Einzige unabhängige Tageszeitung Veutschiauds I^ir. 133— 2. Jahrgang Saarbrücken, Freitag, den 15. Juni 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Aas dem Inhalt Spaniens Reqietiutq, xuif. dem Juivecfaß Seite 2 Qocing. als neu.ec Moses Seite 3 Politische Sensaüonspcazesse Seite 4 Oestetteichs Revolution in Retmanem Seite 7 England gegen Banditen Man lehnt die Brutalität der fasdiisllsdien Sdiwarzhemden ab Ein Fasdiislen-riasho London, 14. Juni. lEig. Bericht.) Mosleys Faschisten genießen zur Zeit eine große Publizität. Toch es ist fraglich, ob Mosley sich darüber sehr freut. Er hatte zu einem großen Schlage ausgeholt und eine große Ausstellungshalle Londons als Bersammlungs- lokal gemietet. Fünfzehntausend Menschen gehen da hinein, und der Raum war voll, nachdem die Rothermere-Presse wochenlang Werbeartikel veröffentlicht und Gratis- karten in Massen verteilt hatte. Aber trotzdem ist sich die englische Presse einig, daß diese Versammlung ein großer Mißerfolg Mosleys war. Selbst der Artikel in der faschistischen„Daily Mail" klang etwas klein- laut. Einmal fehlte außerhalb der organisierten Schwarz- Hemden die Jugend, ferner gelang es Mosley nicht, die Ver- sammlungsbesucher mitzureißen. Im Gegenteil, es ver- ließ nach übereinstimmenden Berichten der verschiedenen Zeitungen etwa ein Drittel der Hörer die Veranstaltung, während Mosley noch beim Reden war! Bor allem aber hat die Brutalität der Schwarz- Hemdenweiten Kreisen Empörung erweckt. Vor der Ver- sammlung gab es bereits Zwischenfälle der Antifaschisten und gelegentlich Schlägereien. Bor allem aber spielten sich innerhalb der Versammlung geradezu unbeschreibliche Szenen ab. wie man sie selbst in England seit Jahrzehnten nicht kannte. In englischen Versammlungen sind Zwischen- rufe durchaus an der Tagesordnung und werden meistens vom Redner humorvoll beantwortet. In der Schwarz- Hemden-Versammlung aber wurde jeder, der sich von seinem Sitz erhob, um etwas zu rufen, von acht bis zehn Schwarz- Hemden gepackt, in der Versammlung verprügelt und heraus- geworfen. Auch Frauen erging es vielfach so. Tie Zeitungen sind voll von Zuschriften, meistens konservativer Persönlich- leiten, denen man gewiß keine Sympathie mit kommunisti- schen Zwischenrufern nachsagen kann, die aber doch sämtlich ihre Erbitterung gegen die Schwarzhemden zum Ausdruck bringen. Ter konservative„Daily Telegraph" bringt seit dem Tage der Versammlung in jeder Ausgabe Spalten voll empörter Zuschriften. Ter Privatsekretär des stell- vertretenden Ministerpräsidenden Baldwin hat eine unge- wöhnlich scharfe Erklärung gegen das Faschistentreiben ver- öffentlich!. Techs Minister haben am Sonntag in Reden ihrer Empörung Ausdruck gegeben, im Parlament häufen sich die antifaschistischen Anfragen konservativer Abgeord- neter, und selbst die faschistische„Daily Mail" des Lord Rothermere hat zunächst die Sprache verloren. Mosley hat mindestens eine Schlacht verloren. Mosley selbst fühlte, daß er in die Verteidigung gedrängt ist und suchte im Rundfunk seine Tchwarzhemden zu recht- fertigen. Doch der nächste Rundfunkredner, ein angesehener Journalist, widerlegte ihn mit schlagenden Beispielen und erklärte, er habe seit dem Kriege solche Brutalität nicht mehr gesehen. ES gibt Engländer, die der Ansicht sind, daß diese Versammlung für Mosley sogar den Ansang vom Ende be- deutet. Ob das der Fall ist, mag dahingestellt bleiben, aber daß diese große Versammlung ein Mißerfolg war, ist nicht zu bestreiten. Noch sind in England die Kräfte, die gegen brutale Gewalt sich zur Wehr setzen, stark und gesund. Venedig als Canossa Hitlers Bittgang zu Mussolini Der deutsche Reichskanzler Hitler und Mussolini haben sich am 14. Juni in Venedig getroffen. Hitler hat seine erste Auslandreise unter sehr großer deutscher Polizeibedeckung angetreten. Tie Reise wurde bis zuletzt geheimgehalten und in Italien wurde aus Sicherheitsgründen vermieden, Rom für die Entrevue zu wählen. TaS Deutsche Nachrichtenbüro meldet, es sei seit langem der Wunsch des italienischen Regierungschefs und des deutschen Reichskanzlers gewesen, sich persönlich kennen zu lernen. Das ist eine grobe Irreführung, denn dieser Wunsch ist bis- her nur von Hitler geäußert worden, und zwar wiederholt. Mussolini hat wiederholt die Begegnung abgelehnt. Wenn sie letzt zustandekommt, so wohl deshalb, weil Mussolini seinen Berliner Kollegen für mürbe genug hält, um ihn zum Nach- geben zu bringen und für die italienische Außenpolitik zu gebrauchen. Ter Reichskanzler wird insbesondere in der österreichischen Frage klein beigeben und den klerikalen Austrofaschismus hinnehmen müssen. Daneben wird ihm Mussolini klar zu machen versuchen, daß Venedig nur eine Zwischenstation des deutschen Canossaganges nach Genf sein kann. Ohne Rückkehr in den Völkerbund ist an Erleichterun- gen in der Isolierung Teutschlands nicht zu denken. Aver auch in dieser Beziehung macht sich Mussolini natürlich we- niger Sorgen um Teutschland als um die italienische Völker- bundspolitik. für d'e er deutsche Sekundantendicnste braucht. Möglich ist auch, daß Mussolini dem Bankrottkanzler das Lockmittel einer Anleihe aus Frankreich oder Nordamerika hingehalten hat, wenn er reumütig nach Genf zurückkehrt. Oer Umweg nadi Genf Wa* Pari* meint DNB. Paris, 14. Juni. Der„Figaro" gibt unter allen Vorbehalten ein angeb- liches Programm wieder, das Mussolini dem Reichskanzler zu unterbreiten gedenke und das sich nach römischen Ge- rüchten wie folgt zusammensetze: 1. Mussolini würde dem Reichskanzler einen zehnjährigen Waffenstillstand i» der österreichische» Frage vorschlagen, während welcher Zeit Deutschland keine politische Aktion in Oesterreich durchführe und die Unabhängigkeit Oesterreichs ach'en würde Ji'lien würde sich dafür bereit erklären, mit Teutschland in Mitteleuropa ivirtschajtlich zulammenzuar- 2. Mussolini würde einen Land- und Lnstrüstungsplan vor- legen, der im wesentlichen dem bekannten italienischen Bor- schlag ähnele. Teutschland würde die Gleichberechtigung und eine gewisse Ausrüstung zugestanden werden Wenn Hitler dem Plan vorbehaltlos zuft'mme, würde Mussolini ihm ver- sprechen, bei England und Frankreich im Sinne einer An- nähme zu vermitteln. Die Sicherheit würde durch feierliche und präzise Erneuerung des Locarno-Paktes verstärkt werben ». Mussolini würde für September die Rückkehr Deutsch- lands zum Völkerbund anregen, wobei innerhalb des Völkerbundes gewisse Reformen vorgenommen werden müßten. Ter römische Korrespondent des„M a t i n" erklärt, Deutschland und Italien würden aus den inneren und äußeren Schwierigkeiten nur durch internationale Verständi- gung und Zusammenarbeit herauskommen können. Deutsch- lands Austritt aus dem Völkerbund fei ein Schlag ins Was» ser gewesen? denn Italien sei in Gens geblieben und Sowjet- rußland werde in den Völkerbund eintreten. Rom brauche den Stützpunkt Berlin, um nicht gezwungen zu sein, sich mit gebundenen Händen dem französischen System auszuliefern. Tie Politik des Viererpaktes habe einen Niedergang erlebt: aber Mussolini habe niemals völlig aus sie verzichtet. Ter Duce könne dem Reichskanzler nur Ratschläge der Weisheit geben. Deutsche Zugeständnisse würden die Tchiedsrichterauf- gäbe Italiens sehr erleichtern. Der nach Venedig entsandte Sonderkorrespondent des „Petit P a r i s i e n" meldet seinem Blatt, man dürfe an- nehmen, daß ine österreichische Frage Deutschland und Jta- lien nicht mehr in gefährlicher Weise trenne. Hitler könne Mussolini sehr wohl vorschlagen, das Ans- Ruder-kommen einiger Nationalsozialiften in Wien zu dulden unter der Garantie, daß Deutschland keine»er, steckte Annexionspolitik gegenüber Oesterreich betreibe. Hitler brauche vor allem die italienische Vermittlung und die italienische Unterstützung in der Rüstungssrage. Das„Echo de Paris" erklärt, die Freundschaft der beiden Diktatoren sei durch allerhand Ereignisse der letzten Zeit erschüttert worden. Im Januar und Februar' habe Mussolini sogar Kriegsdrohungen ausgesprochen, um Oester- reich vor der Hitlerwelle zu retten. Die faschistische Tiploma- tie habe einen Mißerfolg nach dem anderen erlitten. Der Führer und der Duce könnten sich unter diesen Umständen über zwei Fragen sicher verständigen: Einmal darüber, daß die Abrüstungskonferenz die Herabsetzung der Rüstungen Frankreichs verfolgen müsse, und zum andern liege es im deutschen wie im italienischen Jmevejje, den gegenseitigen Gestern und heute Nur die Eingeweihten im Reichswehrministerium, und auch die nicht ganz genau, kennen die augenblickliche Zahl der Angehörigen der deutschen Wehrmacht. Jeder weiß nur, daß der Wunschtraum der Dreihunderttausend nicht sehr weit von der Erfüllung entfernt ist. In dieser Stunde aber sißen zehntausende von deutschen Soldaten in ihren Kasernenstuben und quälen sich. Sie lernen den neuen Soldaten-Katechismus auswendig, den ihnen in diesen Tagen der Reichspräsident als oberster Befehlshaber der Wehrmacht vorgelegt hat. Zur nächsten Instruktionsstunde müssen sie bereits ihr Pensum gelernt haben...Schulze, was ist die Wehrmacht?"„Zu Befehl, Herr Feldwebel! Die Wehrmacht ist der Waffenträger des deutschen Volkes. Sie. schüßt das deutsche Reich und Vaterland des im Nationalsozialismus geeinten Volkes und seinen Lebensraum."„Gut, Schulze, setzen Sie sich." Dieses Frage- und Antwortspiel behelligt in unzähligen Angstträumen die deutschen Soldaten, Mit Schulzes Antwort ist das Wichtigste über die Eigenart der neuen Kriegsartikel schon gesagt. Die nationalsozialistische Parteidiktatur wird als Symbol des geeinten Volkes vorausgeseßt. Bewußt wird der Begriff„Staat" vermieden, aber Blut und Boden(„die Wurzeln ihrer Kraft liegen in ihrer ruhmreichen Vergangenheit, im deutschen Volkstum, deutscher Erde und deutscher Arbeit") sind auch hier stabilisiert. Acht Artikel im nationalsozialistischen Formelkleide: der Soldat, dem ganzen Volke ein Urbild männlicher Kraft, bescheiden, aufrecht, treu,% gottesfürchtig. wehrhaft, verschwiegen. unbestechlich. In den bisherigen„Berufspflichten" von 1930 hieß es noch, daß die Reichswehr das Machtmittel der geseßmäßigen Reichsgewalt ist, um die Grenzen des deutschen Reichs und seinen Bestand, nach außen und nach innen, zu schüßen. Das deutsche Reich sei eine Republik und der Soldat schwöre ihrer Verfassung die Treue. Aus diesen Säßen ist erkennbar, daß die„Berufspflichten" in der Tat heute nicht mehr aktuell sind. Es gibt eine Verfassung nur noch insoweit, als sie der Hitlerdiktatur Stüße zur Machtbehauptung ist. Auch die Erinnerung an„Schwur" und„Treue", die man in den Artikel von 1930 findet, hat etwas Peinliches. Denn es wäre denkbar, daß ein Reichswehrsoldat beim Studium solcher Säße an seinen obersten Befehlshaber und Reichspräsidenten denkt und vielleicht auch den Herrn Reichskanzler in seine Erwägungen einbezieht. Daß man diese antiquierten Begriffe in Bezug auf die Verfassung mit Schwurgirlanden ausgemerzt hat. entbehrt nicht der Folgerichtigkeit. Aber die neuen Artikel sind nicht nur in dem wichtig, was sie fortlassen. Sie sind bereits positiv auf ein„Volksheer" zugerichtet, das auf den Grundlagen der allgemeinen Wehrpflicht beruht! Ein i olksheer freilich, das den wirklichen Willen des Volkes, wie er sich früher im Staat repräsentierte, nicht mehr zu respektieren braucht. Es gibt keinen legalen Weg mehr, das Regiment des Nationalsozialismus kraft des Volkswillens, ausgedrückt in seiner Mehrheit, zu beseitigen. Dieser faktische Zustand der Diktatur wird jeßt auch den Soldaten als" formeller Rechtszustand aufgezwungen. Und er soll ihn durch Waffengewalt schüßen! Die Berufung auf das„Volk" ist also eine Heuchelei. Besser als die„Deutsche Allgemeine Zeitung", kann man den Tatbestand nicht kennzeichnen:„So werden die ,.Pflichten des deutschen Soldaten" in einer Zeit, in der echter soldatischer Geist den Lebensfoimen der ganzen Nation seinen Stempel aufdrückt, zu einem Grundgeseß des deutschen Menschen überhaupt, zur Magna Charta einer wehrhaften Nation." Man kennt diesen Schwamm und Schwulst. Werden aber die feldgrauen Zehn Gebole zur Ehre des Nationalsozialismus die inneren Spannungen zwischen Wehrmacht und brauner Prätorianergarde aufheben? Vielleicht sind wir von der Stunde nicht mehr sehr weit entfernt, in der sich herausstellt, daß es nur ein Lippengebet gewesen ist. Argus. Beistandspakten, die den Frieden von 11)18 und 1919 zu bestätigen geeignet wären. Hindernisse in den Weg zu legen. Noch besser märe es, wenn sich Hitler Mussolini gegenüber bereit erklären würde, die deutsche Expansion ans den Nord- Posten zu beschränken und den Südosten dem italienischen Einfluß zu überlassen. Möglicherweise werbe Mussolini sich auch für eine Rückkehr Deutschlands nach Genf einsetzen. Nach dem„O e u v r c" denke Mussolini über die Sicher- heitsfrage ebenso wie Hitler. Vielleicht bestehe auch eine ge- meinsame Furcht vor der russischen Betätigung in der euro- päischen Politik. Teutschland und Italien wollten der eng- lischen Einstellung schmeicheln, die der Organisierung der Sicherheit wenig günstig gegenüberstehe. Die Unterredung von Venedig sei die zweier schlecht gelaunter Staatsmänner: schlecht gelaunt, weil ihre Innen- und Außenpolitik in der letzten Zeit nicht viele Erfolge erzielt habe. Tie Zeitung„O r d r e" bemerkt zu einem etwaigen Ver- mittlungsversuch Mussolinis zwischen Deutschland und dem Völkerbund, der Chef der faschistischen Regierung sei nicht gerade befugt, die Vorteile des Völkerbundes zu rühmen, den er in seinen Reden so heruntergemacht habe. Die radikalsozialistische Zeitung„La R e p u b l i g ue" be- Haupte:, Deutschland schleppe poch die Krise und das Elend bz r letzten zwanzig Jahre mit sich herum, und d'e Männer, die jetzt in Teutschland am Ruder seien, hätten das Elend noch verschlimmert. Beruhigend sei hinsichtlich der Begeg- nung von Venedig, daß man Mussolini über Hitler stellen könne. Tie marxistische Zeitung„?e Populairc" glaubt, daß die Initiative zu der Aussprache von Venedig von Mussolini ausgegangen sei. Mussolini sei jetzt für de» Gedanken einer Wiedereinsetzung der Habsburger und ivvilc versuchen, Hitler für Genf zu gewinnen. Ueoerdies werde das österreichi- schc Problem in den Hintergrund treten,' denn die allgemein- politische» fragen wurden alles beherrschen. Teutschland bleibe für Italien der einzig mögliche Partner. Mussolini hoffe dadurch, dast er Teutschland zur Ausrüstung und zur Er- obcrung der Gleichberechtigung aufstachele, eine gewisse Panik hervorzurufen und Frankreich die größtmöglichen Zuge- ständuisse zu entreißen. Sie Generalstäbler reisen Fährt General Weygands nach London? TNB London, 14. Juni. Tie gestrige Meldung der„Mor- ning Post" über einen bevorstehenden Besuch des französischen Generalstabschefs, General Weygan d, in England wird vom diplomatischen Mitarbeiter des„Taily Herald" über- nommen, der wissen will, dast der General am kommenden Montag in London eintreffen werde. Es Heists, der Besuch sei ganz inoffiziell, aber er sei beunruhigend angesichts hart- näckiger Pariser und Londoner Gerüchte, ivonach private Besprechungen zwischen dem französischen und dem britischen Gcneralitab im Gange seien, die als Ausarbeitung von Pläne» für eine militärische Zusammenarbeit im Falle eines europäischen Krieges abzielten. Ter Mt- arbeiten erinnert daran, dast auch vor 1914 versickert morde» sei, es bestehe kein Bündnisvertrag. Später habe dann die Oencntlichkeit Kenntnis erhalten von der jahrelangen engen Zusammenarbeit der beiden Gcneralstäbe vor Kriegsanfang. Eine eingehende und unzweideutige Erklärung des Minister- Präsidenten Maedonald sei erforderlich. In der nächsten Woche werde die Regierung wegen dieser Sache im Unter- Haus gefragt werden. * Frankreich, Belgien und die Tschechoslowakei haben die Zahlung der Iunirate an Amerika verweigert. Außenminister J e s t i t s ch hat am Mittwochabend die Rückreise nach Bulgarien angetreten. Ter Hinweis in der amerikanische» Kriegs- schulden note, eine,, Teil der Schuldenrückzahlung durch Warenlieferungen zu leisten, wird in englischen»reisen abgelehnt. Räch einer vom Weihen Hans ausgegebenen Zulammen» stcUung über die Bilanz der internationale» Zablungcn ichl.esten die 38 Jahre von 1806 bis 1933 mit einem Saldo von 22,6 Milliarden Tollar ab, die das Ausland de» Vereinigten«taste» schuldet. Der Sang an Polen Goebbels fantaslert In Warschau Drei Hinridriungen Mit Görings Unterschrift DNB. Berlin, 14. Juni. Tie Ju st rz p res s t ste l lr teilt mit: Ter Richard Hiittig aus Berlin, geboren am 18. März 1908 in Botteudorf, Ist durch rechtskräftiges Urteil des Sondergcrichts beim Landgericht Berlin vom 1(5. Februar 1984 zum Tode verurteilt morden. Täs Urteil ist heute früh im Hofe des«trafgcfängnisses ju Plötzeusce vollstreckt worden. Ter Herr preustischc Ministerpräsident hat von dem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch gemacht, weil es sich bei der Tat»m einen feigen Ueberfall auf zivei««.