Sinzigs«nabhSngige Tageszeiiung Venifchlands Nummer 119— 2. Jahrgang Saarbrücken, Samstag, 26. Mai 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt Wie setzen unsece OeiqinaC- becLchte Mee Jxitsachen und Stimmunqen im Reiche foct: Scheingefechte dec „Acheit&schlacht" Seite 3 Aufstand im Saargebiet? Der Oberbürgermeister von Saarbrücken droht dem Völkerbund mit einer„Explosion Gestern und heute Vor einigen Wochen hat eine Gruppe von Polizeibeamten on der Saar an die Regierungskommission die Forderung gerichtet, bestimmte nichtgleichgeschaltete Kollegen zu ent- lassen. Diese den Befehlen der Völkerbundsregierung unter- stehende Polizeigruppe fühlt sich so stark mit der Hitler- diktatur des„dritten Reiches" verbunden, daß sie überzeugte Gegner dieses Regimes als störend empfindet. Der Vorfall beleuchtete grell die Zustände in der Exekutive des Saar- gebietes. Am zweiten Psingsttage. in lichter sonniger Abendstunde, konnten zahlreiche Aktenschränke der französischen Bergwerks- tirektion in Saarbrücken ausgeräumt und die Aktenpakete konnten ungestört auf offener Straße verladen werden. Beamte der Direktion waren im Bunde. Polizei wurde nicht gesichtet. In Saarlouis konnte dieser Tage eine verhetzte Menschen- mei»ge friedliche französische Gäste, deren taktvolles Be- nehmen auch von der nationalistischen Presse des Saar- gebietes nicht bestritten wird, stundenlang belästigen und geradezu aus der Stadt hinausjagen, ohne daß polizeilicher Schutz sich rührte. Die ganze Umgegend konnte von den wilden Nationalsozialisten mobilisiert werden. Eine Musik- kovelle zog auf und Siegessahnen flatterten. Die Polizei von Saarlouis aber sah nichts und merkte nichts. Diese Atmosphäre ist es, die den Präsidenten der Re- gierungskommission des Saargebietcs, Herrn Knox, nicht gerade ein Sensationen liebender Mann, veranlaßte, in einem Brief an den Völkerbund von den Putschgerüch- t e n im Saargebiet zu schreiben. Spott und Hohn der gleich- geschalteten Presse antworteten ihm. Nun aber hat der höchste nationalsozialistische Beamte des Taargebietes, Oberbürgermeister Dr. Neikes von Saar- brücken, offen zugegeben, daß die Gefahr eines Auf- standes unmittelbar vor uns ist. Dann nämlich, wenn sich der Völkerbund den Diktaten der„Deutschen Front" an der Saar nicht fügt. Ein Leitaufsatz der Basler„N a t i o n a l-Z ei t u n g" Mr. SM) vom 24. Mai schildert den Besuch eines Vertreters dieses Blattes und ein hochpolitisches Gespräch mit dem Oberbürgermeister von Saarbrücken so: Ich fühle die unerträgliche Spannung dieses Landes draußen auf der bewegten Straße kaum stärker als im Amtszimmer des Oberbürgermeisters von Saarbrücken und ich richte die Frage an Herrn Dr. Neikes. ob er nicht befürchte, daß diese bedrückende Spannung zu Znsammen, stößen führen müsse. Herr Dr. Neikes antwortet mir: Eine Beruhigung wird sofort eintreten, wenn der Bölkerbunbsrat endlich den Abstimmnngstermin festsetzt. Betonen Sie das bitte in Ihren Berichten. Verschiebt ober der Völker- buud die Festsetzung des Termins wieder bis zur Herbsttagung, so kann man nicht garantieren für das, was geschieht! Es ist wohl möglich, daß der unerträgliche Druck, unter dem die Saarbevölkernng seit sünszehn Jahren steht, jetzt, wo die Erregung auss höchste gestiegen ist, zu einer Explosion führt! Will der Völkerbund dafür die Verantwortung tragen, wenn mitten in Europa ein solcher Brandherd entsteht? Ich erfülle die Bitte des Herrn Oberbürgermeisters und ich gebe die bedeutungsvollen Worte, die ich mix sogleich notierte, in ihrem ge- nanen Wortlaut wieder. Sie stehen in einem nn- leugbaren Widerspruch zu anderen sogenannten autori- tativen Erklärungen, nicht allein im Widerspruch zu den Erklärungen des Herr» von Papen, sondern auch zu de» neuerdings in Gens abgegebenen Versicherungen der „deutschen Front". Soll man diese Worte hintergründig nennen? Ich glaube nicht, denn sie enthalten ein überraschend ausrichtiges Geständnis über die wahre Lage im Saar, gebiet und über die Möglichkeiten» die nach der Meinung eines so wohl informierten und unantastbar national gesinnten Mau« nes, wie er in d«r Person des Oberbürger» meisters der Stadt Saarbrücken verkörpert ist, gegeben sind in diesem Lande. Das ist nun keine Emigrantenhetze irgendeines marxisti- schen Blattes. Es sind wortwörtliche Erklärungen des Saar- brücke? Stabtoberhauptes, bezeugt durch eines der ruhigsten und vorsichtigsten Blätter der Schweiz, eine Zeitung von unbestrittenem europäischem Ansehen. Die Worte des Oberbürgermeisters sind ganz und gar eindeutig: sie sind klar und richtig und entsprechen der Hoch- spannung an der Saar. Eine Entscheidung des Völker- bundes gegen die Forderungen der Deutschen Front", die auf baldige Termine angewiesen ist. wenn sie nicht ab- bröckeln und zerfallen soll, rückt die Wahrscheinlichkeit von „Erplosionen" in die Nähe. Es sind unzweifelhafte Drohun- gen, die der Oberbürgermeister ausspricht. Ein Mann, dem die größte Verwaltung des Saargebietes untersteht, und der sich kaum noch die Mühe gibt, seine Drohungen als Warnungen zu tarnen. Die neue Völkerbundssitzung, die sich mit der Saarfrage beschäftigt, steht unmittelbar bevor. Die Vertreter der Nationen, die den Frieden Europas sichern wollen, haben nun endlich dafür zu sorgen, daß an der Saar eine Autorität aufgerichtet wird, die den Oberbürgermeister von Saar- brücken, die„deutsche Front" und das gesamte Saarvolk von der Sorge um„Enlosionen" befreit. Erregung In Paris Vor der Irk'Srung Barthous über die Saarfrage D3<©. Paris, 25. Mai. Die Morgenpresse vom Freitag beschäftigt sich»och stark mit den„Saar-Zwischenfällen". Immer kehrt die Forderung nach einer starken inter- national organisierten Polizei im Saargebiet wieder: doch zweifeln manche Blätter daran, daß der Völker- bund überhaupt in der Lage sei, das von ihm verwaltete Gebiet fest in die Hand zu nehmen. Die französische Presse erwartet von der am Freitag in der Kammer stattfindenden außenpolitischen Jnterpellationsaussprache eine Erklärung des Außenministers Barthou zur Saarfrage. Das„Journal" verteidigt das französische^Berlangeu nach einer besonderen Saarpolizei. Denn das Sicherheit?- element lasse sich nicht durch eine moralische Verpflichtung, die Deutschland übernehmen würde, ersetzen. Der„Petit P a r i s i e n" erklärt, der Völkerbund würde sein Ansehen verlieren, wenn er zulassen würde, daß sich der Vorstoß gegen die Saar-Regierungskommission wieberholen würde. Tie Rcgierungskommission müsse die notwendigen Mittel in die Hand bekommen. Das„Echo de Paris" setzt sich für den Schutz der im Saargebiet wohnenden Franzosen ein, der nur durch Auf- stellung einer starken Polizei oder durch Verschiebung der Abstimmung verbürat werden könne. Besonders ,'chari ichreib, der„F i g a r o". Die deutsche Anmaßung sei der Erfolg der Schwäche und der Verblendung der früheren Alliierten -Le Jour" vertritt den Standpunkt, daß Frankreich, da die Dokumentenbiebe naturalisierte Franzosen seien, und eS sich um Diebstahl des gemeinen Rechts handele, die Aus- lieferunp beantragen könnte. Aber selbst wenn unwahr- scheinlicher Weise die Diebe ausgeliefert werden würden, würden die Dokumente doch nicht zurückgegeben werden. Auch„Le Jour" zweifelt, daß der Völkerbund der Lage ge- wachsen sei. Der sozialistische„Populaire" schreibt, die Saar-Zwischen- fälle dürften nicht als Gelegenheit, noch als Borwand für eine Prestigepolitik dienen, die in Wirklichkeit nur eine Abenteuerpolitik mit unübersehbaren Folgen wäre. Sdiaizbflmllcr nl Rußland sFSU.s Der Vorsitzende der Sowsetgewerkschasten M. Schwernik empfing die vor einigen Wochen in Moskau ein- getroffenen Teilnehmer an den österreichischen Februar- kämpfen. Zweck des Empfanges war. die Schutzbündler mit den Arbeitsbedingungen in der Sowjetunion vertraut zu machen, da sie, ihrem Wunsche entsprechend, in Kürze in russischen Betrieben arbeiten sollen. Bei der Besprechung teilte Schwernik mit, baß die Sowjetaewerkschaften jedem der Sckutzbündler die Summe von 500 Rubel aus den Sammel- geldern auszahlen werde, um ihnen die notwendigen Anschaffungen zu ermöglichen. Schwernik und die anderen Redner betonten, daß dies ein Akt brüderlicher Solidarität der Sowjetarbeiter sei, an den keinerlei politische Be- dingungen geknüpft sind. Seit dem Siege der„nationalen Revolution" wird unsere armselige Vernunft arg strapaziert. Aber manchmal ist das Tempo der Veberraschungen und Aufregungen nahzu atemraubend. Wir haben, zum Beispiel, früher schon das Wort„Kerl" gekannt. Was verstanden wir darunter? Einen etwas rauhen Burschen mit steter Gebrauchsfertigkeit der Faust, wobei manchmal die derbe Schale ein goldiges Herz umhüllen konnte. Hören wir, was heute ein Kerl ist:„Er ist ein Priester seiner Weltanschauung. Er ist Persönlichkeit und nicht Individuum. Er ist Glied der Gemeinschaft, Rücksichtslosigkeit und sture Subjektivität in seiner Weltanschauung sind gepaart mit höchster Pflichterfüllung, Manneszucht und « Kameradschaft." Wir werden uns also daran gewöhnen müssen, in einem Kerl einen Priester der nationalsozialistischen Liturgie zu erblicken. Sein eiserner Bizeps'legitimiert ihn als Glied der Gemeinschaft des„dritten Reiches".„Donnerwetter, Donnerwetter, das sind Kerle": das hat schon' vor Jahrzehnten der Revuesänger Gampietro gesungen, während Potsdamer lange Kerls im Stechschritt über die Bühne marschierten. So etwas kommt eben wieder. Eine zweite Neuprägung: der Landsknecht. Darunter verstanden wir während der erbärmlichen 14 Jahre und vorher einen übelbeleumundeten vagabundierenden Söldner, dessen grobe Soldatentugenden im Mittelalter Bauern und Städter in~Angst lind Schrecken verseßten; Mord, Brand und Plünderung zeigten ihre Wegspur. Aber auch in bezug auf den Landsknecht müssen wir umlernen:„Als Landsknecht ist das Aeußerliche für ihn sekundär, der Charakter dagegen das alles Ueberwiegende. Aus dieser Einstellung entstand der politische Soldat, der Nationalsozialist, der SA.-Mann, der Hitler junge, der Deutschland für sich eroberte. Dieses und noch vieles andere erklärt uns Hugo Hagen in einem Aufsaß über den„Politischen Soldaten", der durch einen großen Teil der nationalsozialistischen Presse geht. Wir sind dem Leser eine Aufklärung schuldig, warum wir ihm diese Zitate vorsehen. Sie zeugen von der vollkommenen Umwertung aller Werte, die das Hitlerregime begleitet. Aus dem Gewöhnlichen ist auf einmal eine Weltanschauung, aus dem Gemeinen Heroismus, aus Pechblende Gold geworden, und Millionen deutscher Menschen verkehren mit ihren Führern den Sinn alten deutschen Sprachgutes in ihr krasses Gegenteil. Die ersten Signale gab Hitler selber. In„Mein Kampf" wird Fanatismus als oberste menschliche Qualität gerühmt. Stur: dieses Kennzeichen für undurchdringliche menschliche Scheuklappen beweist heute, daß einer„mit eiserner Konsequenz als Glaubensträger seinen Weg geht und da zuschlägt, wo zugeschlagen werden muß". Also Hugo Hagen. Dieser Glaube: er muß natürlich„blind" sein. Die Bezeichnung für ein menschliches Gebrechen, Blindheit der Augen, Blindheit gegenüber allen Tatsachen und Wahrheiten, die außerhalb der Gedanken des Führers vorhanden sind— das ist heute die Parole für ein ganzes Volk. Wenn eines Tages die Stunde kommt, wo der braune Alltag Objekt der psychologischen und pathologischen Forschung ist, ein hinter uns liegender Spuk der Besessenheit und des Massenirrwahns, dann wird man auch an diesen krausen und verbogenen Fassaden nicht vorübergehen können. Aber vielleicht machen wir hier den Fehler, die Argumente der Logik zu überschauen. In Gustav Le Bons klassischem Buche„Psychologie der Massen" liest man diese Säße:„Sie(diese Führer) rekrutieren sich namentlich aus jenen Nervösen, Reizbaren, Halbverrückten, die an der Grenze des Irrsinns sich befinden. So absurd auch die von ihnen verfochtene Idee oder das von ihnen verfolgte Ziel sein mag, gegen ihre Ueberzeugung wird alle Logik zunichte... Oft sind es subtile Rhetoren, die nu. ihr Eigeninteresse verfolgen und durch Schmeichelung niedriger Instinkte zu überreden suchen... Je bestimmter eine Behauptung, je freier sie von allem Scheine von Beweisen und Demonstrationen ist. desto autoritativer ist sie..." Das Werk Le Bons erschien vor 25 Jahren. Dieser französische Denker hatte sich den Adolf Hitler bereits psychologisch ausgerechnet, ehe er noch existierte. Argus. fran und Kind Segers frei! Ein Erfolg englischer Poriamenfarierinnen London, 25. Mai.(Eigener Bericht.) -i. er Aktivität englistlier weiblicher Parlamentsmitglieder der konservativen Partei ist es zn danken, das, Krau und Rind des ReichStagsabgeordnctcn Seqer am 1». Mai aus dem Konzentrationslager Roßlau«Anhalt», in dem sie seit 1». Januar gefangen waren, entlassen worden sind. Die eng- tischen weiblichen Abgeordneten aller Parteien unternahmen im Anschluß an Ausführungen Segers im Unterhaus einen gemeinsamen Schritt beim deutschen Botschafter in London und eine konservative Abgeordnete, Mrs. Täte, reiste nach Deutschland. Anfangs wurde ihr von den deutschen Behörden verweigert, das Konzentrationslager Roßlau zu sehen und Frau Scger besuchen zu können. Sie gab.sich jedoch mit dem ablehnenden Bescheid nicht zufrieden und unternahm in Berlin uiit großer Energie einen Schritt nach dem anderen, bis sie schließlich die Entlassung von Frau und Kind SegerZ erreichte. Mrs. Täte hofft, wie es in den. umfangreichen und zahlreichen Meldungen der englischen. Presse heißt, Frau,. Scger mit sich ins Ausland nehmen zu können, um sie ihrem' Mann wieder zuzuführen. Die Hilfsbereitschaft der englischen Parlamentarierinnen hat damit einen schönen Erfolg erzielt. Die Entrüstung über die barbarische Geiselhaft einer unschuldigen Frau und eines wahrhaftig nicht minder unschuldigen Kindes war in England in allen Kreisen der Bevölkerung so allgemein und so stark, daß sich die deutsche Regierung der Erkenntnis nicht ver- schließen tonnte, mit diesem Akt eine so aller Welt offen- kundige Grausamkeit begangen zu haben, so daß die Geisel- hast nicht aufrechtzuerhalten war. Ucbrigens ist am 18. und Ig. Mai durch die gleichgeschaltete. Presse und den gleichgeschalteten deutschen Rundfunk die Nachricht verbreitet worden, daß es in Deutschland„leb- Haftes Befremden" hervorgerufen habe, daß die norwegische Regierung auf Antrag der norwegischen Arbeiterpartei einen längeren Aufenthalt für den Teger bewilligt habe. Seger- hält in Norwegen vierzehn Borträge, die in Oslo am 39. Mai beginnen. Aus Schweden wird zur gleichen Zeit be- könnt, daß die Schrift Segers über Oranienburg in der schwedischen Uebcrsctzung allein bis jetzt eine Auflage von 82 000 Exemplaren erzielt hat. LaiffäEirfsiniiilsftriiiin: 900 Personen Hodihekrieh der inllrQsfnng Berlin, 25. Mai.