Sinzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nr. 136— 2. Jahrgang Saarbrücken, Samstag, den 16. Juni 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt Zwei Jxxde&ucieite im I«« M I»••» ITT Ocsl erreidi im Pliilelpunfc! der Verhandlungen iwlsdien Hitler undraussolin! Rom, 15. Juni. Tie Ausnahme des deutschen Reichskanz^ keiS in Venedig erfolgte in einer offizielle» Pracht, die den« Gast als dem Vertreter des Deutschen Reichs alle möglichen Ehrungen zugestand. Zucht mau aber, in der italienischen Presse hinter den Berichren über die glänzende.Fassade nach Mitteilungen über die politischen Verhandlungen zivischeu Hitler und Mussolini, so stößt man sofort auf sehr nüchterne und kühle Betrachtungen. Es besteht kein Zwetkcl. daß Mussolini schon in seiner ersten Unterredung mit Hitler, die unter vier Augen stattgefunden hat. dem deutschen Reichs- kanzler sehr ernste Bedingungen gestellt hat, die i u s b e s u n d e r e Oesterreichs unbedingte Selb- ständigkeit betreffen. Eine bedingungslose Aende- rnng der nationalsozialistischen Politik ist die Voraus- setznng für jeden Versuch Italiens, mit Sem„dritten Reich" gemeinsame außenpolitische Linien zu finden. Unter dieses Joch muß Hitler tief gebückt hindurch, wenn er die italienische Unterstützung in der Rüstungsfrage und einen Rückzug nach Genf finden will. „Corriere de la Tera" gibt zu, daß neben der Abriistungs- frage das Donauproblcm die Hauptfrage in den Ver- Handlungen»wischen Hitler und Mussolini bilde. Roch deut- licher ist die„Ttampa": „Tie Beziehungen zwischen Italien und Deutschland sind nich« einfach und nicht ans Rosen gebettet. Im Gegenteil, selbst auf dem ideolagifchen Gebiete waren gerade i« letzter Zeit Polemiken ausgekommen, die manchmal absurd, immer aber peinlich waren, und die um jeden Preis die Origi- nalität erweisen wollten. Und auf dem politischen Feld haben sich potentielle Reibungssläche» geltend gemacht, eben wegen der inneren Kraft des Ncttionalsvziakismus... Vor allem muß in definitiver Art die Stellung Deutschlands geklärt werde« über ei« bestimmtes Problem, in welchem Italic« klare Verantwortungen übernom- men hat. Diese Unsicherheiten werde» ausgeschaltet, und jenseits von ihnen wird die Atmosphäre sogleich heiter sein." Tann darf man noch an einen Aussatz über„Frankreich o d e r D e u»fch l a n d" in der faschistischen Universttätszeit- schritt„Libro de Mosch etto" erinnern. Er. ist wohl, da er schon am 9. Juni veröffentlicht wurde, noch ohne Kennt- nis des bevorstehenden Zusammentreffens der beiden Re- gierüngschess geschrieben worden. Immer erscheint die angesehene Zeilschrift unter dem Protektorat Mussolinis. Zie schreibt: »...Das Boll der französischen Infanteristen, diese Helden- hafte Masse der Kombattanten, die sich vier Jahre lang in der Verteidig»,,« des vom irren Furor ten- t» n i c n s Überfallenen Frankreichs opferte, kennt die Wahrheit." „...Nach einem Kriege schmerzlichste? Opfer und leuchtendsten Heldentums, den man, um der deutschen Barbarei die Flügel.zu stutze», miteinander gekämpft hat, mißtraut man sich." „...Italien rettete Oesterreich vor dem idiotischen deutschen Tran«." „...Tic deutsche Rasse, die zur Herrscherin werden will: die deutsche Raffe, die sthon bei der Adfnrdität anqeinng» ist, den Faschismus für eine teutonische, nicht für eine ausgesprochen lateinische Schöpfung zu halten? die deutsche Rasse, die anscheinend von maso- ch» st i scheu, Sadismus ergriffe« ist. möge sich an da» fatale Jahr 1914 erinnern und möge bedenken, was alles sie in den Jahrhunderten von Rom lernte..." »...Die Narreteien der Alldeutsche« verwir- reu«ns nicht. Niemals Hinte? Teutschland herlaufen! Es hat den Krieg gewollt, es hat Hiebe bekommen,— es sind seine Hieb« und es soll sie behalten. Begnüge es sich, auf der Mitte zwischen der übertriebenen französischen In- tranfigenz und d«n lächerlichen Nazis»,derunqen das zu erhalt»», was die gesunde italienische Bernunsi ihm bietet. Nicht mehr! Tas wird der Frieden sein. Andernfalls ist es unabänderliches Schicksal, daß der, der Hieb« bekommen hat, sie noch einmal zu schmecken haben wird." Tas sind doch sehr peinliche Sätze, zumal wenn sie kurz vor dem Besuche des deutschen Reichskanzlers erscheinen. Man hat nichts davon gehört, daß diese Univerfitätszeitschriit Hitler zn Ehren beschlagnahmt wurde, wie das sozialistische Blart Polens„Robotnik", als es zvr Begrüßung des Tr. Goebbels Zätzc veröffentlichte, die im Vergleich zn den massiven italienischen Grobheiten eine höfliche Kritik an den ungeistigen Methoden des„dritten Reichs" gewesen sind. Paris ohne Unruhe Die Bedingung Mussolinis an Hltfer Offenkundig beeinflußt kennzeichnet die Zeitung„Excel- sior" die französische Einstellung zur Begegnung von Vene- dig wie folgt: Tic fränkische Regierungskreise erwarteten in ruhiger Abgcklärthcit die Ergebnisse- der Aussprache Hitler-Mnssolini. Frankreich habe von einem derartigen Meinungsaustausch nichts»u fürchten. Alles, was Annähe- rnng und Zusammenarbeit der Völker begünstigen könne, entspreche dem aufrichtigen Friedens- und Versöhilungs- wunsch, der die französische Politik in Europa kennzeichne. Alles, was ans andere Ziele ausgehe, könne die französische Regierung nicht bedrücken, da sie ohne glückseligen Opti- mismuS, aber auch ohne ungerechtfertigten Pessimismus entschlossen sei, die Siechte und die gerechten Jntertflen Frankreichs zü behaupten und zu verteidigen. In dieser Hin- ficht sei zwischen Rom und Paris kein Mißverständnis möglich. Dje sranzösisch-italieuischc Annäherung bleibe weiter ans der Tagesordnung der französischen Außenpolitik. Es werde nur von Berlin abhängen, daß auch die dentsch-französische An- Näherung aus der Tagesordnung einen guten Plötz erhalte. Ter nach Venedig entsandte Sonderberichterstatter des „Matin" erklärt, baß man in amtlichen Kreisen über den Inhalt der Unterredungen völlig« Zurückhaltung bewahre. Er will aber trotzdem von gewöhnlich gutunterrichteter Seite erfahren haben, daß die österreichische Frage in dem vonmergne droht mit Auslosung Verdfidiflge RUdlsidil Die Kammeraussprache über die Militärkredite TRB. Paris, 15. Juni. Tic französische Presse ist, soweit sie hinter der Regierung T o u», e r g u c steht, mit de», ersten Tage der KammerauSsprachc über die neuen Heeres- krcdite einverstanden. Tie hebt den nationalen Charakter der angeforderten Ausgaben hervor. Besondere Beachtung findet der Passus der Rede ToumcrgueS, wo der Minister- Präsident den linken Flügel seiner Parteienmehrheit warnte. Ties« Warnung wiederholte Ministerpräsident Tou- m eigne auch nach der Sitzung in den Wandelgängen der Kammer, wo er nock einige Zeit verweilte und sich mit den Abgeordneten unterhielt. Er ließ dabei, wie schon in seiner Kammerrede, durchblicken, daß er sich mit dem Senat zwecks Auflösung der Kammer in Verbindung setzen würde..wenn die Kammer ihm in einer so nationalen Frage die Gciolg- schalt verweigern würde. Tiese Trohung bildet eine ungc- wohnte Neuerung in den politisch-parlamentörifchen Gr- pflogenheitcn Frankreichs. Brüning und Hitler Angebliche Erklärungen London, 15. Juni. Ter„Evening Standard" veröffentlicht im Auftrage des früheren Reichskanzlers Brüning, der sich zur Zeit in London aushält, eine Erklärung, die sich mit den Meldungen einiger Morgenblätter beschäftigt, wonach er bei Nacht und Nebel Teutschland verlassen habe. Brüning stellt fest, daß er sich vorübergehend In London aufhalte, daß sein Aufenthalt vollkommen legaler Natur sei End er einer Einladung Folge geleistet habe. Ferner erklärt Brtt- ning, baß er nicht auf einer schwarzen Liste stehe, sondern vielmehr wieberholt mit Reichskanzler Hitler und anderen nationalsozialistischen Führern gesprochen habe. Tie Erklärung bestreitet aber anscheinend nicht, daß Reichskanzler a. T. Brüning im Reiche mancherlei Miß- Helligkeiten und Verfolgungen durch nationalsozialistische Organe ausgesetzt war. Zwei Justizmorde beantragt TNB. Berlin. 15. Jnni. Im Horst-Wessel-Prozeß bean- tragt« der Staatsanwalt am Schluß seines Plädoyers, wegen gemeinschaftlichen Moides gegen die Angeklagten Tally Epstein und Hans Zicgler die Todesstrafe und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebens- zeit, wegen Beihilfe zum Mord gegen den Angeklagten Peter Stall l3 Jahre Zuchthaus und zehn Jahre Ehr- verlust.— Tie Angeklagten brachen in Tränen aus. Sinne zur Sprache gekommen sei, baß man sie zuerst ein- mal klären müsse, nm das Terrain z» bereinigen. Wenn Berlin nicht eine loyale und aufrichtige Enthaltsamkeit gegenüber Wien befolge und wenn die nationalsozialistische Propaganda i? Oesterreich nicht sofort ein Ende nehmen sollte, würden die Verhandlungen von Stra gcgcnstands- los»erden. Wahrscheinlich habe Mussolini in dieser Hinsicht bereits Versicherungen und Verpflichtungen erhalten. Tas Interesse der Besprechungen liege natürlich aus dem Abrüstungs- probten, und der etwaigen Rückkehr Teutschlands nach Gens. Italien, das theoretisch nicht Stellung genommen habe und das sich stet» für direkte realistische Verhandlungen ausge- sprachen habe, sei heute besonders gut plaziert, um mit Teutschland unvoreingenommen und ohne Gegensatz zu irgendwelchen Grundsätzen den diplomatischen Horizont ab- zutasten. Mussolini stehe es ebenso frei, Hitler auf die Vor- teile einer Rückkehr nach Genf ausmerksam zu machen wie auch gründlich das Programm der Rüstungen und der Kon- trolle durchzusprechen. Was Italien seit den mageren Genfer Ergebnissen besonders besorge, sei die Eventualität eines Wiederauflebens des Wettrüstens und die offenkundige Isolierung, aus die die deutsche Politik hinsteuere. Seldtcs RfldlfrHtsdrolinng Er und die Hitlerjugend Berlin» 15. Juni. Ter schon vor einigen Tagen von uns gemeldete Uebersall einer. Bande Hitlerjugend auf den Acichsardeitsmiuister Scldte in Schönebeck bei Magdeburg wird nun auch in einer Meldung des Tcutschen Nachrichten- Büros in vorsichtig verklausulierter Form zugegeben. Seldte macht einen Versuch, sich Genugtuung zu verschaffen. Er hat sich nach München begeben, um Hitler noch vor der Abreise nach Italien zu sprechen: Seldte forderte den sofortigen Rücktritt der Magdeburger Führer der Hitler- jugcnd und verlangte weiter, daß die verantwortlichen Füh- rer sich bei ihm entschuldigen. Geschehe das nicht, so werde er aus dem Kabinett austrete». Hitlers Stellungnahme ist noch nicht bekanntgeworden. Streichers Leichenschändung Der Freund des deutschen Reichskanzlers Prag, 14. Juni sZTA). Tie neueste Nummer des vom Intimus HitlerS, Julius Streicher, in Nürnberg heraus- gegebenen„Stürmer" trägt an der Spitze den Niesentitel „Der Weltgangster. Erbmäßig veranlagte Verbrecher" und ist in Tert und Bildern ausschließlich der Jndenhctze gewidmet. Unter der Neberschritt„Die Schande von Paderborn" ivird geschrieben: „Tas^Kcstiäliiche Bolksblatt" hat dem verstorbenen Manuiaklurwareiiiudci, Ludwig Herzhcim einen Nachruf erlassen, der jedem Deutschen die Schamröte ij,s Gesicht treibt. Tas Blatt schrieb:„Anläßlich des Todes des Kauf- mannes Ludwig Herzheim, der am Freitag von einer großen Trauergemeindc auf seinem letzten Wege begleitet muröe.'gingen Beileidsbriefc und Beileidstelegramme von der Handelskammer Bielefeld, der Peag, dem Landrat von Laer und von verschiedenen Anstalten ein, denen er sich als Wohltäter erwiesen hat. Ter verstorbene Seniorchef des Hauses Herzheim starb, wie schon kurz gemeldet, in Berlin, eine Viertelstunde nach einen, Besuch bei seiner hobgetagten Mutter. Tie vielen, die den Verstorbenen auf seinem letzten Gange begleiteten, bewiesen diese letzte Ehre einem allseitig geachteten Manne." statt zu sagen (bemerkt dazu der„Stürmer"»„Gott sei Dank, ein Rassen- genösse der Mädchenschächter Meyer ist in den Schoß seiner t Väter eingegangen", ist man charakterlos genug und singt einem Juden ein Loblied." DentsCher Bliizilng Fantastische Geschwindigkeiten im Luftverkehr Im regelmäßigen Tommcrlnftvertehr ist Donnerstag die neue Blitzitugstrecke B e r l i n— F r a n k i u r t— ft ö l b er» Eine Weisung an die deutsche Presse „Wir haben bereits vor einiger Zeit daraus hingewiesen, daß grundsätzlich die Veröffentlichung von Berilssbezcichnungen bei straffällig gewor- denen Personen.als unerwünscht bezeichnet worden i st. Man bat mit Recht den Standpunkt ver- treten, daß es die Oessentlichteit nicht interessiert, ob ein kriminell Gewordener Zimmermann, Schneider oder Arzt ist und daß derartige genaue Bezeichnungen nur allzüsebr geeignet sind, gewisse Bcrufsstände der Oeüentlichkeit gegenüber in ein schlechtes Licht zu rücken. Diese Auslassung der verantwortlichen Stellen muß heute noch einmal nachdrücklich unterstrichen werden. Wie be- kannt getvorden ist, haben sich in zwei Fällen Maß- regelunnrn von Schriftleitern als notwendig erwiesen, die diesen, Grundsatz zuwiderhandelten und bei ihrer Berichterstattuna über Gerichtsverhandlungen nach wie vor außer dem Name» der Angeklagten auch deren Stand angaben. Tie betreffenden Schriftleiter sind aus ihren Stellungen entfernt worden, Eine deutliche Warnung für alle, die es angeht." Es geht den„zuständigen Stellen" natürlich dint», daß in GerichtSverhevd'n'- mehr v-n geklagten SA- und ST Leuten. Gauiürften und ähnlichen Funktionären des Nazismus berichtet werden darf. Immerhin ist es ausschlußreich, einmal zu hören, wie man mit der deutschen Presse und ihren Schriftleitern heule spricht. Auf dem Flugplatz St. Jacaues de la Landes bei Renn«» ist am Tonnerstag ei» Militärflugzeug verunglückt. Es hatte dort eine Zwischenlandung vorgenommen„nd stürzte heim Start ans etwa 3» Meter Höhe ab. Der Pilot, ein Unteroffizier, war sofort tot, sein Begleiter ist verletzt. In einem Dorf in der Nähe von BtlbeiS ereignete sich ein Brand von großem Ausmaß. Dabei kamt» 10 Personen ums Leben, während 41) Leute schwere Verletzungen erlitte». 