nnd einer militaristischen Nation bestehe. Man dürfe diesen Unter- schied nicht vergessen, nnd er sei überzeugt, daß der Ton der erwähnten Rede im Urteil des englischen Volkes viel mehr der zweiten Gattung, als der ersten angehöre. Diese Dinge wären nicht so wichtig, wenn daS Vertrauen zwischen den Staaten instinktmäßig und tief wäre. Da dies aber gegen- wärtig nicht der Fall sei. hätten solche Tinge eine große Bedeutung. Schon damals wurden diese Auslassungen von Eden so ge- deutet, daß England als Bedingung für die Fortsetzung seiner Bemühungen um ein Kompromiß in der Rüstungsfrage den Kopf von Göring verlangte. Aus der Rede von Göring, die den Anlaß zum ungewöhn- lickien Vorstoß von Eden gegeben hatte, wollen wir hier nur einen Satz anführen:„Seien wir stolz darauf, wenn wir von außen verlacht iverdcn als eine Nation der Kommiß- stiefcl." Am 1(1. März hat Göring in Potsdam diese stiebe gehalten, am 14. März folgte der Vorstoß von Eben und am 17. März hat Herr Göring plötzlich das Bedürfnis empfunden, seine wichtigste Machtstellung loszuwerden. ch Ganz so einfach liegen aber die Dinge nicht. Wie gcsagt.be- deutet die Entmachtung GöringS den Abschluß von langen inneren Kämpfen. Das Bestreben von Göring war. seine Machtstellung in Preußen nicht aufzugeben, sondern viel- mehr immer stärker auszubauen. Göring wollte mindestens über die gleiche reale Macht verfügen, als sein„lieber Führer" selbst. Man könnte sich in diesem Zusammenhang noch an die Einrichtung des preußischen Staatsrates er innern, bei deren Eröffnung Hitler nicht anwesend war. Heute ist aber vor allem wichtig zu unterstreichen, daß der Ausschlag dieser Machtkämpfe durch den außenpolitischen Druck verursacht wurde. Der Umschwung war offenkundig, als Göring vor aller Welt seiner wichtigsten Polizeifunktion beraubt wurde. Er selber mußte die Führung der Gestapo an den obersten SS.- Fllhrcr H i m m l e r abgeben, was ihm sehr schwer fiel. »er Hintergrund Die gleiche Regierung, die seinerzeit den Mut gefunden hat, die Abrüstungskonferenz und den Bölkerbnnd zn verlassen, hat sich jetzt vor diesem außenpolitischen Druck gebeugt. Die tiefere Erklärung liegt in außerordentlichen Wirtschaft- lichcn Schwierigkeiten, in die das„dritte Reich" geraten ist. Tie Hitler-Regierung muß jetzt um die Gunst der Welt werben. Göring, dieser Held des Reichstagsbrandes und deS Rcichstagsbrandprotesses,hat sich schon längst alseine schwere Belastung der Hitler-Regierung im Auslande erwiesen. Es wird jetzt versucht durch die Entmachtung von Göring, die öffentliche Meinung der Welt mit dem nationalsozialistischen Regime zu versöhnen. Dieses Manöver wirb aber schwerlich den erwünschten Erfolg haben. Es wird vielmehr der Welt zeigen, wie stark heute die Sorge der nationalsozialistischen Diktatur um ihre Existenz ist. Das Ausland weiß, daß mit der Entfernung von Göring aus seinen wichtigsten Aemtern der barbarische Ungeist dieser Diktatur nicht aus der Welt geschafft wird. Ru$t Reichskultusminister DNB. Berlin. 1. Mai. Amtlich wird mitgeteilt: Der Herr Reichspräsident hat einen Erlaß über die Errichtung des R e i ch s m i n i st e- r i u m s für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung vollzogen. Tiefem Erlaß zufolge wird für das gesamte Erziehungs-, Bildnngs- und Unterrichts- wesen des Reiches sowie für die Ausgaben der Wissenschaft ein Rcichsministcrium errichtet. Ter Leiter dieser Behörde führt die Bezeichnung„Reichsministcr für Wissenschaft, Er- ziehung und Volksbildung". Die einzelnen Ausgaben des Rcichsministcriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung regelt der Reichskanzler. Er bestimmt auch die Auf- gaben, die aus dem Geschäftsbereich der beteiligten Reichs- Ministerien auf das Innenministerium übergehen, und zwar auch dann, wenn hierdurch der Geschäftsbereich der betroffe- neu Ministerien in den Grundzügcn berührt wird. Zum RcichSminister.für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung hat der Herr Reichspräsident auf Vorschlag des Reichskanzlers Adolf Hitler den preußischen Minister für Wissenschast. Kunst und Volksbildung. Nnst, ernannt, der bis zur anderweitigen Reglung gleichzeitig in diesem Amt verbleibt. ä Man sprach seit längerer Zeit von einem„R e i ch s k u l t u S- m i n i st e r i u m". Es soll allmählich die einzelstaatlichen Kultusministerien ablösen und Wissenschaft. Erziehung und Volksbildung noch stärker und noch einheitlicher unter den Zwang nationalsozialistischer„Weltanschauung" bringen. Ruft hat sich die Versklavung des Geistes, durch die Unter- werfung der preußischen Hochschulen und die Wehrhaft- machung der Pädagogik das erforderliche Vertrauen ver- schafft. Der preußische Ministerpräsident Göring aber hat wieder ein Ministerium weniger unter seiner Botmäßigkeit. Man nimmt ihm die Polizei, man nimmt ihm die„Kultur". Titel und Uniformen sind ihm noch geblieben. I^atlongl80ÄaN8tt8die§lrakredU8polUM in vi« Strafen Wenn die Nationalsozialisten Gott und den allzu nach- sichtigen Staatsorganen der Republik danken können, daß sie nie nach ihren Taten gemessen wurden und dank den geschlossenen Augen der Justiz nur zum allergeringsten Teil die ihnc.i nach dem Gesetz zukommenden Strafen haben er- dulden müssen, so beweisen sie doch den größten Mangel au Solidarität^Verbundenheit"! gegen ihre zahlreichen, nicht in der SA. organisierten Kollegen vom lichtscheuen Gewerbe unpolitischer Art. Daß sie ihre nicht kriminellen Gegner von den politischen Parteien und Kirchen, insonbers die Marxisten und Juden, in der Art behandeln, die sie selbst als Greuelmärchen bezeichnen lwovon leider nur das „Märchen" falsch, aber die Greuel echt sind), das wird keinen wundern, der ihren Charakter, ihre krimincll-pivchopathische Natur kennt. Sie sind, ivie sie als Abfall und Zersetzung»- Produkt der zerfallenden kapitalistischen Gesellschaft nicht an- bers sein können. Die Schande, sie hervorgebracht zu haben, fällt auf die Gesellschaft, sie als politischen Machtfaktor— nach Art der Gladiatorenbanden der ausgehenden altrömi- scheu Republik— eingesetzt zu haben, auf die„Wirtschafts- sichrer" des verendenden Kapitalismus. So versteht es sich von selbst, daß sie ihre» Gegnern die Ehrenrechte versagen, die man in kultivierten Staaten den politische» Straf- gefangenen zubilligt. Festungshaft wird für politische Straf- taten ausdrücklich ausgeschlossen. Aber auch den gemeinen Verbrechern gegenüber, die sich doch in ihrer Praxis nur wenig von den ausführenden Organen der Hitlerpolitik unterscheiden, verhält sich der Ratio- nalsozialismus als siegreiche Konkurrenz in einer Weise, die bewußt die ganze seit der Aufklärungszeit vor 150 Jahren eingeleitete Strasreformpolitik ablehnt und, wie Herr v. Pape» es sagte, hinter die große französische Revolution zu- riickgeht. Ausdrücklich lehnen sie es ab, der Wirkung der erziehlichen Mittel zu vertrauen, und kehren zur Ab- s ch r e ck u ii g s p o l i t i k, wie sie die rückständigsten und ver- härte.'sten Praktiker immer vertreten haben zurück. Die Todesstrafe wird soweit ausgedehnt, namentlich gegen politische Gegner, denen als besonders schimpfliche Todes- form das Erhängen angedroht wird. Ten Mut, sich offen z» den verschärften Tötungsarten des Mittelalters zu be- kennen, hat man doch nicht aufgebracht, doch können sich die Herren dafür aus die bewährten Kräfte ihrer schwarzen und braunen Wachen verlassen. Im übrigen aber scheuen sie sich nicht, zu den von allen fortgeschrittenen Fachleuten längst preisgegebenen, in der Praxis wenigstens sehr eingeschränkten Strasmitteln der körperlichen Peinigung zurückzukehren. Daß sie bei der Strafzumessung auch die Mitschuld der Gesellschaft in Rech- nung gestellt, der Erziehung des noch anpassungsfähigen Sträflings den Vorzug vor den rohen Mitteln der Ab- schreckung gegeben haben, das macht Staatssekretär F r e i s l e r, der das Glück gehabt hat, als Anwalt für seine dunklen Geschälte die Strafanstalt nur mit dem Ärmel ge- streift zu haben, seinen menschlichen Vorgängern zum be- sonderen Vorwurf. Ihn und die Seinen trifft dieser Vorwurf nicht mehr. So wird die bedingte Verurteilung ebenso wie die Zuerkcnnung mildernder Umstände fast restlos b e s s i t i g t, um so entschiedener die verschärfte Frei- heitsstrasc angewandt. Die Strafe soll, wie in einem Aufsatz des Amtsblattes der Justizverwaltung gesagt wird, „in erster Linie die Zusügung eines U e b e l s als Ver- gcltung für den Rechtsbruch" sein, ihr Zweck„nicht so sehr eine meist recht fragwürdige innereUm Wandlung des Rechtsbrechers, sondern seine Abschreckung von küuf- tigen Straftaten und die Statuierung eines abschreckenden Exempels für die Allgemeinheit". So ähnlich steht es auch in der Peinlichen Halsgerichtsordnung Kaiser Karls V. von 15. Die Herren fühlen sich ja sicher davor, selbst mit diesem Maße gemessen zu werden. Wenn z. B. das frühere Strafgesetz für Thüringen Ttrasverschärfung zuließ, „wenn eine Verletzung fremder Eigentumsrechte aus Rache oder Bosheit, vorsätzliche Körperverletzung, Verleitung zu Straftaten unter Mißbrauch eines besonderen Einflusses" vorlag, so paßt diese Kennzeichnung doch wie angegossen aus die Praktiken der SA. und ihrer.Führer. Aber wo kein Kläger ist, da ist auch kein Richter. Um so fröhlicher können sie darum ihre Instinkte an den Opfern der Gesellschaft oder angeborener Belastungen austoben, die zufällig nicht zur SA. gehören. Da tritt der Kriminalsoziologe Sauer als Tchwurzeuge auf:„Wer zusammenbricht, muß trainiert werden, alle Ver- weichlichungsmethoden sind auszumerzen. Ein gesunder Mensch in mittleren Jahren braucht nicht mehr als 5 Stunden Schlaf... Die Kost ist nach den bei A b m a g e r u n g s- kuren erforderlichen Kalorien zu berechnen. Das söge- nannte Normalgewicht sollte von Strafgefangenen nicht er- reicht werden." Die Entscheidung des Zulässigen wird dem Anstaltsarzt zugewiesen. Ter Arzt als Gehilfe der Menschenguälerei lost ,war er schlimmer als die Gefängnis- leitungj— an geeigneten Kräften wird es in der gleichgeschalteten Acrztcschaft sicher nicht fehlen. Tie praktische Anwendung der Betrachtungen lenkt die Aufmerksamkeit auf folgende Strafverschärsungen: Für be- sonders schwere Verbrechen swobci aber die schwersten schon durch Todesstrafe ausgeschieden sindj„K e r k c r", als quali- fiziertc Zuchthausstrafe, d. h. Schärsung durch regelmäßige Kostschmälerung, Entzug des Bettlagers und des Lichtes,- besonders schwierige, mühselige und ausgiebige Arbeiten bei Kultivierung von Mooren und Oedländereicn usw. Solche Verschärfungen sollte der Richter je nach der Individualität des Angeklagten verhängen dürfen. Gute Führung des Sträflings soll ihn von diesen Vergcltungs- und Ab- schrcckungsmitteln nicht befreien. Die amtliche Denkschrift sieht auch körperliche Zlich- ttgung tPrügelstrafeij als Verschärfung der Freiheit»- strafe vor.