0 U eulfcke Sinzig« unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nr. 140— 2. Jahrgang Saarbrücken Paris, Donnerstag, 21. Juni 1934 Chefredakteur: M. B r a u n Ans dem Inha lt Zersetzung, in der SA, Seite 2 ZuuuigsdepoctatioH für deutsche Arbeitet Seite 3 «i Höchberg. Eines der erwähnten Gebäude ist die S nn a goqe und die Tchmieraae, sind— Hakenkreuze. Tie Täter aber sind provozierende Marxisten! Die BIZ. gibt als Fiskal-Agent der Treuhänder der deutschen äußeren Anleihe bekannt, daß sie gegen das deutsche Memorandum Protest erhöbe» habe. Die Zusammenkunft Barthon-Dollsuß aus dem Bahnhof in Wien hat über eine Stunde gedauert. Einer amtlichen Mitteilung zufolge hat Minister Barthou gegen» über Dr. Dolifnß die Versicherung wiederholt, daß die französische Regierung nach wie vor auf die Unab» hängigkeit Oesterreichs den größte« Wert lege. Präsident Roofevelt hat in der Nacht zum Mctt-v'.ch einen mehrtägigen Urlaub angetreten. Kurz vor ,einer Ab» reife hat er die Silberoorlage unterzeichnet und de t neu ge» fchakkenen Tchlichtungsgesctz entsprechend den Staa.'s'ekretär im Arbeitsmiiiistcrinin. Fräulein Pcrkins, zu», Vermittler in dem Arbeitskamps in der Stahlindustrie ernannt. Wie bekannt wird, haben in mehreren großen Werken der United Steel(Korporation etwa 95 Prozent der Belegschaft gegen einen Streik gestimmt. Zwangsdeportation! Die Sklaven„werden ersucht..."— Wer nicht pariert kommt in die fOrsorgeansfalf Saarbrücken. 20. Juni 1934. Wieder ein echtes Schanddokument aus dem„dritten Reiche"!(Weggelassen ist lediglich, was zur Ermittlung des Empfängers dienen könnte.) Schon vor einiger Zeit meldeten wir, daß in vielen Teilen Hitlerdeutschlands die Arbeitslosen vor die Wahl gestellt werden, sich entweder zur Zwangsarbeit verschicken zu lassen, oder auf Unter- stützung zu verzichten. Das nebenstehende Dokument zeigt einen„humaneren" Weg: Wer sich nicht nach Pommern oder Ostpreußen verfrachten lassen will, wird nicht mehr zum Verrecken auf die Straße geworfen. Man sperrt ihn in eine Fürsorgeanstalt, wo er zu anderer Zwangsarbeit angehalten und entsprechend„behandelt" werden kann. Was zeigt das Dokument? Es bestätigt die Ernied- rigung der Arbeitnehmer zu recht- und willenlosen Sklaven. Zwangsarbeit, Zwangsdeportation. Zwangserziehungshäuser! So lautet das Fazit der jetzt eingestellten und verlorenen Arbeits- schlacht. Die zwangsverschickten Arbeiter sind dazu ausersehen, die polnischen Saisonarbeiter in den ostelbischen Land- gegenden zu ersetzen. Die polnischen Arbeiter waren be- liebt wegen ihrer Bedürfnislosigkeit und ihrer billigen Arbeitskraft. Die Zwangsdeportierten wären glücklich, wenn ihnen das Los der polnischen Landarbeiter winkte. Davon aber kann keine Rede sein. Sie müssen gegen einen lächerlichen Hungerlohn und schlechte Kost arbeiten. Die Unterbringung ist menschenunwürdig, besonders für diejenigen, die im Westen Deutschlands die gehobene Wohnkultur kennen und schätzen gelernt haben. Jeder, der einmal den Osten besucht hat. kennt die luft- und lichtlosen Arbeitshäuser auf den Rittergütern, die ohne Uebertreibung als weit hinter den Viehställen stehend zu bezeichnen sind. Von erster Begeisterung auf die Möglichkeit beglücken- der Landarbeit hin getrieben, haben sich viele Freiwillige gefunden, die Landhilfe im Osten leisten wollten. Diese Männer besten Willens sind über die Arbeitsbedingungen und die Arbeitsverhältnisse völlig ernüchtert worden. Viele, darunter auch Angehörige der SA., sind Verbots- widrig mittellos in die Heimat zurückgekehrt. Nach langen Fußmärschen abgerissen und halb verhungert. Sie haben das Bild der östlichen Landarbeiterhölle den Arbeitslosen im Westen erzählt. Deshalb stockte der Freiwilligenzuzug vollständig. Man mußte zur Zwangs- Verschickung greifen. Aus vielen Gegenden Deutschlands werden herzerschütternde Auftritte geschildert, die sich er- eigneten, wenn junge Leute und verheiratete Männer ihre Familien verlassen mußten, um in das östliche Elend zu wandern, zu Nutz und Frommen der Großagrarier, die ihren Lohn empfangen dafür, daß sie früher Mittel ge- spendet haben für Hitlers SA. Offenbach s /Mo, den Hein Offenbach a/A. Akt-Nr.: Sie werden ersuch!» sich umgehend bei dem hiesigen ~iroe.it. samt unter Vorlage dieses Schreibens für die Landhilfe/ den freiwoArbeitsdienst zu melden.. Dabei wird bemerkt, dass dehjenigen,. lie dieser Meldung ohne triftigen Oriind(Krankheit) nicht naoh- kommen, die Unterstützung sofort eingestellt und nur noch in Form geschlossener Fürsorge( Versorgungsheim) gewährt wird. Ausser Krankheit oder ganz besonderen Familienverhältnissen können keine tblehnungsgründe angenommen werden. Städt. tohlfahrts. 1 Jugendamt Arbeitsfürsorgestelle I.A. U. dem Städt. Wohlfahrts- 4 Jugendamt Arbeitsfürsorgestelle Offenbach ä /SL Aas Trier Roheiten der Hitler-Jugend Man berichtet uns: In den vergangenen wurde überall im hiesigen Bezirk sozialdemokratische Flugblätter verbreitet. Unsere Freunde haben aus gewissen Gründen nichts dagegen einzuwenden, daß sowohl die Behörden als auch die Bevölkerung allgemein von„kommunistischen Flugblättern" spricht. Inhalt der Settel war ein Ausrus an die katholische Jugend, sich im Kamps gegen den Faschismus nicht entmutigen zu lassen. Man erzählt sich, daß der Zirkus Althos der Ausgangspunkt der oppositionellen Aktion qe- wesen sei. Diese Annahme ist wahrscheinlich auch der Grund, weshalb das Unternehmen früher abbrechen mußte. Es wurden ungefähr 30 junge Leute verhaftet aber zum größten Teil wieder freigelassen. Hitler-Iugend und katholische Jugend ist ein besonderes Kapitel. Sie hassen sich mit einem Fanatismus, die kaum ihresgleichen hat. Durch ganze Familien geht ein Riß, den nichts mehr zu heilen imstande ist. Die Verrohung der Hitler-Iugend nimmt Formen an. die die schlimmsten Be- fiirchtungen vor allem kür die Zukunft rechtfertigen. Zwei Fälle, die selbst die Zeitungen in Trier, selbstverständlich ohne nähere Details melden mußten: 1. Auf der neuen Moselbrücke wurde eine hochschwangere Frau von einem halbwüchsigen Burschen ins Gesicht ge- schlagen, daß sie hinfiel und ohnmächtig wurde. 2. Aus dem Paulusplatz wurden an zwei verschiedenen Tagen ein Arbeiter von zwei halbwüchsigen Burschen in den Leib und ein lljähriger ins Bein geschossen. In bei- den Fällen sind die Täter Hitler-Iugend. Der erste schlug der hochschwangeren Frau mit der Faust ins Gesicht, weil diese ihren Sprößling, der in HI.-Unssorm war, einen Klaps versetzt hat. Ties sah der Täter, und weil er den Beiehl kennt:„Niemand darf einen HI.-Iungen schlagen", schlug er die Mutter nieder. Der zweite Fall: Nach gründlicher Untersuchung fand die Polizei in der Dach- kammer eines Hauses des Paulusplatzes einen bis an die Zähne bewaffneten Siebzehnjährigen, der aus der Dachlucke schoß. Der Junge ist ein Opfer der Kriegs- und Gewalt- psychose, der sich heute noch kaum jemand entziehen kann. In der SA. kriselt es. In Trier wurden zwei Stürme (5 und 8) ausgelöst. Tie Leute sind einfach nicht mehr zum Appell angetreten. In den Kreisen der„alten Kämpfer" herrscht Unwillen und Mißstimmung. Zum Teil sind sie traurig wenn sie die Erfolge ihrer Tätigkeit jetzt sehen. Die ehrlichen Elemente sagen, die Jugend verroht und vernichtet alles' der Marxismus setzt überall zum unterirdischen Kampf an' die Kirche, insbesondere die katholische im Rhein- land, läßt sich nicht bezwingen: der Iudenboykott zeigt jetzt in einem Boykott deutscher Waren im Ausland seine Folgen. Der Totalitätsanspruch des Nationalsozialismus als Welt- anschauung und der dadurch notwendige Kampf gegen die alten, tief verwurzelten Weltanschauungen wird nach der Ueberzeugung dieser alten Kämpfer nicht m,t einem Sieg des Nationalsozialismus enden. Interessant ist die jetzt erfolgende Auslese. In unserem Gebiet werden jetzt aus jedem Sturm 40 Mann, und zwar die zuverlässiasten. herausgezogen und besonders geschliffen. Sie beißen..Feldschar" und stehen z. b. B. Nach einer Aus- loiiuna eines Standartenbesehls sollen die in der„Feld- schar" zusa-'mengesaßien Mannschaften nur bei„gewissen Konflikten" Verwendung finden. Handschellen in der Saarbrücker Stadtverordneten- Versammlung Oberbürgermeister Weihes als erfolgreicher Praktiker des„dritten Reiches" Saarbrücken, 10. Juni. In der Saarbrücker Stadtverordnetensitzung kam es am Dienstag zu T k a n d a l s z e n e n, die selbst in diesem oft stürmisch bewegten Gemeindeparlameni bisher unerhört waren. Schuld daran trug der Oberbürgermeister Neikes, der in provozierender Weise totale Politik im Namen der „deutschen Front" betreibt und sich an den politischen Aus- einandersetzungen aktiv beteiligte. Das alte Rezept, aus allen kommunalen Kommissionen alle Vertreter der Linken systematisch hinauszuwählen, wurde fortgesetzt. Alle Proteste halfen nichts. Die„deutsche Front" setzt sich über die verachteten Gebräuche des Parla- mentarismus hinweg. Zu einer großen Debatte kam es, als die Vorlage über die Erhöhung des Stammkapitals der Fern- gasgesellschaft Saar G. m. b. H., in Höhe von 504 000 Franken erörtert wurde. Der sozialdemo- kratische Stadtverordnete Schwarz wandte sich mit äußer- ster Schärf« gegen den Borschlag der Stadtverwaltung mit der Begründung, daß sie nichts anderes bezwecke, als den Hüttenwerken neue Einnahmen zu verschassen.„Wir sehen nicht ein, daß die saarländischen Kommunen und insbesondere die Stadt Saarbrücken zum Vorteile der Hüttenindustriellen ihre Gelder verausgaben." Es kam daraufhin zu lebhaften Auseinandersetzungen mit dem Sprecher der„deutschen Front", dem Gewerkschaftsvertreter Hillebrand. Selbst- verständlich wurde die Borlage von der Mehrheit ange- nommen. « «« Vornehmer Man kann auch sagen: rechtloser! Darmstadt, 10. Juni. jInpreß.j Aus folgenden Aussüh- rungen des Nationalsozialisten Schirmacher. die die„Hessische Landeszeitung" veröffentlicht, ist, zu entnehmen, was HitlerS „Arbeiterpartei" in den mehr als IS Monaten ihrer Herr- schaft für den Arbeiter geleistet hat:„Arbeiter, Angestellte und Beamte stehen heute bescheiden beiseite. Keiner von ihnen ist mit Forderungen ausgetreten. Nur verschiedene Wirt- schastszweiqe schreien heute in großen Tönen von Preise«, die sehr im argen liegen sollen, und verlangen gerechte Preise. Kartelle, Innungen und Verbände schließen sich heute enger denn je zusammen: aber nicht um zu beraten, wie man die Preise senken kann..„ sondern sie sprechen in Zu stürmischen Szenen kam es bei der Beratung eines kommunistischen Antrags aus Gewährung von Beihilsen für die Einkleidung von schulentlassenen Kinder der Freidenker. Der Oberbürgermeister erklärte, daß nur an Kinder kon- fessioneller Bekenntnisse städtische Beihilsen gegeben würben. Im Laufe der Aussprache meldete sich der Stadt- verordnete D e t j e n von der kommunistischen Fraktion zur Geschäftsordnung zum Wort. Er protestierte dagegen, daß der Oberbürgermeister einen Mann von der Trübine ent- fernen lasse, der angebliche etwas gerufen haben solle. Dessen erklärt, daß dieser Ruf im Saal nicht gehört worden sei. Dreimal wird Detjen zur Ordnung gerufen, weil er die Maßnahmen deS Oberbürgermeisters kritisiert. Schließlich wird er für drei Monate ausgeschlossen. Als Detjen sich weigert, den Saal zu verlassen, ruft der Oberbürger- meist« die Polizei. Es kam zu beispiellosen Auftritten. Ein Polizist bemüht sich, Detjen die Handschellen anzulegen: es gelingt, und Detjen wird auS dem Saal geschleijt. Di« kommunistischen und sozialdemokratischen Stadiver- ordneten verlassen den Saal, mit Ausnahme der beiden sozialdemokratischen Stadtverordneten Schwarz und Leh- mann. Sie stellen den Oberbürgermeister wegen seines ge- schäftSwidrigen und partetischen Verhaltens zur Rede, aber die„deutsche Front" stellt sich einmütig hinter das Stadt- oberhaupt, das die Praxis des„dritten Reiches" im Saar- gebiet wirksam veranschaulicht. der Hauptsache nur von Mindestpreisen... Jeder glaubt, er müsse heute besser leben als früher. Keiner denkt an Selbstbescheidung. Die Lohn- und Gehaltsempfänger sind viel vornehmer, keiner verlangt gerechten Lohn... Der Arbeiter sber früher erwerbslos wars verdient heute ein paar Mark mehr als früher. Seine Arbeitslosenunter- stützung war nicht viel weniger gewesen." Erst Militärdienst, dann Engagement (Inpreß.) Die Stadt