Sinzigs unabhängige Tageszeitung ventfchlands I^r. 134— 2. Jahrgang Saarbrücken, Donnerstag, den 14. Juni 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Aus dem Inhalt Die Jiaii^zutcatiansiaqec JCamna und.!Bt in der SA. Schon seit Monaten ist ein Streifendienst der Obersten SA-Führung gegen die SA.-Leute einge- richtet. Dieser Dienst soll einschreiten bei„Trunkenheit, Lärmen nnd staatsfeindlichen Acußernngen". Das SA.-Feldjägerkorps bezeichnet man allgemein als „weiße S A." und manche SA.-Leute verbinden damit die Vorstellung von„weißen Truppen" gegen die nationalsoziali st ischen Revolutionäre, für die sie sich selber halten. Daß Göring, der vor einigen Tagen in der Alexanderkaserne zu Berlin eine Ansprache an seine „weiße SA." gehalten hat, sich für diese Truppe besonders interessiert, erhöht das Mißtrauen, denn Göring gilt als der kapitalistische Exponent in der NSDAP. Aeltere National- svzialisten erinnern sich auch daran, daß Wilhelm II. in einer seiner scharfmacherischen Ansprachen gegen die Arbeiter gerade die Alexander-Grenadiere als seine Schutztruppe gegen das Volk aufgerufen habe. Jetzt, so sagt man, habe dort Göring seine Grenadiere. Die illegale marxistische Arbeiterschaft sieht ohne jede Illusion vertrauensvoll und mit festen sozialistischen Zielen in die Zukunft. Wenn zur Zeit infolge des Kampfes gegen rechts und des Werbens um uns eine gewisse Lockerung des Druckes auf uns zu spüren ist, so lasten wir uns dadurch nicht täuschen. Eine Versöhnung zwischen den Marxisten und den verlogenen Phrasensozialisten mit ihren Lausejungen- Methoden gibt es für uns nicht. Wir sind überzeugt, daß die Entwicklung in Deutschland in absehbarer Zeit stürmisch werden wird und richten uns darauf ein. Wie entscheidet Ichacht? Marlcsturs oder schleichende Inflation Die Reichsmark hat sich wieder nach abwärts bewegt. In Saarbrücken wird sie mit 5,72 französischen Franke» bewertet, in Paris sogar nur mit 5,35 bei einer Parität von 6,08 französischen Franken. Es wird von schweren Gegensätzen zwischen Schacht uud Hitler gesprochen, da Schach« sich gegen die uferlosen Arbeits- beschassungspläne des Reichskanzlers wehre. Aus der Tagung des Berwaltungsrates der Jnternotio- nalen Bank i« Basel soll Schacht erklärt haben, er nehme zum letzten Mal au der Versammlung der Roten- bankpräsideute» teil. Für Donnerstag ist der Zentralausschuß der Reichsbank einberufen, um eine Erklärung Dr. Schachts zur Transserfrage entgegenzunehmen. Man rechnet mit der Erklärung eines Generalmorato- r i u m s für a l l e Auslandszahlungen, also auch für die politischen Anleihen. Zumal in Paris wird diese Ent- Wicklung mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Wir gebe« nachstehend unserem finanzpolitischen Mit, arbeite» Jan Severin zu einer Untersuchung über die deutsche Währungslage das Wort: Es ist ein offenes G^etmins. daß der innere Wert der Gestern und heute Eingeweihte berichten aus Berlin, daß Hitler sich keine großen Sorgen mache. Klagen über die Wirtschaft berührten ihn kaum. Er gebe zu, daß er nicht viel davon verstehe. Er wolle es auch gar nicht, die Wirtschaft interessiere ihn nicht. Das einzige, was ihn interessiere, sei die Jugend. Der Führer vergißt die Bedrängnisse der Gegenwart über den geträumten Erfüllungen der Zukunft. Man weiß, daß Hitler nicht gern mit dem Alltag rechnet. Daß er überhaupt nicht gern rechnet. Sein berühmter Primat der Politik über die Wirtschaft kommt aus der Ueberzeu- gung, daß man die Natur zwingen könne. Vor allem die. menschliche Natur. Die Aehren auf dem Felde lassen sich nicht durch Kommando verdoppeln, aber die Magenriemen lassen sich enger schnallen. Der Mensch ist ein sehr geduldiges Tier; und der Hitler glaubt wohl, daß sich zumal der deutschen Abart dieses Tieres immer noch eine Menge aufladen lasse. Mehr ist die heutige Generation nach seiner Meinung doch nicht wert. Es spricht einiges dafür, daß Hitler schon in bezug auf diese heutige Generation irrt. Hat er aber in dem recht, was er von der Jugend erhofft? Diese Jugend ist ja zweifellos in den Mittelpunkt des Staatslebens gerückt. Sie führt die großen weltanschaulichen Kämpfe. Der heilige Vater in Rom hat sich in Deutschland mit einem Jüngling namens Baidur von Schirach auseinander- zusehen. Die S/4, geht in Urlaub, die Hitler-Jugend geht in Front. Soeben hat ihr der Reichsunterrichtsminister ein Geschenk gemacht, dessen Kostbarkeit jeder noch in Erinnerung an seine eigene Schulzeit zu würdigen weiß: den schulfreien Samstag. Die Hitler-Jugend tut künftig am Samstag Dienst: sie wird marschieren, im Gelände üben, Zelte bauen. Am Sonntag hat sie Ruhe. Die Jüngeren bleiben da der Mutter, die Aelteren ihren Mädchen überlassen. Wer diese Vergünstigung genießen will, muß der Hitler-Jugend angehören— die Folgen für die noch bestehenden anderen Jugendverbände kann sich jeder ausmalen. Für die SA. gibt es eine derartige Neuregelung nicht. Man kann die Arbeitgeber nicht zwingen, ihren SA.-Leuten am Samstag freizugeben. Im Gegenteil. Deutschlands größter Arbeitgeber hat soeben umgekehrt die S/t. gezwungen, auf sein Personal zu verzichten. Es ist die Reichsbahn. Die Angestellten der Reichsbahn sind künftig vom SA.-Dienst befreit. Die anderen SA.-Männer gehen zunächst in Urlaub. Von einem freien Samstag, der die Truppe aus dem Zustand fortgesetzter Uebermüdung herausnehmen und sie wieder zu einem billigen Instrument machen würde, ist keine Rede. Man soll es nicht leugnen: der freie Jugendsamstag ist etwas sehr Vernünftiges. Vorausgesagt, daß nicht die Lehrer an fünf Tagen das Pensum von sechs bewältigen wollen. Zum Wesen dieses Jugendsamstags gehört es freilich, daß er ein politischer Tag ist. Es ist der Tag, an dem die Jungens zu SA.-Leuten und die Mädels zu künftigen Mitgliedern der NS.-Frauenschaft geschliffen werden. Wird Hitler es schaffen? Werden diese Kinder einmal nichts anderes mehr kennen als nationalsozialistischen Lebensinhalt? Viele glauben es. Sie glauben, daß diese Jugend sich ein nichtnationalsozialistisches Dasein überhaupt nicht mehr werde vorstellen können. Wahrscheinlich ivird dieser Punkt viel zu sehr überschätzt, von Hitler und den andern. Denn es kommt ja nicht nur auf die Vorstellungswelt dieser Jugend an, sondern auch auf das ewige menschliche Begehren, das den Vorstellungen zugrundeliegt und das mit Geldern nicht zu sättigen ist. Die Jugend ist die Zeit der Hoffnungen, aber das Schwabenalter verlangt Erfüllungen. Es mag verhältnismäßig leicht sein, der Jugend Ideale zu geben. Die schwerste Aufgabe bleibt es, ihr eine Welt zu geben, die den Idealen entspricht. Argus. deutschen Währung durch die Ausrüstungs- und Arbeits- beschafsungspolitik der Hitler-Regierung, durch die enorme Steigerung der Rohstofs-Einsuhr und den damit verbünde- nen Verlust fast des gesamten Devisenbestandes völlig aus- gehöhlt worden ist. Es ist hierbei an und für sich gleich- gültig, ob die„Golddeckung" 2 Prozent oder 5 Prozent beträgt. Trotzdem wäre es abwegig, wenn man als unmittel- bare Folge der in Teutschland seit Anfang 1033 betriebenen Wirtschaftspolitik nun mit einem schnellen und voll- ständigen Zusammenbruch der internationalen Mark- Notiz rechnen würde. Man hört im Publikum oft die Frage, ob jetzt nicht mit einer Inflation nach dem Muster der Jahre 1020 bis 1023 und also mit einer schnellen Zertrümmerung des offiziellen Markkurses zu rechnen sei. Diese Frage kann schon deswegen nicht mit einem Ja oder einem Nein beant- wartet werden, weil sie falsch gestellt ist. Die deutsche Inflation darf nämlich nicht für die nächste Zeit als Folge der bisherigen falschen Wirtschaft»- und Finanzpolitik erwartet werden, weil diese Inflation in Wirklichkeit längst im Gange ist. Man kann eine Paluta, die mit 2 oder 3 Prozent in Gold„gedeckt" tst, und deren Wechsel-Deckung nicht aus gesunden Akzepten, sonoeru viel. mehr ans den berühmten ArbeitSbeschaffungS-Wechseln be- steht, nicht als Golddeckung ansprechen. Die deutsche Mark hat den Goldstandard in Wirklichkeit schon seit langer Zeit verloren. Die an den internationalen Börsen bei minimalen Umsätzen notierten Kurse sind künstlich gehalten. Sie sind nicht das normale Ergebnis von Angebot und Nachtrage der Welt in deutscher Reichsmark, sondern vielmehr das Resultat einer durch eine komplizierte Teviscngesetzgebung hergestellten und künstlich aufrecht erhaltenen Materialverknappnng. Der Ausländer, der deutsche Waren oder Wertpapiere kamen oder nach Teutschland reisen will, ist schon längst nicht mehr darauf angewiesen, an den internationalen Börsen zu den von der Reichsbank künstlich ausrecht er- baltenen Kursen deutsche Mark zu eriverbcn. Mit einem ^. isagio von zirka 72 Prozent, also zu zirka 28 Prozent des eigentlichen Goldwertes. kann er Efsekten-Tperrmarkt oder je nach der Art des beabsichtigten Geschäftes Kredit-Tpcrr- mark mit einem Tisagio von 52 Prozent und Rcgistcrmark mit einem solchen von zirka 86 Prozent erwerben. In diesen Kursen und nur in ihnen drückt sich die wirkliche Entwertung dcx deutschen Mark und die Tatsache ans, daß die Inflation längst in Gang gekommen ist. Tie Franc, ob man auch den an den Auslaudsbörsen no- ticrtcn ottiziellcn Kurs der„freien" Reichsmark senken will, lü lediglich eine r a g e der Taktik. Au und kür sich würde für Dr. Schacht durchaus die Möglichkeit be- stehen, in ähnlicher Wleifc, ivie Towjetruüland es seit vielen Iahren tut, eine scharfe Trennung zwischen dem inneren und dem äußeren Kurs der Mark aufrecht zn erhalten. Bor- bereitnngen für die Ausgabe einer besonderen„Binnen- mark" sind auch bereits seit längerer Zeit getroffen. Die jetzt in Gang gekommene Steigerung der Preise am inner- deutschen Markt würde sich dann in einem rapiden Tempo fortsetzen. Offiziell würde man im Auslande den fetzigen hohen Markkurses weiter aufreckt erhalten und auf dfcse Weise verhindern, daß dort scharfe Anti-Dumping-Maß- nahmen ergriffen werde». Man würde also die Miktion einer Goldwährung vor dem Auslande weiter ausreckt erhalten, aber die Wirkungen der ständigen Preissteigerungen im Anlande, das dann nur noch mit der Bßnnenmart rechnet, würden eine sehr schwere Belastinrg der Litnation, besonder» auch der beut, scheu Annenpolitik darstellen, da die Löhne der Arbeiter«nd die Gehälter der Angestellten und Beamten an Äanskrast «mmer mehr einbüßen würden. Tie Preise der Exportwaren könnte man in diesem Aalle allerdings niedrig halten und— in ausländil^em Geldc gerechnet— sogar noch weiter ermäßigen, ohne haß die Ge- fahr ausländischer Repressalien sehr groß sein würde. Tie Arbeiter und Angestellten, die Besitzer von Sparkassen- und Baiikenguthaben müßten allerdings durch eine ständige wettere Verschlechterung ihr ex an und für sich schon sehr niedrigen Lebenöbaltu.na hie.se Aufrechlerbgltung des fetzigen hohen Markkurses an den Auslaudsbörsen, der vorgibt, ein Goldkurs zn sein, bezahlen. Wenn sich die Kitler-Rcgiexuug für diesen Weg nickt entscheidet, so bliebe als zweite Möglichkeit eine onizicllc Devalvation. Man würde den jetzigen fiktiven„Gold"-Kurs der Reichsmark an den Auslaudsbörsen ausgeben uud es märe hierdurch sür einige Zeit möglich, den Export erheb- lich zu steigern, indem man die ausländischen Preise au» der ganzen Linie unterbietet. Während der erste Weg nach einiger Zeit zu sebr scharfen Auseinandersetzungen im Anlande führen muh, würde dieser zweite Weg wahrscheinlich noch schneller zu einem kaum besiegbaren Widerstände des Auslandes führen. Tie mit Rücksicht ans die Ausrüstung und die Kriegsgefahr schon ziemlich eng geschlossene Aront der an- deren Länder gegen die Hitler-Regierung würde sich vermut- lich sehr bald völlig sststießcn, wen» man erkennt, daß grade jetzt, im Stadium einer langsamen, aber sickeren Besserung der internationalen Konjunktur Teutschland die Weltwirt- schait auss neu« in das schlimmste Krisenstadium zurückwirft und die Ansätze zu einer Ausdehnung des Welthandels zcr- trümmert. Ei» Kurssturz her Mark kann i» größerem Ausmaße und von längerer Tauer nur dann erfolgen, wenn die deutsche Regierung diese» Kurssturz herbeizuführen wünscht. « 1* 1 AI',"u!. J,! i um.. i i i in I! l■"1; II i in■■ Ein Mann im Sturm Präsident Kncx Der erste Wiederausbruch der gegenwärtig tobenden politischen Leidenschaften im Saargebiet fällt in die Amts- zeit des neuen Präsidenten der Regierungskommission, Mister Knox. Es liegt nahe, ihn und feine Amtsführung dafür verantwortlich zu machen und man tut es auch. Richt nur im Saargebiet, nicht allein im Reiche, wo man. wie Herr Pr. Reikes einmal sagte, was freilich schon viele Jahre her, die Verhältnisse an der Saar mit ganz falschen Augen betrachtet, man greift den Präsidenten Knox plötz- lich auch in England selbst an. Denn dos Saargebiet ist für diese und jene auch ein Geschäft, ein sehr großes Ge- schüft, eine schwerindustrielle Angelegenheit, die inan gerne unter sich, also zwischen den deutschen, französischen und englischen großkapitalistischen Interessen, in Ord- nung brächte. Denn die englische Kohienindustrie will die Eaarhohle aus Frankreich verdrängen, um wieder zu einem größeren Absatzgebiet auf dem Kontinent zu kom- inen, und sie sähe es deshalb gern, wenn das Saargebiet bedingungslos pns Reich fiele. Hier aber ist Präsident Knox im Wege. Seine Amtsführung ist unentwegt auf ein Zixs gerichtet: Wortlaut und Sinn der bestehenden Verträge zu erfüllen, die Rechte der Bevölkerung zu sichern, die Ruhe im Lande aufrecht zu erhalten und die volle Unabhängigkeit des Saargebietes im Sinne des Pölkerbundspautes bis zum Tage der Abstimmung zu garantieren. Die Undeirrbarkeit und Unbeugsamkeit dieses Mannes stehen allen denen im Wege, die ihre be- sonderen Interessen oerfolgen oder irgendwie im Trüben zu fischen versuchen. Am Porabend des Tages meiner Abreise wurde ich von Präsident Knox empfangen. Das hieh in der Tat. sich das Beste bis zuletzt