„Es ist zu erwägen, ob nicht körperliche Züchtigung rfiich als H a n p t st r a f e, insbesondere bei Roheitsdelikten und Tierquälerei einzuführen sein wirb." Pranger nnd schimpflicher Aufzug als Strafen werden von der Tenkschrist merkwürdigerweise abgelehnt. Daß sie tatsächlich oft genug angewendet werden, je nach dem Belieben unter- geordneter Amtsstellen und TA.-Führer, weiß jeder Zei- tungsleser. Ueberhaupt muß man nie vergessen, daß alle diese grausamen Ttrafmittel nur das formulieren, was beute schon, ohne Gesetz und oft aus den geringfügigsten Anlaässen, ja aus reiner Bosheit gegen die Gegner der braunen Be- wegung, gegen Juden und sonst Mißliebige zur Anwendung kommt. Und man muß immer daran denken, baß diese grausamen Strasücstimmungen, deren Aufgabe es ist, jene rohen Ausschreitungen, die man vielleicht noch durch die Er- reguug einer Umsturzzeit beschönigen möchte, gesetzlich zu unterbauen und für die Tauer anzuordnen, ausgeführt wer- den sollen durch ein Personal, das die Schule der SA. durch- laufen hat und das sicher nicht aus jenen rekrutiert wird, die durch Bedcnklichkcit und„Schlappheit" auffallen. Nein, hier wird eine Auslese von Kerkermeistern herangezüchtet, die. wohlgenährt und im Vollgefühl schrankenloser Gewalt, ihre Wonne barin finden, wehrlose Gefangene„zur Ab- schreckung und zum Excmpcl" zu peinigen. Und unter den Gefangenen iverdcn alle jene Idealisten und aufrechten Frei- beitskampfcr sein, die als„Bolschcwisten und Landeever- räter" sich das besondere Mißfallen der herrschenden Bande zugezogen haben. Solcher Strafvollzug wird verbrecherisch: Naturen, feige Rohlinge und Sadisten anlocken, ihre scheußlichen Instinkte an Wehrlosen auszutoben. Die Strafe wird schlimmer sein als das Verbrechen. Wehrhafte Verbrechernaturen aber werden in den Strafgreueln den Antrieb finden, auch ihren Kampf gegen die Gesellschaft in immer roheren Formen zu führen. Grausamer Strafvollzug erzieht grausame Verbrecher. DaS Furchtbarste aber ist. daß er Verbrrcherseelen, wie sie in der TA. in Massen zu finden sind, zu Herren macht über treue Kämpfer, die ihr Pflichtgefühl, ihr soziales Gewissen zu Mär- tyrern des Freiheitskampfes gemacht hat. E ck a r d. Abonniert die,,Deulsdie treiben" (Deutsche Stimmen•(Beilage zur Deutschen Freiheit"• Ereignisse und Geschichten / II i|iy|ipjil I II WWW ';TO.^P ,j icSÜ Donnerstag, den 3. Mal 1 934 Stittec m det Abet zz hat Attest davoc... Humorlos, säuerlich, eitel und rachsüchtig, wie die braune Oberbonzerie nun einmal ist, hat der Oberosaf von seinem Freunde Ernst Hanfstaengel eine Sammlung Hitler-Karikaturen aus aller Welt zusammenstellen lassen(Verlag Braune Bücher, Berlin). Weil er sein Spiegelbild nicht mehr aushält, soll es ausgerechnet Hanfstaengei korrigieren. Und wie er das pfuscht, der Auslandspressechef der NSDAP.! Man sieht eine Auswahl von Bildern, mit denen Hitler noch einigermaßen glimpflich abschneidet. Auf der nebenstehenden Seite muß Hanfstaengel die Karikatur allemal„widerlegen". Bas besorgt er nicht nur wie ein kleiner Schulmeister und in einem für einen Pressechef bemerkenswert schlechten Deutsch—„Hier spielt der Karikaturist dahin den Propheten, daß Hitler" usw.— sondern mit einer selbst für Nazi- honzen ungewöhnlichen Verlogenheit. Hitler ist kein Diktator, sondern ein Demokrat; Juden wurden nicht getötet, sondern der naziotische Antisemitismus ist eine„ völlig unblutige Abwehr" der Ueberfremdung: Hitler ist ein Friedens» engel; er„machte konsequent gar keine Wahlversprechungen" (auch das wörtlich so!); dem Volke gehts erheblich besser, „Handel und Wandel beginnt sich zu beleben..." Von der längst sichtbaren Inflation, dem sinkenden Export, dem Bankrott der Staatsfinanzen darf dieser Oberbyzantiner nichts wissen. Den Sinn verschiedener Satiren fälscht er oder kopiert Ihn nicht. Nur zwei von vielen Beispielen: Auf einem Bild heizen Großkapitalisten Hitlers Sitz ein; diese Thyssen usw. fälscht Hitlers Reiniger in„Männer der Novemberdemokratie" um. Auf einer Karikatur der„New York Times" ■*"ird Hitler als Zwerg in Bismarcks Riesenmontur gezeigt; Hanfstängel Erläuterung:„Hier wird behauptet, Hitler sei ein Diktator im Sinne des überlebten Vorkriegsmilitarismus." Quatsch, Herr Pressestaengel, Bild und Ueherschrift behaupten ganz klar, daß Hitler neben dem Format Bismarcks lächerlich zwerghaft anmutet! Ab und zu wird versucht, das Ausland für Hitler zu zitieren, aber es bleibt immer nur Lord Rothermere mit seiner reaktionären„Daily Mail", so ■wenig wird von der Weltpresse trotz Göbbelsscher Schmiergelder für das braune Hunnentum geschrieben. Ein Königreich für brauchbare Zitate! Dabei sind die Zeichnungen bequem zu Hitlers Gunsten ausgewählt. Man vermißt die Karikaturen, die durch keinerlei Kommentar zu verdrehen sind, die Hitler etwa zeigen, wie er Bilder fälschte, wie er am 8. November 1923 im Münchner Hofbräu erklärte:„Morgen haben wir eine nationalsozialistische Regierung oder ich bin tot!"— wie er am nächsten Tage bei den ersten Schüssen ausriß und ebenso rasch als gesund in Hanfstaengels Villa flüchtete, wie er Südtirol verriet, aus großkapitalistischen Geldschränken aller Länder geschmiert wurde, wie er die plötzliche Liebe zu Polen entdeckte und auf deutsches Land in Ost und West feierlich Verzicht leistete. Oder wie wäre es mit einigen jener Karikaturen, wegen denen sich erst vor zwei Wochen der deutsche Gesandte in Frag die Haxen auflaufen mußte, weil sie Hitler zeigten, wie ihn jeder kennt, der nicht nur die deutsche Maulkorbpresse liest! Monarchen aller Staaten wurden in allen Ländern hoshaft parodiert— sie sahen darüber hinweg. Der Unteroffizier Hitler aber läßt im Auslande larmoyante Proteste gegen die bösen Zeichner los und daheim müssen seine Barden gegen brav gesiebte Zeichnungen von ehedem polemisieren, während ein Hitlerspruch auf dem Deckblatt des Buches gleichzeitig behauptet, die Meinung der Welt kümmere ihn nicht... So ähnlich, nur nicht ganz so dumm, heuchelt jede überschminkte Primadonna bei jedem Verriß. Dabei beweist gerade diese„Sammlung", wie heiß sich die neuen Schwertgermanen bemühen, dem Ausland etwas mehr Glauben an„Hitlers Friedenswillen" beizubringen. Ein reichliches Dutzend Seiten sind diesem Thema gewidmet. Hitler verabscheut den Krieg, siehe den Viererpakt. Fragt sich nur, was ihn noch von den verfolgten Pazifisten unterscheidet. Zehnmal muß der Viererpakt als Beweis herhalten, so groß ist die Verlegenheit. Aber woher Belege nehmen? Etwa aus Schücklgrubers kriegshetzerischen Memoiren? oder aus Rosenbergs eroberungswütigen Ostfanfaren? Wer hilft Hanfstaengel aus der Tinte? Selbst einer, der sein Handwerk besser versteht als dieser schreibende Klippschüler des braunen Kriegspresseamtes, müßte sich mit dieser Mohrenwäsche blamieren. Gregor. Jlaul Siqnac Eine Erklärung gegen die nationalsozialistische Kulturpropaganda im Ausland. Kürzlich hat, wie erinnerlich, eine von den deutschen Künstleremigranten in Prag durchgeführte antifaschistische Karikaturausstellung, auf der unter anderem einige Fotomontagen von John Heartfield gezeigt wurden, zu einem Protest der deutschen Gesandtschaft geführt. Auf diesen Protest hin wurden unter der Begründung, die Arbeiten Heartfields seien„künstlerisch grob minderwertig", die fraglichen antifaschistischen Bilder entfernt. Auf Grunds dieser Tatsachen hat der berühmte französische Maler Paul Signac in seiner Eigenschaft als Präsident des Salon des Independants dem Hilfskomitee für die Opfer des Hitler- faschismus folgenden Brief geschrieben: „Liebe Freunde; ich schließe mich Eurem Protest gegen die ungerechte und blöde Verfolgung an, deren Opfer mein Kollege John Heartfield geworden ist. Ich habe mein ganzes Leben lang für die Freiheit der Kunst gekämpft und brauche deswegen nicht besonders zu betonen, daß ich von ganzem Herzen mit Euch bin. Ich stehe zu Eurer Verfügung, um das Meine dazu beizutragen, eine französische Ausstellung der Werke unseres Freundes zu organisieren. Ich hoffe, daß zahlreiche französische Künstler sich Euch anschließen und Euch helfen. Von allen Seiten steigt die Flut der Reaktion. Der Knüttel liegt zum Kampf gegen die Freiheit des Geistes bereit. Vereinigen wir uns, um uns zu wehren. Mit brüderlichen Grüßen gez.: Paul Signa c." Es wird nicht nur Aufgabe der französischen Künstler, sondern der antifaschistischen Künstler der ganzen Welt sein, sich in brüderlicher Solidarität für die Aufklärungsarbeit John Heartfields einzusetzen. •Deutsche(hauen-„deutsche" Itlode Kein Mensch wird etwas dagegen einwenden, wenn Frauen 'ich hübsch und modisch kleiden. Im„dritten Reich" war