Sinzigs«nabhSngige Tageszettung VeuischSands Kummer 111— 2. Jahrgang Saarbrücken, Mittwoch, 16. Mai 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Aus dem Inhalt QäcUtq, jux et sind die Taten? Seite 2 Qenf. im Zeichen dec Saat Seife 3 Die Qoldkeuxequnq. Seite 4 Tcotest spanischer Trauen Seite 7 Böhms zweite Revolution Drohende Reden und demonstrative Paraden Berlin, 15. Mai. Die schweren Gegensätze zwischen natio- nalkonservativen und nationalrevolutionären Kräften haben eine tiefe Kluft aufgerissen, die vom Reichskabinett über die preußische Regierung durch die ganze Verwaltung hinabreicht bis in die kleinsten Gemeinden des Landes. Der Reichs- propagandamini st er versucht über die Krise auf seine Art hinwegzukommen: durch große Reklameversammlungen gegen die Kritiker an der Geschäftsführung des Reiches und durch ein Wiederaufleben der Judenverfolgungen. Der Ober st e Stabschef Röhm aber mobilisiert die SA. gegen alles, was sich als„Reaktion" gegen die nationalsozia- listische Diktatur sammelt Er hat sich in das Reich Julius Streichers begeben, hat dort eine drohende Parade seiner Miliztruppen abgehalten und verkündet: Keinen Zentimeter wollen wir nachgeben und niemals zurückgehen. So bleiben wir die unverzagte kompromißlose SA. Hitlers. Dieses„Nlchtnachgeben" ist an den Reichswirtschasts- minister Schmitt, an den Retchsarbeitsminister S e l d t e und an den Reichsbantpräsidenten Schacht gerichtet. Wie früher in Hugenberg, so erblickt die SA. jetzt in diesen drei Herren die Vertretung der reaktionären kapitalistischen Kräfte, die den großen Führer Adolf Hitler hindern, endlich seine sozialistischen Wundertaten zu verrichten. Die Unzu- friedenheit der braunen Truppen ist so groß, daß Röhm der Reichsregieruug mitgeteilt hat. die sozialen Zustände hätten fich in einer Art entwickelt, die es der SA. unmöglich mache, länger nutätig zuzusehen. Die Reichsminister Schmitt und Seldte sehen in Röhm und seiner SA. einen Unruhesaktor schlimmster Art und wären froh, wenn die„kompromißlose SA. Hitlers", die längst auch die große Sorge des Reichs- kanzlerS ist, verschwinden oder doch dezimiert werden würde. Hitler selbst schwankt zwischen den Gegenpolen und hat sich bisher weder für die eine noch für die andere Seite erklärt. Die Gegensätze haben sich an zahlreichen Stellen im Lande in schweren Zusammenstößen zwischen SA. und„Stahlhelm" entladen. Ueber eine blutige Saalschlachl anlätzlich^der Mai- feier konnten wir schon berichten. Ein Erlaß des Stabschefs Röhm gibt zu. daß es an vielen Stellen im Reiche zu «E i n z e I a k t i o n e n" gegen den„Stahlhelm" gekommen ist. Bei diesen Zusammenstößen werden weniger Klassen- unterschiede als Gegensätze zwischen der wirklichen Front, generatiou und der Rachkriegsjugeod ausgerissen. Im „Stahlhelm", der bekanntlich nach seiner Umgründung sich aller militärischen Ucbungen enthalten und nur die Käme- radschast pflegen soll, besteht das Gros der Mitglieder aus Frontkämpfern Bei der SA., in die die Stahlhelmmitglieder zum militärischen Dienst eintreten sollen, handelt es sich meist um Bürschchen. die den Weltkrieg nur von der Schulbank her kennen. Die Zeitschrift„D e r S t a h l h e l m" bat nun eine„revo- lutionäre" Rede des Reichsjugendsührers Baldur v. Schirach dahin kommentiert,„daß die Jugend revolutionär fühlt und — schwärmt, ist selbstverständlich, weil es eine Puber- tätserscheinung ist". Darauf antwortet nun der Pressechef der Reichsjugend- führung: „HalteteuchdenReaktiouärseru! Haltet euch den Reaktionär fern! Es ist Aasgeruch um ihn!" Dieser„Fall" aber soll ein für allemal ausreichen, um das alberne Geplapper von dem mangelnden Respekt der Hitlerjugend vor der Frontgeneration armcnJrrenzu überlassen. Wer die Hitlerjugend wirklich kenne, wisse um ihre tiefe und göttliche Ehrfurcht vor dem grauen Unbe- kannten des mörderischen Krieges. Die Hitlerjugend ken»c ihre Fehler und ringe mit ihnen. Das mache sie aber mit sich selber ans und nicht mit Leuten, die vor Ueber« heblichkeit aus ihrer M o n o k e l p e r s p e k t i v e pötzlich tief unten ans derdeutschenErdeden Rationalsozialismus entdecken. Die nationalsozialistische Presse scheint aber diese„armen Irren" als eine große Gefahr zu empfinden, denn sie wimmelt von Leitaufsätzen unter den Überschriften„Schluß damit!" Den„Stahlhelmern" und ähnlichen zweifelhaften Ge- sellen wird gejagt, daß sie zu Ichweigen haben, um möglichst wenig aufzufallen. Revolution ist wieder die grobe nationalsozialistische Mode. Der„Führer" hat zwar vor nun einem Jahre das Gerede von der zweiten Revolution verworfen und die Revo- lution als beendet erklärt, aber bei den trostlosen Zuständen im Lande muß man nun der revolutionären Stimmung neue Konzessionen machen und niemand weiß noch, wo diese enden werben. Der fränkische Gruppenführer Robert Berg- mann hat den Obersten Stabschef Röhm am vergangenen Samstag mit Worten begrübt wie diese: Roch als Letztes. Unterordnung und Marschieren macht nur erst einen Teil von Soldaten des Führers. Schutzstafsel- mänuer taugen nur dann etwas, wenn sie bis aus die Knochen revolutionär sind und es immer und auf ewig bleiben! Eine Schutzstafsel, die ihren revolutionäre» Geist ausgibt und anfängt weich zu werden, Kompromisse für richtiger zu halten als absolute Kompromißlosigkcit, eine solche Schutz- staffel würde von Rechts wegen aufgelöst. Darum haltet den alten revolutionären Geist! Ob die Redner das ernst meinen, bleibe dahingestellt Die Massen der SA.-Männer, die erwerbslos sind oder zu Hungerlöhnen in den Betrieben und aus den Aeckern arbeiten müssen, verstehen jedenfalls unter dem-revolutio- nären Geist" nicht eine seelische Erneuerung, sondern den Zu- griff aus reale Dinge des Lebens, und sie werden sich nicht mehr lange mit Predigten und Paraden begnügen. Eine Prophezeihung- - Und eine Aufgabe „Die propagandistische Ausstrahlung des Nationalsozialis- mus muß zunächst verfinstert werden von dem Schatten, den seine erste innere Krise wirft. Diese Krise ist nach dem Siegeslauf des Sommers 1933 unvermeidlich, und geschickte Regie hat nur die eine Möglichkeit, sie nach Kräften zu ver- schweigen und zu verheimlichen. Die ungesunde, zweideutige Machtverteilung»wischen Re- Solution und Reaktion? die Spannungen innerhalb der nationalsozialistischen"hrerschaft. die objektive Krankheit von Wirtschaft und Gesellschaft und die bevorstehende Re- aktion auf die gewagten Heilmittel, die wan dagegen ein- gab: schließlich die Außenpolitik- all dies muß das Regime in seine erste Krl' führen Es wird nicht daran sterben. Aber sein Einfluß auf die Gemüter wird nachlassen. Werden die sozialistischen Pirteien außerhalb Deutsch- lands diese Ehance nützen? Die Massen erwarten das. Be- weis sind die Wahlsiege, mit denen überall in Europa> die Arbeiterpartei aui den deutschen Faschismus geantwortet haben. Aber in einen T'ea können diese Parteien die bevor stehende p'nchologische.^ri.e des M*«'«"»« »ein, wenn sie die Krise überwinden, die w ihnen selvs steckt und die sich in of'ener Spaltung oder ,n Dogmen,tre, »nd damit Ziellosigkeit ausdrückt. Tie Parteien, deren Z Planwirtschaft ist. müssen eS noch lernen, auch den politischen Kamps nach großen Plänen zu f>ren." Aus Robert Heiden, Geburt des„dritten Reiches". Seite 261. Erschienen November 19S8.(Zürich, Europa-Verlag.) ..Gewöhnen Sie sldi daran!" Elendseinkommen Beim Autostraßenbau in Norddeutschland(Strecke Bremen—Hamburg) sind rund 266 Arbeiter beschäftigt. Lohn 26—22 Mark in der Woche. Davon erhält die Familie 12 Mark. Mit 8 Mark muß der Arbeiter, während der Woche von seiner Familie getrennt, leben.— In St. hat ein Zoll- sekretär mit einem Nettogehalt von 126 Mark an seine Auf- sichtsbehörbe den Antrag gestellt, ihm eine Familienbeihilfe ,u gewähren, da er durch Krankheit in der Familie eine besondere Notlage hat. Der ablehnende Antrag bemerkte: Gewöhnen Sie sich daran, bescheidener zu leben. Millio- nen Volksgenossen müssen mit der Hälfte JhreS Einkommens auch leben. Gestern und heute In Hannover ist einem Junker die Galle übergelaufen. Er hat es gewagt, den Führer Adolf Hitler einen Heßer zu nennen, und hat das sogar schriftlich von sich gegeben. Das kam so: Ein Geschäftsmann hängte in seinem Betrieb ein Plakat aus, das die Worte trug:„Es gibt nur einen Adel, den Adel der Arbeit. Adolf Hitler." Darauf erhielt er folgenden Brief: „Sehr geehrter Herr! Zu meinem großen Erstaunen habe ich soeben festgestellt, daß in dem Schaufenster Ihres Geschäftes ein Heßplakat gegen den Adel angebracht ist. Wenn das in einem kleinen Kramladen im Kaschemmenviertel geschieht, wundert man sich nicht; wenn das ein großes Geschäft macht, das seit Jahrzehnten den Adel zu seinen Kunden zählt, so empfindet man das als eine Takt- und Geschmacklosigkeit ersten Ranges. Es ist selbstverständlich, daß wir— sämtliche Standesgenossen, mit denen ich bisher darüber gesprochen habe, stimmen mir darin bei— einen Laden nicht betreten, in dem tendenziöse Heßplakate gegen uns öffentlich aushängen. Hochachtungsvoll! gez. H. v. Kramsta Kgl. Rittmeister a. D. Als der Geschäftsmann den Brief gebührenderweise dem zuständigen Bonzen von Hannover, einem gewissen Thomas, vorlegte, bekam dieser Zustände. Das gab es also noch! Ein nationalsozialistisches Plakat, so schrieb er wuterfüllt in seinem Blatt, ist also ein tendenziöses Hcßplakat! Ein Plakat mit einem Ausspruch des Führers selbst!! Plakate mit einem Wort Adolf Hitlers gehören in das Kaschemmenviertel!!! Und der wohledle Herr von Kramsta organisiert gar einen Boykott gegen nationalsozialistische Geschäftsleute. Da begannen dem Thomas die Worte zu fehlen, und er konnte nur noch röcheln, daß Herr von Kramsta am Holzgraben S wohne— ob nicht irgendeine Behörde sich für den Fall interessiere? Das nächste Konzentrationslager sei in Papenburg. Dort ist der Herr Kgl. Rittmeister a. D. wie die „Niedersächsische Tageszeitung" triumphierend meldet, schon eingeliefert worden. Für Thomas mag mit Hilfe Papenburgs der Fall einfach liegen. Wir selbst gestehen, daß wir ihn etwas kompliziert finden. Wir meinen, daß in diesem Fall ausnahmsweise Adolf Hitler recht und der gereizte Sproß derer von Kramsta unrecht hat. Dieser Kramsta mag an einen Spruch seines Landsmanns, des Dichters Börries von Münchhausen, gedacht haben: „Adel ist gut und Bauer ist recht, aber ich hasse das kleine Geschlecht. Adel ist recht und Bauer ist gut, aber ich hasse unedles Blut. Seit wann ist Adelsblut so gering, daß es mit dem Gefreiten ging?" ... wobei wir in der legten Zeile uns eine kleine Aende- rung erlaubt haben; statt Gefreiten heißt es bei Münchhausen ursprünglich Krämer. Aber der Herr von Kramsta dürfte wohl so gedacht haben, wie wir zitierten. Die Nazis werden an ihren Junkern noch viel Freude erleben. Ihr Bauernführer Darre hält wütende Reden gegen sie. Sogar enteignen will er. Aber dagegen gibt es Gott sei Dank noch einen Göring. Der Ministerpräsident aller Preußen hat am Sonntag in Breslau seinen Freund Darre knapp, aber deutlich korrigiert: Im„dritten Reich" gebe es nur Bauern, ob mit viel oder wenig Grund und Boden. Die Bauern von 12 000 Morgen Grundbesiß an aufwärts sind gerade in Schlesien ziemlich zahlreich. Sie werden den Saß gern gehört haben. Gewiß, Herr Kamerad, leben in anderen Zeiten; muß mit alten Vorurteilen brechen, Standesprivilegien gibt es nicht mehr. Der eine hat 12 Morgen, der andere 12 000— sonst ist da kein Unterschied. Bis zu welcher Verrücktheit diese Verlogenheit gehen kann, bewies Herr Darre in einer schwungvollen Ansprache zum Preise des preußischen Ministerpräsidenten:„Hermann Göring," sagte er,„ist Soldat und ist auch Bauer." Ungefähr ebenso, wie ein Vogelbauer ein Bauer ist. Herr Göring hat sich mal von der Gemeinde Berchtesgaden 10 000 Quadratmeter zum Bau seiner vierten oder fünften Villa schenken lassen— sonst hat man von seinem Bauerntum noch nichts gehört. Dagegen haben wir schon gelegentlich gelesen, daß er Arbeiter sei. Nämlich wegen des oben erwähnten Adels der Arbeit, der schon eine besondere Uniform rechtfertigt. Der Adel für 40 Pfennig Stundenlohn braucht es ja nicht gerade zu sein. Argus. In der BerwaltungSakademie sprach am Montag Reichs, finanzminister Graf Schwerin v. Krosigk über„HanShaltS- gestaltung im„dritten Reich"", wobei er hervorhob, daß die in den letzte« Jahre» entstandenen Fehlbeträge tzpu sechs Milliarde» infolge der Wirtschastsbelebung mit Bestimmt, heit in den nächsten fünf Jahren abgebeckt werde» könnten. — Wahrscheinlich durch die Puwpwlrtschaft. zu der fich Graf Schwertu-Srosigk bekennt. SA. gegen Stahlhelm Ein Erlau Böhms als Kriegserklärung Das Presseamt 6er Obersten SA.-Führung erläßt eine Kundgebung gegen den Stahlhelm, die schon deshalb sehr bemerkenswert ist, weil diesmal jede Beteiligung des Stahl- helmführers S e l d t e? hlt. Sonst spannte er sich immer gemeinsam mit Röhm und Hitler ein, um Differenzen zwischen TA. und Stahlhelm zu beseitigen. Diesmal hüllt er sich in Schweigen. Die Meldung des Presseamtes lautet: „Das Presseamt der Obersten SA.-Führung teilt mit: Bei der Obersten SA.-Führung sind aus Gruppenbereichen Beschwerden eingelaufen, wonach die Ausstellung des NSDFB. sStahlhelm» dem Wortlaut der Gründungs- Verfassung nicht entspricht. Danach ist versucht worden, die NSDFB.-Männer vom Eintritt in die SA.-Rescrvc I ab- zuhalten, und soweit sie schon SA.-Männer waren, wieder znm Austritt zu bewegen. Bielfach ist der NSDFB. als die Vereinigung bezeichnet worden, die allein berechtigt wäre, Frontkämpfer zu erfassen und zu vertreten. Stabschef Röhm hat infolgedessen einen Befehl erlassen, in dem er sich gegen diese Methoden wendet. Trotz der na- freundlichen Haltung des NSDFB. sStahlhelm) verbietet jedoch der Stabschef den SA.-Einheiten, in Einzelaktionen gegen den NSDFB. vorzugehen. Er weist aber ausdrücklich darauf hin, daß sich Hunderttausende von Frontkämpfern der SA. angeschlossen haben, weil sie den staatlichen Willen de" Frontkämpfer«nd das geistige Erbe der Schützengraben» front in der SA. am besten verkörpert. Männer allerdings, die sich bereden ließen, nicht in die SA.-Rcserve l etnz..- treten oder den Austritt aus ihr vollziehen, seien für die SA. nicht zn gebrauchen. Sie sollen fortbleiben. Aber es sei auch gleichzeitig dafür Vorsorge zu treffen, daß sie»«st wieder in die SA. ausgenommen werden. Der SA.-feindlichen Haltung des NSDFB. stellt Staos- ches Rohm die Haltung des Knikhäuserbundes entgegen, sich nicht nur in kameradschaftlicher Soldatentradition^c- währt habe, sondern der auch in seinem gesamten Verhalte., in seiner bedingungslosen Mitarbeit an den Ausgaben SA.