r vaufck< Sinzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nr. 137— 2. Jahrgang Saarbrücken, Sonntag Montag, 17. 18. Juni 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inhalt J-nteenatUwcde Jeant gegen die Jbankcatteuce Seite 2 Das übeit satt(Kotst Wessel eäehen Seite 2 Die fernöstlichen JUollente Seite 4 Jüdische Sextgen in%dästina Seite 7 Mussolini ftcBclilt- Miller gehordrf rrankreitii Hofft daß Hossollni die DlUcrci Vcrnanft bringt Berlin, 16. Juni. Soweit hat es also die nationale Er- yebung durch Hitler und die Seinen glücklich gebracht, dah die deutsche Reichsregierung nach Warschau und nach Rom gehorsamste Bittgänge macht. Polen gegenüber ist von dem Korridor nicht mehr die Rede und über das deutsche, von der faschistischen Diktatur bedrückte Südtirol fliegt der deutsche Reichskanzler nach Venedig, um sich von dem Re- gierungschef Italiens Anweisungen für die deutsche Außen- Politik zu holen. Selbst die gleichgeschalteten deutschen Zeitungen können diesen unwürdigen Tatbestand nicht ganz oerbergen. Sie berichten deshalb mit besonderer Ausführlichkeit und ganz im Stil früherer Monarchenbesuche über den Volksjubel, der nach zweifellos wirksamem Arrangement die beiden Diktatoren umbrauste, kommentieren aber die offiziellen Verlautbarungen über das politische Ergebnis der Entrevue recht kleinlaut. Schon der Telcgrammwechsel zwischen dem deutschen Reichskanzler und dem deutschen Rcichsaußenminister mit dem italienischen König ist für Deutschland etwas peinlich. Die beiden deutschen Regiernngsmännex werfen sich mit stark unterstrichenen Frenndschaftsbeteucrungen an den König heran. Die italienische Majestät aber dankt den deutschen Erzellenzen nur recht kühl in ganz allgemein gehaltenen Wendungen und vermeidet peinlichst das Aort Freundschaft, dos Hitler und von Reurath so gern gehört hätten. Zweimal hat sich der deutsche Reichskanzler mit dem italienischen Regierungschef unter vier Augen unterhalten. Das amtliche Kommunique ist ganz nichtssagend. Dagegen hat der italienische Pressechef und Schwiegersohn Mussolinis. Herr Ciani, die Zeitungen informiert, und er hat sehr hervorgehoben, daß es sich nur„u m e i n e g a n, p e r s ö n- ltche Fühlungnahme" ohne alle festen Abmachungen gehandelt habe. Die politische Lage sei„nur in großen Zügen" durchgesprochen worden. Zur Abrüstungssrage erklärte Eiani, daß Deutschland in den Völkerbund zurückkehren könne, wenn die Gleichberech- tigung tatsächlich und wirksam geworden sei, was bekanntlich nichts Neues ist. Auch ist längst bekannt, daß die Reichs- regierung bereit ist, den italienischen Abrüstungsplan, der eine gewisse Aufrüstung Deutschlands vorsieht, anzunehmen. Das Abrüstungsgespräch von Venedig bringt also nichts Neues. Ein Fortschritt scheint aber in der österreichischen Frage erzielt worden zu sein, und zwar bodtsrdi, daß der deutsche Reichskanzler bedingungslos vor Mussolini als dem Pro- tektor Deutsch-Oesterreichs kapituliert hat, Die halbamtliche Erklärung Cianis spricht ausdrücklich davon,„daß immer auf der Basis der ö st erreicht- schen Unabhängigkeit die Wiederherstellung nor- maler Beziehungen zwischen Deutschland und Oesterreich wünschenswert sei". Der deutsche Reichskanzler hat sich also in der Anschluß- frage dem Willen Italiens vollkommen unterworfen, und Mussolini ha ihm dafür nur eine gewisse Einflußnahme Italiens auf die innere Politik Oesterreichs zugunsten der Nationalsozialisten in Aussicht gestellt. Mussolini will sich bei Dollfuß dafür einsetzen, daß bei bald vorzunehmenden österreichischen Neuwahlen auch die Nationalsozialisten kan- vidieren dürfen. Dagegen hat der Reichskanzler als Parteiführer ver- sprachen, daß die nationalsozialistische Propaganda in Oesterreich sich mäßigen und aus den Terror verzichten soll. Alles in allem ist also das Ergebnis von Venedig: Der Führer des deutschen Nationalismus hat sich damit abge- sunden, daß Oesterreich ein italienischer Vasallenstaat bleibt. „Mussolini maß und Kann..." Paris, 16.6. Die französische Presse verfügt nicht über eigene Berichte, die den Inhalt und Gang der Unterredungen des Reichskanzlers Hitler mit Mussolini betreffen. Die nach Venedig entsandle» sranzösi chen Berichterstatter begnügen sich daher zumeist, die aktuellen Fragen aufzuzählen, aus die sich die Aufmerksamkeit aller Politiker konzentriert, und schildern im übrigen die Schauveranstaltungen, die sich in den letzten beiden Tagen in Venedig abgespielt haben. In einem Telegramm der Havasagentur aus Venedig wird erklärt, daß es sich für Deutschland wie für Italien vor allem darum handele, die europäische Verbindung in Ableitung- i£ des Viererpaktes und im Gegensatz zu der französischen Po- litik der Mächteblocks wiederherzustellen. Die deutsch-ita- lieniichen Verhandlungen seien gegen niemanden gerichtet. Die Revision der Verträge sei in Venedig nicht ein einziges Mal erwähnt worden. Von Frankreich sei, wie man in beut- schen Kreisen verlauten lasse, viel die Rede gewesen, und zwar, wie es scheine, im Sinne einer Zusammenarbeit. L'Jnlransigeant schreibt: Wie wir wissen, was Mussolini will, so ist auch Mussolini bekannt, was Frankreich und die um es geschalten friedliebenden Nationen wollen. Wir wollen den Frieden, gestützt auf die Sicherheit in Achtung der Ver- träge. Wir waren gezwungen, jeden Revisionsversuch zu be- kämpfen, welcher Art er auch sei und von wem es auch kommen möge. Wir hoffen aber, daß die deutsch-italienische Zusammenarbeit die französisch-italienische und selbst die deutsch-sranzösische nicht ausschließt. Mussolini muß und kann Hitler zur Beruunst bringen. Die Unterredung von Stra kann daher einen vorherrschenden Einslutz auf die Zukunft Europas haben... „Auf dem Nullpunkt" Feierliche Bankrotterklärung der deu sehen ReichszerstSrer Berlin, 16. Juni. Noch ehe der neueste Reichsbankausweis vorliegt, hat die Reichsregierung in ihrer Transfernote an die Regierungen Belgiens Frankreichs. Großbritanniens, Italiens, der Niederlande, Schwedens, der Schweiz, der Vereinigten Staaten u. a. erklärt: Deutschland hat so gut wie die gesamte Golddeckung und Devisenreserve der Reichsbant(Ende 1980 rund S Milliar, den geopfert. Die Reserve ist am 12. Juni 1931 bis auf 168,9 Mill. RM. zusammengeschmolzen, also praktisch auf dem Rullpunkt angelangt. Dabei ist der Notenumlauf in- folge deflatorischer Maßnahmen nm rnnd 1366 Mill. aus 3486 Will. RM. am 12. Juni 1934 zusammengeschrumpft. Deutschland hat sich erst unter dem Druck äußerster Devisenknappheit geuötigt gesehen, zur Verteidigung von Währung und Wirtschaft einschränkende Transfer- maßnahmen zu ergreife«. Der bevorstehende neue ReichsbankauSweis wird noch einen wesentlich tieferen Bestand aufzeigen. Sehen wir uns gegenüber diesem Deoisenbankrott der Reichsregierung und ihres großen Führers noch einmal die Entwicklung der letzten Fahre an, und zwar durch folgende lieberiickt des Reichsbankilalus: Mmtvndp Ccl[| 0»S'l- Wechsel- senhesiände besand Mai 1934 Dez. 1933 Okt. 1983 Mai 1933 Mai 1932 Mai 1931 Mai 1980 136 396 414 449 991 2577 2942 8174 8177 8147 8078 2996 1791 1874 Banknoten Nolendeckg. Zablnngs- uanaut Piozent mittelumlaul 8635 8,7 5666 3645 16,9 5724 8571 11,6 5685 8469 7,5 5486 8961 10,2 5990 4299 59,9 5878 4812 61,1 6885 Am Ende der berüchtigten„marxistischen Mißwirtschaft" im Frühling 1630 hatte die Reichsbank einen Gold- und Devisenbestand von rund 3 Milliarden, jetzt sind es nur noch 100 Millionen. Die letzte„schwarzrote Koalition" hinterließ eine Notendeckung von 61,1 v. H., und die nationalste aller nationalen Reichsregierungen verküirdet nun der Welt, daß ihre Kunst die deutschen Gold- und Devisenbestände a u f den Nullpunkt heruntergewirtschaftet hat. Und mit dem Nullpunkt ist es noch nicht einmal getan. Das deutsche Wirtschaftsthermometer sinkt unter den Ge- frierpunkt. Aus allen von der deutschen Bankrotterklärung betroffenen Ländern kommen Drohungen mit Gegen- maßnahmen, die der deutschen AuSiuhr neue Schläge und damit unzähligen deutschen Arbeitern und Angestellten neue Hungerkuren bringen werden. Zugleich hat der Reichsfinanzminister am 14. Juni in Gestern und heute Eine Nachricht aus der Platz, aus Kaiserslautern, hat uns soeben unser Zutrauen zur revolutionären Erfindungskraft der braunen Führer wieder zurückgegeben. Dort gibt es von a/tersher eine Kasino-Gesellschaft. Sie war bisher das trauliche Gehäuse aller honorigen Leute von mang uns mang, das eine deutsche Stadt zu einem geistigen Mittelpunkt macht. Im beräucherten Klubraum, wo die vielendigen Geweihe hängen, im parkettierten Festsaal, wo die unsichtbaren Verlobungs- und Hochzeitsgirlanden den Eros der Haustöchter aus guten Familien erwecken: dort saßen sie durch Generationen. Dräute es draußen noch so sehr, Krieg, Umsturz, Separatisten— diese feste Burg konnte kein Zeitgeist mit Fingern von zweifelhafter Sauberkeit betasten. Nun aber ist es geschehen. Vor kurzem wurde das Gebäude der Kasinogesellschaft von Polizei und S.4. beseßt. Die Bücher des Vereins wurden beschlagnahmt, die gesamten Gelder bei der Bank gesperrt. Es hatte sich, wie wir aus der Presse von Kaiserslautern erfahren, gegen die Kasinogesellschaft„Mißstimmung wegen der Art ihres Auftretens unter der Bevölkerung gebildet". Es gebe hier, so heißt es, Mitglieder, die 1933 und später gegen die nationalsozialistische Bewegung gekämpft hätten. Am 11. März 1933 habe sich der Landgerichtspräsident Mellants(er ist inzwischen a. D.) geweigert, die Hakenkreuzfahne auf dem Landgerichtsgebäude zu hissen. Ihm habe sich der Amtsgerichtsdirektor Jacob (gleichfalls a. D.) angeschlossen, und gar der Landgerichtsdirektor Raquet(auch längst a. D.) sei als offener Feind des Nationalsozialismus bekannt. Es ging bei der Besetzung des Housps nobler zu als bei der Erstürmung von Gewerkschaftshäusern. Die Insassen sahen sich höflichen Leuten gegenüber, kein Klubsessel flog durchs Fenster. Aber wir wollen uns nicht darüber täuschen, daß der Groll aus der sozialen Tiefe quoll, von dort her, wo sie am allertiefsten ist, nämlich vom kleinbürgerlichen Neidgefühl. „Die Saßungen des Vereins sind heute noch so gehalten, daß es dem gewöhnlichen Sterblichen unmöglich ist, der Gesellschaft beizutreten. Die Aufnahme kostet über 20 Mark, und die Vereinsbeiträge sind derartig hoch, daß sie nur von besonders Begüterten aufgebracht werden können. Diese finanziellen Maßnahmen sind, wie Herr Mellarts auch zugab, getroffen worden, um eine Differenzierung den breiten Massen gegenüber zu erreichen. In klarer Erkenntnis hat Kreisleiter Dürrfeld, als sich am Samstag die Mißstimmung in offenen Kundgebungen vor dem Kasinogebäude entlud, mit der ihm eigenen Entschlossenheit durchgegriffen." Seit diesem Tage besißt das Gebäude in Pg. Rechtsanwalt Dr. Hammann einen kommissarischen Führer. Er schritt sofort zur Tat: er schloß das Gebäude wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Er hat eine Generalversammlung einberufen, in der beschlossen werden soll, daß die ungeheuerliche Aufnahmegebühr auf ein derartiges Maß herabgedrückt iVerden soll,„daß es auch dem Volksgenossen, der wöchentlich nur 20 Mark verdient, möglich wird, Mitglied der Kasinogesellschaft zu werden. Die Kreisleitung wird nicht ruhen, bis auch der leßte Rest reaktionären unsozialen Geistes aus den Saßungen und dem Vereinsleben der Kasinogesellschaft verschwunden sein wird. Die neue Zeit wird der Kasinogesellschaft die Grundlagen geben, daß sie zu einem brauchbaren Teil der neuen Volksgemeinschaft wird." Wir stehen also unmittelbar vor der Sozialisierung der Kasinogesellschaft von Kaiserslautern. Der praktische Sozialismus der Tat hat sich hier in überzeugender Weise verwirklicht. Aber er ist nicht nur praktisch. Er ist auch unnachahmlich deutsch. Glaubhaft wurde berichtet, daß sich in den Berliner Sturmtagen von 1918 die demonstrierenden Spartakisten sorgfältig davor hüteten, die Anlagen am Lustgarten zu betretent weil auf einer Tafel die Warnung stand:„Das Betreten der Rasenflächen ist verboten! Die braunen Revolutionäre von Kaiserslautern werden Mitglieder der dortigen Kasinogesellschaft, zu verbilligten Argus. Preisen. Leipzig die Niederlage in der ArbeitSschlacht zugestanden. Er sagte, daß für die Währung— dabei ist immer nur an die Binnenkaufkran der Mark gedacht— keine Gefahr bestehe, weil man entschlossen sei, die Ausgaben bei steigenden Ein- nahmen nicht mit ansteigen zu lassen. Das bedeute, daß mit künftig nicht mehr in der Form des vorigen Jahres zusätzliche A r b e i t s b e s ch a f- f u n g s m a ß n a h m e u e i n l e i t e n. Was hier der Reichsfinanzminister, der vor einigen Wochen noch eine pumpfreudige Rede gehalten hat. für das Reich erklärt, gilt natürlich in noch höherem Mäste für die Länder und die Gemeinden. Die weitere Finanzierung der Arbeitsschlacht ist in Gefahr. Man wird keine neuen Kräfte einstellen und die jetzt Beschäftigten noch elender be- zahlen müssen als bisher. Das„dritte Reich" ist bankrott aus allen Gebieten und kann sich eine Galgenfrist nur noch dadurch verschaffen, daß es viele Millionen arbeitende Volks- genossen auf einen für Deutschland unsagbar tiefen Lebens- standard herabdrückt und die deutsche Wirtschaft durch hilf- lose Experimente ruiniert. vle Pleite wird belenditei „Deutsche Revolutionsfeier" Berlin, 16 Juni. Dr. L e», der Ttabsleiter der politischen Organisation der NSDAP, und Führer der Arbeitsfront, ruft zur Teilnahme an den„Deutschen R e v o l u t i o n s- feuern" in der Sonnwendnacht auf. Die Sonnwendfeier werde das gesamte deutsche Volk am Feuer des Sieges der Sonne und der Gemeinschaft vereinigen. In der Nacht vom -1. bis 22 Juni sollen als Vorläufer der arosten Sonnwend- seuer in der Nacht zum 24. die Rcvolutionsseuer entflammt werden. Auf dem Brocken werde ein gewaltiges Feuer ange- zündet werden und auf dieses Signal hin durch ganz Deutsch- land strahlenförmig nach sechs Seiten eine Kette von Höhen- feuern entsacht werden IntcraattonaleFront gegen dießankrotteurc Die Sdiald der deutschen Reldisregierung Der Kulturkampf Die verfemte Fronleichnamsprozession Freiburg, 16. Juni. Aus Staufen wird ein Vorfall ge- meldet, der für die Heftigkeil des Kampfes ein Beispiel ist, der zwischen der katholischen Kirche und den Nationalsozia- listen ausgetragen wird. Der SA.