Braunschweig hat verfügt, daß künstig nur solche Personen als städtische Beamte oder als Ange- stellte und Arbeiter engagiert werden sollen, die ein Jahr im Arbeitsdienst gewesen und im Besitze der Arbeitspässe sind. Diese Borschrist findet auch aus solche Personen Anwendung, die sich bereits im Dienst der Stadt befinden und das 2S. Lebensjahr noch nicht beendet haben. „Deutsche Freiheit" Nr. 140 ARBBIT yMO WIRTSCHAFT Donnerstag, 21. Juni 1934 Reldsssnarft wird abgefelutf Vom Niederrhein wird uns geschrieben: In Venlo und an anderen deutsch holländischen Grenzgebieten wird die Mark nur noch mit 40 Cent bezahlt. Als am Ireitag die Banken in Venlo geschlossen, die immer noch 52 Cent gezahlt hatten, konnte man nur noch 40 Cent für die Mark erhalten. Im allgemeinen ist das Vertrauen zur Mark in Holland sehr stark geschwunden. Die Handler weigern sich, gegen Mark Geschäfte zu machen. Interessant ist eine Aeußcrung, die ich von verschiedenen Stellen hören konnte:„Man könnte jetzt sehr viel nach Deutschland verkaufen, doch weiß man nicht, was man nachher dafür bekommt." Die Geschäfte werden den Holländern zu unsicher. Es hängt dieses auch damit zusammen, daß man jetzt in Deutschland anfängt Angstkäufe zu tätigen. Außenhandel nur noch Austauschgeschäft Der Deutsche Presse-Verlag schreibt:„Wie wird sich nach dem 1. Juli der deutsche Außenhandel gestalten? Die merkwürdigsten Vorstellungen herrschen darüber selbst in solchen Kreisen, bei denen man doch die Anstrengung eigenen Denkens voraussetzen sollte. Da die Devisen für den Import ohnehin schon auf 10 Prozent herabgesetzt worden sind, funktioniert der deutsche Außenhandel doch jetzt schon nur noch durch Austauschgeschäfte und zusätzlichen Export mit Hilfe von Bondkäufen. Irgendeine Aenderung der jetzigen Lage ist also überhaupt nicht zu erwarten..." wer Verzweiflung nahe Unter der Ueberschrift„U m das Schicksal der älteren Angestellten" veröffentlicht die deutsche Angestelltenschaft folgenden Aufruf, unterzeichnet vom Treuhänder der Arbeit, Dr. Däschner, dem Präsidenten des Landesarbeitsamtes Brandenburg, Dr. Böning, dem Bezirksleiter der deutschen Angestelltenschaft Bezirk Brandenburg-Grenzmark, Schach, und dem Leiter der Bezirks» Stellenvermittlung Ostdeutschland, Pendel: „Im Zuge der Arbeitsbeschaffung und angesichts der Tatsache, daß jüngere Angestellte u. a. durch diese Maßnahmen für die Landwirtschaft nicht mehr in dem Maß arbeitslos sind, als das noch vor wenigen Wochen der Fall war, ist es Pflicht aller öffentlichen und privaten Betriebe, nunmehr an der Milderung des Arbeitslosenschicksals der älteren Angestellten tatkräftig mitzuarbeiten. Mit langjährigen Erfahrungen ausgerüstet, steht ein großer Teil dieser ehemals schaffenden Menschen noch außerhalb ihres VI irkungskreises. Vielfältig sind die Mühen und groß die Unkosten- die sie zur Besserung ihrer Lebenslage, zur Erhaltung ihrer Familie und zur Erlangung einer neuen Arbeitsstätte bisher vergeblich angewandt haben. Allen, die sich unmittelbar mit dem Schicksal, mit den Sorgen und Nöten der älteren und ohne eigene Schuld stellenlos gewordenen Angestellten verbunden fühlen, wissen, daß viele von ihnen der Verzweiflungnah ewaren und noch sind. Dank der neuen erfolgreichen und kraftvollen Staatsführung haben auch sie ihren Glauben an das Leben wiedergefunden.(Siehe vorhergehenden Satz. D. Red.) Unter keinen Umständen dürfen die neu erweckten Hoffnungen enttäuscht werden. Das Gebot der Stunde ist, sie wieder in die Front der Arbeit einzureihen. Unsere gemeinsame Aufforderung an die öffentlichen und privaten Betriebe geht deshalb dahin, alle Maßnahmen und Anregungen durch die Tat zu unterstützen, die geeignet sind, auch den älteren Angestellten wieder Arbeit-und Brot zugehen. Vor allem: keine Alterssperre mehr. Denkt daran, daß es sich bei der Schaffung eines Arbeitsplatzes gleichzeitig um die Sicherung der Grundlage von Staat und Volk, der deutschen Familie, handelt. Wir erwarten von allen Betriebsführern, daß sie unserem Aufruf Folge leisten und durch die Tat helfen." Sinkende Soziairenten Um 120 Millionen RM. in einem Jahr Das Reichsversicherungsamt veröffentlicht die vorläufigen Geschäfts- und Rechnungsergebnisse der Träger der reichsgesetzlichen Unfall- und Invalidenversicherung für das Jahr 1933. Hiernach belaufen sich die gesamten Ausgaben in der Unfallversicherung für das Jahr 1933 auf 307 000 RM., gegen 333 000 RM. im iahre 1932. Die Zahl der versicherten Personen ist nach den vorläufigen Angaben bei den gewerblichen Berufsgenossen- sehaften auf 8 880 995 festgestellt worden, gegen 8 280 075 im Vorjahre. Die Zahl der Vollarbeiter beläuft sich für das Jahr 1933 auf 7 684 194, gegen 77 158 279 im Jahre 1932. Für die landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften sind neue Feststellungen über die Zahl der Versicherten nicht getroffen worden. Man rechnet mit rund 14 000 000\ ersicherten. In der Invalidenversicherung betrug die Gesamteinnahme im Jahre 1933 744 600 000 RM. Die Beiträge machten 678 700 000 RM.(1932: 642 200 000 RM.) aus. Infolge der Notverordnungen sind die gesamten Ausgaben von 910.4 Millionen RM. auf 782,1 Millionen Reichsmark gesunken. Die Rentenleistungen, welche den Hauptteil der Ausgaben darstellen, sind von 794.2 Millionen auf 690,0 Millionen RM. zurückgegangen. Die Aufwendungen für freiwillige Leistungen(Heilverfahren, Invalidenhauspflege, Waisenhauspflege) waren im Jahre 1933 noch etwas rückgängig. Ein verlorener Sdiwnrzeuge Der schwedische Nationalökonom Gustav Cassel gehörte bisher zu den Schwurzeugen nationalsozialistischer Wirtschaftspolitik. Er hat jetzt im„Svenska Dagbladet" die Einführung eines schwedischen Clearingverfahrens gegen Deutschland gefordert. Jetzt ist es aus mit den nationalsozialistischen Loksprüchen, jetzt heißt es: „Professor Cassel befindet sich hier auf Abwegen, die ihn außerhalb des Feldes der Wissenschaft führen. Ist Professor Cassel noch in engem Zusammenhang mit dem internationalen Fortschritt der wirtschaftlichen Erkennt- „Planwüftdtaff im„driften ReKfi" von lan Severin Mit der zunehmenden Unsicherheit des Hitler-Regimes wächst auch das Bestreben, immer neue Personen und Schlagworte in den Vordergrund zu stellen. Jeder Wechsel auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet schafft irgendwelche neuen Hoffnungen und löst zum mindesten eine abwartende Stimmung aus, die das Regime angesichts der immer schlimmeren Fehlschläge und der wachsenden Kritik heute besonders gut brauchen kann Hierzu kommt, daß die von gewissen kapitalistischen Kräften innerhalb des eigentlichen Führerkreises schon recht offensichtlich getriebene Sabotage Veranlassung bietet, das Steuer der Wirtschaftspolitik so weit als möglich nach der pseudo-sozialistischen Seite herumzuwerfen. Man kehrt vielfach wieder zu den alten bauernfängerischen Schlagworten zurück, mit denen es schon vor der Machtergreifung und in den ersten Monaten so ausgezeichnet gelang, die Massen zu ködern. Man durchsucht mit erhöhtem Eifer die marxistische Literatur nach Parolen, mit denen man der nach wie vor vorhandenen und durch die Taten der Herren Schmitt und Schacht noch verstärkten antikapitalistischen Sehnsucht der Massen entgegen kommen könnte, wobei es gleichzeitig darauf ankommt, den kapitalistischen Kräften, die sich jetzt angesichts der wirtschaftlichen und finanziellen Mißerfolge des Regimes schon recht agressiv hervorwagen, den Wind aus den Segeln zu nehmen. Im Lager der Industrie bereitet man sich bereits auf kommende Dinge vor. Man erwirbt Zeitungen zu dem ausschließlichen Zweck,„Uebergriffe der Arbeitsfront" zu bekämpfen. Man legt alles darauf an. daß der jetzt in Gang befindliche Prozeß, der die eigentlichen Nazi-Führer durch ständige wirtschaftliche Mißerfolge entmachtet und sie dadurch immer mehr in die Abhängigkeit des Großkapitals zwingt, durch neue„sozialistische" Eskapaden keine Unterbrechung erfährt. Man weiß, daß die herannahende Rohstoffuot, der endgültige Zusammenbruch der Währungspolitik und die hereinstürmende neue Welle von Unterversorgung, Hunger und Arbeitslosigkeit das Regime in seinen Grundfesten erschüttern muß. Man will dann als„Retter" begrüßt werden, aber das wird nur dann möglich sein, wenn es vorher gelingt, das Hitler-Regime als verkappten Bolschewismus zu kennzeichnen. Man wird bei den Herren, die jetzt darauf warten, die Erbschaft Hitlers anzutreten, nichts unversucht lassen, um das Regime in der jetzt beginnenden Periode der Hunger- und Zwangswirtschaft als sozialistisch zu diffamieren, weil es so und nur so vielleicht vorübergebend gelingen kann, die mannigfaltigen oppositionellen Gräfte unter dem Banner der Reichswehr, der Schwerindustrie und der Großagrarier beim kommenden Ansturm gegen das Regime zu sammeln oder doch wenigstens teilweise zu neutralisieren. Das deutsche Großkapital ist sich darüber klar geworden, daß sein Versuch, sich durch Hitler und die Seinen retten zu lassen, vor dem Scheitern steht. Man will also seine Sache noch einmal in die eigene Hand nehmen und dazu ist es notwendig, die trotz guter Bezahlung jetzt als unbrauchbar erwiesenen Helfer von gestern zu „Sozialisten" umzulügen. Die Nazis machen den Herren Thyssen und H e y d e- 1) r a n d, den Hilgenberg und Röchling diese Aufgabe ziemlich leicht und leider finden sich so manche, die sich von der scheinbaren Entmachtung der Unternehmer in der jetzigen Periode des„dritten Reiches" bluffen lassen und mit ehrlicher Ueberzeugung verkünden, die Naziführer seien außen braun und innen rot, sie zeigten jetzt, wo sie das ganze Land in eine„Planwirtschaft nach russischem Muster" umwandeln, ihr wahres Gesicht. Bisher ist es dem Hitler- Regime nid. gelungen, vor den eigenen Anhängern, den breiten Volksmassen und dem Auslande ihre Phrase vom „nationalen Sozialismus" aufrecht zu erhalten. Heute zwingt sie der Bankerott ihrer Wirtschaftspolitik zu einer Zwangswirtschaft, in die sie ohne eigenen Willen immer tiefer hineingeraten. Man macht aus der Not eine Tugend. Nachdem Deutschland aus der Weltwirtschaft anigekreist worden ist, weil der irrsinnige Versuch, mit einem hochindustrialisierten Lande, das kaum eigene Rohstoffe hat. die Weltwirtschaft zu blockieren, endgültig seheitert, macht man eine Binnenwährung und versucht, den Urteilsunfähigen vorzutäuschen, daß man, ähnlich wie Bußland, auf eigene Kraft gestellt, jetzt an einen sozialistischen Aufbau herangebt. Deutschland druckt Brot■ und Kartoffelkarten. Man er• innert sich aus der Zeit des russischen Fünf-Jahres-Planes, daß zum sozialistischen Aufbau nun einmal der Hunger gehört. Aber Brot und Kartoffeln waren in Deutschland noch niemals so reichlich vorhanden wie heute, und wenn man sie kartenmäßig verteilt, so tut man es deshalb, weil die hohen Agrarpreise nicht angetastet werden sollen. In Deutschland fehlt keineswegs der gewaltige Industrieapparat, der Fertigwaren produzieren kann, um sie im Austausch gegen neue Rohstoffe zu exportieren. Es handelt sich nicht darum, sich einzuschränken, um durch Hungern und Darben den neuen Aufbau eines großen und unabhängigen Produktionsapparates zu finanzieren, sondern man hungert und darbt in Deutschland, um den Fortbestand der Konzerne, ihrer Preise und Profite, die Aufrechterhaltung einer immer widerspruchsvoller gewordenen Bodenrente, kurz, um eine Wirtschaftsverfassung zu sichern, die nirgends so eindeutig, wie in Deutschland erwiesen hat, daß sie der Hauptaufgabe aller menschlichen Wirtschaft, nämlich der Bedarfsdeckung nicht mehr gerecht werden kann. Alles das geschieht in Formen, die denjenigen, der den Kern der Dinge nicht erfaßt, von weitem an eine sozialistische Planwirtschaft erinnern mögen. Aber ea sind nur die Formen und die Schlag- nis der Welt? Viele bezweifeln das."