Sinzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nr. 138— 2. Jahrgang Saarbrücken, Dienstag, 19. Juni 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Aos dem Inha lt JCicchenkamßf. äcängt lue Entscheidung. Seite 2 'IJlUiistee, Sittenpcedigee und Jugendf-ühcec Seite 3 Schutt und Schmutz— das Wesen dec Diktatur Seite 4 40 Hinrichtungen I Ruft die Welt gegen die KOpf eroller auf I Ter deutsche Reichskanzler macht die Drohung„Es werden Köpfe rollen", die er vor seinem Amtsantritt ausgestoßen hat, grauenhaft wahr. Er und der preußische Ministerpräsident, die jede objektive Rechtspflege höhnisch ablehnen, habe» eine» blutigen Hügel von abgeschlagenen Köpfen aus- geschichtet. Der preußische Ministerpräsident unterzeichnet massenhaft die Bollstreckungsbefehle für Todesurteile, die feile Staatsanwälte und pflichtvergessene Richter gefällt haben. Der deutsche Reichskanzler, der als Parteiführer unter dem Abscheu seines jetzigen Vizekanzlers gemeine viehische Mörder als feine Kameraden begrüßte und ste sofort nach seinem Amtsantritt befreite, läßt der deutsche» Rache- und Blutjustiz freien Lauf. Unermüdlich arbeiten ide deutschen Scharfrichter Kit dem Handbeil. Die Hinrichtungen werden gruppenweise»oll- zogen. In Köln wurden am 80. November sechs junge Kom- munsten, denen keine todeswürdige Schuld nachgewiesen war, hintereinander geköpft. In Berlin wurden am 14. Juni drei junge Arbeiter, ein ZKjähriger, ein ZOjähriger und ein lOjährger durch Görings Henkerbeil abgeschlachtet. Mit diesen drei jungen Opfern hat sich die Zahl der innerhalb eines Jahres unter der Regierung des Hakenkreuzes Hin- gerichteten auf vierzig erhöht. Eine ähnlich hohe Zahl Verurteilter sitzt, das Schafott vor Augen, noch in den Dodeszellen. Immer neue Todes- orteile werden gesällt. Zur höheren Ehre des als Zuhälter erwiesenen Nationalheiligen Horst Wessel, der in eine», or- binären Unterweltstreit die tödliche Wunde empfing, sind soeben zwei neue Todesurteile verkündet worden. Kein Ge- richtshof irgend eines zivilisierten Landes der Welt würde die beiden jungen Mensche» auch nur zu harten Freiheits- strafen, geschweige denn zum Tode oerurteilt haben. Nichts l'egt gegen ste vor als jugendliche Unbesonnenheit Keiner war auch nur Zeuge des Zusammenstoßes zwischen Horst Wessel und dem anderen Zuhälter. Keiner wußte, was wirk- lich in dem Hause der verrufenen hegend vorging. Dennoch liefern deutsche Richter— und als Deutsche schämen wir uns solcher Schufte— diese jungen Burschen statt den Erziehern den Scharfrichtern aus. Wir klage» diese Justiz des„dritte» Reiches" vorsätzliche» Mordes an. Des vorsätzliche» Mordes! Mußte doch in einem der politischen Racheprozesse— im Falle Hüttig— der Schießsachverständige erklären, daß der Todesschnß gegen de» Hitlermann nicht von Hüttig, sondern höchstwahrfchein- lich von einem SA-Mann stammte Bei der lkrteilsbegrün- dung war der Rorsitzende zu dem Geständnis gezwungen: „daß jedoch Ahe von Hüttig erschossen wurde, hat das Gericht nicht als erwiesen angesehen!" Trotzdem das Todesurteil! Trotzdem die Enthauptung!! Wir wissen warum. Hüttig hat im Prozeß die grausigen Foltern enthüllt, die an ihm und seinen Kameraden im Ber- liner Eolumbia-Haus der Geheimen Staatspolizei begangen worden find Mit Nilpferdpeitschen sind die Arbeiter ge- schlagen worden. Sechs der Angeklagten wurden noch vor Prozeßbeginn er- mordet. Bier in der Kaserne des SA.-Sturmes 3» und die Arbeiter Drescher und Boß im Eolumbta-Hans selbst. Hütttg erklärte in seinem letzten Wort vor dem Gericht und vor der Welt:„Ich habe schließlich, als ich schon halbtot geprügelt war, mein Hemd aufgerissen und der SA.-Mannschast ge- sagt:„Hier, schießt mich tot, aber laßt meine Kameraden zu- frieden. Und Ihnen, meine Herren Richter, sage>ch, daß ich nach dem, was ich im Eolumbia-Haus erlebt habe, b's an mein Lebensende Kommunist bleiben will." Di- Ermordung ans dem Schasot.- das ist die Antwort des„dritten Reiches" auf dieses Bekenntnis eines Arbeiter- ^Ew" Schurke. wer dazu schweigt! Nichtswürdig der. dessen Blut nicht vor Empörung auswallt, wenn so das Blut der Rolksjugend vergossen wird! Werktätige Europas und Amerikas, schassendes Volk in der ganzen Welt, Männer und Frauen aller Parteien und aller Bekenntnisse, Menschen: Lombardiert die Gesandtschaften und Konsulate des blutbesudelten Hitler-Regimes mit Euren Protesten! Ruft die Welt gegen die Bestialitäten des „dritten Reiches" wach! Für Freiheit und Recht unsres Volkes! Um der Ehre Deutschlands willen! Deginnt sich das Reichsgericht zu schämen? Ein deutscher Gerichtshof des Justizmord- Versuches durch das höchste Gericht überführt Dessau, 17. Juni. Bor dem Schwurgericht Dessau beginnt am 18. Juni der dritte Prozeß wegen der Ermordung des SA.-Mannes Franz Cieslik in Hecklingen. In den beide» ersten Prozessen waren insgesamt 18 Personen zum Tode verurteilt worden, von denen zwei inzwischen hingerichtet worden sind. Gegen die Ist im zweiten Prozeß zum Tode Verurteilten muß jetzt, da der sechste Strafsenat des Reichsgerichts— wie gemeldet— das Urteil des Dessauer Schwurgerichts vom 28. November 1.988 aufgehoben hat, noch einmal verhandelt werden. Das hat u. a. zum Ausdruck gebracht: Wenn das Schwurgericht erneut zu der Feststellung gelangen sollte, daß die Angeklagten, auch so weit sie nicht geschossen hätten, die Tat als ihre eigene wollten, so werde es bei jedem einzelnen die Talsachen klarzulegen haben, aus denen es diesen Schluß ziehe. Insbesondere bedürfe im Falle des zum Tode ver- urteilten Angeklagten T h a l m a n n sen. die Frage der Mit- täterschaft einer eingehenden Prüfung. Bon ihm stelle das angefochtene Urteil fest, daß er sich nicht wie die anderen Angeklagten in seiner Waschküche befunden, daß er aber ge- nau gewußt habe, die Kommunisten würden sich dort ver- sammeln um die Nationalsozialisten bei ihrem Herannahen mit Feuerwaffen anzugreisen. Daraus schließ« das Schwurgericht, daß er den Feuerüber- fall gebilligt und gefördert habe, und halte für erwiesen, daß Thalmann den Ucbersall mit„verabredet" habe. Dieser Schluß könne aber nicht gezogen werden, denn es sei in keiner Weise dargetan, daß Thalmann mit den an- deren in Verbindung getreten war. Das Reichsgericht rügt ferner vor allem, daß bei einem Lokaltermin die vorgeführten elf Angeklagten sich in einem Lastkraftwagen der Schutzpolizei befunden hätten und bis auf zwei von ihnen nichtzu dem Termin zugezogen wurden Bon dem Wagen aus hätten sie keine Möglich- keit gehabt, dem Gange der am Tatort geführten Hauptver- Handlung zu folgen und sich an ihr zu beteiligen. * Amerikanische Anwälte für Thälmann Nachdem bereits französische, belgische, schweizer, tschechische, holländische und bulgarische Anwälte in großer Zahl den Präsidenten des Leipziger Reichsgerichts ersucht haben, sie als Verteidiger Ernst Thälmanns zuzulassen, haben sich, wie die Internationale Juristische Bereinigung erfährt, in diesen Tagen zwei amerikanische Anwälte, Mr. Greenberg aus Ncuyork und Mr. Ades aus Baltimore, mit dem gleichen Antrag an das Jnnenminksterium in Berlin gewandt. Saar-ftattiolihen gegen„drittes Rcidi Die Erschütterung der Hlller-rronf Gestern und heute Soeben haben sich wieder einmal zwei von den Führern des ,,dritten Reiches" über die Köpfe ihrer Untertanen hinweg heftig angegriffen. Obwohl Freiburg und Marburg weitgenug auseinander liegen, haben sich die Herren Goebbels und Papen von beiden Standorlen aus erbauliche Wahrheiten ins Gesicht gesagt. Herr Goebbels bewies, daß er auch auf der Reise nach Warschau seine lieben Miesmacher nicht aus dem Auge verloren halte, und wenn Worte Bliße wären, so wäre nach seiner jeßt in Freiburg gehaltenen Rede von dieser trüben Sorte keiner mehr am Leben. Herr von Papen hat gradezu eine flammende Rede für die Miesmacher gehalten hat, es ist vielleicht ein entscheidender Vorgang, daß zum erstenmal ein Regierungsmitglied offiziellen Protest gegen den offiziellen Regierungskurs eingelegt und ein Hinwerfen des Steuers gefordert hat. Es zeigt sich immer mehr, daß mit den Miesmachern nicht nur das Millionenheer der mehr oder minder Enttäuschten gemeint ist, sondern die kleine aber mächtige Partei der Kundigen, der Einflußreichen, der wirtschaftlichen Verantwortlichen— also der verhältnismäßig Wenigen, die vollen Blick hinter die Kulisse haben. Man muß zu ihnen nach dem neuesten Stand der Dinge auch solche Männer wie Herrn Dr. Schacht rechnen. Hat er es doch gewagt in seiner Erklärung über das Aufhören der Transfers wörtlich zu sagen:„Mit der Wirtschaftspolitik, die die Devisengewinnung und Verwendung zum Gegenstand hat, hat die Reichsbank nichts zu tun. Die Reichsbank ist lediglich Buchungsstelle." Schärfer konnte der Reichsbankpräsident den Trennungsstrich gegen die wahnsinnige Wirtschaftspolitik der Regierung unter den derzeitigen Umständen kaum ziehen, und das Gerücht, daß Dr. Schacht nur durch die Drohung mit dem Konzentrationslager vom Rüchtritt abgehalten worden sei, gewinnt an Glaubwürdigkeit. Der richtige Kampf scheint aber erst loszugehen. Sonst hätte Herr Dr. Goebbels es wohl kaum nötig gehabt, in Freiburg zu sagen:„Wir protestieren dagegen, daß Leute, die sich 1918 als ungeeignet zur Führung erwiesen, sich nun an uns herandrängen und sich zur Führung huldvollst bereitzuhalten." Wen meinte er wohl? Wahrscheinlich doch den Vizekanzler, der am gleichen Tage von Marburg aus über alle deutschen Sender eine geradezu verheerend miesmacherische Rede gehalten hat. Die Begeisterung in Deutschland verflache, sagte er,' auf der anderen Seite aber zeigten sich marxistische Strömungen, und es fehle noch an der wahren Volksgemeinschaft. Er ging soweit, zu verlangen, daß Menschlichkeit, Freiheit und Gleichheit vor den Richtern nicht mehr als liberale Begriffe abgetan würden. Sogar die Erziehung zum Dienst am Staat habe ihre Grenzen. Zwischendurch wetterte der Vizekanzler gegen„kollektivistische"(gemeint sind sozialistische) Tendenzen und fegte dann mit ein paar Säßen das ganze verlogene System der Goebbels'sehen Stimm urfgsmache vom Tisch. In der deutschen Presse fehle zur Zeit eine offene und männliche Aussprache. Man dürfe, die Klugheit des deutschen Volkes nicht unterschäßen, sondern müsse zu ihm Vertrauen haben. Dazu fügte Herr von Papen die etwas rätselhaft formulierten Worte: er persönlich habe darum die Propagandawelle gegen die sogenannten Kritikaster„anders ausgefaßt"— auf deutsch, er habe sie mißbilligt. Gewiß könne man dem Volk schwere Opfer zumuten, aber dürfe man nicht gleich jedes Wort der Kritik als Böswilligkeit auslegen. Herr von Papen war so kühn, von„verzweifelten Patrioten" zu sprechen, die heute zu Staatsfeinden erklärt würden— und nun fragt sich der Außenstehende doch ,welchen Grund in Adolf Hitlers herrlichem„dritten Reich" die Patrioten eigentlich zum Ver- zweifeln haben. Man kann die Rede Popens gar nicht ernst und wichtig genug nehmen, zumal, wenn man sie gegen gewisse wirklich verzweifelte Auslassungen des Kollegen Goebbels hält. Der Propagandaminister gab die deutsche Lohnsenkung zu, zur Rechtfertigung der deutschen Wirtschaftspolitik aber sagte er: das Ausland solle wissen, tvohin die verruchte Reparationspolitik die deutsehe Nation geführt habe. Ist das ihre ganze Weisheit? Das deutsche Volk hat leider wenig davon, ob das Ausland irgend etwas weiß oder nicht weiß. Es ist wahrhaftig die Weisheit von Bankerotteuren, die sich für besonders tüchtig halten, weil sie das deutsche Volk statt in vier Jahren bereits in einem ruiniert haben. Argus. Saarbrüden, den 17. Juni 1984. Eine beut lief) fühlbare Depression breitet sich über die sogenannte„deutsche Front" an der Saar aus. Tie hat vor zwei Wochen die Festsetzung des Abstim- mungstages aus den 18. Januar mit großer befohlener Fahnenbegeisterung begrüßt, aber mit dem Einziehen der Flaggen hat sich grauer Alltag über die Hitlerei an der Saar gelegt. Es kamen die Stöße gegen den Markkurs an den Auslandsbörsen, und nirgendwo sank das Vertrauen in die Reichsmark tiefer und gründlicher als in Saarbrücken und bei den Wirtschaftern der„deutschen Front". ES solgte die Transser-Bankrotterklärung. Jeden Tag ertönten neue SOT-Ruse von jenseits der nahen Grenze, und alle, die aus dem„dritten Reiche" ins Saargebiet zurückkamen, waren dort in die Hände von Miesmachern und Kritikastern ge- fallen und brachten allerlei wirtschaftliche Greuelmärchen mit. Fortsetzung siehe 2. Seite. frauen-WeltkongreO Wegen unvorhergesehener Umstände— günstiger Zeitpunkt sür mehrere wichtige Auslandsdclegationen, Abhaltung des internationalen, antifaschistischen Sportkongresses und anderer Versammlungen und Kundgebungen in Paris— muß der Weltkongreß der Frauen gegen i m p e r i a l i- stischen Krieg und Faschismus um eine Woche ver- schoben werden. Er ist nunmehr unwiderruflich festgesetzt für Samstag, 4., Sonntag, Z., Montag, 6. August 1934. $aar-Katholihcn gegen das„drifte Reidi" Fortsetzung von Seite 1. Der Einbruch in die sogenannte»deutsche Front" ist Tat, sache nnd der beginnende Umschwung vom Festrausch zum Kater auch. Tie Gegner des„dritten Reiches"^ die für Teutschland kämpfen gegen die barbarische Tiktatur, werden mit jedem Tage angrttfs'ustiger. Tie sozialdemokratische- Frei- l> e i t s f r o ii l akrivicrt sich trotz allein Störungsfeuer immer mehr. Bei den K o m m u n i st e n ist erhöhte Tätig- kctt festzustellen, und mancher Ansatz zu einer vernünftigen Taktik ist bemerkbar. Beide Arbeiterparteien wissen, dast es hier nicht um einen lokale» oder provinziellen Kampf j.'H?, um einen Schlag gegen das verhaßte Sklaven- jllstem de?„dritten Reichs". Alle wissen, dast eine Niederlage Hitlers an der Saar der Ansang vom Ende seiner Diktatur und eine gewaltige Ermutigung der Millionen Antisaschtsten in Teutschland Hein würde. Wir geben die Hossnung nicht aus, dast die Große geschichtliche Bedeutung des Laarkampfcs die sozia- Vstischen und kommunistischen Richtungen aller Alt zu dem einen Freihcitsziclc näher zusammeniührcn wird. Sorgenvoll blickt die„deutsche Front" aus die K a t h o- Ii ken, denn das ist die Mehrheit der Abstimmungsberech- tigtcn an der Saar. Die Empörung des katholischen Bolls- teils zwingt auch die gleichgeschaltete katholische Presse, mehr und mehr über die geioalttätige Unterdrückung des Katholi- zismuS im„dritten Reiche" zu berichten. Was von diesen Stipendiaten der Reichskasscn bis vor kurzem noch als „Greuelmärchen" abgestritten wurde, steht nun, soiveit es die katholische Kirche betrifft, auch in den Spalten der katho- tischen Saarpresse. Am vergangenen Sonntag haben die Katholiken, denen ihr religiöser Glaube höher steh» als das politische Kon- jnnkturgebilde des„dritten Reiches", zum ersten Male ihre religiösen Proteste vor die Oefsentlichkeit getragen, I» Homburg war ein saarpsälzischcr katholischer Gesellentag. Da? gleichgeschaltete Bürgermeisteramt, das sich, wie alle solchen Behörden an der Saar, längst den Nationalsozialist!