Sinzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 104— 2. Jahrgang Saarbrücken, Sonntag Montag, 6. 7. Mai 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt Die Ctttfiiiliungen JlomaqnUtas Seite 2 SaacsAbstimmung. Mai 1935 Seite 3 Die neue ifchtecken&wetle Seite 7 O Japan provoiiert Die Herausforderang an die Welt DNB. Paris, 5. Mai. Die AußenMitikerin des »Oeuvre" besaht sich mit der amerikanisch-japanischen Lage und macht dazu einige interessante Anssührnngen, deren Quelle die zustündigen Pariser Botschaften sein dürften. So habe sie erfahren, dah Japan die Erklärung über die asiatische M o n r o e-D o k t r i n nicht aus einem Expanstonsbedürsnis heraus abgegeben habe, sondern aus zwei anderen Gründen: Der erste sei die Finanzmission, die vor einem Jahre von verschiedenen Großmächten Monet übertragen wurde und die zu einem Sll-Millionen-Dollar-Kredit Ameri- las an die chinesische Regierung führte, um ihre Rüstungen zu vervollständigen. Dieser Ausschuß habe serner seine Studie» mit der Prüfung der Mittel zur Reorganisierung des internationalen Konsortiums in China fortgesetzt. Der zweite Grund, von dem Japan sich habe leiten lassen» sei der demnächst stattfindende Zusammentritt des China- Ausschusses in Genf, der nach dem Austritt Japans aus dem Völkerbund gebildet wurde, und der dem Völkerbund Bericht über seine Arbeiten hinsichtlich der Europäisierung Chinas erstatten soll. Japan habe aus diesen beiden Gründen sofort Stellung nehmen wollen, nm Europa und Amerika davon zu unterrichten» daß es eine Einmischung in China nicht wünsche, sondern allein bei der Organisierung dieses Landes behilflich sein w o l le. Amerikanischerseits habe man die Bedeutung dieses japanischen Schrittes sofort erkannt und bereits entsprechende Maßnahmen getroffen. Man befürchte, daß, wenn man Japan noch 18 Monate in Asien allein lassen würde, es sich aus einen Krieg gegcu Rußland vorbereiten würde, um seine Lage zu stabilisieren. Gleich nach Erhalt der japanischen Rote habe die amerikanische Regierung deshalb eine ganze Reihe von Maßnahmen getroffen, die 111 Kriegs- schisse der amerikanische,, Flotte seien vom Stillen Ozean in den Atlantischen Ozean durch den Panamakanal in 17 Stun- den gefahren, anstatt diese Reise»n acht Tagen zurückzulegen» wie dies ursprünglich beabsichtigt gewesen sei. Amerika habe ferner sofort den Vinson-Plan bestätigt, d. h. die s o s o r t i g e Inangriffnahme des Ausbaues der Flotte, die Ausgabe der Militärbasis auf den Philippinen und Ver- stärkung des amerikanischen Stützpunktes in Honolulu, ferner das Studium der strategische,, Punkte aus der Insel- gruppe der Aleuten, weil hierüber der kürzeste Weg nach Japan führe, und die schnelle Erwägung eines allgemeinen Abkommens mit Rußland, um in kürzester Zeit der russischen Rüstungsindustrie die notwendigen Kredite zur Verfügung stellen zu können. Neuer japanischer VorsfoS Tokio, 4. Mai. Die japanische Regierung hat durch den japanischen Generalkonsul in Nanking dem chinesischen Außenminister Wang Tsching-wei erklären lassen, daß die japanische Regierung die schwebenden chinesisch-japanischen Fragen möglichst bald zu regeln wünsche, jedoch nur in direkten Verhandlungen zwischen China und Japan. Tic Intervention einer dritten Macht werde nicht zugelassen. Der japanische Generalkonsul hat auch den amerikanischen Gesandten in Nanking. Johnson, aufgesucht und vor einer unbedachten Haltung der Mächte in bezug auf China ge- warnt. Die Erklärung des japanischen Generalkonsuls ist die Antwort auf den Besuch der Gesandten Nordamerikas, Belgiens und Italiens bei Marschall Tschiang Kai-shek, dem sie angeblich versichert haben, daß die Mächte auch in Zukunft dem chinesischen Reich ihre Unterstützung zuteil werden lassen würden. * Nach diesen Vorgängen ist es zweifellos, daß Japan auf seiner Forderung beharrt, die übrigen Mächte müßten auf eine kollektive Betätigung in China verzichten, auch wenn es sich nur um technische oder finanzielle Hilfeleistung hanoelt. Diese schroffe Außenpolitik Japans setzt die seit dem Austritt aus dem Völkerbund in die Erscheinung ge- tretene Linie fort. Die japanische Regierung erläßt tat- sächlich eine offene Kampferklärung an den Völkerbund, denn dieser hat in der außerordentlichen Völkerbunds- Versammlung am 24. Februar 1933 eine Erklärung beschlossen, die u. a. besagt, daß die Aufrechterhal- tungdesFriedensim Fernen Osten eine Frage von internationalem Interesse ist und eine zeitweise internationale Zusammenarbeit für den innerenAufbauChinasVoraussetzungfür eine befriedigende Lösung ist. Der Bericht der Kommission Lptton hat diese Erklärung wie folgt er- läutert: „ES liegt beute ebensosehr im Interesse der Mächte wie im Jahre 1922, beim Wiederaufbau China» helfend mitzu- wirken und Chinas Unabhängigkeit und ter- ritoriale und administrative Integrität zu sichern, da sie für die Aufrechterhaltung der Friedens unerläßlich sind." Diese feierlich als„unerläßlich" für den Frieden auf- gestellten Forderungen der Mächte haut der Säbel des japanischen Imperialismus in Fetzen. Er überläßt es allen übrigen Großmächten, sich damit abzufinden oder kriegerische Folgerungen zu ziehen, an deren Ernst man in Tokio zur Zeit nicht zu glauben scheint. Die japanische Außenpolitik hat sich für ihre Vorstöße einen Zeitpunkt gewählt, den ihre Gegner zur militä- rischen Antwort nicht recht geeignet finden. Rußland ist noch ruhebedürftig und hat deshalb das Vordringen Japans in der Mandschurei und die Krönung des Kaisers von Mandschukuo Pu Ai hinnehmen müssen. Die europäischen Mächte aber sind mit den Spannungen in- folge der Abrüstungskrise und der Wiederaufrüstung Deutschlands hinreichend beschäftigt. Auch von Nord- amerika scheint Japan zur Zeit nichts zu befürchten, weil es genügend Sorgen mit dem Wiederaufbauprogramm Roofevelts gegen die ungelöste schwere wirtschaftliche Krise hat. So ist Japan entschlossen, einen weiteren ent- scheidenden Schritt zur Aufrichtung seiner Hegemonie in Ostasien zu tun. Allerdings könnte ein Zusammenstehen der beiden angelsächsischen Weltmächte England und Nordamerika, die beide an der ostasiatischen Entwicklung stärkstens interessiert sind. Japan zwingen, ein Kompromiß über die Aufteilung der Interessensphären Ostasiens einzugehen. Die weitgesteckten Ansprüche Japans und die Bedrohung, die es wirtschaftlich und politisch für seine Nachbarn bildet, bleiben aber eine dauernde Bedrohung für den Welt- frieden, eine Gefahr, die nicht minder ernst und gefährlich ist als das ungelöste europäische Problem. Durchhauen! Durchhauen! Der„AnshungerungsprozeD" gegen Deutschland- Schacht Ist hei der Danhroitphraseologie des Kaiserreichs angelangt- Keine Drechung der Zinshnediischait? Am morgigen Sonntag sollte der Reichsbankpräsident Dr. Schacht in Köln sprechen. Die Transferverhandlungen in Berlin nehmen aber einen für den Regisseur des deutschen Finanz- und Währungsbankrotts so sorgenvollen Verlauf, daß er die Reichshauptstadt nicht verlassen kann. Die Kölner sind deshalb um den Genuß einer Schachtrede gekommen. Dafür hat er ihnen im„Westdeutschen Beobachter" einen Trostbries geschrieben. Allerdings ist es zweifelhaft, ob er viel Trost spenden kann. Schacht gibt plötzlich das Gerede vom wirtschaftlichen Aufschwung und der sich entfaltenden Aonjunkturblüte, das die Hitler und Göbbels und ihre Gestern und heute Es ist also jeßt so weit. Das erste offizielle Verbot von katholische Jugend- und Jungmännerverbänden, gegeben zu Schweinfurt am 25. Ostermond 1934, liegt jeßt vor. Es wurde ausgesprochen laut Gaubefehl für Unterjranken, im Einvernehmen mit Streicher; es ist verbunden mit Vermögensbeschlagnahme, Auflassung der Immobilien zugunsten des politischen Leiters, Untersagung jeden persönlichen Verkehrs unter den früheren Vereinsmitgliedern. Die politische Polizei hat darüber streng zu wachen,„im Interesse der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung und zum Schuße von Volk und Staat". Katholisches Diebesgut wird festlich und legitim eingebracht. Das ist der Präzedenzfall. Frankenführer Streicher, im Kampf gegen den Davidstern erprobt, wird vorgeschickt, um den ersten gänzlich unverhüllten Bruch des Konkordats in Szene zu seßen. Es fallen unter das Verbot ausdrücklich alle Vereine, die ihrer Saßung nach religiöse Jugenderziehung betreiben, wobei ausdrücklich gesagt wird, daß die Schußbestimmungen des Konkordats aufgehoben seien. Wir wollen dabei nicht vergessen, daß sich Hitler und Streicher erst vor acht Tagen in Nürnberg getroffen haben und ihre vollkommene Einigkeit fotografisch reproduzierten. Nur wer das vielverzweigte katholische Vereinsleben von innen her gesehen hat, kann wissen, in welchem Umfange die Jugendverbände zu den Haltepunkten des katholisch- kirchlichen Seins gehörten. Die Jugendscharen mit den religiösen Flaggen hatten kurz vor der Machtergreifung Hitlers immer noch mehrere Hundertausend Mitglieder, und sehr viel weniger werden es auch heute nicht sein. Ihren priesterlichen Führern sind sie keineswegs immer sehr bequem gewesen. Sie haben vielmehr den Patriarchen des Episkopats oft Kummer bereitet. Von dieser katholischen Jugend ging in leidenschaftlichem Strome der Wille zur religiösen Erneuerung aus: es genüge nicht, Religionen zu organisieren, sondern man müsse sie vor allem erleben und vorleben. Der Hierarchie wurde vorgeworfen, sich allzu bequem an die herrschenden Wirtschaftsmächte' gebunden zu haben. Wir erinnern uns an die Manifeste der bündisch organisierten katholischen Jugend,„Kreuzfahrer",„Neu-Deutschland", „Quickborn" und anderen, erfüllt von sozialrevolutionärem Auflehnungsgeist, oft in verschwärmt-romantischem Kleide, immer anklägerisch gegen die Sozialordnung oder Unordnung des Kapitalismus. Es ist also nicht so, daß der Nationalsozialismus jeßt gegen die katholischen Jugendverbände allein deshalb vorstößt, weil sie dem weltanschaulichen Totalitätsanspruch zuwiderlaufen. Die Gründe liegen tiefer. Diese jungen Katholiken sind zu einem guten Teile in der Beurteilung politischer und ökonomischer Fragen kraft Erziehung, Tradition und eigener Erkenntnis nicht ins braune System einzufügen. Vom Standpunkt der totalitären Staatsidee aus gesehen, sind sie also gefährliche Fremdkörper in Hitlers Pagodenreiche. Hier hat das Konkordat versagt, weil es versagen mußte, Verträge sind gut und wirksam unter Gleichen. Hier aber standen die Kontrahenten, von der Rassenlehre bis zur Wirtschaftsethik, in verschiedenen Lagern. Das Verbot von Oberfranken entbehrt nicht der Logik und kann nur die Illusionäre enttäuschen. „Als wir diese Anordnung lasen, waren wir zunächst sprachlos. Denn unserer einfachen und ehrlichen Auffassung von Verträgen widerspricht nicht nur der Wortlaut, sondern auch ■der Inhalt einer solchen Verfügung. Wir waren bisher der unmaßgeblichen Auffassung, daß doch ein Konkordat zwischen dem Vatikan und dem Reich besteht... Unzuständige Leute bemühen sich, die Unterschriften des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers zu deskreditieren." So schreibt ein katholisches Blatt des Saargebietes.