Kr. 91. Abomument»- Kedwgungeu: Abonnements- Pret» pränumerando: Vterteljährl. ZL0 Ml., monatl. l.wMl., wöchentlich 28 Pfg. frei in« Hau«. Einzelne Nummer S Pfg. Tonntag«- Nummer mit tlluftrtrter Sonntag«- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 380 Mark pro Quartal. Singetragen in der Post-Zeitung«- Preisliste für IS«? unter»r. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da» übrige RuSland 3 Mark pro Monat. 14, Jahrg. Die Inftrtistls Gebühr beträgt für die fechSgefpaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für verein«- und VerfammlungS-Anzetgen, sowie Arbeitsmarkt 20 Pfg. Inserate fiir die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag» in der Srpedttton abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bi« 7 Uhr abend«, an Tonn- und Festtagen bi« ö Uhr vormittags geöffnet. Lrscheink täglich austrr Wlionkag». Berliner Volksblnkk. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1608. Telegramm-Adresse: „Soiialdrnwstrat Lerltn". Zentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Wedaktiott: 8V. 19, Meuth-Straße 2. Sonntag, den 18. April 1897. Spedition: SW. 19, Wenty-Straße 3. O e v n. Das FrühliugSfest, das seinen Ursprung dem hoffuungs freudigen Aufjauchzen der Menschen über das Erwachen der lebeuschaffeuden Natur ans winterlicher Erstarrung verdankt, das Anferstehungsfest, dem die christliche Kirche die Neben bedeutung der Wiederbelebung des Gottesglaubens gegeben hat, feiern auch wir, nur verleihen wir dem Natursest eine andere Nebenbedeutung als die Priestcrschast. Uns ist das Wiedererwachen der Natur ein Symbol der Erweckung der Geister, ein Symbol der Menschheitsbesreiung aus den Banden wirthschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Knechtung. Wir sind der Zuversicht, daß die Sonne des Sozialismus die Borurtheile der Menschheit zerschmelzen wird wie die Himmelssonne das Eis, das unsere Flüsse gebannt hält; daß sie neuen Lebeusnnith, neue Kraft erweckt in den Adern des aus dumpfer Nacht erwachenden Proletariats, wie der Saft gährend aussteigt in den Pflanzenadcrn unter den belebenden Sonnenstrahlen. Wir sehen ein neues Geschlecht um uns heranwachsen, ein Geschlecht, das von sich schüttelt den Baun jahrhundertc- langer Borurtheile, ein Geschlecht, das Herr sein will im eigenen Hause, das die menschliche Gesellschaft nicht ein» gepfercht lassen will im Zwangsbau einer hierarchisch ge» gliederten Uuterthauenschaft, das ihr Raum und Luft schaffen will zur Begründung einer freien Gemeinschaft Gleich- berechtigter. Mit Freude und Stolz, voll Glückshoffnung und Sieges- gewißheit sehen wir dieses junge Proletariergeschlecht die Glieder recken und machtvoll zugreifen, wo es veraltete Einrichtungen hin der Kiel die Wasserwogcn des Weltmeeres durchpflügt, überall, wo in den zivilisirten Theilen der Welt die Aus- gebeuteten unter den Fesseln des Kapitalismus knirschen. Kein Jahr vergeht, ohne uns das Schauspiel eines neuen Aufschwungs der proletarischen Bewegung aus irgend einem der Werkplätze der Menschheitsbesreiung zn bringen; kein Tag ver- geht, ohne uns mannigfachen Widerhall in das Ohr klingen zu lassen von dem Kleinkampfe der Emanzipation. Ter gewerkschaftlichen Kämpfe giebt es kein Ende und jeder von ihnen, mag er dem einzelnen Verluste bringen, stählt die Kraft des Gesammtproletariats, lehrt ihm neue, bessere Methoden. Unablässig auch wird das Selbstbewußtsein, das politische Geschick und die Widerstandsfähigkeit unserer Genossen ge- schärst durch die Kleinkämpse, die ihnen aufgezwungen werden durch Maßregelnngen und Bedrängungsversuche staatsrettnngs- beflissener Behörden. Und die großen Kämpfe unserer Genossen in allen Ländern, die das Gcmeinsamkeitsgefühl der internationalen Sozial- demokratie wach erhalten, auch ihrer ist kein Ende. Kaum hatten wir den plötzlichen elementaren Vorstoß der belgischen Sozialdemokratie mit freudiger Sympathie begleitet, da hält uns auch schon der gleichartige Erfolg unserer österreichischen und italienischen Genossen in Athem und belebt unsere Hoff- nuugen auf neue Erfolge im eigenen Lande, wenn im kommenden Jahre die Wahlbewegnng uns auf den Plan ruft. Allüberall Leben, Streben, Vorwärtsdringen, unwider- stehliche Ausbreitung! Nicht nach Hunderten, nach Tausenden zählen die Apostel, die in Wort und Schrift, von den Tribünen der Parlamente, in den Spalten der Presse und Literatur die neue Lehre ver- breiten. Nicht nach Hnnderttausenden mehr, nach Millionen bereits zählen die Kämpfer, die gemeinsam einstehen für die gemeinsame Sache. Und da giebt es wirklich noch Leute, die da glauben, die Sozialdemokratie lasse sich ausrotten bis auf den letzten Stumpf! Nicht leichter ist das als die sämmtlichen Knospen zu brechen und zn zerstören, die sämmtlichen Keime zu vernichten, welche die Frühlingssonne aus den Älesten und aus der Erde hervortreibt. Wohl können noch Fröste kommen, auch nach dem Osterfest, und hier und dort die Entwickelung hemme», aber wie lange wird es währen, und die vorübergehende Hemmung ist verwunden, neue Keime sprießen lebenskräftiger hervor, wo die ersten ertödtet waren, und bald steht Alles in Blüthe, sicher vor den Unbilden der Winterszeit. So schreckt uns auch nicht der Winterhauch der Reaktion. Sie wird verwunden werden wie schlimmere Reaktionsperioden vor ihr, und schließlich wird sie nur die Bahn ebnen für die sieghaftere Ausbreitung des Sozialismus in der Sommerzeit der Menschheitsentwickelung. Dss Vernichkeie von Erfurts Man schreibt uns: Es ist eine alte Erfahrung, daß nichts einen felsenfesteren Glauben an die eigene geistige Ueberlegenheil verleiht wie eine rechle frisch-fromm-sröhliche Halbbildung und Halbwissenschast. Diese� ist es offenbar auch, die dem Pastor Naumann seine göttliche Starke und Erleuchtung ans dem Gebiete der Sozialpolitik einflövt. An sich brauchte das kein Vorwurf zu sei». Als in den siebziger Jahren und auch später»och in katheder- und staalssozialistischen Kreisen dieselben halbwüchsigen Gedanken und Vorschläge verzapft wurden, die heute die National. Sozialen zu einem trübseligen Aufguß zusammenkannegießern, als der neue Luther unreife Studenten, unklare Schriftsteller und sonstige schlechte Musikanten bezauberte und endlich gar die ganz«„Berliner Bewegung" der Konservativen beherrschte, als Stöcker und Wagner Tag für Tag mit dem Evangelium der nationalen und sozialen Misston zum Volke herabstiegen, da konnte man dem Vorgehen immer noch eine gewisse historische Bedeutung beimessen. Heute streift es,»ach allem was unterdeß geschehen ist, zum mindesten an Geschmacklosigkeit. Mehr wie geschmacklos ist es jedoch, wenn das ganze Halbverständniß des Herrn Naumann auch noch über verwickelter« Fragen der sozialistische» Theorie schiedsrichterlich aburtheilen will, wie er das neulich in der „Zeit" lhat. Nach Herrn Naumann ist wieder einmal ein Grundstein des sozialistische» Programms und der sozialistischen Wissenschaft über Nacht in die Brüche gegangen, nämlich die Lehre von der „sich stetig verschärfende» Verele n dun g der arbeitenden Klasse": „In dieser Anerkennung liegt das Aufgeben der Revolutions taktik, denn wen» eine Besserung innerhalb der vor- handenen Gesellschaft erreichbar ist, dann hat es keine» Sinn, die Revolution zum Mittelpunkt des politischen Denkens zu machen." Welch eine Entdeckung! Welch eine vernichtende Entdeckung Doch sehen wir näher zn! Die„Sachs. Arbeiter-Ztg." und der„ B o r>v ä r t s" haben bereits darauf aufmerksam gemacht, daß, wen» Herr Neumann die große Güte haben wollte, etwas weniger die Schriften der Marxisten schncllfertig zu kritisiren und dasür etwas mehr in ihnen stndirend zu lesen— daß er dann bei dieser Gelegenheit recht viele Vorläufer für das reklamehast ausgerufene Neueste, das Allerneueste finden kann, gerade unter den schlimmsten Marxisten, von Marx selber ganz zu schweigen. Di«„S. A.-Z." hat bereits auf die Ab- Handlung von Bernstein in der„Neuen Zeil"(I8S0j9l, 2. Bd.) verwiesen Diese Abhandlung ist— 1890/91, Herr Naumann!— eigens zur Widerlegung der Anschauung geschrieben, daß der Lohn in der kapitalistische» Wirthschaftsordnung ewig unabänderlich ans den nolh wendigen Unterhallsbedarf beschränkt sei und womöglich noch sinken müsse. Und wir dürfen wohl offen die Vermnlhnug aussprechen, daß Bernstein bei seiner Arbeit sich des Beiraths des aller«» Zweifel Hastesten Marxisten erfreute: von Friedr. Engels. Engels schrieb zudem in dem gleichen Jahre(Brentano contra Marx, E. 1): Die stets wiederholt« Erklärung, daß Arbeitcrschutz gesetzgebung und Gewerkvereins-Organisationen die Lage der Arbeiterklasse zu verbessern geeignet sind, ist keinesivcgs (Brentano's) eigene Entdeckung. Von der„Lage der arbeitenden Klassen in England" und der Ilisörs de la philosophie bis zum„Kapital" und bis zu meinen jüngsten Schriften haben Marx und ich dies hundertmal gesagt. Doch weiter! Wir können von Herrn Naumann am Ende nicht verlangen, er solle Marx- Engels und die nam- Hastesten Marxisten kennen, wenn er über den Marxismus leilartikelt; solche übermäßige Ansprüche haben wir uns durch jähre- laug« Bekanntschast mit den üblichen Gegnern des Sozialismus gründlich abgewöhnt. Doch von einem Politiker, der die Sozial- demokratie überwinden ivill, sind wir allerdings so unbescheiden zu verlange», daß er das sozialdemokratische Progronim einigermaßen kennt und sich auch den und jenen Kommentar dazu einmal flüchtig angesehen hat. Auch dazu hat sich, wie es scheint, Herr Naumann bisher nicht gemüßigt gesehe». Denn eine absolute Form hat die von Naumann herangezogene Behauptung in dem Erfurter Pro- gram m durchaus nicht. Es heißt da einfach, nach der Schilderung der großen ökonomischen Umwandlung unserer Zeit: Für das Proletariat und die versinkenden Mittel- schichten— Kleinbürger, Bauer»— bedeutet sie , vachsende Zunahme der Unsicherheit ihrer Existenz, des Elends, des Drucks, der Knechtung, der Erniedrigung, der Ausbeutung. Schreiber dieses ist überzeugt wie nur irgend einer, daß unter bestimmte» Umständen(Umstände, die zum theil auch verschiedene Entwicklungsstufe» der kapitalistischen Produktionsweise darstellen) eine Hebung breiler Arbeiterschichren auch innerhalb der kapitalistische» Gesellschaft möglich ist. Aber selbst wenn er ganz außer acht lassen wollte, daß man mit keinem Programm auskommen kann, ohne die in ihm niedergelegte» Gruudauschauungeu propagandistisch zuzu- spitzen und die Worte auch nach ihrer agitatorischen Schlagkraft ab znwägen— selbst dann wüßte er an dem Satze nichts Wesentliches auszustellen. Jndeß, minima non curat praetor(um Lappalien kümmert sich et» großer Geist nicht): vielleicht hält irgendwer in der Partei eine um einen Grad andere Nuancirnug der Worte für«ine bedeutsame politische Leistung, wir werden ihm nicht im Wege stehen; wir haben wohl auch genügend saubere Stilisten unter»nS, um die Wünsche aller sozialpolitischen Flohknacker durch eine allersublilste Nachfeilnug zur Befriedigung zu bringen. Wenn man jedoch nicht schulmeisterlich kleinlich ist, so kann man sich unseres Erachtens auch recht gut mit der bestehenden Wortsassung befreunden, besonders nach dem in Kautsky'S Kommentar alles zur Beseitigung hyperkritischer Bedenken Nölhige durchaus treffend und richtig gesagt worden ist. Da Kanisky zugleich der alleinige Verfasser der Programmstelle>ist, so wird man seine eigene Umschreibung des Inhaltes wohl als genügend anerkennen muffen. Nun hat K a u l S k y in seinem„Erfurter Programm" ei» ganzes Kapitel dem„Widerstreit der das Proletariat erhebenden und der es h c r a b d r ü ck e n d e n Tendenzen" gewidmet. Hier heißt es unter anderem(S. 193 ff.): Die Erhebung des Proletariats aus seiner Erniedrigung ist ein unvermeidlicher, naturnothivendiger Prozeß. Die Tendenzen der kapitalistische» Produktionsweise gehen dahin, die arbeitende Bevölkerung immer mehr herab- zudrücken. Die moralische Wiedergeburt des Proletariats ist nur möglich im Wider st reit gegen diese Tendenzen und ihre Träger, die Kapitalisten. Sie ist nur dadurch möglich, daß die Gegenwirkungen, die G eg en tendenzen genügend er- starken, die»n Schooße des Proletariats durch die neuen Bedingungen erzeugt werden, unter denen eS arbeitet und lebt. Die h e r a b d r ü ck e n d e n Tendenzen sind zu verschiedenen Zeiten, in verschiedenen Gegenden, in verschiedenen Industrie- zweigen s e h r v e r s ch i e d e n... Die Gegen Wirkungen... hängen ebenfalls von den mannigfaltigsten Be- dingungeu ab... Aber zum Glück für die Weiter- e n t>v i ck e l u n g d e r n» e u s ch l i ch e n Gesellschaft tritt bei den meisten Proletarierschichte» früher oder später der Moment ein, wo die erhebenden Tendenzen entschieden die Oberhand ge» winne n. Sollen wir um c':r ganz unmotivirten Quertreiberei willen noch weitere Zitate hänie», wo für jeden Kundigen die Dinge längst klar liegen? Denn auch wer seit kurzem erst den Sozialismus kennt, wird wissen, daß derselbe leere Spuk in derselben Weise vor sechs und sieben Jahren durch die bürgerliche Press« heulte, als die Sozialdemokratie, und zwar als Gesammlpartei— das„eherne L o h n g e s e tz" aufgab. Um etwas anderes handelt es sich jetzt auch nicht. Doch komisch, Herr Brentano und feine Freunde lasen damals ans den Grnndzügen des Erfurter Pro- aramms ganz genau dasselbe heraus, was Herr Naumann heute als höhere Erkenntniß dem Erfurter Programm entgegengesetzt sehen will! Und was der ganzen Lächerlichkeit die Krone aussetzt: errn Brentano's Triumphlied bestand aus Variationen einer eußerung.. L i e b k n e ch t' s. Eine wirklich sehr verspätete Aeußerung von anderer Seite, aber desselben Inhaltes, dient heute terrn Naumann dazu, das Ende... Liebknecht's zu prophezeien! n der That, 1890 ging der bürgerliche Preßlärm los, weil in Halle vom Progrnmm-Referenten ausgesprochen war: Ein ehernes Lohngeseyt existirt thatsächlich nicht.... Der Ausdruck ist agitatorisch von L a s s a l l e gebraucht worden und hat seinen Zweck auch herrlich erfüllt Er hat etwas Greif- bares. Anschauliches, allein wissenschaftlich richtig ist er n i ch t. Wenn es ein ehernes Lvhngesetz gäbe, wenn der Lohn ans das absolute Minimum herabgedrückl werden könnte, d'"n wäre es ja nicht möglich, daß in einem und demselben Lande..u einer und derselben Branche ganz verschiedene Lohnzustände wären... Schon Marx Haidas eherne Lohngesetz für eine „ ö k o n o m i s ä, e Fiktion" erklärt."') Der das aussprach, war nicht Herr Naumann, sondern Lieb- knecht selber. Von da ab war bereits offiziell in der Partei abgethan, was schon durch eine lange Preßerörterung vorher all« gemein als nnhallbar zugestanden worden war. Welch' eine ebenso lächerliche wie zugleich beschämende Komödi« der Irrungen spielt sich also wieder einmal ab! Herr Naumann gab durch seine groleske Unkenntniß der Ding« und seine übliche Sensationsniacherei das Signal dazu. Sollte der vordringliche Pastor wieder einmal, wie die Jungfrau in der Bibel. einen Bräutigam aus unseren Reihen erwarten, so wird er gut thnn. vorher etwas mehr Oel auf seine geistige Lampe zu gießen.— politische Mob erficht. Berlin, 17. April. Koiifliktslnft soll im Reichskanzlcramt und im prenßi- scheu Wiinistcrium aus Anlaß der angeblich jetzt zum Abschluß gekommenen Verhandlungen über die Umgestaltung des prenßi- sehen Vcrcinsgesctzes geherrscht haben. Jetzt soll, wie die „National-Zeilung" meldet, alles wieder beigelegt fein. Auf wie lange?— Die Situation im Orient hat sich in den letzten Tage» nicht geklärt. Die Nachrichten widersprechen sich wieder. Wir beschränken uns ans die Wiedergabe der wichtigsten Meldungen: Ans Athen meldet das Pariser Blatt„Politique coloniale", ein Spezialgesandter des Sultans sei in Athen eingetroffen und verhandle im Auftrage des Sultans mit dem König selbst über solgende Vorschläge des Sultans: Kreta verbleibt ein offizieller Theil des türkischen Reiches; die Insel bleibt durch griechische Truppen besetzt; der König ernennt einen General- gouverueur, der als Vasall der Türkei von dieser seine Investitur erhält; Griechenland verpflichtet sich dabei, die Rechte der Türkei auf deren europäischen Besitzungen anzuerkennen, während der Sultan verspricht, eine Grenzregulirung zwischen der Türkei und Griechenland vorzunehmen. König Georg ist geneigt, diese Be- dingungen anzunehmen und beauftragte seinen Gesandten in Konstantinopel, Erkundigungen einzuziehen, ob diese Vorschläge des Sultans ernst zu nehmen sind. Die„Franks. Ztg." nieldet aus Athen: Die innere Anleih« bei der Nationolbank, jonischen Bank und epiro-thessalischen Bank in Höhe von 20 Millionen Drachme» und 10 Millionen Zinsbillets wurde in erster Lesung votirt. Aus Kanea wird der„Franks. Ztg." telegraphirt: Das öfter-. reichische Torpedofahrzeug„Tiger" schoß zwei in der Bucht von Cacerios befindliche Segler in Brand. Die Ladung wurde von de» Christen gerettet. Die in der vergangene» Nacht erfolgten Augriffe auf das Fort Jzzedin wurden abgewiesen, da ein türkisches und ei» italienisches Schiff die Stellung der Ansständischen beschossen. In H i e r a p e t r a herrscht eine Typhus- und eine Blattern« epidemie. Die Aufständischen haben die Wasserversorgung der Stadt abpeschnillen, sovaß die Einwohner genölhigt sind, auS am Meeresstrande angelegten Zisternen ihr Trinkwasser zu nehmen. Die Stadt � Heraklcion befindet sich bezüglich der Wasserversorgung in gleicher Lage; doch habe» die türkischen Truppen die Quellen wieder besetzt. Die Gesangenen im dortigen Gesängniß haben revollirt; dieselbe» werden mit einem türkische» Transportschiffe nach Rhodos gebracht. St c a p e l. 16. April. Wege» Unfähigkeit Cypriani's übertrug die griechische Regierung die Führung der italienischen Freiwilligen dem polnische» Grasen Jaraszewski. Letztere erließen eine Prokla» malio» an die makedonische christliche Bevölkerung, sich zu erheben und mit den griechische» Freiwilligen für die Freiheit gegen daS Türkenjoch zu kämpsen. *) Vielleicht liest Herr Naumann einmal die bekannte Programm« kritik von Marx aus dem Jahre 187ö:„Das System der Lohn» arbeit ist ein System der Sklaverei, die im selben Maße härter' wird, wie sich die gesellschaftlichen Produktivkräfte der Arbeit ent« wickeln, ob nun der Arbeiter bessere oder schlechtere Zahlung empfange." Larissa, I?. April. Geflern kam eS an der Grenze bei Nezer« zu einen, Zusammenstoß zwischen Griechen und Türken; Ver« aulafsung hierzu gab ein Versuch von türkischer Seite, eine» ver- lagenen Grenzposten zu besetze». Die Griechen widersetzten sich dem und die Türke» eröffneten infolge dessen ein heftiges Feuer. Nach vierstündigem Kampfe zogen die Türken sich zurück. Ueber die Zahl der Tobten und Verwundete» ist nichts bekannt. Heute früh K Uhr begann von neuem ein lebhaftes Feuergefecht, bei welchem Artillerie eingriff. Dem Vernehmen nach haben die Griechen drei Grenz- stationen genommen und die Station Kokroni mit Dynamit zerstört; die Türken wären zurückgeworfen worden. Einer amtlichen Depesche zufolge hat das Feuer aufgehört. K o n st a n t i n o p e l, 17. April. Nach hier eingetroffenen Meldungen sind in de» nächsten Tagen neue griechische Angriffe zu Laude und zur See zu erwarten. Auf türkischer Seite werden überall die Stellungen an der Grenze verstärkt und der Uebergang von der Defensive zur Offensive vorbereitet. Zur Bekämpfung der Angriffe der griechische» Freischaaren werden hinter der regulären Armee albanesische Baschibozuks bereitgestellt, welche eventuell Gegen- angriffe einleite» solle».— !t o n st a n l i n o p e l, 17. April. Aus von Edhem Pascha ein- gegangenen Berichten geht hervor, daß die griechische Armee nun- Mehr i» die Offensive übergeht. Gestern Abend haben reguläre griechische Truppe» an verschiedene» Stellen die Grenze überschritten «nd befinden sich NIM auf dem Marsche nach Elassoua. Das Vor- dringen der Griechen hat große Erregung und allgemeine Entrüstnng hervorgerufen, und es werden türkischerseits bereits alle Maßregel» getroffen, um für alle Fälle gerüstet zu sein. Chronik der MajestätöbeleidigniigSprozesse. Dkrt-Drvain vor Gericht. Wie die„Personen-Correfpondenz" meldet, findet am 27. April, Vorm ll'/s Uhr, vor der nennten Strafkammer des Landgerichts I der Prozeß gegen Dr. Kurt EiSner aus Marburg und Dr. Richard Wrede aus Berlin wegen M a j e st ä t s- beleidigung statt, begangen durch den in Nr. 118 der Wochen- schrift„Die Kritik" enthaltene» Provinzialbrief„Ei» undiplomatischer Neujahrsempfang." Dr. Kurt Eisner, der bekanntlich feine Psendo- nymität als Tat-Twa«n selbst bekundete, wird durch Rechtsanwalt Lisiventhal-Frankfurt a. M. und Dr. Richard Wrede durch Rechts- anwalt Henke-Berlin seine Vertheidigung führen lassen. Wegen Majestätsbeleidigung ward die Wittwe Dorette Ehlers aus dem Nachbarorte von Hannover, Brink, in der Slrasknmmer- fitzung vom IL d. M. zu 2 Monaten Gesängniß verurlheilt. *» Deutsches Reich. — Kommt d aS Vereinsgesetz oder kommt eS nicht? Mit diesem Fragespiel unterhält sich in der österlichen Stille die bürgerliche Presse. Entgegen der Meldung, daß das BereinSgesetz in diesen Tagen dem Landtage zugehen soll, behauptet die in solchen Fragen meist gut unterrichtete„Köln. Ztg.", daß„der Landtag sich wohl kaum noch in ditser Tagung mit dem neuen Bereinsgesetz zu beschäftigen habe." Wir können's abwarten.— — D eS P l ö tz' en junkerliches Herz muß vor Freuden gehüpft haben, als er in der Zeitung die Begnadigung des Gemeindevorstebers S e k» l l a laS, der bei Ratibor, im preußischen Junker-Eldo- r a d o, der edlen Kulturaufgabe oblag, renitenten Ge- fangenen Holzpflöcke unter die Fingernägel zu treiben, um so Geständnisse zu erpressen. Diese Methode, zu Geständnissen zu komme», ist bekanntlich nicht neu; sie war im Mittelalter allgemein und hat in den I n q u i s i t i o n s- und Hcxenprozessen eine große Rolle gespielt. Die moderne „Gefühlsduselei" führte jedoch zur Abschaffung dieser Foltcrmelhode. die sich nur in Spanien erhielt und dort und in den spanischen Kolonien noch lustig praklizirt wird. Herr v. Plötz hat jedenfalls unter anderen Folterkunststückchen auch an dieses gedacht, das seinem ostelbischen Junker-Jdeal„ r e g e l- mäßig sich wiederholender, eindringlicher und nachhaltig sich fühlbar machender Schmerz- e r r e g u n g" wunderbar gut entspricht. Herr v. Plötz wird sich freuen, Herrn Sekulla. seinen GestnnungSbruder, jetzt bald wieder auf freiem Fuß zu sehe». Wir wünschen ihm Glück! Bei dieser Gelegenheit müssen wir aber unseren Rath wieder- holen, Herr v. Plötz möge es einmal persönlich mit den paradiesischen Zuständen des Z u ch t h a us e S versuchen. Bietet es doch seiner Schilderung nach Alles, was das preußische Junkerherz verlangt. Also warum die Begeisterung für die Süßigkeiten des Zuchthauses nicht in Thaten umsetzen? Wir verlangen gar nicht, daß Herr v. Plötz sich zu dauernde m Aufenthalt Einlaß in sein Jnnker- paradies verdiene, allein er könnte wohl einmal auf Probe hin- eingehen. Das ist ein Vorschlag zur Güte, der sich gewiß hören läßt. Der ritterliche Häuptlina deS Bundes der Landwirthe liebt ja solche Probe-Abenteuer. Auf die Börse ging er seinerzeit „zur Probe", und von den Früchten deS„Giftbaums" naschte er „zur Probe". Warum nicht„zur Probe" ins Zuchthaus, wo es „Liebesgaben" regnet und die„Ernährung auf Staatskosten" voll- ständig durchgeführt ist, wozu der Racker von S t a a t und R e i ch S- tag noch nicht zu bewegen war. Eni, zwei Jährchen Zuchthaus,— lockt eS Sie nicht, Herr von Plötz? An„guter Gesellschaft" würde eS nicht fehle». Für paffenden und standesgemäßen Unigang sorgt Herr v. Hammer- stein.— — Wie man zitirt und Reklame macht. Das Bismarck'sche Preßgesindc, das die Reklame für den Firmenchef noch schamloser und aufdringlicher betreibt, wie das Gesinde der „Goldenen Hundertzehn", verschmäht kein MittelHum seinem byzan- tinischen Treiben Vorschub zu leisten. Veröffentlicht es da zum Exempel folgende Schwindel-Notiz: Bamberger über Bismarck. Ludwig Bamberger hat sich bekanntlich längst aus einem eifrigen Anhänger und Ver- ehrer Bismarck's in einen politischen Gegner verwandelt. Um so mehr mögen sich die Verkleinerer und Nörgler unter Bismarck's Feinden die Worte merken, welche L. Bamberger in dem jetzt erschienenen fünften Band seiner„Politischen Schriften" sagt: „Preußen hätte drei Mollke's und dreimal so große Heere haben können, ohne den Kopf BiSmarck'S wäre die That nie vollbracht worden. Und der erfindende leitende Kopf ist eS, welchem die That gehört. Mottle und das Heer waren nur Werkzeuge, wenn auch noch so tüchtige." DaS wahre Verdienst Bismarck's dürfe, so meint Bamberger, nicht mit dialektischen Einreden geleugnet werden. Wer das liest, muß meinen, Bamberger habe diesen patriotischen Unstnn jetzt geschrieben. Aber der Ausspruch datirt aus den 7t) e r I a h r e n, wo Bamberger unter de», Einflüsse des Kriegs gleich so vielen anderen an der nationalen Drehkrankheit litt, übrigens in einem lichten Augenblick echt bismärckisch-cynisch das hündische Geständniß machte:„Hunde sind wir, a d o ch." Der„Hund" Bamberger schweifwedelte allerdings mit den nationalsten der nationalen„Hunde" um die Wette, allein seitdem hat er den„Hund" ausgezogen und damit natürlich auch die„Hunde"- Belehrung für Bismarck.— — Die freisinntüe Bereinigung scheint in Königs- berg i. Pr. de» früheren Abg. Broemel kandtdiren zu wollen, was um so interessanter ist, als auch seitens der nationalliberalen Partei und der freisinnigen Bolkspartei Kandidaten aufgestellt werden. Ein nettes Beispiel für die von denen um Rickert angestrebte große einige liberale Partei. In Wiesbaden II scheint dagegen die freisinnige Vereinigung aus die Aufstellung eines Kandidaten verzichten zu wollen.