-Männer handelte, der von Bewaffneten ausgeführt und von den Ber- urteilten als Rädelsführer veranlastt und geleitet worden ist und bei dem her TS. Mann von der Ahe den Tod fand. Gleichfalls heute früh wurden im Hose des«trafgesäng- nisies zu Plöycnsee der Willi Bochow aus Berlsn-Zehlen- dorf, geboren am 18. Mai 1915 in Kicck, und der Otto Woike aus Berlin-Zehlendorf, geboren am 26. März 1914 in Berlin- Zchlcndorf, von dem Magdeburger Scharfrichter hingerichtet. Rochow und Woike sind durch rechtskräftiges Urteil des «chwurgerichts l vom 9. Oktober 1988 wegen gcmeinichaft- lichen Mordes, begangen am 29. März 1988 zu Berlin- Gruncivald an Fritz«chmitzberg, genannt„Imme", zum Tode verurteilt.worden. Ter Herr preußische Minister» Präsident hat auch in diesem Falle von dem Begnadigung»» recht keinen Gebrauch gemacht, weil es sich um einen mit großer Heimtücke verübten Mord handelt, den die Ber- urteilten begangen haben um den Mitwisser der zahlreichen Verbreche» zu beseitigen, die die Verurteilten trotz ihrer Jugend nach Art von Gewohnheitsverbrecher» begangen hatten. Am Mittwoch hat der Reichspropagandaminister Tr. Goebbels in Warschau gesprochen. Tie polnische Regierung hat jede Kritik an dem Besuche und an der deutschen Reichsregierung unterdrückt. So wurde das sozialistische Blatt„Robotnik" beschlagnahmt, weil es geschrieben Hai: .Groß sind die Verdienste von Goebbels auf dem Gebiete der Kul.ur. Aus seine Initiative h u wurden Schauspiele veranstaltet, wie sie die Welt seit dem Mittelalter nicht kannte. Erinnern wir uns an die öffentlche Verbrennung der Werke Heines. Manns, Remargucs und anderer Schriftsteller Zum Verdienst Goebbels' gehört auch die Verbannung der Musiker, welche die arische Herkunt ihrer Großmutter nicht beweisen konnten... Sollte jemand nach dem Verhältnis der Hitlcr-Regieruug zu Polen fragen, lo möge er nur an das von Goebbels entsandte Geheim- zirkulär an die deutschen Tiplomaien denken, in dem er diese an die Bestrebungen der deutschen Regierung, die Küstengebiete und Obcrschlcsien zurückzuerobern und au den Geheimfonds für die Bestechung der Prcsie in den ver- schiedenen Ländern erinnert." In der Rede des Reichsministers vor dem Klub der Intellektuellen-Union feierte die Verlogenheit Orgien. So wenn der Reichspropagandaminister sagte, die Juden hätten durch übermäßige Zinsforderungen die Landwirtschaft an den Rand des Ruins gebracht. Tos ist primitivster Antisemitenjargon kleiner Versammiuvgs- schwätzer. Jeder Abc-Schüler der Volkswirtschaft weiß, daß die Zinsbildung im Kapitalismus ebenso von Angebot und Nachfrage auf dem Geldmarkt abhängt wie der Preis auf jedem anderen Marktgebiet auch. Hinzu tritt bei der Zinsbildung allerdings noch die Frage der Sicherheit oder Unsicherheit für die Rückzahlung des geliehenen Kapiials. Und im übrigen hat die chronische deutsche Agrarkrise einstweilen unlösbare weltwirtschaftliche Ursachen. Iii jetzige Reichsregierüng hat für die Rettung der deutschen Lanowirtschaft bisher überhaupt nichts getan, und dem Zinsproblem steht sie bisher ganz hilflos gegenüber. Zur Außenpolitik hat der Minister scyiankweg ver- kündet, es gebe keine Außenpolitik, die der National- sozialismus als Idee betreibe. Aber was liest man bei Feder„las Programm der NSDAP."? Wir fordern den Zusammenschluß aller Deutschen zu einem Grostdcutschland. Ausrichtung eines geschlossenen Nationalstaates, der alle deutschen Stämme umfaßt. Alle, die deutschen Blutes sind, ob sie heule unter dänischer, p v l n i j ch e r, tschechischer, italienischer oder französischer Oberhoheit leben, sollen in einem deutschen Reich vereinigt sein Wir verzichten aus keinen Deutscheu in Sudeten- dcutschland, in Etsaß-Lothringen, in Polen, in der Völ- kerbuudskolonie Oesterreich und in den Nachfolgestaaten des alten Oesterreich. Und Hitler selbst zeigt dazu in seiner Deutschenbibel „Mein Kampf" den Weg. der zugleich Goebbels rhetorische Cchwätzereien erledigt: Tast man verlorene Gebiete nicht durch die Zungen- scrtigke t geschlissener parlamentarischer Mäuler zurück- gewinn!, sondern durchein geschlifsenesSchwcrt zu-.Kobern hat. also durch einen blutige» Kampf. Ist das nun eine„außenpolitische Idee" oder nicht? Die Nachbarvölker Deutschlands haben sich darauf längst die Antwort gegeben, und man täuscht das deutsche Volk, wenn man es glauben macht, irgend ein Ministervortrag vor auserwählten und zehnfach gesiebten Zuhörern könne das Mißtrauen gegen die Doppelzüngigkeit der i" Deutschland regierenden Redner erschüttern. Spaniens Regierung aal gern Pulverfaß Der landarbelfersfreih (Von unserem Berichterstatter) I. W., Madrid. 12. Juni 1934. Seit dem 5. Juni erlaubt die Presiezcnsur, die aul alle sich mit dem Problem des angekündigten Landarbeiterstreils bc- fassenden Artikel und Nachrichten angewendet wird, und die vor drei Tagen zur Gesamtzensur geworden ist. nicht mehr, dast andere als offizielle Nachrichten in In- und Auslands- presse gelangen. Die Agenturen, besorgt um ihr Brot, haben sich willig der Zensur unterworfen. Mit den größten Schwierigkeiten kämpfen die unabhängigen Korrespondenten der verschiedenen ausländischen Blätter in Madrid, um ein- mal wirklich authentische Nachrichten zu erlangen, zweitens um diese Nachrichten weiterzugeben. Briese."-rdächtiger" — d. h. linkseingestellter— Berichterstatter werden vielfach zurückgehalten, Telegramme zerstückelt und evtl. sogar zurückgegeben. Nur das Telefon scheint bisher im Auslands- verkehr noch von rigorosen Konlrollmaßnahmen verschont zu sein. Was das zu bedeuten hat, ist nicht schwer zu erraten: Die spanische Regierung sitzt aus dem Pnlversaß. Sie fürchtet auszufliegen und mit ihr das Regime— nach der einen oder der anderen Sene. Im Gegensatz zu den offiziellen-Meldungen, die wo»»wru- herein den Landarbeiterstreik für undurchführbar erklärten, ist dieser in vollem Umfange im Laute der vergangenen Woche, d. h. seit dem 1. Juni, ausgebrochen. Am ersten Tage ivurde erst i» vereinzelten Provinzen gestreikt, aber jeden Tag nahm der Ausstand an Umfang zu. Nicht nur die sozialistischen Landarbeiterverbände streikten, im Berein mit den Tundika- listen und Kommunisten, sondern in vereinzelten Ortschaften schloßen sich sogar die katholischen Bereinigungen de» Strci- senden an. Besonders intensiv war und ist der Ausstand in den andalnsischen Provinzen, in denen jetzt die Ernte ein- geholt werden soll: Iacn, Granada, Sevilla, Eordoba und in Estremadura. Selbst in Provinzen, in denen augenblicklich keine Erntebestellung stattfindet, haben sich Kleinpächter und Landarbeiter dem Streik angeschlossen, indem sie die Waren- licserung an ditz Märkte eingestellt haben. Täglich kommt es zu bewaffneten Zusammenstoßen zwischen Streikenden und Unternehmern. Eine ganze Reihe von Streikbrechern ist er- schonen oder verwundet worden. In einzelnen Provinzen ist die Polizei machtlos und die Ztvilgouverncurc haben Truppen so Hillionen Harb Einfuhrüberschuß Audi im Mal 1934 Rarst passive Handelsbilanz Wahrscheinlich: st.daßdieTteigerungimMai wenigstens teilweise jahreszeitlicher Natur ist. Darüber hinaus ist die Zunahme vermutlich als eine Rückwirkung auf den starken Rückschlag im April zu betrachten.» Tie Handelsbilanz schließt demnach im Mai mit einem Einfuhrüberschuß von 42 Millionen RM. gegen- über 82 Millionen RM. im April. Im Mai des vergangenen Jahres betrug der Ausfuhrüberschuß noch 89 Millionen RM. Für die ersten 5 Monate des Jahres 1984 be- trägt nunmehr der Einsuhr Überschuß rund 17 8 Millionen NM. An Gold und Silber wurden in den ersten 5 Monaten 1984 284 Millionen RM. mehr aus- als eingeführt. * Der auf 42 Millionen Mark errechnete Einfuhr- Überschuß im Mai ist in Wirklichkeit auf mindesten» 89 Millionen Mark zu schätzen und der Einfuhrüberschuß in den ersten 5 Monaten de« Jahres statt der errechneten 178 Millionen auf mindestens 829 Millionen Mark, da ein erheblicher Teil der deutschen Ausfuhr mit «crips, Effekten- und Registermark und Tollarbonds bezahlt wird. Bei dem Einfuhrüberschuß von 89 Millionen Mark ist zu berücksichtigen, baß im Mai v. I. der«usfuhr. Überschuß noch über 89 Millionen Mark b e- trug. Die halbamtliche Verlautbarung gibt zu, daß die Trosse- .luug der Einfuhr fast wirkungslos geblieben ist, so daß mau iie wohl«(£ heHö^d^Hep aufrechest JjrJ, Berlin, 14. Juni. Nach den soeben zur Veröffentlichung gelangenden Außeuhandelszisserii für den M a i betrug die E i ii i u t) r 879,(i Millionen RM. gegen 898.2 Millionen RM. im April.. Der ß c w o ß c n c Einultirdurchjchnlltvwert hat sich auf 'dem Stand'des Vormonats gehalten. An der Verminderung der Gesamteinfuhr, die im ganzen der jahreszeitlichen Tendenz entspricht, sind alle Hauplwarengriippen beteiligt. Ausschlaggebend war jedoch die Entwicklung der R o h- st o s f e i u s u h r. die zum erstenmal seit November v. I. wieder abgenommen hat. Sie ging von 288 Millionen im Vormonat aus 249 Millionen RM. zurück. Es ist vor allem die Einfallt- von Wolle sowie in geringerem Umiang die Ein- iulir von Flachs, Hanf, Jute und Oelsrüchtru ziirttckgegangen. Bei de» übrigen Rohstoffen, insbesondere auch bei solchen, für die Einkaufs verböte er- lassen sind, sind u c n n c» s w e r t e R ü ck g ä n g e u i ch t f i n g c t r c t c it Die Einfuhr von Lebensmitteln und Getränken ermäßigte sich von 79 Millionen RM. im Vor- monat auf 7.18 Millionen RM und die von fertigen Waren von«8,8 aui 61.1 Millionen RM. An dem Rückgang der Lcbcnsmittcleinfnhr war a n S i a i f o n in ä ß i g c n Grün- d c ii die Einfuhr vyn Südfrüchten und von Fischen und Fiichziibcreitungen beteiligt. Tie Ausfuhr stieg von 811,8 Millionen NM. im Vor- monat auf. 387,4 Millionen RM., also um fast 7 v. H. Die Zunahme beruht im wesentlichen auf einer Steigerung der Ausfuhr m e n g e n. Bei den Fertigwaren waren die Durch- schnittswertc weiterhin rückläufig, ein Ausgleich wurde jedoch durch die erhöhte Durchschnittswerte bei der Ausfuhr von Rohstoffen und Lebensmitteln herbeigeführt. Die Steigerung der Ansiuhr entfällt lediglich auf fertige Waren, deren Au»- fuhr von 239,1 im Vormonat auf 291 Millionen RM. stieg. zur„Aiifrcchtcrhaltung der Ordnung" angeiordcrt. Gerüchten zufolge sollen die Eisenbahner sich weigern, solche TranS- portc zu befördern, auch erzählte man, daß in.einem Orte der Provinz Iaen, Truppen sich geweigert hätten, aus dre Streitenden zu schießen. Ob diele Gerüchte der Wahrbiet entsprechen, läßt sich jedoch nicht nachweisen. Iedcnialla stno in der Provinz die Landarbeiterz ntren geschlossen und ihre Führer, soweit sie sich nicht unsichtbar machen.konnten, ein» gesperrt. Die Gefängnisse quellen über. Aber statt daß diese Maßnahmen abschreckten, feuern sie die Streikenden erst recht an.— Der Streit geht weiter. Dank„welterprobter" Taktik versuchen die Faschisten, die Arbeiter überall zu provozieren. Die Regierung siebt diesen Versuchen freundlich zu. Putschgcrüchte aus der letzten Zeit brachten sogar einzelne Regierungsmitgliedcr mit den monarchistisch-faschistischen Verschwörern in engsten Zusammen«.ng. Die sozialistischen Milizen sind mobilisiert. Leiber habest sich unliebsame Zwischenfalle nicht vermeiden lassen, so bei- spiclsiveise, die Verhaftung des sozialistischen Abgeordneten, Genossen Lozano, tn dessen Haus die Polizei nachts ein- drang und in festverschnürten Paketen etwa 56 Revolver und dazugehörige Munition fand. Es stellte sich heraus, daß icne Waffen aus einem in der gleichen Nacht auSgchobeneu Ar- senal in einem Arbeiterviertel Madrid» stammten, wo die Polizei über 600 Flinten und etwa 89 000 Schuß Munition entdeckte. Lozano gibt an, daß er den Inhalt der Pakete nicht gekannt habe. Er habe geglaubt, es handle sich um Flug- schrillen des Landarbciterverbandes, die man ihm zur Ver- teilung in seiner Provinz geschickt habe. Trotz verschiedener Manöver der Radikalen, die Lozano sofort die Abgeordneten. Immunität aberkennen wollten, ist dirier gestern au» der Haft entlasten worden, um Dienstag sich vor dem Plenum des Parlaments zu verantworten. Die Lage ist ernster denn je. Durch die Pressczensur wird das Gegenteil erreicht, was man plante: Statt Beruhigung ins Volt zu tragen, schwirren die Gerüchte nur so durch die Lnst. Täglich kommt es tn Madrid zu Schießereien zwischen Jnngsgschisten und Landarbeitern der Linksparteien, die sich nicht verheimlichen lassen, Attentate werden verübt aus harmlose Ausflügler. Am Sonntagabend wurde von einem Auto ans ans eine solche Gruppe Ausflügler geschossen. Zwei Mädchen im Alter von 16 und 20 Jahren und zivei Burschen im entsprechenden Alter wurden dabei schwer verwundet. Es handelt sich dabei um eine Provokation von faschistischen Mitläufern. Aber nicht allein«vanien ist von der Unruhe erfaßt. Auch Katalonien beginnt sich zu rühren. Gerade im geeignetsten Augenblick hat der Oberste VersassungSgerichtshos der Republik gegen Katolanier einen Prozeß geinhrt, den die Katalanen verloren. Es handelte sich um die Ungültigkeitser- klärung des vom katalanischen Parlament erlassenen Ge- setze» zum Abänderuna der Pachtverträge, durch das die Großgrundbesitzer erheblich in ihren Eigentums- und Pacht- ansprächen geschädigt worden wären. Das Urteil, das den Gutsbesitzern ihre Privilegien läßt, Ist rechtsgültig. Die katatonischen Pächter aber werden im Einverständnis mit ihrer Regierung passiven Widerstand dagegen üben. Man wird das Gesetz durchführen und es darauf ankommen lassen, daß die Gutsbesitzer in jedem Einzelfall Privatklage erheben. Immerbin sind aus die ersten Nachrichten über das Urteil in Madrid die Pächter bereits eigeumächlia in der..Wahrung ihrer Rechte" vor- gegangen: In der Provinz Gerona haben sie 2500 Bäume, Besitz eines Großgrundbesitzers, abgeholzt. Wenn es in Spanien zu einem bewaffneten Aufstande der Arbeiterschaft kommen sollte, so ist mit Sicherheit auf die Mithilfe Kata» lonicns zu rechnen. Ist der Aufstand jetzt möglich?