Sinzigs onabstänqige Tageszeitung Deutschlands Nummer 115— 2. Jahrgang[Saarbrucken, Sonntag-Montag, 20.-21. Mai 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Aas dem Inhalt Die!Bedinec 3tandqcanate. Seite 2 Die /caMsäsiscft- tus&L&che. jinnäkeciutg, Seite 2 tiithüttuMQ des deutschen Wictschafisuxandees Seite 4 'P-eanqecnuq(TAataqcaphie) Seift» 7 Der große Sttmmungsumschwung tm ReiSfte Orlglnaiberlchte der„Deutschen Freiheit" <«eit einigen Wochen erreichen uns Berichte aus dem Reiche, die einmütig den großen Stimmungsumschwung gegen das System feststellen. Zum Teil>>nd:*nfere. Vertrauensleute von einem Optimismus, der mit ecm bald gen »Zusammenbruch" rechnet. Ob dieser Optimismus brert- 1-ßt ist, lassen wir dahin gestellt. Unsere Kameraden drinnen und wir draußen wollen jedenfalls mit aller'traft an der Zersetzung und der Unterwühlung der H llerdiktatnr an betten, die übrigens selbst am meisten für chre Abnutzung tut. Die kommende revolutionäre Phase wird imwälzende Machtverschiebungen bringen und unsere Ausgabe>st es, sie nach links hin zu verlagern. Wie wenig sich die Nationalsozialisten ihres Einflusses auf die Massen noch sicher fühlen, zeigt die Anweisung der Reichspressestelle im Propagandaministerium an die Redak- tivnen, über die Ergebnisse der„Vertrau, t,-» ä n n e r- mahlen" in den Betrieben nichts zu veröffentlichen Uns liegen aber mehrere Dutzend Ergebnisse wlcher Betriebswahlen vor, die fast ohne Ausnahme große Mehrheiten gegen die nationalsozialistische Liste erbrachten. Große Teile der Belegschaften enthielten sich der Stimme oder machten die Stimmzettel ungültig und selbst bei dem so verbleiben den Rest ergab sich noch in den meisten Fälle eine Mehr?', t gegen die Nationalsozialisten. Trotz Terror. Trotz der 4t- kahr. die Arbeitsstelle zu verlieren. Stammten unsere bisherigen Berichte meistens aus G-- bieten mit alter gewerkschaftlicher und sozialistischer Schulung. so sind uns neuerdings Zahlen aus dem Aachener Kohlengebiet zugegangen, das stets nur schwache politische Organisationen und eine gewerkschaftlich und politisch nur wenig geschulte zusammengewürfelte Ar» beiterschichten hatte. Auch in diesem Gebiet zeigt sich aber die wachsende Ablehnung der Auflehnung gegen die national- sozialistische Diktatur. Hier einige Zahlen, wie sie uns ein Bergarbeiter mitteilt: Aus der Grube Lanrweg waren wahlberech- tigt 2141. Stimmen wurden abgegeben 1912, demnach eine Wahlbeteiligung von 8S,S Prozent. Auf den Wahl- Vorschlag entfielen jedoch nur 486 Stimme«. Grube„Gouley". Wahlberechtigt waren bwr l»t2. Stimmen wurde» abgegeben 1622, jedoch erhielt der Wahl, Vorschlag sage und schreibe nur 282 Stimmen. Die Be- teiligung betrug hier 84,7 Prozent. Grube„Elchweiler Reserve". Wahlberechtigte 2t7l. Stimmen wurden abgegeben 1854. Die Beteiligung war demgemäß 85,4 Prozent. Auf den Wahlvorschlag ent- fielen hier 1184 Stimmen. Wenn man diesen Schwindel der Bertrauensratswnh'.cn auch nicht als eine Wahl ansehen kann, da ja aar ein Wahlvorschlag gemacht werden kann, so ist das Ergebnis ein glänzendes Barometer für die Stimmung und ein noch besseres Mißtrauensvotum gegen die WaHtvorschUge der Nazis. Aus Grube„Adolf" war das Ergebnis auch fem besonderes. Wahlberechtigt waren hier von einer Belegschaft von 8484 Beschäftigten 22S2. Die Zahl der abgegebene» Stimmen jedoch betrug, hier nur 1444. Also 68 Prozent haben nur gewählt. Bon diesen 63 Prozent, also den teil abgegebene» Stimmen wurden nur 68 Prozent für den Wahlvorschlag abgegeben. Es haben demnach 788 nicht ge- wählt und von denen, die gewählt haben. Laben HS Pro- zent ebenfalls ihre Stimme nicht dem Wahlvorschlage Es ist das, wenn man die Berhältn'sse hier berllck- fichtigt. ein für die Nazis geradezu katastrophales Er- gebuis, denn es ist fast ohne Einwirkung nur aus der Stimmung der Arbeiter gekommen. Aus der Mariagrube in Marieudors find die Bertraueusrätewahlen gar nicht bekannt gemacht worden. Das Ergebnis war so katastrophal und die Bemerkungen ans den Wahlzetteln waren so„regimesreundlich, daß man sich nicht getraute, diese zu verössentlichen. Aus einer Reihe von Industriebetrieben eren Bele^ schatten uns bitten, die Firmen nicht»u nennen, wirb u geschrieben, daß zahlreiche Zettel, in ein F'^ mit v»t,fi»i ♦ i" iritf) Rot Front! beschrieben waren. Es wurden große Untersuchungen mit Schnttvergleichen an- gestell" ohne daß man die Uebeltäter hatte fassen können. In einem Tertilbetrieb. der übrigens mcht im Me.n^ «7mmunich aus dem' Bliebe"oerhaftei. undfordet. ^r^^?t7°7e?Al7erzn^°n d.eses Kameraden. Darunter stand in großen Buchstaben«Vorsicht D y n a- mit"! Ter Kranz hing fast eine Woche. Im Betriebe herrschte finsteres Schweigen Niemand sprach über den Vor- fall. Tonst berichten unsere Vertrauensleute einmütig, daß Kritik bis zu lautem Schimpfen sich wieder öffentlich hervor- wagt. Das trifft neben den Mittelständlern vor allem auf Erwerbslose und Notstandsarbeiter, aber auch auf Bauern und namentlich Bäuerinnen zu. Briefträger berichten vom Lande, daß sie auf Bauernhöfen, wo die Leute bis zum Herbst begeisterte Nationalsozialisten waren, auf den ihnen amtlich vorgeschriebenen Gruß„Heil Herlter!" entweder ein scharf betontes Guten Morgen oder Guten Tag hören, oder daß man das„Heil Hitler" mit verächtlichen Gebärden und höhnischem Tonfall zurückgibt. Alles ist darüber einig, daß die Wahlen am 12. November der Höhepunkt waren. Seitdem gehts abwärts! Aus dem Rheinlande werden viele unverheiratete Er- werbslose in die Landwirtschast nach dem Osten„vermittelt". Das heißt also, sie werden kommandiert und z w a n g s- verschickt. Wer sich weigert belommt keine Unterstützung. Man muß sich vorstellen, wie das auf die Rheinländer wirkt, für die eine solche Fahrt nach Ostpreußen beinahe eine De- portatron nach Sibirien ist. Mit allen Mitteln versucht man sich zu drücken. Auch ein Teil der SA. ist nach dem Osten abkommandiert. Soweit die Leute verheiratet sind, erhalten die Frauen Unterstützung mit einer wöchentlichen Zulage von 2 Reichs- mark. Viele SA.-Leute suchen sich von diesen Kommandos nach dem Osten freizumachen. Zahlreiche SA.-Leute sind aus diesem Grunde verhaftet worden. Der Stimmungsum- schwung in der SA. äußert sich auch darin, daß manche ver- suchen, ihre Mitgliedschaft in der©" loszuwerden, was allerdings nicht leicht ist. Kennzeichnend ist auch, daß die SA. nicht mehr wagt, in der früheren Schärfe gegen rebellierende Andersdenkende vorzugehen Man kann jtzt schon manchmal hören, daß SA.-Leute sagen, sie hätten im März 19 8 8 die Verkehrten gepackt, und die Richtigen kämen er st noch an die Reihe. Während des großen Maiumzuges in Aachen kam die rheinische Spottlust in einem Karnevalslied zum Durch- bruch. das natürlich mit politischer Ueberlegung gesungen wurde. Eine große Anzahl von Gruppen sang oder summte immer wieder:„Wenn das so weiter geht, ein halbes Jahr, haben wir das Delirium, hallejujah!" SA. und TS. suchten immer wieder das Singen und Summen zu unter- binden,^aber zur großen Freude der Zuschauer und Zuhörer an den Straßen, hörte man das Lied immer von neuem. Auch „Freiheit, die ich meine", wurde angestimmt: es war bei den abendlichen Feiern in den iWrtschaften das am meisten ge- sungene Lied. Auch begrüßte man sich mit„Freiheit!" und fügte singend hinzu«...die ich meine". To werden allerlei Auswege gefunden, die in aller Oeffentlichkeit die wahre Gesinnung zeigen. Zu den Vertrauensrätewahlen ist übrigens noch nachzutragen, daß in einer Reihe von Betrieben in Aachen die Vertrauensmänner ernannt werden mußten, weil man keine NSBO.-Leute als Kanditen hatte. Auffallend ist, wie viele Leute in der Aachener SA. sich krank melden, wenn sie zu militärischen Uebungen ausrücken sollen. In Aachen ist jetzt angeordnet worden, daß sich die krankmeldenden SA.-Leute bei bestimmten Vertrauensärzten vorstellen müssen. Wer dies nicht tut. wird mit Arrest be- straft. Ueber die Stimmung in den katholischen Organisationen braucht nichts gesagt zu werden. Die ist von Zorn und Haß geladen. Am Himmelfahrtstage machten die katholischen Bünde als geschickt getarnte Gegendemonstration gegen die Uniformverbote und die Unterdrückung der katholischen Jugendorganisationen eine Marienwallfahrt nach Aachen. Etwa 80 000 Jugendliche nahmen daran teil. Schon bei der Anfahrt der katholischen Jugend kam es zu Provokationen durch die Hitlerjugend und die SA. An mehreren Stellen prügelte man sich. Auf dem Kapuzinergraben im Zentrum der Stadt kam es schließlich zu einer wüsten Schlägerei, baß die Landespolizei eingesetzt werden mußte. Als Stimmungszeichen ist wichtig, baß seit einigen Wochen das Vertrauen i« die Währung erschüttert ist. Bei den einfachen Leuten ist das Gerücht verbreitet, die Mark gelte im Auslande nur noch 6 Pfennig und das wird ge- glaubt. Viele Menschen, die sonst den HandelSteil nicht lesen, interessieren sich für den Reichsbankausweis, für die SfinttflUeifi ron.'ffarrer Cork Jatfto Feuer kann man löschen, Wasser läßt sich eindämmen, Luft kann man absperren durch Steine und Glas. Aber der Geist läßt sich nicht dämpfen, seine Fluten brechen alle Deiche entzwei, seine Ströme brausen über Jahrtausende dahin. Als er zuerst seiner selbst inne ward, als er seine Fähigkeit anfing zu fühlen, als er in den Schauern der Furcht und in den Wonnen der Hoffnung zum erstenmal sein Herz erbeben ließ — da brach ein neuer Weltentag an. Ein Geschlecht stieg empor aus dem Dunkel eines dumpfen Naturlebens zum Morgenrot bewußten Denkens, eigenen Wollens, selbstlosen Liebens. Aus dem Tier wurde der Mensch. Der Geist schaute sich selbst und in der Selbsterkenntnis über sich selbst hinaus; die Seele entdeckte den ewigen Gott. Nun konnte sie atmen in ihrem Element, sie konnte steigen, fliegen, überwinden. Aus der Sklavin war eine Herrscherin geworden, und die Herrscherin ergab sich in freiem Dienst der Anbetung des kommenden Gottes. Das Zukünftige ward ihre Lust. Drum dämpfet den Geist nicht, ihr Freunde, die ihr euer Bestes von ihm empfangt. Fürchtet euch nicht vor der starken Hand, womit er euch faßt. Erschreckt nicht vor den Zickzr.ckwegen, die er euch führt. Er hat euch zu lieb, um euch das Fertige zu schenken. Er schafft euch zu hoch, um euch vom Suchen zu entbinden. Weil er selbst Leben, Licht und Allmacht ist, möchte er euch aus allem Sdilaf erwecken, aus jedem Nibelheim verjagen, aus aller Ohnmacht aufrütteln. Bedürft ihr der Ruhe, will er es sein, der singend und spielend sie euch schügt: und bricht der Morgen an. so drängt er euch lachend auf den Weg des Tags mit seiner Plage zu frohgemutem Wirken. Er bleibt euch hold, auch wenn ihr irrt und euch vergreift. Aber zornig wird er, wenn ihr ihm euer Vertrauen entzieht. Dann schüttelt er eifernd sein leuchtendes Haupt, um sich über den Schmerz hinwegzuhelfen, der ihn im Innersten quält. Drum dämpfet den Geist nicht. Aber verachtet auch Prophetenrede nicht. Sie ist ja seine eihabendste Sprache. Der Genius ist sein Liebling vor allen. Ihn stattet er verschwenderisch aus; nirgends fühlt er sich so zum Geben gestimmt, als wenn er in ihm sein Haut sich baut. Da muß alles überfließen von Kraft und Milde, von Schönheit und Kunst. Da entfesselt er die ewigen Gegensätze der Menschlichkeit; Haß und Liebe, Wonne und Weh', Leben und Tod Aus Prophetenmund hält er die Predigt von Sein und Nichtsein, von Himmel und Hölle. Was in der Tragik des Lebens so oft zu niedrigster Allgemeinheit herabsinkt: hier gestaltet es sich zum hohen Schauspiel des ringenden Helden, der im Unterliegen diejenigen erlöst, die ihn ver- stehn. Hier lehrt er uns den Atem anhalten und bietet uns im Rollen der Begebenheit das Heiligenbild, vor dem man bewundernd und anbetend stille steht. O daß wir dann bewundern, daß wir anbeten können! Drum sei uns gegrüßt, Tag der Pfingsten, Frühling des Geistes, Jugend der Welt! Und bleibe bei uns, wenn das Geistlose unsere Seele bedroht! Reden des Herrn Dr. Schacht, für die Transfer-Konserenz, für die Handelsbilanz. Man vermutet, daß dem Volke die Wahrheit über die Wirtschafts- und Finanzlage vorenthalten wird. Es beginnt die Flucht in die Sachwerte und das Hamstern. Sehr beliebt sind Anzugstosse und Wolle. Man befürchtet nicht nur Preissteigerungen, sondern Material- mangel, weil man glaubt, daß bei der Sperre der Woll- einfuhr und dem Gerede von Ersatzstoffen in absehbarer Zeit gute Ware nicht mehr zu bekommen sein wird. So geht aus allen Berichten die Erschütterung des Ver- trauens und der Zweifel an der Beständigkeit des Hitler- rcgimes hervor, auch bei manchen Leuten, die vor einigen Monaten noch glaubten, die Regierung werde für unabseh- bare Dauer bleiben. Die deutsche Diktatur ist in ein kri- tisches Stadium eingetreten. Es ist möglich, vielleicht sogar wahrscheinlich, daß sie diese erste Krise überwinden wirb. Allerdings könnte der Tod des Reichspräsidenten, mit dem immer noch im Laufe des Jahres gerechnet wird, die Krise komplizieren. Wie die Entwicklung der nächsten Monate auch sein möge, eine sehr starke Einbuße an Autorität und Ver- trauen wird sie für das Regime bedeuten und für seine sozialistischen Gegner die ersten Anzeichen einer Erhebung nach dem schweren Zusammenbruch. Umrüstung und Sicherheit Nadi der Rede ßaldwins DNB. London. 19 Mai Als wichtigstes Ergebnis der Unterhausaussprache über die Außenpolitik greift die eng- tische Preise die Erklärungen Bald w ins über die Bor- bereitungcn für eine englische Luftansrnstung heraus. In großen Schlagzeilen verkünden die Blätter:„England plant den Bau einer großen Luftflotte". Einige Zeitungen wollen bereits Einzelheiten über die RegieriiitgsplSnc wissen. To meldet Daily Expreß, daß die Standorte mehrerer neuer Kricgsflugpläye bereits festge- legt worden seien, daß Pläne für die Erleichterung der Fliegeratisbildiing bereit lägen, und daß als erste Aus- rüstungsmaßnnhme 19 neue Fluggeschwadcr geschaffen werden sollten.