-Brigadefnhrer Waßmcr war bei einem Motorradunsall tödlich verunglückt. Zu diesem Unfall erklärte der katholische Vikar Ritzt in T»an'cn, Waßmer habe Leute aufgestellt gehabt, die feststellen sollten, wer von den Angehörigen der SA. sich an der F r o n l e i ch- namsprozession beteiligte? der Unglücksfall sei eine Strafe Gottes. * Aachen, 16. Juni. I» der Nacht zum Fronleichnam?- tage wurde in Herzogenrath bei Aachen von vier National- sozialisten ein Altar in vandalischer Weise zer- st ö r t. Das Gericht, das bezeichnenderweise unter Ausschlnst der Oefsentlichkeit tagte, sprach zwei der Angeklagten frei, die beiden anderen kamen mit je sechs Wochen Gefängnis davon. Oberhcld tritt zurfidt Folgt der Reichsbischof seinem„Stabschef"? DNB. Berlin, 15. Juni. Bischof Dr. Oberheid hat aus ?lntrag einen längeren Urlaub angetreten. Seine Tätigkeit in der Reichskirchenregicrung dürste damit beendigt sein. <* Der Rücktritt Oberheids ist ein neuer Beweis zu dem Krisenzustand der Evangelischen Kirche. Oberheid, dessen seltsame Vergangenheit(er gehörte zu den Geweihten der rheinisch-westfälischen Schwerindustrie im Umkreise von Ttinnesj wieberholt erörtert wurde, war dem Reichsbischof unmittelbar beigeordnet. Er war einer der Schöpfer der neuen Kirchenverfassung und Führer im Kampfe gegen die Opposition. Dabei begegnet man dem„Stabschef des Reichs- bijchofs" aber auch auf der anderen Seite mit Mißtrauen. Die»Deutschen Christen" verargten es ihm, bast er mit dem Aufgebot eines nicht geringen diplomatischen Geschicks immer wieder einen Ausgleich versuchte. Ist sein Ausscheiden bereits ein Signal dafür, dast cS auch mit dem Reichs bischoi zu Ende geht? Man bc- hauptet, daß man ihm eine Frist bis zum 1. Juli gegeben habe. Set es ihm bis dahin nicht gelungen, eine Verständi- gung in der Evangelischen Kirche herbeizuführen, so werde er zurücktreten müssen. Was aber wirb Dr. Oberheid tun? Wird er zum ItinneS- Konzern zurückkehren? Wird er wieder schlichter Geistlicher werden? Es kann sein, dast er zur neuen Entfaltung seines Ehrgeizes auf eine günstigere Stunde wartet. Brüning sudit Ruhe Und warum findet er sie nicht in Deutschland? London. 16. Juni. Tie„Time?" meldet, dast der frühere deutsche Reichskanzler Dr. Brüning, der ant Grund eines Herzleidens nach England gekommen sei sich in den drei Wochen seines Hierseins bei seinem Feunde J a ni A n d e r- s o» aufgehalten habe. Sein Gesundheitszustand habe sich in- folge der Ruhe erheblich gebessert, und er werde in zwei oder drei Wochen nach Deutschland zurückkehren. Pa« Heuert* Die Gegend von Santiago de Chile wird zur Zeit van schweren Ueberschwemmungen heimgesucht, die durch anhal- tende starke Regengüsse verursacht worden sind Mehrere Personen sind in de» Fluten„ms Leben gekommen. Der Sachschaden ist beträchtlich.- In der Magalhacs-Meerev^e wütet ein großer Sturm, der»u erheblichen Störungen n der Schissahrt geführt hat. Der Streik der Stahlarbeiter in PiitSbnrg ist aufgeschoben worden. Die Vertreter der Arbeitnehmer sind von de? Kon- serenz der Vertreter der Stahkarbeiterverbände angewiesen worden, örtliche Aktionen zu unterbinden und weitere Weisungen abzuwarten. Die Ausfuhr von Weizen und Weizenmehl aus Deutschland ist mit sosortiger Wirkung gesperrt worden. In sämtlichen Kirchen Londons wird am Sonntag aus Wunsch des Bischofs von London um Regen ge- betet werden. Das Wasseramt wurde veranlaßt, einen be- sonderen Ausschuß zu ernennen, der Vollmachten zu so- sortigen Notstandsmaßnahmen besitzt, falls eine ernste Wasicrnot in London einsetzen sollte. In der Nacht zum Samstag versuchten Kommu- nisten eine Versammlung der I n n g p a t r> o t e n in der Pariser Vorstabt Colombes zu sprengen. Das starke Polizei- ansgedot konnte den ersten Anstnrm zurückschlagen. D>e Kommunisten errichteten dann iedoch aus dem Fahrdamm eine Barrikade, von wo ans sse die Polizei mit Steinen und allen möglichen Wurfgeschossen bombardierten. I» später Stunde gelang es der Polizei, die Ruhe wiederherzustellen, tri Polizeibramte trugen ernstliche Verletzungen davon. 26 Personen wurden verhastet. Kaum hat Hitler-Teutschland die TranSfernotc bekannt- gegeben, als bereits England mit der schärfsten Gcgenmaß- nähme droht. Schatzkanzler Chambcrlain verkündet im Unterhaus, daß die englische Regierung aus Grund einer sofort einzureichenden Gesetzesvorlage ein Elearing-Amt einrichten werde. Das Amt soll in Kraft treten, wenn nicht bis zum l. Juli eine anständige Behandlung der englischen Gläubiger durch das„dritte Reich" zugesichert wird. Prak- tisch würde das den Zusammenbruch des deutschen Außen- Handels bedeuten. London, 15. Juni. Die deutsche Transsernote und der darin ausgesprochene deutsch^ Zahlungsverzug hat hier großes Mißfallen erreg«. Die Presse äußert sich je nach ihrer Einstellung in mehr oder weniger heftigem und unfreundlichem Ton. Was Deutsch- land im Punkte l5 der Note befürchtet hatte, ist ein- getreten. Die deutsche Regierung sagt in diesem Punkte, dost die deutsche Regierung sich der Erwartung hingebe, dast die Lage inzwischen nicht durch Zwangsmaßnahmen gegen die deutsche Aussuhr erschwert werde.„Tie dentsche Regierung Hai erfahren, daß in einzelnen Staaten der Gedanke er- wogen werden soll, sich durch ein einseitiges Clearing- verfahren oder ähnliche Zwangsmaßnahmen selbst bezahlt zn machen. Die dentsche Regierung kann nicht annehmen, daß wirklich solche Absichten ernsthast bestehen. Ein solches Vorgehen müßte sich binnen kurzem als vergeblich erweisen und zusammen mit den sich daraus ergebenden Gegenmaß- nahmen zwangsläufig zu einer erneuten Schrumpfung des internationalen Handels führen und die Ansätze zur Be- lcbung der Weltwirtschaft vernichten." Diese deutsche Warnung, aus der Angst geboren, stößt in England aus taube Ohren. Schatzkanzler Chambcrlain gab heute im Unterhaus seine mit der größten Spannung erwartete Erklärung über das deulschc Transfermoratorium ab. Er teilte mit. daß die britische Regierung demnächst eine Gcscncsvorlagc einbringen wird, nm der Regierung zn er- möglichen, ein englisch-deutsches Clearing-Am« zu errichten, daß sie iedoch bereit ist, davon abzusehen, diese Vollmachten auszuüben, wenn eine befriedigende Vereinbarung über eine billige Behandlung der britischen Bondsinhaber und den britischen Handel vor dem l. Juli abgeschlossen werden kann. Wenn auch die Bedenken gegen das Clearing-Bersahren in England nicht verkanni werden, so stößt die Regierung aus beinahe lückenlose Zustimmung. Clearing würde in diesem Falle bedeuten, daß deutsche Schulden ans dem Er- löse deutscher Waren in England dort durch zwangsweise Verrechnung bezahlt würden. Insbesondere die„TimeS" äußert sich aus?«chärsste gegen Deutschland: Der Reichsbankpräsidcnt habe seine Gründe offenbar nur für das Inland vorgetragen. Für das Aus- land seien sie wenig überzeugend gewesen. Seine Ver- teidiaung scheine darin zu bestehen, daß die Reparationen, die Tarife und Einfuhrkontingente der Gläubigerländer, so- wie die Entwertung der Gläubigermährungen die Schuld an Deutschlands Zahlungsunfähigkeit tragen. Schacht lasse aber die wichtige Tatsache unberührt, daß Deutschlands Wirt» schaftspolitik planmäßig so gestaltet worden sei, daß ein Aus» snhrübcrschuß unmöglich gemacht wurde. Teutschland habe seit vielen Monaten seine eigene Außenschuld zu sehr günstigen Bedingungen zurückgekauft. Die Verteidigung Dr. Schachts erinnere sehr an die Ge» schichte von dem Manne, der seinen Bater und seine Mutter ermordet hatte und vor Gericht um mildernde Umstände bat, weil er Vollwaise geworden s e i. Kein Mensch würde Deutschland wegen eines teilweisen Zahlungsverzuges tadeln, wenn es gleichzeitig sich bereit gezeigt hätte, alles mögliche für seine Zahlungsfähigkeit zu tun. Die englische Regierung dürfe der vollsten Unterstützung der gesamten Nation versichert sein bei jeder Hand- Inno, die sie sjjr notwendig balte. „Financial Times" tadelt die anmaßende Behandlung der Gläubiaer durch.Hjtler-Deulschland. „Dailn^vpreft" gib» den Rat. die Folgerungen an? der Ersabruna mi! Deulschland zu ziehen und englische Gelder nur>n Unternehmungen des britischen Reiches anzulegen. „Financial hält ein Eingreisen der Regierung für gerecht«?rtig«. Das Clearing-Veriahrcn sollte allerdings nur dann durchgeführt werden, wenn jede andere Maßnahme er- gcbniSlos bleibe. Rur eine weitergebende Aenderung der deutschen Wirtfchgslspolitik könne das Ucbcl beseitigen. TranzOsisdl enlMsMe Aktionen In Erwartung der Beschlüsse, die der am Samstag statt- findend? Kabinetisrat hinsichtlich der Beratung des deutschen Moratoriums zn ergreifen gedenkt, sagt die Presse zumeist die Schaffung einer Kompensationsstellc voraus, die die für die Zinsen der Dawes- und der Boung-Anleihc nötigen Devisen durch Einbehaltung von deutschen Forderungen für Ausfuhrwaren ausbringen solle. Der„Petit Parisicn" glaubt zu wissen, daß zwischen PariS und London gcgenwärtia verhandelt werde, ob es nicht mög- lich sei. daß die französische und die englische Regierung zwar nicht gemeinsam, aber unabhängig die gleichen Maß- nahmen ergreifen könnten. Wenn dies gelinge, so werde Deutschland wieder einmal durch seinen fehlenden guten Glauben und durch seinen Mangel an psvcholo- g i s ch c in V e rst ändnis gerade in dem Augenblick zur Annäherung Frankreichs und Englands beigetragen habe, als es die beiden Länder Hobe auseinanderbringen wollen. Ter„Ercelsior" berichtet, daß sich England wahrscheinlich zn einem Kompenlationsinsiem entschlEsi-. dast Frankreich aber wahrscheinlich da- Snstem eines Recovern Act vor- ziehe, also die Einführung eines Zusatzwertzolles auf deu'sche Waren, die nach Frankreich gelangen. Der„TempS" wirft Deutschland vor, es mache einen be- trügerischen Bankrott. VSS Beil soll Horst Wessel rfldien! Zwei Todesurteile der Hltler-lustlz Berlin, 16. Juni. Im Horst-Wcssel-Prozcß wurde am Freitagnachmittag unter großer Spannung folgendes Urteil verkündet: Die Angeklagten Tally Epstein und Hans Ziegler werden wegen Mordes zumTodc und zu lebenslänglichem Ehrverlust verurteilt. Der Angeklagte Peter S t o t l erhält wegen Beihilfe zum Mord 7V> Jahre Zuchthaus und 16 Jahre Ehrverlust. * Die Schande der deutschen Justiz ist auf dem Gipfel ange- langt. Um das Ansehen jenes dunklen Ehrenmanns Horst Wessel zu mehren, dessen gestohlenes Lied zur deutschen Na- tionaihnmne erhoben wurde, bringt man junge Menschen auts Schafott, denen eine Mittäterschaft am Tode Horst Wessels in keinem Punkte nachgewiesen wurde. Es ist ein Rachcurtcil, gefällt, um die Gegner der herrschenden Partei zu schlagen und zu vernichten. Deutsche Richter erniedrigen sich z» poli- tischen Bütteln und bestecken das Kleid der deutschen Justiz. Tie Richter sind Angehörige des nationalsozialistischen Richterbundes. Sie haben sich den nationalsozialistischen Rechtsbegrifsen unterstellt, daß Reckt das sei, was Dcim'ch- land nütze. Teutschland und das deutsche Volk aber werden heute gleichgesetzt mit dem Nationalsozialismus und seinen braunen Bandenführern. Zweiselt noch jemand daran? Der Staatsanwalt, der die Todesurteile beantragte, verzichtete gänzlich aus die ohnehin vergebliche Mühe, die aktive Beteiligung der Angeklagten an der Ermordung strikt nachzuweisen. Er bezeichnete sie als schuldig„an dem Tode eines großen Freiheit»- kämpfet«. S i e haben mitgewirkt an der b e st i a l i s ch e n Ermordung eines ausrechten Streiters für das„dritte Reich"..." Der Herr Staatsanwalt aber ging noch weiter. Er benutzte die Ge- lcgenheit zur Polemik gegen die vergangene Justiz„einer ihr nicht zur Ehre gereichenden Knochenerweichung libera- listischcr Denkungsarl". Deutlicher kann man nicht sein. Es ist das Bekenntnis zur Vcrbiegung des Rechts im Namen einer politischen Herrschaft, die nicht Urteile haben, sondern Rachccmpnndiingcn stillen will. Das amtliche Deutsche Nachrichtenbüro fügt seiner Mittci- lung über die Verlündung der beiden Todesurteile im Gerichtssaal die folgenden Worte hinzu:„Die Ange- klagten brachen in Tränen aus." In wenigen Wochen wird das Leben der beiden zum Tode Verurteilten auf dem Schafott enden. Göring wird es nicht waacn, sie zn begnadigen, nm sich seiner Popularität bei der TA. nicht zu berauben. Gewalt und Haß gegen den politCchen Gegner sind die Richtlinien der braunen Diktatur und ihrer nur zu willigen Richter. Die Tränen der jungen Menschen, die ihnen ausgeliefert wurden, werben millionenfach geweint von denen, die Deutschland von Henkern geschändet sehen. Nicht weniger furchtbar ist der Straiantrag de? Staats- anivalts i» dein von der Gestapo organisierten Prozeß wegen der Erschießung der beiden Polizeihauptleute in Berlin. Auch hier stehen Todesurteile in Aussicht. Dabei hat die Beweisaufnahme ergeben, daß es sich um Menschen hau- delt, die an jenem Zusammenstoß mit seinem blutigen Aus- gang gänzlich unbeteiligt waren. Keiner wurde Widerführt, daß er irgendeine mittelbare oder unmittelbare Schuld am Tode der beiden Polizeiofjiziere trage. Die beiden Urteile werden in der ganzen Welt den Ab« scheu vor Hitlerdeutschland vermehren. Die Freiheitskämpfer aller Länder haben den Auftrag, sich zum Protest gegen die braune Blutjustiz zu vereinigen und diesem Tnstem ihren unerbittlichen und haßerfüllten Kamps an- zusagen. Fast 400 Jahre Zuchthaus und Gefängnis Oppeln, 16. Inn« In dem Oppelner Hochverrotsprozeß gegen 110 Kommunisten wurden vier Angeklagte z« je 15 Jahren Zuchthaus, vier zu je 12 Jahren Zuchthans und neun zu je 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. Achtzehn Ange, klagte wurden freigesprochen, bei sechs Angeklagten wurde das Bersahren eingestellt, alle übrigen erhielten Zuchthaus» strafen unter 10 Jahren. Insgesamt wurden verhängt 686', Jahre und eine Woche Zuchthaus svw'e 60 Jahre Gefängnis. Dos Gericht lehnte die Widerrufe der„Geständnisse", die nach Angaben der Angeklagten erpreßt worden waren, ab. Bei der Urteilsverkündung kam es ans der Anklagebank zn Tumulten, die Verurteilten, die Och in höchster Erregung befanden, schrien in den Gerichtssaal:„Nieder mit der Klassenjustiz!" «vettere drei Todesurteile beantragt Und 51 Jahre Zuchthaus im Gestapo-Prozeß Berlin, 1-5. Juni. Im Bülow-Platz-Mordprozcß wegen der Erschießung der Polizeihäuptiepte Anlauf und Lenk bean- tragle der Staatsanwalt am Schluß seines Plädoyer« folgende Strafen: Gegen die Angeklagten Michel Klause, Friedrich Brödc und Max Matter» wegen Mittäterschaft beim gemeinschaftlichen Mord die Todesstrafe und den Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte aus Lebenszeit. Wegen Beihilfe zum gemeinschaftlichen Mord gegen die Angeklagten Erich Wiche»» und Bernhard Zachow je l5 Jahre Zuchthaus und zehn Jahre Ehrverlust. Gegen den Angeklagten Willi Schiin ke zwölf Jahre Zuchthaus und zehn Jahre Ehrverlust, gegen den Angeklagten Willi Balz er zehn Jahre Zucht- Haus und zehn Jahre Ehrverlust, gegen den Angeklagten Werner B e r t h o l d fünf Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust. gegen die Angeklagten Joh. Broll und Mar Holz je fünf Jahre Zuchthaus und«lins Jahre Ehrverlust. gegen den Angeklagten Rud. K o n r a d vier Jahre Zucht- haus und vier Jahre Ehrverlust gegen Frau Hildegard Matern wegen'Begünstigung zehn Monate Gefängnis. Der Stnatsanwalt beantragte ferner, das Verfahren gegen die Angeklagten Alb. Kuntz und Mar Tuhnert einzustellen. Bei Kuntz tritt die Amnestie vom Dezember l!