Man allerdings einige Zeit anderer Meinung gewesen, hatte geglaubt, den„fremden Tand" abschaffen und die deutsche Frau einfach und schmucklos als heldische Gefährtin des Mannes marschieren zu lassen. Doch inzwischen ist man anderen Sinnes geworden, denn, abgesehen davon, daß die Modeindustrie von der geforderten puritanischen Einfachheit nicht sehr entzückt gewesen sein dürfte, ist ja auch die Mode ein so herrliches Ablenkungsmittel. Eine Frau, die recht viel an ihre Kleider und ihre Aufmachung zu denken hat, kommt nicht auf dumme Gedanken über Politik und sonstige„männliche" Angelegenheiten, in denen sie oft eine allzu feine Nase bewiesen hat. So sind die Versuche, eine deutsche Mode zu kreieren, in ziemlich kümmerlichen Anfängen stecken geblieben, und Frauenzeitungen streng nationalsozialistischer Prägung wie etwa die Frauenbeilage des„Angriff" bringen unentwegt Modeartikel, oft seitenlang, ohne einmal von der„deutschen" Mode zu sprechen und ohne sich darüber zu schämen, daß alles, was da empfohlen, erklärt, abgebildet ist, in ganz derselben Weise auch in Paris getragen wird. Auch die „Festkleidung der Frau", die vielberufene Kletterweste, ist 'o ziemlich wieder in der Versenkung verschwunden, ist jedenfalls nie obligatorisch geworden. Auch das, im Sinne des„dritten Reiches", ein schlechtes Zeichen, vielleicht aber ein gutes für die Eigenwilligkeit der deutschen Frau, die nicht alles mit sich machen läßt. Schon in seiner berühmten Berliner Februarrede vor den Amts walterinnen der NS-Frauenschaft hat ja Herrr Minister Göbbels höchstselbst der Frau Eleganz gestattet, als er über die Mucker herzog, die es der Frau„übelnehmen, wenn sie siih anständig kleidet, was sie ja im allgemeinen nicht für ihre Freundin tut. Es ist undankbar von einem Mann, der Fiau übelzunehmen, daß sie dem Mann zu gefallen sucht. Und mit dieser lustigen Wendung erntete er natürlich, wie immer den Beifall der Frauen, die gar nicht merkten, daß fie einmal wieder eingewickelt waren und ihnen im weiteren Verlauf der Bede das Recht auf die Erziehung ihrer eigenen Kinder sauft, aber energisch entwunden wurde. Und in diesem Sinne arbeitet man drüben weiter. Im Haus der Deutschen Presse zu Berlin finden regelmäßig 4 ortrags- rbende der Zeitschriften-Schriftleiter statt. Einer davon hat das Thema: Die Frau in der Zeitschrift. Aha, endlich dar! auch die Frau wieder einmal etwas über ihre Arbeit und ihre Lebensinhalte öffentlich kundgeben. Wirklich? Weit gefehlt! Zwei Vorträge verheißt das Programm, davon einen aus dem Gebiet der Familienzeitschriften über den„Kulturkampf der Zeitschrift", der natürlich von einem Manne gehalten wird. Und die einzige Rednerin des Abends? Sie darf über„Schriftleiterin und Mode" sich verbreiten. Also andere Sorgen hat eine Schriftleiterin heute nicht? Selbst bei Ausschaltung aller früher wesentlichen Themen des öffentlichen Lebens, der Frauenfriedensarbeit usw. war denn kein wesentlicheres Vortragsthema zu finden, wenn nur eine Frau spricht? Gab es nicht Erziehungsfragen, Fragen der Haushaltorganisation etwa in Verbindung mit nationalökonomischen und soziologischen Fragen, gab et nicht Erörterungen der unter den neuen Gesichtspunkten noch als„weiblich" geltenden Frauenberufe? Und so vieles andere? Aber nein! Die Frau soll ruhig über Mode sprechen, da stört sie den Mann am wenigsten mit Tüchtigkeit und Initiative. Laßt die Frauen in Gottes Namen sich putzen! dann kommen sie nicht auf schlechte Gedanken! L. A. 1Dank füe StiefeChüssen Der„Völkische Beobachter" veröffentlicht eine gereimte Abonnentenwerbung, die zugleich ein vehementer Angriff auf die gleichgeschaltete Presse ist: Vergiß nicht die vielen, die allzu Dreisten. Die Gesicherten, Satten, die Faulen, die Feisten, Die damals, als du vor Gerichten standest, Und dich vor Wut und Empörung wandest, Als„Journalisten" die Feder geführt Und jedem Worte nachgespürt, Das du gesprochen in kochender Wut— Für die warst du damals als Witzfigur gut. Und heute?— Da schreiben die Herren wieder! Aber„nationale" Filme, Romane und Lieder. Mensch! Da kannste zwischen den Zeilen lesen: Nazis?— vor Adolf Hitler gewesen!!! Und sie quaseln lange Leitartikel, Schleppen den Nationalismus beim Wickel. Recken von Don Quichottes Range. Und eine Gesinnung— wie von der Stange! Ja, ganz richtig! So züchtet das„dritte Reich" Gesinnungs- lump uz! StahC dichtet Vorschlag für Preisrichter In Hitler-Deutschland werden jetzt Dichter gesucht. 1000 Mark soll es geben für ein Gedicht zur Olympiade; ferner sollen Poeten aus der Hitlerjugend an die Front und von Baidur von Schirach bekränzt werden. Wir möchten uns gern an der Suche nach unbekannten Talenten beteiligen. Daher stellen wir den Truppführer Stahl aus Worms hiermit vor, der in der„Wormser Zeitung" soeben dieses Gedicht veröffentlicht: Aus der„Wormser Zeitung", 11. 4. 34. Gruß an Worms Kennst du das Städtchen am Rheinesstrand, Wo einst das Regiment 118er stand. Wo deutsche Schiffahrt geblüht und gedeiht, Und stets gepflegt ward die deutsche Einigkeit? Kennst du das Städtchen am deutschen Rhein, Das die Welt versorgt mit Liebfrauenmilchwein? Mit stolz darf man seinen Namen nennen, Und jeder Deutscher sollte es kennen! Worms ist sein Name und Worms die Stadt, Die viele Not schon erlitten hat; In deren Mauern man konnte erblicken Franzosen, Marokkaner und Bolschewicken. In der Kaserne, wo einst marokkanische Soldaten. Wohnen jetzt Hitlers Arbeitssoldaten; 200 Mann sind's, fröhlich und stramm, Die man für alles gebrauchen kann. Jung ist ihr Leben und jung ihr Blut, Drum ziehen sie täglich mit frischem Mut. Für dich, du Stadt Worms, in Zeiten der Not Quellen zu öffnen— für Arbeit und Brot. Neue Stadtväter setzten sich an den Tisch Und machten unter Vergangenes einen dicken Strich. Denn der Arbeitsdienst schafft mit dem Spaten in der Hand. Und Heil Hitler für dich und das Vaterland. Worms, April 1934. Gedichtet von Truppführer Stahl, Arbeitsdienstlager 254'6. (Die„(Biichezqitde" Ihre Neuerscheinungen Die Aprilnummer der Zeitschrift„Büchergilde" ist dem Buch und dem Dienst am Buch gewidmet. Besonders hervorstechend ist die Ankündigung zweier Neuerscheinungen: „Schwester Lisa" von Elisabeth Gerter, und„So lebt der Mensch" von Andre Malraux, dem Goncourt-Preisträger 1933. „Schwester Lisa" ist ein Schweizerroman— ein lebensechter Frauemoman!„Schwester Lisa", das ist eine Frau, die neben acht Geschwistern in einem Schweizer Industriedorf aufgewachsen ist, die aufopferungsfreudig in Spitälern arbeitete, die mit unerbittlicher Selbsterkenntnis und mit scharfer Beobachtungsgabe die ereignisreiche Lehrzeit der Schwesternschule beschreibt. Sie spricht von Mädchen, die mit Idealen in den Krankendienst treten, von Frauen, die es zur Selbständigkeit drängt, die in der Ehe nicht die Kameradschaft finden, von Müttern, die in wirtschaftlicher Not um werdende Kinder bangen. Das rechte Frauenbuch. „So lebt der Mensch" spielt im Frühling des Jahres 1927, zur Zeit der Unruhen und Kämpfe in China. Das kleinste wie das größte Geschehen in diesen Kämpfen hat für den Autor die gleiche Bedeutung, nichts geht ihm verloren. Er vereint in dem Buch den höchsten Grad von Spannung mit einer ebenso großen Klarheit der Analyse seiner vielen Personen. Die Mitglieder der Büchergilde erhalten diese Zeitschrift unentgeltlich zugestellt.— Anmeldungen nehmen entgegen die Funktionäre in den Betrieben und die Büros der freien Gewerkschaften oder sind zu senden an die Büchergilde Gutenberg, Saarbrücken 1, Petersbergstr. 94, 2 Treppen. ZeUsTloüaeii Verletzende Ueberlegenheit Der amerikanische Film„Männer um eine Frau" ist in Deutschland bekanntlich verboten worden, weil der jüdische Boxer Max Buer die Hauptrolle spielt. Die Begründung der Filraoberprüfstelle läßt erkennen, daß die Hakenkreuzler nicht wünschen, Baer, der Schmeling besiegte, in Deutschland als„sportlichen Helden" feiern zu lassen.„Es ist unstreitig", heißt es in der„Begründung",„daß die gesamte Handlung des Films sich um den Hauptdarsteller Max Baer dreht und daß Max Baer Jude ist. Baer ist ein durchaus negroider Typ... Et ist für das nationalsozialistische Empfinden untragbar, wenn ein Jude mit allen äußeren Merkmalen des Negers als sportlicher Held und moralischer Sieger geschildert und verherrlicht wird. Diese Ueberlegenheit des Juden Baer verletzt das nationalsozialistische Empfinden in besonderem Maße.,." Das zensierte Wort Die Geheime Staatspolizei warnt die Presse, in Kultur- politischen und religiösen Auseinandersetzungen das Wort „N e u h e i d e n t u m" zu verwenden. Zeitungen, die gegen die Vorschrift verstoßen, haben mit scharfen Maßnahmen zu rechnen. Krach im Theater Der Kapellmeister Franz Bau vom Nationaltheater Osnabrück wurde wegen„Betriebssabotage und Verstoß gegen das Führerprinzip" seines Amtes enthoben. Das Betreten Theaters ist ihm verboten. »Deutsche Freiheit", Nummer 101 Das bunte Vlatt Donnerstag, 8. Mai 1931. ÖjCtitQC} fyclbm, Aktionäre Von Erich Gottgetreu(Jerusalem) ES gesiel^öem bärtigen und bebrillten Männchen, das in der letzten Sekunde in den Autobus gesprungen war und sich sofort als„Eremit" vorgestellt hatte, unter der heißen Sonne des Heiligen Landes, und es begriff nicht, daß seine Frau, die noch irgendwo in Europa wohnt, ihm bis heute nicht gefolgt ist,' das wußten wir schon nach den ersten fünf Mi- nuten. Es gefiel dem Eremiten im Heiligen Lande und er erlebte es mit Begeisterung. Als wir an Abu Dis vorbei- kamen, dem Ränberdorf, dessen Scheich erst dann die Lust an Ueberfällen auf vorbeiziehende Reisende verlor, nachdem ihn die Regierung zum Gendarmeriechef gemacht hatte— da fluchte er den Arabern, denn die seien vom Teufel und nicht von Gott. Als wir die Gegend von Nebi Musa