- schcn Reichsbonzen und nicht der regierenden Kommission de? Völkerbundes unterstellt fühlt, lehnte mit„Heil Hitler!" ab, die katholischen Volksgenossen durch Fahnenschmuck zu grüßen. Um so wuchtiger marschierte die katholische Jugend auf. Der antihttlcrischc Kampsgeist dieser katholischen Dcmon- stration äußerte sich deutlich in den Reden der geistlichen Führer. To sagte Pfarrer Bungancu u. a.: „Das gelobte Land kommt einmal für die meisten von Euch, das Land des Friedens und der Gerechtigkeit, wo Bruder neben Bruder in Frieden leben wird. Diese lieber- zeuguug habe ich heute von neuem gewönne». Ich begrüße vor allem die Brüder aus dem Reiche, die trotz aller Schikanen und Beschwerden hierher gekommen sind. Kenn ich höre, wie die katholische Jugend zur schwer umdrohten Fahne steht, so weist ich, daß die Stunde kommt, wo unser Hossen in Erfüllung gehen wird. Und diese Hossnung soll Euch, die Ihr aus dem Reiche gekommen seid, ein Trost sein. Ihr werdet Euch freuen, wenn Ihr unsere Jugend mit Uniformen, Fahnen und Abzeichen seht, wenn Ihr Euch erinnert, dast. Ihr das auch einmal gedurft habt. Heute dürft Ihr das nicht mehr, da man es Euch als „Staatssrindlichkeit" nnd„Verrat" auslegt. Auch hier wohnen deutsche Brüder wie Ihr, die trotz der Drangsale, die sie erwarten, heimwollen zum Vaterland. Wir sind im Saargebict heute, Gott sei Dank, noch .frei. Katholisches Jungvolk wächst in dieser Freiheit. Zurück zum Reich! Das wollen wir alle einmal. Aber der heutige Rachmittag sei eine feierliche Proklamation dafür, dast wir bei dieser Heim- kehr inS Reich ein Reich der fromme,, Sitte und Gottes- furcht, erwartete», ein Reich, das«ich/ rüttelt an den Fundamenten, aus denen jedes Reich ausgebaut ist. Wir verlangen ein Reich, das in Ruhe lästt unseren Herrgott, das in Ruhe lästt Ehristus, de« klönig unserer katho- tischen Jugend, ei» Reich, das in Ruhe wirken und schassen lästt unsere heilige Mutter, die katholische Kirche! Liebe zum Baterland ist es, wenn wir diese Forderungen mit aller Entschiedenheit, in aller Oefsentlichkeit, aber auch mit aller katholischen Energie erheben. Wir Katholiken lasten uns viel gefallen, weil wir gc» horsam sind, aber wir lasten uns nicht mehr alles ge- fallen! Man hat mit der Kirche einen feierlichen Vertrag ge- Ichlosten, das Konkordat, und wir haben erwartet, dast dieser feierliche Vertrag gehalten würde. Wenn man aber daran geht, wesentliche Stücke aus diesem Vertrage her, auszubrechen, dann müsse» wir sagen:„So wars nicht gc- meint, das machen wir nicht mehr mit!" Wir habe,, als bestes Erbgut der alten Germanen die Treue geerbt und wollen sie halten. Und nun erleben wir soviel Wvrtbrsiche und Treubrüche. Wir müssen erleben, dast i„ ostelbischen Versammlungen und Zeitungen ein Mann, wie Kardi- n a l Faulhabcr, de»- turmhoch über manche« Größen der heutigen Zeit steht, als„Schweinehund" bezeichnet wird. Das lasten wir uns nicht gefallen. Ebensowenig lassen wir uns gefalle», daß man unsere B i s ch ö s e kujoniert, dast man unsere Priester einsperrt und bc- spitzelt Alle diese Anpöbelungen im neuen Reiche erdulde« wir nicht mehr länger. Dem jugendlichen Führer der deutschen Juaend geben wir den wohlgemeinten Rat: Baut der katholische» Jugend einen eigenen Dom, dann habt ihr weniger Kommunisten in Eurem Lager! Aber statt dessen bannt man Euch aus dem öffentlichen Leben, die Ihr allein imstande seid, den Sturm von links, der bestimmt kommen wird, abzu- halte«. Trotz Sturm, Drang und Kamps wächst die katholische Jugend. Solche Zeichen bedeute» sür die katholische Jugend, was für das Gold der Schmelztiepel. Wir Alten misten, dast wir unS ans Such verlassen können, daß es Euch Ernst ist nm die Parole. Wir Alten schauen mit Stolz aus Euren Bekenner- mut. So, jetzt ist die S ch l a ch t s r o n t geklärt. Wir stehen im katholische» Laaer als geschlossene Säule, kämpfen für Gott, für Ebristuö und siir unsere heilige Mutter, die Kirche, nnd wir versprechen, daß niir kämpfen werden bis zum letzten Man». ES kommt im Augenblick nicht darauf an, herauszu- arbeiten, was der Nichtkatholtk, was insbesondere auch der radikale Linkspolitiker gegen den einen ober anderen dieser Sätze zu sagen hat. Von Bedeutung ist in diesen Kampf- monaten an der Saar, daß katholische Führer und katholische Massen in wachsender Zahl ablehnen, sür ein deutsches Re- gicrnngssystem einzutreten, das ihm mißliebige Welt- anschauungcn mit Terror niederzuhalten und auszurotten sucht. Ter Katholizismus erinnert sich der Toleranz und der Freiheit, die er im Deutschland der Republik von Weimar genossen hat, und er verspürt keine Lust, seine Glaubens- genossen an der Saar rohen Parteibonzen des„dritten Reichs" auszuliefern. Nur gekaufte Subjekte können behaupten, dast irgendein Sozialist oder Kommunist oder Katholik an der Saar gegen Deutschland oder das Deutschtum kämpfe. Es geht für sie alle nur um ein Deutschland des freien Ringens aller geistigen.'äste, die im deutschen Volke leben. Wir wollen die Hitlerbonzen stürzen, nm Deutschland zu retten. Da» ist das Ziel des Saarkampfes. Daher verdient er höchste Aufmerksamkeit und Unterstützung mit allen Mitteln bei allen Antifaschisten der ganzen Welt. So beruhtet die gleidigesdialtefe Eresse Vollkommen entstellt... ES genügt, zur Kennzeichnung der Vertusch» ngS- Methode der gleichgeschalteten Presse wiederzugeben, was die„Saarbrücker Zeitung" zu der Rebe Bungartens schreibt: „Nach kurzen Begrüßungsworten des /Präses des Hom- burger Gesellenvereins, Kaplan Pirro, sprach Pfarrer Bungarten, Saarbrücken, in packender Weise zu der aus- mertsam lauschenden Jugend. Er rief seine Hörer aus, sich ungeachtet aller Anfechtungen zu Gott, zu Ehristus, zur Kirche zu bekennen. Nachdrücklich und wiederholt wies er aber auch darauf hin, dast es bei der Abstimmung nur eine Ent- scheidung geben kann: zurück zum Reich, z» unserem Vater- lande. Er forderte die tätige Mitarbeit aller beim Ausbau des deutschen Reiches" Das Wesentliche, im Augenblick Entscheidende, wird also unterschlagen! kirtiienkompf drängt zur Entsdicfdnng nttlter kl die Eingliederung der Landeskirchen in die Reldisk r die m 0 angen Berlin, den 17. Juni 1094. Steht der deutsche Protestantismus vor der Entscheidung? Man muß mit solchen Ankündigungen vorsichtig sein. Seit den Tagen des Ausbruchs der Ration hat die evangelische Kirche viele Stürme erlebt, aber niemals war sie so nieder- gebrochen, dast nicht neue über sie hinwcgbrausen konnten. Nun aber scheint es. als ob die Krisis einen Höhepunkt erreicht habe. Tie Hoffnung des ReichsbischosS, dast es ge- lingcn würde, bis zum 15. Juni sämtliche Landeskirchen der Rcichskirchc einzugliedern, hat sich nicht verwirklicht. Von den 28 Landskirchen sind erst acht in die Müller-Front ringe- schwenkt, und auch bei diesen ist der Kamps noch nicht zu Ende. Der Reichsblschos hatte den bäuerischen Bischof Mciscr und den Niürttembergischcn Bischof Wurm zu einer Besprechung über die Ktrchrnversassung nach Wittenberg eingeladen. Bon beiden Bischöfen ist der Vorschlag unter Berufung ans die in Barmen getroffenen Beschlüsse der Freien Synode abgelehnt worden. Weiter hat der Reichsbtschof den Pastor von Bodelschwingh als Bischof von Westfalen vorgeschlagen und den Führern der Opposition mehrere andere wichtige Posten angeboten. Auch mit dem Rücktritt deS Rational- sozialisten Dr. Oberheid vom Kirchrnministerium war Müller einverstanden. Alle Vorschläge sind von der Opposition zurückgewiesen worden. Ein großer Teil der Geistlichkeit steht also nach wie vor im Protest. Schon wird von Aus- trtttsbeivegungen, so auS Hamburg, berichtet. Tie- Landes- «bischvse müsse» dauernde Unterschriftensammlungen entgegennehmen, in denen scharfe Forderungen zum Widerstand gegen die Kirchenzentralisation erhoben werden. Mittelpunkt der oppositionellen Bewegung ist die B e- kenntntssynode von Barmen geworden. Sie hat einen gewaltigen Eindruck unter dem evangelischen Volke gc- macht und den widerstrebenden Pfarrern eine starke Rücken- deckung gegeben. Tie Niederlage der Politik des Reichs- biichois ist unabwendbar. Schon rnten Scharsmacher nach der Staatsgewalt, dast sie die Widerstrebenden mit allen Gewalt- Mitteln unterwerfen. In Schwerin hat ein Sondergericht gegen sieben mecklenburgische protestantische Pfarrer ge- tagt. Drei Pfarrer erhielten wegen Vergehens gegen die Verordnung zur Abwehr„heimtückischer Angriffe gegen die Regierung der nationalen Erhebung"G e f ä n g n i s st r as c n von sechs bis b r e i M o n a t c n ,- die übrigen kamen mit Geldstrafen davon. In dem Prozeß wurde der bekannte Führer des Piulrernotbnndes Dr. Niemöller als Zeuge ver- nominell. Seine Aussage ergab, baß die Angeklagten Flug- blätter des Piairernotbunbes verteilt hatten. Ein Pfarrer aus Potsdam, der es abgelehnt hatte, den Stempel der Kirchengcmeinde an die Zivilbchörde abzuliefern, wurde ver- haftet. Tie Geheime Staatspolizei in Münster hat zahlreiche Haussuchungen bei westfälischen Piarrern vorgenommen, um den Ursprung von oppositionellen Flugblättern fcstzu- stellen.... AufgeflogercerLandesh'rdienkag Stürmische Auseinandersetzungen BoiN kirchcnpolitischcn Kriegsschauplatz liegen eine Reihe neuer wichtiger Tatsachen vor. Ein Landeskirchen tag für die Landeskirche in Hessen-Kassel beschlost zunächst einstimmig die Bcr- einigung der Landeskirchen in Hcsten-Kassel und Waldeck zur neuen Landeskirche von tturhesscn und Waldeck. Später kam es jedoch zu lebhaften A n s c l n a n d e r s e tz n n g c n. Bei der Wahl des LandesbischoiS erklärte eine unter Füft- rnng von Pfarrer Dr. Ritter iMarbnrgi stehende Gruppe, aus personellen Gründen dem Bischofsgesetz nicht zu- st Immen zu können. Während die einstweilige Kirchen- r-'icrnna an der Kandidatur des Oberkirchenrats Dr. Merzins sür das Amt des LandesbiickviS fesihielt und zu de- von d'n Deutsch»« Ebristen ausgestellten Kandidatur von Pfarrer Thens sKasiels erklärte, dast sie gecianet sei, Unruhe in da» evangelische Kirchenvolk hin- »in»utraaen. wiesen die Vertreter der„Tentich-n Ehristen" diese Darlegungen entschieden zurück u"d b-j ihrer Kandidatur. Bei der Abstimmung über das G-f-h wurden 30 Stimmen dafür und?7 dagegen abgegeben, so dast die vcrsassungSmäst'gc notwendige Zweidrittel- Mehrheit nicht erreicht worden war. Taraushin er- klärten die Vertreter der Deutschen Ehristen. dast sie an weiteren Verhandlungen des LandeskirchcntagcS uninter» essiert seien. Sie verließen den Vcrhandlungssaal und führten dadurch die B e s ch l u st u n f ä h i g k e i t des Kirchentages herbei, der daraus unter großer Unruhe ge- schlössen wurde. „Dreinschlagen" Sturmruf gegen die katholische Kirche München» den L7. Juni 1034. In Bayern spitzt sich der Gegensatz zwischen nationalsozia- listischen Machthadern und den katholischen Autoritäten immer schärfer zu. Dazu haben die Zwischenfälle angesichts der Frossleichnainsprozefsion wesentlich beigetragen. Die Nationalsozialisten erblickten in der übcrnns starten Vrtei.i- gung an der Prozession eine Demonstration gegen sie. und gewist haben sie darin nicht unrecht. Als Antwort daraus ist eine Rede des Gauleiters. Innenministers Adolf Wagner, anzusehen, die auf einer Massenkundgebung in Ingolstadt gehalten wurde: Er sagte u. a, wörtlich:„Was mich heute am meisten drückt, ist die Tatsache, dast gerade aus den Reihen der Kirche die größte Kritik am nationalsozialistischen Staat geübt wird. Es kann blühen,dast ich noch einmal dreinichlage, dann aber so, dast es endgültig genügt. Wir denken nicht daran, an dem Gottesgedanken z« rütteln. Di« junge Generation ist der Garant für die deutsche Zukunft. Wer seine Pslicht am Volke nicht erfüllen will, hat das Recht verloren, in Deutschland zu leben." Schon vor Wochen waren vor dem Gebäude des„B a y- rischen Anzeigers" in Regensburg Detndn! ra- tionen erfolgt. Kürzlich ist das Blatt auf Grund der Ver- öffentltchung eines vor zehn Jahren geschriebenen Artikels des Kardinals Faulhaber für drei Monate verboten wor- den. Taraushin kam eS zu neuen, stürmischen Kundgebungen vor dem Verlagsgebäudc, deren antikatholiichen Tendenzen sich heftig entluden. Nach einer Meldung der„Banrischen Ostwacht", des Organs des bäuerischen Unterrichtsministerß, forderten die Demonstranten die Verhaftung der ver- antivortlichcn Leiter des„Bayrischen Anzeigers". Kampf gegen die Katholizismus In Oldenburg, wo der Kampf gegen Katholizismus besonders Heftig tobt. Hat der Innenminister soeben eine Bekanntmachung erlassen, dast Tageszeitungen als politische Schriften keine religiöse Beilagen bringen dürfen:„Im Landestcil Oldenburg gibt es mehrere Tageszeitungen aus der Zentrumszcit, die dem noch nicht Rechnung getragen haben. Diese Berguickung von Politik, Religion und Geschält hat zu großen Unzuträglichkeiten ge- führt. Sie kann unter den gegebenen Verhältnissen im In- teresse unseres deutschen Volkes nicht weiter geduldet werden. Religiöse Angelegenheiten müssen in religiösen Zeitschristen behandelt werden." Das erzbischöfliche Ordinariat Breslau hat eine Erklärung zum Schutze der kirchlichen Ehre erlassen, in der es heißt: In den letzten Wochen sind in verschiedenen Städten der Erzdiözese beleidigende Schmähungen und Verdächtigungen über Geistliche und katholische Jugendorganisationen von beachtenswerter Seite in ö /ent- lichen Versammlungen ausgesprochen und in der Presse soivie auf zahllosen Flugblättern verbreitet worden. Weil aber alles das in voller Oesscntlichkeit sich vollzogen hat, isi es notwendig, auch öffentlich dagegen hiermit Einspruch und Verwahrung kundzugeben. Das katholische Volk wird zu- gleich ermahnt zur Wahrung der Ruhe und Geduld, zür Be- Währung der kirchlichen Einigkeit und zu beharrlichem Gc- bete zum Schutz der katholischen Organisationen. „Zu Gottes Ehre" verboten! Tie in Minden ericheinende Trnckschriit„Zu GotleS Ehr e", Monatsbote für die evangelisch-reiormierte Petri- gemeinde in Minden, ist vom Oberpräsidenten der Provinz Westfalen aus die Taucr von einem Monat verboten worden. „Itetgebende Erbitterung" Unter den weiblichen Volksgenossen Hamburg, 10. Juni. sInprcsts: Die nationalsozialistische Frauenführerin Rogge-Börner schreibt, offenbar unter dem Trnck weiter unzufriedener Kreise, in der in Hamburg er- scheinenden„Teulschen Kämpserin":„Arbeit ist Inhalt, Zweck und Krönung des Menschenlebens. Man glaubt, aus der augeNblickl-chen Krise herauszukommen, indem man den iveiblichen Teil des Volkes von seinem natürlichen Recht aus Arbeit ausschließt. Dieser schicksal^chwangere Fehler wirb n'chi ohne Fehler für das Volksganzc bleiben... Auf den ersten Blick könnte es logisch scheinen, alle arbeitenden irraitctt durch Männer zu ersetzen, damit die Männer's inyand gesetzt werben, sich zu verheiraten. ES gibt indessen ke'nerlet Garantie dafür, dast sich die Männer, die Arbeit bekommen, verheiraten. Tas umso mehr, als es sich durch- weg um kümmerliche und unzureichend bezahlte Arbeit handelt, die die Schaisung einer Familie überhaupt nickt nötig macht. Reaktionäre Maßnahmen, die gewaltsam die Frauen vom Recht aus Arbeit anSschltesten. bringen keine Lviung. sondern im Gegenteil eine tiefgehende Verbitterung unter den weiblichen Volks genossen." RiüDenfrops BlttSäntZe Auch in Pari« abgeblitzt Jg*[ 8- Junt Gelegentlich eines privaten Aufenthaltes tn Paris trat der Beauftragte der Reichsregierung für Ab- rutungsfragen. von Ribbentrop. den französischen Außenminlster Barthou. mit dem er eine lange Aus- spräche über die deutfch-französiichen Beziehungen hatte. * $o berichtet die gleichgeschaltete deutsche Presse. Es ist bekannt, daß der Besuch von Ribbentrops in Eng- lanö ein vollendeter Mißerfolg war. Auch die Pariser Reise des Hitleri'chen Sonderbeauftragten war ohne jedes Ergeb- nis. Das behaupten nicht nur einmütig die französischen Zeitungen, sondern geben kleinlaut auch die deutschen zu. Den einzigen Trost findet man in einer französischen Agenturmeldung. die von Ribbentrop nachsagt, in französischen Kreisen habe man den Eindruck gewonnen, daß der deutsche Sonderbeauftragte großes Fingerspitzengefühlt gezeigt habe Er sei ein neuer Mann, noch jung, und man werde sicherlich noch von ihm hören. FUr die Befreiung Thälmanns Ein sozialdemokratischer Beschluß .