Ur. 90. Abonnements-Krdwgungt«: Abonnements-Prei» pränumerando! «terteliSdrl- 3�0 Mb, monatl. 1,10 Rl.. wöchentlich LS Pfg. frei in» Hau». Einzeln« Nummer S Pfg. Sonntag»- Nummer mb. Äustrirter Sonntag»- Vellage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Pofi- Abonnement: SL0 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für 1SS7 unter Nr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Die Insertions- Gebühr beträgt für die fechsgefpaltens Kolonel- zetl« oder deren Raum so Pfg., für verein»- und PerfammlungS-Anzeigen, sowie Arbeitsmarkt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bi» ( Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis? Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi» S Uhr vormittag» geöffnet. Tcicheinl täglich sicher M-nksg». Vevlinev Volksbl�kk. Zern fprecher- Amt I, Nr. 1508. Telegramm-Adresse: «Sozisldemokrst verlia". Zentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. ednklio»: 8V. 19. Uenth-Straße 2. �üv die Folkev! Ost schon haben wir darauf hingewiesen, wie der Kapitalis- mus von deni Augenblick an, wo er die Arbeiterbewegung zn fürchten begann, nicht blos allen freiheitlichen Bestrebungen feindlich gesinnt ward, sondern auch der Kultur, die nur ans deni Boden der Freiheit gedeihen kann. Wie die fran- zösischc Bourgeoisie, die vor hundertundacht Jahren die Bastillc stürmte, sich nach der Juni-Jnsnrrektion des Jahres 1848 deni Flachkopf und Lumpazins Louis Bonaparte in die Arme warf und die Säbcldiktatur errichtete, blos um vor den Arbeitern sicher zn sein;— wie die deutsche Bourgeoisie einen rohen, unwissenden Junker wie Bismarck, der nur den Doppelkultus der rohen Gewalt und des goldenen Kalbs kannte und kennt, zu ihrem Idol machte— das sind Thatsache», die sich vor unseren und unserer Väter Augen vollzogen haben. Die Verherrlichung des Soldatenwesens und des Krieges, das Schüren des Nationalhasses, die Unterdrückung mißliebiger Meinungen, die Verfolgung, womöglich gar Aechtung politischer Gegner, die Wiedereinführung der Todesstrafe, der Ruf nach scharfen Maßregeln gegen die angebliche Verrohung der Massen— welche in Wirklichkeit darin besteht, daß die Massen nicht mehr wie Leibeigene des Mittelalters behandelt sein wollen— das alles sind Symptome des Rückfalles in die Barbarei, mit welchem der, an seiner inneren Berechtigung zweifelnde, nur noch an die „Blut- und Eisen"- Politik glaubende Kapitalismus die moderne Zivilisation bedroht. Das stärkste Attentat aber auf Zivilisation und Kultur, das in der Neuzeit verübt worden ist, geht von dem„Bunde der Landwirthe" aus, der die Blüthe des agrarischen Junkerthums in sich vereinigt hat. Wer mit dem Bildungsniveau dieser Menschenart einigermaßen vertraut ist, der weiß, daß sie unter allen kapitalistischen Elementen die rücksichtsloseste Geldgier mit dem niedrigsten Maße von Ge sittung vereinigt. So war es denn nur natürlich, daß die ganze Bestialität des profttwüthigen Kapitalismus zuerst von dem„Bund der Landwirthe" zynisch enthüllt ward. Die „Deutsche Tageszeitung" des börsenspekulativen Herrn V.Plötz verlangt in einer ihrer letzten Nummern, daß in unser Straf gesetz Strafen eingeführt werden, die auch„wirklich a b � schreckend" sind. Nicht einmal die Köpferei genügt dem Muster-Plötz. Die Enthauptung ist ja„schmerzlos"! Bald wird er wohl entdecken, daß c8 ein Vergnügen ist, sich den Kopf elegant abschlagen zu lassen— wie es unseren Soldaten jüngst als eine wahre Wonne geschildert ward, wenn eins der Achtmillimetcr-Geschosse durch den Körper einer lebenden Kreatur hindurchfliegt. Und das Zuchthaus oder gar das Gefängniß ist für den Muster- und Junker-Plötz das reinste Paradies. „Der viehische Bursche— nicht Herr v. Plötz, sondern der Verbrecher, den er zum Gegenstand seiner resormatorischen Thätig- keil nehmen will— der viehische Bursche weiß ganz genau, daß ihn in de» meisten Fällen keine andere Sti-afe trifft als schmerz- l o s e En t hau p t un g, ein paar Jahre Zuchthaus oder Ge- fängniß. Dort wird er auf Staatskosten genährt und verpflegt, und wehe den« Aufseher, der ihm zu nahe tritl. Er ist auf Jahre hindurch der Sorge für sich überhoben. Das ist die Strafe, die ihn erwartet. Ja, er kann sogar noch hoffen, daß er unter Umstände» für geistig nicht normal gehalten und in einer Irrenanstalt untergebracht wird, wo er ein»och besseres und freieres Leben s ii h r t." So schreibt, so denkt ein ostelbischer Junker am Ende des neunzehnten Jahrhunderts. Uebrigens möchten wir dem Herrn v. Plötz doch an die Hand geben, ob das Zuchthaus nicht für ihn und seines- gleichen ein erstrebensiverther Aufenthalt wäre— da werden sie ja nach seiner eigenen Schilderung„auf Staatskosten ge- nährt"— was ja des preußischen Junkers höchstes Ideal ist— und leben herrlich und in Freude». Warum tauschen sie nicht mit den„viehischen Burschen"? Wir hätten sicherlich nicht» dagegen einzuwende». Doch weiter, damit wir den Gipfel der Junkerkultur sehen, den unser Edelster der Edeln erklommen hat.„Würde wohl"— das ist der Schluß, zu dem diese ostelbische Kultur- blülhe gelangt. „Würde wohl der Verbrecher mit derselben Kaltblütigkeit an seine Blntthat gehen, wenn er wissen müßte, daß seine Strafe nicht blos in der schni erzlosen Enthauptung oder in mehrjähriger Freiheitsentziehung, sondern in einer regelmäßig sich iviederholenden eindringlichen und nuchhaltig fühlbaren Schmerzerregung be- stünde? Weg doch endlich mit der unseligen Gefühlsduselei!" „Regelmäßig sich wiederholende, und nach- Haiti g fühlbare Schmerzerregung"!— Herr von Plötz leidet selber noch an einem Restchen von„unseliger Gefühlsduselei"; sonst würde er schlankweg gesagt haben: Folter. Die Folter— das ist das letzte Wort dieser Sippe, deren„letzter Grund" nach dem Spruch eines Fürsten die Kanone ist. Als neulich die Kunde von der Folterung politischer Ge- fangener in Spanien durch die europäische Presse ging, da wollte im ersten Moment niemand das Entsetzliche glauben — die Folter in Europa! am Ende des neunzehnten Jahr- Hunderts!— Das schien unmöglich. Und als die Kunde be- stätigt ward, da durchzuckte ein Schauder des Herz jedes Mcnschen, der werth ist, ein Mensch genannt zu werden. Und diese spanischen Greuel— das ist das Ideal der Elite des preußischen Junkcrthnms, das sich die Elite des gesammten Menschengeschlechts dünkt! Der röniische Dichter bezeichnete das Höchstmeuschliche in dem Vers: Uorno surn nil hurnani a rne alienurn puto. Ein Mensch bin ich, nichts Menschliches i st mir f r e m d. Für Herrn von Plötz und seine Mitjunker muß der Vers umgedichtet werden, so daß er lautet: Ein Junker bin ich, nichts Unnienschliches ist _ mir fremd. ZJolikisrhe Meber�rfzk. Berlin, 15. April. Zur uatioualen Begeisterung unserer Agrarier stimmt recht wenig das Schmunzeln, mit der die„Landwirth- schaft schützende" Presse die folgende Notiz begleitet: Alljährlich überschreiten über zehntausend russische Feldarbeiter des Weichselgebiets die preußische Grenze, um sich im Auslande als Lohnarbeiter zu verdinge». Da dieselben die hohen Paß- gebühren, die für das Uebcrschreiten der Grenze festgesetzt sind, nicht leisten können, so geschieht der Uebergang heimlich. Im Hinblick hierauf hat das russische Ministerium des Innern die Ver- sügnng getroffen, daß den russischen Feldarbeitern in Zukunft kostenfreie Pässe zum Ueberschreilen der Grenze ausgefolgt werden sollen, oamit den deutsche» Landwirthen das billge Ar- beiter Material nicht entzogen wird. Nationale Begeisterung und Bethätigung hört beim Geld- beutel auf. Die Seite der Rationalpolitik und die wichtigste, daß man durch gute Zustände, Freiheit der Interessenvertretung, würdige Arbeitsverhältnisse, anständige Löhne die heimischen Arbeiter dem Vaterlande erhalte, ist unseren Agrariern immer fremd geblieben. Fordern deutsche Arbeiter einen Groschen Lohnerhöhung, dann mögen sie über's Wasser gehen und zur Hebung der nordamerikanischen Landwirlhschaft beitragen, wenn nur die Grenzen offen sind, daß anspruchslose, mit jedem Lohne, mit der elendesten Behandlung zufriedene, an die Herrschaft der Knute und die stärkste Aus- bentung gewöhnte slavische Arbeitermassen in beliebiger Zahl zur Verfügung stehen. Nationale Politik, die sich darauf be- schränkt, daß für die nachgeborenen Söhne genug Offiziers- und Landrathsstcllen geschaffen werden und daß der nationale Getreidepreis hochgehalten werde, die ist bei unseren Agrariern zu finden. Aber Opfer zn bringen für wahrhaft nationale Aufgaben, liegt niemandem ferner als dem ostelbischeu Junker thunie.— TaS Ober VerwaltnngSgericht im Kampfe gegen die Tozialdcmokratic. Eine Tonnrt, die gewiß bei allen Jnter- effenten der heute noch bestehenden Staats- und Gesellschafts ordnung das lebhasteste Entzücken hervorrufe» wird, schlägt ein Er kenntniß des Disziplinarsenals vom 29. Januar an, welches zu Nutz und Frommen gemeiner Christenheit in der amtlichen Berliner Korrespondenz Köller'schen Ursprungs ans Tageslicht gefördert wird Das Dokument von unserer Zeiten Größe lautet: „Ein Beamter, zumal ein Polizeiverwalter, verletzt die Pflichten seines Amtes und zeigt sich zugleich des Vertrauens, das sein Berus erfordert, unwürdig, wenn er die Bestrebungen einer politischen Partei, welche die Grundlagen der bestehenden Rechts- und Staats- ordnung grundsätzlich bekämpft, bewußt unterstützt oder fördert. Die s o zi al d ein o kr a t i sch e Partei, ivelche notorisch die Grund lagen der bestehenden Rechts- und Staatsordnung grundsätzlich b e käm p f t und, wofern sie die Macht zur Verwirklichung ihrer Ziele hätte, bis zu deren Erreichung auf gesetz in ä ß i g e m W e g e s ch w e r l i ch>v a r t e n würde, ist bemüht, Anhänger bei der ihr noch fern stehenden ländlichen Be völkerung zu gewinnen, indem sie bei derselbe» Unzufriedenheit mit ihrer Lage zu erregen und dadurch den sozialdemokratischen Ideen Eingang zu verschaffen sucht. Diesem Zwecke dienen die Versammlungen, welche die sozialdemokratische» Agitatoren auf dem Lande ver- anstallen. Daraus folgt, daß es einem Beamten nicht gestallet ist, derartige Versammlungen irgend wie zu unterstützen oder zn fördern. Das gilt zwar nicht von der vorgängigen Genehmigung, die nach Maßgabe des Gesetzes nur unter bestinimten Voraus- setzungen versagt werden darf, wenn diese nach dem Ermesse» des Beamten nicht vorliegen. wohl aber von der Ueber. lassung einer im P r i v a t e i g e n t h u m e des Beamten stehende», seiner Verfügung unterliegenden Oertlichkeit zur Abhaltung der Versammlung. Denn damit fördert er ohne jede» gesetzlichen Zwang freiwillig deren Abhaltung und unterläßt es nicht blos, wie die Berufungsschrifl unzutreffend ausführt, Privatverhnltnisse zur Verhinderung der Versammlung zu benutzen. Der Angeschuldigte will die Hergabe seines Waldes für „nebensächlich" gehalten haben; aber er mnßte wissen, daß er durch Ueberlaffung eines tauglichen Platzes für die Versammlung die sozialdemokratische Agitation thalsächlich förderte, und daß dies mit seiner Amtspflicht unvereinbar war. Ob sich, wie der An- geschuldigte nieint, die der Zusammenberufung nachgekommenen Personen sonst vielleicht zu einer Versammlung nach N. N. begeben haben würden, kommt nicht in betracht, weil er ihnen darum gleichwohl nicht die Theilnahme an einer sozialdemokratische» Versammlung dadurch hätte erleichtern sollen, daß er seinen Arund und Boden zur Verfügung stellte. Hielt der Angeschuldigte eine geheim« Agitation für schädlicher als eine die Möglichkeit der Widerlegung durch Gegenrede darbietende öffentliche, so durfte er doch auch die letztere Form der sozialdemokratischen Agitation nicht begünstigen.... Bei Abmessung der Strafe war zu erwägen, daß in der A u S- breitung der sozialdemokratischen Gesinnung unter der ländlichen Bevölkerung eine große Gefahr für Staat und Gesellschaft liegt. Jede Begünstigung dieser Ausbreitung von seilen eines Beamten muß daher auf das strengste geahndet werden...." i f. E»ped>tioii: SW. 19, ZMUß-Strche 3; Soweit ans diesem Gerichtserkenntniß ersichtlich, scheint der Beamte, der sich derart grauenvoll vergangen hat, ein ehrlicher Idealist gewesen zu sein, der, weit entfernt davon, mit der Sozial- demokratie zu sympathisiren, muthig die Gelegenheit ergreisen wollte, die heiligsten Güter der Nation, Gott, König und Vaterland, ein- mal im eigenen Revier gegen die vermaledeite Rotte in Schutz zu nehinen. Das Gerichtserkenntniß ist aber über derartige schnurrige Ideen erhaben und spricht unverblümt aus, daß diese Art der Be- kämpfnng„die sozialdemokratische Agitation begünstige." Das ist ei» so werthvolles Eingeständniß der Unbesiegbarkeit unserer Ideen und der Nutzlosigkeit ihrer Bekämpfung mit„geistigen Waffen", daß unsere Parteigenossen sich schwerlich das neueste, ihnen von höckzstcr Gerichtsstelle gelieferte Agitationsmatcrial entgehen lassen werden. Die nächsten Wahlen werden aber auch dem Theil unserer Feinde, der es noch nicht weiß, reinen Wein darüber einschänken, daß außer dem Kampf mit geistigen Waffen auch der uormalc Polizeikamps die Ausbreitung unserer Lehre» befördert. Wird das Ober- Ver- waltnugsgericht dann Gelegenheit bekommen, die ganze preußische Polizei disziplinarisch abzustrafen?— „Internationale Völker- Verbriideruugsfeste" will ein „Verein für i n t e r n a t i o n a l e F r i e d e» s j n st i z" veranstalten, wie ein uns vorliegender Aufruf besagt. Der Zweck des Vereins wie der geplanten Völker-Verbrüderungsfeste ist die Gründung einer regelmäßigen„obligatorischen Friedensjustiz mit entsprechender Exekutive". Das ist ja sehr schön und ebenso probat wie das be- rühmte Rezept, daß man dem Spatz Salz auf den Schwanz streuen muß, um ihn sicher zu fange». Wie die„Friedensjustiz", soweit sie heutzutage möglich ist, in Wirklichkeit aussieht, zeigt das famose„europäische Konzert", welches jetzt in Thätigkeit ist. Daß dieses verschiedene Leute, die noch an die Weisheit der Weltregierenden glauben, um den Verstand ge- bracht hat, ist übrigens nicht zum Verwundern. Das erste der„Verbrüderungsfeste" soll nächsten September in Berlin stattfinde»— da werden wir ja wohl Näheres hören.— m Orient hat sich seit gestern nichts an der Situation geändert: lach einer der„Politischen Korrespondenz" ans Athen zu- gehenden Meldung soll der griechische Ministerpräsident Delyannis folgende Aeußerungen gethan haben: Die griechische Regierung, so»ngesähr sagte Delyannis, befasse sich augenblicklich nicht aus- schließlich mit der Kreta-Frage, welche durch die Kretenser selbst werde entschieden werden, indem diese die Mächte zur Er- füllttng ihrer Forderungen zwingen würden; sie richte vielmehr die Aufmerksamkeit auf die Frage betreffend die Griechenland durch den Berliner Vertrag zugewiesene Grenzlinie, ans welch- Griechenland einen unbestreitbaren Anspruch besitze. J>> dieser Beziehung habe das Athener Kabinet Unterhandlungen eingeleitet und beabsichtige, das beanspruchte Grenzgebiet. sallS die Türkei dasselbe freiwillig nicht räumen würde, durch griechische Truppen besetzen zn lassen. Die Herbeiführung einer Erhebung in dem jenseits der Grenzlinie belegenen Theile Make- doniens halte die griechische Regierung vorläufig nicht für opporli», und werde hierzu nur im Falle der äußersten Nothwendigkeit schreiten, um eine möglichst weitgreisende Kouflagratio» auf der Balkanhalbinsel hervorzurufen. Mittwoch trat die griechische Deputirtenkammer wieder zu- sammen. Ueber die Sitzung liegt folgende Meldung vor: Die Tribünen sind übersüllt. Ministerpräsident Delyannis legt einen Gesetzentwurf betreffend die Aufnahme einer Anleihe in Höhe von 23 Millionen Drachme» für Ausgaben des Kriegs- und des Marine- ministerums vor und empfiehlt die Annahme des Budgets. Redner giebt hierauf einen geschichtlichen Ueberblick über den Gang der äußeren Politik und erklärt, die Mächte hätten bisher über die Vorschläge Griechenlands zur friedlichen Lösung der krelensischen Frage in keiner Weise ihre Ansicht kundgegeben. Der Ministerpräsident betont so- dann das Recht der Kreter, ihr Geschick selbst zu gestallen. Trotz allem bewahre Griechenland die Hoffnung, daß die Mächte die sried- liche Lösung annehmen werde». Die Lage an der griechisch-türkischen Grenze sei nicht durch Griechenland geschaffen, sondern durch die sclt» same Politik des Nachbarstaales, der durch seine eiligen Rüstungen Griechenland gezwungen habe, ein Herr aufzustellen, welches im stände sei, den Umständen die Spitze zu bieten, sowie die Interessen und die Ehre des Vaterlandes zu vertheidigen.(Be- wegnug.) Die Regierung sei nach Möglichkeit bestrebt, die Un- volllommenheitcn des eilig zusammengezogenen Heeres auszugleichen, und hoffe, daß in einigen Tagen alle Lücken ausgefüllt sein wer» den, und das Heer im stände sein werde, seine Pflicht zu erfüllen.(Lebhafter Beifall im Hause und aus den Tribünen.) Nalli erklärt im Namen der Opposition, angesichts der gegen- wärligen Unistände dürfe die Kammer nicht in die Berathnng deS Budgets eintreten. Der Ministerpräsident ist damit einverstande,, und erklärt, er werde morgen einen Gesetzentwurs betreffend die Bewilligung drei provisorischer Zwölftel dem Hause vorlegen. Hieraus wird die Sitzung aufgehoben.— Ans Athen wird der„Neuen Freien Presse" gemeldet, daß das Verballen der Engländer und Russen auf Kreta in der griechischen Hauptstadt Beunruhigung hervorzurufen be- ginne. Dieselbe» schienen sich auf ein dauerndes Ver« bleiben auf Kreta vorzubereiten. Das Benehmen gegenüber der einheimischen Bevölkerung habe sich völlig verändert. Die Türkei. würden bei jeder Gelegenheit brüskirt, den Christen aber werde nach Möglichkeil Vorschub geleistet; auch erhielten dieselben reich« liche Geldmittel. Das Bombardement seitens der russisch«» und englischen Kriegsschiffe habe gänzlich aufgehört. Die beiden Mächte schienen weilgehende Pläne zu verfolgen, die mit der Pazifiziruiig Kreta'» wenig zn thnn haben. Der Glaube an die Uiieigennützigkeit der englischen Politik sei völlig geschwunoen. Aus A t h e». wird ferner gemeldet: Die Türken Häven das Korps unter Cipciani's Leitung bei Greven» umzingelt. 2Lll0 Frei« willige find bcimibt, die Eingeschlossenen zu befreien. K a u e a, 15. April.(Meldung der„A�ence HavaS".) Die Ausständischen haben mit den österreichischen Truppen einig» Schüsse gewechselt.— In der Umgebung von Herakleion finden lebha,» Kämpfe statt. Athen, iß. April. Deputirtenkammer. Karapano? fragt an, ob die Nachricht von direkten Verhandlungen zwischen Grieche»- land und oer Türlei über Kreta richtig sei, uub ob es wahr sei, daß ein derartiges Einvernehmen durch oie am- zwischenkunft einer Großmacht verhindert wurde. Ministe«« Präsident Delyminis erwiderte, die Einleitung von Unterhandlungen fei auf blos halbamtlichem Wege erfolgt; die Nachricht, dap irgend «ine Großmacht ein direktes Einvernehmen zu verhindern suchte, stellte der Minister entschieden in Abrede. Die Kammer genehmigte die Militärkredite in erster Lesung. Tucllchrouik. Aus ikicl wird uns geschrieben: Auf die Dauer eines halben Jahres beurlaubt worden ist der Amtsrichter Clausen in Apenrade, der bekanntlich vor einiger Zeit von seinem Kollegen Lindema»» zum Ziveikampfe herausgefordert wurde, die Forderung aber ablehnte und seinen Kollegen bei der Staats- auivallschaft denunzirte. Es wäre faktisch an der Zeit, einmal beim Justizminister anzufragen, iver den Urlaub des Amlsrichters Clausen eigentlich verfügt hat. Die Thatsache selbst ist jedensalls äußerst charakteristisch.— •• * Deutsches Reich. Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe ist nach Paris gereist. Wie weil ihn private Interesse» oder Fragen der aus- wältigen Politik, speziell die Entivickeluug der orientalischen Frage zu dieser Reife veranlaßt habe», läßt sich noch nicht feststellen.— Die Konvertirung der vterprozentigen Reichs- anleihe ist völlig geglückt. Die„Verl. Korr." schreibt: Infolge der Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 12. März d. Js.. betreffend die Umwandlung der vierprozenligen Reichs- anleihe in eine dreieinhalbprozentige, sind Anträge auf Baar- zahlung deS Kapitalbetrages nicht eingetragen, so daß es einer Kündigung nach den ZZ 1 und 12 des Kouverlirungsgesetzes vom 8. März 1897 überhaupt nicht bedarf. Diese Mitlheilung beiveist,>vie berechtigt die Forderung der Sozialdemokraten war, die Reichsanleihen sofort in dreiprozentige zu konverliren. So haben die Steuerzahler bisher das Geld für die Bezahlung zu hoher Zinsen aufgebracht und künftighin werden sie es auch thun. Das nothleidende Kapital kann sich bei unS nicht über mangelnden Schutz beklagen. — D i e V er ei»sgesetz- Novelle soll nach Information verschiedener Blätter schon in den nächsten Tagen dem Abgeordneten- Hause zugehen.— — Der ersten Ausfahrt Bismarck's, nach seiner Krankheit, widmen die„Hamburger Nachrichten" eine» Leitartikel in auffallendster Schrift. Ebenso ausfallend ist der Stil des Artikels.-, m. — Das W o lf f' s ch e Telegraphen- Bureau hat allen Anlaß, für größere Zuverlässigkeit seiner Nachrichten zu sorgen. Auch nach der Entlassung des Hofraths, de Grahl sind be- wüßt unrichtige Angaben an die Presse, und zwar in bezng auf die Tvdesart des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin gesandt worden. Ist das Bureau mehr höfische Dementirungsanstalt oder Nachrichtenbureau?— Frankfurt a. M., 16. April. In der gestrigen Sitzung des „Frankfurter Journalisten- und Schriftsteller- Vereins" nahm der Vorstand. der zugleich den Vorsitz im Verbände deutscher Journalisten- und Schriftsteller- Vereine führt und als solcher den im Juni nach Leipzig einzuberufenden Journaliftentag zu leiten hat, Veranlassung, auf die Mittheilungen auswärtiger Blätter einzugehen, wonach der König von Sachse» das Pro- tektorat über den diesjährigen Tag übernommen habe, unter der Bedingung, daß politische Erörterungen bei den Verhandlungen ausgeschlossen seien. Der Vorstand gab daraufhin die Erklärung ab, daß der Verein„Leipziger Presse", der die lokale» Vorbereitungen zum Journalistentage übernommen habe, ohne Wissen des Verbandsvorstandes die Verhandlungen wegen Ueber- nähme des Protektorates durch den König von Sachsen einleitete und führte und auch jene Bedingungen akzeptirte. Dem Vor- stände sei erst das fertige Resultat der Verhandlungen mitgetheilt worden mit dem Ersuchen um Zustimmung. Der Vorstand trat daraufhin am 9. April zu einer Berathung zusammen, deren Ergebniß war, daß der Borsitzende beauftragt wurde, gegen das unberechtigte, eigenmächtige Vorgehen des Leipziger Vereins energisch zu protestiren. Der Vorstand behielt sich weitere Maßregeln vor bis nach Eintreffen einer Antwort aus Leipzig. Der Frankfurter Verein nahm diese Mitlheilung zur Kenntniß und sprach in einer Resolution die Erwartung aus. daß sein Vorstand als Verbands- Vorstand jeden Versuch energisch ablehne, der auf eine Beschränkung der Verhandlungen des allgemeine» Journalisten- und Schriftsteller. tageS abziele. — Die nationalliberale Partei hat als Kandidaten für die Reichstags-Ersatzwahl in Wiesbaden den Stadtralh Bartlin aufgestellt, der die Kandidatur auch an- genommen hat. Die„Nat.-Ztg." hofft, daß die Kandidatur auch von den Konservativen und der freisinnigen Vereinigung unterstützt werde» wird.— Köln, 14. April.(Eig. Ber.) DaS Berliner Telegraphenbureau hat mit feiner Meldung Über die Unterschlagung in der Lese- gesellschaft Unglück gehabt. Der Vorsitzende der Lesegesellschaft, Dr. Albert Bachem, ist Redakteur der„Kölnischen Zeitung", nicht der„Kölnischen Volks- Zeitung". Die„Lesegesellschaft" ist eine natioualliberale Gesellschaft. Die„Köln. Volks-Zeitung" gehört I. P. Bachem. Dieser sowohl als Dr. Karl Bachem und Rechts- anwalt Julius Bachem stehen mit Dr. Albert Bachem nur in einem sehr entfernten Verwandtschaftsverhältniß. Dieselben sind sonst politische Gegner. Außer den 97 000 M. fehlt auch ein Ausweis über 60 000 M. des Weinkontos.— Zu der bekannten Unterschlagung des KassirerS der Lese gesellschaft wird gemeldet, daß die Gesellschaft beschlossen hat, von einem Strafantrag abzusehen. Es wurde des weiteren eine fünf- gliedrige Kommission eingesetzt, die den Auftrag hat, die Sachlage auf das genaueste zu untersuchen. Inzwischen verfügte indeß der Staatsanwalt die Verhaftung des Kasstrers und ordnete angeblich ein Verhör der anderen Vorstandsmitglieder an. Wie verlautet, sollen bei den gerichtlichen Verhandlungen mannigfache Ueber- raschungen bevorstehen. Hamburg, 16. April.(Eig. Ber.) Der Prozeß gegen den Ge- nossen S t e n z e l vom„Hamburger Echo" wegen Beleidigung des Königs der Belgier, in dem Verhandlungstermin auf den 21. April vor der Strafkammer II deS Hamburger Landgerichts angesetzt war, ist auf Antrag der Vertheidigung vertagt worden. Genosse Stenzel will für die in den beiden inkriminirten Artikeln über den König der Belgier aufgestellten Behauptungen den Wahrheitsbeweis erbringe». Um das Beweismaterial zu beschaffen, hatte er den Antrag auf Vertagung stellen lasse». Bis jetzt sind als Zeugen benannt verschiedene Beamte des Zivilkabinets des Königs Leopold und außerdem rst beantragt, de» belgischen Ab- geordneten Eugen Berloz zur Hauptverhandlnng zu laden. So weit sich die Sache überblicken läßt, verspricht der Prozeß sehr interessant zu werden. Jedenfalls wird das Ansehen des Königs der Belgier durch den Prozeß in deutsche» Landen nicht allzusehr gehoben werden.— �-HanS Blum's Abschied vom Rechtsanwalts« i n d e. Der ehemalige Student der unveräußerlichen Menschen- fechte, Sozialistentödter und fahrlässige Uebersetzer Dr. Hans Blum wurde am 27. Oktober v. I. vom Ehrengericht der sächsischen Anwalts- kammer wegen pflichtwidrige» Gebahrens bei Abrechnungen und wegen Gebührenüberhebungen aus dem Rechtsanwalts stände ausgeschlossen. Blum verkündete damals in seinem Leiborgan „Leipziger Neueste Nachrichten", daß er gegen dieses Urtheil beim Ehrengerichtshof des Reichsgerichts Berufung einlegen würde. Die Trauben scheinen aber sehr sauer gewesen zu sein, denn der Präsi- dent des Landgerichts Leipzig veröffentlicht folgende Bekanntmachung tm Amtsblatt: Der Rechtsanwalt Dr. Johann Georg Maximilian Blum in Leipzig hat die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft aufgegeben und> ist in Folge dessen in der Anwaltsliste des unterzeichneten Land- gerichts gelöscht worden. Leipzig, den 13. April 1897. Königliches Landgericht. Dr. Hage». Dölling. Sollte die Berufung lediglich die Maske sein, um dann„frei- willig" die Rechtsanwaltschaft aufzugeben? Nicderhasilau(Sachsen). 