— — Von dem sozial-konservativenWochenblatte ist es nun wieder ganz still geworden. Herr v. Massow erklärt, mit demselben gar nichts zu thu» zu habe», und die anderen Personen, die damit in Verbindung gebracht wurde», schweigen sich ganz auS.— Leipzig, 17. April. In dem Landesverraths-Prozeß gegen den früheren Depotseldwebel Meinecke aus St. Privat bei Metz ist der Termin zur Hauptverhandlung vor dem Reichsgericht auf den 10. Mai anberaumt.— Oesterreich. Wie«, 16. April. Wie die hiesigen Blätter melden, beschloß da? Exekutivkomitee der deutschen Landtags-Abgeordneten Böhmens eine große Protestversammlung gegen die Sprachen- Verordnung für den 2. Mai nach Teplitz einzuberufen. Die deutsche Volkspartei beabsichtigt ebenfalls die Einberufung einer Protesiversammlnng, während die Deutsch- Nationalen die 9lb. hallung eines Parteitages in Dresden zu dem gleichen Zwecke planen. Die Blätter veröffentlichen einen Aufruf des Klubs der dentsche» Fortschrittspartei des Abgeordnetenhauses, in welchem es heißt, der- selbe werde die Sprachenverordnung und ihre Urheber mit allen Mitteln bekämpfen, bis dem deutschen Volke wieder sein Recht ge- worden. Der Aufruf fordert die kräftigste Unterstützung der Partei- genossen und Wähler in diesem schweren und voraussichtlich lang- wierigen Kampfe.— Die Vereidigung Dr. Lnrger'S als Bürgermeister von Wien findet am 20. April statt.— Ungarn. — Ueber den Agrar-SozialiSmus in Ungarn entnehmen wir der Wiener„Arbeiter- Zeitung" die folgende Dar- siellnng: Gerichtliche Verfolgungen, Pandurenwirthschaft und die Sozialistendebatten im Pester Abgeordnetenhaus, alles will nicht ver- saugen: die sozialistische Bewegung unter den Landarbeiter» des Alsold besteht und verbreitet sich immer weiter. Gerade jetzt erfülle» alarmireude Nachrichten von einem geplanten Schnitterstreik die Pester Blätter. Der offiziöse„Pester Lloyd" erklärt diese Nach- richten zwar für falsch, aber was er und die übrigen Blätter erzähle», liefert den Beweis, daß sich die A l s ö l d e r Landarbeiter eine in ihrer Art geradezu vollkommene Organisation geschaffen haben. Trotz alles Parlamentsgeschwätzes ge- schieht selbstverständlich garnichts zur Linderung des Nothstandes imß Alsöld. Die Alsölder Behörden und die Regierung begnügen sich damit, die Landarbeiter durch Gendarme» und Polizei„in Ruhe zu erhalten." Es wird ihnen jede Versammlung verboten, jede öffentliche Vereinsthätigkeit unmöglich gemacht. Die Land- arbeiter haben gelernt, diese Hemmnisse»»wirksam zu machen. Sie bilden Tischgesellschaften, auch die Frauen kommen in solcher Weise zusammen, und lhatsächlich besteht unter den etwa 2000 Arbeiter» der Landstadt Hodmezö- Vasarhely die genaueste Verbindung, geschlossenes, zielbewußtes Vorgehen. Die Alsölder lassen sich durch die Brutalität der Behörden zu keinen Unüberlegtheiten aufreizen, sie ziehen, wie ein ungarisches Blatt sagt, vor den Beamten, die ihre Ver- sammlungen auflösen, de» Hut und meine» nur in ruhiger Festig- keit: Es wird noch einmal anders werden! Die nächste wirthschaslliche Maßregel dieser geheime», aber festen Organisation besteht in der Verwandlung des bisherigen„Deputats" in Lohnzahlung. Die Arbeiter werde» nicht weiter aus Antbeil, sondern nur im Taglohn, zur Erntezeit für 2 Gulden(3,40 M.), arbeiten. Beim Arbeiten auf Antheil sind sie von den Pächter»»nd Gutsbesitzern immer auf das schlimmste übervortheilt worden, wurde doch nebst anderem der Antheil in den letzten Jahren von einem Neuntel auf«in Zehntel der Ernte herabgesetzt. Der Unterschied zwischen Lohnzahlung und Vergütung in Ernte» Antheil beläust sich aus 30—40 st.(SV— 67 M); was das bedeutet, sagt der Umstand, daß die Landarbeiter mit geringen Ausnahmen im Winter von ihre» Sommerersparnissen leben müssen. Die Organisalio» der Alsölder Fcldarbeiter hat sich von den drei Komitaten(entspreche» etwa den preußischen Landrathskreisen) Bekcs, Csongrad, Csanad, ihrem Ausgangspunkt, über andere sieben Komitate verbreitet. Sie ist zu einer Macht geworden, die der Regierung und de» Alsölder Grundherren Furcht einflößt. Die Grundherren und die Pächter zittern vor einem Streik i» der Erntezeit. Aber es fällt natürlich niemandem ein, der Gefahr durch Reformen begegnen zu wollen. Sie beabsichtigen durch Einführung slovnkischer Arbeiter die Alsölder Kernmagyaren nach Möglichkeil brotlos z» machen. Ganz die Art der magyarischen„nationalen" Politik (ganz so wie die nationale Politik unserer Agrarier! Red. d.„B."), die durch unsägliche chauvinistische Quälereien ein paar hundert deutsche oder jüdische Städter magyarisirt, während jährlich zehntausend« ur magyarischer Kleinbauern und Feldarbeiter dem heimischen Elend nach Amerika entfliehen müssen. Die Organisation der Alsölder Feldarbeitcr ist wohl der glänzendste Beweis dafür, daß auch die ärgste Brutalität, alle wirthschaslliche und politische Uebermacht der ver- bündeten Unternehmer und Behörden die Widerstandskraft des Proletariats, wenn es einmal erweckt ist, nicht zu brechen vermag.— Frankreich. PariS, 16. April. Ter frühere Deputirte Planteau hat die Konciergerie seit Mittwoch noch nicht wieder verlassen. Er ist nach dem euphemistischen Wortlaut des Gesetzes nicht verhaftet, sondern „dem Untersuchungsrichter zur Versüguug gestellt," der ihn in der P a n a in a- A f f ä r e seither eingehend verHörle. F r a» zeichnet worden. Entgegen diesen und anderen Behauptungen ver» öffentlicht Genosse B a u d e r t folgende Erklärung: „Die Bezeichnung:„gewerbsmäßiger Agitator" fasse ich ent weder als aus Unkenntniß der Verhältnisse geschehen, oder als eine absichtliche Unwahrheit auf, indem ich nie aus finanziell- gewinnbringenden Gründen in Versammlunge» gesprochen habe. Ebenso sind die weiteren Behauptungen der Wahrheit nicht ent- sprechend. Ueberall, wo ich über dieses Thema gesprochen habe, ist auch von meinen politische» Gegnern die Sachlichkeit und ruhige Kritik in den Vorträgen— kürzlich sogar von einem evangelischen Geistlichen mit Dank— anerkannt worden. Ich überlasse es jedem gerechtdenkenden Menschen, sich sein Urtheil über eine solche Berge waltigung selbst zu bilden. AuS Belgrad, der Hauptstadt Serbien?, ging uns die erste Nu, nm er eines Arbeiterblattes zu, dessen Name, ins Deutsche übertragen,„ A r b« i t e r» Z e i t u n g" ist. Für die Maidemonstration in London sind im H y d e- Park 12 Rednertribünen in Aussicht genommen. Die an dem Zug nach dem Park theilnehmenden politischen und gewerkschaftlichen Gruppen haben sich an bestimmten Stellen zu versammeln und zur festgesetzten Stunde in Bewegung zu um zu de», vom Ost- Ende ausgehenden Demonstrationszug zu stoßen und sich ihm anzu- schließen. Todtenkiste der Partei. Einen unermüdlichen und opfer- muthigen Mitkämpfer haben wieder die Dresdener Partei- genossen verloren»nd zwar durch den Tod des Tischlers Eduard H a r z b e ck e r. der der Partei seit Anfang der 70er Jahre an- gehörte. Besonders hat er auch unter dem Sozialistengesetz seinen Mai», gestanden. Polizeiliches, Gerichtliche» ee. — Der Spinner A u g u st H e n s ch k e aus P f ö r t e n war seinerzeit mit einem Strafmandat von 1 M. bedacht worden, weil er im vorigen Jahr in Nablat Sonntag? die„Märkische Volks stimme" und den„Märtischen Landbote»" verbreitet hatte. Das Strasmandat stützte sich auf die Oberpräsidial-Verordnung vom ö. Oktober 1836 in Verbindung mit ß 366 Abs. 1 des Strafgesetz- buchs, und zwar sollte Henschke mit der Vertheilung dieser Druck- schriften eine öffentlich bemerkbare Arbeil verrichtet habe». Das Schöffengericht in Pförten bestätigte das Strafmandat, die Strafkammer in Guben hob jedoch am 24. März das Urtheil des Schöffengerichts auf und sprach Henschke frei. In der Begründung heißt es n. a.:„Nicht jede Arbeit, welche am Sonntag vorgeuominen wird, ist strafbar. Dazu gehört vor allen Dingen, daß sie öffentlich bemerkbar gewesen ist, dies ist vorliegend nicht der Fall gewesen; die Vertheilung der Blätter ist von de», Angeklagten innerhalb der Häuser an die darin befindlichen Bewohner vorgenommen ivorden, konnte also in der Oeffentlichkeil nicht bemerkt werde». Dazu kommt aber, daß nicht jede öffentlich bemerkbare Arbeit gegen die Präsidial- Verordnung verstößt. Nur geräuschvolle und solche andere Thätigkeit, deren Bornahme das religiöse Gefühl der den Sonntag Feiernden zu verletzen und dadurch die Feier zu stören geeignet ist, soll nicht zulässig sei».... Das Vertheilen von Lektüre, sei diese auch politischen Inhalts, kann dazu nicht gerechnet werden, um so weniger, als es außerhalb der Kirchen« und innerhalb der für den öffentlichen Geschäftsverkehr freigegebenen Zeit geschehe» ist." — Die„ B r a n d e n b n r g e r Zeitung" schreibt: Neun Mark Geldstrafe bezahlen oder 3 Tage brummen soll unser Bertrauensmann Genosse Neu deck, weil er in einer von ihn,»in- berufenen öffentlichen Versammlung an» 13. März das Entfalten einer rothen Fahne geduldet hat. Neudeck soll damit gegen die Polizeiverordnung vom Ib. Juni 1891 verstoßen haben. Das Blatt erinnert aus diesen, Anlasse daran, daß 1831 aus ähnlichen, Anlasse die rothe Fahne konfiszirt worden sei, daß aber der AuS- gang der Klage gar nicht abgewartet, sondern die Fahne schon vorher herausgegeben wurde. Nachdem am 14. August der Versuch fehlgeschlagen war, den Vertrauensmann zur Abholung der Fahne ans dem Rathhans zu bewegen, wurde zwischen dem damaligen Polizei-Jnspeklor Schwartzkopf und dem Genossen Schneider ein Ab- loinmen getroffen, daß die Fahne in die Wohniing des letzteren geliefert werde. Und so erschien denn am Sonnabend, den 22. August, nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr, der damalige Polizeisergeant Helmke in Begleitung eines Dienstmaunes. der die Fahne trug, i», der Wohnung des Genossen Schneider, um dieselbe abzuliefern. — Die Ungeheuerlichkeit, daß ein Gendarm in, Plauen'fchen Grunde bei Dresden eine Versammlung wegen ungenügender Heizung des Lokals auflöste, ist von der Auitshanpt- inannschafl Dresden-Altstadt in der überaus milden Form mißbilligt worden, daß die Handlungsweise des betreffenden Beamten„nicht den Intentionen der königl. Amtshanplniannschast entspricht" und daß jener„in dieser Beziehung verständigt worden" sei. DAS Mvthvil ün Nofckzemann wird auch von der bürgerlichen Presse, soweit sie sich in dieser Tragödie bereits vernehinen läßt, mit bedenklichem Kopf- schütleln behandelt. Die„ B o l k S- Z e i t u n g" schreibt:„Der Ausgang des Prozesses gegen Koschemann hat in weiten Kreisen des Publikums überrascht. Vielfach hatte sich nach dem Gange der Verhandlungen die Meinung gebildet, daß die Kette der Indizienbeweise, die von der Anklagebehörde geschmiedet worden ist, nicht fest geschlossen worden sei und daß das Belastungsmaterial nicht so„erdrückend" ausgefallen sei, wie es nach der subjektiven Anschauung des Kriminalkommissars Bösel beschaffen gewesen sein soll. So gewiß kein Mensch etwas dagegen hat, daß Verbrecher, die ihre verkehrten politischen An- schauungen durch Höllenmaschinen zu unterstützen suchen, mit der ganze» Strenge des Gesetzes bedroht werde», so gewiß ist es, daß eine wahre Befriedigung über die Bestrafung derartiger Mord- buben nur da Platz preisen kann, wo sich gegen die beredte Macht des überführenden Materials keinerlei Zweifel mehr geltend machen lassen." Die„Berliner Zeitung' resumirt: „Koschemann ist. und das war für ihn verhäng», ißvoll, ei» Mensch, bei den, man sich nach alter kriniinalistischer Ausdrncksweise „der That versehen kann". Ein schwacher Kops, den die anarchistischen Irrlehren verwirrt haben, einer jener unreifen, verbohrten Fanatiker. für die die Most und Konsorten ihre blutrünstigen Schriften fabriziren, während sie selber sich wohlweislich fern vom Schuß halten. Das ist alles. Es ist danach nicht unmöglich, daß Kosche- mann mit seinem Freunde Westphal an der Absendung der Kiste irgend wie betheiligt war; erwiesen ist es aber ganz und gar nicht. Der Spruch der Geschworenen gehört zu denen, die das so wie so von allen Seiten bedrohte und herabgesetzte Ansehen der Geschworenen- gerichte erschüttern." In der„Zeit' läßt Hugo E. Jüngst sich wie folgt aus: Die Wirkung des Urtheils auf das Publikum war eine so überraschende. daß seltsame Gerüchte auftauchten; man kann es nicht fassen, daß die Geschworenen lediglich auf die vorliegenden Zeugenaussagen hin einen theoriesirenden Schwärmer zehn Jahre ins Zuchthaus schicken, und erzählte zur Aufklärung das Märchen, es agire hinter den Kulissen ein Kronzeuge, ein Hauptmitschuldiger Koschemann's, der aber nicht auf die Szene trete, da ihm zur Belohnung für geleistete Judasdienste Straflosigkeit zugesichert sei. In» Ernst wird kein Mensch, der unsere gerichilichen Institutionen kennt, ein derartiges Versteckspiel für möglich halten, aber der Eindruck, den das Resultat dieses Prozesses gemacht hat, läßt sich nicht besser charakterisiren, als durch Aufzeichnung dieses Ge- rüchtes.... Bei dem notorischen Mißtrauen, das weite Kreise unseres Volkes seit langem ergriffen hat, wird man es als ein Un- recht empfinden, daß man den Aussagen der Belastungszeugen, wie z. B. einem Brede, gegen den so schwerwiegende Vorwürfe erhoben wurden, mehr Bedeutung beilegte, als denen der Entlastungs- zeugen.— Auch dem Mißtraue» gegen die deutsche Polizei, die sich NU» in letzter Zeit so manche Schlappe geholt hat, hat der Prozeß neue Nahrung zugeführt. Denn Anschnldigungen von so schwer- wiegender Art, wie sie Landauer gegen diese Behörde erhoben hat, bleiben trotz aller Proteste nicht ohne Eindruck. Das„Berliner Tageblatt" schreibt über die plötzliche Verhaftung der Zeugen Spohr und Landauer:„Ob diese sofortige Verhaftung während des Prozesses eine sehr geschickte war, wird man, nachdem das Gericht die Freilassung der Verhaftelen sofort nach der ersten Vernehmung verfügt hat, bezweifeln dürfe». Es er- scheint nicht ausgeschlossen, daß der Borgang einen tiefen Eindruck ans die Geschworenen gemacht hat, die sich sagen mußten, daß die Polizei nur dann so scharf vorgehen würde, wenn sie die Beweise dafür, daß die beiden Zeugen thatsächlich einen Meineid geleistet, in der Hand habe." Nur ein einziges Blatt bejubelt die Vernrtheilung. und das ist das Organ des rohesten Theils des deutschen Volkes, das Organ der Schnapsjunker, die folterbegeisterte—„Deutsche Tages- Z e i t u n g."_ Gewerkf-lhetMirtzes. Berlin und Umgebung. Achtung, Zimmerer! Die Differenzen bei dem Zimmermeister Hillerkus sind beigelegt. Die Lohnkommffsion. Eine allgemetue Lohnbewegung der Berliner Schrift- fliesten dürfte unmittelbar bevorstehe». Einsprechend den Beschlüssen des Halberstädter Kongresses, die eine einheitlich« Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse festlegten, haben Leipzig, Stuttgart und andere Städte längst Einheitstarife eingeführt, nur die Berliner Schriftgießereien setzten allen hierauf bezüglichen Anträgen Wider- stand entgegen. Der Vorstand der Berliner Schriftgicßer stellte indeß einen neuen Tarif auf. der in zwei Versammlungen, an, 6. und 9. dieses Monats zur Berathung stand und nach erregten Debatten schließlich angenoinmen wnrde. Dieser Tarif ist nun sänimtlichen Chefs der Berliner Schriftgießereien per Post mit dem Bemerken zugegangen, sich bis zum 2!. d. M. über dessen Annahme z» erklären. Der neue Tarif enthält nur unwesentliche Erhöhungen, er sieht von der Forderung des achtstündigen Arbeitstages vorläufig ab»nd betont die Beseitigung der Ueberstunden, evcnt. in Fälle». wo solche unvermeidlich sind, Lohnzuschläge von 10 pCt. für die erste und 25 pCt. für jede weitere Uebcrstunde. Tic Bauarbeiter beschloffen in einer öffentlichen Versammlung, am I.Mai morgens eine Branchenversammlung abzuhalten. Für eine möglichst allgemeine Arbeitsruhe soll Propa- ganda gemacht werden. Ter allgemeine Arbeiter- und Arbciterinnen-Bcrein hält, wie durch Inserat bereits bekannt gegeben, an, I. Feiertag bei Staber» ack, Jnfelstr. 10, seine Generalversanimluiig ab. In letzter Stunde ist es gelungen, den Genossen Schulz für ev Referat über:„Gegen die Prügelpädagogen" zu gewinnen. rege Betheiligung, namentlich der Frauen ist daher erwünscht. In Rixdorf siegten bei de» Ersatzwahlen der Delegirten zur S-K.....~-........-" OrtS-Krankeiikaffe unsere Genossen, die sich übrigens zum ersten Male an der Wahl bclheiligle», mit großer Majorität. Deutsches Reich. Ter Verband der Barbiere, Friseure und Pcrriickcnmachcr- Gehilfen beabsichtigt in der nächste» Zeil in eine lebhafter« Agitalion einzutreten, um die Mitgliederzahl des Verbandes zu erhöhe». Ter Vorstand, dessen Sitz in B r a u n sch>v ei g ist, ersucht die örtlichen Gewerkschaflskartelle u», möglichst ausgedehnte Unterstützung durch Stellung von Referenten zu den Versammliinge» u. s. w. Namentlich soll die Agitalion inSüddeutschlan d einsetzen. Da die Barbier- laden.Jnhaber jetzt allgemein die Preise erhöhen wollen, halten es die Gehilsen mit recht für zeitgemäß, auch ihrerseits Lohnforderungen zu stellen. Eine Geschichte der Organisation der Steinarbeiter Deutschlands wird im Auftrage des 8. Kongresses der Stein- arbeiter herausgegeben und von Anfang Mai a» i» Heften k 20 Pf. erscheine». Bestellungen sind zu richten an den Geschäftsleiter der Steinarbeiter Deutschlands Paul Mitschke, Rixdorf bei Berlin, Sleinmetzstr. 14. Achtung, Steinsetzer! In H a nfn o v e r sind wegen der Lohnfrage Differenzen ausgebrochen, eS ist deshalb Zuzug fernzu- halten. Die G ö r I i tz e r Steinsetznieister weigern sich bis jetzt, die aufgestellte» Forderungen zu bewilligen. Es ist deshalb auch hier Zuzug fernzu halte». In Alle„sie in will der Steinsetznieister Greszkowiak statt deS im vorigen Jahre festgesetzten Tagelohus von 4,20 M. nur noch 4 M. zahlen. Er rechnet dabei hauptsächlich auf Jnsterburger Sleinsetzer. Da diese aber größtentheils organisirt sind, so dürfte es gelingen, die geplante Lohnherabsetzung abzu- wehre». Die P y r i tz e r Steinsetzer und Rammer haben ihren Meistern folgende Forderungen zugestellt: Stundenlohn für Stein- scher 45 Pf., über Land 50 Pf.; für Rammer 30 Pf. und zehn- stündige Arbeitszeit. Bisher wurde bei 11-(über Land 11>/s-) stündiger Arbeitszeit 4 M. resp. 2,25 M. Tagelohn gezahlt. Der Zentralvorstand. Die Tischler Stettin», die, wie wir schon mittheilten, mit 401 gegen 72 Stimmen den Generalstreik beschlösse» habe», fordern gl/»stündige Arbeitszeit an stelle der jetzt zehnstündiaen und An- erkennung des schon«m Jahre 1890 innegehabten Tarifs. Die Tischler- Innung lehnte, trotz zweimaligen Ersuchens, jede Unter- Handlung»nt der Lobnkommission ab. Die Lohnkommission ersucht »un um strenge Vermeidung des Zuzugs„nd biltet alle arbeiter- sreuiidlichen Blätter, von der Angelegenheit Notiz zu nehmen. Die Adresse der Lohnkommission ist:<5. Kinsky, Stettin, Bogislav- straß« 50, Hof links II. Etage. AuS Lübeck wird gemeldet: In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag voriger Woche brach auf dem Emaillirwerk von Eark Thiel u. Söhne«in Feuer aus, das einen Lagerschuppen einäscherte und einen Schaden von etwa 60 000 M. vernrsachte. Mehrere der früher bei Thiel u. Söhne Streikenden wnrden in der betreffenden Nacht festgenommen; sie konnte» aber sännntlich ihr Alibi nachweise». Es wird stark vermuthet, daß der genannte Schuppen aus Rache angezündet worden sei. Die Staatsanwaltschaft hat daher eine Belohnung von 500 M. aus die Ermittelung des Thäters ausgesetzt. Da heutzutage fast jeder Fabrikant seine Baulichkeiten sammt Inventar genügend hoch zu versichern pflegt, weshalb ein Brand selten mit besonderem Berlnst für den Kalamitosen verbunden ist, so ist unseres ErachtenS ein Racheakt seitens der ehe- malige» Arbeiter der Thiel'schen Fabrik schon ans diesem Grund« ausgeschlossen. Die SenatSkommisfio» für die Prüfung der Arbeits- verhältniffe im Hamburger Hafen hat, wie im„Amtsblatt' de- kannt gemacht wird, am 10. April die Erhebungen über die Lohn- verhälinisse und Arbeitsbedingungen der Hafenarbeiter zum Abschluß gebracht. Es sind in gemeinschaftlichen Sitzungen mit Unternehmern und Arbeitern gehört worden: die Schauerleute und Ewerkührer in je 4 Sitzungen; die Staatsquaiarbeiter, Schtffsmaler, Schiffsreiniger und Kohlenarbeiter in je 2 Sitzungen; die schwarzen Schauerleute, Epeicherarbeiter, die Quaiarbeiter der Hambnrg-Ainerika-Linie, die Getreide-Arbeiter, Werftarbeiter, Kesselrennger, Schiffer und Maschi- nisten auf Hafendampfern in je l Sitzung; serner die Seeleute in 7 Sitzungen. Das in den Verhandlungen gewonnene umfangreiche Material wird nun einer Sichtung unterzogen, worauf in die noch ersorder- lichen Verhandlungen mit den Unternehmern eingetreten werde» soll. Daneben wird die Kommission sich mit der Prüfung der Be- schwerden und Wünsche beschäftigen, zu deren Erledigung es staat- licher Maßnahmen bedarf. Bei der Schwierigkeit der zu lösenden Fragen und bei den großen Verschiedenheiten in den einzelnen Be- triebe» wird, wie der„Hamb. Corr." mittheilt, der endgiltigc Ab- schluß aller Arbeiten auch bei größtmöglichster Förderung noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Zur Lohnbewegung unter den dentschen Bergleuten, be- ziehentlich zu de». Schreiben, worin Genosse Heinrich Möller die ausländischen Bergleute ersuchte, bei einen, etwaigen Streik der Deutschen leine Ueberstunden zu machen, schreibt der„Bau- Handwerker": „Ein wirthfchaftlicher Bericht(7. April) meldet von einer „geradezu rapiden" Erhöhung der Förderung im rheinisch-westfälischen Kohlenringe. Die Kohlenförderung betrug 1895 33 043 861 Tons, 1836 41 631 243 Tons und ab Januar 1897 ist die Erhöhung so stark, daß die Betheiligungsziffer auf 44 631765 Tons stieg. Ab 1. April sind aber für etwa 20 Zechen zusammen rund V/i Millionen Tons wieder hinzugekommen und ist jede Förderungbeschränkiuig aufgehoben. Dabei ist der Absatz nicht in gleicher Art gestiegen, so daß eine„Ueberprodnktion" befürchtet wird. Es vermehren sich also die Kohlenlager. Ein Ausstand wäre unter diesen Umständen eine sehr mißliche Sache. Wir thun daher unsere Pflicht, wenn wir jetzt schon rechtzeitig zur Vorsicht mahnen. Die Äetriebsunter- nehmer scheinen sich langer Hand aus einen Kampf mit den Arbeitern vorzubereiten. Man würde monatelang den Ausstand aushalten können, ohne erhebliche Zufuhr ans dem Auslaiide zu gebrauche». Niedrige Frachten würden in, Nolh- falle Kohlenbezug aus Amerika gut möglich machen. Dabei erscheint uns heut nach den Erfahrungen, die beim Streik der Hamburger Hafenarbeiter gemacht sind, die internationale Organisisation eine schöne Täuschung. Schließlich, ist man auch des„nnpolitischen" Arbeiters sicher? werden die katholischen und tvangelischen Or- ganisationen unter Führung von Professoren und Pastoren auch die Streiktaktlk ohne Murren mitmachen? Werden die streikenden deutschen Bergarbeiter ihren Rücken im Lande selbst frei habe»? Das sind alles Fragen, die sich uns jetzt ausdrängen, da ihre Be- sprechung»och an der Zeit ist." Im Bremer Schnhmacherstreik scheint es leider zu keiner Einigung zu kommen. Die„Breiner Bürger-Zeitung" berichtet auf grund eines von den ausständigen Arbeitern an die Einwohnerschaft gerichteten Flugblatts: Die Verhandlungen am Dienstag über den Akkordlohntarif haben bald wieder abgebrochen werden müssen. Die Meister glaubten kaum mehr zugestehen zu können, als in dem von ihrer Seite ausgearbeiteten Tarif, welcher indeß keineswegs die Auf- Hebung des Logis beim Meister und den für die Gehilfen damit verbniidenen Mehraufwand von 2,50 M. wöchentlich für ein Logis genügend in Berücksichtigung gezogen hatte. Was die Meister schließlich mehr bewilligen wollten, war so minimal, daß die An- »ahme den Gehilfen zur Unmöglichkeit wurde. Ueber den Töpferstreik in Breslau ist mitzutheilen: Im Streik befinden sich noch, nachdem 20 abgereist sind, 194 Töpfer und Ofensetzer. Etwa 70 Gehilfen arbeiten zu den geforderten Be- dingnngen. Eine Anzahl von Gesellen hat noch angefangene Arbeiten zn beenden und wird erst dann in den Streik mit eintreten können. Sjflstkbrecher sind nicht vorhanden. I» Leipzig beschäftigte sich am Donnerstag Abend eine von twa 600 Personen besuchte allgemeine Buchdrucker- Versammlung mit dem bekannten Beschlüsse des Gewersschafls- kartells. Nach der Diskussion über das mit stürmischen, Beifall aufgenommcne Referat des„Correspondent"- Redakteurs Rex- Häuser wurde einstimmig folgender Beschluß gefaßt:„Die Ver- sammlung hat von den, Bericht ihrer in der allgemeinen Versamm- lung vom 26. März gewählten Delegirten und dem dieselbe» ab- lehnenden Beschluß des Gewerkschaftskartells Kenntniß genommen. Die Versammlung verurtheilt aus das entschiedenste den unserer Gewerkschaft gegenüber dokumentirten Standpunkt des Kartells und legt gegen diese Vergewaltigung hiermit Protest ein. Die Bersaminlung kann diese» Beschluß innerlich weder von de» Gesichtspunkten der modernen Arbeiterbewegung noch von den, der praktischen Thätigkeit anerkennen, sondern steht sich durch die thatsächlichei, Borgänge veranlaßt, diesen Beschluß lediglich nach seiner Phraseologie zu würdigen. In der Erwägung, daß die Ver- sammlung die Mandate ihrer Delegirten als rechtsgiltig„nd legal ausgestellt und auch für die Zukunft als zu Recht be- stehend erachtet, erklärt dieselbe, daß sie jede iveitcre Zahlung von Beiträgen an das Gewerkschafts- Kartell wie an die in demselben vertretenen Gewerkschasten bei eventtiellen Lohnkämpfen so lange versagt, bis nutzt vom Kartell die mff der statutanscheii Grundlage desselben einzig rechtmäßig gewählten Delegirten als Vertreter der Leipziger Buchdruckergehilfen anwkamit werden. Im weiteren erllärt die Versammlung, bis aus weiteres nur ans Gewerkschaftslisteu—»»bekümmert, welcher Natur die- selben sein mögen— zu zeichne», welche de» Stempel der Leitung der organisirten Buchdrucker Leipzigs tragen. Obgleich dieselben durch den angezogenen Beschluß des Kartells vor der ganzen deutschen Arbeiterschaft als Verräther an den Prinzipien derselben zn denunziren versucht werden, erklärt die Versammlung,»ach wie vor mit aller Entschiedenheil den fortgeschrittensten gewerkschaftlichen Stand- punkt zn wahre», und wird die Leipziger Buchdrucker-Gehilfenschast genau wie bisher im Sinne des Klaffenwteresses und ans der Grundlage der Solidarität der Arbeiterschafl Deutschlands für die allgemeinen und großen Prinzipien des arbeitenden Volkes auch in der Zukunft eintreten und den ihr angewiesenen Platz innerhalb der modernen Arbeiterbewegung gewissenhaft auszufüllen bestrebt sein." In» weiteren Verlaufe der Versammlung wurde der bisherige freiwillig« Hilfsfonds aufgelöst und der Restbetrag desselben zirla 330 M.