-Neservc N eine Kamerabschast der Frontkämpfer bildet, die dem nationalsozialistischen Start wertvolle Hilfe zu werden verspricht. Der Stabschef befiehlt daher der TA., den Kyffhäuserbund nachdrücklichst zu unterstützen Höring, wer sind die Toten? Le!ckenfunde in Stettin Man schreibt uns aus Stettin: Von dem aufgelösten Privatkonzentrationslager des abge- setzten Ttettiner Polizeipräsidenten— er hat sich ja inzwi- scheu erhängt— werd.cn neue grauenhafte Vorgänge bc- lannt. In der Nähe dieses Lagers befindet sich ein Gewässer. Eine ganze Woche lang hat die Wasser- und Kriminalpolizei in Booten niit Netzen und Greisstangen das Wasser abge- sucht. ES sind fünf an Händen und Füßen ge- fesselte Leichen, die um den Hals einen schweren Stein hatten, gesunden worden. Die Eiregurig in Stettin- in groß. Ich habe mit zwei Seeleuten gesprochen, die das Absuchen beobachteten. Den mit der grauenhaften Arbeit beschäftigten Beamten, die wahrlich schon viel erlebt haben, sind die Tränen über das Gesicht gelausen. Den Zeitungen ist jede Veröffentlichung über die Lcichenfunde verboten. * Wir fragen den preußischen Ministerpräsidenten, der für die Schandtaten seines Stettincr Polizeipräsidenten die Ver- antwortung trägt, wer die Toten sind. Warum wird nicht volle Aufklärung über die Greuel von Stettin gegeben-' Was gibt es zu vertuschen? Auch die Gerichtsverhandlung fand unttr Ausschluß der Oefscntlichkeit statt. Unsere Gewährsleute m Pommern be- haupten, daß die Zahl der Opfer viel größer sei, als man bisher angenommen habe. Die Bevölkerung macht die natto- nalsozialistische Bonzokratie für die Verbrechen verantwort- lich. Nene Bonzenposten Die ruflerhrippe wird gefüllt Zn welchen Zwecken die dem Volk grpschen.we.lsk. ab- gepreßten Steuergelder verausgabt werden, zeigt die sol- gende Uebersicht, die wir den unvollständigen und mit Absicht verschleierten Angaben des Neichsetats für 1934 entnehmen: Der Stellvertreter des Reichskanzlers kostet 870 000 Mk., die zwölf Reichsstatthalter koste., l 13t 100 Mk., der Reichssportsührer kostet 78 300 Mk., das Reichsministerinm für Aufklärung und Propaganda verausgabt für Bonzengehälter 2 750150 Mk, die Propagandastellen im Reiche kosten 1 099100 Mk.» die 18 Treuhänder der Arbeit kosten 2 872 850 Mk. Als Zuschuß zu den Kosten der SA. zahlt das Reich 250 Millionen. Diese Auszählung kann in keiner Weise den Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Sie zeigt jedoch bereits, daß die größte und bisher einzige Leistung Hitlers darin besteht, einer großen Zahl seiner Freunde die Futterkrippe tief er- schlössen zu haben. Die Korruption gedeiht Der NSBO.-Betriebszcllcn-Leiler Schuchardt oei der Straßenbahn der Stadt Halle veruntreute 4000 Mk. und verwandte die unterschlagene Summe zum Ankauf eines Autos, das er nach der Aufdeckung der Unterschlagung erfolgreich zur Flucht benutzte. Der SA-Ortsgruppenftihrer von S ch k e u d i tz bei Leipzig ist der. unrechtmäßigen Führung de» Doktortitels und des Vergehens gegen den Abtreibungsparagrafen überführt worden. Unter dem falschen Namen Dr. Jansen hatte er in einigen mitteldeutschen Orten Abtreibungspraktiten unter- halten. Der nationalsozialistische Bürgermeister der Stadt Eilen- bürg wnrde wegen unsauberer Führung der Amtsgeschäste seines Amtes enthoben. Pranger IQr Trinker Ausgerechnet in Bayern Augsburg, 15. Mai. Die Polizeidirektion erläßt eine Be- kanntmachung, daß sie sinnlos Betrunkene, die nicht mehr nach Hause fänden, die nachts ruhestörenden Lärm verübten und den Verkehr gefährdeten, nicht mehr ungestraft lassen werde. Künftig würden die Namen aller auf öffentlichen Straßen und Plätzen wegen Trunkenheit polizeilich be- anstandeten Personen unnachsichtlich in den örtlichen Tages» zeitungcn amtlich bekanntgegeben werden. Simon kommt nickt nach Gent „Times" zufolge bestätigt es sich, daß Sir John Simon wegen der aus Freitag festgesetzten außenpolitischen Aus- spräche im Unterhaus nicht in der Lage sein wird, zur Rats- tagung nach Genf zu reisen. Der Lordsiegelbewahrer Eden werde daher bis zum Ende der Tagung britischer Haupt- Vertreter bleiben. Dagegen werde erwartet, daß Simon zu- sammen mit Henderjon zur Sitzung des allgemeinen Aus- schusses der Abrüstungskonferenz am 20. Mai nach Genf gehen wird. In der Beratung des Dreier-Ausschusses für die Saar-Abstimmung wurden zunächst die t e ch- nischen Probleme besprochen. Die politischen Fragen sollen am Dienstag behandelt werden. SdiOsse in Spanien Drei Demonstranten getötet bnb. Madrid, 15. Mai. In Daimiel kam es infolge der durch den Gouverneur verfügten Absetzung des gesainten der Sozialdemokratischen Partei angehörenden Gemeinde- rats zu Zusammenstößen zwischen Marxisten und Anti- warristen. Die Polizei machte von der Schußwaffe Ge- brauch, wobei drei Demonstranten gelötet und fünf schwer verletzt wurden. In Barcelona verübten„Anarchisten" drei Raubllbersälle auf Geschäfte und Läden. Bei der von der Polizei auf- genommenen Verfolgung ivurden die Beamten von den „Anarchisten" beschossen, wobei drei unbeteiligte Fußgänger schwer verletzt wurden. Auch in Valencia versuchten„Anarchisten" einen Neber- fall auszuführen, wobei sie von der Polizei überrascht wurden. Ein Räuber wurde erschossen. Aus Malaga wird ebenfalls ein Raubüberfall gemeldet. Die Täter konnten unerkannt entkommen. Im die wolgadentsdien Scharfe Abwehr der„Prawda" Moskau, 10. Mai. sJnpretz.) Die Moskauer onentliche Meinung ist über die neue nationalsozialistische Kampagne wegen angeblich„hungernder deutscher Brüder anderWolga" außerordentlich erregt. Das zeigt vor allem die heftige Sprache der„Prawda":„Die Faschisten greifen wieder zum Alten" schreibt die„Prawda".„Sie erwecken die im Juli des Vorjahres aufgeflogene Antisowietkainpagne„Hilfe den deutschen Brüdern" in der Sowjetunion zu neuem Leben. Tie gesamte Presse veröffentlicht wie aus Kommando, einen Ausruf der Antisvwictorganisalion..Brüder in Not", in dem die Organisierung einer neuen Hiliskampagne für die an- geblich„hungernden deutschen Brüder an der Wolga, im Kaukasus, in der Krim, in der Ukraine, in Sibirien und Mittelasien" aufgefordert wirb... Die faschistische Diktatur tritt bereits in den 15. Monat seit ihrer Machtergreifung in Deutschland. Pleite— aus der ganzen Linie. Statt daß die Bauern Land erhalten, wurde ein Gesetz über das Sied- lungswcsen, das die militärstrategische Ausgabe der Bcsied- lung der Grenzgebkete lösen soll, erlassen. Die Länbereien der Großgrundbesitzer liegen unberührt: d'-: Junker er- hielten weitere Millionensubventionen... Der Faschismus greift zum Ablenkungsmanöver und versucht zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Der Faschismus versucht die Sowjet-Union in den Augen der Werktätigen zu diskredi- tieren...., anderseits gehört die Neuauflage der Antisowjet- kampaqne zu den Plänen der militärischen Abenteuer, die die deutschen Faschisten, entgegen aller pazifistischen Beten-'- rungen ihrer Führer vorbereiten. Der deutsche Faschismus mobilisierte neben der Pressekampagne und einer lärmenden Geldsammlung auch das Kino kür seine Antisowietkamvagne. Am 1. Mai teilte Göbbels in der deutschen„Kultur"-Gesell- schgst mit. daß der Ftlm„Flüchtlinge" mit der höchsten Aus- zeichnnng von 12 000 Mark prämiiert worden sei. Die pro- sti'uierte faschistische Presse ergänzt nach den Vorlchriktan der Machthaber die neue Form der Antisowjetpropaganda..." Das Finanzkomitee des Völkerbundes stellt fest, daß für die ersten fünf Monate des Jahres 1981 in Oesterreich ein Fehlbetrag von rund 88 Millionen Schilling zu erwarten sei. Das französische Lustsahrtministerium weist im Zusam, menhang mit der kürzlich von e'uem italienischen Flieger überbotenen Welthöchstleistung im Höhenflug mit 2000 Silo- gramm Nutzlast<8188 Meter) darauf hin. daß ein neues französisches Kampfflugzeug am Montag mit der gleichen Belastung 10 009 Meter erreichte. Der Apparat ist ein zwei» sitziger Potez 51. Der angeblich neue Rekord soll jedoch uicht angemeldet werden. Bei einer Unwetterkatastrophe in T i b e r i a s fPalästina) sind bis jetzt 21 Todesopfer zu verzeichnen, die geborgen werde« konnten. Geltie und Jane Robbie Wie man die Entführten auffand Die Vereinigten Staaten sind um eine Sensation reicher. Der Petroleummaguat Gettle und die «jährige June Robbie wurden von Menschen, räubern entführt— plötzlich aber wieder frei» gelassen. Man hatte Gettle am Donnerstag in seinem Heim bei Los Angeles überfallen»nd znm Mitgehen gezwungen. June Robbies ist in Tueson entführt morden. Jetzt liegen noch folgende Mel- düngen vor: Wie zu der Freilassung des Petroleummagnaten Gettle und der ssjährtgen June Robbies bekannt wird, sind beide von den Mcnschenräubern ohne jedes Lösegeld aus freien Fuß'gesetzt worden, und zwar fast gleichzeitig. Gettle wnrde mit zweien seiner Entführer in einem Hause des bei LoS Angeles liegenden Ortes Glendale aufgefunden. Die kleine June Robbies entdeckte man etwa 15 Kilometer von Tueson am Staate Arizona in einer grabartigen Höhle. Sie war sehr stark erschöpft. Tie Auffindung der June Robbies war nur dadurch möglich, daß anscheinend die Entführer selbst dem Gouverneur des Staates Arizona durch einen Lustpost- brief, der in Ehikago ausgegeben war, mitteilten, daß die Kleine 150 Schritte nördlich einer einsamen Landstraße in der Umgebung Tncsons in einer Höhle versteckt sei. Sosort ivurden vom Gouverneur Nachforschungen angestellt und man fand dabei tatsächlich in einem verdeckten Loch, das nur etwa 2 Meter lang, etwa 85 Zentimeter breit und 1 Meter tief war, das kleine Mädchen aus. Die F ü ß e d e s K i n d e s waren gekesselt Neben ihm stand ein Krug und lag etwas mrtrockneteS Brot und einige Orangen. Das Kind starrte vor Schmutz und Ungeziefer. ES war so schwach, daß die Höhle tatsächlich fast sein Grab geworden wäre. Die Befreiung Gettles ist wohl darauf zurückzuführen, daß man nach dem Ueberfall auf den Vertreter der Familie Gettles. der den Entführern, wie gemeldet. 00 000 Dollar als Lösegeld überbringen sollte, die Spur eines Mannes verfolgt hat. der neue Verhandlungen mit den Angehörigen Gettles aufnehmen sollte. Man überraschte ihn beim Telefonieren und ging ihm dann nach. Dabei entdeckte man, daß er in dem Hause verschwand, in dem man Gettle und zwei seiner Ent- führer auffand. Deutsche Madchen schreiben aus Endland Junge Mädchen, in Deutschland geboren und auf- gewachsen, etwa den gleichen Gesellschaftskreisen, wie man das früher nannte, entstammend, schreiben im Jahre 1931 Briefe aus England. Die eine berichtet nach Hause, und dieser Bericht wird in der Beilage der„Frankfurter Zei- tung"„Für Hochschule und Jugend" abgedruckt. Darin stehen Sätze wie diese: „ Denn jeder Deutsche, der heute ins Ausland geht, ist ein Sendbote und Vertreter des Deutschen Reiches und hat deswegen gerade gegenüber einer Welt von Lüge eine erhöhte Verantwortung zu tragen Ich denke wohl, es ist erwähnenswert, daß dasjenige junge Mädchen im Anstand besonders geachtet wird, das mit feinem Takt ver- steht, seine Eigenart als Deutsche zu wahren und das Vaterland zu verfechten, wo es nur irgend angeht Den besten Dienst erweist man wohl seiner Heimat, wenn man imstande ist. das Falsche zu entkräften, daß über Deutschland im Umlauf ist. Doch viele Engländer meines Bekanntenkreises hörten ehrfurchtsvoll zu, wenn ich be- geistert von dem Geiste der Einigkeit und von den großen Taken unseres Führers in Deutschland erzähle. Natürlich gibt es auch viele Dickköpse, die nie aus ihrer Reserve herauskommen: für diese ist alles, was englisch ist, das non plus ultra.. Mit solchen Menschen ist schwer aus- zukommen, wenn man nicht auf seinen eigenen Stand- punkt verzichten will. Arme Haustochter, die unter solche Leute gerät Mit Sehnsucht erwartet man natürlich den Tag der Heimreise. Es ist die schöne deutsche Heimat, in die wir zurückkehren, die unersetzlich ist und auf die wir nun erst recht stolz sein können." Die Briefe anderer junger Mädchen druckt die„Frank- furter Zeitung" nicht ab. Sie werden auch nicht nach Deutschland geschickt, denn dann dürften sie nicht so ehr- lich reden. Sie gehen zu Freundinnen in Paris, in Spanien, in Palästina, die, Leidensgenossinnen, von Deutschland weggehen mutzten, weil keine Arbeitsmög- lichkeiten mehr bestanden und keine Lust zum freien Atmen. Eine schreibt: „Wir sind doch alle Vertriebene, ob wir in Deutschland oder im Ausland sind, das ist in einer Hinsicht ganz gleich. ....Ich bin richtig froh, daß'ch endlich einmal eingestehen darf, baß ich auf alle Annehmlichkeiten des„freien Eng- land" pfeife, wenn mir der Weg nach Deutschland abge- schnitten ist. Und es ist besser, sich Auge in Auae mit diesem gräßlichen Gefühl in Magen- und Herzgegend aus- einanderzusetzen, als es aus Lust- und Kostoeränderung zu schieben, wie ich es zuerst tat.... Wir versuchen uns ein- zuleben, aber das ist ja so schwer in einem fremden Land." Diese Mädchen sind keine Sentimentalitäten gewöhnt, aber manchmal verläßt sie doch ihre Sachlichkeit und Tapferkeit. Eine andere schreibt: .....Ich hatte viel an Dich gedacht und bin nun wie erlöst, daß sich bei Dir Parallelempiindungcn finden. Ich hatte mich so über mich selbst geschämt, wenn ich in den ersten Emigrationsmonaten mich oft wie ein Kind in den Schlaf geweint hatte aus Nervosität, Heimweh. Enttäuschung Ja, über das Kapitel Heimweh, sagen wir unsere beion- dere Art Heimweh, kür das es eben so wenig ein Vorbild gibt wie für unser ganzes in Zukunft zu lebendes Leben. .....Für mich gibt es nur noch die Sehnsucht nach dem Heim in des Wortes engster Bedeutung— und der Rhein!" Auch s o schreiben deutsche Mädchen aus England! L.». Genf im ZeidieD der Saar Präsiden! Knox berichtet dem Drelerausschuß-Eln Memorandum zum Schutz der deutsdien luden-Denhsdirliten Uber Denhsdirilten Die 79. Sitzung des Völkerbundsrats hat begonnen. Sie steht entscheidend im Zeichen der Saar. Am Montag- nachmittag trat der Dreier-Ausschuß unter dem Vorsitz des Barons Aloisi zusammen und harte die vier anwesenden Mitglieder der Regierungskommission zu dieser Sitzung hin- zugezogen. Präsident Knox erstattete'einen eingehenden Be- richr über die gegenwärtige Lage im Saargebiet und die nach seiner Ansicht notwendigen Mastnahmen zur Sicherung einer freien und aufrichtigen Abstimmung. Die Mitglieder der Regierungskommission verliehen dann den Beratungssaal, während der Dreier-Ausschuh noch etwa eine halbe Stunde lang weiter beriet. Am Schluß der Sitzung erklärte Baron Aloisi, bast sich der Ausschuß über den Teil des Berichtes, der die rein technischen Fragen der Abstimmung behandelt, geeinigt habe und daß dieser Bericht morgen veröffent- licht werde. Am Dienstagnachmittag wird dann der Dreier-Ausschuß seine Beratungen über die politischen Fragen sneutrale