(3-3) Der„Populaire" vom 6. Juni veröffentlicht einen Bericht über die Sitzung des Parteivorstandes der Sozialistischen Partei fS. F. I. O.) vom 5. Juni. Diesem Bericht entnehmen wir: Auf die Einladung der Kommunistischen Partei, eine ge- «einsame Aktion sür die Befreiung Thälmanns und anderer Opfer des Hitlerregimes durchzuführen, hat der Borstand der Sozialistischen Partei einstimmig bei drei Stimmenenthal- tungen beschlossen, folgende Antwort an das Zentralkomi, tee der Kommunistischen Partei zu richten: „3» Beantwortung Ihres Schreibens beauftragt mich der Parteivcrstand, 3hnen mitzuteilen, daß er sich, ganz ohne Hintergedanken, zu dem Borschlag, den die Kommunistische Partei direkt an ihn gerichtet hat, beglückwünscht. Die So- zialistische Partei ist immer bereit, die Arbeiterklasse zur Einigkeit aufzurufen, da sie die Hoffnung der Wieder- Herstellung der vollständigen Einigkeit des Proletariats nie aufgegeben hat. Tie Resolution des Nationalrates der Partei vom 11. März 1934 erteilt unseren Föderationen die Bollmacht, im antifaschistischen Kamps für ein bestimmtes Ziel gemeinsame Aktionen und Manifestationen zu organisieren. Ter Parteivorstand stellt fest, daß eine Protestkampagne zur Rettung Thälmanns vor dem ihm drohenden Schicksal und zu seiner Befreiung und der aller übrigen Opfer des Faschismus eine der wichtigsten Forderungen darstellt, die diese Resolution meint. Er ist bereit, den Föderationen in diesem Sinne Aufträge zu erteilen und mit der Kommuni- stischen Partei Fühlung zu nehmen, um mit ihr zu unter- suchen, in welchen Städten und unter welchen Bedingungen die gemeinsamen Veranstaltungen organisiert werden könnten. Der Parteioorstand möchte jedoch von der Kommunistischen Partei von vornherein die Zusicherung erhallen, daß die Polemiken, die gegen unsere Partei und unsere Mitglieder gerichtet sind, bis zur Beendigung dieser Kundgebungen auf- hören mögen. Ein solcher Waffenstillstand, den wir im vor- aus unterschreiben, scheint uns allein imstande zu sein, eine Atmosphäre zu schaffen, ohne die eine gemeinsame Aktion, und sei sie noch so gut vorbereitet, keine Kraft und Bedeu- tung erhallen könnte." Kämpfe auf Kuba Maschinengewehrfeuer auf eine faschistische Kundgebung— Bisher 13 Tote Rcuyork. 18. Juni Wie aus Havanna gemeldet wird, haben die Kommunisten einen Feu-rüberfall auf die saschisti- sche ABC-Organisation verübt, bei dem- wie bisher fest- gestellt wurde— 13 Personen getötet und 60 verletzt worden sind. Etwa 15 000 Mitglieder der ABC-Organisation veranstal- teten eine Kundgebung Plötzlich kam aus einer^e tenstraße ein mit mehreren Personen besetzter Kraftwagen und er- öffneten aus die vorbeiziehende Kolonne Maschinengewehr- seuer Die Teilnehmer der Kundgebung erwiederten das Feuer und nahmen die Verfolgung aus. Drei Insassen des Kraftwagens wurden getötet, der vierte erlitt schwere Brand- wunden. lister, Jugcndfübrer und !enpredlger t besonderer Seite wird uns aus der Hauptstadt fernen Landes geschrieben: • sind keine Tplitterrichter. Die abnorme Veranlagung Ministers würde uns nicht interessieren, wäre nicht a lerherrlichung durch seine angeblich ganz am«"llich- nd inniges Familienleben eingestellte- Parte, ihr«- abliefe Verlogenheit nachzuweisen. Anders beurteilen ine Betätigung dieses Ministers, die ihn als völlig ver- oft und des Sinnes sür Sauberkeit entbehrend erken- 'der Staatsanwaltschaft unserer Hauptstadt befindet !*•.!>» mir lieber vorsichtig befand sich bis zur Dron- sagen wir l.e- crrj(f)Crs, ein Aktenstück, das seine fiuna einem üblen Abenteuer des jetzigen Ministers »im Zafire 1031 oder 1982 hatte der ehrenwerte S'l««.».im#«« I«»"• 1 rf nickt den Borzug hatte, ihn zu ihren Burgern " od> 5.e.u'tmann und einen Strichjungen von hlen eine» ür6ißeS Hotel mitgenommen, hatte ' 1"«-?. a legt und ihnen befohlen, sich»u iti ihnen ins«etl geiegl»^tätigen, was denn Extravaganz an einan» Das wider- -lbstverstandlich aegen» gelangt, gorfommni« wariur Ä« vom gleichen »"ständige^aa^anwa^&er P^sse be.ve.h- Prel die Saar! Eine Landeskonferenz der Ereiheltsfront des Saargebiefs Verfranenskundgebung für Hai Braun Die Freiheitssront will iu ihrem Kampfe die deutschen Saararbeiter und Angestellten vor dem Konzentrationslager, In einer Landeskonferenz der Freiheitsfront des Saargebietes in Saarbrücken wurde eine Reihe von Entschließungen gefaßt, die angesichts des immer schärfer einsetzenden Abstimmungskampfes von Bedeutung sind. 1. Politische Entschließung Die Abstimmung kann nur dann frei und unbeeinflußt sein, wenn die Freiheit des Abstimmungskampses, das Ge- heimhalten der Stimmabgabe und die Unmöglichkeit der Vergeltung nach der Abstimmung gesichert werden. Die Regierungskommission bzw. die A b st i m» mungskommisslon haben nicht nur sür Ruhe und Ordnung überhaupt zu sorgen, sondern sollen jeder Richtung die Möglichkeit der ungehinderten Werbung sür ihre Aus- sassung sichern und den Zustand wieder herstellen, wie es vor der unberechtigten Gleichschaltung und vor den unge- schlichen Boykottmaßnahmen durch die Deutsche Front bestand. Bom Bölkerbundsrat verlangen wir den Ausbau der bisher verabredeten völlig ungenügenden Garantien zu wirtlichen Sicherungen gegen jeden Terror vor sowie gegen jede Form der Vergeltung nach der AbfE«"—«na und Ausdehnung dieser Sicherungen aus alle Saarbe» wohner. Wird die vertragsmäßige freie, geheime und unbeeinslußte Abstimmung gesichert sein, so ist das Abstimmungsergebnis nicht zweiselhast: Hitler wird an der Saar keine Mehrheit haben! Die große Mehrbeii der Saarbe- völkerung wird weder ihr Deutschtum verleugnen, noch sich für die Sklaverei im Dritten Reich entscheiden. Die Konserenz begrüßt die Parole des Landesvorstandes: für eine freie deutsche Saar im freien deutschen Staate, sobald er wieder bestehen wird oder im Rahmen der bestehenden Rechtsordnung an der Saar, solange das deutsche Volke im Reiche von Hitler und seinen Banden vergewaltigt wird! lieber den Sieg gegen Hitler hinaus führt die SLS. den Kamps für die Umgestaltung des gegenwärtigen Znstandes an der Saar im Sinne der weit- gehenden politischen, sozialen und wirtschaftlichen Selbstver, waltung der Saarbevölkerung. 2. Wirtschafts- und Sozialpolitik Die am 17. Juni 1934 in Saarbrücken tagende Konserenz der Freiheitssront des Saargebietes fordert erneut von der Regierungskommission den Schuh der Koalitions» f r e I h e i t der freigesinnten Arbeiter und Angestellten. Die Verweigerung der Berlammlungssäle, der ossene und ge- Heime Druck und sonstige Maßnahmen von Arbeitgebern und Unternehmern gegen sreiorganifierte Arbeiter und An- gestellte, sind ckit dem Teil XIII des Friedensvertrages nicht in Sinklang zu bringen. Die Konserenz begrüßt die Verständnis« volle Unter st ühung der in der Jnternatio- nalen Arbeitskonserenz vereinigten Arbeit» nehmervertretung der ganzen Welt in de« KampseumdasMenschenrechtderfreiorgani» sierten sozialistischen Arbeitnehmer im Saargebiet. Die Freiheitssront des Saargebietes kämpft für die wirt» schaftlichen und sozialen Gegenwartssorderungen der freien Arbeiter und Angestellten. Die Sorgen um die Freiheit, um das Menschen, echt, die wirtschaftliche und soziale Zukunft der arbeitenden Menschen-winat die organisierte Freiheitssront zur Abwehr gegen das undeutsche Hitler» regime. gefunden! Die 17 Vermißten de«..Knut Hamsun" dnb. Panama, 18. Juni. Tie 17 vermißten Besatzungs- Mitglieder des Frachtschiffes„Knud Hamsun" sind jetzt, nach- dem sie mehr als vier Tage mit ihrem Boot aus dem offenen Meer getrieben waren aus der Höhe von Santa Cruz bei Sur gerettet worden. Tie Geretteten waren dem Ber- schmachten nahe, da sie weder Wasser noch Nahrungsmittel im Bom hatten. Besonders hart hatten sie unter den Un- bilden der Witterung zu leiden. Wirbelsturm in Amerika— Bisher sechs Tote dnb. Morgan-City(Louisiana), 18. Juni. Ein überaus hef- tiger Wirbelsturm richtete in Mississippi und Louisiana schwe- len Schaden an. Nach den bisherigen Meldungen sind sechs Personen getötet und etwa 100 verletzt worden. Man rechnet jedoch damit, daß die Zahl der Todesopfer sich bedeutend er- höhen wird, da die Berichte aus de» entlegeneren Landes- teilen noch ausstehen. selbst sich eine Verfehlung gegen das Gesetz nicht habe zu- schulden kommen lassen. Daß der Beschuldigte sich der An- stiftung zu diesem Vorgehen schuldig gemacht hatte, war anscheinend übersehen worden. Der neue Herrscher und seine Paladine kennen diesen Tatbestand. Trotzdem konnte jener Mensch Ehrenbürger seines Heimatlandes und Minister und Jugendführer werben. Minister vom alten Adel und betonr 'christlicher Gesinnung schütteln ihrem Kollegen die Hand und bringen ihre Frauen mit ihm zusammen. *' Ob der Minister sich noch immer an Dienstmännern und Strichjungen erfreut, schreibt unser Gewährsmann nicht. Wir wollen ihn auch nicht fragen, denn es ist ein fernes, fernes Land, und Briefe dahin gehen manchmal verloren. Jubiläumsfeier mit Hindernissen (Sopade). Die Berliner Elektrtzitäts A.G.(Be- wag) feierte Anfang Mai das.50jährige Bestehen der Ber- liner Elektrizitätsversorgung. Die heutige Bewag hat im Laufe dieser Zeit einige bedeutsame Wandlungen durchge- macht. Nach dem Kriege stellte sie den Zusammenschluß aller Berliner Elektrizitätswerke her und war ein rein kommu- naler Betrieb. In der Krisenzeit eriolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft, an der in größerem Umfange aus- ländisches Kapital beteiligt wurde. Nach dem Hitlersieg sicher- ten sich die Nazis selbstverständlich den Einfluß auf dieses Großunternehmen und jetzt seiern sie das Jubiläum eines Werkes an besten Ambau und Leistungen sie nicht das ge- ringste Verdienst haben. Die Feier wurde von langer Hand vorbereitet. Ten An- gestellten der Bewag, die in früheren Jahren zu Weihnachten ein Monatsgehalt als Gratifikation erhielten, wurde Weihnachten 1933 mitgeteilt, daß sie diese Gratifikation erst den Zuchthäusern, der Emigration mit allen Leiden an- schuldiger Menschen, vor dem Schaden an Personen und deren Eigentum bewahren, den Arbeitern und Angestellten ihre Kampsorganisation und damit das Arbeiterrecht auf allen gesellschaftlichen Gebieten und ihre Lebensmöglichkeiten sowie die erworbenen fozialen Rechte aller Art erhalten. Dieser Kampf um die Erhaltung des deutschen Saarbodens und der Kulturgüter deutscher Menschen, der Kampf um die wirtschaftliche und politische Verständigung der 800 909 Saar- bewohner ist kein Separatismus. Wir wollen den deutschen Boden der Saar nur dem wahre« Deutschtum erhalten. Die Konferenz fordert vom Völkerbund und der ihm ange- schlostenen Länder neben der freien, unbeeinflußten Abftim- muna, auch nach derselben den Schutz von Leben und Eigen- tum. der wirtschaftlichen, fozialen und kulturellen Lebensmöglichkeiten der Saarbevölkerung sowie alle in den Be- stimmungen des Friedensvertroges garantierten Rechte jeder Art. Wir richten an die freiheitliebe u de Saar- be völkerung den Appell, die Freiheitssront in ihrem Kampfe um deutsche Freiheit und Kultur sowie das Lebensschicksal der Bevöl, kerung zu unterstützen. Wir richten gleichzeitig den dringenden Appell an alle anti- faschistischen Bevölkerungskreise des Saargebietes. als erste Boraussetzung der EinheitSsront einen W a s s e n st i l l- stand einzugehen. Das bedeutet: Einstellung jedes gegen- seiiigen Kampses! Ist diese Boraussetzung erfüllt, dann werden sich alle Voraussetzungen für eine Einheitsfront von selbst ergeben. Segen Verleumdungen Die Konserenz nahm dann Stellung zu einer Reihe von Angriffen gegen Max Braun, die im„Saarbrücker Abend- blatt" in regelmäßigen Jnterwallen zu erscheinen pflegen. Einstimmig wurde dazu eine Entschließung angenommen, deren entscheidenden Partien lauten: Die gegen M. Braun erhobenen Vorwürfe, insbesondere über die Unterschlagung von irgendwelchen Geldern oder die Herreinnahme französischer Gelder sind als ebenso haltlose wie lächerliche und infame Verleumdungen festgestellt worden, die nur den Zweck verfolgen, den Führer der saar- länbischen Freiheitsfront Mar Braun zur Strecke zu bringen in der bewußten Absicht, damit die Freiheitsfront zu treffen. Dies wird niemand gelingen! Die Funktionäre der SLS. erklären feierlichst, daß sie diesen Absichten, einerlei ob sie von Renegaten oder durch die faschistischen Gegner gezeigt werden, ihren geschlossenen einmütigen Willen entgegensetzen«nd hinter ihrer gewählten Parteiführung stehen werden! Die Funktionäre sind sich bewußt, daß die Hetzer gegen die Freiheitsfront«nd deren Führung, je näher wir der Saar- abstimmung kommen werden, von den gemeinsten Mitteln der Diffamierung und Verleumdung nicht zurückschrecken werden. Ein millionensacher Reptiliensonds steht ihnen dafür zur Verfügung. An alle Anhänger der Freiheitsbewegung im Saargebiet lassen die Funktionäre die Mahnung ergehen: Laßt Euch nicht von den kapitalistischen und faschistischen Agenten»nd ihrer gleichgeschalteten Presse irremachen! Kämpft mit uns gegen Unterdrückung und Sklaverei, für Freiheit und Gerechtigkeit! Pn Ncyeste Ueber ganz Frankreich geht augenblicklich eine Hitze- welle hinweg, die sich am Sonntag mit einem Thermo- meterstand von über 31 Grad im Schatten ausdrückte. Aus allen Provinzen werden ähnliche Temperaturen gemeldet. Verbunden mit dieser Hitze ist eine starke Trockenheit, die sür die Ernte das Schlimmste befürchten läßt. In einigen Stadtvierteln>« Lille herrschte Samstag und Sonntag so großer Wassermangel, daß die Bewohner gezwungen waren, sich das köstliche Naß aus anderen Vierteln zu holen. Die Stadtverwaltung hat daraufhin beschlossen, die Beoölke- rung aufzufordern, sparsam mit dem Wasser umzugehen. Bei einem Zusammenstoß zwischen feindlichen politischen Truppen wurden Sonntag abend in Havanna 19 Per« sonen getütet und etwa 50 verletzt. Zwei Stunden lang war i» den Straßen der Hauptstadt eine regelrechte Schlacht im Gange. Der Ausstand von 15 999 Werftarbeiter« in den Hasen- städten des Stillen Ozeans ist nach fünfwöchiger Dauer heute beigelegt worden. im Mai 1934 aus Anlaß der Jubiläumsfeier erhalten wür- den. Sie erhielten Anfang Mai aber lediglich eine Jubi- läumsschrift„50 Jahre Bewag" und außerdem die Nach- richt, daß alle verheirateten Angestellten einen elektrischen Kochherd nebst Zubehör erhalten würden. Das in Aussicht gestellte Bargeschenk wurde nicht ausgezahlt, und die ledi- gen Angestellten mußten sich überhaupt nur mit der Lek- türe der Jubiläumsschrift begnügen. Die eigentliche Jubiläumsfeier fand im„Clou" statt. Selbstverständlich war sür alle Angestellten der Bewag der Besuch dieser Veranstaltung Pflicht. Es wurde aber ange- ordnet, daß niemand in Uniform erscheinen dürfe. Weder SA.