200 Behausungen wurden durch das Feuer zerstört. In der Kabine finden 4 tus 5 Fluggäste Platz, die Besatzung besteht aus zivci Mann, dem Flugzeugführer und dem Funker-Maschinisten. Zur Zeit ist HE 70 mit einer HJSdjtt- geschwidigkeit von 37 0 Kilometer in der stunde das schnellste Verkehrsflugzeug der Welt. Tas Flugzeug, das die Blitzslugstrccke Frankfurt—Berlin—Köln eröffnete, startete in Berlin um 8 Uhr und landete in Frankfurt um 9.23 Uhr. legte also die 422 Kilometer lange Strecke in 85 M i n ii e n zurück. In Frankfurt startete sie dann wieder um 9.35 Uhr und landete in Köln um 19.10 Uhr, benötigt also zu dieser 150 Kilometer langen Strecke 35 Minuten. Am Nachmittag tras die HE 70 um 17.30 Uhr von Köln wieder in Frankfurt ein, um nach einem Aufenthalt von 10 Minuten um 17.40 Uhr den Flug nach Berlin fortzusetzen. Von Köln sowohl als auch von Berlin ans besteht eine gleichartige Verbindung mit Hamburg. Tie Strecke Köln- Hamburg wird in 70 Minuten und Berlin—Hamburg in 50 Minuten bewältigt. «eine Leg Sfraßc mehr Ter Innenminister Dr. Fr ick hat angeordnet, daß Um» und Nenbenennnnaen von Straßen nach lebenden Perionen nicht mehr stattfinden dürfen.— Offenbar graut den Nazi» Häuptern selber vor dem Gedanken, was aus oll den Lcy-, Streicher-, Freislcr-, Heines-Ttraßen und-Plätzen werden soll, wenn es sich eines Tages ni«üt mehr vermeiden läßt, die Namensgebe'r in Bewobranstalten für Alkoholiker und Geisteskranke unterzubringen. „Heil Moskau" TaS Gericht verurteilte in Magdeburg einen Angeklagten, d-'- am 1. Mai in zwei Gastwirtschaften eingedrungen war > i w"„"'»'-Front' und„Heil Moskau" gerufen hatte, zu sechs Wochen Gefängnis. indischer Boxweltmeister Max Baers Sieg TNB. Reuyork, 15. Juni. Ter Wcltmeisterschaftskamps im Schwergewicht zwischen den, italienischen Titelverteidiger Primo Earnera und seinem amerikanischen Herausforderer Mar Bacr endete mit einem überraschenden Siege Max BaerS in der 11. Runde durch technischen k. o Der Kampf fand im mit 60 000 Zuschauern besetzten Nenyorker Madison Sauare Garden statt. ^ Mar Baer hat durch diesen unerwarteten Tieg den höchsten Titel im Boxsport wieder in amerikanischen Besitz gebracht. m Zudithaus Iflr Idealisten Audi die Nazipresse rQhmf die Ehrenhaftigkeit Tagesbefehl Das„Hakenkreuzbanner" berichtet über eine Verhandlung des Badischen Sondergerichts: Wegen Beteiligung an der Verbreitung illegaler sozial- demokratischer Druckschriften, die im Sommer und Spät- jähr vergangenen Lahres über die elsäßisch-psälzische Grenze nach Deutschland eingeschmuggelt wurden, konnten schon eine ganze Reihe von Personen gefaßt werden. Es handelt sich in der Hauptsache um„Neuer Vorwärts".„Deutsche Frei- h e i t",„Sozialistische Aktion" usw.. die, in Prag hergestellt, vom Elsaß ihren Weg über ganz Westdeutschland nehmen sollten. Als ein ideal gesinnter Sozialdemokrat galt auch der 29 Jahre alte verheiratete Friedrich W. aus Daxlanden, der seit 1923 bis zum Verbot Parteimitglied war. ohne besonders hervorgetreten zu sein. Als ein Beauftragter aus Straß bürg an ihn wegen Einführung von Druckschriften herantrat, hatte er sich damit einverstanden erklärt und auch einige weitere Helfer namhaft gemacht, die nennenswert an dem Schmuggel beteiligt waren. Die vier Hauptpersonen wurden bereits im Januar vom Sondergericht Franken- thal zu empfindlichen Zuchthaus st rasen ver- urteilt. Was W. weiter zur Last gelegt wird. ist. eine Pistole und Munition in Besitz gehabt zu haben, was er allerdings be- streitet: die in seinem Hause gefundene Waffe sei nicht sein Eigentum gewesen. Der Angeklagte, ein intelligenter Mensch, macht einen günstigen Eindruck. Er sticht merklich von seinem Zellengenossen Schn. ab, dem er in seiner Naivität allerhand Dinge erzählt und Kassiber anvertraute, die Schn. später gegen ihn verwendete. sAlso Spitzel der Gestapo!» Auch W. sieht heute ein, daß sein Tun falsch war, doch scheint er. was auch der als Zeuge vernommene Kriminalbeamte aus Karlsruhe bestätigt, zu den Menschen zu gehören, die zu einer Umstellung Zeit benötigen. Auch ist der Zeuge der Auffassung, daß W. aus rein ideellen Motiven gehandelt habe, materielle Gründe dürften oosscheiden. W., sowie seine Familie, sind gut beleumundet, v o r b e st r a f t i st er noch nicht. Dem Antrag des Staatsanwaltes folgend, wurde W. vom Sondergericht verurteilt wegen Verbrechens nach§ 2, I und III des Gesetzes zur Gewährleistung des Rechtsfriedens vom 13. Oktober 1933 zu zwei Jahren und sechs Monaten Zucht- haus, wegen verbotenen Waffenbesitzes sechs Monate Ge- fänqnis, was zu einer Gcsamt-Zuchthausstrase von zwei Jahren und acht Monaten zusammengezogen wurde.— Die Urteilsbegründung hebt hervor, daß W. wohl nicht die Hauptrolle spielte, doch mindestens führend bei der Organi- sierung des Schmuggels beteiligt war. In einem vollkommen mißverstandenen Idealismus habe er sich dazu ver- leiten lassen, einem Verbot zuwiderzuhandeln, der Inhalt der Druckschriften war staatsgesährlich, was er hätte wissen müssen. Daß das Gericht nicht auf eine höhere Strafe er- kannte, verdankt W. seiner bisherigen Unbe- scholtenheit und der Annahme, daß materielle Interessen nicht vorgelegen haben. Auch von der Ab- erkennung der bürgerlichen Ehrenrechte hat das Gericht aus diesen Gründen abgesehen. Die Untersuchungshaft wird in voller Höhe(6 Monates angerechnet. Illegale Kommunisten Der 33jährige Max Keil, der 39jährige Julius Mehl, die 49jährige Frau Elisabeth Hartwig, der 34jährige Arthur Röder und der 28jährige Egidius Junk, sämtlich aus Frank- »urt a. M., waren noch bis zum Januar d. I. im stillen für die verbotene KPD. tätig gewesen. Keil war bis zu seiner Verhaftung Kassierer und übergab noch im Januar an Mehl kommunistische Zeitschristen zum Weitervertrieb. In Mehls Wohnung fanden Zusammenkünfte. Be- sprechungen und Besehlsausgabe statt, hier wurde der Moskau-Sender gehört und hier wurden Beiträge abge- rechnet und Pläne zur Verwirklichung des Sowjetstaates mit-Hilfe des Bürgerkrieges geschmiedet. Der Strafsenat des Kasseler Oberlandesgerichts verhängte gegen Keil, Mehl und Röder je zweiJahreunddreiMonate Zucht- Haus und drei Jahre Ehrverlust, gegen Frau Hartwig und gegen Frank je ein Jahr und sechs Monate Gefängnis Bei der Strafzumessung hatten die Versuche der Angeklagten, hartnäckig zu leugnen, den Ausschlag gegeben. SZ Jahre Kerker Zwei Prozesse Segen den„Polen Stoßtrupp" fP.©•) Am 24. und 26. Mai fanden vor dem Kammer- gericht in Berlin die beiden ersten Prozesse gegen die Be- zirksleiter und die Zeitungsverteiler der illegalen Organi- fation des Roten Stoßtrupps statt. In dem ersten Prozeß waren 26, in dem zweiten 23 Genossen wegen„Vorbereitung zum Hochverrat, Bildung einer neuen Partei usw." ange- klagt. Das Resultat ist geradezu grauenhast: Es wurden 4» Genossen zu insgesamt 9S Jahren Zuchthaus verurteilt, während 9 andere Genossen freigesprochen wurden. Der Rote Stoßtrupp ist eine nach dem faschistischen Um- stürz aus Jungsozial,sten und jungen Reichsbannerleuten gebildete illegale Organisation, die wöchentlich eine eigene Zeitung herausgab und eine starke Propaganda gegen den Faschismus entfaltete. Bor der Novemberwahl ging sie zu einer offenen Propaganda gegen den Faschismus über. Da- mit wurde die Aufmerksamkeit der Gestapo auf die Organi- fation gelenkt: Mit Hilfe eines Spitzels konnte sie Zusammenhänge ent- decken. Anfangs Dezember wurden über 200 junge Sozia- listen in Berlin und Umgegend verhaftet. Gegenüber 60 Genossen wurde ein Verfahren eingeleitet, das mit großer Grausamkeit nnd List zur Anklageerhebung und zur Ein- leitung von drei Prozessen führte. Tie jetzt in Berlin beendeten Prozeß waren nur eine Komödie. Alles war schon vor der Verhandlung des Gerichts entschieden. Trotz des großen Umiangs wur?e jeder Prozeß an einem Tage durchgepeitscht. Alle von der Verteidigung vorgeschlagenen Zeugen wurden vom Gericht abgelehnt. Nur die Beamten der Gestapo durften vor dem Gericht auftreten und bort die„Richtigkeit" ihrer Akten beschwören. Dabei steht fest, daß fast alle Aussagen der Gefangenen durch Brachialgewalt, Verhaftung von Geiseln, hundsgemeine Tricks— Spitzeln in den Zellen— erzwungen oder erlistet wurden. Nur ein Beispiel kür viele: Die Gestapo hatte einen Brief abgefangen, in dem die Adresse einer Genossin ent- halten war. Bald gelang es ihr, den Schreiber und den Empfänger des Briefes zu verhaften. Der erste wurde von den Kriminalisten im Eolumbiahaus so unmenschlich ge- auält, bis er die„Aussage" unterschrieb, daß das Mädel zip keine Frauen in seine Organisation eingliederte, die angeklagte, verhastete Genossin keine Funktion in der illegalen Organisation bekleidete, schenkte das Gericht den Akten der Gestapo volles Vertrauen und verurteilte das unschuldige Mädel— zu zwei Jahren Zuchthaus! In den meisten Fällen wurden die Angeklagten aus die gleiche Weise„überführt", die Staatsanwälte und die Ver- leidiger spielten fast keine Rolle. In jedem Prozeß haben die drei Verteidiger und der Staatsanwalt zusammen nur eine Stunde gesprochen. Tie Angeklagten konnten von ihrem Reckt, sich vor der„Urteilsfindnng" zum Prozeß zu äußern, keinen Gebrauch machen. Besonders rabiat hat sich der Senatspräsident Selbinger benommen, der die Angeklagten in einem riiden Ton behandelte, den Gerichtssaal in einen Kasernenhof verwandelte. Die Strafen der einzelnen Ge- nossen variieren zwischen zwei und drei Jahren Zuchthaus snur in einem Falle wurde auf Gefängnis erkanntj. Daraus sieht man, baß das Gericht schon jetzt nach dem neugeordncten politischen„Recht" vom 2. Mai entscheidet, obwohl die hier behandelten Ereignisse schon ein halbes Jahr zurückliegen. Der dritte Prozeß gegen den Roten Stoßtrupp steht noch bevor. Das Ermittlungsversahren gegen die 19 Hauptan- geklagten ist seit längerer Zeit abgeschlossen, es wurde ihnen auch die Anklageschrift zugestellt. Trotzdem zögert das Reichs, gericht die Festsetzung eines Termins immer wieder hinaus. Ueber die Gründe kursieren zwei Ausfassungen, die eine sagt, daß bei den Reichsgerichtsräten eine große Er- bitterung besteht, weil man sie durch das Gesetz über die Volksgerichte flies Parteigerichte der Nazisj auszuschalten sucht, und sie deshalb Termine für politische Prozesse nicht mehr ansetzen. Die andere Auffassung sagt, daß der Justiz- minister das Reichsgericht schon direkt angewiesen habe, die politischen Prozesse dem Volksgericht zu überlassen. Das Gesetz über die Bolksgerichte war eine Antwort der Re- gierung an das Ausland wegen seiner Haltung im Reichs- tagsbrandprozeß. Wird Westeuropa sich diese Herausforde- rung gefallen lassen und diesen Rachegerichten ruhig zusehen? Keine Zeitung in Deutschland hat es gewagt, ihren Lesern maä miam Sa««&a«Sa*« 91«-.'~ Stillgestanden! Zu dreien abzählen! Ich habe euch folgendes zu befehlen: Wir gehen jetzt alle mit wechselnden Serien erstmals rn Ferien. Ich auch. Da ich meine Gesundheit verscherzte, will ich den Ratschlägen meiner Aerzte mich ausnahmsweise gnädig erweisen und schnellstens verreisen. Weil man das heute leicht miesversteht, will ich euch sagen, worum sichs dreht. Es dreht sich— das habt ihr euch einzuschärfen— nur um die Nerven. Vielleicht ist der Darm auch ein wenig verbogen. Doch alles weitere ist erlogen. Nach meiner Heilung wird garantiert weiter marschiert. Wir sind als Garanten der Revolution das Schicksal der ganzen deutschen Nation. Wir sind des Führers getreue SA. Wir bleiben da! Wir kämpfen also nach kurzer Stundung weiter um die deutsche Gesundung. Den wolln wir sehn, der uns das verwehrt. Abteilung kehrt! Der Rote HanS. .9 alle Bursdienherrlidikelt!" SA., Hitler-Jugend und Bonner Studenten Aus Bonn berichtet die Basler„National-Zeitung": In den letzten Wochen mehren sich die A n g r i f f e der Hitler-Jugend auf die studentischen Ver- bindungen und ihre Mitglieder. Hitler-Jugendführer und ihre Presse fordern die Verbrennung von Mütze und Band. Angriffe vereinzelter Hitler-Jugendgruppen aus farbentragendc Studenten werden aus fast allen Universitäts- städten gemeldet. Die Hitler-Jugend sieht in der Couleur den Ausdruck einer kastenmäßigen Absonderung, welche dem deutschen Sozialismus widerspricht. Aber im gleichen Ver- hältnis wie die Angriffe wachsen die Widerstandskräfte in den Verbindungen. In Bonn kamen die Gegensätze am Abend des 11. Juni zum offenen Ausbruch. Die Hitler-Jugend veranstaltete auf dem Markt eine Kundgebung gegen Meckerer und Mies- wacher. Den Studenten wurde die Teilnahme zur Pflicht gemacht. Das hinderte nicht, baß entgegen den erhaltenen Zusicherungen der Hitler-Jugendgebietsführer W a l l a s ch in seiner Rede scharfe Ausfälle gegen sie unternahm und ihr Bekenntnis zum Farbentragen als staats- und volksseind- liche Gesinnung brandmarkte. Die Erregung stieg mit jeder Minute, als mitten in der Kundgebung die Studenten sich einen Weg durch die Menge bahnten und den Platz in ge- schlössen« Formation verließen. In einer anschließenden Straße bildeten sie einen Demonstrationszug, der von empörten Zivilisten und selbst von Couleurdamen Zu- zug erhielt und über 1999 Mann stark durch die Straßen zog. Immer von neuem flammten kräftige Lieder aus und das „Frei ist der Bursch!" und„Wir leben oder sterben hier den süßen Tod der Freien!" nahmen kein Ende. An verschiedenen Stellen kam es zu Schlägereien, weil die Verbindungen aus jede Bemerkung tätlich reagierten. Im übrigen hielten sie Disziplin und zogen sich, nach Beendigung des Zuges durch eine kurze Rede, ohne weitere Zwischenfälle aus die Korpo- rationshäuser zurück. Die Situation in Bonn hat durch diese Vorfälle eine Verschärfung erfahren. Schon in der vorausgehenden Woche hat die Hitler-Jugend vor der Universität Schmäh- schriften gegen die Verbindungen verteilt und ihre Trink- sitten verurteilt. Die schlagenden Verbindungen haben ge- droht, Bonn zu verlassen. In den katholischen Korpo- rationen ist die Erbitterung noch größer, da über diese wegen Teilnahme an der Fronleichnamsprozessivn ein zwei- wöchiges Verbot ihrer Farben und Fahnen verhängt wurde. Man erwartet ein behördliches Eingreifen, da die Stadt bei ihren 8099 Studenten sonst wirtschaftlichen Schädigungen ent- gegengeht. uuuu, uiv u— r jgi.» M die Leiterin eines Bezirkes der illegalen Organisation ae-~ lesen und von ihm kontrolliert worden sei. etwas von den beiden Prozesse» mren veicrn Der Genossin konnte nicht die geringste ungesetzlich- Hand-«fahren Zucht- lung nachgewiesen werden. Trotzdem der RST. aus Prin- fnntrolliert worden sei. haus mitzuteilen. Trotzdem geht dieses Schandurteil wesen und von>bm... a—.