passierten, die die Mohammedaner geschichtswidrig zum Todesort Moses erklärt haben— da wiederholte er den Fluch in den läster» lichsten Worten. An anderer Stelle der Straße wollte er uns dazu bewegen, die dort gehandelte Nachbildung der Schleuder, mit deren Hilfe David Goliath steinigte, zu kaufen. An dem Ort aber, an den die christliche Ueberlieferung die Legende vom Barmherzigen Samariter verlegt, war seine Dauerrede erfüllt von der Poesie der Bibel, die er zitierte. Nun lag schon der Blutfelsen hinter uns und das türkische Fort. In Riesenkehren gings immer tiefer, bald mußte das berühmte Schild kommen: Sea level. Bon hier aus sinds nur noch wenige Kilometer bis zum Toten Meer. Die Landschaft wurde immer kärglicher, karstiger, kahl- luppig, felsartig. Maulesel und Kamele fraßen sich an spär- lichem Gebüsch halbsatt. Der Wagen bog links ab, ins Wadi El Kelt hinein. Unter uns eine Schlucht, an der Felswand gegenüber, vom Licht nicht beschienen, von aller Welt fast abgeschnitten, ein graues Nest am grauen Stein, ein Straf- kloster, behaust von Mönchen, die sich gegen Regeln ihres Ordens vergangen haben. Das ist das Sibirien des Kreuzes. Auf einem schmalen Saumpfad, den das Klosterzuchthaus als einzigen Gruß an die Welt entsendet, kommen— keine Post, keine Besucher, nur hin und wieder ein Sack Erbsen und ein Sack Linsen, Alltagsmahl und Festtagsmahl. * In Jericho steht der Ford wieder inmitten der wogenden Welt. Auf den alten, so berühmten Mauerresten klettern sich die Fremden müde,' oder sie wandern zu jener Stelle, an der die Juden unter Josua den Jordan überschritten haben sollen, oder auch zu jener, an der Jesus die Taufe empfing? dann ruhen sie an dem trüben Elisähbrunnen, den ein kümmerlicher Gasthausbetrieb umrahmt. Weniger primitiv als das Gasthaus am Brunnen vor der Mauer sind ein paar größere Hotels eingerichtet, deren arabische Wirte Jericho zur Winterfrische machen wollen.„Alteingesessene" Tel- Aviver kommen zu ihnen, wenn denen ihr Orient-Paris zu lärmend wird. Nun wurden wir animiert. Der Eremit warnte: ob uns nicht bekannt sei, daß selbst die Beduinen der Berge sich der Zaubersprüche und Amulette gegen die freien Sitten der entarteten Jerichoer verwahrten. Es war uns nicht bekannt. Der arabische Wirt empfahl einen Feuerfresser, der am Abend eine Galavorstellung geben werde. Die Gesell- schakt bestieg das Auto und fuhr auf glatter Straße, zwischen hellen Halden und Tafeln, die kristallisch-salzig schimmerten. * Das Tote Meer hat einen schlechten Ruf. 391 Meter unterm Wasserspiegel, und dann gehts nochmal 399 Meter tief hinein! Seine Flut ist brennend bitter und widerlich ölig. Kein Fisch schwimmt in dieser giftigen Lauge. Wer in ihr badet und sich nicht gut danach abtrocknet, muß befürchten, daß ihm die Haut wegbrennt. Wer von diesem Bitterwasser geschluckt hat, muß mit inneren Schwellungen rechnen. Selbst der Nicht- schmimmer geht in dem mineralreichen Wasser kaum unter. Kaiser Bespasian war über dieses Phänomen so sehr über- loscht, daß er,«des Interesses halber," wie Flavius Josephus schreibt, ein paar Sklaven mit.zusammengebundenen Händen ins Wasser werfen ließ: sie ertranken nicht. Die Reisegesellschaft ist vor einem eleganten Lokal aus- gestiegen, zur Jazzmusik drehen sich die tanzenden Paare, Kellner tragen jede gewünschte Delikatesse auf und Architekten sitzen schon über den Plänen zu einem großen Luxushotel, Golf- und Tennisplatz werden sie nicht vergessen. Die Sonn« zaubert in wundervollem Abendrot und Abendviolett den Abglanz ihres Goldes auf die gegenüberliegenden, bis zu tausend Meter ansteigenden Berge von Moab. Später zeigt es sich, daß die Touristen noch sehr primitiv übernachten müssen— die weiblichen in Baracken auf freiem, nachtdunklen Felde, die männlichen in einer feldbettbesetztcn Halle—, aber wenn erst das Hotel fertig ist, wird sicher aller Luxus locken, den der zivilisierte Mensch liebt. Schon meint einer spottend: Totes Meer, aber eine lustige Leiche Doch da kommt von einem, der lange hier unten gelebt hat, schwer die Erwiderung: „Im Süden, da wo der Dschebel Usbum sich der Erde ent- reckt, Lots zur SalzscNtle erstarrtes Weib, ein Stück biblische Geschichte, Sodom und Gomorrha— da ist die Hölle." * Wer das Salzmeer entlangwandert und feststellt, daß dies nur auf eine kurze Strecke möglich ist, da das weglose Ufer bald felsig steil in die bittere Flut hineinfällt— wer also mit dieser Erkenntnis den Tee mit dem Schiff befährt, das aber gut gebaut sein muß, da die Dichte des Wassers den Tiefgang erschwert und somit die Kentergesahr steigert— der erlebt bald sein ödes Grauen, seine Trostlosigkeit und eben seinen Tod. Aschenartig aussehende Erde, Lavafelsen, eine Feuerlandschast. Höllenhitze überdampst sie, kein Bogel singt in diesem Feueratem. Weit und breit kein Mensch am Ufer. Wüste aus Meer und Stein. Wüste in blau und gelb. Fels- löcher zeigen, wo sich ehemals Eremiten niederließen, Salz- berge, wo Sodom und Gomorrha standen. Das ist am Süd- ende des Todesbeckens. Nach alter Ueberlieferung wurden die Sündenstädte von oben nach unten gestürzt, in Wahrheit aber wohl durch ein Erdbeben zerstört: auch Totes Meer und Jordansenke selbst verdanken ihre Tieslage einer gewaltigen Naturkatastrophe. Fern allem Leben arbeiten am Südende, das übrigens auch Petroleumlager birgt, Salzgräber. Alle zwei Wochen bringt ihnen ein Motorboot Lebensmittel. Das Schiff der Hölle nennen es die Beduinen. Und fügen hinzu: Wer will, daß der Todesengel bald zu ihm komme, der steige ein. Und dann blocken sich hier Felsen, die in der Hitze Asphalt ausschwitzen. Im Altertum hat man ihn aus dem Salzmeer gefischt, dabei dem Aberglauben folgend, daß nur Blut und Urin die größeren Stücke lösen könne. Alles wird hier zum Mythos, zum Symbol. Da wird gemunkelt: die alte Bibel- stadt Sughar, die hier stand, hieß eigentlich„Sakar": die Hölle. Eine andere Bibelstätte: Engedi. In den Höhlen von Engedi hqt David Saul gefangen, der ihn mit dreitausend Mann verfolgte. Und tausend Jahre später hausten hier die Essener— fromme Sektierer, Vorchristen, friedliebend, luxusfeindlich, frauenlos, Heilige in unserer Welt. Während sie ihre Gebete zu den Sternen schickten, rammten die rö- mischen Legionen des Titus die nur ein paar Meilen entfernt gelegene Felsenfeste Massada, einst von den Makkabäern ge- schützt, jetzt, nach Jerusalems Fall, von den Zeloten mit Todesmut gehalten. Als sie den Römern nach langer, kriegs- technisch raffinierter Belagerung in die Hände siel, fanden die Sieger in ihren Trümern nur noch zwei Frauen und fünf Kinder. Die übrige Besatzung, eine Tausendschaft etwa, war in den Freitod gegangen. * Unsere Reisegesellschaft hatte ihre bescheidenen Abenteuer. Da sie auch in der Oede die Schönheit suchte, ließ sie ihr Schiffchen„Kallierhoe" in der Mitte des Ostufers, auf trans- jordanischer Seite also, an der oasenartig umgrünten Arnon- Mündung festmachen. In enger, rotumselster Schlucht, einer orientalischen Partnachklamm, ergießt sich hier Süßwasser in die Salzslut. Hinter der ersten Krümmung der Klamm soll ein gigantischer Wasserfall zu Tal rauschen. Aber niemand sah ihn. Denn als plötzlich ein junger Mann in einem un- erwarteten, ungekannten Strudel verschwand und nur mit knapper Not vom Ertrinken gerettet werden konnte, erstarb die Lust zur Fortsetzung der Expedition... Das zweitemal legte das Schiff an jener warmen Quelle an, in deren Dampf schon Herodes Heilung von seinem Rheuma gesucht hatte— vergeblich: er starb hier. Das drittemal ging die„Kallierhoe", und auch hier ihre Gäste zum Landaufenthalt entlassend, an der Zerkamündung vor Anker. Als sie sie wieber gelichtet hatte und sich sozusagen schon auf hoher Salzsee befand, ent- deckte der Kapitän— seitdem die„Emanuel" unter wehender Wogen David zwischen Jassa und Haifa kreuzt, nicht mehr der einzige jüdische im Lande—, daß er einige der Ausflügler in der fürchterlichen Oede des Ufers vergessen hatte: er kehrte um und holte sie. Als man den Vergessenen erzählte, daß im Jahre 1929 eine größere Reisegesellschaft drei volle Tage auf dem Toten Meer, das doch nicht viel größer ist als der Genfer See, verschollen blieb, nachdem ihr Schiff aus irgendeinem technischen Zufall manövrierunfähig geworden war, erschreck- ten sie noch nachträglich. Denn an diesen Usern schaukelt kein Rettungsboot, wacht kein Posten— hier schläft ein müder Tod. Anders wäre es wohl gekommen, wenn das alte eng- lische Projekt gelungen wäre, ausgelöst durch die Welt- handelsbcdeutung des ehemals französischen Suezkanals, einen künstlichen Wasserweg ab Haifa durchs Emek, den Tiberias-See, den Jordan, durchs Tote hin zum Roten Meer zu schaffen. Aber der Plan stieß auf erbitterten Widerstand kirchlicher Kreise, die nicht wünschten, daß die Bibellandschaft in einem stärkeren Maße kommerziell ausgebeutet werde? außerdem scheiterte er an geografisch-geologischen Boraus- seyungen? und endlich wurde er auch überflüssig, denn die Engländer erwarben mittlerweile die Aktienmehrheit der Suezkonkurrenz. Amerikanischen Zeitungen war es vorbe- halten, zur Zeit der palästinensischen Unruhen des Jahres 19J9 entrüstet zu fragen: Warum liegt noch kein Panzer- kreuzer auf dem Toten Meer? Es ist kein Schlachtmeer. Sein Geschichtsschreiber für die Gegenwart und für die Zukunft ist nicht der Kriegsbericht- erstatter, sondern— der Chemiker. Er sitzt, Angestellter der „Palestine Potash Company", gegründet 1939 mit 499 999 Pfund Aktienkapital, in einem Bürohaus der Abessinien- straße in Jerusalem und analysiert die Materialproben, die man ihm„von unten", aus 1299 Meter Tiefe, heraufschickt. Am Nordende des Sees sind Verdunstungsbecken in den Lehmboden eingelassen. Dieselmotoren stampfen, eine Pump- station faucht, in den„Salzpfannen" scheiden sich Wasser und Mineral, und fünfhundert Arbeiter und Ingenieure, Juden und Araber, werten hier im Schweiße ihres Körpers. Ihr Direktor ist Novomeyski, der schon im Jahre 1911, als alle Welt, die arabische zuerst, ihn verlachte, unten am Salzsee monatelang im Zelt hauste, der Glut ausgesetzt, in Malaria- not, aber experimentierend, unermüdlich erperimentierend. Und die Forschung hört nicht aus. 1931 wurde festgestellt, daß das Wasser 175 Fuß unter der Oberfläche am mineralhaltig- sten sei: nun wurde eine zweieinhalb Meilen lange Unter- Wasserleitung in jene Schicht geführt. Die Taucher mußten mit besonderen Gewichten beschwert werden. Zur Ausbeutungskonzession, die von der englischen Regie- rung gleichzeitig mit Novomeyski dem vom Krieg her inter- essierten schottischen Major Tulloch übergeben worden war, gehört u. a.