(„Berliner Tageblatt" vom 1. Juni.) Wer Schacht und Hitler lobt, iat ein großer Nationalökonom. Wer sich gegen sie wendet, ist ein Trottel. Der Maßstab ist sehr einfach. Vielleicht hat Cassel nun an>h noch eine jüdische Großmutter? worte, die man sich nach bewährten Methoden angeeignet hat. Der Geist dieser Kriegs- und Zwangswirtschaft, das Ziel der kommenden Periode de« Hungerns und Darbens hat mit Sozialismus ebenso wenig zu tun, wie die Dividenden der Rüstungsindustrien im Weltkriege. Man wird sich darauf gefaßt machen müssen, daß das Jagen nach sozialistischen Schlagworten in den kommenden Monaten ständig eifriger werden t vird. Diese Schlagworte werden immer mehr dazu herhalten müssen, die Unfähigkeit der Verbrauchsdeckuug und«or allem die Rohstoffnot zu verschleiern. Man wird organisieren und organisieren, aber es wird nicht gelingen, den Rohstoffbedarf beispielsweise der deutschen Textilindustrie, der zu 95 Prozent am Weltmarkt gedeckt werden muß, durch „Planwirtschaft" zu sichern, denn Baumwolle muß man nun einmal mit Dollars und Pfunden kaufen. Auch das ständige Steigen der Preise wird diese Art Planwirtschaft und Sozialismus nicht schmackhafter machen und die neue Binnenwährung, die Herr Schacht vorbereitet, wird nur kurze Zeit als neue Sensation bestaunt, dann aber bald als neues Manöver erkannt werden, das die Pleite wieder einmal um ein paar Monate verschleiern soll. Diese Glanzidee stammt, wi: alle Erfindungen des Herrn Dr. Schacht, von anderen und zwar diesmal von Wagemann, der schon 1932 erklärte, Deutschland brauche für den Inlandsverkehr kein Gold. Um die Preise stabil zu halten, genüge es vielmehr völlig, einen bestimmten Notenumlauf im Inland genau so groß zu halten, wie es dem vorhandenen Warenquantum, das der Geldmenge gegenübersteht, entspricht. Wie groß dieses^ areu- quantum und somit die Menge des ungedeckten Binnengeldts sein muß, hat noch nie ein Mensch errechnen können. Auch Herr Schneist kann da«'sieht, aber man kann ia experime- tieren und immer grade so viel Noten drucken, wie man braucht, um das Preisniveau zu sichern, da« man für richtig hält. Man kann sich also bei der Durchführung dieser alten Wageroannsdien Binnenmark-Idee, auf die ihr Urheber sicher schon nicht mehr gerechnet hatte, auf allerlei gcfal t mach-n. Jedenfalls wird man den Rohstoff- und Wareu- Mangel durch reichliche Geldmengen ausgleichen. Wir werden wahrscheinlich erleben, daß Herr Goebbels oder der wieder aus der Versenkung auftauchende Herr, Feder verkünden werden, es sei Sozialismus, wenn jeder Geld hat. Die Spalten der gleichgeschalteten Zeitungen werden sich bald mit Zahlenreihen und Prozentziffern füllen und auch das muß ja stark an sozialistischen Aufbau, Fünf-Jahres- Pläne und ähnliche Dinge erinnern. Kleider und Schuhe werden zwar knapp sein, Brot und Fleisch wird unerschwinglich werden, aber man wird verkünden, daß man jetzt cad- gültig wisse, warum man darbt: Für den„deutsmen m Sozialismus". Mit der Beendigung der Transferkonferenz, die ein volles Fiasko war, weil die die Gläubiger vertretenden Bankiers zum ersten Male selbst den Prestigeverlust bei ihren Kunden lieber in Kauf nehmen wollten, als das Schachtsche Diktat anzunehmen, sind auch die letzten schwachen Hoffnungen auf einen Bobstoffkredit begraben. Auf dem Gebiete der Wirtschaft und Währung ist das Scheitern des Hitler-Regimes nunmehr besiegelt. Was jetzt noch folgt und sich sdion klar vorbereitet, ist eine lange Kette, sinnloser Experimente, an deren Gelingen niemand mehr glaubt. Wahrscheinlich am wenigsten die„Fachleute" Schacht, Schmitt und Thyssen, die das sinkende Schiff offensichtlich nur deswegen nicht verlassen, weil sie auf ihren Posten ani ehesten in der Lage sind, den Zusammenbruch in der Weise und zu dem Zeitpunkt zu enthüllen, der ihnen mit Rücksicht auf die eigenen Pläne am geeignetsten erscheint. Bis dahin wird man sich darauf gefaßt machen müssen, daß das„dritte Reich" in„Planwirtschaft" und„sozialistischem Aufbau" schwelgt. Das Regime soll als sozialistisches Regime zusammenbrechen— das und nichts anderes ist der Leitgedanke, der die Herren von morgen beseelt und der sie ve^ anlaßt, solange dabei zu bleiben wie irgend möglich. Oh es ihnen bis zum letzten Augenblick gelingen wird, diese Rolle weiter zu spielen, kann niemand sagen, denn bei der großen Kette von Experimenten, die sich jetzt abwickeln wird, mehrt sich naturgemäß auch die Zahl der unberechenbaren Faktoren. Zwei Dinge aber wird man heute schon feststellen können: Erstens nämlich, daß der Augenblick, in dem dio schon längst für eigene Rechnung arbeitenden führend»® Männer der Wirtschafts-Ressort#»ich freiwillig oder g® zwungen von dem Regime lösen, vermutlich die kommende! Entscheidungen einleiten wird. Zweitens aber wird min heute schon feststellen müssen, daß jeder, der hei dieser Lage der Dinge das, was heute in Deutschland vorgeht, als deutsche Spielart des Sozialismus bezeichnet, de facto diejenigen unterstützt, in deren Auftrag und für deren Rechnung heule schon längst im„dritten Reich" Wirtschaftspolitik gemacht wird. Die Herren von morgen oder die, die sich wenigstens dafür halten, wollen, daß das Regime der Herren von heute als sozialistisches Regime scheitert. Man will die gleiche Lüge, die man vor der Machtergreifung Hitlers aussprach, und die diese Machtergreifung ermöglichte, mit Nachdruck vor dem Zusammenbruch seiner Macht wiederholen. Der Zweck, den man mit dieser Lüge verfolrt, ist heute der gleiche, wie damals, nämlich die Aufrechterhaltung der Macht der Herren vom Schlage Krupp und Hilgenberg. Aber das Hitler-Regime wird mit Sozialismus in Wirklichkeit in seiner letzten Stunde ebenso wenig zu tun haben, wie in seiner ersten, auch wenn es sich in den nächsten Monaten, im Zeichen der von allen Seiten wachsenden Bedrängnisse noch..sozialistischer" gebärden sollte als jemals. Die Aussichten hierfür sind recht groß und niemand freut sich über die Eskapaden des schon gekündigten A i- gestellt-u beute mehr, a!» de» Chef, der»eine Geschäftsbücher bald wieder allein führen möchte. (Deutsche Stimmen•(Beilage zur„(Deutschen Freiheit"• Ereignisse und Geschichten mm Donnerstag, den 21. Juni 1934 Cin Jxig m einet JC „TJlit dem JCommanda„IDegiceten" entließ et xlie Jetfnehmec" Im Reich der tollgewordenen Spießbürger ist. das Mittel- aller erwacht nicht nur mit seiner Grausamkeit, sondern auch mit seiner Narrheit. Hier wird erzählt, wie Bürgermeister geschult werden. Es liest sich wie ein Schwank aus Schiida, ist aber ein Bericht aus der„Deutschen Ostfront", einer nationalsozialistischen Zeitung. Wir erhalten folgende lebendige Schilderung aus einer Kreisschule in Oberbayern: Dreißig Bürgermeister und Gemeindcräte aller Stände und Berufe waren durch Gestellungsbefehle des Kreisleiters zum zweiten Lehrgang einberufen worden. Pünktlich trafen sie im vorgeschriebenen„strapazierfähigen" Dienstanzug ein. Nach einer Meldung in der Kreisleitung qnd Entrichtung des Unkostenbeitrages wurde vor dem Schulungsraum, einer durch große Fenster sehr gut beleuchteten ehemaligen mechanischen Werkstätte, angetreten. Dem stellvertretenden Kreisleiter erstattete der Schulung«leiter Meldung, nach kurzen Begrüßungsworten des Kreisleiters wurde unter Absingen des Horst-Wessel-Liedes die Hakenkreuzfahne am Mäste hochgezogen. Es folgte die Benennung der Stubenältesten, des Zimmerdienstes, die Kommandierung der Wachhabenden und der vier Wachposten, dann wurde der freundliche Schulraum mit anschließendem Schlafraum, in dem sich auch der Verschlag für den Kursusleiter befindet, bezogen. Der Kursusleiter gab die Bettwäsche aus. In kürzester Zeit waren die Dechen kunstgerecht in die Leinenhüllen eingezogen, die Leinentücher über die Strohsäcke gespannt und die Klappen tadellos in Ordnung gebracht, §o daß der Stubenälteste wenig zu beanstanden fand. Der Schulungsleiter begann seinen Vortrag mit der Erklärung des Zweckes der Schule. ^ or allem müsse echter, natürlicher Kameradschaftsgeist geweckt werden, alle Kameraden sollten in alter Schützen- ','rabenkameradschaft an diesem einen Tag wenigstens den Standesdünkel ablegen und sich mit„Du" anreden. Mit diesen einleitenden Worten ging der Kursusleiter über zu seiner eindrucksvollen, aber schlichten und volkstümlichen Aufklärung über den Nationalsozialismus, seine Entstehung, sein Werden und Wachsen, über den 14 Jahre langen schweren Kampf, den unser großer Führer für seine Idee geführt und über den Sieg, den er errungen hat. Nach dem Vortrag wurde mit Gesang zu einer Autohalle marschiert und dort eine halbe Stunde der Körper geschult. Das Beispiel des 55jährigen Schulungsleiters, den man für einen 35jährigen halten könnte und der alle Uebungen vor- und mitmachte, spornte die Kursusteilnebmer an. Nur wenige Kriegsbeschädigte konnten nicht mittun, allen übrigen sah man die Freude an. daß sie heinahe allen Anforderungen trotz der grauen und manchmal schon weißen Haare noch wacker geniigen konnten. In die Schule zurückgekehrt, wurde eine Singstunde abgehalten. Für hochmusikalische Leute wäre das nun allerdings kein Genuß gewesen, heim bankweisen Singen wären sie wohl davongelaufen, aber schließlich gelang es, wenigstens ein Lied so einzudrillen, daß es beim Abmarsch zum Abendessen im nächsten Gasthaus zur Eisenbahn wenn auch nicht schön, so doch marschmäßig gesungen werden konnte. Der anschließende Kameradschaftsahend bot ein Bild echter Kameradschaft. Da saßen sie beieinander und erzählten von ihren Familien, ihren Lebensschicksalen, von Kriegserlebnissen; aber auch von Deutschland und seiner Zukunft wurde viel gesprochen. Schlag 10 Uhr befahl der Sehulungsleiter den Heimmarkcb. Die Klappen wurden bezogen, beim Hinaufklettern in die oberen Klappen mußte manchmal etwas nachgeholfen werden. Der Wachthabende führte Posten Nummer 1 auf, die Lichter wurden gelöscht. Schlag 6 Uhr hieß der energische Ruf des Wachthabenden: „Raus aus den Klappen", alle aufstehen. Sofort wurde wieder in die Autohalle zu den Leibesübungen abmarschiert. Die flotten Uebungen ließen die Kälte nicht spüren, im Gegenteil, bald dampften alle Körper. Um so besser schmeckte das Frühstück und der Geist war frisch. Ein einstündiger Uebungsmarsch führte die Kursusteilnehmer am Starnberger See entlang durch die Pracht der herrlichen Vorgebirgsgegend. In der Mittagspause, in der ein einfaches, aber schmackhaftes Eintopfgericht das Hungergefühl beseitigte, entwickelte sich nochmals eine recht heitere, echt kameradschaftliche Unterhaltung. Auf dem Rückwege zur Schule ging das Singen schon besser, ja, öffneten die Mädchen die. Fenster und die Türen, wie es in dem alten Soldatenlied heißt. Der Aufbruch wurde vorbereitet, die Leinenüberzüge abgezogen und an den Stubenältesten abgeliefert. Noch einmal wurde auf den Schulbänken Plaft genommen. Der Schulleiter hielt einen hochinteressanten Vortrag über die Geschichte Deutschlands. Als er nach einer Stunde die Teilnehmer fragte, ob sie ihn noch hören wollten, stimmten alle freudig und begeistert zu; hörte man doch zu viel Neues, was in der Schule verschwiegen worden war. Es war geradezu ein meisterliches Kunstwerk. in 1"> Stunden die Geschichte des deutschen Volkes, die so unendlich reich ist, volkstümlich und alles Wesentliche umfassend vor den Augen der Kursusteilnehmer gewissermaßen abroll en zu lassen. Alle Kursusteilnebmer bedauerten den Schluß des Vortrages, als der Stubenälteste mit dem Ablaufen eines Weckers das Zeichen zur Beendigung des Kurses geben mußte. An die vor dem Schulraum wieder angetretenen Kursusteilnehmer richtete der Kursusleiter kernige Abschiedsworte, ein begeistertes Sieg Heil erschallte, die Fahne wurde niedergeholt und das Kommando„Weggetreten" entließ die Teilnehmer. * So berichtet die nationalsozialistische Presse wörtlich. Wer kann da noch daran zweifeln, daß sich die deutschen Kommunen in allerbester Obhut befinden. (Beamte£eselciicfite Zilkens heißt der Kommende „Als wir die Macht errungen hatten, da schied jener Mann zwar nicht aus unteren Reihen, wohl aber sah er sich nach einer Position um, die ihm die Zeit ließ, nun seinem Herzenswunsch mehr zu leben, als bisher. Der Mann war nämlich, hinaus über das Kämpferische in ihm, ein he- gnadeter Dichter. Ein halbes Jahr nach der Machtübernahme dca Nationalsozialismus schenkte er uns, neben einer Reihe inniger Lieder, seinen ersten Roman:„Das klingende Herz". Wer den rauhen Kämpfer gekannt, so aus Versammlungen, und sich nie Gedanken gemacht über das innerste Wesen des Nationalsozialismus, der wird im Augenblick an der Autorenschaft Rudolf Zilkens, so heißt nämlich der, den wir meinen, gezweifelt haben, der wird es vielleicht heute noch nicht fertigbringen, den ursächlichen Zusammenhang zwischen diesen beiden Dingen: Gewaltiger Rufer in bitterstem Streit und Verfasser eine» der wundervollsten Lebensromane, zu finden." Hauptschriftleiter Rings in der„Fränkischen Tageszeitung". (Deutschet Caue Im Hitlerland mußte eine Frau, die geäußert hatte, daß unter Hitler nichts besser geworden sei, sich jeden Tag auf dem Ratbaus melden und sagen:„Es ist schon besser geworden und wird noch besser werden."' Sind Kisten auch und Kasten leer, Behilft man sich mit Coue. Und schafft er nicht die Gelder her, So schafft er einem Ruhe. G» Wer unsern Optimismus stört, Wem das Vertrauen schwindet, Kriegt einfach Senge, bis er schwört, Daß er's schon besser findet. Das letzte Reichshankgold verdampft, Nichts blieb, als faule Wechsel, Die Lippen zum Gebet gekrumpft: „Wir haben Geld wie Häcksel." Dein Laden leer, der Handel stockt, Du spürst bereits das Messer An Deiner Kehle?