Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nr. 139— 2. Jahrgang Chefredakteur: M. B r a u n Saarbrücken, Mittwoch, 20. Juni 1934 Heute vor einem Jahre ist die erste Nummer der„Deutschen Freiheit" in die Welt gegangen. Allen Widerständen zum Trotz hat unsere deutsche Kampfzeitung sich Bahn gebrochen. Wir danken allen unseren Freunden für ihr Verständnis, für ihre Mitarbeit, für ihre Treue. Der Kampf wird fortgesetzt, bis das freie sozialistische Deutschland errungen i*t. Markt«Krawall Dauern und Domen- Erste Anzeichen eines Widerstandes M.-Gladboch, 19. Juni. Seit Monaten ist in keine Bevöl- kerungsschicht die Unzufriedenheit über das Hitlerregime größer als bei den Bauern. Die Enttäuschung ist noch ge- steigert worden durch die öffentliche Bewirtschaftung der Frühkartoffeln. Alle Frühkartoffeln müssen vom Erzeuger zur amtlichen Verteilungsstelle gebracht werden, wo sie zum Tagespreise bezahlt werden. Dem Händler werden die Kar- toffeln von der Berteilungsstelle geliefert. Die Erzeuger erhalten von der Verteilungsstelle Anwei- fung, an welchem Tage sie Ware liefern müssen. Zuerst wer- den diejenigen Landwirte zur Lieferung aufgefordert, die als unbedingt nazitreu seit langem bekannt sind. Je frü- her geliefert wird, umso höher ist natürlich der Preis. Die Landwirte, die erst später bei gesunke- neu Preisen an die Reihe kommen, werden bedeutend ge- schädigt. Diese offenkundige Parteiwirtschaft hat um so höhere Unzufriedenheit verursacht, als sowohl in den Ver- teilungsstellen wie im Handel zahlreiche Nazibonzen sich Profite verschaffen. Auf dem Wochenmarkt in M.-Gladbach ist es nun zu einem regelrechten Krawall gekommen. Kleinbauern, die entgegen der öffentlichen Bewirtschaftung mit Kartoffeln zum Markt gekommen waren, wurde der Berkauf unter- sagt. Die Bauern setzten sich zur Wehr und schrien„38ir geben die Kartoffeln nicht zur Sammelstelle, denn da mer- den sie nur unnütz verteuert, damit die Bonzen gut leben können. Wir wollen direkt ans dem Markt verkaufen." Die Käuferinnen rotteten sich um die Verkaufsstände zu- sammen und deckten schleunigst ihren Bedarf. Polizei mutzte einschreiten und die Frauen auseinander jagen. * Auch vor dem Arbeitsamt ist es zu erregten Auftritten gekommen, weil nicht nur ledige, sondern auch verheiratete Männer als Landhelfer zwangsweise nach Pommern und Ostpreußen verschickt werden. Frauen protestieren schreiend. Die Ursache dieser Proteste liegt vor allem in den Erfahrungen, die viele Landhelfer im Osten machen. Es mehren sich die Fälle, datz zwangsverschickre Arbeiter, auch alte TA.-Leute, nach langen Fußmärschen abgerissen und halbverhungert in die Heimat zurückkehren. Diese Heimkehrer erzählen, daß die östlichen Landarbeiter sich weigern, zu den Löhnen und der Kost, die geboten wird, zu helfen. Deshalb ziehe man Zwangsarbeiter aus fernen Gebieten heran, weil man voraussetze, daß diese Leute bei der weiten Entfernung von ihrer Heimat die Sklavenarbeit nicht so leicht verlassen könnten. Serenissimus Göriim Er ermahnt seine 12930 Marh~$fnni$rli!e huldvoll und leutselig zu den treuen Untertanen hinabzusteigen 35 e r I i n, 19. Juni. Die nationalsozialistischen Minister beteuern in jeder Rede, daß 70 Millionen Deutsche in treuer Verbundenheit hinter ihnen stehen und die mies- macherischen Außenseiter nbr eine klägliche Minderheit sind. Dennoch läßt man eine Lawine von 400 000 Ver- sammlungen, also aus je 170 deutsche Männer, Frauen und Kinder mindestens eine Kundgebung, gegen die paar Miesmacher los. Sogar der Führer donnert in jeder Rede gegen den inneren Feind, und zwar just in denselben Worten, die sich bei seinem ruhmreichen Vorgänger Wil- Helm 11. finden.„Wer sich mir entgegen st ellt, denzerschmetterei ch." Also sprach Hitler in Gera.' Dagegen hat der Preußische Ministerpräsident Her- mann Göring, vielleicht ermüdet von dem Lesen und Unterzeichnen so vieler Todesurteile, in väterlicher Milde zu seinen lieben Preußen geredet. Er nahm eine der sehr seltenen Sitzungen zum Anlaß, in denen er seine Herren Staatsräte gegen eine Dotation von 12 000 Mark jähr- lich an jeden der Würdenträger um sich versammelt. Zu- nächst erzählte er ihnen die rührende patriotische Ge- schichte, daß seine Entmachtung in Preußen, die Trennung von der preußischen Polizei seine ureigenste Anregung sei. Um der Reichsreform willen! Er habe auch die Absicht, zu Ehren seines geliebten Führers Adolf Hitler Preußen in Reichsgaue zu zerlegen, aber das könne noch lange dauern, länger als ein Jahrzehnt— Dann wandte sich der große Preuße aus Oberbayern einem„peinlichen Punkte" zu. Er konnte da aus eigener Erfahrung sprechen: sein Auftreten als silberner Schwan in Emmerich und als schlichter Brotverteiler in der Markt- halle zu Berlin hat ihm reiche Erfahrungen über die Stimmung der sogenannten Volksgemeinschaft vermittelt. Die gab er nun den preußischen Staatsräten mit prak- tischen Anleitungen über Volkspsychologie zum Besten: ,. Ich komme hier zu einem sehr, sagen wir einmal: wichtigen und vielleicht auch peinlichen Punkt. Ich höre so oft- Ja die Stimmung läßt nach: Unzufriedenheit flackert hier und dort auf. Wenn man nun den Dingen nachgeht, so wirb man erkennen müssen, daß zweifelsohne manchmal Grund zu einer Unzufriedenheit vorhanden ist. Aber das find letzten Endes Einzelfälle, auch wenn sie da und dort als eine typische Erscheinung auftreten. Schlimmer ist jene symptomatische Unzufriedenheit, die an allem kritteln will. Wir müssen doch bedenken, eineinhalb Jahre liegen jetzt seit unserer Machtergreifung zurück. Das erste, was wir damals erlebten, war das gewaltige impulsive Gefühl der Befreiung Das war ein Schwung, eine Begeisterung. Das war selbstverständlich. Ebenso selbstverständlich ist auch, daß eine so'che B-geis-erung n-ss- a>"i':ch»ein kann. HoMmlmangeu sollen sich au gewisse Zeilen haUen, dau* klingen sie ab und dann kommen sie wieder. Daß sie immer wieder kommen, dafür müssen wir uns einsetzen. Wir müssen dafür sorgen, datz der Kontakt mit dem Volke nicht verloren geht, d. h. wir dürfen nicht nur vor dem Volk in Versammlungen reden, wenn wir es brauchen, wenn es abstimmen soll, wenn es Wahlen machen soll, sondern das Volk muß uns auch so immer wieder arbeiten sehen und den Kontakt fühlen. Ich glaube, daß es zweckmäßig sein wird, daß die Führer des Volkes und der Bewegung nicht nur hier und da eine Versammlung abhalten, sondern daß sie unerwartet da l.') dort hingehen, sich sehn lassen, nach den Sorgen u»d Bedürfnissen der Volksgenossen fragen. Das, glaube ich, ist notwendig, damit das Volk fühlt, daß mir für es sorgen. Auf der anderen Seite wollen wir alle Arbeit daransetzen, Ursachen zu berechtigter Un- Zufriedenheit zu beheben. Wir müssen wirklich unerbitt- lich gegen jene Menschen vorgehen, die sich nun einmal mit diesem neuen Staat nicht abfinden können und die glauben, in ewiger Kritik und Meckerei die Grundlagen des Staates langsam, aber sicher erschüttern zu können. Wer sind nun die bösen Menschen, die langsam aber sicher die Grundlagen des Staates erschüttern, die Gö- rings großer Führer in seiner Rede zu Gera eben erst mieder für ein Jahrtausend gefestigt zu haben glaubt? Leider sind es nicht nur Marxisten und sonstige Unter- menschen, die Herrn Göring mit ihrer Kritik Sorge machen, sondern gerade auch die Frommen im Lande führen sich im„dritten Reiche" nicht gut auf: Es ist die Frage, ob sich die Kirche wieder zu ihrer Aus- gäbe zurückfinden wird, ein staatserhaltender Begriff zu sein oder ob sie sich noch länger zu einer B r u t st ä t t e der Kritik, der Unzufriedenheit, der Nör- g e l e i hergibt. Diesen entarteten Christenmenschen sagt Göring mit philosophischer Toleranz und staatsmännischer Weisheit, daß in Preußen zwar einerseits jeder nach seiner Fasson selig werden könne, aber anderseits der Staat auch genau aufpassen müsse,„was auf diesem Gebiete vor sich geht". Nur durch die Totalität des Nationalsozialismus führt der Weg in das preußische Jenseits, in das„dritte Reich" der himmlischen Heerscharen.' Aus den höchsten Höhen religionsphilosophischer Be- trachtung schwebte dann der Preußische Ministerpräsident und Reichsluftsahrtminister zu einer großartigen Ge- schichtsaufsassung hinüber. Er verkündete, daß es in Deutschland nur polizeilich erlaubte Revolutionen geben dürfe: Die Anwendung neuer vielleicht noch radikalerer revo- lulionärer Methoden würde schwerlich eine Besserung Fortsetzung siehe S. Seite. Gestern und heute Nun ist es ein Jahr her. In Saarbrücken, auf deutschem Boden, aber außerhalb des Hitlerreichs, erschien die erste Nummer der ,.D eutschen F r e i h e i t". Sie trug den mit Bedacht und nicht ohne Stolz gewählten Untertitel:„Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands". Aus dem Erstling sind jetjt vier stattliche Vierteljahres- bände geworden, und es ist erlaubt, einen Augenblick den Schleier von den privaten Mysterien einer Zeitungsgründung zu lüften, die ein echter Redakteur nur ungern preisgibt. Wir begannen untere Arbeit in einem im Verlagsgebäude der Volksstimme nicht ganz mühelos eroberten Zimmer, wir bauten eine Bastion aus zwei Schreibtischen und zwei Stühlen, gutgesinnte Männer im Hause verschafften uns unser Handwerkszeug. Der„Deutschen Freiheit" eine Gasse! Es dauerte nicht sehr lange, und ihr roter Kopf wurde an unzähligen Zeitungskiosken in allen Kulturländern sichtbar. Was uns den Beistand ungezählter Freunde, den verdoppelten Haß der Feinde eintrug, das war die Tatsache, daß wir uns nicht einfach„Freiheit", sondern„Deutsche Freiheit" nannten. Dieses Deutsch-Sein war unsere Gesinnung und unsere Tradition, der untadlige und unanfechtbare Standort, auf dem wir verharren. Es ging und es geht uns um das deutsche Volk, das wir zu lieben nicht aufhören. Die Ketten der barbarischen Diktatur, die es trägt, drücken uns selbst. Es gibt keinen schimpflicheren und lügenhafteren Vorwurf für uns als den, daß wir uns mit Geldern aus nichtdeutschen Staatssäckeln auf den Schachbrettern europäischer Politik zum publizistischen Werkzeug fremder Interessen mißbrauchen ließen. Neulich hat ein schweizer Journalist— es war der Referent der Basler„Nationalzeitung"— sehr anmutig seinen Besuch auf unserer Saarbrücker Redaktion geschildert. Er habe, so schrieb er, zuerst gezögert, ob er uns besuchen solle, denn es sei ihm gesagt worden, wir seien frankophil und außerdem vom französischen Gelde bestochen. Als er seine Hemmungen überwunden und unser ungeheuer opulentes Redaktionszimmer betreten habe, sei, so berichtet er weiter, einer der beiden Redakteure aufgestanden, damit der Besucher aus Basel auch einen Stuhl habe. Kurz, der Kollege kam zu dem Schluß, daß es hier weder nach dem Auswärtigen Amt in Paris, noch nach Stavisky rieche, und er fragte seine schweizerischen Landsleute, ob sie nicht Verständnis dafür hätten, daß deutsche Publizisten nicht aus egoistischer Selbsterhal- tuntr. sondern im Bunde mit einer ewigen Idee um die Befreiung ihres Landes kämpften. Bei selbstverständlichen Dingen wollen wir uns nicht aufhalten. In diesem'Jahre haben wir in mehr als dreihundert Zeitungsexemplaren ein übermächtiges Material über die Untaten der braunen Diktatur angehäuft. Wir haben uns, infolge einet engeren Berührung mit dem Reiche, als sie an anderer Stelle möglich gewesen wäre, besondere Informationsquellen erschließen und die Wahrheit aus tausend Schlupfwinkeln der Lüge und der Heuchelei zerren können. Wir wurden das Echo des Jammers und der Anklage geschlagener und geschändeter Menschen, die uns auf der Flucht die Wundmale an ihren Körpern zeigten. Niemals hat uns die wachsame Gestapo, die jeden„Fall" aus der„Deutschen Freiheit" zum Gegenstand einer Aktenanlage macht, berichtigen können. Niemals hat der Gegner gewagt, uns einen Prozeß zu machen, obwohl er mit einer Anklage in Saarbrücken eine sehr aufnahmebereite Justiz gefunden hätte. Wir haben viele Berichte nicht veröffentlicht, wenn wir den geringsten Zweifel an ihrem vollen Wahrheitsgehalt hatten. Nur wer mitten in dieser Arbeit steht, kann wissen, was das bedeutet: eine solche Zurückhaltung gegenüber der unsagbar gemeinen Diktatur des „dritten Reiches", das seiner F^ublizistik die Ventile stahl. Neulich sagte uns ein einflußreicher Politiker:„Ich habe der ,.Deutschen Freiheit" einen Vorwurf zu machen: daß sie das Schlimme nicht schlimm genug darstellt; daß sie ihre Angriffe nicht noch angriffslustiger zuspitzt, zur Mobilisierung des Abscheus und zur Erweckung der Gewissen." Wahrhaftig, an Kritik hat es uns in diesem Jahr nicht gefehlt. Sie kam aus der Fieberhitze der Emigration, aber auch aus dem Gehäuse gesicherter europäischer Demokratie. Die einen forderten fortwährende grundlegende Analysen der vergangenen und der kommenden Dinge, die anderen hielten das gegenüber den augenblicklichen Tagesaufgaben für zwecklos. Und der Briefregen— er regnet noch jeden Tag. Es ist gut so und macht uns froh. Nichts ist heute grauenvoller als der saturierte Leser, nichts abstoßender, als eine im Lorbeer des Erfolgs selbstgefällige Zeitung. Vor beidem ist die „Deutsche Freiheit" geschürt. Sie hat ihre Aufgabe in der Linie eines weltgeschichtlichen Kampfes, und es ist im höheren moralischen Sinne bedeutsam für sie und für alle, die zu ihr gehören, daß sie um ihre eigene geistige und materielle Position dauernd zu ringen hat. An der Schwelle ihres zweiten Jahres steht die Lehre au* Macbeth: Komme, was kommen mag. Die Stunde rinnt auch dm Ji den rauhstg/n T'ffg t Argl# Serenissimus Göring Fortsetzung von Seit« L bringen. Nicht an uns liegt es, festzustellen, ob eine zweite Revolution notwendig i st. Tie erst« Revolution war vom Führer besohlen und ist vom Führer beendigt worden. Wünscht der Führet? d5e zweite Revo- l tl.n, dann stehen wir, wenn er es wünscht, morgen aus öer Shffftc; wünscht er sie nicht, werden wir den unter» f liefen, der gegen seinen Willen«ine solche machen will. Tas ist die Auffassung, die jeder als seine eigene festzu» l""N hat. So ähnlich hüben die kleinen und größeren Gsrings zu ollen Zeiten gesprochen.