„das Recht, aus dem Jordan frisches Wasser zu ziehen". Aber nun behaupten aus einmal Araber, daß dieses Recht und jedes Recht am Toten Meer unwürdigen Besitzern ausgehändigt worden sei. Sie berufen sich dabei auf eine türkische Vorkriegskonzession, die im Jahre 1923 von einem Engländer erworben wurde. Schon schwellen die Aktenbündel an in Jerusalem, in London, in Stambul, in den berühm- testen Anwaltbüros der Welt. * Inzwischen fließen täglich 13'/- Millionen Tonnen Wasser den Jordan hinab und ins Tote Meer hinein. Die gleiche Menge verdunstet täglich überm Tee. Was kann des Teufels Küche liefern, daß so viele hier ihre Töpfe ausstellen möchten? Das Tote Meer hat etwa 25 bis 39 Prozent Salzgehalt. Zwei Milliarden Tonnen Kali, allerbester Kunstdünger, lassen sich aus ihm gewinnen, bei einer Jahresproduktion von einer Million Tonnen ausreichend für 2999 Jahre, und zwar zum Tonnenpreis von 4.19 Pfund Sterling, wobei zu bedenken ist, daß im Kriege Kali in England, das im gesamten Empire sonst überhaupt keins gewinnt, bis zu 89 Pfund Sterling, in enthält das Tote Meer über 22 Millionen Tonnen Mag- Amerika bis zu 199 Pfund Sterling die Tonne stieg. Ferner nesium Chlorid: das aus ihm hergestellte Magnesium-Metall ist wegen seines Leichtgewichtes für Aeroplane und Luftschiffe sehr gefragt, außerdem braucht mans in der Textil- und Zementindustrie. 81 Millionen Tonnen Gips, 6 Milliarden Tonnen Chlorkalium, 11,9 Millionen Tonnen Kochsalz und — bei der Kaliausbeute als Nebenprodukt zu gewinnen— 853 999 999 Millionen Tonnen Brom. Eine astronomische Ziffer. Brom wird in der pharmazeutischen, Photo- und Farbenindustrie verwendet, die Amerikaner mischen es als „Anti—knock" dem Automobilöl bei. Totes Meer— aber eine Schatzkammer. Der König der Margarine gestorben In Hampstead in London starb im Alter von 89 Jahren Jakob van Bergh, der Beherrscher der größten Margarine- fabrrken der Welt. Im Alter von achtzehn Jahren kam ein junger Holländer nach England und machte hier einen kleinen Laden auf, in dem die erste Margarine verkaust wurde, die je in England gegessen worden ist. Die Engländer gewöhnten sich schnell an den billigeren Butterersatz und bald konnte Jakob seinen Bruder Henry nachkommen lassen, weil er allein den Betrieb nicht mehr schaffte. Der Bedarf an Mar- garine wuchs und wuchs, eine andere holländische Firma, die Jürgens, versuchte den Markt zu erobern, und aus der er- bitterten Konkurrenz der beiden Firmen profitierten die Kunden, denn die Qualität der Margarine steigerte sich durch den scharfen Kampf. Vor sechs Jahren einigten sich schließ- lich die beiden Konkurrenten und Jakob van Bergh konnte sein Leben als Führer des marktbeherrschenden Margarine- trusts beschließen. Oumerierte Kinder Seit der großen Kinderverwechslungsaffäre in einem der letzten Jahre bekommen die Neugeborenen in den großen amerikanischen Krankenhäusern Nummern auf die Fuß- sohlen ausgemalt. Zu einer peinlichen Verwechslung ist es aber wieder trotz dieser Borsichtsmaßnahme gekommen, weil durch eine Unvorsichtigkeit ein Baby zwei Nummern auf den Rücken und unerklärlicherweise weshalb, noch eine auf die Fußsohlen gepinselt bekam. Nur durch den glücklichen Zu- fall, daß das mit derselben Nummer behaftete zweite Baby ein Mädchen war und die Mütter sich genau erinnern konnten, ob sie einen Jungen oder ein Mädchen geboren hatten, ist es zu verdanken, daß jedes Kind nach einiger Aus- regung doch noch zu seiner richtigen Mutti kam. Jetzt ist streng angeordnet worden, daß Nummern nur auf dem Rücken gültig sind. Apollo in Hosen Auf der Treppe der Akademie kür Politik und Wissen- schasten steht eine schöne Apollostatue. Apollo wird von den Bildhauern im allgemeinen im Adamskostüm mit einem kleinen Feigenblatt bekleidet dargestellt. Seit Jahren steht dieser Apollo friedlich auf der Treppe, von keinem Mitglied der Akademie sonderlich beachtet. Bis eines Morgens dieser Apollo plötzlich kurze Hosen trug. Die alten Professoren lachten, glaubten an einen Studentenulk und ließen durch den Pförtner die Hose entfernen. Am nächsten Tage hatte Apollo eine neue Hose an, diesmal sogar etwas länger geschnitten. Jetzt wurde eine Untersuchung eingeleitet und man ertappte schließlich eine ältere gebildete Dame, die in der Umgebung wohnte, als die Täterin. Sie behauptete bei der Vernehmung, daß dieser nackte Gott ihr Schamgefühl gröblich verletze und daß sie aus diesem Grunde eigens eine Hose und nach der Entfernung eine zweite für ihn genäht habe. Sie sei empört, daß man sie jetzt dafür bestrasen wolle, wo sie doch zu Fug und Recht eine Belobigung verdient habe. Schadenersatz für Lynchjustiz Die Witwe des am 26. November in San Jose gelynchten Mörders John Holmes, Frau Evelyns Holmes, hat einen Schadenersatzprozeß angestrengt und verlangt für sich und ihre beiden Kinder eine Million Schadensersatz. Es ist fest- gestellt worden, daß der Gouverneur von Kalifornien sich geweigert hatte, das Gefängnis, das von der Menge später gestürmt wurde, durch ausreichende Polizeikräfte schützen zu lassen. Außerdem hatte er den Teilnehmern der Lynchjustiz Straffreiheit zugesichert. Roosevelt hatte sich sehr energisch gegen das seltsame Verhalten des Gouverneurs gewandt: „Wir entschuldigen keinen, welches Amt er auch immer be- kleiden möge, der das Lynchgesetz unterstützt." Der Prozeß der Witwe wird in ganz Amerika mit größter Spannung verfolgt. Amerikas Abgeordnete ohne Gssen Amerika muß sparen, Roosevelt, der Spardiktator, greift zu drakonischen Maßnahmen, um den Regierungsapparat zu verbilligen. Nun ist ein Posten von kaum 49 999 Dollar vom Etat gestrichen, der mehr eine symbolhaste Handlung darstellt: Die Abgeordneten des amerikanischen Volkes be- kommen nichts mehr zu essen! Es war eine alte Sitte im Capitol zu Washington, daß an den Sitzungstagen des Parlaments den Erwählten des Volkes ein kostenloser Lunch gereicht wurde. 49 999 Dollar hat der Kongreß auf Kosten der Steuerzahler im vergangenen Jahr aufgegessen, wirklich keine große Summe, die Herren des Kongresses scheinen bescheidene Kost gewöhnt zu sein. Der Durch- schnitts-Amerikaner aber freut sich, daß sein Abgeordneter sein Mittagessen nun auch allein bezahlen muß und Roose- velt hat wieder einmal etwas für seine Popularität getan. Endlisdicr Brief London. 1. Mai 1934. Das Budget mit Geschenken Schatzkanzler Neville C h a m b e r l a i it hat mit dem üblichen Drum und Dran sein Budget im Unterhaus ver- kündet. Dieser nüchternste, trockenste Finanzminister, den England seit langem besessen hat, kam diesmal in der Rolle des Weihnachtsmannes, der allen guten Kindern Geschenke mitbringt. Mit Spannung wartete alles auf die Bescherung: datz das Budget Ueberschüsse zu verteilen haben würde, war ja allgemein bekannt. Schon, an der Tür seines Hauses warteten die Pressevertreter und Film- leute. Das Unterhaus war überfüllt wie nur an großen Tnp-m 5 uiir fand die Bescherung statt— auch das ist Tradition. Die 1931 erfolgten Kürzungen der ^coc>.slo,enunterjtützung werden jetzt wieder rückgängig gemacht— wie sich aus späteren Erklärungen Chamber- lains ergab, kommt das aber nur einem Teil der Arbeits- losen zugute. Die zu der gleichen Zeit eingetretenen Gehaltskürzungen für Beamte, Lehrer usw. werden ab 1. Juli zur Hälfte wieder rückgängig gemacht, die Auto- .mobilsteuer wird ermäßigt, und der Einkommensteuersatz wird herabgesetzt. Der letzte'Punkt ist zahlenmäßig ge- sehen der Bedeutendste, diese Herabsetzung kommt aber in erster Linie den Wohlhabenden zugute, da nicht, wie die Linke forderte, das steuerfreie Existenzmininum erhöht, sondern der Steuertarif ermäßigt wurde. Hier setzte daher auch vor allem die Kritik der Opposition ein. Immerhin, Chamberlain konnte Geschenke verteilen, und er hat dabei nicht die Arbeitslosen vergessen. Das Budget ist also einigermaßen günstig, nach jahrelangen schlechten Budgets. Die Regierung hoffte davon zu profi- tieren und ihre bedenklich in die Brüche gegangene Popularität wieder herzustellen. Aber das ist ihr nicht gelungen. Zwei Nachwahlen Zwei Nachwahlen bewiesen das. In dem agrarischen Bezirk Basingstoke konnten die Konservativen zwar ihr Mandat halten, aber nur mit stark verringerter Mehrheit — und zwar waren dort die Liberalen die maßgebende Opposition, die Labour Party konnte in diesem agrarischen Bezirk keinen Fortschritt machen. Anders stand es in dem Londoner Wahlkreis Hammersmith. Dieser Bezirk geht zwischen Konservativen und Labour Party hin und her, bei der Panikwahl 1981 eroberten die j.,«:rvatwen erobert. Diesmal wird für die Regie- rung ein junger Konservativer kandidieren, Mac Namara, ein großer Nazifreund. Als der Jude Lord Reading aus Protest gegen Hitler den Vorsitz der deutsch-englischen Gesellschaft niederlegte, wurde Mac Namara sein Nach- folger. Er ist seitdem ein beliebtes Werkzeug deutscher 1 Propaganda. Er ist noch jung, war früher Offizier. Kurz, ^fein Mann nach faschistischem Geschmack. Seine Lage wäre trotz faschistischer Unterstützung wahrscheinlich hoffnungs- los, wenn nicht die Arbeiterfront gespalten wäre. Gegen den Labour-Kandidaten läßt sich nämlich der Borsitzende der ILP.