Einzige unabhängige Tageszeitung Veuischkands Nummer 113— 2. Jahrgang Saarbrücken, Freitag, 18. Mai 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt Deutschlands lüictschafts- katastcopfie mächst Seite 2 Ein neuec aan dec£uhle Seite 2 J&ecicht des Saacministecs Jiociie Seite 3 Deutschet Jxauenpcotest Seite 7 Hilter hat cakdkfca rar llberallsfisdie Wirtschaftsordnung gegen jede Ars roziaiismus Darwin und Engen Riditer Stuf dem„zweiten deutschen Arbeitskongreß" hat der deutsche Reichskanzler am Mittwoch im Sitzungssaal des Preußenhaujes zu Berlin eine programmatische Rede ge- hallen. Zuhörer mar das, was er„Volksgemeinschaft" nennt: das Unternehmertum aller Art und die bezahlte und bewaffnete Bonzokratie der„Deutschen Slrbeitssront". Weit draußen im Lande durften die SIrbeiter und Angestellten an ihren Radioapparaten schweigend zuhören. In den letzten Wochen ist viel darüber orakelt worden, wie Adolf Hitler in dem innerpolitischen Ringen zwischen den kapitalistischen Mächten und den drängenden sozialrcvolutio- nären Massen seiner eigenen Bewegung optieren werde. Nach dieser Kanzlerreöe ist die Antwort einfach und klar: der nationalsozialistische Parteiführer bekennt sich mit den ältesten liberalen Schlagwörter: zur freien Wirtschaft des Kapitalismus, lehnt jede Sozialisierung mit fanatischem Haß ab und will mit allen Mitteln der Propaganda seine Wirt- schaftspolitik frühkapitalistischer Art den Bolksmassen als ge- mcinnützig einreden. Daß er vom Marxismus nichts versteht, bewcift Hitler zum tausendsten Male. So, wenn er den Unsinn daherredet, der Marxismus behaupte,„alle Menschen seien gleich". Als wenn nicht auch die Marxisten die Bielgestaltigkeit der menschlichen Begabung müßten und anerkennten und gerade auch uo dieser Erkenntnis eine Wirtschaftsversassung und Gesell- Ichaslsordnung anstrebten, die diese Bielsalt sich entwickeln läßt, statt sie für Millionen und aber Millionen Menschen zu hemmen. Halten wir uns an das, was der Führer einer Bewegung, die das Wort„Sozialismus" im Schilde führt, über seine Grundsätze verkündet: Das freie Leben ist so natürlich wie der Kamps in der Natur draußen, der auch keine Rücksicht nimmt und viele Lebewesen vcr- uichtet.sa daßnurdasGesuudeübrigbleibt. Würde man diesen Grundsaß durch die Sozialisierung be- seitigen, so würde man die Prinzipien unserer Staatsoer- waltung ans den Ausbau unseres ganzen wirtschaftlichen Lebens übertragen und wir würden damit jammervoll Schiffbruch erleiden. Das ist das Bekenntnis zur darwinistischen Aus- lese der Lebensfähigen durch den rückiichis- lofenKompfumsDafein. übertragen aufdas Wirtschaftsgebiet. Es sind Sätze, die den hellen Jubel auf jedem Kongreß der Liberalen in den sechziger und den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts hervorgerufen haben würden. Da immer dringender aus dem Bolke der Ruf sich erhebt, wo denn der„Nationalsozialismus" bleibe, und was man eigentlich darunter zu verstehen habe, gibt der Führer der nationalsozialistischen Bewegung eine Antwort. Hier ist sie: Wenn man mich fragt, was verstehen S>e unter Nationalsozialismus, so habe ich zu antworten: Nichts anderes, als daß zur Erhaltung unserer Gemein- schast auf jedem Plast unseres Lebens die höchsten Fähigkeiten ausschließl'ch zum Einsast gebracht werden. Ich verstehe darunter unter keinen Umständen irgendeine Bürokratisierung unseres gesamten Lebens, das heißt, ich verstehe unter Nationalsozialismus nicht, daß ich jemand an einen Plast stelle, auf einen Grundast, der nicht durch Sachlichkeit bedingt ist Wer fuhrt, muß von Natur aus dazu bestimmt sein, und das erweist sich durch seine eigene Leistung und Fähigkeit. Das muß er unter Beweis stellen, und zwar nicht durch staatliche Aussichts- behörden, sondern durch den Srsolg... Wenn es uns aber gelingt, diese höchsten Fähigkeiten unseres Rolkes überall ,nm Einsast zn bringen, so daß aus jedem Plast der sähigste Mensch steht, wenn wir das in einem germfl-n Umfange erreichen wollen, dann sei es sinnlos, wenn wir die dabei naturgemäß tausendfältig in Erscheinung treten- den Differenzen ausgleichen ließen durch so primitive Methoden wie Aussperrung, Streit usw.... Wenn wir d,e höchsten Fähigkeiten nüstlich anwenden und die höchste Pro- duktionökraft auf allen Gebieten entwickeln, dann muß das zwangsläufig allen zugute kommen und es gehört wieder nur eine ganz verwirrte kleine egoistische Meinung dazu, sich gegen eine Erhöhung des Lebensstandards zu sträuben, die indirekt wieder allen zugute kommt. Ich habe in meinem Leben leider Unternehmer kennengelernt, die Schuhe fabrizieren, aber empört sind, wenn sie ooren, onß ein Arbeiter zwei Paar Schuhe habe. Da kann ich nur sagen: Heilige Einfalt. Der Unternehmer, der dem Arbeiter zwei Paar Schuhe und zwei Röcke neidet, ist gewiß recht blöde, und wir leugnen nicht, baß es solche Leute gerade auch in der Gefolgschaft Hitlers, zumal aus mittelständlerischen Schichten, in großer Menge gegeben hat und gibt. Aber sind die wirtschaftlichen Ueberlegungen des deutschen Reichskanzlers viel ver- nünftiger? Seine Wirtschaftspolitik führt zurück auf den freisinnigen Fortschrittsmann Eugen Richter und seine Zeit, die da lehrte, daß der freie Wettbewerb und der Sieg der ge- schäftlichen Tüch igkcit„zwangsläufig" zum Wohlstand aller fuhren müsse. Wir bezweifeln, ob der deutsche Reichskanzler, der nicht eben ein sehr belesener Mann ist, das Heftchen „Die Irrlehren der Sozialdemokratie" von Eugen Richter je in der Hand gehabt hat. Wenn er es aufschlägt, wird er feststellen können, daß alles das, was er nun der Welt als „Sozialismus" verkündet, in den ältesten Lehren des Libe- ralismus zu finden ist. Nur sind in dem seit jener Zeit verflossenen halben Jahr- hundert mit der freien kapitalistischen Wirtschaft einige Er- sahrungen gemacht worden. Sie hat nämlich die Völker ge- rade wegen der ungehemmten und ungeregelten Entwicklung aller Produktivkräfte von Krise zu Krise geführt und schließ- lich in die Katastrophe des Weltkrieges hineingerisscn, aus der sie sich bis jetzt nicht erheben konnte. Und neue Welt- katastrophen drohen! Nicht, weil der„Marxismus" sie her- vorruft, sondern weil der kapitalistische Kampf ums Dasein, den Hitler als Glttcksspender preist, mit den Erzeugungs- und Berteilungsproblemen der Weltwirtschaft nicht fertig werden kann. Was in dem engen Kovfc Hitlers als ver- schrobene„Bürokratisierung" spukt, ist in Wirklichkeit die Frage des Jahrhunderts: wie näm'ich die überreich ent- wickelten technischen Produk'ionskräften der Welt den Massen der Menschen wirklich zugute kommen können. Dieser Hitler wird es nie begreifen, aber deswegen bleibt es doch Tatsache, daß jede sozialistische Donamtk und Syst-matik aus plan- volles Wirtschaften gerichtet sein muß. Der Sozialismus läßt sich nicht durch Phrasen und abgelebte liberale Re- miniszenzen aus der Welt reden. Eine Slhnung davon hat natürlich auch der deutsche Reichskanzler. Er will zwar nicht bürokratisieren, aber moralisieren und reglementieren. Der Staat, den er, genau wie die alten Liberalen für eine unparteiische über den Wirtschaftsinteressen schwebende Einrichtung erklärt, der Staat muß aufpassen, daß der Kampf ums Dasein in schönster friedlicher Ordnung verläuft. Die Unternehmer müssen den ungesunden Egoismus abschwören, und die Arbeiter müssen sich dafür erkenntlich zeigen, indem sie nicht mehr streiken,- sondern sich mit den Löhnen zufrieden geben, die ihnen nach dem Grundsatz„Gemeinnutz geht vor Eigennutz" in höherer Weisheit zugeteilt werden: Der Staat ist nicht der Büttel eines Unternehmers ober eines Arbeitnehmers, sondern er steht über beiden Jntcr, esscnten und sorgt für Einigkeit und die Freiheit des Rechtes und der Vernunft, die für uns alle gleich sind. Und wer sie nicht befolgen will, wird erfahren, daß über seinem Eigennutz der Gemeinnutz der Nation steht, der durch uns seine Repräsentation erfahren hat. Der Reichskanzler irrt sich, denn in jedem Staate ringen die verschiedenartigsten Interessen um die Macht und auch im faschistischen Deutschland ist dieser Kampf offenbar. So- gar aus der Kanzlerrede dringen diese Machtkämpfe hervor. Einstweilen ist der neue deutsche Staat noch sehr labil und nur in einer Willensäußerung fest und zielklar: in seiner Büttelarbeit für kapitalistische Interessen gegen die Volksteile, die wirklich eine sozialistische Ordnung wollen. Der Reichskanzler hat sich programmatisch schärfer als seit Jahr und Tag zu diesem Bütteldienst bekannt. Er will die unzufriedenen Massen der Arbeiter und Angestellten durch die Staatsgewalt an die freie Profitwirtschaft des Kapi- talismus binden. AuS dessen neuem Slufstieg hofft er nach einer gewissen Zeit auf die Befriedigung der SNassenwünsche. Und wenn dieser Aufstieg nicht kommt? Wenn weder die Ar- beitcrschaft, noch die Bauern, noch der Mittelstand die bis jetzt ausgebliebenen Segnungen des„dritten Reichs" spüren, wenn sie den„Glauben im Herzen" verlieren, den der Reichskanzler als ihre stärkste Kraft aufruft? Dann werden sie die Hitlerei verfluchen und zum Teufel jagen, und die Ratlosigkeit und Tatlosigkeit der Kanzler- reden zeigt unS an, daß kommen wird, was kommen muß. Gestern und Acute Seltsam, welch leuchtende Wahrheit alte, scheinbar schon ein wenig abgegriffene Zitate unter gänzlich verwandelten Zeitverhaltnissen bergen können. Von Karl Marx stammt das Wort, daß sich große historische Vorgänge, zu wiederholen pflegten: das erstemal sind sie eine Tragödie, das zweitemal eine Farce. Das paßt genau auf den Sozialismus. Es gibt in der Geschichte der menschlichen Gesellschaft keine Idee, die so viele Abenteuer erlebt wie diese. Heroisch ist er zur Welt gekommen, aber welch ein Kauderwelsch hat der Nationalsozialismus aus ihm gemacht! Wir haben einen Hände-an-die Hosennaht-Sozialismus, Sozialismus schmort in den Eintopfgerichten mit, er sigl auf den Schaufelgriffen der Zwangsarbeiter, er brütet hinter den Abzügen auf den Lohnlisten. Es ist immer wieder lohnend, Herrn Thyssen oder Baron von Schröder, neuerdings sogar Herrn von Papen unter der Garde altbewährter Sozialisten in Reih und Glied zu sehen. Aber das ist nicht nur Sozialismus. Es ist noch viel mehr. Es ist nämlich„Sozialismus der Tat''. Dafür haben wir soeben ein besonders überzeugendes Beispiel. Man erinnert sich, daß jüngst von den Arbeiterurlaubern im Zeichen von„Kraft und Freude" viel die Rede war. Die Herren Treuhänder und Gauleiter gingen durch Spaliere abreisender Arbeiter und selbst Herr Dr. Ley ließ es sich nicht nehmen. In illustrierten Zeitungen sah man sie später auf Veranden von Schwarzwaldhäusern, erstaunt in die Sonne blinzelnd. Aber die Unternehmer knurrten. Sie sollten die Urlaubstage bezahlen! So hatten sie den Sozialismus nicht verstanden. Kurz, soeben haben sich die Grubenherren des Aachener Gebiets mit aller Entschiedenheit geweigert, die Kosten zu tragen. Da schritt Dr. Ley ein und verfügte durch seinen Adjutanten folgendes: „Die Urlaubszeiten im Bergbau an der Wurm, sind den Ui laubszeiten an der Ruhr gleichzusehen. Die Differenz bezahlt die Deutsche Arbeitsfront." Es handelt sich hier um 30 Prozent des in Frage Icommen- den Lohnausfalls. Da sich die Unternehmer weigern, ihn zu bezahlen, bezahlt ihn einfach die„deutsche Arbeitsfront". Mit tiefer Bewegung teilt das der Treuhänder mit folgendem Zusah äer Oeffentlichkeit mit:„Sozialismus der Tat, wie er treffender und wirksamer nicht gezeigt werden kann." Wir haben nie etwas Treffenderes und Wirksameres erlebt. Wer ist die„deutsche Arbeitsfront", wovon lebt sie, wer gibt ihr die Mittel, soweit sie den Gewerkschaften nicht gestohlen wuiden? Mit anderen Worten: die Arbeiter werden mit ihrem eigenen Gelde auf Urlaub geschieht. Ihre Freude bezahlen sie mit der schaffenden Kraft ihrer Hände. Dank, Dank, lieber Herr Dr. Ley! Im Ernst: wie wäre es früher einem Gewerkschaftsführer ergangen, wenn er den Vorschlag gemacht hätte, die Kasse für Urlaubsgelder der Mitglieder in Anspruch zu nehmen? Stürme der Empörung wären ihm entgegengebraust, wie er es wagen dürfe, die Verpflichtungen der Unternehmer aus dem Kampffonds der Arbeiter abzulösen. Heute können sie sich dagegen nicht wehren. Noch nicht. Diejenigen, clie zu Anfang diesem Sozialismus-Truge verfielen, beginnen sehend zu werden. Zuerst aus dem einfachen Grunde, weil sie zählen können. Wo früher ein Gewerkschaftssekretär war, sind heute überall drei oder vier, mit hohen SA.-Graden. aber in erschreckender Unwissenheit gegenüber den täglichen Fragen der Lohnpolitik, des Arbeitsrechts, des Versicherungswesens. Begegnen die Arbeiter heute einem ihrer früheren gewerkschaftlichen Vertrauensleute auf der Straße, so drücken sie ihm verstohlen die Hand, manchmal etwas schuldbewußt, wenn sie früher mit dabei waren, auf den„Bonzen" zu schimpfen. Heute wissen sie nämlich erst, was das ist. Heute sehen sie in den Autos der neuen deutschen Volksgemeinschaft den echten sozialistischen Opferdienst der Soldaten der„nationalen Revolution". Ihre Gasentwicklung ist noch stark. Aber die Furcht vor der Panne ist schon da. g u s, Aklive Kommunisten 33 Personen in Erfurt verhaftet Erfurt, 16. Mai. Nach wochenlangen Beobawrunaen und Ermittlungen der Staatspolizeistelle Erfurt erfolgte^ Nacht zum Mittwoch ein Zugriff auf die illegale kommu. nl,ti,che Organisation. Nachdem zunächst am 16. Mai abends em von Berlin nach Erfurt entsandter Sonderfunktionär der KPD. bei einem Treffen in einer der stäbtischen Anlaaen festgenommen worden war. wurde in der Nacht unter Sin,n- ziehung von Kriminalpolizei. Feldjägern und SS der «chlag gegen die illegale Bezirksleitung ausgeführt Er war von vollem Erfolg. Sämtliche Funktionäre der Leituna die Funktionäre der Nebenorganisationen und der Vertriebs- stelle für illegales Propagandamaterial sowie ein größerer Personenkreis, der das isseaale Material vertrieb insaesawt 33 Personen, darunter drei Frauen, wurden jestgenomme^ Deutschlands Wirtsdiaftsftatastroplicwädist Hohe Einfuhr, sinkende Ausfuhr— Erhöhte passive Handelsbilanz Das Deutsche Nachrichtenamt meldet: Berlin, 16. Mai. Im April 1934 betrug die Einfuhr 893 Millionen NM. Sie ist demnach gegenüber dem Bor- monat unverändert. Nach der Saisontcndcnz war eher eine Steigerung der Einfuhr zu erwarten.. Die R o h st o f f e i n- fuhr st i e g von 244,7 auf 233 Millionen RM. Die Einsuhr- verböte für eine Reihe von Rohstoffen haben sich somit in der Einfuhr des Aprils noch nicht ausgewirkt. Die Einsuhr hat gerade bei einigen der von diesen Verboten betroffenen Waren wieder stärker zugenommen, so insbesondere bei Wolle und Metallen. Die Einkaufsverbote konnten sich im April noch nicht auswirken, weil regelmäßig zwischen Einkauf und Einfuhr eine Frist von mehreren Wochen oder gar Monaten liegt. Die Einsuhr vonLebensmit- t e l n und Getränken ist hingegen von 87,5 aus 79 Millionen RM. zurückgegangen. Es ist dies eine Rück- Wirkung aus die verhältnismäßig starke Zunahme der Lebensmitteleinsuhr entgegen der Saisontcndcnz im Bor- monat. Die Fcrtigwareneinsuhr hielt sich etwa aus der Höhe des Bormonats, Die Ausfuhr ist mit 316 Millionen RM. um 85 Mil- livnen RM. gegenüber dem Bormonat, d. h. u m 21 P r o- zent, gesunken. Mit einem Rückgang war saisonmäßig zu rechnen. Die Verminderung war jedoch min- Kestens doppelt so stark wie im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Zum Teil ist die Verminde- rung als eine Rückwirkung auf die verhältnismäßig starke Aussuhrsteigcrung im März zu betrachten. Der Rückgang hat sich besonders stark bei der Fertigwarenausfuhr geltend gemacht. Diese ging zurück von 313,1 auf 239,5 Millionen RM. Die Ausfuhr von Rohstoffen und halbfertigen Waren sank gleichzeitig von 72,1 auf 65,7 Millionen RM. und von Lebensmitteln und Getränken von 13,4 auf 19,4 Millionen RM. In erster Linie beteiligt waren an dem Rückgang der Fertigwarenausfuhr Textilwaren, chemische und pharmazeutische Erzeugnisse und Maschinen. Der Einfuhrüberschuß betrug demnach 82 Millionen RM. In den ersten vier Monaten des Jahres 1934 betrug der Einfuhrüberschuß 135,8 Millionen RM In Gold und Silber betrug in den ersten vier Monaten 1934 der Ausfuhrüber- schuß 162,6 Millionen RM. Jfommimlsr Erldi Sdiolzc Das Mysterium des llandgranaienansdiiags unter den Linden Ein neuer van der Lahde Berlin, 18. Mai. Heute vormittag begann vor dem Ber- liner Sondergericht der Prozeß gegen den 31jährigen Kom- wunisten Erwin Schulze, der beschuldigt wird, am 21. März Unter den Linden aus einem Tachraum eine Handgranate auf die Straße geworfen zu haben. Zu der Bcrhandiuna find vier Sachverständige und 79 Zeugen geladen. Gleich zu Beginn der Verhandlung fragte der Borsitzende den Angeklagten, ob er die Handgranate geworfen habe. Der Angeklagte antwortete mit„I a" und„I awoh l". Der Vorsitzende, der sodann daraus hinwies, daß das Schicksal den Angeklagten vor etwas ganz Schlimmem bewahrt habe, da mehrere Menschen dabei hätten den Tod finden können, forderte Schulze auf, ein volles, wahres Geständnis abzu- legen, denn seine Schilderungen vor der Polizei könnten nicht der Wahrheit entsprechen. Der Angeklagte erklärte, die volle Wahrheit sagen zu wollen, und begann anschließend mit der Schilderung seines LebenSlanses Er habe zuerst Mechaniker oder Motorenschlosser werden wollen, aber die Lehrstellen hätten ihm nicht behagt. Er er- zählte weiter, wie er aus die Wanderschaft gegangen und schließlich in Konstanz in eine Minenwerscrkompag- nieder Reichsmehr eingetreten sei. Er habe enderthalb Jahre gedient, will aber,.niemals Uebungen mit scharfen Handgranaten mitgemacht haben. Bei einer Krastfahrabtei- lung in Jüterbog, zu der er sich habe versetzen lasien, sei er unerheblich dreimal mit Mittelarrest bestraft worden. Im Juni 1928 sei er von der Strafkammer in Potsdam wegen Ungehorsams, tätlichen Angriffs auf einen Vorgesetzten und unerlaubter Entfernung vom Heere zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Nach feiner Entlastung aus dem Militärdienst habe er geheiratet. Er habe zwei Kinder. Zufällig habe er eine Arbeit als Maler bekommen. Aus der Arbeitsstelle habe er ein Mitglied des Notsrontkämpser- bundes kennengelernt. Uebungen und Aufmärsche habe er sich einige Male angesehen, ohne sich jedoch aktiv daran zu beteiligen. Vors.: Dann sind Sie aber der KPD. beigetreten. Haben Sie sich dort besonders betätigt? Angeklagter: Ich habe für die KPD. Zettel ausgetragen, Plakate gemalt und geklebt. Häufig habe ich Versammlungen besucht.