Edition de Paris Pariser Ausgabe Einzige unabhängige denische Tageszeitung I!VSFRATKIN A/N/\AH(V1E für Frankreich(auasthließlith FLaU-l.olbringeo): Publicite Metzl, Pari»(3e) 51. rue Ar su,bi»l>(Kihe rue Reaumu r Metroi Arla el Melier») relephon: Archive» 84-95. 84-96. 84-97 Nr. 121—2. Jahrgang| Saarbrücken Pari», Dienstag, den 29. Mai 1934| Chefredakteur: M. Braun Ans dem Inhalt 25 000 S.A.- u 7Jleutecec" Seite 2 Stäctne auß das.!Bischofspa£ais Seite 3 Qaiappiecende 1 fcfuuUtdsucht Seite 4 Deutsche SiiuuHuqskeise Seite 7 Deofsdie Tencrangsreftorde Zerstörende Kräfte im Wirtsdiaftsieben nri' 28'^ ie Reichsregierung macht seit Monaten uerlei Anstrengungen, um die Teuerungswelle aufzuhalten, -i-as heißt, man erläßt Dekrete, Mahnungen, Drohungen uo patriotische Beschwörungen, aber die Preise klettern u.i aufhaltsam höher. Es nahm seinen Anfang mit den l a n d w i r t sch a st- lchen Erzeugnissen. Zur Erhaltung des Bauern- uanöes und zur Erhöhung seiner Kaufkraft als vermeint- Uchen Konjunkturauftrieb wurde von der Regierung Hitler »crort nach ihrem Amtsantritt auf die Steigerung der lanb- wirtschaftlichen Preise hingearbeitet. Das war ein Gebiet, auf j fem National„revolutionäre" und die„monarchistische Re< aktion", Hitler und Hugenberg einträchtig miteinander ar- betteten. und es sind denn auch bedeutende Erfolge nicht aus- geblieben. Zwar nicht in der Marktbelebung, aber um so wehr in der Preissteigerung. Innerhalb eines Jahres ist die Indexziffer der von der deutschen Landwirtschaft ver- kauften Gesamterzeug ltsse um 18. v. H. gestiegen, die der Agrarstoffe im Großhandelsindex lalso unter Ein- schluß ausländischer Agrarerzeugnisses um ll v. H. Fllr die Ernährungskosten einschließlich der viel billigeren auslän- bischen ist eine Steigerung um 7 v. H. innerhalb eines Jahres errechnet. Einige landwirtschaftliche Erzeugnisse sind ganz ungeheuerlich im Preise hinaufgetrieben wurde». So find gestiegen di. Kleinhandelspreise für Butter um 28 Prozent, Eier nm 14.7 Prozent, Gemüse am 10,4 Prozent, Fleisch«m S,8 Pro- zent, Erbsen um SS,2 Prozent. Da die persönlichen Bedarfsgüter für die Landwirte, die Löhne, die Steuern, die Soziallasten in diesem Jahre fast unverändert geblieben sind, ja sogar teilweise durch Land- Helfer besonders billige Arbeitskraft gestellt wurden, muß bie Kaufkraft der Landwirte beträchtlich gestiegen sein. Die Masse der städtischen Verbraucher gibt für die Ernäh- rung rund 40 v. Hundert ihres Einkommens aus und wird also von der Erhöhung der Ernährungskosten um 7 v. H. sehr stark betroffen. Da inzwischen auch Industriepreis- erhöhungen eingetreten find, ohne daß die Arbeiter. An- gestellten und Beamten und auch große Teile des gemerb- lichen Mittelstandes die Möglichkeit gehabt hätten, ihr Ein- kommen zu erhöhen, steht der Kaufkraft e r h ö h u n g für die landwirtschaftliche Minderheit eine bedeutende Kauf- kraft senkung für die städtische Mehrheit gegenüber. Die gesamten Lebenshaltungskosten lohn? Wohnung. Steuern und Sozialabgabenj sind nach den amt- lichen Berechnungen innerhalb der letzten 12 Monate um 4_ v. H. gestiegen. Nicht berücksichtigt sind dabei die durch Spenden und sonstige Zwangsabzüge gesunkenen Ein- kommen. Unberücksichtigt c-'lieben sind auch die sogenannten unsichtbaren Preiserhöhungen wie Abbau von Rabatten. Dualitätsverschlechterungen usw. und Bedarfswandlungen, bie durch die verringerte Kaufkraft eingetreten sind. Mi? umfassend di? Teuerungsbewegung ist. geht daraus hervor, daß„Wirtschaft und Statistik" schon im Herbst v. I rund 160 Jndustrieartikel aufführte, die von beträcht. lichen Preiserhöhungen betroffen worden waren. Diese Liste wird sich inzwischen noch bedeutend vermehrt haben. Preiserhöhungen waren auch mit jeder früheren Konjunk- turbelebung crbunden. Nun glaubt aber niemand, der einigermaßen urteilsfähig ist. weder innerhalb noch außer- halb Deutschlands an einen echten Konfunkturaufschwung. Tie deutschen Behörden selbst weisen in ihren Lamentationen gegen die Preissteigerungen darauf hin. daß die künstliche Belebung z» einem sehr erheblichen Teil durch den Einsatz ösfef'licher Mittel erzielt wird uns gerade deshalb die „Sabotage am Aufbauwerk" durch die Profitsucht besonders verwerflich sei. Und was ähnliche im Wirtschaftsleben nun einmal wirkungslose Moralpredigten mehr sind. Die Prers- erhöhungen sind also auf jeden Fall diesmal besonders un- angenehm, weil eben keine echte Belebung vorh.nden ist. Obwohl eine echte Konjunktur fehlt, tritt die Teuerung aber nicht nur rascher, sondern auch kräftiger ein als bei wirklichem Wirtschastsanstricb in früheren Perioden. In der Konjunktur von 1926 27 hat sich der Großhandelsindex um nicht ganz 6 v. H., in der Konjunktur 1906/7 noch nicht einmal um S o. H. erhöht. Demgegenüber vergleiche man die oben ausgeführten Preis- steigerungen innerhalb weniger Monate. In früheren wirk- lichen Konjunkturperiodcn konnten die Volksmassen aus dem wirtschaftlichen Kampffeld in freier Betätigung ihrer Organisationen Steigerungen ihrer Einkommen durchsetzen. Das ist jetzt nach der Zerschlagung der Gewerkschaften und der politischen Fesselung des Arbeitsvvlks ganz unmöglich. Es ist ja ein Gebot der neuen Wirtschaftsweisheit, jede Lohn- und Geb rltsstcigerung zu drosseln, bis durch die erträumte neue Blüte des kapitalistischen Wirtschaftslebens das Unter- nehmcrtum. zu der nationalsozialistischen Phrase„Gemein- putz geht vor Eigennutz" durch Ley und andere Wander- prediger bekehrt, aus höherer nationaler Moral Lohn- und Gehaltserhöhungen gewährt. Die nationalsozialistische" Regierung hat nun seit einem Jahre für Landwirtschaft und Industrie Subventionen über Subventionen gewährt. Darüber hinaus Entschuldungen und Zinssenkungen und das Niedrighalten der Löhne und Ge- hälter mit allen staatlichen Zwangsmitteln. Der Erfolg ist, daß alles, was einigermaßen die Möglichkeit dazu hat, sich durch Zugriff aus die öffentlichen Mittel möglichst rasch für die langen Krisenjahre zu entschädigen sucht. Den Massen, die leer ausgehen, werden dafür Predigten über„Sozialismus der Tat" gehalten. Zum Schluß aber sind alle die Be- »rogenen, weil die gesamte Wirtschaft ruiniert wirb durch bie dilettantische» Experimente der Regierung. Die ehernen kapi« talistischen Wirtschasisgesetze werden nun einmal durch den Profit getrieben und nicht durch die Schallwellen der Phrasenreden des deutschen Reichskanzlers. Die Feste sind verrauscht. Das graue Elend ist da. Baneraschlachf In Bayern Die Erbitterung wächst München. 27. Mai. Es ist bekannt, daß die Versuche, die Bauern in immer stärkerem Maße zur Ablieferung ihrer Produkte zu zwingen, auf stärksten Widerstand stoßen. Das Erbhofgesetz verhindert zugleich die bisher übliche Kredit- gewährung, weil die Banken bestimmte Garantien ver- langen, die wegen der Unpfändbarkeit und Bersteigerungs- Unmöglichkeit des Bauernhofes nicht gegeben werden können. Hinzu kommt eine bisher unbekannte Rücksichtslosigkeit bei der Eintreibung der Steuern. Diese Stimmung hat in diesen Tagen in der Nähe der oberbayerischen Stadt Traunstein einen gewalttätigen Aus- bruch gefunden. Es kam hier zu schweren Zusammenstöße» zwischen Bauern und SA.-?lbtettnngen, die mit der Nieder- läge der letzteren endeten. Auf beiden Seiten verzeichnete man eine Anzahl von Schwer- und Leichtverletzten. Die Führer der Bauern waren vor der Machtergreifung durch die Hitlerpartei Obleute der„neuen Bauernbewegung", die sich sehr lange gegen die Eingliederung in die SA.-Bauernich st zur Wehr setzte. Hitlers mißipfWc Hallenreise Mussolini weist den Hilfesuchenden ab Ueber die fieberhafte diplomatische Aktivität der Reichs- regie.rung werden nach und nach Einzelheiten bekannt Um sich aus seiner politischen Isolierung zu befreien, schreckt Hitler auch vor ungewöhnlichen Schritten nicht zurück To hat er. wie man setzt erfährt, durch seinen Sondergesandten von Ribbentrop Mussolini um eine persönliche Zu- sammenkunit bitten lassen Für die bedrängte Lage Hitlers ist es bezeichnend daß er bereit war. als Besucher- man sagt wohl besser Hilselnrh-'nder zu MnRoOni zu kommen. Der italicnischc Diktator hat es nicht für nötig befunden. den Hilserus keines deutschen Kollegen diskret zu behandeln. Daher ist der römische Korrespondent des französischen Re- gierungsblattes„Tempo" in der Lage folgendes zu melden: „Man erfährt jetzt, daß Herr von Ribbentrop eine so- sortige Zusammenkunft zwischen Hitler nnd dem Dnce in einer uorditalienischen Stadt vorgeschlagen habe. Um inter. nationale Empfindlichkeiten, bie sich sofort gezeigt hätten, z» schonen, sollte die Angelegenheit nicht als Begegnung zwi. schen den zwei Regiernngsbänvtern. sondern zwischen den Führern der nationalsozialistischen and der faschistischen Gestern und heute Als wir vor einigen Wochen an dieser Stelle sagten, daß die Regierung Hitler sich in einer vollen Krise befinde, da hielten das sicher manche Leute für voreilig. Gegen den Gedanken sprach die Macht der Gewohnheit. Die meisten Menschen können ja politisch nur in Vorurteilen denken. Viele, die in Hitler jahrelang nur einen Tropf ohne Bedeutung sahen, erklären ihn seit dem 5. März 1933 für eine Art Naturwunder, das man einfach hinnehmen müsse. Wenn das greuliche Phänomen plöglich weg wäre, würde ihnen womöglich etwas an ihrem Weltbild fehlen. So ähnlich, wie manche Leute sich an ihren Rheumatismus gewöhnen. Inzwischen ist die Krise Hitlers, allen weltpolitischen Bauernregeln zum Troft, eine weltpolitische Tatsache geworden. Die Politik der Großmächte rechnet mit ihr. Maßgebende Politiker, ja Kabinette ziehen die Möglichkeit in Betracht, daß Hitler und seine Regierung in absehbarer Zeit mindestens in der heutigen Gestalt nicht mehr da sein werden. Auf jeden Fall beginnt die Welt, sich von dem nationalsozialistischen Bluff zu befreien. Eins der ernsthaftesten neutralen Blätter, keineswegs deutschfeindlich, widmet eine volle Seite der„deutschen StimmungskriseEs ist die„Neue Züricher Zeitung". Das Blatt legt großen Wert auf die Bedeutung dieses ungreifbaren Elements, das es Stimmung nennt. Es meint, der jegige Rückschlag sei schon„physikalisch erklärlich", weil eben auf jede Hochstimmung ein Rückschlag kommen müsse. Außerdem seien natürlich die Hoffnungen der Massen größer gewesen, als die Erfüllung es sein konnte. Aber dann zeigt es sich, daß mit Stimmung, Reaktion, abgekühlter Begeisterung und wie die landläufigen Weisheiten sonst heißen, die Hitlerkkrise nicht erklärt ist. Dos Schweizer Blatt kommt dem Geheimnis schon näher, wenn es sagt: „Der Nationalsozialismus hat in der Richtung der Schaffung einer innerdeutschen Notgemeinschaft durch mehrere, große Aktionen(Winterhilfe. Arbeitsbeschaffung usw.) Bemerkenswertes vollbracht, aber eine entscheidende und radikale Besserung der Lage hat er nicht herbeiführen können." Also Leistungskrise und nicht nur Stimmungskrise. Das Schweizer Blatt zieht einen Vergleich mit Mussolini und meint, ein Teil seiner Leistung habe darin bestanden, daß er sich von ungeeigneten Mitarbeitern aus der Kampfzeit habe befreien können. Dies sei auch für den deutschen Nationalsozialismus ein Problem von kapitaler Bedeutung. Sicher. Aber um sich von ungeeigneten Mitarbeitern zu befreien, muß man überhaupt erst erkennen, daß sie ungeeignet sind. Dazu gehört, daß man selbst etwas versteht. Und da haben wir bei Hitler nun mal unsere Zweifel. Der Mann hat eine Stärke— das ist eine eigensinnig rabulistische Logik, wie man sie oft bei Menschen mit schwacher Tatsachenkenntnis findet. Geringe oder vielleicht besser ungeordnete Kenntnisse sind eine wesentliche Eigenschaft des „Führers". Im Grunde hält er wahrscheinlich unentwegt Rosenberg für einen bedeutenden Außenpolitiker, Darre für einen Bauernreformator und vielleicht sogar Goebbels für einen Wahrheitsfanatiker. Wenn man in einem Fach selbst schwach ist. muß man, um den Stümper vom Könner zu unterscheiden, schon ein guter Menschenkenner sein. Wie auf Stichwort setjt in einem Teil der Auslandspresse jeßt wieder das Gejammer ein: der„Führer" meine es ja gut und habe die beste Einsicht— bloß seine unteren Organe...! Wir kennen den Text, der wohlmeinenden Auslandsjournalisten da raffiniert-harmlos vom Reklameministerium vor gebetet wird. In Wahrheit hat der Führer weder Einsicht noch meint er es gut. Er denkt so, wie seine Goebbels. Ley und Streicher reden. Das Tagebuch des Dr. Goebbels hat es jetzt z. B. enthüllt, daß der Judenboykott vom vorigen Jahr Hitlers ureigenste persönliche Erfindung war — gegenüber dem Ausland aber schob man fromm die Schuld auf Goebbels. Streicher und die übrige wilde Gefolgschaft. So ist es mit allem. Hitler ist nicht besser als seine Leute, und er ist nicht besser als seine Sache. Man darf ihm weder gestatten, von seinen Leuten, noch von seiner Sache zu desertieren. Die Sache ist eben grundschlecht, und das ist der wahre Grund der Krise. Man soll ihn nur nicht suchen, wo er nicht ist. Ein böser Baum trägt nun einmal böse Früchte. Argus. Partei aufgezogen werden. Der Duce soll die Anfsordernng trotzdem abgelehnt haben, indem er nnter blumigen Redens, arten zu verstehen gab, daß eine derartige Begegnung am Borabend der Zusammenkunft in Gens ihm nicht a» der Zeit zu sein scheine." Im übrigen, so berichtet da? Blatt, habe Herr von Ribben- trop Mussolini wieder versichert daß Deutschland bereit sei, sowohl den italienischen wie den englischen AbrüstungSplan anzunehmen? wenn Frankreich dabei mitmachte, würbe Deutschland auch in den Völkerbund zurückkehren. Außerdem scheint der deutsche Emissär Mussolini ermuntert zu haben, gegen einen Eintritt der Towjetunionin de« Völkerbund Widerstand zu leisten. Kaplan In Schnfzhall Vorher Erlaubnis zur Erteilung des Religionsunterrichts entzogen Tic Staatspolizeistelle Aachen teilt mit:„Der Kaplan Lud- wia Heinen in Stolberg, dem durch den Herrn Regierungs- Präsidenten bereits vor einiger Zeit die Erlaubnis zur Er- teilung des Religionsunterrichtes entzogen werden mußte, ist wegen gröblicher Beleidigung der Staats- und Hitlerjugend in einem von ihm herausgegebenen Flugblatt bis auf weiteres in Schutzhaft genommen worden, nachdem der Ver- such, die Beisetzung des Kaplans und damit eine Beruhigung der über das Verhalten des Kaplans aufs höchste erregten Bevölkerung zu erreichen, mißlungen ist." „Hochverräterischer" Sprach Berlin, 27. Mai.(Jnpreß.) In dem Betrieb der AEG- Treptow wurde von der SA. eine große Aktion durch- geführt: Spinde, Schranke. Garderoben wurden durchsticht; dann fanden Haussuchungen statt, Schriftproben wurden, b-- sonders von den im Betrieb beschäftigten SA.-Leuten, an- gefordert, ein Spruch, der aus dem Klosett des Betriebes an- gebracht worden war, wurde fotografiert. Dieser Spruch lautete:„Wir kämpfen nicht stir Deutschlands Ruhm Wir kämpfen nicht für Deutschland Ehre. Wir kämpfen für die Unvernunft und für die Millionäre." „Prolet" strafbar Braunschweig, 2 n. Mai.