Sinzigs unabhängige Tageszeitung Deutschlands Aus dem Inha lt SJIQ.-Jühcez voc dem JUichsqeeicfit Seite 2 S.tilHHiUHClSUMScPlUWHQ an dec Suac Seite 3 JCatastcapAe dec deutschen 9tandels&i£ane Reise geht kur, gesagt dahin, eine Art Militärherr» schast zu errichten, die mit Hilfe des Belagerungszustands etwaigen Widerstand ersticken soll. Hitler, aus dessen per- sönliches Prestige nicht verzichtet werden kann, würde natürlich auch das Aushängeschild dieser Regierung sein. Von den bekannteren Nationalsozialisten würde außer Goebbels, der sich immer aus der Seite der stärkeren Bataillone befindet, vor allem Göring als der Ver- trauensmann des Adels und der Großbourgeoisie, der sich bezeichnenderweise in der Kampagne gegen die Miesmacher einer großen Zurückhaltung befleißigt, übernommen wer- den. Im übrigen würde man auf die„Herrenreiter" seligen Angedenkens zurückgreisen und ihnen eventuell im Hinblick aus die Wirkung im Ausland— Herrn Brüning zugesellen, von dem mit Recht oder mit Unrecht angenommen wird, daß er sich einem so ehrenvollen Rufe nicht versagen werde. Bielleicht wird die Sache nicht ganz so leicht und einfach sein, wie die Verschwörer es sich vorstellen, aber sie rechnen, wie gesagt, mit jener Stimmung auch in dem nicht unbe- dingt rechtsgerichteten Bürgertum, die jede Aenderung der bestehenden Zustände als Erleichterung begrüßen würde. Daß die Arbeiterklasse von dieser Art der Herrschastsver» lagerung nichts zu erwarten haben würde, liegt ans der Hand. Sie kann sich in dem entbrennenden Streit einst- we'len nur neutral verhalten und ihre unterirdische Ar- beit verstärkt fortsetzen. Aber sie ist sich bewußt, daß Deutschland eine großkapitali- stisch-großagrarisch« Reaktion.nicht lange ertragen würde, und unter diesem Gesichtspunkt wäre auch von ihr ausge- sehen ein Bruch mit der bisher innegehaltenen Linie ein Fortschritt. Jeder Konflikt in den Reihen derer, die dem Hakenkreuzbanner folgen, muß in seinen Auswirkungen schließlich der Demokratie und dem Sozialismus zugute kommen. Nur darf das Proletariat sich denen nicht zur Verfügung stellen, die das Rad der Geschichte nach rückwärts dreien wollen. Gestern und heute Das Ausland hat es schon manchmal besser gewußt. Manchmal hat es sich auch geirrt. Im Mai 1933 war die überwiegende Meinung in der Welt, daß Hitler sich nicht lange halten werde. Das wur damals ein Irrtum, der im Laufe des Sommers erkannt wurde. Dann schlug die Stimmung ins Gegenteil um, und man glaubte, Hitler werde bleiben von Ewigkeit zu Ewigkeit. Das war auch ein Irrtum. Heute hat man sich ungefähr dahin geeinigt, duß der Nationalsozialismus ein ungewöhnliches Phänomen und wie alle Phänomen sterblich ist. Vom Drang des Irdischen wird dieser Körper zur Zeit heftig geschüttelt. Die Erschütterungen sind so stark, daß viele Beurteiler ihm keine lange Dauer mehr versprechen. Der Antifaschist erinnert sich mit grimmiger Genugtuung an die Todesjahre der Republik, damals wollten viele von uns nicht so recht sehen, was los war. Ausländische Beurteiler waren in ihrer Herzenskälte weitsichtiger. Sie sahen das Verhängnis kommen und selten auf Hitler als den kommenden Mann. Keine Parade der Eisernen Front, kein Loyalitätsbekenntnis eines Reichswehrministers, kein Verfassungseid höchster Personen konnte sie daran irre machen. Und heute wird keine Parade in Dresden, kein Besuch in Venedig, kein Parteitag in Gera mehr jemanden über das Verhängnis irre machen, das der Nationalsozialismus in sich trägt. Der Zerrspiegel der Propagande biegt für niemanden mehr das Krumme grade. Der Rundfunk, zur Verbreitung von Lügen sehr geeignet, reicht zur Unterdrückung von Wahrheiten nicht aus. Mag die Rede des Herrn von Papen nicht gesendet werden; mögen selbst Zeitungen, die sie enthielten, unterdrückt werden— sie ist doch gehört worden. Sie wird gewiß nicht so verstanden, daß sie nun volle Wahrheiten enthielte; aber sie kratjt aus der dicken, über Deutschland gelegten Schimmelschicht der Lüge wenigstens einen breiten Fleck heraus. Herr von Papen hat spät gesprochen. Es gab Zeiten, zu denen es nüfjlicher gewesen wäre. Nach dem Reichstagsbrand hätte er ans Mikrophon treten sollen. Damals gabs was zu sagen. Vieleicht bedauert er heute schon, daß er es nicht tat. Damals durfte er noch anklagen; heute redet er nur wie einer, der sich retten will. Viele Leute kommen sich, sehr klug vor, wenn sie zu den deutschen Vorgängen die weise Anmerkung machen; ,.Davon stürzt Hitler noch lange nicht." Oft werden es dieselben sein, die ein Jahr lang beständig für den nächsten Tag seinen Sturz vorausgesagt haben. Weil damals ihre kindlichen Hoffnungen Torheit waren, ist heute ihre kaltschnäuzige Enttäuschung noch nicht Weisheit. Es kommt gegenwärtig nicht auf den Sturz von irgend etwas an, sondern die Erschütterung der reaktionären Autorität. Das Regime schwankt und schütten, weil es in hartem Prall auf die Macht der Tatsachen gestoßen ist. Gestürzt wird es erst von der Macht einer stärkeren Idee. Daran können irgendwelche Umbildungen, die vielleicht kommen, nichts ändern. Sie werden die Erschütterung nicht wieder in Stabilität, aber auch noch nicht in Sturz verwandeln. Der Glaube an den Sturz an sich wäre ebenso verhängnisvoll wie einst der alleinseligmachende Glaube an die alles besorgende soziale Entwicklung. Nichts geschieht von selbst, alles muß getan werden. Die Idee, die Hitler stürzen wird, ist die Idee der Freiheit. Noch ist sie für die meisten mehr Gefühl als Gestalt; noch ist der Gedanke der Freiheit in seiner ungeheuren Konsequenz, in seiner alles ergreifenden revolutionären Gestaltungskraft, in seiner Allgegenwart von wenigen recht begriffen. Aber das kommt bestimmt. Ans Ziel gelangt, wer ihm zustrebt, solange es noch fern ist. Die Schlacht gewinnt, wer sie vorbereitet, bevor noch der Krieg ausbricht. Zum Träger der Idee wird, wer sich schon zu ihr bekennt, wenn sie vielen noch als lächerlich gilt. Argus. ..Bauerlsdie Staatszeilund" in Ende München, 21. Juni. Die„Bäuerische Staatszeitung* veröffentlicht auf der Titelseite des Blattes am Mittwoch folgende Mitteilung' Tie bayerische Htaatsregierung hat durch Verordnung vom 12. Juni 1334 mit Wirkung vom 1. Juni 1984 den„Völkischen Beobachter" zum Verössentlichungsorgan der bayerischen Staatsministerien bestimmt. Durch diese Verfügung erweist sich das Weitererscheinen der„Bayerischen Staatszeitung" als unmöglich. Wir sehen uns daher gezwungen, daS Er. scheinen der„Bayerisch-n Staa'szeltung" und„Bayerischen Staatsanzeigers" vom 1. Juli 1031 an einzustellen,~' Der Lärm um Papcn Nofli immer firoßtr Widerhall Im Aasland London. 21. Juni.(Jnpreß-) Ter diplomatische Mitarbeiter "^.,5 Q Herald" glaubt zu wissen, daß von Papcn seine Ntarburger Rede im Einverständnis mit den Gross- agrariern gehalten hat, die eine Znfainmcnarbcit zivischcn den Vertretern ihrer Interessen und gewissen Nazisiihrern „radikaler Richtung" alS unmöglich betrachten. Tie Jndu- itriellcn und Agrarier, die Hitler zur Stärkung ihrer Macht benutzt haben, benb^chtigen heute, die Regterungsgeschäfte selbst zu führen, statt fie durch Mittelspersonen führen zu lasse».;)ui Durchsetzung ihrer Ziele, erklärt das englische Blatt. stützen sie sich auf die Reichswehr und auf die Autorität des Fcldmarschalls Hindenburg, der sich gegenwärtig, um- gebe» von Grossgrundbesitzcrn, in Rendeck au Bäk«, Tiefe Kreise denken daran,«ine Militärdiktatur auszurichten die das Vorspiel zur Rcstanratton der Monarchie bedeuten soll. „Man ivtrd sagen können", schließt„Dailn Herald",„daß die rivalisierenden Gruppen im Lauf« der kommenden Wochen sich eine entscheidende Schlacht liefern werden". „Irgend ein Ereignis.. London, Zt. Juni. Das konservative Blatt„E v e- »lng T l a n d a r d" hält die Rede von Popens und ihr verbot als das erste sichtbare Zeichen für dicSpaltung, die im nationalsozialkstifcheit Regime dnrch die Wieder- bildnng der Rechten und der Linken verursacht wurde TaS Blatt glaubt, Papcn habe den Gefühlen der Junker Ausdruck gegeben. die durch die Drohn na einer Güter- aniteilung aufgeschreckt woroeu seien, welche jene fordern, die davon profitieren würden. Da Hitler nicht beide Gruppen gkeichzeitg mirkedenfteklen kann, glaubt da? englische Blatt die Zeit nahegerückt, wo jeder zu einer hes- tigen Aktion Zuflucht nehmen werde, um dem anderen zu- vorzukommen. Tic Zeitung schließt folgendermaßen: „.irgendein Ereignis, zum Betspiel der Tod des Reichspräsidenten. kann das Signal zum Ansbrnch eines Konfliktes sein, in welchem Hitler und fein Regime auf immer»er- tchwinden werden." Das liberale Blatt„Star" geht in seinen Schluß- solgcrungen weniger weit, stellt ebenfalls das Bestehen eines Konfliktes fest und fragt sich, ob die deutsche Schwerindustrie, die Hitler zur Zertrümmerung der Temotratie und der Freiheit die Hände frei machte, jeyt Hitler nicht mehr für den rechten Mann halte. Ein Alarmruf Pari», 31. Juni.„Tempo" will in den Reden Hitlers, Gocb- bels und Popens ein Zeichen für die wachsende Bestnruhiäung, Verwirrung und P l a n l o s i g- keit sehen, die in Deutschland herrsche. Tiefe jenseits des Rheines ausgebrochen? Beunrnhianng erkläre den Besuch des Reichskanzler« in Venedig, die Rebe Goebbels' in War- schau und die Sondierungen Ribbentrops in Paris, Weiter gibt das Blatt der Anficht Ausdruck, die Rebe Papens, die die Tür zn allen möglichen Vermutungen oiien lasse, sei ein A l a r m r u f, ein Ansru> gegen die radikalen Elemente des Nationalsozialismus, und nach Anficht gewisser Kreise sogar eine Herausforderung an die Adresse des Reichspropaganba- Ministers GyebbekS, Znm ersten Male habe Pape», ieitdem er iich mit Hitler verbündet dak>e,.ösfevrtich Gedaukrn Aus- druck gegeben, die den»o» nativnolsozialistiicheu Führern bekundeten Tendenzen diametral entgegengesetzt seien. In anderen sranzöfischen Zeitungen wird gemeldet, Pape» habe ein Glückwunschtelegramm Hindenburgs erhalten. „Nur langsam" Washington, 21. Juni. iHavas.)„Baltimore Tun" schreibt zur Rede Popens:„Die Rebe ist besonders bezeichnend für denjenigen, der die sonstige ausserordentlich« Vor, ficht Papens kennt, E» ist ivenig wahrscheinlich, daß ex das Hittertum ebenso direkt und scharf angearifsen hätte, wenn er nicht dieUebcrzeuaung hätte, einen gro- ssen Teil der öffentlichen Mein» na hinter sich zu haben, die zum mindesten bereit ist, die Diktatur beim ersten Signal durch einen Mann ausheben zu lassen, der Mut genug hat, um di« Leitung der Opposition zu über, nehmen. Ter Nationalsozialismus ist seit seinem kurzen Be- stehen der schwierigsten Lage gegenübergestellt. We- gen beS Terrors, dem das deutsche Volk unterworfen ist, wird die Krise nur langsam heraufsteigen." „Endgültig geregelt" Berkin» Zl. Juni. sJnpreß.) In offizielle» Kreisen bemüh» .man sich, den Zwischenfall, der durch die Marburger Rede von Papen hervorgerufen wurde, als endgültig geregelt darzustellen. Man berpfj sich darauf, daß der Vizekanzler einem Bankett beigewohnt hat. ivelches Tr, Goebbels aeftern abend veranstaltete, Eingeweihte Persönlichkeiten messen je- doch dieser scheinbar freundlichen Zusammenkunft keinerlei Pas Neueste Tor marxistisch«„Populaire" will ans dem Bulletin des Eomite des sorgeö ssranzösifche Schwerindnstrlej ersehen haben, daß die Bant von Frankreich der italienischen Lira ein« bedeutend« Untcrstüftung habe zuteil werden lassen. Es schein« aber auch, als ob diese Unterstützung auch äugen- blickltch noch andauere. Wenn dies den Tatsache» entspreche, so erklärt das Blatt, müßten dabei politische Erwägungen eine Rolle spielen. Die Tagung beb ständigen Rates der»leinen Ente ate wurde»« Mittwoch beendet, lieber die Ergcb- niss« wurde ei» Koinmunignc herausgegeben, das zehn Eni- schlteßnngen auszählt. Der Dampfe»„Dresden" des Norddeutschen Lloyd, der sich zur Zelt aus einer Nrlonbersohrt„Kraft durch Freude" befindet, ist an der norweaischon Küste durch Grvudbe^ührung leck geworden Die Passagiere wurden an Land gebracht, und auch bi« Besaßung hat das Schiff»er, lassen. Ptittwochnack,mittag ereignete stck aus dar Karsten Ze»- truwsgrub« hei Essen«in schweres Unglück durch Zubruch- gehen eine» Strecke. Ein Steiger nnb sechs Bgrgleute w«r- den durch GesteiuSmaffen verschüttet. In dem Städtchen Siedle« in Kougreb-Polen wurden während eines Gewitter» drei Personen durch Blitzschlag getötet. Im Ungarischen Oberhans hiekt Ministerpräsident GSm- bös a« Mittwoch eine Robe, in der e, erneut de» Reo», sionsonspruch Ungarns betouto und«in« Zusammenarbeit mit der Kleinen Entente ablehnt«. Die fünf Engländer, die uon chinesischen Seeräubern ge, sangen genommen und vcrschlevpt worden waren, sind de» sreit worden. Ms« befinden sich an Verb eine» englischen Kriegsschiffe». Bedeutung bei, da sie in scharfem Gegensatz zu dem tatsäch- lichen Stand der Tinge steht. * t i.) In 8. dt« n München sind die Erem- »Auszüge aus der Mar- München, 21. Juni. sJnpreß.! plare einer schweizer Zeitung.._ burger Rede von Papens»erössentlicht hatte, beschlagnahmt worden. Wie Anfang 1918 Madrid, 20. Juni. Die linksrepublikanische Zeitung„E l Liberal" schreibt u. a.:„Tie Hitlcrdiltatur befindet sich nach kaum eineinhalb Jahren der Machtübernahme in einer ebenso beängstigenden Lage«i« da» Kaiserreich Ansang 1918. Nichl die immer mich verängstigten und schweigsamen Feinde sind schuld daran, sondern die Unfähigkeit der Nazis zu rc- gieren, der Kampf zwischen den verschiedenen Richtungen der Partei und vor allem der tragische, aber auch groteske Widerspruch zwischen den d^wagoalljchen Versprechungen und den armselige» ReiuUacen. Tie Hitlertvrannei hat sich gegen ihr« Urheber gewendet. Ter zu den ungeheuren Rüstnngsgns- gaben gekommene wirtschaftliche Boykott bat Deutichland in die schlimmsten Tage des Weltkrieges zurückgeführt. Tas Gold der Reichsbauk verflüchtigt sich, der Außenhandel in Stull, das Geld für die Einfuhr des Unerläßlichen fehlt. Nie- mgnb will Deutschland Kredit schenken, das an die Ruckkehr zu dem Lebensmittelrationalisierungeiystem der Kriegszett denkt, und aniomatisch tauchen die Risse in dem Diug aut, ivelches ein G r a n i t b l o ck zu fein schien. Wie l a n g e wird d i c Z e r s e tz u n g d a u e r n? Wo wird das„dritte Reich" hingelangen? Gegenwärtig steht nur etwas fest: Es ist unmöglich, den Zusammenbruch der Nazidiktatur auizu- halten." langen. Er bekommt eine Postkarte mit vorgedrucktem Text zugeschickt, auf der seine Beförderung auf die Quengler-Liste vermerkt wird, und dann hat er Stoff genug, um sich sein ganzes Leben über diese unglaubliche Vernachlässigung seiner Rechte aufzuregen." Soweit der Plan, der möglicherweise bald Wirklichkeit sein wird. Warum schließlich der Ternsche, der keine Rechte mehr hat. noch das Rech» Naben soll. Eingaben zu machen'? Pfarrer eingesperrt Berlin. 