„Unterdrückt wird, wer sich nicht fügt." Bis die Geknechteten sich erhöben und die regie- renden Männer vetjnKen ober auf dem Schafott oder vor einigen Gewehrläufen enden ließen. Hitler und Göring Können sticht verhindern, daß nach ihrem eigenen Geständnis in ihren' eigenen Rethen„noch radikalere Ntethoden" gefordert werden. Ebenso wenig bannen sie hindern, daß setzt schon Zehntousenöe illegal Freiheit und L«hen wogen und MillloNen Deutsche unter revolutionären Einfluß bringen. Tie geschichtliche Entwicklung fragt keinen Fährer und wird keinen fragen. Sie schreitet Wer dir Serentfstnn ci'ler Art hinweg. Die Revolution und ihre Vorkämpfer leben und werden zuschlagen, wenn ihre Stunde gekom- inen ist. Spott Wer Ribbentrop Doumergufc hat ihm bayerische Reiseerinnerungen erzählt Pari«, ist. Juni. Zum Besuch de» deutschen Aöritstungs- bevollmächtigtest v. Ribbentro» beim französischen Minister- Präsidenten schreibt der„Malin", dar, die Unterredung nlcht nur politischer Statur gewesen sei. E» habe sich vielurehr um einen allgemeinen Meinungsaustausch gehandelt, iu dessen Verlans der frauzissische Ministerpräsideut Srinneruge» aus- gefrischt habe an seine verschiedenen Reisen, die et in früheren Fahren nach Bayer» gemacht habe. Tie Unterredung habe daher nicht zu irgendwelchen festen Beschlüssen Anlas, geben können. Herr v. Ribbentrop sei außerdem mit keinem testen Austrag nach Paris gekommen, sondern befinde sich auf einer In kor- mationsreise. Er werde uorausüchilich Ende Juni zurück- kehren und noch vor der Reise BarthouS nach London mit dem französischen Austenminister zusammentressen. * Paris, Ist. Juni. iJnpkcß.)„Petit Pakisten" bezeichne! als Hanptresvltat der Zusammenkunft zwischen dem französischen Außenminister Barthou und dem Emissär Hitler», Ribben- trop, daß Ribbentrop„erneut Kontakt mit dem Ehrl der französischen Anstcupolitik" genommen habe. Tos sei nicht unwichtig tnr einen Mann, der brennend wünsche, Deutsch- land in der Botschaft ruc de Lille zu vertreten. Tesfa- Tilular-Ercbisdiof bnb. Verlin, 18. Juni. Ter„Onervatore Romano" meldet, dast Prälat Testa, der sich zur Zeit im Saargebiei befindet, zum päpstlichen Vertreter nvik Aegsipiekf liftst die stittlteai'Nden Länder ernannt worden Ist.«leichzeitig ist Prälat Testa zttm Tttulak-Erzbischof erhöben ivorden. * ES bleibt abzuwarten, ob Prälat Tösiä infolge dieser Fr» iiennung gezwungen sein wird, sein Arbeitsfeld IM Caarge- biet zu verlassen. Ta es sich nur um eine Titular-Ernennunq handelt, ist diese Folge nicht unbedingt notwendig. Schon jetzt wird von informierter Seite erklärt, dast Prälat Testa sofort einen Nachfolger im«aaraebiet erhakten würde, falls er sich aus dem Saärgebiet zurückziehen Müßte. Blas Hteyesi« Außenminister Barths« ist am Montagabend zur Teil» nähme an der Konferenz der Kleinen Entente nach Bukarest abgereist. Unter Ausschluß der Oessentlichkrit»erhandelte das sitch- fische Sonderacricht gegen Fra» Elsa Papst aus L-'pz>g. vi« beschuldigt war, Hitler„verleumdet" z« habe«. Sic wurde zu einem Jahr G'esLngnts verurteilt. Tie große Trockenheit und die ungewöhnliche Hitze dauern »n ganz Frankreich an. In Paris wurden am Montag SS Grad im Schatten gemeffen. Auch aus der Provinz werde« ähnliche Temperaturen gemeldet. Tie Mosel ist vo« der Quelle du» Rcmircmont»ollkommen ausgetrocknet. In ver- schivOenen nvrdfranzösischrn Qrtschaste,, herrscht Trinkwasser» mangd Für die Ernte befürchtet man das Schlimmste, wenn die Trockenheit nicht bald durch Regen abgelöst wird. Tie Wetterbericht« lauten jedoch sür die nächsten Tage noch: ttockcn und heiß. Hltzeopser sind bisher nicht zu beklagen. „Wer mit der Guillotine drolri Papcns Nofrnf für verzweifelte Patrioten tt •••• Tie Rede, die der Vizekanzler von Papen als Expo- nevt der„konservativen Revolutionäre"— also der„Reaktion" wie die Nazis sagen— auf der Jahresversammlung des Universitätsbundes in Marburg gehalten hat, erregt im Auslände mehr Aufsehen als die anßenpoli» tische Fricdensdeklamation des Reichskanzlers in«era. Man tragt sich, was Pape« mit dieser offenen Auflehnung gegen die nationalsozialistische Agitation, ja gegen den national- sozialistischen Totalitätsanspruch bezweckt. Nach einer Pariser Meldung soll Dr. Goebbels der deutschen Presse verboten haben, die Papen-Rede zu brin- gen. Tatsächlich sind nur in einzelnen deutschen Zeitungen kümmerliche Auszüge zu iiudeu. Nach ausländische« Berich- tot hat Pape« u. a. gesagt, daß ein LäuterangSvrozeß von solch historischem Ausmaß wie die nationale Revolution anch Schlacken erzenge,«m denen er sich reinigen müsse. Das erfordere eine offene und männliche Ausspruche, die »»»zeit in der devtschen Press« fehl». So miiffe d-r Q«ats- mann selber eingreisen und die Tinge beim rechten Namen nennen. Wenn allzucifrige jugendliche Revolutionäre mit dem Schlagwort„reaktionär" auch diejenigen Voliskräne ablnu wollten, die sich in vollem Um>ang der von der Zeit gcstell- teu Aufgabe unterzogen, so müsse darauf verwiese« werde», daß oas Bündnis vom Sf». Januar 108* zwischen Nationalsozialismus und konscrvati» v e n Kräften i» voller Uebereinstimmunq des Erneue- ruugsziels abgeschlossen wurde. Heute gehe es um Sie Cut- scheidiing zwischen bei, glänbiaeü und den ungläubigen Men- scheu. TäS Einparteie n softem, das an Stelle des Mehrparteiensystems getreten sei, habe nur solange Bcrcck- lignug, als es die Sicherung des Umbruchs verlange und bis die neue personelle Auslese in Funktion trete. Denn die Logik de»»ntiliberale« Entwicklung fordere c'ue freiheitlich« Bollsgemeiaschast, beruhend aus frei« willige, Gefolgschaft aller Vollste««. Der Vizekanzler ging weiter auf»en Streit um die Er- Neuerung»er kirchlichen Lehre ein und stellte die Forderung aus, dast die Deutschen sich nicht aus der Reihe der christlichen Völker ausschliesten dürsten, weil sonst eine Entwicklung ans den europäischen Raum unmöglich werde. Pape« stellt, sodann fest, daß es auch kün'ttg eine«» S- lese geben müsse, aber nur eiue natürliche. Diese könne man nicht ersetzen durch das Bekenntnis zu bestimmten Formationen. Ter Geist dürfe nicht mit dem Schlagwort„Jntcllcktualis- mus" abgetan«erden. Es sei nicht richtig, dast dem geistigen Menschen die Vitalität mangele. Hier handle e» sich um«ine gefährliche Vcrwechs» lntig von Vitalität und Brutalität. Menschlichkeit sowie Freiheit und Gleichheit vor dem Richter seien keine libera- len, sondern germanisch-christliche Begriffe. Große Män- ner würben nicht durch Propaganda gemacht, sondern ste wüchsen durch ihre Taten und würden von der Geschichte anerkannt. Heber diese» Gesetz könne auch Bnzan- tinismus nicht hinwegtäuschen. Ter Vizekanzler beschäftigte sich weiter mit den S>rö- mutigen, die sich mit der serüern'Gestaltung der Revolution beschäftigen, und führte dabei u. a. aus, das Gerede von der zweiten Welle, welche die Revolution vollenden werde, wolle kein Ende nehmen. Wer verantwortungslos mit sol- che« Gedanken spiele, der iolle sich nicht verhehlen, daß einer zweiten Welle leicht eine dritte folgen könnte, und daß der- tenige, der mit der Guillotine drohe, am ersten unter das Fallbeil gerate. Es sei auch nicht ersichtlich, wohin die zweite Welle führen solle. Mit Bezug auf die kommende Sozialisier»««, von der man Belsach spreche, stellte Papen die Frage, ob Deutsch- land ehe antimarrtftifch« Revolution erlebt habe, um das Programm des Marxismus durchzuführen. Das große soziale Problem, da» durch wirtschastS- und bc- vi lkerungspoutische Vorgänge hervorgerufen sei, sei nur zu meistern, wenn das Eigentum wieder unter lingetteurer Waldbrand 600 Morgen Nadelholz in Flammen TNB. Blankenburg sHarzs. 18. Juni. Ein riesiger Bald- brand wütet Im Amtsbezirk Heimburg in der Nähe des Forsthauses Eggerröder Brunnen.«XI Morgen Nadelholz stehen in hellen Flammen. Ter Wind jagd das Fcner mit großer Geschwindigkeit durch das Tannenbtcktcht. Auch der Fichtenhochwald hat bereits Feuer gelangen. Unter der un- geheuren Hitze und Wassermangel haben die Lvschmann- schaften sehr zu leiden. Tie Torfbewohner, Feuerwehren und SA.-Mannschaften aus der ganzen Umgebung sind be- O&er neue Vornan fflermynia zur Jttüfkten:..Unsere döthie r. die Jtazinen Wir beginnen heute mit dem Abdruck eines der inter- cssautesten GegeNwättstoMane, die in jüngster Zeit erfchie- nen sind. Er heißt„Unsere Töchter, die NazINen" und ist von Hcrmmiia zur Mühlen geschrieben, der tapferen deutsch»» Schriftstellerin, die trotz wirtschaftlicher Bedräng- nis und ernsthafter Erkrankung jede Anpassung an Hitler- dcntichland abgelehnt hat. Sie geht ihren Weg weiter: auf dcr freiheitlichen Linken, in offener Parteinahme für all« sozial Geächteten und politisch Bedrückten. Hermyllia zur Mühlen hat im Tezember deS vorigen Jahres ihr km. Lebensjahr erreicht. Ste entstammt einer alte« sifterttichifchest Adelsfamtlie. Ihre Ehe mit einem baltischen Gutsbesitzer, die sie zur russischen TtaatSbürgerin niachte, wurde getrennt. Jetzt lebt sie als freie Schrift- stelle«« in Wien. Ihre literarische Tätigkeit begann mit Uebersetzstngen» zu- ntichst von amerikanischen Werken, Unter denen Uptvn Sin- clatr au der Spitze steht. Tann aber schrieb sie foziatisttsch gefärbte Kinderbücher. Ihnen folgte eine Reihe von Roma- neu. die sie in weiteren Kreisen bekannt machten. Wir nen- nen„Ende und Anfang",„Das Riesenrad" und „Reift durch ein Leben" sGotthelf-Berlag, Bern). Selbsterlebtes verwob sich in diesen Arbeiten mit einer lebendigen Anichauung der gesellschaftlichen Gegensätze, die junge Menschen in Konflikte drängen. Ihr vorletztes Werk ist der Roman„Nora hat eine famose Idee" leben- falls im Gotthelf-Berlag, Berns. Farbige Gesellschaftskritik vereinigt sich darin mit liebenswürdigem Humor. Ter Roman„Unsere Töchter, die N a z t n e n". mit dessen Abdruck wir beginnen, ist noch nicht in Buchform er- schienen. Er führt in da»„neue" Teutschland. Er zeigt den Weg des Hatenkreuzlertum», die Welle von Brutalität und Gemeinheit, die mit ihm verbunden ist. Töchter von sehr verschieden gearteten Menschen verfallen dem Rationalsozia- liämus. Die eine ist das Kind einer Sozialistin. die andere das einer abgeschlossen für sich lebenden«ristvkratin. Beide erleben ungeheure Enttäuschungen tm Nationalsozialismus. Das eine der beide« Mädchen geht daran zugrunde, das andere wird zur Kämptrrin gegen ihn... Gewiß, ein Tenbenzrvmani Aber einer von«eist und Farbe. Tie Idee manifestiert sich Nicht in abstrakten Erwä- gnngen, sondern in den Schicksalen lebendiger Menschen. Aber mit setzet Zeile kommen wir der Frau näher.' e diese Menschen warmherzig und gestnnungSrein gestaltete: Hermynla zur Mühlen. Ihr Roman„Unsere Töchter, die Nazinen" arijß ihr Freundschaft und Liebe gewinnen.< Verantwortung gestellt werde, nicht aber dadurch, baß man die kollektive Verantwortungslosigkeit zum herrscheu- den Prinzip erhebe. Tie Bewegung müsse einmal zum Ende kommen. Einmal müsse ein festes soziales Gesüge bestehen, zusammengehalten durch eine unbestrittene Staatsgewalt. Teutschland dürfe nicht-in Zug ins Blaue werben, oon dem niemand wifle, wann er zum Halten komme. Von der Frage, ob es gelinge, den Dualismus zwi- scheu Partei und Staat einer befriedigenden Lösung zuzuführen, hänge der Erfolg und die Zukunft des deutschen Volkes ab. Die Regierung fei wohl unterrichtet über all das, was sich an Eigennutz und Anmaßung unter dem Teck- mantel der deurichen Revolution ausbreiten möchte. Das deutsche Volk wisse, daß seine Lag« ernst sei und habe ein feines Gefühl für Gewalt und Unrecht. Keine Organisation und keine noch so gu.e Trupp« werde aus die Teurer imstande fei», das Vertrauen zu erhalten. Nicht durch Aufreizung, insbesondere der Jugend, nicht durch Drohung gegenüber hilflosen Vollsteilcu, sondern nnr durch eine vertrauensvolle Aussprache mit dem Volk tonne die Z»»ersicht gehoben werden. Tas Volk werde die schweren Opfer, die ihm zugemutet weiden, tragen, wenn man es mittragen und mittaten lasse, wenn nicht gleich jedes Wort der Kritik als BäSwilligtert ausgelegt werde und verzweifelte Patrioten zu Staats»ein den gestempelt werden. Ter Vizekanzler schloß feine Rede mit einem Appell, i» Bruderliebe und Achtung vor den Volks- genossen zusammen zu rücken, da» Werk ernster Männer nicht zu stören und doktrinäre Fanatiker zum Verstummen zu bringen. Gegen Goebbels Nach einem anderen Bericht hat Vizekanzler von Pape« u. a. noch gesagt, daß eine Klust zwischen dem geistigen Wollen und der täglichen Praxi» der deutschen Revolution eingetreten sei, während die Ursache in dem Zu- sammentrefien von geistiger Umkehr und sozialem Umbruch zu suchen sei. Tie geistige Umkehr strebe nach den vom Führer so genannten aristokratischen Grundgedanken der Natur, der soziale Umbruch habe aber marxistische Ström»», gen niederzukämpfen. Die Negierung sei nicht Exponent einzelner Gruppen. I« Staate der wahren Volksgemeinschaft müsse endlich der innenpolitische Schlachtruf verstummen. Ter Geist dürfe nicht mit dem Schlagwort„Jntellcktualis- mus" abgetan werden. Menschlichkeit wie Freitzeit und Gleichheit vor den Richtern seien keine liberalen, sondern germanisch-christliche Begriffe. Tas Fundament des Staates sei allzeit Gerechtigkeit. Tie Reichsregierung wende sich auch gegen den falschen Personenkult. Erziehung zum Dienst am Staat sei selbstverständlich, aber habe ihre Grenzen. Der Zwang ende am SelbstbehauptnngSwillen der echten Persön- lichkeit. Gegenüber dem Worte vom Einzelnen sei. uns das Wort des Führers zu verweisen, daß im persönlichen Wert der Wert alles Menschlichen liege. Wenn man Nolksnähe und Volksverbundenheit wolle, so dürfe mau die Klugheit des Volkes nicht unterschätzen, sondern müsse sein Vertrauen erwidern. Er, der Bize« kanzlcr, habe deshalb die Propagandawelle gegen die söge» nannten„Kritikaster" anders aufgefaßt. Nur durch eine vertrauensvolle Aussprache mit dem Volk könne die Zuversicht und die Einsayircude gehoben werden. Tas Volk wisse, daß ihm schwere Opfer zugemutet werden. Es werde sie ertragen und dem Führer in unerschütterlicher Treue folgen, wenn nicht gleich jedes Wort der Kritik als Böswilligkeit ausgelegt werbe und wenn verzweifelnde Patrioten nicht zu Ttaatsfetnden gestempelt würden. reit» eingesetzt und arbeiten fieberhaft an der Einkreisung de» Brandherde». Technische Nothilse. Arbeitsdienst und Forstschulen der Umgebung werden mit Lastkraftwagen an die Brandstätte gebracht. Man ist dabei, um den Brandherd, desien Ausdehnung noch nicht zu übersehen ist. den Wald in etwa zehn Meter Breite niederzulegen. Wo das Feuer durch die Tannen jagt, ist der Boden schwarz und glühend beiß. Ein furchtbares Bild der Verwüstung bietet sich den Blicken. Aus Hunderten von Kraftfahrzeugen wurden Tausend« von Menschen heran- gebracht, die eifrig arbeiten, um«ine weitere Ausdehnung des Feuers zu verhindern. Die Entstehungsnrsache des Brande» ist noch nicht festgestellt. 