(Jnpreß.) Weil sie Mitglieder der NSDAP, als„Proleten bezeichnet hatten, wurden die Land- mtrtc Wilhelm und Fritz Hoppe zu zwei bzw. zweieinhalb Monaten Gefängnis verurteilt. Ttraiverichärscnd wirkte, daß sie den römischen Gruß herabzusetzen versucht haben sollen. Beschlagnahme der„N. Z. Z." Die drei Ausgaben der„Neuen Zürcher Zeitung" vom letzten Mittwoch, die in Berlin für den Einzelnummern- verkauf freigegeben waren und unbehindert bei den Kiosk- und Straßenhändlern auflagen, wurden nachträglich al» beschlagnahmt erklärt. Diese Maßnahme wirkte sich dahin aus, daß die noch vorhandenen Restexemplare von Beamten bei den Verkaufsstellen eingesammelt wurden. Saar-rrelbeilsfront wachst Drei große Kundgebungen am Sonntag Am Sonntag fanden in Geislautern, Neun- kirchen und St. Arnual stark besuchte Kundgebungen der Freiheitsfront statt. Sie bewiesen, daß diese in jüngster Zeit mächtige Auftriebe erhalten hat, und daß ihre Ber- sammlungen jetzt auch von Menschen besucht werden, die das vor einigen Monaten noch nicht gewagt hätten. In allen drei Kundgebungen sprach Max Braun in temperamentvollen Ausführungen. Er schilderte die Vor- gänge in Genf, kennzeichnete die Behandlung ber Saarfrage in der französischen Kammer nnd umriß die Situation im Hinblick auf die kommende Vülkerbundsratssttzung. Te^ne Marschroute wurde überall mit stürmischen Betfallsku:,)- gedungen ausgenommen: Deutscher Freiheitskamps gegen Hitler, für die Freiheit der Saar und für ein späteres freies Deutschland! Die saarländische» Gewerkschaftsführer Paul V a ö e r S, Heinrich Lieser und Bernhard Schneider er- gänzten wirksam die Ausführungen Brauns durch unwider- legliches und durchschlagendes Zahlenmaterial über die Wirtschaftsverhältnisse des SaargcbietS. In der Nähe des Versammlungslokals von St. Arnual hatten die National- sozialisten verhetzte Jugend ausmarschieren lassen. Ihr Ver- such, durch alle möglichen Mätzchen den ordnungsgemägen Versammlungsverlauf zu stören, mißlang vollkommen. 25000$A.-Leute als Meuterer 13 Reisende tot Ein Autobus verbrannt Paris. Bei Lipo st Hey im Departement Landes fuhr ein mit 18 spanischen Reisenden besetzter Autobus gegen einen Baum und verbrannte völlig. 1» Reisende kamen in de» Flammen um. Fünf Reisende werden verletzt, einer von ihnen liegt im Sterben. Der Führer des Wagens ist völlig zusammengebrochen. Das ausfließende Benzin setzte den anliegenden Wald in Brand. Zwölf Hektar Pinien- bestand wurden vernichtet. Den Aussagen des verhafteten Führers, ber behauptet, das Unglück sei aus das Platzen eines Reifens zurück- zuführen, stehen die Erklärungen der Ucberlebendcn gegen- über, die feststellen, daß der Führer so müde gewesen sei, daß er am Steuer einschlief. Auf der Samstag-Etappe, die die Ausflügler von Madrid nach San Sebastian brachte, sei ihm das gleiche passiert, und er habe vor einem Eafe halt- mache» müssen, um sich durch eine starke Tasse Kaffee wieder aufzurütteln. Der Ehausseur bestreitet nicht, daß er am Samstag stark ermüdet gewesen sei, wehrt sich aber gegen die Behauptung, daß die furchtbare Katastrophe am Tonntag ebenfalls ans das Konto der Ermüdung gesetzt werden müsse. Die Identifizierung ber Opfer ist noch nicht erledigt, man weiß aber schon, daß fünf von ihnen von einer Fa- m i l i e stammen und daß die beiden Schwestern eines Ueber- lebenden ebenfalls zu den Todesopfern zählen. Nach Gent! dnb. Paris, 28. Mai. Der französische Außenminister Bar- thon ist am Sonntagabend in Begleitung des Kriegsmarine- Ministers Pietri u« v den übrigen Mitgliedern ber fran- zwischen Abordnung nach Gens abgereist. Der Kriegsministcr Petain und Luitfahrtmtnister Denain bleiben vorläufig in Pari»»nb werden sich erst nach Genf begeben, wenn die dortigen Besprechungen über technische Fragen ihre An- u-esenheit erfordern. Mit dem gleiche» Zuge, mit dem sich der sranzösische Außenminister nach Genf begibt, sind auch der türkische Außenminister Tewsit Nudschi Ben, der englische Außen- minister Sir John Simon, der griechische Gesandte in Paris PolitiS und der Ehcf des Großen Generalstabs der fran- zöstschen Armee Gamelin nach Genf abgereist. „Times"-Korrespondent übersetzt Dimitroffs Buch MoSkaa, 28. Mai.(Inpreß) Der englisch-amerikanische Verlag Vietnam und der schwedische Verlag Tiden haben mit Dimitrofs einen Vertrag über die HerauSaabe sei»-'' über den Reichstagsbrandprozeß abgeschlossen. Der Sonder- bertchterstcitter der„Times" während des Leipziger') rüdestes, Reed, wirb Dimitroffs Buch in? Englisch? übers'tzen. Dohumentarlsdier Beweis ihr die wachsende Unruhe Verhaftet oder ausgeschlossen Amsterdam, 27. Mai.(Jnpreß.) Das holländische katholische Zentralorgan„De Maasbode" schreibt zur Lage in Deutsch- lanb:„Mit sehr bezeichnender Besorgnis folgt die ganze Welt, und nicht zuletzt die katholische Welt, den Geschehnissen, die sich, in dichten Nebel gehüllt, in Deutschland ereignen. Das„dritte Reich" macht auf religiösem, sozialem, wirt- schaftlichem und finanziellem Gebiet eine sehr ernste Krisis durch. Es ist nicht möglich zu leugnen, daß ein gewaltiger Einbruch in die Stimmung der breitesten Massen erfolgt ist." „De Maasbode" betont dann, daß im Verlauf noch nicht eines halben Iahren 25 000 Mitglieder der SA. in die Kon- zentrationslager und Gefängnisse geschafft oder aus der Organisation ausgeschlossen worden sind. Die SA. werde immer unzuverlässiger.„Ein sehr starker Nnterton gegen die Leute der eigenen Organisation ist vernehmbar— etwas, ivas Verwunderung erwecken könnte, wenn nicht bekannt wäre, daß in den Reihen der TS. und SA. kommunistische Neigungen stark wuchern und daß nach der Meinung guter Kenner mindestens ein Drittel der Elitc-Truppe aus- gesprochen kommunistisch und sogar revolutionär-kommu- nistisch ist." Unzuverlässige SA. Sie wird überwacht Berlin, 28. Mai.(Inpreß.) Ein geheimes Verord- nungsblatt der Obersten SA.-Führung vom 15. März 1934, das in den Besitz der„Inpreß" gelangt ist, liefert einen dokumentarischen Beweis dafür, daß Röhm seinen Leuten nicht traut und sie überwachen läßt, wenn sie außerhalb des Dienstes zusammenkommen. Das Geheimdokument hat folgenden Wortlaut: Betrifft: Vereine und Klubs Auf meine Verfügung EH Nr. 1703/88 vom 4. 12. 1088 ist von verschiedenen Geselligkeitsvereinen und Klubs das Ansuchen an mich gerichtet worden, die Mitgliedschaft der SA.-Angehörigen für ihre Vereinigung zu genehmigen bzw. zu bestätigen, daß sie nicht unter obige Verfügung fällt. Eine zuverlässige Nachprüfung in den einzelnen Fällen ist von hier aus nicht möglich. Ich übertrage daher von nun an die Entscheidung darüber, ob die Mitgliedschaft von SA. Angehörigen bei einer ge- festigen Vereinigung zu gestatten ist oder nicht, dem zustän- digen Führer der SA.-Gruppe. Diese Entscheidung ist maß- geblich für alle Gliederungen der SA.(SA., SS., SAR. l, SAR. II nnd RSKK.) Borbedingung sür die Genehmigung ist, daß sich die be- treffenden Klubs, Gesellschaften usw. folgenden Bedingungen unterwerfen: L I n den Vor st and ist ein Beauftragter des zu st ä n digen Führers der SA.- Gruppe auf« zunehmen. Der Beauftragte braucht nicht Mitglied des Klubs zu sein. 2. Dem Beauftragten sind die Vcreinssatzungen sowie die Namen sämtlicher Mitglieder bekanntzugeben. 3. Die Genehmigung der Mitgliedschaft von SA.-Angehöri- gen wird in stets widerruflicher Weise erteilt. Sollten in den Tatzungen oder in der Mitgliedschaft Aenderungen ein- treten, die vom Standpunkt der SÄ. nicht gebilligt werben können, so ist der Führer der Gruppe jederzeit berechtigt, das Ausscheiden der SA.- Angehörigen zu verfügen 4. Etwaige Beschwerden gegen die Entscheidungen beS Führers der Gruppe sind bei dem Führer der zuständigen Obcrgruppe vorzutragen. Dieser entscheidet end- gültig. Rebellierender„Stahlhelm" Führerverhaftungen in Pommern Der„Völkische Beobachter" meldet: Stach der Inhaftnahme des ehemaligen Stahlhelm-Landes- verbands-Führers Dcgelow und seines Adjutanten, des ehe- maligen Kteiskührers Buchholz, ist nunmehr auch der Stabs- führer des ehemaligen Stahlhelm-Landesverbandes, Roh- leder, in Schutzhaft genommen worden. Die in Schutzhaft genommenen Stahlhelmführer haben versucht, dem Nationalsozialistischen Frontkämpferbund (Stahlhelmi Ausgaben zuzuschieben, welche nach ber Verein- barung nicht vorgesehen waren. Sie haben versucht, in die SA.-Reserve I einzugreisen, indem an Führer und Männer der SA.-Reserve I Befehle gegeben wurden, in denen zur Disziplinlosigkeit gegen die von Adolf Hitler eingesetzten Führer aufgesor- dert wurde. Die Männer dieser Einheiten wurden gegen die SA. und die von Adolf Hitler eingesetzten Führer auf- gehetzt. Sic haben damit Sabotage an der Ausbau- arbeit der SA. und des„dritten Reiches" getrieben. Die durch die SA. eingesetzten Führer versuchten sie gegenüber den Männern herabzusetzen, indem sie durch Befehle die Befehlsbesugnis der Führer aberkennen wollten. Sie haben auf diese Weise gewagt, in die Rechte der TA. einzugreifen Zu diesen Maßnahmen erfährt die„DAZ.": Nachdem das Staatspolizeiamt für den Regierungsbezirk Stettin über das Ergebnis der Untersuchung in der An- gelegcnhcit des Nationalsozialistischen Deutschen Front- kämpferbundes(Stahlhelm) a» das Geheime Staatspolizei- amt berichtet hat, wurde auf dessen Anordnung der bisherige Landeslciter Direktor D e g e l o w(Stettin) aus der Hast entlassen. Die angeordneten Ermittlungen, auch über das Verhalten des Genannten gehen weiter. Sie führten im übrigen zur Inschutzhaftnabme eines weiteren Stahl- Helmführers, und zwar des Krcissührers von Rügen, Frhr. v. Bothmer. Unerhört: Studenten sollen studieren VOhrerwedisel In der deutschen Studentenschaft Der Führer der Reichsschaft der Studierenden, Dr. Oskar Staebel, nimmt in einer Mitteilung zu der Frage„Student, Hochschule und Wissen- schaft", die in dem Nachrichtendienst der„Deutschen Studentenschaft" veranstaltet wird, Stellung. Es heißt da u. a.: „Für uns steht es fest, daß eine Erneuerung der Hochschule natürlich eine Erneuerung des Geistes voraussetzt, daß aber nicht Gesinnung allein hier eine Wandlung vollziehen kann, sondern nur die auf ihr beruhende Leistung. Die Umge- staltung muß erarbeitet werden, und zwar von Men- scheu, die— einig in Voraussetzung und Ziel— genau Be- dingnngen und Gesetz ihrer Arbeit kennen. Wenn dabei die Hochschule eine erzieherische Ausgabe im Volk erfüllen soll, so ist es klar, daß sie künftig unter Aufgabe ihrer Abge- schlossenheit all den im Volk vorhandenen wert- vollen Kräften Raum geben muß. daß sie aber nie- mals Dilettanten zulassen oder gar ausbilden darf, die allgemein Srüche machen. Alle Versuche, Wissen schast nnd Hochschule zum Tummelplay geistloser Schwätzer zu machen, rühren an die Leistungsfähigkeit und die Ehre»nierer Bewegung. Wenn bislang ein Uebermaß an Beanspruchung viele Studenten nicht zur Ruhe kommen lieb, so wird noch im Verlaus dieses Semesters für eine Regelung gesorgt werden, die dem St u diu in das ihm zukommende Recht einräumt. Unser Angriff fängt jetzt erst eigentlich an. wenn wir die Menschen, die in Arbeitsdienst, SA. und HJ. eine in sich geschlossene Weltanschauung mit aus den Weg bekommen haben, in die wissenschaftliche Arbeit der Hochschule hineinschicken, mit dem eindeutigen Befehl, sich hier die Werkzeuge anzueignen, die zum Neubau der Hochschule unerläßlich sind. Für die Disziplin und die einheitliche Zielsetzung dieser Truppen zu sorgen, ist Auf- gäbe ber NSDStB. und der Fachschaften. In der studentischen F a ch s ch a s t s a r b e i t hat die Zuordnung der Wissenschast zum Beruf AuS- druck gefunden. Wenn es heute schon möglich ist, Studenten während ihrer Ausbildung z. B. in der Wirtschaftsplanung einzusetzen und von hier aus auch ihr Studium wesentlich zu bereichern, so zeigt das, daß die vorhandenen Ansätze schnell und fruchtbar ausgestaltet werden können." Er wird schon zurückgetreten Berlin, 28. Mai.(Priv.-Tel.) Der Reichsminister für Wissenschast, Erziehung und Volksbildung R u st hat heute vormittag den Führer der Reichsschast der Studierenden in den deutschen Hochschulen und Fachschulen Dr. Staebel empfangen, der ihm den Wunich unterbreitete, von der Führung der deutschen Studentenschaft be- freit zu werden. Reichsminister Ruft hat diesem Wunsch entsprochen. Der Neichsschaftssührer Dr. Staebel hat entsprechend der Verfassung der deutschen Reichsschast(Studentenschaft) Herrn Dtpl.-Jngenieur Zarenger mit der kommissarischen Lei- tung der Deutschen Slndentenschast beauftragt. Herr Dr. Staebel behält die Führung der Reichsschast der deutschen Studierenben inne. Mißverstandener Pazifismus Zur festigheit der französischen Rechtsregierung Im„Neuen Vorwärts" schreibt V. Sch.(PartS): ... Die innerpolitische Entwicklung ist also unerfreulich genug. Aber, mag es auch paradox klingen, die Außen- Politik der neuen Regierung stellt einen beträchtlichen Fortschritt dar. Sie bewegt sich gerade aus der Linie, die die früheren Linksregierungen aus Mangel an Konsequenz nicht wagten einzuschlagen. Ueber die Notwendigkeit, gegen die Aufrüstung des kriegslüsternen.deutschen Faschismus Stellung zu nehmen, war man sich auch früher einig. Aber man schreckte vor den Schlußfolgerungen zurück. Mißver- standener Pazifismus erwies sich als der gefährlichste Schritt- wacher des Krieges. Die Sozialisten gaben die theo- retisch wunderschöne, praktisch aussichtslose Parole aus, daß Frankreich dennoch das Beispiel der Abrüstung geben sollte, um eine Einheitsfront der zivilisierten Welt gegen den Hitler-Militarismus zu bilden. Paul-Boneour ließ sich zum Viermächtcpakt überreden, der Mussolini zum Schiedsrichter Europas machte und Hitler den Weg zur selbstherrlichen Auf- rüslung öffnete: außerdem verkündete er so lange, daß er nicht? ohne England unternehmen würde, bis schließlich die Engländer die Initiative zur Annäherung an Deutschland ergriffen und Frankreich zur Anerkennung der vollzogenen deutschen Aufrüstung zwingen wollten. Daladicr, von cini- gen jungen Dilettanten und drei tätigen Deutschlandsahrern umgeben und beeinflußt, jagte kostbare Monate lang ber Illusion einer direkten Verständigung zwischen der deutschen Diktatur und der französischen Demokratie nach. Damit ist es vorbei Die jetzige französische Re- gierung hat erkannt wohin eine Politik des Zt ach laufe ns hinter Hitler führen muß, näm- lich direkt zum Krieg. Mag auch Frankreich nicht mehr die Möglichkeit haben, ohne Krieg die Aufrüstung Hitlerdeutschlands zu oerhindern, so wird es sie jedenfalls nicht legalisieren, sondern sich militärisch und diplomatisch auf alle Eventualitäten vorbereiten. Die bereits gefährdete Allianz mit Polen ist im wesentlichen wieder hergestellt, und auch mit Italien hat sich eine neue Annäherung angebahnt, die Mussolinis Empörung über die österreichische Politik der Nationalsozialisten erleichtert hat. Vor allem aber steuert Frankreich mit Entschiedenheit und Zielbewußtsein den Kurs einer neuen Allianz innerhalb und außerhalb beS Völkerbundes, mit der Sowjetunion. Diese Politik ist vielleicht die einzige, die den Krieg noch verhindern kann. Das klingt vielleicht paradox, aber nur in den Ohren derjenigen, die noch immer nicht begriffen haben, daß am 30. Januar 1083 durch den Sieg ber Hitler- barbarei in Deutschland ein neuer Abschnitt der Welt« geschichte begonnen hat. Die Sfflrmc aal das Würzburger Dlsdiolspalals Nadi vielen Wochen wird die Wahrheil benannt... Bespiellose Vorgänge Aber nicht die geringste Sühne!