>62 in Krast, während Tuhnert bereits im Zusammenhang mit den Bttlow-Platz-Ereignissen vor längerer Zeit wegen Waffen- vergehen? verurteilt worden ist. Ten Angeklagten Walter Sasse beantragte der StaatSan» walt freizusprechen. Katholiken an der Saarl Hie Christen! Hie ein(Freies deutsches Vaterland Aus Kotholischen Kreisen schreibt man der„Deutschen Fteifjeit": Die Zeit der Entscheidung naht. Die Zeit, in der ihr beweisen sollt, ob ihr es halten wollt mit Christus, dem Fürsten des Friedens und des Rechtes, und mit einem Deutschland, über dem Friede und Recht steht, oder mit B e l i a l. Millionen von Katholiken innerhalb des Hitlerstaates erseufzen heute, zusammen mit Millionen NichtKatholiken, unter dem Druck der Ungerechtigkeit, die keinerlei Verträge achtet, keinerlei freie Meinung kennt. Was Kon- kordat, was den Bischöfen zehn- und hundertmal gege- bene Zusicherungen! Unter dem Vorwand, daß die Kirche und die kirchlichen Vereine sich auf die Religion be- schränken sollen, schicken sie sich an. a l l e R e l i g i o s i- tät zu erwürgen. Dem Pfarrer soll kein aufrechtes Christenwort mehr erlaubt sein gegenüber der offenbaren Rückführung unsres Volkes ins Heidentum. Denkt, wie sie Kardinal Faulhabers Schrift verfolgen, die nur die Wahrheit sagt. Denkt, wie sie die deutsche katholische Fugend in ihre„Hitlerjugend" pressen wollen, darin der Geist eines Baidur v. Schwach, Rosenberg und anderer Verführer herrscht. Zucht. Tapferkeit. Gehorsam— Herr- liche Tugenden, aber wahrlich nicht im Dienste eines gott- und kulturfeindlichen Berserker- t u m s. Ahnenstolz und Reinhaltung der Rasse— warum nicht, aber nur gepaart mit christlicher Demut. O wir wissen wohl, warum ihre„Geheime Staatspolizei" nicht einmal das Wort„neues Heidentum" mehr dulden will. Man will euch einlullen, man will euch glauben machen, daß das Hakenkreuz das Kreuz sei. Nie und nimmer! Katholiken, Schmach und Schande, daß es den teuflischen Mächten unter dem Vorwand des Kampfes gegen den Bolschewismus gelang, sich der gut- gläubigen Seelen so vieler Deutschen zu bemächtigen. Ein großer Teil ist schon erwacht, aber jene haben die Macht. Wollt ihr ihnen auch hier an der Saar in den Sattel helfen? Jetzt, nachdem ihr täglich erfahrt, wie es im Reiche steht? Sie betäuben euch mit dem Worte„deutsch".„Deutsche Front"— sind d i e minder deutsch, welche die Freiheit verteidigen? Die Freiheit auch unserer heiligen Kirche. In den 14 Jahren angeblich„marxistischer" Herrschaft hat die Kirche sich voller Freiheit erfreuen können. Ter Sozialismus will freilich die Trennung von Staat und Kirche, aber was will der Nazismus? Was anders als ihre Knechtung unter den Staat? Die Verfälschung des Gotteswortes, das ist nichts anderes als feine Vernich- tung. Der russische Bolschewismus kämpft wenigstens ehrlich gegen alle Religion. Er bekämpft aber auch den wahren Sozialismus, der zusammenfällt mit christlicher Bruderliebe. Phrasen sinds. mit denen sie ihre Anhänger warben und fortfahren zu arbeiten.„Gemeinnutz vor Eigennutz." Seht an ihre Bonzokratie. Wo ist da von Gemeinnutz die Rede? Wo von Sauberkeit der Verwaltung, wie sie im gehaßten Weimarer System immer noch herrschte? Da- mals wurden vereinzelte Fälle von Korruption auf- gedeckt, nun aber haben wir im Reich die f ch l e i ch e n d e Korruption, das Verderben ganzer Volksschichten, ja des ganzen Volkes in seiner Gesamtheit, wenn es nicht gelingt, diesen Maulhelden des Deutschtums und des Ge- meinnutzes, trotz ihrer augenblicklichen Uebermacht, das Handwerk zu legen., Katholiken an der Saar, ihr seid Deutsche, wie ihr Christen seid, und wollt beides bleiben. Ihr könnt, ihr dürfts nicht im Hitlerreich. Deutsch sein heißt ehrlich sein, heißt getreu sein. Sie aber Haltens mit der Unehrlichkeit und Untreue. Ihr Weg zur Macht ist ein Weg der Lüge, angefangen von Hitlers Kampfreden bis zu Goebbels ver- logener Propaganda. Ein Lügenbuch— nichts anderes ist Hitlers„Mein Kampf", das nun als neues- Evange- lium(soll man das Wort wirklich hierhersetzen?) dem deutschen Volk dienen soll. Katholiken, ihr habt zu wählen zwischen dem Wort des Herrn, der auch ein Kämpfer war. und dem seinen. Christ gegen Widerchrist — obwohl Hitler nur ein Kleiner ist im Reich des Anti- christ. Aber widersteht dem Anfang! Widerstehet hier an der Saar! Zeiget der Welt, daß noch Mut in deutschen Seelen lebt. Mut. einzustehen für die Wahrheit. Dürfen eure Bischöfe nicht so sprechen, wie es ihnen ums Herz ist, wir Laien dürfens. Laßt uns der Kirche zu Hilfe kommen. Seht unlre evangelischen Brüder, bei denen man mit der Versklavung den Anfang mochte. Viele sehnen sich heute in den Schoß der allgemeinen Kirche zurück. Gebt ihnen ein Beispiel von Mut, gebt ganz Deutschland ein Beispiel von Mut und Glaubenstreue. Rettet, ja rettet Deutschland an der Saar! „Ja, wie können wir das!" Doch, Freunde, ihr könnt. Euer Nein gegenüber der Rückgliederung an ein s o l- ch e s Reich wird über die Grenzen alarmierend wirken. Wird den Kampf aller derer stärken, die für das Recht, für die Freiheit auch der Kirche, streiten. Ja, sie sind eine Macht noch immer, brauchen aber der Hilfe. Ihr seid noch frei, wollt ihr unfrei werden? „Aber wenn die Mißbraucher deutschen Namens den- noch siegen? Wird uns der Völkerbund schützen können vor Repressalien?" Katholiken, frägt ein Christ danach, wo es um Wahrheit und Recht und letzthin um Christus ?>eht? Saarland ist nicht das ferne China. An dem Schick- al der Saar haben die Nachbarstaaten, nicht nur Frank- reich, auch England und Belgien, ein vitales Interesse. Es ist ausgeschlossen, daß sie die Hitlerei gewähren lassen. Sie haben wohl lange zugesehen, verleitet durch ein falsches Prinzip von Nichteinmischung, doch gibt es eine Grenze. Laßt euch nicht einschüchtern! Widersteht! Werft die Zettel und Zuschriften der sogenannten„deutschen" Front dorthin, wohin sie gehören, in den Lügenkasten aller Hitlerei. und Barbarei. Steh ein für das wahre Deutschland, steht ein für Christus. Laßt euch nicht ver- wirren, weder durch Röchling, noch durch Papen, diese unheilvollen Schrittmacher der kapitalistischen und feu- dalistischen Reaktion. Nieder mit dem Nationalsozialismus und seinen Schandgestalten! Es lebe Christus, der Freund der Armen, Freund aller Menschen, der Freund des deutschen Volkes, das ihm immer mehr entrissen werden soll. Es lebe die freie deutsche Saar, die zurückkehren soll zum freien deutschen Vaterland, wenn Freiheit der Ge- wissen wiederum dort herrscht, wenn auch unser Glaube wieder frei dort atmen kann.„Lieber tot als Sklave." sprachen einst friesische Bauern. Ihr habt nur zu sagen: „Lieber frei als Sklave." Laßt das unseren Wahlspruch sein Hie Christus! Hie ein freies deutsches Vaterland! Civis christianus. öroßc Nervosität der deäelmcn Staatspolizei Die Angst vor der Wahrheit- Jagd auf ausländisdie Zeitungen In der Basler„National-Zeitung" liest man: Die Nachricht, wonach die schweizerischen Zeitungen in Deutschland unter Vorzensur gestellt worden seien, stimmt indies erForm tatsächlich nicht. Dagegen ist zutreisend, dag die schweizerischen Zeitungen, die in Berlin ankommen, am Bahnhof von Beamten der Staatspolizei aufihrenJnhaltgeprüft werden. Erst nach genauer Durchsicht der Blätter wird die Anweisung auf Freigabe ober Äeschlagnahmung gegeben. sUebrigens, ist das nicht eine Borzensur? Die Red.) Die Beschlagnahmungen schweizerischer Blätter in den letzten Tagen sind tatsächlich daraus zurückzuführen, dag die Zeitungen über die Borgänge in Oesterreich Meldungen brachten, die in Deutschland als unerwünscht angesel.en wurden. Ter schweizerische Gesandte hat sich noch gestern mit dem Auswärtigen Amt in Verbindung gesetzt und hat gegen diese Beschlagnahmung schweizerischer Blätter Protest ein- gelegt. Zugleich hatte er dem Bundesrat einen ausführ- lichen Bericht über die Vorgänge erstattet. In einer der Presse zugestellten Erklärung des Pressechefs der NSDAP., Dr. Hanfstacngl, werden die Berliner Aus- lanbskorrespondenten dringend an ihre Pflichten als deutsche Gäste erinnert und ihnen eine internationale Vereinbarung vorgeschlagen,„die nicht nur die Vorrechte, sondern auch die Pflichten der akkreditierten Korrespondenten und den Um- fang ihrer Befugnisse festlegt". Die Berliner Korrespondenten der ausländischen Presse werden die Anregung nur begrüßen, obschon sie die Erinne- rung an ihre Gastpflicht kaum nötig zu haben glauben. Vor- Darfei-Dnhnhaf 1,3 Millionen Reichsmark Dos„Deutsche Nachrichtenbüro" schreibt: „Der Reichsparteitag der NSDAP, wird auch in diesem Jahr wieder riesige Menschenmassen nach Nürnberg bringen. Es ist selbstverständlich, so schreibt der„Völkische Beobachter", daß die zuständigen Stellen aus den im letzten Jahr ge- machten Erfahrungen die Konsequenzen gezogen haben. Zu diesen Konsequenzen gehört der unerläßliche Ausbau de? Bahnhofs Nürnberg-Dutzendteich. Der neue Bahnhossbau erhebt sich bereits bis zum ersten Stock. Die Kosten des Gesamtbaus werden auf iL Million veranschlagt. Es wird auch ein größerer Verkehrsplatz vor dem Bahnhof Dutzendteich angelegt werden. Um die notwendigen Fristen einhalten zu können, muß man teilweise zum Drei- schichtenbetrieb übergehen." Dem Ende zu! ra_ ii'ild wird es wohl heißen, ein Vogel ohne Nest- O Bruder, nimm den Bettelstab, SA bist du gewest rechte zu verlange, fällt ihnen überhaupt nicht ein, sie sind zufrieden, wenn die ihren Zeitungen deutscherseits ausdrück- lich zugesagten Rechte beachtet werden. Vor jetzt einem Jahr wurde Bundesrat Motta in Genf von den deutschen Außen- und Propagandaministern persönlich zugesichert, keine einzige Schweizerzeitung, die sachlich berichte und kritisiere und nicht bloß schimpfe, werde in Zukunft verboten werden. Aber die Verbote seither sind trotzdem nicht zu zählen. Im Laufe des Mai und des Juni ist z. B. die National-Zeitung mindestens ein dutzendmal beschlagnahmt worden. Die Zen- sur wäre wohl in Verlegenheit, wenn sie beweisen müßte, daß die sistierten Nummern unsachliche oder gar be- schimpfende Berichte enthielten. Seit Montag nun sind mit der National-Zeitung auch die„Basler Nachrichten,, und die „Neue Zürcher Zeitung" verboten, auch die Postabonncnten bekommen sie nicht zugestellt. Der Grund: Weil das deutsche Publikum die schweizerischen Nachrichten über den neuen Terror in Oesterreich nicht erfahren soll. Die Sorge der Polizei geht soweit, daß sie am Dienstagabend in Lokalen des Kursürstendamms eine wahre Razzia auf die Schweizer- presse veranstaltete; die Nummern, die trotz der Zensur etwa durchgeschlüpft waren, wurden aus den Zeitungsschaltern entfernt und mitgenommen. Seit drei Tagen darf in Deutschland keine Schweizer- zeitung weder gekauft noch gelesen werden. Tausende von Schweizern sind ihrer geistigen Verbindung mit der Heimat beraubt. Gilt die ausdrückliche deutsche Zusage vom vorigen Jahr noch? Und ist man im Bundeshaus endlich bereit, auf der Geltung dieser offiziellen Zusage zu bestehen? Die in Deutschland lebenden Schweizer haben ein dringen- des Interesse zu wissen, woran sie mit Bern eigentlich sind. Stieler von Itegdehamp geht Die Rache des silbernen Schwans Verlin, 15. Juni. Der amtliche preußische Pressedienst teilt mit, daß der Kommandeur der Landespolizeiinspektion 6, General Stieler von Heydekamp, auf seinen eigenen Antrag hin bis zur Erledigung des eigenen Abschiedsgesuches beurlaubt sei. Der bisherige Kommandant der Landespolizeiinspektion Brandenburg, General Baltzer, wurde mit Wirkung vom 1. Juli zum Kommandeur der Landespolizeiinspektion S ernannt. Die Entlassung ist eine Rache Görings, da er sich bei seiner Reise in weißseidencr Uniform als„silberner Schwan" an den Niederrhein nicht ganz gegen Respektlosigkeiten der Be- vülkerung geschützt fühlte. Das zersdimefferfe Mtlerbild Wutanfall eines enttäuschten Nazikrauters Aus Mittelstandskreisen der Pfalz wird uns geschrieben: Ein biederer Handwerksmeister in einer größeren In- dustriestadt der Pfalz setzte seit einigen Jahren seine ganze Hoffnung auf Adolf Hitler. In der Nähe seiner Wcrkstätte wurde vor einigen Jahren ein altes Pfarrhaus versteigert. Unser Handwerksmeister legte seine Ersparnisse wertbe- ständig an und kaufte das alte Pfarrhaus. Die frühere Stadtverwaltung forderte unseren Handwerksmeister auf. daS Pfarrhaus, das äußerlich stark mitgenommen aussah, renovieren zu lassen. Der Nazi-Mann kümmerte sich natür- lich nicht um die Anordnungen der schwarz-rot-goldcnen Stadtverwaltung. Endlich kam Hitler an die Macht. Alle Hofsnungen, auch die unseres biederen Handwerksmeisters, sollten nun in Erfüllung gehen. Nach einem Jahr Hitler-Regime scheint der Handwerks- meister in all seinen Hoffnungen, die er auf das„dritte Reich" geletzt hatte, enttäuscht worden zu sein. Unter an- derem hat ihn besonders aufgeregt, daß auch die Nazi- Stadt- Verwaltung die Instandsetzung des baufälligen Pfarrhauses von ihm verlangte. Dazu immer neue Steuerabgaben. Spenden und was man so alles im„dritten Reich" an frei- willigen Opfern kennengelernt hat. Kein Wunder, daß der Handwerksmeister nicht mehr so außerordentlich begeistert ist von den Segnungen des„dritten Reiches". So ist auch ver- ständlich, daß er eines Tages alleS, als er nochmals eine Ausforderung erhielt, endlich das alte Haus, das wohl für die TA., den BdM. oder auch der HJ. nutzbar gemacht werden sollte, in Stand zu setzen, in voller Wut, d a s i m besten Zimmer des Hauses hängende Hitler- Bild zum Fenster hinausschmetterte und hinterher noch mit den Füßen vertrampelte. Die Flüche, die bei diesem Bernichtungswerk aus der Seele des Nazi-Handwerkers entschlüpften, wollen wir hier lieber nicht wiedergeben. Aber irgend ein noch treuer Hitler- anhänger hat diesen Vorfall beobachtet, denn der Handwerks- meister wurde zur Parteileitung bestellt, wo ihm aufqe- tragen wurde, jede Woche zweimal morgens zu erscheinen und für den Borfall Abbitte zu leisten. Vie fernöstlichen Probleme Schanghai, 15. Juni.