I Nr. 129— 2. Jahrgang Sinzigs unabhängige Tageszeitung Deutschlands Saarbrücken, Freitag, 8. Juni 1934| Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inha l! Heuet ßi&cAaf&pcotest Seite 2 Tflax!Ecaun: Hoch, dem 13. J-omiulc 1935 Seite 3 '■Die cuttäucAien Angestellten Seite 4 Dem Andenken Matteottis Seite 7 Todeskampf der Hidermark Tiefer Einbrodi In die Markkurse an allen internationalen Dörsen Gestern und heute 3« den letzten Tagen hat der Markkurs an den iuternatio» »alen Börsen einen schwere« Schwächeansall erlebt. Sowohl die Reichsmark wie die verschiedeneu Sperrmarksorteu sind stark abgesunken. In Paris giug der Markkurs gegenüber einer Parität von 6,08 Fr. für eine Reichsmark, der aller, d'ngs seit längerer Zeit nicht mehr erreicht war, bis auf 5,68 Fr. zurück. Dabei war dies nur ein gesprochener Kurs, da zwar ei« sehr grobes Angebot, aber keine Nachfrage vor- Händen war. In Saarbrücken war das Bild noch etwas trüber. Innerhalb zwei Togen stürzte die Reichsmark von 5,92 Fr. «af 5,65 und 5,60 Fr. für Hartgeld. Reichsbanknoten waren so gut wie unverkäuflich. Sogenannte illegale Noten, also Reichsbankuoten, für die kein Nachweis der Herkunft ver» laugt wird, werden schon für 5,40 Fr. angeboten Effekten- sperrmark werden mit 6,75 Fr. und Registermark mit 6,65 Fr. notiert. Borgestern noch glaubte man, dem neuesten Marksturz mit einem gewissen Optimismus begegnen zu können. Man glaubte, dah der Rückgang eine Auswirkung der am 1. Juni in Kraft getretenen verschärften Devisenbestimmungen sei. Im Hinblick auf diese Verschärfungen hätte« die deutschen Importeure noch unter Ausnutzung aller Möglichkeiten Waren eingekauft und diese Mengen auf dem Wege über die jetzt teilweise gesperrten Markverrechnungs- konten bezahlt, wodurch noch eingröberesMarkange- bot aufgetreten sei, dem keineKänfer gegenüberständen, denn das Interesse privater Käufer für die Reichsmark ist schwach. Mau glaubte, daß die Reichsregierung gerade jetzt, wo sie eine uene Rcichsaulethe auslegt, alles tun werde, um die Reichsmark au den fremden Börsen zu stützen, wie sie dies in den letzten Monaten wiederholt mit erheblichen Opfern getan hat. Diese Stützungsaktion ist aber nicht so rasch er- folgt, wie allgemein erwartet wurde. Es erhebt sich nun die Frage, ob die Reichsregterung die Reichsmark dem freien Spiel der Kräfte überlassen will, was sehr bald einen voll- ständigen Verfall der Reichsmark im Auslände zur Folge haben mübte, oder ob sie noch einmal regulierend eingreifen und so das weitere Absinken hemmen will und kann. Besonders grob ist die Nervosität um die Reichsmark>m Saargebiet, weil hier jede sichtbare Erschütterung ler deutschen Währung auch weittragende politische Folgen hat. Man kann ohne Uebertreibnng sagen, dast das Schicksal der sogenannten„deutschen Front" mit dem Markkurs unlösbar verbunden ist. Schwarze Börsentage für die Mark bedeuten schwerste De, Pressionen im Lager der Nationalisten, zumal ihren besitzen- den Schichte«. Wo ihr Bankkonto beginnt, hört ihr deutscher Patriotismus aus. Fast ohne Ausnahme habe« sie nicht Mark-, sondern Frankenkonten, und sie verspüren keine Luft, die in Reden und mit Fahnenschmuck und mit feierlichen Schwüren so Heist ersehnte Rückgliederung dadurch zu be- zahle«, dast sie aus Grund der dann auch für sie geltenden deutschen Deoisengcsetzgebung ihre guten französischen Franke« in schlechte deutsche Reichsmark verwandeln. Weiterer Sturz der Reichsmark bedeutet die sichere Niederlage Hitlers bei der Bolksab- stimmung am 16. Januar 106 5. Es ist daher um so ausfälliger, dast die Reichsbant in Saarbrücken nicht sofort zum Schutze der legalen Reichsmart eingegriffen hat, wie wiederholt in letzter Zeit, wenn der Markknrs erschüttert war. E>n deutliches Zeichen der Unsicherheit bieten die Bürosenster der gleichgeschalteten Arbeiterbank in Saarbrücken. Als vor kurzem die Reichsmark nachliest, hat sie die sonst recht stolz ausgehängten Kurse bescheiden ver, schwinden lassen. Darob in den Zeitungen angegriffen, hing die Arbeiterbaok die Kurse triumphierend wieder aus— als sie nämlich gestiegen waren. Seit gestern aber hat die Bank der Deutschen Arbeitsfront wieder alle Lust verloren und hat ihre Markkurstasel wieder der Öffentlichkeit entzogen. M i t derReichsmarkistimIaargebietkeinenatio, nale Propaganda mehr zu machen. * Wie nun auch die Reichsregierung und die Reichsbauk aus den Marksturz reagieren mögen: diesmal ist das Börsenereignis sehr ernst. Das Vertrauen zur Reichsmarl und zur Wirtschaftspolitik der Reichsregierung ist aus den Nullpunkt gesunken und man hälf an den inter» nationalen Börsen den Niedergang der Mark für«nauf- haltsam. Der fiktive Kurs der Reichsmark an den internationalen Börsen konnte seit Monaten nur noch dadurch um die Parität herum gehalten werden, dah dieRcichsbank die ver, hältnismästig geringen im Auslande ange« botene» Markbeträge durch Hergabe von Devisen übernimmt. Die beunruhigende Situation der deutschen Währung hat wieder zu einem Anwachsen der Kapitalflucht geführt, die man mit mindestens 5 Mil, lionen Reichsmark, vielleicht auch mit 10 Millionen Reichs- mark im Monat ansetzen kann Infolge der scharfen deutsche« Devisengesetze erfolgt die Kapitalflucht vorwiegend durch den Schmuggel von Marknoten. Die Ausgabe der Reichsbank, diese Noten drausten durch Hergäbe von Devisen aufzukaufen, wird bei dem Hinschwinden der Devisenbestände immer schwieriger. Diese prekäre Lage der deutsche« Reichsbauk macht jede Abschwächung der Reichsmark an den iuternatio» nalen Börsen sorgenvoll und verlustreich. Um den Schmuggel von Reichsbanknoten unmöglich zu machen, wird nun ernsthaft die Einführung einer Binnen- Währung empfohlen. Zu diesem Plan werden wir n»s noch eingehend äußern Die Rot der Hitlerrcgierung zwingt diese zu gefährlichen und verzweifelten Wirtschasts- und Währnngsexperimenten, die nur den einen Zweck haben, die Galgensrist für die Bankrotteure Hitler, Goebbels, Schacht und Schmitt um eine Reihe von Monaten zu verlängern. Das zu erreichen ist möglich. Die objektiven Ursachen der herannahenden Lata- strophc wirken aber fort. Der Znsammenbruch wird eine noch nicht genau abzuschätzende Zeit auszuhalten und zu»er« schlciern, aber nicht für immer zu»erhindern sei«. Der Glaube an die Beständigkeit des Hitler-Regimes schwindet drinnen und drausten dahin» und das aus guten Gründe« und mit vollem Recht. London gibt die Reichsmark auf Die„Neue Züricher Zeitung", die gestern noch die Baisse der Reichsmark als rasch vorübergehend betrachtete, läßt sich nun aus London melden: Da man sich in den englischen Finanzkreisen schon lange auf die Möglichkeit eines neuen Markzusammenbruches gefaßt gemacht hat, bereitet die ominöse Kurseinbuste der deutschen Devise der letzten paar Tage in der City keine Ueberraschung. Man verfolgt deshalb hier die Markbaisse ohne große Beunruhigung, obschon man sich bewußt ist, daß sie leicht zur dauernden Währungserschütterung führen könnte. Leiber gehen gewisse englische Kreise gar so weit, diese drohende Gefahr geradezu zu begrüßen, da sie eine formelle Markabwertung als Rektifizierung und Klärung einer unhaltbar gewordenen Situation betrachten zu dürfen glauben Dast die deutsche Währungölage seit Monaten äußerst prekär geworden ist, kann kaum bestritten werden. Man muß sich jedoch frag«», ob man in den erwähnten City- Kreise« nicht allzu leichtfertig annimmt, dast der Abgang von der stabile« Währung in Deutschland die bedauerlich« Situation wirklich verbessern würbe. Bor allem liegt kein Grund zur Annahme vor, daß die deutschen Behörden, wie seinerzeit die englischen, der Ver- stichung einer aktiven Inflation widerstehen würden. Im Gegenteil ist es doch in erster Linie die hemmungslose Ansgabenpolitik der Razi-Regierung, die zur Gefährdung der Währungsstabilität geführt hat auf dem Umweg über die ungewöhnliche Stimulierung der Einfuhr von Roh- stoffen und die Verteuerung der Lebenshaltung und der Produktionskosten, die wiederum die Aussuhrmöglichkeiten weitgehend beeinträchtigten. Auch die von der„Financial News" zum Ausdruck gebrachte Erwartung, bah eine neue Markabwertung die Handelsbilanz und damit die Aussichten für die Auslandsgläubiger Deutschlands verbessern helfen dürfte, könnte sich leicht als trügerisch erweisen. Jedenfalls wäre die Wieberaufnahme des deutschen Auslandsschulden- dienstes mit den störenden Auswirkungen, die eine neue Währungsentwertung in Europa haben müßte, zu teuer be- zahlt. Es berührt in der Tat eigenartig, wenn dieselben englischen Stimmen, die gegen die Sonderabkommen zur Er- möglichung der vollen Schuldenzahlung durch zusätzliche Importe von Deutschland Sturm laufen, Deutschland d i e Währungsabwertung als die bessere Methode zur Erzielung eines größeren Exportüberschusses ziemlich un- verblümt nahelegen. Man hört im Augenblick nur wenig von den Kämpfen in der evangelischen Kirche. Befehlsgemäß herrscht in der deutschen Presse vollkommenes Schweigen. Aber niemand kann sich über die wahre Lage täuschen. In unzähligen deutschen Pfarrhäusern finden dauernd Zusammenkünfte der Gläubigen statt, man tauscht Händedrucke und Gelöbnisse aus, man schickt hunderten von gemaßregelten Geistlichen Sympathieerklärungen. Wer von Deutschland kommt, berichtet immer wieder, welcher Ingrimm sich gegen die braunen Gewalthaber über die Kirche angesammelt hat. Er würde unwiderstehlich über das ganze Land brausen, wenn es ein öffentliches Ventil für ihn gäbe. In Barmen tagte soeben die Bekenntnissynode der deutschen evangelischen Kirche. Hier ist der Standort der Auflehnung gegen die Berliner Kirchenregierung, den Reichsbischof, die„deutschen Christen". Man faßte eine rebellische Entschließung, deren Wortlaut gegenwärtig wie illegale Literatur unter den Gläubigen zirkuliert. Allerdings sind Stellen darin, die die Gestapo interessieren muß. Die Einheit der deutschen evangelischen Kirche sei gefährdet und bedroht durch die herrschende Kirchenpartei und die Kirchenregierung. Man müsse die„Falschlehre" verwerfen, als dürfe die Kirche ihre Botschaft und ihre Ordnung dem jeweiligen Wechsel der politischen Weltanschauung überlassen. Jeder Saft steht zu allem in Widerspruch, was der Reichsbischof und seine Distriktsbischöfe als heiligen Auftrag der evangelischen Kirche im„dritten Reich" verkünden. Hier brechen die legten Brücken, und man sieht nicht, wie der vollkommen zerrüttete Kirchenkörper wieder aufgerichtet werden kann. Soeben haben zweitausend. Berliner Protestanten an den Reichsbischof Müller appelliert, er möge schleunigst die Maßreglung des Pressechefs des Pfarrernotbundes, Harnisch, zurücknehmen. Diese zweitausend Protestanten erklären, daß sie aus der Kirche austreten würden, wenn man Pastor Harnisch nicht wieder in sein Amt einsehe. Aber es ist merkwürdig: die von beiden Seiten donnernd geführten Kämpfe gehen immer nur bis zu einer bestimmten Barriere. Plöfflich ragt aus unsichtbaren Himmelshöhen ein drohender Arm mit einer Hakenkreuzbinde, Da versickert auf einmal für eine Weile der laute Schall. Noch ist die materielle Macht des totalen Staats stärker als die sittliche Kraft, und die dynamischen Gegensäffe verkriechen sich icie- der hinter das Laissez-faire der Resignation. Inzwischen vollzieht sich auf dem Boden der Evangelischen Kirche ein anderer erstaunlicher Vorgang. Ueberall erfolgen Massenanmeldungen zur Nachkonfirmation. Re- ventlows„Reichswart"(Nummer 24) gibt folgende Notiz aus einer kleinen Lokalzeitung wieder:„Am Sonntagabend fand die Nachkonfirmation von 49 jungen Männern und Mädchen statt". Das Blatt fügt hinzu, daß solchen Notizen häufig Worte des Triumphes und der Befriedigung über die Rückkehr zur Kirche beigefügt seien. Das Ganze sei aber eigentlich eine„Tragödie", denn dieser Vorgang habe mit Glauben und Religion nichts zu tun. In der Tat: die Eltern der jungen Leute hatten die Kirche verlassen, teils aus religiöser