(Inpreß.) Die Korrespondenz„Jnpreß" tu in den Besitz eines umfassenden Materials über die deutsche Luftaufrüstung gelangt, mit dessen Veröffentlichung wir heute beginnen. Betrachten wir zunächst den deutschen Luftfahrt-Etat. Während der gesamte Luftfahrthauohalt im Fahre 1932 41 Millionen Reichmark betrug, wovon etwa SU Millionen als unmittelbare Vertchrssubventionen an die deutsche Luft- Hansa flössen, erreichte er für dgs Fahr>933 eine Höhe von 78 Millionen Mark, um für das Etalsjahr 1934 auf 219 Mil- lionen Mark, d. i. dreimal soviel als 1933, fünfmal soviel als 1932. in die Höhe zn schnellen. Dabei weist der Etat nur die offiziellen Zahlen aus, yon den Geheimfonds und Etat- Verschleierungen gar nicht zu reden. Diese Aufblähung des Luftfahrthaushaltes widerspiegelt sich auch tn der Vergrößerung der leitenden Luftfahrt- behörden. Während die alte Luslfährtabteiluua im Reichs- vcrkehrsministerium„nur" 69 Mitarbeiter zählte, hat das aus ihr hervorgegangene Göringschc Lustfahrtministerjum heute in seiner Zentrale allein 999 Personen. Bor kurzem hat das Luftsahrtministerium im ganzen Reich IS sogenannte Lustämtcr eingerichtet, deren Standorte und Bereiche nach rein militärischen Gesichtspunkten an- gelegt sind. Diese Luftämter, die unmittelbar Göring unter- stehen, sind als Befehlsstellen für die einzelnen Betriebe an- zusehen. Ihnen unterstehen die Flughäfen, die Boden- organisationsanlagen,. die Polizei-Flugmachen, die regio- nalen„Luftsport"-Verbände, die Fliegerschulen, die Wetter- und Funkdienststellen und schließlich die Luftschutzanlagen und-orgstnisäkidnettl' n y*•"■■■:«+ Die Iildustrieausträ'ge des LuktfahrtministeriumS, die in der Hauptsache als Aufträge für dix, Lufthansa zur angeblich notwendig gewordenen Reorganisierung ihres Flugzeug- parks auf allermodernstes Flugzcugmaterial, aber auch als Austräge für ausländische Besteller, wobei ausländische Tochtergesellschaften deutscher Flugzcugbaufirmcn vorge- schoben werden, getarnt sind, laufen durch eine besondere Abnahmeabteilung. 5 Tornier-Wal-Patrouillenflugzeuge«dreimtorigcs See- slugboot), 5S I-ocke-Wulk-Schulflugzeuge Type L. 191 19 Fockc-Wulf-Trainingsflugzcuge Type F. W. 44 (D>P"*"* T öecf er), 6 fi-ocke-Wulf-TrainingSslugzeuge Type L. 199 sHoch- decker), 69^einkcl-AusklärungSflugzeuge Type HD. 81 sLand- flugzeug, BMW.-Motor), 29 Heinkel-Aufklärungsflugzeuge Type HD. 85«Wasser- flugzeua), 89 Arade-Iagdeinsitzer Type D. 11(SH.-22-Motor), 19 Junkers Iu.-52 Bombenflugzeuge ldreimotoriger Tiefdecker, TH.-22-Motor>, 19 Mcsserschmidt M. 34 Bombenflugzeuge(zweimotoriger Hochdecker, SH.-22-Motor). 80 Siemensmotore SH. 22(luftgekühlter Sternmotor, «59 PS.», 890 BWM-Motore IX(wassergekühlter Reihenstandmotor, 750 PS.). Bei diesem Programm ist zu berücksichtigen, baß die Luft- Hansa z. B. vom Flugzeug Type Junkers Iu. 52 zirka 59 Verkehrsmaschinen in Betrieb genommen hat, die durch Auswechslung einiger Teile in kürzester Zeit in Bomben- flugzeuge umgewandelt werden können. Das gleiche gilt für fast alle ein- und mehrmotorigen Verkehrsflugzeuge der Lufthansa— im ganzen zirka 299 Flugzeuge—, so z. B. für die Typen Junkers©. 38, G. 81, Iu. 60, W. 38, Heinkel HD. 70 usw. Es ist hierbei bemerkenswert, daß vom Luft- sahrtnnnisterium an die Industrie Anweisung ergangen ist, die an den Verkehrsflugzeugen notwendigen Umbauten so einzurichten und zu forcieren, baß die Montage im Ernstsall nicht länger als dreieinhalb Stunden dauert. Da» geheime Bauprogramm Das im Sommer 1933 aufgestellte geheime Flugzeugbau- Programm für die deutsche Militärluftflotte hatte ursprüng- lich folgenden Umfang: 36 Dornier Do. X Bombenflugzeuge(drcimotorige Land- flugzeuge), Arbeiferelgenlum wird gestohlen Im großen Gcmeinöcbau Winarskyhof im Arbeiterbczirk Brigittenau kam es dieser Tage zu einer ernsten Prügelei zwischen den christlichsoztalen„Slurmscharcn" und der Heim- wehr, da beide daS dort befindliche Arbeiterheim ausrauben wollten. Die Heimwehrler siegten und trugen alles, was im Arbeiterhcim nicht niet- und nagelfest war, davon. Volksgenossen heim Oevisensdimnggel Immer enger werden die Masdien der deutschen Devisen- gesetjgebung zusammengezogen. Und immer mehr Lücken werden von Deutschen, die um ihre im Dritten Reich befindlichen Vermögen bangen, entdeckt und benutzt. Vom Standpunkt der nationalsozialistischen Wirtschaft aus ist das sicher außerordentlich bedauerlich, zumal auch die verschärfte V\ achsanikeit der Aufsichtsorgane mit der Findigkeit der Devisenschmuggler nicht gleichen Schritt halten kann. Wir veröffentlichen im nach folgenden einige Fälle, die. in der letzten Woche von deutschen Behörden entdeckt worden sind, — nachdem sie schon methodisch angewandt worden waren. Schiffe deutscher Linien gelten bekanntlich als deutsches Hoheitsgebiet; auch hei Mittelmeerreisen und anderen Welt» umseglungen dürfen die Passagiere beliebige Summen mit sich nehmen. Ebenso beliebt wie die Mittelmeerreisen sind die Landausflüge, die von den Anlägehäfen aus unternommen werden. Die Teilnehmer deutscher Mittelmeerfahrten hatten oft das Glück, ein Zusammentreffen mit Freunden aus dem betreffenden Lande auf solchen Stippvisiten vereinbaren zu können.., Die Rundreisen auf deutschen Schiffen werden wesentlich an Reiz verlieren, wenn ein deutscher Zollbeamter oder gar ein SA.'-Mann den deutschen Dampfer nur an dem langweiligen Hafenplag Genta anlegen läßt, ohne daß die Passagiere die interessante Tour ans Land, nach Tetuan, antreten dürfen. In dänischen Zeitungen erschienen in den letzten Wochen zahlreiche Inserate, wonach„Dienstmädchen in eine gemütliche deutsche Kleinsadt gesucht" wurden. Die wachsame Polizei begann sofort, das Schlimmste zu vermuten und setzte ihren Spezialisten für Mädchenhandel ein. Bis der jedoch seine Untersuchungen abgeschlossen' hatte, waren die Mädchen sehr vergnügt wieder in Kopenhagen eingetroffen, ohne allerdings ihre deutsche Stelle angetreten zu haben. Verschiedene dänische Kaufleute hatten auf diese Weise ein Reisebüro für deutschl and durstige junge Damen organisiert, die auf Grund der Inserate einreisten und die billigen Registermark dann zum vollen Werte verzehrten, sodann die deutschen Guthaben der Kaufleute mitnahmen und getreulich nach Kopenhagen zurückbrachten., Denn bei Dienstmädchen. die keine Stelle gefunden haben und die Absagen auf ihre Bewerbungsschreiben noch'in der Tasche tragen, suchen selbst deutsche Zollbeamte keine größeren Markbestände. Ein Angestellter einer deutschen Firma mit 180 Mark Monatsgehalt wurde fristlos entlassen, erhielt jedoch kurz zuvor den Titel Generaldirektor und eine Abfindungssumme von monatlich 2000 Mark. Zum Wohnort seines Lebensabends erwählte er sich Paris und versprach, seine beratenden Dienste der Firma weiter zur Verfügung zu halten. Im Interesse der deutschen Wirtschaft genehmigte deshalb die deutsche Devisenstelle die monatliche Ueber- srndung seiner Abfindungssumme. Erst als ein zweiter und ein dritter Angestellter derselben Firma mit dem Titel des Generaldirektors außer Dienst ausgezeichnet wurde und sich in beschaulicher Zurückgezogenheit nach Straßburg und Metz niederließ, begannen die deutschen Behörden, sich für den Fall zu interessieren. Ein deutscher Kaufmann ließ seinen Notar zu sich bitten. Wie sich zeigte, war er durchaus nicht lebensmüde und dachte deshalb gar nicht daran, sein Testament aufzusetzen, wie der Notar gemeint hate. Er bat den Notar nur, auf die nun kommenden Vorgänge mit Sorgfalt zu achten. Sodann nahm er aus seinem Geldschrank einen Stoß ausländischer Aktien und ein Nummern Verzeichnis, das der Notar als„in Ordnung gehend" begutachtete. Das Nummern Verzeichnis ließ er auf dem Tische liegen, die Aktien fielen jedoch im Lauf seiner weiteren Unterhaltung mit dem Notar aus seiner Hand und in den Ofen, wo sie bald zu Staub und Asche wurden. Der Notar beglaubigte diesen' Verbrennungsakt mit amtlichem Ernst und verabschiedete sich, der Kaufmann setzte sich noch ir. derselben Nacht, nur mit Nummern Verzeichnis und Zahnbürste ausgerüstet, in den D-Zug nach Paris. Auf Grund der Akten wurden ihm dort sofort Duplikate für seine Papiere ausgestellt, die er an der Pariser Börse verkaufte. Herr Dr. Göbhels hat kürzlich zu«inem ausländischen Interviewer geäußert, daß die vielen Verfolgungen den Verstand der Juden geschärft hätten; aber auch der Veratand deutscher Volksgenossen wird ganz offenkundig geschärft durch die Angriffe, denen ihr sauer erspartes Vermögen, ihre Reichsmark, vom Dritten Reich ausgesetzt wird. Ein paar Fälle, ganz besonders spitzfindig ausgedacht und deshalb leichter als andere entdeckt, werden bekannt und bestraft. Aber wir glauben nicht, daß die bürokratische Ueberwachung und die bürokratischen Vorschriften auch nur eine Minderzahl der Versuche, deutsche Vermögen zu retten, werden erfassen können. „Nieder mif Göring'' Athen, 24. Mai. Zu deutschfeindlichen Kundgebungen kam es wie die Basler„National-Zeitung" berichtet, vor der deutschen Gesandtschaft anläßlich des Auf- e n t h a l t e s G ö r i n g s. Die Manifestanten warfen einige Fensterscheiben ein. Die Polizei, mußte die Demonstranten zerstreuen, wobei es zu Zusammenstößen kam. Etwa 29 Personen, darunter mehrere Polizisten, wurden verletzt. Schließlich konnte die Ruhe vor dem Gejandtschaftsgebäude wieder hergestellt werden. * Wie ein„Pestkranker" Athen, 25. Mai.(Inpreß.) Die Ankunft Görings in Athen hat nicht nur unter den Arbeitern, sondern auch in breiten bürgerlichen Kreisen Empörung hervorgerufen. Die Zeitung „Anarrartikos" greift Hitler und Göring scharf an und bringt eine Karikatur GöringS mit der Unterschrift:»Wer mir folgen will, nehme einen Galgen m i t. Das Blatt teilt mit. baß die Regierung außerordentliche Maßnahmen zum Schutze GöringS traf und daß er wie ein „Pestkranker" ständig von einem Schutzkorbon von Polizei umgeben war. Als Göring am 19. Mai auf dem Grabe des Unbekannte» Soldaten einen Kranz niederlegte, befand er sich unter dem Schutz mehrerer hundert Polizisten,»m gleichen Tage fand vor dem Gebäude der deutschen Botschaft in Athen eine Protestkundgebung gegen den deutschen Faschismus statt. Auch in Budapest DNB. Budapest, 25. Mai. Am Donnerstag abend berich- ieten die Blätter über die unerwartete Ankunft und den kurzen Aufenthalt des preußischen Ministerprnndenlen Göring in Budapest. Im Lause des Donnerstag gab Ministerpräsident Göring bei Ministerpräsident GvmbvS und bei Außenminister v. Kanya seine Karte ab. Honservalive Gegenrevolution Berlin, 24. Mai. Auf Anordnung des Geheimen Staats- polizeiamtes sind einzelne leitende Persönlichkeiten des nationalsozialistischen Deutschen Frontkämpferbundes(«tahl- helml durch die Staatspolizeistelle Stettin wegen Ver- dachts staatskeindlicher Umtriebe in Schutzhaft genommen worden. Es handelt sich um den pommerschen Landesführer des Stahlhelm, Degelow. und den Stahlhelmführer B u ch h o l z. Wie der„Völkische Beobachter" mitteilt, werden den in Tchutzhast genommenen Versuche zur Last gelegt, die Einfügung der bisherigen Stahlhelmangehörigen der SA.-Reserve I in die große nationalsozialistische Kampffront durch örtliche Maßnahmen oder Unterlassungen zu ver- Hinbern ober zum mindesten zu erschweren. V Berlin, 25. Mai 1934. Zwei Mitglieder des Landbundes. deren Namen nicht bekanntgegeben werden, sind wegen Verschwörung gegen das Regime verhaftet worden. Es soll sich um Angehörige einer zahlreichen Gesellschaft handeln, die bei geheimen Zu- sammenkünften antinationalsozialistische Propaganda treibt. Nene Niederlagen! Die deutschen Arbeiter gegen die Hitlerlisten Berlin, 24. Mar(Inpreßf. Wir veröffentlichen nachstehend einige wettere, inzwischen bekanntgeworbene Resultate der „Bertrauensrätewahlen": Walzwert Düsseldorf: Belegschaft 1944. ungültig 6-23; Brinkmann u. Mergell, Hamburg: abgegebene Stimmen 1999, mit Ja 809; Waggonfabrik Uerdingen: Arbeiter: 359 gegen, 299 für die Liste; Angestellte: 199 gegen, 29 für die Liste: Hasper Stahlwerk: Stimmberechtigt 1899, gegen die Liste 889, dafür 499, die übrigen blieben der„Wahl" fern. Die S'rei&welie in IM DNB. Neuyork, 25. Mai. die leitenden Regiernngskreise in Washington befaßten sich am Donnerstag ausführlich mit der Ttreijlage, die nach wie vor als sehr ernst anzusehen ist. Jetzt kommt zu den mit größter Erbitterung geführten Arbcitskämpsen in Minneapolis und Toledo noch die Tro- hung eines Riesenstreiks in der Stahlindustrie. Ter Metall- arbeiterverbanb kündigte iür den 16. Juni einen allgemeinen Ausstand an. falls seine Forderungen nicht bis zum 19. Juni bewilligt würden. Der Hafenarbeiterstreik an der Küste des Stillen Ozean dauert nun schon drei Wochen. Der Schiffs- verkehr in allen Häfen von San Diego bis Seattle ruht fast vollständig. * DNB. Neuyork, 25. Mai Wie au? Toledo(Ohio) gemeldet wirb, hat die auf 8999 Mann angewachsene Menge der Streikenden nach Einbruch der Dunkelheit ihre Angriffe auf die Rationalgarde erneuert, Die Truppe mußte abermals van der Schußwaffe Gebrauch machen. Dabei wurden zwei Streikende getötet und eine größere Anzahl verletzt. Unter den zahlreichen Verhafteten sollen sich 22 kommunistische Agitatoren befinden. Man befürchtet weitere blutige Aus- schreitungen, da die Streikenden aus Detroit mit Maschinen- gewehren versehen wurden. Auch Tynamitanschläge werden erwartet. Sämtliche Fabriken sind von Truppen besetzt, die auch für den Fall des Abflauens des Streiks noch einige Zeit dort verbleiben sollen. EordikDares Omnibusongiüdf DNB. Neuyork» 25. Mai. In Nichmond im Staate Vir- ginia ereignete sich ein furchtbares Verkehrsunglück. Ein vollbesetzter Omnibus stieß in schneller Fahrt mit einem Trecker zusammen. Der Anprall war so heftig, daß sich der ganze Vorderteil des Treckers in den Omnibus hinein- bohrte. Beide Fahrzeuge gingen sofort in Flammen auf. Bisher werden acht Tote und mindestens 49 Verletzte ge- meldet. railikflrfiugzeng aftgesifirzf Zwei Tote DNA. London, 25. Mai. Am ersten britischen Reichslufttag hat sich in Andover(Hampshire) ein schwerer Unfall er- eignet Vor den Augen einer großen Zuschauermenge stürzte ein Militärflugzeug ab und verbrannte. Die beiden Insassen, ein Ossizier und ein Unteroffizier, fanden den Tod. Dies ist der neunte schwere Unfall der britischen Luftstreit- macht seit dem 1. Januar d. I. Seit diesem Tage haben 15 Offiziere und Mannschaften der britischen Luftstreitmacht bei Unfällen den Tob gefunden. Im vergangenen Jahre waren 38 schwere Unfälle zu verzeichnen, bei denen 52 Mitglieder dieser Truppe den Tod fanden. Scheingefechte der„Arbeitsschlacht'* Frontberichte an die„Deutsche Freiheit" Die Industrie £te Berichte bestätigen, daß die Verminderung der Arbeitslosigkeit, die an sich nicht bestritten wird, im wesentlichen nicht durch Vermehrung produktiver Arbeit, sondern auf folgende Weise zustandegekommen ist: 1. Vergebung von Rüstungsaufträgen? 2. Ausdehnung der Kurzarbeit durch Druck auf die Unternehmer, Arbeiterentlassungen zu unterlassen und Neueinstellungen auch ohne Bedarf vorzunehmen? S. Senkung der Löhne? 4. N o t st a n d s a r b e i t e n von meist mehr als frag- würdigem wirtschaftlichem Sinn, wie Oedlandkultivie- rungen, Stubbenroden, Ausräumung von Chaussee- graben usw. 5. Ausdehnung des Arbeitsdienstes? 6. Verschickung von jugendlichen Arbeits- losen als Landhelfer un5 Landhelserinnen? 7. Rücksichtslose Siebung der Unterstützungs- empsänger. Auf diese verschiedenen Methoden werfen die Berichte einige bezeichnende Schlaglichter. Zunächst zwei kurze Mitteilungen aus Berlin und Brandenburg, die zeigen, welche eigenartigen Rück- Wirkungen auf die Arbeitsbeschaffung sich aus diesen kriegswirtschaftlichen Vorbereitungen ergeben: 1. Ein Teil der Mühlen— auch Grohmühlen— muhten neue Speicher bauen, weil nach den neuen Vorschriften die Höhe des Vermahlungskontingents auch abhängig gemacht worden ist von dem Umfang der Lagermöglich- keiten smindestens die doppelte Menge des Monats- durchschnitts)? 2. Die Textilindustrie arbeitet zum Teil mit Hoch- druck, weil sie Angst vor der Beschlagnahme von Roh- stoffen hat. Als Beispiel für den Zwang, Arbeiter unter allen Um- ständen ohne Rücksicht auf die Rentabilität des Betriebs einzustellen, wird aus Sachsen folgendes berichtet: Zwang zur Belegschaftsvermehrung „In bei Belegschaftsversammlung eines in seiner Branche bedeutenden Betriebes Westsachsens hielt der Chef vor der Uebertragung der Hitlerrede am 21. März seine pflichtgemäße Ansprache und führte u. a. folgendes aus: „Wer arbeitslos ist schon jahrelang, weih, was Opfer heißt. Und auch unser Unternehmen hat, obgleich wenig Austräge vorliegen und wir früher zu Entlassungen schreiten muhten, den Opfern der Krise Entgegenkommen gezeigt. Auch wir haben geopfert, indem wir wieder Leute einstellten, obgleich wir wirklich keine Arbeit für sie hatten. Ich will Ihnen das mit folgenden Zahlen beweisen: 1980 hatte unser Unternehmen einen Umsatz von 1800 000 Mark und wir beschäftigten 150 Leute. 