(FSH.) Die chinesische Presse meldet mit wachsender Beunruhigung die Rüstungen, die Japan aus chinesischem Gebiet vornimmt. In Schanghaikwa» sind neuerlich größere japanische Truppenteile eingetrossen, die sür den Weiter- transport bereitstehen. Die Verhandlungen des japani- schen Agenten Slroisi mit den nordchincsischcn Militärmacht- habcrn scheinen ein günstiges Ergebnis gehabt zu haben, da die Vorstöße in der Richtung ans die Mongolei ans keinen ernsten Widerstand stoßen. Tie chinesische Oesfcnt- lichteit ist besonders beunruhigt von der Forderung Ariosis, daß der Hasen Amoy Japan als Konzcssion über- geben werden sollte, was die strategische Lage Japans in Südchina außerordentlich befestigen würde. Die Fronten »Wenn wir Japans Zukunft betrachten, so müssen wir die Unvermeidlichkeil eines Krieges mit Ruhland in der Nordmandschurei zugeben." Dieser Satz in dem Geheim- Memorandum des japanischen Ministerpräsidenten Tanaka vom 25. Juli 1927 charakterisiert bis auf den heutigen Tag die Linie der japanischen Außenpolitik nicht nur der Sowjetunion und China, sondern vor allem auch den Ver- einigten Staaten Amerikas gegenüber. Denn— so utopisch es klingen mag—' die Herrschaftspläne des hungrigen japanischen Imperialismus erschöpfen sich nicht mit der Eroberung Chinas und der Zerschlagung der Sowjetunion, vielmehr— und das Geheimmemoranduin sagt es mit aller Klarheit—„nachdem wir alle Ressourcen Chinas zu unserer Verfügung haben werden, werden wir zu der Eroberung Indiens, des Archipels, Kleinasiens. Zentralasiens und sogar Europas übergehen". Auf wie weite Perspektiven dieser fantastisch anmutende Plan auch berechnet sein, und wenn auch die Echtheit dieses Dokuments von japanischer Seite bestritten werden mag. die praktische Tagespolitik des japanischen Reiches läßt zum mindesten an der Ernsthaftigkeit des Projektes der militärischen Niederringung der Sowjetunion und der Annektierung Chinas und der Mongolei keinen Zweifel. Ter Einbruch Japans in die Mandschurei, der mit der Eroberung der Südmandschurei durch den Frieden von Schimonoseki begann, der den japanisch-chinesischen Krieg beendete, hat durch die Proklamierung des Präsidenten Pou Ai zum Kaiser der Mandschurei, des Mandschukuo-Staates, einen gewissen Abschluß erhalten. Dieser formal souveräne Staat steht völlig unter dem wirtschaftlichen und politischen Einfluß Japans und ist in erster Linie als wirtschaftliche Expansionsbasis und mili- tärisches Aufmarschgebiet gegenüber der Sowjetunion ge- dacht. Wie wenig aber der japanische Expansionsdrang von der Ueberflutung der Mandschurei befriedigt war, er- gibt sich aus der Tatsache, daß die japanischen Streitkräfte im Jahre 1932 auch die Provinz Iohel eroberten und bis zu den Mauern von Peking vorstießen, und daß dieses Gebiet, das ganz eindeutig zur Mongolei gehört, kurzer- Hand zur Mandschurei geschlagen wurde. Bedenkt man, daß die Mandschurei ein Gebiet von 7409 Quadratmeilen mit einer chinesischen Bevölkerung von etwa 28 Millionen ist und gleichzeitig eine beinahe unermeßliche potentielle Ausbeutung von Rohstoffen garantiert, so kann man sich eine Vorstellung machen von der gewaltigen volkswirtschaftlichen und militärstrategi- schen Bedeutung dieser„Eroberung". Da die der Provinz Iehol vorgelagerte mongolische Provinz Chahar ebenfalls nur noch formal der Souveränität der Nanking-Regierung, praktisch aber dem unmittelbaren Einfluß Japans unter- steht, stoßen hier an den Grenzen der„Aeußeren Mongolei", also der mongolischen Sowjetrepublik, die Inter- essen Japans unmittelbar auf die der Sowjetunion. Der Ausbreitung Japans nach dieser Richtung kann aber die Sowjetunion nicht ruhig zusehen, um so mehr als Japans Interesse auf der anderen Seite an dem wichtigen Hafen Wladiwostok, aus dem in den Interventionsjahren die Truppen Trotzkis die japanischen Interventions- ormeen vertrieben, in den letzten Iahren nur gewachsen ist. Aber auch Amerika und England und nicht zuletzt Italien sehen nur mit tiefer Beunruhigung der Entwich- lung der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse zu. Die panasiatischen„Monroebestrebungcn" Japans ge- fährden in höchstem Maße die Interessensphären der ver- schiedenen Imperialismen, und der Zusammenstoß der gegensätzlichen Gruppierungen auf dem Rücken des zer- rissenen, jeder ernsthaften Zentralgemalt baren Chinas ist auf kurz oder lang unvermeidlich. Die Haltung Sowjetrußlands Kennzeichnend für die Politik der Sowjetunion in den vergangenen Iahren bis zur jüngsten Zeit ist die oft bei- nahe unverständliche Zurückhaltung und das Entgegen- kommen der Sowjetdiplomatie gewesen, die auf die schärfsten Provokationen der japanischen Presse und Mili- tärkreise immer nur mit der Erklärung ständiger Ver- Handlungsbereitschaft antwortete. Erst in den letzten Wochen hat die Sprache der russischen Außenpolitik gegenüber Japan ein anderes Gesicht angenominen. Mit einer jener schroffen und unvermittelten Wendungen, an denen das Regime Stalins reich ist, hat die Sowjetdiplo- matie neue Wege genommen. Für den Augenblick schweigen die Diplomaten und die Militärs ergreifen das Wort. Ihre Sprache ist drastisch— und Soldaten lieben kriegerische Töne auch in einem Arbeiterstaat. Stalin selbst hat das Signal gegeben, als er in seinem großangc- legten Referat auf dem 17. Parteitag der kommunistischen Partei Rußlands in bezug auf das außenpolitische Ver- hältnis zu Deutschland und besonders Japan von der Ab- suhr sprach, die man denen erteilen werde, die die Absicht bezeugten,„ihre Schweineschnautze in den Sowjetgavten zu stecken". Diese Wandlung, die sich in der Sprache der Sowjet- diplomatie der letzten Wochen ankündigte, hat ihre gute Gründe. Japan mit seinem unerschöpflichen Menschen- Material, mit einer in friderizianischer Disziplin aufge- bauten Armee, deren glorreiche Tradition sich im japanisch- chinesischen und japanisch-russischen Krieg gefestigt und deren glänzende technische Ausbildung sich gerade in letzter Zeit erwiesen hatte, bildete für eine Sowjetunion, die nur auf sich gestellt war. eine furchtbare Gefahr. Die unübcr- sehbare Weite des Gebiets, die für den Fall eines Angriffs aus dem Westen natürlichen Schutz bot, wurde zu einein bedrohlichen Faktor, wenn der Stoß von Osten her kam. Denn die schlechten Transport- und Ernährungsverhält- nisse in der dünnbesiedelten inneren Mongolei konnten sich im Falle eines Krieges mit Japan in katastrophaler Weise auswirken. Heute ist es anders. In einer vor kurzem gehaltenen Rede hat der Oberst- kommandierende der Roten Armee im Fernen Osten, Blücher, von den unverkennbaren fieberhaften Kriegsvor- bereitungen Japans gesprochen, von dem gewaltigen, über 1000 Kilometer umfassenden Eisenbahnnetz, das bis an die Grenze der mongolischen Sowjetrepublik gebaut worden sei und das sich allenfalls zu 3V Prozent aus öko- nomischen Bedürfnissen rechtfertigen lasse. Wirklich stich- haltige Gründe für diesen Bau seien nur militärstrate- gischer Natur. Dem japanischen Borwurf, die Sowjet- union habe in der fernöstlichen Republik an den Grenzen über 100 000 Mann und 300 Flugzeuge konzentriert, ent- gegnet er. er wolle über diese Ziffern nicht diskutieren, aber im entscheidenden Augenblick könne er mehr Flug- zeuge dort zusammenziehen als die Japaner in der Man- dschurei besäßen und die Zahl dieser betrage 500. Auch sind jetzt erst die Verteidigungsgürtel und Befestigungen vollendet worden, die nach einem Wort Woroschilows, des Oberstkommandierenden der Roten Armee, stark genug sind,„die stärksten Zähne zu brechen". Schließlich— und das scheint der wesentlichste Grund zu der selbstbewußten Haltung der Sowjetunion zu sein— haben die Verträge mit Italien und Frankreich und die Anerkennung der an einer Schwächung Japans interessierten Bereinigten Staaten die Möglichkeit der wirtschaftlichen Ueberwindung eines militärischen Abenteuers sehr zuungunsten Japans verschoben. Japanische Wirtschaftssorgen Denn gerade in den wirtschaftlichen Schwierigkeiten Japans liegt der Schlüssel zur Erklärung seines Ver- Haltens. Schon vor etwa zwei Iahren erklärte die Schrift- stellerin Andree Viollis, die zu den besten Kennern Japans gehört, in ihrem Buch„Le Japon et son empire" das Problem folgendermaßen:„Sollte der kleine vollendete Gentleman der alten englischen Damen dem Boche des Ostens seinen Platz einräumen, von dem mit häßlichem Geschrei gewisse internationale Pazifisten zu sprechen pflegen oder sollte der Japaner beides zu gleicher Zeit sein? Sicher ist nur, daß dieses der Achtung, wenn nicht der Liebe werte Land seine gefährliche Krise durchmacht. In die Zange der Tradition einer großen Pergangenheit und einer gefahrreichen Zukunft gepreßt, steht es unter dem Druck geografischer Gegebenheiten, ökonomischer und politischer Notwendigkeiten, die es zwingen könnte, gegen seinen Willen Katastrophen zu entfesseln, deren erstes Opfer es selbst sein wird... Jawohl, gegen seinen Willen." Die Schicksalsfrage, die die tiefgehende Krise allen Ländern heule oder morgen stellt, diese Frage, die sich auf die Formel„KriegoderRevolution" bringen läßt, ist im japanischen Imperium auf die äußerste Schärfe zugespitzt. Japan ist ein an Rohstoffen armes Land, das in hohem Maße übervölkert ist. Die Erschließung der Mandschurei, die einmal ein rohstoffreiches Gebiet ist und zum anderen dem japanischen Handel weite Aus- fuhrmöglichkeiten eröffnet, kann doch die Abschnllrung von dem europäischen und amerikanischen Markt nicht ausgleichen. Und die europäischen Märkte wehren sich verzweifelt gegen die Ueberflutung mit japanischer Ware. Die Front gegen das japanische Dumping erreicht heute in beinahe allen Ländern die gleiche Einmütigkeit, wie sie eine Zeitlang gegen das angebliche russische Dumping herrschte. Italien, England, Frankreich, Amerika er- greifen alle Mittel, sich gegen das japanische Dumping zu webren. So wurde vor kurzem in London eine Aus- steliung japanischer Waren veranstaltet, an deren un- glaublich billigen Preisen dem staunenden englischen Publikum dargetan wurde, in wie kurzer Zeit die ganze englische Industrie nicht mehr lebensfähig sei, wenn sie nicht durch staatliche Mittel der Notwendigkeit, mit dieser Einfuhr zu konkurrieren, enthoben werde. Um nur ein Beispiel zu nennen, wie gewaltig trotz Zoll und Fracht- kosten die Differenz der Preise ist, ergibt sich daraus, daß ein japanisches Fahrrad ein halbes Pfund Sterling— also 40 Franken— kostet, während ein in England her- gestelltes mit 5 Pfund, das heißt 400 Franken, bezahlt werden muß. Dieses Dumping ist möglich einmal durch die starke Entwertung des Den im Verhältnis zur englischen und französischen Währung und in der Hauptsache dank den geradezu furchtbaren Lohnverhältnissen, die in Japan herrschen. Das Durchschnittseinkommen einer japanischen Arbeiterfamilie beträgt nicht mehr als höchstens 73 Uen. das sind etwas weniger als 390 Fr. Tie Wirkung dieses Ausbeutersystems ist sehr eindeutig. Noch vermag die rücksichtslos eingesetzte Staatsgewalt die latente Unzu- friedenheit der Arbeiterschaft zu unterdrücken. Aber die kommunistische Propaganda, genährt durch die Nähe der für chinesische Begriffe mustergültig organisierten chinesi- schen Sowjetrepubliken findet hier einen guten Nähr- boden. Die Entwicklung in der Folge wird Japan nur zwei Möglichkeiten offen lassen. Tie Schriftstellerin Viollis charakterisiert sie sehr plastisch.: Einige Tage nach meiner Ankunft sagte einer meiner japanischen Freunde brüsk zu mir: Ihr Europäer, ihr seid satt, aber wir, wir haben Hunger... Wenn das Wohl des alten Reiches des Pamato es verlangen sollte, dann werden wir, glauben Sie es mir, vor nichts zurückschrecken, nicht vor der Revolution und sogar nicht einmal... vor dem Krieg. Zwischen der Skylla des Krieges und der Charybdis der Revolution wird der japanische Imperialis- mus hindurchsegeln müssen. Sie werden beide von ihm ihre Opfer fordern— und täuscht nicht alles, so wird er das Opfer sein. Brandherd China Heute von China schlechthin zu sprechen, rechtfertigen eigentlich nur noch geografische Gegebenheiten. Politisch ist China nur ein gewaltiges Kraftfeld, auf dem sich die Kolonialinteressen der verschiedenen Imperialismen treffen und überschneiden. Zwar ist die Nankingregierung mit Tschang Kai Tschek an der Spitze die einzig Völker- rechtlich anerkannte und im Völkerbund vertretene Regie- rung, aber ihr Einflußgebiet ist weitgehend beschränkt. Hinzu kommt, daß die Kuo Min Tang, die herrschende Partei, völlig unter dem japanischen Einfluß^ steht und von ihr ausgehalten wird. Wie weitgehend dieser Einfluß und die Macht Japans über diese„Zentralregierung" ist. hat sich am klarsten im Mandschu-Konflikt gezeigt, wo trotz aller flammenden Proteste der Völkerbund den Aus- tritt Japans nur stillschweigend zur Kenntnis nehmen konnte, ohne Möglichkeiten und Mittel zu finden, einzu- greisen. Tie ganze Front der Nankingregierung ist unter dem Druck Japans gegen die chinesischen Sowjetgebiete gerichtet, die immerhin eine Bevölkerung von etwa 80 Millionen umfassen und sich bisher trotz aller Angriffe Tschang Kai Tscheks