Einzige unabhängige Tageszeitung VentfchlandS Nr. 128— 2. Jahrgang Saarbrücken, Donnerstag, 7. Juni 1934 Chefredakteur: M. Braun Aas dem Inhalt Die Hf&dett dec 9C䣣e Jeei sei die deutsche Saat 7 TUutqel und Xeueuutg. Seite 4 (Holland übet das„dütte JUicA" Seite 7 Seite 2 Seite 3 Führer zum Bankrott Ses Umstände an. Und auf die Stärke des Willens, diese Umstände zu prägen und die Kollektivseele zu aktivisieren. In Jahrhunderten höchster technischer Entfaltung ist der Mensch ein Triebwesen geblieben, mit gewaltigen Möglichkeiten, im edelsten wie im niedrigsten Sinne. Wer den Hebel zu diesen Möglichkeiten besitft, der kann die Quarzadern cjer Menschlichkeit gewinnen oder die Schächte des Menschentums zu Bruch gehen lassen. Vielleicht ist der Anlaß zu diesen Bemerkungen, nämlich das Glück der Jüdin Lucie Englisch im„dritten Reiche", etwas weit hergeholt. Man kann einwenden: warum so viele Worte um ein Nichts, um eine einfache Sensation für die ewig mobile Neugierde? Aber die allerkleinsten Dinge nur an den äußersten Rand dieser Zeit geschrieben, geben manchmal ebenso wichtige Einblicke wie die großen Ereignisse wenn man nur Ohren hat, zu hören und Augen, zu sehen Argm in Mallorca, dem etnztgen von der Krtse und— der Republik— nicht betroffenen Gebiet Spantens, das hauptsächlich Kleinpächter aufweist, war ein Ausgleich zwischen Maximal- und Minimum-Beschästigung vorhanden. re- -!-~' „—.H„»»unrai. tsr betrug 255 Dm> fiöckste"Lohn wurde für Sä-Arbeit in Aragon T°ae- Der yowst- wwj Der Mindestlohn für die gleiche Arbeit belief sich aal 5 Pes. in Galicien. Für Drescher-Löhne sind Minimalsätzc von 1,75 Pes. täglich zu verzeichnen! Die Landarbeiter empörten sich über diese Anstände, aber Gutsbesitzer und Pächter erklärten:„Wenn Ihr nicht zu unseren Tarisen arbeiten wollt, wird weder gesät noch ge» erntet". Zur wirksameren Durchführung solcher Aktion wurde noch eine Sondcrparole ausgegeben:„Nnr diejenigen Arbeiter erhalten Arbeit— zu den vom Landbesitzer vorzuschreibenden Bedingungen— die nicht im sozialistischen Erdarbciterver- band oder anderen linkspolitischen Organisationen zusam- mcngeschlossen sind". Man versuchte die Arbeiter dazu zu zwingen, ihre Mitgliedsbücher zu den Verbänden im Bei- sein der Arbeitgeber zu zerreißen, um ihnen dann für die Hälfte oder gar ein Drittel des gesetzlich bestimmten Tarif- lvhnes Arbeit zu gewähren. Der spanische Landarbeiter aber hat in den Zahlen der Republik nachdenken gelernt. t£r verzichtete lieber auf Arbeit, ehe er seine jungcrworbene Un- abhängigkeit wieder aufgab. Der Kampf der Gutsbesitzer ging demnach weiter. Unter der Regierung des ehemaligen ArbcitSministers Tamper wurde vor etwa einer Woche das verhakte„Gesetz über die Ginhaltung der Distriktsgrrnzen" für ungültig erklärt. Tic Arbeiter erhielten jedoch keinerlei Garantie dafür, das; sie während der Erntezeit nicht von zugewanderten, sie unter- bietenden Elementen verdrängt wurden. Alle ihre dahin- gehenden Forderungen scheiterten am Unverstand der Regie- rung und der Gutsbesitzer. Als letztes Mittel zur Erfüllung ihrer Forderungen schritt die Landarbeitcrschast nun zur Ankündigung des General- streits für den 5. Juni. Ihre Ttreikparole ist folgende: 1. Einhaltung der gesetzlich festgelegten Arbeitslöhne: 2. Zwang zur Benutzung der offiziellen Arbettsbörsea zwecks Arbeitseinstellung. Einstihrung riguroscster Wcchselschichten. Uebermachnng des ArbciterzensuS und der Wcchselschichten durch neuzubildende Kommissionen in jedem Ort. I. Reglementierung des Maschinengebrauchs und der An» werbuug nicht einheimischer Arbeiter. Absolutes Verbot dieser beiden Erscheinungen i» ArbeitSlosen-Gegenden: 4. Effektive und umgehende Maßnahmen gegen die Arbeits- losigkeit: 5. Durchführung des Kollektiv-PachtgcsetzeS, nach dem den Arbeitern Land zu Kollektiv-Siedlungen zugewiesen werden soll: 6. Ermächtigung des Agrarreform-Institut» zur Verteilung von ihm statistisch erfaßter Ländereien tttr provisorische Absiedlung von arbeitslosen Landarbeitern: 7. Anerkennung des Rechtes die brachliegenden Felder ur- bar zu machen: 8. Alle bereits festgelegten Maßnahmen zur Ansteblung von Landarbeitern sollen biS spätestens zum Herbst durch- geführt werben: 9. Zubilligung eines jährlichen Kredits an die Siedler» kollektive: Ist. Ablösung der Gcmeindegüter. Arbeitgeber und Regierung haben offiziell die Forderung 1.»Einhaltung der gesetzlich bestehenden Arbeitslöhne" an- erkannt. Aber schon bei Punkt zivei ist keine Einigung zu er- ziele». Tie Arbeitgeber behaupten, Wcchselschichten- Einführung gefährde das Ernteprobukt. Tie Regierung sah keinen besseren Ausweg als dir Er- greifung einer diktatorischen Maßnahme: Tie erklärte die Erntecinbringung als„Dienst an der Ocsfentlichkcit" und den Ttreik für„illegal". Unter rigurose- stcn Verfolgnngsmaßliahmcn stehen diejenigen, die schriftlich oder mündlich irgendwelche Ttreitparolen ausgeben, die Presse ist der Vorzensur unterivorscn, und Gefängnis droht allen VcrbandSvorsitzcndcn der Erdarbcitcrvereintgnngen. VIS Pforten der Hölle.. ■m Verzweifelte läge Agonie der Abrüstungskonferenz dnb. London, 6. Juni Die Berichte der Genfer Korrespon- deuten besagen übereinstimmend, daß die gestrigen Vor- gänge im Büro der Abrüstungskonferenz und besonders der scharfe Zusammenstoß zwischen Hrndcrson und Barthou die Stimmung noch düsterer gemacht hätten, soweit dies über» Haupt noch möglich sei, und daß jeder Versuch, ein Kom- promiß in der Abriistungssrage z» erreichen, durch daS be- harrliche Weilt BarthouS vereitelt werde. Im Bericht des„Daily Herald" heißt es: Die Lag», die am Montag entstanden war, wurde gestern verzweifelt. Die Stimmung scheint äußerst gereizt zu iverdcn. Der diplomatische Korrespondent des„RcwS Chronic!?" sagt: Je eher die Delegierten Genf verlassen, desto besser wird es für die Sache des Friedens und der Abrüstung sein. Die gestrigen Vorgänge haben gezeigt, daß bei der jetzigen Lage ein Fortschritt unmöglich ist. Der Genfer Vertreter der„Times" berichtet: To ver- worren die gestrige Debatte auch aussehen mag. die wirkliche Streitfrage ist deutlich genug. Unter dem Losungswort»Vor allem Sicherheit" beabsichtigen Frankreich und Rußland,«in System von Verteidigungsbündnissen, die auf Waffengewalt beruhen, gegen Teutschland auszubauen. 900 Johre Synagoge In Worms Aber 1500 Jahre Juden am deutschen Rhein Hier fand am Samstag die ststst-Jahr-Feixr der welt» bekannten Wormser Synagoge statt. Au? Anlaß der schlini- mcn Zeiten für die Juden in Deutschland beschränkte sich die Wormser Jlidengeineinde aus eine interne Weihcitunde in dem Gotteshaus, an der auch der Vorsitzende der Weichs- Vertretung der deutschen Juden Rabbiner Dr. Leo Bacck iBerlinl und Vertreter beoeniendcr jüdischer Korporationen teilnahmen Die Wormser Synagoge ist ein VetveiS und ein steinernes Dokument für die Verbundenheit der beut- schcn Juden mit dem deutschen Land, die alle Streicherlügen nicht beseitigen können, und deren ehrwürdiger Bau größere und bedeutendere Judenfresser siegreich überlebte. Der Bau spiegelt in sich die ivechsclvollcn Schicksale der Wormier Judengemeinde. Die historische Seite wurde in einer Ge- denkschrist dargelegt, die der Genieindevorstand aus diesem Anlaß herausgab. Bei dieser Gelegenheit darf man daraus hinweisen, daß aber nicht nur seit ststst Jahren, sondern be- reitS seit ldstst Jahren Juden aus deutschem Boden am Rhein wohnen. Eine Urkunde ans dem Jahre SSV nennt einen Juden mit dem deutschen Namen Slegrich. Kämpfer von norldsdorl Kameraden des gehängten Georg Weiß! Der Schwurgerichtöhof am Wiener Landgericht H hat nach zweitägiger Verhandlung das Urteil über die Florids- dorscr Feuerwehrleute gesprochen, die unter der Führung des Ingenieurs Georg Weiß! sich aktiv am Feüruaraus» stand des Schutzbundes beteiligt hatten..Eine Abteilung der Fulda, 5. Juni. In Fulda ist die Konferenz der deutschen Bischöfe zu- sammeugctreten. Man erwartet von ihr eine Stellungnahme zu den Bedrängnissen, denen die katholischen Organisationen in Hitlerdeutschland ausgesetzt sind. Am Dienstag begann die Fuldaer Katholiken-Woche mit der Generalversammlung des BonifatiuS-Vereins, die durch ein feierliches Pontifikalamt des Bischofs Berning von Osnabrück eröffnet wurde. In der Predigt klangen deutlich die Sorgen wider, von denen der deutsche Katholizismus bewegt ist. Es gelte, so sagte der Bischof, heute den Christus-Glauben in seinem ganzen Umfange zu bewahren. Er dürfe nicht verfälscht werden durch Ablehnung des Alten und von Teilen des Neuen Testaments. Wir lehnten«ine National- k i r ch e ab und hielten uns an das Heilandswort:„auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen", aber auch an die tröst- liche Verheißung:„die Pforten der Hölle werde» .sie nicht überwältigen". Mit Nachdruck mahnte der Bischof besonders die katholischen Jungmünner und Männer, die Kirche als ihre Mutter zu ehren und nicht beschimpfen zu lassen. Mehrere Tausende von Wallfahrern und Ein- heimischen lauschten der Ansprache, während die Kathedrale im höchsten Schmuck erglänzte. Am Schlüsse sangen die Massen das Lied:„Fest soll mein Taufbund immer stehen". Inzwischen gehen die Verfolgungen und Beschränkungen der katholischen Jugend- und Standesvereine Immer weiter. Regierungspräsident in K ö l n ist jetzt Herr D i c l S, der frühere Leiter der Gestapo. Er begann feine Amtstätigkeit mit einem Verbot jeder öffentlichen Betätigung aller konfessionellen Jugend- und Standesverbände„außerhalb des religiösen Gebiets". Darunter fällt jedes geschlossene Austreten in der Oesftntltchkeit, das Tragen von uniform- ähnlichen Kleidungsstücken und Verbandsabzeichen, das Führen von Fahnen und Wimpeln. Verboten ist auch daS gemeinsame Wandern, die Errichtung von Gruppcnlagern. Ferner wird die Herstellung und Verbrettung von Flug- blättern und Flugschristen kirchenpoltttschen oder„kirchen- polemischen" Inhalts verboten. Darunter fallen auch sonstige religiöse Jugendzeitschriften. Jeder Verstoß gegen diese Verbote wird mit gerichtlicher Bestrafung unter Um- ständen mit T ch u tz h a f t bedroht. „PX verrecKe!" Schlesische Besorgnisse Aus Breslau wird berichtet, daß Schlesien in letzter Zeit von Aufrufen der Hitlerjugend überschwemmt werbe:„Gegen die Aasgeier der Nation",„Gegen die Schivarzcn Wühl- mause". Die Polizei erhielt Order, gegen die Zetteltlcbcr rücksichtslos einzuschreiten. Die katholische„Schlesische Volks- zeitung" glaubt eine„st a r k e Beunruhigung der k a t h o l i s ch e n B e v ö l k e r u n g" feststelle» zu können und erzählt dann