19. Juni.(„United Preß".) Pastor Schmu ndde aus Reu Trebbin an der Oder, der wegen Gehorsams- Verweigerung gegenüber der Kirckenregiernng in sei- nem Am« suspendiert worden war. trotzdem aber ans seinem Posten verblieb, ist heute ins Gefängnis von Potsdam cingelicseri worden. Aus ähnlichen Gründen wurde der pr mmersche Pastor Reimer» in das Gefängnis von Neu- Stettin gebracht. Im Rheinland wurden zwei Pastoren nach tagclangcr Polizeihaft wieder freigelassen: fie mußten sich jedoch verpflichten, ihr Amt nicht mehr auszuüben. Gerade aus dem Konaentrationslager entlassen! Ein Hildeshe'w?' Einwohner, der in einer Gaststätte Bc- merkungeu machte, wetms sich gegen den Nationalioziali». inns richteten, wurde in Haft genommen. Der Be- treffende war gerade aus dem Konzenirations- loger entlassen worden und nach Hildesheim zurück- gekehrt. Die Gestapo stiehlt Tos geheime Staatspolizeiamt hat auf Grund der gefetz- lichen Bestimmungen über die Einziehung staats- und volts- feindlichen Vermögens das Vermögen einichlteßlich de» Schriften- und Bureaumaterials de« Bunde« der jüdi» f ch c n Arbeitnehmer mit seine» Unter- und Neben- organisationen zugunsten des preußischen Staates«in- gezogen. zibt es noch die— dem Kopi durch di« Eingaben zur Ber- Die Quengiersdiladit Außer Miesmachern und Kritikastern Ouengler Quengler sind Leute, die mit Wand wollen und die die Behörden mit■...... zweiNnng treiben. Tas Reichsverwaltungsblatt veronent- licht einen iorgiältig ansgearbeiteten Plan zur Bekämptung der Quengler.„Ais sicherstes Mittel ich lägt er die Eivfuh- rung einer Quenglerliste vor. Aut dieie tute sollen.alle Staatsbürger kommen, die trotz Bescheidung durch die oberste zuständige Behörde nicht davon ablassen, die Behörden mit offenbar grundlosen Eingaben. Anträgen und Beschwerden zu belästigen. Wer aui der Quengler-Liste steht, kann von, keinem Gericht, keiner Staatsanwaltschaft und keiner „Goidreidi" Verwaltungsbehörde mehr ein Eingehen auf seine Eingabe ver- Eine dunkle Geschichte Aus Berlin wird berichte«: Das Sondergericht verurteilte den amerikanischen Staatsangehörigen Ar- m a n d R. G o l d r e i ch wegen Betruges in zwei Fällen sowie wegen Vergehens gegen die Verordnung vom 21. März 1938 zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr sechs Monaten Gefängnis. Goldreich, der Jude ist, hatte sich unerlaubt die Uniform und das offizielle Parteiabzeichen angelegt. Als„Sturmiiihrer der SA, und Verbindung»- mann deS Stabes der NSDAP, suchte er jüdische Aerzte aus, denen er vorgab, ihnen gegen Zahlung eines Vorschusses zur Wiedererlangung der verlorengegangenen Kassenpravis zu verhelfen. SPD/fflhrervordem Rtidisgeridif Mehrjährige Gelöngn'sslraien für Hochverrat Die„Fraukinrter Zeitung" berichtet: Leipzig, Juni. Unter der Anklage der Vorbereitung zum Hochverrat hatten sich heute der langjährige Redak- tenr des„Vorwärts" Franz K lnß. sein Schwiegersohn Fritz Neubecker und der ehemalige Parteisekretär der SPD. iür den Bezirk Brandenburg-Grenzmark Wilhelm Krüger vor dem 4. Strafsenat des Reichsgerichte» zu ver- antworten. Ten Beschuldigten wurde außerdem noch vor- geworfen, den organisatorischen Zusammen- hang derSozialdem akratischen Partei Deutsch- landS nach dem Erlaß des Gesetzes gegen die Neubildung von Parteien vom 14. Juli 1983 weiter aufrecht erhalten zu haben. In der Verhandlung wurden Borgänge erörtert, die sich kurz nach der verkündung dieses Gesetzes, und zwar von Ende Juli bis Mitte August 1988 abgespielt haben. Während dieser Zeit trafen sich in Berlin in verschiedenen Lokalen kleinere, aus vier bis acht Personen bestehende Gruppen von früheren SPD-Fun ktionären. die zum Teil gehobene Posten bekleidet hatten und sich anch periönlich nahestanden, zu einer Reihe von Besprechungen. An diesen Zusammenkünften hat vor allem der Angeklagte Krüger teilgenommen. Zu einer dieser Kou'erenzen im engen Kreis war nun am 8. August auch der irnhere Vorsitzende der IVT im Bezirk Brandenburg. Stahl, erschienen, der zu der emi- grierten Parteileitung in Prag enge Beziehungen unterhielt, häufig in der Tschechoslowakei weilte und für seine Prager Genossen in Teutschland bestimmte Missionen zu erfüllen hatte. Nach der Darstellung der An- geklagten bat Stahl in dieier Besprechung den Wunsch des Partcinorsitzcnden Wels mitgeteilt, daß dieser gerne ein- mal einen alten erfahrenen Parteifreund über dessen Ansicht von der Lage in Teutschland sprechen möchte, um dadurch zu erfahren, wie es um die Möglichkeit einer iv e i- teren Parteiarbeit im Reich bestellt sei. Ter„Vor- wärts"-Redakteur Kluß, der zusammen mit seinem Schwie- geriohn nur in dieser Konserenz zugegen war. bat sich dar- au'hin bereit erklärt, nach Prag zn fahren. Er hat die Reise gcmein'chaitlich mit Stadl auch unverzüglich ans- geführt, die Grenze heimlich ohne Paß überschritten»nd in Prag im dortigen Büro der Parteileitung Wels. Bogel nnd St am p'er einen Besuch abgestattet. Aus Prag ha« Kluß einige Exemplare de» dort ericheinenden, in Teulichland ver- bptenen„Vorwärts" und das Emigrcmienorgan in Saar- brücken.Teuticke Freiheit" mitgebracht, die später dann bei Haussuchungen beschlagnahmt worden sind. Krüger, der von Kluß einige dieser Zeitungen erhielt, hat seine Stellungnahme zu den Verhältnissen in Deutsch- land auk Bitten von Stahl In zwei Berichten mit der U-ber- schritt„Wie ich es sehe" schriftlich fixiert und diese Aus- arbeiiuug dem Prager. Vertrauensmann überreicht. Tie Anklage hat vermutet, daß diese Berichte als Unterlagen für ansiändifche Presseveröf'entlichungen gedient habe«. lieber den Zweck ihres Tun» äußerten sich die An- geklagten übereinstimmend, daß ihnen illegal, Bestrebungen ierngelegen hätten und sie im Gegenteil bemüht gewesen seien einen klaren Trennungsstrich zu dem Parteivor stand in Prag zu ziehen, unbeschadet der besonders bei Kluß vorhandenen persönlichen freund- schastlichen Beziehungen zu seinen Mitgliedern aus Grund der jahrelangen engen Zusammenorbcit. Sie hätten zu dem Teil der SPD. gehört, der die Emigr« tion des Partei- vorstände» und seine Auslaudstätigkeit als falsch an- gesehen und deshalo abgelehnt habe. Aus diesem Grunde habe man in den Zusammenkünften das Ansinnen Stahls, die Parteiarbeit fortzuführen, anch stets einhellig abgelehnt. Klüß sei von der Versammlung nicht nach Prag delegiert worden, sondern aus freien Stücken dorthin gefahren. Er will hier anch den Parteivorsiand nicht im unklaren darüber gelassen haben, daß die Auslaiidsarbeil der Partei nickt nur zwecklos, sondern sogar geeignet sei. die Lage dcr näheren. Parteigenossen in Teutschland zu verschlechtern und ihr moralisches Ansehen zu schädigen. Die Zeitungen habe er nicht zu propagandistischen, sondern nur zu inivruialoritcheu Zwecken mitgenommen. Die Aussagen der Zeugen, unter denen sich auch der trübere Reichstagsabgcordnete Eberl befand, bewegten sich in dcr gleichen Richtung.'...... Der Vertreter der R e i ch s a n w a l t i ch a? t tührt» in seinem Plädoyer aus, daß man sich nicht durch den Eindruck, der Persönlichkeit der Augeklagten täuschen lassen dürie, um so zu der Meinung zu kommen, ihnen sei nichi zuzutraueNr daß sie sich in den Dienst dcr Illegalität hätten stellen wollen. Auch die Mitglieder dcr Präger Parteileitung seien alte, geivissermaßen in der Legalität grau gewordene Männer, die sich z» einem rein revolutionären Vorgehen entschlossen hätten und nicht da- vor znrückichreckteni, das Gift einer unter- irdischen Propaganda in Deutschland aus, z u b r e i t e n. Die Beschuldigten hätten— anders lasse sich ihr verhalten nicht erklären— den Weg zum Prager Partelvorftand gesucht, und zwar aus Verärgerung darüber, daß man znm Wiederaufbau der SPD. in Teutschland jüngere Kräfte verwendet habe. Prag habe die Taktik verfolgt, die jungen Leute gegen die älteren Funktionäre auszuspielen, um diese dadurch auizurütteln. Ter Reichsanwalt betonte, daß Klüß menschliche Achtung nicht vertagt werden könne, weil er sich im Gegensatz zu anderen hohen Parteifunktionären, ohne einen weniger bekannten Parteigenossen vorzuschieben, zn der ge- jährlichen Reise nach Prag selbst berettgeknnden habe. Aus diesem Grunde könne die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte für ihn nicht in Frage kommen. Wegen vor- bereitung zum Hochverrat beantragte der Anklägern:! treter gegen Klüß zwei Jahre Zuchthaus, gegen Krüger zwei Jahre Geiängni» und gegen Neubecker wegen Beihilfe hierzu neu» Monate Gefängnis. Das Urteil Das Urteil des 4. S»raiienatS gegen Klüß»nd Krüger lautete ans je zwei Jahre neu» Monate Gelang» n i s, Ncubeckcr wurde freigesprochen. In der Urteilsbegründung wies dcr ScnatSvor« sitzende daraus hin. daß Krüger sich der Bestimmung seiner zwei an Stahl übergcbcnen Berichte für die Parteileitung in Prag bewußt gewesen sei, und daß er den Einfluß Stahls als Verbindungsmann nach Prag genau gekannt habe. Auch die zurückgebliebenen Führer der SPD. seien sich über bic Absichten der Prager Zentralleitung voll- kommen im klaren gewesen, die kein andere» Ziel ver» lolgt habe, als aui gewaltsame Weise die Neuordnung des Reiches zu vernichten, um sich selbst wieber an die Macht zu bringen. Klüß fei in dem Bewußtsein nach Prag gefahren, daß von dort ans der Hochverrat gegen das Deutsche Reich betrieben«verde Wen» er anch die Form der Arbeit der dort führenden Männer als unklug angesehen habe»nd wenn er aus ihre Methoden habe mäßigend einmirte«» wollen, so sei doch das eigentliche Ziel dieser Bemühungen von ihm gebilligt worden. Aus diesem Grunde habe er auch von den Parteigenossen, mit denen er jn Fühlung ge- treten sei. die illegalen Schriften mitgenommen. Zur Höhe des Strafmaßes bemerkte der Vorsitzende, daß die Verurteilten durch ihre Einficht in das parteipolitische Leben die besondere Gefährlichkeit ihres Bor. gehens genau gekannt hätten, das jetzt vom Gesetzgeber mit den schwerste» Strafen, ja selbst mit der Todesstrafe, bedroht werde. Der AMenfafsversudi Segen Mar Braun Am 4. Juli vor dem Schwurgericht Saarbrücken, den 21. Juni 1934. Am 15. Dezember 1933 wurde mit der Poketpost eine Höllenmaschine in dem von Braun bewohnten Hause der Arbeiterwohlsahrt abgeliefert. Das sorgfältig verschlossene Paket enthielt in einer Steinkrugflasche eine große Menge von Sprengstoff, der mittlerweile als Schwarzpulver fest- gestellt worden ist. Der Sprengstoff war mit Nägeln und Stahlstücken durchsetzt. Mittels einer Zündungsvorrichtung war die Entzündung der Sprengstoffmasse durch die beim Oesfnen der Kiste entstandene Reibung sichergestellt. In der Steinkrugslasche befand sich eine derartig große Menge von Sprengstoff, daß die gelungene Sprengung geeignet gewesen wäre, großen Schaden an Menschenleben und Sachgut zu verursachen. Gleich nach Bekanntwerden der Tat waren die Schmutzblätter wie das„Saarbrllcker Abendblatt" und andere Goebbels-Trabanten sofort mit ihren Verdächtigungen bei der Hand, baß das Attentat eine bestellte Arbeit des Führers der Freiheitsfront Max Braun gewesen sei, um sich populär zu machen und um einen Terrorfall zu erfinden. Die Goebbelspresse hat sich nicht genug darin tun können, diese niederträchtige Behauptung bald mehr oder weniger bestimmt immer aufs neue vorzubringen. Nunmehr wird vor dem Schwurgericht Saarbrücken am 4. Juli 1934 die Verhandlung gegen einen der beiden Täter, den Nationalsozialisten Schäfer aus Neunkirchen, stattfinden. Sein Komplice, der Nationalsozialist Äellermann, ist ins „dritte Reich" geflüchtet. Dort soll er nach früheren Mel- düngen der Hitlerprefse verhaftet worden sein. Wir haben die Nachricht damals angezweifelt. Jedenfalls kann gegen ihn nicht verhandelt werden, da Hitler seine Hände schützend vor diesen Attentäter hält. Aber auch die Verhandlung gegen den einen Täter, Schäker, allein wird ausreichen, um die schmutzige Ver- leumdung des„Abendblattes" anzuprangern. Schäfer wird vor dem Schwurgericht auszusagen haben, ob er ein ge- kauites Subjekt der Freiheitsiront gewesen ist. Es steht einwandfrei fest, daß er als Bote der Nationalsozialisten benutzt worden ist und daß er als Gegner von Max Braun gegen diesen ein Attentat hat vollbringen wollen. Bekannt- lich hat das„Abendblatt" zunächst zugegeben, daß Schäfer Mitglied der nationalsozialistischen Partei war. Es hat sogar über den Ausschluß des Attentäters aus der Partei berichtet. Später hat das„Abendblatt" sich sodann selbst berichtigt und lediglich Beziehungen Schäfers zu den Nationalsozialisten, aber keine Mitgliedschaft in der Partei zugegeben. Tie Schwurgerichtsverhandlung dürfte geeignet sein, der Abstimmungskommission, die am 39. Juni oder 1. Juli in Saarbrücken eintreffen wird, ein Bild zu geben von der disziplinierten Haltung und der absoluten Friedfertigkeit der sogenannten„deutschen Front". Zorn Sflmmungsamsdiwung an der Saar Saarländer sollen möglidist aus dem Reldie ferngehalten werden Aus Berlin kommt folgende sonderbare Meldung: Das Interesse an der Volksabstimmung im Saargebiet hat in den letzten Monaten in erfreulicher Weise zugenommen. Gleichzeitig aber nimmt die Zahl der Kundgebungen, die die Verbundenheit des Reiches und seiner Bevölkerung mit der Saar bekunden solle», täglich zu. Gewiß ist das eines- teils begrüßenswert, aber es hat sich ergeben, daß oft unverantwortliche Veranstalter die Kund- gedungen nicht im Sinne der Saar durch, führte». Daher sind sämtliche Saarkundgebungen im Reiche, gleich in welch?