in ihrem Bestände erhalten und ge- festigt haben. Tie Auseinandersetzungen zwischen den feindlichen Regierungen auf dem Boden Chinas dauern aber noch an. Vorläufig haben diese Kämpfe noch nicht einschneidend in die Interessengebiete der imperialisti- schen Mächte eingegriffen, geschieht es, so sind die Folgen, die Japan ebensowenig wie die Sowjetunion gleichgültig lassen können, unabsehbar. Die augenblickliche Entspannung der russisch-japanischen Beziehungen dürfte eine grundlegende Lösung der schwebenden Probleme nicht herbeiführen können. Die alten Konfliktstoffe bestehen nach wie vor weiter. Tie Verhandlungen zwischen Sowjetrußland und dem Man- dschukuostaat über den Verkauf der ostchinesischen Bahn sind noch nicht zu einem ersprießlichen Meinungsaus- tausch gediehen. Zwar ist die Freilassung der aus nich- tigem Anlaß verhafteten russischen Beamten der oft- chinesischen Bahn, die sich im gemeinsamen Besitz dessowjeti- schen und des chinesischen Staates befindet, vor einigen Tagen erfolgt, aber mehr als eine momentane Verstand- lungsbereitschaft hat Japan noch nicht gezeigt. Die Bereit- schaft des Sowjetstaates, ihren Anteil an der Bahn zu verkaufen, konnte eine Zeitlang als offenbarer Ausdruck einer Schwäche gegenüber Japan geivertst werden, um so mehr als die Sowjetunion durch Vertrag von 1924 sich der chinesischen Regierung gegenüber verpflichtet hatte, ihren Anteil keinem Tritten abzutreten. Litwinow konnte sich zu Beginn der Verkaufsverhand- langen nur durch die unhaltbare Fiktion retten, die Sowjetunion bettachte den Mandschukuostaat nicht als Tritten im Sinne des Vertrages, sondern als Rechts- Nachfolger der früheren chinesischen Souveränität über dieses Gebiet, dieses gleichen Staates, den die Sowjet- union völkerrechtlich anzuerkennen sich weigerte. Heute dürste es keinen Zweifel mehr geben, daß die langwierig geführten Verhandlungen auf beiden Seiten nur den^ Sinn hatten, die Lösung der Frage hinauszuzögern, da Japan die Bahn— wenn es sein muß— durch Gewa:t zu erobern gedenkt und Sowjetrußland nur Zeit gewin- n°n wollte, seine Ostbefestigungen auszubauen, die Besied- lung des Transkaikalgebietes durchzuführen und das Volk psychologisch auf die unvermeidliche militärische Auseinandersetzung mit Japan vorzubereiten. Sicherlich wird vorerst die Entspannung, die nach dem ersten energischen Faustschlag Rußlands auf den Ver- Handlungstisch eintrat, auch die politische Haltung Tokios zu den Vereinigten Staaten grundlegend beeinflussen, und die Wirtschaftsexperimente Roosevelts zwingen auch Washington zu einiger Nacl)giebigkeit Möglich auch, daß der Briefwechsel zwischen den von ihren Budgetsorgen absorbierten Regierungen zu einer zeitweiligen außen- politischen Beruhigung führen wird, aber schließlich sind die Verhandlungsobjekte doch nur der politische Reflex der latenten wirtschaftlichen Gegensätze und Schwierig- hexten, die auf kurz oder lang einer radikalen Lösung zueilen. Um die Hishika-ri, Seeckt und Rosenberg ist es ein wenig still geworden. Die frauzösisch-deutschen Ab- und Aufrüstungsverhandlungen und die amerikanisch-japani- schen Marineverhandlungen hatten vor knapp zwanzig Iahren ihre historische Parallele in der berühmten Mission Haldanes. der das kaiserliche Deutschland von seinem Anspruch auf Flottenparität abbringen sollte. Damals folgte einer kurzen Zeit der Enlspannung die Katastrophe des Weltkrieges. An unsere Bezieherund Leser! Wir erhalten in letzter Zeit Beschwerden darüber. daß die„Deutsche Freiheit" entweder verspätet oder auch gar nicht ankommt. Wir bitten alle Beschwerdeführer, sich an ihrem Ort mit der Post oder der Bahn in Verbindung zu setzen, da von Saarbrücken aus die Zeitung nach wie vor pünktlich jeden Tag abgeht. An der Post oder Bahn des Auf. gabe-Ortes liegt die Verzögerung nicht, davon konnten wir uns überzeugen. Verlag der„ Deutschen Freiheif" j&eutsdke Stimmen• föeilage zur„Deuisdken Freiheit"•€.tei&nisse und Gesdiitfiten Sonntag-Montag, d»n 17. und 18. Juni 1934 £eocikan dec gefälschten 3iegd$e Von Actfiuc SColUscfitc Was ist Freiheit? „Du bist frei, wenn du dich einordnest... Nur unter der gleichen Ordnung gibt es Freie... Die gewollte Einordnung ist die Grundlage und Grundtatsache der Freiheit, sowohl im Staate, wie für Geist und Seele... Die Sicherheit dieses riimmels, die Ueberwölbung durch ihn ist es, die uns erlaubt frei zu sein... Du bist nur mit Freien frei... Frei- dich heißt: Anerkennung der Freiheit der mit dir unter dem Himmel der Freiheit Lebenden." So. Nun wissen wir, was Freiheit im„dritten Reich" ist. « as aus Kants Sternenhimmel im„dritten Reich" geworden ist. Die eben zitierten Sähe, diese lapidaren Phrasen, uieses zynische Lügengeschwafel, diese opportunistische, schamlose Verdrehung und Fälschung eines als heilig gegoltenen Begriffes steht in einer, eine halbe Seite langen oder kurzen, nein, langen Erklärung von Rudolf G. Binding in Heft I der neuen, bei Albert Sangen und Georg Müller in München erscheinenden Zeitschrift:„Das Innere Reich."— Alles Ersprießliche auf deinen Weg,„Inneres Reich"!! * Wäre es nicht an der Zeit, ein Lexikon der gefälschten Begriffe zu verfassen und herauszugeben? Ich glaube, diese Arbeit hätte schon vor langer Zeit unternommen oder zumindest vorbereitet werden müssen. Auf alle Fälle: sie hat zu geschehen. Nicht allein aus ethischen Gründen, aus moralischen Motiven, ja nicht einmal aus pädagogischen allein oder aber aus Gründen der Philologie— nein, ganz einfach als Vorarbeit zu den wichtigen Aufgaben, die wir Emigranten und auch jene, die in Deutschland geblichen und verstummt sind, in absehbarer Zeit zu verrichten haben werden. Denn dem Ausfegen und der Ausrottung der Mörder, der Folterknechte, der Usurpatoren der Macht über das verschüchterte Volk, der Parasiten dieser Macht auf Lehrstühlen, Kanzeln, in Amtsstuben, Redaktionsstühlen, in Fabriken und Büros muß eine Säuberung der Begriffe voraus- gehn,— jener Begriffe, die fast ebensosehr wie das ruinierte Volk der Deutschen in diesem„dritten Reich" sich aus Angst vor Stahlruten, Gummiknüppeln, Konzentrationslagern "fnd Hakenkreuzfahnen scheu verkrochen zu haben scheinen und eine schlotternde Fassade herauskehren, eine grinsende Fratze zeigen, kaum mehr zu erkennen! Aus ihren Schlupfwinkeln müssen wir diese Begriffe herausholen, sie von dem Angstschweiß säubern, sie blank putzen, bis ihr wirkliches Wesen wieder zu erkennen ist, das jenen Begriffen ihre Rolle in dem Entwicklungskampf der Menschheitsidee zugewiesen hat. Erst diese Begriffe aus ihren Verstecken hervorgeholt, nachher die schamlosen Banditen, die sie dort hinein gejagt haben! Es ist bekannt und selbstverständlich, daß jedes politische System, wenn es Oberhand gewinnt, jedes neue Regime, mit seinen eigenen Schlagworten und Axiomen auftritt. Diese Schlagworte, ethische und praktische Begriffe, entstammen dem Wortschatz der Sprache oder aber sie sind Neubildungen. Wir haben ihrer genug angehört. Solche Neubildungen verschwinden zumeist mit dem Regime, das sie erfunden hat, sie sind deshalb ephemer und nicht gefährlich. Gefährlich und verhängnisvoll sind allein die willkürlich verfälschten Standard-Begriffe, die dem durch Furcht anämisch gewordenen Verstand und Urteilsvermögen, dem zu Tode erschrockenen Selbsterhaltungstrieb der Masse aufgezwungen werden, als Gesetz und Wahrheit laut verkündet— und wenn die Bindinge der jeweiligen Machthaber aus ihnen flugs Manifeste fabrizieren, dann schwört am Ende der geängstigte Bürger auf sie— sein Sohn aber lernt vielleicht in den Schulen, daß das, was sein Vater noch vor einem Jahr unter diesen Begriffen verstanden hat, Lüge und Verdrehung war-, e r aber, der Sohn, nunmehr im Besitze der lauteren Wahrheit ist! Damit ist der Abstand der eben verflossenen Zeit, des eben niedergerungenen Systems und auch der älteren Generationen von der glorreichen Gegenwart, dem Hort der reinen Idee, gekennzeichnet und festgestellt. * Was ist zum Beispiel unter dem Wort„Recht" zu verstehen? Wir wissen es seit etwa einem Jahr. Recht ist, was den Nationalsoziaiismus kräftigt. Im„dritten Reich" gibt es kein anderes Recht mehr.(Die Engländer haben ein Wort: „Right or wrong— my Country!" das man als Parallele anführen könnte. Es ist aber eine Floskel, kein Gesetz. Kein Gesetzbuch, kein Strafrecht wurde auf diesem Felsen gebaut, der sich sofort als Sandhaufen erwiesen hätte. Nicht so im „dritten Reich".) Bei diesem Paragrafen blättere man etwas zurück und sehe unter dem Buchstaben P nach:..Potempa. „Rasse." Was in aller Welt ist Rasse? Man schlage unter G den Paragrafen„Großmutter" auf: Rasse ist, wenn der Enkel einer arischen Großmutter sich auf den I iatz des davongejagten Enkels einer jüdischen Großmutter setzen darf. Bekanntlich gibt es verschiedene Blutgruppen, die Blutgruppe A, B, c und D. Das Rassenbestimmungsinstitut in Weimar — oder ist es Jena?— wird die Qualifikation alsbald auf Grund dieser neuen Forschungen und Erkenntnisse feststellen müssen.. „Qualifikation— Begabung." Wie wir wissen, ist Bega- foung durch den Reichskultusminister als Synonym für„Streberei" entlarvt worden.„Begabung" ist somit unter dem Buchstaben S aufzuschlagen. Jedoch nicht unter dem Para- grafen„Streberei", sondern vielmehr unter dem Paragrafen „SA.", denn die Zugehörigkeit zur SA ist ein Prüfstein der . bemal, mit dem Worte„Begabung' bezeichneten Fähigkeit geworden, Ausbildung in der Kaserne und im Feldlager an Stelle der wissenschaftlichen getreten. Es gibt noch einige interessante Paragrafen unter dem- selben Buchstaben So.- B.„Sport'.Sport ,st Vorbereitung zum Massenmord im Gelände, Ertüchtigung ,m Nahkainpf, „SAIaf. gesunder" ist ein weiterer Paragraf.'Wie wir aus pädagogischen Zeitschriften des„dritten Re.Hi."f«hr°n haben, müssen die Bildner der Jugend darauf.cht haben, daß der deutsche Knabe nach anstrengenden lebungen unter freiem Himmel ohne zu schnarchen schlafe: denn" ,e oft ist im Weltkriege ein deutscher Schutzengraben dem Fe.nde durch einen einzigen Schnarcher verraten worden.(Am besten reiht man diesen Paragrafen unter dem Stichwort„Hygiene" ein.) Was ist„Disziplin"?,„Gehorsam"? Gehorsam gegenüber den Verfügungen und Befehlen des durch mystische Gewalten gelenkten Führers und seines Substituten Heß.„Führer- tum"; der„Führer". Wie entsteht der Führer? Diesen Paragrafen möge das Redaktionskomitee dem Sohn Hindenburgs, Oskar, dem Alten aus Januschau, Herrn Meißner und anderen an dem Aufstieg des mystischen Erlösers beteiligten Edelingen anvertrauen.(Dieser Paragraf sollte unter„Okkultismus" registriert werden.) „Sozialismus",„Demokratie",„Klasse"— im Nebel der Vergangenheit halb verschwundene Begriffe, müßten zur Not ebenfalls erörtert werden, obzwar ihre praktische Bedeutung nach den bevorstehenden Kataklysmen nur von geringer Bedeutung sein dürfte. Geeignete Fachleute werden schwer aufzutreiben sein, denn die Träger dieser Ideen dürften totgeschlagen, die Grundwerke über sie aber nur schwer aus den Bibliotheken des Auslandes zu beschaffen sein. Immerhin soll man versuchen, sich über dieses Gebilde ehemaliger Zusammenhänge unter Menschen zu informieren. Lehrreich dürfte der Paragraf„Emigration" werden. Emigration wird es zur Zeit der Publikation des„Lexikons" nicht mehr geben. Es wird sich daher empfehlen, über diesen Begriff nicht nur Emigranten, sondern auch„Einheimischgebliebene" sich äußern zu lassen. Denn, nichtwahr, das „Lexikon" soll Beispiel und Gegenbeispiel aneinanderreihen, damit man den Abstand um so augenfälliger wahrnehmen könne. Wichtig und grundlegend dürften die Paragrafen„Glaube" und„Gewissen" werden. Es würde sich empfehlen, diese beiden Begriffe mit vollem Ernst behandeln zu lassen, jede Einflüsterung von sich zu weisen, die etwa den Begriff „Glaube" unter dem Buchstaben A:„Aberglaube" registrieren möchte— während der Begriff„Gewissen" schon eher unter dem Schlagwort„Kulturkammer" zu finden sein könnte, oder unter D—„Deutsche Dichterakademie". Im„dritten Reich" sehen wir zur Zeit einen gewaltigen Apparat mit der Revision, d. h. Fälschung sämtlicher Begriffe, die von Urzeiten bis zum Reichstagsbrand Geltung besessen haben, beschäftigt. Wer wollte es leugnen, daß an dieser Betätigung das Arbeitsministerium ebensowohl wie das Ministerium für Unterricht und Kultur beteiligt sei? Die wichtigste Behörde aher, die für diese gewaltige Aufgabe eigens geschaffen worden sein dürfte, ist das Propagandaministerium des Dr. Goebbels. Sie besitzt sogar eine spezielle Abteilung, deren Funktion es ist, die neuen Begriffe, die im„dritten Reich" bereits durch Dekret und mittels terroristischer Methoden Geltung erlangt haben, auch im Ausland durchzusetzen. Der Respekt vor den gefälschten Begriffen soll den dem„dritten Reich" feindlich gesinnten Ländern mit Aufwendung reichlicher Geldmittel, den neutralen, d. n. den geistig laueren, ökonomisch interessierten und daher leichter zugänglichen Ländern aber mit geringerem Aufwand aufoktroyiert werden. Die Früchte dieser Aufklärungsarbeit sind heute schon deutlich gereift und wahrnehmbar. Wie eine Ratten-Pest haben sich die neuen Begriffe des„dritten Reiches" im Ausland verbreitet. Dauert dieses Reich noch lange, so wird es sich empfehlen, das Lexikon ii mehreren Sprachen vorzubereiten. Nimmt man gewisse Zeitungen des Auslandes in die Hand— in fast jedem Land gibt es solche — in fast jedem— so bemerkt man die pathologische Anstechung genau, zuerst in einer leichten Verwirrung des Ausdrucks, wie bei gewissen Fällen von Gehirnerweichung, bei vorgeschrittenen Fällen aber in einer unbewußten, ekstatischen Lügenhaftigkeit, wobei der Brustton der Ueberzeugung bereits vibrierend alle Geräusche der Vernunft übertönt. Der Geist der Sprache bäumt sich zuweilen wild gegen die ihm angetane oder zugemutete Schmach auf. Die Sprache vermag einen erbitterten Kampf gegen die Vergewaltigung durch imbecile Ignoranten und geistesgestörte Scharlatane, gegen die im Gange befindliche Verkleisterung der Gehirne ' der Massen zu führen. Unter dem Paragrafen„Sprache" dürfte sich da manch wichtiges Material dem Pathologen der Zukunft darbieten. + „Pathologie"— siehe auch„Lebensfreude". Was ist