— Ter sozialistische Daily Heralb berichtet, daß die Negierung neue zusätzliche Voranschläge für den Bau von 799 Flugzeugen aufgestellt habe, die schnellstens im Parlament eingebracht werden sollten, falls die Genfer Ber- Handlungen scheitern. Das Luftfahrtniinisterium plane den Bau von mindestens drei„defensiven" Flieqerstützpunkten an der englischen Südostküste. Bier der größten englischen Klugzcugfabrikcn könnten sofort mit der Massenherstellung neuer Hö^nlriftungsslngzcuge beginnen. Die„Time s" schreibt in einem Leitartikel u. a., ein Vor- schlag, die englischen Luftstreitkräfte dem Stand der anderen Hauptmächte anzunähern, dürste auf geringen Widerstand stoßen. In diesem Zusammenhang greift das Blatt die eben- falls stark beachtete Aeußerung Baldwins über die Frage der Sanktionen aus. Selbstverständlich, so schreibt das Blatt, gehöre es zu irgendeinem Plan kollektiver Sanktionen, daß sie die Ergänzung für eine Rüstungsherabsetzung jeder ein- zelnen Nation bildeten Times kritisiert dann die englische AbrüstungSpolitik während der letzten Wochen und oerlangt von der Regierung eine baldige Aufklärung gewisser Punkte. Die„Times" vertritt schließlich ihren bekannten Stand- punkt, baß England keinerlei abenteuerliche Ticherheitsgarantien eingehen dürfe. England habe bereits im Völkerbundsstatut Verantwortungen über- nommen, die über seine Leistungskrast hinausgingen. „D a i l y Telegraph" entnimmt den Aeußerungen Baldwins daß England sich auf keinen Fall an irgend- welchen Sanktionen beteiligen könne, an denen nicht samt- liche anderen Staaten teilnehmen. Nur ein wirklich kollek- tives Sanktionsl^em könne in Frage kommen. Da? Blatt begrüßt ebenfalls die Ankündigung englischer Aufrllstungs- maßnahmen. Wenn England stark sei. bann werde man es respektieren, und dann könne sein Einfluß für den Frieden sehr wohl entscheidend sein. Französisch rassische Annäherung „Ein wendepanhi" in der europäischen Poiilih? litwinow in Genf Rußland tritt in den Völkerbund ein? dnb. Genf, 18. Mal. Soeben wird in Völkerbundskreisen bekannt, daß der russische Außenminister Litwinow heute früh in Genf eingetroffen ist. Er soll schon heute nachmittag ein« Unterredung mit dem französischen Außenminister Barthou haben. Dieses überraschende Eintreffen LitwinowS in Genf gibt natürlich zn unzähligen Gerüchten und Ber- mntungen Anlaß. Es erscheint nicht ausgeschlossen, daß der russische Außenminister wegen eines etwaigen Eintritts Rußlands in den Bölkerbund sondieren wird, wobei bekannt- lich Frankreich und Rußland seit langem zusammenfielen. Gleichzeitig hat Rußland natürlich auch an dem Schicksal der Abrüstungskonferenz und an allen Abrüftungssragen schon im Hinblick auf Japan das stärkste Interesse. So dürfte der Gedanke eines Großmacht-Ausschnsses, der«e- wissermaßen eine Fortsetzung der Abrüstungskonferenz bil- den soll, das besondere Interesse Rußlands erwecken, da es zweifellos Mitglied dieses Ausschusses zu sein wünscht. Volkskommissar Litwinow hatte am Freitagnachmittag eine längere Unterredung mit Außenminister Barthou, serner mit dem Direktor der Ab- r ü st u n g s a b I e i l u n g im Völkerbunds- Sekretariat, A g h n i d c s. Von somftrussischer Seite wirb zn dem Genfer Aufenthalt LitwinowS mitgeteilt, Litwinow habe seine Reise etwas vor- verlegt, um sich vor Beginn der Konferenz noch einige Tage zu erholen. Er habe seine Durchreise durch Gens dazu benutzt, um sich im VölkerbundSsekretariat über die Aussichten der Abrüstungskonferenz zu erkundigen und mit dem franzö- fischen Außenminister die französisch-russischen Beziehungen zu erörtern. Andererseits wird in Genier Kreisen allgemein angenom- utcii, daß Litwinow auch wegen des eventuellen Eintritts der Sowjetunion Fühlung genommen habe, und daß der Gedankenaustausch darüber in den nächsten Tagen fortgesetzt werde. dnb. London, 19. Mai. Das unerivartete Auftauchen Lit- winows in Gens veranlaßt die englische Presse zu aussühr- Itchen Mutmaßungen über den Zweck seines Besuches. All- gemein wird eine Annäherung Frankreich—Rußland fest- gestellt. Die Presse glaubt, daß die Pläne für einen gegen- fettigen Bürgschafts, und Unterstützungsvcrtrag nebst Fest- legung des Begriffes des Angriffs bereits ziemlich weit ge- diehcn seien. Ter Genfer Berichterstatter des„Daily Telegraph" führt das russische Streben nach einem Vertrag auf die angebliche Furcht Rußlands vor einem deutschen Angriff zurück. In- erlegt. Widerhall in Paris dnb. Paris» 19. Mai. Zur Unterredung LitwinowS mit Barthou sagen die Blätter einstimmig, daß ber Eintritt Rußlands in den Völkerbund und der Plan Rußlands, einen europäischen Beistandsvertrag zu schaffen, die Hauptgegen- stände der Unterredung waren. Zehn Jahre Zudtthans für eine Handgranate „Ja, idi habe gespielt..." Berlin, 18. Mai. Im Prozeß wegen deS Handgranaten- «Uschlags Unter den Linden beantragte der Staatsanwalt des Berliner Sondergerichts am Schluß des Plädoyers gegen den Angeklagten eine Zuchthaus st raie von zehn I a h r e u und fünf Jahren Ehrverlust. Zu Beginn der Ber- Handlung hatte es eine Sensation gegeben. Ter Angeklagte Schulze, der während der Dauer des Prozesses die Tat hart- näckig geleugnet hatte, nachdem er am ersten Verhandlung?- tage ein eindeutiges Geständnis abgelegt hatte, erklärt heute zu Beging der Verhandlung auf die Frage des Vorsitzenden, d a ß e r d c r T ä t e r s e i. Er habe mit der Handgranate gespielt, die er auf dem Speicher gesunden habe. Dabei habe er die Zündung gezogen und, um sich zu schützen, die Hand- granatc aus ber Luke geworfen. Der Borsitzende verkündete am Freitag folgendes Urteil. Der Angeklagt? Erwin Schulze wird wegen Verbrechens gegen 8 5 des Sprengstossgciestes in Berbinbui.g mit Ber- gehen gegen das Gesetz zur Abwehr politischer Gewalttaten in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu insgesamt 19 Jahren Zuchthaus und den Kosten des Verfahrens verurteilt. Der Angeklagte nahm das Urteil ruhig entgegen. * Zu Beginn des dritten Verhandlungstages gab es eine Sensation. Der Vorsitzende wandte sich an den Angeklagten und sagte:„Nun, Schulze, will ich Sie auch heute n o ch e i n- m a l fragen, ob Tie bei dem bleiben, was Tie bisher gesagt haben?" Ter Angeklagt« schwieg längere Zeit und erklärte dann unter großer Bewegung: „Ich habe es getan, ich habe die Granate aus dem Dach- bodcn gefunden. Ich weiß nicht, wie ich dazu gekommen bin. Ich habe an der Granate herumgejpielt und bekam dann „Stahlhelm" verbalen! Franksurt, 19. Mai. Tie Polizeinachrichtcnstelle teilt mit: „Ter Polizeipräsident Hat bis auf weiteres das Austreten des Nationalsozialistischen Deutschen Frontkämpserbundes in der Lessentlichkcit oder in Versammlungen sowie das Tragen der B u n d e s u n i s o r m für den Hiesigen Amts- bereich v e r b o t e n. Das Verbot ist aus Verstöße von Mit- gliedern gegen Anordnungen des Bundesnibrers des NSDFB. und die durch ihr Verhalten entstandene Erregung in der Qeffentlichkeit zurückzuführen. Das Verbot betrifft den früheren Stahlhelm. Itaplan in Sdintztaaft Wegen eines im„Glatzcr Gebirgsboten" von dem Kaplan Georg Fader veröffentlichten Artikels, der Angriffe gegen die NSDAP, enthielt, ist, wie die„NS.-Schlesische Tages- zeitung" meldet, der Verfasser wegen staatsgefährlicher Um- triebe in Schutzhaft genommen worden. * Im Festspielhaus in Salzburg wurde von«n- bekannten Tätern eine Dqnamitbombe geworfen, ote schwere Verwüstungen in der Festspiclhalle anrichtete«nt> zahlreiche Personen verletzte. Göbbcls nnd die Juden Eine jüdische Antwort auf eine Hetzrede Berlin, 16. Mai. sZTA.j In einem Leitartikel„Wir deutschen Juden" nimmt die„Jüdische Rundschau" die vom Reichspropagandaministcr Dr. Göbbels am 11. Mai rm Bcr- liner Sportpalast gehaltene Nede, in der d.Lr Minister u. a. erklärte, die Juden würde» in Ruhe gelassen werden, wen» sie nicht den Anspruch erhöben, als vollwertig und gleich- wertig angesehen zu werden, zum Ausgangspunkt einer Be- trachtung über die Stellung der Juden in Deutschland und die besondere Verantwortung, die ihnen diese Stellung aus- zwischen hätten die Juristen am Quai d'Orsay entdeckt, daß aus Grund des Artikels 2 deS Locarno-BertrageS Frank- reich nicht ermächtigt sei, einem dritten von Deutschland angegriffenen Staat zu Hilfe zu eilen, wenn dieser Staat nicht Mitglied des Völkerbundes sei. Das größte Hindernis, das die französische Regierung beseitigen müsse, sei Polen, das nicht nur seinerseits einen führenden Ratssitz verlange, sondern bei erster Gelegenheit den Vertrag für den Schütz der nationalen Minderheiten loswerden wolle, um ein etwaiges Vorgehen Rußlands, wenn es einmal im Völker- bunde sei, wegen der russischen Minderheiten in Polen zu verhindern. Im„Taily-Mail"-Bcricht wird gesagt, es bestehe wenig Zweifel, daß ber Litwinow-Besuch den„Wendepunkt" in der ganzen Linie der europäischen Beziehungen darstelle. In zuständigen französischen Kreisen habe man den Besuch Lit- winows offen dahin gekennzeichnet: Unsere englischen Freunde haben uns in der Sicherheitsfrage im Stich ge- lassen, wir müssen uns daher ivoanders hinwenden. Die neue französische Politik gehe anscheinend darauf hinaus, Deutschland zu vereinsamen und Gegenmaßnahmen gegen eine deutsche Ausrüstung zu treffen, was nach französischer Ansicht am besten durch den Eintritt Rußlands in den Völkerbund erzielt werden könne. Hand in Hand hiermit würde eine freundliche Verständigung Rußlands mit Polen und ber Kleinen Entente erfolgen. Der Berichterstatter will erfahren haben, daß Borschläge für die Abhaltung einer Konserenz in Montreux in ber kommenden Woche gemacht worden seien, an der Vertreter Rußlands. Rumäniens, bcr Tschechoslowakei und Südslawiens teilnehmen sollen. Lit- winow werbe nach dieser Zusammenkunft, die den Eintritt Rußlands in den Völkerbund und den Abschluß von Nicht- angrifsspakten einleiten solle, nach ber Schweiz zurückkehren. Der diplomatische Mitarbeiter der„Morning Post" meldet, daß England keine Einwendungen gegen den Ein- tritt Rußlands in den Völkerbund erheben werde, voraus- gesetzt, daß dieser den anderen Mächten erwünscht sei. Die französischen Bestrebungen nach einem gegenseitigen Unter- stützungspakt zwischen Rußland und Frankreich würden in der Praxis dasselbe wie ein französisch-russisches Militär- bünduis bedeuten. Angst, daß sie explodieren könnte, und hatte nur den einen Gedanke» hinaus damit ins Freie. Da habe ich sie zum Fenster hinausgeworfen Vorsitzender eindringlich: Das ist das richtige wahrhettS- gemäße Geständnis? Angeklagter: Ja, ich habe eben gespielt, ich war neugierig wie immer, ich bastle eben so gern Und da habe ich auch eben die Handgranate in die Hand genommen. Das Plädoyer des Staatsanwalts Der Vorsitzende erteilte bann dem Vertreter der Anklage das Wort zu seinem Schlußvortrag. Staatsanwatt Dombrowiki führte in seinem Plädoyer u. a. aus: Nach- dem der Angeklagte in der heutigen Verhandlung ein Ge- ständnis abgelegt habe, könne er sich sehr kurz fassen. Ter An"klagte wollte offenbar einer Verärgerung, die er nach der Rede deS Reichskanzlers empfunden habe, Lust marnen. Ter Widerruf seiner Geständnisse sei daraus zurück- zuführen, daß er als alter Kommunist eine politische ve- urteiluna seiner Tat fürchtete und glaubte, mit seinem Kopf für fein Verbrechen büßen zu müssen. Die Frage, ob hinter der Tat»och andere Personen oder politische Gruppen stehen, glaubte der Angeklagte verneinen zu können. Es sei ernstcien, daß der Angeklagte sich deS Sprengslofsvcrgel>ens schuldig gemacht und auch des Verbrechens gegen das Gesetz zur Abwehr politischer Gewalttaten. Ferner habe er sich des versuchten Totschlages schuldig gemacht, weil ihm als alten Soldaten die Wirkung einer Handgranate bekannt sein mußte. Der Staatsanwalt beantragte bann gegen den Angeklagten eine Zuchthausftras« von 19 Jahren und 5 Jahre» Ebr- verlust. Wir glauben, heißt es in dem Artikel, daß für viele Juden die Rede von Dr. Göbbels ausrüttelnd gewirkt hat... Die Juden werden daran erinnert, daß Jude-Sein eine ernste, sehr ernste Sache geworden ist, und daß jeder die volle Berantivortung für das Judentum trägt. Das«chtck- sal jedes einzelnen ist mit dem ber Gemeinschaft unlöslich verbunden. t. Wenn der Minister sagt, die Juden dürften nicht„vor da» deutsche Volk treten mit dem Anspruch, für vollwertig und gleichwertig angesehen zu werden", so ist dies wohl hin- sichtlich ihrer Stellung im Deutschen Reich zu verstehen. Wir deutschen Juden wissen, daß wir im Deutschen Reich nicht als gleichwertige und vollwertige Staatsbürger angesehen werden. Wir geben uns nicht der Illusion hin, daß die Judengesetzgebung aufgehoben werden wird und daß wir dadurch wieder vollwcrtiae und gleichwertige Staatsbürger werden. Wir werden trotzdem, weil wir diesem Lande ver- Kunden sind, und iveil wir»ns dazu innerlich verpflichtet kühlen, unsere Pflichten in dem Räume, den man uns zu- aewicsen bat, voll und loyal erfüllen und die Gesetze achten. Wir werden und können auch nicht ablassen, das zerstörte innere Verhältnis zum deutschen Volk auf einer neuen Basis wieder ausbauen. Heute sind ivir in Deutschland nicht gleichwertig. Wir traaen dieses Los, aber wir wollen es als Juden mit dem Stolz aus unser Judentum verbinden. Als Inden lühlen wir uns vollwertia und in der Ebene ber Menschlichkeit gleichwertig. Das ist für uns Inden wichHg zu wissen, damit mir, nachdem wir als deutsche Staats- bürger minderivertia aeworden sind, nicht an unserem eigene» Wert als Menschen und Juden irre werden... Wir können uns nicht duckend verkriechen, wenn wir„das Mördervolk" aenann' werden. Wir würden damit nicht die Achtung anderer Menschen gewinnen... Die alten Methoden einer Polemik sind im neuen Deutschland ab- geschafft, sie haben auch nie sebr v'el geholten: aber es ist uns unverwehrt. wenn von dem Mördervolk aeredet wird, vor die Schranken ,u treten und zu tagen: Hier sind wir: nicht ein Mördervvlk, aber da« Volk der Inden, das so wie irgend eine Mensifienaruvne Schmach und Schwerz. Schöpler- tum nnd Wel'beiabuna und vor allem an'ch Ehre empfindet, und das nach einem lanaen Zwischenspiel der Anonnmität und Träumerei, sa bcr Selbssverleuanuna und Selbst- erniedriauna, heute nach einem neuen aufbauenden, mit all"» Qualen und aller Lust schöpferischer Arbeit ner- bundenen Leben strebt. Und von liier aus. von diesem Be- kenntnis zu un? selbst aus. wünschen»nd hosten wir auch aus ein sreieS Berstehen mit den Menlchen anderer Völker. Wir Inden sind heute im Begriff uns z» unkerem Volkstum zurückzufinden. Anaesichts der Erlebnisse, die mir durch- aemacht haben, ve-stebi auch der bisher stumpssie, allem Jüdischen abaewandte, sich selbst nur als Glied anderer Ge- meinlchasten betrachtende Jude, daß der Jude in einer Kon- tinuität des jüdischen Schicksals steht, das aerade in kritischen Augenblicken die stärkste bestimmende Macht über sein Dasein ist. Diese Einstellung in einen jüdischen Zn- sammenhang, die in dem Gedanken des Ausbaues Palästinas ihre Krönnna findet, kann»ns bellen, inner^ch hellen. Wir Inden verstehen die Umkebr zn unserem Volk al? einen Schritt zu eine- besseren Einasirbe-nna in die Menschheit, nicht al? eine Absonderung. Jede fttdifcfie Renaissance kann nur dann eine» Sinn haben, wenn sie die Ideale de? uro- pbetlichen Judentums erneuert. Es ist noch ein weiter Wea, biS unser eiaeneS Volk daS nersteben wird, ober nur durch nnler eiaene?