„Diese Anordnungen sind selbstverständlich völlig rechtswidrig", fügt die„Saar- brücker Landeszeitung" hinzu. Aber man möchte doch nicht gleich zu mutig sein. Hinterher kommt die gleichgeschaltete Arabeske, nämlich das Bekenntnis zum„ehrlichen Wollen des Kanzlers..." Hitler weiß das nicht! Hitler will das nicht!'Wenn man es längst nicht mehr glaubt, daß dieser Reichskanzler wirklich der Pflegevater des Konkordats ist, so muß man wenigstens so tun, als ob man es glaube. Und das ist das Peinliche, immer wieder: die betrogene Illusion verschwistert sich zuleßt mit der Heuchelei. Argus. Preßlakaien täglich herleiern Trübselig sagt der Reichsbank- Präsident: Die zahlreichen Exportschwierigkeiten, auf die wir stoßen, wirken ähnlich wie ein großer Material- aushungerungsprozeß, der nicht nur die volkswirtschaftliche Zahlungsfähigkeit Deutschlands, sondern sein Transfer- vermögen im Kapttalverkehr ruinieren muß, sondern uns auch als Käufer für ausländische Rohstoffe und Fertig- waren mehr und mehr schwächt. Hier stehen wir noch vor sehr großen und schwierigen Ausgaben, und es wird auch weiterhin des ganzenzähenDurchhaltungs- willens des deutschen Volkes bedürfen, wenn wir dieser Lage Herr werden wollen. Auf die Frage nach der Stellungnahme der Reichöbank zur Frage der Notendeckung und einer etwaigen Ab- wertung der Mark zur Erhöhung der deutschen Konkurrenz- fähigkeit im Auslande antwortete Dr. Schacht u. a.: Die von einem Teil unserer Wirtschaft aus Außenhandels- gründen zeitweilig wohl befürwortete sogenannte Devalie- rung nach dem Beispiel anderer Länder kommt für Deutschland nicht in Frage. Nicht nur der Reichsbankpräsident, sondern auch der Reichs- kanzler, der Reichswirtschastsminister, der Reichs- propagandaminister haben sich erst unlängst in diesem Sinne ganz klar, und etnbeütig ausgesprochen. Die mit einer Abwertung der Mark unabweislich verbundene starke . Beunruhigung.der Wirtschaft würde die deutsche Ausbau- arbeit schwerstcns gefährden und das Vertrauen des Volkes in die Staats- und Wirtschafts- f ü h r u n g erschüttern. Aber auch der Weltwirtschast würde Deutschland einen schlechten Dienst erweisen. Auf den Neuaufbau des deutschen Kreditwesens ein- gehend, hob Dr. Schacht hervor, daß es dank den Be- mühungen der maßgebenden Stelle» auch dem mittleren und kleineren Kreditnehmer, soweit er überhaupt kreditwürdig ist, k e i n e s w c g s in e h r a n K re d i t m ö g l i ch- leiten fehle. Auf die Frage, ob nicht eine fühlbare Erleichterung der Zinslasten in absehbarer Zeit durchzuführen sei, um die grundlegende Forderung des Nationalsozialismus nach Brechung der Zinsknechtschaft durchzusetzen, erwiderte Dr. Schacht u. a.: Unter unbedingter Sicherstellung unserer Währung zielt die ganze Reichsbankpolitik aus eine all- .mähliche, aber nicht gciv altsame Zins- senkung hin. Eine plötzliche Umstellung würde ohne schwere wirtschaftliche Erschütterungen-unmöglich sein, während eine langsamere Entwicklung auf dem Geld- und Kapitalmarkt ohne wesentliche Störungen denkbar ist. Daß die Abwertung der Mark von sehr einflußreichen Kreisen ernsthaft gefordert wird, bestreitet Dr. Schacht nicht mehr. Seine Erklärung wirkt wie ein Hilferuf an die O e f f e n t l i ch k e i t, ihn zu unterstützen, wenn er die letzten Positionen der verlorenen Reichsmark zu halten versucht. Schacht wird weder sich noch die Reichsmark noch sonst etwas durchhalten können. Das Vertrauen in die Bankrott- Politiker schwindet. Das Volk beginnt zu erwachen. Deutsch- land wird sich von den Bankrotteuren befreien. Das Slaafsprcsscamk... Wie aus Darmstadt gemeldet wird, teilt das Staats» Presseamt folgendes mit:„Der jüdische Handelsmann Wilhelm Kahn aus Friedberg wurde in das Konzen tra- tionslagcr gebracht, weil er mit einem arischen Dienstmädchen geschlechtlich verkehrte und auch andere Frauen und Mädchen unter Angebot von Geld zum Geschlechts- verkehr zu bewegen versuchte." Und bis! Da nldil willig... Der LanbeSbauernftthrer in Rostock veröffent- licht folgende Erklärung:„Im Winter 1938-34 half das ganze Volk durch das gewaltige WHW dem Führer tn seinem Kampf gegen die deutsche Not. Der Hauswirt Tchomann in Luckpitz bei Wittenburg, der seiner wirtschaftlichen Lage nach helfen konnte, gab keine Spende zum WHW., des- gleichen der Büdner Wilhelm Lange, Carlsthal bei Gnoien. Beide haben sich demnach freiwillig außerhalb unserer Volks- gemeinschast, welche auf Opfer und dem Willen zu dienen ausgebaut ist, gestellt. Wir geben dies allen Volksgenossen bekannt," Das Neuest« Der deutsche Gesandte in Riga, E. Martins, hat beim lettlä n bischen Außenminister schärfsten Protest«ingelegt gegen die bei einer marxistischen Mai- seier durch ein„lebendes Bild" verübte Verhöhnung des Reichskanzlers und die fotografische Wiedergabc in einigen Zeitungen. Er hat zugleich die Bestrafung der Schuldigen gefordert. Das Buch des SA.-Sturmbannführers Werner Schäfer „Konzentration slager Oranienburg" wurde als Druckschrift, die eine„Förderung verbotener Parteien" zum Inhalt hat, für Oe st erreich ver- boten. Die sächsische Landeskirche hat ihre Befugnisse aus die deutsch« evangelische Kirch« übertragen mit der Er- mächtigung, auch verfassungsändernde Gesetze zu erlassen. Der Laudesbischos wird dem Rcichsbtschof unter- stellt. Nach einer stürmischen Sitzung wurde in der bulgarischen Sab ran je gegen den bulgari chen Eisenbahnminister ein Mißtrauensvotum angenommen. Der Rücktritt des Mini- ters wird am Samstag früh erwartet, Wetter ist die Stellung des Kultusministers gesährdet. Sollte auch er gestürtzt wer- den. so ist mit dem Ausbruch einer allgemeinen Kabinetts- krise zu rechnen. Romagnino,EnlliUllergrößtenStlls Er belastet Rechts- und Linksparlamentarier- Nene Schedt- abschnitte entdeckt Es scheint, daß eine neue Etappe der Stavisky-Assäre beginnt. S>e geht von Romagnino aus, dem Helfershelfer des Hochstaplers, der jetzt vor dem Unter- suchungsrichter entscheidende und schwerwiegende Aus- sagen gemacht hat. Eine Reihe bekannter Parlamen- tarier und Publizisten ist danach aufs schwerste kompromittiert... Romagnino belastete zuerst den Direktor der Wochenzeit- schrift„Aur ecvutes" Paul Levy, der Stavisky wohl gekannt hat, obgleich Levy es vor der Untcrsuchungskommis- sion ablehnte. Romagnino erzählte weiter, daß der Direktor eines anderen politischen Wochenblattes,.„Arpagnan", eben- falls mit Staviskv enge Beziehungen unterhielt. Als Rechtsanwälte des Riesenschwindlers nannte Romag- nino nicht nur den Senator Rene R e n o u l t und den Ab- geordneten Andre Hesse, sondern auch den ehemaligen Unterrichtsminister de Mvnzie, der zwei Ver- waltungsratsmitglieder einer Stavisky-Gesellschast vereidigt habe. Diese drei Parlamentarier gehören der radikalen Partei an. Besonders auffallend ist die Enthüllung Romagninos, daß Stavisky vor eineinhalb Jahren mit dem bekannten Rcchtsabgeordncten Franklin-Bouillon in Beziehungen gebracht worden sei, und zwar durch eine Mittelsperson, deren Name auf den berüchtigten Scheckheften des Schwindlers zu lesen ist. Auch ein anderer bekannter Politiker der Rechten, der Stadtrat Fernand Laurent, hat nach Aussagen Romagninos oft mit Stavisky telefonisch gesprochen und wohnte einem Bankett bei, das zu Ehren des ncugewählten Abgeordneten Bonnaure, des persönlichen Rechtsanwalts Staviskys, gegeben wurde. Zum Schluß behauptete Romagnino. daß Stavisky dem radikalen Abgeordneten Proust eine Rede über die Getrcidepolitik aufaesetzt habe, aus der Staviikn für eine seiner Gesellschaften großen Nutzen zu gewinnen hosfte. Nicht weniger sensat'onell sind die entdeckten neuen Scheckabschnitte. Sclmanengesange der AbrQsfung England will abwarten DNB. London, 5. Mai. Zum Stande der Abrüstungsfrage meldet der diplomatische Mitarbeiter des„Daily Telegraph", daß der Gedanke eines neuen Garantieangebotcs Englands angesichts des ablehnenden Verhaltens so vieler Mächte gegenüber einer wirklichen RüstungSherabsetzung mehr und mehr in den Hintergrund trete. Ferner halte man es für äußerst unwahrscheinlich, daß England Schritte zur Vorlage eines neuen und umfassenden Abrüstungs- planes unternehmen werde, solange nicht die verschiedenen Mächte in Genf ihren Standpunkt dargelegt haben. Der Ab- rllstungsausschilß des englischen Kabinetts, der ständig berate, sei bestrebt, Vorsorge zu treffen, daß England auf der Voll- Versammlung in Genf mit Vorschlägen und Auffassungen aufwarten kann, die der zu erwartenden französischen Stel- lungnahme und jeder etwa dadurch geschaffenen Lage gerecht werden und die Möglichkeit ernster internationaler Rei- bringen mindestens einschränken. Die Frage, ob Sir John Simon der Ratstagung am 14, Mai beiwohnen werde, hänge u, a. auch davon ab. ob sich In Genf irgend- welche Aussichten auf erfolgreiche diplomatische Besprechungen bieten. Gangster Dillinger Auf einem englischen Dampfer DNB. London, ß. Mai. In sensationeller Aufmachung meldet„Daily Herald", baß sich der berüchtigte, seit Wochen von der amerikanischen Polizei verfolgte Gangster Dillingcr möglicherweise an Bord des britische» Dampfers„Tuchen os ?)ork" befinde, der am Sonntag in Liverpool eintrifft. Die Polizei von Chtkago hat drahtlich die Polizeien aller Häsen in Großbritannien gewarnt. Dillinger sei vermutlich mit einem Begleiter aus den Vereinigten Staaten geflüchtet und sei an Bord der„Ducheß of Norf". Hieraus sei angeordnet worden, sämtliche Fahrgäste des Schisses bei der Ankunft in England genau zu untersuchen. Eine entsprechende Weisung sei auch an die Behörden, der irischen Häfen ergangen, die von dem Dampfer angelaufen werden. m de Maifeier Die Feier des 1. Mai auf dem Tempelhofer Feld war bei weitem nicht der gleiche propagandistische Erfolg wie die des vorigen Jahres. Jedermann könnte das am Lautsprecher feststellen. Das hatte zum Teil seinen Grund wohl tn den Mangeln von Hitlers Rede, über die an anderer Stelle gesprochen wird;«um anderen Teil aber war zum mindesten auch ein Stück müder Gleichgültigkeit und sogar des Mißtrauens bei den Massen zu spüren. Ausländische Blätter, an deren Objektivität man auch in Deutschland nicht zu zweifeln wägt, haben das festgestellt. So sagt der Berliner Berichterstatter des„Manchester Guardian", daß Hitlers Rede„anscheinend viel weniger Widerhall in seiner großen Zuhörerschaft geweckt hat als gewöhnlich... Ob es an der Ermüdung der Zuhörer oder an ihrer großen Entfernung von dem Redner lag— sie blieben offenbar merkwürdig unberührt von der Rede. Es mag sein, daß der Beifall nicht bis zur Pressetribüne drang, die hinter der Rrdnerbühne lag— der Eindruck war doch, daß er»ehr schwach war." Gewiß, der„Manchester Guardian" ist immer skeptisch gegen das Dritte Reich gewesen. Man kann dasselbe aber nicht von der„Times" behaupten, die im Einklang mit der britischen Außenpolitik den Staat Hitlers mit einer