«- Arbeiterkreisen von Mund zu Mund. Die Antwort Berliner Proleten lautet: Nun erst recht! i« »er Mditcr und Staatsanwälte In Rußland nnd in Deutschland • deutsche„gleichgeschaltete" Presse läuft ein Be- richt über eine Tagung von Richtern und Staatsanioälten, die kürzlich an den Methoden der Justiz ernste Kritik geübt hat. Auf dieser Tagung wurde beklagt, daß die Unter- suchungsrichter in Kriminalfällen bestrebt seien, einen mög- lichst großen Kreis von Personen in die Anklage einzube- ziehen, so daß auch Unschuldige angeklagt würden. Bei Ver- Haftungen würde zu hart vorgegangen und die prozessualen Garantien würden nicht ausreichend eingehalten. Die gesetz- liche Bestimmung, nach der jedem Angeklagten die Möglich- feit gegeben werden müsse, seine Unschuld zu beweisen, werde oft nicht erfüllt. Vom Gericht und von den Staatsanwälten werden häufig die Entlastungszeugen nicht gehört und auch andere Entlastungsbeweise nicht herangezogen. Viele Richter seien sich offenbar nicht darüber klar, daß der Verteidiger be- rufen sei. das Gericht bei der Urteilsfindung zu unterstützen. - N rt v ie WWW Verteidiger zugezogen. Endlich w»«»—- v— Arbeitnehmer nicht genügend geschützt, namentlich ihre ruck- ständigen Löhne eingezogen oder unberechtigte Entlaiiungen verhindert und bestrast„., ,,. Unsere Leser werden mit freudigem Erstaunen solche Er- kenntnisse im„dritten Reich" erfahren. Allein daß dieser Bericht noch jetzt bestehenden unmenschlichen Folterungen taufender Unschuldiger in den Konzentrationslagern und SA.- Kasernen, mährend kein Mensch mehr Vertrauen zu einer deutschen Rechtspflege hat, die den„Reichstagsbrandprozeß" anstellen konnte, von Mißständen der russischen Justiz zu sprechen. Dabei ist es in Deutschland selbst ein offenes Ge- heimnls, daß kein Gegner des Hitler-Systems auf ein ge- rechtes Urteil hoffen kann, daß jedes Mitglied der braunen Prätorianer ungestraft alles tun kann, weil weder Polizei noch Staatsanwalt etwas gegen ihn zu unternehmen wagen. Die armen Verteidiger, die jemand gegen einen SA.-Führer zu vertreten wagen, werden beschimpft und sogar ins Kon Lensflmer and Künstler aas dem Ho lenfroiionszager entlassen Wie der Berliner Berichterstatter von„Het Volk" meldet, ist der frühere Vorsitzende der SPD. für den Bezirk Berlin, Franz Künstler, aus dem Konzentrationslager Oranien- bürg entlassen worden. Künstler sollte schon im Dezember entlassen werden, er hatte sich aber geweigert, eine Erklä- rung zu unterzeichnen, nach der er sich verpflichten solltet mit keinem seiner früheren Parteigenossen mehr in Ver- bindung zu treten. Jetzl wurde er losgelassen, nach Abgabe einer Erklärung, daß er sich nicht politisch betätige. Der Berichterstatter von„Het Volk" meldet auch, daß vorigen Freitag der frühere Vertreter Deutschlands beim internationalen Arbeitsamt in Genf, der Genosse Leusch- n e r, endlich freigelassen wurde. Leujchner kam in Freiheit durch Intervention ausländischer Persönlichkeiten, die ihn von seiner Tätigkeit in Gens kannten. Leuschner ist Sams- tagabend in Berlin angekommen. Er beabsichtigt nicht, in seinen eigentlichen Wohnort nach Hessen zu gehen. Die bei- den Sozialdemokraten Karl Mierendorff und L i e d e- mann, die mit Leuschner festgehalten wurden, sind noch nicht freigelassen worden. Rttsfungen Aus dem Schwarzwald wird uns geschrieben: Zu Hitlers ^trationslager od« Gefängnis g-worf-n Deutschland hat«"egsrüstungen gehört auch der Bau von neuen Kaserne», ausgehört, ein Rechtsstaat zu sein wirklich es hat alle«-"wird gegenwärtig auch in Villingen im Schwarz- "den sei, das Gericht bei oer urrrns,,,.v»..»„.. Deshalb werde der Verteidiger zumeist von oben herab oder sogar verächtlich behandelt. In einer Reihe von Straf- Prozessen würde sogar entgegen dem Gesetz überhaupt kein nnen Endlich werden die Interessen der Veranlassung, sich über Ländern zu beklagen! die Rcchtszustände in anderen W. A. wir müssen nicht deutsche ^'öer hinzufügen, daß bieler....... Richter und Staatsanwälte und nicht deutsche Justiz schil- oerte. sondern eine Tagung der Sowjet-Richter in Moskau. Ader die deutsche Presse wagt cS angesichts der Weifergeben! Weif ergeben! Werfen Sie die„Deutsche Freiheit" nach dem Lesen nicht fort. Geben Sie das Blatt an Leute weiter, die der Aufklärung und Belehrung bedürfen! .-„ M...^.chwarz- wald eine neue Kaserne gebaut. Der gleiche Ort bekommt auch eine Militärslugzeugstaffel, bestehend aus drei Flug- zeugen. Die gleichSfalls dort befindliche SA.-Schule besitzt seit einiger Zeit ein schweres Maschinengewehr, an welchem die SA.-Rekruten in der Bedienung der Maschinengewehre —"—i i-«-* ja—■- 0 ausgebildet werden. Jnteressant dabei ist. daß der Straß-^ burger Rabiosender in der Lage war. am gleichen Tage der Uebergabe des Maschinengewehres an die Villinger SA.-Schule diese Tatsache in seinem Nachrichtendienst zu melden. Da einfache Volksgenossen im^ritten Reick" micki * e---' hal" I W— 4» Victor Ivoyl kaum so ausgezcicknete Verbindungen mit dem Erbfeind haben, so müssen eS wohl höher gestellte Führer sein, die ein Geschästchen durch Landesverrat ihrer sonst immer und über- all betonten nationalen Gesinnung demnach vorziehen. „Deutsche Freiheit" Nr. 136 ASBII7 UMD WlBISCHAff Samstag, 16. Juni 1934 Die Saar nnd die iranzdsisdie Industrie L'Ordre: Man kennt die Uetze, die von der deutschen Regierung im Saargebiet entfesselt wird Der Diebstahl der Archive der Donianialschulen im Saargebiet ist der jüngste Zwischenfall, der viel besprochen wurde. Im gleichen Augenblick, in dem die Schwierigkeit der Lage die französische Presse einigen müßte angesichts einer Gefahr, deren Schwere sich niemand mehr verhehlt, schreibt das Bulletin Quotidien, dem wir das folgende Material entnehmen, ist es peinlich festzustellen, daß ein Teil dieser Presse die Verantwortung, für die Spannung, die das Reich gegenwärtig im Saargebiet erzeugt hat, wenigstens teilweise auf französische Gruppen abzuwälzen sucht. In Notre Temps führt Jean Luchaire in aler Form aus, das Saarproblem werde durch die„Stahlkönige" gefälscht, die, um ihre Sonderrechte an der französisch-saarländisdien Grenze zu wahren, heute die Gefahren eines neuen Konfliktes heraufbeschwören würden. Geber den ersten Teil des Artikels gehen wir kurz hinweg. Jean Luchaire weiß ganz genau, daß Deutschland aufrüstet; er spricht Frankreich das Recht ab, den Schutz seiner Grenzen zu verstärken. Nehmen wir uns eine andere Behauptung von Jean Luchaire vor! Die gegenwärtige französische Politik ginge, nach ihm, darauf aus,„in gewissen an der lothringischen Grenze gelegenen Bezirken Abstimmungsergebnisse zu erreichen, die es erlaubten, daß diese Bezirke nicht das Schicksal des gesamten Gebietes teilen müßten", und zwar,„um es einigen Magnaten der französischen Schwerindustrie zu ermöglichen, unter erstaunlich günstigen Bedingungen von dem Regime zu profitieren, dessen sie sich seit fünfzehn Jahren erfreuen." Weiß man, ruft Jean Luchaire aus, daß die Direktion der Domanialbergwerke im Saargebiet einer französischen Gesellschaft, in der die de Wendel den Hauptanteil besißen, in Saargebiet gelegene Vorkommen verpachtet hat? Weiß man zum Beispiel, daß ein Schacht, der in der Nahe von Emmersweiler an der Saar auf französischem Boden gebohrt wurde, es erlaubt, Kohle, die unter saarländischem Boden gewonnen wurde, auf französischem Boden an die Oberfläche zu bringen. Weiß man, daß unmittelbar an der Grenze nördlich von Medebach ein anderer Schacht, der sogenannte Schacht Reumaux, liegt, der das gleiche Verfahren ermöglicht? So gehen saarländische Bergleute täglich über die Grenze, um zu Piutjen der französischen Stcinkohlenindustrie das im Schöße ihres eigenen Landes gelagerte Mineral zu fördern... Und diesen Zustand will man verewigen. Wir wußten es recht gut, und wenn wir es nicht gewußt hätten, so hätte uns ein deutsches Blatt, die„Deutsche Berg- Werkszeitung" vom 6. Mai dieses Jahres schon alle jene Argumente geliefert, deren sich Jean Luchaire bedient bat. Diese Zeitung beschuldigt Frankreich in einem langen Artikel unter der Geherschrift„Die politische und wirtschaftliche Bedeutung der Saarkohle"{Nummer 104 vom 6. Mai, Seite 11, Spalte 1) darauf hinzuarbeiten, wenn nicht das ganze Saarbecken, so doch den größten Teil und vor allem den Warndt, der wegen seiner Kohlenschätze besonders wertvoll ist, behalten zu wollen. Nun unterstellt Luchaire unserer Politik das gleiche Ziel. Die gleiche Zeitung nennt in diesem Zusammenhang ein wenig weiter unten(Seite 11, Spalte 4 und Seite 12, Spalte 1) gerade wie Luchaire die französischen Gesellschaften, die mit ihren Stollen unter Tage über die Grenze vorstoßen, und vor allem, gerade wie er die Firma de Wendel, und sie protestiert, nochmals gerade wie Luchaire gegen die Tatsache, daß die französischen Bergwerke auf diese Weise indirekt die saarländischen Gruben ausbeuten. Wenn Jean Luchaire aus dieser Quelle seine Informationen geschöpft hat, so ist es wahrlich betrüblich festzustellen, daß der Mann, der die französischen Industriellen mit so großer Leidenschaft angreift, seine Argumente und seine Beweise einer Zeitung entnimmt, die, wie jeder weiß, zugleich ein großes nationalsozialistisches Blatt von jenseits des Rheins und das offizielle Blatt der deutschen Eisen- und Kohlenindustrie ist. Nun zum Problem selbst. Es gibt da eine sachliche und eine Rechtsfrage. Zunächst die sachliche Frage. Als erstes stellen wir fest, daß die Firma de Wendel nicht an der Gesellschaft interessiert ist, die die Gruben Reumaux abbaut. Die deutsche Zeitung, auf die wir oben anspielten und die Jean Luchaire ohne Zweifel schlecht gelesen hat, bringt diese Verwechslung nicht. Es ist übrigens selbstverständlich, daß bestimmte französische Bergbau gesell Schäften, deren Konzessionen bis an die Grenze reichen, gegen Entschädigung an die Domanialberg- werke im Saargebiet das Recht erlangt haben— das sie ausnutzen—• ihre Stollen jenseits der Grenzen vorzustoßen. Aber diese Gesellschaften halten sich ebenso wie die Dorna- nialbergwerke bei ihrem Vorgehen streng an das ihnen zustehende Recht. Man muß sich geradezu genieren, an eine so bekannte Tatsache wie die folgende zu erinnern: in den Satzungen des Versailler Vertrages(Artikel 45) überläßt Deutschland zum Ausgleich für die zerstörten Kohlenbergwerke in Nordfrankreich Frankreich vollen und ungeteilten Besitz der Bergwerke im Saargebiet ohne irgendeine Belastung oder Dienste, deren Erträge auf die Summe der von Deutschland als Reparationen für Kriegsschäden geschuldeten Summe angerechnet werden. Frankreich kann über diese Kohle nach Belieben verfügen, da sie ihm gehört, und es kann sie abbauen lassen durch wen es will. Jean Luchaire ist erstaunt, daß sie durch Berg- Werbegesellschaften verwertet wird: es ist schwer zu sagen, wer anders sich damit befassen sollte. Gebrigens ist an dem Vorstoßen der Stollen unter der Grenze nichts Ungewöhnliches, wenn es wohlverstanden im Einvernehmen mit dem rechtmäßigen Eigentümer der Kohle geschieht, die man abbaut. Das Gleiche geschieht dauernd an der deutsch-holländischen und der deutsch-polnischen Grenze; niemals ist dagegen irgend ein Protest laut geworden. In dem besonderen Fall der Saar wird ein einheitlicher Satz pro geförderter Tonne erhoben, der einschließlich Steuer 4.50 Francs für die Tonne beträgt. Frankreich läßt das Saarbudget aus dieser Einnahme profitieren, die es rechtlich ganz für sich behalten könnte und verschafft zugleich den Saarländern Arbeit. Weder das Budget, noch die Arbeiterschaft hätte ohne das Vorgehen der Franzosen einen Vorteil gehabt, da die fragliche saarländische'Grenzzone, der Warndt, der an der äußersten Peripherie des Saargebictes gelegen ist, keine Gruben besitzt und da die gegenwärtigen wirtschaftlichen Bedingungen das Bohren neuer Schächte als allzu kostspielig erscheinen läßt. Fügen wir hinzu, daß das Geberangebot an Steinkohle im Saargebiet und überhaupt in ganz Deutschland diese letztere Möglichkeit wenig wahrscheinlich macht. Die Ausbeutung von den französischen Gruben aus, die in nächster Nähe des Warndt liegen, ist die einzig rationelle. Auf jeden Fall kann man nicht energisch genug gegen die Ansicht auftreten, es seien gewisse Gesellschaften der französischen Eisenindustrie, die auf Kosten der allgemeinen Interessen des Landes aus den saarländischen Gruben Nutzen zögen. Wenn auch die saarländische Kohle, die an Frankreich abgegeben wird, unsere nationale Wirtschaft nicht völlig unabhängig vom Ausland machen kann, so sichert sie uns doch, wenn man unterstellt, daß die Ausbeutung unserer lothringischen Bergwerke, die schon in Angriff genommen worden sind, jährlich die notwendigen 9—10 Millionen Tonnen liefert— eine gewisse Unabhängigkeit, die es uns gegebenen Falls erlauben würde, jene Geberpreise zu vermeiden, die wir am Vorabend des Krieges kennen gelernt haben oder jene Repressalien, die uns große Kosten auferlegen oder Arbeitslosigkeit verursachen: die Masse der Bürger hat also, wie man sieht, hier ein Interesse und nicht nur„ein paar Magnaten". Aber wenn man sehr wohl den Nutzen sieht, den unsere gesamte Wirtschaft aus der rationellen Ausbeutung der Bodenschätze des Saarheckens zieht, so ist es viel schwieriger den Vorteil zu ei kennen, den die lothringischen Industriellen, auf die Jean Luchaire es absieht, dadurch haben. In ihrem besonderen Interesse läge vielmehr die Rückgliederung der Saar in die deutsche Wirtschaft, und einzig die Sorge um ihr Vaterland, die einige von ihnen öffentlich und mutig beweisen, diktiert ihnen eine Haltung, die ihren unmittelbaren materiellen Interessen widerspricht. Durch die Rückgliederung der Saar nach Deutschland würden in der Tat die französischen Gußeisen- und Stahlfabri- kanten besser gegen die Konkurrenz geschützt sein, die ihr die saarländischen Hütten auf dem französischen Markte machen, die dank der Zollgemeinschaft, die zwischen beiden Ländern existiert, jährlich 1 500 000 bis 2 000 000 Tonnen Eisenmetalle hei uns absetzen. Wie man sieht, sind die heftigen Angriffe des Herrn Jean Luchaire gegen bestimmte französische Gesellschaften durch nichts gerechtfertigt. Mit Recht bedauert man diese Campa- gne in einem so kritischen Augenblick, zumal sie in übler Weise mit gewissen Themen der deutschen Propaganda übereinstimmt. Die Reallöhne In der WlrtsdiaKskrlse