Sinzigs unabhängige Tageszeitung Deutschlands Aas dem Inha lt (BciutUtg als tmiqcant Seite 2 Die Saae-QaeaHtien Seite 3 Der lüeg lue Zuumgsioictschaft Seite 4 'Jxankceichs JjtnenpolUik Seite 7 SHe befreiten Seisein fegers Jiampf gegen Hitlers(Barbarei ! L DaS System hat Frau Seger und ihre noch nicht zwei Jahre alte Tochter aus dem Konzentrationslager entlassen — nicht freiwillig, sondern gezwungen. Es hat beide, die Monatelang als Geiseln in Haft waren, nach England ab- geschoben. ES hat damit seine Furcht vor diesen beiden Zeugen seiner Brutalität, aber zugleich seine Verbrechen eingestanden. Die letzte Phase des Kampfes um die Be- freiung der Geiseln hat die Gewissenlosigkeit und Würde- tosigkeit des Systems noch besonders gezeigt. Als der eng- tische Politiker Lord L i st o w e l sich in Berlin bei der Neichsregierung nach dem Schicksal von Frau und Kind Seger erkundigte, erzählten ihm der R e i ch s j u st i z- Minister Gürtner und der Chef der Gestapo, Himmler, daß sie in Freiheit wären. Lord Listowel hat b i e Unwahrheit dieser Behauptungen an Ort und Stelle festgestellt. Die Weltpresse hat diese Feststellung wiedergegeben. Die Regierung des Herrn Hitler stand vor der Wahl, sich in der ganzen Welt öffentlich der Lüge zeihen SU lassen— oder zuzugestehen, daß sie nichts von dem weiß, was zwei Schnellzugsstunöen von Berlin geschieht. So ge- lang es der englischen konservativen Politikerin M r s. Täte, die Freilassung beider Geiseln durchzusetzen. Diese Freilassung ist keine Wiedergutmachung, sondern nur die Flucht vor weiteren Konsequenzen der Brutalität. Das System hat die Grenzen der Wirksamkeit des Terrors erfahren. Es hat den Feldzug um Oranienburg verloren. Das ist eine schwere Niederlage der Hitler, Göring und GöbbelS, ein Sieg der Menschlichkeit über den Geist der Ge- nalt. Es ist ber Beweis, daß dies System nicht zu den Systemen gerechnet werden kann, die in kultivierten Staaten bestehen. Hätte sich das System im Recht gefühlt— weder die Wcktempörung noch der Druck englischer konservativer Poli- tiker hätte ihm den Rückzug aufgezwungen! Aber vor ge- rechter Empörung weicht nur der zurück, der sich der eigenen Gemeinheit bewußt ist! Es haben viele Menschen an diesem Erfolg mitgewirkt, Sozialisten und Nichtsozialisten, Männer und Frauen aus allen Bevölkerungskreisen vieler Länder— alle getrieben von edler Entrüstung über die Vergewaltigung des Rechts und der Menschlichkeit. Hinter ihnen allen aber darf die Per- son des Mannes nicht zurücktreten, der in unermüdlicher Ar- beit das Weltgewissen wachgerüttelt hat, die Person Ger- hart Segers. Ein Mann hat den Kampf mit dem System auf- genommen. Er hat sich nicht zerbrechen lassen. Er hat Ver- bündete gesucht und gefunden, und er hat den Kampf ge- wonnen. Als Gerhart Seger. so schreibt der„Neue Vorwärts«. An- fang Dezember zu uns nach Prag kam unmittelbar aus bem Konzentrationslager Oranienburg— war""-cht ge- brachen und mutlos, sondern mit Aktivität««laden. Ihm war eö selbstverständlich, daß das System unerbittllch be- kämpft werden müsse. Ueber das, was ihm selbst geschehen nar. ging er mit jener Zurückhaltung h.nweg, dte viele intellektuelle Opfer des physischen Terrors»eigen. Es kam ihm auf die Sache, auf die obj-kt.o- B- chr-ibun^des Ter- rorsystems an. Er schrieb für den Verlag„Grapst,a sein Buch»Oranienburg«— ein furchtbares Zeugnis! Manche haben gefunden, daß es zu wenig pathetisch, zu wenig an- klägerisch in Worten sei— aber das war seine Stärke und erklärt seine Wirkung. Denn dieses Buch ist zu einem Feld- zug gegen das System geworden, der es moralisch er- schlittert hat. Das System hat dementiert. Es hat Seger beschimpft. Es hat eine Gegenschrift erscheinen lassen. Wer spricht noch von dieser Gegenschrift? Aber Segers Buch ist allein in Schweden in über 80 000 Exemplaren verkauft worden! Der Name „Oranienburg wurde zu einem Begriff. Die Brutali- tät griff zu einem letzten Mittel. Die Frau und das kleine Kind Segers wurden als Geiseln verhaftet und in einem Konzentrationslager interniert. Diese niedrige Tat schlug alle Ableugnungsversuche des Reichspropagandaministe- riums tot. Gerhart Seger kapitulierte nicht. Er ging nach Schweden und Dänemark. Er setzte den Kampf in Wort und Schrift fort. Er vertrat die allgemeine Sache der Menschlichkeit u>d ber Freiheit, er kämpfte zugleich um die Freiheit von Frau und Kind. Dieser Heroismus der Gesinnung steht turmhoch über dem, was im braunen Deutschland der brutalen Ge- walt Heroismus genannt wird! Vor zwei Monaten kam Seger nach England. zwei Monaten voll unerhörter Arbeit hat er der Stimme der Wahrheit und Gerechtigkeit Bahn gebrochen. Er hat in England 31 Vorträge geHalen. In London 2, in Londoner Vororten 6, in Acton, Alford, Battersea, Jsling- ton, Poplar: die übrigen Versammlungen waren in: Leebs, Heacham, Derby, Cambridge, Newport, Bedwas, Tre Tomas, Machon. Bristol, Swansea, Plymouth, Stoke on Trent, Warrington, Sheffield, Preston, Rotherham, Wrexham und Stafiord. Dabei ist zu bemerken, daß er in mehreren dieser Orte zweimal gesprochen hat, in öffentlicher Versammlung und in Delegiertenkonferenzen, ober vor ber Stadt- verorbnetenfraktion der LP., so z. B. in Sheffield, oder In einer nachmittags einberufenen Versammlung für Arbeits- lose, so in Rotherham und Warrington. Außerdem hat er im Unterhaus vor den Abgeordneten ber Labour Party beider Parlamente gesprochen. Außer der öffentlichen Tätigkeit hat er eine nichtösfent- liche in zahlreichen Unterredungen ausgeübt. Er sprach mit: Lord Robert Cecil, Lord Ponsonby, Sir Norman Angell, R. N. Brailsford, Major Attlee, Colone! Webgwood, Geossrey Mander M. P., Sir Edward Grigg, Lord Astor, Lady Astor, Mr. Fox, Leiter ber World Alliance of Churches, mit Vertretern des Ouäkerhauptquartiers und der Friedens- bewegung. Er hatte im Unterhaus Gelegenheit, vor sämt- lichen weiblichen Abgeordneten der konservativen und libe- ralen Partei und einigen männlichen konservativen Ab- geordneten drei Stunden lang Fragen zu beantworten. Die weiblichen Abgeordneten des Unterhauses waren am Diens- tag, dem 15. Mai, alle bei dem deutschen Botschafter v. Hoesch, der sie empfing und ihnen die Entlastung von Frau Seger als wahrscheinlich darstellte. Der Lordbischof von Cichester hat sich schriftlich an den Rcichsbischof Müller gewandt. Lord Ponsonby hat den Fall in seiner großen außenpolitischen Rede im Oberhaus behandelt. Der englische Kaplan der Botschaft in Berlin besuchte Frau Seger und kümmerte sich Gestern und Acute Wir haben jeßt eine Zeit, in der alles schlicht und würdig ist. Wenn Fahnenmeere über Prunkalfbauten wehen, wenn der„Führer" die gigantischen Müncher Parteibauten befiehlt, wenn jeden Sonntag ein Werbefest rauscht: es ist immer an Schlichtheit nicht zu übertreffen. Zumal deutsch sein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen tun. Diesen hohlen und überheblichen Sog hat Herr Goebbels in diesen Tagen Richard Wagner nachgesprochen. Der große Komponist stammte aus Leipzig. Seine Freunde haben oft erzählt, welche Gewalt er dem sächsischen Dialekt zu entlocken wußte, wenn er seine Götterdämmerung-Partitur singend begleitete. Kluge Leute im Ausland haben zuerst die Meinung vertreten, daß der Nationalsozialismus ein einziges Potpourri aus Wagner-Opern sei, mit Siegfrieds Schwert, Lindwürmern, Festwiesen und Waldvögelgesang. Wer genauer hinhört, vernimmt das unaufhörliche Hoitou-Ho der Wotanstöchter. Dies hat, von den wilden Gefühlen abgesehen, den Vorzug, das Knurren der Mägen zu übertönen. Jeßt wird fast jede Woche irgendwo in Deutschland ein Thingplaß gesucht. Thingpläße waren einmal altgermanische Kult- und Richtstätten, und es standen da die Recken lobe- baeren um nächtliche Lagefeuer und schlugen die Schilde gegeneinander. So etwas muß heute wiederkommen. Kommissionen suchen auf waldigen Höhen geeignete Pläßc, wo in Bälde„einer vieltausendköpfigen Menge hohe Erlebnisse im künstlerischen Gleichnis sichtbar gemacht und sich die Basis unserer Kultur weithin auf die Gesamtheit des Volkes verbreitern soll." Diesen Saß haben wir im Mannheimer„Hakenkreuzbanner" gefunden. Auf dem Heiligenberg bei Heidelberg wurde am vergangenen Mittwoch der Grundstein zu einer Thingstätte gelegt. Mit markigen Worten nahm der Reichsstatthalter Wagner die Weihe vor:„Der deutsche Liberalismus schuf Parlamente für Schwäßer, wir aber werden Stätten eines neuen Glaubens schaffen." Als Repräsentant dieses neuen Glaubens sprach als Vertreter der Reichstheaterkammer W. C. Gerst. Kennen wir uns nicht schon lange, Herr Gerst? Haben Sie nicht gegen Ende des Krieges dem Verba,.d zur Förderung deutscher Theaterkultur vorgestanden, der mit den lihertinistischen Marxisten zusammen das neue Volkstheater schaffen wollte? Haben Sie nicht später den christlich-katholischen Bühnenvolksbund gegründet, unter dem Segen der Bischöfe, gespeist von parlamentarischen Preußengeldern, die Ihnen die Zentrumsabgeordneten zu verschaffen wußten? Heute sißt Herr Gerst mit breiter gewordenem Gesäß auf Blut und Boden und erlebt die Verbundenheit der Rasse, damit„in fünfzig, hundert und tausenden von Jahren der Geist dieser Zeit, das Werk Adolf Hitlers zu allen Deutschen alle Zeilen sprechen soll." Auf seinen Passionswegen durch eine Reihe von Weltanschauungen hat Herr W. C. Gerst jeßt den Thingplaß erreicht, aber gewiß ist es noch nicht seine leßle Station. Auch in Ansbach gab es eine Thingplaßweihe. Es erschien, so erzählt die„Fränkische. Tageszeitung", der Frankenführer Streicher auf dem sonnenbestrahlten Plaß des unteren Marktes, umgeben von Menschen,„die einen Blick, oder wenn sie Glück haben sollten, ein Wort, vielleicht sogar einen Händedruck des Führers zu erlangen gedachten,"'Als er sich dann die Kultstätte betrachtete, kam„manch goldiger Humor zutage, manch Scherzwort flog hin und her." Dazu viele, viele Bilder. Auf einem legt der goldige Mann einem Christenknaben die Hand aufs Haupt, als wollte er ihn segnend vor einem Ritualmord beschüßen, denn er hat (wörtlich!) ein„junges, großes und gütiges Herz", der Schöpfer des„Stürmers". Bald werden wir seine ritterliche Gestak auf allen Thing- pläßen Frankens erblicken und bengalisches Feuer wird seine Glaße bespiegeln. Neulich sahen wir die Fotografie der Tagung einer schweizerischen Landsgemeinde. Die Bauern saßen auf harten Bänken, einer stand auf und sprach. Keine Musik, kein Drum und Dran, man hat seine Würde und seine Sicherheit in sich und auf dem Antliß geprägt. m Auf den deutschen Thingpläßen aber wird unter Fanfaren geschrien und getaumelt, um die Angst der Unfreien zu übertönen, die gezwungen werden, im festlichen