-Uniform, noch Len-Anzug durste getragen werden. So kam im Berlin zum ersten Male seit vielen Monaten eine zivile Veranstaltung zustande, deren ungewohntes Bild nur dadurch belebt wurde, daß die unentwegten SA.-Leute im Knopfloch ihrer Zivilanzttge Büroklammern trugen. Ter Grund dieser Scheu, Uniform zu zeigen, liegt nahe. Man wollte den ausländischen Geldgebern, die als Ehrengäste geladen waren, nicht das Schauspiel einer militärischen Zwangsveranstaltung bieten. Trotz dieser Bemühungen, guten Eindruck zu machen, er- lebten die Leiter der Veranstaltung während der Feier noch eine peinliche Panne. Als zweiter Redner sprach Pg. Engel. Er wurde mit sehr dünnem Beifall empfangen und feine Rede begegnete eisigem Schweigen. Das brachte den braunen Bonzen in Harnisch, und er ließ sich in seiner Festrede zu der Erklärung hinreißen, daß er erst jetzt sehe, wieviel es in der Bewag noch auszuräumen aäbe, ehe der Betrieb als wirkliche nationalsozialistische Betriebsgemeinschaft ange- sehen werden könne. Nach seiner Rede trat ein ausländischer Gast, und zwar der Vertreter der Soiina, eine Mitbesitzerin der Bewag, aus Engel zu und erklärte unter stürmischem Beifall der Versammlung, daß in der Bewag Herr Enael nicht allein regiere. Die Bewertung der Angestellten der Bewag werde daher auch in Zukunft nicht nach ihrer Gesin- nung, sondern nach ihren Leistungen ersolgen. Mull und MikM m MM«« vWstM' Mussolini und Hitler WaS hat der Faschismus nicht alles versprachen! Ein neues Reich der Wohlfahrt und de» i'Uiickes wallte er herausführen, in dem der Bauer und Handwerker, erlöst von der Zins- knechtlchast bcS lassenden Kapitals und dem Steuerdruck des„liberalistischeii" Systems, befreit von der Konkurrenz der großkapitalistischen Unternehmungen, eine gesicherte und ans- kömmliche Existenz genießen, In dem der Arbeiter, froh der Segnungen de? neuen Sozialismus, im gesicherten Arbeit?- platz des höheren Einkommens teilhastig wiirde, das die neue Führung der autarken Wirtschast und die nationale Opfer- bcreitschast der Unternehmer-Pg'S. ihm sichern. Eine saubere Staatsführnng würde unter stetiger Erleichterung der Steuerlasten den Staatshaushalt In Ordnung halten, den Beamtenapparat einschränken und die Schnldcnlast vermin- dcrn. Das geeinte Volk, von neuer Würde crsliüt, im Bcr- trauen zum Führer geeint, würde in wiedergefundener Kraft der bewundernden Welt das Gesetz seines Handelns auferlegen... Tie Boraussetzung ist in Erfüllung ge- gangen: das Volk wurde in seinem Führer geeint— mit Lug und Trug, mit Terror und Mord und Konzentrations- lagern, die demokratische Selbstbestimmung restlos beseitigt, die faschistische Staatsgewalt wurde schrankenlos. Zwölf Jahre ist Mussolini an der Macht, übt er unumschränkte Herrschaft. Als er sie übernahm, setzte der erste große wirtschaftliche Aufschwung ein, der 1924 und 1925 kurz unterbrochen, an der Hochkonjunktur von 1929 gipfelte. Italien hatte, anders als Teutschland, keine Kriegstribute und der Sieg hatte wertvollen Gcbictszuivachs gebracht. Zwölf Jahre regiert Mussolini... Große öffentliche Ar- bciten wurden unternommen, neue Stätten der römische» Kultur freigelegt, aus aller Herren Länder strömten gc- fällige Journalisten. Künstler, Literaten zusammen und ver- kündeten den Ruhm des Regimes. Die pontinischen Sümpse wurden getrocknet, ohne Rücksicht aus die Kosten neues Ackerland gcivonnen. Tie Weizcnschlacht wurde begonnen, Italien sollte in der Lebensmittelversorgung autark werden ohne Rücksicht a»s die Kosten,' denn die Rahrungssreiheit ist eine wichtige Voraussetzung für die Kriegsführung. Und deshalb wurde die Wirtschaft„angekurbelt", die Elektrizitäts- vcrsorgniliig subventioniert, um von der ausländischen Kohlenzusnhr möglichst unabhängig zu werden, die Waffen- und Motorindustrien gefördert. Bor kurzem hat Mussolini in der italienischen Kammer eine große aufsehenerregende Rebe gehalten. Hat er von der siegreichen Wcizenschlacht, von den Erfolgen seines Systems, von den Segnungen beS Faschismus gesprochen? Ach nein! Ter Diktator erneuert nicht mehr die Versprechen, mit denen er die Macht ergattert hat. Er hat sich mit dem Elend abgefunden. „Wir gehen," erklärt Mussolini,„einer Periode entgegen, in der die Menschheit aus einem tieferen Niveau ihrer Lebenshaltung ihr Gleichgewicht finden wird. Aber man braucht sich deshalb nicht zn beunruhigen. Diese Mensch- heit kann eine starke Menschheit sein, sähig des Enthnsia«- mus und der Heroismus." Der faschistische Herrscher findet sich mit dem Elend der Beherrschten ab, in der Hoffnung, daß sie geeignetes Äanonciisntter bleiben. Aber ivarum das Geständnis? Stach 12 Jahren Faschismus Ist die italienische Virtschast und der italienische Staat bankrott infolge der Verschwcn- dung, der Korruption, des skrupellosen Leichtsinns, der Ig- noranz und der Hochstapelei des von jeder öffentlichen Kritik und jeder demokratischen Kontrolle befreiten Systems. Das italienische Banksystem hat noch vollständigeren Bau- krott gemacht als das deutsche, obwohl eS keinen plötzlichen Ruin ausländischer Gläubiger ausgesetzt war. Es mußte mit verhältnismäßig noch größeren Kosten als das deutsche vom Staate mit Hilst der Notenbank saniert werden. Tie italienischen Banken waren vollgepfropft mit faulen Schulde» der Industrie, die sie unter dem Druck der Dik- tatnr wahllos gewähren müßten. Tic überschuldete, künstlich aufgezüchtete Industrie gehörte praktisch den Banken. Um sie überhaupt wieder funktionsfähig machen, wurden alle diese sestgcfrorelien Engagements in eine neue Industrie- sanicrungsbank eingebracht, deren Kapital vom Staat mit Hilfe der Notenbank ausgebracht ist. Resultat zwölfjähriger faschistischer Wirtschaftspolitik: Ein Staatskapitalismus, der alle zweifelhaften und on- rentablen WirtschaftSunternchmnnacn umfaßt und ein Rest von Privatkapitaltsmnd, der die noch profitbringen- den Zweige ansbentet! Gegenwärtig, sagt Mussolini, ist es„der Staat, der drei Viertel der italienischen Industrie und Landwirtschaft seine Hilfe gewähren muß. Das sei die Schuld der Banken, Kapi- talistcn. Industriellen und Grundbesitzer, die das hart er- wordene Geld der Einleger, Gläubiger und Aktienbesitzer verwirtschaftet hätieü. Da? mag schon wahr sein. Aber was hat die Allmacht Faschismus, die Allgewalt bcS Führer? gc- tan, um diele frcvclhaslc Wirtschaft zu verhindern? War denn Mussolini je etwa? anderes als der skrupellose Klops- sechtcr, der italienische Faschismus etivas anderes als der brutale Stoßtrupp de? italienischen Kapitalismus? Ter Staat, der der bankrotten Wirtschaft Helsen soll, ist selbst bankrott. Das Tesizit im Staatshaushalt betrug am LS. Februar 8 Milliarden Lire und wird bis zum Ende des Fiskaljahres l30. Junis etwa 7 Milliarden erreiche»<1 Lire ungesähr*!i Golbmarks. Tie Schulbenlast, an sich furchtbar drückend, stieg rapid aus 88 Milliarden im Juli 1939, auk 96 im Januar 1933 und aus 102 Milliarden Ende März 1934. In den Dienst der Staatsfinnnzierung werden sämtliche flüssigen Mittel des Lande» gestellt, namentlich die der Post- Sparkassen. Diese geben Postiparkaffenbonds aus, die vön den Inhabern jederzeit fristlos kündbar find. Tie Bonds er- reichten Ende März die gewaltige Summe von 10.3 Milliarden. Es ist also eine gefährliche Festlegung, eine fort- schreitende Illiquidierung aller verfügbaren Mittel erfolgt — ein Prozeß übrigens, wie er jetzt auch in Deutschland beginnt. Die wirtschaftliche und finanzielle Bankrottpolitik wird verschärft durch die faschistische Wirtschaftspolitik und Rü- stnngSpolitik. Der Einfnhrbedarf ist trotz aller autarktsttfchen Experimente hoch, aber der Export geht immer weiter zurück. In den ersten vier Monaten stieg daS Defizit der Handels- bilanz ans 905.« Millionen Lire gegen 552.0 Millionen Lire de» Vorjahres. Die Goldreserven der Bank vv» Italien erlitten in derselben Zeit einen Verlust von über W> Millionen Lire. Die L!ra hat in den letzten Wochen einen Schwächeansall und ihr Kurs sank aus den internationalen Börsen um zirka 5 Prozent. Seitdem ist eine leichte Be- fcstiguiig eingetreten und hartnäckig erhält sich das Gerücht, daß die Bank von Frankreich der italienischen Notenbank Hilfe gewährt hatte, was, die Nichtigkeit vorausgesetzt, auch von erheblicher politischer Bedeutung wäre. Dieser Borsall von Wirtschast und Finanzen spielt sich nun aus der Unterlage eines ohnehin schon unglaublich niedrigen sozialen Niveaus ab. Das Elend der bäuerlichen Massen, der Landarbritcr, Halb- und Biertclpächtcr, der Arbeiter und Beamten, deren Löhne und Gehälter fortwährend reduziert wutden, Ist immer groß gewesen und der Faschismus steigert es fortwährend. Der Lohnlndcx im Jahre 1933 betrug nur noch 8»,s Prozent (192S'192ü=l0ü) und die Gehälter der in öffentlichen Diensten Stehenden wurden 1930 allgemein um 12 Prozent herabgesetzt. Jetzt ist Mussolini zu einem neuen Angriff geschritten. Tie Finanzen sollen saniert werden, die Krise wird beängstigend. Aber, erklärt Mussolini in seiner Rede, der„Steuerdruck hat seine äußerste Grenze erreicht. Der italienische Steueszahler muß eilte Zeitlang absolut in Ruhe gelassen werden. Wenn möglich, muß er entlastet werden, soll man ihn nicht eines Tages unier seiner schweren Last zermalmt tot auffinden!" Aber auch Anleihen sind nicht mehr möglich und so dekretiert der Führer eine» neuen Lohn- und Gehaltsabball der StaatSangestclltcn von 6 bis 12 Prozent, wobei die Tencrungs- und Familienzulagen sogar um 10 bis 5t) Prozent verringert werden. Zugleich werden die Mietzinse der Wohnüngtn um 12 und die der Geschäftsräume nm 15 Pro- zent herabgesetzt und jener Kamps für Preisherabsetzung an- gekündigt, dessen Erfolglosigkeit sich stets nach kurzer Zeit herausstellt. Dem Angriff Mussolinis auf die Kaufkraft und das Lebensniveau der Staatsangcstelltcn ist der Angriff des Ka- pitals auf die Arbeiter auf dem Fuß gefolgt. Die italienische Großindustrie führt gleichsfalls einen Lohn- und Gehalts- abban von 8 bis 12 Prozent durch und der Leiter des Reichs- Verbandes der italienischen Industriellen, Alvccrto Pirrelli, hat die Frechheit, Mussolini zu telegrafieren: „Die italienische Industrie befolgt mit glühender Ucber- zeugung und geschlossener Ergebenheit die von Ihnen mit Meisterhand vvrgtzcichiictcn Richtlinien, um die Arbeits- bcitslosigkeit zu bekämpfen und den Export zu erhöhen, damit die UnveränSerlichkctt der Währung gesichert und die Volkswirtschaft gefestigt wird." Fortschreitender Bankrott, zunehmende Verelendung der geknechtete» Massen, wachsende Not der Bauern, steigende Bedrängnis öeß städtischen Mittelstandes, Bruch aller Ver- sprechnügSn— da» ist das Resultat der Herrschaft des Faschismus. Daher Mussolinis erzwungenes Geständnis von der kommenden Periode der niedrigen Lebenshaltung. Aber nicht um die„Menschheit" handelt eS sich, sondern um die ihrer Rechte und ihrer Selbstbestimmung beraubten Masse» in den Ländern der Diktatur. Dem Mussolini freilich bleibt nichts übrig als der Appell an die bestialisch'» Instinkte. Denn was er als„EnihusiaS- mus" und„Heroismus" verherrlicht, ist ja nichts anderes als die Weckung der Mordlust z» einem europäischen Bürgerkrieg. „Nie von Aufrüstung sprechen... Die Geschichte lehrt uns, baß der Krieg stets die Höherentwicklung der Menschheit be- gleitet...(Auch wenn er uns in die faschistische und national- sozialistische Barbarei zurückstößt?) Ter Krieg ist sür die Massen, was die Mutterschaft für daS Weib... Ich glaub« nicht an den ewigen Frieden, der die Grundtugcnden des Mannes vereinen würde, der sich erst im blutigen Kampf zum vollen Licht der Sonne erhebt." Doch diese Blutlnrik hat ihre prosaische Seite. In derselben Rede, in der Mussolini das Elend der Massen, den verzwei- selten Zustand der Wirtschaft und der Finanzen enthüllt, werben neue Rüstungsansgaben angekündigt? vo» 1934 bis 1940 wird eine Milliarde sür neue Kriegsschiffe und eine zweite sür Erneuerung der Luststreitkräfte bereitgestellt. Die italienische Rüstnngsindnstric kann beruhigt sein und die Bankrottwirtschaft dauert fort. Brief aus Köln Man schreibt uns:?luch hier wurden nachts die Filialen der Woolwvrth A. G., Hohe Straße sowie Ehrenield, von an- geblich empörten Menschenhaufen gestürmt. Tie Fenster wurden eingebaut» und es wurde geplündert. Bestände würden auf die Straße geworfen. Nach unseren Nach- sorschnngeil handelt es sich um einen Personentreis, der von den Nazis entsprechend vorbearbeitet worden war. In Köln-Kalk wurde der Arbeiter Riehl verhaftet, weil er, der in Pflichtarbeit steht, auf der Arbeitsstätte In Ge- danke» einen Sowjetstern in den Sand gemalt hat. Wie Ihr wißt, sind hier von Köln ans sehr viele junge Menschen sJnngen und Mädels) zur Landhtlfe abkom» »laudiert worden. Die Eltern sind sehr besorgt um ihre Kinder, weil durch die Stadt die tollsten Gerlichte sagen. Viele Lanöhelfer schreiben, sie wollten wieder nach Hause. Wenn die Eltern ihnen nicht das Fahrgeld- schickten, würben sie sich ein Leib antun. Woher aber solle» die Eltern das Fahrgeld nehmen? Wenn die jungen Menschen ohne Erlaubnis die Landhilie verlassen, bekommen sie bei der Rückkehr keinerlei Unter- stüyung. Eine Mutter bekam von ihrem Jungen, der sich in befindet, einen Brief, worin er mitteilt, baß sich im Lager zniri sunge Mensche» durch Erhängen das Leben ge- nomine» haben. Ich habe versucht, eine Abschrift von dem Brief zu machen, aber die Mutter verweigert« eS? sie wollte ni<0t in Unannehmlichkeiten kommen. Der Junge schreibt weiter, er müsse von früh bis spät abends dauernd schwer arbeiten, aber das wäre noch nicht das Schlimmste. Man hätte ihm bisher sogar den sonntäglichen Kirchgang ver- weigert. Am Schluß schreibt er noch, daß Kameraden von ihm zu Fuß den weiten Weg nach der Heimat antreten, ohne eine» Pfennig in der Tasche zu haben. Dasselbe gilt auch von Mädels. Die meisten Mütter sehen in Gedanken ihre Töchter moralisch verkommen zurückkehren. Wer das Treiben der HJ. und des BdM. allnächtlich beobachten t a n n. muß die Bedenken der M ii t t e r teilen. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die angesetzten Streifen immer und immer wieder aus der Messe und den Park- gingen Jungvolk herausholen muß. Das alle? macht sich Von Dr. RichardKern Wie der Herr, so's Gescherr! Dem großen Ducc folgt der kleine Goebbels. Er hal hie Rede des Meisters sofort in ein schlechtes nationalsozialistisches Deutsch übertragen— Ge- ständiiis sowohl als Appell an die Bestialität. In einer Rede gegen die Miesmacher in Bremen gestand er: „Wenn von den Kritikern und Nörglern gesagt wird, ja, aber drei Millionen stehen noch draußen und haben keine Arbeit, so halten wir es für sozial richtig, daß die vier Millionen, die in Arbeit stehen, sich mit niedrigeren Löhnen begnügen, bis auch die andern in Arbelt stehen. Wir wissen, daß der deutsche Arbciier das niedrige Lohnniveau über- stehen wird? denn Ihm wird es lieber sein, in einem Rc- gtme zu arbeiten, das nur ans Ehrlichkeit und nicht auf Illusionen aufgebaut ist." Es ist gewiß nett von diesen lumpcnproletarischen Empor- kömmlingen, daß sie zu den riesigen Einkommen auch noch die Gewißheit erworben haben, daß Sie Arbeiter schon das„Nied- rigc Lohnniveau überstehen" werden! Tie Hitler»nd Goebbels und Göring und Ley's werden es von der Höhe ihres neu erreichten Lohnniveaus zunächst ruhig abwarten können In der anderen Gewißheit, daß die„Regierung, wenn die Not des Sandes cs erfordert, ein scharfes und rrbar- muiigsloses Regiment siihrcn muß". Aber festhalten wollen wir daS Geständnis, das bisher alS Greuelmärchen gegolten hat, daß eine allgemeine Lohn- reduktion erfolgt, daß die Kosten der Arbeitsbeschaffung, soweit sie überhaupt stattgefunden hat, zu Lasten der be- schäftigten Arbeiter gegangen ist, daß die Not unter Hitler gestiegen«nd noch nicht zurückgegangen ist. Wenn aber Goebbels setzt meint, baß die Nationalsozialisten „nichts weiter hätten tun können, als nur den'Schutt und Schmutz wegräumen, den wir bei der Machtübernahme vor- fanden", so steht daS In unlösbarem Widerspruch zn den Rnhniesreben d«S Propagandaministers, der bis vor kurzem nicht genug dagerschwätzcn konnte über daS Vollbrachte, über die ungeheuere!! Leistungen. Jetzt wird selbst der Laut- sprecher der Diktatur erheblich kleinlauter. Denn die Natio- iialsozlalisteii habe» zwar keinen Schmutz»nd Schutt auf- geräumt, sondern ihn in riesiger Höhe ausgehäiist, aber weggeräumt haben sie— und gründlich den Goldschatz der Rcichsbant. Er ist jetzt aus 1*0,5 Millionen gefallen: die Notendeckung beträgt 3,4 Prozent«nd die Krise wird immer würgender. Die Maßnahmen der Kriegswirtschaft verschärfen sich. Tie Ucbcrioachuligsstelle für Kautschilk hat Höchstlätze für die RohgnNiMivcrwenduiig pro Decke bzw. Schlauch der Fahr- räber erlassen, um Devisen bei der Einfuhr von Gummi zu sparen und bald wird man statt auf Gummireifen aus Drahtspirale» in das Elend des„dritten Reiches" fahren müsse». Die Ucberwachiingsstcllc für unedle Metalle hat an- geordnet, daß Kupfer und dessen Legierungen zu Freilei- tungen slir die Elektrizitätsversorgung im Jnlandc nicht mehr verarbeitet werden darf Der„Völkische Beobachter" warnt eindringlich vor dem„Run ans Güter mit auslän- bische» Rohstoffen",»nd die gute Beschäftigung der Textll- inbnsirtc, der man bisher die Stoffe ohne Ersatz au» den Händen gerissen hat, ist im Abflauen... Aber das ist noch nichts gegenüber der sensationellen Eni- hiillung, die der letzte Bericht der Rrbeltslosenanstalt bringt. Zunächst berichtet er brav und„bieder" eine» neuen Rückgang von 80 000 und man wundert sich höchstens über die diesmalige Bescheidenheit, da im Mai des Vorjahre» der Rückgang 292 000 Arbeitslose umfaßt haben soll. Aber dann erfährt man, daß plötzlich nicht weniger als 100 00« Notstandsarbeiter und dazu noch Stammarbclter, die mit ihnen zusammen beschäftigt waren, entlassen worden sind! Die„Arbeitsschlacht an d:r Marne" wird man künftig diesen Heeresbericht nennen. Tic Devisen- und Finanznot wirkt aus die Arbeitsbeschaffung zurück und hat sie plötzlich zum Stillstand gebracht. Man w!ll um jeden Preis die Rüstungsindustrien sichern, und wieder geht es auf Kosten Arbeitenden,— die au« der Arbelt geworfen werden. Wozu Mussolini 12 Jahre gebraucht hat, Hitler hat es fast in 12 Monaten geschafft! auch bei der weiteren Agitation sür die HJ. und den BdM. stärkstens sühlbar. Katholische Eltern, die ihre Jungen» und Mädels in diese vorgenannten Organe haben hineingeben müssen, holen sie wieder heraus. Tie Werber dieser Organ'?- sationen müssen sich beute schon sagen lassen, daß man nicht gewillt sei, die jungen Menschen zweck- und ziellos mar» schieren zu lassen, wobei sie außerdem noch Gefahr liefen, sittlich zu verkommen. Die Mütter weigern sich, ihre Töchte» zu Huren machen zu lassen Sie hatten über ihre Kinder zg bestimmen, wo sie hingingen, und waS sie zu tu» und zu lassen hätten. Die Demoralisation in der SA. und SS. nimmt zu. Diejenigen, dir heraus wollen, machen es so, saß sie Immer wieber sehten, woraus sie dann schließlich strichen werde». Man sagt, daß haufenweise die Austritte auf diese Welse erfolge». Manchmal sieht man betrunken«<53. am hellen Tag durch die Straßen torkeln. Kürzlich»and in Köln-Kalk ein evangelischer Gemeindctag statt. Die Versammlungen waren überfüllt. Es wurde sehr stark Stellung genommen gegen den Nationalsozialismus. Einer der redenden Pastoren hat eine aanze Zeit im Kon- zentrationslager gesessen. Seine Worte lösten die größte Be- giisterung ans. Er sagt u. a.: EhristuS war ein Jude, zwölf Apostel waren Juden, Paulus war der arößte Jude. Wir brauchen keine Ausuorduna. Sodann grirf er den Rcichs- bischos Müller an. der auk ver Eiscnacher Tagung gesagt hat, es hätte sich während der Revolution bewiesen, baß die evangelische Kirche zn schwach gcivescn sei, die katholische Kirche auszusaugen. TeShalb würden sie es von oben her- unter erzwingen. Tarauf allgemeines Gelächter. Da» wären Gedanken von Träumern, aber wenn sie ihre Träum« in die Wirklichkeit umsetzen wollten, dann würden sie zu Tyrannen. Rein Erholungsurlaub für Jugendliche Dresden, 12. Juni. lJnprcß). Tie Nazipresse meldet:„Noch bevor die Frage der Freizeit für Jungarbeiter und Lehr- linge gesetzlich geregelt wird, Ist es Sachsen gelungen, fast allen Jungarbeitern und Lehrlingen mehrwöchigen Urlaub ... sicherzustellen." In Wahrheit handelt es sich gar nicht nm einen Urlaub, sondern NM mehrwöchige Abkonimanbtc- rung der Jugendlichen in„Schulungslager", in denen sie militärisch gedrillt«verde». Erholungsurlaub gibt«s nicht. ^Deutsche Stimmen•(Beilage zur„Deutsdken Freiheit'• Ereignisse und Gesdkidkten «WWW»» Dienstag, den 19. Juni 1S»4 ilmvissen ist Wacht 1}ecdumniunQ> und'VechetzunQ- in.deutschen Schulen Durchkreuzte das deutsche Proletariat seit Jahrzehnten unter dem Wahlspruch„Wissen ist Madit" die Bildung?- Privilegien der bürgerlichen Stände, erkämpfen sieh Jungarbeiter, Söhne unbemittelter Eltern, in der Republik viele Wissensgebiete, die Iiis dahin nur den Protektionskindern der herrschenden Klasse offen standen, so folgen jetzt Hitler und seine Mitdiktatoren einer Devise, die ihnen genehmer ist, der Devise:„Unwissen ist Macht". Unwissen des Volkes bedeutet Macht für Ausbeuter, Usurpatoren, Sklavenhalter und blutige Tyrannen. Wenn also heute in den deutschen \olks-, Mittel- und Berufsschulen nicht mehr das Nötige, sondern bestenfalls nur das Nötigste gelehrt wird, so liegt diese Entgeistigung durchaus im Wesen nationalsozialistischer Machtpolitik begründet. Zurückschraubung der geistigen Ansprüche Gewisse bürgerliche Akademiker- nnd Intellektüellenkrelse begrüßen den Niedergang der allgemeinen Bildung mit Freuden, sichert er ihnen doch ein Privileg, das sie schon heinahe verloren glaubten. Immer wieder melden sich gerade in wissenschaftlichen und halb wissenschaftlichen Zeitschriften begeisterte Verfechter des neudeutschen Schulwesens zum .Wort. So zählt in der„Zeitschrift für ärztliche Fortbildung" (Berlin-Jena, 15. April 1934) ein Arzt einige Vorschriften für die Ueberwachung des Jugend- und Wehrsports auf. Punkt 3 lautet: „Notwendig ist straff organisierte Zusammenarbeit von Schule nnd Sportleitung(Zurückschraubung der geistigen An* Sprüche besonders bei Mädchen!)" Diese„Zurückschraubung" wird mit derselben Selbstverständlichkeit gefordert wie etwa ausreichender Schlaf— und im Lande der Dichter und Denker wird keiner es wagen, dagegen Protest zu erheben. Nun geht es aber bei allem Abbau doch nicht an, den Stundenplan auf Lesen, Schreiben und Rechnen zu reduzieren. Das wäre allzu ehrlich. Welchen Ausweg wählt man? Einen einfachen: die Lehrstunden, die nicht rein mechanische Fähigkeiten vermitteln sollen, werden schlechthin zur Züchtung künftigen Kanonenfutters benützt, werden teils der Ver* dummung, der Hirn verkleisterung geweiht, teils dienen sie zur Fortsetzung des Hitlerjugend„Dienstes". Jene„Wehr- haftmachung"(zu deutsch: nationalistische Verhetzung), der die Kinder in der Hitlerjugend unterzogen werden, vervollkommnet die Schule. Geschichtsunterricht Die Zeitschriften, in denen Lehrer für Lehrer schreiben, geben natürlich die beste Auskunft darüber, was gegenwärtig in Deutschland gelehrt und— leider— gelernt wird. Vor uns liegen einige Exemplare dieser Gattung, die in ihrer Gesamtheit über den Durchschnittsstundenplan recht gut informieren. Da ist zunächst der Geschichtsunterricht. Von den 14 Jahren Mißwirtschaft allein kann der sturste Bakelschwinger sein Pensum nicht bestreiten, auch der ferneren Vergangenheit müssen einige Lektionen gestiftet werden. Und in welchem Lichte hat diese Vergangenheit vor der Jugend des„dritten Reiches" zu erscheinen? Das„Deutsche Philologenblatt", Leipzig(41/45) verrät es uns: „Zu den Hochzielen des nationalsozialistischen Staates gehört es selbstverständlich, daß die Jugend des deutschen Volkes wieder durchdrungen sein muß von heldische,r Gesinnung, wieder erfüllt sein muß von dem hehren Gedanken der Wehrhaftigkeit. Kein besseres Mittel gibt es aber zur Erzeugung solch innerer Gesinnung als die stolze Kriegsgeschichte deutscher Vergangenheit... Wer aus der Kriegsgeschichte weiß, daß der Opfertod fürs Vaterland unseren Vorfahren zu allen Zelten eine Selbstverständlichkeit war und daß auch die Kriege der Vergangenheit unerhört blutig waren, dem werden diese kriegsgeschichtlichen Kenntnisse ein innerer Antrieb zur Pflichterfüllung sein, selbst im Toben der modernen Feldschlacht.... Deshalb gebührt der Kriegsgeschichte, weil sie mehr als irgend etwas anderes der Er- weckung wehrhafter Gesinnung dient, ein Ehrenplatz im vaterländischen Geschichtsunterricht des„dritten Reiches". Der Weltkrieg kann natürlich nicht gut übergangen werden. Aber von der deutschen Niederlage darf nichts verlauten(es war ja angeblich keine Niederlage, es war ein von hinten erdolchter Sieg). Deshalb müssen „die Ereignisse des Weltkrieges so besprochen werden, daß die großen strategischen Linien und die unerhörten Leistungen des deutschen Heeres deutlich werden. Außerdem empfehle es sich, die Geschichte des Heimatregimentes(„dessen Nummer ja auch die Heimatsstandarte der SA. trägt") besonders sorgfältig zu behandeln. „So wird man gleichzeitig ein Stück besonderer Heimat- geschiehte im besten Sinne treiben. Gerade Kriegsgeschichte wird von den Schülern mit erfreulicher, natürlicher Begelste- rmig entgegengenommen. Wovon könnte auch eine gesunde Jagend mehr ergriffen werden?" Im besten Sinne— natürliche Begeisterung— gesunde Jugend. Gaskrieg, wo ist dein Schrecken? 1914 saßen aber tausend patriotische Pauker unabkömmlich hinter den Kathedern und begeisterten sechzehnjährige Kinder für den Freiwilligentod. An Lehrernachwuchs dieser Art mangelt es im„dritten Reiche" keineswegs.- Daß der Verfasser des zitierten Artikels als Anschauungsmaterial historische Zinn- n" f 1—» Lumi/Jit Ir an m zuerst die nordischen Heldensagen. Die„Mittelschule", Halle (48'1) lobpreist ihren ethischen Gehalt: „Gefährlich leben, das heißt dem nordischen Helden nachleben. Heldischer Kampf, heldische Liebe, heldischer Glaube, heldischer Haß werden im deutschen Jungen immer eine aufnahmebereite Seele finden." Der heldisch heldisch-heldischen Heldenhaftigkeit tut auch ein bißchen Mord und Verbrechen keinen Abbruch, im Gegenteil: „Der alles durchdringende Ehrbegriff macht dieses Menschentum sauber und rein, treu und truglos, auch wenn es im Blute watet. Unter Männern und Frauen finden sich wilde Verbrechernaturen; aber die reine und klare Luft ringsum macht auch sie durchsichtig wie Kristalle." Die„Neue Deutsche Schule" mahnt daran, das neue Schrifttum nicht zu vergessen. Dabei kommt et nicht darauf an, ob Schund gelesen wird, wenn nur das Parteibuch des Dichters in Ordnung ist: „Gerade um des zeitgebundenen Schrifttums willen muß der Lehrer sich von der in den letzten Jahrzehnten vorherrschenden Auffassung freimachen, als müsse alle Dichtung, die an den Schüler herantritt, Höhenkunst von Ewigkeitswert Sein. Entscheidend ist zuerst das Was und nicht das Wie." Die„Mittelschule" will nicht nachstehen und trumpft auf: „Das Horst-Wessel-Lied zeigt die Dichtung in ihrer menschenformenden und schicksalschaffenden Macht. Dichtung ist rassebedingt. Das ist unschwer einzusehen." Auch im Deutschunterricht darf natürlich die unmittelbare Kriegshetze nicht außer acht gelassen werden, die Schüler könnten sonst den Hitlerschen Friedensreden glauben, die doch gar nicht für das Inland bestimmt sind. Deshalb die Mahnung für Deutschlehrer: „Vergessen wollen und dürfen wir auch nicht, wie Fremdrassige unsere Gefangenen während des Weltkrieges behandelt haben." Geographie So! Und nun ist Erdkunde an der Reihe. Niemand glaube, daß daraus nichts zu machen wäre. Wieder Ist es die„Neue Deutsche Schule"(Monatsschrift für alle Fragen der Volksschule), die sich kräftig ins Zeug legt.„Der Atlas ein Unheil?" fragt sie und bestätigt: „Man muß einmal offen sagen, daß der Atlas manchen Schaden stiften kann. Jeder Atlas muß nämlich, wenn er als zuverlässig gelten will, das politische Staatenbild in der heute gültigen Form festhalten..." „Andererseits aber wollen wir dem Schüler zeigen, daß gerade dieses gegenwärtig geltende Staatenbild durchaus nicht etwas Starres ist, daß es vielmehr durch bestimmte geschichtliche Vorgänge erst so und so geworden ist, und daß es sich auch, wenn einmal die Kräfte, die sich in diesen Formen festgelegt haben, wechseln, auch in Zukunft geändert werden wird. Daß gerade wir Deutschen allen Anlaß haben, die Bedingtheit der politischen Karte von heute immer wieder zu betonen, ist selbstverständlich." Das ist deutlich genug. Und im gleichen Stile geht es seitenlang weiter: „Der Lehrer wird jeden Wechsel dieser Kräfteverteilung schildern und dabei aufzeigen, wie die Grenzen allmählich ihre Verbindlichkeit verlieren, als hart und ungerecht empfunden werden, wie sich, trotzdem die politische Grenze ihre Gültigkeit noch weiter behält, volksmäßig ganz neue Verhältnisse herausbilden und schließlich die Grenze zusammenbricht und neue staatliche Abgrenzungen notwendig werden." Während Tausende von deutschen Lehrern Millionen deutschen Kindern das klarmachen, gibt Hitler eine Loyalitätserklärung nach der andern ab, und schließt einen Nichtangriffspakt mit Polen... Soldaten in ausreichendem Maße" fordert, braucht kaum T zu werden. Der deutschen Jugend soll der Krieg hinzugefugt ZU, tat II ffeniiffend so gut wie abgeschafft hinzugefügt zu wercicu.. W als Kinderspiel erscheinen— und außerdem ist ja genügend Geld für derartige Anschaffungen vorhanden, seitdem Schulspeisungen und Erholungsfürsorge sind. Deutsche Spt-ache und Literatur Als zweites Fach steht„Deutsch" auf unserem Stundenplan. Die„Nene Deutsche Stunde"(7/12) schreibt: Wie im Bereich der Sprachblldung ist auch in dem des Schrifttums als oberstes Bildungsldeal das nationalpolitische verpflichtend... Nur aus deutschem Geist geborene Dichtungen können diesem Ziel dienen." Also auf in die rassenreine Litera)ur! Da lojfccpi natjirljih Wehrgeographie Mit der simplen Erdkunde allein ist es übrigens in den Schulen nicht mehr getan. Ein ganz neues Fach wurde in den Lehrplan aufgenommen, es nennt sich„Wehrgeograpbie". Wer sich davon bisher keinen rechten Begriff machen konnte, der erfährt Näheres in der„Zeitschrift für Berufsbildung und praktische Unterrichtsgestaltung". Teubner-Verlag, Leipzig-Berlin(7/7). Kam es in den anderen Stunden mehr darauf an, die deutsche Kriegslust zu loben, so gilt es hier, die der anderen Völker zu tadeln: „Wie sähe es aus, wenn Deutschland von den unter sich verbündeten Nachbarn, Frankreich, Belgien, Polen und der Tschechoslowakei, mit Krieg überzogen würde?