— Nicht gebockt! Sag flink:„Mir geht's schon besser." Mußt Du für zwölf Mark Wochenlohn Bei Schwerarbeit dich schinden. So sprich:„Es ist ein Fortschritt schon, Daß Arbeit ich könnt finden." Wenn sie die Unterstützung gar, Die kärgliche, dir streichen, So jubilier:„Nun ist mir klar, Daß wir das Ziel erreichen!" Und wenn so jeder Deutsche spricht Zehnmal an tausend Tagen, Und dieses hilft noch immer nicht,—■ Dann muß er's nochmals sagen. Mucki. ZeU=7lctiizeu, Lotterie zugunsten der Künstler und Schriftsteller Die französische Regierung hat eine Lotterie genehmigt, die 300 000 Lose zu einem Franken zugunsten der notleidenden Künstler und Schriftsteller ausgeben will. Sie geht von drei Stiftungen aus, die den von der Krise betroffenen Intellektuellen schon sehr viel geholfen haben. Der Cercle Ronsard und der Cercle Francois Villen vor allem haben billige Mahlzeiten an die Bedürftigen ausgegeben, während die„Liga pour que l'esprit vive", die unter Leitung der Prinzessin Faucigny und des Dichters Andre Maurois steht, schon manchen Künstler vor Ausweisung und Festnahme bewahrt hat. Die Lotterie soll es diesen wohltätigen Kreisen ermöglichen, ihr Liebeswerk in noch umfassenderer Weise fortzusetzen als bisher. Der Lehrer muß gedrillt sein Der Reichserziehungsminister Rust berichtete vor der bayerischen Lehrerschaft über eine Neueinteilung des Schuljahres, die eine Verlängerung der Sommerferien um vier Wochen vorsehe. In diesen vier Wochen sollen die Lehrer in„Gemeinschaftslagern" untergebracht, also zu militärische n Rcserveübuugen herangezogen werden. Wer für diesen Dienst ungeeignet sei, könne als Lehrer„für die nationalsozialistischen Ziele" nicht mehr betrachtet werden. Volksgemeinschaft Das„Militärwochenblatt" erklärt, daß die Sitte des Be- suchemachens überholt sei. Man müsse neue Methoden des Kennenlernens finden, ohne daß Sitte und Anstand darunter leide. Am schönsten aber ist im neuen Knigge der Wink, die Offiziere mögen beim Ausreiten die Pferdepfleger nicht mehr hinter sich, sondern neben sich reiten lassen. (Die Verteidigung, des(Buches Die in verstärktem Umfange erachienene Mai-Nummer der Zeitschrift„Büchergilde" ist-der Verteidigung des Buches gewidmet. Anlaß dazu gab das Verbot von Travens„Toten- schiff" in Preußen. Dieses Verbot wirkt geradezu draatisch durch die Mitteilung, daß am selben Tag, an dem 40 Millionen Preußen(also nicht allen Deutschen) verboten wurde, das ,.Totenschiff" zu lesen, die ersten englischen Zeitungen eintrafen, die von dem gewaltigen Erfolg, den das .Totenschiff" in England und in den übrigen Teilen des Britischen Erdteiles hatte, lange Berichte brachten. Das „Totenschiff" ist in 14 Sprachen erschienen, und in Deutschland in über 100 000 Exemplaren verbreitet. Ein Artikel„Auf dem Weg zum ersten Buch" und die Legende„Magische Nacht" von Fritz Rosenfeld beschäftigen sich ebenfalls mit dem Buche; während ein Aufsatz„Taten der Gemeinsamkeit" dem Gemeinschaftsgedanken der Büchergilde gewidmet ist. Diese gut illustrierte Zeitschrift erhalten die Mitglieder der Büchergilde Guteuherg kostenlos. Stehen(Rassentgpen untee den Juden Die Wiener Anthropologische Gesellschaft hat im Verein mit der Gesellschaft für Rassenkunde unter Leitung von Hofrat Prof. Dr. Wagner»Jaurogg im anthropologischen Institut der Wiener Universität an zwei aufeinanderfolgenden Abenden, die letzthin atattfanden, wissenschaftliche Veraammlungen veranstaltet, in denen wissen- schaftliche Forschungen die in der letzten Zelt in Wien über das Problem der jüdischen Rasse vorgenommen wurden, diskutiert wurden. Die Arbeiten wurden durchgeführt von Frau Holla Pöch, c!»r langjährigen Assistentin ihres verstorbenen Gatten d. Anthropologen Professor Dr. Raimund Pöch, und von dem Assistenten des Anthropologischen Instituts Dr. Robert Routil. Maßgehend waren dabei die in Wien ausgebildeten Methoden der Messungen und Beobachtungen, wie sie auch schon Professor Pöch an den Buschmännern der Wüste und an den Kriegsgefangenen erprobt hatte. Et waren schon früher auf langen Forschungsreisen im Jemen Aufnahmen und Messungen an Arabern und Juden gemacht worden. Dieses Material wurde den Wiener Forschern zur Verfügung gestellt, die es dann noch erweiterten. Das vorläufige Ergebnis geht dahin, daß mindestens sieben verschiedenen Rassentypen»ich unter den Juden vereinigt finden und daß die Weiterführung der Arbeit wahrscheinlich noch weitere Typen ergeben wird. Die jemenitischen Juden, von denen die Forschungen ausgingen, besonders in den Oasen, haben ein sehr altertümliches Aussehen. An ihre Rasseneigentümlichkeiten anknüpfend läßt sich eine Gliederung auch unter den anderen Judengruppen vornehmen, die alle bisherigen Deutungsversuche korrigieren. Es hat sich gezeigt, daß die Juden Elemente von Rassen aufbewahren, die längst ihren ursprünglichen Siedlungsraum verlassen haben. Dahin gehören namentlich zwei altsemitische Rassen: 1. die alten Kanaaniter, deren Spuren sich heute noch unter den Samaritanern in Palästina finden. Sie sind groß, hochgewachsen, großnasig und mitteliangköpfig. 2. die akkadische Rasse, das sind die Babylonier und Assyrier Mesopotamiens; mittelgroß, mit konvex gekrümmter„Sechsernase". Einige Rassen sind den Juden besonders eigen und finden sich schon auf ägyptischen und assyrischen Reliefs. Sie sind schmalgesichtig, langköpfig, gradnasig und hochwüchsig. Heute finden sich ihre Vertreter besonders unter den tpaniolischen Juden. Besondere Judentypen findet man dann auch wieder in Marokko, mit kleiner konvexer Nase, schmalem Gesicht und langköpfig. Auf die rassenmäßig verschiedenen„Ostjuden" und„Westjuden" dürfte die syrischaramäische Kurzkopfkomponente besonderen Einfluß genommen haben, die wiederum den Juden des westlichen ViittelmcerbeeLcns vollkommen fehlt. Das fremde Blut haben die Juden schon in Palästina, den» bevorzugten Durchzugsland fremder Völker, aufgenommen* dann aber wieder auf ihren eigenen ausgedehnten Wanderungen. Hettiter, Amoniter lassen sich nachweisen. Ihre späteren Wohngebiete in Südeuropa und Südosteuropa haben neue Elemente hinzugefügt. Die. weitere Forschung wird nun dahin gehen, jedes dieser Elemente von den» eigentlichen orientalischen Grundstock herauszuerkennen. Alle diese Kennzeichen fanden sich schon an Schädeln und an Bildwerken vor 5000 Jahren und sind heute genau so nachzuweisen. Wir sehen, daß die Typen Dauertvpen sind. Seit Tausenden von Jahren sind keinerlei Grundverände- rungen an den Menschenrassen vorgekommen, sondern lediglich Vermischungen. Die Rassenmischung der Juden weist die Merkmale orientalischer Völker auf, die selbst aber wieder dem Norden entstammen. Sie enthalten aber auch Rassenmerkmale nordafrikanischer Berber, ahessynlscher Neger, alter ägyptischer Rassen und schließlich auch Rassenmerh- male, die aus der Vermischung mit allen europäischen Völkern zu erklären sind. Eine symphonische Heldendichtung über „Tscheljuskin" 4 Der russische Komponist Serge Vasilenko arbeitet augenblicklich an einem symphonischen Gedicht, das die Ruhmestaten der„Tscheljuskin"-Fahrer und ihre Rettung durch die Flieger verherrlichen soll. Nach einem Interview, das er einer Moskauer Zeitung gegeben hat, wird seine Musik zuerst den entfesselten Ozean schildern, dann den Widerstandswillen der Mannschaft, die Ankunft der Flugzeuge und die Rettung der Expedition. Der Komponist, der selbst einmal in der Arktis war, hat erklärt, er werde alle seine Jugend- erinnerungen auffrischen um den Ozean wiederzusehen, der gewissermaßen der Hintergrund»eine« Tongemäl.lc« M«"ihen soll. Das bunte Matt „Deutsche Freiheit". Nr. 140 Donnerstag, den 21. Juni 1984. Die vornehmste Achule der Welt Wir steigen im Schatten hoher Eichen aus. Das Mittags- licht bricht durch die Zweige und wirft helle Flecke auf den Lehmboden. Der Platz vor Etom Scholl scheint eine Art Dorfanger zu sein. Zwar führt eine gepflegte Allee an ihm entlang, und der weihe, prächtige Barockdom da drüben ist auch nicht von Pappe, sondern von Marmor. Doch, wenn wir wieder die drei hohen, dunklen Holztore betrachten, die das College verschließen, möchten wir eher aus einen Guts- hos tippen als auf die feinste Erziehungsstätte der Welt. Denn das ist die Eton-Schule, gegründet 1440, lange vor der Königin Elisabeth, gelegen in den heiteren Wiesengründen der Grafschaft Buckingham, gekannt und gerühmt von Bangkok bis San Francisko. Sind doch hier nicht nur die besten Männer der Insel erzogen worden, sondern auch orientalische Fürsten, indische Nabobs, siamesische Könige. Es gibt viele derartige Landheime in England. Ihr Ruf richtet sich vor allem nach der Herkunft ihrer Zöglinge. Jede Schule nimmt eine andere Schicht aus und in der gesellschaft- lichen Rangordnung einen bestimmten Play ein. Dies oder jenes große College besucht zu haben, ist für den Engländer sein Leben lang eine Empfehlung. Sage mir, wo du gelernt hast, und ich werde dir sagen, wer du bist. Die Schule spielt hier etwa die gleiche Rolle wie in Teutschland die studentische Verbindung. Eton und Harrow versuchen sich gegenseitig den ersten Rang abzulausen. Eton liegt vorläufig stark in Front. Es siebt bei der Ausnahme immer noch mit sieben Sieben. Freilich verliert dieses unzeitgemäße Auslese-System langsam an Bedeutung. Neuerdings hat man sogar Sprößlinge der amerikanischen Dollar-Aristokratie aufgenommen. Ein revolutionärer Borgang, der an„Kulturschande" grenzt. _ Wir treten an die kleine Pforte, die sich in einem der Holztore befindet, und ziehen an dem kunstvoll geschmiedeten Klingelzug. Der Haushofmeister öffnet. Erwartungsvoll überschreiten wir die Schwelle der erlauchten Anstalt. * ^ Käme man englischen Eltern mit Jugend-Psychologie, mit Freud, Adler und Oedipuskomplexen, so würden sie einen verständnislos anlächeln und ablenkend bemerken, das Wetter sei eigentlich heute„marvellous". Sie erziehen ihre Kinder, indem sie das anderen überlassen. Sie kümmern sich den Teufel um Entwicklungskrisen. Minderwertigkeits- gesühle und ähnliche Ungereimtheiten. Seit Jahrhunderten ist es in den guten Familien üblich, die Söhne vom zehnten bis zum achtzehnten Jahre ins College zu geben. Ott sind in derselben«chule schon die Urahnen zu jenem prächtigen Menschentypus herangezüchtet worden, bei dessen Anblick man in der ganzen Welt auf fünfzig Meter Entfernung ausruft:„Siehe da, ein Engländer!" Wie wird dieses Er- gebnis erzielt? Wie werden die Jungen ausgebildet? Der gesamte Unterricht von Eton bereitet planmäßig auf die spätere Lausbahn vor. Er ist eigens darauf abgestimmt, künftige Lords, Richter, Politiker. Handelsherren. Kirchen- haupter, Kolonialmänner und Berwaltungsbeamte großzu- ziehen. Griechische und lateinische Klassiker werden gelesen, die Logik wird am Euklid geschärft, nüchterner Wirklichkeits- sinn wild entwickelt, Romantik und Fantasterei werden sorgfältig unterbunden. Alles läuft zuletzt auf staatspolitische, wirtschaftliche und geografische Schulung hinaus. Diese Gebiete nehmen jedoch zusammen mit der Frömmig- keit nur etwa die Hälfte der Schoolboy-Kräste in Anspruch. Die andere Hälfte gehört dem Sport. Eine Hockeypartie und ein Fußballkampf gehen den Jungen über jedes Buch. Sie sind ganz ungeistig, nur mit einem(allerdings sehr) gesunden Menschenverstand begabt. Alles„Intellektuelle" ist ihnen zu- wider. Sie sind„smart", praktisch und unbeschwert. Sie leisten etwas in technischen Basteleien. Sie leiden nicht unter Krisen, Trieben und Neurosen. Dazu sind sie viel zu