— Das hängt davon ab, ob die Arbeitgeber die Bedingungen der Landarbeit r vor- bcholtlos knüllen. In der Provinz Eaceres soll dies bereits geschehen sein, und dementsprechend wird der Streik dort ab- gebrochen. Aus diesem Beispiele ersieht man am besten, daß der Landarbeiterstreik nicht als„revolutionärer" Ausstand gedacht war, sondern lediglich da- u dient, die berechtigten Forderungen der Arbeiter zu erfüllen. seiner Expedition in China der Provinz Linkieng ein- Sven H c d j« hat das Ziel erreicht. Er ist in Urumtschi in getroffen. In einem Landhans in Mexiko wnrden durch einen Blitz« schlag sieben Männer und vier Frauen geiöiet. Durch den» selben Blitzschlag wurden noch 36 Stück Bieh erschlagen. Der Dichter Theodor Dä übler ist in St. Blasien gestorben. Däubler wurde am 17. August 1876 i» Trient geboren. Er war früher Vorsitzender des Penklnbs. Nieder mlf den Katholiken! Gegen die katholischen Beamtenvereine (I.T.F.) Viele katholische Beamte haben den Kampf det Nationalsozialisten gegen die freien Gewerkschaften be- grüßt. Jetzt erfahren sie am eigenen Leibe, was es bedeutet, unter faschistischem Terror zu leben. Tie NSDAP, führt gegenwärtig eine Sonderaktion zur Zer- schlagung der letzten katholischen Beamtenvereine durch. Ein streng vertrauliches Rundschreiben wurde versandt: Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei Gauleitung........ Amt für Beamte den... Mai t&V Rundschreiben Nr.... /1934 An alle Leiter des Amtes für Beamte bei den Kreisen. Persönlich! Streng oertraulich! Sofort? Der Reichsleitung ist über eine verstärkte politische Propaganda der katholischen Beamtenoereine berichtet worden, die sich in ihrer Tendenz gegen den National- sozialismus richtet. Ich ersuche um beschleunigte Mitteilung, ob auch im dortigen Kreis Beobachtungen über politische Propa- ganda von katholischen Beamtenvereinen gemacht worden sind und worin diese Propaganda sich äußert. Ebenso er- suche ich festzustellen, wo katholische Beamtenvereine be- stehen und ob es sich um Neugründungen oder um alte Bereinigungen handelt und ob letztere sich der Aufforde- rung zur Gleichschaltung bzw. Auslösung entzogen haben. Die Ermittlungen sind streng vertraulich vorzunehmen. Tort, wo ich den Bruch der strengen Vertraulichkeit feststellen muß, werde ich rücksichtslos ein- greisen und den betr. Kreisamtsleiter seines Amtes entheben. Frist:... Mai 1934. Heil Hitler! M. d. R. Das ist also ein organisierter Spitzeldienst gegen katho- tische Beamte. Man kann sich demnach vorstellen, wie es mit den Be- förderungsmöglichkeiten für katholische Beamte im Reich aussieht. Die Katholiken an der Saar sind gewarnt! Der neue Moses „Langmütig" Die regierenden Antisemiten lZTA.» Durch die Schlagzeile„Was dürfen Juden sich erlauben?" wird im„Angriff" vom 1. Juni ein Artikel Schwarz von Berks„Man macht in Clique—, Juden- Psychologie 1934" eingeleitet. Der Artikel wendet sich u. a. dagegen, daß von jüdischer Seite jüdische Leistungen im Weltkrieg besonders betont werden, daß jüdische Gäste in gewissen Lokalen,„die im Frühjahr 1933 der Schrecken ent- nölkerte", in aufdringlicher Art und„in Rudeln" austreten, daß Juden„rudelweise" zum Wochenende hinausfahren, baß jüdischen Künstlern, die noch das Recht besitzen, auszutreten, von jüdischen Theaterbesuchern demonstrativ Beifall ge- spendet wird. Ter Verfasser schreibt zum Schluß: „Bielleicht ist es einem Ausländer schwer, dies alles so zu sehen und zu empfinden, wie wir. Aber es ist so, daß es für uns unerträglich ist. und daß wir uns mit den Juden in Teutschland auf unsere Weise auseinandersetzen müssen. Wir sind überzeugt, daß sich diese Auseinandersetzung ohne jede Gewalttätigkeit abspielen wird. Denn wir wissen, baß der Jude nur aus Selbstbewußtsein und Standfestigkeit zu stoßen braucht, um wieder bescheidener und stiller zu werden. Seine rechtliche Lage ist geklärt, aber sein Lebensstil ist noch ungeklärt. Er muß endlich mit seinem Verhalten von früher brechen, d. h. er muß die deutsche Oeffentlichkeit den Deutschen überlassen." „Der Angriff" erzählt, daß„mit einem abgebrühten Zynismus eine ganze Reihe von Emigranten zurückgekehrt" ist. und schließ mit den Worten:„Wir werden uns weiter darüber unterhalten." * lZTA I In der Wochenschrift„Fridericus", Berlin, ver- ösfentlicht der Naziführer F. C. Holtz zwei juöenhetzerische Artikel. In dem einen werden jüdische Emigranten mit Namen und Adresse genannt, die angeblich den deutschen Ex- port dadurch schädigen, baß sie Produkte, die früher nur in Deutschland hergestellt werden konnten, jetzt im Auslande nachahmen Der zweite Artikel schließt mit der folgenden schweren Drohung:„Setzt das Weltjuöentum unter Dul- dung oder Mithilfe der in Teutschland befindlichen Juden trotzdem seine verlogene und verleumderische Hetze fort, so dürfen sich die Inden nicht wundern, wenn die Geduld des wirklich langmütigen deutschen Volkes eines Tages plötzlich zu Ende ist." Treoe fsf dotfi ein leerer Wahn Warum die Corps gemaßregelt wurden Das Presseamt des Kösencr S. C teilt dem„Landespresse- dienst" folgendes mit:„Durch die deutsche Presse ist mitgeteilt worden, daß die Deutsche Studentenschaft und der Allgemeine Deutsche Wafscnring, Corps, die dem Kösener sC.-Verband angehören, wegen Nichtbefolgung der Anordnung der Deut- scheu Studentenschaft und des allgemeinen Teutichen Watten- ringes in der Ariersrage ausgeschlogen haben, hierzu ist folgendes zu bemerken: Der Allgemeine Deutsche Waffenring fordert die Entfer- nunq nichtarisch versippter Angehöriger a u cht n" eryat der Allherrenichaften aus dem ihm. dem Allgewei neu Deutschen Wasfenring. angeschlossene«- watten,tudeu tischen Verbänden. Von insgesamt 104 reichsdeutsch-nKPe ner Corps haben 42 Corps überhaupt keine"^tariich ver sippten Angehörigen, während 57 Corps den Ben gen des Allgemeinen Deutschen Wdstnnnges sind. Kösencr Corps mit je 1 oder 2 mchtart ch vett'pvten«n gehörigen haben sich geweigert, der Anordnung des Allgeme, nen Deutschen Wafsenringes"Zukommen mit! d e»j ?.'«; f«I« iti« i wn:**"•• Hat der Führer-Verband ausgeschlossen. In w" s Corps Borussia« Rhenania-Straßbürg-Marburg, tuend, Corps aus dem Kösencr Verfolg dieser Maßnahme wurden Halle, Vandalia-Heidelberg, Rhene.MW «uevia-München und Suevia-Tübingen aus der Deutschen Studentenschaft und aus dem Allgemeinen Deutschen Waffen- ring ausgeschlossen. Die Führung des Kösener SC.-Berbandes handelt bei den von ihr getroffenen Maßnahmen in voller Ueberein- st i m m u n a mit den Anordnungen des Führers der Deut- scben Studentenschaft und des Führers Deutschen Waffenringes P""mann Görings neun Gebote wurden an allen Berliner Litfaß-Säulen plakatiert Kampf nm die neldiswehr Zu den liadilinlrlgen im„dritten Heidi" Generalmajor Walter v. Reichenau, Chef des Mini- steramtes im Reichswehrministerium, hat ein Kommando in der Provinz übernommen und scheidet damit aus einer der wichtigsten Stellen aus. die es im Reichswehrministerium, der Reichswehr, vielleicht sogar im heutigen Deutschland gibt. Denn es ist ein politisches Amt, zu dessen Hauptoblie- genheiten die Verbindung der Bendler- mit der Wilhelm- straße, vor allem mit dem Reichspräsidentenpalais gehört. Reichenaus Nachfolger wird Ober st Balde r. politisch ein unbeschriebenes Blatt, jedoch als Vertreter rein mili- tärischer Gedankengänge bekannt, was unter den gcgenwär- tigen Umständen auch ein Programm bedeutet. Denn die Frage der Ueberführung von SA.- und SS.-Leuten in die vergrößerte Reichswehr steht unheilschwanger am politischen Horizont. Reichenau war in sein Amt zugleich mit Hitler im Februar 1933 emporgespült worden. Er sollte die nationalsozialistische Richtung im Reichswehrministerium vertreten, seine Sym- pathien für Hitler waren seit langem bekannt. Er demon- strierte auch entsprechend: schon im Februar 1933 grüßte er, selbst wenn er in Uniform das Reichspräsidentenpalais aussuchte, die Torposten mit erhobenem Arm. Der Chef der Heeresleitung, General von Hammer st ein, der Bor- gesetzte, schien bald ganz in seinem Bann und enttäuschte da- mit die monarchistische Richtung^ die vergeblich ein Gegen- gewicht gegen Reichenau suchte. So wurde Hammerstein um die Jahreswende 1983/84 gestürzt, nicht weil er zu wenig hitlersreundlich war, sondern weil er dem„dritten Reich" zu sehr nachgab. Um die Nachfolge entbrannte ein heißer Kampf. Hitler präsentierte seinen Reichenau, doch die monarchistische Clique setzte ihren Kandidaten, den G c- neral von Fritsch, durch. Und nun ist auch Reichenau gestürzt. M.-',■'• In diesem Zusammenhang gewinnen einige andere Nach« richten erhöhte Bedeutung. In Pommern ist die monar- chistische Strömung am stärksten. Sie stützt sich auf den Stahlhelm, dessen Führer in dauerndem Kampf mit Himmlers Staatspolizei liegen. Der pommersche Landes- führer Degelow wurde verhaftet und wieder freigelassen, offizielle Begründung: staatsfeindliche Umtriebe, begangen durch Verhinderung oder mindestens Erschwerung der Ein- sührung der bisherigen Stahlhelmangehörigen der SA.« Res. I in die große nationalsozialistische Kampsfront. Augen- blicklich sind noch der Stahlhelmsührcr Buchholz und der Kreissührer von Rügen, Freiherr von Bothmer, in Haft. Hinter ihnen allen steht der Generalseldmarschall v. Mackensen, pommerscher Junker, Ehrenpräsident deS Stahlhelms und nolens-oolens Göringscher Staatsrat, Wil- Helms II. treuer, händeküssender Haudegen. Mackensens be- scnderer Vertrauensmann aber ist D ü st e r b e r g, einstmals deutschnationaler Reichspräsidentschaftskandidat und Stahl- helmführer, bis die nichtarischen Blutsteile entdeckt wurden. Düsterberg reist von Gut zu Gut, schürt und findet Anklang. Himmler aber traut sich nicht, Düsterberg zu fassen, weil er sich mit Mackensen nicht auf einen Kamps einlassen will. So nimmt die monarchistische Bewegung in Pommern dauernd an Umfang zu. Die Nazis versuchen, diese Strömung anders zu bekämp- sen. Sie sagen— eine der letzten offiziellen Reden—: wenn überhaupt ein Kaiser, dann ein Kaiser aus dem Volke, und denken an Hitler. Für den Vergleich mit Napoleon fehlen ihnen allerdings die in vielen Schlachten siegreichen Fahnen, mit denen der Korse nach Paris-„rück- kehrte. jFür die übrigen Formatunterschiede sind sie blind.s So werden bloß die Hohenzollern schlecht gemacht, wozu nicht viel gehört. des Allgemeinen Abonniert dle„Deutsdiefreilieir Beleidigung der SA.: Entlassnngsgrnnd Das Reichsarbeitsgericht hat in einer grundsätzliche»«er. lungnahme über die Auswirkung der Sabotage und Serab Würdigung der nationalen Regierung aus den Arbestsver- trag auch zur Beschimpfung der SA unj«ß Stellung genommen. Das Reichsarbeitsgericht erblickt in her Verunglimpfung der nationalen.Regierung ,°wi« auch u! der Beschimpfung der SA. und ST. durch einen«rbeitneh- wer einen wichtigen Grund zur fri st losen Ent- l a s s u n g im Sinne des 8 62« BGB. Jede absichtliche Herab- setzung des Ansehens der Kampftruppen der nationalen Er- Hebung und jede Aeutzerung einer staatsfeindlichen, nämlich gegen die jetzige nationale Regierung gerichteten sei als ein wichtiger Grund zur fristlosen Arbeitnehmers zu bewerten. Das Gesinnung lassung eines Ent- gelte vor ... 7.—(,»»«vii-imu. allem dann, wenn der betreffende Arbeitnehmer in einem im nationalsozialistischen Geiste geleiteten Betriebe stehe. Der NdeproieS om Horst Wessel One Serie Zeugen aus der KM— SA.-Sturnii&hrer q!s B&aslungszeuge Berlin, 18. Jnni. Zu Beginn der Mittwochvcrhandlung im neuen/Horst- Wessel-^ Prozeß erstattete zunächst der medizinische Sachver ständige den Obduktionsbefund der Leiche des ermordeten Sturmfüh rcrs Horst Wessel. Ter Arzt bekundete. da» Horst Wessel halb verhungert war, da er lange Zeit wegen seiner Schußvcrletznng keine Nahrung habe zu sich nehmen können, -rroh der gntverlanfenen Operation sei es nicht möglich ge» wescn, die Blntvcrgistung zu verhindern, die dann zum Tode geführt habe. Ter Schuß muß nach der Feststellung des Zach, verständigen aus ganz naher Entfernung abgegeben worden sein. Hieraus wurde der^7jährige W alter I u n e k aus der Schnßhast als Zcngc vorgeführt, der im ersten Horst-Wesscl-Prozcß zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden war. Er war Mitglied des Rotsrontkämpterbundes und gehörte nach denen Verbot ebenso wie die Angeklagten der kominnuislischen„Sturm- abteilung Mitte" an. Er iJunekl soll an dem Mordabend Verstärkung aus einem anderen kommunistischen Verkehrs- lokal geholt haben, nachdem Iran Talm in dem Lokal von Barr ihre Meldung gemacht hatte. Mar Jambrowfk» fei dann durch das Lokal gegangen und habe gerufen:«Vor- ivärtS, wer mitkommen will!" lieber den Zweck der ilnter- nehmung will auch dieser Zeuge nichts gewußt haben. Er behauptet sogar, er habe Horst Wessel überhaupt nicht gc- kannt. Todann ivird der 32jährige Erivin Rückert ans dem Zuchthaus vorgeführt, Ivo er augenblicklich noch bis Januar IHM eine Ttrasc von <>'/j Jahren verbüßt, zu der er im ersten Horst-Wesse! Prozeß verurteilt worden war. Rückert, der Bereitschaftsführer bei der„Sturmabteilung Mitte" war, wurde am Mordtagc von Junek geholt und gibt zu, eine Waffe bei sich getragen zu haben. Ter Zeuge bekundet, daß der«ommunisicntrupv an» dem.Lokal von Baer zunächst vergeblich im Hause Große frankfurter Straße 02 nach Horst Wessel gesucht habe. Man wollte schon das Haus wieder verlassen, als die Kommunistin Else Kohn wieder die Treppe herunterkam und die Mit- teilung machte, daß der Gesuchte im Vorderhaus vier Treppen hoch wohne.„Wir gingen," so schildert der Zeuge weiter,„in die Wohnung der Iran Salm, die in der Küche stand und uns mit de« Worten zur Vorsicht mahnte: „Seht Euch vor, sonst schießt er!" Ter Zeuge bekundet, daß er den Borschlag machte, bis zum anderen Morgen zu warten, wenn Horst Wessel aus der Küche Wasser holen würde. Ali Höblcr ließ sich aber nicht zurückhalten und fragte Iran Tnlm:„Wo ist das M liimcr von dem Kerl?" fr au Talm zeigte ihm die Tür. die jedoch verschlossen war. Bevor Ali Köhler antlopttc, lies fron Talm zur flurtür hinaus und setzte die Woh- nung:cklinget in Bewegung, um den Anschein bei Horst Wessel zu erwecken, er bekäme Besuch. Als Horst Wessel die Tür auf das Klopfen hin etwas öffnete, rief Ali Köhler: „Hände hoch!" Gleich darauf krachte der Schuß. Ter Mitbeteiligte Kandulfki nahm eine Pistole und einen Gummiknüppel an sich. Ali Köhler habe dann noch einmal auf den am Boden liegenden Horst Wessel eingetreten und zu ihm gesagt:„Tu iveißt doch, warn in T» das bekommen hast." Hierauf seien alle aus der Wohnung gelausen.— Sodann wird der Zeuge Kandulfki aus de», Zuchthaus in Brandenburg vorgeführt, wo er seine fünfjährige Zucht- hausstrafe wegen des falles Wessel noch verbüßt. Tiefer Zeuge ist Kurier bei der KPD. gewesen. Kandulfki kam nach seiner Schilderung erst in das Lokal von Baer, als der .''.ommnnistentrupp schon»ach der Großen frankfurter Straße unterwegs war. Spitzel und Verräter Hierauf trat eine Mittagspause ein. In der Nachmittags- sitznng bekundet ein kommunistischer Zeuge, daß am Abend des 14. Januar Jambrowskn, nachdem er von frau Talm unterrichtet morden war, in die Mitgliederversammlung der „Sturmabteilung Mitte" gekommen sei und gerufen habe: „tliot-frout-Kämpser, heraus!" Taraus seien alle Mitglieder mit lautem Gepolter von ihren Plätzen aufgestanden und herausgestürmt. Es hätten sich unter ihnen die drei Gebrüder Jambrowiki. Kandulsi und wahrscheinlich auch der Auge- klagte Epstein befunden. Oer Herr Obersturmführer Aus dem weiteren Verlauf der Verhandlung ist noch die Aussage des Obersturmführers Barrels hervorzuheben, der von mehreren Angriffen erzählt, die vor der Mordtat von Kommunisten au» den Horst Wessel-Sturm verübt wor- den sind. Dabei ist auch Horst Wessel selbst durch einen Messerstich in: Kestcht verletzt worden. Tie Beivcisaninavme wird auch am Donnerstag noch»ort- gesetzt. ES ist damit zu rechnen, daß das Urteil in den Nach- in i t t a g s st n n d e n verkündet wird. Der Gestapo» Prozeß ««Die Anklage lügt"...