iveiter, wie vor dem Hauptportal deS DomcS und der Tandkirche auf dem Straßenpflaster Inschriften ent- deckt worden seien, mit dem Wortlaut:„Tod dem PX" oder auch„PX verrecke". Dieses umgekehrte symbo- tische Zeichen für Christus, das schon in den Katakomben zu finden ist, ist jedem Katholiken heilig, weil es die griechischen Anfangsbuchstaben des Namens Christus iXP) darstellt. Daß ein derartiger Mißbrauch nicht gerade beruhigend auf die katholische Bevölkerung ivirken kann, ist selbstverständliS." Zwei neue Hirtenbriefe Am Vorabend der Fulbaer Bischosskonferenz geben zwei Hirtenbriefe des VreSlaucr Erzbischofs Kardinals Bertram, neuen deutlichen Aufschluß über die Stimmung in führenden kirchlichen Kreisen. Der erste ist an die Katho- liken de6 Waldenburger Landes gerichtet. Der Kardinal iv a r n t alle Gläubigen vor den„falschen Propheten", die verkündigten, daß Religiosität und Sittengesey unter den Völkern der Erde abhängig sein müßten von Blut und Rasse. „Gewiß wollen ivir die Eigenart unseres Volkes und Stammes hoch und dankbar schätzen. Tie StammeSart ist eine der wertvollsten Gottesgaben. Wehe denen, die an den Fundamenten aller sittlichen Ordnung zu rütteln wagen! Den Kampf, den wir zu kämpfen haben gilt einem neuen Heidentum, das in tausend Gestalten in die Seele des Volkes eindringen will. Mit Entrüstung haben alle Bischöfe ihre Stimme gegen den Gedanken erhoben, daß ein Buch, daS grundstürzende Irrtümer verbreitet, ein Lebensbuch für Jugend und Er- wachsen« werde. Möge jeder, der das Buch vom„M y t h u S des 2 0. Jahrhunderts" verteidigt, wissen, daß er in Auflehnung gegen Christus den Herrn, gegen alle religiöse und göttliche Ossenbarung steht. Niemals hat Christus an die Gründung einer nationalen Kirche gedacht. Sein Evan- gelium, ewig und unwandelbar, sandte er allen Völkern der Erbe." In ähnlichen Gedankengängen bewegt sich der Brief des Kirchensürstcn an seine Breslauer Diözesanen. Nach einer Beteuerung, er habe während den zwanzig Jahren seiner Brcslauer Tätigkeit die Ketzereien des Marxismus und Bol- schcwismuS in jeder Form bekämpft, wirft der Kardinal die etivaS verfängliche Frage auf, die zu beantworten er unter- läßt: Ist denn d«r Kampf heute zu Ende? ver„reaktionäre" Sdiarnhorsf- Dund Eine Aktion der Hitlerjugend Berlin, 5. Juni. Unter der Ueberschrift„Ertappte Re- aktion!" berichtet der„Angriff" über eine Aktion der HJ. gegen den früheren S ch a r n h o r st- B u n d, der ehe- maligcn Jugendorganisation des Stahlhelms.„Im Gebiet Berlin der HJ.," so berichtet das Blatt,„ist es gelungen, im Verlauf der großen Aktion gegen die Reaktion schon nach kurzer Zeit einen großen Schlag gegen die Umtriebe ge- wisscr Kreise zu führen. Führende Leute deS ehemaligen Tcharnhorst-BundeS, der gegen Ende deS Jahres 1983 in Berlin in die HJ. eingegliedert wurde, haben versucht, ihre alte Organisation weiterzuführen. Unter Leitung ihrer ehe- maligcn Berliner Führung kamen gewisse Gruppen in kurzen Abständen zusammen, um gegen die HJ. Stellung zu nehmen. Die HJ.-Streisc deS Gebietes Berlin hob vor einigen Tagen eine Versammlung auS und ließ alle An« wesenden von der Polizei s e st st e l I e n." Empörung in Kassel Aktfivlstisches Handeln 11 sesen Weolworth •0' Kassel, R. Juni. Die„Kurhessische Landes- zeitung" berichtet unter der Ueberschrift„Repressalien, berechtigte Empörung der Bevölkerung: folgendes: „Die von uns gebrachte Meldung über den Boykott deutscher Waren durch die Leitung des Warenhauskonzerns W o o l w o r t h n. Co. in Neunork hat in der Kasseler Be- vülkrrung lebhaften Widerhall gefunden. Tie in allen Kreisen herrschende Empörung ist der beste Beweis für die Einheitlichkeit des Willens deS deutschen Voltes, jedweden Angriff, von außen auf die wirtschaftliche Gestaltung des Dritten Reiches abzuweisen. Die Empörung der Bevölkerung verdichtete sich gestern nachmittag zu einer Mensrhenansamm- lnng vor bei» Woolnwrth-SinheitSpreisgeschäft in der oberen Kvnigstraße, wo etwa S90 Menschen mehr oder weniger leb- Haft das Verhalten des Woolworth-Konzerns kritisierten, in Amerika deutsche Waren zu boykottieren und in Teutschland in ihren Filialen an deutschen Käufern Geld zu verdienen. Diese begreifliche Empörung steigert« sich zu aktivistischem Handeln, indem einzelne Volksgenossen in das Geschäft Ein- tretende auf daS Unwürdige eines Einkaufs bei Wovlworth animerksam machten. Da die Menschenansammlung immer größere Ausmaße annahm, sah sich die Polizei veranlaßt, einzuschreiten und das Geschäft um»i Uhr wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu schließen. Diese Maßnahme rief bei den vor dem Hanse versammelten Volk?- genossen höchste Befriedigung hervor. Di« Menge zerstreute sich bald, und nur die an den Schaufenstern herabgelassenen Vorhänge waren das einzige Anzeichen eines Kampfes, den man von geivissenloser Seite im Ausland glaubt dem deutschen Volte aufzwingen zu müssen." Von zuständiger Stelle wird zu dieser Angelegenheit noch berichtet, daß da» S t g d t p o l i z e t a m t Kassel der Leitung der hiesigen Woolworthsiliale nahegelegt hat, um irgendwelchen Zwischenfällen vorzubeugen, bis zur Klärung der Angelegenheit, die schnellstens herbeigeführt werben wird, das Geschäft zunächst zu schließen. * Als die hiesige Filiale der Woolworth-EtnheitSprciS- geschälte entgegen der polizeilichen Anregung das Geschäft biS zum Abschluß der eingeleiteten Untersuchung oder biS zum Vorliegen der Entscheidung einer höheren Stelle vor- erst freiwillig geschlossen z» halten, heute vormittag dennoch geöffnet werden sollte, kam es zu neuen Menschen- a n s a m m l u n g e n in der oberen Königstraßc, aus denen heraus stürmisch die Schließung des Geschäfts gefordert wurde. Tie sofort zur Stelle gewesene Polizei stellte die Ruhe wieder her, indem sie nunmehr die Schließung der Filiale anordnete. FloridSdorfer Feuerwehr hatte mit einem Maschinengewehr einen Stützpunkt der regierungstreuen Polizei beschossen. Weißt war als Anführer unmittelbar nach der Nieder- ivertnng des Ausstand«» vom Standgericht zum Tode ver- urteilt und gehängt worden: von den FloridSdorfer Feuer» wehrleuten wurden nun sechs zu acht Jahren, zwei zu sieben, einer zu sechs und drei zu fünf Jahren schweren Ker- kers verurteilt. Als strafmildernd wurde der überragende Einfluß Weißt», unter dem alle Angeklagten standen, an- gerechnet: straiverschärsend wirkte die Tatsache, daß die An- geklagten sich ln schroffem Widerspruch zu ihrer Aufgabe als Feuerwehrleute an den Kämpfen beteiligten. Meckerer in Bitterfeld DI« DAF.. Amt„Abwehr" meldet, baß in Bitterfeld ein Bauer festgenommen wurde, weil er in gröbsten Be- schimpsungen gegen den Gauleiter Stellung genommen habe. Die Verhaftung sei angeblich deshalb rrfolqt, weil die Land- arbeiterwohnungrn des verhafteten Bauern sich in schlech- tcm Zustand befunden hätten. Deutsche Steuerfreudigkeit Nach einer Mitteilung des ReichSfinanzminIsteriumS vek» suchten in letzter Zeit zahlreiche Bürger de«„dritten Reiches" durch Annahmen an KindeSstatt um die Bezahlung von Erbschaft»- uuö MmndlJlverbssteueon herum zu kommen. In Hinkunit wird bei solchen Kindesannahmen das Finanz- amt das Recht haben, einen Antrag auf Feststellung der Nichtigkeit des AnnahmevertrageS zu stellen. Neunköpfige Familie verbrannt dnb. Schramberg(Württemberg), 6. Juni. Tie Höhen» gemeinde Aichhalden bei Schramberg wurde heute früh kurz nach drei Uhr von einem außerordentlich schweren Brand- unglück heimgesucht. Das Anwesen des Besitzer? Karl Lam- brecht brannte vollständig nieder. Die ganze Familie mit V Köpfen, Vater, Mutter und sieden Kinder im Alter von 2 bis 14 Jahren kamen in den Flammen um. Wassermangel erschwerte die Löscharbeiten. Da» Feuer wurde erst sehr spät bemerkt, da dichter Nebel die Sicht behinderte. Dir Eltern versuchten noch die Kinder zu retten, sind iedoch im Zimmer durch Rauch erstickt. Kurz vor 19 Uhr konnten die Mutter und 4 Kinder geborgen werden. Die seit Frühjahr 1982 geschlossene Panzerplatten« f a b r i t der amerikanischen Luken» Steel Company hat den Betrieb wieder ausgenommen und das früher« Arbeits» personal um 189 Mann verstärkt. Drei weitere Panzer» plattenwerke und 19 Hochösen der gleiche« Gesellschaft sind bereits seit einiger Zeit voll beschältet. „Frei sei die deutsche Saar! u Ein Aufruf der Freiheitsfront des Saargebiets Der Völkerbundsrak hak das Datum der Volks- besragung auf den 1 3. Ianuar 19 3 5 festgesehk. Er hak die Innehaltung dieses Dalums an die Bedingung der absoluken Freiheit, Geheimhaltung und UnbeeinflußbarKeit der Wahl geknüpft. Es ist selbstverständlich, daß alle Gegner Hitlers an der Saar, wie in der Vergangenheit, so auch in der Zukunft, allen Terror und Gewiffenszwang, allen direkten und indirekten Druck und jegliche Nötigung ebenso ablehnen und bekämpfen, wie sie alle Versuche der Diffamierung, Aechlung, Verleumdung und Verfemung Andersdenkender entschieden zurückweisen. Mit der Festsetzung des Datums ist der Abstimmungskampf er- öffnet. Die Freiheilsfronl des Saargebieles ruft in dieser Stunde alle Gegner Hillers an der Saar zum geschlossenen und einheitlichen Kampf mit dem Ziele der Eroberung des freien, deutschen Saargebietes auf. Bis zum 30. Zanuar 1933 gab es keinen Streit darüber, daß dieses Ziel nur durch die Rückgliederung nach Deutschland erreicht werden müsse. Seit der Vergewaltigung Deutschlands durch die braune Despotie, seit der Ilnler- drückung Deutschlands durch Konzentrationslager, Gefängnis, Zuchthaus und Handbeil, feit dem Raub aller politifchen.wirtfchaftlichen, sozialen, kulturellen Rechte des deutschen Volkes durch Nazibanden, seil dem Tage der innen- politischen Versklavung und der außenpolitischen Kalastrophenpolilik, die zu Kriegsabenteuern mit nachfolgendem Untergang Deutschlands führen müssen, gibt es für jeden echten Deutschen an der Saar nur noch eine einzige Losung: Wir wollen nicht zu Frankreich, denn wir sind freie Deutsche und wollen es bleiben. Wir wollen auch nicht zu Hitler-Deutschland; denn der Sturz der schmachvollen Hitlerdiklatur, die unser Vaterland erniedrigt, ist die erste nationale Aufgabe jedes patriotischen Deutschen, zu der wir an unserem Teil auch durch die Abstimmung beitragen wollen. Wir wollen eine freie, deutsche Saar, die der letzte Zufluchtsort deutscher Freiheit und freien deutschen Geistes auf deutschem Boden sein soll bis zu dem Tage, an dem ein wieder frei gewordenes Deutschland in ehrlicher dauernder Verständigungsbereil- schaft mit einem ebensolchen Frankreich eine endgültige politische und