0 mUfckc Sinzigs unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 103— 2. Jahrgang Saarbrücken, Samstag, 5. Mai 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt HeCdpatizei gegen S.A. Seite 2 Jlachepctxzeß f.üc(faxest Wessel Seite 2 $acis- Waeschau- Qenf. Seite 3 Mit dem Hude jux icd Sestcaft Seile 7 Dec Papst euft die deutschen Fischöle Seite 7 Das Deich der..Schlachten Die Kriegserklärung an die Niesmacher und Nörgler Gestern und heute Der preußische Ministerpräsident Hermann Göring hat ein Maienerlebnis gehabt, das in den Spalten der deutschen Presse mit allen Einzelheiten geschildert wird. Hier lassen wir die Tatsachen nach der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" sprechen. Göring hatte sich, als er sich dem Aufmarsch eingliedern woltle, verspätet. Da sah er die Belegschaft des AEG.-Werkes. Ein Isolierer entdeckte ihn. Der Mann hört auf den Namen Hoff. Er brachte sofort ein Siegheil auf Göring aus, und die gesamte Gefolgschaft stimmte mit großem Beifall ein, wenn wir dem genannten Blatte glauben dürfen. Daraufhin unternahm der Ministerpräsident— er war schlicht und einfach, mit einer hellgrauen Uniform ohne Abzeichen, doch mit dem Pour-leMerite bekleidet— eine Tat von unvergleichlicher Loyalität. Er sprang— wörtlich, er sprang!— in die zweite Reihe des Zuges, zwischen den Installateur Merzig und den Einrichter Sommerfeld. Alle schwitzten sehr. Die gemeinsame Transpiration erzeugte aber bei dem Herrn Ministerpräsidenten eine nahezu proletarische Klassensolidarität. Er fragte seine Nebenmänner über Löhne und Abzüge.„Die Abzüge sind noch hoch," sagte Merzig,„aber der Geist ist wieder gut, und ich bin froh, daß die Pflaumen von früher abgewirtschaftet haben." Göring sprach ihm Trost zu:„Habt, so sagte er, noch zweieinhalb Jahre Geduld! Haltet durch! Dann sind wir über den Berg." Unter solch munteren Gesprächen gingen sie weiter. Da sah eine junge Wirtin(Berliner Bürgerbräu auf der Friesenstraße) den schwitzenden Göring. Sofort durchbrach sie die Reihe mit einem Kruge schäumenden Bieres.„Herr Ministerpräsident, bitte trinken Sie mir die Blume ab." Göring tat es mit leutseligem Durst. Den Rest trank sie selbst. Damit ist diese Geschichte eigentlich zu Ende. Sie hat gar keine Pointe, aber der Leser wird sie reizend finden. Es ist eben nicht so, daß Göring Schrecken ersinnt und Blut schreibt. In Wahrheit ist er ein heiterer Zeitgenosse, am glücklichsten in enger Tuchfühlung mit dem schlichten Werkstättenmann, dessen Gedanken er mitdenkt, dessen Leiden er mitleidet. Das wahre Charakterbild Hermann Görings wird, traun für- wahr, in der Geschichte fortan nie mehr schwanken. Aber nicht nur Göring hat ein Erlebnis gehabt. Angeregt durch das seinige, habe auch ich mir eines verschafft. Es begann mit einer lieben Erinnerung. An unserem Gymnasium gab es jedes Jahr zur österlichen Versetjungszeit eine festliche Szene. Der Rektor rief die braven Knaben und schenkte ihnen zum Zeichen, daß sie das Ziel der Klasse erreicht hätten, einen Luxusband:„Unser Kaiserpaar." Der Leser wird es nicht glauben: auch ich habe ihn erhalten. Wahrhaftig, der stand ja noch hinten auf dem Regal! Nach Jahrzehnten sahen wir uns wieder, und ich fand, daß ich seit langer Zeit eine solch aufschlußreiche Lektüre nicht mehr gehabt habe. Was hatten wir doch für einen arbeiterfreundlichen, kunstbegeisterten, kinderlieben Monarchen! Aber warum ist das heute so antiquiert, so simpel und so schlicht? Der Grund ist sehr einfach. Hitler und Göring, Göbbels und Streicher ist es in einem Jahre gelungen, den dreißigjährigen Rekord der Familie Wilhelms II. an Legenden und Anekdoten zu schlagen. In der Aera der Hohenzollern- Chronisten schwächte manchmal ein sanftes Schamgefühl die Tendenz ab. Heute? Zitternd-demütige Knechte tragen der Tyrannis täglich den mundenden Schmeichelbrei auf. Wir hüten uns, was das deutsche Volk betrifft, vor Verallgemeinerungen. Doch manchmal fragen wir uns, ob denn die hinter uns liegende Aera der Selbstbestimmung und der Volkssouveränität so wenig die Substanz dieser deutschen Menschen erschüttert habe, daß es in Jahresfrist möglich war, aus Hitler einen Gott und aus Göring einen Gegen zu machen. Argus. So also hat der Volkskanzler zu seinem Volke gesprochen: In einem Karree von Bewaffneten, die im Stahlhelm trutzig auf die Massen schauen. Zwischen dieser Leibgarde und dem Volke standen noch dichte Kolonnen von SA.- nunb SS.- Leuten. DaS sieht nicht so aus, als hätte der Reichskanzler den Wunsch gehabt, daß die angeblich so begeisterten Massen ihm allzu nahe kommen. Das Bild zeigt den wahren Zu- stand in Deutschland: hoch oben die Nazi-Bonzokratie. Zwischen ihr und Millionen von„Miesmachern und Nörg- lern" die gekaufte Prätorianergarde des Systems. Tie be- waffneten Söldnerscharen allein sind die Stütze der Diktatur. Die Bolksmassen lehnen das„dritte Reich" längst ab. Darum soll jetzt die ganze Partei mit ihrer riesenhaften Apparatur gegen die Unzufriedenen eingesetzt werden. Nicht um sie zu überzeugen, sondern um durch eine neue gewaltige Terror- welle des Machtstates die Volksmassen einzuschüchtern. Es fällt dem Reichspropagndaministerium diesmal schwer, in der Auslandspresse auch nur wenige Stimmen zu finden, die sich innerpolitsch als Nachklang für den stimmungslosen Staatsakt vor indifferenten Massen auf dem Tempelhoser Felde ausnutzen lassen. Nur einige nationali-tischc fron- zösische Blätter, die den gewaltigen Aufmarsch zur Verstär- kung der französischen Besorgnisse vor der organisatorischen Kraft und dem Machtwillen Deutschlands ausgewertet haben, glänzen mit vorsichtig ausgewählten und retuschierten Zitaten in der deutschen Presse. Unterschlagen wird aber, dag selb,t diese Zeitungen zugeben, wie gleichgültig und matt das Volk diesmal die Kanzlerrede ausnahm. Die englische Presse ist spöttisch und höhnisch.„Daily Telegraph, der nicht immer gerade voreingenommen gegen Hitler gewesen>it, lagt sich durch seinen Berliner Korrespondenten melden:„Die Rede Hitlers hat nicht den gleichen begeisterten Beifall er- zeugt wie die vor einem Jahr. Kleine Gruppen Berliner SA., die sich in seiner Nähe befanden, gähnten wahrend der Rede ungeniert ober vertrieben sich die Zeit mit«pielereien. Die nationalsozialistische Presse gibt sich zu Beginn der großen Propagandaschlacht gegen die Miesmacher und Nörgler den Anschein, als gelte der Stoß den reaktionären Schichten und nicht den Arbeitermassen, die treu zum neuen Reiche ständen. Daß dies Schwindel ist, wissen wir nicht nur aus zahllosen illegalen Bleichten, die uns erreichen, sondern auch aus den unzweideutigen Niederlagen der National- sozialisten bei den Wahlen der„Vertrauensräte", die„In- preß" meldet: Im Ullftein-Berlag wurden von etwa 4100 Arbeitern und Angestellten 2070 gültige Stimmen für den Ber- tranensrat abgegeben: 2080 Stimmzettel waren durchstrichen und admit ungültig. Die Wahl wurde unter Aus- ficht der Personalbteilung durchgeführt. Bei der Berliner„Bollswohlversicherung" er- zielten die Nazis 175 Jastimmen bei einer Belegschaft von rnnd 500 Man». Bei der Deutschen Kotteritz,Ge« sellschaft stimmten von etwa 500 Beschäftigten ebenfalls nur 175 mit Ja. Bei P i t i u s. Berlin SO., lehnte die Belegschaft die Wahl überhaupt ab, so baß der Unternehmer sich an den Treuhänder wenden mußte. In der Berliner Fabrik von Holz stimmten von 1000 Mann nur 800 für den Nazikandidaten. In der Schuhfabrik Simsou, Küpe- nicker Straße, erhielt der Nazi-Borsitzende des Vertrauens- rates von der 73 Mann starken Belegschaft 30, die nächst- folgenden Kandidaten der Liste, die keine Nazis sind, er- hielten 59, 03 und 09 Stimmen. In G l a« e r b u r g» an der holländischen Grenze, be- schästigen die Textilwerke Povcl u. Co. 2300 Mann. Davon wählten nur 1351. Bon dieser Hälfte der Belegschaft wähl- ten wieder nur 700 Manu für die Naziliste. Die nationalsozialistische Führung macht dieselbe Ersah- rung wie der Kaiser und seine Generäle während ber „großen Zeit" des Krieges. Erst ein Rausch ber Begeisterung, eine vorgetäuschte Volksgemeinschaft, die durch schärfste Unterdrückung aller kritischen Stimmen äußerlich jahrelang aufrechterhalten werden soll. Auch damals der unmögliche Versuch, die Wahrheit über den wirklichen Zustand im Felde und in der Heimat durch Anprangerung der Miesmacher und Nörgler zu verbergen. Auch damals der zum Scheitern ver- urteilte Versuch, das Volk auf Jahre und Jahre zu Opfern zu zwingen, die über Menschenkräfte hinausgehen. Auch da- mals der Wille, Widerspenstige auszutilgen. Freilich ge- stehen wir zu, daß die Kriegsgerichte wahre Vorbilder an Gerechtigkeit und Milde waren, verglichen mit dem„Volks- gerichtshos", der zu Massenurteilen für den Scharfrichter nun zusammentreten soll. Wir bringen an anderer Stelle die un- gebeuerlickien Strafandrohungen. Sie beweisen mehr als alles andere, wie stark die Auflehnung gegen den Hitlerwahnwitz in Deutschland schon gestiegn ist. Nur ein System, das sich innerlich schwach fühlt und von tausend Gefahren bedroht ist, greift zu so verzweifelten blutigen Maßnahmen. Unsere Freunde, die im Reiche unter so furchtbarem Druck stehen, werden dadurch noch vorsichtiger, aber nicht sahnen- flüchtig werden. Die Männer und die Frauen, die dem Henker zum Trotz ihre sozialistische Glaubensarbeit vcrrich- ten, sind geschult genug, um gerade aus den bestialischen Drohungen der Reichsregierung zu erkennen, daß die schein- bar allmächtigen Diktatoren sich vor den kleinen Gruppen fürchten, die gefährliche Herde sind, weil sie den passiven Widerstand ber Volksmassen mehr und mehr aktivieren. Sogar dem Mann, der reihenweise Todesurteile unter- zeichnet, dem wankenden preußischen Ministerpräsidenten Hermann Göring dämmert die Erkenntnis, daß Ideen mit Gewalt nicht auszurotten sind. Er hat am Abend des Mai- tages in seiner Rede zu Berlin trübe Ahnungen über die Lebenskraft des Marxismus, also der sozialistischen Ideen- weit in den Volksmassen, entwickelt. Nun will man Gewalt und Propaganda, Terror und Tau- schung gemeinsam ansetzen, um den Widerstand zu brechen. Man wird aber nur erleben, daß nach ber Arbeitsschlacht und der Währungsschlacht auch die Propagandaschlacht zu einer Niederlage führen wird. Das„dritte Reich" kann die Erscheinungen seines Verfalls nicht mehr verbergen und die Millionen seiner Gegner un- möglich alle erschlagen. Das Ende wird kommen und hinter chaotischem Sturz ein sozialistisches Beginnen zur Ordnung und Wohlfahrt. Unter Zwang! London, 4. Mai. sJnpreß.) Der Berliner Korrespondent des„Daily Expreß" meldet seinem Blatt, daß der Mai-Aus- marsch der zwei Millionen ein anderes Aussehen habe, wenn man hinter die Szene blicke.