Ur. 89. Abonnements- Bedingungen: Abonnements- Prei» pränumerando: Bierteljährl. 320 SKt., monaU- 1,10 SDlt, wöchentlich 28 Pfg, frei ins Hau». Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags» Nummer mit illustrirter Sonntags» Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post» Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zettungs- Preisliste für 1SS7 unter Dr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Die Inftrtions- Gebühr betrügt für die sechSgespallene»olonel- »eile oder deren Raum 40 Pfg., für BereinS- und BerfammlungS-Anzeigen, sowie ArbeitSmar« 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen biS 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bis 3 Uhr vormittags geöffnet. Erfcheinl iiiglich auger Wonlaga. Vevlinev Volksblatt. Fernsprecher: Dml l, Dr. 1003. Telegramm-Adresse: «»»iialdemokrais Srrlin". Dentrawrgan der jozialdemokratisthen Partei Deutschtands. Jieduklion: SV. 19, Dettty-Straße 2. Donnerstag» den 15. Aprtt 1897. Spedition: SW. 19, Aleuth-Straße 3. Dev neue ZNikkelPtund. Als vor über dreißig Jahren in Tentschland eine selbst- ständige Arbeiterbewegung begann und infolge der Lasialle'schcn Agitalion die allgemeine Diskussion der„sozialen Frage" erzwungen worden war, da war die erste Schanze, hinter die sich die bürgerliche Gesellschaft und ihre Gelehrten zurückzogen, die Behauptung, daß so etwas Unsinn sei, daß es so etwas gar nicht gebe. Eine„soziale Frage" wäre überhaupt nicht vor- Händen, wäre widersinnig, die Welt wäre im richtigen Geleise Reiche und Arme habe es immer gegeben; Noth zu leiden brauche aber niemand, der arbeiten wolle; durch Fleiß, Sparsamkeit und Geschäftstüchtigkeit könne jeder ans einer unselbständigen in eine selbständige Stellung ausrücken. Aus dem fleißigen und sparsamen landwirthschastlichcn Tagelöhner oder Knecht könne ein Bauer, aus dem tüchtigen Handwerks gesellen ein ehrsamer Handwerksmeister oder gar ein Grost Unternehmer, aus dem umsichtigen und geivandten Kommis eine wohlangesehener Kaufherr werden. Nichts wäre natür licher, als dieses Aufrücken vom Lehrling zum Gehilfen und vom Gehilfen zum Meister. Wo solle da die soziale Frage stecken? Natürlich war nun ein solcher Eutwickelungsgang in der That lange Zeit gewesen. Zwar war es schon in der Blüthezeit des Zunfthandwerks nicht allen Gesellen möglich gewesen, Zunftmeister zu werden; zwar hatten hunderttausende von leibeigenen Bauern absolut keine Ausl ficht, Herr eines freien Bauernhofs zu werden: aber immerhin war es bis zum Entstehen der kapitalistisch betric denen Großindustrie bei weitem leichter, in die selbständigen Stellungen emporzusteigen, und für die damalige Zeit mochte eine Argumentation wie die obige leidlich erscheinen. Die Entwickelung zur kapitalistischen Großindustrie machte aber diesen Zuständen nach und nach ein schmerzliches Ende Es handelte sich jetzt nicht mehr allein und nicht mehr Haupt sächlich um die erworbene Handwerksgeschicklichkeit, sondern vor allen Dingen um den Besitz größerer Kapitalien zur Anschaffung von Fabriken, sich immer mehr vervollkommen der Maschinen, großer Mengen von Rohstoffen u. s. w. Diese Fabriken oder diese landwirthschaftlichen Güterkomplexe(denn in der Landwirthschaft zeigte sich eine ähnliche Entwickelung zur Maffenproduktion) gehörten aber nur einem oder wenigen Unter- nehmeru, während in jeder solchen Unternehmung hunderte oder tausende von Arbeitern beschäftigt waren, die absolut keine Aussicht hatten, sich ebenfalls zu der Klasse jener Unternehmer emporzuschwingen. Anfangs, als die Arbeiterbewegung emporflammte, be- hanptete man dies ja noch, wie oben ausgeführt. Allmälig spitzten sich die Berhältnisse aber doch in einer Weise zu, daß es einfach lächerlich gewesen wäre, bei der alten Behauptung zu bleiben, zeder einzelne könne durch Fleiß und Sparsamkeit aus den unteren in die mittleren und oberen Klassen aufrücken. Es mußte zugegeben werden, daß die Millionen von Arbeitern, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, zeitlebens dazu verurtheilt sind, die Augestellten kapitalistischer Unternehmungen zu bleiben. Tie„soziale Frage" wurde jetzt modern. Aber nicht lange, und nian hatte auch schon einen neuen Trost herausgerrchnet. Es sei ja wahr; die moderne Industrie habe das moderne Proletariat geschaffen, das zur ewigen Abhängigkeit verdammt sei. Aber ganz so schlimm, wie sie aus- sehe, sei die Sache ja nicht. Die kapitalistische Großindustrie habe neben dem Proletariat auch einen neuen Mittelstand geschaffen; die technisch gebildeten Betriebsbeamten, die „Meister" in den Fabriken, das kaufmännische Bureau- personal, die Inspektoren, Aufscher zc. in der Landwirthschaft. Dieser neue Mittelstand sei der Ersatz für den mehr und mehr zusammenbrechenden, ans selbständigen Existenzen bestehenden alten Mittelstand. Der neue Mittelstand sei verhältnißmäßig gnt besoldet, mcisteus ebenso gut und besser, als das Ein- kommen kleinerer selbständiger Unternehmer ausmache. Dazu stehe er dem gesummten Proletariat offen. Es sei nichts weiter erforderlich wie Fleiß, Sparsamkeit, ge- schäflliche Tüchtigkeit, um sich aus einem schäbigen Proletarier in einen behäbigen Aiittelstandsmenschcn zu ver- wandeln. Ei» gesunder Mittelstand sei aber die Grundlage der Staaten, und die Großindustrie sei keineswegs so schlecht wie ihr Ruf: sie trage das Heilmittel für die durch sie ge- schaffencn Schäden in sich selbst. Nun ist es ja wahr: es giebt solche in ihrem Einkommen und in der sonstigen sozialen Stellung über das Arbeiter- Proletariat emporragende Mittelschicht. Das ist ja gerade einer der Vorzüge des kapitalistischen Großbetriebes, daß er sich derartige Beamte leisten kann. Der kleine Handwerker ist auf sein bescheidenes Wissen und Können allein augewiesen. Der Kapitalist gebietet über die Gelehrsamkeit des Wissenschafters, das Können des Technikers, den Geschmack des Künstlers, die Geschicklichkeit des Handwerkers, die Ge- schäftserfahrenheit des Kaufmanns; er konzentrirt alles das auf einen Punkt: und kein Wunder, daß er im Konkurrenz- kämpf der Sieger ist. � Ob die Lage dieses von der Großindustrie geschaffenen „neuen Mittelstandes" wirklich überall befriedigend, od die Zugehörigkeit dazu immer eine Quelle reiner Freuden ist, das möge heute unentschieden bleiben. Daß sich seine Angehörigen in vielen Fällen besser stehen, als ein halbverkrachter Handwerks- meister, ist anzunehmen; schon unwahrscheinlicher ist es, daß er, was die Sicherheit der Position und die Höhe des Einkommens betrifft, in eine Reihe mit dem wohlfundirten selbständigen Mittelstand früherer Zeiten gestellt werden könne. Ganz entschieden bestreiten aber müssen wir, daß die Bildung dieses„neuen Mittelstandes" irgend etwas bnveist gegen die von unserer Partei bezüg- lich der sozialen Entwickelung gezogenen Schlußfolgerungen; daß man sagen könne: jWas wollt ihr mit euren ozialistischen Ideen? Durch Aufrücken in den neuen Mittel- taud kann es auch heute schon jeder tüchtige Mensch zu etwas bringen. Das ist nicht wahr! Ein Brucktheil kann solche Stellungen bekommen, für die große Masse bleiben sie unerreichbar. Nicht, weil die Blasse zu dumm oder zu liederlich zur Verwaltung solcher Stellungen wäre, sondern weil auf eine mehr oder weniger große Anzahl gewöhnlicher Arbeiter immer erst eine von diesen Stellungen kommt. Damit soll natürlich nicht bestritten werden, daß sich die Zahl dieser technisch gebildeten Betriebsbeamtcn, des Anfsichts- personal?, wie Werkmeister, Aufseher«., des kaufmännisch gebildeten Vcrwaltungs- und Bnreaupcrsonals eben infolge der stetigen Weiterausbreitung der Großindustrie vermehrt— wo- gegen die Zahl der selbständigen Betriebsunternehmer relativ zurückgeht. Nach der Berufszählung vom Jahre 1882 waren in Industrie und Handwerk die ffozialcn Klassen folgendermaßen vertheilt: Auf je 1000 kamen Selbständige 344, höheres Personal 15, Arbeiter 641. Dreizehn Jahre später, im Jahre 1895, war die Verthcilung folgende: Selbständige 249, höheres Personal 32, Arbeiter 719. Man sieht in diesen Zahlen die verhältuißmäßige Zunahme der Arbeiterzahl und die Vergrößerung jenes„neuen Mittelstandes"; aber man sieht auch, wie verschwindend ge- ringfügig die Zahl dieser höheren Stellen gegenüber der Ar- beitcrzahl ist. Diese Geringfügigkeit zeigen auch die folgenden absoluten Zahlen. 1895 gab es-n der L a n d w i r t h s ch afjt 5 628 000 Arbeiter, 2 569 000 Selbständige und nur 96 000 höheres Personal. In der Industrie gab es 5 901000 Arbeiter, 1 774 000 Selbständige und 264000 höheres Personal. Im Handel lauten die Zahlen: 1 233 000 niederes Personal, 843 000 Selbständige und 262 000 höheres Personal,— in welcher letzteren den „Mittelstand" repräseutirenden Zahl auch sämmtlichc junge Kauflente mit 40 M. Monatsgehalt zn suchen sind. Land- wirthschaft, Industrie und Handel zusammengefaßt, so lauten die Gesammtzahlen: Arbeiter IL 817 000, Selbständige 5 474 000, höheres Personal 622 000. Es mag etwas sehr Schönes sein, um den Mittelstand. Herkner schreibt in seinem Buch über die Arbeiterfrage folgcudes: „Weitaus die erfreulichsten Züge weisen diejenigen Perioden in der Böltergesctiichte auf, in denen ein breiter Mittelstand vorhanden war. Es sind die sogenannte» organi- salorische», positiven, ausbauende» Epochen in der Geschichte der Menschheit. Da zeigt sich eine glückliche Vereinigung von Arbeit und Genuß, von Rechten und Pflichten, ein offener Blick für den gesunde» Fortschritt; da finden wir eine lebhafte und allgemeine Theilnahme an öffentlichen Dingen, eine hohe Blüthe der im Dienste der öffentlichen und privaten Körperschaften wirkenden Kunst. Das ist der Boden für die wahre politische Freiheit, für eine tüchtige Selbst- Verwaltung.... Die Volkswirthschast gedeiht und blüht. Produktiv» und Konsumtion halten einander das Gleichgewicht." Das ist gewiß sehr schön zn lesen. Aber niemand wird den beinahe 13 M i l l i o n e n Arbeitern weis machen könne», daß sie bei Fleiß und Tüchtigkeit sämmtlich Angehörige jenes Mittelstandes werden können, sintemalen nach der Statistik auf 20 Arbeiter immer erst einer jener jungen Kaufleute, Vor- arbeiter oder Techniker entfällt. Und die Moral? Eine gesunde Sozialpolitik muß die Lage der Arbeiter massen zu bessern suchen, darf sich aber nicht dabei beruhigen, daß ja für einen Bruchtheil die Mög lichkeit gegeben ist, einmal in den neuen Mittelstand ein- zurücken._ polikifchv Mebevstchk. V e r l i n, 14. April. Die Parlamente haben ihre Arbeiten eingestellt, oster- liche Stille herrscht überall. Der deutsche Reichstag, das preußische Abgeordnetenhaus, der österreichische Reichsrath und die belgischen Kammern treten erst am 27. April zusammen. Noch längere Ferien hat die französische Nationalversammlung und das englische Parlament. Auch die italienische Deputirten- kammer hat sich heute vertagt.— „Ter Krieg mit beschränkter Haftpflicht" wie der „Temps" den griechischen Freischaarenkrieg nennt, dauert lustig und munter neben der„friedlichen Blockade" fort, und kein Mensch kann absehen, wie lange diese und jener noch dauern kann vermuthlich so lauge als die griechischen und türkischen Finanzen es aushalten. Das„europäische Konzert" katzen- musizirt dabei vergnügt weiter. Ilcbrigens gebührt der Diplomatie von heute nicht einmal der Ruhm,„den Krieg mit beschränkter Haftpflicht" und die friedliche Blockade erfunden zu haben. Die Erfindung jenes politischen Theaterkricgs ist uralt; in ihrer modernen Form tauchte sie zu Anfang dieses Jahrhunderts auf, und wurde von den Russen wiederholt— ja man kann sagen regelmäßig— zur Einfädlung von Türken- kriegen benutzt. Und die„friedliche Blockade" stammt aus den griechischen sogenannten Freiheitskriegen der 20er Jahre; sie wurde 1827 von dem damaligen„vereinigten Europa" angewandt und führte 1827 zur Vernichtung der türkischen Flotte bei N a v a r i n o, welche, für England geradezu selbst- mörderische Schlacht von einem englischen Minister sehr milde ein„nntowarck event"—„ein unerwünschtes, ungelegenes Er- eigniß" genannt wurde. Mau sieht, es ist nicht das erste Mal, daß daS„vereinigte Europa" sich blamirt hat. So gründlich wie jetzt, aber sicher noch niemals. Ueber die Lage im Orient liegen heute u. a. die folgenden Nachrichten vor: Konstantinopel, 14. April. In türkischen Militär- und Zivilkreisen herrscht große Verstimmung über die Zurück- nähme des dem Kommandirenden Edhem Pascha ertheilten Befehls zum Vormarsche. Nach Meldungen des kaiserlichen Adjutanten im Hauplquarlier herrscht große Verstimmung auch unter den Grenztrnppen, die erbittert seien, daß die griechische Heraus- forderung nicht sofort mit entschiedenem Vorgehen beantwortet wurde. Ein gestern im Aildiz-Kiosk abgehaltener außerordentlicher Minister« rath schloß nach Aussage des Ministers des Aenßern ohne Be> schlußfaffung. Andere» Informationen zufolge hat sich der Minister- rath im Prinzip für die Kriegserklärung aus- gesprochen. K o n st a» t i n o pe l, 14. April. Während im Kriegs- Ministerium versichert wird, daß wiederholt Angriffe griechischer Freischaaren ini Verein mit griechischen Truppen an ver-' schiedenen Punkten der theffalischen Grenze erfolgt seien und die Griechen überall mit starken Verlusten an Menschen und Ge- schützen zurückgeinorfen worden seien, versichert deute der Minister des Aeußern offiziell, ohne die Beschnldigiing der Theilnahme gegen griechische Truppen zu erheben, daß wiederholte griechische Anariffe nur bei Krania stattgefunden hätten. Auf der griechischen Gesandtschaft bestreitet man aufdas entschiedeiistedieTheilnahme griechischerTruppen an den Angriffen und wird auch derPsorte eine dahingehende Erklärung abgebe». Die von der Türkei erhobene Beschuldigung der Theil- nähme griechischer Truppen wird damit erklärt, daß wahrscheinlich ein türkischer Offizier die mit der Fustanella bekleideten Freischaaren mit den Evzone» verwechselt habe. Den heute erschienenen Blättern ist die Veröffentlichung aller Depeschen aus Elassona untersagt worden. Athen, 13. April.(„Times.") Der griechische Staatsschatz ist nahezu erschöpst; die einzige Hilfsquelle bilde eine innere An- leihe, welche wahrscheinlich bei der herrschenden Begeisterung voll gezeichnet werde. Trikkala, 14. April. Die makedonischen Banden sind bi? auf einen verhältnißmäßig kleinen Theil auf griechisches Gebiet zurückgekehrt. Die Insurgenten befinden sich gegenwärtig an der Grenze bei Kutzuphliani. Athen, 14. April. Von der Grenze wird gemeldet, daß der größte Theil der irregulären Bande», welche auf türkisches Gebiet eingedrungen sind, wieder auf griechischen Boden zurückgekehrt sind.— Der„Kölnischen Zeitung" wird über London von mit den Ver» Hältnissen an der griechischen Grenze engvertraulcn Kreisen, die im Besitze vertraulicher Nachrichten sind, bestätigt, daß der Ausbruch des Krieges nnmittelbar bevorsteht. Es handele sich darum, die Türken derart zn reizen, daß sie den ersten Streich thmi. Der erste griechische Vorstoß wäre dann von der epirotischen Seite bei Acta zu erwarten. •* * JT Deutsches Reich. Ueber den Tod des Großherzogs von Wf ck l e n b n r g- S ch w er in wurde eine übliche harmlose offi- Mle Darstellung gegeben, die in schroffem Widerspruche mit einer französischen halbamtlichen Darstellung stand. Nun scheint die Wahrheit an den Tag zu komme». Eine deutsche, loyal gehaltene Pariser Zeitungskorrcspondenz schreibt: Ans Cannes wird gerüchtweise gemeldet, daß der Groß- Herzog v o n M e ck l e n d u r g- S ch w e r i n keines natür- lichen Todes gestorben sei. Er soll in einem Anfall von Fieberwahn seine Villa in einem unbewachten Augenblick verlassen und sich von einer Brücke in der Nähe herab- gestürzt haben. Kurz darauf wurde der Großherzog am Boden liegend aufgefunden und nach seiner Villa zurückgebracht, wo er eine halbe Stunde später verstarb. Nun konnte auch das mecklenburgische Staatsininisteriuni nicht mehr schweigen. Es giebt den amtlichen Bericht über das Ableben des Großherzogs bekannt. In demselben heißt es: Am 10. April war im Lause des Tages die Herzschwäche in solchem Grade gestiegen, daß die Aerzte mit Bestimmtheit erwarteten, der Patient werde die Nacht kaum überleben. Der Patient, welcher viel durch Unruhe ge- litten hatte, fühlte abends 7l/2 Uhr Ruhcbedürfniß und wünschte, wie in solchem Fall regelmäßig, allein gelassen zu werden. Der Großherzog suchte Schlaf, im Rollstuhl sitzend. Der Arzt und die Diener zogen sich zurück, lauschten aber im Gange auf den Athem des Patienten, der deutlich zuerst als beklommen, dann ruhiger hörbar war. Als nach einiger Zeit der Athem nicht mehr vernommen wurde, trat der Arzt, das Ende befürchtend, in das Zimmer und fand dasselbe leer. Zugleich brachte ein Diener die Meldung, daß der G r o ß h e r z o g ans dem Wege vorder Villa liegend gefnndeii worden sei; kurz da r an f wurde der Großherzog in schwer ver letzte ni Zn st an de Herbeigetrage n. Der Großherzog hatte augenscheinlich, wie er öfter bei seiner furchtbaren Athemnoth zu thun pflegte, freie Lust gesucht, war so in sehr geschwächtem Zustande in den Garten getaumelt und ist über die nur wenige Schritte von der Thür entfernte niedrige Umfassungsmauer auf die in bedeutender Tiefe darunter führende Straße gestürzt. Dort fanden ihn die Frau des Gärtners und der Kamerdiener Gagzow. Als er ins Zimmer ge- bracht war, konstatirten die Aerzte eine Verletzung des Rückgrats. Inzwischen waren die Angehörige» an das Lager des Großherzogs geeilt. Nach einer Stunde verschied er. Ob dies die ganze Wahrheit ist?— — Regenten in Deutschland. Nachdem nunmehr auch in Mecklenburg-Schiveriii ein Regent die Regierinig übernommen hat, giebt es in Deutschland nicht weniger als vier Staaten, in denen die Befugnisse der Landesherren von Regenten ausgeübt werden. In Bayern und im Fürstenthum Lippe sind d i e zur Regierung Berufenen durch unheilbare Krank« $eit verhindert, ihre Pflichten zu erfüllen. Im Herzogthnm Brannschweia führt auf grund eines wenige Jnhre vor dem Tode des letzten Herzog« zu stände gekommenen Gesetzes Prinz Albrecht von Preußen die Regentschaft. In Mecklenburg-Schwerin endlich ist der durch den Tod des Großherzogs Friedrich Franz zur Regierung berufene gleichnamige Sohn noch minderjährig, sodaß sein Oheim, der Herzog Johann Albrecht, die Regenlschast übernehmen mußte.