Gleichgültigkeit. teils aus religiöser Enttäuschung über das Versagen der Kirche; teils auch in bewußter Zuwendung zu freidenkerischen Ideen, was freilich oft auch nur verschämte Liebe zum religiösen Erlebnis war. Nun kommen sie zur Kirche zurück. Aus welchen Gründen? Nicht aus religiöser Haltung, sondern allein aus Furcht vor wirtschaftlicher Benachteiligung. Der Pfarrer, so sagt der „Reichswart". erkläre vielfach, daß man künftig nicht mehr getraut-werden könne, wenn man nicht der Kirche angehöre, und in kleineren Orten und auf dem Dorfe habe sich der Glaube eingebürgert,„daß die Kirche von der NSDAP, unter- stüfjt werde, und daß der ihr nicht Zugehörige als nicht vollwertiges Mitglied der Volksgemeinschaft anzusehen sei...". Hier ist des Pudels Kern. Es ist einfach Furcht um die Existenz, und die religiöse Wiedergeburt ist das Resul'at des Terrors. Man flüchtet vor dem Hagelwetter in die Kir- che und läßt sich mit Dogmen und Glaubensgütern segnen, obwohl keiner das Bekenntnis erlebt und ein Wort davon glaubt. An diesen Altaren betet die Heuchelei, mit den hangen Herzen und den blassen Lippen der Untertanen. Und die offizielle Kirche tut so, als ob sie sich freue und als ob sie nuht sähe, daß diese Armen nur aus Angst ihre Hände falten. Argui, Belgische Regierungskrise Plötzlicher Rücktritt des Kabinetts Die Regierung Brocqucville ist zurückgetreten. Der Rück- tritt erfolgte a-f Grund der heutigen Abstimmungen in dar Kammer. Tie Regierung ist bei zwei Regierungsvorlagen betreffend Neureglung der Familienunterstütznng und Reg» lung der Grenzpolizei in der Minderheit geblieben. * Bei der ersten Abstimmung wurde mit 83 gegen 7'.) Stimmen das Gesetz über die Neureglung der Familiensozial- Zuwendungen, gegen das in erster Linie die Sozialisten eine heftige Opposition Machten, abgelehnt und gleich anschließend mit 8» gegen 74 Stimmen eine Aenderung des Fremden- Gesetzes. Nach der vorgeschlagenen Neufassung dieses Gc- seyes sollte ein aus Belgien Ausgewiesener bei einem wei- teron Aufenthalt in Belgien Mit Gefängnis von zwei Wochen bis sechs Monaten bestraft werden. Wenn es zunächst zweifelhaft erschien, ob das Gefamtkabi- nett auf Grund dieser Abstimmungen zurücktreten würde, da die Vertrauensfrage nicht gestellt wurde, so wurde doch bc- tzeits in den speien Nachmittagsstunden mit dem Rücktritt ses Justizministcrs gerechnet. Ein Kabinettsrat beschloß jedoch späterhin, dem Küttig die Gesamtdemisslon vorzulegen. Es wird allgemein angenommen, daß der König den bis« herigen Ministerpräsidenten mit der Neubildung des Kabi- netts be..uftragcn wird. CIh Bisdioi protestiert Das gebrethene Konkordat Auch in Ostpreußen war den katholischen Fugend- verbänden das öffentliche Tragen von Uniformen durch staatspolizstlichc Verfügung verboten worden. Daraufhin bat der Bischof von Ermland ein Schreiben an die Kvnigsbcrgcr Staatspolizcistcll- gerichtet, das folgenden Wortkaut hat: „Ans das in der Srmländ. Jelinnq Nr. 120»«riiffentlichie Verbot des Ifsentlichen Auftretens konfcffioucller Jugeudverbände Hot der Hoch«. Her» Bischof an di« Siooispolizeistefte in«öuigsberg ein Schreibe» gerichtet, in de« er feierlich Protest erhebt, den», so schreibt er: 1. eine solch« Anordnung widerspricht dem Artikel 31 des ZleichS- konkordats und den zwischen der Reichsregierung und de» Ver. tretern der deutschen Bkschöf««erelisbatt«» Auslegungsgruud- sagen vom tZ. Jnli t!N>3. !. die tath.^ugendoerbonde der DiSzsse Ermlond, speziell i« Re- gierNugsbezirk Ubnigsberg, hoben nicht den geringsten«nlost zn einer solchen Mostnah«« gegebe». Es if« kein einziger Fall bekonu«, dost tatst. ,>»«end»erein« bzw. deren Mitglieder die öffentlich« Sicherheit und Ordnung gestört habe». Z.Insbesondere mnst ich Verwahrung dogege» einlegen, dost dies« Maßnahme dnrch Hinweis ans die Verordnung des Herr» Reichspräfidenten zn« Schng»on Volk und Staat oo« K. Februar»#38«RGBt. I S. MI) begründe« wird. Tiefe Vererdnnng ist„znr Abwehr ko««nnistifcher ftaatsgeftihr» de,Iber Mewoltakt,"«rlaffen. Und ich mnst mein Bedauern darüber ansfprechen,»ast ei« solches Gesetz ans di«»«ganisierte kath. Jugend angewandt wird. ,)ch darf«och bemerke», dast die VerSsfentlichnng dieser Ver- füann, knrz vor dem Fronleichnamsfeste die gläubige« Katholiken besonders schmerzlich derühre« muß. Ter Bischof«»» yrwlan» t Maxiwilia» Kager. « Der Bisthof vou Ermland wagt eine offene und scharke Sprallte. Sein Hinweis aus den Bruch des Konkordat» wird freilich erfolglos bleiben. Seine Bestimmungen stehen im „dritten Reiche" längst aus dem Papier. Nur die katholischen Blätter der„deutschen Fronl" tun so, als ob sie sich darüber noch Jttnfionen mallsten. So schrieb die„Saarbrücker Landeszeitung":„W»s im Juli 1938 galt, da» gilt rechtlich auch heute noch. Es ist nur notwendig, zu dieser Rechtslage zurückzukehren und mit gutem Willen eine friedliche Ver- ständignng übet die Durchführung des Artikels 31 zu er- zielen, wie sie im Konkordat selbst vorgesehen ist. Denn so wie bisher lilnnen die Dinge nicht gut»eijcrtreiben." Das verbot des„Bayerischen Anzeigers" Wegen eines Faulhaber»Artikels... dnü. München, 7. Juni. Wie wir zu dem Drei-Monat« V c r b o t d c s„Bäuerischen Anzeigers" erfahren, liegt diesem Vcrböt ein Artikel vom 17. Mai zugrnnd«„Zeit- rufe— Götkesrnse" von Kardinal Faulhaber, der bereits im Dezember 1924 erschienen war und die damaligen Zeikver- Hältnisse geißelte. Dadurch, daß dieser Artikel mit einer fast unsichtbaren Fußnöie unter der vorgenannten Ucberichrtii gebracht wurde, wußte der Eindruck erweckt werden, als ob er auf die heutige Zeil gemünzt sei. Zweifellos dürft, zn dem Verbot die Uebctzeugnng geführt haben, daß eint Ab- ficht vorgelegen habe, die Leser glauben zu machen, die A n s- führungendesKardinalsbezöStnfichaufdle heutige Zeit... ■* Äm Freit--, dem 1. Fun! 1934, wurde ans Anordnung der Geheimen Staatspolizei die Düsseldorfer Katholische Kirchen- zeitung Nr. 22 vom 8. Juni 1984 beschlagnahmt, angeblich wegen eines Artikels:„Haben die Bischöfe im Kampf gegen die öffentliche Uns,ttlichkeit versagt?" Derselbe Artikel blieb in Köln und Dortmund unbeanstandet. Goebbels droht den In Jen! Die Nazis in der Verteidigung Gletwitz, 8. Juni. Das Deutsche Nachrichtenbüro meldet: In einer von etwa 50 91)») Volksgenossen besuchten gewaltigen Kundgebung sprach Reichsministcr Dt. Goebbels am Mittwoch in Gleiwitz gegen Miesmacher und Meckerer. Dr. Goebbels) s datani hin, daß man nur feststellen könne, ob etwas erreicht worben fei bei der Gegenüberstellung des Zustande» von damals, als die nationalsozialistische Regie- ruug die Erbschaft der früheren Regierung antrat, tutt dem heutigen Zustand. Wenn das internationale Judentum glaube, durch»ine internationale Boykotthetze uns allmählich den Weltmarkt abspenstig machen zu können, so sollten dies« Vertreter des WeltkapitalismnS nicht glauben, daß Geld auf die Daner stärker sei als Rasse und Will« und Entschlösse«» heil. Nach der Kundgebung trat Dr. Goebbels sofort den Rückflug nach Berlin an. Blntlgc Streihiinnihen in Spanien TNB. Paris, 7. Juni. Nach Meldungen aus Madrid dürfte der allgemeine Landarbeiterstreik dank der von der Regierung getroffenen energischen Maßnahmen gescheitert sein. Jedoch werden aus verschiedenen Dörfern Andalusiens und Estremaduras blutige Unruhen gemeldet, bei denen zehn Personen ums Leben kamen und gegen 20 verletzt wurden. DNB. Madrid, 7. Juni. Tie Zwischenfälle, die sich im Zu- sammcnhang mir dsm Landarbeiterstrei? in Nordfpanicn er- eigneten, haben noch weitere zioc, Todesopfer und zehn Schwsrvorwimdct« gekostet. Unklare Loge Madrid, 7. Juni. Da infolge der Zensur nur offizielle Nachrichten in die Oesfcntlichkeit gelangen, wird die Ver- sichcrung der Regierung, daß der Erntestreik bereits überall als zusammengebrochen angesehen werde« darf, mit einiger Reserve ausgenommen. Tie Feldarbeiten beginnen über das Sand hin sc nach den Regionen zu verschiedenen Zeiten. Der Ausbruch eines allgemeinen Streiks kam daher für einen bestimmten Tag von vornherein kaum in Frage. Für den weiteren Verlauf der Bewegung wird in den Einilußzonen der gemäßigten Arbeiterschaft vor allem das Verhalten der Arbeitgeber ausschlaggebend sein. Die Haltung der revo- lutionärcn anarchosyndikalistischen Verbände ist noch nn- geklärt. Die Gefahren des Erntesrreiks können erst dann als einigermaßen überwunden gelten, wenn die Rekordernte in dem überwiegenden Teil der Hauptproduktioiisgebrete wirk- lich unter Tach ist. Vis dahin bleibt für die Wirtschast und die öffentliche Ordnung noch ein erhebliches Maß von Benn» rnhignng bestehen. * Fernando Berenguer erschossen DRV. Paris, 7. Juni. Nach Meldungen aus San Sebastian ist General Fernando Berenguer, ein Bruder des frü- Heren Ministerpräsidenten General Tamaso Berenguer, in Hermani einem Anschlag, zum Lprcr gefallen. Berenguer stand mit seiner Schwester an der Schwelle fernes Hauses, als er plötzlich Schritte hinter sich hörte. Cr wandte sich am, und im gleichen Augenblick feuerte jemand zwei Revolver- fchüssc auf ihn ab, von denen der eine das Herz traf. Deren- guer war auf der Stelle tot. Ter Täter ergriff im Anto die Flucht und konnte bisher nicht festgenommen werden. Man nimmt an, daß es sich um einen politischen Anschlag handelt, durch den der Bruder des Opfers, der frühere Minister- Präsident Tamaso Berenguer. getrottet, werden sollte, den« Fernando Berenguer bat nie, wie seine Brüder Tamaso und Fredcrigo, eine Rolle in der spanischen Politik gespielt. Le^te$liiftie in Genf Ein Entstthlleßannsentwurf Barthous Ober die Abrüstung— Für Hitler« Deutschland bleibt die Tür offen... Genf, den 6. Juni 1984. Die Mittwochtagung de» Präsidiums der Abrüstnngs- konserenz war ausgefüllt mtt Besprechungen über einen durch den französischen Außenminister überreichten Eni- schließungseutwnrf. Ter Entwurf bezweckt entsprechend dem französischen, wiederholt geäußerten Standpunkt zunächst die Fsröerung regionaler Sicherheitsverlräge und deren Zu- sammcnfasiung durch den Hnnptansschnß der Abrüstung»- koniercnz. Ferner wünscht er der sogenannten politischen Kommission die Fortsetzung der Verhandlungen über die Kontrollbestimmungen der Abrüstung auszugeben. Er fordert Wiederaufnahme der Arbeiten des Luitahrtkomitces ent- sprechend der Entschließung vom 28. Juli 1982 üher die Jnternatiewalifierung der Zivilluftfahrt, Abschaffung des Bombenabwurfs. Verringerung der militärischen Luitftreit- kräfte usw. Ferner soll daS Tonderkomitec für die Frage der Wasscirsabrikatlon»ud des Waffenhandels seine Arbeiten wieder ausnehmen. Der Präsident der Abrüstungskonferenz soll Sorge tragen, daß dir Arbeiten der verschiedenen Korn- Missionen zusammengefaßt, vorbereitend verarbeitet und zu einem Abrüstungsentwurse verdichtet werden. Ferner wünscht Barth»«, daß die Vorschläge Rußland» über di« sogenannte Friedenskonferenz geprüft würden. Barths« begründete de« Entschließungsentwnrs. Dabei setzte er sich insbesonbere mit der Rückkehr Deutschlands in die Adrüstungskommifsion auseinander. Er betonte, daß Deutschlands Rückkehr nichts im Weg« stünde. Die Tür sei nicht verschlossen. Frankreich Hab« in der Saarfragc seinen gute« Willen bewiesen. Di« französisch, Abordnung sei allerdings nicht der Meinung, daß die Konferenz ohne Deutschland nicht arbeitsfähig sei. Man soll weder Bodin- gongen von Deutschland annehmen, noch ihm solche aufcr- lege». Deutschland soll mit seinem Eintritt aber alle Rechte übernehmen und alle Verantwortlichkeiten tragen. Die Ab- Wesenheit Deutschlands sei kein Hindernis für die Fort- setzung der Arbeiten, aber die Anwesenheit Deutschlands würbe de« Arbeit«» ihre» wahren Charakter geben und vielleicht eine Lösung ermögliche». Im übrigen bestehe Frankreich aus seinem bisherigen Standpunkte. Seine Stellung zu Deutschland habe sich nicht geändert. Angesichts dieser offenen Erklärungen Barthotis muß man abwarten, ob Deutschland den Schritt