gewissen gemessenen Fretmdlichkeit behandelt. An diesem 1 Mai nun hat der Berliner Berichterstatter der„Times" folgendes wahrgenommen:. „Wer sieh noch an den ersten Tag der nationalen Arbeit erinnert, der im ersten Rausch der revolutionären Begeisterung gefeiert wurde, nahm den feinen Unterschied wahr, der gegenüber der heutigen disziplinierten, aber etwas gleichgültigen Versammlung bestand. Die nationalsozialistischen Führer haben das Ohr dicht genug am Boden, um zu wissen, daß die folgsamen Massen die beständigen Demonstrationen ziemlich müde sind und wahrscheinlich die Arbeit lieber anderswo geehrt hätten, sei es auf einem Spaziergang im Walde, sei es in den Cafes— jedenfalls nicht auf dem heißen und staubigen Tempelhofer Feld. Es wäre darum keine Ueberraschung. wenn dem Fest im nächsten Jahr eine volkstümlichere Form gegeben würde... Vor der Tribüne sah man das vertraute Bild: zuerst eine starke Abteilung Reichswehr in grauer Uniform; dahinter, mit allen Anzeichen der Elitetruppe, Görings blaugrüne Staatspolizei, dann das Khaki der Arbeitsdienstler, die ihre Spaten präsentierten und dahinter wieder das Dunkelblau der Technischen Nothilfe, die ursprünglich eine Streikbrecherorganisation war. Auf der anderen Seite standen Legionen von Braunhemden, schwarz uniformierte SS. und das Fliegerkorps in blauen Mänteln. Hinter dieser Masse von Uniformen, und von der Tribüne aus nur schwach sichtbar, stand die große Menge der Berliner Arbeiter, die zu ehren der Hauptzweck der Feier war. Die letzten von ihnen waren dreiviertel Meilen entfernt. Sie können Hitler nicket gesehen haben, der für sie lediglich eine von weither durch die Lautsprecher herangetragene Stimme war. Als Hitler barhäuptig stehend auf seinem Wagen durch die Menge heranfuhr, erhielt er nur eine mäßige Ovation, wahrscheinlich, weil so wenige ihn sehen konnten... Eine der auffallendsten Stellen in Hitlers Rede, die mit mäßigem Beifall in gewissen Abständen aufgenommen wurde, war es, als er sagte, daß jüdische Internationalisten die Symbole von Hammer.und Sichel gestohlen hätten, daß aber die deutschen Nationalsozialisten sie wieder zu Ehren bringen wollten. Im übrigen war Hitlers Rede ein Vortrag über Staat und Arbeit im Nationalsozialismus und entiiielt politisch nichts. Neues... In der Stadt selbst herrschte weit mehr die Atmosphäre eines Volksfestes. Flaggen und Friihlingsgrün hatten die Straßen verwandelt, und diejenigen Berliner, die nicht nach Tempelhof marschiert waren, genossen ihren Feiertag. Die Feier der Jugend am Vormittag im Lustgarten war ebenfalls weit mehr eine Sache der Freiwilligkeit und der Begeisterung. Schulkinder beiderlei Geschlechter aus ganz Berlin marschierten dort auf. Bei dieser Demonstration fanden Herr Hitler und Dr. Göbbels alle Begeisterung, die sie sich wünschen konnten." Danach hat der Führer der patriotischen Jugend, der Rechts- abgeordnete Taittinger, am Iß. Januar 1929 5000 Fr. und am 2. Januar 1930 2000 Fr. von einem Strohmann Staviskys erhalten. Die Frau des ehemaligen Polizei- präfekten Chiappe hat einen Scheck von»00 Fr. er- halten, der, so wirb vermutet, für die Krankenkasse der Poli- zisten, einer gemeinnützigen Einrichtung, bestimmt gewesen sei. Damit würde die ganze Verteidigung des früheren Polizeipräfekten, der immer behauptete, nie für diese Kasse Gelder von Stavisky erhalten zu haben und mit Stavisky in Verbindung gewesen zu sein, zusammenbrechen. Es bleibt abzuwarten, wie sich alle diese Persönlichkeiten gegenüber diesen Anklagen stellen werben. Die Untersuchungskommission Paris, 4. Mai. Die von der Untersuchungskommission ein» gesetzte Unterkommission für die Ausarbeitung eines Ent» ivurses betreffend die Berantioortlichkeiten der Gerichts- beamten für die 19 Aufschiebungen der Prozesse Staviskys hat den ersten Paragrafen der Motion Dormo» angenom- men, in dem Pressard in Anbetracht der Stavisky ge- währten Aufschiebungen ein Tadel ausgesprochen wird. Ferner stellte die Unterkontmission einige Unterlassungen und Widersprüche in den beiden von der gerichtlichen Unter- suchungskommission nacheinander ausgearbeiteten Berichten sest und bedauert sie. Die Unterkommission macht den Bor- schlag, die beiden Berichte, sowie das Protokoll über die An^'ooen Pressards zur näheren Prüfung dem Justizminister zu übergeben. Nachdem die Untersuchungskommission mit 29 von 32 Stim- men eine Tagesordnung über die Rolle Pressards im Sta- visky-Skandal und die beiden Berichte Leseonves angenom- men hatte, beschloß sie mit 80 gegen eine Stimme und drei Enthaltungen, die Aussagen Rene R e n o u l t s an den Justizminister weiterzuleiten. Ein Antrag auf Weiterleitung der Aussagen des Abgeordneten Andre Hesse an den Justizminister wurde mit IS gegen 9 Stimmen und ß Enthaltungen abgelehnt. Deutschland und Südslawien Europäische Rückwirkungen Paris. 5. Mai. Der Abschluß des deutsch-südslawischen Handelsvertrages und die Reise einer südslawischen Ab- ordnung von Pressevertretern nach Teutschland gibt dem „Populaire" Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß sich die deutsch-südslawischen Beziehungen in letzter Zeit wesentlich gebessert hätten. Die Ursache dasttr sei die italienische Politik im Donaubecken. Südslawien habe die Befürchtung, zwischen Italien auf der einen und dem österreichisch-ungarischen Block auf der anderen Seite eingekeilt zu werden, und habe sich des- halb nach Deutschland gewandt, mit dem es keine unmittel- bare Grenze habe. Man müsse sich fragen, welches die Aus» Wirkungen einer französisch-italienischen Annäherung in Südslawien sein würden, und ob eine solche Annäherung sich auf die südslawische Außenpolitik nicht ebenso auswirken würde, wie der Abschluß des Viererpaktes auf die polnische. Der Religionshrleg Maßreglung konfessioneller Journalistik Die Staatsgewalt in Reckltnghausen hat den Diplom» Volkswirt Hubert Hunke ans Telgte i. W. in S ch u tz- hast genommen, weil er als verantwortlicher Schriftleiter des katholischen Sonntagsblattes„M a r i e n b o t e" in der Ausgabe vom Iß. April 1984 in einer Artikelreihe„Was ich sagen wollte" sich gröbste Beschimpfungen der Partei und des Reichskanzler habe zuschulden kommen lassen. Der Oberpräsident der Provinz Westfalen hat die in Siegen erscheinende deutsch-evangeltsche Wochenzeitschrift„Das Volk" aus die Dauer von vier Wochen verboten.— Für eine Woche wurde von ihm verboten das tn Olpe erscheinende„Sauerländische V o l k s b l a t t". Die SelbstsdiOsse Tod eines 16jährigen Lehrlings Paris, 5. Mai. Ein Kaufmann in Poitiers hatte seit einiger Zeit bemerkt, daß seine Lagerräume in der Nacht regelmäßig von Dieben besucht wurden. Er hatte deshalb einen Selbst- schütz anbringen lassen, der in einer hinter der Tür be- festigten großkalibrigen Pistole bestand, die mit einer besvn- deren Selbstentladevorrichtung am Eingang der Tür wer- blinden war. Als sich in der vergangenen Nacht die Diebe wieder einstellten, ertönte plötzlich ein Schuß und einer der Diebe, ein kaum liisähriger KausmannSlehrling aus sehr achtbarer Familie, brach tödlich verletzt zusammen. Eine Haussuchung im Zimmer des Getöteten förderte groge Mengen von Diebesmaterial zutage. Erbschaft von 200 Millionen RM. DNB. Neuyork, 5. Mai. Das Vermögen des im Mai 19S1 verstorbenen Amsichtsratsvorsitzenden der First National Bank, George F. Baker, beträgt, wie jetzt bei der Testa- mentsvollstreckung festgestellt wurde, 77,5 Millionen Dollar (rund 194 Millionen RM. beim gegenwärtigen Dollarkurs). Bon dieser Summe gehen über 11 Millionen Dollar für die Erbschaftssteuer ab. Außerdem bestimmte Baker drei Mil- lionen Dollar für wohltätige Zwecke, s»daß jetzt der Rest im Betrage von 63,5 Millionen Dollar unter den Sohn und zwei Töchter verteilt wird. Eine ebenfalls große Erbschaft, die sich jedoch mit vorstehen- der nicht messen kann, hinterläßt Frau Gwynne Van der- btlt. die vor zwei Wochen verstorben ist. Ihr Vermögen beträgt 6.25 Millionen Dollar Bargeld und Wertpapiere. Außerdem hatte sie noch einen großen Grundbesitz und viele Kostbarkeiten. Dies alles fällt jetzt an ihren Sohn. Gene- rat Kornelius Vanderbilt. und zwei Töchter. Aus Anordnung des Staatspräsidenten hat der m e r i k a- nische Außenminister den Vertreter Merikoa in Gens, Eastillo Najera, angewiesen, di« Note Mexikos vom Dezember 19S2, mit der Mexiko aus Gründen der Sparsam- feit seinen Austritt aus dem Völkerbünde er- flärt«. zurückzuziehen. Mexiko bleibt somit weiterhiu Mitglied des Völkerbundes. König Jbn Saud hat als Bedingung für die Ein- stellung der Feindseligkeiten in Arabien die Abdankung des JmamS von Aemen gefordert.— Emir Fei- fal, der Führer der Truppen Jbn Saud», berettet jetzt einen Angriff aus die yrmenitische Hauptstadt Sana» vor.«m den Siegeszug der Wahabiten zu vollenden. Saorabstimmnng Mitte 1933? Man braucht zehn Monate Vorbereitung Sind Beschränkungen für den Abslimmungskampf geplant? Tvcncn m-.#!«—-—... DNB. Berlin, 4. Mai. Der„Bund" in Bern setzt am Frei- tag in einer Zuschrift aus Saarbrücken seine Mitteilungen über die Beschlüsse des Juristenausschusses über die Saar- Abstimmung fort. Bekanntlich hatte das Blatt schon am 9. April Einzelheiten über diese Beratungen mitteilen kön- nen. Die Befugnisse der Abstimmungskom- M i s s i o n— so wird in dem Bericht angeblich ausgeführt— müßten von denen der Regierungskommission scharf abge- grenzt werden. Tie Abstimmungskommission dürfe nicht in Regierungsgeschäfte eingreifen. Dagegen gehöre alles, was unmittelbar mit der Abstimmung selbst zusammenhänge, in das Gebiet der Abstimmungskommission, so z. B. die Auf- stellung der Wahllisten, die Festsetzung der Wahlmethoden, die Einsetzung von Wahlkontrolleuren, die Entgegennahme von Protesten u. a. m. Ihre Sache seien auch alle Prozesse, die durch den Wahlkampf notwendig werden könnten. Da die saarländischen Richter selbst Partei seien, müßten neue, nur für die Abstimmungszeit geltende Verordnungen zur Strafprozeßordnung erlassen werden. Gleichzeitig sei es nötig, besondere Abstimmungsstrafkammern zu schaffen, die sich aus neutralen Strasrichtern zusammensetzen würden. Heber die Zusammensetzung dieser Kammern werden dann weitere Einzelheiten mitgeteilt. In dem Bericht heißt es dann angeblich weiter, daß die Vorbereitung der Volksabstimmung nach dem Urteil zustän- diger Stellen mindestens 10 Monate dauern werde. Als Maximum würden zwölf Monate gerechnet. Man müsse bedenken, baß allein die Ueberprüsung der Wahlunter- lagen, besonders die Ausstellung der Wahllisten, fünf bis acht Monate in Anspruch nehmen werde. Der Wahlakt selbst könne nicht eher vorgenommen werden, als bis der letzte Zweifel behoben sei. Die Saarbevölkerung werde sich deshalb gemeinsam mit Deutschland, Frankreich und dem Völkerbund in Geduld fügen müssen. In der Zuschrift aus Saarbrücken wird dann eineLanz« für den Präsidenten Knoxgebrochen, der in un- gerechtfertigter Weise verdächtigt werbe. Knör sei mit Recht der Meinung, daß die aus dem