— — Das Z u st a n d e k o m in e n der M i l i t ä r st r a f- p r o z e ß- R« f o r m soll, wie die„Magdeb. Ztg." auf grund an- geblich zuverlässiger Mittheilungen meldet, im Bnndesrath gesichert sein, so daß die Vorlage nach den Osterferien dem Reichstag ganz bestimmt noch zugehen wird. — Den nothleidenden Agrariern fängt es langsam an, wieder besser zu gehen. Die„Statistische Korrespondenz" versendet eine Zusammenstellung über die Einkommen von ZOCK) M. und darüber im Jahr löSö/S7. Daraus geht hervor, daß sich solche Einkommen im letzte» Jahre auch ans dem Lande in erfreu- lichem Wachsthum befinden. So hatten z. B. die über 3000 M. ffiim kommen versteuernden Landbewohner Ostpreußens ISSS ein Gesammb ein kommen von 21 120 000 M., 1896 ein solches von L2 180 000 M. In Westprcußen stieg das bezeichnete Gesainniteinkoiinne» von 15 910 000 ans 16 230 000 M., im Regierungsbezirk Potsdam, z» dem allerdings die Berliner Vororte gehören, von 68 3S0 000 M. auf 73 680 000 Mark, in Schlesien von 94 860 000 Mark auf 98 360 000 Mark, i» Hannover von 50 540 000 Mark auf 51 300 000 Mark, in Westsalen von 52 420 000 Mark ans 54 730 000 M., im Rheinland von 86130 000 M. auf 38 840 000 M. Im ganze» preußische» Staat hatten die mindestens 3000 M. vcr- steuernde» Stadlbeivohner 1895 ein Gesaunnteinkonniien von 2 226 610 000 M., 1896 von 2 308 120 OOO M.; die entsprechenden Bewohner des Landes hatten 1895 ein Gesaunnteinkonniien von 574 330 000 M.. 1896 ei» solches vo» 531 190 060 M.— Diejenigen unter den Bewohnern des Landes, die über 3000 Mark Einkommen versteuern, halten also im letzte» Steuer lahr ein um beinahe sieben Millionen Mark vergrößertes Gesauimteinkomme». Das ist doch schon ganz nett! Diese Ver- größerung des Einkommens ivird wohl ebenso sehr den der„»oth« leidenden Landwirlhschasl" zugeschanzten Liebesgabe» zu verdanken sesti, wie dem allgeineinen Aufschivnng der wirthschaftlichen Ver: Hältnisse.— Ob sich bei diesen Anlässe» auch die Arbeiter- ein komme» auf dem Lande entsprechend erhöht haben, wagen wir freilich billig zu bezweifeln. »»Ernst Mathias v. Köller. Die„Glsaß-lothringische Volkspartei" schreibt:„Nachdem längere Zeit hindurch der ehe- malige Unterstaatssekretär Ernst Mathias v. Köller als Kandidat für jedes erledigte Oberpräsidium genannt worden war, ist es jetzt mit den Nachrichten über seine Ernennung auf einmal ganz still geworden. In eingeweihten Kreisen nimmt man an. daß an hoher Stelle allerlei bekannt geworden ist von sehr zwanglose» Aeußeru ngen— auch über„hohe",„höchste" und selbst„allerhöchste" Stellen— die Herr von Köller in Straßburg gethan, wo er sich anläßlich einer Erkrankung seiner Gemahlin kürzlich einige Zeit aufgehalten hatte. Herr v. Köller nahm im vertraulichen Gespräch niemals ein Blatt vor den Mund und sprach do inillo rebus et quibusdam alüs(von 1000 Dingen und einigen anderen) stets mit einiin den Hörer oft verblüffenden Freimuth. Freilich wußte man niemals, ob er einem, wie Bis- marck von Manteuffel zu sagen pflegte, seine„wirklichen Ein- geweide" zeigte, oder zu diesem Zweck künstlich präparirte. Das that er auch neulich wieder in Slraßburg. Aber so was bleibt hier nicht dicht, und so dürste manches nach Berlin gelangt sei» und dort„oben" recht seltsam berührt haben. Vielleicht hat auch in Berlin etwas von gewissen Privatverhältnissen verlautet, über welche der ehemalige Chef des Literarischen Bureaus im Ministerium, jetzt königlich preußischer Landrath in Wirsitz, Provinz Posen, Graf Wartensleben, sowie die Gemahlin des ehemaligen Land- gerichtsraths, jetziger Regicrungsrath von Alten in Hannover ge> nauercs aussagen könnten. Die Vorgänge spielten theils in Straß- bürg, theils in Hohwald, wo die Herren von Alten und von Köller Landhäuser hatten. Es mag sein, daß Herrn von Köller's Er- nenuung trotzdem erfolgt, eine gewisse Verzögerung aber hat sie jedenfalls erfahren, und von der Art, in welcher man diese Dinge „oben" auffaßt, dürft« es wohl abhängen, wie sich die Zukunft ent- wickelt.— »» Katzenjammer. Der regierungsfromme„Hamb. Corr." schreibt: Bei den allgemeinen Wahle» von 1393 traf«ine Verstärkung des deutschnationalen Gefühls mit dem ersten jugendkräftigen Aus- treten der agrarischen Bewegung zusammen. Zur Zeit ist die nationale Strömung aus verschiedenen Gründen verflaut, die agrarische im Rückgange begriffen. Das sind, so weit ans einer Nachwahl über- Haupt Schlüsse zu ziehen sind, die Thatsachen, die sich ans der Wahl von Torgau-Liebenwerda ergeben.— — Zur Nachwahl in Wiesbaden II wird gemeldet, daß die freisinnige Vereinigung sich wieder auf die Kandidatensuche begeben muß. der in Aussicht genommene Landrichter Dove hat die Kandidatur abgelehnt.— — Ueber idyllische Zustände im Kreise Anger- bürg berichtet das„Berliner Tageblatt": Im Kreistage wurde von mehreren Rednern behauptet, daß Erklärungen des Landraths Dr. Beeckmann mit den Thatsachen nicht im Einklänge ständen. Es entstand darauf ein heftiger Zeitungskrieg im„Boten am Mauersee". Rechtsanwalt Stein in Angerburg machte, um nicht durch Schweigen in den Verdacht zu gerathen, daß er früher die Unwahrheit gesagt habe, in dem„Boten am Mauersee" vom 4. März bekannt, daß ihm in seiner Eigenschaft als Beigeordneter vom Regierungs-Präsidente» Hegel in Gumbinnen unter dem 25. Februar untersagt worden sei, in öffentlichen Blättern de» Konflikt mit dem Landrath zu erörtern, selbst wenn dieser eine lhatsächliche Berichtigung zu den Behauptungen Stein's veröffentliche. Wie uns nunmehr geschrieben wird, ist Rechtsanwalt Stein vom Regierungs- Präsidenten für die Veröffentlichung dieser Verfügung in euie Geld- strafe von 60 M. genommen worden.— Aachen, 14, April.(Franks. Ztg.) ' lifei....... Die Stadt genehmigt« im Prinzip das Projekt der Eisenbahnbehörde, wonach mit 7'/» Mill. Mark Kosten die Aachener Eisenbahnverhältniffe umgestaltet und die beiden Hauptbahnhöfe neu gebaut werden sollen.— — Erschossen. Ei» in der Presse kaum noch erwähnter tragischer Vorfall soll, wenn der„Oldenburger General-Anzeiger" gut unterrichtet ist, unlängst in der Nähe der Station Over, hausen sich zugetragen haben. Ein Arrestant von der Marine, welcher nach Köln verbracht werden sollte, entsprang dort, als der Eisenbahnzug bei einer Haltestelle hielt, obwohl er von einem Gefreiten und einem Obermaat überwacht wurde. Der erstere eilte deni Ausreißer nach, der Obermaat aber rief demselben dreimal „Halt" zu. Als der Flüchtling diesen Zuruf nicht beachtete, sondern seine Flucht fortsetzte, gab der Obermaat einen Schuß auf ihn ab, welcher jedoch den verfolgenden Gesreite» traf, der tobt zu Bode» stürzte. Indessen traf die Kugel auch den Flüchtling am Fuße, so daß er die Flucht aufgeben mußte. — Schwarzburg- Sondershausen ist auch der thüringisch-anhaltinischen Lotterie beigetreten. Miiuche», 13. April.(Eig. Ber.) Der Finanzminister beab- sid)tigt, dem Landtage eine Vorlage über die Bodenzinsfrage zu unterbreiten, die darauf abzielt. Mittel und Wege zu suchen, um eine stark beschleunigte und erleichterte T i l g u n g der Bodenzinse herbeizuführen. Auf grund einer Denunziation der„Donau-Zeitnng", des Organs des Abgeordneten Dr. Pichler i» Passau, hat der hiesige Magistrat beschlossen, gegen den Bauernbundsführer Dr. K l e i t n e r Antrag auf Strafverfolgung wegen Berufsbeleidigung zu stellen. Der Magistrat von Nürnberg dagegen hat, wie von dort gemeldet wird, von einer solchen Klagestellung Abstand genommen.— LandShut, 14. April. Als Termin für die Abhaltung der diesjährigen Generalversammlung der Katholiken Deutschlands sind nunmehr die Tage des 31. August bis 4. September festgesetzt worden.— Aus Bade». In der Krcistags-Versammlung zu Lörrach thcilte der Berichterstatter für das Landarmenwesen. Stadtpfarrer Höchster, mit, daß vom 1. April 1397 ab ei» Uebereinkommen zwischen Elsaß-Lothringen und Baden über die Armenuuterstützung in kraft getreten ist. Fortan werden die unterstützungsbedürftigen Badener auch in den Reichslanden und die unterstütznngsbedüritigen Reichsländer in Baden unterstützt, sofern sie 5 Jahre im Lande wohnen. Die Einzelheiten dieses Uebereinkommens seien auf Wunsch ber reichsländischen Regierung weder in den Gesetzesblättern noch in der Presse bekannt gemacht worden.— Schweiz. Bern, 14. April. In einer Nachtragsbotschaft über die Be> schaffung der Geldmittel sür d i e Krauken- und Unfallversicherung erklärt der Bundesrath, er bedürfe für die Leistung der Vundesbeiträge keiner neuen Einnahmequelle, wie z. B. des Tabakmonopols; die Mittel des ordentlichen Jahres- budgets des Bundes reichten hiersür aus.— Bern, 13. April.(Eig. Ber.) Der buudesräthliche Gesetz- eutwurf betreffend die E i s e n b a h n v e r st a a t l i ch u n g umfaßt 43 Artikel. Zur glichtschnur für die Bahnverstaatlichungs- Politik sagt der erste Artikel:„Der Bund wird diejenigen schweizerischen Eisenbahnen, welche wegen ihrer volkswirthschaftlichen oder mili- tärischen Bedeutung den Interessen der Eidgenossenschast oder eines größeren Theiles derselben dienen und deren Erwerb ohne unverhältnißmäßige Opfer erreichbar ist, für sich erwerben und unter dem Namen„Schweizerische Bundesbahnen" sür seine Rechnung betreiben. Mit einer Eisenbahn können auch Nebengeschäfte, die mit dem Bahnbetriebe in engem Zusammen- hange stehen, erworben werden." Der Erwerb der Eisenbahne» sindet auf deni Wege des Rückkaufs gemäß den Bestimmungen der Bundesgesetzgebung und der Konzessionen statt und es hat der Bundcsrath auf dieser Grundlage den Rückkauf auf den nächsten Rückkaufstermin anzumelden gegenüber den im Zeitpunkte des Inkrafttretens dieses Gesetzes im Betriebe stehenden Bahn- linieiK Jura- Simplonbahn, Zentralbahn, Nordostbahn, Wahlen- Bremgarten, Vereinigte Schweizcrbahnen und Gotthardbahn. Wenn der einheitliche Rückkauf der gesammte» Nordostbahn auf grund der für ihr Srainmnetz giltige» Bestimmungen nicht erreichbar ist, so kann der Buudesrath die unter besonderen Konzessionen stehenden Linien von der Rückkanfserklärnng ausnehmen, falls deren Erwerb nur mit unverhältnißmäßigen Opfern möglich und deren Besitz nicht zum rationellen Betrieb der Bundesbahnen unentbehrlich ist. Mit Zustimmung der Bundesversammlung kann der Bundesrath die gengnnten Bahnen auch freihändig zurückkaufen, und zwar unter Festhaltung der oben angegebenen Grundlagen. Das Kapital zum Erwerb und Betrieb der Bahnen wird durch Aus- gäbe von Obligationen oder Rententiteln aufgebracht. Der über die Verzinsung und Amortisation der Eisenbahnschuld hinausgehende Ueberschnß muß ausschließlich im Juteresse der Bundesbahnen und zwar sür Ausgleichung der Jahreserträgnisse, sowie für Hebung und Erleichterung des Verkehrs verwendet werden. Die Oberleitung der Verwaltung obliegt der Bundesversammlung und dem Bundes. rath. In de» aus 72 Mitgliedern bestehenden Eisenbahnrath ist auf je 50 000 Einwohner ein Vertreter zu wählen; die Wahlart ist den Kantonen überlassen. Seine Amtsdauer beträgt drei Jahre und sällt mit derjenigen der Bundesbehörden zusammen. Er wählt in den Verwaltnngsrath 11 Mitglieder, ebenso viele die Bundes- verfanimlung und 17 der Bundesrath. Im übrigen ist der Eisen- bahnralh nur«ine begutachtende Behörde, die sich regelmäßig alle Jahre zweimal zu versammeln hat. Die Mitglieder erhalten Tage- und Reisegelder. Das Bundesbahnnetz wird in drei Kreis» eingetheilt; Zürich, Luz«rn und Lausann« mit dem Hauptsitz der Verwaltung in Bern. Neben dem Verwallungsrath und der General- direktion fnngiren die Kreisdirektionen als weitere Organe. Die Besoldungen der Direktoren, Beamten und Angestellte» werden durch ein besonderes Bundesgesetz festgesetzt. Dieselben dürfen nur Schweizer Bürger sein und beträgt ihre Amlsdauer drei Jahre. Für die Beamten und AngesteNten wird eine Pensions- und Hilfs- lasse errichtet, in welche die erforderlichen Einlagen je zur Hälfte vo» de» Mitgliedern und der Eisenbahnbetriebskasse gemacht werden. Ein hochinteressantes, mit viel Fleiß, Sachkenntniß und Scharf- firni ausgearbeitetes Aktenstück ist die dem Gesetzentwurf bei- gegebene Begründung von 250 Druckseiten. Der geschicht- liche Ueberblick über den Anfang und die Entwickelung der schweizerischen Eisenbahnen, in dem auch eines Gutachtens von Stephenson über den Bau einer Alpenbahn erwähnt wird, zeigt, wieso es kam, daß der Bau und Betrieb der Eisen- bahnen dem Privatkapital überlassen wurde. Die sehr neue Sache schien riskant zu sein und hatte der 1843 neugegründete Bund wenig Macht und Festigkeit, aber auch wenige Mittel, nur 330 000 Fr. für außerordentliche Zwecke per Jahr. während die aufgestellten Rentabilitätsberechnungen immer nur z» einem Defizit gelangten. So verzichtete der Bund darauf und über- ließ die Eisenbahnen dem Privatkapital. Die erste Bahnstrecke war die zwischen Zürich und Baden, welche am 9. August 1847 er- öffnet worden. Ende 1895 waren 3576 Kilometer Bahn- längen in Betrieb, wovon 2949 Kilometer auf die Normalbahnen entfallen. In anschaulicher und überzeugender Weise wird die jetzige Zerfahrenheit und der dadurch beivirkte unrationelle Betrieb der zahlreichen Verwaltungen der Privatbahncn sowie die Roth- wendigkeit und Zweckmäßigkeit des durch die Verstaatlichung niög- lichen einheitlichen Betriebes dargestellt. Bezüglich der 21 209 Be- amte» und ülngestellten der fünf Hauptbahnen wird bemerkr. daß davon gegenwärtig mehr als die Hälfte zu den sogen. Arbeiter» mit 8- bis 14 lägiger Kündigung gehört, während der Bund die meisten derselben in den festen Beamtenstand überfuhren wird. Von den jetzt verschiedenartigen Personen- n»d Gütertarifen werden die jetzt geltenden niedrigsten Sätze zur allgemeinen Geltung gelangen; für den Personenverkehr allein wird dies einen Ausfall der Jahres- einnahmen von 3 073 662 Fr.— 8,65 pCt. ausmachen, aber durch die voraussichtliche Steigerung des Verkehrs bald wieder ein- gebracht werden. Beim Güterverkehr wird das gleiche Vor- gehen eint» Verlust von 1 623 401 Fr._ 3,34 pCt. zur Folge haben, aber ebenfalls einen Ausgleich durch die Vermehrung erfahren. Von besonderem Interesse ist die tabellarische Darstellung der in- und ausländischen Aktionär« und ihres Aktien- bcsitzes bei den fünf Hauptbahnen: Nordost: bahn Simplonbahn ahl d. Aktionäre 1 320 >avon i. d. Schweiz l 154 Aktienbesitz. 147 344 Davon im Ausland 166 Aktienbesitz. 33 226 I'Ä Bahnen 511 444 bahn 339 248 14050 96 20 414 20 818 67 8 082 Gotthardbahn 226 124 1847 102 26 347 608 887 81 427 121 37 100 Es betreffen diese Zahlen allerdings nur die nach dem Stimmrechtsgesetz für Aktionäre erfolgten Eintragungen, die blos einen Theil der Aktionäre und Aktien ausmachen. Die Gesammt- zahl der eingetragenen Aktien beträgt nur 340 655 gegen 739 600 ausgegeben« Aktien. Aber von den eingetragenen Aktien entfällt mehr als ein Drittel auf das Ausland und von den eingetragenen Aktionäre» ein Fünftel. Bei den Nordost-, Zentral- und Gotthard»Bahnen überwiegt bei weitem der ausländische über den inländischen Aktienbesitz und daher auch in der Generalversammlung die Vertretung der aus- über die inländischen Aktionäre und Stimmen. In der Botschaft bezeichnet-s der Bundesrath als beschämend für die Schweiz, daß sich der große Theil der Eigenthümer ihrer Haupt-VcrkehrS- straßen im Auslände befindet. Es sind das ungesunde Zustände, denen ein starkes Staatswesen baldmöglichst«in End« machen müsse. Schließlich wird auch noch ein« Rentabilitätsrechnung auf- gestellt. Bei 970 Millionen Franks Kaussumme wird der durch- schuittliche Reinertrag pro Jahr auf 42.4 Millionen berechnet und der Ueberschnß über die auf 60 Jahre vorgesehene Amortisation und bei 4pCt. Verzinsung auf 50 425 Fr., bei 3'/s pCt. aus 2 108 082 Fr. und bei 3 pCt. ans 4 437 090 Fr. Ohne Amortisation beträgt der Ueberschnß bei 4 pCt. Zins 3 590 089, bei 3� pCt. 6 654 681 und bei 3 pCt. 10 230 033 Fr. Am Schlüsse der Botschaft ersucht der Buudesrath die Bundes- Versammlung um dringende Erledigung der Vorlage, bis Ende September dieses Jahres, da drei Monate Reseren- dumsfrist offen zn lassen sind und die erst« konzessionS- mäßige Kündigung einer Linie der Nordostbahn bereits vor deni 26. Februar 1398, die übrigen Kündigungiii aber vor dem 1. Mai 1898 erfolgen müssen. Die projektirte Eiscnbahn-Verstaatlichung ist die bedeutendste Aktion, welche der Schweizerbund seit seinem Bestehen unternimmt. Die Begründung des Schrittes ist eine ausreichende und Muster- giltige; möge nun im entscheidenden Augenblicke auch das Schweizer« voll auf der Höhe der Aufgabe stehen.— St. Galleu, 13. April.(Eig. Ber.) Die am Sonntag statt- gefundenen Kantonsraths- Wahlen haben wenige Ver- schiebnngen gebracht. In der Stadt St. Gallen wurde der von allen drei Parteien unterstützte Sozialdemokrat Zeichner Oswald mit 3373 bei 3930 höchster Stimnienzahl gewählt, in Toblat Fürsprech Heinrich Scherrer niedergewählt, während der bisherige demo- kratische Vertreter Kelleuberger mit dem Ultramoutaneu Brunn- berger, dem schofelsten Handlanger des Eisenbahnkönigs Guyer- Zeller i» Zürich, in Stichwahl kommt. Genosse Paul Brandt unterlag leider in Uzial, doch haben mit seiner Kandidatur die bor- tigen Arbeiter wenigstens ihren Anspruch aus eine sozialdemokratische Vertretung angemeldet, die sie vielleicht bei einem zweiten Anlaufe a»ch erringen werden. Jnsgesammt find gewählt 36 Liberale, 63 Ultramontane und 3 Sozialisten inio Demokraten. Tie Liberalen hatten auch bisher schon die Mehrheit im Kanionsrath. Die große Zahl der Arbeiter im Kanton St. Galleu läuft leider immer noch den bürgerlichen Parteien nach.— Frankreich. PariS, 14. April. Der frühere Abgeordnete Planteau erklärte, A r t o» habe ihm 1883 das Anerbieten gemacht, gegen eine Summe Geldes günstig für die Panama-Aktien zu stimmen. Der Abgeordnete habe indessen erklärt, er werde dies ohnehin thu», worauf Alton das Geld für sich behielt.