aufgespart zu haben. Ich ahnte nicht, daß ich diesen Kopf schon einmal gesehen hatte. Auf einem Bilde Holbeins, an dessen Porträts aus dem England Heinrichs VIII. ich sofort denken muhte? Rein, ich sah irgendwo, war es in Genf, in Paris, in Basel oder in einem Speisewagen gewesen, diesem Manne gegenüber. Sein Antlitz: Diese klare Festigkeit eines Gesichtes von großartiger Unbefangenheit, in dem sich Güte, Ratürlich- keit und Festigkeit auf eine wunderbare Weise vereinig- ten, hatte mich damals schon gefesselt, ein Gesicht von der lebendigen Frische und der gesunden Röte eines nüch- ternen Realisten. Ich hatte hier«tun viele Gesichter ge- sehen, mäßige und mittelmäßige, Menschen von Format; aber eine Gestalt von diesem großen Stil war mir im Saargebiet nicht begegnet und ich mußte mir unwillkür, Größere Mengen von Reichsmark ftnd im Auslande schon längst nicht mehr vorhanden, so daß die Möglichkeit eines Zusammenbruches der Mark durch starkes Ucbcrangebot an den Devisenmärkten völlig ausscheidet. Erst wenn die Rcicksbauk sich endgültig weigern sollte, die geringen, an den Markt gebrachten Beträge aufzunehmen oder gar wenn sie, um eine Devalvation durchzuiührcn, selbst als Abgeber von Reichsmark in größerem Maße austreten würde, müßte der Markkurs zusammenbrechen. Deutschland steht heule unmitieibar vor der Entscheidung, ob es einen schnellen und wahrsäieinlich unlösbaren Konflikt mit dem Auslände oder aber die Politik des„DurchHaltens" vorzieht, die den Massen der deutschen Bevölkerung die Opier aus- erlegt, die schließlich doch eines Tages von irgend einer Seite als Folge der gefährlichen Wirtschasts- und Außenpolitik des Hitler-Regimes gezahlt ivcrdeu niüsien. Das Ausland dürste kaum bereit sein, die Sünden, die seit 80. Januar 1988 in Deutschland begangen wurden, zu bezahlen. Die Wahrsckein- lichtest, daß das Hitler Regime den Kurssturz der Mark wählt, ist also nicht groß. Weit eher ist damit zu rechnen, daß Dr Schacht sich dazu entschließt, dem Regime eine weitere Galgensrist dadurch zu sichern, daß man versucht, die kom- menden Lasten au» die Lebenshaltung der deutschen Arbeiter, Angestellten und Sparer abzuioälzen. Jeden falls wird man die Entscheidung zivischen dem offenen Mark stürz und der beschleunigten Fortsetzung der schleichenden Inflation im An« lande jetzt nicht mehr hinausschieben können. Doumergue empfangen worden ist. Nach dem„Matin" soll Marquet mit seinem Austritt aus der Partei gedroht haben, wenn sie die Militärnachtrags- krebste nicht annimmt. Aller Herr von Neurath Di«„Neue Zürcher Zeitung" berichtet: Die Au s sto ß u n g von sechs st u de n t i schen Corps aus dem Allgemeinen Deutschen Waffenring und dem Kö- sener S. C.-Berba»d sdcr Tpitzenorganisation des Corps- studentsntums au den Universitäten) ist ein weiteres Glied in der Kette der Kampfhandlungen gegen rechts. Bon ihrer einstigen gesellschaftlichen Macht, deren Blütezeit vor dem Kriege lag, haben die Corp» uameutlich im Altherrentum noch manches bis in die Geqcnivart hinein a-retiet. wo es seinen Besitz in der hohen Bürokratie der Justiz und in akademischen Tpitzeutrcisen hat. Reichsaußenminlfter v. Neu- rath ist selbst alter Herr der„Suevia", die vom Ausschluß betroffen wurde... Die Frage der..nichtarisch versippten" Alten Herren, denen mehrere Corps die Treue halten wollen, stellt nur die erste Reibungsfläche dar, an der die Schwierig- leiten sich entzünden. In Wirklichkeit heißt es— da der Nationalsozialismus niemand wehr erlaubt zwei Herren zu dienen— sür den Studenien sich entweder für das Braun- Hemd ober für Band und Mütze zu enikchetden und i« diesem Fall zu einer hoffnungslosen Minderheit zu werden. 1640 ooo Zwangsarbeit Zu Kulilöhnen Berlin, 18. Juni. Tic Picrteljahrshefte deS Institut für Konjunkturforschung geben eine Zusammenstellung der »Zwangsorbeiter* in Teutschland. Danach gibt es 240 000 Arbeitsdienstler, 150 000 Landhelfer. 610 000 Notstandsarbester und 40 000 Fürsorgcarbeiter, insgesamt 1(140 000 (gegen 800 000 vor einem Aghrj. deren„?ol,n" kleiner ist als die Arbeitslosenunterstützung So steht die Senkung der Arbestslosenzisfcr aus. Die Nationalsozialisten erklären zynisch, daß die Forderung, Arbeit zu beschaffen, erfüllt sei. Pas ist freilich eine wörtliche Auslegung. Denn die Arbeit wurde ja nicht nur um ihrer selbst willen gefordert, sondern um des Brotes willen. Nach einer Rede d.eS nationalsozialistischen Staats- sekretärS Reinharb sollen noch 800 000 Lanbhelsex dazu kommen. Außerdem sollen die Gemeinden weiter« 300 000 Notstandsarbeiter zu einem Lohn von 2,50 NM. dea Tag einstellen. Ein lanOarbeilerhrlef Klassenkampf im Dorf (I.D. F.»„...Scharfe Gegensätze entwickeln sich zwischen Siaot- und Landbevölkerung. Tie Agrarpolitik der Nazis bringt dem Bauer kein Geld, weil der eingeschaltete Kontroll- apparal alles auffrißt, dem Städler keine billigen Lebens- mittel, weil der Weg der Ware vom Erzeuger^zum Ber- braucher heu:e das dreifache kostet wie früher. Ter Bauer darf nur noch als Produzent, nicht aber mehr als Weiter- vcrarbeiler tätig sein. Dadurch wird der kleinere und mittlere Bauer schwer geschädigt, während der Großagrarier durch die Berechtigung zum Schnapsbreunen sich ein Aequivalent sür den Aussall bei Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Pro- duk:e schafft. So entsteht eine Spannung zwischen Klein- und Mittelbauer und Großagrarier. Während Hitler angibt, den Klassenkampf beseitigt zu haben, hat er ihn bis ins letzte Torf vorgetrieben, Rasse, Blut und Boden erweist sich als Phrase. Immer schärfer trist die Klassenscheidung zu Tage..." Oesterreich am Horizont Französische Vermutungen über die Begegnung Hitler-Mussolini TNB. Paris, 18. Juni. Die französische Presse stellt Per- muluuge» über die Ar:, den Inhalt uud den Ausgang der Begegnung Hitler-Mussolini an. Das„Journal" ivill berichten können, daß der italienische Botschafter in inner gestrigen Unterredung dem französischen Außenminister den Sinn uud die Bedeutung der Begegnung Hilter-Munolini erläutert habe. Auch sei über die Lag« in Oesterreich nach dem Ansteigen der Hitlcragitation gesprochen worden, ein Zustand, dem nach der im Februar abgegebenen englisch-sranzösisch-stalienischen Erklärung Frankreich und Italien nicht gleichgültig gegenüberstehen könnten.— Tie anderen Zeitungen bewegen sich in ähnlichen Gedanken- gängen. RUstungsiorderangen Ein Nachtragskredit DNB. Poritz, 18. Juni. In der Kammer ist der Bericht über die von der Regierung kür Berleidigungszwecke bean- fragten Nachtragskredite verteilt worden. Die Kredit- aniordcrungen, die anfänglich 2 980 000 000 Frauken be- trugen, find auf Grund gewisser von der Regierung vor» genommener Abänderungen an» 8120 000 000 gestiegen. Im einzelnen finden sich folgende Posten: Kriegsministcrium: 1275000 080(anstatt anfänglich 1 175 000OOOl, uud zwar 300 000 000 im Jahre 1984 und 20 000 000 für die Aitillertcwaste, 9S0 000 000 im Jahre 1984 und 185 000 000 im Jahre 1985 für Pioniertruppen, ferner für die Kriegsmarine 805(anstatt 825) Millionen und für die Luftwaffe unverändert 280 0(10 000, Innerhalb der ncusozialistischcn Kaminerfraktion fand bereits am Dienstag eine Aussprache über diese Kredit- nachtorderungen statt. Die Fraktion stand im Begriffe zu beschließen, die sür die Luftwaffe geforderten Kredite gutzuheißen, sich hinsichltick der für die Marin« geforderten Summe der Stimmabgabe zu enthalten, aber gegen die für das Landhcer und Besxstiguirgsantagen zu stimmen, als datz Parteimitglied Arb.eitSminister Marguet eingriff und die Fraktion bestimmte, die endgültige Stellungnahme um 24 Stunden zu verschieben, bis im Verlaufe des Mittwoch ein« Abordnung der Fraktion vom Ministerpräsidenten Abonnier! die„Deulsöierrciheli" lich sagen, wie schön es wäre, wenn auf der„anderen Seit«" auch eine solche Persönlichkeit säße. Von einem großen Engländer, John Howard, dem Reformator des Gefängniswesens, einem Manne von der genialen Eigenwilligkeit Pestalozzis, sagt ein Biograph: Er tat, was er für recht hielt und fragte nicht nach der Meinung der Welt. Als er in Rußland weilte, um das russische Gefängniswesen zu studieren, ließ Katharina II. ihn zu sich rufen. Aber Howard, der sich von einer Unter- Haltung mit der Zarin nichts versprach, schickte ihr die Antwort: er sei gekommen, um die Kerker und nicht, um die Paläste aufzusuchen. In Preußen, wo der strenge königliche Befehl galt, daß jeder Reisende dem Postillon auszuweichen habe, wartet« Howard stundenlang in einem Hohlweg bis der preußische Postknecht, per nach Howards Ansicht auszuweichen haste, die Kutsche nach rückwärts schob und. wie es sich noch der Meinung des Engländers gehörte, dem Fremden Platz macht«, vorbeizukommen. Das alles könnte, sagte ich mir. zu seiner Zeit auch Präsident Knox getan haben, aber, was dieser Mann jeden Tag tut, das ist dys. was er für recht hält und nicht nach der Meinung der Welt fragt. Ihn berühren nicht die Interessen der englischen Kohlenindustrie, er hat sein Amt aus der Hand des Völkerbundes empfangen: er ist als dessen Sachwalter gekommen, und er glaubt an die Idee des Völkerbundes. Er hält sich als Diener und Vollstrecker dieser Idee und diese Idee ist größer als die seiner Gegner hier im Saargebiet. drüben in England und in Deutsch- land- Denn Präsident Knox ist in dem Kampfe dieser und jener Interessenten der einzige, der keine Interessen zu vertreten hat, er ist ohne persönlichen Ehrgeiz und dos ist seine Stärke. Wer in dem Gesicht«in«s Menschen zu lesen versteht— aber wer vermag das heute noch?—. der ist beleidigt und angewidert von dem Gedanken, daß dieser Mann Gegenstand leidenschaftlicher Angriffe ist. Zwar begreift man,)po man gezwungen wird, so vieles zu be- greifen, wenn ihn die eine Seite mit Verleumdungen und Gehässigheiten überschüttet, aber man empfindet die ganze Erbärmlichkeit und Niedrigkeit dieses politischen Kampfes erst in dem Streite, der in England selbst gegen ihn, einen englischen Diplomaten, geführt wird, der sich njcht zum Werkzeug großkapitalistischer Interessen erniedrigt. Obwohl unser Gespräch reichlich dazu Gelegenheit gäbe, verliert er kein böses oder gehässiges Wort über seine Gegner, aber er durchschaut ihr ganzes Spiel. Sein Blick ist von der Eindringlichkeit und Klarheit eines wahren Weltmannes und Menschenkenners. Er weiß, daß in diesem politischen Kampf an der Saar Uebertreibungen und Lügen die beliebtesten Waffen sind, er ist sich gewiß nicht im Unklaren darüber, wer es in der Anwendung dieser vergifteten Waffen geradezu zu einxm System J>e£ politisch en Stxategiz g ebraut h at, Ich fasse in diesem Gespräch das Ergebnis meiner Studien im Saargebiet zusammen und sage, es fei meine tiefste Ileberzeugung, daß sich dieses bedeutsame und in der Geschichte bisher einzige Beispiel einer Völkerbunds- regierung vollauf bewährt habe. Präsident Knox verweist mit vollem Recht auf die dieses Völkerbundsregime recht« fertigende Talsache: daß die Regierungskommission die Verwaltung dxs Saargebietes vollkommen schuldenfrei dem übergebe, der nach ihr im Jahre 1935 die Hoheitsrechte über dieses Land übertrogen erhalte. Und ich erwidere, was ich in meinem Berichte gesagt habe, ob diese Tatsache in einem Augenblick, in dem alle mitteleuropäischen Länder mit ihren Bevölkerungen unter riesigen Schuldenlasten seufzen und viele nicht wissen, wie sie den Slaatsbankerott abwenden können, nicht«in Faktum von geradezu überragender Bedeutung fei. Es wäre ein Unglück, fährt Präsident Knox fort, wenn dieser Versuch, der mit der Betreuung eines Landes durch eine Völkerbundvregieri'ng gemacht wurde, im letzten Augenblick an den politischen Leidenschaften scheitern würde. Denn Präsident Knox sieht die Aufgabe der Völker- bundskommission erst beendet mit der Durchführung einer vollkommen freien Abstimmung. Glauben Sie, Herr Präsident, daß das überhaupt mög- lich sein wird? Es wird sich jetzt in Genf zeigen, erklärt Herr Knox. Inzwischen ist auch die Entscheidung gefallen, aus dem Papier wenigstens. Wer aber bemüht war. das ganze Saarproblem sorg- fältig und gewissenhaft zu studieren, wer die Meinungen hörte, die politischen Leidenschaften und den ganzen dumpfen und fanatischen Haß fühlte, der weiß, daß die Tage und Stunden, in denen sich die moralische und die faktische Macht des Völkerbundes zu bewähren haben wird, erst bevorstehen. Und dann, wenn die Welt Glauben haben soll an eine große völkerrechtliche Idee, wenn sie nach so vielen Prüfungen noch einmal Vertrauen aewin- nen soll zu einer neuen Organisation des Völkerleben», so muß der Völkerbund mit der unbeugsamen Festigkeit seines Treuhänders Knpx sein Amt und seine Mission vollenden. Hier ist ein Mann, völlig erfüllt von der welthistorischen Größe seiner Mission, zwar kein Heros, der dafür taugen würde, daß man Nägel in sein hölzernes Monument schlüge, sondern ein lebendiger Mensch, liebenswert und begabt mit einem natürlichen Humor, über dessen Willen das Wort steht: Tu ns oede malis, päd contra»uaentior ito. Weiche nicht au« den Uebeln, spndern gehe ihnen ent» gegen mit höherem Mut». W (Basier„ National- Zeituna"! Die Konzentrationslager Kemna ond Börgermoor Ein deufsdier Arbeifer widmet diesen verlebt dem»bersten Kerkermeister aller Deutschen mit den Gefühlen, die er verdient Ein Arbeiter, der als politischer Gefangener in Untersuchungshaft saß, erfuhr von einem Mitgefangenen allerlei über Mißhandlungen im Konzentrationslager Kemna bei Wuppertal. Er teilte diese Erzählungen seines Mitgefangenen brieflich einem politischen Freund im Saargebiet mit. Zwar glaubte er sich als Absender mit aller möglichen Vorsicht getarnt zu haben, aber ein Zufall ließ die Polizei, die in den Besiff des Briefes kam, doch erkennen, wer der Schreiber war. Nun wurde er von neuem verhaftet und wurde selbst in das Konzentrationslager Kemna bei Wuppertal eingeliefert. Er war dort vom 24. Oktober 1933 bis zum 19. Januar 1934 und von diesem Tage bis zum IL April 1934 im Konzentrationslager Börgermoor bei Papenburg. Das ist dasselbe Lager, in dem auch einige sozialdemokratische Führer, so Ernst Heilmann und Friedrich E b e r t lange Monate gefangen waren. Nun sitjt dieser Arbeiter vor uns und schildert uns seine Erlebnisse. Er vermeidet sichtlich jede U eher treibung und jede Ungenauigkeit. Immer wieder führt er für seine Behauptungen Namen der SA.