Der Mechanismus der kapitalistischen Wirtschaft hat in der Regel zur Folge, daß die Arbeiter in der Krise einbüßen, was sie in der Zeit der günstigen Konjunktur durch Lohnbewegungen erobert haben. Infolge der Massenarbeitslosigkeit sinkt das Gesamteinkommen der Arbeiterklasse beträchtlich, aber auch die Arbeiter, die das Glück haben, ihren Arbeitsplatz behaupten zu können, müssen schwere Lohnopfer bringen, besonders wenn sie sich gegen den Lohnabbau nicht wehren können. Außerdem vollziehen sich Verschiebungen im Preisniveau. Dazu kommen die Folgen der verschiedenartigen Währungsentwicklung, die ebenfalls eine Veränderung der Reallöhne zur Folge haben, sie kommt in der Kaufkraft des Lohnes zum Ausdruck. Die englische Wirtschaftszeitung„Econotnist" veröffentlicht eine sehr aufschlußreiche Gehersicht über die Entwicklung der Reallöhne in der Zeit der Weltkrise. Untersucht werden die Reallöhne in den Vereinigten Staaten, in Großbritannien, in Frankreich, in Deutschland, in Italien und in Japan, also in Ländern, in denen sich die Gestaltung der Löhne und ihrer Kaufkraft unter den verschiedenartigsten wirtschaftlichen und- sozialen Verhältnissen vollzogen hat. In den Vereinigten Staaten ist im letzten Jahre eine starke Steigerung der Reallöhne zu verzeichnen; die Kaufkraft der amerikanischen Löhne ist heute beträchtlich größer als 1929, dein letzten Jahre vor der Krise. In Großbritannien ist seit 1931 eine leichte Senkung der Reallöhne eingetreten, immerhin sind sie jetzt noch höher als 1929. In Frankreich ist in den letzten zwei Jahren ebenfalls eine Steigerung der Reallöhne, freilich keine besonders starke, eingetreten. Auch in Frankreich ist der Reallohn heute höher als vor der Krise. Soweit die drei demokratischen Länder, deren Reallöhne im„Economist" auf Grund der Aufzeichnungen des Internationalen Arbeitsamtes untersucht werden. Anders verläuft die Entwicklung in den Ländern, ip denen die Gewerkschaften zu einem Organ der faschistischen Staatsgewalt geworden sind: in Italien und in Deutschland. Die italienische Reallohnkurve verläuft flach: hier sind keine besonderen Veränderungen eingetreten. Die Reallöhne sind — vor der letzten Lohnsenkungswelle, die der Faschismus in den letzten Wochen vorgenommen hat— ungefähr so hoch wie 1929. In Deutschland ist seit 1930 eine etwa zehnpro- zentige Senkung der Reallöhne eingetreten. 1932 und 1933 haben sich die Reallöhne rasch bergab bewegt— eine der kennzeichnendsten Folgen des Faschismus. Noch rapider ist die Senkung der Reallöhne in Japan. Das japanische Dumping beruht zum großen Teil auf einer raschen Reallohnsenkung, die sich in den letzten zwei Jahren vollzogen hat. Die verschiedenartige Entwicklung der Reallöhne in den letzten zwei Jahren enthüllt deutlich die soziale Funktion der Demokratie und des Faschismus: wo die Arbeiterschaft die Freiheit ihrer Organisation zu behaupten vermag, dort kann dem Lohndruck noch eine Grenze gesetzt werden. Wo der Faschismus die Arbeiterschaft versklavt hat, dort gibt es keinen Schutz für die Löhne. zassnunenfassuitgdertieulsdien Energicwlrfsdiaff Die deutsche Energiewirtschaft ist als Gruppe 13 innerhalb der sagenannten Neuordnung der deutschen Wirtschaft zusammengefaßt worden. In den„Führerrat" sind auch Kommunalpolitiker berufen worden. Außerhalb der Gruppe bleiben diejenigen Gas- und Elektrizitätswerke, die nur für Eigengebrauch produzieren.— Diese Zusammenfassung bedeutet die Verquickung von Kommunalbetrieben mit Privatbetrieben. An die preisregelnde Wirkung von Kommunalbetrieben wird offenbar nicht mehr gedacht; jedenfalls hat im Führerrat die Privatindustrie die stärkere Position. So konnte denn auch der neue Führer der Gruppe 13 sagen, es sei zur Zeit nicht möglich, eine Verbilligung der Gas- und Elektrizitätspreise durchzuführen, aber, meint dieser Führer namens Krecke, die Hauptsache sei die Schaffung eines e.n- heitlichen Tarifs für das ganze Reich. Im übrigen hänge d.9 Gestaltung der Preise im großen und ganzen von der Entschuldung der Gemeinden ab und von der Möglichkeit, Kredite aufzunehmen und ob eine Zinsverbilligung eintreten werde. Die Hauptsorge ist jedenfalls von den Deutschen ve« nommen: die Elektrizität hat einen Führer Eilt Frauenbrief Aus Westdeutschland Eine Arbeiterfrau schreibt unS: CS machst die Zahl der Miesgestimmten, und eS iväd i die Mißstimmung selbst. Ursache dazu ist meist zu suchen«); s zu finden bei dem, was jeden unmittelbar angeht, vor alle t die grauen, in der Beschaffung von Lebensmitteln, die tei i kaum zu erhalten, teils im Preise ins Unerschwingliche gr» stiege» find. Tie Erbitterung macht sich im Schimpfen unt. r den Bekannten Luft, aber immer und in jedem Fall ocu großer Furcht vor Denunziation gczitgelt. Tie Herstellung der Margarine ist stark eingeschränkt. Tie ganz billige Margarine erhalten nur die Unter» stntzungsempsänger gegen eine Fettmarfe. Da das Ein» kommen für Butter nicht mehr ausreicht, wird an dessen Stelle Margarine, billige Margarine, verlanftt. Tic Be- lieserung ist aber einmal sehr unregelmäßig und meist sehr unpiinkilich. Tie Lieferung verzögert sich durchschnittlich 10 bis 14 Tage. Ta durch gibt es bei den Säufern stets großes Murren und lautes Schimpfen, das sich aber gegen den Verkäufer richtet, der immer ein Scklampcr sein soll, nnd i.icht gegen die Rcichsfettversorgungsstelle. Selten hat ent- sprechende Aufklärung Erfolg. Wie ist der Margarincabsatz bzw. die Berkanksmöglichkeit? Etu größerer Laden mit ausgesprochener Arbcitcrkundschaft verkaufte früher wöchentlich Margarine z» 66 Pfg. ungefähr SO Pfund, zu 08 Pfg. ungefähr 10 bis 12 Pfund, zu 1.10 Mk. ungefähr 10 PmiiiS. Jetzt wird zum Berkaus angewiesen: Margarine zu 00 Pfg. wöchentlich Z bis 10 Pfund, zu 08 Pfg. und zu 1.10 Mk. zusammen 6 bis 10 Pfnnd. Turch Rundschreiben wurde daraus aufmerksam gemacht, daß das Speiseöl zu niedrigen Preisen, die Sorte, die von der Arbeiterkundschaft zumeist gekaust wird, nächstens jedenfalls nicht mehr zu liefern ist. In Filialgeschäftcn ist der Brotpreis der alte ae- blieben, da er dort durchschnittlich etwas niedriger als bei de» Bäckern war. Bei diesen ist das Brot durchschnittlich 2 Pfa. verbilliat worden. Tasür ist aber in allen Geschäften daS Mebl 2 Pfg. aufgeschlagen. Mit besonderem Nachdruck wurde auf die Flcischvcrbilli- o>cn.,.i.,!'tin" b!noei»iesen. Wie wirkte sich diese Berbilligung aus? Ein Beispiel: In den Läden des Konsumvereins kostete vor der Berbilli. gunizSaktion: Schweinefleisch 80 Pfg., Rindfleisch 70 Pfg., Kubkleikch 5* Pfa.:»ach der Berbilliaunasaktion: Schweine-- fleisch 78 Pfa.. Rindfleisch 80 Psg., Kuhfleisch 05 Pfg. Tie neuen Preise sind amtlich als verbilligt festgesetzt. Au? einer Musterkollektion iür Statte, die aufliegt, mußte ein Drittel als nicht mehr lieferbar ausgeschieden werden. Und zwar die Stoffe, die meist(Arbeiterkundschaft) gekauft wurden. In der„Mainzer Zeitung" las ich, cS war in einer April- oder Ma'nnmmer. daß eine WirtschattSstelle für rein- rassige, arische Muttermilch eingerichtet worden sei. Früher kostet? sie. ohne aenrüst zu sein auf ihre Raßenreinhcit, 2,50 Mk., jetzt 4,50 Mk. und im freien Berkauf 0,— Mk. Prolelarisieile Atiwälfe Die Verdrängung der jüdischen Konkurrenz hat nichts geholfen .Im neuesten Heft der„Juristischen Wochcuschrift' wird eine Teukschrist der Rcichstachgruppc Rechtsanwälte im BNSTJ. veröffentlicht, die vom NeichSgrnppenleiter Tr. R a c k c in Verbindung mit Rechtsanwalt Dr. D r o e g e zu- iammengestellt ist und die ein Selbsthilkcproaramm der Anwaltschaft gegenüber der Notlage des Standes dar- stellt. Einleitend wird daraus verwiesen, daß die gutsituierten Anivälte ihre Einnahmen wesentlich hätten erhalten können, weil ihnen vor allem die rechtsberatende Tätigkeit zufalle. Dagegen habe die wirtschaftliche Mittel- tchlcht des Anwaltstandcs unter dem starken Rückgang der v r o z e t f e schwer gelitten. In einer ganzen Reihe von Bezirken hätten 40 bis 60 Prozent aller Anwälte»t o n a t- kc>n höheres Netto-Einkommen als 250 Mark. Es bestehe also die Gefahr, daß sich neben einer ri C c"ii 1 Oberschicht eine große, wirtschaftlich chlechtgestellte Unterschicht entwickle, während der anwalt- liche„Mittelstand". die eigentlich tragende Schicht, zerrieben werde. Die Ueberwindung der augenblicklichen Bertrauen». ! e Iv" nttl6 0tich, wenn die Anwaltschaft wirtschaftlich so unterhöhlt werde, daß es ihr durch materielle Not erschwert U'n«?JSW"*»•'"..«"taM« 6" voll zu rechtfertigen. Ein Anwalt, der n.cht w;kie oder ständig sorgen müsse, wie er seine Kinder nähren und kleiden solle, besitze nicht die erforderliche innere Unabhängigkeit. Dem Begriff des„Ad- °°g°n^.r?estell" Begriff de»„Fürsprechs" i Deutsche Stimmen•(Beilaie zur„!Deutsdken^veifkeit"•€reignisse und Qesdtitfkien FT: ir lüiWliiliil I i.'illl iliiiii in blilüiÜliiiliUuiuM^lil•':!!illllllliilllllliiiiii ii, tlui II! Iii« liliill, IM liilililpllllllllllllill!llliilii!liiii,!iliiiiill— Samstaq, den 16. Juni 1934 JxleoCogen des Cäsaceiiivahttsians Von Jean Jacques Vor kurzem stand in diesem Blatte eine Parodie mit nur allzu wahrem Hintergrunde. Der Kaiser Nero gibt Meinungsfreiheit, weil ihn seine gleichgeschalteten Senatoren langweilen, und läßt dem ersten, der schüchternen Gebrauch davon macht, den Kopf abschlagen. Der Cäsarenwahnsinn in Reinkultur ist hei den heutigen deutsehen Machthabern in der Tat wieder auferstanden, und der übergroße Teil des heute in Deutschland wenn nicht Gedachten, so jedenfalls Gedruckten gilt seiner Bestärkung. Cäsarenwahnsinn bedeutet im genauen Sinne: der Cäsar läßt sich zum Gotte erklären und als Gott anbeten. Gewiß hatte er dabei auch bereits seine Privatdozenten, die für den neuen religiösen Kultus innerhalb kürzester Frist die blitzblanke passende Religionsphilosophie zu liefern hatten. Im heutigen Deutschland hat jedenfalls diese Art Metaphysik noch Hochkonjunktur. Die Ideologien der Führervergöttlichung finden in zahllosen kleinen Schriften ihren Niederschlag. Allerdings sind vielleicht wir in der Emigration ihre treuesten und bald—• — ihre einzigen Leser. Lassen wir das viele unbedeutende Zeug beiseite, mit dem heutigen Anwärter der Universitäts-Karriere die Absolvierung ihres geistigen Geländedienstes dartun. Greifen wir. zwei Schriften heraus, in denen Tiefsinn und Scharfsinn schmählich vergoldet werden, um die blutige Stirn der Neronen zu bekränzen. Der neuernannte„Führer" der Reichsuniversität Königsberg hält seine Rektoratsrede. Es ist der Philosoph H e y s e, den man mit Recht als gediegenen Forscher in der antiken Philosophie und als einen ernsthaften Vertreter der jüngeren Philosophen-Generation schätzte.(Wenn er auch stets durch die Verstiegenheiten des berühmten Heidegger, des ersten Nazirektors in Freiburg i. Br., zu stark beeinflußt war.) Hätte man ihm in seiner Privatdozentenzeit von Rosenbergs„Mythus des 20. Jahrhunderts" gesprochen, er hätte mit verächtlichem Lächeln geantwortet. Peinlich zu sehen, wie dieser Kenner der Antike heute alle paar Seiten mit den Worten„die Griechen, dieses durch und durch nordische Volk" dem Rosenberg seine Reverenz erweist. Oder wie er im Vorübergehen den SA.-Dienst als ein von jedem Militarismus und jeder Aufrüstung au unterscheidendes„sozialistisches Training" bezeichnet.(Böhm war eigentlich noch der bessere Mcta- physiker, als er die SA. einmal vor der ausländischen Presse eine„Gemeinschaft der Gläubigen" nannte.) Schlimmer aber bei Heyse ist es: für diesen Denker gibt es keine Probleme mehr, sondern nur noch ein beseligtes Schwelgen in dogmatischen Gewißheiten. Die„große Erneuerungsbewegung, deren Träger und Vollstrecker der deutsche Nationalsozialismus ist, dieser einheitliche metaphysische Akt des deutschen Lebens„hat radikal alle Ideologien eines zu Ende gehenden Zeitalters aufgelöst und zerstört. Mit ihm hebt endlich das neue tausendjährige Reich an, das von all den Spannungen und Krisen der Neuzeit in die Geschlossenheit eines neuen Mittelalters führt. Die „Einheit von Wissenschaft und Leben, Idee und Existenz, Philosophie und Politik" ist durch die Rückkehr zum „heroischen Urwesen des Geistes" erreicht. So verkündet gewaltiges Getöse den Sonnenaufgang der neuen Religion, so kreisen die metaphysischen Berge. Aus dem Nebel aber tritt schließlich ein absonderlicher Spintisierer in SA.-Uniform, der den rechten Arm hochreckt und als den mit Spannung erwarteten Inhalt seiner Heilsbotschaft verkündet.