— Italien. — Zwischen Crispi undder„Vossischen Zeitung' besteht seit Jahren«in inniger Freundschaftsbund— so innig, daß er die politischen Psychologen schon wiederholt beschäftigt hat. Aber warum sollen die Vossischen Eiben nicht das Recht haben, von Freundschaft zu erglühen für wen sie wollen? Des Menschen Herz ist«in unergrüudtichcs Ding, noch uneraründlicher als manches Mannes Portemonnaie. Genug, Tante Boß, die in guten und schlechten Zeiten treu zu ihrem Crispi gehalten, sprach seit Monaten, das heißt seit der Prozeß der Neapolitaner Bank begann, plötzlich kein Wort mehr von ihrem Liebling. Diese? räthselhafte Schweigen hat bis zum heutigen Tag gedauert, wo sie ihren Lesern, die von dem ganzen Prozeß keine Ahnung hatten, dir überraschende Mitlheilung macht, der edle Crispi habe durch Vorzeigung einer Ouittnng den Beweis erbracht, daß er in bezug auf alle An- klagen, die von boshaften, au Werth nicht mit ihm zu ver« gleichende» Feinden gegen ihn erhoben werden, unschuldig sei, wie -in neugebornes Kind. Rührende Freundesliebe der Tante Voß! Leider beweist die famose Quittung gar nichts; und sie hat den italienischen Staatsanwalt nicht verhindert, die Auslieferung CriSpi's vo» der Kammer nun doch zu fordern. Di« Freud« der armen Tante war also nur von kurzer Dauer. Uebrigens ist Crispi noch nicht im Zucklhaus. Er ist ein gar großer Dieb. Und sür diese ist in der Regel das ZnchthauS so wenig, wie nach dem Sprichwort der— jetzt abgeschafft«— Galgen.— Dänemark. — Der Finanzkonflikt. Es fand ein« Sitzung statt, in welcher dem Ministerin»» die Vermittelungsvorschläge des Parlaments unterbreitet wurden. Tie Parlauieutsmehrheit bietet statt 200 000 Kr. 35 000 Kr., und wünscht außerdem die Einsetzung einer Kommission, die das gesammle Kopenhagener Befestigimaswesen in Berathung nehmen soll und so de» alljährlichen Finanzkonflikt«,, vorbeuge». Der Ministerpräsident ReedtzThott erklärte, daß er mindestens 75000 Kr. ver« langen müßte, um die Militäriverkstältei, in Betrieb erhalten zu können. Die Einsetzung einer Festuiigskommisston wäre ihm sympathisch, er müßte aber noch mit dem Ressortminister Rücksprache nehmen. Die Einsetzung dieser Kommission, die sicher zu stände kommen wird, soll vornehmlich wohl den abermaligen Umfall der„Mode- raten"(Gemäßigten) bemänteln; so dürfte der„Konflikt" daher seinem Ende enigegengehen. TS geht doch nichts über eine Prinzipien» treue Opposition.— Asien. Bokohama, 14. April. Der japanische Kreuzer„Naniwa" wird am Sonnabend in See gehen, um die Japaner auf Hawaii zu be- schützen.— Afrika. — Schwierigkeiten in Algier. AuS Oran wird tele- graphirt: Jusolge wiederholter Einbrüche von Räuberbanden sind zwei Schwadronen beritteuer Jäger an die Grenze von Maroklo entsandt worden.— Die„Leipziger Volks-Zeitung" antwortet auf meine vorgestrige Erklärung, ich hätte es„peinlich vermieden", ans die Zitate einzn« gehen. Ja, warum hätte ich denn auf sie eingehen solle»? Sie widerlegen ja nichts, ivas ich gesagt habe, und könnten, wenn statistischer Ballast für meinen Artikel paßt«, diesem, ohne ein Wort zu ändern, vollständig eingefügt werden. Der Rest ist durch de» Bruderschmatz der„Kreuz-Zeitung" und ähnlicher national-sozialen Brüder erledigt. Zum Schluß und Abschluß muß ich, um nicht den Schein bös- lichen VerscdweigenS auf mich zu laden, noch miltheilen, was ich vorgestern vergaß, nämlich daß der statistisch-patriotische Exkurs der„Leipziger Volkszeitung" unterzeichnet ist: Bruno Schoenlanl. Berlin, 14. April 1397. W. Liebknecht. - U rnli Pirfif ern C?ii,c Parteiticrsaiiiuilung für den 10. sächsischen Reichstag?- Wahlkreis, die in Döbeln abgehalten wurde, beschloß die Be- lheitigung an der Landtagswahl, beziehentlich das Festhalten an dem betreffenden Beschlüsse der vorzährigen Landeskonferenz. Polizeiliches, Gerichtliches ,c. — Der Redakieur des„Sozialistischen Studenten', Genosse Bertbold Heymann, hat wegen der ersten Nummer dieses Blattes bereits zwei Anklage» erhalten. Durch das Gedicht „Vorwärts" soll gegen den Z 130 des Strafgesetzbuches verstoßen lein und in dem Artikel„Ans den Reichslanden" hat man eine Beleidigung der elfaß-lothringischen Schutzleute, Postschalterbcanile» und Laudesdirektoren entdeckt. Ob an der Spree oder an der Newa. die freiere Richtung unter der Studentenschaft erfreut sich hier wie dort der gleiche» Aufmerksamkeit der„Staatserhalleudeu". — Iii Leipzig wurde eine Versammlung des Sozialdemo- kratische» Vereins für den Osten polizeilich verboten, wo Walde c» M a» a s s» ans Berlin über das Thema sprechen sollte:„Wie stellen wir uns zn dem Austritt aus der Landeskirche?" Das Ber-, bot wird„gestützt" auf§ 5 des sächsischen„Juwels", wonach Ver sammlungen unzulässig sino, deren Zweck es ist. Gesetzesübeltretungn- zu begehen, dazu aufzufordern, oder doch dazu««neigt zu machen Dass'-lb« Sachsen hatte einst die Vorhut aus dem Gebiete der religiösen Auskläruug!—_ Die kheuevn Lten�Attkett den kÄifevlichen KDeeften. Allzu oft ist es gewiß nicht der Füll, daß wir gewissermaßen zu Snusten einer Betriebsverwaltung einer Staatswerkstätte das Wort ergreifen; aber da wir von jeher stets der Wahrheit die Ehre ge- geben haben, so wollen wir es auch diesmal lhun, um die, zuerst in der Budgetkommission des Reichstages, namentlich von den Abgeordneten Jebsen, Dr. Hammacher und Prinz Arenberg be- krittelte Thatsache, daß die Kriegsschiffs- N e u b a u t e n auf den Staatswerften theurer wie auf den Privatwerftcn werde», auf ihre Ursache» zurückführe». Aus den von uns schon oft hingewiesene» Umstand, daß die Staatswerkstätten von den Musteranstalten, die sie werden sollten, so wenig verspüren lassen, wollen wir heute nicht eingehe», obgleich, angesichts des Uiustandes, daß der Staatssekretär Hollmann die Ansicht vertrat, daß mit der Verkürzung der Arbeits- zeit, bevor die Privatwerkstätten vorangegangen, die kaiserlichen Werften»icht folgen könnten, die Versuchung nahe genug liegt. Drei Jahre waren im Februar d. I. verflossen nach jener traurigen Katastrophe aus dem Panzerschiff„Brandenburg", welche 44 rüstigen Männern das Leben kostete. Als diese Katastrophe seinerzeit im Reichstage zur Debatte stand, wurde von allen Ztedner» nur die eine Ansicht vertreten, daß der Schiffsbau fernerhin viel gewissen- hafter und unter bedeutend besserer Aufsicht auszujühren sei. Wenn man nun hiergegen den Bericht der Budgelkommission liest, dann kommt man zu der Ueberzeugung, daß diese Katastrophe schon längst wieder vergessen ist. Wenn man sich auf den Staudpunkt stellt, daß die Kriegsschiffe unbedingt nöthig sind und daß ferner auf denselben das denkbar Möglichste zur Sicherung der auf den Schiffe» später Wohnenden gethan werden soll, dann kann nur einer, der die Verhältnisse auf den Staats- n»d den Privatwerflen nicht kennt oder kennen will, die Billigkeil der letzteren lobend hervorheben. Wie es aber damit bestellt ist, wollen wir nunmehr einnial untersuchen. Die Privatwerften bauen nach festen Kontrakten. Hauptpläne und Zeichnungen werden von der Admiralität geliefert, während die tausende von Detailzeichnungen, die bei einein Schiffsbau gebraucht werden, von den Konstrukteuren und Technikern der Privatwerften selbst angefertigt und nur von dem Slusficht führenden kaiserlichen Oberbeamten(Bau-Jnspektor, Bau meister oder Ingenieur) eingesehen und durch Namensnnterschrist für richtig befunden werde». Außer von diesem Oberbeamten wird der Bau ans Privatwerften noch durch einen kaiserl. Werkführer beim Schiffsbau und einen beim Maschinenbau beaufsichtigt. Nun komme» aber sehr häufig in den Dctailzeichnungen Koustruktionsfehler vor. Der die Arbeit anfertigende Arbeiter sieht beispielsweise ganz gut ein, daß der Schieber, das Ventil, der Wasserstands anzeiger, das Dampf- oder Drainagcrohr u. s. w. bei einem etwaige» Versagen im Dienste vielleicht garnicht oder doch nur sehr kümmerlich, in vielen Fälle» nur mit Zertrümmerung einzelner Theile zu öffnen oder zu schließen möglich ist. Durch eine Meldung würde er in erster Linie Schaden zu erleiden habe», da bei den äußerst gedrückte» Akkordsätzen jede Verzögerung ihm solchen bringt; er meldet die Sache vielleicht nicht, da auch in früheren Fällen der Meister bei erfolgter Meldung sich aus die Zeichnung berufe» hat. Die schwankenden Arbeitsverhältnisse aus den Privatwerste» thlln ein übriges. Der Arbeiter, der heute eingestellt wird, weiß nur zu gut, daß er nach drei bis vier Wochen oder 3 bis 4 Monaten, je nachdem die Arbeit beendet ist, und er sich während dieser Zeit Tag und Nacht abgerackert hat, wieder auf die Straß« gesetzt wird, und infolge dessen sucht er seine Arbeit so schnell wie möglich auszuführen. Bei der geringen Zahl Aufsichls- beamten kann der Meister oder Werkführer einer Privatwerst die Arbeiten nicht so genau kontrolliren. Die kaiserlichen Wersten da- gegen biete» ein ganz anderes Bild. Nach unserer neuesten Um- schau sind auf den kaiserlichen Werste» zirka 6 mal, ja in einzelnen Ressorts sogar 10 mal so viel Aussichtsbeamle(Werkführer, Meist«,, Obermeister, Bausührer, Baumeister sJngenieurej Bauräth« u. s. w.) als auf Privatwerste». In der Montlrungswerkstätte kommen aus 340 Arbeiter 16 Werkführer, 0 Meister und 1 Obermeister. I» der Schlosserei und Schmiede sind b«i 217 Arbeiter» 7 Werkführer und 2 Meister. Hinzu kommt noch, daß fast jeder Meister eine» oder zwei Schreiber sitzen hat, die einen großen Theil der Schreibereien ihiten abnehmen, so daß die Meister sich viel mehr dem äußeren Dienst widmen können, Sämmtliche praktischen Arbeite» werden auf das genaueste beaufsichtigt und alle vorgefundenen Konstruktionsfehler u. s. w. werde» sofort verbessert. Bei jeder Ausführung einer Arbeit wird schon in betracht gezogen. daß im Fall eines etwaigen Vcrsagens im Dienste die Reparatur so schnell und leicht wie möglich vorgenonimen werden kann. Es ist eine unter Fachleute» allgemein anerkannte Thatsache, daß bei auf Privatwcrften erbauten Schiffe» und Maschine» viele Theile schön bei der ersten Reparatur verworfen werden miiffen, während dieselben Theile bei auf kaiserliche» Werften gebauten Schiffen fünf, sechs und noch mehr Reparature» bestehe». Aus den kaiserliche» Wersten tritt noch hrnzu, daß die Arbeits- verhältniffe stabilere sind, der Arbeiter hat etwas mehr Hoffnung länger dort zu bleiben und da weiß er auch, daß jedes neue Stück Arbeit, das dort gefertigt auch wieder in Reparatur kommt; er sucht als» spätere Voriviirse zu vermeiden, das trifft aber bei einem Arbeiter in einer Privatwerft, der heute eingestellt wird, weil die Arbeit drängt, und morgen enttasse» wird, wen» die Arbeit fertig, nicht zu. Ihn, kann es gleichgiltig sein, ob die Arbeit später gut oder schlecht ist, abgesehen von dem Umstände, daß die Hebung und Geschicklichkeit, die zum Schiffsbau erforderlich, nur durch lnngjährige Ersahrung zu erwerben ist. Auf einer der kaiserl. Werften würden Fälle wie die folgenden nicht möglich sein. Bei einem der neuere» Kreuzer unserer Marine stellte sich nach dem Stapellanf auf einer Privatwerft heraus, daß ein ein großer Komplex der Außenhaut des Schiffes im Rnderraum leck war. Die Außenhaut besteht hier aus zwei aufeinanderliegenden Stahlplatten, welche durch Niete» fest aneinander gezogen sein sollen. Dieses traf in diesem Fall nicht zu, denn zwischen beiden Platten war ein Zwischenraum bis zu K Milimeter. Um nun das Eindringe» von Wasser in de» Schiffs- raun, zu verhindern, also die Außenhaut dicht zu bekommen, wurde folgendes Experiment gemacht. Es wurden in die innere Platte eine große Anzahl ca. IS Millimeter große Löcher gebohrt, Gewinde hinein- geschnitten, eine hierzu angefertigte Druckspritze eingeschraubt und der Luftraum zwischen beide» Platten mit dünnem Mennigekill vollgespritzt. Dann wurden wieder die Löcher mit Gewindepsropsen zugemacht und übergestrichen. Dieses wurde namentlich auf Steuer- bordseite von Spant 0 bis über Spant 4 von unterhalb des Wellen- rohres bis hinauf zur Wasserlinie gemacht; auf Backbordseite in etwas kleinerem Maßstabe. lieber die Probefahrten des im vorigen Jahre abgenommenen, auch auf einer Privatwerft gebauten Avisos„Hela" besagte» die amk lichen Angaben, daß bei den Maschine» die Kurbelwelle» Neiguw zeigten, nach vorn zu wandern, was mehrfach zu schlecht«� Arbeiten der Dampfkolbeu Veranlassung gab. Einige Theile waren zu leicht konstruirt und mußten durch stärkere ersetzt werden. Die Kessel zeigten während der Probefahrten bedeutende Leckagen an den Feuerlöchern, so daß eine Erneuerung der Niete theiliveise nothiveudig geworden ist. Die Kesselspeisung er- forderte stets besondere Aufmerksamkeit bei schnellem Gang der Maschinen, da die an die Maschinen angekuppelten Speise- pumpen mangelhaft arbeiteten. sobald die Tentperatur des Speisewaffers 40 Grad Celsius überschritt.— Bei der Verlegung der Dampsheizungsrohre hat sich ein Mangel an Sorgfalt gezeigt. Noch liegt die„Hela" auf der Werst in Reparatur und die Neparaturkosten des neuen Schiffes müssen sich schon jetzt auf viele tansende Mark belaufen. Das ist«s gerade, was übersehen wird. Die Kosten eines Neubaues auf einer Privatwerft sind ge« ringere als die eines Neubaues auf einer Staatswerft, dafür find die Bauten der letzteren besser und dauerhafter, ersorder» nicht die vielen und großen Reparaturen und wenn mau für einen lvjährigen Zeit- raun, beispielsweise die Kosten des Neubaues und durch Reparaturen zusammenstellen würden, dann würde» die kaiserliche». Werfte» als die billigeren dastehen, trotz der bureaukratischen Verwaltung. Wenn man nun die Urtheile in der Budgetkommission deS Reichstags hört, dann kann man nur zu dem Schlüsse kommen, daß die Herren dort die Verhältnisse thatsächlich nicht kennen oder auf Kosten der Steuerzahler zu gunsten der Privatwerften sprechen, welch letzteres wir jedoch als höfliche Menschen von ihnen mcht an- nehmen.____ GowevkschAfttiches. Berlin und Umgebung. Tie Rixdorfer Möbrlpolierer schloffen sich in ihrer letzten Versammlung den Beschlüssen ihrer Berliner Kollegen an, wonach die Arbeitsruhe am 1. Mai strikte durchgeführt werden soll. Deutsche» Reich. Im Maurerstreik in Brandenburg ist keine wesentliche Ver- änderung eingetreten. Der Zuzug ist streng fernzuhalten. Ans Lübeck wird gemeldet, daß die am 12. April geführten Unterhandlungen der streikenden Möbeltischler mit de» Möbelfabrikanten zu keinem Ergebniß geführt haben. Die tabrikbcsitzer waren wohl geneigt, ein« Erhöhung des tuudenlohues zu bewilligen, sie lehnten aber die von den Slreikenden geforderte Herabsetzung der Arbeitszeit von 10 auf 9Vs Stunde» mit aller Entschiedenheit ab. An diesem Punkte sind die Verhandlungen gescheitert; die Streikenden wollen ihre Forderung nicht fallen lassen, und der Arbeitgeberverbaud hat beschlossen, aus keinen Fall in die Verkürzug der Arbeitszeit zu willigen. Das Verhalten dieser nach dem Hamburger Muster errichteten Ausbeutervereiniguug wird durch die Thalsache genügend gekenn zeichnet, daß die I n n u n g s m e i ft e r die Forderunge» der Tischler bewilligt haben und um ihr Versprechen halten zu können, daraus bestehe» müssen, daß ihre gefährlich st en Kon- kur r en t en, die Möbelfabriken, von de» Arbeitern geuölhigt worden, ebenfalls zu bewilligen. Der im Slunim'schen Geiste wirkende Arbeilgeberverband, der bekanntlich aus Unternehmern aller möglichen Industrien besteht, hilft natürlich nicht den Ha,id>verlsnieistern, sonder» de» Möbelfabrikauten. S retten die„staatserhallenden" Elemente das Handwerk!— In Altona verhandelte das Landgericht in erneuter Verhandlung gegen die Genossen Johannes Heine, Max Gertz und Otto Stabbert, die wegen Erpressung, angeblich verübt in ihrer Eigenschaft als Mitglieder der B o y k o t t k o m m i f s i o n gegen über dem Margarinefabrikauteu Mohr, in erster Verhaiidlung zu Gefänguißstrafe» von 1—3 Monaten verurthcilt worden waren, welches Urlheil vom Reichsgericht wegen eines Formfehlers auf' gehoben wurde. In der zweiie» Verhandlung vor dem Landgerichl beanlragle der Staatsanwalt dieselben Strafen, auf die das Gericht früher erkannt hatte. Das Urtheil wird nächsten Dienstag verkündet. In Bremen hielt das Gswerbegericht als Einigungsamt eiue zweite Sitzung in Sachen des Schuhmacherstreiks ab. um eine Eliiiguug über die noch stritlige Frage des Miiiimallohnes zu stände zu bringen. Die Gehilfeii sorderle» eine» Minimallohn von 13 M. Tie Vertreter der Jmnmg, die etwas über 120 Mik glieder zählt, erklärte» den Miiiimallohll auf keineii Fall be- willigen zu können, wobei sie bemeikten, die Jniiungsnieister ließen fast alle ans Stück arbeiten und mit der Abschaffnng von Kost und Logis beim Meister(welcher Gehilfenfordernug die Meister zugestiinint haben) werde die Beschäfligllng auf Wochenloh» bei den Jnnungsmeistern wahrscheinlich ganz aufhören. Tarauf einigten sich die beiderseitigen Vertreter dahin, daß der Minimallob» von 13 M. zwar in de» noch zu vereinbarenden Lohutarif ans- genonnnen wird, die Jimlingsmeister von seiner Bezahlung jedoch eiilbuuden sein sollen. Ueber diese Abmachung Hai noch die Ver saininlung der Gehilsen zu enlscheiden. Slimmt diese zu, so treten am Donnerstag die beiderseitigen Lohnkommisstonen zur B-ralhung des Lohntarifs zusamme» und nach der Verständigung über diese Angelegenheit hält das Gewerbegericht als Einigmigsamt»och eine Sitzung ab,»m die Verhandlungen formell zum Abschluß zu bringen Ans Magdeburg berichtet die„Bolksstimnie": Eine Ber� l i» e r Firma, deren Arbeiter im Alisftande sich befinde», beabsichtigt, in Magdeburg eine größere Stückarbeit ansführen zu lassen. Das wird natürlich schwer fallen, da hier eine wachsame Organisation vorhanden ist, die solidarisch für die Jntereffen der streikeudeli Berlii�r Kollegen einiritt. Wenn irgend- wie Sluckaleure nach Magdeburg verlangt werden, dann wird daruin gebeten, vor Annahwe der Arbeit Erknndigmigen über die kiesigen Verhältnisse einzuziehen bei Otto Röhr, Magdeburg-Neustadt, Agueleustr. 