14. April.(Eig. Ber.) Der Kampf unserer Gemeindevertretung gegen die ihr entgegenstehende Anfsichts- behörde ist in ein neues Stadim» getrete». Die Gemeindeverordneten beschlossen, das Gehalt des Standesbeamten zu verweigern, welches bekanntlich in Sachse» dann von der Gemeinde zu tragen ist, wenn dieses Amt von einem Gemeindebeamte» versehen wird.— Die Ber- treter der Gemeinde beschlossen ferner, den ganzen Etat abzulehnen, falls die Aussichtsbehörde auch fernerhin den Willen der Fünfsechstel Mehrheit der Einwohner nicht respektiren sollte.— Ziveifellos ist, daß die Amtshauptmannschaft Zwickau nunmehr den Gemeinderath auflösen wird, der Ausfall der Neuwahle» dürfte ihr ja dann zeigen, daß nahezu alle Einwohner von Niederhaßlau hinter ihren Ver lretern stehen.— — Bei der Landtags-Ersatzwahl in Zerbst ver- drängten die Konservativen die Liberalen.— — Im An haitischen Landtage ward am Montag die zweite Lesung eines neuen anhaltischen Gerichtskosten-Gesetzes ohne erhebliche Debatte erledigt. Neu ist in dem neuen Gesetz die „solidarische Haftung der Kostenschuldner", deren Nichtvorhandensein der Staatskasse bisher wesentliche Einbußen gebracht hat und deren Einführung über zahlreiche Verurtheilte also noch mehr Unglück bringen wird als bisher. Im übrigen sind nur geringe Aenderunge» erfolgt. Die Vorlage betr. das Diensteinkommen der Volksschullebrer ward in dritter Lesung endgiltig angenommen. Statt 84 950 M., welche die Staatsregierung für die Neuregelung der Gehälter ver- langte, sind nunmehr 112 700 M. bewilligt worden. An Staats- Einkommensteuer wurden 15 Einheiten bewilligt. Eine Petition von 62 Gemeinde-Kircheuräthen des Landes, betr. Befreiung der Kirchen von der Besteuerung der Pfarrgüter, wurde mit Uebergang zur Tagesordnung erledigt.— Oesterreich. — L u e g e r's Wahl zum Bürgerincister von Wien hat die kaiserliche Bestätigung erhallen. Für die feierliche Einführung in das Amt bereiten Antisemiten, Christlich-Soziale und Klerikale große Demonstrationen vor.— Schweiz. «asel. 14. April.(Eig. Ber.). Für die am 26. April statt findende Ersatzwahl in den Regierungsrath an stelle des zum Bundesralh gewählten Herrn Dr. Brenner haben die Ver- trauensmäuner der sozialdemokratischen Partei den Genossen Nationalrath Wullschleger als Kandidaten ausgestellt. Frankreich. Paris, 16. April. Gerüchtweise verlautet, der in die Panama- Affäre verivickelte ehemalige Deputirte Planteau sei verhaftet worden.— In verschiedene» Finanzinstitulen wurden polizeiliche Nachforschungen betreffs der Geldeinlagen einzelner kompromittirter Parlamentarier angestellt.— Belgien. Brüssel, 16. April. Der Führer der katholischen Mehrheit in der Kammer, Woeste, bekämpfte gestern den Antrag der Christlich- Sozialen Dhaens und Ranki» betreffs Einführung der Schulpflicht in Belgien. Woeste erklärte, vor dem Oktober müsse das Schulgesetz von 1896 revidirt und der Religions- Unterricht für alle Schulen obligatorisch sein. Italien. — Die Deprltirten kammer vertagte sich bis zum 4. Mai. Aus der letzten Sitzung ist die Bemerkung des Ackerbauminiüers Grafen Guiccardini hervorzuheben, daß die Regierung die Frage der Anwendung des von dem amerikanischen Senate noch nicht ge- nehmigten neuen Tarifes der Bereinigten Staaten von Nordamerika einer Prüfung unterziehe, und nicht ermangeln werde, eventuell zweck- dienliche diplomatilche Schritte zu unternehmen.— Afrika. Algier, 16. April. Wie e? heißt, hätte der Sultan von Marokko infolge der Streitigkeiten unter den marokkanischen Stämmen an der Grenze, welche die Entsendung zweier Schwadrone» französischer Jäger nothweudig machte», die R i f s i o t e n mobil gemacht, welche ans Udjda vorrücken sollen. Mau befürchtet Uu- ruhe», welche daS Einschreiten französischer Truppe» erheischen könnten. Prätoria» 14. April. In der Klagesache der„Argus Company" gegen die Regierung von Transvaal wegen ungesetzliche» Verbots der Uitlander- Zeitung„The Johannesburg Star" wurde heute das Urlheil gefällt. Der oberste Gerichtshof entschied zu gunsten des Klägers einschließlich der Kosten. und er- klärte, es liege nicht in der Macht des Präsidenten, irgend welche Nummern irgend einer Zeitung vor dem Erscheinen zu unterdrücken.— Der„Star" erscheint heute wieder.— Amerika. — Der kubanische Aufstand ist noch lange nicht zu Ende, die Prophezeiungen der spanischen Regierung habe» sich wieder einmal nicht bewahrheitet. Nach einer Drahtmeldung aus Havanna landete der Dampfer „Laurada" Freischärler unter Fährung Roloff's bei Baues in der Nähe von Gibara(Provinz Santiago de Kuba). Die Aufständischen befestigten Baues.— �_ GemerkMzÄfkliFzes. Berlin und Umgebung. Die Kupferschmiede beschlossen hiesigen Blättenneldnngen zu- folge, in allen Geschäften, wo Kupserfiguren, getriebene Sachen u. s. w. hergestellt werden, eine Lohnerhöhung von 12'/, pCt. zu fordern. Achtung, Zimmerer! Bei dem Zimmermeister H i l l e r k u s, Gueiseuanstr. 62 sind gestern 14 Man» wegen Verweigerung von Ueberftunden eiitlassen worden. Die Bauten an der Oberbauin- Brücke sind deshalb so lange zu meide», bis die Verhandlungen ihren Abschluß gefunden haben. Die Loh nkom Mission der Berliner Z i m m e r l e u t e. Achtung, Zimmerer! Die Differenzen bei dem Bauunter. nehmer G e r i ck e in Zehlendorf sind zu gunsten der Arbeiter beendet. Die L o h n k o m m i s s i o n. Tie„Deutsch-Nationalen Handlungsgehilfen" halten am Ostersonntag einen Verbandstag ab. Als Reklame erscheint in der „Deutsche» Tageszeitung" folgende Notiz:„Der Deutsch-Nationale Handlungsgehilfenverbaud, die einzige kaufmännische Vereinigung, in der nur Handlungsgehilfen Stimmrecht besitzen, und die trotz der kurzen Zeit ihres Bestehens und aller Anfeindungen seitens der übrigen kaufmännischen Vereine stets zu allen, die Handlungsgehilfen inter- esstrendei« Fragen energisch Stellung nahm, hält am Oster- sonntag in den Viktoria- Sälen, Leipzigerstraße 134, seinen 2. Verbandstag ab." Daß die deutsch-nationalen Handlungsgehilfen die einzigen wären, i» deren Verband nur Handlungsgehilfe» Stimmrecht hätten. ist Renommisterei, und von ihrem Eifer ist der Mitwelt bisher wenig bekannt geworden. Kurz, die Reklame ist ganz im Geschmack der goldenen Hundertzehn gehalten!— Deutsches Reich. Jtt'Ratheuow haben SZimmerer des Meisters Wilhelm B ä d i n g die Arbeit niedergelegt, weil er ihnen den geforderten Stundenlohn von 33 Pf. nicht zahlen will. Der Meister sucht durch Annoncen in Berliner Blättern andere Arbeitskräste. Dem gegen- über wird von feiten der Arbeiter gebeten, den Zuzug von Zimmerern nach Rathenow bis auf weiteres fernzuhalten. AuS Luckenwalde wird uns geschrieben: Die Lohnbewegung der Holzarbeiter verläuft überaus günstig. Am 14. April haben mehrere ausschlaggebende Werkstätten die Forderungen be- willigt und es wird nunmehr ein leichtes sein, die noch ausstehenden Kleinmeister ebenfalls zur Bewilligung zu bewegen. Die Forde- ruugen betreffen zehnstündige Arbeitszeit und 10 pCt. Lohnausschlag. Die Tischler Stettins beschlossen in einer Versammlung mit 401 gegen 75 Stimmen den Generalstreik. Die Tischler in Rostock haben folgende Forderungen auf- gestellt: Stundenlohn 33 Pf., Ueberstuudeu 35 Pf.; Sicherung des vereinbarte» Lohnes bei Akkordarbeit; die wöchentliche Arbeitszeit beträgt 58 Stunden(Montags und Sonnabends je eine Stunde weniger wie bisher); Lohnzahlung am Freitag; Anschaffung von Lohnbüchern. Die Forderungen sind der Innung unterbreitet worden und diese hat die Bewilligung nbgelehnt. Es solle» nun sämmtlichen einzelnen Meistern die Forderungen mit dem Ersuchen vorgelegt werden, sich bis Sonnabend zu erklären. Bei einer Ablehnung wird es zum Ausstand komme», weshalb der Zuzug nach Rostock fern- zuhalten ist. Die Zimmerer Kiels beschlossen in einer Versammlung, sich mit de» streikenden Tischlern solidnrisch zu erklären. Aus solchen Gründen gemaßregelte Zimmerer erhalten von ihrem Ver- bände pro Tag 2,50 M. Unterstützung. Der Streik dürfte noch weitere Dimensionen annehmen, da ein Meister seine Bewilligung der Forderungen der Tischler zurückgezogen hat. Bis jetzt streiken 140 Man». Ans Hamburg wird uns geschrieben: Die hiesige Staats- anwaltschaft ist jetzr bei allen Straskammern des Hamburger Land- gerichts mit ihrem Versuch, den§153 der Gewerbe-Ordnung noch weiter zu i n t e r p r e t i r e n. als das vom Reichsgericht schon geschehe» ist. abgeblitzt. Sie hatte, wie das während des Hafenarbeiterstreiks des öfteren mitgetheilt wurde, in alle» den Fällen Anklage aus§ 153 der Gewerbe-Orduung erhoben, wo irgend eine Gewerkschaft einzelne ihrer Mitglieder ausschloß, weil sie de» streikenden Hafenarbciiern in den Rucken gefallen waren. Außerdem waren alle diejenigen— einerlei ob Streikende oder Nichtstreikende— aus§ 153 G.- O. augeklagt, die in öffentlichen oder Mitgliederversammlungen von Ardeiteru aller Art während des Streiks Namen von Streikbrechern bekannt gegeben hatten. Sämmtliche Abtheiluugen des Schöffengerichts erkannten in allen diese» Fällen auf Verurtheilung, und zwar wurde durchweg auf ei» sehr hohes Strafmaß erkannt. Gegen diese Urtheile wurde Be- rufung eingelegt, und zwar, wie sich jetzt gezeigt hat. mit Erfolg. Die letzte der vier Strafkammern des Landgerichts erkannte am 13. April gegen de» Widerspruch der Staatsanwaltschaft in zwei der- anigen Sachen auf Aufhebung der schöffengerichtlichen Urtheile und kostenlose Freisprechung der Angeklagten. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird sich die Anklagebehörde aber damit noch nicht zufrieden geben, sondern an das hanseatische Ober-Landesgericht gehen, hoffentlich mit demselben„Glück" wie bei der Berusungsinstanz. Außer mehreren hundert früheren Staatsquai-Arbeitern habe» so zieuilich alle am Ausstand betheiligten Hafenarbeiter wieder Beschäftigung gefunden, wenn sie auch mit den Betrieben wechseln mußten. Streikbrecher sind n»r noch verschivindend wenig« im und am Hase» beschäftigt. Die endgiltig Gemaßregelte» müssen noch immer allwöchentlich mit einer kleinen Summe Geldes unterstützt werden, jedoch wird ihre Zahl stets geringer. Tie Enquete der Senatskommissiou geht ihre» langsamen Gang weiter, ohne bisher etwas Handgreijliches gezeitigt zu haben. Auch mit der Anstellung eiueS Hafeninspektors hat es noch gute Wege. Die Tischler HameluS in der Proviuz Hannover stehen im Streik. J» Halle a. S. ist in der S ch u h f a b r i k von Hake ein Streit ausgebrochen. Eine Einigung ist wahrscheinlich. Ferner brach ei» �Streik aus in der Armatnrenfabrik von H a s e g i e r. Hier wird es wahrscheinlich zu keiner Einigung komme», weck den Differenzen eine sehr starke Lohnreduktion zu gründe liegt. Die Tischler in Erfurt sind in einen allgemeinen Ausstand eingetreten und habe» solgeude Forderungen gestellt: Verkürzung der Arbeitszeit aus 10 Stunde», Erhöhung des Wochenlohnei um 10 pCt.. Erhöhung des Akkordlohnes um 16 gCt. Für Sonn- und Feiertags- sowie Ueberftnudenarbeit Lohuaufschlag von 33>/»ZpTt. Von einigen Meistern war aus die Unterbreitung dieser Forderungen eine fünsprozentige Lohnerhöhung, entsprechende Normirung der Akkordsätze, zehnstündige Arbeitszeit und 10 pCt. für Ueberstuudeu uud Somckagsarbeit zugebilligt worden. Die Lohnerhöhung sollte nur da eintrete», wo in den letzten Jahren keine Aufbesserung erfolgt ist. In einer Versammlung der Holzarbeiter wurden diese Zugeständnisse besonders auch im Hinblick auf die geringe Zahl der Unterschristen für ungenügend erklärt und der Ausstand be- schloffen. Di« sächsische Textilarbeiter- Konferenz, die am 1. Oster- feiertag i» M e e r a u e abgehallen werden sollte, aber wegen der Wahl dieses TageS verboten worden war, wird nun am S. Oster- feiertag abgehalten. In Leipzig hat der Bund der Bau-Arbeitgeber es abgelehnt, die zwischen ihm und den Maurern und Z i m in e r e r n bestehenden Differenzen durch Schiedsspruch deS Gewerbegerichts als Einigungsamt erledigen zu lassen. Ueber die Natur der Differenzen lheilt die„Leipz. Voltsztg." das folgende mit: Der Streit dreht sich»in die Verkürzung der Arbeits« zeit. Die Bauunternehmer boten, da die früheren Tarif- abmachungen mit dem 1. April d. I. abliefen und um den Be- strebungen nach einer Verkürzung der Arbeitszeit de» Wind aus den Segeln zu nehmen, freiwillig eine Erhöhung des Stundenlohnes von 46 auf 48 Pf. an, wollten jedoch bei dieser Entlohnung unterscheiden zwischen rüstigen und jugendlichen oder altersschwachen Geselle». Für die beiden letzteren Kategorien wollten die Unternehmer nur 43 Pf. Stundenlohn zahlen. Die Arbeiter erklärten sich bereit, für die Dauer eines Jahres auf das Angebot der Unternehmer bei der bisherigen lOstüudigen Arbeitszeit unter der Bedingung einzugehen, daß vom 1. April l898 ab die OVüstündige Arbeitszeil bei einem Stundenlohn von 52 Pf. für rüstige Gesellen bewilligt werde. Diese Bedingung lehnten die Unternehmer ab uud beharrteu darauf, daß sich die Arbeiter schon jetzt für das Jahr 1898 sestlegten und auf die Verkürzung der Arbeitszeit verzichten sollten. Die öffent- liche» Arbeiterversammlungen lehnten das ab, beschlossen aber, einen zweiten Versuch zur Einigung durch die Anrufung des Gewerbe» gerichts zu unteruehinen. Auch dieser Versuch, zu einein Ausgleich des Differeiizpiinkles zu gelangen, ist an der starren Ablehnung der Unternehmer gescheitert. Die streikenden Arbeiterin«?» der Wäschereien in Neu- Isenburg in Hessen beschlossen auf Anrathen des Reichslags- Abgeordueteii Schmidt aus Frankfurt a. M., das Gewerbegericht als Einigungsamt aiizurufeii. um durch dessen Spruch eine iiubeil- liche Regelung der Arbeitsbedingungen zu erlangen. 50 Arbeiterinnen habe» ihre Forderungen bereits bewilligt bekommen. In Stuttgart:st der Streik der F o r m e c der H ä u ß l e r« scheu Gießerei durch Verniittelung des Gewerbegerichts als Einigungsamt beendet. Er hat fast f ü n f M o n a t e gedauert. Die beiderseits akzeplirten Bedingungen sind: In Zukunft wird zehn Stunden gearbeilet. Wird Ueberzeitnrbeit vom Geschäft vertangr, dann ist ein Zuschlag von 25 pCt. zu zahlen. Dem seilberigeu Materialmangel wird Herr Hänßler abhelfen. Die Preise sollen den orlsüblichen Gießpreisen enlspiechend geregeli und dcm Arbeiter vor Ueberiiahme einer Arbeit mitgetheilt werden. Maßregelungen wegen des Streiks dürfen nicht vorgenommen werden. Herr Hänßler wird»ach Maßgabe der ei»?aufe»den Zlusträg« i» erster Linie die vor Ausbruch des Streiks bei ihni beschäftigt gewesenen Arbeiter wieder einstellen. Sind diese eingestellt oder anderweit in Arbeil getreten, hat Herr Häußler das Recht, sich andere Kräfte zu suchen. Der von de» ZcntrnmSpatriote» ins Leben gerufene b a y e r i s ch e E i s e n b a h n e r- A e r b a n d hält an den beide» Osterfeieriageu in M ü n ch e n eine außerordentliche General- versamuilung ab. auf welcher die Statuten, die bekanntlich dem Herr» Generaldirektor v. Ebermayer zu„erheblichen Bedenken" Anlaß gegebe» haben, eine entsprechende Abänderung erfahren sollen. Man schreibt uns darüber: Der bevorstehende Umfall der Mucker de» Verbandes ist bereits von den zenlrnmspatriolischen Ab- geordnete» Lehrer Worte in Augsburg und Dr. P i ch l e r in Passau vorbereitet worden, indem diese beiden Herren am letzte» Sonntage den Eiseubahn-Arbeitern vorredeten, daß sie stets bereit seien, die berechtigte n Bestrebungen des Verbandes fördern zu helfe», daß es jedoch sehr schwer sei, alle Forderungen zu erfüllen. Der Verband müsse sich daher zunächst vorzüglich darauf beschränken, die Einsetzung von ül'beiterausschüssen, einen Zuschuß aus der Staatskasse a» die Arbeiter° Pensionskasse und Befriedigung und Regelung der vordringlichste» Forderungen in bezug ans Lohn und Arbeitszeit zu erreichen. Nach diese» Leistungen der beide»„Arbeiterfreunde" dürste» selbst dem vertrauensseligste» Eisen- bahner die Augen darüber aufgehe», daß das Zentrum den ganzen Schwindel nur iuszeuirl hat, rim Sliinmenfana für die nächsten Wahlen zu treiben, daß es ihm aber mit der jetzt plötzlich zur Schau getragenen Fürsorge für die Eisenbahner nicht im geringsten ernst rst, sondern daß es vielmehr dieselbe» nur nasführen und i» ge- ivohnter Weise dann schmählich verratheu wird. Prozeß LloMeummr«nd Genossen. Siebenter Tag. Neue Entlastungszeuge». Nach Eröffnung der Sitzung durch Laudgerichtsdireltor N i e ck theät Rechtsanwalt Dr. Schöps mit: Es ist bei ihn, ein Brie «iugetroffe», in dem zwei Personen nanihasl gemacht werden, die bei dem Fest in Weißensee mit dem Zeugen Dröper an einem Tische gesessen imd am Abend auch Koschemann draußen gesehen habe» wollen. Er wolle, so fügt der Verlheidigcr hinzu, nichts lbun, um den Gang der Verhandlung irgendwie z» verzögern, wenn aber solche Zeugen zu erreichen seien, so halte er es doch für seine Pflicht, sie herbeizuschaffen. Die beiden Zeugen heißen Schlosser Jaworski, der in Marlinickenselde arbeitet, und Gürtler Julius Heidebrand, der nicht mehr bei Ludwig Löwe in Arbeit ist. Der Vorsitzende erklärt, daß bei nochmaliger Aufnahme der Beiveisaufuahmc leider die Hoffnung, die Verhandlungen heute zu beenden, aus- gcfchloffen sei, daß aber wohl der Versuch gemacht werden müsse, diese Zeuge» sofort herbeizuschaffen. Der Staatsauwall ist hiermit einverstanden.— Rechtsann'alt Werthauer beantragt, da sich die Sache nun doch noch verzögere, auch einen Kaufmann Schifftan aus der Oranienstraße zu laden, welcher bekunde» werde, daß der Schreibsachverständige Altrichter in einem Falle a»ch ein ziemlich bestimmtes Gutachleu abgegeben habe, dieses aber bald widerrufen mußte. Der Gerichtshof beschließt, die genannten Zeugen sofort durch besondere Bolen beziehungsweise den Fernsprecher herbeiholen zu lassen und der Vorsitzende vertagt die Verhandlung aus IVj Stunden. Um 1t»/« Uhr nimmt der Vorsitzende die Verhandlunge» wreder aus. Der Zeuge Schloffer Joseph. Es wird zunächst ei» vom Staatsnnwalt gestellter Zeuge, Schloffer Carl Joseph, vernommen. Es ist derjenige, der den vom Äertheckiger erwähnten Brief au diesen geschrieben hat. Er arbeitet bei Löwe in Marlinickenselde und will gestern von seinem Kollegen Jaworski gehört haben, daß dieser am 29. Juni löSö in W-rßense« Koschemann gesehen habe.— Präs.: Ist Ihnen nicht bekannt, daß damals die sogenannten zielbeivnßten vrganisirten Arbeiter beschlossen hatten, sich nicht an dem Fest in Weißens« zu betheiligen?— Zeuge: Es ist wohl so etwas gesprochen worden, doch ich kami mich nicht mehr genau darauf besinnen.— Präs.: Gehören Sie irgend einer politischen Partei an und welcher?— Zeuge: Ich bin Sozialdemokrat.— Präs.: Wiffen Sie, ivelcher Parteirichtung Jaivorski angehört?— Zeuge: 'Nein: ich weiß nur, daß er sehr religiös ist. Zeuge Schloffer Jaworski, der schon feit b Jahren bei Löwe arbeitel, glaubt sich mit Bestimmtheit zu erinnern, daß er auf dem Feste in Weißensee den Koschemann an seinem Tische habe vorbeigehen sehen. Es mochte nach 8 Uhr gewesen sein, jeden- Solls sei es vor dem Fackelzuge gewesen. Koschemann habe zwar »amals noch nicht lange in der Fabrik gearbeitet, er glaube aber nicht, sich in seiner Person zu irren.— Präs.: Wie kommt es, daß Sie sich heute, nach beinahe zwei Jahren und obgleich Sie doch seiner Zeit nicht wissen konnten, daß es irgendwie darauf an- komme, noch erinner», unter den Tausenden von Menschen, die an jenem Abend in Weißensee an Ihrem Tisch vorübergezogen sein werden, gerade den Koschemann ge- sehen zu haben?— Zeuge: Ich glaube, mich mit Bestimmtheit erinnern zu könne».— Präs.: Welcher P a r t e i r i ch t u n g ge- hören Sie an?— Zeuge: Der Zentrumspartei.— Auf �nochmaliges Befragen des Vorsitzende» giebt der Zeuge die in Frage kommende Zeit aus 3 bis 3 Uhr an. Der Werth eines Handschrifteu-GutachteuS. Der nochmals aufgerufene Sekretär A l t r i ch t e r giebt auf Befragen zu, daß er sich vor etwa fünf Jahren einmal i» einer Sache, bei welcher ein Herr Schifftan betheiligt gewesen, sich mit seinem Gutachten geirrt habe. Er habe damals ohne jede Vor- bereitnng begutachten solle», ob ein Angeklagter gewisse Rand- bemerknngen, die sich auf einem Briefe defanden, ge- schrieben habe oder nicht. Er habe die Frage bejaht. Darauf Habesich ein im Zuhörerraum des Gerichtssaales anwesender Freund des Augeklagte» als Schreiber der Randglossen gemeldet und er habe unter den obwaltende» Umständen sein Gutachten zurücknehmen müsse». Dabei sei nicht außer acht z» lassen, daß bei Angehörigen derselben Berufszweige manchmal Aehnlichkeiten in der Schrift vorkomme»(I) und es auch nicht ausgeschlossen war, daß damals der Augeklagte bei der Schriftprobe absichtlich die Schriflzüge der Randglossen nach- geahinl hat. Ans weitere Beweisaufnahme wird hierauf allseitig verzichtet. Der Vorsitzende verliest die von ihm entworfenen LS Schuld- fragen,»nter denen sich auch solche wegen Beihilfe, Begünstigung und Mitwisserschaft befinden. Ter Zitatcuschatz des Staatsanwalts. Hieranf nimmt Staatsanwalt K a n z o w das Wort: Meine Herren Geschworenen! Wir stehen am Schlüsse lang- wieriger und erschöpfender Verhandlungen. Was geschehe» konnte, nm eine Ausklärung des Tbatbestandes und der Thäterschaft bei- zubringe», ist geschehen, und es liegt nicht an dem Gerichtshofe, »och der Vertheidiger, noch an mir, wen» irgend etwas in dieser Beziehung unlerlassen sein sollte. Ich als Staatsanwalt habe nach Gesetz und Gewissen die Pflicht, objektiv alles vorzutragen, nicht nur was belastend, sondern auch was entlastend für die Angeklagten ist. Ich habe schon neulich keine» Anstand genommen, zu erklären, daß gegen s ä m m t l i ch e Angeklagte bei der derzeitigen Sachlage ein erdrückendes Material nicht beigebracht worden ist, und ich werde das Beweismaterial sachlich und ruhig prüfen. Leicht wird mir diese Ruhe nicht, schon wenn ich die beiden Haupt» Personen, die hier in Frage kommen, berücksichtige. Da ist auf der einen Seite derjenige, der das Opfer des Anschlages werden sollte: der Polizei-Oberst Krause. Sie haben selbst diese sympathische, ehrbare Persönlichkeit gesehen. Dieser Mann hat sich von der Pike auf emporgearbeitet, das kann ihm«der doch nur zum Ruhme und zur höchsten Ehre gereichen, wie dies ja auch bei dem verstorbenen Unterstaatssekretär Stephan der Fall war. Bei uns im Vaterlaude ist es ja noch immer möglich, durch eisernen Fleiß zu den höchsten Stellen zu gelangen, und das ist gut, denn es ist immer gut, wenn alle Siäude durcheinandergehen und immer neues Blut in die Verwaltungen kommt. Auf der anderen Seile steht Kosche- mann. Er stammt aus guter Familie. Sie habe» den allen, ehr- würdigen, mit KriegSdenkmünzen geschmückten Vater Koschemann ge- sehe» und werden nun fragen, wie ist es möglich, daß der Sohn eines solchen Mannes unter der Anklage des Mordversuches stehe» kann— des Mordversuchs gegen einen Mann, der ihm niemals etwas zn Leide gelhan hat? Die Erklärung liegt nickt zu fern. Der große Franzose T a i n e, der uns die französische Revolution erst so recht hat verstehen gelehrt, hat einmal von dem„Jakobiner- thum der Zwanzigjährigen" gesprochen. So ein junger Mensch, der gar keine eigene Lebenserfahrung und gar keinen historischen Sinn hat, der kommt hinaus in die Welt und gerälh in Kreise, in denen jede Autorität untergrabe», in welchen die Erziehung zur Ehrfurcht, die»ach Goethe das wichtigste ist, mit Füße» getreten wird. Koschemann ist schon mit jungen Jahre» weit in der Welt herumgekommen, der G i f t st o s f ist ihm überall in der Welt zugetragen, besonders durch die M o st' s ch e„Frei- heil". Das sagt genug! Reif sein ist alles, sagt Shakespeare, und denke man, wie es in dem Kopfe eines solchen unreifen, phanlastischeu Meuscheir aussehen muß, wie da der Größenwahn und die Verleumdungssucht Platz nimmt und zum Massen-, Klassen- und Rassenhaß führt, wie ein solcher junger Nieusch innerlich vergiftet werden muß. Der objektive Thatbestaud ist ziemlich einfach, weit schwieriger ist die Frage: Wer ist der Thäter? Bande über Bände sind über diese Frage zusammen geschrieben worden. Alle entlassenen Sckutzleute sind geprüft worden, ohne Er- folg und wenn man bedenkt, daß selbst entlassene Beamte dem Polizei-Oberst Krause das Zengniß ausgestellt habe», daß er zwar st r e n g aber gerecht ist, so ist es unwahrscheinlich, daß ein eut» lassener Polizecheamter in Frage kommt, ebensowenig die Familie des Oberst Krause. Gegen das Vorliegen eines persönliche» Rache- alls spricht auch die Thatsache, daß die Weckeruhr auf'/sll Uhr gestellt war, nm diese Zeit aber am Sonntag der Oberst Krause regelmäßig zur Kirche zu gehen pflegt. Es liegt eine anarchistische S ch r e ck e n s t h a t vor! Während die Sozialdemokratie proklamirt hat, daß sie nur gesetzmäßige» Widerstand leistet, kämpft die Anarchie mit allen Miltein. die ihr in die Hände fallen. Es giebt ja verschiedene Gruppen von An- archisle», aber zweifellos ist es, daß es auch eine ganz bestimmte Richtung darunter giebt, die Anhänger der Propaganda der That sind. So verrückt es ist, so glauben diese Leute, daß es ihren Zwecken dienlich ist, wenn sie die bürgerliche Gesellschaft hin und wieder in Angst und Schrecken setzen und damit von ihrem Dasein Kunde geben. Wenn sie im Auslände einen R a v a ch o l haben, so haben wir hier einen Rheinsberg(soll wohl heißen: Reinsdorf. D. R.), welcher die Fürsten nud das Niederwald- Denkmal in die Luft sprengen wollte. Wir habe» vom Kriminalkommissar Bösel gehört, daß wir unter den Berliner Anarchisten Leute habe», die vor keiner That zurückschrecken. Natürlich muß es Aufgabe der Polizei sein, den friedliche» Bürger zu schützen und Verbrechen zu verhüten. W e st p h a l und Koschemann standen bei der Polizei im Ver- dacht, daß sie Anarchisten der enragirteste» Art seien, und durch das Ergebniß der Haussuchungen, sowie durch andere Umstände ist dieser Verdacht vollauf bestätigt worden. Man fand bei beide» gravireude Schnflen, bei Koschemann die„Freiheit" von M o st, direkt aus New-Aork bezogen, bei Westphal eine» ganzen Jahrgang der„Autonomie". Koschemann hat ferner die bluttriefende und zu Verbreche» auf- fordernde Schrift„G retchen und Helene" vertrieben und ist dieserhalb bestraft worden. Also zuzutrauen ist diesen beiden An- geklagten sicher die That, die ihnen zur Last gelegt wird. Nun hieß es zuerst in der Presse und- anderswo, es sei eine Frau i» Männer- kleidern gewesen. Ich glaube nicht daran. Ich meine, es ist eine Mannsperson geivesen, welche einen franenartige» Eindruck machte. Nun frage ich Sie, meine Herren Geschworenen, thul dies nicht Koschemann? Koschemann hat auffallend breite Hüften,«inen trippelnden Gang und das mädcheuhaste Gesicht, welches er heute noch zeigt, >var vor zwei Jahren gewiß noch mädchenhafter. Dazu kommt, daß die Kiste LS Pfund schwer war; ein solches Gewicht konnte ein schwaches weibllches Geschöpf nicht tragen. Wenn wir nur die Zeugenaussagen derjenige» Personen vergleiche», welche die verdächtige Person i» Fürstenwalde nud diejenige, die sie auf dem Schlesischen Bahnhose gesehen haben, so muß man zn dem Schlüsse kommen, daß beide Personen identisch waren. Kennzeichnend ist die Handbewegung Kosckemunn's, wenn er sich die Haare zurückstrich. Und übereinstimmend sagen die Zeuginnen, ivelche für dergleichen Sachen doch eine scharfe Beobachtungsgabe haben „das ist er!" als er ihnen durch den Untersuchungsrichter vorgeführt wurde. Man berücksichtige ferner, daß Koschemann die Sache lange vorher in alle» Einzelheile» durchdacht und dann mit großem Raffinement durchgeführt hat, natürlich ist es nicht so leicht, ihm auf allen seinen Wegen zn folgen und sein Thun bei diesem Verbrechen zu entlarven. Dazu gehört ein sorgfälliges und müh- sanies Zusammenfügen aller verdächtigen Momente und der Nach- weis, daß der vorbereitete Alibibeweis mißlungen ist. Der Angeklagte hat ja zwei Zeuginueu auftreten lassen, die an- scheinend zn seinen gunsten ausgesagt haben, ich erinnere aber daran, in welchen persönlichen Beziehungen diese Zeuginnen zn Westphal standen und erinnere an die Meineidstaktlk der Anarchisten. Die Beobachtungen des Barbiers Bräner und seiner Ehefrau sind gewiß mit bestem Wissen von ihnen wiedergegeben worden, es ist aber nicht ausgeschlossen, daß sie sich irren. Es ist bezeichnend, daß Koschemann und Westphal bei dem Barbier Bräuer mit Nachdruck von dem„Judenflinten"-Fist gesprochen haben; sie ivollten wahr- scheiulich hiermit dem Barbier ein Stichwort beibringen, damit er sich später noch besinnen könnte, daß sie an jenem Tage »ach Weißensee gehen wollten. Daß Koschemann nicht nm 7 Uhr bei Bräner's geivesen sein kann, geht schon einfach daraus hervor, daß Koschemaun's eigene Entlastungszeuge» behauptet haben. er sei sckon gegen 6 Uhr in Weißensee gewesen. Dann kau» er nicht um 7 Uhr bei Bräner's gewesen sein l Der Staatsanwalt geht dann eingehend die einzelnen Zeugenaussageiz durch, die sich auf die Zeitabschnitte des L9. Jnni l89ö, auf die Anwesenheit Koscheinann's in Weißensee«. deziehe» und er zeigt, daß sowohl in de» Angaben Koscheinann's, als auch in den Bekundunge» der Zeugen, die ihn gesehen haben, erhebliche Widersprüche festzunageln seien. Koschemann hat offenbar seinen Alibibeweis von vornherein sehr schlau sich zusammengestellt. Niemand be- streitet, daß Koschemann am Abend des L9. Juni 1895 in Weißens« war— es fragt sich blos, zu welcher Zeit.