„Während im vorigen Jahr die Menge, erfüllt von neuer Hoffnung, sich aus freiem Willen versammelte, war es diesmal notwendig, sie zu dem Aufmarsch zu zwingen. Einige Firmen kündigen an, bah jene, die an dem Aufmarsch nicht teilnahmen, ür den 1. Mai ihren Lohn nicht gezahlt bekommen: andere, daß die Fehlenden entlassen werden." Die Berliner Handgranate Und andere Geschehnisse Berlin, 4. Mai. Das Verbot der„Grünen Post" auf drei Monate gilt allgemein, wenn es nicht abgekürzt wird, als das Ende dieser Wochenschrift und als ein vernichtender Hieb gegen den Ullstein-Verlag. Ter Hauptschriftleiter der„Grünen P o st", Ehm Welk, ist festgenom- men und in ein Konzentrationslager ge- bracht worden. Die im Auslande verbreiteten Meldungen, daß Ernst H e i l m a n n und L e u s ch n e r frei seien, werden hier nicht geglaubt. Beide sozialdemokratischen Führer sind noch ein- gesperrt. Ter Handgranaten-Anschlag gegen den Berliner Gruppen- führer Ernst am 21. März Unter den Linden ist noch immer nicht aufgeklärt und eine neue amtliche Meldung verdichtet noch das Dunkel. Es wird nämlich bekannt gegeben, daß es sich überhaupt nicht um einen Terrorakt, sondern um einen harmlosen Borgang handele. Die Handgranate sei von einem „Wirrkopf" geworfen, der keine Mitschuldigen habe. Aller- dings sei er kommunistisch verhetzt. Und wegen dieser Harm- losigkeit waren 39 999 Mark Belohnung ausgesetzt! Und man läßt sich die Gelegenheit entgehen, dieses Attentat als neuen Beweis für die Mordmut des„asiatischen Bolschewismus" auszuwerten! Hier sind Geheimnisse, die zu verhüllen aller Grund vor- liegen dürfte. Ueber den Attentäter wird berichtet: „Schulze ist ein hochgradig nervöser, den stärksten Stlm- mungsschwankungen unterworfener Mensch, dessen Ueber- reiztheit einem ihm vor zwei Jahren behandelnden Arzt da- mals den Gedanken nahebrachte, seiner Frau seine vorüber- gehende Unterbringung in einer Irrenanstalt anzu- raten. Politisch aktiv betätigt hat sich Schulze, der früher jahrelang ein tätiges Mitglied der KPD. gewesen ist, seit der nationalen Erhebung nicht mehr. Er hat aber in vertrauten Kreisen durch bis zum Ueberdruß der Zuhörer vorgebrachte kommunistische Reden erkennen lasten, baß er innerlich auch jetzt noch K o m m u n i st ist." Und wegen dieses angeblich Halbverrttckten wird den füh- renden Beamten wie folgt hohes Lob gespendet:„Der Polizeipräsident von Levctzow hat dem Leiter der von ihm bestellten Sonderkommistion zur Ermittlung deS Sprengstoffunternehmens Unter den Linden, RegierungSrat Lieber- mann von Sonnenberg, und seinem bewährten Mit- arbeiter Kriminalbirettor Trettin, seine vollste Aner- k e n n u n g zum Ausdruck gebracht für die hervorragende kriminalistische Arbeit bei Ermittlung des Täters." Cehurt Im Iferher Frauenschicksal in Deutschland Seit Mitte September 1933 befindet sich die antifaschistische Arbeiterin Fannn Blank im Frauengefängnis Eich ach in Bayern. Sie wurde bereits in schwangerem Zustande ver- haktet und in eine dunkle Zelle gesperrt. Tie illegale Rote Hilfe Deutschlands berichtet, daß diese junge Arbeiterin nun- mehr am 24. Februar 1934 im Kerker ein Mädchen geboren hat. Fanny Blank kann außer ihrer politischen Ueberzcugung keinerlei Delikt vorgeworfen werden. Das weiß die Behörde auch ganz genau, denn bisher ist der Verhafteten noch keinerlei Anklageschrift zugestellt worden. Einzig und allein ihre ausrechte antifaschistische Gesinnung ist der Grund, sie weiter im Gefängnis zu lasten und sie trotz der Geburt ihres Kindes zu martern. Tie illegale Rote Hilfe Deutschlands appelliert an die Weltöffentlichkeit, gegen diese Kulturschande Sturm zu laufen. Protestiert gegen diese Barbarei. Rettet Fanny Blank und ihr Kind. Befreit sie aus dem faschistischen Kerker! Kadieprozeß für Horst Wessel Köpte müssen rollen Berlin, 4. Mai. Die Ermordung Hör st Wessels wird, wie schon angekündigt, erneut die Gerichte beschäftigen. Die Staatsanwaltschaft hat nunmehr Anklage wegen gemeinschaftlichen Mordes gegen die Mittäter der Horst-Wessel-Mörder, den 31jährigen Peter St oll, den 27jährigen Sally Epstein und den 32jährigen, 13mal vorbestraften Hans Ziegler erhoben. Wie mitgeteilt wird, waren die Ermittlungen nach den Mittätern um so schwieriger und zeitraubender, als die im ersten Verfahren abgeurteilten Täter aus Angst, erneut>e- langt zu werden, in ihren Aussagen sehr zurück- haltend waren und versuchten, die Tateinzelheiten zu ver- schleiern. Ferner wurde die Aufklärung auch dadurch erheb- lich erschwert, daß die Genauigkeit der Zeugenaussagen i n- folge der Länge der inzwischen verflossenen Zeit in bezug auf verschiedene Einzelheiten stark beeinträchtigt ist und daß der seinerzeit zu sechs Jahren und einem Monat Zuchthaus verurteilte Haupttäter Albrecht Höh- ler während der Strafhaft ver starben ist ld. h. im Keller ermordet worden ist. Red. d. D. F.j. Von den im ersten Prozeß Verurteilten haben inzwischen die Brüll: Walter, Max und Willi Jambrowski, Walter Junek und die frühere Wirtin Horst Wessels, Frau Salm, ihre Straftaten verbüßt. Max Jambroivski und Frau Salm wurden 1933 in ein Konzentrationslager gebracht. Jetzt befinden sich noch die damaligen Angeklagten Rückert, der sechs Jahre und einen Monat Zuchthaus erhalten hatte, und Josef Kan- dulski, der zu fünf Jahren und einem Monat Zuchthaus ver- urteilt worden war, in Strafhaft. Die Brüder Jambrowski und Fraä Salm sind noch in Schutzhast. Wie erinnerlich, wurde Horst Westel am Abend des 14. Januar 1939 in seiner Wohnung bei der Witwe Salm in der Großen Frankfurter Straße von Mitgliedern der Bereit- schaft 2 der Sturmabteilung Mitte, einer getarnten Fort- setzung des„Roten Frontkämpferbundes", überfallen und ermord'et. Höhler hatte aus seiner Wohnung eine Parabellumpistole mitgebracht und sich zusammen mit 19 bis 12 Mann, unter denen sich die jetzt Angeklagten Stoll, Epstein und Zicgler befanden, zur Wohnung Horst Wessels-egeben. Höhler. Rückert, Jambrowski und Kandulski waren nach oben gegangen und im gleichen Augenblick als Horst Westel auf Klopfen hin seine Tür geöffnet hatte, hatte Höhler den Todesschuß auf Westel abgegeben. Die Anklage wirft den jetzt Angeklagten vor, daß sie be- wüßt und gewollt mitdenHaupttäternzusammen- gearbeitet hätten. Epstein habe unmittelbar am AuS« gang des Mordhauses gestanden. Der Einwand von Ziegler, er sei vor dem Schuß fortgelaufen, sei nach Auf- sastung der Staatsanwaltschaft unglaubwürdig. All« Beteiligten hätten sich über die Folgen des Ueberfalls klar sein müssen und sie hätten auch zweifellos gewußt, daß die Täter Waffen mit sich führten. Daher sei gegen Stoll. Epstein und Ziegler Anklage wegen gemeinschaftlichen Mordes erhoben worden. Feldpolizei gegen SA. llnbolmässigkeit im Reiche des Hörders Heines Wie die„United Preß" erfährt, soll eine umfangreiche Reorganisation inerhalb der SA.-Führung im Gange sein. Danach werde der Obergruppenführer Heines in Zukunft nur noch das Kommando in Oberschle- sien innehaben, während er bisher der oberste Führer der gesamten Ostprovinzen gewesen war. Im Zusammenhang mit diesen Gerüchten ist es interessant, daß am Sonntag in Breslau eine neue Gliederung der SA., das schlesische Feldjägcrkorps, vereidigt worden ist. Die Feldjäger sollen nach der nationalsozialistischen„Schlesischen Tages- zeitung" überall eingesetzt werden, wo die Angehörigen von SA., SS. und der Hitler-Jugend den Augen ihrer unmittel- baren Vorgesetzten entzogen seien. Sie sollen das Kon- t r o l l r e ch t über alle Personen haben, die entweder in Uniform sind oder nationalsozialistische Abzeichen tragen. Die Feldjäger sind zu vorläufigen Festnahmen berechtigt und können auch auf Anordnung der Polizei in den Orb- n u n g s d i e n st eingesetzt werden. Bemerkenswert ist, daß das Feldjägerkorps eine besondere Uniform trägt und un- mittelbar der obersten SA.-Führung untersteht. Auf die Zu- stände, die anscheinend innerhalb der SA."in Oberschlesien herrschen, wirft die Tatsache, daß die Ortsgruppe Königshütte Das Neueste „Times" zufolge besteht die ans Aden zum Schutze der britischen Belange in Hoteida abgesandte Bcrstärknng ans acht Militärflugzeug».., und 4« bewaffneten Polizisten. Am Donnerstag wurde daS Gebiet von Wollcndvrf und Gonnersdorf auf der rechten Rheinicite unterhalb Neuwied von einer Windhose heimgesucht. Das Dach der Turn- Halle und viele Wohnhäuser in Gönnersdors wurden ab- gedeckt. Bou der Berghöhe senkte sich der Wirbel ins Rhein- tal und verwandelte sich über dem Fluß in eine Wastcrhose. Gewaltige W»slerm engen wurden etwa i 0 0 Meter in d i e Luft g e> ch l c u d c r t. Der portugiesische Kolonialminister erklärte dem Reuter- Vertreter in Listabon, daß die Nachricht von einem Plan, fünf Millionen Juden in Angola in West- asrika anzusiedeln, jeder Grundlage entbehre. der ostoberschlesischen Hitler-Jugend aufgelöst worden ist, ein bedeutsames Licht. Selbstmord eines SS.-fOhrers Berlin, 3. Mai. Der frühere Polizeipräsident von Stettin, Engel, der gleichzeitig den Rang eines SS.-Obersührers bekleidete, hat sich durch Selbstmord einer schwebenden Straf- Untersuchung entzogen. Engel war von seinem Posten ab- gesetzt worden, nachdem Generalseldmarschall v. Mackensen sich bei Göring über die Gefangenenmißhandlun- gen im privaten Konzentrationslager von Bredow bei Stettin beschwert hatte. In der Folge wurde Engel ver- haftet und in das Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit übergeführt. Dort hat er sich nun in seiner Zelle erhängt. Aus Nahrungssorgcn Wie wir aus Oberschlesien vernehmen, hat der frühere sozialdemokratische Polizeipräsident von Oppeln. Ostrowski, zusammen mit seiner Frau aus Nahrungssorgen Selbstmord begangen. Die portugiesische Regierung werde niemals Massenausied- langen in Erwägung ziehen. Dagegen werde sie Einzel- Personen, die in Angola oder einer anderen portugiesischen Kolonialbesitzung einzuwandern wünschen, jede Erleichterung gewähren. vlesenlener In Oroohlun DNB. Neuyork, 4. Mai. Im Dock der Barber Dampf- schiffahrtsgesellschast in Booklyn brach am Donnerstag- abend ein Brand aus, der sehr schnell um sich griff und schließlich zu dem größten Feuer seit 29 Jahren in Brooklyn anwuchs. Der Feuerwehr, die auch mit Löschboo-e» anruckte, war es nur nach großen Anstrengungen möglich, eine Auö» dehnung des Brandes zu verhören. Vier Pe.'sonen kamen in den Flammen um, zwölf Feuerwehrleute wurden veeletzt. D-?s Dock ist völlig ausgebrannt. Eine dunkle Aildre Die Enthüllungen über den Obersten Norris Die Pariser„Liberte" schreibt: Die Informationen, welche die„Liberte" vorgestern über die Finanzaktionen des Obersten Norris veröffentlicht hat, haben ein starkes Echo gefunden. Wir haben den Beweis in den Erklärungen, welche uns die Agenturen übermitteln und die einerseits von Oberst Norris selbst, andererseits von der deutschen Regierung kommen. Die wirre Verteidigung Wreszynskis. Man meldet aus London, daß der Berichterstatter des „News Chronicle" den Obersten interviewt habe, der gegen die Indiskretion der französischen Presse protestierte. Sein Mitarbeiter Wreszynski, der Generaldirektor der„Union Bancaire Continentale" in Parii, gewährte gleichfall» ein Interview und erklärte wörtlich: „Et ist etwa zwei Jahre her, seit der Oberst Norris und ich eine Methode gefunden haben, die deutschen Kredite „aufzubauen". Oberst Norris war nach dem Kriege Legationsrat der alliierten Regierungen und hatte in Europa große Beziehungen. Seine Erfahrungen und diese Beziehungen, ergänzt durch meine Kenntnis des Finanzwesens, erlaubten es uns, liesige Geschäfte zu machen. Kunden baten uns, nach New York zu kommen, und wir halfen amerikanischen Geschäftsleuten, die im Besiß deutscher Guthaben und Papiere waren, bessere Bedingungen als die üblichen zu erhalten. Oberst Norris hatte weder Guthaben noch Bons. Er war nur der Treuhänder der Ansprüche seiner Klienten, die ihn nach einer bestimmten Frist für seine Tätigkeit bezahlten. Unser Vorgehen war in keiner Weise unkorrekt; schließlich konnten wir keine Geschäfte ohne die offizielle Autorisation der deutsche nRegierung abschließen." Unruhe in Berlin. Die Agentur Havas erhält aus Berlin folgende Mitteilung: ,Jn offiziellen deutschen Kreisen macht sich eine große Beunruhigung über die geheimnisvolle Affaire einer Börsenspekulation bemerkbar, die von einer rätselhaften Persönlichkeit, angeblich einem englischen Oberst namens Norris, durchgeführt wurde. Die Affaire läuft seit zwei Monaten, ohne daß irgend jemand weiß, um was es sich im Grunde handelt. Oberst Norris hätte zu angeblich recht ungünstigen Kursen für Riesensummen deutsche Werte gekauft— man spricht von einer Million Pfund Sterling— und man weiß nicht, welche Zwecke er damit verfolgt. Man behauptet, es handle sich um eine Aktion von