wirtschaftliche Einordnung der Saar zwischen beiden Völkern er- möglicht. Wir Sozialisten an der Saar wollen freien deutschen Boden für den sozialistischen Kampf. In treuer Verbundenheit mit unfern Brüdern im Reiche werden wir auf diesem Boden den Kampf gegen den größten Feind des Sozialismus führen, lieber die sozialistischen Reihen hinaus aber rufen wir heute alle Saardeutschen auf sich unserm Freiheilskampf anzu- schließen. Es gibt unter der Versklavung und Knechtschaft des«dritten Reiches" keine andere wahrhaft deutsche Lösung des Saarprob'ems als die eines freien deutschen Saargebietes. Deutsch sein, heißt frei sein. Der siegreiche Kampf aller Hitlergegner an der Saar wird der Auftakt zur ersten großen Schlacht der gesamten antinationalsozialistischen Opposition im «dritten Reich" gegen ihre Unterdrücker sein. Die Stunde der Frei- heil muß der Anfang vom Ende des Naziregimes in Deutschland werden. Darum auf, Freiheilskämpfer der Saar, auf in den Kampf um Eure ersten und heiligsten Güter! Auf in den Kampf, die Reihen fest geschlossen und mit hochgeschwungener Faust, mit Verachtung aller Gefahr im Herzen, und auf den Lippen die Losung: Frei sei die deutscheSaar! Nieder mitHitler! Freiheitsfronf Saargehlef Max Braun. Zulius Schwarz, Fritz Dobisch, Karl Möhinger, Richard Pfaff, Karl Etienne, Eduard Lehmann. Richard Kirn, Hugo Brück, Heinrich Licser Zohann Bernarding. Michael Schmidt, Meta Wodarczak. Ernst Braun. Fritz Ritz, Erwin Sattler, Bernhard Schneider. Hermann Saarlouis Dem Bürgermeister die Polizeigewalt entzogen— D~e Vanda en werden vom Sehnellrichter wieder freigelassen Saarlouis, 5. Juni. Der Präsident der Regierungskommission hat unter Be- rusung aus die Ausnahmeverordnnng vom 20. Mai 1938 verfügt, bah die Polizeigcwalt der Stadt Saarlouis dem Bürgermeister Dr. Latz entzogen und dem Landrat des Kreises Saarlouis bzw. seinem Stellvertreter übertragen wird. Ueber den Sturm auf die SWV.-Geschäftsstelle berichtet die„Volksstimme" noch folgendes: Die Geschäftsstelle der Saarländischen Wirtschaftsvereini- gung bietet in den Morgenstunden des Dienstag ein Bild der Zerstörung. Die Fensterläden sind herabgelassen, da die Scheiben völlig zertrümmert sind— im Inneren des Büro- raumes stolpert man über die Glasscherben, die noch so am Boden liegen, wie sie bei dem Ueberfall hingcschleudert wur- den. Nichts in dem Raum, der ehemals ein Büro war, ist der Zerstörung entgangen. Nichts befindet sich in ihm, was nicht deutlich sichtbare Spuren des brutalen Terrors auf- wiese, der sich hier einmal ungehemmt ausgetobt hat! Da steht ein Stuhl, dem ein Bein fehlt, ein schwerer Tisch, der deutliche Zeichen dessen trägt, baß auch er durch das Fenster hinausgeschmissen wurde. Wandkästen, die herabgerissen und zerstört wurden! Auf dem Tisch liegt ein Fetzen Kar- ton, eingerissen an zahlreichen Ecken. Wir betrachten das Werk der Zerstörung: es ist ein Bild, das ehemals unter Glas und Rahmen an der Wand hing— eine Darstellung der Päpste von Petrus an. Man hat es von der Wand geris- sen, zerfetzt und zertrümmert. Glasscherben fliegen zu Bo- den. als wir die Reste dieses religiösen Bildes betrachte», der Rahmen droht ganz abzubrechen! Ein Bild, das sich seit siebzig Jahren in der Familie der Hausbesitzerin befand, deren Haus gestern das Opfer dieses brutalen Ueberfalls wurde! Die beiden Täter sind— nachdem sie genug Un- heil angerichtet hatten— endlich doch von der Land- jägerei verhaftet worden. Dienstag schon wurden sie nachmit- tags dem Schnellrichter in Saarbrücken im Rahmen eines Verfahrens vorgeführt, das ein besonderes Kapitel in diesem Jllustrationssall zu den Genfer Beschlüssen darstellt! Tie Anklage— man staune— lautete auf„Sachbeschäöi- gung. groben Unfug und Nötigung" des verhaftenden Land- jägers! Kein Wort in der Anklage davon, daß es sich um eine agitatorische Zusammenrottung handelte— nichts erin- nerte daran, was sonst in ähnlichen Fällen gegen antifaschi- stische Angeklagte vorgetragen wird! Die Helden der„deut- schen Front" selbst heißen Heinrich Fries und Georg K i e h n, beide Arbeiter aus Saarlouis. Die Angeklagten ließen sich dahin ein, daß sie vor dem Zwischenfall 10—II Glas Bier getrunken hätten. Sie hätten sich irgendwie beleidigt gefühlt. Daß sie die Fenster einge- schlagen haben, geben die Herrschaften zu— von den durch das zerschlagene Fenster aus die Straße geworfenen Möbeln wollen sie nichts wissen! Demgegenüber sagte die 70jährige Hausbesitzerin aus, daß sie vier Zeugen dafür benennen werde, daß es gerade diese beiden Täter gewesen seien, die sich an der systematischen Zerstörung ihres Eigentums beteiligt hätten.» Eine wettere Zeugin bekundete, daß vor der Türe der SWV. ein SOjähriger Mann von den Rowdys in die Gosse geworfen und mit Füßen getreten worden sei! Man habe in der dichten Menschenmenge rund um den Akt der Terror- Handlung, ostentativ hitlerische Lieder gesungen! Das Gericht kam aus Grund dieses Ergebnisses der Ver- Handlung zu dem Entschluß, die Sache zur weiteren Auf- klärung bzw. Zeugenladung ins ordentliche Verfahren zu überweisen. Mag man gegen diesen Beschluß auch nicht viel einzuwenden haben, mag man ihn auch begrüßen, da in der Tat diese Verhandlung einer sehr eingehenden Borunter- suchung bedarf, so kann man nicht anders, als seinem Be- fremden Ausdruck geben daß das Gericht anschließend ver- kündete, daß beide-Angeklagte mangels Fluchtverdachtes auf freien Fuß gesetzt werden. Jedes Wort des Kommentars zu dieser erstaunlichen Tat- fache ist überflüssig. Vielleicht ist es aber nicht unnütz, darauf hinzuweisen, daß der Oberstaatsanwalt in Saarlouis die Berechtigung haben wird, auch bereits schwebende Versahren den kommenden neutralen Abstimmungsgerichten zu über- weisen! ♦ Man stelle sich vor. antihitlerische Kräfte hätten die Büros der Leitung der„deutschen Front" gestürmt und die Einrichtung zertrümmert. Wie würde ein saarländischer Richter über die Täter geurteilt haben hinsichtlich der Frage der Aufrechterhaltung des Haftbefehls. Wer glaubt, daß Sozialdemokraten oder Kommunisten in diesem Falle auf freien Fuß gesetzt worden wären?! Wie die Reichsregierung lügt Warum dürfen Ausländer nicht su Thal mann? nach otccini, der Schriftstellerin Williams Ellis und dem Rechtsanwalt Bennabue nach Berlin begeben. Diese Delegation hatte sich zur Aufgabe gestellt, eine Anzahl poli- tischer Gefangener, darunter Thälmann. Ossietzki, Neubauer, Frau Segcr usw., über deren Schicksal die englische Oeffentlichkeit besonders beunruhigt war. aus- zusuchen. Nach langwierigen Verhandlungen, Vertröstungen usw. wurde die Delegation schließlich am 13. Mai von einem verantwortlichen Beauftragten des Außenpolitischen Amtes der NSDAP, aufgesucht, der u. a. erklärte, daß die Ne- gierung beschlossen habe, der Delegation einen Besuch bei Ernst Thälmann zu ermöglichen, jedoch e r st Ablauf von Ifl Tagen. Gleichzeitig wurde der Delegation mitgeteilt, daß der Besuch bei Frau Teger unmöglich sei, da Frau Seger und ihr Kind sich niemals in Halt befunden hätten. Die Delegation kehrte nach England zurück und bereitete sich nach Ablauf von in Tagen daraus vor, eine zweite Reise nach Berlin anzutreten. Sie avisierten der deutschen Regierung ihre Ankunft, um gemäß der Erklärung des Vertreters der Regierung die Besuche bei Thälmann und anderen politischen Gefangenen durchzuführen. Ueber- raschenderweise wurde dem Führer der Delegation Earl os Listowel aber geantwortet, baß es jetzt sehr schwer sei, den Besuch bei Thälmann durchzuführen. Als Grund wurde an- gegeben, daß die Delegation der Presse Nachrichten zur Veröffentlichung übermittelt habe, daß trotz der Erklärung Petri. Sdiutz den Saar-Gewerhsdiaifen Gens, 5. Juni 1984.(Eigener Bericht s Die Arbeitergruppe der Internationalen Arbeitskonsercnz, darunter sowohl die Vertreter der freien wie der ch r i st- lichen Gcwcrkschafts-Jnternationale, haben die Vertreter der Saararbeiterschast, und zwar von den freie» Gewerk- schaften die Kollege» Petry, Baders«nd von den christlichen Gewerkschaften den Kollege» Pick empfangen, die ihnen die Wünsche der Saararbeiterschast aus gewerkschaftlichem Ge- biete vorgetragen haben. Die saarländischen Arbcitervertreter wurden mit großem Jubel empfangen und es wurde ein- stimmig eine Entschließung der sreien«nd der christlichen Gewcrkschastsinternationale angenommen, die der iirternatio- nalen Arbeitskonferenz unterbreitet wird und deren An- nähme absolut sicher ist. Die Entschließung, die die freie GewerkschaftSinternatio- nale durch ihren 2. Vorsitzenden I o u h a u x vorlegen ließ, lautet: „Da der Völkerbnndsrat eine Kommission eingesetzt hat zur Vorbereitung jener Volksabstimmung, die über daS Schicksal des Saargebietes entscheide» soll, da das Saar» gebiet ein Industrieland mit einer beträchtlichen Arbeiter- bevölkern»« ist, die sich einer gegenüber Hitlerdentschland fortgeschrittenen Sozialgesetzbung und der Bereinigungs- sreiheit erfreut, fordert die Internationale Arbeitskonse- renz den Berwaltungsrat des Internationalen Arbeits- amtes ans. die Zweckmäßigkeit der Errichtung eines drei- gliederigen Ausschusses aus seiner Mitte zu prüfen, der die Lage zu untersuchen hätte, um der Bölkerbundskommis- sion Vorschläge zu unterbreiten, die unter anderem geeig- »et wären, die Belange der Arbeitnehmer des Saargebietes zu wahren." des Regiernngsvertreters, Fran Seger sei nicht verhastet, die Delegation von sich aus durch eine Reise nach Dessau fest- gestellt habe, daß Frau Segcr mit ihrem Kind seit Monaten im Konzentrationslager ist. Dem Führer der englischen Delegation wurde weiter mitgeteilt, daß aus diesem Grunde zwei Mitglieder der englischen Delegation, der Rechtsanwalt Bennabue und die Schriftstellerin Williams ElliS, keine Erlaubnis mehr erhalten würden, nach Deutschland einzureisen. Unterdessen ist Frau Teger mit Kind dank der Internen- tion englischer Kreise und des steigenden Massendrucks in allen Ländern freigelassen worden und in England ein- getroffen. Sic hat dort die Richtigkeit der Darstellung der Vorgänge durch die englische Delegation bestätigt. Es unterliegt also keinem Zweifel, daß der offizielle Ver- treter der Hitlerregierung mit der Erklärung, Frau Teger und Kind seien in Freiheit, absichtlich gelogen hat und daß die Hitlerregierung, nachdem die Wahrheit der Oeffentlichkeit bekannt geworden war, als Rache dafür zwei Mitgliedern der englischen Delegation die Einreise nach Deutschland verweigert. Hitler möchte nur Leute in Deutsch- land haben, die sich kaufen lassen, um Lügen zu verbreiten. Ter Kampf ist nicht beendet. Die englische Delegation wird alles daran setzen, um zu erreichen, daß eine Delegation englischer Frauen und Männer Thälmann besucht. vle Zerstörung der Kuilur Wie der OND. aus Wien berichtet wird, hat die Regierung Dollsuß die Büchergilde Gutenberg ausgelöst. Die Büchergilde war eine Bereinigung, die der Verbreitung von Büchern diente. Nachdem die nationalsozialistische Re- gierung in Teutschland die Büchergilde aufgelöst hatte, machte sich die Büchergilde in Oesterreich, der Schweiz und der Tschechoslowakei selbständig und pflegte die aus Deutsch- land verbannte Literatur. Nun hat die österreichische Regie- rung aus faschistischer Kulturfeindschaft die Büchergilde, die 60(X) bis 9000 Mitglieder zählte, aufgelöst und damit der Hitlcr-Regierung einen Liebesdienst erwiesen und das österreichische Verlagswesen geschädigt. Donnerstag. 