19. Die Maurer nnd Zimmern Magdeburgs haben init dem Arbeilgeberverband des Maurer- und Ziinmerergewerbes«inen Lohntarif vereinbart, der bis 1. April 1393 Gilligkeit hat. Die Tischler in Merseburg fordern 10 pCt. Lohnerhöhiing und ersuchen die Fachgenoffen, bis aus weiteres den Zuzug zu unterlasse». In Elberfeld legten a»f dem Nenba» des Nealaymiiasiiims über 60 Maurer die Arbeit nieder. Sie forderten de» Zehastunden- lag an stelle der jetzt zehneinhalbstündige» Arbeitszeit. Im Ti s ch l er st r e ik ist keine wesentliche Veränderung ein- getreten. Am Sonnabend waren 17 Ledige und 73 Verheirathete zu unterstützen. Anö Hayna« berichtet der„Proletarier a»s dem Eulengebirge". daß dort die Mehrzahl der Maurer um Verkürzung der Arbeits- zeit und Lohuerhöhnng im Streik steht. Ueber de» Diainantarbeiterstrcik i» Hanau wird berichtet: Das G e w e r d e g c r i ch t hat in seiner letzten Plenarsitzung ein- stimmig beschlossen, jetzt seinerseits den Versuch zu einer Verftändi- guna zu machen. Zuerst werden die Fabrikanten gefragt, ob sie jetzt zu Verhaudlunge» bereit sind. Sollre dies bejaht werden, dann würde eine gleiche Anfrage an die Arbeiter gerichtet werden. Die Arbeiterinnen der Wäschereien in Neu-Isenburg bei Offenbach a. M. haben, zirka 130 n» der Zahl, die Arbeit nieder- gelegt, weil sie trotz 12— I6ftü»diger Arbeitszeil durchweg sehr schlecht bezahlt wurden. Sie verlangen den Zehnftundentag, Stundenlöhne von 10, 14 und IS Pf. für ausgelernte,»iittelmäßige und erste Arbeitninnen, wöchentliche Lohnzahlung, bessere Kost, einstündige Mittagspause und Frühstücks- nnd Vesperpause» von je 20 Minuten, sowie menschenwürdige Behandlung. Wie das„Offenb. Abendblatt" mitlheilt, hat ein Theil der Wäschereibesitzer diese Forderungen be- willigt, so daß sich die Zahl der streilenden Arbeiterinnen aus 120 vexMindert hat. Das Leipziger Gewerkschaftskartell beschäftigte sich in seiner itzung am 12. April mit der Krilik, die der„Borwärls" gegen seine Beschlüsse in Sachen der Buchdrucker gerichtet hat. Nach dem Bericht der„Leipziger Volkszeilung" führte der Buchdrucker Kressin— der in derselben Sitzung auf 1 Jahr zum Schrift- sührer des Kartells gewählt wurde, während der Buchdrucker G a s ch das Aint des 1. Vorsitzenden übertragen bekam— folgendes aus:„Der „Vorwärts" habe sich eine das Kartell verletzende Art der Kritik seines Beschlusses belreffs der Buchdrucker- De legirten erlaubt, so daß das Kartell dazu Stellung nehmen müsse. Der„Vorwärts" habe von Anfang an keine bestimmte Stelluiig in der Tarifsrag« eingenommen, ja er habe später sogar die fünf wegen Gründung der„Buchdrucker- Wacht" ausgeschlossenen Opposttionelleil in der öffentlichen Achtung herabgesetzt, trotzdem sie alle lange Jahre Parteigenosten find und als solche gewirkt haben, zum theil sogar an wichtigen Posten. Es sei zu begrüßen, daß der„Vorwärts" jetzt offen Farbe bekannt habe." Nach den Kressm'schen Darlegungen stellten sich sämmtliche Redner auf de» Boden der von Kresstn vorgeschlagenen Resvlutio», die dann einstimmig angenommen wurde, nnd spräche» ihre Eni- rüstung aus über die Haltung deS„Vorwärts". Di« Resolution hat solgeude»-Wortlaut:„Dje am 12. April tagende Versammluiig de- GewerNchaftskartells zu Leipzig weist die parteiische Einmischung des„Vorwärts" in die inneren Angelegenheiten deS Kartells zurück. Die Versammlung geht über die vom„Vorwärts" beliebte Art der Kritik des Kartellbeschlusses betreffs der Buchdrucker-Delegirten hinweg, da die bisher schwankende Haltung des Zentralorgans der sozialdemokratischen Partei in der Frage der Tarifgemeinschaft bekannt ist. Das Gewerkschaftskartell Leipzigs hält die Uiilerstützung der Tarisgenieinschastsgegner in der Büch- drucker- Gehilfenschaft für nothwendig im Interesse der Gesammt- arbeiterbewegung und fordert die örtliche» Gcwerkschaftskartelle auf, gleichfalls Stellung zur Tarifgeineinschaftssrage zu nehmen. Die Generalloiinnisfloii der Gewerkschaften Deutschlanvi wird ersucht, diese Frage aus dem nächsten Geivertschaftskougreß zur Debatte zu stellen." Dieser Beschluß»mgeht vorsichtig den springenden Punkt der Angelegenheit, nämlich unsere Krilik der falschen Auffaffililg, die das Leipziger Kartell von den Tarifgemeinschasten hat. DaS Kartell wendet sich dagegen, daß der„Vorwärts" den Ausschluß der Delegirleu der Mehrheit der Leipziger Buchdrucker ungerecht nannte ec. Der Ausschluß der Mehrheit eines Berufs aus dem Gewerkschafts- kartell, noch dazu einer Stadt von der industriellen Bedeutung Leipzigs, fordert aber selbstverständlich das öffentliche Urtheil heraus. Daraus ergiebt sich für den„Vorwärts" sowohl das Recht wie die Pflicht, seine Meinung zu sagen. Ueber die Sache, um die»S sich handelt, ist man im Leipziger Gewerkschaftskartell durchaus noch nicht mit sich im reine». Nachdem die Resolution gegen den Berliner „Vorwärts" angenommen war, diskutirte man noch wie folgt; „Töpfer Biebrich erklärt, daß i» seiner Branche nicht eine Tarifgeiueinschast bestehe wie bei den Buchdruckern, Tischler Mensch betont aber, daß der Töpfertarif immerhin(i R. d.„V.") vier Wochen Kündigungsfrist habe. Töpfer Liersch bestreitet ebenfalls, daß die Tartffori» der Töpfer gletchwerthig sei mit der der Buchdrucker. Das sei«ine Beleidigung. Buchbinder Zink« erklärte, daß über die Tarifgemeinschaft(! R. d.„V.") der Buchbinder eiue öffentliche Bnchblnderversanimlung zu befinden haben werde; nachdem werde das Kartell sich zu entscheide» haben, ob ihre Man- date anerkannt iverden." Die Anführung dieser Stellen genügt, um darzuthun, in welche Sackgasse sich das Leipziger Gewerkschaftskartell mit seinen Be- schlnffen gegen die Tarisgemeinschaft der Buchdrucker und gegen die Delegirten der Mehrheit der Leipziger Buchdrucker verrannt hat. De» Behauptungen gegenüber, daß der„Vorwärts" eine Kritik i» verletzender Art gehalten habe, daß er von Anfang an keine bestimmte, sondern eine schwankende Stellung in der Tarifsrag« eingenommen und daß er später die fünf wegen Gründung der„Buchdrncker-Wacht" aus« geschloffenen Oppositionellen in der öffentlichen Achtung herabgesetzt habe, trotzdem sie alle lange Jahre Parteigenossen wären— diesen Behauptiliigen gegenüber mag erklärt sein: Unsere Kritik der beiden Beschlüsse deS Leipziger Gewerkschafls-KartellS war in parlanienUrische» Formen und vollkominen sachlich gehalten. Unwahr ist es, daß der„Vorwärts" in der Frage des Bnchdruckertarifs von Anfang a» keine bestimmte Stellung ein- genommen habe; er hat im Gegeutheil gerade von vornherein und zwar schon bei den Leipziger Verhandlungen deuilich genug gesagt, was er von der Sache hält, und seine Haltnng ist bis heute nicht schwankend, sondern solgerichtig gewesen; drittens ist es dem„Vorwärts" »icht eingefallen, die fünf Oppositionelle» in der öffentlichen Achtling herabzusetzen, sondern er hat sie im Gegeutheil verlheidigt, wo sie ungerecht behandelt wurden. Die Kritik beschränkte sich auf die Person Casch's, dessen Austreten in jedem Betracht de» schärsjl Tadel verdient. schäMW< rch�Zer- Ter Manrerstreik in Markranstädt t. E. ist durd Mittelung deS Bürgermeisters B e r l h o l d beigelegt. Die Arbeitszeit wirb von II auf lv Stunde» heiabgesetzt nnd der Stundenlohn jetzt von 33 ans 33 Pf. erhöht, am 1. April nächste» Jahres aber auf 40 Pf. In Zwickau wurde der vor kurzem gegründete Verein Gewerkschafts- Kartell von der Polizei ausgelöst. In der Begrüttdnng, die der Polizei- Kom- missar dem provisorischen Vorstand persönlich gab, heißt es: Ter besag!« Verein ist entgegen dem sächsischen Bereins- gesetz mit anderen Bereinen i» Verbindung getreten, beziehentlich aus Vereins verjammlniigen hervorgegangen, die nur von organrsirlen Beriissgenoffen besucht wa»e>i und zum Zwecke der Gründung des Vereins Gewerkschaftskartell in Verbindung treten mußten. Die Polizeiverwaltiing behalte sich Schritt« gegen die eiiizelilen Vereine eveiiluell deren Anflösung vor. I» Crimmitschau haben in der W e b e r« i von Haase il. Komp. ll Arbeiier und Arbeiterinnen gekündigt, weil pro Band (sechs Leipziger Ellen) 5 und 10 Pf. weniger bezahlt werden sollten, als bisher. Zuzug»st streng sernzuhalten. Di« Arbeiterpresse wird um Abdruck gebeten...- Der Holzarbeiter-Ansstand in GeringSwalde danert fort. In den letzte» Tage» sind viele Ausständige abgereist. Die Stuhl- Fabrikanten sind noch nicht zu Verhandlungen geneigt. Am Mvniag ist die erste Auszahlung' der Streikuiiterstlitziing erfolgt. Sireik- brecher babe» sich bisher nur in ganz geringem Maße gefunden. Um de» Ansständigen den Sieg zu ermögliche», ist die größtmöglichste Fernhaliung d«S Zuzuges am Platze. In Mannheim beschloffen die B a n s ch l o s s e r, die auf ihre Foröerunge» von den Meistern eine vollständig ablehnende, jedoch nicht einmal mit einer Unterschrift versehene Autwort bekommen haben, die Meistervereiniguna durch die„VollSstunme" öffenilich auszusorder», der Lohnkommission wenigstens ei»« Adresse anzugeben, mit deren Träger sie sich>» Verbindung setzen kann. Ist biS längstens Donnerstag, den IS. d. Mts., keine Antwort eiiigelausen, so soll durch die gewählten Vertrauensmänner in jeder emzelneu Werkstatt sofort die Kündigung eingereicht werden. Die Schneider haben bei allen in betracht gezogenen Firmen ihre Forderungen ganz oder nur mit geringsügigen Abänderungen durchgesetzt. Der Generalstreik der Maler, Lackirer und Anstreicher WiirzbnrgS ist vermieden, da die Innung die meisten F»rde»uugeii bewilligt hat. In den filnf Geschäften, wo die Arbeit eingestellt worden war, sind die Differenzen gleichfalls durch Bewilligung der Forderungen erledigt. Ausland. Die städtischen Angestellte» und Arbeiter Belgiens, die zum theil schon organisirr sind, halten in diesem Jahre einen Kongreß i» Brüssel ab. Verhandelt wird u. a. über Gehalts- fragen, Ernchtilug von Pensionskassen, Einführung der siebenstüiidlgen Arbeitszeit u. s. w. I» den Ziegeleien der Umgegend von Brüssel hat eine Anzahl Arbeiter die Arbeit niedergelegt. Sie fordern eine Er- höhung des Lohnes von 2ö Centimes für daS tausend Ziegel. Dem „Peuple" zufolge ist»in allgemeiner Ausstand zu erwarten. Ans AlaiS i» Frankreich wird telegrophirt: Der Ausstand t» La Grandcombe dehnt sich anf die Nachbargruben ans. So aben besonders die Bergleute von Rochebelle und die Arbeiter der intteniverke in Tamaris die Arbeit eingestellt. Militär bewacht den -ingang zu den Gruben. Bisher hat sich kein Zwischenfall ereignet. Ei»« bürgerliche, in Paris erscheinende deutsche Kor- respoudenz sagt, der Streik sei wegen Entlassung zahlreicher Arbeiter vorauszusehen gewesen. Der Streik in der Waggonfabrik von P a n t i n in Frankreich ist beendet. Die Unternehmer bewilligten die von den Arbeitern ge- forderte Utägige Lohnabrechnung. Der Bergarbeiterausstand in M a r i« in o n t ist beendet Die Streikendeu sind auf de» Rath ihrer Kameraden vorläufig bedingungslos zur Arbeit zurückgekehrt, die Differenzen sind damit aber nicht erledigt, sondern einem Einiguugsamt überwiese»»vorden. Tic Diffcreuzcn zwischen dem englischen Eisenbahn- arbeiter- Verband und mehreren Eisenbahndireklionen sollen »ach Oster» vor einem EinigungSamt, dem Lord R o s e b e r y vor- sitzen wird, zum illustrag gebracht werde». Mittlerweile suche» sich beide Parteien mit statistischem Material über Lohn- und Arbeits- Verhältnisse zu versehen. Der Verband sucht außerdem möglichst olle Eisenbahnarbeiter zu organisiren. Seit 1. Januar sind Iö224. in der letzten Woche allein 1g neue Mitglieder gewonnen worden. In Sheffield(England) streiken die S i l b e r s ch m i e d e einer der ältesten Firma wegen Lohndifferenzen und weil in der betreffenden Fabrik ein zu der Zahl der erivachsenen Arbeiter zu hoher Prozentsatz von Lehrlingen eingestellt wird. Es ist das der erste Streik, den die genannte Gewerkschaft seit ihrem Bestehen auszufechten hat.' � i> Aus Rnfflaiid wird uns geschrieben: I» I a r o s l a wurden während des Streiks in der Fabrik von Korsinkin mehre Arbeiter, eine Frau und ei» Kind erschossen.— Die Verfolgung" ��beiter von feiten der Behörden wird in letzter Zeit mit beson� Anastchtslosigkeit getrieben. In einer Theestnbe, die sich in Arberterviertel befand, versammelten sich eines Abends Jlnige Arbeiter. Plötzlich wurde das HnuS von Polizisten belagert und vre Auflösung der Versammlung befohlen. Die Zlrbeiter, die das Lokal einzeln verließen, wurden von de» draußen aufgestellten Polizisten auf das schmählichste mißhandelt, wobei auch eine Anzahl Passanten Verletzungen davontrugen und ein Knabe, der den wie wülhend dreinschlagenden Polizisten entrissen werden mußte.— In den T a b a k f a b r i k e n herrschen empörende Zustände, die selbit gegen die russischen Gesetze verstoßen. I» alle» Fabriken sind Kinder beschäftigt, die Räumlichkeite» sind llei», ohne Ventilation, reines Trinkwasser fehlt und die Löhne sind äußerst niedrig. Madchen, die schon Jahre lang dort beschäftigt waren und tüchtige Arbeiterinnen sind, bekommen 90 jtop. bis 1 Rub. 20 Kop. wöchenl- lich.. In drei Fabriken forderten die Arbeiter eine Erhöhung des Lohnes. Daraufhin überhäufte sie der Fabrikinspektor(der selbst eine Fabrik besitzt) in Gemeinfchast mit dem Polizeimcister mit Schimpfwörtern und mit Drohungen, sie nach Sibirien zu ver» schicken. Mukevttvhmev-'VerlmnÄr. Tic Vereinigung der Interessenten der Spiritus- n»d Brrnncrci-Jndnstric hat. wie ein Berliner Lokalberichterstatter meldet, durch Verträge mit Versicherungsgesellschaften das Personal seiner Mitglieder für den Fall der dauernden Invalidität oder des Todes durch Verunglückung mit 600 Mk. pro Person versichert, und zwar alle Brennereiarbeiter, die bei den Brennereien beschäftigten Unterbrenner, sämmtliche Destillateure urd Hesecxpedienten, alle Buchhalter und das gesammte kaufmännische Personal. Der Bäckermeister- Verein der schweizerischen Stadt Lnzcr» verhängte über den dortigen Konsumverein, der 4070 Mitglieder zählt, de» Mehlboykott; die Untermühle in Zug und Steiner's Söhne in Malters dürfen kein Mehl mehr liefern. Der Konsum verein bezieht nun sein Mehl von anderen Firmen. Sozmlus. Ruö Zabrze berichtet die„Breslauer Zeitung": Der Berg- mann Schwitalla auchsMiechowitz.�der bei der verhänguißvollen Katastrophe am l. April auf der Borsig'schen Hedwig-Wunsch-Grnbe beim Bergen der sechs Leichen niit wahrer Todesverachtung zu weit vorgedrungen war, wurde damals betäubt zu tage gefördert. Die Hoffnung auf Erhaltung seines Lebens hat sich nicht erfüllt; der selbe ist seinen Leiden erlegen und wurde gestern zur letzten Ruhe bestattet. Der Verunglückte hinterläßt eine Wittive mit vier Kindern. Abermals wird ei» grosses Grubcnnugliick gemeldet. Im Schacht I und II der Zeche Oberhause» sind Mittwoch Vor mittag einer Explosion schlagender Wetter 10 M e n s ch e n l e b e n zum Opfer gefallen. Nach Angabe der„Nheinisch-Westsälischen Zeitung", dein Unternehmerorgan, soll die Weltersühruug intakt sein, die Ursache des Unglücks sei unbekannt. Die alte Geschichte!— Eine internationale Konferciiz, die sich mit den sanitären Einrichtungen und den ärztlichen Hilfeleistungen ans den Eisen- bahnzügen und den P e r s o» e n d a m p f e r n befassen soll, wird im September d. I. in Brüssel abgehalten werden. Die Kohlenförderung im Transvaal in Südafrika betrug im Jahre 1896 l 471 169 Tonnen. Verkauft wurden davon 1 437 297 Tonnen. 303 831 mehr als im Vorjahre. Beschäftigt wurde» im Kohlenbergbau 443 Weiße und 4645 farbige Arbeiter. Tie»nittuchr erhobene Anklage gegen den Kriminal- kommissarius v. Tausch und de» Schrisisteller v. L ü tz o>v um- saßt 133 Seiten und schon dieser Umfang zeigt, daß der am 24. Mai und die folgenden Tage sich abspielende Prozeß wieder von hervorragendem Interesse werden wird. Den Geschworenen werden zwei an sich selbständige Straf- fache», die aber mit einander verbunden worden sind, vorgelegt werde»: die eine betitelt sich„v. Tausch" und belrifft den diesem vor- geworfenen Meineid, die andere wird„v. Lützoiv und Genossen" genannt und bezieht sich auf die Urkundenfälschung, begangen durch unbefugte Ausstellung von Quittungen unter dem Namen des Herrn Kukutsch. Ursprünglich war bezüglich dieser That die Untersuchung gegen v. Tausch wegen Anstiflung geführt worden, dieser Gesichtspunkt ist jedoch fallen gelassen und die Anklage nun wegen Verbrechens im Amte erhoben worden. Es wird hierbei unterstellt, daß v. Tausch, obwohl er gewußt hat, daß v. Lützoiv mit der Vollziehung der falschen Unterschrift eine strafbare Hand- lung begeht, die Verfolgung der letzteren doch unterlassen hat. Die Anklage wird vor dem Schwiwgericht durch den Ober- Staats- anivalt Drescher und den Staatsanwalt Dr. E g e r vertreten werden. Voraussichtlich wird ein nicht unwesentlicher Theil der Verhandlungen mit Erörterungen darüber nusgesüllt werden, ob v. Tausch eigenmächtig und zu bestimmten Zwecken politische Artikel in verschiedene Zeitungen lancirt hat, wenigstens haben nach dieser Richtung hin umfangreiche Erhebungen stattgefunden, die nun der Prüfung der Geschworenen unterbreitet werden, um zu entscheide», ob v. Tausch in dieser Beziehung vor Gericht die Unwahrheit gesagt hat. Von der Anklage- behörde werde» etwa 50 Zeugen vorgeladen werden, darunter wieder Frhr. v. Marschall, sodann der Polizeipräsident v. Wind- heim und andere hervorragende Persönlichkeiten, von denen ein Theil schon inr Prozeß Leckert-Lützow mitgewirkt hat. v. Tausch will aber die Zahl der Zeugen noch durch Vorladung zahlreicher Enllastungs- zeugen ergänzen und hält zu dieseni Zweck jetzt fast täglich Kon- ferenzon mit dem Vertheidiger Dr. S ch w i n d t ab. Für den An- geklagten v. Lützoiv wird sein Vertheidiger Dr. Lubszynski nur wenige Entlastungszeuge» vorschlagen. Man nimmt an, daß die Verhandlung des Prozesses eine ganze Woche ausfüllen wird. Vom Sedlatzeck. Wegen Beleidigung des Oberhofmeisters der Kaiserin Freiherrn v. Mirbach ist, ivie erinnerlich sein wird, vor einiger Zeit der Heransgeber des„Antisemitischen Generalanzeigers" Sedlatzeck zu vier Monaten und der Schriftsteller Schwennhagen zu einem Jahr Gesängniß verurtheilt worden. Freiherr v. Mirbach hatte bei seiner Zeugenvernehmung die Kampfesweise und die ge- sammte Tendenz des„Antisemitischen Generalanzeigers" einer rücksichtslosen Kritik unterworfen. Aehnliche Urtheile über die Person des Herrn Sedlatzeck und den Werth und den eigentlichen Charakter seines Blattes tanden sich in einer Reihe von Artikeln wieder, die verschiedene hiesige und aus- wärtige Zeitungen im Anschluß an jene» Prozeß brachten. Herr Sedlatzeck hat jetzt gegen alle diese Blätter die Beleidigungsklage angestellt. Gestern wurde vor dem hiesigen Schöffengericht seine Privalktage gegen den Redakteur des„Berliner Tage- b l a t t e s". Dr. Erbst Grüitcsie», verhandelt. Dieser sowohl wie auch sei» Vertheidiger Rechtsanivalt Mosse suchten nachzuweisen, daß das herbe Urtheil, welches über den Privatkläger und sein Blatt gefällt worden, ein durchaus berechiigtes gewesen und in Wahr- nehmung berechtigter Interessen abgegeben worden sei. Der Gerichtshof hielt aber doch Beleidigungen für vorliegend und verurlheilte den Angeklagten zu 100 M. Geldstrafe. I» de» Prozessen um das Vermögen des verstorbenen Rentiers Simon Blad ist neuerdings ein Theilnrtheil gefällt worden. Das Kammergericht bat der Schwester des Verstorbenen einer verwittwetcn Frau H., welche ihm lange Jahre in seinen Geschäften geholfen, nach Ableistung eines Eides, daß ihr der Verstorbene seiner Zech auch nach Verkauf seiner Hänser ei» Gehalt von 3000 M. jährli' * willigt hatte, den Betrag von 89 625 M. zugebilligt.