Schauspiel ihrer Ketten zu spotten. Argus um sie. Unter dem Druck der allgemeinen Empörung kavi- tulierte schließlich das System. Der Reichspropagandaminister Goebbels liebt es von Versammlnngslawinen, von Propagandamaschincn zu sprechen. Er schwört auf die große Zahl, auf die Masse der Redner, auf die Millionen von Reichsmark, die er einleben kann. Er hat versucht, die Maschine einzusetzen, um den Feuerherd Oranienburg zu ersticken! Ein Mann hat die Maschine besiegt, der nichts für sich statte, als sein gutes Recht und die Stimme der Wahrheit. Er hat bewiesen daß die Brualität zurückweicht, wenn das Weltgewissen fick er" hebt! Das ist die große Lehre dieses Kampfes, de" ein Stück f cS Kampfes der deutschen SozuAdemokratie ist. Er ist ein« Mahnung zugleich an alle, die die Stimme ihres egenen- Gewsseus beschwichtig» haben wit der Resignation, daß gegenüber brutalem Terror da? Edle um Menschen wehrlbs sei! Der Fall Oranienburg ist zu chner schweren Niederlage des Systems geworden. Aber der Feldzug ist nicht zu Ende! Gerhart Seger wird nach Norwegen zu einer Versamm» lungsreise gehen, von Norwegen nueder nach England, von England nach den Vereinigten Stallten! Dieser Zeuge ist nicht zum Schweigen zu bringen— so wenig wie die Stimme der Wahrheit. Was Hilst die Macht eiiner totalen Diktatur, wenn das Heer derer, die sie verachten,Jns Gewaltige wächst! Nodi Immer! Frauen und Kinder im Konzentrationslager Wie uns von besonderer Seite mitgeteilt wird, sind noch immer Krauen und Kinder als Geisel festgehalten. So bc- finden sich die Frau und das einzige Kind des früheren thüringischen RegierungSrats und Bürgermeisters Worch in einem Konzentrationslager. Worch hat sich wegen seiner festen republikanischen und pazifistischen Haltung den Haß der Nationalsozialisten zugezogen. Er konnte sich vor ihrem Zugriff in Sicherheit bringen. Die Banditen haben dafür seine Frau und sein Kind ins Konzentrationslager gesperrt. 30 Jahre Ztuhlhans und Gefängnis Stettin, 2. fluni.(Jnpreß.) In Stettin verhandelte daS Berliner Kammergericht gegen IS Kommunisten aus Stettin und Umgebung. Wegen Vorbereitung zum Hoch- yerrat wurden verurteilt: G. Rehmer zu 3 Jahren Zucht- haus, Natt zu 2% Fahren Zuchthaus, Holtdorf zu 2 Jahren Zuchthaus, Labudde zu 1'/« Jahren Zuchthaus, Solomon. A. Nehmer und Schwenke! zu je einem Jahr Zuchtbaus, Schulz und Ploeger zu je Vit Jahren Zuchthaus, Neumann zu 1 Jahr Zuchthaus und 4 weitere Angeklagte zu Gefängnis- strafen bis zu Vit Jahren. Wegen Tprengstoffdiebstahls wurde ein kommunistischer Arbeiter zu 11 Jahren Zuchthaus verurteilt. * Nürnberg, 2. Juni.(Jnpreß.) Das Nürnberger Sonder- geeicht verurteilte zwei Angeklagte zu mehrmonatigen Gefängnisstrafen, weil sie behauptet hatten, der An- geklagte?ie b ig sei im. Walterbausener Mordprozeß nicht verurteilt worden, weil er SA.-Mann sei. * Am 12. Juni beginnt in Berlin gegen die Angeklagten Peter Stoll, Tally Ebstein und Hans Ziegler ein neuer Ho" Wessel-Prozeß. 65,ahriger wegen„Unsachlichkeit" ins Gefängnis Berlin, 2. Juni. Wegen„unsachlicher Aeutzerungen" über den neuen Berliner Bcrkehrstaris verurteilte das Berliner Amtsgericht den ööjährigen Willy Busse zueinemMonat Gefängnis. Museumsdirektor verhaftet Münster t. SB., 2. Juni. In Münster wurde der bisherige Direktor des Provinzialmuseums, Dr. Reichling, aus politischen Gründen in„Schutzhaft" genommen.. Kiesenrazzia in Schlesien Breslau, 2. Juni. Unter dem Borwand einer Verkehrs- kontrolle wurde in ganz Mittel- und Niederschlesien sowie in Breslau eine politischeGroßrazzia durchgeführt. Die „Schlesische Zeitung" berichtet darüber:„In den Provinz- städtcn und Landorten sind die gesamten Polizeibeamten und die Gendarmerie eingesetzt worden, während in Breslau mit 170 Beamten, Feldjägern und 220 SA.-Männern die 26 Aus- fallstraßen abgeriegelt wurden." Von der Polizei erpreßt Zwischenfall im Breslauer Massenprozeß Breslau. 8. Juni. Im Breslauer Masienprozeß gegen 110 Kommunisten kam es bei der ersten Vernehmung zu einem Zwischenfall. Ter Angeklagte Rochen hatte in der Voruntersuchung ein„volles Geständnis" abgelegt. Vor Ge- richt erklärte er sofort, baß er unschuldig sei und baß die „Geständnisse" ihm durch die Polizei erpreßt worden seien. Der Gerichtspräsident unterbrach den Angeklagten und er- klärte, daß„das Gericht solche Lügen nicht hören wolle". Der Aufstieg Berlin, 8. Juni. Der frühere Polizeipräsident von Stettin, Fritz Karl Engel, der im Anschluß an den bekannten Stettiner Prozeß wegen grausamster Gekangenenmitzhanb- langen seines Postens enthoben wurde, ist zum Leiter der Berliner Müllabfuhr berufen worde:. Stadtbad für Juden verschlossen Stuttgart, 2. Juni.(Jnpreß.) Das Stuttgarter Tageblatt" meldet:„Der Bruchsaler Stadtrat hat in seiner letzten Sitzung den Beschluß gefaßt, daß für Nichtarier der Besuch des städtischen Schwimm- und Sonnenbades verboten ist." Expemnenfferteid Genf Der neueste Versuch (DNB.) Paris, 8. Juni. Der Genfer Sonderberichterstatter deS„Excelsior" behauptet, daß in VvlkerbundSkreisen von der Vorbereitung zweier Pakte nach dem Muster der Balkan- pakte gesprochen werde. Der erste Pakt würde die Staaten Osteuropas, die Baltikumländer. Rußland und Polen und Deutschland umfassen, falls letztere einzutreten wünschten, der zweite die Mittelmecrländer Frankreich. Italien, falls dieses annehme, Südslawien. Bulgarien, Türkei und auch Sowjet- rußland. Ten neuen Abkommen würde das obligatorische Schiedsgerichtsversahren, die automatisch« Bestimmung des Angreifers und Garantien für gegenseitigen Beistand, falls ein Signatarstaat von dritten Mächten angegriffen werden sollte, zugrunde liegen. Die Pakte durften auch Militär- klauseln defensiver Art enthalten. jtnoiand ond kleine Entente bnb. London, 4. Juni. Eine Reutermelbung auS Genf be- sagt, eS seien am Sonntag Gerüchte in Umlauf gewesen, daß die Vertreter der Kleinen Entente und Sowjetrußlands am heutigen Montag über gegenseitige Anerkennung und Auf- nähme diplomatischer Beziehungen verhandeln würden. Ein Vertreter der Kleinen Entente habe aber am Abend erklärt, diese Erwartungen seien verfrüht. Die Verhandlungen mit Sowjetrußland hätten gute Fortschritte gewacht. Es gebe aber noch einige ungeregelte Punkte»wischen Sowjetruß- Heinrich Brüning als Emigrant Der ehemalige Reichskanzler flieht nah England Wie der Londoner Korrespondent des„Journal" meldet, ist der frühere Reichskanzler Dr. B r tt«i n g aus der Flucht vor den Nazis in England eingetrossen. Er hat sich damit der drohenden Verhaftung durch die Gestapo entzogen. Der Chef der Gestapo, der SS.-Reichssührer Himmler hatte seine Verhaftung angeordnet. Das Versprechen Dr. Brü- nings sollte in angeblichen„Manövern" gegen die Sicherheit des Hitlerregimes bestehen. Man nimmt an, daß die Ber- hastung im Zusammenhang steht mit der Zuspitzung des Konfliktes zwischen der katholische« Kirche und dem„dritten Reiche". Es ist bekannt, daß Brüning im Vatikan sehr angesehen war. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Flucht dieses Mannes der ausgesprochenen Zentrumsrechten von weittragenden Folgen begleitet sein wird. Schon einmal hatte man gegen Brüning gehetzt, weil er angeblich Oester» reich gegen Nazideutschland aufgeputscht haben sollte. * Der frühere Chef ber Reichstagsfraktion des Zentrums und spätere Reichskanzler ist seit dem Ausbruch des Hitlerschen BanditiSmuS in Deutschland ein gehetzter Mann. Er hatte zunächst Zuflucht in einem katholischen Kranken« haus gefunden. Dort wurde, insbesondere von national- sozialistischen Acrzten so gemein gegen ihn gehetzt, daß die Krankenhausverwaltung schließlich dem„Landesverräter" nahelegte, zu seiner eigenen Sicherheit das Haus zu ver- lassen. Er lebte dann bei Freunden in einem Berliner Borort. Immer wieder war er das Ziel von Drohungen. Nationalsozialistische Führer wie ber Pogromantisemit Kube, Oberpräsidcnt von Berlin, eröffneten eine neue Brüning- Hetze, wenn das Interesse ihrer Anhänger für den pro- skribierten Mann etwas zu erlahmen schien. Vor kurzem wurde ein Revolverattentat auf Brüning gemeldet, bei dem er glücklicherweise unverletzt geblieben ist. Nun scheint er sich endlich in Sicherheit gebracht zu haben. Wie uns dazu von katholischen Freunden des Reichs ge- schrieben wird, die von der Flucht Brünings noch nichts wußten, bewegt da« Schicksal des früheren Reichskanzlers die Katholiken und gerade die katholische Jugend sehr stark. Sein Ansehen ist nach wie vor groß, und die katholischen Gegner des barbarischen Systems setzen noch immer polt- tische Hoffnungen auf Dr. Brüning. 32 in Todessellen! Verhindert die Vollstreckung der Todesurteile in Denlsthland! 82 Menschen sitzen in Teutschland in den Todeszellen. Zum Tob verurteilt allein wegen ihrer politischen Gesinnung, we- gen ihrer Teilnahme an ber Antihitler-Bewegung, kann sie jeden Tag das Henkerbeil treffen. Die Informationen, die die Internationale Juristische Vereinigung durch eigene Beobachter und Berichterstatter über den Verlauf politischer Prozesse in Deutschland erhält, zeigen in erschreckender Weise, wie dort heute Todesurteile fabriziert werden. Im großen Hamburger Prozeß, im sogenannten Pr„etz gegen die Rote Marine, ist einiges Licht auf die Methoden de« Voruntersuchung gefallen. Einmütig berichteten die An- geklagten von schweren Mißhandlungen. Das Gericht konnte sich der Nachprüfung ihrer Angaben nicht entziehen, und der Vorsitzende stellte abschließend fest, daß sie in der Tat„euer- gisch befragt" worden seien. Der als Zeuge über die Be- Handlung in der Voruntersuchung gehörte Polizist erklärte wörtlich,„einige der Angeklagten seien nach geleistetem Widerstand geschlagen worden". Und auf Grund so entstan- dencr Aussagen fällte das Gericht 8 Todesurteile, wurden 4 junge Hamburger Arbeiter hingerichtet! Dasselbe Bild ergab sich am Ahe-Prozeß, in dem von 24 Beschuldigten nur 18 den Tag der Hauptverhandlung er- lebten, die anderen waren den Methoden der Voruntersu- chung erlegen. Alle belastenden Aussagen waren so ofsen- sichtlich unter furchtbaren Martern erpreßt, daß der Staats- anwalt sein Plaidoyer nicht zu beginnen wagte, ohne zuvor sich Instruktionen beim Justizminister geholt zu haben. Der Gang zum Justizministerium erst brachte ihm. was der Ver- lauf der Hauptverhandlung nicht vermocht hatte, die„Ueber- zeugung" von der wenigstens moralischen Schuld des Ange- klagten H ü t t i g bei. Die Anordnung de» Justizministeriums enthob zugleich das Gericht von der Verpflichtung, selb- ständig den Sachverhalt zu prüfen und unter eigener Ber- antwortung zu urteilen. Es fällte das verlangte Todesurteil. Der 25jährige Arbeiter Hüttig soll umgebracht werden, ob- wohl die Hauptverhandlung den vollen Beweis seiner Un- schuld erbracht hat! Nicht weniger ungeheuerlich ist da? Todesurteil gegen den Svjährigen Arbeiter Reitinger auS Frankfurt a. M. Sofort nach Bekanntwerden des Urteils im Ausland hat sich beim Pariser Sekretariat der Internationalen Juristischen Bereinigung ein Zeuge gemeldet, der die volle Unschuld des zum Tode Verurteilten dartut. In öffentlich beglaubigter, eidesstattlicher Erklärung hat der Zeuge bekundet, daß er selbst in Notwehr auf den später verstorbenen SA.