7. Juni 1934 ARBBIT UMD WIRTSCHAFT ..Deutsche Freiheit" Nr. 128 Devisenlröchslbetragc Die Devisenzuteilung für die Einfuhr hat sich wie folgt entwickelt: Bis Februar 1932 100 Prozent, im März 1932 75 Prozent im April 1932 55 Prozent, Mai 1932 bis Februar 1934 50 Prozent. Im März 1934 45 Prozent, im April 1934 35 Prozent, im Mai 1934 25 Prozent, im Juni 1934 10 Prozent. Ab 1 Juni wird nun neu der Begriff„E i n f u h r lebensnotwendiger Rohstoffe" in die Devisenzuteilung eingeführt. Diese Einfuhr unterliegt nicht der allgemeinen Kürzung der De visen höchst betrüge auf 10 Prozent. Die Einfuhrkontrolle ist hier auf die Ueberwachungs- stellen für 1 extilrohstoffe, Häute und Felle und unedle Metalle übergegangen. Natürlich wird die Einfuhr dieser lebenswichtigen Rohstoffe nicht unabhängig von der Devisenbewirtschaftung geregelt, sondern auf Grund besonderer Anordnung, die von den Ueberwachungsstellen in Verbindung mit den Devisenstellen getroffen werden. Sparkasseneinlagen— geringer als 1933 Die Spareinlagen bei den deutschen Sparkassen stiegen im April 1934 um 51,6 Mill. RM. auf 11 669,3 Mill. RM. Von der Zunahme entfallen 28,0 Mill. RM. auf den Einzahlungsüber- Schuß, 11,9 Mill. RM. auf Zinsgutschriften und 11.7 Mill. RM Auf wertungsgut Schriften. Der Einzablungsübersdiuß hat sich gegenüber dem Vormonat saisonmäßig erhöbt; er ist um 12.5 Mill. RM. größer als im März 1934, jedoch um 3,5 Mill. RM. niedriger als im April 193 3. Seit l'eberwindung der Kreditkrisis ist es das erstemal, daß der Einzahlung?Überschuß wieder kleiner war als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Phrasen-Sozialismus Weder Arbeitnehmer noch Arbeitgeber Die nationalsozialistische Provinzpresse läßt sich aus Berlin schreiben:..Durch das Gesetj zur Ordnung der nationalen Arbeit ist für alle Zukunft der Begriff„Arbeitnehmer" und„Arbeitgeber" verschwunden. Aus dem Arbeitgeber wird der Betriebsführer und aus den Arbeitnehmern die Gefolgschaft. In der Gemeinschaft des Betriebes werden Führer und Gefolgschaft ihre ganze Kräfte frei entfalten können; jedoch nicht im Profitinteresse eines einzelnen, sondern zum Wohle des Volksganzen. Die Vertrauensmänner, die in allen Betrieben gewählt wurden, sollen nicht etwa eine Nachbildung der alten Betriebsräte sein; sie baben im nationalsozialistischen Geiste ihre ganze Persönlichkeit einzusetzen, um die V erksVerbundenheit auch in schwierigen Zeiten zu erhalten. V on ihrem Wirken wird es nicht zuletzt abhängen, ob das Gesetz so durchgeführt wird, wie es dem Willeu Adolf Hitlers entspricht. Wer allerdings in diesem Gesetz die Erfüllung einer seit Jahrzehnten erhobenen reaktionären Forderung: die Wiederherstellung des falschen„Herr-im-Hause"-Staudpunktes erblickt, wird schwer enttäuscht werden. Alle Versuche, das Gesetz so auszulegen und anzuwenden, werden im Keime erstickt. Die mit allen Vollmachten ausgestatteten Treuhänder der Arbeit sowie die NSBO. und„d e u t• sehe Arbeitsfront" werden darüber wachen, daß der gute Geist dieses Gesetzes nicht verfälscht wird." Billigeriugzeugeundleidiiaulos Der amerikanische Automobilkönig Henry Ford hat die Vertreter der Presse, nachdem es längere Zeit um die weitere Entwicklung des Fordschen Automobilbaues still gewesen war, jetzt mit seinen neuen Plänen bekannt gemacht. In erster Reihe wird sich Ford jetzt dem Bau von billigen Sportflugzeugen, die nicht über 1000 Dollar pro Apparat kosten sollen, zuwenden. In diese Flugzeuge soll der gleiche Motor eingebaut werden, wie er für den kleineren der beiden Fordwagentypen verwendet wird. Eine besondere Rolle in den Forschungsaufgaben sowohl für den Automobilbau wie die Flugzeugherstellung wird künftighin das Leichtmetall spielen. Ford fügte hinzu, daß sich sein Unternehmen sehr eingehend mit diesen Experimenten beschäftigte.„Vielleicht," sagte er,„werden wir eines Tages ein Automobil herausbringen, das ein sehr geringes Gewicht aufweist. Es sollen Fahrzeuge sein, die man mit einem Arm vom Boden aufheben könne, um sie von unten zu betrachten, gleich wie eine Kanoe." Auf den Einwand, daß es jedenfalls gefährlich wäre, mit einem solchen winzigen Vehikel große Geschwindigkeiten einzuhalten, bemerkte Ford:„Niemand soll eben schnell fahren." Mangel und Teuerung Nicht einmal Margarine Zur Aufklärung schreibt uns der Verband westdeutscher Eier- und Fettwarcn-Kaufleule e. V., Köln: Nicht selten führen die Empfänger von Bezugsscheinen Klagen darüber, daß sie keine Haushaltmargarine bekommen können. Zu Unrecht wird die Schuld dem Kleinhandel zugeschoben, der als letzter Verteiler auch als der Verantwortliche vom Verbraucher angesehen wird. Die Ursache liegt an den KontigentierungsVorschriften, die von den Regierungsstellen aus wohlüberlegten Gründen erlassen wurden. die jedoch dem Verbraucher zu wenig bekannt sind. Zur Beruhigung sei deshalb darauf hingewiesen, daß jeder Abschnitt unbedingt eingelöst wird, nur kann die Entnahme der Haushallmargarinc nicht sofort erfolgen. „Kölnische Zeitung". Verknappung und Spekulaticnsmanöver Bekanntlich ist infolge der Devisenlage eine Einfuhrsperre fürOelsaaten und Oelfrüchte notwendig geworden. In den letzten Tagen hat sich aber gezeigt, daß diese Verknappung des Rohmaterials teilweise zu einer spekulativen Preistreiberei für Del- kuehen benutzt worden ist. Sollten diese Preiserhöhungen nicht unterbleiben, ao würden Gegenmaßnahmen der verschiedensten Art, insbesondere auch wirtschaftliche Maßnahmen durchgeführt werden.„Kölnische Zeitung". Steigende Preise, feste Löhne Nimmt man die Jahresdurchschnittspreise der Baustoffe, so ergibt sich ein ununterbrochener Abstieg: 1931: 125,2 v. H., 1932: 108.3 v. H. 1933: 104,1 v. H. Hierbei sind die Preise für 1913 gleich 100 gesetzt. Sieht man sich jedoch die monatlichen Durchschnittspreise des Jahres 1933 an, so muß man einen Aufstieg von 102,7 v. II. im Februar auf 105,7 v. H. im Dezember feststellen. Die gesamten Baukosten haben sich von 124.8 v. H. im April auf 128.3 v H im Dezember erhöbt. Daß sich die Kosten seitdem weiter nach oben entwickelt haben, wird in der erwähnten Schrift an den Beispielen einiger deutscher Großstädte nachgewiesen Im Februar 1934 waren die Ge- samtherstellungskosten massiver Wohngebäude ohne Grund Stückskosten und Anliegerlasten wie folgt gestiegen:(Die Klammern enthalten den zum Vergleich herangezogenen Tiefpunktmonat.) Hannover um 0,0 v. H.(Juli 1933), Hamburg um 2,7 v. II(Dezember 1932), Stuttgart uin 2,7 v. II.(März 1933), Frankfurt a. M. um 3.1 v. II. (April 1933), Berlin um 4.1 v. II.(Februar 1933), Essen um 4,8 v. H.(April 1933), München um 5.5 v. H.(Juli 1933), Leipzig um 6.2 v. H.(Oktober 1932), Breslau um 7,4 v. II.(Dezember 1932), Köln um 11,6 v. H.(Mai 1933). Das Reichswirtschaftsministerium hat wiederholt vor u n• gerechtfertigten Preissteigerungen auf dem Baustoffmarkt gewarnt und gegen Versuche, die Konjunktur auszunutzen, Maßnahmen angedroht. Es wäre auch nicht zu rechtfertigen, wenn aus öffentlichen Aufwendungen, zu deren späterer Abgeltung allgemeine Steuermittel herangezogen werden müssen, Uebergewinne für einzelne w irtschalts- zweige oder Unternehmungen flössen. Was von den Preisen gilt, muß sinngemäß auch für die Löhne gelten. Es ist notwendig— und zwar aus materiellen und moralischen Gründen—. daß der Arbeitslohn über der Arbeitslosenrenle liegt. Aber es ist nicht notwendig und sogar nicht erwünscht, daß sich in einem einzelnen Wirtschaftszweig die Löhne weit über den Durchschnitt erbeben. Reichskanzler Hitler bat es als seine nächste Aufgabe bezeichnet, möglichst viele Arbeitslose in Arbeit und Verdienst zu bringen. Die allgemeine Hebung des Lolinstandes ist eine zwar wichtige, aber spätere Aufgabe. „Kölnische Zeitung. Gebändigter Mut Die Reichsbehörden baben mehrere Verordnungen gegen unberechtigte Preissteigerungen erlassen. Daß es sich dabei um Schläge ins Wasser handelt, beweist folgende Erläuterung: „Zu der im Reichsgesetzblatt 1 Seite 317 vom 21. April 1934 erschienenen Verordnung zur Verhinderung von Preissteigerungen auf dem Textilgebiet, gibt der Reichswirtschaftsminister bekannt: Durch diese Verordnung sollen ungerechtfertigte Preiserhöhungen vermieden werden. Es liegt auf der Hand, daß eine derartige Verordnung, die ganz allgemein die Handlungsfrei des Geschäftsmannes für Textiipreise nach oben begrenzt(es sollen die Preise nicht überschritten werden, die in der Zeit vom 1. bis 21. Mai 1934 gegolten haben), für viele eine gewisse Härte bedeutet. Es wäre aber unmöglich gewesen, für die vielen Tausende von in Betracht kommenden Waren Höchstpreise unter Berücksichtigung der jeweils besonderen Verhältnisse festzusetzen. Die Entwicklung der letzten Wochen bat andererseits gezeigt, daß die erforderlich gewordene Einschränkung der Rohstoffzufuhr zu Versuchen verleitet, die Warenverknappung zu Soudergewinnen auszunutzen. Hiergegen allein richtet sich die Verordnung. Sie darf keinesfalls dazu mißbraucht werden den betroffenen Unternehmen un- nötige Schwierigkeiten zu machen oder durch ungerecht- fertigte Drohungen mit richterlicher Untersuchung der Geschäftsverhältnisse etwa außergewöhnliche geschäftliche V orteile für den Abnehmer zu erreichen. Wer ungerechtfertigte Anzeigen bei den Staatsanwälten erstattet, stört nicht nur deren Geschäftsbetrieb, sondern auch die Wirtschaft, er wird als Schädling behandelt werden." „Bergwerks-Zeitung Deutschlands Textii versorgena Angesichts der wachsenden Beunruhigung hinsichtlich der deutschen Rohstoffversorgung verdient eine Schätzung des Deutschen Instituts für Konjunkturforschung Beachtung, der- zufolge zur Zeit die vorhandenen Vorräte den Bedarf der deutschen Textilindustrie(ohne Gefährdung