- T8i8Smann nicht Zeuge Im Berliner Mordprozeß Thunert und Genossen wegen der Ermordung der Polizeiofsizierc Anlauf und Lenk er- stattete in der heutigen Bormittagsiitzung der Tachverstän- dige, Mcdizinalrat Tr. frenkel,»ein Gutachten über den Obduktionsbefund der Ermordeten. Nach seinen Erinittlnngen muß der tödliche Tchuß aus ganz kurzer Entf er n n n g abgegeben worden sein. Im Anschluß an die Tachverstän- dtgen-Bernehmung wurde von der Verteidigung mitgeteilt, daß der Antrag ans Ladung des früheren k o m in n n i st i- scheu Parteivor sitzenden T h ä l m a n n z u r« ck- gezogen werde. Tic Verhandlung ivird am Donnerstag fortgesetzt. Das WclthIlfSkomitce für die Opfer des Hitlerfaschist»»« übergibt uns die folgende Erklärung zu dem Bülowplatz- prpzeß, durch den der frühere kommunistische Abgeordnete Albert Klnutz und 14 weitere Angeklagte mit dem Tode bedroht sind: „In den Veröffentlichungen über den Prozeß wegen der Ereignisse vom 0. August 1081 aus dem Bülowplatz wurden wir Unterzeichneten als Mittäter, ja sogar als angebliche Haupttäter bei der Erschießung der beiden Palizeiosfizicrc Anlauf und Lenk bezeichnet. Wir erklären dazu vor oller Oeffentlichkcit: Es ist eine bewußte Lüge der„A n- klag e",>v« n n m a n n n s v o r w i r»t, an der E r- s ch i e ß u n g d e S Anlauf und Lenk beteiligt gewesen zu sein. Wir stellen zu den Vorgängen ans dem Vüloivplatz fest: „Wie auch früher üblich, sollten am Abend des 9. August 1081 die Abstimmungsergebnisse^Volksentscheid» vom Gebäude des Zentralkomitees der KPD. bckaiintgeaebev»ver- den. Taufende von Männern und frauen hatten sich zu diesem Ziveck au» dem freien Platz zwischen Kar l- L i e b k n c ch t- H a ii s und Volksbühne eingefunden. Unerivartct wurde diese Bekanntgabe der Wahlresuliale unter freiem Himmel verboten. Tie sollte statt dessen in den Räumen des BersammlnngslokaleS„Musikersäle" stattfinden. Tie Menschenansammlungen, die dauernd neuen Zuzug er- hielten, bewegten sich daraus in die Richtung Kaiser-Wilhelm- Ttraße, an dem Kinotheater„Babulon" vorbei, nach dem Versammlungslokal. Tic Polizei hieb wahllos in die Menge. Dadurch entstand eine äußerst erregte Stimmung, die sich noch steigerte, als immer mehr Ankömmlinge gc- schlagen wurden, die vom Verbot der öffentlichen Wahlvcr- kündnng keine Ahnung hatte». In dieser Situation, bei dem allgemeinen Durcheinander gab es an der Ecke Hirtenstraße- Katscr-Wilhctm-Ztraße einen Zusammenstoß zwischen der Menge und der Polizei, wobei von feiten der Schupo scharf geschossen wurde. Es entstand eine allgemeine Panik, und erst später stellte sich heraus, daß bei dieser Schießerei zahl- reiche Arbeiter verwundet worden waren, darunter ein zehn- bis zwölfjähriger Junge tödlich, und daß auch drei Pvlizcibeamre getroffen worden waren. Es ist eine unerhörte Verleumdung, ans diesem Verlauf der Ereignisse eine planmäßige Er- mordnng Anlaufs und Lenks zu konstruieren. Wir unter- zeichneten erklären eidesstattlich, daß keiner von uns oder unseren verhafteten Kameraden geschossen oder eine An- Weisung zum Schießen bekommen hat. Keiner von uns ist an diesem Taac oder vorher im Karl-Liebknecht-Hans ge- wesen. Da keiner von uns Knntz persönlich kennt, kann er auch nicht mit ihm gesprochen haben. Keiner von uns hat irgendwelche„Befehle" von ihm oder einem anderen koui- niunistischcn Abgeordneten entgegengenommen." Tie Erklärung ist unterzeichnet von Willi Becker. Gerhard Wallitjchke. Erich Ziemer. Paul Kähne. Wilhelm Pechny, Erich Mielke und Tvbcrjalzke. Die„Zionistischen Protokolle" Ein großer Prozeß in Basel Basel, den 18. Juni 1984. • Basler Strafgericht findet augenblicklich ein interessanter Prozeß statt, bei dem es um die sogenannte» »$ t o n«ft i f ch e it Protokolle" geht. Ursprung und Inhalt dieser berühmten„Zionistischen Protokolle", die angeblich die„echten Protokolle des Basler ZionistcnkongrcsseS vom Jahre 18!,?« enhalten sollen. In vieler Schrift ivird ein„Geheimprogramm" veröffentlicht, das an jenem Kongreß beschlossen worden sein soll— es»oll „die Richtlinien der jüdische» Weltherrschastsplänc" auf- decken: rücksichtslos, mit allen Mitteln,»vollen die Juden t^c politische Macht au» dieser Welt erobern"- das sollen die Beschlüsse jenes Kongresses gcwesen»ein. Jür Kriege, Revolutionen, Skandalaffären. Verbrechen werden die Juden verantwortlich gemacht, vor keinem noch so verioers- lichen Mittel sollen sie zurückschrecken, um ihre„Weltherr» schaitspläne" verwirklichen zu können. Das ist der wesentliche Inhalt dieser„Protokolle". Ncber- flüssig zu betonen, daß die Juden von allem Anfang an diese „Protokolle" als Jälichunq bezeichnet haben. Es itt einwand- frei festgestellt, daß die„Protokolle" zum ersten Male anno 1005 von einem unbekannten Russen unter dem Pseudonym N i I ti 9 in russischer Sprache oerösscntlicht worden sind, offenbar zum Zivcck, der Geheimpolizei Ma- tcrial für die antisemitische Propaganda I» die Hände AU spielen. Bon diesem Orjainaliverk befindet sich noch ein Exemplar im Britischen Museum. Zwei Antisemiten über setzte» dieses Buch ldas übrigens betlteli war:„Das Große im Kleinen"! ins Deutsche: Gottfried zur Beek unter dem Titel„Tie Geheimnisse der Weisen von Zip»" und Theodor Irits ch unter dem Titel„Tie Zionistischen .Protokolle". Im Jahre 1921 wurde in den Londoner„Times" eine sensationelle Entdeckung veröffentlicht: es war nämlich fest- gcstcllt worden, daß diese angebliche» Protokolle nichts an- deres darstellten, denn eine ziemlich wortgetreue Kopie eines Buches, das bereits Anno 1 864 in Brüssel er» f ch i c ii c n w a r! Also:«» Jahre v o r dem Basler Zioniften- kongreß! TicseS Buch heißt:„Dialozur au* Enfer« entre MaWiiavel<-t Montesquieu" und ist vom Pariser Advokaten Maurice Jol» geschrieben worden— als P a ui p h l e t gegen Napoleon III.! Das Buch erlebte 1803 noch eine zweite Auflage— ein Exemplar dieses Werkes findet sich in der Basler Universitätsbibliothek. Schon 1021 haben also dte „Times" glatt bewiesen, daß die„Zionistischen Protokolle" eine plumpe Jälschnng waren: das Buch von Nilns ist ein simples Plagiat des Werkes von Jvlu! Mir ein paar geschickten Aenoerungen ivar das „Zwiegespräch in der Hölle" in„Zionistische Protokolle" ver- wandelt worden! Stach dem Weltkrieg diente das Plagiat zur Bekämpfung der Tcmokratic, die—- als im angeblichen jü- dischcn Wiedcreroberunasolan enthalten— verfemt worden ist. Soweit die Vorgeschichte. In den letzten Jahren— als der Antisemitismus zn neuem Leben erwachte— wurden auch diese„Protokolle", als willkommene Waise im Kamp» gegen die Juden, wieder aus gegraben. Das Buch von Beek erlebte 1933 im Verlag von Eher in München eine Neuauflage, und im selben Jahre wurden auch die„Protokolle" von Jrttsch im Hammer-Verlag zu Leipzig neu verlegt. ES ist nicht verwunderlich. daß sich auch die„Ironien" dieser antisemtsische».Kampfmittel" bedienten. Am 9. Juni -- ü n a i it Basel, im«Eiserne» Besen", dem Organ der Nationalen Jront, ein Artikel„Und trotzdem echt". Tarin wird ausgeführt, die«Protokolle" seien, entgegen den krampfhaften Versuchen der Inden, sie als Schwindel zu entlarven, echt, Ter Beweis für die Wahrheit der Protokolle ergehe sich aus den beide» Büchern von Beek und Jritsch. Im Artikel heißt es dann wörtlich:«Tic jüdischen oder jüdisch- hörigen Zeeinngen wögen wettern und schreien,, was wollen: Das Programm der internationalen jüdischen Gc- heimrcgieruna isi entlarvt" Gleichzeitig wird„jedem Kämpfer für die Wiedergesunduug der europäischen Böller und ihrer Kultur" die Letiiire dieser Bücher warm empfohlen, die man bei der Buchabteilung der N.0>->eizc tischen ZionistenuerbanheS. Und die Klage richtet sich gegen Beek rnd Irnich, gegen öle beiden verantwortlichen Jnnahcr des Eher- und Hammcr-Verlages, vor allem aber gegen Dr. A. Zander, den Redakteur des ehemaligen„Eisernen Besen, der jenen Artikel verfaßt hatte. In den Rcchtsbcgehre»» wird die Bestrafung der Beklagten wegen Verleumdung verlangt, außerdem Konfiskation der Bücher von Beek und Jritsch. In der Klagebegründnng ivird erklärt, daß der Inhalt die»cr Bücher eine niederträchtige Verleumdung der Juden dar- stelle.„Tic beiden Kläger empfinden diese Schmach, die durch die Verbreitung dieser Bücher allen Inden angetan wird, als eine persönlicheBeek und Jritsch sind inzwischen gestorben: Gottfried zur Beck war übrigens nur Pseudonym»ttr den Häuptmann a. T. Müller von Hansen. Gegen Zander hat auch Tr. Marens Ehrenpreis, Oberrabbincr in Stock hol m, Ehrbeleidigungsklage eingereicht, mit den» Begehren: der Beklagte sei wegen Ver- lcnmdung zu bestrafen, und das Urteil fei in 30 in- und ausländischen Zeitungen zu verösfentlichcn. In jenem bereits erwähnten Artikel des„Eisernen Besens" hatte Tr. Zander behauptet:„Ten schlagendsten Beweis der Wahrheit des j» dischcn Wcltprogrammes bringt die Neiiansgabc des Buches von Jritsch„Tic Zionistischen Protokolle". Ten» in diesem Buch ivird ein Zeitungsartikel über einen Bortrag von Tr. Ehrenpreis zitiert, der von jenem bekannten zionistischen Weltkongreß handelt, ivo der Zionistenführcr Herzl den indischen Well vla» darlegt." In der Klage ivird erklärt:„Kein Wort jenes Vortrages bestätigt oder bezeugt die Echtheit der Protokolle, denn es besteht überhaupt gar kein Znsammenhang zwischen dem Vortrag und jenen Protokollen— dieser Zusammenhang ivird erst und nur durch Jritich hineingebracht." Tie Be- Häuptling, der Kläger habe die Echtheit der„Protokolle" de zeugt, bedeute eine schwere Verleumdung! denn der Klager »verde einerseits als Mitwisser und Mithelfer an einer verbrecherischen Verschwörung hingestellt und andererseits ai» Verräter an der Sache seines Volkes. Auf Verfügung des Strafgerichtspräsidenten sind Hans- snchungen durchgeführt und 78») Exemplare der bekanntesten „Protokolle" beschlagnahmt worden. Es»st unmöglich, ans die außerordentlich umfangreichen Rechtsschriiren der beiden Parteien näher einzugehen. Wir begnügen uns damit, die Erklärung des Beklagten Zander zu vermerke»: er sei von der Wahrheit und Echtheit der „Prototolle" überzeugt gewesen. Am Tvnncrstagnachniiltag »'and nun vor dem Stra»gcrichtspräside»ten eine Barver- Handlung statt, an deren Schluß der Vorsitzende den Parteien einen Vergleich vorschlug, in welchem Tr. Zander anerkennen soll, daß er die Echtheit der„Protokolle" nicht zu de- weisen v t r m N n, und üan er mit dem Ausdruck des Be- dauerns seine Behauptung zurücknimmt. Tr. Ehrenpreis habe die Echtheit der„Protokolle" bezeugt.— Tr. Zortser war nicht persönlich anwesend: doch erklärte»ein Anwalt, daß er seinem Klienten die Annahme dieses Vvrichlgges empfehlen werde. Tr. Oscar Meyer, der Anwalt der Klager. gab die Erklärung ab. daß seine Partei diesem Vergleichs- Vorschlag wahrscheinlich ebenfalls zustimmen werde. Tie Kläger— so betonte Tr. Mcncr— legen besonders Wert darauf, daß das Gericht die Konsistatton der beiden Buche; von Beek und Jrittch verfüge und begründe. Wobei daS Gericht die Bücher entweder als Hetz- unds I ä l s ch n n g e n bezeichnen könne. In den nächsten Tagen wird sich entscheiden, ob dieser Prozeß und damit die„Zionistischen Protokolle"— durch einen Vergleich aus der Welt geschafft wird— oder ob der ganze komplizierte Jall materiell in ivochcnlanger Gerichts- Verhandlung abgeurteilt werden mnß... Sstne gebt es Hieb! Man schreibt uns: „Großer deutscher Tieg in der Saarsrage!" schreien und schreiben die durch außenpolitische Eriolgc»licht verwöhnten Nationalsozialisten, weil der Völkerbund den Tag der Ab- stimmung im Saargcbict festgesetzt bat. Man merkt ihren Stilübungcn das subjektive berechtigte Erstaunen darüber an, daß es noch Leute gibt, die ihr Wort halten. Wer hat aber die„Schlacht um die Saar" gewonnen? Ein Jude, denn der Jreiberr von Lersner. der als Vertreter Hitlers die letzte» Verhandlungen geführt bat, ist,»vie man bei dem hervorragende» Interesse»'einer mütterlichen Jamilie für den Rennsport wohl sagen darf,„gefallen vom Stall Oppenheim", d. h. seine Mutter ist eine geborene Oppenheim aus Jrankfurt a. M. Ein Amt, und sei es noch so unbedeutend, kann Lersner in Teutschland»ich» erlange», da er Nichlarier ist. aber bei wichtigen diplomatischen Verhandlungen läßt sich Hitler durch den negroiden Bastard vertreten, der ihm deshalb als besonders begabt erscheine» mag,»»eil nun einmal unter den Blinden der Einäugige König ist. Und Herr von Lersner gab sich nicht zn erkennen und nahm den Auftrag an. Mcrklvürdig übrige»»: Tic drei volkspartcilichen Abge- ordneten, die ihre Abneigung gegen die Politik Strescmanns veranlaßt?, der Partei den'Rücken zu kehren und zu den Teutschnationalen herüberzuivechseln, sind alle in gleicher Verdammnis. Ter zweite, der mit Lersner ging, war Herr Ouaatz(Mutter eine geborene Blnmenthall. der im„dritten Reiche" Direktor einer Großbank geivordeu ist und wie man bort, gern Nachfolger des Herrn Schacht»verde» möchte. Wahrscheinlich aus Gründen der Tradition siebt er winde- stens so jüdisch aus»vie der durch ihn verdrängte Vvllsemit. Und der dritte ist Herr Marctzki(Großvater ein Jude namens Lippmanitt, der als Bürgermeister von Lichtenberg Ende 1918 mit einem roten Wimpel am Auto in den Straßen Berlins umherfuhr und jetzt als Nationalsozialist alle Nicht- arier ans der Verivaltnng der Hauptstadt herausgeivorjen hat. Nur c'ncn hat er vergessen: sich selbst. Gäbe es ausschließlich Juden von der Sorte dieser drei, so » vare frei Lntt semiliSmus begre iflich. j&eutsdke Stimmen•(Beilage zur„Deutsdken ei freit"• Ereignisse und&esd iitfiten Älll!!lili!l.lHI!!!!f MM Fraitag, den 1 S. Juni Ia34 mam l lllll'"!'l l ll, F! IIHRI8il!IIIIP)(!l !KeÜgis a Wir achten jeden aufrichtigen Christen, und wenn der Christ der Ansicht ist, daß ihm der Christ im fremden Volke näher steht als der„Heide" im eigenen Volke, so sagen wir: Der Christ im eigenen Volke steht uns näher als der„Heide" im fremden Volk, gerade weil oder sofern der Christ unser Volksgenosse und damit unseres Blutes ist. Darauf gründet sich ja gerade unser Glaube. Wir respektieren aus demselben Grunde auch die blutgebundenen Gestaltungskräfte anderer Nationen. Der Redner schloß mit einem starken Hinweis auf die religiöse Kraft deutschen Glaubensgutes. „Wir folgen der Stimme" Graf Reventlow betonte, daß für die deutsche Glaubensbewegung der Begriff der Religiosität sich nicht allein auf das Jenseitige beschränke, sondern das ganze Leben durchpulse. Die Vorstellungen des Neuen Testaments seien gemischt aus Religio»«vors.