-Mann Handwerk geschossen habe. Er erklärt wörtlich:„Ich stand ganz nahe bei Reitinger und kann mit Bestimmtheit sagen, daß er nicht geschossen hat." Diese Erklärung hat die I. I. B. unverzüglich der deutschen Gesandtschaft in Paris überreicht und um die Zusage gebeten, daß das Urteil gegen Rcitingcr nicht vollstreckt, der Prozeß vielmehr nochmals aufgerollt werde. Die I. I. B. ist bis heute ohne Antwort auf diese Eingabe. Nach wie vor ist R e i t i n g e r vom Tode bedroht. Er wie Hüttig wie 30 andere zum Tode Verurteilte können in aller Stille hingerichtet werden. Ihnen allen steht das Schicksal der 4 Hamburger Arbeiter bevor, die soeben erst an einem Tag mit dem Handbeil erschlagen wurden. Des- halb wendet sich die Internationale Juristische Vereinigung an die Oefsentlichkeit, an alle, die entschlossen sind: so furcht- bare Justizmorde nicht schweigend hinzunehmen. Alle haben die Pflicht, sich zwischen die unschuldig Verurteilten und ihre Henker zu stellen, das Leben junger, antifaschistischer Ar- beiter zu schützen. land und Rumänien einerseits und Sowsetrußland und Süd- slawien andererseits. Die ganze Angelegenheit werde bei der nächsten Konferenz der Länder der Kleinen Entente Ende dieses Monats erörtert werden. vle Innereien im Baltikum London» 8. Juni.(Jnsa.j Der Sonderberichterstatter deS „Daily Erpreß" berichtet aus Estland über die Pläne Teutschlands in den baltischen Ländern. Ein hochgestellter Beamter der estnischen Polizei erklärte dem Korrespondenten: „Das deutsche Außenamt leitet die faschistische Bewegung deS ganzen Baltikums— in Estland, Finnland, Lettland, Litauen und im Memelland. Tie estnische Polizei stellte fest, daß die Hauptagenten der deutscheu Nationalsozialisten die finnischen Lappo-Leute sind, die übrigens auch kürzlich bei der Organi- sierung der faschistischen Unruhen in Estland eine maßgebende Rolle spielten. Das Hauptzentrum, an dem aus der deutsche Faschismus diese Politik betreibt, ist Königsberg. Tort wurde eine besondere Schule geschaffen, auf der die saschisti- schen Agenten für die baltischen Länder ausgebildet werden. Dftf 1*11||| USA Die bedeutendste faschistische Organisation sind die„Baltischen^* Brüder". Ihr Hauptziel ist die Umwandlung der baltischen Staaten in deutsche Provinzen." Düren) untergebracht waren, luyr au? oer narr amanenoen Torfstraße in einer Kurve gegen ein Haus. Durch den An- prall zogen sich mehrere Personen lebensgefährliche Verletzungen zu. Bei drei Personen waren die Ver- letzungen so schwerer Nalur, daß sie bereit? an der Unglücks- stelle verstarben. Eine Frau starb wenige Stunden später im Krankenhaus in Münstereifel. Bei fünf weiteren Schwerverletzten besteht keine Lebensgefahr mehr. Wahnsinnstat einer Mutter Hain(Riesengebirge), 4. Juni. Tie 40jährige Gattin deS Ingenieurs Liebenow erschoß in ihrem Eigenheim ihre beiden 7 und 8 Jahre alten Töchter und daraus sich selbst mit der gleichen Pistole. Ihr Gatte war verreist und entdeckte die unselige Tat bei seiner Heimkehr am Sonntagfrüh. Ge- rüchte, an deren Wahrheit die Bedauernswerte fest geglaubt hatte, hatten der Frau jede Ueberlegung geraubt und sie am Leben verzweifeln lassen. Schweres Anfonnglhtk Drei Tote, viele Verletzte Am Samstag verunglückte in der Nähe des Gutshofes Mönchsbruck ein Autobus von Rüsselsheim. Die Insassen, 18 Arbeiter, die zum Schichtwechsel in die Opelwerke unter- wegs waren, wurden unter dem Wagen begraben. Drei Tote konnten aus den Trümmern geborgen werben. Einige Arbeiter erlitten Verletzungen schwerer Natur, andere kamen mit leichteren davon. Man nimmt an. daß der Wagen beim Ueberholen eines anderen Wagens die Richtung verlor und gegen einen Baum rannte. * Auch beim Nürburg-Rennen gab eS einen tötlichen Unfall. Beim Beginn flog an einer Kurve plötzlich ein blauer B u g a t t i durch die Luft und raste, sich mehrmals überschlagend, auf die gegenüberliegende Seite. Der Fahrer Franke flog aus dem Wagen und fiel auf die Fahrbahn, wo er gerade noch von herbeieilenden Leuten weggezogen werden konnte, denn im nächsten Augenblick brauste das Feld vorbei. Ter Fahrer hatte einen Schädelbruch erlitten und wurde in bewußtlosem Zustand ins Krankenhaus über- führt, wo er starb... * Münstereifel» 4. Juni. In den Abendstunden de? Sonn- tags ereignete sich in der Gemeinde Eichnerscheidt bei Münstereifel ein sehr schweres Autounglück. Sin auf der Rückfahrt vom Nürburgring befindlicher Lastkraft- wagen, auf dem etwa 25 Personen auS Birkesdorf(KreiS bnb. Neuyork, 4. Juni. Die am Sonntagabend auS- gegebenen Wetterberichte besagen, daß die lange Zeit der Trockenheit in verschiedenen Gebieten der Vereinigten Staaten beendet ist. In den Rocky Mountains waren leicht« Regensälle zu verzeichnen, und es wird weiterer Regen erwartet. In Nebraska sind'"»were Regeniälle und Hagel- schauer niedergegangen, die den Feldern schweren Schaden zugefügt haben. Auch a»S Indiana, Missouri und Illinois wird Regen gemeldet. In den von der Dürre besonders schwer betroffenen Gebieten waren am Sonntag die Kirchen überfüllt von Leuten die um Regen beteten. In den östlichen Staaten herrscht unverändert furchtbare Hitze. Millionen haben sich am Sonntag aus den Städten an» Seeufer oder aufs Land geflüchtet. Pas neueste Di« KriegSteilnehmerverbäude Frank, reichs haben am Sonntag eine Reihe von Tagungen ab» Schalten, wobei in den gehaltenen Reden und zahlreichen ntschließnnge« deutlich eine gewisse Spannung znm Aus- druck kam. Man rechnet für die nächsten Wochen mit einer erhöhten innerpolitischen Tätigkeit infolge ber wachsenden Unzufriedenheit der Lriegoteilnchmcrvcrbände. Di« beide« Jdrtssi-Scheichs, deren Auslieferung König Jbn Land in seinen Friedeuobediugungen gefordert hatte, sind jetzt dem Emir Feisal, dem Bizekönig von Mekka und Sohn Jbn Sauds, übergeben worden. Die Auslieferung der beide« Scheichs wird als Zeichen dafür betrachtet, daß der Jmam vom Jemen alle Bedingungen des Friedensvertrages zu erfülle« gedenkt? denn diese Bedingung war die schwerst«, da eS nach arabischen Ehrbegriffen eine Schande ist. Menschen, die Zuflucht gesucht haben, auszuliefern. Deufedi französische Saar„Garantien Die Vorbereitungen für den 13. Januar 1935 Die Garantie-Erklärung me Saar„tiniGonr ^idu A O dnb. Genf, 8. Juni 1934. Die Erklärungen der Außenminister Deutschlands«nd Sraurrelchs über die Garantien im«aargebiet find, wie t«5 e i?£' b ea} e. öem Vorsitzenden des Dreier-Ausschusses t»l die«aarabstimmung, Baron Aloisie, übergeben worden. Bon den gleichlautenden vereinbarten Garantieerklärun- gen. die sowohl der deutsche, wie der französische Außen- minister zur Abstimmung im Saargebiet dem Präsidenten oes Dreier-Ausschusses, Baron Aloisi, gegenüber abgegeben hat, hat d,e deutsche folgenden Wortlaut: Herr Präsident!* Mit Beziehung aus Ihr Schreiben vom t. Juni 1934 be- trefseud die Volksabstimmung im Saargebict, beehre ich mich Ihnen namens der deutschen Regierung folgendes mit« zuteilen: I. Die deutsche Regierung verpflichtet sich, unbeschadet der Bestimmungen des 8 89 der Anlage zu Artikel all des Ber- träges von Versailles ») sich jedes unmittelbaren oder mittelbare» Druckes zu enthalten, der die Freiheit und die Aufrichtigkeit der Stimmabgabe beeinträchtigen könnte; b) sich ebenso hinsichtlich der abstimmungsberechtigten Per- sonen jeder Verfolgung, Vergeltungsmaßnahmen oder Schlechterstellung wegen der politischen Haltung, die diese Personen während der Verwaltung durch den Völkerbund mit Beziehung aus den Gegenstand der Volksbefragung eingenommen haben, zu enthalten; ei die geeigneten Maßnahmen zu treffen, um jede diesen Verpflichtungen zuwiderlausende Handlung ihrer Staats, ungehörigen zu verhindern oder ihr Einhalt zu gebieten. II. Wenn ein Streit zwischen Deutschland und einem Mit« glied des Völkerbundsrates über die Auslegung oder An- wendung der in dieser Erklärung übernommenen Verpslich- tungcn entsteht, ist die deutsche Regierung damit einverstan- den, daß dieser Streit gemäß den Bestimmungen des Haager Abkommens zur friedlichen Erledigung internationaler Streitfälle vom 18. Oktober 1907 vor den Ständigen Schieds- gerichtshos gebracht wird, damit dieser über die Streitfrage «nd über die zu treffenden Maßnahmen entscheidet, unbe- schadet der Rechte des Bölkerbundsrates, gemäß der ihm an« vertrauten Ausgabe aus die Erfüllung dieser Verpflichtung«» zu achten. III. Außerdem ist die deutsche Regierung damit einverstande», daß für den Zeitraum eines Jahres, gerechnet von der Ein» sührung des endgültigen Regimes an, das Abstimmnngs» obergericht unter folgende» Bedingungen beibehalten wird: a) Jede im Saargebiet abstimmungsberechtigte Person kann beim Abstimmungsgericht Beschwerde einlegen, wenn sie wegen ihrer während der Verwaltung deS Gebiets durch den Völkerbund mit Beziehung aus den Gegenstand der Volksbefragung eingenommene politische Haltung einen Druck, eine Verfolgung, eine Vergeltungsmaßnahme oder eine Schlcchterstcllnng erlitten hat. Die Beschwerde wird nur zugelassen, wenn sie sich aus eine im Saargebiet be- gangene Handlung oder aus eine Entscheidung von Be» Hörden bezieht, die im Saargebiet oder in den Bezirken besteht, denen Teile dieses Gebietes angeschlossen find. b) Das Gericht ist zuständig über die Beschwerden zu ent- scheiden und alle Maßnahmen wegen angemessener Wie- dergutmachung, geldlicher oder sonstiger Art, anzuordnen; keine Entscheidung, selbst gerichtlicher Art, die unter die vorgenannten Bedingungen fällt, kann gegen die Entschei« dung des Abstimmungsgerichtes Geltung beanspruchen; es wenn eine Person, die im Saargebiet abstimmnngs« berechtigt ist, von einer Strafversolgungs- oder Berwal- tungsbehörde außerhalb des Gebietes verfolgt wird, kann sie unter denselben Bedingungen beim Abstimmungs» geeicht eine Entscheidung darüber beantragen, ob die Ber» solgung in Widerspruch zu der in dieser Erklärung über» nommenen Verpflichtung steht; die Bersolgung ist bis zu einer Entscheidung des Abstimmungsgerichtes auszusetzen und, wenn diese Entscheidung es mit sich bringt, einzn- stellen. Die deutsche Regierung vi pflichtet sich, alle Borkehrungen zu treffen, um die Ausissb' n-g der Entscheidungen zu sichern, die unter den vorstehenden festgelegten Bedingung«» er- gehen. Genehmigen Sie, Herr Präsident, die Versicherung meiner ausgezeichnete« Hochachtung gez. F>ei Herr v. Neurath. Hafliolisdie Saar-Opposition Beschluß: Status oiuo Saarbrücken, den 4. Juni.'