einfach. Kein Wunder also, wenn die Eltern von Jugendschwierig- leiten keinen Schimmer haben. Bon ihren Kindern können sie sie nicht lernen. Der Kenner englischer Schulverhältnisse wird sagen:„Ja, aber in sittlicher Hinsicht..." Das stimmt. Der verstorbene Frank Harris hat in seiner Selbstbiografie die wenig er- baulichen Jnternat-Unsitten mit schrankenloser Ossenheit ge- schildert. Sie werden auch heute noch nicht überlebt sein. Doch die Tatsachen beweisen, daß aus die Tauer der gesunde Sinn und die ursprüngliche Anlage der meisten dieser Ver- kehrtheiten trotzen. Der Weiberjäger Frank Harris ist ja das beste Beispiel dafür. Aus den englischen Collegs sind nicht nur die tüchtigsten Staatsmänner, Könige und Handels- kapitäne hervorgegangen: leben in Frankreich die weib- lichsten Frauen, so kommen von hier die männlichsten Männer. Wer glaubt, Eton College sei eine Stätte des Luxus und der Verschwendung, wird schnell eines anderen belehrt. Sparta muß hiergegen ein verzärtelnder Kindergarten ge- wesen sein. Rund um einen weiten, altertümlichen Binnen- Hof liegen die Schulgebäude, der Speisefaalslügel und die Kirche. Wir sehen uns zuerst die Klossenräume an. Die Bänke und Pulte aus dem 16. Jahrhundert werden tat- sächlich heute noch benutzt. Sie sind wurmstichig und von tausend Taschenmessern mißhandelt. Erneuerung ausgeschlos- sen, nicht etwa, weil die Mittel fehlen, sondern aus reiner Freude am Herkommen. Die muffige Luft und andere un- hygienische Nachteile werden gern dafür in Kaus genommen. Auf dem Hos steht eine Pumpe. Daran waschen sich all- morgendlich ein paar Dutzend dieser Kronprinzen. Ein Prügelbock erregt meine Aufmerksamkeit. Als ich bezweifle, daß er noch benutzt wird, zeigt man mir einen Schrank, darin wirklich sechs handfeste Ruten aufbewahrt werden. Die Eßsäle sind lange holzgetäfelte Hallen mit gotischen Kirchensenstern und endlosen, weißbezogenen Tischen. Ihre Wände sind mit kunstvoll eingeritzten Namen bedeckt. Shelley, Balfour, Curzon, Grey haben sich hier verewigt. Wer heute noch kommt, muß zehn Schilling für die große Ehre bezahlen, für immerdar in den Räumen der Eton-Schule verzeichnet zu sein. So rar ist der Platz an den Wänden geworden, die lald ein halbes Jahrtausend dastehen werden. In einer Schlafhalle sind 70 ssiebzigj Mann untergebracht. Es wird immer rätselhafter, wofür die Zöglinge hier 8000 Schillinge im Jahr bezahlen. Herrliche Parkanlagen haben die meisten zu Hause,' nur der großzügige„play-ground" ist den Preisen angemessen. Diese Tennis-, Fußball- und Cricketplätze nehmen ebensoviel vom Gesamtgrundstück ein, wie der Sport in den Köpfen der BoyS. Morgens ist regelmäßig Gottesdienst in der College- Church. Er beginnt um sieben. Jeder„Etonian" hat seinen bestimmten Platz, auf dem allerhand fromme Bücher liegen. Ter Führer erzählt, daß die Jungen während der Andacht oft noch ein paar Schulausgaben erledigen, eine bedenkliche Auslegung des Mahnspruches:„Bete und arbeite!" Mit ihrer Tportlichkeit, Bastelgewandtheit und bewußten Geistlosigkeit verbinden diese Jungen etwas sehr Wert- volles: ihre ausgezeichneten Manieren. Sie geben sich frei und natürlich und sind trotzdem von einer bezaubernden Höflichkeit. Nicht etwa überliebenswürdig— das liegt ihnen Unsere Töchter, die Oswinen Roman von Hermynia Zur Mühlen. 2 Dann sind die bösen vier Jahre gekommen, Angst und Hunger und Verzweiflung, und das schreckliche Gefühl, daß der Krieg nie ein Ende nehmen wird. Meine Toni ist mager gewesen, wie eine verlaufene Katze, und ich bin zu den Bauern in der Umgebung gerannt und Hab um Eier und Milch gebettelt, damit mir das Kind nicht stirbt. Die Grä- sin Agnes hat mir geholfen, wo sie nur konnte, aber sie hat so vielen helfen müssen, ihr Geld hat kaum ausgereicht, und auch ihre Tochter Claudia, die damals an die Neunzehn war, hat ausgeschaut wie ein Geist, nur Haut und Knochen und ganz gelb im Gesicht. Im ganzen Städtchen waren die Kin- der so elend dran, nur die Tochter vom Doktor Feldhüter, die zehn Jahre alt war, hat dicke rote Backen gehabt und gute Kleider. Ihr Bater hat zu jener Zeit schön verdient, weil der Doktor Bär, zu dem früher die meisten gegangen sind, im Felde war. Damals hob ich geglaubt, so lange Jahre kann es nie wieder geben, ober heute Hab ich fast Angst, es könne Monate geben, die noch länger sind als jene Jahre. Endlich hat der Krieg ein Ende genommen. Mein Anton ist gesund zurückgekommen, aber viele in unserem Städtchen sind nicht wiedergekehrt, und bei einigen wäre es besser gewesen, sie wären gefallen. Der Sohn des Kolonialwaren- Händlers ist auf beiden Augen blind zurückgekommen: er geht mit einem großen Hund durch die Straßen, und wenn ich ihn sehe, muß ich immer daran denken, wie er mit Kreide die Worte„Nach Paris" aus den Wagen geschrieben hat. Alles war mit einem Mal ganz anders. Tie vornehmen Leute, die in den Villen wohnen, haben schreckliche Angst gehabt. Besonders die höheren Offiziere. Sie haben ange- sangen, mit unS Arbeitern zu reden, freundlich, wie mit ihresgleichen. Jetzt war es plötzlich eine Ehre, Sozialdemokrat zu sein. Die Frau Doktor Feldhüter hat mich auf der Straße zuerst gegrüßt und gesagt:„Wie reizend Ihr Töchterchen ist, liebe Frau Gruber. Schicken Sie es doch einmal zu meiner Lieselotte spielen." Nur die Gräfin Agnes hat sich nicht gefürchtet. Die hat sich bloß darüber gefreut, daß der Krieg aus ist. und alles war ihr recht, was den Frieden gebracht hat. Es hat ihr auch nie einer von den unfern ein böses Wort gesagt: sie hoben ja alle gewußt, wie sehr sie während der bösen Zeiten ihren Frauen geholfen hat. Am ersten Sonntag nach Antons Heimkehr haben wir sie besucht. Ich staunte, wie gut die beiden einander jetzt verstanden. Tie Gräfin Agnes hat ganz rote Wangen gehabt vor Zorn und hat gesagt:„Ein Kaiser, der davonläuft und sein Volk im Stich läßt, wenn es ihm schlecht geht, verdient, gehängt zu werden!" Ich war erstaunt, weil die Gräfin Agnes von Politik überhaupt nichts ver- standen und immer nur in ihren Büchern gelebt hat. Mein Anton hat sie geneckt— so gut waren sie miteinander.— „Na, Gräfin Agnes, wollen Sie jetzt nicht zu uns kommen?" Sie hat ihn mit ihren großen veilchenblauen Augen an- geschaut, ihre Augen scheinen immer in irgendeine Ferne zu blicken, und erwidert:„Lieber Anton, ich will gern eine Republikanerin sein. Aber das andere verstehe ich nicht. Ich möchte nur, daß alle Menschen gut zueinander sind. Wenn Ihr das erreicht, dann will ich zu Euch gehören." Die Claudia ist dagesessen, als ob das alles sie nichts anginge. Um diese Zeit hat das Mädel einen bösen Zug um den Mund bekommen, und ihre Augen haben immer so hungrig dreingesehen. Der Anton hat auf dem Heimweg gemeint:„Die Claudia braucht einen Mann. Aber die alte Frau merkt daS nicht, die lebt in einer andern Welt." Mein Anton hat Glück gehabt und seine alte Stelle wieder- bekommen. Aber er war noch stiller als früher: er hat den Krieg nicht vergessen können. Er hat fast nie davon ge- sprachen, aber ich habe ganz genau gewußt, wenn er so dreinsieht, als ob er etwas Schreckliches sähe, so denkt er an den Krieg. Und in der Nacht ist er oft ausgeschreckt und hat laut geschrien. Ich habe alles getan, um ihm das Leben leicht zu machen und unsere kleine Toni war so lieb und drollig, daß er eine rechte Freude an ihr gehabt hat. Sie ist sehr gewachsen und ein großes starkes Mädel geworden. Das hat sie vom Anton, denn ich bin eine kleine dicke Frau. Wir waren sehr glücklich: der Krieg war vorüber und die Unfern hatten die Macht. Da mußte ja alles gut werden. Freilich waren die Friedensbedingungen schrecklich hart und grausam, aber mit der Zeit würden ja auch die andern ein- sehen. daß es so nicht geht. Und dann wird alles wieder gut werden. Nur bisweilen machte mein Anton ein sorgenvolles Gesicht.„Sie gehen zu milde vor. Sie ziehen sich die eigenen Feinde groß." sagte er. Aber ich wollte es nicht glauben. Wenn man die Gegner anständig behandelt, so müssen doch auch sie anständig sein. Und der Kopp-Putsch, mein Gott, das war so ein« verrückte Sache, mit der die Arbeiter gleich fertig geworden sind. Es war nur traurig, daß die Arbeiter sich in zw«, Parteien, oder eigentlich in drei gespalten haben. Das konnte ich nicht vergeh?!?. Wessen Schuld war eS? Tie Sacht in der Mietskaserne Weiß ragt gigantisches Gemäuer Ins tiefe Blau der Sterneunacht. Die Fenster schweigen ungeheuer. Ich bin der letzte Mensch, der wacht. Rings liegen Wesen in den Betten. Ihr Atem strömt dem Himmel zu. Jetzt sind sie frei von ihren Ketten, Umfriedet von ersehnter Ruh. Ter Schlaf geht durch erloschne Räume Und tröstet hundertfaches Leid. Ich aber wache still und träume Von Ewigkeit zu Ewigkeit. H o r a t i o. Fünf Minuten Lachen Die Frau:„Spar dir die Mühe, ich habe dich durchschaut. Tu bist für mich ein offenes Buch." Der Mann:„Mit einem kleinen Unterschied. In einem Buch überschlägst du einfach die Seiten, die dir nicht gefallen, und an mir nörgelst du ewig herum." * „Bist du denn davon überzeugt, daß er betrunken war?" „Selbstverständlich! Bedenke doch, erst hat er den Garde» robeständer geschüttelt, dann ist er aus dem Fußboden herum- gekrochen, um Aepsel zu suchen." * In die Tierhandlung kommt ein aufgeregter Herr:„Sie haben mich gestern schön hineingelegt, als ich den Harzer Edelroller kaufte! Der hat ja keinen Ton in der Kehle und ist höchstens ein platinblond gefärbter Spatz." * „Ich habe nie geraucht, als ich in deinem Alter war", sagt der strenge Vater.„Wirst du das gleiche auch deinem Sohn sagen können, wenn du erwachsen sein wirst?" ^.Nein, jedenfalls nicht mit einem so ernsten Gesicht." * „Bitte, kannst du mir 50 Groschen für den Autobus leihen?" „Bedaure, ich Hab nur eine Fünfschillingnote." „Fein! Dann reicht es aus ein Taxi!" * An der Opernkreuzung hält ein Auto mit einer junge« Dame am Steuerrad. Das rote Haltzeichen ist längst ver» schwunden, es folgt Gelb, dann Grün und so weiter. Der Wagen rührt sich nicht vom Fleck. Nach fünf Minuten staut sich bereits eine mächtige Autokolonne hinter dem widerspen» stigen Wagen. Da tritt endlich der Verkehrspolizist an die junge Herren- sahrerin: „Entschuldigen Sie, Gnädigste, aber haben Tie bis nun noch keine Farbe finden können, die Ihnen paßt?" gar nicht—, sondern sein, verbindlich, zurückhaltend und zuvorkommend zugleich. Die Lebensart des„Gentleman", das Ideal vieler Männer, ist schon den Sechzehnjährigen in Fleisch und Blut übergegangen. Nirgends in der Welt werden sie jemals Anstoß erregen, immer strahlen sie eine wenn anch kühle Freundlichkeit aus und sind innerlich so gepflegt wie äußerlich. Diesen Typ des Gentleman geschaffen zu haben, ist ein großes Verdienst der englischen Colleges und besonders der Eton-Schule. Georg Herald. der Unabhängigen, der Kommunisten oder der Sozialdemo- kroten? Gerade jetzt müßten sie doch alle zusammenhalten und einen neuen sozialistischen Staat aufbauen. Dann kam die Inflation, und das war arg: nicht so arg wie der Krieg, aber immerhin bös genug. Die Bauern in der Umgebung wurden immer großartiger. Es war fast eine Gnade, wenn sie einem was verkauften. Und jetzt kamen so viele Fremde in unser Städtchen, Ausländer, die mit ihrem Geld die großen Herren spielten. Die Kauileute waren immer wütend, wenn so jemand in ihr Geschäft kam. Die Fremden spazierten am Seeuser umher, und man hörte alle Sprachen der Welt. Wir mußten schrecklich sparen, aber was machte das aus? Mein Anton war wieder da, meine Toni wurde immer kräftiger, und dort oben, weit fort in Berlin, arbeiteten unsere Führer für uns. Es mußte ja wieder gut werden. So vergingen abermals Jahre. Meine Toni war nicht nur ein schönes, sondern auch ein kluges Mädchen. Der Anton gab sich viel mit ihr ab, sie lasen zusammen in den dicken Büchern, und ich freute mich über mein gescheites Kind, das mehr verstand als ich. Ueberhaupt waren unsere Kinder viel klüger als wir. Sie gingen in Versammlungen, am 1. Mai zogen sie mit roten Fahnen aus, und es klang so schön, wenn über den Tee hin die Internationale ertönte. Sie waren auch froher als wir in ihrem Alter gewesen sind, wußten sie doch, daß eine schöne Zukunft sie erwartet. Meine Toni sagte ja auch damals nicht viel, aber wenn sie von einer Versammlung heimkam, glänzten ihre Augen und sie schritt dahin, wie eine kleine Siegerin. Ich mußte oft die Gräsin Agnes bedauern: ihre Claudia wurde immer mür- rischer und verdrossener, kaum daß sie einem Guten Tag sagte. Uns grüßte sie, weil wir sie ja von klein auf gekannt hatten, aber mit andern Menschen war sie einfach grob. Ich weiß, daß Frau Doktor Feldhüter sich oft über Claudias Hochmut beklagte. Eigentlich hatte sie gar kein Recht dazu, denn in den letzten Jahren war die Doktorssamilie selbst wieder schrecklich hochnäsig geworden. Und der Herr Doktor gab sich mit armen Leuten gar keine Mühe, deshalb gingen wir alle zum Doktor Bär, der wie mein Anton heil aus dem Krieg zurückgekommen war. Der Doktor Feldhüter haßte den Doktor Bär und machte ihn schlecht, wo immer er nur konnte. Besonders ärgerte es ihn. daß die Gräsin Agnes sich von dem„jüdischen" Arzt, wie er höhnisch sagte, behandeln ließ. (Fortsetzung folgt Ij. Mittelstand und Bauern murren Man schreibt uns aus B e r l i n: Es gibt heute in Teutschland kaum nvch Bevülkerungs- rreiic. bei denen sich der Nationalsozialismus besonderer Sympathien erfreut. Am meisten lehnt gegenwärtig wohl der Mittelstand^das neue Regime ab. Ausgerechnet der Mit» telfland!