1983 aber hatten wir nur noch 400 000 Mark Umsatz und beschäf- tigten 120 Leute. Und ich muh im Interesse der Wirt- schaftlichkeit unseres Unternehmens ihnen auch sagen, daß es so nicht mehr lange weiter gehen kann, da das Betriebskapita l bereits erheblich angegriffen werden muhte und die Gefahr des wirtschaftlichen Zusammenbruchs schon bedeutend nahe gerückt ist." Und dieses Unternehmen ist nicht das einzige, das von der Substanz zehrt." Die Pflichtarbeiter lieber das Schicksal der Notstandsarbeiter wird aus der Rheinpfalz berichtet: „Die sogenannten Pflichtarbeiter müssen für die Unterstützung ohne den geringsten Zuschlag arbeiten. Sie werden nicht als Erwerbslose geführt. Die sogenannten Arbeiter deS Reinhardt-ProgrammS erhalten täglich zur Unterstützung 20 Pfennig für daS Mittagessen und monatlich einen Gutschein der Winter- Hilfe von 25 Mark. Letzteres wird aber jetzt eingestellt. Soweit die Leute Privatunternehmer» für Notstands- arbeiten zugewiesen werden, beträgt der Höchststundenlohn 50 Pfennig. Dabei ist ein Mann mit sechs Kindern, der wöchentlich nur 18 Mark nach Hause bringt, also nicht mehr als der Pflichtarbeiter des Wohlfahrtsamtes." Abkommandierung der Jugendlicchen Je mehr sich die Unmöglichkeit erweist, wirklich zusätz- liche Arbeitsplätze freizumachen, um so mehr wird der Versuch gemacht, jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen in den Arbeitsdienst und die Landhilfe abzu- schieben und ältere Erwerbslose in ihre Arbeitsstellen zu bringen. In welchem Geiste diese..Umgruppierung" er- folgt, zeigt ein Bericht der nationalsozialistischen..Zittauer Morgenzeitung" in Z i t t a u in Sachsen über einen Appell der Betriebssichrer und Betriebszellenobmänner für die Arbeitsschlacht, der am 28. April stattfand. Der Stoß- truppführer der Arbeitsschlacht. Bober t. setzte aus- 'einander, daß die Möglichkeit der Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze nahezuerschöpftsei. Es bleibe daher nichts anderes mehr übrig, als Plätze durch Austausch zu schaffen. Die jungen Arbeiter mußten ihre Plätze in den Betrieben durch Uebertritt in den Freiwilligen Arbeitsdienst räumen. Nach diesem Appell veranstaltete man in Zittau eine Kundgebung für die jungen Arbeiter. Auch vor den jungen Arbeitern sprach Bobert Es sei ganz wie damals, als das Vaterland, de- drängt durch äußere Feinde, das Volk aufrief. Wie sich damals Deutschlands Jugend zur Verfügung stellte, wie sie aus den Schulstuben, den Fabriken, den Kontoren, den Werkstätten herauseilte, um allein dem Vaterland zu dienen, so müsse sich auch die heutige Jugend in der StundederGefahrder Ehrenpflicht ihres Dienstes für da« Vaterland bewußt sein. Der Jugendliche müsse seinen Arbeitsplatz freiwillig aufgeben und ein Opfer bringen für die anderen Volksgenossen, die jahr^rorm mit ihren Familien gehungert haben. Dieser'lioe's an die Jugendlichen— er wird uns in ähnlicher"arm auch aus Berlin berichtet— roirb um so notwendiger, als der Arbeitsdienst allmählich seine Anziehungskraft auf die Jugend einzubüßen scheint. Früher gingen viele Jugendliche in den Arbeitsdienst, weil man ihnen nach Ableistung des Dienstjahres Arbeit in ihrem Beruf versprach. Jetzt sickert allmählich durch, daß dieses Versprechen nicht gehalten wird, sondern daß die Arb^itsdienstler nach Ablauf des Dienstjahres als Landhelfer aufs Land geschickt werden— was uns aus Brandenburg, der Grenzmark und Novdbayern berichtet wird. Die landstille Keine Freizügigkeit Entsprechend der wachsenden Bedeutung der Landhilfe in der Arbeitsschlacht mehren sich die Berichte über dieses System der„Arbeitsbeschaffung". Um die neuen Zwangs- maßnahmen vor der Oeffentlichkeit zu rechtfertigen, wird die Landhilfe— ganz nach dem Prinzip der national- sozialistischen Propaganda— als eine notwendige Abwehr- Maßnahme gegen die immer mehr um sich greifende Land- flucht dargestellt. Während es den Nationalsozialisten in Wirklichkeit darauf ankommt, die Jugendlichen zu Hunderttausenden als Landhelfer wenigstens vorüber- gehend auf dem Lande unterzubringen, wird es jetzt aller- orten in den offiziellen Verlautbarungen so dargestellt, als ob die Landbewohner in Scharen in die Städte ström- ten, um dort an den Segnungen der siegreichen Arbeits- schlacht teilzunehmen. So hat z. B. in Hessen der Reichs- statthalter Sprenger einen Aufruf veröffentlicht, in dem es heißt: „Jedes Abwandern und jedes Anwerben aus ländlicher Arbeit in gewerbliche, auch hauswirtschaftliche Stellen, ist Sabotage am Ziel unseres Führers. Deshalb ordne ich folgendes an: Die Führer der gewerblichen Betriebe sind dafür ver- antwortlich, daß alle ihre Arbeitsplätze ausschließlich mit Erwerbslosen, die für eine landwirtschaftliche Tätigkeit nicht in Frage kommen, besetzt werden. Keine landwirtschaftliche Arbeitskrast darf jetzt oder in den kommenden Monaten ihren Arbeitsplatz verlassen, auch dann nicht, wenn sich die Gelegenheit gewerblicher Arbeit bietet. Für NotstandsarbeUer, Arbeitsdienstwillige und Landhelker muh vollste Arbeitsbereitschaft für die Landwirtschaft gefordert werden. Jeder Dienst an der .Landwirtschaft ist Ehrendienst am deutschen Volke." „Fiat der Bauer Geld" lieber dos System der Landhilfe wird uns berichtet: Jugendliche müssen sich bei Strafe der UnterstützungS- entziehung als Landhelfer verdingen lassen. Ihren Lohn zahlt nicht der Landwirt, sondern die H i t l e r- R e g i e r u n g. Es ist ein Höchstsatz von 25 Mk. im Monat festgesetzt. Das entspricht ungefähr der Summe, die der jugendliche Arbeitslose auch bekäme, wenn er arbeitslos bliebe. Dieser Höchstsatz wird aber käst allgemein unterschritten. Nach einer Erhebung der Reichsanstalt vom 15. 2. 34, die den vertraglichen Barlohn für 141 895 Lanb- helfer ermittelte, bezogen nur 10 900 Landhelfer den Höchst- barlohn von 25 Mk. im Monat, also nur 7 Prozent. UnMähr cbensoviele bekamen weniger als 14 Mk., zum Teil weniger als 12, ja sogar 10 Mk, im Monat und nur ein Drittel einen Lohn, der höher war als 20 Mk., also 70 Pfennige täglich. Ein Bericht aus Nordbayern stellt fest: „Bekommt der Bauer mutige, arbeitsfähige Arbeiter, die auch etwas zu sorbern wagen als Landhelfer, so ist er davon nicht erbaut und ist froh, wenn er sie wieder los hat. Lieber sind ihm Arbeiter, die weniger leisten können, nicht den Mut zum Fordern haben und mit allem l.Kost und Unterkunft) zufrieden sind. Das hat seinen Grund im Geldhunger der Bauern. Der Bauer bekommt vom Staate für jeden Landhelfer im Monat 25 Mk., wovon er 19 Mk. an den Landhelfer als monatliches Taschengeld abgeben mühte. Hat der Bauer keinen ener- gischeu Landhelier. so gibt er im Monat 8, 4, 5, h öch st e n s 10 Mark ab und behält da» andere für sich." Sklavenmarkt Ein Ber>chl aus Südbayern sagt: „Die Arbeitslosen werden rücksichtslos zur Frühjahrsbestellung herangezogen. Die Landhilke ist in Tüdbanern sehr ausgebildet. In Rosenheim wurden die Arbeitslosen mit Lastautomobilen vom Arbeitsamt aui das Land hinaus abgeholt. Die Bauern konnten sich wie auf einem Sklavenmarkt die Burschen aus- suchen, die ihnen kräftig erschienen." Aus Brandenburg-Grenzmark wird berichtet: „Die Arbeit in der Landhilfe ist für die meist ausge- hungerten Arbeitslosen außerordentlich schwer. Ich habe selbst zwei junge Leute gesprochen, die auf einem Gut als Handlanger für Bauarbeiten beschäftigt wurden bei einer Entlohnung von 5 Pfg. die Stunde neben freier Kost und einer Arbeitszeit von morgens halb 7 Uhr bis 5 Uhr, dann schließlich auch noch landwirtschaftliche Arbeiten auf dem Hole verrichten muhten. Da die Kost kaum ausreichend, die Entlohnung sehr schlecht ist, und die Leute ihre eigene Kleidung tragen müssen, versuchen sie immer wieder, zum Teil in Scharen, auszubrechen." Landhelferinnen Besonders übel wird den jungen weiblichen Erwerbslosen mitgespielt. In großer Zahl werden sie in den Städten als Landhelferinnen angefordert, weigern sie sich, dann bekommen sie keine Unterstützung mehr, erklären sie sich einverstanden, so werden sie ein halbes Jahr gegen 2V Mark Monatsentfchädigung mit schwerer Landarbeit beschäftigt, um dann ebenfalls aus der Unterstützung auszuscheiden, da sie durch die Land- Hilfe zu Landarbeiterinnen geworden sind. Das Arbeitsschlachtabzeichen Eine neue Methode der„Arbeitsbeschaffung" wurde offenbar im ganzen Reich von der NS.-Hago, der national- sozialistischen Organisation der Gewerbetreibenden, aber auch von der NSDAP, selbst angewendet. Nach Berichten aus Hannover, Sachsen, Schlesien und Baden wurden an die Bevölkerung insbesondere an die Hausbesitzer und Gewerbetreibenden Fragebogen verteilt, die— neben einem erläuternden Begleittext— folgende Form hatten: Bitte ausfüllen! lWird wieder abgeholt!) Fragezettel Ortsgruppe:..... Wohnung:, Name: Art des Betriebes:....« Ich verpflichte mich, in folgender Weise zur Arbeitsschlacht beizutragen: ....., den... April 84. (Unterschrift) Mit Hilfe dieser Fragebogen wurde dann ein starker Druck auf die Bevölkerung ausgeübt, Anschaffungen zu machen. Reparaturen ausführen zu lassen, Leute neu ein- zustellen usw. Teils werden in Provinzzeitungen die Handwerksmeister usw. namentlich veröffentlicht, die Arbeiter eingestellt, teils die, die sich geweige.t haben. Schließlich berichtet man aus Nordbayern(und in ähnlicher Form auch aus Berlin): „Jeder Bürger des„dritten Reiches" muh das Ar- beitsfchlachtabzeichen zu20 Pfg. erwerben. Auher- dem muh jeder eine Arbeitsstunde(50 Pfg.j für die Ar- beitsschlachi opfern. In den Orten sind Transparente angebracht mit folgendem Wortlaut:„1 Arbeitsstunde— 50 Pfennig— 1 Arbeitsstunde." Die Wirkung dieser umfassenden Propogandaoktionen ist noch nicht zu übersehen. Es wird jedoch von dem Ber- liner Berichterstatter bemerkt, daß es immer noch einen Teil von Menschen gibt, denen die Beteiligung an der Arbeitsschlacht durch vornehme größere Anschaffungen, Reparaturen usw. als nationale Pflicht erscheint. Propaganda und Bluff Eine besondere Bedeutung kommt aber in der„Arbeits- schlacht" einer Methode zu. die in der obigen Aufzählung nicht enthalten ist: d e m B l u ff e n m i t P r o p a g a n d o- aktionen und Scheinerfolgen. Das klastischste Beispiel dafür ist der A u t o st r a ß e n- bau in Kemnitz-Stetzsch, einem Vorort von Dres- den, über den wir schon berichtet haben: großer Er- öffnungsaufmarsch, feierliche Spatenstiche des Reichsstatt- Halter Mutschmann und der anderen nationalsozialistischen Großwürdenträger und am anderen Tage an der„Bau- stelle" eine Tafel mit der Aufschrift:„Arbeiter werden nicht angenommen. Arbeits- aufnähme für drei Monate verschöben." Zur selben Zeit ergab eine sachliche Darstellung des Standes der Arbeiten an den Autobahnen im technischen Beiblatt der„Frankfurter Zeitung", daß von dem mit ungeheurem Propagandaaufwand begonnenen Werk tat- sächlich nur in Arbeit waren: 67 Kilometer mit 6000 Arbeitern auf der Strecke Frankfurt—Heidelberg und 7 Kilometer mit 700 Arbeitern auf der Strecke München— Landesgrenze. Alle übrigen Strecken befanden sich noch im Stadium der Projektierung, Vermessung. Ab st eckung und bestenfalls Rodung. Daß die tatsächliche Arbeitslage inzwischen nicht besser geworden ist, geht aus einem Bericht aus Schleswig-Holstein vom 23. April hervor. Darin heißt es: „dah die mit so großem Elan begonnene Arbeitsschlackjt nicht nur zum Stellungskrieg geworden ist, son- dern bereits in Rückzugsgefechte ausartet. Man hat näm- lich schon einen erheblichen Teil. Leute, die mit großem Tamtam an der Autostrahe in„Arbeit" gebrach: worden sind, entlassen, weil kein Geld mehr da ist. So hat der Kreis Ttormarn 800 entlassen. In Ralstedt ivurden 220, in Billstedt 120, in Wandsbeck 80 wegen„Ueberfüllung der Arbeitsstelle" entlassen." Erlogene Siege Bon ähnlichen Scheingefechten bei der großen Arbeits- schlacht wird aus.anderen Landesteilen berichtet. So wird aus der Anto-Union(dem großen sächsischen AutoKonzern der Marken: Audi. Horch, DKW. und Wanderer) gemeldet: „Im Borjahre wurden von diesen Werken alte, lang- jährig dort beschäftigte Arbeiter in Massen aus dem testen Arbeitsverhältnis gebracht und lediglich als Zeitarbeiter beschäftigt. Damit hatte die Werkleitung die Möglichkeit, diese Zeitarbeiter zu jeder Tagesstunde hinauszuwerfen und am anderen Tage neu als Zeitarbeiter wieder ein- zustellen. So wurden die Arbeiter um alle sozialen Rechte gebracht. Und am 21. März 1984? Da muhten sich diese Zeitarbeiter, die in Wirklichkeit schon alte Arbeiter der Werke sind, gesondert stellen. Sie wurden mit Musik dorthin geführt, wo die zur Zeit in festem Arbeitsverhältnis siebenden Arbeiter zur Uebertragung der Hitlcrrcde versammelt waren und der NSBO.-Redner stellte die Zeitarbeiter als die infolge der Arbeitsschlacht in Lohn und Brot gekom- menen bisher arbeitslosen Volksgenossen vor." Aus Schlesien geht uns folgender Bericht vom Arbeitsschlachtfeld zu: „Kein staatlicher oder kommunaler Betrieb hat flüssige Mittel. In Görlitz wird zur Zeit eine neue Kaserne ge- baut. Die Arbeiter verdienen wöchentlich 16 Mark. Am letzten Zahltag muhten die Leute ohne Geld nach Hause gehen, weil nichts da war. Darüber große Aufregung in ber ganzen Stadt. Mit den sogenann- ten Mehreinstellungen wirb der gröhte Schwindel getrieben. Dte Stadt Görlitz hat kürzlich 65 Arbeiter und Angestellte, dte angeblich Marxisten sind, entlassen und dafür 62 gleichgeschaltete Arbeiter eingestellt. Am an- berot Tage erscheint eine grohe Notiz in der Zeitung: 62 Neueinstellungen bei ber Stadt. Daß aber 65 vorher entlassen worden sind, darüber kein Wort. Die Entlassenen bekommen vorerst keine Unterstützung, scheiden also bei der Arbettslosenzählung vollständig aus." Abonniert die„Deolsdie freisten' i „Deutsche Freiheit", Nr. 119 ARBEIT UMD WIRTSCHAFT Samstag, 26. Mai 1934 nach dem offenen Geständnis des Finanzministers von Verklungene Mlnisterreden Am legten Sonntag hielt der deutsche Reichsbankpräsident eine große Rede. Während im alten Gebäude der Reichsbank die Auslandsgläubiger tagten, um über die Folgen des deutschen Transferinoratoriums schlüssig zu werden, eröffnete Herr Schacht einen Reichsbankneubau. Bei dieser Gelegenheit wäre wohl viel Bemerkenswertes zu sagen gewesen, denn die Reichsbank steht augenblicklich im Mittelpunkt deutscher Probleme; jeder Reichsbankausweis stellt eine geradezu spannende'■'ortsetjung des Berichtes aus der Vorwoche dar, spannend, weil er mit anscheinend unentweich- licher Sicherheit dem Katastrophenpunkt weiter zusteuert, spannend, weil von Woche zu Woche irgendein legtes rettendes Ereignis erwartet wird und nicht eintritt. Aber Herr Schacht sagte kein Wort zu diesem Ablauf, der seiner Führung unterstellt ist. Dagegen dozierte er ein langes und langweiliges Kolleg über preußische Finanzgeschichte, von einem seiner Sekretäre wohl aus Schmoller abgeschrieben. Der Umstand, daß der Preußenkönig Friedrich II. die erste Vorläuferin der Reichsbank begründete, gab Herrn Schacht willkommene Gelegenheit, sich selbst als Vollender dieses seines Vorgängers zu plakatieren. Es sei all preußischer Geist, aus dem das Zentralnoteninstitut des Reichs erstand, und alt preußischer Geist habe im Hause