2« Toke- 50 Yerlelzle Gasolintank explodiert Reuyork, 19. Juni. Im Staate Neuyork hat sich ein furcht- bares Explosionsunglück ereignet, bei dem etwa zwanzig Personen getötet und fünfzig verletzt wurden. Reuyork, 19. Juni. Zu dem ExplostonSunglück in Jameß- townb war ein halbes Jahr in diesem ErziehungS- lager. Ich verlasse eS so. als hätte ich keine düstere Ver- gangenheit, sondern nur eine leuchtende Zukunft. wie sie siegen! Stand der Arbeitsschlacht h. b. Tie amtlichen deutschen Stellen veröffentlichen gegenwärtig zum Stande der Arbeil»»chlacht eine Statistik, die allem Gerede über die Siege der Arbeitsbeichaffungsaktion geradezu ins Gesicht ichlägt. Wir entnehme» der Nr. 1-14 der „Braunschwcigischen LandcSzeitung" folgende Zahlen: Berlin hat 400 000 Arbeitslose, Hamburg 180 000. Auf 1000 Einwohner kommen: in Plauen lBogtlnndl 120,1, in Breslau 101,g, in Solingen 08,0, in Hamburg 00 ,0. in Berlin 03,1 Arbeitslose. Auch in Leipzig, Chemnitz und Tuisbnrg.Hamborn kom- mc» über 00 Erwerbslose ans 1000 Einwohner. Ottenbach zählt 104,0. Fürth 101 und Herne 80 ,1 Arbeitslose auf 1000 Einwohner. Schon aus dieser absolut unzulänglichen Ausstellung lassen sich interessante Rückschlüsse aus das Gesamtbild ziehen. Wann wird das„dritte Reich" es endlich wagen, eine genaue, kon- trollierbare Statistik aus allen deutschen Gauen zu vcr- öffentlichen? Kölner Kurzbrief „Strafe Gottes" Srelli arg, 17. Juni, sJnpreß j Aus Staufen wird ei» Borfall gemeldet, der für die Heftigkeit des Kampfes ein Relsplel»st, der zwischen der Katholischen Kirche und den Nationalsozialisten auogetragcn wird. Ter SA-Brigade, führer Waßmer war bei einem Motorrad,infall tödlich v-r. u«,klickt. Zu diesem Unfall erklärte der katholische Bikar R»fj! m Staufen, Waßmer habe Leute ausgestellt gehabt, die feststellen sollten, wer von den Angehörigen der SA. sich an der Fronleichnamsprozession beteilige! der Unglücksfall fei eine Strafe Gottes. Für Juden kein Badestrand Wie der„Niederdeutsche Beobachter" berichtet, hat der Hauptausschuß der Gemeindeverwaltung A r e n d s e e be- schlössen, allen jüdischen Besuchern, auch den An- gehörigen der jüdischen HauSmann-Stiftung, die Be- Nutzung des Strandes innerhalb der Gren- zcn des Badeortes Arendscc zu verbieten. Eingeschlossen in dieses Verbot soll auch das Betreten der See-Landungsbrücke, der Lesehalle und des Konzcrtgartens sein. Zu Nazinnen ausgebildet werben in Poberow an der Ostsee„Iuugmädclsuhrerinnen". Im Saute des Sommers sollen zwei bis dreitausend junge Mädchen durch das Poberower Lager gehen, Reldisntarlt-.. Deckung': 2,9 f. II. wadisende Paniii- Die Banknoten narh x Berlin, IS. Juni. Der Reichsbankausweis für die zweite Iuniwoche zeigt den Weg zur Katastrophe. Die Schrumpfung des Goldes und Devisenbestandes seht sich in verstärktem Maße fort. Er geht insgesamt um 20 Millionen auf rund 100 Millionen Reichsmark zurück. Der Goldbestand ermäßigte sich um 17 Millionen Reichsmark auf 94 Millionen Reichsmark. Die deckungsfähigen Devisen gingen von 9 Millionen Reichsmark auf 6 Millionen Reichsmark zurück. Die deutsche Banknote ist im Auslande nur noch mit Schwierigkeiten und größeren Verlusten unterzubringen. Die neue.Banknolenmark" hat bereits einen eigenen Kurs. Am Samstag, dem 9. d. M., fuhren f ü it f Arbeiter des städtischen Fuhrparks(80O Mann Belegschaft» mit„Kraft durch Freude" in Erholung. Zur Tcckung der Unkosten wurden von jedem Arbeiter 0,23 Mark lpro Urlauber 5 Pfennigs von seinem Lohn einbchalten. Ans der M e r h c i m e r- Heide srcchtsrheinischs üben jeden Sonntag morgen durchschnittlich 8—9 G.-A.-Stürme sTturm 120—130 Mann» Handgranatcnwerien und Maschinengewehr- schießen. Es werden regelrechte Ucbungen abgehalten, Sturm auf markierte feindliche Stellungen usw. Tie R e i ch s b a n k versandte am Anfang dieses Monats Fragebogen an solche Firmen, die früher sehr viel exportiert hatten, mit der Anfrage: warum der Export bei ihnen nach- gelassen habe. Manche Firmen füllten den Fragebogen gar nicht aus, sondern schickten nur die Originalbrieje der Kunden ein, die schreibe», warum man nichts mehr beziehe» kann. In Köln erzählt man sich: Früher hatte der Oberbttrger- meister Adenauer ein»Ries«»"-Gehalt... und jetzt hat Herr Riesen ein Adcnaner-Gehalt. Tas Rückflutcn zum Arbeitsnachweis hält dauernd an: Anstreicher, Klempner, Elektriker, Installateure usw. Die Chemische Fabrik in Kalk hat Leute entlassen, die Schuh- sabrik Rollmann Mayer ebenso. Rosenberg Hertz, Köln, Trikotagen, hat entlassen und arbeitet mit Verkürzung <3 Tagcj Sehr viele Fabriken leiden an Rohstoffmangel. Beim Statistischen und Wahlamt der Stadt Köln sind große Entlassungen vorgenommen worden. Nungcrrenlen noth gekürzt Ein Hausbesitzer aus Köln schreibt uns über weitere Kürzungen der Zusatzunterstützungen für Arbeitslose und Kriscnempfänger: Ein Ehepaar, das keine Kinder hat, und bisher an Miete ohne Hanszinssteuer monatlich 87.08 Mark ausgab, erhielt ans den Hilfsstellen eine Zusatzunter- st ü tz u n g von 22,50 Mk., wenn der Mann einen Wochensatz von 12,30 Mark am Arbeitsamt erhielt. Seit dem 1. Juni ist das zuungunsten der Aermstcn der Armen geändert. Heute darf ein solches Ehepaar, gleichviel welcher Bildungsstufe, nur— vicrundzwanzig Mark im Monat verwohnen, ausschließlich Wassergeld, Gas usw. Statt des oben genannten Betrages von 22,50 Mark erhält der Arbeitslose ab 1. Juni einen Betrag von 8,00 Mark. Er soll also von einem Gesamteinkommen von 01,90 Mark eine Miete von 87,03 Mark ohne Hauszinssteucr bezahlen. Diesen Familien wird somit ein Betrag von 13,»X» Mark an der Unterstützung abgezogen. In besonderen Fällen stuft man in drei Raten ab. so daß spätestens ab August alle auf dem untersten Niveau stehen. Da man mit etwa 10 000 Familien allein in Köln auf dieser Basis zu rechnen hat, ist klar, baß bedeutende Summen an Miete in Rückstand bleiben, wenn sie nicht direkt ver- hungern wollen. Folge: der Hausbesitzer erhält nur einen Teil der Miete und wird nun seinerseits mit den Steuern gegenüber den Verwaltungen auch in Rückstand kommen. Nennt sich das auch Ankurbelung der Wirtschaft? Immer mehr Abzüge! Das Festabzeichen für das deutsche Jugendfest Das Deutsche Nachrichtenbüro meldet: D-r Stellvertreter des Führers, NcichSministex Heß. und der Reichsfnianzmiuifter habe» die Erlaubnis zum Ver- kauf des Abzeichens für das deutsche Jugcndfeft auf Straßen nnd öffentlichen Plätzen bis zum 28. Juni erteilt. Das Abzeichen gibt zahllosen erwerbslose» Arbeitern der thüringnchen Porzellanindnstrie mehrere Wochen Arbeit, so daß jeder Käufer dazu beiträgt, der deutschen Arbeits- schlach, zum Sieg« verHilst. Eine neue Bettelein. Zwar ist der Kauf dieses Abzeichens eine freiwillige Handlung, aber wehe dem. der Hitlers Ar- beitSschlachl sabotiert und das Abzeichen nicht kauft. Tie Arbeiter werden, wie immer, ein solche? Abzeichen erstehen müssen. Tie Entscheidung fällt ihnen aber nicht schwer, da ihnen nach bekanntem Muster die Kosten für das Abzeichen gleich vom Arbeitslohn an der Zahlstelle abgehalten werden. Berlin, 18. Juni. Im weiteren Verlauf des Juni sind laut RcichSbankauSwcis für die zweite Juniwoche die Rück- flüsse an die Reichsbank nur sehr zögernd eingelaufen. Von der gesamten Inanspruchnahme zum Ultimo Mai in der Höhe von 329,7 Millionen Reichsmark sind bisher nur 143 Millionen Reichsmark zurückgeflossen, also etwa 43 Prozent, während in der Mitte bcS Vormonats die Rückflüsse 01 Prozent und Mitte Marz 78 Prozent der jeweiligen In- anspruchnahme deS vorhergehenden MonatSdrittelS betragen hatten. Im einzelnen sind die Bestände an Handelswechseln nnd-schecks um 82 auf 8000 Millionen Reichsmark und an Reichsschatzwcchscln um 9,3 auf 13,8 Millionen Reichsmark zurückgegangen: die Lombardfordcrungen sind mit 79 Mil- lionen Reichsmark ziemlich unverändert geblieben. Deckungs- fähige Werlpapiere stiegen weiter um 5 Millionen aus 328 Millionen Reichsmark. An Rcichsbanknoten und Renten- bankichcincn sind zusammen 24 Millionen Reichsmark in die ReichSbaukkassen zurückgeflossen. Ter Rcichsbanknotenum- lau» hat sich auf 3486 und der Rcntenbankscheinumlaus um eine Million auf 347 Millionen Reichsmark vermindert. An Scheidemünzen flössen 13 Millionen Reichsmark in die Reichs- bankkassen zurück. Der Bestand an Scheidemünzen hat sich auf 231 Millionen Reichsmark erhöht, wobei zu berück- sichtigen ist, daß rund 7 Millionen Reichsmark neu ausgc- prägt und 13 Millionen Reichsmark wieder eingezogen wurden. In Verbindung mit weiteren Rückzahlungen auf den Reichskredit haben sich die sonstigen Aktiven um 33 Mil- lionen ermäßigt. Giroverbindlichreiten ermäßigten sich gleichzeitig um 40 auf 478 Millionen Reichsmark. Die Schrumpfung des Gold- und Devisenbestandes hat sich in vcr- stärktem Maße fortgesetzt. Er ging insgesamt um 20 Mil- lionen aus rund 100 Millionen Reichsmark zurück. Der Goldbestand ermäßigte sich um 17 auf rund 94 Millionen Reichsmark, der Bestand an deckungsiähigen Devisen um 3 auf 0 Millionen Reichsmark. In der Berichtswockc mußten rund ö Millionen Reichsmark für den Zinsendienst der Bounganleihe bereitgestellt werden. Das Teckungsvcrhält- nis zieht infolgedessen weiter von 3,4 auf 2,9 Prozent zurück. Der gesamte Zahlnngsmittelumlauf beträgt 5403 Millionen Reichsmark, die Spanne gegenüber dem Vorjahr hat sich etwas erhöht. Der Zahlnngsmittelumlauf ist jetzt um rund 180 Millionen Reichsmark höher als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Unterdessen gestaltet sich das Schicksal der Mark im Aus- lande von zu Tag chaotischer. Zu den vielen im Auslande in mannigfaltigen Kursen gehandelten Marksorten tritt jetzt noch die„Banknotcnmark". Darüber wird uns auS Holland geschrieben: Die. Dantflictennierh"! Die künstliche und krampfhaft« Stabilisierung des Mark- kurses hat hier zu Zuständen geführt, die klar die Brüchig- keit deS ganzen Systems erkennen lassen. Bis vor etwa einer Woche ging der Kurs der deutschen Banknoten mit dem offiziellen Markkurs parallel, d. h. für 100 Mark in Banknoten wurde regelmäßig ein Gulden weniger gezahlt, alS der Kurs der offiziellen Mark angab: stand z. B. de? Wechselkurs auf 53, so bekam man für einen Hundcrmark- schein 37 Gulden. Seit der Moratoriums-Krise hat sich der Banknotenknrs jedoch vom Wechselkurs unabhängig gemacht, d. h. er ist weit unter i h n gefallen. Während an der letzten Freitagbörse in Amsterdam die Mark offiziell mit 50 Cents notiert wurde, konnte mau deutsche Banknoten bereits für öl, dann für 30 kaufen, ohne daß besondere Nachfrage ein- getreten wäre. Tas bedeutet: Während der offizielle Mark- kurS noch einem Wert der Mark von 93 Pfennig entsprach, waren Banknoten bereits 83 Pfennig je Mark zum Kauf angeboten. Wir haben jetzt also noch einen MarkkurS mehr erhalten: außer Efscktcnspcrrmark. Guthabcnsperrmark, Registermark, Reisemark nun auch noch die Banknoten- Mark! In holländischen Grenzstädten wie B e n l o hat sich bereit? seit Tagen ein lebhafter Straßenhandel in ge- schmuggelten Banknoten entwickelt. Trotz aller Strasan- drohungcn und Verbote trägt die deutsche Grenzbcvölkerung ihr Geld haufenweise über die Grenze, um es in Gulden umzusetzen. Bei der allgemeinen Panik sinken die Kurse noch weit tiefer als im offiziellen Börsenverkehr, man hört schon, während der Kurs der Gvlömark bei 59 steht, Kurse, die mit einer 4 beginne»! Dieser Tauschhandel geht natürlich nur so lange, alS die Neichsbank die im Ausland flottierenden Marknoten zurück- kauft, denn ein anderer nimmt sie nicht. Tie Holländer, die nach Teutschland reisen, kaufen sich noch weit billigere Registermark, die zur Zeit zwischen 30 und 40 notiert, was einem Preis von 50 bis 03 Pfennig für die Mark entspricht. Wer gar Waren aus Teutschland bezieht, zahlt in noch viel billigeren Registermark. Höchstens kommt e? einmal vor, daß jemand, der irgendeine Schuld nach Teutschland zu vc- gleichen hat, für die er keine billigen Marknotcn erwerben kann, das Geld statt durch Postanweisung per Wertbrief in Banknoten an seinen Gläubiger sendet, er erspart beim heutigen BanknotenknrS immerhin 15 Prozent! Während 100 Mark durch Postanweisung gesandt noch über 58 Gulden kosten, kauft man einen Hundertmarkschein hier bereits für 50 bis 51 Gulden. Im allgemeinen aber wird die ReichSbank die einzige größere Käuferin für deutsches Papiergelb sein. Tas starke Absinken des Kurses beulet darauf hin, baß die Menge der hinauSgeschmuggetten Roten ihr bereits zu groß zu werden beginnt. Bettelei en gros Man schreibt uns aus Hannover: Wer heute eine gleise durch Teutschland macht, staunt über den riesigen Umfang, in dem drüben gebettelt wird. Natürlich nicht von armen Leuten, o nein, die werden empfindlich bestraft. Die Bettler treten in der mannig- fälligsten offiziellen und halbosfizicllen Form auf. Schon gleich die erste Begegnung mit dem neuen Teutschland wird in dieser Beziehung charakteristisch: Kaum hält der Zug an der beut»'chen Grenzstation, da stürzt sich auch schon ein Trupp Mädchen mit Blumen und Sammelbüchsen, gewöhn- tich von einem älteren Nationalsozialisten geführt, in die Wagen. Vor jedem Abteil heben sie die Hand, strecken den Reisenden kleine Blumen und große Büchsen entgegen und sagen:„Heil Hitler! Bitte svcnden Sie für die national- sozialistische Bolksivohttahrtl" Etwas peinlich berührt, aber böslich, ziehen die meisten Reisenden den Geldbeutel. Andere wollen sich mit der Bemerkuna drücken, sie hätten nur Franken oder grobes Geld.»Oh! Wir nehmen auch fünf Franken!" antivorien die gutdressierten MädetS ohne die geringste Verlegenheit. Im Verlaufe einer Reise hört biete Bettelei niemals wieder auf: Vor Bahnhöfen und Theatern, aus Bahn» steigen, in Restaurants und aus den Straßen, überall treten die Sammler nnd Sammlerinnen mit Blumen, Plaketten und ihren Sammelbüchsen auf die Passanten zu und wollen Geld. Ihr Grub„Heil Hitler" ist dann immer mehr als eine Form oder eine Höflichkeit, er ist eine regelrechte Trohung. Die Ausländer können sich denn auch schon mal eher ab- weisend verhatten, während die Einheimischen vorsichtiger sein müssen. Man Hilst sich, indem man den lästigen Tamm- lern nach Möglichkeit aus dem Wege geht. Häufig kann man beobachten, daß die Passanten in regelrechten Schlangen- windunacn von einer Straßenseite auf die andere hinüber und herüber wechseln, nur um den voraus gesichteten amt- lichcn Bettlern auszuweichen. Damit sind aber die Variationen des Bettels bei weitem nicht erschöpft. Haussammlung, Brockensammlnng, Pfund- sammlung und Eintopssammlung mögen einen kleinen Begriff geben, wie an der Bevölkerung gesogen wird. Kommt man in ein Treppenhaus, so kann man an allen Wohnungen kleine runde Etikette kleben sehen: irgendwelche symbolische Darstellungen vom Kampf gegen Hunger und Kälte. Diese Etiketten sollen den verschiedenen Tammlern andeuten daß man für den lausenden Monat sein Teil zum Winterhisss- werk beigetragen hat: sie schützen aber nur in den seltensten Fällen davor, daß man um eine neue Spende angegangen wird. Aehnliche Plaketten von Metall werden von der Be volkerung in großem Maße auk der«traße getragen, ebenfalls ein Zeichen, daß man bereits seiner Spendepslicht genügt hat nnd in Ruhe gelassen zu werden wün»cht. Es gibt eine reizende, aber auch bezeichnende Redcwcn- dnng zur Charakterisierung des SpendeunfugS: Fragt man jemand:„Wie gchts?".