Lebensfreude? Was Freiheit sei, darüber sind wir nun wohl unterrichtet. Es versteht sich von selbst, daß die beiden Begriffe sich weltenweit voneinander entfernt haben. Wenn sich für den Paragrafen„Freiheit" bereits die Klassiker des„dritten Reiches" als Sachverständige gemeldet haben, so empfehle ich für den anderen, den der„Lebensfreude", außer den erwähnten Psychiatern die Zuziehung von Chirurgen älterer Jahrgänge, vornehmlich solcher, die den Weltkrieg 1914-18 an den Fronten und in den Lazaretten mitgemacht haben. Da die Freude an dem Leben sich im „dritten Reich" ganz ausgesprochen in die Vorbereitung des demnächst eintretenden Massensterbens verwandelt hat, dürfte es sich als unumgänglich erweisen, daß diese neue Lebensfreude durch kolorierte Abbildungen von durch Dumdumgeschosse, Flammenwerfer, Schrapnellsplitter, Gasbomben und Aehnliches verursachte Wunden gestärkt und gefestigt werde. Die klinischen Wochenschriften der Kriegsund Nachkriegsperiode dürften ausgiebiges Material liefern, aber dem gesteigerten Bedürfnis muß durch die Mitarbeit entsprechend befähigter, fantasiebegabter junger Künstler Genüge geleistet werden. Und da ich gerade bei den Illustrationen halte, die dem „Lexikon" beigegeben werden sollen, möchte ich dem Redaktionskomitee noch den Rat geben, auf mehreren Tafeln die verschiedenen Fälschungen grafisch darzustellen, die gewisse Embleme des„dritten Reiches" vorstellen: z. B. das zum Hakenkreuz umgebogene indische Glückssymbol, die Swastika, sodann auch das Sowjetemblem Sichel und Hammer, das am Nationalfeiertag, dem 1. Mai 1934, vor den verzückten Blicken der deutschen Arbeiterschaft erschienen ist. Ich weiß nicht, ob's unter dem Regime Hitler einen Reichskunstwart gibt, der sich mit diesen Problemen der dekorativen Ve-schönerung des täglichen Lebens im„dritten Reich" zu befassen hat. Sein Beitrag dürfte zur Erbauung des Lesers des„Lexikons" wesentlich beitragen. deutschet Zuchthausmatsch Stefan Heym Der Weg ist lang, der Weg ist sehmal. Der Baum da ferne ist schon kahl. Der Abend senkt sich leise. Wir gehen stumm und schleppend bang vielleicht den allerletzten Gang im Kreise. Der Schritt von vorn ist auch mein Schritt, und auch der Hintermann geht mit dieselbe stumpfe Weise. Wenn man die trübe Reihe zählt, merkt man, daß wieder einer fehlt im Kreise. Vorgestern gegen Mitternacht hat ihn die Wache umgebracht nach einer Wirtshausreise. Sie jagten ihn gangauf, gangab Mit Peitschenhieb und Stiefeltrab im Kreise. Wir denken, wenn das Gitter klirrt, des Morgens, der einst kommen wird— Wir Knaben, Männer, Greise... Das Rad Geschichte läuft und rauscht, wenn Unten sich mit Oben tauscht im Kreise. ChacaktecioectactikeC Nationalsozialistische Journalisten-Erziehung Der Führer des Reichsverbandes der deutschen Presse, Hauptmann a. D. Weiß, hat auf einer Tagung der rheinisch- westfälischen Schriftleiter in Duisburg die Richtlinien für den Neuaufbau der Presse dargelegt. Er forderte, daß die Provinzialpresse kein Abklatsch der Berliner sei, sondern unbeschadet der disziplinierten Einordnung ihre „heimatgebundene" Sonderstellung bewahre. Der Hebel sei bei den Schriftleitern anzusetzen, die neu organisiert und mit den erforderlichen moralischen Eigenschaften ausgestattet werden müßten. Der entscheidende Wert sei auf die persönlichen und politischen Charakterwerte zu legen.„Ich erkläre, daß das Schriftleitergesetz nicht gemacht worden ist, damit sich durch die Lücken der Paragrafen wieder Elemente hineindrängen, die wir mühsam losgeworden sind." Damit künftig die Schriftleiter mit dem Gedankengut des neuen Staates groß geworden und planmäßig in ihm erzogen seien, soll der Nachwuchs eine zentral geleitete Schulung erhalten. Die im Gesetz geforderte einjährige Volontärausbildung müsse ergänzt werden nach der politisch-charakterlichcn wie nach der technischen Seite. Man denke an eine einjährige Ausbildung bei der HJ., SA. oder dem Arbeitsdienst vor oder während der Volontärzeit. Dann soll ein etwa dreimonatiger Schulungskursus folgen, der im Herbst in Berlin eröffnet wird. Von seinem Ergebnis wird es abhängen, ob Vorkurse bei den Landesverbänden einzurichten sind. Die Berufsschulung der Journalisten ist an sich eine vernünftige Sache, die übrigens wie vieles andere die Sozialisten und Kommunisten den Nazis längst vorgemacht haben. Aber wie soll die charakterliche Bildung mit der „disziplinierten Einordnung", d. h. bedingungslosen geistigen Abhängigkeit von ohen, und mit dem ganzen System von Roheit und Verlogenheit in Einklang gebracht werden, die nun einmal vom Hitlerstaat untrennbar ist? Der„moralische Charakter" ergibt sich aus dem ganzen Wesen dieses Staates: Sklaven nach oben— Sklaventreiber nach unten. Zeit=7lati. Oay Wußten Tie. daß es eine Farm gibt, auf der Schmetter- linge genau so wie anderswo Rinder oder Schafe gezüchtet werden? In der cyrglinhen Grafschaft Kent gibt es eine Farm, auf der ausschließlich Schmetterlinge gezüchtet wer- den. und obwohl der'Vesitz kaum vierzig Ar umfaßt, bringt er dennoch alljährlich 80 000 farbenprächtige Exemplare hervor.\ Es gibt in der Tat Linen aufnahmefähigen und ein- träglichen Markt für Schmetterlinge. Aber Außenseiter, die sich an die Schmetterlingszucht heranwagen, seien von vorn- herein gewarnt.' denn eine genaue Kenntnis der Schmetter- linge setzt Jahre eisrigenl Studiums voraus und die Händler wollen es daher nur mit Kennern von Ruf zu tun haben. Unsere kleine Farm beliefert mit ihren„Zucht- tieren" eine große Zahl von« Schülen, Sammlern, Museen, Zeichnern, Künstlern und Juwelieren. Künstler und Zeichner benützen Schmetterlinge als Modelle und lassen sich häufig durch ihre prächtigen Farbenmuster anregen. Juweliere setzten die Flügel', den erlesensten Schmuckkassetten ein..( Auf dieser winzigen Farm kawn man die gewöhnlichsten und die exotischsten Vertreter ches Schmetterlingsreiches finden. Seite an Seite mit dem seltenen Schwalbenschwanz kann man den gewöhnlichen Kolilwetßling sehen. Beiden wird die gleiche Obsorge zuteil, obwohl der eine vielleicht für ein paar Pennys einem Schuljungen und der andere für einige Pfund dem Kurator der. Schmetterlingssammlung eines Millionärs verkauft wird. Nahrungssorgen für Larven Wer da glaubt, daß Schmetterlingszvcht einen vielleicht neuen Beruf darstellt, befindet sich im Irrtum? es ist ge- ichichtlich bezeugt, daß der Maulbeersprnner, dessen Raupe der wohlbekannte Seidenwurm ist, in China bereits im Jahre 2610 der vorchristlichen Zeitrechnung gezüchtet wurde. Aber die Schmettcrlingszucht hat seither kaum technische Fortschritte erzielt? ihre Methoden sind heute fast die gleichen geblieben wie in jener entfernten Vergangenheit. Eines der wichtigsten Probleme dieser Zuchtexemplore in Broschen, Ringen und Farm ist die der Nahrung? denn wenn 80 000 Raupen aus ihren Eiern zum Borschein kommen, sind sie so gefräßig, daß sie sogar die Schalen ver- zehren, in denen sie enthalten, waren. Essen scheint ihre einzige Leidenschast zu sein. Aber es geht nicht an, 80 000 Insekten auf der Suche nach Nahrung frei herumschwärmen zu lassen, Tausende würden in Verlust geraten oder sterben, weshalb die folgende einfache Methode, um sie zu füttern, zur Anwendung gelangt. Musselinsäcke werden über die Zweige der ihnen zur Nahrung dienenden Pflanzen gestülpt und die Raupen, die eben ausgebrütet worden sind, werden auf die zartesten Blätter mit Hilfe von Kamelhaarbürsten gebracht. Die Säcke werden sorgfältig verschlossen und mit Ausschriften versehen, aus denen der Name der Schmetterlingsart und andere Taten ersichtlich sind. Wenn die Nahrung erschöpft ist, werden die jungen Larven in andere Säcke geleert, welche frische saftige Blätter enthalten. Die Schmetterlingsfarm war nicht stets so groß wie heute, und während der Hauptsaison gibt es aus den Bäumen nicht Raum genug für alle Raupen? aus diesem Grunde wurden kleine Verschlage, Kaninchenställen ähnlich, aufgestellt. Sie sind mit GlaS bedeckt, gut ventiliert und mit perforierten Zinktüren ausgestattet. Sie ruhen auf in Wasser gestellten Stützen, um Ameisen und andere Insekten am Eindringen zu verhindern. Schmetterlinge— künstlich„ausgebrütet".. Wenn die Insekten voll entwickelt sind, dann graben sie sich entweder in die Erde ihrer Verschlüge ein oder hängen sich an einem Zweig ihrer Nahrungspflanze auf. Dann schrumpfen sie ein, weisen ihre Häute zum letztenmal ab und entwickeln sich zur SchmetterlingSpuppe. Nach einiger Zeit werden sie in andere Käfige gebracht, die Sand ent- halten, welcher vorher gebacken worden ist, um andere In- selten, die er etwa enthalten könnte, zu vernichten. Einige bleiben einige Wochen im Puppenstadium, andere einen ganzen Winter hindurch. Tausend andere werden durch künstliche Erwärmung zu chnellerer Entwicklung gebracht und verwandeln sich innerhalb weniger Wochen zu voll- kommenen Schmetterlingen. Diese Methode hat aber nicht nur Vor-, sondern auch Nachteile? sie beschleunigt den Ent- wicklungsprozetz, tötet aber auch mitunter rasch. Bei allzu großer Wärme schrumpft die Puppe ein und wird so hart, baß der Schmetterling nicht ausschlüpfen kann. Auch wenn der Sand zu feucht ist, können Pilze das schlafende Insekt beschädigen. Der künstliche Brutprozeß verkrüppelt bis- weilen auch Schmetterlinge, die dann nicht verkauft werden können und für Zuchtzwecke verwendet werden. Die größte je auf dieser Farm gezüchtete Raupe ist übrigens der Toten- krpf, der 13 Zentimeter lang ist und tausend verschiedene Muskeln in seinem Körper besitzt. Wenn die Raupe auf- gehoben wird, stößt sie einen lauten Schrei aus. Die Schmetterlinge sind zuerst zumeist feucht und weich, aber eine Stünde im Sonnenschein wirkt Wunder. Die Meinung, baß Schmetterlinge nur einen Tag alt werden, ist ein Irrtum. Die meisten Schmetterlinge und Spinner leben drei oder vier Wochen, bis kalte Witterung sie tötet. Einige Schmetterlinge, wie das herrliche Pfauen- auge, der rote Admiral und der Kirschenfalter leben vom September bis zum Juni des folgenden Jahres. Während der kalten Jahreszeit überwintern sie unter Dächern und in Spalten und sehen wie kleine Stückchen verkohlten Papiers oder wie abgestorbene Blätter aus. Und was essen Schmetter- linge? Ein bißchen Honig und ein Tautropfen sind für den hungrigsten Schmetterling ausreichend. Sie haben lange, empfindliche Zungen, die in die Tiefe der Blumen hinab- langen und deren Süße aussaugen. Wenn sie nicht ver- wendet werden, winden sich diese Zungen wie die Spiral- federn einer Uhr auf und verschwinden in den Köpfen der Schmetterlinge. Der Ackerwindeschwärmer hat eine Zunge, die zweimal so lang ist wie sein Körper und braucht sieben Sekunden, um sie auf- oder einzurollen. Was kosten Schmetterlinge? Auf unserer Farm werden für Zuchtzwecke ausgewählte Schmetterlinge mit Hilfe von Blumen, die künstlich mit Honig versehen wurden oder von Schwämmen, die in Zuckerwasser getränkt wurden, genährt. Bei heißem Wetter werden die Schwämme mit einer Mischung von Honig und Wasser befeuchtet. Die Preise der Schmetterlinge sind ganz verschieden. Einige exotische besonders seltene Exemplare erzielen einen Verkaufspreis bis zu hundert Pfund das Stück. Ihre Zucht begegnet aber auch den größten Schwierigkeiten und setzt spezielle Blumen voraus. In früherer Zeit war es unmöglich, den Farbenschmelz an den Flügeln der Schmetterlinge zu erhalten, wodurch ihr Preis sehr verringert wurde. Doch nun wurde ein be- sonderer Firnis erfunden, der nicht nur die ursprünglichen zarten Farbschattierungen bewahrt, sondern auch die Flügel so verhärtet, daß sie fast unzerbrechlich werden. Die Zeichnung der Flügel vermehrt oder vermindert den Wert gewisser S hmetterlingsarten und gelegentlich stoßen die Züchter auf Mißbildungen, das sind Schmetterlinge, die weder ausgesprochene Männchen noch Weibchen sind, son- dcrn.Kennzeichen beider Geschlechter besitzen. Solche Exem- plare— auch der ganz gewöhnlichsten Abarten— erzielen Preise bis zu fünfundzwanzig Pfund. Das Studium der Schmetterlinge ist eine faszinierende Beschäftigung. Nicht alle der prächtigen Farben, die man an ihnen bewundern kann, sind auf Farbstoffe zurückzuführen. Bei gewissen Abarten werden die Farbschattierungen da- durch hervorgerufen, daß das Licht von den zarten Schuppen zurüchgeworsen wird, die die Flügel bilden. Jede Schuppe ist ein winziges PriSma und das Licht, das auf sie trifft, wird in alle Farben des Regenbogens gespalten. Einige Schmetterlinge haben parfümierte Flügel? ihre Flügel enthalten winzige Duftbehälter— jedoch nur bei den Männchen. Das Gedeihen zahlreicher Blumen und anderer Pflanzen hängt von den Schmetterlingen ab und damit auch in hohem Maße die Wohlfahrt des Menschen- Es kann kaum einem Zweifel unterliegen, daß eine Aus- rottung der Schmetterlinge eine Hungersnot zur Folge hätte. Diese Ueberlegung stellen wir wohl nur selten an, wenn uns an einem strahlenden Sommertag ein. färben- bunter Falter über den Weg fliegt. Fum Von M i n a W i t k o j c Schon wogt das Korn mit höhern Halmen, die Sonne wärmt fruchtbares Land, das Laub ergrünt in satten Farben und hellblau lacht des Himmels Band. Durch Feld und Garten will ich gehen, weit von der Straßen Schall und Schwall, dorthin, wo Heckenrosen stehen, Und Nester baut die Nachtigall? wo sich auf schlanken Stengeln zwischen den Wasserrosen Schilfrohr wiegt, wo Bechermoos mit weißen Sternen am Rand der Binsenteiche liegt. Ich gehe durch den letzten Lenztag, der aufsteigt aus dem Morgentau, ich sehe, eh' ihn Sensen mähen, den Wiesenschleier, weiß und blau. Werke der Fugend Als Lindbergh als erster den Flug über den Atlantik im Alter von 25 Jahren wagte und vollendete, bewunderten die Zeitungen alle seine Jugend. Man bedauerte nur noch, daß er nicht noch Schüler war. Aber das ist nichts Neues. Mit die größten Werke sind von jungen Leuten im Alter von 20 bis 30 Jahren geschaffen worden. Pitt war ein Jahr älter als Lindbergh. als er Premierminister in England wurde. Mendelssohn war acht Jahre älter, als er die Ouvertüre zum„Sommernachtstraum" schrieb. Chatterton, der geniale Dichter, war mit 18 Jahren ein vollendeter Mann: Galois. der Mathematiker, war es mit 20 Jahren. Jane Außen schrieb