(Unabhängigen Arbeiter-Partei) Fenner Brock- way aufstellen. Er hat keinerlei Aussicht, das Mandat zu gewinnen, aber er hat die Aussicht— bei der Eigenart des englischen Wahlrechts—, dem konservativen Faschisten- freund zum Mandat zu verhelfen. Die ILP. redet dauernd von der Einheitsfront gegen den Faschismus. Und f o sieht v" m««Miicklickkeit ans. Die FLV. ist eine lose Sekte von unpolitischen Doktrinären, ein kleines G-u»ipcyen. das sich auf i>.oer Konferenz ivener ipa.lel und der Sache der Freiheit und des Sozialismus schlechte Dienste leistet. Mosley trommelt Dabei kommt es jetzt wahrhaftig auf dir Geschlossenheit der Arbeiterbewegung an, um der faschistischen Gefahr heute, wo sie noch nicht brennend ist. mit Erfolg entgegen- zutreten. Die Faschisten sind aktiv, jedenfalls Mosley mit seinen Schwarzhemden. Er hat Hitler manches in der Agitation abgeguckt. Jeden Tag redet er in einer anderen Stadt Englands, er trommelt und trommelt. Die Oeffent- lichkeit soll von ihm sprechen und sie spricht von ihm. Wenn es bei einer Versammlung zu einer Schlägerei kommt, um so besser für Mosley— denn dann berichten alle Zeitungen darüber. Wenn es keine Schlägereien gibt, dann schreibt der faschistische Großsprecher anmaßende Briefe an den Innenminister, damit die Presse etwas zu berichten hat. Letzten Sonntag hat Mosley zum erstenmal den größten Saalbau Englands, die Albert Hall in London, die etwa 10 000 Menschen faßt, gefüllt. Die Regierung beginnt bereits an eine Gegenpropaganda- Aktion zu denken, ein Beweis, daß sie anfängt unruhig zu werden. Mosley hat zwar sachlich mehr zu sagen als Hitler, er begnügt sich nicht nur mit Phrasen, sondern geht z. B. aus die Probleme der Wirtschaftspolitik ein. Aber den rhetorischen Erfolg erzielt Mosley nicht mit seinem sachlichen Programm, sondern mit seinen kleinen Tricks, wenn er Macdonald mit seinem schottisch rollenden R imitiert, oder Baldwin als Schlafmütze kennzeichnet. Sein Hauptschlagwort aber wird ihm von der Regierung selbst in die Hand gespielt. Es lautet: Aktion, Aktion.„ Das passive Treibenlassen der Regierung ist Mosleys schärfste Waffe. Auch in England wollen die Menschen, daß etwas geschieht. Und es geschieht nichts, wenigstens nichts Wesentliches. Während sie in der Wirtschaft alles treiben läßt, bringt die Regierung jetzt ausgerechnet ein Gesetz gegen Lotterien und Windhundrennen ein. Es gibt wahr- hastig augenblicklich nichts Wichtigeres. Was wird mit der Abrüstungskonferenz? In der Außenpolitik ist die Aktivität der Regierung nicht größer. Bisher hat die englische Regierung immer den anderen die Bälle zugeworfen, ohne sich selbst klar zu entscheiden. Jetzt zwingt die französische Note sie zu einer Entscheidung. Und nun scheint die britische Regierung rat- los. Zu-rst hoffte sie noch auf den Besuch des Italieners Suvich. Aber auch das brachte keine Lösung. Simon und Suvich sind nicht einig geworden, das wird hier offen ein- gestanden. Was nun? Man ist mit Frankreich etwas be- leidigt. aber man will auch Frankreich nicht wehe tun. Als Deutschland im Oktober mit der Faust auf den Tisch schlug, da erklärte man in England plötzlich. Deutschland habe berechtigte Beschwerden. Jetzt, wo Frankreich grob kam, erkennt man wieder Frankreichs Recht zur Besorg- nis an. Bon den großen Zeitungen schreiben nur der „Daily Telegraph" und der in der Außenpolitik hoffnungs- lofe„Daily Herald".- das Labour Blatt.. scharf gegen Frankreich, alle anderen haben plötzlich Verständnis, ja die Rechtsblätter freuen sich, weil sie nun ungenierter die englische Aufrüstung verlangen können. Die Regierung aber scheint immer noch auf das rettende Wunder zu warten, das ihr auch diesmal wieder klare Entscheidungen abnehmen soll. Und nun kommt noch die neue Schwierig- keit mit Japan hinzu. Es ist etwas viel auf einmal für eine Regierung, der klare Entscheidungen ein Greuel sind. Das Ende der Ostcrreldilsdien Verfassung Ein Rumpfparlament begräbt sieh selbst...— Die„neue' Verfassung— Slarbembergwird Vizekanzler „Deratende KDrpersdiaften" Wien, 80. April. Die neue österreichische Bundesverfassung weift ans Grund des bisher bekanntgegebenen amtlichen Materia's folgende Grnndzüge ans: Gebildet werden vier beratende Körperschaften: aj der Staatsrat, der 40 bis 50 Mitglieder zählt, die der Bundespräsident ans die Daner von zehn Jahren er- nennt? b) der B n n d e s k n l t n r r a t(30 bis 40 Mitglieder). Seine Mitglieder werden ans den Kreisen der Religions- gemeinschasten. des Schulwesens, der Kunst und der Wissen- schaft entsandt?, c) der B n n d es w i r t scha s ts r a t(70 bis 80 Mitglieder). dessen Mitglieder ans den wirtschaftlichen Berufs- ständen zn entsenden sind? d) der L ä n d e r r a t: je zwei Mitglieder ans jedem Lande und ans der bnndesnnmittelbaren Stadt Wien. Ans Mitgliedern dieser vier beratenden Körperschaften wird die beschliestendc Körperschaft gebildet, die Bundestag hcisst. Die Gesestesinitiative ist allein bei der Regierung. Wenn die Regierung ein Gesetz erlassen will, so wird sie ihren Entwnrs den vier beratenden Körperschaften zur Begutachtung geben. Der Bundestag kann eine Vorlage nur an- nehmen oder verwerfen. Eine Ausnahme bilde« der Hanshalt, der nicht erst den beratenden Körperschaften übergeben, svn- der« direkt im Bundestag eingebracht wird. Er kann dort Veränderungen erfahren, nm schliesslich durch Beschlnss in »rast gesetzt zu werden. Eine Volksabstimmung kann nur in zwei Fällen stattfinden: a) wenn die Bundesregierung beschließt, eine vom Bundes- tag abgelehnte Gesetzesvorlagc einer Volksabstimmung zu unterziehen, b> weiin die Bundesregierung beschließt, ein bestimmtes Problem dem Volke zur grundsätzlichen Entscheidung vorzu- legen. Die Einrichtung des Bundespräsidenten wird beibehalten. Er ernennt die Regierung und beruft sie ab. Am bundesstaatlichcn Eharaiter Oesterreichs hält die neue Verfassung fest. Das kommt in der Einrichtung des Länder- rates zum Ausdruck, insbesondere aber darin, daß auch in Zn- kunst jedes Land seinen Landtag haben wird. Die Landtage werden ständisch ausgebaut. Die Gemeindevertretung wird ähnlich ausgebaut. Nach der neuen Bersaffnng wird es mög- lich sein, daß sich Gemcindevcrbände zn bestimmten Zwecken bilden. Die Bundesregierung bekommt das Recht, bei Vorhanden- sein gewisser Voraussetzungen im Verordnungswcge einfache Gesetze>,u erlassen. Der Bundespräsident wird beim Notstand des Staates im Wege solcher Verordnungen sogar Teile der Verfassung ändern können. Für die Einbal- V-rsi-sin--»*"»• g^l-tw■ v*r Verwaltungsbehörden sorgt ein Gericht, das an die Stelle des Verwal- tnngo- und Vcrfaoungsger:chtshoses tritt. Wie im Hifler-Rtidistäg Dollfuß und Fey in Uniform DNB. Wien, 80. April. Die letzte Tagung des sterbenden österreichischen Parlaments begann heute im Sitzungssaal des Herrenhauses, dem ehemaligen Reichstag. Die Eingänge wurden aus das schärfste kontrolliert. Die Umgebung mar völ- lig abgesperrt. Der von der Regierung ernannte Präsident Dr. Ramek eröffnete die Sitzung vor einem fast leeren Saal. Kaum 70 Abgeordnete sind anwesend. Die Sitzung wird mit einer Er- klärung der Präsidenten eröffnet, wonach der Nationalrat die am 24. März 1033 unterbrochene Sitzung wiederaufnehme. Der Präsident stell» fest(!), daß die 72 Mandate der Sozialdemokraten erloschen sind. Auf diese Weise l!i unnayt der Nationalrat gegenivärtig Ol Abgeordnete, davon 00 Ehristlich- Soziale, sechs Heimatblockabgeordnete, neun Großdeytsche und zeh.. Landbündler. Unmittelbar nach der Erklärung des Präsidenten gibt der Abgeordnete der Großdcutschen Partei. Dr. Hampel. folgende geschästsordnungsmäßigc Erklärung ab:, Die Einberufung der Sitzung des Nationalrates>it nach der geltenden Geschäftsordnung verfassungswidrig. Weder die Regierung, noch der Bundespräsident haben nach der Geschäftsordnung das Recht, die bisherige Tagung des Nationalratcs zu schließen und eine Tagung einzuberutcn. Unter den gegenwärtigen Umständen bot sich für Sic Regierung kein anderer Weg. als dem Bundespräsidenten die Aut- löfung des Parlaments vorzuschlagen und unverzüglich Reu- ivablen ausznickreibcn.., Präsident Dr. Ramek erklärte, er könne sich der Auf- saisung der Großdeutschen Partei nicht anschließen. Die Sitzung de? Nationalrates fei daher rechtmäßig und für den Naiionalrat bindend. Ohne weitere Befragung des Haines stellt der Präsident von sich aus einseitig fest, daß das hohe Haus mit seiner Auslassung einverstanden sei. und schließt die erste Sitzung. Die zweite Sitzung wird sofort nach einer Pause von 10 Minuten einberufen. Unterdessen wird der österreichischen Presse mitgeteilt, daß die Veröffentlichung der Erklärung der Großdeutschen Partei für sie verboten ist. Der Presse wird lediglich eine kurze, vom Bundespressebienst abgefaßte Mitteilung über den Sitzungsverlaus übergeben. Gegen kl Uhr beginnt die zweite Sitzung. Die Regierung mit Bundeskanzler Dr. Dollkuß und Vizekanzler i>«t) in voller Uniform an der Spitze nimmt au» der Re- gierungsbank Platz. In der Diplomatenloge siebt man nur den polnischen Geschäftsträger. Der Präsident beginnt die zweite Sitzung mit der Ver- eidigung der eigens für diese eine Sitzung neu gewählten Ersatzmänner der Ehristlich-Sozialcn Partei nnd teilt dem Nationalrat mit. daß die Regierung die seit dem März vorigen Jahres erlassenen 47Z Notverordnungen dem Nationalrat zur Billigung vorlege. Gleichzeitig liegt dem Hauö die Notverordnung der Regierung vor. mit der die neue Bundesverfassung