-liefe Schicht, die lange und in einer entscheidenden Zeit die Trägerin und das große Reservoire des National- sozialismus war. hat- wie die Mittelständler jetzt sagen- „die«chnauzc voll!" Ans ihr heraus erwachsen heute dem Natienaliozialismns wohl die größten Schwierigkeiten, und wenn der Widerstand nicht offener ist, so liegt das in der Hauptsache daran, daß man nicht recht iveiß Iva» man an die Stelle des heutigen Regimes zu setzen hat und weil im übri- wn von nationalsozialistischer Seite immer wieder und sehr geschickt die Gefahr des Bolschewismus und die Fol- gen eines solchen überdimensional und in der blutrünstigsten Ausmalung hingestellt wird. Eine gewisse Ausweglosigkeit und dann die panische Angst vor dem blutig an die Wand ge- malten Bolschewismus ist es also, wenn das deutsch: Bür- gertum trotz seiner fortschreitenden Verärgerung in dumpfer Gedrücktheit verharrt und sich vorläufig noch in einer srucht- losen Nögrlei, in Schimpfereien und unterdrückter Empö- rung Lust verschafft. vis in die jüngste Zeit richtete sich die Abneigung und Bcr- ärgeruna allerdings noch weniger gegen Adolf Hitler selber, der bißlang von vielen Leuten als etwas Uebernalürliches verehrt wird, sondern gegen den dichten Schwärm von Unter- sührern, die wie Parasiten dem Volk im Nacken sitzen. Und so kommt es, daß das Volk bei den ungezählten Mißständen, die überall hervortreten, immer noch sagt, als wenn es sich selbst etwas vormachen wolle:„Das will Adolf Hiilcr nicht, daran sind nur die schlechten Unterführer schuld!"' Wie lanae sich«in solcher ncudeutscher Mythos aufrechterhalten läßt, bleibt abzuwarten,' schon sind genügend Mause dabei, au die- sem Sockel zu nagen! Am stärksten ausgeprägt findet man die Abneigung gegen den Nationalsozialismus beim Einzelhandel und Hand» werk, also in jenen Kreisen, dcnc„ die Nationalsozialisten die verlockendsten Versprechungen gemacht haben. Sinn hat man sich allmählich davon überzeugen müssen, daß man einer gerissenen Klique aus den Leim gegangen ist, die sich so gut wie nicht um die schweren Nöte des Mittelstandes sorgt und die nur das eigene Süppchen nach allen Regeln der Kunst zu kochen gewillt ist. Bekannt ist die Geschichte und der Reinfall mit den Warenhäusern»nd Konsumvereinen. an deren Spitze heute Nationalsozialisten stehen, die sonst aber im alten Stile wcilcrexisticren. Neben dieser oerhaßten, gefährlichen und auch im„dritten Reiche" zugelassenen Konkurrenz hat noch ein weiterer Um- stand die Wandlung hervorgerufen. Seit der Machtergreifung durch den Nationalsozialismus ist die wirtschaftliche Lage des Einzelhändlers und Handwerkers noch bedeutend schlechter - geworden Tie Geschäfte wollen irchf florieren und im kras- scn Widerspruch zu den optimistischen Zeitungsberichten über die zunehmende Beseitigung der Arbeitslosigkeit geht oer Umsatz in den meisten Geschäften zurück. Und was durch die künstliche Wirtschaftsankurbelunq gutgemacht wird das macht eine unbestreitbare Preissteigerung wieder illusorisch, da dadurch die Kaufkraft der breiten Masse noch we ter herab- gedrückt wird ÄI! Man kann sich also leicht vorstellen, wie schnell unter lern Mittelftand aüS einer deprimierenden Lustlosiqkcit off:ne Äerärgeruuq cutsteht. Wo vor kurzem hatte man dennoch ans eine Besserung ge- hofft und den Tiefstand als eine Folge der vock> ii-b, ff»- los erreichten Stabftisation des neuen Regimes hingestellt: setzt aber zieht mich diese Entschuldigung nicht mehr und man merkt bentlich, daß die Ursachen gerade In diese,« Sy- stem liegen. Tie Zeichen, durch die sich diese Verärgerung ausdrückt, sind bereits dermaßen zahlreich und allgemein, daß es sich kaum lohnt, ans Details einzugeben, wie das hier geschehen so; sie können immer nur ei» winziger Ausschnitt sein. Man mag hinkommen, wo man will, sei es irgendwo in der Oefient- lichtest oder im Familienkreise. das Thema aller Gespräche sind Polst k und die augenblicklichen Zustände. Men.ckien, die sich ihr Leben lang nie mit Politik beschäftigten, kennen kaum noch andere» Gesprächsstoff. Und die täglichen uiierhör.en Vorkommnisse an Uebcrgrissen, Unterschlagungen. Koirnp- kionsfällen. sensationellen Verhaftungen, die verrücktesten politischen wirtschaftlichen und sozialen Maßnahmen— all-'s das bietet wahrhaftig Stoff genug, zu dem die Deutschen in der kritischsten Weise Stellung nehmen. Nicht geringe,, Widerstand erwächst dem Nationalsozialis- mus sogar ans den Reihen seiner eigenen Parteimitolicber, die sich hie Herrschaft ihrer Partei ganz anders vorgestellt hatten. Sie leben mit dem Volk in enger Tuchfühlung und sie er- fahren auf diese Weise zuerst die verheerenden Wirkungen so mancher Maßnahme. Sic sind auch die Z.c.scheibe des Un- muts, der sich drei, macht und dem sie ssch persönlich»cht entziehen können Kommt hinzu, dag viele lange Fallit, ehrlich geglaubt hatten, die Partei wurde mit der„Bonzen- Wirtschaft" und den„MammntgelMern aufräumen.. wah= rend sie nun erleben, daß eine grossere Bonzenwirtichan nrr.> rehe wird ohnmäditig rst von Hindenburg bittet um erneute nehmung rlin 19 fluni. Im Prozeß gegen Dr. Gercke erklärte ti' 5 Afw«"»® ?chen^Ärst v^Hindenburg bitte, ibm in einer noch- l?» q«,aenvernehmuna die Möglichkeit zur Richtig- '«»{w.ljj.'g SS&Ä WLMK chtcns, dos j, deutschen Landgemcindc- t W» erklärte ullter vcrnsiinq ans die vor- »ndeS erörtert. Er erk^ rf f- iUjrn„ n j,es Landgcmeindc- "dcn Bücher: I« J«.»ernrterrWt. indes habe ein g r^' h für die Verbandszeitschr.lt Einnahmen und Misgaoen. Januar für die eigentliche v-rb°«v- BcmefCJt<^ir Gelder überhaupt nicht sietrennt.«.• Bankkonto zusammen- auch aut einem gemein,amen satt die ....*„& man daraus ae- nie in Deutschland existierte als gerade unter dem National- sozialismus. Aehnlich ist es mit den neudeulscher Gehältern und dem unerhörten Luxus, den die heutig: Bonzotratie vor den Auge» des notleidenden Volkes betreibt, ohne das Ber- wcrfliche und psychologisch Falsche, ja Dumme ihres Verhal- tcns zu bemerken. Empörend auch die unglaubliche Arroganz, mit der junge Burschen, die lediglich ans Grund ihrer lang- jährigen Zugehörigkeit zur SA. oder SS. oder ihrer„Schlag- sähigkeit" und Rauflust heute wohlbestallte Beamte und „Führer" sind, durch die Straßen marschieren, ganz„Herren- Menschen"! Typisch dafür ist ein Fall in Tchleswig-Holstein. Dort herrscht unter der Bevölkerung einer Stadt heuste Empörung, iveil der erste Stadtrat, ei» Standartenführer der SA., der niemals eine» verünstigen Beruf gehabt Hai, heute täglich mit seinem Adjutanten ans stolzen Pferden seinen Spazier- ritt durch die Siraß:n der Stadt macht. So etivas kannie man bisher in der langen Geschichte der Stadt nicht von den Bür- germelstern. Ucber denselben Standartenführer kursierten kürzlich denn auch allerlei Gerüchte: zum Beispiel er trage sein Eisernes Kreuz zu Unrecht und er sei überhaupt niemals in seinem Leben Offizier gewesen. Ehrliche, alte National- sozialistcn sprachen untereinander darüber, äußerten sich auch kritisch und der Erfolg>var, daß sieben E.iiwohner, Haupt- sächlich Nationalsozialisten, als Gerüchtemacher vor das Amtsgericht kamen. In zwei Fällen wurde die Verhandlung vertagt, in vier Fällen erhielten die Angeklagten drei Mo- nate Gefängnis und in einem Falle, bei einem Obertrnpp- siihrer, ivurdeu sogar vier Monate Gefängnis verhängt. In allen Urteilsbegründungen hob der Vorsitzende des Gerichts ausdrücklich hervor, daß der Beleidigte„eine Persönlichkeit mit großen Verdienste» sei und sich bereits einmal in der Nähe unteres Führers und Volkskanzlers besnnden habe!" In derselben Stadt ist überhaupt öfter mal etwas gefällig. So kam es kürzlich zu einer regelrechten Schlacht zwischen SA. und Sportschülern, bei der man sich auf die srisch-fröh- lichste Weise mit den Ehrenöolchen zu Leibe ging. Schläge- rcien sind an der Tagesordnung und sie werden nur bekannt, wenn besondere Exzesse dabei zutaae treten, ivie in einem seriösen Cafe, in dem sich die neue Bonzokratic gegenseitig die Torten ins Gesicht geworfen und sämtliches Mobil« zerstört hat— Ten Wirt eines Lokals, in dem nur Rechisleute verkehren, prügelte kürzlich die SA. in der unmenschlichsten Weite und warf ihn dann in hohem Bogen in ein nahes Ge- wäffer. aus dem der Mann nur mit Mühe gerettet werden konnte. Das alles trug natürlich wesentlich zur„Beliebtheit" des Systems bei. Beinahe noch verbissener ist die Abneiguna gege» den Na- tional ozialismus unter dc„ Bauern. Auch sie bildeten, b«,anders»« Norddeutichland. lange Zeit die Avantgarde des Nationalsozialismus. Heute ist die Stimmung mächtig «mgcscktage» und mit derselben Hartnäckigkeit, mit der man sich früher für Adolf Hitler einsetzte, bekämpft man ihn jetzt. Bon Bauern aus Norddeutichland stammt auch folgender Spruch: ,.M't vier Pferde» haben wir Adolf Hitler geholt: mst Dreschflegeln werden wir ihn davon- jagen!" Aehnlich symptomatisch ist auch folgendes: Ein Bauer war vor Monaten wegen staatsfeindlicher Aeußerungen ins Ge- füngnis gewandert. Als er vor einigen Wochen seine Strafe abgebüßt hatte und er zurückkehrte, fand er das ganze Dorf zu seinen Ehren festlich beilnggt vor!— Und ein Reisender, der regelmäßig in eine bestimmte, früher sehr nazisrrnndüche Gegend kommt, erzählt:„Wenn ich heute mich dem Haken- kreuz zu den Bauern käme, würde mir kemer etwas ab,kau- seit. Anders ist es, wenn man das„Stahlhelin"-Abzcichen trägt!" In derselben Bauerngcgend gibt es heu e b?rn's gan.e Ortschaften, in denen kein einziger Bewohner mit „i&c'l Hitler" grüßt. Ueber das Erbhofgeietz herrscht unter diesen Bauern eine ungeheure Empörung, da es ihnen große Schwierigkeiten familiärer und sinanzeller Art bereitet. Des- gleichen ägcrlich ist für den Bauern auch die Errichtung der Eiervcrwcrtungsstellen, ähnlich den Genossenichaftsmeie- reicn. Wochenlang, monatelang können die Bauern aus Bc- zahlung warten. Neben den Bauer» ist die Unzufriedenheit auch im..Stahl- Helm" weit verbreitet. Ten Herrschaften, die sich seit Krieos- ende als die Wahrer alter, preußischer Soldatent'-gendcn betrachteten, paßt es garnicht, Widerspruch los in die For- mationcn der SA. einaeqlicdert und der Willkür übler SA.- Fiftdw-bls ousge'etzt zu sein, d'n sich wiederum tmrch aller- lci Sissikanen daftir rächen, daß dir Aneehörmen des „Stahlhelm" sie hochmütig über lss- Schalter a-seben bis seist großen Wert darauf legten, ihren Gruß„Sieg Heil" beizubehalten. Aus diese Weile hat man sich bislang so demonstrativ von den Nationalsozialisten, mehr aber noch von der SA. distanzieren können. Seit der Eingliederung ist das vorbei, ja. die Stahlhelm- Leiste müssen sich sogar noch saaen lassen, daß sie gar keine richtigen Soldaten sind, weil sie nicht so recht den neuen Zug mitmachen. Früher war es noch gemütlich: da machte man einmal die Jüodic Dienst, heute hat man gefälligst dreimal anzutreten. Und wie ivird man behandelt! Ei» „Stahlhclm"-Mann, der am ersten gemeinsamen Abend im Mantel erschien, wurde von dem SA Feldwebel angeherrscht: „Kommt ein Soldat so zum Dienst? Marsch, marsch, den Manrcl ausziehen! Ich will euch lehren!" 