« Rahmen sie auch immer stattfinden, von der Genehmigung des Propaganda« Ministeriums abhängig. * Was bedeutet das? Zahlreiche Bereine und sonstige Personengruppen von der Saar sind in letzter Zeit zu Taarkundgebungen in das Reich eingeladen worden. Tort sollten sie die Begeisterung für die Saar steigern helfen. Die Gäste von der Saar sind auch in den besten Absichten und mit vollem Vertrauen zum „dritten Reich" abgereist, aber sie kamen meist in ganz anderer Stimmung wieder. Da es sich oft nur um Veranstaltungen im kleineren Rahmen handelte, ergab sich ein enger persönlicher Kontakt zwischen den Gästen von der Saar und ihren Gastgebern im Reiche. Die Saar- länder erfuhren zu ihrer Ueberraschung, daß die Zustände im„dritten Reiche" ganz anders sind, als sie das Reichs- propagandamini.'-rium im Radio darzustellen beliebt. Die Woge der„Miesmacherei" hat also an der Saargrenze nicht chalt gemacht, sondern bringt mehr und mehr in das Saar- gebiet ein und beginnt die„deutsche Front" zu zersetzen. Um dieser Entwicklung nicht noch mehr Vorschub zu leisten, sollen die Gastreisen von Saarländern in das Reich mög- Hülst unterbunden werden. Die Saarkundgebungen im Reiche sollen möglichst nur nv h von ganz großem Umsange sein. Zu diesen Veranstaltungen werden Saarländer nur in größeren geschlossenen Gruppen durch Sonderzüge beför- dert, und es wirb dafür gesorgt, daß sie nur durch allgemeine Feststimmung beeindruckt werben. Die„Saarbrücker Zeitung" sNr. 161) kann ihren Aerger über die Entwicklung der Dinge im Reich nur noch schlecht verbergen. Sie meint: „Was noch an Kampf und Abwehr zu leisten ist, kann nur and muß ausschließlich Sache de^ Deut- Ichen au der Saar selb st sein. Damit erhalten auch die Saarkundgebungen im Reich eine andere Be« d e u t u n g. Sie werden in Zukunst weniger als bis, her ausklärenden, mehr als bisher demonstra- t i v e n Charakter im guten Sinne hoben, d. h. zum Aus- druck bringen müsien." Mit anderen Worten: Laßt uns möglichst in Ruhe! Je mehr das Volk an der Saar von den Verhältnissen im„dritten Reich" erfährt, um so verhängnisvoller wird die Stimmung. Was wir immer gesagt haben: Nur durch den Sturz der deutschen Diktatur und die Beseitigung ihrer Lotterwirt- schaft ist die Saar zu retten. Wacklige„deutsche Front" Das Geld der Winterhilfe- Korrupte Amtswalter und sahnte sehen Die Saarbrücker„Volksstimme" veröffentlicht'folgende Dokumente, die die Zustände in der„deutschen Front" an der Saar beleuchten: Saarbrücken, den 29. Juni 1934. Erstes Dokument Abschrist Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei Saargebiet Landes-Geschästsstelle: Saarbrücken 1, Waterloo-Str. ll a Parteizeichen Kreisleitung Saarbrückcn-Land Abtl. Ter Kreisleiter Tagb. Nr. W. L. Saarbrücken 3, den 3. Januar 1934. Herrn Alfred Kunz, S u l z b a ch- Saar Fischbacher Weg 14 a Hiermit schließe ich Sie sofort wegen Verstoß gegen die Parteisatzungen aus der NSDAP, aus. Sie haben sich einem Ttahlhelmer gegenüber geäußert:„Das Geld von der Winterhilfe steckt der Pfeilstücker in seine Tasche." Ich sehe hierin eine Beleidigung des Ortsgruppen- leiters. Heil Hitler! gez. Welter Kreisleiter. Zwl lt Zu den Unstimmigkeiten in der Deutschen Ortsgruppe Sulzbach Erklärung Bei den durch den Landesschatzmeister der„Deutschen Front" allgemein durchgeführten Prüfungen des Kassen- wesens wurden in der Ortsgruppen Sulzbach verschiedene Unstimmigkeiten festgestellt. Daraufhin wurde der verant- wortliche Leiter dieser Ortsgruppe zur Rechenschaft gezogen und mit mehreren Amtswaltern von den AmtSgeschäften der Ortsgruppe entbunden. Front Nach erfolgter Sichtung der Unterlagen wirb eine gericht- l'che Klärung in die Wege geleitet. Darnach wird die Landesleitung der Deutschen Front gegen die Schuldigen satzungsgemäß vorgehen. Es steht jedoch heute schon ein- wandfret fest, daß der Führerrat mit diesen Vorkommnissen nicht das Geringste zu tun hat. Die neue Ortsgruppen- leitung bietet die absolute Gewähr dafür, daß Aehnliches nicht wiederkehrt. Von allen Mitgliedern der Ortsgruppe Sulzbach erwarte ich, daß sie auch weiterhin an den hohen Zielen der Deut- schen Front treu und unentwegt festhalten. Saarbr'-^-n den 14. Juni 1934. Deutsche Front, Landesleitung gez. Pirro, Landesleiter. Dr.l^.1'^ment Flugblatt An die Mitglieder der NSDAP.— Fürstenhaus«« Nach den bekannten Borfällen hat es den Anschein, als wollten sich die jetzigen Führer der deutscheu Front ein für alle mal die führende Stellung hier am Ort anmaßen. Wenn so wetterwendische Gestalten wie Herr Eich und andere so tun, als hätten sie allein den Nationalsozialismus gepachtet, wirkt das wie ein Hohn auf unseren jahrelangen Kamps. Es darf: icht zugelassen werben, daß die alten Kämpfer der NSDAP, an die Wand gedrückt werden. Unser Führer Adolf Hitler hat sehr oft schon mit aller Bestimmtheit erklärt, daß die Märzhasen nichts zu melden haben.< Jeder aufrechte Nationalsozialist lehnt eS ah, den Sozia- liSmus Adolf Hitlers durch diese Beamtenbonzen ver- wässern zu lassen. Wir wollen Arbeiter sein und bleiben! Wir fühlen uns in allen unseren Handlungen nicht einer anmaßenden Beamtenclique verantwortlich! Wir sind eS nur dem Führer der deutschen Arbeiter. Adolf Hitler! Nationalsozialisten! Unser Kampf geht nicht um Führerposten, sondern um die Reinerhaltung unserer Idee und unserer Bewegung! Richtet Euch danach und denkt daran! Mehrere alte Kämpfer der NSDAP. Fürstenhausen. Hitler hängt ihn-n Korruptionspro xese an Aas Koblenz Wachsende Miesmacherei Man schreibt uns: In unserer Gegend finden wir es be- sonders ausgeprägt, daß der Nationalsozialismus seine Leute nur durch Äeußerlichkeiten zusammenhält. Ein Fest jag! das andere. Militärischer Aufzug aller Formationen und Organisationen verfehlt nicht seinen Zweck. In letzter Zeit kommt man zu der erfreulichen Feststellung, daß der Nationalsozialist sich auf die Verteidigung einstellt. Der Un- wille im Volk über das Mißverhältnis zwischen Verspre- chungen und Leistung nimmt von Tag zu Tag zu. Die nicht mehr zu übertreffende Bonzokratie die Korruption und die Fechterei tuen das weitere. Arbeitslosigkeit, geringe Ent- löhnung bleibt das ungelöste, aber für das Volk das pri- märste Problem. To hat auch der Bauer nicht den gewünsch- ten und lohnenden Absatz, was sich in einem starken Un- willen bemerkbar macht. Wird kein Zwang zur Beilaggung, zur Teilnahme an Versammlungen, Festlichkeiten usw. aus- geübt, dann bleibt die Anteilnahme immer gering. Ein Bei- spiel: die NS.-Volkswohlsahrt sversügte im gesamten Gau über mehr Amtsleiter als Mitglieder. Erst mußte ein rieft» ger Propagandafeldzug eingeleitet werden. Jede Straße hatte ihre Versammlungen, ein Plakat jagte das andere, ein unerhörter Zwang zum Beitritt wurde ausgeübt. Und dennoch gelang es nicht besondere Erfolge zu erreichen. Die Zeit arbeitet in unserer Gegend stark für uns. Vater und Sohn Illegal Eine Geheimdruckerei Wegen Beihilfe zur Borbereitung zum Hochoerrat er- 23t UM l Lj_ kannte das Reichsgericht gegen Hermann Dzubas aus meBil fb Mlu Nmia taaMM Berlin-Britz auf zwei Jahre und gegen seinen 2Sjährigen„___ S oh n H e i n z auf ein Jahr neun Monate Gefängnis. Die WWW Angeklagten hatten im Herbst 1933 im Lohndruck ein Flug- blatt hergestellt, das zur Nifderringung der Deutschen Ar- beitsfront aufforderte und für die staatsgefährdenden Ziele der aufgelösten Gewerkschaften eintrat. Auch eine Ausgabe der verbotenen„Roten Fahne" mit„Lügenmi-ldun^en" über den Reichstagsbrand war in dieser kommun!"''^•" Ghetm- druckerei hergestellt worden. krauen als Geiseln fJnpreß): Die Frauenkommission des Interna.icnalcn Bcireiungskomitees richtet an alle Befreiungslomitees, Massenorganisationen und an sämtliche Antifaschisten den Appell, sich für die Freilassung von Frau Beimler. Frau Steinfurth und allen bedrohten Frauen einzusetzen. Frau Beimler wurde vor vierzehn Monaten verhaftet und wirb, nachdem ihr Mann vor mehr als einem Jahr aus Dachau entfliehen konnte, heute noch als Geisel festgehalten. Der unglücklichen Frau Steinfurth, die man einkerkerte, bevor man den Meuchelmord an ihrem Mann beging, will man jetzt sogar einen Prozeß machen. Der Aufruf schließt: „Es ist der internationalen Aktivität gelungen, Frau Seger zu befreien!" Es müsse alles daran gesetzt werden, um auch Frau Beimler und Frau Steinfurth die Befreiung zu er- kämpfen. Gott und die ttlflerjagend lJnpreß.) Der„Katholische Gemeindebote", der vom Stadt- Pfarramt in Ettlingen herausgegeben wird, ist auf die Dauer von 9 Wochen verboten worden. In der Begrün- dunq der Pressestelle des Staatsministeriums heißt es. daß das Blatt einen Artikel veröffentlicht habe, dessen ZiVck es gewesen sei.„unter Anrufung Gottes die katholische Eltern zu veranlassen, die Kinder vor dem Eintritt in die Hitlerjua^nd zu behüten und sie statt dessen in die katho- tischen Vereine zu schicken". Berlin, den 29. Juni 1934. Seit drei Tagen läuft in Frankfurt der Prozeß gegen den früheren, der Bayerischen Volkspartei angehörenden Reichs- postminister Dr. Stingl und weitere Vorstands- und Aus- sichtsratsmitglieder der deutschen Kabelwerke. Stingl wird vorgeworfen, neben seiner Bezahlung als Aussichtsrat noch 19 999 RM. besondere Vergütung jährlich heimlich erhalten zu haben. Die sämtlichen Angeklagten bestreiten, unrichtige Buchungen vorgenommen und Untreue begangen zu haben. Reichspostminister a. D. Stingl gibt zu, früher ein großer Steuersünder gewesen zu sein. Er hat aber nach seinen An- gaben dadurch die Sieueramnestie für sich eintreten lassen, indem er für die Arbeitsspende 59 999 RM. gezeichnet Hobe. In der Mittwochverhandlung gestaltete sich die anfänglich infolge der einseitigen Prozeßführung und der gehässigen Angriffsweise der Staatsanwaltschaft ungünstig aussehende Prozeß überraschend gut für den Angeklagten Reichspost- minister a. D. Ter Büchersachverstänbige kommt in seinem Gutachten zu dem Schluß, die Vergütung des Dr. Stingl durch die Kabelwerke sei einwandfrei, üblich und durchaus angemessen. Es könne auch gegen die getrennte Buchung dieser Vergütung nichts eingewandt werden. Gleichzeitig läuft vor der 7. großen Strafkammer des Berliner Landgerichts ein neuer Prozeß gegen den früheren Zentrumsminister Hirtsiefer, der erst vor einiger Zeit in M.-Gladbach zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt worden ist. Neben Hirtsiefer haben sich noch zu verantworte»: Der Berbandsleiter Dr. Dr. h. c. Heinrich Gerlich, der Staats- sekretär a. D. Professor Dr. Dr. h. c. Adolf Scheidt, der Ministerialdirektor a. D. Hermann Peters, der Ministerial» direktor i. e. R. Dr. Alexander Schneider und der Mini, sterialdirektor a. D. Geheimer Rcgierungsrat Hermann Tillich. Allen Angeklagten wird Untreue, teilweise verbunden mit Anstiftung zur Untreu«, Gerlich außerdem Betrug znr Last gelegt. I» einer Rachtragsanklage wird Hirtsiefer außerdem passive Bestechung im Amt in zwei Fällen vor, geworfen. Räch den Feststellungen der Staatsanwaltschaft sind von dem in enger Verbindung mit dem srühere» preußischen Ministerium für Volkswohlsahrt stehenden Verein„Reichszentrale, Landausenthalt für Stadtkinder und Erholungspslege deutscher Kinder im Ausland" allein für Reisekosten der Angeklagten jährlich Zehntausende von Mark ausgegeben worden. Die Berwaltungskostcn sollen außerdem geradezu eine fantastische Höhe erreicht haben. Dem Angeklagten Hirtsiefer, Scheidt und Gerlich wird serner Untreue und dem Angeklagten Peters Anstiftung zur Untreue bei der Beschaffung des dritten Ehrendoktortitels für Hirtsiefer vorgeworfen. Diese» Titel mußte nach der Anklage die Reichszentrale aus preußischen Geldern mit nicht weniger als 22 090 RM. bezahlen. Aus der Kasse der Reichszentrale sollen weiter Fahrgelder und Kurkosten für Parteibuchbeamte und deren Angehörige und Bekannte be- stritte« morde« sein. Hirtfieser wird außerdem vorgeworfen, daß er sich von dem früheren Oberbürgermeister von Köln durch 100 Flaschen Wein, 100 Lotterielose und ein kostbares Oelgemälde bestechen ließ. Für den Prozeß ist eine Ver- Handlungsdauer von etwa vier Wochen vorgesehen. Die Verhandlung begegnet im übrige« keinem starke« Publi- kumsinteresse. Im Zuhör-rraum sitzt nur eine einzige Zu- hören«. Alle diese Prozesse stellen Racheakte der braunen Gewalt- Haber dar. Sie sind lediglich Mittel zu? Ablenkung von der ständig wachsenden Not. Wehe demjenigen der in die Hände dieser parteiischen Justiz und dieses verruchten Systems fällt. D fe" ,,d"*■**•^ 1,1 ARBEIT öS® WIRTSCHAFT Haftnahmen Segen das deuisdic Moratorium Frankreich Pari», 21. Juni. Der stets gut unterrichtete Außenpolitiker des Excelsior erklärt am Donnerstag, daß der heutige französische Ministerrat den Wortlaut der französischen Antwort auf die deutsche Moratoriumserklärung festlegen werde. Obgleich sich die französische Regierung über diesen Wortlaut nicht mit der englischen Regierung ins Einvernehmen gesetzt habe, könne man mit Sicherheit annehmen, daß Frankreich die gleichen Argumente geltend machen werde und zu den gleichen Schlußfolgerungen komme. Wenn Deutschland Frankreich und England nicht bis spätestens 1 Juli Genugtuung geben werde, würden Leide Länder die gleichen Schutzmaßnahmen gegenüber den Inhabern von Dawea- und Younganieihen treffen. Dieser Beschlnß schließe jedoch nicht die Möglichkeit freundschaftlicher Verhandlungen aus. die geeignet seien. Deutschland die Durchführung seiner Verpflichtungen zu erleichtern, die vor allem anderen deutschen Schulden einen Vorrang genössen und durch die fünf hauptsächlichen Einnahmen des Reiches garantiert seien. England London. 