Sßnzige unadhSngige Tageszeiiung Veuikchiands I^r. 132— 2. Jahrgang Saarbrücken, Dienstag, den 12. Juni 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inha lt Deutschte Qceu&tÄecicht uus Spanien Seite 2 QaeAbeZs-Siegfried int'-Dcacheukampf Seite 3 Deutsche Siimntunqsbiidchen Seite 3 Zecstikte Ueqenden Seite 8 J Skandal am Horst Wessel Der Nationalheld als Zuhälter- Drei Todesurteile zur Säuberung seines Andenkens? Im Hinblick aus die Rolle, die der neue National- Held Horst Wessel im öffentlichen Leben Deutsch- landS spielt, und zumal angesichts des großen Prozesses, der demnächst wegen der Vorgänge bei seiner Tötung in Berlin stattfindet, dürsten die nachstehende,, Enthüllungen des berühmten beut- schcn Verteidigers Dr. Alfred Apfel, der mit Einstein, Lion Fcuchtwauger und Heinrich Mann die Liste dcx von Hitler Expatriierten führt, von besonderem aktuellen Interesse sein. Die Hitler-Republik hat den im Januar lüsil erschossenen Studenten Horst Wessel, Führer eines nationalsozialistischen Sturmtrupps, zum Nationalheros proklamiert. Mit seinem Andenken wird in Deutschland ein ungeheurer Kultus ge- trieben. Ein von ihm verfaßtes, übrigens gestohlenes Lied ist in den Rang der Nationalhymne erhoben worden. Ich habe seiner Zeit denjenigen, der auf Horst Wessel geschossen hat, verteidigt. Schon während des Prozesses, der vor dem Berliner Schwurgericht stattfand, habe ich die Ueberzeugung gewonnen, daß der Verstorbene ein Zuhälter niedrigsten Grades gewesen ist. In diesem Prozeß ist folgendes festgestellt worden. Horst Wessel wohnte gemeinsam mit einer Straßcndirne bei einer armen Witwe zur Miete. Er blieb mehrere Monate die Miete schuldig, hielt aber viele politische Zu- sammenkünfte in seiner Wohnung ab und machte seiner Wirtin das Leben schwer. Tie Frau, die aus die Mieteinnahmen angewiesen war, wußte sich nicht mehr zu helfen. Sie flehte die Stammtisch- freunde ihres verstorbenen Mannes an, den Wessel zur Rede zu stellen und ihn zu zwingen, entweder zu zahlen ober auszuziehen. Die Bevölkerung der dunklen Gegend der Reichshauptstaöt, in der sich diese Vorgänge abspielten, zieht in solchen Fällen die Selbstjustiz dem kostspieligen und lang- wierigen Gerichtsverfahren vor, und so beschloß man, die Sache dieser Witwe zur eigenen zu machen und dem Stu- denten auf die Bude zu rücken. Da er als überaus gemalt- tätig bekannt war, und da er oft Parteigenossen bei sich hatte, denen die Revolver recht locker in der Tasche saßen, holte man sich Ali Höhler, einen über besondere Körper- kräfte verfügenden Berufsverbrecher, zur Hilfe, um evtl. den Wessel für seine Rücksichtslosigkeit gegenüber der alten Frau gründlich zu verhauen. Tie Nationalsozialisten habe» hinterdrein behauptet, es habe sich um einen kommunistischen Racheakt gehandelt: die Kommunistische Partei bestreitet mit größter Energie jeden Zusammenhang mit der Tat. Jeden- falls steht unbestritten fest, daß für Höhler keinerlei poli- tische Motive maßgebend waren, sondern daß er sich aus Gründen, die auf einem ganz anderen Gebiet lagen, der Strafexpeüition angeschlossen hat. Höhler berichtete mir im Untersuchungsgefängnis, daß er berufsmäßiger Zuhälter sei. Er sei erbittert gegen Wessel gewesen, weil dessen Freundin, die bei ihm lebte, bei Ausübung ihres Straßcngewcrbes ausgerechnet die Gc- gend bevorzugt habe, die Höhlcr als SpczialarbeitSfeld für seine Hauptdirne betrachtete. Es war offensichtlich, daß Höhler auch ein persönliches In- teresse an diesem Mädchen hatte aus Gründen, die wohl in beider Vergangenheit zu suchen sind. Er habe eine besondere Wut aus Wessel gehabt, weil dieser sehr hofsärtig gewesen sei und durch sein freches, provokatorisches Wesen die ganze Gegend verärgert habe. Er habe daher mit besonderer Genugtuung den Fall der Witwe benutzt, um Wessel einmal gehörig zu verblauen. Als der Rachczug in der Wohnung des Wessel erschien, griff dieser blitzschnell in die Hintere Hosentasche, um, wie Höhler annahm, den Revolver hervorzuziehen. Höhler, der mit einer bewaffneten Antwort wohl gerechnet hatte, knallte, wie er behauptete, aus Notwehr seinen Revolver auf Wessel los, der blutüberströmt, aber keineswegs tödlich verletzt, nicderbrach. In einem der Nebenhäuser wohnte ein Arzt. Als man diesen holen wollte, erklärte ein Freund des Ber- mundeten energisch:„Eher verreckt der Mann, als daß ein jüdischer Arzt ihn berührt!" Höchstwahrscheinlich ist es dem Umstand, daß längere Zeit mit dem ersten ärztlichen Ein- griff gewartet wurde, zuzuschreiben, daß die Verwundung des Horst Wessel, ber übriaens noch sechs Wochen gelebt hat, schließlich einen tödlichen Ausgang nahm. Als Höhler mich ersuchte, seine Verteidigung zu übernehmen, stellte ich zwei Bedingungen Die eine war daß er mir nicht zumute, seine Tat zu decken, sondern daß ich, falls ich mich durch den Verlauf der Gerichtsverhandlung nicht von der Glaubhaftigkeit des Notwehrmotivs überzeugen könne, lediglich die für ihn geltend zu machenden mildern- den Umstände vorzutragen brauche. Die zweite Bedingung bestand darin, daß die Zuhälter- rolle des Getöteten nur insoweit im Prozeß unterstrichen werden sollte, als sie zur Verteidigung meines Mandanten diente, da es mir widerstrebte, das Andenken eines Toten mehr als notwendig herabzumindern. Angesichts der schamlosen Beschimpfungen, mit denen die heutigen Machthaber ihre politischen Gegner bedenken und angesichts der Selbstbeweihräucherung, in denen sie sich er- gehen, will ich im Interesse der Sauberkeit des politischen Lebens und zum Beweis dafür, was man heute dem deutschen Volk und anscheinend auch der ganzen Welt zu- muten dar?, hauptsächlich aber deshalb, weil man dem An- denken dieses Zuhälters neuerdings drei junge Menschen- leben opfern will, meine Zurückhaltung aufgeben und sagen, was zu sagen ist. Bei meinen Ausführungen stütze ich mich nicht aus die sehr detaillierten Angaben, die mir Höhler über die Zuhälter- rolle des Wessel gemacht hat, da man einwenden könnte, es handle sich um die einseitige Darstellung einer Prozeßpartei. Es genügt hervorzuheben, was im Prozeß bekannt ge- worden ist. Als das Mädchen, das mit Wessel zusammenlebte, als Zeugin vernommen wurde, behauptete sie frech, der Wahr- heit nicht entsprechend, die Miete sei von Wessel und ihr immer gezahlt worden. Ich stellte daher an sie die Frage, welche Einnahmen denn sie und Wessel gehabt hätten. Sie wurde sichtbar verwirrt und fragte den Vorsitzenden, ob sie die Frage beantworten müsse. Jedermann im Gerichtssaal verstand, daß der Beitrag, den sie zur Bestreitung des Lebensunterhaltes beisteuerte, aus unsittlichen Quellen stammte. Aus Gründen, die ich abgeführt habe, drang ich nicht weiter in das Mädchen und beschränkte mich am die Bemerkung, daß mir das Schweigen der Zeugin sür die Zwecke der Verteidigung genüge. Ein anderer Anwalt, der einen der Mitangeklagten ver- teidigte, begnügte sich mit dieser rücksichtsvollen Bchand- luna der Materie nicht, sondern richtete an die Zeugin die präzise Frage, ob sie, während sie mit Wessel zusammenlebte, an einem bestimmten Tag, zu einer bestimmten Stunde, in einem bestimmten Hotel, mit einem bestimmten Mann gegen Entgelt Geschlechtsverkehr gepflogen habe. Tas Mädchen wollte sich um die Antwort herumdrücken. Der Gerichtsvorsitzende meinte, daß dieses Thema doch bereits von mir in einer zurückhaltenderen, aber sür die Prozeßzwecke genügenden Form behandelt worden sei und regte an, von der Frage Abstand zu nehmen. Der Kollege bestand aber auf der Beantwortung der Frage, die d a S Mädchen bejahen mußte. Da sie immer erklärt hatte, daß sie die Braut Wessels und seine Vertraute in allen Dingen gewesen sei, kann man sich vorstellen, wie sensationell diese Aussage wirkte. In meinem Schlußplädoyer deutete ich so diskret wie möglich an, daß als Motiv der Tat Eifersucht des einen Zuhälters aus den anderen in Betracht komme. Während ber Prozeß im übrigen von fortwährenden Kundgebungen pro und kontra des überfüllten Zuhörerraumcs begleitet war, war es bei dieser Bemerkung totenstill im Saal. Nach Beendigung des Prozesses haben sich zahlreiche Na- tionalsozialisten bei mir dafür bedankt, daß ich trotz meiner politischen Gegnerschaft die peinliche Angelegenheit so taktvoll behandelt hätte. Der Antrag des Staatsanwaltes lautete nicht auf Be- strasung wegen Mordes, sondern aus Verurteilung wegen Totschlages. Das Schwurgericht schloß sich'dieser Auffassung an. Höhler wurde zu sechs Jahren Zuchthaus wegen Tot- schlags, die übrigen Angeklagten zu kürzeren Freiheits- strafen verurteilt. Man wird es verstehen, daß ich auf das höchste erstaunt war, daß man ausgerechnet diesen Horst Wessel zum Nationalhelden erklärt hat. Zahlreiche Leute sind mit schweren Strafen belegt worden, weil sie sich weigerten, das Horst-Wessel-Lied mitzusingen. Es gehört schon die eiserne Stirn des Propagandaministers Goebbels dazu, dem deutschen Br'k die Verehrung einer solchen Person auszu- Gesiern und heute Hitler fährt zu Mussolini, Barthou zu Macdonald. Dir Konferenzen sind wieder einmal zu Ende und das Reisen beginnt., Deutschlands Lage ist sehr trübe. Die Hoffnungen auf einen Biuch zwischen England und Frankreich sind vorläufig fehlgeschlagen. Vielmehr haben die Genfer Abrüstungsbesprechungen mit einem beträchtlichen Erfolg Frankreichs geendet, wenn auch dessen etwas provisorischer Charakter nicht geleugnet werden kann. Es ist Frankreich gelungen, auf der einen Seite sein Bündnis mit der Sowjet-Union zu schließen, die Anerkennung des bolschewistischen Staates durch die Kleine Entente zu erreichen und auf der anderen Seite trotf- dem die Freundschaft Englands sich zu erhalten. Ja. die. Genfer Tagung schloß mit einer ganz auffallenden Demonstration der englisch-französischen Freundschaft durch die Rede des englischen Vertreters Eden. Barthou hat eine gegen Deutschland wenig freundliche Rede gehalten, und Eden hat ihm nicht widersprochen. Ja, er hat Deutschlands Austritt aus dem Völkerbund nochmals ausdrücklich getadelt, und andererseits geradezu auffallend hervorgehoben, daß die englisch-französische Freundschaft ein wesentliches Element für den Frieden in Europa sei. Noch immer ist also die Entente Cordiale eine maßgebende Tatsache und die deutsch-französische Verständigung ein Zu- kunftstraum. Wie groß die hieraus drohende Gefahr für Deutschland, ivie groß hieran aber auch die Schuld Hitlers und seiner törichten Rüstungspolitik ist, braucht nicht gesagt zu werden. Deutschland ist jetzt unter Druck geseljt. Die Entschließung der in Genf vertretenen Mächte fordert es zur Rückkehr in die Abrüstungskonferenz und damit praktisch auch in den Völkerbund auf. Dabei ist jedoch von der deutschen Forderung nach Gleichberechtigung nicht die Rede gewesen. Bekanntlich hat Hitler die vorherige praktische Anerkennung der deutschen Gleichberechtigung in der Rüstungsfrage zur Bedingung für seine Rückkehr nach Genf gemacht. Sollte er nun ohne vorherige Anerkennung der Gleichberechtigung zur Rückkehr im Völkerbund aufgefordert werden, so wäre das weniger eine Einladung als eine Herausforderung. Nun soll Mussolini Hilfe bringen. Ein Besuch des deutschen Führers bei dem italienischen Duce steht anscheinend nahe bevor. Es wird ein regelrechter Bittgang werden. Italien ist die einzige Großmacht, dir die deutsche Forderung nach Gleichberechtigung bisher mit wirklicher Wärme vertreten hat. Ob hieran neuerdings infolge wirtschaftlich' r Schwierigkeiten Italiens und einer gewissen Annäherung an Frankreich sich etwas ändern wird, ist noch nicht abzusehen. Sehr störend für die italienisch-deutsche Freundschaft war dagegen Hillers Einmischung in Oesterreich. Sie trifft dort auf einen Lebenspunkt der italienischen Politik. Italien arbeitet mit Hochdruck daran, Oesterreich endgültig vom deutschen Einfluß loszureißen und unter seine Botmäßigkeit zu bringen. Die Wic.dereinseftung der Habsburger wäre ein entscheidender Schritt auf diesem Wege. Sie würde freilich auch die Staaten der Kleinen Entente aufs äußerste alarmieren. Und wenn Frankreich der habsburgischen Restauration zustimmen sollte, so müßte es sich auf eine ähnliche Abkühlung der Freundschaft in Prag, Belgrad und Bukarest gefaßt machen, wie sie im vorigen Jahre nach dem Viererpakt in Warschau eintrat. Doch der entscheidend Geschlagene bei der Rückkehr der Habsburger wäre Hitler. Der Erfolg seiner österreichischen Politik wäre der endgültige Verlust Oesterreichs für Deutschland. Er wird in den schmerzlichen Verzicht willigen müssen, wenn er sich Mussolinis Unterstützung in der Abrüstungsfrage erhalten will. Stark nach innen, schwach nach außen— das Ganze heißt kraftvolle nationalsozialistische Führung. A r gu s. zwingen und den ausländischen Diplomaten bei den ossi- zicllen Veranstaltungen zuzumuten, sich zu Ehren eines Zu- hälters von ihren Sitzen zu erheben. Eine aintliche deutsche Mitteilung besagt, daß in den nächsten Wochen in Berlin in einem neuen groß ausge- zogencn Strafprozeß die Vorgänge bei der Tötung Horst Wessels noch einmal ausgerollt werden sollen. Durch dieses neue Gerichtsverfahren will man das Geranne um die Zu hältcrrolle des Rationalhcros zum Schweigen bringen. Dieser Prozeß ist durch zwei Morde vorbereitet worden und soll mit drei weiteren Morden enden. Die Anklage richtet sich gegen den Schiffer Peter Stall und den Pialer Sali» Epstein und den Friseur Hans Z i c g l e r, denen man vorwirft, an jener Ttrafexpedition gegen Horst Wessel teil- genommen zu haben. Diese Anklage ist juristisch ungeheuerlich. Während der- jenigc, der auf Wessel geschossen hat, nur wegen Totschlags verurteilt worden ist. wird gegen die drei Vorgenannten, die übrigens ihre Schuld auf das entschiedenste bestreiten, Deufsdier Grenelbcridit ans Spanien Zusammenstöße zwischen deutschen Faschisten und Spanlern Das halbamtliche Deutsche Nachrichtenbüro meldet: Madrid, 1l. Juni. Tie deutsche Kolonie von Madrid ver- anstaltete am Tonntag ein Sportfest auf dem Platz des deutscheu Turnvereins. Es ivar dies das erstemal, das, die samtlichen sportlichen Vereine im G c iste de» neue n Teutschland als ein geschlossenes Ganze» antraten.'Üb- wohl mit Absicht alles vermieden worden war. was der Ver- ansialtung den Charakter einer öffentlichen Kundgebung hätte geben können, kam eS zu einem geradezu unerhörten tätlichen Angriff einer etwa Zvköpsigcn marxistischen Horde, die i» dem Augenblick, als der deutsch« Botschafter mit der Gräfin Welczeck die Preisverteilung vornehmen ivollte, ein Bombardement mit faustgroßen Steinen aus die versammelte Kolonie eröffnete, linier dem Grölen der Internationale und dem Schwenken einer roten Fahne verwundern die Rohlinge durch Ttcinivürfe fünf Kinder, von denen eines mit eingeschlagenem Schädel l», Sterben liegt, zwei Frauen und einen Mann. Erst einem llcbersallkominando gelang es. die Angreif«r auseinanderzutreiben. Ter!"'tschafter brachte das schivcrvcrivundetc Kind, die achtjährige Tochter eines Madrider deutschen Gastwirts, in operiert werden mußt« und hoffnungslos daniederliegt, seinem Kraftwagen sofort ins Deutsch« Krankenhaus, wo es T.e nachfolgenden Wagen bzw. deren Insassen wurden f dem Wege vom Sportplatz zum Krankenhaus von den in drohender Haltung postierten Marxisten angepöbelt. Angesichts solcher Ereignisse in Verbindung mit den seit längerer Zeit täglich auf der Deutschen Bot- schaft einlaufenden Drohbriefen, die sich jetzt unter der Parole„Freiheit für Thäl- mann" ins märchenhafte häufen, angesichts der gerade in den letzten Tagen auch gegen antimarxistische spanische Persönlichkeiten sich häufenden Attentate muß man für die Zukunft leider noch eine wesentliche Steigerung dieses Tcrroristenwesens voraussagen, es sei denn, das, die spanische Regierung jetzt schärfsten» durchgreift. « Es ist für uns im Augenblick nicht nachzuprüfen, was an der Meldung Wahres ist. Einen Beweis dafür, daß die an- geblichen Angreifer.Marxisten" waren, bringt das Deutsche 'Nachrichtenbüro nicht. Wohl aber geht aus dem Schlußabsatz hervor, daß auch in Spanien die Empörung iiber die Tchand- justiz de».dritten Reiches" wächst, die Politiker ohne ordcnt- lichcs Prozeßverfahren jahrelang einkerkert, Frauen und Kinder als Geiseln nimmt und überhaupt jede Rechtssicher- heit aushebt. Die spanischen Unruhen Vorzensur!