- Auf eine Frage des Vorsitzenden, ob er nicht gesagt habe: „Wir wollen ein SA.-Lokal stürmen/' will sich der Angeklagte daran nicht erinnern. Im Jahre 1932 sei er aus der Partei ausgetreten wegen Unterschlagungen, die dort vorgekommen seien. Er habe sich dann für eine„n a t i o n a l- k o m m u- n i st i s ch e Bewegung" interessiert. Ucber den Umschwung in Deutschland habe er sich keine Gedanken gemacht, da er das Programm der Nationalsozialisten gar nicht gekannt habe. Bevor der Vorsitzende nun zur Erörterung des Tat- bestandcs übergebt, ermahnt er den Angeklagten nochmals dringend, die Wahrheit zu sagen. Schulze erklärt, das, er für seine Firma Renovierungsarbciten im Hause Unter den Linden 76 ausführte. Zur Zeit der Tat habe er die Jalousien des Dachraumes in dem Hause ge- strichen. Der Angeklagte, der bisher alle Fragen flüssig und klar beantwortet hatte, beginnt nun vor jeder A n l- wort lange zu überlegen. Als er erwähnte, baß er den Boden des Hauses durchstöbert und dort Bücher unv Zeitungen gefunden hätte, fragte der Vorsitzende den Ange- klagten, ob er dabei noch etwas anderes gesunden habe. Ter Angeklagte schweigt minutenlang. Auch aus den Hinweis des Vorsitzenden, daß er die Hand- g r a n a t e doch irgendwo gefunden haben müsse.^ivenn er selbst zugebe, sie herabgeschleudert zu haben, g i b t s ch-u l z e keine Antwort. Der Angeklagte widerruft Vors.: Es scheint mir last, als ob Sie doch mit irgendeiner Wahrheit hinter dem Berge halten, als ob Sie noch etwas zu erklären haben, was Sie bisher nicht gesagt haben. Nach langem Schweigen bricht der Angeklagte plötzlich m Tränen aus. Er ruft mit lauter Stimme:„Das ist die Wahrheit, daß ich es nicht getan habe. Bestrasen Sie mich nur sür meinen Schwindel. Die Handgranate habe ich nicht geworfen. Es war nur eine Angftlüge von mir. Jetzt liege ich drin. Keiner glaubt mir. Wenn ich die Handgranate ge- worsen hätte, würde ich es zugeben. Ich bin in eine Sache verwickelt worden, mit der ich gar nichts zu tun habe. Der Vorsitzende weist den Angeklagten jetzt sehr ernst und eindringlich daraus hin, daß er doch sechs Geständnisse ab- gelegt und dabei Einzelheiten angegeben habe, die nie- wand wissen könne als diejenige Person, die die Handgranate geworfen hätte. Auch zu Beginn der heutigen Verhandlung habe er doch ohne jede Beeinflussung ein klares Geständnis abgelegt, ebcniv wie seinerzeit vor der Polizei und dem Untersuchungsrichter. Der Angeklagte erwidert daraus nur. daß er während der Arbeit eine Detonation gehört habe und zunächst geglaubt° habe, eine Flasche sei geolatzt. Als er aui die Straße hinuntcrgeeilt sei. habe er die Polizei stehen sehen. Trotz eindringlicher Ermahnung blieb der Angeklagte bei de"> Widerruf seines Geständnistes. Nach kurzer Unterbrechung ber Verhandlung fragt der Vorsitzende den Angeklagten, der sich inzwischen mit seinem Ver^idiger beraten hat.„Nun. Schulze, was sagen Sie jetzt?" Der Angeklagte schweigt. Sein Verteidiger gibt hierauf die Erklärung ab. daß es ihm nicht gelungen sei. aus dem Angeklagten eine eindcutiae Erklärung herauszubekommen. Vors.:„Ich habe das Kelübl. als wenn da? Geständnis zwar stimmt, der Angekla-»»«' letzt nur Angst davor hat, die Einzelb-iten der Tat zu schobern." Der Angeklagte bleibt aber bei seiner Darstellung, daß er nach der Detonation aus die Straße aelauien sei, obwohl der Vorsitzende ihn darauf hinweist, daß die Maurer, die im zweiten Stock des Hauses gearbeitet hätten, ausgesagt hätten, daß der Angeklagte nicht auf die Straße gelaufen sei... Unglück der Reichsbahn Drei Tote bei Langwedel Verden, 16. Mai. Bei einem schweren Eisenbahnunglück bei Landwetcl bei Verden sind drei Tote zu beklagen, und zwar der Lokomotivführer, der Heizer und die Warrefrau oes Unglückszuges Ihre Namen sind noch nicht bekannt. Außerdem wurden neun Passagiere verletzt, darunter wahr- scheinlich vier schwer. Einer der Verlebten konnte bereits aus dem Krankenhaus entlassen werden. Der D-Zug 131, der sich aus der Fahrt von Bremerhaven über Bremen nach Dresden befand, ist wahrscheinlich in- tolge zu hoher Geschwindigkeit aui dem Bahnhof Langivedel entgleist. Leider ist es bisher trotz größter Anstrengungen noch nicht gelungen, den Lokomotivführer und den Führer des Unglückszuges zu bergen, da sie in dem zusammen- gedrückten Lokomotivführerstand eingepreßt sind und die zu- lammengedrückten Teile erst auseinandergeschweißt werden müssen. Die Waaen des Zuges sind völlig ausgebrannt. Zum Glück war der D-Zug nicht sehr stark besetzt, sonst hätte das Unglück leicht größere Ausmaße annehmen können. Der Verkehr auf der Strecke wird durch Umsteigen aufrecht- Severing Angebliche Erklärungen in einer belgischen Zeitung Das bekannte katholische Blatt„Libre Belgigüe" ver- önentlicht eine Unterredung, die sein Berliner Korrespoi- dcnt telefonisch mit dem in Bielefeld wohnenden »rüheren sozialdemokratischen Minister Severins geführt hat. Severing weigerte sich anfangs, Erklärungen abzn- geben, da er schon zu sehr im Mittelpunkt des Interesses gestanden habe und die Aerzte ihm jegliche Erregung unter- Vier Tote in Pforzheim Karlsruhe, 17. Mai. DonuerStagmorgen gegen 6.86 Uhr fuhr im Bahnhof Pforzheim eine Rangierloko- motive dem einfahrenden Personenzug 2862 Mühlacker— Pforzheim in die Flanke. Dabei wurden drei Personenwagen ausgerissen, ein weiterer stark beschädigt. Durch den Zu- sammenstoß wurden vier Reisende getötet und, soweit bisher festgestellt wurde, 16 Personen schwer verletzt. Außerdem gab es eine größere Zahl Leichtverletzte. Alsbald nach dem Unsall trafen mehrere Aerzte und die Janitätskolonne Pforzheim zur Hilfeleistung ein. Die Ber, letzten wurden teils mit Krankenautos, teils mit deu sonst reichlich zur Verfügung stehenden Kraftwagen ins«rauken- haus gebracht, einige der Leichtverletzte» unmittelbar in ihre Wohnung Der Sachschaden ist nicht unerheblich. Die Uuter» suchung ist eingeleitet. jagt hätten. Er habe daher nur den einen Wunsch, baß man ihn in Ruhe lassen möge. Nach einigem Zögern ließ er sich aber doch zu der-est- stellung bewegen, daß er für immer der Politik Lebewohl gesagt habe und daß die vielbesprochene B r o s ch ü r e, in der er sich angeblich zum Nationalsozialismus bekannt habe, eine„Erfindung ber Saarbrückcr Kommu- nisten" sei, die ihm einen häßlichen Streich spielen wollt, t. Er habe allerdings mit der Abfassung einer Broschüre be- gönnen, aber es sei sehr die Fräge. ob sie jemals er,»einen werde. Seine einzige Sorge sei die Wiederherstellung seiner Gesundheit. Seit Jahren kenne er schon keinen richtigen Schlaf mehr. Arn 27. Mal- tagt der Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz Barthou und Henderson dementieren Genf. 16. Mai. Die Nachricht der„United Preß" über die angebliche Bertagung der Abrüstungskonferenz aus unbe» stimmte Zeit ist vom französischen Außenminister Barthou energisch dementiert und als reine Erfindung bezeichnet wor- den. Die gleiche Auskunst gibt auch das Völkerbunds- sekretariat. London, 16. Mai. Der Präsident der Abrüstungskonferenz, Henderson, dementierte am Mittwochnachmittag persönlich das Gerücht, daß er von d?r Präsidentschaft der Abrüstungs- konferenz zurückgetreten sei.' Henderson wird voraussichtlich am Freitag in einer Woche nach Genf abreisen. Havas meldet aus Genf: Die im Auslande verbreitete Information, wonach die gegenwärtig in Gens durch Bar- thou. Eden und Aloisi vertretenen Großmächte beschlossen hätten, die Abrüstungskonferenz zu vertagen, entbehrt jeder Grundlage. Vor allem ha, Barthou bei einem Frühstück, daS ihm zu Ehren am Mittivoch von der angelsächsischen Presse gegeben worden ist, bestätigt, daß der Hauptausschutz der Abrüstungskonferenz am 29. Mai in Genf zusammen- treten wird, und daß er an dieser Sitzung teilnehmen werde. Ohne übertrieben optimistisch zu sein, so fügte Barthou hin- zu, glaube er doch hoffen zu können, daß die Abrüstungs- konferenz den Weg zu einem günstigen Abschluß werbe ein- schlagen können. Abrüstungsbotschaft Poosevelts Washington, 16. Mai. Im Weißen Hause wurde am Mitt- woch bestätigt, daß Präsident Roosevelt und Staatssekretär Hull an einer Botschaft arbeiten, die Norman Davis in Genf verlesen soll und in der der Standpunkt der amerikanischen Regierung in der Abrüstungsfrage noch- mals genau umrissen werden wird. Präsident Roosevelt erwägt ferner die Sendung einer for- Mellen Botschaft an den Kongreß über die kriegstreiberische« Machenschaften gewisser Stellen der Rüstungsindustrie. Be- kanntlich hat der Bundessenat zur Zeit bereits begonnen, die Geschäfte der amerikanischen Kriegsmaterialfabrikanten sorgfältig zu untersuchen. Es steht daher noch nicht fest, ob Roosevelt das Ergebnis der voraussichtlich mindestens ein halbes Jahr dauernden Untersuchung abwarten oder ob er noch vor Ende der jetzigen Tagung seine Ansichten über diese Frage bekanntgeben wird. Rußland und Gcnl Paris. 17. Mai. Zu der Frage des beabsichtigten Eintritts Rußlands in den Völkerbund schreibt der Genfer Sonder- berichterstatter des„Exeelsior". die Angelegenheit sei an und für sich schon ziemlich weit vorgeschritten, es sei aber noch eine Reihe von Schwierigkeiten zu überwinden, die mit anderen Gebieten liegen. Rußland müsse nämlich zunächst einmal de jure von der schweizerischen Regierung anerkanin werden, weil der Völkerbund aus schweizerischem Gebiet sich befinde. Die eigentliche Lösung de» Beitritts Rußlands zum Völkerbund, die sür den europäischen Frieden von großer Bedeutung sei. liege deshalb weniger in Moskau als in Bern. SfalUMiRfOhrer ,erstatte! „Besonders krasser Fall" Essen, 16. Mai. Wie die„Nationalzeitung" erfährt, ist der Landesverbanbsführer Westmark des NSDFB.«Stahlhelm» Goernemann, Düsseldorf, in Schutzhaft genommen worden. * Die„Essener Nationalzeitung" erklärt dazu:„Ueber die Gründe dieser außerordentlichen Maßnahme verlautet om- ziell nichts. Doch wird man wohl kaum sehlgehen in der Annahme, daß es sich hier um einen besonders krassen Fall der— in dem Ausruf des Stabschefs gekennzeichneten— feindlichen Einstellung weiter Kreise deS NSDFB. bandelt. Bereits seit längerer Zeit ist hier gerade im Westen in einzelnen Formationen des früheren Stahlhelms eine ans- gesprochene Reaktion festzustellen, die sich vor allem in wüsten Beschimpfungen und Beleidigungen dr Männer äußert, die in ehrlicher Ueberzeugung schon sehr frühzeitig ein Ausgehen de? Stahlhelms in der SA. befürwortet und eingeleitet haben." Pas Neueste Ueberschwernrnungen in Norditalien dnb. Mailand, 17. Mai. Am Mittwoch richteten Sturm und und Wolkenbruch in ber Gegend von Novara im nördlichen Italien große Schäden an. Die Reis- und Getreidefelder sind weithin in einen Tee verwandelt. Viele tiefliegende Ortschaften sind vom Wasser völlig eingeschlossen. Häuser und Ställe stehen bis zur Hälfte im Wasser. Auf der Strecke Novarro—Varallo wurde aus 690 Meter der Bahndamm völlig zerstört. Alle Gebirasslttsse führen Hochwasser und haben an den anliegenden Straßen und Feldern große Ver- heerungen angerichtet. Zahlreiche Brücken sind fort- geschwemmt. Milliz. Polizei und Pioniere sind ausgeboten, um der Bevölkerung die erste Hille zu leisten. In Treviso wurde ein Kind, in der Nähe von Bergamo eine junge Vieh- Hüterin vom Blitz erschlagen. Der Sachschaden wird aus rund 4—5 Millionen Lire geschätzt. * Der belgische Außenminister Hymans traf zu einem kurzen Besuch in London ein. Er hat aus dem Foreign Office eine Zusammenkunft mit Sir John Simon gehabt. In einer Unterredung mit Pressevertretern erklärte er. seine Be- spreckmng mit Simon sei privater Art und betreffe allgemeine politische Fragen sowie die Aussichten der Abrüstungs- konferenz. Das Küstenwachtschifs.Mendotu« berichtet, daß eS in der Nähe der Grand Banks iu der Nähe der Schiffahrtswege nicht weniger als 74 große Eisberge gesichtet habe. Ferner wurden unter der Meeresoberfläche Eisberge u»d große Stücke von Treibeis beobachtet. Den Schissen ist an- geraten worden, mit verminderter Geschwindigkeit zu sahren und doppelte Ausguckposten einzurichten, bis sie die Ge» fahrenzone hinter sich haben. . JSf, m ,?t r6äro bat am Mittwoch beschlossen, einige Mitglieder zu beauftraqe», sich mit dem Büro des Senats über die Höhe eiues freiwilligen Beitrages der«bge- ordneten und Senatoren am allgemeinen Sparprogramm der 00 W wahrscheinlich, daß die srau- »öfischen Volksvertreter von sich aus auf 16 Prozeut ihre» Diäten verzichten werden. Die Saarprobleme in Oeni Festsetzung der Abstimmung erst im September Die deolsdie Freiheilsfron! wird empfangen Geheime Sitzung Gens, 16. Mai. In Genf war am Mittwoch eine streng «geheime Sitzung des Völkerbundsrates mit den hier anwesenden vier Mitgliedern der Regierungskommission und den Mitglie- dern des Dreierkomitees, in der eingehend die Saarfrage besprochen wurde, und als deren Resultat bekannt wurde, daß das Dreierkomitee erneut beauftragt ist, dem Rat gemäße auf von der Regierungskommission geäußerte Ansichten und Forderungen Vorschläge zu unterbreiten, bei dem der Rat. man darf sagen einstimmig, auf dem Standpunkt steht, daß sowohl die freie, geheime und un- beeinflußte Abstimmung wie entspre- chende Garantien für die Sicherheit nach der Abstimmung restlos gewährleistet werden müssen. Die sogenannte„deutsche Front" hat mit ihrem Auf- treten hier selbst erneut ungemein schlecht abge- schnitten. Das ernsthafteste Weltblatt Genfs, das„Journal des Rat'ons", schreibt heute unter der Ueberschrift: „Gran Chaco und das Saargebiet" angesichts der von der sogenannten„deutschen Front" vor der Presse ab- gegebenen Erklärung unter andere», folgendes: „Es ist sehr interessant, daß die„deutsche Front" zugibt, daß ihr eine vorherige vom Rat zugestandene Amnestie unannehmbar erscheint. Die„deutsche Front" will die Gelegenheit, die Sa a r b e v ö l k e r u n g zu terrorisieren, nicht verlieren, indem sie den „Verrätern" nicht nur die Rocht der langen Messer verspricht, sondern auch Konzen- trationsloger, Zwangsarbeit und Todes- straf e!" Septembers