* Die Festlegung des Abstimmungsdatums zwingt die gegen Hitlerdeutschland und den Nationalsozialismus ein- gestellten Kreise des Saargebietes zu einer Klarstellung ihrer Parole für den Abstimmungskampf. Sowohl die oppositionellen Katholiken wie die KP. des Saargebietes haben jetzt mit erfreulicher Deutlichkeit ihre Stellung im Abstimmungskampfe präzisiert. Die„Neue Saarpost", als unabhängige Zeitung für christliche und deutsche Kultur, gibt unter der Ueberschrift:„Für Wahrheit. Freiheit und Recht!".„Unser Kampf um die Saar" die Parole der gegen den Nationalsozialismus eingestellten Katholiken bekannt. Es heißt da: »Wir werden nicht aufhören, für die christliche, für die deutsche Saar zu kämpfen. Es ist nicht u«jere Schuld, daß sich heute wahres Deutsch- tum und wahres Christentum uur außerhalb der Reichs- grenzen frei entwickeln kann. Wir erklären: Wir haben mit einer Volksgemeinschaft die aus Zwang und Terror bc>ub!. nichts zu tun Und deS- halb wollen wir kämpfen für die Erhaltung eines wahren christlichen und deutschen Volkstums auf diesem letzten Zipfel freier deutscher Erde in der Westmark. Wir kämpfen gegen undeutschen Terror! Wir kämpfen gegen die Knechtung des arbeitenden deutschen Voltes! Dieser Kamps ist unmöglich, wo durch braunen Terror neues Heidentum mit Gewalt an die Stelle der Kirche ge- setzt wird, wo durch braunen Terror die Rechte der Arbeiter- schast und die Träger dieser Rechte, die Gewerkschaften, brutal zerschlagen wurden. Wir wehren uns gegen die Zumutung, in der heutigen Rcichsregierung das Vaterland, im Nationalsozialismus das deutsche Volk zu sehen. Wir wehren unS vor allem dagegen, daß diese vom christ- lichen und vom völkischen Standpunkt gleichermaßen bekla- genSwcrten Zustände aus unsere engere Heimat übergreifen. Noch«st die«aar christlich und deutsch! Damit sie dies auch in Zukunft wahrhast bleibe, können wir die national» sozialistischen Bestrebungen nicht unterstützen Darum müssen wir die Eingliederung des Saargebietes in das nationalsozialistische Dritte Reich ablehne». F:r christliches Deulschkum gegen brnunev Heidentum! Olfener Terror beginnt In Saarlouis kommt es zu schweren Ausschreitungen— völliges Versagen Oer Polizei Saarbrücken, den 4. Juni 1934. i Die„Volksstimme" berichtet: Die Bekanntgabe des Abstimmungstages löste im Saar- gebiet eine neue Terrorwelle aus. An Stelle des verdeckten Terrors trat der offene Terror. Aus allen Orten des Saar- gebietes, insbesondere auch aus Saarbrücken werden Be- lästigungen und Anpöbeleien der Mitglieder der Freiheits- front gemeldet. Insbesondere waren die weiblichen Mit- glieder der Freiheitsbewegung Belästigungen ausgesetzt. An einigen Orten des Saargebietes ist es am 2. Juni zu schweren Ausschreitungen gekommen Charakteristisch für diese Ausschreitungen war die völlige Nichtachtung der Ber- ordnung der Regierungskommission und das Versagen'er Polizeikräfte. * In Taarlouis traf am 2. Juni ein Autocar aus Stuttgart mit etwa 4i) deutschen Studenten ein. Offensichtlich handelte es sich um eine Gegendemonstration zu dem Besuche ber französischen Studenten aus Nancy. Entgegen dem Verbot der Regicrungskommission, veranstalteten diese reichsdeutschen Besucher eine Demonstration aus dem Markt.(sZ.würoe ftas Horst-Wessel-Lied und andere Lieder des„dritten Reiches" gesungen sowie das Lied„Siegreich woll'n wir Frankreich schlagen" In kurzer Zeit hatten sich viele Hunderte von Nationalsozialisten oersammelt, die eine verbotene Demonstration veranstalteten. Tie Polizei schritt nicht ein: die Polizei grüßte vielmehr die Teilnehmer mit dem Hitlergruß. — Die Demonstranten zogen vor die Gastwirtschatt des Herrn Nikolaus Sessel. Saarlouis. Karcherstraße. ber Hitler- gegner ist und die amtliche Fahne der Regierungskommission herausgehängt hatte. Gegen diese Fahne nahm die national- sozialistische Menge Stellung. Sessel versuchte der Menge gegenüber sein Verhalten zu rechtfertigen. Er wurde aber be- drängt, bedroht und ins Haus zurückgestoßen. Als er in der Notwehr eine Pistole zog— allerdings ohne den Versuch des Schiebens zu unternehmen—, wurde er von ber Polizei, die wiederum gegen die Demonstranten nicht vorgegangen war, verhaftet. Nachdem Sessel bereits verhaftet war und sich im Gewahrsam der Polizei befand, wurde er von den national- sozialistischen Demonstranten getreten und schwer mißhan- delt. Seinen Angreifern trat die Polizei nicht entgegen. Ein antihitlerischer Arbeiter Äußerte aus der Straße seinen Unwillen über die verbotene Demonstratio» und bekannte sich für den Status quo. Er wurde daraufhin von Anhängern der„deutschen Front" angegriffen, mißhandelt, blutig geschlagen und zu Boden geworfen. Di« Polizei schritt gegen die Angreiser nicht ein. An einem andern Hause in Saarlouis sKaserne, die von Privatleuten bewohnt wirds wurde ebenfalls gestern eine Fahne in den Farbe» der Regierungskommission gezeigt. Diese Fahne wurde von Nationalsozialiften mit Tinte be- schmiert, mit Lysol Übergossen. Gegen das Haus«nd die Fahne wurde von Nationalsozialiften lange Zeit demon» ftriert. ohne daß die Polizei dagegen einschritt. Die offene Auflehnung gegen die Regierungskommission zeigte sich gestern in Homburg unter der Leitung des Landes- illbrcrs der sogenannten„deutschen Front". Herrn Pirro und des Propagandachefs ber„deutschen Front", des ehe- maligen Gewerkschaftssekretärs Kiefer. Zu deren Rückkehr aus Genf wurde eine große verbotene politische Kundgebung in aller Oessentlichkcit veranstaltet auf ber Herr Kiefer sprach. Auch hier kam es zu schweren Drohungen gegen poli- tisch Andersdenkende Die Polizei schritt auch hier gegen die Demonstranten nicht ein. Alles dies ereignete sich am ersten Tage, nachdem der Ab- stimmungstermin im Saargebiet bekannt geworden war. Saarbrücken, den 4. Juni 1934. Hitlerdeutschland wollte unter allen Umständen ein Ab- stimmungsdatum haben— und darum schluckte es an Garan- tien alles, was von ihm verlangt wurde! Und es hätte noch mehr geschluckt, wenn mehr verlangt worden wäre; denn es brauchte unbedingt einen Termin, um die Zersetzung innerhalb der sogenannten„deutschen Front" des Saargc- bletes und die fortschreitende Desillusionicrung der ehemals Hitlerbegeisterten durch ein. komprimierte Zusammenfassung von Propaganda und smöglichst unterirdischem!) Terror auf rürzere Frist wieder wettm heu zu können. Das Hitler- regime hätte ein weiteres volles Jahr der Ernüchterung an der Saar nicht über st and c it. Darum wurden alle Völkerbundsratsvorschläge akzeptiert mit jenem für das Hakenkreuz selbstverständlichen Vorbehalt, den das Saar-Goebbels-Blättchen„Rufer im Warndt" un- vorsichtig genug war, auszusprechen: Deutschland kann alle Garantien geben, weil keine Gewalt und kein Gesetz der Welt die Antihttlerleute an ber Saar vor der Rache der Nazis schützen kann. Mit dürren Worten heißt das: Wir sagen a l l e s zu, aber wir halten g a r n i ch t s; denn Terror und Berg-waltigung sind die Grundlagen unserer Existenz! Das war die hinterhältige Rolle Hitlerdeutschlands, für die es jetzt nachträglich noch die dreiste Stirne ausbringt. Dank verlangen zu wollen. Es möchte nicht gern wahrhaben, wie sehr seine unfaire Rolle auch in Genf teilweise durch- schaut ist. Wenn aber trotzdem Gens diesem böswilligen Partner, der das Genfer Kollegium am 14. Oktober vorigen Jahres in arglistiger Weise verließ, in seiner jetzigen Entscheidung rest- loses und vollkommenes fair play gegeben hat. so gab es dafür seitens des Völkerbundsrates zwei Gründe: Einmal die absolute Vertragstreue, der er trotz der schwerwiegend- sten Bedenken durch Festsetzung der Abstimmung aus den theoretisch zuerst möglichen Zeitpunkt Ausdruck gab,— die allerdings das gleiche Vertragstreue Pendant in der Einbc- Haltung der übrigen Vertragsbestimmungen bezüglich der Abstimmung findet: Die Datumsersüllung des Völkerbunds» rates hat zur Boraussetzung die absolute Freiheit, Gc- hcimhaltung und Unbeeinslußbarkeit d«r Volksbefragung! Hic Rodos, hic salta! Ein anderes Mal war, wenigstens für einige Völ- kerbundsratsmächte, insbesondere für England, der schöne Kinderglaube nicht ohne Einfluß auf ihre Haltung, daß man Deutschland durch ein Entgegenkommen in der Saarsrage in den Völkerbund zurückführen könne. Dafür gibt es zwei- fellos noch probatere Mittel, so unter anderm die Erfüllung aller hitlerdeutschen Wünsche, endigend in der restlosen Gleichschaltung des Völkerbundes, den das braune System dann ebenso ruinieren würde, wie es unser Vaterland rui- niert hat. Die ersten, die dann den Völkerbund aus poli- tischen, weltanschaulichen, religiösen, rassischen oder anderen Gründen zu verlassen hätten, wären gerade die Wohlmei- nenbcn, denen Gott die Einfalt ihres Herzens erhalten möge und die manchmal gar nicht merken, wie sehr sie nur die vorgeschobenen Attrappen für schwerindustrielle Geschäfte sind. Ausschlaggebend aber war die politische Gesamt, konstellation, wie sie sich aus der Lage der Abrüstungskonie- renz ergab. Diejenigen, die wie F r a n k r e i ch, klar erkann- ten, welch wackliges Kartenhaus in der Saarkragc zusammen, geleimt wurde, glaubten zugleich außerstande zu sein, der jetzigen Genier Situation außer ihren Abrüstungskompli- kationen noch weitere Belastungen hinzufügen zu können. Die anderen aber, die immer noch die nackte Wahrheit sehen wollen, sondern sich gar zu gerne in bequemen Jllu- sionen wiegen möchten, träumten gar von einer Erleichte- rung der internationalen Beziehungen, wenn man denen, die aus der Saarfrage erst ein Problem gemacht haben, das sie aus eigener Schuld nicht mehr meistern können, goldene Brücken bauen, die sich eines Tages als die bekannten„Saar- sprungbretter nach Elsaß-Lothringen" des Herrn Staatsrat Simon erweisen könnten... Im übrigen ist in der Saarfrage in Gens enorm viel Kleinarbeit geleistet worden und schon in weniwn Wochen, wenn nicht bereits in einigen Tagen, dürfte auf den billigen Siegestaumel ber sogenannten„deutschen Front" der erste Frühreif sehr einschneidender Gesetzesmaßnahmen tauen, die die Morgengabe der Abstimmungskommisnon sind — ganz abgesehen davon, daß sie sich nur im ganz stillen Kämmerlein bereits einige Gedanken gemacht haben dürfte über den bekannten 8 89 und seine immensen Schwierigkci- ten nach der Abstimmung. Ganz gleich, wie sich die Mehr- heits- oder