— Warum? Madrid, 10. Juni. Die Regierung hat die Vorzensur über die gesamte spanische Presse verhängt. Tie Zensur richtet sich gegen„Greuelmärchen" über de» Landarbciterstreik. Räch Meldungen au» den Provinzen dauern au zahl' reichen Orten die Störungen der öffentlichen Ordnung an. Gchöite werden niedergebrannt, landwirtschaftlich« Maschinen vernichtet. Plünderungen verübt, und es kommt immer wieder zn blutigen Zusammenstößen zwischen Handarbeitern und Gendarmerie. Aus Acußerungen eines Ministers geht hervor, daß sich vielfach ei» Banditentum breit macht, da» die Streikbeivegnng für verbrecherische Handlungen aller Art ausnutzt. Während es aber angeblich gelungen sein soll, die Ruhe allenthalben wieder herzustellen, werden die Polizeitruppen auf dem Lande fortgesetzt verstärkt. Außer- dem sind in den letzten Stunden in die besonders bedrohten Gebiete größer« Militärausgchvte abgegangen. vier Jahre nach der Tat und nach beendetem Prozeß An- klage wegen vorsätzlichen gemeinsamen Mordes erhoben! Da» ist ein Vorgehen, da» in der Rechtsgeschichte einzig dasteht und das darauf schließen läßt, daß man dem Andenken dieses Zuhälters drei Menschenleben opfern will. £0 ganz nebenbei erfährt man au» der offiziellen Mit- keilung über die Einleitung des neuen Prozesse», daß der Haupttäter Ali Höhler kürzlich während der Bcrbüßnng seiner Straftat verstorben ist! Höhlcr war ein rirsenstarker Mensch, der sich bi» zum Ausbruch der sogenannten natio- nalcn Revolution der besten Gesundheit im Zuchthaus er- freute. Da die Versuche, ihn ü la Lübbe für den zweiten Pro- zeß herzurichten, fehlgeschlagen sind, ist er zur Strafe plötz- lich gestorben! Sein Tod verhindert, daß Höhler die Zu- Hälterrolle Wessels als Zeuge eindrucksvoll beleuchten kann. Ilm ganz sicher zu gehe», hat man auch gleich noch eine der früheren Mitangeklagten, ein junge» Mädchen namens Else Cohn, nerjchivinden lassen, da sie gleich Höhlcr genau über das Lebe» Wessels Bescheid wußte. Sie ist, sicheren Rach-- richtcn zufolge, kürzlich in Breslau ermordet worden. Ter neue Prozeß, der sich würdig dem Rcichstagsbrand- Prozeß anschließt, wird natürlich mit der Feststellung enden, daß Horst Wessel ein Ehrenmann ivar und man wird diese Fe st stell»:, z dadurch bekräftige», daß mau öffentlich drei junge Menschen köpfen wird. „Kirchliche Ordnung gefährdet" Ein aufsehenerregender Schritt in Bremen Bremen, 11. Juni. Nach Anhörung»ud aus Vorschlag des KirchcnauSichnsscs hat der Pr ä s i d c n t der bremischen evangelische» Kirche, Senator H e i d c r. folgendes verfügt:„Zur Aufrcchterhaltung der Ordnung und damit des Bestandes der bremischen evangelischen Kirche unter- sage ich Herrn Pastor Lie. Gretjsenhagc» vorläufig die Ausübungen von AmtSvcrrichtuugen. Herr Pastor Lie. Greiiieuhagen hat sich bis aus weiteres jeglicher kirchcu- politischer Tätigkeit z» enthalten." Kirchcnamtlich wird dazu mitgeteilt:„Herr Pastor Greis- fenhagen von Tt. Stephan! hat In einem Schreiben vom 27. Mai d. I. dem Präsidenten der bremischen evangelischen Kirche mitgeteilt, daß er das Verspreche» vom'81. Januar 103-1. in dem er sich aus die Führung der deutschen und der bremischen evangelischen Kirche verpllichlct:. nicht m c h r a u i r e ch t erhalte. Im Anschluß daran Hai Pastor Greiiieuhagen ferner eine firchen politische Aktion eingeleitet mit dem Ziel der Wiedereinführung der kirchlichen Gemeinde Ordnungen nnd der alten bremischen Kirchen- vcrsnssnng Diese Aktion wird durch Sammlungen von Un- Urschriften in einzelnen Kirchcngcmeindcn betrieben. Da durch dieses Vorgehen die durch die Verordnung de» Reichs- bijchoi» vom 8. Februar 1934 in Bremen ausgerichtete kirch- liche Ordnung gefährdet ist. tat sich der Präsident in lieber- cinstimmung mit dem Kirchcnausschuß zu dieser bedauerlichen Maßnahme genötigt gesehen. Die endgültige Entscheid»»« wird auf disziplinarischem Wege erfolgen." Sfreihunruhen in Ameriha Neue Zwischenfälle DRB. Rewqork, 11. Juni. Am Sonntag ist cS in den ver- schiede»«» Landcsteilen zu neuen Strcitunruhcn gekommen. In Los Angeles überfielen Streitende arbeitswillige Dockarbeiter. Es gab 20 Verletzte, darunter mehrere Schiver- verwundete. Der Dockarbeiterstreik dauert bereits seit dem 0. April. Im Etevelander Krastdroschtenstrcik wurden acht Personen verhaltet, da sie mehrere Autvdroschken umgc- worseu und zerstört hotten. In Birmingham fAlabamaj sprengten streikende Bergarbeiter zwei Häuser mit Düna- mit. Einige Personen wurden verletzt. Panzerwagen mußten in Rochester lRewnork» eingesetzt werden, da sich vor den bestreikten Großschlächtercien starke Mobaniommlungen gc- bildet hatten. In Rewnork befürchtet man infolge Zunahme de» Streiks in den Großschlächtcreicu eine große Fleisch- kuapphcit. Tie Entscheidung über den Ausstand der 800 000 Arbeiter der amerikanischen Stahlindustrie ist bis zum nächsten Donnerstag verschoben worden. ES ist eine neue Besprechung zwischen den Arbeitgebern, den Arbeitnehmern und dem Leiter der Rica Johnson nach PUtsburgh einberufen worden. * Die Einführung einer Arbeitslosen« und einer Alters- Versicherung wurde in einer Botschaft des Präsidenten R o o s e v e l t an den Kongreß angekündigt. In Kreisen des Weiße» Hauses wird diese Botschaft als eine der wichtig« st c n unter der Regierung Roosevelt angesehen. In der Nähe von Cape Francis in Nensnndland stießen ein Dampfer nnd e>» Fischerboot zusammen. Füns Fischer konnten, da eS Rächt war und ein Wolkenbruch niederging, nicht gerettet werden. Sic ertranken. Ter Dampfer wurde am Bug schwer beschädigt. Bas Heuest« Ein seltsamer Unfall hat sich nach Fertigstellung eines Aquädukts in Spanien ereignet. Das neue Aquä- bukt, das das Arago-Gebiet durch den Esera-Fluß bewässern soll, mar gerade fertiggestellt, und die Arbeiter hatten sich zur Herstellung einer Gruppenaufnahme aus dem mittleren Brückenbogen versammelt, der plötzlich zusammenstürzte. Die Arbeiter stürzten 20 Meter in die Tiefe. Drei kamen »ms Leben, zahlreiche andere wurden schwer»erletzt. Eine Zusammenstellung des„Popnlairr" errechnet die Summe der seit 1928 ständig gestiegene» sranzösischen Militäransgaben seit dieser Zeit aus 102 Milliarden Franken, davon entfallen auf das Jahr 1884 16,9 Milliarden Franken. Ja Grenoble kam es am Sonntag zu schweren Zu- sammcnftößen zwischen der Polizei und Angehörigen der äußersten Linken, als diese eine Propagandaversammlnng des Abgeordneten Hcnriot zu stören versuchten. 20 Personen, darunter mehrere Polizisten, wurden verletzt. Die französische faschistisch« Bewegung F r a n- c i f. rn c hielt am Samstag und Sonntag ihre erste Jahres- Versammlung ah, ans der der Führer der Bewegung als deren Ziele das vollkommene Bündnis mit Muffolini und die Verständigung mit Deutschland bezeichnete. Im Kamps um den Davispokal in Paris blieb Frankreich mit 9:2 gegenüber Deutschland Sieger. Im Kampse nm die Fußballwelimeisterschast t« Rom siegte Italien 2:1 gegen die Zschechosiomakei. Im internationalen Kunstslngwetthrwerh um die Weltmeisters»«!« in Paris siegt« der deutsch« ttunftslug- n,eiste» Gerhart Ficseler mit 645^ Punkten vor dem Fron- zojen Betroqat und dem Deutschen Achgeli». Bei Fontainrbleau hat sich, ei» Eisenbahnnnsall ereignet, der verhältnismäßig glimpflich verlief. Ein Personenzug stieß mit einem anderen Zuge zulammen. 19 Reisende w«r- den verletzt, konnten aber nach Anlegung der Rotverbände ihre Reise fortsetzen. Präsident Lcbrun gilt allgemein als einer der sranzösischen Staatschess, die von ihrem Begnadigungsrecht im Falle von Todesurteilen verhältnismäßig selten Gebrauch machen. Einer dieser seltenen Fälle ist jetzt eingetreten. Der Prjft- dent der Republik hat den eingeborenen Unterleutnant Omar-Ben-Said vom 28. algerischen Schützeuregiment zn lebenslänglicher Zwangsarbelt begnadigt, der vom Gericht zum Tode verurteilt worden war, weil er am 18. 10. 1989 einen französischen Leutnant vom gleichen Regiment aus dem Schießstand mit einem Ge,vehrschuß niedergestreckt hatte. Sonntagvormittag unternahmen drei junge Leute aus Straßburg eine Bootssahrt aus der JH. Während der Fahrt kenterte plötzlich das Boot, und alle drei Insassen stürzten in» Waller. Während ein junger Man» nnd seine Schwester sich schwimmend ans User retten konnten, ist der dritte Insasse ertrunken. Seine Leiche wurde von der Strömung abgetrieben und tonnte noch nicht gesunden werde». Hauptmann Clansanges svon einem sranzösischen Tank- regimentf hat zum ersten Maie im Faltboot den Aermelkaiial hin und zurück an ein und demselben Tage durchquert. Er war am Sonntagmorgen von Cap Grisnez gestartet und«r- reichte Folkeftonc um 18 Uhr. Um 14.45 llhr trat er die Rück, fahrt an und traf«m 22 20 Uhr wieder am Cap GriSnez ei». Auf der Hinfahrt hatte er ruhiges, ans der Rückfahrt stür, misches Meer. Flugzeug gestrandet Auf einem 1300 Meter hohen Berg Ncnyork, 11. Juni. Ein großes amerikanisches Passagierflugzeug mit sieben Personen an Bord wurde seit Sanistag nachmittag vermißt. Dutzende von Flugzeugen sowie Polizeibcamte und Zivilpersonen suchten die Catshill-Berge im Staate Neu gort ab. Führer de»»er- mißten Flugzeuges ist ein Engländer namens Elode Holbrook, der sich im Weltkriege als Kampfflieger einen Namen gemacht hat. Im Juni 1918 war er nach einer Rot- landung innerhalb der deutschen Linien gesangen genommen worden. Das Flugzeug ist am Tonntagabend auf der Spitz« des fast 1800 Meter hohen Black Dome-Berges im Eatshill« Gebirge entdeck! worden. Da der Berg sehr schwer zugäng- sich ist, könnt« die Rettung der Fluggäste und der Besatzung erst Montag früh ersoigen. Verheerender Wirbelsturm Mehrere hundert Tote DRB. Reunorf, 11. Juni. Nach Hier vorliegenden Mel» düngen aus San Salvador lausen dort aus dem ganzen Lande Berichte iiber die Schäden des Wirbelsturms und der Wolkcnbrüche. die am Freitag das Land Heimgesucht Haben, ein. Die Zahl der Toten wird mit mehreren hundert angegeben. Zum Tel! sind die Opfer ertrunken, zum Teil sind sie bei den Bergrutschen verschüttet worden. In Tan Salvador wird für Montag abend oder Dienstag früh ein »euer schwerer Tropensturm aus dem Gols von Mexiko erwartet. Alle Vorsichtsmaßnahmen sind bereit» getroffen. Kasernierte krauen Hitleriken für die Ehe nicht gefragt DaS städtische Wohlfahrtsamt in Frankfurt hat eine neue Verfügung herausgebracht. Alle alleinstehenden Frauen und Mädchen bis zu 48 Jahren, die Unterstützung erhalten, sollen in„Heimen" untergebracht werden. Gegen diese ae- plante Kasernieruug rebellieren die Frauen ojsen. Tie de- monstrieren vor den Meldestellen des Wobliohrts- und Ar- bcitsamtcs und erklären, unter keinen Umständen in ein Heim gehe» zu wollen. Alan kann jederzeit an diesen Stempelstellen Aussprüche hören, wie:„Lieber stehlen ivir und gehe» dafür ins Zuchthaus, dann wissen wir, weshalb man uns einkascruiert hat", oder:„Wir gehen lieber auf den Strich und verzichten aus die Unterstützung. Tann wer- den wir wenigstens nicht kaserniert!" '.Krieger nnd Gänse" In der Zeitschrift.TentscheS Volkstum", die von Stapel In Hamburg herausgegeben wird, beschwert sich eine Ratio- natsozialistin bitter darüber, daft gerade die treuesten und bravsten Hitleriken, die aus dem BDM. tBund Deutscher Mädchens so wenig geachtet werden. ES heißt da: Es ist eine bittere Wahrheit— diese Mädchen können, bei stärkstem Willen, nicht allein die neue Volksordnung baue». Sic können nicht neue Maßstäbe geben, die für das »tanze verpslichtend sind, solange ihre Haltung dauernd disiamicrt wird. Diffamiert durch die ganz einlache, nüchterne Tatsache, daß gerade diese Mädchen in unendlich vielen Fällen das Schicksal der Ehelosigkeit zu tragen haben. Und wenn man die Frage nach den entsprechenden Männern stellt, so wird man durch Hunderlsache Erfahrung belehrt, daß immer wieder ei» ttricaer und eine Gans zu- lammenfinden. Tie Hitlermädchen haben eS wirklich schwer! Marschieren sie nicht im BDM.. so will die Regierung nichts von ihnen wissen, marschieren sie im BDM.. so wollen die Männer nichts von ihnen wissen: wolle» die Männer nichts von ihnen wissen, so bekommen sie keine Kinder: bekommen sie keine Kinder, so will wiederum die Regierung nichts von ihnen wissen... Was sollen sie tun? Es Klappt nirgends I>. h. Wohin man blickt im„dritten Reich", überall findet man Saboteure, die angeblich Schuld tragen an der trostlosen Lage Deutschland». Auch beim I r e i w i l l i g c n A r b r i t s- dienst ist eS so. Wenigstens behauptet das die Rcichslcitung dieser Organisation, die in diesen Tagen einen Uka« heraus- gegeben bat, in dem es heißt: „Gibt es doch, so unglaublich es klingen mag. Unter- n e h in e r wie auch Leute in B e h ö r d c n und A e m t c r n, die ans die Vorlegung des Arvcitspasscs, der Bescheinigung über den im Arbeitsdienst geleisteten Ehrendienst, nur mit einem Achselzucken und„B e d a u r« s« h r 1" zu erwidern willen. Man scheint in diesen Kreisen noch nicht erfaßt zu haben, welche unendliche moralisch« Bedeutung darin liegt, daß die deutsche Männcrjuaend im Arbeitsdienste geistig, körperlich nnd seelisch geschult und in die große Linie des nationalsozialistischen Staatsaufbaus eingereiht wird. Ter ReichSleitnng des Arbeitsdienstes sind derartige Klagen aus Kreisen ehemaliger Angehöriger deS Arbeitsdienstes in Fülle vorgelegt und eS wird von den jungen Leuten sogar darüber geklagt, daß ihnen selbst bei den Arbeitsämtern nicht das nötige Verständnis entgegengebracht wird. Man darf sich nickt wundern, wenn dann der Ruf von einer Reaktion, die weiterhin in Deutschland ibr Unwesen treibt, immer wieder in deutschen Landen Bode» findet. ES ist zu hoffe», daß dies« Feststellungen genügen, um auch die Letzten davon z» überzeugen, daß der Arbeits- dienst ein Ehrendienst am Volke und der ArbeitSpaß ein BefähigungSnachiveis ist, der seinem Inhaber die Tore in da» Berufsleben bevorrechtigt öffnen soll." Auf den Gedanke», daß die entlassenen Arbeitsdienstler deshalb nicht eingestellt werden, weil die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik in Wirklichkeit trotz allen Geschreis keine echten Arbeitsmöglichkeite» schasst, scheint die Reichsleitung des Arbeitsdienstes»och nicht gekommen zu sein. Wie sollte sie auch! vle schwerhörige Wirtin Und der Hauptmann a. D. Mannheim, 7. 0 IJnprcv». Vor dem badischen Sonder- gericht stand der<>2jährige Fritz p. aus Karlsruhe, der als .Hauptmann vier Jahre Frontdienst gemacht hat und den seine Wirtin gegen angeblicher abfälliger Bemerkungen über daS „dritte Rrch" denunzierte. Die Anzeige erfolgte, nachdem H. seine Wohnung ausgebe» wollte. Es mag verständlich sein, schreibt da».Hatenkreuzbanner".