seine besten Romane im Alter von 21 Jahren. Shelley hat seine dichterischen Werke mit 30 Jahren beendet? Schubert schrieb seine letzten Symphonien im Alter von 31 Jahren: Andre Chanier war 32 Jahre alt, als er seine letzten Werke verfaßte. Mozart und Danton konnten im Alter von 35 Jahren, Bizet und Byron im Alter von 36 Jahren sterben, ihre Werke waren vollendet, ihr Name unsterblich. Das will sagen, daß Männer und Frauen bisher ihr Bestes gegeben haben, bevor sie die Grenze ihrer Jugend überschritten hatten. Humor Die Ursache In einer spiritistischen Sitzung will man auch Herrn Bauer den Geist seiner verstorbenen Gattin erscheinen lassen. Jedoch alle Mühe ist vergeblich. „Plagen Sie sich nicht weiter, meine Herren," meint Herr Bauer,„meine Frau wird nicht kommen— sie hat wahrscheinlich wieder mal nichts anzuziehen." Anpassung „Ich finde, Ihre Verkäuferinnen haben alle einen so spöttischen Zug um den Mund." „Kunststück— bei unseren Spottpreisen." Wörtlich aufgefaßt Mutter:„Aber Paul, weshalb gehst du denn nicht zur Schule?" Paul:„Mutter, wir haben heute keine Schule, der Herr Lehrer ist nicht da, er sagte nämlich gestern am Schluß deS Unterrichts: Morgen fahre ich fort." Der entbehrlich« Bater Peter:„Mutti, der liebe Gott gibt uns doch daS täglich« Brot, nicht?" Mama:„Jawohl, Peter." Peter:„Und der Osterhase bringt die Ostereier?'' Mama:„Ja, Peterchen." Peter:„Und der Doktor bringt die Babys." Mama:„Ja, Peter." Peter:„Na, sag mal, Mutti, wieso brauchen wir denn da noch den Vati?..." Paradoxe Antwort „Warum schreit der Mann im Radio so, Mutti?" „Er beruhigt das Volk!" s>ir Vasil stsharoff Oer geheimnisvolle Mann in der internationalen Rüstungsindustrie Es läßt, sich nicht leugnen, daß gerade in unserer Zeit, die unter dem Zeichen der Konferenzen und Konventionen in der AbrüstungSsrage steht, die internationale Rüstungs- industrie wieder eine Rolle spielt, die sie nach dem Ende des Weltkrieges für längere Zeit ausgespielt zu haben schien. Es kann daher auch nicht verwunderlich klingen, wenn in diesem Zusammenhange wieder die Persönlichkeit auftaucht, deren Name immer dann fiel, wenn von der internationalen Rüstungsindustrie die Rede war. Die Rolle dieses Mannes und seine Bedeutung sind nie recht gewürdigt worden, weil kaum ein Mensch außerhalb seiner allernächsten Umgebung sichere und feste Angaben über ihn machen konnte. Seine Be- deutung ist zwar niemals bestritten worden, und gerade das Dunkel, das ihn stets umgab, verbreitete einen Kranz von Legenden um sein Haupt. Vor fünf Jahren tauchten zum ersten Male Gerüchte über die Persönlichkeit Sir Basil ZaharoffS auf. Damals hörte man auch zum ersten Male über ihn, von dem man bisher nur wenig mehr als den Namen kannte. Genaueres. Man erfuhr von seinem fantastischen Reichtum und seiner Verwicklung in fast jede Krise eines Landes und seiner Verflechtung mit der Weltkrise, deren erste Auswirkungen ge- rade damals spürbar geworden waren. Man hörte von seinem Schloß in Monte Carlo und seinem Heim in der vornehmsten Straße von Paris, in der Avenue Hoche. Man raunte sich sogar zu. daß er von goldenen Platten esse, die mit kostbaren Juwelen ausgelegt seien. Mehr aber wußte man nicht. Als im Jahre 1919 ein französischer Senator die Re- gierung darücher interpellierte, warum sie ihre Protektorats- rechte über das Fürstentum Monaco durch einen Geheim- vertrag vom Juli 1918 an Basil Zaharofs verkaust habe, erhielt er eine Antwort, die ebenso unverständlich blieb wie die Persönlichkeit ZaharoffS selbst. Als Poincare später ein- mal gefragt wurde, welches die Staatsangehörigkeit deS Mannes sei, dem Frankreich so viele Ehren erweise, schwieg er und gab darauf keine Antwort. Da Zaharofs heute In- Haber des Ehrenkreuzes der Ehrenlegion von Frankreich ist, muß man annehmen, daß er Franzose geworden ist. Da er aber auch gleichzeitig englischer Adliger ist, müßte er von Rechts wegen gleichzeitig englischer Staatsangehöriger sein. Infolge der vielen Widersprüche, die um seine Person bestehen, ist es ziemlich schwer festzustellen, was wahr und was falsch ist. Man hat Sir Basil Zaharofs nacheinander als Russen, Bulgaren und Griechen angesprochen. Es be- stehen jedoch ausreichende Gründe für die Annahme, daß das Letzte richtig ist. Man behauptete von ihm, daß er das Kasino von Monte Carlo kontrolliere, aber er selbst hat das geleugnet. Lloyd Georges progriechische Politik, die zu dem Zusammenbruch der Koalition von 1922 in England führte, wird dem entscheidenden Einfluß ZaharoffS zugeschrieben. Aber wenn kürzlich ein englischer Oberst öffentlich erklärte, daß er in der Stimme des englischen Premierministers wieder die Stimme Sir Basil ZaharoffS zu erkennen glaube, so schießt das sicherlich weit über die Ziele hinaus. ES scheint denn doch etwas schwer verständlich, daß ein griechischer Millionär, der in Paris und Monte Carlo lebt, mit der auswärtigen Politik Englands derart verwickelt sein soll. Es sind aber noch eine Reihe anderer Gerüchte zu ver- zeichnen, die über Zaharofs im Umlauf sind. So erzählt man sich unter anderem, daß er 14 Sprachen spreche und daß während des Weltkrieges ein Preis von nicht weniger als 250 000 Pfund auf seinen Kopf ausgesetzt worden sei. Sicher und einwandfrei läßt sich feststellen, daß er schon vor dem Weltkrieg ausgedehnte Interessen an Krupp und Bickers, den beiden großen Rüstungsfirmen, hatte. Man sagte ihm aber auch nach, daß er die wesentliche Rüstungs- industrie in Rußland. Frankreich, Deutschland, England und der Türkei kontrolliert habe. Man nimmt an, baß der heute 85jährige in einer Vor- stadt von Konstantinopel oder auch in einer kleinen anato- tischen Stadt gebore: worden sei. Seine Kindheit soll sehr hart gewesen sein, während man aus der anderen Seite auch wieder von ihm behaupte», er sei in Frankreich oder England erzogen worden, und dort zur Schule gegangen. Eine Tatsache kann noch erwähnt werden, die bisher nie- mals bestritten wurde und die eigentlich auch nur sei» Privatleben betrifft. Im Alter von 70 Jahren heiratete er die noch immer schöne verwitwete Herzogin von Machina, eine angeheiratete Verwandte des Königs Alphons von Spanien. 50 Jahre laug soll er auf sie gewartet haben. Nach allem aber war es wieder eine Tragödie, denn kaum zwei Jahre nach der Eheschließung starb sie bereit». Dieses Leben ist wahrhaftig voller Geheimnisse und voller Abenteuerlichkeiten.— w>rd die Welt je erfahren, wer dieser Mann Basil Zaharofs wirklich ist? Ernst Schubert. r Jfldlsdie Sorgen in Palästina vss IQdisdie Volk wird es nidil dulden" Kens, 13. Juni lZTA.j. Wladimir Iabotinsky und Tr. solchen Regime a» unterwerfen gewillt ist und hierin der Wolsgang v. Aeisl, die in den legten Tagen Zürich und in festen Stütze des ganzen Volkes sicher ist. Bern in großen Versammlungen sprachen, haben in Gens Diese Erklärung dars nicht als eine Zurückweisung des vor einem kleinen Kreis internationaler Journalisten Er- MandatsnstemS oder als ein Protest gegen die Wahl Eng- klärungen abgegeben, in denen sie die tragische Lage des lands als Mandatsmacht aulgciaßt werde»! aber unmiß- jüdischen Volkes schilderten und die Politik der Mandatar- verständlich ist sie eine gcivolltc Verurteilung eines Regimes, wachr Palästinas unter besonderem Hinweis am die Ein- j, öi, in jener Schule kolonialer Bürokratie ausgebildet wanderiingsbcjchränkungen für arbeitende-luden einer worden ist. in deren Hände England die Verwaltung Pa- scharten Kritik unterzogen. Tie beiden rcv.siontltischen Führe lästinas zu legen beliebte: ein Regime, das nnversöhnbar ist verließcir nach eintägigem Aufenthalt Genf,-w haben hier Geist des Mandates, schädlich de» Interessen und weder mit Mitgliedern der Mandatskommission, noch mit d..,,, guten Namen der Mandatar-Nation, nnd— des sind wir ' cher— in der englischen öitcntlichen Meinung selbst schärfste erurteilung finden ivürdc, falls die ganze Wahrheit über . aläitina dem englischen Volk znm Bewußtsein gebracht werden sollte. Geleitet von diesem hartnäckigen Glauben an die sairneß des Volkes, in dessen Namen das Versprechen gegeben wurde, Palästina als das Nationalhcii» des jüdischen Volkes neu zu erbauen, hat die Weltunion der Ziontften-Revisionisten die Initiative zu einer jüdische» nationalen Pctitionsbewe- anng ergrisien. Tie Petition ist an die Regierungen der Länder der jüdischen Tiasvora. an den Völkerbund und an Regierung. Parlament und Volk von Großbritannien und dem British Empire gerichtet worden. organisieren. Tie Erklärung Iabotinskys an die internationale Presse lautet u. a.: Am 23. Mai d. I. brachte die jüdische Bevölkerung Pa- läüinas die Gefühle ihres Protestes gegen die Art der Bcr» waltung seitens der Maudatarmacht durch einen sieben- ständigen Generalstreik in allen Zweigen jüdischer Tätigkeit vehement zum Ausdruck Die Manifestation wurde mit einer Einmütigkeit durchgeführt, wie sie bei ähnlichen Anlässen selten erlebt worden ist: sie erfaßte das Proletariat und den Mittelstand aller Parteirichtungen. Durch Stockichläge der Polizei in den Straßen von Tel Aviv wurden in bcträcht- licher Zahl sowohl Revisionisten als Sozialisten verletzt— einen schlagenderen Beweis der Einmütigkeit aller Juden gegenüber der Administration kann man sich nicht denken. Alles das zu einer Zeit, in der Palästina eine Dauer- Periode wirtschaftlicher Prosperität durchmacht. Tie Leistungen der Zivilisten haben auch bei antizionistischeu Beobachtern ausrichtige Bewunderung gefunden. Es geht ein Zustrom ausländischen Kapitals ununterbrochen»or sich, private Initiative schafft täglich neue wirtschaftliche Ge- l grnheiten. ein Mangel an jüdischen Arbeiterhänden macht sich in allen Zweigen fühlbar. Ist es nicht bezeichnend, daß fiprrthp in pinpr«5^»* otit« Alken tat in Polen Der polnische Innenminister tot War schon, 1». Juni. Freitag nachmittag nm 15.3(1 Uhr wurden aus den polnischen Innenminister Pieracki in dem Augenblick, als er das Haus Nummer 3 in der Foksalstraße betreten wollte,»on einem Attentäter drei Schüsse abgegeben. Innenminister Pieracki wurde aw Kops schwer oerletzt. Innenminister Pieracki ist im Militärlazarctt, wohin er nach dem Attentat ttbergcsllhrt wurde, seinen Verletzungen erlegen. Das Begräbnis findet auf Staatskosten und mit allen militärischen Ehren statt. lieber das aus den Innenminister Vrouislaw Pieracki verübte Attentat liegen folgende Einzelheiten- vor: Als der Minister um die genannte Zeit im Begriff mar, das Haus in der Foksalstraße 3 zu betreten, um hier, wie gewöhnlich, in den Gesellschaftsräumen des Klubs des Regie- rungsblocks das Mittagsmahl einzunehmen, trat in dem Augenblick, als ihm der Portier das Haustor öffnete, ein junger Mann von hinten an ihn heran und gab aus einem Revolver drei Schüsse ab. Zwei Schüsse trafen de» Minister am Hinterkopf so schwer, daß er bewußtlos; n das Militär- lazarert in der Nähe des lliardoivfki-Parks übergeführi wer- den mußte. An dem Auskommen des Ministers ivird gc- zweifelt. Ter Täter, ein kleiner, schmächtiger junger Mann, ergriff unmittelbar nach Abgabe der Schüsse die Flücht und konnte noch nicht festgenommen werden: die Polizei ist ihm rthi*v->,»k X«"^ oi..c*-* c u.iuiiiicivnr naal rrogaoc oer ea)Ulie ö,e ivlud» und -~-— k.... konnte noch nicht festgenommen werden: die^oltze, nt ihm Iabotinst» schilderte eingebend den Inhalt der Petition, g^er öer Arn der Flucht hat der^ater einen ihn erläuterte de» S nn der Balfonr-TTlaintion»nd der verfolgenden Polizeibeamten durch einen RcvolverichilU vcr» Formel„Jüdisches Nationalheim" als die klare Absicht, jetzt einen iüdischen Staai mit iiidilcher Mehrheit, zu schassen.^ und fübrte dann ans. das indische Bolk habe die sestgcgriin- detc Ucberzeugnng. daß Palästina innerhalb seiner natür- licheu und biNnvii<^-»~ ....„.„....«...um un> oie riarc Absicht, i e^. einen iüdischen Staat mit iü bischer Mehrheit z» schaffen, Innenminister Pieracki, der im Jahre 1893 geboren ist und iübrte dann ans, das indische Volk habe die sestgcgriin- gehörte zu dem engsten Kreis um Marschall Ptlsudski, zu detc lleberzenguilg. daß Palästina innerhalb seiner natür- lichen und historischen Grenzen z» beiden Seiten des Jordans durchaus iähia ist. eine volle Löiuna der Ivdeniragc herbei- zuführen. WesenHjche B"dinaiing sei die Oe^'nung Trans» jordaniens für jüdische Einwanderung und Siedlung. Von aiFo-utativen transiordanische,, Kreilen wird dies gegeu- v'ärtig glühend aeiviinichk. kk'!" Hindernis bilde' ab-r die ..... oiivi» um Auiuiujuu viiiiioiti, zu der sogenannten Oberstengruppe. Als ehemaliger Legionär- ofsizier erlangte Pieracki den Mtlttärgrad eines Obersten im polnischen Gcncralstab. Im Jahre 1028 ist er als einer der Spitzenkandidaten des Regierungsblocks in de» Sejm gewählt worden. Seit viele» Jahren gehört Pieracki der Regie- rung an. Man nimmt an, daß es sich bei dem Attentat»m ein Racheakt polnischer N a t i o u a i i st c n für die Auslösung ihrer Organisationen handelt. uiiu/cn«oTulnflunqin ocrflCPiiaj, yoiFNUNflSlos i?r UN0-AI"* sultate zeitigen muß. die dem eigentlichen Ziel de jüdischen Arbeit entgegengesetzt sind? Die Iudcnhcit Palästinas ist in vollkommenem Einklang mit der Weltiudeiibeit heule unerschütterlich davon über- zeugt, daß die Palästina-Administration die Beschäftigung nichhjüdischer Arbeiter in den neuen industriellen nnd land- wirtschaftlichen Unternehmungen der Juden erzwingen will: deshalb crmiitigt sie die Einwanderung jüdischen Kapitals und hindert die Einwanderung jüdischer Arbeiter: sie nützt sowohl die ztontstische Begeisterung als auch das indische rt k+ A frtM Je>»,».? I«M4 AH? Örtft/IM lilSifAn« tUalX /i J Das' indische Volk aber wird es nicht dulden daß sein Idealismus und sein Vertrauen zu einem ihm feierlich ge- machten internationalen Gelöbnis zu Zwecken ausgenutzt werden, die aus den grausamsten Ru n ke ner Interellen und ■ u inline. Nie »Mitii hihi o<-»en Bevölkerung nur den vierten Teil derieniae,, Palästinas ansmacht. Würde Eis- und Transiv'donie» io dich' b-nöleert sein wie l.as benachbarte^i^inon, sa würde es eine Bevö('ervna von fünf bis sechs Millionen Seelen besitzen: bei Ansmttzmif! f.tlor Möglichkeiten aber noch viel mcbr. in daß ivir Im Verlans iveniger Jahrzehnte eines d-r traaischstcn Probleme der Geschichte obne ieden Schaden für unsere nichkjiidischen Nachbarn köicn könnten. Iabotinskn erläuterte den Inhalt des von ihm der Per- manenten Mandaisfommimon des Völkerbundes unter- breiteten Memorandums->cs i nschenstadien der MI-IHIII vir am vr» hmihiuihiicii./tum iriuri i'"'""!!,"., M—... Hoffnungen Hinansgehen. Tie Ereigni,e am M Mai in veneavare Macht einer lusta earna. die in Palästina haben bewiesen, daß die Paläst.ua-Iudenheit. Vor- und von menschlichen Prinzipien nnd den Gebeten °^'hut der Zionistischen Weltheipegung. sich nicht langer einem der Gerechtigkeit kämpft. ren Musterung von LanOheiferinnen Kasernenhofmanieren gegenüber Frauen sInprcß.j lieber die Art, wie Frauen und Mädchen, die Der Täter festgenommen Warschan, Iß. Juni. Ter Mann, der den Anschlag aus Innenminister Pieracki ausführte, ist festgenommen worden. SZralen für Landesverral In Rußland fFSU.f. Turch Beschluß des Volkskommissarenrates sind neue Strasbestimmungen gegen Vaterlandsverrat in das Strafgesetzbuch der Sowjetunion aufgenommen worden, die militärischen Landesverrat und Ucberqang znm Feinde unter Todesstrafe stellen. Auch die bloße Kenntnis solcher Pläne •■--»•---^i'cin Tode bestraft erwachsenen Fa- Tic revv- bisher den ..., u ,,»u.vuuit< uuui. vvmverrnl und kontcr- revolntionärc Verbrechen wurden als eine Einheit behandelt »nd unterlagen rn den meisten Fällen der Gerichtsbarkeit der Politischen Staatsverwaltting sOGPll.f, deren Ausggbkfilreis die Bekämpfung der Konterrevolution, der Spionage und des Banditismus mär. Durch die neuen Bestimmungen tritt eine Verschärfung der Strafen ein, gleichzeitig aber auch der Ucbergaiig der Ahndung des Landesverrates von der OGPU. an die ordentlichen Gerichte. Festigkeit krall darin Freude" Ein aufschlußreicher ßildungsabend Man schreibt uns aus der Pfalz:... I lvlt, Tl(UU. n U1ID y Von einem BctrlcbSarbeiter aus Sudivigshake» wird uns als Landhelferinnen vorgesehen sind, ärztlicti ansa-w ,.rt.?!