-Leute, Daten und Zeugen an. Er ist bereit, für die Wahrheit seiner Schilderung überall einzutreten. Vielleicht hat die gleichgeschaltete Presse des Saargebiets den Mut, von dem Anerbot dieses deuts hrn Arbeiters Gebrauch zu machen. Der Mann erzählt: In Kemna Die Begrüßung Als der Polizeibeamte mich in Kemna einlieferte, sagte er gleich dem ersten SA.-Posten:„Ich bringe Euch da etwas ganz Feines!" Da er mir vorher eingeschärft hatte, ich müsse vor jedem SA.-Mann strammstehen, grüßte ich diesen SA.-Posten durch stramme Haltung. Der aber schnauzte mich sofort an:„Du rotes Schwein, Du wagst auch noch vor mir stramm zu stehen? Nimm die Knochen auseinander!" Und schon erhielt ich einen Faustschlag ins Gesicht. Ten Namen des Wachtpostens ermittelte ich später. Er heißt Wolf. Beim zweiten Wachtposten vermied ich nun. eine stramme Haltung anzunehmen. Sofort fuhr er mich an:„Du dreckiges Schwein, willst Du nicht die Knochen zusammennehmen?" Und gleich setzte es wieder Schläge. Nun kam ich in die Wachtstube. Dort mußte ich mit dem Gesicht gegen die Wand stehen. Ein SA.-Mann schlug mich ins Genick, so daß ich mit dem Kopf schwer gegen die Wand prallte. Ich blutete. Der Mann drohte mir:„Wenn ein Tropfen Blut auf den Boden fällt, kannst Du was erleben." Ich nahm meinen Hut und ließ das Blut hineintropsen. SA.— Stiehlt alles Dann kam ich ins Büro und wurde von dem Obersturm- führer Hilgers und dem Oberscharführer Weichert empfangen:„Taschen leer machen!" hieß es. Ich hatte 18 Mark gespart, um meiner Frau etwas zum Geburtstag zu kaufen. Es wurde mir abgenommen, und ich bekam es niemals wieder. Man fragte mich:„Was hast Du gemacht?" Ich antwortete, daß ich einen Brief ins Saargebiet ge- schrieben hätte.„Worüber?" Ich gab wahrheitsgemäß zur Antwort, was ich auf Grund der Erzählungen des Unter- suchungsgefangenen ins Saargebiet geschrieben hatte.„Aha, Greuelmärchen! Das sollst Tu schwer büßen!" Unter der Treppe Man führte mich wieder in die Wachtstube. Dort wurde noch einmal gefragt, was ich gemacht hätte. Ich sagte die Wahrheit. Da schrie mich plötzlich der Scharführer Hoch- felder an:„Du hast den Ueberfall auf mich geleitet." Der Mann war mir aber ganz unbekannt. Er hat es gewiß nur behauptet, um einen Anlaß zu Mißhandlungen zu haben. Sosort fiel er denn auch über mich her und schlug mich dermaßen ins Gesicht, dasi sich mehrere Zähne lockerten. Als ich zur Tür hinausging, wurde ich ins Kreuz getreten. Draußen befahl mir der Scharführer H i n tz e:„Stell Dich an die Wand!" Ter Scharführer Hoch sei der schlug mich wieder ins Gesicht. Ich wurde nun in einen Raum unter die Treppe geworfen, wo schon vier Mann lagen. Dort wurde ich weiter mißhandelt. Bin„Appetitsbrotehen" Plötzlich hieß es:„Raus!" Dann folgte ein weiterer Befehl:„In die Wupper!" Ich mußte eine Zeitlang Bruch- steine aus dem Fluß herausholen,' dann stieß man mich mit nassen Kleidern wieder unter die Treppe und ich blieb dort frierend ohne Decken liegen. Schließlich kam der Trupp- führer Paul Schmitz und fragte mich:„Hast Du schon Dein Appetitsbrötchen gehabt?" Als ich verneinte, brachte er mir einen Salzhering, der war mit Rübenkraut beschmiert, das mit Salz bestreut war. Dann hatte man noch Maschinen- fett dazu geschmiert und auf das ganze uriniert. Ich mußte das essen. Als ich mich übergab, mußte ich auch das Aus- gebrochene wieder verschlingen. Das„Verhör" Bier Tage und Nächte habe ich unter der Treppe zu- gebracht. Dann hieß es wieder:„Raus!" Ich kam in den Saal 3, wobei ich einschalte, daß der Saal 1 damals mit 230, der Saal 2 mit 176, der Saal 4 mit 128, der Saal 6 mit 145 Leuten belegt war. Der Saal 3 war frei und wurde als Prügelsaal benutzt. Bon der Ecke unter der Treppe prügelten mich 8 Mann nach oben. Tort wurde eine Proze- dur vorgenommen, die wohl alle Neueingelieferten haben durchmachen müssen. Fünf SA.-Leute hielten mich fest. Die andern schlugen mit Gummiknüppeln, Ochsenziemern und Gummischläuchen mit Blei auf mich ein. Beteiligt waren u. a. die SA-Männer Bläsing. Weichert, Hoch- felder, Hintze. Heine und Wolf. Der Lagerkom- Mandant, Obersturmführer Hilgers, kommandierte. Ich wurde auf einen Tisch ausgestreckt und Hilgers dirigierte die Mißhandlungen durch Zeichen mit der Hand. Fe nach- dem wurde zugeschlagen oder aufgehört. Man wollte von mir bestimmte Namen wissen. Als ich mich weigerte, wurde ich zum zweiten Male auf den Tisch geworfen und die Miß- Handlungen wieberholten sich. An vier Abenden wurde ich so geprügelt. Zum Abschluß wurde man in einen Warenauszug gestoßen und in den Keller hinabgefahren. Dann lragte man von oben:„Hast Du Durst?" ES war gleich, ob man ja sagte oder nein oder gar nichts. Bon oben wurden ein paar Eimer Wasser heruntergeschüttet. Mein Körper war nach den Mißhandlungen eine einzige Wunde. lWir schalten hier ein, daß unser Gewährsmann von sehr kräftiger Konsti- tution ist. Red.„D. F.".) Nach vier Tagen wurde ich in einen Bunker gebracht, der für 18 Mann bestimmt war. Darin lagen auf Stroh 52 Mann. Ich blieb hier 14 Tage. Dann kam ich in den Saal 2. Die Mißhandlungen hörten nun so gut wie auf. Nur nachts gab es noch ab und zu Stöße mit dem Gewehrkolben von der Wache. Als Begründung wurde gesagt, es wäre einer aus gewesen, oder es wurde etwas Aehnlichcs als Ausrede gebraucht. Reichstagswahlen Am 12. November war Reichstagswahl. Der Lagerkom- Mandant instruierte uns vorher:„Jeder kann wählen, ich werde aber nachkontrollieren. Wer mit nein stimmt, wird etwas erleben wie nie!" An jeder Wahlurne stand ein SA.- Mann, der dem Abstimmenden über die Schulter sah, um zu kontrollieren. Acht Tage nach der Wahl wurden 18 Mann eingeliefert, von denen man behauptete, sie hätten Waffen versteckt. Ausgesagt hatten sie nichts. 8 Tage lang wurden sie ge- schlagen. Ihre Wunden wurden mit Pfeffer und Salz be- streut. Ter Gefangene Winter von Nadevormwald hat sich die Pulsader geöffnet, weil er die Mißhandlungen nicht mehr aushalten konnte. Er wurde aus der Latrine gefunden. Im Februar lagen noch 4 von den Mißhandelten im Krankenhaus. Der greise Beschwerdeführer Am 18. Dezember kam ein neuer Kommandant. Es Hieß allgemein:„Der bringt Ordnung." Er kanzelte auch die Wachmannschaft ordentlich Herunter und sagte zu den Ge- fangenen:„Wenn jemand Beschwerden Hat, insbesondere wenn er geschlagen wird, mag er sich vertrauensvoll an mich wenden." Der S8jäHrige Gefangene Wolters machte von diesem Beschwerderecht vertrauensvoll Gebrauch, weil ihn der Oberscharführer Engermann ohne jeden Grund niedergeschlagen hatte. Der Erfolg war, daß alle Ge- fangenen von Saal 3, wo der alte Wolters lag, auf dem braunen Morastplatz in Zivilanzügen 2 Stunden Nach- exerzieren üben mußten. Die Leute mußten sich auf Kom- mando in den Sch'amm legen und auf Kommando wieder hochspringen. Der alte Wolters mußte eine halbe Stunde im Schlamm liegen bleiben. Dann mußte er noch eine halbe Stunde Kniebeuge machen und bekam nachher Arrest. Erst am Morgen kam er mit verquollenen Augen und ge- schwollenem Gesicht heraus. Das war die Folge seiner Be- schwerde, die er im Glauben an die Worte des neuen Lager- kommandanten gemacht hatte. „Rot Front"! Am 18. Januar machte der Kommandant bekannt:„DaS Lager wird ausgelöst. Achtzig werden entlassen, wer, sage ich nicht/weil sonst Unbesonnenheiten vorkommen." D-s sollte heißen, daß man Selbstmordversuche bei Leuten befürchtete, die nicht entlassen werben sollten. In Wirklichkeit wurde gar niemand entlassen. Es wurden nur Hoffnungen erweckt bei Leuten, die man als„Schwerverbrecher" durch die dann folgende Enttäuschung quälen wollte. Die Gefangenen marschierten zum Bahnhof nach Barmen-Rittershausen. Ob- wohl sie mit Paketen beladen waren, sollten sie mit dem Nebenmann Richtung halten. Ließ die Richtung nach, gab eS Kolbenstöße. Wir mußten das Horst-Wessel-Lied singen. Als wir an der Fabrik von Bemberg vorüberkamen, öffneten sich einige Fenster und Arbeiter riefen:„Rot Front! Auch für Euch schlägt bald die Stunde der Freiheit!" Die Begleit- Mannschaften schrien hinauf:„Fenster zu, sonst schießen wir!" in Börgermoor Heilmanns Martyrium Wir fuhren mit der Eisenbahn bis Dörpen und waren abends 6 Uhr im Lager Börgermoor, wo wir auf die einzelnen Baracken verteilt wurden. In diesem Lager waren schon seit längerer Zeit die TPD.-Führer Ernst Heil- mann und Friedrich Ebert. Die SA.-Leute machten uns gleich darauf aufmerksam, daß sie uns Heilmann vor- führen würden. Man stellte eine Hundehütte auf, holt« Heil- mann, der einen sehr zerrütteten Eindruck machte, aus der Baracke 1, die als Lazarett diente, und jagte ihn wie einen Hund zur Hundehütte. Dort wurde er an die Kette gelegt. Ein SA.-Mann stellte sich mit schußbereitem Gewehr vor ihm aus und fragte höhnisch:„Heilmann, wie macht die 2. Jnternarionale?" Heilmann bellte wie ein Hund. Der SA.-Mann, der mit seiner schußfertigen Knarre noch immer vor dem Gefangenen an der Kstte stand, sagte trium- phierenb:„Seht, was für e-ne feige Kreatur." Heilmann wurde dann von der TA. an der Kette wie ein Hund über den ganzen Platz geführt und kam dann wieder ins Lazaxett. Am nächsten Tag wurde er uns mit einem anderen jüdischen Gefangenen vorgeführt Das war an der sogenannten 4711-Kolonne(Latrinen Kolonne). Die SA.-Leute verlangten von dem einen Juden, er möge Kot aus der Latrine her- ausholen und es Heilmann ins Gesicht schmieren. Er verweigerte das. Dann schrie ein SA.-Mann den jüdischen Mitgefangenen an:„Also, weil Du zu feige bist, wird Dich Heilmann beschmieren." Heilmann, der einen kranken und gebrochenen Eindruck machte, wurde solange bedroht, bis er wirklich den Befehl der SA. ausführte. Sie ließ nicht eher Ruhe, bis sie das ekelhafte Schauspiel vollendet hatte und beide jüdische Gefangenen mit Menschenkot beschmiert waren. Heilmanns„Fluchtversuch" Einige Tage später erhielt der kranke Heilmann den Be- fehl, einen schweren Baumstamm aus die Schulter zu nehmen und durch einen sumpfigen Graben zu schaffen. Er sank immer tiefer ein und rief schließlich:„Helft mir doch!" Die Wach- Mannschaft hielt uns davon ab mit der Drohung:„Wer hilft, wird erschossen!" Erst als Heilmann bis über die Schultern eingesunken war, und der Schlamm sich seinem Gesicht näherte, durften wir ihm helfen. Solche Prozeduren wurden mit Heilmann immer vorgenommen, wenn neue Gefangene eingeliefert wurden. Er wurde häufig in der sogenannten Vortragbaracke geschlagen, und die Mißhandlungen waren ihm anzumerken, wenn er herauskam. Heilmann war seelisch gebrochen. Aber er war ein guter Kamerad, wie alle be- zeugen, die mit ihm im Lazarett lagen. Häusig bekam er Lebensmittel, Zigaretten und auch Geld, und er hat stets brüderlich mit seinen ärmeren Mitgefangenen geteilt. Ich war auch Zeuge der Schüsse auf Heilmann. Einmal kam er wieder nach Mißhandlungen aus der Bortragsbaracke und schwankte wie ein Betrunkener. Hinter ihm waren SA.-Leute mit Gewehren,, die immer wieder riefen:«Los, Heilmann!" Er torkelte denn auch an der Wache vorüber durchs Tor. Als er einige Schritte vor dem Tor war, gaben vier SA.-Leute Feuer. Sie schössen schlecht. Heilmann wurde in den Fuß getroffen und klappte zusammen. Die SA.-Leute riefen uns zu:„Ihr habt ja gesehen, daß er lausen gehen wollte." Wir mußten ihn holen, er wurde in das Kranken- haus nach Papenburg geschafft, kam dann später wieder zu uns ins Lazarett und wurde schließlich entlassen. sHeilmann sitzt noch immer im Gefängnis. Red.„D. F.".) Als eine Rotterdamer Zeitung später über Heilmanns Mißhandlungen berichtete, lief der Kommandant aufgeregt im Lager herum und suchte nach Zeugen, die den Zeitungs- bericht widerlegen sollten. Es wurden noch fünf Gefangene ermittelt, die mit Heilmann zusammen eingeliefert worden waren. Die Leute bekundeten, baß der Zeitungsbericht wahrheitsgemäß sei. Was mit diesen Gefangenen geschehen ist, weiß ich nicht. Wiederholt wurde versucht, den alten Parteihaß zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten anzustacheln. So wurde einmal Friedrich Ebert aufgefordert, kommunistischen Gefangenen„in die Fresse" zu schlagen. Er weigerte sich tapfer und erklärte, daß auch jeder kommunistische Gefangene sein Kamerad sei. Ebenso weigerten sich kommunistische Ar- beiter, Friedrich Ebert zu schlagen. „Das ist die Garde... Mit der nationalsozialistischen Ueberzeugung der TA. war es nicht weit her und ihre Enttäuschung äußerte sich manch- mal. Am meisten ober, wenn SA.-Leute besoffen waren. Tann schickten sie dem Reichskanzler Adolf Hitler die be- kannte Einladung Götz von Berlichingens und sagten uns: „Das ist alles kein Sozialismus. Wir legen den Adolf um. wenn er in diesem Jahre nicht den richtigen Sozialismus schafft." Damals waren schon eine ganze Reihe SA.