- Höchste Verstimmung in Dom 3n der Woche nach Ostern wurde auf Grund sehr spärlicher Notizen bekannt, daß im April von aufgeputschten braunen Haufen wiederholt versucht worden war. den Würz- burger Bischofspalast zu stürmen. Ein klares Bild der Ereignisse konnte man sich jedoch nicht machen. Nur wußte man, daß die Würzburger Vorgänge in Rom außer- ordentlich ernst genommen wurden. Am 22. April richtete der Kardinalstaatssekretär Pacelli ein Schreiben an den Bischof von Würzburg, worin diesem„der tiefe Schmerz S. Heilig- keit über die Verunglimpfungen" übermittelt wurde, deren Gegenstand der Bischof gewesen sei. Der heilige Vater ver- traue darauf, daß die staatlichen Behörden keinen Zweifel darüber lassen würden, daß ein solches Tun ihrer Mißbil- ligung und Ahndung sicher sei. Jetzt wird nun die Wahrheit über die Würzburger Vorgänge auf Grund einer sehr ausführlichen Veröffentlichung der„Neuen Saar-Post", des neuen katholischen Blattes im Saargebiet, bekannt. Man muß lange in der deutschen Geschichte zurückblicken, um ein Gegenstück zu dieser zweimaligen Erstürmung des bischöflichen Palastes in Würz- bürg zu finden. Wenn der Kardinalstaatssekretär Pacelli in seinem Briefe keinen Zweifel darüber ausspricht, daß ein solches Tun der Mißbilligung und der Ahndung der deutschen staatlichen Behörden sicher sei, so hat er sich gründlich ge- täuscht, vorausgesetzt, daß sein Vertrauen zu Hitler-Teutsch- land mehr als eine Floskel war. Denn diese unerhörten Borgänge haben bis zur Stunde nicht die geringste Sühne erfahre». Welch ein stattliches Register schwerer Vergehen gegen das Strafgesetzbuch käme zustande, wenn Deutschland noch ein Rechtsstaat wäre! Eine oberflächliche Lektüre des von uns mit einigen Streichungen veröffentlichten Berichts ergibt, daß folgende Delikte begangen wurden: Haus- friedensbruch, Sachbeschädigung, Beleidigung, tätliche Be- drohnng, Nötigung, Widerstand gegen die Staatsgewalt und Landfriedcnsbruch. Weder ist die Polizei wirksam eingeschritten, noch haben die nationalsozialistischen Machthaber, von nichtssagenden Mah- nungen abgesehen, irgendwelche Schritte unternommen. Den deutschen Staatsan valt möchten wir auch sehen, der es wagte, die Gefolgsmannen des Herrn Streicher anzuklagen und vor Gericht zur Aburteilung zu bringen. Die Presse- knebelung, die man dem Bischof und seinem Diözesanblatt auferlegte, redet eine deutliche Sprache. Die Berantwort- lichen hatten kein anderes Interesse, als die Vorgänge zu vertuschen und zu verkleinern. Gegenüber den von ihnen aufgeputschten Massen hatten sie zuletzt alle Autorität ver- loren. Es ist bekannt geworden, daß in diesen Tagen zehn deutsche Bischöfe vom Papst durch Einzelaudienz emp- fangen wurden. Unter ihnen befand sich auch der Würz- burger Bischof, der sowohl dem Papste wie dem Kardinal- staatssekretär Pacelli ausführlichen Bericht erstatten mutzte. Man kann sich denken, daß er das Mißtrauen des heiligen Stuhls gegenüber allen Vereinbarungen mit Hitlerbeutsch- land nicht gerade abgeschwächt hat. Steine wars die entmenschte Masse durch das Fenster des Bischosszimmers. Inzwischen war die Polizei doch etwas verstärkt worden, so daß die Demonstranten nicht recht bei ihrem Sturm gegen das Palais vorwärts kamen. Auf die Türe zum Eingang in den Äischofshos hatte man es hauptsächlich abgesehen. Sie wollte man eindrücken. Rasch holten einige der Uebereifrigsten einen großen Balken, etwa 10 Meter lang und 4» Zen- timeter im Umfang stark<4mal 10 Zentimeter) herbei. Die Vordersten hängten sich an den Balken, und nun begann die Erbrechung des Portals. Zwei Polizisten wurden dabei nicht unerheblich verletzt. Als das Portal eingedrückt war, gelang eS der Polizei, noch mühsam die Borhalle zu halten und den Aufgang in die Gemächer des Bischofs zu sperren. Von irgendeiner Seite war inzhischen die Gauleitung verständigt worden. Sic erschien im Auto, und zwar noch vor Erbrechung des Portals, hielt es aber offenbar nicht für nötig, sofort einzuschreiten. Erst als das Portal gesprengt war und man offenbar Schlimmeres befürchtete, drang die Gauleitung in das Bischöflichen Palais ein und erreichte schließlich mit vieler Mühe die Zurückdrängung und Beruhigung der Demon- stranten. Der bei ihm vorstellig gewordenen Gauleiiung gegenüber legte der Bischof energischen Protest ein. Gegenüber den Behauptungen, daß der Bischos weitere Zugeständnisse an die Gauleitung gemacht habe, und gegen- über den Berichten der nationalsozialistischen Presse, die dem Bischof die Schuld für die Vorgänge vom 7. April in die Schuhe schieben möchten, muß ausdrücklich festgestellt werden, daß kirchlicherfeits nicht, wie die nationalsozialistische Presse behauptet, irgendwelche Zugeständnisse gemacht wurden. Schließlich erklärte der Polizeiinspektor dem Bischos. er könne dessen Sicherheit nicht unter allen Umständen garantieren und kündigte ihm für die Nacht die Schuhhast an. In aller Seelenruhe erwiderte der Bischof:„Ich freue mich, daß ich der erste Bischos bin, der in Schuhhaft kommt." Die Herren waren von dieser Kaltblütigkeit offenbar über» rascht und suchten nun den Spieß umzudrehen, indem sie dem Bischof vorwarfen, er„provoziere" die Schutzhaft. Der Bischof bestritt das, blieh aber im übrigen hei seiner Er» klärung. Am nächsten Tag begann der Bischof dann seine Bisitationsreisen. Was wäre natürlicher gewesen, als daß die nationalsozialistische Gauleitung dem Bischof in irgend- einer Form Genugtuung gegeben hätte? Weit gefehlt! Statt dessen aber erließ die Gauleitung ein Verbot an die Partei und an die Staatsbehörden, sich während der Visitations- reisen des Bischofs am Empfang zu beteiligen oder Mittel dafür zur Verfügung zu stellen. Oer Sturm»in 28. April Die„Neue Saarpost" schildert den historischen Verlauf der einzelnen Kampfhandlungen wie folgt: Es handelt sich um eine ^eimalige Erstürmung des Bischöflichen Pplais in Die erste fand statt am 7. April 1934. die zweite am 28. April. Oie Ereignisse am 7. April In den Nachmittagsstunden des 7. April 1934 sSamstag vor dem Weißen Sonntag) versammelte sich in der Nähe des Bischöflichen Palais eine, Menge Neugieriger. Da das Braune Haus gerade gegenüber liegt, dachte man zunächst, es hanöle sich um irgendeine Veranstaltung der National- sozialisten vor demselben. Diese harmlose Beurteilung der Dinge verlor aber bald an Wahrscheinlichkeit, als eine immer größere Menschenmenge in regelrechtem Zug sich auf das Bischofspalais hinbewegte und gegen 3 Uhr der große Platz davor dicht von Demonstranten besetzt war. Schätzungsweise waren es mindestens tausend Menschen. Die Demonstranten trugen etwa zu einem Drittel die Uniform der Nationalsozialisten und öer Hitlerjugend. Nachdem eine Reihe von Sprechchören gestiegen war. verlas der erste Redner den auch in öer obigen Mitteilung des Diözcsanblattes erwähnten Artikel der„Mainfränkischen Zeitung" über das Verbot der Erstkommunion in Wald- büttelbrunn am 8. April. Dieses Verbot war erfolgt ldie ämtlichen Mitteilungen bestätigen dieö), weil der Pfarrer von Waldbüttelbrnnn am Grün- donnerstag in Schutzhaft genommen war und somit die Kinder für die Erstkommunion nicht vollends vor- bereitet werden konnten. Im Tprechchor ertönten folgende Rufe: „Was soll mit den katholischen Jngendvereinen ge- schehen?— Sie solle» verrecken!— Was muß mit den schwarzen Joaendführern geschehen?— Sie müssen nach Dachau!— Was soll in Dachau mit ihnen geschehen?— Sie sollen gehängt werden!" Dann verlas einer den Ost ergrub des Heiligen Vaters an die katholischen Jugendverbände Teutschlands. M't welcher Absicht dies geschah, ist daraus zu ersehen, daß nach jedem Satz die Menge empörter brüllte:„Pfui!" Tie Menge wurde in immer gröbere Raserei versetzt, die Stimmung gefährlich geschürt.- Kein Wunder, daß die Volksmasse dann zum Bischof emporschrie: „Heraus mit ihm! Holt ihn raus!" und wiederum der Sprech- chor:„Was soll mit dem Bischof pon Würzburg geschehen? — Er muß nach Dachau!— Was soll dort mit ihr geschehen? — Er soll aufgehängt werden?— Was Ist der Rischof von Wiirzburg?— Ein Landesverräter, ein Bolköverräter!" Diese unerhörte Beleidigung und Beschimpfung des Bischofs wurde winde st ens zehnmal gehört. Vom Bischofs- palais aus wurde nun die Polizei verständigt. Sie konnte aber nur ganze 6 Mann schicken zur Verteidigung des Ein- ganas zum BischoksKof. Selbstverständlich wurden sie mit der rasenden Menge ni»t fertig. Diese tobte und schrie weiter: „Raus mit der Politik aus der Kirche!" Da trat Bischof Ebr-'nfried ans Fenster»nd versuchte zu der aufgeregten Menge beruhigend zu sprechen: „Wir tragen die Politik nicht in die Kirche. Wir»ertei- digen nur die Rechte der Kirche. Wir fürchten uns nicht!" Nun kannte die Wut der Massen, die künstlich aufgepeitscht worden waren, keine Grenzen mehr. Schnhnägel, Sand anb Am Samstag, dem 28. April, um die Mittagszeit, wurde in der Stadt Würzburg das Gerücht verbreitet, eS sei eine neue Aktion gegen den Bischof von Würzburg vorbereitet. Der Polizei wurde durch das Generalvikariat von diesem Gerücht Mitteilung gemacht. Man wollte zunächst an eine Wiederholung der schmählichen Vorkommnisse vym 7. April nicht glauben. Als jedoch in der vierten Nachmittags- stunde fich auf dem freien Platz vor dem Bischofshof eine größere Anzahl Menschen ansammelte, mußte man fich doch davon überzeugen, daß etwas im Gange war. Der Anführer dieser Leute hielt zunächst eine kurze Ansprache, in der er als Grund der neuerlichen Demonstration anaab, der„Bischof habe sein dem Oberführer Sacker am 7. April gegebenes Wort nicht gehalten". Daß die Menne daraufhin in Wutausbrüchen gegen den Bischof sich erging, ihn als Lügner usw. beschimpfte, war nur die Folge der lügnerischen Verleumdung gegen den Bischof. Der Führer der Demonstration verlangte nun, daß eine Deputation, begleitet von der Polizei, vom Bischof empfangen werde. Nach einiger Zeit wurde, da die Demonstration an- dauerte, diesem Ersuchen stattgegeben und eine Deputation ins Palais eingelassen. Der Bischof selbst weilte gar nicht in Würzburg. Die aufgeputschte Menge holte nun wieder, wie am 7. April, einen Balken aus dem Braunen Haus herbei und stemmte solange im Takt gegen das Portal, bis gegen 4 Uhr die Türfüllung zertrümmert war. Ein Teil der Menge strömte daraus in das Bischöfliche Palais, wo sie den Borplatz im Hause besetzten. Hier spielten sich geradezu skandalöse Szenen ab. Die Menge wollte durchaus wissen, wo der Bischof sei Als darauf die Schwester des Bischofs immer wieder nur antworten konnte, der Bischof sei überhaupt nicht in Würz» bürg, also auch nicht zu Hause, wurde sie in allen Tonarten als Lügnerin beschimpft. Es hagelte dabei von gemeinen Drohungen uni» Beschimpfungen gegen den Bischos selbst. Die Schwester des Bischofs ersuchte nun die Leute, sie sollten den Oberführer Hacker anrufen, aber sie erhielt darauf nur die Antwort:„Der Oberführer Hacker kommt nicht: auch die Polizei kommt nicht. Draußen steht Volk. Deutschland(!) steht draußen!" Daß die Geistlichkeit und die gläubigen Katholiken der Diözese Würzburg ob dieser Vorgänge in ungeheure Erregung gerieten, ist selbstverständlich. In einer Erklärung heißt es u. a.: „Wir können nicht verhehlen, daß das ganze Treiben gegen den Bischos von Wllrzburg seinen Ursprung in einer ganz bestimmten Quelle haben muß. denn es ist klar, daß diese zusammengeführten Massen einen geistigen Führer haben. Diese Masse Würzburger Leute hat sicher kein Interesse an Kommunionseier und Psarrerversetzung. Wir bedauern uu- endlich, daß durch solche Aktiouen, die vorher planmäßig be- Seilt waren, auch das Ansehen und die Autorität e s Staates unendlich leiden. Wir erheben feierlich Protest: L gegen die fortgesetzten rohe» Beschimpfungen gegen den Bischos von Wllrzburg, die unter den Augen der Staats- autorität durch unverantwortliches Unterstelle» und ein wildes Gassenregiment geführt werden? 2. gegen die schweren Verletzungen des Konkordates: S. wir protestieren dagegen, daß solche Hausfriedensbrüche in einem geordneten Staatswesen vorkommen können; wir müssen ans Gründen der G e r c ch t i g k e i t, die das Fundament jeden Staates ist, fordern, daß die Staats- behörden nun endlich gegen dieses wilde Treibe» wirk- sam einschreiten." Wahrlich, dieser Protest der Geistlichkeit der Diözese Würz- bürg ist mehr als berechtigt. Ob er allerdings noch Erfolg haben wird, wagen wir nicht zu hoffen. Trotz dieser unerhörten Belästigungen, Beschimp- sungen und Bedrohungen hat der Bischof von Würzburg diese Tatsachen der Öffentlichkeit nicht unterbreiten können, weil er im„dritten Reiche" lebt und Repressalien von Staats- seite zu fürchten hatte. Das Würzburger„Diözesanblatt" hat im wesentlichen nur folgende Meldungen über den Sturm vom 17. April zu bringen gewagt: „Am 7. April 1934, nachmittags um 3 Uhr, fand vor dem Bischöflichen Palais ein Auflauf statt. Es wurden Drohungen und Schmähungen gegen den Hochwft. Herr» Bischos aus- gesprochen. Schließlich wurde die Türe zum Palais mittels eines Balkens aufgesprengt und ein Teil der Menge drang in die Vorhalle ein. Der Polizei und SA.-Leitung gelang es. diese an einem wetteren Vordringen zu verhindern." Ueber den Sturm auf das Bischofspalais vom 2 8. A p r i l unterrichtet lediglich folgende Meldung des„Diözesan- blattes": „SamStag. den 28. April, mittags nach 3 Uhr, fand aber- mals ein Auflauf zusammengestellter Massen vor dem bischöflichen Palais statt, wobei das Tor des Palastes mittels Balken zertrümmert wurde und die Menge in das Haus eindrang. Als Grund gab der Führer der Masse zu Beginn an, daß der Bischof sein dem Oberführer Hacker am 7. Anril ge- gebeneS Wort nicht gehalten habe. Der Bisckof wurde daraufhin von der Menge als Lügner beschimpft." Um wievieles erschütternder aber liest sich der ausführliche Tatsachenbericht. Die Presseknebelung im„dritten Reich" verhinderte, daß bis jetzt die ganze Wahrheit über den un- geheuerlichen Fall, insbesondere die wahnsinnige Beschimp- fung des Bischofs und Papstes an die Oeisentlichkeit ge- kommen ist. Die schlimmsten Exzesse während des Kultur- kampfes verblassen gegenüber der braunen Wirklichkeit. Verkaufs verbot tiir katholische Zeitungen München, 27. Mai. Die Bezirksbehörben von Rosenheim in Bayern haben den öffentlichen Verkauf katholischer Zeitungen verboten. Dieses Verbot scheint sich insbesondere gegen den Berkauf an Kircheneingängen u. ü. zu richten und die „Jungfront", ein Wochenblatt junger Katholiken, treffen zu wollen. Die Auflage dieses Blattes ist während der letzten Monate um einige tausend Exemplare wöchentlich gestiegen und bil- det bereits eiste er-->• Konkurrenz für die Organe der Hitler- Itqjqont.'' Ein SA.-Plann wein«| Der„Neue Vorwärts" teilt mit:„Eine erschütternde Epi- sode, die beweist, wie furchibar die Martcrmethoden des „dritten Reiches" ost auf den einzelnen Menschen wirken, ivird aus dem Urwaldreich Streichers, aus Franken, be- richtet. In Ansbach gibt es noch eine Montessori-Schule, in der unter arischen Schülern sich auch noch einige nichtarische befinden. Eines Tages, nach Schluß des Unterrichts, verließ die Lehrerin mit einem zehnjährigen jüdischen Mädchen an der Hand das Klassenzimmer, als plötzlich ein SA.-Mann in voller Uniform vor ihr auftauchte. Es war der Vater einer Schülerin, der sich bei der Lehrerin über sein Kind erkun- digen wollte. Als das kleine jüdische Mädchen den TA.