'Eine vielgcmachte Beobachtung ist auch, daß zahkrei^e Passanten schleunigst von der Straße verschwinden, in cincw Hausflur treten, durch Seitenstraßen die Flucht ergreifen oder aber in Schauienster schauen, wenn SA. oder TS. mit ihren Fahnen vorbeimarschieren. Denn die Fahnen der braunen und schwarzen Privatarmee müssen von jedem Deutschen mit erhobenem Arm gegrüßt werden. Kleinigkeiten, die die Stimmung andeuten, ereignen sich täglich zu Tausenden. Sie sind lehrreich und nicht minder heilsam. Man denke an den Eindruck, den es macht, wenn das neue'Regime die Frau eines GesängniSarztes, der seit Iahren Nationalsozialist ist, zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt, nur weil sie sich kritisch über die unmenschliche Behandlung von Tchutzhästlingen geäußert hatte. Oder nehmen wir einen Blumenhändler in einem besseren Stadl- teil von Hamburg. Es ist ein reicher Mann der bereits per mehreren Jahren ohne Rücksicht aui sei» Geschäft dr« Hakenkrenzfahne hißte. Heute ist er einer der heftig- sten Gegner der Nationalsozialisten, anaeividcrt durch d e korrnvten Verhältnisse innerhalb der NSDAP. Er flaggt beute— wenn er schon muß— nur noch die „K o in m u n: ss? n f l a g g e", das ist schwarzwcißrot! Eine Biirgerskrau ist wieder nach einer andern Seite empfindlich. Sie, die bisher ebenfalls begeisterte Hitler-Anhäng»rin ivar, m'ndte sich kürzlich mit der Bemerkung von ihrem Ideal ab: „Adolf Hitler macht die Arbeiter ja ganz verrückt: das war doch früher nicht!" Und ein Berliner Kriminalrat, der niemals zu bewegen war, der Sozialdemokratie beizutreten, kam neulich wutentbrannt nach Hanse und schimpfte:„Eine solche Schweinerei, wie sie jetzt täglich im Amt passiert, wäre früher nicht möglich gewesen!" Daß die Stimmung unter dem Hamburger Gxvorthandel seit der Machtergreifung durch Hitler nie über den Gefrier- Punkt hinweg gekommen ist, kann man sich denken und st auch allgemein bekannt. Schon damals hat man— wobei man doch nie mit der Republik syn.pathisiertc— von den Nationalsozialisten nichts erwartet, obgleich Hamburg sich in den letzten Wahlkämpsen sehr stark für den'Rational- sozialismus aussprach. Besonders unter den Tüdirucht- Grosshändlern ging das Wort um:„Wir können doch nicht hinter unserm eigenen Sarg herlaufen!" Heute ist die Stimmung aber geradezu aufrührerisch, denn der Südfrucht- Handel Hamburgs hat eine ungeheure Schädiauna durch die Nationalsozialisten erfahren. Man muß nämlich wissen, daß die mecklenburgischen Landichullchrer den Kindern streng- stens verbieten, Südfrüchte, wie Apfelsinen und Bananen mit in die Schule zu bringen Durch diese Methode fallen ganze Gebiete als Absatzmärkte aus. ohne daß von Partei- feite etwas dagegen unternommen wird. Im Gegenteil man ist damit einverstanden. Und das übrige belorqt die Ein- fnhrdrcsscluiig. die sich beim Südsruchtmartt sehr stark bc- merkbar mockil. Unübersehbar und unkontrollierbar ist auch ine Verbitte- rung. die in ansgelprochcn nationalsozialistisch eingestellten Betriebe» und Belegschaften herrscht. So brach kürzlich in einer großstädtischen Brotfabrik, deren Bcleg'chaft nur au s NSBO.-Leuten besteht, eine regelrechte Meuterei a»S. weil das von den Toz'atdcmokraten einge iihrte Nachtbackverbot im„dritte» Reiche" ausgehoben wurde. Eine tiefgehende Enttäuschung entstand auch unter den natio- nalsozialfttischen Mitgliedern eines großen Thca..rvrchcstcrs. iveil sich in der neuen Aera die Proben um viele Stunden verlängert haben. Dafür müsse» sie nun auch wieder im Frack spielen, was eine weitere finanzielle Belastung für ist: Musi- ker bedeutet. Wegen solcher und vieler vieler anderer unangenehmer Dinge gärt es unter dem tieften Mittelstand und die-Nörgler wachten ivie.P'lze aus dem Boden. Es war deshalb ja auch nicht von ungefähr, wenn Adolf Hitler anläßlich der Eröff- nung der Arbeiisschlacht 1984 erklärte:„Wir sprechen den Nörglern und Kritikern das Recht ab, noch lange zil schwätzen." Diesen Wortlaut seiner Rede hat man denn auch ans Piaketten groß herausgestellt und jedes einigermaßen Geschäft muß ein solches an sichtbarer Stelle aufhänge«. Die Unterführer dagegen bringen diese Kaimssansage an die Nörgler auf die viel deutlichere Formel:„Gcmccker ivie frü- her gibt es n cht mehr." Das haben inzwischen manche Stänkerer ans der Republik- zeit ans spürbare Weise erfahren müssen. Dennoch befindet sich der Nationalsozialismus mit solchen Redensarten in der Defensive! Das kommt noch mehr in dem Satz zum Aus- druck, daß„alles aus Glauben und Vertraue» eingestellt' sein müsse und daß man den„rechnenden Verstand als undeutich beseitigen" müsse, denn sagt man drohend und düster:„Wenn der Führer fehlt, müssen 63 Millionen zugrunde gehen!" Ueberhaupt der Feldzng gegen istc Nörgler! Er hat seinen Eindruck auf das Volk nicht verf;hlj. Aber in einem weit enteren Sinne, als die„Felbherrren" es sich träumen ließen. Man empfindet diesen Feldzng als Beweis dacktr, daß Naz s, die im Kampf gegen die Republik so große Psychologen waren, ietzi in der Behauptung ihrer Position völlig von ihrem Instinkt verla Isen werden. Und tatsächlich hat der Kamp» gegen die„Miesmacher. Nörgler und Kritikaster" die Lage nur noch schlimmer gemacht. Das ist auch der Grund, daß im Reich die Sache abgeblaft» ist und man nur noch da- von Hort, obgleich der Feldzug sich doch von Woche zu Woche steigern sollte. Diejenige» im Volke, die bisher glaubten, die Massen stünden tatsächlich hinter de» neuen Führern, er- fahren nun durch den Feidzug. daß Miesmacher. Nörgler und Kril kaster vorhanden sind, und zwar nicht wenig! Das macht das Volk mu.'iger: es'pricht wieder mehr ans. was es denkt, übt seinen Mutterwitz an dem»Feldzug" und hat neuen ■Stoff zu Lachen! szesticyriir gu... n J9-76, als eine besondere Berwaicung>„.„, v »gerichtet tvotben sei. bis zum Schluß zeigte sich aus iunaen ftir den Verbandszeitschriftenversag. daß die niemals— twie die Berbandsmitglieder fälschlich ml ein Zuschußbetrieb gewesen sei, sondern immer emliche Ueberschüsse abgeworfen habe. Tiefe Ueber- schlisse seien auk das Privatkonto von Dr. Gereke eingezahlt worden, zunächst unter der Bezeichnung als„Darlehm", in den späteren Jahren einfach als„Barcntnahme". Diese von Dr. Gercke persönlich entnommenen lleberschüsie hätten in dm letzten Jahren den Betrag bls 180 90» R M. jähr- l i ch erreicht. Der Angeklagte Dr. Gereke bat hieraus, die Verhandlung abcnbrecssen, da er nicht mehr fähig sei. ihr zu folaen. Der Staatsanwalt erklärte darauf, er ivolle nur noch vor der Mittagspause eine einzige Frage von Gereke beantwortet haben. Er wünsche vom Angeklagten zn wissen, wie hoch seine Einkünfte am 21. Av'il 1931 gewesen seien. Es kam hierauf zu heftigen Zusammmstößen zwischen Vcr- teidiguva und Staatsanwaltschaft, während der Dr. Gereke in der Ankiaaebank ohnmächtia zusammenbricht. Die Ver- Handlung wurde darauf vertagt. ßeftord für Sdiariridiler Wieder drei Todesurteile und 60 Jahre Kerker Berlin, 19. Juni. Im Prozeß wegen der Ermordung der Polizeiosfiziere Anlauf und Lenk verkündete bcr Bor- sitzende des Berliner Schwurgerichts heute das Urteil: DI e Angeklagten Michael Klause, Friedrich Broede und Max Matern wurden wegen gemein- schafttichen Mordes zum Tode und zu dauerndem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Wegen Beihilfe zum gemeinschaftlichen Mord wurden ver- urteillz Erich Wichert und Bernhard Zachow zu je IS Jahren Zuchthaus und 19 Jahren Ehrverlust? Willi Balzcr zu l 9 I a h r e n Z u ch t h a u s und 19 Jahren Ehr- vcrlust. Berthold Werner zu 6 Jahre» Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust, die Angeklagten Hans Broll, Max Holz und Rudolf Konrad zu je vier Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust. Tic Angeklagte Frau Matern erhielt ivcgen Begünstigung» Monate Geiängnis. die Angeklagten Schünkc und Sasse ivurden frei- gesprochen. Bei den A"getlagten Knntz und Thunert wurde das Verfahren auf Grund der Amnestie ein- gestellt. Tie Angeklagten, auch die zum Tode Verurteilten, nahmen das Urteil ruhig aui, iur Frau Mattern protestierte, als sie den Gerichtssaal verließ. Der Vorsitzende legte dann die Gründe dar. aus denen die Einstellung des Verfahrens gegen Thunert und Kuntz habe beschlossen werden müssen. Thunert. der nach der Erschießung sich mit seine: Pistole in einer Tonne ver- krochen hätte und von der Polizei gefaßt worden sei, s e i bereits wegen unbefugter Wasscnsührung bestrast worden. Da seine Straftat In unmittelbarem Zusammenhang mit der Tat gestanden habe, die jetzt abgeurteilt werde, habe das Versal,ren eingestellt werden müssen, nach dem Grund- satz, daß n i e m a n d z w e i m a l in der gleichen Dache ve-- urteilt werden dürfe. Bei Kuntz habe ebenso die Einstellung des Verfahrens erfolgen müssen, weil seine Tat unter feil Amnesie falle,.■*, JOdische Boxer Max Baer und seine Vorläufer «ZTA.s In 6er Nacht zum 15. Juni wurde in Neuyork die Weltmeisterschaft im Box-Schwergewicht zwischen dem Titel- Halter Primo Carnera und seinem Herausforderer Mar Baer vor mehr als 60(10« Zuschauern ausgetragen. Max Baer, der vor einem Jahre den früheren Titelhalter, den Deutschen Max Schmeling durch einen dramatischen Knockout besiegte und dadurch vor einer neuen Bewerbung um die Weltmeisterschaft ausschaltete, hat nun den jetzigen Weltmeister Carnera den berühmten Boxerriesen, der regulär noch nie k. o. war, in der elften Runde durch technisches k. o. gestoppt. Baer ist damit Weltmeister im Schwergewicht und Champion aller Kategorien geworden, wie wir schon kurz berichtet haben. Die Meldungen aus Neuyork besagen, daß der Sieg Baers über Carnera lCarnera war Baer um 48 Pfund Gewicht Überlegens als ein großes Ereignis im Boxsport gewertet wird. Die Wetten standen für Carnera, Baers Sieg kam überraschend, er gilt aber sür uneingeschränkt vollwertig. Als Max Baers Sieg verkündet wurde, spielten sich am und im Ring turbulente Szenen ab. Tie Zuschauer waren nicht zu beruhigen, sie drangen in den Ring, jeder wollte dem neuen Champion die Hand drücken. Max Baer wurde am 11. Februar IMS in Omaha sNeb- raskas als Sohn eines aus Teutschland eingewanderten jüdischen Farmers geboren. Er hat jederzeit sein Judentum stolz betont. Gelegentlich seines Sieges über Max Schmeling. den er kurz nach dem Durchbruch Hitlers in Teutschland erfocht, gab er der Presse gegenüber seiner Genugtuung Aus- druck, daß ein Jude, der im heutigen Deutschland als inferior behandelt wird, seine Tüchtigkeit gegenüber einem Deutschen bewies. Max Baer schlug zunächst den Beruf seines Baters ein und wurde Viehzüchter, später ging er nach Oakland, wurde dort Automechaniker und Ingenieur, um sich bald dar- auf dem Boxsport zu widmen. Sein großer Ausstieg begann 1932, da er King Lewinsky, ebenfalls einen Juden, Tom Heeney, Cobb und Swiderski schlug. Später erlag ihm Tuffy Griffith. Berühmt wurde er erst nach seinem Sieg über Schmeling, seither stand er nicht mehr im Kampsring. Durch Baers Sieg ist neuerdings der Weltmeistertitel an einen Juden gefallen. Zuletzt waren Jackie Brown Meister im Fliegengewicht. Barnev Roß Meister im Leicht- und Weltergewicht und Maxie Rosenboom Meister im Halb- schwergewicht. Auch der jetzige Weltmeister im Weltergewicht ist Judo. Baer ist der erste jüdische Weltmeister aller Kate- gorien. Sport und Körperkultur sind bei den Juden von altersher geschätzt. Mit liebevoller Anschaulichkeit wird in der Bibel der Taten des Recken Gideon, des gewandten David, des athletischen Simson und vieler anderer gedacht. Josephus Flavius übermittelt, daß im Heer Alexander des Großen ein Jude der beste Schütze und daß Juda ben Jehonsadab einer der hervorragendsten Springer seiner Zeit war. Selbst unter den Gelehrten der Talmud-Zeit findet sich ein ehe- maliger Gladiator: Simon ben Lakisch. Die Geschichte der Juden in Persien ist voll Episoden kühner Helden im Sport- kämpf. Der christlichen Umwelt war die militärisch-sportliche Betätigung der Juden nicht immer sympathisch: Rudolf II. verbot ausdrücklich den Juden Prags, die ebenso wie die von Worms als wehrhaft galten, Fechtunterricht zu erteilen. „Ott, der tausste Jud", der 1598 Meisterringer Oesterreichs war. schied, um seinen Titel behalten zu können, aus der jüdischen Gemeinschaft aus. Eine systematische Beteiligung der Juden am Sportleben setzt erst in der