Minderheitsverhältnisse für die eine oder andere Seite bei der Abstimmung, falls sie zu dem ange- setzten Zeitpunkt aus technischen Gründen überhaupt statt- finden kann und auf Grund wirklicher und ehrlicher Ga- rantieerfüllungen stattfinden wird, lagern sollten- es werben im einen wie im andern Falle beträchtliche Ziffern sein, die sich einander gegenüber stehen, dank der Zerreißung unseres Volkes durch das Hakenkreuz und bann werden die sich daraus ergebenden Schwierigkeiten nach der Abftim- mung als ein weit schwierigeres und langwierigeres Pro- blem herausstellen, als die bis jetzt allein getroffenen und nicht einmal restlos endgültigen Entscheidungen über die Abstimmung. Und bei beiden werden wir, falls -* soweit kommen sollte, unfern Mann e s stehen! Doch davon demnächst mehr! tax B raun. Es sprechen alle Anzeichen dafür, daß sich in der nächsten Zeit der Terror gewaltig steigern wird. Wir möchten nicht verfehlen daraus hinzuweisen, daß wir nicht gewilligt sind, den gewaltsamen offenen Terror geduldig hinzunehmen. Fest steht, daß die saarländische Polizei gänzlich versagt. Die Nähe des Abstimmungsdatums scheint die völlige Unzuläng- lichkeit der saarländischen Polizeikräfte noch gesteigert zu haben. ES mangelt infolgedessen an jeglichem Schutz, der gegen die sogenannte„deutsche Front" eingestellten Bevölke- rung. Der Bölkerbundsrat wird über diese Wirkung der Festsetzung deS Abstimmungsdatums einigermaßen erstaunt sein. Dieses Erstaunen aber dürfte sich in der nächsten Zeit noch vertiefe». Dienstag, 5. Juni 1934 ARBEIT UMD WIRTSCHAFT „Deutsche Freiheit" Nr. 126 Der Weg in die Inflation Die Schulden der Reichsbahn— Schachts Befürchtungen Der Rechnungsahschi ußderReichsbahn für c.as Jahr 193.1 hat nicht nur im Auslande einen sehr ungünstigen Eindruck gemacht, sondern wird sogar von der gleichgeschalteten Presse mit Sorge betrachtet. Die Reichsbahn, die im Gegensatz zu anderen Bahnsystemen durch die Inflation von ihren Schulden befreit war, seit 1930 auch ihrer Repa- ralions Verpflichtungen ledig geworden ist, hat eine sehr ungünstige Entwicklung genommen. Der Fehlbetrag in der eigentlichen Betriebsreihnung beläuft sich nunmehr auf 136 Millionen Reichsmark und hat sich gegen das Vorjahr verdoppelt. Die Einnahmen sind mit 2921 Millionen(im Vorjahr 2934) um Prozent zurückgegangen und betragen nur mehr 45 Pi ozent der Einnahmen von 1929. Dagegen sind die Aus- gaben mit 3057 Millionen um 56 Millionen gegenüber dem \°rjahre gestiegen. Das Gesamtdefizit beträgt 385,6 (im Vorjahr 308,') Millionen und kann nur durch Heranziehung der legten Reserven und sonstige außerordentliche Einnahmen, wie Steuergutscheine und Valutagewinne, gedeckt werden. Aber ebensowenig wie heute der Etat ein wirkliches Bild des Staatshaushaltes liefert, so zeigt auch die Gewinn- und Verlustrechnung der Reichsbahn nicht das Entscheidende. Dieses ist das rapideAnwachsen derkurzfristi- gen Schulden um fast 500 Millionen auf 745 Millionen, die in diesem Jahre noch auf rund 860 Millionen ansteigen werden. Es handelt sich um sogenannte Wechsel, die für die Arbeitsbeschaffung ausgestellt werden und eine Laufzeit bis 1938, zum größten Teil sogar bis 1940 haben. Es ist diese kurzfristige Verschuldung, gegen die sich die Kritik der ausländischen Finanzpresse mit Recht richtet, da bei dem fortdauernden Defizit für dessen Deckung in Zukunft keine Reserven zur Verfügung stehen, nicht einzusehen ist, wie diese Wechsel eingelöst werden sollen. Andererseits ist der Zustand des deutschen Kapitalmarktes kein solcher, daß mit der Aufnahme einer langfristigen Fundierungs-Anleihe in absehbarer Zeit gerechnet werden könnte. Der Bericht selbst läßt erkennen, daß die Reichsbahnverwaltung gegen die beständige Erhöhung ihrer Ausgaben und die Schulden Wirtschaft schwere Bedenken trägt. Betont sie doch selbst, daß die Tarifermäßigungen, die für das Jahr einen Ausfall von etwa 175 Millionen ausmachen, wesentlich zur Ermöglichung des Rcgierungsprogramins eingeführt worden sind und daß aus demselben Grunde die betriebswirtschaftlich mögliche Ausgabeneinschränkung unterblieben ist. Die Arbeitsbeschaffung bat natürlich auch den spezifisch nationalsozialistischen Beigeschmack. Bei der zunehmenden Bedeutung des Automobils werden Eisenbahninvestitionen immer unrentabler und deshalb auch, abgesehen von Ausnahmefällen, vermieden. Die deutsche Reichsbahn dagegen baut z. B. gegenwärtig die Eisenbahnlinie Stuttgart— Schaffhausen in großzügiger Weise aus. In Horb und Rottweil werden große Bahnhöfe geschaffen. Die Rheinlinie Karlsruhe-Baden liegt im Feuerbereich der französischen Kanonen und deswegen wird eine strategische Linie neu geschaffen, die sowohl nach dem Main wie nach dem Schwarzwald und der Schweiz hin verwendbar sein wird. Man weiß ja auch, daß der Ausbau der Autostraßen, deren Planung der Reichsbahn übertragen worden ist, gleichfalls nicht nur rein zivilen Zwecken dient. Schon echte Inflation! Der rasch anwachsende Umlauf der Eifenbahnwechspl lenkt die. Aufmerksamkeit aufs neue darauf, daß ein wachsender Teil des deutchen Wechselumlaufs überhaupt nicht mehr aus echten, sich selbst liquidierenden Handelswechseln besteht, sondern aus staatlichen oder vom Staat garantierten Schuldscheinen von unbestimmbarer Lauffrist, die als solide Deckungsunterlage für Noten durchaus ungeeignet sind. Betrachtet man unter diesem Gesichtspunkt den Status der Reichsbank, so ergibt sich folgendes: Die 3461 Millionen Reichsbanknoten sind nur zu 4,8 Prozent mit Gold und Devisen gedeckt. 85 Prozent der Deckung bestehen aus Wechseln und 9 Prozent aus Effekten, hauptsächlich Steuergutscheinen. Von den Wechseln aber sind heute schon fast ein Drittel, etwa eine Milliarde, Arbeitsbeschaffungswechsel und zu diesen kommen noch unbekannte Beträge von Landwirtschaftswechseln, Krisenwechseln der Banken, Russenwechseln, alles mehr oder weniger langfristige und schwer liquidierbare Effekten, die von keiner Noten- bankgesetjgebung der Welt als echte Dcckungsgrundlage betrachtet werden. Da bis jetyt zwei Milliarden Arbeitsbeschaffung!!Wechsel ausgegeben worden sind, ist bereits die Hälfte der gesamten ausgegebenen Summe allein von der Reichsbank, das heißt also durch richtiggehende Inflation aufgebracht worden. Bis zum Herbst wird mit einer Vermehrung dieser Wechsel bis auf 2,5 Milliarden gerechnet. Dazu kämen dann noch rund 400 Millionen Reichsmark Autostraßen Wechsel, die aber vielleicht die angegebene Höhe nicht erreichen werden, da ja die Arbeitsbeschaffung infolge der bedrohlichen Devisenlage wohl bald eingeschränkt werden wird, und dann bis zum Jahresende noch die 860 Millionen Wechsel der Reichsbahn. Demgegenüber weist der Ausweis der Reichsbank ein verhältnismäßig langsames Ansteigen des Wechselbestandes aus, der heute nur um rund 200 Millionen Reichsmark den des Vorjahres übertrifft. Der Anteil der echten Handelswechsel wird also immer geringer. Auch der Notenumlauf weist nur eine Steigerung um 124 Millionen auf. Das letztere findet allerdings seine einfache Erklärung: , Ein Teil der neu eingestellten Arbeiter verdient vorläufig nicht viel mehr an Lohn als zuvor an Arbeitslosenunterstützung", schreibt die„Frankfurter Zeitung" und sie hätte hinzufügen müssen, daß auch die Löhne des größten Teils der anderen Arbeiter immer mehr auf dieses Niveau herabgedrückt werden. Das alles aber beweist, daß parallel mit der Vermehrung der Arbeitsbeschaffungswechsel keine Vermehrung der echten Handelswechsel vor sich gegangen, daß die Mehrbeschäftigung der Wirtschaft, so weit sie vorhanden ist, nur auf dem künstlichen Wege inflatorischer Finanzierung erfolgen müßte, sobald diese gestoppt würde. Das ist die große Gefahr, vor der das Regime jetzt steht. Die inflatorische Ausdehnung der Kaufkraft vermehrt die Einfuhr, wÄ. Trotz der schweren wirtschaftlichen Depression, die daS Leben der Bereinigten Staaten erschüttert, gibt es immer noch Menschen, die alles daran setzen, in das Land ihrer Sehnsucht, von dem sie noch immer die Prosperity erhoffen, zu gelangen. Menschen, die nichts mehr zu verlieren haben, versuchen immer wieder, von Mexiko aus die verbotene Grenze zu überschreiten. Aber die Grenze wird scharf be- wacht. Einzelgängern ist es fast unmöglich, herüberzukom- men, und da in Amerika auch die Verbrecherwelt vertrustet ist, gibt es einen großen Trust, der vom Menschenschmuggel lebt. Die Amerikawütigen werden zu ganzen Kolonnen zu- sammengesteckt, weil sich sonst die Unkosten nicht lohnen würden. Der Einsatz ist— das Leben, denn die amerikanische Grenzpolizei schießt scharf. Aber selbst die, die mit gesunden Knochen herüberkommen, stehen aller Mittel entblößt da. Die Schmuggler, die wissen, daß ihre Opfer vollkommen wehrlos sind, nehmen ihnen auf dem Transport alles fort, was sie haben. Es gibt keine Instanz, an die sich die Men- schen, die sich als Schmuggelgut in die Hände der Bande begeben haben, wenden können. Sie bleiben ohne Papiere und ohne Habe zurück. Strandgut, das an die Küste» Amerikas gespült wurde. 3 7 mal überfahren und dann ins Gefängnis In Cansas City ist man einem seltsamen Bersicherungs- schwinde! aus die Spur gekommen. John P. Meller war lange Jahre die Attraktion sämtlicher Zirkusse der Bereinig- ten Staaten gewesen, aber die allgemeine Krise hatte auch ihn erfaßt, und seit einem Jahr war es ihm unmöglich, ein Engagement zu bekommen. Niemand wollte seine Attrak- tionen mehr sehen:„Herkules läßt sich vom Auto über- fahren." In letzter Zeit fiel es den Bersicherungsgesell- schalten auf, daß sich die Autounfälle häuften, und daß die Entschädigungssumme merkwürdig häufig an einen gewissen John P. Meller ausgezahlt werden mußte. Endlich kam man hinter das Geheimnis: Der arbeitslose Artist hatte sich mit einigen Taxichauffeuren zu einer Bande zusammengetan. Ein Mitglied der Bande, natürlich jedesmal ein anderes, überfuhr an einer belebten Straßenkreuzung den Artisten. Zeugen waren genügend vorhanden, und immer mußten die Versicherungsgesellschaften zahlen. 37 derartige Autounfälle konnten dem Betrüger nachgewiesen werden. Jetzt muß er im Gefängnis für sein artistisches Können büßen. Ein schwacher Trost aber ist ihm geblieben: die Zirkusdirektoren interessieren sich wieder für ihn und nach Absitzen seiner Strafe ist ihm ein Engagement sicher. Fünf Minuten tlachen „So, Hänschen, hier habe ich dir eine Sparbüchse mit- gebracht, und an jedem Sonntag wollen wir etwas von deinem Taschengeld hineintun. Aber du darfst sie nicht um-- drehen und schütteln und auch nichts mit deinem Tascheü- messer herauszuholen versuchen." „Nein, Mutti, das will ich nicht tun. Aber weißt du, Mutti, die Idee mit dem Taschenmesser finde ich großartig!" * „Hermann!" weckt die Gattin den schlafenden Gatten mitten in der Nacht,„es sind Einbrecher im Haus!"