«Hungen vergangener Zeiten und genügten nicht, uns religiös zu erfüllen und zu binden. „Wir folgen der Stimme, die von Gott in uns hineingelegt worden ist, dem Gewissen und der Ahnung des Göttlichen." Daß die Christen in wachsendem Maße«ich der Kirche und dem Christentum entfremdeten, daran sei u. a. die Tatsache schuld, daß der Deutsche, je freier und bewußter er um seine Seele werde, um so weniger ein Dogma vertragen Seitdem die deutschen Witzblätter aus Angst vor dem Konzentrationslager mit nachfolgendem Bankrott zu Hand- hüchlein der langen Weile geworden sind, bemühen sich die deutschen Tageszeitungen hin und wieder, ihre Leser zu erheitern. So hat sich die„Braunschweigische Landeszeitung" in diesen Tagen(Nr. 142) einen köstlichen Witz geleistet, indem sie das Dankschreiben eines Juden, der sich über zu gute Behandlung in Deutschland beschwert, abdruckt. Wir setzen das Geseire in vollem Wortlaut hierher, um es der Nachwelt zu erhalten: „So werden Greuelmärchen widerlegt!" Ein jüdischer Oberspielleiter in Hannover, dessen Name, um ihm in seinem neuen Wohnort keine Ungelegcnheiten zu bereiten(!), nicht genannt wird, hat an das Städtische Wohlfahrtsamt in Hannover nachfolgenden Brief gerichtet: „Da ich genötigt bin, aus wirtschaftlichen Gründen und um der öffentlichen Wohlfahrt nicht noch weiter zur Last zu fallen, Deutschland auf einige Zeit zu verlassen, fühle ich mich verpflichtet, leider nur auf diesem Wege dem Städtischen Wohlfahrtsamt meinen tiefempfundenen Dank für die mir gewährte Unterstützung während sechs Monaten abzustatten. Nicht nur die Unter- s t ii tz u Ii g allein verpflichtet mich zum Dank, sondern aueh die A i t, wie diese gewährt wurde. Obwohl Jude und Ausländer, wurde mir jede Wohltat erwiesen, ohne nach Wie oder Wieso gefragt zu werden oder wegen meiner liiihtarischen Abstammung irgendwelcher Mißachtung ausgesetzt worden zu sein. Ich werde nicht ermangeln, in meinem nächsten ausländischen Wohnort für die gebührende Aufklärung über das nationalsozialistische Deutschland, könne. Graf Reventlow wandte sich dann gegen die An-''h<'' e ätzten sieben Jahre verbracht habe, die schaumig, daß Gott durch eine Persönlichkeit dargestellt berechtigten und nötigen Aufklärungen au geben und auf werden müsse. Für die Deutschgläubigen bedeute das eine diese Weise meinen Dank abzustatten. ii i...•» Herabsetzung ihrer Gottesvorstellung und ihrer Gotteinpfin- dung. Der Redner wies sodann die Unterstellung zurück, die Drutschgläubigen seien Materialisten des Blutes und der Rasse. Der Mensch habe allerdings die Aufgabe, in diesem Leben mit allen Kräften der Vollkommenheit zuzustreben. Das könne er nicht besser tun, als in dem Bcicußtsein seines Blutes und seiner Rasse, und der daraus folgenden vollkommenen Hingebung an sein eigenes Volk. Das sei kein Rassenmaterialismus, denn Rasse und Blut seien gangegeben. Den Erlösungsgedar.ken des Christentumes lehnte Graf Reventlow ab. Wir seien zwar erlösungsbedürftig von der Ichsucht, müßten aber bestrebt sein, diese Unvollkommen- heiten zu überwinden. Die Deutsdie Glaubensbewegung lehne den Gedanken der Strafe und den biblisch verstandenen Betriff der Sünde ab. Unsere Vorfahren hätten diesen Begriff nidit gekannt und sie seien frömmer und ehrfürchtiger gewesen als die Juden des Alten Testament». Dafür sei unseren Vorfahren der Begriff der Schuld um so vertraute, gewesen. Bei aller Bejahung des diesseitigen Lebens sei für den Deutschen im Grunde doch die unsichtbare Stimme, die ihn nach oben weise, das Lebcngebcudc, das ihn vorwärtsbringe. * Das amtliche Deutsche Nachrichtenbüro veröffentlicht diesen Bericht im vollen Wortlaut. Nicht ohne Grund. Die Anbänger der„Deutschen Glauliensbewegnng" sind sehr zahlreich, und manche gehören bereits innerlich zu ihr, die sich offiziell noch„Deutsdie Christen" nennen. JjlCZM&Cltl Cut madecnes VläccAcn Man war eben beim siebzehnten Stockwerk des Wolken kiatzers tätig, als iu der zehnten Morgenstunde jener weit- historische Betriebsunfall eintrat: Der Maurer Seruhabel rief, auf dem Gerüste thronend, dem einige Sprosjen unter ihm hantierenden Hilfsarbeiter Nechedammon zu:„Hier fehlt Kalk!" Nechedammon aber, anstatt da« Verlangte herbeizuschaffen, fuhr fort, die Ziegelsteine für die nächste Traglast methodisch aufeinander zu schichten. Serubahel wiederholte mit lauter Stimme sein Verlangen. Nechedammon aher, durchaus unbereit, ihm nachzukommen, rief etwas zurück, das für Serubabels Ohren absolut fremd klang, das er»ich angesichts der ganzen Situation aber nicht anders deuten konnte, als die Aufforderung zu einer wenig ästethischen Handlung, für die Nechedammon offenbar «neu neuen Ausdruck erfunden hatte. Der Maurer tat das>"ig. gab kurze Befehle, die andern vier verstanden ihn aufs in solchem Falle nächstliegende: er stieg die Leiter herah«ort, sie verleihen sich auf dem Bau, jeder arbeitete dem und hieb dem störrischen Hilfsarbeiter seine Kelle il. die andern in die Hände, und vor den Augen der verdutzten • M L Menge wuchs der Bau weiter und weiter in die Höbe. Endlich konnte an der höchsten Spitze der Kranz befestigt werden. D.e fünf Gesellen stiegen herab. Unten werkte d°e Belegschaft...So könnt Ihr Euch miteinander verständigen?**, ballte es ihnen in hundert Sprachen entgegen. „O, keineswegs," erwiderte der Anführer,„ich bin Hol- I a n d e r, dieser ist Deutsdie r, diese drei sind B u I- garen. Wir verstehen einander ebensowenig wie ihr, da keiner von uns der Sprache des andern mächtig ist. Nach- dem aber vor dem Reichsgericht fünfundzwanzig Zeugen bekundet haben, daß wir uns trotzdem fließend punkt gestiegen. Das Baugerüst stand leer, am Fuße des Wolkenkratzers bildeten sich Gruppen, die versuchten, sich über das Geschehene auszusprechen— doch gelang es ihnen nicht. Endlich erschien der Polier Tiglatpilesar, trillerte auf der Pfeife und schwenkte dann einen Lappen, den er an seinen Spazierstock gebunden hatte. Das Signal verstanden sie, es hieß: es gibt keine Arbeit mehr, ihr könnt nach Hause gehen. In größter Niedergeschlagenheit schickten sieh die Arbeiter^^ ihrcn Spott" und"sprachen: Sie an, dieser Aufforderung zu folgen, als plotthai eine seltsame., ,,, v. Erscheinung die Augen aller auf sich lenkte: Im Gänse- ,ußen We,ns! marsch kam eine Kolonne von fünf Manu anmarschiert. Der Führer der Fremden, ein Maurer mit wiisdiügem Haarschopf, der nur den Kopf seltsam.gesenkt .....„„I. I or.ii i. i- Siehe» Jahre im nationalsozialistischen Deutschland!^ ie- \iele solcher Dankschreiben mögen erst vorliegen, wenn Deutschland nach dem weiteren Verlauf eines Jahres vier- zehn Jahre lang nationalsozialistisch ist! Das genannte Blatt versieht das veröffentlichte Dankschreiben mit folgendem Kommentar: „Aus dem Schreiben geht mit aller Deutlichkeit hervor, daß die von Emigranten verbreiteten Greuelmärchen, nach denen die Juden in Deutschland rechtlos sein sollen, erlogen sind." Wir fragen an: Seit wann rechnet man die Herren. Goebbels und Streicher unter die Emigranten? PAitasapfi!Bcauseutettec Der deutsche Familienromancier Artur Brausewetter ist mit seinem Ruhm als Garteulaubenliterat nicht mehr zufrieden gewesen. Darum ist er zu Pfingsten unter die Philosophen gegangen und bat auch gleich ein paar wichtige Entdeckungen gemacht, die er dem staunenden \ olke der gleichgesch Iteten Presse mitteilte: „—— Habt ihr den heiligen Geist empfangen?" Das ist die Frage, die das Pfingstfest an die Christen stellt. Hat er eure Herzen gepackt mit unbezwinglicher Gewalt, sie vor aller Kleinlichkeit und Enge eines miiden, lauen Tallebens emporgehoben zu den befreienden Höhen deutscher Wahrheit und Kraft? Das ist die Frage, die das Pfingstfest an deutsche Männer und Frauen stellt. Aber freilich— auf diese Frage gaben die Leute von Ephcsus nur eine Antwort:„Wir wissen nicht einmal, ob ein Heiliger Geist sei." Ob es iu unserem Vaterland heute Menschen geben kann, die auf diese Frage dieselbe verzagte Antwort haben? Der heilige Geist ist zugleich der deutsche Geist. Beide gehen ineinander a u f." Wir haben die gesamte einschlägige Fachliteratur durchgesehen, ohne die Belege für die Brausewettersche Behauptung entdecken zu können. Nur eine Stelle haben wir ge. feinden, die vielleicht alle« erklären kann. Und zwar steht sie im 2. Kapitel der Apostelgeschichte, 12, 13, und lautet! „Sie entsetzten sich aber alle, und wurden irre, und sprachen einer zum andern: Was will das werden! Zähne;— in siebzehn Stockwerk Höbe entspann sich eine solenne Keilerei, bei der die Paukanten einander vom Gerüst zu stoßen suchten. DerPolierTiglatpilesar kam binzngestoßen. Auf den gewohnten Klang seiner Löwenstimme ließen die Kampfhäline»war voneinander ab. Doch als der Polier ihnen eine längere Strafpredigt zu halten sich anschickte, werden die Gesichter der beiden Sünder länger und länger, sie zuckten verzweiflungsvoll die Achseln und gurgelten Laute aus Finger pilesar wie von„v.—„ unter ihm, über ihm— überall schlugen sich auf dem Bau die Leute. ut*reu vcrzHciiiuu^.v.. ns der Kehle, die ihrerseits den Polier veranlaßten, mit dem inger auf die Stirn zu tippen. Plötzlich schnellte Tiglat- der TarnateJ gebissen herum: lunter:l'*" lim, trotzdem fließend miteinander unterhalten können, ist diese Schwierigkeit behoben und— der babylonische Turm wird, aller Sprachverwirrung zum . Trotz, im Ralnnen des Hitlerscheu Vierjahresplans von uns Ersr... Toje.opfer»I.».K™ C.l...«M e, S.d.!- in der Tiefe lagen, begann man. 4ICIC lagt...,... klar zu werden: keiner verstand mehr den andern. Was half e». daß die Poliere auf ihren Pfeifen trillerten! Die Leute liefen zwar hinzu, aber es war unmöglich, ihnen ihre Ar- anzuweisen: sie hielten verzweiflungsvoll die 'lande an die Ohrmuschel, gestikulierten wild, aber sie I,e. griffen nicht, fn kürzester Zeit herrschte eine babylonische ' erwirrung— der Bau lag still. Der Chefingenieur und die beiden leitenden Architekten traten zu einer Konferem zusammen. Aber so laut sie aufeinander einbriillten. keiner wurde von den zwei andern verstanden. Schließlich kam es dabin, daß der ältere Architekt dein Chefingenieur Ohrfeigen anbot, sie von seinem jüngeren Kollegen erhielt, und die ganze Bauleitung, zu einem Klumpen verfilzt, sich in einer Pfütze wiilsle. In der Mitlagstuudc war die Verwirrung auf den Hobe- So kommt es, daß der Turm zu Babel vollendet wurde und gegen ein Eutrde zugunsten des Eintopfessens heute noch von jedermann besichtigt werden kann. Und wers nicht glaubt, kommt nach Dachau.., Mucki. CndCich Mace. Wade „Zuerst müssen die neuen Menschen geboren und gebildet werden, muß die nationalsozialistische Weltanschauung ihnen im Blute liegen, bevor sie aus sich heraus im Sinne der neuen Gemeinschaft schöpferisch gestalten können.(Max Wegner im„Völkischen Beobachter".) Herr Hitler wird, so hoffen wir, nicht so lange Zeit haben, bis seine Barbaren den„neuen Menschen im Blute liegen" \. ci.l.i» Sie li' gt heute schon zu vielen im Magen! Vielleicht äußert sich Herr Brausewetter einmal dazu?. Zeit:7latizen Englands zukünftige Königin Nach dem in England geltenden salischen Erbrecht wird später einmal, nach dem heutigen Prinzen von Wales— der wohl nicht mehr heiraten wird—* die älteste Tochter dei zweiten königlichen Sohnes, des Herzogs von York. Königin von England. Schon heute spielt die Prinzessin Elisabeth, trotzdem sie vor einigen Wochen erst sieben Jahre alt wurde, eine große Rolle in der englischen Oeffentliehkeit. Ein Problein, das lange Zeit die Köpfe des königlichen Hau es und des Kabinetts beschäftigte, war, ob die zukünftige Königin von England zur Schule gehen sollte. Diese Frage wurde jetzt dabin entschieden, daß Prinzessin Elisabeth nach dem Beispiel der Königin Viktoria, im Gegensatz jedoch zu c!> n anderen Kindern des königlichen Hauses, privat unterrichtet werden soll und damit auf den Umgang mit den anderen Schulkindern verzichten muß. Die teuerste Bibel der Welt Seit einiger Zeit ist im Britischen Museum in London der Codex Sinaiticus für das Publikum ausgestellt. Diese Bibel soll von der Verwaltung des britischen Museums für die Rekordsutnme von 100 000 Pfund der russischen Kegieruut abgekauft werden. Man legte eine Sammlung auf und die Regierung sagte>>>-» nur-->' »—*»>>> hihi ine ihre Hilfe in der Forin zu. das sie für jedes Pfund, das vom Publikum gestiftet werde, auch ihrerseits Iii erstaunlich kurzer Zeit waren die erforderlichen 50 000 Pfund vom Publiken ein Pfand gehen wollto. die erforderlichen 50 000 worden, aber jetzt stellt di 'in aufgebracht „..-ie Regierung sich auf den Stand- punkt, daß, wenn die Gebefreudigkeit der England treulich groß sei, auch noch die andere Hälft werden könne. er so er- e gesäumte!?. Das bunte Matt Änton Tschechow ist doch... äh.,. der Organismus. Meinen Sie nicht? Der Organismus? Das mutz man verstehen! Ich kann das nicht billigen, werter Herr!" Aljoscha bekam Angst, ging auf Zehenspitzen zu seinem Bett und legte sich, ganz klein geworden, hinein. Warja kauerte neben ihm und hielt den Atem an. „Das ist unser Alter..." flüsterte Aljoscha.„Der Alte selbst... Und schläft nicht. Bewundert die Kater. Dieses Aas! Es ist sehr unangenehm, mit dem Chef zusammenzu- wohnen." „Jungen Mann!" hörte Aljoscha die näselnde Stimme des Alten.„Wo sind Sie? Kommen Sie doch gefälligst her!" Aljoscha trat ans Fenster und blickte nach oben. „Sehen Sie diesen weitzen Kater da? Wie finden Sie ihn? Der gehört mir! Diese Haltung! Dieser Gang!... Sehen Sie doch! Miau, miau... Watzka! Wahjuschka du Gauner! Der Jswostschik Sachtmusik von Warwara Petrowna erwachte und horchte auf. Ihr Ge- ficht wurde bleich, ihre grotzen Augen wurden noch grötzer und funkelten vor Angst, als sie sich davon überzeugte, Sah es kein Traum gewesen war... Entsetzt verbarg sie ihr Gesicht hinter den Händen, dann stützte sie sich auf den Ell- bogen und weckte ihren Mann. Ihr Mann lag, wie ein Igel zusammengerollt, neben ihr, schnarchte leise und blies ihr seinen Atem auf die Schulter. „Aljoscha, mein Lieber... Wach auf! Liebling!... Ach ... ist das entsetzlich!" Aljoscha hörte auf zu schnarchen und streckte die Beine. Warwara Petrowna kniff ihn in die Wange. Er reckte sich, schnaufte noch einmal und erwachte. „Aljoscha. Liebling... Wach aus. Da weint jemand..." „Wer weint? Was fällt dir ein?" „Horch mal. Hörst du? Da stöhnt jemand... Sicher hat uns jemand ein Kind unterschoben... Ach, ich kann das nicht mehr anhören!" Aljoscha setzte sich im Bett auf und lauschte. Durch das weit offene Fenster blickte die graue Rächt. Mit Fliederdust und dem leisen Flüstern öer Linde brachte ein saniter Lust- hauch seltsame Laute ins Zimmer... Man tonnte nicht gleich erkennen, was es für Laute waren: ob Kinderweinen oder ein Klagelied oder ein Geheul... man konnte es nicht unterjcheiden! Nur eines war klar: die Laute erklangen gerade unter dem Fenster und kamen nicht aus einer Kehle, sondern aus mehreren... Da waren Soprane, Alt und Tenöre... „Aber Warja, das sind doch Kater," sagte Aljoscha.„Tu Tummchen!" „Kater? Unmöglich! Was sollen dann die Bässe sein?" „Da grunzt ein Schwein. Tu darfst doch nicht vergessen, daß wir aus dem Lande sind... Hörst du? Natürlich Kater ... Also, beruhige dich? schlaf nur ruhig." Warja und Aljoscha legten sich wieder hin und deckten sich zu. Ins Fenster wehte die Kühle des Morgens und sie fröstelten ein wenig. Die Eheleute rollten sich wieder wie Igel zusammen und schlössen die Augen. Fünf Minuten später wurde Aljoscha unruhig und drehte sich auf die andere Seite. „Tie lassen einen wirklich nicht schlafen, der Teufel soll sie holen... Dieses Geschrei.. Inzwischen wurde die Katzenmusik crescendo. Zu den vorigen waren offenbar neue Sänger mit neuen Kräften gekommen. Das leise Rascheln unter dem' Fenster verwandelte sich in Getöse, Lärm, Toben..... Das Piano, das zart wie Aspik gewesen war, halten den Grad des Fortiffimo erreicht, und bald war die Lust von empörenden Lauten erfüllt. Einige Kater stützen kurz abgerissene Schreie aus, andere trillerten bravourös Achtel und Sechzehntelnoten, wieder andere sangen einförmig langgedöhnte Töne... Aber ein Kater — es war wohl der chlteste und temperamentvollste— sang mit ganz unnatürlicher Stimme, gar nicht wie ein Kater, bald sang er im Baß, bald im Tenor. „Mau... mau... pst... pst... pst... karrrjau.. Wäre das Fauchen nicht gewesen, man hätte nicht glauben können, datz da Kater sangen... Warza drehte sich im Bett und brummt etwas.. Aljoscha sprang auf, fluchte laut und schlotz das Fenster... Aber ein Fenster ist nicht sehr dick, es läßt Laute und Licht durch. „Ich mutz um acht Uhr ausstehen, muh ins Amt," schimpfte Aljoscha,„und diese Teufel brüllen da und lassen einen nicht schlafen... So halte doch wenigstens du den Mund, dummes Frauenzimmer! Jammert einem auch noch ins Ohr! Jetzt weint sie gar! Was kann ich dafür? Sinds vielleicht meine Kater?" „Vertreib sie, Liebling!"