«Men nnd unser eigene?. Tun werden wir auch der Umwelt gegenüber unseren Platz und unseren Wert behaupten. Neuer Vorwärts Sozialdemokratisches Wochenblatt erscheint regelmäßig jeden Donnerstag seit Juni 198b in Karlsbad, wird in Paris ab Freitag in Zeitungskiosken und VahnhvfS- und Untcrgrundbahnbuchhandlungen verkauft. Nummer 19 erschienen. Die Zeitung Ist in folgenden französischen Städten in de» Zeitungskiosken ilnd Bahnhossbuchliandlungcn erhältlich: Afaccio, Amicns. Antibes, Ärras- Bar-le-Dnc, Beaulixu, Belkort, Biarritz. Bordeaux, Boulognc, Bourget, Brest, Ealais, EanneS, Ehamonix, EhartreS, Eherbourg. Elcrmont- Ferrand, Colmar, Dijon, Dnnkergne, Grenoble, Havre, Juan-les-Pins,«Limoges, Lyon, Marsrille, Menton, Metz, Montpellier, Mülhausen, Nancy. Nantes, Nice, QrlSans, Pontarlier. ReimS, Renne?, Roanne, Ronan, Ronbaix, Michelle. Saint-Raiacl, Sainte-Elienne. Ttraßburg, Toulon, auch in Algerien. Luxemburg, Monaco. Marokko. Bezugspreis: 1 Jahr 6', Franken, 6 Monate 35 Franke«, 8 Monate 18 Franken. Prob-n ummer gratis. Aufnahme von Inseraten und Abonnements: Boris Ekomorowlkn- III r«e Broca— Paris(18«) Postscheckkonto: Paris 1269 98. Zur PflngsHagang des VdA. F. B.— 0m Rahmen der Nazibewegung hat der »Volksbund für das Deutschtum im Ausland", abgekürzt VdA., feine besondere und nicht gerade leichte Aufgabe! er hat in allen Ländern, in denen es deutsche Minderheiten gibt, diese für den braunen Faschismus zu gewinnen und im Falle kriegerischer Verwicklungen zu mobilisieren. Der Nazigedankengang vermeint auf diese Weise ganze Staaten wie Rumänien, Südslawien oder besonders die Tschechoslowakei außenpolitisch einfach immobil machen zu können. Wenn nun die Oeffentlichkeit im Ausland gegen den seltsamen Volksbund Front macht und auf die aus dieser Agitation erwachsende Gefahr hinweist, dann antwortet der Volksbund regelmäßig mit der Bemerkung, daß durch eine Erklärung des Stellvertreters Heß die„Unabhängigkeit und Eigenständigkeit" des VdA. feststehe, als ob es im totalen„dritten Reich" irgend- einen Verein, irgendeine Institution geben könnte, die nicht in allen Dingen und in jeder Willenskundgebung vollständig von der NSDAP, abhängig wäre. Abgesehen davon, unterhält die Reichsleitung der NSDAP, ein eigenes Referat für das Deutschtum im Ausland sowie spezielle Referate für jedes der für die Naziagitation in Betracht kommenden Länder. Es kann also in diesem Punkt ein Leugnen nicht täuschen: der VdA. übt seine Tätigkeit im Einverständnis und nach dem Willen der NSDAP, aus, er ist ihr selbstverständlich in jeder Weise' unterstellt und ist dort der Vollstrecker ihres Willens, wo die NSDAP, es vorzieht, getarnt unter dem Pseu- donym VdA. aufzutreten. Zu Pfingsten nun wird der Volksbund tagen. Er hätte seine Veranstaltung in Saarbrücken abhalten sollen, doch hat die Saarregierung dankend abgelehnt, so daß sich die Auslandsagitatoren des VdA. nun in Mainz und Trier treffen werden. Bereits heute liegen aus dem Kreis de? VdA.-Leute und von anderen Personen für diese Tagung Zeugnissse vor. die geeignet sind, die Aufmerksamkeit der europäischen Oeffentlichkeit neuerlich auf den Verein zu lenken. Nur in Klammern wollen wir darauf hinweisen, daß Friedrich Carl Badendieck, der Presseleiter des VdA., der Saorregierung die„bewußte V e r k e n n u n g" des Vereins vorwirft, daß einer der Agitatoren des Volks- bundes, ein Herr Reimesch-Dominik, von der land- und volksfremden Saarregierung- spricht und daß ihm der Oberpräsident der Rheinprovinz. Freiherr von Lüninck, in dieser Art, eine dumme Meinung auszudrücken folgt, denn auch er spricht von„einer volksfremden Regierung", die die Saarbrückener Tagung verboten habe. Ansonsten ist das Charakteristische in all den Zeug- Nissen, die uns anläßlich der Tagung vorliegen, die ein- deutige Feststellung, daß der Deutsche an die Staats- grenzen nicht gebunden sei:„Die Zeit ist vorbei, in der man den Namen Deutscher nach dem Besitz des Staats- bürgerpasses wertete." sagt der bereits ermähnte Volks- bundpräsident Badendieck. Wem aber diese Formulierung des Badendieck noch zu undeutlich ist. dem wollen wir einige Sätze aus dem Geleitwort zur Ueberlegung geben, das Franz von Popen, Vizekanzler, Saarbevoll- mächtiger der Reichsregierung, der VdA.-Tagung ge- widmet hat: man muß die Terminologie des NdA.-Ge- schwätzes kennen, um diese Sätze ganz zu genießen und zu verstehen:„lieber alle Grenzen und Scheidewände der politischen Landkarte hinweg lebt die Gemeinschaft des deutschen Volkstums. Dos Volkstum ist die ewige und lebendige Einheit von Körper und Seele, von Sprache und Sitte, die ihrem Wesen nach außerstaatlich ist. Diese Eigenständigkeit des Volkes ist der notwendige Gegenpol zum Staat, siebedeutetaberauchgleichzeitig den natürlichen Wall gegen einen west- lichen Nationalismus, der nur in staatlichen Begriffen zu denken vermag." Womit Papen, der Vizekanzler des„dritten Reiches" ganz offen die außenpolitischen Aufgaben des VdA. umrissen und aus- gesprochen hat. Noch deutlicher spricht der erwähnte Lüninck über die außenpolitische Mission des VdA.: „Unserer heutigen Reichsgrenze vorgelagert ist eine breite Zone ehemals politisch zum Deutschen Reich ge- hörigen Landes: Stück für Stück ist im Laufe der Jahr- hunderte mit Gewalt aus diesem urdeutschen Gebiet her- ausgerissen worden. Die Menschen aber, die dort wohnen blieben und sich in langer Geschlechterfolge gegen welschen Geist behaupteten, tragen in sich deutsches Blut, deutsches Sehnen, sprechen deutsch, pflegen deutsche Kultur. Ohne staatlichen Schutz, lediglich auf die eigene Kraft gestellt, ist dieses Auslandsdeutschtum viel- fach heftigen Kämpfen um seine heiligsten kulturellen und auch wirtschaftlichen Güter ausgesetzt. Wir vermögen ihnen nicht unseren staatlichen Schutz zu gewähren. W i r können ihnen aber den Kampf erleichtern. Ihnen allen, die außerhalb des Reiches leben, müssen wir das Bewußtsein der sorgenden Mutter, des deutschen VolksgefühlsÄnd die unlösbare Verbundenheit mit dem deutschen Schicksal geben. Die Einheit des Reiches bildet Ofich unter kraftvoller Führung unseres Volkskanzlers. Die Volksgemeinschaft ist im Entstehen nicht nur im Reichsgebiet, über alle Gren- hinaus, soweit der Name Deutschland ..- Blutes Die Saar-Entscheidung „Bewährungsfrist" für HitlertieutschlancS zeit ln den Menschen die Stimme des weckt." Diese Sätze enthalten für jeden, der zu lesen vermag, und namentlich für den, der die Terminologie des „dritten Reiches" kennt, den deutlichen Versuch, auf die Ausländsdeutschen im Sinne einer Insurrektion einzu- wirken. Diese Insurrektion spielt ln allen außenpoli- tischen Kalkulationen der Nazi eine große Rolle. Daß sie es vorziehen, als VdA. und nicht offen als NSDAP, auf- zutreten, das. bisher immer geleugnet, sagt Badendieck mit dankenswerter Deutlichkeit. Wir wollen schon, um ein Beispiel von der Terminologie der VdA.- Nazi-Agitation zu geben, den ganzen wichtigen Passus re- produzieren: „Der Nationalsozialismus hatte als umfassendste deutsche Bewegung die Staatsmacht ergriffen. Die Volks- genossen außerhalb der Reichsgrenzen sind nun aber zu mehr als 90"U Bürger fremder Staaten. Sietragenin sich dag deutsche Erlebnis, wie es in der deutschen Revolution alle deutschen Her- zen ergriff und auch an den Staatsgrenzen nicht Halt machen konnte, sie konnten sich aber als Bürger fremder Staaten nicht in ihren Organisationsformen dem maßge- Genf, 18. Mai ISSl. Die Delegation der deutschen Freiheitsfront des Saar- gebietes, Max Braun und Heinrich Lieser, wurde heute auch vom dritten Mitglied des Aloisi-Komitees zur Borbereitung der saarländischen Volksbefragung, dem spanischen Gesandten in Bern Lopez Oliva n, empfangen, der sich eingehend über die Möglichkeiten und Mittel einer freien und unbeeinflußten Abstim- mung mit ihrem Sicherheits- und Garantienkomplex ver- breitete, und fair play seitens des Völkerbunds garantieren zu können glaubte. Außerdem wurde die Delegation heute von dem polnischen Botschafter R a c z y n s k i, der augenblicklich den polnischen Ratsfitz einnimmt, an Stelle des Außenministers Beck, empfangen, sowie von dem tschechischen Minister Osuski, der augenblicklich B e n e s ch vertritt, und dem mexikanischen Delegierten N a j e r a. Sämtliche genannten Ratsmitglieder oertraten einmütig den Standpunkt, daß nur gemäß dem Bertrag gehandelt werden könne und daß ivwohl Sicher- heiten wie Garantien für die Saarbevölkerung geleistet werden müssen. Dann wurde die Delegation der deutschen Freiheitsfront von der französischen Delegation empfangen und zwar zu- nächst von dem Abrüstungsbevollmächtigten Frankreichs, dem Vertreter des Quai d'Orsay, Herrn Direktor Massigli. Massig Ii verbreitete sich über die bisher gepflogenen Verhandlungen mit den übrigen Ratsmitgliedern, insbeson- dere mit Eden und Aloisi und wies daraufhin, daß die Verhandlungen bereits weiter geführt sein könnten, wenn Deutschland bereit gewesen wäre, einem gründlichen Garan- tieabkommen für die Saarbevölkerung beizutreten. Am Abend teilte Barthou der Presse mit, daß die Ber- Handlungen über ein Garantieabkommen in der Saarfrage hoffnungsvoll vorangekommen seien und baß man vielleicht mit Deutschland zu einem Einvernehmen kommen könne, falls Deutschland die Bedingungen annehmen würde. Es ist damit zu rechnen, daß die morgen vormittag U Uhr begin- nende Ratssitzung ein Garantieabkommen über die Saar- frage annehmen wird, in dem sich Deutschland und Frank- reich verpflichten, keinerlei Druck, Terror. Repressalien usw. aus die Bevölkerung auszuüben und auch keine Repreffa- fieit nach der Abstimmung vorzunehmen. Näheres über den Inhalt dieses Garantieabkommens ist zur Stunde noch nicht bekannt. Doch verlautet in den Abendstunden, daß zwischen Aloisi und Banhou weitgehendstes Einvernehmen besteht. Ein solches Garantieabkommen würde einer Probezeit unterliegen, innerha-' deren sich erweisen müßte, ob nun tatsächlich von hitlerdeutscher Seite von jedem Terror usw. Abstand genommen würde. Erst dann käme man zur Fest- setzung eines Abstimmungsdatums. Würde diese Probe bzw. Bewährungszeit aber nicht eingehalten, so stände der Böl- benden Leiter eines anderen Staates po- litis ch unter st eilen, ohne ihren Staats- regierungen Anlaß zu Mißtrauen zu geben Auch der Verband, der vom Reichs, vom betifWwn Kern volk her die Verbindung mit dem Auslandsdeutschtum pflegt und Träger einer gesamtdeutschen Volksverbunden- heit ist, konnte nicht vom Staat und der staatstragenden Partei aus seine Aufgabe erfüllen. Er mußte seinem innersten Wesen entsprechend seine Legitimation aus dem staatlich nicht gebundenen Volksgedanken herleiten." Badendieck sagt also, weil die fremden Staatsregierungen Mißtrauen empfunden hätten, wenn die aus landdeutschen Nazi sich dem Osnf unterstellt hätten, mußte der VdA. ihre organisatorische Zusammenfassung über- nehmen. Der VdA., behauptet Badendieck. hätte mit NSDAP. und Regierung nichts zu tun. Es kommt nun darauf an. ob man dieser Behauptung Glauben schenken will. Sie ist natürlich vom ersten bis zum letzten Wort unrichtig. Staat und NSDAP, werben für den Volks- Hund, subventionieren ihn und unterhalten alle möglichen Stellen, die mit dem VdA. snstematisch zusammenarbeiten. Badendieck selbst sagt über die offizielle Förderung, die der VdA. erfahren hat und erfährt:„G e f ö r d e r t d u r ch Erlasse und Aeußerungen der führenden MännerdesneuenReiches. innerlich erstarkt und gefestigt durch den Führergrundsatz und durch planmäßige Formung seines Wirkens nach draußen und drinnen hat der VdA. im vergangenen Arbeitsjahr durch gewaltige Massenkundgebungen, durch zielbewußt mit Aufklärungsfeldzügen unterstützte Sammlungen, durch Eindringen in die berufsständischen Gliederungen, durch den Beginn einer schulungsmäßigen Erfassung der verschiedensten Volksschichten sich eine wesenhafte Stel- lung im deutschen Leben geschaffen." Glaubt nun ira»">- wer. daß im totalen„dritten Reich" all das einer Be- wegung ohne den Willen der NSDAP, und der Regierung möglich und erlaubt wäre? Die Identität von NSDAP, und VdA. drängt sich einem geradezu auf: dort wo. iv gesagt, die NSDAP, nicht mit ihrem eigenen Namen auf- zutreten wagt, dort heißt sie VdA. So hat es seinen be- sonderen Sinn, wenn der erwähnte Badendieck sagt, daß anläßlich der Tagung die Auslandsvertreter Gelegenheit haben würden,„ihre Sorgen und Wünsche an die maß- gebenden Träger und Gestalter der Volksdeutschen Arbeit im Reich heranzubringen" Die Tagung, ursprünglich in Saarbrücken geplant, richtet sich, wie auch aus den zitierten Zeugnissen hervor- geht, vor allem gegen Westen. Aber darum wird die Ta- gung nicht vergessen, wieder einmal nach Ostland zu reiten:„Endlich wird man sich an Rhein und Mosel der bedeutungsvollen Tatsache erinnern, daß von hier aus die stärksten Wander ströme der deutschen Ge- schichte vorallemnachdemOstenhingegangen sind." Wer die Arbeit des VdA. gering achtet, der unterschätzt eine der wesentlichsten Kriegsvorbereitungen des„dritten Reiches": nicht um„Volkstum", nicht um Sprache, nicht um Sitte und Gesittung geht es den braunen Macht- habern im VdA., es geht um den großen Plan, die Aus- landsdeu^schen für den Faschismus einzuspannen: daß sie bei diesem Versuch den schwersten Lebensgefahren aus- gesetzt sind, ist eine Ueberlegung, die den Verantwortung?