— de» streikende» Diamantarbeiter» von überwiesen. I» München haben bis jetzt 75 Meister die Forderun Schuhmacher bewilligt. Nicht bewilligt haben u. a. die l i e f e r a n t e n(!) Dirrigl, Kurringer und Eduard Maier." Die Zahl der streikenden Schuhmacher hat sich infolge der Bewilligungen auf 75 vermindert. Ausland. Jittqmgc Iben— Hanau »Hv s, Aus Amsterdam berichtet die„Frkf. Ztg." zur Aussperrung der D i a m a n t a r b e i t e r: Zwischen de» verbündeten Jilwelierei, und den verbündeten Fachvereinen der Diamantarbeiter ist endlich eglückt: die Arbeiter heben die Sperre bei der ein Konipromiß ae......... Firma Visier aus, darauf heben die Juweliere die von ihnen ver» hängte Aussperrung auf, und nach kurzer Zeit erfüllt Visier die Lohn- forderungen der Arbeiter. AuS Paris wird uns geschrieben: Im Kohlenrevier de? Gard-Departeme�nts haben die Grubenprotzen wieder einmal unier den Arbeitern eme heftige G ä h r n n g hervorgerufen. Vor zwei Wochen wurden 250 Arbeiter entlasse» und die Entlassung von weitere» 250 Arbeiter» in Aussicht gestellt. Der scheinbare Grund davon ist eine Absatzkrise, in Wirklichkeit bezwecken die AuS- beuter. die Organisationsbestrebungen der Arbeiter im Keime zu ersticken. Denn die Arbeiter haben, ein herrliches Beispiel der Solidarität gebend, der Gesellschaft angeboten, für die Dauer der Krise die Arbeitslosigkeit vom sänimtlichen Personal schichtenweise tragen z» lassen. Die Berechtigung dieser Forderung wnrde sogar vom Kohlenwerks- Direktor anerkannt. Dieser wurde aber dafür vom Verwaltungs« lh der Gefellschaft— gemaßregelt. Dlis war das Signal zum elementaren Ausbruch eines Streiks, für den sich sofort gegen ZOOV Arbeiter erklärt haben. Es ist ein S o l i d a r i t ä t s» Streik. Die Ausständigen fordern die Wiederanstellung der Ent- lasfencn, zu deren gunsten sie auf einen Theil des kümmerlichen Verdienstes verzichten wolle».— Die Regierung, die es in der Hand Kalte, den Konflikt durch einen leisen Druck aus die konzessionirte Gesellschaft zu verhüten, hatte die Anshungerer gewähren lassen. Nun beeilte sie sich, ihnen eine ungeheure Militärmacht zur Ver» sügung zu stellen: Gendarmen, Infanterie. Kavallerie, es fehlt nur die Artillerie. Die aufgeregten Kohlengräber werden einer über- menschlichen Selbstbeherrschung bedürfen, um die Provokation der Regierung zu schänden zu machen. Tom Man», der Sekretär des englischen Hafenarbeiter- Ver- bandes, wird demnächst in Paris und den französischen Hafen» Plätzen über den Hamburger Hafenarbeiter-Streik und über die eng- tischen Arbeiterorganisationen sprechen. In den Hasenplätzen wird er versuchen, die Hafenarbeiter zu organisiren. Mnkevnrhmer�Verbiinvv. Dem Grundsatz der Führer der Organisation der Metall- industriellen Deutschlands, möglich st viel Oel ins Feuer des Klassenkampfes zu gießen, wird von den Gesinnungs» verwandten an der Pleiße mit sklavischer Geschäftigkeit Folge ge- leistet. Der Verband der Metallindustriellen Leipzigs hat folgende Bekanntmachung erlassen: 1. Der Verband erachtet die sämmtlichen Arbeitgeber für ver- pflichtet, mit aller Entschiedenheit und Strenge gegen diejenigen Arbeiter einzuschreiten, welche sich an der Arbeitseinstellung am 1. Mai». c. betheiligen sollten. 2. Jedem Arbeitgeber liegt die Pflicht ob. etwaige Gesuche von Arbeitern um Beurlaubung für den 1. Mai abschlägig zu bescheiden. 3. Fehlen am I.Mai nur einzelne Arbeiter— ohne nachweislich gerechtfertigten Grund— so sollen diese sofort entlassen werden. 4. Wenn i» einem Betriebe zwei Drittel der Arbeiter feiern, so liegt es dem Arbeitgeber ob, nach eigenem pflichtmäßigen Ermesse» selbst bis zum vollständigen Schließen seines Betriebes zu schreite». fj. Wegen Arbeitsverweigerung am l. Mai entlassene Arbeiter dürfen nur mit reduzirtem Lohn und nur von ihrem alten Arbeit- geber wieder eingestellt werde». 6. Arbeiter, welche anläßlich des l. Mai entlassen werden, dürfen während der folgenden sechs Wochen in keinem anderen Betriebe des Bezirkes Aufnahme finde». Diese Bekanntmachung ist die größte Satire auf das „ H a n s r e ch t" der Unternehmer, das wahren zu wollen gerade die Organisationen der Metallinduftriellen ihren Mitgliedern verspreche». Soziales. I« Hamburg hat sich die L i g a z U r E i n f Ü h r U n g des A ch t n h r- L a d e n s ch l n s s e s aufgelöst, weil es ihr nicht gelungen ist, die bürgerlichen Kreise für ihre Bestrebungen auch nur soweit zu intercssiren, daß sie hoffen könnte, den Achtuhr-Ladenschluß in absehbarer Zeit zu verwirklichen. Wenn etwas geeignet ist, die Ansiäzt unserer Partei zu erhärten, daß die bürgerliche Gesellschaft keine Berbessernng des Arbeiterlooses freiwillig zugesteht, sondern daß sie dazu gezwungen werden muß, wozu einerseits die Organisation der Arbeiter, andererseits die Gesetzgebung gehört, so sind es die be- trübenden Erfahrungen, die die Ligucn für den Achtuhr-Ladenschluß mit dem„Gemeinstnn" des Bnrgerthums machen. Das bayerische Kriegsministerium hat angeordnet, daß Arbeitern und Arbeiterinnen der Militärverwaltung, welche kein fortlaufendes Einkommen beziehen, an„Königstagen" der volle Tageslohn— sowohl an Wochentagen als auch an Sonn- und Feiertagen— gewährt werde. Anlästlich der Zeutenarfeier hatte das Stadtverordneten- Kollegium in W a l d h e i m i. S. beschlossen, würdigen Feldzugs- theilnehmern, deren Jahresverdienst 1200 Mk. nicht übersteigt, einen Stcuer-Erlaß zu gewähren. Unser Burgstädter Parteiorgan, die „Volksstimine", wandte sich gegen diesen Beschluß, worauf im Amts- blättchen von Waldheim ein längerer, vermuthlich von„maßgebender" Seite geschriebener Artikel erschien, worin n. a. ausdrücklich ver- sichert wurde, daß bei Beurtheilnng der Frage nach der Würdigkeit derjenigen, die den Steuer-Erlaß wünschen, die politische Ge- sinnung ohne jeden Einsluß sein sollte. Diese Ver- sicherung des Amtsblattschreibers stimmt aber nicht mit der Wirklich- keit übe'rem. Man lhcilt uns darüber mit: Ein Fabrikant sollte einem bei ihm beschäftigten Veteran, der die Vergünstigung des Steuer-Erlaffes gewährt haben wollte, ein Leumundszeugniß ans- stellen. Zur Antwort erhielt der Veteran: Wenn Sie im Holz- arbeiterverband sind, kann ich Sie zu der Vergünstigung nicht ein- psehlen. Unser Burgstädtel Bruderorgan hatte überhaupt die rechtliche Zulässigkeit eines solchen Steuer-Erlasses bezweifelt. Dieser Einwand ist nicht unbegründet, denn die sächsische Städle-Ordnnng schreibt vor, daß derartige Vergünstigungen nur durch Gesetz oder Staats- vertrag zulässig sind. Bliebe also, nin den Srnier-Erlnß mit den Gesetzen in Einklang zu bringen, nur übrig, ihn als Armennnter- stützung aufzufassen. Der ülmtsblattschreiber giebt denn auch zn, daß der Stener-Erlaß nur den Veteranen gewährt werden soll, die dieser„Woblthat" bedürftig sind. Mit der Armenunterstntziing ist aber der Verlust des Wahlrechts verbunden, und daß bei deni erbitterten Klassenkampfe, der in Sachsen tobt, schließlich ein Veteran, der einen solchen in Rede stehenden Steuer-Erlaß bewilligt bekommen hat, gegebenenfalls des Wahlrechts verlustig erklärt werden tann, ist wenigstens nicht ohne weiteres ansgeschlossen. Gerickzks-Settung» Das Urtheil gegen Koschemann und Genosse» konnte, da es erst in später Nachtstunde eintraf, in einem kleinen Theil der Ans- läge unseres Blattes keine Aufnahme mehr finden. Wir wieder- bolen daher die Mittheilungen über den Ausgang des furchtbaren Gerichtsdramas an dieser Stelle. Um ö'/e Ubr ziehen sich die Geschworen enzur Berathnng zurück, die 11 Uhr 20 Min. beendet ist. Durch den Spruch der Ge- s ch w o r e n e n wird Koschemann der Beihilfe zum versuchten Morde und der Beihilfe zum Ver» brechen gegen das Sreng st off-Gesetz für schuldig. der Angeklagte W e st p h a l des wissentlichen Beistandes nach der That für schuldig, Frau W e st p h a l und Weber in allen Pnnkten für n i ch t s ch u l d i g, Frau Gürtler ebenfalls in allen Punkten für n i ch t s ch u l d i g erklärt.— Staatsanwalt K a n z o w beantragt gegen Koschemann mit Rücksicht daraus, daß er einerseits noch jung und ein verrannter Fanatiker ist, anderseits aber ein schweres Verbrechen vorliegt und es durchaus nothwendig ist, vor ähnlichen Verbrechen abzuschrecken, unter Einrechnnng der 9 monatigen Gefängnißstrafe eine Gesammtstrase von lvJahren I Monat Zucht- Haus. 10 Jahren Ehrverlust unter Polizeianssicht. Gegen Westphal lautet der Antrag aus 1 Jahr Gefängniß. R.-A. Dr. Bieber deantragt, daß der Gerichtshof, weil sich die Geschworenen offenbar in ihrem Spruche zu imgnnsten des Angeklagten Westphal geirrt habe», auf grund des Z 373 der Strafprozeß-Ordnung den Spruch aufhebe. Nach Löwe könne dieser Paragraph schon platzgreifen, wenn nach Anficht des Gerichtshofes nur ein von liguot vor- liegt.— Koschemann und W e st p h a l erklären, daß sie völlig unschuldig seien und die Strafe nicht annehmen. — Der Gerichtshof wies nach längerer Berathnng den Antrag des Rechtsanwalts Bieber, die Sache des Angeklagten Westphal an ein neues Schwurgericht zu verweisen, zurück, da es keinem der Prozeßbetheiligten zusteht, einen Antrag auf grund des§ 317 zu stellen. Der Gerichtshof ist. wie der Vorsitzende ans- führt, der Meiniing, daß Koschemann schwer zu bestrafen sei, weil die menschliche Gesellschaft vor so schweren Thaten zu schützen sei. Der ' Verantwortlicher Redakteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Ins Gerichtshof verurlheilte Koschemann zu 10 Jahren 1 Mo- n a t Zuchthaus unter Anrechnung von 3 Monaten Zuchthaus auf die Uiilersnchungshaft, ferner zu 10 Jahren Ehrverlust, West- phahl zu einem Jahre Gefängniß unter Anrechnung von vier Monaten Untersuchungshaft. Frau Westphal, Weber und Frau Gürtler werden freigesprochen.— Schluß 12'/� Uhr nachts. Eine energische Zurechtweisung wurde dem Hundefänger Brauer gestern von dem Vorsitzenden der VIII. Straslammer des Landgerichts I zu theil. Brauer, der in den Diensten des Thier- schutzvereins steht, sollt« sich selbst bei Ausübung seines Berufs einer Thierquälerei schuldig gemacht haben. Das Schöffengericht hatte ihn zu 6 M. Geldstrafe verurtheilt, der Angeklagte aber hiergegen Berufung eingelegt. Im gestrigen Termine wurde wiederum fest- gestellt, daß der Augellagte am 15. Januar in der Wrangelstraße ein Hündchen aufgegriffen hatte. Er packte es im Genick und drückte es beim Jndiehöheheben so arg, daß es die Zunge weit hervorstreckle. Die Herrin des Thieres erhob Einspruch gegen diese Behandlungsweise. Nachdem der Angeklagte sich überzeugt halte, daß Maulkorb und Marke in Ordnung waren, setzte er das Thier nicht nieder, sondern ließ es so stark zur Erde fallen, daß es eine erhebliche Erschütterung erlitt. Tann entfernte sich der Angeklagte, indem er der Besitzerin des Hundes noch eine unanständige Handbeivegiing machte. Der Vorsitzende sprach sein lebhaftes Bedauern darüber aus, daß nicht auch seitens der Staatsanivaltschast Berufung ein- gelegt worden sei, das erste Urtheil sei viel zu gelinde. So müsse es leider bei dem früheren Errenntniß sein Bewenden haben. Gegen den Bankier Sternberg schwebten vor mehreren Jahren zwei Untersuchnngen, deren eine, die nicht geschäftlicher Art war, bereits vor zwei Jahren durch Freisprechung ihre Erledigung fand. Bezüglich der anderen Untersuchung wird die Verhandlung im Oktober d. I. stattfinden. Der lange Verzug wurde durch statt- gehabte sehr umfangreiche Recherchen in den gesammteii Büchern einer größeren Zahl von Aktieiigesellschasten verursacht. Nachdem diese be- endet sind, erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Vergehens gegen das Aktiengesetz. Dieses soll bestehen in angeblicher Beeinträchtiguiig der vom Beschuldigien damals geleiteten„Vereinsbank" anläßlich einer im Jahre I8öS stattgehabten Kapitalreduktion und in geschäft- lichen Handlungen, die nach Annahme der Staatsanwaltschaft den Jntcresien der Deutschen Bangesellschaft nicht enlsprocheii haben sollen, deren Verwaltungsvoisitz der Beschuldigte gleichfalls lange Jahre geführt hat. Bezüglich letzterer wird der Vorwurf erhoben, daß flüssige Mittel der Gesellschaft nicht zur Tilgung von ans den Grundstücken derselben befindlichen ersten Hypolhekcn verwendet, sondern als Baardcpositum bei der Weimarischen Bank zn etwas geringerem Zinsfuße angelegt wurden, ferner, daß diese einige Zeit daraus in eine Kreditbank umgewandelte Gesellschaft, die als- dann den Namen„Deutsche Kredit- und Baubank" führte, auf Ver- anlassimg und unter Bürgschaft des Beschuldigten verschiedenen Ge- sellschaften Kredite gewährt hatte, die, wenn sie auch nicht Verluste für die Deutsche Ballgesellschaft herbeigeführt, dennoch nach der Meinung der Anklage eine„Gefährdung" derselben gebildet haben. Da von der Vertheidignng bestritten wird, daß die in Rede stehenden Handlungen für die betr. Gesellschaften von Rachtheil gewesen seien und in sehr umfangreichem Schriftsatz der Beweis dafür angetreten wurde, daß die Transakiionen des Beschuldigten den Gesellschaften zum Vor- lheile gereicht hätten, so wird sowohl eine beträchtliche Anzahl Sach- verständiger zu vernehmen, wie auch ein sehr umfangreiches buch- halterisches Material in der Hanptverhandlrnig zu erörtern sein »nd diese eine größere Zahl von Sitznngslngen in Anspruch nehmen. Die feindlichen Börsetchaudböcher. Hie Neumann, hie Saling! hieß die Parole eines für Finanzkreise interessanten Streits, der gestern mit großer Heftigkeil vor der 147. Abtheilung des hiesigen Schöffengerichls ausgefochten wurde. Es handelte sich um einen Wettkampf zwischen den beiden bekaniiteil Börsen- Jahrbüchern, dem von Neumann herausgegebenen„Jahrbuch der Berliner Börse" und dein Saling'schen Börsenhandbuch. Der Redakteur des„Deutschen Oekonviiiist", W. Christians Halle in einer Besprechung des Ergänzniigsheftes zn Saling ans die Nützlichkeit dieses hingewiesen und dabei gerügt, daß der Herausgeber des anderen Jahrbuches, Neu mann,„die Stirne gehabt habe", diese Nachträge als störend und iiiiliedsain zn bezeichnen. Hierauf Kalte der letzlere durch R.-A. Dr. Lnbszynski die Privatklage gegen Christians erheben lassen. Wie aus der Verhaiidlung hervorging, halte das Amts- gericht den Antrag ans Erhebung der Privatklage abgelehnt, weil in dem Ausdruck„die Stirn hoben" keine Beleidigung zu erblicken sei und dem Beklagten außerdem der Schutz des§ 193 zur Seite siebe. Auf die hiergegen eingelegte Beschwerde verfügte das Landgericht die Eröffnung des Hauplverfahrens. In demselben suchte Rechtsanwalt Dr. H o f f m a n n die Auffassung des Amtsgerichts aufrecht zu erhalten und dazulhun, daß die von dem Kläger an dem„Saling" geübte Kritik eine nnberechtigte gewesen sei, da dieses Buch den„Neumann" an Werth überireffe. Rechtsanivalt Lnbszynski dagegen berief sich auf das Zengniß der Direktoren der„Deutschen Bank", sowie des Re- daktenrs des„Reichsanzeigers" Diemenroth darüber.daß der„Neumann" wegen seiner Uebersichtlichkeit und wegen Vermeidung derNachlräge in ersten Finanzkreisen weit höher geschätzt werde, als der„Saling". In dem Ausdruck„die Stirn haben", eine gelinde Umschreibung für „die Dreistigkeit" haben, sei zweifellos eine Herabsetzung der Werth- schätzung einer Periönlichkeit zu erblicken. Nach längerer Berathnng verkündete der Vorsitzende, daß das Gericht an seiner früheren itlns- sassniig, wonach der Ausdruck„die Stirn haben" keine Beleidigung enthalte, festhalte und aus diesem Grunde auf Freisprechung er- kanut habe. Sonntagsruhe n»d dentsche Juristerei In unserem Vororte Schmöckwitz ist die Zeit des Sonntagvormittags-Gottesdicnstes„für gewöhnlich" ans 10 bis 12 Uhr behördlich festgesetzt, während l h a t s ä ch l i ch der Gottesdienst neuerdings von 9 bis 10 Uhr früh stattfindet. Zu den Gemeiiide-Aeltesten, die in Gemeinschaft mit dein Herrn Pfarrer den Gottesdienst in die genannte Morgen- stunde verlegten, gehört auch der den Berlinern wohl- bekannte Gastwirth Karras. Der Mann, ein gewöhn- sicher Sterblicher mit gesniidem Menschenverstand, nahm nun an, daß er als Gastwirth in seinem Gewerbebetriebe nur die Zeit des wirklichen Gottesdienstes zn berücksichtigen und nur während ihres Verlaufs in seinem Lokal„ruhestörcnden Lärm" zu verhindern habe. So kam es, daß eines Sonntags Vormiitag zwischen 10 und 12 Uhr in seinen! Garten mnsizirt und auch Kegel geschoben wurde. Schleunigst war der Amtsvorsteher mit einem Strafmandat bei der Hand, indem er sich auf die Regierungs-Polizeiverordnung für den Regierungsbezirk Potsdam v. 26. Mai 1838 berief, tz 6 derselben gebietet u. a., daß aller den Gottesdienst störende Gewerbebetrieb in der sonntäg- lichen Kirchzeit ruhe und speziell darf in Schankstätten aller Art dann nicht Kcgel geschoben und nicht konzertirt werden. Der ß 7 bestimmt dann weiter, daß die ortspolizeiliche Obrigkeit die Stunden öffentlich bekannt zn machen habe, die als Anfang und Ende der Kirchzeit gellen. Dieser§ 7 hatte es dem Ortsvorstcher angethan und mit ihm auch den Gerichten, bis zum K a in m e r g e r i ch t hinauf. Gestern erklärte der Strafsenat des Revisionsgerichts den Knrras ebenfalls für schuldig, und das, obwohl ma» es ihm glaubte, daß er während der wirkliche» Kirchzeit die gesetzlichen Vorschriften respektirt hatte. Das Kammergerichl»ahm in Uebereinstimmung mit den Vorinstanze» a», daß der Betrieb des Gastwirthsgewerbes»ach den Zs 6 und 7 der fragliche» Regiernngs- Verordnung während der Zeit jene» Befchränknngeii unterliege, die von der Ortspolizeibehörde als Kirchzeit öffentlich bekannt gegeben werde. Das sei aber in Schmöckwitz die Zeit von 10 bis 12 Uhr gewesen. Daß der Gottesdienst thatsächlich nicht mit ihr zusammen- fiel, ändere a» der Schuld des Angeklagten nichts. Auch sei» guter Glaube, er habe die von ihm selbst mit bestimmte Kirchzeit von 9 bis 10 Uhr früh nur beachten brauchen, sei für das Urtheil un- erheblich. Unter der schweren Anklage deö versuchten Mordes und des Diebstahls wurde gestern die im Juni 1880 geborene Dicnstmagd Gertrud V i e b i g der neunten Strafkaminer des Landgerichts I aus raten theil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Drück und Verlag von 9 der Untersuchungshaft vorgeführt. Ta die Angeklagte noch nicht 18 Jahre alt ist, gelangte die Sache vor der Straslammer und nicht vor dem Schwurgericht zur Verhandlung. Die An- geklagte stand im Dienst beim Schlächtermeister Fey, Frank- furler Allee 110, woselbst gleichzeitig die Verkäuferin Anna Borchardt in Stellung war. Die Letztere entdeckte am 15. März d. I., daß die Angeklagte ihr verschiedene Wäschestücke gestohlen hatte. Sie ging zur Polizei, um es anzuzeigen. Als sie zurückgekehrt war, nahm sie in der neben dem Laden gelegenen Küche den Jiachmittagskaffee ein. Hierbei wurde sie«hurch Klingeln der Ladenlhür gestört. Als die Borchardt den Kunden ar- gefertigt hatte und die Kaffeetaffe leeren wollte. fiel ihr auf. daß der Inhalt einen eigenlhnmlich säuerlichen kratzenden Geschmack angenommen hatte. In der Küche wurde auf- gelöste Zuckersänre als Putzmittel benutzt, die Borchardt, die nur einen kleinen Schluck von dem Kaffeeresl zu sich genommen, dachte sofort daran, daß ma» ihr etwas von dem Gist in de» Kaffee ge- lhan und als sie sah, daß die Flasche mit der Lösung nicht mehr auf dem erhöhten, schwer zugängliche» Regal, sondern auf dem Knchentisch stand, sagte sie der Angeklagten, welche sich während der kurzen Abwesenheit der Borchardt allein in der Küche befunden hatte, die That auf den Kopf zu. Bei der polizeilichen Vernehnning räumte die Angeklagte auch ein, etwas von dem Inhalte der Flasche dem Kaffeerest zugefügt zu haben, sie wollte die Borchardt un- schädlich machen, damit dieselbe nicht als Zeugin gegen sie auftreten könne. Im gestrigen Termine behanplete die An- geklagte, die einen etwas beschränkten Eindruck machte. daß sie der Borchardt nur einen Possen habe spielen wolle», sie habe nur 3 Tropfen zugesetzt. Da ein Gerichtschemiker bisher nicht in Anspruch genommen worden ist und der Vcrtheidiger, R.-A. von Gordon noch eine ganze Anzahl Beweisanträge stellte, so beschloß der Gerichtshof, den Termin zu vertagen, um zur nächsten Haupt- Verhandlung eine umsaiigreiche Beweisaufnahme herbeizuführen. Das Reichsgericht gegen die sozialdemokratische Presse. Das Landgericht Kassel hat am 25. Jannar den Redakteur Kon- rad Hundt von der Anklage der Beleidigung durch die Presse freigesprochen. Es handelte sich um zwei Artikel des von dem An- geklagten redigirlen Blattes, von denen der erste gegen einen Gendai men, der ziveite gegen einen Forstaufseher gerichtet war. Die gegen den Gendarinrn erhobene Beschuldigung, er habe zwei Ausländer, die er beim iiiierlaublen Fischen betroffen, sistirt und bei Leistung ro» Widerstand gefesselt, erwies sich als wahr. Darauf, daß die Fesseliing nur sehr harmloser Natur gewesen sein soll, glaubte das Gericht besonderes Gewicht nicht lege» zu sollen. Ja dem zweite» Artikel, der auf Vorkommnisse in der Domäne Frankenhansen bezug nahm, wurde gesagt, der betreffende Forstaufseher habe kleinen Kinder» die von ihnen gesammelten Beeren öfters weggenommen und zertrete»; auch wanderten die Beeren häufig in seine Küche. Der Angeklagte hatte diesen Artikel ans besonderen Wunsch von Jntereffenten in Frankenhause» ver» öffciitlicht, deren Jiitereffeii durch allzu rigoroses Vorgehen des Forstbeamten geschädigt wurden. Das Landgericht hat angenommen. daß der Angeklagte in diesem Falle berechtigte fremde Jnter- essen kraft Auftrages wahrgenommen habe und daß ihm deshalb. da weder ans Form noch Umständen die Absicht der Beleidigung sich ergebe, der Schutz des Z 193 des Strafgesetzbuches zu gute komme. Wenngleich es noch andere Mittel gab, die Jntereffen der Auftraggeber wahrzimehmen, so hat das Gericht dem Angeklagun doch geglaubt, daß er flch für verpflichtet hielt, das Mittel der Publikation anzuwenden und es für zweckmäßig hielt.— Die vom Staatsanwalt eingelegte Revision richtete sich Haupt- sächlich gegen die Freisprechung in dem zweiten Falle. Der Reichsanwalt erklärte die Revision in der Verhandlung vor dem Reichsgerichte für begründet. Rechtsirrthümlich sei es, dem Angeklagten de» Schutz des§ 193 deswegen zlizu- erkennen, weil der Angeklagte sich für berechtigt gehalten hat, durch die Veröffentlichung, wie sie geschehen, die Interessen der betreffenden Personen wahrzunehm«». Ein Auftrag, unwahre Thalsachen (daß die Beeren in die Küche des Forstbeamten wanderten, ist nicht festzustellen gewesen) zu veröffentlichen, ist dem Angellagten nickt ertheilt worden.— Das Reichsgericht erachtete das Urtheil gleich- falls nicht für ausreichend begründet, hob es aus und verwies die Sache an das Landgericht Marburg. Tie Charlottenburger Parteigenoffen nahmen in einer öffenllichen Versammliing, die am Düiistag, den 13. d. M. stattfand, nach einem recht beifällig ausgenoinmenen Referat des Genossen C a l>v e r über die Gleichberechlignng der Arbeiter ihre Stellungzur dies- jährigen Maifeier. Von den Genossen K u b e. Görke, F l e m in i n g. »nd Meißner wurde empsohlen, da. wo es die Berhältniffe er- lanben, den 1. Mai durch strikte Arbeitsruhe zu feiern, und die von feiten der hiesigen Gewerkschastskommission einzuberufende Vormittagsversainmlung im Lokal„Bisinaicks- höhe" zu besuchen, in welcher die Theilnehmer Marken als Ausweis vollständiger Arbeitsruhe empfangen. Aber in anbetracht der ivirthschafilichen Verhältnisse und des»och nicht völlig erwachten Klassenbewußtseins der Arbeiter müsse man die Hauptseier aus den Abend verlegen. Laut Beschluß der Versammlung soll die Abend» fcstlichkeit, zu deren Arraugirung ein Komitee von 16 Personen ge- wählt wurde, in den Lokalen„Bisuiarckshöhe" und möglichenfalls auch in der„Gambrinus-Brauerei" abgehalten werden. Depefthen und letzke Mnchvirhten. Schleswig, 17, April.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Aus der Schlei ist ein Ruderboot gekenlert. Von den siins Insasse» sind vier gerettet, dagegen der Bahnhofshotel-Besitzer Valeulin ertrunken. Hamburg, l 7. April.(W.T.B.) Das Schadenfeuer in Harburg war gegen Mittag gelöscht. Niedergebrannt stnb die Harburger Oelfabriken Briuckmann u. Co., das Oellager von Friedrich Thörl u. Co. und das auf der anderen Seile des Kanals liegende Lager der Speditionsfirma Heinson u. Branimer, während das Holzlager der Firma Max Brinckmann unversehrt geblieben ist. 300 Pioniere waren aus der Brandstätte thätig. Menschen ivmrden nicht verletzt. Der Schaden wird auf mehrere Millionen Mark geschätzt. Harburg a. d. Elbe, 17. April.