«o erhält man prompt und beinah« stereotyp die Antwort:»Ach, man spendet sich so durch!" Ueber nichts wird dann auch innerhalb der Bevölkerung so allgemein geschimpft oder geklagt, als über die„ewige Bettelei!" Häusig wird es selbst dem Frömmsten zuviel und es reißt ihm der Geduldsfaden, so daß er allerlei Wahr- heilen zu hören gibt. So berrichte ein Kleinhändler, der sogar Kreisleitcr in der nationalsozialistischen Fachschaft ist. einmal eine Bettelgruppc mit folgenden Worten an:„Geht los! Alle Welt kommt betteln! Jetzt ist es aus! Ich kann keine Karten mehr kaufen!"- Oder: Eine seit Jahren als begeiferte Nationalsozialistin bekannte Gcschäitsirau sagte im Beisein von Kunde» zu einem Bettclnazi:„Sie sind nun glücklich der Tritte, der heute schon am frühen Morgen kommt. Wie denken Sie sich das eigentlich? Ich kann nichts mehr geben!" In jüngster Zeit hat sich nun ein erheblicher Widerstand gegen die Bettelei der Nationalsozialisten auf der ganzen Linie bemerkbar gemacht. Wenn die Führer auch unter dem Eindruck der allgemeinen Empörung dem Bettelunweien Einhalt geboten haben, so hindert da« doch nicht, daß weiter gebettelt wird. Im Gegenteil, man hat jetzt eine noch raffiniertere Methode erfunden, um die Bevölkerung zum Spenden zu zwingen: Man sammelt mit Sammellisten! Von Haus zu Hau?, von Tür zu Tür werden die Sammler geschickt— sie werden auch gezwungen—, und wenn sie um eine Gabe bitten, so geschieht das gleich so, daß sie die Liste vorzeigen. In den meisten Fällen wird der Zweck erreicht: Tic Bevölkerung, die nicht weiß, inwieweit diese Listen von einer höheren Stelle kontrolliert werden, zeichnet sich nun aus Angst vor irgendwelche» Folaen mit einem Betrag in die Liste«in. In vielen Fällen wissen die Samm- ler sogar ganz genau, wo der Mann i» Arbeit steht und machen den Hausfrauen Vorschriften, was sie zu spenden haben. Die neue Methode ist so niederträchtig, daß die wenigsten Familien es wagen, den Sammlern überhaupt nicht aus- zumachen. Und wenn sie e? einige Male mit Erfolg getan haben, so halten sie es bock sür ratsam, das nächste R. l wieder einen Geldbetrag zu zZchnrn. 3>eutsdke Stimmen•(Beilage zur„^Deutschen Freiheit"• Ereignisse und 9estfki€fkten Mittwoch, den 2Q. Juni 1934 7s>-fcfUMec, Jlq.. Qoetfie &tt Jkofessoc uecuHceuiiqt die£äecatuc ^enn die Hakenkreuz-Barbaren große Namen der deutschen Geistesgeschichte für sich in Anspruch nehmen, gleichen sie einer gewissen Spielart Verruchter, die marmorne Denkmäler mit ihren Exkrementen zu besudeln lieben: nicht umsonst ist die Farbe des„dritten Reiches" braun. So ging es mit Friedrich Nietzsche. Zwei Aussprüche des vZarathustra". Dichters genügen, sein hundertprozentig negatives Verhältnis zum Kern der Hitlerei festzulegen, dieser: „Maxime: mit keinem Menschen umgehn, der an dem verlogenen Rassensehwindel Anteil hat", und der andere: „Einem Juden zu begegnen, ist eine Wohltat, gesetzt, daß man unter Deutschen lebt". Ist es da nicht eine wilde Groteske, wenn der gleiche Nietzsche als philosophischer Vorläufer derer gefeiert wird, die heute im Namen des Rassenschwindels und der Judenhetze Deutschland in Grund und Boden ruinieren? Ach, alles ist im„dritten Reich" Grotesk?, und keine wiederum ist so grotesk, daß sie nicht sehr bald von eirfer noch groteskeren überboten würde. Nach Nietzsche sind darum jetzt Schiller und Goethe daran, in die SA.-Kluft gesteckt zu werden. Jawohl, Schiller und Goethe! Auf der letzten Tagung der glorreich gleichgeschalteten Goethe-Gesellschaft in Weimar hat es kein Geringerer als ihr Vorsitzender, Professor Petersen, fertig gebracht, ohne Erröten die Ungeheuerlichkeit von sich zu geben:„Schiller und Goethe sind die ersten Nationalsozialisten gewesen!" Schwapp! hat auch das Denkmal dieser beiden großen Deutschen seine braune Sauce weg und bedarf gründlicher Reinigung mit Seife, Sand und Schrubber. Aber lohnt es wirklich, einen Goethe und einen Schiller, obwohl sie sich gegen die Petersens nicht mehr wehren können, gegen die Widerwärtigkeiten eines Professors in Schutz zu nehmen, der sich entehrt, indem er sie zu ehren glaubt. Zu laut sprechen ihre Werke gegen jeden Versuch, sie für die deutschen Zufallt- und Augenblicksmachthaber von 1934 nutzbar zu raachen. Goethe— man vermag sich die Gefühle unverhohlenen Ekels auszumalen, mit denen der gelassene Olympier auf den Haufen tobender und schwitzender, geist- und seelenloser Spießbürger herabblicken würde, der den Kern des Hakenkreuz-Heerbannes bildet. Aber vom Aesthetischen ganz zu schweigen, steht seine Gedankenwelt so unerreichbar hoch über der brutal-hysterischen Lümmelei der Nazioten wie das Ewigkeitsstrehen Fausts über dem Treiben einer Gorillaherde. Jene verzapfen die Weisheit, daß es nicht auf den Verstand, die Vernunft, das Bewußtsein, die Leberlegung, die Logik, sondern einzig auf die dumpfen„Stimmen des Bluts" ankomme, für sie ist das Irrationale, das ungeordnete Ghaos in uns, das Unterbewußtsein bestimmend. Ueber die Vernunft höhnen sie wie der Spitzbube über die Ehrlichkeit, und was sieh immer auf der ratio, der Vernunft, aufbaut, dünkt sie„liberalistisches" Geschwätz. Einer der stärksten Wesenszüge Goethes aber ist der Wille und die Fordeung, das Irrationale, die dunklen, chaotischen Gewalten in unserer Brust zu bändigen, zu unterdrücken. zu vergeistigen. Für Goethe heißt das erste Gebot und Gesetz: Klarheit, Ordnung, Bewußtsein. Stets herrscht in seiner Welt der helle Tag, nie die Dämmerung, nie der Nebel. Denn deutlich erkennt er, daß nur durch Bewußtsein, Ordnung und Klarheit der Weg zu dem hohen Ziele führt, das ihm unablässig vorschwebt: die Entbarbarisieruug der Menschheit. Ein leuchtender Stern steht über seinem Schaffen: der Begriff der Humanität, der Menschlichkeit. Den Menschen menschlich sehn, den Menschen als Menschen würdigen, den Menschen im Sinne von Kants Lehre nie als Mittel, immer als Zweck nehmen— darum dreht sich Goethes Lebensauffassung. Sein Organ ist darum nicht die Faust, sondern das Hirn. In der„Iphigenie auf Tauris" offenbart er uns das Hohelied der Menschlichkeit, die über grausam finstere Barbarei siegt. Durch dieses Stück klingt wie durch Goethes ganzes Werk gleich einem reinen vollen Glockenton„die Stimme der Wahrheit und der Menschlichkeit". Darum ist ihm auch nichts fremder als nationale Beschränkung und Beschränktheit. Niemand urteilt über die eigenen Landsleute kritischer, niemand lernt von andern Völkern bereitwilliger als er. Er prägt den Begriff der Welt!Bcauttes Stcafcecfit literatur, das Gegenstück zu der geistigen Absperrung und Selbstbefriedigung, wie sie in den Bezirken des Herrn Goebbels Trumpf ist. Als dann 1813 die patriotische Begeisterung gegen die französische Fremdherrschaft durch Deutschland braust und schäumt, stimmt„der erste Nationalsozialist" nicht etwa an: Siegreich woll'n wir Frankreich schlagen, sondern steht kühl bei Seite. Er vermag die Franzosen nicht zu hassen, denn wie das so der Nationalsozialisten Brauch ist, hat er sich sein Leben lang in das französische Geistesleben leidenschaftlich eingewühlt und ist in der französischen Kultur mehr zu Hause als irgend ein Deutscher. In diesem Zusammenhang erwähnt er den Nationalhaß und meint:„Auf den untersten Stufen der Kultur werden Sie ihn immer am stärksten und heftigsten finden. Es gibt aber eine Stufe, wo er ganz verschwindet, und wo man gewissermaßen über den Nationen steht und man ein Glück oder ein Wehe seines Nachbarvolkes empfindet, als wäre es dem eigenen begegnet Diese Kulturstufe war meiner Natur gemäß". Nicht wahr, ähnliches Bekenntnis legt auch Herr Gering ab, und gleiche Lehre wird in den SA.-Kasernen verkündet? Oder nicht? Nein, hier gibt es nichts zu drehn und zu deuteln. Von dem großen Antibarbaren Goethe, der uns die„Iphigenie" schenkte, führt zu den„auf den untersten Stufen der Kultur" stehenden Barbaren, die den vertierten Mördern von Potempa die blutbesudelte Hand drücken, keine Brücke in Zeit und Ewigkeit, und wenn Herr Professor Petersen einmal darüber nachdenkt, wird er vielleicht doch rot. Nicht anders geht es mit dem Pg. Schiller. Vor allem andern ist der Dichter des„deutschen Idealismus" eins: ein Weltbürger, der in dem Muff und Mief nationalistischer Engherzigkeit nicht zu atmen vermag. Ihm ist es„ein armseliges, kleines Ideal, für eine Nation zu schreiben", und seinem Volke ruft er zu: Zur Nation euch zu bilden, ihr hofft es, Deutsche vergebens; Bildet, ihr könnt es, dafür freier zu Menschen euch aus. Denn das freie Menschentum im Sinne der klassischen Humanität ist auch das leuchtende Ideal dieses anderen „ersten Nationalsozialisten", Ungestümes Freiheitspathos braust durch die meisten seiner Stücke, durch Anprangerung des Despotismus und der Inquisition die„prostituierte Menschheit" zu rächen, gilt ihm als Ziel, und wie das erste seiner Dramen,„Die Räuber", die Losung trug: Wider die Tyrannen!, so gipfelte sein letztes,„Wilhelm Teil", in der Verherrlichung des Rechts auf Insurrektion, das die französische Revolution dem geknechteten Menschen feierlich zugebilligt hatte: Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht. Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden, Wenn unerträglich wird die Last— greift er Hinauf getrosten Mutes in den Himmel Und holt herunter seine ew'gen Rechte. Die droben hangen unveräußerlich Und unzerbrechlich wie die Sterne selbst. Der alte Urständ der Natur kehrt wieder, Wo Mensch dem Menschen gegenübersteht. Zum letzten Mittel, wenn kein andres mehr Verfangen will, ist ihm das Schwert gegeben. Kein Wunder bei solcher Gesinnung, daß jene Revolution, deren Prinzipien Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit für die Braunhemden die Quelle alles Uebels bedeuten, Schiller den Bürgerbrief der französischen Republik übersandte. Schillers Gestalten aber im„dritten Reich"? Die Geßler und Gianettino lebten versteckt im Hintergrunde, denn lieben den Gewaltmenschen und Folterknechten des braunen Deutschland wirkten sie schlapp, Teil wäre als„marxistischer Untermensch" mit dem Handbeil enthauptet oder„auf der Flucht erschossen" worden, der Marquis Posa säße, weil er in„liberalistischer" Frechheit Gedankenfreiheit zu verlangen gewagt hätte, im Konzentrationslager, nur Franz Moor spielte wohl eine aktive Rolle als eine Art Goebbels II. Karl Max. Braune Lohnjuristen brauen Strafrecht für den Untertan, Schrein in allen deutschen Gauen: Dem Justizmord freie Bahn! Fort mit menschlichem Empfinden! Viel gequält ist wohlgetan. Foltern, Schießen, Hängen, Schinden; Dem Justizmord freie Bahn! Richter müssen sich vernageln; Hang zum Recht ist Größenwahn. Zuchthaus soll es nur so hageln. Dem Justizmord freie Bahn! Raus aus dem humanen Gleise; Kopf um Auge, Leib um Zahn! Strafen ohne Schuldbeweise, Dem Justizmord freie Bahn! Angeklagte, Maul gehalten! Rechtsanwälte, nichts getan! Recht ist Willkür der Gewalten. Dem Justizmord freie Bahn!- Braune Lohnjuristen brauen Strafrecht für den Untertan. Henker hoffen voll Vertrauen. Dem Justizmord freie Bahn! Horatio. Bec TJlacksteUi flic JCäfcctal „In dem großen, ausgeschmückten Wirtschaftsgarten, der bis in die späte Nacht hinein überfüllt war und in dem Hofe mit dem Schießstand, der Kegelbahn, der Zuckerbude usw., entwickelte sich schnell ein richtiges Volksfest. Im Tanzsaal drängten sich die Paare, doch das störte die Jugend nicht. Genießer ließen sich in dem zum Cafe verwandelten SA.Heim nieder. 1 ig! Freudig begrüßte Pg. G a w r a n die so zahlreich erschienenen Teilnehmer und Gäste. Besonders herzlich begrüßte er den Kreisleiter Dr. Roth, der zur Weihe des von der hiesigen Ortsgruppe der Kreis-PO.- Kapelle gestifteten Schellenbaumes gekommen war. Die PO. Kapelle hat dadurch eine wesentliche Vervollständigung erhalten. Der Kreisleiter, stürmisch begrüßt, sagte, was für den Sturm einer Formation die Fahne bedeutet, sei für die Kapelle der Schellenbaum. Und der Träger des Schellenbaumes sei dem Fahnenträger gleich. Aber der Schellenbaum sei auch gleichzeitig ein Symbol für Käfertal. Käfertal ist nicht nur eine Hochburg des Nationalsozialismus, sondern wird es auch bleiben. Der Tag sei ein Tag echter Volksgemeinschaft, denn alle Volkgenossen haben sich eingefunden. So wird denn dieser Tag als ein weiterer Markstein in der Geschichte der Ortsgruppe zu gelten haben." Bericht über ein NS.