der Reichsbanlt geherrscht von Anbeginn bis zur Stunde, sagte Schacht. Uns scheint, daß der neu-altpreußische Geist, der zur Stunde dort herrscht, nicht gerade altpreußische Sparsamkeit verkörpere; gerade in dem Augenblick, in dem die lebenswichtige deutsche Rohstoffeinfuhr abgedrosselt werden muß, um die Bestände der Reichsbank zu schonen, scheinen die vierzig Millionen, die man zum Bau eines repräsentativen Reichs- bankneubaus auswirft, nicht gerade im Geiste altpreußischer Sparsamkeit verwandt zu sein. I' ridericus Rex habe die Bedeutung einer gesunden Rührung mit überragend klarem Blich erkannt und eine soiide W ährung organisiert, betonte der Reichsbankprüsident. Im Jahre 1934, unter Friderieus Schacht, hatte eine solide, unter wirklichen Opfern erhaltene Währung bestanden. Die Opfer wirklicher, altpreußischer Sparsamkeit waren unter Brünings Kanzlerschaft gebracht worden; aber damals nannte Herr Schacht jene Sparsamkeit ,.eine Askese, die dem deutschen Wesen fremd sei"(Deutsche Wirtschaftspolitik, Hannover, 1932). Es sei kein- bloßer Zufall, daß der große Pieußenkönig, der den Militarismus geadelt habe, auch der erste schöpferische Organisator eines deutschen Geldutesens gewesen sei, schloß der Redner. Dieser Zusammenhang ist Herrn Schacht, dem schöpferischen Organisotor der deutschen Binnenmark, allerdings gleichfalls zuzuerkennen: der Militarismus, moderner ausgedrückt, die Rüstungspolitik, haben auch die Grundzüge seiner Währungspolitik diktiert. Deg Finanzminister, Herr von Schwerin-Krosigk, hat wieder eine Rede gehalten. Ihr Inhalt war, daß eine Rückzahlung der 6 Milliarden, die das Reich von den nächsten fünf Jahren gepumpt habe,„ohne weiteres möglich" sei. Am selben Tage erschien der Rericht über den Reichshaushalt im vergangenen Rechnungsjahr, das vom 1. April 1933 bis zum 31. März 1934 ablief. Dieses Budgetjahr ist zugleich das erste Ankurbelungsjahr; und weil die Erfolge der Ankurbelung in den nächsten fünf Jahren so groß sein sollen, daß die 6 Milliarden ohne weiteres hereingeholt werden können, muß sich dieser Erfolg ja jetzt schon zeigen. Während etwa 3'/» Milliarden Arbeitsbeschaffungsmittel der Wirtschaft zugepumpt wurden, hat sich die gesamte Einnahme nur um 197,4 Millionen gegenüber dem Vorjahre erhöht. Dieses Mehr stammt aber nicht einmal aus allgemeiner Konjunkturbesserung, sondern mit 195,8 Millionen RM. aus der Fettsteuer, die in diesem Jahre erstmalig erhoben wurde. Ganz allgemein läßt»ich feststellen, daß sich die Erfolge der Arbeitsbeschaffung nicht in einer Verbesserung der steuerbaren Einkommen und des Verbrauchs ausgewirkt haben. Fast alle typischen Massenverbrauchssteuern sind gesunken: die Tabaksteuer um 19,1, die Biersteuer um 16,6, die Zuckersteuer um 7,1 Millionen. Wenn Salzsteuer(um 29.0) und Spiritusinonopol(um 12,3) gestiegen sind, so beruht dies auf dem Preisschutz, den der Staat ihren Kartellen verstärkt angedeihen ließ, sodaß diese ihrerseits Steuer- fälliger wurden. Die veranlagte Einkommensteuer ist um 22,9, die Lohnsteuer um 18,4 Millionen zurückgegangen. Uebrigens ist es nicht uninteressant, daß der Bericht die „freiwillige Spende zur Förderung der nationalen Arbeit" als eine„Lohnsteuer" bezeichnet, die mit 9 Millionen eingesetzt wird. Gestiegen sind die Einnahmen, die aus dem direkten An- kurbelungsbetricb und den Ankurbclungsindustrien steuerbar wurden: die Mineralölsteuer(Motorisierung!) mit 8.4 Millionen; auch die Kraftfahrzeugsteuer ist um 39,5 Millionen gestiegen, eine Folge der außerordentlichen Automobilbegünstigung der Reichsregierung. An Mehrsteuern, die direkte Folgen der industriellen Ankurbelung sind, stiegen weiter die Umsatzsteuer um 161.8 Millionen, die Güterbeförderungssteuer um 9,5 und die Wechselsteuer um 13,9 Millionen. Als einmalige Steuereinnahme kann die Reichsfluchtsteuer mit 16,7 Millionen Erlös betrachtet werden. Gegenüber dem Vorjahr haben sich die Einnahmen der Monate Februar und März verschlechtert. Wie auch aus anderen Symptomen festgestellt werden kann, ist die Wirksamkeit der Aibeitsbeschaffung also bereits in leichter Abnahme. Die Kurve, die in einem Jahre 200 Millionen Mehreinnahmen erbrachte, geht nicht so steil aufwärts, daß sie in fünf Jahren einen 6-Miliarden-Pump beglichen haben könnte. Deutsche Ministerreden haben kurze Beine. ••Das Geld bleibt im lande Das falsche Rechenexempel der Aufrüstung RS 1350 Millionen Reichsmark rund beträgt der amtlich z u- gestandene Rüstungshaushalt des Reiches(einschließlich Luftschutz und Kosten der SA.). Die wirklichen Kosten der Aufrüstung dürften»och um einige hundert Millionen höher sein. Deutschlands Wehretat nähert sich damit wieder dem Gipfelpunkt, den das Kaiserreich seiner Zeit erklommen hatte, nur daß dieses nicht noch außerdem die Kriegs- opferversorgung eines Weltkrieges mitzuschleppen hatte. Der Trost der Militaristen für diese Lasten, die der Bevölkerung auferlegt werden, ist immer der gleiche: ,.Rüstungen schaffen Arbeit— das Geld bleibt im Lande."' Aber mit beiden, hat es einen Haken: Das Geld bleibt nicht im Lande insofern, als ein großer Teil der Rohstoffe für die Rüstung aus dem Auslande eingeführt werden muß. Selbst G ö b b e I s hat das in seiner Sportpalastrede gegen die„Miesmacher" eingestehen müssen. Er erklärte die Devisenklemme des Reichs damit, daß die Arbeitsbeschaffung vermehrte Rohstoffzufuhr erfordert habe. Dies Argument entlarvt aber den Charakter dieser Arbeitsbeschaffung. Wären nämlich die Rohstoffe für normale wirtschaftliche Produktionszwecke eingeführt worden, so hätte sich eine entsprechende, ausgleichende Ausfuhr ergeben. So war es früher in Deutschland unter dem verrotteten, schmachvollen Regiment der Weimarer Republik. Damals konnte sogar weit mehr an Rohstoffen eingeführt werden als jetzt und es ergab sich trotzdem kein- schädlicher Einfuhrüberschuß— im Gegenteil: indem das Ausland die verarbeiteten Rohstoffe als Fertigwaren zurückkaufte und die in Deutschland darauf verwandte Arbeit mitbezahlte, verbuchte der deutsche Außenhandel einen erheblichen Gewinn. Nur jetzt ist es anders, weil die von den ausländischen Metallen, Textilien usw. erzeugten Tanks, Flugzeuge, Geschütze, Uniformen usw. usw. restlos in Deutschland bleiben, weil das Ausland daher einen großen Teil der in Deutschland„veredelten" Rohstoffe nicht mehr in der Gestalt von Fertigwaren zurückerwirbt. Die Einfuhr der wichtigsten Rüstungsmetalle wie Kupfer, Nickel, Eisenschrott, Zinn usw. hat sich bekanntlich mehr als verdoppelt, dagegen ist die Ausfuhr an Metallwaren rapide gesunken: die Aufrüstung sorgt also nicht dafür, daß das Geld im Lande bleibt, sondern bewirkt gerade umgekehrt, daß es zum Lande hinausgeht! Die trostlose Devisen- bilanz der Reichsbank ist der beste Beweis dafür! Nicht besser ist es mit dem zweiten Argument, daß die Rüstungen Arbeit schaffen. Gewiß ist es für die deutsche Wirtschaft günstiger, daß die Verarbeitung der eingeführten Metalle zu Geschützen, Tanks, Flugzeugen usw. im eigenen Lande geschieht, als wenn auch noch diese Kosten an das Ausland bezahlt werden müßten. Im übrigen aber liegt die Sache so, als wollte z. B. ein Architekt weit über seine Vermögensverhältnisse für s i ch selber eine pompöse Villa bauen und sich über die Kosten damit trösten:„Das Geld bleibt ja bei mir." Gewiß, wenn das Reich— sagen wir einmal— für 50 Millionen Mark Kriegsflugzeuge und Tanks baut, so verwandelt sich der nicht für ausländische Rohstoffe benötigte Teil dieser Summe in Arbeitslöhne in inländischen Unternehmerprofit usw. Ein Teil der 50 Millionen:— sagen wir 40 Millionen— läuft also tatsächlich um, die Arbeitslöhne verwandeln sich in Lebensmittel, Mieten, Textilien usw. Aber was sind diese umlaufenden 40 Millionen für Geld? Sie sind Kapitalien, die bereits vordem vorhanden waren, denn aus der Luft kann das Reich die Bezahlung der Rüstungen nicht nehmen. Entweder stammen die Gelder aus Steuererträgen, dann wird also nur der Wirtschaft das ihr vorher entzogene Geld wiedergegeben. Da aber ausreicnen, ivnuciu•——, d. h. für die Aufrüstung„gepumpt" wird, so heißt das nichts anderes, als daß irgendwelche Spark apit in en in denZirkulationsprozeß geworfen werden, d. h. daß das vorhandene Kapital um die neu zirkulierende Summe vermindert wird. Audi hier zeigt sich der unproduktiv e Gharakter der Rüstungsausgaben klar in den Wirkungen: Wurden an- statt der Tanks z. B. Verkehrsfahrzeuge(Eisenbahnwagen, Automobilomnibusse o. dergl.) gebaut werden so ließen sich durch deren Verkauf bzw. Gebrauch(Fahrgelder.) die L n stehungskosten wieder e i n b r in g e n. Die angebohrten Sparkapitalien würden durch diese Einnahmen wieder ersetzt, neu aufgefüllt werden. Tanks und Militärflugzeuge bringen aber keinen Mennig ein, weder durch Verkauf, noch durch Benutzung im Gegenteil, sie fressen nur Geld. Das für sie aufgewandte Kapital ersetzt sich nie und nimmer! Die bequeme Ausrede der Militaristen, daß durch die Aufrüstung..Geld unter die Leute komme", entpuppt sich also dahin, daß dieses Geld aus einer Jau* rnd, e"*®*" minderung der Substanz der Wirtschaft fließt. Je mehr Geld„unter die Leute kommt", desto rase her vermindert sich das vorhandene Kapital. Die Folge daraus muß sich eines Tages mit zwingender Notwendigkeit ergeben. Julius Civilis. Haben Generaldirektoren...? (ITF.) In der Maizeitung der Deutschen Arbeitsfront klagte der Führer der Reichsbetriebsgruppe„Stein und Erde" Stein und Bein, daß die deutschen Arbeiter zu„anerkannt unzulänglichen Löhnen" arbeiten müßten. Er stellte eine Gewissensfrage;„Haben Generaldirektoren, Unternehmer und so weiter den Leibriemen genau so eng geschnallt? Die Frage braucht nicht beantwortet zu werden! Und sie darf sogar aus Billigkeitsgründen unbeantwortet bleiben und soll nie wieder auftauchen, wenn im zweiten Jahre der Arbeitsschlacht Sünden des vergangenen Jahres seitens der betreffenden Volksgenossen freiwillig gutgemacht werden". Wir wollen die Frage lieber doch beantworten und zugleich zeigen, wie die Generaldirektoren des„dritten Reiches"' ihre Sünden freiwillig wieder gutmachen. Nach der soeben er- schienenen Bilanz des drittgrößten deutschen Kalikonzerns, der Bürbach-Kaliwerke, erhielten im Jahre 1932 die vier Vorstandsmitglieder zusammen 274 000 RM., also jeder 68 500 RM. Als echte Nalionalsoizalisten senkten sie die Gehälter auf je 46 250 RM.(zusammen 185 000). aber jeder bewilligte sich gleichzeitig einen„persönlichen Kredit" von 35 000 RM.(zusammen 140 000), so daß den Generaldirektoren in dem gleichen Jahre, in dem die Löhne der Arbeiter rigoros gesenkt wurden, je 81 250 RM., monatlich 1000 RM.»y mehr, ausbezahlt wurden. Die Generaldirektoren haben den Leibriemen nicht enger schnallen brauchen, aber sie haben sich über die Naivität der braunen Maizeitung köstlich amüsiert. 10 000 jüdische Siedler nach Birobidjan (FSU.) Im Laufe dieses Jahres werden 10 000 jüdische Siedler aus Ländern außerhalb der Sowjetunion im autonomen jüdischen Gebiet von Birobidjan Aufnahme finden. Sie kommen aus Deutschland, Argentinien, den Vereinigten Staaten von Amerika. Polen Frankreich, Palästina und Litauen. 2000 von ihnen werden in der Landwirtschaft arbeiten, der Rest in der sieh rasch entwickelnden Industrie. Dadurch wächst die Zahl der ausländischen Siedler in Birobidjan bedeutend, da auch in früheren Jahren qualifizierte Bauern und Industriearbeiter aus allen Teilen der Welt dort zugewandert sind. Sdimitts Geschäft mit Barrls frbhoigiscJz Den deutschen Bauern wird es erst jetzt langsam klar, was das Erbhofgesetz für sie bedeutet. Sie merken, daß sie keinen Kredit mehr bekommen können, denn der Erbhof darf nicht belastet werden. Sie merken, daß sie nicht mehr Herr auf ihrem eigenen Hofe sind, denn die Erbhöfe dürfen nicht veräußert werden und die Bestimmung des Erben ist im Gesetz genau festgelegt. Sie merken, daß durch das Erb- hofgesetz ihre anderen Kinder enterbt worden sind, denn diese Kinder haben keinen Anspruch mehr an den Hof und nichts darf ihnen zu Lasten des Hofes oder des Hoferben vererbt werden. Je mehr die Bauern merken, welche verhängnisvollen Folgen das Erbhofgesetz für sie hat, um so mehr wächst d i e Mißstimmung und Empörung. In einzelnen Kreis- bauern Versammlungen ist es zu erregten Auseinandersetzungen über das Erbhofgesetz gekommen, die sich z. B. in Westfalen bis zu Tumulten gesteigert haben. Die Kreis- bauernführer werden von den Bauern überlaufen, die Aufklärung verlangen und bei ihrer Kritik kein Blatt vor den Mund nehmen. Sie müssen vertröstet werden und schon spricht man von„entscheidenden A ender ungen" des Gesetzes, die unmittelbar bevorständen. Kein Wunder, daß der Reichsnährstand kein Ubermäßiges Interesse verspürt, die Bauern über die Segnungen des Erbhofgesetzes weiter aufzuklären. In Gebieten, in denen früher allmonatliche Kreisbauemversammluiigen die Regel waren, haben seit Anfang des Jahres überhaupt keine Versammlungen mehr stattgefunden. Das Gesetz, das den Nationalsozialismus für alle Zeiten im Bauerntum verankern sollte, wird zum Bume- raug, der gegen seine Urheber zurückfliegt. Jetzt ist dem Reichsnährstand im Kampf um das Erbhof- gesetz ein neuer Widersacher erwachsen, mit dem er gewiß nicht gerechnet bat: die Versicherungsgesellschaften. Die Versicherungskonzerne wittern ein neues Biesengeschäft. Was liegt auch näher, als den Bauern klarzumachen: Ihr könnt über euren Hof nicht mehr frei verfügen iljr könnt euch, wenn iljr et^i zitf H ube ae^ jYQÜt^ nicht mehr auszahlen lassen—'also braucht ihr eine Lebensversicherung. Ihr könnt euren Töchtern keine Aussteuern mehr zu Lasten des Hofes geben— also braucht ihr eine Aussteuer Versicherung. Ihr könnt nach§ 30 des Erbhofgesetzes euren anderen Söhnen eine Berufsausbildung nur zukommen lassen,„soweit die Mittel des Hofes dies gestatten"— also müßt ihr auch dafür durch Abschluß einer entsprechenden Versicherung Vorsorgen. Es ist leicht erklärlich: die Versicherungsgesellschaften haben auf dem Lande eine neue große Konjunktur und ein Heer von Agenten und Werbern dringt bis ins letzte Dorf, um die Bauern von der unumgänglichen Notwendigkeit eines Versicherungsabschlusses zu überzeugen. So haben es die Versicherungen in großem Maßstabe übernommen, die Bauern über die Folgen des Erbhofgesetzes aufzuklären. Im Reichsnährstand erkennt man die wachsende Gefahr dieser Aufklärung und beginnt, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Mehrere Landesbauernschaften haben bereits Erlässe herausgegeben, die sich gegen die„u n- lautere" V ersicher ungspropazan da unter den Erbhofbesitzern wenden, das Vorgehen der Versicherungsgesellschaften als„Sabotage" am hohen Grundgedanken des Erbhofgesetzes brandmarken und schärfste Mittel dagegen androhen. In einzelnen Kreisen haben außerdem die Landräte die Gemeindevorsteher angewiesen, auf das Treiben der Versicherungsgesellschaften zu achten und erforderlichenfalls dagegen einzuschreiten. Welch groteske Situation: Darre muß gegen die Versicherungsgesellschaften kämpfen, damit sie nicht— natürlich rus wohlverstandenem Geschäftsinteresse— die Bauern über den wirklichen Inhalt seines Erbhofgesetzes aufklären! Sollte das Erbhofgesetz vielleicht gar ein Kuckucksei sein, das der Herr Reichswirtschaftsminister Schmitt, weiland Generaldirektor des größten deutschen Versicherungskonzerns, Herrn Reichsernähcrungsminister Darre ins Nesl gc^gt hat 1 Was ist im„dritten Reiqh" nicht mög lich %)eutsdhe Stimmen•(Beilage zur„Deutsdken&veifheit"• Iveignisse und Gesdticfiiea HMHIiiHHIHlHHHIlBHH llilill'ffl Samstag, den 26. Mal 1934 £s Miac einmal ein SiacheCschiaein ^Ceute ist es dec Achum 9ie'mz(Reimann Der literarische Ausbeuter des letzten Sadisengeenigs, der umorist Hang Hei mann, hat«ich das Recht auf die Leitartikel-Honorare der gleichgeschalteten„Berliner Morgenpost gesichert. In seiner Jugendschäffenshlüte waren 1 un die..Morgenpost" und ihr Legerstamm nur willkommene Modelle für seinen Humor. Jetzt schwitzt er in diesem -^ustei hlatt für Vollblutspießcr zeilenlang Hitlertreue aus. .