—„Na, und—", dreht er sich verschlafen um,„was soll ich dabei tun? Etwa mein Leben riskieren?"—„Meinetwegen bleib liegen, aber wenn du morgen kein Geld mehr in deinem Anzug findest, mach mir, bitte, keine Vorwürfe!" * „Ich sage Ihnen, Frau Weber, ich werd dafür sorgen, daß meine Töchter mit zwanzig Jahren verlobt sind!" „So, so, und wenn nun nicht?" „Dann werden sie eben, bis sie verlobt sind, zwanzig bleiben!" * Frau Direktor war fertig zum Ball angezogen und fragte: „Nun, Emma, wie wirkt denn mein neuj, Ereignisse beurteilen will. Die radikale Fraktion, die stärker war als die unsere, war naturgemäß berufen, das Ministerium zu übernehmen. Es wäre also eher ihre Ausgabe gewesen, uns Vorschläge zu machen, als umgekehrt, «ei einer Unterredung mit Rcnaudel, die einige Tage nach unserem Parteilag im«aal Huyghens stattfand, ließ Her- riot erkennen, daß er keine Zusammenarbeit mit uns wünscht«. Tie Bedingungen, die wir in Narbonne ange- kündigt hatten, und von denen man sagte, daß sie die Zu- kunft betasteten, sind in Tvulon von Renaudel und ebenso von Deat in einer gemeinsamen Tagung in Chalons-sur- Marne wiederholt worden. Im Saal Huyghens haben wir unsere Bedingungen mit einer Einleitung nahezu ein- stimmig beschlossen. Leon Blum legt sodann dar, unter welchen Umständen öie Unterredung der Sozialisten mit Herriot, Tarraut, Eaillanx und Rene Renoult stattfand.„Eine Beratung," sagte Herriot im wesentlichen den sozialistischen Delegierten, «ist überflüssig. Ueberdics sind wir nicht berechtigt, eine Entscheidung zu fällen. Das Exekutivkomitee der radi- kalen Partei wird zusammentreten und Euch antworten." Tas Exekutivkomitee trat am selben Abend zusammen und die Erklärungen Herriots bedeuteten die Ablehnung des Forderungshestcs des Parteitages im Saal HuyghenS, eine endgültige, kategorische Ablehnung. Diese Ablehnung wurde uns mitgeteilt, ohne daß man auch nur den Wunsch nach einer Unterredung ausgesprochen hätte. Renaudel selbst hat dann den aus drei Zeilen bestehenden Text verfaßt, in dem die Sozialistische Partei feststellte, baß öie Erklärungen Herriots den Besprechungen, wenn man öqvon überhaupt reden darf, ein Ende setzten. Der Text wurde von Renaudel verfaßt, von Marcel Deat verlesen. Tie Wahrheit ist, daß Herriot aus Gründen, die er für be- rechtigt ansehen durfte, kein Bündnis mit uns wollte. Seine Wahl war bereits getroffen. Er hatte seinen Finanzminister bereits gefunden: ed war Germain Martin(bei die Politik des Lohnabbaues vertritt. Anm. d. Red. I. I.). Gegen Deflation! Herriot war im Banne der Erfahrungen seiner ersten Re- gierung.«eine Wahlparole war: Budgetdeflation oder Währungsinflation! Als ob das Problem sich wirklich so stellte! Wir Sozialisten hatten im Gegensatz dazu— und wir ^nd stolz daraus— schon vor dey Wahlen gegen die De- Kation Stellung genommen. Wir waren die ersten, die gegen die Deflation kämpften. Und weil Herriot das wußte, wollte er unS in dieser Frage keine Konzession machen. Wer stützte die Regierungen? Leo« Blum erinnerte sodann an die Reihe der Regie« rungen. di« dem Kabinett Herriot folgte. Er legt dar, daß die drei letzten Regierungen den Sozialisten überhaupt kein Angebot machten. Ein einziges Mal wnrde uns ein wirkliches Koalitions- angebot gemacht, Ende Januar 1938, von der ersten Re- giernng Daladier. Die parlamentarische Fraktion war diesen Männern gegenüber so wenig intransigent, daß es zu Reibungen zwischen der Fraktion und der Partei kam und dabei begnügte sie sich noch damit, den Wunsch auszu- sprechen, die Regierung Daladier möge sich vom Programm von Huyghens leiten lassen. Dennoch, trotz der so bekundeten Neigung, war eine Einigung nicht möglich. Tie Beilage des „Populaire",„Das Leben der Partei", hat darüber ein Pro- tokoll veröffentlicht, dessen Unparteilichkeit man umsowe- niger bestreiten kann, als es von Marcel Deat verfaßt wurde. Die sozialistische Fraktion hat daher mit Einstimmigkeit festgestellt, daß die RegterungSbeteiligung unmöglich war und Frossard ging so weit zu erklären, daß sie unter diesen Umständen eine völlige Selbstpreisgabe wäre. Man hat uns beschuldigt, Unterstützungspolitik auf Wider- ruf oder gar eine Massenabschlachtung von Regierungen praktiziert zu haben. Erinnern wir also daran, wie die ver- schiedenen radikalen Regierungen zu Fall kamen. Herriot siel über die Frage der internationalen Schul- den und es ist nicht zweiselhaft. daß seine ganze Partei gegen ihn war. Sein: Haltung, die einer«ersten Leistung" oder einer„bedingten Zahlung", war weder rechtlich noch tatsächlich begründet. Für Paul Boncours Sturz tragen wir keinerlei Verantwortung. Im Gegenteil, wir taten alles, um sein Kabinett»n erhalten. ES stürzte über die Intrigen von Erben, die eS gar zn eilig hatten, und von gewissen Msi- gliedern unserer Partei, die neuerlich, aber unter einem anderen Namen die Frage der Regierungsbeteiligung auf die Tagesordnung stellen wollten. Albert Sarraut ist von einem Neo-Sozialisten ge- stürzt worden. Niemand darf vergessen, daß er über einen Antrag fiel, den unser früherer Genosse Gountn stellte. Chautemps ist von niemand gestürzt worden. Sein Justizminister Raynaldy. stimmt, weil die faschistische Revolte vor den Toren dc Palais Bourbon tobte. Am 7. Februar lud mich Daladier zu sich ein. Seit dr- Monaten hatten wir nicht miteinander gesprochen. Am Ta vorher war er in den Wandelgängen der Kammer auf mi> zugekommen und hatte mir schweigend die Hand gedrllct Ich ging zu Daladier. Ich sagte ihm, baß ich gekommen sc damit er nicht den Eindruck habe, daß ihn die sozialistisck Fraktion in einem solchen Augenblick im Stiche lasse. C fragte mich um meine Meinung über den Plan zu demisst, nieren, wofür sich Herr Jeanncnen ausgesprochen habe. E fügte einige Angaben über die Meinung des Jnnenmn sters Frot hinzu. Ich werde nur über einen Punkt seine Darstellung dieser Ereignisse sprechen. In Clermont-Fei rand sagte er, daß er n'cht für die Vertagung der Kamme gewesen sei. Meine Erinnerung ist anders. Daladier schwankte zwischen dem Rücktritt und der Vertagung de Kammer was ihm ermöglicht hätte, den Belagcrungszu stand durch ein bloßes Dekret zu verhängen. Ich wandt mich gegen beide Ideen. Ich sagte ihm, daß er vor de faschistischen Revolte nicht zurückweiche» dürfe, sondern al Republikaner Widerstand zu leisten habe und vor der i Permanenz tagenden Kammer für seine Handlungen Rc chenschaft ablegen solle. Tie haben alle seit dem 6. Februar in den Zeitungen vo dem„Maschinengewehr-Blum" gelesen, der Maschinengc wehre, Tanks und schwarze Truppen in Bewegung setz: wollte, um Paris blutig niederzuwerfen. Gewalt gegen Gewalt Ich war der Meinung, baß eS für eine republikanisch Regierung unmöglich sei, sich vor der faschistischen Rcvolt zurückzuziehen, aber ich bin überzeugt, daß mau deswegen mcht Tanks oder Maschinengewehre hätte anwenden müsser Andere technische Mittel hätten gereicht: Feuerwehrspritzen Tränengas usw. und um für den Abend des 7. Febrna neue Zusammenstöße zu verhindern, hätte eS gewiß genügt wenn der Place de la Concorde militärisch besetzt worden wäre. Ich dulde eS nicht, daß man sagt, Widerstand in diesem Augenblick hätte bedeutet, Paris im Blut zn ersticken, ab«: ich zögere auch nicht zu erklären, daß. wenn wir unte: solchen Umständen an der Macht wären, wir der faschistische!' Revolte mit den Mitteln entgegentreten würden, die denen entsprechen, die gegen uns angewendet werden. Jlaßeoltl-ronds" bwehr von Verleumdungen Die Kommunisten setzen ihre seit Jahren angewandten V der Verleumdung gegen ihre politischen Gegner Das neue Objekt ihrer Verleumdungskampagnen ist die -iltdaritätsaktion für die österreichischen Arbeiter. In ihren ltrvffentlichungen bringen sie folgende Meldungen:„Der .atteotti-Fonds unterstützt Arbeitermörder. Es ist eine 'üehende Tatsache, baß 25 Prozent der vom Jnternatio- len Gewerkschafsbund für die Opfer des Fcbrnaraufstan- » gesammelten Gelder, die in Oesterreich über die Quäker- tganisation verteilt werden, an den Tollfuß-FondS abge- »en worden sind." In einer anderen Meldung heißt es: >c Amsterdamer Gewerkschasts-Jnternationale liefert beitergelder an Dollfuß aus." Beide Meldungen sind bewußte Lügen. Man fragt sich, lchem Zweck diese Lügen eigentlich dienen sollen. Ist der nmunjstjsche Haß gegen die freien Gewerkschaften und die ialistischen Arbeiter so stark, daß man sogar an erster elle den österreichischen Arbeitern, denen zu Helsen man 'gibt, den schiversten moralischen und materiellen Schaden ügt, nur weil man hier eine außerordentlich günstige Ge- enheit hat, ein erfolgversprechendes, wenn auch schmutziges »növer gegen die sogenannten Reformisten durchzuführen? solgversprcchend, denn sie nehmen an, baß eS uns im genblick im Interesse der österreichischen Arbeiter un- glich ist, den unwiderlegbaren Gegenbeweis dieser Ver- mdungen zu erbringen. Wahrscheinlich ist auch, baß man diesem Manöver beabsichtigt, die biS jetzt erfolglos ge- .'denen kommunistischen Sammlungen unter den west- opäischen Arbeitern etwas mehr in Fluß zu bringen. 5er vom Internationalen Gewerkschaftsbund geleitete ülssfonds— es handelt sich hier nicht um den Matteotti, »nd wie die^kommunistischen Meldungen irreführend crichte»— hat bis fetzt über 4 Millionen französische ranke» in Oesterreich verteilt. Die Hilfsaktion ist so iänzend arbeitend aufgewogen worden, daß wenige Tage ach Beendigung der Kämpfe bereits?5gg Familien, nige Wochen spSter bereits mehr als 7500 Familien ntersttitzt wurden. ußer der Million Schilling, die die russische Regierung Unterstützung flieS: Propagandazwecke) ,n Oesterreich Roten Hilfe zur Verfügung gestellt hat. ist es den Kom- listen nicht gelungen, in den westeuropäischen Ländern entliche Beträge einzusammeln, weil ihnen in den grogen ssen für derartige Arbeit iedeS Vertrauen abgesprochen !>. ES kann nebenb-i erwähnt werden, daß die im IG«.