Saargebiet rekrutierte Poli- zei für die Ausrechterhaltung der Ruhe und Ordnung nicht genüge. Allerdings sei die Saarregierung hinsichtlich der Rekrutierung eines internationalen Polizei- und Gen- darmeriekorps geteilter Meinung. Völlig abwegig sei die deutsche Ansicht, die Ruhe und Ordnung wäre durch ein Zu- sammenarbeiten der Saarregierung, der Abstimmungskom- Mission und der politischen Parteien sicherzustellen. * Zum Schluß wird ausgeführt, daß der Abstimmungskom- Mission und dem Abstimmungsgericht besondere Aufgaben zu- ständen. Es wäre die Frage zu prüfen, ob man nicht allen nichtstimmberechtigten Personen die Beteiligung am Wahl- kämpf untersagen solle. In der Presse seien eine große An- zahl von Schriftleitern tätig, die zum erheblichen Teil erst in jüngster Zeit aus Deutschland geschickt worden seien. Allen hergereisten Agitatoren müsse das Recht abgesprochen werden, in den Wahlkampf einzugreifen. vrel Sachverständige Genf, 4. Mai. Das BölkerbundSsekretariat gibt bekannt, daß der Saar-Ausschuß des Bölkerbundsrats auf seiner Tagung in Rom vom 16. bis 26. April beschlossen hat, die Ausarbeitung von Geseycsvorschlägen für die Abstimmungs- Modalitäten und für den Wahltag Sachverständigen anzuver- trauen. Als Sachverständige sind ernannt worden: Professor Bindo Galli sJtalienf, t Vorsitzender des Appellationsgerichts von Genna? L. A. Rypels(Hollands, Mitglied des Obersten Gerichts. Hofs der Niederlande? Miß Sarah Wambaugh sBereinigte Staatens, beratend« Sachverständige der peruanischen Regierung für die Volks- abstimmnng von Tacna und Arica. Sollten die nicht abstimmungsberechtigten Personen tatsächlich von der Beteiligung am Wahlkampf ausgeschlossen werden, so wird das die„deutsche Front" bitterer treffen als die Freiheitsfront an der.Saar. In der vom Reich subventionierten gleichgeschalteten Presse wirken für den Abstimmungskampf eine ganze Reihe von Journa- listen, die erst vor ganz kurzer Zei zugewandert sind. her unbotmäßige Redakteur Der Saarbrücker Oberbürgermeister als starker Mann Der Oberbürgermeister der Stadt Saarbrücken Dr. N e i k e s, Hat an den Redakteur Georg Schulte von der „Volksstimme" ein Schreiben gerichtet, in dem er ihm den Zutritt zum Pressetisch bei Stadtverordnetenversammlungen und anderen städtischen Veranstaltungen verbietet. Er drobt serner in dem Schreiben damit, daß bei einer Zuwiderhand- lung Schulte aus dem Saale entfernt und zur strafgericht» lichen Anzeige gebracht würbe. Dieser Eingriff in die Pressefreiheit ist darauf zurückzu- führen, daß die„Volksstimme" als nichtgleichgeschaltete Zeitung des Saargebietes in der letzten Zeit wiederholt Kritik übte an dem parteiischen Verhalten des Obsrbürger- meisters. Dr. Neikes ist Mitglied der„deutschen Front" und versucht, in Uebereinstimmung mit der gleichgeschalteten Ttadtratsmehrhcit, eine Diktatur gegen alle Nichtgleichge- schalteten auszuüben. Dieses Schreiben ist ein Beweis dafür, wie stark die öffentliche Meinung durch solche und ähnliche Druckmittel von leiten der„deutschen Front" beeinflußt wird. Zelle. Da indes nur fünf Mann angetreten waren, hat der Obmann die schärfsten Matznahmen angeordnet. * Unsere NS-Betriebszelle hat dem Leiter des Reichs- Kulturamtes der„deutschen Christen" eine Zusammen- stellung seiner Unterschlagungen und Gaunereien über- mittelt, belegt mit Dokumenten. Sie fragt, ob das die Sauberkeit sei, die im neuen Staate herrscht. * In unserem Betrieb, der Kriegslieferungen hat. sind Neueinstellungen erfolgt, aber nicht über den Arbeits- nachweis, sondern auf Grund schriftlicher Einladungen einzelner Bewerber, die früher vorstellig geworden waren. Die Schweigepflicht wird durch Revers festgelegt. Zuwider- Handlungen werden mit Strafen bis zu zehn Iahren Ge- fängnis geahndet. Wir arbeiten bis zu zehn Stunden tag- lich. Lohnsatz 1,29 NM. die Stunde. * In einer der Betriebsversammlungen hatte der Zellen- Obmann erklärt:„Wir sind stolz, datz wir Pg. Engel als Treuhänder für Brandenburg haben. Es ist nicht zu leug- nen. datz er und der Treuhänder im Rheinland am erfolg- reichsten arbeiten. Beide sind also NSBO.-Kameraden." Vor wenigen Tagen fingen die Nazis an zu meckern, datz Engel als Treuhänder gegangen worden ist, mit ihm noch weitere seiner Kollegen. Die neu ernannten Treu- händer sind fast durchweg aus der Bürokratie hervor- gegangen, mit Ausnahme von zweien, die dem Ar' ei flsber- kreise angehören. Deutsche Arbclterbrlefc Berichte ans den Betneben Am 2. Mai 1933 ist mit dem Raub der Gewerkschaften der Zusammenbruch der Organisationen vollendet. Die moralische Wirkung war die ersten Monate nieder- drückend. Es gibt"keine proletarischen Organisationen mehr, aber es gibt noch Proletarier, deren Geist die Ge- walthaber nicht töten konnten. Vor allem halten die jungen Arbeiter den Zusammenhang aufrecht. Kleine und kleinste Gruppen treffen sich, sie pflegen die Verbindung mit dem Nachbarbezirk. Von der aktiven Politik sind wir ausgeschaltet, aber sozialistische Schulung wird getrieben, das hält uns wach in dieser geistigen Leere des„dritten Reiches". Die politische Diskussion ist das Aktivum der denkenden und geschulten Arbeiter. Denunzianten und Gefahren umlauern die Besten unserer Arbeiterschaft, aber die Sehnsucht, mit den Kameraden und Gesinnung?- freunden zu sprechen, ist zu grotz, als datz die drohende Ver- Haftung abschrecken kann, und schließlich hat ja das ganze Volk gelernt, im Flüsterton zu sprechen. Wir haben auch sonst manches gelernt. Es ist viel Energie in diesen kleinen Kreisen und wenn ein Diktator das ganze Volk in Zellen zerschlägt, dann könnten auch einmal die Zehntausende von Grüppchen eine Macht werden. * Bei den Resten der kommuni st ischenBeweguNg ist es auch lebendig. Aber die Moskauer Methoden haben sich nicht gebessert und nicht geändert. Mancher täpfere kommunistische Jungarbeiter wird geopfert, ohne datz er der antifaschistischen Tätigkeit hat dienen können. Es mutzte Schriftenmaterial verbreitet werden, das im alten Stil gegen die SPD. gerichtet ist und so den Nazis wirklich nicht wehe tat. Auch der Garniturenwechsel reißt bei den KP.-Organisationen nicht ab. Wer nicht bereit ist, den Moskauer Illusionen zu folgen und wer nicht nachspricht, datz die deutschen Arbeiter bereits inmitten einer neuen siegreichen proletarischen Revolution stehen, der wird ab- gesägt. Aber allmählich dämmerts auch bei den kommu- nistischen Arbeitern. 4e Wie sieht es mit der S o z i a l o e r s i ch e r u n g au», nachdem das demokratische System ausgemerzt ist, Kor- ruption, Günstlingswirtschaft, Unfähigkeit und Mißstände gehören heute der marxistischen Vergangenheit an, und doch wird der Vermögensschwund der Sozialversicherung täglich schlimmer? Was geschieht, um die Invaliden, und Knappschaftsversicherung zu sanieren: natürlich Leistung?- abbau und Beitragsabbau. In diesem Zusammenhang wird es vielleicht interessieren, wie hoch heute allgemein die Abzüge für Versicherungsbeiträge überhaupt sind Ick lege ein Normaleinkommen eines Berliner Arbeiters vor: 63 Pfennig bei 48stündiger Arbeitszeit, d. h also 39,24 Mark pro Woche, zugrunde. Die Abzüge sehen folgender- maßen aus: Invalidenversicherung 9,99 RM.. Arbeitslosen- Versicherung 1.92. Arbeitslosenhilfe 9.75, Krankenoersiche- rung 1,24, Steuer 9.69, Bürgersteuer 1.59, Ehestands- beihilfe 9,69, Arbeitsbeschaffungsprogramm 9,16, Ver- bandsbeitrag 1,19. Das wären also 7,87 RM. Gesamt- abzüge(28,8 Prozent) vom Bruttolohn, so datz der glück- liche Arbeiter im„dritten Reich" mit 22,37 RM. Wochen- lohn nach Hause gehen kann... * Bei uns(kleine Fabrikstadt) ist der T e x t i l b e t r i e b beschäftigt. Wir sind 1599 Mann Belegschaft, davon nach wie vor eine in sich geschlossene Gemeinschaft von 1399 Marxisten, mit deren gewerkschaftlicher Einstellung die Betriebsleitung rechnen mutz. Der Inhaber der Firma hat es als„Führer" für richtig befunden, den alten sozial- demokratischen Betriebsrat zu sich zu rufen und ihn zum „Vertrauensrat" aufzustellen. Er meinte, die Nazis ver- stehen von diesen Aufgaben doch zu wenig. Mit dem alten Betriebsrat hätte er sich oft genug gestritten, aber wenn dann eine kollektive Vereinbarung getroffen war, dann war sich dieser gewerkschaftlich geschulte Belegschaft»- Vertreter auch seiner Verantwortung bewußt. * Der Obmann unserer Nazi-Betriebszelle wurde entlassen, weil, wie es oerlautet, er in einer Aus- einandsrsetzung mit der Betric'-sleitung die Erhöhung der Weihnacktsgratifikation auf? bzw. 15 RM. durchgesetzt hatte. Die NS.-Zelle, die 300 Mann umfaßt, hatte an einem Sonntag den gemeinsamen Ausmarsch angeordnet. Das Erscheinen war obligatorisch für alle Mitglieder der Ernst Thälmann Viele ausländische Verteidiger Die von der Hitlerregierung angewan« n der Rechtsprechung, die Beseitigung der Rechte der freien Verteidigung und die Ersetzung objektiver Untersuchungsmethoden durch Zwang und Inquisition machen den deutschen Anti- faschisten zu einem schütz- und rechtlosen Objekt deutscher Justizwilltür. „Das internationale BesreiungSkomitee sttr Thälmann und alle eingekerkerten Antiiaschisten" ist an die ausländische Juristenschast mit der Ausforderung herangetreten, an Stelle der gleich- und ausgeschalteten deutschen Anwälte, die Ver- teihjgung deutscher angeklagter Antifaschisten zu übernehmen. Insbesondere ist im Hinblick aus den kommenden Prozeß gegen Ernst Thälmann, den Vorsitzenden der KPD., die Anwaltschaft aller Länder aufgefordert morden, sich zur Verteidigung des aller Menschen- und Bürgerrechte Beraubten bereit zu erklären. Der Ausruf hat in den Anwaltskreisen ungeheuren Widerhall gesunden. Bisher liegen dem„Jnter- nationalen Belreiungskomitee" zirka 116 Verteidigungs- erklärungen für Thälmann vor. Aus Frankreich 27, auS England 13, aus Tscheche! 8. aus Belgien 4, aus Holland 6, aus Spanien 3, aus der Schweiz 6, aus Bulgarien 32. Fast täglich gehen dem„Befreiungskomitee" zwei bis drei Bereitschaftserklärungen von Anwälten zur Uebernahme der Verteidigung Thälmanns zu. Dieser Widerhall zeigt, wie tief die Empörung der Juristen gegen die Vergewaltigung des Rechtes und die Knebelung der Rechtssreiheit in Hitlerdeutschland ist. Wie das Well- gewissen in den Prozeß gegen Dimitroff eingriff und Un- schuldigen das Leben rettete, so müssen die Verantwortung^ bewußten der Welt sich noch einmal erheben, um ein neues, von der Hitlerregierung geplantes Justizverbrechen zu ver- hindern. Vorgier und die Kommunisten Die Partei schweigt, aber seine Mutter redet Prag, 5. Mai.