-ein Gesinnungssaito ist nicht von Pappe. Im Januar 1927 begann er mic der Herausgabe der literarischen Monatszeitschrift„D asStachelschwei n", für die er auch als verantwortlicher Schriftleiter zeichnete. Volle drei Halbjahre haben er und seine Mitarbeiter, unter denen u. a. Karl Schwarz, Erich Weinert, George Groß und Walter Mehring zu finden waren, den furor teutonicus, den preußischen Kommißstiebel und die deutsche Gartenlaube mit Witz und Bosheit auf die Seiten seiner Zeitschrift genagelt. Der Hitlerknabe Hanschen orakelte damals stramm hitlerfeindlich: „V ie deutsch ein Teil der Tschechoslowakei ist, beweist die Reaktion, die sich mausig macht wie allerorten, auf Hitler schwört und sich rechter als rechts gebärdet."(„Stachelschwein",, Februar 1927, S. 26.) Unter seine verantwortlichen Schriftleiterflügel nahm er diese köstliche Studie über den Oberosaf, dem er neuerdings„Mottenpost"-Weihrauch spendet: „Und der Hitler hat natürlich im Löwenbräukeller gesprochen(Intelligenten ist der Eintritt verboten!). Wer mag ihm nur den guten Plakattext entworfen haben:„Strese- wann, der Kandidat von Frankreichs Gnaden"? Das sah nämlich originell aus und versprach viel überraschenden Blödsinn. Aber ein Schmarren wars. Bleierne Laygew eile senkte sich über alle Hakenkreuze, als der bleiche, leidlich schneidig aussehende Adolf seine endlosen Wirtschaftstabellen ablas und historische Verleumdungen von 1870 bis 1918 ausgrub. Ein gleichgültiges Sammelsurium wirtschaftspolitischer, machtpolitischer und rassenhetzerischer Phrasen. Nebulos. Fadenscheinig. Die hinterhältige Redewendung vom zu erwartenden Dank der französischen Freimaurer machte den alten Kohl auch nicht fett. Und noch vor mir schlichen sich viely unverkennbare Anhänger gähnend hinaus.(„Stachelschwein", Juni 1928, S. 9-10.) Ueher die haken verkreuzte Elite, deren Sonne jetzt seinen Redaktionssessel erwärmt, spottete er. Seine Parodiesammlung„Von Karl May bis Max Palenberg in 60 Minuten" enthält eine originelle lassung der Hakenkreuzhymne: „Blondine saß auf e'nera Stein Mit sieben Siegeln! rv,■--■w-■». Blondine saß auf einem Stein Und putzt ihr Hakenkreuzlein rein! BlondincheD saß auf einem Stein Ofropax vobiscum! Blondinchen kreuzte Bein mit Bein Und schmetterte die Wacht am Rhein!" (S. 32-33.) Häuschen dachte bestimmt nicht dran, was aus ihm noch werden kann, als er den Ariern diese Visitenkarte verfaßte: „Deutschland konfessionell: Ein sehr indifferentes Gebiet, aber immerhin noch eine Art Dreiteilung. Erstens Juden, welche durch Reiben des angeborenen Geldbeutels das deutsche Nationalvermögen vermehren. Stabreim nach Wolfram von Eschenbach. Zweitens Nichtjuden. Diese schimpfen auf jene und beweisen damit ihre Existenz. Drittens Zwitter."(„Stachelschwein", Oktober 1927, S. 3.) Werden sich die Hitleriken jeden Alters und Geschlechtes nicht die Vergißmeinnicht-Pupillen um 90 Grad verdrehen, wenn ihnen Häuschen zwecks Reinigung der deutschen Moral aus seinen„Stachelschwein"-Werken vorbetet? „ach rosige Thusnelda komm auf mein weißes Fell da." (Januar 1928, S. 25.) oder „sie lag in ihres bettes kute und schaute mit betrübtem mute auf das verlassene Samos hin mann her mann her oder ich fall über michselbst her aber das hilft ihnen nichts mehr." (August 1927.) Die Kostproben gehören zu Häuschens harmlosen Moralbeiträgen für das„dritte Reich". Er kannte die Stelle, wo er sterblich war. Voraussehend hat er sie bedichtet: „Es ist im Leben mulmig eingerichtet, daß man, von Altersschwäche angeknockt, höchst ungern auf Bequemlichkeit verzichtet und kompromißgelaunt am Ofen hockt. Ach unterm Kaiser Wilhelm wars doch besser! Wir haben keine Republik gewollt! Bleibt Sklaven, Byzantiner, Speichelfresser! Gott schütze unser bißchen Schwarzrotgold!" („Stachelschwein", Mai 1927, S. 29.) Was bleibt übrig, wenn einem Stachelschwein die Stacheln ausgerissen sind?— Unter dergleichen Wesen, die Hitlers Literatenhimmel zahlreich zieren, wird die deutsche Kultur bestimmt verwesen. Jobs. Am(Rassen-(fcheideuxege Junger Mann im Deutschland der Erhebung, So du nicht zur Herrenrasse zählst. Hüte dich vor sündiger Bestrebung, Wenn du eine Maid zur Gattin wählst. Greif nicht in erotischer Verblendung Nach des Nordens lichten Töchterlein. Auf die Missetat der Rassen Schändung Steht zumindest Zuchthaus, Judenschwein! Sei auch du nicht lüstern nach Semiten, Wotanstochter im totalen Staat; Die Erneurer völkisch-deutscher Riten Strafen streng den rassischen Verrat. Es bedarf nur einiger Befehle, Und ein Prangerzug ist aufgestellt. Auf Kommando kocht des Volkes Seele, Reist ihr per Expreß aus dieser Welt. Lest zur Warnung in des„Stürmers" Spalten; Dort wird euch Belehcung rasch zuteil, Wieviel noble Mühe wir entfalten Für des deutschen Menschen Rassenheil. H o r a t i o. llacdische(Renaissance Ii)ectgesättigte(fchönheit und andece Qem eiiitfiinqplatze Der Stadt Bremen ist ein hohes Glück widerfahren. Hier "t endlich die erste Nordische Kunsthochschule feierlich eröffnet worden. Sie soll der Geburt der wahren "od unsterblichen Kunst des Nationalsozialismus dienen, ihr Urogramm ist eindeutig im Geiste des Hakenkreuzes erkürt. Prophetisch verkündete der Bürgermeister Dr. Markert: „Zum ersten Mal in der Geschichte der Kunst überhaupt ■wird der nordische Gedanke Leitstern einer Hochschule, denn erst der Nationalsozialismus brach der Erkenntnis Bahn, daß die Kunst nur völkisch sein kann. Der nordische Mensch verlangt wertgesättigte Schönheit; die Nordische Kunsthochschule wird sie ihm,gehen." Leiter dieses wunderlichen Institutes ist ein seit langem bekannter, nicht gerade jugendlicher Herr, der Professor Mackensen, ein landläufiges Mitglied der sogenannten Worpswedes Man darf also wohl annehmen, daß es sich um eine penetrantere Wiederholung jener bereits reichlich überlebten Provinzlerei handelt, die nur eine wahre Künstlerin hervorgebracht hat: Paula Becker- Modersohn, früh verstorben und immer auf der Flucht— von Worpswede nach Pari«. Nordisches geht auch in Halle vor sich; dort wird im Auftrage des Propagandaministers eine Schulungswoche für Thingplatzgestaltung stattfinden. Auf den Thingplätzen werden künftighin, nicht etwa bürgerliche Schauspiele zur Vorführung kommen, vielmehr teutonische Laienspiele, die den großen Atem der Vorväter rhythmisch entströmen lassen wollen. Nordische Renaissance kommt ferner über die deutschen Museen, deren Generaldirektor den Auftrag erteilt hat, daß die Museumsbestände im Sinne des nationalsozialistischen Bildungszieles auszuwerten seien. Der Fernstehende kann «ich fürs Erste nicht vorstellen, was der beauftragte Professor Dr. Alexander Langsdorf! da anrichten wird. Von dem neuen Reichskultusminister Rust erwartet niemand eine klare Kunstpolitik; er schwankt zwischen Frick und Göbbels zickzackig, zwischen dem banalsten Spießertum und der revolutionär getarnten Gaunerei. Eingeweihte erwarten unterirdische Kämpfe, bei denen Rosenberg, derMystikerdes Hakenkreuzes, aber auch die letzten jüdischen Schauspieler in nächst wird in Neuyork eine großeAusstellungdesWerkcsvon Max Lieber in ann vorbereitet, dessen Bilder, weil er Jude ist, in Deutschland nicht mehr öffentliclit gezeigt werden dürfen. Neuyork wird hundert Bilder Liebermanns zu sehen bekommen; an den Vorbereitungen ist der ehemalige deutsche Vizekonsul Jordan beteiligt. Uebrigens soll auch in London demnächst eine Ausstellung deutscher jüdischer Künstler stattfinden; an erster Stelle wird hier J a n k e 1 Adler, der ethnographische Expressionist, gezeigt werden. Von der neudeutschen Kulturpropaganda werden allenthalben Maler, Bildhauer und Schauspieler in den Vordergrund geschoben, deren Namen bisher unbekannt waren; noch mangelt der Beweis, daß einer dieser Geförderten mehr als parteiamtliches Interesse verdient. Recht fragwürdig scheint die Wiederbelebung der bäuerlichen Trachten, die von einer Denkschrift des Nürnberger Germanischen Nationalmuseums gefordert wird, und allzu hoffnungsvoll braucht man wohl nicht der nächsten Unternehmung des Münchener Prinzregenten-Theaters entgegenzusehen, das Teile der Edda, jener etwas vergilbten nordischen Göttersage, zur Aufführung bringen will. Nach wie vor hat man von dem Kunstleben des„dritten Reichs" den Eindruck großsprecherischer Hilflosigkeit. Das Gute, was geboten wird, war schon ehedem da; das Neue aber ist belanglos. Am belustigsten wirkt das propagandistische Pathos, das Problem und Erscheinungen, die hundertjährige Geschichte haben(oft tausendjährige), als Urzeugen Adolf Hitlers ausgibt, und nicht minder komisch ist es, wenn Allgemeingültiges und Alltägliches mit bewundernswerter Naivität auf Nazi frisiert wird. So etwa, wenn man im letzten Heft der letzten deutschen Kunstzeitschrift, das unter anderem Bilder zeigt von Gärten, wie sie zu Tausenden in der ganzen Welt zu finden sind, liest:„ Gartenkunst ist heute ausschließlich germanische Angelegenheit.. Germanisch scheinen vor allem die Gemeinthingplätze zu sein. Ttlensch zwischen Qatt und Jiec Schemmern wider die Kultur Es lohnt sich im allgemeinen nicht, die Reden, die bei den zahlreichen festlichen Veranstaltungen in Deutschland die offiziellen Vertreter halten, zu registrieren. Sie sind eine ständige Wiederholung des nationalsozialistischen Katechismus. Wenn wir heute einen Bericht der„B e r 1 i n e r Lehrerzeitung" über die Eröffnung des Seminars für nationalpolitische Pädagogik im Auszuge bringen, und zwar die Ausführungen des Staatsniinisters Scheinm, so nur, um den Tiefstand des Niveaus zu kennzeichnen, zu dem selbst wissenschaftliche Institute heute herabgesunken sind. Nach den üblichen Phrasen über nationalsozialistische Weltanschauung, über SA.-Geist, Dienst am Volke und Rassenbewußtsein riß in seinen weiteren Ausführungen der Redner(Schemm) die Frage nach der Aufgabe unseres Volkes auf(wörtlich!!): in der Beantwortung der Frage kam er zur Placierung der Menschen zwischen Gott und Tier.(Man beachte. Stil und Problemstellung.) Der Mensch müsse entscheiden zwischen Lieht und Finsternis, Geist und Stoff, Himmel und Hölle. Bei gutem Willen(!) könne er das und würde dem Geistigen und dem Ganzen nahekommen und die Ungeistigkeit überwinden.— Heute macht im Gegensatz zu früher das gesamte Volk die Geschichte. Das Volk habe den Führer herbeigesehnt. Gottes Gnade hat ihm denselben geschenkt. Führer führen das Volk zu bisher unerreichten Höhen auf allen Gebieten. Die beste Durchorganisation des Volkes gewährleiste höchste Leistungen. Auf dem Fluge zur Höhe seien Blut und Rasse die besten und die hehrsten Wegweiser. Es gehe um den deutschen Menschen der nach einein Wort Nietzsches„nicht ist, sondern wird". Der Lehrer müsse klug sein und Güte und Heiterkeit besitzen, in diese Tugenden sei das Klima gelagert, in dem die. Erziehung zum deutschen Menschen gedeihen könnte. Dieser objektive Bericht aus der„Berliner Lehrerzeitung" vom 10. Mai stellt tatsächlich den Tatbestand einer Verächtlichmachung der deutschen Kultur dar. Aber schließlich kann die„Berliner Lehrerzeitung" nicht dafür, daß das Auftreten des Herrn Schemm eine Verächtlichmachung der deutschen Kultur in Permanenz ist. SA. jgiänzte... Die..Pirmasenser Zeitung" schreibt:„In der Volksgartenhalle brachte das Landestheater für Pfalz und Saargebiet vor fast leerem Haus Fr. Forster« symbolisches Hitlerdrama „Alle gegen einen, einer für alle" zur Aufführung. Diese mehr als mangelhafte Anteilnahme der Pirmasenser an dem kulturpolitischen Geschehen unserer Zeit ist einfach beschämend und steht nicht al'ein in der Pfalz beispiellos da. Die Aufführung geschah im Rahmen des Werkes Kraft durch Freude.(!) Man muß sich deshalb um so mehr über den miserablen Besuch wundern.— Ganz besonders unangenehm berührte es, daß unsere. SA., die Trägerin des jungen Staates, durch Abwesenheit glänzte." 1Blutualle lOMfahct die Versenkung geraten könnten. r«ccu Auch für den Direktor der bisher noch wirkenden, ausgeweichten F olkwang- Schule, der letzten deutschen Lehrstelle schöpferischer Kunst, wird gefürchtet. Von der Darmstädter Frühjahrsausstellung wurde Max Beckmann, der bisher als bedeutsamster Vertreter Frankfurts galt, verbannt; an der diesjährigen deutschen Ausstellung in Venedig dürfen Neide, Barlach, H e c k e I und D! x nicht teilnehmen. Dafür wurde Karl Hofer, in Deutschland als Kulturbolscbewist verrufen, mit zwanzig Bildern nach Florenz eingeladen, wo er einen großen Erfolg hat. Reneo Sintcnis. wohl die begabteste deutsche Bildhauerin. mußte, weil sie nicht hundertprozentig arisch ist, aus der Preußischen Akademie der Künste ausscheiden; auch sie wird demnächst in Frankreich, England und Amerika, wo sie sehr geschätzt wird, neue Arbeiten zeigen. Zu- (Balduc singt: „Volk ans Gewehr!" In diesem Kampfe geht es nicht um Kronen und nicht um Geld! Dies ist die Brandung einer neuen Welt, ein heiliger Krieg um Freisein oder Fronen! Drum her zu uns! Hier stehn die braunen Horden mit festen Fäusten, schwielenhart und schwer. Wir wollen die Feinde deutscher Freiheit morden! Volk ans Gewehr! Baidur ist die gesamte deutsche Jugenderziehung überantwortet worden. Und sein Lied wird in den deutschen Volksschulen gelehrt. Der Herr Kultusminister Dr. Rust hat jetzt einen Erlaß herausgegeben, nach dem in Zukunft Bewerber und Bewerberinnen nichtarischer Abstammung von den Prüfungen zur Aufnahme in Wohlfahrtsschulen, sozialpädagogische Institute usw. nicht mehr zugelassen werden können. Ueher die Behandlung von Anträgen uichtarischer Ausländer entscheidet der Minister persönlich. In einer kurzen Begründung zu dem neuen Erlaß wird hervorgehoben, daß die Wohlfahrtspflege im neuen Staat nur noch von blutvollcn^ olkt- genossen ausgeübt werden darf. Die blutvolle Wohlfahrt des„dritten Reiches" kann mit viel mehr Recht wahrscheinlich die blutige Wohlfahrt genannt werden. „c Hätte et sich sticht gebückt' Alte Geschichte In Kischinew ging vor etwa fünfzig Jahren ein jüdischer Theologe auf der Straße spazieren. Ein russischer Nationalsozialist warf einen Stein nach ihm, der Theologe bückte sich und der Stein flog in eine Fensterscheibe. Der Besitzer der Scheibe klagte den Steinwerfer um den Schadenersatz, das hohe Gericht verkündete jedoch im Namen des Zaren:„Der Jude bat zu zahlen, denn hätte er sich nicht gebückt, so wäre die Scheibe nicht zerschlagen worden." Diese Geschichte ist, wie gesagt, mindestens 50 Jahre alt. Aber klingt sie nicht wieder wie ganz neu?. .Deutsche Freiheit«, Nr. 119 Das bunte Blatt I Der Vall in Gramertsdorf Eine Geschichte aus dem heutigen Bayern- Von Oskar Maria Graf Die Herrschaft deS.dritten Reiches« muß in meiner baye- rischen Heimat doch nicht so beliebt sein, wie man allgemein annimmt. Mögen auch die Zeitungen noch so lammfromm berichten, wie paradiesisch alles abläuft— es kann nicht stimmen. Es muß da— unter uns gesagt— was absolut nicht in Ordnung sein, denn jetzt hat man sogar in bezug auf den berühmten Fasching amtliche Verfügungen heraus- gegeben, die etwas seltsam anmuten.