- ds gesammelten Gelder bis*wm fefefett Groschen ohne uq von Berwaltunas- oder Reisekosten unter die be- 'enden zu unterstützenden Familien verteilt werden, im ensatz zur kommunistischen Roten Hilfe die in aewissen en bis zu 50 Prozent der gesammelten Gelder für Ver- MnqSkosten aufwendet. x der zweiten Meldung ruft man abuchtltch eine Ver- :ung zwischen einer einzelnen Gewerkschaftsorgani>ation und der Gesamtheit der Internationalen mit dem Jnter- nationalen Gewerkschastsbund verwandten Beruisorganisa- tionen hervor, nur damit man den Internationalen Gewcrk- schaftsbund und seine angeschlossenen Berusssekretariate für den Einzelfall des Verrates eines Schwächlings verantwort- lich machen kann. In diesem Zusammenhang muß gegen die Meldung der Wiener amtlichen Nachrichtenstelle Protest eingelegt werden, in der mitgeteilt wird, daß es der Wirtschaftspolizei durch direkte Fühlungnahme der ehemaligen Funktionäre deS Metall- und Bcrgarbeiterverbandes mit ausländischen Bank- stellen und dem internationalen Gewerkschoktsbund ge- lunaen ist, die Rückgabe von fünf Millionen Schwing des Verbandes, die vor den Februarereignissen ins Ausland gebracht wurden, zu erreichen. Nie wurde mit dem Internationalen Gewerkschastsbund Fühlung genommen! Nie würde der Internationale Gewerkschastsbund der- artiges Gewerkschaktsgeld— falls es in seinem Besitz wäre— ausliefern! Nie würde er solche Gelbrückgaben empfehlen oder gut- heißen, sondern im Gegenteil ein derartiges Vorgehen in schärfster Weise verurteilen! Mit dieser formellen unzweideutigen Erklärung ist wohl jede Unklarheit»nd jeder Zweifel über die gerade»nd nn- anfechtbare Haltung des Internationalen Gewerkschafts- bundes beseitigt. W. Schevenels. Generalsekretär des Internationalen Gemerkschaftsbundes. Enthaltungen in Oesferreldi Die Furcht vor der Sozialdemokratie In den letzten Tagen sind eine Anzahl führender Sozial- bemokraten aus den Dollsuß-Kerkern entlassen worden. Da- zu wird dem OND. auS Wien berichtet: Vor allem ist festzustellen, daß die Haftentlassung sozial- demokratischer Mandatare bei weitem nicht jenen Umfang erreicht, den die ersten Nachrichten erwarten ließen. Eine Reihe sozialdemokratischer Führer, insbesondere Bürger- meister Seife, Stadtrat Danneberg, General Körner, die Ab- geordeten Sever und Gabrielle Prost, General Schneller, Chefredakteur Braunihal und viele andere befinden sich noch immer im Kerker. Auch die Nachricht von der Freilassung de? Dozenten Friediung bat sich als Falsibmelbnna erwiesen. Zwei der„Freigelassenen" die Stadträte Weber und Speiser, wurden sofort in? Konzentrationslager Wölkersdorf gebracht. All dies erscheint um so willkürlicher, als gegen Seife und Dannebcrg unmöglich eine andere Anklage erhoben werden kann, al? gegen die übrigen Mitglieder deS fozialbemokra- tischen Parteivorstandes, von denen ein Teil jetzt enthaktet wurde: auch die jetzt noch im Kerker Festgehaltenen wird das Regime Dollfuß niemals vor Gericht zu stellen wagen. Tie Lcgende vom„Hochverrat" der Sozialdemokraten ist durch die Enthaktungen bereits entlarvt und die Absicht einet großen politischen Prozesses, den die Reglerung Doluug de: Sozialdemokratie machen wollte. zweiselloS lallen gelassei worden, denn die Regierung weih sehr gut, daß dieser vto zeß ihr sehr Übel bekommen märe. Tie Haticntlassungen- eine halbe und verlegene Maßnahme— beweisen ganz klar daß in Wahrheit niemals ein gesetzlicher Grund vorlag, dt' sozialdemokratischen Führer zu verhaften und solange in Kerker zu halten. Erst recht ist die Fortdauer der Haft be: einigen von ihnen die nackteste Willkür. Die aus der Hat« Entlassene» stehen übrigen? unte, strengster Polizeiaussicht. Das Teleion wurde ihnen ab. geschaltet, die Post wird ihnen durch die Polizei zugestellt, sie dürfen kein Kaffeehaus oder sonstiges öffentliches Lokal besuchen. kein Auto benütze,Wien nicht verlassen. Ihr Haus wird ständig überwacht, Kriminalbeamte visitieren ihre Woh. nung, außerdem müssen sie sich täglich bei der Polizeidirek- tion melden. Bei einem der Haitentlassenen drangen Mon tagabend, wenige Stunden nach seiner Freilassung, mehr als ein Dutzend Wachleute ein. durchsuchten lana die ganze Woh- nung und benahmen sich sehr brutal. Die Ursache war. daß man die Wohnunaskront beleuchtet gesehen und der Scharf- sinn der Polizei sofort eine Versammlung in der Wohnung vermutet hat. velglsdie Ehegesefigebung Um die Rechte der Frau In Belgien wurde das Ehegesetz abgändert. Das neue Ge- setz hat den Zweck, die arbeitende Frau gegen den Mißbrauch der Macht des Ehegatten zu schützen. Von jetzt ab hat die Frau ein Recht auf alles, was sie selbst erspart oder verdient. Da aber gleichzeitig über einen Gesetzentwurs des Domini- kanerpaterS, Senator Rutten, verhandelt wurde, wonach der verheirateten Frau jede Arbeit gegen Lohn oder Gehalt ver- boten werde» soll, so würde das freie Versiigungsrecht über da» selbst verdiente Geld praktisch fast wertlos. Noch weniger kommt es wohl in Proletariersamilien vor, daß sich die Frau oder Mutter etwa» ersparen kann, was sie der Familie vor- enthält. Aber selbst wenn die Frau Selbstverdientes oder Erspartes ha« und der Mann läßt ihr das freie Vcrsügungs- recht nicht aus freien Stücken, so kommt die gerichtliche Geltendmachung doch schon dem Zerfall der Ehe gleich Und eS ist sehr zu befürchten, daß von dem neuen Gesetz nicht viele Frauen profitieren werden. Wenn sie wirtschaftlich unab- hägngig sind und vom Mann weggehen wollen, so konnten si» das auch bisher. Der Fortschritt, den das neue Gesetz bringt, liegt darin, daß der Mann Dritten gegenüber nicht über daS Einkommen oder Vermögen der Frau verfügen kann ohne ihre Zustimmung, und daß die Frau bei der Scheidung nisu so sehr benachteiligt ist. wie bisher. fl Abonniert die„Deutsdie r reihen'' Pariser Deridite Pariser Straßenhalender I61 rnniie 43-13 M6iro Pigaile Deutsche Poliklinik Paris, 62, Pue de la Rochefoucauld a| Allgemeine Konsaitationeo mit 9 Spezialisten, dj Chirurgie c) Orthopädie d) Geburtshilfliche Klinik e) Zahnärztliches Kabinett Ordination täglich von S— 12 und 2—8; Sonntags und Feiertags von lO—12 und 2—4 Uhr i DEUTSCHSPRECHEND Münchener u. Pariser Fakultä 17, rue Reaumur M6tro Arts-ef-Metiers od. R6publique Frauen«, Blut«, Haut«, Harn« und Geschlechtskrankheiten, Tripper, Syphilis, Männerschwäche. Neueste Heilverfahren. Elektrizität. Harn*, Samen» und Blutanalysen. Massige Bedingungen.(Auch für Kassenversicherte.) Täglich von 9-> und 4- 8,30. 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Der Leiter Schmitt, der krank war, wurde nach Alaska gebracht und dort verpflegt. Er kehrt jetzt über Neuyork heim und erklärte der Presse, alle Instrumente und Ergebnisse seien gerettet. Das Auftreten von Yvette Guilbert im Alcazar war ein großer Erfolg. • Im Paramount wurde ein Großstadtfilm„Die Töchter der Concierge" gegeben. Die eine, Lucie, heiratet einen Chauffeur des Bankiers Robertson. Die zweite, Ginette, ist als Mannequin vorübergehend die Geliebte des Chefs, kehrt aber zu einem braven Konditor zurück. Die dritte, Suzanne, hat allerhand Erlebnisse mit dem Bankier Robertson. Die Pariser Portiermutter, unerbittlich und nur auf ihre Töchter bedacht, in der Loge thronend, erfährt eine wahrheitsgetreue Gestaltung durch Jeanne Cheirel. * Der Filmproduzent Nebenzahl, der wegen der Beschäftigung von Deutschen im Film„La crise est finie" von der „Comoedia" angegriffen wurde, hat dem Blatt eine Zuschrift geschickt, in der er u. a. sagt, daß er Amerikaner sei. Ferner macht er Mitteilung, daß ein Teil der führenden Mitwirkenden Tschechoslowaken, Polen, Russen usw. sei, daneben zahle er Löhne an 500 Franzosen. Der Artikelschreiber erwidert u. a., ein Film, dessen Generalstab ausländisch sei, sei nicht als französischer Film anzusehen. * An der bretonischen Küste finden zur Zeit große französische Manöver mit Truppenlandungen statt, an denen General Weygand teilnimmt. * Das gegen den ehemaligen Leiter des„Rempart" M. Paul Levy eröffnete Verfahren wegen Hehlerei erregt großes Aufsehen. * Ein Liebesprozeß mit politischem Nachgeschmack, nämlich die Verhandlung gegen den Mitarbeiter im Marineministerium Emile Sabatier, der seine von dem Generalsekretär Paul Faure entführte Frau mit dem Revolver bedroht haben soll, wird weidlich^on der Presse behandelt. Sabatier wurde von seiner Frau Josette vor Beginn der Verhandlung im Gerichtssaal geohrfeigt. Er hat 93 Tage in der Irrenanstalt gesessen, in die er verbracht wurde. Das Urteil soll am nächsten Mittwoch gesprochen werden. * Eine der Schwestern Papin, die als Dienstmädchen in Maus ihrer Herrschaft die Augen ausrissen, ist im Zuchthaus Rennes als wahnsinnig erkannt worden. 4 In Leningrad findet zur Zeit eine große Ausstellung französischer Malerei, besonders Cezanne, Gauguin, Matisse und Picasso, in der berühmten Ermitage, statt. * Im Theatre de I* Oeuvre wurde, nach den„Rassen", die „Komödie der Irrungen" von Shakespeare aufgeführt. * Am Donnerstag wurde die älteste Sozietärin der Comedie Franchise, Marie Therese Pierat, die Gattin des Malers de Scevola, Nachfolgerin von Cecile Sorel im Verwaltungsrat des Theaters, Ritter der Ehrenlegion, zu Saint-Charles de Mon- ceau beigesetzt. Der Schriftsteller Kistemaekers und der Theateriutendant Emile Fahre hielten die Trauerreden. * Das Meisterwerk der Fabein des La Fontaine mit den Illustrationen des Fragonard, das wir erwähnt haben und das vom französischen Staat erworben wurde, war sechzig Jahre verschwunden, dann fand man es wieder und erwarb es für die Sammlung Beraldi, von der es jetzt ins Petit Palais übersiedelt. Der riQdiflings-0!>er!«Hnni'c<;ar Zu seinen Plänen Man schreibt uns: In der Presse aller Asyllänber ist die Tätigkeit des Flüchtlingskommissars— und mehr noch der Mangel an eigener Tätigkeit— einer scharfen Kritik unterzogen wor- den. An dieser Stelle wurde vor kurzem über den Verlaus der Londoner Konferenz berichtet, bei der ein Ueberblick über die bisherige Hilfsaktion gegeben und eine An Programm für die weitere Arbeit ausgestellt wurde, das eine sorgfältigere Nachprüfung rechtfertigt. Ter Flüchtlings- kommissar Prof. James M a e ö o n a l d, hat bei dieser Gelegenheit neben der üblichen Versicherung daß er von dem bisherigen Erfolg der Arbeit noch nicht befriedigt sei, zwei Gesichtspunkte in den Vordergrund gestellt, die als eine Art Versprechen für seine weiteren Bemühungen an- gesehen werden können: eine gleichmäßigere Durchführung der Flüchtlingshilfe in den verschiedenen Asyllänbern, in denen sich die Emigranten aushalten, und sodann die Be- grllndung einer wirklichen Heimat für die Vertriebenen. Es läßt sich bis zum heutigen Tage noch nicht ganz über- sehen, ob der Appell Herrn Macdonalds an die christliche und überhaupt die nicht-jüdische Welt einen großen Erfolg verspricht Schon in der Vergangenheil haben einige kirch- liche Kreise in England. Nordamerika. Frankreich und der Schweiz gewisse Sammlungen für die Flüchtlinge veran- staltet und ihre aktive Hilfsbereitschaft eingesetzt. Ob es möglich sein wird, unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnissen größere Unterstützungen zu»langen, die wirklich zu einer produktiven Hilfe, also zur Schaffung von rechter Arbeitsgelegenheit von Dauer für die Emigranten führen, muß nach den vorläufigen Erfahrungen abgewartet werden. Ter Flüchtlingskommissar hat freilich mit Recht hervorgehoben, daß nur ein kleiner Teil der Christenheit einige Opfer zu bringen brauchte, um dem Kreis der Emi- granten helfen zu können: das gleich- gilt für die HilsS- Möglichkeit der ganzen Arbeiterschaft für die recht geringe Zahl der eigentlich politischen Flüchtlinge. 