(Jnpreß.l Der Prager Anwalt Iwan Seka- nina, der schon wiederholt im Interesse von Gefangenen in Deutschland intervenierte, erhielt von Henriette Torgler, der Mutter Ernst Torglers, folgenden Brief:„Geehrter Herr! Ich hörte, daß im Ausland die Zeitungen viel über meinen Sohn schreiben und daß die neutralen Journalisten viel Un- sinn in die Welt setzen. Es ist alles umgekehrt richtig. Er ist weder Nationalsozialist, noch hat er seine Ueberzeugung geändert. Er ist und bleibt das, was er immer gewesen ist. Wenn Sie mit Leuten zusammentreffen, bitte sagen Sie dies ihnen. Mit Gruß gez Henriette Torgler." Ber heilige Sebastian Und seine Feinde in der SA. Die„Aachener Post" berichtet: Merkwürdige D e n k m a l s s ch ä n d e r Eilendorf, 13. April. Wir haben am vergangenen Dienstag berichtet, daß die Figur des hl. Sebastianus am Krieger- denkmal der Gemeinde erheblich beschädigt wurde. Heute müssen wir leider feststellen, daß die aus Stein gehauene Figur in der gestrigen Nacht völlig zerstört worden ist. Es wäre wünschenswert, wenn es der Polizei gelingen würde, den oder die Täter zu ermitteln. Dieselbe Zeitung vom 16. April: Eilendorf, 19. April. Wir haben im Laufe von einer Woche zweimal berichtet, daß man die Figur des hl. Sebastian am hiesigen Kriegerdenkmal mehr oder weniger demoliert hatte. Erfreulicherweise ist es ber Polizei sehr schnell gelungen, die Täter zu ermitteln. Nachdem die Figur im Laufe der vorigen Woche wieder hergestellt worden ist. hat man in ber gestrigen Nacht das Denkmal mit einer Flüssigkeit schwarz an- gestrichen. Hoffentlich gelingt es auch in diesem Falle der Polizei, die Täter zu ermitteln.— Der Sachverhalt ist der, baß zwei SA.-Leute die Figur demoliert haben. Der eine davon ist 19 Jahre alt und heißt Simon Sturm. Er ist der Sohn eines Metzgers und Nestau- rateurs aus Eilendorf. Die Pressemeldung ist sehr vorsichtig abgefaßt, denn geschehen ist diesen Burschen nichts. Bemerkens- ist noch, daß vor einiger Zeit derselben Figur schon einmal die Hände abgehauen wurden. Wo hie b die..Korrn»»^"? Gewerkschaftsangestellte freigesprochen Die in Nürnberg wohnenden Mitglieder des früheren Zentralvorstandes deS Schuhmacherverbandes wurden an» geklagt, sie hätten sich irgendwelche Unredlichkeiten zu- schulden kommen lassen. Ein Hilfsarbeiter deS Zentralbüros namens Feulner war der Denunziant. Kein Rechtsanwalt hatte den Mut zur Verteidigung. Trotzdem ist der Freispruch eriolgt. u»i•• schärfster Zurechtweisung des Denunzia-ucn durch den R..'.er. Tis sst nun der erst' s n£\m nach so zahlte chen 3 xt h-izunge« der früher n Oewertschans» angestellten eine gerichtliche Entscheidung getroffen wurde, und diese muß auf Freisprechung lauten „Deutsche Freiheit", Nr. 101 ASSE17 UHD WIRTSCHAF? Zur Transferfrage Englisches IwangsceSaring? „Financial Newa" macht ausführliche Angaben über die angeblichen Absichten der englischen Regierung für den als wahrscheinlich bezeichneten Fall, daß die Berliner Transferverhandltingen zu keinem befriedigenden Ergebnis führen sollten. Das Blatt behauptet, daß bereits ein fertiger Gesetzentwurf vorliege, der die Regierung zur Einführ ungeiuesCIe a- rings gegen Deutschland bevollmächtigte. Das Schatzamt, das Board of Trade und in gewissem Umfang auch das Außenministerium hätten schon seit geraumer Zeit sich mit den im Interesse der Gläubiger zu ergreifenden Maßnahmen befaßt. „Financial News" räumt ein, daß man in hiesigen Batikkreisen dem Gedanken des Clearings nicht sympathisch gegenüberstehe. Möglicherweise handelt es sich jedoch um eine» Versuchsballon, wenn sie darauf hinweist, daß eine Aenderung des Scripsverfahrens eine Lösung herbeiführen könnte. Wenn nämlich, meint sie, die Gläubiger die Scrips nicht der Golddiskoutbank, sondern den britischen Importeuren deutscher Güter verkaufen könnten, die sie als Zahlungsmittel benutzen dürfen, so würde sich eine bessere Verwertungsmöglichkeit ergeben. Voraussetzung sei jedoch, daß diese Verwendung in keiner Weise eingeschränkt würde. Da„Financial News" eine derartige Lösung offenbar nicht für wahrscheinlich hält, kommt sie zu dem Ergebnis, daß das Clearing kaum vermeidbar sei. Sie behauptet, daß sich zwar Dr. Schacht diesem Gedanken scharf widersetze, daß jedoch gewisse Mitglieder der deutschen Regierung sich einer soleben Regelung gegenüber nicht so unbedingt ablehnend verhielten. Die englische Regierung würde nach ihr jedenfalls, falls das Clearing nicht im gegenseitigen Einverständnis eingerichtet werden könnte, notfalls auch vor einer einseitigen Einführung nicht zurückschrecken.— In der City hält man es nicht für unwahrscheinlich, daß sich die Regierung mit der.Frage des Clearings und den damit zusammenhängenden technischen Notwendigkeiten vorbereitend befaßt hat. Man ist jedoch zumeist nicht der Ansicht, daß eine derartige Maßnahme wirklich so unvermeidbar sei, wie es die Ausführungen der„Financial News" vermuten lassen.' „rast atisstiiließlidt Oilentihhe Beaten" Zum 1. Mai veröffentlichen die Deutsche Bau- und Bodenbank und die Deutsche Gesellschaft für öffentliche Arbeiten einen umfangreichen Bericht über die Entwicklung der deutschen Bauwirtschaft und die Arbeitsbeschaffung im Jahr 1933. Dabei wird insbesondere das Baujahr 1933 einer Betrachtung unterzogen. Für das Baugewerbe insgesamt ist der Beschäftigungsgrad von seinem Tiefstand im Februar 1932— 12,1 Prozent der Arbeitsplatzkapazität— auf 37,6 Prozent im Oktober 1933, also auf das Dreifache gestiegen. Der dann eingetretene Rückschlag auf 26,9 Prozent im Dezember war durch die Witterung bedingt. Im März 1934 sind die Oktoberzahlen bereits beträchtlich überschritten worden. Insgesamt ist also der Rückgang in der Beschäftigung und in der Produktion während der Wintermonate nur verhältnismäßig schwach und nur von kurzer Dauer gewesen. Im Durchschnitt der drei Wintermonate Dezember bis Februar waren im Baugewerbe über 400 000 Arbeiter und in der Baustoffindustrie etwa 80 000 Arbeiter mehr b e• a c h ä f t i g t als im Winter vorher. Die Zahl der Beschäftigten im Baugewerbe war schon Anfang März d. J. höher, als gleichen Zeitpunkt in den Hochkonjunkturjahren zum 1928-29 Das Jahr 1934 ist mit einem Bestand von etiva 7 0 0 0 0 unvollendeten Wohnungen begonnen worden gegen rund 54 000 im Jahre zuvor. Die Zunahme der Beschäftigung entfällt vor allem auf den Tiefbau. Während 1932 der Anteil der Bauprodukt i o n in der industriellen Erzeugung auf nur 6 Prozent gesunken gewesen ist, könne für 1933 der Anteil wieder auf fast 8 Prozent berechnet werden. Insgesamt werde der Bruttowert der baugewerblichen Produktion für 1933 auf 3.1 Milliarden geschaßt gegen nur 2J2 Milliarden in 1932. Die kräftige Steigerung entfalle fast ausschließlich auf den öffentlichen Bau, der auch die durch die Arbeitsheschaffungsprogramme geförderten Tiefbauarbeiten umfasse. Die Produktion werde hier auf 1,7 Milliarden geschätzt gegen 0,9 Milliarden im Vorjahr. Dagegen war der Werl des gewerblichen Baus mit rund 600 Millionen nur ebenso hoch, der des Wohnungsbaus mit rund 800 Millionen um 100 Millionen höher als im Vorjahr. In der Entwicklung der Wohngehäude springt namentlich die Zunahme der Bauvollendungen ins Auge, die gegenüber dem Vorjahr 40 Prozent betragen und fast die Zahlen für 1931 erreicht haben. Wenn... (Inpreß.) Auf einer Arbeitstagung des Bezirks Nordmark der Deutschen Arbeitsfront, die in Hamburgs vornehmstem Hotel, Atlantic, stattfand, erklärte der Treuhänder der Arbeit, Dr. VöItzer:„Wenn es uns nicht gelingt, zu erreichen, daß unser deutscher Außenhandel, dessen Ausfallstor Hamburg ist, wieder belebt wird, dann wird es uns auch nicht gelingen, die Massen der Arbeiterschaft in Groß-Hamburg in Arbeit und D.ot zu bringen." MORATORIUM? S-Ti*> SSUNK,. i'-fefe-MrÖ V» Lkl2»!s*-»kl# kk.'WIk ReMamegesdtrei and Tatsachen Die„Neue Züricher Zeitung" schreibt: Im Hinblick auf die großen Summen, die im Zusammenhang mit den Reichsautobahnen immer wieder in der Presse genannt werden, verdient eine authentische Mitteilung Beachtung. der zufolge bis zum 21. März 1934 erst etwa 5 Millionen R m. für diese Zwecke ausgezahlt worden sind. Die bis zu diesem Termin vergebenen Arbeiten belaufen sich auf nur 56 Millionen Rm. Insgesamt sind bisher rund 1500 km zum Bau freigegeben, d. h. für diese Strecken kann au die Vergebung der Aufträge gegangen werden; man hofft, die Dammkörper für diese Linien bis zum Beginn des nächsten Winters fertigstellen zu können. Neben den bisher aufgewandten Beträgen erscheinen die Pläne außerordentlich groß. Insgesamt soll im Laufe von etwa sechs Jahren zunächst ein Netz von rund 6000—-7000 km angelegt werden, wofür unter Zugrundelegung des wohl zu niedrigen Kostenbetrages von 300 000 Rm. pro km insgesamt etwa 2.1 Milliarden Rm. erforderlich wären. Für das Jahr 1934 ist die Ausführung von Arbeiten im Betrage von etwa 400 Millionen Rm. in Aussicht genommen. Diese Mittel dürften wieder auf d^n üblichen Wege der Wechselfinaniie- r u n g aufgebracht werden, wozu offenbar die kürzlich mit 10 Millionen Rm. Stammkapital gegründete Reichsautobahnen-Bedarf GmbH., Berlin, Hilfsstellung leisten soll Liberalismus „Freie« Spiel der Kräfte" Der Reichsstatthalter von Thüringen, Sauekel, veröffentlicht im„Führer für Industrie und Handel", dem Organ des Verbandes der Mitteldeutschen Industrie und der thüringischen Industrie und Handelskammern einen Aufruf, in dem ea u. a. heißt:„Als berufene Führer des Staates und der freien Wirtschaft wollen wir uns gegenseitig das Versprechen geben, daß wir uns im Verlaufe der Arbeiteschlacht durch nichts, aber auch durch gar nichts aus der Fassung bringen lassen wollen. Lind wenn wir zehnmal zur iidegehen müssen, dann werden wir eben zum elften Male, zum zwanzigsten Male immer wilder zum Angriff vorgehen, wir werden niemals verzagen!" Es müsse ein jeder an dieser Arbeitsschlacht sein Bestes und sein letztes einsetzen. Das freie Spiel der wirtschaftlichen Kräfte innerhalb unseres Volkes müsse und werde immer möglich sein. Und es sei auch der Wille des Führers, und dieser Wille sei für uns alle verpflichtend: Die Wirtschaft solle frei sein. Die noch vorhandenen Reserven des deutschen Volkes seien zum größten Teil ideeller Art. Die Wirtschafter mußten aber an diese Reserven glauben. Das scheinen sehr wenig bilanzfähige Reserven zu sein. Inseratenverbol fiür acht Tage Der Werberat der deutschen Wirtschaft, der von Berlin aus im Namen des Reiches das Reklamewesen in ganz Deutschland beaufsichtigt, hat eine einschneidende Strafmaßnahme gegen eine katholische Zeitung getroffen, die sich eine übertriebene Angabe der Auflageziffer zuschulden kommen ließ. Dem„N e u e n Tag" in Köln, der bisher stets mit einem umfangreichen Anzeigenteil erschien, wird für die Dauer von acht Tagen die Aufnahme von Inseraten verboten. Bekanntlich müssen die deutschen Zeitungen in jeder Nummer die durchschnittliche Auflagehöhe des Vormonats angehen. Im Werberat der deutschen Wirtschaft, der über die Durchführung dieser Vorschrift wacht, sind das Propagandaministerium und acht weitere Rei n hsministericn vertreten. An den Pranger In den Dessauer Zeitungen veröffentlichen Oberbürgermeister Sander und Kreisleiter Sommer eine öffentliche Anprangerung Nr. 1, in der es heißt: Das unsoziale Verhalten des Kaufmannes und Hausbesitzers Julius Wahrendorf zwingt uns, seinen Namen hiermit öffentlich bekannt zu geben, weil er trotz aller Vorstellungen