21. Juni. Die englische Note zur Transfer- frage, deren Wortlaut in der gestrigen Kabinettssitzung festgelegt worden ist, dürfte am Donnerstag nach Berlin abgehen. Wie verlautet, wird die Regierung darin ihre Drohung mit dem Clearing aufrecht erhalten, zugleich aber ihre Bereitwilligkeit zu Verhandlungen unterstreichen. Die Note dürfte sich somit im großen und ganzen an die von Schatzkanzler Chamberlain im Unterhaus abgegebene Erklärung anlehnen. Schweiz Zürich, 21. Juni. Das Schweizerische Volkswirtschaftsdepartement läßt den schweizerischen Importeurverbänden eine Verordnung zugehen, wonach Bewilligungen für Einfuhren aus Deutschland für das dritte Quartal nicht erteilt werden dürfen. Soweit aber Ausnahmen, die im Interesse der schweizerischen Wirtschaft lägen, gemacht würden, solle die Bewilligung nur unter der Bedingung erteilt werden, daß der Importeur sich verpflichtet, keine Zahlungen nach Deutschland zu leisten. Er habe vielmehr die Zahlung auf Anforderung hin an die Schweizerische Nationalbank abzuführen. Für den Fall der Zuwiderhandlung werden die Strafhestimmungen betreffend Clearingverträge aus dein Biindesratsheschluß vom 14. Januar 1932 und darüber hinaus die Entziehung der Kontingente angedroht. Nordamerika Washington, 21. Juni. Im Schatzamt wurde zur Frage der Möglichkeit der„Beschlagnahme deutscher Kredite" folgendes ausgeführt: Die Verordnung Nr. 6560, die im Weißen Hanse am 15. Januar 1934 in Verbindung mit der Herabsetzung des Goldgehalts des amerikanischen Dollars ausgegeben wurde, verbiete jegliche Ucberweisnng fremder Kredite oder fremder Valuta nach dem Ausland sowie die Ausfuhr amerikanischen Papieroder Silbergeldes. Ausgenommen seien Transaktionen, für die besondere Genehmigungen erteilt werden, ferner Ueber- weisungen, die den Rahmen normaler Handelsbedürfnisse nicht überschreiten, obenso solche, die zum Zweck der Deckung angemessener Reiseausgaben oder für die Erfüllung gesetzlich erzwingbarer, vor dem 9. März 1933 eingegangener Verpflichtungen bestimmt sind. Diese Verordnung stütze sich auf das Notstandsbankgcset; vom 9. März 1933, wodurch die Goldausfuhr verboten und der Präsident mit weitgehenden Vollmachten bezüglich aller sonstigen finanziellen Tiansaktionen mit dem Ausland ausgestattet wurde. In hiesigen Finanz- und Handelskreisen herrscht jedoch die überwiegende Ansicht, daß diese Maßnahme Amerika nichts nützen würde, da die Handelsbilanz Amerikas mit Deutschland aktiv sei und eine Schädigung Deutschlands, die eine notwendige Folge der Beschlagnahme deutschet Kredite sein werde, alles andere als Befriedigung der amerikanischen Gläubiger zur Folge haben könnte. Das amerikanische Staatsdepartement beschränkt sich darauf zu erklären, daß es den, Inhalt der deutschen Note einer genauen Prüfung unterziehe und die darin vorgeschlagenen Möglichkeiten zur Ueberwindung der gegenwärtigen Schwierigkeiten in Erwägung ziehe. Ganz allgemein sei es das Ziel der amerikanischen Regierung, die Rechte der amerikanischen Privatgläubiger zu schützen und sich gegen eine Diskriminierung zugunsten anderer Fremdstaaten zu wehren. Die Regierung sei noch zu keinelei Entschlüssen gelangt. Vorsichtshalber habe Roosevelt angesichts der Vertagung des Parlaments beim Staatsde' partement angefragt, ob neue Gesetzes vollmachten nötig seien, falls die Regierung dazu übergehen sollte, Maßnahmen gegen die deutschen Guthaben in den Vereinigten Staaten zu unternehmen. Sowohl int Weißen Hause als auch im Staatsdepartement wurde betont, diese fein akademische Anfrage bedeute keineswegs, daß ein solcher Schritt ernstlich erwogen werde. Ans dem Kohlenbergban Feierschichten und Haldenbestände Man schreibt uns aus dem Industriegebiet: In der Zeit vom 8. April 1934 bis zum 19. Mai 1934 mußten an der Ruhr insgesamt 597 355 Feierschichten eingelegt werden. Der mittlere Durchschnitt, auf 34 Arbeitstage umgerechnet, erreicht noch die beträchtliche Höhe von 17 569 Feierschichten arbeitstäglich. Man ist zur weiteren Einlegung von Feierschichten gezwungen, da sonst die Gefahr besteht, daß wiedermal die Kohlenbestände auf den Halden ins Ungemessene wachsen. Trotz aller Feierschichten beläuft sich schon heute wieder der Bestand an Kohlen, der auf den Halden, Lagern und sonstigen Stapelplätzen liegt, auf 9.728 Millionen Tonnen. Hierzu kommen noch 0,921 Millionen Tonnen, die sich anf den Syndikatslagern befinden, so daß der Gesamtbestand an Kohlen und Kohlensorten, der an der Ruhr auf Lager liegt, sich anf 10 642 Millionen Tonnen belauft. Da die Gesamtförderung der Mitgliedszechen des Ruhrkohlensyndikats im Ruhrgebiet für den Monat April 6 993 872 Millionen Tonnen betragen hat. so liegt schon jetzt wieder mehr als das Eineinhalb fache einer Monatsproduktion an der Ruhr auf Lager bzw. auf den Halden. * Die Rheinische A.-G. für Braunkohlenbergbau erwähnt in ihrem Geschäftsbericht für das Jahr 1933'34, daß sie noch in diesem Jahr-, gemessen an den H ö chstahsatz- zahlen des Geschäftsjahres 1929 30. an Rohkohle einen Minderahsatz von 28 Prozent und bei Briketts einen solchen von 16 Prozent zu verzeichnen hatte. Die tatsächlichen Zahlen zeigen folgende Gegenüberstellung: Kohlenförderung Brikettahaatz 1929 30 16 930 627 4 029 499 1933 34 13 223 241 Z 390 514 Auch wird darauf hingewiesen, daß die Ausfuhr zurückgegangen sei. Pre'sregluiig SOr Sdifadifvichltttlc Für 33 Viehhöfe in den deutschen Großstädten ist eine Preisreglung durch Verordnung erfolgt. Eine zweite Verordnung für Klein- und Mittelstädte soll folgen. Dieser Preisreglung kommt höchste Bedeutung zu. denn sie kann nur einen Sinn bei völliger Umstellung der deutschen Landwirtschaft haben, da damit die Großmästereien, die auf der Basis ausländischen Futters existieren, unmöglich geworden sind. Ein Nszihlatt sagt:„Das Ziel des Reichsnährstandes ist, die deutsche Viehhaltung in eine gesundes Verhältnis zu der Fnttermiltelerzeugung des einzelnen Betriebes zu bringen. Jeder Bauernhof soll so gut wie nur irgend möglich seihst die Basis für die Viehhaltung abgeben. Dadurch soll vor allem vermieden werden, daß sich die deutsche Schweine-, Kälber-, Geflügel- und Rinderhaltung in einem dauernden Auf und Ab bewegt, daß in Zeiten guter Viehpreise eine unsinnige\ er- mehrung des Jungrieht einsetzt, die dann binnen Jahresfrist zu einer wilden Konkurrenz und zu einer Ueberflutung der Märkte mit billigem Vieh führt. Wenn erst einmal die Voraussetzungen für eine stabile Viehhaltung, möglichst unabhängig von ausländischer Futter- roitteleinfuhr. geschaffen worden sind, wird sich die Abgabe ron Vieh an den Verbraucher ohnehin ziemlich reibungslos regeln lassen."— Bis zu dieser utopischen Reg- lung kehrt Deutschland zu den mittelalterlichen Formen der Landwirtschaft zurück. Und das Ganze nennt sich Wirtschaftspolitik. Unruhige Fischwirtschaft Der Geschäftsführer des aufgelösten Reickaverbandes der Deutschen Fischhändler, Paul Winkler, ist, wie der„Zeitungsdienst des Reichsnährstandes" berichtet, anf Antrag des Reichsobmsnnes des Reichsnährstände« durch das Geheime Staatspolizeiamt in Schutzhaft zenomu-rn worden Winkler habe»ich der angeordneten'•- des Reiehsverbandes widersetzt und ver- auch' I. 5 1-r Fischwirtschaft zu stiften.» Katastrophe der deutschen Handelsbilanz Von Jan Severin Die jetzt veröffentlichten Angaben über die deutsche Handelsbilanz im Monat Mai 1934 könnten auf den ersten Blick den Anschein erwecken, als ob nunmehr eine langsame Besserung eintritt. Der Export ist gegenüber dem April von 316 auf 337 Millionen Reichsmark gestiegen und auch die Einfuhr hat sich andererseits etwas verringert— von 398 auf 380 Millionen—, so daß sich insgesamt für den Monat Mai ein Passivsaldo von„nur" 43 Millionen gegenüber einem solchen von 82 Millionen im April ergibt. Tatsächlich ist auch hier und dort der Standpunkt vertreten worden, daß nach Beendigung der Transfer-Konferenz eine Besserung der deutschen Handelsbilanz-Ziffern in Erscheinung treten werde. schon weil man jetzt nicht mehr gezwungen sei, die herrschende Devisennot in den amtlichen Ziffern so deutlich zum Ausdruck zu bringen, wie es während der Transfer* Verhandlungen nötig schien. In Wirklichkeit ist aber diese optimistische Auffassung von der Entwicklung der deutschen Handelsbilanz»ehr oberflächlich und zwar seihst dann, wenn man die amtlichen Zahlen. gegen deren Zuverlässigkeit bekanntlich zahlreiche Bedenken bestehen, zur Grundlage der Kritik nimmt. Diese amtlichen Ziffern zeigen für die ersten fünf Monate des Jahres 1934 folgende Entwicklung der deutschen Handelsbilanz im Vergleich zum Vorjahre(in Millionen Reichsmark): 1934 1933 Export Import Saldo Export Import Saldo 1. Quartal 1094 1148—54 1190 1077+ 113 April 316 398—82 382 321+ 61 Mai 337 380—43• 422 333+ 89 Während der ersten fünf Monate de» Jahres 1933 ergab sich ein Aktiv saldo der deutschen Handelsbilanz von 263 Millionen, jetzt bereits ein Einfuhr Überschuß von 179 Millionen Reichsmark. Sieht man nun einmal zunächst ganz von der Tatsache ab, daß ein sehr beträchtlicher Teil der in der Handelsbilanz als Warenexport angegebenen Beträge in Wirklichkeit nun Kapitalexport darstellen, weil es den Exporteuren trotz aller Devisengesetze immer weiter gelingt, sich vor den kommenden Ereignissen in Deutschland dadurch zu retten, daß man die Exporterlöse im Auslande stehen läßt, so wäre es dennoch falsch, die Bedeutung der gegenüber April verhältnismäßig geringen Exportsteigerung zu überschätzen. Richtig ist, daß der Exportwert für Mai nicht der niedrigste, sondern nur der zweitniedrigste der ganzen Fünfmonats Periode ist. Viel aufschlußreicher ist aber die Feststellung, daß die deutsche Ausfuhr grade jetzt in der Periode einer saisonüblichen Steigerung von Monat zu Monat immer weitet unter den Stand des Vorjahres absinkt. Im März lag der Export mit 401 gegen 426 Millionen Reichsmark bereits 2 5 Millionen unter dem Stande des Vorjahre». Im April betrug der Rückgang bei einem Stande von 316 gegen 382 bereits 6 6 Millionen Reichsmark und im Mai hat sich der Ausfuhrrückgang gegenüber 1933 mit 337 gegen 422 Millionen noch weiter auf 85 Millionen Reichsmark verstärkt. Wenn gegenüber dieser katastrophalen Entwicklung als„Erfolg" der einschneidenden Bestimmungen über die Importdrosselung wirklich ein Einfuhrrückgang von ganzen 18 Millionen Reichsmark festzustellen ist, so spielt dies gegenüber der eindeutigen Tatsache, daß die deutsche Ausfuhr trotz Anspannung aller Kräfte, trotz einer gewaltigen Propaganda für Exportförderung usw. und ohne jede Rücksicht auf die Preisunterbietungen durch das Scrips- System im Vergleich zu jeder halbwegs normalen Saison- cntwicklung immer mehr verfällt, keine nennenswerte Rolle. Hierzu kommt, daß die devisenmüßigen Verheerungen, die diese katastrophale Entwicklung der Handelsbilanz anrichtet, noch t feit schlimmer ist, als es aus den Ein- und Ausfuhrziffern hervorgeht. 1933 bedeutete nämlich in dieser Periode jeder Ausfuhrerlös einen fast gleich hohen Deviseneingang bei der Reichsbank. Heute zahlt der ausländische Käufer deutscher Waren zum großen Teil keine Devisen mehr, sondern nur neth Scrips. Ueberlegt man sich die ganzen Konsequenzen dieser Entwicklung, so erkennt man, was von der immer wieder betonten Argumentation der Reichsbank zu halten ist, nach welcher für die Gläubiger alles darauf ankommt, daß matt Deutschland Exportwaren abnimmt, weil nur auf dielo Weist eine Erhöhung des Devisenbestandes und damit eine Aussicht auf eine bessere Behandlung der Gläubiger erzielt werden könne. In Wirklichkeit ist man im„dritten Reich" seit langer Zeit eifrig bestrebt, durch das Scrips- System die äußere Schuld der deutschen Volkswirtschaft zu ganz minimalen Sätzen zurückzukaufen, damit man für den Fall einer späteren Devalvation wenig oder gar keine Devisen mehr schuldig ist. Die Devisenbilanz der Reichsbank konnte sich unter diesem System, selbst wen» die Export- entwidclttng eine weit weniger ungünstige gewesen wäre, nicht verbessern. Sie mußte sich vielmehr immer ungünstiger gestalten, weil man ja auch die Reste des deutsdien Exportes seit langer Zeit größtenteils nur noch gegen solche Scrips. nicht aber gegen Devisenzchlungen des Auslandes unterbringen konnte. Selbst wenn man von dem nachteiligen Einfluß, den die enorme Belastung der deutschen Handelsbilanz durch die ganz vorwiegend zu Rüstungszwecken erfolgende Einfuhr- Steigerung erfahren hat, ganz absieht, ergibt sich jetzt immer deutlicher, daß die Wirkungen des internationalen Warenboykotts gegen Deutschland, die in den Anfangs- monalen des Hitler-Regimes nur verhältnismäßig schwach in Erscheinung treten konnten, jetzt von Monat zu Monat immer sichtbarer werden. Gewiß spielt das Sondervorgehen Sowjet-Rußlands und die verschiedenen handelspolitischen Maßnahmen der einzelnen Regierungen gegen Deutschland hierbei eine sehr wichtige Rolle, aber auch diese Dinge stehen ja in engem Zusammenhange mit der Boykottentwicklung, die erst dann voll zur Wirkung kommen konnte, als die Läger deutscher Waren besonders in den USA. und und Ueberseeländern geräumt waren. Es zeigt sich heute, daß die Rückschlüsse derjenigen, die im Sommei- und Herbst 1933 an der Hand der deutschen Exportziffern nachweisen wollten, daß der Boykott völlig wirkungslos sei. sehr verfrüht waren, zumal deshalb, weil eine große Reihe.langfristiger Lieferungsverträge erst durch Ablauf oder durch entsprechende Auseinandersetzungen beendet werden mußte. Dort, wo die deutschen Waren ausverkauft sind und die ausländisdien Importeure nidtt mehr unter dem Zwange bestehender Verträge neue Lieferungen abnehmen müssen, ist es heute zumeist ausgeschlossen, den Absagmarkt zurückerobern und die Berichte der deutsdien Großindustriellen- und Exportvereinigungen geben diesen Tatbestand jegt auch immer deutlicher zu. Dann— aber erst in zweiter Reihe— spricht für die kommende Entwicklung noch die Tatsache mit. daß die meisten deutschen Waren selbst während der Geltung des Scrips-Systems zu teuer waren. Die Gründe hierfür sind neben der deutschen Agrarpolitik, die die Lebenshaltung außerordentlich verteuert hat, vor allem auf währungspolitischem Gebiet zu suchen. Die deutschen Leben bei tun gs- kosten betragen heute bereits 116 Prozent des Friedens- Niveaus gegenüber etwa dem englischen Stande von 85 Prozent. Der Großhandels index liegt in Deutschland bereits höher als 1928 und von Lebensmitteln sind die Preise für Butter um 28 Prozent, für Eier um 15 Prozent, für Fleisch und Gemüse um 10 Prozent und für Baustoffe um 11 Prozent während der bisherigen Dauer des Hitler-Regimes gestiegen. Die immer stärker werdende Forderung der deutschen Industrie nach einer 40prozentigen Devalvation der Reichsmark mag mit Rücksicht auf diese Frage der Preis» gestaftung verstanden werden. Selbst in diesem Falle aber würde nur e i n Faktor des Exportverfalles vielleicht in seiner Wirkung gemildert werden. Der andere, viel wichtigere Faktor liegt aber in der intensiven Abneigung gegen dfcn neuen Import deutscher Waren, die sich jetzt international durchgesetzt hat. Dieser Faktor dürfte»r Ii durch eine Devalvation der Mark n'"ht zu beieit.'