großem Ausmaß, die unternommen worden sei, um das Vermögen reicher jüdischer Familien aus Deutschland herauszubekommen. Man findet schwerlich eine Erklärung für die Erleichterungen, die Oberst Norris gewährt worden seien und man behauptet, daß er sich in Deutschland außerordentlich einflußreicher Protektionen erfreut habe. Der Reichspropagandaminister Josef G ö b b e l s hält es heute für notwendig, zu erklären, daß er keinerlei Beziehungen zu dem Oberst Norris unterhalten habe, und daß er ihm weder irgendwelche Versprechungen gemacht noch ihm eine Unterstüßung gewährt habe. Das offizielle Communique beschränkt sich übrigens darauf, festzustellen, daß man sich sowohl in Deutschland wie auch im Ausland fragt, was hinter dieser geheimnisvollen Angelegenheit stecken kann." * Die Antwort des Wortführers des Obersten Norris sollte uns nicht täuschen. Denn eine Möglichkeit gibt es nur: Entweder hat ihm die deutsche Regierung die notwendigen Vollmachten gegeben, die„Riesengeschäfte" durchzuführen, die man heute zugibt; oder die deutsche Regierung hat keinerlei.Vollmachten gegeben, und man muß sich dann fragen, wie Oberst Norris die„Riesengeschäfte" durchführen konnte, die ebendoch getätigt worden sind. Die wirre Erklärung der deutschen Reichsregierung ist wenig befriedigend. Es erscheint uns also unerläßlich, folgende Fragen zu stellen: I. Für Rechnung welches Industrie* oder Bankenkonsortiums hat Oberst Norris mit einem Agio Börsenpapiere gekauft? Und warum wurden diese Käufe der deutschen Wertpapiere getätigt? II. Hat Oberst Norris nicht, grade wie es Kreuger liebte, deutsche Wertpapiere im Ausland und vor allem in Paria „aufgeblasen", um mit fremden Spargeldern nach dem klassischen Vorbild eines geheimnisvollen Verkaufssyndikats Kreditgeschäfte zu tätigen? Kreditgeschäfte, die einmal die Durchführung eines Handelsdumpings erlauben und die es weiter gestatten, einen gemeinsamen Fonds zum Ankauf von Rohstoffen, chemischen Produkten oder Waffen zu schaffen. III. Wiederholt Oberst Norris nicht das Mannöver, durch das es in den Jahren 1922 und 1923 ermöglicht wurde, die Sachlieferungen zu unterbinden, indem er die Privatgläubiger gegen die politischen Gläubiger Deutschlands ausspielte: versucht er jetzt nicht umgekehrt, die deutschen Papiere auf den europäischen Märkten„aufzublasen", um den Privatgläubi- gern des Dritten Reichs Gewinnrealisationen auszuwerfen, die mit den Schulden des Dr. Schacht an sie bezahlt werden? Geldleistungen, die nach der Komödie der Sachleistungen den Vorzug hätten, den letzten Gläubiger Deutschlands zu veranlassen, sich mittels ihres eigenen Geldes bezahlen zu lassen? Ein höchst geschicktes Manöver wird hier übrigens durch eine Verschwörerbande durchgeführt, die schon lange genug Proben ihrer Tätigkeit gegeben hat. Für heute wollen wir uns mit diesen drei Fragen begnügen. Paris» Warschau- Genf Paris, 1. Mai. A. Sch. Barthous Weg nach Genf lag über Warschau. Das heißt! Frankreich sieht in der Befestigung seines Bündnisslistems die notwendige Voraussetzung, um seinen Kampf in Genf gegen die Aufrüstung des Hitler-Deutsch- land erfolgreich austragen zu Können. Bevor in Genf auf der Abrüstungskonferenz die Frage der deutschen Rüstung aufgerollt wird, will Frankreich Klarheit über die wirk- liehen Verhältnisse in Ost-Europa schaffen, und vor allem die genaue Uebersicht aller internationalen Verhältnisse erhalten, an denen Polen beteiligt ist. Barthou will, daß Polen aufhört, Unsicherheitsfaktor in der europäischen Politik zu sein: lieber soll das Bündnisverhältnis zwischen Paris und Warschau umgestaltet werden, unter gewissen Opfern und Aenderungen zuungunsten Frankreichs, aber fest, klar und eindeutig, als es in der alten vielversprechenden Form, aber unbestimmt, unsicher und verwickelt auf- rechterhalten bleibt. Wenn in Prag das alte französisch-tschechische Bündnis nur noch einmal festgelegt und entsprechend den Erfordernissen der Lage ausgebaut wurde, so ist das französisch- polnische Bündnis auf neuer Grundlage aufgebaut worden. Das Militärbündnis wird sogar b e f e st i g t. die Zusammenarbeit der beiden Generalstäbe noch enger gestaltet. Ebenso hat Barthou die Annäherung Polens an die Position Frankreichs in der Rüstungsfrage erreicht. Frankreich kann auf die weitgehende Unter- ftützung durch Polen in Genf rechnen. In der russischen Frage wurde ein Kompromiß erreicht: Polen ist bereit, den Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion zu ver- längern, es wird feinen Widerstand gegen den Eintritt der Sowjetunion in den Völkerbund aufgeben, aber es weigert sich, den Pakt der gegenseitigen Unterstützung mit dem Rätebund abzuschließen. Barthou ist es nicht ge- lungen, das russisch-polnische Defensivbündnis gegen das Hitler-Deutschland aufzurichten, aber er hat die Gefahren eines polnisch-deutschen Bündnisses gegen die Sowjet- union zerstreut, er hat weitgehend Polen gegenüber der Sowjetunion neutralisiert. Wie überhaupt: die Bedeutung des Besuches Barthous in Warschau liegt nicht allein darin, was er erreicht, sondern auch darin, was er verhindert hat. Er hat unter anderem die Vertiefung der deutsch-polnischen Ver- ständigung, die weitere Verschärfung des polnisch- tschechischen Konflikts und die positive Stellungnahme Polens für den Anschluß verhindert. Frankreich will die Außenpolitik Polens normalisieren. Ein führender französischer Journalist, Saint-Brice vom„Journal", der Barthou auf seiner Reise begleitete, schrieb in diesen Tagen, daß der Hang zur Kompliziertheit und zu den großen Plänen der polnischen Außenpolitik geradezu an- geboren ist. und erinnerte an die Politik Polens im XV11. Jahrhundert, als es zwischen Skandinavien, Moskau, der Türkei und dem Haus Habsburg balancierte. Pilsudski versucht, im Osten Europas das Spiel Mussolinis in Südost- und Mitteleuropa zu wiederholen, d. h. die Politik des labilen Gleichgewichts und der sich durchkreuzenden Verbindungen. Aber die M e t h o d e Mussolinis führt zur Stellungnahme gegen die P o l i t i k Mussolinis. Pilsudski möchte den Expansionsdrang des deutschen Faschismus nach der Richtung Oesterreich ablenken, und Mussolini will ihn nach der Richtung Korridor von sich abschieben: jeder will, daß der liebe deutsche Spielpartner an die Grenze des anderen herankommt, aber diese Hin- und Herschiebung des Dynamits der deutsch-faschistischen Er- oberungspolitik kann allzu leicht zur Explosion führen. Frankreich will, daß Polen diesen Tanz zwischen den Schwertern aufgibt. Frankreich ist bereit, die Normalisie- rung der polnischen Außenpolitik gut zu bezahlen. Es überläßt Polen die weitgehende Bewegungsfreiheit in Osteuropa, erkennt Polen als Großmacht an, und ist bereit, für den ständigen Völkerbundsratssitz für Pillen einzutreten Frankreich ist bereit, diesen Preis zu zahlen, weil es erst nach der Sicherstellung der Verhältnisse in Osteuropa in Genf den Kampf gegen die deutsche Auf- rüstung durchführen kann. Indessen wird auch die französische Taktik in Genf bei der Entscheidungsschlacht auf der Abrüstungskonferenz durchsichtiger. Suvichs Reise nach London ist erfolglos ge- blieben, es wird für Genf kein italienisch-englisches Kompromiß ausgefertigt. Dadurch erhält Frankreich größere Bewegungsfreiheit. Auch die Schwierigkeiten des Hitler-Regimes sind in Paris gut bekannt, vor allem der herannahende Finanzbankrotl. Ueber diesen Finanz- bankrott und seine Folgen schreibt Philipp Barres im „Matin":„Deutschland ist dem Druck der Ereignisse ebenso ausgesetzt, wie die anderen Länder und in weit größe- rem Ausmaß, als manche anderen Länder— nämlich Frankreich. Das muß uns die Freiheit geben, die not- wendig ist, um fruchtbare Entscheidungen zu treffen." Das will besagen, daß die Zeit für Frankreich arbeitet und daß Frankreich die Politik des längeren Atems treiben kann. Längerer llfttördiensf in rronfrreitö? E.. n m J^ jm__ Iknnailofma" Eine Behauptung des„Populaire DNB Paris, 4. Mai. Der sozialistische„Populaire" hält trotz dem Dementi des Kriegsministeriums an der von ihm veröffentlichten Behauptung fest, wonach die Regierung beab- sichtige, die Militärdienstzeit auf 18 Monate bzw. zwei Jahre zu verlängern. Im Schätze der Regierung, so betont das Blatt, hätten sich allerdings zwei Strömungen heraus- gebildet. Vor allem Marschall Petain und der Ministerpräsident stünden einer Verlängerung der Militärdienstpslicht ablehnend gegenüber. T a r d i e u und F l a n d i n kämpften jedoch, unterstützt von einigen einslutz- reichen Militärs, für diesen Gedanken und würden versuchen, den Ministerpräsidenten von der Nützlichkeit ihrer Absicht zu überzeugen. Tardieu führe vor allem an, dah eine Ver- längerung der Dienstpflicht es erlaube, eine grotze Zahl Arbeitsloser von der Stratze wegzunehmen. Außerdem stellten sich die Kosten für einen Soldaten bllliger als die Unterstützung eines Arbeitslosen. General Weygand teile diese Ansicht Tarbieus vollkommen. Das Blatt weist serner aus den Wortlaut des Dementis hin und hebt daraus hervor, datz nur von„augenblicklich" die Rede sei. was bereits be- weise, datz man sich in Zukunft doch mit dieser Frage beschäf- tigen werde. Um die Sicherung des europäischen Gleichgewichts! Marschall Petain, Frankreichs Kriegsministcr und ehemaliger Oberkomman- dierender der französische» Armee, soll nach Pariser Mel- düngen sich in nächster Zeit nach Warschan begeben, um die Modantaten über die Er» uerung der französisch-polnischen M' ärverträge von 1921!.»legen. Danzia und Polen Kampfrede des Nasi- GauSeifers DNB. Danzig, S. Mai. Der Danziger Gauleiter Staats- rat F o r st e r hat in einer Rede aus der Danziger Maifeier grundsätzliche Feststellungen getroffen, die im Hinblick aus die neuerliche Verschärfung der wirtschaftlichen Be- ziehungen zwischen Danzig und Polen nur„allzu berechtigt erscheinen müssen". Es erscheint daher notwendig, diesen Teil der Ausführungen des für die Hat- tung der Bewegung in Danzig verantwortlichen„Fuhrers besonders hervorzuheben. Gauleiter Forster stellte zunächst fest, datz man vor fünf- zehn Jahren die deutsche Stadt Tanzig gegen ,hren Willen aus dem deutschen Wirtschaftskörper, dem sie blutmatzig an- gehört, herausgenommen habe und sie dem polnischen Wirt- schaftskörper eingegliedert habe, dem sie blutmätzig nicht an- gehöre. Danzig habe sich gleichwohl aus den Boden der Ber- träge gestellt»nd die Bertrage loyal erfüllt.(.).Danzig werde trotzdem von Polen in wirtschastticher Hinsicht das Scftcn fdjtuct gemacht. Die itatioimlioiiöliftiichc Danziger Regierung sei in den jetzt zehn Monaten ihrer Tätigkeit be- strebt gewesen, eine Verständigung und Zusammenarbeit mit Polen zu erreichen. Danzig wollte den Frieden, aber es muhe auch verlangen, daß der ihm nun einmal aufgezwungene Danzig-polnische Wirtschaftskörper nach einer einheitlichen Rechtsauffassung behandelt werde. Eine Zollun'on. die nvr auf dem kopier stehe nnd in der Praxis entgegengefetzt dem Berita-n ausgelegt werde, könne nicht dem sinn der- jenigen.ntspreche«, die sie geschassen habe. „Man soll," so fuhr Ganleiter Forster fort,„nicht glauben, datz die deutsche Wesensart dieser Stadt, nachdem sie poli« tisch und kulturell nicht zerstört werden konnte, nunmehr wirtschaftlich zerstört werden kann. Wer das glaubt, befindet sich in einem Irrtum. Diese Stadt war deutsch, ist deutsch und wird deutsch bleiben. Mögen alle, die an dieser Feier offiziell oder inoffiziell teilnehmen, in die Augen der hier versammelten 199 009 Tanziger sehen, die durch ihre Anwesenheit ihr Deutschtum bekunden. Die Ver- träge sind für uns die alleinige Waffe, die wir besitzen. Wir haben keine anderen.