— Ostpreußen, infolge der Durchstoßung des deutschen Raumes vollständig vom Mutterlande getrennt, hat die bedrohlichste Lage.— Schlesien steckt in der polnisch-tschechischen Umklammerung. Im Ernstfalle würden sich nach etlichen Tagesmärschen polnische und tschechische Regimenter irgendwo in Niederschlesien die Hände reichen.— Berlin ist stets in Gefahr." Erziehliche Auswertung: Ich will meinem Volke gerade in der Zeit der Gefahr dienen! Treue gelobe ich meinen deutschen Führern!ten Die Russin Anna S t c it, die vorher in ihrem Heimatlands und in Berlin gefilmt hat, ist vor kurzer Zeit für mehrere Filme von der Metro- Goldwyn-Mayer nach Hollywood verpflichtet wor- den. Ihr erster dortiger Film„Nana", nach dem Roman von Emile Zola, ist in Europa mit großem Interesse ausgenommen worden. In Kiew lebte eine Familie, sehr vereint. Die Mutter, eine«chwedin, träumte immer davon, einmal Künstlerin zu werden: der Bater, ein Ukrainer, war akrobatischer Tänzer. Im Jahre 15>10 wurde ihr erstes Kind geboren, eine Tochter, Anna. Das Heben geht ruhig weiter, bis die Revolution ausbricht. Der Tänzer wirft sich in die Massen, als wenn es sich um ein gigantisches Ballett handele. Einige Monate später jedoch trifft ihn eine Kugel uu!* die Familie blieb allein zurück. Drei Unglückliche, denn Mutter Sten hatte noch einem anderen kleinen Mädchen das Leben gegeben. Jetzt beginnt für Anna eine schreckliche Zeit. Ihr liegt es ob, für die Lebensnotwendigkeiten der kleinen Familie zu sorgen, obgleich sie doch erst 12 Jahre alt ist. Zuerst heißt es fliehen: fliehen vor den deutschen Bomben, fliehen vor den Kosaken-Patrouillen. die dem alten Regime treu geblieben sind, fliehen vor den ausgehungerten Bauern und endlich fliehen vor den roten Truppen. Und trotzdem muß man essen. Die Mutter verkaust den wenigen Schmuck, den sie noch besitzt, ihre Möbel, ihre Garderobe, alles. Aber das genügt nicht. Anna oerdingt sich als Haus- mäbchen an einen Bauern? sie arbeitet hart, von morgens bis abends, um ihren Lohn zuverdienen: gerade ausreichend, damit sie, ihre Schwester und ihre Mutter nicht des Hungers sterben. Jahrelang geht diese Arbeit so weiter, aber es ge- lingt den Frauen, sich über Wasser zu halten. Endlich auch etwas Glück. Eines Tages kündigen große Zettel an den Mauern der Stadt an, daß die Regierung ein Staatstheater gründen will. Welche Aussichten für das junge Mädchen! Soll sie Artistin werden? Der Traum ihrer Mutter ist auch der ihrige. Anna Sten stellt sich vor. Begünstigt durch den Ruf ihres Vaters wird sie engagiert und es gelingt ihr sogar, die Aufmerksamkeit des großen Direktors Stanis- lawski auf sich zu ziehen. Tiefer vertraut ihr eine Rolle in einem Stück von Gerhard Hauptmann, dann empfiehlt er sie weiter und ist ihr dabei behilflich, daß sie, erst 13 Jahre alt, die Filmakademie in Moskau besuchen kann. Hier lernt sie die Geheimnisse des Films kennen. Sie arbeitet hart und erlernt richtig ihren neuen Beruf. Bald hat sie auch schon ihre erste Rolle und dreht zusammen mit Jnkijinoff„Sturm über Asien". Zu gleicher Zeit spielt sie auch im Theater, und während der Ausnahmen zu„Sturm über Asien" debütiert sie unter der Direktion von Stanislawski in einem Stück von Pirandello. Aber wir sind in USSR., und hier heißt es, den Gesetzen des Staates zu gehorchen. Dieser bestimmt, daß die junge Anna sich einer umherziehenden Truppe an- schließt, und bald sehen wir unseren Star im Süden an der Arbeit, auf der Krim. Dort macht sie die Bekanntschast eines jungen Filmdirektors, der ihr den Hos macht. Sie ge- fallen sich, unterzeichnen ein Dokument vor der Kommission: sie sind verheiratet. Kurze Zeit danach gefällt ihnen aber das gemeinsame Leben nicht mehr, sie unterzeichnen ein anderes Dokument: sie find frei. Anna Sten ist aber ein wahrer Star und die Folge wird das bestätigen. Nach ihrer Tournee in der Krim kehrt Anna nach Moskau zurück. Dort arbeitet sie mit Febor Ozep in den..Brüdern Karamazosf" und dann mit Kortner. Darauf- hin ist sie bekannt und geht nach Berlin. Unglücklicherweise hat sie dort einen Automobilunsall und eine ewige Narbe bleibt auf ihrer Stirn zurück. Aber auch das ist nicht das Schlimmste, sie trägt eine Ponny-Frisur. Bald danach lernt sie den Anwalt und Architekten Dr. Eugen Franke kennen und heiratet ihn. Und dann... jetzt kommt noch eine Ge- schichte, es wird noch einmal rouiantisch in dem Leben dieses Stars, aber amerikanisch. Eines Sonntags liest ein großer amerikanischer Produzent das„Ney Movie Magazine", als seine Augen auf einer Fotografie haften bleiben. Bald erhellte sich sein Blick und Samuel Goldwyn mußte denken wie einst Archimedes: „Heureka."„Ich Habs gefunden." Es war ein Foto von Anna Sten. Ohne eine Minute Zeit zu verlieren, kabelte Goldwyn an seine Korrespondenten, damit sie ihm den Star auffänden und ihn kontraktlich verpflichteten. Ein Antwort- kabel erreicht ihn: sie spricht kein Wort englisch. Macht nichts, sagte der Produzent, sie wird es lernen. Und bald ist Anna Sten unterwegs nach Hollywood. Samuel Goldwyn war entschlossen, 300 000 Dollar zu riskieren, einzig und allein, weil er Vertrauen zu seiner neuen Entdeckung hatte und weil er sein findiges Auge kannte. Die junge Russin machte viel von sich reden, gerade, weil sie selbst nichts sagte und man nichts von ihr wußte. Als der erste Film zur Hälfte fertig war, ließ Goldwyn ihn sich in seinem privaten Vorführraum zeigen.„Nicht schlecht," sagte er,„aber noch lange nicht gut genug,' noch einmal!" Er hatte 230 000 Dollar ausgegeben. Jetzt war der Film beendet. Anna, Nana... vielleicht war der Vorname des russischen Stars ein Indiz für die Rolle, die sie spielen sollte? Claude Arlen. 11 Männer sind zweitrangig" Die„paradiesmenschen" von Keu-Suinea In Innern des von den Papua bewohnten Gebietes auf Neuguinea, das von Australien als Mandatsgebiet ver- waltet wird, haben Flieger, so berichtet die„Basler National- Zeitung", ein bisher unbekanntes Volk entdeckt. Der Stamm steht auf einer sehr viel höheren Zivilisationsstufe als die halbwilden Papuas. Die Männer sind hochgewachsen und tragen lange Bärte, während die Frauen als ausgesprochen schön bezeichnet werden. Sie leben in viereckigen Häusern, während die Papuas in kugelförmigen Hütten hausen, und treiben Ackerbau und Viehzucht. Dabei wird für den Acker- bau ein sehr kunstvolles und sinnreiches Bewässerungssystem benutzt. Ter aus über 200 000 Köpfen'bestehende Stamm lebt an der Quelle des Whagi-Flusses in der Nähe des Hagen- Berges zwischen dem Bismarck-Gebirge und der Grenze des Papua-Gebietes. Eine von der australischen Regierung in die Gegend entsandte Erpedition berichtet, daß die Angehört- gen des Stammes friedfertig und zugänglich sind, und daß ihre Gebräuche und Lebensgewohnheiten sich in jeder Be- ziehung von denen der Papua unterscheiden. Zur Erforschung der Geschichte des Stammes werden noch in diesem Monat zwei Missionare nach Neuguinea abreisen. Nun meldet sich soeben ein Mann, der schon einmal unter diesem, der Wissenschast bis jetzt entgangenen Volke geweilt hat. Dieser Mr. Busby lebt jetzt in England und sucht hier die Mittel zu finden, um so bald wie möglich wieder in das „Paradies" zurückzukehren. Er ist ein alter Minen-Prospek- tor, den auf einmal das Heimweh packte und der wegen dieses Heimwehs sogar das Paradies im Stich ließ,— um es nun wieder zu suchen. „Ich hatte damals lange in Australien gearbeitet und war dann nach Neu-Guinea herübergekommen. Die Papuas sagten mir immer, daß weiter im Innern, unweit der Schneeberge tdenn wirklich steigen einige Gebirge, trotz der Aequatornähe, mit weißem Eisgipfel bis zu 3000 Meter Höhe empor) gute„Steine" zu finden seien. Tie hatten da auch eine alte Sage, von der mir ein alter Papua berichtete, von einem fremden Königsvolk. Jedenfalls ahnte ich, daß dort etwas Neues sein müsse. Eines Abends kam ich auf der Suche nach einem Lagerplatz in eine Lichtung, in der ich zu meinem Erstaunen fast fünfzig Frauen fand, alle sehr schlank und gut gewachsen und mit einem intelligenten Gcsichtsausdruck." Erst liefen die Frauen davon und beobachteten aus dem Dickicht den Mr. Busby. Dann beruhigten sie sich und kamen sehr freundlich wieder näher. „Ich bin ein paar Wochen bort geblieben. Und ich muß sagen, daß ich aus meinem freilich etwas bewegten Dasein keine friedlichere Erinnerung habe als jene an diese Wochen. Woher diese Menschen kommen, welche Sprachverivandt- schatten bestehen, welche Beziehungen zu anderen Völkern herrschen— das alles weiß ich nicht. Wenn die Wissenschaftler jetzt sagen, daß sie einen ägyptischen Typ haben, dann muß ich das glauben. Aber ich kann berichten, wie sie leben. Die Frauen herrschen in diesem Paradies. Eine Königin wird gewählt, und zwar nur unter dem Gesichtspunkt ihrer Klugheit und ihres guten Aussehens. Ihr Wort ist absolutes Gesetz." „... Was mich am meisten erstaunte: dieMännersind hier Menschen zweiten Ranges, auch körperlich, wenn sie auch nach unserem Standard gemessen immer noch große und kräftige Gestalten haben. Aber sie sind viel femininer. Sie tun alle Hausarbeit, spielen also nach unseren Begriffen die Hausfrau, während die Frau den Landwirt macht. Verbrechen habe ich nie gesehen und beobachtet. Das liegt vielleicht an den raffiniert ausgeklügelten Gesetzen und Ueberwachungsmethoden der Frauen, vielleicht aber auch an den geradezu idyllischen Bedingungen. Einmal sah ich, wie ein Mann wegen einer kleinen Ver- fehlung verurteilt wurde, von zwei der stärksten Frauen ausgepeitscht zu werden. Der Mann unterwarf sich diesem Urteil ohne weiteres. Ich möchte sofort wieder aus die Insel, zu diesem Volk zurück. Aber der Weg in ihre Gemeinschaft ist schwer, genau so, wie die Missionare es schwer haben werden, sie zu be- kehren. Denn dieses Volk, das zweifellos sehr alt ist, hält hartnäckig an den alten Ueberlieferungen fest und wird auch von ihnen nicht abgehen. Zudem haben sie ja auch alles, was sie brauchen, und sind glücklich, viel glücklicher als wir!" Also spricht Mr. Busby und sucht eifriger denn je die Mittel, um wieder in sein„Paradies" zurückzugelangen. Der Friede von Neu-Guinea ruft ihn— trotz der„Frauen- Herrschaft"... Der Kalif und fein Schüler Ein Gleichnis von Dyonis Lippa / Ein Schüler, der in allem Wissen sich ausgezeichnet hatte, wurde vom Kalifen Jussei auf Reisen geschickt. Drei Jahre lang sollte Ermil in allen Ländern seine Kenntnisse erweitern und vertiefen. Nach dieser Zeit, als er zurückgekehrt war, fragte ihn der Kalis vor seinem Hosstaate: „Was hast du gesehen und was tat sich dir kund, Ermil, mein Sohn?" Dieser antwortete: „Nur dies, großer Herrscher. Ich war in der Welt und sehnte mich nach der Heimat. Der Staub aus fremden Ländern auf meinen Sandalen ist auch nur Staub. Und die Sterne sind gleich fern, von hier, wie aus der Fremde. Tie Nacht gleich dunkel— der Schmerz gleich tief— die Worte gleich leer..." „Ermil," rief der Kalif,„du warst nicht umsonst in der Welt!" und er umarmte ihn. Nun liegst du abendlich zu meinen Füßen, Tu große, abenteuerliche Stadt. Bieltausend Dächer drängen sich und grüßen Den fremden Mann, der keine Heimat hat. Mehr als ein Jahr Hab ich in dir gelitten. Nicht einen Tag mich wirklich frei gefühlt. Bielleicht Hab ich dir Unrecht abzubitten, Wenn ich geklagt, du hättest mich zerwühlt. Doch weiß ich nun: Ich muß dich bald verlassen, Wenn ich nicht ganz an dir zerbrechen soll. Ich sehne mich nach südlichen Terrassen. Nach Meer und Weite, blau und sonnenvoll. Vielleicht kann dort der Heimat Bild verblassen. Die ohne Matz ich liebe noch im Groll. H o r a t i o. Vierundzwanzig schwarze Heroen Der furchtbarste Schrecken Afrikas, die Schlafkrankheit, fordert alljährlich viele lausend Opfer. Bis heute ist es noch nicht gelungen, trotz unendlich vieler Bemühungen von seilen der Wissenschaft, diesem Schrecken wirksam Einhalt zu ge- bieten. Seit vielen Jahren hat man schon Versuche an Tieren vorgenommen, während man bisher Versuche an menschlichem Material noch nicht vornehmen konnte, da sich zu diesem Risiko niemand bereit finden wollte. Wtjjeu- schaftler und Bakteriologen forderten daher jetzt öffentlich die Bevölkerung von Uganda, dem am schlimmsten von der Schlafkrankheit heimgesuchten Gebiet in Ostafrika, auf, sich freiwillig zu Versuchszwecken zur Verfügung zu stellen. Es meldeten sich auch sofort daraus 21 Eingeborene, obwohl sie sich der Folgen dieser ihrer Handlung voll bewußt waren. Elf von ihnen wurden mit den Bakterien der Krankheit in- fisziert und die Gelehrten begannen mit ihrer an den Tieren bereits erprobten Heilungskur. Keiner von diesen Eingeborenen starb und man konnte allmählich feststellen, daß sie eine ununterbrochene Genesungskur durchmachten. Dies ist der erste große Erfolg im Kampf gegen die Schlaf- krankheit, den die Wissenschaft auf diesem, im wahrsten Sinne des Wortes bisher schwarzen Gebiet zu ver- zeichnen hat. Räuber entdecken die Schatze der Großmogule Das Märchen von Ali Baba und den 10 Räubern ist kürz- lich durch die Wirklichkeit übertrumpft worden. Eine Bande von Wegelagerern hatle sich vor der Polizei des indischen Distriktes Hissaa in eine riesige Höhle geflüchtet. Dort be- rührte einer der Räuber aus Versehen eine Stelle der Höh- lenwand, in die eine Art Skulptur gehauen war. Ehe er sichs versah, bewegte sich der berührte Stein, rutscht« zu Boden und gab den Weg in einen langen Gang frei. Die Räuber nahmen allen ihren Mut zusammen, machten sich künstliche Kerzen zurecht und drangen in den Gang ein. An seinem Ende fanden sie ein weites Gewölbe, in dem ungeheure Schätze von Diamanten und Goldstickereien aufgestapelt lagen. Sie stammten aus der Zeit der ruhmreichsten und verschwenderischsten Großmogule.