-'en sein. 3>cutsdke Stimmen•(Beilage zur„Deutsilken Freiheit"• freignisse und Gesdkidkten mmn ttmsmmmm Bffl iiiiliililiiliiiiiiii Freitag, den 22. Juni 1934 fReichs&ildimg smimsleciiun 2iliaCe des SA-QenecatstaÄes Kürzlich wurde im deutschen Rundfunk ein Erlaß des Reichspräsidenten bekanntgegeben, der die Errichtung des Reichsministeriums für Wissenschaft. Erziehung und Volksbildung anordnet. Formal scheint damit ein Prozeß erfolgreich abgeschlossen zu sein, an dessen Beginn die deutsche Sozialdemokratie mit ihrer Forderung auf ein einheitliches Reichsbildungsministerium steht. Das Deutschland der Vorkriegszeit war seinem Wesen nach einer einheitlichen reichsdeutschen Kulturpolitik feindlich, und wenn der sozialdemokratische Reichstagsabge- ordnete Heinrich Schulz alljährlich im Reichtag die Forderung nach einheitlicher Gestallung des Schul- und Bildungswegens erhob, so fand er weder bei den Vertretern der Länder mit ihren dynastischen Sonderinteressen, noch bei den Parteien irgendein Verständnis. Vach dem Kriege schien sich eine grundsätzliche Wandlung zu vollziehen. Der Abschnitt Bildung und Schule in der Weimarer Verfassung, der Artikel 10, der dem Reiche die Grunclsatjgesetzgebung auf dem Gebiete des Schul- und Bildungswesens einräumte, legen von dieser Wandlung ebenso Zeugnis ab, wie die Einberufung der Reichsschulkonferenz des Jahres 1920 durch den Reichsstatthalter Koch und den Staatssekretär Heinrich Schulz. Der geistige Schwung, den die l mwälzung des Jahres 1918 auslöste, hätte zweifellos zu grundlegenden Veränderungen auf dem gesamten Gebiete der Kultur führen können, wenn dieser Schwung nicht unter der zaghaften Schwäche der Gesamtpolitik und der Unein- heitlichkeit des Wollens und der Heterogenität der Interessen sehr bald erlahmte. Das Grundschulgesetz und der partiknlaristische Reiehsschulausschuß waren das dürftige Er- {ebnis eines mühseligen Ringens von mehr als einem Jahrzehnt. Die nationalsozialistischen Lohredner überschlagen sich gi itürlich jetzt in der Verhöhnung des schwächlichen Weimarer Systems und der Verherrlichung der„energischen und ziel- sicheren Führung Adolf Hitlers". Es muß zugegeben werden, d?r organisatorische Zentralismus der Nazis kennt nicht jene zarte Rücksichtnahme auf partiknlaristische Sonderinter- essen, kennt nicht jene übertriebene Pietät vor dem historisch Gewordenen, von dem sich die Weimarer Parteien so über- 1 icben beeindrucken ließen, aber er kennt ebensowenig die großen treibenden Kräfte geschichtlichen Werdens, ebensowenig die tiefe Verankerung und Verzweigtheit des Kulturlebens in dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Werden. Damm hat auch die Anordnung der Errichtung des Reichskultnrministeriuihs nichts anderes als ein Stück jener Tntalitäts Bestrebungen, die der organisatorische Ausdruck der nationalsozialistischen Polizei- diktatur sind. Ein Reichsbildungsministerium, das die geistige Zentralstelle des deutschen Kulturlebens sein könnte, ist durch den nationalsozialistischen t'ngeist in eine SA.-Reichskommandostclle umgewandelt worden und der Reichskommandeur ist einer jener problematischen Naturen aus der engsten Umgebung Hitlers, ist der bekannte Heldenvater", der preußische Kultusminister Rust. Was kann auch schließlich ein Reichbildungsministerium anders sein als eine Filiale des SA.-Generalstabs, dem vom obersten Führer die Aufgabe gestellt ist daß die gesamten Bihiungs- und Erziehungsarbeit des völkischen Staates ihre Krönung darin findet, daß sie den Rasse- si.il und das Rassegefühl Instinkt- und verstandsmäßig in Herz und Gehirn 3er ihr anvertrauten Jugend hinein- brennt(') Es soll kein Knabe und kein Mädchen dix Schule verlassen, ohne zur letzten(!) Erkenntnis über die Notwendigkeit und das Wesen der Blutreinheit geführt worden zu sein— übrigens hat auch diese Erziehung unter dem Gesichtspunkt der Rasse ihre letzte Vollendung im Heeresdienste zu erhalten, wie denn überhaupt die Militärdienstzeit als Abschluß der normalen Erziehung des durchschnittlichen Deutschen gelten soll."(Hitler: Mein Kampf, Ausgabe 1933, Seite 475—76.) Diesem Reichsbildungministerium fehlt jeder moralische Kredit und jeder geistige Unterbau. Das freie Forschungsleben, einst der Stolz der deutschen Wissenschaft, ist längst unterdrückt und freie deutsche Gelehrte gibt es nur noch in der Emigration und in den Konzentrationslagern. Die deutsche Kunst produziert nur noch Lobeshymnen, Rasseballaden und schändet sich und das Deutschtum im talentlosen,„gesinnungstüchtigen" Heroenkult. Die deutsche Lehrerschaft marschiert im gleichgeschalteten Schritt als„SA.- Mannschaft der deutschen Volksbildung" und in den Schulen herrscht der Geist, den neulich das deutsche Philosophen» blatt mit folgenden Worten skizzierte: „Die neue Schulzucht wird sich an der Wesensart des deutschen Jungen zu orientieren haben, und zwar an dem Charakterzug, der heute in unserem Volk mit elementarer Kraft hervorgehrochen ist, am soldatischen Geist. Nur wenn die Schule i soldatische Zucht einführen, werden sie sich die Achtung nnd Liebe sichern können, die für eine wertvolle Erziehungsarbeit unerläßlich ist.— Die jüngere Lehrergeneration wird ihren Weg über den Dienst in der Hitlerjugend nehmen müssen. Dort wird sich zeigen, ob der Anwärter die Eignung zum Volkserzieher hat. Wir brauchen Schulmeister, die die Jugend führen können; denn Wissenschaftler haben wir in Deutschland mehr als genug." Die Verachtung, die der Nationalsozialismus vor der Wissenschaft und vor Bildung überhaupt hat, ist verständlich aus seiner eigenen ungeistigen Haltung heraus, aber sie kennzeichnet auch das Episodenhafte und das Abhängigkeitsverhältnis dieser Bewegung von Gewalt und Reaktion. Das Reichsbildungsministerium wird auch die Jugend zu betreuen haben. Doch welche Jugend? Kein jugendliches Eigenleben, das nach Form und Gestalt ringt, kein geistiger und sittlicher Wettbewerb, kein Vertrauen, das aus innerer Führung emporsteigt und sich aus lebendiger Hingabe zum Können entwickelt, sondern ein Millionenheer militärisch gedrillter Rekruten ohne Eigenwollen und ohne Eigenkönnen. Für eine solche Jugend genügen Kommandogewalt und zentralistische Erlässe. Es ist ein Friedhof der Geistigkeit, auf dem sich das Rcklamegebäudc des neuen Reichsbildungsministeriums erhebt. Dieses Reiehsbildungsministerium wird keine Geschichte machen, es wird mit dem nationalsozialistischen System zusammenbrechen wie so manche, schnell hergerichteten Pyramiden dieses Systems. Die Tatsache des Reichsbildungsministeriums wird für uns jedoch ein dauernder Vorwurf unserer eigenen Schwäche und unseres eigenen Mangels an tatsächlicher Gestaltung sein. Vorwürfe haben nur Bedeutung, wenn sie einen neuen Willen und eine neue Kraft auslösen, Wir wissen, das nationalsozialistische System wird zusammenbrechen, aber wir sollten auch wissen, daß nur die es ablösen werden, die nicht nur den Zusammenbruch, sondern auch die Neugestaltung kämpfend vorbereiten werden! Kurt Falk. Iliili! Die TJleiaunqsschioU'zec Die Leute, die von Meinung schwitzen, Sie sind durch nichts mehr abzublitzen, Wenn sie ein Opfer vor sich sehn. Sie gießen Weltanschauungsfluten Im Zeitraum weniger Minuten Auf Hörer, die vor Schreck vergehn. Nie Widerspruch dem Meinnngsschwitjer! Das wäre ein fataler Schnitzer, Der nur die Qual verlängern kann. Dein Einwand, lieber Leidensbruder, Ist nur das Stichwort für das Luder, Und es fängt frisch von vorne an. Laß hemmungslos die Rede brausen Und sei ergeben selbst im Grausen, Bis irgendwo die Rettung winkt. Dann aber flieh' mit Windesschnelle Und meide ängstlich jede Stelle, Wo so ein Meinungsschwitzcr hinkt! H o r a t i o. Die Qosse Heinrich Mann wird beschimpft Die Mannheimer Hakenkreuzpresse veröffentlicht erneut einen Schmachartikel gegen Heinrich Mann, in dem gesagt wird:.. Heinrich Mann, der am 30. Januar Deutschland als„politischer Märtyrer" verließ,... trieb und. treibt seitdem ununterbrochen Landesverrat... Ein Schuft, wer jemals wieder ein Buch dieses Halunken kauft. Verbrennt seine Schriften, wo ihr sie findet. Wer je einmal wieder vergessen sollte, was sich alles geändert hat in diesem einen Jahr der Revolution, der erinnere sieh, daß es noch keine zwei Jahre her sind, daß dieser landesverräterische Lump Präsident der repräsentativsten Akademie des„deutschen" Geistes war." Wer genauer wissen will, was„sich alles geändert hat", der vergleiche den Gossenton dieses Artikels mit den Werken des großen Schriftstellers Heinrich Mann. 7 leudeutschec Durst „Im Anfang war der Durst. Ein Roman von Erich Johann Dörr. Verlag für nationale Religion... Wir erleben stockenden Herzens, wie die Heldin... allmählich aber sicher, dem Zauber der Wildnis verfällt, wie ans dem Seidenäffchen ein ganzer Mensch entsteht, ein berückendes Weib... Auch die anderen Bücher dieses kerndeutschen Dichters... sind Schlüssel zum Herzen der Natur!"(tyild und Hund Nr. 20.) Na, Prost! Schauspieler werden„geschult" In Wuppertal(Elberfeld Barmen) werden zum erstenmal auch die Schauspieler in ein Schulungslager gesteckt werden. Vor Beginn der Probenzeit und Spielzeit 1934 35 treffen sich die Herren des Solopersonals des Stadttheaters auf Schloß Burg, um dort während drei Wochen ein„Künstle- risches und Weltanschauliches Schulungslager" durchzumachen, darin d Geist der Gemeinschaft und Kameradschaft schon vor Beginn der Zusammenarbeit gepflegt werden soll. Das Schulungsprograinm sieht Turnen, Wanderung und Weltanschauung vor. Mittec dec!Böse „Lieber einen guten Klassiker spielen als einen schlechten .Modernen." Mit diesen tli orten hat Goebbels den Theaterleitern Marschroute gegeben. Und damit sie wüßten, was gemeint sei, hat der große Kunstdiktator hinzugefügt. „Schiller steht unserem Empfinden weit näher als die modernen Schreier." Ja. Schiller ist ein guter Mann. So haben schon die Gym- hasialobeflebrer spekuliert, dio vor einem Mcuschenalter eine Jugend in Monarebentreue zu erziehen Hatten. Bis diese Jugend dahinter kam— nnd sie kam mit merkwürdiger Regelmäßigkeit dahinter—, daß der Dichter der patriotischen Rütli-Schwiire und„Jungfrau"— Deklamationen als junger Mann auch einmal die„Räuber" gedichtet hatte, mit dem Motto:„In tyrannos"—„Gegen die Tyrannen". Und außerdem noch einen„Fiesko", eine„Louise Millerin" (fälschlich in„Kabale und Liebe" umbetitell) sowie einen „Don Carlos". Ja, der Don Carlos! Da hat in Hamburg ein Theaterleiter, ahnungslos den Direktiven de* Kunstdiktators folgend, den Don Carlos aufgeführt: al* der Marquis Tosa Gedankenfreiheit vom Tyrannen Philipp forderte, brach ein solcher Bei- fallsorkan ans. daß minutenlang nicht fortgespielt werden konnte. Infolgedessen mußte das Stück vom Spielplan abgesetzt werden— wegen unzeitgemäßen Beifalls. Und das beim amtlich empfohlenen Schiller. Was bleibt denn den unglücklichen Theaterleitern da übrig? Welches Stück des großen Pathetiker* ist denn nicht durch unzeitgemäßen Beifall gefürchtet? Selbst im„Teil" findet sich der staatsgefährliche Passus:„Denn eine Grenze hat Tyrannenniacht". Der„Demetrius" auf den sich die Dcpotie gern beruft, weil in ihm die Majorität»e U n- »i n n und der Verstand als das Privilegium der Wenigen erklärt wird, auch er ist— ganz abgesehen von seiner fragmentarischen Form— nicht gut anwendbar. Denn ms jener berühmten Stelle ließe steh znr Zeit nur herauslesen, daß die 37 Millionen„Ja-Stimmen für Hitler, daß hese zauberhafte Majorität von 95 Prozent der U« sinn, laß der Verstand dagegen bei den zwei Millionen ,.N e i n" s a g e r ft gewesen s«. Etn»ehr»wwschnerdijges ''wer selbst die»es Zitat, das doch sonst die Wonne aller Reaktionäre bildet. „Maria Stuart" vielleicht?— Die Hinrichtung einer Unschuldigen ist wahrlich ein Thema, dessen dramatische Vorführung im Reich der politischen Massen-Todesurteile nur rebellische Gefühle erwecken kann. Und wenn Martimo seinen Dolch zückt:„Was willst du, feiler Sklav der-*Yldti<70L'i Tyrannei— ich spotte deiner, ich bin frei!", so könnte es I S-iM-tACrS- leicht wieder zu einem Betriebsunfall kommen. rübrerische Gedanken haben sollte,— da wird sie sicher eingeschläfert. Aber, was den übrigen Schiller angeht— drei Schritt vom Leibe! Schließlich könnte sich doch herumsprechen, daß er einer der Haupthahnbrecher für das liberalistische Zeitalter in Deutschland gewesen ist! Mucki. An den„Friseo", wo der Kampf für die Freiheit den Leitfaden de? Drama bildet, ist natürlich von vornherein nicht zu denken(„Sei frei Görna, nnd ich dein erster Bürger!"), noch weniger an die durch und durch rebellische„Louise Millerin"— von den„Räuberin" gar nicht zu reden(„Das Gesetz hat noch keinen großen Mann hervorgebracht, aber die Freiheit breitet Kolosse und Extremitäten aus."). Was bleibt denn da noch von dem ganzen Friedrich Schiller, der„nnserin", nämlich de* Kunstdiktators Goebbels, Empfinden so entsetzlich nahe Steht? Die gepanzerte„Jungfrau von Orleans" natürlich. Wenn nor das ganze Drama nicht an dem entsetzlichen Schönheitsfehler litte, daß es zwar die nationale Erhebung, aber ausgerechnet die Frank- f e i th* verherrlicht. Dauernd siegt da der„Erbfeind" über die armen Engländer, deren Hilfe oder wohlwollende Neutralität in der Bewafftmngsfrage doch das A nnd 0 der Hitlersdien Politik ist. Wieder nichts! Also: Wallenstein.