des Bewegungs- Standes) für*etwa vier bis fünfeinhalb Monate decken könnten, ohne daß wirtschaftliche Stockungen eintreten. Zu Ende Mai 1933 hätten die Vorräte nur zur Bedarfsdeckung für rund drei Monate ausgereicht und im Mai 1932 sogar nur für rund eineinhalben Monat. Das Konjunkturinstitut geht davon aus, daß die deutsche Textilproduktion und damit auch der Rohst off verbrauch jetzt ungefähr wieder den Stand von Mitte 1928 erreicht habe, daß dagegen aber die Einfuhr von Textilrohstoffen in den beiden letzten Jahren viel stärker als der Verbrauch zugenommen habe und daß sie zu Mitte 1933 vorübergehend sogar auf einen Rekordstand gestiegen sei. Infolgedessen hätten sich erhebliche Rohstoffvorräte angesammelt. Als zu Ende März 1934 die Einkaufs- sperre für Texiiirohstoffe verhängt worden war, dürfte der Bedarf an ausländischen Rohstoffen für cm halbes Jabr gesichert gewesen sein, während es jetzt nur noch etwa vier bis fünf Monate sind. Von den derzeitigen Robstoff beständen dürfte der Bedarf für etwa eineinhalb Monate als eiserner Bestand anzusehen sein, so daß der Bedarf von zweieinhalb bis dreieinhalb Monaten als Reservepolster betrachtet wer- Stalin kauft bei Dollfuß Im ersten Viertel I. J. hat USSR. an Oesterreich Aufträge im Werte von rund 3,5 Mill. S vergeben. Laut Informationen Auch nulmacher sind Mleßmacher Weh dem, der Lohnerhöhungen prophezeit! Goebbels Feldzug gegen die Miesmacher ist in vollem Gange. Ea ist befohlenl, alles rosenrot und himmelblau zu sehen. Wer grau sieht, wird erschossen. Wer sich über die Schandlöhne aufhält, für die das deutsche Proletariat im „dritten Reich" schaffen muß, der gehört— so sagt Goebbels— zu den Leuten, die sich in unglaublicher Weise über die kleinsten Kleinigkeiten aufhalten. Er ahnt gar nicht, der Wackere, wie recht er hat, wenn er die unter den Unterstützungssätzen liegenden Arbeitslöhne als„kleinste Kleinigkeiten" charakterisiert! Aber da platzt in die amtliche befohlene Ausschmückung des Zukunftshimmels mit Geigen ein Erlaß des Beairkslciters der„Deutschen Arbeitsfront" für das rheinisch-westfälische Industriegebiet. Walter Nagel heißt der Verfasser. Dieser Gute regt sich auf, weil„von offenbar staatsfeindlicher Seite" das Gerücht einer bevorstehenden zebnprozentigen Lohnerhöhung unter den Arbeitern verbreitet werde. Nagel macht darauf aufmerksam, daß die unrichtigen Bc hauptungen jeglicher Grundlage entbehren und warnt gleich zeitig vor der Weiterverbreitung derartiger Gerüchte, die in unverantwortlicher Weise unerfüllbare Hoffnungen unter der Arbeiterschaft hervorriefen. In Zukunft werde mit allen zu Gebote stehenden Mitteln gegen diejenigen Personen eingeschritten werden, die durch derartige Behauptungen die Stimmung in der Arbeiterschaft zu beeinflussen versuchten. Ja, was ist nun das? Miesmacher werden nicht geduldet, wer aber den Arbeitern Hoffnung auf die wahrhaft bescheidene Lohnerhöhung von 10 ganzen Prozent macht, ist ein Staatsfeind und wird hinter Stacheldraht gesetzt. Noch viel ärger: der Bezirksleiter der„deutschen Arbeitsfront" spricht sogar von„unerfüllbaren Hoffnungen", obwohl doch nur von einer Erhöhung der Löhne um 10 Prozent die Rede ist, die seit 1929 um 30 bis 40 Prozent gesunken sind. Ja. muß man denn da nicht Pessimist werden und unter die Miesmacher gehen? Und noch eine Frage an den Ober- stimmungsmacher Goebbels: Was darf man eigentlich in Deutschland von der Zukunft behaupten: Wer sagt, daß es schlechter würde, fliegt als Miesmacher ins Loch, wer das Gegenteil prophezeit, wird als Staatsfeind eingekastelt. Und wenn man voraussagt, daß alles beim alten bliebe, so ist CS ihnen doch sicher auch nicht recht?! den könne. Seite Mitte 1932 dürften schätzungsweise eine!» halb bis zwei Monatsproduktionen an Halb- und 1 ertigfabri» katen zur Erhöhung der Lagerbestände Verwendung gefunden haben, die als Reservepolster zur Verhinderung von Stok- klingen in der Verwendung mit Textilwaren dienen. Zusammenfassend erklärt das Institut, daß die Versorgungslage zur Zeit ziemlich befriedigend sei; selbst bei nur langsamer Lockerung der Einkaufssperre seien zunächst akute Störungen des Textilkonsums nicht zu befürchten. Anderseits gehe aus diesen Ueberlegungen aber auch hervor, daß die Sicherung der Versorgung mit Textilrohstoffen eines der dringendsten Probleme der deutschen Konjunkturpolitik sei. Die inländische Rohstofferzeugung vermöge den"1 extilbedarf nur zu einem geringen Teil zu decken, und zwar hei olle mit etwa 9 Prozent und bei Flachs mit 17 Prozent, bei Kunstseide nur mit Hilfe eingeführter Rohstoffe wie Holz usw., bei Baumwolle und Seide dagegen überhaupt nicht. Dazu bemerkt die„Neue Zürcher Zeitung": Im übrigen muß den Ausführungen des Konjunkturinstituts gegenüber noch erwähnt werden, daß das Bild, von der Devisen- seite aus gesehen, insofern wesentlich ungünstiger ist, als ein großer Teil der in vorstehenden Vorratsziffern enthaltenen Mengen noch nicht gezahlt ist, vor allem nicht die etwa 600 000 Ballen betragenden Baumwollvorräte in Bremen. des Wirtschaftsdienstes Estrop handelt es sich hierbei hauptsächlich um Bestellungen von Kugellagern, die die S t e y r• Werke liefern, wodurch es dieser Industrie ermöglicht wird, die bisherige Belegschaft der Kugellagerfabrik auf ein halbes Jahre weiter zu beschäftigen. Einen Auftrag auf Röhren hat die K r o m a g in Hirtenberg ebenfalls mit halbjähriger Laufzeit erhalten, wogegen die C I i m a x A.-G. in Linz, die ihren letzten größeren sowjetischen Motoren- auftrag im Frühjahr schon ausgeliefert hatte, bisher keinen weiteren Auftrag mehr erhalten konnte. Auch der Auftrag der Climax bedeutete eine Beschäftigung während eines halben Jahres. Aus Palästina Die Ausfuhr von Orangen und Zitronen betrug 1933 5,41 Millionen Kisten gegen 4,5 Millionen im Jahre 1932 und 2,86 Millionen im Jahre 1930. Da der Hafen von Jaffa sich der Inanspruchnahme nicht mehr gewachsen zeigte, wird an seiner Vergrößerung gearbeitet. Eine Reihe jüdischer Orangenpflanzer aus Palästina haben in der letzten Zeit auf Zypern größere Pflanzungen angelegt, da Klima und Arbeitsverhältnisse außerordentlich günstig sind und das Land für Orangen- und sogar Bananenpflanzungen wie auch für die Begründung kleinerer Industrien viel Raum bietet und außerdem als britischer Besitz im Gegensatz zu dem Mandatsgebiet Palästina bei der Einfuhr nach England die Vorzugszölle auf Grund des Abkommens von Ottawo genießt. Werbt für die„Deutsche Freiheit" S)euts€fiic Stimmen• föeilage zur„Deutsdken Jr ei freit'• Ereignisse und Gestfritfrien 1 ! H WWW« Donnerstag, den 7. Juni 1934 See Qeist des Spatens Sie neue^Bctmche: Qiau&ensactikeC See1 I Der fall Hemeln Wie man zum Führer and Reifer wird Wie man ein Hitler wird den Ludetendcutschen spielt sich augenblicklich ein Prozeß ab, der im kleinen die Entwicklung des deutschen Bitrgertums zum Nazifaschismus wiederholt. Gerade die kleinen Verhältnisse unter den deutschen in der Tschechoslowakei aber erlauben, diese Entwicklung des Bürgertums zum Faschismus klarer zu erkennen, als das im vorHitler- scheu Reich möglich war. Deshalb und weil die sudeten- deutschen Dinge typisch für die faschistische Verwirrung der Deutschen in aller Welt sind, verdient die„Zudetendeutsche Hcimatsront" des Äonrad He n lein, des neuesten deut- scheu„Führers", Aufmerksamkeit. e So wie Mussolini für Italien, Hitler für Deutschland. MoZley für England das Rettungsrezcpt für alles Glück und Wohl der Nation gepachtet haben will, genau so tritt Konrad Hcnlein als Retter vor das Volk und erhebt den Anspruch,„der Führer" zu sein. Wer ist nun dieser Mann? 3» seinem 8 6.! Geburtstag veröffentlicht er in seiner eigenen Zeitschrift einen mehrere Spalten langen Hym- nuS auf sich selbst. Seine Jugend wird im Stil von Großmütterchens Zeit- vertreib schalkhaft und bedeutungsvoll, aber nicht indiskret geschildert:„Es soll nur verraten sein, daß er Eltern und Lehrer manchmal zur Verzweiflung brachte und durchaus kein Musterknabe in des Wortes herkömmlicher Bedeutung war." Nachdem man uns hierüber beruhigt hat, erfahren wir, daß Henlein begeistert zu den Waffen eilte, daß er im 3. Tiroler Kaiserjägerrcgiment diente, welcher Waffen- gattung die Welt auch den Gnom Dollsuß verdankt. Die Tschechen, deren italienische Legionen gegen die Kaiserjäger- regimcnter kämpften, sind über diesen Teil der sudeten- deutschen„Führer"biografie besonders erfreut. Als Henlein 1919 aus italienischer Kriegsgefangenschaft heimkehrte, wurde er Bankbeamter. Da ihn der nüchterne Beruf, in dem man sachlich arbeiten muß. nicht freute, vertrieb er sich die Zeit mit— Turnen und wurde Turnwart im Rcichenberger Turnverein. Und dazwischen reiste er nach Oesterreich, Jta- Iien, Deutschland, in die Schweiz und nach Frankreich: aber diese Reisen glichen nicht den Urlaubsreifen der andere» Bankbeamten und Turnwarte:„Nicht Reisen im bürger- lichen Sinne waren das, sondern hellhörige Gänge durch Land und Leute, durch Volkstum und Staatöleben, auf- nahmsbereite Entdeckungsfahrten, auf denen man überall dort anklopfte und vorsprach, wo die Quelle der Erfahrung am eindringlichsten rauschten." Nach diesen Quellen- »orschungen konnte es nicht ausbleiben, baß Hcnlein zu den höchsten Ehren emporstieg, er wurde VereinSturnlehrcr in Aich. Gavturnwart später, und„Führer" dcS Turnverbandes gir. So konnte et auf die sachliche Arbeit des Bankbeamten verzichten. In der Turnerei fand Henlein, von dem be- Haupte» wird, dah er ein Nachkomme deS Nürnberger Uhren- henlein sei, natürlich den Widerstand, der jedes Genie hemmt:„Aber mit der von ihm geforderten neuen turneri- scheu Haltung weitete sich auch das Wissen um das Neue, dtS er anstrebte Das sudetendcutsche Turnwesen trat in die Epoche eineS drängenden Auf- und Umbruchs..... Kon- ,t»ad Henlein». Merk hob sich zum ersten. Male weithin ficht- : bar vom su d e t e n de u t sche n Ho r i z o n t e ab, als beim Männerturnfeste in Kaaden 1989 eine in sich geschlossene Mannschaft aufmarschierte, die dir Züge eines einzigen erzieherischen Willens trug: den führenden Willen Konrab HenleinS." Dieser Turnlehrer bekam nun dadurch für die Politik der Deutschen in der Tschechoslowakei Bedeutung, daß die Regierung dem Naziunwesen und Terror ein Ende machte. AI* das große Auffangbecken für Nazi und Deutschnationale er wuchs die geschickt getarnte Henleinfront. Tie-theorie dieser .... mirfl rtlirfi Ilirbt viel VON ihr in den lctttcn Men••• franhrcich bcharrl ani seiner Slcherheiispollilh Gens, den 5. Juni 1934. Die Abrüstungskonferenz versuchte heute