(W. T. B.) Seit gester» Abend 11 Uhr steht die Oelsabrik von Max Brinckmann in Flamnie», Zwei Ablheilinigen Pioniere konnte» durch Ziehen von Gräben das Feuer auf die Fabrik und die Oellager beschränken und die großen in der Nähe befindlichen Holzlager schütze». Harburg, 17. April.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Malergehilse» sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Dieselbe» fordern 5 Pf. Lohnerhöhung per Stunde, nämlich 50 Ps. anstatt 45 Pf. Ein Theil der Arbeitgeber hat die Forderung bereits be» willigt.— Der Feuerschaden an der in Flammen aufgegangenen Brinckmann'schen Leinöl- Fabrik beträgt fast 3 Millionen Mark. Lemberg, 17. April.(B. H.) Bei einer Kollision zweier Eiseubahiizüge aus der Hanpllinie der Terespoler Eisenbahn wurden fünf Beamte und süns Passagiere schwer, vier andere leicht verletzt. Außerdem wurde großer Materialschaden angerichtet. PariS, 17. April.(B. H.) Dem„Petit Jonriial" zufolge ist in der Nähe von Chaniberq ein Deutscher, namens Franz Wächter, unter dem Verdacht der Spionage verhaftet worden. Rom, 17. April.(W. T. B.) Die„Agenzia Stefani" nieldet, die Regierung habe beschlossen, dem Admiral Canevaro 2 Bataillone und eine Gebirgsbatlerie zur Verfügung zu stellen, um aus Kreta die italienischen Marinesoldaten zu ersetzen, welche als Garniso» für die Küstenslädle beftimint waren. Budapest, 17. April.(W. T. B.) Der ehemalige Reichstags» Abgeordneie Ernst Latinovics hat sich in Monte Carlo erschossen. Athen, 17. April.(W. T. B.)(Meldniig der„Agence Havas".) Dem Vernehmen nach ist das Gefecht bei Nezero, welches mittag» abgebrochen war, wieder ansgenonime» worden. llax Bading in Berlin. Hierzu 3 Beilagen u. llntcrhaltnngSblatk-' lt. 91. 14. Lit« i. Irilip Ks„lormärts" Kerl« lullislilatt. M>0AVN Veihilfo zu einem Veefuch. Nach siebentägigen Verhandlungen ist von den bürgerlichen Ge- schworenen des Schwurgerichts in Moabit ein Mann wegen Bei- Hilfe zu einem �Mordversuch und wegen Beihilfe zum�Ver- brechen gegen dasSprengstoff-Gesetz verurtheilt worden, weil er eine entfernte Aehnlichkeit mit derjenigen Persönlich« k e i t hat, von der der Mordversuch wahrscheinlich ins Werk gesetzt wurde, und die gelehrten Richter des Gerichtshofs haben diesem salomonischen Urtheil die Würz« gegeben, indem sie die Strafe für die solchermaßen festgestellte„Beihilfe zu einem Versuch auf 10 Jahr und 1 Monat Zuchthaus ansetzten. Zehn Jahr Zuchthaus wegen Beihilfe zu einem Versuche auf grund angeblicher Aehnlichkeit mit einem unbekannten Thäter! Es ist wirklich wahr. Das Urtheil wurde in Verlin gefällt im Jahre des Heils 1397. Es wird sich eingraben iuS Gedächtniß der Menschen als ein Monument von der Rechtsprechung unserer Zeit, ein Monument dauernder als Erz, das man noch anstaunen wird, wenn die heutige Recht- sprechung ebenso dem Inventar der Geschichte angehören wird, wie frühere Perioden akuter politischer Jurisdiktion. Den» politische Beziehungen verleihen dem Prozeß Koschemann seinen Charakter; sie erklären die Höhe der Strafe, sie erklären erst die Berurtheilung überhaupt, zu der es unseres Erachtens nie und nimnier hätte kommen können, wenn zur Vervollständigung der zusauimengetragene» Indizienbeweise nicht die politische Meinung des Angeklagten bei Km Geschworenen schwer ins Gewicht gefallen wäre. Die wesentlichste Bedeutung des Prozesses liegt also darin, daß er ein Symptom ist sür die politische Meinung des gebildeten Bürgerthnms. Die Zergliederung des Prozesses im einzelnen würde über den Rahmen unserer heutigen Betrachtung weit hinauswachsen. Wir müssen uns darauf beschränken, zur Würdigizug des eigenartigen Charakters dieses Prozesses aus einige markante Punkte hinzudeuten. Den Haupttheil der langwierigen Verhandlungen bildete das Verhör von Zeugen zur Jdentifizirung des Angeklagte» mit einer Persönlichkeit, die am 29. Juni 139S in Fürstenwalde die an den Polizci-Obersten Krause adressirte Kiste mit der sogenannten Höllen- niuschine aus die Post gegeben bade. Dieser Jdentinzirungsversuch ist nun vollständig mißglückt. Die Wahrscheinlichkeit der Identität haben nur solche Zeugen behauptet, die den Kistenträger stüchtig gesehen habe», wie ein Beamter, der die Billcts auf dem Eisenbahnperroa abzuknipsen hat. Um den Werth dieser Rekognitio» zu würdigen, muß man sich einmal vergegenwärtigen, wie viel Personen im Laufe eines Tages bei einem solchen Perronbeamten vorbeipassiren und wie flüchtig die Begegnung ist. Gegenüber der Sicherheit, mit der jener Perronbeamte nach zwei Jahren noch in Koschemann die fragliche Person zu erkennen glaubte, fällt es um so mehr ins Gewicht, daß«in Zeuge, der längere Zeit im Kupee der fraglichen Person gegenüber gesessen hat, über die Rekognitio» völlig unsicher und wie andere Zeugen der festen Ansicht war, es mit einem verkleideten Frauenzimmer zu thun zu haben und nur dann die Identität Koichemann's mit jener Person überhaupt für möglich hielt, ivenn Koschemann seiner- zeit absichtlich den Eindruck eines verkleidete» Frauenzimmers hätte hervorrufen wollen. Andere Zeugen bestritten die Jndentitäts- Möglichkeit unbedingt. Mit der Rekognitio» hat sich also nichts ausrichten lassen. Der beste Beweis dafür liegt darin, daß ja in dem Urtheil die Ge- schworenen gar nicht einmal daraus fußten, denn sonst hätte» sie den Koschemann als Thäter, nicht aber wegen angeblicher Bei- Hilfe verurtheilt. Unter de» sonstigen Indizienbeweisen ward auf den Ankauf einer Weckuhr in Wusterhausen und die Aussage eines Bibliotheks- dicners Brede nur von der Anklagebehörde Gewicht gelegt. Nachgewiesen wurde, daß einige Tage vor der Kistenabsendung in Wusterhausen eine Weckuhr in einen. Uhrmacherladen gekauft wurde, wieja nach den Grundsätzen derWahrscheinlichkeitsstatistik gleich- zeitig hunderte von Weckuhren in Berlin selbst oder dessen Nachbar- orten gekauft wurden. Daß Koschemann der Käufer gewesen, ist weiter nichts als Vermuthung. Doch halt, dem findigen Auge des Staatsanwalts ist doch ein besonderes Merkmal für den Ankauf der Uhr durch Koschemann aufgefallen. Der Käufer hat den Namen Kurte angegeben. Kurte beginnt mit K wie Koscbemann. Der Nutzwerth dieses Judiciums erhellt aus folgender Berechnung: Das Alphabet hat 25 Buchstaben, Berlin mit Vororten etwa 509 009 erwachsene männliche Einwohner. Auf etwa 29 999 derselben rnht also der nämliche Verdacht wegen des ominösen Initials K, wie auf Koschemann. Jndeß, wo die Gründe so dürstig sind, Hilst jeder Tropfen, denkt die Staatsanwalt- schuft, und er hat ja auch geHolsen. Bei der Verwerthnng des Wuslerhäuser Uhrenankaufs durch die Anklagebehörde vermissen wir nun aber völlig den Nachrveis. daß die in der Atteutalskiste gefundene Uhr die nämliche ist, wie die i» Wusterhausen gekaufte, oder auch nur, daß der Uhren- Händler ei» mit der Kistenuhr identisches Fabrikat führt. Ist das Fabrikat das nämliche, so wäre damit für die Schuld Koschemann's noch immer blutwenig erwiese», ist es aber ein anderes, so fällt damit die ganze Wusterhäuser Uhrengeschichte iiberhaiwt ins Wasser. Weshalb haben denn die Herren Bertheidiger diesen Punkt gar nicht berührt? Was die Behauptung deS Bibliothekdieners Brede anbetrifft, daß Koschemann vor der That mit seinen Attentatsabsichten gegen den Obersten Krause renommirt habe, so steht diese Behauptung in klaffendem Widerspruch zu der Ansicht, die die Anklagebehörde über de» Charakter des Angeklagten Koschemann hegte. Sie stellt ihn dar als einen äußerst raffinirten, wohlüberlegt handelnde», vorsichtigen Mensche». Und der sollte seine Absicht, einen Mord- versuch auf einen höheren Polizeibeamten zu begehen, einem anderen Beamten, dessen politische und persönliche Gegnerschaft ihm nicht unbekannt war, mitgetheilt haben? Das ist so außerordentlich un- wahrscheinlich, daß zur Glaubhaftmachung der Brede'schen Denunziation etwas mehr gehört, als diese Denunziation des Brede selbst nach Ausschreibung der Belohnung aus Entdeckung des Verbrechers. Die früher erwiesene Kenntniß Brede's von dem Ver- halten der politischen Polizei gegenüber Koschemann deutet auf poli- zciliche Beziehungen Brede's hin. Weshalb sind die Herren Ver- lheidiger diesen Spuren nicht ernsthaft nachgegangen? Und dann: alle Indizien, wie die unrichtig« Adressirnng, die mangelhafte Ausführung der„Höllenmaschine", die nach Urtheil eines Sachverständigen einem Mechaniker nicht zuzutrauen war, wurden von der Anklagebehörde als rasfinirte Praktiken gedeutet, um den Verdacht anarchistischen Ursprungs abzulenken. Weshalb hat demgegenüber die Vertheidigung nicht geltend gemacht, daß mindestens ebenso viel dafür spricht, daß ein Attentäter aus Privat- räche bei der bekannten Neigung der Staatsbehörden, derartige Attentate auf ei» anarchistisches Komplott zurückzuführen, geflissent- lich versucht haben könnte, dem Attentat einen anarchistischen An- strich zu geben? Das eine wäre doch mindestens ebenso möglich wie das andere. Doch freilich, was braucht man sich über derartige Unter- lassungen zu wundern! Hat doch einer der Bertheidiger es für angezeigt gehalten, in seiner„Vertheidigungsrede" feierlich zu er- kläre», daß er das Kistenaltentat jedenfalls für ein anarchistisches Unternehmen halte. Wir vermögen nicht in der Seele dieser Zierde der Rechtsanwaltschast zu lesen. Wir vermuthen aber, seine Sltotive waren ähnlicher Natur, wie diejenige» des Vertheidigers der Mörder des Justizraths Levy, der es bejammerte, zur Vertheidigung jener Personen auserkoren zu sein, um jedwedem Verdacht zu entgehen, daß er mit den Mördern irgend welche Sympathien hege. Sie wollte seine fleckenlose bürgerliche Respektabilität bekunden. Was aber auch die Motive des Herrn Werthauer gewesen sein mögen, seine Erklärung mußte, wenn sie nicht direkt den Ausschlag gab zur Vernrtheilung, doch bei den Geschworenen die Neigung verstärken, einmal ein Exempel für Anarchisten zu statuireu. Das Urtheil läßt sich nur so verstehen, daß die Geschworenen sich sagten: Der Koschemann ist zwar nicht der That überführt, aber init einem anarchistischen Komplott haben wir es sicher zu thun— sagt es doch der Bertheidiger selbst. Die Möglichkeit besteht, daß auch Koschemann bei diesem Komplott betheiligt war. Sprechen wir ihn frei, so leidet das Ansehen der Staatsbehörde, die nach so manchen Mißerfolgen sich diesmal die erdenk- lichste Mühe gegeben hat, um das unwahrscheinliche wahrscheinlich zu machen. Verurtheilen wir also den Koschemann wegen Beihilfe. Das wird beitragen zur Verstärkung von Religion, Ordnung und Sitte, und verdient hat der Koschemann ein paar Jahre Zuchthans jedenfalls, schon wegen feiner ordnungswidrigen Gesinnungen. So bildet dieses Möglichkeits urtheil eh. Seitenstück zu dem Urtheil über die Chikagoer Anarchisten, das acht Jahre nachher Gouverneur Altgeld zu sühnen versucht hat In der politischen Strasrechtspflege Deutschlands bedeutet es einen neuen Schritt bergab. ITolrnles. Zur Lokallifte wird uns noch folgendes berichtet: In Reinickendorf ist nur der Saal in Böltcher's Seepark, Mnrkt- straße 1—2 zu Versammlungen zu haben. In Birkenwerder ist des- gleiche» nur der Saal des Herrn Burgemeister, Paradiesgarten, frei, in Oranienburg-Sandhausen das Lokal von Woyde, ferner steht uns in Hermsdorf das Lokal von Lauck zur Verfügung. Alle anderen Lokale sind nicht zu habe». Man ivolle diese Mittheilungen besonders genau beachten. In Grünau steht der Arbeiterschaft das Lokal von Wagner, Friedrichstr. I. zur Verfügung, in Friedrichsfelde sind die Lokale von Karl Schulz, Prinzen-Allee 6 und Bule zu haben. Die Parteigenossen deS 3. Wahlkreises werden hierdurch zu zahlreichem Erscheinen in der am S.Feiertag, abends 6 U h r, in den Arminhallen stattfindenden öffentlichen Ver- sammln» g eingeladen. Genosse Lehrer Heinrich Schulz wird über„Fritz Reuter" sprechen. An den Vortrag schließt sich«in Kränzchen an. Die Vertrauensperson. Eine Konfereuz der Arbeitgeber und Arbeitnehmer in AkkuniulatorcufabrikationS Betriebe» soll auf Veranlassung des Reichskanzlers am nächsten Mittwoch im Bureau der Berufsgenossen- fchast der Feinmechanik, Jerusalemerstraße 66, 2 Tr.. stattsinden. Es handelt sich um einen Entwurf von gewerbehygienischen Vorschriften für die Einrichtung und den Betrieb von Anlagen zur Herstellung elektrischer Akkumulatoren aus Blei und Beiverbindungen. In diesen Betrieben sind bekanntlich Krankheiten infolge von Bleivergiftungen der Arbeiter besonders häufig. Wer den an der Konferenz theil- nehmenden Arbeitnehmern mit Material dienen kann, wird ge- beten, möglichst sofort entsprechende mündliche oder briefliche Mit- theilungen an unsere Redaktion zu richten. Ueber die Stadtverordneten-Mehrheit, welche den Antrag ans Einführung des zehnstündigen Arbeitstages sür die Kutscher und Schaffner der Pferdebahn abgelehnt hat, äußert sich die„Volks-Zeitung":„Angesichts der Thatsache, daß gegenwärtig die Kutscher und Schaffner weit über zwölf Stunden täglich im Dienst fein müssen, mußt« der Anträg des Ausschusses als der Aus- druck der nothwendigsten Fürsorge sür diese Angestellten angesehen werden. Dennoch wurde er abgelehnt, dank der sozialen Blindheit der Lotteriekollekteur-Fraktion. Ans die manchesterlichen Phrasen der Stadtverordneten WoHlgemutH und Spinola einzugehen, verlohnt nicht der Mühe: was über diese Art von Freisinn zu sagen ist, das haben wir unendlich oft schon gesagt." Und in der„Zeit" schreibt v. Gerlach: „Das schönste aber hat sich doch Herr WoHlgemutH geleistet. Er stimmte„ans Angst" nicht sür den Antrag Singer, aus Angst, daß nämlich seine Annahme Anträge auf Einführung einer Höchst- arbeitszeit in anderen städtischen Betrieben zur Folge haben könne. Nicht das also ist sür Herrn WoHlgemutH maßgebend, ob an sich der Antrag berechtigt ist. Ihn beherrscht nur die„Angst", daß die Annahmt eines berechtigten Antrages die Stellung von anderen Anträgen herbeiführen könne, die vielleicht ebenso berechtigt sind. Das wäre allerdings furchtbar, gar nicht auszudenken in feiner Schrecklichkeit— sür ein echt manchcsterliches Herz, wenn die Ausbeutung der menschlichen Arbeit nicht blos in einem, sondern i» einer ganzen Anzahl von Betrieben eingeschränkt würde. Diese freisinnige„Angst" ist klassisch. Solche„Angst"produkte be- fördert das Dreiklassenwahlrecht an das Tageslicht. Wir haben keine Hoffnung, daß sie anders als mit diesem Wahlrecht selbst wieder in die Tiefen verschwinden, aus denen sie besser nie hervor- gestiegen wären." Solche Angstprodukte, so meinen wir, befördert die heutige Gesellschaft. Und die Angstprodukte kommen um so krasser und unverblümter zu tage, je näher die heutige Gesellschaft ihr Ende nahen fühlt. Daher sind derartige sozialpolitische Resultate, wie die in der letzten Stadtverordnetensitzung gezeigten, nichts weniger als eine Niederlage der sozialdemokratische» Arbeiterschaft. Die Anarchisten Landaner«nd Spohr, welche bekanntlich nach ihrer Aussage im Koschemann-Prozeß verhaftet worden waren, befinden sich bereits seit Donnerstag wieder ans freiem Fuß. Mau hatte sie wegen Verdachts des Meineides und der Beihilfe, einen Ver- drecher der Bestrafung entziehen zu wollen, verhaftet und fahndete dann nach dem Ursprung der ominöse» Henkmann-Karte. Sowohl in de» Wohnungen Landauer's und Spohr's sowie auch in der Druckerei von Siebenmarck wurden Tinten-, Schriftproben u. s. w. beschlagnahmt. Bei Spohr ließ man die Tinte„aus Versehen" stehen. Gegen de» Bertheidiger Koschemann's, Rechtsanwalt Werthaner, ist, wie die„Verl. Ztg." hört, ein ehrengerichtliches Ver- fahren eingeleitet. Es wird ihm zur Last gelegt, daß er sich unbe- fugt Zutritt in das Untersnchungsgefängniß verschafft und Kosche- mann bestimmt habe, ihn an stelle seines bisherigen Rechtsbeistandes als Bertheidiger anzunehmen. Auf diesen Vorgang bezog sich die Frage des Staatsanwalts an den Untersuchungsrichter Landrichter Hellervorden:„Würden Sie, Herr Zeuge, es auch als Durchstecherei betrachten, wenn irgend jemand— er sei, wer«S sei— ohne richterliche Erlaubniß die Zelle eines Angeklagten aufsucht?" Die Autwort lautete:„Gewiß, das ist ja gänzlich unerlaubt." Von den beiden Verurtheiltcn Koschemann und Westphal ist natürlich gegen das Urtheil Revision eingelegt worden.» Zum Prozeß Koschemann. Ein Gerichtsberichtcrstatter will wisse», daß es sich im Berathungszimmer der Geschworenen heraus- gestellt habe, daß die Höllenmaschine doch von einem Fachmann her- gestellt sein müsse. Allem Anscheine nach sei diese Thatsache sür die Abgabe des Spruches der Geschworenen von schweriviegender Bedeutung gewesen. Dieser Umstand wird das öffentliche Urtheil über den Spruch der Geschworenen kaum ändern. Ein Leser macht uns darauf aufmerksam, daß der Weg vom Bahnhof Weiße nsee nach Schloß S t e r n e ck e r mindestens 25 Minuten lang sei und auf keinen Fall, wie der Staatsanwalt in seinem Plaidoyer am Donnerstag meinte, in 19 Minuten abzu- machen wäre. Dies sei selbst unter den günstigsten Umständen un- möglich. Ein Blick ans den Stadtplan bestätigt die Richtigkeit dieser Meinung. Die Heiligkeit deS Charfreitags ist an dem Umbau des Hotels Bristol, Unter den Linden 6. in keiner Weise derart respektirt worden, wie man es in der Hauptstraße der Hauptstadt des Reiches der Gottesfurcht und frommen Sitte eigentlich erwarten sollte. Am Hauptfeiertage der protestantischen Christenheit haben an diesem Bau die Putzer sich von 6 Uhr morgens bis 5 Uhr abends gegen das dritte Gebot vergehen müssen, daß, wie man so sagt, die Schwarte knackte. Möglicherweise wollte der Baumeister hier- durch seinen Leuten"Gelegenheit geben, den Ausfall an Verdienst wieder weit zu machen, den sie dadurch erlitten haben, daß ihnen für die zwei Zentenar-Feiertage der schuldige Lohn nicht gezahlt wurde. Ter Bau zeichnet sich übrigens noch durch einige Absonderlichkeiten aus. Die Maurer und Bauarbeiter dürfen erst um 8 Uhr morgens beginnen und müssen bis 7Vs Uhr abends arbeiten, damit die Hotelgäste nicht im süßen Morgen- fchlummer gestört werden. Befremdlicher noch ist der Umstand, daß der trotz polizeilichen Verbots im Winter bei 5—7 Grad Kälte aus- geführte Rohbau, der erst am 6. April abgenommen wurde, be- reits am 12. April ausgeputzt worden ist, trotzdem laut Baupolizei- Ordnung ei» jeder Rohbau sechs Wochen lang zum Austrocknen frei stehen bleiben muß. Wie ist solche Gesetzwidrigkeit möglich? In der Freireligiöse» Gemeinde fand am U. April die Vorstandswahl statt. Gewählt wurden wieder als Vorsitzender Apotheker O. Friederici in Südende und als dessen Stellvertreter Buchhändler A. H o f s m a n n, Blumenstr. 14. Letzterem wurde auch das Amt des Begräbnißplatz-Jnspektors übertragen, sodaß sich jetzt die Mitglieder bei Beerdigungen zuerst an diesen zu wenden haben. Der Vorsitzende gab in der Versammlung einen kurzen Bericht über das verflossene 52. Gemeindejahr. Erwähnenswerth ist davon folgendes: Die Mitgliederzahl belänst sich jetzt auf ungefähr 11,999 Personen einschließlich der Kinder. Beerdigungen fanden aus dem Begräbnißplatz Pappel-Allee 15/17 im verflossenen Jahre 73 statt. Daseid st dürfen nach jüngst gefaßtem Be- schlttß nur noch Mitglieder beerdigt werden! Das Verbot der freireligiösen Unterweisungen au die Ge> meindekinder, welches das Provinzial- Schul- Kollegium gegen Dr. Bruno Wille und die Lehrerin Fräulein Ida Altmann erlassen hatte, ist noch immer nicht aufgehoben und' wird auch wohl vorläufig bestehe» bleiben, da auch eine Klage beim Ober-Verwaltnngsgericht wegen mangelnder Kompetenz des letzteren erfolglos blieb. Nachdem die Gemeinde ihre Sonntagsvorträge (vormittags 11 Uhr) seit annähernd 39 Jahren im früheren großen Saale des Vereins der jungen Kaufleute hat halten lassen, finden dieselben von jetzt au im Festkaale der Berliner Ressource, Kom- mandantenstr. 57, statt. Gäste sind immer sehr willkommen. Der Gcwrrbesaal VI und die Tischlcrschnle V für den Südosten unserer Stadt beginnen am 22. April d. I. das Sommer- semester.— Mafchinenbaner, Mechaniker, Kunst- und Bauschlosser. Kunstschmiede, Gürtler, sowie die Angehörigen verwandter Gewerbe finden hier die für ihren Beruf erforderliche zeichnerische Aus- bildung. Der Unterricht wird von praktischen Technikern ertheilt. Die Angehörige» des Tischkergewerbes werden im Freihandzeichnen, Fach- und Projektionszeichncn durch die in der Praxis stehenden Tischler und Architekten ausgebildet. Ter Unterricht findet jeden Abend von 7>/s— SV- Uhr und Sonntags vormittags von 9—1 Uhr statt. Anmeldungen nimmt täglich vor Beginn des Unterrichts der Rektor Schünemann im Zimmer der 151. Gemeindeschule, Reichenbergerstraße 131/132, entgegen. Urania. Am Mittwoch, den 21. April, wird in der„Neuen Urania" in der Taubenstraße„Der Kampf um den Nordpol" noch einmal als Schüler- Vorstellung zu ermäßigten Preisen nachmittags 4 Uhr gegeben werden; der- selbe Vortrag iommt in der Festwoche auch allabendlich zur Aufführung. Das Repcrtoir der Urania in der Jnvalidcnstraße lautet: Sonntag, Herr Dr. Schwahn:„Die Wunder des Uellowstone-Parls"; Montag, Herr Dr. Schwab«:„Bilder aus dem Weltall"; Dienstag. Herr Dr. Spies:„Versuche mit flüssiger Lust"; Mittwoch, Herr Prosesior Müller:„Farben im Kaiups ums Dasein"; Donnerstag, Hur G. Witt:„Bau des Weltsystems"; Freitag, Herr Dr. Kroncckcr:„Reisebilder aus Vorder-Indien"; Sonnabend, Herr Dr. Bayard:„Japan I". Das Berliner Rqnariuni hat während der letzten Tage so- wohl aus den südliche» Meeren wie auch aus der Nord- und Ostsee wiederholt Zufuhren erhalten, so daß die Seewasserbeckcn nicht nur mit einer reichen Bevölkerung ausgestattet sind, sondern auch in diesen eine ganze Anzahl seltener, neuer, nach Erscheinung und Lebensweise merkwürdiger Meerbewohner aufgenommen haben. Außerdem kamen einige Ballons Meerpflanze» au, welch' letztere auf verschiedene Seewasserbecken vertheilt wurden, so daß diese nun, wenngleich natürlich nicht in dem Maße wie die Süßwasserbehälterj im Schmuck frischen Grüns sich zeigen. Ganz besondere Beachtung erregen in der„künstlichen Fischzucht" junge Lachsfischchen, welche soeben als die Erstlinge aus den vor einiger Zeit hier angelangten und sorgsam behandelten Eiern ausgeschlüpft sind,»nd noch die eigenlhümlich unvollkommene Fischgestalt und den anhängenden, ihre Nahrungsqnelle bildenden Dottersack anfweisen. Aus unser» afrikanischen Gebieten traf eine Sammlung von Land- und Wasser- Schildkröten ein, von denen einige Arten hier noch nie ausgestellt waren. Im Polikliuischen Institut, NW„ WilSnackerstr. 63, finden im beginnenden Sommerhalbjahre arme Kranke unentgeltlich Rath und Behandlung; es ordiniren: Für Frouen-Krankheiten Herr Dr. Goldschmidt 5>/«— 6'/s Uhr; für die Krankheiten der Harn- organe Herr Dr. Mankiewicz täglich 12 bis 1 Uhr, Sonntags 11 bis 12 Uhr. Ei» Männerbnnd zur Bekämpfung der Unstttlichkcit existirt in Berlin und sein Leiter ist ein Herr Pastor Onasch. Die fromme„Kreuz-Zeitung", in der früher Fräulein Flora Gaß ihre liebwerthen Besuche machte, bringt einen Bericht des Pastors, in dein gesagt wird, daß die Ursachen der Unzucht nicht Arbeitslosigkeit und schlechte Bezahlung seien, sondern daß als eigentlicher Grund die Neigung zum Laster, in zweiter Linie Putz- und Welt sucht wie auch A r b e i t s ch e u in belracht kommen. Der Pastor Onasch hat offenbar in der Franenwelt der oberen Zehntausend sehr üble Erfahrungen gemacht. Sch'n Sie, daö ist ei» Geschäft! Der Konfektionär berichtet: „Der Verkauf des Berliner Waarenlagers von Max Simon in Frankfurt a. Main an Hermann Engel in der Landsbcrgerstr. 87. für den Preis von 85 999 Mk., war für diesen ein besonders gutes Geschäft, da er es am andern Tage an die hiesige Firma Werlheim für 195 999 Mk. weiter verkaufte. Das Personal, welches bis Ende Mai engagirl ist, hat zur Hälfte die Firma Engel und zur Halste die Firma Wertheim Übernommen. Schneller lonnte Herr Engel garnicht 29 999 Mk. verdienen, im übrigen hat, wie wir hören, auch die Firma Werlheim für diesen Preis das Lager noch billig erstanden. Dieser Verkauf wird in inleresstrtcn Kreisen vielfach besprochen und die Frage aufgeworsen, warum nicht ein öffentlicher Verkauf auf dem Wege der Submission stallgefunden hat. Bou einer byzantinische» Prachtleistuug anläßlich einer Promenade, die Kaiser Wilhelm im Thiergarten unternahui, iveißein hiesiger Berichterstatter zu melden:„Sehr zum Glück ist einem Armen eine Unterstützimg ausgeschlagen, die der Kaiser ihm am Donnerstag zu theil werden ließ. Das Kaiserpaar war in einer Equipage bis zur Knesebeckstraße gefahren und ging von hier ans in den Thier. garten hinein. Hier trafen die hohe» Herrschaften einen Leierlaslcu» manu, welchem der Kaiser einen Thaler schenkte. Der Vorgang war von verschiedenen Personen beobachtet worden, die den Leiermann umringten und eine derselbe» erwarb sich die von dem Kaiser herrührende Münze(!) für 19 M." Als durchgebrannter Bankbuchhalter fcstgcuouimcn wurd auf einem Auswandererschiffe zu Hamburg der an der hiesiaen Preußischen Hvpoihekcnbank nls Buchhalter angestellte Paul Kliudl. Ueber 4099 Mark baares Geld fanden stch bei der Leibesvisilalin» vor. Angeblich hat der Flüchtling die That in einem Anfalle von Geiftesgestörlheit begangen, da er als Sohn eines hochgcstellle» Post- beamUji und als liebevoller Familienvater in den geordnetste» Ber- hältilisssu lebte und sich gelegentlich der Paßrevifion auf dein Schiff der Behörde selbst als Durchbrenner bezeichnete. Bon Hamburg aus ist K. sofort nach dem hiesigen Untersuäzungsgesängniffe transportirt worden ist. Gut abgelaufen. Der Ingenieur und StationZassistent Ezpor aus Galizien, der bei der Probevorführung eines Reltungsapparales durch Absturz verunglückte, ist am Donnerstag Nachmittag bereits als gebessert aus der Charitee entlassen worden und nunmehr in seine Heimath zurückgekehrt. Ein Mord und ei» Selbstmordversuch sind gestern. Sonn- abend Vormittag, im Osten der Stadt verübt worden. In der Rüdersdorferstr. 