- losen Politikern des..dritten Reiches" höchst gleichgültig ist. kerbundsrat vor einer vollkommen neuen Frage, über deren Lösung man noch nichts sagen kann. Im übrigen kann man nur feststellen, daß die Delegation der sogenannten„deutschen Front" fast nirgends emp'angen wird. Stephens Die Verhaftung de« Vertreter« der„Daily Expreß" Das„dritte Reich" hat Pech. Ausgerechnet gegenüber einem bekannten englischen Journalisten, dem Berliner Korrespondenten des„Daily Expreß" Philipp Pembroke Stephens muß ihm ein Malheur passieren. Dieser Be- richterstatter befand sich mit seiner Frau und einem Vetter auf einer Autofahrt nach Oberammergau. In der Nähe der bekannten Fischerstadt Aken an der Elbe stieß er im Walde auf eine starke Braunbemden-Abteilung, die dort militärische Uebungen abhielt. Mit dem guten Recht des neugierigen Journalisten stoppte Stephens die Fahr- geschwindigkeit und sah sich das seltsame Schauspiel an. Bald umringten ihn hunderte Nazis. Man führte ihn von Aken nach Magdeburg und verhörte ihn dort. Schließlich entließ man ihn auf sein Ehrenwort hin. sich zur Ver- fügung der Polizei zu halten und in Magdeburg Wohnung zu nehmen. Der Vorgang in dem Walde hatte sich gegen 9 Uhr abends abgespielt. G ö b b e l s gab darauf durch das Deutsche Nachrichten- büro folgende amtliche Erklärung heraus: „Mister St. ist verhaftet worden in dem Augenblick, wo er die chemischen Anlagen einer in der Nähe Magdeburgs befindlichen Fabrik fotografiert habe. Damit habe er eine alte Verfügung, die das Fotografieren von derartigen An- logen strengstens verbiete, übertreten. Der Journalist sei noch am gleichen Tage in Freiheit gesetzt worden." Stephens stellt in echt trockenein englischen Humor die Unsinnigkeit der Lügenmeldung in einem lapidaren Satze fest. Er erklärt von Berlin aus: „Die von den deutschen Behörden ausgegebene amtliche Erklärung über meine Verhaftung in Aken ist ungenau. Ich m ächte bemerken, daß ich nicht so sehr von jedem Verstand verlassen bin. daß ich abends um 9 Uhr versuchen würde, foto- grasische Aufnahmen zu machen." Der„Daily Expreß" ist ein Zweimillionen-BIatt. Vor einem Jahre jubelte es dem Hitlerrummel zu. Hai Braun- ausgehängt Aher es gibt keinen Saar-Terror... Noch gerade rechtzeitig zur Tagung des Völkerbunds- ratcs erscheint sie Nummer 21) der„Münchner Illustrierte« Presse" vom 17. Mai 1034. Wichtige Beschlüsse des Böller, buudsrates werden von der Frage abhängig gemacht werden, ob Terror an der Saar herrscht oder nicht. Die Delegation der sogenannten„deutschen Front" bemüht sich, seit Tagen in Gens den Eindruck zu erwecken, als gäbe es an der Saar keine Vergewaltigung Andersdenkender. Nunmehr haben aber die Freunde der sogenannten„deutschen Front", ihre braune Kameraden aus dem„dritten Reiche", ihnen in der „Münchner Illustrierten Presse" einen bösen Streich ge- spielt. Aus der zweiten Seite der neuesten Nummer dieser weitverbreitete« Zeitung wird ein Bild, ossenbar eine Foto» grasie aus dem Saargcbiet. gebracht: In einem friedlichen Tale liegt von waldumstaudencn Bergen umsäumt e'n kleines Dorf. Im Vordergründe des Bildes ragt eine Birke in den hellen Himmel hinein. Lang und spitz durchschneidet sie das Firmament. Unmittelbar unter der Krone des Baumes, in der freien Lust baumelnd, hängt daran eine über lebensgroße Puppe. Unter dieses Bild hat die „Münchner Illustrierte Presse" folgenden Text gesetzt: Ein besonderer Maibaum ist der von Scheidt bei Saarbrücken. An ihm hängt die Puppe des Separatistenktthrers„Matz" Braun. Kann es kür den Bölkerbundsral ein durchschlagenderes Dokument geben, als diese Fotografie, dargeboten in einer illustrierten Zeitung, die unter Göbbels Aussicht ericheint. Es ist nicht die erste Morddrohung, die gegen den Führer der saarländischen Freiheitsfront ausgesprochen worden ist. Die gleichen Drohungen richten sich aber auch gegen alle übrigen, die in der Freiheitsfront des Saargebietes irgend- wie in Erscheinung treten. Unausgesprochen liegt die An- drohung schwersten Nebels über allen, die nicht gleichen Sinnes mit der sogenannten„deutschen Front" sind. Das Wasser abgeschürft;i Da« sind die Zustände im Saargebiet Die„Volksstimme" berichtet:' Die Freie Turnerschaft Saarbrücken begeht an den Psingsttagen ihr 2?jährlges Jubiläum und hat zu einem internationalen Arbeiter-Turn- und Sport- f e st g e l a d e n. An anderer Stelle dieser Nummer ist dar- gelegt, wie die Stadt Saarbrücken in gehässiger Weise das internationale Tressen zu verhindern bestrebt gewesen ist. Runmehr hat ansgerechnet 18 Stunden vor dem Fest der Oberbürgermeister Reikes und seine Stadtverwaltung zu einem vernichtenden Schlag ausgeholt. Das städtische Wasser- werk hat heimlich und leise, offenbar zu nächtlicher Stunde, von allen Sportlern unbemerkt, die zum Sportplatz, dem so- genannten kleinen Exerzierplatz führende Wasserleitung ab- geschnitten. Dem Verein wurde keine Mitteilung gemacht, weder vorher noch nachher. Die Stadt hat sich auch keines- wegs an die Freie Turnerschast Saarbrücken gewandt w-gen der Erlaubnis, den Sportplatz betreten zu können Das Wasserwerk hat die Arbeiten unter Verletzung und Miß- achtnng der Hansherrenrechte des Vereins vorgenommen. „Deutsche Freiheit", Nr. 115 AIBStT UMD WlirSCflAFT Sonntag'Montag, 20./21. Mai 1931 Enthüllung des deutschen Wlrtsdioltswnnders außennandei Midi! Gesundung, sondern Hranhheifszeidien Zu der anbefohlenen Schönfärberei der Wirtschaftsberichterstattung im Hitlerreich steht die furchtbare Wahrheit in schreiendem Kontrast. Große entscheidende Wirtschaftszweige harren der Sanierung, die immer wieder hinausgeschoben wird, und bei vielen geht es um einschneidende Reduzierung auf lange Dauer. Dies gilt für die S ch i f f- fahrt und die Werften, die die protektionistische Wirtschaftspolitik in ihrer Wurzel getroffen hat, dies gilt aber auch für die deutsche Eisenindustrie, die mit drei 1 iertel Milliarden Reichszuschuß nach dem Kriege neu aufgebaut, iiherkapitalisiert und überdimensioniert wird, mit viel zu hohen Kosten arbeitet und nur bei überhohen Preisen im Inland, die in Verbindung mit den überhöhen Agrar- preisen eine unerträgliche Last für die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie auf den Weltmärkten bedeuten, den Eisenherren eine Rente sichern. Aber auch jene Industrie, die neben der Großchemie einst die stärkste der deutschen Wirtschaft war, in der die enge Verbindung der Wissenschaft mit hochstehender Qualitätsarbeit mit am erfolgreichsten zur Geltung kam und ihr einen ersten Plast am Weltmarkt sicherte, auch die deutsche Llektrizitätsindustrie befindet sich seit Beginn der Krise in einein Niedergang, der noch immer nicht zum Stillstand kommt. Die A I I g e m eine Elektrizitätsgesellschaft veröffentlicht jestt ihren Abschluß für das Geschäftsjahr vom 31. Oktober 1932 bis 30 September 1933. Der Linsast. der 1928 29 noch 580 Millionen betrug, 1930 31 sich auf 370 Millionen vermindert hatte, ist jestt auf 1 B 0 Millionen gegen 220 im Vorjahre gesunken. Ja, der Umsatj in der wichtigsten Abteilung, dem Kraftwerks- und Großmaschinenbau, ist auf den zehnten Teil des Höchststandes zurückgegangen. Der Umsatzrückgang der AEG. ist aher fast ebenso groß, wie der von Siemens-Sdiudcett, des anderen führenden Unternehmens der Starkstroinindustrie: bei beiden beträgt der Umsast nur mehr ein Drittel des Um- sajjes von 1928 29. Besonders ungünstig hat sich das Auslandsgeschäft entwickelt; namentlich das Russengeschäft, für das sich die Leitung der AEG. als eine der ersten unter den deutschen Unternehmungen eingesetzt hatte und das in guten Jahren 30 Millionen Reichsmark brachte, ist zum völligen Stillstand gekommen— eine unmittelbare Folge der russenfeindlichen Politik Hitlers. Nur noch 38 Prozent(gegen 45 im Vorjahr) entfielen auf den Export, und der Exportanteil geht im laufenden Jahre weiter zurück, obwohl die Hälfte der Ausfuhr aus sogenannten„Zusast- exporten" besteht, also mit Sperrmark oder Scrips verbilligtem Dumpingexport darstellt. Im Inlandsabsast hatte die AEG. überdies im Gegensast zu Siemens mit„Schwierigkeiten aus außerwirtschaftlichen Gründen" zu kämpfen, d. h. sie wurde von den Nationalsozialisten wegen des früheren jüdischen Einschlags bis zur Gleichschaltung der Leitung eine Zeitlang schlechter behandelt als Siemens. Der Verlust des Jahres beträgt 26.5 Millionen; er wäre viel größer, wenn nicht Sondergewinne von 29 Millionen entstanden wären, die hauptsächlich aus Valutagewinnen an den kurzfristigen Schulden, aus Tilgungen und Bonds- riiekkäufen stammen. Im Vorjahre betrug der Verlust 72.8 Millionen, von dem rund 42 Millionen durch Auflösung der Reserve gedeckt wurden; es besteht jestt also ein Gesamtverlust von 57 Millionen bei einem Aktienkapital von 185 Millionen. Diesem stehen 198,43 Millionen Reichsmark Schulden gegenüber, obgleich es der AEG. in diesem Jahre teils infolge der Valutaentwertung, teils durch Tilgungen gelungen ist, die Schulden um rund 80 Millionen zu verringern. Der Abschluß zeiet also ein trostloses Bild— der Aktienkurs von zirka 25 Prozent ist in Wirklichkeit viel zu günstig— und auch für das laufende Jahr, in dem die Inlandsaufträge angeblich zunehmen, wird bereits ein neuer Verlust angekündigt. Trost des starken Umsastrückganges und der gesunkenen Beschäftigung ist aber die Zahl der Arbeiter„in den lestten Monaten" um 27 400 auf 30 000 gestiegen. Das deutsche Wirtschaftswunder! Löhne und Soziallasten sanken aber im Berichtsjahr um 79,57 auf 61,26 Millionen! Die„Neue Züricher Zeitung" spricht milde von der„Kehrseite der Auswirkungen der Arbeitsbeschaffung insofern, als das Unternehmen heute über 10 Prozent mehr Arbeiter und Angestellte beschäftigen muß, als bei rationeller Betriebs- fiihrung erforderlich wären; ziffernmäßig ausgedrückt, dürfte dies einen durch den Betrieb an sich nicht gerechtfertigten Mehraufwand von mindestens 7,5 Millionen Reichsmark im Jahre ausmachen, wodurch ein wesentlicher Teil des Jahresverlnstes seine Erklärung findet". Aber das stimmt insofern. idit ganz, als die erhöhten Arbeitskosten ja gar nicht von dem Unternehmer, sondern aus der Lohnsenkung bestritten werden, nicht dem Profit, sondern dem Arbeitslohn zur Last fallen. Die Kriegskosten dersiegreichen Arbeitsschlacht müssen von den bisher beschäftigten Arbeitern und Angestellten aufgebracht werden. Und das ist eine allgemeine Erscheinung. So ist, um einen ganz anderen Wirtschaftszweig heranzuziehen, bei dem Versicherungskonzern„A I- 1 i a n z" zwar der Geschäftsumfang seit 1923 um 23 Prozent zurückgegangen, der Beamtenstand aber ist um 24 Prozent gewachsen. Die Unkosten, die 1929 rund 38 Prozent der Prämieneinnahine ausmachten, sind jetzt auf 48 Prozent gestiegen. Hier geht die„Arbeitsbeschaffung" teils auf Kosten der bisher Beschäftigten, teils auf Kosten der Versicherten. Fest steht jedenfalls, daß heute auch in die Zweige der deutschen Wirtschaft ein großer Teil früherer Arbeitsloser eingestellt wird, deren Produktion nicht zugenommen hat; die vermehrte Zahl der Arbeiter wird mit der gleichen oder einer geringeren Lohnsumnie erhalten als früher. Zu diesen volkswirtschaftlich unproduktiv Beschäftigten kommen dann die Arbeiter, die nicht in„regulärer" Beschäftigung stehen, also die im Arbeitsdienst, als Landhelfer, Notstandsarbeiter und Fürsorgearbeiter untergebracht sind. Ihre Zahl belief sich im März auf 1 040 000 Mann und i h r Verdienst erreicht meist nicht die Höhe der Arbeitslosen unterstüstung. Das alles erklärt auch ohne weiteres, daß das Aufkommen an Lohnsteuer im Finanzjahr 1933 34 mit 730 Millionen um 18,5 Millionen hinter dem des Vorjahres zurückgeblieben ist. Zwar wird vom Finanzministerium erklärt, daß das Aufkommen, wenn nicht die Erhebung geändert und Befreiungen eingeführt worden wären, um 30 Millionen höher als im Vorjahre gewesen wäre. Aber die Zahl der Beschäftigten soll je nach den offiziellen Angaben in der gleichen Zeit um 2,5 Millionen gewachsen sein, also bei 14,7 Millionen Beschäftigten um zirka 14 Prozent. Nach den Behauptungen des Finanzministeriums wäre aber die Lohnsteuer auch bei gleicher Erhebungsart nur um zirka 4 Prozent gestiegen. An der erheblichen Verminderung des Arbeitseinkommens kann aber wirklich nicht gezweifelt werden. Die Hauptsorge der deutschen Wirtschaft bleibt aber die ganz akute Frage: wie soll die Produktion auch nur im bisherigen Umfang fortgeführt, geschweige denn gesteigert werden, wenn die Rohstoffversorgung nicht gesichert werden kann. Und die Aussichten sind verdammt trüb. Die Einfuhr aller wichtigen Rohstoffe bleibt zunächst unterbunden. Eine Wirkung auf den Devisenbestand der Reichsbank konnte natürlich dadurch zunächst nicht erzielt werden. In der ersten Maiwoche betrug der Goldabgang rund 21 Millionen; die Währungsreserven sind unter die 200 Millionen-Grenze gesunken und betragen nur noch 191 Millionen. Die Deckung sank von 5,8 auf 5,4 Prozent. Nun ist freilich der von der Rcichsbank ausgewiesene Gold- und Devisenbestand nicht identisch mit dem Devisenbestand derdeutsrhen Wirtschaft. Von den(Gläubigern bedrängt, hat Schacht darüber einige Angaben machen müssen. 149 Millionen Aus» landsdevisen werden noch unter den Aktiven der Reichsbank selbst verbucht und 60 Millionen bei der Golddiskontbank. Die ersten sind langfristig und stellen die Reserve dar, aus denen die eigentlichen, auf vierzehn Tage und kürzer lautenden Deckungsdevisen kommen; den Wechseln der Golddiskontbank stehen Verpflichtungen ans Ausland gegenüber. Aber zirka 215 Millionen Mark liegen bei den verschiedenen Staatsbanken, und auch die Schiffahrtsgesellschaften und privaten Exporteure dürften über gewisse Bestände verfügen. Das alles ändert abe nichts daran, daß die deutsche Devisenlage immer kritischer wird, während die Transferkonferenz mit den Gläubigern irgendeinen Ausweg noch immer nicht erkennen läßt. So rundet sich das Bild der deutschen Wirtschaft. Es ist ein Patient, der in schwerleidendem Zustand der sorgsamsten Behandlung bedürftig, in die Hände unwissender Kurpfuscher gefallen ist. Dr. Richard Kern. ..Haben Sie schon gehört, daß alle Elektrizitätswerke die Stromlieferung einstellen?"—„Nein, warum?"