— Doch, wie wird uns: Ist das nicht die Meuterei der obersten Reichswehr- stellen in aller Form dramatisch auf die Bühne gestellt? Spielt nicht dieser Wallenstein in höchst aktuell anmutenden Gedankengängen mit der Errichtung einer Militärdiktatur? Böse, böse Gedanken, auf die diese Trilogie hinleitet. Man müßte wenigstens der Reichswehr den Besuch der Vorstellung in jedem Falle verbieten. Es ist also alles nichts, von den„Räubern" bis zum „Demetrius". Nicht ein einziges Stück dieses Dramatikers entspricht den Anforderungen an vollendete Harmlosigkeit. Doch halt, wir haben eines vergessen: Die„Braut von Messiua", das der Antike nachgebildete Schicksalsdrama mit Chören. Das geht! Und da ließen sich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Man schickt die beurlaubte S A in die Vorstellungen. H enn sie noch irgendwelche auf- Die Hunderljahrfeier für Adam Mickiewiü* Vor hundert Jahren wurde in Paris das Hauptwerk von Adam Mickiewicr„Pnn Tadensz" veröffentlicht, das mit Recht als das polnische Nationalepos betrachtet wird. Ans diesem Anlaß wurde im Hause 63, rue de Seine, in dem der Dichter gewohnt hat, eine Plakette angebracht. Zahlreiche Persönlichkeiten des französischen und polnischen Schrifttums wohnten der Feierlichkeit bei. Eine Abordnung der polnischen Akademie der Wissenschaften war eigens aus Warschau herübergekommen. Der polnische Botschafter de Chlapowski betonte in einer Ansprache, daß die Befestigung der Gedenktafel gleicherweise Mickiewicz ehre, wie die französische Gastfreundschaft und insbesondere die Stadt Paris. — Das Ehrenschild wurde daraufhin enthüllt. Es trägt auf polnisch und französisch die Inschrift:„Adam Mickiewicz, der Nationaldichter Polens, wohnte in diesem Hause, als sein Hauptwerk Pan Tadensz im Jahre 1834 im Paris veröffentlicht wurde". „Das schönste Liebeslied 1934" Die Frauen Vereinigung„Stern Club" in Paria ist auf die Idee gekommen, einen Wettbewerb für das schönste Liebes» lied zu veranstalten,— weil es anscheinend bis jetzt noch nicht genug Wettbewerbe gibt. Der Wettbewerb wurde natürlich vor einem äußerst eleganten Publikum ausgetragen, nnd am Ende wurde die Palme einem Lied von Lionel Cazaux, Worte von Suzette Desty, zuerkannt. Das Lied ist, wie eine Pariser Zeitung schrieb,„charmant, jung, optimistisch"— was will man mehr von einem Liebeslied! Bekämpft sie ohne Unterlaß die Tyrannei auf Erden Und beiliger wird unser Haß als uasre Liehe werden. Hetwegh, Das bunte Natt „Deutsche Freiheit", Nr. 14t Das Kätjel des Zigeunerlebens Man kann nicht sagen,.daß die Zigeuner besonders fromm sind. Wenn man es recht.besieht, stehen sie dem Teufel näher als dem lieben Gott. Eirimal im Jahr versammeln sie sich jedoch in Sts.-Maries de fri Mer, um ihrer Stammesheiligcn zu huldigen. Sie heißt S«ra. Maria und Magdalena sollen eine Dienstmagd dieses Namens gehabt haben, die dem dunklen Nomaöenvolke angehörte. Es kniet jedenfalls vor ihrem Bilde, trägt sie auf Amuletten und erweist ihr er- staunliche Ehrungen. Warum die unabhängigsten Menschen der Welt sich ausgerechnet eine Dienerin zur Schutzherrin erkoren haben, bleibt freilich ein ungelöste Frage. Auch ihre weltliche Berfasstrng steht nicht eindeutig fest. Biete Gelehrte haben sich schon darüber gestritten. Haben sie mehrere Könige, kennen sie nur einen, besitzen sie am Ende gar keinen? Niemand weiß es genau. Gewisse Banden scheinen irgendeinem ehrwürdigen Greis zu gehorchen, andere einem jungen mutigen Führer. Unzweifelhaft ist nur. daß sie nicht anarchisch nebeneinander leben. Wer sind sie in Wirklichkeit? Selbst hierüber ist die Wissen- schast sich noch nicht einig. Am häufigsten wird gesagt, sie hätten einst vor dem großen asiatischen Räuberkaiser Tamerlan die Flucht ergriffen. Seit dieser verschwommenen Zeit zögen sie unablässig um die Erde. Diese Darstellung ließe sich schon halten. Nur sollte es sich auch bei ihnen lang- sam herumgesprochen haben, daß Tamerlan tot ist. Nichts würde sie hindern, sich irgendwo niederzulassen, wenn sie Lust dazu hätten. Eins allein steht im Wege: sie haben halt keine Lust dazu. * Wir verstehen unter Freiheit die Möglichkeit, ein Haus zu haben, in dem wir tun und lassen können, was wir wollen. Für die Zigeuner ist jedes Haus schon ein Gefängnis. Sie brauchen mehr Raum, als ein bloßes Gebäude bietet. Der Boden, die Landschaft müssen je nach Bedarf gewechselt werden können. Man kann diese Menschen in keine Kultur einpflanzen. Wenn sie wirklich einmal einen Beruf ausüben, so dient er der Unterhaltung. Sie weissagen, spielen Geige, flechten Körbe und lassen Bären tanzen. Unzählige Menschen- geschlechter find dahingegangen, haben aufgebaut und Er- fahrungen gesammelt. Die Zigeuner haben nichts von ihnen gelernt. Sie sind ewig an ihnen vorbeigewandert, voll offen- kundiger Mißachtung, ohne den geringsten Wunsch, ihnen nachzueisern oder sich gar unter sie zu mischen. Ihre Rasse ist rein geblieben, im Durchschnitt zwar unschön, aber dafür sehr zahlreich. Ihre Frauen sehen fett aus, ihre Jünglinge gut genährt. Man merkt ihnen an, daß sie täglich satt werden, sie, die weder säen noch pflanzen. Sie verspüren nichts von der Krise. Sie haben das Problem gelöst, zu leben, ohne einer unserer gewöhnlichen Beschäftigungen nachzugehen. Die Zigeuner sind nirgends beliebt. Man mißtraut ihnen, vermutlich mit Recht. Tatsächlich können sie ja auch nicht die gleichen Eigentumsbegriffe haben wie wir. Wenn eine Zigeunerin Hunger hat, wird sie niemals zögern, ein Huhn zu stehlen. In den Städten wird sie sich nicht davon abhalten lassen, irgendeiner törichten Portiersfrau solange einzu- reden, sie werde ihr Geld durch geheime Künste verviel- fältigen, bis es ihr treu und brav ausgehändigt wird. Andererseits Übervölkern die Zigeuner keineswegs die Ge- kängnisse. Im allgemeinen stehlen sie also nicht. Womit sich die Frage erhebt: wie fristen sie ihr Dasein, ohne zu arbeiten oder zu stehlen? Anstatt ihren Ursprüngen nachzugehen und über Tamerlan zu fabeln, sollte man lieber einmal feststellen, wie sie es fertig bringen, nicht Hungers zu sterben. Wenn wir keinen Beruf hätten und uns nicht in den Betrieb einschalteten, der uns umgibt, so könnten wir keine sechs Wochen leben. Wir fänden höchstens eine Einnahme- quelle: die Bettelei. Die Zigeuner dagegen erreichen häusig ein hohes Alter, ohne sich unseren Notwendigkeiten im geringsten anzupassen. Gewiß wurde festgestellt, daß manche einen Beruf ausüben. Aber was sind das für Berufe?! Sie würden einen gewöhnlichen Sterblichen kaum ernähren. Er bliebe ein armer verhungerter Teufel, selbst wenn er es verstünde, Bären abzurichten und Körbe zu flechten. Tie Zigeuner jedoch haben rote Backen und ziehen Scharen von Kindern groß, die ebenfalls rote Backen haben, wenn auch verschmierte. Man darf über ihre heilige Sara nicht lächeln. Diese Schutzherrin scheint beim lieben Gott einen ausschlag- gebenden Einfluß zu besitzen. Ermöglicht sie es doch offen- bar einer ganzen Rasse, unter den verschiedensten Himmeln zu leben, wie es ihr gefällt. In Spanien, England, Frank- reich, Deutschland, Ungarn ziehen sie umher, ohne irgend- einer Verpflichtung nachzukommen, nicht einmal der, sein Brot im Schweiße seines Angesichtes zu verdienen. * Man kann sie beneiden, man kann sie sogar bewundern. Der Anblick eines Zigeunerlagers verblüfft immer von neuem. Dort liegt im Schatten ein gesunder junger Bursche und raucht seine Pfeife. Er tut nichts, bezieht keine Unter- stützung. Dennoch wird er heute gut zu Abend essen und genug Geld haben, sich neuen Tabak zu kaufen. Sein Mädchen trägt ein funkelnagelneues Kopftuch auf ihren schwarzen Haaren. Es ist aus bunter Seide und muß schließ- lich irgendwo gekauft worden sein. Trotzdem hat sie tagsüber in keiner Fabrik gearbeitet, in keinem Atelier, in keinem Laden, in keinem Büro gesessen. Es ist unglaublich. Wen nimmt es noch wunder, daß dieses Völkchen zu fein ist, um zu Fuß zu wandern? Die Herren marschieren nicht gern. Sie haben ihre Wohnwagen. Wenn es regnet, begeben sie sich in den Wald. Wenn es im Norden zu kalt wird, ziehen sie nach dem Süden. Wo auf der Welt gibt es Menschen, die glücklicher sind? Gert Helm. Frauen, die Männer werden ES ist das drittemal innerhalb von 12 Monaten, daß eine Frau in Bello Horizonte, der Hauptstadt des Staates Minas Geraes, ein Mann geworden ist, nachdem sie sich einer leichten Operation unterzogen hatte. Der letzte Fall ist derjenige von Maria Freitag, die dieser Tage das Hospital als Mario Freitas hosentragenberweise verließ. Sie mußte allerdings danach ihre Stellung als Leiterin einer städtischen Mädchen- schule aufgeben. Eine Frau als Offizier Der Hauptmann Flora Sanders, eine Engländerin von Geburt, die während des Weltkrieges in der serbischen Ar- mee gedient hat, ist von König Alexander von Serbien die- ser Tage mit hohen Orden ausgezeichnet und beauftragt worden, das Gefallenen-Denkmal von Shabat zu enthüllen. Tie ist die erste Frau, die zum Hauptmann befördert worden ist. Im Privatleben ist sie eine Frau Vudenitsch. die Gattin eines russischen Offiziers, der in Belgrad wohnt. Wahrhaftig ein seltenes Beispiel von ehelichem Militarismus! Freitag, den 22. Juni 1934. Unsere Töchter, die Oapnen Roman von Hermynia Zur Mühlen. 3 Ueberhaupt begann man in gewissen Kreisen des Städt- chens einen Unterschied zwischen den Juden und den Christen zu machen. Mein Anton sagte, das ist eine Konkurrenzfrage, und beim Doktor Bär auch etwas Politisches, weil er Sozial- demokrat'war. Im Städtchen tauchte auch eine neue Partei auf? ihre Mitglieder waren kleine Krämer und einige Laus- buben, die nie gut getan hatten. Auch der Apotheker von der Seeapotheke gehörte zur Nationalsozialistischen Partei? der vom„Blauen Engel" hingegen war Demokrat. Die Mit- glieder der Partei liefen mit einem großen Abzeichen, dem Hakenkreuz herum, und brüllten und johlten. Sie redeten immer vom„Führer", und das gefiel jenen, die nicht selbständig denken, sondern nur gesührt werden wollten. Auch der Ausläufer der Meierei war Nationalsozialist. Ich kam einmal mit ihm ins Gespräch und fragte ihn nach dem Programm seiner Partei aus. Er gab mir eine lange Ant- wort, aber ich begriff ihn nicht recht, denn scheinbar versprach diese Partei allen Menschen alles: den Arbeitern, den Unter- nehmern, den Kleinbauern und den Junkern. Als ich dann noch ein paar Fragen stellte, wurde der Adolf böse und schrie: „Wir sind die einzige Partei, die sozialistisch und deutsch ist. Wir werden das Judengesinbel zum Teufel jagen." Auch das verstand ich nicht, denn es gibt doch Juden und Juden, genau wie es Christen, der Adolf sagte„Arier", und Christen gibt. Ich wollte noch mehr wissen, aber der Adolf wurde nur puterrot im Gesicht und brummte böse:„Das ist das Geheimnis des Führers. Wenn er an die Macht kommt, so gibt es in drei Tagen keine Not mehr." Ich muß wohl ein recht ungläubiges Gesicht gemacht haben, denn der Bursche schrie unvermittelt:„Auch mit den Marxisten werden wir aufräumen. Die haben das ganze Elend verschuldet, zusammen mit den Juden." „Du bist ein Trottel, Adolf," rutschte es mir heraus, und eigentlich war das nicht so arg, denn ich hatte ihn schon gekannt, als er vier Jahre alt war. „Reden Sie nur so weiter, Frau Gruber!." schrie er.„Sie werden noch etwas erleben." Und dann fügte er großartig hinzu:„In unserer Partei haben wir auch Grafen und Prinzen, nicht Proleten." Ich sagte nur:„Und ihr wollt eine Arbeiterpartei sein?" Ter Adolf jedoch zog es vor, ohne ein weiteres Wort zu gehen. Am folgenden Morgen aber war meine Haustür mit einem großen Hakenkreuz beschmiert. Ich wusch es ab und dachte mir:„Auch ihr werdet ebenso leicht verschwinden, wie dieses Hakenkreuz unter dem Schwamm verschwindet." Eigentlich wunderte es mich, daß der Doktor Feldhüter sich nicht der neuen Partei anschloß. Er spielte gern den großen Mann, und sprach immer davon, daß die Deutschen das weiseste, edelste und größte Volk der Erde sind. Mein Anton lachte, als ich ihm das sagte:„Der will sich nicht festlegen. Der wartet ab. Und wo die Macht ist, dort geht er hin." Damals kränkelte mein guter Mann schon seit einiger Zeit, und die Arbeit im Betrieb fiel ihm schwer. Ter Dok- tor Bär machte ein ernstes Gesicht, und mir wurde bang ums Herz, wenn ich sah, wie mager und blaß mein Anton war. Aber er bat nie geklagt und hat eifriger als zuvor in der Partei gearbeitet. Hat auch versucht, unsere Toni weiter- zu bilden,— damals ist sie schon in die Fabrik gegangen. Aber die Toni hat immer etwas zu kritisieren gehabt: „Warum geschieht das, und wie kann jenes zugelassen werden?" Zuweilen habe ich gemerkt, daß meinem Anton die Antwort schwer gefallen ist. „Ein jeder macht Fehler, mein Kind," hat er erwidert. „Wo Menschen sind, menschelt es. Warum nicht auch bei uns?" „Und Rußland," hat die Toni eingeworfen.