-Leute als Gefangene im Lager. Das Moorlled Endlich am 11. April schlug für uns die Befreiungsstunde. Die Kameraden verabschiedeten sich von uns mit dem Gruße der Gefangenen, mit einem dreifachen„Moor-Heil!" und sangen mit uns zur Scheidungsstunde das Lied: Wohin auch das Auge blicket Moor und Heide nur ringsum. Vogelsang uns nicht erquicket, Eichen stehen kahl und krumm. Wir sind die Moorsoldaten Und ziehen mit dem Spaten Ins Moor. Hier in dieser öden Heide Ist das Lager ausgebaut. Wo wir fern von jeder Freude Hinter Stacheldraht verstaut. Wir sind die Moorsoldaten... Morgens ziehen die Kolonnen In das Moor zur Arbeit hin, Graben bei dem Brand der Sonne, Doch zur Heimat steht ihr Sinn. Wir sind die Moorsoldaten... Auf und nieder geh« die Posten Keiner, keiner kann hindurch. Flucht wird nur daS Leben kosten, Bierfach ist umzäunt die Burg. Wir sind die Moorsolbaten... Heimwärts, heimwärts geht ihr Sehnen Zu den Eltern, Weib und Kind. Manche Brust ein Seufzer dehnet, Weil wir hier gefangen sind. Wir sind die Moorsoldaten... Doch für uns gibt es kein Klagen. Ewig kanns nicht Winter sein. Einmal werben froh wir sagen: Heimat, du bist wieder mein. Dann zieh» die Moorsoldaten Nicht mehr mit dem Spaten Ins Moor. (Nachdruck mit Quellenangabe erbeten.) „Deutsche Freiheit" Nr. 134 ARBEIT UND WIRTSCHAFT Donnerstag, 14. Juni 1931 Der fortgezauberte Mehrwert Theoretische Nebel um eile Ausbeuterdiktatur In der bürgerlichen Oekonomie haben sich immer Pseudo- Wissenschaften gefunden, die sich bemüht haben, die Geseke der kapitalistischen Wirtschaft zu verdunkeln. Sie haben Ideologie statt Erkenntnis gegeben, Ethik dort, wo es galt, ökonomische Kategorien zu unterscheiden. Marx zerriß den Schleier des Geheimnisses, der die kapitalistische Produktion umgab und hellte ihre dunkelsten Zusammenhänge auf. Aber das hat die Kapitalisten und ihren pseudowissenschaftlichen Anhang auch viel später nicht gehindert. Marxens Ergebnisse zu ignorieren und die Praxis der ethisch-ideologischen Ver- nebelung fortzusetzen. Im„dritten Reich" hat sich diese Richtung in der„Normativen Betriebswirtschaftslehre" ein theoretisches Fundament gegeben. Es ist anch danach— was aber nicht verhindert hat, daß die Lehre im nationalsozialistischen Staat zu einer wissenschaftlichen Wirtschaftslehre erhoben worden ist. Vor einiger Zeit wurden durch den Deut---tu»tmukimttitt».ominul!ar:!ii^'.i»»n:•<'————————> Donnerstag, den 1». Juni 1934 ,/Äec wird SeutsMaad seht!' WlatscMied dec Mutdiäftlü,^ Nicht weit von der Arbeitslosenmetropole Chemnitz, die früher einmal eine Industriestadt war und heute auf dem Aussterbeetat steht, in der Nähe des verarmten Städtchens Frankenberg befindet sich, an dem Zschopaubach gelegen, das trostlose Dorf Sachsenburg. Das Merkmal dieses Ortes ist dasselbe, wie das aller Ortschaften des„dritten Reiches": verfallene, leerstehende Fabriken, öde Straßen, geschlossene Läden, ausgehungerte, verbitterte Menschen, feiste, wohlgenährte SA.-Bonzen. Eine ehemalige Fabrik des Dorfes Sachsenburg dient jetzt als Konzentrationslager. Hinter den kahlen Mauern der verlassenen Gebäude spielen sich nun die widerwärtigen Szenen ab, die heute das Kultursymbol des unterjochten deutschen Volkes darstellen. Das nachstehende Lied haben Sachsenburger Schutzhäftlinge gemeinsam ersonnen. Sie haben es wochenlang bei ihren Märschen auf den Straßen der Umgebung gesungen. Damit ihnen das erlaubt wurde, haben sie im Texte fast jede aggressive politische Tendenz vermieden oder in eine vorsichtige Gefühlsäußerung gekleidet. Daraus erklärt es sich, daß das Lied nur leise kämpferische Untertöne aufweist. Aber sie sind noch da, obwohl die stumpfen SA.-Ohren der braunen V achknechte sie monatelang überhört haben. Die Bevölkerung von Sachsenburg und seiner Umgebung war aber hellhöriger. Sie verstand das Lied auch ohne Worte. Und wo die Sachsenburger Schutzhäftlinge in Marschkolonnen auftauchten und das„Gefangenen-Lied der Sachsenburger" anstimmten, da strömten die Leute herbei und begrüßten den Zug mit leuchtenden Augen und aufmunternden Blichen. Ja, sogar herzlicher Beifall wurde durch freundschaftliches Winken, durch Zurufe und Händeklatschen gespendet. Man warf den marschierenden Häftlingen Blumen zu und reichte ihnen Obst und andere Geschenke dar. Die Kinder fingen an, den Refrain des Häftlings-Marsches mitzusingen, hin und wieder stimmten sogar die Erwachsenen an den Haustoren und Zäunen der Gärten in die schwermütige und doch zuversichtliche Marschweise mit ein. Das wurde der nationalsozialistischen Lagerleitung denn doch zu dumm. Es bildeten sich hier„auf Flügeln des Gesanges" die schönsten Verbrüderungen heraus zwischen dem Volke und den gefangenen„Staatsfeinden"! Die braune Kommandantur ließ sich schleunigst das Lied bringen und studierte es nun aufmerksam durch. Die Folge der Prüfung war der kategorische Lagerbefehl: Das Singen des Häftling- Liedes ist bei exemplarischer Strafandrohung strengstens verboten! v Seitdem hört man das Lied nicht mehr, wenigstens nicht laut und nicht aus dem Munde der Häftlinge, wenn bewaffnete SA.-Leute um sie herumstreichen. In der Bevölkerung lebt es fort, die Kinder stimmen es auf Wanderungen an, wenn der Nazi-Lehrer außer Hörweite ist. Das schlichte und volkstümliche Lied lautet: Gefüget aus Beton und Stahl Steht'ne Fabrik im Zschopautal..> Maschinen, Räder stehen still. Doch Arbeitsvolk findest du dort viel. Tausend Kameraden, Mann an Mann,-• Gefangen, bewacht, in Acht und Bann, Stolz bleibt das Herz und fest unser Sinn: Wir werden in die Heimat ziehn! Die Mauern, wo mit junger Kraft Die Spinnerin einst hat geschafft, Sind jetzt die Welt der Kämpferschar, Die stets für Recht und Freiheit war. Tausend Kameraden, Mann an Mann, Gefangen, bewacht, in Acht und Bann, Stolz bleibt das Herz und fest unser Sinn: Wir werden in die Freiheit ziehn! Wenn jetzt im Haus der Hammer klingt, Der Säge Blatt den Stamm durchdringt. Wenn das Gewehrschloß droht und knackt, Ersdiallts, als wärs ein einz'gcr Takt: Tausend Kameraden, Mann an Mann, Gefangen, bewacht, in Acht und Bann, Stolz bleibt das Herz und fest unser Sinn: Wir werden frei zur Heimat ziehn! Und stieß das Schicksal uns in Nacht, Der Tag kommt, wo uns Sonne lacht, Und wer in diesem Haus verweilt, Zu Weib und Kind und Freunden eilt! Tausend Kameraden, Mann an Mann, Nicht mehr gefangen, in Acht und Bann, Mit heißem Herzen stürmen wir heim Und frei, frei frei wird Deutschland sein! ®ec Mmmdscfie Der Nationalsozialismus ist eine Lehre der ständigen Exaltation. Wer nationalsozialistische Versammlungen besucht hat, weiß, daß im Kreise der Gläubigen nichts so schwächlich wirkt, wie sachliche vernunftvolle Argumentation. Das Rednerische ist alles, und je mehr es aufhört, Mittel zum Zweck der Verständigung zu sein, je mehr der Verstand ausgeschaltet wird, desto stürmischer gehen die Hörer mit, berauscht, hingerissen, Schweiß auf der Stirn und die Lichter des seelischen Rauschs in den Augen. Wer hat nicht erlebt, daß in der vergifteten Atmosphäre der nationalsozialistischen Propaganda Freunde plötzlich zu schurkischen Verrätern wurden, daß Frauen ihre Männer an die Henker verkauften, wer erinnert sich nicht der „freundlichen Nachbarn", die plötzlich alle Menschlichkeit vergaßen und tausend Pfeile menschlicher Niedertracht nach dem Marxisten oder Juden schössen, dessen Freundschaft sie früher suchten. Diese Veränderung führt entweder zur absoluten Gemeinheit bei den Zynikern, oder zur geistigen Umnachtung bei den labilen Schwärmern. So ist eine neue Spielart des religiösen Wahnsinns, der Hitlerwahn, entstanden. In Neunkirchen im Saargebiet mußte dieser Tage eine Frau in die Irrenanstalt überfüht werden, weil sie auf der Straße fliegende„Heilsversammlungen" arrangierte, in denen sie, wortwörtlich Hakenkreuze schlagend, erzählte, daß Hitler ihr B/äutigam sei, der sie demnächst in feierlichem Zuge nach Berlin holen werde. Ihre Spargroschen benutzte sie dazu, um unzählige Handzettel drucken zu lassen, auf denen zu lesen war:„Die Braut Adolf Hitlers spricht..." In München und Magdeburg haben sich ähnliche Fälle von Hitlerwahn ereignet. In Berlin trat eine Besessene auf, die, mit einem riesigen Hitlerbild auf der Brust, die Behauptung aufstellte, Adolf Hitlers leibhaftige Tochter zu sein.— Sagt'das alles nicht genug? Der Hitler-Faschismus ist eine Geisteskrankheit, an der noch heute, da der Gesundungsprozeß bereits im Gange ist, Millionen leiden. Ueber kurz oder lang aber werden die Genesenen begreifen, daß die Krankheitserreger nicht wie sie dem Massenwahn verfallene Opfer, sondern durchaus gesunde Halunken gewesen sind! Es wird keine angenehme Auseinandersetzung für die Führer in den Irrsinn werden! Pierre. <%icnamputiede Rechtshunde Die„Deutsche Juristenzeitung", Berlin, eine der angesehensten juristischen Fachzeitschriften, stößt folgenden SOS- Ruf aus: „Jedenfalls steht unsre Reichsgesetzgebung vor einer Aufgabe, wie sie gewaltiger kaum zu denken und wie sie nur in vielen Jahren zu bewältigen ist. Diese Dinge, auf die der Reichsjustizkommissar Frank oft genug hinweist, übersehen die, die geringe Kenntnis mit viel Redeeifer vereinen. Dem Maikäfer in der Zigarrenkiste erscheint die Welt vermutlich klein und einfach. Den Bilderstürmern vergleichbar, möchten diese Herren am liebsten jede Rechtswissenschaft beseitigen. Kommentare und Lehrbücher vernichten, der Rechtskunde das Hirn amputieren. Möchte doch die von oben ergehende Mahnung einmal Frucht tragen, erst einmal zu arbeiten und die nötigen Kenntnisse zu erwerben! Das Reden und Schreiben wirkt dann überzeugender." Im Gegenteil! Im„dritten Reich" wirkt nichts so überzeugend wie die von keinerlei Sachkenntnis beschwerte Maul- aufreißerei. Wenn die Hakenkreuzherde für Vernunftsgründe zugänglich wäre— das ganze„dritte Reich" wäre niemals susgebrochen...,„ Jivnzentcatiansia^ee- Revue Im neuen Deutschland wimmelt es gegenwärtig von braunen Messen. Auch die Stadt Oranienburg hält jetzt ihre Messe ab. Das wäre aber noch nicht weiter bedeutungsvoll, wenn man diese Gelegenheit nicht benützt hätte, die erste Konzentrationslager-Schau damit zu verbinden. Eine Schau, die das Verlogenste darstellt, das man sich überhaupt denken kann. Oranienburg liegt durch die Enthüllung Gerbart Segers den Erneuerern besonders schwer im Magen. Nachdem sie mit ihrer Sanatoriumsbeschreibung über das Lager in der ganzen Welt nur einen Lächerlichkeitserfolg ernteten, probieren sie es nun mit einer„Schau". Was man da schaut, sind natürlich nicht die Gummiknüppel und Marterwerkzeuge, mit denen die Häftlinge täglich geprügelt werden, sondern ein geradezu rührendes Verhältnis zwischen Gefangenen und den Wachmannschaften. Hilgenbergs„Tag" schreibt darüber: „Den Hauptanziehungspunkt der Messe bildet die„Konzentrationslager-Schau". In eindringlicher Weise wird dem Beschauer klar gemacht, wie unwahr und verlogen die ausgestreuten Berichte über die Behandlung der Lagerinsassen sind. Reizende Holzarbeiten der Lagerinsassen als Geschenke für die Wachmannschaften und andere Gegenstände sind ausgestellt. Unter anderem sieht man auch eine Sammlung von Waffenfunden. Wie segensreich und notwendig die Schaffung und Unterhaltung der Konzentrationslager war, zeigt ein Bild der Schlafränmc und der Großküche, die täglich 1758 Liter Essen verabreicht. Viel andere Gegenstände aus dem Lager ergänzen die Schau." Die Bilder, die Seger in seinem Buch„Oranienburg" von der braunen Hölle entwirft, fehlen allerdings. Vielleicht aus .Vergeßlichkeit!.„.wirf,*» Jcedecich BeCius f Der große englische Komponist Frederick Del ins ist in seinem Heim in Grez sar Loing bei Paris gestorben. Das Schaffen von Delhis ist in den letzten Jahnen auch in Deutschland stärker beachtet worden, obwohl er sich Bühne und Konzertsaal bisher nicht dauernd zu erobern vermochte. Einen Teil seiner Stoffe nahm er ans den Dichtungen des Dänen J. P Jacobson. Delius war seit vielen Jahren blind und teilweise gelähmt. 2)er Jiihcec und die Sprache Daß einer, der sich Deutschlands Führer nennt, Nicht mal die Regeln seiner Sprache kennt, Ist das nicht Krampf? Wer es nicht glaubt, der lese zur Erbauung Das Standardwerk der Nazi-Weltanschauung, Hitlers„Mein Kampf". Wenn ein Quartaner schriebe solchen Stil, Er käme sicher nicht ans Klassenziel, Er bliebe„kleben". Doch wenn der Osaf unsre Sprache schändet, Wird ihm im ganzen Reiche Lob gespendet. So ist das eben! Aus Oesterreich kam ein hungernder Geselle, Und Deutschland räumte ihm die erste Stelle Im Staate ein. Nun kriechen alle Bildungskomödianten Vor diesem größten aller Ignoranten. Es ist zum Spein! .... Hör i ti j. Steaußens iüdische freunde Woran«ich der Präsident der Reichsmusikkammer nicht gern erinnert Richard Strauß hat am 11. Juni seinen 70. Geburtstag gefeiert. Aus diesem Anlaß erinnert die Presse des Auslands daran, daß dieser heute größte deutsche Komponist, der als Sohn eines armen Hornisten seine Laufbahn begann, stets sehr stark von Juden gefördert worden war. Richard Strauß hat nicht nur in seinen Entwicklungsjahren, sondern auch in seiner Glanzzeit fast nur mit Juden verkehrt. Beim Berliner Großkonfektionär David Levin hat er viele Jahre kostenlos gewohnt und gegessen, und zwar keineswegs als mittelloser Student, sondern als Gatte einer Tochter de* Brauermillionärs Pschorr und als hochbezahlter Dirigent der Staatsoper. Seine Elektra hat er Levin gewidmet. Audi die Küche eines wohlhabenden jüdischen Kapellmeisters stand ihm jahrelang zur Verfügung. Sein Sohn verheiratete sich mit einer Prager Jüdin, einem Fräulein Grab. Aus dieser Ehe stammt aein Sohn, mit dem sich Strauß in der„Berliner Illustrirten Zeitung" abbilden ließ. Im„dritten Reich" weiß man nicht, daß Strauß' Enkel ein Judenstämmling ist. Strauß verkehrte in Berlin mit Theodor Wolff, Georg Bernhard und Alfred Kerr. Mit Max Reinhardt stand er auf ausgezeichnetem Fuß, der Jude Hugo v. Hoffmannsthal hat ihm die Texte zu seinen Opern geschrieben und seine Balletts arrangiert....