—„Na, in Deutschland gibt es nur noch Kraft durch Freude." NicMarler in der Wlrtsdiaft Das sinkende Volkseinkommen Eine Bekanntmachung des Reichswehrministers Der Reichswehrminister bat jetzt für den Bereich seiner Zuständigkeit das Rundschreiben des Reichsinneu- Ministers Dr. F r i c k über die G r e.n zen der Arier- gesestgehung zur Beachtung bekanntgegeben. Der Reichsinnenminister hatte in diesem Rundschreiben an die obersten Behörden, wie erinnerlich, vor allem darauf hingewiesen, daß es nicht angebracht, ja sogar bedenklich sei, wenn die Grundsätze des sogenannten Arierparagrafeu auf Gebiete ausgedehnt würden, für die sie überhaupt nicht bestimmt seien; dies gelte insbesondere, wie die nationalsozialistische Regierung immer wieder hervorgehoben habe, von der freien Wirtschaft; er bitte Uebergriffen auf diesem Gebiete mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten. Der Reich swehrminister fügt der Bekanntgabe noch die Anordnung hinzu, daß wegen der Behandlung nichtarischer Unternehmen bei der Vergebung von Leistungen die bestehenden Bestimmungen zu beachten seien und daß ihm. dein Minister, unter Anführung der Gründe zu berichten sei. bevor Maßnahmen getroffen würden, die auf Sonderbehandlung von Nichtariern abzielten. (Iiipreß.) Nach der soeben veröffentlichten Statistik der Steuereinnahmen im Finanzjahr April 1933 bis März 1934 sind die Einnahmen aus der lOprozentigen Lohnsteuer um 18,4 Millionen Reichsmark gefallen Der amtliche Kommentar behauptet dazu, daß in einzelnen Gruppen Veranlagungsund Verbuchungsänderungcn erfolgt seien, so sei der Lohnsteuerertrag tatsächlich um 30 Millionen gestiegen. Selbst wenn das wahr wäre, bestünde eine Erhöhung des Lohnsteuerertrages von 748 auf 780 Millionen Reichsmark, also eine Steigerung um 4 Prozent. Dagegen steht die behauptete Senkung der Arbeitslosenzahl um 2 Millionen, die eine Erhöhung der Lohn- und Gehaltsempfängerzahl um rund 11 Prozent bedeutet. Selbst nach den amtlichen Angaben ist das Einkommen der Lohn- und Gehaltsempfänger danach um 7 Prozent gesunken; und zwar im Durchschnitt des ganzen Jahres. Da das Lohnniveau sich aber erst allmählich senkte, so war der Einkommensrückgang gegen Ende des Jahres also bereits vesentlich höher als 7 Prozent. Dabei sind sogar die zahlreichen, erzwungenen„freiwilligen Spenden" nicht einmal berücksichtigt. Der Abstieg In Ergänzung der schon von uns veröffentlichten Teilzahlen bringen wir nachstehende Aufstellung über die Handelbilanz Deutschlands im Verkehr mit den wichtigsten Ländern im ersten Quartal 1934 im Vergleich zur entsprechenden Vorjahrszeit(in Millionen Reichsmark): Einfuhrüberschuß(—) Ausfuhrüberschuß(-)-) Insgesamt Darunter: Europa Uebersee Schweiz Niederlande(einschl. Kolonien) Niederlande(ohne Kolonien) ' Frankreich(einschl. Kolonien) Frankreich(ohne Kolonien) Schweden Japan Dänemark Oesterreich Belgien(einschl. Kolonien) Belgien-Lux.(einschl. Kolonien) Belgien-Lux.(ohne Kolonien) Tschechoslowakei Brasilien Saargebiet Rußland Argentinien Britisches Imperium Großbritannien(ohne Ueberscebes, Vereinigte Staaten 1934 — 53,3 + )'+ 247,4 298.1 51.0 50,6 75,6 29.6 34,4 23,0 15,9 14.7 12.8 9,8 9.8 15.3 9.5 1,3 15.4 17,7 23.6 77.2 38.3 80.6 1933 + 113,5 -t- 365,9 — 241.8 61,9 64.8 80.2 52.9 57,5 16.3 18.7 3,3 17,5 30.8 30.8 34.3 10,1 2.2 5,9 48.5 15.9 5.3.8 27.4 32,9 4-' -f Prelsilberwachungsstellen In den Bahnen der KriegswirUchaft Für lebenswichtige Gegenstände des täglichen Bedarfs und lebenswichtige Leistungen zur Befriedigung des täglichen Bedarfs dürfen bis auf weiteres ohne Einwilligung der zuständigen Preisüberwachungsstelle vou Verbänden oder anderen Zusammenschlüssen keine Mindestpreise, Mindest Verarbeitungsspannen. Mindesthandelsspannen, Höchstnachlässe oder Mindestzuschläge für den inländischen Geschäftsverkehr verabredet, festgesetzt oder empfohlen werden. Soweit solche Verabredungen, Festsetzungen und Empfehlungen bereits bestehen, dürfen sie ohne Einwilligung der Preisüberwachungsstelle nicht zumNacb- teil der Abnehmer verändert werden. Von dieser Bestimmung wurden u. a. auch Baustoffe und Bauleistungen betroffen. Soweit bisher Behörden auf Grund der Verordnung vom 8. Dezember 1931 Mindestpreise festgesetzt haben, werden diese aufgehoben. Die Bestimmungen der Verordnung beziehen sich dagegen nicht auf landwirtschaftliche Erzeugnisse und Leistungen, auf Preisfestsetzungen in Durchführung des Gesetzes zur Bekämpfung der Notlage der Binnenschiffahrt und des Kulturkammergeseftes. Preisüberwachungsstellen sind für örtlich begrenzte^ Preisregelungen in Preußen die Regierungspräsidenten, in uen übrigen Ländern die obersten Landesbehörden; die sonstigen Preisregelungen zu bearbeiten, hat sich der Reichswirtschaftsminister selbst vorbehalten. Gleichzeitig mit dieser Verordnung hat der Reichswirt- schaftsminister ein Rundschreiben an die Preisüberwachung!!, stellen gerichtet, in dem er diese ersucht, ihre ganze Aufmerksamkeit darauf zu richten, daß die Preise nicht erhöht werden. Er hat ihnen zur Bekämpfung von Preissteigerungen nicht nur durch Verbände, sondern auch durch einzelne Unternehmer noch weitere Befugnisse übertragen. Bei Feststellung ungerechtfertigter Preissteigerungen werden nicht nur Verbände aufgelöst, sondern der Reichswirtschaftsminister wird auch notfalls die S c h I i e ß u n g v o n Betrieben anordnen und gegen den Schuldigen mit den schärfsten Maßnahmen vorgehen. Baustoifiraclicr Die aus öffentlichen Geldern bewirkte Belebung der Bautätigkeit hat Preiserhöhungen zur Folge gehabt. Hierüber gibt eine Schrift Aufschluß, die kürzlich von der deutschen Bau- und Bodenbank AG. und der Deutschen Gesellschaft für öffentliche Arbeiten AG.(Oeffa) unter dem Titel„Die Entwicklung der deutschen Bauwirtschaft und die Arbeitsbeschaffung im Jahr 1933" veröffentlicht worden ist. Nimmt man die Jahresdurchschniltspreise der Bausjoffe, so ergibt sich ein ununterbrochener Abstieg: 1931: 125,2 v. H., 1932: 108,3 v. H„ 1933: 104,1 v. H. Hierbei sind die Preise für 1913 gleich 100 gesetzt. Sieht man sich jedoch die monatlichen Durchschnittspreise des Jahres 1933 an, so muß man einen Aufstieg von 102,7 v. H. im Februar auf 105,7 v. H. im Dezember feststellen. Die gesamten Baukosten haben sich von 124.8 v. H. im April auf 128,3 v. H. im Dezember erhöht. Daß sict die Kosten seitdem weiter nach oben entwickelt haben, wird in der erwähnten Schrift an den B'i- spielen einiger deutscher Großstädte nachgewiesen. Im Februar 1934 waren die Gesamtherstellungskosten massiver Wohngebäude ohne Grundstückskosten und AuliegerUsten wie folgt gestiegen:(D: e Klammern enthalten den zum Vergleich herangezogenen Tiefpunktmonat.) Hannover um 0.0 v. H.(Juli 1933), Hamburg um 2,7 v. H.(Dezember 1932), Stuttgart um 2,7 v. H.(März 1933), Frankfurt um 3,1 v. H.(April 1933), Berlin um 4,1 v. H. (Februar 1933), Essen um 4.8 v. H.(April 1933), München um 5.5 v H.(Juli 1933), Leipzig um 6,2 v. H. (Oktober 1932), Breslau um 7,4 v. H.(Dezember 1932), Köln um 11.6 v. H.(Mai 1933). Die Bauarbeiterlöhne aber sind in den preußischen Großstädten von 126 bis 156 Pfennig die Stunde im Jahre 193' gefallen auf 89 bis 110 Pfennig im Jahre 1934. Qeutscfie Stimmen•®eila$e zur ,.!Deutsdfken$r ei freit"®£r eignisse und Gesdkidkfesi Dec pßiiQsttiche Ruf Von*** der Geist des Herrn weht, da ist Freiheit." So lesen V| r im Korintherbrief und s o sollte man predigen an allen Ecken der Erde. Zu Pfingsten und nicht nur zu Pfingsten. Jeden Sonntag. Und das sich ins Herz schreiben und es den falschen Predigern entgegenrufen, den Dienern der Ungerechtigkeit und allen, die sich als Heilande ihrer Völker verehren lassen, während es doch ihre Mörder sind. Es waren zusammengekommen zu Pfingsten:„Juden und Judengenossen", Volk aus allerlei Veit, auch der Heidenheit, und verstanden auf einmal einander in dem mächtigen Brausen. Jeder hörte predigen in seiner Sprache. In der Sprache des Geistes, der alle irdischen Schranken durchbricht, daß auch Nationen nicht mehr Nationen sind, sondern Menschen: seine Kinder. 0, daß wir doch diese Sprache wieder hörten, und wir werden sie hören. Nun leben wir in der Sehnsucht nach neuen Vaterländern, die sich als Verbündete bissen am gemeinsamen Werk der Menschheit. Was ist dies ^erk? Was anders, als den Menschen aufrichten aus dem Staube, ihn aus einem elenden Taglöhner machen zum freien und stolzen Bürger dieser Erde. Den Menschen, den wir heute angekettet sehen dem großen Streitwagen Staat genannt— aber nein: das sind nicht Staaten, aus denen Recht und Freiheit wich. Genossenschaften sinds der Hölle, gegründet auf die Angst eines vor dem andern und aller Bürger voreinander. Zuchtanstalten von Nichtmenschen, die kein höheres Ideal kennen lernen als den Streit, den angeblichen Vater der Dinge". Wir glauben aber, daß auch der Urheber dieses Wortes, der weise Heraklit, diesen Gefolgsleuten die Kehrseite zeigen würde, er, der von der Sonne sagt, wenn sie ihre Maße überschritte, die gesetzte Bahn verließe, würden «die Rachegöttinuen, Helferinnen der Gerechtigkeit, sie zu finden wissen". # Kampf, ehrlichen Kampf, wollen auch wir. Kein Diug wird ohne Mühe. Natürlich jedes Neue will erkämpft sei». Daß es überhaupt werde, dazu ist mehr notwendig als Kampfgeist. Vollends was sich heute Krieg nennt, diese wissenschaftlich gesteuerte Mordmaschinerie, diese Länder- und Menschen- walze, hat mit Ehrlichkeit nichts mehr zu tun. Hier kann es nur eine Losung geben: Vernichtung den Vernichtern, das ist derer, die verantwortlich sind für das kommende V ölker- elend. Man wird sie einst mit Ketten, wie wilde Tiere, durch die Straßen der Völker führen und diese moralische V e r- niditung wird genügen, weil das Elend ein Denkzettel sein wird für Jahrhunderte; wir hoffen aber: für immer. Pfingstgeist— Geist der Freiheit, nicht der Zuchtlosig- keit, wie man uns unterstellt. Auch wir wissen, daß es keine Freiheit gibt ohne Ordnung, ohne daß einer sich einbezieht in eine von ihm anerkannte Gemeinschaft, um ein Wort aus der Phraseologie des neuesten Reiches zu zitieren. Fragt sich nur, wie diese Anerkenntnis bewirkt wird, ob mit sittlichen oder unsittlichen Mitteln, und wie jene Gemeinschaft aussieht, ob es die von Räubern ist oder wie sonst. Vor allem aber anerkennen wir überstaatliche und allgemein menschliche Bindungen, eine moralische Gemeinschaft aller Menschen, darin jeder einzelne in jedem anderen zunächst den Bruder sieht, den Mitmenschen, welcher Klasse, Nation oder Rasse er auch sei Marli! er sich unwürdig dieser großen Bruderschaft, so ist es Sache des Rechtes, zur Not unterstützt von Gewalt, ihn in seine Schranken zu weisen. Das Problem, das der Gattung aufgegeben ist, ist, mit Kauf zu sprechen, die Aufrichtung einer wirksamen moralischen Gewalt über den Staaten. Nachdem der„Völkerbund"»o völlig versagt, erst recht. Ist die Beschneidung der Souveränität der Staaten, daß sie nach außen lind im Innern es nicht mehr wagen, sich solche Uebergriffe zu leisten, wie sie Geschichte und jüngste Vergangenheit zeigen. Bedarf es dazu eines göttliche» Eingriffes? Bedarf es dazu schon der„Wiederkunft(.hristi Muß der Himmel seine Scharen senden, um den Menschen Vernunft und Gerechtigkeit zu lehren und die Hitler und Sonntag-Montaq, den 10, und II. Mai 1934 ihre Genossen zur Strecke zu bringen? Sollte nicht in den Völkern selber doch soviel moralischer Widerstand vorhanden sein, um nach dem- Niederbruch der bisherigen, zu schwachen Freiheitsfront eine zweite aufzurichten? Uns dünkt, sie ist schon im Werden und läßt das Trommelfeuer der faschistischen Agitation getrost Uber sich hinstreichen. Sie wird herauf wachsen, wenn die Feuerwalze, die sich anschickt, jenem äußerlich noch harmlosen, nur seelisch verwüstenden Feuer zu folgen, wieder über Länder und Lehen gehen wird, um sich zuletzt doch auch— in ihrer Ohnmacht zu erweisen. * Es gibt einen Fortschritt in der Geschichte. Hegel, der heute, genau wie Heraklit mißbrauchte Lehrer von Karl Marx, nennt die Geschichte ein Fortschreiten im Bewußtsein der Freiheit. So werden erst einzelne frei, dann viele, dann alle. Dem Faschismus ist die Unfreiheit Ziel und Mittel. D-r Mensch soll denken, was ihm der Staat befiehlt, tun, was ihm der Staat befiehlt und wäre es seinen leiblichen Bruder töten. Dagegen empört sich die Mensdienseeie. Der Aufstand der kommenden Zeit wird kein Klassenaufstand sein, sondern der Aufstand der von diesem Staatssystem Deklassierten, zu Freiwild gemachten. Diese„Geusen", diese„Lumpen", wie man uns wieder nennt, die wir ein anderes Vaterland im Herzen tragen und eine andere Staatsidee als die Albas und ihre Helfershelfer von ehedem und heute, werdens schaffen. Klein an Zahl, wissen wir uns doch stark im Bewußtsein unsrer Aufgabe, im heiligen Willen, eine andere Menschheit aufzurichten, eine andere Jugend vor allem, als die Hitler und ähnlichen Verderber, gerade der jungen Seelen. Pfingstgeist, Geist der Freiheit, hast du uns nicht auch noch ein Wort zu sagen über deine Schwester, den Geist des Uchtes? Kein Recht ohne Freiheit, wie keine Freiheit ohne Recht. Ihr habt beides aufgehoben, ihr Herren in Deutschland und Oesterreih; wagt es zu spotten über die Menschenrechte oder sie zu verfälschen durch jesuitische Zusätze. So verkünden wir euch, im Namen der Freiheit Gottes, seines Pfingstgeistes, daß solches Rechte Gottes sind und seiner Menschheit. Was uns die innere Stimme sagt, daß e! n Recht sein soll für Hoch und Niedrig, kein Klassenvorrecht besteht!, niemand entzogen werden darf freier und öffentlicher Verantwortung und nur gerichtet durch gültig zustande gekommene Gesetze, daß Verfassungen und Verträge nur friedlich und unter Achtung jener Grundrechte geändert werden dürfen, weiter, daß das Volk auch ein freies und uneingeschränktes Mitbestimmungsrecht haben soll am Zustandekommen der für es vetbindlichen Gesetze, und dies als verantwortliche Staatsbürger, nicht als bloße„Standesgenossen"— die über ständische, berufliche Angelegenheiten wohl beraten mögen, aber nimmermehr, auch nicht in ihrer Gesamtheit, die Nation darstellen— endlich daß alle, innerhalb und außerhalb ihrer Staaten zu freiwilligem Zusammenwirken anzuhalten sind durch die von ihnen anerkannte Staatsautorität: dieses ists, was uns die Menschenstimme befiehlt. Solches laßt uns rufen über die Länder, solches verkünden. Mut haben zum guten Gewissen, das ists, was heute not tut. Mut, wie ihn Petrus zeigte und alle seine Gefährten, womit sie die Welt eroberten, nicht für Päpste und Kaiser, die sie mit goldenen Statuen ehrten, gleichsam aber ihrer Botschaft von Freiheit und Erneuerung im Geiste das Ohr verschlossen. Was sind denn das für Menschen, die euch gegenüber stehn, die Hitler und Dollfuß und ihr von Pfiffigkeit und Furcht und trübem Machtwillen zusammengehaltener Anhang? Fürchtet euch nicht, auch nicht vor dem Bolschewismus, mit dem sie euch schrecken, obwohl sie es um kein Haar besser machen, sie, die angeblich Frommen, die Kämpfer wider..Gottlosigkeit", in Wahrheit ihre schlimmsten Wogbereiter. Fürchtet euch nicht— alle jene erdachten Systeme von Gewalt und Ungerechtigkeit müssen zusammenbrechen, wenn über die Erde über kurz oder lang aus den gequälten, den durcheinander gehetzten Völkern der pfingstliche Ruf erschallen wird, mit dem wir alle Mitstreiter grüßen: Freiheit! SllllSIliiiliillil! An die Joannen Ihr seid die Herren dieser dunklen Zeit. Wir aber sind die Kommenden! Wir warten Auf den Orkan, der länderweit Sich wälzen wird beim Aufbruch der Genarrten. Ihr habt durch Schrecken, Mord und Qual Den heißen Haß ins Riesenmaß getrieben. Millionen lauschen nur auf das Signal; Dann wird das Menschenrecht mit Blut geschrieben. Schon zittert ihr vorm ersten Racheschrei, Der sich in stummer Völkernot bereitet. Ihr ahnt: An jenem Tage wird die Menschheit frei. An dem sie jubelnd über eure Leichen schreitet. Horatio. Jtsydioloqie Unter braunem Diktat Auf dem vom 22. bis 26. Mai unter der Leitung von Prof, F. Krueger in Tübingen tagenden 14. Kongreß der D e u!