-Volksfest im„Hakenkreuz Banner", Mannheim. Qoebfals ptämied sich seihst Die Reichsschrifttumsstelle beim Propagandaministerium ist auf einen neuen Trick zur Brechung des Leserstreiks im „dritten Reich" gekommen. Sie wird monatlich je sechs Bücher„zum Zeitgeschehen" und„deutscher Dichtung" nennen, die sie als die wichtigsten betrachtet. Die erste Reklameserie ist bereits festgelegt, sie enthält, wie es sich für das um den Umsatz besorgte Propagandaministerium gehört, das neue Buch von Goebbels„Vom Kaiserhof zur Reichskanzlei" und ein Buch über die Saar von dem „Angriff"-Redakteur Schwarz von Beck. Wer an den Krater des Vesuvs eine Polizeiverordnung anschlüge:„Ein Ausbruch des Vesuvs ist bei Strafe verboten", würde nach einstimmigem Urteil ins Tollhaus gehören, doch wäre er nicht weniger unvernünftig als diejenigen, welche den Makrokosmos der Menschheit in den Mikrokosmos ihres engen Gehirns einzwängen wollen, und jeden Protest, jedes Sträuben dagegen„bei Strafe" verbieten. Wilhelm Liebknecht. Und letzt: Qestecceich •er österreichische Dichter und Historiker FritzBrügel an den Kongreß aller Pen-Clubs, der am 15. Juni in uburgh zusammentrat, einen Brief gerichtet, in dem er hemmungslosen Terror schildert, der im ständischen terreich auf allem geistigen und kulturellen Leben lastet, den Pen-Club aufgefordert, dieser Kulturbarbarei ein es Wort der Mißbilligung entgegen zu setzen. Fritz Brügel Mitglied des Wiener Pen-Clubs und war als Schriftsteller Volksbildner ein bekannter Repräsentant des geistigen ens in Oesterreich vor der Faschisierung des Landes. Der f lautet: n das Plenum des Pen-Club Kongresses in Edinburgh! Is Mitglied des Wiener Pen-Clubs, das aus äußeren Grünverhindert ist, an der Tagung teilzunehmen, fühle ich i verpflichtet, die Aufmerksamkeit des Kongresses auf Lage der geistigen Arbeiter und des Geistes in Oesterreich enken, zumal die Grundsätze, die Galsworthy dem Pen- > gegeben hat, gerade in dieser Situation, die dem öster- tischen Volk auferlegt ist, eine laute und deutliche Steinahme fordern. in jeder historischen Erörterung und von jeder Politik sehen, weite ich darauf hin, daß der Begriff der geistigen Freiheit in Oesterreich estehen aulgehört hat. Das gesamte Druckwesen ist der kendsten Zensur unterworfen. Es gibt keinen Schrifter. der ein Wort der Kritik oder einen Gedanken äußern te. der sich nicht vollständig mit den an sich höchst lematisehen philosophischen, politischen und Staatsrecht- n Meinungen des Regimes deckt. Dazu kommt, daß auch die Wissenschaft und ihre Lehre nicht mehr frei ist; die Verfassung, die die Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz aufgehoben hat, ermöglicht es der Regierung, jeden Gelehrten zu maßregeln, der irgend eine Meinung oder Lehre vorträgt, die in irgend einem Ministerium als unpassend empfunden wird; 2. daß alle Direktoren von Mittel- und Hauptschulen, die im Verdacht demokratischer, sozialistischer oder nichtkirchlicher Gesinnung standen, aus ihren Aemtern entfernt wurden. Einer dieser Direktoren hat Selbstmord begangen; 3. daß überhaupt alle öffentlichen Beamten unter Mißachtung ihrer erworbenen Rechte oder Dienstverträge aus ihren Aemtern entfernt wurden und werden, die in politischer oder religiöser Beziehung nicht vollständig mit den Meinungen des Regimes übereinstimmen; 4. daß alle Dissidenten von der Arbeitsvermittlung ausgeschlossen sind; 5. daß die öffentlichen Volksbildungsbibliotheken genau so wie im Deutschen Reich von„anstößigen" Büchern„gereinigt" wurden; zum Unterschied von Deutschland vermeidet das österreichische Regime die Veröffentlichung einer Liste, die eine Kontrolle dessen ermöglichte, was in Oesterreich an Büchern verboten und erlaubt ist. Ich kann daher nur solche Autoren als verboten mitteilen, deren Entfernung aus den Volksbildungsbibliotheken mir von einwandfreien und zuverlässigen Zeugen mitgeteilt wurde, so daß die folgende Namensliste bei weitem nicht vollständig ist; e» wurden aus Bibliotheken in Wien und in den Bundesländern entfernt uuener von: Balzac, Jean Jaques ttousseau, fc. u. J. Goncourt, Zola, Nietzsche, Darwin, Upton Sinclair, Wedekind, Galsworthy, Dreiser, Maupassant, Schnitzler, Jack London, Hasck, Arnold Zweig, Stefan Zweig, sowie die ganze moderne russische Literatur; 6 daß die Montessori-Schule, der Verein„lernst Mach", die Liga für Sexualreform und das Gesellschafts- und Wirtschaft»- museum geschlossen oder aufgelöst wurden; 7. daß die Volksbildungseinrichtungen gleichgeschaltet wurden und daß die Begriffe der Lehr- und Lernfreiheit sowie der wissenschaftlichen Kritik auch hier nicht mehr existieren; 8. daß sich in den nach deutschen Mustern eingerichteten Konzentrationslagern Menschen befinden, nicht, weil sie ein Verbrechen oder Vergehen begangen haben,, sondern weil sie Ueberzengungen hegen; unter diesen Menschen befinden sich auch Schriftsteller wie Karl L e u t h n e r, der als Politiker längst keine Bedeutung mehr hatte, der aber einer der besten österreichischen Schriftsteller ist. Leuthner war wochenlang im Polizeigefängnis, eine Anklage gegen ihn wurde nie erhohen, aber statt ihn frei zu lassen, brachte man ihn ins Konzentrationslager. Ich habe mich bemüht, die Situation des Geistes und der geistigen Arbeiter in Oesterreich in aller Kürze und ohne Leidenschaft festzustellen und ich bin bereit, dem Präsidenten des Pen-Clubs, Mr. H. G. Wells weiteres Material vorzulegen. Ich bitte den Kongreß, den leidenden österreichischen Kameraden durch ein Wort der Solidarität ihre Lage zu erleichtern. Der Pen-Club kann im Gegensatz zu früheren Fällen durch sein Wort wirkliche Hilfe bringen, da das Regime in Oesterreich nicht so mächtig ist, daß e» eine deutsche und entschiedene Aeußerung des Pen-Clubs überhören dürfte." gc». Fritz Biügei. t Das bunte Blatt »Deutsche Freiheit", Nr. 189 Hehn Minuten mit Maxie Vaer Gespräch nach dem Siege über Camera— Der neue Weltmeister erzählt— Boxheld und Filmstar sSonderbericht der Mitropreß.) Der große Kampf ist vorüber. Das Fieber, das eine Welt- tneisterjchafl in Amerika immer wieder auslöst, ist gewichen, das große Rätselraten, wer den Ring als Sieger verlassen wird, ist endlich gelöst,— und alle können wieder ruhiger schlafen, die Reporter, die jeden Tag mindestens eiate neue Sensation über einen der beiden Rivalen erfinden mußten, und die Boxenthusiasten, die das große Ereignis gar nicht mehr erwarten konnten. Wochenlang ist die- Reklametrommel geschlagen worden, keine Stunde war vergangen, in der nicht irgend eine aus- regende Nachricht aus den Trainingslagern von Baer oder Carnera kam, keine der vielen unglaublichen Nachrichten war unglaublich genug, als daß sie der hungrige Zeitungslescr nicht gierig verschlungen hätte. Welche phantastischen Ge- rüchte rauschten nicht.durch den riesigen Blätterwald Ame- rikas! Einmal hieß es, Carnera, der Koloß Primo Carnera, habe einen Nervenzusammenbruch erlitten, dann wieder hieß es, Baer sei spurlos verschwunden, und man vermute einen gemeinen Gangstertrick dahinter. Einmal verkündeten die Zeitungsüberschriften, Baer habe sich mit seinem Freund und Manager Jack Dempsey verkracht und weigere sich, in den Ring zu steigen, dann plötzlich stand aus der ersten Seite, Carnera habe zum Frühstück vergiftete Milch getrunken.— und die berühmtesten Aerzte sähen sehr schwarz. Am Morgen noch wurde in aller Breite erzählt. Carnera und Baer seien Todfeinde und einer Hobe dem andern blutige Rache geschwo- ren, am Abend bereits brachten die Blätter riesengroße Bil- der. auf denen Primo Carnera und Maxie sich freundlich lächelnd die Hand gaben und sich feierlich einen fairen, sport- lichen Kampf versprachen: Wer wollte da noch unterscheiden, was Wahrheit und was Schwindel war, wer wollte sich über- Haupt in diesem Labyrinth von Märchen und Wirklichkeit noch zurechtfinden! Aber der Zweck war in jedem Falle er- reicht: alle Welt sprach nur von Carnera—Baer, das war die Hauptsache. Tie Reklamechefs hatten wieder einmal groß- artige Arbeit geleistet. Ja, und in diesem Wirwarr von Meldungen, Berichten, Erzählungen gab es endlich, kurz vor dem Kamps, noch eine besonders saftige Sensation. Es erschien nämlich ein Artikel von Lson Sse, dem früheren Manager von Carnera, und in diesem Artikel wurde nicht mehr und nicht weniger behaup- tet, als daß die meisten bisherigen Kämpfe Carneras nicht ehrlich, daß sie fast alle bis in den kleinsten Einzelheiten mit dem jeweiligen Gegner vorher verabredet gewesen seien, kurz, daß Carnera seine Karriere nur auf Grund höchst dunkler Machenschaften gemacht habe. Da stand es schwarz auf weiß, und schließlich müßte es Herr T«e ja wissen, zumal er auch genau erzählte, daß er selbst es gewesen sei, der diese Verabredungen für seinen einstigen Schützling getroffen habe... Aber all das war vergessen, als die beiden Kämpfer im Ring erschienen, als eine Welle fiebernder Erregung' die 80 0Ö0 Menschen im Stadion von Long Island erfaßt hatte und der Gongschlag zur ersten Runde ertönt war. DaS war vergangen, kein Mensch dachte mehr daran, da standen oben in blendendem Licht der Scheinwerfer zwei Athleten, und ein Schlag konnte Sieg und Untergang bedeuten. Und dann plötzlich steigt der Jubel zu dem neuen Cham- pion empor,— zu Maxie Baer, dem Helden, der den Drachen erlegte, dem man-killer. dem würdigen Nachfolger Jack Dempseys. Maxie,— immer wieder klingt sein Namen im Takt durch das Stadion, ganz Amerika jubelt über den Sieg! Ter Weltmeistertttel ist nach Schmeling und Carnera wieder— einem Amerikaner zugesallen— nach hartem Kampf, nach einem hinreißenden Gefecht, nach einem beispielslojen Ringen,— bis in der elften Runde der Riese gefällt war und der„David" Baer den Lorbeer errungen hatte. Die Scheinwerfer sind wieder erloschen, das Riesenstabiun leert sich, die Polizei hat schwere Arbeit, um den Menschen- ström in Zug zu halten, und in Autos, in Autobussen, auf Rädern, zu Fuß wälzt sich die unübersehbare Menschenmenge zurück in die große Stadt. In seiner Kabine aber sitzt, strah- lend vor Glück, der neue Weltmeister Maxie Baer, die Re- porter wollen die Tür stürmen, aber Jack Dempsey paßt streng auf, daß kein Unbefugter ins„Allerheiligste" vor- dringt. Nur ein paar Freunde umringen den neuen Cham- pion, der den Fleijchberg Carnera bezwungen hat, vor dessen Kraft und Verstand sich das„Ueberschwergewicht" hat beugen müssen.» Wie durch ein Wunder gelingt es mir, eine halbe Stunde später in Baers Nähe vorzudringen, und während von draußen die Menschen ungestüm an die Tür klopsen, hat Maxie längst zu erzählen begonnen. Was er über den Kampf selbst berichtet hat, habe ich leider versäumt, aber ich kann mir das alles sehr gut denken. Was er jetzt gerade erzählt, ist bestimmt nicht weniger interessant, und es lohnt sich schon, die Ohren etwas zu spitzen. Er erzählt nämlich, aus eine reizend jungenshaste Art, wie er eigentlich zum Boxen gekommen ist. Er ist nicht entdeckt worden, so sagte er, sondern er hat sich selbst entdeckt. Neunzehn Jahre war er alt, vor sieben Jahren also, als er auf einem Ball!— die große Entdeckung machte. Er war schon damals ein leidenschaftlicher Tänzer, der er bis heute geblieben ist. Auf diesem Ball kam er mit einem andern jungen Mann in eine Schlägerei— Maxie ver- schweigt den Grund:— und, um es kurz zu sagen, er ver- setzte seinem Gegner einen richtigen Knockout. „Niemals vorher", so meint er lächelnd,„hatte ich gewußt, daß ich so kämpfen könnte und daß ich solche Kräfte besitze. Aber ich hatte natürlich schon oft gehört, daß man mit Boxen viel Geld verdienen könne, also kaufte ich mir Boxhandschuhe und einen Sandsack, ging in eine Schule und ließ mich aus- bilden. So begann es und heute..." Maxie kann es ruhig seinen Zuhörern überlassen, sich alles Uebrige auszumalen. „Ich habe erst die Monate, dann die Wochen, die Tage, die Stunden und endlich die Minuten bis zu diesem Kampfe mit Carnera gezählt, ich brannte daraus, nach langer Zeit wieder im Ring zu stehen und zu kämpfen, denn ich liebe nichts so wie den Kampf, den harten, sportlichen Kampf..." In diesem Augenblick tritt Jack Dempsey an Maxie heran, der einstige Weltmeister und der neue Weltmeister stehen nebeneinander, und schon zischt das Blitzlicht eines Fotogra- sen, der sich in den Raum geschlichen hat. Jack will gerade darüber fluchen, aber Maxie hält ihm die starke Faust vor den Mund:„Laß doch, auf ein Foto mehr oder weniger kommt es wahrhastig nicht an!" Und Jack, der große Jack, sagt kein Wort mehr. Maxie aber wird immer munterer,— spricht da nicht ein großer Junge, der Dynamit in den Fäusten und Verstand im Kopfe hat? Man begreift, wenn man ihn sprechen hört, seine ungeheure Popularität, denn er hat wirklich das Zeug zum modernen Helden, und man versteht, daß Zehntausende, Hunderttausende ihm an diesem Abend Sieg, Ruhm und— Money gewünscht haben. Jetzt spricht er vom Film. Er ist ja auch auf der Leinwand Mittwoch, den 20. Juni 1934 Unsere Töchter, die Seinen, Roman von Hermynia Zur Mühlen. 1. Genossin Gruber erzählt.— 2. Gräsin Agnes schreibt in ihr Tagebuch.— 8. Frau Doktor Feldhüter erzählt flüsternd. — 4. Frau Doktor Feldhüter erzählt laut.— 5 Gräsin Agnes schreibt i» ihr Tagebuch.