(?) Wir sind ganz macht- und wehr- los, aber gerade deshalb müssen wir auf die Einhaltung dieser Verträge auch von der anderen Seite dringen. Man soll sich nicht wundern, wenn andernfalls Danzig zu einer Verselbständigung sei- ner Wirtschaft greift." Die Erklärungen des Gauleiters haben in Danzig einen autzerordentlich starken Eindruck hinterlassen. Bereits vor drei Wochen anläßlich der Eröffnung der Danziger Braunen Messe am vergangenen Samstag hatte der Präsident Dr. Rausching darauf hingewiesen, datz man neue Wege beschreiten müsse, falls Polen sich nicht bereitfinde, den Danziger Warenverkehr nach Polen von den gegenwärtigen Fesseln zu befreien. Soweit die Meldung des h tleramtlichen Teut schen Nachrichtenbüros. Da scheint also die aui zed Jahre abgeschlossene Hitler-Polen-Freundschast schon stai reduziert zu sein. Saar-Probeabstlmmung Was sich eine Völkerbundsregierung bieten läßt Die„Deutsche Front" ist soeben von der Regierungs- kommiflion des Saargebietes aus 14 Tage verboten worden. Diese Maßnahme wirb damit begründet, daß das Blatt Polizeibeamte zum Ungehorsam gegen ihre Vor- gesetzten aufgefordert habe. Ein anderer Artikel des Blattes ist viel bemerkenswerter. In einem aus Gens datierten Aussatz über die Eindrücke ausländischer Berichterstatter anläßlich einer Saar-Reise heißt es wörtlich: Je mehr die ausländischen Beamten der Regierung?- kommission und der Grubenverwaltung, sowie die sranzö- fischen Drahtzieher des Separatismus das Saarvolk reizen, desto eiserner wird sich sein Wille äußern, nun erst recht Disziplin zu halten, und nur die eine Waffe anzu- wenden, die ihm niemand streitig machen darf: Den Stimmzettel im Jahre 1933. Ein gefaßtes und disziplinier- tes Volk erwartet ohne Unruhe und Erregung den Ab- stimmungstag an der Saar, da es seiner selbst sicher ist! In welchem Matze, das wird der ö. Mai in Zweibrücken lehren, wenn der Lanbesleiter der Deutschen Front die M i t g l i e d e r z a h l öffentlich ver- künden wird. ♦ Hier wird also ganz offiziell bestätigt, was die Eintragung in die Mitgliederliste der sogenannten„deutschen Front" von vorneherein bedeuten sollte. Nichts anders als eine Probeabstimmung, mit deren unkontrollierbare» Ziffern jetzt politische Stimmungsmache vor der Welt ge- trieben wird. Und das in Zweibrücken, und in Gegenwart eines Reichsministers! In einem solchen Lande soll eine freie und unbeeinflußte Volksabstimmung möglich sein! Osiland-Rill Die Ablehnung des sowjetrussichen Garantiepaktvorschlags Kowno, 8. Mai. Die litauische Zeitung„L e t« v o s Z-i n i o s" schreibt z« der ablehnenden Antwort Deutschlands aus den sowjet- russischen Garanticpaktvorschlag, daß sie Pläne eincS gewalt- samen Vorgehens im Osten entlarve.„Deutschland verschob den Kamps gegen die Polen um 19 Jahre und ist jetzt be- strebt, durch die baltischen Länder in die Sowjetunion einzu- dringen. Dies ruft die Besorgnis um den Frieden hervor." Das Blatt stellt fest, daß die baltische Frage in den Mittel- punkt der Aufmerksamkeit ganz Europas derückt sei. In lettischen politischen Kreisen wird der Notenwechsel zwischen be: deutschen und der Sowjetregieruna lebhaft kom- mentiert. Die Zeitung„P e d e a B r i d i" erklärt, daß Deutschland jetzt seinwahresGesicht enthülle. Es habe bewiesen, daß es seine Hand zur Unterzeichnung des Proto- kolls über die Unabhängigkeit der baltischen Staaten nur deshalb nicht erhob, weil seine andere Hand hinter dem Rücken den Dolch zu einem im voraus berechneten Schlage bereithält. In einem Leitartikel der„Sozialdemokrat?" wird betont, daß sich der Vorschlag der Sowjetunion als ein gutes Mittel erwiesen habe, die aggressiven Absichten Deutschlands restlos zu enthüllen. Während Deutschland Friedensphrasen vortrage, spreche alles dafür, daß es an den Grenzen Memels gewisse Abenteuer vorbereite, und datz hier der erste Schritt Deutschlands im Osten zu verzeichnen sein werde. „Nur unverbesserliche Dummköpfe werden den deutschen Friedensbeteuerungen an die Adresse der baltischen Staa- ten Glauben schenken. Nur wer selbst die aggressiven Ab, sichten der deutschen Faschisten anspart, kann sagen, daß Hitler-Deutkchlaud die baltischen Staaten nicht bedroht." „D i e n a s Lopa" schreibt, daß die negative Antwort Teutschlands„eine unzweideutige Bedrohung der baltischen Staaten ist". Deutschland wolle seine Handlungsfreiheit in östlicher Richtung, vor allem in der Richtung der baltischen Staaten, wahren. Dies sei die außenpolitische Gefahr seitens Deutschland. Moskau, 3. Mai Zu dem Notenwechsel zwischen der deut- schen und Sowjetregieruna über einen baltischen Garantiepakt schreibt die„P r a w d a". die deutsche Note behaupte, datz den baltischen Staaten keinerlei Gefahr drohe und der Vorschlag daher angeblich„keine reale poli- tische Basis habe" Die Autoren solch unerwarteter Be- Häuptlingen. schreibt das Blatt, hätten vor allem die bal- tischen Staaten selbst befragen müssen, wie diese die snste- matische, provokatorische Wühlarbeit der faschistischen Agen- ten in E st l a n d. Lettland, im M e m e l g e b i e t usw. auffassen,„eine Arbeit", deren Hauptzweck die Vorbereitung des BodenS für den Angriff nach außen zur Liauidieruna der Unabhängigkeit der baltischen Staaten ist...„Man mutz wirklich einen einzigartigen Humor besitzen, um in einer solchen Situation noch dazu im Namen des faschistischen Deutschland mit derartigen leichtfertigen„pazifistischen" Behauptungen über das Nichtvorhandensein der Kriegs- gefahr hervorzutreten! Nazlbazlllas In Brasilien Ubaldo Borborema, ein brasilianischer„Jntegralist" waS die portugiesische Bezeichnung für das brasilianische Nazi- tum ist, veröffentlicht eine Lobpreisung des„dritten Reiches" und behauptet, daß seit Hitler auch in Brasilien der Massen- Wahnsinn des Faschismus ansteige:„Seit dem Triumph Hitlers hat die Bewegung augenscheinlich zugenommen. Man begründet g..nz besonders und mit großem Enthusias- mus die Gleichschaltung der Länder in Deutschland, weil in Brasilien die Machtstellung einiger Staaten das Land bei- nahe zum Separatismus geführt hat. stm Heere und in der Marine gewinnt die Bewegung jeden Tage neue Anhänger. ... Man kann auch ruhio annehmen daß es dem brasi- lianischen Führer, Plinio Salgado. gelingen wird, die Um- wälzung auf normale Weise zu vollziehen." Wie aber stehen die Brasilianer, die bekanntlich durch und durch mit Neger- blut verseucht sind, zur Rassenfrage? Und was sagen die Nazi zu ihren rassisch so gefährlichen Nachahmern und Bewunderern? Die Ortschaft Pawlow'ce in Kongreßpolen«st k W(6 eine Fenersbrunst fast völlig zerstört worden, wole' 'eben Personen in den Flammen nm'amen und 94 Gebäude vernichtet wurden.— In der Ortschaft Grabow» bei Thorn sind einem Brand acht GeHöste zum Opfer gefallen. Ebenso sand e»u siebenjähriger Knabe de» Tod in den Flammen. „Deutsche Freiheit", Nr. 103 ARBEIT UMD WIRTSCHAFT Saarbrücken, Samstag, 5. Mai 1934 Ende des Autarkie-Wahns War am verbietet Gübbelsdie Erörterung der deutschen Sdiifiahrisbilanzen? Seit mehr als einem Jahrzehnt haben die Nationalsozialisten den urteilsunfähigen Besuchern ihrer Versammlungen das Lügenmärchen von der deutschen Autarkie erzählt. Sie haben ihren Anhängern immer wieder vorgelogen, daß Deutschland auf die Weltwirtschaft und damit auf die politische Meinung des Auslandes überhaupt nicht angewiesen sei, weil das Land und seine Bevölkerung über genügend Wirtschaftskräfte verfüge, um das deutsehe Volk zu ernähren, zu bekleiden und überhaupt mit allem Lebensnotwendigen zu versehen. Jeder, der auf Grund besseren Wissens um die Struktur der deutschen Volkswirtschaft diese Gedankengänge an der Hand nüchterner Gegenbeweise ablehnte, wurde von den heute in Deutschland herrschenden Gewalten als Landesfeind verschrien. Heute müssen die 1 ührer des.dritten Reiches" bereits ganz offen zugehen, daß Deutschland nicht in der Lage ist, ohne Export auszukommen, daß Deutschland Kredite braucht, um seine Rohstoffversorgung zu sichern, kurz, daß der Traum von der deutschen Autarkie ausgeträumt ist. Aber dieses Erwachen ist furchtbar. Man hat ein Jahr lang den Massen weiter vorspiegeln müssen, daß man an das eigene Lügenmärchen von der deutschen Autarkie glaubt und da) Resultat dieser„nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik" eines einzigen Jahres ist ein wahres Trümmerfeld. Die unzähligen Drähte, die Deutschland mit der Weltwirtschaft verknüpften, sind von unkundigen Händen zerrissen worden. Der deutsche Export ist ein Opfer der „Binnen-Konjunktur" des ersten Hitler-Jahres. Die großen hanseatischen Häfen gleichen Schiffsfriedhöfen und die führenden Reedereien fristen ihr Dasein fast nur noch durch den Verkauf ihrer Schiffe. Selbst diese Möglichkeit wird immer geringer, denn im Zuge des sich langsam bessernden Welthandels ist fast jeder Staat bestrebt, seine Werften wieder zu-beschäftigen und die Reedereien zu veranlassen, neue hochmoderne Fahrzeuge in den Verkehr zu bringen, während die alten, oft aber»och gar nicht veralteten Schiffe zum Verkauf gelangen. Die großen deutschen Schiffahrtsgesellschaften haben kein Frachtengeschäft mehr, denn der Export deutscher Waren nach den Ueberseeländern schrumpft immer weiter zusammen. Die Exportindustrien sind auf den kleinsten Uberseeischen Auftrag heute so sehr angewiesen, daß 4ie sich ohne weiteres jeder Verfrachtungsvorschrift der ausländischen Käufer fügen. Man kann heute keine Bedingungen mehr diktieren und man ist viel lieber bereit, die ausländischen Schiffahrtsgesellschaften das Geschäft machen zu lassen, das den deutschen Reedereien entgeht, als daß man ein Scheitern des Exportauftrages riskieren würde. In der Personen-Schiffahrt sieht es fast noch trostloser aus. Die großen deutschen Reedereien haben ihre Werbeunkosten verdoppelt und verdreifacht. Hapag und Lloyd überschwemmen die großen ausländischen Blätter mit ihren Inseraten, die in verlockenden Bildern den Genuß und die Schönheit großer und kleiner Reisen mit den Hakenkreuz Schiffen schildern. Das Ausland aber, das jetzt wieder zu reisen beginnt, macht um die Büros der deutschen Reedereien einen großen Bogen. Man legt keinen Wert darauf, unter den Klängen des Horst-Wessel-Liedes das Mittelmeer zu befahren, von früh bis abends durch Rundfunk Führer- Reden in den Speisesälen zu hören und zuzusehen, wie sich Kapitän und Schiffspersonal. Köche und Kellner mehr oder minder freiwillig mit„Heil Hitler" begrüßen. Auch alle Konzessionen haben hier bisher nicht geholfen. Die jüdischen Fahrgäste lassen sich offenbar auch durch alle Zusicherungen, daß man gegen das Geld, mit dem sie Fahrkarten auf deutschen Schiffen lösen, nichts einzuwenden habe, kaum zu einer Bevorzugung deutscher Linien verleiten. Inzwischen laufen die riesigen Unkosten weiter. Die beiden führenden Reedereien, die Hamburg-Amerika-Linie und der Norddeutsche Lloyd, sind bekanntlich erst vor einiger Zeit saniert worden. Auf das Ergebnis, also auf die Besserung, die sich nunmehr in den neuen Bilanzen ausdrücken sollte, konnte man mit Recht gespannt sein. Plötzlich aber geschah etwas Unerwartetes. Unter den Themen nämlich, deren eingehende Erörterung der gleichgeschalteten deutschen Press® durch die Erlasse des Propagandaministeriums verboten wurde, wird seit einigen Wochen ständig an führender Stelle die Bilanz der beiden großen Reedereien aufgeführt. Schon diese Tatsache allein wäre Grund genug, sich für diese Bilanzen zu interessieren. Wenn man ihr Ziffernwerk betrachtet und dabei von der gewiß reichlich wohlwollenden Voraussetzung ausgeht, daß die Zahlen hier ausnahmsweise stimmen mögen, beginnt man zu verstehen, /warum das deutsche Propaganda- Ministerium eine Behandlung der Schiffahrtsbilanzen so eifersüchtig vermeidet. Vorauszuschicken ist hierbei allerdings, daß schon das l r- grbnis des vorletzten Jahres einen