- sehen Gesellschaft für Psychologie werden vier Hauptgruppen von Gegenständen behandelt werden. Iii der Eröffnungsrede wird der Vorsitzende der Gesellschaft Fr. Krueger über„Psychologie des Gemeinschaftslebens" sprechen. Behandelt werden folgende Hauptgruppen: 1. Hei- kunft der sozialen Formen. Rasse und Vererbung. Volkscharakter. 2. Theorie des sozialen Verhaltens. Gemeiuschafls- bildung und Lehensleistung. Soldatisches Führertum. Kindheit und Jugend. Zusammenhaltende Kräfte sozialer Gebilde. 3. Erziehung zur Gemeinschaft. Dynamik und Entwicklung des Gemeinschaftslebens. Familie und Schulung. Willens- urd Charakterbildung. Volkswerdung. 4. Experimentelle Einzelforschung. Heerespsychologie. * Man sollte meinen, daß die deutsche Gesellschaft für Psychologie heute das allergeeignetste Studienobjekt für psychologische Forschungen hat, das es in der ganzen Welt gibt: nämlich die Hintergründe der nationalsozialistischen Bewegung. Was aber tut sie? Sie erörtert Themen, die für einen Schulungskursus künftiger SA.-Führer in Betracht kommen. Ihre Auswahl beweist, daß diese Tagesordnung den neuen Prinzipien nationalsozialistischer Wissenschaft entspricht. Zeit=7laiiim Ewigkeit von begrenzter Dauer Auf dem Pesseempfang der Akademie für deutsches Redt erklärte der Präsident Dr. Frank:„Die Akademie ist ein Instrument der Verewigung der Ideologie des Nationalsozialismus. Die Akademie hat sich zur Aufgabe gestellt, die fundamentalen Erkenntnisse und grundsätzlichen Voraussetzungen des nationalsozialistischen Weltanschauungsauf- Laues so zu klären, daß sie in ihrer klaren Erkenntnis eine Ewigkeitsgarantie des Nationalsozialismus in sich tragen." Ausgerechnet Frank II als Verteiler der Ewigkeitswerte!„Der Stoff hält ewig— und dann gibt« noch einen Unterrock", sagte der Kaufmann, als er seine Ware anpries. Anton Dvorak Am 1 Mai waren es dreißig Jahre her, seit in Prag Anton Dvorak, der bekannteste und im Auslände am meisten gespielte tschechische Komponist starb. Um diesen Gedächtnistag zu feiern und um Friedich Smetanas, des Autors der„Verkauften Braut" und vieler anderer Kompositionen zu gedenken, der am 12. Mai 1881 starb, organisierte die tschechoslowakische Sängergemeinde, die über dio ganze Tschechoslowakei verbreitet ist, und über 11 000 ausführe nie Mitglieder zählt, Festlichkeiten, die am 21. April begannen und am 1. Mai ihr Ende nahmen. eKitflet: jadeimtecht fäc£udeitdocM £ine£Bcaschüce des Qeneca£s»VecCaqs Es gibt eine Richtung in Deutschland, die ist noch arischer, so unglaublich das klingt. Es sind die Ludendorffianer. Ihr Anführer— General Erich Ludendorff und ihre Helden- Mutter, die Generalin Mathilde, konnten schon wie die Alten über arische Zuchtwahl und nordische Treue reden, als Hitlers ganze Bewegung noch in den Windeln lag. Ihre Weltanschauung läßt sich auf einen sehr einfachen Nenner bringen: es gibt zwei verwandte Mächte auf der Welt, Rom und J u d a(mandimal treten sie auch gemeinsam in der Form von I'reimaurern auf), die sind an allern schuld, am Weltkrieg, an der Inflation, an der Krise, an der Deflation, am Hagel und an der menschlichen Dummheit. Diese Meinung wäre ihre Privatsache, wenn sie nicht neuerdings herausgefunden hätten, daß die„überstaatlichen Dflnkelmäehte Rom und Juda" noch an etwas anderem schuld sind— au Hitler! Da ist in Ludendorffs Verlag, GmbH., München 2 NW, eine Broschüre erschienen:„Freiheit" von Herbert Frank. Wir dachten, als wir die ersten Seiten lasen, sie wäre alt, aber nein: 1934 steht deutlich lesbar auf der zweiten Um- Schlagseite. Vielleicht ist es den Ludendorff-Mannen noch gar nicht zu Ohren gekommen, daß ein„drittes Reich" ausgebrochen ist, vielleicht haben sie sieh fest entschlossen, keinerlei Notiz davon zu nehmen. Jedenfalls stehen in dem (reich mit männlichen und weiblichen Ludendorffzitaten gespickten Heftchen) Weisheiten, Weisheiten— die Zeile zu drei Monaten Konzentrationslager. Obgleich der Name Hitler gar nicht fällt— was an sieh schon einer Majestätsbeleidigung gleichkommt wird in unverhüllter Art gegen ihn Reklame gemacht Einige Proben: Zunächst etwas aus dem geschichtlichen Teil. „Der vergangene Weltkrieg wurde 25 Jahre vorher auf dem Freimaurerkongreß 1889 in Paris von Juden und Freimaurern beschlossen." Das geht noch— nun aber sprengt der Verfasser mit ve- hängtfn Zügeln mitten in die Gegenwart, mitten in den Porzellanladen. Und das merkwürdigste ist— diese Verrückten um Ludendorff wirken in ihrer Irrenhausumgebung stellenweise geradezu normal: „Der Staat hat aber nicht das moralische Recht, dem einzelnen vorzuschreiben, was er zu denken, zu glauben oder zu arbeiten hat. Mit dem Wort„glauben" sind wir aber beim Kernpunkt der ganzen überstaatlichen Frage angelangt. Wer es versteht, das„Glauben" und„Hoffen" der Menschen zu lenken, der beherrscht sie. Und das verstehen die geheimen Mächte. Darauf baut sich übeihaupt ihre Macht auf: sie herrschen durch geistige und seelische Beeinflussung, durch Lähmung der Urteilskraft, durch Suggestion, kurz: durch Seelenraißbraudi. Es liegt daher eine ungeheure Macht in der Aufklärung! Kommen die Erkenntnisse des Hauses Ludendorff ins Volk, so ist die Macht Judas und Roms tatsächlich gebrochen." Bis jetzt aber ist sie es mitnichten!und wer nach dem oben Zitierten noch nicht begreift, daß Hitler ein Diener der geheimen Dunkelmächte ist, der begreift überhaupt nichts. Hitler muß in Roms und Judas Diensten stehen, denn: „Die Aerztin, Frau Dr. med. Mathilde Ludendorff, hat als Anzeichen geistiger Erkrankung(durch die Gewalt der Dunkelmächte) erkannt: 1. Wenn die Denk- und Urteilskraft ganz oder teilweise ausgeschaltet ist... 4, Wenn die Willenskraft gelähmt ist, z. B. Befehle anderer automatisch ausgeführt werden(Kadavergehorsam). ... Wie ein Hochgradfreimaurer in einer geheimen Logenschrift verraten hat, sind es drei Mittel, die angewandt werden, um den Verstand in der gewünschten Richtung zu biegen: Furcht, Stauneu und Gewöhnung!" Schöne Zustände im„dritten Reich"; „Die entwurzelten Menschen verkümmern immer mehrv verlieren immer mehr an Lebenskraft, lassen sich, vor lauter Äugst voreinander, immer widerstandsloser gemeinsam abwürgen und gehen so allmählich zugrunde." Stimmt genau! Auch was über die Wirtschaft gesagt wird, ist durchaus wahr: „Heute herrscht der Wille zur Ausbeutung in ihr. Die „großen" Kapitalisten beuten die„kleinen" aus und diese glauben, sie könnten sieh durch das gleiche unsittliche Handeln dagegen schützen. So wird das Elend des Volkes natur- notwendig immer größer." Das hätte vor l'/a Jahren noch wortwörtlich in einer nationalsozialistischen Broschüre stehen können— aber heute stellt auf solche„Verhetzungsschriften" eigentlich Gefängnis. Audi hierauf: „Der Deutsche will keinen Diktator oder Hirten, der eine gefügige Herde kommandiert und knechtet. Solange im Deutschen noch eine lebendige Seele wirkt, erträgt er die Knechtschaft nicht. Führer, der erste unter Freien, soll stets derjenige sein, der sein Volk durch Wesen, Denken und Tun am reinsten verkörpert." „Sein Volk"— das geht auf Hitlers Stammbaum. Zu Hitlers Absetzung wird deutlichst aufgefordert: „Möchten die Deutschen die Zeichen der Zeit verstehen und auch das, was ihre großen Führer: der Feldherr des Weltkrieges und die Philosophin der Seele in wundervoller Deutscher Einheit ihnen zu künden haben! Möchten die Deutschen, statt Werkzeuge von Juda und Rom zur Niederringung anderer Völker zu sein, diese weltversklavenden Mächte abschütteln und sieh ihrer göttlichen Aufgabe bewußt werden! Die Waffen sind geschmiedet, sie brauchen nur zum Kampf geführt zu werden." Die ganze Broschüre, soviel Wahrheiten sie über das„dritte Reich" auch aussagt, ist offensichtlich ein Versuch, den Juden auch noch Adolf Hitler in die Schuhe zu schieben. Die Juden sind viele Beschimpfungen gewöhnt, sie werden schweigen V as aber sagt Hitler dazu? Und wann gedenkt er endlich, seinen Stammbaum zu veröffentlichen, um diesen noch irischeren den Mund zu stopfen? Die neue Judenhetze Diese Aufnahme stammt nicht aus dem März- April 1933, sie ist vielmehr vor wenigen Wochen in Cuxhaven hergestellt worden. Die minderwertige Misdirasse Ein neues Greuelurteil dnb. Breslau, 18. Mai. Die 2. Zivilkammer des Landgerichts Breslau fällte ein bedeutsames Urteil in bczug auf arifch-jüdifche Mischehen. Ein Militäranivärter hatte 1927 eine Frau geheiratet, die bei der Eheschließung ihre Geburtsurkunde persönlich dem Standesamt eingereicht hatte, so das? der Mann erst im November 1033, als er für leine Behörde die Standesamtsurkunden für sich und seine Frau beschaffen mußte, davon Kenntnis erhieli, daß seine Frau jüdischer Abstammung war. Er focht jetzt im Klage- ivcge die Ehe an. Die 2. Zivilkammer erklärte die Ehe für nichtig. In den Gründen wurde u. a. ausgeführt, daß nach der heute sim„dritten Reich"! herrschenden Ansicht die Ras- senzugehörigkeit eines Menschen eine persönliche Eigenschaft von wesentlicher Bedeutung sei. Der Charakter, die Wesens- art und die Lebcnsanschaüung der Persönlichkeit beruhten in erheblichem Grade mit aus Blut und Rasse. Diese Eigen- tümlichkeit vererbe sich ans die Nachkommen. Die Blut- Mischung zwischen arischen und nichtarischen Rassenangehöri- gen führe zu einer Nachkommenschaft, die als Mischrasse als minderwertig anzusehen sei. Stehlen- Ja« Bezahlen- nein! Retthsgesefz Ober Fenerbesfaftnng Der Erdbestattung grundsätzlich gleichgestellt Am 1. Juli tritt das Gesetz über die Fcuerbcstallung in Kraft, das dieser Tage vom Reichskabinett verabschiedet worden ist. Es bringt für den allergrößten Teil des Reichs- gebiets wesentliche Fortschritte gegenüber dem bisherigen Zustand, der die Feuerbestattung möglichst hinderte: Das Gesetz stellt den Grundsatz auf. daß die Frnerbestat» tnng grundsätzlich gleichgestellt wird. ES besteht nur inso- weit eine Einschränkung, als es die Ttrasrcchtspslege er- fordert. Hier sind zwei Sicherungen eingeschaltet: einmal die Untersuchung der Leiche durch einen beamteten Arzt, der die Todesursache festzustellen hat. und der im Falle der Un- Möglichkeit, die Todesursache festzustellen, den behandeln- den Arzt zuziehen muß. Sollte auch dies nicht zum Ziele führen, jo ist ein« Le'chenöffnung vorzunehmen. Di? andere Einschränkung ist die, daß für jede Feuerbestattung eine Bescheinigung der Ortspolizeibchördc des Sterbeortes bei- zubringen ist, aus der ersehen werden kann, daß kriminelle Anhaltspunkte— z. B. gewaltsamer Tod, Tod infolge straf- barer Handlung usw.— nicht vorhanden sind. Da? Wesentliche des Gesetzes ist, daß die Art der Be- stattung sich nach dem Willen des Berstorbenen richte,, soll. Seinem Wunsche nach Feuerbestattung ist zu entsprechen. Hat er diesen Wunsch nicht ausgesprochen, so können die nächsten Angehörigen die Feuerbestattung beantragen, in der Hauptsache der Ehegatte, die Verwandten aus- und ab- steigender Linie. Geschwister und deren Kinder, und der Verlobte. Der Nachweis, daß der Vc storbene die Feuer- bestattung gewünscht hat, kann auf erleichterte Welse er- bracht werden. Es genügt eine letztwillige Anordnung oder eine vom Verstorbenen eigenhändig unterschriebene Er- klärung oder eine vor einer öffentlichen Urkuudenpcrson ab- gegebene Erklärung. Das Gesetz enthält schließlich Bestimmungen über die Aufbewahrung der Aschcnrcste. Es ist vorgeschrieben, daft Aschenrcste auf einem Friedhof oder aus einer öffentlichen Bestattungsstelle beigesetzt werden müssen. Eine Aus- händiguna der Aschennrne an die Angehörigen ist nicht zu- gelassen. Ausnahmen können allerdings durch die Polizei- behörde zugelassen werden. lAiso z. B. in den Fällen, in denen der Tote verfügt hatte, daß seine Urne inS Meer versenkt werben soll.) Das Gesetz enthält keine S'rasbcstimmungen ES appcl- liere, so wird betont, an da?.Pietätsgefühl der Angehörigen, die ihren Verstorbenen nicht auf eine Weise beerdigen lassen, die nicht gewünscht habe. Ein Gewerkschaftssekretär aus Bielefeld, der nach der Gleichschaltung der Gewerkschaften fristlos entlassen wurde, klagte auf Zahlung seines Gehalts. Er ging bis ans Reichsarbeitsgericht, wurde aber abge- wiesen, und es ist interessant zu lesen, mit welcher Wendig- keit der zuständige Richter sich durch die Maschen des Ge- setze» schlängelte, mit welcher Federfertigkeit er den schäm- losen Raub von Arbeitergeldern„juristisch" zu rechtfertigen suchte. Die„Deutsche Iuristenzeitung" vom April 1934 veröffentlichte einen Auszug aus. der famosen Ent- scheidung: Nach ihrer ganzen Entwicklung habe die NSDAP., ihrer Einstellung folgend, den Marxismus bekämpft und die Bc- feitigung aller Einrichiungcn erstrebt, di°e auf dem Gedanken des Klassenkampfes beruht hätten. Gerade in den freien Gewerkschaften habe sie die Organisation erblickt, in der dieser Gedanke am tiefsten verwurzelt und zu prak- tischer Betätigung gelangt gewesen sei... Auf die Vcr- kündung der Errichtung der Arbeitsfront sei am IV. Mai 1988 das Gesetz über die Treuhänder der Arbeit geiolat, das den Gewerkschaften das Recht zum Abschluß von Tarif- vertrügen genommen habe.. Diese Entwicklung erweise aber auch den Willen der Urheber der Umwälzung, etwas Neues an die Stelle des Bisherigen zu setzen. Etwaige Aeußerungen beteiligter Personen ständen nur scheinbar mit dieser Auffassung im Widerspruch. Diese„beteiligten Personen" gehörten zu den Spitzen des„dritten Reiches", und ihre„etwaigen Aeußerungen" besagten Klipp und Klar, an eine Auflösung der GewerK- schaffen sei nicht zu denken, es handle sich nur um ihre Ein- gliederung in den„nationalen Staat". Die richterliche Entscheidung bestätigt also schwarz auf weiß einen schweren Wortbruch der treudeutschen Führer. Nicht den ersten allerdings. Weiter heißt es in der Entscheidung: .. Das vorhandene Vermögen habe man im Interesse der Arbeiterschaft sichergestellt. Damit hätten die alten Ge- werlschastcn ihren Inhalt verloren. An ihre Stelle seien die neuen Arbciteroerbände der Arbeitsfront getreten. Gewiß hätten sie die früheren Mttgliedcrverbände in sich aufgenommen, sie hätten aber»ach dem Willen ihrer Schöpser neue Gebilde dargestellt, die mit den freien Ge- werkschaften nichts gemein gehabt hätten. Wenn die Mit- gliebcr die gleichen seien und die Aufgaben teilweise über- einstimmten, wenn die Einrichtungen und Häuser der Ge- werkschaften weiter benützl würden, so seien dies rein äußere Momente Sei somit die Identität zu vcr- neinen. so komme auch weder eine Gesamtrcchtsnachfolgc noch eine Sondcrrechtsnachsolge in Betracht. fRAG. 