8um Problem der wirklichen Seßhastmachung der Flüchtlinge hat der Kommissar zutreffend hervorgehoben, daß eine Lösung der vorhandenen Schwierigkeiten nicht von den pri- vaten Hilfsaktionen allein gesunden werden könne, sondern Paris vor einem„Luftangriff" Wie man erfährt, soll vielleicht bereits in den ersten Ta~en des Juni eine Luftübung in Paris stattfinden. Diese Aussicht ist eine Folge der Beschlüsse, die im Innenministerium gefaßt werden mußten und von denen der Seine-Präfekt verständigt wurde. Es wird voraussichtlich ein Nachtalarm sein, dessen Einzelheiten erst in letzter Zeit bekanntgegeben werden. Eine AfFengeschichte Der neue Zoo von Vincennes, der am->onncag die Einweihung erfuhr, ist bekanntlich ein Paradies der Freiheit. Die Tiere fühlen sich dort, wie man sagen darf, wie zu Hause. Giraffen, Löwen, Rhinozerosse, keiner entbehrt die Freiheit. So stand es wenigstens in den Zeitungen. Es ist wie bei gewissen Menschen. Nur mit dem einen Unterschied, daß die Tiere es nicht glauben. Ein Dutzend Affen ist aus Protest von dem Freiheitsfelsen, den man ihnen gebaut hatte, ausgerissen. Man hat sie wiedergefangen, einer hatte sich sogar in die Gärten des Präsidenten der Republik verirrt und dort ruhig Orangen gefressen, die an der Lenkstange eines an einer Ecke lehnenden Rades hingen. Darauf hat man den Felsen der Freiheit höher gebaut. So ist es richtig. Schon Macauley, der große Geschichtsschreiber sagte: Ist das Volk ruhig, so verlangt es nicht nach Freiheit, ist es aber unruhig, so ist es der Freiheit nicht wert! Ueberfall durch einen Deutschen Die Zeitungen melden, daß ein Deutscher, der einen Ausweisungsbefehl in der Tasche hatte, namens Otto Passeick, im Viertel der Porte Saint-Martin eine Frau Anita Perrin, die 40 000 Franken in einer Handtasche bei sich trug, auf der Treppe überfiel und bald danach verhaftet wurde. Ein Straßenreiniger warf ihm seinen Besen zwischen die Beine und er konnte gefaßt werden. Vorher versuchte er noch, die Handtasche auf das Trittbrett eines Autos zu werfen, was aber vereitelt wurde. Der Deutsche wird als 27jähriger Mann beschrieben, der sich als Kaufmann bezeichne, er war ohne Wohnung und hatte einen Ausweisungsbefehl vom 26. April bei sich. Vor der Verhaftung versuchte er noch, sich mit einer Rasierklinge die Pulsader der rechten Hand durchzuschnedien, verletzte sich aber nur ungefährlich und kam ins Gefängnis. Ein Urteil über den bedauerlichen Fall kann naturgemäß erst abgegeben werden, wenn authentisches Material über die Person des Angreifers und sein Vorleben vorliegt. baß die beteiligten Regierungen Hier ihr- Unterstützung nicht versagen dürften. Es handelt sich hier namentlich um die Siedlungen in Europa, Nord- und Südamerika. Wir werden mit Interesse abwarten müssen, welches Echo die Bemerkungen des Flüchtlingskommissars im Kreise der Re- gierungen haben werden, die heute durch ernste politische Fragen, vor allem das Saarproblem, stark in Anspruch ge- nommen sind. Der Kommissar wird trotzdem leine Beben- tung erst durch wirkliche Taten zu beweisen haben. W. A. „Tellmobilisierung" Französische Manöver lDNB.I Paris. 4. Juni. Im September d. I. will die französische Heeresleitung ein bereits 1926 ins Auge gekaß- tes, aber aus Mangel an finanziellen Mitteln bisher nicht verwirklichtes Experiment durchführen. Vom 15. bis 30. September sollen 15 000 Reservisten in voller Kriegsaus- rüstung in der Champagne als besondere Division gegen aktive Truppen manövrieren. Von militärischer Seite wird — wie Jour erklärt— dieser Plan als Versuch einer Teil- mobilisieruna bezeichnet, aus der man viele nützliche An- regungen zu ziehen hoffe. Goebbels bei den„Polladif ii" Ueber den Korridor wird er nicht sprechen Aus Warschau wird gemeldet, daß der Reichsminister Dr. Goebbels in der nächsten Woche aus Einladung des Verbandes für geistige Zusammenarbeit in Warschau sprechen wird. Goebbels hat den Ehrgeiz, der erste reichsdeutsche aktive Minister zu sein, der Polen besucht. Wenn ein früher republikanischer Minister nach Warschau gefahren wäre, würde Herr Dr. Goebbels in seinem„Angriff" die öffentliche Verachtung gegen den„Landesverräter" aufge- rufen haben. Es wird jetzt auch verständlich, warum die polnische Regierung plötzlich die„Deutsche Freiheit" verboten hat. Es ist ein Akt politischer Bourtoisie für den Besuch des deutschen Reichspropagandaminitzers. BBiBFKftSTSII Vorufseu in Bonn. Euer feudales Korps lebt also immer noch! In Euerm Semesterbericht vom März 1934 ist ungefähr das wich- tigste Ereignis eine ausführliche Schilderung eines gemeinsamen Ausfluges nach Burg Eitz, bei welcher Gelegenheit ein„besonderes Verdienst" darin gesehen wurde, einen Teil der Füchse zu» viel des köstlichen Stoffes in Moselkern genießen»u tagen, so dag diese weder die Eitz durchqueren konnten, noch die Burg sahen. Ter Rückweg war dann mit einigen Schwierigkeiten verbunden. Die Bewohner des Elytales hatten kein Verständnis für unsre harmlosen Streiche." Der Weg wurde versperrt, lange Verhandlungen wiederholten sich in jedem Dorf über die Frage des entstandenen Sachschadens. Zum Abschlug wird festgestellt, daß leider keine weiteren Ausflüge dieser Art zustandekamen, da die Zeit durch SA.-Dienft, Fachschastsvorlesungen und politische Schulung zu sehr in Anspruch genommen war.— Ihr flegelt Euch also immer noch besoffen in der deutschen Landschaft herum. Beinahe ist man versucht, es als einen Fortschritt zu buchen, wenn Ihr in die „Schulung" der TA. geratet und Euch so keine Zeit mehr bleibt, Eure alten Kommerssiiten zu konservieren. Kriegsbeschädigter v. Z. Erfüllen wir Ihren Wunsch und tragen nir die Meldung nach, daß das Reichskabinelt beschienen hat. dem Herrn Reichspräsidenten den Erlag einer Verordnung über die Stiftung eines Ehrenkreuzes für alle Kriegsteilnehmer sowie für die Witwen un« Eltern Gefallener, an den Folgen von Verwun- düngen oder in Gefangenschaft verstorbener oder verschollener Kriegsteilnehmer vorzuschlagen. Wir gönnen den Leuten das Ehren- kreuz gerne, befürchten aber, daß die Dekoration nur die Vorve- reitung auf die weitere Kürzung der Renten ist. Es gibt ein Sprich- wort„Hinterm Kreuze steht der Teufel". Bnenos Aires. Wir haben unS gefreut, wieder einmal einen Gruß von deutschen Republikanern auS Argentinien zu erhallen Gern wollen wir uns bemühen. Eure Wünsche zu erfüllen: vielleicht mit Hilfe des Vorstandes der SPD. in Prag. Allzuviel Hoffnung habey wir aber nicht. Das Reichspropagaudaministerium hat ungezähltes Geld. Die Emigration muß sehr rechnen. Schon a. D. Herr Ramm? Tie„Pirmasens?! Zeitung" meldet: „ES wird uns mitgeteilt, daß Kreisleiter Dr. Ramm, der seit rund zwei Monaten das Ami eines ersten Bürgermeisters der Stadt ehrenamtlich verwaltete, sich mit der Absicht trägt, dieses Ami in kürzester Frist niederzulegen"— Der weinselige Ramm ist ganz und gar unfähig für einen Bürgermeisterposten. Trotzdem wurde er mit großem Pomp in einer öffentlichen Kundgebung in sein Ami eingeführt. Wir haben diesen Ramm uns immer wieder vor- geknöpft. Das wird auch in Zukunft geschehen. Solche Leute Müs« sen aus dem öffentlichen Leben Teutschlands verschwinden. Dr. P. St. Christiania. Sie müssen das bekannte Wort(nur weiß man nicht genau,' von wem es stammt! ganz wörtlich als wahr unterstellen:„Weißt du nicht mein Sohn, mit welch geringem Ver- stände die Welt regiert wird?" Vor allem dürfe» Sie den Wert de« Dekretierens nicht überschätzen. Vielregiererei wirft mehr nega- tio als Positiv. Schon der chinesische Weise Laotse wußte:„Je mehr es Dinge aus der Welt gibt, die man nicht tun darf, desto mehr verarmt das Volk."— Und der Mann hat im 25. Jahrhundert vor Adolf Hitler gelebt. H. Toulouse. Größter Tender der Sowjetunion ist die Sta- tion„Komintern", deren fremdsprachige Sendungen in allen Län- der» Europas gut empfangen werden, mit einer Sendeenergie von 509 Kilowatt, anstelle der bisherigen von 200 Kilowatt, Damit hat die Sowjetunion derzeit den stärksten Sender der Welt. Die tech- Nische?licsrllliung der Station wurde in der Leningrader Radio- apparatefabrik„Komintern" gebaut. Ter Sender wird von fünf selbständigen Generatoren gespeist, die getrennt ein- und ausge- schaltet werden können. Für die Gleichmäßigkeit der Sendeenergie sorgt ein Reservegeneraior, der im Falle des Versagens einer der fünf Generatoren automatisch eingeschaltet wird.— Der stärkste westeuropäische Sender dürfte der von Luxemburg sein. Lommunalveamier Saarbrücken. Sie wünschen unsere Kritik an einem kürzlich vom Reichskabineti beschlossenen Gesetze, welche» anordnet, baß die Bezüge der Angestellten und Arbeiter der Län- der, Gemeinden und sonstigen Körperschaften des öffentlichen Rech- tes herabzusetzen sind, soweit sie höher liegen als die Dienstbezüge der gleichznbewerienden Dienstverplichieien beim Reich.— Gegen diese Maßnahme haben wir nicht« einzuwenden. Die Gemeinden haben vielfach eine ungesunde Gehaltspoliiik getrieben. Leonore St. Tie machen uns auf einen?lufsatz„Maximen einer Führerin im„Bund deutscher Mädchen" aufmerksam, der im„Völkischen Beobachter" erscheint. Tarin streichen Sie folgende Stelle an:„Als deutsches Mädchen halte ich mich allen unsittlichen Ver. suchen fern, denn ich weiß, daß ein vorzeitiger Verbrauch der Geschlechtskräfte die Nerven zerstört und die Erb- t sichtig ke it meine? Körvers herabsetzt." Dagegen können Sie doch unmöglich etwas einwenden wollen. Wir finden die Mahnung sehr berechtigt, zumal da wir wissen, wie sehr die Tugend der Inn- gen und jüngsten Hiileriken durch TA.-Leute bedroht ist. Ter „Dienst" bis in die späte Nacht wird manchmal sehr eigenartig auf- gefaßt. „Europäische Hefte" Nr. 7 sind erschienen. Aus dem Inhalt: Umschau: Willi Schlamm: Wer macht Geschichte? Arthur Graham: Bildnis eines amerikanischen Faschisten: Max Bergner: Kann Teutschland Krieg führen? Emile Va- renne: Schmeißfliegen auf dem Körper Chinas: William Zuckermann: Jüdischer Faschismus: C. Canovascinl, Lugano: Gefährdeter Tessin: Notizen. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P I tz In Dud- weiter: für Inserate: Ctto Kuhn in Saarbrücken Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksslimme GmbH„ Saarbrücken S> Schützenstraße 5,— Schließfach 776 Saarbrücken.