„Nämlich,« hat neulich eine weitverbreitete Zeitung geschrieben,„derartige Ver- Haltungsmaßregeln amtlicherseits seien absolut notwendig, wenn man in Betracht zieht, daß gerade aus den Faschings- festen immer noch staatsfeindliche Elemente in harmlos er- scheinenden Kostümen auftauchen, welche nichts andres ver- raten als eine schwere Herabwürdigung des neuen Deutsch- lond. Eine derartige getarnte giftige Propaganda in die Fröhlichkeit unseres Faschings zu tragen, das ist der Gipfel der Gemeinheit!« Es läßt sich denken, daß ein solcher Posaunenstotz wirkte. Das bayerische Innenministerium hat nunmehr sogar ver- fügt, daß auch auf Bauernbällen keinerlei Kostümierung zugelassen sei, welche die Bauern herabwürdige. Alle Be- zirksämter haben diesen Erlaß an die Gemeinden hinaus- gegeben, die Bürgermeister haben hinwiederum das amtliche Schriftstück ausgehängt.' Aber— mein Gott— in einem Dorf hat man andre Sorgen und liest solche„Aushängsel« nicht. Neulich war beim Postwirt von Gramertsdorf ein größer Bauernball. Rundherum aus dem weiten Gau sind die Leute zusammengeströmt. Der riesige Saal war bumvoll. Der Boden hat sich schier gebogen, wenn getanzt wurde, die Decke drohte einzustürzen, wenn die Schuhplattler mit ihren ichweren Nagelschuhen herumgestampft sind, die Fenster haben gezittert. Eine Fidelität war wie in besten alten ruhigen Zeiten. Und schön war es, was für echte alte Trachten sich da zeigten.„Bloß,« hat der Greinberger von Berblsing ge- meint,„heutigentags schaugt a Baur nimmer a so aus.« Diese Bemerkung hat der Kleinhäusler Haunzenbacher— ein Mensch, zwar notig, um und um, aber nicht aufs Maul gefallen— aufgeschnappt. Er hat sich ein bißl zum Grein- bcrger hinübergelehnt und gefragt:„Wia? Wia host ge- moant? Dös ls net echt?«—„Na,« hat ihm der Greinberger geantwortet,„a so wia a heuntiger Baur ausschlugt, a so is koaner do.« „Ja, ja,« hat der boshafte Haunzenbacher spitzig gemeint: „Uenser großer Bolkskanzler hat üns sein gmacht... Er mog döS Gscherte net.« Das hinwiederum haben etliche ge- hört, die— weiß der Teufel, warum— einen leisen Borwurf daraus deuteten. Der Haunzenbacher hat sich aber nie um das gekümmert, was man sagen darf und was nicht. Er ist samt seiner zaundürren, fast zwergenhaften Figur und samt dem, daß man ihn in der Gemeinde nicht achtet, ein ausrechter Mensch. „Ja, ja,« hat er sofort wiederum gesagt:„Uenser Volks- kanzler is ja aa fauch) fein jetzt. Er tragt sogar an Frack, wenn er wohin geht.« Der Bürgermeister Oglsinger von Gramertsdorf hat das vernommen und ist grantig geworden. Er hat über den Tisch hinübergeschrien:„Heunt san mir lustig, Haunzenbacher. Heunt werö net über Politik gredt!« Er ist kein Nazi, der Oglsinger, aber er muß sich halt„den Verhältnissen an- passen«, und das ist heutzutage grad für einen Landbürger- meister nicht immer so leicht. Ueberall sitzen Mißgünstige herum und man kann nicht vorsichtig genug sein. Er wollte also eigentlich den Haunzenbacher bloß warnen. Der Haupt- lchrer Wanger nämlich saß neben ihm und von dem. wußte jeder, daß er ein Nazi war. Hingegen der Haunzenbacher hat sich sein Lebtag noch um keine Amtsperson geschert. Kurzum, es hat sich ein erregterer Diskurs ergeben. Der sonst friedliche Greinberger hat sich auf die Seite vom Haunzenbacher geschlagen und hat gemeint:„Dös is doch beim Teifi nei koa Politik, wenn der Haunzenbacher sogt, echt is auf den Ball koaner!« „Echt oder net echt, Pfeifendeckel! Die Hauptsach is, daß S lustig is!« hat der Bürgermeister dieses bedrohliche Gespräch abriegeln wollen. Der Haunzenbacher ist dazwischen- gefahren und hat geplärrt:„Aber wenn man schon amoi an Ball macht, do wo bö echtn Baurn sein solln... I moan, Bürgermoaster, do waars doch ganz schön, wenn dö feina Herrn do vorn...« „Sei doch stad, Haunzenbacher!« hat ihm der Bürgermeister das Wort abgeschnitten, aber der Kleinhäusler hat in einem- fort auf den Ehrentisch hingezeigt, wo der Major Hung- linger, der Assessor Brandl und der Polizeiwachtmeister mit einigen Herren iy schmucker SA.-Uniform gesessen sind und hat weitergestichelt:„I glaub, dö Hörxn wissn gor net, wia a richtiger Baur ausschaugt. Dö werdn mona, wenns üns a so sehng, mir arbeftn mitn Feirtogsgwand.« Hunglinger, Brandl und die Herren vorn wurden bereits aufmerksam. Der Bürgermeister bekam ein rotes Gesicht und Stirnsalten. Grad fing der Walzer an und im Lärm der Musik ging alles unter. „No ja,« schien der Haunzenbacher endlich wieder zu- frieden zu sein und hob seinen vollen Maßkrug:„No ja, es is ja Fastnacht. Es is ja bloß a Gspül!« Der Bürgermeister schnaufte auf. Die Gefahr schien vor- über., „Ja, ebn! Ebn, Haunzenbacher! Prost! Daß d' a Ruah gibst!« sagte er und trank dem Kleinhäusler zu. Vorn am Ausgang hingegen drängten sich jetzt etliche Leute und wurden immer mehr. Der Schutzmann Wen- wieser hatte allem Anschein nach was zu tun, denn die Spitze seines Helmes ging zwischen den Köpfen hin und her, er- regt hin und her. Jetzt wurde es lärmend vorn. Die Tanzen- den schauten halb hin, die Herren vom Ehrentisch machten gespannte Gesichter, der Hauptlehrer Wanger reckte seinen Hals und auf einmal bildete sich eine Gasse vorn: herein- spazierten der Jodlbauer von Breitmoos und der Axlinger von Birtlfing, alle zwei im Werktagsgewand und um und um mit Kuhdreck beschmiert, mit einer Zipfelhaube und einer Mistgabel über der Achsel. Gläserige Augen hatten sie schon, mußten dem Bier hübsch zugesprochen haben und krawallierten lustig drauflos:„So Leutln! Tchaugts her, Leutln! Hier san zu sehng zwoa echte Äaury!« Und sie stellten ihre Mistgabeln hin, umfaßten ein- ander und tanzten kreuzfidel ins Gemenge der Leute. Sie juchzten und lachten und überall lachten die Leute auch, so- weit sie Bauern und Einheimische waren. Aus einmal aber schoß der Gendarm aus sie los, weil ihm der Assessor Brandl und der Major Hunglinger Zeichen gegeben hatten, urplötz- lich wurden auch die vornehmen SA.-Hcrren lebendig und stürzten auf das seltsame Tänzerpaar los, um sie energisch zu packen. „Halt! Sofort aus dem Saal! Verhaftet! Marsch, mit!« hörte man durch das allgemeine Geschrei. „Worum denn! Dös ist doch lustig! Dö san doch echt!« plärrten andre, und mit einer Schnelligkeit, wie man sie sonst nicht gewohüt ist in der dortigen Gegend, entwickelte sich ein Jneinanderdrängen. „A Ruah! Ruhe! Auseinandergehn!« gellte es Hochauf. Hingegen jetzt war man schon beim Hockeln und Raufen. „Unverschämtheit! Gemeinheit! Staatsverbrecher!« don- nerten die SA.-Herren. Es wurde immer wüster, die einen wollten beruhigen, die andern keiften, die Weiber plärrten und liefen auf den Ausgang zu. Z-zsch-patsch! Z-zsch-patsch! tat es und auf einmal klirrten die Lampen herunter, in der Dunkelheit schlug alles aufeinander ein. Es war eine Rauferei, wie sie der Saal von Gramertsdorf noch nie erlebt hatte. Die SA.-Herren sollen sehr schlecht weggekommen sein, auch der Hunglinger, der Hauptlehrer und der Assessor sollen verwundet worden sein und unmerklich das Weite gesucht haben. Am andern Tag aber wurden der Jodlbaur und der Axlinger verhaftet. Es heißt, sie seien nach Dachau gebracht worden. Seither aber hat man in der dortigen Gegend den Humor verloren. Den— und die Sympathie für Hill«. Recht gibt man dem Haunzenbacher, wenn er insgeheim vor sich hin- brummt:„Dös echte derf nimmer sei, drum is vis(alles) a so a Schwindl!" Die neue Richtung Es war die Zeit des großen ExperimentierenS in der Malerei. Tuturisten, Kubisten. Expressionisten. Dadaisten liefen einander den Rang ab im Aussinnen unerhörter ginalität. In den Kaffeehäusern gab es natürlich endlose und häufig sehr temperamentvolle Auseinandersetzungen über die Berechtigung derartig vom Objekt losgelöster Kunst überhaupt und über die einzelnen modernen Richtungen ins« besondere. Kandinski hatte eine seiner ersten Ausstellungen. Maler und Literaten stritten gewaltig um den Wert seiner Bilder. Ein Kunstkritiker, der die neue Malerei entsetzt ablehnte, behauptete, sie biete dem Beschauer gar keine Möglichkeit, ein sachverständiges Urteil abzugeben. Jede Farben- disharmonie werde mit einem verstiegenen theoretischen Grundsatz verteidigt, figürliche Kompositionen seien über- Haupt nicht zu erkennen, kurz, Talentlosigkeit und Schludrig- keit hätten gute Tage, da sie mit dem Anspruch auf genial« Modernität auftreten könnten. Pechstein widersprach hefig, legte die Grundprinzipien seiner Kunst dar und zog allerdings in Zweifel, ob Kandinski überall den höchsten Anforderungen der expressionistischen Lehre gerecht würde. „Das wollte ich auch gerade sagen,« bestätigte der Regisseur Franz Zavrel.„Die Bilder, die Tie, Herr Pechstein, mir kürzlich in Ihrem Atelier zeigten, haben mich viel mehr von der Richtigkeit des Expressionismus überzeugt als die ganze Kandinskische Ausstellung. Ich denke da besonders an eins Ihrer Bilder an der Wand links vom Fenster.« „Welches meinen Sie denn da?« fragte der Maler ge- schmeichelt. „Die Symphonie in Grün und Violett oder vielleicht die Strahlenstudie?« „Ich.kann eS Ihnen wirklich nicht mehr genau sagen. Es war wohl ein Porträt oder eine Landschaft oder etwas Aehnliches...« Der abgewöhnte Dialekt Arno Holz hatte seine Tragödie„Sonnenfinsternis« dem Deutschen Theater zur Uraufführung übergeben, und die^ Proben hatten begonnen. Dabei stellten sich unbeschreibliche YI Schwierigkeiten heraus, die schließlich auch zur Absetzung' des Stückes führen mußten. Die Hauptrollen waren einfach nicht zufriedenstellend zu besetzen, zumal der Dichter nicht das geringste Zugeständnis an die Notwendigkeiten der Regie und an die Persönlichkeiten der Darsteller machen wollte. Die tragende Männerrolle sollte mit Paul Wegener bc- setzt werden, der sich fürchterlich abquälte, um dem kompli- zierten und widerspruchsvollen Charakter ein Gesicht zu geben. Endlich kam ihm die Erleuchtung. Wegener ist,>ge- bürtiger Ostpreuße und' auch Arno Holz kam als Rasyen- burger aus dieser Gegend. So faßte der große Schauspieler den Entschluß, die Rolle im heimatlichen Dialekt zu spielen, wodurch sofort Atmosphäre und Eindringlichkeit geschaffen wurde. Holz saß im Parkett, als die Probe begann. Wegener trat auf und überraschte den Dichter, als er den Mund öffnete, mit den melodischen Klängen der ostpreußischen Mundart. Im ersten Augenblick war Holz fassungslos. Dann aber sprang er auf und rief dem Schauspieler- zu: ä „Aber Mensch! Haär Weejjener! Was saällt Ihnen daänn ein? Ich habe mir diesen schääüßlichen Dialaäkt mit der jröüsten Miiühe abjewöühnt— nääin— ich kann kääin Oßt- prääüßisch mehr höüren!« (Bin russisches Hollywood Die Sowjetregierung, so wird aus Moskau gemeldet, plant die Errichtung einer riesigen Filmstadt, die an Aus- maßen Hollywood nicht nachstehen soll. Das neue Holly- wood soll in Baku am Kaspischen Meer entstehen, und es soll bereits ein ganzes Heer von Künstlern und Technikern damit beschäftigt sein, die notwendigen Boraröeiten zu leisten, da schon in Kürze mit dem Bau der Ateliers begonnen werden soll. Utt6 Homan Von Georg Hermann Bon Georg Hermann, dem bekannten Schriftsteller, ist in diesen Tagen im Verlag Allert de Lange, Amster- dam, ein neuer Roman„Ruths schwere Stunde« erschienen, dem der Autor das folgende Vorwort vorausschickt: „Von Musik verstehe ich nichts. Es ist ein Nachteil in der Geografie meines Lebens, daß kein breiter Weg, nicht ein- mal, ja kaum ein Schmugglersteig für mich in dieses Land führt. Aber ich habe mich doch immer ganz dumm gewundert, wie es kommt, daß fast alle großen Tonwerke den gleichen oder einen ähnlichen Schluß haben. Man hat die Empfin- dung, als ob drei ober vier Heereszüge aus einen Punkt hin in Eilmärschen zusammenstreben. In breiten Massen sieht man sie in stets sich steigernder Unruhe und Hast aufein- ander zustoßen, zumarschieren auf ein gemeinsames imagi- näres Schlachtfeld hin. Einen Bruchteil von Zeit mischen sie sich. Alle Waffen schlagen brausend und vielfach und dumpf auseinander, tönend und rasseln? und nachklingend. Geschrei. Jubel und Wut flicht sich hinein. Noch wankt niemand. Es gibt nur Angreifer. Der Sieg ist völlig unentschieden. Wie zu einer Tonpyramide steigt es über dem metallfunkelnden Gewühl der Heere auf. Und gerade vor jeder allerletzten Entscheidung: Verebben, Versinken, Zusammenbrechen, in der Dämmerung noch ein fernes, letztes Blinken der Speer- reihen, ein Verglimmen der Schildränder, und Totenstille in der hereinbrechenden Nacht... So ist das fast stets. Doch als ich einen Komponisten fragte, warum das so wäre, da ich mir doch wohl vorstellen könnte, daß die Top- stücke auf tausenderlei andere Arten schließen könnten, leise. verwehend oder wie ein Lufthauch mit welken Blättern spielt: er wirbelt sie auf und läßt sie schillern und tanzen. Er wirft sie hin: sie zucken ein paarmal noch mit den braunen Rippen, und schon hat er sie achtlos am Wegrand liegen lassen und ist weiter gehuscht... ja, da setzte mir der Komponist in langer Rede, die ich nicht verstand, aus- einander, weshalb das so und eben so sein müsse, und daß es eigentlich, wie auch die Themen gewesen sein mögen, nur wenige Auflösungen und Schlüsse gäbe, die zwar durchaus verschieden seien', aber meinem umgebildeten Ohr wohl alle gleich klängen. „Es ist gerade so,« sagte er— nicht ohne persönliche Ge- hässigkeit—„wie mit den Romanen unserer Herren Schrift- steller. Für mich fangen sie alle, wie ihr sie auch verbrämen mögt, mit einem„Es war einmal« an. Und schließen mit einem„Es ist« oder„ES wird sein«.« Und wirklich, wie man es drehen und wenden mag: sie fangen alle mit einem„Es war einmal« an. Aber das sah jener nicht: sie schließen nicht aste mit einem„es ist«. Es gibt auch solche, die in Nichts münden, sich verflüchtigen wie GaS. Die in den leeren Raum verwehen. Ohne Bestand, ohne Hoffnung, ohne Spuren. Allen menschlichen Sinn» beraubt. Sie haben keine Gegenwart mehr, geschweige denn eine Zu- kunft. Solche gibt es auch. Sie sind wie die steilen Treppen in den japanischen Bergtempeln, die in vielen Stufen und vielen Absätzen, die immer mühevoller werden, hinanführen. Die meisten, die sie betreten, kehren vorher um. Und oben steht kein Gebäude. Rur ein Tor, ähnlich wie ein Joch. Da- hinter spannt sich der blaue Himmel,, die helle Klarheit, das sich in sich selbst verzehrende Nichts. Vielleicht ist noch da ein alter Metallspiegel, in einem schlichten Lackschrein bewahrt, blank und silbern. Er nimmt kaum einen Hauch an, wirft dir dein Bild zurück, so daß du nicht mehr sagen kannst, ob du das Bild bist, oder das Bild du, und dir Schein und Wirk- lichkeit ganz ineinander fließen. Sonst aber wirst du nichts mehr in dieser letzten, windzerrissenen Einsamkeit finden? keine Gegenwart, keine Zukunft, keine Erinnerung, kein Lachen mehr, und was schlimmer ist... keine Tränen. Und sobald der Spiegel wieder in seinen Lackschrein zurück- taucht, so wird dein Bild darin verloschen sein, sich gelöst haben, wie dieser Wolkenfetzen da oben im Blau, der einen Augenblick dahintrieb und nun in Licht und Sonne inmitten seiner Bahn in regenbogenschillernde Atome zerschellte, un- erbittlich sich löste, verschwand und dem Auge spurlos wie Salz im Wasser zerging.