Nur über die Garantieverpflichtungen wird jetzt entschieden... An der Geheimsitzung des Rates nahmen die vier in Genf anwesenden Mitglieder der Regierungskommission. Knox. Morize, Zoricic und Koßmann, teil. Im Laufe dieser wichtigen Sitzung, die eineinhalb? Stunde dauerte, gaben die vier Mitglieder der Regierungskommis- sion nacheinander ihre Ansichten bekannt. Bei ihren Dar- legungen zeigte sich, baß in einzelnen Punkten alle Mitglieder der Regierungskommission einichließlich Koßmann nn'* kommen übereinstimmten, in anderen Punkten zeigten sich geringe Meinungsverschiedenheiten und nur in>n, gen wenigen, allerdings wichtigen Fragen herrschte völlige Uneinigkeit zwischen Koßmann und seinen Kollegen. Koßmann hat sich wahrscheinlich gegen die Entsendung neutraler Polizeibeamtcn oder Truppen und gegen die Aburteilung politischer Bergehen während der Wahlperiode durch das Abstimmungsgericht ausgesprochen. Man vermutet, daß aus der jetzigen Tagung des Rates nur die Frage der Garantieverpili cht u n g e n>ür die Zeit nach der Abstimmung entschieden wird. Die Frage, mit welchen Mitteln die Ordnung wahrend des Wahlkampfes aufrechterhalten werden soll, wird dagegen wahrscheinlich erst im September geregelt werden, ebenso wie die Festsetzung des Ab- stimmungsdatums Inzwischen hat der vom Dreier-AuSschuß ernannte Sach- verständigenausschuß. der mit der Prüfung eines Wahlge- setzes beauftragt worden ist. seine Arbeiten beendet und seinen Bericht dem Dreier-Ausschuß vorgelegt. Empfänge der deutsdien Freihellsironl Der„Bolksstimme" wirb aus Genf gemeldet: Die Delegation der saarländischen Freiheitsfront, be- stehend aus Chefredakteur Mar Braun und dem Lanbesrats- abgeordneten Heinrich Lieser. Homburg, wurde heute vom Präsidenten des Völkerbundsrates Basconcolles. dem porm giesischen Ratsmitglied und außerdem von Außenminister Münch, dem Vertreter Dänemarks im Bölkerbundsrat. sowie vom chinesischen Ratsmitglieb Wellington Koo^im Lause ves Tages empfangen. Sämtliche genannten Mitglied» er kundigten sich eingehend nicht nur nach den Wunichen der freiheitliebenden Saarbevölkerung, sondern auch nach de Maßnahmen und Möglichkeiten, eine«"echte Ermllung d Vertrages in einer fre.en, geheimen und unb-einstuß e» Abstimmung durch Gewährleistung absoluter^"Hett' Leben und Eigentum aller wahrend und Jl tiun- Cö X« Zeit nach der Abstimmung zu erreichen! Die g«'nannten Ra- Mitglieder erklärten üb-r-inst.mmend. daß d e«ngelegen^ nach der Abstimmung und um'einer realen Garantie für die cretchen. nmend, l-_ -»«»!.»nd>-»- 0 ne'n nr> r:'! frf>en"»•••, gelegenheiten abgeändert hat, bin ich in der Lage, einige Beispiele anzuführen. Eine sozialistliche.^».ung palte e.n — übrigens äußerst geschmackloses—„Paternoster" ver- öffentlicht, das gegen die Person eines ausländischen Staats- mannes gerichtet war. Aus die Klage einer Privatperson hin und nach einer scharfen Anklagerede wurde der Redak- teur wegen Gotteslästerung zu einer Gefängnisstrafe ver- urteilt. Vor dem Obersten Gerichtshof stellt der Staats- anwali Antrag au» Freispruch, dem sofort stattgegeben wird. — Die Polizei beschlagnahmt bei einem nationalsozialistischen Buchhändler politische Druckschriften aufrührerischen Cbarak- ters- einige mit antisemitischem Einschlag. Freispruch in erster Instanz: Verurteilung in der Berufungsinstanz.— Eine Anzahl von zehn Personen— die politisch linksgerich- teten Parteien angehören- werden nach einer politischen Schlägerei eingeliefert: sie werden sofort unter Haftbefehl gestellt: auf Beschwerde setzt sie der Oberste Gerichtshof in Freiheit. „Manchmal kommt es vor. daß auch die Strafkammer von Saarbrücken sich gezwungen sieht, die Urteile der Schöffen- gerichle. die aus einem Richter und zwei aus der Bevöl- kerung entnommenen Beisitzern zusammengesetzt sind, aus- zuHeben. Ein Unschuldiger wurde am 31. August 1933 durch das Schöffengericht von Ottweiler wegen verbotenen Waffentragens verurteilt. Der einzige Beweis war die Aus- sage eines Individuums, das vorgab, bei einem Zusammen- stoß mit dem Angeklagten„in dessen Tasche einen Gegen- stand gespürt zu haben, der ihm ein Revolver zu sein schien". Es handelte sich jedoch um eine Pfeife. Der Angeklagte wurde zu drei Monaten Gefängnis ohne Aufschub verurteilt. Seine vorläufige Hastentlasiung wurde durch den Obersten Gerichtshof in Saarlonis erst»ach Z3tägigcr Haft angeord, net Am 13. November spricht ihn. in der Berusungsinstanz, die Strafkammer von Saarbrücken frei, ohne erst in die mündliche Verhandlung einzutreten. „Ein französischer Bergmann ist angeklagt, einem seiner Kameraden mit der Entlassung aedroht zu haben wird verklagt und am 31. Oktober 1933 durch ein anderes Schöffen- gerichl zu drei Monaten ohne Aufschub verurteilt mit einer scharten Urteilsbegründung. Er wird sofort in Haft gehalten. In der Beru»'ungsinstanz jedoch spricht ihn die Strafkammer von Saarbrücken frei. Dieser sranzösifche Arbeiter hat nichts- destoweniger ,2 Tage im Gefängnis zugebracht, da seine vorläufige Hastentlasiung erst am 11. November angeordnet worden war „Ich habe schon Gelegenheit gehabt, einige Fälle anzu- führen, in denen Taareinwohncr französischer Staats- angehörigkeit Opfer von Rechtsirrtttmern geworden find. Es sei mir noch erlaubt von einer Sache zu sprechen, in der der Richter so sehr seine Pflicht verletzt hat, daß gegen ihn eine Untersuchung schwebt. Ein Bergarbeiter, der die französische Staatsangehörigkeit erworben hat, ivar aus politischen Gründen von einem Arbeiter mit Ausdrücken»oic„Verräter, Schuft, wir werde« mit dir abrechnen 1933", beleidigt sowie auch mißhandelt worden. Er reicht Klage ein. Ein Schöffengericht ist mit der Sache besaßt. Der Richter verhört den Angeklagten mit offensichtltcher Sympathie: Dieser, von einem Teil der Zuhörer unter, stützt, hält eine politische Rede, in deren Verlaus er aufs ueue den Kläger beleidigt, ohne daß der Richter es für nötig hält dazwischenzutreten Er scheut sich nicht vorzu- schlagen, die Angelegenheit bis 1933 zu vertage«, und der Richter überbietet ihn mit den Worten:„In diesem Falle wird die Verhandlung in einem Konzentrationslager statt- finden." Dagegen wird der Kläger in drohendem Ton vernommen. Der Staatsanwalt erwähnt in seiner Anklagerede die polltische Einstellung des Klägers, um die Schuld des Angeklagten abzuschwächen. Er bean- tragt für die Beleidigungen und Mißhandlungen die lächerlichen Strafen von 13 Fr. und 19 Fr. Daß Gericht beratet lange und verhängt Geldstrafen von 13 Fr. und 39 Fr. und im Hinblick aus die Tatsache, daß der Kläger die französische S t a a t S a n g e h ö r ig, keit erworben hat, gibt das Gericht dem Urteil folgende Begründung:„Der Angeklagte kann wegen deß Ausdrucks „Saarbündler" nicht bestraft werden. Das gleiche gilt auch von dem Wort„Verräter", da auch der in diesem Wort liegende Vorwurf nach der Aussasiung der deutschen Saar, gebietsbevölkerung. von der aus die Sachlage beurteilt werden muß. auf Grund der Tatsache, daß G„ vermutlich um materieller Borteile willen, seine Zugehörigkeit zum deutschen Volk« ausgegeben..." Dieser Text offenbart eine unannehmbare Geistes- Verfassung. Der Friedensvertrag hat den Bewohnern des Saargebietes das Recht zuerkannt, eine andere Staats- angehörigkeit zu erwerben. Die Regierungskommission hat festgelegt, daß alle Einwohner des Saargebietes, welches auch ihre Staatsangehörigkeit sei, vor dem Gesetz gleich sind. Man muß es als eine wahre Rebellion dieses Gerichts be- zeichnen, wenn dasselbe annimmt, daß in einem Abstimmungsgebiet ein Einwohner, der Franzose wird oder sich öffentlich gegen die Rückkehr des Taargebietes an Deutsch- land ausspricht, ein Verräter genannt werden kann. Ich könnte noch verschiedene andere Urteile vorbringen, die weniger unvorsichtig in ihrer Form sind, aber von der gleichen Einstellung zeugen Diese Beispiele, in denen Franzosen die Leidtragenden waren, würden genügen, um die Befürchtungen meiner Landsleute, die im Saargebiet wohnen, zu rechtfertigen. Die'e erinnern sich aber auch, mit welcher erstaunlichen Eile oftmals Haftbefehle erlassen oder sonst Versahren ein- geleitet werden, mit welcher Langsamkeit hingegen wiederum Polizei- und StaatöanwaltschastSbchördcn Strafsachen, allzuoft erfolglos, verfolgen, wenn Franzosen die Opfer waren Ich weiß, man kann jeden einzelnen Fall zu erklären suchen, insbesondere mit dem Bemerken, daß eine Mitwirkung oder ein Zusammentreffen unglücklicher Umstände vorliegt. Aber gewisse Zufälle, die sich oft wiederholen, werden verdächtig selbst in den Augen der am wenigsten Eingenommenen. Meiner Ansicht nach ist eß unbedingt notwendig, die p o l i, tischen B erbreche» und Vergehen der Zu- stäudigkeit der lokalen Gerichte zu entziehen — besonders der Zuständigkeit deS Schwurgerichts sdenn, was für die Tchössengerichte gilt, in denen nur zwei nicht- richterliche Beisitzer Sitz u»d Stimme haben, trifft noch weit mehr aus die Geschworenenbauk zus. Je näher der Zeitpunkt der Volksbefragung heranrückt, desto mehr erscheint es mir eine Forderung der elementarsten Gerechtigkeit zu sein, allen der Gerichtsbarkeit Unterworfenen diese Beruhigung zu sichern. Man kann nicht, ohne eine schwerwiegende Verantwortung auf sich zu laden, den Bewohnern des Saargebietes und unter ihnen den Tausenden von Franzosen, deren Ehre und Freiheit auf dem Spiele stehen, diese Garantien vorent- halten." Stellungnahme der übrigen Regierungsmitglieder sunt Ausnahme des Herrn Koßmanns Die übrigen Mitglieder der Regierungskommission, mit Ausnahme des saarländischen Mitgliedes, halten es kür not- wendig, ihrerseits folgende Bemerkungen hinzuzufügen: „In bezug auf den pe«nlichen Gewissenskonflikt, dem unter den augenblicklichen Verhältnissen im Saargebiet ein rein deutscher Richterstand ausgesetzt ist, teilen sie die Ansicht ihreß französischen Kollegen, ohne indessen alle Schlußsolgerungen, die ißr Kollege aus dieser Sachlage zieht, sich zu eigen mache« zu wollen. Sie erkennen gleichfalls an, daß gewisse Richter manchmal in bedenklichem Maße ihre Pflicht zur Unpartei- lichkeit verletzt haben. Eine große Anzahl Richter hat in- dessen uuter diesen schwierigen Verhältnissen eine um so ver- dienstvollere Objektivität zu wahren gewußt." „Als die Regierungskommission mit einem Vorschlag auf Einsetzung von Sondergericht-n für politische Angelegenheiten besaßt wurde, hat ihre Mehrheit die Ansicht vertreten, daß sie sich in normalen Zeiten nicht für eine Maßnahme von solcher Tragweite entscheiden könne, es sei denn, daß die in Abänderung der erstinstanzlichen Urteile ergehenden Berusungsurteile des Obersten Gerichtshofes die unbe- dingte Notwendigkeit hierzu erweisen. Dagegen hält sie ihren Standpunkt ausrecht, den sie bereits dem Ausschuß des Hohen Rates bargelegt hat, wonach es für die Ab- stimmungsperiode angebracht wäre, dem Ab- stimmungsgericht die Befugnis zur Abur- teilung in erster Instanz aller in unmittel- barem Zusammenhang mit der Rolksab, stimmung stehenden Vergehen oder Ver, brechen zu übertragen, und zwar ebensosehr im Interesse der deutschen Richterschast selbst als zur Wahrung einer unparteiischen Abstimmung." Das saarländische Mitglied, Herr Koßmann Das saarländische Mitglied, Herr Koßmann, gibt zu dem Sonderbericht des Herrn Morize eine eigene Stellung- nähme, in der er— ohne auf Einzelheiten einzugehen— sich einig erklärt mit Morize in der Auffassung, daß deutsche Richter und Beamten überhaupt sich „i n einer sehr schwierigen Situation be- finden, in der es zu unangenehmen wisse nskonflikten kommt". Er führt nicht aus den Hitlerismus mit'' Ge- t■- diese Lage «.,- seinen llnterdrückunaen und Gesinnungsterror zurück, sondern belastet den Friedens- oertrag damit. Nach Minister Koßmann ist aber die Obiet- tlvitat der Nichter nicht„in einem solchen Maße ae. zu der Einrichtung von Sondergerichteu fährdet greifen , daß man müßte." » Die Bemerkungen des Herrn Koßmann müssen die Tat» sachenfälle des Berichts des Herrn Morize zugeben, ver- suchen nur dieselben abzufchwächen und alle Argumente aufzubieten, damit ja keine Sondergerich'e kommen und der von Herrn Morize vor aller Welt mit Recht als unmöglich charakterisierten merkwürdigen Rechtspflege im Saaraebiet ein Ende zu bereiten. Frauenprotest im„dritten Reich Ein Frauennothund gegen Erniedrigung und Verleumdung- Gegen männlichen Irrwahn- Ffir Frauenrechte und Freiheit »Man verlangt von der Frau, da» sie sich mit ilen Kräften für den Staat einsetzt, da» sie ihre steuern zahlt wie jeder Man»— es wäre ungerecht, venn unter denen, die Über die Verwendung dieser Steuern zu beraten haben, nicht auch Kranen sähen... Seit einigen Jahrzehnten beginnt die Frau wieder zu erwachen, und dieser Prozeß wird unaufhaltsam fortschreiten, wie man sich ihm auch cntgegenstemult." Woher stammen diese Sätze? Ans einer Denkschrift des 1S65 gegründeten„Allgemeinen Deutschen Fraucnvereins"? Aus einer demokratischen Frauenbroschüre des Zweiten Reiches? Ans einem verbrannten Frauenbuch? Nein! Sie sind wortgetreu einer Denkschrift n a t i o n a l s o z i a- l i st i s ch e r Frauen„an den Kanzler des Deut- s ch e n R e i ch c s, H e r r n A d o l f H i t l c r, n n d an den Vizekanzler, Herrn Franz von Papen," cnt- nommcn. iBerlag Adolf Klein, Leipzig,'»>. Auslage, 108-1.) Was geht vor? Hat sich, dem Psarrernotbund vergleichbar, nun auch ei«„F r a u e n n o t b u n d" gebildet? Beinahe, nur nennt er sich nicht so, er nennt sich vorsichtshalber gar nicht, verfugt aber über eine eigene Monatszeitschrift„D i e Deutsche Kämpfer!n", die von Frau Sophie Rogge-Börner, Berlin, herausgegeben wird und in dem gleichen Verlag erscheint wie die oben erwähnte Denk- schrift. Diese nationalsozialistischen Wählerinnen sind enttäuscht und beginnen, sich das einzugestehen. In der Denkschrift heißt es: Auch die junge nachdenkende Frauengeneration beginnt bereits mit Unbehagen zu fühlen, da» sie einem seit- s a m e n männlichen Frrwahn gleichzeitig Vorschub geleistet hat, als sie ans höchstem nationalem Empfinden heraus die aktiven Träger der Befreiung des deutschen Volkes zu unbeschränkten Herren ihres eigenen Schicksals erhob, damit aber auch zu Herren des gesamten Volts- sthicksals... In einer wirklich unbefangenen Wertung der Frau ist man noch kei neu Schrittvorivärts,aber viele zurückgegangen. Da» die intelligenteren nationalsozialistischen Frauen jene Wcibchcnrollc, die man ihnen im„dritten Reich" zudenkt, entrüstet ablehne», ist mehr als verständlich— weniger vcr- ständlich erscheint es, daß sie von der Entwicklung offenbar überrascht wurden, daß sie nicht vorher Bescheid wußten, daß sie einer Partei in den Sattel halfen, die weder weib- liche Vertreter ins Parlament schickte, noch der Frau in ihrem Programm auch nur mit einer Silbe gedachte. Nun es zu spät ist, dämmert die Erkenntnis, hebt ein großes Kla- gen a», ja, die um mehr als ein Fahrhundert Znrückgewor- fenen besinnen sich sogar dankbar auf die Verdienste der „alten"— gegenwärtig in Teutschland arg beschimpften— Frauenbewegung. Lob der 14 Jahre! Eine der Schreibcrinnen wagt sogar, die Mär von den »14 Fahren Mißwirtschast" anzutasten, wenn sie bekennt: Es ist nicht w a h r, daß die Paria men- tarierinnen nichts geleistet hätten. Sie haben das geleistet, was unter den gegebenen Verhältnissen ge- leistet werden konnte, und es liegt kein Anlaß vor, sie zu beschimpfen... Auch das„dritte Reich" hat es ihnen gedankt, indem es einen Teil von ihnen in Kerker und Konzentrationslager schickte, andere ins Ausland oder in den Selbstmord hetzte. Fn der Tezember-Nummer der„Deutschen Kämpferin" fand Dr. Margarete Adam gleichfalls scharfe Worte: Die Frau, die der„Drccklinie des politischen Kampfes" entzogen werden soll, ist heute in eine Drecklinie der Verleumdung gezerrt, der sie zu keiner Zeit deutscher Vergangenheit bisher preis- gegeben war. Sie hat der Politik der letzten 14 Fahre in ihren leider nur viel zu wenigen Vertreterinnen schlag- fertigste, fleißigste nnd sachkundigste Mitarbeiter geliefert. Die Frau im öffentlichen Leben Wir geben den»ationalsozialisti'chen Frauen selbst das Wort, denn sie müssen ja am besten misten, ivie es in ist rem Staate aussieht: Irmgard Reichenau(in der Denkschrift): Selbst in den ihnen als