- Mann sab, begann es am ganzen Leibe zu zittern, riß sich von der Hand der Lehrerin und warf sich weinend dem SA.- Mann zu Füßen.„Ich bin eine Jüdin, bitte, tun Sie mir nichts!" rief sie schluchzend und vor Angst bebend. Der SA.» SfÄrtttt* flTtrffn 1 1 a" lein zurückziehen und die Umwelt vor ihrer Anwesenheit be- wahren. Wenn aber diese innerlich haßerfüllten und immer nur negativ arbeitenden Leute sich zu H e Y a p o st c l n der Reaktion machen, stänkern und nörgeln, wo sie nur können und der Vertiefung der nationalsozia- listischen Gedankengänge im deutschen Volke Abtrag tun, dann nützt das Zuckerbrot nicht mehr. Dann muß man zur Peitsche greifen. Die Begeisterung Ist ex Man hat die Nase voll h. b. In der Nr. 112 der„Flensburger Nachrichten" findet sich folgende bewegliche Klage: „Nach Flensburg kommen am 20. Mai für drei Tage und zwei Nächte ungefähr tausend alte Soldaten der 40. Reserve- division. Schon einmal wurde um Frciauartiere tür die ... nui i-innii oeoeno. icer SA- alten Frontsoldaten gebeten. Erfolg: ein Freiquartier. Mann blickte wie erstarrt aus das Kind vor sich, wandte sich Das i st beschämend. Der Berkchrsverein an der dann um und weinte! Wortlos ging er weg." Flensburger Föhrde wiederholt heute seine Bitte, den ans- wältigen Gästen Freiquartiere und Privatquartiere ohne Verpflegung gegen geringe Bezahlung zur Verfügung zu stellen..." Auch das ist ein Zeichen der Zeit. Die geplagten?ln- gehörigen der deutschen Volksgemeinschaft haben scheinbar die Nasen voll von all den nationalen Rummelsesten. Außer- dem werden sie von der Schnorrerei des ersten Jahres der Hitlerdiktatur derartig ausgepumpt sein, daß sie beim besten Willen nicht mehr freiwillig geben können. Die Peitsche« Gegen den„Stahlhelm' Der..Westdeutsche Beobachter"(Nr. 220) schreibt:„ES ist ein offenes Geheimnis, daß der Stahlhelm auf alle konter- evolutionären Elemente eine geradezu magnetische Wirkung ausübte. Die Folgen dieser Erscheinung sind längst getilgt. Gewiß mögen sich in der zurückliegenden Zeit marristilche Elemente im Stahlhelm organisiert haben. Jetzt aber sind die Reihen deS Stahlhelms längst gesäubert, so daß alle Sabotageakte, die von dieser Seite kommen, lediglich auf das Schuldkonto reaktionärer Wühlarbeit zu setzen sind. Wenn nun diese Herren schon die heutige Zeit nicht ver- stehen können oder wollen, und über den Sieg des SozialiS- muS und der Volksgemeinschaft Krokodilstränen vergießen, bann sollen sie sich dabei wenigstens in ihr stilles Käinmer- Weltergeben! (Werfen Sie die„Deutsche Freiheit" nach dem Lesen nicht fort. Geben Sie das Blatt an Leute weiter, die der Auf- Ii klärung und Belehrung bedürfen! Weifergeben! I »Deutsche Freiheit" Nr. 121 ABBUT UM» WIRTSWAH Dienstag, den 29. Mai 1934. DiegaloppierendeSchwIndsiKht Ina Laufe der legten Wochen und Monate waren die offiziellen Angaben der deutschen Wirtschafts-Statistik von großem Pessimismus erfüllt. Man hat diese Ungünstigen An- gaben in der internationalen Presse ebenso wenig geglaubt, wie die zweifellos übertriebenen optimistischen Mitteilungen, die das Hitlerregiine während des Jahres.1933 herausbrachte u^ man hat diese Skepsis gegenüber der plötzlichen und scharfen Verschlechterung zumeist damit begründet, daß die ' a? un g der Transfer-Konferenz die deutschen Machthaber veranlasse, die wirtschaftliche und finanzielle Situation des Landes in den schwärzesten Farben zu malen. Dies mag teilweise richtig sein und zwar insofern, als man etwa nach der Jahreswende die frühere Taktik der Schönfärberei durch V erfälsrhung statistischer Ziffern und durch Verschweigen zahlreichst unerfreulicher, aber wichtiger Tatsachen aufgegeben hat. Es wäre aber durchaus abwegig, wenn man diese plögliche enorme Verschlechterung, die in den gleichgeschalteten Angaben zum Ausdruck kam, einfach ableugnen wollte. Es ist in der Tat ein plötzlicher Verfall eingetreten, wie bei einem Schwerkranken, dem es gelungen war, sich noch eine gewisse Zeit unter Aufbietung der vorhandenen körperlichen Reserven aufrecht zu erhalten und dessen Kräfte dann um so rascher dahinschwinden. Noch treffender W'äre der Vergleich eines an und für sich bereits verarmten, aber ehemals wohlhabenden Mannes, der eine Reihe von Monaten ohne das geringste eigene Einkommen von dem kleinen Rest seines Vermögens lebt. Ist dieses Vermögen dann einmal aufgezehrt, so tritt die bisher künstlich verschleierte Verarmung ganz plötzlich und für die gesamte Umwelt sichtbar zutage. Man kann im großen ganzen feststellen, daß es bei dem galoppierenden Tempo, das plößlich in der Entwicklung des deutschen wirtschaftlichen und finanziellen Verfalles eingetreten ist, mit wenigen Einschränkungen mit rechten Dingen zugegangen ist. Gewiß war es durch geschickte und formal mit dem Rank» gesetz in Einklang zu bringende Ruchungsmanöver möglich, etwa 159 Millionen ausländischer Devisen, die erst in einigen Monaten der Reichsbauk zufließen, zeitweise geheim zu halten. Es ist auf der Transfer-Konferenz ziemlich schnell gelungen, die Reichsbank zur Klarstellung dieses Punktes zu veranlasssen. Das Ergebnis war nicht überwältigend. Auch sonst mögen noch gewisse Reserven vorliegen, die nicht ohne weiteres aufzuhellen sind, so ist insbesondere durch die enorme Einfuhr der letzten Monate eine beträchtliche Vor- Versorgung mit Rohstoffen erfolgt, die im Grunde genommen für die Verproviantierung' der deutschen Wirtschaft, die heute immer mehr zu einer von der ganzen übrigen Welt isolierten Festung geworden ist, den gleichen Wert haben, wie die Devisen, die man zu diesem Zweck verausgabte, um sie gleichzeitig dem Zugriff der Gläubiger zu entziehen. Trotzdem ist die Lage jetzt verhängnisvoll geworden. Die vorhandenen Reserven werden in durchaus absehbarer Zeit aufgezehrt sein und man wird schon jetzt damit rechnen müssen, daß man dann vor dem Nichts steht. Hierüber sollte man sich schon jetzt ein einigermaßen klares Bild machen, ein Bild, das weder von der augenblicklichen Schwarzfärberei der gleichgeschalteten Statistik, noch von einem neuen Versuch, alles zu beschönigen, der wahrscheinlich in sehr kurzer Zeit schon mit Rücksicht auf die innenpolitische Stimmung wieder unternommen werden dürfte, getrübt werden darf. Bei Beginn der Transfer-Konferenz erklärte das Berliner Konjunktur-Institut, daß man schon jefjt damit rechnen müsse, daß die deutsche Handelsbilanz, deren Aktivsaldo 1933 auf 668 Millionen Reichsmark gesunken war, im laufenden Jahre einen Passivsaldo von 140 Millionen Reichsmark aufweisen werde. Bei dieser Erklärung meldete sieh im Auslande sofort eine durchaus verständliche Skepsis. Man vertrat den Standpunkt, daß es keinem Konjunktur-Institut nach drei Monaten möglich sei, vorauszusagen, wie hoch der Saldo der Handelsbilanz im ganzen Jahr sein werde und man knüpfte daran die Feststellung, daß ein Konjunktur-Institut, das nach einer langen Periode ständiger und durch die Ereignisse kraß desavouierter Schönfärberei eine solche pessimistische Voraussage ausgerechnet im Augenblick des Ver- handlungsheginnes mit den Gläubigern dennoch wage, hiermit die Absicht verknüpfe, die Verhältnisse möglich ungünstig darzustellen. Im allgemeinen kann man nun allerdings nicht gerade sagen, daß die Versprechungen und Prognosen Hitlers und seiner„Gefolgsleute" auf wirtschaftspolitischem Gebiete schnell Erfüllung gefunden haben. In diesem Falle aber hat die Regierung des„dritten Reiches" ihr Versprechen gradezu überraschend schnell erfüllt. Vor einigen Wochen hatte man ein Passivsaldo für dus ganze Jahr von 140 Millionen vorausgesagt. Heute zeigt sich, daß der Passivsaldo bereits für die ersten vier Monate 135,8 Millionen Reichsmark beträgt. Die Devisendeckung ist gleichzeitig auf weit unter 5 Prozent gesunken und auch dieses Resultat ist noch recht optimistisch, denn bei einer Eiurechnung des enormen deutschen Umlaufes an Silbermiinzen und Kleingeld, dessen Ausprägung immer unkontrollierbarer geworden ist, stellt sich die Deckung nur noch auf höchstens 3 Prozent. Noch schlimmer als der weitere scharfe Rückgang des Exportes ist aber die Tatsache, daß der Anteil derjenigen Ausfuhrgeschäfte. die überhaupt keine Devisen mehr bringen, weil sie durch das Scrips-Verfahren finanziert werden, von Monat zu Monat größer wird. Nach den eigenen Angaben der deutschen Stellen sind für über 100 Millionen des April-Ex- Steigender Fleischverbrauch Nach Mitteilung des Statistischen Reichsamta betrug der Fleischverbrauch im Deutschen Reich im 1. Vierteljahr 1934 insgesamt 8.05 Mill. dz oder 13 51 kg je Kopf der Bevölkerung gegen 8.13 Mill. dz oder 12,48 kg je Kopf der Bevölkerung im 1. Vierteljahr 1933. Der Fleischverbrauch ist somit gegenüber der gleichen Vorjahrszeit um 0.72 Mill. dz oder rund 1 kg je Kopf der Bevölkerung gestiegen. portes, der insgesamt 316 Millionen Reichsmark betrug, keine Deviseneingänge zu erwarten. Die enormen Einfuhrmengen der Monate Januar bis April sind aber zu einem erheblichen Teil noch gar nicht bezahlt worden. Die Reglung dieser Import-Verbindlichkeiten dürfte selbst bei vorsichtigster Schätzung mindestens den gesamten Rest der noch in der Hand der Reichsbank befindlichen Devisen und zwar einschließlich der der Transfer Konferenz zunächst verschwiegenen, dann aber zugestandenen 149 Millionen Reichsmark„nicht deckungRfühiger Devisen" erfordern. Falls die Monate Mai. Juni und Juli wirklich die scharfe Drosselung der Einfuhr bringen, die man durch die zahlreichen Notbestimmungen in Aussicht gesollt hat und falls selbst ein weiterer Verfall des Exportes auf weniger als rund 300 Millionen ReiJismark pro Monat nicht stattfindet— nach beiden Richtungen dürfte die Entwicklung aller Voraussicht nach wesentlich ungünstiger sein, als hier angenommen—, dürfte man also spätestens im Juni des Jahres devisenwirtschafllich vor dem vollkommenen Nichts stehen. Dieser kritische Zeitpunkt dürfte grade dann eintreten, wenn die erheblichen Vorräte an ausländischen Rohstoffen, die man während des ersten Quartals und z. T. auch noch im April angehäuft hat, verteilt und aufgebraucht sein werden. Eine Aufrechterhalt eng der Binnenkonjunktur und eine Fortführung der„Arbeitsbeschaffung", die Heide in Wirklichkeit mehr oder minder mit dem Begriff der Aufrüstung gleichzusetzen sind, dürfte über diesen Zeitpunkt hinaus keinesfalls möglich sein. Was dennoch möglich bleibt, ist der Versuch, diese Tatsache einer plötzlichen Erdrosselung der Binnenkonjunktur durch Fortfall der ausländischen Rohstofflieferungen da- durch zu verschleiern, daß man unter ungeheurem Kostenaufwand und unter Heranziehung der letzten Inlandsreserven die ausländischen Rohstoffe teilweise durch Inlandsprodukte ersetzt. Mit ziemlich großzügigen Versuchen dieser Art besonders in der Metallwirtschaft wird man rechnen müssen. Die Aufschließung der vorhandenen Erzvorkommen und ihr Abbau, der nur bei enormen Kapital investitionen möglich ist, wird in Angriff genommen werden. Dieser Investitionsprozeß kann aber nur dazu beitragen, die katastrophale Krise der deutschen Wirtschaft, die bisher vorwiegend vom Außenhandel ausging, immer mehr auf den Inlandsmarkt zu übertragen, denn es handelt sich bei allen diesen Versuchen natürlich um ausgesprochene Fehlinvestitionen und damit um eine Verschleuderung der noch vorhandenen inneren Reserven. Man wird auch niemals dazu gelangen, einen wirklich entscheidenden Teil des deutschen Bedarfes an Metallen, Textilfasern, Brenn-Oelen usw. auf diese Weise zu decken, aber man wird drei- bis viermal so hohe Kapitalien aufwenden müssen, als wenn diese Rohstoffe aus dem Ausland bezogen werden. Man wird, mit anderen Worten, mit dem sonst für die Rohstoffversorgung eines ganzen Jahres notwendigen Kapitalaufwand die Industrie weiter auf einige wenige Monate hinaus mit außerordentlich teuren und sehr schlechten In- landsrohstoffen versorgen und es ist durchaus möglich, daß man sich auf diese Weise über den etwa im Juli oder August anzusetzenden eigentlichen Krisenpunkt hinaus noch eine gewisse Galgenfrist sichern wird. Der Verfall der Staatsfinanzen. die bisher die Finanzierung der Aufrüstung durch eine ständige weitere Senkung des Lebensstandards der deutschen Bevölkerung ermöglichten und die schon seit langer Zeit diese Aufgabe durch eine immer neue Voraus- bclastung der Zukunft fortsetzen konnten, dürfte spätestens im Hochsommer oder im Frühherbst dieses Jahres ein ebenso galoppierendes Tempo einschlagen, wie es jetzt schon auf dein Gebiete des Außenhandels festzustellen ist. Alles deutet darauf hin, daß die vom Export und von der Währung ausgehende und in der allgemeinen Politik des Nazi-Regimes ihren Ursprung findende Krise sich jetzt immer schneller und stärker auf die ganze übrige Wirtschaft und vor allem auf den Binnenmarkt ausbreitet. Die jetzt zu erwartende Aufzehrung der letzten vorhandenen Reserven der deutschen Volkswirtschaft, die an dieser Stelle im einzelnen nicht behandelt werden soll, kann diesen Verfallsprozeß vorübergehend hemmen und verlangsamen. Die Möglichkeit, ihn wirklich aufzuhalten, besteht heute nicht mehr. Ebenso wenig bestellt aber die Möglichkeit, die Auswirkungen dieses beschleunigten Ahgleitens in die Katastrophe, die noch das Jahr 1934 bringen muß und wird, auf die sozialen und politischen Spannungen innerhalb des „dritten Reiches" zu vermeiden. Auch hier kann ea höchstens gelingen, durch Anwendung der üblichen Verschleierungstaktik den fortschreitenden Abfall immer neuer und wichtigerer Schichten vom Hitler-System der Außenwelt vorübergehend zu verbergen, indem man durch die Anwendung immer schlimmeren Terrors und immer schärferer Gewaltmaßnahmen auch gegen die eigenen Anhänger noch kurze Zeit Herr der Situation bleibt. Die unvermeidliche Wirt- schaftskatastrophe führt dazu, daß das ganze System immer mehr auf der Spitze der Bajonette ruht. In einem hochindustrialisierten Lande wie Deutschland läßt sich aber allein auf der Spitze der Bajonette kein System halten und am wenigsten eines, das, wie das Hitler-Regime, in so kurzer Zeit und so überaus anschaulich dem eigenen Volk und der gesamten Umwelt seine Unfähigkeit bewiesen hat, die eigentlichen Probleme seiner Zeit und seines Landes auch nur zu erkennen, geschweige denn sie zu meistern. Jan Severin. Die neuen„Führer" des Handwerks Ueber die 16 neuen„Landeshandwerksführer" weiß der deutsche Presseverlag nichts weiter festzustellen, als daß vierzehn von ihnen gedient haben, daß aie in der Mehrzahl zwischen 34 und vierzig sind und daß der jüngste von ihnen 29 Jahre alt ist. Ansonsten, daß aie zu den„ganz alten Kämpfern" gehören. In einem Rundschieiben an die Regierungen der Länder wendet sich der Reichsarbeitsminister im Einvernehmen mit dem Reichsminister der Finanzen und dem Reichswirtschaftsminister gegen die Versuche örtlicher oder regionaler Stellen, Neueinstellungen von Arbeitslosen in der Privatwirtschaft durch Gewährung von Lohnbeihilfen aus öffentlichen Mitteln zu fördern. Durch ein solches Verfahren würden keine zusätzlichen Absatzmöglichkeiten und somit— gesamtwirtschaftlich gesehen— auch keine zusätzliche Arbeitsgelegenheit geschaffen, vielmehr trete nur eine ungesunde Verschiebung der Wettbewerbsgrundlagen zugunsten der mit Zuschüssen