41 wohnte bei dem Tischler P. im 3. Stock seit sechs Woche» der 21 Jahre alte Tischler Wilhelm Seger, der in der Königsbergerstraße arbeitete. Vor 14 Tagen zog dorthin auch ein junges Mädchen namens Louise Kaiser, die Tochter eines Töpfer- meisters aus Brandenburg, mit der Seger seit Weihnachten ein Verhältnis! hatte und die hierhergekommen war, um in einer Fabrik Arbeit zu suchen. Das Verhältnis zwischen de» beiden jungen Leuten hatte sich in der letzten Zeit etrvas getrübt. Louise Kaiser gab ihrem Geliebten mehrfach zu verstehen, daß sie ihn nicht mehr wolle, sie brach aber nicht ganz mit ihm. weil er ihr erklärt hatte, kein anderer solle sie besitzen, er iverde sie umbringen, wenn sie sich von ihm trenne. Die P.'schen Eheleute bewohnten zwei Vorderzimmer, Seger ein großes Berliner Zimmer und Louise Kaiser«in kleines Zimmer. das wie auch die Küche und ein kleiner Korridor»ach hinten heraus liegt. Heute Morgen tranken Frau P. und ihre Mutter mit den beiden Miethern gemeinsam iin Berliner Zimmer Kaffee. Hiernach gingen sie in ihre Vorderzimmer, um zu arbeilen. Luise Kaiser stand gleichfalls ans und begab sich in die Küche, um einen Bolzen zum Plätten fertig zu machen. In diesem Augen- blick fragte Seger sie, ob sie ihm gut sei. Das Mädchen erwiderte: Ja, Wilhelm, ich bin Dir gut, geh nur zur Arbeit!" Damit ging sie weiter und Seger folgte ihr. Eben hatte sie die Küche betreten, als Seger eine» Revolver ans der Tasche zog und seiner Gelieble» eine Kugel i» die linke Schläfe jagte. Die Getroffene fiel rücklings zu Boden und war sofort todt. Auf den Knall eilten Frau P. und ihre Mutter herbei und riefen um Hilfe. Seger stand in der Küche zwischen der Kochmaschine und dem Spinde. Als die beiden Frauen eintraten, steckte er sich den Lauf des Revolvers in den Mund und drückte ab. Schwer verletzt, aber nicht todt, brach er zusammen. Ein Arzt, Dr. Wagener, der herbeigerufen wurde. stellte fest, daß dem Mädchen nicht mehr zu helfen war, und nahm sich dann des jungen Mannes an, den er nach dem Krankenhaus Am Frwdrichshain bringen ließ. Die Revierpolizei beschlagnahmte die Leiche der Getödteten und den Revolver, der noch zwei scharfe Patronen enthielt. Selbstmord im Hotel, In der Nacht zum Charfreitag um drei Uhr kehrte in das Hotel Bauer. Unter den Linde», ein junger Mann ein. Da er kein Gepäck bei sich hatte, so verlangle der Hausdiener im Voraus Zahlung. Der Gast verlröstete ihn jedoch auf den andern Morgen und wollte um sechs Uhr früh geweckl werde«. Als man um diese Zeit durch das Schlüsselloch in das Zimmer hineinsah, bemerkte man, daß der Insasse mit dem Kopf aus dem Bette heraushing. Die von der Hotelverwallung benach- richtigte Polizei des 2. Reviers stellte fest, daß sich der junge Mann mit einem sechsläufigen Revolver, der noch fünf scharfe Patronen enthielt, erschossen hatte. Die Kugel war in die rechte Schläfe eingedrungen. Der Selbstmörder hatte einen Brief an eine» Dr. Sachs in der Königgrätzerstraße, eine Eisenbahn- Fahrkarte Magdeburg-Berlin und mehrere Postkarten bei sich,»ach denen es sich um einen Mann namens Ernst Sieberg aus Magdeburg handelt. Was ihn veranlaßt hat. Hand an sich zu legen, weiß man nicht. Der Fremde dürfte 26 Jahre alt gewesen sein. Durch eine Gasexplosion sind am Sonnabend Vormittag jzwei Personen verletzt, worden, die eine sehr erheblich. In der «Schokoladenfabrik von Leppien in der Anguststr. 61 werden zum Kochen und Erwärmen des Materials Gasapparate gebraucht, die sich kreisförmig unten um die Behälter herumlegen und eine Menge kleiner Flammen nach Art der Jlluminationskörper geben. In einem Arbeitsraume, in dem solche Apparate stehen, glaubte man am Sonnabend Morgen einen Gasgeruch wahrzunehmen, konnte aber nicht feststellen, ivoher er kam. Um S'/e Uhr nun ersuchte ein junger Mann, der 20 Jahre alte Karl Wageuer, die sechszehnjährige Arbeiterin Johanna Berg aus der Ackerstraße 166, die dicht an einem Apparate stand. für ihn diesen anzuzünden. Kaum hatte das Mädchen ein Streichholz angezündet, als ihm unter einem heftigen Knall eine Flamme ins Gesicht schlug. Die Getroffene hatte noch die Geistes- gegenwart, einen Sack zu ergreisen und sich über den Kops zuwerfen; dann brach sie zusammen. Man führte die Verletzte zuerst ihrem Vater und dann dem Krankenhaus der jüdischen Gemeinde in der Auguststr. 14/16 zu. Der Bedauernswerthen ist das Gesicht vollständig verbrannt. Wen die Schuld trifft, weiß man noch nicht. Die verletzte Arbeiterin ist eine Tochter des früheren Pserdebahnschaffners Berg, der durch seinen langwierigen Streit mit dem Pastor Schwabe und eine Schießerei init dem Referendar Dr. Schwabe auf dem Flur des Gerichtsgebäudes bekannt geworden ist. Zwei andere Töchter Berg's liegen in anderen Krankenhäusern augenblicklich schwer erkrankt darnieder. Auf der Straffe eutbunden. Gestern Bormittag wurde das in der ftatiborstraße wohnende Dienstmädchen Emilie R. auf dem Wege zur Universitäts- Frauenklinik, wo sie zur Entbindung. vor- gemerkt war, plötzlich von Geburtswehen überrascht. Sie ging in de» Flur des Hauses Oranienstr. 33 und gebar dort einen Knaben. Mutter und Kiird wurden von einem Schutzmann nach der Universitäts- Frauenklinik in der Artilleriestraße gebracht. Verlorene Gctverkschaftömarken. Wir werden um Ver- öffentlichung folgender Mitlheilung ersucht: In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag, den 16. d. M., sind auf dem Wege vom Alexanderplatz nach der Wiesenstraße folgende Gegenstände verloren gegangen: 113 Marken Verein der graphischen Arbeiter, 13 Billels zum 1. Osterfeiertag vom Gesangverein„Senefelder", ein halbeingebundenes Märchenbuch, Notizbuch, eine Blouse, eine Rolle Papier. Der ehrliche Finder wird gebeten, die Gegenstände bei R. Schöpke, Neue Friedrichstr. 36, abzugeben. Ein recht gefährliches Spiel scheint sich jetzt bei unserer Jugend einbürgern zu wollen. Wie vielfach beobachtet worden ist, vergnügen sich die Knaben damit, sich gegenseitig offene Taschen- meffer zuzuwerfen. Daß die Knaben sich bewußt sind, etwas Un- rechtes zu lhun, erhellt daraus, daß sie sofort das Taschenmesser verschwinden lassen, sobald sie sich von Erwachsenen beobachtet sehen. Zu den Verhaftungen, über die wir am Freitag berichtet haben, wird noch mitgelheilt, daß die volle Firma, deren beide Inhaber als Hehler verhaftet worden sind, Richard Schwarz u. Co. lautet und in der Kurzestraße 4 domizilirt. Das Geschäft(Partie- waaren), das dort die ganze erste Etage iune hat, ist polizeilich ge- schloffen worden. Die Inhaber sind die Brüder Richard und Ferdinand Schwarz, unverheirathete Leute, welche bis in die jüngste Zeit bei ihrer Muller in der Altonaerstraße gewohnt haben. Der Hausdiener der Firma, der ebenfalls sistirt war, ist aus freien Fuß gesetzt worden, dagegen sind inzwischen von der Kriminalpolizei noch weitere Verhaftungen bewirkt worden, über welche im Interesse der Untersuchung vorläufig nähere Mittheilungen noch un- zuläsfig erscheinen._ Ans de» Nachbarorten. Zur Lokalliste für Britz ist nachzutragen, daß die Nosensee- Terrasse, Chauffeestr. 63—70, Inhaber Kloß, der Arbeiterschaft zur Verfügung steht. Arbeiter-Verkehrslokal ist die Restauration von Karl Dorn, Bürgerstr. 4. Nicht frei für Arbeiterversammlungen ist Otto's Lokal und Garten. Für die Lokalkommission: H. Schliebitz, Britz, Jahnstr. 6. Aus Rixdorf. I» der letzten Sitzung der hiesigen Gemeinde- Vertretung wurde zunächst anstelle des durch Verzug ausgeschiedenen Schöffen I o h a n» s e n der Gärtnereibesitzer Benjamin N i e ni e tz zum Gemeindeschöffen gewählt. Genosse Kull hat sein Mandat niedergelegt, weil sein Grundstücksantheil gelöscht worden und er daher nicht mehr Grundbesitzer ist. Es gelangte sodann der Antrag des Genossen Thomas auf Errichtung ein es. Gewerbe- g e r i ch t s zur Beralhung. Der Antragsteller führte in der Be gründung seines Antrags aus, daß die Angelegenheit zwar schon wiederholt die Gemeindevertretung beschäftigt habe, mit dem An wachsen des Ortes wachse aber auch das Bedürfniß nach Errichtung eines Gewerbegerichts, da jetzt die Arbeiter bei Lohnansprücheu auf das laugsame und kostspielige Verfahren der ordentlichen Gerichte au gewiesen find. Da es aber den Arbeitern meist an Mitteln gebricht, müssen fie von vornherein darauf verzichten, ihre gerechten Ansprüche gellend zu machen. Strengen fie aber ivirklich die Klage an, so dauert der Prozeß gewöhnlich so lange, daß von dem Verklagten— »amenllich bei Banschwindlern— nichts mehr zu haben ist. Nainent lich mit Rücksicht aus die Entwickelung der Bauthätigkeit in Rixdorf sei die Errichtimg eines Gewerbegerichts dringend geboten. Die Kosten eines solchen würden die Gemeindekasse auch nicht allzu er- heblich belasten, da dieselben lheilweise durch die Prozeßkosten gedeckt würden. Schöneberg und Eharloitenburg haben bereits Gewerbe- gerichte, und was dort möglich sei, könne doch in Rixdorf nicht unmöglich sein.— Gemeinde- Vorsteher B odd in sucht durch eine Siatistik der bei ihm anhängig gemachten Ge- werbe- Slreiligkeite» nachzuweisen, daß ein Gewerbegericht nicht nothivendig sei. Bisher sei es stets möglich gewesen, die Parteien auf gütlichem Wege zu einigen, ivodurch der Arbeiter schneller zu seinem Recht gelange, als durch jedes ordentliche Ge- richtsverfahren. In Füllen, wo unbemittclle Arbeiter zur gericht- lichen Klage schreiten müßte», iverde denselben stets bereitwilligst ei» A r m e n a t t e st ertheilt, durch welches sie in keiner Weise in ihren politischen oder GemeinderechU» beschränkt würde». Die Kosten eines Gewirbegerichts, dessen Beamte gar nicht voll de- schästigt werden könnten, würde» übrigens ganz erhebliche sein.— Bon verschiedenen Gemcindeverordneten iverden gleichfalls finanzielle Bedenken erhoben.— Nachdem noch Genosse O st e r m a n» in warmer Weise die Errichtung eines Gewerbegerichis als dringenden Wunsch der hiesigen Arbeiterschaft befürivoriet hatte, wurde der An- trag Thomas mit allen gegen 3 Slimmen abgelehnt. Für die Verleihung deS Stadtrechts hat sich jetzt in Rixdorf der Verein dortiger Grnudbesitzer. welcher noch vor wenigen Wochen fast einstimmig nur die Elnverleibmig Rixdorss in Berlin verlangte, mit erheblicher Mehrheit ausgesprochen. Rixdorf. Auf die M a t i n e e, welche vom Sozialdemokratischen Verein Vorwärts nnter Mitwirkung des Gesangvereins Melodia und der Hamburger Sänger am Montag, vormittags ll�/e Uhr, in den Viktoria-Sälen, Hermannstraße, arrangirt wird, weisen wir hiermit nochmals hin. Auf dein Spandaucr Bock find am Charfreitag sechzehn Sistirungen vorgenommen werden, trotzdem der Radau diesmal lange nicht so schlimm gewesen sei» soll, wie in früheren Jahren. Die auf dem Bock befindliche» Würfel- und Belustigungsbuden waren geöffnet auf grund eines vom Amtsvorsteher zu gehlendorf a»s- gestellten Gewerbescheins, nach welchem den Besitzern das Offenhalte» der Verkaufsstätten an Sonn- und Feierlagen mit Ausnahme der Stunden von ll'/e bis Vl2 Uhr gestattet wurde. Die Gendarmerie zivang jedoch die Unternehmer gegen 4 Uhr nachmittags ihre Buden zu schließen. Gegen den Radfahrrr-Vcrkchr im Grunewald zieht der Landralh Slubenrauch i» folgendem Erlaß zu Felde:»Seitdem der Winter gewichen, belebe» wieder zahllose Radfahrer und Rad- sahrerinnen die Siraßen des Kreises. Enisprechend der zunehmende» Verbreitung des Sports ist auch die Benutzung der Straßen durch Radfahrer seit dem vorigen Jahre offensichtlich sehr erheblich ge- wachse». Leider ist nicht in demselben Maße gewachsen das Verständ- »iß der Radfahrer dafür, daß die Fußgänger, auch wenn sie in der Minderheit sein sollten, berechtigten Anspruch haben auf Schutz gegen die Belästigunge» und Gefahren, die ihnen aus dem Rad- fahr-Verkehr entliehen. Das Verbot der Benutzung der Fußwege wird von den Radfahrern fast nirgends und niemals respeklirt und gesellschaftliche Ungezogenheilen der Radfahrer gegen die angerannten und proteslirenden Fußgänger sind an der Tages- ordnung. Ramenilich im Grunewald hat sich diese Art des Rad- fahrens zu einem öffentlichen Ur.fug der ollerschlimmsten Art herausgebildet. Ich habe mich persönlich davon überzeugt, daß es dort so wie bisher, besonders a» Sonntagen, nicht weiter gehen kann. Die Befolgung der polizeilichen Bestimmungen durch Gen- darmen, Schutzleute und Amtsdieuer zu erzwinge», ist mit Rücksicht auf die Natur des Radfahrverkehrs und die Ausdehnung des zu be« aiifsichiigenden Wegegebietes fast unmöglich. Wenn daher die Rad- fahrer nicht genügend Selbstzucht übe» und Ordnung untereinander halte», so bleibt nichts übrig, als die Wege des Grunewalds f ü r den Radfahrverkehr polizeilich zu sperren. Bevor dies geschieht, richte ich an die Betheiligten die dringende Bitte, eine solche Maßregel durch ein den berechtigten Anforderungen des öffent- lichen Wohles entsprechendes Verhalten entbehrlich zu machen. Die Warnung des Landraths hat in zweierlei Hinsicht manches für sich. Einmal wird nicht abzustreiten sein, daß en>e Anzahl Rad- fahrer sich wirklich geberdet, als ob ihnen die Welt gehöre, und zweitens ist es an sich anerlennenswerth, daß eine preußische Amis- Person einem Unsng, der nach ihrer persönlichen An- schauung bereits einen bedenklichen Umfang angenommen hat, mit der Milde einer vorherigen Warnung ent> gegentritt, bevor zu schärferen Maßnahmen geschrilten wird. Grund zur Verwunderung über solche sehr löbliche Neuerung habe» namentlich die Arbeiter, gegen die stets mit voller preußischer Rücksichtslosigkeit zu Felde gezogen wird, wenn sie z. B. einmal das Unglück haben, über die Maschen eines Gesetzes zu stolpern, dessen Bestimmungen zu befolgen vielfach einfach uumöalich ist. Wir geben uns der, hoffenilich nicht unerfüllt bleibende» Erwartung hin, daß in Zukunft auch Arbeiter mit gleicher Koulanz behandelt werden, wie unfugverübende Radfahrer. Auch in Charlottenburg steigert sich der Leuchtgas-Verbrauch außerordentlich. Der Reingewinn aus den städtische» Gasanstalten ist dort im diesjährige» Elatsentwurf auf 900 000 M. veranschlagt worden. Wie in der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten vom Stadtrath Samter mitgelheilt wurde, hat der Gasverbrauch schon jetzt eine so bedeutende Steigerung erfahren, daß sich aller Er- ivartung nach der Reingewinn gegen den Etatsvoranschlag um 160 000 M. erhöhen würde, trotz der Herabsetzung des Gaßpreises auf 13 Pf. für den Kubikmeter.— Die Angelegenheit der Er- richtung ei»es städtischen Elektrizitätswerks in Charlotlenburg wurde gestern, wie die„Charloltenburger Zeitung" mittheilt, einem Aus- schuß zur Vorberathung überwiese». Nach dem Gutachten von Sachverständigen könnte das Werk bei zweckmäßiger Anlage einen Ueberschuß von etwa 100 000 M. jährlich abwerfen. In Reinickendorf veranstaltet der Gesangverein„Weiße Rose" am! zweiten Feiertag irr Böttchers Eeepark ein Vokal- und Jnstrumentalkonzert mit darauf folgendem Tanz. Bei dieser Gelegenheit tritt der AmtSvorsteher des Vorortes prompt mit dem § 8 des berühmten preußischen Vereinsgesetzes in die Erscheinung, indem er, auf diesen Paragraphen sich stützend, nach neupreußischem Brauch„Frauen, Schülern und Lehrlingen" verbietet, an dem Konzert theilzunehmen. Es ist aber gemäß dem Z 8 doch Fürsorge getroffen, daß auch die Damen zu ihrem Rechte kommen; ei» zahlreicher Besuch wird daher auf jede» Fall zu erwarten sein. Weiffettsee. Das Lokal von Julius Schnelle, Prenzlauer Chaussee 3—4 steht der Arbeiterschaft zu Versammlungen u. s. w. zur Verfügung. Pseifen-Müller wohnt nicht Königschaussee 63, sondern 33. Der Ausbau der niederschlesisch-märkischen Bahn als Hochbahn ist für die Vorortstrecke bis Friedrichshagen beabsichtigt, und es be- findet sich, wie dem„Berliner Tagedl." mitgelheilt ivird, auch be- reits«in derartiges Projekt in der Bearbeitung. Die Veranlassung hierzu haben die insbesondere seitens der Landespolizeibehörde er- hobenen Bedenken gegen die Einziehung verschiedener wichtiger Ver- kehrswege aus dieser Strecke gegeben, wie sie für den Fall der Legung dritter und vierter Geleise für den VorortSverkehr auf der Schlesischen Bahn geplant war. Die bisherigen Geleise sollen später ausschließlich dem Fernverkehr dienen, während die auf der Nord- feite des Bahnkörpers anzulegenden Vorortsgeleise ausschließlich dem Vorortsverkehr dienen sollen. Es ist in Aiissicht genommen, nach Fertigstellung der neuen Anlagen die Vororlszüge bedeutend zu ver- mehren, auch einen Anschluß derselben an sämmtliche Stadtbahn- stationen Berlins herbeizuführen. Im Gegensatz zu den Vororts- zügen der Görlitzer Strecke, die auch auf den kleineren Stationen der Stadtbahn halten, ist es zur Zeit nur möglich, die Vorortszüge der Schlesischen Bahn von den sogenannten Fernstationeu Berlins aus zu benutzen. Zur Banmbliithc i» Werder, die nahe bevorsteht, machen auch in diesem Jahre die dortigen Parteigenossen daraus aufnierk- sam, daß sowohl einzelnen Besucher», wie auch größeren Gesell- schaslen die Beachtung der Lokal liste dringend obliegt. Es ist nur das Lokal von Martin am Kugelweg frei. Wie früher, so ivird auch in dieser Saison eine Koimiufsion von Parteigenossen jederzeit bereit sein, bei Besuchen als zuverlässige Führer zu dienen. Sehr zu empfehlen ist, sich etwa am Tage vorher schriftlich bei August Heimlich, Brandenburgstr. 82 in Werder anznmelden. Thestkev. Die„Freie Volksbühne" veranstaltet am S o n n t a g den 26. April, nachmiitags 3 Uhr im Belle-Alliance-Theater für d i e III. Abtheilnug(graue Karten) eine 3. Aufführung des Shakcspeare'schc» Lustspiels„Der Kaufmann von Venedig". Die Mitglieder werden gebeten, die Verloosung der Plätze am Eingang« des Theaters von 2 Uhr ab vorzunehmen, da- mit die Vorstellung pünkilich beginnen kann. Die Parteigenossen werden nochmals darauf anfmerksam gemacht, daß die in der l. Auflage bereits vergriffene Monatsschrift:„Die freie Volksbühne" von Dr. Conrad Schmidt, welche den Theaterzettel mitenthalt, vor- läufig nicht im Thealer, sondern nur in den 34 Zahlstellen in neuer Auflage für 10 Pf. zu haben ist. Mitglieder zur III. Abtheilung werden im Laufe dieser Woche noch in alle» Zahlstellen spätestens bis zum 24. aufgenommen. Die schnelle Füllung der I. und II. Ab- lheilung berechtigt zu der Hoffnung, daß auch die III. Abiheilung bis zum 26. April besetzt ist,»msomehr, da die beiden Vorstellungen des„Kaufmann von Venedig" de» ungetheilten Beifall der Mit- glieder fanden. Im Monat Mai gelangt voraussichtlich das Echan- spiel„Die Mütter" von Georg Hirschfeld zur Aufführung. Der Vorstand. I. A.: G. Winkler, Berlin-Nixdorf, Kirchhof- straße 46, II. TIi«at«r-U>och»nchro»ik, Opernhaus. Sonntag. den 18, Stprlt;„Untunc"' Monwg. 18.:„Die Afrttanerin". Ansang 7 Uhr". Tt-nftag. SO.:„Undiue" i».:„Lohengrin". Lohengrin: Herr Emil Böge a. G. Ansang 7 Uhr. Dienstag, 87.: Undestiwmt.— Schauspielhau«. Sonnlag, 18.:„Faust". Ansang 7 Nhr. Montag. 18.: num 80. Male.„ 1812". Dienstag, 80.:„Ein Sommer- nach>«Iraum". Dttania: Fri»erlr. Korn a. Ob Mittwoch, LI.: Zum loa. Male: „Der Btbli-lhelar". Donnerstag. SS.:„Die Alhenerin». FreUag, SS:„Die Komödie der Irrungen".„Ter eingebudeie Kranke". Sonnabend,»r.: Neu ein- findirt:„Biel tsärm um Nicht«". Sonntag, S8.:„Viel L«rm um Nicht«". Montag, ss.:„Wallenftein« Lager".„Die Piccolvminr". Dienstag, L7.:„Wallenstem« Tod".— Neue« königliche« Operntheater(Kroll). Sonntag. 18: „Doktor Klaus". Montag, 19.:„Der Berschwender". Sonntag, 88.:„NrtclAcosta. Der Spielplan des D e u i sch en Theaters für die Osterwoche ist soigender: Seilte Nachmittag„Die Weber", abend»„Die versunkene«iocke", Oster-Montag Nachmittag.Sannele'S Hiinm-Isahr," nebst„Blau", abend» �rituri" Dtenstag „Di- versunkene Glocke", Minwoch„Die Weber", Donnerstag„Einsame Menschen", iirestag Die versunkene tSlocke", Sonnabend„Morituri", nächstfolgenden Sonnlag Nachmittag„Die Weber", abends„Die versunlene Glocke", Montag„Die ver- simkene Glocke".— Da« Berliner Theater veiöstenittcht folgenden Spielplan für dlc Osterwoche: Am Oster-Sonniag, Dienstag, Sonnabend und am nächst- folgenden Sonnlag gelangt„Renaistance" zur Aufführung. R,n Oster-Montag geht da» Lustspiel„Kinder der Buhne" in Szene, ilgildenbruch's Doppeldrawa „Heinrich und H-tniich» Ges-bl-chl" wird an zwei aus einander loig-nden Abenden, und zwar am Mittwoch„König Heinrich" und am Donnerstag„Kaiser Heinrich", gegeben. Am Freilag findet al« S8. Abonnemen«»-Borst-llung eine Aufführung von„Wilhelm Tell" wil Arthur Kraußneck in der Titelrolle statt. NachmiilagS-Borftellunaen finden folgende Natt: Heute„Die Jungfrau von Orleans": am Oster-Montaa„Dorf und Stadt", Dienstag„Faust": am nächst- folgenden Sonntag„König Heinrich".— Im L i s s t n g- T h e a t e r wird im Öfter- Sonntag, al« letzte Nachmittag«-«orstellung der Sotfon Hermann Eudermann'« Schauspiel„Das Glück im Winkel" zur Ausführung lommen, während am Abend da« dretaktige«audevtlle„Toledad" mit dem Ferenep Ensemble und Herrn Franz Tewel« als Gast gegeben wird. Dle Novität wird so- dann auch am zweiten Feiertag sowie an allen übrigen Spteladenden der Woche in der unveränderten Besetzung der Premiere wiederholt werden.— Da» Echtller-Theatcr bringt heute Nachmtttag eine Wiederholung der siillta- ntschen voir«f,en-n„Bauernehre" von Berga und von Molör«'» Lustspiel„Der eingebildete Kranle", abend» geht da« Anzengruber'sch« Boll«stück„Der Pfarrer von Kirchseid" in Szene. Am Oster-Montag, Rachintttag», wird„Der Sohn der Wildniß". Abend» da« Kretzer'sche Bolltftück„Der Millionenbauer" gegeben. Am Dienstag gelangt Nachmtliaa«„De» Meere» und der Liebe Weilen", abend» der dreiaklige Schwank„Da« Sttflungtfest" von Moser zur Aufführung.— Sm Neuen Theater bleibt„Trilby" während der ganzen Woche aus dem Ne- perlotre.— Am Ostermontag nachmittag« lommt„Marcelle" bei halben Preisen zur«ussühruna.— JmTdeater d«»Weften« wird da« Lustspiel„Zwei glückliche Tage, da» an beiden Feiertagen Abend« in Szene geht, auch am Dienstag sowie am Mittwoch, Freitag, Sonnabend und am nächsten Sonnlag Abend mit Gustav«adelburg al« Gast wiederholt werden. Am Donnerstag wird Gustav«adelburg den„Retf-Retfltngen" spielen, während am nächsten Sonnlag Nachmittag„KorpSgetst" von Mar Mehner wiederholt wica. Heilte Nachmittag wird die Posse„Der Mann im Monde", und am Montag Nachmittag„Maria Start" in neuer Etnstudtrung gegeben.— Am heutigen Sonntag findet tm Ccntral-Theater die l e tzt e Vorstellung der Saison stall, also d-mgemäh auch die letzte Aufführung der burlesken Revue „Ein sioeler Abend".- Im Ostend-Thearer ist heute die erst« Auf- führung von der Schäfer'schen Novllä:„Au» der Millionenstadt" und liegen die Hanpirollen in Händen von Rosa Lid, Anna Müller, Elsa Schönberg, Ullrich und Graf, der Herren Wach, Hcckmann, Dill, Weih, Alchinger, Pauli und Schlüter. Am ersten und zweiten Feiertag, nachmittag« s Uhr, geht zu halben«asteupreisen „Berlin wie e» weint und lacht" tu Szene. Tie'Abendvorstellungen beginnen mit dem heuttgen Feiertag de« Sonntag« um 8 Uhr.— Im Volk». Theater erhält heute und morgen, an den beiden Feiertagen, die Vorstellung de» Reperioire-BoilZsiück« von Wilken„Hopfenraths Erben" eine Bereicherung durch die voraiigehende Darstellung de« Schwanke«„Soldatenlied e". Die Bor- ftellung beginnt um 7 Uhr.