vergebens zu »rgetideinem abschließenden vorläufigen Ergebnis zu kam- men. Zu diesem Zwecke hatte der Präsident Henderson einen vielgliedrigen Entschlictzungsentwurf vorgelegt, der das Kunststück fertigbrachte, alle auf die widersprechendsten An- regungen zu verarbeiten. Aber nicht einmal dieser Entwurf, der keinerlei Bindungen enthielt, konnte die Konferenz zu einer einheitlichen Stellungnahme bringen. Kennzeichnend für die Ausweglosigkeit der Konserenz ist das Bestreben Hendersons, die schwierigen Probleme zu vertagen, so die russischen Anregungen,— oder sie aus den Weg der Einzel- Verhandlungen zu verweisen. Immer mehr kristallisiert sich der von Frankreich ausgestellte Hauptgesichtspunkt heraus, keine Abrüstung ohne Sicherheit, ivobci England nicht ge» willt ist. bestimmte Garantien zu übernehmen. Dieser Ge» gensatz veranlasste Barthvu, die wesentlichsten Teile des Hen- dersvnschen Entwurfes abzulehnen, aus dem Gesichtspunkte der Sicherheitofragc. Er hätte nichts' dagegen, daß Deutsch- land in die Konferenz zurückkehre, aber er sei entschiede» dagegen, daß man cS ausdrücklich zurückhole. Deutschland müsse mit dem gleichen freien Willen zurück- kommen, m>t dem es die Konferenz verlassen hat. Er, Barthou. sei dagegen, daß man dem Präsidium bcson- dcre Vollmachten zur Lösung der Abrüstungskrise erteilt. Henderson erwiderte ungewöhnlich scharf, fast ausschliesslich gegen Barthou gewandt, und drohte schliesslich mit seinem Rücktritt. Schließlich endete die Präsidialsitzung gegen lll Uhr völlig ergebnislos. Damit entfiel auch die auf Mittwoch angesetzte Sitzung des Hauptausschusses, die vertagt wurde. Statt des Hauptausschusses wird mprgen, Mittwoch, wieder das Prä- sidium tagen. Unglaubliches Manöver dnb. Paris, 6. Juni. Die Betrachtungen der französischen Blätter, so rnckhaltsloS sie auch die Stellungnahme Barthous gegen Henderson billigen, ivcil er die französische Ausfassung „zuerst Sicherheit" verteidigt habe, sind mehr als pessimistisch hinsichtlich der noch bestehenden Bcrständigungsmöglichkeiten. „Die Konferenz scheint nach der dramatischen Sitzung von Gens in den letzten Zügen zu liegen", schreibt das„Oeuvre". Das einzig positive Ergebnis des gestrige» Verhandlungs- tages ist nach Ansicht des„Journal" die Durchkreuzung ein„o „unglaublichen Manövers", durch das die Sicherheit unter- drückt und Teutschland neues Entgegenkommen gezeigt wer- den sollte. Barthou wird zu seinem Vorstoß gegen Heilder- son auch von Herriots„Ere Nouvclle" beglückwünscht: Er habe den Gedanken Hendersons, den Völkerbund vor Teutschland zu demütigen, abgewehrt. „Warum ein solches Rededuell?" fragt Pertinax im„Echo de Parts" und antwortet: Einlach deshalb, weil zum ersten- mal die Mächte, die den Frieden erhalten und die Achtung der Vorträge durchsetzen wollen, gezeigt haben, daß sie cnt- schlössen sind. Bei st and s paktc abzuschließen, ö. h. sich eintretendenfalls zu einer Koalition gegen den Angreifer zu- sammenzufinden. Das„Echo de Paris" glaubt nicht mehr, daß die französische Sicherhritsthese sich in Genf durchsetzen kann, und rät deshalb, den Frieden außerhalb der Ab- rüstungskonferenz zu organisieren. Ein letzter Rettungsversuch soll anscheinend noch unter- Kommen werden. Jedenfalls meldet das„Oeuvre", baß nach allgemeiner Auffassung von türkischer oder russischer Seite oder aus den Kreisen der Kleinen Entente ein Gegcncntivurf eingebracht werden dürfte, der ein letztesmal den sran- Zöllschen Standpunkt von der Organisierung der Sicherheit konkretisieren werde. Vielleicht werde Dr. Bcnesch die Jni- tiative ergreifen. Da man mit der Ablehnung der Angel- sachscn rechne, werde auf diese alle Verantwortung kommen. Dann bleibe nichts weiter übrig, als die Konferenz aus un- bestimmte Zeit oder auf das kommende Jahr zu vertagen. Holland Ober das„dritte Heidi" Deutschen in oer a-iajcweiiuiumn...... gicrung dem Naziunwesen und Terror ein Ende machte. Als das grosse Auffangbeckcn für Nazi und Deutschnationale er- wuchs die geschickt getarnte Henleinfront. Die Theorie dieser Front ist nicht eben deutlich, es wird auch nicht viel von ihr gesprochen, die Wissenden wissen eben, daß es sich um eine getarnte Naziorganisation handelt und den Naiven sagt man. daß Hcnleino Königsgedanke die Ucbcrzeugung sei, daß der Turnverein der Erziehungsverband für alle Sudeten- deutschen werden müsse. Und sonst noch, baß Henlein ein Genie, der Retter, der»Führer" sei. Ein solcher Mann hat natürlich die besten Eigenschaften: man schildert sie genau so wie Naziblätter die Eigenschaften Hitlers schildern. Hitler wie Henlein haben den„guten Griff" bei der Auswahl ihrer Spießgesellen: der Henlein läßt seinen Gehilfen zwar einige Freiheit, zu turnen wie sie wollen, doch:„Die letzte Eni- scheidnng aber bleibt in seiner Hand und die ist unanfecht- bar, wenn sie gefallen ist." Wie Hitler ist Henlein der Er- lediger deS Marxismus:„Der Marxismus ist nichts an- deres gewesen als der geistige Aufstand eines volksfremd ge- wordenen Menschen." Wie Hitler schwatzt Hcnlein von den „fünfzehn Jahren" und wie der braune Osas ist der sudeten- deutsche Tue« als der„Ewiger" gekommen:„Tie Zerrissenheit! die Fassungslosigkeit der deutschen Belange hatten ihren Höhepunkt erreicht. Ihnen stand der immer fordernder anbrandende Wille des Volkes gegenüber, der nach Befaßt- werden in einer einigenden Idee ichrie." So kam der Hen- lein im richtigen Moment, nicht ohne vorher eine grosse Tat zu setzen:„Das Saazer BerbandSturnfest war daS Fanal, daß Konrab Henlein? geistiger Sieg i m T u r n v e r b a» d e feststeht." lWortliches Zitat.» Nun also haben die subetendcutschen Bürger ihren Retter und„Führer", der den 1. Mai nach deutschem Rezept feiert: in jeder Ortsgruppe ließ man eine Schallplatte mit Henleins Rede lausen usw. Die subctcndeutschen Parteien aber sind tatsächlich in Gefahr, von der Henleinfront aufgefressen zu werden. Ein grosses Verhandeln und Paktieren hat begon- neu, der getarnte Nazi Ist Trumpf. Am meisten hilft ihm die Förderung, die ihm der deutsche Agrarier in der Regie- rung, Minister Sptnp. zuteil werden läßt. Das Henleinspiel ist aber für das Deutschtum in der Tschechoslowakei eine überaus gefährliche Sache. Die tschechi- scheu Parteien haben fast alle HenlcinS Tarnung durchschaut. Das Land hört von der Grenze her das braune Geschwätz und von der österreichischen den Ttändestaatsschwindel des Kanonenchristen Dollfuß. Wenn nun Henlein einmal theo- rrttsch wird, bann schwätzt auch er von Ständestaat und der- gleichen. Tel» Prophet heißt OthmarSpann. Spann ist nun in der Tchechoslomakci als Faschist zu gut bekannt, als daß man ihn in den Worten setner Schüler nlcht erkennen würde. Die Front des Turner« Henlein Ist«ine der oielen Nazi- tarnungen. Man muß die Theorie und Proisis der AuS- landsarbeit der Nazi kennen, um zu sehen, daß sie im Fall Franzose und Jude! In„H et V o l k". dem holländischen Sozialisten-Blatt lesen wir zu dem Autorennen, das kürzlich in Berlin statt- saud und das der Franzose Moll gewann n. a. folgende»: „Wer Sonntagabend am Radio saß und die Berliner Re- portage gehört hat Übel das Autorennen aus der Avus wird zwriscUvs gemerkt haben, mit welch unverhohlener Antipathie der Berichterstatter dieses internationalen Wettrennens vor einem tntcrnationalcn Zuyörcrpubsitu!» über die Leistungen der sranzöstichen Sportler sprach. Im Beginn des Rennens mit schweren Wagen, worin der beul- sche Sportler Stück im Vorderlresscn war— er mußte das Rennen später wegen eines Wagendesiette»-ausgeben»die einzigen Wagen, die Material- oder Konstruttionafchter aufwiesen, waren übrigens deutsches— bestand für de» Ansager nur ein Autoren»«»: Stück. Als Stück es ausgegeben hatte und seui französischer Konkurrent Moll mit einem ita- lienischen Alfa-Romeo-Wagen die Führung übernahm, war auf einmal jegliches Interesse für die Fahrer verschwunden. Man sprach jetzt über Geschwindigkeiten und über Wagen Von den Leistungen der auständiichen Fahrer nahm nran so gut wie keine Notiz mehr. Das Schönste aber war, daß, als es sich zeigte, daß die Tcuiichcn nicht mehr gewinne» konnten, weil die Ausländer schnellere Runden fuhren, die SA.Wettkampfleitiliig dem Ansager den Befehl erteilte, in allen Sprachen über die schnellsten Runden, die die Deut- scheu vor dem Wettstreit beim Training gefahren waren, zu berichten... Und setzt die Lösung des Rätsels! Der ausgezeichnete Au- tofahrer Moll, der tm vorigen Jahr den großen Preis von Monaco gewann und der letzt die Deutschen, die alles daran gesetzt halten, um das erste Autorennen im„dritten Reich" zu gewinnen, so vernichtend ichlug. ist nicht allein ein Fran- zose sondern auch noch: ei» Jude. „Deutsche Gewerkschaften als Milchkühe" Unter dieser Unterschrift lesen wir in„H c t Volk" u. a.: „Ein geflügeltes Wort in de» Naziblättern von früher war: Gcwerkjchastsbonzcn. Diele holten den Arbeitern das Geld aus der Tasche, um es für persönliche Genüsse auszu- geben und obendrein noch, um Zwietracht zu stiften zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. d»e sich schon ohnehin »'cht allzu gut vertrugen.. Wenn erst die Natlonalsozta- listen die Herrschast in Händen hätten, sollte alles anders werden. Man versprach Ermäßigung der Beiträge und Vcr- grösserung der Leistungen der dann gleichgeschalteten Ge- ivcrkschastcn. Tie Gewerkschaften sind jetzt schon länger al» ein Jahr>n de» Händen der Nalionaliozialisten und sie sind in dielem Jahre degradiert worden zu pflichtmäßigen KontrollebüroS. Wer nicht Mitglied der gleichgeschalteten Organiiationen ist gilt als verdächtige Person. Wer Mit- glicd ist, hat damit eine verhältnismäßige Ruhe erkaust. Leistungen liefert die Arbeitsfront nicht. Ans dem Arbeits- leben und dem Kampf ums Dasein ist die Arbeilsiront von» kommen ausaeschallet.. Das Esiizige, was die Arbeits- sront leistet, ist das Administriere» der Millionen Mitglie- der und das Einziehen der Beiträge. Die Beiträge werden zum großen Teil abgeführt an die Unterabteilung:„Kraft durch Freude", die Ferienorganisation, die sltr die guten Rat onalsoziallsten stir schöne Ferien sorgt, und die im übrigen in alle» Städten Theater bauen läßt, obzwar es sich in der erste» Saison bereits gezeigt hat, daß die Arbci- ter sich nicht auf Befehl deutsche Nazi-Kultur einspritzen lassen... lieber die Anwendung des Geldes der früheren Gewerkschaften wurde stet» öfscutl ch Rechenschast abgelegt — die Finanzen der Arbeitsfront werden autoritär verwaltet, und die Tatsache, daß die Gehälter der Leiter ein Viel- fackes von dem betragen, was