bedachten Betriebe ein. Den durch die Lohnbeihilfen ermöglichten Neue inst ei Inn gen ständen also Entlassungen in anderen Beziehen, in denen keine Lohnbeihilfen gezahlt würden, gegenüber. Auch sei es zweifelhaft, ol> das Verfahren wirklich eine Entlastung der beteiligten Fürsorgeträger mit sich bringe, da im Einzelfall nicht einwandfrei entschieden werden könne, ob die Einstellungen nicht auch ohne die Gewährung von Lohnbeihilfen erfolgt wären. Aus diesen Gründen ersucht der Reichsarbeitsminister die Regierungen der Länder, Versuchen mit Lohnbeihilfen aus öffentlichen Mitteln in jedem Fall entgegenzutreten. „Der Doli, der Elsen wadisen ließ..." Die„Kölnische Zeitung" berichtet: Die Aufwärtshewegung des Eisenmarktes setzt sich unaufhaltsam fort, so daß sich zahlreiche Werke der Eisenhüttenindustrie in den letzten Wochen zu erneuten namhaften Arbeitereinstellungen genötigt sahen. Die noch im vergangenen Jahr zur ständigen Einrichtung gewordenen Feierschichten, Arbeitsstreckungen und dergl. gehören der Vergangenheit an. Die Stahl- und Walzwerke sind überwiegend nicht nur angesichts der erheblichen Abschlußbestände, sondern auch wegen der flott eingehenden Spezifikationen für 6 bis 8 Wochen mit Arbeit versehen, was zur Folge hat, daß die Lieferfristforderungen besonders für bearbeitete Materialien und Qualitätserzeugnisse weiter an Ausdehnung zunahmen. Außerdem lind die Vorräte in fast sämtlichen Materialien stark zusammengeschrumpft, sodaßmitLieferungenabLagernur noch in verhältnismäßig seltenen lallen gerechnet werden kann. Die Erzeugung an Rohstahl erreicht im April einen seit 1930 nicht zu verzeichnenden Höchststand. Steuern bleiben Nunmehr steht fest, daß der Plan an einen Abbau der Hauszinsateuer endgültig aufgegeben worden ist. * Der Reithsverband deutscher Film-Theater hatte den Reithsfinanzminister ersucht, bei den Gemeinden anzuregen, daß der bisher geübte Brauch, in den Sommermonaten die Vergnügungssteuer der Film-Theater nicht zu erheben oder mindestens zu ermäßigen, auch in diesem Jahre wiederholt werden möge. Der V erband wies darauf hin, daß die Gemeinden vielfach in diesem Jahre von der Vergünstigung absehen wollten, im Hinblick auf die zu erwartende Aufhebung der Vergnügungssteuer. Der Reichsfinanzminister hat in einem Rundschreiben an die Landesregierungen zum Ausdruck gebracht, daß dieser Grund fortfalle, da mit der Aufhebung der Vergnügungssteuer nicht zurechnensei. . immer nodi Geldknappheit" Rückgang des Schuhhandels Der Reichsverhand Deutscher Schuhliändler teilt über den „günstigen" Verlauf des Geschäfts im Monat April mit: Der Geschäftsverlauf im Monat April hat sich im Schuheinzel- handcl im allgemeinen günstig gestaltet. Wenn auch die Umsätze durchschnittlich um etwa 8 Prozent gegenüber denen des Vormonats heruntergingen,«o ist dabei zu berücksichtigen, daß in den März das diesjährige Ostergeschäft fiel; ein Abfallen um nur 8 Prozent also beweist. daß die Geschäftsentwicklung im Anril sich günstig gestaltet hat. Auch gegenüber dem April 1933 hat eine durchschnittlich auf 8 Prozent anzusetzende Herabminderung der Umsätze stattgefunden, was gleichfalls als günstige Entwicklung betrachtet werden muß, weil im Vorjahre das Ostergeschäft in den April fiel. Die günstige Entwicklung des Schuhhandels im April ist vor allem auf das anhaltend schöne Wetter zurückzuführen, das in allen Teilen Deutschlands herrschte. Die Wetterlage beeinflußte auch die^ ahl des Artikels, indem viel Sommerartikel. Opanken, Leinenschuhe usw. verkauft wurden, während dadurch naturgemäß das Lederschuhgeschäft eine Beeinträchtigung erfahren mußte. Abgesehen von dem Wetter war auch zu beobachten, daß zwar immer noch Geldknappheit herrscht, s o daß billigere Artikel bevorzugt wurden. Die Vergnügung«» tau er im Berliner Etat Ein gleichgeschaltetes Berliner Filmblatt schreibt:„Der neue Etat der Stadt Berlin ist bereits soweit fertiggestellt, daß er in der nächsten Sitzung des Gemeindeausschusses angenommen werden soll. Dann bedarf es nur noch der Unterschrift des Oberbürgermeisters Dr. Sahm und des Staatskommissars Dr. Lippert, um ihn in Kraft zu setzen. Er hat rückwirkend vom 1. April bis zum 30. März 1935 Geltung. Für die Filmindustrie und besonders für das Lichtspielgewerbe hat in dem neuen Stadthaushalt der Posten Vergnügungssteuer besondere Bedeutung. Das Soll ist darin mit 6 200 000 Reichsmark angegeben. Der Betrag des vergangenen Geschäftsjahres 1933 34 stellte sich auf rund 6 500 000 Reichsmark, so daß also der Gesamtbetrag der Vergnügungssteuer im neuen Haushalt um zirka 300 003 geringer ist." S)eutsdke Stimmen• töeitage zur ,.&eutsdken Freiheit"• Irei&nisse und Qestfkiefkten Hessing- und die 7 Dienstag, den 29. Mal 1934. &fte Auswahl aus den Sinngedichten Auf den Ley Der gute Mann, den Ley beiseite dort gezogen! Was Ley ihm sagt, das ist erlogen. Wie weiß ich das?— Ich hör ihn freilich nicht: Allein ich seh doch, daß er spricht. Nazi-Sozialpolitik ,.Es ist doch sonderbar bestellt," Sprach flanschen Schlau zu Vetter Fritjen, ..Daß nur die Reichen in der Welt das meiste Geld besitzen." Der Präsident der Akademie für deutsches Recht Gerechtigkeit, wie kömmst du hier zu stehen? Hat Dich Dein Hausherr schon gesehen? „Wie meinst Du, Fremder, diese Frage? Er sieht und übersieht mich alle Tage." Reichstagsbrand Ein Hurenhaus geriet um Mitternacht in Brand. Schnell sprang, zum Löschen oder Retten, Ein Dutzend Mönche von den Betten. Wo waren die? Sie waren bei der Hand. Ein Hurenhaus geriet in Brand. Hanns Johst Giabschrift des Nitulus Hier modert Nitulus. jungfräulichen Gesichts, Der durch den Tod gewann: er wurde Staub aus Nichts. Rassen-Stolz Hier faulet Mimulus, ein Affe. Und leider! leider! welch ein Affe! So zahm, als in der Welt kein Affe, So rein als in der Welt kein Affe, So keusch als in der Welt kein Affe, So ernst als in der Welt kein Affe! Damit ichs kurz zusammenraffe: Ein ganz originaler Affe. Auf einen gewissen Führer Ihn singen so viel mäß'ge Dichter, Ihn preisen so viel dunkle Richter, Ihn ahmt so mancher Stümper nach, Ihm nicht zum Ruhm, und sich zur Schmach. Freund, dir die Wahrheit zu gestehen, Ich bin zu dumm es einzusehen, Wie sich für wahr Verdienst ein solcher Beifall schicket. Doch so viel seh ich ein. Das Singen, das den Frosch im tiefen Schlamm entzücket, Das Singen muß ein Quaken sein. Slcelt um einen Toten Franz Anton Me&mer zum 200. Geburtstag „Lege Deine Hand auf ihn, um den Schmerz zu stillen, und sage, der Sehmerz soll weggehen." (Aus einem ägyptischen Papyrus) Den einsamen Titanen, der zum ersten Male ins Dunkel '< r menschlichen Seele hineinleuchtet, strafen die Götter: • in selbst stürzen sie ins Dunkel, Franz Anton Mesmer, geboren vor zweihundert Jahren, am 23. Mai 1734. Wie ein Komet schießt dieses Leben empor, strahlt auf und versinkt im Nichts. Da ist Iznang am Bodensee, Mesmers weltabgeschiedener Geburtsort: Wien und Paris, Kopf und Herz des damaligen Europa, sind die Stätten seines größten Triumphs; die Schweiz ist der Zufluchtsort des Alternden; unbekannt "nd vergessen beschließt er endlich in der Vaterstadt seine Bahn. Aus kleinen Verhältnissen stammend— in der Blüte seiner Jahre liegt die Welt ihm zu Füßen—, kehrt er in kleine Verhältnisse wieder, da eine größere Kraft als die «eine die Welt erschüttert. So rundet sich der Kreis. Doktor zweier Fakultäten ist Mesmer schon, als er in Wien Medizin studiert. Bald ziert des großen van Swieten Unterschrift das dritte, das ärztliche Diplom. Eine reiche Heirat dazu vergoldet es— so ausgerüstet tritt der Mann ins Leben, vorläufig mehr Weltmann als Arzt. Sein Wiener Haus ist Mittelpunkt der Geistigkeit, und auch die schönen Künste fehlen nicht: Mozart Vater und Sohn gehen ein und aus, und im Garten Mesmers wird sogar die Erstlingsoper des Wunderkindes„Bastien und Bastienne" uraufgeführt. In Cosi fan tutte hat ihm der Meister ein unvergängliches Denkmal gesetzt, ihm und seinem Magnetstein: Iiier der Magnetstein Soll's Euch beweisen. Ihn brauchte Mesmer einst, Der seinen Ursprung nahm Aus Deutsehlands Gauen Und so berühmt ward in Francis. Der Magnetstein— oder das Magneteisen— war ein im Mittelalter hochgeschätzter Heilhehelf. Nicht nur Eisen ziehe er an, ging der Aberglaube, sondern auch Krankheiten. Durch Zufall, von einer durchreisenden Fremden, erfuhr Mesmer davon, und er griff danach, wie der Altertumsforscher nach dem ersten ausgegrabenen Stein der Stadt seiner Träume. Hier war der Beweis seiner Doktorarbeit, in der er behauptete, daß eine Allkraft den Kosmos durchfließe, von den Sternen her auf die Erde und ihre Bewohner wirke: De planetarum inflexu! Hier im Meteorstein schien sie materialisiert, diese Kraft des Weltalls, und fähig, die im Menschen steckende anzufachen zum gewaltigen Widerstand gegen die verderblichen Kräfte der Krankheit. Ein Jahr voller Erfolge geht um und Mesmer, hoch geselltet schon und weitberühmt, bringt von einer Begegnung mit dem Vorarlberger Jesuitenpater Gaßner aus München eine neue Erkenntnis nach Wien zurück: daß man die Widerstandskraft des menschlichen Organismus auch ohne den toten Stein entflammen kann, einfach durch Willens- Übertragung, zu der die Hand des Arztes auf die kranke Stelle gelegt, die Brücke bildet. Das ist der Beginn des berüchtigten Mesmerismus, mit dem aber zugleich all das anhebt, was der modernen Psychologie und Psychotherapie Ruhm ist. Wie jede neue Lehre tritt auch diese weit über ihr Ziel schießend ins Leben. Das Allheilmittel glaubt Mesmer entdeckt zu haben, wo er doch„nur" ein einzig-s heilbedürftiges Organ erschloß: die arme, gequälte mensch- liehe Seele. Mit Recht vergleicht ihn deshalb Zweig, der Dichter und Arzt mit keinem geringeren als Columbua, der auszog, das sagenhafte, versunkene Indien zu suchen, und im neuen Kontinent Amerika landete. Mesmers erster ganz großer Triumph wurde sein erstes Verhängnis. Ihm war ein junges blindes Mädchen zugeführt worden, an der die Kunst der großen Wiener Aerzte sich bracht Fräulein Paradies. Ihre Sehnervenstörung war offenbar eine seelische und so konnte ihr auch Mesmers Kur den ersten Schein des Augenlichts wiedergeben. Das war zuviel für die mißgünstigen Starstecher: sie entfesselten einen Skandal, in dem die Eltern des Mädchens, die Gesellschaft, und vor allem die Sittenkommission ihre willigen Helfer waren. Man jagt den Arzt aus dem Land, und das Mädchen in ein- Itervenkrise, in der ihre Sehkraft endgültig zusammenbricht. Zweiter Akt, Mesmer in Paris. Dort hat er seinen Platz und seine Aufgabe. Er soll die schon im Yorfieber der Revolution zitternden Nerven ins Gleiche bringen. Von beiden Seiten strömen sie ihm zu: Der Adel mit ahnungsvollem Unbehagen in der Seele, das Volk voll leidenschaftlicher Erwartung des Kommenden. In Mesmers Klinik entladen sie den Hexenkessel ihrer Gefühle. Fünf Jahre geht der tolle Spuk, jede einzelne Stunde steigert Mesmers Ruhm — und seine Einkünfte. Unfaßbar, was er damals alles im Zwielicht seiner mystisch hergerichteten Ordinationsräume aus dem Zwielicht der Seele herauszuholen vermag: Somnambulismus, Suggestion, Hypnose, alle krassen Widersprüche kurz zum damals herrschenden mechanistischen Materialismus. Der Zusammenstoß war unausbleiblich. Eine vom König eingesetzte Kommission sollte nach der geheimnisvollen Substanz suchen, die der Arzt auf die Krauken ausstrahlt. Sein Einfluß ließ sieh nicht leugnen, aber auch nicht messen, nicht tasten, nicht schmecken. Also wurde er als„Einbildung" abgetan, und Mesmer selbst als Salbader, Quacksalber, Scharlatan. Der Abstieg begann. Immer wilder kreist das Leben in Paris und immer einsamer wird es um den viel Gefeierten. Der Arzt Guiilotin, der das vernichtende Gutachten gefertigt hat, nimmt ihm nicht nur seinen Ruf; er schenkt auch der Revolution die Guillotine, die Mesmer seinen Anhang nimmt. Unblutige Nervenkuren kommen aus der Mode; größere brachte und brauchte jetzt die Zeit. Schließlich jagt Mesmer die Revolution, die ihm schon Ruhm und Vermögen zerstört hat, ganz aus dem Land; in Wien, wohin er sich zunächst wendet, hält man ihn für einen Jakobiner, der zu verhaften und abzuschieben ist. Seltsame Ironie, weiter gespielt vom Alternden: er zieht sich in die Schweiz zurück, aus dem Brennpunkt der Welt in ein weltentlegenes Dörfchen, wird aus dem allmächtigen Hofarzt zum bescheidenen unbekannten Land- doktor, ist tot, lange, ehe er 1815 stirbt. Die Fackel indes, die er in die Welt geschleudert hat, brennt weiter, und der wilde Kampf, der ihn zweimal umbrandet, ist längst Uber seine Pereon hinweggesehritten, wie über die ersten tastenden Erkenntnisse seines Systems. Noch kommt nach Wien und Paris Berlin: Der Streit um den Echtheitsgehalt des Mesmerismus beschäftigt Jahre später, zu Mesmers Lebzeiten, die Berliner Königliche Akademie; ja sogar vor dem Grab des Vergessenen, das Freunde mit einem Stein geschmückt haben, macht er nicht Halt: Unbekannte verwüsten es. War das das Ende? Nein, das war erst der Beginn. Es folgen die großen Entdeckungen im Neuland der Seele, es folgt damit aber auch der ganze abergläubische Krimskrams, die Taschenspielerkunst und Gaukelei, die schon Mesmers Auftreten unheilvoll begleitet haben. Nicht nur die moderne Psychiatrie, auch übelste Geisterseherei und mittelalterlichster Zauberglaube; fortgeschrittenste Psychotherapie, Technik des Massenwahns sowohl wie der suggestiven Heil- beeinflussung: Goebbels und Freud, das ist Mesmers Erbe, der zugleich krauser Wirrkopf und kühler Forscher war. Gelegentliche Gedenktage wie der heutige können die Erinnerung an den Mann erwecken; im Kampf derer, die sein Erbe gehoben, hat er nichts mitzureden. Er und sein System sind tot. Nur der Streit lebt weiter. ERCK. Uwe Volker Spartiol Spaniol— so heißt der frühere Führer der„deutschen Front" an der Saar. Führer ist er nicht mehr, dafür ist er von anderer Seite entschädigt worden. In der„Saar- brüiker Zeitung" vom 22. Mai finden wir folgende Anzeige: Durch die Fülle der uns anläßlich der Geburt unseres Söhnchens Uwe Volker übermittelten Aufmerksamkeiten und Glückwünsche sind wir gezwungen, all denen, die an dem glücklichen Ereignis freudig teilnahmen, auf diesem Wege herzlichst zu danken. A. Spaniol, Preuß. Staatsrat und Frau. Das Deutsch ist etwas peinlich. Dafür ist„Uwe Volker Spaniol" von niederschmetternder deutscher Kraft. Der katholische Priester, der diesen Namen ins Kirchenbuch ein- l agen mußte, hat einem nordischen Wotans-Christen in die völkische Windel geschaut IDaCtec Tiex hat Qliick gehabt Ein Kulturdokument Durch die deutsche Presse geht folgende Mitteilung: „Der Sachverständige für Rasseforschung beim Reichs- Ministerium des Innern hat die Abstammung des deutschen Dichters Walter Fiex nachgeprüft, da dieser mehrfach als Judenslämmling bezeichnet wurde. Der Verdacht der jüdischen Abstammung entstand durch den Geburtsnamcu der Mutter des Dichters, Margarethe Pollack(geboren 8. 4. 