- Wütend sprang Aljoscha aus dem Bett und ging zum Fenster... Ter Morgen graute schon. Aljoscha blickte gegen den Himmel. Er sah nur noch ein einsames Sternchen, und auch das flimmerte nur mehr schwach, wie durch Nebel... Auf der Linde schilpten die Spatzen, die der Lärm des geöffneten Fensters ausgeschreckt hatte. Aljoscha blickte auf die Erde und sah so ungefähr ein Dutzend Kater. Mit hochgestellten Schwänzen gingen sie, leise auf das Gras tretend, bucklig wie Dromedare um ein schönes Katzenfräulein herum, das auf einem umgekippten Kübel satz. Man konnte schwer unterscheiden, was sie vor allem ausdrücken wollten: ihre Liebe zu der Katzendame oder ihre eigene Würde? Waren sie um der Liebe willen ge- kommen oder nur, um ihre Schönheit zu zeigen? Ihr Be- nehmen gegeneinander verriet den ausgesuchtesten Hätz... Ausserhalb des Gartens rieb sich ein Schwein mit Ferkeln am Gatter und versuchte» in den Garten einzudringen. „Marrsch?" zischle Aljoscha„Ksch! Ihr Teufel! Psch! Ffft!" Aber die Kater achteten gar nicht aus ihn. Nur das Kätz- chen blickte in seine Richtung, und auch das nur kurz und un- willig. Sie war glücklich— ihr war nicht nach Aljoscha zu- mute...„Psch... psch... Ihr Bestien! Donnerwetter, der Teufel soll euch alle holen. Warja, gib mal die Karaffe her! Wir werden sie anschütten. Diese Teufel!" Warja sprang aus dem Bett und reichte ihm statt der Karaffe den Krug vom Waschtisch Aljoscha lehnte sich weit aus dem Fenster und neigte den Krug... „Ach, meine Herrschaften!" hörte er da eine Stimme über seinem Kopf.„Ach. die Jugend! Kann man sich denn so be- nehmen? Achachach... Diese Jugend!" Taraus folgte ein Seufzer. Aljoscha sah hinauf und bemerkte eckige Schultern in einem grohgeblümten Baumwollschlairock und dürre, sehnige Finger. Und die Finger drohten... Ter Alte sah am Fenster und wandte kein Auge von den Katern. Seine Aeuglein leuchteten lüstern»nd waren so ölig, als ob er einem Ballett zusähe. Aljoscha ritz seinen Mund auf, wurde blaß und lächelte... „Geruhen zu schlafen, Eure Exzellenz?" fragte er ganz un- passend. „Ni5 f<*»dn werter Herr? Tie vergehen sich an der Natur, junger■. Z: i' i. äh... sozusagen, die...wer durch keine Gärten berühmt wurde? Tie Königin Gesetze e> No:ur! Nich schon! Was geht Sie das an? TaS Semiramis, durch ihre^Hängenden Gärten", Was für einen Schnurrbart dieser Schlingel hat! Das ist ein Sibirischer, der Schelm. Aber kein Verbannter, he—hetze... Und das Kätzchen... das Kätzchen wirds bekommen! He—he... Immer trägt mein Kater den Sieg davon. Gleich werden Sie das selbst sehen. Die Haltung, diese prächtige Haltung!" Aljoscha sagte, datz ihm das Fell sehr gefiele. Der Alte begann das Leben dieses Katers zu beschreiben und seine Gewohnheiten. Er wurde ganz feurig und erzählte, bis die Sonne aufging. Er erzählte alle Einzelheiten, schmatzte mit den Lippen und leckte seine knochigen Finger ab... So kam Aljoscha um seinen Schlaf! In der nächsten Nacht begannen die Kater kurz nach zwölf wieder ihr Lied und weckten Warja. Aljoscha wagte nicht, die Kater zu verjagen. Unter ihnen war ja der Kater Seiner Exzellenz, seines Vorgesetzten. Aljoscha und Warja lauschten bis zum Morgen der Katzenmusik. lUebersetzung aus dem Russischen von Boris Krotkow und G. S. Stoetzler.) von peter Bitter Die tausend Kilometer von Moskau nach Saratow hatten wir glücklich hinter uns. Nun standen wir vor dem Bahnhof und versuchten in die Strahenbahn einzusteigen. Aber es blieb bloh beim Versuch: denn jedesmal, wenn die Konduk- teuerin unsere Gepäckstücke betrachtete, schallte es uns sehr energisch entgegen: „Ausgeschlossen, Bürger— mit dem Gepäck?!" Ein Taxi gab es nicht, das uns ans andere User der Wolga gebracht hätte.— Man hatte uns nämlich in Moskau gesagt, bei Saratow sei eine Brücke und wir wagten nicht daran zu zweifeln. Aber Jswostschiki*) gab es genug vor dem Bahnhof. In einer Reihe standen die Schlitten, und auf den Kutschböcken, in Pelze gewickelt, sahen die Besitzer hieser Gefährte— Männer mit patriarchalischen Bärten und blaugefrorcnen Nasen. Wir riefen einen an. Er roch bedenklich nach Wodka, neigte sich ein wenig auf die Seite und erklärte sich schließlich bereit, uns für fünf Rubel nach Engels zu fahren. Engels ist die Hauptstadt der Wolgadeutschen und wir hatten doch im Museum zu tun, das sehr interessante Einzelheiten über die Entwicklung der Deutschen unter Katharina der Grotzen enthält. Zu dritt nahmen wir Platz, der Jswostschik warf eine Decke über uns, die Koffer aus uns, kletterte auf den Bock und begann über seiner Mähre irgendwelche Beschwörungen zu murmeln. Da das Biest für gute Worte anscheinend nicht zugänglich war, sauste die Peitsche durch die Luft und die Kutsche setzte sich in Bewegung. Kaum waren wir hundert Meter an den niedrigen Häusern vorbeigefahren, drehte sich der Jswostschik um und hielt das Gefährt an. „Ihr wollt nach Engels?" „Ja, Onkelchen." „Dann zahlt ihr zehn Rubel." Wir sahen uns erschrocken an. „Ein Wucherer." sagte Freund Ernst deutsch. Aber laut sagte er, da es bereits dämmerte und wir in Engels gegen Abend erwartet wurden: „Unser letztes Wort: acht Rubel." „Zehn Rubel oder aussteigen!" „Ja— also, sollst sie haben." Wir glitten beinahe lautlos durch die belebte Strasse. Da — ein Ruck, und wieber wandte sich der Jswostschik„m. „Ich soll euch nach Engels fahren?" „Selbstverständlich, Väterchen." „Tann bekomme ich fünfzehn Rubel." Kurzer Kriegsrat. Beschlutz: Wir steigen aus, geben dem Kerl fünf Rubel und suchen ein Hotel auf. Verächtlich sah er, wie wir uns mit den Koffern abmühten und hielt fordernd die Hand hin. Als Freund Ernst einen Fünfrubelschein hineinlegte, sprang er vom Bock. „Noch zehn Rubel." Er kniff die wässerigen Aeuglein zu. „Nicht einmal, wenn du uns nach dem Ural fährst." Wir liehen ihn kurzerhand stehen und suchten einen Miliz- mann, um diesen nach einem geeigneten Quartier zu fragen. Weit und breit keine Uniform. Jeder packte seinen Koffer und wir zogen los— der Jswostschik fluchend und schimpfend hinterher. Gingen wir am Gehsteig, jagte er die Passanten Russischer Einspänner. mit seiner Kutsche auf die Strahe, denn er benutzte das Trottoir als Fahrbahn. Gingen wir über die Straße— stellte er einfach sein Gefährt quer und rammte so den ganzen Berkehr. Tie Leute wurden aus dieses sonderbare Treiben aufmerksam, wiesen mit den Fingern nach uns und eine Gruppe Jugendlicher schlotz sich, uns umringend, an. „Diese Leute, ihr Brüder, wollen mir durchgehen. Ich be- komme noch zehn Rubel," schrie der Jswostschik. Ich wandte mich an die Umstehenden:„Genossen, die Sache ist soundso. Er sollte uns nach Engels fahren..." „Nach Engels?" fragte einer und befühlte meinen Mantel, „ach. hast du ein feines Mäutelchen. Bist wohl ein Spez**> Hört, ihr Bürger: Nach Engels wollen sie fahren— mit dem Schlitten." Alle lachten. „Am besten ist, man geht zur Miliz oder GPU. Die weiß immer Bescheid," meinte ein anderer. Freund Ernst ergriff das Wort:..... „Sagen Sie, Genossen, ist das nicht Wucher— fünfzehn Rubel verlangt er nach Engels. Durch die Stadt^und über die Brücke— vielleicht zwei Kilometer Weaes..." „Ueber welche Brücke?" „Na, über die Wolgabrücke!" „Die ist doch nicht da..." „Und war nie da- die Wolga, dieses Wässerchen, ist doch hier zwei Kilometer breit." „Wollt ihr zahlen oder nicht?" Der Jswojtschtk brüllte eS über die Versammlung. „Wir gehen zur Miliz." „Nein, Bürger— zur GPU. ist es näher— hier gleich um die Ecke," sagte ein Knirps. Und die Prozession setzte sich in Bewegung. Wir drei, mit den schweren Koffern voran, dann der Jswostschik, hinterher und links und rechts das Sowjetvolk, das neugierig auf den Ausgang dieses Streites war. Ein niedriges Gebäude wie alle anderen. Ueber dem Ein- gang ein Schild: Gosudarstwenoje politischesteoje upravljenije. Oder kurz: GPU. An der Wand war mit flammend roten Buchstaben eine Inschrift hingekleckst, der Inhalt harmlos: Zum 1. Mai liquidieren wir das Analphabetentum. Wir traten ein. Ter Diensthabende, ein rothaariger blonder Riese, sah erstaunt den Aufzug an. „Sie wünschen?" Er war aus Marxstadt und sprach unt uns deutsch. Wir erzählten ihm die ganze Geschichte. „Ja— es wird nichts anderes übrigbleiben, als die fünf- zehn Rubel zu bezahlen..." und er wandte sich an die ganze Versammlung:„Ter Jswostschik ist noch eines jener privat- kapitalistischen Ueberbleibsel, deren wir in der jetzigen Periode des sozialistischen Aufbaus bedürfen. Wir haben noch zu wenig Verkehrsmittel und daher brauchen wir ihn. Der Jswostschik wird sehr hoch besteuert und deshalb steht es ihm frei, zu verlangen wieviel er will. Aber der Prole- tarier fährt mit der Straßenbahn oder geht&n Fuß. Er unterstützt nicht diese Elemente, die ja in absehbarer Zeit ebenfalls liquidiert werden..." In diesem Ton sprach der Mann von der GPU. noch lange und erntete Beifall. Der Jswostschik aber kümmerte sich einen Pfifferling darum, ob er bald oder nicht bald„liquidiert" würde steckte das Geld ein und bestieg seinen Schlitten. Und er fuhr ab, jeder Zoll ein Sieger.. **) Spezialist. Sold aus Lava In der englischen Oeffentlichkeit haben die Versuche eines Chemikers, der eine Methode gesunden hat, Gold aus Lava herzustellen, grosses Aufsehen erregt. Seit einigen Jahren schon haben fünf bekannte englische Chemiker Untersuchungen auf diesem Gebiete angestellt, die jetzt abgeschlossen worden sind und veröffentlicht wurden. Eine Reihe prominenter Bankiers und Industrieller ist bereits an der Gesellschaft, die gegründet werden soll, interessiert. Als Gründungs- kapital wird eine Million Pfund angegeben, während man mit einer jährlichen Produktion von nicht weniger als 50 Millionen Pfund rechnet. Wissen s>ie schon... ...wieviel Prozent der Erdoberfläche das Meer etwa be- deckt? Etwa 70 Prozent. ...was man im Altertum die„Säulen des Herakles" nannte? Die beiden Felsen Gibraltar und Abila. ...welches das kleinste europäische Meer ist? Das Mar- warameer. ...wie nach der griechischen Tage das erste Weib auf der Erde hieß? Pandora. ...wie das grobe kunsthistorische Werk heißt, das ein Führer durch die Kunstwerke Italiens ist? Der„Cicerone" von Jakob Burckhardt<1818 bis 1897). ... woher das Wort stammt:„Ein Schauspiel für GSt- ter"? Aus Goethes Singspiel„Erwin und Elmire". ...was Spektralanalyse ist? Die Untersuchung von Kör- pern aus Grund beS Spektrums, daS sie in glühenden Zu- stand zeigen. ...wer sagte:„Vom Erhabenen zum Lächerlichen ist nur ein Schritt"? Napoleon I. ...welcher Dichter buchstäblich über Nacht berühmt wurde? Lord Byron: nach dem Erscheinen der beiden ersten Gelange von„Ehild Harolds Pilgrimage". ... wer Lord Carnarvon war? Ein Aegyotologe: er sinan- zierte die Ausgrabungen, bei denen das Grab des Tut-enk- amun gefunden wurde. Starb 1923— am Fluche Tut- enk-amuns! ...wer den Charakter der Menschen aus ihrer Phnsio- gnomic erkennen lehrte? Johannes Lavater<1741 bis 1801), der Schöpfer der Physiognomik. Revolution in Permanenz Pie Zustände in Oesterreich Ocstercich ficht in 6cit letzten Tagen im Zeichen einer außerordentlichen Verstärkung der Tcrrorwellc. Im ganzen Land werden schwere Sprengstossanjchläge verübt, die den Eisenbahnverkehr zum Teil stillegen, großen Sachschaden anrichten und das ganze Land in wachsende Unruhe versetzen. Das AuKlandsbüro österreichischer Sozialdemokraten in Brünn verötientlicht folgende Erklärung zu den Ereignissen in Oesterreich: Tie letzten Tage haben bewiesen, daß sich Oesterreich in einem Zustand der Revolution in Permanenz befindet. Seit Monaten vergeht in Oesterreich keine Woche, kaum ein Tag. ohne Svrcngstoiigttentate: Attentate aus Eisenbahn- anlagen, aul Telegraf und Telefon, auf Wachstuben und Acmter. ans Gendarmerie Und Schutzkorvsposten folgten rinaüdcr. In den letzten Tagen bat sich die terroristische Tätigkeit bedeutend gesteigert. Aui alle» österreichischen Eisenbahnstrecken ist in den Unten Tagen der Verkehr durch Zerstörung von Brücken, Beschädigung von Tunnels, Sprengung des Oberbaues unterbrochen worden. An meh- reren Stelle» haben I-euergeiecktc zwischen den National- sozialisten und den anstrotaschistiichcn Formationen statt- gefunden, die manches Leben gekostet haben. Von der schwei- zcrischen bis zur tschechoslowakischen und ungarischen Grenze sind in denselben Ztnnden Terrorakte veriibt worden. Tic Regierung selbst demaskiert vor Europa die revolu- tionäre Lage, in der sich daS Land befindet, indem sie neben den bestehenden Tchutzkorvs auch noch Ortswehren organi- sier» und sie zur Selbsthilfe, zur Lynchjustiz, zu Mord und Totschlag auffordert. Tie Regierung führt diese Kette von Attentaten ausschließlich aus die Aktionen der Nationalsozialisten zurück. Tas ist falsch. Es unterliegt keinem Zweifel, daß d>c Nazi planmäßig Terrorakte organisieren, doch können di' e Akte nur deshalb in ko unerhört großer Zahl gelingen, ohne daß Sie Behörden die Täter zu ergreifen vermögen, weil die überwiegende Mebrbeit des Volkes,»on Todfeindschaft gegen das Tnstein Tollluß erfüllt, den Attentätern paisjve und nicht selten auch aktive Unterstützung leistet und weil die Erekiltivornane des Staates, von den örtlichen Sicherheits- wachen und Oeimivebrs»rmativ»en bis zu den Ministerien von Todfeinden der austrofaschistischen Diktatur durchsetzt sind. Zwischen Sozialisten und Nazi Hestedt selbstverständlich auch in Oesterreich unversöhnlich- IeinM-siatt. Ab»,- seit der blutigen Unterwerfung der österreichischen Arbeiter» schast im ,Februar ist der Haß der Arbcitcrmasien gegen dos System Tollsuß so stark, daß zuweilen selbst sozial«, (tische Arbeiter, die de» Nazis seind sind, mit ihnen dennoch gegen die Tollsuß-Tittatur gemeinsame Sache machen. Tie Regierung selbst, die die sozialdemokratische» Organisa- lionen ausgelöst und der Sozialdemokratie jede Möglichkeit legaler Betätigung geraubt hqtz hat es damit unmöglich gemacht, der Kooperation sozialistischer Arbeiter mit den Nazis entgegenzuwirken. Man hat dem österreichischen Volk ,edc Möglichkeit des Kampfes mit gesetzlichen Mitteln,«nit geistigen Waffen geraubt. Man hat daher kein Recht, sich darüber zu wunder», daß der Kamps jetzt mit Bombe» und Ekrasttpatronen geführt ivird. Zu Oesterreich bestätigt sich die alte Wahrheit, daß man ani Bajonetten nicht sitzen kann. Tallinn hat. statt durch Verständigung mit der Sozialdemokratie eine Zwcidrittel- Mehrheit des Volkes dem Nationalsozialisinus entschlossen entgegenzustellen, seinen Kamps gegen die sozialistische Ar- bcitcrschast und gegen die Nazi zugleich geführt und damit Zmeidrittcl des Volkes mit Haß und Erbitterung gegen seine aui nichts als Gewalt gestützte Mindcrhcitsdiktatnr erfüllt. Tie folgen zeigen sich jetzt. Tie ftrcmdcitfaison ist für Heuer schon vernichtet: die Iolac wird eine wirtschaftliche Katastrophe sein. Ein freies Volk wird seinen inneren frieden wiederherzustellen wissen. Tic Diktatur der Minderheit kann den Terror, die letzte Waise der Unterdrückten, nicht brechen. Tas österreichische'Volk kann fich vor einer Katastrophe unabsehbarer Dolgen, die selbst den europäischen frieden in Gct'ahr bringet! kann, nur retten, indem es sich von der Diktatur des Austroiaschismus befreit. Wallisdis Grab Ter