—y Ulan hat es! Das Zimmer, wo der„Führer" lag... Die Landesversicherungsanstalt Berlin gibt bekannt:„Bekanntlich hat sich der Führer im Jahre 1916 als Verwundeter in den Heilstätten Beelitz, deren Eigentümerin die Landesversicherungsanstalt Berlin ist, aufgehalten. Es ist vor kurzem in der Presse zum Ausdruck gebracht worden, daß man heute noch in Beelitz nach dem Zimmer suche, in dem der Führer damals gelegen hat. Dazu ist mitzuteilen, daß ea nach vielen Bemühungen in den allerletzten Tagen gelungen ist, das Zimmer zu ermittein. Es sind deshalb bereits vom Vorstande der Landesversicherungsanstalt Berlin die für eine würdige Herrichtung des Zimmers erforderlichen Vorarbeiten in Angriff genommen; über sie wird in nächster Zeit Näheres der Öffentlichkeit berichtet werden können." * Es fehlt bei dieser offiziellen Meldung der Berliner Landesversicherung leider das Wesentliche: die Feststellung, wieviel Kranke, die in dem geheiligten Zimmer lagen, durch die vom„Führer" hinterlassen« Aura wieder genasen. ZeUsUotizen Japanisches Studieninstitut an der Sorbonne Die Milliardärs-Familie Mitsui, die als die reichste der Welt gilt, hat es der Pariser Universität durch eine großzügige Stiftung ermöglicht, ein japanisches Institut zu eröffnen. Dieses soll in Frankreich alles fördern, was geeignet ist, eingehende Kenntnisse Japans, seiner Geschichte, seiner Einrichtungen, seiner Literatur, seiner Kunst, seiner Boden- Beschaffenheit, seiner Lebensquellen und Entwicklungsmöglichkeiten sowie des sittlichen und geistigen Lehens seiner Bevölkerung zu vermitteln. Das Institut wurde dieser Tage in Anwesenheit des japanischen Botschafters in Paris feierlich eingeweiht. Gütt von der Sippe Ministerialdirektor Dr. Gütt, Leiter der Abteilung für Volksgesundheit im Reiehsministerium des Innern, hielt in der Hochschule für Politik einen Vortrag, in dem er die Kinderarmut des deutschen Volkes beklagte und ausführte, daß Deutschland eigentlich„9 bis 10 Millionen mehr Kinder haben müßte, denn mehr Kinder als Nur-Verbraucher hätten uns vielleicht das Arbeitslosenelend nicht so stark fühlbar werden lassen. Dr. Gütt gab die Anregung, die Standesämter umzuwandeln... Gleichzeitig warnte der Redner vor einer Ueberschätzung der Bildung und»teilte den Vorschlag auf, die Lehrzeit an den Hochschulen abzukürzen..." Nobel-Preis 1934''" v<<>,>. ,.59»--» Die vier Nobel-Preise für Literatur, für Medizin, für Physik und für Chemie werden in diesem Jahre je 162 607 schwedische Kronen betragen. Für den literarischen Nobel- Preis sind zwar schon wieder verschiedentlich Namen genannt worden, aber, wie in Stockholm betont wird, beruhen alle diese Nachrichten auf Vermutungen,-— gerade was den Nobel-Preis für Literatur betrifft, ist mau ja an Ueber- raschungen gewohnt, denn auch im vergangenen Jahre war man nicht wenig erstaunt, als dem Russen Iwan Bunin, an den man kaum hatte denken können, der reiche Preis suge- sprechen wurde.--•-~— .Deutsche Freiheit« Nr. 184 Das bume Matt Donnerstag, 14. Juni 1934 Rasputins Tochter erzählt Der Grenzbsum London, Ansang Juni. War Rasputin, die mystische und treibende Kraft hinter dem Thron von Rußland, ein Heiliger oder ein Verbrecher? Vor einigen Monaten schon spielte diese Frage eine wesentliche Rolle in dem Prozeß, der vor dem Gericht in London verhandelt wurde. Der russische Graf Jussuposf, der in Paris lebt, der eigentliche Mörder Rasputins, wurde damals über die Persönlichkeit seines Opfers befragt. Der Graf beantwortete die Frage dahingehend, daß er Rafputin für einen Verbrecher und einen Schädling für das Land ge- halten habe und daß er es deshalb als seine Pflicht an- gesehen hätte, ihn aus dem Wege zu räumen. Aber nicht über die Rolle des Grafen bei den dramatischen Geschehnissen am Hose von Petersburg hatte das englische Gericht zu entscheiden, sondern über die Klage seiner Frau gegen eine amerikanische Filmgesellschaft. Die Filmfirma hatte in einem Filme, der dieses Thema zum Gegenstand hatte, der objektiven Wahrheit zuwider eine Freundschaft zwischen der heutigen Gemahlin des Grafen Jussupofs und Rasputin konstruiert, während sie in Wirklichkeit Rasputin auch nicht ein einziges Mal in ihrem Leben gesehen hat. Ter Klage auf Erstattung einer hohen Entschädigung und Einziehung des Filmes wurde bekanntlich von dem eng- lischen Gericht stattgegeben. * Unter dem Titel„Mein B a t e r" veröffentlicht die Tochter Rasputins jetzt ein Buch, das in diesen Tagen in einem englischen Verlage erschienen ist. In diesem Buche macht Maria Rasputin aus ihrem Bater einen Heiligen» denn in keiner Zeile und auf keiner Seite ist er hier der ewige Verschwörer und Ränkeschmieder. Hier arbeitet er nicht zugunsten Deutschlands, wie es so oft behauptet wurde. Hier ergeht er sich nicht täglich in den wüstesten Orgien, wie es so gerne in den Büchern und Filmen über ihn ge- schildert wurde. Als ein Mann, der glaubte, von Gott ge- sandt zu sein, und der nur daran dachte, Rußland zu leiten, den Zaren und die Zarin richtig zu führen, auf den Frieden und den Fortschritt seines Landes bedacht zu sein, immer an andere und nie an sich selbst zu denken,— so erscheint er in den Augen seiner Tochter. Ein einfacher sibirischer Bauer, der einst eine Bision hatte, als er die Becker pflügte, eine Bision, die ihm zeigte, daß er sich erheben solle vom Erdboden, um Menschen zu führen und die Gerechtigkeit zu suchen. Fast scheint es, als hätte sich die Bision der jungen Jeannc d Are in ihrem elsässischen Torfe im fernen Sibirien wiederholt. -* Auch der vielverbreiteten Ansicht, daß Rafputin«in sibirischer Mönch gewesen sei, widerspricht die Tochter mit Nachdruck in. ihrem Buche.„Er war niemals ein Mönch gewesen, noch hat er von irgend jemandem Befehle erhalten, noch gehörte er einer religiösen Sekte an." Niemals macht er von Arzneien Gebrauch, immer heilte er die Krankheiten ausschließlich durch Gebete und Be- schwörungen. So verbreitete sich sein Ruf schnell über seine engere Heimat hinaus und drang auch bis in die Haupt- stadt. Zu jener Zeit lag der junge Thronfolger schwerkrank danieder, und kein Arzt konnte ihm eine Hilfe bringen. Schließlich holte man Rasputin an das Krankenbett, und diese Szene im Petersburger Palast beschreibt Maria Rasputin mit folgenden Worten: „Der kleine Knabe lag fast tot aussehend im Bett, seine Mutter lag weinend auf den Knien neben ihm. Mein Vater betrat das Zimmer, begrüßte die Anwesenden sehr einfach, tüdem er„Guten Tag" sagte,^r küßte nicht einmal die Hände weder des Zaren noch der Zarin, da er nicht wußte, daß es so Sitte war. Dann befahl er den Anwesenden, sich auf die Knie zu werfen und ein gemeinsames Gebet zu ver- richten, während er den Knaben dauernd mit seinen funkeln- den Augen betrachtete und seine Hand aus dessen Stirn legte. Der Zarewitsch sti-'j einen kleinen Seufzer aus und öffnete die Augen. Er war jedoch nicht erschreckt, weil er einen bärtigen Mann neben sich sah, sondern lächelte zuerst ihn, dann seine Mutter und zuletzt alle, die im Zimmer waren, an. Das war das deutliche Zeichen, daß die Lebensslamme in ihm wieder aufgerichtet- war. Der schreckliche Blutsturz hörte auf, die Krise der-Krankheit war überstanden, und der Knabe genas von diesem Augenblick an rasch und voll- kommen." Bei erneuten Anfällen in den folgenden Jahren, von denen der Thronfolger wieder nach der Erzählung der Tochter Rasputins erlöst und gerettet worden sein soll, weilte Rasputin fern von der Hauptstadt, und es war ihm unmög- lich, zur rechten Zeit dort zu sein. Dringend benachrichtigt von des Thronfolgers Krankheit, tat er nichts anderes, als telegrafisch ein gemeinsames Gebet zu schicken. * Mit dem wachsenden Einfluß Rasputins auf den Zaren und Zarin begannen auch die Lügen und Intrigen gegen ihn. Man wollte unter allen Umständ-"i seine Machtstellung untergraben, und besonders seine Freundschaft mit der Zarin wurde von seinen„Freunden" ausgebeutet. Man setzte sogar das Gerücht in Umlauf, daß er und die Zarin die Verbündeten Deutschlands seien und daß sie für einen Separatfrieden arbeiteten. Die heftigen Widerstände von allen möglichen Seiten verfehlten ihre Wirkung auf Rasputin nicht, und in dieser Zeit nahm er die Gewöhn- heit an, Wein in großen Mengen zu trinken, was er vorher nie getan hatte. Bald hatten die Feinde diese Schwäche erkannt und nutzten sie geschickt aus alö Waffe zu seiner eigenen Vernichtung. Man lud ihn ein zu den großen Gelagen in der russischen Gesellschaft und nahm ihn mit zu den Veranstaltungen in der Villa Rode, dem elegantesten und beliebtesten Ver- gnügungslokal der Hauptstadt. Hier wurde auch langsam und planmäßig seine spätere Ermordung vorbereitet. Im Hinblick auf seine Mörder jedoch konnte die Tochter keine wesentlichen neuen Tatsachen bringen, außer ihrer Er- klärung, daß ihr Vater keinen vergifteten Kuchen gegessen haben könne. Da er niemals Süßigkeiten Ungerührt habe, so besteht für sie nur die Möglichkeit, daß er vergifteten Wein getrunken habe. Auch dieses Buch ist natürlich, auf seine Art, nicht frei von einer einseitigen Tendenz, denn sein Zweck ist ja, Rasputin vor der Geschichte zu rechtfertigen und ihn von den vielen Anschuldigungen reinzuwaschen, die von anderer Seite gegen ihn gerichtet worden sind. Aber in jedem Fall bleibt das Buch der Maria Rafputin ein interessantes Dokument, das für die Forschung um einen noch keinesfalls erledigten Geschichtsfall trotz seiner persönlichen Färbung gewiß nicht ohne Bedeutung sein wird. Ernst Schubert. Der Mann, der den C)MN 17bmal überquerte Oer Rekord eines Amerikaners Man hat sich daran gewöhnt, daß fast täglich die Rekorde fallen, und man ist kaum noch erstaunt, wenn wieder ein- mal zu Wasser, zu Lande oder in der Luft eine neue Höchst- leistung vollbracht wird, die alles bisher Dagewesene in den tiefsten Schatten stellt. Gerade haben die Flieger Rosst und Eoöos die Rekordliste der Ozeanflüge um ein neues Meister- stück bereichert, noch ist der Jubel nicht verhallt, der in Europa und Amerika diesem grandiosen Flugabenteuer folgte,— da entdeckt eine Pariser Zeitung gleich einen anderen Ozcanrekord, der zwar nichts mit Schnelligkeit zu tun hat, der vielleicht nicht einmal abenteuerlich ist, der aber doch so außergewöhnlich ist, daß er mit Recht ein Rekord ge- nannt werden kann. Es handelt sich um einen Reisenden, um einen Ameri- kaner namens Venon, der diesen Titel als Rekordmann für sich in Anspruch nehmen darf. Und was hat er vollbracht? Er hat den Ozean zwischen Amerika und Frankreich nicht weniger als 170mal überquert, und das ist gewiß nichts Alltägliches. Herr Venon scheint ein sehr vernünftiger Mann zu sein, denn er selbst findet seinen„Rekord" weder außer- ordentlich, noch besonders originell,— aber schließlich haben die Reporter nicht mit Unrecht diesen 17Sfachen Ozeanreisenden aus seiner Anonymität befreit. Wenn jemand eine Reise tut, dann kann er was erzählen, — und so kann auch Herr Venon einiges erzählen. Seine erste Reise über den Ozean hat er im Jahre 1892 auf der „Gascogne" gemacht, seine bisher letzte auf der„Jle-de- France", mit der er gerade dieser Tage in Frankreich ge- landet ist. Er hat, so erzählt er, also etwa zwei volle Jahre seines Lebens auf Ozeandampfern verbracht, und das will, abgesehen von der Geldfrage, schon etwas heißen. Aber viel- leicht wird ihn fein Sohn noch überbieten. Denn der junge Herr Venon, der heute ganze zehn Jahre zählt, hat es immerhin bereits auf 23 Ozeanreisen gebracht und der als Baby von drei Monaten das erstemal zur großen Ueber- fahrt gestartet ist. Ein hoffnungsvolles Kind, das mutz man sogen! Ja. und dann hat Herr Venon noch von anderen Dingen gesprochen. Er hat dem Reporter erzählt, daß der Präsident Roosevelt das Französische sehr schätze, aber obwohl der fron- zösische Zeitungsmann, der diesen Rekordmann entdeckt hatte, sich natürlich dadurch sehr geschmeichelt fühlen mußte. so wollte er doch eigentlich etwas ganz anderes erfahren, er wollte ja Herrn Benon vor allem von den Eindrücken er- zählen hören, die man erhält, wenn man so ungeheuerlich oft„übern großen Teich" gefahren ist. Doch Herr Venon lenkte immer wieder davon ab, und hat eigentlich nichts Sensationelles mehr berichten können. Biel- leicht kann man auf einer Ozeanreise wirklich nicht sehr viel Neues erleben, und Herrn Benon muß eine solche Reise jetzt wirklich schon so vorkommen wie andern Menschen eine etwas ausgedehnte Fahrt in der Straßenbahn. Am Ende hat Herr Benon nur noch erklärt, daß er Frankreich und die Franzosen genau so gut zu kennen glaube wie Amerika und die Amerikaner,— aber daß dieser Rekordinhaber ein kennt- nisreicher Weltmann sein muß, das ist nun wirklich nichts Absonderliches. Herr Venon ist für die Flieger Rossi und CodoS wahrhastig keine Konkurrenz,— aber Rekord bleibt schließlich Rekord, und die großen Schiffahrtsgesellschasten wären ge- miß nicht traurig, wenn sie möglichst viele so gute Kunden wie den Amerikaner Venon hätten. Lachen nicht verlernen Schwiegervater in spe:„Meine Tochter ist anspruchsvoll. Können Sie mit Ihrer kleinen Brotfabrik eine Frau über- Haupt ernähren?" „Aber ja," versicherte der Bräutigam,„mehr als zwei- taufend Laib Brot pro Tag kann Edith doch unmöglich auf- essen." * Mutti, wovon haben die Motten gelebt, bevor Adam und Eva Kleider getragen haben? s.Paßtime", Bombay.) * „Es muß doch schrecklich sein, wenn eine Giraffe Hals- schmerzen hat." „Ja, aber ein Elefant, der den Schnupfen bekommt, ist auch nicht zu beneiden." „Es gibt aber noch etwas Schlimmeres." „Und das wäre?" „Hühneraugen bei den Tausendfüßlern." <„Berlmske Tidende", Kopenhagen.) Von L. L. Ein Baum, gewachsen t» einem Wald— In Feindesland? In Freundeslanö? Ein Baum gebietet mir heule— Halt! Denn hinter ihm liegt das„Vaterland". Er winkt nicht mit lockenden Farben wie einst, Er mahnt— er warnt— er droht—„Gib acht!" Schon mancher hat an dem Baum geweint. Schon manchem das Vaterland Tränen gebracht! Doch da ist der Baum, nur aus Tannenholz Doch unüberwindlich! Hart wie Stahl! Was ist Vaterland? Wo ist unser Stolz Auf unsere Heimat? Sie war es einmal!! Die Heimat ist, was uns Fremde einst war. Doch stehe ich oft an dem schmalen Baum Und sehe einen Wald, eine Stadt— so klar Wie einen schönen, vergangenen Traum! Mehr Licht für denselben preis Herr Georges Claude hat vor der Pariser Akademie der Wissenschaften einen Vortrag gehalten, in dem er gezeigt hat, wie man große Ersparnisse an elektrischer Energie machen könnte, indem man neue seltene Gase nutzbar macht. Unsere gewöhnlichen Glühbirnen sind mit einem knapp gewordenen Gase gefüllt: dem Argon. Brächte man es nun fertig, dieses Gas durch andere, wie das Crypton und Xenon, zu ersetzen, so würde man ihre Ergiebigkeit um 3S Prozent erhöhen. Die beiden letzteren Gase sind aber nahezu unwelkbar. Das Crypton ist in der Atmosphäre nur zu einem Millionstel Prozent, das Xenon zu 10 Millionstel vorhanden. Herr Georges Claude und seine Mitarbeiter haben sich aber durch diese außerordentliche Seltenheit nicht abschrecken lassen. Seit dem Jahre 1923 haben sie Versuche angestellt, um die be- treffenden Gase in praktisch verwertbaren Mengen zu gewin- nen.