Polizei, Garantieverpflichtungen Frankreichs und Deutsch- lands zum Schutz der Saarländer, die gegen Frankreich bzw. gegen Deutschland abgestimmt haben, usw.) fortsetzen. Der Bericht darüber wird am Mittwoch oder Donnerstag veröffentlicht werden. Die Debatte im Völkerbundsrat wird daher erst in den letzten Tagen der Woche stattfinden. * Nach Genfer Berichten sollen sich sämtliche drei in Genf au- wesendeu ausländischen Mitglieder der saarländischen Regie- rung, Knox, Morize und Zorici, für die iuteruatio- nale P olrzeitruppe ausgesprochen haben, während das saarländische Mitglied der Regierung eine entgegengesetzte Auffassung vertreten habe, lieber diesen mündlichen Bericht der Mitglieder der Iaarregierung vor dem Saarausschuß hinaus gehen zwei schriftliche Berichte, dereu Verfasser der Regierungspräsident Knox und das Regierungsmitglied Morize seien und die morgen zur Veröffentlichung kommen sollen. Frankreichs Forderungen Paris, 15. Mai. Tie Genfer Besprechungen über die Saar- Abstimmung stehen in der Presse im Vordergrund des Interesses. Französischen Sonderberichterstattern zufolge sollen die ausländischen Mitglieder des Regierungsaus- schusses über den Bericht des Dreier-Ausschusses verärgert sein, weil er angeblich den Forderungen Knox' und seiner Mitarbeiter nicht genügend Rechnung trage. Der fran- zösische Vertreter des Regicrungsausschusses, M o r i z.e, soll, laut Pertinax im„Echo de Paris", sogar seinen Rück- tritt angekündigt haben. Man beklage sich auf feiten der Regierungskomnnssion des Saargebietes vor allem darüber, so sagt der Außenpolitiker des„Echo de Paris", daß der Dreierausschuß seinen Bericht ohne eine engere Fühlung- nähme mit den Mitgliedern des Regierungsausschusses aus- gearbeitet habe. Frankreich fordere die Besetzung des Saar- gebietes durch eine internationale Streitmacht. Die Außen- Politikerin des„Oeuvre" will sogar wissen, daß die sran- zösische Regierung mit dem Austritt aus dem Völkerbund drohen werde, wenn sie keine Genugtuung erhalte. Man weise ferner daraus hin, baß durch einen Beschluß des Völkerbundsratcs aus dem Fahre 1926 die Besetzung des Saargebiets durch französische Truppen vorgesehen sei, falls sich die Mächte nicht über die Entsendung einer internationalen Streitmacht einigen könnten. Französischer- seits scheine man aber wenig Neigung für eine derartige Maßnahme zu haben, weil man befürchte, baß eine solche Herausforderung das Abstimmungsergebnis noch mehr zu- gunsten Teutschlands beeinflussen würde. Barthou werde deshalb bemüht sein, eine oder mehrere Mächte für diese Ausgabe zu gewinnen. Erelheltsiront des Saargeblets Ihre Delegation in Genf Genf, den 15. Mai 1934. Die Freiheitsfront des Saargebietes hat auch zur dies- maligeu Tagung des Bölkerbundsrates eine Delegation nach Genf geschickt, die heute in den ersten Morgenstunden dort angekommen ist. Sie besteht aus dem Führer der Saar- ländischen Freiheitsfrout, Chefredakteur Max Braun und dem Landesratsabgeordneten Heinrich L i e s e r- Homburg. Die Freiheitsfrout hat bereits ihre Stellungnahme in einer besonderen Denkschrift dargelegt, die nach Mitteilung des Generalsekretariats des Völkerbundes bc, reits der letzten Sitzung des Aloisi-Ausschusses zur Kennt- nisnahme zugeleitet wurde. Die Saardelegation der Frei- heitssront wird insbesondere die Freiheit, Geheimhaltung und Unbeeinslußbarkeit der Abstimmung, die Sicherung von Leben und Eigentum aller Saarbewohner und insbesondere absolut reale und greisbare Garantien für die Zeit nach der Abstimmung fordern. Sie wird Gelegenheit nehmen, mit den Vertretern der Mächte des Völkerbundsrates über diese Fragen eingehend zu konferiere«. .Reuuis mit 100 Motorrädern und etwa 20 Autos, darunter, so wirb von dort gemeldet, sei auch der Wagen des Staatsrats Spaniol gewesen, eine grö- ßcre Anzahl der Räder trug reichsdeutsche Nummern. Demnach kann es sich nur um eine Veranstaltung der Saar- »azis handeln. Die Herrschaften üben also für die„Erobe- rung des Saargebietes". Es ist bekannt, daß im Saargebiet kein Samstag vergeht, wo nicht die Nationalsozialiften ihre Rachtmärsche und Uebungen abhalten. In der Rächt zum vergangenen Sonn- tag wurden 509 Nazis des KreiseS Saarlouis zwischen den Orten St. Barbara und Oberlimberg in dem sogenannten Mokenloch Überrascht. Ein französischer Beam« ter hat die Kunde von diese» nächtlichen Uebung im Mokeu- loch erhalten, den in Wallersangeu stationierten Oberland- jäger Bernd« daraus aufmerksam gemacht. Mitten in t h r e m Treiben, bei Kommandorusen, Signalblasen wurden die Uebenden unter die Scheinwerfer des Kraft, wagens genommen. Ob der Oberlandjäger Festnahmen machte, steht nicht fest. Ebenfalls am vergangenen Sonntag fand ein großes Motorradrennen im Saargebiet statt. Es mögen au 150 bis 200 Motorräder und 40 bis 50 Kraftwagen gewesen sein, die an diesen Uebungen teilnahmen. Fast alle geschmückt mit Hakenkreuzsähnchen. Jeder, der diese halbmilitärische For« 3000 neue vonzeu Eine Invasion am Harz lSopade.) Die Verwaltung des sogenannten„Reichs- nährstandes" soll von Berlin nach Goslar verlegt werden, um näher an„Blut und Boden" zu sein. Goslar liegt in einer schönen Gegend, die von Rentnern und Pensionisten mit Vorliebe zum Wohnsitz gewählt wird. Die neugeschaffenen braunen Bonzen schaffen sich eine roman- tische Idylle. Aber klein wird sie nicht sein! In deutschen Zeitungen wird gemeldet: „Die Stadt Goslar erhielt die Genehmigung für die Aus- nähme einer Anleihe von 500 000 RM.. die zur Hälfte für die Erschließung von Baugelände zur Uebersiedlung der Verwaltung des Reichsnährstandes benötigt werden Für 3 00 0 Personen, die mit der Verwaltung des Reichs- nährstandes zuziehen, müssen in Goslar neue Wohnungen erbaut werden." Da ist ein gewaltiger zentraler bürokratischer Apparat neugeschaffen worden— zu der bisherigen Bürokratie hinzu. Für 3000 neue braune Bonzen werden neue Wohnungen in einer der schönsten Gegenden Deutschlands ge- baut. Auch diese Arbeitsbeschaffung entspricht durchaus dem nationalsozialistischen Grundsatz: Gemeinnutz geht vor Eigennutz! Abonniert die..Deutsche Freiheit" Ein nationaler neld Ein würdiger Bruder Schlageten Der ehemalige Freikorpsfllhrer Heidebreck ist ein ein- armiger Kriegsbeschädigter, der sich in Baltikum und in Oberschlesien einen Namen gemacht hat. Ein oberschlesisches Dorf ist ihm zu Ehren umgetauft worden und txägt den Namen„Heidebreck". ein Ereignis, das in der deutschen Presse weidlich gefeiert wurde und die„Berliner Illustrierte" veranlaßte, eine ganze Bildseite darüber zu veröffentlichen. Der nationale Held sitzt jetzt im Stettiner Polizeigewahr. sam. Er ist seit langem als übler Trunkenbold bekannt, der die Nächte in den Wirtschaften verbringt und die Polizei- stunde kür sich nicht gelten läßt. Wurde er aufgefordert, das Lokal zu verlassen, da die Wirtschaft geschlossen werden mußte, dann nahm er seinen Revolver aus der Tasche und zerschoß die Uhren, um zeitlos weiter zu trinken. Niemand wagte sich an ihn heran, bis er kürzlich dasselbe Tchießkunstftück in einem größeren Kaffeehaus in einer Stettiner Hauptstraße versuchte. Er vertrieb die letzten Gäste und erregte großen Skandal. Das Ueberiallkommando er- schien, er legte aus die Polizisten an. die Schüsse gingen aber gegen die Decke, da ein hinzuspringender Offizier Heide- breckS Arm nach oben schlug. „Deutsche Freiheit", Nr. 111 ARBEIT UND WIITSCHAH Dienstag, 16. Mai 1934 „Was Dr. Schach! tu(..." In„DeNi(uweRotterdamidieCourant" lesen ■wir zu der Radiorede Dr. Schachts u. a. folgendes: „Was Dr. Schacht tut, ist das, wofür die Deutschen früher einen ganz besonders unehrerbietigen Vergleich hatten: Das eigene verlassene Nest beschmutzen!... Jemand, der über sein Vermögen lebt, kann niemals seinen Verpflichtungen nachkommen. Deutschland gibt Unsummen aus für unproduktive Arbeitsbeschaffung. Dafür müssen jedes Jahr für Hunderte Millionen Mark Grundstoff eingeführt werden. Dieser wird mit fremdem Geld bezahlt. Dafür ist das Geld aufzutreiben. Außerdem rüstet Deutschland in einer Weise auf, die wieder ein paar hundert Millionen Mark pro Jahr erfordert. Dies will Deutschland erst bezahlen, und erst dann kommen die Gläubiger au Reihe oder, besser gesagt, nicht au die Reihe. Dr. Schacht weiß sehr gut, daß hierin die Ursachen liegen, daß selbst die sehr beschränkten Zinszahlungen nicht mehr eingehalten werden können... Er weiß, wo der Schuh drückt und warum Deutschland keiner einzigen Verpflichtung mehr nachkommen kann; denn jeder Pfennig, der für das Ausland zur Verfügung steht, wird auch weiterhin für diese Dinge ausgegeben werden. Da das so ist, möge Dr. Schacht wenigstens dem Ausland seine Vorwürfe ersparen! Oder ist es seine Aufgabe, die Aufmerksamkeit von den wahren Ursachen der Zahlungsunfähigkeit abzulenken? Seine Darlegungen können Deutschland und die Mark nicht retten, wohl aber ein Einspruch gegen die wirtschaftliche Handlungsweise, mit der Deutschland heute seinen Kredit und sein eigenes Geld ermordet." Die notleidende Odersdiiilahrl Die„Pommersche Tagespost" schreibt über die Lage der Schiffahrt:„Oderaufwärt» war die Beschäftigung weniger befriedigend. Der Eingang von oderaufwärts bestimmten Massengütern in Stettin war nur mäßig... Im April hielt sich das Verladungsgeschäft im Eilverkehr von Stettin nach Berlin, den Elbe- und Oderstationen ungefähr in denselben Grenzen wie im Vormonat. Jedenfalls kann man von einer Belebung des Geschäfts nicht sprechen. Raum ist in ausreichender Menge vorhanden, da der Import von Gütern weitere Einschränkungen erfahren hat. So ist zum Beispiel die Einfuhr von Heringen und Därmen wesentlich zurückgegangen. Eine Belebung des Exports ist ebenfalls noch nicht eingetreten... Der Ueberseeverkehr der Massengüter hat sich im Verlauf des vorigen Jahres einschneidend verringert. Der Verkehr zwischen Nord- und Ostsee konnte sich auch nach den Festtagen nicht erholen,.. Der Verkehr nach den Randstaaten ist unverändert schwach geblieben. Der Massenladungsverkehr ist im allgemeinen gegen den vorigen Monat etwas zurückgegangen." Stockende Sparkasseneinlagen Ebenso wie in Preußen ist im ganzen Reich der Einzahlungsüberschuß der Sparkassen im März rückgängig gewesen. Er betrug Reichsmark 15,5 Millionen gegen 90,2 Millionen im Februar und 177,6 Millionen im Januar. Zu dem Ein- 7ahlungsüberschuß kommen noch 17,3 Millionen Zins- und 21 ,6 Millionen Aufwertungsgutschriften hinzu, so daß sich die Spareinlagen insgesamt um 54,4 Millionen auf 11 620,7 Millionen erhöhten. Im einzelnen gingen Einzahlungen um 5 ,3 auf 455,8 Millionen zurück, während sich die Auszahlungen um 69,4 Millionen auf 440.3 Millionen erhöhten. Die Giroeinlagen haben sich im März um 35 ,8 Millionen auf 1305,5 Millionen verringert. Die internationalen GoldDewegnngen Das seit der Devalvation des amerikanischen Dollars zu verzeichnende Wiederansteigen der monetären Goldbestände der Vereinigten Staaten hielt auch im April an. Der Umfang der Goldkäufe Amerikas im Ausland war jedoch bei weitem nicht mehr so groß wie im Vormonat und insbesondere im Februar. Der Goldbestand des amerikanischen Schatzamtes, der laut neuester amtlicher Statistik im Februar dieses Jahres um 1887 Mill. Schweiz. Franken und im März erneut um 786 Mill. Fr. gestiegen war, hat sich demgegenüber im vergangenen Monat nur um 199 Mill. Fr. erhöht. Im Laufe der seit der Dollardevalvation vergangenen drei Monate haben die Vereinigten Staaten ihre Goldreserven folglich um 2872 Mill. Fr. vermehrt. Amerika besitzt jetzt einen Goldbestand im Werte von 23 759 Mill. Franken. Goldbestände in Mill. schw. Fr. Vereinigte Staaten Frankreich England Belgien Italien Schweiz Holland Deutschland Stand vom Januar Februar 20 887,0 15 643,4 4 814,9 1971,2 1 936.0 1 998,1 1 914,9 464,4 22 774,1 15 022.5 4 816,9 1 955.8 1 937,7 1 836,5 1 650,4 411,7 Monatsende März 23 560,2 15 102,5 4 819,5 1 945,4 1 874.8 1 746,0 1 633,3 292,7 Summe 49 634,9 50 405,6 50 979,4 51 316,2 *) Stand vom 20. April. An Stelle von Amerika tritt neuerdings die Bank von Frankreich als größter Goldkäufer auf. Der Goldbestand dieser Bank, der sich nach einer im Februar erfolgten Abnahme um 626 Mill. Fr. bereits im März um 30 Mill. Fr. wieder erhöht hatte, ist im April weiter um 283 Mill. Fr. gestiegen. Die großen Goldzugänge bei der französischen Notenbank sind übrigens zu einem offenbar beträchtlichen Teil auf das Wiederauftauchen des vorher von der Bevölkerung Frankreichs gehamsterten Goldes zurückzuführen. Denn nur so läßt es sich erklären, daß die umfangreichen amerikanisch-französischen Goldkäufe im April nicht einmal entfernt entsprechende Gold Verluste bei den Zentralnotenbanken anderer Länder zur Folge hatten. Lediglich die Sdi weis, Deutschland und Italien hatten im vergangenen Monat Goldverluste im Betrage von zusammen 161 Mill. Fr. zu verzeichnen, wovon 111 Mill. Fr. auf die Schweizerische Nationalbank, 40 Mill. Fr. auf die Deutsche Reichsbank und 10 Mill. Fr. auf die Bank von Italien entfallen. Die Niederländische Bank konnte dagegen ihren ... Goldbestand im April um rund 11 Mill. Fr. vermehren, die Bank von England um 4 Mill. Fr. und die Belgische Natio- 23 i 59 0 nalbank um 3 Mill. Franken. 15 385,1 Die gesamten Goldbestände der Vereinigten 4 823.2 Staaten und der in vorstehender Tabelle aufgeführten 1 948,0 sieben europäischen Länder haben sich im April per 1 865 0 Saldo um 33 7 Mill. Fr. erhöht. Im Laufe der 1 633,5 letzten drei Monate sind diese Goldbestände insgesamt um 1 149.3 l,Hg Milliarden Franken gestiegen. Selbst wenn man von 253,1 diesem Goldzugang das Angebot aus der Neuprodnktion der Berichtsmonate einschließlich der anhaltenden Goldverkäufe Rußlands in Abzug bringt, so verbleibt doch noch ein ansehnlicher Betrag, der aus der fortschreitenden Auflösung „geheimer Goldhorte", und zwar sowohl privater als teilweise wohl auch des Goldschatzes der englischen Währungsausgleichsfonds, herrühren muß.(Neue Züricher Zeitung.) 