« • Aus dem Hintergrund München, jenes München von 1916 mit seinen harten Gegensätzen, spielt dieser Roman. Eine junge Redakteurin ist einem älteren, verheirateten Mann, emem Schriftsteller von großem Namen gefolgt, der bestrebt ist, trotz allen Schwierigkeiten, seine Ehe zu lösen, um sich mit dieser schönen und begabten Frau zu verbinden. Die Hoffnung, daß es gelänge, bevor das Kind, das sie erwartet, zur Welt kommt, hat sich bei der Unnachgiebigkeit der noch rechtmäßigen Gattin als trügerisch erwiesen, so baß das Kind an ein Heim abgegeben werden muß. Endlich, als es niemand mehr erwartet, wird von der Gattin doch die Scheidung eingereicht. Das Ganze ist ein mit Pastellfarben gemaltes, fast lyrisches Bild auf einer bewegten Unter- malung politischer Gegensätze. Georg Hermanns Sprache macht diesen Roman zu einem großen Kunstwerk. Eiiglisdier Brief DOG. London, 24. Mai 1034. Die Nachwahl in Westham Dw Nachwahl in Westham, einem östlichen Vorort Lon- on», die durch die Mandatsniederlegung des bisherigen roniervativen Abgeordneten des Wahlkreises notwendig geworden war, brachte der Labour Party einen " e, n Erfolg. Die Eroberung der Mandate war der ,-'^wwahlsieg der Labour Party seit den Generalwahlen »oii 1.931. Diese Wahl war von besonderem Interesse. Ein- mal weil der junge Konservative, Macnamara, der lur die Regierung kandidierte, mit dem Faschismus " ebaugeltc. Macnamara hatte den Vorsitz der deutsch- englischen Gesellschaft übernommen, nachdem der Jude Lord leading diesen Vorsitz aus Protest gegen das Naziregime niedergelegt hatte. Macnamara war auch in Deutschland und darüber im Rundfunk nicht gerade unfreundlich berichtet, wenn er auch vom Antisemitismus des Regimes deutlich ab- rückte. Macnamara begann auch jetzt seinen Wahlkampf mit einigen freundlichen Worten über den patriotischen Geist der englischen Schwarzhcmden. Nachdem er vom konservativen wuptquartier zurückgepfiffen worden war, machte er zwar einen Rückzieher und betonte feierlich, daß er kein Faschist sei, aber der erste Eindruck blieb bestehen.< Der zweite Faktor, der diese Wahl interessant machte, war die Kandidatur des Führer der radikalen Unabhängigen Arbeiterpartei, Feiiner Brockway, die ausschließlich gegen die Labvur Party gerichtet war. Brockway führte seine Kampagne lediglich mit Angriffen gegen den Labour-Kandi- Säten, den saschistenfreundlichen Konservativen verschonte er. Tie große Frage war, würde er genügend Wähler vom osfi- zielten Labourkandiöatcn abziehen, um die Wahl des Konservativen zu sichern. Nun, es gelang ihm nicht, mehr noch, er'erlitt eine geradezu vernichtende Niederlage, er erhielt nicht mehr als 716 Stimmen gegen fast 12 000 des jetzt gewählten Labour-Kandidaten und etwa 7500 des Konservativen. Brockway und seine JLP. erhielten damit nicht nur eine moralische Ohrfeige, sie verloren auch das Pfand von 150 Pfund Sterling, das jeder Kandidat bei seiner Auf- stellung hinterlegen muß. Das Pfand verfällt dem Staat, wenn der betreffende Kandidat nicht mindestens ein Achtel der abgegebenen Stimmen erhält, trotz des scheinbar Pluto- kratischen Anstriches ein heilsames Mittel gegen gewissen- lose Parteizersplitterung. Freilich, die Wahl in Westham muß dennoch den ernst- haften Beobachter mit Sorge erfüllen. Die Wahlbetei- ki g u n g b e t ru g n u r ö0 P r o z e n t. Die Labonr Party erhielt die Stimmenzahl von 1031, der Konservative verlor 7000 Stimmen, die niemandem zugute kamen. Sind diese 7000 gleichgüllig? Oder haben sie das Interesse an den bisherigen Parteien verloren und sind sie Hamit ein R e k r u t i e r u n g s f e l d für den Faschismus. Ein« Frage, die vor der nächsten all- gemeinen Wahl nicht beantwortet werden kann, die aber mit Sorge erfüllen muß. In der Zwischenzeit ist ein weiterer Labourkandidat für einen verstorbenen Parteigenossen ins Unterhaus eingezogen und zwar ohne Wahl, da gar kein Gegenkandidat aufgestellt ^»oar, ein« w e-ite r e Nach w a h l i n dem wallt- "Pi sch e n Wahlkreis des verstorbenen Labvurabgeorö- üetcn Wallhead steht bevor, und zwar wahrscheinlich eine Wahl zwischen Labour, JLP. und Kommunisten. Das Jnter- essante an diesen beiden Wahlen ist eine für die Labour Party unerfreuliche Tatsache. Die Labour Party braucht im Parka- ment dringend politische Führer. Landburn ist alt und seit Monaten krank, Hcndcrson ist alt und fast stets abwesend, so stehen neben CrippS und Attlee nur wenige Redner für die allgemeinen Debatten zur Verfügung, viele gute Köpfe wie Morrison, Dalton, Baker, Alexander u. a. sind ohne Mandat. Die beiden genannten Wahlen in den fast sicheren Wahlkreisen hätten Gelegenheit geboten, die Führerbank zu verstärken, statt dessen wurden in beiden Bezirken, die in den Kohlenrevieren liegen, beruflich vielleicht tüchtige, aber politisch völlig unbekannte Bergarbeitervertraucnsleute auf- gestellt, dadurch wird die Bergarbeitergruppe der Fraktion, die heute schon über 50 Prozent der Fraktion ausmacht, da 1031 fast nur die Bcrgarbeiterwahlkrcise gehalten wurden, noch weiter verstärkt. Pa rtiknlarinteresse siegte also über Gesamt int er es sc. Hier ist eine Schatten- feite der kleinen Wahlkreise, die sonst viel Gutes an sich haben. Vorläufig Icein Uniformverbot Schon lange spricht man von einem llnikormverbot in England, seit dem die MoSleyscheT ch w a r z h e m d c n- p c st in dem sonst so friedlichen England immer hänsiger zu Zusammenstößen führt. Ter Innenminister kommt zu keinem Entschluß. Da mallste der konservative Abgeordnete Locker Lampsön neulich einen Vorstoß und brachte einen Gcsetzantrag ein. Nun ist Locker Lampfo» eine etwas seltsame Figur, früher war er Bolschewistentresser. jetzt hat er die Nazis aufs Korn genommen und hat sich in nicht gerade sehr ernsthafter Weise zum besonderen Protektor Einsteins aufgeworfen. Man nimmt ihn nicht so völlig ernst, weil man immer etwas Reklame hinter seinen Aktionen wittert, er besitzt nicht gerade übermäßig viel Taktgefühl. Auch seine Rede gegen die Schwarzhemden war nicht geschickt, er hat Mosley in seiner„kontinentalen^anzmeisterunnoim mit den schmutzigen Hemden" lächerlich gemacht: er gab einem zweiten konservativen Redner das«Stichwort gegen den Antrag. Dieser Redner sagte, man solle den Harleki- naden Mosleys mit nickt mehr Ernst betrachten, als sie ver- dienen. So wurde der Antrag Locker Lampsons einstunmig abgelehnt, nicht aus Sympathie für Mosley, aber weil man ihn nicht ernst nehmen will. Mosley hat sich> frei- lich jüngst dadurch sehr geschadet, daß er als neugebackener Antisemit den Juden Disraeli attackierte, den die Englander immer noch als einen ihrer größteni Staatsmänner verehren. Aber ob man.veaen dieses Mißgriffs»»d. wegen anderer Fehler die Mvsleybcweguiig wirklich nur lacherlich ansehen sollte:-' Auch«n Deutschland hat man eitler allzu lange nur als lächerliche Figur betrachtet'— bis es zu ,pat war. Blumen auf Wallisch« Kampfplatz Dem OND. wird aus Obcrsteiermark berichtet: Als Zeichen ihrer unwandelbaren Treue für Koloman Wallisch haben die Brucker und die Kapkenbergcr Arbeiter am l. Mai auf dem Hochanger, wo die Schutzbunbabtcilungcn Wölkischs gekämpft haben, Blumen und Kränze niedergelegt. Papst und Kulturkampf Segen und Aufmunterung für die deutschen Katholiken Das amtliche päpstliche Organ, der„Osservatore Romano", berichtet in großer Aufmachung über den Empfang der deutschen Bischöfe und Pilger durch Papst Pius am Vor- abend der Heiligsprechung des deutschen Kapuzinerbruders Konrad von Parzam. Der Papst sprach u. a.„von einer so bedeutsamen, so schwierigen und so ernsten Stunde der deutschen Geschichte", wandte sich besonders an die verfolgte katholische Jugend und wies den von den Nationalsozialisten erhobenen Vor- wurs zurück, daß es sich nicht um religiöse, sondern um politische Kämpfe handle. „Aber noch einen ganz besonderen Segen erteilte der Heilige Vater in diesem feierlichen Augenblick der ganzen deutschen Jugend, deren Banner er vor sich sehe und die zu ihm sprechen zu wollen schienen: diese geliebte Jugend, die in diesen äußerst schwierigen Tagen so viel zu leiden habe, diese so mutige Jugend, die in ihren Händen die Zukunft Deutschlands trage, eine um so schönere Zukunft, weil sie in solchen Händen ruhe. Schließlich wolle er noch alle jene besonders segnen, die für den katholischen Glauben gelitten haben. Denn auch das müsse gesagt werden und gerade der Heilige Vater, der eine so schwere Verant- wortung vor Gott und den Menschen habe, müsse es aus- sprechen, daß diese Leiden für die Religion und den Glauben ertragen wurden. Und wenn einige sagen, daß es sich dabei nicht um Glauben und Religion handle, so möge man denen nicht glauben. Es handle sich im Gegenteil wirklich um Glauben und Religion. Und gerade für diese Güter kämpfen so tapfer und heroisch die Bischöfe und Priester Deutschlands." SfaafeDOrgcrstiiait en gros und en detail Die verschiedenen Emigrationen und die Finanznötc, in denen sich viele' kleinere Staaten befinden, haben einen neuen Geschäftszweig ins Leben gerufen, den Handel mit Staatsbürgerschaften. Das Geld, das in die Staatskassen fließt, ist manchen Regierungen wichtiger als der nicht un- berechtigte Vorwurf, daß der Verkauf von Staatsbürger- schatten den internationalen Gepflogenheiten nicht entspricht. Besonders in den letzten Monaten wirb ganz öffentlich durch Zeitungsannoncen der Erwerb neuer Staatsbürger- schatten für Emigranten angeboten. Viele werben glauben, daß da irgendein Schwindel dahintersteckt. Im allgemeinen aber sind solche Angebote durchaus ernst zu nehmen. Natür- lich lassen sich die Vermittler dieser Geschäfte für ihre Dienste ganz anständig bezahlen, aber sie verschaffen in der Regel tatsächlich die neue gewünschte Staatsangehörigkeit. Bon vornherein ist allerdings darauf hinzuweisen, daß größere Länder bis jetzt noch niemals derartige Geschäfte getätigt haben. In Europa gibt es überhaupt nur ein einziges Land, das seine Staatsbürgerrechte gegen ein mehr oler weniger hohes Entgelt abgibt. Dieses Land ist Portugal. Sicher ist, daß vielen Emigranten der Erwerb einer neuen Staatsangehörigkeit sehr vorteilhaft scheint, und eS gibt eine Menge Leute, die sich einen ausländischen Paß und eine ausländische Staatsbürgerschaft eine Stange Geld kosten lassen. Besonders, da die Formalitäten durchaus einfach und leicht zu erfüllen sind und die ganze Abwicklung nur acht bis vierzehn Tage in Anspruch nimmt. Angebote in portugiesischer Staatsbürgerschaft sind für den nicht geringen Betrag von 10 000 Schweizer Franken jeder- zeit vorhanden. Die ganze Geschichte dauert nur acht Tage. Der neue portugiesische Paß dauert nur acht Tage. Der neue portugiesische Paß sowie das Certisicat d'inscription als portugiesischer Staatsbürger werden von der portugiesischen Gesandtschaft in Wien, die gleichzeitig auch Generalkonsulat ist, ausgestellt. Ja, nach den durchaus seriösen Mitteilungen des Vermittlers kann die ganze Angelegenheit auch auf schrittlichem Wege durchgeführt werden. Anzahlungen oder Borspesen sind nicht zu bezahlen. Die Zahlung ist erst nach vollkommener Abwicklung zu leisten, und zwar sind 3000 Schweizer Franken direkt an die Gesandtschaft, die restlichen 2000 an en Vermittler zu entrichten. Bedeutend billiger, dafür wahrscheinlich weniger vorteil- hast, stellt sich der Erwerb einer überseeischen Staatsbürger- ichaft. Tie Vermittlung in dieser Angelegenheit besorgt die „Association des colonisatcurs" bzw. deren Vertrauens- leute, die„Eompagnie d'Erportation et d'Echanges com- merciaux" in Paris. Einige mittelamcrikanische Staaten, Täglich Mordirclinng Saarbrücken, den 25. Mai 1084. Unter dem Poststempel vom 24. 5. 1034, ausgegeben Saar- brücken—Forbach, wurde dem Führer der Freiheitsfront folgender Brief zugesandt: Herrn M a x B r a n n, Chefredakteur der„Rolksstimme" Saarbrücken. Wie kannst Du internationaler Lnmp und Verbrecher, Separatist und Jndensiihrer, den Kaufmann Dümpel- mann, der zu zwei Jahre» Gefängnis verurteilt wurde, bloß, weil er in der Hitlerpartei war. zum Nazihaupt» mann stempeln. Jedereiue aus irgendeiner andern Partei hätte das auch machen können. iDann folgt eine lange Ausführung über die Schieber während der frühere» Jahre. Der Schreiber schließt dann wie folgt:) Darum, Mast Braun, wirst Du mit Deiner ganzen Ge- sellschaft mit beschränktem Hirn und den ehemaligen Zucht- Häuslern an den Galgen gehängt, damit die Aasgeier was zu fressen haben. Freiheit durch Hitler! Verhaffangen in Nürnberg Nürnberg, 24. Mai. In Nürnberg sind in den letzten Tagen eine größere Anzahl Verhaftungen vorgenommen worden. Es handelt sich fast durchweg um bekannte Sozial- demokratcn. Ursache ist eine illegal erschienene Zeitung. Die Namen der Betroffenen sind bis jetzt nur zum Teil bekannt. SAP.SchriMleifer fnrchlbar mißhandelt Berlin, 24. Man lJnpreß.) Der Schriftsteller Dr. Klaus Zweiling. früherer Redakteur der„Plauener Volkszeilung", befand sich schon seit langer Zeit in Untersuchungshaft, und es wurde khm der Prozeß gemacht wegen Fortsetzung der SAP. Kürzlich brachte man ihn in das Eolumbiahaus, wo er fürchterlich mißhandelt wurde. Seit dieser Zeit bekommt keiner seiner?lngehörigen mehr Sprecherlaubnis. Panama, Venezuela, Honduras usw. nehmen durch ihre europäischen Gesandtschaften Einbürgerungsanträgc cnt- gegen und erledigen die Naturalisation in kürzester Zeit. Angeblich stützt sich diese Art von Handel auf einen durch Perfassungsbestimmung ermöglichten Spezialerlaß. Es wurde eine bestimmte Höchstziffer für einzubürgernde Per- sonen festgesetzt, die wahrscheinlich auch überschritten wird, und die Formalitäten sind auch hier verhältnismäßig sehr einfach. Die Staaten verlangen von dem Antragsteller, daß er unbescholten ist, Angabe seines Lebenslaufes mit Rese- renzen und«ine Bescheinigung, daß der Betrag von 2500 Schweizc- jraitfen, der alle Taren, Gebühren und Honorare einschließt, bei der zu vermittelnden Gesellschaft oder einer Großbank zu ihren Gunsten deponiert ist. Allerdings mit dem Auftrag, den Betrag Zug um Zug gegen Aushändigung des ordnungsgemäßen Reisepasses auszuzahlen. Nach Ein- reichung der verlangten Dokumente dauert die ganze Sache vierzehn Tage. Versichert wird noch eine visumfreie Einreise nach Deutschland, England, Holland, Schweiz, Italien, Por- tngal, Spanien, Mexiko, Argentinien, Brasilien, Chile und den meisten anderen süd- und mittelamerikanischen Staaten. Diese Angebote sind absolut einwandfrei. Aber bei dem jetzt in Blüte stehenden Handel mit Staatsbürgerschaften gibt es natürlich auch viel Schwindel. So sind zUm Beispiel Angebote größerer Länder, besonders europäischer, mit Aus- nähme Portugals, mit allergrößter Vorsicht auszunehmen. Aber auch bei regulärem Erwerb von ausländischen Staats- bürgerschatten ist mit Bedacht vorzugchen. Vor allem muß man sich darüber klar sein, daß die Aushändigung eines ausländischen Reiscpass:s allein noch keine Ausnahme in den ausländischen Staatsverband darstellt. Zweitens ist zu be- achten, daß der Besitz zweier Staatsbürgerschaften nicht an- erkannt wirb. Man muß sich erst von der alten Staats- bürgerschaft entbinden lassen, dann kann man ohne weitere Folgen eine neue erwerben. Außerdem gibt es auch eine An- zahl von größeren Staaten, die infolge des immer mehr um sich»reisenden Handels mit StaatSbürgerrechten eine durch Kauf erlangte Naturalisation von Portugal oder eines mittelamerikanischen Staates nicht anerkennt und die Aus- stellung eines Visums verweigert. Es bedarf also einer gründlichen Erkundigung, bevor man sich eine ausländische Staatsbürgerschaft kauft. Nicht immer können die Gesandtschaften den neugebackenen Bürger von Panama oder Venezuela so schützen wie einen eingefleischten Panamanen oder Venezuelaner! Vor allem aber— das alles ist nur ttir reiche'die sich selbst helfen können. „Deutsche Jxeikeit" A&anitementspceise: Saargebiet Frankreich Luxemburg Belgien Neubelgien (Eupen-Matmedy) Holland Dänemark Schweden Schweiz Oesterreich T schechoslo wakei England Palästina Spanien Polen fr. Fr. fr. Fr. belg. Fr. belg. Fr. belg. Fr. Rußland Argentinien II. Kr. Kr. schw. Fr. Schilling Kr. sh sh Peseta Zloty Rubel Peso im Monat 12,- 12,- 15,— 15,— 12,- 1,50 3,20 2,60 2,40 7,50 30,- 4,- 4,- 6,- 4,20 1,- 3,- Einzel. verkauf 0,60 0,60 0,70 0,85 0,50 0,12 0,20 0,20 0,20 0,30 1,20 3 d Bei Zusendung unter Kreuzband durch die Post sind die Portogebühren vom Besteller mit dem Abonnementsbetrag zu entrichten Pariser Deridtte Pariser Siraflenhaiender ...