— Der Zug fährt um 8 Uhr 56 Minuten vom Schlesischen Bahnhof nach Weißensee, von da sind es nur 10 Minute» bis zu Sternecker. Dies ist festzuhalten. Die Aussagen der Zeugen, die den Kosche- mann draußen gesehen haben wolle», sind doch zu unbestinnnt, um darauf etwas zu gebe». Der Alibibeweis ist mißlungen! Und dann die Hauptsache: Wo ist Koschemam» am 20. Jnni vormittags gewesen 1 Er behauptet steif und fest: bei Gürtler's. Frau Gürtler ver» »eint dies aufs eulschiedenste Hat Frau Gürtler, die in intimem Freundschaftsverhältnisse zu Koschemann stand, die liebevoll für ihn eingezabll hat, irgend ein Interesse daran, Koschemann hineinzulegen? Nimmermehr! Dann bedenken Sie die Art der Zusammenstellung der Kiste. Koschemann ist ein geschickter Mechaniker. Der Sachverständige hat zwar gesagt, e i» Mechaniker würde es anders gemacht haben, ich bin aber anderer Ansicht und dann: kann nicht ein Mechaniker ganz absichtlich irgend etwas an der Kiste ungeschickt und kunstwidrig gemacht haben, gerade um den verdacht von emem Mechaniker abzulenken? Nun kommt die Schrift der Adresse. Ich erkläre, daß ich von der Kunst der Graphologie nur insoweit etwas halte, als sich jeder einzelne von de» Aehnlichkeiten oder Uuähnlichkeilen von Schrift- zögen überzeugen kann. Aber das steht doch sest, daß in der Schreibart Koschemann's manche große Aehnlichkeiten mit der Schrift auf der Adresse zu finden sind. Endlich kommt die Frage der Weckeruhr. Ich meine doch, daß Koschemann der Käufer des Weckers in Königs-Wusterhausen gewesen ist. Er wird vom Uhrmacher nach seinem Namen gefragt, seinen richtige» darf er nicht nennen, so giebt er den Name» Kurte an, der denselben Anfangsbuchstabe» hat wie der Name Koschemann. Ein kleines Zeichen, aber es giebt zu denken. Koschemann stellt dann die Behauptung auf, er habe ge- hört, daß ein Schankwirth Krüger einen Wecker gekaust habe und wahrscheinlich mit ihm verwechselt werde. Krüger wird vernommen, es zeigt sich, daß er nie einen Wecker ge- kaust hat. Wer derartige Kniffe zu seiner Entlastung an- wendet, der kann sich nicht unschuldig fühlen, ein Unschuldiger beschränkt sich darauf zu sagen„ich war es nicht!" Erwiesen ist ferner, daß Koschemann wiederholt aus die Polizei und besonders auf den Polizei-Odersten Krause geschimpft und sich nach dessen Bureau- stunden erkundigt hat. Es hängt viel davon ab, ob ma« de« Zeuge« Brede Glaube« scheutt, oder nicht. Ich halte ihn für glaubwürdig. Gr erhält das beste Zengniß von seiner Bchörde und er sagt sofort dem Schutzmann: „aus eine Belohnung verzichte i ch." Er hat de» Vater des Angeklagten Koschemann vor dem letzteren gewarnt, er sagt: „Hüten Sie Ihren Sohn, er ist aus Abwegen, er ist Anarchist!" So handelt kein Mann, der im Solde der Polizei steht, wie man ihn von gewisser Seite hinstellen möchte.— Nun sehe man sich serner den Apparat an, den Koschemann als ein Läutewerk für Aerzte bezeichnet. Ich behaupte, daß dies eine Aus- rede ist, daß angebliche Läutewerk ist eine Maschinerie, die in ihrem ganzen System dem Attentatsapparat ähnlich ist. Wenn bei je- mandem ein Dietrich gesunden wird, muß er sich gefallen lassen, daß er für einen Dieb gehalten wird, bis er den Nachweis vom Gegentheil erbringt. Die That hatte den Angeklagten aber doch gepackt, in der Nacht zum 30. Juni kam er nicht»ach Hause und ebenso wenig am ganzen folgenden Tage. Dies läßt auf ein böses Gewissen schließen. Und wie viele Widersprüche sind ihm nachzuweisen! Bei seiner Vernehmung durch den Präsidenten erklärt er gerade heraus,„ich kenne Westphal nicht!" Bald darauf sagt er bei einem anderen Punkt:„Ich ging mit meinem Freunde...." Da stockt er, beinahe hälte er de» Namen „Westphal" ausgestoßen. Er sagt« auch einmal,„die Kiste ist ja aar nicht an de» Polizei-Oberste» Krause, sondern /an den Obersten Krause adressirt". Ich behaupte, daß dieser Mangel in der Adresse absichtlich herbeigeführt wurde, um den Anschein zu erwecken, als gehe das Altentat von einer Privatperson aus. Alles Berechnung. VordemUutersuchungsrichlerhalKvfcheinannerklärt.daßerkeineAnträge z» stelle» habe, um dieGlaubwürdigkeitdiSZeugenBredeju erschüttere. I» seinem Kassiber erklärt Koschemann:„Brede muß bei seiner Be- Hörde verdächtigt werden." Und richtig, bald trifft bei den Vor- gesetzten Brede's ein anonymer Brief ei», ivorin derselbe beschuldigt wird, Bücher aus der königlichen Bibliothek unterschlagen zu haben. So handelt kein Unschuldiger. Ich komme also zu dem Schluß: Koschemann ist der Absender der Kiste, er hat das Attentat auf den Polizei-Oberst Krause selbst ausführen wollen, er ist schuldig z n spreche»! Mindestens aber ist er schuldig zu befinden, Beihilfe zu dem Verbreche» geleistet zu haben. Was nun die iibrigeu Augeklagten betrifft, so liegt gegen Westphal nicht so schwer belastendes Material vor, ich bin aber doch überzeugt, daß er seine Hand mit im Spiele hat. Er ist auch Anhänger der Propaganda der That, er ist mit Koschemann eng befreundet, beide haben sich hänfig be-' sucht und gegen ihn spricht folgender schwer wiegende Moment: er hat behauptet, er habe sich am 29 Juni nicht von Koschemann ge- trennt. Das ist als wahrheitswidrig nachgewiesen worden, er ist nicht mit Koschemann in Weißensee gewesen. Ferner ist belastend■ für ihn, daß er gesagt hat, der Plan, ein„Läutewerk für Aerzte zu kunstrniren" set von ihm ausgegangen. Nicht ausrecht erhallen kann ich die frühere Behauptung der Anklage, daß er mit Koschemann die Srengkiste gemein- schaftlich angefertigt hat. Das rst nicht erwiese», dagegen ist nachgewiesen, daß Westphal Koschemann bei dein Ver- brechen geholfen und ihm die Hilfe vorher zugesagt hat. Für Frau Westphal nud den Angeklagten Weber hat sich die Verhandlung günstiger gestaltet. Zwar sind sie a>»ch Besucher des Späih'sche» Diskutirklilbs, aber es ist nicht erwiese», daß sie um das Verbrechen gewußt haben. Gegen sie beantrage ich die Frei- sprechung. Fra» Gürtler erscheint mir ganz zweifellos für überführt, dem Koschemann ihre Hilfe geleistet zu haben. Dagegen ist s i e der Majeftätsbeleidignng nicht für schuldig zu erachten. Danach wären die einzelnen Fragen zn beantworte». Ich habe nach bestem Wiffen und Geivissen ge- sprochen— fällen Sie, meine Herren Geschworen, Ihren Spruch nach bestem Wissen und Gewissen, dann wird dem Rechte Genüge geleistet sein. Die Bertheidignng. Rechtsanwalt Dr. Werthauer: Das Beweismaterial ist so schwach, daß die Bertheidignng, die de» Stoff unter sich vertheilt hat, sich ziemlich kurz fassen kann, um die Herren Geschworenen von der Nothwendigkeit eine? freisprechenden Wahr- s p r n ch s zu überzeugen. Vieles von dem, Iva? anfänglich belastend erschien, hat sich in der Verhandlung als ganz unverdächtig und wentg belastend herausgestellt. Nach de» Ergebniffen der Beweis- ausnähme darf man ohne weiteres behaupte»: es ist erwiese», daß Koschemann nicht der Thäter ist. Kein Mensch hat gesehen, da: K. irgend etwas mit der verhängnißvollen Kiste zu thu» gehabt hat, die Anklagebehörde vperirt mit keiner positive» Thalsache, sonder» leaip- lieh mit Indizien. Das ist so mit dieser Verhandlung wie in eüur Premiere, wo man vier Akte hindurch allerlei Dinge an sich vorüber- ziehe» sieht und wo man beim Fallen des Vorhanges ganz erstaunt sitzen bleibt, in der Meinung, daß der Hauptcffekt nun erst kommen soll. Auch bei dieser Verhandlung kann man nach dem, was sieben Tage hindurch vorgeführt wurde, sich schließlich erstaunt fragen, was denn nun eigentlich bewiesen worden ist. Nichts, gar nichts! Die Herren Geschworenen können vielleicht sage»: eS ist hier etwaS Dunkles geschehe», wer es aber gelhan, ist uns auch heute noch ver- borgen. Es ist keine Spur von Beiveis dafür erbracht, daß es sich hier um ein anarchistisches Attentat handelt, der versuchte negative Beweis, daß kein Akt persönlicher Rache vorliege, könne doch»ach keiner Richtung hin ausreichen. Koschemann behaupiet, daß hier ein Akl p o l i z e i l i ch e» S p i tz e l t h u m s vorliege. Ich halte das für Wahnsinn, denn ich glaube Herrn Kriminalkommissar Bösel aufs Wort, daß die Polizei sich dies Attentat nicht selbst bestellt hat. Ich gehe sogar soweit, daß ich mit dem Staatsanwalt annehme: es ist ein anarchistisches Attentat, aber keineswegs von Koschc- mann ausgehend, sondern von auswärtige» Anarchisten ausgeheckt. Ich erinnere daran, daß vor längerer Zeit einmal ein russischer N i h i l i st I w a n o f f verhastet worocn war, der vielleicht mit der Sache in Zusammenhang stehe» könnte, den» er ist in Kopenhagen, in Paris und in Berlin gesehen worden, 1894 sind in Paris Bomben geworfen worden und es ist bezeichnend. daß in der Kiste eine Zeitungsnummer der„Coto libre" vom 22. August 1894 und der„Franksurter Oder- Zeitung" vom 23. August 1894 gefunden worden ist. Danials ist Kosche- mann noch nicht hier gewesen. Es läßt sich nicht von der Hand weise», daß diese Kiste im anarchistischen Lager im Auslande gefertigt, schon 1894 in der Hauptsache hergerichtet und vielleicht erst 1896 noch im letzten Theile vollendet und nach Berlin geschickt worden ist. Man möge doch auch daran denken, daß der eine Stettiner Zeuge dort die verdächtige, als Mann verkleidete Franensperso» in «1-i?«"9 �ö'veier Männer gesehe» hat. Ist es so sehr aus- gqchlossen, daß die Kiste ans Däneinark herübergebracht worden ist? L-er Verlheidiger erörtert dann ausführlich die Frage, ob man sich . den Angeklagten. die bisher völlig unbescholten waren. vnier solche» That versehe» könne. Er verneint dies und sucht zu beweisen, daß die Widersprüche, in welche sich der Angeklagt- Koschemann verwickelt hat, ebenso wenig Belastendes für chn enthalten, als die Kassiber. Was den Belastungszeugen Brede betrifft, so solle man doch bedenken, daß„Aeußerungen Schäume" Mo und daß man doch absolut nichts daraus folgern könnte, wenn Ko>chcmann wirklich den Brede nach den Sprechstunde» des Polizei� Oberst Krause gefragt haben sollte. Aeußerungen sind Schäume und Indizien keine Beweise! Der objektive Befund der Kiste deute durchaus nicht darauf hin, daß Koschemann sie angefertigt habe, der angebliche Uhrkauf schwebe vollständig in der Luft. Wie sollte denn der Mann darauf kommen, nach Königs- -lis u(i er Haufen zu fahren, dort eine Uhr zu kaufen n»d diese mit nach Berlin zu schleppen. Als ui Verlin gar keine drei Mark-Bazare und keine Weckeruhren gäbe. Koschemain, sei nun an seinem ganzen Körper und dessen !!??®*UCK Theilen genau geprüft worden. Man hat seine Füße ge- schildert, die Hände geschildert und die ganze Figur in allen mög- lichen Farbe» geschildert— aber»irgendwo hat es mit de» Maaßen der verdächtige» Person gepaßt. Da hätte man denn doch zu dem Schluß kommen müssen, daß Koschemann die Person nicht sei. Weit gesebltl Da sagte man schnell, er könne die Füße in enge Stiefel gezwängt habe» und man fertigte ihm exlra ein Jacket an, zog es rhm an und fragte die Zeugen, ob die verdächtige Person s o aus- gesehen haben könne. Das erinnere doch an die kleine Geschichte der„Fliegenden Blätter", in weicher ein Man» mit der Frage n» eine junge Dame Herautritt:„Fräulein, darf ich Ihnen meinen Regenschirm anbiete»?" Als dann die Dame sagte:„Aber mein Herr, es regnet ja garnicht!" erjolgte die Antwort:„Ich habe ja auch gar keinen— Regenschirm!" Zum Schluß sucht der Ver> lheidiger nachzuweisen, daß Koschemann die That garnicht begangen haben könne. Dieser sei ja von verschrobenen anarchistischen Ge- danken erfüllt, es lasse sich aber doch nicht ohne weiteres annehmen, daß ein Sohn eines solchen braven, ehrwürdigen Vaters ganz aus heiler Haut zuni Verbrecher wird. Er sei spätestens um 9 Uhr in Weißensee gesehen worden>l»d mit Rücksicht auf den Eisenbahn- Fahrplan sei es unmöglich, daß er die Kiste in Fürstenwalde aufgegeben haben könne, er müßte denn wie Phileas Fogg in der Reise um die Welt in 30 Tagen ohne jeden Aufentball von der Eisenbahn zum Dampfschiff und umgekehrt geeilt sein. Der Vertheidiger bittet zum Schluß die Geschworenen, min bestens ein non liquet auszusprechen. Das Plaidoycr des Rechtsanwalts Dr. Schöps. Berufs- und Strafrichter haben ein Urlheil schriftlich und mündlich zu begründen, bei den Geschworenen heißt es„Ja, ja!" oder„Nein, nein!" Was darüber ist, das ist vom Uebel. Aber dies entbindet die Geschworenen nicht von der Verpflichtung, genau und gewisseuhast zu prüfen, bevor sie sich ihre Ueberzeugung bilden und ihren Spruch säll-u. Zur Sache übergehend, sucht der Vertheidiger ausznsühren, daß das Attentat weder auf den Polizei-Obersten Krause gemünzt war, noch von Berliner Anarchisten ausging, noch daß der ganze Apparat so her- gestellt war, daß er den angeblich beabsichtigten Zweck erfüllen konnte. Polizei-Oberst Krause sei gar keine politische Persönlichkeit, etwas airderes wäre es gewesen, wenn der Kriminalkommissar Bösel hätte das Opfer werden sollen. Der Vertheidiger weist auf die vielen Widersprüche der Zeugen hin, als diese die Merkmale der verdächtigen Person in Fürsteuwalde und auf dem Schlesischen Bahnhofe beschreiben sollte». So viele Widersprüche! Es stehe schlecht«m eine Anklage, in der seitens der Staatsanwallschaft so schwache Verdachtsmomente ins Gefecht geführt wurden, wie es im vorliegenden Falle geschehe. Fast sämmtliche Zeugen hätten den Ein- druck gehabt, als hätten sie eine Frau in Männerkleidung ge- sehen und der Vertheidiger neige sich der Ansicht zu, daß es wirklich ei» verkleidetes Frauenzimmer gewesen. Wenn man Koschemann in Frauenkleidung stecken würde, so würde er trotz seines mädchenhafte» Gesichts immer aussehen wie ei» ver- kleideter Manu, die verdächtig« Person habe aber ausgesehen, wie eine in Männerkleiduug steckende Frau und dies sei doch ein ganz gewaltiger Unterschied. Was den von Koschemann angetretenen Alibi- beweis betreffe, so könne der Vertheidiger die Ansicht des Staats- anwalts, daß derselbe mißlungen sei, keineswegs lheilen. Wenn Koschemann in den Zeitangabe» schwanke und in einigen Punkten zu hocki, in anderen zu niedrig schraube, so könne man dem entgegensetzen, daß anch der Herr Staatsanwalt in seinem Plaidoyer sich nicht ganz genau an die Zeitangaben gehalten und somit dasselbe gethan habe, wie Koschemann.(Der Präsident er- sucht den Vertheidiger, diesen Ausspruch zurückzunehmen, es liege darin ein herabsetzender Vorwurf gegen den Staatsanwalt. Der Vertheidiger versichert, daß ihm ein solcher Vorwurf völlig fern gelegen habe, worauf der Präsident den kleinen Zwischenfall durch die Bemerkung erledigt, daß der Vertheidiger dann den Zlusdruck sehr unglücklich gewühlt habe). Der Vertheidiger weist darauf hin, daß das ganze Aeußere des Angeklagten Koschemann doch gewiß nicht darauf deute. daß Leidenschaft und Energie in seiner Brust schlummerten und ihn zu schweren Verbreche» be- befähigten. Dieser junge, blasse Mensch mit der Schillerlocke über der Stirn habe unmöglich die schwere That begangen, die man ihm zur Last lege. Was sollten denn Redensarten wie:„Wir brauchen keine Obrigkeit!" und„Religion giebt es nicht, es ist alles Natur!", aus dem Munde des jugendlichen unreifen Angeklagten für ein Gewicht haben? Gäbe es denn nicht auch Leule aus den höheren Klassen, welche sich von ihrem bisherigen Glauben abwandten? Solle man denselben deshalb anarchistische Verbrechen zutrauen? Mit welch kleinlichen Argumenten kämpfe doch die An- klagebehörde! Koschemann solle nach Angabe eines Beamten im Gefäugniß ein scheues, mißtrauisches Wesen zur Schau getragen haben, ein verschlossenes Wesen, als habe er eine schwere That aus dem Gewisse». Dem könne man entgegenhalten, daß andere Zeugen den Augeklagten am Tage nach dem Altentat in Friedrichshngcn gesehen und eine unbefangene, frohe Stimmung an ihm bemerkt haben. Und wer solle denn schließlich nicht scheu und verschlossen werden, wenn man sich auf Schritt und Tritt von Beamten verfolgt wisse und immer den Polizeigriff im Nacken spüre? Der Zeuge Brede sei durchaus nicht glaubwürdig, denn seine stückweise abgegebene Aus- sage sei voller Widersprüche.— Der Vertheidiger kommt am Schlüsse seiner Rede zu dem Antrag, daß die Geschworenen ihren Spruch auf Nichtschuldig abgeben mögen, denn das Belastungs- Material biete zu einem anderen Spruch keine Unterlage. Rechtsanwalt Bieber, der Vertheidiger der letzten vier Au- geklagten, bemerkt, daß es schwer sei, in einem Sensations- prozesse als Vertheidiger aufzutreten, wenn man nicht nur mit Thatsachen, sondern mit Vermuthungen und Indizien zu rechnen habe. Die Stimmung sei gegen die Angeklagten, weil sie Anarchisten seien. Der Vertheidiger habe sich hierum nicht zu kümmern, er habe dazu bei- zutragen, daß den Angeklagten ihr Recht werde, d. h. das Recht, daß sie in's Zuchthaus kämen, wenn sie dahin ge- hörten. Daß dies im vorliegenden Falle nicht der Fall, das zu beweisen, aus innerster Ueberzeugung zu beweisen, solle seine Aufgabe sein. Daß das Westphal'sche Ehepaar als Freigesprochene den Saal verlassen würden, darauf rechne er mit Bestimmtheit. Aber auch in betreff der Angeklagten Gürtler sei keineswegs er- wiesen, daß sie sich der Begünstigung schuldig gemacht habe. Der Vertheidiger nimmt au, daß keiner der von ihm vertheidigten An- geklagten verurtheilt werden könne. Nach beendeter Replik und Duplik ertheilt der Präsident die Rechtsbelehrung. Um S'/e Uhr ziehen sich die Geschworeneuzur Berathung zurück, die II Uhr 20 Min. beendet ist. Durch den Spruch der Ge. schworenen wird Koschemann der Beihilfe zum versuchten Morde und der Beihilfe zum Ver- brechen gegen das Sreng st off-Gesetz für schuldig, der Angeklagte W e st p h a l des wissentlichen Beistandes nach der That für schuldig, Frau W e st p h a l und Weber in allen Punkten für n i ch t s ch u l d i g, Frau Gürtler ebenfalls in allen Punkten für n i ch t s ch u l d i g erklärt.— Staatsanwalt K a n z o w beantragt gegenKoschemann mit Rücksicht darauf, daß er einerseits noch jung und ein verrannter Fanatiker ist, anderseits aber ein schweres Verbrechen vorliegt und es durchaus nothwendig ist, vor ähnlichen Verbrechen abzuschrecken, unter Einrechnung der 9 monatigen Gefängnißstrafe eine Gesammtstrafe von lOJahren I M o u a t Zucht Haus, 19 Jahren Ehrverlust unter Polizeiaufsicht. Gegen Westphal lautet der Antrag aus 1 Jahr Gefängniß. R.-A. Dr. Bieber beantragt, daß der Gerichtshof, weil sich die Geschworeneu offenbar in ihrem Spruche zu Ungunsten des Angeklagten Westphal geirrt haben, auf grund des Z 373 der Strafprozeß-Ordnung den Spruch aufhebe. Nach Löwe könne dieser Paragraph schon platzgreifen, wenn nach Ansicht des Gerichtshofes nur ein von liqueb vorliegt.— Koschemann und W e st p h a l erklären, daß sie völlig unschuldig seien und die Strafe nicht annehmen — Der Gerichtshof wies nach längerer Berathung den Antrag des Rechtsanwalts Bieber, die Sache des Angeklagten Westphal an etn neues Schwurgericht zu verweisen, zurück, da es keinem der Prozeßbetheiligten zusteht, einen Antrag auf grund des§ 317 zu stellen. Der Gerichtshof ist, wie der Vorsitzende ausl führt, der Meinung, daß Koschemann schwer zu bestrafen sei, weil die menschliche Gesellschaft vor so schweren Thaten zu schützen sei. Der Gerichtshof verurtheilte Koschemann zu 19 Jahren I Mo n a t Zuchthaus unter Anrechnung von 3 Monaten Zuchthaus auf die Untersuchungshaft, ferner zu 19 Jahren Ehrverlust, West- p h a h l zu einem Jahre Gefängniß unter Anrechnung von vier Monaten Untersuchungshast. Frau Westphal, Weber und Frau Gürtler werden freigesprochen.— Schluß ILVz Uhr nachts. In seiner Polemik gegen Liebknecht's Feuilleton über die holländische Reise sagt S ch o e u l a n k:„Die lange durch unsere Partei gelaufene, auch im ersten Theile des Erfurter Programms noch aufbewahrte Ansicht von der sich stetig verschärfenden Ber- elendung ist nicht mehr zu halten. Conrad Schmidt hat sich jüngst im„Vorwärts" sehr treffend darüber ausgesprochen." Die in Frage kommende Aeußerung Konrad Schmidt's ist in der Literarischen Rundschau des„Vorwärts" vom 27. Febr. d. I abgegeben, und zwar bei der Besprechung von Schober's„Volks- wirthschaftslehre". Schober glaubt den Sozialismus unter anderem damit zu widerlegen, daß er fragt: Wenn die kapita- listische Entwicklung nothwendig, die Unsicherheit, das Elend, der Druck, die Knechtung, die Erniedrigung, die Ausbeutung der proletarischen Klasse immer mehr verschärft, wie soll diese Klasse später einmal in der Lage sein, das Staalsruder energisch zu ergreifen und die Form der Gesellschaft den, eigenen Interesse entsprechend umzugestalten? Von diesem Ein wand sagt Konrad Schmidt, er weise in der That auf eine seines Erachtens veraltete, aber traditionell auch noch im Erfurter Programm festgehaltene Anschauung hin; Schmidt registrirt dann wohlwollend die Ansicht Kampffmeyer's, der in dieser Hinsicht eine Revision unseres Parteiprogramms verlangt, und sagt zum Schluß:„Es wäre sicher sehr zu wünschen, daß in gründlichster Diskussion unsere Stellung zu diesen Fragen geklärt wird. Heut- zutage lausen noch ganz entgegengesetzte Anschauungen, so außer der Lehre von dem steigenden Elend, die Lehre von dem „Hineinwachsen der kapitalistischen in die sozialistische Gesellschaft ungeklärt neben einander her." An Programmsätzen einer Partei von der internationalen Bedeutung der unsrigen hängt mehr, als daß man sich durch die Fassung der Sätze verleite» lasse» soll, sie ohne weiteres über Bord zu werfen. Konrad Schmidt empfiehlt deshalb ganz richtig: gründliche Diskussion dieser Frage, während Schoenlank fingerfix erklärt: der Punkt von der Ver- elendung sei nicht mehr zu halten, was von der bürgerlichen Presse mit begreiflicher Begeisterung als„sehr bemerkenswerthe Kund gebung", als„Symptom" dafür kolportirt wird, daß die„wissen- schastlich geschulten Köpfe der Sozialdemokratie des unfruchtbaren Dogmaliemus überdrüssig sind und einer realistischen Auffassung der sozialen Entwickelung sich zuneigen".