arteigen zugebilligten Arbeits- gebieten dürfen die Frauen heute nicht Führerinnen sein.. FraneniverkistmänncrbcstimintcsWcrkge' worden... F n keinem Ministerium ist eine F r a u a n m i t l e i t c n d c r S t e l l e, k e i n c a m A u s- wältigen Amt. Weibliche Tchullcitcrinncn werden in c h r und mehr durch>n ä n n l i ch e er- setzt... Damit, daß man die Frau aus allen einfluß- reichen, gcinige Anforderungen stellenden Aemtern ans- schaltet, stempelt man sie automatisch zu etwas Minder- w e r t i g cm und Unmündigem/... Zeiten, in denen der M a ch t>v i l l e, das Sch werr herrschte, drängten die Frauen zurück. Fn Zeiteil der G e d a n k c n h e r r s ch a f t traten sie neben den Mann: diese Perioden aber waren die Gc- st a l t e r höheren Lebens. Dr. Leouore Kühn sin der Denkschrift): Es gibt heute offenbar keine Frauen mehr in Deutsch- Tauft, nur noch Männer, denn sie haben scheinbar keine Meinung mehr: man sorgt dafür, daß sie keine Meinung mehr haben! Sophie Philipps, Lehrerin sin der Denkschrift): Durch die Beschränkung untres Geschlechtes auf eine eng umfriedetes Weibchendasein ivird der Gcschlcchterkampf neu aufflammen, und bedrohliche Anzeichen da- für sind vorhanden... Nicht um unseretwillen, aber um derer willen, die nach uns kommen, rufen wir den st'ihrendcn Männern des neuen Teutschlands zu: „Weltanschauungen der Freiheit sind Schwingen, Weltanschauungen der Hörigkeit bleierne Sargdeckel!" Die Frau im Beruf Die Bilanz geht weiter. Wie steht e» um die Frauen» berufe? Läßt man die Frauen, die ans dem politischen Le- fcen verschwunden sind, wenigstens im kleinen Kreise wirken? Wir lassen auch hier Bertreterinnen der nationalsoziali- stischen Partei sprechen: Dr. med. Helene Börner s„Die Deutsche Kämpfen»", Februar 1084): Fetzt sieht man sich plötzlich vor die Notwendigkeit ge- stellt, etwas zu verteidigen, was man schon für sicheren Besitz hielt. Fa, es packt einen die Unruhe, eS könnten voreilige Hände das einreißen und zerstören, was zu» kunstverheißend gerade für die Frauenwelt eben erst ge» ivonnen nnd ausgebaut wurde... Dr. ph'l. Margarete Adam sin der gleichen Nummer der „Deutschen Kämpferin"): Fn der allgemein von männlicher Seite betriebenen Hetze gegen die berufstätige Frau, einer Hetze, deren Motive dem Manne einer besinnlicheren Zeit die Scham- röte ins Gesicht treiben werden, dürfte jeder Rekord durch eine gewisse breite Schicht männlicher Aerzte immer wieder geschlagen werden. ES konnte geschehen, daß in einer großen Medizinerknndgebung ein Arzt seinen weiblichen Kollegen zurief:. Nieder mit den Frauen!", ohne daß ihm von männlicher Seite dafür auf der Stelle die verdiente Zurechtweisung zuteil geworden wäre. Else Lüdcrs, ehemalige Demokratin sin der Märznummer der„Deutschen Kämpfen»"): . Fm Fahre 1903 ist den erwerbstätigen Frauen in allen Berufen, verheirateten und unverheirateten, durch den Kampf gegen die Frauenarbeit viel Unrecht zugefügt worden. Sophie Rogge-Börner(in der Denkschrift): Es nützt nichts, daß der t^rau auf dem Papier alle Berufe offenstehen, wenn alle Fnstanzcn im Staate und alle offiziellen Bcrnfsvertretungen ihr die Arbeitsplätze verweigern. Irmgard Reichenau sin der Denkschrift): Sonderbestimmungen im neuen Beamtcngesetz schalten die Frau in der Praxis aus. Fm Erbhosrecht wird das weibliche Geschlecht schwer zurückgesetzt. Man sagt zwar: „Tie Frau kann ja studieren"— aber der Mann, besten Einstellung heute nur zu klar liegt, bestimmt von Fall zu Fall, ob sie sich zum Studium eignet. Fall» er dies nicht findet, hat sie gar keine Aussicht auf Anstellung. Die Frau in der Familie Also: auch im Berussleben macht die Verdrängung der Frau erschießende Fortschritte. Bleibt die Familie, das „eigentliche Wirkungsfeld des deutschen Weibes". Hören wir, was nationalsozialistische Frauen dazu zu sagen haben, hören wir. ob der„Zerstörung des Familienlebens durch den Marxismus" nun endlich Einhalt geboten wird. Sophie Rcgge-Börn-r lin der Tczcmber-Nummcr der „Deutschen Kämpferin"):...„. Die reinsten und kindcrsreudigsten Frauen können allein da? denisthe Blut nicht hüten nnd nicht bewahren, wenn es von den zu keiner Verantwortung und keiner Vc- herrschung erzogenen Männern im vor- und nebcnche- lichen Leben verdorben und krank gemacht wird... Es stimmt eben nicht, daß„das Volk gesund ist, wenn d:e Frau gesund ist". Richtig beißt es:„Wird eine Volks- Hälfte morbide swie znr Zeit die männlichci. to geht daS ganze Volk unrettbar zugrunde." Darüber kann auch an noch so trotziges Zurschaustcllen muskulärer Klärte nur eine Zeitlang hinwegtäuschen. Frmgard Reichenau lin der Denkschrift): Der Mann ivird heute nickt iür, sonder aegen die Ehe erzogen... Ten Einfluß auf öffentliche Tinge, den man der Frau vorenthält, sucht sie sich hintenherum zu er- schleiche». Durch Häusliche Tyrannei rächt sich die.Unter- drückte für die außerhäusliche Ueberheblichkeit de* Mannes... Vündische Erziehung, Kameradschaftshäuser, Männerbünde, Sport, Kraft durch Freude, drohen durch Trennung der Gestlilechter da?.Familienleben zn zer- reißen. Fmmer weniger teilen die Ehegatten miteinander, immer weniger Einfluß behalten sie auf die Kinder und immer weiter bleibt die Frau im Schatten der Verein- samung zurück... Geht man diesen Weg weiter, so de- schränkt sich der Zusammenhang schließlich nur noch auf eine entseelte Geschlechtlichkeit. Dr. Leovore Kühn(in der Denkschrift):..^ ... Der ganze Muttcrkult ist unter solchen Umstanden nur Lippenkult, und der Sohn, auch der jüngste, lacht schon heute der Mutter„männlich" überlegen ins Gesicht, wenn sie und nickt ein Mann ihm auck Autoritär jein soll. Er zieht instinktiv für sich persönlich die Konsequenz aus ihrer ganzen öffentlichen Getnhrtcnstellung... Er betrachtet die Mutter als die selbstverständliche Dienerin seines Lebens und die Frau überhaupt nur als willige Erfülle- rin seiner Absichten und Wünsche. Bella Erdmann(in der Denkschrift): Wie aber steht e5 bei der Entwicklung der letzten Zeit um die Autorität der Mutter?... Kann es einem Kinde mit offenen Augen und Ohren entgehen, daß die Frau beute überall zurückgedrängt, ja herabgesetzt und in enge Schranken zurückgewiesen wird? Muß nicht in so einem Fungen der Eindruck entstehen, da» die Frau— nnd damit auch leine Mutter— minderwertiger ist als der Mann, törichter, enger, urteilsloser? Wir sollen unsere Töchter in dumpfer Ziellosigkeit auf- wachsen sehen, nur von der vagen Hoffnung lebend, viel- leicht doch einen Mann und Kinder zu bekommen. Gelivat ihnen das nicht, dann war ihr Leben verfehlt. Denn der menschlich-versönlicke Eiacnwert der Frau 4oll nur noch in ihrer Funktion alö Mutter bestehen. To sieht die„Neugestaltung und Festigung des Familien- lebend, so sieht die„Wiedergeburt der deutschen Frau" im „dritten Reiche" aus. Der F r a u e n n o t b u n d, der sich da in aller Stille, organisiert hat, ist bisher inner- und außerhalb der deutschen Grenzen noch wenig beachtet worden. Tie Frauen— vor allem ihre geistige Leiterin Rogge-Börner— berufen sich bei ihrem Kamps gegen die Entrechtung des Weibes immer wieder auf„germanische Ar t", auf die Geschichte des „germanischen Volke l", auf„germanische B l u t g e m c i n s ch a f t", die einen„sentimentalen Weib- lichkcitsbegriss" und eine„romantische M'.rttervereHrung" in keiner Weise vertagte, vielmehr seien Verirrungen dieser Art„orientalischen Ursprungs". Möglich, daß die ständige Betonung des lOOprozeutig Völkischen diesen Frauen einen gewissen Freibrief verschafft. Wahrscheinlicher ist es. daß man die ganze Richtung für ungefährlich hält, weil sich die Aufsätze und Aufruf« nur an lie bürgerliche Freu wenden und die Entrechtung der Arbeiter- klaffe, die nicht minder vollkommen ist, mit keinem Wort erwähnen. Daß in einem unfreien, versklavten, entwürdigten Volke die Frauen keine Sovdersreiheit erlangen können, wissen die großen und kleinen Führer recht gut. Die Frauen um Rogge-Börner noch nicht. Tic werden auch das begreifen müssen. Es gibt kein Zurück zur ger- manischen Urgemeinschaft, es gibt nur ein Vorwärts zum sozialistischen VolkSsraat. Käthe Hill. trkhoMt and BevblherungspoIiUH Fm Verfolg ihres Schlagworts„Blut und Boden" arbeitet die nationalsozialistische Politik daraus hin, einen möglichst großen Nachwuchs zu erz-elen, der eine ausreichende Masse Kanonenfutter liefert und unter dem Schlagwort:„Volk ohne Land" den Vorwaud zu weitgespannter Eroberung»- Politik in Osteuropa und den Kolonialreichen bietet— dabei aber durch das Erbhofrecht zur Erhaltung eines Groß- bauernftanbeS, der dauernd aus derselben Scholle sitzt und den Machthaber» einen unüberwindlichen Wall gegen die wachsende Unzusriedenheit der Arbeiterklasse und des Klein- bauerntums liesern soll. Schade nur, daß beide Gedanken- gänge widereinander lausen, daß daS Erbhosrecht durch den Ausschluß der jüngeren und der weiblichen Geschwister vom Erbe eine solche Rechtsverkümmerung der Benachteiligten mit sich bringt, daß ein Großteil der Bauern, um nicht die Mehrzahl ihrer Kinder schwer zu schädigen und dauernden Haß unter ihnen zu säen, auf die Erzeugung einer Mehr- zahl von Kinder» verzichtet und im E i n k i n d e r s y st e m sein Ziel sieht. Sv bliebe der B o d e n erhalten— aber das Blut wird zum Aussterben verurteilt. Aber wofür haben die Bauern ihren großen Führer Darre? Der bat ans dem bayerischen Landesbauerntag den Krittlern tüchtig die Wege gewiesen nnd den Segen des neuen Gesetzes klargelegt. Daß er die Krcditerschwernng, die durch die Unpfändbarkeit des Erbhofs herbeigeführt wird, leicht beiseite schiebt, nimmt bei einem nationalsozialistischen Bauernpolttiker, der seine Zuhörer mit Redensarten füttert und die wirtschaftlichen Erwägungen durch ideal schillernde Schlagworte ersetzt, nicht weiter wunder. Aber er hat auch die Lösung der anderen Schwierigkeiten gleich bei der Hand. Ter landwirtschaftliche Arbeitermangel, meint er, werde die Bauern zwingen, sich einen ausreichenden Stamm Arbeitskräfte zu sichern, indem er eine größere Zahl Kinder in die Welt setze. So wären beide Fliegen gefangen: der Erbe hält den Boden fest in der Hand, und das Blut der jüngeren Geschwister liefen ihm die sehlenden Knechte und Mägde. Aus der Zeit der Regerstlaverei weiß man, daß es Herren gab, die, um auf billige Weise zu Sklaven zu kommen, sich nicht scheuten, selbst mit Sklavinnen Kinder zu erzeugen, die dann mit geringen Aufzuchtkosten frühzeitig als Arbeits- oder auch VerkaufSttere verwendbar wurden. Eine ähnliche Rolle weist Herr Darre seinen Herrenhofbauern zu. Sie zeugen einen Kronprinzen, der ihr Reich schulden- und lasten- frei übernimmt, dann noch ein? Reihe Nachgeburten, die dem Herrenbruber als billige Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Eine glänzende Fdee! Wenn diese Jüngeren aber nicht wollen? Wenn sie dem kümmerlichen und freudlosen Dasein als alternde und ehelose Knechte und Mägde den Wegzug in die freie Lohnarbeit in der Industrie, im Verkehr, bei der Vau- oder Walbarbeit vorziehen und abwandern? Tann wird die braune Knuten- w-jHheit rasch ein weiteres Hilfsmittel zur Hand haben. Durch Aufhebung der Freizügigkeit wird sie die Wegzuglnstigen an die Scholle fesseln, wird den regierenden Herren Hosbauern ei» widerstandsloses Leibeigenenvolk vom eigenen Fleisch und Vint zur Verfügung stellen. Aehnltche Verhältnisse, nur mit dem Ventil der Freizügig- kett, hatte man ja schon lange dort, wo das Hofsystem herrscht, z B. in Oberbayern. WaS war die Folge? Eine Unzahl wilder Ehen mit unehelichen Geburten und daneben eine starke Abwanderung in die Stadt u»d zur Industrie. Hins.»- man aber dies«, bann wird der schärfste, weil durch Bruder» haß vergisiete Kiasienkampf in die Familien, wird die Revo- lution aus jede» Bauernhof getragen. Um das alles zu vermeiden, werden die Bauern doch lieber auf eine größere Kinderzahl verzichten. Es wird iven'ger Familientragödien, weil wenig Geschwister geben. Der viel- gefeierte«auernnachwuchs. der Blutzufluß von der Scholle bleibt ans. Eine nationalsozialistische Fdee schlägt die andere tot. Beleidigte BldenRSdOea fi. b. Fn Helmstedt waren beim Verkauf von Spitzen- roietten für die Winterhilfe auch zwei Schnlmädchen in Hitleritenunisorm tätia, die trotz ihrer Fugend recht auf- dringlich zu Werke gingen. Einer Arbeiterfrau namens Angermanu, die weder willens noch in der Lage mar. etwas für die Winierhilie zu geben, wurden die Au'dringlichkertcn der beiden Kinder zuviel. Sie wie? sie mit mahnenden Worten zurecht. Talär hatte sie sich jetzt vor dem.Helmstedter Amtsgericht zu verantworten, nachdem die Sacke monatelang bearbeitet worden war und der Dcliuzuentin viel Kumm. und Scherereien gemacht hatte. Die Angeklagte kam alü,•- licherweise„glimpflich" davon. Sie erßielt„nur" eine Geldstrafe von 1ö Mark oder 5 Tage Gefängnis. Weltergeben! Weitergeben! J Werfen Sie die„Deutsche Freiheit" nach dem Lesen nicht fort. Geben Sie das Blatt an Leute weiter, die der Aufklärung und Belehrung bedürfen! I Deutsche Stimmen• Deila ge zur..Deutstiken$r ei freit"• Ereignisse und Geschichten Freitag, den 18. Mai 193a Ziaeimai zuxei ist fünf, Dec thcendatcfi Es war einmal im Herzen des Erdteils ein großes, dicht bevölkertes Land: Täuschland. Der Ursprung dieses Namens blieb im Dunkel; manche Gelehrte taten dar, es heiße so, ^eil sich seine Bewohner in politischen Dingen ungleich leichter täuschen ließen als andere Völker. Auf jeden Fall gelang es einer Bande politischer Abenteurer und Hochstapler, durch List und Gewalt die Macht in diesem Staate an sich zu reißen, als die Massen durch Krise, Arbeitslosigkeit und Hunger teils wundergläubig, teils widerstandsunfähig geworden waren. Da sich bei den neuen massiven Herren Täuschlands der Drang zur Futterkrippe auf Kosten der Gehirnpartien allzu entwickelt zeigte, empfanden sie, selber aller Kenntnisse und w issens entbehrend, mit rechtem Instinkt, daß nichts ihre Herrschaft mehr zu bedrohen geeignet sei als der Geist. Sie erklärten deshalb Kenntnisse und Wissen in Verruf, stellte n mit brutalem Landskneehtslaehen nichts tiefer als Verstand, Logik und Nachdenken und hoben den vollendeten Stumpfsinn auf den Thron. Ihre organisierten Anhänger hießen Stumpfsinn-Anbeter oder SA. und die Garde, der man ihre Eigenschaft schon an der niedrigen Stirn ansah, Stumpfsinns- Säulen oder SS. Als Nationalhymne grölte man den Bier- »engsang: Stumpfsinn, du mein Vergnügen, Stumpfsinn, du meine Lust nnd in hohen Ehren stand auch, weil er so ganz der neuen »Veitanschauung" entsprach, der Lantus: Last uns den Verstand versaufen! Wozu nützt uns der Verstand? Der umjubelte Führer aber war der OSA. oder Oberste Stumpfsinn-Anbeter. Um aller Welt zu weisen, daß sie gründlich zu„erneuern" verständen, verkündeten die zur Macht Gekommenen sofort drei Grundsätze: 1. Die Sonne dreht sich um die Erde. 2. Zwei mal zwei ist fünf, 3. Die Blätter der Bäume sind violett. Schon vorher hatten sie in ihren Agit oticus Versammlungen, neben denen Bornums amerikanische Reklameschau konfir- mandenhaft bescheiden wirkte, diese Behauptungen aufgestellt und sich gelegentlich auch zu einer Erläuterung herbeigelassen:„Die Erde hat etwas so Einziges und Unvergleichliches hervorgebracht wie den OSA., also wäre es eine Beleidigung für ihn, anzunehmen, daß sie sich beflissen und sklavisch um die Sonne drehte, statt umgekehrt. Heil! Außerdem ist die These, daß sich die Erde um die Sonne drehe, eine freche jüdische Erfindung, aufgebracht von einem Ostjuden Kohn aus Bernau in Estland, der mit der Täuschungslist seiner Rasse seinen Namen lateinisiertc und als Köper- nikus herumlief. Heil! Daß zweimal zwei nicht vier, sondern fünf macht, läßt sich zwar nach der liberalistiscken Logik nicht beweisen, bedarf auch keines Beweises, denn einmal hat es der OSA. gesagt, und zweitens wird es jedem reinrassigen Arier von der Mystik des Blutes und der Scholle gesagt. Heil! Wenn dann noch ein Unzufriedener zu fragen wagte, wieso die Blätter der Bäume violett seien, sausten ihm die Gummiknüppel der SA. so derb in die Visage, daß er alles violett sah, auch die Bäume, sofern er sie überhaupt noch zu erblicken vermochte. Jetzt aber, da der Stumpfsinn zur Staatsreligion erklärt worden war, bekamen jene Behauptungen Dogmeukraft. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend wurden sie Tag für Tag einem anfangs verdutzten Volke unablässig eingetrichtert und eingehämmert. Fuhr der Bürger morgens aus dem Schlaf auf, vernahm er Lautsprecher von allen Plätzen und Straßen: Die Sonne dreht sich um die Erde, der Briefträger trat mit dem amtlichen Gruß herein: Zweimal zwei ist fünf, die Zeitungen schrien in fetten Ueberschriftcn den Leser an: Die Blätter der Bäume sind violett. Alle Bücher aus der korrupten Zeit, die es anders angenommen hatten, wurden eines schönen Abends zu einem Riesenscheiterhaufen geschichtet, um den SA. und SS. indianerhaft tanzten und kannibalisch sangen: Die Sonne dreht sich um die Erde, zweimal zwei macht fünf, die Blätter der Bäume sind violett! Je mehr ihnen unter dem Einfluß ausgesprochener AntiProhibition die Mystik des Blutes in den Adern wallte, desto wirrer wurde das Gebrüll: Die Bäume drehen sich um die Sonne, die Erde ist eine Fünf, zweimal zwei macht nicht violett! Aus einem neuen Lehrbuch der Ari-Thmetik lernten schon die Hosenmätze, daß zweimal zwei fünf sei, und an den Hochschulen wurde kein Professor geduldet, der seinen Studenten auch nur den allerleisesten Zweifel an diesem Dogma gestattete. Täuschland zählte einen Gelehrten von Weltruf und Jahrhundertsbedeutung zu den Seinen, den Professor Stein, der es nicht über sich bringen konnte, in den Unsinn einzustimmen. Einem ausländischen Blatt, das dieserhalb bei ihm anfragte, telegrafierte er:„Kopernikus. Vier. Grün." Darauf, wurde er von achtzehnjährigen SA. aus dem Bett geholt, verschleppt, schwer mißbandelt und kehrte erst nach zwei Wochen in jeder Beziehung niedergeschlagen in seine Wohnung zurück. Da er es für geraten hielt, zur ruhigen Ausheilung seiner Wunden die Grenzen Täuschlands hinter sich zu legen, wurde ihm als einem gefährlichen Aufwiegler und Volksfeind die Staatsangehörigkeit abgesprochen und sein kleines Vermögen konfisziert. Auch Geschäftsleute, die einen Betrag etwa von fünftausend Seckein zu empfangen hatten und von ihren grinsenden Schuldern mit zweimal zweitausend Seckein abgespeist wurden, fanden ein Haar in der neuen Lehre, aber unklug waren sie, wenn sie ihre Mißstimmung laut werden ließen: in der rauhen Luft des Konzentrationslagers kam die bessere Erkenntnis über sie. Auch fehlte es nicht an Kompromißlern, die vorschlugen, man möge, um zu schroffen Bruch mit dem Ueberlieferten zu vermeiden, zunächst zweimal zwei gleich viereinhalb.sein lassen und gestatten, daß sich an den geraden Tagen die Sonne um die Erde, an den ungeraden aber die Erde um die Sonne drehe. Auch sie bezogen Saures. Mehrere von ihnen, darunter ein auf zwei Krücken einher- humpelnder Krüppel, wurden sogar„auf der Flucht erschossen". Schließlich erschien eine Verordnung des OSA.: Todesstrafe für jeden, der das Gegenteil eines der drei Hauptstaatsdogmen auszusprechen oder auch nur zu denken wagte! Ein harmloser Vereinsfestredner, der mit Schmalz Goethe zitierte:„Doch grün des Lebens goldner Baum", kam nur deshalb mit einem blaugeschlagenen Auge davon, weil er drei Söhne bei der SS. hatte, aber dem Dirigenten eines Gesangvereins wurde der Kopf auf dem Block abgehackt, weil er:„0 Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter" hatte singen lassen. Korrespondenten ausländischer Zeitungen bereisten mit Vorliebe das merkwürdige Land, ohne immer zu wissen, woran sie waren.„Als ich in Täuschland", berichtete einer von ihnen,„durch herrliche grüne Wälder fuhr, fragte ich den mir gegenüber sitzenden Herrn— wir waren zu zweit im Abteil—, ob er denn wirklich diese Bäume violett sehe. Er lächelte und erwiderte:„So gewiß wie zweimal zwei fünf ist!" Ich war so klug wie zuvor. Da eine Wolke von Spitzeln mit langen Ohren sich wie ein Heuschreckenschwarra über Täuschland lagerte, versteiften sich nur mehr Selbstmordkandidaten darauf, daß sich die Erde um die Sonne drehe, daß zweimal zwei vier mache, und daß die Blätter der Bäume grün seien. Zum Lacken oder Weinen, je nachdem, nicht wahr? Ganz gewiß! Aber wieso Groteske? Wovon hier die Rede geht, ist ja um kein Haar grotesker, als was tagtäglich im„dritten Reick" stummgemachten Untertanen an„Wahrheiten" und „Weisheiten" in die Köpfe gepfropft wird! Karl Max. QöMets ü&ec dm Jüealem Bas neue fieichstheatecgesetz Das Reickskabinett hat am Dienstag das Reickstheater- tzesetz verabschiedet. Es beseitigt den bisher geltenden Unterschied zwischen öffentlichem und privatem Theater. Alle Theater werden in Zukunft zusammengefaßt unter der Führung des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda. Diese Führung beschränkt sich auf das Wichtige und Wesentliche. Es soll, wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, daran festgehalten werden, daß an der künstlerischen Freiheit des Theaterveranstalters(dieser Begriff wird an Stelle des Wortes„Theaterunternehmer" im neuen Gesetz verwendet) nichts geändert werde. Die Führung und Verwaltung des einzelnen Theaters ist zunächst Aufgabe des Theaterveranstalters selbst. Dieser hat,„nach bester künstlerischer und sittlicher Ueberzeugung im Bewußtsein nationaler Verantwortung seine Aufgabe zu erfüllen". Als Korrelat ist die Vorschrift vorgesehen, daß das Personal dem Veranstalter zur treuen Gefolgschaft bei der Führung des Theaters verpflichtet ist. Dem Reichspropagandaminister ist das Recht der Zulassung für den einseinen privaten Theaterveranstalter übertragen Unter den Begriff„Theater" fallen nur die zur Aufführung von Schauspielen, Opern und Operetten dienenden, für den allgemeinen Besuch bestimmten Theater, also nicht die Kleinkunst. Allgemeiner Besuch liegt dann vor, wenn der Eintritt durch öffentlichen Kartenverkauf ermöglicht ist. Das Recht der Zulassung kann der Minister an andere Stellen delegieren. Eine Zulassung ist jedoch nur notwendig für künftige Unternehmungen; wer bereits jetzt eine polizeiliche Genehmigung hat, bedarf keiner neuen Zulassung._, Voraussetzung für die Neuzulassung von Theatervcran- staltern sind Zuverlässigkeit. Eignung und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. ein Propagandaminister steht ferner ein Bestat.gungsrecht für die künstlerisch leitenden Personen, das sind die Buhneuleiter, die Intendanten, die Theaterdirektoren, die ersten Kapellmeister und die Oberspielleiter, zu. Auch hier bedürfen schon amtierende Personen keiner neuen Bestätigung, dock kann die Ausübung ihrer Tätigkeit untersagt werden, wenn Mangel an Eignung vorliegt. Der Minister kann schließlich die Aufführung bestimmter Studie im allgemeinen oder im einzelnen untersagen oder verlangen, wenn dem Träger des Theaterunternehinens durch das Verlangen nach einer Aufführung keine Nachteile oder Mehrkosten entstehen, die ihm billigerweise nicht zugemutet werden können. In dem Gesetz wird ferner bestimmt, daß auch die öffentlichen Theater, also die der Länder und Gemeinden und ihr Personal sich der Reichstheaterkammer eingliedern. Der Reickspropagandaminister kann seiner Aufsicht auch Vereinigungen von Theaterbesuchern und Vereinigungen, die nichtöffentliche Theaterveraustaltungen veranstalten, unterstellen. Auch das Reckt der Aufsicht über den Handel mit Theaterkarten ist dem Minister eingeräumt. Das Gesetz tritt nach dem Tag der Verkündung in Kraft. Mit seinem Inkrafttreten verliert H 32 der Gewerbeordnung seine Gültigkeit. Eine polizeiliche Beaufsichtigung der Theater ist in Zukunft nur noch zulässig, wenn unmittelbare Gefahr für Ordnung und Sicherheit droht. Ausnahmen von den Bestimmungen des Gesetzes können vom Reichspropagandaministei angeordnet werden. Rosenbergs Stang Der Beauftragte des„Führers" für die weltanschauliche Erziehung der NSDAP., Alfred Rosenberg, gibt bekannt: Zu meinem Berater auf dem Gebiete der Kunstpflege, die von der NSDAP., der Organisation„Kraft durch Freude" und den gleichgeschalteten Verbänden ausgeübt und betreut wird, bestimme ich Pg. Dr. Walter Stang, den Leiter des Reicksverbandes„Deutsche Bühne", Wissen Se, det„dritte Reick", det is dochn Erfolch. Det kenn Se schon ehn an mein Ehrendolch. Hab ick det Dings an mein Bauchriehm dran, Weeß ick, ick bin'n nazjonala Kämpfa un Mann, Ick fiehle mir wehrhaft uff Hief un Stich. Un det Jefiehl liatt ick frieha nick. Frieha kam sowat nick in de Tiete. Da jalt ick als Strolch. Nu bin ick Elite! Sehn Se, un det isn jroßa Erfolch, Det mit mein Dolch. Frieha, da Meente man uff Schritt un Tritt, Nu kommt jleich Polente, un denn jeliste vaschütt, Bios wejen son lausijet Taschenmessa. Sahren Se watsewolln, det is heite bessa! Ick brauche mein Knief nick in n Stiewel zu rammeln. Ick lasse n janz frei uffn Bauche bammeln, Wie sone Art tirkischet Paschaschwert, Als Abzeichen von meiu inneren Wert. Sehn Se, un det isn jroßa Erfolch, Det mit mein Dolch. Ooch de Saurepublik hatte Abzeichen reichlich. Aba die Dinge warn mir imma zu weichlich. Det war wat von Jeist un von Freidenkabund, Von Naturfreunde, Weltfrieden un son Schund. Det war doch all et marxistischa Bluff. Uff mein Dolch steht janz wat andaht druff. In mein Spruch is wat von Blut mit mang. Sowat hat dock den richtijen Klang. Sehn Se, un det isn jroßa Erfolch, Det mit mein Do Ick. Eens alladings jefällt mir nick sehr. Den Ehrendolch trächt ooch de Feuawehr. Die ham sich doch jar nick fier Hitlern gedrescht? Det is woll der Lohn, weil die nick jleich ham jelöscht, Damals bei unsan Lamettahermann sein Brand, Bei den der Staatsanwalt leida keen von uns fand? Schwamm drieba! Wem Dolch hat, solln in Ehren va- walten. Wer keen hat. hat nischt, wie det Maul zu halten! Sehn Se, un det isn jroßa Erfolch, Det mit mein Dolch. Der Rote Hans JZiCdung in^fchutzfiaft Die geistige SA. Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung. Reist, hat den Ausspruch getan, die Volks- ichullehrerschaft müsse„zur geistigen SA. des deutschen Volkes werden"— wobei die Betonung auf„SA." lag. Nun wird niemand jenen Parteibuchpaukern, die an die Stelle der abgebauten nichtfasdiistischen Junglehrer rückten, nacksagen können, sie hätten ihren Geist auf Kostete der eigentlichen SA.-Tugenden überfeinert— immerhin gingen sie durch Lehrerseminare, in denen neben anderen jüdisch- marxistischen Vorurteilen auch eine gewisse Schulung des Geistes gepflegt wurde. Der Volkssckullebrer-Nachwuchs h*t es besser, er wird von solcher unnötigen Belastung nach Möglichkeit befreit. Vor uns liegt eine„Monatsschrift für alle Fragen der Volksschule"(„Die Neue Deutsche Schule", Frankfurt a. M., Heft 12 33) mit einem aufschlußreichen Artikel* über ,,N» tionalsozialismus und Lehrerbildung". Darin heißt es: „Die nationalsozialistische Erziehung wird nicht humi» nistisch, sondern völkisch betont sein, nicht idealistisch, sondern realistisch ausgerichtet, sie wird nicht den theoretischen, sondern den heroischen Menschen erziehe« müssen, nickt den gebildeten, sondern den politische« Deutschen." Dieser Nicht-Sondern-Satz birgt ein selten offenes Bekenntnis. Vor allem ist es kein Zufall, daß die Eigenschaften „gebildet" und„politisch" als unvereinbare Gegensätze auftreten. Von der nationalsozialistischen Führerschaft au» gesehen, sind sie es in der Tat. Wie müssen nun die Lehrerbildungsanstalten aussehen, damit d-s oben geschilderte Erziehungsideal verwirklicht werde? Hie„Neue Deutsche Schule" anwortet: „Entscheidend werden nickt so sehr organisatorische Maßnahmen und die Einführung neuer Lehrgebiete sein als eine Durcktränkung von Lehre und Leben der Lehrerbildungsanstalten mit nationalsozialistischem Geist... Die Durchdringung der Körperschulung mit dem Geiste der Wehrhaftigkeit, besondere Wehrübungen. Teilnahme aus Leben und Dienst einer SA. sollen die künftigen Volks- schullehrer zu wehrhaften und wehrwilligen Männern erziehen, die bereit und fähig sind, den von ihnen geleiteten Kindern und Jugendlichen die gleiche^ ehrkraft und den gleichen Wehrwillen in Leib und Seele lebend!.; zu machen... Der Typus des nationalsozialistischen Lehrers ist der soldatiscke. Und ihn erzieht nickt das gesellige Leben an der Hochschule, sondern der Dienst bei der SA. Jtehc-geistig-gesehen Zitat aus Streichers„Fränkischer Tageszeitung" „Wir erleben viel. Wir wollen an dieser Stelle nicht beschreiben. Aber das muß gesagt werden: Ein Ehrentag der fränkischen SA. war es! Disziplin war sein äußeres Merkmal, Disziplin, Manneszucht, Freudigkeit im Ertragen von Strapazen bewiesen die Männer, die angetreten waren. Kraft, auf die Deutschland bauen darf! Und dazu: Freude überall! Wir sagen es wieder froh: Deutschland wird leben! Das Bewußtsein gab uns dieser Tag wieder. Ein Volk steht am Gewehr. Nicht so, wie man den Begriff sonst auffaßt. Mehr geistig gesehen. In Glauben, Liebe und festem Willen sein Geschick zu meistern. Deutschland, fränkische Heimat, fränkische SA.: Wundervoller Dreiklang, kraftvolle Harmonie. Herrlich, so etwas zu wissen. Herrlich, dieser 12. Mai, der uns das wieder so tief erfühlen ließ. p£. Ringe." .Deutsche Freiheit". Nr. IIS Das bunte Blatt[ Freitag, 18. Mai 1934 Eine Frau wischt den Fußboden auf Von s>. Vaschent;ew i. Er wohnte in der dritten Etage, in einem Riesenzimmer, dos er noch in den Revolutionsjahren zugewiesen erhalten hatte, als die Wohnungsverteilnng von den Launen und Stimmungen des Hauskommissars abhängig war. Das Zimmer war so groß und hell, daß es eher dem Ate- her eines Fotografen oder Malers ähnlich sah. Roch lange danach, wenn Maksimoiv über die Zuweisung im Kreise sei- ».er Freunde erzählte, äußerte er die Vermutung, daß der Hauskommissar ganz einfach einen Dichter mit einem Ma- ler oder sogar mit einein Fotografen verwechselte— das sind ja alles ,„Künstler", und ihm darum dieses Riesenzim- wer gegeben hatte. In der Küche ivohnte das Dienstmädchen, das noch nach der Abreise des Fabrikbesitzers, dem früher die Wohnung gehörte, zurückgeblieben war. Die Küche war voll von ihren Sachen. Unweit des Herdes stand ein ivunderbarcs Bett aus Rothhol? mit einem rosa-seidenen Betthimmel, daneben eine Kommode mit einem antiken Spiegel, einige Sessel und noch Kleinigkeiten. Es gab immer Streit zwischen den Einivohnern über die- scs Dienstmädchen, das„außer der Reihe" in die Wohnung gelangt war. Aber übrigens war der Streit höchst über- flüssig, kein Mensch brauchte die Küche. In jedem Zimmer stand ein kleiner Lsen und alles, was man sich zubereiten wollte, konnte man im Zimmer erledigen. Man stritt mehr aus Nervosität und Neid, und der Neid bezog sich Haupt- fächlich aus das Bett, welches Nastja für sich ergattert halte. Aber Nastja gelaug es durch ihre besonders anziehenden Charaktereigenschaften sehr bald, diese Streitigkeiten zu Ichlichten, und alsbald wurde sie ein unentbehrliches und sogar äußerst erwünschtes Mitglied der Wohnungskommune. Tic war eine ein»oenig süllige Frau, von deren Gesicht die bäuerischen Züge noch nicht ganz verschivunden waren. Sie mochte 27 oder 28 Jahre alt sein, aber ihr Körper war jün- ger als ihr Gesicht, dessen runde und fleischlichen Züge an die Fruchtbarkeit und Weile der Felder und die fetten ge- rundeten Schollen der Schwarzerde mahnten. Ihr Körper lebte gänzlich abgetrennt von den» zu groben Gesicht— es mar ein wundervoll herrlich proportionierter Körper mit sanft abfallenden,»veichen Rückenlinien und schlanken Bei- nen, die an junge Pappelstämine erinnerten. Nastja hatte einen ansten und»veichen Charakter, sie lebte dahin und es schien, daß sie nur im Sinne hatte, den anderen etwas An- genehmes zu bereiten. Bald war sie mit allen Einwohnern gut Freund und an Stelle der Feindschaft, mit der man ihr zuerst begegnete, erlangte sie nicht nur Achtung, sondern so- gar Freundschaft. Sie wusch die Fußböden auf, sie betreute die Kinder, sie fegte den Korridor und verlangte keine Be- zahlung. Alle Einwohner waren erstaunt über ihr an- iprucytoses Wesen und man sah ihre Bemühungen recht gern. Matsimolv schob die paar Möbelstücke, die in seinem Riesen- zimmer geblieben waren— es war eine wunderbare mit dunkelgrüner Seide überzogene Chaiselongue, ein Karten- Usch mit Intarsien und ein ebenfalls seidenbezogener Sessel — er schob also die Möbel in eine Ecke zusammen, um nur irgendwie einen begrenzten Raum zu schassen und ein wenig Gemütlichkeit ins Zimmer zu bekommen. Ter Raum be- brückte ihn. durch seine Unendlichkeit: die ungeheuere Leere dehnte sich wie eine Wüste, die Fenster waren ganz vereist, das^..mt spielte in den verworrenen Mustern der Eisblu- wen. Es war unerträglich kalt in dem Raum, viel kälter als aus der Straße. Kaum, daß er sich an die Arbeit setzte, er- starrte der Körper zu Eis, man mußte ausspringen, damit das Blut wieder ins Rollen kam. Es war eine Qual zu ar- betten. Im Gegensatz zu dieser Eiseskälte standen allein seine glühenden Verse, in denen er den Brand der Sonne und das Lodern von Millionen Menschenherzen beschrieb. Aber»mmer wieder zwang ihn die Kälte, die Arbeit zu unterbrechen und nur ein erneuter Lauf durch das Zimmer ließ ihn in jenes Dasein zurückkehren, in dem nur ein echter Dichter lebt. So sehr>"ar er von seiner Arbeit hingerissen, daß er es ganz vergessen hatte, sich einen Osen zu besorgen. Er hatte es nicht npr vergessen. In Wirklichkeit ist er gar- nicht auf den Gedanken gekommen. Wie ein echter Dichter war er natürlich ganz unpraktisch, verachtete alles, was nicht zu seinem Werke gehörte, nicht zu Unrecht nannte ihn sein Bater eine Ausgeburt. II. Nastja betrat das Zimmer ohne anzuklopfen, lehnte sich an die Tür und ließ Ihren Blick kritisch durch den Raum schweifen: Da sitzen Tie ja in einer Scheune— begann sie mit sin- gender Stimme,— haben Sie denn keine eigenen Möbel? Stimmt— sagte Maksimow— ich habe mir keine erbeuten können. Ein solcher Riesenraum, das ist direkt langweilig ohne Möbel, warten Sie, ich will Ihnen mal ein paar Sessel brin- gen, da muß man sich doch schämen, das ist doch direkt eine Wüste.