zum Völkerbund zurückfindet. Nach den bombastischen Erklärungen seiner Führer dürste dieser Schritt unmöglich sein. Wenigstens iväre er ohne riesengroße Blamage nicht zu beschreiten. Präsident Henderson machte den Vorschlag, eine Nedak- tionökvnferenz mit der Aufgabe zu betrauen, seinen und den französischen Entschließungsetttwurs zusammen zu ver- arbeiten. lim 17.30 Uhr wurde die Präsidialsitzung beendet, die im Gegensatz zu gestern sehr ruhig verlausen ist. Tie Sitzung wurde anf Freitagvormittag vertagt, ohne daß irgendwelche Beschlüsse gefaßt wurden. Fall» man Freitagvormittag zu einer Einigung kommen sollte, ist für Frcitagnachmittag eine Sitzung de» Sauptausschusses der Abrüstungskonferenz vor- gesehen. Wahrscheinlich ivird die Präsidialsitzung am Freitag auf französischen Wunsch hin öffentlich sein. Die französische Delegation legt scheinbar Wert darauf, vor der Weltöffent- lichkcil festzustellen, daß die Krise der»beüstnvasks«ierr»z und ein etwaiges Versagen nicht französischer Jntransigcnz entspring». Großfeuer in Danztg Gasvergiftung von sechs Feuerwehrleuten dnb. Danzig, 7. Jnnt. Zu dem Großseuer ans der Tan- zlger Werft erfahren wir: In dem brennenden Haupt- inagazingebäude lagerten in der Hauptsache Werkzeuge, Kleineisenzeug, Kabel, Bolzen. Schrauben, Packungen usw. Die Feuerwehr wurde um 1.15 Uhr nachts alarmiert, jedoch muß das Feuer im Innern des Magazins schon längere Zeit gewütet haben, da der Brand beim Eintreffen der Wehren bereit? stark vorgeschritten war. Infolge der starke» Ver- gnalmnNg waren die Zugänge z« sämtlichen Räumen nn- passierbar. Seitens der Feuerwehr wnrdc vergeblich versucht, in das Innere des Gebäudes mit Gasschutz vorzudringen. Sechs Fcnerwehrleutc sind an Gasvergiftung erkrankt, z. T. waren sie umgefallen und mußten von Kameraden aus dem verqualmten Gebäude bcrausqeschasft werden. Tie gesamten Danziger und Langsuhrer Feuerwehren waren auf der Brandstellt tätig, außerdent eist Löschboot und ein Lösch- dampfer. Gegen 7 Uhr morgens N'gr die Gewalt des Feuers gebrochen, so daß ein Teil der Wehren abrücken lvNiit«. Der Sachschaden ist außerordentlich hoch. v e Pariser Blätter Ihre Meinung zu B&rthous Vorschlägen »nb. Paris» 7. Juni, Ruhe nach dem Sturm.»«» Barometer beginnt wieder zu steigen, erklären die iranzösischeu Berichterstatter, die den von Außenminister Barthou ein- gebrachten Arbeitsplan als eine»positive, konstruktive Leistung" bezeichnen, die den Widersachern Frankreichs, die an Frankreichs negativer Haltung Kritik übten und es für das Scheitern der Konferenz verantwortlich machen möchten, eine wohlverdiente Lehre erteile. Dabei wird von den Blättern die Tatsache unterstrichen, daß Barthou an«t französischen Sicherhettsthes« nubcirrt festhalte, aber um eine Verständigung mit England zu ermöglichen, den Ge- danken, Deutschland zur Rückkehr nach Genf zu bewegen, nicht ohne weiteres von der Hand weise. In den Teutschland betreffenden gestrigen Ausführungen Barthous möchten be- sonders optimistisch eingestellte Kreise sogar das Haupt- ereigniS der Siniing vom Mittwoch erblicken,„Bevor man Genf verläßt," schreibt in diesem Zusammenhang wieder das „Oeuvre",„ivar es iveientltch, nicht mit England zu brechen und in keiner Weise unsere Haltung oegenüber Deutschland zu ändern, ohne deswegen«ege« Deutschlands Rückkehr Opposition zu machen. Denn siir eine Konvention oder sede andere internationale Reglnng ist Deutschland»nerläßkich. Die geschickte französische Entschließung hat das ermöglicht, und die Aimv'vhäre klärt sich ani." DaS„Echo de Paris" vertritt den Standpunkt, daß Baribons Vorschlag im Grund» genommen nickts ändere. Der Anßenvolitiker des Blattes bezeichnet als den Haupt- zweck der Anspielung aus Deutschlands etwaige Rückkehr, Heuderion den Wen nach Berlin zu verlegen. Barthou? wahre Absicht legi der sozialistische„Pcwnlatre" wie folgt ans: Barihon habe es vor allem aus den Abschluß von Regionalpakien abgesehen, wie einige bereits seit einem Jahre abgeschlossen worden seien. Diese von ihm angewandte Formel spiele aus den Balkanpakl an. d. h. auf ein Abkommen mit vosstiven Verpflichtungen, besonders solchen militärischer Art. Mg» aebe alio von der Organisa» tion des Friedens zur Wiederherstellung der bewaffnete« Allianzen über. .Times bleibt pessirntsiisdi London, 7. Juni. In den Berichten der Blätter aus Genf wird betont, daß der gestrige Tag zwar keine greifbaren Ergebnisse gezeitigt habe, daß aber die Atmosphäre besser ge- worden sei. n.rchdem Barthou eine versöhnliche Rede ge» halte» habe. Henderson sei angeblich wieder hoilnungSvoll. Der Genier Korrespondent der„Times" schreibt: In der Um- gebung Hcnderions wnrdc gestern Befriedigung über die Besserung der Atmosphäre ansaedrsickt. die als unmittelbares Ergebnis seines entschiedenen Auftretens gegen Barthon be- trachtet wurde. Die Anlfassvng der britischen Abordnung war ganz anders. Die begrüßt zwar naturgemäß die Er- leidster»»« der Spannung der letzten Tage, war aber nicht der Meinung, daß Bartbous Entschließung irgend etwas zur Bieberautnastme ausgiebiger und fruchtbarer Verhandlungen beigetragen hat, an denen Deutschland teilnehmen könnte, und die sich auf ein vernünftiges Kompromiß gründen würden. Nach Ansicht der britischen Abordnung haben die Franzosen lediglich einAtbeitsprogramm iür eine Reihe von Ausschüssen angeregt, an denen die Deutschen und infolgedessen auch die Italiener nicht teilnehmen werden, und sie haben nichts getan,»m den grundlegenden Gegensatz zwischen Ihnen selbst und den Deutschen, zwilchen der Abrüstungs- und der SichcrheitSgrnppe der Konferenz zu beseitigen. Oai Neuest« Der polnische Außenminister Beck hat, wie gemeldet wird, Gens bereits wieder»erlassen und sich über Berlin nach Warschau begeben. Nach einer Meldung ans G« n I beabsichtigt Außenminister Barthon, am Freitag nach Pari» zurückzukehren. Der Chef iti französischen Geaeralftabes, General Debency, wirb, wie in Pari» und auch a»S Gens vertäutet, Ende Jnnt sich nach Warschau begebe», u« das französilch-polnische Militärabkommen von 1921 zn«r, neuern und der neuen Lage anzupassen. Der Finanzausschuß der französischen Kammer hat dte Krcditiiachsordernng des französischen Lnstfahrtmtnisterinms in Höhe von 3129 Millionen Franken mtt 22 gegen 12 Stimmen angenommen. Parts, 7. Juni. Aus Valenzia wird gemeldet, baß dort ein Haus eingestürzt ist. Unter den Trümmern fand man drei- zehn Tote und zwölf Verletzte. Außerdem»verdru noch mehrere Bewohner vermißt. Hann man den Frieden durdi Verträge sichern? Ein Epilog zum deuisdi-fronzösisdien Abhommen Ober die Soarabsiimmnng Wir leben in einer Zeit moralischen NieSerganges. Es ist nicht nur io. daß die moralische Entwicklung des Menschen nicht mit der technischen, in der die Menschheit lebt, Schritt gehalten hat. Nein, das moralische Niveau ist insgesamt herabgesetzt. Die Menschen sagen immer: Die Zeiten werden schlimmer. In Wahrheit, sage ich Euch, Tie Zeiten bleiben gleich: Die Menschen werden schlimmer. lAlter schwäbischer Haussegen.) In diesen Zeiten die schlimmgewordenen Menschen dahin bringen wollen, den Frieden durch Verträge zu sichern, ist im Grunde ein dilettantischer Versuch und der Veweis geringer Menschenkenntnis. Man kann nicht.Feigen ernten von den Dornen" Man kann nicht den Frieden, der das Resultat eines moralischen Zustandes ist. durch papierene Verein- barungen da vorweg nehmen, wo es an moralischer Entwick- lungskraft sehlt. Leon Bourgeois, der nicht ein Vor- läuser B r i a n d s war, sondern der erste politische Pazifist, hat dies formuliert:.Um den materiellen Frieden zu sichern, muß man zuerst den moralischen Frieden realisieren. Und es gibt doch keinen moralischen Frieden, wie nur da, wo die Rechte des einzelnen nicht bedroht sind."nen Sinn für die soziologische Be- deutung des Rechtsgedankens im Völkergeschehen erworben hat. Einen Sinn, der dem Durchschnittsdeutschen von heute völlig abgeht. Wer den Mangel dieses Sinnes in Deutfchlanö feststellen will, der braucht nur in den Zeitungen die Tagung„Deutsches Recht" nachzusehen, die am 12. Mai in, preußischen Abge- orbnetenhaus stattfand. Dort hat der Präsident des preußischen Abgeordnetenhauses, der Oberpräsident K u b e, erklärt: „Die richterliche Objektivität aber findet ihre Grenzen da. wo es sich um die Fragen der Nation handelt. Der Richter hat das Lebensinterefse der Nation rücksichtslos über das normale Recht zu stellen." Manschender Beifall!) Auf der gleichen Tagung äußerte sich der bayrische Justizminister Dr. Frank: „Das Recht kann niemals letztes Ziel sein, sondern immer nur Mittel zum Zweck." Zu welchem Zweck? Man ergänze „zum Zweck des Nationalegoismus". In Hitlers Buch „Mein Kampf" kann man dutzendweise die Belege für die Auffassung linden. So z. B., um nur e i n Wort von ihm zu zitieren:„Wer die breite Masse gewinnen will, muß den Schlüssel kennen, der das Tor zu ihrem Herzen öffnet. El heißt nicht Objektivität, also Schwäche, sondern Wille und Kraft." Kann es, um auf Leon Bourgeois zurückzukommen, eine stärkere Bedrohung des Rechts des einzelnen geben, wie sie nicht nur in diesen Worten der führenden Hitlerianer zum Ausdruck kommt, sondern wie.sie sich heute in Teutschland in d-r Behandlung der Juden»nd in tausend anderen Dingen nur allzu deutlich manifestiert? Wenn— nach Hitler— Objektivität Schwäche ist, dann ist Frankreich heute das schwächste Land Europas. Seine führen- den Kreise sind von einem rührenden Willen zur Objektivität beseelt.— Wir bezweifeln nicht, daß Frankreich in der Be- achtung dieser Objektivität schließlich und endlich politisch den allein richtigen Weg eingeschlagen hat. Aber die Objektivität ist keine Objektivität mehr, wenn man sein eigenes Denken in das Gehirn der anderen einfach überträgt In diesem Falle wird sie zur Dummheit. Frank- reichs großer politischer Fehler ist, daß es Teutschland mit seinen eigenen französischen politischen Begriffen mißt. Daß Frankreich dem hitlerischen Deutschland einen Willen zur Einhaltung von Verträgen unterstellt, der zwar in Frank- reich vorhanden ist, in Deutschland aber, wie Figura zeigt, bewußt und klarsichtlich von den führenden Politikern ab- gelehnt wird. Nach dem hitlerischen durch Hindenburg gutgeheißenen Um- stürz ist in Deutschland die Entscheidung über Krieg und Frieden aus Grund des Ermächtigungsgesetzes vom 28. März nicht mehr in die Hand des Reichstages gemeinsam mit dem Reichspräsidenten gelegt. Nein, die Frage ob Krieg oder Frieden liegt ganz ausschließlich in der Hand des Diktators Hitler. N'cht einmal der wilhelminische Zustand, daß das Parlament durch die Bewilligung der Kriegskredite die Kriegserklärung gutheißen muß. ist dem heutigen Deutsch- land verblieben Verfassungsmäßig ist im heutigen Deutsch- land in der Frage der Kriegserklärung derselbe Rechtszu- stand vorhanden, wie in Preußen zur Zeit der preußischen Soldatenkönige vor zwei- und dreihundert Jahren. Hitler kann durch Regierungsgesetz die Kriegserklärung abgeben. Das hitlerische Führersystem gibt dem„Führer" ganz aus- drücklich auch moralisch das Recht, sich über Verträge hinweg- zusetzen. Welche Sicherheit aber können internationale Verträge bieten, wenn ein einzelner sie durch einen einzigen Willens- akt, eben das Regierungsgesetz, bindend für 00 Millionen Menschen, über den Hausen werfen kann?... Offenbar gor keine.- Wie behandelt man in Teutschland den Veriailler Vertrag?... Wenn aber Verträge keine Sicherheit bieten, dann ist es besser auszusprechen was ist und zu erklären, wir schließen it dem heutigen Deutschland keine Verträge, auch nicht be- zllglich der Saar, weil dem Wesen dieses hitlerischen Deutsch- lands die internationale Vertragslosigkeit adäquat ist.