1862 in Rawitscb), da der Name Pollack häufig als Judenname vorkommt, er ist aber, wie auch andere Herkunftsnamen(wie Heß(e), Sachs(e), Schwab(e), als Name rein arischer Geschlechter nachweisbar. So hat die eingehende Nachprüfung und Erforschung der Abstammung der Margarethe Fiex geh. Pollack ergehen, daß diese einer angesehenen Familie rein arischen Blutes entstammt, die bis zu einem Namensträger festgestellt werden konnte, der um 1750 geboren wurde. Auch die übrigen Ahnen des Dichters sind rein arischer Abstammung. Das Gutachten des Sachverständigen für Rasseforschuiig heim Reidisministerium des Innern lautet: „Ich habe die Ahnen des Dichters Walter Fiex. geboren am 6. 7. 1887 in Eisenach, gefallen auf Oesel am 16. 10. 1917, teilweise bis zu den Ur-Urgroßeltern und darüber hinaus nachgeprüft und festgestellt, daß sie evangelischer Konfession und arischer Herkunft waren. Der Dichter Walter Fiex ist deutscher Herkunft und frei von jüdischem Blutseiuschlag. Eine ausführliche Ahnentafel des Dichters wird demnächst durch den Sachverständigen für Rasseforschting veröffentlicht werden. Somit steht die rein arische Abstammung von Walter Fiex fest und sein schon aus seinem Leben und Sterben und seinen Schriften ersichtliches deutsches Wesen ist nun auch durch den urkundlichen Nachweis seiner Abstammung zweifelsfrei festgestellt. Alle gegenteiligen Behauptungen und Verdächtigungen sind geeignet, einen deutschen Helden des großen Krieges in seinem Ansehen herabzusetzen.(Die Tatsache, daß sich ein Rassenamt findet, derartige Gutachten abzugeben, steigert es wohl? Die Red.). Der jedermann zugängliche Urknndennachweis läßt solche unrichtigen Ausstreuungen in Zukunft als bewußten Angriff gegen das wunderbare Vermächtnis erscheinen, das uns Fiex, der„Wanderer zwischen zwei Welten", geschenkt hat. Die deutsche Jugend sollte es als ihre Pflicht betrachten, ihte Liebe zu seinen Werken noch heißer brennen zu lassen und versuchen, das fortzuwasdien, was man mit falsche» Strichen in das Bild dieses mit Blut und Geist deutschen Menschen zu zeichnen versucht hat." * Der tote Walter Fiex hat Glück gehabt. Wäre das Urteil des Sachverständigen für Rasseforschung anders ausgefallen, so hätten ihm weder seine Vaterlandsliebe, noch seine Kunst, ja, nicht einmal sein Heldentod etwas genützt. Juleces&ant- füt tuen? In der Zeitschrift„Deutsches V o 1 k s t u m", Hamburg(Herausgeber Wilhelm Stapel), lesen wir: Wenn ein Historiker in 50 oder 100 Jahren die Zeitungen von heute aufschlägt, wird er den„Völkischen Beobachter" als Zeugnis historischer Vorgänge weil interessanter finden als die Basler und Züricher Blätter mit ihrer Art von Kritik, für die man in Norddeutschland den etwas groben, aber treffenden, Ausdruck„Klugscheißereien" hat. Warum diese falsche Bescheidenheit? Daß sich Historiker interessieren werden, ist noch gar nichts— wie erst die Irrenärzte! Denen wird unerschöpfliches Material aus der Nazipresse erblühen, und die Wissenschaft der Zukunft wird dein„Völkischen Beobachter" ewige Dankbarkeit bewahren. ZeitsTlctiiien Ein Wilhelm-Busch-Archiv In Hannover wurde das neu geschaffene Wilhelm-Busch- Archiv der Oeffentlichkeit übergehen. In ihm soll alles zusammengetragen werden, was zum Werke des Zeichners und Dichters gehört. Bereits jetzt enthält das Archiv eine große Fülle seltener Erstdrucke und zahlreiche Briefe W ilhelm Büschs, u. a. die an den Geheimrat Warnecke, an seinen kürzlich verstorbenen Neffen Hermann Nüldecke und an seine Münchener Freundin Ferdinanda Keßler. Ein Unikum sind die von dem Buschhiographen Vangelow gesammelten Ausschnitte aus den„Fliegenden Blättern". Als Rarität gelten auch einige Briefe an Busch, da er seine Korrespondenz zu vernichten pflegte. Die Biichersammlung enthält außer den Werken Büschs und der Literatur über ihn auch die Werke seiner Vorgänger und Nachahmer und eine Sammlung von„Max und Moritz" in fremden Sprachen, Scherenschnitte Büschs, Fotografien aus seinem Leben, eine Kartholek mit zahllosen Zeitungsausschnitten vervollständigen das Archiv, das das Werk des Meisters vor Zersplitterung bewahren und zum Mittelpunkt der Forschung werden wird. Lehars Pariser Walzer Franz Lehar ist augenblicklich Gast der Stadt Paris. Alle seine Bewunderer vernehmen es mit großer Freude, daß er soeben einen Walzer beendet bat, der der Stadt Paris gewidmet ist. Dieser Walzer, betitelt„Salut Paris", ist komponiert für einen Film, der kürzlich von Franzosen in Wien gedreht wurde. In dieser verfilmten Reportage wird man Franz Lehar persönlich zum ersten Male auf der Leinwand sehen. Es handelt sich um den Film„Wien 1934". Preis für ein Krebsheilmittel Mitglieder der Kuomintang haben dem Zentralexekutiv komitee in Nanking 50 000 Dollar zur Aussetzung eines Preises für ein nachweislich wirksames Heilmittel gegen deu Leberkrebs zur Verfügung gestellt. Die Stiftung dient dem Andenken an Dr. Sun Yatsen, den Vorkämpfer der chino- slsrhe» Einheit und Freiheit, der dieser Krankheit erlag Der Preis.st zeitlich nicht befristet und kann ohne Unterschied der Staatsangehörigkeit verliehen werdetv J .Deutsche Freiheit«, Nr, 121 Das bunte Vlatt Dienstag, 29. Mai 1934 Vutantan Bon Frefiertc Lytton Der Assistent schnallt hohe Ledergamaschen an, zieht Büffelstulpen über die Hände, nimmt einen köcherartigen langen Stock und ist fersig zum Schlangenfang. Es ist ein kalter trüber Tag, der dxn Regen von der Sorocabana herüberweht. Die Schlangen sitzen alle in ihren runden Betonhäusern, wie Pontoks im Negerkraale sehen sie von weitem aus. Aber im Wassergraben, der am Fuße der Umfassungsmauer die Schlangeninsel umzieht, schwimmt eine lange dünne gelbe Cobra, mit seltsam hochgehobenem Schwanz und Kopf. Ein dicker Frosch klebt ängstlich im Ufer- gras Die goldbraunen Pupillen schielen entsetzt nach schleichenden, unsichtbaren Gegnern. Ein Schwärm ganz kleiner Fische zieht dicht am Grunde des Grabens dahin, fegt in blitzschneller Wendung zurück, als unser Schatten das Spiegelbild trübt. Der Assistent öffnet eine Drahttür. Uebersteigt die Mauer, jumpt dann mitten hinein ins Natternparadies. Sein Köcher- fährt, in einen der Pontoks, zieht drei kleine, sich windende Schlangen raus. Aus dem nächsten fährt, wütend ob der Störung, ein dickes schwarz- braunes Biest raus, klappert bedrohlich. Schon hat der Assistent ihren Kopf niedergedrückt, hebt sie hoch, öffnet den Rachen. Wir sehen die Hakenzähne, während das starre Hypnotisierauge uns attackiert. Sie weiß, daß wir Angst vor ihr haben. Der Mann schlenkert sie endlich fort. Die Klapper- schlänge stößt blitzschnell in den Graben, schießt an der ande- ren Seit« die Mauer hoch, so daß wir respektoll zurückfahren. Der dicke Frosch nimmt schleunigst Fliegerdeckung. Unser Freund aber, begierig auf unser Lob, produziert sich nun als Dompteur. Em halbes Dutzend Schlangen angelt er zu- lammen, hebt dann das ganze Bündel hoch. Er sieht aus wie der alte Fischer Dobberschütz in meiner Heimat, wenn er «blutfrische Aale" auf dem Wochenmarkt anpries. Das GraS der Insel bewegt sich jetzt unter dem weichen Ringeln der Cobras. Zischen und Klappern. Viele lassen sich ins Wasser gleiten. Eine große, schwarz-gelbe Gift- schlänge erklimmt ihren Pontok, legt sich oben im Kreise, den Kopf wachsam erhoben. Unser Mann, zufrieden mit dem Resultat seiner Dressur, kommt zu uns, eine Klapper- schlänge als Reliquie mit sich tragend. Ein Wärter über- nimmt sie. Wie einen jungen Hund packt er sie am Halse, bringt sie dann zur Giftentnahme ins Laboratorium. Jetzt kommen die ungiftigen Schlangen. «Leider haben wir keine ausgewachsenen Riesenschlangen," sagt entschuldigend unser Führer. Dann geht er, weit vor- sichtiger als bei den Giftnudeln, unter den Bäumen eines anderen Zwingers hin. Er äugt, faßt plötzlich zu. Holl eine zwei Meter lange Schlange aus dem dichten Gebüsch. Sie windet sich, drückt ihre Ringe um den sie haltenden Arm. Der Wärter muß kommen, um den Assistenten zu befreien. Als sie ins Gras gelegt wird, fährt sie wütend auf eine andere Cobra los, die wir gar nicht gesehen haben. Beißt sie ins Genick. Versucht die Feinbin zu zerreißen. Erst alS sie die Eisenspitze des Wärters spürt, läßt sie los. Man zeigt uns eine andere große schwarze Schlange, die Giftschlangen frißt— sie machte gleich einen so sympathischen Eindruck. Eine junge Sucurri, die schon zweieinhalb Meter lang ist und über einen Zentner wiegt, zeigt mir der Assistent mit ganz besonderem Vaterstolz.„Neulich hat sie ihr erstes Ferkel gefressen," sagt er zärtlich. Um ihn zu ärgern, er- zähle ich von den berühmten großen Sucurri in Rio, die zwei Schweine vertilgt und in dem Verdacht steht, früher im Urwald auch Kannibalin gewesen zu sein. Und dann gehen wir ins Laboratorium. In einem Glaskäfig liegt die Klapperschlange. In einem anderen nebenan bellt ein naiver Terrier, der noch nichts vom Serum weiß. Nun öffnet man eine Verbindungstar zwischen den Kästen. Der Terrier, froh über die Abwechslung, läuft hinüber, beschnüffelt die Schlange. Schwapp! hat er emen Biß weg, dicht am Ohr. Erstaunt steht er einen Augen- blick, schüttelt sich, bellt. Unterbricht sich selber. Springt plötzlich mit allen Vieren hoch. Dreht sich im Sprunge. Fällt auf den Rücken Zappelt, japst. Die netten braunen Augen werden stier, wir sehen die feinen Rippen unter dem Fell und das aufgeregte Herz, das gegen den Tod ankämpft. „Awful interesting," lobt eine Aankeedame, und ich be- daure, daß sie nicht von der Klapperschlange gepiekt wurde. Aber schon langt der Wärter mit einem Haken in den Kasten, zieht den Terrier heraus, legt den zitternden Tier- körper auf einen Tisch. Dann zückt er eine Spritze und macht eine Injektion in den Rachen. Noch einige Minuten, und der Hund fällt langsam auf seine Beine zurück. Der Schwanz wedelt— er ist gerettet und weiß nicht einmal wieso und warum. „Wenn jetzt die Cobra den Hund beißen würde, hätte das keinerlei Wirkung, sie hat kein Gift mehr," erklärt der Assistent, bereit zu neuem Experiment. Aber wir lehnen ab. Der Hund lebt ja und interessiert uns jetzt ebenso wenig wie ein auf dem Schafott Begnadigter. Am Eingang zum Institut hält ein grüner Karren mit Maultieren. Ein Kaboclo reicht den Arbeitern runde Schach- teln herunter, die wie Hutbehälter aussehen. Schlangen, nichts als Schlangen sind darin. Die schicken die Leute aus ganz Brasilien nach Vutantan und bekommen dafür umsonst das Serum, um es sich einzuspritzen, wenn sie gebissen werden. Dann schicken sie die gebissen habende Schlange nach Butantan, dort revanchiert man sich wieder mit Serum... Kreislauf der Wirtschaft, nennt man einen solchen Vorgang. s>ex Appeal Von Marlene Dietrich (Aus einem Gespräch) Was ist Sex Appeal? Ist es die Erregung der Liebesleidenschaft beim Mann? Ist es der undefinierbare Charme, den jede schöne Frau besitzt? Ist es ebenso gefährlich für diejenigen, die es besitzen, wie, für die, die unter seinen fatalen Einfluß geraten? Kann eine Frau diese außergewöhnliche Macht über Männer ausüben, ohne von vornherein als„verlorene Frau", als„Halbweltdame" oder als„Frau, von der man es nicht anders erwartet hätte", gebrandmarkt zu sein? Meine Filmarbeit sollte mich gewiß dazu qualifizieren, eine Meinung ber diese viel debattierte Frage zu äußern. Das Kapitel Liebe ist so mißverstanden überall, baß es mir fast unmöglich erscheint, es von all den Halbwahrheiten und Beschmutzungen, die es umgeben, reinzuwaschen. Nichts Krankes und Gefährliches gibt es dabei. Nur die Heuchler sehen darin eine schreckliche Gefahr? und auch nur weil ihr Gesichtskreis durch die verborgenen Komplexe, von denen man so viel spricht, verdunkelt ist. Richtig angewandt, kann die Liebe eine aufbauende Macht darstellen, und wenn sie in meinen Filmen in einem diskreditierenden Licht dargestellt ist, so ist es ein Fehler der Zivilisation, die sie mißbraucht hat, nicht ein Fehler, der in der Liebe selbst zu finden ist. Trotz allem, die Liebe stellt den herrschenden Faktor in unserem Leben dar. Sie brachte uns zur Welt. Ihr unter- liegen die meisten unserer Handlungen und wohl alle unsere Regungen, angefangen mit der Liebe der Eltern zu ihren Kindern. Sie ist der Faktor allen Mitleids und aller Sympathie, die wir für kranke Tiere, kleine Kinder, haltlose und kranke Menschen hegen? sür die Verehrung, die junge Mädchen Abenteuern und Athleten entgegenbringen: und für den Schutz, den man Armen und Bemitleibungswürdigen angedeihen läßt. All diese Dinge sind rein physisch— so physisch wie die Liebe, die Othello sür Desdemona fühlte, und sie für ihn. und was Shakespeare in den Worten zusammenfaßte:„Sie liebte mich dafür, was ich für sie getan. Ich liebte sie. weil sie mich bemitleidete." So unglaublich es auch scheinen mag. die rauhen Männer und Frauen der Welt besitzen nicht das eigentliche Sex Appeal. Man kann es auch nicht erwerben, man hat es ober man hat es nicht. Sex Appeal ist eine Art von Unwissenheit— eine Art von leidenschaftlicher Unwissenheit, die mich als Lili im„Lied der Lieder" befiel, als ich mein Herz dem wertlosen jungen Bildhauer schenkte. Wenn die natürlichen Impulse verbunden sind mit Schön- heit und Charme, dann ist das Sex Appeal unwiderstehlich. Es ist so mächtig, so magnetisch, daß sogar alte Leute, die in seinen Bann geraten sind, sich wieder jung fühlen. Der Jugend zeigt es das Dasein und macht das Leben lebenswert. Kann man Sie Jugend verurteilen, daß sie diese köstlich klingenden Sensationen erproben will? Kann man den Jungen und Mädchen von heute den Wunsch versagen, nach allem zu greisen, was das Leben ihnen bietet? Soll man ihnen die Freude entreißen, ihre neuentdeckte Freiheit zu genießen? Der Hunger nach Romantik ist das eigentliche Phänomen, und der Film scheint in gewissem Matze diesen Regungen Rechnung zu tragen. Ich glaube, weil der Film das Symbol geworden ist für das, was jung und lebens- durstig, reizend und romantisch ist. Leiber haben die Filmproducer das Sex Appeal geschäft- lich ausgebeutet und auf eine niedere Stufe gedrückt. Scham- lose Bade- und indiskrete Schlafzimmerszenen sind ein Gemeingut des Films geworden. Ich bin nicht prüde. Ich glaube, daß die Liebe das Größte im Leben ist. Ohne sie wäre die Welt zu Ende. Aber ich weiß, daß es ein künstlerischer Selbstmord für eine Schau- spielerin ist. Sklave eines bestimmten Typus zu werden. Keine Schauspielerin— wert dieses Namens— will ein Ständer für schöne Kleider werden. Fragt man zum Beispiel einen Kameramann, was Sex Appeal ist, so antwortet er bestimmt:„Ein gutes Film- gesicht!" Da ich aber ausrichtig weiß, wieviel ich meinem Kameramann schuldig bin, so bitte ich, seine Person von seiner etwaigen Definition des Sex Appeal zu unterscheiden. Sex Appeal bedeutet meiner Ansicht nach eine ungeheure Lebenskraft, eine Lebensfreude einen Enthusiasmus, eine Begeisterung, die zum Beispiel der Jäger für sein Wild aufbringt. In einem Wort, Sex Appeal ist„Natur"! K. A Giner, der;u vorsichtig sein wollte Ein Bürger aus Tortona in Italien hatte sich ein Lot- terielos gekauft. Um ganz sicher zu sein, daß er es nicht ver- iiere, klebte er es an die Rückwand seines Eisenbettes. Nach der Ziehung stellte er mit Freuden fest, baß er einige hun- dert Lire gewonnen habe. Er versuchte also, das Los von seinem Aufbewahrungsplatz zu entfernen, aber alle Mühe war vergeblich, der Leim hielt zu fest. Wenn er das Billett nicht zerreißen wollte, blieb ihm nichts anderes übrig, als sein Bett auseinanderzunehmen und mit der Rückwand aus dem Buckel sich in das Lotteriebüro zu begeben. Aber auch hier war seine Mühe vergeblich