9700 ZeHungen In der Sowjetunion (FLU.) Im Jahre 1933 erschienen in der Sowjetunion 9700 Zeitungen in einer Gesamtauflage von 36 Millionen Exemplaren. Davon waren 11 Millionen Exemplare in anderen, als der russischen Sprache. Im Laufe des Jahres hat sich besonders stark die Presse der Maschinen- und Traktorenstationen entwickelt, die Ende 1933 3 000 Zeitungen und gegenwärtig bereits 4 000 Zeitungen veröffentlichten, von denen gegenwärtig 848 gedruckt und die übrigen vervielfältigt erscheinen. Am 5. Mai wurde die größte und modernste Druk- kerei der Sowjetunion in Betrieb genommen, in der das Zentralorgan der Kommunistischen Partei„Prawda" hergestellt wird. Die Rotationsmaschinen der Druckerei, die in diesem Umfang bisher nur in Amerika aufgestellt wurden, drucken 1 Million Exemplare pro Stunde. Grenzen des Terrors In einer größeren mitteldeutschen Stadt wurde vor kurzem für die Arbeitslosen ein Wehrübungskurs veranstaltet. Unter dem üblichen Zwang hatte dieser Kursus am Anfang eine Beteiligung von 1600 Arbeitslosen aufzuweisen. Aber die Beteiligung ging rasch zurück. Von 1600 auf 800, auf 400; und schließlich blieben bis zum Abschluß des Kurses nur noch 45 Mann übrig. Dieser passive Widerstand, der sich im Wegbleiben der Arbeitslosen ausdrückt, ist umso beachtenswerter, als die Nationalsozialisten bei solchen Veranstaltungen in der Regel eine Kontrolle durchführen. Neue Formen der Lohnsenkung Ein mittleres Berliner Verlagsunternehmen, das sich bisher in privaten Händen befand, wird in Kürze in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Den Arbeitern und Angestellten ist bereits angekündigt, daß sie nach dieser Umstellung des Verlags ein Viertel ihres Lohnes in Anteilscheinen bekommen, um sie auf diese Weise zu Mitinhabern der Firma zu machen. Gegen bevorzugte jüdische Einwanderung Die Handelskammer des Staates Neuyork hat auf Giund des Berichts einer Sonderkommission unter dem Vorsitz Dr. Laughlins vom Carnegie-Institut in Washington beschlossen, den Vorschlag zu machen, daß bei der Zulassung zur Einwanderung nach Amerika keine Ausnahmen zu Gunsten jüdischer Auswanderer aus Deutschland gemacht werden sollen. Die Einwanderung von Juden solle ebenso wie die der Angehörigen anderer Rassen im Rahmen der festgesetzten Quoten vor sich gehen. Dreieinviertel Milliarden Rubel in 14 Tagen (FSU.) Innerhalb der ersten 14 Tage der Zeichnungsfrist für die große innere Anleihe der Sowjetunion sind 3 254 Millionen Rubel gezeichnet worden. Bemerkenswert ist, daß von dieser Summe 547 Millionen von Bauern der Kollektivwirtschaften gezeichnet wurden. Die Zeichnungsfrist für die Anleihe läuft noch weiter und das allgemeine Interesse ist so groß, daß mit einem Gesamtbetrag von mehr als 5 Milliarden Rubel bestimmt gerechnet werden kann. Die RatteiHfafzcnfarm Ein neudeutsches Finanzgenie Die nationalsozialistischen Würdenträger sind durchaus nicht alle ausgemachte Scharlatane. Es befinden sich unter ihnen auch eine ganze Reihe gutgläubiger Dummköpfe, die es im Rahmen ihrer geistigen Fähigkeiten mit dem deutschen Volke gut meinen. Zu dieser Kategorie scheint uns ein Herr Dr. Nieland, seines Zeichens Senator in Hamburg und Leiter der dortigen Landesfinanzverwal- tung zu gehören. Dieser Herr entwickelte neulich in einer offiziellen Besprechung, über die der„Flensburger Generalanzeiger" in einer seiner letzten Nummern be- geistert referiert, einen grandiosen Plan, dessen Durch- führung innerhalb einem Jahres die restlose Beseitigung der Arbeitslosigkeit zur Folge haben soll. Dieser Plan sieht folgendermaßen aus: Wen n die Hamburger Erwerbslosen für ein Fahr über die Einkünfte vertilgen könnten, die sie in normaler Weise verdienen würden, ivenn sie Arbeit hätten, und ivenn sie diese Einkünfte restlos für Lebensbedarf und Neuanschaffungen umsetzen würden, wäre der Einzelhandel einmal in der Lage, bei seinen Grossisten und diese wiederum bei ihren Fabrikanten große Aufträge zu tätigen, andererseits aber auch selbst Instandsevungeit, Er- Weiterungen. Geschäftsvergrößerungen und Neuanfchass- ungen vorzunehmen. Industrie und Handel könnten dann auch ihrerseits wiederum ihre Betriebe voll lausen lassen. eS wären auch hier Neuanschaffungen und Instandsetzungen grüneren UmsangeS, z. B. Maschinen, Transportmittel usw. nötig. Eine ungeheure Belebung der gesamten Wirtschaft würde langsam das lähmende Gespenst WirtschaftSdepression beseitigen und— all die Arbeitslosen, mit deren Geldern diese Beiruhtung erfolgt — würden in die zahlreichen ossen werdenden Arbeits- platze in Industrie. Grob- und Detailhandel einrücken können! Dazu ist nur nötig, daß staatliche Beratungsstellen ein- gerichtet würden, die seden einzelnen Arbeitslosen über seine Bedürfnisse für ein Fahr beraten! Herrn Dr. Nieland ist scheinbar noch immer nicht ge- läufig, daß sich auch der letzte Erwerbslose über seinen Iahresbedarf längst im klaren ist, urfd daß er alle Tage merkt, woran es ihm fehlt. Die Beratungsstellen könnte sich dieser wohlmeinende Freund des Volkes nach unserer un- matzgeblichen Meinung ruhig sparen. Er will aber nicht darauf verzichten, weist diesen Berat; ngsstellen oiemehr die Aufgabe zu, einen Hai shalt->plan für jede erwerbelose Familie aufzustellen, der deren Lebensunterhalt und sämtliche beabsichtigten Neuanschaffungen enthalten soll. Nach dieser Aufstellung soll der Erwerbslose Bestell- scheine unterschreiben, durch die er sich verpflichtet, s ü r den Fall, da« er Arbeit erhalten sollte, seinen gesamten Bedarf bei bestimmten Geschäften zu kaufen. Auf Grund dieser Verpflichtungsscheine sind dann— — nach Herrn Nieland— die Detaillisten wiederum in der Lage, ihren numehr für ein Jahr gewaltig gesteigerten Umsatz(wieso Umsah? b. Red.j im voraus festzustellen. Tie Großisten können auf Grund dieser BorausdiSposi- tionen auch ihrerseits große Abschlüsse tätigen und Per- sonaleinstellungen vornehmen. Das gleiche gilt von der Industrie. Weiter geht dann der Kreislaus über die Sie- feranten der Industrie, so daß zuletzt in alle Wirtschafts- kreise die große Belebung ihren Einzug halten müßte! Die Erwerbslosen aber werden durch diese Boraus- dispositionell nunmehr tatsächlich in Arbeit gebracht— sagt Herr Nieland- und auS dem angenommenen' Ein- kommen ist der tatsächliche Erwerb geworden. Tableau!• Der Wirtschaftsapparat mützte nunmehr voll laufen, ohne daß irgendwelche Mittel aufgewandt wurden!!! Jeder zweitrangige Zauberkünstler macht„Abrakada- bra" und zaubert aus seinem schäbigen Hut wirkliche, eh- bare faustgroße Kartoffeln hervor. Aber wenn man Leiter einer so großen Landesfinanzverwaltung wie die ham- burgisch: ist. sollte man sich die Sache doch nicht so einfach machen. Was würde Herr Dr. Nieland z. B. sagen, wenn dem Detaillisten die von Erwerbslosen unterschriebenen Ver- pflichtungsscheine eine zu winzige Grundlage wären, um auf sie hin seine Lager vollzufüllen? Was würde er zu Grossisten und Fabrikanten sagen, die trotz etwa ein- gehender Bestellungen keine Neueinstellungen und keine Neuproduktion betrieben, sondern ihre mutmaßlich bis zum Bersten vollgestopften Läger leerverkaufen würden? Was würde Herr Dr. Nieland zu den armen Erwerbs- losen sagen, die trotz der gut unterschriebenen Bezugs- Verpflichtungsscheine und trotz der staatlichen Beratung»- stellen keine Arbeit erhielten? Will er alle diese Unbot- mäßigen, die sich seiner höheren Einsicht nicht beugten, wegen wirtschaftlichen Dolksverrats in die Konzentra- tionslager stopfen, um die Arbeitslosigkeit auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege zu beseitigen? Der„Flensburger Generalanzeiger" meint jedenfalls zu diesem Plane ganz entzückt: „Auf jeden Fall ist er so einleuchtenb und umwälzend zugleich, daß die Hamburgische Finanzverwaltung gemeinsam mit dem Reichsfinanzminister die Möglichkeit seiner Durchführung prüft und abwägt. Gegen die vorgesehene Ausstellung der Haushaltspläne ftir die Erwerbslosen, so- ivie gegen die Borbereitung der Aktion bestehen keinerlei Bedenken.(II" Uns dünkt, der Plan ist genau so einleuchtend, wie jenes herrliche Projekt einer Rattenkatzenfarm, das einmal von einem Spatzvogel erfunden und später von Lion Feuchtwauger in dessen Buch„Erfolg" verewigt wurde. Man gehe von folgenden Tatsachen aus: a) Ratten vermehren sich schnell, b) Katzen desgleichen, c) Katzen fressen Ratten, euts€fke Stimmen•(Beilage zur ,. Deutschen&weifkeit"• Ereignisse und Qesdkidkten Mittwoch, dan 16. M«l 1 934 2)ec %tie$ Albert!Bassecmanns Sein. Abschied, mn dec^BäfineHqetiassmschafl Jüngst Sem Jühtec k wurde berichtet, daß Albert Bassermann •einen Austritt aus der deutschen Bühnengenossenschaft erklärt habe. Bestimmte Unterlagen gab es für diese Meldung bis vor kurzem nicht, aber sie hatte einen hohen Grad an U ahrscfaeinlichkeit. Bassermann gastiert seit der Machtargreifung durch die„nationale Revolution" im Ausland: •cit dreißig Jahren ist er mit einer Jüdin, der Schauspielerin Else Schifl-Bassermann, verheiratet, die ihn auf seineu Gastspielreisen stets begleitete und in seinem Ensemble spielte. Jetjt aber wird Bassermanns Brief an den Vorstand der ulihnengenossenschaft im Wortlaut veröffentlicht. Er lautet: „Anfang Juli vorigen Jahres habe ich nach Beendigung des Ufafilms„Ein gewisser Heir Gran" Berlin verlassen mit der Hoffnung, daß die Bestimmungen der deutschen Regierung bezüglich der Wirksamkeit unserer nichtarische» Kollegen(also auch meiner Frau) mit der Zeit sich ab- •chwächen und zum großen Teil wieder aufgehoben würden. Die Fülle Grete Mosheim, Lucie Mannheim, Lotte Stein, allburg usw. schienen mir recht zu geben und ich entschloß wich, mit meiner Frau unser übliches Frühjahrsgastspiel am Leipziger Schauspielhaus zu absolvieren. Während der Verhandlung kam plötzlich die Demonstration gelegentlich der Vorführung des Elisabeth Bergner- Eilras in Berlin und bald darauf erschien ein neuer Erlaß des Propagandaministeriums, der leider eine Verschärfung der obengenannten Bestimmungen in Aussicht stellte. Das Resultat der Verhandlungen, die das Leipziger Schauspiel- haus seit einiger Zeit mit ihnen über unser Gastspiel pflegte, veranlaßte die Direktion des genannten Theaters, mich im Interesse seines Fortbestehens zu bitten, dieses Gastspiel allein zu absolvieren. Das bedeutet also eine Ausschaltung meiner Frau auf den deutschen Bühnen, meiner Frau, mit der zusammen ich ein Menschenalter in Deutschland gewirkt habe. Sie werden begreifen, daß ich trotz den Sorgen um meine Leipziger Kollegen und trotz den inständigen Bitten meiner Frau, das Gastspiel ohne sie zu absolvieren, mich dazu nicht entschließen konnte. Meiner Frau Vorschlag, sich von mir scheiden zu lassen, um das Gastspiel zu ermöglichen, kommt natürlich überhaupt nicht in Frage. Und Sie, meine Herren, und die deutsche Regierung müßten mich als einen traurigen Charakter einschätzen, wenn ich unter diesen Umständen nicht die Konsequenzen zöge. Ich melde hierdurch unseren Austritt aus der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger an und lege damit selbstverständlich auch meine Ehrenmitgliedschaft nieder. Was für Gefühle der Trauer dieser Entschluß in mir und meiner Frau auslöst, brauche ich hier nicht weiter auszuführen. Mit vorzüglicher Hochachtung Albert Bassermann." In dieser Zeit der seelischen Erniedrigung tut schon das menschlich Selbstverständliche wohl. Albert Bassermann, der Deutschlands größte Schauspielertradition verkörpert, dessen einmalige Darstellungskunst mit der wichtigsten Epoche des deutschen Theaters verknüpft ist, wendet sich mit Widerwillen von der Terrormoral des„dritten Reiches" ab. An der Hand Albert Bassermanns blinkt der Iffland-Ring. Seit hundert Jahren hat er sich auf die bedeutendsten deutschen Schauspieler vererbt. Vor Bassermann trug ihn Josef Kainz. Niemals dürfte ihn Albert Bassermann mit größerem Recht und mit größerer Ehre tragen als heute. Von Ministerpräsident Hermann Göring (mitgeteilt von Georg Wilman) Gott sandt' Dich uns, um uns zu reiten, O hätt' er Dich früher gesandt! Es rasselten sdiwer untre Ketten, Tage und Nächte wir hätten Zergehen können vor Schand! Von allen den deutschesten Gauen 0 Führer, erschallt Lob und Preis. Nicht Männer, auch Kinder und Frauen Beschwören die Treue Dir heiß! Es befreit die Erlösung die Herzen, Retter des Volks, Du bist da! Längst vergessen sind Kummer und Schmerzen, Immer bist geistig Du nah! Choräle Dir sollten erklingen, Herzen fliegen Dir zu. Inbrünstig wollen wir singen: Nimm untre Herzen, die schwingen! Großer Erretter Du! Es mög unser„Heil" Dich erlaben. Nun lies mal die Anfangsbuchstaben! 2J ec dunkle f unkt Harald Bratt— August Riekel AffUCLcH QiMels' tepcäsentatives Deutschlandbuch Die„Reichsstelle zur Förderung deutschen Schrifttums", Berlin(Amt für öffentliche Buchwerbung) hat an die deutschen Buchhandlungen einen Brief gerichtet, in dem gesagt wird:„Im Volk und Reich-Verlag, Berlin, erschien soeben das Buch„Deutschland zwischen Nacht und Tag", Herausgeber Friedrich Heiß... Dieses Buch ist als wichtige ^ äffe der Regierung im Kampf um die Erneuerung des Denkens auf Wunsch des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda von allen deutschen Buchhandlungen sofort in den Mittelpunkt ihrer Werbungen zu stellen... Buchhandlungen, die Beziehungen zum Ausland pflegen, müssen es als ihre Ehrenpflicht betrachten, in systematischer Vertriebsarbeit für das Werk im Ausland Absatz zu finden... Die Ueberwadiungsstellcn der Reichsstelle sind zum Bericht angehalten..." Der amtliche Charakter dieses Buches„Deutschland zwischen Nacht und Tag" wird gleichfalls durch das Vorwort unterstrichen. Es heißt hier:„Für einzelne Abschnitte fanden wir sachliche Förderung und Mitwirkung von einer Reihe amtlicher Stellen." Dieses repräsentative Propagandawerk des„dritten Reiches" ist ein Bilderbuch mit verbindenden Texten. Es will einen Querschnitt geben durch das Deutschland von gestern und heute; es will die Voraussetzung aufzeigen, die den Nationalsozialismus zur Macht führten und beweisen, was Hitler mit seiner Regierung erreicht hat. Das Buch beginnt, nach dem Vorwort, mit dem„Spruch auf dem Grabstein von Fischer und Kern auf dem Dorflriedhof von Saaleck", mit den Rathenaumördern also, und es ist wissenswert, daß das Propagandaministerium den politischen Mord als\ or- aussegung des„dritten Reiches" an erster Stelle öffentlich verkündet. Dem Krieg von 1914-18 wird eine Reihe von Bildern gewidmet; eine„Seeschlachtkarte" unterrichtet über„Skager- rak" und die Taten der Kreuzer„Emden",„Karlsruhe" usw.; die„abgetrennten" Gebiete werden durch grafische Darstellung anschaulich gemacht; von„Trugabstimmung" z. B in Eupcn-Malmedy wird gesprochen; die europäischen Rüstungen werden groß aufgemacht und„der deutsche Westen liegt offen und ist wehrlos"; eine Schlageterfeicr ist fotografiert und so fort.' In allen Bildern atmet der Geist des„kriegerischen Heldentums" und der Haß der Revanche. 