„Wir richten uns vielmehr ausschließlich und ganz allein nach dem Verhalten Deutschlands an der Saar." egschaftS sr Kompanie Volksgenossin und Volksgenosse! Weißt Du auch, daßTubeiunskeincnAn spruchausArbeits- b e s ch a f s u n g. R e ch t s b c r a t u l, g u s w. mehr h a st. iv c n n Du nicht Mitglied der Deutschen A r b e i t s f r o n t b i st! Weißt Tu auch, daß die Deutsche Arbeitsfront die gewaltigste und mächtigste Organisation darstellt, die es auf der Welt überhaupt gibt! Weißt Tu auch, daß in der Deutschen Arbeitsfront das gesamte Deutsche Volk organisiert ist! Allen Mitgliedern der Deutschen Arbeitsfront, welche die März- und Aprilbeiträge noch nicht bezahlt haben, diene zur Kenntnis, daß sie ihre Mitgliedschaft tür immer ver- lieren. wenn die Beiträge nicht umgehend bezahlt werden! Wer nicht mit der„Arbeitsfront" marschiert, kriegt keine Arbeit mehr und kann krepieren. Wer mit den Bei- trägen im Rückstand bleibt, dem geht es ebenso. Der deutsche Arbeiter und Angestellte befindet sich in den Händen einer Erpresserbande und bleibt hilflos, bis er wieder lernt, sich zu wehren? ver Nolsdirel eines Pg. „Tiedlerland jedem willigen Bauernsohn!"— das war aus dem Dorfe der Verheißung der Hitlerianer, ehe sie zur Mach: kamen. Wie das Wort gehalten wurde, zeigt folgen- des Inserat: Welcher Pg. gibt mir Rat? Langjährigem Pg., SA-Führer, 30"/« krgS.- beschädigt, edelgesinnter Landwirtssohn, dessen ganzes Streben und Trachten dem Erwerb eines eigenen Besitzes in seiner oberbayerischcn Heimat galt, wurden durch jchive- res Tch'cksal seine Pläne vereitelt. Herzlich danke ich es demjenigen Partei- oder Volksgenossen, der mir verrät, welcher Weg zu beschreiten wäre, der es ermöglicht, meinen einzigen Herzenswunsch dennoch zu verwirklichen: sei es durch Siedlung oder sonst auf irgendeine Art. Ang. u. Mü. 2815 an d. V. B., München. So schreibt ein langjähriger Pg.. und zwar in demselben glatt, das vor Ausbruch des„dritten Reiches" draitslos irüllte'„Hitler beseitigt jede Baucrnnot!"— im Blatte des „Führers", im„Völkischen Beobachter" vom 17. Mai! Brauner Idealismus Eine Rechtsauskunft:„Ist zu kleine Mitgift ein Ansech- tungsgrund für die Ehe? Das Gesetz bestimmt eine Anzahl von Fällen zu Ansechtungsgründen: die Berschwcigung einer wesentlichen Eigenschaft des Heiratenden ist z. B. ein An- fechtungsgrund. Ausdrücklich sagt das Gesetz aber, daß ein Irrtum über die Vermögensverhälinisse des Ehepartners zur Anfechtung der Ehe nicht berechtigt, weil eine derart materialistische Auffassung der Ehe vom Gesetzgeber nicht gebilligt wird: allerdings kann die allgemeine Verlogenheit, die die Frau bestimmte, die Höhe ihrer Mitgift zu über- treiben, ein selbständiger Anseibtungsarund, unabhängig von den Bermögensfragen sein." fFindet sich in mehreren deut- ichen Zeitungen, stammt also aus einer Korrespondenz!) Nach dem 13. Januar! Saarbrücken, den 7. Juni 1934. Es ist nichts so dumm, es findet doch sein Publikum— denkt die sogenannte„deutsche Front" und läßt jedem, der es hören will, erzählen, daß am Tage nach dem Abstim- mungstermin, also am 14. Januar, die SA. einmarschieren und. wie es der amtliche Deutsche Rundsunk gestern aus- drückte,„Rache an den Frevlern" nehmen werde. Selbstverständlich ist das dummes Zeug! Und das weiß niemand fo gut, als die Leitung der„deut- schen Front" selbst: denn baß sie das Saarstatut des Ver- failler Friedensvertrages nicht gelesen haben>ollte, hieße sie mehr unterschätzen, als sie verdient. Nach dem Saarstatut aber, nach dem allein vorzugehen der Völkerbund sich erneut einstimmig verpflichtet hat, muß man den Fragenkomplex über die Volksabstimmung, um- fassend die 88 34 bis 39, in zwei große Sachgebiete einteilen, nämlich: 1. in die Abstimmung selbst und ihre Borbereitung, 2. in die vertragsmäßigen Maßnahmen nach der Ab- stimmung. Was die letzteren anbelangt, so umfassen sie die 88 85—39 des SaarstatutS, und die bis jetzt getroffenen Entscheidungen des Völkerbundsrates beziehen sich im wesentlichen lediglich auf 8 34. Praktisch wird sich also nach dem 13. Januar, falls an diesem Tage die Abstimmung tatsächlich stattfinden sollte, was einmal von der Einhaltung der Garantiebcdingungen des Völkerbundes und etn anderes Mal von den technischen Vorbereitungen abhängig ist. im großen und ganzen folgen- des abspielen: Es wird nach dem 13. Januar zunächst das AbstimmungS- resultat festgestellt werden und, nachdem die für das Abstim- mungsergebnis festgelegte Einspruchsfrist verstrichen und die Einsprüche selbst durch das Abstimmungsgericht entschieden sind, wird der Völkerbundsrat frühe- st e n s auf seiner regelmäßigen Maitagung 1933 zusammen- treten können, um das Abstimmungsergebnis zu interpre- tieren und eine Entscheidung gemäß 8 33 des Saarstatuts zü fällen. Bekanntlich ist der Rat in dieser Entscheidung a b- s o l u t frei und die Volksbefragung vom 13. Januar stellt nur eine, wenn auch die wichtigste der Unterlagen dar, nach welchem der Rat sich souverän entscheidet. Bekannt- lich kann der Rat jede Entscheidung treffen von denen, die theoretisch nach dem Saarstatut möglich sind. Er kann also: a) das ganze Gebiet als selbständiges Land unter der Oberhoheit des Völkerbundes einrichten(sogenannte Status-quo-Lösung), b) das ganze Gebiet an Frankreich geben, c) das ganze Gebiet an Hitlerdeutschland geben, d) er kann das Gebiet aufteilen und einen Teil an Hitlerdeutschland oder Frankreich geben und den an- der» gemäß der Status-quo-Lösung behandeln. Wenn sich der Rat für eine dieser Lösungen entschieden hat. so erwächst ihm laut Saarstatut die weitere Aufgabe, die Bestimmungen für die Einordnung des Landes in die entsprechende Verwaltungsordnung, sei es nun die des Status-quo oder Frankreichs oder Hitlerdeutschlands unter entsprechenden Garantien und Bc-handlungen festzulegen. Zugleich sind die für den Fall einer Rückgliederung des Gebietes räch Deutschland vorgesehenen rein deutsch- französischen Verhandlungen über den Gru- b e n b e s i tz etc. zu führen, welcher bekanntlich von Deutsch- land in Gold zurückerworben werden müßte, wobei nicht unwichtig ist zu wissen, daß der augenblickliche und dauernd noch abnehmende Gold- und Devisen- bestand der gesamten Reichsbank nur noch knapp ein Drittel der Summe umfaßt, die normaler- weise die Gruben kosten werden. Während dieser ganzen Zeit nach dem 13. Januar bis zum Abschluß aller Verband- l u n g e n, insbesondere auch der eventuellen um den 8 39— Verhandlungen, deren Dauer man bestimmt nicht geringer veranschlagen darf, als die der Verhandlungen über den eigentlichen Abstimmungsparagrafen 34, die etwas länger als dreiviertel Jahre gedauert haben— bleibt die Re- gierungskommission des Saargebietes mit allen Rechten und Pflichten im Amte. Und da- mit sie während dieser ganzen Periode die notwendigen Machtmittel in der Hand hat, hat ihr der Völkerbundsrat nicht nur die Vermehrung ihrer Polizei durch Saarländer, sondern ausdrücklich auch ein intdrüätionaleS Polizeikorps zugestanden, wobei der Rätsbeschluß vom März 1920 bezüglich der jederzeitigen Herbei- holung französischen Militärs zur Aufrecht» erhaltung von Ruhe, Ordnung und Sicher- h e i t seitens der Regierungskommission nach wie vor in Kraft bleibt. Es ist also nichts mit dem Einmarsch der SA. am 14. Januar! Auch nicht für den unwahrschein- lichen Fall, daß Hitler am 13. Januar noch eine Mehrheit an der Saar fände! Selbst in einem solchen Falle, den ivir für ganz ausgeschlossen halten, wollen wir uns am 13. Ja- nuar 198 0 einmal wiedersprechen. Max Braun. Ganner• Wo bleiben die roten Korruptionsprozesse? In der letzten Nummer von„Der deutsche Landarbeiter" wird bekanntgegeben, daß drei braune Angestellte der Kreis- leitung Koblenz der Reichsbetriebsgruppe Landwirtschaft wegen Unregelmäßigkeiten abgeurteilt werden mußten. Zwei erhielten eine Zuchthaus st rase von je einem Jahr und drei Monaten, einer ein Jahr.— Und diesen Leuten wurde» vor einem Jahr die Gewerkschaften übergeben! Obwohl die Nationalsozialisten auch jetzt noch in jeder Ver- sammlung die Lügen von der marxistischen Mißwirtschaft in den Gewerkschaften wiederholen, ist bis jetzt noch kein Führer einer früheren freien Gewerkschaft von ihnen vor Gericht gestellt worden. Nur in einem Falle geschah es: in Nürnberg wurden Angestellte des Leberarbeiterverbandes angeklagt. Aber das nationalsozialistische Gericht mußte sie frei- sprechen! So wird also im„dritten Reich" gerichtlich festgestellt: die Verleumdeten sind Ehrenmänner und die Verleumder Gauner! r reit«g, 8. Jnni 1934 ARBEIT UND WIRTSCHAFT—— Dl« Pfl.-Unternehmer „Es gibt nur noch•. Die„Reichsbetriebsgemeinschaft Leder" tritt die Flucht in die Oeffemlichkeit an und berichtet aus Erkelenz, Dremmen, Ratheini und zahlreichen■weiteren Orten von etwa 30.Schuhfabriken die der Treuhänder am 15. Dezember durch einen Bezirkstarif zwingen mußte, gewisse einheitliche Miudest- löhne einzuhalten. Aber schon bald stellte sich heraus, daß dieses Abkommen in keiner Weise respektiert wurde.„Der Deutsche Lederarbeiter" erzählt: „Die Arbeiter wurden als Holzhacker und Besenbinder hingestellt, die keinen anständigen Schuh herstellen könn- leji und auch für ihre„traurige" Arbeit keinen Tarif verlangen könnten. Die dortigen Unternehmer wehrten sich mit aller Kraft, schürten ihre Parteizugehörigkeit vor, drohten mit Schließung der Betriebe, ja, zitierten zur Unterlegung ihrer egoistischen Machenschaften gar aus dem Zu- sammenhang gerissene W ortenational Sozialist i- scher Führer. Sie stellten sich als die wahren Nationalsozialisten heraus und ihre Arbeiter mit samt der Arbeitsfront waren Marxisten und Zerstörer des Aufbauwerkes der Nation." Zur Begründung dieses SOS-Rufes eines Organs der Deutschen Arbeitsfront werden Einzelheiten über die Zustände alicegeben. Die einzelnen Unternehmer überboten sich förmlich in der Unterichreitung der Tariflöhne in einem Spielraum von 20 bis 80 Prozent, Ueberstunden wurden mit keinem Aufschlag bezahlt, bei Bandarbeit wurde keine Minute der vorgeschriebenen Bandpause gewährt, keine Akkordzuschläge, kein Urlaub.„Arbeitsplan, Unterkunft und Behandlung der Arbeitskameraden spotteten jeder Beschreibung." Die Reichsbetriebsgemeinschaft hat eine Säuherungsaklion eingeleitet, von der sie sich restlose Besserung der hier gezeichneten Unternehmer erwartet, und sie orakelt: „Gläubiger denn je marschierten am 1. Mai in diesem Gebiet die Arbeiter auf. Sie haben die Zuversicht, daß im Arbeiterstaal Adolf Hitlers Sauberkeit und soziale Gerechtigkeit herrschen." Auf der zweiten Seite derselben Zeitung gibt die Reichsbetriebsgemeinschaft bekannt, daß das Aufgabengebiet der Arbeitsgerichte neu geregelt ist. Sie sind nur noch für Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis zuständig. Dagegen ist ihnen die Zuständigkeit für bürgerliche Rechtsstreitigkeiten zwischen Tarifvertragsparteien oder zwischen diesen und Dritten ausdrücklich entzogen worden, denn: „Es gibt keine Tarif Vertragsparteien mehr. Wir kennen keine Tarifverträge mehr, es gibt nur noch Tarifordnungen, die vom Treuhänder der Arbeit erlassen werden können und dem auch die Aufgabe gestellt ist, die Durchführung der Tarifordnung zu überwachen." Es gibt also auch keine Stelle mehr, die selbst die bescheidensten Tarifordnungen zu schützen in der Lage wäre.