von unserer Seite für einen Laden eine an Wucher grenzende Miete und die Aufhebung des Vertrages verlangte, weil der Mieter diese Miete nicht aufbringen kann. * Unter der Ueberschrift:„An den Pranger! Saboteur der Wirtschaft!" wird folgende Mitteilung des Kontrollamts für Arbeitsbeschaffung in Frankfurt durch das Gaupresseamt bekannt gegeben:„Der Volksgenosse Ignaz Berger, Frankfurt a. M., Große Friedbergerstraße 17, läßt durch Fürsorgeempfänger Schwarzarbeiten ausführen. Hierdurch schädigt er den Aufbau des uc.icn"taat^s jnd hat sich damit selbst gekennzeichnet." Sowletfingwesen vis a- Sdiadit Pfennig! Es rdJäi « k"nnen nir.! Qoetfie und das 2takwkceuie schon... .... von welcher KönigSkrone man nie gesprochen hätte, wenn sie nicht falsch gewesen wäre? Bon ber„Tiara des Saitaphernes"(der berühmten Fälschung einer antiken per- fischen Königskrone). .... warum„Hosimanns Erzählungen" von Osienbach jahrzehntelang als Unglücksstück galten? Der Brand deS Wiener Ringtheaters s1881) war während einer Ausführung dieser Oper ausgebrochen. .... welcher Direktor deS Wiener Burgtheaters wie ein deutscher Dichter hieß? Albert Heine. smßes Denkmal Liebe Ksjuscha! So wie Du heute bist, von einer solche» Frau habe ich nicht zu träumen gewagt. Die Konditoren aller Länder wetteisern in der Gestaltung von Zuckerguß. Kein Denkmal ist ihnen zu gewaltig, sie for- men es aus Marzipan, Kuchenteig und Schokolade. Ein so süßes Denkmal aber, wie es die Stadt Astorga in Nord- spanien besitzt, hat noch kein Zuckerbäcker hergestellt. Da steht auf dem Marktplatz ein gewaltige» Denkmal des National- Helden Don Carlos, und als man dieser Tage das Denkmal reinigen wollte, flogen wütende Bienen den Arbeitern, wo BerdiS Oper„Aida" zum ersten Male gespielt wurde? In Kairo: Weihnachten 1872, zur Einweihungsfeier deS Suezkanals. .... welche Kopfbedeckungen als gefährliche Symbole des Aufruhrs gelten? Die rote Jakobinermütze(zuerst trugen sie die in Marseille befreiten Galerensträflinge): der Kala- breser(revolutionäres Abzeichen der 1848er-Jahre) und auch der Zylinder, der die Unabhängigkeit von England anstreben- de» Nordamerikaner(von Lafaqette nach seiner Rückkehr aus Amerika t« Europa eingeführt). Die neue Sdiredrcnswelle Verzweifelte Maßnahmen gegen die Kritische Volhssflmmnng Unsere Vorhersage, daß hie„Propagandaschlacht" gegen die Miesmacher und Kritikaster eine neue Terrorwelle gegen die sogenannten„Ttaatsfewde" einleiten werde^ wird schon durch hie erste Meldung von dem neuen Tchlachtfelbe be- stätigt. Hannover ist. zuerst vorgestoßen. Tort hat der Gau- lciter Schmalz den Kamp° gegen„Wühlmäuse unh Reaktion" eröffnet,(kr stieß wilde Drohungen gegen alle Unzu- friedenen aus. Die Partei werbe gegen diejenigen, die es wagten, gegen den Nationalsozialismus vorzugehen, aufdas brutal st e ankämpfen. Dieser Kampf sei ein rückhaltloses erneutes Bekenntnis zum Staat, aber auch eine deutliche War- »ung an solche,, die die Partei vergäßen. Denen müsse gesagt werden, daß die politische Organisation das Kon- t r o l l o r g a n für alle Maßnahmen im neuen Staat sei und daß die verantwortlichen Stellen gegen jede Aeußerirng, die irgendeinen Führer der Bewegung verletze oder, angreife, ebenso aber auch gegen jeden Witz'Stellung nehmen würden', dem die Absicht innewohne, die Bewegung zu schädigen. TA., SS. und Hitler- Jugend seien die Garant.se dafür, daß die Partei sich täglich über die Stimmung im Volke selbst orientieren könne. Dazu brauche man. nicht eine Adelsgcnossenschast oder einen Kegel- klub. Die Propagandawelle wurde am gleichen Abend, an- schließend an die Parole-Ausgabe, an ungefähr zwanzig Stellen der Stadt begonnen. Es wurden Redner für e Ii, z e l.p e Gaststätten bestimmt, die dort nach Bor- ltgnng eines besonderen Ausweises etwa'f ü n s Minuten lang zu den Gästen zu sprechen hatten. Die Aktion soll in den nächsten Tagen in gleicher Weise fortgesetzt werden. Sthreckensurteile Zuchthaus für Illegale Breslau, 5. Mai. sJnpreß.) Das Breslaucr Oberlandes- gcricht verhandelte gegen 1? Arbeiter aus Neusalz a. d. Oder, die der„Vorbereitung zum Hochverrat" beschuldigt waren. Das Gericht ging über hie Anträge des Staatsanwalts zum Teil noch hinaus und verurteilte die Arbeiter Karl Römer, Fritz Radeitschek und Richard Metze zu je 8 Jahren Zucht- haus,' den Angeklagten Willi Jentsch zu 2'/» Jahren Zuchthaus und die Angeklagten Hermann Scholz und Otto Richter zu sc einem Jahr Gefängnis. Sechs Angeklagte wurden frei- gesprochen. Das Versahren gegen die Kommunistin Eisen- Hardt wurde aus Verlangen des Oberreichsanwalts ab- getrennt und soll vor dem Reichsgericht verhandelt werden. Zweierlei Witze Ueber die führenden Nazibonzen Braunschweig, 8. Mai. z. In einer Verhandlung, vor der Dicnststrafkammer- für i-jsichterliche Beamte kam die Frage politischer Witze zur Er- orterung. Ein Richter hatte sich wegen Dienstvergehens zu verantworten, weil er einem Justizangestellten politische Witze über führende Persönlichkeiten erzählt hatte. Ter Richter erklärte zu seiner Verteidigung, eine Verächtlich- machung führender Persönlichkeiten habe er nicht beabsichtigt. Ter G e n e r a l st a a t s a n w a l t stellte fest, daß es zweier- lei Witze über führende Persönlichkeiten gebe. Die einen unterstrichen die Verdienste dieser Männer, die anderen be- zweckten das Gegenteil. Die m diesem Falle erzählten Witze gehörten der zweiten Klasse an und entstammten einer niederträchtigen Gesinnung. Er beantrage daher, den Ange- klagten wegen Dienstvergehens zur D i e n st e n t l a s s u n g zu verurteilen. Das Gericht sah den Fall milder an und erkannte nur aus einen Verweis. freisprudi Es gibt noch Richter in Deutschland In der„Deutschen Freiheit" ist berichtet worden, wie die Bürgen eines Volkshausdarlehenö aus der Zeit vor dem Diebstahl des Vermögens jetzt nach dem Raubzug aufzcror- dert ro rirn, tili die übernommenen Bürgschaften zu ahlen Ein solcher Fall wurde am A m t s g e r i ch t P i r m a s e n s kürzlich behandelt und entschieden. Der dortige Leiter der Arbeitsfront hatte eine ganze Anzahl Arbeiter von Lemberg bei Pirmasens aufgefordert, den auf sie entfallenden Anteil einer Tarlehensschuld des aufgelösten Bolkshausvereins e. V. zu zahlen. Diese Arbeiter hatten beim Erwerb des Hauses zur Erlangung eines Darlehens vom Schuhmacher- verband solidarisch die selbstschuldnerische Bürgschaft über- nommen. Das war für sie kein Risiko, denn der Betrieb im Volkshaus rentierte sich: zugleich waren sie aber auch selbst Mitglieder des Schuhmacherverbandes und konnten im Fall einer Stockung persönlich für entsprechende Rücksichtnahme eintreten. Ein Vorgehen gegen sie, aus Grund der geleisteten Bürgschaft, kam nach den vorliegenden Umständen für sie gar nicht in Frage. Als aber am 8. März voriges Jahr Herr von E p p Reichs- statthalter von Bayern wurde und am Ist. die große Aktion der Verhaftungen und Auflösungen begann, wurde auch das Lemberger Volkshaus besetzt und der Betrieb auf Verlangen der dortigen Naziwirte geschlossen, der Verein zum Betrieb dieses Hauses und sämtliche in corpore angeschlossenen Arbeitervereine wurden verboten. Am 2. Mai wurde dann auch das Gewerkschaftsvermögcn gestohlen und bei dieser Gelegenheit wurde das erwähnte Darlehen gefunden. Man forderte also die Bestohlenen aus, unter Hinweis auf die übernommene Bürgschaft das Darlehen zurückzuzahlen. Die um ihr Eigentum beraubten Arbeiter erklärten, daß die Voraussetzungen, unter denen sie die Bürgschaft über- nommen haben, nicht mehr bestehen. Der Verein sei auf- gelöst, das Geschält geschlossen und auch der Verband als Darlehnsgeber habe sich in seiner Einstellung völlig ge- ändert. Früher hätten die Mitglieder Selbstbestimmungs- recht gehabt. Dieser Umstand erleichterte die Uebernahme einer Bürgschaft, weil die Möglichkeit bestand, bei Schwierig- keit selbst mitzustimmen für Erlaß oder Stundung. Jetzt hätten die Bürgen keinerlei Möglichkeit mehr, an einer Rentabilität des Unternehmens oder an einer Verbesserung der Darlehensbcdingungen beim Verband mitzuwirken. Das Amtsgericht schloß sich dieser Begründung an und kam zur Abweisung der angestrengten Klage, trotzdem kein Rechtsanwalt gewagt hatte, diese Arbeiter»u vertreten. Rcgieriingsvizepräsidcnt Guske Das Reidisgerldit hebt ein redüswidriges Urteil anl... Am 24. November 1988 wurde vom Landgericht Halle der frühere sozialdemokratische Bizepräsident beim Obcrpräsidinm in Koblenz, Dr. Wil« Helm Guske, wegen gewinnsüchtiger Untreue in drei Fällen und einfacher Untreue und schwerer Bestechung in je einem Fall zu drei Jahren Zuchthans und fünf Jahren Ehrenrechtsvcrlust verurteilt. Gegen das Urteil hatte Guske beim Reichsgericht Revision eingelegt. Der Revision» die am Freitag vor dem 6. Strafsenat verhandelt wurde, war voller Erfolg beschieden. Der Spruch der Strafkammer hielt der rechtlichen Nachprüfung nicht stand; er wurde vom Senat selbst zum Teil durchgreifend be- richtigt, zum Teil ausgehoben, so daß die Sache insoweit von der Borinstanz noch einmal entschieden werden muß. Die Handlungen, die zur Verurteilung Guskes geführt hatten, fallen noch in die Zeit seiner Tätigkeit als Landrat des Kreises Merseburg. Zunächst war dem An- geklagten zur Last gelegt worden, daß er ein 1028 errichtetes Ionderkonto, da's aus den Erträgnissen bei der Tichcrstellung der Brotvcrsorgung in der Inflationszeit gespeist worden war, den Organen des KreiseS verheimlicht und aus diesem sogenannten Mühlenwechselfonds u. a. für sich Darlebn ent- nommen habe. Weiter sollte Guske dann beim Kreishaus- neubau eigenmächtige Anordnungen zur Ausgestaltung des Dicnstgebäudes getroffen und dadurch zum Nachteil des Kreises über dessen Gelder verfügt haben. Die übrigen dem damaligen Landrat vorgeworfenen Fälle gruppieren sich um die Errichtung der für die Arbeiter des Leuna- werkes bestimmten Siedlung Dttrrenberg. Nach dem Urteil des Landgerichts sollte Guske den Kreis dadurch geschädigt haben, daß er die Bausirma, die Allgemeine Häuserbau A.-G. lAhagi. ohne dafür Genehmigung einzuholen, aus der VerSfraOburger Wochenbericht Wilhelm Hansmann gestorben Am 27. April starb im Städtisdien Krankenhaus kurz vor der Vollendung seines 54. Lebensjahres der Gewerkschaften angestellte Wilhelm Hanemann aus Gießen. Hansmann, seit mehr als dreißig Jahren gewerkschaftlich und politisch organisiert, verließ seine Heimat Gießen, wo er am 16. Mai 1880 gehören wurde, um den dauernden Verfolgungen und Schikanen der nationalsozialistischen Lokalgrößen zu entgehen. Trotz ständiger Bemühungen konnte er— völlig u.i:tellos— keine Arbeit hier finden. Er lebte von der Fürsorge, mit der ihn hier wohnhafte Verwandte, die aber selbst nicht mit irdischen Glücksgütern gesegnet sind, bedachten. Die seelischen Qualen, die ein völlig Ungewisses Schicksal dem Manne bereitete, der ein Leben lang gewohnt war, kämpferische Arbeit im Dienste des Proletariats zu leisten, verschlimmerten das körperliche Leiden Wilhelm Hansmanns. In einer schlichten Trauerfeier, die viele Freunde in der Emigration vereinte, erstand noch einmal das Kämpferschick,»l dieses von einer glühenden Liehe mm Sozialismus erfüllten Mannes, der sich im Dienste der Vrbeiterklasse aufopferte, vor unserem geistigen Auge. Ehre dem Andenken eines Kämpfers! Maifeiertag in Straßburg In zwei imposanten Kundgebungen feierte am Dienstag die St-ißburger Arbeiterschaft den l. Mai. Die Kommunisten beider Richtungen versammelten sich unter der Führung der CGTC. m Alten Bahnhof, die S o z i a 1 i s t e n unter Führung der CGT.