„Nur ein Gesetz gilt für die heutige Wissenschaft: den tiefsten Absichten und Zielen des Führers zu dienen, der Idee und der Wirklichkeit des neuen Reiches." Ein anderes Beispiel dieser Art. In dem Verlag von A. Protte, der ehemals die„Neuen Biälter für den Sozialismus" herausgab, erscheint jetzt eine Schriftenreihe, die Georg Förster mit dem Thema„Freiheit im autoritären Staat" eröffnet. Hier wird ein gewal- tiger ideologischer Apparat aufgeboten, um Meister ®,• Ionen o lamna lirifl fMUCITl Goebbels Forderung nach einem Journalismus und einem geistigen Leben zu befriedigen, die zugleich schöpferisch und uniform sein soll. Wem das als ein unlösbarer Widerspri erschein«, der wird darüber belehrt, daß es zwar bei einer Diktatur wie der- russischen keine Form von gütiger Freiheit geben kann. Denn dort ist„reine Mechanik. dort wird dem empirischen Staate der schöpferische Geist des einzelnen untergeordnet. Im„dritten Reiche aber wird dieser Geist eingeordnet in den- versteht sich- meta- physischen Staat. Wenn Hegel den Staat als„irdischen Got bezeichnet hat, wo wäre dieser reiner inkarniert als im dritten Reiche"?! Dieses ist auseruahlt vom objektiven Geiste der Geschichte, seine Regierung kann einmal sozusagen empirische Fehler machen, ist aber im ganzen meta- physisch unfehlbar. Denn sie verkörpert die einzige ge-— Idii.htli.he Möglichkeit und Chance für Deutschland. la M- IL einer Diktatur des mechanischen Zwanges mag.der Staat d«„kälteste aller Ungeheuer" sein>° ihm mag das Geistes-^ leben in„journalistischen Grammofooplatten aufgehen. In der besten aller Diktaturen gehen zwar„Konsentra- tionslager, Zensur, Gleichschaltung als^"^'L^.ber aus dem Wesen des autoritären totalen Staates hervor. aber es gilt aiiA zugleich der Satz:„Der Staat greift, vermöge ..... werthaltigen Seins, der freien sittlichen Entscheidung eigener Führer ist. Denn Schöpfertum und deine eigene Verantwortung dürfen sich nur auswirken im schöpferischen Glauben an den, der die Wahrheit ist, an den Erwählten und Gottgesandten. Ist das nicht wirklich eine Ideologie des Cäsarenwahnsinns? Der Staat ist Gott, aber nicht der Staat als Erfahrungstatsache, der sich im Apparat, in Gesetzen und in der Zwangsordnung darstellt. Vielmehr die Seele des Staates ist es, sein immaterielles Prinzip, das sich im Führer verkörpert. So wird der Führer zum irdischen Gotte verklärt. Der Altar für das G ö 11 erstandbi 1 d des Casars wird im 20. Jahrhundert aus Ideologien gemauert. Gibt es eine Hoffnung für eine so erzogene Jugend, einmal aus diesem Meer der Phrasen und der Sophistereien aufzutauchen? Man schöpft solche Hoffnung wieder, wenn man die tapfere Schrift des Leipziger Denkers Th. Litt,„Die Stellung der Geisteswissenschaft im nationalsozialistischen lOaAce£eck&Mssm Goebbels, der Reichspropagandaminister, hat angeblich Tagebuchblätter vom 1. Januar 1932 bis zum 1. Mai 1933 veröifentiieht. Titel:„Vom Kaiserhof xitr Reichskanzlei". Der Titel weist auf eine der interessantesten und schmählichsten Phasen der deutschen Geschichte hin, die notwendig der historischen Durchleuchtung bedarf. Wer glaubt, daß das Buch dafür eine wichtige Quelle sein werde, wird schwer enttäuscht sein. Es ist das Buch eines Propagandisten, der für sich selbst Propaganda machen will und sich dabei ungewollt so zeichnet, wie er ist— nicht wie er gesehen werden möchte. In diesem Zeitraum vou 16 Monaten gibt es mehrere wichtige Punkte. Erster Pi äsidentschaftswahlkampf. Am 22. Februar proklamiert Goebbels Hitler als Präsidentschaftskandidaten. Tagebuch von Goebbels„Der Führer gibt mir die Erlaubnis, am Abend im Sportpalast vorzuprellen." Also hat Goebbels Hitler nicht vor vollendete Tatsachen gestellt? Der Historiker wird sagen: nachträgliche, einseitige, zugunsten Hitlers gefärbte Behauptung, die stärkstem Zweifel begegnen muß. Von seinen weiteren Darstellungen einige Zitate über den Sturz von Brüning und Schleicher: 14. April(SA.-Verbol). ,,Das ist Gröners Geschoß. Vielleicht aber wird er darüber zu Fall gebracht, lins wird mitgeteilt, daß Schleicher seinen Kurs nicht billigt. Anruf einer bekannten Dame, die mit General Schleicher befreundet i't. Der General will zurücktreten." 26. April.„Graf Helldorf war bei Schleicher. Der will eine Kursä.i-.lernng vollziehen." 8. Mai.„Am Sonnabend kommen die Sendboten und berichten, was los ist. Der Führer hat eine entscheidende Unterredung mit General Schleicher: einige Herren aus der nächsten Umgebung des Reichspräsidenten sind dabei. Alles geht gut. Der Führer hat überzeugend zu ihnen geredet. Brüning soll in den nächsten Tagen schon fallen. Der Reichspräsident wird ihm sein Vertrauen entziehen. Wenns gelingt, dann haben unsere Unterhändler, an ihrer Spific Stabschef Rühm, ein Meisterstück gemacht." 13. Mai.„Wir bekommen Nachricht von General Schleicher. Die Krise geht programmgemäß weiter. Der Reichspräsident ist nach Neudek abgereist." 18. Mai. ,.Die geheime Aktion gegen ihn geht unentwegt weiter. Er ist bereits vollkommen isoliert. Unsere Wühlmäuse sind bei der Arbeit, die Brünings Position vollkommen zernagen." 19. Mai.„Sendboten von General Schleicher: man ist schon dabei, die Ministerliste aufzustellen." Im gleichen Stile wird Schleichers Sturz abgehandelt: 24. Januar:.Schleichers Stellung ist jetjt stark gefährdet. Er scheint im Augenblick noch nichts zu ahnen. Sein Sturz wird über Nficht kommen. Nun fällt er, wie er so manchen anderen zu Fall gebracht hat." Kopfschüttelnd fragt sich der historisch interessierte Leser: wo bleiben die Probleme der deutschen Politik? Er liest von einer rasenden Wahl- und Propagandamaschine, die ebenso Selbstzweck zu sein scheint wie die erstrebte Macht, er findet einen wüsten Kriminalroman von Intrigen, Wühlmäusen, Sendboten, Damen, Kamarilla, er ahnt dahinter einen Reichspräsidenten. der von Cliquen bald hierhin, bald dorthin geschoben wird und er fragt sich schließlich: worum in aller Welt ging es denn? Ebenso fragt er: wie kamen denn diese Leute an die Macht? Er erhält weder auf die eine noch auf die andere Frage eine Antwort, er kann sie nur ahnen! Staat", in die Hand nimmt. Litt kann in diesem A ortrage natürlich nichts gegen die Diktatur und ihre vorgeschriebenen Meinungen sagen. Aber er wagt es, sein Thema in der Art, wie es Wissenschaft und Philosophie gelegentlich getan haben sollen, als eine ernste Frage, als ein Problem zu behandeln. Und er erhebt Einspruch gegen die Herabwürdigung des Denkers zum bloßen„Echo, zum Günstling und Höfling seiner Gegenwart", Einspruch gegen eine Problembehandlung, bei der alle Lösungen schon vorher feststehen. Und der sagt den Nazis unlieblich klingende Wahrheit, wenn er die biologische Rasse als einen bloßen Inbegriff geschichtlicher Möglichkeiten bezeichnet. Wenn er ihre Statik von seelisch-geschichtlicher Dynamik, wenn er Rasse und Schicksal voneinander trennt. Dies war ein Vortrag bei einer Tagung im„dritten Reich"? Ja— aber ein Vortrag, der nur geplant war und nicht gehalten werden durfte. Das illustriert schlagend die entscheidende Einstellung jener Leute: s i e wollen nicht mehr denken und fragen, sie wollen sich in ihren Gewißheiten betäuben. bis sie mit Heulen und Zähneklappern aus ihnen erwachen werden. tui tieuet JIchhoh von Josef- QoeSSeCs Die Macht hat ihnen eine feudale Clique um den Reichspräsidenten unter Duldung der Reichswehr gegeben. Nicht Goebbels und seine Propaganda, zo sehr sich das Buch auch um diesen Beweis bemüht! Am 24. April schreibt Goebbels: „Wir müssen in absehbarer Zeit an die Macht kommen. Sonst siegen wir uns in Wahlen tot." Der Reichspressechef der NSDAP. Dietrich hat in seinen Enthüllungen über Hitlers Pakt mit der Schwerindustrie den Weg dieser Leute zur Macht schon deutlicher gezeigt! Die Motive der korrupten feudalen Clique um Hindenburg sind nie zweifelhaft gewesen. Goebbels schweigt über diese Dinge wie ein Grab. Sie liegen ihm auch nicht und deshalb muß der liebe Gott aushelfen:„Gottes Hand, sie hat den Führer nud seine Bewegung sichtbarlich geleitet." Das ganze Buch ist eine Enthüllung dafür, daß dieser Mann mit sachlicher Poli- fik nichts zu tun hat, daß es ihm nur auf die Befriedigung eines krankhaften Ehrgeizes ankommt. Die Macht als Ueher- kompensation körperlicher Minderwertigkeit. Es ist die De« tnaskierung von Josef Goebbels durch ihn seihst. Goebbels Reden und seine Propaganda sind eine einzigö Bestätigung des Satzes:„Besonders dort, wo körperliche Minderwertigkeit und soziale Benachteiligung zusammentreffen, kann ein aktivistischer Typus entstehen, der in der Unermüdlichkeit seines revolutionär-aggressiven Tohens gegen alles Höherwertige oder doch Höherbewertete alle anderen weit übertrifft." Seine literarischen Erzeugnisse sind noch enthüllender. Es muß sich selbst beweisen, daß ohne ihn Adolf Hitler nie Reichskanzler geworden wäre. Er streut Hitler geradezu widerlich Weihrauch— aber immer mit dem Nachsatz: i c h bin es eigentlich gewesen. (Früher hat er einmal gesagt, er sei der Kopf der Bewegung, und Hitler ihr A....) Diese Eitelkeit sieht ans jeder Z"i!e hervor. Er lobt sich, daß seine Erzeugnisse„wahre Leckerbissen", an anderer Stelle„Kabinettstücke politischer Propaganda" werden sollen. Da« alles wird vorgetragen in einem Stil, der an die Dehlingen von Jünglingen in der Pubertätszeit erinnert. In der Tat wirkt das Buch des Propaganda- minister« wie der Pubertätsroman des Studenten Goebbe'a „Michael". Zwar tobt nicht mehr„ein Vollbluthengst unter seinen Schenkeln", dafür erzählt er:„Pläne geschmiedet. Pistolenschießen geübt", und die Telefone„sind heiß von Ferngesprächen". Die kleinen Mädchen, sie lesen es mit ebenso heißen Bachen. Für sie ist die Anhimmelung Hitlers bestimmt:„Der Führer erzählt lang aus seinen Kriegszeiten. Dann ist er ganz groß und hinreißend. Als er geht, herrscht unter uns wenigen eine fast feierliche Stimmung." Es ist der Roman Michaels, zweiter Band. Ohne Format, eine Sammlung von schlimmsten Plattheiten, eine Angelegenheit nicht für den Historiker, sondern für den Psvchopathologen. Aus jeder Zeile sieht der Klumpfuß hervor,— sei es. daß er sich seiher beweihräuchert(„Wir haben die besten Redner der Welt"„Es brennen nur wenige Flammen in Deutschland"), sei es, daß er in boshafter nachträglich erfundener Konstruktion Gift gegen Gregor Strasser verspritzt, den er nicht nur aus Ehrgeiz haßt, sondern dem er auch die robuste Körperlichkeit neidet. Die einzelnen Angaben des Ruches halten keinen größeren historischen Quellenwert als die des Romans Michael. Der Herr Reichspropagandaminister muß clivinatorisch begabt «ein: manchmal hat er hei«einen Tagebucheintragungen schon gewußt, was Monate später sein würde! _ Max Klinger. Aus den Fingern gesogen von Georg tt Um an Das Sondergericht Berlin verurteilte vier SA.-Leute wegen Mißhandlung unschuldiger Gefangener zu je 15 Jahren Zuchthaus. In der Urteilsbegründung hob das Gericht als strafverschärfend hervor, daß es sich hei den Mißhandelten vorwiegend um gänzlich unpolitische jüdische Kleingewerbetreibende gehandelt habe. des Menschen vor, er»»« d und für sich Gute, ist J.^Ste iuHAe Substanz. Wessen„Protestenti«- mus"'aber durch diese„katholisierendc" Entscheidung un- T i• j-!•.»/.r die sittliche Entscheidung nicht ab- befriedigt is.^^«teilt, wie Schöpfertum noch"möglich* wlr^du^Emp"^^ dieser Sta.tsphilosophie zufrieden- gestellt. Di.« Ii«.»„«türliU.!» Fiüirerprinzip.„nur. dlmi. iL FuWr innerlidh„ Pfc»'»»XT.p^ Stimme deines verantwortlichen Gewissens«irrt P rrÄÄÄ«*» d„>>>»*«w» liftische Autonomie zurückzufallen, bei der jeder Durch Verfügung des Reichspräsidenten vom 12. Mai ist das Vermögen der jüdischen Bankiers Oskar Wassermann (Deutsche Bank u. Disconto), Salomonsohn, Bleichröder und Jakob Goldschmidt in Durchführung des Punktes 15 des Programms der NSDAP.(Enteignung der Bank- und Börsenfürsten) eingezogen worden. Bei der Grundsteinlegung zum Neuhau der Reichshank in Berlin erschien General Hermann Goring in Zivil. * Die Zahl der Arbeitslosenunterstützungsempfänger beträgt in ganz Deutschland zur Zeit nur noch 1 416 000. * Als Beweis seiner pazifistischen Gesinnung TTat Reiths- kjnzler Adulf PijJer veri jigt,(Jprjyij^tisÄe ijjjjinft- steller Carl von Qssietzky unverzüglich in Freiheit gesetzt wird. * Zwischen dem Deutschen Reich und dem Vatikan wurde ein Konkordat abgeschlossen. * Hitlers„Mein Kampf" wurde von der Reichsrsgierung wegen Beschimpfung und Verächtlichmachung befreundeter Staaten verboten. * Die Zahl der in deutschen Konzentrationslagern Inhaftierten beträgt 417, * Das Deutsche Reich ist eine Republik. Die Staatsgewalt geht vom Volke aus. Der Autor von„C&valleria Rusticana" gestorben In Livorno ist, siebzigjährig, Jean Targioni Tozetti ge- storben, der Verfasser des Textbuches von„Cavalleria Rusti- cana", der meistgespielten Oper von Pietro Maseagni. Er h"t für Maseagni auch mehrere andere Opernbücher peschriehen, und war in Italien als Dichter sehr geschätzt To- zetti hat sich übrigen« auch politisch betätigt, er war ein Anhänger des italienischen Faschismus und war lang,« J a»-fa Bjiuje.ssc^^är i&fX«lliilMilSJG Beccezunr „Deutsche Freiheit", Nr. 136 Das bunte Matt Samstag, 16. Juni 1931 Millionen um Mick? Maus Von Ärchibald Mcfarlane(tos Angeles) Amerikanische Zeitungen brachten vor kurzem san- tastische Berichte über die Höhe des Einkommens von Walt Disney, dem Zeichner, der die weltbe- kannten Tricksilmserien Mickey Mouje, Silly Sym- phonie und Drei kleine Schweinchen erfunden und herausgebracht hat. Wall Disney, nicht nur ein guter Zeichner, sondern auch ein guter Rechner, hat darauf- hin die wirklichen Ziffern der Mickey-Mouse-Pro- duktion bekanntgegeben. Da steht ein schlanker, sehr unkompliziert aussehender Mann vor einem, mit einem winzigen Schnurrbärtchen auf der Oberlippe, die sich oft genug hebt, um zwei Reihen blendender Zähne zu entblößen,' mit einem Wort: dieser Walt Disley lacht gern. Er gleicht eher einem sehr l'portiven Automechaniker oder Leichtathleten als einem Künstler, und er hat leicht lachen, er hat es zu etwas gebracht. Aber der Weg zum Erfolg ist ihm nicht leicht gemacht worden, er hat sich ehrlich durchgearbeitet. Walt Disney ist in Chikago geboren worden. Die Eltern konnten ihn in die Schule schicken und sogar das angeborene Talent durch etwas Zeichenunterricht fördern. Das war aber auch alles. Dann übersiedelte die Familie mit dem noch jungen Burschen nach Kansas-City, und dort, in der finsteren Provinz, versuchte er sich als Karikaturist für Zeitungen. Der Versuch wurde ein derart eklatanter Miß- erfolg, daß Walt zu den verschiedensten Berufen greifen mußte, um sich über Wasser zu halten. Als er schließlich in einem Kabarett, dem Crazy Kat(„Der verrückte Katze"» des Herrn Mintz als Schnellzeichner Arbeit fand, gab der psycho- logisch bedingte Gegensatz zum Arbeitgeber Walt Disney die Idee ein, Trickfilme mit Mäusen zu zeichnen. Die Finanzen der Micky Maus Die Idee an sich ist dünn, es kommt auf die Einfälle an, mit denen der Zeichner sie auszustatten versteht. Und e« kommt— dies vor allem— auf das Gelb an, das man in eine Idee investieren kann. Als Walt Disney sich entschloß, seine Trickfilme zu zeichnen, besaß er vierzig Dollar, ein Kapital, mit dem man keine Maus hinter dem Osen hervorlocken kann. Aber ein anderes Kapital besaß Walt Disney: Ausdauer, Gesundheit und eiserne Willenskraft. Walts kranker Bruder Roy besaß 250 Dollar» sie taten das Geld zusammen, und Walt begann zu arbeiten. Es erschienen die ersten Serien von Micky Maus-Zeichnungen, und da fand sich auch ein Mitarbeiter, Ub I w er ks, bis zum heutigen Tag der ideenreichste Trickfilmzeichner. Walt, Roy und Ub hatten jeden Cent, den sie erübrigen konnten, beiseitegelegt — es war im Frühling 1928, vor jetzt sechs Jahren, da er- schienen sie in Neuyork. Sie hatten zwei fertige stumme Filme mit dem neuen Helden Micky Maus und rund 1500 Dollar an Bargeld mitgebracht. Die Zeichnungen unter- schieden sich nicht wesentlich von den anderen dieser Art, aber sie waren schmissiger, einfallsreicher. Der Erfolg