— Zuerst hat man sie als Abfallprodukte der Tauer- stoff-Jndustrie aus der Luft selbst zu ziehen gesucht. Die erhaltenen Mengen reichten aber für gewöhnliche Beleuch- tungszwecke nicht aus. Erst als George Claude seine groß- artige Erfindung der flüssigen Luft den Experimenten dienst- bar machte, gelang es ihm, die Gase in bemerkenswerten Quantitäten zu gewinnen. Er ließ die atmosphärische Luft über die flüssige gleiten, wobei er deren Temperatur sehr niedrig hielt. Dadurch wurde die Lust gereinigt und Xenon wie Crypton durch die flüssige Lust zurückgehalten.— Mit stärkeren Maschinen wird es möglich sein, gewaltige Luft- massen— bis zu 200 M0 Kubikmeter— in der geschilderten Weise zu behandeln. Die Ersparnisse an elektrischer Energie, die sich dadurch erzielen lassen werden, werden einen epoche- machenden Fortschritt in der Nutzung elektrischen Lichtes für industrielle Zwecke darstellen. Die yigeuner von Moskau In Moskau leben 20000Zigeuner. Bis in die letzt« Zeit waren sie ein Nomadenvolk. Gegenwärtig sind sie als Arbeiter, Angestellte oder Heimarbeiter beschäftigt. Für die Zigeunersprache, die früher über keinerlei Schrifttum ver- fügte, wurde in Anlehnung an die lateinische Schrift ein eigenes Alphabet geschaffen. Für die Zigeunerkinder sind besondere Schulen errichtet worden, und es werden Bücher und Zeitungen in der Zigeunersprache herausgegeben. Seit drei Jahren ist in Moskau ein Zigeuner-Theater„Romain" tätig. Die Schauspieler sind junge Zigeuner, von denen viele noch im Reisewagen geboren sind. Das Theater unternimmt Touren durch die USSR. Die nächste Tournee wird in Zigeuner-Kollektivwirtschaften führen, und es werben be- sondere Aufführungen für die noch nomadisierenden Zigeuner in verschiedenen Landesteilen veranstaltet werden. Unter den Theaterstücken, die die Zigeuner aufführen, be- finden sich einige Propagandastücke, die die Zigeuner für seßhaftes Leben werben sollen. Erwähnenswert ist darunter das Stück„Das Leben auf Rädern", das das Nomadenleben und die seßhafte Lebensweise einander gegenüberstellt. Außerdem wird„Carmen" zur Aufführung gebracht, wobei Motive aus alten Zigeunerweisen besondere Verarbeitung finden. Tieropfer in Indien Ellare in der Provinz Madras in Indien ist von einer entsetzlichen Pockenepidemie befallen. Um diese Krankheit los zu werden, greift die Bevölkerung zu eigentlich prähistori- schen Mitteln: dem Sühneopser. Gestern hat man der indischen Göttin, der man die Macht zuschreibt, die Krankheit dem Lande zu nehmen, auf riesigen Scheiterhaufen sechs Millionen Stück Vieh geopfert, um ihren Zorn zu besänf- tigen. Die Beamten des Landes und einige höhergestellte Bürger versuchten, diese Kulturschande zu vermeiden, und redeten der Bevölkerung ein, daß nur die medizinische Wissenschaft und die sanitären Maßnahmen imstande wären, die Epidemie verschwinden zu lassen. Aber all diese An- strengungen blieben erfolglos. Lilian Harvey verheiratet sich Lilian Harvey, die seit etwa zwei Jahren in Hollywood weilt, äußerte sich jetzt zu einem Reporter über ihre Pläne für die Zukunft. Nach Beendigung ihres nächsten FilmeS „Serenade" will sie nach Europa kommen und sich hier ver- heiraten. Sie erzählte dem Reporter vor allem, daß sie gerne ein häusliches Leben führen möchte,— so etwas gefällt dem amerikanischen Publikum immer, und welcher Filmstar möchte dem Publikum nicht gefallen? Schließlich wird noch die Tatsache bekannt, daß die so oft angezeigte, aber immer wieder dementierte Ehe zwischen Willy Fritsch, dem deutschen Filmschauspieler, und Lilian Harvey jetzt Wirklich- keit werden wirb,— die Backfische der ganzen Welt werden sicher gratulieren! „Manne" Oskar von Ulm Der 6ereke-Proze0 wird täglich interessanter Berlin, 12. Juni. Im Gereke-Prozeß wurde in bat Be> weisauinahme über den Anklagctompler„Hindenburgaus- schuß" am Ticnstaa iortaciahren. Als erfter Zeuae würbe &er Sohn des Reichspräsidenten Oskar von Hindenburg gehört. In dem Prozeh ist im übrigen eine interessante Wendung eingetreten. Dr. Gereke Hai zu feiner «ierterdigung Material vorgelegt, das im erste» Prozeß noch keine Rolle spielte. Er behauptet, ihm seien schou vor dcni Wahlgan.g von poliiiich interessierter Teile eine halbe Million für die Gründung einer Hindenburg-Zeiinng zur Verfügung gestellt worden. Dieses Geld habe er aber im ^.auic des Wahlkampfes im Interesse der Hindenburgivahl rerau»gaben müssen, als plötzlich der Kandidat Tnsterbcrg von Rcchtskreiien aufgestellt wurde. Die Verwendung der halben Million zur Schwächung des Gegcnlaudidatcu sei im Einvernehmen mit Oberst Oskar von f)iti- oenburg erfolgt. Damit will der Angeklagte Gereke sagen, daß er berechtigt gewesen fcs. von den später eingehenden Hindenbura-Wahlaeldern eine halbe Million abzuzweigen, um damit die vorher von ihm verausgabte Summe wieder zu decken. In seiner heutigen Vernehmung äußerte sich Zeuge Oberst ». Hindenburg zunächst über dos Zeitungsprojekt. Der Angeklagte Gereke habe nach seiner Erinnerung davon gesprochen, daß er 50UÜ0 dafür zur Verfügung stellen könne. Schließlich sei der ganze Plan an Geldmangel gescheitert. Vorsitzender: War zu jener Zeit Dr. Gereke der politische Vertrauensmann des Reichspräsidenten? Zeuge v. Hindeuburg: Das kann man nicht sagen. Er war aber der Verbindungsmann zwischen dem Hin- denburg-Ausichuß und dem Büro des Reichspräsidenten. Wir haben häutig über die Fragen der Wahltaktik-»C- sprachen. Borsitzetider: Dr. Gereke hat die Anbeutung gemacht, daß er durch eine ehrenwörtliche Verpflichtung zum Still- schweigen verpflichtet und in seiuer Verteidigung behindert sei. Zeuge v. Hindenburg: Mir ist davon nichts bekannt. Allerdings haben die Veteiligtcn. die an den Unterredungen über die Zcitung-gründung teilnahmen, sich zur V«r- schwiegenbeit verpflichtet. Diese Pflicht aber gall als erledigt, als der Plan gescheitert war. Die Zettel Vorsitzender: Di« Verteidigung behauptet, es seien mehrere Zettel vorbanden gewesen, die aber später gestohlen worden seien. Ein Zettel vom v. Februar 1932 soll aelautct haben:.Manne will Kurt gewinnen", dahinter seien dann die Namen der DAZ. und der Tagt. Rundschau verzeichnet gewesen. Zeuge v. Hi-Idenburg, lächelnd:„Mauna" ist mein Spitz- «ame und mit„Kurt" ist wohl Herr v. Schleicher gemeint. Vorsitzender: Es wird behauptet, daß dies« Notiz bedeuten soll, daß Sic. Herr Zeuge. Herrn v. Schleicher für dos Zeitungoproiekt gewinnen wollten und an den Ankaut der DAZ. oder der Täglichen Rundschau dachten Zeua« v. Hindenburg: Es ist schon richtig, daß ich m»t Schleicher üb« eine Zeituugsgründung gesprochen habe, aber es ist nie daran gedacht worden, die DAZ. oder die Tägliche Rundschau anzukaufen. Der Vorsitzende hielt- dem Zeugen die weitere Behauptung der Verteidigung vor. wonach sin anderer Zettel geloutet haben soll„480 000 Mark mit Manne b i„rochen. Alter Herr »ars nicht Kaudidat der Linken sein, Zeitnngsfrage znrück- stellen.<80 000 restlos verbrancht". Tie Verteidigung wolle damit zum Ausdruck bringen, daß Dr. Gereke für die ,'lei- lungsgründung 48» UM Mark von anderer Teile bekommen habe, die er nun im Interesse der Hindeuburgwahl ver- braucht habe. Zeuge v. Hindenburg: An alle Einzelheiten während der Gespräche kann ich mich nicht«rinnern. ES ist aber ganz aus- geschlossen, baß man mir gesagt hat, es stünden 48»»»» Mark für die Zeitnngsgründung zur Vertilgung. Die halbe Million in der Matratze Hieraus wird der Zeuge von der Verteidigung gefragt, ab ihm bekannt sei, daß ans der Wilhelmftraße eine halbe Mil- hon zu Dr. Gereke geschickt warben sei. Gereke habe dieie halbe Million sechs Tage lang in einer Matratze eingenäht «nsbewahrt. Dann habe er sie in einer Slttentasche mit in den Illeickrtag genommen und dort sei daS Geld im Interesse der Bekämpfung einer Gegenka-ldidatur von»erteilt worden. äeuge: Nester diele Tinge ist mir nichts bekannt. Es ist ausgeschlossen, daß ich Dr. Gereke eine halbe Million über- geben habe. Verteidiger: Am«. Februar soll Dr. Gerede Ihnen mitgeteilt Hab' daß die Teutschnationaleu einen Ge^.n- kautidaten aufstellen wollten. Sie sollen darauf erwidert haben:„Wir wollen die Seitensprünge des„Silberfuchses" nicht dulden!" ITilbersnchS war«in Tpitzname für r-ugeu- berat. A>tt d'?*- Ihre Bemerkung soll Gerek« geantwortet haben: Schade, dann muß also mein Fonds heran, der eigentlich für andere Socken bestimmt war. Ter Zeuge kann sich au ein solches Gespräch nicht er- inner«. Verteidiger: Ein Zeuge, der wahrscheinlich bald hier er- scheinen wird, hat gesagt, die balbe Million habe bei Dr. Gereke gelegen«nd Sie Herr Zeuge, hätten davoo gewußt. Dr. Gereke soll am 26. F-bruar bei einer Besprechung mit einigen Politikern dieses QWd im Interesse der Bekämpfung des Gegenkandidaten der Teutkcknasionalen verteilt haben, linier Zeuae bestauvtet nun, daß Dr. Gereke I^nen über diesen Borfall Bericht erstattet hat. Oskar von Hinderbung erinnert sich nicht Oberst v. Hindenburg: ES ist möglich. daß er erst über ver- schieden« Sachen berichtet hat. D>e Gespräche gingen ja hin und her, aber ausgeschlossen ist es, daß ich etwa in der Wilhelmstraße Dr. Gereke eine halbe Million übergeben habe. Staatsanwalt: Tie Verteidigung operiert hier mit' Z ugen. die nickt genannt werden, und mit Zetteln, die nicht vorgelegt werde» können. Verteidiger: Wenn nun ein Zeuge auftritt und alle diese Tinge behauptet, könnten Sie dann. Herr Oberst, erklären, daß er lügt? Zeuae: Rein. Ick muß dabei bleiben, daß ich mich ans diele Tinge beim besten Willen nicht im einzelnen besinnen kann. Tr. Gereke: Ich werde nickt daran denken, diese Einzel- stehen hier zu erörtern. Ich werde mich über diele Dinge überhaupt nickt äußern. Zum Schluß seiner Vernehmung erwiderte v. Hindenburg aui eine Frage der Verteidigung: Ich traue Dr. Gereke nicht*«. daß er ssck persönlich ans Mitteln bes Hindenburg- wahlfonbö Vorteile verschaffen wollte. Der Prozeß zu Borst Wessels Daum §Dle ersten Vernehmungen- Zeugen ans der Schatzhall■ Aach die frühere Wirtin Wessels ist darumer. Berti«, 18. Juni 1981. Am Diendtag begann vor dem Berliner Schwurgericht der neue Horst-Wessel-Prozeß, für den drei Verhaiidiungstagc vorgesehen sind Die Anklage wegen gemeinschaftlichen Mordes richtet ssch gegen den 31jährigen Peter Stoll, ben 27 Jahre alten Satin Epstein und den llSjährigen Haus Ziegler. Tie Anklage behauptet, daß die drei Angeklagten als Mittäter an der Erschießung des TA.- Sturmiübrers Horst Wessel am 14. Januar 1930 in Frage kommen Auf eigenartige Weite kam die Polizei auf die Spur dieser drei. Eine- Tages geriet der Angeklagte Stoll in betrunkenem Zustande in einem Lokal mit seiner Frau I« eine« wüste« Streit, der sich schließlich auf der Straße noch fortsetzt«. Plötzlich rief die Frau de- Stoll in höchster Wut ihrem betrunkenen Mann :«Tu willst e< wohl mit mir genau so mache», wie du es „pmurfit baft!" Diese Worte wurden gehört. im ersten »N.„-4 U lUlllfl t, i.vst_— I mit Horst Wessel gemacht haft^—____ und Stoll wurde festgenommen. In diesem Prozeß lautet die Anklage auf gemeinschaftlichen Mord, während»« Horst-Wessel-Prozeß die Verurteilung nur ivege» gemeinschaftlichen Totschlages erfolgte Die Angeklagten im ersten Horst-Wessel-Prozeß er- hielten'damals Zuchthausstrafe». Tie drei setzt Angeklagten sollen nach Auffassung der Anklage bewußt und gewollt mit den Haupttätern. tec inzwischen verurteilt worden sind, zusammengewirkt haben. Für die Verhandlung-find von der TGat-anwaltschait 20 Zeugen benannt worden. Außerdem ist ein Such- *" ni(i t ii T vn. nupvtvvin..... verständiger geladen. Zunächst wird der Angeklagte Stoll vernommen Nach einer kurzen Schilderung seines Lebens- laufe» äußert er sich zu der Anklage. Als Mitglied der Sturmabteilung Mitte, olner getarnten Organisation deck Rotfiöntkämpferbiinde-, habe er am Tage 'w Versammlung in dem Lokal von Baer, dem *' SUri to/ii+i der Tot an einer Versammlung in oem evi». kommunistischen Verkehrslokal, teilgenommen. Plötzlich kam der Kommun-'' in- Vereinsziwmer und jagte zu Iambrowski: »Komm doch mal raus, »ine Frau will mit dir sprechen" Aus Neugier will der Angeklagte hinterhergegangen sei und gehört haben, daß die Frau— es handelt sich um Frau Salm, die Wirtin Horst Wessels— von Iambrowski verlangte, daß ein„Nazi- mann" au» ihrer Wohnung befördert werden sollte. Der Angeklagte bekundete dann weiter, daß er »»sammelt mit Innek in ein anderes Lokal ging und dort hörte, wie äuuet nach„Ali" fragte. Was Iunek dann verab- redete, habe er, bei Angeklagte, nicht hören können, weil er al'iett» gestanden habe. Als sie wieder in das Lokal von Baer zurückkehrten, fragte Iambrowski: Kommen Sie? Iunek bejahte diese Frage. Sie verließen dann da- Lokal, und er ging an- Neugierde ober Dummheit hinter den anderen her. An einer Straßenecke erhielt er die Anweisung, stehen»u bleiben. Als der Vorsitzende ihn wiederholt unterbricht und ihm die Unglaubwürdigkeit seiner Angaben vorhält, beteuert der Angeklagte Stoll immer wieder, daß er keine Ahnung von dem Mordplan gehabt habe. Er sei tatsächlich nur ans Dummheit in die Sache hineingekommen. Vors.: Wenn Tie sich unschuldig fühlten, warum habe» Tie dann im August des vorigen Jahres einen Selbst- mo r d v e rs n ch begangen? Angeklagter Stall: Es tat mir leid, baß ich