„Der Deutsche Lederarbeiter" versichert auch jubelnd(auf der zweiten Seite), daß mit dieser Aushöhlung der Arbeitsgerichtsbarkeit die kollektive Rechtsgestaltung ihre Ablösung in der Führerentscheidung gefunden habe Die Saar-WirtstfiaU Vizekanzler v. Papen erläuterte die unbedingte Abhängigkeit der saarländischen Wirtschaft vom deutschen Markte aus der Entwicklung der Ausfuhr der schwerindustriellen Erzeugnisse. Die schwerindustrielle Produktion kann nur durch den Absatz außerhalb des Saargebietes im erforderlichen Maße aufrechterhalten werden. „Saarbrüdcer Zeitung" vom 1. Juni 1934. Der Vertrag von Versailles hat uns dem französischen Zollgebiete eingegliedert und uns damit mit unserer Produktion auf den französischen Markt angewiesen. Unser Absatz nach Deutschland wird leider immer schwieriger. Der Weltmarkt ist wegen unserer ungünstigen geographischen Lage vielfach nicht erreichbar. Will man also verhüten, daß hier im Saargebiet große Betriebe stillgelegt werden, so muß man Absatz auf dem französischen Markte suchen. Hermann Röchling am 15. Juni 1923. Wer hat recht? Die enttäuschten Angestellten Der Arbeitsbescfitafffungs-ZaiiDer Die Siegesberichte von der Arbeitsschlacht sind Schwindel. Die Arbeitslosenstatistik ist entstellt und gefälscht. Dennoch ist es nicht überflüssig, selbst aus diesem Zahlenmaterial nachzuweisen, daß es sich um den angeblichen Rückgang der deutschen Erwerbslosigkeit in keiner Weise um die Belebung der privaten Wirtschaft handelt, sondern um Notstandsarbriten, deren Finanzierung das„dritte Reich" hart an die Grenze einer neuen Inflation gebracht hat. Wie wenig diese Arbeitsbeschaffung mit einer Konjunkturbelebung zu tun hat, wird offenbar, wenn man die Gesamtziffern iu ihrer beruflichen Untergliederung sieht und den Rückgang der Arbeitslosigkeit von Arbeitern und Angestellten gegenüberstellt. In den Angestelltenkreisen, die der Naziagitation zuerst zum Opfer gefallen waren, herrscht jetzt eine so große Enttäuschung, daß selbst die Presse der„Deutschen Angestellten- front" nicht länger schweigen kann. Sie wundert sich,„daß tatsächlich bei der Belebung der Wirtschaft vergleichsweise mehr Arbeiter slt Angestellte wieder in den Wirtschaftsprozeß eingegliedert werden" und bringt folgende Gegenüberstellung: Es waren arbeitslos: Am 31. III. 1933 am 31. III. 1934 Arbeiter 5 011 533 2 396 313 Angestellte 587 322 402 579 Während also(immer nach den amtlichen Zahlen) die Arbeitslosigkeit der Arbeiter innerhalb eines Jahres um 52 Prozent gesunken sein toll, wäre die Stellenlosigkeit der Angestellten im gleichen Zeitraum nur um 31 Prozent zurückgegangen. Die Angestelltenfront glaubt ihre Berufsgenossen über die mangelhafte Beteiligung am„Sieg der Arbcitssdilacht" mit dem Hinweis beruhigen zu können, daß schon immer hei absteigender Konjunktur die Arbeitslosigkeit der Angestellten später eingesetzt und damit auch hei steigender Konjunktur wieder später geendet halte, als bei den Arbeitern. Diese allgemeine Wahrnehmung, die teils auf dir längeren Kündigungsfristen, teils auf die andersartigen Funktionen der Angestellten zurückzuführen ist, wird such nicht bestritten. Wenn aber innerhalb eines ganzen Jahres che Neueinstellungen von Arbeitern über 50 Prozent der ganzen Arbeitslosigkeit ausmachen sollen, dann müßte sich in dieser langen Frist auch bereits bei den Angestellten eine durchgreifende Entlastung des Arbeitsmarktes bemerkbar machen, vorausgesetzt, daß ein wirklicher Konjunk- turumschwung eingetreten ist. Die große Spanne zwischen 52 Prozent und 31 Prozent bei Arbeitern und Angestellten aber zeigt mit aller Deutlichkeit, daß diese künstliche Arbeitsbeschaffung und ihre statistische Aufmachung mit wirk- liehen, Konjunkturwindel nicht das geringste zu tun hat. Noch deutlicher wird das Konjunkturbild, wenn man die Zahlen der einseinen Angestelltengruppen prüft. Dazu muß die„Angestellteufront" folgende Zahlen bekanntgeben: Es waren: Am 31. HI. 1933 am 31. III. 1934 Kaufen, u. Bö man gestellte. 42,'55 293 22; Technische Angestellte.. 96 619 52 853 Sonstige Angestellte... 62 948.,6 499 Demnach beträgt der Rückgang der Arbeitslosigkeit bei den technischen Angestellten 45 Prozent, bei dm kaufmännischen und Bör,'angestellten über 31 Prozent und bei den sonstigen Angestellten nur 10 Prozent. Die größere Aufnahmefähigkeit von technischen Angestellten wird aus der Arbeitsbeschaffung in der Bauindustrie erklärt. Würde aber außer dem Tiefbau(Straßenarbeiten) der Häuserbau eine merkliche Belebung erfahren haben, so müßten erfahrungsgemäß auch alle übrigen Industrien Veranlassung gehabt haben, Neueinstellungen von Angestellten vorzunehmen. Das Gegenteil trifft zu, denn der Arbeitsmarkt der kaufmännischen Industrieangestellten zeigt nur 31 Prozent Aufnahmefähigkeit. Das geradezu klägliche Resultat bei den sonstigen Angestellten gibt den Niedergang im Theater- und Vergnügungsgewerbe wieder. Das Zurückbleiben der kaufmännischen und Böroangestellten aber ist charakteristisch für das Erlahmen des Klein- und Großhandels, des Binnenmarktes und des Exports. Die Trostlosigkeit des deutschen Handels kommt noch nicht einmal voll zum Ausdruck, denu in den 31 Prozent Neueinstellungen Böroangestellter sind weit über 100 000 auf die Unterbringung der Hitler-Parteigenossen in den gewaltig aufgeblähten öffentlichen Verwaltungen, in der Sozialversicherung, im Propaganda- und Zeitungswesen und den sonstigen Stellen enthalten, die Diesclelehfrisdie zöge in Am 15 Mai d. J. wurden in Holland auf den beiden Linien Amsterdam—Utrecht—s'Hertogenbosch— Boxtel—Eindhoven —Rotterdam und Den Ilaag—Utrecht—Arnhem(260 Kilometer) 15 dieselelektrische Züge, bestehend aus 3 an- einandergekuppelten Fahrzeugen, die eine Stromeinheit bilden, in den Verkehr gebracht. Unter der Chassis sind die Züge rundum mit Schutzblech versehen. Sobald sich der Zug in Bewegung setzt, werden die Fußtritte automatisch in die Höbe gezogen. Der Luftwiderstand ist, soweit es die moderne Technik überhaupt gestattet, reduziert worden. Die neuen Züge fahren mit einer Geschwindigkeit von 150 Kilometer die Stunde, eine Geschwindigkeit, bei der ein gewöhnlicher Eisenbahnwagen 7 /a seiner Leistungsfähigkeit zur Ueberwindung des Luftwiderstandes benötigt. Diese dieselelektrischen Züge, die bis Oktober d. J. auf 40 erhöht werden sollen, führen 2 Maybach-Motoren, die 2 Generatoren von 210 Kilowatt treiben, mit sich. Die Einführung der dieselelektrischen Traktion in solch großem Maßstäbe bei den holländischen Eisenbahnen bildet einen Teil eines großzügigen Programmes zur Verbesserung und Beschleunigung des Verkehrs, wodurch die Eisenbahn: n die Lage versetzt werden soll, gegen die Autokonkurrenz anzukämpfen. Während die elektrische Zugförderung nur für verkehrsreiche Strecken(wie Amsterdam—Rotterdam, wo 7 Städte mit einer Bevölkerungsdichte von insgesamt über 2 000 000. d. i. über eine Viertel der Gesamtbevölkerung des Landes, auf einer Strecke von 85 Kilometern berührt werde.,) bestimmt ist, wird die Dieseltraktion für den Schnelldienst durch Gegenden, wo die Städte mehr zerstreut liegen, angewandt. Die elektrische Zugförderung eignet sich besser für Strecken mit zahlreichen Haltestellen, die dieselelektrische erweist sich auf langen Fahrten als vorteilhafter. Die holländischen Eisenbahnen betreiben den Verkehr gegenwärtig auf 200 Kilometer doppelspuriger Strecke mit elektrischer sämtliche Marxisten und linksorientierten Angestellten entlassen haben. So wird das Zurückbleiben der Angestelltenbeschäftigung hinter der Arbeiterschaft geradezu zum Barometer für den konjunkturellen Tiefstand der Wirtschaft. Die Erklärung, die sich die„Angestelltenfront" ihren enttäuschten Mitgliedern gegenüber leistet, ist ein Meisterstück von Verdrehung. Die erschwerte Wiedereingliederung der arbeitslosen Angestellten soll nämlich auf den organisatorischen Umbau der deutschen Wirtschaft in der Nachkriegszeit zurückzuführen sein. Die Rationalisierung und die Vertrustung der Industrie sollen, so wird erläutert, daran schuld sein, daß die Arbeitsgebiete der Angestellten eine solch gewaltige Einschränkung erfahren haben. In Wirklichkeit haben die neue Betriebsorganisation, die Rationalisierung und die Vertrustung seit 1918 das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Arbeitern und Angestellten verschoben und keineswegs umgekehrt. So entfielen auf 100 Arbeiter in der chemischen Industrie vor dem Kriege 20,- nach dem Kriege 38.2 Angestellte, in der Maschinenindustrie hat sich der Prozentsatz von 12,9 auf 22,8 Prozent erhöbt. Dieselbe Entwicklung zeigen die übrigen Industriezweige. Wenn selbst in den frisierten Arbcitslosenzahlen des„dritten Reiches" die Angestellten mit den neubeschäftigten Arbeitern nicht entfernt Schritt halten konnten, so kann auf keinen Fall der Nachkriegszeit liehe Umbau der monopolkapitalistischen Wirtschaftsorganisation als Grund herangezerrt werden. Nicht die moderne kapitalistische Betriebsorganisation hat die von der„Angestelltenfront" zugegebene Beibehaltung der Massenerwerbslosigkeit bei den Angestellten verursacht, sondern trotz der geänderten Betriebsform, die nachweislich mehr und neue Angestelltenfunktionen geschaffen hat, blieb es bei der Erwerbslosennot der Angestellten. Die Erwerbslosenzalilen der Angestellten und der gelernten Arbeiter sind nur der Beweis dafür, daß die Betriebe nicht beschäftigt sind. Die Argumente der„Angestelltenfront" sind nichts als Spiegelfechterei. Die sogenannte Arbeitsbeschaffung ist in der Hauptsache Pflichtarbeit der bisher unterstützten Arbeitslosen, aber keine Belebung der Wirtschaft, das zeigt der Stellenmarkt der Angestellten. Die Zahlen von der sogenannten Arbeits- Schlacht sind fauler Zauber— die wahre Schlacht der Arbeit aber siebt den braunen Gewalthabern noch bevor. Noch verschlechtert Die Stoiberger Zinkbütte schreibt in ihrem Geschäfts- berieht, daß auch das Jahr 1933 der deutschen Metallerzeu- gung noch nicht die notwendige Besserung gebracht habe. ie Verhältnisse, unter welchen die deutsche metallerzeugende Industrie stehe, hätten sich sogar in erheblichem Maße noch verschlechtert, weil die Entwicklung außerhalb Deutschlands Bedingungen geschaffen habe, die die ausländische Metallerzeugung fördern, aber der deutschen neue Hemmungen, Lasten und Erschwernisse auferlegen. Die„Gefolgschaft" wurde dennoch von 2137 auf 29;0 er- VlÖlv*' r ®eutsdke Stimmen•&eiia&e zur„Deutstfien<3reitheit"• Iretgnisse und 9esdkitraßenkreu;ung Von Pierre Lamure Es ist schwer zu erfahren, was KinostarS wirklich ver- dienen. Tie mqisten Berichte über die Märchengagen in Hollywood sind Fantasien. In Wirklichkeit ist die Gagen- frage in Hollywood„tabu". Weder die Direktoren noch die Stars lassen ein Sterbenswort darüber verlauten. Es ist das große Geheimnis dieser geheimnisvollen Industrie. Bis vor kurzem war ich\wie jedermann auf bloße Vermutungen angewiesen. Durch einen Zufall bin ich zu Informationen gekommen, die der Wahrheit entsprechen. Greta Garbo verdient wöchentlich 9000 Dollar, Maurice Chevalier 7500, Constance Bennett 7000, John Barrymore, Normo Sheaster, Richard Barthlmeß, Ann Harding 6000, Wallace Berry 5000, Joan Crawsord, Gary Cooper 4000, Janct Gayner 3750, Loretta Aoung 2000. Ich habe nicht herausbekommen können, was Mae West ver- dient. Ich kann nur sagen, daß ihre Gage relativ bescheiden ist? da sie aber perzentuell an ihren Filmen beteiligt ist, verdient sie schwindelnd große Summen. Man konnte des öfteren lesen, daß Constance Bennett(Marquise de la Fa- laises 30 000 Dollar wöchentlich bezieht. Das stimmt und stimmt auch wieder nicht. In Wahrheit verhält es sich so: vor ein paar Monaten erhielt Miß Bcnnett während ihrer Ferien den Antrag, zwei Filme mit einem Honorar von 150 000 Dollar pro Film zu drehen. Gegen diese hübsche Entschädigung opferte sie ihr Tennis, ihre Vergnügungen, das ganze„Tolcefarniente". Sie arbeitete vierzehn Stuiu den täglich. In zehn Wochen waren die beiden„Pictures" beendet, und der blonde, nervöse Star erhielt 300 000 Dollar, was 30 000 Dollar wöchentlich bedeutet. Das war aber eine einmalige schöne Episode, der keine.