— Da« Matprogramm de« A p o ll o- T h e a te r I bringt neben den beiden Komikern Bender und Stetdl mehrere Künstler, weiche für Berlin; oollständig neu find. Am 18. Mai ai»daiin aebenll Dir-N-r Giück wieder mit feiner branialischen Gabe auf dem Plan zu«ifcheinen, welche diesmal >n einer burlesken Operette befiehl. Daß dse Novität auch darstellerisch grobe Ansprüche stellt, geht daraus hervor, daß Direktor Glück außer Bender und Stetdl für die Operette z. B. den bekaniiten Tenortnen Siegmund Lieban und Frau, die Soubrette Toni Tar« und die lomtsche Alle F>au Ilka Paulet. welche in Berlin wohlalkredttirl ist. engagtrt hat. Bom l. wlat ad biginnen dt« Vorstellungen wieder um 8 Uhr abend»._ Vevfammlungen. Mit den Lohu- und Arbeitsverhältniffe»» in den Werk- stätteu der Zlktirugesellschaft vormalS Schuckert(Gebrüder Raglo), Treptow, beschäsligte sich eine gut besuchle Ver- sam inl uu g der Metallarbeiter, die am Mittwoch im KonzerthauS Sanssouci tagte. Wie Rüther anführte, war die ~ Irina Schuckert schon bei der Uebernahme der Gebr. Naglo'sche» �abrik bestrebt, Arbeitsverhältnisse einzuführen, wie sie in Nürnberg, dem Sitz derGesellschaft, üblich sind. Obwohl dieArbeitsbedingungen in verschiedener Beziehung andere geworden sind, natürlich ohne die betheiligten Arbeiter danach zu fragen, ob sie sich mit denselben einverstanden erklären, hat eine Abänderung der Arbeiisordnung, wie dies gesetzlich nothwendig ist, nicht stattgesunden. Zunächst wird den Arbeitern, ohne Angabe von Gründen, ein Theil des Verdienstes von der Firma einbehalten, bis die Summe eine» vollen Wochenlohn erreicht hat. Die bisher 9 stündige Arbeitszeit wurde durch regelmäßige Ueberstundeu auf eine 10 stündige erhöht und wie verlautet, soll die Arbeitszeit dauernd verlängert werden. Lohnreduzirungen sollen, trotzdem der Verdienst schon vor- dem im allgemeinen«in sehr minimaler war, in erheblichem Maße stattgefunden haben. Als die Arbeiter diese Zustände in einer Fabriksversammlung erörtern wollten, versuchten die Meister alles mögliche, die Arbeiter von der Versammlung fernzn- halten, erzielten aber damit nur, daß der Besuch derselbe» ein außerordentlich starker geworden ist und eine rege Diskussion über die vorhandenen Mißstände stattfand. Die Meister rächten sich dadurch, daß sie nun in schroffer Weise den Arbeitern gegenüber- traten, was eine Anzahl Dreher veranlaßt«, die Arbeit freiwillig aufzugeben. Allem Anscheine nach hat die Firma sich mit dem schwarzen Kabtnet in der Garteustraße in Verbindung gesetzt, den» einem betheiligten Dreher, der sich an dieses Bureau wandte, wurde einfach der Arbeitsschein verweigert und die Thür« gewiesen, obwohl ra riet) tn diesem Fall um keinen Streik handelt. Der Wechsel der Arbeiter soll in dieser Fabrik besonders häufig sein und die Mehr» zahl der Arbeiter selten über 5-6 Wochen daselbfi thätig sei». Der Redner spricht sich zum Schluß dahin aus. die Fabrik so weit wie möglich zu meide», um die Firma zu veranlasse», bessere Verhältnisse herbeizuführen. In der hieraus folgenden Diskussion, an der sich nur Arbeiter, die zur Zeit noch in der Fabrik be- schäftigt sind oder waren, betheiligten, wurden die Ausführungen Rüther's in allen Punkten bestätigt und noch eine ganze Reihe von Mißständen angeführt. Artikel, die früher mit 6 M. bezahlt wurden, sollen jetzt für einen Lohn von 2,70 M. her» gestellt werde». Aehnliche Abzüge sollen allgemein vorgenommen worden sein. Mehrere Mechaniker erhalten einen Stundenlohn von Lll'/ePf. und erringen bei der Akkordarbeit einen Verdienst von 12, 15 und 17 M. pro Woche. Wie im weiteren angeführt wurde, müssen die Arbeiter für die Werkzeuge, die sie in der Fabrik kaufe», einen höheren Preis bezahlen, als in irgend einem Detailgeschäft. Sämmtliche Redner waren gleichfalls der Ansicht, daß es nothwendig sei. vor der Annahme von Arbeit bei dieser Firma zu warnen, bis die verschiedenen Mißstände in der Fabrik beseitigt sind. Auch die Zustände bei der Firma Rietschel u. Henn eberg wurden von einen, Redner einer herben Kritik unterzogen und mitgelheilt, daß daselbst ebenfalls ganz bedeutende Lohnabzüge vorgenommen wurden. Nachdem Rüther in kurzen Zügen die Geschästskonjunktur in der Metall» industrie beleuchtet, die er im allgemeinen als eine sehr günstige be» zeichnete, und zum Anschluß an die Organisation auf» gefordert hatte, unterbreitete er der Versammlung den im „Vorwärts" bereits bekannt gegebenen Beschluß der Organi» sation bezüglich der Maifeier mit dem Wunsche, den Beschluß allgemein zur Geltung zu bringe». Wie i» den Vorjahren, so werden auch diesmal Maimarke», die bei sämmtlichen Vertrauensleuten zu haben sind, z>m, Vertrieb kommen. Die Arbeitsruhe wird, wie an» geführt wurde, in diesem Jahre am I. Mai allem Anschein nach allgemeiner als im vorigen Jahre sein. Zum Schluß wurde bekannt gegeben, daß die Notiz im„Lokal-Anzeiger", nach welcher sich die Mitglieder des deutscheu Melallarbeiter-Verbandes offiziell an der Leichenfeier des verstorbenen Staatssekretärs v. Stephan betheiligen würden, vollständig aus Unwahrheit beruht. Holzarbeiter-Verband. Bezirksversammlnngen vom 12. April. In der Versammlung für die Rosenthaler und Schönhauser Borstadt dielt Genosse Türk einen Vortrag über„das Buch der Freiheit."— Der Vorstand wurde ergänzt durch die Wahlen des Kollegen Weiß- Hagen zum Beisitzer, der Kollegen S t e i n i ck e und S t u r n> a n n alS Beitragsammler. ES wird bekannt gegeben, daß bei Rhode, Kastanien-Allee, eine Anzahl Kollegen die Arbeit niedergelegt haben. Im Bezirk S.W. und W. sprach der Kollege M i l l« r g über„die Bedeutung der Gewerbegerichte." Unter Verbands- angelegenheiten werden die Ursachen des Kottbuser Tischler- streikS besprochen und zur moralischen Unterstützung der Streikenden aufgefordert. I» der Branchenversammlung der Drechsler, die in Keller's Festsälen tagte, sprach Kollege I o st über den Untergang des Kleinhandwerks. Ueber den dritten Punkt der Tagesordnung:„Wie werden die Errungenschaften der letzten Lohnbewegung Hochgebalten", entspann sich eine lebhafte Debatte, in welcher von alle» Rednern Mißstände aus den einzelnen Werkstätten zur Sprache gebracht wurden. Nachdem wird noch auf die Ostern stattfindende Konserenz aufmerksam gemacht. In der Lichtenberger Versammlung sprach der Kollege M a a ß über„Agitation". An den Vortrag schloß sich«ine aus- gedehnte Diskussion, in welcher den Ausführungen des Referenten von verschiedenen Seiten zugestimmt wurde.— In der darauf- folgenden Wahl eines Bezirksleiters wurde Kollege H a rt m a n n gewählt. Die Werkstatt-Kontrollkommisfion wurde durch die Kollegen Fischer und Schröder verstärkt. ?.tl>rit«r-KU>>tt>,gsrch»l». Bon Sonntag, den 25. April, ab, ist die l t o t h e l in der N o r d s ch n l e, Brunnen sir. 26, für die Mitglieder an folgenden Tagen geöffne,� Sonntags, vorniitlag« von io— l2, Dienstags und Freitags, abends Jis— 10 Uhr. Mitgliedsbettrüge werden an diesen Tagen in der Nordfchule entgegengenommen, ebenso tn folgenden Zahlstellen: Bottfr. Schulz. Admiralstr. 40a; Schöning,»öpnickerstr.<8; Reul, Barntmstr. 42; Babiel. Rosenthalerstr. 57: Sleinert, Müllerstr. 7a: Burghaufe, Putbuferftr.»2: Blankenfeld, Stephanstr. 2»: Werner. Blllowstr. 58: Brube, Mariendorferflr. 5; itaßler, Junkerftr. 1; 6. Königs, Dieffenbachstr. so. Alle Zuschriften find an den Borsihenden Paul Mücke fr., SO. Man- teustelftr. ns,«eldsendungen an den«asstrer H. Königs, L. Dieffenbachstr. so, zu senden. Ztrl>«U«».Kii„g,»>,,>„» Berlin» und Umgegend, vorflhender Ad. Neumann, Paseivalkerstr. s. Alle Aenderunge» im BerelnSlalender sind zu richten an Friedrich Kort»»,, Mantenstelstr. 40, v. 2 Tr. Sund der oefettigen Zlrbeii-rxereine Berlin« und Ztmaegend. All- Zuschriften, den Bund betreffend, sind zu richten an H. B e n d t r, Alexandrtnen- straßc Ivo. Soiialdrniostrati scher AgitationovereinfSr de» Wahtstrei« Stralsund. Franibnrg zliigr». Ersten Lsterseterlag, vormittags 10 Uhr, bei Linke, Süden- straße s«: Schung. Säste willkommen. Fachvrrein der Kol«,«nd Kretterträger Berlins und Umgegend. Montag, den is. April< zweiter Feiertag), nachmittags 4 Uhr, im Lokal des Herrn Ewald, Schönletnstr. 6: Mttgliederveriammlung. Tagesordnung: 1. BeretnS- angelegenheiten. 2. Verschiedenes. Nach der Berfammlung: SemüthltcheS Bei- fammenfein mit Tanz. Arbeiter- zi»»cherb»nd Berlin« und Hlmgeg»»».«endsrungen im Vereinskalender stnd zu richten an Hermann B r a«nfchw e ig, Dresdener- straße 80, 2. Hof, 4 Tr. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montags,! Di e'nstagS, Freitags und Sonnabends, abends von 7—8 Uhr statt. Deredder. Der übrige Bericht folgt. Ob Sie insertren oder nicht, hat auf die Haltung der Redaktion keinerlei Einfluß. „Glück auf.« Für Berichterstattung bereits gesorgt. H. S. Bielleicht dient die Zeitschrist„Der Bau", Berlin N-, Saar- briickerstr. 5, Ihren Zwecken. F. G. Die Adrefle von Frl. Dr. Käthe Schirmmacher erfahren Sie wohl am ehesten in der Redaktion der„Frauenbewegung"(Redaktton Frau Schulrath Caucr).„Die Gleichheit" erscheint bei I. H. W. Dietz in Stutt- gart, Furlbachstr. 12. Von dort erhalten Sie aus Verlangen Probenummern der Zeitschrift-_ . Briefkasten der Expedition. R. Wch. Geben Sie uns den Namen Ihres Spediteurs an, wir werden dann Abhilfe schaffen._ WItter»»stSIibelsicht von, 17. April I8«7. Wetter-Prvstnvse für Sonntag, den 18. Avril 18S7. Milde, zunächst ziemlich trübe mit leichten Regensällen und mäßigen westlichen Winden; nachher ausklärend. Berliner W e t t e rben re a u. iN Für de» Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktio» dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung. Whrstev. Sonntag, den 18. April: Opernhaus. Undwe. Montag: Die Asrikanerin. Schauspielhaus. Faust. Montag: 1812. Deutsches. Die versunkene Glocke. Nachm. 3 Uhr: Die Weber. Montag: Morituri. Nachm. 3 Uhr: Hannele's Himmel- fahrt. Blau. Berliuer. Renaissance. Nachm. 3 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Montag: Kinder der Bühne. Nachm. 3 Uhr: Dorf und Stadt. Lessiug. Toledad. Nachm. 3 Uhr: Das Glück im Winkel. Montag: Toledad. Schiller. Der Pfarrer v. Kirchfeld. Nachm. 3 Uhr: Banenichre.— Der eingebildete Kranke. Montag: Der Mtllioncnbauer. Nachm 3 Uhr: Der Sohn der Wildniß. Neues. Trilby. Montag: Trilby. Nachm. 3 Uhr; Marcelle. Westen. Zwei glückliche Tage. Nachm. 3 Uhr: Der Mann im Monde. Montag: Zwei glückliche Tage. Nachm. 3 Uhr: Maria Stuart. Linde». Der Cognac-Kömg. Nachm. 3 Uhr: Der Mikado. Montag: Der Cognac-König. Nachm. 3 Uhr: Die KledcnnauS. Thalia. Heiroth aus Probe. Nachm. 3 Uhr: Frau Lieutenant. Montag: Hcirath auf Probe. Nachm. 3 Uhr: Frau Lieutenant. Friedrich- WilhelmstädtischeS. Trilby. Nachm. 3 Uhr: Die Grille. Montag: Trilby. Nachm. 3 Uhr: Die Waise von Lowood. Belle-Rlltance. Der Kaufmann von Venedig. Montag: Dieselbe Borstellung. Zentral. Ein fideler Abend. Montag: Gcichloflcn. Residenz. Ein angenehmer Gast. AssociöS. Montag: Associss. Ein angenehmer Gast. Nachm. 3 Uhr: Der Hüttenbesttzer. Alexmiberplah. Endlich allein.— Eine tolle Prinzeß. Nachm. 4 Uhr: Genoveva. Montag: Endlich allein.— Eine tolle Prinzeß. Nachm. 4 Uhr: Max und Moritz. Ostend. Aus der Millionenstadt. Nachm. 3 Uhr: Berlin, wie es weint und lacht. Montag: Aus der Millionenstadt. Nachm. 3 Uhr: Berlin, wie es weint und lacht. Volks. Hopfenrath's Erben. Montag: Dieselbe Borstellung. Apollo. Spezialitäten. America». Lmnpe- Gastspiel: Enuna von Folkenftein, Passage-Pan»ptikum. 32 Mädchen aus Samoa. Thalia-Theater. (vormals Adolph Ernst-Theater). Sonntag, nachmittags 3 Uhr, bei ermäßigt. Preisen: Frau Lieutenant. Abends 71/, Uhr: Heirath auf Probe. Pofle mit Gesang in 3 Akten nach C. Gerä von B. Buchbinder und Fr. Reimer. Bearbeitet von Jean Kren und Gust. Görß. Musik von Leopold Kuhn. Montag, nachmittags 3 Uhr, bei er- mäßigten Preisen: Frau Lieutenant. Abends 7V, Uhr: Heirath auf .Probe. Poffe mit Gesang in 3 Akten. Dienstag u. folgende Tage: Heirath guf Probe. Sckiller-'Glzoslev Sonntag, nachm. 3 Uhr: Bauernehre. Der eingebildete Kranke. Abends 8 Uhr: Der Pfarrer von Kirchfeld. Montag, nachmittags 3 Uhr: Der Sohn der Wildniß. Abends 8 Uhr: Der Millionen- baurr. Dienstag, nachmittags 3 Uhr: DeS Meeres und der Liebe Wellen. Abends 8 Uhr: Das Stiftnngsfest. Volks-Theater 34. Reichenberger- Straße 3t. Pferdcbahnstation: Kottbuser Thor. Am 1. und S. Oster- Feiertag: Dopftnrath's Erben. Bolksstück mit Gesang in b Bildern von Heinrich Wilken. Muflk von G. Michaelis. Vorher: Soldatenliebe. Ans. 7 Uhr. Am 3. Feiertag: Hopfenrath's Erben. Anfang 7Vz Uhr._ Central-Theater. Alte Jakobstr. 30. Dir. Rich. Schultz. K-etnt« Voratellung. Knill Thomas a. G. Leopold Deutsch a. G. Zum 73. Zlal«: Ein jideler Abend. Burleske dramatische Revue in einem Vorspiel und 3 Bildern v. I. Freund und W. Mamistädt. Musik von Julius Einödshoser. Anfang 71/, Uhr. Feen-Palast, Direktion Winkler& Am 1., 2.«nd 3. Osterfeiertag: Grosse Fest-Vorstellung des neu cngagirten liUnntlor-Koi-nonal«. Tom Tanti. Zorado. Walter Bill. William u. Merry. Däbii u. Walde. Elise Cora. Läonard. Ernst Kühne. Ein schwarzes Wiepkind. Singspiel unter Mitwirkung von Wilhelm Fröbel. Kebende Photographien von der Centenar- Feier. Endlich allein! «ns Vorstellung� Uhr.«utr.e 30 Ps. Konzerthaus Sanssouci. Kottbnser Stranse 4a. An nllrn drei Gsterfrirrtagr» Stettiner Singer lMehsel, Pietro. Britto», Stcidl, Krone, Röhl, Schneider und Schräder). Anfang 7 Uhr. Entree 50 Pf. Jeden Abend iieiie8 xrossart. Programm DieS sind überhaupt die unbedingt ürei letzten Soireen der StettillerTiivpill Berlin vor ihrer Abreise nach Hamburg. Lumpe-Gaftspiel wieder im Parodietheater, Oranienstr. 52. Mittwoch, den 21. April u. folgende Tage: Emma von Falkenstei« oder: Die eingemauerte Nonne. Preise 75 Pf. bis 3 M. Eröffnung Wochen- tags 7 Uhr, Anfang 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr, Anfang 7V, Uhr. 15806 Ostend-Theater. Gr. Fraiikfurtersir. 132. Dir.?. Weiß. Heute, zunl 1. Male: Ans der Millionenstadt. BolkSstück mit Ge- sang und Tanz in 5 Akten von Fritz Schäfer.(Novität.) Anfang 8 Uhr. Am 1. u. 2. Feiertag, nachmittags 3 Uhr, zu halb. Kassenpreisen: Berlin, wie es weint und lacht. Am 2. u. 3. Feiertag, abends 8 Uhr: Aus der Millionenstadt. Im gänzlich renovirten Garten an sämmtlichen Feiertagen von 4 Uhr an: «r. Frel-Konascrt. Goncordia Variete-Theater Brnnnenatr. 154. An allen 3 Osterseiertagen: Neues exeelleutes Programm. «rönne Theater- und Spenlalltitten-'Vorntellnnsx. Großartiges April- Programm! Renk«rand Attraktion. «ehr. Forre, Instrumental ist. Neu! Hertha li, brillante«ostümsoubrette. Knospe und Stengel. Poffe in I Akt. Anfang Wochentags 71/, Uhr. Sonntags 6 Uhr. Umtausch- Billctö haben Giltigkeit. Apollo-Theater. Friedrichstr. 218. Dir. I. Glück. An den drei Feiertage«: <»ronne SpezialitätenTorstellung Auftreten von 30 hermraphe« KiiOern und Vorführung des Kinetacinsphi mit den A>svilhUllh.keitte«ttseitt Kaffeneröffnung S Uhr. Ans. 71/, Uhr. Welt-Restaurant TarietO- nnd Spezlalltttten- Theatcr. Dresdenerstrafte 97. Nord und Süd! Liederspiel von Hlehard Thiele. Hauptrollen: KSth« Rlonde.— Waltsr Krttning. Rudolf Schtnas.— Max Röwer. Otto Wandt. Im vorderen Saal täglich: vronne» Künstler-Frei-Konzert. Anfang: i Entree: Wochcnt. 8 Uhr. Wochentags 20 Pf Sonntags 6 Uhr.| Sonntags 30 Ps. W.Noack's Theater Brunncustr. 16. 15466 An den drei Osterseiertagen: Gr. Homert, Theater- und Speslalltttten- Voratellnng An die Inst gesetzt. Poffe in 1 Akt von Müller. Kis der Rechte kommt. Operette von F. Gumbert. Nach der Vorstellung: T*- eromer Ball-"MW Achtung! Vereine! Achtung! „Engliseber Garten" Alexanderstrmoe Xo. Ä7c. 15. Mai(Sonnabend), 16. Mai (Sonntag), 22. Mat(Sonnabend): ipy- saic frei: II l> a n i Q Tauben- Strasse UliUlid, No. 48-49. Naturkundliche Ausstellung täglich geSffnet von 10 Uhr vorm. ab. Eintritt 59 Pf. Wiffenfchaftl. Theater abends S Uhr. SternWatteWSt�tA- Hof. Täglich von 71/, Uhr abends ab 59 Pf. Im Theater- Saale täglich 8 Uhr abends Vorträge, mit Expcri- menten u. gr. Lichtbildern ausgestattet. Näheres die Tagesanschlage. Passage- Fanoptieinn. Nur noch kurze Zeit! 22 Mädchen -• ans Samoa. mm Castan's■■■ Fanopticnm. Pygmäen Di« beiden indischen die kleinste» Menschen der Welt! Damen-Wettschwimmen. Berliner Aquarium Unter denl»lnden OSa (Eingang Sohadowstr. 14.) Am 1.,». u. 3. Ostcrfeiertagf Eintrittspreis SW 50 Pfg. Reichhaltigste Sammlung der Welt an lehenden Seethieren, Reptilien etc._ Alcazar Tarivid- n. SpeslalltHten- Theater I. Kanees. DreSdenerftr. 52/53(Eity-Paffage) Annenstr. 42/43. Bornehmfter Familieuaufenthalt. Direktton: Richard Winkler. Zm(Mnffdc Gr. Extra-Fest-Vorstellung. O, bleib bei mir! Liederspiel in 1 Akt. Familie. Barslkow. (4 Personen.) Phänomenale Parterre- Alrobaten. Neu! IMe kleine Bombe. Neu! Schwank in 1 Akt. Bnrchwce neues Brauerei Borussia Otto Hewald Nieder- Schöncweide an der Oberspree, hint.d.Treptowcr Park. Görlitzer u. Stadtbahn. Schönster Garten am Wasser. Jeden Sonntag in 2 Sälen, Mittwochs Taus in 1 Saale. ff.PllsBner u. Lagerbier. Onte Küche. Kegelbahn, elektrisch beleuchtet u. geheizt, an Vereine zu empfehl. Onst. Bnsack, Oekonom. Kinderwagen, alle Sotten Räder P a l l i s a d e n st r. 101. sISvSS l.. Keller's Festsäle 20 Koppenstr. 29. 1. Osterfeiertag, Sonntag, 18. April: Grosses Vokal- undlnstrumentalkonzert veranstaltet von den Gesangvereinen „Kornblume",„Ost- u. West-Preußen", „Georginia",„Treue", ISlOb Mitglieder d. Arbeiter-Sängerbundes. Nach dem Konzett: Ball. Ansang 0 Uhr. Programm 30 Ps. Keller's Feslsäle Koppenotrasse 29. Größtes u. schönstes Etadttssement der Refidenz. 2. Osterfeiertag;: Neu! Neu! Einmaliges Auftreten der Herliscr Pzssn.Zhkattt-tztsklls�st (Direktion: Aschinger u. Haskrl.) Grosses Extra-Konzert des Neuen Berliner Konzert- Orchesters, unter Leitung seines Direktors: Herrn R. Tieft: Nachdem: GroHer Ball. Antans 5 Uhr._ —Nene Welt—s Basenhaide 108— 114. Am1.i!.L.Lsterfeitchg: Grosses Promenaden-Konzert. Auftreten von William u. Lona Blonay a. d. thurmh. Drahtseil. Anfang 4 Uhr. Entree 25 Pf. Am2.u.Z.G8lerfeiertag: In dem renov. Hai ohampstrs: Gr. Eröffnungs-Tanz. MW Ble Blrektion. MW Gesellschaftshaus Swinemünderstr. 42(alte Nr. 35) jeden Sonntag: Ball Ii. THtater-Barßellung. Empfehle meine Säle(250 u. 700 Personen fassend) sowie BeremSzimmer zu Festlichkeiten und Versannntungen. B ithner. Wedding-Park Müller-Straße 178. Saal mit Bühne, 500 Personen fassend, Garten, 3000 Personen fassend. Sonnabend, den 1. Mai, und and) weitere Sonnabende sind frei für Vergnügungen. W. Trapp. Amt n 1507. Fmpfehlc mein Lokal nebst 2 VcrcinSzimmern zu 25— 40 Personen nod) einige Tage in der Woche. Bier sowie Kiiche wie allbekannt. 1333L' Varl l-ndn-lg;, Wrangclstr. 91. Reinhard Klawitter, Sorauerstrastc 14, 1572b empfiehlt sich zur soliden AbschUeßung von Vcrsichcrnngeu jeder Art. KL. Jeden Umzug bitte anzumelden. Schmieders M-Sölf Alte Jakobstr. 32, n. Centtaltheater. Vereinen u. Privatgesellschaften halte meine eleg. Säle bestens enlpfohlen. Auch sind noch einige Sonnabende und Sonntage frei. Ww.<¥,. Schmiedel. hbchst kräftig, Wimagö 50 � Schöne Vcr= einszimmer. Elsasserstr. 33 I.(1565B Molkerei verk. Näheres Andreasstr. 70. Zu unserem jährlich stnttsindendc,, Ostervcrgnügen am 1. 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Britss. Eurpsehle allen Freunden und Be- kannten mein 1584b Vioiss- u. Bairischbisr-lokal. I-onis Sehappach, Marie nburgcrftraße». Cösliuer Hof Cttsllncrstrasse 8(Wedding). Größter u. schönster Saal im Norden. Elegante Beleuchtung. Gute Küche. Wg-- Zwei Kegelbahnen.-HM Zu allen Versammlungen u. s. w. an Vereine zu vergeben. Jeden Sonntag: BrosserBall. Nähere Auskunft ertheilt" Frlts Schröder, Wtesenstr. 30. Fviedvichshugen Allen Genossen, Freunden und Be- kannten zur Nachricht, daß ich hier ein Weiß- und Bairisch- Bier- Lokal eröffnet habe. Für gute Speise» und Getränke ist bestens gesorgt. 1532b Achtungsvoll Ernst Hertel, Kirchstr. 6. Wilmersdorf b.Bttlm Itllngenbcrg's Volk«garten Berlinerftr. 40. Am 1. Osterfeiertag: Gartenkonzert. Im Saal: Große Theater-Auf- führung vom Theaterverein„Gcmüth- lichkeit" zu Wilmersdorf. 15296 2. u. 3. Feiertag, sowie jed. Sonntag: Gartcntonzcrt und Ball. 3 Kegel- bahne» und Kaffeeküchc stehen täglich zur Verfügung. Raafr. W. Matsohuk, Empf. all. Freunden u. Bekannten mein Weiß- und Bairisch-Bierlokal. großer und billiger Fttihstückstisch. Grünau. GLWagner's früher Lletke. Großer Saal, Girrten, Kaffeeküche Kegeldahn, Ansspanunw. Deutscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Branche Parqnetbodenleger. Dienstag, den 20. April(3. Feiertag), vorm. 10 Uhr, im Lokale von Zubeil, Lindenftr. 106j__ Versammlung. Tagcs-Qrdnung: 1. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten F. �adeil. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zahlreicher Besuch ist ersorderlich. JjZV Mittwoch, den 31. April, abends SlU Uhr,-WG bei Cohn, Beuthstr. 30/31: Bertranensmänner- Versammlung sämmtlicher Bezirke und Brailchen. T a g e s- O r d n n n g: Stellungnahme zum 1. Mai. Beschlusifasiung über die Extrabciträge. Werlslattstreits. Der Streit der Firma Mittag in KottbuS. 88/1» Sämmtliche Wcrkstellen werden ersucht, einen bezw. mehrere Vertrauens- männcr zu cutscnden. Die Orts Verwaltung. DkuWn MetMarbeiler-Nerband. (Verwaltung Berlin). Bezirks-Versaminliingen Mittwoch, den 21. April, abends 8V2 Uhr, für Gesundbrunnen u. Rosenthaler Vorstadt. Tagesordnung: I Vortrag der Kollegin Martha Rohrlack über: Die NotH- wendigkeit der Erweiteiung der Fabrikinspektorate. 2. Diskussion. 1« Zentni|n u Sü(|eni Tagesordnung: 1. Vortrag der Genossin Frl. 3da Altmann über: Die Welt der Träume. 2. Diskussion. Die Versammlnng ftir Osten füllt ans. Gäste willkommen. Zahlreiches Erscheinen erwartet 121/16 Die Ortsverwaltnng. Arzt Dr. Hoesch, Linienstr. 149, 8—10, 5— 7, Sonntags 8— 10, f. Brust-, Unterleibs-, Frauen-, Kinder-, Haut-, N ervenkrankhoiten. Poliklinik Liesenstr. 17, 2—3 Uhr. 948L* Homöopath. Gänzlicher Ausverkauf. Wegen vollständiger Aufgabe des Geschäfts verkaufe: Fertige Betten, Bettfedern, Daunen, Inletts, Bezüge, Laken, Bettstellen und Matratzen zu enorm billigen Preisen. Großes Daunen-Deikbett, glattroth oder Bandstreifen, Inlett mit 4 Pfd. echt chinesischen Daunen gestillt Mk. 13,SO. 14215]* _ A. 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Inner« Kasienangelegenheit(Be- tprechung über Einführung von Zahl- stellen). 16 13b Der Borstand. Z« beachten: Die Unterstützungs- dauer währt innerhalb 12 Monaten 16 Wochen. Die wöchentliche Unter- stützung beträgt bei 40 Pf. Beitrag für Versicherungspflichtige 11,20 M., freien Arzt und Medizin, ftir Nicht- versicherungspflichtige, sowie Doppelt- versicherte 15,92 M., ohne Arzt und Medizin. Meldungen zur Ausnahme werden beim Vorsitzenden Ege, Roßstr. 12, zu jeder Zeit entgegengenommen. lknserm Vereinswirth Adolf Sievcrt zu seinem heutigen Wiegenfeste ein brausend donnerndes Hoch! sl593b Rauchklub„Rothe Fahne". Achtung! Achtung! krioäriolisdorg. des Arbeiter-Bildungsvereins Dienstag, den 20. April, abends fl'/z Uhr, im Lokale des Herrn Moser, Lichtenberg, Dorfsiraße 2. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht des Kasstrers. 3. Wahl des Vorstandes. 4. Verschiedenes. 14/7 Der Borstand. Kranken- u. Sterbe-Znschustkasse der Schneider Berlins. Dieselbe gewährt gegen eine Auf- nahmegebiihr von öOPf. und den Monat- lichen Beitrag von öO Pf. auf die Dauer von 13 Wochen ein Kranken- geld von täglich 1 Mark, sowie ein Sterbegeld von 45 Mark. Ii« Anschluß hieran wurde für die Frauen der Mitglieder eine Bersiche- rung für den Slerbefall geschaffen, so daß den Angehörigen derselben bei eintretendem Todessall die Summe von 45 Mark gezahlt wird. Die Aufnahmegebühr hierfür be- trägt 50 Pf., der monatliche Betrag 20 Pf. Mitglieder werden aufge- nommen tni Bureau des Kranken- Unterslntznngsbundes der Schneider, Annenstr. 9, Restaurant Protz, sowie auf deren Zahlstellen. 166/8 KB. Die Versammlungen finden Sonntags nach den 15. eines jeden Monats, abends 7 Uhr, Annenstr. 9, statt. Der Borsiand. Schlu»«- Abrechnung der Liquidationskommissio» der Freie» Bereinigung der Uniforn«- und Zivilschneider Berlins. Einnahme: Mark Kassenbestand...... 26,13 Für 12 Urania-Billets(Jakobmeyer)...... 3,— Ausgabe. Summa 29,13 .... 4,- Bestand. 25 13 Da sich hiermit die Kommission für aufgelöst erklärt, so sind Bestand und Quittungsmarken der Kranken- und Sterbe- Zuschußkasie der Schneider Berlins laut ß 19 des Bereinsstatuts überwiesen. 1601b Die Liquidationskommission. H. Rolvff. R. Kant. R. Ziesemer. Aug. Zilm._ TheaterBerein. gegründet 1876, wünscht Damen und Herren(letztere nicht unter 20 Jahren) aufzunehmen. Zu melden jeden Mitt- woch 9 Uhr bei 1607b Oswald Klein, Wienerstr. 31- Allen Freunden, Bekannten und Verwandten die traurige Nachricht, daß mein lieber guter Mann, der Bau- arbeiter Hermann Knaak am Mittwoch den 14. in der Anstalt zu Dalldorf sanft entschlafen ist. Um stilles Beileid bittet Frau Minna Knaak, geb. Gntsche, Nostizstr. 16. 1581b Die Beerdigung findet am 1. Oster- seiertag Nachmittag 5 Uhr von der Leichenhalle Kreuzkirchhof Mariendorf ans statt._ Aul 16. April entschlief nach kurzem Leiden mein lieber Mann, der Hut- machet Faul Bcj'. Die Beerdigung findet am 2. Feier- tag, nachmittags 5 Uhr, vom Trauer: hause, Oberbanmstr. 4, aus nach dem Emmaus-Kirchhof statt. 1606b Ww. Mey nebst Kindern. Danksagung. Allen Freunden und Bekannten, dem Personal d. Firma Gehrs u. Co. und d. Gesangverein d. Kupserschniiede unsern herzlichenDanksürdieregeBetheiligung reim Begräbniß unserer lieben Tochter und Schwester Anna Beu««ner. Die trauernden Hinterbliebenen. Ich bin von Skalitzerstr. 108 nach Skaliberstr. 03, Ecke Lausitzer Platz, verzogen. 1509L* Dr. Clnstav Hoyrnann, prakt. Arzt. Ich wohne jetzt Königsberger- straffe 83 in der bisher von Herrn Dr. Schcycr innegehabten Wohnung. 140/19 Dr. Cohnheini. Mädchen, Töchter ehrbarer Eltern, welche einen Lehrkurlns in der Hausmädchenschule deS Fröbel-Oberlin-Vereins zu Berlin durchnehmen, erhalten nach Be- endigung deffelben sofort Stellung in guten Häusern als Hausmädchen oder Jungfer. Der Eintritt kann an jedem ersten und fünfzehnten im Monat geschehen. 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St. 91. 14. dts.AmStl»" gfriiiifr SÄsdlÄ.