(„Frankfurter Zeitung"). Ein anderes Parteiblatt, die„Sachs i�f ch e Zeitung" bemerkt zu der Angelegenheit: Arbeiter. „Was Schoenlank be- hauptet, ist nicht zutreffend. Es findet eine sich„stetig ver- schärfende Verelendung" statt, sintemalen eine fortwährende P r o l e- tarisirung der Bauern Massen stattfindet. Bis der Bauer seinen Hof verläßt, reduzirt er seine Lebenshaltung bis zum Aeußersten, und das wird von Tag zu Tag schlimmer. Diese Zersetzung ist es vor allem, welche der Sozialismus als Tendenz der kapitalistischen Gesellschaft hinstellt. Was die In d ust ri e- A r b ei te r anbetrifft, so hat man in der Partei n i e bestritten, daß hier eine B e s s e r st e l l u n g möglich ist— darauf beruht die gesammte Gewerkschaftsbewegung. Aber freilich zeigt auch die Arbeiterklasse in ihren verschiedene» Schichten eine verschiedene Gestaltung. Dieselbe Eul- Wickelung, welche in den Großbetrieben eine kürzere Arbeitszeit und bessere Entlohnung herbeigeführt hat, schuf die moderne H a u s i n d u st r i e, die doch kein Mensch als sozialpolitischen Fortschritt hinzustellen wagen dürfte. Die vom Lande zuströmenden Arbeiterschichten haben auch eine Wirkung, die nicht gerade ein Segen für die Arbeiter ist. Verläßt man Deutschland, um einen allgemeineren Ueberblick zu gewinnen, o findet man, daß in England die Periode der großen Lohn- teigerungen zweifellos vorüber ist und daß in Amerika seit einer Reihe von Jahren mit der Regelmäßigkeit eines Naturgesetzes eine Lohnsenkung stattfindet. Alle statistischen Berechnungen, die von bürgerlichen Gelehrten gemacht wurden, um einen steigenden Wohlstand nachzuweisen, sind zeradezu närrisch in ihrer wissenschaftlichen Unbeholsenheit. Durch- chnittsberechnungeu pro Kopf oder Familie beweisen hier überhaupt nichts. Dazu kommt noch in belracht, daß unter der Land. bevölkerung ein Uebergang von Natural- zur Geldwirthschast statt- indet, daß hier die, Haushaltung mit der Hofwirthschaft eng ver- banden ist, fodaß ein eigentliches Konsumbndget der Wirthschafler sich gar nicht feststellen läßt, daß mit der kulturellen Entwickelung eine Verschiebung in der Lebenshaltung stattfindet, daß z. B. das Be- dürfniß der Nahrung zurückgesetzt wird zu gunsten der Kleidung, Wohnungsausstattung:c., und so noch vieles andere. Wir glauben, das genügt für diesmal. Die„Franks. Ztg.", wie auch die„Leipz. Volksztg.", verweisen wir im übrigen auf die Artikel von Eduard Bernstein in der„Neuen Zeit" über die Lohnfoudstheorie, sowie dessen Kritik des Buches von Pros. I. Wolf. Sie werden daraus entnehmen, daß man in der Partei schon vor Jahren über die ein- 'chlägigen Thatsachen sehr gut unterrichtet war." f Ju Zwickau feierten am 14. April Reichstags- Abgeordneter Julius Seifert und Frau das silberne Ehejubiläum, bei welchem Anlaß die sächsischen Parteigenossen unserem werthe» Mitkämpfer zahlreiche Beweise der Anerkennung seines Wirkens gaben. Wir 'chließen uns dem mit dem herzlichen Wunsche an, daß es dem Ge- iiossen Seifert und seiner Lebensgefährtin vergönnt sein möge, auch das goldene Jubiläum körperlich und geistig rüstig zu erleben. Polizeiliches, Gerichtliches er. — Der verantwortliche Redakteur des„Volksblatts für Halle". Genosse S a l o m o n, wurde vom Schöffengericht wegen Beleidigung des Weißenfelser Kreisblatt-Redakteurs Weiland zu(59 M. Geldstrafe verurtheilt. Der Amtsanwalt hatte einen Monat Gefängniß beantragt. — Die Strafkammer in Fürth verwarf die Berufung, die der Redakteur Gärtner von der„Fr. Tagespost" und„Fürlher I Bürgerzeitung" gegen das Erkenntniß des Schöffengerichts eingelegt ' hatte, wonach er wegen Aufnahme eines Berichtes über eine Be- sprechung der Nürnberger Gewerkschaflsvorstände, die den Beschluß gefaßt hatten, zu gunsten der Hamburger Streikenden einen Extra- beitrag von wöchentlich S9 Pf. zu leisten, wegen„Aufforderung" zu unerlaubten Sammlungen zu 29 M. Geldstrafe oder 2 Tagen Hast verurtheilt worden ist. In der Begründung des Landgerichtsurtheils hieß es: von Sammlungen zu wohlthätigen Zwecken könne keine Rede sein, sondern es handle sich um die Unterstützung von Leuten, die nicht arbeiten, sondern streiken wollten, uni höhere Löhne zu erzwingen. Soziales. Von der Firma Maschineubau-Austalt und Eisengiesierei A. Borsig in Berliu-Moabit werden wir um Abdruck folgender Mittheilung ersucht: „Zu dem Grubenunglück in B o r s i g w e r k erhält die„Schles. Ztg." von deni königl. Bergnieister I o k i s ch, dem zuständigen Berg- revier-Beanite», eine Zuschrift, worin es heißt: Die Behauptung, daß Borsig und seine Begleiter die Größe der ihnen drohenden Gefahren kannten oder gekannt haben müssen, entbehrt jeder stichhaltigen Begründung. weil diese sich der Brandstelle in einem frischen und lebhaften Wetter- ström näherten und deshalb nach fachmännischeni Erniessen voraus- setzen konnten, daß ihnen der Rückweg unter allen Umständen gewahrt bleiben werde. Dieser blieb zum Beispiel den Arbeitern offen, die sich bei der Explosion am 1. � April uni 12»/« Uhr mittags in nächster Nähe des Explosionsherdes befanden, und ohne wesentliche Verletzungen erlitten zu haben, in Sicherheit gelangten. Die Behauptung endlich, daß die gefährliche Explosion durch nnvorsichtigesVorgehenniit offenen Grube n lichter» verursacht worden ist, hat sehr wenig Wahrscheinlichkeit für sich, weil ein Gemenge von Kohlen- oxydgas und Luft, das hier in betracht kommt, schon bei einem sehr ge- ringen Gehalt an elfterem betäubend und tödtlich wirkt, während es erst bei einem weit höheren Gehalt explosibel wird. Wahrscheinlich liegt demnach Entzündung des abgedämmten explosiblen Genienges vor. Hiernach bestätigt sich also in vollen: Maße die Auffassung, daß die Katastrophe lediglich durch das unberechenbare Zusammentreffen unglücklicher Umstände ohne irgendwelche Schuld eines der Be- theiligten herbeigeführt worden ist." Der„Äorwärts" hat das wesentliche dieser Erklärung des Herrn Jokisch seinerzeit bereits veröffentlicht. Wie damals, so können wir auch heute leider nicht stnden, daß der Versuch des Herrn Jokisch, den bei der Katastrophe mit ums Leben gekommenen Herrn Borsig von den ihm in schlesischen Blättern gemachten Vorwürfen zu eutlaste», geglückt wäre. Dazu bedarf es einleuchtenderer Gründe, als sie in den Mulhmaßungeu des Herrn Jokisch geboten sind. Die„christliche Bruderliebe" i» Afrika. Zu diesem inler« essanten Kapitel liefert der„Berliner Börsen-Courier" einige Bei- träge in Gestalt zweier Mittheilungen aus Südafrika, beziehentlich aus Transvaal. Die erste Mittheilung lautet:„Südafrikanische G o I d m i n e n. Die Geldenlrnis Estate and Gold Mining- Company erzielte im März einen Gewinn, von 9999 Pfund Sterling — Von der Ferreira Gold Mining Company wurde im März ein Gewinn von 23 999 Lstr. erzielt.— Die New Modderfontain Gold Mining Compagny hatte im März eine Goldausbeule von 2339 Unzen zu verzeichnen.— Die Prinzeß Estate and Gold Mining Company eine solche von 39ö9 Unzen gegen 2847 Unzen im Februar.— Die Georg Goch Amalgamated Gold Mining Company produzirte im März 3177 Unzen Gold gegen 3695 Unzen im Februar.— Die Lisbon Berlyn Company 1549 Unzen gegen 1992 Unzen im Februar." Die zweite Mittheilung lautet:„Zur Arbeiterfrage in Transvaal. Die Herren Ad. Goerz u. Goerz u. Ko. em- pfingen von ihrem Johannesburger Hause die Nachricht, daß augenblicklich schwarze Arbeiter reichlich am Witwatersrande vorhanden seien und daß man nunmehr an eine weitereBer- Minderung der Arbeitslöhne der Schwarzen gehen könne. In einer gemeinsamen Versammlung der beiden Minentammern und der Mines Managers Affoziation, die, um zu dieser Frage Siellung zu nehmen, am 9. April stattgefunden hatte, war eine Einstimmigkeit über diese Angelegenheit noch nicht erzielt worden und wurde die Sache einer Kommisston zur Prüfung überwiesen." Wenn sich— was schon nichts neues mehr ist— die schwarzen Arbeiter der Lohnreduktion durch einen Streik erwehren wollen, werden sie von der frommen Polizei des gutchristlichen Staates Transvaal mit dem Knüppel und dem Gefängniß zur Raison ge- bracht oder gar über den Haufen geschossen. Auf solche Weise„zivilisirt" der christliche Weiße den schwarzen Erdtheil i_ Gevichks Die Rcvisio», welche der Redakteur der„Deutschen Tageszeilung". Arthur Wegner, gegen das Urlheil im „Marschallprozeß" eingelegt hatte, ist gestern vom Reichs- g e r i ch t verworfen worden. Wegner ist bekanntlich zu zwei Monaten Gefäugniß verurtheilt worden. Die am 24. d. M. stattfindende Verhandlnug gegen de» Reichskonimissar Dr. Karl Peters findet hier in Berlin im Kammergerichtsgebäude vor dem neugebildeten Disziplinarhofe für Beamte des Ediutzgebietes statt. Die Verhandlungen finden im Saal 6 des Kammergerichlsgebäudes statt, sie beginnen um 9�2 Uhr morgens und dürsten an demselben Tage beendet werden. und letzke Machlvichken. Ju der gestrigen Sitzung der Gewcrkschaftskommission stellte der Ausschuß wegen seiner Stellungnahme zu der Schuh- m a ch e r- B e w e g u n g die Bertrauensfrage. Die Delegirten er- klärten gegen zwei Stimmen ihr Einverständniß mit derselben. Hamburg, 16. April.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Heute wurden hier zwei Mitglieder der internationalen Einbrecherbande, Mechaniker Carlffon und Malergehilfe Brink verhaftet. Die Ver- hasteten sind an mehreren schweren Einbrüchen und Diebstählen betheiligt gewesen. Ihre Beute sandten sie an Hehler in Belgien. Marseille, 15. April.(W. T. B.) Aus Tonkin hier einge- troffene Zeitungen berichten von mehrfachen Kämpfen mit Piraten. — Nach einer Korrespondenz aus Bangkock an ein Journal in Haiphong ist daselbst ein amerikanisches Kriegsschiff ein- getroffen, um Genugthuung zu verlangen für die gegen den Konsul der Vereinigten Staaten verübte Beleidigung. Ein anderes amerikanisches Kriegsschiff werde noch erwartet.— Neue Weiterungen würden aus Zwischenfällen entstehen, welche sich mit den Vertretern auswärtiger Mächte zugetragen hätten.-- In Bangkock und dem Innern des Landes seien Seeräuberei und Dieb» stähle mit bewaffneter Hand im Zunehmen. Das ganze Land befinde sich in großer Unruhe. Belgrad, 15. April.(B. H.) Die Sadt Spenia in Altserbien ist von Arnauten überfallen worden. Sämmtliche christlichen und jüdischen Häuser wurden geplündert, acht Personen wurden ge. tödtet. Drei Mädchen wurden von den Arnauten ins Gebirge geschleppt. Bomba«, 15. April.(W. T. B.) An der Pest sind hier seit Ausbruch der Epidemie bisher insgesammt 11 333 Personen erkrankt und 9493 gestorben; die Sterblichkeit pro Woche beträgt 979 Per- sonen. Verantwortlicher viedakteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich:»h.«locke in Berlin. Tnick und Verlag von Max Babing w Berlin. Hierzu 3 Beilagen u.«uterhaltungsblatt. (M» ii. Ulm. i. KilM des LmSrls" Knliier WsM>°»« IM. Kommunales. Stadtlierordueteu>Bersamml«»g. O« f s e n t l i ch e Sitzung v o in Donnerstag» IS. April, nach m. S Uhr. Dem verstorbenen Mitglied? und langjährigen Vorsteher der Versammlung, Dr. Stryck, widmet der Vorsteher Dr. Langer- Hans ehrende Worte des Nachrufs, welche die Versammlung stehend anhört. Auf Vorschlag des Vorstehers wird die Pferdebahn» a n g e l e g e» h e i t als erster und event. einziger Gegenstand ver- handelt. Mit Bezugnahme auf die Städleordnung erklärt hierbei der Vorsteher, daß nach seiner Auffassung die Besitzer von Pferdebahn aktien an der Berathnng und Be- schlußfassung nicht t heilzunehmen habe», da ihr In- teresse mit demjenigen der Stadt im Widerspruch steht. Es handelt sich um de» Entwurf eines Vertrages zwischen der Stadtgemeinde und der Großen bezw. der Neuen Pferde- b a h n- G e s e I l s ch a f t in der Gestalt, die er durch die Ausschuß- berathung erhalten hat. Ueber den Gang der Ausschußverhandlungcn wie über deren schließliches Ergebniß hat der„Vorm." fortlaufend ausführlich berichtet. Der Ausschuß hat 5 Sitzungen abgehalten, zwei Lesungen vorgenommen und den Wortlaut des Vertrages nach den Beschlüssen erster Lesung durch eine Redaktionskommission, be- stehend aus den Stadtvv. Meyer(Referent), Rosenow n»d Singer, feststellen lassen. Die Konzession soll von 1911 bis 1919 verlängert werden; die Umwandlung in einen elektromotorischen Betrieb hat innerhalb fünf voller Baujahre nach Unterzeichnung des Vertrages, die Einführung des Zehnpfennigtarifs spätestens drei Jahre nach Abschluß des Vertrages zu erfolgen. Die Milbenutzung der Geleise durch Konkurrenz-Unter» nehmungen soll auf derselben Linie auf einer Strecke von 659 Meter» (nach der Vorlage nur wie bisher von 409 Metern) gestattet sein. Vom Stadtv. Singer war der Antrag gestellt, die Gesellschaften zu verpflichten: I. für die Angestellten(Kutscher, Schaffner, Handwerker, Stall- und Hoflcute, sowie für die Bureau-Angestellten u. s. w.) eine P e n s i o n s k a s s e zu errichten, deren Statut der Genehmigung der Gemeindebehörden unterliegt, 2. für Beschaffung von Sitzgelegenheit für das Betriebs- personal während der Fahrt zu sorgen: 3. Kutscher und Schaffner nicht länger als 10 Stunden täglich zu beschästigen. Bon diesen Anträgen hat der Ausschuß denjenigen sub 1 einstimmig angenommen, de» sub 2 abgelehnt und dem Antrag sub 3 insoweit Folge gegeben, daß nach§ 23 unter o die Wagen- f ü h r e r nur ausnahmsweise länger als 19 Stunden täglich beschäftigt sein dürfen. In der zweiten Lesung hat der Ausschuß zum Z 33 den folgenden Zusatz beschloffen: „Auf Verlangen des Magistrats ist die Gesellschaft ver- pflichtet, auf de» vom Magistrat zu bestimmenden Linien eine schnellere Aufeinanderfolge der Wagen einzuführen." Entsprechend dem Antrag Singer sub 1 ist in zweiter Lesung eiu neuer Z 39a in den Entwurf aufgenommen, welcher die Gesell- schaften verpflichtet, die gedachte Pensionskaffe binnen 6 Monaten von der Vollziehung des Vertrages ab nach Maßgabe des mit dem Magistrat zu vereinbareiiden Statuts einzurichten. I» der Echlußabstimmung ist der Entwurf mit 9 gegen 4 Stimmen angenommen worden. Der Ausschuß empfiehlt folgende Beschlußfassung: Die Versammlung ermächtigt den Magistrat, einen de» Grund sähen des Entwurfes entsprechendin Vertrag mit den beiden Ge- sellschasten abzuschließen. Die Versammluug knüpft an diese Ermächtigung jedoch die Bedingung, daß der Magistrat sich bereit erklärt, die aus dem Statut über die Pensionskaffe(Z 89 a) sich für die Gesellschaften «rgebenden Berpflichtungen für den Fall des Erlöschens der Zu- stimmung oder beim Aushören der staatsbehördlichcn Genehmigung selbst zu übernehmen oder dem Betriebsnachfolger der Gesellschaft vertragsmäßig aufzuerlegen. Referent Stadtv. Meyer verbreitet sich über die zahlreichen Petitionen, welche zu der Sache von Grundbesitzer-Vereinen, von Bezirksvereinen und anderen Urhebern eingegangen sind; er bei zeichnet die starken Angriffe in denselben über die Mißi wirthschast der Pferdebahn u. dergl. als sehr übertrieben und bei stieitet auch, daß die Uebernahme in städtische Regie bessere Resultate gezeitigt hätte. Dann läßt er sich aus über die versteckte Drohung dir Gesellschaft aus, unter Uebergehung der Stadt auf grund des Kl.iubahn-Gesetzes beim Polizeipräsidium Anträge zu stellen. Ata» solle sich damit nicht graulich machen lassen; wie glänzend auch die Verbindungen der Gesellschaft mit den Behörde» sein uiögen, wie wenig Sympathien auch die Stadt au diesen Stellen ge- nießeu möge, so ohne weiteres werde sich kein Minister über die Julereffe» Berlins hinwegsetzen. Eine Generaldiskussion findet nicht statt. Zu§ 1(Gegenstand des Vertrages) führt Stadtv. Hugo Sachs aus, daß nach dem Kleinbahn-Gesetze allerdings die Zustimmung der Stadt sowohl bei der Aendcrung der Betriebsart als bei der Frage der Benutzung der Straßen durch die Behörde ergänzt werden kann. Die im letzteren Falle zu gewährende Entschädigung werde zwar einseitig von der Behörde festgesetzt, aber diese habe das Maß der städtischen Aufwendungen und das Maß des Vortheils des Unternehmers abzuwägen, und das ergebe schon eine gewisse Beruhigung für allzu ängstliche Gemüther. Stadtv. Dr. Preuß glaubt nicht, daß, wie die Dinge liegen, das Kleiubahn-Gesetz der Pferdebahn-Gesellschaft irgend welche Handhabcbietet, die Stadt wider ihren Willen zu zwingen. Auch wenn die Gesellschaft sich dem Gesetz unterwürfe, könnte sie wohlerworbene Rechte dritter, wie die Brutto-Abgabe und den Heimfall des ganzen Unternehmens im Jahre 1911, nicht aufheben, hatte also keine Vor« theile. Man könne daher ohne Rücksicht auf das Kleinbahn-Gesetz den Vertrag berathe». Für die Zeit nach 1911 werde man sich frei- lich gegen die Zumuthung, das städtische Recht an den Straßen und Plätzen preiszugeben, wirksam vielleicht nur durch die Uebernahme in die städtische Regie schützen können. Stadtv. S i n g e r: Der Berichterstatter hat, als er die Petitionen besprach, die Pferdebahngesellschaft vertheidigt, und seine Zweifel an de» besseren Resultaten eines Betriebes in städtischer Regie vor- getragen. Im Ausschuß ist davon und von der Vortresflichkeit der Pferdebahnverwaltung mit keinem Worte die Rede gewesen; ich lege Werth darauf, daß das auch öffentlich lonstatirt wird. Die Diskussion über da» Kleinbahngesetz hätte besser nicht stattgefunden. Der Stellung der Versammlung ent- sprechender wäre gewesen, wenn wir ZunS nicht um das gekümmert hätten, was die Pferdebahn anzudrohen für gut befunden hat. Die Zweckmäßigkeit dieser Ausführungen ist auch nicht einzusehen, weil wir hier nicht darüber zu entscheiden und uns die Köpfe der Pferdebahn-Gesellschastcn nicht zu zerbrechen haben. Erst wenn die Gesellschaften dieses Gesetz thatsächlich an- rufe», wird die Zeit für uns gekommen sein, nachzuweisen, ob das Gesetz für unsere Pferdebahn zutrifft und ob das Äequivalent für die Straßenbenutzung richtig bemeflen ist; nicht aber jetzt und blos, weil ein beliebiger Pferdebahn- Direktor gewisse Ar« tikel in die„Vossische Zeitung" zu lanziren das Glück hatte. Ganz ohne Rücksicht auf die möglichen Schritte, welche die Gesellschafte» thun wollen oder können, haben wir uns lediglich von dem Interesse der gesammten Bürgerschaft leite» zu lassen. Bescheidenere Forderungen für das große Äequivalent, welches die Stadt mit diesem Vertrage aus de» Händen giebt, sind überhaupt nicht zu denken. Daß ein Oberpräsident und eiu preußischer Minister die kapitalistischen Motive einer Aktien- gesellschaft sich zu eigen machen können gegenüber unseren im Interesse der Bürgerschaft geltend gemachten Forderungen, glaube ich nicht eher, als bis ich es schwarz auf weiß vor mir sehe. Stadtv. Jacobi ist nicht so sorglos wie der Vorredner be- züglich des späteren Verhaltens der Behörden und des Ministers. Man dürfe nicht übersehen, daß nachher der Minister die Ent- scheidung endgiltig treffe. Um sich nicht später berechtigten Vor- würfen auszusetzen, müsse man an die äußerste Grenze gehen. Im Ausschüsse seien eine Reihe von Erschwerungen erst in letzter Stunde beschlossen worden. Nachdem Stadtvv. Sachs und Preuß gegenüber dem Stadtv. Singer die Zweckmäßigkeit und Nothwcndigkeit der Heranziehung des Kleinbahngesetzes in dieser Debatte nachzuweisen versucht habe», wird Z 1 genehmigt. § 2(Verlängerung der Konzessionsdauer) wird bis zur Beendi- gung der Einzelderathung zurückgestellt. Nach§6 soll als Betriebssystem im allgemeinen die oberirdische Stromzuleitung zur Auwendung kommen. An stelle derselben muß dort, wo es vom Magistrat verlangt wird, auch gemischtes System mit Akkumulatoren ausgeführt werden. Stadtv. Rosenow tritt für einen Antrag ei», der den Akkunullatorenbetrieb bevorzugen will. Es sei ein Jrrthum, zu glauben, daß mit dem Akkumulatorenbetrieb noch nicht genügende Erfahrungen gemacht seien. Man könne doch verlangen, daß nicht blos in den wenigen Straßen im Zentrum und im Westen, für die die Polizei den Zlkkumulatorcnbetrieb verlange, um das Slraßeubild nicht ästhetisch zu verschimpfiren, nach diesem System der Betrieb gestaltet werde. Das Rathhaus, der Spittelmarkt, der Hackesche Markt, der Alexanderplatz mit der Beroliua würde» mit den unschönen Dräthen der Oberleitung verunziert werden, wenn es bei dem§ 6 der Ausschußvorschläge bliebe. Stadtv. W o h l g e m u t h bestreitet, daß die Akkumulatorenfrage schon definitiv gelöst ist, und verweist darauf, daß das bisher so ge- rühmte hannoversche System nach den neuesten Erfahrungen auch nicht besonders glänzend dasteht. In Konsequenz des Antrages Rosenow müßte der Vertrag, der sich an dieses hannoversche System anlehne und sich darauf finanziell ausbaue, wieder an die Verkehrs- deputation zurückgegeben werden. I» demselben Sinne äußert sich Stadtv. Dinse, während Stadtv. 3i o s e n o w für seinen Antrag noch geltend macht, daß die sofortige Einführung des Akkumulatorenbetriebs für die Stadt sich erheblich billiger stellen würde. Bürgermeister K i r s ch n e r tritt den Aussührungen Wohl- gemuth's dahin bei, daß die Abänderung des Z 6 zu gunste» des Akkumulatorenbetriebes eine fundamentale Umarbeitung des Ver- träges nothwendig machen würde. Theoretisch sei dieses System das absolut beste, aber für einen umfassenden großstädtischen Betrieb noch nicht genügend erprobt. Würde dieser Betrieb, wie der Antrag Rosenow wolle, auf das ganze innerhalb der Pferde-Siingbahn liegende Berlin erstreckt, so würde im wesentlichen nur dieser Betrieb ein- zuführe» sein, und damit sei die Nothwendigkeit gegeben, die Bor- läge mindestens in den Ausschuß zurück zu verweisen. Bmirath I o t t h e i n e r als Vertreter des Stadtbauraths Hobrecht warnt gleichfalls vor dem Eingehen auf die Pläne des Herrn Rosenow. In Hannover fahren nur 61 Wagen, in Berlin sollen 699 fahren. Daß das Experiment im kleinen sich bewährt habe, sei kein Beweis dafür, daß es sich im großen bewähren werde. Stadtv. H. Sachs bekennt sich als Freund des Akkumulatoren systems und sieht nicht ein, warum man jetzt, wo man zum elektro motorischen Betrieb übergehen wolle, dessen primitivste Form wähle. Die Begründung der Vorlage sei widerspruchsvoll, denn für die Straßcnzüge, wo dieser Betrieb obligatorisch sein solle, werde die Gefährlichkeit der Oberleitungsdrähte und die ästhetische Rücksicht ins Eeld gesührt. Tiefe beiden Motive seien aber doch für die ganze tadt gleich durchschlagend; habe es so lange mit der Angelegenheck gedauert, so könne es auch noch kurze Zeit länger danern, denn die Verpflichtungen der Gesellschaft gegen die Stadt würden dann freilich anders zu bemessen sein. Der Antrag Rosenow wird abgelehnt,§ 6 unverändert an- genommen. In ß 23 ist nach den Ausschußbeschlüssen die Verpflichtung der Gesellschaft, die Wagen auf Verlangen des Magistrats im Winter zu beizen, ausgesprochen. Außerdem findet sich darin der oben erwähnte Absatz c(Antrag Singer). Stadtv. Goldschmidt ist über den Zusatz erfreut, der wenigstens den Wagenführern einigermaßen entgegenkömmt, da für diesen sehr schwierigen und aufreibenden Dienst auch 19 Stunden schon recht viel seien. Er bedauert nur, daß der Beschluß nicht ein- stimmig gesaßt ist. Die Stadt nehme an dem Gewinne theil und habe auch dafür zu sorgen, daß er nicht aus Kosten der Gesundheit der Angestellten erzielt werde. Stadtv. Wohlgemuth hat seiner wirthschaftliche» Ueber- zeugnng entsprechend gegen den Antrag gestimmt und will de» in demselben liegenden Angriff auf die bestehende Wirthschafts- ordnung auch hier ini Plenum abschlage» helfe». Mit demselben Rechte könnten auf allen anderen Gebieten der städtische» Ver- waltung ähnliche Anträge auf Einsührung eines Maximal-Arbeits- tages gestellt werde». Die Gefahr des Dienstes für die Schaffner sei garnicht so groß, und für das äußerste sei das Reichs- gesetz da. Stadtv. S p i n o l a erklärt sich namens seiner(Keller-) Fraktion mit einer einzige» Ausnahme gegen diese Konzession an ein sozial- demokratisches Prinzip. Stadtv. Singer: Ich will auf die Augstpolitik des Kollegen Wohlgemuth nicht eingehen, weil ich zu ihm doch das Vertraue» habe, daß er etwas, was er sonst als richtig ansieht, nicht aus purer Angst unterlassen wird. Aber charakteristisch ist, daß solche An- sichten hier ausgesprochen werde» könne». Unvorsichtig war es doch geiviß, offen zu erkläre», daß nicht sachliche Erwägunge» bei ihm ausschlaggebend sind. Ich verspreche ihm, dafür zu sorge», daß die Bürgerschaft gelegentlich Veranlassung bekommt, sich mit ihm und seinen Freunden auseinanderzusetze», ob sie an sich richtige Dinge ans Angst»»terlaffen(Widerspruch und Sehr gut!), oder ob sie den Dingen sachlich auf den Grund gehen sollen. Herr Wohlgemuth fürchtet, daß sich aus diesem Beschlüsse weiter« Anträge als Konsequenz entwickeln können. Ja, sind Sie denn nicht auch dazu hier, um die Gesundheit und die körperlichen Interessen der Schaar«» von Berliner Arbeiter» und Angestellten z» vertreten? Sie rühmen sich, Vertreter der ganzen Stadt zu sein; wollen Sie da als Vertreter nur einer Klaffe der Bevölkerung Ihre Beschlüffe fassen? Die Gefahr für die Schaffner sei nicht so groß, heißt es. Wie viel Leute müssen denn erst todtgefahren sein, bis diese Gefährlich- keit lonstatirt ist? Die Schaffner haben einen außerordentlich angestrengten Dienst in körperlicher und geistiger Beziehung. Für die Fälle, wo Uebermüdung einen Unglücksfall herbeigeführt, sind sie auch noch strafrechtlich haftbar; mit der Verpflichtnug der Bahn zum Schadenersatz können sie sich nicht herausreden. Verlangt wird nun weiter nichts, als daß für diese Betriebe eine Maximalarbeits- zeit von 19 Stunden festgesetzt wird. Damit wird kein Prinzip im allgemeinen konstatirt; es ist in der Gewerbe-Ordnung dem Bundes- ralh für bestimmte Betriebe längst eine gleiche Befugniß zu- gesprochen, und Sie, die Pächter der Selbstverwaltung, wollen sich etwa der Gefahr hingeben, daß, wenn Sie nicht selbst diese Be- stimmung treffen, der Bundesrath aus dem Wege der Verordnung diese Eiiirichtuug schafft? Wenn Sie keine Veranlassung haben, sich in die Privatgeschäste der Unternehmungen einzumischen, wozu nehme» Sie dann Geld von diesen Unternehmen? In dem Maße der Betheiligung Berlins an dem Gewin» ist auch die Stadt der Arbeitgeber dieser Schaffner. Ich möchte dringend bitten, diese Be- stimmung bestehen zu lassen. Bei der vorhandenen Zwangslage können wir den Vertrag nur annehmen, wenn einige soziale Forderungen erfüllt werden, welche wir zu stellen haben. Für uns steht und fällt der Vertrag mit diesen Bestimmungen. Stadtv. Lüben: Ich bin ebenfalls ein Gegner der neuen Bestimmung. Die Versanunlung hat sich nicht das Recht anzu- maßen, in die Arbeitsverhältnisse der Privatgesellschaften sich zu inischeu.„Der Versammlung geht das gar nichts a»!"