— Wann � ie Prozesse der übrigen Konkurrenten zur definitiven Erledigung kommen werden, läßt sich noch gar nicht absehen. Wegen schiverer Körperverletzung, begangen an einem von ihm beschäftigten Arbeiter, hatte sich am Mittwoch der Herings- Händler an gros, Kaufmann Lippmann, in Gemeinschaft mit seinem Buchhalter Karaczewsky, vor der 3. Strafkammer am Landgericht 1 zu verantworten. Die Sache hat schon vor einiger Zeit das Schöffengericht beschäsligt, welches sich aber für unzuständig erklärte, weil nach den damals abgegebenen Gut- achten der Sachverständigen es den Anschein hatte, daß der Verletzte infolge der erlittene» Mißhandlunge» in dauerndes Siechthum verfallen werde. Nach Angabe des verletzten Arbeiters Röhl war er am 17. September v. I. damit beschäsligt, mit dem Buchhalter Karaczewsky zusammen einen Wagen zu schieben, bei welcher Ge- legeuheit beide in Wortwechsel kamen. Tann sei Lippmann hinzu- gekommen, habe ihn ins Genick geschlagen und mit dem Gesicht an den Wagen gestoßen; daraufhin habe sich auch Karaczewsky an den Mißhandlungen betheiligt. Hierauf sei Röhl von Lippmau» ins Komptoir gerufen und mit einem Ochsenziemer über den Kopf ge- schlagen worden. Bald darauf sei auch Karaczewsky hinzugekommen und habe mit dem verkehrten Ende einer Peitsche auf ihn ein- geschlagen. Infolge der gemeinschaftlichen Mißhandlungen sei er zu Bode» gefallen und dann von den Angeklagten noch weiter geschlagen sowie mit Fußtritten traklirt worden. Erst durch Dazwischentreten von Hausbewohnern, sowie eines herbeigeholten Schutzmanns sei der Prügelei ein Ende gemacht worden. Der Miß- handelte mußte sich sogleich in ärztliche Behandlung begeben. Nach dem Gutachten des medizinischen Sachverständigen waren zwar die äußeren Verletzungen Röhlls nicht besonders erheblich, jedoch hat er infolge der Schläge auf den Kopf eine Gehirn- e r s ch ü t t e r u n g sowie ein langwieriges Nervenleiden davongetragen, wovon er heute noch nicht völlig wiederhergestellt ist; er befindet sich noch nicht wieder im Besitz seiner Arbeitsfähigkeit. Die Besserung Röhl's hat aber in letzter Zeit solche Fortschritte gemacht, daß die Sachverständigen, im Gegensatz zu ihre» vor dem Schöffengericht erstatteten Gutachten, es für wahrscheinlich hallen, daß er mit der Zeit seine Arbeitsfähigkeit wieder erlangen werde. Die Angeklagten wollen ganz schuldlos sein. Lippmann will sowohl auf dem Hofe, wo Röhl dem Buchhalter den Wagen ans den Leib habe schieben wollen, als auch im Komptoir von Röhl zuerst geschlagen sein und sich nur mit Hilfe seines Buchhalters des angreifenden Röhl erwehrt haben. Die Angaben des Verletzten, soweit sie die Vor- gänge aus dem Hofe bcireffen, wurden durch mehrere Zeugen be- stätigt. Bezüglich der Prügelei im Komptoir behauptete Röhl, daß er mit den Angeklagten allein in dieseni Rauine war. Dagegen will sowohl die F r a n des Angeklagten Lippmann, als auch deren Neffe, der Buchhalter Braun, während der Schlägerei im Komptoir anwesend gewesen sein und beide wollen ge- sehen haben, daß Röhl der Angreifer war und die An» geklagten nur in der Nolhwehr gehandelt hätten. Dem Zeugen Braun hielt der Vorsitzende des Gerichtshofes mehrmals das im- wahrscheinliche und mit den Aussagen der anderen Zeugen in Widerspruch stehende seiner Angaben vor, und warnte ihn ein- dringlich vor dem Meineide. Dem Zeugen, der sehr unsicher ist und vor Beantwortung der an ihn gerichteten Fragen nach den Angeklagten blickt, bemerkte der Vorsitzende:„Sic scheinen sich Ihre Instruktion von der Anklage- dank holen zu wollen". Ein anderer Zeuge ist vom Angeklagten Lippmann beauftragt worden, auszukundschaften, ob der Zustand Röhl's wirklich ein so schlimmer sei, und ob derselbe nicht etiva simnlire. Lippmann habe d e ni Zeugen eine Belohnung von 50 M. n n d eine gute Stellung versprochen, für den Fall, daß er den Prozeß gewinne. Der Staatsanwalt hielt nach dem Ergebniß der Veweisaufnahme die Angeklagten der gemein- schaftlichen schweren Körperverletzung für schuldig und beantragte gegen Lippmann 9 Monale, gegen Karazemsky 6 Monate Gesängniß. Der Staatsanwalt bezog sich auch, um den zu Gewallthätigkeitcn ge- neigten Charakter Lippmann's zu kennzeichnen, auf die von Zeugen bekundete Thatsache, daß Lippmann vor der Prügelei seine Pferde in roher Weise mißhandelt hatte. Demgegenüber bemerkte der Vertheidiger der Angeklagten, daß Lippmann seit Jahren Mitglied zweier Thierschutz-Vereine sei. Der andere Vertheidiger, Leonhard Friedmann, wandte sich unter ander»! gegen eine Aeußernng des Staatsanwalts, welcher die That als eine streng zu sühnende hinstellte, weil Lippmann, der wohlhabende Arbeitgeber, einen armen, mit 6 Kindern gesegneten Arbeiter in einer so üble wirthschastliche Folgen für den'letzteren herbeiführenden Weise gemißhaudclt habe. Der Vertheidiger meinte, derartige sozialpolitische Momente müßten ans dem Gerichtssaal fern gehalten»verden, denn das könne nur„Wasser auf verschiedene Mühlen" leiten. Im weiteren suchten die Vertheidiger nachzuweisen, daß ihre Klienten nur in Nothwehr gehandelt und diese allenfalls überschritten hätten. Der Vertreter des als Nebenkläger zu- gelassenen verletzten Arbeiters Röhl beantragte auf Zuerkeunnng ciner Buße von 4000 Mark. Das Gericht kam zu der Ansicht, daß beide Augeklagle gemeinsam dem Röhl eine gefährliche Körperverletzung zugefügt haben, die zwar eine schwere Beeinträchtigung feiner Gesundheit und seiner Erwerbsfähigkcit, jedoch kein Siechthum im Sinne des Gesetzes herbeigeführt habe. Der Angeklagte Lippmann wurde zu drei Monaten, tkaraczewsky zu zwei Monaten Gesängniß verurtheilt; außerdem hat Lippmann aiu Röhl eine Buße von 2000 M. zu zahlen. IT Als dreiste Einbrccheri» hat sich das Dienstmädchen Augiqtc Stern berg entpuppt, die gestern unter der Anklage des schweren »nd einfachen Diebstahls vor der 8. Straskammer des Lanhgcrichts I stand. Die Angeklagte stand bei dem Kapellmeister des Garde- Pionir-Bataillons Kiihle im Dienst. Am 13. Oktober v. I. ging Herr Kühle mit feiner Ehefrau und seinen beiden ältesten Kindern ans, verschloß nach seiner Geivohnheit den Zugang zu seinem Vorderzimmer und ließ im übrigen seine Wohnung unter der Obhut der Angeklagten. Als die Familie abends heimkehrte, sand sie, daß inzwischen ein Einbruch bei ihnen verübt war. Die Korridorthür stand offen, die Thür zu den Vordcrränmen war auf- gebrochen, der im vorderen Zimmer stehende Schreiblisch geöffnet und ans diesem eine goldene Uhr nebst Kette und verschiedene Gold- stücke gestohlen worden. Der Gesammtschaden betrug etwa 360 M. Die Angeklagte lag in ihrer Kammer anscheinend im tiefsten Schlafe. aus dem sie nur schwer zu ermuntern war. Sie erzählte der Herr- schaft ein ganzes Märchen. Sie behauptete nämlich, ein im Hause wohnender Schuhmacher habe ihr ein Tränkchen gegeben, wonach sie sehr bald in einen todtenähnlichen Schlaf gefallen sei; diesen Zustand müsse der Schuhmacher wohl benutzt haben, um un- gestört den Einbruch zu verüben. Der Man» wurde denn auch in Haft genommen, bald aber wieder enllassen, da sich seine Unschuld herausstellte und es klar wurde, daß die Angeklagte selbst die Diebin war und sich das Märchen nur ausgeklügelt hotte, um den Verdacht von sich abzu- lenken. Diese Vermuthnng wurde verstärkt, als man an einem ver- steckten Ort der Mädchenkammer andere der Herrschaft gehörige Sachen vorfand. Nach ihrer Verhaftung hat die Angeklagte denn auch ein unumwundenes Geständniß abgelegt, schloß dieses aber mit einem neuen Schwindel ab: sie behauptete nämlich, daß sie Uhr und as l'ch en|£ n, Mr >ibf df Vo Geld aus Angst in das Kloset geworfen und nicht mehr hinter sich habe. Kriminalinspektor Braun veranlaßt« deshalb eingehende Durchsuchung der Klosetröhren, es stellte sich jedoch bei angestellten Versuchen heraus, daß bei der Konstruktion der Röhren schwere Gegenstände überhaupt nicht aus dem Klosetboden in die Röhren hineingeschwemmt werden konnten. Die gestohlenen Gegenstände hätten also gefunden werden müssen, was aber nicht der Fall war. Das Mädchen hat sie offenbar in Sicherheit gebracht. Mit Rück- ficht ans die Dreistigkeit des Auftretens und die Verschmitztheit die noch jugendliche Angeklagte zur Schau getragen, verurlheilte sie r Gerichtshof zu zwei Jahren Gesängniß. Ncbcr eiucu Mordpvozeß wird aus Schweidnitz berichtet: Vor dem hiesigen Schwurgericht begann am 12. April ein Mord- prozeß, der großes Aufsehen erregt. Der Gutsbesitzer Gustav Werner aus Ober-Arnsdorf ist beschuldigt des vollendeten Giftmordes in zwei und des versuchten Gift- mordes in drei Fällen. Ter Thalbestand ist in Kürze folgender: Ter Angeklagte ist der Schwiegersohn der am 17. November vorigen Jahres verstorbenen Frau Helene Berger und des Gottfried Berger zu Adelsbach. Er soll stets viel Gutes von den Schwiegereltern erfahren haben und durch dieselben in den Stand gesetzt worden sein, ein Gut zu kaufen. Werner giebt zu. im ganzen etwa 10 000 M. von seinen Schwiegereltern erhalten zn haben. Trotzdem befand er sich stets in mißlicher Vermögenslage. Am 17. November sichren die Eheleute Berger zum Jahrmarkt nach Freiburg i. Schl. Hier trafen sie im Gasthofe mit ihrem Schwiegersohne, dem Angeklagten Werner, zu- sammen. Wie üblich wurde Kirmeßkuchen gekauft und auf den Wagen gelegt, um mit nach Hause genommen zu werden. Alle, die später von diesem Kuchen aßen, sind erkrankt, die Frau Berger und das Dienstmädchen Bertha Teichniann, sind gestorben, erstere sofort, die letztere nach zwei Tagen. Gerichtschemiker Dr. Jeserich, Berlin, stellte fest, daß der Kuchen mit Arsenik bestreut war. In den Falten der rechten Tasche der Weste, die Werner an dem fraglichen Tage getragen, wurde cbensalls Arsenik gesunden. Es ist beobachtet worden, daß der Angeklagte sich wiederholt in verdächtiger Weise bei dem Wagen seiner Schwiegereltern zu schaffen machte. Das Kuchenpackel war augenscheinlich geöffnet und wieder zugemacht ivordcn. Trotz aller dieser Belastungsinomente und obgleich er einräumen mußte, Arsenik besessen zu haben, legte der Angeklagte sich aufs Leugnen. Am Bußtage des Jahres 1393 erkrankten die Berger'schen Eheleute und noch eine dritte Person ebenfalls nach dem Genüsse von Kuchen, den der Angeklagte aus der Stadt mitgebracht hatte. Die Staats- anwaltschast nimmt an, daß Werner schon damals seinen Schwieger- eltern durch Beibringung von Arsenik hat aus der Welt schaffet! wolle». Es sind gegen 60 Zeugen geladen. VevfÄttnnlungen. Die Schvifthauev nahmen am Montag im Englischen Garten Stellung zu den Firmen, welche die zivischen den organinrten Meistern und Gesellen vereinbarten Tarispreise nicht zahlen. Ein Antrag ans Feststellung der Präsenzliste ergab, daß nur II von 52 Firmen durch dort beschäftigte Schrifthauer vertreten waren. Alsdann wurde durch eine längere Debatte über die Miß- stände auf den Plätzen, welche den Tarif nicht innehielten, ivobei sich besonders die Firma Herrenberg». Seemann hervorgethan haben soll, der erste Punkt der Tagesordnung erledigt. Allgeineiue Entrüstung rief die Vorlesung eines Arbeitszetlels dieser Firma hervor. Der anwesende Steinmetzineister Zabel tadelte das indolente Verhalte» der Gesellen auss schärfste und beklagte sich darüber, daß, trotzdem die Meistervereinignng bereit sei, Hand in Hand mit den Gesellen gesunde Verhältnisse zu schaffen im 4-chrifthauer- Gewerbe, diese durch ihre Thätigkeit, durch Fernbleiben vo» den Versammlungen die Schmutzkonkurrenz begünstigten. Der Vorsitzende empfahl die Wahl einer Kontrollkommission zur Feststellung von Verstößen gegen den Tarif. Die Versammlung akzeptirte diesen Vorschlag und wählte Berg- mann, Bock, Breuer und Schulze in diese Kommission. Unter Verschiedenem weist der Vertrauensmann Fischer ans die gesperrten Firmen hin. Gleichzeitig erinnert er an die am Donners- tag, den 15. d. M., im„Englischen Garten" stattfindende Versamm- lung der arbeitslosen Stcinarbeiter Berlins und Umgegend. Die in Holzbcnvbcitnngs-Fnbrikeu und ans Holzplähen beschäftigten Arbeiter nahmen in einer am Montag bei Wille, Andreasstraße, stattgesundenen öffentlichen Versammlung den Bericht ihres Delegirten zur Berliner Gewerkschastskomniission entgegen. Tie drei in der Gewerkschastskomniission kürzlich verhandelten Resolutionen riefen eine längere Debatte hervor. Dem Delegirten läßt die Versammlung für die späteren Verhand- lungen der Gewerkschaftskommission über die Resolutionen freie Hand. Betreffs der Stellungnahme zum 1. Mai wird beschlossen, den l. Mai als den internationalen Weltfeiertag der Arbeit dadurch zu begehen, daß überall da, wo es möglich ist, die Arbeit ruhen zu lassen ist und die Arbeiter an der zur Feier des Tages einzuberufenden Versammlung theilzunehmen haben. Die- jenigen, die nicht seiern können, zahlen I M. zum Streikfonds. Z» Revisoren wurden gewählt S t e i n. Pankow und Birkholz. Ein Antrag Hoffmann, daß der Vertrauensmann nur die Werk- stättenstreiks»nlerstützen solle, über die ihm vorher genauer Bericht erstattet sei, wird bis zur nächste» öffentlichen Versammlung vertagt. Ter ivercin zur Wahrung der Jutercffcn der Maurer Berlins und Umgegend tagte am 11. April 1897 im Lokal Hoff- mann, Alexandersir. 27c. Zunächst verlas der Kassirer die Ab- rechnung vom ersten Quartal 1897. Danach war eine Einnahme vo» 441,99 M.. alter Bestand 559.32 M.. Ausgabe 549,01 M.. Bestand am Schluß des Quartals 452,30 M. Die Richtigkeit der Abrechnung wurde von den llievisoren bestätigt. Der Vergnügungsfonds enthält 159,51 M.; auch hier bestätigten die Revisoren die Richtigkeit der Abrechnung und wurde dem Kassirer Decharge erlheilt. Zum Punkt 3 erstattete der Vorsitzende Bericht über die Thätigkeit des Voistands. Derselbe hielt II Versammlungen und 6 Vorstands- Sitzungen ab. Nunmehr erfolgte die Wahl des gesanunten Vorstände?. Es wurden gewählt: als erster Vorsitzender Kater, als ziveiter F ü r st e n b e r g, als erster Kassirer Schulz, als zweiter Heller, als erster Schriftführer Pfistcr, als zweiter Lutz; als Revisoren Garbe und W e st p h a l; als Hilfskassirer für Osten: K ü n z e l, für Südosten: Liamm, für Westen: Wall, für Moabit: llinh, für Wedding: Gehl, für Nixdorf: Rudolph A h r e n d t. Als Thürkontrolleure wurde» gewählt: Carl B i t t n e r und Busch. In den Ausschuß werden gewählt die Kollegen H e r f u r t h, Dahms, Paußer, Eberl und H a r n i s ch. Ausgeschlossen wird das Mitglied S ch iv e f e l, der als Polier sich gegen ein Mit- glied der Lohnkommission vergangen hat. Die Zahlstelle Kolberger- straße 23 wird verlegt nach Weddingstr. 9. Am 24. Juli soll in Keller's Festsälen das Slistungsfest abgehalten werden. Depefiszen und letzke Msrchvichken. Hamburg, 14. April.(Privatdepesche des„Vorwärts"). Der Heizer Kohlhepp in Lehe ist anscheinend vergiftet lodt aufgefunden ivorden. Seine Ehefrau wurde unter dem Verdachte des Giftmordes verhaftet. Dortmund, 14. April.(W. T. B.) Bei der Station Riemke stieß, wie die„Dortmunder Zeitung" meldet, heute Vormittag 9 Uhr ein aus Langendreer kommender Güterzug mit einem nach der Zeche „Bismarck" fahrenden leeren Kohlenzug znsauimen. Drei Lokomotiven und 13 Wagen sind zerschmettert worden. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Lille, 14. April.(W. T. B.) Der Präfekt erstattete Strafanzeige gegen zwei sozialistische Gcneralräthe, welche zwei Präseklurbeamte, die ihnen die Mittheilung von Wahlresultaten verweigerten, miß- handelt(?? Red. d.„Vorm.") haben. Havaua, 14. April.(W. T. B.) Der Führer der Aufständischen Quintin Bandera hat mit einer starke» Schaar die Trocha von Jucaro überschritten. Die spanischen Truppen verfvlglen die?luf- ständischen und brachten ihnen«inen Verlust von 23 Todlen bei. Die Spanier hatten 15 Verwundete. Verantwortlicher Nedalteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu X Beilage u. Ilntcrhaltnngsblatt. >.. s». u. KcilU i>ts.KmSrts" Dttlim NcksblÄ IM»,» 1�»„»» NommunÄles. . Tic Gro�e Berliner Pferdc-Eisenbahu-Gescllschaft, welche vie Weiterführung der Linie Görlitzer Bahnhof-Moritzplatz-Potsdamer Thor-Zoologischer Gnrten unter Mitbenntznng der Geleise der Charlottenburger Straßenbahn bezw. der Danipsbahn über den Kur- snrstendamm- Hardenbergstrabe-Joachimsthalerstraße- Karlstraße bis zmn Savigny-iLlatz beabsichtigt und bereits die Genehmigung des Magistrats und des Polizeipräsidiums nachgesucht hat, ersuchte gleich- zeitig die städtische Verkehrs-Depntatio», vom I. Mai d. I. ab die bezüglichen Betriebs- und Tarifsänderungen zu genehmigen. Für die ganze Strecke soll ein Fahrgeld von 25 Pfennige» erhoben werden. � Der Landrath des Kreises Niederbarnim hat an den Magistrat das Ersuchen gerichtet, in» Interesse der Ortschaft H o h e n- S ch ö»- Hause» der Gruuderwerbs- und Baugesellschasl Hierselbst baldigst die Genehmigung zur Inanspruchnahme städtischer Straßen behuss des Baues und Betriebes einer elektrischen Straßenbahn von dem Landsberger Platz nach dem Dorfe Hohen-Schönhauscn zu rrtheilen. Für die Besucher der auf der dortigen Gemarkung be- legenen großen Berliner Kirchhofsanlagen sei die Herstellung einer besseren Verbindung mit jenem Vororte dringend nothwendig. Die Gesellschaft für de» Ba» von Uutergrnudbahncn, welche bereits einen Theil des Tunnels zwischen Stralau und Treptow fertig gestellt hat, will den Weitcrba« desselben wieder aufnehmen, sobald die städtische Verkehrsdeputation die VerHand- luugen wegen Herstellung einer Straßenbahn vom Schlesischen Bahn- hose bis nach Treptow niit der Gesellschaft wieder aufnehuie» wird. Die Gesellschaft giebt sich der Hoffnung hin, daß ihr demnächst die Fortführung der vorgedachten Linien bis»ach dem Humboldthain und dem Nordbahnhofe gestattet werde. Die fortgesetzt starke Zunahme der Anschlüsse an das hiesige Stadlfernsprcchnetz erfordert dringend die Errichtung von drei neuen Kabelaufsührungspunkten, wie solche bereits vielfach auf städtischen Gebäuden bestehen und zwar auf den Gebäuden der Gemeinde- schulen Schwedterstr. 