„daß er hier und da mal mit seiner Wirtin Uber Dinge ipr'cht. die sie gar nicht oder falsch versteht tzu allem ist sie noch schwerhörig». Wen» auch nickt aller Unsiinn. de» die Frau vor Gericht beibrachte, ge- glaubt werden kann, so kann doch angenommen werden, daß H. sich einmal eine Bemerkung erlaubte, er kann sich als älterer Mann, der der Dcutichnationalcn Volkspartci nahe- stand, wohl, nicht so ohne weiteres mit allem abfinden." ES ist also erwiesen, daß die Anzeige der Wirtin e'u Racke- nkt war, daß das Gericht nicht„allen Unsinn»' als wahr unterstellte und damit der überdies schwerhörigen Zeugin die Glaubwürdigkeit absprach: das braune Gericht verurteilte de» Angeklagten trotzdem zu fünf Monate» Gesä»a- n i S. Der Saarhampf Die unermüdliche„Freiheitsfront" SIm Samstag uno Sonntag hat die Freiheitsfront des Saargebietes zwei mächtige geschlossene Kundgebungen in Saarbrücken, auf der Ernst Braun, Heinrich Barth und Max Braun sprachen, und in S u l z b a ch, wo Hugo Brück und Max Braun die Referate hielten, abgehalten, frie beide überfüllt und von prachtvoller Begeisterung gc- tragen waren. Außerdem sprach Max Braun in den von sämtlichen Ortsgruppen ausgezeichnet besuchten Agitations- bezirkskonferenzen in Püttlingen, N e u n k i r ch e n, Kirkel und Brebach und die Genossen Hermann P e t r i, Richard Pfass, Hugo Brück und Heinrich L i e s e r aus den übrigen Funktionärkonserenzen. Ueberall zeigte sich ein guter Geist und eine große Kampfesstimmung und Angriffslust. Die Konferenzen waren ein hoffnungsreicher Auftakt des beginnenden Abstimmungskampses an der«aar und ein schlagender Beweis für die Tatsache, daß der 13. Januar uns auf dem Posten finden wird. * Vertrauenskundgebungen für Max Braun Das„Saarbrücker Abendblatt" hat am.Symstag eine ihr durch schweren Vertrauensbruch zugänglich gewordene vertrauliche Denkschrift veröffentlicht, die der sozial- demokratische Redakteur Helmuth Kern nach einer vorübergehenden Tätigkeit in der Redaktion der«aar- brücker..Volksstimme" den sozialdemokratischen Instanzen zugestellt Hat. Die Denkschrift enthält subjektive längere Kritiken und Rsformvorschläge Kerns. Die Saarbrücker„Volksstimme" weist Kerns Auf- fassungen durch die Veröffentlichung eines Beschlusses des Landesvorstandes zurück und berichtet ferner: „Außerdem haben die gestern tagenden Funktionärkon- ferenzen sämtlicher Agitationsbezirke der Partei im Saargebiet einmütig diese Behauptungen zurückge- wiesen und sich einstimmig hinter den Vorsitzenden der Partei gestellt. Es genügt für die ihrem Sinne nach über- all gleichen Erklärungen und Entschließungen, einen Satz aus der Resolution des Völklinger Agitationsbezirkes hierher zu setzen: „Die Versammelten sprechen der Leitung und de» Funktionären der Freiheitssront, insbesirndere dem Führer Max Braun, ihr unerschütterliches Bcr- trauen aus und erwarten von ihnen, daß sie trotz dieser erbärmlichen Verleumdungen ihre Pflicht der Freiheit«, front gegenüber auch weiterhin erfüllen und alles daran, fetzen werden, die srciheitliebcnde Bevölkerung des Saar, gebietes vor den„Segnungen" des„dritten Reiches" und insbesondere vor Hitlerterror an der Saar zu bewahren." Venn einer eine»eise lul — so darf er nichts erzählen Der 33 Jahre alte Wilhelm R. aus Arnstadt hatte sich tu der Eisenbahn unvorsichtigerweise über den Bersailler Ber- trag, das Arbeitsbeschasfungsprogramm und die Aufrüstung unterhalten. Ein Agent der Geheimen Staatspolizei, der mitfuhr und„überall die Einstellung gegen Deutschland" her- aushörte, veranlaßt« seine Verhaftung. Da R. von Metz kam. nahm das Gericht in Mannheim an. daß er nicht, wie „es Aufgabe eines jeden Deutschen sei. abfälligen Aeußernn- gen im Ausland" entgegengetreten sei, jondern solche Aeußerungen„aufgeschnappt und weiterverbreitet" habe: es ging über den Antrag des Staatsanwalts, der eine Gefäng- nisstrafe von 8 Monaten forderte, hinaus und verurteilte den Angeklagten zu einem Jahr Gefängnis. Die Hasken des Hiesmadiers Der deutsche Siegfried im Drachenhampf Das nationalsozialistische„Hakenkrcuzbanner" in Mann- heim veröffentlicht am 4. Juni folgenden blütenvollen Aufsatz: Die propagandistische Sturmwelle gegen die Miesmacher ist eine weltanschauliche Reinigungsaktion von dringender Notwendigkeit. Die Alltagsgewöhnung will sich wie Staub auf den hellen Sonntagsgeist des Volkes legen. Ter Kampf ist diesmal Entlarvung, Bloßstellung, Anprangern und öffentliche Hinrichtung. Wir müssen den Dämon negativer Kritik aus seinen heimlichen Schlupfwinkeln treiben. Unsere praktische Menschenkenntnis sagt uns, daß es einen gemissen Hundertsatz ewiger Nüchterlinge und Pfennigfuchser, Para- grafenritter und Tauertöpfe schon immer gegeben hat. Sie werden den schönsten Gedanken, und siele er aus des Herrgotts eigener Hand, im Schema F umbringen und er- töten. Wir kennen den Pedanten, der nie lächelt, den Bremsklotz, der jede organische Entwicklung in Un- sruchtbarkeit erstarren läßt. Statt der Zucht sittlich freien Dienens in und am Geist der Jllee erzwingt er den Kadaver- gehorsam gegenüber einer kläglichen Tyrannis. Wir kennen die Abart des Bürokraten, des unanfechtbar Rechttucnden, dessen, der„nie irrt", dem in seiner Froschperspektive bei Beharrung und Stillstand am wohlsten ist. Eine gute Dosis Humor läßt diese Typen leicht überwinden. Die gefährlichere Maske ist die des„I n t c l l e k t u e l l e n", des herzcnskalten und volksfrcmöen Kathederhochmuts. War seine giftige Lei- stung nicht der Relativismus, das Zerschlagen aller volks- mäßigen und artentsprossenen Werte? Wurden die heilig- sten Güter, der Heldensinn und die Begeisterung nicht in den Schmutz gezogen? Logen nicht jüdische Dozenten im wissen- schaftlichen Geschäftsgeist deutschen Studenten vor, daß die Ehre und das Opfer ihrer Bäter eine profitlose dumme Narretei war? Ueberschrien sich nicht hysterische Bastarde im literarischen Massenangebot des Internationalismus? Rassische Urwerte fielen geilem Gespött anheim, statt reine^ Sittenstrenge wurde deutsche Jugend einem höllischen eroti- schen Sumpf zugeführt. Die Mätzchen des Wenn und Aber, des Sowohl-Alsauch, kurz die Vernichtung jeden Wertgefühls und Wertesuchens galten als der akademischen Weisheit letz- ter Schluß. Kein Wunder, daß die neue Geistig keit aus ganz nnakademischen Volkstiesen strömte, daß unver- brauchte, kernhaste deutsche Wesensart allein retten konnte. Das wollen die gelahrten Miesmacher auch heute noch nicht wahr wissen. Statt Fichteschcr Glut herrschte ein eisigkalter Nationalismus, statt in Goethescher Ganzheit schwelgte man in den zweifelhaften Niederungen alles zer- setzender Entseelnng, statt Mythus und Volksgenius zu Trä- gern ewiger Kuns zebilde zu wählen, zerfetzte man das letzte organische Gefüge in dem jahrmarktgrcllcn Leierkasten der sogenannten wirklichkeitsechten Reportage. Miesmacherische Umtriebe macht heute noch der Fremdkreis des Marxismus, des Materialismus. Das geht von dem den Führer im Innersten verletzenden und seine Volksgesinnung schmähenden Rebellengroll gestürzter Arbeitcrbonzen ebenso aus wie von dem ohnmächtig wütenden Börsianer, dem das Dividcn- denbündel unter den feisten, die Bolksivohlfahrt schändenden Wollust, die ebenso gigantische wie geistig gewaltige, weil Wucherhänden schmilzt. Eine sehr böse Maske des Mies- machers ist die des ewig klatschenden Brunnenvergifters, der jede, nun einmal nötige Durchgangsstufc als letzte Auswir- kung Adolf Hitlerschen Denkens und Tuns herabwürdigt und den Ausbaust»» und die Ausbaugeduld lähmt. Ihm ist es vorbildlose Neuschöpfung härtesten Handlungszmanges mit der Krämcrelle seiner kleinbürgerlichen Kurzsichtigkeit zu wessen. Das ist ja das j ä m m e r l i ch e Z e r r b i l d, wenn Ziver- genhirne„Führer" spielen und alibewährte Kämpen wie toten Ballast beiseite schieben möchten. Jeder, der die Be- wegung irgendwie vcräußerlicht. ist genau so MieSmacher wie jeder Spießer und muckerische Duckmäuser. Gerade die fanatische Reinerhaltung der Führeridee, die sich nur am Werk des Führers entzünden und befruchten kann, zwingt»ns, gewissen Müdigkeiten und eingerosteten Pessimismen auch in den eigenen Reihen unerbittlich züleibe zu rücken. Man muß seine Waffen gestählt und ge- schärft bereit halten, man muß die Larven vom Gesicht reißen und die beinahe märchenhasten Wandlungs- und Tarnungs- künste überrumpeln können. Gerade die raffinierte Geschmci- digkeit, die sich liebedienerisch zu fügen weiß, ist oft die sicherste Fährte für schleichende Miesmacherei. Aus.der an- deren Seite muß denen der Star gestochen werden, die da meinen, von jeher etwas gewesen zu sein, von dem ein gewisser Nationalsozialismus nur ein verspäteter und schwächlicher Abguß sei. Der Miesmacher ist der unproduktive und doch furchtbare Störenfried unserer Entwicklung Wir müssen diesen schleichenden, wühlenden und lähmenden Feind schla- gen in jeder Maske. Dem deutschen Siegsried wird der Drachenkampf nie erspart bleiben. Sein Schwert ist geweiht, kämpft er doch für völkische Sendung, für ewiges Recht art- getreuer Gemeinschaft, für Entfaltung eines heldisch gestal- tenden Lebenswillens aus der Berufung nordisch reiner Weltanschauung. Hanns Schmiedel. „Ndrgier" Pforzheim. Bon der Polizei wurden in letzter Zeit Maß- nahmen gegen„Besserwisser" ergriffen. So wurden zuletzt zwei Personen je 14 Tage in Hast gesteckt, weil sie allen Ermahnungen zum Trotz ihre Nörgeleien nicht einstellten. In einem Fall handelt es sich um den etwa 30 Jahre alten Sohn eines angesehenen Psorzheimer Bürgers, der von Berus Versicherungsvertreter ist, aber seine meiste Zeit in Kaffeehäusern verbringt, wo er anderen Volksgenossen sein dummes Geschw.^ aufdrängt. Ter andere ist ein zur Ruhe gesetzter älterer Bankbeamter, der sich schon wiederholt an Stammtischen als„Politiker" ausgespielt hat. Vom Biertisch weg brachte ihn die Polizei in Gewahrsam. Noch Verbüßung seiner Strafe soll er, wie verlautet, in eine Trinkeranstalt gebracht werden.(„Hakenkreuzbanner") Staatsverbrechen Einer, der mal Demokrat war Auf dem Fragebogen, der auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berussbeamtentums auszufüllen war, hatte der Stadtsyndikus i. R. Wandschneidcr in Goslar seine Zugehörigkeit zur Sozialdemokratischen Partei zwar angegeben, dagegen aber seine vorherige Zugehörigkeit zur Demokratischen Partei verschwiegen. Tie Dienststraskammer für nichtrichterliche Beamte bei der Re- gierung in Hildesheim erkannte ihm Ruhegehalt, Hinterblie- benensürsorge und Amtsbezeichnung ab, lediglich die Hälfte der Pension wurde ihm aus drei Jahre bewilligt. Deutsdie Sflmmungsbildchen Ich habe zwar den Krieg mitgemacht... „Da sind auch die Männer mit hohem steifen Kragen, deren Reserveofflziersstimme'dem Organ einer Wachtel zu ähneln beginnt und deren haarelose Kopfhaut burgunbrig wird, wenn ein Hitler-Junge mit verstauchtem Fußgelenk sich auf den einzig vorhandenen leeren Platz in der Bahn setzt und der eben charakterisierte Herr stehen muß. Dann kommt es vor, daß dieser bittere Worte fallen läßt wie: „Oh, bleiben Sie ruhig sitzen, ich habe zwar den Krieg mitgemacht, aber ich will gerne stehen..(„Deutsche Wochenschau" Nr. 20.) * Zeitungen aus der Schweiz „Man sieht eine gewisse Gattung deutscher Staatsbürger täglich mit Schweizer Zeitungen unter dem Arm. Sie sitzen in den Eafes, in Büros ober im Verborgenen daheim und lesen sie mit dem Eifer von Sekundanern, die nach ver- botenen Früchten suchen. Niemals hatten sie sich früher für die Weltmeinung von Basel, Zürich oder Bern interessiert, ebenso wenig wie für den„politischen Weitblick" von Tcheveningen oder Mährisch-Troppau. Nun glauben sie, durch die Lektüre dieser Schweizer Blätter eine Verbindung zu Stellen zu gewinnen, die irgendwie„Bescheid wissen", über Dinge, die man eigentlich nicht wissen durfte... Aus- länder fragen, warum diese Blätter in deutscher Sprache, über deutsche Kioske, an allen Straßenecken alles mögliche ausplaudern dürfen, was die deutschen Zeitungen ver- schweigen. Warum, fragen sie, verbietet man diese Schweizer Blätter nicht, die von der deutschen Zeitungs- disziplin profitieren?"(„Der Angriff", 22. Mai.) * Die neuen Bonzen „Das Amtsgericht Berlin verurteilte den 66jährigen Willi Busse wegen Beleidigung des Stadtrats Engel zu einer Ge- sängnisstrafe von einem Monat und sprach dem Beleidigten die Publikationsbefugnis im„Völkischen Beobachter" zu. Im Juli vergangenen Jahres, kurz»ach der Einführung des neuen Tarifs, regte sich der Angeklagte in einem Siraßcnbahnwagen auf und versuchte die Fahrgäste auszu- Hetzen. Er meckerte und antwortete dem Schaffner, der am Ruhe bat,„die neuen Männer der BVG. sind dieselben Bonzen wie früher, die haben für euch und uns zenau so wenig übrig wie die alten". Als der Beamte sich die Beleidigungen der neuen Leitung verbat, schrie Busse n den Wagen'hinein:„Meinen S«e, daß Ihr Obcrbonze kngcl anders ist?" Vor Gericht versuchte er sein Verhalten »amit zu verteidigen, daß er behauptete, das Recht der »ffentlichen Kritik zu haben und daß das Wort„Bonze" einerzeit so oft gebraucht wurde, daß es keinesfalls als Re- cidigung ausgelegt werden kann."(„Völkischer Beobachte-'" (5. Mai.) * 5er berüchtigte Witz. „Das Tondergericht für das Land«achsen hatte sich am Donnerstag unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Friesccke mit folgenden Ttrafsällcn zu befassen: Der Por- zcllanmaler Werner Richter aus Dresden hatte Anfang 1034 einer Dame gegenüber einen der berüchtigten„Witze über Adolf Hitler und Stabschef Röhm erzählt und am 21. Februar 1034 das Parteiabzeichen getragen, ohne Mit- glied der NSDAP, zu sein. Das Gericht verurteilte ihn, besonders wegen der gemeinen Art des Witzes, zu einer Gesamtstrafe von zehn Monaten Gefängnis."(„Ter Frei- heitskamps", Dresden, 18. Mai.) * Gerüchte, Gerüchte! „Es ist mir zu Ohren gekommen, daß in letzter Zeit von unverantwortlichen Elementen unwahre Gerüchte über die Gruppe Bayerische Ostmark verbreitet wurden. Ich lasse aus diesem Wege eine letzte Warnung an alle Ruhe und Ordnung liebenden Volksgenossen ergehen, derartige Gerüchte weiter zu verbreiten, da ich mit rücksichtsloser Strenge gegen jeder- mann vorgehen werde, der bei der Weiterverbreitung solcher Gerückte betroffen wird. Der Sonderbevollmächtigte der Obersten SA.-Führung bei der Regierung von Nieder- bayern und Oberpsalz Rakobrandt, Gruppenführer." * Wühlmäuse „Ter Lanbrat des Kreises Biedenkopf hatte vor kurzem eine Bekanntmachung erlassen, wonach alle Personen, die un- berechtigterweisc gegen Behörden und Parteidienststellen Hetzen und stänkern, öffentlich angeprangert werben sollen. Diese Ankündigung hat der Landrat nun erstmalig wahr gemacht, indem er den Namen eines Maurers aus dem Kreisort Dernbach, der dem Bürgermeister seines OrteS alle möglichen unschönen Handlungen nachgesagt hatte, deren Haltlosigkeit die gerichtliche Untersuchung ergeben hat, der Oeskentlichkeit bekannt gibt und ihn als eine Wühlmaus be- zeichnet."(„Frankfurter Zeitung", IS. Mai.) * Was man ihnen zutraut „Ein schweres SittlichkeitSverbrechen wurde vor einigen Tagen an einem fünfjährigen Mädchen in Hirsch- berg verübt. Die Ermittlungen haben ergebe», daß der Täter ein Parteigenosse Michalke aus Hirsch berg ist, der selbst Kinder hat. Böse Zungen hatten dieses gemeine Verbrechen zum Anlaß genommen und behauptet, daß der Beobachter die Tat ver- schweigen müsse, weil es sich um einen Menschen handle, der schon seit langer Zeit der Bewegung angehöre. Gleichzeitig haben diese gewissenlose Elemente damit be- weisen wollen, daß die Bewegung alle Gemeinheiten, wenn sie durch Mitglieder der Bewegung begangen würde, decke." („Beobachter", Hirschberg. 13. Mai.) * Anspielungen „... denn waS soll man dazu sagen, daß ein Bilderbuch „F e r i e n t r ä u m e" vorgelegt wird, das das Bild eines Elowus mit einem Hakenkreuz aus der Hose enthalt?... („Frank. Tageszeitung".) „Oranienburg" In einem Berliner Kabarett kam es dieser Tage zu einem sehr bezeichnenden Zwischenfall. Ein Evnserencier, der sein gähnendes Publikum durch öde, gleichgeschaltete, unpolitische Witze langweilte, rief dem Publikum zu, er wolle sich als Tchnelldichter betätigen, man möge ihm Städtenamen zurufen. Ein Mann aus dem Publikum rief„Oranien- b u r g", woraus das Publikum in starkes ironisches G e- lächter ausbrach und demonstratives Beifall- klatschen ertönte. Der Conferencier wurde puterrot und ging schnell zu einem anderen Thema über. Sehr bezeichnend für die Stimmung des Publikums war, daß niemand sich gegen den mutigen Zwischenruf« wandte, sondern daß alle, den Sinn des Zwischenrufes verstehend, sich hinter den „Oranienburger" stellten. * Doppelsinnig In der Münchner„Jugend" liest man unier der Stich« marke„Doppelsinnig" folgenden erstaunlichen Witz: „In einer Gesellschaft unterhält man sich ziemlich offen über einen wenig beliebten Minister des Landes, dem vor allen Tingen eine große Skrupellosigkeit nachgesagt wird. Da man sich ziemlich einig in der Beurteilung des Herrn ist, versteigt sich schließlich ein auch nicht gleichmäßig beurteilter Arzt zu der Bemerkung:„Na, wir sind uns wohl darüber einig, der Minister ist der größte Schurke im ganzen Land." Da rief der anwesende Gerichtspräsident:„Herr Sanitäts- rat, Sie vergessen sich!" Bei allem, was recht ist, das braucht sich Joseph Goebbels doch nicht gefallen zu lassen! * „Der Geist der schwarzen Frondeure" „Soeben erreicht uns die Nachricht, daß man, ähnlich wie bereits den Grabstein unseres von Bayernwachtleuten er- mordeten Pg. und SA.