(Heiterkeit.) I ch will Herr in meinem Hause sein; zur Verhütung von Unglücksfällen ist die Polizei da(Lachen, Widerspruch und Zustimmung). Wir stehen ganz Deutschland gegenüber mit solchem Beschlüsse; nachher nnrd's� innner heißen: Berlin hat damit angefangen, ein solches Prinzip zu schaffen. Also im Interesse der deutsche» Industrie(Heiterkeit) bitte ich Sie, solchen unberechtigten� Antrag abzulehnen. Stadtv. Wohlgemuth hat nicht in dem Sinne Angst, wie ihm Singer untergeschoben; er hat im Gegentheil den Muth seiner Ueberzeugung bekundet. Nach einander sprechen dann die beiden Fraktionskollegen des Vorredners, Stadtvv. Dinse und Preuß für den Ausschuß- antrag, der lediglich eine Zweckmäßigkeitssrage regeln wolle. Der Passus c des§ 23 wird abgelehnt. Von 9S Anwesenden stimmen nur 42 dafür. Z 39 betrifft die Siegelung der Fragen der Kreuzung, des An- schlusscs und der Mitbenutzung zum Betriebe von anderen Bahnen. Hier liegt der entscheidende Punkt; es handelt sich um 499 Meter oder 6S9 Meter. Nach der Meinung des Referenten sind 6ö9 Meter kein zu großer Anspruch au die Gesellschaft, da auch damit»och keines- ivegs alle nothwendigen Konkurrenzlinie» geschaffen werden könnten. Davon, daß die Gesellschaft sich doch nicht selbst! Konkurrenz machen könne, könne doch verftändigerweise nicht ge- sprochen werde». Es handle sich darum, zu verhindern, daß ein faktisches Monopol entstehe. Stadtv. Wohlgemuth gehört auch in diesem Falle zur Minorität. Iii der Oeffentlichkeit hätten vielfach die Verfechter des neuen Standpunktes es an Objektivität fehlen lassen, denn es handle sich ja nur um einen uinzugestaltenden alte» Vertrag, in den plötzlich eine solche einer Expropria- tion ähnlich sehende Bestimmung hineinkommen solle. Auf den Eventualantrag Dinse, der eine Reihe von Linien auszahlt, auf welchen im Falle der Ablehnung des Ansschußantrages die Ge- sellschast ein Mitbenutzungsrecht von über 499 Meter zugestehen soll,! möge die Versannnlung nicht eingehen. Stadtv. K a l i s ch vertritt denselben Standpunkt; er erklärt,! daß die Gesellschaften sich eben nicht depoffediren lassen werde», und daß sie ja Narren wäre», wenn sie es thäten.(Der letztere Ausdruck wird von der Versammlung mit lebhasten Aeußerungen des Unwilleiis aufgenommen und vom Vorsteher gerügt.) Stadtv. Dinse verficht seinem Fraktionsgenossen Wohlgemuth gegenüber de» Beschluß des Ausschusses und seinen Eventualantrag. Daß die Vertreter der Gesellschaft in diesem wunden Punkt sich ge- troffen fühlen, sei nur natürlich. Siebzehn Jahre lang habe die Gesellschaft sich stillschweigend die Hauptstraßen übergeben lasse» und habe jetzt das thatsächliche Monopol in Händen; der Magistrat habe die hierin liegende Gefahr nicht zeitig erkannt. Die heutige Sachlage sei ein Unglück für die Verkehrsentivickelung von Berliii* Stadtv. Jacobi sucht der Versammlung zu Gemütbe zu führen, daß i» diesem Punkte die Pferdebahn ans keinen Fall nach- geben kann und die Verfainmlung für das Scheitern des Vertrages sonach die alleinige Verantivortung tragen würde. I» namentlicher Abstimmung wird der Ausschußantrag (659 Meter) mit 61 gegen 32 Stimmen angenommen, und in dieser Fassung Z 30. Der Rest des Vertrages wird ohne erhebliche Debatte nach den Ausschußvorschlägen genehmigt, so auch Z 39a(Pensionskaffe). § 2(Verlängerung der Konzessionsdauer) erklärt Stadtv. Singer, daß er mit seinen Freunden prinzipiell auf dem Standpunkte der Ablehnung der Ueberlassung des Betriebes ow privatkapitalistische Gesellschaften nach wie vor steht. In England sei schon in 3 Städten kommunaler Pferdebahnbetrieb; in Köln, Düsseldorf und Frankfurt a. M. schweben Verhandlungen gleicher Tendenz. Bei der Unmöglichkeit, diese Auffassung zum Durchbruch zu bringen, hätte er vielleicht für die Berlängerung des Vertragest gestimmt; nach Ablehnung des Antrages zu 8 23 könnten sie dies nicht mehr über sich gewinnen. Nach einer kurze» Gegenbemerkung des Stadtv. Cassel wird� § 2 angenonnnen. ebenso die Resolution des Ausschuffes. Vom Stadtv. Ka lisch ist eine weitere Resolution vorge-� schlagen, wonach der Magistrat aufgesordert werden soll, sofort mit den anderen eine Konzessio» zum elektrischen Bahnbetriebe nach- suchenden Unternehmer» in Verhandlung zu treten. Ueber diese Resolution wird eine besondere Diskussion statt- finden. Der Vertrag im ganzen wird in namentlicher Abstimmung mit 64 gegen 25 Stimme» a n g e n o»> m e n. Damit ist die Verhandlung dieses Gegenstandes erledigt und die Sitzung wird geschlossen. Schluß nach Ve10 Uhr. Pskales» Zu den Verhaftungen von Parteigeuoffe», die am 7. April im vierten und sechsten Reichstags-Wahlkreise erfolgt sind, ist zu be- richte», daß man sämmtliche bis dahin noch in Hast gewesenen Ge- nossen am Mittwoch Abend wieder aus freien Fuß gesetzt hat. Was nunmehr noch an große» Polizeithaten geschehen soll, muß ab- gewartet werden. Tie Adresse» der LoralkommifsiouS-Mitgliedev sind: I. Wahlkreis: Fritz Knbat, Kochstr. II, 4 Tr. Oskar Kenkel, Stralauerstr. 54, 4 Tr. Wilh. Mews, Gräfestr. 31, Seilenfl. 1 Tr. Georg Lachman», Katzbachstr. 22. Oskar Mahle, Prinzenstr. 8, Seitenfl. 1 Tr. Wilh. Hinz, Dresdenerstr. 48, 3 Tr. (Ost): Osk. Blume, Frankfurter Allee 81. Hof 3 Tr. Heinr. Faber, Rüdersdorferstr. 24 part. (Südost): Wilh. I ö ch e l. Köpnickerstr. 199. M a x M e n z e l, Wrangelstr. 84. H e r m. B a l k e, Sorauerstr. 7, 1 Tr.(für Treptow). Wilh. Spät, Weinstr. 28 part. G u st. Busse, Sophienstr. 23/20. Witzel, Swinemünderstr. 88 part. '/ �b' We i se. Rostockerstr. 28, 2 Tr. � Frey thaler, Gartenplatz I, 3 Tr. Schulz. Lychenerstr. 132. Alle Anfragen resp. Briefsendungen find an Osk. Mahle. Prinzenstr. 8. Seitenfl. 1 Tr.. zu richten. . Achtung, Ä. Wahlkreis! Auf die vom„Sozialdemo- kratischen Wahlverein des II. Wahlkreises" am Montag, den 19. April(2. Osterfeiertag), vormittags ll'/s Uhr ver- ?->. A'-?, ö'vci Matiuee's: 1. im Lokale des Herrn Bickel, Hasen- Haide 53/54, 2. in» Lokale des Herrn Goßmann, Kreuzbergstr. 43. machen wir hierdurch noch besonders aufmerksam. Das gering« Entree von 29 Pf. ermöglicht jedem Genossen den Besuch; alles nähere bringen die Programme. Zahlreicher Betheiligung sieht ent- gegen der Borstand.» v> � Achtung, Genosse» uud Geuossiunen! In der Versammlung. welche am Sonntag(1. Feiertag), den 13. April er., abends 7 Uhr. beim Genossen Zubeil. Lindenstr. 196, stattfindet, wird der Genosse 5.. 6. Massatsch über:„Die heilige Stellung der Fr»»" reseriren. Um rege Betheiligung wird gebeten. Von Parteigenossen des vierte» RcichstagS-Wahlkrciseö (Südost) wird zum Ostersonntag, mittags 12 Uhr, im Konzerlhaus Sanssouci, Kotlbuserstr. 4a, eine Matinee derStettinerSänger veranstaltet, aus die wir hiermit hinweisen. Da der Eintrittspreis auf nur 30 Pf. festgesetzt ist, steht gewist ei» zahlreicher Besuch zu erwarten. Arbcitcr-Bildnngsschule. Von Sonntag, den 25. April ab ist die Bibliothek in der Nordschule, Brnnnenstr. 2S, an solgenden Tagen geöffnet: Sonntags 10—12 Uhr, Dienstags und Freitags abends>/sg— 10 Uhr. Mitgliedsbeiträge werden daselbst entgegen- genommen, ebenso in den Zahlstellen. Alle Sendungen und Zu- schriften sind an den ersten Vorsitzende» Paul Mücke j u»., Manteuffelstr. IIS, zu richten. Der Vorstand. Zum Prozesi gegen Koscheman» nnd Genossen. Eine große Aktion der politischen Polizei ist in diesen Tagen draußen in Moabit vor sich gegangen. Man brauchte nur einen Blick in das Zcugenzinnner. in den Schwurgerichtssaal zu werfen, brauchte nur den Korridor auf und ab zu wandeln, um darüber ins Klare zu kominen: überall wimmelte es von Agenten der politischen Polizei. Im Zuhörerraume kamen auf jeden harmlosen Neugierigen zwei Geheimpolizisten, eine Doppelreihe von Zeugenstühlen war von Kriminalbeamten besetzt und ein wenig davor am besonderen Tische vor besonderen Aktenstücken saß Koni- missarius Bösel, der Mann, der das Anklageniaterial aufgebaut hat. Das ist eine ganz andere Rolle, die die politische Polizei hier spielt, als in dem Prozesse Leckert- Liitzow oder in dem Verfahren, das zur Vernichtung unserer Partei- Organisation führen sollte. Und sie ist sich dessen bewußt. Wie höflich und rücksichtsvoll gehen selbst die Vertheidiger niit ihr um. Slaalsanwalt Kanzow feierte in seiner Anklagerede ihre Präventiv- thäligkeit zum Schutz des ruhigen Bürgers. Aus der Thatsache, daß die beiden Angeklagten Koscheman» und Westphal lange Zeit Polizei- lich observirt worden sind, sah er den Beweis der Gefährlichkeit dieser Leute:„denn die Polizei thut so etwas nicht zum Spaß". Aber trotz dieses eigenen und fremden Lobes der politischen Polizei bleibt die Frage: was hat die Beweiserhebung an belastendem Material wirklich ergeben? In dem Augenblick, wo wir dies schreiben, liegt der Spruch der Geschworenen noch nicht vor, aber schon steht fest, daß die Myrmidonen der politischen Abtheiluug mit heißem Ve- »>ühe» Wasser durch ein Sieb gegossen haben und daß nur wenige Brocken darin zurückgeblieben sind. Wenn der Staatsanwalt selber die Anklage gegen Frau Westphal und den Schuhmacher Weber ganz, gegen Westphal und Frau Gürtler zum gnte» Theile fallen läßt, dann kann man wirklich nicht gut mit Herrn Bösel von erdrückendem Material reden, das in diesen Verhandlungen zu tage gefördert worden ist. Bleibt Koschemann übrig. Aber was gegen ihn geführt ist, ist ein Indizien- beiveis, mit all den Mängeln und Fehlerquellen eines Indizien- beweises. Eine große Rolle spielt darin die Rekognition. Aber die Gabe, scharf zu beobachten und zu unterscheiden, ist äußerst selten. Wenn einer der Herren Geschworenen den sichersten Zeugen aufgefordert hätte, sich umzudrehen und nun von seiner, des Fragenden, Person, die er unmittelbar vorher vor Augen gehabt hat, eine Beschreibung zu liefern, was für Antworten hatte es da ge- gebe»? Und wie hätten diese Antworten differirt, wenn das Experiment bei verschiedenen Zeugen wiederholt worden wäre. Und dann die Zeitangaben! Man versuche nur, sich ans die zeitliche Folge der eigenen Handlungen an einem etwaS zurückliegenden Tage zu besinnen nnd man wird die Schwierigkeit solcher Feststellungen ermessen. Ganz unsicher sind die Beweise, die auf dem Gutachten der Schreibsachverständigen beruhen. Der Staatsanwalt lhat sehr gut daran, daß er in seinem Plaidoyer auf die Ergebnisse der Graphologie nicht allzuviel Gewicht legte. Mit um so größerem Nachdruck hob er die psycho- logischen Momente hervor. Mit der Psychologie aber ist «s eine eigene Sache. Der große Romanschriflsteller und Psychologe Dostojewski vergleicht sie einem Stabe mit zwei Enden. Man kann ihn von beide» Seilen gebrauchen, man kann psychologische Vorgänge in dem einen, ebenso gut aber auch im andern Sinne deuten. Es bleibt Sache der Auslegung und des Geschicks. Es läßt sich darüber streiten, ob die Vertheidigung der An- geklagten in den geschicktesten Hände» gelegen hat. Sicher ist, daß der Vorsitzende sowohl wie der Vertreter der Anklage sehr begabte Juristen sind, denen die Vertheidiger trotz ihrer Vier- zahl nicht gewachsen waren. De» Vertheidigern fehlt es, von Rechts- anmalt Bieber abgesehen, offenbar ganz an kriminalistischer Erfahrung und an allgemeiner politischer Bildung. Sie mögen tüchtige Vertreter vor dem Zivilgericht sein, die rechten Männer, eine Sache vor Geschworenen zu führe», sind sie nicht. Charakteristisch war die Aengstlichkeit, mit der sie vermieden, das Kreuzverhör der Kriminalbeamten zu verliefen und die Thäligkeit der politischen Polizei durch andere Beispiele zu beleuchten. Das hätte sehr nahe gelegen. Wie viel zu diesen» Verzicht die Prozcßleitung beigetragen hat, soll nicht untersucht»verde». Als der Staatsanwalt die Freisprechung der Frau Westphal und des Schuhmachers Weber beantragte, ging ein Leuchten der Freuds über die Gesichter der beiden, die die lange Untersuchungs- Haft gelblich gefärbt hat. Koschemann blieb,, nährend Herr Kanzvlv gegen ihn donnerte, so ruhig, wie an den Tagen vorher. Die unerschütterliche Gelassenheit, die er»vährend des ganzen Prozesses i» allen seinen Phasen beiviesen hat, zeigt, daß der knabenhaft aussehende Jüngling feste Nerven hat. Die Würfel sind im Becher. Wird Freiheit oder langjähria« Zuchtha»isstrafe für ihn und Westphal herausspringe»,? / Der unglückliche Albert Ziethen, von dessen Unschuld so «mlich jeder Mensch in Deutschland, mit Ausnahme der belheiligte» /Justizsaklore». überzeugt ist, hat aus den» Zuchthause in Werden r a. d. Ruhr an seine hier lebenden Venvandtcn einen Brief gerichtet, der uns freundlichst zur Veröffentlichung überlassen»vorde» ist. Das vmn 11. April datirle Schreiben lautet: Lieber guter Bruder, Schwägerin und Familie! Der Grund,»varuu» Du,»nein guter lieber Bruder, mir keine Nachricht zukomme» läßt, ist»iiir bis dato unerklärlich geivesen. Jetzt erkläre ich inir die Sache dahin, daß Du nicht eher schreiben »volltest, als bis die gerichtliche Entscheidung über die Wiederauf- nähme des Verfahrens getroffen»verde. Gestern nun an» 10. d. M. bekam ich von» königlichen Amtsgericht hier die Zustellung, daß das Wiederaufnahme-Verfahren wieder abgelehnt ist, vom 31. März. Den Schreck, den ich bekam, könnt Ihr Euch nicht vorstellen, da es meine letzte Hoffnung»var, da ich erivartete, daß meine währe Un- schuld an das Tageslicht kommen»vürde, und jetzt»verde ich hier als der gemeinste Verbrecher, als ein Mörder sterben müssen. Meine lieben Angehörigen alle, glaubt»nir, ich schivöre es Euch allen. Gott der allivissende ist mein Zeuge, das ich nicht der Mörder meiner nnglücklich verstorbenen Frau, auch keine Ahnung von der schändlichen That habe, daß ich aber fest glaube, daß der Wilhelm die That gethan hat. Daß der hohe Gerichlshof doch diese Einsicht gebraucht und hätte»nir eine neue Verhandlung gegeben, meine »vahre Unschuld wäre beiviesen ivorden und ich hätte den schänd- lichen Flecken aus unserer tadellose»» Fa>n»lie»vieder gereinigt, wo ich jetzt als entehrter verdammter Mensch in, Zuchthause»verde sterben müsse», es müßte denn den Wilheln, sei» Geivissen und deren Pflegemutter, der Frau Linden,»velche jedenfalls alles von der Mordthat»veiß, keine Ruhe lassen, und alles vor Gericht be- kennen, ehe sie sterben. Ueber de», Gerichtsbeschluß»nich zu äußern. darf ich nicht, das Gericht erte>»»t in dem Zeugen Audrok nichts neues, da selbiger sich schon am 20. Juni 1887 freiivillig geineldet hat und nichts von dem Geständniß des Wilhelm gesagt hat, des- »vegen nicht für glanbivürdig anerkannt»vird. Was den Zeugen Rauscher(Berlin) betrifft, hat das Oberlandesgericht die Vernehmung abgelehnt,»veil es sämuitliche Erklärungen de? Wilhelm als durchaus unglaubivürdig betrachtet. Lieber Bruder, man sollte es für unmöglich halten. Auch wird in dem Beschluß Erwähnung gethan, daß schon vor 1887 Einivirkungen von unserer Faniilie auf Wilhelm stattgefunden hätten, wie die Staatsanivalischaft hier anführt. Da ich ganz bestimmt von Dir»veiß, lieber Bruder, daß dies nie geschehen ist, so frage ich Dich, kannst Dn Dich nicht dagegen beschiveren? Mir ist»»nd bleibt es unerklärlich, warum die Geständnisse des Wilhelm nicht geglaubt »verde»». Ich könnte wohl eine Erklärung hierüber abgeben, aber es könnte für eine Beleidigung des hohen Gerichts angesehen»verde»» nnd der Brief ginge dann nicht ab. Zum Schluß bemerke ich noch, theile es doch sofort dem Herrn Dr. Lenzmann niit, da es möglich ist, daß ibn» der Beschluß noch nicht bekannt, im Falle er Besch>verde am Oberlandesgericht erheben»vill, auch hätte ich be- stimmt geglaubt, der Herr Doklor hätte mich noch eininal, ehe er die Wiederaufnahme eingereicht hätte, hier besticht. Schreibe ihm in ineinen» Namen. Der liebe Gott»vird es Jh»n belohnen, daß er so für»nein Recht eingetreten»st, auch daß er von»»einer»Vahren Un- schuld überzeugt ist, sonst»väre er nicht öffentlich im Reichslage für mich aufgetreten, es ist nur schade, daß dieser hohe Herr so sehr in Anspruch genominen ist, sage ihm meinen herzlichsten Dank für alles, was er gethan hat. Dann sage allen Herren meinen herzlichsten Tank, ivelche für mich im Reichstage aufgetreten sind, auch sage allen, daß so»vahr ich Albert Ziethen heiße und Dein Bruder bin, ich bin unschuldig zum Tode vernrtheilt. Auch sage den» Herrn Oberstlieutenant v. Egidy meinen herzlichsten Dank für seine Be- mühungen. Herzliche Grüße an Euch alle. Euer unglücklicher Albert. Bitte um baldige Antwort. Tie Väckermission»vird von dem hiesigen„Christliche» V e r e i» j u» g e r Männer" mit besonderer Liebe und Sorgfalt gepflegt. Die Misstonsarbeit besteht jedoch nicht darin, daß die frommen Brüder etwa unter den M e i st e r n für eine Hebung der»v i r t h s ch a s t 1 i ch e n Lage der Angestellten, der Gesellen und Lehrlinge, agiliren. Die Mission erstreckt sich über- Haupt nicht auf die Meister, sondern nur auf die G e s e l l e n und Lehrlinge, und sie soll auch nicht dazu dienen, diesen eine me»sche»»vü»digere Existenz zu verschaffen, sondern nur dazu, sie zu frommen, genügsamen und demüthig dulden- den Menschen zu mach en. Darum»vird die Arbeit des Ver- eins auch von so vielen M e i st e r n so eifrig unterstützt. Manch' einer unter ihnen mag darin das letzte Mittel gegen die Begehrlich- keit der Gesellen erblicken, die ihn mit ihrer Forderung höherer Löhne, kürzerer Arbeitszeit, gesünderer Schlafräume n. s.»v. be- drohen. An» meiste» haben unter dem srommen Eifer ihrer Meister die Lehrlinge zu leiden, die ja dem Lehrherr» gegenüber»vchrlos sind. Die Bäckerinnung „ K o n k o r d i a" hat vor mehreren Jahren geradezu ihre Fortbildungsschule i» die Räume der Ziveiganstalt „Alexanderplatz" des„Christlichen Vereins junger Männer" verlegt nnd hat diesen» Verein für die kostenlose Ueberlossnng der Räume das Siecht geivährt, die Lehrlinge nach dem ziveistnndigen Unterricht noch anderthalb Stunden länger dazubehalten und ihnen noch eine besondere Geistesnahrnng zu verabreiche». Sehr lehrreich ist, »vas in der Aprilnummer des„Monatlichen Anzeigers" des ge- nannten Vereins über die Arbeit an diesen Lehrlingen berichtet»vird. „Bei den Bäckerlehrlinge»", heißt es da,„haben»vir die besondere Pflicht, kurz und möglichst kräftig und für unsere Zuhörer interessant zu reden, denn»vir habe» es dort mit einem unsichtbaren Feinde zu thu», den zu verscheuchen uns nicht iinmer leicht»vird: den» Schlaf. Und»ver»vollle es de» jungen Leute» übel nehmen, »venn sie mit Müdigkeit kämpfen müsse», nachdem sie in der Nacht gearbeitet haben und an» Nachmittag eigentlich schlafen sollten." Dieses„eigentlich" ist in der That köstlich! Also trotz der Einsicht, daß de» armen Jungen Ruhe Roth thäte, hält»na» sie zurück nnd langweilt sie mit dem Vortrag erbaulicher Geschichten, mit Bibclanslegnng u. s.»v! Der Bericht sagt»veiter:„Diese kleine Schivierigkeit(die Müdigkeit nämlich) be- einträchtigt jedoch die Freude am Kommen keinesivegs und viele freuen sich die ganze Woche ans ihre Erbolungsstunden in nnserem Hause. Als es vor eliva 2 Jahren den Anschein hatte, als sollte die Schule in ein anderes Lokal verlegt»verde», haben manche bilterlich geiveint,— gerade auch solche, an denen»vir bisher»veder Interesse »och Verstäudniß für unsere Sache»vahrgenommen hatten." Soll man daraus auf einen gottesfürchlige» Sinn unserer Berliner Bäckerjunge» schließen? Man darf»vohl eher annehme», daß»nanche dieser Junge» sich bei de» christliche» jungen Männern nur deshalb wohl fühlten,»veil sie hier noch auf»veitere anderthalb Stunden»venigstens halb schlafe» könne»,»vährend sie in dieser Zeit beim Meister trotz aller Müdigkeit doch nicht ruhe» dürfte». Nur so kann mau es sich erklären, daß gerade solche Jungen die ErbanungSstunde» am ineisten liebgeivonnen hatte», die für die„höheren" Zivecke und Absichten des Vereins weder Interesse noch Verstäudniß gezeigt hatten. Daß die Schivärmerei für diese Erbauungsstundcn hinterher nur bei»venigen länger vorhält, also schiverlich bei vielen echt sein kann, das gehl auch ans dem Bericht selber hervor:„Aus vielen unserer Lehrlinge sind im Laufe der Zeit Gesellen geivorden, und einige von diesen besuchen jetzt regelmäßig die Versaminliingen der Bäckergesellen. Wir ivünschten zivar, daß noch viel»»»ehr in dieser Weise ihre Treue beiviesen, doch muß i» betracht gezogen werden, daß Bäckergesellen viel»vandern." Am Wandern allein»vird es»vohl nicht liegen, daß die ehemalige» Bäckerlehrlinge als Gesellen so selten»viederkommen. Tie beiden vcrhastete» Anarchisten Laiidauer und Spohr sind»ach dem Uiitersuchungsgesäiigniß in Moabit übergeführt ivorden und haben gestern die erste, Vernehmung vor den» Amtsrichter Werter gehabt. Die Verhaftete»»verde» beschuldigt, bei ihrer Aussage im Prozeß Koschemann und ihre» Millheilungen über die von dein verstorbenen Henkinann an Spohr gerichtete Postkarte einen Mein- cid(?) geleistet zu habe».— Soeben theilt»»s Herr Spohr per Rohrpostkarte mit, daß er»vieder auf freien Fuß gesetzt sei, da der Herr Untersuchungsrichter keinen begründeten Anlaß für die An- nähme fand, daß Spohr die Postkarle selbst geschrieben habe. Ob Herr Landauer ebenfalls freigelassen»vurde, ist uns zur Zeit nicht bekannt. Ter zun» Oberinspektor des Arbeitshauses zu Runnuelsburg gewählte Herr Magistratesekretär Pieper wurde gestern durch den Vorsitzenden der Deputation des Arbeitshauses, Stadlrath Maniroth und Stadtrath Heller in sein Amt eingeführt. Auch eine Kritik des Wilhelm- TenknialS. Dieser Tage hatte ich, so schreibt uns einer unserer Mitarbeiter, Gelegenoeit, ganz nnbetheiligt ein drastisches Urlheil über das Kaiser Wilheln»- Denkmal zu hören aus dem Munde eines einfachen Mannes, der sich in seinen» dunklen Drange des rechten Empfindens»vohl be- wüßt war. Ich saß ans dem Verdeck eines OinnibuffeS auf der Fahrt aus den» Norden nach den» Südivesten. Unter den Deck- Passagieren befand sich auch einer, der,»vie es zuweilen vorkoinnit, in gemüthlicher Weise n»it seiner Nachbarschaft eine laut geführte Unter- Haltung anknüpfte und über alles mögliche und sonst noch etwas sprach. Als nitscr Vehikel de» Lnstgarten passirte und in die Schloß- sreiheit einbog,»vurde der Gesprächsstoff natürlich auf das Begas- denkmal gelenkt und da hört« ich denn den Wortführer in der Unterhaltung ein Urlheil fällen,»velches mich vermöge seiner naiven Empsindnngsivahrheit einigermaßen frappirte. Ter Mann zog nämlich eine Paralelle zwischen dem Denkmal des„alten Fritz"»md den, des„alten Wilheln»" und gab den» ersteren den Vorzug vor dem letzteren, indem er meinte:„Das Denkmal von» allen Fritzen jefällt mir besser. Da sind»venigstens die janzen Jeneräle mit drnf, aber hier sind ja»veiter»lischt»vie nackte Frauenziminer!" — Vox populi! Ter Arbeitsausschuß der Gctverbe-AnSstellung von IKS« hat sich nunmehr endlich entschlossen, die Arbeiten zur Wiever- Herstellung des Treptoiver Parkes im Wege der beschränkten Sub- Mission ausschreiben zu lassen. Als Endtermin zur Abgabe von Geboten ist, wie wir bören, der 28. April festgesetzt ivorden. Auf arund der von» städtischen Obergärtner Hanipel aufgestellten Pläne für die Wiederherstellungsarbeiten hat der Arbeitsausschuß zugleich durch Sachverständige einen Kostenanschlag aufstelle», lassen, wonach die Ausführung iener Arbeiten einen Kostenaufivand von 160 000 Mk. erfordern»vürde; er ist indeß zu der Ueberzeugnng gelangt, daß die Wiederherstellungs-Arbeilen besser und schneller durch den Magistrat selbst bewirkt werden könnten,»veil diesem,»vie mit Recht aiige- nommen»vird, ein zahlreicheres und sachkundigeres technisches Hilfs- personal zu Gebote steht, als irgend einen» Privatnnternehnier. Daher hat der Arbeitsausschuß dem Magistrat nachmals den Vor- schlag unterbreiten lasse», die Wiederherstellungsarbeiten im Treptoiver Park mit Ausschluß desjenigen Terrains,»velches die Allgemeine Gartenban-Ausstellung zu ihren Zwecken beansprucht, gegen Zahlung des crivähntei» Kostenbetrages von 160 000 Mk. selbst in die Hand ,u nehmen. Es ist Sache des Magistrats, sich nicht übertölpeln zn lassen. In der Urania(Jnvalidenstraße)»vurde a>n Mittivoch Abend von Herrn Dr. med, Franz Kronecker ein Projcktionsvortrag über das Himalaya-Gebirge gehalten. An dem Vortrage»varen die Lichtbilder,»velche die höchste Alpeiuvelt unserer Erde ver- anschaulichten, entschieden das interessanteste; die Ausführungen des Redners selber, der im vorigen Jahre Indien bereist hat, dienten nur als Erläuterungen, und zivar als recht trockene zu den vor- geführten Bildern. So flösse» denn die Berichte über die allgemeinen Zustände auf diesen» interessanten Stück Erde recht spärlich; ein soziales Jnleresse bietet vielleicht die mit einiger Verwunderung »viedergegebene Mittheilung, daß die eingeborenen Diener und Führer, »velche Herrn Kronecker begleiteten, strenge auf einen recht kurz be- messeneu Normalarbeitstag sahen«nd sich durch kein Mittel der Welt anin»iren ließe», mehr zu leisten, als sie für billig hielten. Es scheint demnach, daß der göttlichen Weltordnnng im Innern Indiens noch sehr»venig Respekt entgegengebracht wird. AuS dem preußisch-deutsche» Militärstaate»veiß die„Berk. Zeitung" folgende Historie zu melden:„Ein schneidiger K a v a l- lerie-Lie utenan t fuhr vorgestern Abend in der sechste» Stunde an der Oranien- und Lindenstraßen-Ecke mit seinen» Gig,»velches er selbst lenkte, in einen um die Ecke biegenden Arbeitsivagen der Firma Domcke aus der Lolhringerstraße direkt hinein. Durch den heftigen Anprall wurde der Echeerbaun» des Domcke'schen Wagens zerbrochen und der Kutscher, namens Coquette, zu Bode» ge- rissen. Ohne von dem angerichteten Schaden irgend»velche Notiz zu nehmen, wollte der Herr Lieutenant»veiter fahren,»vurde jedoch von den vielen Passanlen und Augenzeugen daran verhindert. Es »vurde ihm daS Pferd festgehalten uud eil» Schutzinan» herbeigeholt. Als derselbe erschien, forderte ihn der Lieutenant auf, die Menge auseinanderzutreiben, damit er freie Fahrt bekäme, und zivar mit den Worten:„Bringen Sie die Leute fort!" Dies geschah auch. und der Herr Lieutenant fuhr davon, ohne daß eS von dein Schutzmann»ölhig gefunden»vurde, die Personalien des schneidige» Herrn festzustellen. Nun erst»nachte sich der Schutz- inann daran, sich von den» Geschädigten die Sachlage erkläre» zu lasse». Welchen Ziveck das jetzt noch, nachdem der schuldige Theil davongefahren»var, hatte, konnte sich allerdings niemand erklären." Arbeitcr-Fahrkartcn. Für die Beförderung der Arbeiter aus den preußischen Staatsbahnen sind seit dein 1. April einige neue Be- stiininungen in kraft. Die Arbeiter- Wochenkarten können jetzt an jeden» Wochentage gelöst»verde»» und gelten für sechs anfeinauder folgende Arbeitstage entiveder zu einer täglichen Hin- und Rückfahrt oder zu einer täglichen Fahrt zivischen Wohnort und Arbeitsstelle. Werden dieselben an einen» Nachmittage gelöst, so kann die letzte Rückfahrt auch noch an» siebente» Arbeitstage vor- mittags erfolgen. Wo die Arbeiter bei der Fahrt nach dem Arbeitsort au» Montag früh oder an» Tage nach einem Festtage zi» spät a»f der Arbeitsstelle eintreffen»vürden, oder auch aus andere» Gründen kann die Benutzung der dazu bestimmten Züge»nit Arbeiler-Fahrkarlen auch an, Sonntag oder den» be- treffende» Festtage gestattet»Verden. Bezüglich der Arbeiter- Rückfahrkarle» bleiben die bisherigen Bestimmungen in kraft. Die Ausgabe der einfachen Arbeiter-Fahrkarten»vird aufs äußerste be- schränkt; dieselben sollen nach und„ach ganz aufgehoben»verde»». Tic unter städtischer Vcrtvaltuug stehende Berliner Tisckilerschulc beginnt den Unterricht für das Soiumerhalbjahr 189/ mit den» 22. April. Gegenstände des Unterrichts und der Uebungen sind: Freihandzeichnen, Projektionszeichnen, Gipszeichnen, Holz- verbindungs- und Formenlehre, Fachzeichnen für Tischler, chemische Behandlung der Hölzer. Modellirei» und Holzbildhauer», Fach- zeichnen für Drechsler und Werkzeug- und Materialienkunde für Drechsler. Der Unterricht findet statt: Krantstr. 