43 Seiten des Buches werden„der neuen Gemeinschaft" im„dritten Reich" gewidmet; diese„neue Gemeinschaft" besteht darin, daß in 30 Bildern nationalsozialistische Aufmärsche oder strammstehende Uniformierte gezeigt werden. Am aufschlußreichsten ist das Kapitel„Der Aufbau". Der Aufbau bestellt darin, daß Hitler einen Spatenstich tut, daß er einem kleinen Mädchen die Hand gibt, daß der österreichische Naziführer Habicht in einer Pressebesprechung redet, daß Helgoland, Schächte an der Ruhr, die Nationalbibliotliek, Kathreiners Hochhaus in Berlin und Aehniiches gezeigt werden, die bekanntlich vor Hitlers Machtergreifung niemals existiert haben. . Auf einem einzigen Bild wird ein Haus im Bau gezeigt; es ist ein gewöhnliches Wohngebäude. Das Propagandaministerium scheint der Welt zeigen zu wollen, daß sich der nationalsozialistische„Aufbau" auf diese Leistung beschränkt. Das ist ihm restlos gelungen. ». Vor einigen Jahren wurde der sehr konjunkturtüchtige, damals der SPD. angehörende Prof. August Riekel von der sozialdemokratischen Regierung Jasper-Sievers in Braunschweig zum Direktor des Erziehungswissenschaft- liehen Forschungsinstituts gemacht. Riekel heimste große Ehrungen ein, doch leistete er hinfort nur noch weniger für sein Fach. Hingegen startete er 1932 ein Stück„Der Diktator" im Schauspielhaus Hamburg, worin er unter dem Pseudonym Bratt seinem nationalen Herzen die Zügel schießen ließ. Hamburger Zeitungen plauderten aus,„daß hier ein bekehrter Sozialdemokrat— der in echt deutscher Treuherzigkeit durchaus versäumt hatte, aus der Partei auszutreten— sich politisch seherisch gebe." Es geschah dem Riekel dann auch nicht viel, er konnte unangefochten auf seinem Heidegut leben, brauchte sich nicht einmal zu trennen von seinem feudalen Auto, derweil seine Kollegen Jensen, Paulsen, Frankenberg brotlos wurden. Nun hat er neuerdings mit der Ufa einen Filmvertrag über sein Stück„Die Insel" geschlossen, in dem Werner Krauß die Hauptrolle spielen soll. Wir können uns aber vorstellen, daß der R!' 1 seine einzige höllische Angst auch trotz dieser beträr 1 c Erfolge mit sich weiter'chleppt, diese nämlich, daß c...»s Tages herauskommen könne, daß er Jude ist. Er ist es. ganz kleinlaut hat er davon seinen nächsten Bekannten berichtet, 2) ec(ReicksUldimqsmiiü . fteichsniüiistec Jlust, 3Celdewatec a. 2). 3g. Der Heldenvater Rust— er hat sich während des Krieges selbst so bezeichnet und wurde in Kollegenkreisen seither so genannt— ist zum Reichsbildungsminister ernannt worden. In den Betrachtungen, die jetzt angestellt werden von den bchreibkncchten des Göbbels über den neuen Reichsminister, findet sich regelmäßig eine grobe Fälschung zugunsten des Heldenvaters. Es heißt z. B. in der„Roten Erde": Als er als Fraktionsführer im Provinziallandtag der Provinz Hannover gegen den marxistischen Oberpräsidenten Noske wegen des Verbots der Hitlerjugend einen Mißtrauensantrag einbrachte, wurde er von seinem Lehramt(als Studienrat) entfernt." Das ist eine Lüge, leider. Tatsache ist, daß die Republik Preußen den Hetzer Rust nicht„entfernt" bat. Rust hat selber gekämpft um seine Pensionierung, die er mit Hilfe einiger ärztlicher Zeugnisse, die ihm Arbeitsunfähigkeit, pathologische Bewußtseinsstörungen, Anfälle von Größenwahn bescheinigten, erreichte. Preußen zahlte dem Gauleiter Rust, der als Psychopath seinen Abschied genommen hatte, seine volle Pension. Er wurde nicht zum Märtyrer. Aber sein altes Leiden behielt er. genau wie der wegen C risteskrankheif aus dem Schuldienst e'nfernte Lehrer ilinkler. jetziger Polizeipräsident von Altona. Rust ist durch V ochen völlig unfähig zu klaren Gedanken, er verschleppt deswegen unzählige Entscheidungen. Seine Mitarbeiter seufzen darob.(Hinlder, um dem Kollegen auch gleich ein Wort zu widmen, reagiert seine pathologischen Zustände in aufsehenerregenden Saufereien ab. die regelmäßig in Tobsuchtsausbrüchen enden. Seine SS.-Adjutanten wissen ein Lied davon zu singen.) Der Heldenvater Rust, Psychopath und Reichsbildungsminister i«t der Repräsentant der„neuen Bildung" im „dritten Reich". Er hat in Preußen die marxistischen Lehrer aus den Schulen entfernt, hat Schulfeiern organisiert, Fähn- verteilen lassen, ein paar neue pädagogische Akadc- gestartet, alle wesentlichen Dinge pädagogischer Füll c en rung hat er der HJ. und dem NSLB. überlassen. So wird er es auch wohl weiterhin halten, auf daß sein Konkurrent Schema ihm nicht zuviel Krach veranstalte. Im folgenden noch eine kleine Erinnerung an Rust. Im September 1929 wiesen erhebliche Verdachtsmomente darauf hin, daß in der Gauleitung Hannover der NSDAP, einer der Herde der Bombeniegerorganisation zu finden wäre. Als polizeiliche Recherchen einsetzten, wurde der in erster Linie verdächtige Gauleiter und Redakteur des „Niedersächsischen Beobachters", Herr W. Heinz, von Hiller brüsk seines Postens enthoben und durch Rust ersetzt. Um die Unbeteiligtheit der NSDAP, an den Attentaten darzutun, setzte Hitler Kopfprämien für ihre Entdeckung aus und gleichzeitig gab der polizeilich sistierte neue Gauführer Rust zu Protokoll, daß F. W. Heinz mit den Bombenlegern in Verbindung stünde und denunzierte sogar, daß Heinz in einer vertraulichen Führersitzung kurz zuvor bei einer Besprechung dieser Akte getagt hätte:„Et wird bald noch ganz anders knallen!"(Et folgte dann das erste Reichstagsattentat der Nazis, Anfang September 1929.) Diese Denunziation gegenüber der Severing Polizei kennzeichnet den Herrn Rust als einen würdigen Vertreter neudeutscher Treue. Qedenke... Ahnherr werden ist nicht schwer... In der Zeitschrift„Deutsche Berufsschule", Berlin (Herausgeber: Deutscher Verein für Berufsschulwesen), lesen wir: „Gedenke, daß du ein deutscher Ahnherr bist! Das gilt insbesondere für das deutsche Mädchen..." Warum nicht? Wir sind überzeugt davon, daß die blondbezopften Mitglieder des BDM(Bund deutscher Mädchen), wenn es an höherer Stelle gewünscht wird, ohne Murren liese Rolle übernehmen und sie prachtvoll erfüllen werden. Denn Befehl ist B fehl. (Das gesunde Stundenteumaß „Es droht eine Katastrophe" Der Führer der Reichsfachschaft der Studierenden, Dr. S t a e b e 1, gab der„Kreuz-Zeitung" ein Interview, in de n offen von einer drohenden Katastrophe im deutschen Hochschulstudium gesprochen wird. In dem Interview heißt e■: „Zweifellos ist der Student in den letzten zwei Semestern au viel beansprucht worden, und da die Hochschule und die ernste Arbeit in den Seminaren und Uebungen zunächst am wenigstens verlockend schienen, mußte das Studium leide>. Es ist uns Führern in der Deutschen Studentenschaft klar, daß hier eine schwere Gefahr für den Staat droht. Denn wenn die Leistungen nachlassen, wenn in den Seminaren nur noch diejenigen sitzen, die dank ihrer(offensichtlich jüdischen) Abstammung oder politischen Einstellung nicht Mit» glieder der Studentenschaft sein können, da m u ß e s s e Ii i; bald zu einer Katastrophe kommen. Wir werden deshalb bewußt darauf hinarbeiten, daß Hochsdiuli und Studium wieder(!) zu ihrem Recht kommen. Wir werden es erreichen, daß der SA.-Dienst auf ein gesundes(!) Maß zurückgeschraubt wird... Gegen alle diejenigen, die glauben, daß sie in Zukunft allein auf Grund guter Parteidienstzeugnisse etwas erreichen können, werden wir mit schärfsten Mitteln vorgehen." IDec trägt jüdische Jilutsteiie? Die Juden-Nazis... Aus einem Artikel„Die Parteigerichtsbarkeit der NSDAP.'* im„Völkischen Beobachter": „Der liberalistische Staat hat alle rassenmäßigen Gedanken abgelehnt. Dadurch konnte es geschehen, daß schon vor der Machtübernahme einzelne, später viele Menschen in die Bewegung kamen, die keine Ahnung davon hatten, daß sie Träger jüdischer Blutsteile waren!!..." Nanu? Welch seltsames offiziöses Eingeständnis! Welch Göringscher Sendbote macht da Jagd auf die unaussprechlichen Blutsteile des Dr. Josef Göbbels?! Zeit=Thüzen Warum Mosley kein„Führer" ist, stellt die„Zeitschrift für Politik"(Heft 1) fest, nämlich: „Mosley war bekanntlich mit der Tochter des ehemaligen Vizekönigs von Indien, Lord Curzon, aus dessen Ehe mit einer amerikanischen Jüdin verheiratet, und als sie noch lebte, hat diese Frau auch auf den faschistischen Versammlungen Mosleys gesprochen..." Er soll sich entlüften Die Zeitschrift„Der Wanderer" hat einen neuen Schriftleiter erhalten, den Pfarrer Speimeyer aus Münster, der darauf hinweist,„daß es vielleicht besser sei, wenn der in der Stadt arbeits- und obdachlos Gewordene wandere in der Hoffnung, doch wieder Arbeit zu finden, als wenn er im tn-pfen Sitzen in der Großstadt verkümmere. Das W and ern' I" für ihn eine gewjjse Epli y tun n ,*.*"* „Deutsche Freiheit", Nr. 111 Das bunte Blatt Mittwoch. 16. Mai 1984 Fahrt ins Land von Ktraßburg Das Frühjahr war voll Verschwendung. In ein paar Tagen wurde die Welt sommerlich, sproßte das Gras, bra- chcn die Knospen des Weins, wurden die Linden schattig, erblühten tausend Sträucher und Kräuter, die Wiesen prunk- ten in Rot und Gelb, an den Hängen, in den Gärten lag vnabsehbar der Blütenschnee auf den Obstbäumen. Und nun wetterleuchtet schon goldgelber Ginster vom Waldrand her. Abends treibt der Wind Milliarden tote Kastanienblüten die Alleen entlang. An den Wegen blüht dunkler Salbei. In den Gärten schwellen die Rosen, nachts schlagen die Rachti- gallen sehnsüchtig und süß. Sin erstes Gewitter zieht mit schwefelgelben Wolken über die Rheinebene heraus. Wir aber schreiben erst Ansang Mai. Die Berliner Zei- tungen berichten von der„Boombliete" in Werder. Die Hamburger fahren erst jetzt ins blühende Alte Land. Da ist ein Unterschied von drei Wochen. Hier werden in ein paar Tagen die Linden ihre honigschweren Blüten öffnen, der- weil in Blankenese und Hallcnsee der harte Abendwind kaum die zarten Blätter trifft, derweil dort die ersten bräunlichen Eichenblättchen sich enthüllen. Biel lieber würde man einen Lobgesang schreiben aus die alte Heimat, auf den weiten Blick von Blankenese über den blendenden Strom, die flachen Dächer von Finkenwerder, die flatternden Segel vor der Lühe, das in weiß getauchte Marschland, die blauen Hügel der Heide: aui die lichten Buchenwälder bei Scharbeutz vor der spiegelnden Ostsee: auf die malerischen Städte Lüneburg oder Neubrandenburg, über deren Mauerruinen blühende Syringen wuchern, deren Türme mit schweren Glocken über das Land läuten. Viel lieber! Doch fei das verschoben. Die Gegenwart habe auch hierin ihr Recht... * Ter Zug bummelt aus dem Bahnhof, kriecht unter den Wällen durch, rollt durch Vorstadtgärten hinaus ins mai- lrche Land. Vom Schwarzwald herüber blinken etliche weiße Villen, einige Kurhäuser. Tic Bogesen liegen blaßblau im Dunst. In den Feldern werken die Weingärtner und Bauern. Das Getreide steht hoch im Halm. Vor den Hütten hängen in üppiger Fülle seidenblaue Glyzinien. Goldregen und Flieder wetteifern im Farbenspiel der Gärten. Aus dichtem Grün erstehen graurote, schieserblaue Dächer, ein schöner Turm mit spielerischem Barockhclm erhebt sich dar- über, dahinter schwellen lose graublaue Wolken mit ner- vösen Rändern. Der Zug hält und fährt ab. Muyig... Von da her dröhnten den ganzen Krieg über die Fortgeschütze in Rich- ' tung Donon, sausten heulende Geschosse über das friedliche Heiligcnberg hinweg, das Tal der Breusch hinauf. In Hei- ligenberg steigen wir aus, am Eingang des Gebirges. Da rauscht die Breusch, treibt Mühlen und Fabriken, ein eiliger, klarer Fluß. In den Wiesen prangt das Gold der Sumpf- dotterblumen, aus dem Grün heben sich ab die blauroten Kerzen des Knabenkrautes mit den seltsam gefleckten Blät- tcrn, Kraut der Sage und geheimen Künste. Tic Höhen sind bewaldet Der Laubwald trägt das leuchtende Grün der Buchen, das bräunliche zarte Blattwerk der Eichen. Ter Nadelwald jenseits des Tales hat seine Dunkelheit geziert mit Milliarden hellen Trieben. In den grünmoosigen Schneisen blüht es gelb und blau. Unterhalb Heiligenberg liegt Sonnenschein auf dem rosanen Tandstein. Ter Turm steht auf der Höhe, einige Dächer mit glasierten Ziegeln blitzen im Mittagslicht. Durch den Wald klettern wird aufwärts. Das Dorf ist nicht alt. Ein kleiner Arbeiterort, desien Bewohner in der nahen Papierfabrik, in einer Spinnerei und in den Wäl- der» rings ihr Brot verdienen. Ein Madonnenbild am Dorseingang, mit Blumen und Kerzen geschmückt. Die Kirche ist, nahebei, nicht einmal schön. Aber rings blühen die Obstbäume, auf dem Rasen wippen Löwenzahnkörbchen, helle Dolden verschiedener Möhrengewächse. Durch die Gassen treibt ein Schäfer eine große Herde grauer Schafe, der Hund trottet gemächlich vorauf. Hoch- beinige hellflaumige Lämmer, nicht älter als einen oder zwei Tage hüpfen komisch und noch ein bißchen weltfremd dazwischen herum. Eine Lager-Rast in einem großen Garten, von dem aus man die blanke Asphaltstraße im Tal sieht, die ferne schal- teilhast? Silhouette des Münsterturms, die Weinberge bei Mutzig, das weite wachstumschwangere Land. Die gute Frau, die uns bewirtet, bringt Kaffee und Mirabcll, Kuchen, Brot, Schinken heraus auf einen flüchtigen Tisch. In den Bäumen darüber summen die Bienen, es regnet rostige Blü- tcnblätter. Das Mahl ist reichlich und vorzüglich. Die Tonne scheint heiß und der Wind geht schwer von Wärme und Duft. * Unten im Tal steht ein hoher ziegelsteinerner Schornstein. Kein Rauchwölkchen deutet sich an. Aber die Maschinen klap- pern, dröhnen, brausen dennoch. Tie Breusch treibt diese Papierfabrik, diese Mühle. Die eigentliche Papiermaschine allerdings muß geheizt werden. Ein Lager Fichtenholz, ein Schuppen mit einigen Wag- gons alter Zeitungen— das Rohmaterial. Das Holz wird entrindet und zersägt, kommt dann gekocht oder ungekocht in Schleismaschinen, in denen es zerrieben wird zu winzigen Fasern und Splittern. Es entsteht mit Wasser eine Fasersuppe. Diese Suppe wird in drei große klobige Mühlen ge- leitet, Holländermühlen. In die Suppe werden nun zuge- fügt: gemahlene Zeitungen(welch armseliger dreckiger Brei, solch Endergebnis leidenschaftlicher Tätigkeit!), Zellulose, Farbe. Das rinnt und rutscht dickflüssig, rot, grün, blau rundum durch die Mühle, bis es fein genug ist. Diese Masse wird alsdann sehr verdünnt aus die Zylinder und Bänder des Papiermaschinensystems geleitet. Vierzig Meter weiter- hin spult sich fertiges Papier, noch etwas warm, stetig, tage- lang, wochenlang fort, auf Rolle um Rolle. Braunes Pack- vapier, hergestellt nur aus den Fasern gekochten Fichten- Holzes, buntes, in der angegebenen Mischung. Die Fabrik arbeitet in drei Schichten. Die Breusch liefert billig die Triebkraft, so hält sich das Werk. Da haben wir etwas Neues gesehen. Fast den ganzen K^ieg über, obschon zehn Kilometer hinter der Front ge- legen, mahlten die Mühlen, spulten die Maschinen: Brot- kartenkarton! Später verarbeiteten sie deutsches In- flationsgeld zu bemselbigen dreckigen Brei, den wir als Ucbcrrest unsrer geliebten Zeitungen sahen. Noch haben Berksangehörige ihre Zimmer mit den bunten Lappen und astromischen Ziffern tapeziert. An der Fabrik macht die Straße, die weiterhin nach St. Di« führt, über den Donon hinweg, einen Bogen. Geht man das Tal aufwärts, so tut sich einem nach wenigen Minuten der schönste Blick auf, den man sich denken kann. Da liegen die Berge bei Schirmeck, die steilen Höhen, umblaut und umlcuchtet vom Nachmittag, überflogen von weißen Wölk- chcn, die Waldhänge von Burg Nideck. das blumenbunte, er- lenumbuschte Wiesental der Breusch. Wir pflücken Blumen: Salbei, Taubnessel, Knabenkraut, Dotterblumen, Blutaugen. Vergißmeinnicht, Ehrenpreis am Wege, Ginster vom Waldrand und bringen Sonne und Wiesenduft für wenige flüchtige Stunden mit heim. R. Grausiger Fund im Urwald Eine Forschungsexpedition, die ins Quellgebiet des Kongo st romes vorgedrungen ist, fand mitten im Ur- wald aui einer Waldlichtung die Ueberreste diner vor vielen Jahren hier umgekommenen Forschergruppe. Neben Bruch- stücken von Material aller Art lagen die Gerippe von elf Menschen, von denen vier der weißen Rasse anzugehören scheinen. Man ist sich vorläufig noch nicht im klaren, wer diese Unglücklichen sind, jedenfalls scheint dieses Urwald- drama sich schon vor einigen Jahrzehnten abgespielt zu haben. Es hat ganz den Anschein, als ob die Forscher und ihre Träger in völlig erschöpftem Zustande dem Ueberfall von Buschnegern zum Opfer gefallen sind, die sie durch vergiftete Pfeile töteten. Die. Opfer wurden scheinbar aller Wertsachen beraubt, denn man fand keinen Ring und keine Notiz bei ihnen, die darauf schließen lassen könnte, um wen es sich hier handelt. Ten Toten wurde von den Teilnehmern der jetzigen Expedition ein spätes Grab geschaufelt. Die Geschichte einer Scheidung Die junge Frau eines wegen eines schweren Verbrechens zu lebenslänglichem Cayenne Verurteilten wollte sich schei- den lassen. Nach dem Gesetz muß bei solchen Fällen ein am Erscheinen verhinderter Ehepartner durch einen Bevoll- mächtigten vertreten sein. Der unglückliche Ehemann in Cayenne hatte seine in Frankreich lebende Mutter mit seiner Vertretung beauftragt. Die beiden Frauen erschienen vor Gericht, warteten im Korridor, bis ihr Fall zur Berhand- lung kam, und als der Gerichtssekretär die Namen des zu scheidenden Paares aufrief, wollten die beiden Frauen ein- treten.