-Mann Joseph Wiesheier nun auch das Denkmal für diesen Märtyrer des Dritten Reiches, das om vergangenen Sonntag in Gegenwart des Stabschefs Röhm in Gaiganz geweiht wurde, geschändet ist. Auffällig ist, daß am Gedenkstein nicht nur ein Teil der Schrift ver- stümmelt wurde, sondern, daß die Zeilen, die daraus Bezug nehmen, daß Wiesheier von einem Baoernwacht-Mitglieb ermordet wurde, überhaupt ganz entfernt worden sind. Un- erhört ist, daß Einwohner von Gaiganz aus Befragen den Mut ausbrachten, die unverschämte Lüge, die Lettern seien vom Winde herausgerissen morden, auszusprechen."(„Fränk. Tageszeitung", 18. Mai.) * Leere Versammlungen! „Im Abwehr- und Verteidigungskampf der NSDA-1«. gegen Nörgler und Kritikaster, in den sich auch die Arbeits- front mit aller Kraft stellt, sprach gestern abend in der leider nur verhältnismäßig schwach besetzten Oetker-Hallc vor den Arbeitern der öffentliche» Betriebe der Stadt Bielefeld der Reichsbetriebsgemeinschastsleiter Körner."(„Bielefelder Generalanzeiger". 13. Mai.) Sie können sich nicht mehr retten vor den MieSmacher»" und„Kritikastern"! Die Volksstimmung wendet sich gegen sie! Dienstag, 12. Juni 1931 ARBEIT UMD WIRTSCHAT? „Deutsche Freiheit" Nr. 132 Die Ersatz-Schlacfit Wie einst bei Rttbenmarmelade und Papierhemden Für uns in Deutschland beginnt jetzt eine neue Schlacht. V ir erschlagen nicht mehr die Arbeit mit der Arbeitsschlacht. V\ ir wollen audi nicht mehr siegreich Frankreich schlagen, sondern die neue Schlacht ist die Ersaß-Schlacht. Wir schlagen das Ausland, indem wir uns von der ausländischen Rohstoff- Einfuhr unabhängig machen. Unser Reidiswirtschaftsminister Schmitt hat es schon gesagt: Wir werden aus der Not eine lugend machen; nämlich aus der Devisennot die Tugend der kriegswirtschaftlichen Vorbereitung. Wenn das Ausland uns keine Rohstoffe auf Kredit liefern will, dann werden wir uns eben unsere Bohstoffe allein machen und die Welt wird das Nachsehen haben. Ersaß, Ersaß ist der neue Schlachtruf und in diesem Zeichen werden wir siegen. Schon werden überall fieberhaft Anstrengungen zur Vorbereitung der Ersatz-Schlacht gemacht. Da sind zunächst die Erdölbohrungen in Hannover, in Baden und in manchen anderen Orten. Unter der Devise„ Los vom ausländischen Erdöl" hat die Reidisregierung 5 Millionen Mark ausgeworfen für die Auffindung heimischer Oelquellen. Da sind weiter die Versuche, überhaupt vom Benzin-Motor loszukommen, und Automobile und Flugzeuge mit Dampf zu betreiben. Da sind weiter die Versuche, Deutschland von der ausländischen Baumwolle und Wolle unabhängig zu machen. In Zukunft soll nicht nur Kunstseide, sondern auch eine Baumwollfaser und sogar eine W o 1 1 f a s e r aus Holz hergestellt werden. Eine große Konjunktur für die chemische Industrie hebt an, Textil-Ersatzstoffe aus Holz zu gewinnen. Die Stapel-Faser, die Vistra und Wollstra werden bald für jeden Deutschen ebenso geläufige Begriffe «ein wie Bembergseide! Diese Textil-Ersaßstojfe werden zwar erheblich teurer und erheblich minderwertiger sein, aber wir werden uns daran erinnern, daß wir schon einmal in einer glorreichen Zeit schlechte Kleidung durch stramme Haltung erseßt haben. Welch neue ungeahnte Perspektiven eröffnen sich, wenn wir an diese Zeit zurückdenken! Schon geht die Reichsregierung damit um, einen Reichshommissar für die Verwendung von Rohstoffen einzusetzen. Wir beeilen uns, im Schatz unserer Erinnerungen zu kramen und dem zukünftigen Herrn Reichskommissar einige Empfehlungen für die Ersatz-Schlacht gehorsamst zu unterbreiten. Da ist zunächst die Fettwirt- schaft. Die Reichsregierung hat ja schon damit angefangen, die Bevölkerung planmäßig und systematisch auf die fettfreie Ernährung umzustellen. Der Fettplan der Reidisregierung, der seit einigen Monaten in Durchführung begriffen ist, hat schon den einen bemerkenswerten Erfolg gezeitigt, daß in den meisten Gegenden überhaupt keine Margarine oder nur noch hintenherum zu bekommen ist und daß wir z. B. aus Schlesien wissen, daß dort schon Margarine- Ersatz angeboten wird! Wir empfehlen überhaupt, mit der fetthaltigen Ernährung radikal zu brechen. Unserer Auffassung nach muß die große Ersatzsdllacht auf dem Gebiet der Ernährung beginnen mit einer gewaltigen Ausdehnung der Anbaufläche für Kohlrüben. Fragt die deutsche Hausfrau und sie wird euch sagen, daß die Kohlrübe unstrittig das Gewächs mit der größten Verwendungsmöglichkeit ist. Denken wir noch an die herrliche Kohlrübenmarmelade, die wir mit Löffeln gegessen haben(weil wir nichts anderes hatten), erinnern wir uns, daß man Kohlrüben backen und braten, schmoren und dämpfen kann, daß man sie als Salat und Kompott servieren kann. Neben der Kohlrübe wollen wir aber au dt den Kunsthonig nicht vergessen. Wenn wir schon von Brotaufstrich reden, dann wollen wir auch gleich an das Brot denken. Die Erfahrungen mit dem als Kriegsbrot bezeichneten Gemisch von Kleie und Kreidemehl waren noch nicht ganz zufriedenstellend. Wir brauchen ein Brot, von dem man noch wesentlich dünnere Scheiben abschneiden kann und das trotzdem noch länger und schwerer im Magen liegt. Wir können uns denken, daß das vielleicht dadurch erreicht wird, daß etwas mehr Kreidemehl und etwas weniger Kleie verarbeitet wird. Selbstverständlich darf das Dörrgemüse unter unseren Vorschlägen nicht fehlen und ebenso wenig wollen wir darauf verzichten, in Zukunft statt der nervenzerrüttenden Kaffees den garantiert unschädlichen„M o r g e u t r a n k" Ballens Krise Trotz seiner Anstrengungen ist es dem italienischen Ministerpräsidenten noch nicht gelungen, die wirtschaftliche Situation seines Landes zu verbessern. Die Ursachen der italienischen Finanzkrise sind zweierlei Natur: Zunächst die allgemeine Wirtschaftskrise. Sie betrifft Italien wie alle anderen Nationen auch. Sie wirkt sich aber besonders empfindlich in einem Lande aus, das weder über große Bodenschätze noch über große bewegliche Kapitalien verfügt. Die zweite Ursache liegt im faschistischen Regime selbst. Die Erhaltung des Vertrauens zum Faschismus verlangt ständig neuen Ansporn, ständig neue Erfolge. Zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit läßt Mussolini großzügige öffentliche Arbeiten durchführen, die die Staatskasse viel Geld kosten, aber nur von geringem produktivem Wert sind. Andererseits verschlingen die Rüstungen ungeheuere Summen. In seiner letzten Rede vor der italienischen Kammer gab Mussolini von seiner Absicht Kenntnis, von den im Londoner Abkommen gebotenen Möglichkeiten Gebrauch zu machen und für die nächsten Jahre ein weites Flottcnbauprogramm aufzustellen. Für Flottenbanten allein soll eine Milliarde Lire verausgabt werden und auch die vollständige Erneuerung der italienischen Luftwaffe würde eine Milliarde beanspruchen. Das wirtschaftliche Bild Italiens ist gegenwärtig nicht sehr günstig. Die Genügsamkeit de« italienischen Volkes ist allerdings außerordentlich; doch es gibt einen Punkt,.der ohne gewisse Gefahren nicht überschritten werden darf. auf unserem Frühstückstisch zu sehen. Es gab zwar Leute, die behaupteten, daß dieser Kaffee-Ersatz aus den eingesammelten Kartoffelschalen hergestellt worden sei, aber wir vertrauen hier voll und ganz auf die Fortschritte der deutschen Nahrungsmittel-Chemie. Aber nicht nur der Chemie, sondern auch der Industrie der Küchengeräte wird durch die Ersatz- Schlacht eine Fülle neuer Aufgaben erwachsen. Die Herstellung von Bratpfannen— vielleicht mit dem Bild des Führers— in denen man ohne Fett braten kann. Die Herstellung von Backformen, in denen man ohne Mehl backen kann, sind neue große Aufgaben der Arbeitsbeschaffung. Wenn wir nun zum Gebiet der Bekleidung übergehen dürfen, so erlauben wir uns, die Kriegs-Stiefel in Erinnerung zu bringen und wir sind der festen Leherzeu- gnng, daß mit diesen Stiefeln— oben aus Pappe, unten aus llols— der Marsch ins„dritte Reith" dann noch ganz anders klappen wird. Da sind dann weiter die großen\ or- zöge der Papierhemden. Man braucht sie gar nicht zu waschen! Und da wir gerade vom Vi asdien reden: das alltägliche Waschen wird zur großen Freude der Kinder überhaupt eingeschränkt werden, denn das Fett wird man dann wieder besser statt für Seife für die Margarine verwenden. Im Kriege gab es zwar Leute, die behaupteten, daß die Margarine nach Seife schmecke, aber ,das waren natürlich die Miesmacher und Kritikaster, an deren Vorhandensein man ja erst die große Zeit erkennt. Soweit Seife sich als unentbehrlich erweisen sollte, kann ihr Fettgehalt sicherlich durch Aufdruck eines Hakenkreuzes völlig ersetzt werden. Wir wollen aber nicht nur von der ausländischen Baumwolle-, Wolle- und Leder-Einfuhr frei werden, sondern auch von der Kautschuk-Einfuhr. Wie herrlich fuhr sich doch damals auf Fahrrädern, die keine Gummibereifung hatten, sondern statt dessen einen Eisenreifen mit Spiralfedern. Wir fragen die Reichsregierung schließlich: Muß der deutsche Mann unbedingt ausländischen Tabak rauchen? Die Blätter der deutschen Eiche und der wilden Rose geben ein sehr reizvolles Tabakgemisch. Uns war damals als Jungens allerdings jämmerlich schlecht danach, aber ohne Frage ist die heutige Jugend viel mehr abgehärtet. Unseie Reichsregierung wird weiter wissen, daß man keine Ersaß-Schlacht schlagen kann, ohne das Kartensystem wieder einzuführen und den Schleichhandel zu organisieren. Wir sprechen schon überall in Deutschland davon, daß die Reichsbank bereits Brotkarten auf I orral drud.t und Fettkarten haben ivir ja schon. Die Bezugsscheine für Kleidungsstücke und Wäsche sollen wir dann auch demnächst bekommen. Der Schleichhandel wird auf dem Gebiet der Fett- und Eier-Bewirtschaftung jedenfalls schon eitrig geübt. Margarine kann man nur noch bekommen, wenn man über gute Beziehungen zu einem Kaufmann verfügt und frische Eier gibt es nur außerhalb der staatlichen Eierbewirtschaftung. Bei der Margarine wird auch schon das Schlangestehen vor den Kaufläden trainiert und die Beteiligung an den zahlreichen öffentlichen Feiern ist ebenfalls dafür eine gute Vorübung. Es heißt sogar, daß die Stimmung bei diesen Veranstaltungen schon ebenso ge-, drückt ist wie in den Lebeusmittelschlangen im Kriege. Allerdings wird mau die Devise für die deutsche Frau etwas ändern müssen: statt wie bisher zu sagen:„Die deutsche Frau gehört an den Kochtopf", wird man wohl künftig sagen müssen:„Die deutsche Frau gehört auf die Straße." Aber das wird unserem Goebbels gar keine Schwierigkeiten machen, wie wir denn überhaupt zu der weitsichtigen Erziehungsarbeit, die der Führer am deutschen Volke leistet, unumschränktes Vertrauen haben. Die Ersatz-Schlacht wird aber nicht nur dem deutschen Volk einen ganz neuen Lebensstil, jene von uns solange herbeigesehnte nationalsozialistische Daseinsform vermitteln, sie wird uns auch auf eine Kulturstufe heben, die anderen Völkern vielleicht für immer.versagt bleiben muß. Es ist doch bezeichnend, daß die Engländer und Franzosen für das deutsche Wort„E r s a tz" keine Uebersetzung gefunden haben. Sie haben es ebenso wie die Worte„drittes Reich" unüherseßt übernehmen müssen. So wird das Wort„Ersaß" neben dem Wort vom„dritten Reich" ein neues Symbol für Deutschlands Größe und Weltgeltung werden. Heil Hillerl An unsere Bezieher und Leser! Wir erhalten in letzter Zeit Beschwerden da. rüber, daß die„Deutsche Freiheit" entweder verspätet oder auch gar nicht ankommt. Wir bitten alle Beschwerdeführer, sich an ihrem Ort mit der Post oder der Bahn in Verbindung zu setzen, da von Saarbrücken aus die Zeitung nach wie vor pünktlich jeden Tag abgeht. An der Post oder Bahn des Auf. gabe.Ortcs liegt die Verzögerung nicht, davon konnten wir uns Uberzeugen. Veriag der„Deutschen Freiheit" Die interiiattoiialcii ftrlegssdiuMen Wie amtlich bekanntgegeben wird, hat Großbritannien der amerikanischen Regierung mitgeteilt, daß es am nächsten Zahlungstermin, am 15. Juni 1934, völlig in Verzug bleiben werde. Großbritannien werde in der Kriegsschuldenfrago nichts weiter unternehmen, solange nicht die Möglichkeit gegeben sei, die Kriegsschulden Verhandlungen mit einiger aussieht auf einen beiriedigenden Abschluß aufzunehmen. Die Zahlengrundlage, mit der sich die von England angeregte Konferenz befassen müßte, zeigt nach einer Aufstellung des amerikanischen Schatzamtes folgendes Bild in D o 11 a r: Kriegsschulden fällig Gesamt- im Rück- am 15. 5. schuld stand mit Belgien.... 7 159435 41 116529 11 309453 Tschechoslowakei. 1 682 812 165 283 195 2 852 898 Estland.... 322 850 17 784695 939985 F innland..,, 166 533 8 726145-— Frankreich... 59 000 218 3 960 772 238 82 308 312 England.... 85 670 765 4 636 157 358 176 120 246 Ungarn.... 32669 2051 938 114628 Italien 14 741 593 2 008 103 288 13 687 010 Lettland.... 134843 7312685 286462 Litauen.... 147864 6554554 221 169 Polen 4 039 039 222 560 466 12 317 829 Rumänien... 1 248 750 63 871 783 1 048 750 Südslawien.,, 300 000 61 625 000 525 000 Sinkende Warenhausumsätze Da das Ostergeschäft 1934 völlig auf den März fiel, während es sich i. V. auf März und April verteilte, sind die irr „Ueberblick" veröffentlichten Ermittlungen des Instituts für Konjunkturforschung mit dem Vorjahr nur unter Vorbehalt vergleichbar. Es besagt deshalb noch nicht viel, daß die Warenhausumsätze gegenüber März einen Rückschlag zeigen. Andererseits ist bei dem Vorjahrsvergleich zu berücksichtigen, daß im April v. J. die Abwanderung der Käufer besonders stark war und daß zahlreiche Häuser damals ai l Boykott-Tag geschlossen waren. Die Ausgangsbasis des Vergleichs ist also bereits sehr niedrig. Die Umsätze lagen ii i April bei den Warenhäusern um rund 9 Prozent, im Märj und April zusammen um 1,4 Prozent unter Vorjahrshöhe, bei den Kaufhäusern lagen sie im April um 1.6, im März un 1 April zusammen um 5,6 Prozent darüber. Das Institut erläutert sie noch dahin, daß im März und April zusammen die Warenhausmärkte in Textilien und Bekleidung um 1,7 Prozent, die Kaufhausumsätze um rund 8 Prozent höher waren als i. V. Die Steigerung bei den Textilfachgesrhäften betrage, im selben Zeitraum 16 Prozent. Einen besonder» starken Rückgang erfuhren wieder die Lebensmittelumsätze der Warenhäuser, die im April um 26,6 Prozent(März 2.6 Prozent) hinter dem Vorjahrsstand zurückblieben. Der Rückgang in den„sonstigen Waren" ist z. T. auch darauf zurückzuführen, daß einzelne Abteilungen aufgegeben oder ver- kleinen werden, insbesondere bei den Kaufhäusern, die«ich damit in ihrem Sortiment mehr den größeren Textilfachge- »chäfteti anpassen. Das Institut stellt diesmal auch einen Vergleich mit 1932 an. Demnach waren die Gesamtumsätze der Warenhäuser von Januar bis April rund 11 Prozent niedriger als 1933 und 26,5 Prozent niedriger als 1932. Die Kaufhausumsätze lagen im selben Zeitraum 3 Prozent unter denen von 1933 und 17 Prozent unter denen von 1932. Ii- Für die Einziehung der Pachten im Pachtjahr 1934 35 hat der preußische Landwirtschaftsministcr Anweisungen herausgegeben. Es müsse von den Pächtern preußischer Staatsdomänen unbedingt erwartet werden, daß sie in vorbildlicher Weise alles tun, um den vereinbarten Pachtzins pünktlich zur Staatskasse abzuführen. F.s könne nicht mehr verantwortet werden, Pächtern, die ihren vertraglichen Verpflichtungen dem Staat gegenüber nicht pünktlich nachkommen, ihre Domänen weiter zu belassen. * Die Landesbanernschaft Württemberg richtet an die landwirtschaftlichen Kreise eine Warnung vor voreiligen Viehverkäufen, da ein erhöhtes Angebot ein starkes Absinken der Preise nach sich ziehen würde. Da die Aufnahmefähigkeit der verbrauchenden Bevölkerung im Augenblick nie Ii tsteigerungsfä bigsei, müsse unbedingt Zurückhaltung geübt werden. Zugleich wird die Zusicherung gegeben, daß die Reglung des Viehabsatjes bald in geordnete Bahnen gebracht werde. Golddeckung 3,4 v. H. Das Schwundgold der Rcichsbank In der ersten Inniwoche ist nach dem Rcichsbantansweis eine Verringerung der gesamten Kapitalanlage um 108,6 Millionen Reichsmark eingetreten, damit ist rund ein Drittel der in AnspruchuaHmc zum Ultimo wieder ob- gedeckt. Im einzelnen ging der Wechsel- und Scheckbestand um 78 ,8 auf 3887, der Vombardbcstand um 45,2 aus 79,3 Miß. zurück, während der Bestand an ZIeichsschatzwechseln um 11,1 aus 25,1 Miß. NM. stieg. Sin Rückgang der sonstigen Slitiocn nm 38,5 Miß. auf 588,2 Miß. NM. hängt z. T. mit Rückzahlung der zum Ultimo in Anspruch genommenen Reichskredite zusammen. Der Bestand an decknngssähigeu Wertpapieren erhöhte sich nm 2,8 aus 322,9 Miß. NM. Der Notenumlauf ging um 127,5 aus 3587,9 Miß. NM. zurück, während 14,1 Miß. Scheidemünze» In die»ästen der Reichs» tank zurücksloflen. Hierbei ist zu berücksichtigen, dast 5,4 Miß. Scheidemünzen nen geprägt und 18,4 Miß. RM. eingezogen wurden. Tie Bestünde au Gold und deckungsfähigcn Devisen haben sich weiter um 15,3 M i l l. ans 12 8,8 M i l l. R M. vermindert. In der Berichts- woche waren Zinsen aus die Dawes-Anleihe bereitzustellen. Der Goldbestand ging«m 19 M i l L auf 111,1 M i l l. R M. zurück, der Bestand an deckungosähigen Devise» stieg um 3,7 Miß. aus 9,4 Mill. RM. Das Deckungs- Verhältnis beträgt jetzt 8,4 Prozent gegen 3,7 Prozent Ultimo M a i. Der gesamte Zahlungi mittvl- Umlauf beträgt S442 Mill. RM. gegen 5492 Miß. NM. zur gleichen Zeit des Borinonats und 5389 MIß. NM.