— Und ohne abzuwarten, ob er damit einverstanden ist, war sie schon wieder in ihrer Küche und brachte ihre Sessel herein. Das Zimmer wurde dadurch auch nicht klei- ner.— Wie heißen Sie denn eigentlich— setzte Nastja das Gespräch»ort, und ihr weicher Blick überflog den mit Manu- slripten bedeckten Schreibtisch und das eingefallene, un- rasierte Gesicht des Dichters. Alexander Nikititsch, sagte Maksimow. So, dienen Tie oder sind Sie aus der Partei? Ich diene, antwortete Maksimow kurz, der Besuch ging ihn au»' die Nerven. Aber Nastja dachte gar nicht daran, wieder fortzugehen. Sie setzt sich auf einen ihrer Sessel und begann ein längeres Gespräch darüber, was früher bei ihrer Herr- schalt in diesem Zimmer alles stand, daß»nan ein teueres Klavier fortgeschleppt hätte. Nun. da habe ich mir auch Eini- ges genommen, als ich sah, daß doch allcS geplündert wird. - Das Bett von der Herrin, die Kommode und noch Eini- ges.— Plötzlich änderte sie das Thema: Gott, ist bei Ihnen ein Schmutz, ich muß unbedingt mal den Fußboden aufwischen, ich werde gleich alles in Ordnung bringen, und schon war sie aus dem Zimmer auf und da- von und vom Korridor klang noch herüber:— Ihr Männer seid doch alle gleich!— Ihr ganzes Tun war voll von Ueberraschungen. Maksimoiv kam gar nicht dazu, zu protestieren. Nastja war bereits wieder im Zimmer, hatte einen Kübel Wasser mit und mit ihrem Lappen fuhr sie geschäftig über^en Fußboden hin. Maksimow zog die Beine an und schließlich legte er sich auf die Chaiselongue. Durch seinen Kops gingen Verse, ein Gedicht entstand, aber er war zu faul auszustehen, u»n es zu Papier zu bringen. Sie klatschte mit dem Lappen aus den Fußboden, lenkte seine Gedanken entschieden aus ihrer Konzentration. Er machte die Augen zu und versuchte sich eine Kinöheitserinnerung zu vergegen- wältigen: Eine Frau wäscht, er erkennt seine Mutter, andere Frauen stehen bis zu den Knien im Wasser, bunte Wäsche slattert im Winde, ein Fluß fließt träge vorbei... Die Kälte ging mit eisiger Welle durch den Raum und seinen Körper. Er mußte die Augen wieder össnen. Unan- genehm berührt kühlt er die Gegenwart der Frau in seinem Zimmer. Er wäre gern umhergelaufen und hätte sich er- wärmt. Da liegt sie im Zimmer und wischt... Mißmutig blickte er herüber, plötzlich aber fühlte er, wie eine warme Blutmelle ihm zu Herzen schoß und der Kopf ihm zu drehen begann. Nastja lag aus den Knien, sie hatte den Rock aus- geschlagen, ihr nackter Arm ging in breiter Bewegung mit dem Lappen über den Fußboden. Aus den Spitzen ihres hochausgeschlagenen Unterrockes sah man die Beine weiß herausragen. Maksimow konnte den Blick von ihr nicht wen- den, die Beine waren»vie ein selbständiges Wesen, sie waren wie Birken im Frühling und fast konnte man die roten Ströme des Blutes sehen, die unter ihrer zarten Haut liefen. Sie fühlte wahrscheinlich seinen unausgesetzten Blick, kehrte sich um, und ihre Augen begegneten sich: Ich hatte ganz vergessen, daß Sie hier sind, ich bin ja ganz nackt, wie in der Badestube. Tie lachte und schlug den Rock nieder und beeilte sich und ging mit dem Kübel hinaus, ohne wieder zurückzukehren. Er lag da und dachte an sie und eine besondere Süßigkeit war in seinen Gedanken. Maksimow wartete auch am nächsten Tag vergeblich. End- lich entschloß er sich, in die Küche zu gehen, aber auch dort traf er sie nicht. Nur das gro'e Bett mit dem Betthimmel stand kalt und abweisend. Aus dem Korridor hörte er ihre singende Stimme, sie war in einem der Zimmer und schien ein Kind zu wiegen. Maksimow trat ein, weil er keine anderen Stimmen hörte. Ich will mich bedanken— sagte er. Warum, fragte sie verwundert. Ich will Ihnen gern noch einmal den Fußboden auswischen, mir tut meine Zeit nicht leid.— Dann kommen Sie doch zu mir, es ist doch langwei- hg allein.— Aber wo, ich habe so viel zu tun, daß mir nie langweilig ist...' Er antwortete irgend etwas und ging hinaus. Von nun an stand ihr Bild ständig vor seinen Augen, ihr herrlicher Körper, dem die Jahre der Entbehrungen und der Revolution nichts haben anhaben können, stand deutlich vor seinem Bewußtsein. Er war ein echter Dichter und er kannte noch wenig Frauen. Er war verschämt von Natur aus und er fürchtete die Frauen. Sie waren nicht nur seinen Wünsche» fremd, sondern auch seinem Werke. Seine Dichtungen be- handelten andere Themen. Er schrieb keine Liebesgedichte. Nastja aber erweckte in ihm erstmalig die Sehnsucht, eine Frau zu besingen, weckte in ihm Worte, deren sinnliche Gc- ladenheit körperlich das Bild einer Frau zeichnen konnten, ihren Leib, ihre Wünsche, ihre Leidenschaften. Er schrieb ein Gedicht:„Eine Frau wischt den Fußboden auf." Das Gedicht gelang. Es war Stimmung in ihm und Gefühl. Aber er wollte es nicht gern in eine Zeitung geben. Er hatte einen anderen Wunsch. Maksimow ging wieder in die Küche und rief Nastja. Sie kam zu ihm und überlegte unterwegs, was der merkwürdige Mann wohl von ihr wollte. Da sagte er: Ich möchte Ihnen gern ein Gedicht vorlesen... eigentlich ein Gedicht über Sie, wissen Sie, ich... Er begann zu lesen. Nastja saß da, hatte die Hände über dem Bauch gefaltet, ihre großen braunen Augen schauten ihn unverwandt an. sie wagte sich nicht zu bewegen, wie an hohen Feiertagen zür Messe. Es war ganz offenbar, daß sie vrm dem Gedicht kein Wort verstand, und daß es keinerlei Eindruck in ihr hinter- ließ. Was ist denn das für ein Gedicht, ganz merkwürdig, sagte sie, als Maksimow zu Ende war. Er wollte sie anschreien: das ist ein Lied für Dich, meine Geliebte, für Dich, für Dei- nen Körper, durch den die Wellen des Lebens gehen. Aber er bezwang sich zum Glück und sagte nur: Mir hat es so gefallen, wie Sie neulich den Fußboden auf- wischten und da habe ich eben ein Gedicht gemacht. Schreiben Sie eigentlich, weil es Ihnen Spatz macht, ober zwingt man Sie dazu? Was heißt das, man zwingt mich?— Nun. ich meine im Dienst oder in der Partei. Ich bin ein Dichter. Aber er war njcht mehr überzeugt, daß sie ihn verstehen wird. Ich beschreibe das Leben, wie Sie beispielsweise den Fuß- boden auswischen und das Ihr Beruf ist, ist es mein Beruf» zu dichten. III. ... Und an diesem Abend schlich sich Maksimow in die Küche. Sie war stumm vor Ueberraschung, und sie wehrte ihn mit ihren Ellbogen ab. ihr Körper zitterte vor Angst. Er aber flüsterte verwirrte Worte, er beschwor sie und schließlich versuchte er mit Gewalt das Bollwerk ihrer Arme zu stürmen, jedoch dieses Bollwerk hielt stand. Durch den langen dunklen Korridor lief Maksimow zu seinem Zimmer zurück. Es fröstelte und es ekelte ihn, dieses Dasein, das eines Dichters ganz unwürdig war. Und er dachte wehmütig über die Einsamkeit in seinem Riesenzim- mer, das eher ein Keller, als ein Eispalast war, nach. Macdonald schnarcht... Von Pvla Negri. Die Filmschauspielers» Pvla Negri ha: voi.....» englische» Zeitungen erzählt, wie sie unter höchst merk- würdigen und unerquicklichen Umständen zuerst privat, dann offiziell die Bekanntschaft des englischen Premiers geinacht hat. Geben wir ihr selbst das Wort: ' Ich befand mich aus einer Tournee in Birmingham und war in einem der ersten Hotels der Stadt abgestiegen. Gleich in der ersten Nacht hörte ich, kaum daß ich mich zur Ruhe gelegt hatte, aus dem Nachbarzimmer durchdringendes Schnarchen zu mir dringen. Die Wände waren so dünn und das Sägegeräusch so eindringlich, daß von Schlafen keine Rede sein konnte. Eine Stunde lang wälzte ich mich auf meinem Bette und wartete, ob nicht das unerträgliche Schnarchen hinter der Wand endlich aushören würde. Schließlich hatte ich die Geduld verloren und klopfte heitig an die Wand. Keine Antwort... Keine Unterbrechung des regelmäßigen lauten Schnarchens... Ich klopfte noch einmal— wieder ohne Er- folg. Da fiel es mir plötzlich ein, daß der unentwegte Schnarcher ein Herr aus unsrer Gesellschaft sein könnte, über dessen lustige Einfälle wir schon oft gelacht hatten. Denn ich konnte mir schwer vorstellen, baß ein normaler Mensch mit solch starrsinniger Heftigkeit schnarchen konnte. Ich überlegte nicht viel, warf den Tchlafmantel über, er- griff einen meiner ruffischen Stiefel und schlich lautlos auf den Gang. Ich stellte fest, daß die Tür des Nachbarzimmers, auS dem noch immer ungebrochen die Schnarchtöne drangen, un- versperrt war. Ich öffnete leise, und ein schmaler Lichtstreif erhellte eine Ecke des Zimmers. Auf dem Bett lag, die Decke bis über die Ohren gezogen, so daß nur ein lichter Haar- schöpf hervorragte, der Schnarcher. Ich zögerte keinen Augenblick und warf meinen Stiefel gegen den Schlafenden. Da fuhr der Mann empor, und ich stieß einen Schrei der Angst und der Verblüffung aus. Der Mann hatte die Lampe angeknipst, und ich mußte zu meiner grenzenlosen Ueber- raschung feststellen, daß es gar nicht der Witzbold unsrer Ge- scllschaft war, den ich im Verdacht hatte, der Urheber des Schnarchens gewesen zu sein. Es war ein Fremder... Und doch kam mir dieses Gesicht bekannt vor. Es war mir einen Augenblick lang, als hätte ich dieses Gesicht in den Tageszeitungen, in den illustrierten Blättern schon gesehen. Ich habe mich meines Betragens derart geschämt, daß ich kaum einige Worte der Entschuldigung stammeln konnte, dann schlich ich mich aus dem Zimmer. In meinem Zimmer bemühte ich mich, daraufzukommen, wo ich den Unbekannten von hinter der Wand schon jemals gesehen hatte. Plötzlich erstarrte ich. Ich erinnerte mich: der Mann, auf den ich den Stiefel geworfen hatte, war der englische Premier Ramsay Macdonald! Am nächsten Morgen konnte ich mich überzeugen, daß meine Befürchtungen berechtigt gewesen waren: durch einen Blick in das Gästebuch konnte ich den Namen meines Nach- barn feststellen. Einige Zeit später war ich in London bei einem diploma- tischen Empfang zugegen und wurde bei dieser Gelegenheit dem Ministerpräsidenten Macdonald offiziell vorgestellt. Ich konnte es mir nicht versagen und erinnerte ihn an jenci» Zwischenfall im Gasthof in Birmingham... Der Chef der britischen Regierung lachte herzlich und meinte, daß es sich wohl um ein unausrottbares Laster handeln dürfte, denn auch von seiner Tochter Isabel werde er wegen des Schnar- chens getadelt.„Diese kleine Geschichte," fügte er hinzu, „sollte aber unter uns bleiben..." Macdonalds Wunsch ist nicht in Erfüllung gegangen. Wissen grie schon.. ,— i ... woher der Strumpfhalter stammt? Der Strumpihal- tcr wurde von keinem Geringeren erkunden als von— Immanuel Kant. Ihm bereiteten nämlich die die Zirkula- tton hemmenden runden Strumpfbänder großes Unbehagen. Um dem abzuhelfen, ersann er eine Konstruktion, die unse- rem heutigen Strumpfhalter entspricht. Der Philosoph war aber kein Kaufmann, und so behielt er diese Weisheit für sich. ... was GlaS ist? Eine Verbindung von Kieselsäure mit Metalloxyden, die durch Schmelzen in besonderen Gefäßen aus den Rohstoffen Sand, Quarz, Salpeter, Glaubersalz u. a. unter hohen Temperaturen zustande kommt. Die Glas- bläserei war bereits den alten Aegyptern und Phöniziern bekannt. ... wie oft Amerika entdeckt wurde? Elfmal trieb der Sturm fremde Schiffe an Amerikas östliche Küste. Aber es gab noch keine Truckerschwärze, um die Neuigkeit der Welt bekanntzumachen. Somit war Kolumbus der zwölfte Ent- decker des neuen Kontinents. ... warum man scharfe Augen„Argusaugen" nennt? Nach Argus, einem hundertäugigen Fabelwesen. ... welches der kleinste selbständige Staat ist? San Ma- rino, eine freie Republik, mitten in Italien. „Herzlichen Glückwunsch, Herr Schulze. Ist es ein Junge oder ein Mädchen?" „Ein Junge." „Das freut mich aufrichtig, Herr Schulze. Da stirbt wenig- stenS Ihr Name nicht aus." sTable Talk.) * Dirigent: Die Zuschauer haben Sie gut empfangen. Sie klatschen noch immer Beifall. Was haben Sie ihnen denn ge- sagt? Sänger: Daß ich erst weitersingen werde, u»enn eS ruhig geworden»st. sGoblin.) Miss Margaret Bothamley reist nach Deutschland Von R. G.-X. Die Bekanntschaft der Miß Margaret Bothamley ver- danken wir dem Herrn Sturmbannführer Schäfer, jenem erhabenen und humanen Leiter des Konzentrationslagers Oranienburg, dem er ein von Selbstlob erfülltes Buch gewidmet hat. Miß Margaret Bothamley wird von Herrn Schäfer fwer sich über ihn informieren will, greife zu Gerhart Segers„Oranienburg") als Kronzeugin zitiert, die in Oranienburg eine Burg des Grauens zu finden glaubte und ein vorzüglich geleitetes Nazi-Sanatorium für die politischen Gegner des braunen Regimes gefunden hat. In ihrer Begleitung allerdings befanden sich, wie Herr Schäfer uns verraten hat, Vertreter verschiedener Regierungsstellen,„die der Dame zugeteilt waren, um >afür Sorge zu tragen, daß sie ungehindert(!) alles sehen konnte". Miß Bothamley war au« England gekommen, um die Wahrheit über Deutschland an Ort und Stelle festzustellen. Und sie schaute„nach langem Nachdenken" Herrn Sturm- dannführer Schäfer mit„ihren guten, freundlichen Augen an" und sagte:„Ich habe Sie mir ganz anders vorgestellt. ....Sie müssen tatsächlich unbelastet sein." Und das Er- gebnis ihrer Reise hat diese„objektive" Beobachterin in einem Bortrag festgehalten, der der Nachwelt zu Nutz und Frommen siebenmal in England gehalten wurde„in der Hoffnung, den internationalen Frieden zu fördern" und der auch jetzt gedruckt vorliegt. Miß Bothamley hatte eine innere Stimme gesagt— schon lernen wir ihre Objektivi- tät kennen—:„Ich habe dieses Wort„Terror" früher ge- hört— in Zusammenhang mit Rußland, 14 Jahre lang—, nicht nur durch die Presse, sondern von Vertretern jeder Klasse, die in Rußland darunter gelitten hatten." Und da sie nach ihren eigenen Worten von ihren Bekannten aus Deutschland nach sechs Monaten Hitlerherrschaft eine Einladung erhielt, die so unbefangen war, als ob sie für ein englisches Seebad gälte, fuhr sie nach Deutschland. In Berlin war ihr Ziel das Konzentrationslager Oranienburg. »Ich kann nur bemerken, bah ich die Führer wie auch die Häftlinge sehr genau beobachtete und kann aufrichtig ge- stehen, daß ich ein liebes Kind freiwillig der Führung dieser Jungen überlassen würde." Ernst Heilmann, der ja kürzlich als ein„den jungen Männern überlassenes Kind" dem Konzentrationslager entronnen ist(übrigens aus dem Bild des Buches von Schäfer erkennbar), ist eine geistige und körperliche Ruine. Mit der Mutterliebe der Miß Bothamley kann es nicht weit her sein. Ein größerer Raum in Miß Bothamleys Vortrag ist der Iudenfrage gewidmet, zu der sie„sachverständig" Stellung nimmt. »Stellen Sie sich deshalb einmal vor, wenn Tie wüßten, daß von Rcchtanwällen 50 Prozent Juden mären, von den Privatärzten 52 Prozent, von den Schulärzten 60, von den Stabsärzten 70 und von den Zahnärzten sogar 80 Prozent Juden!" Das sagt diese Engländerin siebenmal, und niemand scheint aufgestanden zu sein, um ihr dieses Manuskript um die Ohren zu schlagen(symbolisch, versteht sich!). Wir haben eine genaue Statistik über die Teilnahme der Juden an den verschiedensten Berufen vorliegen. Rechtsanwälte gab es in ganz Preußen 8301, davon waren 2208 Juden, also 26,60 Prozent und nicht 50 Prozent. Aerzte gab es in Preußen 23 633, davon waren 3670 Juden, also 15,51 Proz. und nicht 52 Proz.. wie Miß Bothamley erzählt. In diese Aerztegruppe sind Schulärzte, die sie mit 60 Prozent, und Stabsärzte, die gar mit 70 Prozent angegeben werden, einbegriffen. Zahnärzte hat es in Preußen 4805 gegeben, davon waren Juden 713, das ist ein prozentualer Anteil von 14,79. Stellen Sie sich ein- mal vor. Miß Bothamley. wenn jemand nach England reiste und irgendwo derartige Lügen über Ihr Land ver- öffentlichte! Die führenden Stellen der Großbanken waren selbstverständlich hundertprozentig von Juden besetzt— sagt Miß Bothamley. Dann bringt sie noch einige un- kontrollierbare Zahlen über die Besetzung der Aukstchis- ratspoften.