«,__„. berichtet, daß man mit Vorliebe die crlten Funktionäre der werden, gibt ein Bericht aus Pankow Amfrfi ust??. GCF 0SfCfrC'CfSHCfjlPW ilyjlffi(Pr freien Gewerkschaften jetzt wieder zur Einkassierung der Bei-...,d Mädchen wurden in Fnnscrgruvven--' ÜO.Cl träge der Mitglieder heranzieht Um die alten Kämpfer für Minuten waren zehn Persone«^ vaw den Ausstieg der Arbcitnchmcrschait inr diese Tätigkeit in tauglich besiiiuVii- s.-^"Barzt als gesund der neuen Organisation»Kraft durch Freude" zu gewinnen, beachtet- nn> if.ei i Hausarzte wurden nicht verspricht man ihnen, soweit sie erwerbslos lind, Arbeit und m' 0ur i»e Erklärung einer Frau, daß sie an Eierstock- "'' v--- 5^w°rt-tc^der beamtete Arzt:„Faule lgüch vom^anöe bereits abermals olS tniigtich bc- oer neuen^rganifalion„.uralt ourcy.rreuoe- zu gewinnen, bea-mm-.. verspricht man ihnen, soweit sie erwerbslos find. Arbeil und ,. ine Erklärung einer Frau, Brot. Verschiedentlich ist dies auch wahr gemacht worden, eutziinouiig leide, antwortete der bce Eines Tages crhglten sämtliche Einkasslörcr einer Industrie- Brut." Personen, die als untauglich stadt in der Pfalz eine Aufforderung, zu einem„Bildiings- zurückgekommen ivarcn, wurden aber» abend" zu erscheinen. Mancher mag widerwillig zu einem suuden. intrbr n Stilb,ivasabend acaanaen sein. Aber der drohende NACNV o 11 t'rfB /Cliivn..Viumyti i»"M iuh'v/ luiuiH einem solchen Bildungöabend gegangen sein. Aber der drohende Verlust der Arbeitsstelle ließ ihn etwaige Bedenken überwinden. Ter Bildiingsabend sollte nm 7 Uhr abends bc- ginnen. Als um 8 Uhr der Referent noch nicht zur Stelle war. wollten etliche Anwesende wieber den Heimweg an- trete». Ter VersammiuNgscinbernfer erklärte jedoch, daß sie unter allen Umständen zu bleiben hätten. Es käme jemand von der Ganleitung. Um 8.LÜ Uhr fuhr eines der üblichen eleganten Autos vor. Ihm entstieg ein eleganter Uniior- micrter, der sich sofort, natürlich ohne irgendwelche Eni- Abs einem deutschen Arkellerbrlel „Du glaubst nichts, was uns zugemutet wird" .. Tu glan-bst nicht, wie furchtbar das alles ist, was uns ■ A ininrf natürlllv oiine irgenowelche E»t- hcutc zugemutet wird. Unser Gauieiler, der berühmte Kon- mierter, der NM vtortraaspult begab. Ex verlangte ein öitor Schmalz in Hannover, der nach dem Siege der natio- «Iau'«aoür das ihm ein Anwesender in der Meinung, der Rcvolutio» sozusagen vom Lehrling gleich zum In- Herr Referent ivollte sich NF'^""'Ä>> dcr Ganleitting"...igsehre.ivbcrme ster mit Ehrcndolch ernannt.vnrbe, fügung stellte. Ter Herr.Rtfcrenr möchte zu gerne glänzen,-eine-lellung als Gaulectcritcll- faltete das^Pov'er mehrere„So sehe» die Be- Vertreter ist ihm zu wacklig. Darum kopiert er seinen Koite- in kleine Äücke, die er rni^i c itit ti n eingehen." in den gen Koch aus Ostpreußen und macht den amtUchcn Stellen richte aus, dir bei«> a y 0 sainit ausdrücken, daß die blauen Dunst vor. Und so kvmml es, daß wir in unserem Be» £a f l slm Vc'iif eingehenden Berichte nichts als wertloic jvf fln Üir|afle„i)a j tC i, Aiilobahn in zwei Schichten bcschäf- wd-»»»»'vM'ä! m-"««'««»•'»<»««»»»»«u"«»»l. s"- fort:„Tos muß CI tiS( ri?i'« r e ,1' ll» llfl>'-i der tigstellung dieser Bahnen. Aus diesem Grunde ist es für stellen, daß nicht eine Einzige m^ä^ Abrechnungen ein- uns um so schlimmer, diese surchtbarc Plackerei und Schin- Ganleitung ,,„rcj,inahmten Gelber auch mit ab- dcrei zu ertrani"» onne van oic Das Fiasko der Einheitsgewerkschaft Ein Gewerkschaftler schreibt dem ORT. ans Wien: Tie faschistische Einheitsgewerkschaft Hat nun selbst die Nieder» läge des neuen Regimes eingestanden. Tie R e g i e r» n g s- presse berichtet, daß sich zum Eintritt i» die faschistische EiilHeitsgeiverkschatt im ganzen 1(1(Min0 Arbeiter und Angestellte angenleldet hätten. Tiefe Zahl ist an- gesichts genauer Berichte, die«vir bekommen, falsch. Es haben sich nicht mehr als 7(1 HOO Arbeiter znm Eintritt gemeldet und zivar vor allem Arbeiter und Angestellte solcher Bei riebe, die öffentliche Austräge haben nnd bei der Auftragserteilung gezwungen werde», den Beitritt zur Etnheitsgewcrkschait zu vollziehen. Aber selbst wenn die Zahl von lOOtlUO Ncubei- trittcn richtig wäre, so hätte die faschistische Organisalion noch immer iveniger Mitglieder, als die christlichen und deutschiiationalen Gewerkschaften vor dem Februar hatten. Tic Regicrungspresse behauptet serner, daß etiva zwei Drittel der Nütglieder der Einheitsgewerkschaft früher freien Gewerkschaften angehört hätten. Danach hätten alkp etwa 60 000^reigewerrschastler ihren Beitritt zur Etnhettsge- iverkschgst vollzogen, so iväre das ungefähr ein.-sehn- t e l des M i t g l i c d e r st a n d e s der freien Geiverk- schalte». Neunzig Prozent der Mitglieder der freien Gewerkschaften haben also ihren Organisationen trotz faschistischem Terror die Treue gehalten. In Wirklichkeit ist die Blamage der Einbcitsgeiverkschast noch größer als diese von der stic- gierungspreffe zugegebenen Zahlen zeigen. Tie Arbeiter stehe» dem austlosaschistischen Tpstem und seiner gelben Ge- merklchgstsorgänisgtion in unversöhnlicher Feindschaft gegen- über. Gauteitung eingegangen„r. ivr.^»„u,„ r ,„„ gesandt, ohne daß die vereinnahmten Gelder auch mit ah, i" ie" m 10 Iwumn geführt werden. Andere wieder schicken Teilbeträge der Ein-"tragen. nahmen an die Gauteitung ein. wofür jegliche Abrechnung 3" ö:r letzten".»ocbi.^ (ehlt. Entweder wird in einein Fall zu viel oder zu wenig«uß nm■>«h,„„fll ich Frühschicht. Das heißt im Geld eingesammelt. Nirgends herrscht. Ordnung. Ich J'uß Eisenbahn an mei„ e? fö^c 3.13 Uhr„ü'd2 mif oe,t«plotz, Ivo»m 4 Uhr morgens UinrlclikBRg für kameradsckallselie ...»•"}. h z~. um um 4 Uflr morgens"**■«■«■■■«j« W«w«"wir das Unglück hätten, heute von Marxisten oder l-'.80 Uhr'LT Uhr^in''üj' obilia zÄchlaoe» Der Jude und die Arierin WUWUMWW S^^.'"n. Uhr wieder A.s°"nvchmals. es muß anders werden, sonst müssen wir mit muß ich morgens S.fuh^b^ allen Mitteln»az'vtschenfaßren.»rub.ino^v„>,b 11 Uhr wieder zu Hause an. B^nreckunae/?chlnß"dci''Hcrr Referent von der Gaulettung^'"r solch eine Pferdetour von mehr als 12 Stunden KM-AMWAÄKK Im 135. Jahrgang!■»--' Tie im 133. Jahrgang stehende zeltung", die in Rottweil erscheint. *•••"»äs'm Lx-ÄtK v.uviu villi, wen zvcaoaien in Kameradschaftsehe gelebt hat. Nach wochenlanger Hast wurde er am 31. Mai ins Polizeipräsidium Vcrliii-Alcrandcrplatz geichaiit. Tort wurde er in ein rotes Auto gesetzt»nd entführt. Tie Fahrt ging nach Görlitz in Schlesien, von dort weiter. Rose wurde in den Keller eines Hauses gesperrt, dann heransgehott und mit vorgehaltenem Revolver gezwungen, den Hut vor daS Gesicht zu halten. 3« imtrii»•-— Sfraßburger Wodienbcrichf Raketen fürs Elsaß Auf Verlangen seiner zahlreichen Kunden und um zu vermeiden, daß die Heilwirkungen ihrer CREME und PUDER durch eine ungeeignete Seife abgeschwächt würde, hat THOsRADIA nunmehr die SEIPE auf Basis des THORIUMS und des PERUBALSAMS geschaffen. Rezept des Dr. Alfred Curie 1 Stück zu 100 Gramm in Packung ie- Fr. Dank ihrer milden, zarten und hygienischen Beschaffen* heit wirkt die THO*RADIA-Seite gegen alle Haut* reizungen, Röten, Infektionen, Flechten, Risse usw. und bildet sozusagen ein Vortraining für die täglichen Anwendungen von CR£ME und PUDER THOiRADIA wodurch Sie deren Höchstwirkung gewährleistet. Ausschließlich bei den Pharmacien ,. V®mändlidi, daß die Meldung, die vor einigen Tagen durdi die Zeitungen ging, in der Lörracher und Pirmasenser Ge- ?. e p w^ r^ en von Hitlerdeutschland Abschußvorrichtungen für Raketen eingerichtet, im Elsaß besondere Aufmerksamkeit fand. Denn schließlich würden solche Waffen sich in allererster Linie gegen das elsassische und lothringische Festungsgebiet und sein Hinterland austoben, wobei nach den Erfahrungen im Weltkrieg kaum ein Unterschied zwischen Zivilbevölkerung und Militär gemacht werden würde. Die flachrieht, die von mehreren hiesigen Zeitungen übernommen urd entsprechend kommentiert wurde, stammt aus der„Weener Sonn- und Montagszeitung", der man natürlich die\olle Verantwortung für die Richtigkeit überlassen muß. Immerhin ist das Problem der Verwendung der Rakete als Waffe in dem fraglichen Aufsatz mit einer bemerkenswerten Offenheit behandelt. Auch die technische Seite kommt dabei nicht zu kurz. Wenn man die Anstrengungen der Hitlerherrschaft auf dem Gebiet der Wiederaufrüstung Deutschlands verfolgt, so wird man zugeben müssen, daß die Nachrichten über Einrichtung von Raketenabschuß Vorrichtungen durchaus nicht von der Hand zu weisen sind. Die meisten elsässischen und lothringischen Zeitungen nehmen daher die Meldung zum Anlaß, den Wert der französischen Verteidigungsmaßnahmen an der Ostgrenze einer Kritik zu unterziehen, wobei allerdings die jeweilige parteipolitische Einstellung der Zeitung der Kritik den Stempel aufdrückt.—ls Positivum vermag man jedoch allen Kritiken zu entnehmen, daß das französische Volk durchaus nicht gesinnt ist, sich„überraschen" zu lassen. Man hat im großen und ganzen zu der gegenwärtigen Regierung das Vertrauen, daß sie sowohl nach der militärischen, wie auch nach der politischen Seite hin alles unternehmen wird, um einigen politischen Abenteurern an der Spitze europäischer Nationen die Möglichkeit zu nehmen, verheerendes Unheil anzurichten. Royalisten ohne Publikum In Rischwiller sollte dieser Tage eine Versammlung der Royalisten stattfinden. Als die Einberufer ins Lokal kamen, mußten sie zu ihrem Schrecken feststellen, daß die Risch willer schaffende Revölkerung den Saal bereits besetzt hielt und nicht gesonnen schien, die Ideen der Royalisten kennen zu lernen. Die Herren taten das Klügste, was sie in dieser Lage tun konnten: sie verzichteten auf die Kundgebung, in der dann gegnerische Redner erklärten, daß für den Royalismus in Risch willer kein Raum sei. Sektion gegen den Antisemitismus In Straßburg wurde eine Sektion der Liga gegen den Antisemitismus ins Leben gerufen, deren Ehrenpräsident der bekannte aus Deutschland emigrierte Professor Einstein ist. Alle Gegner des Antisemitismus werden aufgefordert, sich der Sektion anzuschließen. Zwei Jahre Gefängnis mit Aufschub Die 49 Jahre alte Frau Mörstadt, die am 20. April auf ihren Mann, als er morgens nach Hause kam, mehrere Schüsse abgegeben und ihn schwer verletzt hatte, wurde von der Strafkammer zu einem Franken Schadenersatz sowie zwei Jahren Gefängnis mit Aufschub verurteilt. Die Frau gab an, die Tat begangen zu haben, weil sich ihr Mann eine Geliebte' gehalten habe. Kleine Tageschronik Rei einem Paddelbootunglück ertrank auf der III am Sonntagnachmittag in der Nähe der Katzenbrücke der 20 Jahre alte Eugene I r r aus Königshoffen. Die beiden anderen Personen, die des Schwimmens unkundig waren, wurden gerettet, während Irr, ein guter Schwimmer, wahrscheinlich einen Schlaganfall erlitt. Der 31. Jahreskongreß des Verbandes der französischen Epiciers findet am 18. und 19. Juni in Straßburg statt. 90 Syndikate haben ihr Erscheinen zugesagt. Am Sonntag, 17. Juni wird auf dem Rassin Vauban eine große internationale Ruderregatta ausgetragen, die unter dem Protektorat des Herrn Präfekten Roland Marcel steht. E. D. Vortrag Dr. Nachum Goldmann In einer überfüllten Versammlung im großen Saal des Hotels„Stadt Paris" sprach der Präsident der„Delegation« Juives" in Genf, Dr. Nachum Goldmann, über„die gegenwärtige Lage des Weltjudentums und Palästinas". Dr. Goldmann, einer der hervorragendsten Führer des Zionismus, bemerkte u. daß das Judentum nicht nach Weltherrschaft strebe, sondern nur gleiches Recht wie die Wirtsvölker verlange. In der deutschen Judenfrage könne es keine Kompromisse geben. Der„kalte Pogrom", der jetzt in Deutschland an die Stelle der Exzesse getreten sei, schwäche die Stellung des Judentums dadurch, daß sich gegen ihn die Weltmeinung nicht so leicht mobilisieren lasse. Der Redner erhob die Forderung nach einem jüdischen Weltkongreß, der sich mit der Vertretung der Rechte des Judentums zu befassen habe. Zur Lage in Palästina forderte der Redner im Einvernehmen mit England die Rereinigung der politischen Schwierigkeiten. Die Johannismesse Straßburg rüstet zu seinem geu cu ira