gewesen, denn kein Para- graf deS„Lotteriegesetzes gestattete es den Beamten, die Rückwand eines Bettes als genügenden Beweis für einen Gewinn an,uf en. To war Alfonso Cuttita gezwungen, sich zu einem Schlosser zu begeben, der ihm das Stück Metall, auf dem das kostbare Billett klebte, aus dem Eisenbett her- ausschnitt. Erst jetzt konnte dem glücklich-unglücklichen Ge- winner geholfen werden. Gs wird fotografiert Bon Georg Wilma« Am Sonntag, gleich, nachdem man aufgestanden, Wird in die grüne Landschaft rausspaziert. Und mitspaziern die lieben Anverwandten, Papa, Mama, die Kinder und die Tanten, Und dann wird fotografiert! Sie lehnen malerisch an Brunnenränber«, Sie werden um den Denkmalszaun gruppiert, Sie flattern neckisch mit den Hütebändern, Sie stehn wie festgeklemmt an den Geländern: Sie werden fotografiert! Die Fotografen können keinen Baum sehn, Der frisch mit jungem Frühlingsgrün geziert: Schon müssen sie ihn auch als Frühlingstraum sehn, Und kann man ihn dann auf dem Bild auch kaum sehn: Der Baum wird fotografiert! Was ihnen in den Weg kommt, ist verloren: Ein alter Mann, der einen Ochsen führt. Ein alter Hund, rassisch ganz mitzgeboren. Ein altes Haus mit holzgeschnitzten Toren: Alles wird fotografiert! Sie knipsen Schwäne, Berge, Paddelboote, Kaninchen, Blumen sletztre koloriert), Kanarienvögel, Wände, Butterbrote, Kartoffeln, Menschen, Tiere ssogar tote!): Nichts bleibt unsotografiert! Zum Beispiel mein« liebe Tante Liesa Wird nur zum Knipsen eigens mitgeführt. Sie steht da wie der schiefe Turm von Pisa Und sächselt, denn se schdammd scha ooch auS Riesa: „Wär m'r schedsd foddegrafiehrd?" So halten sie es jetzt schon alle Jahre. Den ält'stcn Greis wie auch den Jüngling ziert Der Fotoapparat. Das einzig Wahre Im Leben: von der Wiege bis zur Bahrt Wird dauernd fotografiert! Meine Vrille Bon Harold Lloyd Harold Lloyd, der jetzt seit längerer Zeit in Hollywood wieder an einem Film arbeitet, er- zählt die Geschichte seiner Brille. Die meisten Menschen glauben, komisch sein, das sei eine äußerst einfache Angelegenheit, und es gehöre nicht viel mehr dazu, als ein paar Grimassen schneiden zu können. Glauben Sie mir, es ist durchaus nicht so leicht, wie es aussieht. Jedenfalls ist es viel, viel leichter, 100 Meter Großaufnahme zu spielen, als auch nur 10 Meter lang wirk- lich komisch zu sein.(Entschuldigen Sie diese seltsame Be- Messung? sie ist nun einmal uns Filmleuten zur Selbst- Verständlichkeit geworden.) Die Leute finden, daß ich selbst vor allem durch meine Brille komisch wirke. Das stimmt wohl auch, und glauben Sie mir, es war gar nicht einfach, bis wir das heraus- gefunden hatten. Ich kann Ihnen aber verraten, daß ich im Privatleben gar keine Brille trage, da ich weder kurz-, noch weit- noch übersichtig bin. Wie ich zu meiner Brille kam? Das ist sehr einfach. Ganz am Anfang meiner schauspielerischen Laufbahn, als ich noch den Ehrgeiz hatte, tragische Rollen von größtem Ausmaß zu spielen, setzte ich mir-einmal zum Spatz die Hornbrille eines Freundes aus, ging damit ein paar Schritte herum und machte wahrscheinlich, weil mich natürlich die scharfen Gläser störten, kein sehr geistreiches Gesicht. Alle Leute, die im Zimmer waren, fingen sofort zu schreien und zu lachen an und erklärten mir, ich sähe mit dieser Brille unsagbar komisch aus. Damit war mein Schicksal besiegelt, und ehe ich mich versah, war jene Brille zu meinem zweiten Ich geworden. Mit der Brille allein ist es aber noch nicht getan. Die Hauptsache bei einem guten Filmlustspiel sind die Ideen und mehr noch das Tempo, in dem die lustigen Szenen sich folgen und überstürze». Wenn wir an meinen Manuskripten arbeiten, und vor ollem auch später im Atelier— denn die witzigsten Ideen werden meistens aus der Idee geboren—, dann haben wir ein halbes Dutzend Leute bei uns, die keinen anderen Beruf haben. alS sich über solche lustigen Einfälle ihre klugen Köpf- chen zu zerbrechen. Diese Leute— man nennt sie bei uns „Gagmen"— werden ausgezeichnet bezahlt. Sie verdienen es aber auch? denn es ist weiß Gott nicht einfach, jeden Tag ein paar besonders witzige Einfälle zu haben, die dazu noch den Vorzug haben sollen, originell zu sein. Wenn Sie also im Kino sitzen und in einer kurzweiligen Stunde jede Minute ein- bis fünfmal herzlich lachen, so machen Sie sich keinen Begriff davon, daß jeder einzelne„Lacher" uns schweres Kopfzerbrechen und manchen Schweißtropfen kostet. Aber das ist ja schließlich unsere Sache. Sie sollen sich nur amüsieren, und daran haben wir dann unsere Freude schneller als die Propheten es ahnten Bor drei Jahren äußerte der Oberstleutnant Pierre Weiß während eines Vortrages Prophezeiungen, die damals sehr kühn erschienen. Er sagte wörtlich:„Zwischen 1050 und i960 wird der Sieger des Schneider-Pokals(oder bei ähnlichen Proben bestimmt 1000 Kilometer in der Stunde fliegen. Zur selben Zeit werden die Militärslugzeuge gemäß ihrer Typen eine Geschwindigkeit von 400 bis 700 Stundenkilometern erreichen." Wir sind erst im Jahre 19S4 und der Schneiüer-Pokal ist in diesem Jahre noch nicht ausgetragen worden, aber ein amerikanischer Postflieger hat soeber auf einem längeren Fluge eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 600 Kilometer in der Stunde erreicht. Die Prophezeiungen sind bei weitem übertrvffeu. Die Konstrukteure sind eben scyneller gewesen, als die Propheten es gewagt hätten vor. auszusagen. Auch ei» Zeichen der Zeit! friedcnspfand oder Krle&herd? Zur Diskussion Ober die Nentralislerang des Saargeblefes Man schreibt uns: Der ehemalige Direktor der franco-saarländischen Handelskammer Francois Christin hat in der„Aetion Nouvelle", dem Organ der französischen National- revolutionäre, in einem umfangreichen Artikel zu dem Saarproblem Stellung genommen. Der Verfasser geht von der Notwendigkeit aus, im Wege von Verhandlungen aus dem Saargebiet einen neutralen Staat zu schaffen, in dem jede Lokalverwaltung das Recht habe, zwischen deutscher und französischer Verwaltung zu wählen. Allein in der politischen Neutralitätserklärung des Saargebietes sieht Christin den Schlüssel zur Lage Europas. Das Saargebiet, „als europäische Hoffnung und Dolmetsch des Welt- friedens", werde die Ursache eines furchtbaren Konfliktes zwischen Deutschland und Frankreich sein, wenn man sich nicht zu der von ihm angeregten Lösung einer Vertrags- mäßigen Pazifterung der Saar verstehe. Und in herrlichen Farben entwarf er für den Fall der Neutralitätserklärung der Saar ein fantastisches Bild der Prosperität, die im Land aufblühen müsse, er sieht in einem solchen Land die „Befreierin Europas, den Schiedsrichter über den Welt- frieden". In sieben großangelegten Kapiteln, deren Ueber- schriften schon den Standpunkt des Verfassers zum Aus- druck bringen, wandelt er diesen seinen Gedanken, der übrigens durchaus nicht neu ist. in den verschiedensten Ge- bieten ab. Die politischen Fragen scheinen ihm zweit- rangig, er sieht die Probleme und ihre Lösung lediglich auf wirtschaftlichem Gebiete und erhofft von hier aus die Be- reinigung der deutsch-französischen Beziehungen. Die ein- zige politische Schlußfolgerung, die er zieht, besteht darin, daß das Problem bei der von ihm gewünschten Reglung — koste es was es wolle= vor 1935 gelöst werden müsse. So bestehend bei der Beantwortung der aufgeworfenen wirtschaftlichen Fragen die Ideengänge des Verfassers sind, so sehr setzt die geradezu unschuldige Unkenntnis der Gedankengänge der nationalsozialistischen Regierung in Erstaunen. Selbst wenn bis vor kurzem auf deutscher Seite noch der ehrliche Wille bestanden hätte, sich auf bindende Diskussionen über das Saarproblem mit Frank- reich einzulassen, so dürfte die Feststellung, daß hierzu heute alle Wege verschüttet sind, unmöglich sein. Bon Deutschland aus gesehen könnten Verhandlungen geführt werden nur über die unbedingte Rückgliederung ohne das durch den Versailler Vertrag vorgesehene Votum der Saarbevölkerung. Das haben die verschiedenen Redner, die als authentische Interpreten des Willens der Reichs- regierung das. Saarproblem erörterten, oft genug zum Ausdruck gebracht. Für Frankreich kann es eine Aus- etnandersetzung über die schwebenden Fragen nur im Rahmen des Völkerbunds in Genf geben, um so mehr als Hitlerdeutschland seinen Entschluß, sich von allen aus der Zugehörigkeit zu der Genfer Institution erwachsenen Ver- Kindlichkeiten zu befreien., durch den Austritt aus dem Völkerbund deutlich genug bekundet chat und die Wieder- aufnahm« der Besprechungen über.seinen Wiedereintritt kategorisch von der Erledigung der Saarsrage in seinem Sinne abhängig macht. Die Vorschläge Christins hätten einen Sinn gehabt, wenn als Vertragspartner Frankreichs in Deutschland ein System bestanden hätte, das in der unbedingten Ein- Haltung bestehender oder zu begründender vertraglicher Verpflichtungen eine prinzipielle Bindung und nicht eine bloße Zweckmäßigkeitsmaßnahme gesehen hätte. Aber— und hier scheinen die wesentlichsten Einwände gegen die blendenden Gedankengänge des ehemaligen Direktors der franco-saarländischen Handelskammer zu liegen— bestände in Deutschland nicht eine nationalsozialistische Regierung, so könnte es an der Entscheidung der Saar- bevölkerung— und auch des Völkerbunds— keinen Zweifel über die Selbstverständlichkeit unbedingter Rück- gliederung geben. Ein politisches Saarproblem existiert eben erst seit dem 39. Januar 1933, und wie eminent politisch das Problem schlechthin ist, beweist gerade die Tatsache, daß die heute im Brennpunkt der Auseinandersetzungen stehenden wirtschaftlichen Fragen bis zum Sieg des Nationalsozialismus in Deutschland nicht einmal ventiliert wurden. Das Land ist ausgesprochen deutsch, an dieser Tatsache läßt auch Christin keinen Zweifel, und er befürchtet daher für Frankreich eine schwere Enttäuschung für den Fall der Abstimmung. Mit diesen Feststellungen darf er zweifellos recht behatten: so sehr man auf französischer Seite und in den Kreisen der Anschlußgegner geneigt ist, die Entscheidung aus dem Trommelfeuer nationaler Gegensätze auf den versuch- lichten Boden sozialer Erwägungen des Lebens- interesses zu wälzen, in ihren wesentlichsten Teilen ist die Entscheidung doch getragen von dem rein politischen Gesichtspunkt einer Abstimmung für oder gegen den Nationalsozialismus und fein S y st e m. Diese Fragestellung bedingt es. daß zweifellos jede Befragung der Saarbevölkerung für Frankreich eine Enttäuschung sein wird, da jede— gleichwie immer— geartete Entscheidung gegen Hitler noch nicht als Votum für Frankreich gedeutet werden darf. Die Tätigkeit des Völkerbundes bei der Verwaltung des Saargebietes hat durchaus nicht so evident den Vorzug dieses Regimes vor anderen erwiesen, als daß selbst die Erklärung für den Status quo als Vertrauensvotum für das jetzige Regime gewertet werden dürfe. Da aber diese Möglichkeit als einzige der im Versailler Vertrag vorgesehenen Möglich- ketten der Ablehnung des faschistischen Diktaturregimes bleibt, ist für den Fall der Abstimmung die Entscheidung der Saarbevölkerung absolut offen. Nichts wäre falscher als die Auffassung, die durchgehende Ernüchterung, die heute ganz Deutschland von den Arbeiter- bis tief in die Mittelschichten erfaßt hat. bliebe ohne Wirkung auf das Votum der Saarbeoöikerung. Betonen wir es nochmals: Soweit es das Votum der Saarbevölkerung angeht, werden die Bemühungen, die eine Verlagerung der Frage auf, das rein wirtschaftliche Gebiet.erstreben, die das Votum entpolitisieren wollen, zum Scheitern verurteilt sein. Der Fall eines saarländi- schcn Fabrikbesitzers, der sich bereits in Frankreich für den Fall der Rückgliederung angekauft hat und bei dem so die Möglichkeit terroristischer Willensbeeinflussung beinahe ausgeschlossen erscheint, und der gleichzeitg Mitglied der „deutschen Front" ist, darf als symptomatisch angesehen werden. Während in diesem Beispiel?s dem Betreffenden gegeben ist. sowohl dem„Zuge seines wirtschaftlichen wie seines politischen Herzens" zu folgen, besteht in weiten Kreisen der Saarbevölkerung, die zum großen Teile zudem noch dem ständigen Druck der Nationalsozialisten aus- gesetzt ist. ein heftiger Gewissenskonflikt, der gerade da- durch an Schärfe gewinnt, daß er fälschlich zu einer Ent- scheidung für oder gegen Teutschland zugespitzt wird. In Wirklichkeit— und das kann nicht oft genug gesagt werden—.handelt es sich und darf es sich nur um eine Entscheidung für oder gegen das faschistische System in Deutschland handeln. Die Entscheidung also— wenn sie nicht auf Rückgliederung lautet— sollte daher immer nur als dilatorische, nicht endgültige anzusehen sein. So gesehen verliert das von Christin aufgeworfene Problem seinen Sinn. Die aus dem Saarproblem erwach- senden Konfliktstoffe stellen- welche Reglung auch immer getroffen wird— eine immanente Bedrohung des europäischen Friedens dar. Die bestehenden politischen Kräfteverhältnisse, die voraussichtlich auch zur Zeit der Ab- stimmung noch bestehen werden, erlauben eine endgültige Bereinigung der nun einmal dank dem unglückseligsten aller Verträge aufgeworfenen Fragen nicht. So unange- nehm und schwer verdaulich für die deutsche Wirtschast das Saargebiet im Falle der Rückgliederung auch wäre, so sehr die innersten Wünsche aller Beteiligten auch eine Hinausschiebung der Entscheidung erstreben, zu einer endgültigen Neutralifierung des Saargebiets würde sich das heutige Deutschland nie verstehen. Die Vorschläge Christins sind immerhin einer ernsthaften Diskussion wert, der Gedanke an ihre Realisierung aber muß als utopisch bezeichnet werden. Auf beiden Seiten ist allzuviel gegen den Gedanken der Verständigung gesündigt worden, als daß in den französisch-deutschen Beziehungen eine Atmosphäre herrschte, die einem solchen Projekt der Befriedung der Saar Aussicht auf Erfolg gäbe. Hinzu kommt— wie selbst die französische Presse beinahe ein- hellig zum Ausbruch bringt—, daß von französischer Seite allzulange das Saargebiet nur als eine Art koloniales Ausbeutungsobjekt betrachtet wurde und daß alles ver- säumt wurde, den Gedanken der Völkerverständigung da, wo man ihn am sinnfälligsten hätte bekunden können, in die Praxis umzusetzen. Schließlich fehlt der nötige Garant für die wirksame Erhaltung der Befriedung eines so kleinen Gebietes, das zur Klärung feiner Beziehungen zu den beteiligten Mäch- ten einer„uninteressierten" Kontrollinstanz bedürfe. Es wird keinen noch so entschiedenen Verfechter des Völker- bundes geben, der in ihm jenen Garanten erblicken kann. Die Unfähigkeit dieses Instituts zur Lösung der vor seinem Forum aufgeworfenen Probleme ist noch gesteigert worden durch den Austritt Deutschlands, dessen Bindung im Rah- men des Völkerbundes aber geradezu conditio sine qua non des Projektes ist. Und von welchen Imponderabilien Deutschland den Wiedereintritt abhängig macht, haben wir oben zum Ausdruck gebracht. Ob eine Lösung der Saarfrage zur Zeit möglich ist, scheint zweifelhaft, wenn sie erfolgen soll, so muß ihre erste und letzte Vorbedingung die Garantie einer freien, unbeeinflußten Willensentschließung des Saarvolks sein. Denrsdie Snmmnngskrise 3u diesem Thema schreibt die»Reue Züricher Zeitung" (R r. 148): Begeisterung ist ein Ausnahmezustand der menschlichen Seele