2S2 nnd Wasserthorslr. 31, sowie auf dem Gebäude der Feuerwehr An der Apostelkirche 7 ä. Die kaiserliche Ober-Postdirektion hat hierzu die Genehmigung des Magistrats nach- gesucht. Ei» Ucberbleibscl von Alt-Berli», ein Theil der Schmalen Gasse, welche von der Rofenstraße aus in eine Sackgasse todt aus- läuft, soll nunmehr auch kassirt werden. Ein Unternehmer, welcher daselbst Bauten auszuführen beabsichtigt, hat beim Magistrat an« gefragt, ob derselbe geneigt wäre, ihm das Straßenland der Schmalen Gasse zu überlaste». Die städtische Baudeputation hat unter Vorsitz des Stadtraths Voigt beschlossen, das Straßenland dem erwähnten Unternehmer zu übergeben, sofern er einen angemessene» Preis für dasselbe zahle. Tie städtischen Bureaus u»d Kasse» werden am nächste» Sonnabend, des bevorstehenden Osterfestes wegen, bereits um 1 Uhr mittags geschlossen, mit Ausnahme des Zentral- Bureaus, welches- zur Eutgegennahme von wichtigen Sachen bis 4 Uhr nachmittags geöffnet bleibt. Vier Verschiedeue neue Pstastergattunge« sollen probeweise demnächst nach Beschluß der Deputation zur Anwendung kommen, und zwar zwei Arten von Asphallpflaster, Kleinpflaster und eine Art Betonpflaster. Unsere Leser werden, namentlich soweit sie mit unserer Expedition in geschäftlichen Beziehungen stehen, darauf aufmerksam gemacht, daß der Expeditionsschluß fortan des Sonntags nwrgens statt um 9 Uhr bereits um 8 Uhr erfolgt. Der Wahlberein des 3. Kreises nnternimnck am C h a r- f r e i t a g eine Fußpartie von W e st e n d ab über Spandauer Bock, Pichelsberg? ec. Abfahrt früh 7,«> vom Schlesischen Bahnhof(Stadtbahnseite). Nachzügler werden bis 9Vz Uhr auf dem Spandauer Bock erwartet. Um rege Betheiligung ersucht Der B o r st a n d. Achtung, 4. Wahlkreis Osten. Den Mitgliedern des Wahl- Vereins zur Nachricht, daß am Charsreitag eine Herrenpartie nach der Oberspree stattfindet, Treffpunkt morgens 8 Uhr bei Witte oder an» Schlesischen Bahnhof. Abfahrtseite Johannisthal; für Nach- zügler in Grünau nachmittags 2 Uhr bei Lindenheyn. Friedrichstr. 2. Der Vorstand. Sozialdeutokratischer Verein„Vorwärts" Berliu. De» Parteigenossen bringe»»vir die Zahlstellen des Vereins in Erinnerung. Dieselben befinden sich an folgenden Stellen i Anders, Buttmann- straße 17; Bach gänger, Sivinemünderstr. 96; B o r ch e r t, Hussitenstr. 18; F a b e r, Stephanstr. 11; H e r r m a n n, Putbnser- straße 45; Haferland, Bellermannstr. 87; H e i s i g, Schul- straße 114; Hilgen selb, Bergstr. 60; Köhler, Calvinstr. 11. K l i e t m a n n, Brunnenstr. 162; L i e tz k e, Schivedterstr. 33; Pfarr, Puttlihstraße, EckeSalzivedelerstraße; Ramloiv, Schön- hauser Allee 135; Raschle, Hochstr. 32; Renfer, Beusselslr. 24; N o s i n, Rnppinerstr.. 42; E. Schmidt. Treskoivstr. 24; C. Schmidt. Cöslinerstr. 2; Tausch el, Grenzstr. 4; G l e i n e r t, Müllerstr. 7a. Die Zahlstelle von G i e s h o i t, Boye»- straße. ist nach Nieder, Chausseestraße verlegt. Gleichzeitig werden die Mitglieder ans die am Charsreitag stattfindende Fußpartie nach Tegel, Tegelort aufmerksain gemacht. Treffpunkt früh 8 Uhr im Feldschlößchen, Müllerstr. 142, für Nachziigler bei ü b s a m in Tegel, Schloßstraße, vormittags 11 Uhr. Zahlreiche Betheiligung auch seitens der sangeskundigen Mitglieder erwartet der Vorstand: Carl Leid. Soldrnerftr. 87 pt. Tie sechs Berliner Reichstags- Wahlkreise hatten bei den Volkszählungen von 1390 und 1805 folgende Bevölkerungszahlen, absolut und im Verhältniß(pro 1000) zur gesaunnte» Berliner Be- völkerung: Die bereits seit Jahrzehnten bestehenden Unterschiede zivischen den einzelnen Kreisen, für deren Abgrenzung der Bevölkerungsstand zur Zeil der Wahlen zum ersten norddeutschen Reichstag(1367) maßgebend»var. sind im letzten Jahrfünft»viedernm noch um ein beträchtliches größer geivorde». Sie»nüste» in den nächsten Jahren ins ungeheure»vachsen, da jetzt nur noch die Bevölkerung der an der Peripherie gelegenen Kreise II. IV und VI zunimmt, während in den voriviegend im Inneren der Stadt gelegenen Kreise» I, III und V— Kreis III ist rings umschlossen, I und V reiche» nur »nit ihrem»vestlichen bcziv. nördlichen Ausläufer bis zur Peripherie — die Bevölkerung bereits zurückgeht. Im Verhältniß zur ge- sannnten Bevölkerung ist sicher die(in der absoluten Zahl noch geivachsene) Bevölkerung der Kreise II und IV zurückgegangen,»veil die starke Vermehrung der Bevölkerung von VI das Verhältniß zu Ungunsten der übrigen verschoben hat. Wenn heute eine Neueintheilung erfolgte und noch,»vie vor 36 Jahren, auf je 106 666 Seelen 1 Ab- geordneter kommen sollte, so müßte Berlin statt 6 etlva 17 und Kreis VI allein 5—6 Abgeordnete wähle». Erfolgreiche Pflege des Patriotismus durch die Schule. In der Sexta eines Berliner Gymnasiums hat Herr R. Wessely eine interessairte Umfrage veranstaltet, über die er in der„Zeitschr. f. d. deutsch. Unterr."(1897, Heft 4) berichtet. Er hat seine 46 Schüler aus dem in der Klasse gebrauchten deutschen Lesebuche(Hopf»md Pmilsieck, Theil 1) je 3 Prosastücke und je 3 Gedichte, die ihnen aln besten gefielen, a»ls,vählen lasse». Auch solche Stücke, bez>v. Gedichte, die nicht in der Schule durchgenommen»varen, durften ge,vält»verde». Es ergab sich, daß von den 126 für Prosastücke abgegebenen Stimnien allein 46, von de» 120 für Gedichte abgegebene» sogar 52 auf Stoffe aus der»eueren preußischen und deutschen Geschichte fielen. fierr W. meint, an dem Ergebniß seiner Uinfrage»verde vieles„für ie Sexta einer höheren Schule typisch" sein. Man darf jedoch ver- »nuthen, daß das Ergebniß wesentlich anders ausfallen»vllrde, »venu nicht gerade die vaterländischen Stoffe in den Schul- Lesebüchern einen so breiten Rann, einnähmen»md oben- drein von der Schule noch besonders bevorzugt würden. Da das auch für die Volsschulen— und für diese vielleicht noch »»ehr als für die höheren Schulen— zutrifft, so muß an- genommen»verde», daß hier eine ähnliche Umfrage ein i» der Haupt- fache ähnliches Resultat ergeben»vürde. Bei den Volksschülern hält freilich der küirstlich eingetrichterte Patriotisinus viel»veniger lange vor und macht, sobald sie erst von der Schule herunter sind, viel rascher einer Ernüchterung Platz als bei der höheren Schul- jugend. Die Ueberfülle von monarchisch-patriotischer»»nd religiöser Nahrung, die in die Volksschttler systematisch hineingepfropst»vird, vermag nicht im geringsten zu verhindern, daß aus diesen Kindern sozialdemokratische Männer»verde»». Die IT städtische»» Realschule»,»vurden Ende 1695 von zu- saiinnen 4874 Schüler» besucht. Davon waren tibernommen: aus höhere» Lehranstalten 1356, aus Privatschule» 664, aus Gemeinde- schulen 2914. Die Realschulen habe» nicht, wie die meisten höheren Lehranstalten, eigene Vorschulen; als solche dienen hier die Ge- m e i n d e s ch u l e n. Unter den Realschülern sind daher die ehemaligen Gemeindeschüler in der Majorität(rund 66pCt.). Unter den Gkiueindeschülern können aber die zukünftigen Realschüler deshalb doch nur eine ganz verschwindende Minorität bilden. (Ende 1395 standen je 166 Gcmeindcschülcrn(Knaben) der Altersgruppe 16—14 Jahre nur rund 6 Realschüler der- selben Altersgruppe gegenüber.) Interessante Angaben bringt der neilkste Schuldeputations-Bericht über den Beruf der Eltern der Realschüler. 44 Schüler»varen Söhne von höheren Beamten, 1626 von Subalternbecunten, 255 von Künstlern und Technikern, 76 von Landivirthen, 324 von Fabrikanten, 1532 von Kaufleutcn. 828 von Handwerkern, 216 von unselbständigen Gewerbetreibenden, 21 von Militärs, 73 von Portiers und Dienern, 177 von Rentiers, 231 von Unterbeamten, bei 21 fehlt eine Angabe. Unter den„un- selbständigen Gewerbetreibenden" hat man die Arbeite r zu suchen;»vie selten diese ihre Kinder auch nur in eine Realschule schicken können, lehre» die obige» Zahle». Das Gros der Schüler bilden die Söhne von Kaufleuten, Handwerksmeistern und Subaltern- und Unterbeamten; sie drücken den Berliner Realschulen ihren eigen- thümliche» Charakter auf. Die Besetzung de»! Geuiemdeschul-Klassci» stellte sich Ende 1885(bezrv. 1894),»vie ans den»»euesteii Schnldepntations-Bericht ersichtlich»vird, im ganzen arff dlirchschnittlich 52,45(52,86) Kinder pro Klasse. Sie ist 1895 wiederum,»vie schon seit längerer Zeit, gegen das Vorjahr gesunken. Im einzelne» war jedoch die durch- schnittliche Besetzung in de» Klassen I 46,53(46,74), II 46,57(47,66), III 52,16(51.96), IV 55,64(55,83), V 58,93(53,78), VI 59,56 (59,56). Von einer»virklichen Eutlastmig ist also in den»nterste» Klassen, ob>vohl sie gerade hier am meiste» zu»vünschen»väre, immer»»och sehr»vcnig zu spüren. In den Klassen V und VI(und auch III) ist übrigens die Durchschnittsfrequenz diesmal sogar wieder etivas gegen das Vorjahr gestiegen. Daß hinter den Geineindeschulen die mittleren und höheren Schulen, nach»vic vor, hinsichlUch der Frequenz bedeutend zurückstehen, versteht sich von selbst. Der Abstand ist, da auch bei diesen Anstalten die Durch- schniltsfrequenz der Klassen seit einigen Jahren zurückgeht, nicht kleiner geworden. Tic Ouale» der Untersuchuugshaft solleu,»vie der„Berk. Zeitung" berichtet»vird, bedeutend verschärst und de» Zustünden nahe gebracht»verde», die, dem Geschrei der Kultur«. s.»v. zum Trotz, z. B. in Plötzensee immer noch an der Tagesordunng sind. Wahrscheinlich»verde man dazu komtneir, das Zcituiigslesen auf de»„Reichs-Anzeiger" zu beschränken, zur Abhaltung der Frei- stunden sogenannte Zellcnhöse zu errichten, oder auch das Masken- system in Anivendung zu bringe»,»vodurch die gegenseitige Erkennung der Gesaugcnen verhindert»vird. Ten Anlaß zu derartigen Maßregeln soll der Umstand gegeben haben, daß es K o s ch e>» a n n möglich war, sich in Moabit über Tagesereignisse zu unterrichten, die aller Welt bekannt»varen, und deren Kenntniß, soweit aus den Verhandlungsberichlen ersichtlich, dem Hauptangeklagten auch nicht die geringste Möglichkeit gegeben hat, den angeblich vorliegenden, in Wirklichkeit aber immer noch nicht ans Licht geschafften Thalbestand des Prozesses zn verdunkeln. Wenn man sich daran erinnert,»vas bis jetzt schon in der Be- Handlung politischer Untersuchungsgefangeuer geschieht,»venu man ferner erivägt, daß z. B. auch die Mehrheit der verflosseuen Justiz- Novellen- Kommission sich für eine mildere Behandlung der Unter- suchungsgcfangenci» nusgesproche» hat, und dcsgleichen i» betracht zieht, daß selbst der Juslizminisier in einer vor Jahressrist erlasse»»«» Verfügung Anordnungen getroffen hat,»velche es unmöglich machen solle», daß der Gcfängnißvorsteher»niröthig Kenntniß von den, Inhalt der Briefe erhalte, die der Gefangene an den Untersnchuugs- richter richtet,—»veun nian dieses alles erwägt, so kann eine Ver- schärfung der von den Unlersuchuiigsgefaugenen zu erduldenden Qualen nur den energischen Widerspruch aller human denkenden Menschen heraiisfordern. Womit freilich nicht gesagt sein soll, daß in Preußen kin 6s sifecle nicht mich die Einsührung dieser mitlelalterlichen Maßregeln lebhaft angestrebt wird. Ueber die Lage der Magistrats-Hilssarbeitcr wird n»s neuerdings berichtet: Vor einiger Zeit sind von Hilfsarbeitern, die schon vier Jahre in der städtischen Verwaltung thälig sind, die Stenipelgebühren zu ihren» nack) den» Reichsgerichts-Erkenirtniß in Sachen Malitz»vider Stadtgemeinde Berlin rechtsungiltig er- klärten Annahmevertrage eingezogen»vorden, nachdem man erst in letzter Stunde deren Stcmpelpflichtigkeit erkannt halte. Das Reckst, Urlaub zu ertheilen, fassen einzelne Bureauvorsteher speziell in einem uns vorliegende» Falle so aus, daß der beurlaubt geivesene Hilfsarbeiter für seinen Urlaubstag nicht liquidiren darf, ivenn dies nicht aufein besonderes Gesuch desselben seitens des Magistrats genehinigt worden ist. Als fernere Thatsache ist noch zu melden, daß ans den beim Semesteranfaug aufzlistellenden Fedcrnliqltidatione» ein be- sonders pflichtgetreuer Beamter(Bnreaiioorsteher) im Gegensatz zn anderen Bureauvorstehcrn in devQuittnng den von seinen Hilfsarbeitern vorgeschriebene» Vermerk, daß sie„dauernd" beschäftigt seien, ge- strichen und dafür„vorübergehend" gesetzt hat, trotzdem keiner derselben»veniger als 3 oder 4 Jahre bei der städtischen Verwaltung beschäftigt ist. Da dieses Verfahren nicht recht in Einklang zu bringe» ist mit einer Verfügung des Magistrats vom Jahre 1839, so sind dieselben seitens der Schrcibmaterialien-Verivaltiing bean- standel und z»irückgegcben, damit dieselbe» bei„vorübergehender" Beschäftigung der liquidirenden Herren auf V« oder Vs Groß, bei„dauernder" Beschäftigung auf 1 Groß Stahlfedern pro Halbjahr ausgestellt würde»». Die fälligen Zuschüsse zu den Monatsdiäten behält der Magistrat den betroffenen Hilfs- arbeitern seit der Entscheidung des Prozesses Malitz, also seit mehr denn Jahresfrist in der Weise ei», daß er z. B. denjenigeii Hilss- arbeitern,»velche anstatt 126 Mark 135 Mark bekommen»vürde», die früheren Monatsdiäten von 126 Mark ruhig weiter zahlt, »ach Ablauf eines Halbjahres dann in ganzer aufgelaufener Restsumme von 96 Mark nachzahlt. Da bei vier- oder fum- hundert solcher Fälle auf diese Weise ein Kapital von 36— 45 006 Je. zusammenkommt, dessen Nießbrauch die städtische Verwaltung auf ein halbes Jahr ohne Verzinsung hat, so stellt sich dieses Verfahren durchaus nicht einwandsfrei dar. Tie»»euei» Verorduuugei» in bezug auf die Ausübung des Drosch kenkutscher-Gewerbes, von dem wir zum theil schon in Nr. 34 berichtet haben,»verden jetzt offiziell bekannt gegeben. Sie lauten:„Für den Betrieb des Droschken» kutsch er- Gewerbes sind neuerdings einige Neuerungeil durch das Polizei-Präsidiun» eingeführt»vorden. Um es den Fuhrherren zu ermöglichen, ihren Kutschern ab und zu einen freien Sonntag zu gewähren, ist bestimmt»vorden, daß an jedem ersten und drillen Sonntag im Monat die Droschken mit ungraden und an jeden» ziveiten und vierten Sonntag die Droschken mit graben Nnnnner» außer Betrieb bleiben dürfen. In bezug auf das Entfernen der Kutscher von ihren Droschken auf den Halteplätzen ist die Bestimmung getroffen»vorden, daß derjenige Kutsche»:,»velcher die Aussicht über eine aiidere Droschke mit übernimmt, sich in diesem Falle bei der vorderen der beiden von ihni beaufsichtigten Droschken aushalten muß. Die Leipzigerstraße darf in ihrer ganzen Länge, also vom Spiltclmarkt bis zum Leipziger Platz von Droschken nur»in Trabe befahren»verde». Bisher bestand diese Anordnung nur für den zivischen Wilhclnistraße und Leipziger Platz belegenen Theil der genannten Straße." Ei»„Killderschutj-Verei»»", der die„Mißhandlung oder völlige Vernachlässigung von Kindern" bekämpfen»vill, soll der „Nat.-Ztg." zufolge hier gegründet»verde». Den Anstoß zur Gründung dieses Vereins haben einige Gerichtsverhandluiigen ge- geben, in denen entsetzliche Fälle bestialischer Rohheiten aufgedeckt wlirden. Wie der Verein seine Thätigkeit entfalten soll,»vird noch nicht gesagt;»vill er aber»vohl oder übel sein Wirken hauptsächlich auf die Fälle beschränke», die erst durch Gerichtsverhandlungen offenbar werden, so dürste die Zahl seiner Erfolge mit wenig Auf« »vand an den Finger» herzuzählen sein; die offizielle Armenpflege, auf dcrei» Mitwirkung man ebenfalls zu rechnen scheint,»vird nicht allzuoft aus ihrer robusten Art schlagen, mau verspürte an dieser Stelle von jeher»venig Neigung zu übermäßig philanthropischen Gefühlen. Aber auch unter äußerlich günstige» Vorbedingungen »verde» dem im Werde» begriffenen Verein schwerlich viel Lorbeer»» erblühen. Die Rohheit i» den niedersten Volksschichten, und auf diese hat man es doch abgesehen, hängt innig zusammen »nit den unbeschreiblich jammervollen Existenzbedingungeu, unter denen die Elendesten der Elenden ihr trauriges Dasein fristen. Desgleichen findet die lumpenproletarische Rohheit reichliche Nahrung i» den Grundsätzen, die von angeblich ordi»i»igsstützender Seite geflissentlich gehegt werden. Wer da sieht,»vie z. B. die rohe That eines Duell in örders zärtlichen Znzwinkerns sicher ist, der»vird schiverlich geneigt sein, sich seiner eigenen Bestialität zu begeben. Die bourgeoisen Philanthropen, die gegen die Kindermißhandlung zu Felde ziehe»,»Verden aber ebenso wenig de» Muth haben, die Rohheiten in maßgebenden Kreisen energisch zu bekämpfen, als sie geneigt sind, den Zlnsgebeuteteu auf ihre Kosten ein Dasein zu ver- schaffen, das ihn überhaupt erst in Stand setzt, als Mensch mensch« lichen Empfinden nachzuleben. Bekämpfen diese Herrschaften doch meist mit viel mehr Eifer als gegen Kiuderprügler aufgewendet wird, diejenige soziale Belvegnng, der es einzig zu darrte», ist,»veun das Proletariat aus sich selber heraus das Verlangen nach menschlichen Existenzbedingungen hegt. Die Art,»vie die Familie des im Zuchthaus verstorbenen Klavierarbeiters Kami n die Trauerbotschaft erhielt, ließ vermuthen, daß eine Benachrichtigung seitens der Direktion des Zuchthauses überhaupt nicht üblich ist. Wie sich nachträglich herausstellt, ivar die Annahme unzutreffend nnd ist die späte Benachrichtigung auf einige recht bedauerliche Zufälle zurückzuführen, an welchen die Zuchthaus- direktion keinerlei Schuld trägt. FrauKamin erhielt die erste Mitcheilung, wie»vir berichtet haben, an» 9. d. durch die Zurücksetidung eines Brieses, den sie an ihren Mann gerichtet hatte»nd dem von der Zuchthaus- direktion die kurze Bemerkung gegeben»var: Zl d r e s s a t ver-.