Oesterreichs bereits in Krakt gesetzt worden ist. Ohne weitere Aussprache werden die 471 Not- Verordnungen und die neue Bundesverfassung dem. Ver- fassungsausschnß überwiesen. Der VersassungSauSschuß tritt sofort zusammen, um in einer kurzen Sitzung von kaum einer halben Stunde die 471 Notverordnungen nnd die neue Bnn- desversassnng dnrchznberaten nnd anzunehmen. SfarhemDerg- Vizekanzler Fey wird„Sicherheitsminister"— Der Apostolische Nuntius beglückwünscht Wien, 1. Mai Bundespräsident Miklas hat heute auf An- trag des Bundeskanzlers Dollsuß den bisherigen Bije- kanzler Fey auf dessen Ersuchen von seinem Amt als Vize- kanzler enthoben und den Bundcsfübrer des Heimatschutzcs Starhemberg zum Vizekanzler ernannt. Gleichzeitig hat der Bundespräsident Major Fey zum Bundesminister ernannt und ihm die Leitung des öffentlichen Sicherheitswesens sowie die Führung des Stiftungs- und Fondsivescns übertragen. Der dem Landbund angehörende Minister Kerber wurde ,»w her Leitung des neugeschaffenen Bundesamtes für Stati- stik betraut. Der bisherige Staatssekretär FeyS. Karwinfky. wurde mit der Unterstützung des Bundeskanzlers und des Vize- kanzlers beaustragt. Anläßlich des heutigen ersten Feiertage? überbrachte der Apostolische Nuntius der Bundesregierung die Glückwünsche des diplomatischen KorpS zu der neuen österreichischen Bun- dcsverfassung. Unruhige Nadil in Paris Zusammenstoß mif der Polizei DNB. Paris, 2. Mai. Die Maifeier, die fast in ganz Frank- reich ohne nennenswerte Zwischenfälle verlausen ist. ist im Osten von Paris zu einem regelrechten Aufstand der Ar- bciter gegen die Polizei ausgeartet. Ein ganzes Stadtviertel liegt im Belagerungszustand, und es läßt sich augenblicklich noch nicht absehen, wie die Straßenschlacht enden wird, die seit den späten Abendstunden zwischen einigen hundert Kom- mnnisten und mehreren tausend Polizeibeamtcn und mobiler Garde tobt. In den Abendstunden hatten die Antodroschkenftthrer des östlichen Bezirks ihre Wagen aus der Garage geholt, um den Nachtdienst zu versehen. Dies wurde von den Kommunisten als Streikbruch bezeichnet und im Nu hatten sich mehrere hundert Kundgeber zusammengerottet, die die AutoS mit Steinen bewarfen. Die Polizei, die zunächst nicht in der Lage war, die Ordnung wiederherzustellen, forderte Verstärkung an, nnd als ein großes Aufgebot von Polizeibeamten und mobiler Garde eintraf, nahmen die Kommunisten eine Immer drohendere Haltung ein. Schließlich zogen sie sich in einige Seitenstraßen zurück und verbarrikadierten sich in den Ar- beiterivvhuungen der sogenannten Eits Jeanne d Are. Aus den Fenstern wurden die Beamten beschossen und mit allen zur Verfügung stehenden Gegenständen bombardiert. Die engen Straßen gestatteten-eS der Polizei nicht, energisch vor- zugehen, ohne ihr Leben ausS Spiel zu setzen. Die Kommu- nisten nutzten diesen Umstand aus und schickten immer wieder Gruppen von etwa 50 Mann auf die Straße, die den Austrag hatten, Pflastersteine in die Wohnungen zu tragen und damit aus den Fenstern zu werfen. An anderer Stelle wurden Gräben ausgehoben, die ebenfalls durch Barrikaden von Psastersteincn geschützt wurden. Gegen Mitternacht zählte die Polizei bereits einen Toten und elf Verletzte durch Schüsse oder Wurfgeschosse. Die Wut des Pöbels stieg von«lunde zu Stunde, und die Polizei stand der Meute infolge der Dunkelheit, vor allem aber wegen der zu engen Straßen, machtlos gegenüber. Nach und nach rückten ans allen Stadt- teilen Polizeiverstärkungen an, so daß gegen 1 Uhr nachts bereits mehrere tausend Mann versammelt waren, die unter dem unmittelbaren Befehl des Polizeipräsidenten stehen. Um unnötige« Blutvergießen zu vermeiden, hat die Polizei in den frühen Morgenstunden ihre Stellungen zurückgezogen und sich daraus beschränkt, das ganze Viertel abzuriegeln. Große Scheinwerfer bestrahlen die Häusersassaden, während die Kommunisten auf der Straße neue Barrikaden mich- teten und an verschiedenen Stellen Holzfcuer anlegen. Die Feuerwehr hat eine Gasmannschaft an Ort und Stelle ent- sandt, und man erwartet, daß die Polizei das ganze Viertel ausräuchern wird. Gegen 3 Uhr morgens war die Lage unverändert. Arbeilsrahe in Spanien DNB. Madrid, 2. Mai. Der sozialistischen Parole folgend wurde der 1. Mai in ganz Spanien durch Arbeitsniederlegung gefeiert. Lediglich die Arbeiter der lebenswichtigen Betrie e blieben im Dienst. In Madrid und in den übrigen grossen Städten ruhte der Straßenbahn-, Kraftwagen- und Omnibus- verkehr. Die Kaffee-, Gast- und Lichtspielhäuser sowie die Geschäfte waren geschlossen. Zu Zwischenfällen kam eS ledig- lich in einem Dorf bei Badasoz. wo Kundgeber gegen die Polizei vorgingen, die schließlich von der Schußwaffe Ge- brauch machen müßte und einen Arbeiter tötete. Pariser Deridrte Wer war Sfaviskg? In einem Zeitpunkt, in dem der Stavisky-Aussehuß hochpolitisch geworden ist— durch den vorläufigen Beschluß der Mehrheit gegen Pressard und Lescouve, der am Mittwoch noch zu einer wichtigen Sitzung führen wird— ist das Charakterbild Staviskys plößlich ganz unerwartet wieder au* der Asche gestiegen. Vernommen wurde der Stavisky-Anwalt Andre Hesse, der von dem großen„escroc" in sechs Raten 50 000 Franken Honorar in drei Jahren erhalten hat. Andre Hesse wurde auch über die Persönlichkeit des Menschen befragt, der Frankreich in solche Aufregung gestürzt hat, und fällt ein zusammenfassendes Urteil über den Helden der Spielsäle. Theaterdirektor und Großunternehmer der Bons und der Spionage:„Mein Eindruck ist: Stavisky war mitunter völlig ruhig. Ich sprach manchmal mit ihm eine Stunde lang über seine Geschäfte. Dann wieder war er überaufgeregt. In diesem Zustand traf ich ihn gegen den 17. oder 18 Oktober an, das war das letzemal. Ich hatte den Eindruck, daß er von Angst getrieben war. Ich denke jetzt, daß er sich damals schon als ein Gehetzter fühlte." Staviskys Frau A r I e 11 e ist dieser Tage erneut wegen ihrer Beziehungen zu Galmot, dem Helden von Guyana, vernommen worden. Sie sagte aus, daß sie ihn im Juni 1926 kennen gelernt habe. Es sei dann beabsichtigt worden, daß Galmot und der schöne Alexandre zusammen nach Guyana fahren sollten. Aber am Tage vorher wurde Stavisky verhaftet. Arlette begab sich in ein Sanatorium, wo Galmot sie besuchte. Er bezahlte auch die Kosten, weigerte sich aber, die 50 000 Franken Kaution für die Haftentlassung des schönen Alexandre aufzubringen. Im Bankrottverfahren gegen das ehemalige Empire, in dem Rita Georg für Hayotte sang, sind jetzt die Frau und die Mutter dieses innigsten Freundes des großen Schwindlers gehört worden. Ein Naturwunder in Vienne Es handelt sich nicht um Wien, das„Vienne" in Oesterreich, sondern es gibt bekanntlich auch noch zwei Vienne in Frankreich. Das eine ist die Landschaft Vienne, die südlich der Touraine im Poitou durch den Fluß Vienne gebildet wird, mit dem Departement Haute-Vienne und Limoges als Fortsetzung. Das andere ist die Stadt Vienne an der Isere, dem Nebenfluß der Rhone, in der Dauphinee. In diesem Ort also ist ein Naturwunder geschehen. Eine Frau hat dort in einer Klinik, in ihrer vierten Schwangerschaft, ein Mädchen mit einem Brustkorb und zwei Köpfen geboren. Das Wesen hat zwei Becken und drei Arme, der dritte Arm endet in neun Fingern, mit dem Daumen in der Mitte. Die beiden Köpfe hatten normale Große. Das Kind lebte im Moment der Geburtsoperation, wurde aber bereits tot ins Dasein befördert. Es bildet jetzt den Gegenstand medizinischer Untersuchungen. Der rrlfi-LangTilm Auch bei dem neuen F r i tz• L a n g-Film steht das darstellerische Moment im Vordergrund. Die Wandlungsfähigkeit Charles Boyers scheint keine Grenzen zu kennen. Man will es zunächst kaum glauben, daß der gleiche Darsteller jenen japanischen Seeoffizier in„La Bataille" spielte, der jetzt diesen Molnarschen„Lilie m" als französische Filmrolle meistert. Ein Stück saftigsten Komödiantentums. Ebenbürtig die Julie der sensiblen Madeleine Ozeray. Unnötig zu betonen, daß Fritz Lang in dem Jahrmarktmilieu herrliche Regieanlässe findet. Etwas Besonderes das hundertprozentig„filmische" Nachspiel im Himmel, zu dem die Epilogszene des Originals im Scenario Robert Liebmanns erweitert wird, haarscharf auf der Grenze zwischen Kitsch und Kitschpersiflage, immer gerade am Abgrund vorbei. Spontaner, minutenlanger Applaus folgt dieser und vielen anderen Szenen. Ein ganz großer Erfolgsfilm, den man nicht nur wegen des nichtgleichgeschalteten deutschen Regisseur gesehen haben muß. Die„Deutsche Freiheit" Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands muß man regelmäßig lesen Bestellschein Ich ersuche um regelmäßige Zusendung der„Deutschen Freiheit" Name>———...—-—.— Straße: Unterschrift Verlag der rr Deutschen Freiheit" Saarbrücken 3• Schützenstraße 5* Postschließfach 776 Deutsche Poliklinik a) Allgemeine Konsultationen mit» Spezialisten. b) Chirurgie c) Geburtshilfliche Klinik d) Zahnarztliches Kabinett Innere Medizin, Augen», Ohren», Nasen» and Kehllcopfkrank» ZweistSckigesJSanitortamsgebladc. Vierstöckiges Gebäude. 