bisher nie erreichten Tiefpunkt darstellte. Aber selbst die schlimmen Zahlen des Vor- jahres erscheinen, an denen der letzten, so geheimnisvoll behüteten Reedereibilanzen gemessen, als geradezu glänzend. Bei der Hapag ist das Reedereiergebnis, das alle Einnahmen des Reedereigeschäftes abzüglich der Kosten enthält, von 16,74 Mill. RM. auf nur noch 6,66 Mill. zurückgegangen. Beim Lloyd war die Entwicklung noch katastrophaler, denn hier zeigt sich eine Verminderung von 22,2 auf nur noch 6.08 Mill. RM. Daß die beiden für die deutsche Flagge auf den Weltmeeren repräsentativsten Reedereien hei solchen Ein- nahmeriickgängen überhaupt noch ihren'aufenden Verpflichtungen nachkommen konnten. Könnte auf den ersten Blick als ein Rätsel erscheinen. Seine Lösung besteht darin, daß die beiden Unternehmungen von ihren sogenannten„außerordentlichen" Einnahmen lebten, die in beiden Fällen je 26 36 Mill. HM. betrugen. Diese außerordentlichen hinnahmen bestehen neben Gttvtuxieu. die man aus der Rückzahlung von Dollarverbindlihkeiten usw. im Hinblick auf die Valutagewinne buchen konnte, vc allem ans dem Verkauf von Schiffen und aus der Abwrakuug Auf eine einfachere Formel gebracht, kann man also feststellen, daß die beiden deutschen Großreedereien, die aus Mangel an Frachtaufträgen und an lohnenden Passagiergeschäfteu eigentlich aufhören könnten, zu arbeiten, ihre ständigen großen Verluste mit Mühe und Not dadurch bezahlen Konnten, daß sie die Substanz ihres Geschäftes sukzessive verkauften. Imponierend ist dieses aus den Bilanzziffern eindeutig festzustellende Ergebnis also nicht und man beginnt zu verstehen, warum man im Berliner Propagandaministerium jede Erörterung dieser Ziffern vermeiden wollte. Eine gute Propaganda für die deutschen Reedereien ist es übrigens auch nicht, daß das Passagiergeschäft im letzten Jahre noch stärker gesunken ist, als das jetzt völlij ver wüstete Frachtengeschäft. In der gleichgeschalteten deutschen Handelspresse wird dieses für den hanseatischen Stolz etwas demütigende Ergebnis allerdings mit dem Satz umschrieben:„Der Schwerpunkt der Krise hat sich insgesamt vom Frachtenverkehr auf den Personenverkehr verlagert." Wer nun aber so naiv sein wollte, diesem Satz zu entnehmen, daß sich also wenigstens die Krise im Frachtengeschäft gemildert und die Einnahmen aus ihm erhöht hätten, wird durch die Zahlen bitter enttäuscht. Bereits 1932 waren die Frachteinnahmen beim Norddeutschen Lloyd um 28 Prozent rückgängig. Die Verminderung der Passagier-Einnahmen betrug damals 27 Prozent. 1933 hat sich das Frachtengeschäft weder verbessert, noch auch nur auf dem früheren Tiefstand notdürftig gehalten. Es hat sich vielmehr diesmal weiter, allerdings um „nur" 12 Prozent, vermindert. Die Rückgänge im Passagier- geschäft aber belaufen sich neuerdings beim Lloyd auf über 35 Prozent. Unter diesen Verhältnissen dürfte es allerdings schwer fallen, einen neuen Erfolg der„nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik" zu melden oder seine Leser damit zu beruhigen, daß auch hier an allem nur die böse Krise schuld sei. Merkwürdigerweise zeigt sich nämlich bei den großen ausländischen Sdiiffabrtsgesellschaften überwiegend, daß der Tiefpunkt im vergangenen Jahre überwunden war. Die deutschen Reedereien hingegen haben auch nach der Sanierung unter den verschiedensten Bezeichnungen, wie z. B. der Währungsbcihilfe immer und immer wieder Staatssubvenlionen erhalten; sie haben gerade auf dem Gebiete des Passagierverkehrs kaum überbietbare Anstrengungen in ihren Werbefeldzügen gemacht— das Ergebnis aber ist niederschmetternd. Hat die deutsche Flagge im Welthandel und in der Seeschiffahrt ihr Prestige verbessert oder auch nur ihren früheren Rang gegenüber den Flaggen anderer Länder einigermaßen aufrecht erhalten können?— Die Erörterung dieser Frage, soweit sie nicht durch nationalistische Phrasen, sondern mit den prosaischen Mitteln der Bilanzenkritik in den Spalten der Handelszeitungen erfolgt, ist vom Reichspropagandaminister Göbbels verboten worden. Allerdings nur im Inlande! Das Ausland, das weder den Refehlen des Propagandaministeriums gehorchen muß, noch bereit sein wird, sich durch hohle Propagandaphrasen von der nüchternen Erkenntnis der Wirklichkeit, die sich in diesen Ziffern kundgibt, abhalten zu lassen, begreift klar, daß die deutsche Flagge an den Handelsschiffen ihren Ruf verloren hat und daß auch dies zu den zahlreichen Erfolgen der nationalsozialistischen Autarkie-Lüge gehört. Aber dieser Ruin der deutschen Handelsflagge wird sich schlecht mit der Eitelkeit der heutigen Machthaber vertragen. Man wird also immer lauter verkünden, daß die Flagge auf deutschen Kriegsschiffen das einholen muß, was die Handelsflagge verliert. Aber auch mit dieser„Logik" wird das„dritte Reich wohl nur im Inlande Erfolg haben. Jan Severin. . Die Hark sieht lest" Wie die täglichen Devisenprozesse zeigen (Inpreß.) Die rheinische und westfälische Nazipresse veröffentlicht eine Abschreckungsliste für diejenigen Bevölkerungskreise, die ihr Kapital ins Ausland bringen, weil sie an eine Stabilität des Systems nicht glauben. Nach dieser Veröffentlichung verurteilte die 4. Große Strafkammer des Landgerichts Wuppertal 5 Personen wegen Kapitalflucht zu 17 Monaten Gefängnis; das Landgericht Duisburg— immer wegen des gleichen Delikts— einen Kaufmann zu 3 Monaten Gefängnis; das Schöffengericht Cleve einen Händler zu einem Jahr und 30 000 Mark Geldstrafe; das Schöffengericht Wuppertal einen Ausländer zu zwei Jahren Gefängnis; das Landgericht Düsseldorf sieben Ausländer zu 7 Monaten Gefängnis und einen Danziger zu 6 Monaten Gefängnis; das Schöffengericht München-Gladbach einen Ausländer zu zwei Monaten Gefängnis. Die Devisennot Nachdem die Freigrenze, bis zu der Zahlungsmittel ins Ausland gebracht werden dürfen, von RM. 200 auf 50 monatlich herabgesetzt worden ist. hat die Reichsbank nach einer Korrespondenzmeldung nunmehr angeordnet, daß der Gesamtbetrag der für die Rechnung ein und derselben Person oder Firma bei einer oder mehreren Wechselstuben erworbenen ausländischen Zahlungsmittel innerhalb eines Kalendermonats den Gegenwert von RM. 50 auch dann nicht überschreiten darf, wenn der Erwerber eine Genehmigung der zuständigen Devisenstelle zum Erwerb höherer Beträge besitzt. Solche Genehmigungen können nurbei Devisenbanken ausgenutzt werden. Die Sdirumpfang (Inpreß.) Die Auflageziffern der nazideutschen Zeitungen sind auch im ersten Vierteljahr 1934 weiter zurückgegangen. Die Verluste betragen seit Dezember 1933 bis März 1934: beim„Angriff" 34 000, beim„Berliner Tageblatt" 10 000, bei der„B. Z. am Mittag" 8000, bei der Deutschen Allgemeinen Zeitung" 2000, beim Berliner„Lokalanzeiger" 4500, beim „Tag" 2000. bei der„Nachtausgabe" 3000, bei der„Börsenzeitung" 1000, bei der„Germania" 1000, bei der„Deutschen Zeitung" 5000, bei der„Frankfurter Zeitung" 3000, bei der „Westfälischen Landeszeitung" 5000, beim„Führer" 3500, bei der„Leipziger Tageszeitung" 11 000, beim„Westdeutschen Beobachter" 2000. DlKksfändige Löhne Rebellierende Arbeiter Wie aus Neidenburg gemeldet wird, wurde auf Veranlassung des Kreisleiters der Deutschen Arbeitsfront der Unternehmer Schneider durch die Polizei in Schutzhaft genommen, weil er Arbeiter und Steinlieferanten nicht entlohnt hatte. An die Unternehmer Neidenburgs wird zugleich ein letzter Appell gerichtet, den Arbeitnehmern nunmehr die rückständigen und tariflichen Löhne sofort zu zahlen, da genügend Klagen von Arbeitnehmern der Kreisleitung vorlägen. In Zukunft werde gegen jeden vorgegangen werden, der seine Arbeitnehmer nicht ordnungsgemäß entlohne. Polen forciert Selbstversorgung mit Chemikalien Die staatlichen Pulverfabriken Polens erweitern ihren Fabrikationsplan durch die Erzeugung von Holzmehl. Das neue polnische Produkt soll die fremde Ware voll ersetzen, die laut der bezüglichen Estrop-Information für Zwecke der Sprengstofferze ugung bisher in einer Jahresmenge von 200 Tonnen nach Polen eingeführt worden Jst. Gleichzeitig nimmt die Chemische Fabrik Dr. Zeumcr in Nikolei in Oberschlesien als zweites Werk die Erzeugung von Bittersalz(Magncsiumsulphat) mit einem solchen Leistungsgrad auf, daß hierdurch künftighin die bisher rund 850 Tonnen erreichende Jahrcseinfuhr ebenfalls unentbehrlich werden soll. Jüdische Lehrlinge verfemt (Inpreß.) Das oldenburgische Staatsministerium hat es abgelehnt, sein Einverständnis mit der Unterbringung von jungen Juden in landwirtschaftlichen Betrieben zum Zwecke d Ausbildung und anschließenden Auswanderung nach Palästina zu geben. Das Hakenkreuz-Ministerium spricht die Erwartung aus, daß sich auch keine Gartenbaubetriebe finden, die jüdische Lehrlinge einstellen. „Erster judenfreier Markt" Wie das„Frankfurter Volksblatt" meldet, hat in Birstein der erste judenfreie Markt im Kreis Gelnhausen stattgefunden.„Es ging", so schreibt das Blatt,„jedenfalls auch ohne Juden, und der Anfang ist gemacht." weilergeben! Weitergeben! I Werten Sie die„Deutsche Freiheit" nach dem Lesen nicht fort. Geben Sie das Blatt an Leute weiter, die der Aufklärung und Belehrung bedürfen! I Reichsbankdecke- wird immer kürser TNB. Berlin. 8. Mal. Nachdem In den ersten drei April-Wochen die Inanspruchnahme der ReichSbank zum OuartalSultimo durch die Rückflüsse wieder völlig ausgeglichen werden konnte, zeigt der Ausweis vom 80. April eine Vermehrung der ge- samten Kapitalanlage in Wechseln, Schecks, Lombards nnd Wertpapieren von 450,2 Millionen ans 8971,4 Mit, Holten NM. Tic Gesamtbeanspruchung zum April-Ultimo liegt demnach ungefähr in der Mitte zwischen der Ultimo-März-Beanspruchung von 588,8 Millionen RM. und der Beanspruchung per Ende April 1988 vo„ 879,6 Millionen RM. Tie stärkere Anspannung des Reichsbanlstatus verteilt sich mit 817,1 Millionen RM. ans die Handelswechsel und-schecks, die aus 8189,6 Millionen RM. anstiegen, mit 47,1 Millionen RM. aus die Reichs» schatzwechsel, deren Bestände nunmehr 58,2 Millionen RM. betragen. Tie Bestände an deckungsfähigen Wertpapieren haben dagegen durch Berkauf von Steuergutscheineen um 11,4 Mil» lionen auf 310.1 Millionen NM. abgenommen. Tie sonstigen Wertpapiere weisen mit 320.1 Millionen NM. nur einen „geringfügigen" Nückgang von OL Millionen auf. Ter ge- samte Zahlungsmittelumlauf betrug am 30. April 5041 Mil- lionen NM. gegen 5109 Millionen NM. in der Vorwoche, 5700 Millionen NM. Ende März und 5021 Millionen NM. Ende April 1033. Ter Umlauf an Scheidemünzen nahm um 121,8 auf 1478L Millionen RM. zu. Tie fremden Gelber haben sich um 0,1 auf 515.4 Millionen RM. erhöht. Tie Ab- nähme der Teckungsbestände hat sich, wenngleich besondere Zahlungstermine nicht vorlagen, weiter fortgesetzt, und zwar gingen die Goldbestände um 14,8 auf 205,0 Millionen RM. zurück, während die Bestände an deckungssähigen Devisen um 0,0 aus 0,8 Millionen zunahmen. Tie Notendeckung be- trug Ende April 5,8 Prozent gegen 0,8 Prozent am 28. April. töeutsdke Stimmen•(Beilage zur„(Deutschen Grei fielt"• Ereignisse und Qesdkidkten Samstag, den S. 1934 Siitiec zensiert die Miweiiec Jtcesse ßectwec Ansichtskarte ßis zum VecHichtunqskampf In Hitlers Deutschland gibt es eine Pressefreiheit nicht Hehr. Die deutsche Presse befindet sich heute geistig und wirtschaftlich in einem Zerfall ohnegleichen. Hunderte von Zeitungen sind verboten, andere Hunderte wirtschaftlich zugrunde gerichtet worden. Was an Presse übrig geblieben ist, verdient diesen Namen nicht mehr. Die Gleichschaltung hat über Deutschlands Tagespublizistik eine Oede gebracht ohnegleichen und das deutsche Volk in die Rangordnung hinter manche Afrikaner zurückgestellt. Nicht genug damit, versucht die deutsche Regierung Einfluß zu gewinnen auf die Presse des kleinen Schweizerländ- chens. An