ähnliche folgte. In der prosaischen Eintönigkeit des Alltagslebens muß sie sich mit 7000 Dollar wöchentlich— Sonntag inbegriffen— be- gnügen. Aus diesen Ziffern könnte man leicht den Schluß ziehen, daß die Stars schnell Millionäre werden. Aber auch diese Medaille hat ihre Kehrseite. Nehmen wir den Fall an, daß eine Schauspielerin 10 000 Dollar wöchentlich verdient. In erster Linie laust ihr Kontrakt nur vierzig Wochen. Trotz- dem muß sie zwölf Monate im Jahr essen. Aus zweiund- fünfzig Wochen verteilt, beträgt die Gage also 7600 die Woche. Dann: das Engagement ist fast immer durch die Vermittlung eines Agenten zustandegekommen. Dieser steckt während der Tauer des Kontraktes zehn Prozent der Gage ein. Auf diese Weise halten wir bei 6000 Dollar. Dazu kommt die Steuerbehörde, die als Einkommensteuer die Hälfte dieser Summe einhebt. Unserm Star bleiben nur mehr 3500 Dollar. Und das ist nur ein Ansang.. Die Ge- wohnheit der Kinoliebhaber, Constance Bennett zum Bei- spiel, um ihr Bild zu bitten, kostet diese 1000 Dollar monat- lich. Geliebt zu sein, kommt teuer zn stehen Dann gibt es ungezählte Spenden zu wohltätigen Zwecken. Jede Wohlsahrtseinrichtung klopft an die Tür des unseligen Stars, außerdem müssen regelmäßig„Parties" veranstaltet werden. Um nicht zu den Geizkragen gezählt zu werden, heißt es Empfänge geben. Dazu der Train des Hauses, Kammerdiener. Chauffeure, Köche, Sekretäre. Ein „Movie Star" muß all das haben, sonst verliert er an Prestige in den Augen der Nachbarn und vor allem des großen Publikums, das sich seine Lieblinge nur im Luxus denken kann. So sind 10 000 Dollar vom Samstag wie Schnee in der Sonne geschmolzen: es bleiben höchstens 1800 bis 2000 Dollar. Wenn die Heldin, deren Name auf Mil- lionen Anschlagzetteln prangt, sparsam und bescheiden ist, dann gelingt es ihr, 800 oder 1000 Dollar in der Bank ein- zulegen für die schlechten Zeiten, die kommen könnten und die fast immer kommen. Die Durchschnittsdauer des Erfolges eines großen Stars beträgt tatsächlich ungefähr fünf Jahre. Das Publikum ist der launenhaftere, treuloseste und undankbarste Herr. Wie schnell wird es einer Künstlerin, selbst eines Lieblings müde, wenn es ihn allzuoft sieht. Aber nicht nur die tragische Un- beständigkeit des Publikums, auch andere Gefahren be- drohen unentwegt den prekären Ruhm in der Welt des Film. Da ist zum Beispiel der berühmte Fall von John Gilbert. Vor fünf Jahren war dieser Schauspieler das Idol des Publikums. Mit seinem Ausstieg ist ein junges schwedisches Mädchen aus dem Volke eng verbunden: Greta Gustavson, bekannter unter dem Namen Greta Garbo. Er bekam 250 000 Dollar pro Film, mit jährlich zwei garan- tierten Filmen. Plötzlich kam der Tonfilm. Gilberts Stimme wurde fotografiert. Wie einst die Goten im alten Rom, so sielen die Sprechfilme in Holywood ein. Panik er- faßte die Stars. Es genügte nicht mehr, schön zu sein, man mußte auch sprechen, Texte auswendig lernen können, die Stimme mußte dem Publikum gefallen. Die Stimme John Gilberts gefiel nicht. Sofort war das Idol gestürzt. Greta blieb. Und es gereicht dieser Künstlerin zur Ehre, daß sie sich dankbar zeigte. Sie wählte John Gilbert in dem Film „Königin Christine" zum Partner. Nur widerwillig gaben die Direktoren ihrem Wunsch nach. Aber statt der 250 000 Dollar von einst boten sie 6000! Das kleinste Embonpoint. die kleinste, aber sichtbar blei- bende Hautverletzung, ein gewöhnlicher Kehlkopskatarrh ge- nügen, um einer glänzenden Karriere ein Ende zu machen. In Hollywood einen Film zu drehen, ist eine aufreibende Beschäftigung. Die nervöse Anspannung, ja Ueberreizung bei diesen Proben und Reprisen erschöpft den Künstler. Um sechs Uhr früh ausstehen, die Tyrannei der Regisieure, die Schnitzer der Extras? eine»alsche Bewegung, ein Niesen, ein Irrtum bedeuten hunderte Meter verpatzter Film- streifen. Wenn ein geradezu wunderbarer Glücksfall es mit sich bringt, daß so ein Star all dem gewachsen ist, wenn er selbst die Kassen der Vorstadtkinos füllt, dann wirb er durch fünf Jahre das Privileg genießen, angebetet, interviewt, von Bittstellern und falschen Freunden bedrängt, im Boudoir selbst fotografiert und jeder Freiheit beraubt zu werden. Fünf Jahre— und plötzlich ist der Star erledigt. Er verschwindet, niemand kennt ihn mehr. Seine Filme schlum- mern staubbedeckt in der„Morgue" der Filmateliers, niemand schaut sie mehr an. Nichts bleibt zurück. Wenig Geld wird so schwer verdient wie das von Hollywood. Um den Preis, um den man es erwirbt, sehen die enormen Gagen nicht mehr wie ein Wunder aus. Sie sind eher eine Eni- schädigung. (Autorisierte Uebersetzung von Drude R e i t l e r.) Von L. K o r f f An der Ecke der Straßenkreuzung ist er mir begegnet. Es regnete und recht wenig srühtingsmäßiger Wind blies ihm die feuchte Luft ins Gesicht. Armselig sah er aus, wie er so dastand und sich an die Häuserwand drängte, um sich vor dem Naßwerden zu schützen. Sein Mantel, er mußte ehemals aus einem guten Schneideratelier hervorgegangen sein, schwache Spuren waren für den Kenner noch ersichtlich— dieser Mantel schlug sich eng um seine Beine, welche in merkwürdig verschrumpelten Hosen staken. Auch die Schuhe erschienen mir für biese Witterung recht ungeeignet. Es mochten aber wohl die einziqen sein, welche er überhaupt besaß. Die Hände hielt er in den Taschen seines Mantels vergraben und sein Hut war tief über die Stirn herabgezogen. Bor mir ging ein kleiner, korpulenter Herr mit einer Dame, aus welche er, heftig gestikulierend, einsprach. Der Wind wehte mir Fetzen des Gespräches zu. Es schien sich um eine Aufsichtsratssitzung zu handeln, welche nicht zu seiner Zufriedenheit verlaufen war Als er an der Ecke anlangte, hob sich mein Freund wie ein grauer Schatten von der Wand, nahm den Hut ab und hielt ihn mit einer gehemmten Bewegung dem Herrn entgegen. Der blickte einen Moment auf und ging dann, anscheinend verärgert, in seiner Rede gestört worden zu sein, weiter. Mutlos ließ der Bettler den Arm sinken. Das Paar hatte die Straßenkreuzung überquert, da blieb der Herr stehen, griff in seinen Mantel und langte sich aus der Tabatiere eine Zigarette hervor. Dann suchte er verzweifelt sein Feuerzeug trotz Regen und Wind in Funk- tion zu setzen. Mein Freund hatte ihm nachgeblickt, und daS aussichtslose Beginnen des anderen bemerkt. Eilig sprang er hinzu, griff in seiner abgewetzten Mantel« tasche nach einer Streichholzschachtel und reichte dem Fremden mit einer leichten, selbstverständlichen Verbeugung das brennende Stäbchen. Dieser wollte den kleinen Dienst schon mit höflichem Dank annehmen, da blickte er in das Gesicht des Gebers und erkannte den Bettler von eben. Mit osten- tativer Gebärde ließ er die Zigarette wieder in der weiten f Tasche seines englischen Regenmantels verschwinden und ich hörte noch die Bemerkung, wie er im Weitergehen aufge- bracht zu seiner Frau äußerte:„Mut haben dies« Leute heut- zutage, kein Mittel ist ihnen zu schlecht..." Ich hatte die kleine Szene, vor der Auslage einer Buch- Handlung stehend, beobachtet, und sah. wie das Gesicht des Bettlers sich ins Aschgraue verfärbte. Da ging ich instinktiv aus ihn zu, griff in meine Tasche und reichte ihm meine geöffnete Tabatiere. Ein erstaunter Blick traf mich. Dann verstand er, daß ich Zeuge deS oben Vorgefallenen gewesen und eine dunkle Welle ging über sein Ge- ficht. Zögernd griff er zu. Ich kippte die Dose um und schüttete den Inhalt in seine Hand. Und meinte, er solle sich nichts daraus machen, alles im Leben ginge einmal vorüber und beständig sei nur eines: der Wechsel. Der sparsame Schotte Mac Allister ging in einen Laden und kaufte eine Akten- tasche.„Gestatten Sie," sagte der Verkäufer,„daß ich die Tasche einpacke." „Ach nein, es genügt, wenn Sie das Papier und den Bind- faden in die Tasche stecken." Moskau erhalt die modernste Untergrundbahn Die ruffischen Ingenieure, denen das große Werk eines Untergrundbahn-Baues für Moskau anvertraut wurde, haben zunächst eine mehrmonatige Besichtigungsreise durch Europa und Amerika gemacht und in den wichtigsten Metropolen der alten und neuen Welt, also in Berlin, London, Parip und Ncuyork, die verschiedenen Systeme studiert. Nach den Ersahrungen ihrer Studienreise haben sie sich nun einen Plan zurechtgelegt, der die Vorzüge der bereits bestehenden Bahnen berücksichtigt, aber darüber hinaus Moskau eine Untergrundbahn verspricht, die an technischer Vollkommenheit und Bequemlichkeit für die Fahrgäste einzig in der Welt dastehe» wird. Nach dem Plan wird die russische Hauptstadt in zehn Sek- toren eingeteilt, die so zueinanderliegen, daß die Umsteige- Verbindungen sich mit möglichster Leichtigkeit ergeben. DaS gesamte Schienennetz wird eine Ausdehnung von etwa 80 Kilometer erhalten. Die erste, bereits im Bau befindliche Linie, führt unter den wichtigsten Berkchrsftraßen hindurch und durchkreuzt die Stadt in der Richtung Nord—Ost—Südwest. Die ersten Aus- schachtungöarbeiten wurden Ende 1032 begonnen und die Baukommission hat sich vorgenommen, die Inbetriebnahme dieser ersten Linie bis zur 17. Jahrfeier der Sowjetrepublik, also bis zum 7. November dieses Jahres fertigzustellen. Aus diesem Abschnitt, der eine Länge von 12 Kilometer hat, sind die Arbeiten schon gut fortgeschritten. Die Zahl der Arbeiter, die zu Beginn des Jahres etwa 50 000 betrug, ist bis zum 6. April aus 65 000 erhöht worden. Diese Armee von Erd- arbeitern hebt täglich 5000 Kubikmeter Erbe aus und erledigt 1000 Kubikmeter Betonarbeiten. Gegenwärtig sind 2 Kilo- meter biese, Linie bereits vollständig fertiggestellt und auf eine Distanz von fünf weiteren Kilometer sind die Tunnel geführt. Auf diesem ersten Abschnitt stieß man auf unerwartete Schwierigkeiten durch die geologische Beschaffenheit der Erde und das Austauchen unterirdischer Wasser. Trotz allem ist die Moskauer Bevölkerung, die jede Phase des Baues aufmerk- sam verfolgt, fest davon überzeugt, daß die Untergrundbahn zum angegebenen Termin fertiggestellt sein wird. Mit Geld- mittel« für den„Metrostroi" ist auch nicht gespart worden? der Bau hat seinen Platz im Fünfjahresplan und allein für das Jahr 1034 find 350 Millionen Rubel bereitgestellt morden. Die Regierung versteht eS auch, die Moskauer Bevölkerung für das Werk zu interessieren und einer der Führer, Kagano- vitch, der rechte Arm Stalins, sprach daS Wort auS:„Ganz Moskau arbeitet an seiner Untergrundbahn"— und tatsäch- lich ist die Anteilnahme an dem Werden dieses Werkes so groß, daß an den Samstagnachmittagen Tausende von Frei- willigen ihre Arbeitskräfte in den Dienst der Sache stellen. Die Moskauer Untergrundbahn wird fast vollständig unter- irdisch verlausen? als Hochbahn wird sie nur dort in Er- scheinung treten, wo ohne Hinderung des Verkehrs Viadukte aufgestellt werden können, also nur in den Borstäbten. Die Stationen werden eine Länge von 165 Meter erhalten, die acht Wagen, die jeder Zug erhält, werden je 200 Personen aufnehmen können. Die russischen Ingenieure haben fest- gestellt, daß es vorteilhafter ist, einen einzigen Bahnsteig anzulegen, von dem die Züge in den beiden umgekehrten Richtungen abfahren, als zwei Bahnsteige. Es ist voraus- gesehen, daß in den Stunden des stärksten Verkehrs die Wagen in einer Folge von je einer Minute abgelassen werden? aus diese Weise wird es möglich sein, auf einer einzigen Station, in beiden Richtungen, insgesamt 120 000 Menschen pro Stunde abzufertigen. Vorläufig werden die Züge alle gleichschnell fahren, aber es besteht die Absicht, späterhin, wie in Neuyork, spezielle Linien für Expreß-Züge einzurichten. Die Waggons und die Antriebsmotoren werden sämtlich sowietruffischer Konstruktion sein. Man legt aus diese Tat- fache besonderen Wert, obgleich man nicht verheimlicht, daß in den Fabrikationswerkstätten englische und amerikanische In- genieure arbeiten werden. Da bei dem Bau der Moskauer Untergrunbbahn alle die Fehler vermieden werden können, die sich im Ausland erst Jahre nach der Einrichtung der Bahnen herausgestellt haben, kann man auch alle bereits vor- liegenden Berbessernngspläne mit Leichtigkeit verwenden und so wird die Moskauer Bahn nicht nur die allgemein technisch beste werden, sondern auch im besonderen dafür sorgen, daß eine erstklassige Ventilation eingerichtet und das Geräusch im Inneren der Wagen auf ein Minimum be- schränkt wird. Man weiß, daß die russische Hauptstadt nach dem Kriege einen außergewöhnlichen Bevölkerungszuwachs hatte und daß die Zahl der Einwohner von 1700 000 im Jahre 1017 auf 