in Neuyork war gleich Null. Die Ursache des Mißerfolges lag darin, daß der neu ausgekommene Tonfilm alle stummen Filme verdrängte, daß es einfach unmöglich war, einen stummen Film, noch dazu einen Tricksilm, unter- zubringen. Micky Maus bekommt Töne Ein anderer hätte vielleicht ausgegeben. Die eiserne Energie Walt Disneys ließ ihn von neuem anfangen. In Neuyork konnte er nicht arbeiten, also zog er sich wieder in die Provinz zurück, diesmal freiwillig, und komponierte seinen ersten, für Synchronisierung gedachten Film:„Der Dampfer Willie". Es war reiner Zufall, daß Walt Disney Herrn Patrick Powers kennenlernte, der sich als Filmproduzent etabliert hatte, nachdem er vorher lange Jahre bei„Carl Laemmles Universal Company" Administrator gewesen war. PowerS hatte Mut, Powers drehte, wenn man so sagen darf, den ersten Micky-Maus-Film. Im September 1928 wurde im alten Colony-Theater in Neuyork„Steamboat Willie" vorgeführt. Nach kaum vier Monaten, zu Beginn des Jahres 1929. war die Nachfrage nach Trickfilmen von Disney so groß, daß er beschloß, eine neue Serie, die„Silly-Symphonien", zu starten. Wiewohl die Zeichnungen noch ohne Farbe waren, fanden sie doch ungeheuren Beifall, weil die Syn- chronisierung mit populärer, leicht ins Ohr gehender Musik die Filme sehr beliebt gemacht hatte. Micky Maus vor dem Bankerott Man möchte glauben, daß der große E< o' inztefl großartig ausgewirkt halte, tatsächlich war es aocr so, daß Walt Disney, der nicht im Auftrag, sondern als Teilhaber Pat Powers arbeitete, seine finanziellen Kräfte weit über- schätzt hatte. Die Synchronisierung der Filme und ihre tadellose Ausführung verschlangen Unsummen. Walt Disney hätte Bankrott ansagen müssen, wäre Powers nicht mit dem fehlenden Kopital eingesprungen Ein Jahr nach Einsetzen des Erfolges, im Januar 1930, hatte Walt Disney seinem Verleger Powers 15 Micky-Maus- Filme und sechs der neuen Silly-Symphonien geliefert. Die Gesamtkosten dieser Filme beliesen sich auf 116 500 Dollar, jeder Film kostete also mehr als 5000 Dollar. Walt Disney hätte nie in die prekäre Situation kommen müssen, Power« Hilfe in Anspruch zu nehmen, hätten die verschiedenen Kino- besitzer zeitgerecht abgerechnet. Denn schon im April 1980 betrug die Summe der Eingänge für die bis dahin gelieferten Serien 354 000 Dollar, das sind durchschnittlich 16 848 Dollar für jeden Film. In dem Augenblick, in dem DiSney genug Kapital ge- sammelt hatte, übersiedelte er nach Hollywood. Seine letzten Filme wurden bei United Artists hergestellt. Sie unter- schieden sich von den Ansangsfilmen ganz wesentlich dadurch. daß sie in einem eigens dafür hergestellten Atelier gemacht worden sind, das allein die Summe von 250 000 Dollar ver- schlungen hat. Die letzte Serie, die inzwischen weltberühmt gewordenen„Drei kleine Schweinchen", besteht aus nicht weniger als 12 992 Einzelzeichnungen. Natürlich ist Walt Disney weit davon entfernt, selbst alle diese Zeichnungen anzufertigen. Die Zeiten haben sich wesent- lich geänhert: für die Erzeugung der Serien wird ein ganzer Generalstab des Humors verwendet. Nur die ersten und wichtigsten Figuren werden noch von Disney entworfen, der alle vierzehn Tage eine neue Serie auf den Markt wirft. Der Rest wird von einem Dutzend Storymen, die die Ge- schichten zu erfinden haben, einer entsprechenden Anzahl von Gagmen, die die Einfälle liefern, vierzig Zeichnern und deren fünsundvierzig Gehilsen besorgt. Dreißig Mädchen bemalen die unbeweglichen Hintergründe der Figuren» Ton- mixer, Elektriker, Fotografen, Laboratoriumsmechaniker, in Summa 187 Personen, haben alle Hände voll zu tun. Insgesamt werden alljährlich 26 Serien hergestellt: Drei- zehn Micky-Maus-Filme, dreizehn Silly-Symphonien. In jedem Land hat Micky Maus einen anderen Namen, in Japan heißt das Tierchen Miki Kuschi, in Spanien Miguel Ratoncito, in Italien Topolino. Und trotz dieses Weltersolges... Trotz dieses Weltersolges haben die„Drei kleinen Schweinchen" nach neunzehn Wochen beispielloser Populari- tät nicht einmal noch die Kosten der Filmkopien hereinge- bracht. Die Laufzeit eines solchen Filmes schwankt zwischen fünf Monaten und fünf Jahren. Disney rechnet damit, daß „Drei kleine Schweinchen" innerhalb von zwei Jahren 125 000 Dollar einbringen werden. Wohlverstanden: von allen Weltmärkten. Eine Micky Maus bringt die Jnvesti- tionsspesen in durchschnittlich einem Jahr herein, eine Silly- Symphonie in achtzehn Monaten» erst was darüber hinaus eingebracht wird, kann als Gewinn angesehen werden.„Drei kleine Schweinchen" müssen ungesähr 75 000 Dollar ein- bringen, damit alle Kosten, das sind Herstellung, Kopien, Reklame, Steuern, Verleihprovisionen usw. bezahlt werden können. Und Disneys Gewinn daran wird höchstens 25 000 Dollar betragen. Natürlich hat Disney noch Nebeneinkünfte. Eine Zeitungs- karikaturserie ist in vierzehn Sprachen übersetzt und drei- hundertmal abgedruckt worden. Mickey Mouse ist überdies eine Warenmarke geworden, für deren Führung Lizenz- gebühren bezahlt werden. Immerhin hat Disney bis jetzt ein Kapital von etwa einer Dreiviertelmillion Dollar in- vestiert. Für einen jungen Man« von zweiunddreißig Jahren ist dos ein ganz hübsches Sümmchen. Er hat nach dem Erfolg ein Wochengehalt von 2000 Dollar bezogen, jetzt hat er sich ein Häuschen gekaust und einen „überfahrenen", einen alten Wagen. Für ein neues Auto reicht es noch nicht, denn jeder Cent mutz investiert werden. Aber Schulden— nein, Schulden hat Walt nicht mehr. Konkurren; für piccard Fotografie aus der Atmosphäre- Von S>. K. Vinters(Oeuyork) Seit dem verunglückten Stratosphärenflug der Russen ist wenn man von dem Drama des deutschen Ballons„Bartsch von Tigfeld" absieht, kein neuer Aufstieg in die Stratosphäre bekannt geworden. Jetzt erst will C o s y n s, früher Assistent Piccards, einen neuen Aufstieg wagen, und Professor Piccard selbst will sogar zu einer Höhe von 30 000 Meter aussteigen. Um so interessanter ist daher der Versuch, den im Juni ein amerikanischer Pilot unternehmen will. Im Jahre 1932 setzte die„National Geographie Society" der Vereinigten Staaten von Nordamerika einen Preis von 1000 Dollar für denjenigen aus, dem es gelingen werde, den Mondschatten auf der Erde zu fotografieren. Der Versuch mutzte jeden wissenschastlich geschulten Flieger reizen, aber gelungen ist es nur— AI bertW. Stevens, Kapitän im Armeefliegerkorps, der die Ausnahme aus einer Höhe von 27 000 Fuß durchführte und sich so den Preis holte. Es hatte nicht nur Glück dazu gehört, die Aufnahme zu machen, es gibt heute oft genug für Wissenschaftler nur dann Glück, wenn sie entsprechende Vorbereitungen und Vor- studien betreiben können, die dann zum Erfolg führen. In dieser Lage war Stevens, der, wie alle bekannten Flieger, als Kriegspilot zu fotografieren begonnen hatte, um sich mit der Zeit den Ruf eines der begabtesten Höhenfotograsen zu erwerben. Jetzt will Stevens, der gar kein junger Mann mehr ist ler wurde 1886 in Belfast geboren», von einer der großen amerikanischen Ebenen aus— der Startplatz wird noch geheim gehalten— in die Stratosphäre aussteigen, um dort beziehungsweise von dort aus fotografische Auf- nahmen durchzuführen. Als Pilot wird Major William E. Kepner den Aufstieg mitmachen, mit dem zusammen Stevens 1929 aus 21 000 Fuß Höhe eine Fotoaufnahme durchführte, die zum ersten Male die Krümmung der Erdkugel zeigte. Ueberflüssig, zu sagen, daß Stevens mit Fotoappa- raten ausgerüstet ist, die mit ihren mannskopsgroßen Linsen eher Kanonen gleichen als Fotokameras. Selbstverständlich gehören zu solchen Aufnahmen auch noch andere Apparaturen außer der Kamera und es sei hier nur daran erinnert, daß die Nachtsotografie des Kapitols zu Washington, die Stevens 1929, in der Nacht vor der In- auguration Hoovers zum Präsidenten der UTA., durchführte, nur dadurch gelang, daß er einige Flaschenbomben abwarf, die mit je 25 Pfund Magnesium gefüllt waren.— Aber auch als Höhenslieger hat Stevens schon manches geleistet, unter anderem zum Beispiel mit Leutvai" Johnson am 27. Februa- 1929 einen Höhenrekord für Doppeldecker auf- gestellt, indem er eine Höhe von 35 611 Fuß erreichte, also beinahe die Stratosphäre, deren Beginn ja von der Wissen- schaff auf sieben britische Meilen Höhe über dem Meeres- spiegel angesetzt wird. Die Leitung des„UniteS States Army Air Corps" hatte Stevens vom Dienst befreit und ihm in W r i g h t F i e l d bei Dayton, Ohio, Arbeitsräume zur Verfügung gestellt, wo er ganz der Vorbereitung des Stratosphärenfluges lebt, den er im Juni dieses Jahres unternehmen will. Stevens unter- nimmt den Ausstieg im Auftrag der„National Geographie Society". Er und Major William E. Kepner beabsichtigen, eine Höhe von 25 000 Meter zu erreichen. Dieser Stratosphärenflug ist der siebente, seit Kapitän Haw- thorne Gray bei einem Ausstieg in einer offenen Gondel im Jahre 1927 sein Leben verlor. Stevens beabsichtigt, den Rekord des Leutnants Commander Thomas G. W. Settle, der 18 616 Meter und auch den inoffiziellen Rekord der sowjetrusiischen Flieger, die 21 700 Meter erreichten, zu ver- bessern. Sein 3 Millionen Kubikfuß fassender Wasserstoff- ballon ist der größte, der jemals konstruiert worden ist. Er könnte ein elf Stockwerke hohes Haus umhüllen und ist fünf- mal so groß wie der Ballon Settles und dreieinhalbmal so groß wie der Ballon der russischen Flieger. Stevens will über die Hülle der Stratosphäre hinaus in die erdschützende Ozonosphäre gelangen, die möglicher- weise höhere Temperaturen ausweist, da sie durch das Bom- bardement der kosmischen Strahlen erwärmt wird. , In der neun Fuß großen, geschlossenen Gondel, die also ungefähr die Größe eines kleinen Schlafzimmers hat, be- finden sich die zahlreichen automatisch arbeitenden Jnstru- mente. Sie dienen dazu, Proben der„Lust" in der Strato- sphäre einzulangen, neue und genaue Temparatur- und Höhenmessungen vorzunehmen, weiter die Bewegung der Luftmassen, die das Wetter bestimmen, zu überprüfen und alle Keime, die etwa in dieser Höhe leben, einzusangen. Ort und genaue Zeit seines Stratosphärenfluges will Kapitän Stevens geheimhalten. Es ist ihm nicht um die Sensation, sondern um die wissenschaftliche Arbeit zu tun. Dies ist auch der Grund, weshalb man erst jetzt, also knapp vor dem Aufstieg, von dem Plan erfährt. Helen Witts im Tennis-Ruhestand Schon die Glanzzeit der Filmstars ist begrenzt. Aber sie erstreckt sich im allgemeinen wenigstens auf 10 bis 12 Jahre, und auch darüber hinaus läßt sie sich durch allerlei Kunststücke und Propagandamaßnahmen verlängern. Bei den Sportsleuten ist das unmöglich. Hier gilt nur die kon- krete Leistung und ständig drängen Jüngere nach, die den Meister aus dem Felde schlagen, kaum daß er die Dreißig überschritten hat. Manche, wie der Box-Weltmeister Gene Tunney, ziehen sich lieber schon vorher ungeschlagen ins Privatleben zurück. Andere suchen im Film neue Lorbeeren zu erben, wie jetzt der französische Ex-Boxmeister Charpentier, oder der amerikanische Champion Mar Baer, der seine Laufbahn auf der Leinwand in weiser Voraussicht schon eingeleitet hat, während er noch obenauf ist. Wieder andere, wie die große Tennisspielerin Suzanne Lenglen. wissen sich Zeit ihres Lebens mit der ganzen Würde einer ehemaligen Größe in der Oeffentlichkeit zu zeigen, so daß jeder ihnen ungeminderten Respekt entgegenbringt. Nun kommt aus Kalifornien die Nachricht, daß Mrs. Helen Moody-Wills, die einst in einem furiosen Match die große Tuzanne an die Wand gespielt hatte, nicht mehr an Turnieren teilnehmen wird. Die Rückcnverletzung, die sie sich im vergangenen Jahr in Wimbledon zugezogen hat, erlaubt ihr höchstens noch, in privaien Spielen mitzu- wirken. Im übrigen wird sie sich der Malerei widmen, einer Kunst, die sie meisterhaft beherrscht. Außerdem ist sie eine schöne Frau, und vielleicht wird auch sie noch einmal den Weg in die Hollymeoder A'el'erS an.eten... In Helen Moody-Wills geht vorläufig die letzte Meisterin von den Plätzen, die alle anderen Spielerinnen der Welt längengleich um einige Klassen überragte. Ihre Nachfolge- rin ist Helen Jacobs. Diese hat zwar ihrer alten Gegnerin im vergangenen Jahr in Forest Hills den Weltmeister- Titel in einer rasanten Partie abgenommen. Trotzdem reicht sie nicht an deren einstige Größe heran. Erst vor einigen Tagen hat sie im Stadion Roland Garros zu Paris eine Niederlage hinnehmen müssen. Und zwar war es die junge Engländerin Miß Soriven, ein Mädchen von 19 Jahren, die den Sieg davontrug. Bon kurzer Dauer ist der Ruhm der Tennisplätze.»* Die Frau, die niemand mag Im Jahre 1908 wurden in den Straßen von Lissabon König Carlos von Portugal und der Kronprinz ermordet. Der Mörder war Manuel dos Reis Buica. Buica bezahlte sein Verbrechen mit dem Tobe und hinterließ eine kleine Tochter, Elvira. Seit jener Zeit hing über Elvira der Schatten des Verbrechens ihres Vaters. In der Schule war sie immer Gegenstand des Zorns ihrer Lehrer und sie wuchs auf ver- achtet und ungeliebt. Vor drei Jahren lernte sie einen Mann kennen, der sie aber, nachdem er ihrer müde war, wieder oerließ und sie mit zwei Kindern zurückließ. Verzweifelt, unfähig, ihre beiden kleinen Kinder zu ernähren, beschloß Elvira, die Kleinen auf der Türschwelle ihres treulosen Vaters zu deponieren. Aber dieser hatte seine Adresse ge- ändert und die Mutter wurde verhastet. Sie wird sich jetzt für ihre Verzweiflungstat zu verantworten haben. Geld Haben sie für Hindenburg Die halbe Million in der Matratze- Biels als Zeuge »OS 3tm Donnerstag drehte es sich im Gcrekcprozeß um die Frage. ob die Behauptung des Angeklagten stimme, er habe schon vor der Htndcnburgwahl eine Summe von rund einer halben Million für die Gründung einer Hindenburg- zcitung erhalten. Diese Summe will Tr. Gcrcke nach seiner Behauptung für andere politische Zwecke ausgegeben haben, so dag er sich für berechtigt fühlte, diesen Betrag später aus den cinge- gangencn Hindcnburg-Wahlgcldern wieder abzuzweigen. In der heutigen Verhandlung hat sich als Zeugin sür die Rich- tigkcit dieser Behauptung ein Frl. MargarcteSprung gemeldet, in dessen Saushalt Dr. Gcreke und der Mitange- klagte F^engang wohnten. Tie Zeugin erklärt, daß Dr. Gereke im Februar 1032 ihr eine dicke Aktenmappe über- geben habe mit der Weisung, das darin befindliche Gelb fosort znr Bank zu bringen. Auf ihre Erwiderung, da» die Bank doch schon geschlossen sei, habe ihr Tr. Gereke die Mappe hingelegt mit den Wor- tcn: Machen Sie damit, w a s Tie wollen, ich muß jetzt wegfahren.