— Die Räuber nahmen einen der goldgewirkten Mäntel mit. Seine Knöpfe waren Edelsteine. Sie verkauften das Prachtstück einem Kaufmann in Bombay und versuchten, mit dem Erlös das Terrain zu erwerben, unter dem die Höhle lag. Der Eigentümer des Grundstücks wurde jedoch wegen des hohen Angebotes miß- iranisch. Er wandte sich an die Polizei. Ein Regierungs- beamter leitete daraufhin eine Untersuchung ein, deren Er- gebnis er dem indischen Institut für Archäologie unter- breitete. Gegenwärtig sind die Gelehrten damit beschäftigt. Ausmaß und Wert des Schatzes zu taxieren. Er baute nach oben Jetzt, wo die Wolkenkratzer schon eine gegebene Tatsache sind, wird das Woolworth-Building bald zur Vergangenheit gehören. Aber sein Architekt. Mr. Caß Gilbert, der dieser Tage in England starb, ist noch nicht Vergangenheit. Er war ein Pionier aus dem Gebiete der Baukunst, der nicht nur in Amerika Anerkennung fand, sondern auch von der englischen Königlichen Akademie zu Lebzeiten geehrt wurde. Als er das Woolworth-Building baute, waren Wolkenkratzer von solchen Ausmaßen unbekannt. Er sah, daß Neuyork, wenn es sich ausbreiten wollte, es keineswegs wie andere Städte horizontal tun konnte, da es auf einer Insel gelegen ist. Daher baute er nach oben. Aber Gilbert hatte nicht nur die Idee, er war auch fähig, sie praktisch auszuführen. Seine Kenntnisse in Stahl- und Eisenkonstruktionen waren seinen Zeitgenossen um Jahre Woraus: wäre es nicht so ge- wesen, wäre das Woolworth-Building eine Unmöglichkeit gewesen. Radio aus der Stratosphäre In drei Wochen wird es den europäischen Hörern möglich sein, die interessanteste und originellste Rundfunkübertragung, die je arrangiert wurde, zu hören. Captain A. W. Stephens und Major W. E. Kepner, beide Mitglieder der amerikani- schen Lustflotte, sind im Begriff, zu Forschungszwecken in einem Ballon in die Stratosphäre aufzusteigen, wo sie eine Rekordhöhe von 80 000 Fuß zu erreichen hoffen. Sie wollen eine Beschreibung dieses Experiments und ihre Ersahrungen an Ort und Stelle in ein Mikrofon sprechen, dessen Schwingungen über eine Spezial-Wellenlänge von einem großen amerikanischen Sender aufgefangen werden sollen, der sie dann seinerseits wieder mit einer Stärke von 100 Kilo- watt in die Welt sendet. Dieser Sender wird zuerst mit allen amerikanischen Stationen in Verbindung stehen, und auch die Vorbereitungen sind schon getroffen, daß diese seltene Uebertragung auch von den europäischen Stationen aufge- nomme» werden kann. Das iWenfaf In Polen Die Mörder— Nationalsozialisten! Marschau, den 17. Juni 1934. Die Untersuchung des auf den polnischen Innenminister verübten Attentats hat ergeben, daß der Mörder der pol- Nischen nationalsozialistischen Partei angehört. Bekanntlich hatte der Innenminister bzw. seine Unterorgane eine Unter- suchung über die Umtriebe der nationalsozialistischen pol- Nischen Partei angeordnet. Wir hatten bereits gemeldet, da» ausgerechnet zum Besuche Goebbels in vielen Bezirken ein Verbot und eine Auflösung dieser nationalsozialistischen Gruppen angeordnet war. Ter Mörder ist bis seht Noch nicht gejagt worden. Eine dahingehende Meldung beruht auf einem Irrtum. Man fand in einem Hause in der Nähe des Tatortes den Mantel und den Hut de« TäterS. Tiefer hatte sich in dem Hauie dieser Gegenstände entledigt. Eine genaue Personenbeschreibiliig des Täters ist veröffentlicht. Tie Polizei hat bereits genaue Feststellungen über den Täter getroffen. Tie polnische Oefsentlichkeit ist durch den Anschlag aus den Innenminister aui's tiefste erschüttert. Tas Innen- Ministerium hat für die Verhaftung des Täters eine Be- lrhnnng in Höhe von 190 900 Zloty ausgesetzt. Tic Stratze, in der da? Attentat verübt worden ist, wurde noch am Tamstag voriger Woche feierlich in Picracki-Stratzc umge- tauft. Im Zusammenhang mit der weiter fortschreitenden Unter- suchung wird noch gemeldet, dag der Attentäter ausier dem Revolver. aus dem die tödlichen Schüsse abgegeben wurden, noch im Besitze einer Bombe gewesen ist. die infolge e'nes Konstruktionsfehlers nicht ehplodiert«. Tie Bombe ist dem staatlichen Sprengstofflaboratorium zur Untersuchung üöerwicsen. Wo»ollen Juden in Deutschand ihre Erholungszeit verbringen? Prag, 14. Juni. Immer mehr Kurorte und Sommer- frischen in Teutschland sperren sich gegen die Juden ab. Auf die Anfrage, ob deutsche Juden zum Kuraufenthalt Westcr- land aufsuchen düricn, erwiderte die Städtische Badcvciwal- tung Westerland-Sylt, datz der Gemeinderat beschlossen hatte, datz jüdische Gäste unerwünscht seien. Eine gesetzliche Handhabe. Juden fernzuhalten, bestehe zwar nicht, aber die Stimmung der SA. sei scharf iudcngegnerilch,' der Julü, der Westerland aussucht, trage selbst die Folgen. Rlo'sdirci! Aus Maastricht wirb un? geschrieben: Seit etwa 4 Wochen ist o e hiesige Poltzei-Behvrde dazu ndergegange» hier angemeldete süoische Flüchtlinge einem Verhör zu unterziehen. In der Regel werde» die«iiser- korenen für den nächsten Tag bestellt und es ivird ihnen ein- geschärft, b'e Päste der ganzen Familie mitzubringen. Tort angelangt, werden die von dmi Konsulaten erteil en Ein- rciicviia notiert. Tem Betreffenden wird gesagt. falls das Visum für Besuch- oder zum Geschäftszweck erteilt wurde, komme eine Verlängerung des Aufenthaltes nicht mehr in Frage. Auf die Franc der Er'chrockcneü— bnninter auch Staatenlose-„Wohin soll ich mit meiner Familie auswandern? Belgien lM ttt'm Nicht herein! Nach Frankreich ist der Zu- zug verboten! Amerika hält an seiner Quote fest! England hrt für uns keine» Platz! Für Palästina sind wir nicht reich genug oder haben bereits das vorgeschriebene Alter überschritten und dergleichen!" wird uns lakonisch erklärt: „Tas geht uns nichts an. wir werben Sie über die Grenze setzen wenn S e es nicht vorziehen von selbst zu gehen!" TteseS Spiel wiederholt sich In einlacn Tagen... Tasielbe geht mit verschiedenen.luden polnischer Nationalität vor. trotzdem sie bercj»s 2—4 Iobre unbekchnldct in Maastricht wohnen. Tic jüdischen Flüchtling? werden derart gehetzt, dnn sie n'cht zur Ruhe kommen und förmlich zur Berzweis- lung getrieben werden. Propagandaministerium organisiert die Kurzwellenamateure Das Propagandamiuisterium ist daran gegangen, die Kurz- wllcnamatcure in einer eigenen Organisation„Teuischcr Amatcur-Sende- und Empfangsdienst" lTAST.l zusammen- zufallen. Nur Mitglieder der Organisation werben sich in Zukunft als Amateursender betätigen dürfen,^-elb'tvcrstand- lich werden nur Nazi ausgenommen. Ti" Ausgabe der Mit- glteder soll„Knltur"propaganda und Zerstörung von „Greuelmärchen" sein. „Grenelbcridit der Deutschen aus Spanien" Eine sachliche Aufklärung I. W. schreibt uns aus Madrid: Am 12. publiziert die„Teutschc Freiheit" den„Greuel- bcricht der Deutschen ans Spanien". Tazu ist solgcndeS zu berichten: „Tie deutsche Kolonie Hot au? ihrem Sportplatz am Solln- tag ein Sportfest abgehalten, an dem sämtliche Mitglieder der Madrider Nazis teilnahmen. Um die Angelegenheit bc- sonders festlich auszuziehen, brachte man am Eingang des Sportplatzes eine Hakenkreuzsahne an. Selbstverständlich mutzte diese Fahne die an sich naziseinölich eingestellten Ar- Heiter provozieren. Es bildete sich also eine Manifestation junger Kommunisten, die mit einer roten Fahne vor den Sportplatz zogen und riefen„Es lebe die Freiheit".„Nieder mit Hitler, nieder mit dem Faschismus!" und versuchten, sich der Hakenkreuzsahne zu bemächtigen Statt datz die Teutschc» nun aber ihre Fahne eingezogen hätten, begannen stc auS dein Innern des Sportplatzes gegen die spanischen Manifestanten zu schimpfen und so ihre Fahne zu„verteidigen" Tie Gemüter wurden immer erregten, und es begann ein Steinhagel auf die Festtcilnchmcr niederzugehen. Es ist wahr, datz dabei 3 Kinder, eines davon schwer, verletzt ivnr- den. Wahr und bedauerlich Ten» diejenigen, die die Vcr- antworsuna für die Provokation trugen, vor allem der Detter des deutschen Tu>nve>eins. ein Herr Knappe, zoacn sich i» den Hintergrund zurück. Aber nicht geniig damit: Tie Madrider Nazis, die jetzt ihr?„antimarristilchen" Hilferufe in die Welt schicken, entblödeten sich nicht,»ach den traurigen Ereignissen ein Sauigelage in den Kluvräumeu des Turn- Vereins zu beginnen. Herr Knappe soll dabei so betrunken gewesen sein datz er eine Pauke, die irgendwo herumstand, zertrümmerte. In der deutschen Kolonie lst die Empörung grotz. nicht so sehr tedoch gegen die Spanier, wie gegen dcü Führer des Turnvereins den Tauiheldcn Knappe, denn dieser ist im doppelten Sinne für die Ereignisse verantwortlich: Man warnte ihn, bei der augenblicklichen aufgeregten Stimmung in Spanien die Hakenkreuzsabne aufzuziehen, falls er nicht wenigstens polizeilichen Schutz beantragte. Knappe lehnte dies ab„Tic Spanter sind»AS viel zu sehr verpflichtet, uns tut keiner was." Tie hirlericindliche Stimmung in Spanien ist in der Tat in der letzten Zeit nicht zuletzt durch Bemühungen einiger in Spanien lebender deutschen Antisaschisten, die die Wahr- beit über Hitlerde»t!chla»d durch Vorträge und Artikel ins Volk tragen- stark angewachsen. Zur Rechtsvergcivalcigittig des Falles Thälmann hat so- wohl die berühmte Rechtsanivältin Victoria Kein in einer Massenversammlung Stellung genommen, als auch das apolitische Madrider Aicneo, der grbtzöte Litcratenklnb. eine Refolntion gekatzt, durch die eine Protestaktion bei der deutschen Regierung eingeleitet werden soll, lieber den Pro- test spanischer Frauen im Fall Ilse Tecgcr haben wir vvr einiger Zeit berichtet. Wahrscheinlich wird es den Bemühungen der deutschen Antifaschisten in Spanien auch gelinge». Scgcrs„Oranien- bürg" und einen Auszug des„BraunvuchcS" tu spanischer Sprache zu publizieren. Tic Madrider Nazikvlonte sollte sich beller nicht z» sehr auiS hohe Rotz setze», denn das letzte politische Wort in Spanien ist noch nicht gefallen und mau kann nicht willen, ob die„Marristenhordcn" nicht doch noch einmal„tonange- bend" würden In diesem Falle würde die spanische Gast- sreunblichkcit gegenüber den Hlüerdcutschen wohl ausfallend kühler werden. „Presse'remcJi" In Solm'cn Die Verfolgung der sozialistischen Zeitungen Anis neue ist die Pressefreiheit in Spanien vollständig unterdrückt. Vor ihrem Erscheinen müssen die Zeitungen der Zensur vvrgclrgt ivcrdcn Und nutzerdcin wurde es ihnen verboten mit linbedriickte» weitze» Stellen z» erscheinen oder sonstige Bemerkungen zu verössentlichen, datz sie einer Zensur unterliegen. Insbesondere gegen das sozialistische Tagblait„El Socia- lista" ivird eine systematische Hetzkampagne geführt. Tie üo- liche Methode ist die der Tcnnnziation. d. h. der Staats- anivalt nimmt an einem Artikel>>N Blatt Anstotz. worauf alle vorhandenen Ercwplarc dann von der Polizei kvnfis- ziert werden. Tie Absicht ist selbstverständlich, das Bla't finanziell zu schädige» und es daran zu hindern, in die Hände seiner Leser z» gelangen. Seitdem die Radikalen Im September die Regierung liöcr- nahmen, ist„El Tocialista" mehr als 7ilmal angezeigt war- den. Kürzlich teilte„El Socialista" mit. datz einer der Ar- tikel, an denen der Staatsanwalt Anstotz nahm, vorher der Zeniur unterbreitet worden war. die ohnedies schon die Hälfte daraus gestrichen hatte. Trotzdem stellte der Staats- anmalt KonflSkatlbNSanirag. Tarübcr hinaus werben andere Methoden gesunden, um das Blatt zu schädige». So würde am in. Juni vom Ehef der Staatspolizei eine Geldstrafe von 500(1 Peseten wegen zweier Aufsätze verhängt, die am 3. Iiini erichinen waren. Ter Tiaatsanivalt. der In„El Tocialista" mit grötztcr Aus- merksamteit liest, halte keinen Anlatz gesehen, gegen diese Nummer einzuschreiten, die Nummer crichicn alio ungehin-' dcrt. Erst am Nächsten Tage ivurde die Geldstrafe verhängt. „El Socialista" stellt sest. datz das Blatt in allen 4» Jahren, die es nun besteht, niemals io schweren Verfolgungen ausgesetzt war. wie gegenwärtig. TeNnoch sei die Redaktion überzeugt datz sie noch den politischen Nachruf au! diejenigen schreiben werde können, die sie heute so verfolgen.„El Socialista" werde sie alle überleben. Der englische Krlegsmlnts'er Pa'üsllna England muß aufrüsten, falls kein Aufrüstungsabkommen zustande kommt önfi. London, 16. Juni. Ter englische.Kriegsminister Hail- sham erklärte am Freitagabend in einer Rede in dem eng- tische» Badeort Torguay: Wen» kein Nbrüstungsabkommen zustande kommt, bann mutz e'it gewisses Matz von Ausrüstung eintreten, soweit England in Frage kommt. Manche Leute haben gesagt, datz eine vollkommene Abrüstung die richtige Politik für England wäre. Ich möchte hierzu ganz unumivu»- den erklären, datz ich persvnl ch niemals einer Regierung an- gehören könnte, die eine solche Politik verfolgte. Um irgend- welchen Bkitzversländnlllen vorzubeugen, will ich hinzufügen, datz nicht ein einziger meiner KabinettstoUcgcn heute eine derartige Politik unterstreicht. Es wäre eine grotze Kriegs- gekahr, wenn die Welt zu der Annahme kommen sollte, datz England nicht mehr in der Lage oder nicht mehr willeiis wäre, sich weiterhin zu verteidige». Ich stimme zwar der Ansicht zu. datz unsere Politik nur dahin gehen wll, für die Verteidigung Englands zu kämpten, aber ich lehne die?ln chauung ab, datz n-an niemals ans ausländischem Boden zu tämpse,, brauche. Wenn Tag und Nacht Fliegerbombe» auf das HauS eines eno'l'chell Bürgers regnen, wenn seine Frau ober s:.ne Kinder getötet werden und lein Vaterland in Trümmer gc- legt wird— was yätle eö dann für einen Zweck, diesem B-rger»'« erzählen, datz niemals ein aiisländi'chcr Toioat aui englischem Boden gekämpft habe und datz niete englische Soldaten für ihn zu den Wasscn greisen würden, wenn dies der Fall iväv«._^i^_ Grundsätze der Einwanderung In Beantwortung einer Frage des Abgeordneten Obers^ lentnani Todd. ob es noch eine illegale Einwanderung nac> Palästina gäbe und wie grotz sie sei. erklärte Kolonial- minister Sir Philip Eunliiic Lister im Unterhaus, die Turchickmitlszahl der monatlich unerlaubt nach Palästina Einwandernden werde für die Monate November 1938 bis Januar 1934 auf 300 geschätzt, gegenüber durchschnittlich etwa >090 monatlich In den ersten 10 Monaten des Jahres 1936. Es feien Matznahmcn getroffen worden, um dieses Problem zu lösen Kapitän Ttricktand fragte hieraus!