in eine solch? Sache and Dummheit hineingekommen bin. Ich habe mich geschämt wegen einer so lumpigen Sache. Vorl.: sunterbrechend. sehr erregt»: Das nennen Tie einelnmpigeTache? Tie lind hier als Mörder angeklagt, machen Sie sich dos klar. Da» ist ja ganz unglaublich. Der Angeklagte Solln Epstein hat ebenfalls in dem kommunistischen Verkehrslokal von Baer in der Dragoner- straße verkehrt und war ebenfalls Mitglied der kommunisti- scheu„Sturmabteilung Mitte". Am 14. Januar, dem Tage der Mordtat, will Epstein beob- achtet haben, daß zwischen Zunek und Iambrowski geheim- nisvolie Tinge verhandelt wurden. Als mehrere Komm»- nisten dann das Lokal verließen, sei er hinterher gegangen, aber nur, um einen Freund in der Weberstraße auszusuchen. Als ihm der Vorsitzende vorhält, daß diese Angabe eine Lüge sein müsse, bleibt er doch dabei, daß er von dem Mordplan und der Tat selbst nichts gewußt habe. Ter dritte Angeklagte Ziegler war in Lokal von Baer angestellt. Am 14. Januar sei Fra» Salm, die Wirtin Horst Wessels, ins Lokal gekommen und habe einen Führer der „Tportabteilung" sprechen wollen. Ziegler will kein Interesse an der Angelegenheit, die er als eine Miel- st r e i t i g k e i t ansah, gehabt haben. Er sei dann von Neu» gierbe geplagt loorden. als mehrere Kommunisten, darunter der Mörder Ali Hohler, da- Lokal verließen, und hinter ihnen hergelaufen, um zu erfahren, wa- vor sich gehen sollte. Bor dem Hause Horst Wessels seien schon mehrere Kommu- nisten versammelt gewesen. Er habe e» aber mit der Angst zu tun bekommen, sich heimlich gedrückt»nd sei«ns Lokal von Baer zurück- gegangen Tort ermahnte Iambrowski die Genossen, den Mund über die Sache zu halten, einem Verräter iviirde es genau so gehen wie Horst Wessel. Ziegler behauptete, in diesem Augenblick den Namen Horst Wessel zum er st e» Male gehört zu haben. Trotz aller Einwendungen des Vorsitzenden bleibt er dabei, mit der Tat nichts zu tun und von der Erschießung erst am anderen Tage in der Zettung gelesen zu haben. Dann wurde die Vermieterin, bei der Horst Wessel zuletzt gewohnt bat. die Witwe Elisabeth Salm, an? der Schutzhaft s!s vorgeführt. Sie ist im erste» Prozeß im September 1980 zu 1'/, Iahren Gefängnis verurteilt worden und hat ihre Strafe'— knndung ist Horst Wessel im Oktober 1L2S zu. ihr gezogen. Im Januar 198» kam es zu M i e t st r e i t i g k e i t e n, und sie ist in das Lokal von Baer gegangen, um einen Bekannten ihres Mannes zu ihrer Unterstützung zu holen. Als sie dort von dem Streit erzählte, sagte plötzlich Mar Iambrowski: „Das ist ja der langgesnchte Horst Wessel!" Taraus be- gleiteten mehrere Kommunisten die Salm in ihre Wohnung. Tie Zeugin will aber nicht gewußt haben, wa- diese ihr z. T. Unbekannten dort gewollt hätten. Sie habe sich nicht be- sonders um sie gekümmert, sondern Kaffee gekocht. Als aber Horst Wessel niedergeschossen war, habe sie sich sofort um ihn gekümmert, nachdem die Täter eiligst die Wohnung verlassen hatten. Horst Wessel verlangte Wasser und forderte sie auf, die Polizei zu verständigen und einen Arzt za rufen. Außerdem bat er um seine Papiere. Wenige Minuten später, als sie gerade einen Arzt hätte ruien wollen, seien Kameraden Horst Wessel» eingetreten. Alach der Vernehmung von Frau Salm wurden die drei Gebrüder Iambrowski aus der Schutzhaft als Zeugen vorgeführt, die bereits im ersten Horst- Wessel-Prozeß abgeurteilt worden waren. Ter Zeuge Mar Iambrowski gibt zu, nach der Mordtat im Lokal von Baer seine Genossen auigeiordert zu haben, den Alund über das Geschehene z» halten„Einem Verräter werde es genau so ergehen wie Horst Wessel." Im übrigen will der Zeuge nichts von dem Mordplan gewußt haben und erklärt«, man iei in d: c Wohnung Horst Wessels ge- gangen, um die Strei'irage in einer Auseinandersetzung zn klären, die zwischen Frau Salm und ihrem Mieter Horst Wessel bestehen sollte. Ter Zeuge Willi Iambrowski bekundete, nach der Tat sei Ali Höhler mit dem Rufe die Treppe herunter- gestürzt:„Erledigt! Türmt!" Als der Zeuge seine weitereu Aussagen sehr zurückhaltend macht, weist ihn der Vorsitzende energisch daran! hin. daß e- noch heute möglich sei, ihn wegen Begünstigung unter Anklage zu stellen, wenn er durch seine Aussage die Schuldigen decken wolle. Am Mittwoch wird die Beweisaufnahme sortgesetzt werden. Wie die Bande Iflgl Das Reisegeld für Frau Seger sSopode.! Tie deutsche Regerung hat in ihrem Racheseld- zug gegen den früheren sozialdemokratischen Reichsiagsab- geordneien Gerhard Teger eine ichwere Niederlage erlitten. Tie mußte Frau Teger und ihre'^» Monate atte Tochter, die sich seit Januar d. I. als Geiieln in dem Konzentrations- lager befanden, freilassen, und die englische toniervative Abgeordnete Mrs. Tat« setzte auch die Ausrei.egenehmigung für die b-iden Freigelassenen nach London durch. Um das stark tramponierie Ansehen der dentichen Regie- rung wieder etwas zu verbessern, erklärte das Propaganda- Ministerium den englischen Presseverlretera, daß die dent'che Regierung die Kosten für de» Fing von Berlin nach London übernommen habe. Jetzt stellt sich heraus, daß die Behau?- tung eine neue Lüge ist. Das Reiiegeld ist nämlich nicht von der dem che« Regierung, zur Beringung gestellt worden, sondern es wurde vorher bei Gerhard Seger be- i ch 1 a g ii o h m l. Seger hatte, um leine Frau vor Repressa- lien zn schützen, den Versuch gemacht, durch eine» Dessauer Rechtsanwalt die Scheidungsklage einzuleiten. Ter Rechtsanwalt erhielt von Seger einen Kostenvurichuß in der Höhe von 142 Reichsmark. Dem Rechtsanwalt wurde aber vo» seiner nationalsozialistischen Standeöorgantsation die Vertretung Seges in diesem Zivilprozeß nmersagt, und er sandte daraufhin mit Genehmigung der Devisenstelle den emplangzne» Kostenvorscknß an Teger zurück. Auf dem Tessauer Postamt, wurde der Betrag sedoch nach der Einzah- lung von de r p o 11 t i scheu Polizeibelcklagnahmt und jetzt verwendet man dielen Betrag, um den Flugpreis der Tepers Angehörigen zu zahlen. Diese Handlungsweise zeigt besser als lange Darlegungen be» moralischen Tiefstand, der die heute in Teutschland re- gierenden Männer auszeichnet Tie können nicht einmal eine Niederlage ander» liauidieren als mit einer nenen Lüge gegenüber den Vertretern der Weltpresse. „Nach Dachau" Tie Bäuerische Politische Polizei hat die Urb ninl,rung de? TagnerS Friedrich Asel. geb.«. 7. 1803, wohnhaft zu Kaiserslautern, angeordnet. Asel„beschimpfte in der unflätigsten Weise" Leute, die au-Anlaß der Feier des Tages der nationalen Arbeit am 1. Mai die Hänser geschmückt hatten und brachte leine staatsfeindliche, kviimiinistische Gesinnung offen zum Ausdruck. Was dem Deutschen nottut tInpreß.j In Verden soll ein Ehrenmol 1». durch Kaiser Karl den Großen«hinge-ichteten Tachten" erbaut iverden. Es soll ein 12 Meter Hobes Staudbild Widutinbs zu Roß auf einer Felsplatte und auf einem Pyramiden- förmigen Fundament zeigen. Ks» Meiiestte D'e Regieruugskommission des Saargebietes hat die für den 18. bis 15. Inns angesetzte,, Kundgebungen der kommunistischen„Freiheitsaktion" verboten. Die Kundgebungen sollte« in sieben Orten des Saargebietes stattfinden und in kommunistischem Sinne zur Bolksabstim« mung Stellung nehmen. Bor dem 4. Strafsenat des Reichsgerichts in Leipzig be, beginnt am t». Juni ei« Hochvmatbprvzcß gegen nicht weniger als 8 0 Angeklagte. Es handelt sich dabei«m Angehörige früherer kommunistischer Organisationen ans dem Erzgebirge, wo die»PD. bis in die letzt« Zeit vor der nationalsozialistisch«» Revolution bemüht gewesen sei,, soll, sich durch Schmuggel über die Grenze Wasse» zu beschassen. Aus dem Fnnkraum des Dcntschlandscnders wurde am Dienstagabend das erste deutsch-sranzS- fische Austauschtonzert gesendet, dem in nächster Zeit eine Sendung von einem iranzösilchcu Sender folgen wird. Der dentich-sranzösijchc Musilanstausch wurde durch eine Rede des Staatssekretärs Funk eröffnet. Der Verwaltungsrat der sozialistischen Partei Frankreich» hat hinsichilich der mit der kommunistischen Partei cingelei, toten Vorverhandlungen über eine Einheitsfront zn»«er, tc'digung der„Opfer des Faschismus" beschlossen, de» Kommunisten vor,«schlagen, alle polemischen, beleidigende» «nd verleumderische« Angrisse zwischen Stommunistrn und Marxisten einzustellen, ohne grundsätzliche Fragen preis« zugeben, und aus Grund dieser Feststellung dann über de« Plan einer Einheitsfront weiter zu verhandeln. B." Lt. Av s ld ist d-r Lastkraftwagen einer Straßbnrger Brauerei, der mit einer Rterladun« nach Metz unterwegs war, gegen eine» Bann, gefahren Der Wagenführer kam«ms Leben, der Beifahrer wurde schwer verletzt. In der Marne unweit Paris wurde die Selch« eines Mannes ansgefunden, die etwa eine Woche in. Wasser ae, legen haben muß. Der Tote hielt in de» Ha„d einen ae. zückten Dolck am On«w inzwischen ichen verbüßt. Nach ihrer Be- sestjgt. in orr Hand einen zückten Dolch.'"««'' Kopie baiie er«ine klaffende Wunde, seinem Gürtel na t ein 7 Kilogramm schwerer Stein festigt. an be, Pariser Berichte kse Fünf Jahrhunderte Literatur Das Pädagogische Museum in Paris hat unter dem Protektorat des Präsidenten der Republik eine interessante Ausstellung eröffnet:„Fünf Jahrhunderte Literatur". Es ist eine Sammlung von Bildern aller französischen Literaturgrößen. Da hängen die Bilder von Menschen der verschiedensten Jahrhunderte nebeneinander, die Gräfin de Noailles neben Fran^ois Villen, Porto-Riehe neben Anatole France, Victor Hugo neben Dumas pere, George Sand ganz nahe bei Sainte-Beuve, nur zwei Bilder hängen ganz einsam für sich, ohne Nachbarschaft: die Bilder von Meliere und Descartes. Dieser Ueberblick in Bildern wird glücklich ergänzt durch die Ausstellung von Büchern, die gleichfalls einen interessanten Querschnitt durch fünf Jahrhunderte französischer Literatur darstellen. Eine der Dolly Listers soll elfeinhalb Millionen zahlen Wir haben vor einiger Zeit über das Schicksal einer der Dolly Sisters berichtet. Die eine der eleganten Tänzerinnen, die das Entzücken aller Stätten des Reichtums und des Vergnügens waren, heiratete einen reichen Engländer. Die andere hatte einen Autounfall, wurde entstellt im Gesicht, kam ins Elend. Die arme Jenny mußte alle ihre Brillanten versetzen, die sie noch aus der schönen Zeit von der Riviera von der Azurküste hatte. Und da kam der Fiskus, der Zollteufel, und vernichtete sie ganz— einen weggeworfenen Luxusgegenstand der Bourgeoisie... Jenny Dolly hatte von einem Freund einen besonders schönen Diamanten von 51 Karat 78 geschenkt bekommen, den sie zum Ausfuhrpreis erwarb und nach London brachte, von wo sie ihn später, ohne die Taxe zu zahlen, nach Paris zurückführte. Diese Transaktion führte ihr inzwischen verstorbener Sekretär Felix Rosemberg durch. Jenny Dolly hat noch etliches bei der Versteigerung der Steine herausbekommen. 1,6 Millionen für den Diamanten, um ihre Schulden zu bezahlen, aber jetzt vereitelt ein Gerichtsbeschluß alle Hoffnungen. Die alt gewordene Luxusschönheit ist zu 11 466 285 Franken Zahlung verurteilt worden, diese Summe setzt sich zusammen aus etwa 4,5 Millionen Franken Wertsteuer, weiteren 4,5 Millionen Franken Geldstrafe, vermehrt um fünf Zehntel, etwa also weitere 2,3 Millionen Franken, der Rest sind wohl Kosten, und dazu kommen die Anwaltsgebühren, und noch drei Tage Haft, mit Aufschub, für das Opfer. Jenny Dolly, einst schön und begehrt, wird ausgepfändet werden. Und das ausgerechnet in einem Moment, in dem die Luxussteuer fällt! „Der Coup von Trafalgar" Ueber die neue Aufführung ,.Le Coup de Trafalgar", die der Rideau de Paris im Theatre de l'Atelier gegeben hat, schreibt der Kritiker Le Cardonnel: Das erste Bild des Stückes von Roger Vitrac heißt„Mai 1914". Es läßt in karikaturistischer Art die Mieter eines.Hauses im Frühling 1914 in der Loge einer Portierfrau aufziehen, und ist wirklich amüsant... Eine geschickte Kasperei. Weniger lustig sind die beiden nächsten Bilder„14. Juli 1914", trotz des Auftretens derselben Typen. Das vierte Bild, das sich im April 1918 in einem Keller während eines Fliegerüberfalls abspielt, ist recht ulkig, aber nicht ganz frei von Geschmacklosigkeiten. Denn es gibt dabei Mieter, die sterben. Aber Scherz ziemt sich nicht für alles. Man muß feststellen, daß der Coup von Trafalgar der Krieg ist. Im letzten Bilde, im Jahre 192... am Vorabend eines neuen Krieges haben wir ungefähr den Eindruck, daß uns, als Schlußabrechnung, der Coup verabreicht wird. Scherze müssen schon kürzer sein, und immerhin auch eine zusammenhängende Handlung haben. Als leichte Zeichnung immerhin begabt und sehr gut von einer vortrefflichen Truppe gespielt... Da» Fest von Neuilly verpflanzt Das Fest von Neuilly, einer der ältesten Jahrmärkte von Paris, kann dieses Jahr wegen der großen Umbauten an der Porte de Meillot am Eingang in das Bois de Boulogne nicht abgehalten werden. Infolgedessen ist es, etwas gewaltsam, in das 12. Arrondissement übergesiedelt, an das andere Bois, das Paris besitzt, das von Vincennes. Dort werden die lustigen Buden im Arbeiterviertel aufgestellt, und der neueröffnete Zoo von Paris, mit den wunderbaren Freianlagen für die Tiere, wird sicherlich zahlreiche Neugierige in den Osten der großen Stadt locken. Das Fest der einfachen Leute von Paris beginnt am Samstag, dem 16. Juni, und dauert bis zum 1. Juli. Der Nationalfeiertag am 14. Juli kommt dann bald hinterher. Geselliges Beisammensein im Deutschen Klub Am Sonnabend, den 16. Juni, um 21 Uhr, veranstaltet der nicht gleichgeschaltete Deutsche Klub ein geselliges Beisammensein mit Tanz. Gäste sind sehr gerne willkommen. Es wird um ein Unkostenbeitrag von 5 Franken gebeten. (Stellungslose: 3 Franken.) Die Adresse des Deutschen Klubs lautet: Universite du Parthenon, 64, Rue du Rocher, Paris 8°(am Bahnhof St. Lazare). In der Pariser Oper Die Pariser Große Oper entwickelt einen erstaunlichen Eifer, gleichermaßen in der