— K. Genossin Gruber erzählt. Genossin Gruber erzählt: Wie die Zeit vergeht. Heute, am dritten Januar 1933. sind es gerade sechs Jahre, daß mein lieber Mann gestor- ben ist, und zwei Jahre, daß meine Toni ihre Arbeit ver- loren hat. Mir scheint es, als wäre beides erst gestern ge- schehen. Ich sehe noch der Toni ihr Gesicht vor mir, wie sie mittags heimgekommen ist, ganz blaß, und als wäre sie mit einem Mal viel magerer geworden: ich höre noch, wie sie mit verbitterter Stimme sagt:„So, jetzt lieg auch ich auf der Straße, die Fabrik schließt." Sie hat nicht geweint, meine Toni weint ja nie, sie frißt alles in sich hinein, und das hat mir schon immer Sorge gemacht, schon wie sie noch ein klei- nes Kind war. Darum haben wir einander vielleicht auch nie ganz richtig verstanden. Bei mir muß alles heraus, Freude oder Kummer, ich kann nicht schweigen. Mein Mann war anders, immer still und ruhig, auch wenn alles schief gegangen ist. Er hat oft über mich gelacht und gemeint: „Na ja, du bist eben eine echte Bayerin, Kati." Wenn er noch lebte, würde meine Toni nicht... Er hat es so gut ver- standen, einem alles zu erklären. Ich war ja so dumm, wie er mich geheiratet hat. Was Hab ich schon von der Welt ge- wüßt? Als ganz junges Ding bin ich in Dienst gegangen. Das waren schwere Zeiten. Bis ich dann zu meiner letzten Dienstherrin gekommen bin, zur Gräfin Agnes. Die hat ver- standen, daß ein junges Ding nicht immer schweigen kann. Mit ihr bin ich dann auch in die kleine Stadt am Bodensee gekommen, in die alte Villa am Seeufer. Und hier Hab ich den Anton kennengelernt: er hat in einer Setzerei gearbei- tet und war ein schöner starker Mensch. Wir sind ein Jahr miteinander gegangen, dann haben wir geheiratet. Das war 1911. Der Anton hat ganz gut verdient, und wir haben uns nett eingerichtet und geglaubt, es wird immer besser werden. Das heißt, der Anton hat das nicht nur geglaubt: er hat es gewußt, hat in Büchern gelesen, dicken Büchern, von denen ich kein Wort verstanden habe. Er war Sozial- demokrat. Zuerst hat mich das erschreckt. Bei uns zu Hause haben sie immer auf die Sozialdemokraten geschimpft. Aber dann hat der Anton mir alles erklärt: daß das keine bösen Menschen sind, daß sie den Arbeitern helfen wollen, und daß alle Arbeiter zusammenhalten müssen. Alle, nicht nur die deutschen, sondern die Arbeiter der ganzen Welt. Das hat mir gut gefallen, denn nicht wahr, wenn alle zusammenhat- ten, die in Oesterreich und in Frankreich und England und Rußland und Italien und allen andern Ländern, dann müs- sen sie doch etwas erreichen. Wenn der Anton so zu mir ge- sprachen hat, ist mir ganz warm geworden vor Freude, und er wiederum war froh, weil ich ihn verstehe. Es sind auch am Tonntag häufig Genossen zu uns gekommen, die haben mit meinem Anton gesprochen, und viele der Frauen waren ebenso klug wie die Männer. Und dann bin auch ich in die Partei eingetreten. Einige von meinen früheren Be- kannten, die noch in vornehmen Häusern gedient haben, wollten mich nun nicht mehr kennen und haben die Nase gerüüipft. Aber das hat mich nicht gestört. Sie haben es eben nicht besser gewußt. Ich Hab ja versucht, es ihnen zu erklären, doch merkte ich bald, daß das keinen Sinn hat. Und so habe ich mich immer mehr von ihnen zurückgezogen. Nur zur Gräsin Agnes, die gerade in diesem Jahr Witwe geworden ist, bin ich manchmal am Tonntag gegangen. Zu- erst war das dem Anton nicht recht.„Sie wird dir dumme Gedanken in den Kopf setzen", hat er gemeint und wir haben häufig fast darüber gestritten. Bis dann die Toni geboren wurde. Damals bin ich fast gestorben, und die Gräfin Agnes ist sechsunddreißig Stunden bei mir gesessen und hat um ihren eigenen Arzt geschickt, den Doktor Bär. und hat Anton getröstet, als ob sie seine Mutter wäre. Nachher hat er dann zu mir gesagt:„Du darfst zu der alten Frau gehen, sooft du willst." Auch die Gräfin Agnes hat meinen Anton lieb gewonnen, und manchmal ist er mit mir zu Besuch bei ihr gewesen. ein Star, nicht nur im Boxring. Gewiß, er hat Freude am Filmen. Die Welt der Jupiterlampen gefällt ihm in ihrer schimmernden Buntheit, er liebt das Spiel in den Kulissen. Er kann sogar singen, was die Filmdirektoren ganz beson- ders in Staunen versetzte, er findet sich fabelhast auch in die Rolle des Schauspielers,— der ganze Betrieb in Hollywood bereitet ihm großes Vergnügen.„Das ist alles sehr schön, aber richtig glücklich bin ich doch erst, wenn ich wieder in den Ring zurückkehre. Ich bin an diese erregte, erregende, zit- ternde Lust gewöhnt, und ich liebe sie. Der Boxring ist meine erste Heimat, der Film nur meine zweite Heimat." * Da aber mahnt Jack ihn, sich endlich umzukleiden, und Maxie verabschiedet sich herzlich. Er weiß, daß ihm Jack jetzt, wie nach jedem Kampf, zwei Wochen lang gestattet, alles zu tun, wozu er gerade Lust hat. Er darf einmal alle sonst so strengen Regeln des Trainings vergessen, darf lange schlafen und lange aufbleiben, darf essen was er will, kurz, er darf sein freier Herr sein— zwei Wochen lang. Als Maxie zwanzig Minuten später das Stadion verläßt, umdrängen und beschwören ihn die Reporter immer noch. Aber Jack schiebt ihn rasch ins Auto, und er kann den anstür- Menden Fragern nur noch durch das Wagensenster zurufen: „Was ich vorhabe wollen Sie wissen? Ach, das kann ich alles jetzt wirklich gar nicht sagen! Ich kann nur sagen, daß ich wahnsinnig glücklich bin!" Und das Auto mit dem Weltmeister saust im Hundert- Kilometer-Tempo davon. John Ryder. Fest des S>chulschlusses in Moskau Anläßlich der Beendigung des Schuljahres fand in Mos- kau ein großes Kinderfest statt, das in einer Feier im Zentralpark für Kultur und Erholung seinen Abschluß fand. An der Feier nahmen mehr als 70 000 Kinder teil. Sie begann mit einem Festakt im Freilufttheater, der dem an die besten Schüler der Moskauer Schulen Preise zur Verteilung kamen. In ihrerBegrllßungsansprache verwies dieLeiterinder Moskauer Schulen darauf, daß die Leistungen der Moskauer Schulkinder in diesem Jahre doppelt so gut sind, als im vergangenen. Neben Ehrenurkunden erhielten die preis- gekrönten Schüler auch Rundsunkgeräte, Bücher, Spiele usw. als Prämien. Unter den besten Schülern befindet sich auch der Sohn des Tscheljuskinführers Professor Schmidt. An die Feier schloß sich ein großes Sportfest, dem eine große Anzahl von Schriftstellern, Künstlern und Sportlern bei- wohnte. Frit; Rotter eröffnet ein pariser Theater Fritz Rotter, einer der Brüder, die einst eine große An- zahl von Berliner Theatern beherrschten und in der Büb- nenwelt der Reichshauptstabt eine hervorragende Rolle spielten, wird in der kommenden Saison aller Voraussicht nach die Direktion des Daunou-Theaters übernehmen, um dort einige Operetten zu zeigen. Wie man sich erinnert, sind die Brüder Rotter im Februar 1933 aus Berlin nach Licch- tenstein geflüchtet, nachdem ihr Konzern unter sehr merk- würdigen Umständen zusammengebrochen war. Es stellte sich damals heraus, daß sie seit langem Liechtensteiner Bürger waren, so bah das Fürstentum dem Auslieferungsbegehren der deutschen Regierung keine Folge leisten konnte. Noch am Ende des Monats aber wurden die beiden Brüder auf einer Autofahrt von mehreren Männern überfallen. Man wollte sie über die Grenze entführen, um sie in die Hände der deut- schen Polizei geben zu können. Tie ergriffen aber die Flucht, auf der Alfred Rotter und feine Frau ums Leben kamen» während Fritz Rotter sich vor den Angreifern retten konnte. Seinem neuen Gastspiel in Paris kann man nur mit sehr gemischten Gefühlen entgegensehen. Als die Toni fast zwei Jahre alt war, ist der Krieg aus- gebrochen. Mein Anton bat schon lange vorher gesagt:„Es kommt Krieg, aber die Arbeiter werden nicht gehen." Zweimal während unserer Ehe habe ich ihn weinen ge- sehen: einmal, als die Toni geboren wurde und er glaubte, ich würde sterben, das zweite Mal, als die Sozialdemokra- ten im Parlament die Kriegskredite bewilligt haben. Sie haben es in allen Ländern getan, und viele von den Frauen, die ja doch am meisten gegen den Krieg hätten sein müssen, waren damit einverstanden. Aber mein Anton hat gesagt: „Das wird sich blutig rächen." Und er hat recht gehabt. DaS sehe ich heute ein. Er hat auch einrücken müssen, und ich werde nie vergessen, wie schrecklich das war. Die Sonne hat so schön geschienen, und der See so blau geleuchtet, als ob alles, alle? gut wäre. Aber auf dem kleinen Bahnhof haben sich die Menschen ge- drängt, die Soldaten, die einrücken mußten, und ihre Frauen, und es hat so viele Tränen gegeben, fast so viele, wie der See Wasser hat, habe ich mir damals gedacht. Und ehe der Zug fortfuhr, hat der Doktor Feldhüter eine lange Rede an die Einrückenden gehalten und gesagt, wie glück- lich sie sind, sich für das Vaterland opfern zu dürfen. Er freilich ist zu Hause geblieben, weil er einen Klumpfuß hat. Einige haben dann auch„Hurra!" geschrien, und der Sohn des.Kolonialwarenhändlers hat mit Kreide auf einen Wa- gen geschrieben:„Nach Paris". Da ist mir plötzlich eingefal- len, daß in Paris und in allen andern großen Städten jetzt auch die Frauen auf dem Bahnhof stehen und von ihren Männern und Söhnen Abschied nehmen und nicht wissen, ob sie sie lebendig wiedersehen werden, und ich habe ihr Le.ß mitgefühlt, zusammen mit dem einen, und es ist mir schwarz vor ben Augen geworden, und die Gräfin Agnes, die mit- gekommen war, hat mich halten müssen. Sie hat mich ganz festgehalten und geflüstert:„Ter liebe Gott wird unfern Anton beschützen", aber was ist das für ein lieber Gott, der so etwas geschehen läßt, und sogar wenn mein Anton ge- sund zurückkommt, wie viele andere^verden sterben müssen? (Fortsetzung folgt kj Dm die ermordeten Polizeioffiziere Segen die Abstdit eines Jusftzverbrediens In Berlin Ter UnterfuchungSau«sich u ß über den v ü- k o w p i a tz> p r o z t b hat sich die Aufgabe gestellt, die Zu- sammenstöße aufzuklären, die am 9. August in Verlin auf dem Bülvivplatz stattfanden. Man weiss, da» im Lause dieser Zoiammenstöße zwei Polizeioffiziere, Anlaut und Lenk, getoret wuzden und daß. fast drei Jahre später, die deutsche iltegierung vor dem Täiwurgericht in Berlin-Moabit einen groben Mordprozeß anstreugi der stch gegen den früheren kovimunistlschen Abgeordneten Aibert Kuntz und 24 seiner Kameraden richtet, von einem Tag zum anderen erwartet man Todesurteile'n diesem Ptvzeß. Tie Kommission ist ain 4., V und 12. Juni in Paris unter dem Vorsitz von Madame Lahp-Hollebecque zusammen- getreten? ihr gehören zahlreiche Pariser Rechtsanwälte und ,ite Reihe von Persönlichkeiten verschiedener politischer Achtungen an, die sich aus der objektiven Basis de« Rechls z«.mmmellgefunden haben. Tie hat Zeugen gehört und 7 schriftliche Zeugenaussagen geprüft. Räch strenger Prüfung des Materials und gründ- l icher Diskussion hat sie einstimmig einen zusammenfassenden V.-nicht angenommen, dessen Schlußfolgerungen wir nach- stehend anführen: Am g. August fand der Volksentscheid gegen die Regierung Braun-Tevering statt, schon vor dem Volksentscheid siel eine wachsende Aggressivität der Polizei auf. die in den Ar- beiterviertelu auftrat, eine große Zahl von Personen durch Gummiknüppel-Attacken terrorisierte und am 8. August in der Nähe des Bülowplatzes zivci Personen tötete. Wie bei jeder Wahl verkündeten die großen Zeitungen die Wahlresnllatr durch Lautsprecher und Transparente. To baue sich aus dem Vülvivplatz. wo das Karl-Liebknecht-Haus Mas Haue der tiommunlstischen Partei und der Titz seiner Zeitung„T.e Rore Jahne") steht, eine große Zahl von Arbeitern versammelt, die gespannt aus den AuSgang des Volksentscheids wartete. Um der Menge das Warten abzukürzen und etwaige Polizeiprovvkativnen zu vereiteln, kündigte die Kommu- w-tische Partei die Abhaltung einer Versammlung in den benachbarten Musiker-Tälen an. wohin die Menge stch begab. Aber die Polizei hätte schon aste Vorkehrungen getroffen, die Menschenmenge in dem Dreieck des Platze» einzukreisen, und riegelte alle Ausgänge ab; Tann drückte die Polizei von allen Teilen gegen S>e Menge auf dem P'atz»od- ng mit Revolvern und Gummiknüppeln zum Angriff über. Unter den Arbeitern gab es mehrere Opfer, 22 Verwundete und 2 Tote(darunter ein Kind oa» 10 bis 12 Jahren!. Aul der anderen Teile wurden zwei Polizeibeamte. Anlauf und Lenk, tödlich vor dem Kino„Vabnlon" getrosfen. Hat die Anklage den Beweis erbracht, daß irgendeiner der Angeschuldigten die Tchttsie abgeaeben hat? Tie erwähnt es nicht einmal, ste behauptet aber, daß„die wahren Schuldigen" nicht au' der Anklagebank sitzen. Ist sie wenigstens imstande, zu beweisen, daß einer der Angeschuldigte» kür den Zusammenstoß verantwortlich ist? Auch da» nickt. Keiner der Angeklagten ist von irgend- einem Bclastui. szcugen w'edererkannt worden. Ter Hauptangcklagte, Albert Kuntz, aus den cS die An- klage vor allem abgesehen hat. da er der Sekretär der vor- Irner Bezirksleitung der KPT. war, beiand stch nicht auf dem Bülowplatz. sondern im Innern dcS Karl-Liebknecht- ^HglfseS, wo er die Resultate der Abstimmung prüfte. "Ter Angeklagte V r öde. Portier im Karl-Liebknecht- 'HrnS, war zur Zelt der Vorfälle weit entkernt vom Bülow- p atz, er ruhte stch in feiner Wohnung ans, bevor er seinen Nachtdienst antrat. Sein Alibi wurde durch einen Zeugen, den die Kommission vernommen hat. vollkommen bestätigt. (SS ist keinesfalls erwiesen, das, auch nur ein Schuß von feiten der Arbeiter abgegeben wurde, und daß die Kugeln, die die Polizeibeamteii trafen, nicht von der Polizei selbst abgefeuert worden sind. Tie Kommission ha« mit Uederraschung festgestellt, daß die Anklage sich nicht die Mühe nahm, die Jeststellungen der Obduktion bekanntzugeben, nnd daß kein« Angaben über das Kaliber der tödlichen Kugeln gemach« wurden. Tagcgen ist übereinstimmend durch Zeugenaussagen fest- gestellt worden, das; die Polizei von allen Seiten Revolver- schüssr abgegeben bat, die einerseits zahlreiche Arbeiter ver- wnndet und getötet, andererseits die Je Ilster und Mauern des Karl-Liebknecht-Hauies durchlöchert haben. Ter Hauptbelastuiigszeuge. Polizeileutnant Will ich, der am Tatort an der Teile seiner Kollegen Amani und Lenk verwundet wurde hat selbst vor dem Säiivnrgericht in Berlin zugegeben, aus die Menge mehrere Schüsse abgegeben zu haben. Tie von der Kommission einvernommenen Zeugen haben bestätigt, daß Klause, aus dessen Anssagen sich die Anklage "ff t ein Provokateur ur.d notorischer Phantast ist. Es ist erwiesen, daß die Verantwortung an den Zusammen- flößen aus keinem der anioeienden oder in Abwesenheit An- geklagten rnhi, sondern daß sie gänzlich auf der Polizei lastet: daß die Arbeitern!