„Ich habe den Gatten gerufen," bemerkte der Sekre- tär, worauf die Mutter antwortete:„Aber ich bin doch der..."—„Unmöglich." rief der Sekretär erschreckt,„zwei Frauen, die sich scheiden lassen wollen, das ist mir in meiner ganzen Praxis noch nicht vorgekommen!" Es dauerte lange Zeit, bis es gelang, den Beamten über die Sachlage auf- zuklären. Sajenringe verboten Der schönste Schmuck der Dame aus Senegal war ihr Nasenring. Ein Ring durch die Nase oder gar durch die Lippen zog die Blicke der Männer an wie ein Magnet. Gegen diese Mode kämpft jedoch die französische Verwaltung: zuerst haben es Missionare und Offiziere in Güte versucht, aber olle ihre Reden von UnHygiene prallten wirkungslos an den glitzernden Ringen ab. Seit Jahren hagelt es schwere Strafen gegen diese Nasenringträgerinnen. Zwei bis fünf Jahre Gefängnis stehen aus diesen Schmuck: wird aber ein Tchönheitsspezialist gesaßt, dessen Beruf es ist, Löcher durch die Nase zu bohren, so muß er bis zu zehn Jahren im Dustern sitzen. Und dieses„Düstere" ist der senegalamtliche Ausdruck für Gefängnis... Aber was tut eine Dame nicht alles für die Mode. Gin protosaurier gefunden Bei Ausschachlungsarbeiten nahe bei Alicante haben Arbeiter daS Skelett eines riesigen Protosauriers gesunden, wie es in seiner gewaltigen Größe bisher noch unbekannt war. Gelehrte, die das Skelett begutachtet haben, stellen fest, daß es sich um ein Tier aus der prähistorischen Zeit handelt. Man glaubt, das bisher älteste Tier gefunden zu haben, älter als die bisher bekannten Knochengerüste aus der Te- kundärzeit, die iu Mitteleuropa ausgegraben wurden. Das Tier wurde vollends zu Tage gebracht und wird jetzt ein Glanzstück des Naturhistorischen Museums von Madrid werden. Die Macht der Rede Ter Fall war nicht gerade kompliziert. Die ganze Ver- Handlung gestaltete sich einfach und langweilig. Ter Ange- klagte gestand. Ja, er war in der Tat in eine fremde Wohnung einge- krochen, hat. irgend ein altes Weib fast zu Tode gewürgt, zwei Anzüge gestohlen, einen Kupserkessel und noch einige Kleinigkeiten. Der Fall war, wie gesagt, klar und höchst uninteressant. Ich hatte schon beschlossen, den Berhanölungssaal zu räu- men, aber das viele Volk in den Gängen machte einen un- ausfälligen Rückzug schwer. Zudem zeigte sich mein Nach- bar, ein älterer Herr von ernstem Aussehen, sehr ungehal- ten. als ich Anstalten machte meinen Play zu verlassen. Also blieb ich. Der Angeklagte saß regungslos und teil- nahmslos auf seinem Play und blickte zur Seite. Ganz interessant, meinen Sie nicht?, sagte ich aus purer Langeweile zu meinem Nachbar. Nichts Interessantes, antwortete der ältere Herr, darauf stehen vier Jahre Einzelhaft. Wie kommen Sie zu dieser Meinung? Es ist nicht meine Meinung, sagte der ältere Herr freund- lich streng, es ist die Meinung des Gesetzbuches. In diesem Augenblick stand der Staatsanwalt auf. Er begann seine Rede mit großem Pathos. Es war viel echter Zorn, viel tiefe Verachtung in seinen Worten. Er erledigte den Angeklagten in einer Weise, daß von ihm nichts mehr übrig blieb, sagte, daß er ein Absall der Mensch- heit sei, dessen sie sich ohne Mitleid entledigen sollte. Seit langem hatte ich keine solche Rebe gehört. Das ganze Publikum saß staunend und betreten in tiefem Schweigen da. Selbst die Richter waren von dem prophetischen Zorn des Staatsanwaltes erschüttert. Ich blickte den Angeklagten an. Er hatte eine niedrige Stirn, mächtige Backenknochen und einen tierischen Blick. Ja. es war wirklich ein Ver- brechergcsicht. Mit welcher Angst schaute er den Sprechen- »en an. Großartig, sagte ich. daS gibt Todesstrafe. Nicht wahr? Unsinn, sagte der alte Herr. Vier Jahre Einzelhaft. Von Michail Sostschenkb Der Staatsanwalt war zu Ende. Nach einer kurzen Pause begann der Verteidiger. Das war ein noch ziemlich junger Mann. Aber wie be- gabt war er. Wie groß war die Macht seiner Rede. Mit welcher Einfachheit, mit welcher Ausrichtigkeit hielt er seine Rede. Die Beredsamkeit ist eine große Gabe. Es ist ein großes Glück, sie zu besitzen, die Menschen seinen Worten Untertan zu machen, ihnen seine Wünsche diktieren zu können. Der Verteidiger sprach anderthalb Stunde. Das Publikum saß raunend. Die Damen seufzten und puderten sich die schwitzenden Nasen. Sogar der Vorsitzende trommelte vor Ungeduld mit den Fingern auf seinem Pult. Der Verbrecher aber, völlig zu Tode erschrocken, starrte seinen Wohltäter unverständig mit halboffenem Munde an. Ja, nat: rlich, der Verteidiger kann das Geständnis nicht widerrufen, aber die Sache ist doch ganz anders. Man muß nur tiefer zu blicken verstehen, tiefer in die Geheimnisse die- ses Lebens eindringen. Ja, der Verbrecher ist schuldig, aber man darf die Güte des Herzens bei aller Schwere der Schuld nicht vergessen, man muß in das Antlitz dieses Men- scheu sehen können, in seine offenen menschlichen Züge. Ich folgte der Aufforderung und wirklich, das Gesicht des Verbrechers hat einen ganz einfachen, ausrichtigen Aus- druck. Auch die Stirn ist wie jede Stirn. Und die Backen- knochen treten garnicht hervor. Es ist schwer zu glauben, daß man mit solchem harmlosen Gesicht eine Frau erwürgen kann. Man wird ihn freisprechen, denke ich, sagte ich zu meinem Nachbarn, oder ihm Bewährungsfrist geben. Ein blendender Verteidiger. Unsinn, sagte der ältere Herr, vier Jahre Einzelhaft. Das Gericht begab sich zur Beratung. Das Publikum füllte die Wandelgänge, die Rede des Verteidigers fand all- gemeinen ungeteilten Beifall. Man war der Meinung, daß der Verbrecher höchstens ein Jahr mit Bewährungsfrist be- kommen werde. Mein Nachbar, der ernste ältere Herr, rauchte eine Pfeife und sagte durch die Zähne:.> Unsinn, vier Jahre Einzelhaft. Nach langer Beratung erschien das Gericht wieder. Toten« stille herrschte. Das Urteil lautete auf vier Jahre Einzelhaft. Die Wach- Mannschaft umringte den Verbrecher, er wurde abgeführt. Das Publikum zerstreute sich allmählich. Im Gedränge fand ich endlich den älteren Herrn. Als er mich sah, kniff er die Augen zusammen, blickte mich ernst an, als ob er sagen wollte: Unsinn, mein Herr, vier Jahre Einzelhast. Ich habe eS gesagt. Dieser Mensch schien in der Tat kein besonderes Ver- trauen in die Macht der Rede zu setzen. Ich kann ihm nicht zustimmen. Mir gefällt es ganz gut, wenn man lange und ausgiebig über eine Sache spricht. Auch wenn es nutzlos ist. Wer weiß, sonst könnte man noch größere Fehler begehen. Eine 3lnsel zu verkaufen Eine kleine Anzeige in einem belgischen Blatt erregte dieser Tage einiges Aussehen. Da stand:„Polynesische Insel zu verkaufen." Es handelt sich um die Insel M e h e t i a, 60 Meilen von Tahiti entfernt. Der Verkäufer dieser Insel ist ein bekannter belgischer Industrieller, der im Jahre 192*2 diese Insel von der Königin Pomare erwarb, weil sein Bruder, der lange Jahre in belgisch Kongo gelebt hatte, dort den Rest seiner Tage oerbringen wollte. Portugiesische Entdeckungssahrer haben im siebzehnten Jahrhundert die Insel gefunden, sie soll ein irdisches Paradies sein, aber jetzt, wo der Bruder gestorben ist, ist sie sozusagen ohne Herrscher. Der belgische Industrielle hat nach seinen eigenen Angaben zuviel mit Krisengeschäften zu tun. als daß er es sich leisten könnte, kern von Europens Hast seine Tage in Frieden zu oerbringen. Wer will nach Mehetia? Der Industrielle gibt daS Land billig ab. Tort gibt eS keine Börsenkurse, keine Abrüstungskonferenzen und keine Krise. Kokosnüsse, Ananas und Bananen wachsen wie im Schlaraffenland den Menschen in den Mund Protest spanischer Fraoen An den deafschen Botschafter Aus Madrid wird uns mitgeteilt, daß folgender Brief spanischer Frauen an den deutschen Botschafter gerichtet worden ist: Sehr geehrter Herr Botschafter! Diejenigen, die dieses Schreiben unterzeichnen, haben von folgender Tatsache Kenntnis erhalten: Im Konzentrationslager Roßlau tDessau-Anhaltj wird die Frau des eh ein aligen Reichstagsabgeord- ncten und bekannten Pazifisten Gerhard S e g e r, der vor einigen Monaten aus dem Lager Oranien- bürg flüchtete, mit ihrem 15 Monate alten Kind a l s G e i s e l f e st g e h a l t e n. Wir spanischen Frauen aller Schichten und Welt- an schauungen ersuchen Tie, Herr Botschafter, der deutschen Regierung dieses Schreiben zu überreichen, durch das wir die unmittelbare Freilassung dieser beiden unschul- digcn und schutzlosen Wesen erbitten. Wir waren bisher der Meinung, daß sich in den deutschen Konzentrationslagern keine Frauen befänden. Denn: Als während der letzten Völkerbundstagung die offizielle Ver- treterin Deutschlands die großen internationalen Frauen- orgauisationen um Verständnis für das neue Deutschland bat, versicherte sie daß in Deutschland keine Frauen in Kon- zentrationslagern interniert seien, noch in Zukunft inter- niert würden, gleichgültig, welche Straftaten ihnen zur Last gelegt würben.., Zu unserer großen Bestürzung haben wir nun ertahren, daß man in Deutschland, ohne daß ein Verbrechen vorliegt, diese grausame Strafe verhängt, sogar— scheinbar um Rache zu üben— eine Frau festhält, der man nur vorwerfen kann, daß sie die treue Gefährtin eines Verteidigers der Friedens- idee ist: und dies in einem Lande, das wir bisher für eines der zivilisiertestcn der Welt hielten. Wir sind überzeugt, daß auch die deutschen Frauen unser Gesuch unterstützen werden, da ihnen, ebenso wie uns. daran liegen muß, daß jedes Individuum selbst für seine Hand- lungen verantwortlich gemacht wird. Der vorliegende Fall ist besonders kraß, da es sich um eine Mutter und ihr kleines Kind handelt. Wir glauben uns nicht in der Annahme zu täuschen, daß Sie. Herr Botschafter, aus Menschlichkeit und besorgt um den guten Namen Ihres Baterlandes, ohne Zeitverlust Ihr möglichstes tun werden, um 6; e Leiden der Frau Gerhard Segers zu beenden, Leiden einer Frau, dle keine Schuld zu büßen hat. Im Namen aller Frauen der Welt sprechen wir Ihnen unseren Dank kür die Unterstützung dieser Sache anS und zeichnen mit vorzüglicher Hochachtung Isabel O. de Valencia. Spanische Frauen-Bertreterin am Völkerbund: Viktoria Kent. Rechtsanwalt»», Ex-Direktorin des Gefäng- niswescns: Margarita Nelken. Parlamentsabgeordnete, Schriftstellerin: Clara Campoamor, Nechtsanwältin, Ex-Abgeordnete deS Konstituierenden Parlaments, Direktorin des Ocffentlichen Wohlfahrtswesens: Teresa Lopez de Lerroux, Gattin^ Alexander Lcrroux'. bisherigen Ministerpräsident von Spanien: Emilia Tolovera. Vizeprästdentin der„Union Feminina Rcpublicana": Nievcs Pi. Sekretärin des„Loccum Club": Pilar Lois, Sekretärin der„Vereinigung weibl. Studenten": Carmen de Laa, Präsidentin des Frauenkomitees„Nieder mit dem Krieg": Maria Martine» Sierra, Präsidentin der„Vereinigung zur bürgerlichen Erziehung der Frau" und Parlamentsabg.: Matilde de la Tone, Parlamentsabgeordnete u. Musikerin: Beneranda Garcia Blanco. Parlamentsabgeordnete und Lehrerin: Catalina Salmlron: Constancia Colina de Serrano, Vizepräsidentin der Frauen- Gruppe der Konservativen Partei: Magda Donato, Schriftstellerin: Matilde Huici, Rechtsanwältin: Rosa Areiniega, Schriftstellerin: Victoria Pricgo, Schriftstellerin: Claudina Garcia, Präsidentin der Näherinnengewerkschaft? Luz Garcia, Sekretärin der Näherinnengewerkschaft: Dr. Trinidad Arroyo de Marqnez, Aerztin: Gertrud Araguistain iGatlm des früheren Botschafters in Berlins: Luisa Alvarez dcl Bayo? Ilse W. de Rivera, Schriftstellerin: Maria de Maeztu, Direktorin d.„Residencia de SenoritaS": Carmen Ibanez de Rivas Cheris: Maria I. Rodriguez, Witwe des Nationalhelden Galan: Carmen Gallardo de Mesa: Agusta L. de Nccasens: Julia Alvarez, Direktorin der Schule„Rosario de Beuna" und Rechtsanwalt'»: Encarnacion Gorbca, Schriftstellerin: usw. usw. Zwei Arten zn lenken F. B. Das Zusammenleben der Menschen ist nur möglich, weil sie die Einhaltung bestimmter Gesetze beobachten. Man kann ein Telefon in seiner Wohnung halten, weil es nicht üblich ist, einander um 3 Uhr früh anzurufen: man kann Starkstromleitungen und Telegrafendrahte Kilo- meterlang offen durchs' Land führen, weil ein ungeschriebenes Gesetz ihre Verletzung verbietet. Die Stärke des Faschismus in Europa, des zur Macht strebenden, wie des siegreichen, besteht darin, daß er diese Gesetze, deren Beachtung erst das Zusammenleben der Menschen möglich macht, verachtet und sich bei jeder Ge- legenheit über sie hinwegsetzt, Dadurch ist das faschistische Europa im Vorteil vor dem antifaschistischen. Die Außenpolitik, die das nicht- faschistische Europa macht, bewegt sich daher auf einer ganz anderen Ebene als die Außenpolitik der verschiedenen Faschisten. Im deutsch-tschechischen Grenzgebiet zum Bei- spiel kann man hart an der tschechischen Grenze Sonntag für Sonntag faschistische Demonstrationen wahrnehmen, die den Zweck haben, die tschechisch-deutsche Bevölkerung in ihrer Haltung gegen die tschechoslowakische Republik zu bestärken. Die tschechische Grenzbesatzung sieht zähne- knirschend aber untätig zu. Mit Recht, denn eine Grenz- Verletzung könnte die schwersten Folgen haben. Di«.Grenz- besatzung handelt also richtig. Die deutsche SA.