-a der Halle am Fischmarkt. Beide Kundgebungen waren außerordentlich gut besucht und endeten mit Demonstrationszügen. Die Polizei„tand in erhöhter Alarmbereitschaft, brauchte aber nirgends einzuschreiten. Am Nachmittag fanden in verschiedenen Sälen der Stadt Feste statt, die der Verherrlichung des Maigedankens gewidmet waren. Die Straßenbahner hatten am 1. Mai vormittarc die Arbeit eingestellt, das Personal der Tahakmanufaktur und der Stadtverwaltung nahm geschlossen an den Maifeiern teil. Elsässische Arbeiterdelegation in Berlin Vor einigen Tagen weilte eine Delegation elsässischer Arbeiter im Auftrag des„Befreiungskomitees für Ernst T h ä I m a n n" in Berlin, um sich an Ort und Stelle nach dem Ergehen des kommunistischen Führers zu erkundigen, der nun schon über ein Jahr vom„dritten Reich" in Gefangenschaft gehalten wird. Die Delegation konnte allerdings nicht viel ausrichten. Man schickte sie von Pontius zu Pilatus und verweigerte ihr endlich eine Unterredung mit Thälmann. In der kommunistischen Presse schildern die Teilnehmer der Fahrt ihre Eindrücke vom„dritten Reich". Großbrand bei einer Speditionsgesellschaft In der Nacht zum Montag brannten die Magazine der Speditionsgesellschaft Gondrad Freres in der Saarhurger Straße völlig nieder. Filter den vernichteten Gegenständen befinden sich auch Möbel, darunter solche deutscher Emigranten. Der°chaden wird auf 5 Millionen Franken aiigegeben. Die Branden sackte konnte noch nicht ermittelt werden. Französische Abendkurse Für die verschiedenen Kurse zur Erlernung der französischen Sprache werden noch Einschreibungen entgegengenommen. Schüler, die tagsüber keine Zeit haben, sich in der Brandgasse 17 einschreiben zu lassen, können jeden Montag von acht bis neun Uhr in der Schoepflinschule ihre Anmeldung vornehmen. Die Einschreibegebühr beträgt 4,50 Fr. für die Monate Mai, Juni, Juli. pflichtung zur Beschaffung einer 4-Mtlttonen-HHpotHek ent- lassen und dem Architekten Pros. G r o p t u s eine zu hohe Abfindung gezahlt habe. Außerdem habe er sich bei der Aus- schreibung der Arbeiten Pslichtwidrigkeiten zuschulden kom- men lassen. Zu der Aufhebung des Vertrags und zu den Pflichtwidrigketten habe sich Guske bereitgefunden, um dem Direktor der Ahag, Sommerfeld, gefällig zu sein, weil er von diesem sortlaufend Bestechungsgelder erhalten habe. Von der Revision wurde da? Urteil in allen Punkten an- gefochten, und zwar mit der Begründung, daß e s a u s n i ch t irrtumsfreien und unzureichenden Fe st- st e l l u n g e n beruhe. Es sei im Urteil auch nirgends angegeben, worauf sich die Feststel- l u u g e n denn stützt e n. Vom Landgericht seien der Ver- tetzdigung weiter wichtige Beweise unmöglich gemacht worden, so dadurch, daß kein Versuch unternommen worden sei, zur Aufklärung des besonders schwerwiegenden Vorwurfs der Bestechung den Direktor Sommerfeld und den Mit- Inhaber des Bankhauses Simon in Berlin, über das Be- stechungsgelder geführt worden sein sollen, als Zeugen herbeizuziehen, auch wenn beide jetzt im Ausland lebten. Auch der jederzeit erreichbare Prof. Gropius sei n i ch t ver- nommen morden. Bei dem Vorwurf bezüglich des Mühlen- wechselsonds müsse übrigens Verjährung Platz greisen, eine Ansicht, die auch der Vertreter der Reichsanwaltschaft teilte, der jedoch sonst das Urteil als bedenkenirei bezeichnete und deshalb in der Hauptsache die Abweisung der.Revision beantragte.- Der Senat kam im ersten Punkt des Urteils wegen Ver- jährung zur Einstellung des Verfahrens. Im Falle des Kreishansneubaus wurde Guske vom Reichsgericht freigesprochen, da zu einer Verurteilung die gesetz- lichen Vorschriften nicht ausreichend seien. In allen übrigen Fällen wurde das Urteil ausgehoben, weil die in ihm enthaltenen Feststellungen unzulänglich und teil- weise irrtümlich seien. »er Ungehorsame Weimar, 4. Mai. Der frühere sozialdemokratische thürin- gische LandtagSabgeorbnete und ehemalige Ministerialdirek« tor Dr. Hermann Brill ist jetzt von der Dienststraf- fammer wegen vorsätzlicher Gehorsamsverweigerung gegen- über der Landesregierung zum Verlust von Amtsbezeichnung, Ruhegehalt und Hinterbliebenenversorguung verurteilt worden. Dr. Brill, der damals Wartestaudsbeamier war, hat sich seiner Zeit ausdrücklich geweigert, dem von der Landesregierung am 18. März 1083 erlassenen Verbot der Zugehörigkeit von Beamten und Angestellten zur Sozial- demokratischen Partei und ihren Nebenorganisattonen durch Austritt aus der SPD. Folge zu leisten. vle zerrissene Chris'nslohne Schon wieder eine katholische Zeitung verboten Dortmund, 4. Mai. Der Oberpräsident der Provinz Westfalen hat das Er- scheinen des„Sauerlän bischen Volksblattes" vom 3. bis 9. Mai verboten. Anlaß zu dem Verbot gab ein Bericht, den die Zeitung über eine Kundgebung der katho- tischen Jugendverbände in Hagen veröffentlicht hatte. Dieses katholische Blatt hatte in diesem Bericht mitgeteilt, aus der Kundgebung sei von der Hitlerjugend eine EhrtstuS fahne zerrissen worden, provozierende Zwischenrufe hätten die Redner unterbrochen, ein Mädchen habe einen Nervenschock erlitten usw. Der Bericht des „Sauerländischen Volksblattes" war der„Westdeutschen Volkszeitung" in Hagen entnommen worden, die auf Antrag der Staatspolizeistelle wegen dieser Berichterstattung bereits am 26. April verboten worden war. Papst Pius XI. hat an den Bundespräsidenten M i k l a s ein Telegramm gerichtet, in dem es heißt, daß „der Allmächtige das edle österreichische Volk, das nunmehr mit dem apostolischen Stuhl anss engste verbunden ist, mit seinem Segen und mit allgemeinem Wohlstand beglücken möge". Nach einer Meldung der Polnischen Telegraphenagentur aus Lille soll Mitte Mai ein neuer Transport polnischer Bergarbeiter Frankreich verlassen und nach Polen zurück- kehren. Es handelt sich diesmal um über tll(M) Personen ein» schließlich der Familienangehörigen. Unter den polnischen Arbeitern macht sich, wie eS in der Meldung heißt, eine starke Unruhe bemerkbar. Das Strafgericht in Brest-Litowsk fällte im Prozeß gegen 27 Kommunisten das Urteil. 26 Angeklagte wurden wegen kommunistischer Werbetätigkeit zu insgesamt 47 Jahren Ge- sängnis verurteilt. Die beiden Hauptangeklagten erhielten je sechs Jahre Gefängnis. Sieben Angeklagt« wurden frei» gesprochen. Brand durch Blitzschlag Im Verlaufe eines am Mittwoch über Straßhurg niedergegangenen schweren Gewitters srhlrig der Blitz in ein Gebäude der rue du General Duerot ein. Der Dachsttihl stand heim Eintreffen der Feuerwehr bereits in hellen Flammen. Das Feuer konnte bald gelöscht werden. Die Sängerknaben im Münster Die Wiener Sängerknaben, die erst vor wenigen Wochen hier zwei große Konzerte bestritten, waren am Montag im Münster eingekehrt, wo sie im Verein mit dem Münsterchor ein großes geistliches Konzert gaben. Unter den geistlichen Gesängen, die sie abwechselnd mit dem Münsterchor zum Vortrag brachten, gefiel vor allem die Schubertsche Messe, die so recht diesem besonderen Milieu angepaßt war. Da* Konzert hinterließ einen nachhaltigen Eindruck. Gesamtaufführung der Beethovenquartette Das große Kammermusikfestspiel, das die Gesamtaufführung der Beethovrncjuartette durch das weltberühmte Bus ch- Quartett von Basel bringt, begann am Donnerstagabend iin Konservatorium mit der Wiedergahe der grollen Enge op. 123, des G Dur Quartetts op. 18 Nr. 2 und des E-Moll- Quartetts op. 59 Nr. 2. Die vier virtuosen Musiker fanden ein andächtig lauschendes Publikum, das ihrer erlesenen Kunst begeistert Beifall zollte. Dem Ende der Theatersaison entgegen Die Operntruppe und die Operettentruppe verabschieden sich von ihrem Straßburger Publikum für die jetzt zu Ende gehende Saison am Samstag und Sonntag. Das deutsche Sxhau- spielensemble versetzt« mit der Straßburger Erstaufführung von Harlans„Die törichte Jungfrau" in die Jugendzeit de« Straßburger Münsters. E. D. Pariser veiMle Pariser Straßcnkalcnder Bei dem von Pulcherrimus gewonnenen Hundertjahrpreis in Longchamps waren neben dem Justizminister Cheron und den beiden Pariser Präfekten u. a. die Botschafter der Vereinigten Staaten, von Belgien und Brasilien und der Gesandte von Kanada anwesend. Der neue Zoologische Garten in Vincennes soll bereits am Sonntag, den 3. Juni, eröffnet werden. Gegen den Gangster Baron de Lussats wurde eine Anklage wegen Ueberfahrens eines Straßenfegers in Nice, der von dem Auto schwer verletzt wurde, erhoben. Maurice Martin du Gard, der Leiter der„Nouvelles Litteraires", der für seine„Voyage de Madagascar" den Kolonialpreis der Literatur erhielt, bereitet Gedichtbände und, wie er bei einem Interview erklärte, Arbeit an einer „Art kaiserlicher Republik" vor. In Amerika wird gegenwärtig ein Film über das Leben des großen französischen Forschers Pasteur hergestellt. Pariser Musih Arturo Toscanini wird Ende des Monats vier Konzerte im Theatre des Champs-Elysees dirigieren. Wilhelm Furtwängler dirigiert Ende Mai und Anfang Juni einige Aufführungen von Wagners„Tristan" und „Meistersingern" mit Bayreuther Besetzung in der Pariser Großen Oper. In der kommenden Woche finden die letzten Aufführungen von Mozarts„Don Juan", die Bruno Walter leitet, in der Großen Oper statt. * Adolphe Boschot, dessen„Don-Juan"-Uebertragung unter Walters Leitung einen sensationellen Erfolg in der Pariser Großen Gper davontrug, arbeitet an einer Neu- Uebertragung der Originalfassung von Mozarts„Figaros Hochzeit". ♦ Artur Schnabel spielt nach seiner Palästinatournee am 11. Mai wieder in Paris, und zwar Werke von Mozart, Beethoven und Schubert(Salle Gaveau). * Der junge Geiger Yehudi Menuhin, der vor kurzem in einem Briefwechsel mit Albert Einstein seine radikalpazifistischen Gedankengänge auseinandersetzte, gibt am Montag, dem 7. Mai in der Salle Rameau(Pleyel) sein letztes Konzert in dieser Saison. Eine- neue Vereinigung der französischen Orchesterleiter hat sich soeben gebildet(33, rue du Chateau, Neuilly). Am 20. Mai findet in Lille ein internationaler Musikwettstreit statt, zu dem 109 Musikgesellschaften aller Länder sich bereits angemeldet haben. Man rechnet mit mehr als 5 000 aktiven Teilnehmern. Der Didifer von Charlerol Der Dichter Drieu La Rochelle, der den Renaissance-Preis soeben bekommen hat, ist ein Mann mit einem breiten und realistischen Gesicht, ein geborener Normanne, der die„Komödie von Charleroi" geschrieben hat. Bei Char- leroi wurde er im Kriege verwundet. Das zweitemal traf ihn