„Die dort haben es anders angepackt." Mein Anton hat die Toni angeschaut, mit einem fast spitzbübischen Lächeln. Er hat ja gewußt, woher diese Plötz- . tiefte Begeisterung für Rußland stammt. Und auch ich habe lächeln müssen. Die Toni ist rot geworden und hat trotzig den Kopf zurückgeworfen. „Lacht nur, der Seppe! hat doch recht." Und dann haben wir zwei Alten noch mehr lachen müssen, weil unser Kind sich so verraten hat. Aber ich habe es viel- leicht besser verstanden, als mein Anton. Der Seppe! Schneider, der junge Kommunist, war ein lieber Mensch und ein hübscher Bursche, und unsere Tochter war ja erst sechzehn Jahre alt, da glaubt man leicht, was ein Mensch sagt, den wir lieb haben. Der Seppe! war Bootsmann, er arbeitete bei dem Franz Hasner, der fünf Ruderboote besaß, und im Sommer ruderte der Seppe! die Fremden auf den See hin- aus und lernte allerhand Menschen kennen. Er sprach sogar ein wenig Englisch, und das imponierte unserer Tont. Morgen! Liebes, warum bist Du zagend geworden, hast Grauen vor Morgen, hast in Dir dumpf ahnenden Klang, Dir ist so bang? Glaubst Dich machtlos zitternd ausgeliefert, Schicksal witternd, fürchtest das Morgen, krampsig vor Sorgen, verzweifelnd entmutigt das„Morgen" verneinend vom Gestern im Banne, noch weinend siehst alles nur trübe, vom Kummer umhüllt, bist kraftlos geworden und nicht gewillt, zu glauben, zu hoffen, daß Morgen vorbei sind alle Sorgen, daß die Sonne lacht und das Leben ruft, daß Liebe und Hoffnung entsteigen der Gruft, dann ist alles wieder vorbei und im Herzen keimt neuer Lebensmai, der Glaube„Morgen". R. F. Wo ist die kälteste s>telle der Welt Es gibt einen absoluten Nullpunkt für die Kälte, eine Grenze bei der alle molekulare Aktivität aufhört. Diese Schlußtemperatur, wenn man so sagen darf, liegt 272.95 Grad unter Null. Wenn sie eintritt, kennt der elektrische Strom keine Hindernisse. Er kann sich überall hin verbreiten. Die Kältegrenze nach unten ist noch gar nicht so lange be- könnt. Als Gabriel Daniel Fahrenheit Eis mit Salz mischte und so den Nullpunkt der Fahrenheitskala bestimmte, glaubte er die tiefmöglichste Temperatur gesunden zu haben. Heute besitzt die Universität von Kalifornien einige Liter flüssigen Wasserstoff, der kocht, wenn er eine Temperatur von 200 Grad unter dem Fahrenheitschen Nullpunkt erreicht. Man nimmt an, daß es im Weltall Stellen gibt, deren Temperatur an den absoluten Nullpunkt herankommt. Die kälteste Stelle des Universums wirb sich in wenigen Tagen zweifellos auf Erben und zwar im Laboratorium der Universität von Ka- lifornien befinden. Denn dort will der Chemieprofessor Giauaue das Ende der Temperaturskala erreichen oder ihm wenigstens nahe kommen. Giauque ist es gelungen, durch Anwendung von flüssiger Lust in derselben Weise, in der Ammoniak bei Kühlschränken verwendet wird, Wasserstoff zu verflüssigen. Nun wird er diesen flüssigen Wasserstoff ebenso gebrauchen, um die kälteste Stelle in der Welt zu schaffen. Der rührselige Gangster Frau Floyd in Oklahoma pflegt sorgfältig ein Grab, das bisher noch leer steht. Es ist für ihren Sohn bestimmt, einen hübschen Jungen, der außerdem einer der bekanntesten Gangster in den Vereinigten Staaten ist. Er hat selbst seinen letzten Ruheplay in einem Winkel ausgesucht, der ihm gefiel, und seine Mutter beauftragt, dort recht schöne Blumen zu pflanzen. Sollte er nunmehr unler den Kugeln eines Kolle- gen fallen, was mehr als wahrscheinlich ist, so wird seine alte Mama wissen, wo sie ihn zu empfangen hat. Und Flond, der hübsche Junge, kann inmitten seiner gefährlichen Unter- yehmungen hin und wieder von dem poetischen und schattigen Garten träumen, der ihn erwartet... Ich freute mich, wenn die beiden zusammen waren, und machte Pläne für ihre Zukunft. Der Seppe! hat so etwas Frohes und Freies an sich, der wäre gerade der rechte Mann für unsere Toni, die immer alles so schwer nahm und sich mit Fragen abplagte, die mir nie in den Sinn gekommen wären. Dieser letzte Sommer, den ich mit meinem Anton verlebte, war ganz besonders schön. Wenn ich heute daran zurückdenke, so kommt es mir vor, als habe es überhaupt keinen schöneren Sommer gegeben. Immer schien die Sonne, und die kleine Stadt machte einen feiertäglichen Eindruck. Abends gingen wir oft an den Tee und saßen lange auf einer Bank. Die Wellen rauschten ganz leise, und der Mond stieg hinter den Bergen auf, und das große Wasser leuchtete wie Sit^er. Oft vergaß ich, daß ich eine alte dicke Frau bin, die daheim eine große Tochter hat und fühlte mich wie ein junges Mädel, wie damals vor vielen Jahren, als mein Anton und ich noch Liebesleute waren. Er wurde auch ge- sprächiger. Wir redeten über viele i..e, und ich freute mich, daß ich ihn so gut verstand. Nur wenn wir von Toni sprachen, wurde er ernst. „Ich mache mir Sorgen um das Mädel," sagte er häufig. „Nein, nicht wegen des Teppels, aber sonst. Sie ist ein Mensch, der keine Enttäuschung aushält, und ist ein richtiges Frauenzimmer, das Menschen und Tinge nicht auseinander- halten kann. Vielleicht wirb sie dir noch viel Kummer machen, Kati. Aber du mutzt eben Geduld mit ihr haben. Sie wirb sich schon wieder zurecht finden." Damals erschrak ich sehr, weil mein Anton„Du" sagte und nicht„wir". Als ob er nicht mehr da sein würde, um der Toni und mir zu helfen. Ich wußte ja nicht, was er wußte: daß sein krankes Herz jeden Augenblick zu schlagen auf- hören konnte. Er hatte den Doktor Bär gebeten, es mir nicht zu sagen. Ich hätte es ja wissen können, denn jedes- mal, wenn mein Anton in die Arbeit ging, nahm er von mir Abschied, als sei es für immer. Aber ich merkte nichts und war nur froh, daß er nach so vielen Jahren noch so zärtlich zu mir war. So kam der Winter. So kam der schreckliche dritte Januar. Es war am Morgen. Toni war schon in die Arbeit ge- gangen. Mein Anton wollte ausstehn. Da sagte er plötzlich: „Ich weiß nicht, Kati, ich fühl mich so schlecht. Ich glaube, heute wird es nichts mit der Arbeit sein." (Fortsetzung folgtlj Warum nkfti«dm? Die unautorisierte französische Aebersetzung von.Mein Kampf" vom Pariser Handelsgericht verboten DN31. Paris, t«. Juni. Das Pariser Handelsgericht hat am Montag das Urteil im Prozeß des Eher-Rerlages gegen den französischen Verleger der nichtantorisierten Ueberseyung des Buches.Mein Kamps" gefällt. Der Druck»nd Verlaus der französischen Uebersetzung wurde verboten«nd die Ver- nichtung der beschlagnahmten Exemplare angeordnet. Jeder Fall von Zuwiderhand'ung wird mit UM! Ironien Geldstrafe geahndet. Dem Kläger wird moralische Genugtuung in For«, des symbolischen E»n-Fr»nken-Lchadcnersatzes zu- gebtlligt. » Es ivgr selbstverständlich, daß Hitlers Verlag diesen Prozeß gewinnen mußte, wenn die französischen Richter sich an das iranzösiiche Gesetz hielten. Interessant wäre es gewesen, i"ejut die französischen Richter den Mut gesunden hätten, Hitlerdeutschland mit dessen Methoden zu bekämpfen. Das I.ttoresie Frankreichs und seines Volkes»erlangt gebieterisch d e VeröffeirtlWjung der Httlerbibel„Mein Kamps". Nirgend- i»o vermag das französische Volk die Gefahren, die ihm von ipUhejr und stesie.il braunen Trabanten drohen, deutlicher zu erle innen. als ui Hitlers Bekenntnis. Des Reichskanzlers Ziueckerklärungen. geboren aus der.augenblicklichen schweren deutschen Notlage, sind unaufrichtig und werden durch seine Vetenntuisie der Unwahrhaitiglert stberftrhrt. Von den Velen«tuiiien hat Hitler bis jetzt nichts zurückgenommen, Er wird auch nichts zurücknehmen, denn er ist unfehl- bar. Die französischen Richter hallen infolgedessen aus dem Rrrt- st rnd»nd dein Nntwebrrech, heraus das Recht des iranzö- sischsn Älertag» ani VexöKentlichnng dieses Ruches herleiten mAffen. Da Hitler die Verd'seirtlichung seiner Bekennt,mite, die ihm peinlich und unbegnem waren, hintertrieb, blieb dem französischen Verlage lein anderer Weg. .Gut ist. was meinem Volle dient, erlaubt ist. was zum V sten des Volkes gereicht. Notwendig ist. was die Sicher- hest des Volkes verlangt!" So lauten die obersten Rechts- arundsätze des„blitzen Reiches". Warum haben die tranzv- stickest Richter dem braunen Verlag nicht mit gleicher Münze gedient. Man ivird gegen die braune Pest nicht ankommen, ivsn« man>,i« nicht mit der gleiche» Waffe schlägt, mit der sie zu kämpfen beliebt. Kails und»eBfscftamrr'Ksincr Rezepte, deren Kosten das deutecke Volk bezahlt Großes europäisches Sicherheitssystem Bartheus Reise nach dem Osten Bartheus Reise nach dem Osten Paris, 21 Juni. Die Pariser Morgenpresie steht heute vollkommen unter dem Eindruck des Besuche» Bartdvus in Bukarest und der ersten beiden Reden, die anläßlich des Essens ausgetauscht wurden, das der rumänische Außenminister Taulese» zn Ehren seines franzvsiichen Gastes gab. Die Blätter feiern die rnmäni'ch französische Freundschaft, die durch nichts getrübt werden könne, und betonen noch einmal, die Reise Barthous sei ausschließlich der Organisierung des Friedens und der Sicherheit ohne Hegemonie gebauten gewidmet. Im übrigen wird noch ein» mal das Haoptthema dieser Reise auseinandergelegt, näm- lich der Versuch, durch eine Reihe von Pakten und Ab- kommen ein Netz von Licherheitsgaranrien zu spannen, da» sich von de, Rordvngrenze Europas über Rußland. Südost- enropa, Italien und Frankreich bis nach England aus- dehnen soll, ichne aber eine Einkreisung Deutschland« darzustellen. Der„Petit Pa rissen" gib: zu, daß es sich dabei um einen ichr großen Plan handelt, der zwar sehr veritffcktlt sei, dessen Vorbereitungen aber sehr große Fort- schritte gemacht hätten. Besonders beachtenswert dabei sei die Tatsache, daß R u ß l a n d als einer der Haupttaktoreu sowohl in den Balkonpakt wie auch in den sogenannten Mrttelnieerpakt«»greise und damit wieder die frühere Rolle für di« europäische Stabilität zu spielen beginne. Die grämen Schwierigleiten gehen nach Ansicht des Blattes von Polen ans, dos sich isoliere und der Illusion hingebe, eine Vermittlerrolle zwischen Rußland und Deutschland spielen zu können. Es sei ober trotz der Schwierigkeiten möglich, daß die Arbeiten sehr viel schneller sortschritten, al» man annehme. Wenn England öi« beiden Pakte wohlwollend betrachte, so sei ein großer Schritt getan. Di« Zustimmung Englands sei vielleicht geeignet, das Zögern Deutschlands kür ein Ostlucarno und das Italien» für ein Mittelalter- abkommen auszuheben. Tie Reise Barthons nach London werde auch in dieser Frage von entscheidender Bedeutung sei»,• Pertiwar beschäftigt sich im„Echo de Paris" besonders eingebend mit der Rede Barthous. die er als die bisher schärfste Zurückweisung der germanisch-maguariiche» Forde- Hingen und der italienischen Politik, soweit sie diese Forde- Hingen unterstütze, bezeichnet.— Das„I vurn a-l" analn- siert die amtliche Vertantbarnng, die der Rai der Kleine,r Entente verviientlicht hat und worin nian besonders die allgemein« Zustimmung zn den in Vorbereitung befindlichen neuen Bündnisien feststellen mnsie, serner die Warnung an Ungar« sowie die Datfache daß die Beziehungen zu Polen verbessert werden müßten. Schließlich mit sie man aber auch das Stillschweigen über die Anerkennung Sowjetrußlands durch Slibslawie« hervorheben. 6li»crsl Wigand In Lodden Neutralitätsgarantie für Belgien und Holland? London, 21. Juni. Zum Eintreffen des Generalinspekteurs der sranzösischen Armee, General Weygand, i» London bc- merkt der politische Korrespondent der„Dailn Mail": Gene- ral We.igand erklärte nachdrücklich, daß sei» Besuch rein pri- vateu Charakter habe. Iudesien erregt es, so harmlos der Umstand auch sein mag, ecke gewisse Aufmerksamkeit, daß er von seinem Stabschef und zwei andern Stabsoffizieren be gleitet ist. Der General ist, wie schon früher gemeldet Gast des Befehlshabers des Londoner Bezirks General Graut. Im Auswärtigen Amt wurde miederholt erklärt, daß keine Zusammenkunft zwischen General Wengaad und Beamten des Kriegsamtes vereinbart worden sei. Ein Freund beider Generäle aber äußerte gestern:„Wenn zwei Männer des gleichen Berufes zusammenkommen, dann ist es«»vermeid- lich. daß sie„fachsimpeln", und unzwesfelhait haben beide be- trächtliches Interesse an der gegenwärtigen internationalen Lage/' Ssssn Rückkehr der Habsburger AuBenpolitische Beschul,,» per Kleinen Enlenle gebracht uno eine w n 11 o o» t o 11 o c u> e g u n u gerufen habe. Von den 2700 Vereinen fter sooih*) Nein,orfer Deutsche» seien bereits 0,1 mst Glinst Mi-tgliedern in den „Bereinigten Deutsche» Gesellschaften" zusammengeschlossen, f c nun zur Förderung der Selbsthiliebewegung einen ?outsch-Amerikanischen Wirtschaft« Ausschuß eingesetzt bat- ten. Bereits gebe es Hunderte Deutsche, die nur in deutschen Geschäften kaufen. Von der Wirkung hxs ikiditchen Bonkotts ß»-lrd viel erzählt.-Große Firmon hätten Hunderte deutscher A rbeiter entlassen. Bei cs lagen meigerlen sich christliche An- mitte aus Furcht vor Boykott, die Sacke zu vertreten, "elften! Der Artiteilschreibet boiit ans eine große Gegen- bcwegung der 25 Millionen detttiämn und deuischblii'igen Amerikaner, wofür ein Werben«Sühn ß geschaffen wurde. Wenn diese Angaben stimmen, s» zeigen sie. wie sehr die Hitlerregierung durch ihre ebenso unbedachte wie nichts- würdige Veriolgi,ngspallitik auch auf diese« Gebiete die 5'tsllu, idllcheu Deutsche» geschädigt bat. Sollte es wirklich r fingen, ö Hillen.eine starke Bewegung in ihrem Sinne ins Lsll««»« tuie«. was.angesichts der polllistheu Passivität der faglistber föriet Faschismus— Für und wider O.G. London. Mitte Juni. Die Debatte um den Faschismus geht weiter. Tie be- y irscht jur Zeit die englische Innenpolitik. Die TO w a rz h« m d e n- Be r sa m m lu n g in Olympia, dein Riesenjaal im Westen Lonllans, bei der es so viele bltzt-v« Köpfe gab und eine ganze Reihe ernstlicher Ver- letzuogen, hat vielen Engländern die Augen über die fa sch pst t fch e.® ef nh r geöffnet. Es ist bereits berichtet tewrhen, wie sich die Empörung von Verfammlunge- letlnehmern aus allen politischen Lagern in der Presse der drei großen Parteien und im Parlament äußerte. Dach nachdem der erste Schreck über die für sie unerhoffte Wirkung dieser Versammlung überwunden war. haben sich die Faschisten u»d ibre Freunde in der Konservativen Partei— es gibt eine solche Gruppe bei den Konservativen — wieder gesanunelt. Mit allen möglichen Mitteln verkitschen sie. den erste» Eindruck zu verwischen. D>t konservativen Faschisten freunde ackeilten keineswegs im»,er ungeschickt. Es ist ihnen zum mindesten gelungen, die klare Fragestellung zu verwirren uick Probleme auszuwerfen, um die es ursprünglich gar nicht ging. Di« ersten empörten Aenßerungen über die TchwarzhemHen-Brutaliläten beschäftigten sich lediglich danist. daß jeder Zwischenrufer. mochte der Zwischenruf auch noch so harmlos fem, sofort von dem schwarz, bcheucheten Taalßchutz Herausgewarfen wurde. Bei jedem solcher Zwischenrufe unterbrach Mosley seine Rede. Die Scheinwerfer, die sonst auf de» Faschistenführer ein- gestellt muten, wurden sofort auf den Zwischenrus-r herumgedreht, s-cks bis zehn Schwarzhemdsn stürzten sich auf den oder die Unglücklich«, packten den Zwischenrufer, verprügelten ihn schon im Saal und schleppten ihn dann in die Vorhalle wo er noch weiter unmenschlich verprügelt wurde. Solche Vorfalle wurden von angesehenen konser- vgtiven Abgeordneten. Geistlichen und Journalisten be- z.'Ugt. Run kommen aber die Faschistenfreunde und lenken die Diskussion auf ein anderes Gebiet. Bor der Per- fammlungshalle hatten Hunderte von Menschen auf Auf- farderung der an sich in England bedeutungslosen Kom- munistischen Partei. Aufstellung nenommen, darunter selbstverständlich zahlreiche Ranfboide. denen der politische Zweck nichts, die Sckläaerei aber alles bedeutet. Diese Raufbolds hatten die Polizei und harmlose Zuschauer an- gegriffen, und es kam zu manchen hätzlichen Szenen. Auch jrn Saal ivaren zahlreiche Menschen, denen es weniger auf Bukarest, 2t. Juni. tEnroprcß.j In l>*'.ft"" r"rcnz der Kleinen Eutenie wurden folgende Beschlüsse gesaßt: 1. Es werde« Anstrengungen gemacht, in der A b r ü st u u g» i r a ge zu einer alle interessierte« Parteien zufriedenstellenden Konvention kommt; 2. damit alle Kräfte uitternützi werden, die die O r g a n i s i e r u n g der Sicherheit erteichteru. Iniolgedesien wird man an den regionale« Kouveulionen zur gegens.ttigcu Bei- Hille teilnehmen:.1. Die Kleine En ente ivird an der min- schädlichen Wicderausri rti tuvg Europas im Ein- Verständnis mit allen interessierte» Staaten zu ammen- arbeilen. Zu« größten Bedauern der Kleinen Entente habe» meisten Deutschamerikaner, die sich bisher fast nur zur Ber- teidigung ihres geliebten B.ergenuiies gerührt Häven, und der grundiaylich hitlerseindlichen Einstellung eines Groß- teils der übrigen noch abziiivartenIst, so würde das'naiür- lich auch wieder Gevenmaßregeln in der AanteebevSlkernng hervvrruien. Man ivürde, wenn die Deutschen, die dort ohnehin nicht sonderlich beliebt sind, dazu überginge», nur bei Deutsche» zu kaufen, es ihnen dann wohl auch überlassen, nur an Deuts che z u v e r k a u icn, so daß das Endergebnis noch sehr zweifelhaft und der Einfuhr deutscher Erzeugnisse kaum förderlich sein würde. Eins aber zeigt der Bericht klar»nd deutlich: Wenn die Nazis auch sonst nicht viel können, sind sie doch Meister in der Kunst, bisher friedliche Mensche» zu verhetzen und alles durcheinander zu bringe». Die Kosten bezahlt am Ende das [ttliffit Soli gemisse offizielle ungarische Erklärungen dm Eindruck hervorgerufen, daß sich Ungarn selbst von einer so.che» Mit- arbeit ansichließ. it wolle. 