8 600 000 im Jahre 1033 gestiegen ist? in sechzehn Jahren hat sich die Zahl also mehr als verdoppelt. Dieses bevölkerungS- politische Phänomen stellt sebstverständlich schwerwiegende Fragen für die Transportmöglichkeiten dieser Unzahl von Arbeitern, Beamten, Angestellten. Seit langem schon sind die Straßenbahnen und Autobusse nicht mehr in der Lage, den Berkehr in der überbevölkerten Stadt aufrechtzuerhalten. Viele hundert Karikaturen haben diesen Uebelstand schon zum Gegenstand ihres Witzes genommen und zeigen in stets neuartiger Aufmachung, wie sich die Moskowiter um die Plätze in- den Verkehrsmitteln schlagen. Diesem Uebelstand wird nun die Untergrundbahn bald abhelfen, die nicht nur die Genugtuung, sondern den Stolz der Moskauer Bevölke» rung hervorrufen wird. An zwölf s>tunden um den Erdball Die amerikanische Luftsahrtgesellschaft United Air LineS behauptet, daß es ihr jetzt gelungen sei, den Erdball zweimal täglich zu umfliegen. Natürlich muß da ein Trick vorliegen? denn es ist unmöglich, daß ein Flugzeug in zwölk Stunden 40 000 Kilometer zurücklegt, fast 4000 Kilometer in der Stunde. Aber viele Flugzeuge zusammen können das, und darin liegt der Sinn der amerikanischen Behauptung. Wenn man alle Flüge zusammenzählt, die die Apparate der ge- nannten Gesellschaft an einem Tag ausführen, so ergibt sich, daß täglich eine Strecke von der doppelten Länge des Aequators durchflogen wird. Die Flugzeuge der U»i:cb Air Lines verbinden 45 Städte in 20 Staaten. DaS Netz der Flüge verdichtete sich in letzter Zeit außerordentlich. Der Personenverkehr in der Luft nahm sehr zu, während die Lust- postbesörderung. die ursprünglich im amerikanischen Verkehr das wichtigste war, verhältnismäßig zurückgeblieben ist. Eine Romanfigur klagt Vor den Pariser Gerichten wird sich demnächst ein kurioser Prozeß abspielen, in dem als Klägerin... eine Vom.:»- figur austreten wird. Die Klage richtet sich gegen'.cn be- rühmten französischen Kriminalschriststellcr Georzcs Simenon, der gerade in letzter Zeit im Mittc!o°nkt des öffentlichen Interesses stand, als er im Auftrage e'ner großen Pariser Abendzeitung private Nachsorschl.«gen nach den Mördern deS GcrichtSratS Prince unter»-dm. ic.'s Klägerin erscheint die„schöne Adele", die in c.-.-.n vi.'l- gelesenen Roman Simenons vorkommt, die in A'rklichk'it Frau Merner heißt und, wie im Roman, SB"Oe.in eines Hotels in Libreville ist. Die„schöne A'e'c"'ordert einige tausend Franken Schadenersatz, da S r> i\ i'ie ffe durch ihren Rechtsanwalt erklären ti>«iclc'mnisse entlockt und dicic dann zu ibrer:n.'»braucht habe. Eine Romanligur revoltiert gegen ihren fcuior,— ein schwieriger Fall für den Richter. Sldierbell and Siidosfcuropa Paris, 7. Juni. «A« Scl*,' 2- ar Ziriumph dtt frauzäsischen Sicherl,^Ls- iye,e— so hat Herr Dieburg in der„Frankfurter Zeitung" das vorläufige Ergebnis der Genfer Verhandlungen gekennzeichnel. Er hätte auch von der russ.i- I ch e n Sicherheitsthese sprechen können: denn Frankreich und die Sowjetunion wollen in Genf dasselbe— die Schaffung eines weit ausgedehnten Bündnissystems gegen »en Angreifer. Ten Ausgangspunkt dieses Systems bilden me Nichtangriffspakte und die Nichtangriffspakte sind so- Zusagen eine russische Waffe: sie sind von Litwinow in die m- j /' worden. Jetzt will man indessen, von den Nichtangriffsverträgen zu den Pakten der gegenseitigen Unterstützung schreiten, d. h. von. der: Neutraiilätsoer- U'ugen zu Defönfivbiindnissen. Defenftobündni ffe f i n d M j l i t a r b ü n d n i f f e. Es geht zwar nur um Verteidigung, aber die Verteidigung fetzt den Gebrauch der Waffe voraus. Frankreich und die Sowjetunion find die Hauptträger des neuenlftehenden Bündnissystems, das in kurzer Zeit das politische(Besicht Europas ändern kann. Zum ersten Male erklärt sich Frankreich bereit, die Westgrenzen der Sowjetunion zu garantieren. Das ist nicht nur eine Drohung gegen Deutschland, sondern auch eine Wdrnung an Polen. Indessen greifen die Sicherheitspläne und Ver- bindungen der beiden antideutschen Großmächte noch weiter. Denn in der Gefolgschaft Frankreichs und der Sowjetunion in den Fragen der Sicherheit befindet sich, nicht nur die Kleine Entente, sondern auch die Balkan- Entente, die Mächte. die den Balkanpakt unterzeichnet haben: also neben Rumänien und Jugoslawien auch Griechenland und die Türlrei. Damit wird Frankreichs Bündnissnstem im Osten noch weiter ausgedehnt, es wird an das Ost-Europa noch stärker gebunden. Der Sowjet- nnion gelingt es ihrerseits, einen osteuropäischen Sicher- heitsgürtel um sich zu befestigen. Dar einem Jahr hat Litwinow mit den Staaten Osteuropas durch die Verträge von ver Bestimmung des Angreifers friedensfördernd« Pakte geschlossen. Diese Pakte werden jetzt zu Bündnis- vertragen verdichtet. Da» Zusammengehen mit der Kleinen Entente und der Valkan-Entente deckt die Sowjetunion von dem Mitteleuropa, dem Doncmranm und dem Balkan h?r. Gleichzeitig übernimmt die Sowjetunion neue Per- pflichtungen. Sie optiert nicht allein endgültig gegen Deutschland, indem sie die Grenzen des Versaillcr Vertrags militärisch garantieren wird, sondern ist auch bereit, die Verträge von Trianon und Reuilly gegen llngarn und Bulgarien ,su garantieren. Noch mehr, zum ersten Male tritt die Sowjetunion als Gegenspieler Italiens auf. In eine solche .Kampfstellung wird sie durch die Verträge mit der Türkei, Griechenland und Südslawien gebracht. Die Türkei, die die ästeste und treuesle Verbündete der Sowjetunion ist. muß heute ihre klemafiertische Küste gegen italienische Eroberungspläne bewaffnen, Griechenland kann Italien die Korfu-Befchießung von l!1S3 nicht vergessen, Süd- 'steinen starrt auf fem? von Italien bedrohte dalmatinische Küste. Ter Zusammenschluß der Balkanmächte und ihre Aniehnung an Frankreich und die Sowjetunion schwächt die Stellung Italien» im Südosten Europas und fuhrt die Sowjetunion in eine anti-italienische Front hinein. Denn auch die Annäherung, die die beiden Gegner Ungarns im Südosten. Rumänien und Jugoslawien an die Tomjetunion vollziehen, ist ein schwerer Schlag für die italienische Politik im Donauraum. Gleichzeitig wird durch die Kon- solrdienmg des sudosteuropärfchen Blocks, der im r?sten sich an die Sowjetunion anlehnt und vom Westen her von Frankreich unterstützt wird, der hitlerdeutsche Drang nach dem Balkan erschwert. Göring hat von semer Bakanreise einen griechischen and einen ungarischen Orden für seine unzähligen Uniformen gebracht. Litwinow wird von Genf mit wichtigeren Tingen al» ein Paar Blechstücken zurück- lrehren. In Genf wird jetzt das zweite o st europäische Locarno vorbereitet. Das erste war der polnisch- deutsche Nichtangriffspakt, den das Hitler-Deutschland zwar durch die Verzichtpolitik erkauft hat. aber dadurch eine weitgehende Entlastung vom Osten her erreicht. Der Kampf um die Sicherheit, der jetzt in Genf ausgetragen wird, wird das andere Locarno, mit anderen Teil- nehmern und anderen Folgen zustande bringen: das süd- osteuropäische Locarno. von Frankreich und der Sowjet- unlon unterstützt, gegen Deutschland. Italien und Ungarn gerichtet. Zwei Sdieinparlanientc Kritik unter Brüdern Vor einigen Monaten ließ Hitler einen neuen Reichstag wählen. Man weiß noch, wie das geschah: Die 43 Millionen deutsche Wähler und Wählerinnen dursten nicht wählen, sondern nur über die einzige, von der Regierung erlaubten nationalsozialistischen Liste abstimmen. Es waren keiner- lei politische Auseinandersetzungen, erst recht natürlich kein Wahlkampf zugelassen. Tie politischen Parteien blieben, mit Ausnahme der NSDAP., verboten. Kein Wörtlein durfte gegen die Liste dir NSDAP, geredet und geschrieben werden. Am Wahltag sargten in den Abstim- inungslokalen die uniformierten Banden für den not- wendigen Druck und die sorgfältige Kontrolle. Ausgezählt wurden die Stimmen von nur nationalsozialistischen „Wahlbüros". Würde jemand einen Einspruch gewagt haben, so würde ihm das sehr übel bekommen sein. Am Abend des„Wahltages" wurde dann der„grandiose Sieg" der Regierung verkündet.. Immerhin waren noch fünf Millionen vorhanden, die gegen das Regime protestierten. Etwas später ließ dann Mussolini ein neues Parla- ment. oder was der Faschismus so nennt,..wählen". Ter Vorgang ähnelte dem im„dritten Reich": auch dem italienischen Volk war es nur erlaubt, die faschistische Liste zu genehmigen. Eine andere Haltuno würde dem Wähler die gesunden Glieder oder auch das Leben gekostet haben. Mussolinis„Erfolg" war darum noch größer als der Hitlers. Nur über 100 OCO Neinstimmen wurden ausgezählt. Ist es dieses Uebertrumpfen Hitlers, das die national- sozialistische Presse Deutschlands das italienische Wahl- ergebnrs nicht zufrieden hinnehmen läßt? Die früher an- gesehene, jetzt aber völlig gleichgeschaltete Zeitschrift „Geopolitik", nimmt in ihrem Maiheft z. B. so Stellung: „In Italien hat eine grobe Volksabstimmung Mussolinis Herrfchafr bestätigt. Daran war niemals ein Zweifel, bast es so kommen würde. Ueber die Art, wie dieses Ergebnis zustaudckommt, aber mag man nachdenken, wenn man die Ziffern aus den Gebieten liest, in denen die von Italien unterdrückten deutschen und slawischen Volksgruppen sitzen: Südtirol und Jstrien. Die Neinstimmen gegen die faschi- stäche Liste betrugen in Südtirol 510 und in Jstrien nicht mehr und nichj Moizes, al? 9. Es.märe vitvoll. zu..v,men. wie man im Pglazzo Venezia über den. inneren Wert solcher Ziffern denkt." Es wäre reizvoll, zu wissen... Mussolim Kann diese Frage an die Hitlerjournalisten zurückgeben. Sclralibiindler in Rußland (I. I.) Vor Kurzen» ist ein Transport von dreihundert österreichischen Schutzbündlern, die nach den Februar- Kämpfen flüchten mußten und in der Tschechoslowakei ein vorübergehendes Asyl gefunden hatten, nach Sowjet- rußland abgegangen. Die Durchführung dieses Trans- ports hat das Auslandsbüro österreichischer Sozialdemokraten in Brünn im Einvernehmen mit den sozialdemokratischen Parteien der Tschecho« slowakei und den zuständigen sowjetrussischen Behörden besorgt. Leider hat dieser Transport den Kommunisten Anlaß zu gehässiger parteipolitischer Agitation gegeben. So erschien in der Brünner kommunistischen„Rovnosl" eine Erklärung gegen die„feige und verräterische Sozial- demokratie"— das ist nämlich die Partei der öfter- reichischen Februarkämpfer, während die Kommunisten sowohl in Deutschland als jetzt in Bulgarien vor dem Faschismus— kampflos kapituliert haben. Nach der Ab- reise des Transportes wurde in der kommunistischen Presse ein weiteres Manifest veröffentlicht, das angeblich von den nach Rußland gefahrenen Schutzbündlern stammt. Dazu teilen die Vertrauensmänner des Brünner Flücht- lingslagers mit: „Die Schutzbündler stellen lest, daß die Erklärung eincS kleinen Teiles der nach Rußland jährenden Schutzbündler von den Kommunisten zur Agitation mißbraucht wird. Tie Schutzbündler erklären daher, daß die in dem Manifest dar- gelegten Gedankengänge durchaus nicht die Meinung der Mehrheit der östcrreichiichen Emigranten darstellen. Die übergroße Mehrheil der Emigranten steht vielmehr treu zur Sozialdemokratischen Partei und zur Sozialistischen Arbeiter- Internationale D>e Emigranten danken auch daher den beiden sozialdemokratischen Parteien der Tschechoslowakei fiir die herzliche Ausnahme und großzügige Hilfsbereitschaft, die sie hier gesunden haben und verurteilen schärfste»» die Ausnutzung der Not der Emigranten für die parteipolitische Agitation der Kommunisten gegen die sozialdemokratischen Parteien. Brünn, am S. Mai 1934. Folgen die Unterschriften." Die Illegale Jtrbciler-Zeifung" Die verbreitetste politische Zeitung Oesterreichs Wix der ORT. auS Wien erfährt, ist die in Brünn er- scheinende, in Oesterreich von der Regierung Tollfuß ver- botene„Arbeiter-Zeitung" in Wien und im übrigen Oester- reich in Masten verbreitet. Während in Oesterreich ein stiller, aber umso wirksamerer Boykott gegen alle Zeitungen ein- gesetzt hat. die kein offenes Wort zu schreiben wage» und nicht einmal über die Vorfälle in Oesterreich berichten dürfen, steigt die Auflage der verbotenen„Arbeiter-Zeitung" ununterbrochen. Die Auslage der illegalen„Arbeiter- Zeitung" hat die legale Anklage der früher in Wien er- sch'enenen„Arbeiter-Zeitung" beinahe erreicht. Die illegale „Arbeiter-Zeitung" ist die verbreiterte politische Zeitung in Oesterreich— und das trotz dem faschistischen Terror, der jeden Kolporteur der„Arbeiter-Zeitung" mit inehrinonatigcr und jeden Leser, bei dem ein E'emplar der„Arbeiter- Zeitung" geiunden wird, m>t mein wöchentlichem Polizei» arr-'st bestraf». Außer der wöchentlich erscheinenden„A.