49, Wafferlhor- straße 31, Zehdenickerstr. 17, Thnrmstr. 36, Fruchtstr. 38, Reichen- bergerslr. 131, PallaSstr. 15, Pulbuserstr. 23. Die Schüler zahlen für Kursus im Fachzeichnen 4 M.; für den Unterricht in den übrigen Kurse» je 2 M. für das Halbjahr. Ter»>. Zyklus der vom Magistrat angeordneten elektrischem Vorlesungen des Professors Szymanski beginnt am 24. April d. J. in den Räumen der I. Handiverkerschule, Lindenstr. 97/98. Der neue Somuicr-Fahrplan der Berliner Tampfstraßen- bahn,»velcher a»n 1. Mai i»> kraft tritt,»veist sehr viele und»vesenl- liche Berkehrverbesserungen auf. So»vird alis der Strecke Kur- fürstendam»»,(Ecke llhlandstraße) beziv. Bahnhof Zoologischer Garten— Nollendorsplatz— Schöneberg— Friedenau— Steglitz vom Babnhos Zoologischer Garten auS der Zehn Minuten-Verkehr bis Friedenau(Lauterstraße) bereits uu» 6,56 früh eröffnet und bis 11,16 abends ausgedehnt. Auch der Zwanzig Minuten-Verkehr nach Steglitz beginnt bereils um 6,56 uud»vird bis 11,56 ausgedehnt. An Sonn- und Feiertagen sindet bei günstiger Witterung von 2 Uhr nach- mittags ab der Zehn Minnten-Verkehr bis Steglitz statt. Ans der Linie Nollendorsplatz— Wilmersdorf— Schmargendorf— Hundekehle »verde» der 7,05 früh und der 10,05 abends vom Nollendorsplatz abgehende Zog bis Forsthaus Hnndekehle fahren. Ob auch die ge- nieingesährliche Ausbeutung der Arbeitskräfte an der Dampfstraße»- bahn einer etivas gesitteteren Behandlung Platz gemacht hat,»vird nicht berichtet. TaS Polizeipräsidium macht bekannt: Der Apotheken- befltzer Dr. B ä l ck e in Berlin, Prinzeustr. 102»vohnhaft, ist zun, pharniazeutischen Apolheken-Revisor und stellvertretenden Mitglieds der Kommisflon für die Prüfung der Apotheker-Gehilfen ernannt ivorden. Dem Apothekenbesitzer Rothe zu Charlottenburg. Span- dauerstr. 25»vohnhaft, ist das Amt eines Revisor-Stellvertreters bei Npothekenrevisionen übertragen ivorden. Tic letzte Ehre iu Prenße». Als am Mittivoch Nachmittag Dr. Stryck mis den» Louisenstädlischen Begräbnißplatz i» der Bergmannstraße begraben imirde, wollte Stadtverordneten-Vorsteher Dr. Langerhans dem Tobten an der Gruft einige Worte nach- rufen. Doch mußte er dies,»vie ein hiesiges Blatt meldet, bleiben lassen,»veil keine kirchliche Genehmigung vorlag. Ein Pastor stand daneben. Ten„Zentralstraßeii-Prozeß", den„Polke-Prozeß", de» Prozeß Leckerl-Lützoiv und de»„Koschemann-Prozeß"»vird iu beziig aus die Zeildauer ei» Prozeß überflügeln,»velcher i»n Monat Oktober d. I. deginnen soll. Ten» Vernehmen nach handelt es sich dabei um die Erledigung der Anklagesache»vider den Bankier Sternberg, die wohl schon zivei Jahre in der Schwebe ist. Für diesen Prozeß, der im großen Schivurgerichtssaale stattfinden»vird, ist die„kurze" Spanne Zeit von sechs Wochen in Aussicht genommen. Zum Glück handelt es sich um eine Straskammersache und nicht um eine Schivurgerichtssache, sonst»vürden außer den Richtern, dem Staats- anivalt und den Zeugen auch noch die Geschivorenen zu bedauern sein. Auf dem Stadtbahnhof Alexanderplatz erfährt der Verkehr mit dem heulige» Charsreitag eine längst erforderlich geivorden« anderiveitige Regelung. An verkehrsreichen Tagen, namentlich an Sonntagen, entstand in den» Auf- und Ausgange an der Königstraße oft ein unenlivirrbares Gedränge. Ein Menschenstro»» wälz»« sicq zum Bahnsteige hinauf, der andere»välzte sich herab und drängle dem Ausgange zu. Eine Theilung der Treppe durch eine Barriere i» ein„rechts" und„links" er,vies sich von vornherein als zivecklos. Nunmehr hat die Bahnverivallung die geivaltige Wölbung dura»- brechen lassen, auf»velcher der Bahnsteig ruht. Eine Treppe führt durch die neugeschaffene Oeffnung nach de»» Wartesaale der Stadl- bahn herab und von hier nach der Straße an der Stadtbahn, dicht jn der Kö'.ngstraße ausmündend. Diese neue Passage wird von beute an als alleiniger Ausgaiig benutzt, während der Aufgang von der Königstraße lediglidi nur als Aufgang dient. Damit ist sür die Zukunft aiischeiueud'die Möglichkeit beseitigt, daß die ab- und zu- strebenden Passagiere mit einander kollidiren. Italienische Stiidentc» halten sich gegenwärtig in Berlin ans. Anfangs schien es, als ob die Heiren nichls weiter im Sinne hätten, als mit ihren deutschen Kollegen in Patriotismus und Bier zu weit- eifern. Jetzt wird bekannt, daß eine Abordnung der italienischen Eludente», unter Führung des Professors Marconi, beabstchrigt, die Einrichlungc» der Stadt, insbesondere die Müggelweike, die Kanalisation, Markthallen und ein Rieselfeld zu besichtige». Herr Oberbiirgermeister Zelle hat seine Zustimmung hierzu ertheilt und den Magistratssekrelär Spiccker der Abordnung als Führer mit- gegeben. Nelly Kiiecbs. Die gestrige Auktion verlief resultatlos, da der Betrag von IS000M., de» die Slaatsanwallschasl als Mindestgebot festgesetzt halte, nicht erreicht wurde. Das Höchstgebot betrug 77öt) M., der Zuschlag wurde nicht erlheilt. Tcusationcllc Verhaftungen. Schon seit längerer Zeit wurden in hiesigen Appretur- und Delaturaustalteu Maaren, die ihnen zur Bearbeitung übergeben wurden, auf bisher unerklärt« Weise ge- stöhlen, ohne daß man einer Spur nachgehen konnte, wie die Dieb- stähle ausgeführt werden. Slls vor kurzem der Firma Lehrburger in München 43 Stücke Konfcktionöstvffe im Betrage von ca. 4000 M., welche dieselbe bei einem hiesigen Appreteur lagern hatte, wiederum gestohlen wurde» und es nicht gelang, des Diebes habhast zu werden, begab sich, wie der„Koufekiionär" mitlheilt, der Inhaber des Münchener Geschäfts nach Berlin und seinen Bemühungen, sowie denen des ltriminalkommissars Thiel, der ihm zur Unter- ftützung der Recherchen von der Polizeibehörde in zuvorkommendster Weise zur Verfügung gestellt wurde, gelang es, den Diebstahl ans. zudecke». Es sind infolge dessen gestern hier als Hehler verhaftet worden die Inhaber der hiesigen Firma Richard Schwarz, Ge brüder Kurze in Strausberg und ei« Hausdiener Haake, welcher bei der hiesigen Firma Ludwig Lehmann beschäftigt war. Weitere Vcrhastungcn stehen unmittelbar bevor. Man glaubt, einer weit- verzweigte» Diebes- und Hehlergesellschast auf die Spur gekommen zu sein. lieber bedauerliche Vorgänge, die durch die Profitwuth einer Anzahl Geschäftsinhaber entstanden sind, meldet ein Bericht- crstatler: Bekanntlich herrscht bei unseren Geschäftsleuten die be bäuerliche Unsitte, die Packele, welche im Laus« des Tages an- gefertigt worden ist, abends zwischen 6 und 7 Uhr zur Post zu schicken. Eine Folge hiervon ist namentlich auf dem Postamt llö am Königsgraben die Ncbersüllung des Postraumes, die in der Zeit von 0�/« bis 7 Uhr abends so bedeutend ist, daß die Hansdiener mit ihren Packete» in der Postanstalt keine» Platz mehr finden und sich auf dem Bürgersteig ansammeln. Kurz vor 7 Uhr deginnt dann gewöhnlich ein Bombardement mit den Packete»; dieselbe» werden über die Köpfe des Publikums hinweg in den Schaltcrraum hineingeworsen. Wenn dann die Beamten um 7 Uhr die Jalousie am Eingang Herablasien wollen, so werden sie von de» draußen stehenden Hausdienern daran gehindert. Die Jalousie wird von einzelnen Voten festgehalten und die Packete werden in das Postamt hineingcschleudert. Mittwoch Abend ging es so weit, daß selbst die Glühlampe» theilweis« durch die umherfliegenden Gepäck- stücke beschädigt wurden. Ueber ähnliche Zustände wie aus dem Postamt 25 wird auch in andere» Revieren des Zentrums lebhaft geklagt. Eine Beseitigung dieser Uebelstände ist nur dadurch zu er- reichen, wenn die Inhaber sich entschließe», die Hauptbesörderung der Packete im Laufe des Tages vorzunehmen. Nicht aufgeklärt ist der Tod des Korbmachermeisters Wilhelm Teutscher aus der Zimmerstraße, der am Mittwoch Morgen im Alter von 61 Jahren gestorben ist. T. ging an, Dienstag Abend auf die am Treppenflur liegende Toilette. Nach kurzer Zeit kam er mit einer klaffenden Stirnwunde in die Wohnung zurück. Er konnte sich nur mühsam von der Stelle schleppen und erklärte, daß er auf der Toilette einen Schwindelanfall bekommen habe und im Fallen mit der Stirn auf das Fensterbrett aufgeschlagen sei. Seine Frau wusch ihn» die Wunde aus und brachte ihn zu Bett. Am andern Morgen um 7>/2 Uhr wollte der Verletzte aufstehen, um einen Geschäftsgang zu machen. Kaum hatte er sich erhoben, so fiel er zu Boden und dreiviertel Stunden später war er eine Leiche. Der Arzt vcr- mulhete, daß infolge der Verletzung ein Gehirnschlag eingetreten sei. Da die Todesursache aber nicht bestimmt festgestellt werden konnte, so wurde die Leiche beschlagnahmt. Mit Dynamit gesprengt wurde gestern die im Zuge der Cchönebergerstraße am Hafeuplatz befindliche alte Schöneberger Brücke, an deren Stelle eine neue über den Kanal errichtet werden soll. Die Sprengung wurde von einem Kommado des Eisenbahn- Regiments bewirkt, welches die Vorarbeiten hierzu— das Minen- legen und die Ladung derselben— gegen II llhr beendete. Wenige Minuten spater erfolgte die Zündung der Minen, ein dumpfer Knall wurde vernehmbar, und der Pfeiler der Brücke stürzte zusammen. Die Sprengung erfolgte ohne Unfall. I» der Rächt vom Donnerstag zum Freitag voriger Woche ist in der Nähe des Krieger-Denkmals im Kleineu Thiergarten das die dortigen Anpflanzungen einfriedigende eiserne Gitter von ruchloser Hand in erheblicher und ausgedehnter Weise zerbrochen und be- schädigt worden. Die Thäter find noch nicht ermittelt. Bei der Hilfeleistung verunglückt. Gestern Mittag wollte ein schwer mit Zucker beladener Rollwagen der Firma Theuerkauf ans dem Echifibanerdamm in die Friedrichstraße einbiege», die Pferde konnten jedoch die Steigung nicht überwinden und der Wagen blieb stehen, wurde aber von Vorübergehenden weitergeschoben. Unter den Heisenden befand sich der Keithstraße 21 wohnende Rentner Max Kraye. Dieser glitt beim Schieben ans, siel und wurde von dem rechten Hinterrad über den rechten Unterarm gefahren. Obgleich der Unterarm gebrochen war, konnte sich der Verletzte zu Fuß in eine nahe Privatklinik begeben. Grostcs Anfseheu erregt namentlich in Kreisen der städtischen Verwaltung das Verschwinden des öS Jahre alten städtischen Steuereinnehmers Reinhold Schieferdecker ans der Wilhelmstr. 107. Schieferdecker war vor IS bis 16 Jahre» unter eigenthümlichen Verhältnissen Verwalter der Grundstücke Wilhelmstr. 107 und des Eckhauses Anhallstraße ISa geworden. Der in Belgien lebende Baron de T'Serclaes de Woinmersom kaufte damals diese Grundstücke in der Absicht, sie einem Mädchen, mit dem er ein Verhältniß unter- hielt, zu schenken. Von auswärts kommend, brachte er 60 000 M. mit, die bei der Auflassung gezahlt werden sollten. In der Nacht vor dem Tage der Auflassung wurde ihm diese ganze Summe von einem Bruder seiner Geliebten gestohlen, und da er glaubte, daß sie ihre Hand mit im Spiele gehabt habe, so sagte er sich von ihr los und bedielt die Grundstücke für sich. Bei dieser Ge- legenheit wurde Schieferdecker mit der Berwaltung betraut und mit einer unbeschränkicn Bollmacht ansgrstaltet. Da er außer seinem städtischen dieses Nebenamt ununterbrochen bekleidete und im Hause Wilhelmstr. 107 freie Wohnung hatte, so legte er sich nach und nach eine hübsche Summe zurück, die man jetzt auf SO— 60 000 M. schätzt Vor kurzer Zeit feierte Schieferdecker, der im ganzen aus eine 3S jährige Dienstzeit zurückblickt, sein 2S jähriges Jubiläum als Steuereinnehmer. Er dachte nun daran, sich bald zur Ruhe zu setzen. Am letzte» Dienstag fuhr er»ach dein Rathhause, nur über 4000 Mark Steuern abznliefern. Als er hinkam, stellte sich heraus, daß idi» elwas an der Summe fehlte. Schieferdecker nahm daher das Geld ivieder mit und erklärte den Abnahmebeamten, daß er am Mittwoch iviederkoinme» werde, um abzn»cchnen. Abends gHrg er nach der Königgrätzerstraße, um einen Posten Geld c'".zuziehen. Seitdem ist er spurlos verschwunden. Das Geld, das er am Dienstag abliefern wollte, muß er bei sich habe». Daß er damit durchgegangen fein sollte, erscheint ausgeschlossen, da er ein vermögender Man» ist und oft bedeutend höhere Summen bei sich hatte. Man vermuthet, daß er in einem Anfalle seines Nervenleidens Hand an sich gelegt hat. Durch Eindringe» einer verschluckten Bohne in die Luftröhre ist bekanntlich, wie mir kürzlich berichtet haben, der Tod eines Kindes herbeigeführt morden. Uns geht jetzt eine Mittbeilung z», wonach irg-md eine Mitschuld des Arztes, der das Kind behandelte, an dem Todesfall völlig ausgeschloffen ist. Verbrühung. Am Don>'»"stag Morgen fiel der Iv Jahre alte Kochlehrling Hugo Döhm, der in dem Aschinger'sche» Geschäft am Köllnischen Fischmarkt beschäftigt ist, in einen am Boden stehende» Kessel mit heißer Mehlsuppe und verbrühte sich so schwer, daß man ihn in ein Krankenhaus bringen mußte. Selbstmordversuch ciucS DicustmädcheuS. Am Mittwoch Morgen sprang in einem Hause der Allouaerstraße die 14jährige Frieda G., weil ihr die nachgesuchte Entlassung aus dem Dienste verweigert worden war, aus dem Feuster des Badezimmers der im ersten Stock gelegene» Wohnung ihrer Dienstherrschast auf de» Hof und erlitt anscheinend innere Verletzungen. Selbstmorde und Selbstmordversuche. Mittwoch Bormittag wurde der 32jährige Lademeisler Rudolf I. iu seiner Wohnung in der Frankfurter Allee erhängt vorgefunden. Er lebte schon seit längerer Zeit mit seiner Frau in Nnsriede». Als er gegen 4 Uhr nach Hause kam, machte sie ihm darüber Vorhaltungen. Er begab sich darauf auf den Abort, wo seine Frau ihn später am Thür- pfosten hängend todt auffand.— Nachmittags versuchte der dem Trünke ergebene. 31 Jahre alte Handlungsgehilfe Theodor P. auf dem Aborte des Cafö Friedrichshof, Fritdrichstr. 41/42, sich durch einen Schuß in die Brust zu tödte». Er verletzte sich schwer und wurde in das Krankenhaus am Urban gebracht.— Im Friedrichshain, in der Nähe des Krankenhauses, wurde vormittags der 40 Jahre alte Kaufmann Max H. ans einer Bank schwer erkrankt vorgefunden und nach dem Krankenhause gebracht, wo eine Ver- giftung vermuthlich durch Schwefelsäure festgestellt wurde. Man hofft H., der die That infolge zerrütteter Vermögensverhältniffe begangen hat, am Leben zu erhalten. Eisenbahu-Znsamnienstost auf dem Zentral-Viehhofe. Auf dem Eisenbahugeteise des Zeutral-Viehhofes fand ei» Zusammeustoß zwischen einem einfahrende», mit Vieh beladenen und einem auf dem Geleise stehenden Zuge statt, wobei zwei leere und ein beladener Eisenbahnwagen bedeutende Beschädigungen erlitten. Im Schiller-Theater geht morgen Sonnabend zum ersten Male „Bauernehre"(Caralloria nisticana) von Giovanni Berga, und Moliäre's dreiaktiges Lustspiel„Der eingebildete Kranke" in Szene. Im ersteren Stücke spielen die Hauptrollen die Damen Levermann und Pauly und die Herren Froböse und Patmg. Die Besetzung des Molieresichcn Lustspiels ist folgende: Argan Max Waiden, Belinde Marie Wille, Angelique Anna Heinsdorff, Louison Eva Bottstein, Beralde Willy Froböse, Cleanthe Ewald Bach, Dr. Dtafoirus Max Laurence, Thomas Max Reimann, Dr. Purgon Alfred Schmasow, Fleurant Julius Eyben, Bounefoi Karl Dahlen, Towette Paula Leverulann. Aus de» Nachbarorten. Zum Vertrauensmann von Weistensee ist Genosse Robert Pasewaldt, Metzerstraße 1l, I, in Weißensee, geivählt worden. Sämmtliche Anfragen u. s. w. wolle man Hinsort an diese Adresse richten. Der 1. Mai wird in Köpenick und AdlerShof auf Beschluß des Gewerkschaflskartells wie folgt begangen: Nachmittags 2 Uhr wird i» Kleiu's Hotel eine Volksversammlung abgehalten. Abends von 7 Uhr ab ist im selben Lokal sowie außerdem in Scheer's Wilhelnisgarten Konzert und Tanz, zu welchem sämmtliche Ar- beitervcreine der Ortschaften ihre Mitwirkung zugesagt haben. Aus zahlreiche Betheiligung wird gerechnet. Ter Knabcnmörder Barbier Ernst Kappler ist aus der Laudes-Jrrenaustall Ederswalde entsprungen. Alle Polizeibehörde» fahnde» auf de» Flüchtling. Der Barbier Kappler, welcher bekannt- lich de» Lustmord an dem vierjährigen Knaben Erich Kläger im Mai 1393 verübte, Halle sich nach seiner Ergreifung vor den Ge- schmore»«» zu veraulivorle». Er ist jedoch schließlich auf grund der ärztlichen Gutachten als geisteskrank erklärt worden. Es erfolgte hiernach seine Ueberweisung an die Laudes-Jrrenanstalt Eberswalde. Dort ist es dem jetzt 31 jährigen Kappler geglückt, zu entkommen. Er ist von kleiner, schmächliger Statur, hat dunkles Haar und kleinen dunklen Schnurrbart. An einem der Unterarme sind die Buchstaben FK eintätowirt. Bekleidet war er bei seiner Flucht mit graubraunem Filzhut. graubraunem Jaquetanzng, weißem Chemisette mit Stehkragen, braunem gestreiitem Shlips, und Leder-Schnnr- schuhen. Die Garderobengegenstände sind mit der Nr. 433 gezeichnet und auch mit dem Anstallsstempel I TA versehen. WitternngSiibersicht vom lS. April I8V7. Weüer-Prognose für Freitag, den IS. April>SS7. Ziemlich heiter, nachts etwas kühler, am Tage wärmer bei mäßigen südwestliche» Winden; keine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner Wetterb nrea». Am 14. April er. verschied fem von der Heimath und fem von der Stätte seines erfolgreichen Schaffens unser hochverehrter Ehef, der Fabrikbesitzer lööbb ßerr(teewg Grauert. Wir verlieren tn dein Heimgegangenen einen edlen Vor- gesetzten, der uns in seiner rastlosen Arbeit, seinem unermüdlichen Fleiße stets ein leuchtendes Vorbild gewesen ist und deffen An- dcnlen wir stets tn hohen Ehren halten werden. Stralau, den Ib. April 1897. Vits öeamten- und Arbeiter-Personal der Firma Georg Grauert, Eisengiesserei, Fabrik bauswirtbscbaftl.Masebmen Alle» Freunden und Kollegen die traurige Mittheilung, daß mein lieber- Bruder, der 5clempiicr Äibert Äurin am 14. April d'A Uhr nach langen Leiden iu der Heilanstalt von Engels zn Pankow verstorben ist. Die Beerdigung stndet statt Sonntag nachm. 1>/« Uhr von Pankolv, Damerowstr. 1. Der trauernde Bruder W. Anrln nebst Frau, 15586 Wcberstr. 16_ Wcntscher Holzarbeiter-Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Louis Kahlau am Montag verstorben ist. Die Beerdigung findet heute Frei- tag nachm. 4 Uhr von der Leichen- halle des Sophien-Kirchhofes, Gesund- drunnen, Freienwalderstraße, aus statt. Uin rege Betheiligung ersucht 88/14 Tie Lrtsvcrwaltung. T o»! es- A ,i a c i jx o. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser Kollege der Mabelpolicr Adolf Borchardt am Mittwoch, den 14. April, plötzlich am Lmigenschlag verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 18. April, vom Trauerhause Zörndorferstr. 13, vormittags 11 Uhr, nach dem Markuskirchhof in Wilhelms- berg statt. 1551b Tie Kollegen der Tischlerwerkstatt von Suft. Palltsadenstr. 76. Centrai-Kranken- u. Sterbe kasse der Tischler. (Verwaltung Berlin H.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Tischler «»Iiesi» Klotz am' 12, Apckl im Atter- von 62 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet am stillen Freitag nachm. 2 Uhr vom Kranken- Haus Urban aus nach dem Emmaus- Kirchhof statt. Um zahlreiche Betheiligung bittet 184/15 Die Ortsvcrwaltung. Central-Kranken- u. Sterbekasse der Tischler. (Qertliche Verwaltung Berlin H.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Arbeiter ÄiioiiZl Koch am 14. April im Alter von 33 Jahren an d. Proletarierkrankh. verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonn- abend, den 17. April, nachm. 4Vi Uhr, vom Traucrhaus Görlitzer Ufer 3 aus nach dem Euimaus-Sirchhof statt. Um zahlreiche Betheiligung bittet 184/16 Tie Qrtsverwaltung. kranken- und Vegräbuisttasse der BucliMudei* u. verw. Berussgenoffen z. Berlin (E. H. Nr. 24). Sonnabend, den 24. April, abends sy2 Uhr, im„Englischen Hof", Neue Roßstr. 3: General- Uersammluns Tagesordnung: 1. Kaffenbericht pro 1. Quartal 1817. 2. Vortrag des Herrn Or. woä. Paul Bernstein über: Rathschläge für gesunde und kranke Tage. 3. Kaffenangelegenheiten. Das Erscheinen sämmtlichcr Mit- glieder erforderlich. 26/5 Friedr. Freudenreich, Vorsitzender, Wißmannstr 18 I. Bruno Gröblehner, Kastsrer, Britzerstr. 10 lt. Die seit 35 Jahren bestehende Rolff'sche Derberge. Krausen, tr. II, empfiehlt sich den Gciverkschasten als feste Herberge. Einrichtung, weil in günstiger Lage, zum 1b52b Arbeitsnachweis. Saubere Betten.— MittagStisch und Getränke zu anerkannt soliden Preisen. LmsuSus 2vls. Vertreter der Rolst'schen Erben. 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Ost er- Fol er tag): Gr. Vokal- und Instrumental-Konzert arrangirt von den Gesangvereinen Rothe Nelke II l Oranlenburger Vorstadt Weiße Rose II(Weißensee)> Treu und Einigkeit(Rixdorf) «Mitgl. des A.-S,-B.) unter Mitwirkung des Berliner Damenchor„Harmonie"(Dir.: A. Miesch) _ und der Sopranistin Krau S a h n e r t. WWW Nach dem Konzert: Grosser Ball. BUU Anfang 6 Uhr. 15566 Programm 30 Pf. NKittBUÄ isth höchst kräftig, .♦VSWIBgS 50 Pf� Schöne Ver- eiiiözimmer. Elsafferstr. 38 I.(15656 Noch guter Jaquetanzug billig ver- käuflich Tieckstr. 30/31, H. III, r. Sopha 18 M., Brttst. m. Matratze 24 M., Trumeaux 48 M., Kommode 16 M., Spiegel m. Sp. 36 M., Plüsch- gani.l00M. Teichma»n.Prinzcnstr.62 e.»erzog, Adlershos Bestanrant z.„Süße» Grund- empfiehlt allen Freunden und Genossen sein Restaurant, Warten und Kegel- bahn zur gefälligen Benutzung. Für gute Speisen und Getränke ist bestens gesorgt. 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Feiertag), nachin. 4 Uhr, im Uokale des Herrn Fnald, Schönleinstrasse Xo. 6. ß? Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: I. Vereinsangelegeuheitein 2. Verschiedenes.— Nach der Versammlung: Gemiithliches Beisammensein mit Tanz. 84/7 Zahlreicher Besuch ist erwünscht. Der Borstand. Verband der in Holzbearbeitungs-Jabriken u.auf Mzplätzen besch. Arbeiter Deutschlands General-Versammlung"WW am itt. nnd 19. Slpril(Oster- Feiertage), vormittags 9 Uhr, bei IViihe, Nndreasstraste 26. Nichtmitgliedcr haben keinen Zutritt; für Mitglieder legitiniirt das � Mitgliedsbuch. Am I. Oster-Fei er tag, abends 8 Uhr, bei Wilke, mr Muterhalkungs-Nbvnv"WD für Mitglieder und deren Angehörige. 82/10 Entrce frei._ Pas Komitee. Verband der Bau-, Erd- und gewerblichen Hilfsarbeiter Zahlstelle Schöneberg. Sonntag, den 18. April 1897, nachmittags U/z Uhr,-WE in Obst's Salon, Grunewaldstrape 110; Mitglieder-Versammlung. Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ersucht 2S/7 Der Vorstand: Heinrich Band, Bevollmächtigter. VerbNd her Mübcholim. Die Versammlung im Osten fällt wegen der Feiertage aus. Die Kassircr sind morgen Abend von 6—8 Uhr in den Zahlstellen anwesend. Urania-Billets sind noch einige bei H. Schulz, Memelerstr. 60a, zu haben. Die Kollegen werden ersucht, betreffs Abstempelung der Billets ihr Mit- gliedsbuch mitzubringen und§ 7 Abs. 1 und Z 8 unter a zu beachten. 146/20._ Per Vorstand. Aiiitmig! �nher. Allitung! Das Bureau Grenadlerstraße 33 ist am 1. und 2. Osterfeiertag der Provinzial-Konscrenz wegen geschlossen. Die Kollegen werden ersucht, Ihre Beiträge am Sonnabend oder 3. Feiertag zu entrichtm. Aus den: B-iu Kantstraße CbllrlSlltNbUrgtt GtsllllgNl� haben die Jnnenputzer die Arbeit von: Rathsnraurernwister Herm Krebs ebenfalls übernommen, der Putzmeistcr Uangnick ist nicht betheiligt. Bei dem Bau Straße 18, Charlottenbnrg, muß es statt S ch ä h l e r Leblller Ms Danbow h-iß-». 280/1 Die Lohnkommission der Pnher Berlins nnd Umgegend l! Männer und Frauen. Ww! Grotze öffentliche Versammlung Für EMännei* und Frauen am Montag, de» 19. April(2. Osterfeiertag) nachm. U/a Uhr, im Lokale Alexanderstr. 27c bei Hoffmann. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über:„Die Eroberung des Nordpols". Refer.: Dr. Joöl. 2. Diskussion. 129/16 Nach der Versammlung: Geselliges Beisammensein mit Tanz, arrangirt vom Uerew z. Wahrung der Interessen der Maurer Heriins nnd Umgegend. Billets inkl. Tanz 2ö Pf.— Billets sind bei sämmtlichen Vorstands- Mitgliedern zu haben.— Zu zahlreichen: Besuch ladet ein Der Einbernfer: Albert Sehaeht, Georgenkirchstr. 52. Achtung, Friedrichslelde! Donnerstag, den 22. April 1897, abends SV- Uhr, im Lokal des Herrn Sehni«, Prinzen-Allee Nr. 6; Generalversammlung des Arbeiter-Bildungsvereins. Tages-Ordnung: Vortrag. Diskusston. Vorstandswahl. Verschiedenes. 263/13 Per Vorstand. Wedding-Park MNerstraße 178. Am WMng-M. RiugW-Mm. In dem 3000 Personen fastenden, neueingerichteten Garten mit schönen Lauben: Am 1. und». Oster-Feiertag: At!S�tS ausgeführt von der Kapelle des Herrn Musikdirektors 4�.oeh. ZMA Anfang 4 Fhr."7WW Bei nngnnstiger Witterung ausreichender Schub vorhanden. Am 2. und 3. Feiertag- Crt'OSSer Ball. End�Uhw Verdeckte Sominerkegelbahnen. Franz. Billards. Volksbelustigungen aller Arten. Die Waffeeltür�v ist täglich geöffnet. «_ Wilhelm Trapp. V olksgarten Wer Weimaiin) Badstrasse 66. Kesnndbrnnnen. Pankstrasse 25. Telephon: Amt II Nr. 2136. Zur Eröffnung der Sommer- Saison: Am 1. und 2. Oster- Feiertag: Oai'ten-Konzert verbunden mit Theater- n. Spezialitätenvorstellung. Am 2. Feiertag: Grosser Fest-Ball. Kaffeeküche, Karouflcls, Rutschbahn, Schaukeln, Würfelbuden, Schieß- buden k.:c.