„Die Angestellten des Presseamtes waren alle Juden"(welchen Presseamtes?), obwohl der Anteil jüdischer Redakteure in Preußen nur 5,54 Prozent be- trug und es im ganzen nur 41 angestellte jüdische Redak- teure gab.„Die Kinos und Theater wurden durch Juden kontrolliert." Im Theatermusikgewerbe war die Gesamt- zahl der Beschäftigten 48 680, davon Juden 1543 gleich 3,17 Prozent. Und zu den Judenverfolgungen weiß Miß Bothamley nichts anderes zu sagen als: „Wir halten es für gransam, daß man die Juden bis- kriminiert. Wir ahnen aber nicht, wie grausam man dis- kriminiert wurde, wenn man kein Jude war." Und der Bericht strotzt von weiteren Unwahrheiten. Der Minister, der den Ostjuden die Einwanderung ermöglichte, war selbstverständlich ein Jude. In Preußen, in dessen Gebiet die polnische Grenze fiel, über die so viele Ostjuden gekommen sein sollen, gab es bekanntlich keinen einzigen Innenminister, der Jude war. In Miß Bothamleys Vortrag ist das ganze bekannte Pogrommaterial der nationalsozialistischen Partei ent- halten. Sie will der öffentlichen Meinung Englands ein- reden, daß die Juden nach Beendigung des Krieges die Häuser ganzer Straßen billig kauften und zu Wucher- preisen vermieteten.„Reparaturen wurden nicht ausge- führt, die Häuser gingen deshalb zugrunde." Und die Sintflut der Juden, die sich nach Miß Bothamleys Schil- derung„über Deutschland ergoß", wurde- von den Be- amten geduldet, die lauter Juden waren. Dabei gab es unter 22 242 höheren Beamten nur 371 Juden gleich 1,67 Prozent und unter 322 598 mittleren Beamten nur 1103 gleich 0,34 Prozent. Miß Bothamley versäumt auch nicht, die ganze Göringsche Greuelpropaganda von geplanten Ermor- düngen, von den Geisellisten mit 30 000 Namen ihrem eng- lischen Publikum vorzuerzählen. Selbst in der Schrift „Kommune" von Ministerialrat Sommerfeldt hat man es vermieden, derartige Unglaubwürdigkeiten selbst dem deutschen Volkes aufzutischen. Sie behauptet, daß während der Revolution 1918 bis Anfang Mai 1919 10 000 Menschen getötet worden sind. Jeder Eingeweihte weiß, daß nach einer polizeilichen Statistik die Opfer des politischen Kampfes bis 1932, und zwar von links und rechts, die Zahl 2500 nicht überschritten hat. aber Miß Bothamley. die„objektive" Deutschlandreise, hat sich nicht die Toten- listen des„dritten Reiches", die die Zahl von 650 für die vergangenen vierzehn Monate bereits übersteigt, zeigen lassen. Sie hat alles bemerkt, was das nationalsozialistische Regime für gut und richtig fand. Sie hat nichts gesellen von dem, was Tausende von Menschen hinter den Konzen- trationslagern gefangen hält. Sie hat nichts gesehen von der Unterdrückung Andersdenkender, nicht bemerkt, daß Tausende und aber Tausende jungen jüdischen Menschen der Lebensfaden abgeschnitten wurde. Und dennoch versteigt sie sich dazu, ihr Leben dafür zu verpfänden, daß, wenn in ihrem Lande ein ähnliches Regime herrschen würde, es in Europa nie wieder Krieg geben würde.„Nie wieder Krieg" in dem Augenblick, wo eigentlich nichts anderes in Deutschland geschieht als Aufrüstung, die jetzt sogar die englische Regierung alarmiert hat. So sieht die„objektive" Deutschlandreisende, Miß Botham'ey, aus! englische Delegation belogen! Frau Seger mit ihrem Kind noch immer im Konzentrationslager Berlin, 17. Mai. lJnpreß.) Die englische Delegation, die «ntet Führung des Earl of Listowel sich vor einigen Tagen in Berlin aufhielt und die beim Justizminister Gürtner und beim Chef der Geheimen Staatspolizei um die Möglichkeit nachgesucht hatte, Thälmann, Ossietzky, Neubauer. Torgler, Mühsam, Rechtsanwalt Litten sowie Frau und Kind von Gerhard Seger zu sehen, ist von den Beauftragten des Außenpolitischen Amtes der NSDAP., wie sich herausgestellt hat, offensichtlich getäuscht worden. Was den Fall Seger an- betreffe, erklärten diese führenden Männer der NSDAP., so seien sie sehr überrascht von dem Verlangen, Frau Seger und Kind zu sehen. Wenn in der ausländischen Presse mit- geteilt sei, Frau Seger und Kind seien verhaftet, so handle es sich bei dieser Nachricht um einen der üblichen Lügen- und Schivindelberichte, die immer noch von Emigranten verbreitet würden. In Wirklichkeit befänden sich Frau Seger und ihr Kind in Dessau in Freiheit und lebten dort absolut friedlich und sehr glücklich. Die englische Delegation, die einige Adressen von Verwandten der Familie Segers besaß, gab sich mit den Erklärungen nicht zufrieden, sondern fuhr nach Dessau. Dort stellte sie fest, daß die Behauptung der natio- nalsozialistischen Unterhändler glatt erlogen war. Frau Seger und Kind befanden sich nicht in Freiheit, lebten nicht glücklich in Dessau? die englische Delegation stellte vielmehr einwandfrei fest, daß Frau Seger mit ihrem Kinde am 16. Januar verhastet wurde und sich seitdem in dem Konzen- trationslager Roßlau bei Dessau besindet. ES war in diesem Falle möglich, die führenden Nationalsozialisten der Lüge zu überfuhren. Brief ans Baden Wir schimpfen wieder! Weiß der Teufel, waS mit unseren Bauern los ist. Kommt man ausS Land, so braucht man sich jetzt wirkUchke,»-chlotz mebr vor den Mund binden zu lassen, um nicht in^tayr zu geraten, wegen„Verächtlichmachung der Regierung der nationalen Revolu-ion" ins Konzentrationslager^ng->e-rt zu werden Wir Städter staunen und sind platt. Wahrend truhc die Bauern voll überströmender Begeisterung zu den j*ah«« rÄsSSHS f Gannerel Von den vielen Ver- sie de»»>«.!... ki. vor dem spremuuue,.„ o f 5. Mäcz.. in Erfüllung. Die Hitlerpropheten, denen dieser Sttmmungs- umschwung auf dem Lande nicht unbekannt geblieben ist, wagen sich nur noch sehr selten hinaus zu den Bauern. Halten sie wirklich aber einmal eine Versammlung ab. so ist diese entweder nur schwach besucht oder aber die Teilnehmer er- lauben sich so herzhaste Worte der Kritik und des Unmuts, daß den zungenfertigen Herren in den schönen Uniformen angst und bange wird. Im oberbadischen Ländle erklärte kürz- l'ch ein resoluter Jungbauer einem aus der Mannheimer Gegend stammenden akademischen Naziwandcrredner recht freimütig, daß er„um diesen Quatsch zu verzapfen die Fahr- karte hätte sparen" können. Der redelustige Herr macht ein langes Gesicht und unterließ im Interesse der Herstellung der wahren Volksgemeinschaft den Abtransport des rebcl- lischen Bauern ins Konzentrationslager. Der Stimmungs- umschwung bei den Bauern darf keinesfalls überschätzt wer- den. er zeugt aber davon, daß ein großer Teil des früher so treuen Anhangs sich bereits innerlich von der Nazi- 'artei entfernt hat. Vorerst schimpft man wieder, der ?ag aber w'rd auch einmal kommen, an dem es mit dem schimpfen allein nicht mehr getan ist. Der größte Teil der bäuerlichen Bevölkerung wünscht diesen Tag mit großer -ehusncht herbei. Herr Köhler merkt etwas Herr Walter Köhler, der im„dritten Reichs zum Staats- Präsidenten und Finanzminister avancierte Spezereiwaren- Händler aus Weinheim merkt allmählich auch, daß es leichter ivar, im romantischen Weinheim Reis und Sago zu verkau- fen, als in Karlsruhe an verantwortlicher Stelle die Finanz- Politik zu meistern. Trotz aller Bemühungen gelang^s ihm bis aus den heutige» Tag noch nicht, Ordnung in die Staats- finanzen zu bringen und die mancherlei Versprca,.»gen zu erfüllen, die er als tatenlustiger Stadtrat in Weinheim früher seinen Anhängern machte. Wahrscheinlich um ihn au diese selige Zeit der hemmungslosen Opposition zu erinnern, ernannte der Oberbürgermeister den Herrn M nistcrpräsi- denten wieder zum Stadtrat in Weinheim. An die Stätte seines ersten glorreichen Wirkens gelegentlich zurückkkehrend, erfüllen düstere Ahnungen die Brust des Herrn Minister- Präsidenten. Dann hagelts Blitze. So knöpste sich Herr Köhler dieser Tage in einer Rede die H a n d w e r k s m e ist e r vor. Er nannte sie„rücksichtslose Prositjäger", die ihr eigens In- tereffe mst dem des nationalen Wiederaufbaues zu verknüpfen beabsichtigen. Er habe festgestellt, daß in den letzten drei Monaten bei Vergebung öffentlicher Arbeiten von Unternehmern Angebote eingereicht worden seien, die Preis- steigerungen bis zu achtzig Prozent enthielten. Er warnt die Handwerksmeister, hinter denen sicher die In- nungen stünden, vor dieser unberechtigten Preistreiberei und kündigte scharfe Maßnahmen an. Wie oft schon w'rd Herr Köhler daran gedacht haben, daß es vor Zeiten auch beguemer ivar, die Handwerksmeister gegen den Staat von Weimar aufzuhetzen, als jetzt ihre Forderungen zu erfüllen! Adolf mit dem gewaschenen Bauch Nein, nicht Adolf aus Braunau wusch sich den Bauch! Adolf F ritsch aus Freiburg tat es. Und da man ihn damals auf einem sauber angefertigte» Fragebogen um Angabe seines Beitrages zur Arbeitsbeschaffung bat. so schrieb er draus:„Ich habe den Dachdecker angelächelt, mir einen Hosen- knöpf angenäht und mir den Bauch gewaschen." Für diese immerhin im Interesse der Gesunderhaltung des Volkes lie- gcnde Betätigung hatte aber die Kreisstelle der NSDAP., die diese Fragebogen ausgab, gar kein Verständnis.„Wegen Verächtlichmachung der von staatswcgcn eingeleiteten Maßnahmen zur Befestigung der Arbeitslosigkeit" wanderte Adolf Fritsch aus Fre'burg ins Gefängnis. In einigen Wochen wird man ihn vorm Tondergericht zu der für solche Verbrechen in Frage kommenden Höchststrafe verurteilen. Die Flugaufrüstimg in vollem Gang Die Luftwaffe wird systematisch ausgebaut. In Mannheim ist man gegenwärtia dabei, eine neue Flughalle zu bauen, in Konstanz legt man eineWasserflugzeughalle an.DieZahlderin Baden stationierten„Sportflugzeuge" ist in den letzten Mo- »aten gewaltig gesteigert worden. Es dürften jetzt etwa sechz-q„Tport"-Flugzeuge vorhanden sein. In Mannheim, Karlsruhe und Freiburg stehen hunderte von SA.-Leuten im Flugdienst, ihre Ausbildung wird durch Subven''?',-» des Reichsluftfahrtministers gefördert. In Baden-Baden gehts aufwärts Um die Mißerfolge in der„Arbeitsschlacht" zu eschen, fand das alte Schlagwort von der„Grenzlaiidiipt", die die badische Arbeitsbeschaffung ungünstig beeinflusse, auch bei de» neuen Herren in Karlsruhe bereits lebhafte Verwendung. Das ganze Land leidet darunter. Nur eine Stadt nicht. Baden-Baden, das Mekka der reichen Leute. Hier hat sich schon in den ersten Monaten d. I. die Fremdenzahl gegenüber dem vergangenen Jahr beinahe verdreifacht. Dabei ist die Zahl der Ausländer um 50 Prozent zurückgegangen. Für die Steigerung der Besucherzahl bleibt also nur die eine Erklärung, daß die neu eingerichteten Spielsäle auf die Schwervcrdiener in der braunen Uniform einen ungeheuren Reiz ausüben. To kann man sehr häufig im Kursaal in Baden-Baden hohe Würdenträger des„dritten Reiches" beim Roulette sehen. Es ist wohl außer Zweifel, daß sich die vielen verführten Arbeiter und Bauern die Aus- richtung des„dritten Reiches" ein ganz klein ivenig anders gedacht hatten. Die französischen Croupiers in Baden-Baden sind wohl die einzigen, die neben den braunen Bonze» restlos von der Notwendigkeit des„dritten Re'chcs" überzeugt sind. Die Spielbank weiß, was sie ihren Gönnern schuldig ist. Darum stiftet: sie vor kurzem wieder estimal 14 000 Mark kür die SA. Der„Sozialismus" ist auf dem Marsche! Friedhelm hats geschafft Nach und nach gelingt beinahe jedem braunen„Kämpfer" der Sprung in die Futterkrippe des Scaaies. Jetzt ivurde Friedhelm Kemper, der Führer der basischen Hitlerjugend, als Ministcrialreferent für Jugcudsragen ins Jnnenmini- stcrium berufen. Bei Kemper handelt es sich um einen be- rüchtigten Querulanten, der bei seinem früheren öffentlichen Auftreten überall große He'terkcitserfolge zu verzeichnen hatte. Innenminister Pflaumer scheint einen Spaßmacher nötig gehabt zu haben. Auch in den Städten siehts mies aus Dafür ein paar Betspiele aus der allerjüngsten Zeit: Bei Lanz in Mannheim, der großen internationalen landivirt- schaftlichen Maschinenfabrik, erklärt der„Betriebsführer" der versammelten„Gefolgschaft":„Kameraden, wenn»'cht bald dafür gesorgt wird, daß die vielen im Lager stehende« Ma- schinen verkauft werden, wenn wir nicht bald in der Lag: sind, durch noch gröbere Verbillig»»« unserer Erzeugnisse de» Ab- satz wieder zurückzuerobern, den wir einmal besaßen, dann muß der Betrieb gegen Herbst große Arbeiter ent- lasfungen vornehmen." Die„Gefolgschaft" stand dabei »nd rührte sich nicht, es gab auch keine begeisterten Heil- Hitler- und Sieg-Heil-Ruse! Bei Böhringer Söhne, ebenfalls in Mannheim arbeitet man nur noch drei Tage in der Woche, da der Weltmarkt den deutschen Arzneiprodukten, die hier erzeugt werbe», verschlossen ist. In den Mannheimer Suberit-Werken teilte der „Betriebsstthrer" der aufhorchenden„Gefolgschaft" mit. daß, wenn nicht bald d'e verrückte Deolsengesetzgebung zu Fall komme, der Betrieb schließen müsse. An der Arbeitsstelle der Zubringerstraße zur Reichs- autostraße Franksurt-Heidelberg-Basel weiß man bereits, daß in etwa sechs Wochen die Arbe t eingestellt werden muß, da die vorgesehenen Mittel zur Neige gehen. Vom angeb- lichen Rückgang der Arbeitslosigkeit verspürt mau im Man heimerJndustriebezirk nichts, nicht einmal die„alten Kämpfe." sind untergebracht worden. Kein Mensch glaubt mehr an die Sprüche, die die„Führer" verzapfen. Sndie Arbell• bringe liest! mflf h. b. Wir sind in der Lage, folgenden kleinen Beitrag zum Stande der Arbeitsfchlacht zu liefern: „Stenotypistin(Kontoristin), 28 Jahre, kg Zeugnisse, sucht möglichst im Harz Beschäftigung für halbe Tage. Suchapde erbittet(!) als Entgelt freie Pension und zahl' evtl. bis zu 20 RM. monatlich zu. Anfragen unter H. G. 30 368 an ALa, Hamburg 36". Wir haben dieses Inserat in der Nr. 117 bei„Braun- fchweigischen Landeszeitung" gefunden. Möiro"?" 