— Zu ihrem Erstaunen habe sie dann, als sie die Tasche öffnete, barin 480 000 Reichsmark in Scheinen gefunden. S i c h a b e d a n» d a s G e l d i n eine Matratze eingenäht. Nach fünf bis sechs Tagen sei Dr. Gereke von einer dienstlichen Reise zurückgekommen und verlangte von ihr das Geld. Sie trennte die Matratze auf und stellte zu ihrer Bestürzung fest, dasi nur noch 470 000 Reichsmark darin waren. Dr. Gereke, der es sehr eilig hatte, nahm diesen Betrag und fuhr damit fort. Nach gründlicher Durchsuchung fand die Zeugin dann noch die restlichen II) 000 Reichsmark und fuhr Tr. Gcreke nach dem Reichstag nach. Dort sah sie ihn im Gespräch mit dem inzwischen durch Selbstmord ge- endeten deutschnationalcn Abg. Ober sohlen und zwei anderen Herren stehen. Als sie Dr. Gereke die fehlenden 10 000 Reichsmark übergab, sagte er zu den Herren: Hier ist auch der Rest. Mit diesen Worten habe er das Geld T r. Oberfohren überreicht. Am gleichen Abend, so bekundet die Zeugin weiter, habe Oberst v. Hindenburg angerufen, und Dr. Gcrcke habe am Telefon zu ihm gesagt: Ich habe die 480 000 Reichsmark aui 300 000 aus eigenen Mitteln ab- gerundet.— Nach dieser Aussage übergibt die Zeugin dem Gericht ein Notizbuch. Darin befindet sich unter dem 20. Februar 1032 eine Notiz: <80 000 Reichsmark. Der Oberstaatsanwalt erklärt dazu, dag gerade an diesem Tage in dem Notizbuch eine R a d i e- r u n g z u bemerken sei. Hierauf beschlagnahmt der Bor- sitzende das Buch und erklärt, es werde sich durch eine che- mische Untersuchung nachweisen lassen, was ausradiert worden sei. Oiel» Ucbcr die erste Vernehmung Tr. Gerekes wurde in der Nachmittagsverhandlung im Gerekeprozcß der Kölner Re- gicrungSpräsidcnt D i e l s, der damalige Leiter der Geheimen Staatspolizei, als Zeuge gehört. Re- gierungspräsident Diels bekundet, dag er aus Anweisung seiner vorgesetzten Behörde Dr. Gcrcke in seinem Amt ab- geholt habe. Weber er noch Gereke hätten gewußt, um was es sich handelte. Der Zeuge hatte den Auftrag, Tr. Gereke nicht festzunehmen, sondern f e st z u h a l t e n. In einem Hotel habe man bis spät in die Nacht gewartet, um Nachricht über die Vorwürfe gegen Tr. Gereke zu bekommen. Mitten in der Pacht seien dann der frühere Minister von Kendel! und Ministerialrat a. D. Schellen erschienen und hätten das Material mitgebracht. Unter Hinzuziehung von Staats- anwaltschaftsrat To. Miltclbach sei dann, die erste Verneh- mung Dr. Gerekes durchgeführt worden. Er verlangte, mit hohen politischen Persönlichkeiten Rücksprache nehmen zu dürfen, was ihm aber verweigert wurde. Vorsitzender: Herr von Kcudell hat von einer Unterhal- tung berichtet, die in jener Nacht zwischen ihm und Dr. Gereke stattfand. Tr. Gereke soll dabei gesagt haben:„Es ist doch klar, dag ich vom Hindenburgausschug Gelder an d i e Wirtschaftspartei undan die Landvolkpartei gegeben habe." Ob auch die Ttaatspartei genannt wurde, will Herr von Kendel! nicht mehr sagen künnen. „Können Sie sich an diese Unterhaltung erinnern?" Regierungspräsident Diels:„Nein, in dieser Form nicht. Ich erinnere mich lediglich an ein äußerst unkonkretes Gespräch." Tie Verhandlungen werden am Samstag fortgesetzt./ Entrechtung unehelicher Kindler Obwohl sie„für die Volksvermehrung nicht entbehrt werden können" Berlin, 13. Juni. Ucbcr die Frage neuer gesetzlicher Bc- stimmungcn ii er die Rechtsstellung unehelicher Kinder er- klärt Landgerichtsrat Dr. Hagemann in der„Sozialen Praxis", die bedeutsamste Neuerung eines vorliegenden Ge- setzentwurses gegenüber dem bisherigen Recht liege in der Ergänzung des 8 644 der Zivilprozeßordnung. Danach solle das Gericht von Amts wegen verpflichtet sein, zu ermitteln, ob der vom Kind als Vater in Anspruch genommene Er- zcugcr der wirkliche Vater sei. Tie Abstammung des Kindes mösse möglichst einwandfrei festgestellt werden. Das Ver- fahren dabei solle dem Richter u. a. auch die Möglichkeit geben, die Vornahme der Blutuntersuchung an Kind, Vater und Mutler anordnen und zwangsweise, auch durch Geld- und Haftstraken durchführen zu können. Besondere Be- achlung beanspruche auch die vorgesehene Neufassung der Bestimmungen über den Unterhalt, den das Kind vom Vater fordern könne. Ter Unterhalt solle sich aus den Satz beschränken, den eine Mutter einfachsten Standes nach ihrer Lebensstellung zum Lebensunterhalt ihres Kindes be- nötigte. Diese Schlcchtcrstellung des Kindes werde aller- dings durch die weitere Bestimmung ausgeglichen, daß das Gericht unter Berücksichtigung der Verhältnisse beider Eltern zu Gunsten des Kindes auf Grund von Recht und Billigkeit den Unterhaltssatz erhöhen können? allerdings müsse der' Vater seine sonstigen Verpflichtungen ohne Gefährdung sei, ncs standesgemäßen Unterhaltes noch erfüllen können. Der Entwurf sehe weiter ausdrücklich den Schutz der Einheit der Familie des außerehelichen Vaters vor Antastung durch Rechtsbeziehungen des unehelichen Kindes vor. Alles in allem bringe dek.Entwurf die Ucberwindung eines Zwiespaltes, der in der Begründung angedeutet werde. Tie Begründung sage nämlich, daß an sich die nationalsozialistische Weltanschauung im Interesse des Familienlebens und des rasscnrcinen und erbgesundcn Nachwuchses die a u ß e r c h e- lichc Erzeugung ablehne. Andererseits aber habe sie noch mit der Tatsache zu rechnen, daß 20 bis 23 Proz. aller Geburten unehelich seien, und also für die Volksver- mehrung nicht enibehrt werden konnten. ehrenvolle Entlassung Gegen die verheirateten Lehrerinnen in Holland Ter Stadtrat und Gemeindevorstand von Rotterdam hat mit allen gegen 2 Stimmen beschlossen, die Richtlinien für die Entlassung für verheirateten Beamtinnen auch auf die Lehrerinnen anzuwenden. Danach soll Lehrerinnen an öffentlichen Schulen, die vor Erreichung des 43. Lebens- jahrcs heiraten, die„ehrenvolle Entlassung" gegeben werden, wenn sie aber eine Lebcnsgcmcinjchast im gemeinsamen Haushalt eingehen, so sollen sie die Entlassung ohne die Bei- sügung„ehrenvoll" bekommen. Tie Einwendungen der Fachvrganisationcn blieben srnchtlos. Bemerkenswert ist, daß sich von sieben Fachorganisationen drei gegen den Antrag ausgesprochen haben. Von den vier andern war eine für den Antrag, eine wollte die Altersgrenze beseitigt wissen und zwei gaben keine deutlichen Erklärungen ab. Die rama Zur Phenomenologie des Gerüchtes Die deutsche Regierung wendet sich in letzter Zeit mit der ^nr zu Gebote stehenden Schärfe gegen Gerüchte und Gerüchtemacher. Gerüchte gehen um, in der Dämmerstunde des Halbhewußtseing, mit dem unfaOlichen Zickzackflug der Fledermäuse. Noch nie war ich bei der Geburt eines Gerüchtes dabei, nie gelang es mir, einen Gerüchtemacher auf frischer Tat zu ertappen; jedes Gerücht, das ich zu fassen kriegte, hatte schon einen würdigen Stammbaum, der sich am Ursprung aller Dinge zu verlieren schien. Wohl gibt es Gerüchteverbreiter, ob es aber Gerüchtemacher gibt, läßt sich exakt nicht feststellen. Es ist möglich, daß ein Gerücht zugleich an tausend Orten Orten von tausend Menschen erzählt wird, wobei jeder beginnt:„Letzthin habe ich gehört..." Dabei wäre weiter möglich, daß keiner gehört hätte, es sei denn von seiner inneren Stimme, auf die in der Welt des erweislich Wahren nicht immer voller Verlaß ist. Auf die Katediismusfrage des weltlichen Lebens:„Wie verbreitet sich ein Gerücht?" gibt es und kann es nur eine Antwort geben: Wie ein Lauffeuer. Alles andere ist falsch. Nie gelang es mir, jemanden aufzutreiben, der ein Lauffeuer gesehen hat; ein Kritikaster jedoch, wer zweifelte, daß es das gibt. Gerüchte indessen hat jeder schon vernommen und auf sich wirken lassen. Er reagierte darauf a) gläubig, oder b) ungläubig, oder c) skeptisch(in diesem Fall ist Skepsis nicht nur erlaubt, aondern geboten, obschon sie wesensmäßig einer überwundenen Geisteshaltung zugeordnet ist), d) mit dem Wunsch, es möchte wahr sein, oder e) mit dem Wunsch, es möchte nicht wahr sein. Das Merkwürdigste ist, daß das Gerücht seine Verbreitung erzwingt; über alle subjektiven Einstellungen hinweg triumphiert sein Zwang, weitererzählt zu werden. Auch der Ungläubige, au chder Skeptiker erzählen Gerüchte, freilich indem sie ihre persönliche negativisti- sehe Stellung dazu mehr oder minder genießerisch unterstreichen. Der Ursprung ist also, so schmerzlich das für den Historiker sein mag, nich tfestznstellen. Ursprünge pflegen dunkel zu sein und dennoch von höchster Anziehungskraft für das lichtverliebte Geschlecht der Menschen. Auch weiterhin müssen wir indirekt vorgehen bei der Erforschung. Erstes wahrnehmbares Wirkungsphänomen des Gerüchtes ist die Verbreitungsschnelle(Lauffeuer). Zweitens, der mit ihm gesetzte psychologisch merkwürdige Verhreitungszwang, mit dem das erste ursächlich verknüpft erscheint. Wenn wir auch über Entstehung und G-KY-4 des Gerüchtes im Ungewissen sind, so wissen wir anderseits besser Rescheid um seinen Tod. Es ist mit einemmal da, breitet sich aus, und es stirbt einen unscheinbaren Schrumpfungstod. Lebewesen der Go r t Da man Dasein, Wirkungsform und Tod kennt, ließe s.ch eine Biologie des Gerüchtes denken. Audi Biographien einzelner Gerüchte könnten durch eine neue Gattung von Historikern verfaßt werden. Märzgerüchte von 1933 wären z. B. gewesen: die Polen fallen in Deutschland ein; Dojfuß ist unmöglich geworden; Italien tritt aus dem Völkerbund; die Schweiz wird nun auch faschistisch. Spätere, eine monarchistische Restaurationsbewegung ist am Vlerk; die Gefahr einer Inflation droht. Eine Zeitlang hieß es auch, die deutsche Nationalkirche(„Los von Rom") sei in Bildung begriffen. Diese Gerüchte sind gestorben, erloschen. Unter bestimmter Konstellation ist allerdings eine Wiedergeburt möglich; denn es gibt typische Gerüchte, die aus ihrer zeitweisen\ er- srhollenheit wieder emportauchen und mit ein paar neuen Reizen ausgestattet ihren alten Weg nehmen. Bei diesen fragt es sich, ob sie den Gesetzen der Sterblidikeit Untertan seien. Vergil beschreibt im vierten Buch der„Aeneis" die Fama als eine Göttin. Er scheut sich nicht, ein moralisches Werturteil über sie zu fällen und sie dea foeda zu nennen, ekelhafte Göttin: denn, sagt er, gibt es kein so schnelles Uebel wie sie.(Dichterische Umschreibung für Lauffeuer.) Jedesmal scheint sie neu zu erstehen: zuerst ist sie jeweils recht unansehnlich, doch im Weiterschreiten gewinnt sie an Ausmaß und Kraft, ihre Füße eilen über die Erde, aber ihr Haupt versteckt sie in den Wolken. Eine Tochter der Erde(!) ist sie, die diese im Grimm gegen die Götter zur Welt brachte. Wir kundigen Psychologen wissen ja, was das heißt: ein chronisches Geschöpf ist sie, dem Erdhaften. Widergeistigen im Menschen zugeordnet, der Gana-Welt zugehörig und ihre Nase in die Bereiche der Triebe und des Emotionalen hiein erhebend. Gefiedert ist das ungeheure Monstrum; es hat soviele Augen wie Federn, ebensoviele wispernde Zungen und gespitzte Ohren. Nie braucht es Schlaf. Nachts pfeilt es in schwirrendem Flug zwischen Himmel und Erde dahin; tagsüber sitzt es spähend auf Hausgiebeln und Turmzinnen und schreckt die Städte durch ihre Botschaft, die zu gleichen aus Aus dem Grundwasser des kollektiven Unbewußten erhebt sich die Fama als ein göttlich-widergöttlicher Sumpfvogel, gleich gierig im Spähen, Lauschen, Schwätzen. Als Tochter der Erde würde mau sie von einer grandiosen ethischen Indifferenz vermuten, achtlos spielend mit Bildern, Vorstellungen, Wünschen, Zwängen. Aber welche List liegt in der raffinierten Mischung aus Wahr und Unwahr! Der begehrteste Cocktail wird da angeboten. Darüber noch ein Wort. F.in phantastisches und moralisches Phänomen Eine halbe Wahrheit ist soviel wie eine ganze Unwahrheit; insofern ist auch der bessere Teil des Gerüchtes fragwürdig. Und doch ist er wohl das Ursprüngliche an ihm. Manchmal wird ja sogar die lautere Wahrheit auf dem Gerüchtweg verbreitet, z. B. wenn sie der Macht der öffentlichen Meinung nicht genehm ist. Aber die eigentlichen Schwingen scheinen einer Aussage erst zu wachsen, wenn sich die Phantasie ihrer bemächtigt und sie modelt. Dann tritt sie in den verworfenen Stand der Lüge, als welche sie auf dem Maskenball des Daseins nicht leicht erkennbar ist; denn vor allem ist sie ein fast zwangshaftes Spiel mit Möglichkeiten. Darin bestehen die wirkungsvollsten ihrer Reize. Im März 1933 lief das Gerücht durch Deutschland, die Braunhemden marschierten auf Berlin. Gegengerüchte brausten daher:»'-r* anzler Schleicher sei zum Gegenschlag mit d-r R-Vhswehr bereit, überhaupt sei er von einer beinahe überirdischen politischen Klugheit unr Gerissenheit. Unmöglich war beides damals nicht, also glaubte, wer konnte, und zwar das, was ihm wünschbar schien. Das Unwahre hätte jeden Augenblick wthr worden können. Die von Wünschen, Hoffnungen und Absichten gespornte Phantasie vermischte angeregt Reales mit Irrealem. Hinter den ausgesprochenen Gedanken stand jeweils, das Hütdien in der Hand, mit biederem Augenaufschlag, der Wunsch als Vater. Es war eine natürliche Vaterschaft und zudem n: cht einmal eine illegitime, denn im damaligen Schwebezustand gab es hierin kein herrschendes Gesetz. Die Moralkategorien waren außer Kraft. Anders, wenn eine bestimmte politische Moral die Herr- schaft hat, oder eine sogenannte Weltanschauung. Dann verkehrt sich das Spiel mit Realem und Irrealem in Ernst, und wo ein Gerücht der dekalierten Wahrheit widerspricht, wird et als Gefahr bekämpft. Es ist nämlich ein Merkmal der Gerüchte, zur herrschenden Moral und zu herrschenden Ansichten in einem eigentümlich schrägen Verhältnis zu stehen; ihre unwirkliche Komponente ist sehr exakt immer so, wie die herrschende Weltanschauung es nicht gern hat. Ein mit dieser kongruentes Gerücht fände keinen Anklang. In der pban- tasievoll ergänzten oder durchmischten Erzählung wird ein Raum der Freiheit geschaffen, wo nicht unverbindliche, realitätslose Phantaslik',' sondern wünsch gerichtete Realphan- tasfik ein paar solide Begebenheiten zu Luftschlössern ergänzt, die in ihrer Konstruktion oft nicht beweisbar unmöglich sind. Das alles kann geschehen unter der Maske ethischer Indifferenz; der Erzähler oder Weiterverbreiter kann lässig so tun, als ginge ihn alles gar nichts an, wenn er, gutgläubig oder nicht, bloßen Möglichkeiten den Charakter von Notwendigeren unterstellt, von Notwendigkeiten, die seinem Begriff der Freiheit zusagen, schon deshalb, weil sie ihm entsprungen sind. Fernerhin muß bemerkt werden Fernerhin muß bemerkt werden, daß kein Einsichtiger über die Wirkungen der Gerüchte im Unklaren ist. In Ehren ergraute Börseaner wüßten davon ein Liedlein zu singen, mit Stimmen hell und klar; es wäre ein Schicksalssong, in dem der Dynamitcharakter des Gerüchtes enthüllt würde. Dieses bewegt sich nicht nur von Ort zu Ort, sondern es bewegt auch die Dinge, es greift ein, es lockert oder legt frei, es dämpft Energien oder ballt sie oder lenkt sie. Denn es verwandelt Gewißheiten in Ungewißheiten, und da der in Ungewißheit geworfene Mensch sofort wieder in eine Gewißheit zu schwimmen trachtet, regt er sich und schüttelt seine Trägheit ab. Er sieht das lastende Kausalitätsschema des Alltags durchbrochen oder er gewahrt ein Stück Weges in die Zukunft und findet es verlockender als den vorgezeichneten Tramp, selbst dann manchmal, wenn es ein katastrophaler Weg ist— Allerdings ist diese Wirkung von kurzer Dauer. Mag die Fama, die Tochter der Erde, bis in die Wolken reichen, so haben ihre Kinder umso kürzere Beine, ja ihr ganzes Leben ist kurz. Selbst„hartnäckige Gerüchte" sind zwischendurch tot, sie erstehen bloß wieder. Die weniger hartnäckigen fristen ihr schnelles Dasein auf dem schmalen Grat einer Aktualität, die auch wieder ein zwiespältiges Gebilde ist. Jedes Gerücht, das einschlägt, ist auf eine ganz bestimmte Situation zugeschnitten, mit der dumpf geahnten Zielsetzung, diese Situation weiterzutreiben, fortzuentwickeln, ihre Realität von innen her aufzulösen. Es wirkt ähnlich einem Reizstoff beschleunigend auf das Geschehen in gewissen Sphären des Lebens, z. B. in der Politik.