-Besatzung handelt anders. Da ging vor ein paar Wochen ein tschecho- slowakischer Hauptmann auf Urlaub. In die Nähe der deutschen Grenze, bei der sogenannten Grafschaft Glatz. Die Landschaft interessierte ihn aus einem sehr unmilitäri- schen Grund, es spielten in ihr die Romane eines großen tschechischen Dichters, den der Offizier besonders oerehrte. Bon tschechischem Boden weg wurde der Offizier von einer Uebermacht SA. einfach geraubt und bis heute weiß kein Mensch, was mit ihm in Deutschland geschehen ist. Das ist die andere Art zu denken. Diese Art ßu denken, die n a m- lichinHandelnbesteht. sägt sich: aus einer solchen Kleinigkeit darf ein demokratischer Staat, der zu seinem Handeln und Leben die Zustimmung und Mitwirkung aller möglichen parlamentarischen Instanzen braucht, keinen Kriegsfall machen: wir dürfen daher ruhig das tun. was wir für richtig halten. Oder: Erklärungen der englischen Regierung haben wahr und richtig zu sein. Eine englische Regierung, der nachge- wiesen werden könnte, daß sie im Unterhaus eine falsche, unrichtige Erklärung über ihre Handlungen gegeben hat. müßte gehen. Das ist die Art, politisch zu denken. Deutsch- lano kauft in England Flugzeugmotore und die deutsche Regierung erklärt, daß es sich natürlich und selbstverständlich um Motore für Zioilflugzeuge handelt. Und die eng- tische Regierung, die es nicht wagen würde, ihr Parlament in einer so wichtigen Sache falsch zu unterrichten, nimm! von der deutschen Regierung das gleiche Prinzip an— und irrt sich leider, denn die faschistische Regierung denkt anders als die nichtfaschistische. Welche Vorteile jeder faschistischen Regierung ihr Andersdenken bringt, liegt auf der Hand. Oder: Ueber Memelland, Saargebiet, die sudeten- deutschen Randgebiete gibt es ganz bestimmte Ad- machungen. Auch Abmachungen des Minderheitenrechles, die die deutschen Minderheiten schützen. Das Minderheiten- recht ist in Kraft, aber die deutschen Faschisten gewähren ihren eigenen Minderheiten nicht einen Bruchteil dessen, was sie von anderen Staaten verlangen. Dazu kommt, daß die neuen Theorien des Stuttgarter Auslandsinstituts, vor allem der Grundsatz des Volksdeutschtums, in den Minderheiten die Meinung erwecken müssen, sie seien bereits heute Staatsbürger des„dritten Reichs". Auch hier stehen einander zwei Arten zu denken gegenüber. Oder: Die Rückberufung der Habsburger nach Oester- reich ist der Kriegsfall für Mitteleuropa, eine der mög- lichen Ursachen für den zweiten Weltkrieg. Auf monar- chistische Tiraden in Wien und Budapest haben immer ernste Warnungen in Prag und Belgrad geantwortet. Darauf schoben Wien und Budapest gewöhnlich zurück und von der Habsburgerfrage war eine Zeitlang keine Rede und Prag und Belgrad begannen sich zu be- ruhigen. Die Faschisten in Budapest und Wien aber sind darum nicht untätig. Während man in allen möglichen nichtfaschistischen Ländern erklärt, die Habsburger dürften nicht zurück, sind sie in Wahrheit längst wieder da. Rur daß mans noch nicht bemerkt hat und daß diese Tatsache noch nicht„offiziell" ist. Man halte das nicht für eine Uebertreibung, sondern überlege folgende Tatsachen: der Kern der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie, Oesterreich und Ungarn, wird von faschistischen Regie- rungen geführt, deren offen zugegebenes Ziel die Revision und die Wiedereinsetzung der Habsburger ist. Die Habs- burgischen Erzherzöge laufen in Oesterreich wie in Ungarn frei herum, sie reden in jede politische Frage drein, sie be- kommen ihr angebliches Eigentum zurück. Oesterreich und Ungarn sind kleine und arme Länder: die allein zu regieren, hat wenig Reiz für einen Habsburger, also: die anderen hinhalten, auf die Revision lossteuern und dann, wenns an der Zeit ist, werden die Habsburger, die vor- läufig noch inoffiziell da sind, auch offiziell da sein. Wieder: zwei verschiedene Arten zu denken, wobei, wie immer d:r Vorteil auf der Seite jener ist. die faschistisch denken, daß heißt, die sich nicht um Gesetze, Abmachungen, Erklärungen scheren und die genau das tun, was sie wollen und die da- her auch das erreichen, was sie wollen. Diese Methode hat die verschiedenen Faschismen unseres gesegneten Kontingents innenpolitisch zur Macht gebracht. Mit Recht wenden sie nun die gleiche Methoden außen- politisch an: der außenpolitische Grundsatz des Faschismus lautet:„Was mir recht ist, hat jedem anderen billig zu sein!" Und danach handeln die verschiedenen Diktatoren. Das Merkwürdige ist nur, daß die anderen diese Methode noch immer nicht bemerkt haben: in dem Augenblick, wo die Methode durchschaut ist. hat sie auch schon ihre Kraft eingebüßt und ist wirkungslos geworden. Aber haben die anderen diese Methode wirklich nicht durchschaut? Oder tun sie am Ende gar nur so. als würden sie jede Erklärung faschistischer Regierungen, jede Rede irgendeines der nationalen Erlöser für bare Münze nehmen? Das ist das große Fragezeichen. Auf die faschistische Denkweise mit der demokratischen antworten, heißt die Faschismen sich in Freiheit zum Weltkrieg ent- wickeln lassen: auf faschistische Denkweise dementsprechend antworten, heißt den Weltkrieg verhindern. Inzwischen sieht es aus, als führte die faschistische Denk- weise und Bedenkenlosigkeit auch außenpolitisch zum Sieg. Exerzieren für wohlfahrfserwerbslose Auch eine Pflichtarbeit (Sopade) Trotzdem jetzt die deutsche Presse wieder voll ist von Siegesmeldungen aus der„Arbeitsjchlacht", zählt das Heer der Arbeitslosen in Deutschland heute noch nach Millionen, und viele unter diesen Arbeitslosen stehen schon seil Iahren in den Stempelstellen der Arbeitsämter. Sie sind längst aus der Arbeitslosenversicherung und aus der Krisenfürsorge ausgeschieden und werden nun nach strengster Prüfung der„Bedürftigkeit" aus Mitteln der kommunalen Wohlfahrtspflege unterstützt. Im„dritten Reich" gibt es aber für die Bedürftigen grundsätzlich keine Leistungen ohne Gegenleistungen. In welcher Form diese Gegenleistung heute in Deutschland von den Fürsorge- empfängern gefordert wird, das zeigt das Beispiel des MannheimerVolksdienstes. Der Mannheimer Volksdienst ist die Zusammenfassung der Wohlfahrtserwerbslosen im Alterbiszufünfzig I a h r e n. Alle Fürsorgeempfänger sind eingekleidet. Sie tragen feldgraue Uniform und hohe Stiefel. Sie haben täglich vier Stunden Pflichtarbeit zu leisten, und in geschlossenen Marschkolonnen werden sie zur Arbeit und zum Essen geführt. Die vier Stunden Pflichtarbeit bestehen zum größten Teil aus militärischem Exerzieren. Wer die Teilnahme an diesen militärischen Uebungen ver- weigert, verliert die Unterstützung. Der Dienstsührer des Mannheimer Volksdienstes hat im ?anuar 1S34 eine besondere Ausbild ungsvor- ch r i f t erlassen, in der es heißt: „Gute Haltung des einzelnen, Gleichmäßigkeit und Straffheit bei allen Bewegungen in der Abteilung, Grup, e usw. ist für den Mannheimer Volksbicnst ebenso Grund- bcdingung wie für eine militärische Truppe. Um dieses Ziel zu erreichen, werden grundlegende Vorübungen, milt- tärische Zucht, soldatisch strasfe Kommandos notwendig." Es erfolgt dann eine genaue Beschreibung der ver- schiedenen Kommandos, die in jedem Punkte den mili- tärifchen Ausbildungsvorschriften entspricht. Zum Schluß heißt es: „Sind die Mannschaften in einem Raum, z. B. beim Essen, und es erscheint der Dienstsührer, ein höherer städtischer oder staatlicher Beamter, so hat der an der Tür zunächst sitzende Mann„Achtung" zu rufen. Es e r h e b t s i ch alles st r a m m und bleibt solange stehen, bis der be- treffende Führer befiehlt:„Weitermachen!" «^unverständlich dienen alle diese Uebungen nur dazu, um, wie es in der Einleitung der Ausbildungsvorschriften heißt:„einen guten Eindruck in der Oeffentlichkeit zu machen". Schweizer Wochenschau Die Berner Großratswahlcn haben unsere vor einer Woche an dieser Stelle ausgesprochenen Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern sogar übertroffen. Mit einem Gewinn von 10 Mandaten geht die Berner Sozialdemokratie als unbestrit- teuer Sieger aus dem Wahlkamps hervor, dem um^ größere Bedeutung zukam, als man allgemein feinen Ausgang als Gradmesser für die politische Entwicklung der mwetje Wählerschaft ansehen wollte und im bürgerlichen.ager leise, aber inbrünstig Gott angefleht hatte, aus Bern ein zwe teS Neuenbürg zu machen. Doch erstens kmnmt-S anders und zweitens als man denkt, schrieb vor Wocheni einer meinet ftrzeiiitbp urtb er fiflttc rccfjt. 0601t UHcolC, ocit ltirt)t itll^* Eerüien PartJien all 6e« geistigen Urheber der Neuen- buraer Wablschlappc hinzustellen iuchten— in ihren tiefsten Tiefen dachten auch manche Anhänger der Arbeiterbewegung, dan der radikale Kurs in Gens die bürgerlichen und bauet- lichen Wähler von der Sozialdemokratie abstove-. hat etil zweites Genf gewonnen. In Viel wo ihm das Wieden freiem Platte untersagt war, und wo er tchNeßUch rn einer übersiiUten Saalkundgebung den n tu e kämpf eröffnete, hat die Sozialdemokratie allein zwei neue ^ÄliJeVÄeS^^rerii,; denen nach ihren Reden land" meint sogar:„Wenn man die Ausführungen von Prot. Marbach liest, so glaubt man sich unwillkürlich in eine Ver- sammlung christlicher Gewerkschafter versetzt Die Rede von Prof. Dr. Marbach ist die allerbeste Rechtfertigung der christ- lichen Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegungen"— wird Bern eine heilsame Lehre sein. Alle die Feinde der schmelze- tischen Arbeiterschaft aber, die vom politischen Frühling, vom Krach im Gebälk des schweizer Sozialismus träumten, wer- den sich wohl noch eine gute Weile gedulden müssen. Der sozialistische Wahlsieg in Bern dürfte die Einheit von sozial- demokratischer Partei und freien Gewerkschaften in der Schweiz gewaltig verstärkt haben. Der italienische Sozialist Angelo Tonello, früherer Ab- geordneter der italienischen Kammer, ist wegen Beleidigung ausländischer Staatsoberhäupter aus dem schweizer Bundes- gebiet vermiesen worden. Tonello hat in der Mainummer der „Libera Stampa", der sozialdemokratischen Parteizeitung des Kantons Tessin, ein Gedicht veröffentlicht, das sich gegen die Hinrichtung der österreichischen Schutzbiindler durch die Dollfuß-Regierung wendet. Tonello hat dieses Gedicht mit seinem Namen gezeichnet, wie wäre es, wenn die italienischen Faschisten und die deutschen Nationalsozialisten in der Schweiz auf emmal den Mut aufbrächten, ihre antideutsche Wühlarbeit namentlich zu zeichnen, damit die ausgleichende Gerechtigkeit der bürgerlichen Demokratie sich ihrer ebenfalls erbarme. Apropos Emigrantenschicksal. In der Schweiz waren in der Zeit der schlimmsten Wirtschaftskrise jahresdurchschnittlich 50 000 bis 80 000 ausländische Arbeiter beschäftigt, auch heute arbeiten— trotz größter Einschränkung des ausländischen Arbeiterkontingents— noch gut 40 000 Ausländer im schweizer Baugewerbe, in der Textil- und Metallindustrie, in der Berussgruppe Haushalt. Wäre es gar zu vermessen, wenn die wenigen hundert jüdischen und sozialistischen Emigranten Deutschlands, Oesterreichs und Italiens heute, da die De- pression allmählich schwindet, die Bitte erhöben, bei dem Auslandskoutingent an Arbeitskrästen mit berücksichtigt zu werden? Wäre es zu vermessen, wenn Menschen, die ihre Heimat verloren, weil sie an ihrer Gesinnung festhielten, an das schiveizer Volk appellierten, sein Asolrecht— soweit die Interessen des schweizer Bürgers dadurch nicht gefährdet werden— auch auf daS Arbeitsrecht auszudehnen? So mancher frühere Abgeordnete und Gewerkschaftsfunktionär wäre dankbar, in seinem gelernten Berufe wieder tätig sein zu dürfen und in der Arbeit des Werktags sich von der plagenden Unruhe, der quälenden Erinnerung an die Vcr- gangenheit zu befreien. In der altehrwürbigen Kulturstabt Basel beherrscht immer noch das Schubcrt-Wcbcr-Fest Theater und Konzert. Tie Wiedergabe der acht Sinfonien und bekanntesten Kammer- Musikwerke Schuberts— des Forellenauintetts, des Oktctli in F-Dur, des Quartetts in D-Moll— vom Busch-Quartett gespielt— versetzen ein andachtsvolles, aus aller Welt zu- sammcngeströmtes Publikum in eine glücklichere Zeit. In der man noch nicht so„fix und scharf nachdenken" mußte wie in unserer von„Rivalen" und harten Konkurrenzkämpfen ums Dasein erfüllten Epoche. Pariser Straßenhalender Der Rennplatz von Longchamps, der jetzt häufig dag Ziel Tausender Pariser ist, kann sehr billig durch eine Fahrt mit der Metro bis zu der neuen Station Pont de Sevres und dann durch einen wunderbaren Bois-Spaziergang erreicht werden. Ebenso kann man von Sevres aus den schönen Park von Saint-Cloud und die bis 3. Juni stattfindende Messe dieses Seinestädtchens besuchen. * Der große Plan zum Ausbau von Paris sieht 750 Millionen Franken für Wasserversorgung vor, 1 Milliarde für allgemeine Gesundheitspflege und 500 Millionen für Bau der Zugangsstraßen, ferner 400 für Schulbauten, 400 für Metro-Bauten in die Vororte. Jährlich sollen 1 Milliarde 50 Millionen verbaut werden. * Von der Polizeiprefektur wurde anläßlich der Fremden- Saison erneut die Reinhaltung der Pariser Straßen der Bevölkerung zur Pflicht gemacht. * Nach einem alten Brauch- der wieder aufgenommen wurde, fand in der Sorbonne der Wettbewerb der besten Schüler und Schülerinnen der Lyzeen und Kollegs statt, bei dem eine Lebersetzung aus dem Deutschen vorgelegt wurde. * Die(von uns bereits behandelte)„Semiramis" des Balletts Rubinstein mit dem Libretto des Dichters Paul Valery und der Musik von Arthur Honegger bildete ein großes Ereignis der Pariser Oper. * Die„Gueules noires", etwa„Stimmen aus dem Schacht", ein französisch-belgischer Bergmannschor von tausend Personen aus dem Hainaut in traditioneller Tracht, sangen in Paris zugunsten der„gueules cassees", der ,,Kaputtgeschossenen" und besuchten das Grabmal des unbekannten Soldaten. * Am Dienstag, dem 15. spricht Hermann Swet über Palästina, aus dem er eben zurückkehrte, im großen Saal 5, avenue de la Republique. I6i rnniiö 43-13 M6iro Pigaile Deutsche Poliklinik: Paris. 