- st o r b e n. Nachdem dieser Brief eingegangen war, bat Frau Kamrn die Direktion um nähere Auskunft nnd richtete an sie das Ersuchen, die- Bcerdigniig ihres Mannes ans eigene Kosten zn gestatten. Bei der Ant« ivort, welche die Direktion ertheilte, stellte sich folgender Sachverhalt heraus: Kamin ist am 1. April gestorben nnd am 2. April ist von der Direktion an die Familie des Verstorbenen eine Anzeige abgegangen, die die Aufforderung enthielt, telegraphisch mit- zutheileu, ob die Beerdigung von der Frau übernommen wird eventuell 35 M. einzuzahlen. Frau Kamin war aber an» 1. April verzogen und so ging der Brief als unbestellbar an die Zuchthaus- Direkiion in Halle zurück, von der er an daS hiesige Polizei« präsidiun» zur»veitercn Recherche übergeben wurde, wo sich nun an, 12. d. M., da die Recherche» der Polizei noch nicht beendet waren, die Adresfatin selbst meldete. Die Beerdigung des Ver- siorbeuen»var nicht mehr möglich, da die Zuchthaus- Direktion mittheilte, daß der V e r st o r b e n e b e st i»» ,n u» g s g e n» ä ß der A n a t o in i e übergeben sei. Daß der erwähnte Brief als un» bestellbar zurückging, ist un» so mehr zu verwundern, als Frau Camin schon am 24. März auf den» Postamte ihre neue Adresse angegeben nnd auch der Hausivirth ordnungsgemäß die Abmeldung deforgt hatte. Aus diesem Grunde ist es auch erklärlich, daß die Meiiiling entstand, die Direktion des Zuchthauses habe über den Tod des politischen„Verbrechers" der Familie keine Nachricht zu« kommen lajfen. Für Herr» Falb sind bis zum 16. April im ganzen 75213,36 M. gesammelt worden. Tic Berliner Universität hat schon»vieder einen ihrer Pro- sessore» durch den Tod verloren, nämlich den außerordentlichen Pro- feffor für nordische Philologie Dr. Julius Hoffory. Hoffory war am 9. Februar 1855 zu Aarhuus in Jütland geboren. In Kopenhagen»vid- niete er sich philologischen Studien und kam Ende der siebziger Jahre nach Berlin,»vo er Schüler Karl Müllcnhoff's und Wilhelnr Sckierer's wurde. Er habilitirte sich 1383 als Privatdozent, und vier Jahre später. nach dem Tode Müllcnhoff's, wurde auf Scherer's Antrag für Hoffory ei» etalsmäßiges Extra-Ordinariat der nordische» Philologie iiiiö Phonetik geschaffen. Zur Geschichte der allnordischen Sprache und Literatur gab Hoffory»vichtige Beiträge in seinen„Edda- stndicn"(Theil 1, 1389). In Deutschland gehörte er zu den Männern, ivelche der niodernen skandinavischen Literatur den Weg bahnten. Er gab die Werke von Henrik Ibsen unter dem Titel„Moderne Dramen" heraus und lieferte selbst eine Uebersetzung der„Frau vom Meere". Die 7. städtische Fortbildnugsschule für Mädchen, welch« seit 14 Jahre» im Schnlhause, Naunynstr. 63 besteht, beginnt jetzt ihre Unterrichtskurse für das Sommersemester. Die Unterrichts- fächer sind: Deutsch(Rechtschreibung, Brisstil, Aufsatz, Lektüre) Schön- schreiben, praktisches Rechnen, einfache und doppelte Buchführung, geiverbliches Zeichnen, Gesang, Turnen, Maschinennähen, Wäsche- zuschueiden, Schneidern, Plätten, Putzmachen, sowie alle Arten weib- licher Handarbeiten inkl. Kniisthandarbeiten. Außerdem wird Frau- jösisch und Englisch für den mündlichen und schriftlichen Gebranch gelehrt, sowie auch Stenographie nach Stolze und Hebung im Ge- brauch bewährter Schreibmaschinen erworben. Das Schulgeld beträgt für die Hauptfächer monatlich 56 Pf., für die übrigen 1 M. Aumelduiigcn nachmittags von 6 Uhr ab im Amtsziuimer der 42. Gemeindeschule beim Rektor Zander, Nauttyiistraße 63. DaS Kuratorium. Jul. Buckoiv, Schmidstraße 44. Die Gründung einer eigene« Krankenkasse für seine Be- triebsangestellten hat der Verein Berliner Molkereibesitzer beschlossen Die Beiträge zu der Kasse sollen gegen diejenigen der Orts-Krtmlen- lasse ganz erheblich heruntergesetzt werden. Mit der Einfiihrnug der Nichtraucher-Wagen HI. Klasse auf der Stadtbahn werden auch, wie verlautet. Raucher-Abtheile II. Kl. geschaffen werden. Die Direktion der Stadt- und Ringbahn will geben 2öaae" n" Sla�e üotI'iufia tinen Abtheil für Liaucher frei. Der einspännige OmuibnS, nur für 12 Personen berechnet. I r n!Fecuette"" Berlmer Straßenverkehr. Die AUgeweine Omnibus- Gesellschaft hat heule«ine ganze Reihe dieser recht gut aussehenden mw leicht fahrenden Wagen auf der Linie Alexanderplatz— Potsdamer Brücke in den Betrieb eingestellt, die in Zwischenpausen von je zwei Minuten verkehren und stets gut besetzt sind. y/* Eine sehr beachtenswerthe Begnadigung. Wegen Er- Pressung eines Geständnisses unter Anwendung von Gewalt- waßregeln war im vergangenen Jahre der frühere Gemeinde« �'Vorsteher Valentin Sekulla in Lubom, Kreis Ratibor, von der Elrafkammer in Ratibor zu einem Jahre Zuchthaus verurtheilt worden. Sekulla hatte, wie seinerzeit berichtet, i» Gemeinschaft mit dem Ortsgendarmen einen des Dieb- stahls verdächtigen Schuhmacher»ach dem Amtsbnreau sistirt und bei dem Verhör denselben dadurch zum Geständniß zu bringen gewußt, daß er ihm u. a. kleine Holzstücke ge- waltsam unter die Fingernägel trieb. Diese von ungeheurer Rohhcit zeugende Folterung erregte seiner Zeit überall Aufsehen und gerechte Entrüstung. Die von dem Verurtheilten «ingelegte Revision ist vom Reichsgericht verworfen worden. Nunmehr ist infolge eines Gnadengesuchs die einjährige Zuchthaus- strafe in eine» Monat Festungshaft umgewandelt worden. Tnrch eine» Sturz aus dem Fenster tödtlich verunglückt ist gestern. Mittwoch, mittags um 12'/« Uhr. der Sjährige Sohn Georg A�Uers Kochhan aus der Rügenerstr. 18. Frau Kochhan wollte 'hrcin Manne das Mittagesse» auf die Arbeitsstelle bringen und v»«•' v0*? sie bereits auf die Straße hinuntergegangen war, das Kmd in die im vierten Stock des Quergebäudes sgelegeue Wohnung hinauf, um die dort stehen gebliebene Milch herunter zu holen. Der Knabe, der die Schlüssel mit bekommen halte, spielte oben «rst noch mit seinem acht Monate alten Brüderchen und stellte sich dabei auch ans ein Blumenbrett, das sich vor dem Kücheufenster nach dem ziveiten Hose zu befand. Kaum hatte er es betreten. da gab das Brett nach und bevor noch der Knabe es ver- lassen konnte, löste es sich vollständig ab und stürzte mit ihm in dieITiefe. Während das Blumenbrett von einem anderen im dritten Stock befindlichen aufgefangen wurde, fiel der Knabe auf den mit Granilfliesen gepflasterte» Hof hinab, schlug mit der linke» Ropiseite»»erst auf und blieb mit zerschmettertem Schädel todt liegen. Em Kutscher aus einer am Hofe gelegene» Stallung holte von der Ecke der Brunnen- und Nügeuerstraße sofort eine» Arzt herbei; dieser konnte jedoch nur noch den Tod feststelle». jDie Leiche wurde von der Revierpolizei beschlagnahmt und nach dem Schau« hause gebracht. Im„Cafe Friedrichöhof" sich zu erschießen versuchte gester», Mittivoch, Nachmittag der 32 Jahre alte Handlungsgehilfe Reinhold Pomm alis der Pultkainerstr. 3. Pomi» war seit dem Ib. v. M. i» der Zigarrenhandlung von Kniep an der Ecke der Anhalt- und Wilhelmstraße angeüellt, von dort aber am Dienstag Abend wegen Unregelmäßigkeiten und Trinkens entlassen worden. Gestern Nachmittag um 3 Uhr kam er in einer Droschke erster Klasse vor dem„Cafö Friedrichshof" vorgesahre», ließ sich in den unteren Räuine» uuluittelbar vor dein Schanklifche meder und bestellte sich ein Glas Bier. Nachdem er einige Zeit, den Kops auf die Hand gestützt, da gesessen hatte, ging er auf die Herrentoilette und jagte sich aus einem Revolver eine Kugel in die linke Brust. Ei» Kellnerlehrling, der die Toilette benutzen wollte, fand ihn stark blutend und schon bewußtlos geworden dasitzen. Die Waffe hielt er in der rechte» Hand. Der Pförtner des Cafes nahm sich seiner an und sorgte für ärztliche Hilfe. Nach der ersten ärztlichen Besichtigung des Verletzten scheint die Kugel die Lunge verletzt zu haben und man chat daher nur wenig Hoffnung, ihn am Leben zu erhalten. Ter Baumarkt iu dieser Saison dürfte, nach der Zahl der enigelausencn Baupläne zu urtheile», sich außerordentlich umfang- reich gestalten, wenngleich die Zahl der Neubauten keine hervor- ragend große ist. Neubauten werden hauptsächlich ausgeführt auf de» Terrains der Schönhauser Borstadt und in Moabit. Dagegen ist die Zahl der Unibauten außerordentlich hock. Die Abrisse finden vorwiegend in Alt-Berli» statt, so in der König-, Breitcnstraße, Gollnvw-, Alexander- und Wallstraße, ferner einzelne Abrisse iu vielen Straßen der Altstadt. Aber auch in äußeren Stadtgegendcn ist die Zahl der Umbauten sehr groß, deren im ganzen 223 bei der Baupolizei gemeldet worden sind. Die Gesamuilzahl der konzessiv- nirten Neubauten für Berlin beträgt 331. Die zahllosen Gaunereien, die auf dem Baumarkte von ordnungsstützenden Unternehmern de- gaiigen iverden, sind sehr schwer statistisch festzulegen. Es läßt sich nicht einmal die Zahl derjenigen Meister genau feststellen, die ihre Arbeiter am Zentenarseierlage um den schuldigen Arbeitslohn betrogen haben. Thomas KneebS, der bekannte ainmkanische Farmer und Eportsman, dessen mit der Stute„Bethel-Nelly Kueebs" vorgenommene Schiebungen den Berliner Gerichten so viele Arbeit gemacht haben, ist nunmehr aus dem Slrafgefängnitz zu Plötzensee entlassen worden, nachdem er die gegen ihn erkannte Strafe verbüßt hat. Thomas Kueebs wurde am ö. Februar wegen ver- suchten Betruges zu neun Monaten Gcfängniß verurtheilt, von denen sieben Monate durch die Untersuchungshaft für verbüßt erachtet wurde». Am 8. Februar erklärte Kueebs, sich bei dem gegen ihn ergangene» Erkennlniß beruhigen zu wollen. So hätte er aiu 8. April entlassen werde» müssen, wenn er nicht noch weiterhin in eine Geldstrafe von 1000 M. genommen worden wäre, für die eveut. weitere Ivo Tage Gefängniß zu substituireu waren. Die Hinter- legung dieser Summe hat sich bis jetzt verzögert, ist aber nunmehr erfolgt. Die Stute„Bethel" wird, wie gemeldet, heute Nachmittag 3 Uhr in Westend öffentlich versteigert. Im Verkehr nach dem Rieseugebirgr bezw. Glatzer Ge- hirge gelange» vom I. Mai ab feste Rundreise-Fahrkarten mit vierzehntägiger Giltigkeitsdauer zur Ausgabe, für welche folgende Tour vorgeschriebe» ist: Berlin— Frankfurt— Lauban— Hirschberg —Ruhbank— Dittersbach— Neurode— Miltelsteine— Glatz— Camcnz —Breslau— Liegnitz— Sagau— Berlin. Der Fahrpreis beträgt für die zweite Klaffe 33,30 M., für die dritte Klasse 2S.l0 M. Eine Versammlung behufs Stellungnahme zu der geplante» Bebauung des Botanischen Gartens, die Dienstag Abend in der Viktoriabrauerei in der Lützowftraße stattfand, nahm solgende Ne- folution an:„Die Versammlung spricht ihr lebhaftes Bedauern darüber aus, daß die königliche Slaatsregierung den ein- müthigen Wünschen der Bürgerschaft um Erhaltung des Botanischen Gartens als öffentliche Parkanlage in seinem ganzen Umfange nicht Rechnung tragen, vielmehr den- selben der Bauspekulation überantworten will, wobei noch besonders betont wird, daß der in Aussicht genommene kleinere Platz in keiner Weise dem dringenden Bedürfuiß der in betracht kommenden Stadttheile nach einer Erholungsstätte entsprickt. Indem daher die von dem Ausschuß bis jetzt für die Erhaltung des Botanischen Gartens unternomlueuen Schritte gebilligt werden, wird derselbe zugleich beauftragt, die im Entwurf vorliegende Petition an beide Häuser des Landtages abzusenden und an die Gemeinde- behördcn von Berlin und Schöneberg die Bitte zu richte», nunmehr auch ihrerseits mit der königlichen Staatsregierung wegen Erwerbung des Botanischen Gartens auf der Grundlage zu verhandeln, daß derselbe als öffentlicher Park der Bürgerschaft für alle Zeit erhalte» bleibt. Von dem bcrnnaliicktcn Ingenieur Szpor werden gute Nachrichten gegeben. Der 31 jährige Mann hat sich, wie jetzt fest- steht, am Kopfe nur eine leichte Verletzung zugezogen. Von einem Schädelbruch und einer Gehirnerschütterung ist glucklicher Weise keine Rede. Schlimme Folgen des Sturzes sind nach menschlicher Vor- aussicht nicht mehr zu befürchen. Haftentlassung. Die Freilassung des früheren Studenten der Thierarzneikunde Karl Jüterbog!, welcher den Supernumerar Heim durch Opiumtiuktur vergiftet haben soll, war von dem Ver- lheidiger, Schriftsteller I. Frankel beantragt, aber seitens des Untersuchungsrichters am Sonnabend abgelehnt worden, und zwar mit der Begründung, daß bei der Höhe der zu er- wartende» Strafe die Gefahr vorliege, daß der Beschuldigte sich durch enie Flucht ins Ausland der Bestrafung entziehe» könne. Auf die gegen diesen Entscheid des Untersuchungsrichters erhobene Beschwerde des Vertheidigers hat die fünfte Strafkammer des Landgerichts I am Mittwoch die beantragte Haftentlassung des Angeschuldigten beschlossen. Der Vertheidiger hatte geltend gemacht, daß i» thalsächlicher Beziehung der Fall nicht so schwer liege, wie der Untersuchungsrichter anzunehme» scheine, und daß auch die Verhältnisse des Beschuldigten jeden Fluchtverdacht ausgeschlossen erscheinen lassen. Um 2 Uhr nachmittags wurde Jüterbogk in Frei- heil gesetzt. Als unter deur Septemberkurs sozialdemokratische Re- dakteure aus uuersichtlichen Gründen plötzlich in Untersuchungshaft genommen wurden, war es absolut nicht möglich, sie vor der Haupt- Verhandlung ans dem Gefängniß heraus zu bekommen. Und auch dann ließ der Brausewetter die Preßsünder erst frei, nachdem von ihnen Kaulion gestellt worden war. Die Schauspielerin Martha P.» die, wie wir vor längerer Zeit berichtete», sich durch einen Schuß in die Brust zu tödten ver- suchte, ist geheilt aus dem Krankenhause entlassen worden und nach Poris abgereist, um ihren Geliebten, einen Ritlmeister a. D., wieder- zusuchen. Sie will von Paris sodann nach Montreux reisen. Schwere Brandwunden erlitt Dienstag am späten Abend das Dienstmädchen Anna Janel des Nähmaschinen-Händlers Puchat, Potsdamerstr. 87. Beim Ordnen eines Hängebodens explodirte dem Mädchen die Petroleumlanipe. Schreiend stürzte es mit brennende» Kleidern auf die Treppe hinaus und brach dort zusammen. Herbei- geeilte Hausbewohner löschten die Flammen und holten eine» Arzt, der die Verwundete verband und nach dem Elisabeth- Krankenhause schaffen ließ, wo sie gestern ihren Qualen erlegen ist. Die Feuer- ivehr löschte das Feuer, das aus der Explosion entstanden war, i» kurzer Zeit. Schon wieder hat ein Knabe mit einer Pistole schlimmes Unheil angerichtet. In der Ruheplahstraße schoß der I3jährige Knabe Heinrich Knittel mit einer Taschenpistole den elfjährigen Sohn des Arbeiters Hermann Schulz in das rechte Knie. Der Verletzte wurde durch einen Schutzmann nach der Unfallstation II gebracht. wo der Arzt das Geschoß entfernte. Nach Angabe der Zeugen hat Knittel absichtlich aus den Verletzten gezielt. Ruf eine grausige Art hat sich der 32jährige Fabrikant Christian Steen ans der Großgörschenstraße das Leben genommen. Stee»>var Mitinhaber der Berliner Holzjaloilsie- Manufaktur Chr. Steen u. Schnitze in der Steinmetzstr. LS. Ein Briefträger fand ihn im Bodengeschoß des Hauses Bülowstr. S8 als Leiche. Er hatte sich mit seinem Taschenmesser den Hals durchschnitten und war ver- blutet. Die Veranlassung soll im schlechten Geschäftsgange liegen. Eine Brettcrhäuge stürzte am Dienstag Nachmittag niit ihrer schweren Belastnng in der Tischlerwerkstatt von Seibt, Gitschiner- flraße 81, zusammen. Ein Arbeiter wurde schwer und drei leicht ver- letzt, während die übrigen durch einen Zufall unverletzt davon kamen. Wie uns mitgetheilt wird, sind in der Werkstatt wieder- holt Arbeiter wegen ihrer politischen Anschauung gemaßregelt. Es scheint also, daß»ach der Seile eine größere Äufmerksamkeit von feiten des Fabrikanten entfaltet wird, als für die Sicherheit des Betriebes. Uugliickösälle im Straßenverkehr. Gestern Nachmittag brach der Zaun des Grundstücks lvtariannen-Platz 22, ans de» mehrere Knaben geklettert waren, um und traf den dabeistehenden fünf- jährigen Sohn des Schankwirths August König. Der Knabe erlitt eine schwere Verletzung der Wirbelsäule und wurde von Vorüber- gehenden nach dem jiraukenhause Bethanien gebracht.— Vor dem Hause Nene Friedrichftraße 2 lief nachmittags der Idjährige Laufbursche Paul Allenberg gegen das Gespann eines Omnibus der Linie Alexauderplatz- Jorkstraße, fiel hin und wurde durch den Huftrilt eines Pferdes am rechten Vorderarm bedeutend verletzt. Er erhielt auf der Unfallstation V einen Ver- band.— Am Eugelnfer wurde nachmittags der 33 Jahre alte Schlosser Karl Wiese hilflos daliegend ausgefunden und nach dein Krankenhause Bethanien gebracht, wo der Arzt eine» Knöchelbruch des linke» Fußes, soivie eine Gehirnerschütterung feststellte. Seiner Angabe nach ist Wiese beim Balgei» mit einem Bekannten von diesem zu Boden geivorfeu worden.— Beim Abbruch des Hauses Konnnandantenstraße 12 stürzte nachmittags der S1 Jahrs alte Arbeiter Friedrich Köhler anscheinend infolge eines Fehltritts aus dem dritte» Stock durch das Schutzdach des Bauzaunes auf die Straße hinab und erlitt außer innere» Verletzungen einen Schädel- bruch. Er wurde nach der Charitee gebracht. Vevfcumttlungem Im Wahlverein für den vierten ReichstagS-Wahlreis (Ost), der am Dienstag feine Generalversammlung abhielt, resecirle Genosse F i s ch e r, welcher ei» Bild der gegenwärtigen politische» Situation zeichnete und am Schluß seines beifällig aufgenommenen Vortrages betonte, daß die Sozialdemokratie jetzt in erster Linie das allgemeine Wahlrecht zu schützen habe. Der Vorsitzende Schneider gab hierauf einen kurzen Geschäftsbericht für das letzte Halbjahr, dann verlas der Kafsirer Franke den Kassenbericht, welcher eine Einnahme von 10Sö,7ö M., eine Ansgabe von 896.05 M. und einen Bestand von 130,70 M. aufweist. Der Verein zählt 1263 Mitglieder. Nachdem die Kassenführnng seitens der Revisoren als ordnungs- mäßig bestätigt war, wurde dem Kassirer Techarge ertheckt. Die nunmehr vorgenommene Vorstandswahl ergab folgendes Resultat: Paul Schneider, 1. Vorsitzender; Zabel, 2. Vorsitzender; L e f e b e r, 1. Schriftführer; Q u i» t i n g, 2. Schriftführer; Franke, 1. Kassirer; Enders, 2. Kassirer; Wang e» lhi», Beisitzer. Zu Revisoren wurden die Genosse» K u n e r t, K l» e m a n n und G i e t i n g gewählt. Dann beschloß die Versammlung, am Charfreitag für die Mitglieder des Wahl- Vereins eine Fußpartie zu veranstaiten. Bauarbeiter. Die hiesige Zahlstelle des Verbandes der Bau- arbeiter hielt am 4. April ihre regelmäßige Mitgliederversammlung ab. Das Andenken des verstorbenen Genossen Schnitze wird iu üblicher Weise geehrt. Dem Kassenbericht ist zu entnehmen, daß im letzten Quartal eine Einnahme von 150,80 M., eine Ausgabe von 137.89 M. zn verzeichnen ist. Auf Antrag der Revisoren wird dem Kassirer Decharge erlheilt.