274/33 v. 28. Februar 1V84.) In der Tat ein offenes Eingeständnis! Das Vermögen geraubt, die Gewerkschaftshäuser gestohlen— aber „Rechtsnachfolge" kommt nicht in Frage(sobald es ans Bezahlen geht). Es gibt noch Richter in Deutschland! Sie sind bereit, jede Gaunerei, jeden Diebstahl, jeden Rechts- bruch der braunen Diktatoren mit dem Paragrafenmäntel- chen christlicher Nächstenliebe zu bedecken. Sie lesen die „Deutsche Freiheit" in Strasbourg in folgenden Gastwirtschaften: „An Polln de la Warne"(Weißturmstraße) „Schnokeloch"(Weißturmstraße) Brasserie an Grenadier(Langstraße) Brasserie„Goldene Kette"(Langstraße) Brasserie„Wiroir"(Langstraße) „Zw Glocke"(Schwesterngasse) Brasserie„An batelier"(Schiffleutstaden) Pension Tel Awiw(Alter Fischmarkt 15") Bevorzugen Sie diese Lokale bei Ihrem Besuch in Strasbourg! i Sfraßbunjer Wochenbericht Die„wunderschöne" Stadt verjüngt sich Mit dem Frühjahr setzte eine erstaunlich lebhafte Bautätigkeit sowohl an der Peripherie der Stadt, wie auch im Zentrum ein. Während man in allen Vororten und Stadtteilen die Bauhandwerker eifrig ain Werk sieht, schöne Wohnhäuser heinahe über Nacht aus dem Boden sprießen, vollzieht sich in der Altstadt der Abbruch und Erneuerungsprozeß in systematischer Reihenfolge, Die sehr romantischen, Malern und D.thtern immer wieder Anreiz zum künstlerischen Schaffen bietenden uralten Häuser der Innenstadt werden eingerissen und an ihrer Stelle entstehen gewaltige Wohn- und Geschäftshäuser an breiten, den modernen Verkehrsbedürfnissen angepaßten Straßen. Einen eigenartigen Eindruck machen im unendlichen Häusergewirr der Altstadt die zu großer Höhe aufragenden Kranen, die in kühnen Bewegungen mit ihren stählernen Armen die baufälligen Häuschen ä la Spitzweg beseitigen und gleichzeitig das Material für die modernen Neuhauten herbeischaffen. Beim Straßendurchbruch zwischen Schlossergasse und Thomasstaden sind 100 Wohnungen von 1 bis 6 Zimmern und allem Komfort beinahe fertiggestellt, an der Weißturmstraße ist der Durchbruch bereits vollzogen. So regt sich Uberall in der Stadt auf dem Baumarkt ein gesunder Optimismus und man kann der städtischen Woh- nungsbaugesellschaft, aber auch den privaten Unternehmern, das Kompliment nicht versagen, daß sie mit ganzer Kraft dabei sind, der sogenannten„Krise" gehörig auf den Pelz zu rücken. Jedes Jahr 1400 Bewohner mehr Nach amtlichen Statistiken beträgt die Einwohnerzahl Straßburga gegenwärtig rund 186 000. In den letzten Jahren war eine jährliche Zunahme von rund 1400 Köpfen zu verzeichnen. Die eingeschriebenen Wähler, die angesichts der Wahljahre 1934—1936 genau zu erfassen waren, vermehrten sich seit Kriegsende um 50 Prozent. Im Jahre 1919 zählte man 30 269 Wähler, 1934 sind es 46 729. Im Ostkanton(Neu- dorf-Krutenan) nahmen die Wählerzahlen prozentual am meisten zu, hier war auch die stärkste Bautätigkeit der letzten Jahre zu verzeichnen. Hochbetrieb"in den Bädern Die sommerlichen Temperaturen der letzten Tage lockten Tausende hinaus in die Bäder des Rheins, der III und an das schöne Strandbad am Baggersee. Von der Sonne gebräunt hielten die Freunde des Badens abends fröhlichen Einzug in die Stadt, wobei auch die zahlreichen Wirtschaften nicht zu kurz kamen Die Citadelle-Brücke vor der Inbetriebnahme Die neue Brücke, die den unteren Teil des großen Mt-ftger- torhafens in kühnem Bogen überquert, ist soweit fertiggestellt, daß sie demnächst dem Verkehr übergeben werden kann. Sie schafft im Zuge der Schwarzwaldstraße eine neue Verbindung nach der Rheinbrücke. Man darf damit rechnen, daß ein großer Teil des Verkehrs, der sich jetzt dem Rhein zu durch Neudorf abwickelt, dann über die neue Brücke geleitet wird. Backverbot an Pfingsten Die Bäckereien sind am ersten Pfingstfeiertag nur bis neun Uhr in der Frühe geöffnet. Vom ersten auf den zweiten Feiertag herrscht Backverbot. Man wird gut daran tun. sich rechtzeitig mit Backwaren zu versorgen. Herr Hitler findet Nachahmer Nun gibt es auch iin Elsaß eine Nationalsozialist i s ch e Partei. Vor einigen Tagen bildete sich in Straßburg eine Gruppe der„Parti National Socialiste Franzi s". Die Mitglieder der Partei verpflichten sich für die Bewegung„gegebenenfalls unter Einsatz ihres eigenen Lebens einzutreten". Sie nennen sich„Nasos" und propagieren ein Programm, das den 25 Punkten der deutschen nationalsozialistischen Partei ähnlich sieht wie ein Ei dem anderen. Es scheint sich bei den Gründern der„Nosos" um einige Leute zu handeln, die aus der Partei der„Steuerzahler", die man im Volksmund hier allerdings die Steuerdrückeberger nennt, ausgeschieden sind, um jetzt ihren eigenen Laden aufzumachen. Natürlich hat die neue Partei auch bereits ein Abzeichen, das sich allerdings nur schwer definieren läßt. Man nimmt die neue Partei vorerst nicht sonderlich ernst. Die„Freie Presse" empfiehlt für die „Nasos" eine Kur in einer Kaltwasserheilanstalt. Kleine Nachrichten Die Ortskrankenkasse zählte am 5. Mai 73 991 Mitglieder, an Krankengeld wurden in der vorausgegangenen W oche für etwa 2000 Mitglieder rund 200 000 Fr. ausbezah't. — Die Einlagen bei der Städtischen Sparkasse betrugen in der Woche vom 5. bis 12. Mai 3.734 Millionen Fr., che Rückzahlungen 2,807 Millionen Fr.— Ein. unbekannter Dieb entwendete einer Frau 12 000 Fr. Sterbegeld, die sie beim Ableben ihres Mannes bezogen hatte, ein anderer Dieb stahl in einem Spezereiladen am Gerbergrahen die Ladenkasse mit 6000 Fr. Inhalt. Vom Petroleum in Pechelbronn Der Bruttogewinn der Pechelbronner Oelbergwerksgesellschaft beträgt für 1933 11,655 Millionen Fr. gegen 10 896 Millionen Fr. im Jahre 1932. Die Petroleumgewinnung erreichte mit 78,828 Tonnen(4,707 Tonnen mehr als im Vorjahr) einen neuen Rekordstand. Die Anfänge der Pechelbronner Petroleumgewinnung reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Der Name Pechelbronn stammt von den damals dort entdeckten Pecliquellen. Heute sind in Pechelbronn nicht weniger als 600 Bohrtürme und l' u in p- anlagen in Betrieb. Das Gelände des Werkes umfa t 44 000 Hektar. Pechelbronn liefert 18 Prozent des gesamten französischen Petroleumhcdarfs. In diesem Zusammenhang verdient ein Aufsatz in einer nationalsozialistische u deutschen Zeitung, dein Mannheimer„Hakenkreuzhaiiner", Erwähnung, der sich mit der Petroleuingewiiiiiuug in Deutsei land befaßt. In diesem Aufsatz heißt es u. a.i..Ucherdies besitzt Deutschland eine ganze Reihe weiterer erdölhöffiger Gebiete am Tegernsee, in Thüringen hei Volkenroda, i ra Oberelsaß bei Pechelbronn und in der Rheint Tertiärschicht zwischen Bruchsal und lihstadt in Baden."> dieser Aufzählung figuriert also Pechelbronn munter als „deutsches Gebiet". Die Herrschaften, die von ihren tölpelhaften Ansprüchen aufs Elsaß nicht lassen können, glauben gar nicht, wie beliebt sie sich mit solchen Feststellungen hier machen! E. D, „Deutsche Freiheit". Nr. IIS Das bume Matt Sonntag-Montag, SV. Zt. Mai 1934 Eine Begegnung Es ist spät und es oegnet.— Das Großstadtpflaster spie- gelt in seiner blanden Fläche tausend bunte Lichter. Rekla- wen. Kaffehauslampen. Es ist, als ob die Menschen nicht genug daran häten, was an Licht und Klang von oben, von den Teilen aus sie einströmt, als müßten sie unter ihrem hastigen Tchritt sogari die Möglichkeit sich zu vergnügen, sich zu betauben, finden.— Margarete oder wie man sie hier in Paris nennt,„Mode- moiselle Marga" kommt mit ihrem Freund aus einer Revue. Er ist freundlich, lacht und hat seinen Arm um sie ge- schlungen. Tie duldet es lächelnd. Am Anfang war es schwer, sich an diese Art zu gewöhnen. Tie, die kühle Norddeutsche, die es besser versteht die Gefühle zu verbergen als zu zeigen, fand es unangenehm, so vor aller Leute Augen ihre Zwerfamkeit spazieren zu führen. Jetzt macht es ihr nichts mehr aus. Warum auch? Rens ist eben zärtlich.— Tie hat sich daran gewöhnt, wie sie sich, bevor sie Rens kannte, an andere Sachen gewöhnt hatte.— Daß man arbeiten muß, wenn man Hunger hat. Daß man von zu Hause, wo Bater ein riesiges Geschäft hatte, nichts kriegt, weil erstens das Geschäft, da es jüdisch ist, boykottiert wird, und zweitens ein Sperrgesetz die Aus- fuhr der Mark verbietet. Daß Arbeit nicht immer zu finden ist. Daß das Waschen der Wäsche, das Besohlen der Schuhe ein Problem sein kann. Daß die Wirtin im Hotel, nachdem man ihr eine Woche schuldet, eine.Hexe wird, trotzdem sie noch vor kurzer Zeit Jammertränen über das Schicksal der armen Refugiss vergossen. Daß man auf der Straße, und gewöhnlich gerade dann, wenn man keinen Sous mehr in der Tasche hat, von lauter unangenehmen Männern angesprochen wird, und es Ueber- mindung kostet, nicht eine Tasse Kaffee trinken zu gehen. Uebrigens hat sie der Unsitte des Ansprechens vergeben, denn aus diese Weise hat sie Rens kennengelernt. Rens, der jetzt noch, nachdem er bereits 3 Monate mit ihr verbracht hat, immer derselbe treusorgende Freund und stets auf- merksamer Begleiter geblieben ist. Immer gleich besorgt, gleich zärtlich.— Zu zärtlich denkt manchesmal„Made- moiselle Marga". Gert war nicht so.— Gert.... Wie weit liegt das zurück.— Gert, mit den blauen, harten Augen, in denen nur manch- mal ein Funken aufsprühte, Gert, der die Zähne zusammen- biß, um nicht laut zu jauchzen wenn das Glück sie beide zu sehr überkam.— Wo bist Du, Gert? Denkst du noch an mich? Weißt du noch die Schaukel in Großmutters Garten und die Bank, aus der deine Schülermütze eines Tages gefunden wurde, eines Morgens? Weißt du noch den Strand und das Boot und den ersten Ball und all das, was Jugend war und erste Liebe? Tief in der Schublade ihres Schreibtisches sRokoko und erstes Geschenk von Rens), so tief, daß er, der gerne stöbert, es nie entdeckt hat, liegen Bilder. Kleine Aufnahmen, weit davon entfernt, künstlerisch zu sein. Ein lang ausgeschossenes Mädel ist drauf und ein Junge, der merkwürdig schmale Lippen, ein merkwürdiges, eigen- sinniges Kinn hat. Immer derselbe Junge, immer dasselbe Mädel. Auf dem Baren, im Boot, dann anscheinend eine gewisse Zeit später, beim Tanzen. Sie im ersten Ballkleideeungeheuer Eine Viertelstunde lang London. Das berühmte Seeungeheuer von Loch Neß ist wieder ausgetaucht. Zwei schottische Motorradfahrer wollen das Seeungeheuer fünfzehn Minuten lang gesehen haben. Sie beschreiben es als einen großen schwarzen Gegen- stand, der mit erheblicher Geschwindigkeit durch das Wasier glitt und mächtige Wellen schlug. Die Motorradfahrer wollen aber deutlich einen kleinen Kops und zwei Höcker aus dem Rücken des Ungeheuers gesehen haben. Das Un- geheuer habe eine ähnliche Haut gehabt wie ein Elefant. Es sei noch zu sehen gewesen, als die beiden Motorrabfahrer sich zur Weiterfahrt entschlossen. Napoleons Totenmaske versteigert Unter riesigem Andrang der Historiker und Sammler Frankreichs und auch Englands kamen jetzt in Paris einige Napoleonreliquien zur Versteigerung. Napoleon erzielt auch in der Krise noch gute Preise. So wurde eine Brieftasche des Kaisers für über 10 000 Fr. ersteigert. Noch mehr erzielte ein längerer handgeschriebener Brief. Am heißesten aber ging der Kampf um eine der drei vorhandenen Original- lotenmasken des Empereurs Sein Leibarzt Antommarchi hatte seinerzeit drei Masken iür die Mutter Napoleons, für Marie-Louise und die dritte für sich selbst anaeierti" dritte kam nun zur Versteigerung und wurde von dem Napolconsorjcher Octave Aubry für ,nehr als llüuu Fr. erworben. Änna Pawlowas Mutter klagt Bor den Londoner Gerichten fand dieser Tage ein auf» sehencrregender Prozeß statt, den die Mutter der weit- berühmten, vor längerer Zeit verstorbenen Tänzerin Anna Pawlowa gegen den Gatten der Toten angestrengt hatte. Der Gatte Victor Daudre hatte sich geweigert, der Mutter einen Teil der Erbschaft auszuhändigen, obgleich die Mut- ter, lange arbeitsunfähig, schon zu Lebzeiten der Tochter, von ihr eine Rente bezogen hatte. Der liebevolle Schwieger- söhn aber mußte vom englischen Gericht dazu gezwungen wer- den, der völlig mittellosen Frau die nötigen Existenzmittel zur Verfügung zu stellen. Tohlenrauch als Dünger Der australische Ingenieur Jack Stribbley hat für Far- merhäuser die Rauchabzugsvorrichtungen so konstruiert, daß die Fettrückstände der Kohle nicht unverwertet in die Luft verpuffen, und durch ihren Niederschlag der Fauna und Flora schädlich werden, sondern er führt den Rauch durch Exhaustoren in unterirdische Kanäle, die in Gemüsegärten enden. Dem Nährboden der Pflanzen soll diese fetthaltige Kohle, die mit künstlichem Dünger in den Kanälen gemischt wird, recht gut bekommen. Der Ackerbau-Ingenieur rechnet nach den ersten Versuchen mit einer Gewinnsteigerung von zirka 13 Prozent. Amgenbe Tiere Man wird an das Konzert der Bremer Stadtmusikanten erinnert, wenn man die Erfolge hört, die ein spanischer Dresseur mit seinen Eseln, Hunden und Katzen hat. Herr Alkonso Cadiello hat tatsächlich eine Tierkapelle zusammen- gestellt, die auf den Märkten in den kleinen spanischen Städten große Erfolge und klingende Münze für ihren Kapellmeister einheimsen kann. Eadiello hat einem Esel, drei Hunden und zwei Katzen das Tingen beigebracht. Diese sechs Tiere bekommen zusammen eine Art von musikalischen Tönen zusammen, die nach Aussage des Kapellmeisters und auch einiger Zuhörer die Melodie eines spanischen Volks- liebes wiedergeben soll. (Bim Koloftalftatue für Centn In Moskau soll jetzt eine gigantische Statue von Lenin errichtet werden. Tie wird aus verchromten Stahlplatten zusammengesetzt und wird die doppelte Höhe der Freiheits- stetue am Eingang des Neuyorker Hafen erhalten. Die Sta- tue wird sich genau auf dem Platz der früheren Christus- kirche erheben, die zu Weihnachten 1031 in die Luft gesprengt wurde. Die Figur Lenins selbst wird 180 Fuß messen, das Monument 800 Fuß: Lenins Kops wird also von einer Höhe von ungefähr 1000 Metern die Stadt überblicken. An der gleichen Stelle soll ebenfalls ein riesiges Gebäude erstehen, mit einem Rauminhalt von 160 Millonen Kubikmeter, ein- geteilt in 10 Säle, deren jeder 20 000 Personen Platz bieten soll. In demselben Gebäude soll die größte Bühne der Welt untergebracht werden und eine Straße von ungeahnter Breite soll den Zugang zu dem Palast bilden. Der korrekte Cehrer Jeden Morgen pünktlich um 0 Uhr sitzt in einem Pariser Eafehaus ein korrekt angezogener älterer Herr mit Kneifer auf der Terrasse, neben sich einen Stoß Zeitungen. Die Zei- tungen sind nicht neuesten Datums, darauf kommt es ihm aber auch gar nicht an, er liest sie trotzdem Zeile für Zeile in seiner Rechten einen Rotstift schwingend. Der seltsame Leser ist ein pensionierter