Vorbereitung neuer wie in der völligen Neueinstudierung älterer Werke. Darüber hinaus hat sie jetzt den Entschluß zu einer schönen Geste Deutschland gegenüber gehabt. Sie hat einem Sängerensemble, das aus Bayreuther Kräften bestand, und unter Führung des Herrn Staatsrat Furtwängler kam, die Szene der Aca- demie Nationale für vier Festaufführungen von„Tristan" und„Meistersinger" in deutscher Sprache und„Bayreuther Stil" zur Verfügung gestellt. Das bedeutet in dieser Zeit der politischen Hochspannung etwas mehr als in den Jahren Briand-Stresemannscher Locarno-Politik, und man hätte annehmen dürfen, daß die deutschen Kräfte in Anerkennung dessen etwas Einzigartiges an Sauberkeit, Geschlossenheit und Stilstrenge der Aufführung bieten würden. Ich hatte Gelegenheit, eine der„Meistersinger-Aufführungen zu hören. Die Aufführung war ausverkauft. Nicht nur die Abonnenten der Oper, verstärkt durch Saisonbummler und beträchtliche Teile der Pariser hitlerdeutschen Kolonie füllten den Saal, auch das offizielle Paris ließ es sich nicht nehmen, etwa durch Paul Valery vertreten zu sein und die internationale Musikwelt hatte keinen geringeren als Arturo Toscanini zum Repräsentanten. Man durfte Besonderes erwarten. Denn es handelte sich bei dieser Aufführung nicht um eine Uebernahme, die ohne Probe den Eindruck einer halben mehr oder weniger geglückten Improvisation abgibt. Es handelte sich auch nicht um ein notdürftig mit einer kurzen Verständigungsprobe vorbereitetes Gastspiel. Nein, die Direktion der Oper hatte Herrn Furtwängler nicht weniger als fünf(!) volle Orchesterproben(ungerechnet die von einem anderen Dirigenten für ihn abgehaltenen Vorproben) zur Vorbereitung dieses Galaabends bewilligt. Sämtliche wesentlichen Partien waren mit den von Herrn Furtwängler mit ausgewählten Kräften besetzt. und das Orchester spielte die Proben in der Auffüh- rungsbesetzung. Furtwängler und die von Göring zum Teil noch zu Kammersängern beförderten Künstler hätten also zeigen können, was ein„nationalsozialistischer Wagner ist- Sollten die Wagneraufführungen im„dritten Reich wirklich sämtlich so aussehen wie die dieses Abends, dann dürft» der Bayreuther Meister unter seiner schlichten Marmorplatte im Wahnfried-Garten kaum die verdiente Ruhe haben, sollte es aber im„dritten Reich" trotz der Säuberung auch auf musikalischem Gebiet noch Künstler geben, die die Wagner- sehen Originalwerke sauber interpretieren, so müßte die Reichsmusikkammer ihren Vizepräsidenten schleunigst zur Rechenschaft ziehen für die unglaubliche Verstümmelung, die er sich an einer der unsterblichsten deutschen Meisterpartituren in Paris geleistet hat. Hier soll beileibe nicht der strichlosen Wagneraufführung das Wort geredet werden. Aber was Furtwängler hier vollbracht hat an Amputationen, geht über das Mögliche weit und auf eine schlechte Art hinaus. Ich weiß nicht, ob die übliche Pariser Aufführung des Werkes die von Furtwängler gemachten Striche anwendet. Ein Kollege, der die französische Aufführung gehört hat, versichert mir, daß es nicht der Fall ist. Aber gesetzt den Fall selbst, das Pariser Publikum nähme diese Kürzungen aus Zeitgründen hin, der erste deutsche Musikmeister hätte bei nur einer Verständigungsprobe mindestens die wichtigsten Stellen wieder herstellen müssen (Aufzählung der Meisterweisen, Beckmessers Fehleraufzählung, die Zwiesprache Sachs-Walter und selbst die Schlußansprache des Sachs!). Offenbar war es ihm wichtiger, in fünf Proben dem Orchester seine„Eigenheiten", seine „Interpretation" aufzuzwingen, als die Absichten Wagners klarzustellen. Vor einem Monat haben wir Bruno Walters Neueinstudierung von Mozarts„Don Juan" an gleicher Stelle gehört. Es gab keine von Walter mitgebrachten Stars, es gab auch keine auffallenden„Eigenheiten". Es gab nur das integrale Werk Mozarts. Jede Entstellung war beseitigt, nicht eine Note fehlte, nichts wurde gespielt, was nicht von Mozart stammte. Man stelle sieh das Umgekehrte vor: Walter hätte eine Pariser Aufführung mit Kürzungen übernommen, gar noch eigene hinzugefügt. Es gäbe keine Beschimpfung, die für die „jüdische Pultprimadonna" schlimm genug wäre, die die Presse des Herrn Goebbels nicht bringen würde. Ueber Furtwängler sind nur Siegestelegramme zu lesen. Paul Walter. BRIEFKASTEN Fabrikant Pirmasens. Tie machen sich in einem Briese an uns darüber lustig, daß die„Pirmasens« Zeitung" den neuesten lata- strophalen Reichsbänkausweis mit der Ueberschrift versieht: „Teoisenvorrat geht zu Ende. Bald mutz das Ausland Ware nehmen."— Wie Sie sehen, können die Nazis gar nicht erwarten, bis der Goldpegel der Reichsbani auf Null steht. Dann erst wird die Exportblüte des„dritten Reiches" beginnen. Berliner. In einer im Nollendorf-Krug abgehaltenen Versammlung hat der hitlerdeutsche Jude Naumann u. a. verlangt, daß das Hebräische aus dem Gotteshaule verschwinde. Gegen diese Forderung erhob der einzige nichijüdische Redner des Abends, Prof. Sandkuhl, Einspruch. Er erklärte, der südische Gottesdienst sei ein wunderbarer Kultus: die Kultur würde durch die Abschaffung des Hebräischen sehr viel verlieren.— Richtig! Tagegen könnte man von einem Verlust schwerlich sprechen, wenn die Synagoge Leute wie Naumann„abschaffte". Mailand. Ihrem Briefe entnehmen wir:„Vor zwei Monaten fühlte sich auch der„Führer der Deutschen Arbeitssront". Dr. L ey. bemüßigt, dem Beispiel des„Generals" Göring zu folgen und Italien einen Besuch abzustatten. Seiner Mentalität entsprechend, hatte diese Reise weniger den Zweck, seiner maßlosen Eitelkeit Genüge zu tun, wie sein Parteigenoije es zu halten pflegte, son- dern Ley, degen jämmerliche Saufexzesse Köln noch immer nicht vergeben hat, suchte sich lieber in privater Gesellschaft zu amü- sieren. Wie ich von einem Augenzeugen erfahren habe, wurde von ihm in Mailand ein Gelage veranstaltet, an dem seine Trabanten teilnahmen, im ganzen etwa zehn Personen und die entsprechen- den„Damen" dazu. Diese rekrutierten sich aus den Tänzerinnen und Bardamen des Etablissements. Es wurde mir versichert, daß die Rechnung für Whisky allein, die der deutsche Arbeiterführer zu bezahlen hatte, die Summe von 700 Lire betrug(!!)." Zürich. Sie schreiben uns:„In Zürich haben faschistisch« Kreise, wie mir Freunde mitteilten, eine Zeitung herausgegeben, die sich „Die Freiheit" betitelt und«inen der Ihrigen ähnlichen Kopf eni- hält, das Wort„Freiheit" in roter Schrift. Es soll«in Blatt sein mit ausgesprochen deutsch-faschistischer, antisemitischer Tendenz. Leider konnte ich bisher kein Exemplar davon austreiben.(WaS ich einerseits al» ein gute» Zeichen dafür betrachte, wie sich die hiesigen Zeitungsverkäufer um den Bertrieb deS Naziblattes reißen.) Ich empfehle aber, in einer der nächsten Nummern möglichst umgehend davon Ihren Lesern Kenntnis zu geben und sie zu warnen, aus den hier geplanten Schwindel hineinzufallen. Eine diesbezüglich« Warnung kann nie schaden." P. O, Stockholm. Der sehr interesiani« Bericht ist angekommen. Leider etwas reichlich lang und nicht ganz so gut wie das frühere Manuskript. Wir werden das Material verwenden. Vielleicht sind wir auch nur kritischer, weil wir jetzt viel besser al» seinerzeit unterrichtet sind. Gruß! Journalist. AuS einer Pressestatiftik ergibt sich, daß die NSDAP, in ganz Teutschland über 36s politische Tageszeitungen mit einer Gesamtauflage von nur 4 226000 11932 waren e» 121 mit 1 Million Auflage) verfügt. Dazu kommen rund 106 Wochen,zeitungen und Zeitschriften.— Tie Auflagen find ober in neuester Zeit auch nqch den parteiosfiziellen Angaben im Sinken. Straßburg. Die deutsche Liga für Menschenrechte hat Karl von O s s i e tz k i, der sich seit Februar 1933 in Schutzhaft befindet, für den Nobelpreis vorgeschlagen und diesen Vorschlag an das Nobel- Komitee in Oslo weitergeleitet. Zahlreiche andere Organisationen haben sich dem Antrag angeschlossen. Doktor Wachtel und Doktor Axel Geschlechtskrankheiten, Männer und Frauen Nase, Hals, Ohren 123, Bd. Sbbastopol.— Sprechstunden v. 9—12 u 2—8 Uhr Sonntags vormittags Metro Reaumur, St Denis. Tel. Centr 32.10 Eine große Sammlung poll tsdier und gesellschaftliche Karikaturen lOriginalbtätler von Daumir. Cham, Gavani, Beaumont, Rowlond- son, Gillvay und vielen andern) billig zu verkaufen. Interessenten wollen sich schriftlich melden unter Nr. IO0C an die„ Deutsche Freiheit" Saarbrücken. Dr. Sp6claliste Oö, rue de Rlvoti— Mino: Cholelei RADIKALE HEILUNG von BLUT., HAUT, und FRAUENKRANKHEITEN Heilnng von Kramptadern and offenen Beinwanden Neueste Behandlungsmethoden Elektrizität Imptungsvertahren Trypafie vinc Einspritzungen Blut- und Hain-Untersuchungen, Sper- makultur. Salvarsan Wismut usw. Sprechstunden täglich von 10— 12 und von 4—8 Uhr honntags von 9—12 Uhr Konsultationen von 25 Fr. ab. Man spricht deutsch Docfeur fperiali« schleditskrankheiten, Tripper, Syphilis, Männerichwäche. Neueste Heil- verfahren. Elektrizität. Harn», Samen* und Blutanalysen. Massige Bedingungen.(Auch für Kassen versicherte.) , Täglich von?- 1 und 4- 8,30. Uhr Sonn* und Feier a;s von 9 bis 1 u. auf Rend. v. Tel. Arch.54-27 Werbt neue Abonnenten Blieskastel(Saargebiei). Tie machen uns darauf aufmerksam, daß die katholische„Saarpsalz" die Frage:„Was ist ein katholischer Bischof?" unter Bezugnahme auf das St.-Benno-Blatt in Meißen wie folgt beantwortet:„Ein katholischer Bischof ist Nachfolger der Apostel. Er bekleidet ein Amt, das unmittelbar von Ehriftu» ein- gesetzt ist. So ist der katholische Bischof«in Souverän von Gottes Gnaden. Dies« Souveränität kann ihm von niemanden ge- nommen werden: denn sie stammt von der höchsten Autorität auf Erden und im Himmel... Das Wort des hl. Paulus hört er heute, wie es einst Timotheus gehört hat:„Deswegen er- mahne ich dich, die Gnadengabe Gottes, die in dir ist, durch die Auflegung meiner Hände lebendig zu erhalten. Denn Gott hat uns nicht den Geist der Zaghaftigkeit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit... Wisse, daß für die letzten Tage schwere Zeiten bevorstehen. Da werden die Menschen selbstsüchtig sein: geldgierig, prahlerisch, hochmütig und schmäh- süchtig: den Eltern ungehorsam, undankbar und gottlos: lieblos, treulos, und verleumderisch: ausschweifend, grausam und gemein: verräterisch, frech und aufgeblasen: sie werden die Lust mehr lieben als Gott und sich den Schein der Frömmigkeit geben..." c« WaS wir dazu sagen? Daß der südische Rabbiner und später« katholische Heilige Paulus eine großartige prophetisch« Schilderung der Hitlerschen Bonzokratie entworfen hat. C6 die katholischen Bischöfe wirklich„Souveräne von Gottes Gnaden" sind, wird sich noch zeigen. Audalufieu. Tie schreiben uns aus Malaga:„Im Briefkasten in Nr. 124 meint ein Herr lund auch Sie) unter dem Stichwort„Alge- ciraS", die angesehenste spanische Zeitung würde im Fahrwager des Faschismus schwimmen. Ich würde diesem Herrn und auch Ihnen mal empfehle», die Zeitung„A. B. E." und die Artikel von Eugenia Montes regelmäßig und genau zu lesen. Sie hätten fest- stellen können, wie Montes erst begeistert über den deutschen Faschismus schrieb, dann immer kühler wurde und in der letzten Zeit Berichte gab, die alles weniger wie Propaganda für Nazi- Deutschland waren. Besonders auf kulturellem Gebiete griff Montes den deutschen Nationalsozialismus oft scharf an. Und was „A. B. E." über den spanischen Faschismus lund Kommunismus) denkt, mag Ihnen der kleine Ausschnitt aus dem„A. B. E." von Manuel Melgarejo zeigen, den ich Ihnen beilege:„Für Spanien wäre Faschismus und Kommunismus Umkehrung aller Natur» gesetzt, ebenso, als wenn man in Norwegen mit Apfelsinenzucht beginnen wollte. Faschismus wäre in Zeiten sozialer Unordnung vielleicht«ine Erscheinung, die kommt und geht, Kommunismus wäre Wandalismus, ohne Geist und Norm. Es diene un« al» Trost, daß Monstra nur kurz leben." Ihnen dien« aber als Trost: Wenn alle rechtsgerichteten Zeitungen in aller Welt so kritisch wie „A. B. E." dem Faschismus gegenüber eingestellt wären, hätten wir überall so wenig„Faschisten" wie in Spanien." Wir lagen uns gerne belehren, wie Sie aus der Veröffentlichung Ihrer Zuschrift sehen. Besten Dank! Früher Fraukfnrt. Sie haben gelesen, daß Reichskanzler Hitler jedem seiner Volksgenossen ein Auto bescheren will, wie weiland jener französische König jedem seiner Untertanen Sonntag« ein HuSn im Topf. Nun schicken Sie uns einen Zeitungsausschnitt ein, un» zwar aus einem nationalsozialistischen Blatt, das die Frage „Was kostet ein Auto" wie folgt beantwortet und zwar bei beschei- densten Ansprüchen: Unkosten im Jahr bei 10 000 Kilometer Slreckenleistung: 1. Brennstoffverbrauch i800 Liter zu 89 Psg.).,. 312,— RM. 2. Lelverbrauch(88 Liter zu 1,70 RM.)..,,, 56,10 RM. 3. Bereifungskoften so,— RM- 4. Reparaturen, Ersatzteile 100,— RM. 5. Haftpflicht-Versicherung 90,— RM 6. Kasko-Versicherung 180.— RM. 7. Garage(15 RM. je Monat).,,,,,,,. 180^— RM. 8. Zinsverlust von 2000 RM.. 9. Tilgung hei Anlagekapital» 948,10 RM. B S s' I S S S 80,— RM. 250,— RM. Terüeksiektigt ckeZnseventen«ler„Aeuts«ken?reikeit" 1278,10 RM. Da, ist mehr, als der größte Teil unserer deutschen Volksgenossen jetzt netto im Jahre verdient. Wer soll da Sitler.„Bolkswag«n" kaufen und unterhalten?„Bielleicht ist alles doch nur«in Traum." „Bonze". Sie teilen uns mit,»aß da» frühere Kölner Universi- tätsgebäude«rt Hunderten Zimmern als Sitz der Gauleitung der NSDAP, bestimmt worden ist. Außerdem wird in Köln-Deutz ein riesiger Pressebau errichtet. Die NSDAP, ist der größte „Bonzenbetrieb" der Welt. Mehr und mehr scheint das auch da« Volk zu begreifen. Der„Westdeutsche Beobachter" hat— nach seinen eigenen Zahlen— in den letzten Wochen wieder 5000 Be- zieher verloren. Für den Gesqmtinhalt verantwortlich: Johann PI tz in Dud- weiler: für Inserate: Otto Kuhn In Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH„ Saarbrücken& Schützenstratz« 5,— Schließfach 776 Saarbrücken.