Neuzeit ein. Bereits 1769 wird ein hervorragender jüdischer Boxer Lyons in England genannt. Nicht lange daraus tritt im Boxsport Daniel Mendoza hervor, der Mann, der das Boxen nach gewissen Regeln und mit Hand- schuhen erst populär gemacht hat. Mendoza war der erste Champion von England, ein Schwergewichtler, dessen Kämpie um 1790 die Aufmerksamkeit der ganzen Oessenrlichkeit aus sich zogen. Nach ihm sind zahlreiche Juden Meister des Box- sports geworden, unter ihnen ein Mittelgewichtler, der alle Schwergewichtler schlug: der amerikanische Jude Samuel Elias sgenannt Dutch Samt, der so beliebt war, daß bei seiner Niederlage gegen Bill Nosworthy aus ihn 500 000 Dollar gewettet wurden. Auch Aby«Abrahams und Israel Belasco, Bendigo«1839-1845,. T. Hurst«1889,. Solomon Sodicey, Isaak Bittron genossen im 19. Jahrhundert einen großen Ruf als hervorragende Boxer. Im 29. Jahrundert wächst dann dei Zahl der jüdischen Boxer so stark, daß hier nur die bekanntesten genannt wer- den können: Benny Leonhard«Leiner,, Weltmeister im Leichtgewicht, der als der kunstvollste Meisterboxer galt: Abe Attell, Weltmeister im Federgewicht, den Leach Croß, auch ein Jude, besiegte: ebenso Louis Kid-Kaplan, Sam. Mandell, Jzy Tchwartz, die Boxweltmeister im Fliegengewicht waren: Joe Fields, Weltergewichtsmeister: Charles Philip Ro,en- berg, Meister im Bantamgewicht: ferner die Champions von England: Sam. Adler«1919,, Louis Cohn«1911,, Bloom- field«Schwergewichtsmeister von Englands, Ted Kid Lewis, Joe Cheynski, der Weltmeister, der den Neger Johnson «Schwergewicht, schlug. Die Weltmeisterschaft haben eine Reihe von Juden errungen, unter ihnen Battling Levinskn, Busly. Graham, Rubn Goldstein, Phil Kaplan. Ferner sind bekannte Boxer Jack Bernstein. Harry Greb, der Europameister Harry Mason, Lew Tendier, Dave Rosenberg, Eddl Kid Wagner, Nat Siegel, Joe Benjamin, Kid Wolse. Jimmy Dusfy. Französischer Meister im Halbschwergewicht war Francis Charles«Manage,. Jsaacs belegte 1928 in Amsterdam den dritten Platz in der Federgewichtsklasse. In Deutsch- land brachten es zu besonderen Leistungen Malz«1924 Federgewichts, Harry Stein«Fliegengewichts, Felix Friede- mann«Bantams. Den Prüfstein sportlichen Könnens bildet für Amateure der Sieg bei den Olympischen Spielen. Hier konnte der vielfache englische Meister Harold M. Abrahams«1924» Sieger im Laufen über 199 Meter werden. Frl. Rosenield aus Kanada wurde«1928s über dieselbe Strecke zweite Sie- gerin, Katz«Finnland, zweiter Tieger beim Hürdenläufen über 3999 Meter«1924,. Meyer Prinstein«Amerikas siegte 1994 in der Olympiade mit dem Weltrekord-Weitsprung von 7,35 Meter. Im Fechten brachte Dr. Fuchs«Ungarn, mehr- fach«1998 und 1912, den ersten Preis von den olympischen Spielen nach Hause, Cohen«Amerikas, A. Petschauer und Dr. Hajdu konnten sich u. a. bei olympischen und sonstigen Sportfesten hervorragende Plätze sichern. Tie Siegerin im Damenfechten aus der Amsterdamer Olympiade,^Helene Maner, hat einen jüdischen Vater. Ebensalls in Amsterdam «1928, wurde Morrison«Amerikas dritter Sieger unter den Amateurringern. Weltmeister im Ringen waren lange Zeit Zbysko und Stanislaus Czyganiewiez, die, ebenso wie der bekannte stärkste Mann seiner Zeit, Breitbart, das Mar- che» von der körperlichen Minderwertigkeit der Juden Lügen straften. Im Tennisspiel genießen die Franzosen Su- zanne Lenglen ud Lacoste und der galizische Jude Daniel Prenn internationalen Ruf. Im Fußball war die be- kannte Mannschaft der Hakoab«Wien, jahrelang erste Klasse, vorübergehend auch Wiener Meister. Als erster Tieger bei einem Turnfest der deutschen Turnerschait in Hamburg 1898 wurde Alfred Flatow laus Berlins ausgezeichnet. Auch im Flugsport beteiligten sich Juden schon irüh- zeitig. Beim Ballonsliegen taten sich u a. Spiegel, Gans, Berliner hervor. Bei den ersten großen Flugrennen siegten Abramowi'sch«Berliner Flugwoche), Rvsenstein«Mecklenburgischer Rundilug^ Von den Aviatikern der Vorkriegszeit sind zu nennen der bekannte Erfinder der Albatros-Flug- zeuge Wiener, der neben dem Juden Rumpler einer der er- solgreichsten Konstrukteure Teutschlands war. In der Nach- kriegszeit ist Robert Kronseld«Wiens im Segelslug uner- reicht, der 1939 in Paris von der russischen Jüdin Lena Bern- stein erreichte Tauerweltslugrekord erregte großes Aufsehen. Im Schwimm- und im Skisport stellten besonders die öfter- reichischen und die tschechischen Juden bekannte Preisträger. Auch in der Alpenistik haben sich Juden mehrfach ausge- zeichnet, eine Reihe von Erstersteigungen u. a. in den Dolo- miten wurde von Juden«z. B. von Gottsried Merzbacher, ausgeführt. Nach dem verunglückten kühnen jüdischen Hoch- touristen Pflaum ist eine Hütte benannt Zahlreich sind die Erfolge von Juden im Golf- und Polospiel, in der Auto- mobilistik und im Wassersport. »er Vörden»« 8« schwindet das Vertrauen zur Reichsmark Saarbrücken, 20. Juni 1934. Die„Deutsche Front", das Organ des Landesführers Pirrv, bekämpft in ihrer Nummer vom 18. Juni 1934 eine große deutsche Jndustriefirma, bei der das Vertrauen in die Reichsmark geschwunden zu sein scheint. Diese Firma«es handelt sich um ein bekanntes Hüttenwerk der Metall- industrie) sichert sich gegen die kommende Inflation. Sie schließt ihre Arbeitsverträge nur unter folgendem Borbe- halt ab: „Bezüglich der Löhne machen wir uns den Vorbehalt, dieselben zu ändern, falls die Reichöbauk eine Loslösnng der Reichsmark vom Goldstandard vornimmt." Wenn das schon in Hitlerdeutschland passiert.,, BRIEFKASTEN An mehrere. Sie haben am Montagnachmittag am Rundfunk ge- seyen, um die angekündigte Ueberiragung der Rede zu hören, die Vizekanzler von Papen in Marburg gehalten hat. Das Thema lau- tele„Tie Ziele der deutschen Revolution". Sie wollten erfahren, was ein stockreaktionärer Junker sich unter Revolution vorstellt. Es kam aber im Radio der Revolutionär Popen nicht zum Wort, weil sein Ministcrkollege Dr. Goebbels die Uebertragung der Rede verboten hat. Auch der deutschen Preye ist untersagt worden, die Rede Popens zu bringen. So mutz man sich denn aus ausländischen Zeitungen einigermaßen zusammenstoppeln, was der Vizekanzler des Deutsche» Reichs gerne seinen lauschenden Volksgenosien mit- geteilt hätte. Herr von Papen scheint uns ein trauriger Revolu- tionär zu sein, wenn seine revolutionären Ideen erst von dem Oberrevolutionär Goebbels zensiert werden müyen. „Aus dem Reiche des Mutter-Gottes-Generals". So nennt man in Bayern übrigens den Reichsstatthalter von Epp. Der Brief ist pünktlich angekommen. Warum auch nicht? Die Post ist noch so zuverlägig wie je, wenn man Briefe und Adreyen nicht gerade so absatzt, daß die Gestapo darüber stolpert.— Eine Deiner Mittei- lungen bringen wir aus bestimmten Gründen nicht. Was Du uns aus Deiner Heimat schreibst, ist auch in anderen Gegenden Deines Landes passiert und uns genau bekannt. Wir glauben, es ist nütz- lich, einstweilen davon zu schweigen.— Gute Erholung und tapfere Heimkehr! A«., Lüttich. Von Ihnen erfahren wir. daß nicht nur in Her- zogenrath, sondern auch in Aachen ein Fronleichnamsaltar demo- liert worden ist. Niemand erinnere sich, datz so etwas früher vor- gekommen sei. Sie schreiben uns:„Das Uniform- und Abzeichen- verbot der katholischen Jugendbünde, veranlatzte diese als Abzeichen Büronadeln und eHstzwecke zu benutzen. Tie Landespolizei sah sich genötigt hier einzugreifen und die Abzeichen zu entsernen." Vom Niederrhei«. Ihrem Briese entnehmen wir:„Tie Bauern haben eine neue Enttäuschung erlebt, da die Hundesteuer von 5 RM. aus 89 RM. für das Jahr hinausgesetzt worden ist. Viele Bauern haben daraus die nationalsozialistische„Volksparole" ab- bestellt, wodurch sie 24 RM. im Jahre sparen. Der Hund ist ihnen mehr wert als die Zeitung des deutschen Reichskanzlers." F. T., Athen. Sie schreiben uns:„Ministerpräsident Göring über- gab während seines Ausenthalts in Athen der dortigen Hitler- jugcnd 12 099 Drachmen für den Bau eines Hitlerjugendhauses. Die Auslandsgläubiger Deutschlands haben durch ihre Streichung der Reparationen und durch das jetzt verkündigte Zinsen-Mora- torium nicht nur die Ausrüstung Deutschlands, sondern auch Hitler- jugend-Häuser im Ausland, autzer der ganzen sonstigen Auslands- Propaganda zu bezahlen. Die deutsche Regierung mutz sich ihrer Sache sehr sicher sllhlen, da sie die oben genannte Drachmenstistung ohne Scheu und Scham verkünden lätzt." „Abonnent aus Zürich". Sie schreiben uns:„Separat sende ich Ihnen als Drucksache eine Nummer der Mistzeitung, welche die Front hier unter Mißbrauch des Titels„Freiheit" herausgibt, und dazu unter offenkundiger Nachahmung des Kopfes Ihres geschätzten Blattes. Das Niveau bemüht sich beinah mit Erfolg, jenem des Stürmers und sonstiger geistiger Exkremente der Kloake Europa» gleichzukommen. Ich kann Ihnen bei dieser Gelegenheit nur mit- teilen, datz zwar bei einzelnen urteilslosen Idioten hier der Ann- semitismus durch solche Erzeugnisie angefacht wird, aber autzer- dem in diesem deutschstämmigen und deutschsprechenden Lande der Deutschenhatz eine noch nie gekannte Höhe erreicht hat, denn mit vollauf berchtigter Folgerichtigkeit macht man hier die ganze teutsche Nation und nicht nur die Hitlerbande sür diese Barbarei und vor allem sür die Bedrohung des europäischen Friedens veramtwortlich." Sie tuen Millionen guten Deutschen bitteres Unrecht. Denken Sie an die kräftige Opposition, die sich nach der ersten Betäubung über» all im Reiche und in mancherlei geistigen Strömungen regt und denken Sie insbesondere an die zehatausende illegale Sozialisten, die Freiheit und Leben wagen. Auch das sind Deutsche.— Für die Uebersendung des Exemplars unserer Züricher„Konkurrenz" dan- ken wir Ihnen. Ihr Urteil über diese Sudelei ist grob, aber gerecht. L. H., Sao-Paolo«Brasilieuj. Wir werden uns bemühen, Ihren Wunsch zu erfüllen. M. K., Lugano. Wieder haben Sie uns durch einen langen Brief ersrcut. Wir danken Ihnen sür Ihr unverändertes Interesse. Hät- ten wir mehr Zeit, so würden wir Ihnen ausführlich schreiben. Aber es genügt Ihnen gewitz, zu wisien, datz unsere Gesinnung in allen Punkten die ihre ist: immer wieder tut es uns wohl, dos warme Freiheitsbekenntnis schweizerischer Menschen zu vernehmen. Sie wollen wissen, ob es wahr sei, datz sich Ernst Torgler gleich- geschaltet Hobe. Wir wissen es nicht und möchten es auch nicht glau- ben. Aber es fällt aus, datz in der kommunistischen Presse schon seit Monaten nur noch von Thälmann die Rede ist und von Torgler nicht, als ob er sür die Kommunisten nicht mehr existiert. Es liegt nahe, daraus gewisse Schlüsse zu ziehen, vielleicht auch den, datz die Kommunisten Thälmann sür einen geeigneteren Repräsentanten ihrer Idee halten als Torgler, der im Reichstagsbrandprozeß neben Dimitrosf stark zurücktrat. Im übrigen: gute Grütze und Wünsche, mit Dank für Hilfe und Interesse. H. R., Oslo. Wir danken Ihnen für die Uebersendung des„Ar- beiterbladet" mit Bildern über die großen Versammlungen Gerhart Segers in Norwegen. Wohin auswandern? Diese für tausende europäische Kulturmen- schen höchst aktuelle Frage macht der Aufrus, Streitschrist für Men- schenrcchte, Prag, zum Gegenstand einer Artikelserie, an der zahl- reiche Kolonialfachleute, Wirtschastsgeografen und Reiseschriftsteller teilnehmen. Die Schriftenreihe beginnt mit einem Aussatz Bolder L l d e n s, der als deutscher Ossizier und 1930 als Beauftragte^ der„Kölnischen Zeitung" Afrika durchforschte. Weitere Artikel über Brasilien, Chile, Palästina, Syrien, Lst-Asrika, Aequador und andere Länder folgen. Der Aufrus ist durch jede Buchhandlung und direkt beim Verlag, Prag 2, Krakovska 13, zu beziehe». Preis 2,Z0 Franken. UDonnlcrl die„Dcnlsdic f reihen" Für den Gesomtinholt verantwortlich: Johann Pitz in Dud- weiler: für Inserate: Otto Kuhn in Saarbrücken Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH. Saarbrücken i, Schützenftratze d.— Schließfach 770 Saarbrücken. fpccialislc - DEUTSCHSPRECHEND Münchener u. Pariser Fekultä 17, rue Reaumur Metro Arts-et-Metiers od. Röpublique Frauen-, Blut-, Haut-, Harn-und Ge» schlechtskrankheiien, Tripper, Syphi- Iis, Männerichwache. Neueste Heilverfahren. Elektrizität. Harn«. Samen* und Blutanalysen. Massige Bedingungen.(Auch dir Kassen versicherte.) 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