Engländer, Franzosen oder Amerikaner traut sie 'ich nicht heran, trotzdem die Hitler-Regierung sich dort keineswegs einer günstigeren Presse erfreut als in der Schweiz. Man weiß, daß ein schwacher Bundesrat sich den Begehren der Hitler-Regierung gebeugt hat. Die Agenten der'deutschen Regierung werden darum inskünftig noch viel Peinlicher als bisher die„freie" Schweizerpresse unter die I-upe nehmen und sich die allergrößte Mühe geben, vom Bundesrat Verbote zu erwirken, um in der Schweizerpresse die Stimme des Weltgewissens gegen deutsche Unfreiheit und Schmach zu unterdrücken. Zum Ueberfluß unternimmt es heute die Regierung Deutschlands, durch ihre amtlichen Pressekontrollstellen einen Druck auf schweizerische Verleger bezüglich der Auswahl ihrer deutschen Mitarbeiter auszuüben. Wie systematisch die braunen Herrschaften dabei verfahren, ließ uns unter andciem vor kurzem ein Schreiben erkennen, das der schweizerische Zeitschriftenverlag X von einer deutschen„Kontrollstelle für Zeitschriften,Abteilung für deutschsprachige Fachblätter", empfangen hatte. Darin wird der Verlag darauf aufmerksam gemacht, daß eine Reihe seiner Mitarbeiter— in Deutschland wohnende, nach den Namen zu schließen nicht jüdische Herren— kaum Uber fachliche Eigenkenntnisse verfügen dürften. Die Kontrollstelle legt zum Beweis ein„überraschendes Material" bei. Es besteht m einer Aufzählung der Titel von Artikeln, die die aufgeführten Personen in verschiedenen schweizerischen Fachzeitschriften veröffentlicht haben, so in der„Schweizer Schreiner-Zeitung", der„Schweizer Textil-Zeitung", der„Schweizer Maler- und Gipsermeister-Zeitung", dem„Schweizerischen Mühlenanzeiger" usw. Die Verleger schweizerischer Fachschriften erhalten in diesem Zusammenhang die sehr direkte und zudringliche Aufforderung, die Mitarbeit dieser deutschen Journalisten und Techniker aufzugeben. Man möchte daraus schließen, daß es sich hier um Publizisten handelt, denen die deutsche amtliche Pressekontrollstelle die Mitarbeit an schweizerischen Zeitschriften dadurch entziehen will, daß die schweizerischen Verleger unter Drude gesetzt werden. Wenn die deutsche amtliche Presse-Kontrollstelle die Erwartung ausspricht, der Adressat werde die gebotenen Konsequenzen schon zur Wahrung seines eigenen Juteresses am Äec Monde dians Aihecs~ ein Jlassevecdechec W ir haben Ende Dezember eine Korrespondenz veröffentlicht, die von einem Interview von Hans Albers mit einem Vertreter der gleichgeschalteten .,Dortmunder Generalanseiger" berichtete. Dort hat sich der blonde Hans begeistert zum„dritten Reich" bekannt. Daß sich die Zeiten manchmal rasch ändern, zeigt folgender Bericht der Basler „Arbeiter-Zeitung": Die Schweizer Kinos führen gegenwärtig den Ufa-Film „Gold" mit Hans Albers in der Hauptrolle auf. In Basel gastierte Albers dieser Tage persönlich anläßlich der Uraufführung dieses Großfilms in der Schweiz. Bevor Hans Albers, der Liebling aller Frauen, nach der Schweiz kam, ereignete •ich folgendes: Herr Dr. Joseph Göbbels erklärte vor kurzem vor deutschen Filminteressenten, daß er Hans Albers als einen Rasse- verderber, als einen nichtarischen Schädling von der deutschen Leinwand verscheucht habe. Der blonde Hans— ein nichtarischer Schädling? Hm...! Eigentlich, wenn wir ehrlich sein sollen, s o haben wir uns den Urtyp des Nichtariers nicht vorgestellt. Aber wenn der Dr. Göbbels es sagt... Im Aushang des Ufa-Theaters stehen sie nebeneinander: links: kleiner Mann im Regen- Hantel, der Herr Minister, rechts: ein Bild aus dem neuen Film„Gold", der Hans Albers aus Bergedorf. Der Arier Göbbels, der Nichtarier Albers— also, wie gesagt, manchmal kommen wir nicht ganz mit. Die ganze Nacht hindurch haben wir die..Rassenkunde" des Professors Günther gelesen, den „Mythus" des Alfred Rosenberg und das„Zuchtreglement fiir Aufnordung" von Darre— da stimmt etwas nicht. guten Rufe seines Blattes ziehen, so will sie den Verlag offenbar nicht durch den Zweifel an der Eignung seiner Mitarbeit hierzu veranlassen. Sie bedarf dazu wahrhaftig anderer Trümpfe. Das versetzt sie indessen keineswegs in Verlegenheit. Mehrere Stellen des kurzen Briefes geben dem Verlag klar zu verstehen, um was es geht.„Aus Inserentenkreisen'' (!) wurde die Kontrollstelle auf die Journalisten aufmerksam gemacht. Der„Anregung von Seiten der Inserenten" ging die Kontrollstelle nach und suchte das überraschende Material zusammen. Die„Beanstandungen aus Inserentenkreisen" erwiesen sich mehr als berechtigt. Endlich beklagte man sich„in Inserentenkreisen" darüber, daß die Artikel einiger anderer deutscher Autoren schon gelesen werden könnten, ehe sie in den Zeitschriften des Schweizer Verlages X zum Abdruck gelangten. Durch die breitspurig zwischen die Zeilen gesetzte Drohung des Entzuges der Inserate deutscher Auftraggeber, die den Weisungen der Kontrollstelle zugänglich sind oder aus leicht zu erratenden Gründen sein müssen, soll also der schweizerische Herausgeber den Wünschen der deutschen Behörde gefügig gemacht werden. Es springt nach allem in die Augen, daß sich auch die Kontrollstelle zu ihrem Vorgehen nichts von der ohnehin äußerst eigentümlichen Besorgnis um die Qualität eigener schweizerischer Presseorgane bestimmen lassen kann. Für sie kann es sich offen sichtlich nur um eins handeln: politisch mißliebigen Elementen, die durch den nationalsozialistischen Arbeitsbeschaffungsfeldzug brotlos geworden sein dürften und sich durch Artikelschreiben in ausländischen Blättern mühsam über Wasser zu halten suchen, die letzte karge Existenzmöglichkeit abzugraben: Ein Vernichtungskampf offizieller Instanzen gegen Ohnmächtige, wie er empörender in keinem Lande der Erde geführt worden ist. Die Angelegenheit, die einen immerhin eindrucksvollen Beitrag zur Psychologie der„nordischen Edelrasse" liefert, berührt aber vor allem das Kapitel der deutsch-schweizerischen Beziehungen, stellt doch der Versuch einer deutschen Amtsstelle, schweizerische Zeitschriften— der uns bekannt gewordene Fall dürfte nicht vereinzelt dastehen— durch eine dreiste Erpressung zum Verzicht auf bestimmte Mitarbeiter zu zwingen, einen Anschlag auch auf die Freiheit der schweizerischen Presse dar. Die Wünsche der Kontrollstelle sind um so schimpflicher als sie unseren Herausgebern zumuten, wahre Henkersdienste zu verrichten. Würden die bedrohten Verleger sich dem Ansinnen fügen, ein gutes Stück des Weges zur Gleichschaltung unseres Publikationswesens im Sinne des„dritten Reiches" wäre zurückgelegt. Aber wie sollen wir uns auflehnen können gegen die Verachtung, mit der die Hitler und Göring die Unabhängigkeit kleiner Völker behandeln, wenn der Bundesrat nichts Eiligeres zu tun weiß, als eine weitgehende Gleichschaltung der schweizerischen mit den deutschen Zeitungen von sich aus vorzunehmen. G ü. im„V o 1 k■ r e c h t". Dr. Göbbels hat uns von Hans Albers, hat uns die Geschichte seines Nichtariertums berichtet. Der blonde Hans war jahrelang mit der Hansi Burg befreundet, mit der Tochter des Hofschauspielers Eugen Burg. Der einstmals, bevor er auf die so bedeutenden Bretter kletterte, Hirschfeld hieß. Als die Sonne des„dritten Reiches" über Neubabelsberg aufging, als die Nation auch in der Ufa aufbrach, klopfte der Portier und NSBO.-Obmann Czodczynski dem Pg. Albers auf die Schulter und sagte:„Also, mein Junge, das Geflirte mit der Judenschickse hört auf, verstanden?" Als Czodczynski wieder zu sich kam, hatte er Magenkrämpfe und es dauerte einige Zeit, bis er von dem chinesischen Tor aus dem Film„Flüchtlinge" herunterkam, wohin ihn die Antwort des Albers befördert hatte. Am Nachmittag wurde dem Filmschauspieler Albers ein Brief der Direktion überreicht: Entweder— Oder! Hans nickte. Und verreiste am selben Abend. Drei Tage darauf wurden Albers und Hansi Burg auf dem Standesamt zu Prag getraut. Die Ufa setzte ihn an die Luft. Denn er ist durch seine Ehe Nichtarier geworden. Göbbels hat es gesagt, Göbbels der Arier. Das Urbild. Die neue Ufa-Wochenschau zeigt die Ortsgruppe Steglitz des„Bundes deutscher Mädels", die vor Göbbels Fenster aufmarschiert und nach einer alten populären Melodie singt: „Göbbels, ich sag' es ohne Zier, Göbbels, ich möcht' ein Kind von dir, Göbbels, mein süßer Göbbels, ja ohne Spaß, du hast so was..." ßalducs Ritt auf den JUqasus Kommandierte Auflagenhöhen Herr Hitler hat es gezeigt, wie heute in Deutschland mit „Literatur" Geld verdient werden kann. Sein Werk„Mein Kampf" muß zu vielen lausenden Exemplaren gekauft werben. Von Bibliotheken, Reichs-, Landes- und Gemeindeämtern, von jedem Nazimann, von Schulen und Schülern. Herr Göbbels hat es Hitler mit seinem Roman nach- Remadit, Herr K u b e mit einem Drama und nun erscheint inj deutschen Blätterwald die Nachricht, daß der Reichs- jugendführer Baidur von Schi räch einen Gedichthand veröffentlichte. Die Reklame für dieses„literarische" Produkt ist fantastisch. Abdrucke erscheinen in allen Zu tungen, im„Völkischen Beobachter" schreibt Richard Purin- ger eine lange begeisterte Abhandlung über den„Helden des Pegasus", der eine neue Form deutscher Dichtkunst schuf. Dabei sind die„Gedichte" Baldur von Schirachs von einem blutigen Dilettantismus und haben nur eins mit einem wirklichen Gedicht gemeinsam, daß sie sieb reimen. Wenn auch schlecht. Trotzdem ist das Geschäft gesichert.„Die Hitlerjugend ist angewiesen, das Buch zu kaufen, sämtliche Jugendbüchereien müssen es führen, jeder Hitlerjunge muß es unter dem Kopfkissen liegen haben" Die Hitlerjugend umfaßt über zwei Millionen Kinder. So- mit ist dem Gedichtband eine Riesenauflage, Herrn Baldur von Schirach ein Riesenverdienst gesichert. Ja, so etwas habe« die ,.A«phaltlitcraten" nicht fertig gebracht, Schrieb ich's schon? Der Karl hat sich aufgehängt. Komischerweise schämt sich ein jeder, der denkt, auch im Familienkreise, weil das stark vom Führer ablenkt. So ist das schönste Greuelmärchen dieses Leben, komischerweise nicht dementiert. Ja, es geben,' auch im Familienkreise, viele auf. Sie hungern eben. Wie fürchten sie den Frieden, die mit Frieden prahlen, entsetzlicherweise,.„ Krieg soll uns alles bezahlen—— auch im Familienkreise träumt man nur von Haß und Qualen. Mutter läßt durch mich Dir viele Grüße sagen. Komischerweise klagt sie uns an ohne zu klagen. Du fehlst ihr in unserem Kreise.—■ Ach, ich wollte Dich noch fragen: wie lebt man ohne Furcht vor Denunzianten? komischerweise flüstert man selbst mit Verwandten, auch im Familienkreise spielt man Krieg mit Unbekannten. Der Frühling der SA. marschiert im„dritten Reiche", komischerweise marschiert eine singende Leiche—— der Kreis zieht immer weitere Kreise— es wird so still— und mancher sagt:„Vergleiche—" F a n t a. Qottessohn mit echohenen ständen Die„Preußischen Jahrbücher" setzen sich für die nordische Religion ein. Dr. R. H. Grützmacher verweist dort darauf, daß Rosenbergs Standardwerk„Der Mythus des 20. Jahrhunderts" nun„von verschiedenen Seiten ausgeführt und konkreter gestaltet" wird Grützmacher meint, daß es notwendig sei, eine„genauere Wescusbestimmung" des„nordisch-germanischen Elementes in der Religion" zu finden, wenn diesse Element wirklich eine größere Rolle spielen toll. Wörtlich sagt er:„Hier bietet die Zrähistorie ihren Dienst an, wie sie besonders Professor Herman Wirth... in umfassenden Werken und in öfteren mündlichen Darbietungen vertritt. Runen und alten Kultsymbolen entnimmt er einen unnordischen Monotheismus. In seinem Mittelpunkt steht die Gestalt eines Heilbringers, der sich im natürlichen Jahresrhythmus der Arktis offenbart. Aus der Mitwintersonnenwende erscheint er in Kreuzeshaltung. In der absteigenden Jahreshälfte versinkt er mit abwärts gerichteten Armen. Der Heilbringer symbolisiert Sterben und Auferstehen und gibt durch diesen Mythus auch das sittliche Gesetz, welches jeder Mensch aus eigener Kraft verwirklichen kann. Im Unterschied zum Christentum ist der Heilbringer— Gott nur in dein Sinne, wie es jeder Mensch ist; er wird auch kein erlösender Vermittler zwischen Gottheit und Menschheit, da beide von Natur wesenseius und durch keine Sünde getrennt sind." Diese Hirngespinste religiösen Irreseins stehen in der Zeitschrift Treitschkes! VecMotcfUec Matiettsachoccständiqec Die Zeitschrift„Völkische Kultur", Dresden, beschäftigt sich in ihrer Nr. 2. 