und laßt sich nicht wie eine Ware auf Eis konservieren: die Wirkung auch der geschicktesten, hinreißendsten Propaganda, in bei die Nationalsozialisten unbestritten Meister sind, findet ihre Grenzen in der Aufnahmefähigkeit der Menschen, an die ste sich richtet, und diese Grenzen sind in dem verflossenen ersten Jahr der nationalsozialistischen Herr- schaft manchenorts erreicht oder sogar bis zu dem Punkte, wo sie die angestrebte Wirkung ins Gegenteil verkehren kann, überschritten worden. Zu diesem Gefühl einer gewissen Uebersäitigung gesellt sich bei vielen Bürgern des»dritten Reiches" eine Stimmung der Enttäuschung und Er- nnchterung darüber, daß die politische Umwälzung vom März 1938 nicht alleS das gebracht hat, was man von ihr erhoffen und erwarten zu dürfen glaubte. Wenn die natio- nalsozialistischc Presse heule feststellt, daß Hitler keine gol- denen Berg« versprochen habe, so braucht man ihr nicht zu widersprechen, weil es auf den konkreten Inhalt der vom Nationalsozialismus gemachten Versprechungen weit weniger ankommt als aus die ebenso unbestimmten wie kühnen Hoff- nungen und Sehnsüchte, die er in den Jahren seines Kamp- fes um die Macht i» den Herzen seiner Anhänger zu er- wecken verstanden hat. Tie lichte Kehrseite der vom Na- tionalsozial'Smus den Massen eingehämmerten Uebcrzeu- liung. daß alle die wirtschaftlichen Bedrängnisse und poli- tischen Belastungen Deutschland» in den Nachkriegsjahren die Schuld eine» fluchwürdigen politischen„Systems" seien und persönliche Gestniiuiigsschlechtigkeit der Regierenden den Wieberausstieg des Reiches verhindere, war ja eben der Glaube, daß es genügen werde, das»System" zu stürze» und eine Regierung von unzweifelhaft gutgesinnten,»neigen- witzigen Männern einsehen, um alles zum Bessern zu wen- den. Diese maßlose Ueberschätzung subjektiver Momente, die nicht» Geringeres als ein Wunder der politischen und wirk- schaftlichen Erlösung von einer einzigen nationalen Wil- lenSanspannung erhoffte, rächt sich heute an dem neuen Re- gime, da» seinerseits ebenso mit gewaltigen objektiven Hin- dernissen des Wiederaufbaue» und mit einer„unglaublich schlechten Erbschaft"(„Reichswart") zu ringen hat wie die früheren Regierungen der auf den Trümmern des Kaiser- reiches errichteten Weimarer Republik, denen der Rational, sozialismus nie dos„benesicinm inventarii" zubilligen wollte. Im bemokratisch-parlamentarische» Staate ist es eir bekannter und natürlicher Borgang, baß eine an die Re glerung gelangte Oppositionspartei später einen Teil der Anhänger von sich absplittern steht, wenn diese Anhänger ihre Erwartungen und Wünsche nicht in erhofftem Maße erfüllt seben: der Nationalsozialismus, der. eine Partei der Diktatur ist. erlebt den gleichen Vorgang hi der platonischeren Form einer durch MieSinacher, Kritikaster, Wühl- lnäus« usw. hervorgerufenen TtiinmnngSkrise. Mit dieser Feststellung ist über die Bedeutung der Leist««- gen, die das nationalsozialistische Regime in dem ersten Jahre seiner Herrschast vollbracht hat und auf die es sich gegenüber den MicSmachern und Kritikaster» beruft, nicht? Entwertendes ausgesagt, sondern nur der Abstand dieser Leistungen von den viel weiter gehenden gefühlsmäßigen Erwartungen gewisser Bolkskreise als eine zur Erklärung der deutschen Ttimmungskrise dienende Tatsache notiert. Daß daneben die Miesmacher und Kritikaster für ihren von der Regierung in Acht und Bonn geschlagenen PesscmismuS noch besonders aktuelle Gründe geltend machen könnten, die sich aus die gegenwärtige Sage Deutschlands im Innern und nach außen bezichen, wird auch in einem Teil der national- sozialistischen Presse indirekt zugegeben. Der Nationalsoz-a- lismu» hat in der Richtung der Schaffung einer innerdeut- schen Notgcmeinschaft durch mehrere große Aktionen> Chirurgie c) Orthopädie d) GeburtahiUliehe Klinik•) Zahnarztliche» Kabinen Ordination täglich von 9-12 und 2-8; Sonntags und Feiertags von lO—12 und 2—4 Uhi Palästinensisches Theater in Paris Am gleichen Abend, da Bruckners„Rassen" im Theatre de l'Oeuvre das Jubiläum der huudertsten Aufführung feiern konnte, stellte sich im A m b i g u• Theater das palästinensische Theater„0 h e 1" dem Pariser Publikum mit Stefan Zweigs„Jeremias" in hebräischer Sprache vor. Ohel heißt Versuch, was dopnelt zu verstehen ist: erster Versuch des Gründers Mosche Halevy, in Palästina mit jüdischen Menschen, die zum größten Teil erst durch ihn zum Theater gebracht und erzogen wurden, ein hebräisches Theater zu schaffen; Versuch auch, in diesem neuen Lande, das noch kaum Theatersäle kennt, in einer neuen, oft zwangsweise improvisierten Art Theater zu spielen. Hieraus und aus der russischen Schulung des Leiters, der ein Schüler Stanislawskvs ist, aber auch alle neueren Anregungen aus der sowjetistischen Epoche des russischen Theaters aufgenommen hat, ist Repertoire und Stil dieses palästinensisch-jüdischen Theaters zu verstehen. Das Repertoire, das nach neunjähriger Arbeit heute 16 Stücke umfaßt, zeigt in der Hauptsache drei Gruppen von Werken: Stücke jüdischen Inhalts, die z. T. aus der Originalsprache erst ins Neuhebräische übertragen werden mußten; Werke der jiddischen Literatur— ebenfalls ins Hebräische übertragen; schließlich Werke alter und neuer russischer Autoren. Was man in der Jeremias-Premiere sah, zeigte einerseits die Schulung der Truppe nach großen, russischen Vorbildern, andererseits den Zwang, mit relativ einfachen Mitteln zu arbeiten. Daß trotz der Fremdheit der Atmosphäre eines europäischen Theaters, die dem ganzen Spiel anzuhaften schien, ein so erschütternder Eindruck wie etwa in der großen Szene Zedekia-Jeremias zustande kam, beweist die geradezu fanatische Intensität dieser jüdischen Schauspieler. Am wichtigsten für die zukünftige Entwicklung einer bodenständigen palästinensisch-jüdischen Theaterkultur scheinen jedoch die zum Teil recht frei dem Buch gegenüber gestalteten Tänze und Bewegungsfolgen zu sein, die die Regie H a 1 e v y s meisterhaft aus einzelnen Szenen herausgesteigert hat. Hier hat in der Musik Goroschows und in der Bewegungsgestaltung der Frau Orenstein offenbar manches aus dem neuen Leben der Pioniersiedlungen jüdischer Jugend schon seine künstlerische Gestaltung erhalten. Da das Ganze ein Gipfel an Ensemblespiel darstellt, sollen auch keine Einzelleistungen hervorgehoben werden. Der Eindruck vor einem Publikum, das aus jüdischen Menschen aller Nationalitäten bestand, war der denkbar stärkste. Wenn die Kolonisation Palästinas noch einige Jahre fortgeschritten sein wird, wird es sich erweisen, welches Theater die stärkeren Werte zeigt: der garantiert reinrassige Thingplatzrummel der Herren Goebbels und Konsorten, oder diese„Versuche" einer die besten Traditionen des europäischen Theaters in einer neu wachsenden Kultur neugestaltenden jungen jüdischen Künstlergeneration. Wer die Pariser Aufführungen des„Ohel" gesehen hat, wird wissen, zu wessen Gunsten der Vergleich ausfallen dürfte. Paul Walter. Das deutsche Seitengeweht Ein deutsches Seitengewehr aus dem Kriege hat in Paris Unheil angerichtet. Im Vorort Plessis-Robinson, der in schöner Gegend liegt, wohnte der Maurer Stefano Ferrari, offenbar italienischer Abstammung, und neben ihm der Ofensetzer August Gelee. Die beiden konnten sich nicht vertragen, und als noch dazu eines Tages eine Blechschüssel verschwunden war, ging der Maurer zu dem Nachbar und beschuldigte ihn, sie genommen zu haben. Der Ofensetzer aber, nicht faul, holt ein altes deutsches Seitengewehr hervor, das er seit dem Kriege besaß und unter dem Kopfkissen verwahrte und haute ihn damit auf den Kopf. Der arme Italiener, ziemlich schwer verletzt, liegt im Hospital. Und alles wegen einer Blechschüssel und eines Seitengewehrs...1 Bas Rietest* Ergebnis der Rennen der Großen auf der Avus DNB. Berlin, 27. Mai. In der großen Klasse siegte der für den italienischen Stall Seuderia Ferrari fahrende Franzose Moll mit einem Stundenmittel von 205,8 Kilo- meter. Ter zweite Platz fiel an einem Vertreter des gleichen Stalles B a z z i- Italien. Erst an dritter Stelle vermochte sich der einzige deutsche Vertreter, der bis zum Schluß im Rennen blieb, August Momberger, auf Auto-Union zu placieren. Die beiden anderen Auio-Union-Fahrer Stuck und Prinz Leiningen schieden vorzeitig aus. MercedeS-Benz hatte seine Wagen vor Beginn des Rennens zurückgezogen. 10 Zentner Sprengstoff in Spanien in die Luft geflogen Madrid, 26. Mai. In Alieante sind aus noch ungeklärten Gründen ein Lager mit 500 Kilogramm Sprengmitteln, die einem Feuerwerkslaboratorium gehörten, in die Luft ge- flogen. Die Explosion legte das Lagerhaus und fünf Nach- barhäuser in Trümmer. Einige Dächer wurden ein Kilo- meltzr weit geschleudert. Bisher konnten 7 Tote, darunter ein Feuerwerker, und 32 Schwerverletzte geborgen werden. Der frühere Sowjetgesandte in Warschau zum Oberstaatsanwalt ernannt Moskau, 26. Mai. Der frühere Gesandte der Sowjetunion in Warschau, A n t o n o w O w s s e j e n k o, der bei der Umwandlung dieses Postens in eine Botschaft unlängst von Dawtjan abgelöst wurde, scheidet nach neunjähriger Tätigkeit aus verschiedenen diplomatischen Außenposten aus dem diplomatischen Dienst. Owssejenko wurde zum Oberstaats- anwalt der russischen Bundesrepublik der Sowjetunion ernannt. „Gras Zeppelin" startete am Samstag um 20.81) Uhr z» seiner ersten diesjährigen Südamerikasahrt. Sonntag nach- mittag überflog er Tanger. Die beiden französischen Lanqstreckenslieger Codes und Rossi find Sonntag früh von Le Äourget aus zu einem Lang- streckenslug in Richtung San Diego gestartet. Aus dem großen Pariser Friedhos Pere Lachaise erplodierte am Sonntag kurz vor Beginn der Feier der Enthüllung eines Denkmals für die unter französischen Fahnen gefalle- neu italienischen Teilnehmer des Weltkrieges eine Spreng- patrone. Zwei Wächter wurden dnrch Snlitter verletzt. Ein italienischer Monteur wurde verhaftet, behauptet aber, daß er nichts mit dem Anschlag zu tun habe. Der französische Ministerrat bildete einen kleinen Ans- schuß für die Genier Abrüstnngsbesprechungen, dem die Aus- gäbe zufallen soll, sich mit der rein politischen Seite der Abrttstnngssrage zu beschäftige». Am Samstag hielt Mussolini vor der Abqeordneteukammer eine zweistündige Rede, in der er sich mit der wirtschaftlichen, finanziellen und politischen Lage Italiens beschäftigte. Rote Hilfe. Wenn Ihr Wert darauf legt, daß wir Eure Berichte bringen, müßt Ihr Euch schon daran gewöhnen, die Manuskripte unS so früh zu geben wie anderen Zeitungen. Bericht«, die uns erst zugehen, nachdem sie vorher schon in anderen Zeitungen er- schienen sind, lehnen wir ab. Rol» Besten Dank für die Einsendung. Weder für den Aussatz noch für den Roman haben wir Jnterege. S. I. ES ist bekannt, daß auch der Exkronprinz»um Freundeskreise der wegen Spionage zum Tode vorurteilten und angeblich schon hingerichteten Frau Kitty von Belg gehört hat. Nach Ihrer Information wurde der Exkronprinz sogar mit anderen Gästen polizeilich ststiert:.Als in den ersten Märztagen die Polizei in da» Hau? im vornehmen Berliner Westen einfiel und die Gelellfchast, die sich dort versammelt hatte, festnahm, befand sich auch der ehemalige Kronprinz Friedrich Wilhelm in dieser Gesellschaft. Er mußte den Gang auf die Wach« mit antreten, wurde jedoch dann sofort wieder freigelassen," Pol« Pari». Sie schreiben un«:„Meine Schwägerin ist vorige Woche von Pari« durch Deutschland nach Polen gefahren. Als sie das Transitvisum vom deutschen Konsulat in Parts holte, wurde ihr gesagt, daß sie eine Fotograst« bringen müsse. da sie Jüdin sei. ES sei dies eine neue Maßnahme der deutschen Regierung und komme nur für Juden in Betracht. Warum, wurde nicht gesagt. Meine Schwägerin ist übrigen» keine Emigrantin, sondern wohnt seit langen Jahren in Pari»." „Fröhlich Pfalz". Die Gerichtsvollzieher«; Pirmasens kündigte in den dortigen Blättern die Zwangsversteigerung einer SA.-Uniform an. Daß durch eine Amtsperson«ine solche Miesmacherei in den Zeiten des Tchlachtens aller Miesmacher getrieben wird, ist skan- dalöS!— Da ist doch der Gauleiter Bürckel ein anderer Kerl. Er läßt bekanntgeben, daß er und die sämtlichen anderen„Hoheit»« träger" der Pfalz ihre Aemter ehrenamtlich versehen. Die Serren haben Sonne im Herzen und Luft im Magen und befinden sich dabei ausgezeichnet, wie der Augenschein lehrt. Wenn da» übrige Bolk endlich zu dieser bekömmlichen Diät der Nazisührer sich emporentwickell hat, wir» Deutschland in voller Blüte stehen. Junger Demokrat. Sie haben gelesen, daß der bekannte ehemalige demokratische Abgeordnete Ernst L e m m e r. der langjährige Führer der demokratischen Jugendorganisationen, Sekretär der Deutschen Arbeitsfront geworden ist. Ob es stimmt? Wir wiiien es nicht. Lichtenberg sagt in seinen Bemerkungen vermischten Inhalt«:„Au iebes Menschen Charakter sitzt etwas, da« sich nicht brechen läßt— da» Knochengebäude des Charakter»." Aber eS gibt, wie Sie wige«, auch Knochenerweichung. „Allgäuer Tagblatt". Ihr findet unseren Kops„Deutsche Freiheit" sehr schön, aber Ihr leid ärgerlich, weil wir Eure Schilderungen des furchtbaren Äend» im Donaumoos übernommen haben. Da» sollte wohl über die Grenzen de»„dritten Reich»" nicht hinan»- dringen? Ihr hättet da» als Euren Wunsch hinzuschreiben müssen, aber wir hätten dann die schauerlichen Berichte gerade nachgedruckt. Obwohl wir Euren Schilderungen nicht ein eigene» Wort hinzu- gesetzt haben, schimpft ihr un»„echt marxistisch verlogen— jüdische Verdrehungsmanier— zusammengelaufene Lumpen— franzosen- freundliches Schmierblatt— Judenhelotin— Libanontiroler— schmutzige Angeiferung kleiner Duodezpolitiker". Alle» nur deshalb, weil wir die Welt auch außerhalb Kempten» auf die von Euch so herzbewegend geschilderten Notstände aufmerksam gemacht haben. Tollen wir Euch nun böse sein und genau so schimpfen? Ein Satz in Eurem tobenden Artikel entwaffnet uns:.. dann mügen wir staunen, daß trotz alledem die Achtung vor dem neuen Deutschland bereit» alle Staaten erobert bat". Außerhalb Kematen» im Allgäu hat sich da» leider noch nicht genügend herumgesprochen. H. M., Minsk. Besten Dank. Ihre Anfragt wird erledigt. I. R.. Madrid. Selbstverständlich nicht reagieren. Für den Gesamtinbal» verantwortlich: Johann P I tz in Dud- [reiler: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken Rotationsdruck and Verlag: Verlag der VoikSitimme GmbH„ Saarbrücken 8, Schützenstraße 5.— Schließfach 778 Saarbrücken. jDotteMt fp^cicatisfe i DEUTSCHSPRECHEND Münchener u Pariser FakultÄ 17, rue Reaumur MStro ArH.el.Metleri od.«»publique Frauen-, Blut», Haut-, Harn-und Ge- idilechtskrankheiten, Tripper, Syphilis, MännerschwSehe. Neueste Heil- verfahren. Elektrizität. Harn». Samen» und Blutanalysen. Massige Bedingungen.(Auch Nir Kawenversicherte.» Täglich von^- 1 und t- 8,30. Uhr Sonn» und Feiertags von 9 bi« 1 u. au' Rend. v. Tel. Arch.54-27 Doktor Wachtel und Doktor Axel Geschlechtskrankheiten, Männer osd Fr Nase, Hals, Ohren 123, Bd Sibastopol— Sprechstunden v. 9—12 u. 2—8 Uhr. Sonntags vormittags Metro: Reaumur, St Denis 10eclt füc die „Deutsche Jceiheit" II. Dimit ofl contra Göiing Frei» geheftet 2°,— Fr., gebunden 30,— Fr. Sofort lieferbar. 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