— Beschlossen wird, bei Todesfällen von Mitgliedern eine Extrastener von 10 Pf. zu erheben, wofür in jedem Falle«in Kranz von 7,50 M. gespendet werden soll. Eventuelle Ueberschüsse fließen in die Lokalkaffe. Die Zustellung des Organs soll in der bisher üblichen Weise geschehen. In der Generalversammlung der Möbelpolirer gab Kollege Schulz den Vorstandsbericht. Die Kontrollkarten hätten für 1896 ihren Werth dadurch verloren, daß sich nur 177 Kollegen an der Ausfüllung derselben betheiligten. Wie alljährlich so auch in diesem Jahr wurde ein Kranz auf den Gräbern der März« gefallenen niedergelegt. An Rechtsschutz erhielten zwei Kollegen Unterstützung, außerdem wurden den Hamburger Hafen- arbeiter» in diesem Jahre noch 200 M. zu thcil, desgleichen den Hamburger Steinsetzer» IS M., und wurden ferner seitens der Versammlung den Amsterdamer Diamantarbeitern 50 M. bewilligt und dem Vertrauensmann der Möbelpolirer 100 M. Nach dem Bericht des Kassirers war am LI. Dezember 1893«in Bestand von 1S7v,v0 M.,«ine Einnahme im I.Quartal 1897 von 1101,20 M., eine Ausgabe von 972,85 M.. bleibt mithin ein Bestand von 2103,85 M. Dem Kassirer wurde Entlastung zu theil. Die bis- herige Wahl der Vertreter der Zahlstellen wurde einstimmig an- genommen. Als Kassirer wurde der Kollege H ö f e r t gewählt. Außerdem als Mitglieder der Fachkommission die Kollegen Urban, Dittmann, Händel, M. Schulz, Markgraf; als Revisoren Feist, Strohbach und Niese; als Bibliothekare R e i m a n n und Tresfkorn und zum Vergnügungskomitee Unfug, Weber und Berendt. Bezüglich ver Feier des 1. Mai wurde beschlossen, dieselbe durch vollständige Arbeitsruhe zu begehen. Nach Ablehnung einer angeregten Dampferpartie wurde beschlossen, bei geeigneter Zeit einen Ausflug nach Freund's Jnselgarten bei Spandau zu veranstalten. Zu der am 2. Osterfeiertag, nachmittags 1 Uhr, stattfindenden Urania-Vorstellung sind nur noch beim Kollegen H. Schulz Billels vorrälhig. Behufs Kontrolle müssen die Mit- gliedsbücher vorgezeigt werden und die abgestempelten BilletS bis zum 17. Mai regulirl sein. Die Graveure und Ziselenre hörten in ihrer Versammlung am Montag einen Vortrag des Genossen Dr. Lütge»au über: „Die Verkürzung der Arbeitszeit und ihre Gesammlwirkung". Die Versammlung erklärte sich in einer Resolution einstimmig mit den Ausführungen des Referenten einverstanden. Bezüglich der Maifeier wurde eine Resolution angenommen, wonach als würdige Demonstration am 1. Mai die Arbeitsruhe zu betrachten ist. Die Kollegen, welche zu arbeiten gezwungen sind, verpflichten sich, ein Viertel ihres Tagesverdienstes dem Vertrauensmann zur Agitation zu überweisen. Der Verband der Möbelpolirer(Filiale Norde») hielt am Montag, den 12. d. M., seine regelmäßige Versammlung ab. Das Mitglied Reuter hielt einen Vortrag über„Denkmäler". Die interessanten Ausführungen wurden oft durch Beifall unterbrochen. Unter Verschiedenem wurde auf die baldigst bevorstehende Maifeier aufmerlsam gemacht und die Kollegen. ersucht, recht rege für dieselbe zu agitiren, damit die Arbeitsruhe eine möglichst vollständige werde. Die Versammlung beschloß, am 20. d. M.(3, Feiertag) eine gesellige Zusammenkuiift mit Familie zu veranstalten. Nach Besprechung einiger Fachangelegenheiten erfolgte der Schluß der Versammlung. lk,. Die Marmor- uud Granitarbeiter beschlossen am Dienstag in einer gut besuchten öffentlichen Versammlung im Englischen Garten nach einem Referat M i t s ch k e' s, dem gegen- wärtigen Geschäftsleiter der Steinarbeiter- Organisation, den 1. Mai, wo irgend angängig, durch Arbeitsruhe zu feiern. Die an diesem Tage arbeitenden Steinmetzen sind verpflichtet, eine Mark zum Streikfonds zu zahlen. Im zweiten Punkt der Tages- Ordnung wurden die Differenzen bei den Firmen Fink und Zachert besprochen und allseitig kritistrt, daß die Firma Fink die Arbeit der Ausständigen nicht von ihren Arbeitern, sondern im Zellengefängniß fertig stellen ließe. Ueber beide Plätze wurde die Sperre verhängt. Die von der Firma Ssink noch arbeitslosen Ausständigen sollen bis zur nächsten Ver- ammlung mit 10 M. pro Woche unterstützt werden. Eine öffentliche Versammlung der Maler nnd Berufs- genossen, die nur mäßig besucht war, tagte am Dienstag bei Cohn, Beuthstraße. Nach dem Bericht des Vertrauensmannes I a k o b e i t betrugen die Einnahmen seit dein 23. Juli 1893, inkl. de? vor- dandenen Bestandes von 659,33 M., insgesamint 775,73 M.; die Ausgaben, darunter 310 M. an die verschiedenen streikenden Gewerk- schalten, loo.SV M. Unterstützung an die Familien von Jnhaftirten uud SV M. für Agitation, insgesamint 353,40 M.; Baarbestand ist vorhanden 122,38 M.; an Außenständen sind noch 333,25 M. zu ver- zeichnen. Jakobeit wurde sodann bis auf weiteres als provi- sorischer Vertrauensmann gewählt, nachdem in der Diskussion angeführt wurde, daß in nächster Zeil eine Versammlung sich mit formulirten Vorschlägen beschäftigen wird, die zu einer regen Agitation führen werden und die Bewegung wieder in Fluß bringen sollen. Als Delegirter zur Geiverlschaftskoinmission wurde Link wiedergewählt, nachdem über die Thätigkeit derselben berichtet hatte. Die Ver- sammlung erklärte sich mit den Ausführungen Link's, der sich be- züglich der neuen Taktik der Kommission im wesentlichen gegen die von M a s s i n i gestellte Resolution wandte und die Anstellung eines ziveiten Beamten für nicht angebracht hielt, einverstanden. Hierauf wurde beschlossen, den I. Mai wie in den Vorjahre» durch strikte Arbeitsruhe zu feiern. Die Folgen hat nach dem angenommeuen Antrag jeder selbst zu tragen. In der am Vormittag pattfindenden Veriammlung sollen Marken ausgegeben werden, um über die Be« iheiliguug eine Kontrolle auszuüben. Tchöneberg. Am Montag, den 12. d. MtS. fand hier in der Schloßbrauerei eine öffentliche Volksversammlung statt, in welcher Dr. Joel einen sehr interessanten und lehrreichen Vortrag überj: „Problem der menschlichen Willenssreiheit" hielt.— Hierauf folgte der Bericht des Genosseu B ä u m l« r über den Stand der Partei- Spedition. Nach demselben haben wir im letzten Quartal einen Ueberschuß von 33,82 M. erzielt; auch die Zahl der Abonnenten hat stelig zugcuoimnen, am Schluß des Quartals waren es 758.— Neber Stellungnahme zum 1. Mai berichtete eine zu dem Zweck erwählte Kommission. Die Feier findet im Restaurant S e e s ch l ö ß ch e n zu Wilmersdorf in Gemeinschaft mit den dortigen Genossen statt.— Unter Verschiedenem wurde Klage darüber geführt, daß der Pächter der hiesigen Anschlagsäulen sich weigerte, die be- kannten Plakate vom„Vorwärts" anzukleben. Das Bureau der Versammlung wurde beauftragt, Beschwerde beim Gemeiudevorstand einzureichen. ?n Neu- Weißeusce tagte am 10. April«ine gut besuchte s v e r s a m in l u n g. Zum Vertrauensmann wurde Genosse Pasewald gewählt. Betreffs der Maifer wird beschlossen, die- selbe wie im vorigen Jahr« statlfinden zu lassen: vormittags Ver« fauimlnng uud abends Kommers. Es wurde hierzu eine Kommission gewählt, bestehend aus den Genossen Lange, Dähnert, Bretag, Brock, Rieß, Albert Kirchner, Richard Kirchner nnd Jakobs, welchen die Regelung überlassen bleibt. Zum Schlüsse hielt Gemeindevertreter Genosse Karow eine» in teressanten Vortrag über seine Thätigkeit in der Gemeinde- Ver- tretung. In der Diskussion wurden verschiedene Mißstände, welche hier am Orte bestehen, scharf krilisirt. Von den gegnerischen Ge- meiudeverlreteru, welche schriftlich eingeladen waren, war niemand erschienen. In Rixdorf tagte am 12. April eine öffentliche Versammlung der Kraukeukassen-Wtitglieder. Dr. Munter referirte über„Die freie Arztwahl". Die Diskussion bewegte sich fast ausschließlich im Sinne des Referates. Nur der Vorsitzende der„Rixdorser Orts« Krankenkasse", Herr G l a s e m a n n, bezweifelte, daß die Kasse die größere Ausgabe an Arzthouvrar tragen könnte. Er gab jedoch zu, daß das jetzige Arztsystem verschiedene Mängel habe und deshalb der Vorstand eine Aendernng desselben schon zum 1. Oktober in Er- wägung gezogen hat. Es wurde schließlich zn der bevorstehenden Detegirten-Ersatzwahl eine Kandidatenliste, bestehend aus den Ge- Nossen Siegrist,Hilse, Blau rock. Krause und Z i e r k e aufgestellt. Zum Schluß theilte Genosse R etzer au noch mit, daß sich auch die Arbeitgeber zur Wahl stellen würden. Köpenick. Schon seit langem gebührt der Polizeiverwaltung zu Köpenick das Verdienst, die Frauen in ihren besonderen Schutz zu nehmen. Um zu verhindern, daß denselben„sozialistisches Gift" eingeimpft werde, mußten die Frauen aus jeder öffentlichen Versammlung, die in der letzten Zeit vom dortigen Vertrauensmann einberufen worden waren, zuerst entfernt werden, ehe die Tagung der Versammlung beginnen konnte. Eingelegte Beschwerden waren bis jetzt fruchtlos. Am 13. d. M. hatte der Vertreter des KreiseS Genosse Zubeil wieder eine öffentlich« Versammlung für Männer und Frauen einberufen und die polizeiliche Be- scheinigung erhalten. Als er nun, nachdem er«in Bureau halte wählen lassen, sein Referat beginnen wollte, erhob sich der über« wachende Beamte, Polizeidiener Haller, und verlangte die Cut- fernung der Frauen. Auf die Frage Zubeil's, ob er auch wisse, dag dies dem Wortlaut deS Gesetzes nicht entspreche, aut» wartete er, daß daS ganz auf die Auffassung unläu.e. t'cndjbem die Versammlnug die Ausiveisung der Frauen ablehnte, löste der Beamte die Versammlung unter Berufung auf S 8 des Vereinsgesetzes auf. Gegen das Vorgehen des des Gesetzes unkundigen Beamten wird energische Beschwerde beim Regierungs- Präsidenten in Potsdam eingelegt werden; hoffentlich wird dadurch endlich Wandel geschaffen werden. nl" Arbeitie-Silduiigsschnl«. Brunxenstr. 26, ist wochen- » tf,«"S Uhr.uneMgiltNch für I.derm»»» g.öff»°t! * c der Schule N., SvunuenftvaBc 20. die den BeretnS- vorstande» zur Vermittelung von Borträgen wifsenschaflltchen«harakterS zur Beifügung fleht, Ist ebenfalls von o-s Uhr nachmittags geöffnet Mn-.?.!öevll"s""d Umgegend,«orsthender Ad, Neuma»». lPoien'ottcvilr.s. Alle Aenderunge» im B-reu>»lalender sind zu richten an Friedrich »ort um, Mantcusselstr.<9, v, 2 �r.>->», v 0.-J'.'.'* �'r g-l-Uio.n Arbeiirrv-r.inr Kerlins und Zlmaes»»». All- Zuschrift«», den Bund betreffend, sind zu richten an H. Ben dir, Aler-ndrtnen. lIiQßö 100. Arbeiter- Ni»icherl»»>d Kerlin« und zimgeg«»». Aenderunge» Im straß�sgzHo"« Tr � Richte» an Hermann Braunfchwetg, Dresdener- ....�beireligiLfe Gemeinde. Sonntag, den 18. April, vormittags 11 Uhr, im Snfrrf Feftfaal der Berliner Reffource, Kommandantenstr. e?: Herr Dr. Bruno E. Bogt�err? S�tt-ortrag°��'°°�""tags nlUhr, ebendaselbst! Herr Eiiigelanfene Druckschrifteu. ber Zeit"(Stuttgart, I. H. W. D i e h' Verlag) ist soeben das _ vjl'»eS 15. Jahrgangs erschienen. AuS dem Inhalt heben wir hervor: Der Marinc-Roon.— Die Nationalitäten in der Türkei beim Beginn des Krim- rrteges.(Erschienen in der„New Kork Tribüne", 7. April ISSS.) Bon Karl S Ir~ Erplostone» in Steinkohlsngrubcn. Eine Frage der Grubenventtlalion. Bon H. Möller.— Das neue Koch'iche Tuberkulin-Präparat. Bon Dr. H. Beckers. — Die Wahlen in Oesterreich. Bon Karl Leutdner.— Ein Bettrag zur Frage des Schutzes der Arbeiterkinder. Bon Adele Schreiber-Traunheim.— Nolizen: Die Dampfkessel- Explosionen im Deutschen Reiche. Bon O.«eck. Erhöhung der Produktion durch Verkürzung der Arbeitszeit. Die Eährwirkung.— Feuilleton: Die Sintstuth. Bon R. Bammelt. II.(Schluß.) Bon der«Uichli»it, Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen(Stuttgart, J. H. W. D t e tz' Verlag) ist uns soeben die Nr. 8 des 7. Jahrgang« zu- gegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Arbeiterinnen, v-rlhctdigt Euch!- Kritische Bemerkungen zu Aenosstn Brauns Vorschlag. Iii. Aon Ottilie Baader.— IV. Bon Augulte Jäger.— AuS der Bewegung.— Bon 28. Bcrmächttitß eines amen Mädchen«.— F euilleton: Beim„oerschämten Wohl- thäter". Bon I. H. Wehle.— Kleine Nachrichten. Die„Gleichheit" erscheint alle 1« Tage einmal. PreiS der Nummer 1» Pf., durch die Post bezogen(eingetragen in i>er Reichspost- ZeitungSliste für 1897 unter Rr. 2902) beträgt der AbonnementSpreiS vierteljährlich ohne Bestellgeld 85 Pf.: unter Kreuzband 85 Pf. bo äevenir social, Rsvue international« ä'eeonomie, d'histoire et de Philosophie. Parait taut les mois en un fasc. de 96 pages gr. i.n-80. Abonnement annuel; France 18 fr.; Etranger 20 fr. 16, rue Souffiot, Paris. Sommaire No. 3(Mars.) La democratie et le droit fiscal dans l'antiquite et partioulierement a Athenes(suite). G. Piaton.— Sur la conception materialiste de l'histoire. Frederic Engels. Lc Proletariat intellectuell en Italic. G. Lapenta. Revue Crisique.— A. Asturaro; La sociologla; i snoi metodi e le sue scopcrte (Charles Rist).— G. de Molinari: La viriculture(J. David).— A. Neceforo: II gergo nel normali, nei degenerati e nei criminali(G. Sorei). Notes Blblio- graphiques.— Lewandowski. Mit dem soeben zur Ausgabe kommenden 18.(Schluß-) Heft der im Verlag mm I. H. W. Dietz in Stuttgart erscheinenden Internationalen Bibliothek ist das Werk Hugo„Ktädteuerwattung und Uluniiipat-K«!iali»mu« in England" abgefchloffen. Der komplete Band ist als 27. Band der ersten Serie der Internationalen Bibliothek eingereiht worden und zum Preise von 2,— M. (broschirt) und 2.6» M.(gebunden) in allen Buchhandlungen erhältlich. Briefkasten der Redaktion. H.. Kreuzbergstrasie. Sie können ruhig schon um S Uhr angeln gehen. Friedrichsfelde B. Sie müßten beim Amtsgericht aus Zahlung des Geborgten und Verauslagten gegen Herausgabe des Anzugs Klage er- heben.— Rem. 189. Des Wirthes Forderung geht vor, Berkauf der Sachen an andere wäre daher nutzlos.— R. P. Nein.— V. X. U l II UUU 1 1 Lehrter Stadtbahu- hof. Täglich von 7i/z Uhr abends ab SV Pf. Im Theater-Saale täglich 8 Uhr abends Borträge, mit Experi- menteu u. gr. Lichtbildern ausgestattet. Näheres die Tagcsauschläge. Passage- Panopticum. Nur noch kurze Zeit! 32 Mädchen aus Samoa. Castan's tiam Panopticum. Pypäen je kleinsten beiden indischen_ die kleinsten Menscheil der Welt Damen-Wettschivimmen. IRC UZ 'Busch Uahnhof ItUrse. Donnerstag. 15. April 1807, Abends 71/2 Uhr: ibscbieds- Vorstellung. Nach Sibirien. Austerdem reichhaltiges Wechsel- reiches Programm. Al»sel»le«lsg:r,, ss. Am Abschluß meiner zweiten Ber- liner Saison drängt es mich, den hochgeehrten Bewohnern der Reichshauptstadt meinen aufrichtigsten Dank für das ganz außerordentliche Wohl- wollen auszudrücken, dessen sich mein Unternehmen auch diesmal wieder in allen Kreisen zu erfreuen gehabt hat. Giebt mir dieser außergewöhnliche Erfolg ilun einerseits die Hoffnung, daß auch in Zulnnst die Gunst des hochgeehrten Publikums mir erhalten bleiben wird, so legt er mir aber auch andererseits die Verpflichtung auf, mich durch stets neue lind immer glänzendere Darbietungen dieses Wohl- wollens würdig zu erweisen, eine Verpflichtung, deren Erfüllung mein unablässiges Bestreben sein wird. Mit dieser Zusicherung verbinde ich den wiederholten Ausdruck meines er- gebensten Dankes, und ich scheide mit dem Wunsche: „Aus fröhliches Wiedersehen!" Mit hochachtirngsvollster Ergebenheit Direktor P. Busch. Apollo-Theater. Friedrichstr. 218. Dir. I. Glück. Täglich Auftreten der s Bislers Lorrison. Der französischen Xänzer-Troupe 1.68 Dario sowie der urkomischen Klowns Mb und fiobb. Ferner: 15 hervorragende Kttnftkräfte. gM- Zum Schluß der"Mg mit den Orignal- Aufnahmen der Centenar- Feier AM- und dem unverwüstlichen"Mg Endlirh sllein! Kasteneröffnung öv, Uhr. Ans, 7t/, Uhr. Circus Renz Karlstrasse. (Jnbilüums- Saison 1896/97.) Donnerstag, den 15. April 1897, abends 71/2 Uhr: Grosse Abschieds- u. Wohithätigkeits-Vorstellung zum Besten des Freiwilligen Erziehungs- beirathes f. schulentlassene Waisen. Aus dem reichhaltigen Programin sind besonders hervorzuheben: Bagdad, arabischer Vollblut- Schimmelhengst, drest. u. vorgef. vom Direktor Franz Renz. Prinz, ostpreuß. Rapphengst, in der hohen Schule geritten von Mr. Gaberel. 6 trakehner Fuchs- Hengste, drest. u. vorgef. von Herrn Hugo Herzog. Auftret. der Schul- reiterin Frau Robert Renz mit dem Schulpferde Eyd und dem ir- ländischen Ballblutspringpferde Blitz. Die excentrischen Klowns Leon und August. Ein Duell nach dem Balle, komtsche Szene, ausgef. von der be- rühmten Künstler-Familie Agoust. Franz Renz, Direktor. Concordia Variete-Theater Brnnnenstr. 154. Täglich: Grosse Theater- und tztpczlalitiifcn- Vorstellung. Grostartiges April- Programm! Neu! Grand Altrahtlon. Gebr. Forr6, Instrumental ist. Neu! 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Treffpunkt morgens 8 Uhr bei Wllke, Andreasstrahe 26.— Alles nähere unter„Lokales".__[242/17] Der Torstand. DeuWtr Prtallotlirilfi-ünliflnii. (Verwaltung Berlin). Am Wrsreitag jindet ein Ausflilg lulth Tegel statt. Treffpunkt: Glelnert, Milllerstr. 7a. Abmarsch Punkt 9 Uhr. Nachzügler wollen sich in Tegel im Restaurant Bttbsam, Schloßstr. 7—8, einfinden.— Zahlreiche Betheiligung erwartet 121/lb Die Ortsverwaltung. SßtF' Die Urania- Vorstellung am 2. Osterfeiertag findet nicht Nachmittag, sondern vormittag 9 Uhr-WW statt. KöM-nZMAilmkin Leiter: Dito Gruudmann unb Krall praktische Naturheilkundige. Naturärztliche Sprechstunde» täglich 11—2, 6—8, Sonntags 11—1 Uhr. Für Unbemittelte Montags und Donnerstags. Naturheilbad und elektro-mechanisches Institut, Alexanderstr. 3(neben Polizeipräsidium). Für Damen und Herren täglich geöffnet. Der Borstand. Wirthshaus Schmargendorf, Warnemünderstr., Kollegen ni Allen Freunden, Kollegen und Be- kannten die traurige Mittheilung, daß unser lieber Vater, der Tischler Louis Kala« am 12. April nach längerem Leiden verstorben ist. 1537b Die Beerdigung findet am Freitag, 16. April, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhall« des Neuen Sophien- kirchhofes, Gesundbrunnen, Berg- und verlängerte Freienwald erstraße, aus, statt. Die trauernden Hinterbliebenen. Ich bin von Pankstr. 50(Eingang Weddingstr. 9) nach Ackerftr. 81 verzogen. I»r. Krumm, prakt. Arzt. Restr. VI. Matscbuk, Empf. all. Freunden n. Bekannten mein Weift-»nd Bairisch- Bierlokal, großer und billiger Frühstückstisch. ■ Meinen werthen ÄnZGlüG.sieunben u- aauajwajjv. fanntcn aut Nachricht, daß ich das Restaurant von Hrn. Lietke in Griinan übernommen habe u. findet die Eröffnung d. neu- renovirten Lokalitäten am Freitag, den 16. 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