1934 mit der Verderbtheit des nächtlichen Theaterspiels. Es heißt da: „... Aber das Nachttheater der Marionetten deutet auf Eingewöhnung in das Dunkel des zwerghaft Dämonischen... Freiheit und Zwang, altwestlicher Ideen-Kürglaube und altöstlicher Materialismus leuchten hier aus weltanschaulichen Hintergründen hervor. Unser Theaterspiel hat längst die fernöstliche Nacht aufgesucht. Wir aber, die wir uns jahrhundertelang schon ohne inneres Verwundern bequemen, den Sommernacfatstraum wie den Lear, Goethes Iphigenie oder Kleists Penlhesilea niemals anders als unter dem gleichen, blakigen Schein von Gel-, Gas- und Magnesiumlampen oder im Stechlicht elektrischer Farbbirnen sinnlich wahrzunehmen: wo nehmen wir denn, vermolcht unter den Schatten von Schatten, in jedem Sinn Marionettensachverständige, die wir sind, auch die Augen her, die noch jenes Aufschauen in den nacktblauen Himmel eines vollkommen unironischen Schick- salsmeldets zustande brächten?" Es ist unsereiner» nicht so leicht- sich vermolchte Marionettensachverständige vorzustellen, die in einen nachtblauen Schicksalsmelder schauen, aber den Lesern der„Völkischen Kultur" macht das sicher keine Schwierigkeiten, ihr altwestlicher Ideen-Kürglaube befähigt sie wahrscheinlich ohne weiteres dazu. Muß das schön sein! Tlicht-chcistliche JCUchen in(Deutschland Nichts kennzeichnet die geistige Verworrenheit des „dritten Reiches" so deutlich, als die neuartigen„religiösen" Gemeinschaften, die wie Pilze aus Hitlers Sumpfboden emporschießen. Wir geben im folgenden die für sich selbst sprechenden Namen der wichtigsten dieser Kirchen, die über eigene Organisationen, Führer und meistens auch über Zeitungen verfügen: Deutschgläubige Gemeinschaft Nordisch-religiöse Arbeitsgemeinschaft Germanische Glaubensgemeinschaft Nordungen Adler und Falken Rig Kreis-Nationalkirche Bund der Freireligiösen Gemeinden Deutschlands Freundeskreis der kommenden Gemeinde Gemeinschaft kommender Erkenntnis Deutsche Gemeinde— Dr. Fuchs-Darmstadt Schafferbund SounenreÜgion Dr. Lohmera Awsophische Gemeinschaft Rnn«t rUr Guoten, „Deutsch- Freiheit»», Nummer 103 Das bunte Blatt Gin bißchen Heimweh 25 Fahre beim Film oder: llied an der Keine- Von Äxel Bell 2mal Metro Allerretour 1,70 8 Pfund Brot 8,— 2 Gervais 1,80 Zeitung 0,50 Wolter krault ein wenig ratlos in seinen struppigen braunen Haaren und setzt unter die Rechnung des Tages einen energischen Bleistiftstrich, der den aufdringlichen Zahlen eine entschiedene Grenze setzt. Die Kassenlage ist verzweifelt: „Völlig Untergrund!" verkündet er Alex und legt dabei in seine Jungenstimme den rollenden Klang eines geschlage- nen Bühnenfeldherrn. Aber Alex, dieser verfressene Kerl, macht aus ihn die tragische Bankrotterklärung des geplagten Finanzministers vielleicht den geringsten Eindruck?! Er steht an die halbhohe Bar des Kaffees gelehnt und schimpft kauend auf das dreimalverfluchte, schlabbrige Frqnzosen- weißbrot, das er nun schon nicht mehr„verknusen" könne. „Wahrscheinlich ziehst du Wassersuppe und Prügel in Oranienburg vor!" stichelt Walter und bereut es gleich darauf, als er in die traurigen Augen des Kameraden sieht. Dann klingelt er die letzten Sous auf die Zinkplatte und da es nicht mal mehr für ein Trinkgeld reicht, ziehen die beiden Deutschen sich den bitterbösen, verächtlichen Blick des Kell- ners zu. Ohne bestimmtes Ziel schlurfen die Freunde an der Seine entlang. Alex hat sich die große Ziehharmonika über die schmalen Jünglingsrücken gehängt und ist schlechter Laune. Nun ist es schon fünf Wochen her, daß sie von der Spree an die Seine fliehen mußten. Als Ernst Reiter, der Obmann ihrer Fünfergruppe, geschnappt wurde, war keine Zeit mehr zu verlieren gewesen. Zu Fuß, auf Lastautos, die alten Tor- nister auf dem Buckel und die Musikinstrumente unterm Arm, waren sie an die Grenze gekommen, und als sie zum ersten Mal über einem Amtsgebäude an Stelle des Haken- kreuzes LIBERTE EGALITE FRATERNITE fanden, schlug Alex dem Gefährten jubelnd auf die Schulter:„Mensch, frei!", so daß Walters Geige erschüttert mitbrummte. Das war damals. Sie glaubten ins Paradies zu ziehen. Aber jetzt? Gewiß, das Land war reich und schön. Sicher, Paris war unvergleichlich herrlicher als das graue Berlin und die Menschen heiter, sorgenfreier. Aber manchmal packt besonders den empfindsamen Alex ein Schmerz, fast ein Haß gegen das fremde Land. Er fragt. Man versteht ihn nicht. Er hört und begreift nicht. Jedes Plakat, das er nicht lesen kann, alle Eigenarten des fremden Volkes verletzen und empören ihn. An einer belebten Brücke reißt Walter ihn aus seinen Träumereien. »Los, hier ist ein knorker Platz!" und er beginnt den braunen Umzug von seiner Geige zu streifen, während Alex sich an die Wachsverpackung seines Schifferklaviers macht. „Unser heutiges Programm?" „Na, wie immer„Nun ade, du mein lieb Heimatland!"" Sie haben dieses Lied für ihre Straßenfängerei gewählt, weil die französischen Zuhörer doch wenigstens an dem Wort „adieu" ungefähr erraten sollen, was die seltsamen Ausländer mit ihren Brummstimmer ihnen vorsingen. Furchtsam und zitternd irrt Walters Geigenstimme durch den Lärm der Straße. Jetzt rückt das Klangheer der gutmütigen Zieh- Harmonikakkorde dem schwachen Partner zu Hilfe und nun vagabundieren die Töne gemeinsam über die Seine-'aio, öffnen die Fenster, locken Passanten. Immer dichter wirb der Kreis der Zuhörer. Da beginnt Alex' Schulbubenstimme das Lied. Wie, da steht ihr nun, ihr Pariser, und begreift kein Wort! Da gafft ihr neugierig auf uns zwei!„Heimatland... adieu..." Ach, ihr könnt uns nicht verstehen, selbst wenn ihr unsere Sprache sprächet. Wie könnt ihr wissen, was wir da singen, ihr Conciergen, ihr Steuerbeamten, Arbeiter, Rentiers, Buchhändler, die sparen, gern gut essen, ihre kranken Lebern pflegen und am Sonntag auf Fischfang gehen?! Wie könnt ihr es begreifen? Ihr seid doch— bei Euch! So spottet es in Alex, während er mechanisch singt. Da tauchen sie bann plötzlich vor ihm auf, die„Länder, Berge, Täler, Höhn", die er besingt und eine wahnsinnige Sehn- sucht packt ihn nach all dem Blattgrün, dem Weizengelb und Ziegelrot der Heimat. Er denkt zurück an die grauen Häuser, die rotznasigen Straßenjungen, die Sandkästen Berlins und hört den frechen, geliebten Klang des Stadtdialektes. Aber dann weiß er plötzlich auch wieder von diefe Aktion als den bisher folgenschwersten Verstoß gegen >ie Bestimmungen des Konkordats, das den. katholische» Ncrussvcrbändcn Bewegungsfreiheiten gab.. Die Hoffnungen auf eine Verständigung find dadurch noch zertnger geworden. Der Hitlersche totale Staat steht mit einem Weltanschauungsanspruch zum Katholizismus in un- öslichem Widerspruch. Bor dieser Tatsache sind alle Be- euerungen, daß man dem Katholizismus in rein kirchlichen Tingen volle Bewegungsfreiheit lassen wolle, vollkommen iegenstandsloS. Bagrisdier liullurhampi „Niemals mehr eine politisierende Kirche" DNB. Würzburg, 8. Mai. Am Mittwochabend sprach in den Hutten-Sälen in Würzburg Ministerpräsident Siebert über die.Zuknnstsausgaben des neuen Deutsch- land". Er führte dabei aus, daß das neue Deutschland die politische Einheit geschassen habe. Diese Einheit dürfe nicht mehr angetastet werden. Die Konfessionen hätten kein Recht, sich politisch zu betätigen. Die politisierende Kirche könne nicht mehr geduldet werden, niemals mehr dürfe es in Deutschland politisierende Geistliche geben. Die Hebung des sittlichen und geistigen Menschen, der Kamps gegen Schmutz und Schund, der Kamps gegen die Gottlosigkeit seien Aus- gaben, die jeden gläubigen Katholiken und Protestanten ver- pflichteten. Die Mitarbeit der Konsessionen sei willkommen, nur ihr politischer Einfluß müsse verschwinden. Derartige Fragen dürfen aber nicht ausgetragen werden durch Demon- strationen auf der Straße, sondern nur durch eine große Aus- einandersctznng aus geistigem Boden gelöst werden. Das Recht zu demonstrieren habe nur der Staat oder die Partei. Nur durch geistiges Ringen könnten diese Gegensätze aus- geglichen werden. Nürnberg, 4. Mai. Im Hoheitsgebiet des JuliuS t reicher ist eine tiefgreifende und in ihren Folgen noch nicht absehbare Rechtsverletzung des Konkordats vorgenom- men worden. Alle Verbände. Organisationen, Klubs usw. der katholischen Jugend in Untersranken sind a u f g e l ö st. Das gesamte Vermögen i st beschlagnahmt: das Tragen von Uniforme» ist verboten: die Mitglieder der bisherigen Organisationen haben nicht mehr das Recht, sich zu versammeln Die behördliche Verfügung untersagt den jugendlichen Katholiken sogar, sich auf mehr als eine Zeitung oder Zeitschrist zu abonnieren. Alle Pfarrer werden verpflichtet, über die Ausführung der Verfügungen zu wachen: jeder Widerstand soll durch die politische Polizei gebrochen werden. v. Rabenau Ein kämpferischer Notbundpfarrer Die Gemeindevertretung der Apostelkirche in Berlin- Schöneberg, an der der bekannte Notbundpfarrer von Rabenau tätig war, hat diesem verboten, die Kirche und kirchliche Räume zu betreten. Die Anhänger Rabenaus in der Gemeinde stnd daher geschlossen in eine Nachbargcmcinde marschiert und haben den dortigen Pfarrer gebeten, Rabenau predigen zu lassen. Dieser Wunsch ist erfüllt worden, Inda verredte" In der Praxis Aus Worms: Vor einigen Tagen fand eine Betriebs» Versammlung des Warenhauses Goldschmidt statt. Der Besitzer Goldschmidt wollte das Wort ergreisen, doch wurde er unter Gebrüll und Niederruscn darin verhindert, in seinem eigenen Betriebe zu reden. Gleichzeitig ivurden im ganzen Warenhaus Plakate ausgestellt mit der Forderung: Wir wollen keinen Juden als Betriebsführer. Aus I l l e S h e i m: Einem bekannten jüdischen Getreide- Händler des Ortes wurden von vier SA.-Le»ten achtzig Sack Weizen gestohlen. Die benachrichtigte Polizei nahm die Täter fest. Beim Abtransport kam der Standartenführer dazu, der die SA.-Leute anschnauzte, weil sie sich von Polizei hätten verhasten lassen. Die Täter wurden freigelassen. Nachts drang der bewährte SA.-Führcr, nachdem er zuvor durch die leeren Fensterscheiben geschossen hatte, in die Wohnung des Juden ein und machte ihm mit vorgehaltener Pistole klar, daß er gegen TA. nicht klagen dürfe. Ans Gauodernheim: Ein hiesiger jüdischer Ein- wohner hatte ein sehr gutes Haus, das der SA.-Führcr Diehl schon längst gern gekauft hätte. Doch war das HauS nicht feil. Nun wurden dem Juden zum t. April die verrufensten Elemente des Ortes als Zwangsmietcr ins Hans gesetzt. SA.