„Ist die>c unerlaubte Einmaildcrnng nicht zu einem großen Teil ans die von der Regierung vertilgte Einschränkung der legalen Einwände- ritng zurückzuführen, eine Einschränkung, die die Entwick- lung der Bautätigkeit, die landwlrtlchaitliche und indu- stricllc Entwicklung wesentlich aufhält?" Ter KolvnialmiNisler:„Nein. Tas sind vollständig irrige Feststellungen. ES sind nicht die Matznahmen der Regie- rung, die zu tiiicrlanbier Einwanderung führen. Es liegt bestimmt im Interesse aller Beteiligten, datz nur zugelassene Einwanderer nach Palästina kommen." Eaptain Ttricklaud fragte hieraus den Minister, ob es ihm nicht bekannt sei, datz in Palästina Arbeiter kür Häuser- bau gebraucht werde», und datz HäUlcr infolge des Arbeitet- mangels nicht fertiggestellt werden könnnen. Tarauf antwortete der Kolonienminister, der High Com- missioncr müsse bei der Festsetzung der Zahl zugelassener Einivanderer d>e allgemeine Zukunft des Landes ebenso be- rücksichtigcu wie die augenblickliche Lage. Feinde der riensdilieii Sin Stück nationalsozialistischer Kolonialpolitik Tie Geschichte menschlicher Verbrechen ist nicht reicher :ls die Geschichte der K o l v n i a l p o l i t i t. Keine Schändet ist so grausig, datz sie nicht aus Eigennutz, Mgchtgicr der zum klotzen Vergnügen von Eroberer», Sklaven- ländlcrn und sonstigen Allsocütern unterjochter Arvkits- »aft an ihre» Opfern begangen und vielfach noch heute i gangen wird. Am meisten belastet ist iiatiirgcinätz das -chulbkoiiio dcx iv e i tz e Ii Rasse, die ihre» Herrschaftsbereich' .m weitesten ausgedehnt und unter der Firma des Christen- ums und der Zivilisation unendlich viel Blut in Gold gc- »linzt hat. Alle beteiligten Nationen sind hier mitschuldig,' S würde peinlich genauer Einzelsorschuiigen bedürfen, um aS Matz her Sünde im einzelnen gerecht abzuschätzen. Wohl ber darf festgestellt werden, datz das letzte Jahrhundert den Nifsclaten auch manches Verdienst entgegenhalten kann. Ter iampf gegen bte Sklaverei, Schutzgesetze für die scheinbar reicn Kvntraktarbclter, die Leistungen von Missionaren, 'ehrern und?lerzken: ein Zusammenwirken von Idealisten - alle? hat dazu beigetragen, die Lage der unterworsenen -ölker in manchem zu verbessern. Nicht entfernt acnug, um as»raste Unrecht gutzumachen und den immer näherrücken- en Befrelitilaskampf der farbigen Rassen der Welt, der amentlich iitz Sowielriitztand eine geistige Begründung und <■-- i I«.--..«,.».;* S.« fnA mentlich iir.Wvivieiruwan», WW tsammensaGing gesunden hat. irgendwie gegenstandslos machen. Aber man darf doch kagen. datz manches bester morden ist. datz aufrichtige Christen und frcidenkeiidc enschenfreünde überall an der Arbelt sind, um das enschentum auch der farbige» Rassen zur Anerkennung zu Ingen. Natürlich vollzieht sich diele Beweanng nicht obne harte iderstände und manche Rückschläae. Tie durch die Zeit der laverei»och Immer torrnnipierte Weitzenbenölkerung der rdamerikanrschen Südstaaten, die Herrengelüstc der Asri- xbei und viele andere Kräfte rücksichtlosen Eigennutzes und roher Willkür in allen Erdteilen stehen den Bcstre- bungen der Menschlichkeit entgegen und machen ein« med- liche L01ung der Rassenlragen immer unwahrscheinlicher. Iminerh n gibt es auch im wcitzeu Lager ernitiiasl« Ver- leidiger der.nolonialvölker. die für diese friedliche Lösung arbeiten. Ihre schärfsten Widersacher finden sie in den Reihen der zielbcwtitzten Reaktion, die in der rücksichtslose» Herrschaft ihrer Raste ihr Ziel sehen und vor keinem schlechte» Mittel zu-llckschreckeit. Ihre lhcorelliche Begrün- düng findet diese Beweg»»» nn'iitlich im National- s v z i a I i s m u s, der dos schrankenlose Herrenrecht ver- kündet und jede„Hnmanitässdnselci", sei sie marxistisch, christlich oder liberal geiärbt, mit Verachtung abtttt. To behandelt In ber Zeitschrift„Volk im Werden" Rudols Benzc: Tie Knlonialsrage im Lichte völkischer Welt- anlchauung. Ta lesen wir:„Je rücksichtsloser die Kolonisa- torcn, unbekümmert um de» Selbsterhaltungstrieb der Unterworsenen und nm schwächliche humanitäre Regungen, sich durchsetz:?«, um so gestchcrter war ihre poltitsche und kulturelle Herrschaft und die Zukunft ihres Volkes." Tiefer Anerkennung rücksichtsloser Untcriochung entspricht die Kritik entgegengesetzter. menschenfreundlicher Praxis. „Während kich die christlichen Kirchen über sedcn Heiben freuten, den stc seiner artgeinätzen Religion abged'-nngen, europäisch gekleidet und„gesittet" gemacht hatten, stimmten die liberalen und humanitären Kulturmacher ein Triumph- aelchrci an, wenn de» Negern oder Indianern durch Be- kämvfnng non Seuchen neuer Siedlungsranm sich z>» erschlichen schien, wenn wieder ein Neger ober Indianer Piotestor oder Missionar geworden und die enronäischc Kul- turleiter bis oben bin erklommen zu haben schien. Tie Blinden! Sie laben in ihrem hnmanitären Gleich- beiiSwabn nicht,... datz irde Massnahme. die de»... Ein- geborenen förderte, ein Sargnaael für nnlere Nachkommen war. Mit jeder Hits? ans Menschlichkeit für de» EIn- aeborenen gotz man eine K» a c s, die später clnNial. wenn die Rastengruvpen»m den Weltraum rinaen werde», das Hers eines kommenden Teuischen oder anderen Europäers durchdringt." AuS diesen Betrachtungen zieht der Verfasser auch prak- tllche Nutzanwendungen für dcn'iche Kolonisation. Tavon lautet die vierte:„Haltet euch völlig frei von ieder Verbin- dung mit fremdem Volkstum. Ucberiatzt dieses sich selbst und latzt euch nicht von„humanitärer Nächstenliebe" umncbcin. Ter„Nächste" ist euer deutscher Blutsbruder und eüre deutsche Blutsschwester, und ihnen ober ihren Kindern schadet ihr, wenn ihr den„Ferneren" helft. Seid gegen Fremd- Volk fremd»in Eures Volkes willen! TaS ist dieselbe Gesinnung, die am Antang biclcs Jähr- Hunderts in Südafrika die Reste der Hereros, als diele stch gegen den an ihnen planmätzig verübte» Landraub Ünd Be- trug erhoben hatten, in die Wüste trieb und dort den fürchterlichen Turstivd sterben lieft, die es der veuticheN Koionialverwaltnng zur Vorwurf machte, datz sie in nieder- geworfenen Tönern nur die Männer, nicht auch Frauen und Kinder umbringen lieft, die sich ta jetzt auch gegen dik deutschen„Volksgenossen" unerwünschter Richtung in gleiches Weise betätigt.?lls es nach dem Weltkrieg der d?»'!cheg chemischen Industrie gelungen war, ein wirksames Mittck gegen die Schlafkrankheit, die furchtbarste Weitzel der Neger« bevölkerung, z» erfinden, wurde von dieser Seite die Forde- rung ausaestellt, das Heilmittel nur g-acn Rückgabe der deutsche» Kolonien bekannt zu aeben. Tie> epublikanis>>', „volkSirembe" Regierung ging über diese Gemeinheit nick Verachtung hinweg. Wir ziveilelt. däst die heutige.„Volks- verbundene" von solchem Trnckmittel mit Wonne Gebranch machen würde? Ist doch die Erfindung der wirksam-» Giftgase der Hanptteil Ibrer derzeitigen..Ansbauvoli'jk". Wenn daS wirkk'ch die Tcnkart d-r ,.nordi!ck>eü" Raste wäre, dann wäre ibr Untergang ein Segen fstr die Menschheit. Glücklicherweise Ist es nur eine EnsgrinNgsertchelnnna. eine Rotte bgstardierter Abfälle n-rschiedenster Rallen, d'e e? vermocht bat, durch L>st und Roheit das deutsche Bo'' für einige Zeit unter Ibre Peitsche z» nnlna-n. Gest w-nn es sich von dies-"» bln'aler'"en Nstaezi-ker befreit Sa». wl"d es wieder den Weg zum sriedsichen Zusammenwirken"ckt alle» Völkern linden und wieder die Achtung der zur Gc- sittung aufstrebenden Menschheit gewinnen. Pariser Beridtfe Der bescheidene Ministerpräsident Gaston Doumergue, der französische Ministerpräsident, bekümmert sich sehr gründlich um den Urlaub seiner Umgebung. Vor einigen Tagen fragte er einen seiner Beamten:„Na, machen Sie auch bald Ferien? Wohin wollen Sie denn gehen?"„Ich werde wahrscheinlich nach Tourne- feuille fahren, Herr Präsident," war die Antwort. Tournefeuille ist der Wohnsitz des Präsidenten bei Toulouse. Deshalb rief Herr Doumergue ganz besonders aus:„Nach Tournefeuille?! Aber, mein armer Freund, das sind doch keine Ferien für Sie! Das wäre, glaube ich, noch nicht einmal etwas für mich!" Doktor Wachtel und Doktor Axel Geschlechtskrankheiten, Männer und Frauen Nase, Hals, Ohren 123, Bd. SebastopoL— Sprechstunden v. 9—12 u. 2—8 Unr; Sonntags vormittags Metro Reaumur, St. Denis. Tel. Leute 32.10 235„Monsieur le ministre" in Frankreich In 64 Jahren ihres Bestehens zählt die III. französische Republik 235 lebende„Minister", die teils noch im Amte sind, teils zurückgezogen leben, einige amtsmüde, andere täglich bereit, ihre Tätigkeit wieder aufzunehmen. Es ist aber eine beträchtliche Zahl, die wohl nur noch von Portugal übertroffen wird. Die alte römische Republik hatte die Höflichkeit, wenn ihre Konsule nach einjähriger Amtszeit ihre Tätigkeit aufgaben, ihnen ad vitam den Titel eines Konsuls zu belassen. Nicht weniger höflich sind die Nachkommen des früheren Galliens, wenn es heißt, ihren Exzellenzen den vornehmen Titel zu lassen. Wird ein früherer Minister später Staatssekretär, der unter dem Minister steht, so bleibt er für den Staat und für alle, die mit ihm zu tun haben„Monsieur le ministre". Dieser vornehme Brauch wird nicht einmal in der strengen Atmosphäre der Untersuchungskommissionen gebrochen. Hier ist nur noch ein Aufsteigen möglich. Bildet einer dieser Minister einmal ein Kabinett, so bleibt er zeitlebens„Monsieur le president". Von diesen 235 sind nicht alle ausübende Parlamentarier, sondern nur 172 sind an der Gesetzgebung beteiligt. 66 Senatoren und 106 Abgeordnete. 64 sind weder im Senat noch im Abgeordnetenhaus immatrikuliert, und 12 davon sind es nie gewesen, wie zum Beispiel Marschall Petain, der augenblickliche Kriegsminister, und General Denain, der Luftfahrtminister. Es gibt noch 14 ehemalige Ministerpräsidenten, wovon sechs im augenblicklichen Kabinett vertreten sind und drei davon Präsidenten der Republik waren(Doumergue, Poin- care, Millerand). 125„Minister" sind nie Chef ihres Büros gewesen, wie zum Beispiel Albert Lebrun, der jetzige Präsident der Republik; vier waren nie Hohe Kommissare, wie Henri Beranger, der nur Botschafter war. 92 haben ihre Laufbahn gar nicht beendet und sind nie Staatssekretäre gewesen, darunter Jeanneney, der Präsident des Senats, der zweithöchste Beamte der Republik. Jeder fünfte Parlamentarier in Frankreich hat die Chance, Minister zu werden. Eine schöne Proportion für ehrgeizige Staatsmänner. Junges Mädchen gebildet, kinderlieb, gesund, tüchtig (nur gelegentliche Hilfe vorhanden) als Haustochter nach Antwerpen gesucht. Später Ferien und Reisevergütung. Gell. Angebote mit Bild, Lebenslauf und Ansprüche befördert unter*«Fr«a G. M.* die Expedition. Docfeur fpecialiste 1 DEUTSCHSPRECHEND- Münchener u. Pariser FakultA 17, rue Reaumur M6tro Arts-et-Metiorj od. R6publiquc Frauen*. Blut«, Haut*, Harn* und Ge* ichlechtikrankhoiten, Tripper, Syphilis, Männerschwädie. Neueste Heil verfahren. Elektrizität. Harn*. Samen* und Blutanalysen. Massige Bedingungen.(Auch für Kassen versicherte.) Täglich von 9- I und 4- 8,30. Uhr Sonn* und Feier a von 9 bis 1 u. auf Rend. v. Tel. Arch.54-27 „Weil Deutschland aufrüste" t Paris, 18. Juni.„Ere Nouvelle" und„Ami du Peuple" beschäftigen sich am Montag mit dem deutschen Moratorium und erklären übereinstimmend, daß der eigentliche Grund für die Transierichwierigkeiten in den großen Rüstungs- ausgaben der Reichsregierung liege. Die„Ere Nouvelle" be- tont, daß die Wirtschaftler diese Schwierigkeiten zwar sehr entfach erklären könnten, wenn sie daraus hinweisen, daß Deutschland stark^verschuldet sei und daß die Zinsen dieser Schulden die Schwierigkeiten heraufbeschworen hätten. Wenn man weiter frage, warum es verschuldet sei, so er- halte man zur Antwort: Weil die innerdeutschen Ein- nahmen allein, nicht genügten, die öffentlichen Ausgaben zu decken. Komme man aber auf den Kernpunkt der Angelegen- heit und frage, warum denn diese öffentlichen Ausgaben so groß seien, so gebe es darauf nur die eine Antwort: Weil Deutschland ausrüste und ungeheure Ausgaben mache, um seine alte Militärmacht wiederherzustellen. Deutschland or- ganisiere sein Heer mit dem Geld seiner Gläubiger. Der „Ami du Peuple" kommt zu der gleichen Schlußfolgerung und behauptet, daß die große Einfuhr von Rohstoffen zu Rüstungszwecken und großen öffentlichen Arbeiten den ganzen Bestand der Reichsbank erschöpft hätte. Ein Korrupter General? Parlamentarische Aktion in Nordamerika dnb. Washington, 18. Juni. Der Ausschuß des Repräsen- tantenhauses für militärische Angelegenheiten, der sich mit der.Frage des Ankaufes von Heeresmaterial beschäftigt hat, empfiehlt dem Kriegsminister in einem einstimmig angenommenen Bericht, den Leiter der Luftstreitmacht des amerikanischen Heeres, Generalmajor Benjamin Foulois, sofort von seinem Posten zu entheben. Der Bericht spricht von„gewissen Verletzungen und Umgehungen des Gesetzes und der militärischen Vorschriften, schweren Unregelmäßig- leiten und Unzüchtigkeit", die nicht nur dem Generalmajor, sondern auch anderen unter seinem Befehl stehenden Ofii- zieren zur. Last gelegt werden. Der Bericht nimmt beson- deren Anstoß daran, daß Heeresflugzeuge auf Grund von Verhandlungen gekauft worden sind, anstatt auf Grund der Angebote verschiedener Firmen. Der Bericht fügt hinzu: Da die Einzelheiten der nationalen Verteidigung geheimen Charakter hätten, scheine es nicht am Platze zu sein, den gegenwärtig herrschenden Zustand der Leistungsfähigkeit des Luitiorts bezüglich der Ausrüstung, der Leitung und des Personals im einzelnen zu erörtern. BBIEFKASTEH 8. B., Schafshause». Angekommen und verwertet.•»... „Aus Köln." Die übermitteln uns eine Glosse aus dem national» sozialistischen„Westdeutschen Beobachter" über den Exkronprinzcn: „Da rauschen durch den gleichgeschalteten Blätterwald in großer Ausmachung Bilder und Notizen:„Der Kronprinz aus der Fahrt zum Nürburgring." Es ist kaum zu fassen, mit welcher Ahnung»- lostgkeit da Politik oder— raten wir einmal so— Sensation gemacht wird. Wenn Herr Wilhelm von Preußen mit„seinem Ad- jutanten" auf dem Kölner Hauptbahnhof ankommt und von Herrn £. zum Nürburgring gefahren wirb, dann bedeutet daS für unS heute genau so viel, als würde Herr Schmitz oder Herr Schulze zum Nürburgring eilen. Und da 300 000 Menschen am Sonntag auf dem Nürburgring weilten, war es nicht möglich, jedem ein Bild zu widmen. Denn jeder Volksgenosse hätte genau so das Recht, hervor- gehoben zu werden, wie der ehemalige Kronprinz, der für uns politisch eine tote Person ist. Uns interessieren heute lediglich die Führer, die kraft ihrer Persönlichkeit und ihres Einsetzens für jeden Volksgenossen das Recht auf ein Hervorheben haben und die den Adel nicht im Namen, sondern im Herzen führen und dafür kämpfen, daß das ganze deutsche Volk geadelt werde. So sehen wir den Fall„Kronprinz".— Herr Wilhelm von Preußen wird über diese Schreiberei nur lächeln. Es gehört zum Programm der Mies- macherschlacht, auch gegen die Hohenzollern aufzutrumpfen. Nachher wird sich alles finden. Rheiuländer. Sie verbürgen sich für folgendes Vorkommnis:„In einem bestimmten Ort sind rund 700 Leute in der SA. An einem schönen Sonntag waren um 7 Uhr morgens nur 30 angetreten. Wütend schickte der Führer die 3« Pflichttreuen fort, um die übrigen 064 zu holen. Um 9 Uhr sollten alle antreten. Und siehe da: um g Uhr hatte sich von den 30 Borbildlichen auch noch einer ver- krümelt. ES kamen nur noch 35 wieder."— Wir denken da an einen Spruch, den wir mal irgendwo auf einer Wanderung in einem alten Bauernhause gelesen haben:„Tie Leut' verderben mit der Zeit, die Zeit verdirbt die Leut'." A. SB., Luxemburg. Aus Königsberg in Preußen haben Sic er- fahren:„Ter Konsumverein, einst vor der Gleichschaltung ein blühendes Unternehmen, hat die Eröffnung des Bergleichsversah- rens beantragt. Tie Schwierigkeilen ergaben sich durch den unge- beuren Mitgliederrückgang und den Käuferstreik der ver- blieben«» Mitglieder." Hannoveraner. Man hat Ihnen den„Deutschen"