(Das ori dit bezieht si chbloß auf Ouatsch. Eine Pariser Wochenzeitung hat eine ständige Rubrik„On dit, on dit...". worin oft witziger Par- lamentariertrasch weitergeboten wird. Selten reicht er übers Persönliche hinaus. Und dann eines: gedruckte Gerüchte verlieren allen Nimbus und werden schal! Diesen Niederschlag überleben sie nicht!) Wenden wir uns von der geistig ziemlich minderwertigen Ware der Gerüchte zu ihrem hypothetischen Ursprung, den Gerüchtemachern, so scheinen diese zumeist der Dämonie entkleidet. Wer etwas erzählt, was augenblicklich geglaubt wird oder gefällt oder freut(„Haben Sie schon gehört, der Papen ist vom Paust nicht empfangen worden?") wurde ich von einer vor Wonne fast berstenden Leichenbittermiene gefragt). der ist weniger ein abgefeimter Macher mit einer touf- lichen Techne. als ein empfindsames Medium, das aussprich' was alle andern hören möchten. Der-n drängender Wnns< i bringt ihn erst zum Sprechen, sonst bliebe er stumm und< r sagt nur. was alle gern sagten und gern weitersagen, nachdem er die Worte dazu gestiftet hat, selbst wenn es die Wahr, heit sein sollte Max Rychner in der„Neuen Zürcher Zeit«"'" DIMITROFF CONTRA GÖRING BRAUNBUCH II aber den Reichstagsbrandprozeß mit Enthüllungen über die wahren Brandstilter und 800 nachgewiesene Morde an Wehrlosen Mit einem Sonderbeitrag von GEORGIJ DIMITROFF „Was wollte Hitler mit dem ReidislagsbrandprozcO?" und dem ersten autorisierten Abdruck der großen Schlußrede Dimitroffs vor dem Reichsgericht in Leipzig DIMITROFF CONTRA GORING Braunbuch II wird eingeleitet durch ein Vorwort des bekannten französischen Verteidigers Moro- Giafferi und enthält neben einer erstmaligen Gesamtdarstellung und Würdigung des Leipziger und Londoner Prozesses, neue Enthüllungen über den Reichstagsbrand und die wahren Brandstifter in folgenden Kapiteln: ERSTER TEIL! Der erzwungene Prozeß— Die juristische und kriminalistische Vorbereitung des Prozesses— Dr. Göbbels bereitet den Prozeß vor— Die Polizei-Kaserne— Die Autgabe des Gerichts Das Rätsel van der Lübbe— Torgier vor Gericht— Popoff und Taneff— Georgiy Dimitroff, ein Held unserer Zeit— Das „soldatische Recht"— Das Urteil— Wer hat den Reichstag angesteckt?— Ori^inalbeitrag von Georgi) Dimitroff ZWEITER TEILS 800 Morde an Wehrlosen in Hitlerdeutschland— Beiträge von Romain Rolland und Lion Feuchtwanger—„Aul der Flucht erschossen"— Der legale Mord— 22 Morde mit dem Handbeil— 800 Namen klagen an: Eine von Juristen nachgeprüfte Liste der in Hitler-Deutschland Ermordeten Dtmilroff contra Oörfng: DRAUNDllCVl II erscheint im gleichen Großformat wie BRAUNBUCH 1 im Umfange von 360 Seiten. Das Buch bringt zahlreiche, teils unbekannte Dokumente, viele Illustrationen, kriminalistische Zeichnungen und auf 40 Seiten Kunstdruck etwa 80 meist unveröffentlichte Bilder Preis des brosch. Exemplars Fr HO.— Preis des gebund. Exemplars. Fr. 3©.— Dodihandlnng der„Volksstimme" om„». Saarbrücken 3« Bahnhofstraße 32 Neunkirchen« Hüttenbergstraße 41 Steuerfreien Gesellschaftsgründungen Wenden Sie sich an p. BRIQUEU LICENCIE EN DROIT ehemaliger Kontrolleur der direkten Steuer» Behörden, um vom offiziellen Standpunkt aus beraten zu werden. 25. Bd. Bonne-Nouvelle, PARIS(2). Telefon Louvre 22-93 jMsecatenatiHahme FÜR ST RAS B O U R G £i&cairie Jtoputake 2, RUE SEDILLOT 2 HINTER DER BÖRSE tuammli Eine Kroße SammlunK panischer und gesellschaftlicher Karikaturen(Originalblätter von Daumter. Cham, Gavrrni. Beaumont, Rowlond- son, Gillray und vielen andern) billig zu verkaufen. Interessenten wollen sich schriftlich melden unter Nr. 100C an die„Deutsche Freiheit" Saarbrücken. Junges Mädchen gebildet, kinderlieb, gesund, tüchtig (nur gelegentliche Hilfe vorhanden) als Haustochter nach Antwerpen gesucht. Später Ferien and Reisevergätang. Gefl. Angebote mit Bild, Lebenslaut und Ansprüche befördert unter»»Frau G. M." die Expedition. INSERIEREN BRINtfT 6EWINN Pariser Bilder Und die Musik spielt...— Kunst und Auto— Die schönsten Kinder von Paris Paris, 14. Juni. Und die Musik spielt..., die Militärmusik nämlich. Für Paris war das ein großes Ereignis, als im größten Konzertsaal die hohen Militärs, die Diplomatie, die Eleganz im Parkett Platz nahmen, wahrend auf der Bühne ein uniformiertes Orchester malerisch gruppiert war. Der Dirigent hebt den Taktstock, die Musiker im Militärrock setzen sich in Positur, -— und es beginnt der Galaabend des französischen Militärmarschs. Militärmusik— das muß nicht immer gerade kriegerisch klingen, das ist nicht nur rauhe Musik im Takte des Kanonendonners; Militärmusik kann auch zu zarteren Instrumenten passen. Das wurde an diesem Abend demonstriert, als die Militärmärsche aus mehreren Instrumenten nacheinander aufklangen, und zu dem packenden Rhythmus dieser Musik paßte es gar nicht schlecht, daß neben dem hohen General im vollen Ordensschmuck eine elegante Dame im leuchtenden Abendkleid saß. Es war ein Abend des bunten Nebeneinanders, ein festliches Bild. Als dann in der Pause die Wandelhallen sich füllten und eine lebhafte Parade des Sehens und Gesehenwerdens sich entwickelte, da hörte man fast soviele Sprachen, wie es Völker auf der Erde gibt, und Paris konnte einmal beweisen, daß es ein wahrhaft internationales Zentrum ist. Vielleicht könnte es seltsam erscheinen, daß so hohe und bunte Gesellschaft sich gerade unter den Klängen von Militärmärschen zusammenfand, vielleicht könnte einem der Gedanke kommen, daß gerade dies nicht der richtige Anlaß sei, um Menschen vieler Nationen unter ein friedliches Dach zu bringen. Aber Militär und Militärmusik sind eben doch etwas Verschiedenes, und wenn die Staatsmänner sich nur darum den Kopf zerbrechen müßten, wie die Aufrüstung der Militärmusik international zu regeln sei, dann wäre die Ab- rüstungskenferenz wahrhaftig kein Problem mehr! So saßen sie also friedlich nebeneinander, die Staatsmänner, die Politiker, die Diplomaten, die Militärs, und ihre Gesichter waren gar nicht sorgenvoll. Denn wer wollte auch ein finsteres Gesicht machen, wenn die Musik spielt, selbst wenn es Militärmusik ist! *** Die Kunst geht nach Brot, so sagt man wohl. Aber die Künstler fahren gern im Auto, das ist eine Tatsache. Man kennt ja bis zum Ueberdruß aus den illustrierten Zeitungen jene Bilder, auf denen man den Filmstar Sowieso am Steuer seines„schnittigen" Wagens bewundern kann, und man weiß, wie solche Bilder dem Ruhm förderlich sein können, bei den anhimmelnden Backfischen. Paris hat auch für diesen„Sport" einen Rahmen gefunden, und so wird in jedem Jahre einmal das AutoChampionat der Künstler ausgetragen. Die echten Sportler werden mit Recht über dieses„Championat" lächeln, denn wer das meiste Geld hat, kann sich eben auch den schönsten Wagen leisten— diese Meisterschaft zu gewinnen, ist also gerade kein besonderes Kunststück. Aber es ist wieder ein Anlaß, um die Eleganz dieser Stadt zu zeigen, um die berühmten Namen von den Plakatsäulen in einen großen, herrlichen Garten herabzuholen, wo sie sich in voller Pracht dem „Volke" zeigen können. Auch dieses Mal sah man wieder viele schöne Autos und noch mehr schöne Frauen, kurz, man sah„tout Paris"; es war ein Stelldichein jener Leute, die man darum bewundern müßte, weil sie anscheinend keine Sorgen haben oder die wenigstens so tun, als hätten sie keine. Dieser Nachmittag konnte tatsächlich in manchen Augenblicken die Illusion schaffen, als sei der europäische Himmel auf ewig wolkenlos, als sei das Leben eine Spazierfahrt in kostbaren Autos.— Aber diese Illusion zerreist ja sehr bald wieder von allein — warum also soll man sich dagegen wehren? Auch eine andere Meisterschaft wurde gleichzeitig, sozusagen nebenher, ausgetragen— die Meisterschaft im Foto- grafiert-werden, Sieger in diesem Wettbewerb blieb zweifellos mit vielen Längen Georges Garpentier, der von den Fotografen förmlich umlagert war. Er hat nicht nur den Ruhm des Filmschauspielers für sich, ihn umglänzt auch der Nimbus des Meisterboxers— und vor den Athleten hat selbst der oft wankelmütige Ruhm den meisten Respekt. *** Das schönste Auto, die schönste Frau, ach, es gibt soviele prämiierte Superlative der Schönheit, daß es auf einen mehr oder weniger gar nicht mehr ankommt. Warum sollen also nicht auch die schönsten Kinder ausgezeichnet werden? Keine Sorge, auch diese Frage ist in Paris beantwortet worden. Es gibt jetzt„Herrn Paris" und„Fräulein Parisette" und die Wahl hat auf höchst feierliche Art stattgefunden. Da marschierten draußen im Schwimmbad die Jungen und Mädels im Alter von drei bis acht Jahren auf, jeder„Kandidat" mußte sich auf einem Podium im vollen Glänze seiner Minderjährigkeit zeigen und gleich ein paar Worte in den Lautsprecher sagen, um für seine Wahl zu plädieren. Aufgeregt standen die diversen Mütter daneben, denn welche Mutter wollte nicht den schönsten Jungen oder das schönste Mädchen ihr eigen nennen? Mutterstolz kann sich mitunter auf seltsame Wege verirren. Schließlich waren die Sieger gefunden, die kleinen Glückspilze sonnten sich in ihrem jungen Ruhm, erhielten Geschenke— und sie werden sogar mit der Frau Mama ein paar Tage gratis am Meer verleben dürfen. Glückliche Kinder, glückliches Paris! Spectator. Theodor Ddobler In St. Blasien im Schwarzwald ist am Mittwoch der Dichter Theodor Däubler im Alter von 58 Iahren ge- starben Eine schon halb vergessene Aera der deutschen Lite- ratur fommt mit seinem Namen ins Gedächtnis zurück: der deutsche Ervressionismus der frühen Nachkriegszeit. Mtt seinen versponnenen und versunkenen Versen, die Leben und Welt in fvsmische Bezirke übertrugen, war Theodor Däubler Halbgott und Pagode der expressionistischen Iu- aend, die heute schon im kräftigen Mannesalter steht. Unter Däublers nicht sehr zahlreichen Werken stand der hymnische Gedichtband„Das Nordlicht" obenan, angefüllt mit schönen und dunklern Versen, die selbst die Eingeweihten nicht immer begriffen. Mit seiner mächtigen Iigur und dem wehenden, schon früh ergrauten Vollbart war Theodor Däubler auf den inter- nationalen Kongressen der Dichter und Tchriitsteller stets eine repräsentable Erscheinung. Einige Jahre spielte er im Pen-Klub eine führende Rolle. Zuletzt hieb es. er habe seinen artstrokralischen Anarchismus abgeschworen und ftch zum„dritten Reich" bekannt. Aber beglaubigt ist das ntcht. Der allzu schnell Alternde war zuletzt völlig verstummt. BRI€FKa$T€i6 S8. I. Gaad. Besten Tank für die Einsendung. Im Augenblick ist der Aussatz für und unverwendbar. P. H., San Sebastian. Es ist schön, das; Sie eine so hohe Mecnung von uns haben, aber in Ihrem Kalle überschätzen Sie unsere Möglichkeiten hoffnungslos. Wir sehen keinen Weg, Ihnen zu helfen. A. G, Oslo. Wir freuen uns, von Ihnen zu hören, daß die Aktion für Thälmann» Befreiung auch in Norwegen größeren Um- feng annimmt und insbesondere zahlreiche einflußreiche Jntellek- tuelle und Gewerkschafter sich beteiligen. Matkabäer. Da» Mitglied de? Präsidiums deS Deutschen Makkabi- Kreise? Dr. Kriedenthol hat in einem Bortrag in Berlin erklärt, zur Olympiade l»36 sei Palästina als eigener Landesverband zu- gelogen, neben den Klaggen aller anderen Länder werde aus der Berliner Olympiade auch die palästinensische Flagge wehen Wir können unS vorstellen, daß die jüdische Kugend aus Palästina ge- rade in Berlin mit besonderer Freude boxen wird. Helene. Aus einem Brief an Sie:„... In der Kantine eines sehr bekannten Berliner Warenhauses, in dem auch Juden beschäftigt sind, befindet sich folgender Anschlag aus dem Brett:„Im Mittel- alter war es üblich, Frauen, die sich des Verkehrs mit Juden schuldig gemacht hatten, an den Pranger zu stellen. Wir machen die Frauen in diesem Geschäft daraus aufmerksam, daß sie ein ähnliche» Geschick ereilen wird, wenn ihr Berkehr mit Juden nicht sofort aufhört." Pariser Klub Im niditgleichgeschalteten Pariser Deutschen Klub(Universite du Parthenon, 64, Rue du Rocher— am Bahnhof St. Lazare) ist am Samstag, dem 16. Juni, am 21 Uhr ein geselliges Beisammensein mit Tanz. Gäste gern willkommen. Eintritt 5 Fr.(Stellungslose 3 Fr.) Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P> tz In Dudweiler; lür Inserate; Dito Kuhn In Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag; Verlag der Volksstimme GmbH, Saarbrücken L Schützenstraße 5,— Schließsach 776 Saarbrücken