OND. erfährt ans Levben lObersteiermarkj: Nach- dem die Gendarmerie wochenlang versucht hatte, den Zu- gang zum Grabe des von der Regierung Dvlliuß hinge- richteten Vorkämpfers der steirischen Arbeiterschaft Koloman Wölkisch zu sperren, ist nun endlich der Zutritt zu der allen österreichischen Arbeitern tvnrcn Stätte endlich frei- gegeben worden. Bisher wurde der Versuch, Blumen auf dem Grab Walliichs niederzulegen, mit Polizeiarrest bc- straft. Nu» dürfen die Arbeiter ungehindert zum Grab ihres Märtyrers geben. Tas Grab ist mit Steinplatten eingefaßt worden. Ein Vera von Blumen türmt sich auf dem Erdhügcl. nomrt über das„driuc K®" Holland versus Deutschland Sir zitieren aus der Haagschen Post: »Die holländischen Hotelbesitzer(vereinigt in„De Horacas"> teyncn»ch nun doch cnergstch gegen die deutschen Zwangs- maßregeln zum Zwecke der Selbsterhaltung livie man das « l,c" n'' ouf. Mit gewaltigem Wortaujivand, so schreibt „Horacas" macht man nun— gerade vor der Rciseiaison— zum loundsovicltcn Mal« eine deutsche Maßregel gegen das Geldverzchrcn im Ausland bekannt. Zu den letzten drei Jahren erfand man immer wieder etwas Neue», aber stets f>es es darauf hinaus, das Reiieu ni» Aystaud zu erschweren. *s'UsU HU#mir internationalen Gefühlen uiw internationalem Kundenkreis natürlich fern, dergleichen a-canrcgeln erfreut zu begrüße». Und wir dürtcu sicherlich annehmen, daß auch unsere Kollegen jenseits der Ostgrenzc mit uns fühle», auch wenn sie dies nicht offensichtlich zur Schau tragen dürfen. Doch wird mancher hier sich nun die «nage vorlegen, ob es nicht an der Zeit wäre, daß unsere Regierung entsprechende Repreffal-Maßregeln ergreist. Ein sehr gutes Mittel wäre, von allen hohe» Steuern zu erhebe», die nicht geschäftlich nach Ländern reisen, die dasselbe tun slil diesem Jolle Deutschtands. Die Liebe kau» doch schließlich nicht immer nur von e'ner Seile kommen. Unsere deutsche» Kollegen können es uns schwerlich zum Bösen auslegen, wenn wir nun einmal schmere Geschütze auffahren. Dle Re- gierung, der doch diese Maßregeln auch zu Obre» kommen, kann aui die Tauer unser» Klagen gegenüber nicht taub bleiben. Tarn»! fordern mir von unserer Regierung als Gegenmaßregcl eine extraschmere Besteuerung von Hollän- öern, die nach Teutschland reisen." „Deutschland mit dem Wasserkopf" In„H e k Handelsblaö" lAmsterdamj lesen wir u. a.: Teutschland, das auch schon in Zeiten eines normalen Welthandels ein Lind mit einem lindustriellens Wasserkopf war, ist es nun noch in starkem Maße geworben, lind die nationalsozialistische Regierung hat dem— vielleicht, um den Eindruck zu erwecken, vis ob mit diesem System die Wohl- fahrt zurückkehrte— noch>» die Hand gearbeitet. Aus den Jahresbilanzen der große» deutschen industriellen Unternehmungen ersteht man beinahe überall einen größeren Absatz im Inland. aber eine Abnahme der ausländischen Or- öers. Tie Sehnsucht»ach der Großstadt ist bei dieser Au. kurbelung der Industrie sogar t'o groß geworden, daß die Regierung ein spezielles Gesetz erlassen hat, daß den Menschen «nit einem Einkommen von loeniger als 3000 Mark— o, »at-onale Sozialisten!- die Niederlassung in de»«iädten verboten werden kann. Tiefe ausgeblasene Industrie hat nun, »in arbeiten zu können, Gniudstosse nötig die importiert werden müssen, aber— und hierauf kommt es an— nickst wehr bezahlt werde» können durch dle Ausfuhr eines Teiles bieser Grundstoffe in veredelter.form. Sie werden alio im Inland verbraucht und zum Teil für partei-poliiische Zwecke. Wie kann Teutschland dann aber seine Grund,rorre noch bekommen:-' Durch ausländische Kredite. Darauf machte Dr. Schacht bereits Alisvielunaen. Aber die Aussichten hierfür stehen sehr schlecht. B'r halten es jedenfalls für gänzlich aus- geschlossen, daß man Teutschland unter de» heutigen Um- ständen auch nur einigermaßen ausreichend?» anslatn iichcn Kred t gewahren wirb. Man kann natürlich auch die-* 1^* krslasien und die Grundstoffe dadurch kauten, daß ma» die Mark im Ausland verkaust, wie es auch In.^er ÄnfGlions- »eil nach dem Kriege geschehen Ist. ES!ü deutlich, dag r..eut ch» land hiervor bange Ist«uS dem Hauptorgan der deutschen Regierung, der«Völkische Beobachter", in schonersichilich.wle wan gegen die verkehrten Auffassungen hinsichtlich der I; nan» zierung der Arbeilsbeschaffung zu Ielde zieht. Dieie geichlebt bekanntlich durch Wechsel, die die^kutsche Regierung aus- schreibt»nd m't denen man in den s^^nden Jahren w e Steuern bezahlen kann. Es sind atto«aekrecheWechiel auf bie Zukunft. Der Iinan, minister bat kurzlich selbst da s c fährliche dieser Overatio» zugegeben Man spricht n neulich land darum auch schon von einer Arbctlv-Inilauon. Man tut nicht mehr mit! Wir lesen u. a. im»H«t Volk": r„ ...Die Stimmung unter der ökuiscden^evölkeruaais. büß man gegen die Nörgler Ocftffl zu Fclde ziehen muß.»tu Kritik muß mit Gewalt der Kops eingedrückt werden. Es werden zahlreiche Männer und Irauen verurteilt, die sich in ickmälerndem S nne über die Regieruitgsinaßnahmen aus- gelassen haben. Eine Iran, die geäußert hatte:„Es ivud doch nicht besser", wurde verurteilt, jeden Tag zum Rathaus zu kommen und zu erklären:„ES ist ,chon besser geworden, und es wird noch viel besser werden." Aber solche Geiundbelerci Hilst nichts: sie hilft ebenso wcwg wie die Gefängnisstrafen und die Konzentrationsläger. Denn das Gcnörgcl, das natürlich einen lehr ivahrcn Hintergrund hat. hält an Ucbrigciis zeigt sich nirgends Widerstand von großem Ior- mal. aber rnan tut nicht mehr mV. Und nörgelt!-Von hoch bis niedrig!" „Braune Revolution" An anderer Stelle schreibt„H c t Volk": „Es gibt zweifellos eine große Anzahl Nationalsozialisten, die meinen, daß das, was jetzt in Deiilichiand gc.chieyt, nicht nationalivzialistiich ist. Viele Matzregeln, mit denen nian nicht einverstanden ist, werde» den Wer» zugeschrieben, d. h. den Nazis, die erst im Jahre t»33 ihr Hatenkreuzherz entdeckt haben. Es gibt sicherlich unter de» alten Nazis Männer, die auf den Zeitpunkt warte», i» dem sie ihren Willen durch- setzen können. Die Meinungen dieser Naiiongtsoz'glisten von der alten Garde über das. was eigentlich Nationalsoziaiisinns ist, weiche» sehr stark voneinander ab. ES gibt e'ne ganze Reihe von primitiven Sozialisten unter den Nazis,»nd ihre Zahl ist»'cht gering. Am rührigsten aber sind die„Radila- linskis". dU schwerlich unter einem der bestehenden Begriffe untergebracht werden können. Es sind die Männer vom Schlage eincS Julius Streicher, dessen Mach! in der NSDAP, von Tag zu Tag größer zu werden scheint. Von dieser Nich- tling erwartet man Taten— es mar vor ein paar Wochen schon die Rede von der Vergrößerung von Streichers Ein- sluß, Eine derartige Kursänderung Ist aber garnicht im Sinne der Industrie, des Kapitals und des Heeres. Und darum kann man auch wahrnehmen, daß sich allmähüch Unterschiede zeigen in der Behandlung der SA. und der SS. Während die Reichswehr und die sogenannten reak ionären K.re'se mit der SA. nicht viel zu schassen haben wollen, wird die Prä- toriancrgardc der SS., die übrigens aus viel besseren Stän- den rekrutiert ist, mit viel größerer Rücksicht behandelt. So machten die Spannnngeii im„dritten Reich", und im selben Verhältnis ivic die wirtichastlichcn Schmicrigkesten größer werden und die Rückkehr zu normalen wirtichastlichcn Ver- häl'nissen geringer wird, werden sie sich sehr ernst ver- schärfen." Spannungen in Nortfsdilcswlg Deutsche und Dänen Ter„Kullunvchr"(Zeitschrift für Bolkötumssragens wird aus Flensburg mitgeteilt:„Hier hat sich der llebcrgang der dänischen Minderhcitsschule zum neuen Schuljahr noch keineswegs reibungslos vollzogen. Es hat in Kreiien der Minderheit und darüber hinaus in der dänischen Oesient- lichkcit besonderes Aussehen erregt, daß von zirka lA>.Neu- anmtldnngcn kür die dänische Gemeindeschule i» Flensburg, die sämtlich mit der Unterschrift der Eltern vollzogen waren, zirka Vi im letzten Augenblick zurückgezogen ivurdcn, ohne baß ein ersichtlicher Grund daiür vorliegen konnte. In einem Fall wurde die Zurückziehung und Umschulung in die deutsche Schule sogar durch den betreffenden nationalsoziali- stischen Blockwart im Namen der Eltern vollzogen." Das dänische„Ilensborg Avis" teilt mit:„Vor ein paar Monaten wurde ein Eiscnbahnbeainter, der zwei Kinder in die dänische Minderheitsschiile schickte, von seinem Vorgesetzten ausge- fordert, seine Kinder für die deutsche Schule anzumelden. Diese Aussorberung wurde damals zwar, indem sie allerlei Aufsehen erregte, zurückgenommen, doch ist zu Ostern dieses Jahres die Umschulung aus der dänischen in die deutsche Schule tatsächlich eriolgt." Ein Leiter des«Wintcrhilfsiverks" in Flensburg nützte seine Stellung zu einem Druck aus die Eltern dänischer Schülcr ans. um sie zur Umschulung j» die deutsche Schule zu veranlassen. Aehnliche Lorfälle werden aus der Slaöt Schleswig berichtet. Denlsdiland und Italien Schwankende außenpolitische Haltung der Nazipresse Die Nazipressc berichtet neuerlich über Dcutschciiversol« gungcn in Südkirol. So erhob vor kurzem die italienisch- faschistische Vereinigung„Lcgionc Trentina" die Forderung nach restloser Beseitigung des deutschen Klerus. Im Laute des letzten Jahres ivurdc gegen 13 Pfarrer der Diözese Brixen ein Vcrsahrcn eingeleitet, weil sie sich dem Miß- brauch der Ironlcichnamsprozejsivii widersetzten. Tie Kon- sinterunaslommission Bozen hat."> Pfarrer verwarnt. Der langjährige Kurat Leo Naroeny von St. Michael bei Kastel- ruht ivurde ausgewiesen. Der Kurat Barnabas Kainz, der eine Italienische Lehrerin wegen schlechten Benehmens aus der Kirche wies, wurde untcr Polizeiautsicht gestellt. Der katholische Iugcndbort Meran ivurdc aufgelöst. Vor kurzem wurden St deutsche Lehrkräfte nach Altitalien versetzt. Zwischen Schmuggler» und Grenzbcamtcn kommt es, wie schon lange nicht, überaus hänijg zu Zusammenstößen. Bei einem solchen Zuiammenstoß ivurde ein Grenzsoldat von einem Schmuggler erstochen: der Totschläger wurde wegen vorsätzliche» Mordes zum Tode verurteilt. Seit Ol- tober sind nicht weniger als vier italienische Grcnzorgane getötet worden. Tie deutsche Presse berichtet weiter:„Daß Italien in der levle» Zeit den Ausbau der tiroliicheit Grenz- beiestianna au'tallend beschleunigt bat, kann jeder feststellen, der über den Brenner fährt. Italic» scheint sich aber mit der Befestigung seiner eigenen Nordarenze nickt zu begnügen: In der ersten Maiwoche unternahmen nach Mitteilungen aus Innsbruck sieben italienische OVjzicrc. geführt vom Bvzcncr Brigadier, General Albcr'o Bassani, und begleitet von mehreren eMaitnicha"snersonen zum Traaen der Vor» mesiilngsavvaro»e. eine Jahr' an die östcrr,'ichj>ch-banriiche Grenze, ivobei sie die straieaU-be Laar der Grcnzvnnkte am Iernoalie, bei Scharnitz. am Ackeniee und bei Kufstein. ein- gehend besichtjaten und i» die mitgebrachten Generalstgbs- karten Einicichiiungcii machten, ja sogar Vermessungen vor- nabmcn.'Nock ein zweites Mal ivurdc eine solche ReG- gnoszicrnng der österrcichisch-banrilche» Grenze durch Ossi- ziere der italienischen Krieasschnle vorgenommen. In beiden Iällen ginge» die italienischen. Militärs nolltonimcn osicn vor und ließen si-b auch dadurch nicht beirren, daß sie von zahlreichen Zeugen beobachtet wurden. Tic scheuten sich nicht/ sogar Krattwagen von österreichischen Autovcrmictungcn zu verwenden." Alle diese Nachrichte» haben wir der gleichen Nazipresse entnommen, die'sich sonst nickt genug am Lob Italiens und des Tuee tun kann. So schnell und so in ihr Gegenteil ändern ssch die außenpolitiichcn Züchtungen des 3. Reiches. Augenblicklich lobt ma» Polen und Jugoslawien. Immerhin muß sehr deutlich daraus hinaewiesen werden, daß auch das Svicl des italienischen Iaschismus eine Gefahr für ganz Europa ist. Revolutionäre lusllz Todesstrafe für Korruption Eine der schlimmsten Geißeln des zaristischen lliußland war die Bestechlichkeit der Beamten, die der arbeitenden Bevöl- kcrung zu den amtlichen Steuern noch weitere schwere Lasten auferlegte. Tie Sowjetregicrung führt einen sehr scharfen Kampf gegen alle KorruptionScrschcinungcn, deren Träger vorwiegend die Elemente ssnd, die bereits vor der Revolution als Beamte tätig waren und Versuchern-, die alten Methode» in« neuen Staate einzuführen. Ein der- artiger I-all ist in Leningrad aufgedeckt ivordcn, wo eine Gruppe von höheren Angestellte» der dortigen Bauten unter Leitung eines ehemalige» zaristischen Offiziers ein ganzes Netz von Bestechungen ausbaute. In Kiew ging eben der Prozeß gegen eine Gruppe von Angestellten der LcbenS- mitdelvevteilung zu Ende, in dem wegen Verschleppung von Staatseigentum und Bestechlichkeit sogar mehrere Todes» strafen verhängt wurden. Dabei ist festzustellen, daß nicht nur Bestechung, sondern auch die bloße Kenntnis der Vor» gänge oder mangelnde Aussicht, insbesondere durch Staats- und Parteifunktionäre, in der gleichen Weise verfolgt ivurdcn, ivie daS Verbrechen selbst. „Deutsche Ixeiheit" Aßounementspceise: Saargebiet Frankreich Luxemburg Belgien Neubelgien (Kupen-.Malmedy) Holland Dänemark Schweden Schweiz Oesterreich T schechoslo wakei England Palästina Spanien Polen Rußland Argentinien fr. Fr. fr. Fr. belg. Fr. belg. Fr. belg. Fr. im Einzel. Monat verkauf fl. Kr. Kr. schw. Fr. Schilling Kr. sh sh Peseta Zloty Rubel Peso 12,- 12,- 15,- 15,- 12,- 1,50 3,20 2,60 2,40 7,50 30,- 4,- 4,- 6,— 4,20 1,- 3,- 0,60 0,60 0,70 0.85 0,50 0,12 0,20 0,20 0,20 0,30 1,20 3 d Bei Zusendung unter Kreuzband durch die Post sind die Portogebühren vom Besteller mit dem Abonnementsbetrag zu entrichten. Pariser Rendite Englischer Brief Das Fest von Paris 0. G., London, Mitte Juni. Italien Lobeshymnen auf Mussolini gesungen und sich fijt /•s: x r_. r(%■..:- v r' l. fnTUfl Sin C.9I Paris, im Juni 1934 Ja, es wird ein Fest sein, das Paris in diese n Werben von Mitte Juni bis Anfang Juli erleben wird, oder vielmehr eine ununterbrochene Reihe von Festen, die wie eine strahlende Mette diese Sommertage umschließen werden. Paris hat aufgerüstet, aber diese Aufrüstung hat wahrhaftig nichts Kriegerisches; es ist, so sonderbar es klingen mag, eine höchst friedliche Rüstung zum Vergnügen, zum Glanz und zur Heiterkeit. Wenn man schon von Krieg sprechen will,— dies ist ein Krieg gegen den verteufelten Pessimismus, ein fröhlicher Feldzug gegen jenes Gespenst, das man wohl auf der ganzen Welt Krise nennt und mit dem man die Kinder schreckt wie einst mit der bösen Hexe. Wer möchte in diesem Feldzug nicht den Soldaten spielen, wer wollte nicht in diesem Heere mitmarschieren, das auszieht, den Drachen zu töten? Also, es haben sich Freiwillige genug gemeldet, und seit vielen Tagen herrscht schon Hochbetrieb in den vielen Büros, in denen der Generalstab dieser Festwochen sein Quartier aufgeschlagen hat. Aber nicht nur die Festmarschälle sind fieberhaft an.der Arbeit, auch die Geschäftsleute, auch die Künstler, auch die Hoteliers, sie alle sind mit Schwung bei der Sache, jeder will auf seinem Posten stehen, ieder als Sieger aus diesem fröhlichen Krieg heimkehren. Diese Pariser Festwochen sollen ein lachendes Symbol des wiedererwachten Vertrauens sein. Der französische Ministerpräsident Doumergue, der auf den vielen Zeitungsbildern ewig ein väterlich lächelndes Gesicht zeigt, hat seinem Lande den politischen Frieden im Innern gebracht. Doumergue ist es auch gewesen, der diesen Gedanken der Pariser Festwochen freudig aufnahm und gleich einige Herren seines Kabinetts in die Vorbereitungskomitees delegierte. Der Handelsminister Lamoureux hatte die Hauptarbeit zu leisten, er hat