«ise der Gegenstand eines wohl- vorbereiteten Angriffs der Polizei war. die den Bülvivplatz in eine richtige MaiAetaile verwandelt hatte. Es ist eine anSge'»rochenc Lüge, wenn man der KPT. oder ihrer Funktionäre, angeklagt ober nicht angeklagt, irgendeine unmittelbare oder intellektuelle Verantwortung an dieier mörderischen Polizeiattacke in die Schuhe schiebt. Tie Frage, ob innerhalb der KPT. bewaffnete Terror- griivpcn bestanden, wurde vcn allen Zeugen, die die Kom- Mission befragt hat, kategorisch verucint. Tie Möglichkeit eine» Bestehen« von Tcrrvrorgani- iationcn ist durch die schriftlichen oder mündlichen Instruktionen der Kommunistischen Partei Deutschlands, ausgeschlossen, die. zum Unterschied von Anarchisten und ?' tiovalso-^U^-n. immer mit äußerster Tchärke den indi- viducllen Terror alS unvereinbar mit ihrer Theorie und Praxis ablehnte und dieie Regel als elementarstes Grund- gci'ctz kür jedes ihrer Mitglieder ausstellte. Tie Kommission kommt zum Schluß, daß die Angeklagten unschuldig sind, nnd daß die tendenziöse ungerechte Anklage somit in sich znsammeiisällt. Sie ist weder auf Recht noch aus Tatsachen gestützt und zielt ohne irgendwelche juristisch« Objektivität auf Verurteilung politischer Gegner der bc- stehenden Regierung ab. Tie Kommission kommt zum Schluß, daß der Prozeß von Berlin einen regelrechten Angriff«egev die revol«"n, närcn Feinde der Hitlr» macht unter dem Borwand inristi, scher Formalitäten darstellt. Tie Kommission kommt zum Schluß, daß dicker Prozeß in Verbindung mit dem Horst Wesiel-Prozeß und anderen den Hauptzweck hat. durch die Verurteilung vollkommen lln- schuldiger eine ungelicncrliche Rechtsprechung zu konstruie- reu, die entgegen allen Menschenrechten die.intellektuelle Urheberschaft" einführt, um sie in der Folge aus die Führer der revolutionären Bewegung, vor allem aus ihren Führer, Ernst Tbälmann, anzuwenden, der sich seit IS Monaten in Schutzhakt befindet. Tie Kommission stellt ichlicßlich seit, daß es gebieterische und dringendste Notwendigkeit ist. die öffentliche Meinung zun, Weltrichter zu machen, sich mit aller Kraft gegen die eine» zivilisierten Landes»nwürbiaen RcchtSpraktiken zu erheben und vor aller Welt die Freisprechung und sofortige Freilassung der unschuldigen Angeklagten des vülowplatz- prozestes zu verlangen gezeichnet von jstvzs Lahp HoUtbrrque, Piofosseur de l'Universiid. Me. Jean Kons. Avocat& la Cour. Sfaafsfeindlldier Professor Verbot zweier Gemeindeblätter Karlsruhe, 18. Juni. Wie die Pressestelle des badischen Ttaatsministeriums mitteilt, wurde der vom katholischen Stadtpfarramt Ettlingen herausgegebene„Katholische G c m r i n d e b o t e" aus die Tauer von sechs Wochen ver- boten. TaS Verbot wurde ausgesprochen, iveil in einem Artikel mit der Ueberschrist„Ter katholischen Jugend Eristenzrecht" die Eltern aufgefordert worden waren, ihre Kinder vor dem Eintritt in die Hitle-Jugend zu»behüten" und sie in die katholischen Vereine zu schicken. Tie Spannung zwischen Httler-Jugend und katholischen Verbänden iühtle auch zu einem Verbot der Vetätigung der katholischen Jngendverdänöe»m Amtsbezirk Ettlingen Tie Herausgabe eines Rachrichtenblatle« zur Bekanntgabe der Gottesdienste wurde dem Piarrum» gestartet. Ein weitere« Verbot auf die aleuhe Zeitdauer wurde gegen den«Evangelischen G e m e l n b e b o t e n" in Karls- ruhe erlasse«. Tas Blatt hatte einen Bericht über eine Rede de« Heidelberger Professors Odenwald gebracht, in dem iviedergegeben worden war. daß Pro,. Odenwald die Kirche zum Kampf gegen den Nationalsozialisum: au'geis.- d«rt habe. Ohne in die innerhalb der evangelischen Kirche bestehenden Auseinandersetzungen einzugreifen. k"nn es der nationalsozialistische Staat. so heißt es in der amtlichen Ver- lautbarung, selbstverständlich nicht dulden, daß ein Theologie- prvfesivr zum Kamps gegen die nationalsozialistische Welt- avichwinng ausruft. Pros. Dr. Odenwald wurde außerdem das öffentliche Austreten bis auf weitere« untersagt. An! Mussolinis Befehl! München, 19. Juni. lJnprcß.) Eine große Protestkuvd» gebilng gegen die Regierung Tollsnß. für die Habicht ,l? Redner angekündigt ivar, ist im letzten Augenblick abgesagt worden. Man ist allgemein der Bnffa"«ng, daß e? sich hier um di« erste Konsegnenz der Zusammentunit zwischen Mnsso- lini und Hitler handelt. Raubmörder begnadigt! Verl««, 19. Juni.(Jnpreß.) Ter preußische Ministerpräsi- dent Göring hat, nachdem vor einigen Taaen dre» ivegew politischer Delikte zum Tode Verurteil!? enthauptet worden siud. den weaen Raubmordes vom Tchwnrger-ch« Torgau verurteilte» Wilbelm O««e an* Luckenwalde zq r'-T füns- zehnjährlgen Zuchthausstrafe begnadigt. Byzanz (Jnprcfi.) Tie Hakenkreuzpresse neröisrntlich' e.n Foto a»S der„Deutschen Tiedlnngsausst'llung" in München. Man sieht zwei ArbeitSbienstler, die Wache stehen, recht» nnd links von ihnen ie eine große Hakcnkrenziahnc nnd im Hinter- grund, dekorativ an die Wand gehängt... den„Ehren- späten", mit dem Hitler in Frankiurt a. M. den ersten Spatenstich tat. Koscheres Essen u«ter der Hakenkre'iz'ahne Tie Verwaltung des Norddeutschen Llond verpilichlete sich einem frommen Inden gegenüber, der sich nach Ncuvvrk rin- schissen wollte, daß ihm aus dem dcntschen Schilf koschere» Essen verabreicht werben würde. 1 film ktster die inner«reue London, 10. Juni.(Jnpreß.i Tic Mitglieder des Unterhauses Lord Kinkiili und Anurin Bevan werden sick in den nächsten Tagen nach Amerika einschiffen, um au! euer dreiwöchigen Reise durch die Vereinigten S'aaten Soeben fitt die Opfer des Nationalsozialismus zu sammeln. Iii Ncu- vvrk, Boston. Philadelphia und Ehicago sollen Kundgcbun- gen ueranstaltei werden. Tie beiden Parlamentarier werden einen bisher unver- östetttlichten Film mitführen, in de», die Verfolgungen ge- zeigt werben. denen Juden und Antifaschisten im„dritten Reich" ausgesetzt sind.--- Sland SS. gefährden die ycrhclirssKDcrficii fMe lläufutiö der Eisenbahnunfölie (ITF.) In Deutschland häufen sich die Eisenbahminfülle. i 5 Tote und über 109 Krüppel sind ihnen allein in den letzten Wochen zum Opfer gefallen. Tie Schuld trögt die nationalsozialistttche Diktatur! Um nationalsozialistischen Unternehmern Sonderge» Winne zuzuschanzen, läßt man den Oberbau heute von be- triebsfremden Unternehmern, denen die erforderliche Sach- Kenntnis fehlt, erneuern. Betriebsfremde Arbeiter werden im Rahmen der Arheitsfchlacht zu Arbeitsschlacht-Löbn»n zu diesen Arbeiten herangezogen. Die Unglücksfälle bei Blankenburg und bei Langwedel sind auf diese Methoden zurückzuführen. Um die Konkurrenz des Autos zu schlagen, wurde die Geschwindigkeit der Züge erhöht, ohne daß die erhöhte Betriebssicherring restlos durchgeführt wurde. Die Un- fälle bei Geißenfels und bei Homburg(Kassel) sind die Folge. Die Dienstpläne wurden aufgestellt, ohne das Personal auch nur anzuhören. Die deutschen Eisenbahner stehen unter dem Ausnahmegesetz für die Arbeiter, Angestellten und Beamten im Verkehrswesen und in den öffentlichen Betrieben: sie leisten im großen ganzen noch jeden ge- forderten Dienst, ohne einen offenen Widerstand zu wagen. Die Opfer von Pforzheim und von Karlsruhe lind die Opfer des keinen Widerspruch duldenden faschistischen Führerprinzips. Die bei Langwedel. Pforzheim, Karlsruhe und Weißen- fels von den Unfällen betroffenen Beamten sind langjährig erprobte und zuverlässige Eisenbahner. Tie Antreibers, im Dienst und der Wehrsportzwang bei der SA. haben ste überanstrengt. Denn die SA. verlangt, daß die Eisen- dahner sich nach ihrem aufreibenden Dienst an militari- scheu Uebungen beteiligen Wer sich weigert, riskiert Arbeitslosigkeit und Konzentrationslager. Jetzt endlich, nachdem 15 Tote und 100 Krüppel der Antreibcrei von nationalsozialistischer Reicksbahn-Direktion und EA-Füh- rung zum Opfer fielen, kamen der Reichsbahn-Tirektion Bedenken. Um eine Katastrophe des deutschen Fremden- Verkehrs zu verhüten, hat die Generaldirektion am 19. Mai 1984 folgende Anordnung erlassen: Deutsche Reichsbahn Gesellschaft Hauptoerivastung® er j,«'►* Der Geoeraldtrettor Voßstr. Sa 51 534 Pz. 1 Ten im Betriebsdienst beschäftigten Beamten, Ange- stellten und Arbeitern find Leben und Gesundheit der Reisenden anvertraut. Bon ihrer aufmerksamen Pflicht- eriüllung hängt daher nicht nur für die Reichsbahn und ihre Bcdienste'en, sondern ganz besonders auch für die All- gcmeinhcit sehr viel ab. Deshalb ist eS milder W a h- rung der Betriebssicherheit unvereinbar, wenn Betriebsbedienstete in den zu ihrer Au»- ipannung und Erholung bestimmten Stunden, vor dem Wiederantritt ihres Eüenbahndtenstes. zur Dienst» l e i st ii n g bei der TA. und TT. herangezogen werden.(1) Wir ordnen daher im Einvernehmen mit der Obersten TA-Führung folgende« an: 1. Tas ständig unter die Tienstdauervorschristen lallende Personal des Betriebs- und Verkehrsbienstes dar, am Dienst der TB. ober TT. nur dann teilnehmen, wenn vor dem Wiederantritt des Elienbabndienstes eine Ruhezeit von i»i»dcstcus 10 Ttundcn zur Ausspannung und Erholung gcivahrt bleibt. Ebenso sind Personen zu behandeln, die als Bahnagentcn. Ver- tragsschrankenwärter usw. Betriebs- oder Bahnbc- wachungsdienst verrichten. 2. TaS gleiche gilt a> kür daS unter die Tienstdauervorschristen sallende Personal, da?>n der Regel ausschließlich im Ver- kehrsdienst beschäftigt ist, sowie bs i'ür das Personal anderer Dienstzweige, solange e« vorübergehend zur Ablösung oder Vertretung im Betriebsdienst oder gemischt im Betriebs- und Ver- kehrsdienst nach den Tienstdauervorschristen heran, gezogen wird. Tie Ablösung oder Vertretung im ausschließlichen Verkehrsdienst ist hiervon ausge- nommcn.(!) Tie in den vorstehenden Ziffern L und 2. genannten Bediensteten die der TA oder TT. angehören, erhalten von der Leitung ihrer Reichsbahnstelle einen Ausweis des au» der Anlage ersichtlichen Inhalts. N. Tie Oberste TA.-Fnhrung hat in ihrer Anordnung vom lsi. Mai 1084— F Z Nr. 55SS— weiter den TA.- und TT.-Grupoen empfohlen allen im Eisenbahndienst stehen- den TA.-Jtthrern und-Männern, deren Dienst mit der Betriebssicherheit zusammenhänge oder die im Betriebs- und VerkehrSdtenst gemischt beschäftigt seien, ein ehren- volle« Ausscheiden au« der TA. nahezulegen, da ste für den TA.-Dtenst doch nur verhältnismäßig selten verfüg- bar sein würden Diesen au« der TA. ausscheidenden Eisenbahnbedienstrten wirb anheimgestrllt, sich um die Aufnahmein den«ahn schütz zu bewerben. Deutsche Reichsbahn Gesellschaft Für den Generaldirektor: Hauptverwaltung. gez. Kleinmann. Mii di'ser Anordnung bestätigt die Reichsbahndireßtion. dnß der Militärdienst in der TA und ZS. die Betriebs» sicherheit des Eifcnbnhnverkehrs gefährdet. Aber die Ueberführung der inil SA.-Dienst überlasteten Eisen- bahner in den halbmilitärischen Bahnschutz bringt kaum eine Besserung. Ader..Sfflo!on6$lror*e^WWn Massenverblödung durch die Reichsbahn Deutsche Eisenbahner schreiben uns: Die Verwaltung der Deutschen Reichsbahn G?sellsch.-.ft will sich im Feldzug gegen die Miesmacher und Kritikaster wohl die höchsten Lorbeeren bolen: sie veranstalte im- ganzen Reiche sogenannte Schulungskurse. Jedem einzelnen Arbeiter und Beamten wurden schriftlicke Ein» ladungen ausgehändigt. Eine solche geben wir nachstehend auszugsweise wieder: Bekanntmachung Zur Schulung des Rcichsbahnpersonals werden ver» waltungsseltig Schulungskurse eingerichtet. Zur Kontrolle iiber die Teilnahme>v erden Einlaß- kartenausgegeben. Ter erste Vortrag findet am im zu.... statt und wird am und am zur gleichen Zeit und im gleichen Raum wiederholt. Redner: l'olgt im Original der Namej Themai Ter Skationaliozialismus al» Weltanschauung. Tie Teilnahme ist P sticht, eine Entschädigung wird nicht gewährt, aber ireie Fahrt ohne Anrechnung. Ter Tag der Teilnahme ist an die vorge» setzte T i e n st st e l l e zu melden. Stempel nnd Unterschrift. Dieses Dokument ist der schönste Beweis dafür, wie die Massenversammlungen zustand? kommen, mit denen die Nazis prahlen. Die erwähnte Einlaß-Kontrollkarte ist in ielder, also für 12 solcher Kurse eingerichtet. In —v<•«" zwölf I j—— ClllsJCl 1U^ den bisher stattgefundenen Vorträgen sollten die Zuhörir mit allerhand Phrasen und schönen Worten besoffen ge- macht werden. U a. tritt auch ein Pg. Neumann aus Berlin als Redner auf. Für diesen gibt es keine Menschen, sondern nur Völker und Rassen, wobei s-'dstvzrständlich die deutschen Nazi al» die beste und die Juden als die minderwertige Rasse bezeichnet wurden. Die Wilöpferde der Prärien Amerikas wurden den Menschenroffzn a!» Vorbild der Rassereinheit im Abwehrkamps gegen Raub- (iere gezeichnet. Wir könnin es uns v?rsag»n, näher auf die Ausfübrungen einzugehen und geben ledig'ich da« Urteil eines Teilnehmers wieder, welcher nach dem Ge» nutz eines solchen Vortrages sagte:„Da» Volk der Dichter und Denker soll mit Gewalt zu Idioten erzogen werden.^ Pariser Deridtfe Zum Tode Alfred ßruneaus Am Tage vor Beginn der Pariser Festwochen ist A I f r e d B r u n e a u an den Folgen einer Operation gestorben. Mit diesem< 7jährigen geht nicht nur wieder eine populäre Erscheinung des Pariser Musik- und Kunstlebens dahin, es verschwindet auch einer der letzten Zeitgenossen einer großen französischen Epoche. Alfred Bruneau, Musiker und Musikschriftsteller, Schüler Massenets, und als solcher mit dem Rompreis des Pariser Staatskonservatoriums gekrönt, erhielt die wesentlichsten Anregungen seines Lebens als Freund Emile Zolas. Der am 3. März 1857 geborene Bruneau wird als Dreißigjähriger dem Dichter vorgestellt. Es entwickelt sich eine Freundschaft und eine Arbeitsgemeinschaft. Zola selbst schreibt dem jungen Komponisten die Textbücher für eine lange Reihe von Werken, die von den Romanen des großen Realisten angeregt sind.„Le Reve"(1891) ist die erste Frucht dieser Zusammenarbeit.