ihre Vorgänger erhielten, erfährt man nur aus geheimen Quellen." Deutschland, das Sorgenkind von Genf Wir entnehmen aus der„Post Scripta" der Haagschen P o st: „In Genf steht vor allem Deutschland im Mittelpunkt des unangenehmen Interesses. Man hat erst kürzlich festgestellt, daß Deutschland in England achtmal soviel Flugzeuge oder Motoren für Flugzeuge bestellt hat, als es gewöhnlich der Fall war. Das außer den Maschinen, die es im eigenen Lande fabriziert! Man hat auch tu Erfahrung gebracht, daß Deutschland große Mengen von Rohstoffen importiert hat, die besonder» im Kriege nötig sind. Außerdem trifft es wieder neue finanzielle Maßnahmen zum weiteren Ankauf von d eicn Rohstoffen, während es sich weigert, seinen Per- pslichtungen nachzukommen und die Tinge, die es zum tag- lichen Gebrauch einführt, mit gutem Geld zu bezahlen." Wo Berlin hinsteuert Wir lesen in„Set Ha n de l s b la b"iAmsterdamj u. a.: „Da Teulschland über große Beträge disponieren kann, die nicht tranSserstrt werden können, setzt es sich selbst in die Lage, die Versprechungen für Verminderung der Arbeits- lvsigkeit zu einem grossen Teil zu erfüllen. Aber der Fabrikant stellt sich ganz und gar daraus ein. inländische Bestell»»- gen auszuführen. Tic Folge davon ist, daß durch die teil- weise Ausschaltung der Konkurrenz das Preisniveau steigt und das Streben, ausländische Lieferanten zu unterbieten, wird geringer. Darum muß auch die Erportkapazitäl von Monat zu Monat kleiner werden, während der Bedarf an Grundstoffen bestehen ble'bt Die Folgen von alledem zeige» sich deutlich in der immer mehr zurückgehenden Gold- und Deoiienposition der Reichsbank. Ferner hat Deutschland die Propaganda gegen deutsche Ware» selbst hcrausgcsvrdcrt und hat selbst verschuldet daß die Handelsbeziehungen zu Sowjet-Rußland sehr viel lockerer geworden sind." Hcnlein genau so vorgehen wie in Rumänien, in Oester- reich usw. Die Gefahr für das Deutschtum liegt aus der Hand: die starke tschechische Demokratie wird in dem Augen- blick, da die Henleinfront sich enthüllt, sich energisch zur Wehr setzen. Für jeden Deutschen hat HcnleinS unleugbarer Erfolg etwas Beschämendes: er macht den Tiefpunkt, auf dem die Politik des deutschen Bürgertums sich befindet, allzu deutlich offenbar. Der Fall Henlein zeigt, baß da» Naziwesen nicht nur für die Deutschen tm Reich, sondern für alle Deutschen, wo immer sie leben, ein Unglück, eine geistige Katastrophe ist. Slldllrol! Mussolini gegen Hakenkreuzler Tie Nazi-Agitation in Südtirol nimmt zu, so daß der schwarze Faschismus Mussolinis mit den schärfsten Mitteln gegen den braunen Hitlers vorgeht. So wurden vor kurzem drei junge Burschen auS Kurtinig am Etsch wegen Anbrin- gung von Hakenkreuzen an Häusern und Zäunen für drei Jahre nach Sttditalien verbannt. Ludwig Mitterdvrfer aus Byzcn wurde jjjr j^uej Jal^ unter.Polizciaufsüßt gestellt und darf die Stadt nicht verlassen, weil er für den nazischcn deutschen und österreichi'kssen Alpenvcrcin Mitgliedsbeiträge eingesammelt hat. Der katholische Priester Micke! Sum- mcrcr aus Lüsen bei Briten wurde 4'ür drei Jahre vcr- bannt, weil er eine verächtliche Bemerkung über die Balilla, die schwarzsaschistjsche Juaendoraaniiatton. eine abfällige Bemerkung gemacht hatte. Aus ähnlichen Gründen wurde der katholische Priester Dr. Hermann vvn Stenizcr aus Meran verwarnt, die ihm unterstehenden katholischen Jugendbünde wurden aukaelö^. Gegen einen siebzigsähriat» Priester aus Partschins läuft noch ein Verfahren.— So führt ein Faichts- mus den anderen ad absurdum. Nazis in Lettland Anlässlich deS zehnjährigen Bestehens des deutschen Theaters in Riga kamen einige Erbpächtcr der Kultur, die sie für deutsch halten, ins Baltikum. Es erschienen: Mini- stcrialrat Otto«Laubinger, Hans Friedrich Blunck, Walter von Molo, dessen Beharrlichkeit im Verleugnen seiner jüdischen Frau auch in Lettland Bewunderung hervorrieh Heinrich XlV., Erbprinz zu Reuß, Paul Fcchier und eine ganze Reihe von weniger prominenten Braunhemden. Da» provokante Austreten all dieser Leute hat die antideuticke Stimmung nur gesteigert. Pariser Deridite 16i Triniie 43-13 M6iro P i g a i] e Deutsche Poliklinik Paris, 62., ßue de la Rochefoucauld a( Allgemeine Konsultationen mit9 Speaalisten. b) Chirurgie c) Orthopädie d) Geburtshilfliche Klinik e) Zahnärztliches Kabinett Ordination täglich von 9—12 und 2—8; Sonntags und Feiertags von lO—12 und Z—4 Uhi Porten* fjteciatiste DtimCHiPReCHeND Münchener u Pariser Fakultä 17, rue Reaumur M6tro Art*-et-Mefien od.(^publique Frauen-, Blut-, Haut-, Harn- und Oe- ichlechiskrankheiten, Tripper, Syphilis, Männenchwäche. Neueste Heilverfahren. Elektrizität. Harn». Samen» und Blutanalysen. Massige Bedingungen.(Auch für Kassenversicherte.) laglich von 9- I und 4- 8,3ü. Uhr Sonn» und Feie a von 9 bis I u. au' Rend v Tel. Arch.54-27 Sektor Wachtel und Sektor Axel Geschlechtskrankheiten, Männer and kraner Nase, Hals. Ohren 123, Bd. hebastopol.- Sprechstunden v. ">—12 u. 2—8 Uhr Sonntags vormittags Metro Reaumur St. Denis. Tel. Centr 32.10 INSERIEREN BRINGT GEWINN S>r. Ipecialiste K», rue de Rivoo— Metro Chaietf i AD I KALL HEILUNG von BLUT», HAUT, and FRAUENKRANKHEITEN Heilung von Krampladern j od offenen Bein wunden Neueste Behandlungsmethoden Elektn« ritit lmptungsverfahren Trypafle vme Einspritzungen Blut, und Harn.Untersuchungen Sper- makultur. Salvarsan Wismut us«. Sprechstunden täglich von 10—12 und von 4—8 Uhr boontags vou 9—12 Übt Konsultationen von 25 Fr. ah. Mao spricht deutsch Typhus und Trinkwasser V ie wiederholt mitgeteilt wurde, ist es nicht gut, Pariser Trinkwasser in der heißen Zeit zu trinken, da eine gewisse Typhusgefahr besteht. Zur Abwendung der Gefahr wurde die Vermischung des Wassers von Javel empfohlen. Aber dadurch kommt Chlor in den Magen, das ebenfalls nicht gesund ist. letzt war eine Debatte darüber in der Akademie für Medizin. Die Bericherstatter Violle und Rose schlugen vor, ein wenig Wein(etwa ein Gläschen auf den Liter) hinzuzufügen, wodurch sich der Chlor vollständig in Chlorate verwandelt, die unschädlich sind. Was ist Reportage? Mit dem Begriff der„Reportage' hat es so seine Haken. „Reporter" ist, wie man weiß, ein englisches Wort. Aber im Angelsächsischen bedeutet ein„reporter" einen ständigen Berichterstatter(was wir einen„Korrespondenten" nennen.) Lud im Französischen gibt es für den Begriff des„Reporters"(im deutschsprachigen Sinne) kein eigenes Wort, obwohl„repor^age" wieder, das Grundwort, der französischen Sprache entstammt. Die Akademie hat nur vor einiger Zeit das französische Wort„reportage" mit folgender Erklärung aufgenommen: „Tätigkeit des Sammeins von Neuigkeiten; auch der Zeitungsartikel seihst, in dem die Neuigkeiten enthalten sind." Gegen diese Definition der vierzig Unsterblichen setzt sich nun Andre Billy in der Zeitschrift„1934" zur Wehr. Er meint.— mit allem schuldigen Respekt vor den Akademikern — daß die Reportage nicht ausschließlich im Sammeln von Neuigkeiten bestehe, und daß das Sammeln von Neuigkeiten andererseits nicht notwendig einen Akt der Reportage darstelle. Der französische Kollege schlägt folgende Definition des Begriffs..Reportage" vor:„Tätigkeit des Sammeins oder Ueberprüfens von Tatsachen. Meinungen oder Eindrücken, sei es, um sie in Art von mehr oder weniger entwickelten Artikeln Zeitungen oder Zeitschriften zu überantworten, sei es, um den Bericht in Buchform zu veröffentlichen. In weiterer Bedeutung Tätigkeit des Filmoperateurs oder-Regisseurs, der Aktualitäten-Bilder zusammenstellt; auch Tätig keit derselben Art zwecks Herstellung einfacher Fotos, die zur Reproduktion bestimmt sind." Die„Comoedia" meint, daß die Akademie bei ihrer nächsten Sitzung in Sachen„Reportage", etwa um das Jahr 2000, die Anregung von Billy sicher berücksichtigen werde. Paris ohne Luxussteuer— Ermäßigung der Theatersteuer? Die evtl bevorstehende Aufhebung der Luxussteuer in det französischen Republik erfüllt gewisse Luxusgeschäfte der Hauptstadt mit besonderer Freude Eins der größten Juwelengeschäfte erklärt:„Wir hatten seit längerer Zeit die Steinschneider und die Verkäufer entlassen. Sobald wir wissen, was mit dem Regierungsentwurf wird, werden wir sie wieder holen. Wir verkaufen ja hauptsächlich ans Ausland." Eine der bedeutendsten Modefirmen meinte:..Wir kämpfen um die Weltherrschaft der französischen Mode. Das Ausland beklagte die Luxussteuer ebenso wie wir. Auch wenn man die Pariser Mode nachahmt, so kann man ihr nicht diesen eigenartigen Duft von Paris geben.. Natürlich zeigen sich die Luxusrestaurants und die Nachtlokale(„boites de nuit" genannt) entzückt über die Aussichten, die sich ihnen eröffnen. Bisher waren sie gezwungen, zu gewissen Stunden die Getränke mit besonderen Aufschlägen abzugehen. Sie rühren sich jetzt mächtig und wünschen, daß die Fesseln der Vergnügungen noch vor der„großen Woche von Paris" fallen möchten. Natürlich werden in der Kammer die Entscheidungen vom innerpolitischen Standpunkte getroffen werden. Immerhin haben die vorliegenden Aeußerungen in der Nachrichtenpresse starkes soziologisches Interesse für Paris, die Fremdenstadt. Außerdem sickert noch durch, daß die Besteuerung der Spiele, sowie die Abgabe auf öffentliche Veranstaltungen und die Steuer auf Wohnräume ermäßigt werden sollen. Insbesondere soll die Theatersteuer, die aus dem Jahre 1916 in ihrer heutigen Form stammt, völlig ihr Gesicht verändern und wesentlich herabgesetzt werden. RIHiPKBÜTgW An mehrere. Ter aus Teutschland ausgewiesene Pembroke Stephens bediente„Taily Erpreß". Stephens, der noch nicht sehr lange in Teutschland tätig war, galt unter den Auslandkorrespon- denten als ausgesprochen deutschfreundlich.