*.,v siechen Zeit des Vorjahres. Beutsdke Stimmen• Beilage zur ,.$>eutsifken freifieit"• Ereignisse und Gestfiicfkten "yw^nr." Dienstag, den 12. Juni 1334 £w 3iddeaidkn 2» JUchacd Sicca# 70. Qekictstcuj. lseS. 11. 3ani 1864) Im Verlaufe jener geistigen Selbstcntmannungsseuehe, die unter dem unschuldigen Namen„Gleichschaltung" in die deutsche Geschichtsfälschuiig eingehen wird, gab es zwei Geschehnisse, die auch den abgebrühtesten Zyniker für Augenblicke aus der Fassung bringen konnte: der„Gmfall" des -•greisen Dichterfürsten' Ger hart Hauptmann und <|ie„Charakterlosigkeit" des„meistaufgeführten, lebenden deutschen Komponisten R i c hard Strauß. So eng schien die persönliche und sachliche Hindling des„Weber"-Dichters wenn nicht an das Proletariat, so doch an die republikanisch- demokratischen Bürgerschichten Deutschlands, daß die Nibelungentreue des Goethe-Kopfes unfaßbar schien. Aber ein vorsichtiger, mit mussolinischer Rückversicherung angetretener Weg ins„dritte Reich" durfte noch einen Heiligenschein beanspruchen im Vergleich zu dem Marathonlauf, den der bajuwarische Weltmann Richard Strauß gleich am ersten 1 age des neudeutschen Kulturniedergaugs ins Berliner Propagandaministerium unternahm, fn jener Stunde, da Goebbels zur höheren Ehre heidischen Deutschtums das Weiterwirken Bruno Walters im„dritten Reiche" unter offener Pogrom-Drohung unmöglich machte, bot sich der Komponist des„Heldenlebens" als willkommener„Ersatz" dem Blutsystem der Ras&enschniiffelei an. Und als ein Künstler vom Range Toscaninis auf die Ehre verzichtete, den entweihten deutschen Kunstschauplat; wieder zu betreten, da wurde der Garmisch Partenkirchner Gutsherr, der smarterweise soeben noch gegen klingende Münze in amerikanisch-jüdischen Warenhäusern dirigiert hatte, der Hüter des Bayreuther Gralstempels. Der Lohn blieb nicht aus: Richard II., der reinrassige Edelfreund jüdischer Großindustrieller und Bankkapitäne, der bis dato so sehr das liberalistisch-dcmokratische Ideal vertrat, daß er den rassisch Minderwertigen Enkel, den ihm eine jüdische Schwiegertochter ins Haus brachte, infolge der Millionenmitgift schmunzelnd übersah, wurde Präsident der neugegründeten Reichsmusikkammer. Mit Dekreten, die seinen Namenszug trugen, wurden hunderte deutscher Musiker und Tlieaterangehörige aus ihren Stellungen vertrieben und brotlos gemacht. Die Lücken, die die Ausschaltung jüdischer und kulturbolschewistischer Komponisten in Opern- und Konzert Spielplänen gerissen hatten, füllte kein anderer als Richard Strauß, er blieb, nachdem er den Stiefel der Diktatur ohne Not und als einer der ersten geküßt hatte, Deutschlands meistaufgeführter, lebender Komponist. Ist der„Uinfall" dieses Mannes, der bislang zu Deutschlands Elite gezählt wurde, der für die ganze Welt, obwohl seine Entwicklung längst abgeschlossen war und andere, jüngere Kräfte ihn als Träger des deutschen musikalischen Schaffens ablösten, auch heute noch als Repräsentant der zeitgenössischen deutschen Musik gilt, nur ein bedauerlicher Fall von persönlicher Charakterlosigkeit, von krankhaftem Geld- und Geltungsbedürfnis, der in dem Gesamtbild dieser Kiinstlerpersönlidikeit einen peinlichen Riß zurückläßt? Der 1864 in München als Sohn eines Hofmusikus geborene Richard Strauß ist die beherrschende musikalische Erscheinung der großen Aufstiegsperiode des deutschen Kapitalismus. Er ist in strengster klassischer Schulung aufgewachsen. er lernt erst spät, unter Alexander Ritters freundschaftlicher Führung die Werke Wagners, Liszts und Berlioz' kennen. Das mag wesentlich sein. Entscheidend wird für den erstaunlich schnell über Meinungen, Weimar, München zum Berliner Hofkapellmeister und kgl. Generalmusikdirektor aufsteigenden Dirigenten und Komponisten das Technische. Die Kunst der Orchesterverwertung, die äußerliche Prachtentfaltung eines übersteigerten Instrumentalapparates, die Ausnutzung klanglicher Möglichkeiten nicht im Dienste einer Idee, eines schöpferischen Prinzips, sondern als Selbstzweck, das wird das Charakteristikum der Straußsrhen Kunst, die 20 Jahre hindurch die bürgerliche Vor- kricgs-Musikwelt in Atem hält. In Wien wird um Mahlers und Schönbergs Werke erbittert gekämpft, die beide die Umwertung aller Werte schon voraussahen; in Paris kommt in der gleichen Stagioue des Diaghilef-Balletts Igor Strawinsky mit seinem noch ungebrochenen Russentum zu Wort. Der Weltkrieg scheint eine Generationen- und Weltanschauuugsgrenze aufzurichten. Aber Richard Strauß dankt nicht ab, will nicht als ein Vollendeter, Abgeschlossener gelten. Der 50jährige trägt ja nicht — wie etwa noch Wagner— eine solche Ueberfülle an bereits konzipierten Ideen mit sich herum, daß er den Lebensabend zu ihrer Ausführung brauchte. Er ist leer, sucht deshalb nach ewig neuen Anlässen, um die Maschine seines Könnens in Bewegung zu seifen. Er dreht sich dabei im Kreise, verwertet immer wieder das Alte, läßt es mit ge- reiftester Artistik in neuem Glänze erscheinen. Er hat nichts Neues mehr zu sagen. Unschöpferisch, steril im wahrsten Sinne des Wortes, schafft er doch SurrogataufSurro- gut. Das breite Publikum für diese Werke fehlt. Es ist jene berühmte..hauchdünne Schicht", die ihm treu bleibt. Jeder Musikstudent weiß, daß Strauß kein Moderner mehr ist, aber der ehemalige Hofkapellmeister weiß sich auch mit demokratischen Ministern gut zu stellen. Er übt direkt und indirekt eine fast unbeschränkte Tyrannis im deutschen und österreichischen Musik- und Theaterleben der Nachkriegszeit aus. Kein Dirigent wird ohne seine Empfehlung engagiert, keine Akademieprofessur ohne seine Einwilligung vergeben, kein Intendant auch des kleinsten Stadttheaters kann ohne Strauß-Feste, ohne Strauß-Gastspiele seines Amtes sicher sein. Er ist ebenso in Berlin wie in Wien, in Dresden wie in München der eigentliche Drahtzieher, was kleine oder größere Dollarausflüge nicht zu hindern braucht. Hat man 1917 noch mit Gerhart Hauptmann betreffs einer kaiserlichen Siegeshymne korrespondiert, so kann man die roten Bonzen doch auch auf die pseudorevolutionären„Steinklopfer" und den„Arbeitsmann' verweisen. Die Wiener Sozialdemokraten geben für die Schenkung der Rosenkavalier-Partitur an die Stadtbibliothek und eine Turmmusik anläßlich der Wiener Festwochen mit Freuden Baugrund für ein Wiener Stadtschloß der Familie Strauß. Warum also soll man nicht zu Zeiteu Republikaner sein? Und warum schließlich, da die Herren von Börse, Halm und Schlot Herrn Hitler und Konsorten als salonfähige Retter ihres siechen Systems willkommen heißen, sich nicht als braven Faschisten zum Musikdiktator ernennen lassen? Der Verrat an einigen treuen Freunden und großen Künstlern wird zum 70. Geburtstag mit offiziell befohlenen Festwochen an 100 deutschen Theatern bar bezahlt. Hier gibt es, wie man sieht, keinen„Verrat", hier ist kein Bruch in der Person des Helden zu erkennen, hier bleibt bei näherem Zusehen gar kein„schwarzer Punkt". Hier hat ein in der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft verwurzelter und von ihr bewußt emporgetragener Künstler konsequent seinen Weg vollendet. Die Gipfelpunkte dieses Gesamtwerkes sind und bleiben qualitativ hochwertige Beispiele für eine bestimmte allgemeine und damit auch musikalische Entwicklung. Ob sie darüber hinaus in dem Sinne wie die Werke eines Mozart, Beethoven und auch Wagner in einem sich wandelnden Musikbetrieb und Musikpublikum lebendig bleiben werden, das erscheint schon heute zweifelhaft. Denn ihnen fehlt gerade das, was die Musik jener Meister unsterblich macht: die bauende Idee, das wahrhaft schöpferische Grundprinzip, das künstlerische Ethos. Das fehlte der Zeit Richard Straußens. und da er im Leben und in der Kunst nicht mehr als ein überaus begabtes, aber auch, trotz aller anfänglichen Extravaganzen, ein sehr folg- sames Kind seiner war und ist, so wird die Nachwelt ebensowenig wie die Mitwelt es in seinem Werke finden können. Paul Walter. Jli4 an Deutschland Melodie: Deutschland, Deutschland ülrer alles! Deutschland, tiej in Schmach und Schunde, Ohne Freunde in der W c dt; Von der feigen Hitlerbande Vergewaltigt und geprellt! Nie iccir in den alten Zeiten So entsctflich Deine Net. Deutschland, Deine Völker schreiten In die Nacht und in den Tod! Deutschland! Jene, die Dich lieben, Gehen dunklen Leidcusgang: Doch die Hoffnung ist geblieben Wie ein heiliger Gesang.— Deutschland! Werde wach und schlagt Die verfluchte Tyrannei! Deutschland, werde rein und klage An die braune Barbarei! DeutscJiland, Deine treusten Kinder Hufen Dich, beschwören Dich! Jage die gemeinen Schinder Aus dem Haus! Erkenne Dich! Reiße ab dus Truggewebe Einer frechen Liignerschar! Deutschland, werde wach und lebe Wieder frei, gerecht und wahr! H o r a t i o. Zwei Qeschicfiien aus cKitlecien Weg mit dem Monokel Als letzte Windmühle, gegen die die reformlustigen Don Quichottes des„dritten Reiches" nun Sturm laufen, muß das harmlose Monokel herhalten. Die Hitlerjugend hat es auf die süffisanten Allüren der Bonner Studenten und der immer noch zahlreichen Offiziere a. D. oder in spe abgesehen, die sich mit dem Einglaskneifer recht distinguiert vorkommen. Aber die heutige Gleichschaltung duldet keine Superiorität, weder tatsächliche noch scheinbare, drum: „Weg mit dem Monokel!" Nach dein neuen SA.-Cominent muß der Snob heim Hitlergruß sein vom linken oder rechten Auge so unzertrennliches Einglas fahren lassen. Die Grimasse, die ehen auch der geübteste Monokelträger hei Achttingsstellung ganz unwillkürlich schneidet, wird als Arroganz taxiert und{ortan nicht mehr geduldet. „Das Monokel paßt zum Nationalsozialismus wie die Faust aufs Auge", erklärte unser Gewährsmann.„Wer das nicht einsehen will und heim Gruß sein Glas festkneift, de r sei auf der Hut, daß ihm der streitbare Nazi nicht die Faust auf das unheglaste Auge schlägt. Eine Wühlmaus In einem Straßenbahnwagen in der Charlottenburger Kantstraße. Eine Bürgersfrau sitzt da. sie hat einen Schnauzer auf dem Schoß, und weil die Hitze groß ist. nimmt sie dem Tier den Maulkorb ah. Darauf der Schaffner:„Das verstößt gegen die Vorschrift, meine Gnädige. Tun Sie dein Tier den Korb bitte wieder an!" Die Frau:„Aber Herr Schaffner, nur einen kleinen Augenblick, Sie sehen doch, wie das Tier leidet!"„Tut mir leid, es ist gegen die Vorschrift." Jetzt mischt sich der gemütliche härtige Fahrgast ein, der neben der Frau sitzt und meint begütigend:..Stülpen Sie ihrem Schnauzer den Maulkorb doch wieder über« wir haben ja alle einen an." Auf der nächsten Haltestelle wird die„Wühlmaus" der Polizei in Verwahrung gegeben. Basler„Natioual-Zeitung" Qcaßmiittedem Niemand kann in Deutschland mehr ruhig schlafen, ehe er nicht den Nachweis erbracht hat, daß in seiner Familie, bis in Urvaters Zeiten hinein, kern jüdisches Blut Einlaß gefunden hat. Gelingt diese Beweisführung nicht, ist es aus mit der eingeschlagenen Beamten lauf bahn, kann dies dein Geschäftsmann die Kundschaft kosten, sind alle gesellschaftlichen Beziehungen zerstört. Darum hat ein wahrer Sturm auf die Pfarrämter eingesetzt, um die so wichtige amtliche Bestätigung seiner Rassenreinheit zu erhalten. Ein in Nord- deutschland amtierender Pfarrer hat kürzlich eine Reihe solcher an ihn gerichteter Briefe veröffentlicht, um damit aufzudecken, welche schauderhaften Stilblüten diese Schreie nach der Großmutter enthalten. Wir bringen einige Kostproben davon. 1. Für meinen Stammbaum suche ich einen Grenadier. 2. Zum Zwecke der arischen Abstammung suche ich meine Großmutter, aber nicht die amtlich vorgeschriebene. 3. Zwecks allgemeiner„Umwälzung" brauche ich den amtlichen Nachweis meiner Geburt. 4. Da ich in Hannover keine Kenntnisse besitze, komme ich mit meiner Geburt zu Ihnen. 5. Heute komme ich»u Ihnen mit einer Angelegenheit, die sie aber gar nichts angeht, ich brauche nämlich meine Großmutter, aber amtlich ist es noch nicht gefordert. 6. Senden Sie mir bitte meine Geburt. Zweck ist die Eheschließung. 7. Ich bin ein Hochzeitskind. Am Hochzeitslage meiner Eltern wurde ich geboren, meine Eltern getraut und ich auch gleich getauft. 8. Nähere Angaben kann ich nicht machen, da meine Mutter schon 1878 starb und mich als einziges Vermächtnis zurückließ. 9. Um ineine arische Abstammung nachzuweisen, bitte ich. meine arische Abstammung nachlzuweisen. JG. Sodann bitte ich Sie um gefällige Auskunft, ob in tfyu dortigen Sterberegistern mein toter Großvater erscheint. Er starb von 18211850. 11. Meine Großmutter ist auch schon 1860 in der alten Gartenkirche geboren gewesen, weil sie aber nicht mehr existieren soll, frage ich sie nach der Zuständigkeit. 12. Senden Sie mir bitte meine arische Großmutter, sie ist schon 1871 verschieden. 13. Da ich arabischer Abstammung bin, wollen Sie mir solches bescheinigen. 14. Ich bin agrarischer Herkunft, was ich zu beglaubigen bitte. 15. Mein Schwiegervater gibt an, arisch zu sein, mündlich will man das nicht wissen, aber schwarz auf weiß kann man daran nicht zweifeln. 16. Helfen Sie mir bitte zu meiner arischen Großmutter, sie muß sich im dortigen Kirchenbuch befinden. Der diesen Stilübungen innewohnende unfreiwillige Humor verdeckt nur dürftig die beklemmende Angst, die den Briefschreibern die Feder in die Iland gedrückt hat. In eine solche Geistesverfassung wird ein Volk hineingetrieben, das alle Verrücktheiten einer Abenteurer-Diktatur auszukosten hat. Es ist nicht etwa ein Witz, wenn wir hinzufügen, daß es, um das Maß der Verrücktheiten voll zu machen, auch eine Volksschicht in Deutschland gibt, die aus Angst vor der Feststellung ihrer Rassereinheit krampfhaft nach einer jüdischen Großmutter sucht. Das sind die Bauern, die sich vor den drückenden Fesseln des ihnen als Belohnung zugedachten Erhhofgesetzes befreien wollen. Weil sie durch dieses Gesetz, das von ahnungslosen Dilettanten geschaffen wurde, als Erbhofhauern unpfändhar sind, erhalten sie auch keine Kredite, ganz abgesehen von den anderen Bedrückungen, die dieses Gesetz schafft. Also suchen jetzt die Schlauherger unter ihnen eifrig nach einer jüdischen Großmutter, weil die mit einem solchen Makel behafteten Familien nicht als Kict nofhaufr]) j.'-Dcri küpjjfu. Freideukerzeiturg. Die JiadiescfienfcoHt Uns liegt folgender Aufruf aus Sachsen vor: An alle Gartenfreunde des Vereins! Es gebt Ihnen heute die Teilnehmerkarte zur Kundgebung am 4. 3. 