„M e s s i d o r" dringt auch über Frankreich hinaus. Der Versuch, die Opernszene, die noch völlig anter Wagners Einfluß steht, vom Pathos zu befreien, einen neuen, realistisch-naturalistischen Opernstil zu schaffen, macht Schule. Europa erlebt den Verismus. \ on Charpentier bis d Albert, von Waltershausen bis Janacek, überall versucht sich die junge Komponistengeneration der Jahrhundertwende am unpathetischen Opernnaturalismus. Puccini geht für die Welt als Sieger aus diesem Wettstreit der Kräfte hervor. Das Werk Bruneaus, der im Grunde ein ganz anderes Ideal als das des effektsicheren italienischen Verismus vertrat, verschwindet schließlich im Strom der Entwicklung. Das war die Tragik dieses Komponisten: hineingeboren in eine Uebergangszeit, in eine Krise der Musikentwicklung, war sein Talent wohl stark genug und sein Instinkt sicher genug, um eine neue Richtung einzuschlagen, um eine ganze Generation anzuregen. Aber die musikalische, die eigentliche erfinderische Substanz genügte doch nicht, um das bleibende Erfolgsstück der neuen Richtung selbst zu schaffen. Bruneau, dem im Alter die höchsten Staatsehren zuteil wurden(er war seit 1925 Mitglied der Akademie und Generalinspizient des musikalischen Bildungswesens), mag selbst diesen Mangel an künstlerischer Kraft und Substanz w hl gespürt haben. Mit zunehmendem Alter trat das Kompositorische bei ihm immer mehr hinter dem Schriftstellerischen zurück. Seine Geschichte der französsidien und russischen Musik sind für den Fachmann unentbehrlich geworden, sie sind in alle Kultursprachen übersetzt, und ihre sachliche, von gründlichstem historischen und musikalischen Wissen getragene Darstellung wird sie auf lange Zeit nicht veralten lassen. Und wer sich während der letzten Jahre über das Pariser Musikleben informieren wollte, brauchte nur jeden Montag Bruneaus Wochenkritik im„Matin" zu lesen. Hier fand er das strengste aber auch gewissenhafteste Urteil über alles schöpferisch und nachschöpferisch Wertvolle, daß der Musikbetrieb an die Oberfläche brachte. Hier dachten wir auch noch sein kritisches Urteil über die Musikereignisse der Festwochen zu finden. Der Tod, den das ganze musikalische Paris, das ganze künstlerische Frankreich betrauert, hat es verhindert. Paul Walter. Die„Association des Juristes Allemands emigres en France" veranstaltet am Donnerstag, dem 21. Juni 1934, abends 9 Uhr, im Hause 86, Avenue Kleber. Pension Paris(Metro Boissiere) einen Vortrag in französischer Sprache über „Questions du droit international prive en matiere de mariage et divorce" mit anschließender Diskussion. Hierzu sind die dem Kreise der Association angehörigen Juristen höflich eingeladen. Als Unkostenbeitrag wird ein Betrag von 3 Fr. erhoben(wogegen Erfrischungen verabreicht werden). „Deutsche Jceiheit" AhoHHementspceise: Amerika Argentinien Belgien Dänemark England Frankreich Holland Italien Luxemburg Neubelgien (Eupen»Malmedy) Oesterreich Palästina Polen Rumänien Rußland Saargebiet Schweden Schweiz Spanien Tschechoslowakei Dollar Peso belg. Fr. Kr. sh kr. Fr. fl. Lire belg. Fr. belg. Fr. (verboten) sh (verboten) Lei Rubel tr. Fr. Kr. schw. Fr. Peseta Kr. 0.50 1.- 5,30 1,80 1,10 3,75 0,40 5,- 5,30 5,30 1,10 30,- 7,50 1,70 0,80 %- 5,50 Bei Zusendung unter Kreuzband durch die Post sind die Portogebühren vom Besteller mit dem Abonnementsbetrag zu entrichten im Monat 1.- 3- 15,- 3,20 4.- 12,- 1,50 10,- 15,- 12- 4,- 90- 1.- 12,- 2,60 2,40 6,- 30,- Zustell» gebühr Kunst und Jugend In Paris wurde eine Ausstellung von Bildern französischer und italienischer Landschaften eingeweiht, die von einer erhabenen Vision der Dinge, von einer lyrischen Bewegung und einem fast unglaublichen Sinn für Lebenslust und Farben zeugten. Der Autor war... ein junges Mädchen von zwanzig Jahren. Lelia Caetani ist die Tochter der Prinzessin Caetani, einer in der Pariser Gesellschaft wohlbekannten Amerikanerin, und des Prinzen Caetani. Sie lebte bald in Paris, bald in einem alten römischen Schloß, das von der Geschichte geschwärzt war. Und sie malte hier und dort, zweifellos schon sehr lange, denn indem sie auf zwei ihrer Bilder zeigte, sagte sie:„Das sind alte Arbeiten." Wie kann eine Künstlerin von zwanzig Jahren von„alten Arbeiten" sprechen? Es ist sehr einfach: sie muß eben schon als Kind mit der Malerei begonnen haben. Die ersten Bilder der Prinzessin Lelia sind Steuerfragen Gesellschaftsgründungen Wenden Sie sich an Fe BRIQUEU LICENCIE EN DROIT ehemaliger Kontrolleur der direkten Steuer, behörden, um vom offiziellen Standpunkt aus beraten zu werden. 25, Bd. Bonne-Nouvelle, PARIS(2). Telefon Louvre 22.95 500 uxetiiq qetcaqene 7 Tlodelie (haute couture): Tages-, Abend-, Sportkleider momentan verkauft bei: una Pelze werden Jlacy-OccasioHS 40, rue Desrenaudes(Ternes) Tel.: Etoile 35-96, Ankauf. Tausch acht Jahre alt; schon im Alter von zwölf Jahren übertrug sie den Eindruck, den sie von der Natur hatte, auf die Leinwand. Alles an ihr ist natürlich, selbstverständlich und scharmant. Es ist Malerei ohne Schminke. Uebrigens hat das junge Mädchen selbst auch keinen Puder auf den Wangen. Die schönste Hand von Paris Paris, 18. Juni. Nach dem schönsten Kind und dem schönsten Liebeslied wurde in einem Restaurant des Bois de Bon- logne die schönste Hand von Paris prämiiert. Cecile Sorel, die berühmteste lebende Schauspielerin Frankreichs, präsidierte die Jury. Fieberhafte Frauenhände erwarteten dort ihr Schönheitsurteil. Auf kleinen Kissen, wie bei der Mani- eure, ruhten dort die Hände. Die Schönsten von ihnen rührten sich nicht, sie waren ihrer sicher. Die anderen machten einige geschickte, kaum merkliche Bewegungen, um ihre kleinen Fehler zu verdecken. Aber die Nägel, die schreienden roten Nägel schienen den Männern der Jury zuzurufen:„Vorsicht, meine Herren, das sind unsere besten Waffen!" So wurde von Cecile Sorel Tonia Navar als die Frau mit den schönsten Händen von Paris bezeichnet, die das anwesende elegante Publikum begeistert aufnahm. Paris hat eine Königin mehr und als man spät abends den Bois verließ, glaubte man in den Zweigen der Bäume die Melodie zu hören:„Ich küsse Ihre Hand, Madame...". Musik bei den Pariser Festwochen Im Rahmen der Großen Pariser Festwochen finden außer dem Eröffnungsgalaabend der Grande Opera am 18. Juni folgende musikalische Veranstaltungen statt, über die wir noch im einzelnen berichten werden: 21. Juni: Salle Gaveau: Honneggers„König David" und R o u s s e 1 s„Psalm" unter Leitung Robert S i o h a n s. 22. Juni in der Großen Oper und im Sportpalast: Galaabend der französischen und ausländischen Militärmusiker. 23. Juni: Militärmusikfest im Tuileriengarten(nachmittags) und Trocadero(abends). 27. und 29. Juni: Galaabende der Komischen Oper (Werke von Resphighi, Ibert und Fl. Schmitt). 28. Juni, 23.30 Uhr: Galafest der Union des Artistsi in der Großen Oper. BUEPKftSTEM Mages„Deutsche Front-. Sie Haben die Ungezogenheit, in der nationalsozialistischen„Deutschen Front" zu Saarbrücken den deutschen Arbeiter als Lügner und Sadisten zu beschimpfen, der in der„Deutschen Freiheit" sein und seiner Kameraden Martyrium in den Konzentrationslagern Kemna und Börgermoor schlicht und wahrheitsgemäß erzählt hat. Haben Sie den Mut, diesem Arbeiter Auge in Auge zu sagen, was Sie in gesicherter Redaktionsstube an Ehrabschneiderei gegen ihn verbrochen haben? U. A. w. g. Kein« Autwort ist auch eiue Antwort. Sie schreiben uns: Aus dem Saargebiet waren im vorigen Jahre eine ganze Anzahl Kinder im„dritten Reich". Es hat zwar lange nicht allen, aber einigen wohl doch ganz gut gefallen, besser als zu Hause. Di« wenigen, die es vielleicht zufällig gut getroffen hatten mit ihrem Quartier, haben jetzt, nachdem bald die großen Ferien beginnen, drüben angefragt, ob sie auch dieses Jahr ihre Ferien in Deutschland, und zwar bei ihren vorjährigen Gastgebern verbrrngen können. Es scheint sich aber zu bestätigen, was wir immer an» nehmen, daß saarländische Schulkinder nur unter Druck auf- genommen wurden, denn die liebenswürdigen Gastgeber aus dem Reich vom vorigen Jahre haben sich aus die Anfragen der Kinder noch nicht geäußert. I. t. F. Tie schreiben:.... Die NSDAP, terrorisiert olles mit SA., SS., Gestapo(Geheime Staatspolizei) und Konzentrations- lager. Die Parlamente sind geschlafen, aber die nationalsozialistischen„Parlamentarier" beziehen Diäten in Höhe von WO Mk. pro Monat und die Freikarte 1. Klasse der Reichsbahn weiter, ohne etwas dafür zu tun. aber sie stehen ja auch aus dem Boden des Leistungsprinzips. Früher nannte man das Korruption, heute heißt es Abtragung einer Dankesschuld an alte Kämpfer."— Noch immer haben allzu viele in Teutschland das Gedächtnis verloren. Deutscher Eisenbahner. Sie schreiben uns aus einem Reichsbahn- Ausbeyerungswerk:„Wenn man sieht, für welche Tinge die Herren Beamten heute Zeit haben, so ist das Durcheinander nicht verwunderlich. To hatten z. B. die Arbeiter des Werkes vor einigen Tagen an die Wände und Klosettüren„Nieder mit dem Arbeitermörder Hitler!" geschrieben. Fünfzehn Beamte haben über 14 Tage lang untersucht, wer der„Verbrecher" gewesen ist. Klosett- türen wurden ausgehängt, transportiert und fotografiert. Selbst- verständlich hat man den Täter nicht gefunden." E. B., Rio de Janeiro. Sie berichten uns, daß sich die brasilia- Nische Presse über ein« wachsende Hitler-Propaganda in Brasilien und eine systematisch« Spionagetätigkeit von Agenten Hitlers gegen deutsche Staatsangehörige in Brasilien, denen mit Repregalien an deren in Teutschland lebenden Eltern und anderen Verwandten gedroht wird, falls sie sich nicht im nationalsozialistischen Sinne in Brasilien betätigen.— Es ist überall dieselbe Bande. Mannheimer. Wie Sie uns mitteilen, schiebt jetzt die national- sozialistische Parteileitung die Kirchenschändungen der Hakenkreuzler den„Marxisten" zu. Die Kreisleitung in Mannheim teilt mit:„In der letzten Zeit sind Gerüchte im Umlauf, durch welche bei der Anbringung von Inschriften inner- und außerhalb der Kirche National- sozialisten als Täler beschuldigt werden. Tie Kreisleitung macht darauf aufmerksam, daß sie gegen jeden Verbreiter dieser Gerüchte schärfstens vorgeht. Die nationalsozialistische Bewegung läßt sich nicht verantwortlich machen für die Handlungen irgendwelcher Element«, die entweder kommunistisch eingestellt sind oder aus Feindseligkeit gegen den Nationalsozialismus offenbar bestellte Arbeit leisten wollen."— Es ist nur sonderbar, daß die„Kommu- nisten" erst im„dritten Reich" auf die Idee gekommen sind, Sirchen zu beschmieren. T. K, Neuyork Tie teilen uns mit:„Im Stadtteil Vorkville haben Nationalsozialisten in den letzten Tagen in die Fenster fast aller jüdischen Geichäste und mehrerer christlichen Geschäfte, die sich nicht dem TAWA(Deutsch-Amerikanischer WirtschaftS-Ausschußs angeschlossen haben, Hakenkreuze eingeritzt, wodurch den Geschäft?» leuten viel Schaden entstand— Inzwischen breitet sich die Be- wegung für Boykott deutscher Waren immer weiter aus." Fred London. Aber ganz gewiß, der Brief an Sie ist in Deutsch- land nur geöffnet worden,' weil man Goldbarren darin versteckt glaubte. Badenser. Ihnen verdanken wir ein Exemplar der„Bodenseer Rundschau", die über die Festausführung des Films„Hitlerjunge Quex" u. a. berichtet:.»... Was aber entsetzen mußte, das war das geradezu erschreckend geringe Interesse, dem dieser Film bei Erwachsenen begegnete. Es muß festgestellt werden, daß der Besucher- stand dieses Films weit unter dem Durchschnitt eines gewöhnlichen Itnterhaltungsfilme» steht,«in ganz deutliches Zeichen der Reaktion und des politischen Zersetzungsgeiftes. der heute wieder mehr denn l« in unserer Stadt festen Fuß zu fassen beginnt." „Fünf Frankfurter." Auch Eurem gleichgeschalteten Konsumverein geht es schlecht? Ihr schreibt un«:«Nach der Gleichschaltung setzte der Boykott unserer Leute(SPD. und Gewerkschaftler) ein. Tie Konsumvereinsläden waren leer. Der Nazikommijjar Zeisang be- räumte Bezirks-Bertreterversammlungen an und schickte unsere noch amtierenden Vertreter als Werder vor. Auch diese Liebesmüh war vergeblich. Tarauf holte man alte Lagerhalter wieder zurück. Auch das zog nicht. Tie Frankfurter Arbeiterschaft kaust heute ostentativ in dem jüdischen Lebensmittelgeschäft Schade u. Füllgrabe iZirka äv Filialen in Frankfurt am Main).— In der vorletzten Vertreter- Versammlung des Konsumvereins brachte der Nazikommissar Zeisang am Schluß der Versammlung ein Heil auf Hitler aus, in das nur zirka 6 von 300 Vertretern mit einstimmten. Ter Vorsitzende der Vertreterversammlung wurde daraufhin verhastet, nach 8 Tagen wieder freigelassen." B. P. Neunkirche». Sie senden un« eine Zeitschris» ein, die ein Bild de» Preußischen Ministerpräsidenten und Reichsluft» general« zeigt, und Sie möchten gerne wijjen, was er da für eine Uniform trägt. Ihre Neugier können wir leider nicht befriedigen, Für Uniformen haben wir uns nie besonder« interessiert. Göring hat jetzt übrigens einen blütenweißen Unschuldsrock für sein« Polizeiofsiziere erfunden. Eine Notiz in der Nazipresse teilt mit: „Für die Offiziere der Landespolizei, Reviervolizei und Gendar- merie sowie für die Gemeindepolizeivollzugsbeamten im Offiziers- rang ist durch Verfügung des preußischen Ministerpräsidenten ein weißer Rock mit glatten silbernen oder goldenen Knöpfen und Achselstücken zum Tragen innerhalb der Polizeiunterkunft und in den Geschäftszimmern eingeführt worden." Fhr den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P i tz in Dud« weiler; für Inserate: Otto K u H4, in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der BolkSstlmme GmbH» Saarbrücken S, Schützenstraße 5.— Schließfach 776 Saarbrücken. Jleue föütfter 3)0AIin 41/rcd: Babylonische Wanderung oder Hochmut kommt vor den Fall.... drosch. Fr. 44.— Leinenbd. Fr. 81,— Hin st sin Jflfterl Professor: Mein Weltbild. brosch. Fr, 26,— Leinenbd. Fr. 39,— 3€ st mann öeorj).- Ruths schwere Stunde brosch. Fr. 29,75 Leinenbd. Fr. 43,50 3Kernten Hermann.- Der Gerechte, Roman brosch. Fr 23,25 Leinenbd. Fr. 35,90 Jt Laren"Valsriu: Die Vertreibung der Juden aus Spanien brosch. Fr. 21,— Leinenbd. Fr. 33,50 Xisgpmann JCsin*: Das Leben der Millionäre... broschiert Fr. 12,— Tiath Joseph.- Tarabas(Ein Gast auf dieser Erde) brosch. Fr. 29,— Leinenbd. Fr. 30,— fchmarKsehild JCsoftofd.- Das Ende der Illusionen brosch. Fr. 26,— Leinenbd. Fr. 36,— Thomas Adrisnns.- Dreiviertel Neugier(Frauen-Roman) brosch. Fr. 25,75 Leinenbd. Fr. 40,— "Wasssrmann Jaftoh: Joseph Kerkhovens dritte Existenz brosch. Fr. 44,— Leinenbd. Fr. 61,— Xvveig Arnold: Bilanz der deutschen Judenheit brosen. Fr. 28,— Leinenbd. Fr. 30,— Buchhandlung der Votksstimme Saarbrücken, Bahnhofstral)« 32 Neunkirchen, Hüffonbergsfr, 41