® e. r, de Segur, der bei Paris eine Landarbeiterin uberfuhr und tötete und nach seiner Flucht verhaftet wurde, ist, wie sich herausstellt, der Gatte der berühmten Schauspielerin Cecilie Sorel, und spielte auch in der Vorstellung im Casino de Paris mit. wo er aber schleunigst durch andere Darsteller ersetzt wurde. * Im Musee Galliera, in der Nähe der Jena-Brücke, avenue Pierre Ier de Serbie, wurde eine bedeutende Ausstellung von Glasmalerei, Mosaiken und Emailbildern in der Architektur eröffnet. * Bei Bauarbeiten am Pont Neuf, der übrigens, seines Namens ungeachtet, eine der ältesten Brücken von Paris ist, wurden die seltsamen und sagenhaften Masken repariert, die aus der Zeit des 16. Jahrhunderts stammen. In dieser Zeit war die Brücke der Haupttummelplatz von Paris und umgeben von zahlreichen Läden. Wie aus Lille gemeldet wird, hat sich dort eine junge Deutsche, das 32jährige Fräulein Anny Feit, auf offener Straße getötet. Sie wartete nachmittags 1 Uhr eine Zeitlang auf der rue Murquart und schoß sich dann eine Kugel in die Herzgegend. Sie sank um und der Browning entglitt ihren Händen. Die l'ngluckliche. die 12, rue de Bourgogne in der nordfranzösischen Industriestadt wohnte, wurde in hoffnungslosem Zustande in die Charite gebracht. Sie hatte, als der Wagen die Mauern der Klinik erreichte, ausgelitten. Ein Pfingsthammel In ganz Süddeutschland bekannt ist die Weinversteigerung am dritten Pfingsttag in Deidesheim in der Pfalz, zu der jedesmal ein guter Ziegenbock geliefert werden muß. Der Brauch ist schon alt. und der Kaiser Napoleon hat ihn, als er außer Lebung gekommen war, noch extra bestätigt mit dem Hinzufügen: ,.qu il soit bien cornn." Ein ganz ähnlicher Brauch nun findet sich auch in Südfrankreich, und zwar an der spanischen Grenze, im Tal du Baretous, Kreis Oloron, in den unteren Pyrenäen. Dort muß die Gemeinde A r e 11 e jedes Jahr am Pfingstmontag einen Hammel an die nächstbenachbarte spanische Gemeinde liefern. Dieser Brauch geht bis auf die Zeiten Ludwigs XIV. zurück, in denen es„keine Pyrenäen" gab, weil der Sonnenkönig dafür gesorgt hatte, daß die Bour- bonen auch in Spanien herrschten. Die Hammelübergabe ist von Freudenschüssen, Volkstänzen und Liedern begleitet, während der Alcade eine Lanze, an der die spanischen Farben flattern, scharf in die Erde steckt. Diese Tieropfer zur Abzeichnung der Staatengrenzen sind eben alt.(Die Menschenopfer zu demselben Zwecke leider auch...) Gallus und das Genie Hitler Der„Intransigeant" erzählt:„Wie Gallus das hier vorausgesagt hat, fordert das sieghafte Nazitum von den Deutschen beiderlei Geschlechts, daß sie möglichst viele kleine „Fritjchen" und„Gretchen" in die Welt setzen sollen. Die Propaganda des Dr. Göbbels hat aber auch, um den Zielen der Geburtenhäufigkeit zu dienen, ein unerwartetes Argument beigesteuert. Der Propagandadienst versichert, daß die Genies hauptsächlich aus kinderreichen Familien hervorgingen. Als Beispiele werden Bismarck, Kant, Rembrandt, Mozart, Wagner und Bach genannt, die alle ein halbes Dutzend Brüder gehabt hätten. ,„.. Aber Hitler ist doch der einzige Sohn," bemerkt das Blatt. Die Verteilung der Trinkgelder in Paris Kurz vor diesen hochpolitischen Pfingsten hat in Paris auch eine nicht unwichtige Debatte über die leidige Frage der Trinkgelder in den Wirtschaften stattgefunden. Man hat sich bei einer großen Zusammenkunft der Kellner der verschiedenen Wirtschaftsarten, von den Hotels bis zu den Cafes, insbesondere über die Verteilung der Trinkgelder unterhalten. Bekanntlich sind die Trinkgelder, die praktisch in Paris 161. Triniie 43-13 M6iro Pigalle Deutsche Poliklinik Paria, 62, Rue de la Rochefoucauld Die„Deutsche Freiheit" Einzig« unabhängige Tageszeitung Deutschlands mulj man regelmäßig lesen Bestellschein Ich ersuche um regelmäßige Zusendung der„Deutschen Freiheit" Name:,——— Straße:——— Ort; Unterschrift Verlag der„Deutschen Freiheit'' Saarbrücken 3- Schützenstraße 5* Postschließfach 776 *1 Allgemeine Konsultationen mit 9 Spezialisten, b) Chirurgie c) Orthopädie d) Geburtshilfliche Klinik e) Zahnärztliches Kabinett Ordination täglich von 9—12 und 2—8; Sonntags und Feiertags von lO—12 und 2—4 Uhr Hasaryk zum drittenmal Präsident bnv. Prag, den 24. Mai 1884. Bei der am Donnerstag durch die tschechoslowakische Nationalversammlung aus der Prager Burg vorgenommene« dritten Wahl T. G. Masaryks zum Präsideuten der Republik wurden von 428 anwesenden Mitgliedern der National» Versammlung, die sich aus 281 Abgeordneten und 188 Senatoren zusammensetzen, bereits im ersten Wahlgang 418 gültigte Stimmen abgegeben. 827 Stimmen lauteten aus den Namen T. G. Masaryk, 88 Stimmen lauteten aus den Kandidaten der Kommunisten, den Abg. Clemens Gottwald. Da bei der ersten Abstimmung sür die Gültigkeit der Wahl die Dreifünstel-Mehrheit der Stimmen aller Anwesenden erforderlich ist, erscheint Prof. Dr. Marsaryk mit einer überwältigenden Mehrheit neuerdings zum Präsidenten der tschechoslowakischen Republik gewählt. Die Wiederwahl Masaryks mit großer Mehrheit war vorauszusehen. Masaryk steht unter allen Präsidenten der Erbe an hervorragender Stelle. Ein glänzender Wissen- schaftler, ein glühender Freund seines Landes, ein guter Mensch, vereinigt er alle diejenigen Eigenschaften in sich, die ihn würdig machen, die aufstrebende und junge Republik zu führen. Anders als Hindenburg, ist Marasaryk nicht ein Schatten, den man aus Propagandazwecken in den Border» grund schiebt. So wie er während des Krieges der aktive Führer der tschechischen Minderheit gewesen ist, hat er sich während seiner Präsidentschaft als kluger, gemäßigter, aber auch entschiedener Lenker des Staatsschiffes gezeigt. Unver- gesien find seine denkwürdigen Worte über die Anerkennung der deutschen Minderheit und der deutschen Sprache, unver» gesien auch seine Proklamationen für den Frieden. auk mindestens 10 Prozent der Zechen gerechnet werden müssen— und meistens höher—, kaum irgendwo abgeschafft. Dagegen sind sie in manchen Betrieben zentralisiert. Gegen die dabei üblichen Bräuche erhoben nun die Kellner- vertreter in der Verhandlung bei dem Ministerialdirektor heftige Einwendungen. Sie verlangten, daß in solchen Fällen ein Buch der Verteilung geführt werde. Die Unternehmer lehnten dagegen diesen Vorschlag ab. Eine Kontrolle der eingehenden Gelder der Gäste ist unter diesen Umständen also ziemlich erschwert, auch wenn sie in anderer Ausführung beschlossen wurde. Die zentralen Trinkgelder sind in Frankreich übrigens durch Gesetz geregelt. Es gibt ein Gesetz darüber vom 19. Juli 1933. Aber die Unternehmer behaupten, daß die Verteilung wegen der Verschiedenartigkeit der Dienste unmöglich sei, und daß die Bestimmungen vor allem die drei Stufen des Pariser Kellnerdienstes: Halle, Stockwerke, Restaurant, nicht durcheinander werfen dürfe. Die„patrons" erhoben den Anspruch, nach eigenem Ermessen die Trinkgelder verteilen zu dürfen— die sie bekanntlich nicht aus ihrer Tasche zahlen. Zunächst wurde ein Vorschlag des Regierungsvertreters, einen Prozentsatz, proportioneil zur Zahl der Angestellten zugrunde zu legen, abgelehnt. Ferner wurde auch die Reg- lung, die bereits in. Hotel-Restaurants vielfach eingeführt ist, abgewiesen. Und nach dieser Haltung sahen die Kellnervertreter auch ihre Vorschläge abgelehnt. Nach diesen sollte neben einer Kontrolle der Prozentaufschläge bzw. der Trinkgelder ein Mindestlohn garantiert werden, bei dem das Personal der Halle mit 30 Franken den Tag bedacht war, die Bedienung der Stockwerke mit 40, der Restaurantdienst mit 50 und die maitres d'hotel mit 60 Franken täglich. Die Reglung der Tri'nkgeldfrage, die naturgemäß auch das Publikum stark interessiert, bleibt also einstweilen ungelöst. In einer neuen Besprechung mit den Inhabern und dem Vertreter des Arbeitsministeriums, die Anfang Juni, festgesetzt ist, soll versucht werden, eine Lösung zu finden. Die siehende Lüge Zu den Lügen, die die Nationalsozialisten immer wiederholen, gehört die von der„humanen" Revolution. In einem Artikel im„Deutschen Holzarbeiter" vom 5. Mai wird dreist behauptet: „Im Gegensatz zu anderen Revolutionen, die den Vorgang der Umwälzung in Blut vollzogen und von jahrelangen erbitterten Kämpfen begleitet waren, vollzog sich die deutsche Revolution des Jahres 1933 ohne Massenschlachtung und Guillotine, völlig unblutig..." Wenn die Nationalsozialisten hoffen, daß die Hunderte von Mordtaten und die Einkerkerungen ton zehntausenden unschuldigen Personen, ihre qualvollen Folterungen so rasch vergessen sein werden, wenn sie glauben, daß die groben Geschichtsfälschungen einmal ihr Alibi sein werden, so irren sie sich! «WIEPKASTSN W. fl. Ihrem Briefe entnehmen wir:„Ans absolut authentischer Berliner Quelle erfahre ich. dag der Polizeipräsident von Potsdam. Graf Helldorf, vor einigen Tagen S e l b st m o r d begangen hat. Wie ich höre, tst der Grand in begangenen Unter- schlagungen zu suchen." ES handelt sich um eines der„Gerüchte". gegen die dieser Tage der Potsdamer Oberbürgermeister tobte. Katholik Saargemiind. Di- Geschichte mit der Belehrung des päpstlichen Nuntius in München zu Hitler verhält sich in Wirklichkeit so: Bei irgendeiner offiziellen Beranstaltung wurde der Nuntia» dem Reichskanzler vorgestellt. Der Nuntius ist schwerhörig, und alS in der Unterredung Hitler, darauf aufmerksam gemacht, seine Worte wiederholte, erwiderte der NuntiuS:«Ich halte Sic nicht verstanden, Herr Reichskanzler. Jetzt versteh- ich Sie erst!" Das hotte die nationalsozialistische Propaganda ausgewertet! Man liest ein Flug- blatt drucken, das den päpstlichen Nuntius Basallo di Torregrossa zeigt, wie er dem Kanzler die Hand reicht. Darunter stehen die Worte:„Ich habe Sie lange nicht verstanden, ich habe mich aber darum bemüht, jetzt verstehe ich Sie." Natürlich soll damit vor der katholische« Bevölkerung der Eindruck erweckt werden, als ob der Nationalsozialismus nicht kirchenfeindlich sei. Auf den Protest des Nuntius mustte das Machwerk zurückgezogen werden. Aacheu. Während überall der Bettelsack für hungernde Volks- genogen geschwungen wird, widmen sich Eure nationalsozialistischen Oberbonzen noch immer der Lieb« und dem Süss. Was doch die fromme Kaiserftadi Aachen jetzt sür Rowdics zu Führern hat! All- mählich haben sich diese Sausereien und Hurereien in Aachen rund- gesprochen. Einig« der Brüder haben daher ihre Amüsement» nach Fringshau» auf belgischem Boden verlegt. Ob dort auch schon das Mobiliar bei den solennen Schlägereien in Trümmer gegangen ist? St. R. Lille. Ihre Erfahrung deckt sich ganz mit der unsrigcn. Jeden au« dem„dritten Reich", der uns begegnet, fragen wir, ob drüben im Ernst jemand an die Wirtlcha^iSbelebung glaubt. Jeder antwortet: Neint S. Atqr jr., Antwerpen. Tie schreiben unS:„Um den ewigen Rügen, dast die Nazis überhaupt keinen Sinn für Humor hatten, dast die Herren Minister keinen Tpast verstünden, ein Ende zu bereiten, hat S. Exz. Herr Ministerpräsident Göring sich cntschlosten, ein Preisausschreiben zu veranstalten. Preisgekrönt werden die besten Witze a) über den ReichstagSbrand-Prozeß, b> über Morphium und Uniform-Manie, c» über das arische Gesicht S. Exz. des Herrn ReichSpropaganda- Ministers. Die Preise bestehen in: 1. Drei Jahren Zuchthaus, 2. Zwei Jahren Konzentrationslager, 8. Einer freien Besichtigung der Gestapo-Seller mit anschließende« Verhör." Amsterdam. Wir danken kür die Uebersendung der„Eetem Zon- dagavond". Obwohl es eine unpolitische Sportzeitung ist, nimmt sie doch in einem Leiioufsay scharf gegen die Pogromhetze des Reich»- minister« Dr. Göbbels Stellung. Ein Zeichen für die Stimmung in den breiten Schichten Hollands. M., Reuyork Besten Tank für die Bilder von der Maidemon- stration, die zeigen, daß die Beteiligung wesentlich größer war alS in früheren Jahren. Aus Frankfurt a. M. Aus einem Privatbrief an Tie ersehen wir, daß in Frankfurt a. M. große Unzufriedenheit herrscht über die tief gesunkenen Löhne. Wie überall. In der Eisenbahnwerkstätte, wo während der bekannten„vierzehn Jahre" Löhne biß zu 45 Mark gezahlt wurden, kommt setzt niemand über 20 bis 25 Mark. Tie Flüche über den„Sozialismus der Tat" sind entsprechend.— Am Flughasen sind Erwerbslose beschäftigt, die für 150 Stunden Arbeit im Monat als Zuschlag zu ihrer elenden Unterstützung einen Bedarfdeckungsschcin über 25 Mark bekommen. F. B. Prag. Schon vor Monaten haben wir mitgeteilt, daß im Reiche das Gerücht verbreitet ist, in Nürnberg seien anläßlich des Reichsparieiiages der NSDAP. Schulmädchen von SA.-Leuten geschwängert worden. Nun erlassen der Stadtrat und die Polizei» dircktion eine Warnung vor diesem„Klatsch". Demnach scheinen die Erzählungen doch auch in Nürnberg selbst geglaubt zu werden. Sie teilen uns nun mit, daß allein in Zirndorf bei Nürnberg etwa 80 Mädchen infolge des Parteitages sich der unehelichen Ge- burtenschlachl des„dritten Reichs" geweiht haben. Was Sie aber über eine Rede des Pornographen Streicher vor Schulmädchen schreiben, ist so ungebeuerlich. daß wir es selbst diesem Burschen nicht zutrauen. Vielleicht ist aber Ihre Schilderung dennoch richtig. H.$. Antwerpen. Tie schreiben uns:„Auch die Kommu- nisten find im Industriegebiet sehr rührig. Sie haben dadurch bei der nur gefühlsmäßig politisch eingestellten Bevölkerung Tnmpa- thien. In Esten hatten die Kommunisten am 1. Mai zahlreiche Häuser und Bürgersteige mit der Parole„ES lebe der rote Mai. R. F." beschrieben. Die Polizei nabm 40 Verhaftungen vor, von denen nur ein kleiner Teil ausrecht erhalten wurde. P. Prag. Sie teilen uns mit:„In einer vom Propaganda- Ministerium veröffentlichten Liste von Gegenständen, die sür un- zulässig im Sinne des Gesetze? zum Schutze der nationalen Svm- bole erklärt wurden, befinden sich SS.»Männer mit Aufstellblech und verzerrten Gesichtern sowie hölzerne Vogelscheuchen, die einen TA.-Mann darstellen."— ES wlrd die Zeit kommen, in der SA.-- Männer nur noch als Vogelscheuchen benutzt werden. Di« neue Weltbühne, Prag I, Mclantrichova 1/III. Heft 20 ist soeben erschienen und entbäli folgende Beiträge: H. Budzislawski: Hitler? Sündenböcke: Gerald Hamilton: Rüstungsinternationale: Ernst Funke: Arabisches Kriegsvorspiel: I. Halperin: Japans ge- panzerte Faust: Heinz Pol: Bernhard Ruit: A. Kantorowicz: Ge- rettete Bücher: Ritualmord: Hon? Konrad: Block der Bettler: Stefan Hey«: Ter Tchwerindustrielle: Bemerkungen— Antworten. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P i tz In Dud- weiler: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH„ Saarbrücken 8, Schützenstraße 5.— Schließfach 776 Saarbrücken. Existenz Miihle in Luxemburg mit Wasserkraft und Fischerei, zur Einrichtung eines Touristen- und Wochenendheimes geeignet, günstig zu verkaufen. Anfrag, an die..Deutsche Freiheit" Saarbrücken unter L 1(1: f Sfeuerfragen Gesellschaffsgründungen Wenden Sie sich an F» BRIQUEU LICENCIE EN DROIT ehemaliger Kontrolleur der direkten Steuer» behörden, um vom offiziellen Standpunkt aus beraten zu werden. 25, Bd. Bonne-Nouvelle, PARIS(2), Telefon Louvre 22-93 Sraiiflbae!) II. Dioiit 08 contra Oä.ing Preis geheftet 20,— Fr», gebunden 30,— Fr. Sofort lieferbar. Nach auswärts nur gegen Voreinsendung des Betra* ges. Frankreich einschl. Porto gebunden 32,50 Fr», geheftet 22.— Fr. Ausland: geb. 34.-. geh. 23.- Fr. übra rle Popn.aire Strasbourg* 2, rue Sedillot b. d. Börse V)etU fäe die „Deutsche TeeiAeit" it. i