62, Uue de la ßochefoucaulc Plidiel üenrlof Wo hielt sich der Mörder von der Fuchsfarm in Schlesien auf? Der Frauenmord in der einsamen Fuchsfarm in der Bretagne zeigt offenbar neben Zügen der Habsucht auch die eines Sadisten. Der Sohn des Staatsanwalts, der die einfache Bauerntochter aus Noyon heiratete, die sich durch die Verbindung mit der großen Familie Henriot sehr geehrt fühlte, war offenbar ein scheuer und geheimnisvoller Einzelgänger. Frauen konnte er trotz des Einflusses seiner Familie nicht gewinnen, nicht einmal eine Geliebte, außer dem kleinen Dienstmädel seines Vaters in Lorient, die er geliebt haben will. Also heiratete er schließlich die Tochter des Bauern, die einen Sprachfehler, infolge einer früheren Trepanierung des Schädels, besaß und auf der rechten Seite ein wenig gelähmt war. Mit dieser schlief er dann in einem der großen französischen Betten zusammen, einen Revolver unter der Matratze verborgen, und die arme Neunzehnjährige fürchtete oft die Ermordung durch den unheimlichen Menschen, der nachts unter den Kissen suchte. Michel Henriot war offenbar ein Sadist der Jagd, ein Mann mit Grausamkeitsgelüsten auch gegen Tiere. Es wird erzählt, daß er den Silberfüchsen Seevögel in Schlingen fing, die er ihnen lebend vorwarf. Auch riß er den Vögeln auf den Dünen des Meeres die Flügel aus. Viele solcher ausgerissener Vogelteile wurden an der Küste des rollenden Ozeans gefunden. In den Käfigen der Silberfüchse wurde der Feuerhaken entdeckt, mit dem der grausame Lebensversicherer seine Frau bedroht hatte Zwei der Füchsinnen, die Junge trugen, sollen nach schrecklichem Heulen verendet sein. Man hört die furchtbaren Schreie der übrigen hungrigen Füchse. Seltsam ist, daß bisher so wenig über das Leben dieses Sadisten in Deutschland bekannt wurde. Der Tunichtgut, der sich schon als Kind als Nimrod verkleidete und dessen größte Leidenschaft das Schießen war, wurde auf eine oberschlesische Silberfuchsfarm durch Inserate in einer Jagdzeitung aufmerksam. Er war mehrere Monate in Deutschland, bis zum Herbst des vorigen Jahres anscheinend, und kam dann mit einem Diplom und mehreren Füchsen, die den schwarzen mit Silberstreifen geschmückten, von den Frauen so begehrten Pelz trugen, zurück. Die Tiere sollen ihm sehr teuer verkauft worden sein. Jetzt sitzt der Sohn des Staatsanwalts in der engen Zelle und erzählt den Wärtern von seiner Farm mit den schönen Bestien, die beißen, wenn man sie stehlen will. Der Vater will seine Pensionierung einreichen, die Mutter ist schwer krank geworden, die Schwiegereltern auf ihrem Bauernhof verwünschen ihn. Vielleicht wäre es sehr interessant, auch einmal genauer der Umgebung nachzugehen, in der dieser aus der Art Geschlagene in Deutschland unter den Silberfüchsen lebte.— Der„Lokalanzeiger" im Pariser Sonnenschein Am Etoile erregte am vorigen Sonntag, angl icht des wunderbaren Frühlingswetters, bei dem tausende ins Bois zogen, und angesichts des Aufmarsches der belgischen Bergmannschöre und des kirchlichen Jungfrau-von-Orleans- Feates sowie der großen Rennen sehr viel Heiterkeit eine Nummer des„Berliner Lokalanzeigers", die an Kiosken hing und mit der Spaltenüberschrift„Wieder Barrikaden in Paris" versehen war.„Haste dir jeirrt", sagt der Berliner in solchen Fällen, nach einem alten Schlager. Der in Paris weilende Deutsche— und es sind ja wegen der Messe und des Frühlings eine ganze Reihe Deutscher anwesend— erkennt an dieser Einzelheit, wie tendenziös die hitlerische Berichterstattung ist. Dabei ist anzunehmen, daß Herr von Heimburg, der Pariser B-.Uit- erstatter des Lokalanzeigers, der ein alter Deutschnationaler und Kenner Frankreichs ist(kein Umlerner wie Sieburg von der Frankfurterin), an dieser tendenziösen Aufmachung ziemlich unschuldig ist. Aber die Herren in Berlin werden einen Beri"ht dicke aufgemacht haben, weil das„dritte Reich" momentan so viel eigene Schwierigkeiten aufweist. Und die Pariser Sonne brachte es am Sonnt»- vor Tausenden an den Tag.. a) Allgemeine Konsultationen mit^ Spezialisten, b) Chirurgie c) Orthopädie d) Geburtshilfliche Klinik e) Zahnärztliches Kabinett Ordination täglich von 9—12 und 2—8; Sonntags und Feiertags von 10—12 und 2—4 Uhi Steuerfragen Gesellschaftsgründungen Wenden Sie sich an Fe BRIQUEU LICENCIE EN DROIT ehemaliger Kontrolleur der direkten Steuer» behörden. um vom offiziellen Standpunkt aus beraten zu werden. 25, Bd. Bonne-Nouvelle, PARIS(2), Telefon Louvre 22-95 500 wenig, geicagene TJladetle (haute coutureI: Tages-, Abend-, Sportkleidei ■nomentan verkauft bei: ana Pelze werden Jiacg-Occasioüs 40, rue Desrenaudes(Ternes) Tel.: Etoile 35-86. Ankauf. Tausch Braunbuch II. Dimitioff contra Göring Preis geheftet 20— Fr-, gebunden 30,— Fr Sofort lieferbar. Nach Aufwärts nur geg*n Voreinsendung des Betrages. Krankr ich ein-chl. Porto geb. 32,M» Fr., gehe iet 2 t,— Fr. Ausland, geb. 34,— Fr., geheftet 23,— Fr. Librairie Populaire Strasbou 2, 2, rue sedillot, bei der Börse Der Erfolg liegt in der Reklame I Inserieren Sie desha'b In der „Deutschen Freiheil" „IlnQberblefbare B'irjusilz" So denken die Juristen der Welt Die Internationale Juristische Vereinigung hat sofort nach Bekanntwerden des neuen blutigen Strafrechts- und Strafprozeßgesetzes in Deutschland folgendes Schreiben an den Reichskanzler Hitler gerichtet: Herrn Reichskanzler Hitler! Berlin Als eine Vereinigung, die Hunderte von Juristen aller Länder repräsentiert, halten wir es für unsere Pflicht, Ihnen das außerordentliche Befremden und die Entrüstung aller Juristen über das soeben im Deutschen Reichsgesetzblatt veröffentlichte„Gesetz zur Aenderung der Vorschriften des Strafrechts und des Strafverfahrens" zu Ubermitteln. Wir stellen fest: Mit Hilfe eines unermeßlich weit gefaßten Begriffs„Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens" wird buchstäblich jede Ihrer Regierung unerwünschte politische Betätigung unter Todesdrohung gestellt. Die 84 Todesurteile, die im ersten Jahr Ihrer Regierung verhängt wurden, und im ganzen Ausland tiefstes Entsetzen auslösten, müssen nur als ein Vorspiel dessen angesehen werden, was nach dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes zu erwarten ist. Die neu geschaffenen„Volksgerichte", denen das blutige Gesetz zur Anwendung in die Hand gegeben wird, bedeuten die Beseitigung der letzten Reste dessen, was man seit Jahrhunderten als Strafjustiz zu bezeichnen gewohnt ist. Urteile, die von einer Majorität„politisch zuverlässiger" und als solche von Ihnen ernannter Personen gesprochen werden, haben mit Rechtsfindung und Rechtsprechung höchstens noch die äußere Form gemeinsam. Restlose Beseitigung der Rechtsmittel, mögliche Unterdrückung der Voruntersuchung, Spezialbestimmungen, die die vollständige Lahmlegung der Verteidigung legalisieren — dies alles beweist, daß Ihre Regierung nichts anderes will als die vollkommene Rechtlosmaduing der politischen Angeklagten und ihre Auslieferung an eine unüberbietbare Blutjustiz. Mehrmals in den letzten Monaten wurde durch die Nachprüfung einer Revisionsinstanz die Vollziehung schweren Unrechts verhindert, das häufige Vorkommen von Fehlurteilen in den politischen Prozessen eklatant erwiesen. Eine Regierung, die hieraus den Schluß zieht, die Revisionsinstanz abzuschaffen, zeigt mit aller Deutlichkeit, daß sie die Justiz zum bloßen Hilfsmittel ihrer politischen Absichten gebraucht. Wir beklagen aufs tiefste die Menschen, die zum Opfer einer solchen Kabinettsjustiz werden. Aber wir können Ihnen, Herr Reichskanzler, auch versichern, daß ein Schuldspruch Ihrer„Volksgerichte" uns ausländischen Juristen wie überhaupt das gesamte Ausland keineswegs von der„Schuld" der in Deutschland abgeurteilten politischen„Verbrecher" überzeugen wird. Internationale Juristische Vereinigung. Ein Abenteurerleben endet... In Ronen stand dieser Tage der Abenteurer Serge de Lenz vor Gericht, ein Abenteurer und Liebling der Frauen, der unzählige Herzen, aber auch Geldschränke geknickt hat. Dieser elegante Herr mit 41 Jahren, sehr gepflegt und korrekt auftretend, hat acht Jahre Zuchthaus hinter sich von zehnen, die ihm vor langen Jahren einst zudiktiert wurden, und die er verachtend verbüßte. Serge, der der Abkömmling eines baltischen Barons deutscher Abstammung und dessen Mutter aus dem schönen Lande um Toulouse gebürtig ist, wurde von seinem Verteidiger— aber ohne daß dieser damit vor dem normannischen Gerichtshof Glück hatte— als unglückliches Produkt einer„Rassenmischung", als„metis" bezeichnet. Serge hatte diesmal mit einem reichen Amerikaner zu tun, einem Herrn von Guise-Hite, bei dem er wohnte und dem er einen Koffer mit einer halben Million Franken Juwelen und 50 000 in Papieren wegpraktizierte. Diesen Herrn de Guise will Serge für den Herzog von Guise, also den Prätendenten auf dem Thron von Frankreich gehalten haben. Den Koffer, so deutet er an, habe er mehr aus genealogischen Gründen an sich genommen. Es zeigt sich nun, daß der Herr von Guise über diesen Fall sehr milde dachte. Er ist außerdem nicht vor Gericht erschienen und hat den Ozean zwischen sich und diese Gerichtsverhandlung gelegt. Im letzten Moment zog Serge auch ein Schreiben Guises hervor, in dem dieser sich recht väterlich ausdrückt. Doch fand eine Nachprüfung der Echtheit dieses Briefes nicht statt, und der Präsident war sehr ungehalten, weil diese Zeilen nicht eher vorgelegt waren. Er sah darin die Absicht einer neuen Verschleppung des bereits zwei Jahre alten Falles mit diesem Juwelen-* nffer. Das Urteil des Provinz-Gerichtes war ntlich streng. Es lautete auf neue zehn Jahre Z• b' b»» s womit die Existenz dieses Weltenbuni. ers i: i■• i eh- ling« vernichtet sein dürfte. Oesterreichs großer Prozeß Die Regierung Dollfuß hat Furcht Dem OND. wirb aus Wien berichtet: Nach den Anordnungen der Regierung soll der Hochverratsprozeß gegen die sozialdemokratischen Parteivorstandsmilgiieder aus unbestimmte Zeit hinausgeschoben werden. Die Voruntersuchung soll bis Juli dauern, obwohl der Tatbestand bereits völlig geklärt ist. Tie Hauptverhandlung soll frühestens im.Früh- herbst" durchgeführt werden, das heißt also offenbar im Oktober Dabei ist es durchaus unwahrscheinlich, daß die Verhandlung zu dieser Zeit durchgeführt werden wird. Die Regierung hat begreifliche Angst vor diesem Prozeß, in dem die besten Redner Oesterreichs, die verdientesten Männer der Republik die Frage auswerfen könnten, wer in Oester- reich Hochverrat begangen hat. Darum wird der Prozeß immer weiter hinausgeschoben und die völlig ungerechtfertigte Ausdehnung der Unter,uefumg ist nur ein Vorwand, um die sozialdemokratischen Führer im Gefängnis zurückzuhalten. Unter den wegen Hochverrates Verhasteten ist auch der General Karl schneller, einer der bekanntesten und begab- testen Generalstabsossiziere der alten Armee, der sich nach dem Umsturz loyal der Republik zur Verfügung gestellt und gemeinsam mit General Körner am Aufbau der republika- nischen Wehrmacht mitgewirkt hat. General Schneller wurde erst sozialdemokratisches Parteimitglied, nachdem er als Offizier in Pension gegangen war. Er hat sich seither poli- tisch überhaupt nicht betätigt. Er betätigte sich lediglich lite- rarisch und wurde als Verfasser lyrischer Gedichte bekannt. Nun wird er unter dem Verdacht des Hochverrrates in Haft gehalten. Hier handelt es sich um nichts anderes als um einen Racheakt der monarchistischen Offiziere an einem her- vorragenden Soldaten, der sich zur Republik bekannt und ihr die Treue gehalten hat. Unter den zahllosen ungerechten Verhaftungen ist das völlig grundlose Verfahren gegen Ge- neral Schneller einer der ärgsten Skandale. Pfarrer im Elsaß. Jawohl, die StaotSpolizeiftelle des Regierungsbezirks Koblenz, eine« stark katholischen Gebietes, hat ver- boten, ben Begriff de« deutschen Neuheidentums in Beziehung zu bringen zu Bestrebungen beS NationalszoialiSmus. Gegen Zuwiderhandelnde, insbesondere Redakteure, werden.scharfe Maß- nahmen" angedroht.— Es erhebt sich die Frage aus dem zweiten Psalm:„Warum toben die Heiden?" Nach Aachen. Ihr glaubt immer noch nicht an den wirtschaftlichen Aufschwung. Unverbegerliche Miesmacher! Euerem Briese entneh- men wir folgende Mitteilungen:.In der Aachner Textilindustrie finden ueurdiugs wieder Magenentlagungen statt. Die Firma C r o o n hat 50 Leute entlagen. Es ist eine der Firmen, die beson- ders mit Aufträge» der Festanzüge bedacht worden war.— Die Firma Peters und Co. mußte ebenfalls über 40 Leute entlassen.— Tie Schirmfabrik Brauers, die größte Schirmfabrik der Welt, hat 180 Leute entlagen.— Die Firma Funken Nadelfabrik,«ine der ältesten und angesehensten Firmen in Aachen mit mehreren hundert Beschäftigten, ist bankrott: der ganze Betrieb ist stillgelegt worden." A. 8. Rheinländer. Briefe über notleidende Konsumgenossenschaften erhalten wir immer wieder. Die Sozialdemokraten haben ihr« Genouenschaftsanteile und ihre Spargelder gekündigt. Die Mitglie- der werden von den Nazikommigaren bearbeitet, die Sparkonten doch unangetastet zu lagen. Alle paar Monate werden ihnen einmal ein paar Mark ausgezahlt. Die Umsätze im Warenverkauf sinken noch immer, weil es die sozialdemokratischen Mitglieder anekelt, den braunen Bonzenbetrieb zu unterstützen. Katholischer Leser. Sie haben bei Reisen im Reich« beobachtet, daß die katholische Jugend sich dem„illegalen" Kampf anpaßt und keineswegs daran denkt, innerlich vor der Hitlerjugend zu kapi- tulieren, auch wenn sie dem Zwang sich fügen muß. Magenhaft wer- den die Jugendlichen Me„ediener. Es soll in Großgadtpfarren bis zu 00 Megedienern geben, die so einen festen Zusammenhalt habe». Ihre Zuschrift hat uns besonders gefreut, weil Sie uns bestätigen, daß Sie niemals in unserer Zeitung etwas gefunden haben, was Tie in Ihrem katholischen Glauben hätte verletzen können. Alter Freund. Ihre Kritik ist berechtigt. Wir hätten auch in Ihrem Falle vorsichtiger sein sollen. Da Sie im Auslände leben, glaubte» wir. daß Ihnen Schwierigkeiten nicht entstehen könnten. Wir hos- fen, daß Tie in keiner Weise behelligt werden. Jedenfalls wollen wir nun noch mehr aufpagen. Im allgemeinen gelingt uns die Tar» nung unserer Mitarbeiter recht gut. S. Prag. Das sind Zahlen, die wir schon wiederholt»eröffent- licht haben.— Einstweilen bitten wir, weitere Einsendungen zu unterlagen. Wir sind auf diesem Gebiet mit Material hinreichend versehen. B. T. Rapallo Der zum Generalkonsul von Tchantung ernannte frühere Oberleutnant Kriebel ist einer der Freunde Hitler», dl« mit ihm nach dem mißglückten Putsch in München einige Zeit sehr milde Festungshaft verbüßten. Vom Konsulatswesen wird Herr Kriebel nichts verstehen, aber Hitler wollte ihm wohl Dankbarkeit erweisen, und das mutz man dem Reichskanzler la,,en:-r sein intimen Freunde so gut und lohnend zu plazieren wie Göbbek» seine Verwandten Früher na"nte man das Parte buchwirtschaft, aber da» war unter dem korrupten Weimarer System. Für den Gelamtinhalk verantwortlich: Johann P t) in Dnd» weiter iiit Inserate Ctto Kuhn in Saarbrücken Rotationsdruck und Ve> i', Verl.>> der Volksstimme GmbH. Saarbrücken 8, 5... n„e\• S htietzsach 776 Saarbrücken.