eine Kugel in der Champagne. Drieu La Rochelle ist ein pazifistischer Dichter. Bekannt ist vor allem sein Band„Neues Vaterland", der Gedanken über den Frieden enthält, und sein Stück„Frisches Wasser", das in der Comedie des Champs Elysees gespielt wurde. Zur Zeit schreibt er an einem Stück„Der Chef", das sehr aktuelle Dinge behandeln soll. Weltanschaulich steht der Preisträger unzweifelhaft der Linken nahe, doch ist er als ausgesprochener Individualist kaum in einem bestimmten Lager unterzubringen. Fernand M a z a d e, der den(mit 12 000 Franken doppelt so hohen) Preis Petitdidier einheimste, ist ein eigenartiger Versdichter mit Versuchen einer neuen einfachen Musikalität. Sein letzter Gedichtband„Erstes Buch der Liebe" enthält viele Verse dieser Art. Kriegsgedichte schrieb Andre Piot, der den(mit 5 000 Franken dotierten) Blemont-Preis davontrug. Der Preis Verlaine in gleicher Höhe fiel an Raymond Christoflour für einen Band„Die Rose und der Schatten". Den Edgar- Allan-Poe-Preis endlich erhielt ein Belgier, die in Flandern wohnende Camille Melloy für das Buch„Kinder der Erde". Man sieht, an Ermunterungen der Literatur der Jungen mangelt es in Frankreich nicht. Die Verteilungen an den Tagen des Buches zu Paris haben es wieder gezeigt. Ob die Bücher aber alle auch gekauft werden? Ans dem Lande ßergerqs Es ist wenig bekannt, daß M a n t e s, das Städtchen der großen Wahlschlacht Franklin-Bouillons gegen Bergery, auch in der Geschichte schon eine große Rolle gespielt hat. Kein geringerer als Wilhelm der Eroberer, der Normannenherzog, der 1066 England(ganz ohne Uboote) besetzte, trug Verlangen nach dem schönen Orte an der Seine. Er verlangte von Philipp, dem König von Frankreich, der durch Geiz berühmt war, daß dieser ihm Mantes-la-Jolie zur Ab- rundung seines Besitzes abträte. Indessen Philipp erwiderte mit einem schlechten Witze über Wilhelms Bauch, und darauf brach natürlich ein Krieg aus. So wird es wenigstens am Orte erzählt; der eigentliche Grund wird aber wohl gewesen sein, daß Philipp insgeheim mit dem ungeratenen Sohne des Eroberers im Bunde gewesen war. In dem Kriege um Mantes, der 1087 stattfand, äscherten die Normannen die begehrte Stadt ein. Aber ihr Führer, der Eroberer, fiel vom Gaul, mußte aufs Lager getragen werden und starb zu Rennes, in seiner Hauptstadt. Im großen Hundertjährigen Kriege zwischen den Engländern und den Franzosen war Mantes mit dem Seinelauf fast hundert Jahre englisch. Später hat der gute König Heinrich IV., der eigentlich Gründer des heutigen Frankreich, die schöne Stadt dadurch berühmt gemacht hat, daß er seine Geliebte Gabrielle d'Estrees, die jung starb, in ihren Mauern einquartierte. Heute hat der Wahlkampf zwischen den beiden Gegnern der Rechten und der Linken mindestens auch unzweifelhaft viel— zur Hebung des Fremdenverkehrs beigetragen. Der „Große Hirsch" in Mantes hat durch die politischen Ereignisse erhebliche Berühmtheit erlangt, und die gleichzeitig mit Notre Dame zu Paris erbaute Notre-Dame-Kirche von Mantes mit der Navarra.-Kapelle hatte sie schon. Mantes mit der Insel, auf der Seine-Fahrt nach Ronen gelegen, ist einer der schönsten Orte in der Seine-Landschaft. Sarret und Bergery haben für das Bekanntwerden dieses Idylls ebenso viel getan, wie der jetzt 300 Kilometer von Paris unter Ueberwachung bleibende böse Trotzky für den herrlichen Wald von Fontai- nebleau... Deutsche Poliklinik T4l. Trinit* 43-13 Metro Pigalle Paris, 62, Rue de la Rochefoucauld a) Allgemeine Konsultationen mit 9 Spezialisten b) Chirurgie c) Orthopädie d) Geburtshilfliche Klinik e) Zahnärztliches Kabinett Ordination täglich von 9-12 u. 2-8; Sonntags und Feiertags von 10-12 u. 2 6 Uhr Der neue Leiter des Posdetoop Albert Wolff wurde soeben zum Leiter der C o n• certs Pasdeloup gewählt. Jeder Freund des Pariser Konzertlebens wird diese Wahl aufs wärmste begrüßen. Wolff, der 1908 als Chordirigent an der Pariser Opera Comique seine Karriere begann, die ihn zunächst zum ersten Dirigenten dieses Instituts aufsteigen ließ, wandte sich im Jahre 1925 auch der Konzertdirektion zu: er wurde Mit- Dirigent des Orchestre Pasdeloup, das damals Rhene-Baton leitete. Im Jahre 1928 wechselte er als Chef zum Orchestre Lamoureux, das er bis zum heutigen Tage geführt hat, und dessen Ruhm unter seiner Leitung weit über den französischen Kulturkreis hinauswuchs. 1930 erhielt Albert Wolff mit dem Lamoureux-Orchester den offiziellen Auftrag der musikalischen Repräsentation auf der algerischen Hundertjahrfeier. Im letzten Winter kam es dann mehrfach zu Meinungsverschiedenheiten zwischen der Leitung der Lamoreux-Ge- sellschaft, die Wert auf repräsentative Repertoirewerke und international bekannte Solisten legte, und Wolff, der junge Talente und neue Musik durchzusetzen versuchte, oft auch gegen das Votum des Publikums. Die Meinungsverschiedenheiten haben offenbar zu der jetzt bekannt werdenden Lösung der Verpflichtungen Wolffs beigetragen. Man beglückwünscht jedenfalls das Orchestre Pasdeloup zu der Wahl dieses Dirigenten, der heute neben Monteux und Ansermet als einer der besten französischen Kapellmeister gelten darf. jDocfeur fpeciolisfe 1 DEUTSCHSPRECHEND i Münchener u. Pariser FakultA 17, rue Reaumur M6tro Arts-et-M6tiers od. RApubllque Frauen», Blut«, Haut«, Harn« und Ge> schlechtskrankheiien, Tripper, Syphilid Männerschwäche. Neueste Heilverfahren. Elektrizität. Harn«, Samen« und Blutanalysen. Massige Bedingungen.(Auch für Kassen versicherte.) Täglich von 9- 1 und 4- 8,30. Uhr Sonn« und Feiertags von 9 bis I u. auf Rend. v. Tel. Arch.54-27 Doktor Wachtel und Doktor Axel Geschlechtskrankheiten, Männer und Frauen Nase, Hals, Ohren 123, Bd. Sibastopol.— Sprechstunden v. 9—12 u. 2—8 Uhr; Sonntags vormittags Metro: Reaumur, St. Denis Chirurg.«Mediz. Klinik DrEttinger 168 ter, Avenue de Neuilly, NEUILLY«Sur- Seine. Tel.: Maillot 95- 50.— Standige Betten. 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Die Karten gelten vom nächsten Sonntag, dem 5. Mai, bis Dienstag, den 8. Mai. Am 7. und 8. Mai findet in Orleans, wie alljährlich, das Fest der Befreiung der Stadt durch die Jungfrau statt. Es handelt sich um ein lest ausgesprochen kirchlichen Charakters, das sehr interessant für Touristen ist. Der große Umzug findet am 8., 13 Uhr statt. liefern, ein. Ein Treffpunkt wurde vereinbart, und der Offizier erhielt großzügig die Reisekosten als Vorschuß. Der Brief des Spions war„Germaine" unterzeichnet, um eine Liebesangelegenheit vorzutäuschen. Die Geldsendung war mit dem Vermerk„Rüchzahlung alter Schulden" getarnt. Das Rendezvous wurde im Tuileriengarten vereinbart. Dort ging der deutsche Spion trotz einer großen Menge Vorsichtsmaßnahmen ein. Zwei versteckte Beamte verhinderten ihn am Untertauchen und nahmen ihn fest. Krauß will Froge 100 000 Franken gegeben haben. Froge leugnet entschieden. Der Fall erregt großes Aufsehen. ,/ßd Qained yßt&i: BRIEFKASTEN 166, Boul' Haussmann 83, Boulevard Malesherbes 177, Regent Street, London W. I Evelyn Paris. Ob es richtig ist, baß eine Mose heranrückt, bis zur roten Krühsahrstroilette rote Zähne trägt? Wenn Sie davon gelesen haben, wird es wohl stimmen. Was wir dazu sagen? Die steiermärkischen Bauern haben ein Sprichwort:„Geschmäcke und Maulschellen sind verschieden." Moderne Damengürtel mit Büstenhalter A. B. Rotterdam. Bei dem 31jährigen Diplomvolkswirt Kurt Frey, der jetzt Treuhänder der Arbeit geworden ist, handelt es sich :n der Tat um den Belastungszeugen im ReichStagsprozeß. Frey wollte Torgler zusammen mit van der Lübbe und Popoff gesehen haben. Ein solcher Mann hat wirklich einen gutbezahlten Posten im Staat verdient. Spionage in den Tuilerien Man weiß nicht, was in Paris so alles vorgeht, die Reportage über den deutschen Spion Krauß polnischer Herkunft liest sich jedenfalls man wieder als ein Kriminalroman der Wirklichkeit. Sind, theol. Sie machen uns auf die Antrittsrede des neuen Landcsbischofs in Hamburg aufmerksam. Dieser Ticner Gottes, der ans den Namen Tügel hört, proklamierte von der Kanzel:„Wer mir nicht hundertprozentiges Vertrauen entgegenbringt, soll wenig« stens hundertprozentigen Gehorsam melden." Zu Befehl, Herr Bischof! Schon Schiller sagt:„Gehorsam ist des Christen Schmuck." Das Gedicht, au? dem das Zitat stammt, beißt bekanntlich:„Der Kamps mit dem Drachen." Heute könnte Schiller Sie und Ihren Reichsbischof und andere kirchliche Ungetüme zu einer schaurigen Ballade verarbeiten. Krauß, der polnischer Dffizier gewesen war und wegen Schulden und Unterschleife ausrücken mußte, wurde in Ostpreußen für die deutsche Spionage angeworben. Krauß ist der Mann, der den jetzt in Beifort wieder neu verhafteten französischen Militärintendanten Froge aufs schwerste belastet. Er soll von dem bekannten Kurort Vichy aus nach Beifort gefahren sein und Froge unterwegs aus dem durch den unseligen Prince-Fall so bekannten Dijon ein Telegramm geschickt haben. Krauß. der unter fremdem Namen auftrat und aus Oppeln gebürtig ist, arbeitete so, daß er als M. Tworyt folgendes Inserat in Paris aufgab: „Kapital an solvente Schuldner, besonders Beamte und Offiziere." Ein Offizier aus einer Garnison im Osten Frankreichs, der mit dem Spion in Verbindung getreten war, benachrichtigte, als er merkte, wes Geistes Kind der„Ausleiher" war, die Polizei. Scheinbar ging er auf das Angebot, Dokumente zu Dr. Robert Ley. Ihre Mitbonzen machen sich hinter Ihrem Rücken lustig über die schwammigen Predigten, die Sie in Alkohollaune vor Arbeitern und Unternehmern halten. Sie fühlen sich als der HeilSprediger der deutschen Arbeitsfront und machen in Popularität und BolkSliebe. Etwa so:„Mit ernsten Worten dankt Dr. Ley und bringt ein Sieg-Heil auf den Führer au», bann ist er verschwunden. Verschwunden in der Mass« der Arbeiter, die von allen Seiten auf ihn einstürmen. Das mühten die„Arbeiterführer" von gestern sehen..." Ja, das möchten die„Arbeiterführer von gestern" wirklich einmal gerne sehen. Aber nicht von Gefängnisfenstcrn und vom Äonzentra- tionSlager auS! In Freiheit und in freier Rede möchten sie einmal mit ihnen vor den Arbeitern diskutieren. Jetzt, nach mehr als einem Fahre dritte» Reich! Wie wäre es Herr Dr. Robert Leg? Sie werden sich hüten. Für den Gcsamtinhalt verantwortlich: Johann P i tz in Dud- weiler; für Inserate: Otto Kuhn tn Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Bolkssilmme GmbH„ Saarbrücken 3, Schützenstrabe d.— Schließfach 77S Saarbrücken. Selnssizeriscliet und ttarstwarengeschftfl ic Karai, Konditor*!. Weine Jxoduits Jtfunid 76, Boulevard de Strasbourg. 8. ras St, laurao JUtcis, mi ur* m rt» Telefon 4 Linien vereinigt enter BOTZARft 61-lt hmte"7idlse!)erin Mme Maria IM Dr.&s«sciences occultes Astrologie, Cbiromancie artomancie, Psychoanalyse spricht geläufig deutsch 52. Rue de la Rochefoucauld(i. Hof, Tr.C, 2. Stock rechts) Täglich 2—7 Uhr außer Donnerstags— Metro: Pigalle jMsecatmaHnafune FÜR STRASBOURG £ifcaiüe JloputaUe 2, RUE SEDILLOT 2 HINTER DER BÖRSE