6 a 1f')e Deufsche Poliklinik SÄ a) Allgemeine Konsultationen mit9 Sp«c»imen. t>) Chirurgie c) Orthopädie d) Geburtshiitliche Klinik e) Zahnärztliches Kabinett Ordination täglich von 9—12 und 2—S: Sonntags und Feiertags von lO—12 und 2—4 Uhi Pariser Beruhte Pariser Siraßenhalender Aus dem großartigen Verkehrsplane Groß-Paris wird zu dem bisher Veröffentlichten noch bekannt, daß eine der vier geplanten Autostraßen unterirdisch sein wird und von der porte Maillot nach le Bourget geht. Die Linie nach Versailles zweigt nach dem Walde von Fontainebleau ab, die über Boulogne nach Mantes(der Bergery-Stadt) und Char- tres, eine weitere Strecke geht nach dem Osten. Durch das 3-Milliarden-Werk hofft man zahlreiche Arbeitslose zu beschäftigen. * Im Jardin des Plantes wurde ein neues Gewächshaus für Kakteen eröffnet. * Der Baron de Lussats, der bekannte Gangster, bleibt in Haft, weil die zwei Diamanten, die man bei ihm fand, nach dem Gutachten des Sachverständigen die des Ringes sind, welcher bei dem bekannten Juwelier Tiffany in der rue de Paix gestohlen wurde. * Im Theatre Athenee wurde ein neues Dreieckstück„Le Suiveur de Madame" aufgeführt. Im Theatre de Dix-Francs kam eine neue Revue„Autre Temps" heraus. Die„Rassen" erlebten bereits ihre 90. Pariser Aufführung. * An den französischen Universitäten von sechzehn Orten finden in diesem Juli Ferienkurse statt. Der Monatskurs an der Sorbonne kostet 210 Fr., das viermonatige Semester der Ferienkurse 620 Fr. Weitere Kurse sind u. a. in Straßburg, Nice, Cannes, Grenoble sowie an mehreren Orten der See und in Bagneres-de-Bigorre in den Pyrhenäen. Die Bräute des Spions David Der ehemalige Offizier und jetzige Heiratsschwindler David, der, wie wir mitgeteilt haben, sich seinerzeit in Düsseldorf als Spion der Reichswehr betätigte, ist wieder einmal mit einer seiner Bräute vor Gericht zusammengetroffen. Es sind deren 10, von denen 6 gegen den keineswegs sehr verführerischen Exleutnant vorgehen. Er ist bekanntlich zusammen mit seiner Schwester angeklagt. Diesmal traf er sich mit Madame D i c k s o n. und das ist eine sehr, sagen wir. stattliche und resolute Frau. Sic „pumpte" dem ihr nahenden Manne 300 000 Franken, die sie nicht wieder sah. Von„Heirat" sei nicht die Rede gewesen, sagt sie, es sei nur eine..Bekanntschaft" gewesen. Sie soll am ersten Abend seine Geliebte, im Zuge von Bayonne geworden sein, aber sie sagt, sie war es nicht, es war eine andere, Madame Porte, die jetzt herzkrank ist. Auch sonst trat die Zeugin als Verteidigerin ihrer Rechte auf und beklagte es schmerzhaft, daß sie in der Öffentlichkeit in einer solch komischen Lage erscheinen müsse. Der Exspion hörte sich das ziemlich philosophisch an. Die Strafanträge in seinem Prozeß wurden dann bis auf den 18. Juni vertagt, und David wurde wieder in das Untersuchungsgefängnis abgeführt. Freisprechung einer Mutter In der Pariser Presse erregt einigen Widerwillen die Freisprechung einer Frau durch die Geschworenen, die ihr sechsjähriges Mädchen aus Aerger mit einem Fußtritt bedacht hatte, so daß die Kleine starb. Das Urteil ist anscheinend eine Folge des Plaidoyers des Anwalts Thaon, der darauf hingewiesen hatte, daß die Mutter durch den Verlust ihrer Kleinen schon genug bestraft sei. Doch ist eine Verteidigung dieses Freispruches in der Presse selten. Man verweist auch mit einigem Unwillen darauf, daß diese Mutter nun ihre beiden anderen Kinder, die ihr durch die Wohlfahrt abgenommen waren, wieder erhalte. Die tote Kleine war die Erste in der Schulklasse und ein sehr begabtes Mädchen. Sie sagte noch vor ihrem Tode zu dem Vater:„Küß mir die Mutter und Brüderchen und Schwesterchen." Der Vater der Kinder machte vor Gericht einen ausgezeichneten Eindruck; er sagte bekümmert, daß seine Frau die beiden anderen Kinder der kleinen toten Simone vorgezogen habe. Ausländer-Kontrolle in Paris Wie das„Journal" und andere Blätter mitteilen uii das Mitglied des Pariser Stadtrats M. Georges Copigneaux den neuen Polizeipräfekten M Langeron darauf aufmerksam gemacht, daß eine strengere Ueberwachung der Ausländer vonnöten sei, die sich in Paris aufhalten, ohne einen festen Beruf auszuüben. Der Stadtrat erklärt, gewisse Viertel der Stadt seien voll von Leuten, die wenig erwünscht seien und gegen die eine sträfliche Milde angewandt werde. Die Unterdrückung dieser Elemente falle viel zu milde aus. Vielleicht ist dieser Fall angetan, daß sich einmal der High Commissioner in Genf auch einmal um die Verhältnisse in Paris kümmert, die— wie wir zugeben— zwangsmäßig schwierig sind. Gerade das Bekanntwerden zweier großer Projekte— des Ausbaus von Groß-Paris und die Vorbereitung der internationalen Ausstellung 1937— wird aber doch wohl zu einer starken Belebung des Arbeitsmarktes beitragen. Vielleicht ließe sich da auch die Unterbringung eines gewissen Prozentsatzes ausländischer Spezialarbeiter. ohne daß den bevorrechtigte Ansprüche genießenden Arbeitslosen des Landes Schaden erwächst, einer Prüfung unterziehen. Geselliges Beisammensein im Deutschen Klub Im Pariser nicht gleichgeschalteten„Deutschen Klub"(gegründet 1925) ist am Samstag, dem 19. Mai, um 21 Uhr, geselliges Beisammensein mit Tanz. Damen und Herren sind als Gäste sehr gerne willkommen. Es wird um 5 Franken als Unkostenbeitrag gebeten(von Stellungslosen 3 Fr.). Im Deutschen Klub kann jeden Samstag auch Schach und Ping-Pong gespielt werden. Die verschiedensten Zeitungen liegen zur Einsicht aus. Die Adresse des Klubs lautet: Universite du Parthenon, 64, Rue du Rodler, Pari« 8(am Bahnhof St Lazare). Serge de Lenz kommt nicht nach Guyana? Die Verurteilung des Frauenlieblings und ehemaligen Hochstaplers Serge de Lenz zu der sehr harten Strafe von zehn Jahren Zuchthaus erregt in Frankreich Befremden. Wie man weiß, hat Serge den Koffer des reichen Amerikaners de Guise-Hite, des nach der Verhaftung des Hausgenossen geflüchteten Freundes, anscheinend mehr oder weniger mit dessen nachträglicher Genehmigung, genommen. Die drei Fragen an die Geschworenen des normannischen Gerichtes in Ronen haben auf Einbruch? mit Nachschlüssel? an geschlossenem Gut? gelautet und wurden alle drei nach kurzer Beratung mit„ja" beantwortet. Die vierte Frage, nach mildernden Umständen, wurde ebenfalls bejaht. Die drei ersten„Ja" zogen nun mathematisch zehn Jahre nach sich, weil der schöne Mann baltisch toulousischer Abstammung bereits mit zehn Jahren bestraft war, und zwar müßte er die neue Strafe, als Rückfälliger, absitzen in Guyana. Wegen mildernder Umstände wurde lediglich die an sich verwirkte Strafe der Zwangsarbeit in Zuchthaus verwandelt. Während der Beratung des Strafmaßes sagte Serge de Lenz, der einen Schock bei der Verlesung der Schuldfragen erhalten hatte, daß ihm das Strafmaß, die zehn Jahre, bekannt sei. Er mache sich keine Illusionen. Aber er schwöre, daß er einen Passe partout-Schlüssel von Herrn de Guise erhalten, also nur einfachen Diebstahl begangen habe. Herr de Guise werde eines Tages zurückkehren und das zugeben. Der Verteidiger des Abenteurers hat jetzt das Rechtsmittel an den höchsten Gerichtshof, die cour de Cassation eingelegt, den der Verurteilte in seiner Zelle im Gefängnis zu Rouen, das den seltsam widerspruchsvollen Namen„Bomke Nonvelle" führt, unterzeichnet hat. Die Sahara-Ausstellung Im Ethnographischen Museum des Pariser Trocadero liegt die Sahara ausgebreitet. Das ganze gewaltige Kolonialreich mit seinen Bewohnern, den„Sidis", seinen Oasen und Karawanen ist ausgestellt, von Tripolitanien bis zu den Ufern des Niger. Zahlreiche alte Afrikaner und Fremdenlegionäre finden in diesen Sammlungen aus dem Reiche der Sonne die Erinnerungen ihrer Jugend wieder. Man sieht in den Wunderwerken der Menschen im Burnus, die der Dr. R i v e t, der Leiter des Museums für Völker- Sie lesen die „Deutsche Freiheit** in Strasbourg in folgenden Gastwirtschaften: „Au Poilu de la Marne"(Weißturmstraße) „Schnokeloch"(Weißturmstraße) Brasserie an Grenadier(Langstraße) Brasserie„Goldene Kette"(Langstraße) Brasserie„Miroir"(Langstraße) „Zu. Glocke"(Schwesterngasse) Brasserie„An bateüer"(Schiffleutstaden) Pension Tel Aviv(Alter Fischmarkt 15") Bevorzugen Sie diese Lokale bei Ihrem Besuch in Strasbourg! künde, zusammengestellt hat, die Vorgeschichte dieses Erdteils des Sandes ebenso wie seine jetzige bunte halbeuropäische Kolonisation und seine Waffenpracht, seine religiösen Gebräuche und seine majestätischen Gewänder. Die Schwerter und die Prachtkleider der Tuaregs blinken, und die Sättel und Rüstungen der arabischen Reiter, die Gold- und Silbergehänge der Söhne des Atlas sind ausgebreitet; darunter die Edelsteine der Königin der Tuaregs. Unter den Namen der Erforscher dieses Wüstenreiches finden sich neben Franzosen und Engländern sowie Italienern aus der benachbarten italienischen Sahara, auch D e u t 8 ch e. Die Wissenschaftler von London und Oxford, der Louvre in Paris, die geogr&fische Gesellschaft von Berlin und das Museum von Vegesack bei Bremen haben zusammen geholfen. Unter den Forschern und Eroberern sind manche getötet oder ermordet worden, so der General Clavery, der am 8. Dezember 1928 mit seiner Begleitung am Djebel Arial den Tod fand. Sehr zahlreich sind auch die Reiseerinnerungen an den kürzlich verstorbenen Prinzen Sixtus von Bourbon. Vieles sieht man. eins sieht man nicht: die Hitlerianer, wie sie die Bevölkerung Marokkos von Ifni aus den Schlupfwinkeln gegen die Franzosen aufhetzen und sie mit Waffen versehen, wie es kürzlich noch aus den Veröffentlichungen des ausgezeichneten schweizer Berichterstatters Charles Reber in englischen und französischen Blättern bekannt geworden ist. mmmwitamT 1*** Düsseldorfer. In dem Stadtchen Grevenbroich an der Erst ist im vorigen Krühjahr der Kommunist Karl Hackstein von National- soztalisten in«inen Hinterhalt gelockt und erscho,,en worden. Noch auf. den tödlich verwundet am Boden liegenden Mann.vu-der, Schliß« abgegeben. Hauvttäter war der Obersturmführer Berger. Gr ist später, wahrscheinlich zur Belohnung für leine Sa« aus einen hoben Polizeiposten am Niederrhein berusen worden Wie Sie un» nun mitteilen, hat er sich seiner Beförderung nicht lange treuen tonnen. Er raste mit dem Auto gegen einen Baum und fand«inen gräßlichen Tod. Al» frommer Mann verweisen Sie uns auf da» Wort au» dem Römer-Brief:.Die Rache ist mein, spricht der Herr, ich will vergelten."— In diesem Kalle mögen Sie recht haben. Manchmal wird aber etwas nachgeholfen werden mü„en, da- mit die Mörder und Banditen zu ihrer gerechten Strafe kommen. Kommunistischer Leser. Ihnen haben Freunde geschrieben, daß das Maiabzeichen für den nationalen Feiertag in Teutschland wegen der Embleme Hammer und Sichel ganz allgemein„Mostau- Plakette" genannt wurde. Tag an zahlreichen Stellen in der Frühe des ersten Mai marxistische Flugschriften angeheftet waren, wigen auch wir aus Briefen unserer Kreunde. Alans Köln. Sie schreiben uns einige Kölner Hitler-Witze: Man erzählt sich- das achtzehnstöckige Kölner Hochhaus solle um zwanzig Stockwerke erhöht werden, weil es als Kleiderschrank für Gvrings Uniformen benutzt werden soll. Um genügend Kleiderbügel zu ver- schaffen, soll der Grunewald bei Berlin abgeholzt werden.— Neulich besuchten Hitler und Göring die Kölner Lper. Es wurde „Lohengrin" aufgeführt. Hitler duselte ein. Plötzlich erwachte er und fuhr erschrocken fjtch, als er auf der Bühne einen M inn in goldglänzender Uniform mit goldenem Helm und in rotem Mantel stehen sah.„Aber Hermann, was ist denn das schon wieder für ein« Uniform?"— Tllnnes besucht seinen Freund Schäl und steht, daß dieser den Heiland Jesus Christus zwischen Bildern von Hitler und Göring ausgehängt hat. Tünnes:„Tu, ich mein aevver, dat wör nit räch, dä Heiland zwischen die beiden ze hänge." Schäl:„Ich weiß nit, wat do wells, dä hing doch in der biblischen Gescheech och zwischen zwei Schacher."— Um die Schwierigkeiten mit dem Kon- krrdat beizulegen, wurde Göring nach Rom entsandt. Er kam, sah und stegte und telegrafierte an den Bischof von Trier:„Papst gleich- geschaltet. Bitte Heiligen Reck anlegen»u dürfen."— Auf der Rückreise besuchte Göring den Palmengarten in Frankfurt a. M. Er nahm von Rom einen Schneider im Flugzeug mit, der ihm auf der Fahrt eine Tropennniform machen mußt«. H. C., Utrecht. Auf einer Geschäftsreise am Niederrhein haben Sie vor einigen Tagen festgestellt, daß in Jüchen und in Odenkirchen bei M Gladbach die Synagogen geschändet worden stnd. Die Tempel wurden erbrochen und die Kultgeräte auf die Sträße ge- morsen. Ter Frevel erfolgte unmittelbar nach der antisemitischen Hetzrede des Reichsininisters Tr. Göbbels im Sportpalast zu Berlin. „Mann der Arbeit". In den Betrieben geht folgende Frage um: „Weißt Tu, daß in den Buchstaben NSDAP, die Antwort auf die Frage steckt, wie lange Hitler noch regiert?— Nämlich: Noch solange die Arbeiter parieren." Dr. W. R., Madrid. Sie machen uns auf eine Aeußerung in der nationalsozialistischen Zeitschrift„Ter neue Weg" aufmerksam. Dort heigt es, die Spießer über dreigig Jahren müßten samt ihren Plüschsosas und Schlafmützen>n dieser Erde vertilgt werden, ehe die Jugend ungestört ihren Kamps zum guten Ende bringen könne!— Es wird nicht so schlimm gemeint sein. Ein paar Jährchen über dreißig wird man uns schon leben lauen. Tonst bliebe ja außer Beldur von Schirach. der schon mit 27 Beltweiser geworden ist, auch von den Naziheroen kaum noch einer übrig. Selbst ein nicht ganz unbegabter Mann wie Napoleon wurde immerhin erst mit 35 Jahren Kaiser der Franzosen. Katholik Völklingen Sie schreiben uns:„In den katholische« Jugendverbänden des Saargebiets herrscht seit einigen Tagen ein ziemliches Durcheinander wegen des Tages des Vereins für daS Deutschtum im Auslande in Trier. Es war auch den saarländische!; katholischen Jugendvereinen durch die reichsdeutscheu Behörden untersagt worden, sich in Uniform und mit Bannern zu beteiligen. Tarauf zogen stch die saarländischen Katholiken in den Schmoll- winkel zurück und verzichteten aus die Fahrt nach Trier. Nun hört man, daß der Reichskanzler persönlich angeordnet habe, die Saarländer dürften in ihren katholischen Uniformen und mit Bonnern erscheinen, wenn ste geschlagen anmarschieren und ab» marschieren. Auch der Reichskanzler befürchtet also, daß einzeln« katholisch« Jungens in Uniform von Nazirowdps überfallen werden. Jedenfalls werden nun die Jugendvereine in Uniform und mit Bannern nach Trier fahren. Das ist aus seden Fall zu begrügen, weil so die reichsdeutschen jungen Katholiken, denen man Uni- formen und Banner verboten hat. mit eigenen Augen sehen werden, wieviel freier der Katholizismus an her Saar noch ist und die saarländische katholische Jugend wird erkennen, daß die Unter- werfung unter das neubeidnische Hitler-Regiment für die Katho- liken Entrechtung und Demütigung bedeutet." L. v. C., Frankreich. Wir glauben nicht, daß die Ausweisung Friedrich t lers und seines Mitarbeiters Dr. Sturmthal aus der Schweiz zu befürchten ist. In der jüngsten Sitzung des Züricher Kantonrats kam die Hetze, die u. a. die„Neue Züricher Zeitung" gegen Friedrich Adler führt, zur Sprache. Auch die retchsdeutsche Emigrantin Profegor Anna Siemsen wurde in die Tebatte ge- zogen. Der sozialdemokratische RegieningKrat Vinter stellte fest, baß Fritz Adler und Sturmthal nicht politische Flüchtlinge find, son- dein vom bürgerlichen Bundesrat bereits vor Jahren die Aufent- haltsbewilli"»ng in der Schweiz erhielten. Ihre Tätigkeit ist seit Jahren dieselbe und hat nie zu irgendwelchen Klagen Anlaß ge- geben. Daß Ne als Lesterreicher nach den Ereigniaen in Lester- reich in öffentlichen Versammlungen über diese Ereignige sprachen, ist schon rein menschlich ohne weiteres verständlich. Was die Frau Professor Siemsen anbetrifft, hat sie vom eidg. Polizeidepartement ausdrücklich die Bewilligung zur Leitung von Kursen der Bildungszentrale Zürich der SP. erhalten. Der RegierungSrat hatte angestchis dieser Tatsachen keinen Grund zu irgendwelchen Maßnahmen gegen die erwähnten Personen. Marga in Zürich. Ter Baller Theologe Wilhelm Bischer an der theologischen Schule in Bühel bei Bielefeld ist gemäß»egelt worden. Er wurde davon gesagt wie das im„dritten Reiche" jedem ergeht, der stch nicht knechtisch dem Slfstem unterivirst. Ter„Neuen Züricher Zeitung" wird, wie wir einem von Ihnen eingesandten Zeitunasansschnitt entnehmen, dazu geschrieben:„Wo bleibt eigent- lich der Einfluß unserer schweizerischen politischen Stellen solchen absolut willkürlichen Entlassungen verdienter schwei-erischer Akademiker in Teutschland gegenüber? Sonnte nichr unsere Gesandtschaft in Berlin angewiesen werden, in solchem Falle einen Schritt zu tun? Sogar die Frage, ob nicht, so unsvmpatbisch die? wäre, zu Repressalien gegriffen werben müßte, legt stch alsaemach nahe. Müssen wir wirklich tatenlos zu- sehen, wie unsere Leute ohne jeden sachlichen Grund, jedenfalls ohne nachweisbaren politischen Grund, vor die Türe gesetzt werden, einfach weil ste gewissen Kreisen innerhalb der deutschen Kirche nicht genehm sind?" „Repre alien?" Bisher find in Blättern wie der„N. Z. Z." nur Reprellalie» gegen die Kräfte in der Schweiz verlangt worden, die sich gegen die Methoden des„dritten Reiche?" wehren. Die maßgebende Schwei'er Presse und die Schweizer Behörden müßten eine ganz andere Sprache führen als bisher, wenn ste von den jetzigen Berliner Machthaber« respektiert werden wollen. Den Leuten iw"oniert diplomatisches Auftreten nicht, denn ste halten e» für Schwäche. Füi den Mesamtinbalt verantwortlich: Johann P l tz In Tud» weilet, fiir Inserate; Ctto Kuhn in Saarbrücken Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Bolkssttmme GmbH„ Saarbrücken& Schützenstraße 5.— Schließfach 776 Saarbrücken.