-»«»>-. MI« B A umgaben der Berliner Gewerkschaftskommission. Dns Ergebniß des Hamburger Streiks und andere Vorkommnisse In der Gewerkschaftsbewegung haben in den betheiligten Kreisen zu Erörterungen geführt, denen u. a. auch die nachstehende Resolution ihre Entstehung verdankt. Die Resolution soll der Gewerkschasts- kommission in ihrer nächsten Sitzung vom Ausschusse zur Annahme empfohlen werden. Zusammensetzung der Kommission. Die Berliner Gewerkschaften— welche auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehen— haben die Pflicht, in die GewerkschaftSkommission einen Delegirten— stärkere Gewerkschaften bis zu drei Delegirte— zu entsenden, der von den Verhältnissen seines Berufes genau insormirt ist. Die Delegirten dürfen nur in öffentlichen Gewerkschaftsversammlungen geu ählt werden, habe» auch nur i» solchen ihren Bericht über die Maßnahmen der Gewerk- fchaftskonnnission zu geben. Das Bureau der betreffenden öffentlichen Gewerkschaftsversammlung hat dem Delegirten ein Mandat auszu- stelle», wodurch bescheinigt wird, daß er in öffentlicher Versammlung gewählt wurde. Die Delegirten kommen in öffentlicher Versammlung zusanime». Jedermann hat Zutritt und kann an der Berathung theilnehmen. Das ThätigkeitSgebiet der Kommission. Die Gewerkschastskommission ist verpflichtet', überall, wo die gewerblichen Interessen der Berliner Arbeiter es erfordern, einzu- greisen, namentlich bei Lohnbewegungen, Streiks, Aussperrungen und Boykotts. Zu ihrer Thätigkeit gehört ferner: die Wahrung der In- teressen der Arbeiter bei der Durchführung der Arbeiterschutz-Gesetz- gebuug, bei der Handhabung der Fabriliuspektion und der Arbeiter- versicherungs- Gesetzgebung, statistische Ausnahmen über Lohn und Arbeitsverhältnisse am Orte und die Förderung der Organisation in solchen Gewerben, wo noch keine Organisation besteht. Bei Wahlen zu den Geivcrbegerichle» hat die Kommission die Agitation, die Vorarbeiten u. s. w. zu besorgen. Der Ausschuß. Die Geschäfte der vewerkschaftskom, nission werden durch einen Ausschuß besorgt, der aus 7 Delegirte» bestehen kann. Bei der Stellungnahme zu Streiks und Aussperrungen hat der Ausschuß von folgende» Grundsätzen auszugehen: Ter Ausschuß hat die Pflicht, sich entweder selbst oder durch Hinzuziehung geeigneter Personen über die Lage und die Aussickten jeder Lohnbewegung auf's genaueste zu informiren, selbst da»», wenn die Hilfe der Gewerkschaftskommission nicht beansprucht wird. Bei alle» Ausslände», wo die moralische und materielle Hilfe der Berliner Arbeiterschaft in Anspruch genommen werden soll, sind rechtzeitig von der betreffenden Gewerkschaft Beralhungen mit den verwandten Bernsen und der betreffenden Jndustriegruppe anzu- knüpfen, zwecks genauer Prüfung der Umstände, die auf den Verlauf deS Streis von Einfluß sind. Nur im Einversläudniß mit de» Vcr- tretern dieser Berufe und Jndustriegruppe» kann ein Antrag auf materielle Unterstützung eines Streiks eingebracht werde». Alle derartigen Anträge müsse» bei Airgriffsstreils mindestens 14 Tage vor Beginn schriftlich dem Ausschuß vorgelegt werden unter genauer Darlegung aller in betracht kommenden Verhältnisse wie: Ursachen des Streiks, Forderungen, Zahl der voraussichtlich Betheiligte», Zahl der Arbeitslose», sowie der Organisirten, Stand der Geschäftskonjunktur und der finanziellen Mittel der in den Streik tretenden Arbeiter. Der Ausschuß hat den Antrag zu prüfen und seine Ansicht über Berechtigung und Durchführbarkeit des Streiks der nächsten Tele- girten-Bersaminlung zu unterbreiten, die endgillig über den Antrag entscheidet. Ei» Streik kann erst dann als genehmigt betrachtet und den betheiligten Arbeitern erst dann Unterstützung gewährt werden, wenn zwei Drittel der anwesende» Delegirten ihre Zustimmung in namentlicher Abstimmung gegeben habe». In gleicher Weise werden Boykotts in gewerbliche» Angelegen- Heiken erledigt. Zu Angriffsstreiks, wovon der Ausschuß später als 14 Tage vor Beginn in Kenntniß gesetzt wird, sowie zu Abwehrstreiks und Ans- sperrnnge», die sich plötzlich entwickeln und größere Dimensionen an- zunehme» drohe», hat der Ausschuß sofort Stellung zu nehmen und über seine Maßnahme» in ders nächsten öffentliche» Telegirten-Ber- saminlung zu berichten. Die Mittel zu einzelnen Werkstättenstreiks müssen von den Ar- beitern des betreffenden Gewerbes selbst ansgebracht werden. Erst nenn der Ausstand allgemein inird, tritt die Unterstützung der Berliner Arbeiterschaft ein und dies auch erst dann, wenn die be- theiligten Gewerbe aus eigener Kraft dazu nicht im stände sind. Lohnbeiveguugen, die in nicht genügender Weise vorbereitet sind oder die allein in der Hoffnung auf de» Opfermuth der organisirten Arbeiterschaft unternommen werde», oder die den sonstigen schon er- wähnten Anforderungen nicht entsprechen, ist jedwede Unterstützung dnrck den Ausschuß zu versagen. Während eines Streiks sind wöchentlich EitnationSbericht« über den Stand des Streiks an den Ausschuß zu senden; außerdem ist der Ausschuß verpflichtet, sich über den Verlans des Streiks ständig zu informiren. Nach Beendigung des Streiks ist ei» Gesammtbericht zu geben. Aussichtslos gewordenen Streiks ist die weitere Unter- stützung zu versagen. Ueber die Taktik bei Lohnbeivegungen und bei auftauchenden Frage» innerhalb ihres Gewerbes entscheidet die betreffende Gewerk- schaft selbständig. Die Aufbringung von Geldern. Nur Streiks, Lohnbewegungen, Aussperrungen«., die in vorstehender Form genehmigt sind, werden finanziell durch die Berliner Arbeiterschaft unterstützt. Zum Zwecke der Unterstützung werden die Sammellisten der betreffenden Gewerkschaft mit dem Stempel der Berliner Geiverkschaftskommission versehen. Jede Line zu gewerk- schastlichen Sammlungen, die den Stempel der Gewerkschaft?. kommission nicht trägt und in anderen Versammlungen und Werk- stallen, als denen des betreffenden Gewerbes, zirkulirt, ist unbedingt zurückzuweisen. Die Ucberschüsse auS solchen Sammlungen, die mit Unterstützung der übrige» Berliner Arbeiter— also mit Hilfe der Gewerkschafls- kommissio»— vorgenommen werden, sind nach beendigtem Streik an die Geiverkschaftskommission abzuführen. Die Sammlungen und die Verwendung ihrer Erträgnisse unterstehen der Kontrolle der Gewerkschastskommission. Durch die Kommission werden nach Beendigung des Streiks die Abrechnungen nachgeprüft. Die von den Berliner Arbeitern für Streiks aufgebrachten Gelder sind durch das Gewerkschaftsburcau den Ausständigen zu übermitteln. Die Kontrolle der in den Hände» Ur Gewerkschastskommission befindlichen Gelder wird durch drei, halbjährlich aus der öffentlichen Koinmissionsverfammlung geivählte Revisoren ausgeübt. Diese haben der nächste» öffentliche» Versammlung über das Ergebniß der Revision zu berichte». Bor der mündlichen Rechnungslegung in der Koinmission ist der Kassenbericht de» Delegirten gedruckt zu- zustelle». Gewerkschaftsburean. Zur Ausknnflsertheilung über Fragen der Arbeiterschutz- und Versicherungs- Gesetzgebung, sowie über alle sonnige» Fragen des Arbeitsverhältnisses ist das Bureau der Berliner Gewerkschaften ein- gerichtet. Das Bureau hat ferner für die Ausführung der Arbeiten der Berliner Gewerkichaflskommission zu sorge». Nach ihrer Stärke haben die Gewerkschaften zur Unterhaltung des Bureaus einen durch die Berliner Gewerkschastskommission fest- zulegenden jährlichen Beitrag zu leisten. Das Geiverkschaftsbureau hat jährlich den Delegirten einen gedruckten Bericht über die Thätigkeit der Kommission und des Bureaus zu verabfolgen. Die Kontrolle des Bureaus ist Ausgabe des Ausschusses. VevZÄnmtfmtigen. Die Berliner Gewerkschafts-Kommissto» verhandelte in der am Donnerstag abgehaltenen Delegirten-Versammlung über die Stel- lung, welche der Ausschuß seinerzeit zu der Schuhniacherbewegung eingenommen hat, die aus Anlaß der Konflikte in de» Fabriken von Gebr. Kallmann und Rosenthal u. Groß entstanden ist, und am 18. März vor dem Einigungsamt beigelegt wurde. Namens des Ausschusses berichtet Timm: Dem Ausschuß sei durch ein Mitglied, welches am 10. März in einer Schnhmacher-Bersammlung als Be- richterstatter des„Vorwärts" anwesend war, mitgelheilt worden, daß es den Anschein habe, als ob eine größere Lohnbewegung der Schuhmacher in Aussicht stehe. Der Ausschuß sei deshalb am II. März zu einer Sitzung zusammengetreten, zu der auch drei Vertreter der Schuhmacher hinzugezogen wurden. In dieser Sitzung habe Willner gesagt, daß die in den bekannten Briefen des Fabriknntenverbandes an die Arbeiter der genannten beiden Fabriken angedrohte allgemeine Aussperrung augenscheinlich nicht ernst gemeint sei. Man wolle aber prüfen, wie weit die Schikanen der Unternehmer getrieben würden. Die Arbeiter könnten nicht mehr zurück und wollten es auf einen Kampf an- kommen lassen, wenn sie auch dabei zum Teufel gehen. Cireikgelder hätten die Schuhmacher allerdings nicht. Ter Ausschuß habe zivar anerkannt, daß die Forderung auf Entlassung der SIreikbrecherinne» sowie des Zwickmeisters, der sich bei den Arbeitern verhaßt gemacht hat, an sich berechtigt sein könne. Man dürfe aber nicht dem Ge- fühl der gereizte» Arbeiter soweit Rechnung tragen, daß man aus diesem Anlaß es zu einem Aus- stand kommen lasse, in den 1300 Personen hineingerissen werden, und dessen Ausgang unter den obwaltenden Umstände» mindestens sehr zweifclhast gewesen wäre. Der Ausschuß habe deshalb den Schuhmachern gerathen, nochmals in Verhandlungen mit den Unternehmern cinznlretcn, und ihnen anheimgegeben, wenn sie gegen den Beschluß des Ausschusses dennoch in den Streik treten wollten, denselben aus eigenen Mitteln zu führen; in diesem Falle werde aber der Ausschuß von seiner ablehnend?» Haltung der Arbeiterschaft Keuntniß geben. Das sei die Stellung, zu welcher der Ausschuß nach reiflicher Prüfung der Angelegenheit ge- konimen fei. Die Angriffe der Schuhmacher gegen den Ausschuß müßten entschieden zurückgewiesen werden. Willner, Bertrauensniann der Schuhmacher, greist auf frühere Vorgänge in seiner Gewerkschaft zurück, um darzulegen daß die Arbeiter sich schon manches von den Fabrikanten bieten lassen mußten, ohne daß sie es zu einem Streik kommen ließen. Tie Streitfrage in den beiden Fabriken würde sich auch in dem vorliegenden Fall« nicht zu der drohenden Aus- sperrung zugespitzt haben, wenn nicht die Fabrikanten die Verhandlungen mit der Agitationskonnuission zurückgewiesen hätten, und zwar zu einer Zeit, wo der Konflikt noch bei gelegt werden konnte. Also nicht die Arbeiter, sondern die Unter- »ehnier hätten die Verhandlungen abgelehnt. Das Verlangen, die Streikbrecherinnen und den Zwickmeister zu entlassen, sei berechtigt gewesen und die Agitationskomnnssion habe nicht vermocht, die aus ständigen Arbeiter zur Wiederaufnahme der Arbeit zu bewege». Wenn man sich das Vorgehe» der Fabrikanten ruhig hätte gefalle» lassen, so wäre das ein schwerer Schlag für die Sache der Arbeiter gewesen. Die Stellungnahme des Ausschusses habe aber der Bewegung noch nicht geschadet, vielmehr sei dieselbe erst geschädigt worden durch die Veröffentlichung der bekannten Fabrikanten-Bricse im„Vorwärts" nnd die baran geknüpfte Bemerkung. Wegen des Abdrucks der Briefe müsse Redner dem Berichterflaller Winkler eine» Vorwurf machen, weil dieser von drei ihm übergeben«» Briese» nur zwei veröffentlicht habe; nur durch den Abdruck.aller drei Briefe hätten die That- sachen richtig dargestellt werden können. Die Bewegung hätre zu gunsten der Arbeiter geendet, wenn ihnen nicht der Ausschuß und der„Vorwärts" in de» Rücken gefalle» währen. Redaltenr Pötzsch rechtfertigt die Haltung deS„Vorw." hinsichtlich der Schuhniacherbewegung nnd beruft sich darauf, daß die Thalsachen, auf welche der„Vorw." sein Urlheil stützte, von keiner Seite, auch nicht von der Agilationskommission als unzutreffend erwiesen werden konnten. Von einem dritten Briese, der angeblich ein anderes Bild von den Borkomninisse» geben solle, sei ihm nichts bekannt. Daß die Stellungnahme des„Vorwärts" die Bewegung der Schuh- macher erstickt habe, davon könne gar keine Rede sein. Körsten tritt für die Hallung des Ausschusses ein. Derselbe habe von dein ihm zustehende» Recht Gebrauch gemacht und den Streik nicht sanktionirt, weil er es nicht billigen konnte, daß unter de» obwaltenden Umständen mehr als 1600 Personen in einen Streik gezogen würde». W in k l e r fuhrt aus, alles, was Willner bezüglich der angeblich unzutreffende» Berichterstattung über seine Person gesagt habe, sei unwahr. Willner wende sich nur deshalb gegen ihn a n» giebt zn, als Eröffner der Versammlung in dieser Beziehung einen Formfehler gemacht zu haben. Im übrige» sei die Annonce im„Voiwärts" deutlich genug gewesen. Tie Zimmerer Lehmann, Grabsdorf und H i» tz, iowie der Bäcker K l a in m e ck polemi« fite» gegen Knüpfer's Ausführungen und greisen theilweise die Stellungnahme des„Vorwärts" gegenüber de»r lokalen Gewerkschaften cm. Rücke und K übe vertreten die zentrale Richtung, erhoffen aber im übrige« durch den Kongreß die Anbahnung einer Verständigung beider Richtungen. Zum zweiten Punkt der TageS- vrdniiiig: Delegirte»wähl, wird der Antrag angenomme», den Kongreß durch drei Delegirte zu beschicke». Gewählt wurden Fischer, Ob st und F r i t s ch(Steglitz). Der dritte Punkt betrifft etwaige Anträge. Die drei folgen- den von der betreffenden Koinmission vorgeschlagenen An« iräge werden angenommen: 1. Gründung einer aus je einem Mitgliede jedes Berufs zusammengesetzten Agiiationskoniiiiisfion, Wahl eines Vertrauensinannes in öffentlicher Bersainmlung»eben der Fuchorganisatioii. 2. Gründung einer für alle Lokalorganifationeu berechneten Zeitimg, die wissenschafilichc und sozialpolitische Artikel, oierteljährliche Siniatioii-herichle, Berichte über Streiks w. eickhalle» soll. Zur Erhaitiing des BlatteS müssen sämmtliche Gewerkschafte» prozentual ihrer Mitgliederzahl Beiträge an die Preßkommissio» liefern. 3. Herausgabe einer Brochüre, die in genieiuverständlicher Weise Bedeulung nnd Zweck der Lokalorganisatioiien darlegt. Köpenick. Für die hiesige» M a s ch i u i st e n u» d H e i z e r war am 11. April eine öffentliche Versammlung eiiiberilfen, i» welcher die Kollegen G r e in p e und K i r s ch n i ck referirten. An der Hand eines zahlreichen Materials und eigner Erfahrungen krilisirten sie die überaus laiige Arbeitszeit in hiesige» Betrieben. Auch die hygienischen und sanitär--» Mißstände der Betriebe wurden einer herben Kritik»nterzogen. Zum Schluß forderten die Redner die ÄUivesende» zum Beitritt zur Organisation auf. Eine dahin- gehende Resolution fand ei»fti»»mge Annahme.(Wiederholl) Orts'Krankenkasfe der Ditchbindkr likd verw. Gewerbe. General- Versammlung am SS. April dieses Jahres, abendS Präc. 8VS Uhr, in Kenerstein's Ftestaurant, Alte Jalobstraße 75, unterer Saal. Tagesordnung: 1. Berlefimg der Protokolle. 2. Abnahme der Jahresrechnung pro 1696 und Decharge-Ertheiluna. 3. Ersatzwahl zweier Vorstands- niitglieder. 4. Wahl eines Kassendeamten. 5. Verschiedenes. 26/6 C. H o f f nr a n n, Vorsitzender. Nachsolende Statuten-Aenderungen werden hiermit zur Kennwib der Mit- glieder gebracht. III. Abänderung zum Statut der OrtS-Krantenkasse der Buchbinder und verwandten Gewerbe. Artikel I. DaS Statut wird wie folgt ge- ändert: s 48. Abs. Il ist statt:„20 Kassen- Mitglieder" zu setzen:„50 Kassen Mitglieder"! statt:„durch 20 theilbar" zu setzen:„durch 50 theilbar"; statt: „wenn dieselbe 10 oder mehr" zu setzen:„wenn dieselbe 50 oder mehr". Ms. IV ist statt:„für je 40» zu setzen:„für je 100". s SS erhätt folgende Zusätze: „Die das Wort Begehrenden er- halten dasselbe in der Reihenfolge der Meldung, auf Verlangen des Bureaus hat dieselbe schriftlich zu erfolgen. Zur Geschäftsordnung und sachlichen Berichtigung wird das Wort sofort ertheilt, zur persönlichen Bemerkung am Schlüsse der Debatte, jedoch vor einer etwaigen Abstimmung. Der Schluß der Debatte tritt ein bei Erledigung der Rednerliste oder auf Beschluß der Bersanimlung. Bei Geschäftsordnungs-Anträgen, wie auch zur Begründung der Dringlichkeit eines Anttages ist stets nur einen: Redner„für" und einem„wider" das Wort zu ertheilen. 8 65. AI. 9 muß es heißen: „definitive Feststellung der Gehälter der Kassendeamten und der von den- selben event. zu stellenden Kauttonen 8 66. Abs. I sind die Worte:„auf die Dauer von 3 Jahren" zu streichen und ist der folgende Satz hinzuzu fügen: „Die Anstellung erfolgt bei gegen seittger vierteljährlicher Kündigung." Abs. n lautet in Zukunft wie folgt: „Wählbar ist jedes Kaffenmitgtted, welches großjährig, im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte ist und einen eigenen Hausstand hat." 8 67. lautet in Zukunft folgendermaßen: „Dem Rendauten sind auf Beschluß der Generalversammlung diejenige Anzahl von Beamten zur Seite zu stellen, deren er zur ordnungsmäßigen RechnunaS- und Kassenführung bedarf. Di« Anstellung erfolgt durch die Generalversammlung unter Beob- achtung derselben Bestimmungen wie bei der Wahl des Rendanten. 8 61 ist von den Worten ab:„Der Kasstrer wird" u. s. w. zu streichen. 8 62 ist statt„2000 Mark" zu setzen: „6000 Mark". Artikel II. Borstehende Abänderung tritt mit dem Montag nach der statutenmäßigen Bekanntmachung in kraft. Berlin, S3. November 1896. Der Borstand der Orts-Krankenkaffe der Buchbinder und verw. Gewerbe. C. Hosfmann, 255. Kühne, Vorsitzender. Schriftführer. Vorstehende Abänderungen werden hierdurch genehmigt. Berlin, 27. Januar 1897. Der Bezirks-AuSschust. Freusberg. IV. Abänderung '.um Statut der Orts-Krankcnkasse der Buchbinder und verwandten Gewerbe. Artikel I. Der§ 13 Abs. 3 erhält folgende Fassung: § 13. 3. im Falle der Erwerbsunfähigkeit vom dritten Tage nach dem Tage der Erkrankung ab- für jedm Arbeitstag einschließlich der in die Woche fallenden Festtage ein Krankengeld und zwar für die 1. Klasse.., 1,60 M. „„ 2.„.., 0.85 ,» „„3.„... 0,72„ „»4.„... 0,66„ Artikel II. Vorstehende Abänderung tritt mit dem Tage der statutenmäßigen Be- kanntmachung in kraft. Berlin, 18. Februar 1897. Der Borstand der Orts-Krankenkasse der Buchbinder und verw. Gewerbe. C. Hoffmann, W. Kühne, Vorsitzender. Schriftführer. Borstehend« Abänderung wird hier- durch genehmigt. Berlin, 31. März 1897. Der Bezirks-AuSschnst. Kavier. , THrIIcIi: 6«-� , Warmes rübstück. .ö" "W zur Auswahl. «ji Echt Mttnchener gerb räu ilsener, hiesiges u. dunkl. Lagerbier 4- WeiesMcr. M-KrankenW kt DllWlker Berlins. Dienstag, den SS. April, abd» 8 Uhr, im Lokale des Hrn. Feind, Wetnstr. 11t UM" Ordentliche"WA Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Jahresbericht 1896 des Rechnungs- prüsimgs-Ausschusses. 2. Decharge- Ertheilung des Rendanten. 3. Ersatz- wähl eines Vorstandsmitgliedes. 4. Anttag des Rendanten um MiethS- entschädigung des Kassenlokals. 5. A5ahl eines Krankenbesuchers und Festsetzung des Gehalts. 6. Verschiedenes. f157vb Um zahlreichen Besuch bittet G. K r e b s, 1. Vors., Bcrgstr. 28, l. General-Bersammlung llei' Orts-Krankenkasse für das Barbiergewerbe. Dienstag, den 87. April 1897, abends 10 Uhr, bei Köllig, Rosenthalerstraße 12, oberer Saal. Um 10 Uhr Wahl von Ersatz-Kassen- Mitgliedern zum Vorstand. Um 11 Uhr General-Verfammlung. 1. Verlesen des Protokolls. 2. Abnahme der Jahresabrechnung von 1896. 3. Bericht der Revisoren und Decharge- Ertheilung. 4. Beschlußfassung über die Verfügung des Herrn Oberpräsidenten vom 26. März 1897. Abänderung der 88 39, 41, 48. Verschiedenes. Der Borstand. A. Fl int, Vorsitzender, Landsberger Allee 146. Aug. Fritz, Schriftführer, _ Kolbergersir. 3,_ Der Vorstand der OrtS-Kranken- kaffc für das Barbiergewerbe bringt folgende Verfügung des Herrn Oberpräsidenten vom 26. März 1897 seinen Mitgliedern zur Kennißnahme: Potsdam, 26. März 1897. Zur Wiederherstellung der Leisiungs- fähigkeit der Orts-Krankcnkasse für das Barbiergewerbe ist eine schleunige Ver- Minderung der Ausgaben erforderlich. Gemäß 8 33 Absatz 4 des Kranken- versicherungs-Gesetzes bestimme ich da- her auf Antrag der Ausstchtsbehörde, daß vom 5. April dieses Jahres ab die Krankenunterstützungsdauer auf 13 Wochen und das Sterbegeld auf den zwanzigsachen Bettag des durch- schnittlichen Tagelohns herabgesetzt werden. 1577b (Unterschrift.) A. Flint, Vorsitzender. A. Fritz, Schristjührer._ Bcrband der Holzbearbeitnngs- Rtaschinen-Arbeiter. (Ottsverwaltung Berlin II, Nord.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Mit Steinwender am Mittwoch, den 14. Apttl, ver- slorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 18. April, vom Trauerhaufe, Hussitcnstr. 10, nachui. 3 Uhr, nach der Prinzen-Allee, Gesundbrunnen, statt. Um rege Bctheiligung ersucht 83/12 Die OrtSverwaltnng. Für die liebevollen Beweise herzlicher Theilnahme bei der Beerdigung unseres guten Vaters LouiS Kahla» sagen wir allen Freunden, Venvandten und Kollegen unseren herzlichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. LriskrankellkiisstherBergelher General- Vcrsaminlunjr Montag, den«6. April 1897, abendS 8V2 Uhr bei Stabernatt, Jnfelftraße 10. Tages-Ordnung: 1. Rechnungslegung für das Jahr 1896. 2. Bericht des Vorstandes. Verschiedenes. 225/17 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Verstand. Paul Höpfner, Vorsitzender, Bernauerstraße 17. Hermann Borchert, Schriftführer, Görlitzerstraße 57. lApzt» in grösserer Stadt Wittel dentnchlands, sacht für die Verrichtungen in der Sprechstande, zur Assistenz bei Operationen, zar Besorgane desllnstramen- tariams, der Bachfiihranjg etc. gewandtes, Jüngeres Fräulein von angenehniem Aeassem.gntcmCharakter and fireandl. Wesen. Einige Kenntnisse Inder antiseptischen Wnndbe- handlongnnd der Ver band- anlegang erwünscht, doch nicht nothwendig. Stellang angenehm and gat dotlrt. Antritt sofort. OiTerten anter C. S. an die Exped. d. BI. 15408* PBr Vereine! Berliner Freie Presse, vom Okt. vis Nov. 1878 gebunden, ist preiswetth zu verkaufe«. Offerten unter E. K. an die Exp. d. Bl. erbeten. 15925 Die von mir ausgestoßene Be- leidigung gegen den Wertmeister Reinh. Hahn nehme ich zurück. 1591b _ Karl Witschonke. Achtang t Kein Laden. Nur eigene Fabrikation, 25 Ittgarren 1 Mark. Garantie rein amerikanische Tabake. Rippentabak 2 Psd. 60 Ps. II. F. 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Wahlkreises unter gefälliger Mitwirkung der Gesangvereine„Kreuzberger Harmonie", „Froh-Hoffnung",„Freiheit",„Frühlingslust" und„Gerechtigkeit", sowie einer Kapelle der„Freien Vereinigung der Zivil-Berussmustker". Entree SO IM'."Tpfj 238/10 Um zahlreichen Besuch bittet >er„Fr besuch Der Borstand. Letten- Brauerei Friedrichshain. Sonntag, den 18. April 1897(1. Osterfeiertag): Mal- und Justrumental-Koujttt. ausgeführt vom Musikkorps des 4. Garde-Regiments zu Fuß unter Leitung des königl. Mustkdittgenten Er. A. Bergter und einem Männerchor (80 Mann) unter Leitung seines Chormeisters Karl Schwarzmeier. Eintritt 25 Pf. Programm unentgeltlich. Anfang b�/z Uhr. AM" S. Osterfeiertag:"MS Bergter- Konzert. EinKitt 20 Pf. Programm unentgeltlich. Anfang 5 Uhr. Im Nebensaal: MM- 3. Osterfeiertag:"ME <*ro88e!8 Bergter-Konzert. Eintritt 20 Pf. Programm unentgeltlich. Im Nebensaal: Familtenkränzchen. 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B«i Beginn der FrühIayrS-Saison ist eS wiedemm nstkhig, daS geehrte«stulfthm darauf aufmerksam»u machen, sich nicht durch marktschreierische ReName bekannter Herren- und Knaben-Garderoben-Geschäfte irre führen zu lassen. Trotz des„Gesetzes wider den unlauteren Wettbewerb" liest man doch in allen Stadtgegenden, besonders aber im„Südosten" nach wie ______ vor Ankündigungen von„Ausverkäufen", die den Anschein erwecken sollen, als würde die Waare fast verschenkt. Jedoch ist es eine feststehende Thatsache, daß diese Anzeigen der „ ,,.. t sogenannten„Massen-Ausvex kaufe wegen Aufgabe deS Geschäftes-c." nur auf T ä u s ch u u g d e s Publikums berechnet sind und lediglich den Zweck ver- otIcll Umstanden" Kaufer anzulocken. Und leider finden sich auch immer wieder— Leute, die auf derartige schwindelhafte Anpreisungen hineinfallen, um allerdings»ach kurzer Zeit die trübe Erfahrung zu machen, n m nur"n? Ramfchwaare bestehenden Gegenstände mit dem so„fabelhaft billig" erscheinenden Schleuderpreis noch viel zu t h e u e r bezahlt haben. Wer sich aber vor Schaden hüten will und auf wirklich reeue �edlenung Anspruch macht, meide solche Reklame- und Ausverkauf-Geschäste und besorge seine Einkäufe bei soliden Firmen; die Preise sind auch hier im eigenen Interesse so billig wie nur irgend sind streng fest, an zedem Gegenstand deutlich in Zahlen vermerkt und in anbetracht der vorzüglichen Qualität der Stoffe und besseren Ausführung billiger als wie sie die sogenaniiten Reklameaefchafte zu bieten im stände sind. Anfertigungen nach Maaß werden in eigener Werkstatt und in kürzester Zeit, wenn nöthig schon innerhalb 12 Stunden ansgestihrt; fürt ad et- los enS rtz der Kleldungsstucke leiste ich G aran tie. Zwecks ungcnirter Anprobe sind An kleide-Kabine ts vorhanden. 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April 1897. Ein Vspikel zum»»Mievergung�. Jeder Tag bringt den erneute» Beweis, daß die Tage des Kleinbetriebes unwiderbringlich dahin sind, die Großproduktion und der Großbetrieb beherrschen auf allen Gebieten des menschlichen Verkehrs den Markt. Die verzweifelten Anstrengungen des Klein- betriebes, sich durch Assoziation oder Genossenschaft über Wasser zu halten, sind ganz vergebliche, nichts, absolut nichts kann die Zentralisation des mobilen und immobilen Kapitals aufhalten. Die Vcrtheilung und den Vertrieb ber Güter besorgt der Handel, er bildet das Bindeglied zwischen Konsumenten und Pro- duzenten. In ihn, ist eine ganze Anzahl kleiner Existenzen thätig, die ohne viel technische und soziale Kenntnisse ein leidliches Dasein führten und hauptsächlich nebe» den Kleinmeistern des Handwerks, de» Kern des sogenannten Mittelstandes bildeten.— Das war die Zeil in den KOer Jahren, wo der Zwischenhandel blühte. Dies änderte sich mit der im Gefolge des großen Krachs im Anfang der 70er Jahre hereinbrechenden lang andauernden Krisis, die den, Kapitaliste» klar machte, daß die Anlage seines Kapitals in ausländischen Papieren oder in zweifelhafien Baugründnngeri keine Sicherheit mehr böte. Da bemächtigle sich das mobile Kapital auch des Handels in weit hervorragenderem Maße als vorher; es enlstandcis die Groß- bazare, die alle möglichen Artikel führen, in enormen Qnanlitäten einkaufen, außerordentlich rasche Umschläge erzielen und infolge dessen die Waare zu derartigen Preisen auf den Markt werfen, daß Klein- krämer konknrrenzunsähig werde», ihren Kundenkreis von Tag zu Tag sich mehr lichten sehen und am Ende in die Schicht der An- gestellten, aus der sie hervorgegangen waren, znrnci sinken niüssen. Rührselige Leute, die über ihre eigene Lage noch nie hinaus- geblickt, beklagen die fortwährende Proletarisirung ganzer Klassen und jammern daneben, daß das Volk nur Schund kaufe und fiir solide gute Waare kein Verständniß mehr babe.