„Daily Expreß" ist eine sehr populäre konservative Zeitung in der Art der„Daily»Mail" mit einer Auslage von 1 500 000. Unter dem Titel„Ich fordere die Nationalsozialisten heraus" sucht nun Stephens die Gründe für seine Ausweisung aussindig zu machen. Er erinnert an seine Artikel über die Wiederaufrüstung Teutschlands und über die Lage der Juden. Er erklärt, daß die ausländischen Korrespondenten in Teutschland nur Meldungen erhalten, die für Deutschland günstig lauten. Tie telephonischen Gespräche würden auf Platten ausge- uommen und ein einem Journalisten im Privatgespräch entschlüpfter Ausdruck könne den Pregevertrerer in ein Konzentra- tionslager bringen." „Gott will es!" Ihre Frömmigkeit in Ehren, aber die Bibel kennen Sie doch noch nicht genug. Tie sollten das Alte Testament mehr beachten, wenn Sie prophetische Worte gegen das„dritte Reich" suchen. Wollen Sie eine Probe? Tann schlagen Sie das Buch •v>iah auf und lesen Sie das 15. Kapitel. Es ist, als wären die Worte eigens für Hitler und sein Reich geschrieben und sind doch Jahrtausende alt: „Soll ein weiser Mann so aufgeblasene Worte reden und seinen Bauch so blähen mit leeren Reden? Du verantwortest Dich mit Worten, die nichts taugen, und dein Reden ist nichts nüve. Tonn deine Migetat lehrt deinen Mund also, und hast erwählt eine listige Junge. Dein Mund verdammt dich und nicht ich: deine Lippen zeugen wider dich. Was weißt du, das wir nicht wissen? Was verstehst du, das nicht bei uns sei? Was nimmt dein Herz vor? Was siehst du so stolz? Was setzt sich dein Mut wider Gott, daß du solche Reden aus deinem Mund lägest? Siehe unter leinen Heiligen ist keiner ohne Tadel, und die Himmel sind nicht rein vor ihm Wieviel weniger ein Mensch, der ein Greuel und schnöde ist, der Unrecht säuft wie Wager. Was er hört, das schreckt ihn: und wenns gleich Friede ist, fürchtet er sich, der Bcrdcrbcr komme. Glaubt nicht, dag er möge dem Unglück entrinnen, und versieht sich immer de« Schwerts Angst und Rot schrecken ihn und schlagen ihn nieder wie ein König mit einem Heer. Er brüstet sich wie ein fetter Wanst und macht sich feist und dick. Er wohnt in verstörten Städten, in Häusern, da man nicht bleiben darf, die aus einem Hausen liegen sollen. Er wird nicht reich bleiben, und sein Gut wird nicht bestehen, und sein Glück wird sich nicht ausbreiten im Lande. Unfall wird nicht von ihm lagen. Tie Flamme wird feine Zweige verdorren, und er wird ihn durch den Ldem seines Mundes wegnehmen. Er wird nicht bestehen, denn er ist in seinem eitel« Dünkel betrogen: und eitel wird sein Lohn werden. Er wird ein Ende nehmen vor der Zeit: und sein Zweia wird nicht grünen. Er wird abgerissen werden wie eine unzeitige Traube vom Wein- stock, und wie ein Telbaum seine Blüte abwirft. Denn der Heuchler Versammlung wird einsam bleiben: und da? Feuer wird fressen die Hütten derer, die Geschenke nehmen. Sie geben schwanger mit Unglück und gebären Mühsal, und ihr Schoß bringt Trug." Verlagen Sie sich darauf: das Buch Hiob wirb recht behalten; nicht das Buch Hitler. Blinder Hesie. Tie„Hessische Landeszeitung" brachte ein schönes Bild von der Kundgebung im Berliner Sportpalast gegen Nörgler und Miesmacher. Hinter dem Rednerpult steht in Riesenbuchstaben „Die Tat ist stumm". Darum hat Goebbels 2''j Stunden gesprochen. Solange brauchte er, um zu beweisen:„Tie Tat ist stumm." Für den Gesamttnbalt verantwortlich: Johann Pitz In Dud- weiler. für Inserate Ttto Kuhn in Saarbrücken Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH„ Saarbrücken 8, Schützenstraße 5.— Schließfach 77g Saarbrücken. Die Negerfrage In den fronidsfsdten Kolonien Das Problem der Weißen und der Schwarzen in den Kolonien, eine heute mit Rücksicht auf die Angriffe der deutschen Rassentheoretiker gegen Frankreich besonders interessierende Frage, wie im„Jour" angeschnitten. Im ersten Aufsatz einer Artikelserie über die Lage in Nordafrika, den das aktuelle Rechtsblatt veröffentlicht, heißt es: Bamako(im französischen Sudan, Station am Niger) ist eine entzückende Stadt. Zwischen dem Fluß und dem Berge Koulouba dehnt sie sich aus, da sind die Vie-tel der Europäer, dort die der Eingeborenen. Diese Trennung der Rassen ist vorzüglich, sie entspricht gleichzeitig dem Geschmack der Schwarzen, die unter sieh leben wollen, wie den Vorschriften einer öffentlichen Hygiene, die sehr streng sein muß. Der Marktplatz ist natürlich das Herz der Stadt. Dort liegen hohe Säulenhallen, die im Stil von Djenne(der Hauptstadt des alten Niger-Reiches der Songhai, einer großen Handelsstadt) errichtet sind. Tausend Weidenkörbe mit Früchten sind aufgerichtet, ein Vergnügen der Augen. Da sind die kupfernen Menschen, die geschickten Anfertiger von Geldbeuteln, Brieftaschen und Hauslatschen Da bieten die Woll- und Baumwollhändler weiße Decken an, die mit geometrischen Mustern in schwarz und rot geschmückt sind. Die Schmiede schleifen die Klingen der griffesten Messer und die Spitzen der Lanzen, sie schmücken mit Goldstoff die Armbänder und die Ringe. Die Frauen verkaufen Früchte und Gemüse, ihre großen Körbe sind bis über den Rand mit Orangen und Pfefferstauden gefüllt, mit tropischen Birnen und der Frucht der Mangobäume. Ein Sonnenstaub, den die Füße so viel Lnbe- kümmerter aufwerfen, zittert in der Luft und mischt sich mit dem seltsamen Geruch dieser aufgewölbten Lebensmittel, dieser Häute von Böcken und diesem Ambra des Tauschhandels, an dem die Negerinnen überreich sind. Der Markt ist das Königreich des Lachens. Bei jeder Gelegenheit werden die großen weißen Zähne zwischen den bläulichen Lippen gezeigt: da ist das Scherzen des Kaufmanns, da irrt ein Mann von der Steppe herum, erstaunt und furchtsam, das ist so lustig, und dann die Sonne und diese Lust zum Leben, die in den Schwarzen, wenn sie sich sicher fühlen, ihre letzte Heimstatt hat Ach. wie sind sie bedürfnislos, diese einfachen Menschen, die bereit sind, ihr ganzes Vertrauen dem Weißen zu schenken, aber auch, es zurückzufordern, wenn sie bei ihm das Gefühl für Gerechtigkeit schwinden sehen, das sie beanspruchen wie ein Recht Wenn nur ihr Bäuchlein voll ist. wenn sie nur an den Tagen der Feste ein neues Gewand für sich und ihre Frauen anlegen können, wenn die Prunksüchtigsten nur Geld haben, um ein Pferd zu erstehen, von dem sie schwärmen, dann verlangen sie nichts mehr. Wenn die Schwarzen Franzosen werden In D a k a i jedoch, im Senegal,— so fährt der Verfasser fort— sah ich andere Schwarze, von ganz verschiedene,. Beschaffenheit. Eine frühere Revolution hat aus ihnen französische Bürger gemacht, und wenn sie auch wenig empfindlich für diese Ehre sind, wissen sie doch reichlich den Vorteil zu schätzen, den diese Eigenschaft ihnen bietet. Aufgefordert bei den Wahlen, eingeweiht in die Geheimnisse der Stimmzettel, verlieren sie doch selten diese Einfachheit des Herzens, die sie sympathisch macht. Die Berührung mit dem Weißen, wenn sie nicht unter Aufsicht steht, wenn der Weiße nicht von selbst die Eigenschaft hat, die den Respekt herausfordern, hat für den Neger nur die schlimmsten Wirkungen. Ohne Zweifel können wir nicht erwarten, daß die farbigen Eingeborenen für uns die Gefühle reiner Bewunderung hegen, die sie den ersten Bleichgesichtern, die sie sahen, entgegenbrachten, aber wir müssen auch nach dieser eingetretenen Umwälzung das Auftreten bewahren. Die Schwarzen, die jetzt genährt und bekleidet und gegen die Willkür gesichert sind, gelöst von den Sorgen, die sie viele Jahrhunderte lang bedrückten, haben jetzt neue Bedürfnisse, die des Wissens zum Beispiel. Sie wollen uns nachahmen. Wirkungsvolle Eingeborenenpolitik Wenn wir nicht diesen berechtigten Wünschen entsprechen, wissen sie sich gegen uns Befriedigung zu schaffen. Selbstverständlich sind die geistigen Anforderungen der Schwarzen unendlich weniger drängend als die der Muselmanen Nordafrikas. Aber gerade weil wir Zeit zur Ausführung haben, ist es nötig, daß wir den größten Wert auf wirksame Eingeborenenpolitik legen. Den„guten Schwarzen" gibts ebenso wenig wie den„bösen Schwarzen", aber es sind einfache Leute, mit ihren Fehlern und Tugenden. Wir kennen sie lange genug, um zu wissen, was los ist und um keine Enttäuschungen zu erleben. Die Leute so nehmen, wie sie sind, das ist noch die beste Art, sie zu behandeln. Noch besser, zu der vernünftigen Realpolitik hinzuzufügen. Die einfachen Wesen haben ein triebhaftes Gefühl für die Behandlung, die ihnen die Herren oder die Lenker an gedeihen lassen. Und ihr Verlangen, geliebt zu werden, ist mindestens so heftig wie das, mit Gerechtigkeit behandelt zu sein. Diese Menschen lieben, das heißt nicht, ihnen Beweise heißer Zuneigung zu schenken, aber ihnen das konstante Gefühl geben, daß die Strenge, die nötige Festigkeit ein warmes Interesse hervorruft, eine Art Achtung vor dem, was bei ihnen das Wesentliche am Menschen ist. Mißstimmung Die Krise nimmt im Lande der Schwarzen wie auf der Erde des Islam scharfen Einfluß auf die Weißen, die Vormünder und Schützer, wie auf die Eingeborenen. Sie verwurzeln bei den Schwarzen den Zweifel, ein Mißtrauen gegenüber den Herren, deren Methoden sie nicht vom Ruin fortgezogen haben. Während das Leben jeden Tag schwieriger wird, immer unsicherer für den Fellah, den kleinen Händler oder schwarzen Arbeiter, macht der Zwang, den unsere Anwesenheit einflößt, sich immer mehr bemerkbar. Man vergißt die Steuer, die Abgabe, die Militärleistung, wenn das Geld leicht sitzt und reichlich vorhanden ist. Aber heutzutage? Der Zusammenhang mit den Eingeborenen geht verloren, so hört man sagen, der Eingeborene weicht aus, wir erreichen ihn nicht mehr. Er tut das, weil er nicht mehr an den Nutzen unseres VerExistenz, ohne sein Los zu erleichtern. Und die Alten lenken weilens in seinem Lande glaubt. Wir komplizieren seine in der Heimlichkeit die Geister auf die nahe Vergangenheit, denen der Verlauf der Jahre gänzlich ihre schlechten Seiten genommen hat, so daß nur die Erinnerung an„eine gute alte Zeit" geblieben ist. Die Jungen andererseits schauen auf die Zukunft, auf die Versprechungen einer schwarzen Welt, in der sie Herren ihrer Geschicke sein sollen. All das ruft eine Mißstimmung hervor, die in den Städten spürbar, auf dem Lande latent ist. Wir haben keinen Grund, pessimistisch zu sein. Das afrikanische Kolonialreich wird sein, was wir daraus machen, aber wir müssen es machen wollen. Ein Vergleich zwischen der finanziellen Anstrengung Englands und der Arbeit Frankreichs zur Hochbringung seiner Kolonien fällt nicht zu unseren Gunsten aus." Ich weiß, sagt der Verfasser weiter, nachdem ich unsere Landsleute drüben am Werk gesehen habe, was sie wert sind. Aber es fehle die Hilfe des Mutterlandes, das ihre Arbeit schlecht unterstütze. Sie hätten nickt die Einmütigkeit des nationalen Interesses hinter sich, die den Engländern die große Macht gebe. „Algier und Marokko, so schließt der Artikel, geben uns glückliche Zusicherungen, das sieht man weit und breit. Aber müßte nicht von Algier der Elan ausgehen, der dem Antlitz des schwarzen Erdteils seine Züge aufdrückt? * Dieser Aufsatz, der natürlich vom französischen Kapitalisten-Standpunkte gelesen werden muß, scheint uns doch sehr aufklärend über die französische Art der Kolonialpolitik, sowohl in dem, was er sagt, wie in dem, was er andeutet oder propagandistisch ausdeutet. In jedem Fall ein sehr orientierender Beitrag zur Rassenfrage, gerade in der jetzigen Stunde.