-Z." werden jede Woche hunderttausende Flugzettcl»erteilt. Auch die wiedererscheinende Monatsschrift der österreichischen Sozialdemokratie„Der Kainpi" kommt in vielen hundert Exemplaren nach Oesterreich. Auch seine Anklage ist schon wieder beinahe so groß wie vor den Februarkämpscn. Große ro'eJugendhundgcbungen In Wien Dem ORT- wirb aus Wien berichtet: Für den 27. Mai hat die Regierung Tallinn Iugendkundgebungen veranstaltet. Während die offiziellen Kundgebungen trotz dem Re- gierungsterror schwach besucht waren und vor allem völlig stimmungslos verliefen, waren d e Gegenkundgebnngen, die die Sozialistische Jugend am Tage vorher veranstaltet hatte, glänzend besticht nnd von znverstchtlicher Kampsstinimung getragen. Auf sieben Plätze» in den verschiedenen Teilen WienS sammelten sich überraschend Jugendliche, ent- rollten rote Bahnen, sangen Kamvflieder, brachen in stürmische FreiheitSruse auS. Polizei zerstreute die Ver- sammlnnaen, nachdem der Zweck der überraschenden De- monstrationen erreicht war. Am Tage der Jugend explodierten in Wien mindestens fünfzig Böller, obwohl erst am Taae vorher daS Standrecht auch ans das Böllerwersen ausgedehnt und die TodcSstraie auch für diese» Delikt angedroht worden war. Pariser Beruhte I6i. rnniiö 43-13 M6tro Pigaile Deutsche Poliklinik Paris, 62, Rue de la Rochefoucauld i) Allgemeine Konsultationen mit■) Spemiiiten. t») Chirurgie c) Orthopädie d) Geburtshilfliche Klinik e) Zahnärztliche» Kahineti Ordination tligllch von 9—12 und 2—8: Sonntags und Feiertags von lO—12 und 2—4 Uhr Schutzverband deutscher Schriftsteller Ortsgruppe Paris Der nächste Diskussionsabend für Mitglieder und Gäste des SDS. findet statt am Freitag, dem 8. Juni, abends 9 Uhr, Cafe Mahien, Boulevard St. Michel, Ecke rue Soufflot. Thema:„Das Dritte Reich im Spiegel der Emigrationsliteratur." Es sprechen: Leon a r d über bellestritische Literatur, Kurt Stern über polemische Literatur. Walter Mehring liest Am Sonnabend, dem 9. Juni, 21 Uhr, konferiert Walter Mehring im Pariser Deutschen Klub und liest aus seinem neuen Chanson-Buch vor:„Und Euch zum Trotz!" Anschließend: Geselliges Beisammensein. Gäste sind gerne willkommen. Es wird um 5 Franken zur Deckung der Unkosten gebeten(Stellungslose: 3 Franken). Die Adresse des Deutschen Klubs lautet: Universite du Parthenon, 64, Rue du Rocher, Paris 8(am Bahnhof St. Lazare). Die Ehe des Silberfuchszüchters In der Zelle zu Lorient, nahe dem Gerichte, dessen Anklagen so lange sein Vater vertrat, ist der junge H e n r i o t stundenlang über seine furchtbare Ehe mit der Bauerntochter ausgefragt worden. Das, was über das Verhör durchsickerte, bestätigt die Symptome einer grausamen Veranlagung. Der junge Mensch, der die„schönen und bissigen Füchse", wie er sagte, im Zaum hielt, hat offenbar die Ehe eines Wahnsinnigen, eines völlig Degenerierten mit dem Mädel vom Dorfe geführt. In den etwa zweihundert Fragen, die ihm vorgelegt wurden, fand der Mörder den Anlaß, sich über seine Brautnacht und die nachfolgenden Nächte zu äußern, in denen die junge Frau sich ihm versagte. Er hat zugegeben, daß er am 8. Mai, dem Tage des Dramas, die junge Frau erst mit dem Feuerhaken züchtigte und daß er dann, als er Blut sah, in eine Erregung geriet, wie die Raubtiere, die ihn zur Zerfleischung des Opfers zwang. Diese grauenhafte Erklärung enthält wahrscheinlich die Wahrheit. Ueber die Frage der Versicherung zu 800 000 Franken, die der Mörder abschloß, wurde noch nicht gesprochen. Natürlich Der kluge f pater legt seine Spargroschen bei Sparhyp, Luxemburg Zithastraße an. Höchsten Zins und absolute Sicherheit für jedermann Verlangen Sie die Gratisbroschüre»Wie soll Ich meine Ersparnisse anlegen?« ist das Verhör hierüber von besonderer Bedeutung für den Vorsatz und die Ueberlegung bei der Tat. Einstweilen wird uns von seinem Verteidiger, dem Maitre Beinex aus Paris, nur verraten, daß das Wort„Mord" unter den Versicherungs- Bedingungen nicht vorkomme. Die Sonderklsusel spreche nur von„Attentat", und auch das nur unter gewissen Bedingungen. Der Verteidiger hat eben die verwundbare Stelle des grausamen Tierzüchters erkannt. Dies ist der Punkt, an dem sich entscheidet, ob zu der krankhaften Veranlagung sich der verbrecherische Erwerbstrieb gesellte. Näheres darüber wird die nächste Vernehmung des Mörders in seiner Zelle am 14. Juni bringen,— denn in die Zelle geht man. um das Erscheinen des Mörders am Gericht, an dem sein\ ater Staatsanwalt war. und das Zursrhanstellen J zu vermeiden. Denen, die darin eine Vorzugsbehandlung sehen, wird eingewandt, daß Aehnliches auch im Falle der Violette Noziere,(die jetzt in der langen Untersuchungshaft mit den Schwestern betet) angewandt worden sei.— * Ueber Violette Noziere meldete Georges Sinclair: Ich habe ihre Zelle gesehen. Sie ist sehr einfach, wohl vier Meter lang und zwei breit, und hat zwei Fenster, die schwer vergittert sind. Drei Betten stehen darin, zwei gerade und eins quer. Sie hat einen Tisch, auf den sie Deckchen legte und zwei Schemel aus Holz mit ausgebreiteten Tüchern. An die Wände hat sie Fotografien geklebt. Sie hat das ganze Leben der heiligen Therese hingehangen, man kann auch die stolzen Statuen des Königs Albert und des Königs Leopold sehen. Sie hat auch Landschaften aufgehängt, die sie an die Tage ihrer Kindheit erinnern, so sagt sie. Von anderen Erinnerungen spricht sie scheinbar zu niemandem. Sie erwartet vielleicht etwas, sie hofft auf etwas. Auf was? Wenn ich es wüßte. Eines Tages hätte sie fliehen können, wie man sich erinnert, aber sie überraschte alle. Man hatte sie zum Justizpalast geführt und von ihren Wächtern in der Menge getrennt. Sie hätte sich retten können, die Gelegenheit war da. Aber sie eilte wie eine Tolle zurück, bloß damit man sie wieder habe. Die Freiheit winkte, aber sie blieb, und am Abend sagte sie, sie wolle vors Gericht gestellt sein!— BBiePKBSTEM „Archiv-London". Ihr Wunsch wird erfüllt werden. C. 2, Lüttich. Ihnen hat ein Privatbries aus Ban«n die Not des Kieinhandwerks im Reiche Julius Streichers geschildert. Ob« wohl in Kranken mit allen Mitteln die Juden wirtschaftlich aus- geschaltet werden, hat der Mittelstand davon keinen Nutzen. Laut einem Bericht des Geschäsiösührcrs des Landesverbandes baye- tisch« Schreinermeister Dr. Dörfler gibt es allein in Fürth bei Nürnberg°20«l erwerbslose Schreinergesellen. Ihr Freund schreibi Ihnen, die Kleingewerbetreibenden seien vom„dritten Reich" eni- täuscht und würden allmählich auch in ihrem Antisemitismus irre. — Und das mitten in der Sireicherei! Eupeu. Das„Grenz-Echo" hat vor einiger Zeit einen skandalösen Fall einer Verletzung des Briefgeheimnisse» der Durchgangspost durch Deutschland berichtet. Der Wortlaut einer Karte, die ein Geistlicher des Klosters Herbesthal-Baum an einen Consrai« nach Oesterreich gesandt hatte, stand wenige Tage später im„West- deutschen Grenzblatt" veröffentlicht. Der Reichspostminister Hai dar- aus am 10. April in einem Brief an das belgische Blatt beteuert: „Die Durchgangspost genießt in Deutschland denselben Schutz wie in andern Ländern. Ich wäre dankbar, wenn Sie Ihre Leser hiervon unterrichten würben." Das„Grenz-Echo" Hai den Herrn Reichs- postmintster brieflich am Ist. April dahin belehrt, daß das Polizei- Präsidium in Aachen sich gerühmt hat, eine via Deutschland nach Skandinavien gehende Transitsendung des„Zentralkomitees der Antifaschistenvereinigung Europas'" erbrochen zu haben." Taraus hatte der Reichspostminister nichts zu erwidern. Das„Grenz-Echo" hat recht, wenn es empfiehlt, Durchgangspost nicht durch Deutsch- land gehen zu lassen. „Früher Hannover". Bon Ihnen erfahren wir, daß da»„dritte Reich" eine neue große Sorge hat. ES werden allerhand tatsächlich überflüssige Vereine aufgelöst. Die Vereinsbrüder nehmen daS mit Fanung auf, versuchen aber vorher, das Bereinsvermögen zu retten, indem sie es nach ieutscher Männerart versaufen. Do hat der aufgelöste Eisenbahn-Tupernumerarverein in Hannover Ein- ladungen zu einer dreitägigen Abichiedsfeier ergeben lassen: Festessen, Ball. Frühschoppen, Kaffeetafel und sonstige leibliche Genüsse. Die Nazipresie fordert erregt, daß diesen Epikuräern sofort Sin- halt geboten werde. Ob die Bereinskaffe für die NaziS gesichert nnch nickt in Erfahrung zu bringen. H. G., Netz. Sie haben uns aus dem„dritten Reich" einen Packen Provinzzeitungen aus verschiedenen deutschen Landesteilen mitgebracht. Tarin stehen Versammlungsberichte aus zahllosen Klein- städten und Dörfern. Es wurde überall von bestellten und bezahlten Rednern mächtig geschimpft gegen die„verleumderische Brut" der Miesmacher, aber nicht in einem einzigen Bericht wird von glän- zendem Besuch und begeisterter Stimmung geschrieben. Es nahen die Tage, die den Herren nicht gefallen werden. Pfarrer NN. Ihnen haben wir für einen Bericht über einen volksmissionarischen Abend in der Stadikirche zu Darmstadi zu danken. Es sprach Herr Pfarrer Dr. Berg6r über den Deutschen Christus". Immer wieder forderte er, den deutschen Christus hinauszutragen in die deutsche Welt. Der deutsche Christus den Deutschen! So muß das deutsche Christentum verstanden werden, sagt der deutsche Christ Dr. B«g6r— mit dem accent 6chu aus dem e! H. O., Brünn. Als Beweis dafür, daß das rote Wien lebt, teile« Sie uns mit:„In einer Versammlung der Wiener Polizeibeomie» kündigte Sicherheitsminister Major Feq an, daß der Stand der Wiener Polizei von»000 auf 8000 Mann erhöht werden soll. Desgleichen soll die Gendarmerie verdoppelt werden. Auch die Bewaffnung der Polizei soll neuerdings verbessert werden; sie soll modernste Panzerwagen, automatische Gewehre und Stahlhelme für das ge- samte Sicherheitskorps erhalten. Als Begründung für diese Maßnahmen erklärte Major Fe», man wisse, daß die Marxisten, trotzdem sie besiegt wurden, im geheimen weiter arbeiten und illegale Waffen versteckt halten. Daher müsse man für die Zukunft Vorsorgen." „Coborger." Neulich haben mir von der Absicht der Coburg« gemeldet, ihr uraltes Stadtwappen, das einen Mohrenkopf trägt, au» rassischen Gründen abzuändern und den Neger durch ein Hakenkreuz zu«setzen. DaS war eigentlich ganz selbstverständlich, denn Coburg war die erste deutsche Stadt, deren Bevölkerung eine nationalsozialistische Mehrheit hatte. Das scheint sich in allerletzter Zeit ein wenig geändert zu haben, denn nun wird mitgeteilt, daß die Coburger ihren Mohren behalten und auf das Hakenkreuz im Wappen verzichten.„Aus Gründen der Tradition." Auf einmall Frankreich ,IMCUCr VOI WärfS Wird in Paris jeden Freitag in allen großen Zeitungskiosken und in den Bahnhofs- u. Untergrundbahnbuchhandlungen verkauft. Preis 150 Fr. Das Blatt ist in den bedeutendsten französischen Städten erhältlich, auch in Monaco, Marokko und Algerien. Wegen der Aufnahme von Inseraten und von Abonnements in Frankreich wende man sich schriftlich an BORIS SKOMROSKY— 141 rue Broca— Paris(13e). Postscheckkonto(Chäque postaux): Paris 1260 98. Das Abonnement kostet: 12 Monate 65 Fr., 6 Monate 35 Fr., 3 Monate 18 Fr. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P i tz In Dud- weiter: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH„ Saarbrücken 8, Schützenstraße 5.— Schließfach 776 Saarbrücken.