— Sie bedenken nicht, daß einerseits die geringen Durchschnittslöhne und-Einkommen den Konsumenten auf billige Artikel hindrängen, daß aber andererseits der Großbazar thatsnchlich mit geringerem Nutzen arbeiten kann als der kleine Kaufmann. Meistentheils stehen den Großbazaren. soweit sie gut sundirt sind, entweder eigene große Kapitalien oder reiche von Banken eröffnete Kredite zur Verfügung. Während der Detaillift vor alle» Dinge» die Kosten seines Hans- Halts verdienen muß, der bei kleine» Umschlägen enorm ins Gewicht fällt, kommt bei dem Großkapital zuerst die Verzinsung des fremde» im Geschäft angelegten Kapitals in betracht. Sichere Staatspapiere bringen 3— Z'/e höchstens 4 pCt.; wird also das in der Industrie angelegte Kapital mit 6 und 8 pCt. verzinst, so gilt das schon für eine profitable Anlage. Da kann der Klein- kausmann, der bei einem Umsatz von 40—80 000 M. per Jahr 5—10 000 M. fiir sich persönlich verbrauchen will, absolut nicht konkurriren, er muß höhere Profile ans seinen Waare» heraus- schlagen, sind doch auch feine Spesen erheblich bedeutender als die des Großbetriebes.— Hat der Umsatz eines Großbetriebes im Waarenhandel erst einmal die Höhe von 3—4 Millionen Mark er- reicht, so fallen die Zinsen für die Hypotheken der Waarenpaläste viel geringer ins Gewicht als die Ladenmiethen von 4—8000 M. bei den kleinen Umsätzen der Detaillisten.— Die ganze ökonomische Entwickelung zeigt auch im Handel:„Je größer der Be- trieb, je besser organisirt er ist, umso ertrag- reicher ist das Geschäftsergebni ß." Schon anfangs der 80er Jahre war es denkenden Kauflenten klar, daß die Tage des Kleinbetriebes zur Rüste gehen.— Um Beispiele anzuführen, verweisen wir auf die Firmen Hertzog, Gerson, Mey u. Edlich, Israel, die alle ihre» Betrieben die größte Ausdehnung gaben, kolosiale Waarenpaläste erbauten, den Einkauf zentralisirten, den Fabrikanten sichere Beschäftigung geben konnten und so zu Umsätzen gelangten, die, wenn solche der Oeffentlichkeit bekannt würden ob der enormen Höhe, das größte Aufsehen erregen würden.— In Berlin trat auch die Firma Wertheim auf den Markt, die ebenfalls Verkausshäuser größten Stils errichtete, außerordentlich hohe Umschläge erzielte und viele» kleineren Betrieben die Lebensader unterband. Dem gegenüber war der Kleinbetrieb nicht unthätig. Er ver- suchte sich ebenfalls zu organisiren, die kleineren Firmen sollten zu gemeinsamem Einkauf veranlaßt werden, um so dem Großbetriebe die Waage zu halten.— Die Firma Emden Söhne in Hamburg vereinigt zur Zeit zirka 200 durch sie einkaufende Filialen, es folgen die Knopf in Straßburg und Freiburg, Schneider ». Tictz München ec.. Messow u. Waldschmidt in Dresden, Karstadt in Kiel nnd noch vielleicht 30—40 andere Firmen in Deutschland, die das sogenannte„F i l i a l- S y st e m" kultiviren, das heißt, fiir ihre Geschäfte in den einzelnen deutschen Orte»— z us a m m en einkaufen.— Das System bewährt sich aber auch nur da, wo genügendes Großkapital vorhanden ist, um die Lieferanten schnell zu bezahlen. Aber fast alle diese Filialgeschäfte müssen nnt dem Kleinbetriebe brechen, sie müssen wie Emden, Privat-Aus- stellungen arrangiren, die von den einzelnen Filialen besucht, geschlossene und große Ordres für den Fabrikanten ergeben, oder sie stoßen einen Theil ihrer Filialen ab und errichten wie jetzt Tietz in Hamburg und Messow in Breslau ebenfalls Riesen- geschäfte mit Waaren-Palästen, die auf Umsätze von Millionen be- rechnet, zum Großbetriebe führen. Daß das Sterbeglöcklein sür den Kleinbetrieb geläutet wird, beweist am klarste» der in Handelskreisen so ungeheures Aufsehen erregende Konkurs Max Simon in Frankfurt a. M. Die Firma Max Simdn in Frankfurt a. M. errichlete ebenfalls eine größere Anzahl kleiner Filialen in Deutschland. 1801 bestanden noch 05 Zweiggeschäfte dieser Firma in Deutschland. Die meisten dieser Filialen prosperirtcn aber nicht, einestheils weil de» Filialisten gestaltet war, selbständig einzukanfen, die Waaren- beschaffnng also dez entralisirt war und die Vorlheile geschloffener großer Aufträge dem Fabrikanten verloren gingen, andererseits abev die S p e s e n l a st der kleineren Betriebe fast überall zu Unter- bilanze» führt«. Störend und verlustbringend war auch hier die mangelnde Waarenkenntniß der Leiter der Filialen, die das Mutter- Haus(welches alle Regnlirungen vornahm) mit einem Ballast von Verbindlichkeiten überhäuften, Verbindlichkeiten für Waaren, die nicht gebraucht wurden. Organisation und Statistik müssen heute in den Handelsverkehr eingreifen, um vernünslige Resultate zu erzielen. Wir sagten, daß fast alle 05 Filialen keinen Profit ab- warfen.— Die Firma löste auch einen Theil der- selben ans, verlauste einen anderen Theil mit Verlust, so daß bei Ausbruch des Konkurses ini März 1807 nur noch 21 Zweig- geschäsle bestanden, von denen der Konkursverwalter in seinem Be- richt nur 5 als lebensfähig bezeichnete, während 10 unrettbar dem Ruin verfallen seien. Thalsächlich beträgt die Zahl der Konkurse, die neben dem Simon'schen einherlaufe», wohl jetzt schon circa 20 Die Schulden Simon's im eigenen Konkurse betragen 1 508 347 Mark, rechnet man die 20 Reben- Konkurse, die von anderen Filialen ge- troffenen Privat-Arrangements, so gehen wir nicht fehl, die Gesammt- summe der Insolvenzen auf 3 Millionen Mark zu beziffern. Das Stammhans Simon selbst hat die Kleinigkeit von über 800 Gläubigern, so daß zum ersten Konkurs- termin der große Schwnrgerichtssaal des Landgerichts Frankfurt a. M. hergenommen werden mußte, der Gläubiger» zahl nach dürfte dieser Konkurs wohl der größte sein, den Deutschland je erlebt hat— den erwähnten Schulden stehen an Be- ständen(Aktiva) zirka 400 000 M. gegenüber, so daß sich die Gläubiger, wenn alles gut geht, mit zirka 22 pCt. der ihnen ge« schuldeten Summen werden begnügen müssen. Im Jahre 1803 verzeichneten diese einzelnen Zweigbetriebe schon den stattlichen Verlust von 140 000 Mark, der sich im Jahre 1804 und 1805 auf'/« Million Mark auswuchs.— So— bankrott bis auf die Knochen— griff Max Simon, wie der Ertrinkende nach dem Strohhalm, auch auf den Großbetrieb über und etablirte mit den letzten verfügbaren Mitteln und dem immer noch feststehenden Kredite, de» die Lieferanten a�mugs- los gewährten, in Berlin auch ein Unternehmen großen Stiles.— Gegenüber von Wertheim wurde in der Rosenthalerstraße für 31 500 M. Miethe per Jahr ein Lokal genommen. Der Betrieb be- gann im November 1800— trotzdem ein Personal zur Verfügung stand, das ans lauter schlecht besoldeten Damen bestand, trotzdem der Laden bis ca. 10 Uhr geöffnet blieb, wurden n u r im November- Dezember nennenswerthe Umsätze erzielt, die aber dem innerlich ver- faulten Geschäfte nicht mehr auf die Beine helfen konnten.— Fiir uns als Sozialdemokraten fallen einige charakteristische Vor« gänge auf. Die gegenüber liegende Werlheim'sche Konkurrenz schließt pünktlich 3 Uhr das Geschäft, bei Simon wurde bis in die sinkende Nacht gearbeitet und trotzdem blühte dem Geschäfte kein Erfolg. Als Material fiir die Zunahme der Beschäftigung von Frauen und Mädchen in» Handelsgewerbe sei erwähnt, daß in der Berliner Filiale zuletzt 07 Personen beschäftigt waren und zwar 50 Verkäuferinnen, 15 Lehrinädchcn und 2 mämtliche An- gestellte— das D n r ch s ch n i tt s g e h a lt betrug monatlich 50—00 M.. was immerhin nicht allzu schlecht ist, denn wie die Orts-Krankcnkasse für Handlungsgehilfen und Lehrlinge ausweist, be- trägt dasselbe nur im allgemeinen für weibliche Angestellte in Berlin 40—50 M. per Monat. Doch zurück zu unserem Thema; dem Geschäft war nicht mehr zu helfen, schon 1802 stand fest, daß diese Art des Kleinbetriebes nicht lukrativ sei, und von da an erhöht sich auch die Privat- Entnahme der Inhaber sprunghaft, sodaß Max Simon selbst in einem Jahre(1802) fiir sich 44 000 M. entnimmt. Der Privatgebrauch des Hauptes der Firma beträgt in den letzten 7 Jahren durchschnittlich 32 700 M. per Jahr. Neben de» enormen Verluste», die das System des Kleinbetriebes dem Hause zufügt, liegt die Ursache des Zusammenbruches in dem übermäßigen Ber- brauche der Besitzer, der dem Geschäfte die flüssigen Mittel ent- zieht.— Die Schaar der Angestellten, die in den einzelnen Filial-Ge« schästc» nach Beendigung der Konkurs-Ausverkäuse brodlos werden, dürfte leider recht stattlich sein.— Zugegeben, daß hier ein Aus- Tausende von Anerkennungen!! von Selten der geehrten Damenwelt wurden mir ausgesprochen seit Veröffentlichung meiner Offerten, betreffend den„Tlntauterei» Wettbewerb" sowie„Da» Oute briclit»Ich Bahnt* Tiec welcher sich beweist mir zur genüge, daß ich dnrch meinen sr«»i>,ei» im stände bin, die Spitze zu bieten. Eine derartige Offerte dürfte Wohl von keiner Seite bei gleichen xutei» Qualitäten zn solch erstaunlich billigen Preisen geboten werden können. Dvotz des großen Bedarfs, der sich jetzt zur HUUfc SeUSOU einstellt, fühle ich mich veranlaßt, die Preise INttNöV zu erhöhen, sondern werde nach wie vor zu folgende« autzergewöhttlich billigen Preisen verkaufen. Ich bemerke noch ausdrücklich, daß nur hochmoderne Stoffe zum Berkauf kommen, und daß solche aus den ersten und renommirtesten Fabriken stamme... Besichtigung erwünscht! Zn kaufen hat niemand nöthig! Bitten möchte Ich»ber Decken. ,ier Bdarc hat. in. eigensten Interesse!!„Bedarf Hat jeder", kommt zn mir; prüft meine Waare«! Holt Euch Proben! nnd vergleicht mit den Waaren der Konkurrenz-»d kauft. ,um es s«n Vorllzeilkzofiesten". b» Bon dem bedeutende» Engros-Lager komme n folgende Stoffe zum Verkauf: t'rüdjakrs-�euksitkn in englischnnd glatt. Loden, kräftige... griffige Waare, doppeltbr., nur Meter 48 Pf. Noppe, eleganter Stoff mit bunte» Effekte», doppeltbreit, nur Meter SS Pf. Block Karos in engl. Geschmack, doppeltbreit, nur Meter«0 Pf. 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SW Haltestelle der Pferde- und Elektrischen Bahn aus allen Richtungen.*98 Telephon Amt IV. 1001. wuchs des Kapitalismus in Frage tritt, so bildet doch dieser Konkurs einen neuen Beweis für de» Untergang des Kleinbetriebes, einen Beweis, daß nicht nur in der Industrie, nein, auch im Handel, 0 r ganisation Platz zu greifen hat.— Bis dahin aber weisen wir immer und immer wieder darauf hin, daß unsere soziale» Zu» stände auch im Handel der Umgestaltung bedürfen, daß bei solchen dem Boden des Kapitalismus entwachsenen Vorkommnissen daS zutrifft, was wir von der heutigen Gesellschaft stets sagen: „An ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen." 1.. I-. Soziale Aechkspflege. Antipathie gegen de»„Vorwärts". Die Arbeiterin Frl. L. klagt wider die Frrma W. Gerson um eine Lohnentschädigung von ll? M. Der Sachverhalt ist folgender: Mehrere Arbeiterinnen obiger Firma geriethen mit der Leitung derselben in Differenzen, bei welchen es zu lebhasten Auseinandersetzungen kam. Frl. L. äußerte daraufhin zu einer in den Streit inil verwickelten Kollegin: „Bringen Sie es doch in den„Vorivärts"!" Diese Aeußerung wurde dem Chef hünerdracht»nv erhielt daraufhin Frl. L. am folgenden Sonnabend ihre Entlassung. Da Frl. L. sich eines Ver- gehen? nicht bewußt war, welches ihre sofortige Entlassung recht- fertigte, so wurde dieselbe gegen die Firma um eine 14 lägige Lohnentschädigung klagbar.— In dem ersten Termin wurde zwischen der Klägerin und dem Beklaglen ei» Vergleich in Vorschlag gebracht, daß der Beklagte an die Klägerin 25 M. zu zahlen habe; dieser Vergleich wurde auch von beiden Parteien akzeptirt. ging aber schließlich in die Brüche, als der Beklagte der Klägerin gegenüber ein« Bemerkung fallen ließ, welche diese in Aufregung brachte; die Klägerin verzichtete deshalb auf den Vergleich. ES mußte nun ein neuer Termin anberaumt werden. Bei Eröffnung der Verhandlung machte der Borsitzende nochmals den Vorschlag, auf den Vergleich einzugehen und jede unnöthige Erregung zu vermeide». Die Klägerin war auch damit einverstanden, nun auf einmal nicht der Beklagte; derselbe bestand vielmehr auf Herbeiführung eiues Gerichtsbeschlusses. Der Gerichtshof kam diesem Wunsche auch nach, indem er die Firma zur Zahlung von 37 M. an die Klägerin verurtheilte. In der Be- gründung führte der Vorsitzende aus, daß das Gericht in der gethane» Aeußerung:„Bringen Sie es doch in de»„Vorwärts", gleichviel ob dieselbe in oder außerhalb der Werkstatt gemacht wurde, eine Beleidigung nicht erblicken kau», welche dem Arbeitgeber das Recht einräumt, die Arbeiterin ohne Einhaltung der Istägigen Kündigungs- frist zu entlasse». Auf grund der Gewerbe-Ordnung kann die Eni- lassung eines Arbeiters oder einer Arbeiterin erst dann erfolgen, wenn Thätlichkeiten oder grobe Beleidigungen von feiten der Arbeitnehmer den Arbeitgebern gegenüber gethan wurden. Obige von der Klägerin gethane Aeußerung enthält aber weder eine Be- leidigung, noch eine grob« Beleidigung, dieselbe kann höchstens als ungehörig betrachtet werden. Es mußte deshalb wie oben erkannt werde». Tie Wcigernug, sich operiren zu lassen, beantwortete die schlesische landwirtbschastliche Bernfsgenossenschaft dem Arbeiter Smikalla damit, daß sie ihm die Rente entzog. Das Schiedsgericht, bei dem Snrikalla Berufung einlegte, zog ein ärztliches Gutachten ein. Danach würde die Operation, die Entfernung eines ab- gestorbenen Knochentheiles, im Zustande des Klägers eine erhebliche Besserung bewirkt haben. Mit anderen Worten, die entschädigungs- Pflichtige Arbeitsunfähigkeit hätte sich vermindert und damit die „Last" der Berufsgenoffenschaft. Das Schiedsgericht billigte darauf das Vorgehen der Berufsgenoffenschaft. An stelle des inzwischen verstorbenen Klägers trat dessen Wittwe in den Prozeß ein. Klägerin legte nunmehr Rekurs ein und berief sich zu seiner Be- gründung auf ein Urtheil des Rcichs-Versicherungs- a m t e s, wonach nach beendetem Heilverfahren sich kein Unfall- verletzter Arbeiter mehr operiren zu lassen braucht. Bei S. sei das Heilverfahren schon vollständig erledigt gewesen. Das Reichs-Ver- sicherungsamt wies jedoch die Klägerin in der Haupt- fache ebenfalls ab, indem es ihr die Rente nur bis zum Tage der Weigerung zusprach. Der Vorsitzende Pfarrius führt« zur Begründung aus:„Es handelte sich hier uni eine unberechtigte Weigerung, eine Manipulation vornehmen zu lassen, die eigenllich nicht als Operation im gewöhnliche» Sinne zu betrachten sei. Die Entfernung eines abgestorbenen Knochentheiles liege im Rahmen des tcilverfahrens und es sei deshalb unberechtigt, sich gegen sie zu sträube». ie Berufsgenossenschaft habe aber aus diesem Grunde die Rente vom Tage der Weigerung ab dem Verletzten entziehen können und den Hinterbliebenen könne sich darum auch nicht zugesprochen werden. Was sagen die Interessenten der heute noch bestehenden Ordnung der Dinge zu diesen, Eingriffe in das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen? Man sieht an solchem Beispiele wieder, daß alle Schreckensbilder, die von Ordnungsmänner» an die Wand gemalt werden, um den„Zukunftsstaat" zu diskreditiren, abgeleitet sind aus Vorgängen, die unter der„göttlichen Weltordnunz" an der Tagesordnung sind. Vorgänge, bei denen allerdings einzig der Pro- l e t a r i e r den leidenden Theil bildet. ___ 3. ÄVnhlltvris.__ Sonntag, den 18. April 1897, abends«>/, Uhr, bei �«dvll, Linden-Straße 106: Gcffenkl. Oorininittluttg Tages-Ordnung: Vortrag des Genossen Masnatsch über:„Die heilige Stellung der ftrim«. Nachdem: Geselliges Beisammensein.- Eintritt 10 Pf. 211/12 Um regen Besuch bittet Die Vertrauensperson. III. Wahlkreis! Am Dienstag, den SO. April(3. Osterfeiertag), abends 6 lthr, im groften Saal der Arminhallen. Kommandantenftraßc SO: Oeffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: Vortrag des Schriftstellers Herrn Hvliivlcli Schule. Hierauf: ticmiithl. Beisammensein. Entrce 10 Pf. pro Person. Zahlreichen Besuch erwartet s2IZ/9j Die Brrtraucnsperson. Achtung!"WM£B3P Achtung! Große öffentl. UMs-MmmliNis am Mittwoch, den Sl. Zlpril, abends?>/, Uhr, Ii» I-anle Kellei-'e Fcstsiilcn, Koppenstrasse 90. Tages-Ordnung: 1. Der Prozeß Koschemann oder: Wer sind die Propagandisten der That? Referent Varl Wlcscnthal. 2. Diskusston. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlnng statt. Zu zahlreichem Besuch ladet ein 158BV _ Per Elnbcrnfer; Meyer. AdlerShos. Sozialdemokratischer Wahiverein für den 5. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Donnerstag, den 22. April, abends S'A Ihr, im Lokale von ROllIg, Hoscnthalerstr. 11/12, General- Versammlung. TageS-Ordnung: I. Bortrag. 2. Bericht de« Borstandes. 3. Neuwahl des Vorstandes. 4. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. 245/8 UV Neue Mitglieder können in der Versammlung aufgenommen werden. Um zahlreichen Besuch bittet_ Der Borstand. Bildungsverein„Mehr Licht" Dienstag, wn 20. April(3. Feiertag). abendS 7 Uhr, im„Kngllschen«arten", Alexanderstraßc Nr. 270: MW" Versammlung.'ME Vortrag!„Freie Ostern!" Referent: Herr W. M anasse. Diskussion. Darauf: l,esei!iae8 Sei8SM!nen8em u.Tanz. Montag, den 19. April(2. Feiertag): Fußpartie nach Schmcholz. Dresfpmrtt nachm. 2 Uhr bei Bäthge, Restaurateur, Schönhauser Allee 156. _ Zahlreiche Betheiligung erwünscht_ 56/12 AlMllg! Former, äditmiö! Oeffentliebe Former-Versammlung am Dirnftag. 20. April, nachm.!>/- llhr. im Kolberger Salon, Kolbergerstr. 22: Tages-Ordnung: 1. Wie pellen flch die Former zur Feier des 1. Mai. 2. Sind die Former geneigt, w die Bewegung um bessere Arbeitsbedingungen einzutreten. 3. Verschiedenes. Nach der Versammlung findet gemüthlicheS Beisammensein statt. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, in der Versammlung zu erscheinen. 61/12 Per Plnhernfer. Hausdiener, Packer u. Kutscher! Sonntag, den 18. April(1. Osterfeiertag), abends 6 Uhr: Grosse öffentliche Versammlung AM- mit Frauen"MG im P n g 1 i s ch en Parten, Alexanderstrafte 27c. Tagesordnung: 1. Mittheilungen. 2. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten K. Pens über:„Ist jeder feines Glückes Schmied?" 3. Diskusston. Nach der Versammlung: ttemttthllches Beisammensein. Austreten des Mundharmonika-Vereins„Konkordia". 8S/1S Per Elnhernfer: Ott» Bouath. Schuhmacher. Am Dienstag, de« 20. April jg.Ostertag). vormittags 9-/2«Hr. in _ Cohn« Festsälen. Beuthstrafte Nr. 20:. M Große öffeMche Versammlmg. Tages-Ordnung: 1�8/2 1. Bortrag deS Reichstags-Abgeordneten Genossen Pens über:„Frei- heit und Ordnung". 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zu den Lohnrcdu- zirungen in verschiedenen Geschäften. 4. Stellungnahme zum ersten Mai. 5. Verschiedenes.— Kollegen! erscheint in der Versammlung Mann für Mann. Agitationskonnnisston der Schuhmacher Berlins. Achtung! Händler. Achtung! Große öffentliche Versammlung der Händler und Händlerinnen Berlins und Umg. Donnerstag. 22. April. abendS 8 Uhr. bei Mtegel, Stralauerstr. 57. Tages-Ordnung: I. Berichterstattung des Delegirten der Gewerkschastskommission und Neuwahl desselben. 2. Wahl einer Agitationskommisston. 3. Der Kongreß der lokalorganisirten Gewerkschaften tn Halle. Referent Genosse Thicme. Im eigenen Interesse der Händler bittet um zahlreiches Erscheinen izggb Müller, Große Franksurterstr. 96._ Freie VolksbOhne im Belle-Alllancc- Theater, Belle-Alliancestr. 7/8, Sonntag, den 23» Aprily nachm. 3'dhr, 3. Vorstellung für die IBI« Abtheilung(graue Karten). Der Kaufmann von Venedig Lustspiel in 5 Akten von Shakespeare unter Mitwirkung folgender Gäste: Shylock Gustav Kober(Theater des Westens). Porzla Marie Holsers(berliner Theater). Jessica Marie MOSler(Ltadttheater inRostook). i-orenso Wilhelm Berani. 230/20 Bassanf Heinrich Frei. Die Verloosung der Plätze beginnt um 2 Uhr. Mitglieder zur III. ibtheilung werden noch in allen Zahlstellen bis zum 24. April aufgenommen. Die Monatsschrift„Freie Volksbühne", von Dr. C. Schmidt, enthält auch den Theaterzettel und ist in neuer Auflage nur in den Zahlstellen des Vereins& 10 Pf. zu haben. Im Theater wird das Heft vorlünflg nicht verkauft. Die Mitgliedskarte muss in der ersten Eubrik 2 Marken ä 60 Pf. enthalten. V«. Hnnaf Hol ist In Vorbereitung das Schan- aur muilm Hl dl spiel Georg Hlrschfcld's „Die Mütter". Der Vorstand. 1. A.: G. Winkler, Kixdorf-Borlin, Kirchhofstr. 46, IL MImub! Maurer. Mtonq! Am 2. Osterfeiertag. abends 7 llhr, findet zu 280/2 Ehren der Delegirten zur Konferenz der Maurer der Provinz Brandenburg-w Gemüthliches Peisammensein.»«« m» Tanz im Liokal Baske, Orenadlerstr. 83, statt. DM- Alle Kollegen, welche sich in: Kreise der Delegirten einen ver- gnügten Abend beretten wollen, sind hierzu mit ihrer Familie höflichst ein- geladen.- Entree 10 Pf.'WS Die Agitattonskommission der Maurer der Provinz Brandenburg. I. A.: Karl Panier. Achtung! Achtung! Mnsikinsfmmenlen-�riieiier. Dienstag, 20. April(3. Feiertag», vorn». 9Vz Uhr. im Lokal des Herrn dnlins Henke, Naunpnstrafte 27: Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: l. Vortrag des Genossen Wagner über: Die Bedeutung des 1. Mai und wie feiern wir denselben. 2. Diskussion. 3. Ab- rechnung deS Vertrauensmannes. 4. Neuwahl desselben. 5. Verschiedenes. 142/10__ Der Bcrtrauensmann. Stuckateure! Montag, de« 20. April. abendS 7 Uhr. in Eohn'S gr. Saal, Benthstr. 21-22 t krosse öffentliche Versarnrnlnng. Tagesordnung: I. Bortrag des Reichstags-Abgeordneten Bohert Schmidt über: Die Handwerkervorlage im Reichstage und die Submtsfionsarbeiten der königlichen und städttichcn Behörden und welchen Nachtheil bringen uns dieseiben. 2. Unsere vorjährige Lohnbewegung und das Resultat derselben. Die Prinzipale sind hierzu eingeladen. 173/14 Kollegen, alle Mann aus Posten, keiner darf fehlen.(Siehe Flugblatt.) verband der tu Koljdeardettllngs-ZadMen «.aus Deljpt�en�elch.Arbeilcr Deutschlaiids Mittwoch. Sl. April, abends 8Vz Uhr. bei Jenrieh, Bergstr. 12: Versammlung. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal. 2. Bericht deS Bor- standes, der Kommisston und des Delegirten der Generalversammlung. S. Neuwahl des Gesamnttvorstandes und der Kommission. 4. Verbands- angelegenhcitm und Verschiedenes. Um zahlreichen und pünktlichen Besuch bittet 83/11 Der Vorstand. � Ktockarbetter! KSeffenMe Nttsammlniig h, den 21. April, abends 8V2 llhr, in J am Mittwoch, den 21. April, abendS 8>/z Uhr, in JoOl's öiilen, Andreasftrafte 21. Tagesordnung: 1. Vortrag: Die Theorien des Arbeiterglückes. Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. 2. Diskussion. 3. Sellung- nähme zur Maifeier. 4. Hallcr Kongreß bezw. Wahl eines Delegirten zu demselben. 5. Werkstattangclegenheiten. 6. Verschiedenes. 1588b In anbetracht der wichtigen Tagesordnung versäume es keiner, pünktlich zu erscheinen. __ Die Agitattonskommission der Stockarbeiter. AGhtimg! Töpfer! Achtung! Mittwoch, den 21. April, abends 0 Uhr. in den Arm.»hallen. Kommandantenstr. 20: Oekfeut Versammlung der Töpfer Berlins u. Umg. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum 1. Mai. Die fernere Tattil der Gewerkickasten be: Lohnbewegungen. 3. Gewerkschaftliches. Es ist Pflicht jedes Kollegen, diese Versammlung zu besuchen 193/18_______ Die Kommission. Fachverein der Stellmacher Berlins und Umgegend. Montag, den 10. April(2. Osterfeiertag). abends 5>/, Uhr» im Lokal„Englischer Karten». Alexanderstr. S7e� fQT Versammlung. Tages-Ordnung: Vortrag des Herrn l»r. Weyl über:„Arbeit und Erholung im Klassenstaat und tn der sozialistischen Gesellschaft: eine Osterbctrachwng." Darauf: Geselliges Beisammensein und Danz. 159/12 Um zahlreiche Betheiligung bittet_ Der Borstand. Achtung! Putzer. Achtung! Mittwoch, den 21. April, abends 6 Uhr, Grenadierstr. 33; g&p Versammlung der Bau-Deputirten der Puteer. 280/3 Jeder Bau muß durch Delegirte vertreten fem.__ Die Lohnkommission der Putzer. Achtung! Korbmacher. Achtung! Mittwoch, den 21. April. abendS 8 Uhr,"MU in Peindt's Lokal, Wcinstr. 11: Goffontl. VerisÄMMlung. TageS-Ordnung: 1. Stellungnahme zum 1. Mai. 2. Bericht des Äewerkschasts-Delegirtm. 3. BerschtedeneS. 98/1? Der Einderufer. Beti. Naturheilverein Vorwärts. Abend 87* Uhr, Auueustraßc 16: WM- Versammlung. Vortrag des prakt. Naturheilkundigen Herrn Gvundmann über: Wurhelllimide im AMrAm. 1576b Nachdem: Bemttthltches Beisammensein mit Tana. Gäste willkommen._ Eintritt 10 Pf. Wper-nMurlikltllmill Leiter: Otto Grundmann uni) Freu prattische Naturhcilkundige. Natnrärztltche Sprechstunden täglich 11—2, 6—8, Sonntags 11—1 Uhr. Für Unbemittelte Montags und Donnerstags. Naturheilbad und elektro-mcchanisches Institut. Alexanderstr. 8(neben Polizeipräsidium). Für Damen und Herren täglich geöffnet. » Der Borstand. UllterrillitsirMl!ilrer°.Zlmi!lerer, besonders Ausbild. z. Polier durch erfahr. Praktiker mit Staatsprüfung. Lpnarftr. 2, 2. Eing. I. Meldungen nur Sonntags von 9—12.[15576* V Olksgarten Wh« Weimann) Badstrasse 56.(tlesandbrunnen. Pankstrasso 25, Telephon: Amt II Nr. 2136. Zur Eröffnung der Domnier- Saison: Am 1. und 2. Oster> Feiertag: Crarten-Konzert verbunden mit Theater- n. Spezialitätenvorstellung« Am 2. Feiertag: Drösser Fest-Ball. Kaffeewche, KarousselS, Rutschbahn, Schaukeln, Würfelbuden, Schieß, budcn jc. sc.— Mein Etablissement ist der Neuzeit entsprechend vollständig renovirt worden, so daß dasselbe dem geehrten Publikum einen angenehmen Ausenthalt bieten wird. 15301;* Vereinen, Gesellschaften und Versammlungen empfehle die Besichtigung meines Etablissements. Dasselbe vergebe ich unter den amiehmbarsien Be- dingungen. Um güttgen Zuspruch bittet Zernlk, Direktor. Berantwortlicher Redakteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Jnseratentheil veraniwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.