34 zu. Es ist Pflicht eines jeden Gartenfreunde-, an der Kundgebung teilzunehmen und es wird schärfste Kontrolle geführt. Der Kontrollstreifcn ist ausgefüllt am Sammelplatz Maurienstr. mittags 12 Uhr 30 Min, an die dazu bestimmten Vereinsfunktionäre abzuliefern. Wer nicht erscheint, stellt sich gegeil die heutige Regierung und hat die Folgen zu tragen. Mit deutschem Schrebergartengruß! Heil Hitler! gez.: K. Schreiber Vereinsfiihrcr, Zeit=7latizen Das Fest von Salzburg Das endgültige Programm der Salzburger Festspiele. die vom 28. Juli bis 2. September danern werden, ist jetzt veröffentlicht worden. Im Rahmen der Festspiele wird wieder„Jedermann" von Hugo von Hofmannsthal in der Inszenierung Max Reinhardts gespielt werden, ferner der erste Goethes„Faust", den gleichfalls Reinhardt inszenieren wird und für den in dekorativer Hinsicht besonders großartige Vorbereitungen getroffen werden. Die Opernaul- führungen werden von Richard Strauß. Bruno Walter und Clemens Krauß dirigiert werden, für die Leitung der Konzerte wurden Toscanini, der Holländer Mengelherg und lurt- wängler gewonnen. Musik in Ncuyork Die kommende Saison des Neuyorker Philharmonischen Orchesters, von Oktober 1934 bis April 1935, wird von den berühmtesten Dirigenten geleitet werden. Es sind bereits Toscanini. Bruno Waller, Otto Klemperer verpflichtet worden. Die Konzerte der ersten vier Wochen wird Klemperer leiten, dann werden abwechselnd Toscanini und Bruno W alter das klassische Reportorie dirigieren.\\ alter vor allem Wagner. Die amerikanischen Musikwerke werden von Werner Janssen dirigiert, einem amerikanischen Komponisten von erst vieruuddreißig Jahren, der in letzter Zeit als Dirigent auch in Europg großen Erfolg hatte. Das bunte Blatt „Deutsche Freiheit", Nr. 132 Dienstag, 12. Juni 1934 Aschenbrödel »Das Mädel kann als Statistin bei uns bleiben," sagte Brague, der Meisterregisseur,„eine mehr oder weniger, darauf wird es nicht ankommen. Zwei Franken wird sie schon richtig abarbeiten. Kurz gesagt, das Aschenbrödel bleibt bei uns." Brague spricht als Gebieter im dämnrergrau.en König- reich der Bühne des Elysee-Pigalle, wo ihm seine Funktion als erster Schauspieler und Regisseur unbedingte Autorität sichert.„Aschenbrödel" schien aber kaum hinzuhören. Sie stand mit herabhängenden Armen da, drehte am Bügel ihres abgeschabten Handtäschchens und dankte ihm nur mit einem angelernten nichtssagenden Lächeln, von dem die rehbraunen Augen nichts wissen. „Aschenbrödel" hatte sie Brague getauft und der Name blieb ihr. Ein paar Tage vorher hatte sie ihre Schwester noch mit unflätigen Schimpsworten gerufen, also hatte sie bei der Umbcncnnung nur gewonnen. Bei uns verspottete sie nicmanl,, man besagte sich ja kaum mit ihr. Ihre Schwester war auf und davon, sie hatte ihre drei zerrissene Seidenhemden, zwei viel zu weite Straßenkleider, ein paar Abendschuhe mit' falschen Brillanten, ferner einen alten Hut und den Zimmerschlüssel zurückgelassen.„Aschenbrödel" hatte weder geklagt noch geweint. In wenigen sachlichen Worten hatte sie ihren Fall der Frau Direktor vorgetragen mit einem flämischen Akzent, der recht gut zu ihrem blassen Lämmchengesicht pahte. Weder der Frau Direktor, noch Brague. dem die Reglung des Falles übertragen wurde, ging die Sache besonders nahe. Das Mädel war eben achtzehn Jahre, das war ein Alter, in dem man sich allein zurechtfinden kann. „Achtzehn Jahre," brummte Jady, die Diseuse, neidig,„da braucht man sie doch wirklich nicht zu bedauern!" „Brague," sagte die Frau Direktor, die ein gutmütiges Wesen war,„was sagten Sie? Zwei Franken? Geben wir ihr drei Franken im Tag, damit sie sich ein wenig erhalten kann." Nun kam„Aschenbrödel" jeden Tag um ein Uhr inS Theater, setzte sich auf einen der Fauteuils in der ersten Reihe und wartete. Bei dem liebenswürdigen Rufe Bragues: „Schnell herauf, Gesindel!" ging sie langsam über das Brett, mit dem man den Orchesterraum überdacht hatte auf die Bühne und ließ sich an einem abgenützten alten Bartisch nieder. Im Lustspiel, das eben geprgbt wird, mußte sie in einem aufgefrischten rosa Kleidchen eine elegante Besucherin eines Montmartre-Nachtlokals mimen. Vom Zuschauerraum konnte man sie fast gar nicht be- merken, denn sie saß immer im Hintergrund der Bühne und wurde von ihren hübscheren Kolleginnen fast verdeckt. Vor ihr stand ein hohes leeres Glas mit einem Löffel, aus dem sie in vornehmtuender Weise ein köstliches imaginäres Ge- tränk schlürfte. Tie war das ruhigste Mitglied des Ensembles. Sie sprach nie während der Proben, beklagte sich nie über den kalten Lustzug, der die Beine zu Eiszapfen machte. Sie war weder besonders bemitleidenswert, noch machte sie einen unglücklichen oder traurigen Eindruck, sie war eben fast gar nicht da. Bald war„Aschenbrödel" völlig untergetaucht, niemand bemerkte sie und das schien ihr nur recht zu sein. ES war, als ob sie sich in diesem Bergessensein ausruhte, als ob die allgemeine Gleichgültigkeit sie von der Last des Daseins be- freien könnte. Im Vordergrund der Bühne plagte sich Brague nach Leibeskräften mit der Salondame ab. „Der Glückliche schwitzt," murmelte„Aschenbrödel", blaß vor Kälte unter der roten Schminke. Aber Brague schwitzte vergebens. Er verausgabte sich im Bemühen, dem Gänschen im schäbigen Pelz sein Feuer und seine Begeisterung einzuimpfen. Er forderte sogar, daß die frierenden hungernden Statistinnen glücklich und angeregt aussahen, wie die eleganten Besucherinnen der Luxuslokale. „Ich habe es euch doch schon tausendmal erklärt! Jetzt gehen die beiden Kerle aufeinander los. Macht denn das keinen Eindruck aus euch, wenn dicht vor euren.Augen zwei aufeinander losgehen.? Rührt euch doch, zum Teufel! Schreit„Ah!" als ob ihr wirklich in einer Bar säßt, in der eine Balgerei anhebt. Und rafft eure Kleider zusammen, so zum Beispiel...!" Nach einer Stunde der Anstrengung, des Schreiens und der Wut erholt und entschädigt sich Brague, indem er seine große Szene probt, die Szene, in der er den Brief seiner Mutter zu lesen hat. Freude, Erstaunen, Entsetzen^schließ- l'ich Verzweiflung malen sich auf seinem Gesicht. So stark ist seine Ausdrucksfähigkeit, so pathetisch sein Spiel, daß Wanba zu nähen aufhört. Miriam nicht mehr mit dem Fuß am dem Boden klopft, und die in einen grauen Wollschal gehüllte italienische Tänzerin aus der Kulisse tritt, um Brague weinen zu sehen. Dieser kleine Triumph, den er sich täglich aufs neue leistet, ist ihm immer wieder lieb. Doch jedesmal stört ein leises Geräusch, ein Glucksen, das wie ersticktes Lachen klingt, diesen ergreifenden Moment. Das feine Ohr Bragues hat es gleich am ersten Tage gehört. Am zweiten Tag schreit er: „Welche Ziege hat da gemeckert?" Es erfolgt keine Antwort. Den unbeweglichen Gesichtern der großen„Kokotten" ist nichts anzumerken. Am dritten Tage: „Zwei Franken Strafe wegen Störung der Probe! Ich weiß bereits, wer die nächsten zu zahlen haben wird!" In Wirklichkeit hatte er keine Ahnung. Endlich am vierten Tage brüllt er: „He, du Aschenbrödel"! Machst du dich über mich lustig? Da müht man sich ab und versucht, ein bißchen schlichte, wahre Schönheit, ein bißchen Tragik in sein Spiel zu legen, versucht, dieser kitschigen Pantomime ein bißchen Leben ein- zuhauchen! Und mit welchem Erfolg? Damit so ein Nie- mand, wie dieses„Aschenbrödel", sich vor Lachen krümmt!" Ein Stuhl fällt um, aus der Dunkelheit des Hintergrundes taucht blaß und zitternd das„Aschenbrödel" hervor und stottert: „Aber, Möns... Monsieur Brague... ich... lache doch nicht... ich weine!" lBerechtigte Uebersetzung aus dem Französischen von A. Huart.) Loch Keß-Angeheuer aus der Sähe Wie aus London gemeldet wird, ist der Kopf des Loch Neß- Ungeheuers einer genauen Prüfung unterzogen worden. Im Beisein von Mitgliedern des Zoologischen Gartens wurde folgendes festgestellt: Es handelt sich um einen Fisch und nichl unt' eine Amphibie, wie man es vermutete. Das Tier hat eine Länge von vier Metern, während der Durchmesser an der dicksten Ttelle seines Körpers vierzig Centimeter nicht übersteigt. Der Körper hat eine ovale Form und spitzt sich sehr gegen das Kopfende zu, was vermuten läßt, daß das Tier einen sehr langen Hals aufweist, wobei es sich aber nur um den Körper selbst handelt. Der Schwanz hat das Aus» sehen eines Steuerruders mit einem sehr langen vertikalen Teil. Gerade diese» Teil hat man öfters vom Ufer des Sees aus beobachten können und ihn für den Hals gehalten. Das ganze Tier wiegt ungefähr achtzig Kilogramm. Der Kops hat eine verlängerte Form, etwa wie der eines großen Hundes, unter der Kinnlade befindet sich aber eine lose Haut, die es dem Ungeheuer gestattet hat, kleine Fische zu verschlucken. Dieser riesige Fisch besitzt nur eine einzige kreuzförmige Mit- telgräte, die vom Kopf bis zum Schwanz geht. Das Tier bewegte sich durch Schwingungen vorwärts: es hatte keine Schwimmer oder Flossen, sondern ein bewegliches Rückgrat von ungefähr drei Meter Länge, das vom Kopf bis zur Hälfte des Körpers führte. Es hat auch keine Schuppen, son- der» eine vollkommen fette und glatte Haut.— Man hat dem Tier den Namen„Regalecus" oder.„König der Heringe" gegeben. Die Archive kennen aus der prähistorischen Zeit etwa fünfundzwanzig ähnliche Wasen. Eine„kalte" Leidenschaft Emanuel Petersen, der augenblicklich seine in Grönland gemalten Eislandschaften ausstellt, ist vor kurzer Zeit von seinem sechsjährigen Aufenthalt auS den Polarregionen zurückgekehrt. Dieser Maler, den die dänische Regierung in diese kalten Gegenden entsandt hatte, hatte gegen zahlreiche atmosphärische Schwierigkeiten anzukämpfen. Trotzdem die Temperatur dort zwischen 35 und 50 Grad unter Null schwankte, sind alle seine Bilder in der freien Natur ent» standen. Da das Oel, das er dazu benutzte, um seine Farben zu zerreiben, in der Kälte fror, mußte Petersen Farben be» nutzen, die eine Mischung von Alkohol und Benzin ent- hielten. Um überhaupt den Pinsel halten zu können, bediente er sich ganz dicker Handschuhe, die nur die Fingerspitzen in die kalte Luft hinaustreten ließen. Alle paar Minuten mußte er seine anstrengende Arbeit unterbrechen, da er befürchtete, sonst ganz zu erfrieren. Die heilige s>ch!ange der Philippinen Eine amerikanische Expedition ist auf den Philippinen Zeuge einer seltsamen Freundschaft geworden. Man traf ein Isjähriges Mädchen mit einer um den Körper gewundenen Phyton-Albino, einem weißen Exemplar der gefürchteten Riesenschlange. Die Philippinen betrachten diese Freund- schaft als ein Wunder und beten das Kind als Priesterin an. Tie Schlange soll an einem Tage mit dem Kinde geboren worden sein, und beide sind zusammen ausgewachsen. Es ist wirklich seltsam, daß die kleine, graziöse Philippinerin nicht von dem gewaltigen Tier, daS sich mit seinem Gewichte von über 100 Kilogramm um ihren Körper windet, erdrückt wird. Geburt im Royal s>cotch Expreß Der Royal Scotch Expreß, der zwischen London und GlaS- gow verkehrt, hielt plötzlich mitten in der Nacht kurz hinter Wigan an. Man hatte die Notbremse gezogen. Nachdem der Zug in aller Eile untersucht wurde, stellte man fest, daß die Alarmglocke von einer jungen Frau gezogen wurde, die in den ersten Wehen lag. Man beeilte sich, ihr die erste Hilfe zu geben und telefonierte zur nächsten Station, wo man einen Arzt und eine Hebamme zur Bahn bestellte. Als der Zug aber in Creme ankam, hatte die junge Reisende bereits einem hübschen kleinen Mädchen unter den günstigsten Um- ständen das Leben gegeben. Lachen nicht verlernen „Warum hast du meiner Freundin erzählt, daß du mich ge- heiratet hast, weil ich so gut kochen kann?" „Ich mußte mich ja irgendwie rechtfertigen/ »- Der Tischredner:„Meine Uhr ist stehengeblieben, wie lange habe ich denn gesprochen?" Der Gastgeber:„Im Vorzimmer hängt ein Kalender." * Der Autor:„Haben Sie die niederträchtige Kritik gelesen, die B. über mein letztes Buch geschrieben hat?" Der Freund:„Machen Sie sich nichts daraus. Der hat ja kein eigenes Urteil. Er sprich: nur nach, was alle Welt sagt." * Der Verteidiger vor dem Gerichtshof:„Was die Aussage der Zeugen betrifft, so kann man nicht genug davor warnen, sich unter allen Umständen auf sein Gedächtnis zu verlassen. Als ich zum Beispiel heute früh den Gerichtssaal betra». fi-Vue ich einen Eid schwören können, daß ich meine goldene Uhr bei m:r hatte. Und waS hat sich soeben gezeigt? Ich habe sie auf dem Nachtkästchen zu Hause liegengelassen' Als er am Abend nach Hanse kam, fragre ihn seine Frau, weshalb er denn um Himmels willen gleich vier Männer um die Uhr geschickt hatte. Sie hatte doch die Uhr selbstverstinblich dem ersten ausgefolgt. „Sie hat mir erzählt, daß du ihr das Geheimnis verrat"» hast, trotzdem ich dir ausdrücklich gesagt habe, daß du eS ihr nicht mitteilen sollst." „So ein gemeines Ding! Ich sagte ihr doch extra, daß sie es dir nicht verraten soll, daß ich es ihr erzählt habe." „Ach. dann sage ihr doch bitte nicht, daß ich dir mitge:eilt habe, daß sie es mir erzählt hat." Das Volksfest von Epsom England feiert fein Derby Wieder wälzt sich über Londons breite Ausfallstraßen eine unübersehbare Schlange von Privatwagen und roten Auto- bussen gegen Süden. Wieder haben sich die Grashügel von Epsom über Nacht in einen großartigen Rummelplatz ver- wandelt. Zwischen Schießbuden, Glücksrädern und dem Trehorgellärm der Karussells haben sich schon am frühen Vormittag Tausende von Familien häuslich niedergelassen. Sie beginnen bereits ihre Sandwich-Pakete auszupacken, denn der Tag wird lang werden, und man muß sich für seine Sensationen stärken. Ganze Tchulklassen haben auf den Äutobusdächern Posten gefaßt und lugen mit Feldstechern über den Rennplatz. Buchmacher schreien auf Holzkisten ihre letzten Kurse aus. Und auf einem abgesonderten Felde haben die Zigeuner ihre Zelte ausgeschlagen, die„gipsies", die es nie bei einem Derby versäumt haben, ihren ganzen Volksstamm an Ort und Stelle zu versammeln. Inmitten all dieses Trubels befindet sich die Rennbahn von Epsom. Auf ihrem langgestreckten U wirb heute Englands größtes Pferderennen ausgetragen. Ueber eine Mil- liarde ist an Wetten abgeschlossen worden. Die Briten sind ein spielwütiges Volk, und wo das Spiel sich dazu noch mit Sport verbindet, entfesselt es ihre stärksten Leidenschaften. So ist der Tag des Kampfes, den der Earl of Derby im Jahre 1780 zum ersten Male austragen ließ, allmählich zu einem Feiertag geworden. Die Geschichte der Derbys ist äußerst ereignisreich. Das Tors Epiom, gebettet in die sonnige Parklanbschast der Gras- schaft Surrey, war im Laufe des 17. Jahrhunderts zu einer Art Modebad geworden. Man hatte dort Heilquellen ent- deckt, deren Wasser von der vornehmen englischen Gesell- schalt teuer bezahlt wurden. Um den Gästen Zerstreuungen zu bieten, kam man darauf. Pferderennen zu veranstalten. Das erste Derby wurde von„Diomede" gewonnen und brachte seinem Besitzer 1075 Pfund Sterling. Die größte Sensation aber rief der Terbysieg von„Hermit" im Jahre 1875 hervor. Er kostete den Marquis von Hostings 100 000 Pfund. Dieser hatte nämlich auf sein Pferd„Vauban" ge- setzt, das von„Hermit" um Längen geschlagen wurde. In einem anderen Jahre siegte ein Pferd namens„Runny Reine". Da Zweifel an seinem Alter laut wurden— das Derby darf nur von einem Dreijährigen bestritten werden—, wurde eine Untersuchung eingeleitet. Wobei sich heraus- stellte, daß es sich in Wirklichkeit um einen vierjährigen Hengst namens„Macabäns" handelte, den man unter einem falschen Namen ins Feld geschickt hatte. Ein trauriger Zwischenfall ereignete sich im Jahre 1918. Damals sprang eine der zu jener Zeit sehr kampfwütigen Frauenrechtlerinnen auf die Rennbahn und warf sich vor das Pferd des Königs. Das Tier fiel: die Frau starb im Hospital und das Leben des Jockeys war lange in Gefahr. Die Könige haben bei diesen Rennen mit ihren Pferden nie viel Glück gehabt. Einmal gewann Eduard VII. im Jahre 1909 mit„Minoru". Mehr Chance hatten die indi- scheu Maharadschas, deren Pferde sich auch diesmal wieder an dem Rennen beteiligen. Drei von ihnen gehören Aga Khan. Der heißumstrittene Favorit des diesjährigen Rennens war„Colombo". Die Wetten auf ihn waren am Schlüsse 18:8. Auch aus den Tribünen ist eS inzwischen voll geworden. Den zahllosen Rolls-Royces sind die oberen Zehntausend entstiegen, deren Stellung in England