-Leute räumten die Möbel des Juden auf die Straße, waren im Begriff, die Lumpen des Zwangsmieterö hineinzutragen, als Herr Diehl erschien und erklärte: Aus- hören, ich habe das Haus gekaust. Worauf der arme Teufel blieb, wo er gewesen war»nd der Jude Frist hatte, das ihm abgepreßte Eigentum zu räumen. Proiifjäger und Nlesmaclier Wie in„großer Zeit" In dem Maiausrus der Hitlerregierung befindet sich ein Satz, der als Kennzeichen für die abgrundtiefe Heuchelei dieses Regimes festgehalten werden muß. Nach einigen Ab- sätzen geschwollenster Selbstbeweihräucherung prallt man gegen folgendes: „Männer und Frauen! An Euch alle ergeht der Ruf! Weg mit den Miesmachern, konfessionellen Hetzern und kapitalistischen Profitjägern! Her mit der deutschen Volksgemeinschaft, die nicht Phrase bleiben, sondern Tat werden soll!" Daß die„Miesmacher" fort müssen, wundert niemand. Die wurden schon in früherer„großer Zeit" störend empfunden, als während des Weltkrieges vier Jahre lang das deutsche Volk sich an Siegesnachrichten berauscht, um dann, wie der Admiral v. Scheer es ausdrückte,„aus allen Himmeln zu stürzen". Daß all die schönen Siegesnachrichten sich hinter- her als falsch erwiesen, war natürlich nur die Schuld der Miesmacher, und am Schluß der„gewonnenen" Aarbeits- schlacht wird es ebenso sein. Auch die Wut gegen die„konfessionellen Hetzer" scheint uns angesichts des ungemindcrt fortgehenden Kirchenstreites ver- ständlich..... Aber: Seit wann müssen^.kapitalistischen Profitjäger fort? Die Krupp, Thyssen und Schmidt stehen doch an der Spitze des Ganzen, WaS geschieht ihnen im„dritten Reich", das die Kampsorganisationcn der Ar- beiter zertrümmert und den kapitalistischen Profit gesichert hat wie nie ein Staatswesen zuvor. Und welcher Arbeiter, der am l. Mai hinter seinem Unternehmer als dem staat- lich anerkannten„Führer" des Betriebes hertrotten muß, darf und kann diesem Herrn gegenüber das Wort in die Tat umsetzen:„Fort mit den'kapitalistischen Profit- jägern!" An unsere Bezieherund Leser! Wir erhalten in letzter Zeit Beschwerden darüber. daß die.„Deutsche Freiheit" entweder verspätet oder auch gar nicht ankommt. Wir bitten alle Beschwerdeführer, sich an ■ ihrem Ort mit der Post oder der Bahn in Verbindung zu setzen, da von Saarbrücken aus die Zeitung nach wie vor pünktlich jeden Tag abgeht An der Post oder Bahn'des Aut> gabe-Ortes liegt die Verzögerung nicht, davon konnten wir uns überzeugen. Verlag der„Deutschen Freiheit 4' T6L Triniie 43-13 M6lro P i g a 11 e Deutsche Poliklinik Paris, 62., ßue de la Rochefoucauld b) Chirurgie c) Geburtshilfliche Klinik d) Zahnärztliches Kabinett nd Kehlkopfkrank» Zweistöckigej'Sanatoriumsgebäude. Vierstöckiges Gebäude. Zimmer Zahn- und Mundchirurgie. Gold, pie. Spezialbehand. Kleine, mittlere und große Chirur. mit 1 bis 4 Betten. 3 Aerrte,,3 Heb. und Porzellankronen..Brucken, ikheiten gie. Die allermodernste Einrichtung ammen und 2 Operationssäle. Kautschuk»Arbeiten Ordination täglich von 9—12 und 2—8; Sonntags und Feiertags von 10—12 und 2—4 Uhr a) Allgemeine Konsultationen mit 9 Spezialisten. Innere Medizin, Augen», Ohren», Nasen» und aeiten. Röntgen Diathermie. Elektrotherap lung bei Blut», Harn» u. Geschlechtskrankheiten Der Erfolg liegt in der Reklame! Inserieren Sie deshalb in der „Deutschen Freiheit" ftfiireixer ZFirtna sucht einige gute Patent-Artikel für Marktfahrer. Offerten an G. A. 13, Luzern-Schweiz INSERIEREN BRINCST ÖEWINN Steuerfragen Gesellschaftsgründungen Wenden Sie sich an F» BRIQUEU LICENCIE EN DROIT ehemaliger Kontrolleur der direkten Steuer» behörden, um vom offiziellen Standpunkt aus beraten zu werden. 25, Bd. Bonne-Nouvelle, PARIS(2X Telefon Louvre 22-93 Pariser Dertdife Pariser StraDenhalender Die„Woche von Paris", die nach einem Beschluß des Ministerrats eingerichtet werden soll, wird vom 17. bis 24. Juni oder 24. bis 30. Juni stattfinden. Am 24. Juni ist der Grand Prix. Die Woche von Paris soll mit einer besonderen Fremdenpropaganda und Ausgabe billiger Fahr- und Aufenthaltskarten verbunden werden. * Am Grabmal des unbekannten Soldaten wird vom Samstag an jeden Samstag ein Konzert von Militärmusik sein, am Samstag eröffnet durch die republikanischen Garden. * Nach einer Krisenstatistik sind jetzt fünf Pariser Theater geschlossen, ohne Hoffnung auf Wiedereröffnung, zwei Theater haben bereits jetzt die Sommerferien eingelegt, und ein halbes Dutzend wartet auf neue Erfolgsstücke. * Die französische Verfügung, daß auf dem Bau neun Stunden gearbeitet werden kann, wurde mit Rücksicht auf die Arbeitslosigkeit zurückgezogen. Auf den Neubauten von Seine und Seine-et-Oise wurde, bis Ende Juli nächsten Jahres geltend, der Achtstundentag erneut festgelegt. * Im Parlament läuft der französische„Rots ieder klettern konnte. Angeblich(wir waren nicht dabei) war es ein alter englischer Impresario, ein Mümmelgreis, der so schwach war, daß er keine Treppe mehr erklimmen konnte, und der aus Altersschwäche sogar nicht mehr wußte, vie er eigentlich hieß. Fünfzehn Jahre Dienst in Indien hatten diesem Manne den Rest gegeben. Er war 74 Jahre alt und dem Sterben nahe. Dr. Voronoff soll ihn durch die Affendrüsen in einen kräftigen Greis verwandelt haben, der aus dem Gedächtnis dreihundert Verse von Shakespeare aufsagen konnte! Darauf will Voronoff den Teilnehmern an der Konferenz den Affenkäfig gezeigt haben. Die Leute erschraken, als sie die wilden Tiere sahen, die das Urmaterial der Pfropfung abgeben. Als die Affen die Aerztinnen im Kreise der Unbekannten sahen, stießen sie wilde Schreie aus. Alles stob von binnen, als der Käfig geöffnet wurde. Aber der Arzt sagte:„Meine Damen, bitte geben Sie meinem Pensionär ruhig die Hand!" Eine Dame tat das, und der Schimpanse küßte ihr galant die Hand. Wünschen w ir den Neuvermählten reichen Segen! Dos Hakenkreuz in der Nähe der Oper Wie wir hören, hat die hitlerdeutsche Kolonie zu Paris den 1. Mai auf ihre Weise begangen. Die Verkehrsstelle der deutschen Reichsbahn in der avenue de l'Opera, die, wie wir wiederholt festgestellt haben, in ihren Auslagen mit Vorzeigen der Hakenkreuz-Symbole äußerst sparsam ist, weil sie diese wohl mit Recht für kein gutes Werbemittel im Auslände hält, wurde gezwungen, die Hakenkreuzfahne wehen zu lassen. Die Pariser und die zahlreichen Ausländer, die am 1. Mai in der Nähe der Oper lustwandelten, sahen sich die „Svastika", das altindische Fruchtbarkeitszeichen, nicht ohne Erstaunen an, zumal nebenan die Trikolore der großen Revolution wehte. Das Werbematerial der Reichsbahn selbst ist in Paris nach wie vor im hitlerischen Sinne äußerst dünn. Sollte man nicht wenigstens die neue Mai-Plakette mit Hakenkreuz, Goethe, Hammer und Sichel auch dem Ausland zeigen? Darauf hat doch jeder, der Kuriositäten mit drei Sternen im Baedecker sucht, ein begreifliches Anrecht. Die Odyssee des Herrn Hayotte Der frühere Theaterdirektor des Empire, in dem Rita Georg sang, der Stavisky-Prominente Hayotte, ist jetzt ebenfalls von dem Untersuchungsrichter gehört worden. Weniger über seinen Spielplan, als über seine faulen Geschäfte. Hayotte, der zu Staviskys ältesten Freunden gehört, berichtete über die Umstände, unter denen er seine Intervention 192S zur vorläufigen Haftentlassung des damals zum ersten Mal verhafteten schönen Alexandre machte.„Ich erhielt von Stavisky den Auftrag, für ihn tätig zu sein, und gab M. Rene Renoult 50 000 Franken Honorar." Weiter berichtete der ehemalige Theaterdirektor von der Tätigkeit von Madame Arlette Stavisky und den Beziehungen zu Galmot sowie von der Summe von 800 000 Franken, die für sie beide bereitgestellt war, um nach Guyana zu gehen, und die Galmot bewahrte. Hayotte wurde damals ebenfalls verhaftet und mußte acht Monate brummen, wurde dann aber außer Verfolgung gestellt. Er betätigte sich damals zusammen mit dem schönen Stavisky an den„Etablissements Alex", die sich damit befaßten, Geld auf Edelsteine zu leihen sowie einen Rennstall zu unterhalten, was nicht allzu viel kostete, infolge der Wetten, und das Empire zu betreiben, wo„Katinka" etwas abwarf, aber„Zwei unter Blumen" ein Defizit brachte. Die Geschichte wurde damals kritisch. Der Direktor Hayotte verkaufte seinen Wagen und die Steine seiner Frau und lebte von der Hand in den Mund, von Gelegenheitsgeschäften. Heute sitzt er fest, das Empire ist längst pleite gegangen und ein Kino geworden, der vornehme General Bardi de Fouton, den Stavisky für seine sonstigen Grundstücksgeschäfte engagiert hatte, ist aus der Ehrenlegion ausgeschlossen, Galmot ist tot, und die Witwe Stavisky. weit davon entfernt, dieses Jahr Blumenkönigin in Cannes zu werden, vertrauert den Frühling in der Petite Roquette. BBUPKflSTBN H. U. M. Biel. Wir danken Ihnen für die aufklärende Zuschrift, die wir gerne veröffentlichen. Die Schweiz war bestimmt mit dem Inserat nicht gemeint. Das wissen auch Ihre Frontistenblätter; st« stellen sich dümmer, als sie sind. „Londoner Anhängers Besten Dank. Das Bild war auch in deutschen illustrierten Zeitschriften erschienen. Von solcher Sorte„Arbeiterführer" können Sie nichts anderes erwarten. Veritas. Der Borfall in Herzogenrath liegt drei Monate zurück. Wir haben seiner Zeit darüber berichtet. Ergänzungen nach drei Monaten halten wir nicht für angebracht. Mittelsranken. Die ganze Weisheit des Gauleiters Hellmuth Planes gegen das Elend in der Rhön besteht also darin, die armen Leute von ihrer Heimstätte zu vertreiben. Ob es ihnen anderivärts besser gehen wird, ist noch sehr die Frage. Es gibt ja überall im Reiche Elendsgebiete genug. An mehrere, die uns Zeitungsausschnitte einsandten, auf denen Helfferich anläßlich des Gedenkens an seinen vor 10 Jahren erfolgten Tod als„Vater der Rentenmark" gefeiert worden ist: Helfferich schlug im Herbst 192« in der höchsten Inflation, die inS- besondere durch das Kabinett Cuno gesteigert worden war,«ine R o g g e n Währung vor. Der damalige Reichsfinanzminister Dr. Hilferding lehnte diesen Vorschlag als auf zu schwankender Grundlage ruhend ab. Die Rentenmark wurde dann von Hilserding vor- bereitet und von seinem Nachfolger Dr. Luther im zweiten Kabinett Strefemann, In dem noch drei Sozialdemokraten saßen, eingeführt. Helfferich hat mit der Rentenmark gar nichts zu tun. Leser in Aachen. Bei Euch sind 27 SA-Leute verhaftet worden? Warum, wissen Sie nicht? Wahrscheinlich waren sie allzu begeistert von den Erungenschaften der„nationalen Revolution". ». D-, Zürich.?, ES Ist doch ein große« Geschenk, Leser mit soviel Erfahrung, gutem Gedächtnis und reichem Archiv zu haben. Denken Sie immer wieder mal an unS. Wir lassen uns ja so gerne belehren. Freiheit! Eifeler Boor. In Ihrem Briefe heißt-?:„Die Eifelbauern sind niemals für Hitler begeistert gewesen und jetzt haben sie den ganzen Kram dick. Der Geschäftsführer einer Genossenschaft sagt- mir: „Wir können unser fettes Vieh fast nicht mehr verkaufen. Es kommt kein Jude mehr zum Handel, und wenn wir da« Vieh noch Köln schicken, erzielen wir keine Preise und eS lasten zuviel Unkosten auf dem Geschäft." Wenn eine wirklich freie Wahl wäre, würden noch nicht 2« v. H. für Hitler stimmen. „Westdeutscher Beobachter" in Köln. Ihr schreibt„den Gerüchte» machern ins Stammbuch":„Lügen haben kurze Beine, aber Gerücht« haben weit« Fangarme. Einem unersättlichen Polypen gleich erfasse» sie die Menschen, auf daß sie„das Gerücht" weiter verbretten, und nach kurzer Zeit„weiß es die ganze Stadt". Derjenige aber, über den das Gerücht herfällt, ist gebrandmarkt und geächtet oft für alle Zeiten. Seinen guten Ruf, sein« Ehre hat da» Gerücht zersetzt. Wie es Menschen ergeht, so auch deren Maßnahmen usw." Nach dieser Schilderung scheint un» ja eine schöne Atmosphäre im heiligen Köln zu herrschen. Für den Gesamtlnhait verantwortlich: Johann PI tz In Dud» weiter: für Inserate: Otto Kuhn tn Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH„ Saarbrücken£ Schützenstrabe 5.— Schließsach 776 Saarbrücken. Das Geburtshaus Cooks wird von England nach Australien verfrachtet Das Geburtshaus Cooks wird abgetragen Die Verfrachtung der großen Kisten, in und jeder Stein gemessen und ausnotiert. denen die Steine des Hauses verpackt sind. Das Geburtshaus von Captain Cook, der 1780 Australien entdeckte, wird'über tausende' Kilometer hinweg von Anton(Englands nach Melbourne(Australiens überführt. Jeder Stein, jedes Stück Holz, jeder Dachziegel wird numeriert und in Australien wieder an leine richtige Wege gebracht.