— Mein Etablissement ist der Neuzeit entsprechend vollständig renovirt worden, so daß daffelbe dem geehrten Publikum einen angenehmen Aufenthalt bieten wird. 13308* Vereinen, Gesellschaften und Versammlungen empfehle die Besichtigung meines Etablistements. Dasselbe vergebe ich unter den amrehmbarsten Be- dingungen. Un: gütigen Zuspruch bittet_ Zernlk, Direktor. Abessiner-Brunneu für Feld und Garten, Sauger, Rohr, Gartenlaube, Stühle, Drahtzaun, Gelvebe, Stachel- draht, Laternen, Segeltuch, kl. Oesen, billig zu verkaufen. Carl Kaufs- mann, Grimmstr. 29, am Urban. Die Beleidigung, die ich gegen Frau Schandin ausgesprochen, nehme ich hiennit zurück und halte dieselbe für eine achtbare Frau. ch 1371b Frau Bnchholz. Lrts-KmkenW der Handschuhmacher und verw. Gewerbe Berlins. Sonntag, den 23. April, vormittags 10 Uhr, bei Babiel, Rosenthalerstr. 57: Ordentliche General- Versammlung Tagesordnung: 1. Bericht des Rendanten pro Rech- nungsjahr 1896. 2. Bericht der Revisoren über statt- gefundene Prüfung der Beläge pro 1896 und Decharge-Ertheilung. 3. Verschiedenes. Ans diese Versammlung werden die großjährigen männlichen Mitglieder sowie deren Herren Arbeitgeber auf- merksam gemacht und ersucht, zahl- reich und pünktlich zu erscheinen. Berlin, den 16. April 1897. Der Borstand. I.A.: Berth. Hollubarsch, Vorsitzender 13301' Fehrbellinerstr. 30. Nrts-KraM-Usse siir das keivttbederVttftttiguaHiioit Musikiilstrilmenten. General-Versammlnng. Sonnabend, den 24. April, abends S'/i Uhr, bei Babiel, Rosenthaler- straße 57. Tagesordnung: 1. Verlesung des Protokolls. 2. Jahresbericht für 1896. 3. Bericht der Revisoren. 4. Antrag des Vorstandes, betreffs Abänderung der K§ 10, 13 und 14 des Statuts. 283/16 3. Verschiedenes. Der Vorstand. Kfailheil-Uuterstiitzuiigs- und Begräbniss- Kasse der Lederzurichter Berlins. Sonntag, 25. April, vorm. Ilü/z Uhr, bei Feind, Weinstr. 11: 1339b General- V ersammln ng. Tagesordnung: 1. Rechnungslegung vom l. Quartal 1897. 2. Geschäftliches. >Der Vorstand. G. B u s s e. Lrtskrailkenkajstd.Zimv!erer- Gewerbes zu Berlin. General-Versammlung Sonntag, den 23. April 1897, Vor- mittags 10 Uhr, Grenadierstrabe 33 bei B u s k e. Tagesordnung: Abnahme der Jahresrechnung pro 1896. Erweiterung der Unterstützungs- dauer von 26 auf 39 Wochen, bezw. Abänderung der§§ 10 und 13 der Stat. sowie der diesbez. Nachträge. Gehaltsregelung. Verschiedenes. 1368b Der Vorstand: Rudolph, Vorsitz., Proskauerstr. 33. Bekanntmachung. Die ordentliche Gtlitt«l-Vttsamm>ii«s der Orts-Krankenkaffe für den Goverbebetrieb der Kanlleute, Handelslente und Apotheker findet statt am Dienstag, 27. April, 8l/z Uhr abends, in:„Louisenstädtischen Konzerthaus", Alte Jakobstraße 37. Tages-Ordnung: 1. Abnahme derJahresrechnuug 1896. 2. Definitive Festfftellung einer Ge- haltserhöhuua. 3. Wahl von 2 Vorstandsmitgliedern auf 3 Jahre und 1 Vorstands- nntgliede auf 2 Jahre seitens der Kaffenmitglieder. 90/13� Der Vorstand. Carl Barnewitz, Vorsitzender, Füstlierstr. 10. Carl P a p k e, Schriftführer, Holzinarktstr. 38. Butmacbar, Hutfournituren- und Filzwaaren- Verfertiger zn Berlin. Sonntag, den 23. April 1397, vormittags 10 Uhr, im Restaurant des Herrn A. Feind, MM- Weinstraße 11,"VE Ordentliche General- Versammlung her Lrts-KmkeuW wozu die Delegitten hiennit ein- geladen werden. Tages-Ordnung: a. in getrennter Versammlung: 1. Neuwahl des Gesammtvorstandes (3 Arbeitgeber u. 6 Arbeitnehmer). 1». in gemeinschaftl. VersamuUung: 2. Wahl der Revisoren zur Prüfung der Rechnungen pro 1896(ß 47, Abs. 1 der Statuten). 3. Antrag des Vorstandes auf Zah- lung des Krankengeldes für Feier- tage, welche in die Woche fallen. 4. Verschiedenes. Eintritt nur gegen Vorzeigung der Postkarte gestattet."HBU Der Vorstand. 15736 gez. H. Rieck, Vorsitzend., Anhallstr. 14. Ich wohne jetzt Königsberger- strasie 22 in der bisher von Herrn Pr. Scheycr innegehabten Wohnung. 140/19 Dr. Cohnheim. Neu! Reu! Mai-Rosen zur Maifeier! siebt ab A. Radtke, Berlin O �allisadenstr. 41. Vortheilh. f. Wieder». Ausserordentlich preiswerthe Offerte für Damen- Confection und Putz-JirtHjel, Abtheilnng für Damen-/ AMheilung für Costümes/ Abtheilung Confection./ Spezialfach der Firma/ stik Putz-Äl'tik.Gl. Damen-Jachels, 2,51). W./ Reinwollenes/ Samml-Rosen,....... 3 Pf., Sammel-Capes,■GSitof"4" 3,90./ JjJ|0Yjg| COStÜIll Arosse wol|ene Sloff-UDsen.� i 10 Pf. Sammel-Capes, in 14 /perlaigrelles.»�,,... dff., Moirde-Kragen,/ Stück 10,-, 12,-, 12,� /PerldeckeUr Hutgarnitur..... 10 Pf. Velour du Mord-Kragen,/ Einzelne /Veilchen, Dutzend......-... IPf. gearbeitet......... Stück//_' Damen- Mäntel, 9,00./ Loden- U. Cheviot-Röcke /Damen-Malrosenhöte...... 96 Pf., Damen-Capes, 6*™ lang,.... 1,45./ Slüc,{ � � 5 /Kinderhüte, stück 48 Pf. 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Auch die deutsche Berusszähluug vom Jahre 18SS weist als charakteristische Symptome der kapitalistischen Entwickclung einen starken Rückgang der landwirthschaftlich thätigen Bevölkerung gegenüber der in Handel und Industrie beschäftigte», innerhalb des Handels und der Industrie eine rapide Verminderung der wirthschastlich Selbständigen gegenüber den Unselb- ständigen, und endlich eine sehr bedeutende Zunahme der i n- d>i st r i e l l e n und kaufmännischen Frauen- arbeit während der kehlen dreizehn Jahre auf. Nach einer in de» Vierteljahrshefteu zur Statistik des Deutschen Reiches er- schiene»«»„Vorläufigen Mittheilnng" ist die Zahl der in der In- dustrie thätigen Männer in dem zwischen den beiden letzten Berufs- zählungcu von 1632 und Sb liegenden Zeitraum um 28 pCt., die Zahl der in der Industrie beschäftigten Frauen dagegen um fast 35 pCt. gestiegen. Noch markanter tritt die Verschiebung in den Handels- brauchen hervor. Während die Zahl der beschäftigte» Männer hier um 36 pCt. vermehrte, hat die der beschästigte» Frauen in einem mehr als doppelt so raschem Tempo, nämlich um 94 pCt. zugenommen. Dabei ist es charakteristisch, daß, wie in der gesammlen industriell und kaufmännisch thätigen Bevölkerung, so ganz besonders auch in dem weibliche» Theile derselben die Zahl der selbständig Thätigen gegenüber den Angestellten zurückgegangen ist. Während im Jahre 1882 die selbständig erwerbsthätigen Frauen i» Industrie und Handel an Zahl de» weiblichen Angestellten und Arbeiterinnen noch gleichstanden, machten diese im Jahr« 1895 bereits zwei Drittel der Gesammtzahl aus. Die Resultate der ganzen Bewegung treten in den absoluten Zahle» klar hervor: Es wurden im Jahre 1395 in der Industrie rund Ve Million weibliche Selbständige. 1 Million niederes weibliches Arbeitspersonal und 19 090 höheres, und im Handel 299 999 weibliche Selbständige, 334 999 niederes und 12 999 höheres weibliches Personal gezählt; es sind also rund 2,1 Millionen Frauen in Industrie und Handel thätig. Die Gründe, die sowohl auf feite des Arbeitsangebotes als der Arbcitsnachfrage auf die stetige Zunahme der weiblichen Erwerbs- thäligkeit hinwirken, sind oft genug erörtert. Die Unzulänglichkeit der männlichen Arbeitslöhne, die zu dem Unterhalt der Arbeiter- familie nicht hinreiche», erzwingt das Arbeitsangebot der weiblichen Familienglieder, und andererseits ist der wirthschastliche Rückhalt, den die arbeitende Frau durch den Erwerb des Mannes in der Familie hat, eine der Hauptbcdingnnge», die ein Herunterdrücken der weiblichen Löhne weit unter das zu wirtlich selbständiger Wirthschaktsführung erforderliche Maß erlauben. So wird die Frauenarbeit, welche die Unzulänglichkeit des männlichen Arbeits- lohnes heben soll, durch ihre Billigkeit in der Hand der Unternehmer ein mächtiges Konkurrenzmittel, die gesteigerten Lohnansprüche der männliche» Arbeiter in Schach zu hallen. Die Billigkeit des weib- lichen Arbeitsaugebotes wirkt stetig auf die Vergrößerung der weibliche» Arbeitsnachfrage hin und ebnet so dem wachsenden Zustrom der Frauen die Wege. Wo der Rückhalt an dem Lohneinkommen des Ehemannes oder der Eltern fehlt, langt der Erwerb der auf sich selbst gestellten Frau trotz nervenzerrüttender Ueberarbeit meist kaum zur lämmerlichste» Lebensfristnng hin. Der Mangel, der in der absoluten Existenz- Unsicherheit, in der stetigen Gefahr, außer Arbeit zu kommen, seine Ergänzung findet, drängt zu irgend einem Nebenerwerbe ans den ver- schiede»«» Formen der Prostitution. Die Ausbeutung wird zur Kupplerin, und ohnmächtig steht unsere christlich-kapitalistische Gesell- schaft, die von der Ausbeutung als ihrem eigensten Lebensprinzip nicht lassen kann, dieser furchtbaren, durch sie selbst geschaffenen Ver- kettung der Verhältnisse, deren Ungeheuerlichkeit durch kein Elend der Sklaverei übergipfelt iverden kann, gegenüber. Die Wiener Arbeiterinnen-Enquete des Vorjahres, deren Er- gebnisse jetzt in einem großen Band gesammelt vorliegen/) hat wieder einmal ein grelles Licht auf den Jammer der modernen proletarischen Frauenarbeit geworfen, auf die Verheerungen, welche die Konkurrenz in jenen ungeschützte» und unorganistrten Schichten erzengt. Das Wiener Elend, ist, wie der große Berliner Konfektionsarbeiter-Streik gezeigt hat, zugleich das Berliner, es ist ebenso, wie englische Erhebungen beweisen, das Londoner, das New- Horker, das Elend der moderne» großstädtischen Frauenarbeit über- Haupt. Formen und Einzelheiten weichen von einander ab, der Kern der Sache ist derselbe. Bezeichnenderweise war es nicht die Regierung, fondern private bürgerliche Kreise waren es, die zur Erforschung der Lohnverhältnisse der Wiener Arbeiterinnen eine aus Mitgliedern der verschiedensten Parteien lanch der sozialistischen) zusammengesetzte Kommission ins Leben riefen. I» 35 Sitzungen wurde» 269 sachverständige Ausknnslspersonen, dar- nuter 59 männliche, 181 weibliche Arbeiter und 29 Unternehmer be- fragt: insgesanunt Vertreter von 58 Branchen. Die Zahl der weib- tiche» Angestellten, Arbeiter und Tagelöhner in Wien beträgt 116 259; soweit es aber der beschränkte Rahmen einer Enquete überhaupt zu- läßt, dürsten die vor der Kommission gemachten Aussagen ein treffendes Bild von der Gesammtlage dieser Hunderttausend gebe». Was irgend geschehen konnte, um die größtmögliche Glaub- Würdigkeit der Aussagen sicher z» stellen, geschah. Durch täglich in der Presse erscheinende Berichte wurde das Publikum auf dem Lausende» erhalte» und Richtigstellunge», soweit solche etwa möglich waren, geradezu herausgefordert. Eine Reihe ') Die Arbeits« und Lebensverhältnisse der Wiener Lohnarbeiterinnen. Ergebnisse und steno- graphisches Protokoll der Enquete über die Frauenarbeit, abgehalten in Wien vom I.März bis 21. April 1396. Wien. Erste Wiener Volks- Buchhandlung 1897. 636 S. Preis 6 M. von Unternehmern meldeten sich denn auch zur Vernehmung, ohne daß indessen die Aussagen der Arbeiterinnen in irgend einem wesent- liehe» Punkt als übertrieben hätten widerlegt werden könne». Viel- mehr wurde, wie Dr. Schüller, eines der Kommissionsmitglieder, in seiner höchst interessanten Verarbeitung der Enquete- Ergebnisse(im Märzheft des„Archivs für soziale Gesetzgebung und Statistik") hervorhebt, bereils in den ersten Sitzungen die Beobachtung gemacht, daß die Arbeiterinnen ans falscher Scham meistentheils ihre Lage eher besser als schlechter darzustellen suchten. Als ungefährer durchschnittlicher Woche»verdienst gelernter Arbeiterinne» ergiebt sich bei einer Vergleichung der sehr mannigfaltigen und oft viel niedrigeren Lohnangaben nach Schüller ein Satz von 4 Gulden 89 Kreuzern, also von etwa 8 Mark, der bei den gegebenen Lebensmittel- und Wohnpreisen„zur n othdürftigsten Deckung der Nahrung, Kleidung und Wohnung einer alleinstehenden Wiener Arbeiterin ausreicht. Wen» sie niemanden unterstützen muß, sich überhaupt nie ein Vergnügen gönnt, nie eine Extra-Ausgabe macht, nie krank wird und dauernd ihre Arbeit behält, könnte sie eben noch auskommen." Aber auch diese kahle Möglichkeit löst sich in nichts auf, da gerade die vorzugsweise Frauen beschäftigenden Branchen, so vor allem die Bekleidungsindustrie, durchaus von der S a i s o n a r b e i t abhängen. Die hansindustrielle Form der Unternehmung, in welche die weib- liche Arbeit vor ollem hinströmt, vermag sich wie keine andere den Launen des Marktes, dem stoßiveise» Begehr und dem Nachlassen desselben anzupassen— auf Kosten der Arbeiter, die bald zur tollsten Ueberarbeit angestachelt, bald auf die Straße geworfen werden. Das Interesse, welches ein wirklicher Fabrilbetrieb dem Unternehmer aufzwingt, mit allen Kräften für die Kontinuität des Produktionsprozesses zu sorgen, weil bei einer Einstellung des Betriebes jede Verzinsung des großen in der Fabrik fest angelegten Kapitales aushört, dieses zwingende Interesse ist bei der Haus- indnstrie, die ohne Baulichkeiten und Maschinerie nur mit zirkulirendem Kapitale, bloßen Auslage» für Lohn und Stoffe, zu rechnen hat, nicht vorhanden. Hier kann, das ist nur einer der vielen schönen Züge dieser räuberffchste» aller kapitalistischen Ausbeutungsformen, tollste Ueberarbeit und absoluter Stillstand, beide gleich verhänguiß- voll für die Arbeitenden, je nach der Markllaune ohne Zinsen- vertust des Unternehmers bunt mit einander wechseln. So werde» die Frauen, die in der guten Saison unter Aufwand größler Er- sparungskünste sich mit ihrem Lohne vielleicht durchschlage» können, für ganze Monate ans das Pflaster geworfen. Auch von der Bekleidungsindustrie abgesehen, herrscht größte Unregelmäßigkeit der Beschäftigung gerade unter den un- qualifizirten weiblichen'Arbeitskräften. Auf sie als die schivächsten wird überall die wenigste Rücksicht genominen. Wie für die verschiedenste» Branchen durch die Kommission festgestellt wurde, ist ei» Arbeilsausfnll von Wochen und Monaten durchaus die Regel. Oft erfährt die Arbeiterin erst, wenn sie am Morgen ins Geschäft kommt, daß es für sie nichts zu thnn giebt. Sie mag dann sehen, wie sie auf einmal neue Arbeit findet, oder abivarlen. ob man im Laufe der nächsten Tage sie vielleicht im selbe» Geschäfte wieder braucheil kann! Wenn aber gearbeitet wird, in der Saison, kennt die A r b e i t s- zeit keine Grenze». In der Handschuhnäherei, berichtet Schüller nach der Enquete, wird oft die ganze Nacht durchgearbeitet, ebenso in der Stickerei und Blumenmacherei. In vielen Branchen wurden bei dringenden Aufträgen L9stn»dige Arbeitstage konstatirt, in vielen herrscht absolute Unregelmäßigkeit der Arbeits- dauer. Und nicht nur in de» Werkstätten werden beliebig Ueberftunden gemacht, die Arbeiterinnen sind, so fieberhaft treibt sie die Angst des Elends an, meist noch froh, wenn sie sich Nachtarbeit nach Haitse mitnehmen können. Und damit doch ja nicht die er- schöpften Kräfte durch langsameres Arbeiten sich etwa zum Schaden des Unternehmers oder Zwischenmeifters erholen können, herrscht durchgehends der grausame anpeitschende Zwang des Akkord- l o h n s y st e m s. Die Nahrung, die mit dem Lohne bestritten werden kann, ist die erbärmlichste und gänzlich ungeeignet, die durch Ueberarbeit zerstörten Kräfte irgendwie herzustellen.„Die Werkstätte", sagt ein Mädchen aus der Blumenmacher- und Federschmückerbranche ans. „lvird in der Mittagsstunde gesperrt. Die Arbeiterinnen gehen meist in die Volksküche oder die Volkskaffee's. Dort verzehren sie für nur 6 Kreuzer Kaffee und um 4 Kreuzer Brot. Die besser Sitmrtcn gehen in's Gasthaus, und es kaufen sich 2 zusammen 2 Suppe», 2 Gemüse und ein Fleisch. Das kostet für beide zusammen 49 Kreuzer. Das Frühstück zu Hause ist Kaffee, das Gabelfrühstück Brot... Bei einem Fabrikanten ist es Usus, daß die Arbeiter während der Saison in ein Kaffee gehen und dort arbeite», aber die Werkstätle wird gesperrt. Die Mädchen arbeiten in» Kaffeehause einen Theil der Nachtarbeit, damit sie an. Abend mehr nach Hanse mit- nehme» können." Mit geringen Abweichungen wiederholt sich überall dasselbe Bild, eine Raubwirthschaft der Kräfte, ei» künstliches Hinwegtäusche» des Magens über das fortwährende Hnngergesühl: „Wenn man eine Flasche Kaffee getrunken hat, sglanbt man, man sei satt und das ist die Hauptsache!" Die Wohnungsverhältnisse sind, wie man sich denken kann, entsprechend elend, am haarsträubendste» in der Ziegelbranche Man müßte den ganzen in seiner furchtbaren Einfachheit erschütternde» Bericht der Enquete darüber wiedergeben. Hier nur einige Stellen: „Wir wohnen', erklärte die zur Auskunst erschienene Ziegel- arbeiterin, zivei Fainilie»(zusammen 8 Leute) in einem Zimmer, das sechs Meter lang und vier Meter breit ist... Es trifft sich, daß eine Entbindung vorkommt, wo hübsch viel Familien beisammen sind. Wenn die Männer nur ein bischen Charakter haben, so bleiben sie nicht im Zimmer, sondern gehen hinaus. Die größeren Kinder weiß man schon hinanszubringen... Wir wohnen auf dem Boden. Gerade wie ein Bogelhäusel ist es gemacht... Irgend ein Vorhang, der das Zimmer zwischen den beiden Familien theilt, ist nicht da... Wenn ein Wind geht, regnet es auch bei uns hinein, es geht durch die Mauer durch, weil die nur einen halbe» Ziegel stark ist... In einem Ort sind 27 Personen, vier Familien, und dann sind noch ledige Burschen da, drei oder vier auf ein Bett." Die Gesundheitszustände sind, wie sie unter den elenden Verhältnissen nicht anders sein können. In der Krankenkasse der Buch- binder-, Kartonnage- und verwandter Branchen gab der Kassenvcrtreter an, daß von 1899—95 bei einem jährliche» Durchschnittsbestande von etwa 1899 weiblichen Kassenmitgliedern 121 Frauen in, Durchschnitts- alter von 22l/2 Jahren gestorben seien, und zwar von diesen an der Proletarierkrankheit, der Schwindsucht allein 91(!). Von der Zucker» bäckerbranche sagt ein männlicher Experte aus:„Die Schwindsucht ist eine Krankheit, die i» unserem Gewerbe allgemein ist, auch be» de» Männern." Auf die Anfrage, was wohl die Ursache sein mag:„Das dürste auf die ungenügende Ernährung zurückzuführen sein. Bei einzelne» Zweigen des Gewerbes dürsten noch_ andere Ursachen vorliegen. So sind die Arbeiterinnen in der Waffel- und Hohlhippenbranche einer Hitze von 49—45 Grad ausgesetzt" u. s. w. ii. s. w. Die schivaugercu Franc» arbeite» bis zu ihrer Eni- bindung weiter. Tod und Fehlgeburten, sowie Kindersterblichkeit dezimire» den Nachivnchs i» unerhörtem Maße. Während in dem reiche» ersten Wiener Gcmeindebezirk ans 879 Einwohner ein Todes- fall vor erreichten» ersten Lebensjahre komint, entfällt in den Ar- beiterbezirken bereits auf 76 und 71 Eiuivohner ein solcher Todesfall. Dabei ist in ganz Wie»»»ehr als ein Drittel aller Geburten unehelich. Mit der ökonomischen Ausbeutung geht die g e s ch l e ch t- liche, oft ganz direkt durch Lehrherren, Meister und Poliere, Hand in Hand.„Mancher Herr ist sehr anständig," erklärt z. B. eine Arbeiterin der Wäschevranche,„mein Lehrherr aber»var sehr»»- anständig. Sie stellen sehr oft Forderunge» an die Mädchen. Die Verhältnisse sind sehr»mcrsreuliche. Die Arbeiterinnen sind meist ledig. Uneheliche Kinder findet man oft bei solche» Ar- beitcrinnen." Ich kenne eine Federschmückerin, gab eine Expertin au, die in ander» Umständen ist; sie ist in Arbeit gekonnneu»lnd da hat ihr der Herr gesagt, ivei»» sie das thnt,»vird er ihr Arbeit geben. Das Loos der Lehrmädchen, die ganz der Willkür ihres Arbeitsherr» übergeben sind, ist noch un» vieles schrecklicher als das der bereits ausgelernten Arbeiterinnen. Hier kommt zum sonstigen Elend noch eine ausgesuchte Brutalität der Behaiid- lu»g Hinz».„Ich habe oft Schläge bekommen," erzählt die bereits zitirte Wäsche-Arbciteri» ans ihrer Lehrzeit,„daß ich ganz blau»var. Der Herr»var groß und stark. Er hat«in spanisches Rohr ge- habt. Das habe ich ein paar Mal versteckt. Dann hat er»uich mit dem Pfeifenrohr geschlagen." Das materielle Elend lähmt alle geistige Spannkraft. „Mit Ausnahme einiger»veniger machten alle Expertinnen, trotzdem die meisten noch ganz jung»varen, so berichtet der Augenzeuge Schüller, doch den Eindruck, als hätte sich vollständige Apathie ihrer bemächtigt.... Geistige Interessen sind so gut»vie gar keine vor- handen.... Nur in ganz vereinzelte»» Fällen»vurde irgend eine Lektüre festgestellt und auch da nur Klatschblätter»md Fünfkreuzer- Romane, sehr selten ordentliche Bücher oder ein Arbeiterblatt.... Von Interesse für öffentliche Angelegenheiten zeigten sie keine Spur. Nlir die»venigen Sozialdemokratinnen machten hiervoi» eine Ausnahme.... Nur»venige von den Expertinnen gehörten einer Organisation a» und der Umstand, daß sie sich ihrer Zugehörigkeit zu einen» Fachverein innner rühmten, als»väre dies et>vas ganz Hervorragendes, deutet schon darauf hin, daß in den Kreisen der arbeitenden Fraue» der Gedanke an eine»viderstandssähige Organisation»och lange nicht Wurzel ge- faßt hat." Von allen anderen Ursachen abgesehen, erklärt die Niedrigkeit der»veiblicken Löhne, die Zersplitterung durch die Hausindustrie »md die Masse gerade der»veiblichen, allezeit zur Verfügung stehenden Rescrve-Armee bereits zur genüge,»varum der gewerkschaftliche Zu- saininenschluß in den Schichten des»veiblichen Proletariats fast überall aus kann» unübersteigliche Hindernisse stößt. Das Elend er« zeugt die Ohnmacht und die Ohnmacht vereivigt das Elend. Auch die Staatsge»valt, solange sie nicht durch eine mächtige Arbeiterbeivegung gezivungen wird, sieht diesem fürchterlichen Schau- spiele unthätig zu. Der geringe Frauenschutz, der i» Oesterreich z. B. für die Fabrikarbeiterinnen durchsetzt worden ist, komint für die Hausindustrie, in der doch vor allein»veib- liche Arbeitskräfte thätig sind, in Forlsall. Es ist aber »venig Aussicht vorhanden, daß»nai» dieser Betriebs- form, die technisch eben so rückstälrdig»vie verhängnißvoll für die beschäftigten Arbeitskräfte ist, durch energische Schutzmaßregeln »vird zu Leibe gehe»»vollen. Im Gegentheil, man kann sagen, daß die Sozialpolitik der verschiedene» Staaten, indem sie die grenzen- lose Ausbeutung der Fabrikarbeiterschaft geivissen Schranken unter- »vark und dein Unternehmer ge>visse Laste» aufbürdete, geradezu eine Prämie ans die Einführung hansindustriellcr, von solchen Schranken und Lasten ganz oder fast ganz befreiter Hailsindustrien gesetzt hat. So schrieb seinerzeit der Berliner„Konfektionär":„Unter der neuen Fabrikorduung, unter der Last,»velche Unfall-, Alters- und Invalidenversicherung den Fabrikanten ausbürden,»verde» sich die Konfektionäre bedanken, de» Fabrikbetrieb einzuführen; jetzt e r I e n n t in a n d i e H n n s i» d u st r i e v i e l mehr a l s e i n e Wohlthal a», als früher". Die Enquete bestätigte nur, »vas in Deutschland die Fabrik- und Geiverbe-Jnspektoren-Berichte vielfach konstatirt haben, daß die Verlagsgcschäfte in Zunahme be- griffen sind und»vege» ihrer billigen Arbeitslöhne von den Unter- nehmern allgemein vorgezogen»verde». Nur die Einführung eines energischen Arbeiterschutzes in das Gebiet der Hausindnstric kann hier Halt gebieten und die ans Koste» von Menschenblut und-Fleisch künstlich gesteigerte Ausdehnung derselben zu guusten der technisch»veit überlegenen und günstigere Arbeitsbedingungen bietenden Fabrikbetriebsform einschränken. Auch so ist das,»vas der gegeinvärtige Staat gegen das Uebermaß des »veiblichen Arbeitselendes zu thn» vermag, nur ein Tropfen a>»f den heißen Stein.'; aber, anch dieses»venige zu thnn,»vird er sich im Namen der„Familie" und der„Arbeitssreiheit"»nit alle» Kräften »vehre». C. 8. besonders Ausbild. z. Polier durch erfahr. Praktiker mit Staatsprüfung. Lynarstr. 2, 2. ging. I. 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Sonnabend, den 17. April. Opernhaus. Keine Vorstellung. Schauspielhaus. Keine Vorstellung. Deutsches. Die versunkene Glocke. Berliner. Renaissance. Sessing. Toledad. Schiller. Bauenlehre.— Der ein- gebildete Kranke. Neues. Trilbi). Weste». Der Mann im Monde. Linde», Der Cognac-König. Dhalia. Heirath auf Probe. Zentral. Ein fideler Abend. Residenz. Ein angenehmer Gast. AfsodäS. Belle Sllliancc. Der Silberkönig. Rlexanderplah. Eine tolle Prinzeh. Ostend. Klein Geld. Friedrich- Wilhelmstädtisches. Keine Vorstellung. BoltS. Hopfenrath'S Erben. Apollo. Spezialitäten. Rmeriean. Lunipe- Gastspiel! Viktorin, der Sohn der Wildniß. Passage-Panoptikum. 33 Mädchen aus Samoa. Central-Theater. Alte tzsakoistr. 30. Dir. Rich. Schultz. Heute, Freitag: Geschlossen. Morgen, Sonnabend: Vorletzte VorAelloog. Eniil Thomas a. G. Leopold Deutsch a. G. Zum 71. Haie: Eilt fideler Adeltd. Burleske dramatische Revue in einem Borspiel und 3 Bildern v. I. Freund und W. Mannstädt. -Musik von Julius Einödshofer. Anfang 7y, Uhr. Sonntag: Letzte Borstellung der Saison. Zum letzten Male: Ein fideler Abend. Emil Thomas nnd Leopold Deutsch a. G. Thalia-Theater. (vormals Adolph Ernst-Theater). Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Heirath auf Probe. Posse mit Gesang in 3 Akten nach G. Gerö von B. Buchbinder und Fr. Reimer. Bearbeitet von Jean Kre». Gesangstexte von Gust. Görst Musik von Leopold Kuhn. acf Anfang 7Va Uhr.-atej Dcorgen u. folgende Tage: Hetrath ans Probe. Sonntag und Montag(Osterseier- �tage) nachinittags 3 Uhr: Frau Lieutenant. Bolks- Theater S4. Reichenberger> Straste St. Pferdebahnftation: Kottbuser Thor. Heute: Geschloffen. Morgen zum tl. Male: Mpftmath's Ertze». Bolksstück nrit Gesang in ö Bilden! von Heinrich Willen. Musik von G. Michaelis. 1. Bild: Weibcr-Regiment. 2. Bild: Ein Brauerball. 3. Bild: In der Aristokratie. 4. Bild: Wiedersehen in der Volks- kiiche. 6. Bild; Arbeit und Frieden. Anfang Wochentags 8 Uhr. Wy Sonntags 7 Uhr."ipB Oftend-Theater. Gr. Fraukfurterstr.132. Dir. E.Wcis, Heute: Geschloffen. Morgen: Zum letzten Male: a l e i n« e l d. Posse ultt Gesang in drei Akten von E. Pohl. Anfang 8 Uhr. Sonntag, nachmittags 3 Uhr, zu halben Kaffeupretsen: Berlin, wie es weint und lacht. Abends 8 Uhr Zum 1. Mal«: Aus der Millionen- stadt.(Novität.) Volksstück mit Ge- sang in b Akren von Fritz Schäfer. Well- Restaurant Tai'16t6* nnd SpealaU tüten- Theatop. Dresdenerstrafte 97. Nord und Süd! Liederspiel von Richard Thiele. Hauptrollen: KUthe Rioni«.— Walter Kröning. Rudolf Schauss.— Max Röwer. Otto Weadt. Im vorderen Saal täglich: Llp««»e« Xllostler rrei-ltovrerl. Aufaug:> Entree: Wochent. 8 Uhr. I Wochentags 20 Pf Sonntags 6 Uhr.| Sonntags 30 Pf. jllLSIitl' V»riete- n. Speulalltüten- Theater I. Rangen. Dresdenerftr. 52/53(Eitg-Paffage) Anuenstr. 42/43. Bornehmfter Fnmilienaufeuthalt. Direktion: Richard Winkler. Zum Ofierfefie: Gr. Extra- Fe«t-Vorstellung. O, bleib bei mirl Liederspiel in 1 Akt. Familie Barsikow. (4 Personen.) 