immer noch so unbestritten scheint wie nirgendwo sonst. Die Herren kommen in grauem Gehrock und Zylinder, die Damen in den duf- tigsten Frühjahrstoiletten. Weiße Radhüte mit kleineren Blumen-Beeten beleben das Bild. Es könnte einer Mode- Zeitschrift aus dem Jahre 1911 entnommen sein. Trompetenklänge kündigen das Erscheinen des Königs- paares an. Das ganze Volk hat sich von seinen Plätzen erhoben, um dem Monarchen zuzujubeln. Man spürt ge- radezu den lebendigen Kontakt, der zwischen ihm und seinen Untertanen besteht, als er in seiner offenen Kutsche durch die Hochrufe der Menge fährt. Dieser Eindruck ist ein wahr- Saft einzigartiges Erlebnis in unserer verworrenen Zeit! Georg Herald. Die Eisbahn auf der Autostraße ES wurde in letzter Zeit von Automobilfahrern, die von Andorra aus über die Pyrenäen nach Spanien fuhren, dar- über Klage geführt, daß die Paßstraßen in einem völlig vereisten Zustande seien, trotzdem dies gar nicht der Witterungslage entspräche. In der Nähe dieser vereisten Strecken, die es den Autos unmöglich machten, aus eigener Kraft bergauf vorwärts zu kommen, fanden sich dann immer hilfreiche Hände, die die AutoS bergauf schoben und dafür reichen Pesctensegen einsteckten. Jetzt ist man dahinter gekommen, daß diese hilfreichen Hände vorher erst einmal die Straßen mit riesigen Mengen von Wasser Übergossen, das dann nachts fror und den Wagelagerern zu einem guten und sicheren Verdienst verHals. Die in Frage kommenden Behörden haben jetzt die Tätigkeit der Waffergießer durch schwere Strafandrohungen verboten. „Populaire" gegen„Kriegspsychose" Opposition gegen Luftschutz Paris,; Juni. Ter sozialistische«Populaire" protestiert gegen»II Liiitschutzübunaen. die die französische Regierung durchzuführen beabsichtigt, sowie gegen die bevorstehend« Einbringung eines Gesetzentuiartes über de» Luftschutz. Tie Regierung solle, so schreibt das Blatt, durch diese Massnahme «ine Kriegsplnckiose erzeugen. Ter geplante Gesetzentwurf sei vom Standpunkt dar Abivehr völlig wirkungslos, aber er gebe den Militär-»nd Polizeibehörden die handhabe, di« Bevölkerung zu schikanieren und sie zu lächerlichen tlcbungcn zu zwingen. Außerdem solle sie gezwnnge» iver- den, den Gasmaskensabrikanten ihr Tcherslein zu gebe». Ter Lustschntzentwnrf. der sogar Strafen vorsehe, sei eine Bc- cinträchligung der individuellen Freiheit. Seltsamerweise bringe der Innenminister seinen V'nstschuhgescventwnrs unmittelbar»ach dem Zage ein, an deni der französische Austen- minister BartKou in Genf die Eiiischliestuna zur Annahme gebracht habe, die das Luitboinbardepicnt der Zivil- bcnölkcrung verbiete. Tiefe Tatsache beweise, welche Bc- dcutung die französische» Minister dein Beschlust der Ab- rüstungSkonferenz beimessen. Das Blatt kündigt an, dast die Arbeiter es verstehen würde», sich dieser plvchvloaischcn Vorbereitung dcS Krieges zu widersetzen. ?ahlreldie cisendahnattenlale "Wilder Naziterror in Oesterreich Wie«, 10. Juni. In den Abendstunden de» Sonntag liefen zahlreiche Meldungen über Attentate«in. Ueberall wurde» mehr oder weniger graste Eisenbahnanschläge aus» geführt. Am Sonntagnachmittag trat der Ministerrat zu einer austerordentlichen Sitzung zusammen, in der beschlossen wurde, in jedex Gemeinde eine freiwillige Qrtowehr mit weitgehenden Befugnissen zu bilden, die Belohnungen für zur Aufdeckung von Verbrechen führende,, Anzeigen zn er- höhen und die Todesstrafe auch aus Attentatsoerbrecher an- zuwenden. Ferner wurde ein verstärkter Bahnsicherungs, dienst eingerichtet, an dem auch Wachpatrouillen des Bundes» Heeres mitwirken. Keine Privafarmeen Verbot bewaffneter Parteikorps in Schweden Tie sozialdemokratische Regierung Schwedens hat endlich das Verbot von Parteiarmeen in Schweden durchgesetzt. Tos Gesetz über das Verbot von Bereinigungen und Oraa- nisationcn, deren Zweck es ist, als Bertcidignngskorps für eine politische Partei oder ähnliche Körperschaften zu dienen oder die Aufgaben militärischer Gruppen oder von Polizei- organcn zu Übernehmen, ist in Kraft getreten. Ta» Berbot trifft nicht von der Regierung organisierte Bereinigungen, deren Zweck die Unterstützung der Landesverteidigung oder der Polizei ist. Tie Konservativen lehnten das Gesetz mit Rücksicht aus ihr« faschistischen Freunde ab und verlangte», dast KorpS, deren Bildung aus gcscllichastlichc Motive zurückgebe, ge- stattet sein sollte». Solche Korps müsttcn. sagten die konser- vative» Redner, von bewaffneten Organisationen unter- schieden werde», deren Ziveck die Zerstörung oder Aenderu»g der Gesellschaftsordnung durch Gewalt sei. Ihre Opposition bliest aber erfolglos. Ta» Gesetz wurde am 8ii. Mai in bei- den Hänsern des Parlaments angenommen. Polfflsdie uniformen In Großbritannien In Beantwortung einer Antrage über die Haltung'6er Regierung in der Frage politischer Uniformen sagte der englische Innenminister ani 30. Mai im Unterhaus: Tie Regierung hat die Frage eingehend geprüft, ob es im offcnl- lichen Interesse nötig sei, Gesetze zu beantragen, die gc- wisse neue unb unerwünschte Borgänge bei volitlschen Orga- nisationcn zum Gegenstand hätten: die Regierung wird gegebenenfalls nicht zögern, dem Parlament jene Borschlägc zu unterbreiten, die ihr notwendig erscheinen, um Betäti, gungen entgegenzutreten, die eine Gefahr für die öfsent» lichc Ruhe und Sicherheit darstellen, und das Gesetz über den Schutz der öffentlichen Ordnung zu verschärfen. Tie Regierung überwacht die Ereignisse aufs genaueste. Mand und die Kleine Cnlenle Die diplomatischen oeilehungen auiaenommen- Jugoslawien zvzerl noß Tschechoslowakei Prag, 8. Juni. Amtlich wird mitgeteilt: Ter BolkSkom- missar. Liiwrnow und der Minister des Auswärtige» Tr. Benesch haben am 9. Juni in Genf gleschlautende Schrift- stücke ausgetauscht, durch die die normalen Beziehungen zwischen der tschechoslowakischen Republik und der Union der sozialistische» Sowjetrepubliken hergestellt werden. Jugoslawien Rumänien Auch der rumänische Austenminister TituleScu hat mit Litwinow Schriftstücke gleichlautenden Inhalts ausgetauscht, durch die die diplomatischen Beziehungen auch zwischen Toivsetrusttand und Rumänien ausgenommen iverden. Tie südslawische Regierung wird sich über ihr Vorgehen erst cnt- scheiden, wenn Außenminister Iestschitsch nach seiner Rücktebr von seiner Reise nach Paris, die er am heutige» Samstag zu unternehmen gedenkt, zurück sein wird. Ter Austausch der erwähnten Schriftstücke erfolgte nach mehrtägigen VerHand- lungcn aller Mitglieder des ständigen Rate» der Kleinen Entente mit Litwinow»ach einmütigem Bcschlub des stän- dtgcn Rates und auf Grund der Entscheidungen der zu- ständigen Regierungen. Belgrad, l0. Juni. Ueber die Gründe, die Südslaivicn davon abgehalten haben, sich der Anerkennung der Sowjet- union anzuschiiesten, ist»och nichts bekannt. Tarübcr, ob Jugoslawien sich dem Schritt seiner Ententefrennde später noch anschließen wird, gehen die Meinungen in den Belgrader politische» Kreisen auseinander. Einig mll Frankreich DNA. Bukarest, 9. Juni. Tie Konferenz der Kleinen Entente, an der bezeichnenderweise auch Barths» teilnehmen wird, ist soeben ssir die Zeit vom<8. bis Sil. Juni in Bukarest festgesetzt worden. Bartho» selbst wird am AI. i ,z Bukarest eintreffe,,, so dast er Gelegenheit hat. mit allen drei Austen- minister» zu verhandeln. Tas Ergebnis der Konferenz wird wahrscheinlich eine neue Solidaritätscrtlärung der«leine» Entente für Frankreich sein. Ueber die einzelnen Fragen, die zur Aussprache stehen, verlautet noch nichts. Wahrscheln- lich wird jedoch die rnssisch-iranzösische Annäherung die Frage der A nerkennung S o iv j c t r u st l a n d s durch die Kleine Entente in de» Vordergrund trete» lasse». Tie ein- zigc Schwierigkeit dabei bietet die bessarabische Frage. Nu- mänie» wird alles versuchen, um für die Anerkennung Sowjetrustlands dessen endgültigen Verzicht auf Bcssarabien einzutauschen. Interessant ist in diesem Zusammenhang noch, dast Bar- I h o u von Mgcdonaldz» einer Besprechung über die Erneuerung der»Entente cordiale" tingeladen wurde. Nazis und Marxisten UnversGltfiltcite Gegensätze Der Fuhrer des oberösterreichischen Republikanischen Schutzbundes und sozialdemokratische Landessekreta: Richard B e r n a s e k. mit dessen Verhaftung am 10. Februar die Kämpfe in Oesterreich begonnen haben, ist be- kanntlich zu Osiern in Begleitung vier anoerer Gesänge- nen und eines nationalsozialistischen Justiz,vächbeamten aus dem Llnzer Landesgericht geflächte t. Diese Flucht hat großes Aufsehen erregt. Es gelang den Flllcht'ingen. über die deutsche Grenz'' zu härmen B"- uaseli blieb zunächst in M ü n ch e n. Dies gab zu allerlei Gerüchten Anlaß, oak er sich zum Nationa>>-Iim.si»us c-t- kehrt habe. Er selbst ist vom Anfang an solchen Deu< tungen energisch entgegengetreten,«o berichtete der „Völkische Beobachter" vom 13. April in einem ausführ- lichen Artikel über die Darstellung Bernaseks: ..Bernasek. der sich auch heute noch in a n e r k e n> n e n s iv e r t e m Freimut zur Sozialdemokratie bekennt, entwickelte unserem Mitarbeiter >n großen Zügen die aktive Kampftaklrk der SPL>...■ Bernasek anerkennt freimütig, oaß er aus einen derart loyalen Empfang nicht gerechnet hatte. Obwohl er bei den verschiedenen Amtsstellen immer wieder betonte, daß er seine Gesinnung nicht gewechselt, mußten er und seine Kameraden immer wieder feststem«!, daß auch nicht der leiseste Versuch unternommen wurde, irgend einen Druck auf sie auszuüben, um ihre politischen Ansichten zu ändern. Auch bei ihrer Ankunft in München stellte man an sie nicht das Ansinnen, der NSDAP, beizutreten, sondern ließ ihnen völlige Bewegungsfreiheit" Nunmehr hat Richard Bernasek Deutschland am 3 0 M a i v e r l a s s e n.. Ein Berichterstatter des OND. Halle Gelegenheit, mit Bernasek ausführlich zu sprechen. Beriwsek erklärt folgendes: „Während meines achtwöchentlichen Aufenthaltes in München haben die Nationalsozialisten mich persönlich stets außerordentlich anständig behandelt. Ich zweifle nicht, daß sie hofften, mich nach einem längeren Aufenthalt in Deutschland für die Nationalsozialistische Partei gewin- nen zu ovnnen. Ich habe die Gelegenheit benützt, um das Dritte Reich von innen anzusehen, was sonst einem aus- tändischen Marxisten nicht so leicht möglich ist. Ich hatte im Anfang auch die Hoffnung, daß der gemeinsame Haß der Sozialisten und Nationalsozialisten gegen das Dollfuß- Regime unbeschadet der tiefen Gegensätze der beiden Par- teien zu einer gemeinsamen Aktion ausgenützt werden könnte, die den Klerikofasch'smus in Oesterreich aus dem Sattel hebt. Ich habe in den ausführlichen Aufzeichnungen meiner Erlebnisse und Ansichten, die ich während meines Münchener Aufenthaltes niederschrieb, mich noch stark von dieser Hoffnung leiten lassen. Obwohl ich nicht einen Augenblick daran dachte, meine proletarisch-marxistische Ueberzeugung aufzugeben, hoffte ich, den Kampf, den das Dritte Reich aus ganz anderen Gründen gegen das Doli- fuh-Regime führt, im Interesse der österreichischen Ar» beiterschaft ausnützen zu können. Ich habe mich aber im letzten Abschnitt meines Aufenthaltes in München davon überzeugen- müssen, daß d i e an t i m a r x i st i s ch e E i n- st e l l u n g d e r N a t i o n a l s o z i a I i st e n sogar ein rein taktisches Zusammenwirken in Oesterreich zum Sturz des Dollsuß-Re- gimesau»schließ t. Die Nationalsozialisten haben das Versprechen, das sie mir beim Eintritt in Deutschland gegeben haben, daß ich jederzeit, wohin ich immer will, ausreisen dürfe, voll ein- gehalten. Ich konnte Deutschland ungehindert verlassen. Als ich mich bei der Landesleitung Oesterreich der NSDAP, verabschiedete, erklärten wir einander in aller Offenheit, daß wir als scharfe politische Gegner scheiden. Ich habe Deutschland als M a r x i st betreten und n I s M a r x i st verlassen und bin überzeugt, daß die österreichische Arbeiterklasse die Dollfuh-Diktatur nur aus eigener Kraft stürzen kann." Abonnier! die„Dentsdie f reihen Kleiner Streldier• was nun? Bon F. K. Tic„Stürmer"-Schweinevei geht— trotz Zweckvcrbots der Riluaimord-Sondernummer w- weiter. Allwöchentlich schüttet dieses widerliche Truckpapier erneut seinen llnrai über fünfzehn Millionen jüdische Menschen aus. Auch die vsrlvgene Riinalmordbcye acht weiter. Andere Blätter— der.Friderlciis". öie»Wahrheit" und tlast but not legst! der„Angriff" de» Herr» Goebbels— bähen sie übernommen. Und auch im Ausland— in Polen, in Rumänien, In Holland ~ haben sich verlumpte Kreaturen gefunden, die diese Greuel eines irrsinnigen mittelfräiikifchen Obcrlehrergehirns wei« terverbreiten. Aber etwas ist dvch geschehen. In Polen— in einem Lande, das dem braune» Klüngel»och bis vor ganz kurzer Zeit als Inbegriff östlicher Rückständigkeit galt— Ist der Juden- Hetze ein scharfes Halt geboten ivorden. In Kattowitz war das. Ter Herausgeber des polnischen Antiseinitenblattes„Blyskawica", Eduard Chowanski. ver- breitete dort die Streicherei in polnischer Frisiernng. Er stürzte sich nicht— wie der Streicher— ani Theodor Fritsch, sondern aus die„Werke" des polnischen antisemitischen Schrift- stellers Rlemojewskl. Aber er verschwieg wohlweislich, daß beide ihrx Weisheit aus den gleichen trüben Quellen geschöpft bade». Tie Israelitische Gemeinde in Kattowitz ließ sich die Ri> tualmorü-BeschuIdigung nicht gefallen, sondern erhob Klage. Und das polnische Kreisgcrichi tat daraufhin etwas, was ein hitlerbeutsches Gericht unter gar keinen Umständen ge- tan hätte— es lud drel Sachverständige vor, zwei jüdische Rabbiner und einen angesehenen katholischen Universitäts- profcssor, um die Legenden vom Ritualmord mal gründlich unter die kritische Lupe zu nehmen. Der katholische Sachverständige war der Geschichtsforscher und Tekan der Iagiellouischcii Universität zu Krakau. Pro- scssor Tr. Archuiowski. Er verwarf die These von der Möglichkeit des Bestehens des Ritualmordes und bezeichnete sie als mittelalterlich« Schauermärchen.«Selbst die mittelalterlichen Urteile wegen solcher Morde," sagte er in seinem Gutachten„sonne die bestehenden Protokolle, in denen solche Morde eingestanden wurden, können niemanden überzeugen, dg die Ünterstichunflsmethoden des Mittelalters, in dem die Angeklagten schrecklichsten Torturen ausgesetzt wurden, zur Genüge bekannt sind". Und der Kattowitzcr Rabbiner C h a»i c I d c S verlas— nachdem sich der Warschauer Professor Tr. Scharr ani die Feststellung beschränkt hatte, dast im Talmud an keiner einzigen Stelle über Riinalmorde gesprochen wird— ein Dekret des Polenkönigs Sie i an Bat Horn aus dem Jahre 1572, in dem der König unter Androhung der Todesstrafe die Verbreitung des Gerüchts über die Ver. wcndnng christlichen Blutes zu jüdische» Riinalzweckcn unlersagte. da die wissenschaftlichen Forschungen die völlige Unlialtbarkeit und Gegenstandslosigkctt dieses Gerüchts er- geben hatten. Immerhin, daS sind alles Dinge, die wir längst wisscm Interessant ist sedoch der Hinweis deS katholischen Tach- verständigen aus d>'n Ursprung des Ritualmord-Schwin- dels.«Wenn die Kinder abends nicht von der Gasse nach Hause kommen wollten, dann drohten ihnen die Mütter mit Moses Freudenstein, dem Handelsjuden mit dem langen Bart. Wilhelm Raabc erzählt das, mclaiicholisch-heitcr. ln seinem«Hungcrpastur". Moses Frcudcnstein mache ans den nnarttge« kleinen Jungen Würste, und als Wursthaut be- nutze er ihre Ttrümpie. In den Kinos des„dritten Reiches" läutt gegenwärtig ein Film, dem die amtliche Zensur das Lob„besonders wertvoll" erteilt hat. Es ist der„Schimmel- relter", nach der Novelle von Theodor Storni. Wer die Beschreibung des Films in der deutschen Presse gelesen bat, erinnert sich der Szene, in der der Teichgras Hauke Haien einen kleinen Hund davor rettet, von den friesischen Teich- dauern lebendig in die Erde eingegraben zu werden. Warum wollten die friesischen Männer das? Slorm erzählt das so: „Da trat von einem Fuhrwerk ei» stiernackiger Kerl vor ihn hin.