Lehrer, und da es ihm nicht mehr vergönnt ist. die Diktathefte seiner Schüler zu prüfen, korri- giert er jetzt mit unermüdlichem Fleiße die Druckfehler aus den Zeitungen, streicht sie am Rande an und liefert diese Exemplare dann mit mehr oder weniger schlechten Noten bei den betreffenden Redaktionen ab. Die Redaktionen kennen ihren gestrengen Lehrer schon und behandeln ihn artig und nett, wie es sich eben für Schüler, die Fehler gemacht haben, geziemt. Gin lateinisches Diner Dreihundert Mediziner aus Frankreich und Amerika haben dieser Tage zusammen gesessen, zusammen gegessen und sich nur in gutem Latein unterhalten. Es ging sehr ge- bildet auf dieser Gesellschaft der Union Medieale Franca- Jbero-Americaine zu. Man hielt Ansprachen mit der Be- redsamkeit eines Cicero und war aber im übrigen doch sehr schweigsam, denn die Herren Mediziner wissen wohl die schwierigsten medizinischen lateinischen Ausdrücke, den wenigsten aber ist bekannt, wie ein« solide getrüffelte Leber» pastete in der Sprache des Cäsar heißt. Pariser Beridite Pariser Straßenhalcnder Die als Nachfolger der berühmten Professoren Roux und Calmette zu Leitern des Pasteur Instituts gewählten Dr. Louis Martin und Ramon(Subdirektor) sind alte Mitarbeiter des Seuchen-Instituts. Die Räume der Direktoren an der hervorragenden Forschungsstätte sind Muster der Bescheidenheit, ganz einfach eingerichtet, nur mit der Büste des großen Pasteur geziert. * Von den in der armseligen Cite Jeanne Darc verhafteten dreizehn Einwohnern wurden bereits acht wieder freigelassen. Fünf, darunter ein Siebzehnjähriger, blieben noch in Haft. * Die Direktoren des Renn- und Lebemannklubs„Frolic's" sind, nachdem die Gangster-Spur in der Stavisky-Affäre verlassen wurde und die Untersuchung wieder andere Bahnen geht, aus der Untersuchungszelle vorläufig in Freiheit gesetzt worden. * Vier ausländische Gelehrte erhielten den Titel eines Ehrendoktors der Sorbonne: der Statistiker und Nationalökonom Sir William Beveridge in London, der medizinische Professor im Ruhestande A. Eiselberg in Wien, der Leiter des internationalen Gewicht- und Meßbüros Guillaume, ein Schweizer, und der Präsident der päpstlichen Akademie der römischen Archäolog e de Santis. * Der Prozeß der Erben Zolas wegen des Filmtitels„Nana" wurde auf vierzehn Tage vertagt. * In Rom wird am Pfingstsamstag eine von dem französischitalienischen Comite gestiftete Büste von Chateubriand, dem Verfasser der„Memoiren jenseits des Grabes", die nach dem Vorbild des großen David d'Angers ausgeführt ist, feierlich enthüllt. „Tanle Marie" Ins Haus Molieres ist eine Geschichte von einer alten Tante eingezogen, die sich den Ihren opfert. Ihre Schwester heiratet den Mann, den die Aeltere liebt, und sie bleibt beim alten Vater zurück. Als sie ihn zu Tode gepflegt hat, geht sie in das Haus ihrer Schwester und des Schwagers ein und stiftet dort Frieden. Und ihr Lohn ist, als sie altert, ein Zimmerchen, das an einem dunklen Hinterhof liegt und ungeheizt die Einsame empfängt. Endlich, als sie stirbt, die Hände segnend auf dem Haupte des Mädels des Geliebten, empfindet dieser die Größe dieses Opfers. Das ganz fraulich empfundene Werk, in dem Berthe Boxy die alte Marie spielte, stammt von einer Frau. Die Verfasserin heißt Anne Valray. m. Die SilberfuclKfarm Ist verkauft Die Silberfuchsfarm in der Bretagne ist verkauft. Ein Züchter aus der Gegend von Landerneau, nebenbei bemerkt: einem Neste, das man in Frankreich ähnlich nennt wie in Deutschland etwa Kyritz oder dergleichen, kam aus seiner Ecke von Finisterre an den Ort des Verbrechens und ließ sich die Tiere zeigen. Am nächsten Morgen begab sich dieser Zoologe zu dem Staatsanwalt Henriot in Lorient und kaufte von ihm Farm und Käfig für 60 000 Franken. Das Besitztum des Staatsanwalts dagegen ist noch in den Händen der Familie geblieben. Der Vater des Mörders ist jetzt allein weggereist; er hat erklärt, daß der Arzt die Verantwortung für eine Uebersiedlung seiner Frau in einen Vorort von Paris nicht übernehmen wolle. Der Mörder ist inzwischen vernommen worden, aber man hat ihn nur seine Geständnisse wiederholen lassen. Die übrigen Fragen, die man gegen den finsteren Sadisten bereit hält, sollen ihm erst Ende des Monats Mai vorgelegt werden. Aus den Briefen, die das Opfer, die ermordete Frau des Michel Henriot an ihre Schwester ohne Wissen des Mörders gerichtet hat, sind weitere furchtbare Einzelheiten bekannt geworden. Die arme, dem Wüterich ausgelieferte Neunzehnjährige schrieb unter anderm: „Ich weiß nicht, was Miche! hat Er will mich immer mit aller Gewalt stoßen. Er sagt, daß mit Loch• en- Guidel der Ort gut gewählt ist und daß ich hier so viel schreien kann, wie ich will, niemand hört mich. Ich schreie nicht, aber ich bin sehr unglücklich. Denk doch, er wollte das Bett anzünden, während ich schlief. Und nicht nur mit mir macht er's so. Er hat auch ein Vergnügen daran. Tiere zu quälen..." „Michel hat mich wieder geschlagen. Er sagt, er will mich mit seinem Karabiner töten. Gestern Abend hatten wir einen kleinen Streit, dann drängte er mich hinaus auf den Strand. Hier schlug er mich und dann nahm er meine Kleider, meine Hose, meine Strümpfe und meine Schuhe weg. Als ich ganz nackt war. schlug er mich weiter. Dann lachte er, und ich mußte in diesem Zustand heimkommen. Immer sagt er, er wird mich töten..." „Gestern amüsierte er sich damit, mit einem glühenden Feuerhaken der Katze den Schwanz zu versengen. Bis jetzt hat er mich noch leben lassen.. In ihrem letzten Brief schreibt die Unglückliche, ihr Henker habe ihr gesagt:„Wenn ich dich los sein will, nehm ich einen Karabiner. Der hilft sicher.. Das Geständnis des Mörders geht auf diese Briefe zurück. Pariser Bannstrahl gegen Oberammergau Der bayerische Minister Esser, der zugleich der hitlersche Propagandamarschall für Fremdenverkehr ist, bemüht sich sehr, für das Extrajahr des Christus-Festspiels in Oberammergau, das das„dritte Reich" abhält, die Trommel zu schlagen. .Aber leider ohne viel Erfolg, wie das Ergebnis zeigt. Während im deutschen Verkehrsbüro zu Paris die Schaufenster voller Bilder der Oberammergauer hängen, schreibt wörtlich die Pariser Kunstzeitschrift„Comoedia": „Materialismus in Oberammergau.— Ach, wo ist unser Entzücken von einstmals vor der Offenbarung der Gläubigkeit, die das Tiefste an der Leidensdarstellung der Ober ammergauer Bauern war? Heute ist das mystische Schauspiel in Reisekataloge gerutscht und wird bewirtschaftet. Die Be- kanntmachungen verraten einen zweifelhaften Geschmack. Da 161. rnnild 43-13 M6iro Pigaile Deutsche Poliklinik Paris. 02., ßue de la Rochefoucaula a) Allgemeine Konsultationen mit 9 Spezialisten, b) Chirurgie c) Orthopädie d) Geburtshilfliche Klinik e) Zahnärztliches Kabinett Ordination täglich von 9—12 und 2-8; Sonntags und Feiertags von lO—12 und 2—4 Uhi Emigranten und Stoaten'ose! Legaler Erwerb der Siaetsbürgerschaff eines europäischen Staates in ca. 10 bis 14 Tagen I(Auch für Nichf- erier I) Sdirelb. Sie vertrauensvoll an Haus Neuhelm, Herglswil(Nldw.) Sdtwelz.(8p. beilegen!) Doktor Wachtel und Doktor Axel Geschlechtskrankheiten, Männer und krauen Vase, Hals, Ohren 123, Bd. Sebastopol.— Sprechstunden v. 9—12 u. 2—8 Uhr Sonntags vormittags Metro Reaumur. St Denis BepficfcicfftigtdieJnsepenren der..VeittscKen 3reikeit" Sotleur:fp ecialiste i DEUTSCHSPRECHEND i Münchener u Pariser Fakultä 17, rue Reaumur Mttro Arts-et-MOtier» od. RApublique Frauen», Blut», Haut», Harn» und(5e ichlechtskrankheiien, fripper, Syphilis. Männerschwäche. 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Auf der Bühne wie im Lehen! lüecht füt die „"Deutsche JxeiAeit" VILLA PERRONET Pension I. Ranges. Jeder Komfort. Nahe am Bo s de Boulogne, 1* Minuten Concorde. Beste v erhirduneen Ruhige Laie Ausgezechnet- Küche. Guten. Klavier. Grosse deutsche und franz. Bibliothek.(Jnentge!t. franz. Sp ac- zirkel. F>au REISNER. 56 rue Perronet. Neuilly«s.*S.. Tel. Maillot 15-85 Das Haus des deutschen Klubs Der niebt gleichgeschaltete Pariser Deutsche Klub hat in dem Luftkurort Enghien-lesBains ein Haus erworben, in dein er am Nachmittag des Pfingstsonntags und-montags erstmalig zusammenkommt. Die dreistöckige Villa Mathilde, 7, Avenue Mathilde(Telephon: Enghien 337) in Enghien-les-Bains steht den Klubmitgliedern ab jetzt den ganzen Tag zur Verfügung. Gäste sind gerne willkommen. Am Nachmittag des Pfingstsonntags und am Nachmittag des Pfingstmontags, ab 16 Uhr: fanztee. Im Park des Klubhauses, das neben den Seen von Enghien liegt, kann u. a. auch Schach, Dame und Ping-Pong gespielt werden. Von Gästen wird ein Unkostenbeitrag von 1.50 Fr. erhoben. Für Mitglieder ist der Eintritt jedesmal kostenlos. Verbindung: Straßenbahn 54 ab Trinite oder Vorortbahn ab Gare du Nord(alle Viertelstunde ein Zug— Fahrzeit II Minuten). Von der Rue de l'Arrivee(am Bahnhof von Enghien) gehe man rechts in die Avenue de Ceinture, deren 5. Querstraße rechts die Avenue Mathilde ist. E^jM2^ ens i OI1 Tel AwiwSirasböürg j ^verlegt vom Ho.en i»t«g nach Alter Fiscnma kt i>" I M1TTAGST1 aCH AB 6,- FR.| bbiefkusten N. P. D. Ihr« Beobachtung ist durchaus richtig und wird uns von vielen Leiten bestätigt.'Uvi die lawinenartig anwachsende Unzusrie- denhcit von Hitler persönlich abzulenken, hat man drüben die For- mein erfunden„Das weig Hitler nicht." Oder:„Tab will Hitler nicht." Sie haben nun noch besonders häufig gehört, dag man sagte, die Sliquen um Hitler verschwiegen ihm alles. Eine kleine„jüdische Kliqur" habe ihn völlig„eingekapselt". Dieser Glaube an Hitler, der durchaus in vielen Fällen mit dem bereits entstandenen Unglauben an die Partei verbunden feirt kann, ist charakteristisch. Die alten Anhänger haben immer eine Entschuldigung für den Führer. Früher war es die„Taktik", aus die man alles schob, ob es die Harzburger Front mit den Deutschnationalen war oder das Frühstück mit dem Bankier von Staust, eine Rede vor den Industriellen in Tünsdorf oder ein abgeblasener Putsch, die Koalition vom SV. Januar 1SSS oder die Versöhnung mit Papen. Jetzt hat man diese Motivierung gefunden- Sie ist nicht neu- Man erinnert sich an die Stimmung in Rußland wo„Väterchen Zar" unschuldig au allem sein sollte und nur die Ratgeber verantwortlich gemacht wurden, die das Volk von Zaren fernhielten und so verhinderten, dast der Zar die Nöte des Volks kennen lernte. Schließlich kam der„Schwarze Sonntag". Pfälzer. Auch Sie verweise» darauf, wie sehr die Gestapo Jagd aus„Greuelmärchen" in Briefen nach dem Auslande macht. Zum Beweise übersenden Tie uns folgenden Bericht aus einer Pfälzer Zeitung:„Ter Fabrikarbeiter Jakob Dahl aus Niederauerbach hatte in einem Blies an einen Fremdenlegionär geschrieben, wir seien heute in Teutschland die reinsten Wirtschaftssklaven, es werde aber die Zeit kommen, wo mit den Faschisten abgerechnet werde. Wer die Wahrheit sage, werde verhaftet und nach Dachau vcr» bracht- Der Angeklagte wurde dem Antrag des Staatsanwaltes entsprechend zu 2 Monaten Gefängnis abzüglich 3 Wochen Unter» silchungshast verurteilt." Geheime Staatspolizei. Ihr habt neulich die Meldung demen» ticrt, dast Torgler freigelaaen worden sei und sich nach Rußland begeben habe. Torgler sei noch in Plötzensee und— so setztet Ihr Schufte zynisch hinzu—„erfreue sich bester Gesundheit".— Wann lagt Ihr den Mann endlich frei, der nun seit 14 Monaten unschul» dig eingesperrt ist? Die Untätigkeit der Kommunisten, die ihren früheren parlamentarischen Führer preiszugeben scheinen, entschnl» digt Euch nicht. A. H., Lüttich. Auf der Reise in Tilddeutschland ist Ihnen eine Nummer der Streicherschcn„Fränkischen Tageszeitung" in die Hände gefallen mit folgender geheimnisvollen Notiz:„Tie Partei- genogen, die anläßlich des Maitanzes der Kohlenhändler- Vereinigung im Künstlcrhaus-Saal anwesend waren, nicht Kohlen- händer sind und denen dort etwas besonderes aufgefallen ist, wollen sich am Montag zwischen 2 und 4 Uhr auf unserer Rcdak- tion, Winklerstraße 1l, melden."— Ja, lieber Freund, e» tut sich was im„dritten Reiche"! Vielleicht hat ein südischer Sohlenhändler mit arischer Anthrazitkohl« Ragenschande getrieben. G. B., Stockholm. Die deutsche Presse hat den Antrittsbrief des Reichsbischofs Müller an den Exkaiser nicht veröffentlichen dürsen. Wilhelm hat ihn in die schwedische Preise lanciert Der Brief lautet:„Ich erlaube mir. Eure Majestät ergebenst davon in Kennt- niS zu setzen, daß ich durch die Wahl der Nationalsynode auf den hohen Posten des Rcichsbischofs gestellt worden bin. Eure Majestät waren mit dem Leben unserer Kirche stets innig verbunden und haben sie niemals ohne den Schutz Eurer Majestät gelaßen. Die elementarste Pflicht der Dankbarkeit verpflichtet mich, meinen ersten Bericht in die Sande Eurer Majestät zu legen. Wenn eS mir vergönnt wäre, meinen Bericht mündlich zu ergänzen, würbe ich Eurer Majestät unendlich dankbar sein. Ich bete zu Gott, Eurer Majestät seinen Segen zu verleihen." Es steht also, um in der Sprache der Nazipresse zu reden, ein monarchistischer Reaktionär an der Spitze der protestantischen Kirche, und der Führer selbst hat ihn dahin geschoben. Deutscher Arbeiter. Sie schreiben uns:„Als Leser Ihrer Zei- tung ist es mir immer eine Genugtuung und Erleichterung, wenn ich in der freien Schweiz bin, aus dem Zwangsstaat Deutschland heraus. Seien Sie beruhigt, es leben in Deutschland noch sehr viele Sozialisten, die ihre Gesinnung nicht gewechselt haben. Dazu gehöre auch ich, als Leser Ihrer Zeitung und de»„Neuen Vor. wärlS". Eernauti. Wir haben mit Fassung davon Kenntnis genommen, daß im Laufe des Monats April drei Nummern unseres Blattes in Rumänien konfisziert worden sind. Ihre Behörden schenken uns also die Aufmerksamkeit, die wir verdienen. Für den Gcsamtlnhalt verantwortlich: Johann P i tz ln Dud» weiler; für Inserate: Otto Kuhn ln Saarbrücken Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH„ Saarbrücken 8, Schützenstraße 5.— Schließfach 776 Saarbrücken. Dr. Ss»€cial(ste 4t), rue de Rl von- Metro Chaieic RADIKALE HEILUNG von BLUT., HAUT* and FRAUENKRANKHEITEN Heil an£ von Krampfadern ■od offenen Beiofonden Neueste Behandlungsmethoden Elektn* zität Impfungs verfahren TrypaHe vino Einspritzungen Blut« und Harn-Umrrsuchungfc* Hper* makuitur. Salvarsan Wismut usw >prechstunden täglich eo» 10— 12 and von 4— 8 Uhr Sonntags von 9—12 Ubr Konsultationen»on IS fr. ah. Mao spricht deatscb Inserieren bringt Gewinn! Deutsches Zahnärztliches Institut LZ. RUE OE OOUAi. Metro, Blanche, Pi*alle Toi. trinite 50.27. 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