die richtigen Persönlichkeiten zusammengebracht, er hat viele Kreise für die Idee dieses Festes interessiert, und neulich hat er einen Aufruf erlassen, der den Schlußstrich unter die organisatorischen Vorbereitungen zog. Da heißt es:„Paris will gefallen und zerstreuen. Seine Künstler, Musiker, Schauspieler, Maler, Dichter, seine Sportchampions, seine Kaufleute und alle seine anregenden Persönlichkeiten werden sich mit ganzem Herzen drei Wochen hindurch in den Dienst dieser Aufgabe stellen. Die Festlichkeiten, die unsere Hauptstadt vorbereitet hat, werden durch ihren vielfältigen Charakter die Massen anziehen und die französische und ausländische Elite vereinigen. Paris, um die Erhaltung seines Rufes bemüht, will alle mit jener Höflichkeit und jener Herzlichkeit empfangen, die ja schon traditionell geworden sind." Paris will gefallen und zerstreuen,— so sagt der Herr Minister, und, wirklich, man könnte sich kaum eine Stadt vorstellen, die das so gut erfüllen könnte wie gerade Paris. Es ist aber kein leeres Versprechen, das da gegeben wird, und wenn man das umfangreiche Festprogramm sich etwas näher ansieht, dann weiß man bereits, daß diese Festwochen vom Start bis ins Ziel erfolgreich verlaufen werden. Alles kann man finden, vom sensationellen Boxkampf bis zur Kunstschau, von Shakespeare bis zum Reitturnier, vom Galakino bis zur Seidenausstellung,— jeder kann sich aussuchen, was ihm gerade gefällt, Paris streut freigebig tausend Geschenke aus. Und auch die Eisenbahn, auch die Hoteliers legen den Besuchern etwas auf den Geschenktisch: wer zu den Festwochen nach Paris kommt, erhält freie Rückfahrt auf der Eisenbahn, und wer fünf Tage in einem Hotel wohnt, kann noch eine Nacht gratis dort schlafen. Was will man mehr? Aber diese Festwochen haben auch eine ernste Seite. Sie sollen zeigen, was mit gutem Willen alles möglich ist, sie sollen ein Vorbild für Reisepropaganda und Fremdenverkehr sein, und sie sollen vor allem zeigen, daß mit vereinten Kräften wirklich wieder eine Atmosphäre geschaffen werden kann, in der das Vertrauen zur Wirtschaft erstes Lebenselement ist. Die Pariser Festwochen sollen eine großartige Demonstration des Optimismus sein. Man kann annehmen, daß von ihnen Ausstrahlungen über Frankreichs Grenzen hinaus sich ergeben werden und daß vielleicht auch andere Länder daraus eine Lehre ziehen können. Keine internationalen Führerscheine mehr Während der Pariser Festwochen erhalten die Auto- reisenden aus Großbritannien, Belgien, Luxemburg, Deutschland, Schweiz, Italien und Spanien an allen französischen Grenzstationen unentgeltlich einen Passierschein, der es ihnen gestattet, sich vom 15. Juni bis zum 15. Juli in Frankreich aufzuhalten. Die Ministerien des Innern und der öffentlichen Arbeiten haben beschlossen, diese Automobilisten ausnahmsweise von der Mitführung der internationalen Papiere zu befreien. Sie können in Frankreich frei herumreisen, sofern sie nur im Besitz der Dokumente sind, die ihr Heimatland von ihnen verlangt. Der Eiffelturm führt.... Die größte Anziehungskraft unter den Sehenswürdigkeiten von Paris übt noch immer der Eiffelturm auf die Fremden aus. 371 265 Personen haben ihn im Jahre 1933 bestiegen. Das sind um 32 041 mehr als im vorangegangenen Jahr. Die„Besteigung" ist freilich wenig beschwerlich, da sie ja in Fahrstühlen erfolgt. Die zweitgrößte Beliebtheit unter den Pariser Sehenswürdigkeiten genoß der Louvre, der von 265 660 Personen besucht wurde, dann folgt Versailles mit 205 483 Besuchern, während das Luxembourg-Museum von 40 463 und die Notre Dame sogar nur von 37 748 Personen besichtigt wurde. Ist diese schöne Kirche nicht mehr„en vogue"? BBIWKXTB I» Erwin. Sie schreiben uns:„Söaä Ihre Anssührungtn über hie Lage der jüdischen Schauspieler und Filmschauspieler in Berlin Betrifft, so bin ich in der Lage. Ihnen ein- Ergänzung zugehen zu lassen und einen Teil Ihrer Mitteilungen richtig zu stellen. Grete Mosheim lieh man das erfolgreichste Stuck der letzten Saison,„Die Kay Sack", nur bis zu einem bestimmten Termin spielen. Dann mußte das Stück abgesetzt werden. Sie darf nicht Derby-Tag Die Engländer sind ein politisches Volk. Aber es gibt Tage, an denen auch die wichtigsten politischen Ereignisse in den Hintergrund treten. Solch ein Tag z. B. ist der Derby-Tag. Zwar ist es kein offizieller Feiertag, aber er wird doch wie ein Nationalfeiertag betrachtet. Büros und Institute sind vielfach geschlossen, um den Mitgliedern und Angestellten die Möglichkeit zu geben, das große Er- eignis des Pferderennens mitanzusehen. Selbst dort, wo gearbeitet wird, drehen sich alle Gespräche um das Rennen. Innerhalb der Büros werden Prioatwetten abgeschlossen, die Schaffner in den Autobussen, die Verkäufer in den Geschäften unterhalten sich mit den Fahrgästen oder Käufern über das große Ereignis, kurz das Leben Londons steht von morgens bis abends unter dem Zeichen: Derby. Selbst die ernsthaftesten Zeitungen, die sonst in ihrem Gehaben fast feierlich anmuten, widmen an diesem Tag und auch an dem folgenden ihre Leitartikel dem Pferderennen. Wahrscheinlich könnte ganz Japan von einem Erdbeben verschlungen werden oder es könnte irgendwo ein großer Krieg ausbrechen, ohne daß die Engländer ein solches Ereignis über das Derby stellen würden. Was sagt man zu Barthou? So hat Herr Barthou Glück gehabt, daß seine zweite Attacke gegen einen englischen Staatsmann auf den Tag des Derby fiel. Zwar haben die Zeitungen Barthous An- griffe auf Henderson erwähnt, aber die Masse der. Eng- länder hat davon nichts gemerkt, denn an diesem Tag galt ja nur das Derby: und als man sich in London von dem Erlebnis des Pferderennens erholt hatte, war die Span- nung in Genf bereits wieder gewichen und der Weg zu einem Kompromiß freigemacht. Hätte Barthou seinen Angriff auf Henderson an einem anderen Tage unter- nommen, die englisch-französischen Beziehungen hätten unter Umständen schwer gefährdet werden können, doch am Vortag des Derbys blieb der Angriff ohne ent« scheidende Wirkung. Es ist überhaupt seltsam, die Reaktion der Engländer auf den englisch-franzö- fischen Konflikt in Genf zu betrachten. Als Barthou seine scharfgeschliffenen Pfeile auf Sir John Simon abschoß, hätte man eigentlich erwarten sollen, daß die englische öffentliche Meinung voll Empörung über Frankreich aufschäumte. Doch davon war nicht allzuviel zu merken. Zwar bekam Barthou einige unfreundliche Worte in den englischen Zeitungen zu hören, zwar stellte sich die Mehrzahl der englischen Presse nach außenhin vor die englische Außenpolitik, aber von einer eigentlichen Erbitterung gegen Frankreich oder auch gegen Barthou war nicht viel zu spüren. Einmal gefiel vielen Engländern die geistvolle Art des französischen Außenministers. Vor allem aber ist Sir John Simon denkbar un- beliebt, und seine ziellose, ewig schwankende Außen- Politik findet nirgends viel Respekt. Selbst ein der Regierung so nahestehendes Blatt wie die ..Time s" konnte es sich nicht verkneifen, mit einigen Seitenhieben auf Simon loszuschlagen. Noch viel schärfer reagierte die rechtskonservatine„Morning Post", die mit dürren Worten Simons Rüchtritt forderte, und den französischen Standpunkt für im wesentlichen gerecht- fertigt erklärte. Auch der liberale„Manchester Guardian" und die faschistische„Daily Mail" waren mit Simon recht unzufrieden. Und selbst der franzosenfeindliche außenpolitische Redakteur des lihe- ralen„News Chronic!e", Vernon Bartlett, verbarg seine Unzufriedenheit mit Englands Außenminister nicht. Einzig das Labourblatt„Daily Herald" er- ging sich in wilden Attacken gegen Barthou. Es gehört seit einiger Zeit zu der immer unverständlicher werdenden Außenpolitik des Labourblattes, den faschistischen Regie- rungen in Deutschland und Italien Hilfsstellung zu leisten Herr Ewer, der außenpolitische Redakteur dieses Blattes, hat jetzt nach einer kurzen Reise durch Deutschland und Hitlers wahre Friedensliebe verbürgt. Ja selbst die SA. bezeichnet er als eine durchaus harmlose und friedliche Organisation. Die Labour Party scheint die großen Ge- fahren, die in einer solchen Irreführung durch das eigene Blatt liegen, noch nicht recht zu erkennen. Außenpolitisch ist sie ja leider zur Zeit ziemlich führerlos. Daß die Parole „Nie wieder Krieg" allein als außenpolitische Parole in der gegenwärtigen Welt nicht mehr genügt, erkennen viele ihrer Anhänger noch nicht. England ist eben doch von dem europäischen Hexenkessel geografisch und vor allem auch geistig getrennt. Und es ist ja auch nicht die Labour Party allein, die außenpolitisch hin und her schwankt. Auch im Regierungslager, vor allem im Kr?is des Ministerpräsidenten Macdonald und um Sir John S i m o n. den Außenminister, steht es nicht viel and-'rs. Der rechte Flügel der Konservativen und vielleicht auck der linke Flügel der Labour Party um Sir Stafford C r i p p s hat so etwas wie eigene klare Außenpolitik. Die andern Gruppen aber suchen stets Konflikten auszu- weichen und ziehen sich daher vor jedem energischen und rücksichtslosen Gegenspieler zurück. So zuerst vor Hitler und jetzt scheinbar wieder vor Barthou. Zugleich aber scheuen sie auch jede klare Stellungnahme, die es für die Welt erkennbar machen würde, wo England wirklich steht. Diese unentschlossene Haltung, die bereits 1914 den Welt- krieg ermöglichte, droht erneut. Europa ins Unglück zu stürzen. Die Behauptung der Rechtskonservativen, daß ein solcher steriler Pazifismus gradewegs zum Krieg führe, läßt sich kaum bestreiten. Die innenpolitische Situation In der englischen Innenpolitik herrscht erheblich mehr Klarheit. Zwar liegen auch hier die Verhältnisse komplizierter als etwa in der Vorkriegszeit, wo sich Regie- rung und Opposition gegenüber standen. Jetzt wird die Regierung außer von der Links-Opposition auch von den Rechtskonservativen um Churchill angegriffen, vor allem in ihrer Indienpolitik. Die Links- opposition hat sich gleichzeitig mit den Splitter- grüppchen der Linken, der Unabhängigen und Arbeiterpartei und den Kommunisten auseinanderzusetzen, und alle zusammen werden wiederum von den recht aktiven Faschisten Mosleys attakiert. Trotzdem geht zur Zeit der entscheidende Kampf zwischen der ge- mäßigt konservativen Regierung und der offiziellen Lobour-Opposition. Die anderen Gruppen, so lärmend sie auch auftreten, sind z u r Z e i t noch keine Macktfaktoren. Die Nachwahl im Elendsbezirk Das wurde vor einigen Tagen aucy wiener m eui« Nachwahl in Wales bewiesen. Der Wahlkreis Merthyr gehört zu den englischen Elendsbezirken, in denen seit vielen Iahren der größte Teil der Bevölkerung arbeitslos ist. Man könnte es verstehen, wenn in einem solchen Wahlkreis die Linksradikalen oder Faschisten Er- folge aufweisen würden. Das Wahlergebnis aber bewies das Gegenteil. Weder die Faschisten noch die Regierung hatte einen Kandidaten aufgestellt. Der Labour-Kandidat hatte gegen einen Linksliberalen, einen Unabhängigen Arbeiter-Parteiler und einen Kommunisten zu kämpfen. Es kämpfte also nicht wie üblich Regierung gegen Opposition, sondern vier verschiedene. Schattierungen der Links-Opposition kämpften gegeneinander. Trotzdem war die Wahlbeteiligung über 80 Prozent, was für englische Nachwahlverhältnisse ungewöhnlich hoch ist. Der Labour-Kandidat wurde mit einer Mehr- heit von über achttausend Stimmen über denLiberalen gewählt. Die Mehrheit war größer als irgend einer erwartet hätte, und den 18 000 Stimmen des Labour-Kandidaten standen sogar nur je 3500 Stim- men des Unabhängigen Arbeiter-Parteilers und des Kommunisten gegenüber. Also selbst in einem der schlimm- sten Elendsbezirke Englands konnte der Extremismus nicht Fuß fassen. mehr in Deutschland spielen, trotzdem sie durch ihre Heirat mit Homolka Tschechin geworden ist. Mit Otto Wallburg ist es gbnlich. Beide Künstler besinden sich zur Zeit aus einer«tfolg- seichen Auslandstournee. Wallburg in Sien und Mosheim zur Zeit in Zürich. Sie wird in den nächsten Dagen auch in Saar- brücken gastieren."— Mit den beiden„Ausnahmen" ist es also nichts. Ihre Schonzeit im„dritten Reiche" ist abgelaufen. Alte Mannheimer. Sie schicken uns Ihr„Hakenkreuzbanner" und streichen mit Rotstift einen Bericht an, der von einem Volksfest der NSDAP., Ortsgruppe Schweyingeroorstadt erzählt. Sir lesen da:„Eugen Schleich, unser Mannheimer Tenor, wer kennt ihn nicht, wer hat ihn noch nicht gehört?„Deutschland erwache" bracht« ihm stürmischen Beifall ein. Dann wartet« eine Vertreterin der Tanzkunst mit Darbietungen auf; Otti Wandelich. Vielleicht ist sie dem Großteil der Mannheimer noch nicht so recht bekannt. Aber sicher wird sie es noch werden, zumal sie noch recht jung ist. Nur zwei Tänze führte sie vor: einen Spitzentanz und einen Bauern- tanz. Daß letzterer auf tänzerische Art eine Schwarzwaldmühle darstellen sollte, wußten die wenigsten ihrer Bewunderer: alles tippte so auf etwa» Russisches. Aber das macht nichts, man freute sich doch der sauberen Leistung und spendete reichlich Beifall. Anna Pawlowna hätte auch keinen größeren Applaus bekommen können." — Bestimmt nicht. P. Siraßburg Sie wollen wisien, welche Stelle die formelle Be- gLündung zum Verbot der Ritualmord-Rummer des„Stürmer" gegeben hat. Die Stelle findet sich in einem Artikel„Jüdische Ge- ständnige", worin behauptet wird, daß zahlreiche Geständnisse von Juden die Existenz jüdischer Ritualmorde beweisen und schilderte den angeblichen„Vorgang bei Ritualmorden". Dieser Borgang wird mit dem heiligen Abendmahl der Christen verglichen:„Dieser ver- rucht«, hohnvolle Brauch hat ein« verdächtige Aehnlichkeit mit dem christlichen Abendmahl. Auch bei diesem wird Sein als Blut und die Hostie sungesäuerieS Brot?» als Leib eingenommen. Der Christ machts sombolisch, der Jude in Wirklichkeit, das ist der einzige Unterschied." „Fahrender Gesell". Die Nazibonzen haben für ihre LuxusautoS ein nur ihnen erlaubtes Signal Tatü-Tata Es ist dem Signal ähnlich, das sich früher an den kaiserlichen Auto» befand. Nun hörten Sie in südwestdeutschen Orten, wie auf offener Straße Passanten, zumal Krauen, solchen Bonzenauto» höhnend nachriefen:„Tatü-Tata Für unser Geld!" E. R., Saarbrücken. Ihnen hat man aus der Bahnhofstraße der Saarhauptstadt einen Hundertmarffchein aus der Inflationszeit in dis Hand gedrückt, auf dem mit Tinte geschrieben steht:„Das war schon einmal. Das komm: bald wieder, Heul Hitler!"— Die Furcht vor der kommenden deutschen Inflation oder auch vor einer De» Valvation grassiert selbst in der„Deutschen Front". Pirmasenser. Die 1l. Feldartilleristcn hatten jüngst einen Waffen, tag in Pirmasens. Ihr scheint das große Ereignis nicht genug gewürdigt zu haben, denn der Bereinssührer stellt in einem Briefe an die Preis« in Pirmasens fest:„Weniger angenehm berührte uns der Umstand, daß von den vielen Pfälzer Regimentskameraden eigentlich nur sehr wenige zum Feste erschienen waren." Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P i tz in Dud- weiler: für Inserate: Otto Euhn in Saarbrücken Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Bolksstimm? GmbH„ Saarbrücken& Echützenstraße 5.— Schließfach 776 Saarbrücken. An unsere Bezieherund Leser! Wir erhalten in letzter Zeit Beschwerden da. rüber, daß die„Deutsche Freiheit" entweder verspätet oder auch gar nicht ankommt Wir bitten alle Beschwerdeführer, sich an ihrem Ort mit der Post oder der Bahn in Verbindung zu setzen, da von Saarbrücken aus die Zeitung nach wie vor pünktlich jeden Tag abgeht. An der Post oder Bahn des Auf. gabcOrtes liegt die Verzögerung nicht, davon konnten wir uns überzeugen. Verlag der„Deutschen Freiheit"