„Ick tat es nicht, Deichgras," sagte er»nd bist von einer Rolle Kautabak ein Endchen ab, das er sich erst ruhig in den Mund schob,„aber der es tat, hat recht getan: soll euer Teich sich halten, so muß was Lebendiges hinein".— „Was Lebendiges? Au» welchem Katechismus hast du da» gelernt?"—«Aus keinem. Herr," entgegnete der Kerl, und aus seiner Kehle stiest ein freches Lachen,„das haben unsere Großväter schon gewustt, die sich mit Euch im Christentum wohl messen dursten. Ei» Kind ist besser noch: wenn das nicht da ist. tiiis nwhl auch ein Hund." Tas Eingraben eines lebendigen Kindes schien also diesen Frlesenbaucrn eine nützliche Sache und mit dem Christentum nwhl vereinbar Z» sein. Stör», hat die Szene als solche wahrscheinlich cr> fünfte»; ihre» Inhalt aber nahm er aus dem Glauben und den Bräuche» seiner schlcswigsche» Heimat. Blut galt in Teutschland wie anderswo immer als ganz besonderer Sait, und die Chroniken des Mittelalters aller Länder wimmeln ov» Berichte» über Kinder, die man zur bessere» Haltbarkeit des Bauwerks lebendig eingemauert habe. Tie Stadt Magdeburg soll angeblich ihre» Ramen davon haben." Tas saat der katholische polnische Professor in seinem Gut. achten. Und er fügt dann noch über die besondere Auslassung der Juden über diese Anaeleaenbcit hinzu:«Ter jüdische Ritualmord ist eine böswillige Erfindung. Tatsache ist viel« mehr, dast es bei Ieremia, dem Propheten des alten Bundes, in Kapitel 82, Vers 85, von abtrünnigen, zum Heidentum übergegangenen Inden heistt:«Dazu haben sie die Höhen des Baal gebaut im Tal Ben Hinnom. dast sie ihre Söhne und Töchter dem Moloch verbrennten, davon ich ihnen nichts besohlen habe, und ist mir nie In d'n Sinn gekommen, dast sie solchen Greuel tun sollten, damit sie Inda also zn Sün« den brächten." Ter polnische Nazi-Redaklenr hat auf diese gründlichen, von profundester Geschichtskenntnis zeugenden Gutachten hl» neun Monate Gefängnis bekommen, und auch die Vcrbrci- tung des«Stürmer" ist schon seit längerer Zeit in Polen ver- böte» worden. Aber die Streicherei in Hitler-Teutschland wirb trotzdem munter weitergehen. Erstens bat sie niit Wiisenschattlichtelt nicht» zu tu». Und zweitens ist der ge- samten reichsdeutschen Presse die Veröffentlichung des«nlto- witzer Urteils durch besondere Anweisung des Reichsmini- sterium» für„Volksanfklärung" und Propaganda bei Stiwse verböte» worden. Zerstörte legenden Zur Mstorisdien Klärung Gin alter Sozialdemokrat schreibt uns aus Berlin? Wenn man den Fachgelehrten glauben darf, dann kennen wir Vielerlei aus grauer Vorzeit jetzt ganz genau. Die ollen ehrlichen Griechen und Römer stehen jetzt so- zusagen ebenso splitternackt vor uns, wie Wilhelm der Zwote, den sein langjähriger Kammerherr Freiherr von Zedlitz-Trutzschler vor den Augen aller Welt bis auf die Unterhosen ausgezogen hat. Wir kennen jetzt auch den alten Fritzen, den sogenannten größten Preutzenkönig, der die Engländer, Franzosen, Russen, Dänen und Türken gegen den deutschen Kaiser aufzuputschen allezeit eifrig bemüht gewesen ist und über den deutschen Rhein Aeuße- rungen getan hat, die ihm jetzt höchstwahrscheinlich viel- jährige Zuchthausstrafe eintragen würden, wie die ent- sprechenden Eigenschaften Bismarcks. Was dieser über Danzig und Polen gesagt hat, möge ihm Hitler verzeihen, der den Pakt mit den Polen gemacht hat, wir können es nicht. Wenn wir also sogar über die graue Vorzeit sehr gut in- formiert sind, so scheinen die letzten zwanzig Jahre der deutschen Geschichte für viele Zeitgenossen noch voll- kommen unerforschter Dschungel zu sein. Ein bestimmter Anlaß verpflichtete uns, mancherlei Dokumente und Bücher einzusehen, die zwar jedermann zugänglich sind, wahrscheinlich aber nur ganz ausnahms- weise eingesehen werden. Es ist freilich auch bequemer, wenn der eine den Unsinn oder die Irrtümer des anderen nachschreibt oder nachredet. Ein Zufall wollte es, daß wir zur selben Zeit, in der wir unseren Spezialstudien nach- gingen, Kenntnis erhielten von Bestrebungen, die wir zwar für unsinnig und schädlich halten, trotzdem in der jetzigen Zeit begreiflich finden. Wir glauben jedoch, mancherlei Irrtümer— wir. nehmen nur solche an und unterstellen keineswegs Schlimmeres— zerstören zu können, wenn wir auf Grund unserer Quellenstudien einige handfeste Tatsachen feststellen. Also: Man hört neben sehr vielen anderen Behaup- tungen auch die,' „daß die deutsche Sozialdemokratie, 1918 die einzig intakle Organisation, die staatliche Macht, mit dieser aber auch den ganzen alten Staatsapparat unverändert übernommen, damit einen schweren historischen Fehler begangen und außerdem nichts sozialisiert habe". Das sind zwei schwere Vorwürfe gegen die SPD. Prüfen wir sie. Wer es nicht miterlebt hat, der kann in vielen Dokumenten, die über die damalige Zeit vorliegen, nach- lesen, wie es wirklich gewesen ist. Der übernommene Staat war bankrott, war vollkommen ausgeblutet: die übernommene Staatsmacht war in Wirklichkeit eine vollkommene Ohnmacht. Eine intakte SPD. gab es nicht mehr, seitdem die Partei schon im Kriege eine tiefgehende Spaltung erlitten hatte. Am 9. resp. 19. und 11. November 1918 übernahmen je drei Mitglieder der SPDeu n d USP-. die bis zur letzten Minute vor Uebernahme der Staats- macht im Streitgelegen hatten, die Regierung g e- m e i n s a m. Schon nach sechs Wochen schieden die Mit- glieder der USP. aus der Regierung wieder aus und gingen in die Opposition. Wie kann angesichts solcher un- erschütterlicher Tatsachen ernsthaft von einer intakten Sozialdemokratie gesprochen werden? Ueber den„historischen Fehler" und die„Versäumnis der Sozialisierung" klären vielleicht am besten die nach- folgend geschilderten Tatsachen auf. die teils aus den Protokollen der Volksbeauftragten, teils aus der umfang- reichen Aktensammlung des Auswärtigen Amtes zu er- sehen sind. Am 18 November 1918 fand eine Sitzung der Volks-Beauftragten statt, also am siebenten Tage nach der Regierungsbildung: Der unabhängige Volksbeauftragte H a a s e erstattete einen ausführlichen Bericht: „Alle Mitteilungen der auswärtigen Vertreter Deutsch- lands gehen dahin, daß die Entente bereit ist, Deutschland unter der gegenwärtigen Regierung ldas waren außer den sechs Volksbcaustragtcn die alten Fachmiuister, Staats- sekretäre usw. usw. D. V> entgegenkommende Friedens- bedingungen und Lebensmittellieierungen zu gewähren, aber nur solange, als kein Voschewismus in Deutsch- land aufkomme. Es sei deshalb notwendig, sich gegen die russische Propaganda zu wenden." Das Ende des Haaseschen Berichts war sein Vorschlag, sofort ein Protest-Telegramm abzusenden, durch das die Regierung sich jede Einmischung der russischen Regierungs- Funksprüche entschieden oerbittet.(Die russische Regie- rung verlangte täglich durch Funksprüche die Bolschewi- fierung Deutschlands unter Führung von Karl Liebknecht.) Die Einmischungen Rußlands, so fügte Haase hinzu, be- deuteten eine schwere Schädigung des deutschen Volkes. In dem einstimmig beschlossenen Telegramm wurde aus- drücklich Bezug genommen auf die Zustimmung des Voll- zugsrats der Arbeiter- und Soldatenräte, in dem der sehr radikale Unabhängige Georg Ledebour eine große Rolle spielte. Das umfangreiche Telegramm ist als offizielle Note in der großen Aktensammlung des Auswärtigen Amts veröffentlicht worden, es trägt die Unterschriften des Unabhängigen Karl Kautsky und des ehemaligen Kaiser- lichen Staatssekretärs Dr. Solf. Die Genossen Haase und Kautsky, beide hervorragende Sozialisten und in der sozialistischen Internationale sehr angesehene Männer, in ihrer ehrlichen Ueberzeugung abso- lut unangefochtene Charaktere, gehörten der Regierung als Mitglieder der USP. an: sie repräsentierten, wie man besonders jetzt wieder zu sagen pflegt, den radikalen Flügel der Sozialdemokratischen Partei. Ihr Verleiten in der soeben geschilderten Sitzung der Volksbeauftragten wird noch verständlicher, wenn man über die damaligen Vorgänge in Deutschland auch den Führer der Österreich!- schen Sozialdemokratie, Otto Bauer, hört. Bauer sagte vor einigen Monaten im Wiener„Kampf", daß im Weltkrieg die bürgerliche Demokratie Englands. Frank- reichs und Amerikas gesiegt habe, ihrem Drucke habe die sozialdemokratische Regierung, die das Erbe des Kaiserreichs übernommen hatte, sich beugen müssen: , Die Diktatur der Arbeiterklasse hätte den Einmarsch der fremden Armeen und Zertrümmerung des Reichs be- deutet. Die Sozialdemokratie wagte es nicht, Kohle und Stahl zu sozialisieren, weil sie der französische Jmperialis- mus dann zu Reparationszwecken wegnehmen konnte... Trotzdem behauptete sich die Republik bis 1929 die Weltkrise des Kapitalismus kam... So erschien die SPD. breiten Massen als verantwortlich für das Elend, das der l, rue de Rlvol.— Metro: Choieie RADIKALE HEILUNG von BLUT., HAUT, und FRAUENKRANKHEITEN Heilung von Krampfadern und offenen Beinwanden Neueste Behandlungsmethoden Elektro zität lmptungsvertahren Trypafle vine» Einspritzungen Blut» und Harn.Untersuchungen, Sper» maKuiiur. Salvarsan Wismut usw. Sprechstunden täglich von 10-12 und von 4—8 Uhr Sonntags von 9—12 Uhr Konsultationen von 25 Fr. ab. Man sprich» deutsch Doktor Wachtel und Doktor Axel GMchlKhtskraiikheii.ii, Männer and Franca Nase, Hals, Ohren 123, Bd. Sebastopol.— Sprechstunden v. 9—12 u. 2—8 Uhr, Sonntags vormittags Metro Reaumur, St. Denis. Tel. 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Der Unab- hängige Haase machte schon nach einer Woche gemeinsamer Regierungstätigkeit darauf aufmerksam, daß Aenderungen in der Zusammensetzung der Regierung die Lebensmittel- not vergrößern und die Entente zllm Einmarsch veran- lassen werde. Er schlug deshalb das skizzierte Protest- telegramm an die russische Regierung vor. Kautsky. der dem Auswärtigen Amt als Regierungskommissar beige- geben war, unterzeichnete das Telegramm. Zur Ergänzung der Darlegungen Otto Bauers sei hin- zugefügt, daß die Volksbeauftragten der beiden sozia- listischen Parteien sofort nach ihrem Zusammenbruch eine Sozialisierungskommission gebildet hatten, die untersuchen sollte, was unter den gegebenen Verhält- nifsen sozialisiert werden könne. Otto Bauers Schilde- rung deckt sich vollkommen mit dem, was die Sozialisierungskommission, der als die bedeutendsten Mit- glieder Karl Kautsky und Dr. Hilferding ange- hörten, damals berichtet hat. Mancherlei Schiefheiten neuzeitlicher Behauptungen dürften damit wieder geradegerückt worden fein. Es hat sich allezeit in der ereignisreichen Geschichte der SPD. ge- zeigt, daß es nicht so sehr darauf angekommen ist, ob ein Mitglied mehr oder weniger radikal gewesen ist: es kam vielmehr immer darauf an, daß im richtigen Augenblick der richtige Mann, ob radikal oder reformistisch, das Richtige getan hat. Es liegt uns durchaus fern, etwa „feststellen" zu wollen, daß der„richtige Mann" im richtigen Augenblick immer das Richtige getan hat, denn darüber liegen zur Zeit Dokumente irgendwelcher Art nicht vor und die richtigen Männer schweigen sich leider aus. Aber das glauben wir zum Schluß feststellen zu dürfen: die Republik ist nicht zugrunde gegangen, weil 1918 eine intakte SPD. nicht bestand, oder weil in dem erwähnten Telegramm gegen die russischen Bolschewisie- rungsversuche protestiert worden ist. Die Republik ist zugrunde gegangen, abgesehen von den objektiven Ur- fachen, die Bauer geschildert, weil alle Koalitions- regierungen nach der Annahme des Versailler Diktats und nach Verabschiedung der Verfassung versagt haben. Nicht eine dieser Regierungen hat zur Er- ziehung der ehemals kaiserlichen Untertanen zu Repu- blikanern etwas getan, keine hat zum Schutze der Repu- blick getay, was unter allen Umständen hätte geschehen müssen. Es wäre trotzdem sinnlos, auf die Koalitionsregierungen jetzt schimpfen zu wollen, denn sie waren auch nur das Produkt der Uneinigkeit unter den Arbeitern. Daraus sollten die notwendigen Lehren gezogen werden. Wödientllung zum Antisemitismus bekannte, und der holländischen Mussert-Bewegung, sür die wohl taktische, Rück- sichten maßgebend sind. Erwarte, werden bis jetzt nur die be- deutungslose Union of British Faschist!, die dänischen National- sozialisten(Richtung Clausen-Baurup», polnische Gruppen und die rumänischen Eisernen Garden. Ter Kongreß, dem Streicher per- sönlich präsidieren wird, soll einheitliche Richtlinien zur Bekamp- sung des Judentums in allen Ländern aufstellen. Die Reichs- regierung ist an der Veranstaltung des Kongresses nicht beteiligt. Man nimmt an, daß Streichir sich der Zustimmung der maß. gebenden Berliner Kreis« zu seinem Unternehmen versichert hat: „Natlonal-Zeituug", Essen. Ihr als nationalsozialistisches Partei- blatt berichtet über die Reichstheaterwoche in Dresden, an der Euer groger Führer Hitler, Goebbels und andere Geister des neuen Teutschland teilgenommen haben:„Eine an Ereignissen ungemein reich« Woche, deren erhebende, erschütternde und aufrüttelnde Ein- drücke sehr lange nachwirken werden, ist zu Ende! Als nach der Aufführung der„Meistersinger" um mitternächtiger Stunde Generalintendant Dr. Adolph mit wenigen Worten die erste Reichstheaterfestwoche schloß und ein Siegheil auf den Führer ausbrachte, in da» die Fcstspielgemeinde begeistert ein- stimmte und im Ueberschwang der Dankbarkeit die beiden National- hlimnen erklangen, wußte man, jeder in diesem Hause sühlt sich aufs reichste beschränk t". Endlich ein Wort der Selbsterkenntnis! „Selbstporträt". Sie übersenden uns zwei Notizen au» der Tagespreg«: 1. Am IS. Mai:„Der frühere Gauleiter der NSDAP, für Oesterreich, F r a u e n s e l d, der seit Januar in Wiillersdorf interniert war und sich zuletzt in einem Wiener Krankenhaus befand, wurde gegen Abgabe einer Erklärung, keinen Flucht- versuch zu unternehmen, auf freien Fuß gesetzt." 2. Am 23. Mai:„Der ehemalige nationalsozialistische Gauleiter von Wien, Alfred E. Frauenseld, der vor kurzem aus der Haft entlassen wurde, ist gestern a»S Oesterreich geflüchtet. Wir wundern un» nicht über den Wortbruch Frauenfelds, sondern nur über die Esel, die an daS Ehrenwort eines Naziführer» glauben. Junger Katholik. In einem Brief eines jungen Freundes au» dem Reiche an Sie wird u. a. erzählt:„Neulich marschierten wir mit unserem jungen Herrn Kaplan nach einem Ausflug zurück durch die Stutzt zum Bereinshau». Wir hatten einen Wimpel mit. woran zu ersehen war. daß wir eine katholische Jugendgruppe sind. An einer Ecke standen einige Hitler-SA. Tie riefen höhnisch: „Guck mal, die leben auch noch." Da drehte sich unser Kaplan her- um und rief rasch:„Bestimmt eine Stunde länger als Sie..." Da haben wir aber alle laut gelacht, und die Hitler machten ganz dumme Gesichter..." L.». C. Aus einem Briefe an Sie:„Hier geht da» Gerücht, die Regierung wolle ein Preisausschreiben zum Kampfe gegen die Miesmacher, Kritikaster und Nörgler erlassen. Es soll die Frage beantwortet werden: Was hat das deutsch« Volk an seiner Re- gierung auszusetzen? l. Preis: IS Jahr« Zuchthaus, 2. Prei»: 10 Jahre Gefängnis, 8. Preis: 5 Jahre Konzentrationslager. Außerdem SO Trostpreise mit insgesamt 100 Jahren Zuchthaus und Gefängnis." W. 808. Ihnen ist die„A. I. Z." vom 10. Mai 1038 auf die Nerven gefallen, weil sie ungeheuerlich übertriebene Berichte über die Beteiligung an den Maifeiern in Polen gebracht hat. In Ihrer Stadt von ZOO 000 Einwohnern hätten hoch gerechnet 1000 Personen an der Maidemonstration teilgenommen. Auch in anderen Städten Polens seien die Umzüge nicht überwältigend gewesen. — Wir sind mit Ihnen der Meinung, daß es schädlich ist, eine Macht vorzutäuschen, die man nicht hat. „Luftschutz". Für Ihre Mitteilung, daß in Ihrer Stadt Schutz- leute und andere Amtspersonen die Aufnahmescheine für. den Luft- schütz herumtragen, sind wir Ihnen dankbar. Auf den Scheinen steht:„Wer sich ausschließt, begeht Landesverrat." Infolgedessen, so schreiben Sie, zahlt auch mancher Erwerbslose den Jahres- beitrug von 1,— Mark. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P I tz In Dud- weiler. iüi Inserate Otto Kuhn in Saarbrücken Rotationsdruck und Verlag: Verlag»er Bolkssnmme GmbH„ Saarbrücken 8» Schützenstraße ö.— Schließfach 776 Saarbrücken.