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Osterfeiertag: Grosse Eest-Vorstellung des neu eugagirten Künstler-Personals. Tom Tanti. Zorado. Walter Bill. William u. Merry. Dähn u. Walde. Elise Coro. Leonard. Emst Mhne. Singspiel unter Mitwirkung von W i l h c l m F r ö b e l. ibebende Photographien von der Centenar- Feier. Endlich allein! An?- N-llung?Ühr. Entr--30Pf. Konzerthaus Sanssouci. Kottbuser Strasse 4a. An allen drei Osterfeievtagell Stettiner Sänger lMeyfel, Pietro. Britton, Steidl, Krone, Röhl, Schneider nnd Schräder). Anfang 7 Uhr. Sntree 50 Pf. Jeden Abend neues Urogramm! Apollo-Theater. Yriedrichstr. 218. Dir. I. Glück. Heute: Geschloffen. Morgen Austreten der S Sisters lerrisen. Der französischen Tänzer-Troupe Iivs Dario sowie der urkomischen Klowns Mb unü Zobb. Ferner: 15 hervorragende Kitttstkräfte. Zum Schluß der-MRf mit den Orignal-Aufnahnien der Centenar-Feier AM- und dem unverwüstlichen IWU Endlich nllein! Kaffeneröffnung«Vz Uhr. Ans. 7»/, Uhr. Schulz' Festsäle, vorm. Paster Xenc Kilnig- Strasse 7. Jeden Donnerstag: 892S* Damen- Krünschen. Jeden Sonntag: = Großer Ball.= Vereinszimmer. Saal für Versamm- lungen frei. Ed. Schulz, BastwirtH. Wwe. Kümpers Stehbierhalle, Treptow, Parkstrasten-Ecke.» 2. WahBkreis. Am Montag, den 10. April(2. Osterfeiertag), vormittags IN/, Uhr: 2 grosse Matinees. 1) Im Saal des Herrn Bickel, Hasenhaide Ko. 53—54. 2) Im Saal des Herrn Gossmann, Krenzbergstr. 48. Veranstaltet vom Töjililhemijkratischm Wilpereitl des t Wahlkreises ~ sangt ingsl igun- Fntree 29 Pf. unter gefälliger Mitwirkung der Gesangvereine„Kreuzberger Hamlvnie", „Froh-Hoffnung".„Freiheit",„Frühlingslust" und„Gerechtigkeit", sowie 238/1» einer Kapelle der„Freien Vereinigung der Zivil-Bemssmusiker". , rjgr Enti------ Um zahlreichen Besuch bittet Der Borstand. Achtung! Achtung! 4. Wahlkreis(Tiid-Ost). Sonntag, den 18. April(1. Osterfeiertag), im „Konzerthaus Sanssouci", Kottbilserstr. 4a: Hatiiiee veranstaltet von den Parteigettoffell des 4. Kreises unter gütiger Mitwirkung der bekannten Stettiner Säuger. Anfang 12 Uhr mittags.— Entree 30 Pf. Alles nähere sagt das Progranim.— Billets an den bekannten Stellen 216/3 Die Vertranenspersonen. Achtung! Achtung! VI. WaWkii-Sis. Am Montag, den 10. April(2. Osterfeiertag), im Harlenbad, Badstrafte Nr. 33-36: Grosse Matinee veranstaltet von den öfiisp des kesilMnliliitilg und der Roseuthliler Vorstadt mUer Mitwirkung verschiedener Gesangvereine und der hunloristtschen tZesellsehakt Strzelevrlez. Anfang 12 Uhr. Billets a 25 Pf. an den bekannten Stelle». 21S/1S Der Vertrauensmann. Neue freie Volksbühne. Sonntag, den 25. April, nachm. 21|a Uhr, im zritdnch-MhcimstiiW» istatlr, WußttKreßt Ii: Ltosnierstzolm. Schauspiel in vier Akten von Henrik Ibsen. 150/13 Die Berechtigungskarten sind bereits an den Zahlstellen zu haben. Kliem's Volksgarten 'Hasenhalde 1415. Hasenhaide 1415. Sonntag, den 18. April(1. Osterfeiertag): Grosses Vokal- u. Instrumental-Konzert und krnnilche Vovkvälge arrangirt vom Gesangverein Liedesfreihett I(Mitgl. des A.-S.-B.). Ansang abends 7 Uhr._[66/3]_ Programm 25 Ps. Schweizer'-Garten Am Kttnlgsthor. Am Frledrichshaln. �Feiertag*' 0»rteiI-K.01IZ©rt Extra h Vorstellung im gänzlich renovirtcn Saale. ihT Am 2. Mrtatl: Extra-Ball. Entree 3ö mmm Anfang 4Vi Ihr. KSÜ SiftmtitörniJorf, ssljdlildoUlluI(J.».: Em« l-Uhse) '" direkt am Wald gelegen, n. Schützenhaus Schattiger Garten, gr. Tanzsaal, Kaffeeküche, 2 Kegelbahnen, gr. Spielplätze. Vorzügl. Speisen u. Getränke zu soliden Preisen. Vereinen und Gesell- schafte« bestens cnipfohleu. Jede» Sonutag:«r. Ball. 1529g* Eröffnnngs-Rennen Halensee"*! 1. u. 2. Osterfeiertag| Nachmittags 4 Uhr. Biüet- Voi-verkauf: Leipzigerstr. 112, Kurfürsten- Damm 219. I :3 u © Gastwirtbschaftvon Glindenliayn Friedrichstrasse 2.[14638* WWW) Zimmer von 25—30 Personen. MBB Saal bis 80 Personen mit Piano.— Garten u. Kegelbahnen. B « «-• Naunynstr. 27 Henke's Salon, Naunynstr. 27. Sonntag, den 18. April(1. Osterfeiertag): Gr. Uokal-«. Instrumental-Konzert veranstaltet vom Vorhantl der Bau-, Erd- und gewerblichen Hilfsarbeiter (Zahlstelle Berlin) und dein Arbeiter-Gesangverein Vorwärts SO. Der etwaige Ueberschuß wird zu genreinnützige» Zwecken verwendet. Anfang 7 Uhr abends.— Programm 3» Pf. Nach 12 Uhr: Tan�. Herren, welche daran thctlvchmen, zahl« 30 Pf. nach. Um recht rege Betheiligung ersucht freundlich» 1531b Da« Comltd. Zentralverein der Böttcher. Sonntag, de» 18. April 1897(L Osterfeiertag). in der Berliner Ressource. Komma, idantcnstrafte 57: Gr. mtlfikaiWe Abeniinillerlialtuilg. Anfang O Uhr. Billet 25 Pfennig. Nach 12 Uhr: GvoHev Vall. IM- Herren, welche am Tanz theilnehmen, zahlen 5» Pfennig nach."MU 47/3'_ Der Borstand: H. Winter. AM«! Mxdorf. AMni! Montag, den 19. April(2. Osterfeiertag), in den Biktoria-Säle», Hermannstrafte 48—59: b Mnkineo ä arrangirt vom Sozialdemokratischen Verein„Vorwärts" unter Mitwirkung des Gesangvereins„Melodla"(Mitgl. des A.-S.-B.) AMreteil der Ntmtzmier Sä«n. Anfang vornntiags ll'/s Uhr. Anfang vormittags lU/z Uhr. Programme ä 39 Pf. sind bei sämmtliche» Vorstandsmitgliedern, sowie in den mit Plakaten belegten Handlungen zu haben. 232/14 Zu zahlreichem Besuch ladet ein_ Der Vorstand. Ostbahn�Park Rlldersdorferslrasse 71. llss" Am 1. und 2. Oster-Fciertag; AnlTahrten der MMm- u. TraseMtlstleritt koslta Calyerini, asflstirt vom Luftschiffer Qapt. Bchrends mit beut 750 000 Cbl. Gas fassenden Ballon'„Vorwärts".— Hierzu: Clrosses Konzert.— Hall.—„Dresdener Vogelwiese". KaiTccküche.— Konzert 4 Uhr.— Ausfahrt 6 Uhr._ Ctranrl.Reefaiiranf Friedrichshagen am Müggelsee,[* alrdDU ncSlaUl»Iii, zwischen Müggelschloft II. Ausffchtsthurm, mit neu erbauten groben Hallen, großem Tanzsaal, 2000 Pers. 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In diesem überaus großen Waareu-Eiu- kauf liegt das große Geheimuiß der billigen Preise, die wir auch für das Jahr 18S7 in Ansatz gebracht haben. Folgende Hypothesen sind geographisch und feuille- tonistisch interessant. Wenn die bei uns im Jahre 1896 eingegangenen Stoffe in voller Breite und ganzer Länge aneinander gelegt würden, so würden diese ungefähr von Berlin nach Hamburg reichen. Gehen wir von der Annahme aus, daß für jeden Anzug ein Durchschnittsmaß von�3 Metern 20 Zentimetern erforderlich wäre, so hätten wir das Ergebniß von etwa 90 000 Anzügen. Wollte nian aus der Meterzahl Hosen k 1 Meter 10 Zentimeter schneiden, so kämen etwa 280 000 Stück heraus. Bei Paletots oder Mäntel würden sich ungefähr 150 000, bei Knaben-Auzügen etwa'/�Million ergeben; sollte es sich gar um Westen handeln, so dürften sich V* Millionen herausschneiden lassen. Würden die Waaren dagegen in Streifen von 5 Zentimetern geschnitten werden, so ergeben diese bei Berechnung einer Durchschnitts- breite des Stoffes von 130 Zentimetern 3 703 266 Meter gleich 3703 Kilometer, eine Strecke, welche die größere Hälfte des Weges von Hamburg nach New-Aork darstellt (3675 Seemeilen) und welche z. B. die Entfernung von Berlin nach Athen um 1000 Kilometer übertrifft. Bon Berlin nach Athen sind 2705 Kilometer. Die Strecke von Berlin nach London(1067 Kilometer) oder von Berlin nach Paris(1069 Kilometer) wird mehr als dreimal, diejenige nach Rom(1696 Kilometer) mehr als zweimal übertroffen. Würde jedes Stück Waare mit einer Durchschnittslänge von 30 Metern berechnet, so könnte man zirka 9500 Stück zählen. Die durchschnittliche Höhe solcher Stücke beträgt 25 Zentimeter. Aufeinandergestellt ergeben 9500 Stücke die Höhe von 2375 Metern. Man denke sich dann den Berliner Rathhausthurm, dessen Höhe 94,2 Meter beträgt, 25 Mal übereinander gestellt, oder einen Berg 764 Meter höher als der Gipfel der S ch n e e k o p p e im Riesengebirge (16 U Meter über dem Meeresspiegel), etwa dreimal so hoch als der große Feldberg im Taunus, etwa noch ein- mal so hoch als der Vesuv bei Neapel, der 1297 Meter hoch ist. Würde man endlich lauter Tuchenden oder Tuch« ränder in einer Breite von 1 Zentimeter machen, dann hätte man 18 516 330 Meter gleich 18 516 Kilometer, eine Strecke von hier bis Aokohama, eine Fahrt, zu der die Deutsche Dampfschifffahrts-Rhederei 61 Tage nöthig hat(ll 755 Seemeilen). Geschäftshäuser Beer Sohn Fabrikation von Herreu- und Kuabeu-Bekleiduug 24 a Chansseestrasse 24 a, 11 Brttckenstrasse 11, 16 Gr. Frankfnrterstr. 16, zwischen Jiitmlidenstrasic Ecke Rungestraüe schrägüber und Friedrich Wilhelmstädt. 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Obwohl dieselbe immerhin einen gewissen Fortschritt bedeute, sei sie doch nicht �'iserntesten geeignet, den Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit aufzuheben und die Ausbeutung der Arbeiter durch den »apitallsmus zu beseitigen. Der Redner begründete diesen Gedanken ausführlich an der Hand unserer sogenaiinten Sozialgesetzgebung und wies nach, warum eine wirkliche Sozialreforni sich im heutigen, vom Kapitalismus beherrschten Staat nicht durchführen lasse. Eine Sozialreform, die dem Kapitalismus nicht zu Leibe geht, sei ein Un- bing. Die einzige Partei, welche Sozialreform erstrebt, die Sozialdemo« kralle, hafo die Aufgabe, die Opfer des Kapitalismus für sich zu gewinnen, damit sie so stark werde, um auf die Gesetzgebung einen mapgebenden Einfluß zu gewinnen. Bis dahin sei alle Sozialreform nur Schein. Der nahezu N/z stündige Vortrag wurde mit großem Beisall aufgenommen. Als erster Diskussionsredner trat ein den Berliner Versammlungsbesncheru hinlänglich bekannter freisinniger Koususionär namens Bormas auf. ein Man», der sich seit Jahren nicht nur bei seinen Gegnern, sondern auch i» Ver- sammlungen feiner Freunde lächerlich zu machen pflegt. Rachde», er zunächst der Monarchie im allgemeinen und den Hohenzollern im besonderen seine Reverenz gemacht hatte, erregte er die Heiterkeit der Versammlung durch seine mit un- freiivilliger Sfomik vorgetragenen Salbadereien, welche auss neue bewiesen, daß der Herr es nicht lassen kann, über Dinge zu rede», von denen er nicht das geringste versteht. Hierauf nahm Genosse Liebknecht das Wort zu einer längeren Erwiderung, indem er gegenüber den gegnerischen Entstellungen ein richtiges Bild von den sozialdemokratischen Bestrebungen in großen Zügen entivarf. Nach- dem ein junger Mann sich gegen Bormas persönlich gewandt hatte, trat der national-soziale Lithograph Tische ndörser auf, um die von seinem Herrn und Meister Naumann schon vor längerer Zeit vorgetragenen Anschauungen zum besten zu geben, welche dahin gehen, daß in den letzten 12 Jahren in Deutschland daran wären, daß es mit der Sozialreform nicht weiter gegangen sei. Zum Schluß nahm Genosse Liebknecht nochmals das Wort. Er vertrat gegenüber dem Vorredner den Staudpunkt der Sozial- demokratie und legte die Gründe dar. weshalb die Arbeiter mit Siecht mißtrauisch sind gegenüber de» Verheißungen, die ihnen„von oben" gemacht würde». National-sozial sein, das heißt, daß man hübsch mit dem Kapitalismus gehe, die Militär- und Marineforde- v» ngen bewillige, und den Arbeitern die kümmerlichen Brocken klein- licher, spießbürgerlicher Resörmchen biete. Die Sozialdemokratie gehe weder ans den Leim der Christlich-Sozialen, noch ans den der Nalional-Sozialen; das sei alles„ein und dieselbe Kouleur in Grün". Redner kam noch auf den Artikel Naumann'? zu sprechen, der sein — Liebknecht's—„Ende" ankündige.„Die Herren mögen sich ge- dulden. Der Appell an den Chauvinismus versängt nicht bei den deutschen Arbeitern. Sie haben begriffen, daß nur im inter- nationalen Sozialismus der Sieg ist, und sie lassen sich durch konfuse Charlatane so wenig wie durch berechnende Streber von ihrem Programm und ihrer Taktik abbringen, die sich im geistigen und politischen Kamps so trefflich bewährt haben. Die Arbeiter- klaffe nimmt jeden in ihre Reihen, der ehrlich mitkämpfen will, aber sie weist jeden zurück, der eine besondere Partei gründen will, und sie weiß, daß sie im stände ist, alle anderen Klassen und Parteien zu überwinden, und daß sie nur dann stark ist, wenn sie, einig und geschlossen, auf sich selber allein vertraut." Die Ver- fammlung begrüßte auch diese Ausführungen mit lebhaftem Beifall und ging dann mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie aus- einander. Uebrr die Arbcitölofigkeit in der Steiniudustrie debattirte am Donnerstag Vormittag eine nur schwach besuchte öffentliche Steinarbeiter- Versammlung im„Englischen Garten", in der M i t s ch k c das einleitende Referat übernommen hatte. Redner schildert das momentan grassirende Submissionswescn. die mit diesem verbundene Schmutzkonkurrenz, auf grund welcher die Unternehmer den übergrößten Theil der Sleinarbeiten in und an den Stein- brüchen auf dem platten Lande durch bedeutend billigere Arbeitskräfte verrichten lassen. An der Hand einer lokalen Statistik, an der sich von 550 Sleinarbeiter» 320 betheiligten, unterbreitet er, daß deren Fazit einen Jahresdurchschnittslohn von 1233,90 M. und eine Zeit der Arbeitslosigkeit von 12Ve Wochen pro Jahr ergebe. Jedoch sei das Bild in beiden Theilen ein viel zu rosiges, indem die Nichtorganisirten sich der Enquete fernhielten, die bekanntlich sehr oft unter dem Tarif arbeiten, des weiteren auch infolge ihrer Leistungen sehr häufig arbeitslos werden. Sei auch die Arbeitslosigkeit nicht auszurotten, so doch in vielen Theilen zu lindern, wen» alle Kollegen ihre Hand hierzu bieten. Genosse Keßler ergänzt in einigen Punkten die Ausführunge» des Vor- redners, dabei bemerkend, daß die in den Brüchen hergestellte Arbeit nur Schundarbeit sei, wie der Reichstagsbau dies treffend be- wiesen. Die Stadt Berlin, die größte Bauunlernehinerin, sei ge- zwnngen, sich auf grund ihres Submissionswesens für schweres Geld„Schund" anschmieren zu lassen, indem vor allem die Rechnung des Unternehmers, alsdann die weiteren Faktoren in betracht kämen. Solle er(Keßler) jedoch den Arbeitslosen einen momentanen Rath geben, so heiße der: Reiset ab! Gewiß sei bei den kommunalen Behörden zu verlangen, alle Stein- arbeiten für kommunale Bauten in Berlin verfertigen zu lassen, ein augenblicklicher Erfolg sei jedoch ausgeschlossen. Nachdem ein weiterer Redner darauf hingewiesen, daß die in der Provinz angefertigte Arbeit keineswegs minderwerthig sei, nimmt die Versammlung eine Resolution an, in der sie gegen das Submissionswesen und die damit verbundene Schmutzkonknrrenz energisch protestirt und erklärt, daß diese Uebel allein auf die Theilnahmlosigkeit der Arbeiter an ihrer Organisation zurückzuführen sind; weiter verpflichte» sich die Anwesen- den, mit allen Kräften für Stärkung der Organisation Sorge zu tragen, um somit der Arbeitslosigkeit in etwas zu steuern. Schließlich wird eine dreigliedrige Kommission gewählt, deren Auf- gäbe ist, bei den kommunalen Behörden behufs Abstellung der aus- schlaggebenden Mängel vorstellig zu werde». Unter„Verschiedenes" werden eine Reihe Fälle unterbreitet, welche von der Arbeitslosigkeit der Steinarbeiter beredtes Zeugniß ablegen. Der Verband der Fabrik-, Land-, Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands hielt am Donnerstag, den 8. d. M., seine regelmäßige Mitglieder-Versammlung ab, in welcher Genosse Wagner über das Thema:„Volksbildung und Klassenbewußtsein" reserirte. Der Kassenbericht mußte bis zur nächsten Versammlung vertagt werden. Beschlossen wurde, daß jedes Mitglied, das am 1. Mai arbeiten muß, eine Maimarke von 25 Pf. zu entnehmen habe. Desgleichen soll in Zukunft jeden Monat 10 Pf. Extrasteuer erhoben werden. In Charlotteuburg soll demnächst eine Agitations-Versammlung abgehalten werden. Der Fachverein der Stellmacher hielt am II. April, Rosen- thalerftraße 57 seine Generalversammlung ab. Nach dem Bericht des Kassrrers, Kollegen N e u m a n n, stand einer Einnahme von 379,96 M. eine Ausgabe von 145,62 M. gegenüber; mithin blieb am Schlüsse des I. Quartals 1897 ein Bestand von 234,34 M. Dem Kassircr wnrde Decharge ertheilt. Darauf wurde das Andenken des verstorbenen Mitgliedes Heider durch Erheben von de» Sitzen geehrt. Nach dem Bericht des Kollegen K ö h n k e wurden in den Vorstand gewählt: Kö hnke als erster, I o s e f s k a als zweiter Vorsitzender, K r o n a g c l und Z o r n s d o r f zu Kassirern, Beyer und K r e p k a zu Schriftführern, Kindler, Tischer und Neu m a n n zu Revisoren. Darauf wurde noch einstimmig der Antrag angenommen, vom I. Mai bis 1. Oktober eine Extrasteuer von 20 Pf. pro Monat zu erheben.— Am zweiten Osterfeiertag wird Alexanderstr. 27 ein Vergnügen, verbunden mit Vortrag des Herrn Dr. Weyl über Volksernährung, stattfinden. Nachdem noch bekannt gegeben, daß der Arbeitsnachweis nach wie vor im Lokal zum Wagenbauer, Elsasserstraße 9, stallfindet, folgte Schluß der Ver- sammlung. Die Rabitzputzrr beschlossen in ihrer Versamniluug vom 14. April gegen zivei Stimmen, sich unter der Voraussetzung, daß sie eine besondere Abtheilnng(eigene Zahlstelle) bilden, sich dem Zentralverband der Maurer anzuschließen. In den provisorischen Vorstand wurden gewählt zum ersten Bevollmächtigten Niekc, zum Kassirer Müller und zum Schriftführer Sasse Zu der am zweiten und dritten Oster- Feiertag in Berlin, Grenadierstraße 33, stattfindenden Konferenz für die Provinz Brandenburg delegirle man König. Zum Schlußpunkt wurde berichtet, daß die Rabitzputzer a» vielen Stellen ebenfalls schon die neunstündige Arbeitszeit haben. Ihnen wurde vorge- schlagen, die Bauten nach Arbeitszeit und Lohn kontrolliren zu lassen, damit ihnen zu geeigneter Zeit Material zur Verfügung stehe. Die Nothwendigkeit einer Lohnbewegung liege vor, wäre jedoch bei dem Stande der Organisation»och nicht möglich; es gelte vorerst mit allem Eifer für die Organisation zu agitire». Auf Anfragen wurde mitgetheilt, daß der Beitrag 20 Pf. betragen würde, wofür der„Grundstein" gratis geliefert werde; ebenfalls müßten zur Ansammlung eines Fonds für nothwendig werdende örtliche Ausgaben 25 Pf. erhoben werden. Den bereits bei anderen Zahlstellen Eingetragenen wurde erklärt, daß deren Bücher Giltigkeit behielten und nur die Zahlstellen- nummer umgeändert werde. Zur Aufnahme in die neuzugründende Organisation hatten sich mittlerweile 40—50 Personen in die zirkulirenden Listen eingetragen. In Friedrichshageu tagte am 3. April eine öffentliche Maurer- Versammlung, in welcher Kollege Ii a b e- Berlin einen Vortrag zur „Hebung unserer wirthschafllichen Lage" hielt. Unter Verschiedenem wurde ei» Versammluugsbericht des„Vorwärts" betreffs des Rüders- dorfer Maurerstreiks verlese», wonach Friedrichshagener organisirte Kollegen in Rüdersdorf als Streikbrecher gearbeitet hätten. Eine vorläufige Untersuchung ergab, daß einige Kl.-Schönebecker Kollegen, welche allerdings der Zahlstelle Friedrichshagen angehören, sich dieses Vergehens schuldig gemacht haben. Die örtliche Verwaltung wird das weitere veranlassen. Andererseits wurde in der Versammlung auch festgestellt, daß dieser Fall von feiten der lokal organisirten Kollegen sehr aufgebauscht wäre. Bedauert wurde ferner, daß die Streikkommifsion von Rüdersdorf es nicht der Mühe werth hielt, dieses hierher zu berichte». Friedrichshageu. In einer Gemeindewähler-Verfammlung für alle drei Klassen, die am Sonnabend, den 10. April, im Eis- keller ta�te, erstattete unser Vertreter Genosse Sonnen bürg Bericht über seine Thätigkeit als Gemcindeverordneter. Von der gesammten Gemeindevertretung, die hierzu besonders eingeladen war, glänzten alle mit ihrer Abwesenheit. Genosse Sonnenburg erstattete in längeren Ausführungen Bericht über das verflossene Jahr, welches den Steuerzahlern besonders durch den beschloffrnen Kirchenbau verschiedene hunderttausend Mark aufbürdet. Redner führte seinen schon in der Gemeindevertretung geltendgemachten Standpunkt in allen anderen Fragen unter Zustimmung der Versammlung an, auch sprachen sich die Diskussionsredner in seinem Sinne ans, nur einer, der wohl nicht recht wußte, was er will, ein gewisser Herr Gurr, erging sich in konfusen Redensarten, er wurde jedoch vom Referenten wie auch von den Diskussionsrednern gründlich abgefertigt. Zum Schluß wurde eine Resolution, in der sich die Versammlung mit der Haltung des Genosse» Sonnen bürg als Gemeindevertreter ein- verstanden erklärt, einstimmig angenommen mit der Versicherung, bei der nächstjährigen Gemeindewahl noch ein paar Sozialdemokraten in die Gemeindevertretung zu wählen. Rixdorf. Die Zimmerer beschäftigten sich am Sonntag in ihrer öffentlichen Versammlung mit den Lohn- und Arbeits- Verhältnissen am Orte. Fischer- Berlin reserirte über das Er- gcbuiß der letzten staliftischen Aufnahmen. Von den in Rixdorf wohnenden Arbeitgebern zahlen 14 neben der neunstündigen Arbeits- zeit 55 Pf. Minimallohn, 9 Arbeitgeber zahlen Klassenlohn«nd bei zwei Arbeitgebern wird zehn Stunden gearbeitet. Die Zahl der im ganzen beschäftigten Zimmerer betrage 153. Die Zahl beweise, daß immer noch eine große Arbeitslosigkeit vor- Händen sei. Beyer- Rixdorf verbreitet sich eingehend über die Zu- stände a»f denjenigen Arbeitsstellen, wo Klassenlöhne gezahlt werden und stellt sest, daß dort nur immer wenige Zimmerleute beschäftigt sind, jedoch liege die Schuld nur an den betreffenden Arbeitern selbst. Da in der Versammlung auch einige dieser Kaineraden anwesend waren, entspann sich eine lebhafte Debatte, so daß die andern Punkte der Tagesordnung zurückgestellt werden mußte».% Arbeitev-Ktldüngskchul». Von Eonnlag, den es. April ad, ist die B t d l t o t h c k in der N o r d s ch u l c, B r u n n e n st r es, für die Mttiilteder a» folgende» Tagen geöffnet i T o n n l a g s, vormittags von 10— ze, Dienstags »nd Freitags, abends f»s— w Uhr. Mitgliedsbeiträge werden an diesen Tagen in der Nordschuls enlgegenae»»»»»«». ebenso in folgenden Zahlsieilen: (Bottfr. Schulz. Admiralstr. eoa; Schöning,»öpuickerstr.«»: Reul, Barntmstr.«a: Babtel, Roscnthalerftr. s?; Sleinert, Wütlerslr. 7a: Burghaufe, Putbuferstr. 32; Blanlcufeld, Stephansir. 20! Werner. Bülowsir. 59; Srube, Marlendorfersir. 5: Keßler, Junl-rstr. i; H. Königs, Dieffenbachstr.»o. Alle Zuschrtfte» sind an den Borsiscnden Paul Mücke jr., 60. Man- leustelslr. nn, Weldsendungen an den Kassirer H. König», L. Dieffenbachstr. so zu sende». ?>» L«j»I(»IIe der Arl>«iter-Kild»»g«tch»>e. Brunnensir. 25, ist wochentags von 0—9 Uhr, Sonntags von 4-9 Uhr, unenlgellitch für jedermann geöffnet; die A e s ch ä s I s st e l l e der Schule Brunnenstrabe 25, die den BereinS» vorstände» zur Vermittelung von Vorträge» wiffenschaftliche» Eharakler« zur Aersügung sieht, ist ebenfalls vo»«j- 9 Uhr nachmittags geöffnet. �rt>->i«r.pii»v»rb»»d Berlins und Umgegend. Boesthender Ad. Neumann, Pasewallerstr.». Alle Aendernngen t»> AerelnSlaiender sind z» richte» a» Friedrich kort» u>, Manlensfelstr. 49, v. 2 Tr. Kund der geseiiige» Arbriterurrein» Kerliu»»»> Umgegend. All- Znschrisie», den Bund beirefsend, sind zu richten an H. B e n d t l, Alerandrinen- straße loo. Allgenieiue Krnnli«»- ,»,d Kterdekasse der Metallardeiter, Filiale Berlin 3. Sonnabend, de» 17. April, abends sj; Uhr, MaiUcufselstr. 48: Mit- glteder-Bersammlung. lacqnes Rap Wochentags bis 10 Uhr«bcuvö gcöffuct. . Kaufhaus; 0. 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Warnung v ■ Bei Beginn der FrüHjaHrö-Saison ist es wiederum nöthig, das geehrte Pnbliluni darauf aufmerksam zu niachcn, stch nicht durch marktschreierische Reklame bekannter Herren- und Knaben-Garderobett-Geschäftc ine führen zu lassen. Trotz des„Gesetzes wider den unlauteren Wettbewerb- liest man doch in allen Stadtgegenden, besonders aber im„Südosten" nach wie vor Ankündtaunacii von„Ausverkäufen", die den Anschein erwecken sollen, als würde die Waare fast verschenkt. Jedoch ist es eine feststehende Thatsache, daß diese Anzeigen der sogenannten Masseu-Ausverkäufe wegen Aufgabe des Geschäftes tc." nur auf iE ü u f dl u n g b e sl Publikums berechnet smd und lediglich den Zweck verfolge»,„unter allen Umständen" Käufer anzulocken. Und leider" stndcn sich auch immer wieder- Leute, die auf derartige schwindelhafte Anpreisungen hineinfallen, um allerdings nach kurzer Zeit die trübe Erfahrung zu machen, daß sie die nur aus Ramschwaare bestehenden Gegenstände mit den: so„fabelhaft billig" erscheinenden Schleuderpreis noch viel zu theuer bezahlt haben. Wer sich aber vor>!-. ch a d c u h u ten wrll und aus wirklich reelle Bedienung Anspi-uch macht, meide solche Reklame- und Ansverkauf-Geschäfte nnd besorge sein- Einkäufe bei soliden Firmen; die Preise sind auch bter im eigenen Interesse so billig wie nur irgend möglich gestellt. Gestützt auf den langjährigen giiten stkuf meines Hauses- eine Folge der gewissenhaften Bedienung meiner weitverbreiteten Kuildschaft-, darf auch ich getrost mein Geschäft zu den bestrenoinmirtesten der Herren- und Knabcn-Garderoben-Braiiche am hiesigen Platze zählen. Die Besichtigung meines reichsortirten Lagers in fertigen Anzügen, Paletots, Mänteln-c. lst�auch Nlchtk«ii,er>i gern gestattet und bc,ondcrs jetzt nach Eingang der N e n h e i t e n s ü r d i e F r ii h j a h r s- u n d S o nl m e r s a i s o n jehr zu empsehlen. Einige der recht geschmackvollen Muster sind in meinen 5 g r o ß- n S ch a u s c n st e r n ausgestellt. D l e P r e, f e find streng fest, an jedem Gegenstand deutlich in Zahlen vermerkt und in anbetracht der vorzüglichen Q u a lt t at d er S t o ff« un db ess eren Aus süh ru n g billiger als wie sie die soaenminten Rellamegeschäfte zu biete» im stände siud. Anfertigungen nach Maaß werden in eigener Werkstatt und in kü rz est c r Z e it, wenn nöthig schon innerhalb 12 Stunden ausgesuhrt; für tadel- losen Sitz der Kleidiiiigssrücke leiste ich Garantie. Zwecks ungenirter Anprobe sind Ankleide-KabinetS vorhanden. Ich habe das Bewußtsei», auch den verwöhntesten Ansprüchen in jeder Weil- genüge» zu könne» und richte daher an daS geehrte Publiluu» das Ersuchen, bevor es seinen Bedarf aiidevweittg deckt, sich von der Wahrheit meiner Offerte zu überzeugen. Carl Zobel, MMN- uilil Kmben-Wdt«. so" KlrÄÄ8"'2,' Mch«. Beranlwortlicher vtedalteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Jnserateutheil verauttvorllich: Th. Glocke iu Berlin,»ruck und Verlag von Max«vading in Berlin.