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RUE DE PASSY, t.L Autouil 33-61 Doktor Wachtel und Doktor Axel Geschlechtskrankheiten, Männer und Franca Nase, Hals, Ohren 123, Bd. SibastopoL— Sprechstunden v. 9—12 u. 2—8 Uhr; Sonntags vormittags Metro: Reaumur. St Denis Inserieren bring! Gewinn! „rrifz Franz Neumann' Mit einem vieraktigen Opus, das„M. Fritz Franz Neumann" betitelt ist, greift Rene Benjamin vom Kreise der„Action Fran£aise", in das Problem der deutsch-französischen Beziehungen ein. Das„Theatre de TAthenee" hat sich für verpflichtet gehalten, der Oeffentlichkeit diesen Beweis der psychologischen Urteilslosigkeit vorzuführen, den man von seinem Autor kaum zu befürchten gewagt hatte, der einst auf der Bühne Copeaus zur Mittlung gelangt war. Herr Fritz Franz Neumann ist der rothaarige Sprößling eines üblen alten deutschen Majors, der, im Kriege in ein Ardennenlandhaus einquartiert, in widerlichster Weise geplündert hatte. Er wird in Stuttgart durch die Enkel— ein Geschwisterpaar— von seines Vaters ehemaligem Quartiergeber besucht, begleitet diese nach Frankreich, um sich der jungen Dame Hand zu sichern, verliebt sich in die Mutter und bietet dieser ein Armband, das aus seines Vaters Raube stammt, als Brautgeschenk. Er hatte aber seine Rechnung ohne den rächenden Großpapa gemacht, denn dieser hatte ihm die Enkel ja nur in das Haus gesandt, damit sie an der rechten Quelle die Entartung des Feindes studieren konnten; jetzt verlobt er, ein alles zum Besten führender Gott, die Schwiegertochter dem trotteligen Hausarzt, die Enkelin einem schönen schwätzenden, dünnhaarigen Bewunderer der Mutter und weist dem„frechen Eindringling" pathetisch die Tür, die dieser unter Mitnahme seines Beutearmbandes überschreitet. Dieses Stück, das momentweise fast so anmuten könnte, als sei es als Replik auf den„Mann, den sein Gewissen trieb" von Maurice Rostand gedacht, beweist für mein Empfinden nicht das geringste von dem, was es zweifellos bezweckt. Denn nicht nur der Deutsche des Herrn Benjamin ist eine groteske Karikatur, wie sie schon längst nicht mehr in Kinderschreckbüchern gezeichnet wird, sondern auch seine sämtlichen Franzosen sind Figuren von unüberbietbarer Abgeschmacktheit, und das Gesamtwerk wirkt wie eine Apotheose der Senilität. Eine sehr ungleiche Aufführung, in der Aime-Clariond zur Darstellung des deutschen Scheusals verurteilt war, während A r q u i 11 i e r e die Rolle des alten Franzosen vor sich hinbrummelte. Das„Theatre de TAthenee" hatte vor der Aufführung eine Reihe von Erkundigungen über die„hohe Aktualität" dieser Einstudierung lanciert. Es würde mich wundern, wenn ich der einzige Premierengast gewesen wäre, der diesen Abend als einen der verfehltesten der Spielzeit empfunden hat.(Wir haben bereits die ziemlich komische Kritik einer großen französischen Zeitung, des„Intransigeant", wiedergegeben.) Hans-Adalbert v. Maltjahn. 500 wenig getragene Wlodette (haute couture): Tages-, Abend-, Sportkleider und Pelze werden momentan verkauft bei: Jiacg-OccasiaHS 40, rue Desrenaudes(Ternes) Tel.: Etoile 35-86, Ankauf. Tausch Ein Winkel Daumlers Angesichts des Abbruchs des alten Viertels Saint-Merri in Alt-Paris erinnert Lucien Descaves an den historischen 14. April 1834, der in der Chronik der Stadt eingetragen ist. An diesem Datum geschah das Ereignis, dem Daumier sein Meisterwerk„La rue Transnonain" widmete. Diese Straße ist beim Durchbruch der rue Baubourg verschwunden. Das Haus, das die Nummer 12 der rue Transnonain trug, stand auf dem Grundstück Nummer 62 der rue Baubourg von heqte. Das alte Haus hatte im 13. und 14. Jahrhundert dem' Erzbischof von Reims und dem Bischof von Chalons gehört als ihr Stadthaus. Sie verkauften es den Karmelitern, die daraus ein Kloster machten. Als Kloster wurde es von der großen Revolution eingezogen und niedergerissen, um den Nachbarhäusern Platz zu schaffen. Eins dieser Nachbarhäuser war Nummer 12, ein fünfstöckiger Kasten, in dem 1834 kleine Leute wohnten. Es lag an der Kreuzung der Straßen von Montmorency und von Transnonain, und war mit dieser durch eine hohle Eisenpforte verbunden. Hier war unter Louis Philippe, dem Bürkerkönige, der Schauplatz einer furchtbaren Szene der Empörung, deren Widerhall bis auf uns drang. Es war eine blutige Erbebung, die das Genie Daumiers gestaltete. Am Sonntag, dem 13. April, rissen Leute, die zur Hälfte bürgerlich, zur anderen Hälfte arbeiterhaft angezogen waren, das Pflaster auf und warfen zwei Wagen um, von denen sie die Pferde ausspannten und bauten vor dem Hause Nummer 12 eine Barrikade auf, welche ihre Verteidiger die ganze Nacht hielten. Es blieb der Polizei und den Soldaten nichts anderes übrig, als sie zu besetzen. Sie warteten bis Montag morgen und stürzten dann, unter dem Vorwand, daß aus dem Hause geschossen worden sei, vor und mordeten zwölf Mieter, Männer und Frauen, die verängstigt und ohne Waffen waren. Die Lithographie Daumiers ist allgemein bekannt. Ein schrekliches Bild des Bürgerkriegs, ohne Wort, ohne Ausmalung: bloß ein Dokument, aber so brennend noch unter der Asche, daß es in einem Jahrhundert, das verstrich, nicht kalt wurde. Ein„Domela" des Printe-Falles In Cluny, dem Orte der berühmten Abtei in Burgund, wurde ein gewitzter Schwindler gefangen, der sich in M o u• lins auf Zechprellerei in Sachen Prince verlegt hatte. In offenbar guter Ausnutzung der Konjunktur, die sich in der schönen Weingegend wegen des Interesses für die Untat in Dijon bemerkbar macht, traf dort ein gewisser Antoine Pelletier ein, ein gut aussehender Mann von 32 Jahren. In Moulins stellt er sich als Beauftragter der staatlichen Polizei vor, der die Aufgabe habe, den Mörder des Richters Prince zu suchen. Natürlich sperrten die guten Leute, die so was Gruseliges hörten, Mund und Nase auf. Der falsche Spürhund erzählte ihnen, daß er den Mörder kenne. Der Mörder heiße— und er legte den Zeigefinger an den Mund— Edouard Dupre, und sei ein Maurer, 40 Jahre alt. Der Kerl, der aus dem Badeort Deauville stamme, sei in Havre der Verhaftung entwicht und treibe sich jetzt in Neuvy les Moulins herum. Aber er werde der Gerechtigkeit nicht entgehen. Die guten Leute vom Bourbonnais, die also glaubten, den Wiederhersteller der Ruhe des Landes in eigener Person sein gutes Mahl einnehmen zu sehn, pumpten ihm, was er verlangte. Der Herr Agent zahlte überhaupt nichts bar und lebte herrlich und in Freuden in den guten Hotels der Stadt. Eines Tages aber sah der Schwindler einen der Meister, bei denen er gearbeitet hatte, und verdrückte sich daraufhin spurlos. Aber im Gegensatz zu dem Mörder wurde er gefunden. Der falsche Polizeibeamte ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Franfculanb. Sehr inttrejjant her Erlaß, den Sie uns zugänglich n:achen. Der fränkische Gruppenführer von Obernitz wende, sich öffentlich gegen die Lobhudeleien, mit denen ihn die gleichgeschaltet« Prege verfolgt:„Es liegt also für die Presse keinerlei Grund vor, die Pflichterfüllung, wie sie von Zehntausenden täglich geübt wird, bei einem Einzelnen über das Matz des Ertrag- lichenherauszuheben. Ich ersuche für die Zukunst, geplante Veröffentlichungen über meine Tätigkeit vor Abdruck bei mir zur Genehmigung vorzulegen." Sollte dieser„Erlaß gegen Speichellecker" nicht auch eine Spitze gegen die allerobersten Nazibonzen enthalten, die sich täglich bis zum Erbrechen anhimmeln lassen? In manchen Nazizeitungen ist der lokale Bonze oder der Gagstonze in einer Nummer dreimal photo- grafiert. Es gab mal einen Deutschen, der sagte:„Ich habe eine Antipathie gegen Lobhudeleien. Es macht mich den ganzen Tag verstimmt, so etwas zu hören." Er hietz aber nicht Hitler, Göring, Göbbels, Ley oder Streicher. Der komische Kauz redete nicht, sondern schwieg, und es war nur der Sieger von Königgrätz und Sedan: Helmuth von Mottle... Margarethe Immer wieder sucht uns eine Leserin vom politischen Kampfseld auf das Gebiet der Mode zu locken, aber wir können nur für Minuten unS diesem sicher recht reizvollen Thema zuwenden. Soviel wissen wir aber, daß die Gänsefedern in Mode kommen. Nicht auf dem Schreibtisch, sondern auf den Hüten. Aus den Damen» hüten:„Man spießt sie durch vorn-seitlich ausgeschlagene Hutränder, legt sie flach über grobgeflochtene, steifrandige Strohhüte, oder steckt sie seitlich auf Bereis, die ganz vorn im Gesicht sitzen und reizvoll durch ein um den Hinterkopf gelegtes Band gehalten werden. Ebenso vorteilhaft besestigt man sie zu stirnfreien Hüten nach Jndianerart quer an der Rückenseite." Da die braven Gänse noch immer nur in weiß oder grau gehen, werben die Hutfedern gefärbt, damit die Trägerin sie auf die se- weilige Haarfarbe und auf den Kontrast zum Lippenrot abstimmen kann. Mehr wissen wir auch nicht. Genügt es? Aus Frankfurt a. M. Wie Sie un« mitteilen, gab es neulich in der Generalversammlung der frankfurter Hypothekenbank ziemlichen Stunk, weil die drei Vorstandsmitglieder 156 000 Mark Jahresbezüge erhalten. Ob zusammen oder seder für sich, geht au» Ihrer Mitteilung nicht hervor. Wir vermuten eher: jeder für sich. Und so etwas im„dritten Reich". Ein Jahr nach dem Siege de» Programms, das allen Bank- und Börsenfürsten den Krieg erklärt. „Bonzen" mit 900 Mark Monatsgehalt konnte man niederhetzen, Arbeiterhäuser konnte man stehlen, aber die Großbanken sind heilig. Arme SA.-Teufel, ihr seid belogen und betrogen, und ihr habt eS nicht bester verdient. Heilt Hitler! Sind. snr. Wie Sie uns schreiben, sind die Stubenten der Universität Halle verpflichtet, folgende Borlesungen zu hören:„Krieg unb christliche Ethik",„Krieg und Weltwirtschaft",„Krieg bei den Ger- manen",„Krieg und Ernährungsproblem",„Militärphysik"(!), „Chemie im Weltkrieg",„Die Bekämpfung der Epidemien während des Krieges",„Die Versorgung der Bevölkerung mit Agrarprobuk« ten und Fleisch während des Krieges",„Militärgeologische Studien an der Westfront",„Ziele und Methoden der Militärgeologie".— Wie sollte auch jemand ein guter Arzt oder gar ein Prediger der christlichen Nächstenliebe werben können, wenn er nicht über Mild» tärphystk Bescheid weiß und nicht davon überzeugt ist, daß Flieger- bomben und Giftgase zu den edelsten Ausbrucksformen christlicher Nächstenliebe gehören. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann Pitz tn Dud- weiter; für Inserate: Otto Kuhn tn Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH, Saarbrücke»\ Schützenstratze 6,— Schließfach 776 Saarbrücken.