4. Die Kleine Entente versichert, entschlossen z» sein, sich der Rückkehr der Habsburger, in welcher Fvi'm auch immer, zu widersetzen und h i e r i ü r dienet- wendigen Maßnahmen z u e r g r e i i e n. 5. Die Kle.ne Entente iviil die besten Beziehungen mit allen Staaten, besonders aber mit den Nachbarstaaten, unterhalten, ö. Mit Genugtuung wird K nntnis genommen von der W.ederberstellung der normale» diplomatischen Be- ziehungen zwischen Sowletrußland. Rumänien und der Tschechoslowakei, was im Sinklaug mit den Be,chlüsscn der Agrarkonferenz stehe, zwecks Mitarbeit zur Ausrechterhaltung des Fri dens. 7. Mit Genugtuung wird davon Kenntnis genommen, daß der Balkanpakt bereits vollkommen in Kraft getreten ist. nachdem am Ib. Juni die Unterzeichnung durch Tüd- slawien»nd Rumänien vorgenommen wurde. 8. Tie Beschlüsse des W i r t srfi a itSrats der Kleinen Entente, d!e in einer Konferenz von Bukarest gefaßt wurden, iverd-n ratifiziert. 0. Die Kleine Entente drückt ihre Snmvathse für den Ber- trag ans, der aus Initiative der argentinischen Regierung zur Verhütung von Kriegen von den üibamenka Nischen Staaten am Iii. Ottober 1 in Rio de Janeiro ab» g schlo'i-'n wurde. Die Kleine Entente beschließt, d'efen Vertrag einem grundsätzlichen Studium zu unkerzi-ben. 10. Tie nächste Tagung wird im September in G e u f statt- stuSck».'- ernsthafte Zwischenrufe als auf eine planmäßige Störung der Versammlung ankam. Kein Mensch hat selbstverständ- lich etwa» dagegen, daß diese Störensriede heraus- befördert werden. Nun bemühen sich die Faschisten- freunde, van den Tchwarzhemden-Brutaliiäten. die sie natürlich alle nicht bemerkt haben wollen, auf die kommuni stischen Störungen vor dem Berfäinm- ltingssval und in der Halle selbst abzulenken. Tie spielen sich plötzlich als die Vorkämpfer der R e d e s r e i- b e i t ans und suchen aus der Debatte über Schwarz- hemden-Vrutalitäten eine Debatte über die Redefreiheit zu machen. Da es in der letzten Zeit vielfach vorkam, daß Versammlungen— auch der Konservativen— gestört worden sind, finden naturgetnäß die Foschistenfreunde ein gewisses Gehör, wenn sie sich al» Vorkämpfer der Rede- freihett herausstellen. Da« Unterhaus debattiert über den Faschismus Auch die große parlamentarische Debatte, die ain vorigen Donnerstag auf Antrag der Liberalen stallfand, und sich ausschließlich mit den faschistisch?» Gewalttaten beschäftigen sollte, verlor an Klarheit der Linie durch den Versuch eines zwar nicht sehr starken aber lauten Flügels der Konservativen, die Debatte auf das von ihnen gewünschte Gebiet abzulenken. Die Debatte selbst fand zwar in der würdigsten Form statt, wie es im englischen Parlament üblich ist. Niemand denkt daran, etwa den Gegner der Lüge zu zeihen. Man hört sich den politischen Gegner trat Respekt an. und die Zwischenrufer, für die gleichfalls ein festgelegter Ritus besteht— der Redner setzt sich, läßt den Zwischenrufer sein« Bemerkungen machen und gibt dann sofort eine immer höfliche, meistens witzige Antwort—. sind fast immer sachlich. Und wenn einmal ein Abgeordneter von einem Gegner etwas schärfer angegriffen wird, so nimnit er da« in der Regel mit gutem Humor auf. Da hatte z. B. der erste liberale Redner erklärt, seder faschistische uni- formiert« Aufmarsch sei eine Provokalion. Der konser- valive Abgeordnete Beaumont. der mit dem Herzen, wenn auch nicht mit dem Hemd, Faschist ist, erwiderte darauf, jede politische Rede sei eine Provokation. Als das von dem liberalen Redner bezweifelt wurde, erwiderte der konservative Faschistenfreund nur:„Der ehrenwerte Ab- geordnete für Bodmin skein Abgeordneter darf mit seinem Namen, sondern nur al» Vertreter seines Wahlkreises be- zeichnet werden) weih offenbar nicht, wie provokatorisch seine Reden sind." worauf der„ehrenwerte Abgeyrdnete für Bodmin" und mit ihm das ganze Haus herzhaft lachte, und der Fall war erledigt. Doch alle Höflichkeit darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Debatte selbst in zwei völlig verschiedenen Rieh- t ngen oerlief. Die eine Gruppe— Labour Party. Liberale und Antifaschistische Konservative— beschäftigte sich mit den faschistischen Brutalitäten, die nicht nur gegen bewußte Versammlungsstörer, sondern gegen jeden Zurufer angewendet worden seien und weit über das zur ungestörten Forlführung der Versammlung notwendige Maß hinausgingen. Die Faschisten-Freunde dagegen sprachen von der bedrohten Redesrei- heil, die doch mit allen Mitteln geschützt werden müsse und suchen damit Schwarzhemden-Brutantäten zu reckst- fertigen. Einer dieser Holbfaschisten snchtelte sogar zum Schrecken seiner Nachbarn mit einer Eisenstange Herum, die angeblich einem Kommunisten abgenommen sei. Der Innenminister stellte sich in seiner Rede zwar auf die antifaschistische Seite. Er überführte Mosley sogar der Lüge, ohne dieses Wort natürlich zu ge- brauchen. Mosley hatte nämlich auch im Rundfunk behauptet, die Kommunisten hätten seine Anhänger mit Rasiermessern, die an Stöcken befestigt waren, vielfach schwer verletzt. Die Berichte der Krankenhäuser dagegen, in denen die Verwundeten der Versammlung lagen, be- [tätigen übereinstimmend, daß keinerlei Verletzungen vorliegen, die auf Anwendung von Rasiermessern schließen ließen. Diese Berichte wurden vom Innenminister ver- lesen. Der Innenminister stellte auch an Mosley die sehr berechtigte Frage, weshalb denn die Schwarzhemdcn keinen dieser angeblichen Rosiermesser-Helden der PolizL übergeben hätten, damit er der gerechten Bestrafung zt* geführt werden könne. Der Innenminister kündigte auch an. daß künftig die Polizei weniger zurück- ha.lt end sein werde, und daß sie den Versan.'nlungs- schütz übernehmen werde: denn die Sicherung der Rede» freiheit. die auch er selbstverständlick anerkenne, sei Sache des Staates und nicht irgendwelcher privater Organi- fationen. Trotzdem hinterließ die Rede des Innen- Ministers keine allzu starke Wirkung, weil dieser alte Herr mehr ein Bürokrat als ein Politiker ist. Es wird von niemandem bestritten, daß er seinem Amte nicht gewachsen ist, und er wird nur noch darum geduldet, weil jeder Wechsel das Schicksal des gesamten Kabinett» ge- fährden würde. So ist also aus der faschistischen Debatte im Unterhaus nicht allzu viel herausgekommen. Es möge nur dos eine a's sehr interessonte Tatsache gebucht werden, daß in der Koitseroativen Partei es d i e Jungen find, die in dieser Debatte die Führung haben, und zwar sowohl als Führung der Antifaschisten wie der jaschistensreundlichen Gruppe. Freiheit für mm Tode Verurteilte! Wer hat die Polizeioffiziere auf dem Berliner Bülowplatz erschossen? Unter dem Druck des vom Weltkomitee für die Opfer des Hitlerfaschismus entfachten Weltprotestes hat das Gericht in dem Prozeß gegen Albert Kuny und seine Kamera- den, dem sogenannten Bülow-Platz-Prozeß, nicht gewagt, gegen alle Angeklagten die Todesstrafe zu beantragen. Es verhängte„nur" drei Todesurteile und für die anderen 60 Jahre Kerker. Gegen Albert Kuntz selbst konnte die un- mögliche Konstruktion der Anklage nicht aufrechterhalten werden. Der Staatsanwalt selbst mußte die Einstellung des Verfahrens beantragen. Er war gezwungen, die von dem Ausschuß zur Untersuchung des Bülow-Play-Prozesses ge- machten Feststellungen zu bestätigen. Tie drei Todesurteile sind aber ebenso wenig haltbar wie der ganze Prozeß. Das wird bestätigt durch die Aussagen des Sachverständigen während der Perhandlung. Das sran- zösische Hilfskomitee für die Opfer des Hitlersaschismus hatte zwei bekannte französische Schriftsteller Charles V i l- d r o c und Stefan Priaeel zum Studium des Hitler- faschismus nach Berlin entsandt. Obwohl es ausländischen Journalisten verboten ist, Gerichtsverhandlungen gegen Kommunisten beizuwohnen, gelang es Stefan Priaeel, während der Dauer des ganzen Prozesses als Zuhörer teil- zunehmen und uns über den Prozeß zu berichten. Ueber die Aussagen des Sachverständigen berichtet Stefan Priaeel:„Die Aussage des dritten Sachverständigen ist wichtig. Seine Ausgabe ist, festzustellen, aus welcher Waffen- gattung— Revolver oder Pistole— die tödlichen Schüsse aus Anlauf und Lenk abgegeben sind. Eine lange, mathema- tische Untersuchung, wie sie in diesen Fällen üblich ist, führt zur Schlußfolgerung, daß diese Kugeln weder von Thunert (gegen den der Staatsanwlat die Todesstrafe beantragtet noch von irgendeinem anwesenden Angeklagten abgegeben werden konnten. Der Gerichtshof, der sonst freudig und ohne jede Kontrolle belastende Aussagen entgegennimmt, sperrt Mund und Nase aus. wie hier in völligster Logik eines seiner Hauptargumente zusammenbricht. Der Vorsitzende fordert den Sachverständigen aus, noch einmal nach- zudenken und diese schwerwiegende Aussage zu überprüfen. Ter Sachverständige ist einverstanden und beginnt von neuem, ausführlich und mit den vorhandenen Waffen, eine regelrechte Demonstration vor dem Gerichtshof aufzuführen. Er beharrt energisch auf seinen ersten für die Angeklagten denkbar günstigen Aus- s ü h r u n g e n." Für Thälmanns Rettung Internationale Juristenkommission Neuyork, 21. Juni. Der aus dem Londoner Gegenprozeß bekannte deutsche Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenseld ist in Neuyork angekommen. Bei seiner Ankunft fand ein Empfang durch amerikanische Juristen, darunter der bekannte ameri- kanische Jurist Hays, statt. Rechtsanwalt Rosenfeld sagte bei diesem Empfang, daß er nach Amerika gekommen sei, um im Auftrage des Welt-Hilfskomitees für die Opfer des Hitlersaschismus mit den amerikanischen Freunden über die Bildung einer großen Juristenkommisiion zu sprechen. Die Juristenkommission wird sich beschäftigen mit dem geplanten Prozeß gegen den Führer der Komunistischen Partei, Ernst Thälmann. mit der Terrors,tstiz und mit den Todesurteilen, die jetzt wieder in zahlreichen Fällen gegen antifaschistische Kämpfer in Teutschland gefällt worden sind. Der amerikanische Jurist Hans teilt mit, daß drei nam- hafte amerikanische Juristen zum Studium dieser Fragen nach Teutschland fahren werden. Keine Einheitsfront! Abbruch von Verhandlungen in Paris Paris, 21. Juni. Die Verhandlungen, die seit einiger Zeit zwischen den Marxisten und Kommunisten gepflogen Meise fäüdket 2>d6Un jfltred: Babylonische Wanderin g oder Hochmut kommt vor den Fall.... brosch. Fr. 44,— Leinenbd. Fr. 61,— Einstein Alfter! lTro/essor Mein Weltbild. brosch. Fr, 26,— Leinenbd. Fr. 39,— Ttnmann Seorg: Ruths schwere Stunde brosch. Fr. 29,75 Leinenbd. Fr. 43,50 Kesten Wer mann: Der Gerechte, Roman brosch. Fr 23,25 Leinenbd. Fr. 35,90 Klaren Valeriu: Die Vertreibung der Juden aus Spanien brosch. Fr 21,— Leinenbd. Fr. 33,50 iiepmonn Heins: Das Leben der Millionäre... broschiert Fr. 12,— Ttott b JosepA: Tarabas(Ein Gast auf dieser Erde) brosch. Fr. 29,— Leinenbd. Fr. 39,— fdiniarsstftild feopotd: Das Ende der Illusionen brosch. Fr 26,— Leinenbd. Fr. 36,— Tftnmas Jtdwienne: Dreiviertel Neugier(Frauen-Roman) brosch. Fr 25,75 Leinenbd Fr. 40,— Wassermann}afto6: Joseph Kerkhovens dritte Existenz brosch. Fr. 44,— Leinenbd. Fr. 61,— ZroeiO Arnold: Bilanz der deutschen judenheit brosch. Fr. 26,— Leinenbd. Fr. 39.— Buchhand ung der Volksstimme Saaibiücken, BahnhoJstrafje 32 Der Sachverständige hat festgestellt, daß keiner der Ange- klagten die tödliche» Schliffe abgegeben haben kann. Er hat die Frage nicht positiv beantwortet, durch welche Äugeln Anlauf und LeNk getötet worden sind. Angesichts dieser Tatsache muß man annehmen, daß die beiden Polizeioffiziere den Schüssen ihrer eigenen Untergebenen zum Opfer gefallen sind. Dies wird auch wahrscheinlich durch die Ausführungen des ersten Sachverständigen Frenke!, über die Stefan Priaeel beriefet: „Er(der Sachverständige! überschlägt sich vor Eiser, dem gegenwärtigen System dienstbar zu sein. Er erklärt lang und breit, die mikroskopische Untersuchung der Kugel habe er- geben, daß sie durch den Rücken in die Lunge eingedrungen sei. Er fügt allerdings hinzu: es könnte aber auch sein, daß sie durch die Brust eingedrungen ist." Diese unklare und widersprechende Feststellung des Sach- verständigen vor Gericht läßt deutlich erkennen, daß in diesem Prozeß etwas versteckt werden sollte, nämlich, mit welchem Kaliber und aus welche Entfernung die beiden Polizeiossiziere getötet worden sind. Denn fast jeder Laie weiß, daß Schüsse aus der Nähe abge- geben, eine andere Wirkung(Einschuß, Ausschuß usw.) haben als Schüsse aus. weiter Entfernung. Die These des Sach- verständigen Frenke!, daß der Schuß, der Anlauf tötete, vom Rücken aus in die Lunge eingedrungen sei, sollte die Anklage stützen, daß die beiden Polizeiossiziere von hinten erschossen wurden, so wie es dxr Polizeizeugc Willich behauptete. Aber der Sachverständige mußte hinzufügen: Es könnte aber auch sein, daß sie(die Kugeli durch die Brust eingedrungen ist. Das Ergebnis der Obduktion der Leichen der beiden Polizeiossiziere ist niemals bekanntgegeben. Dies und die Aussagen der Sachverständigen beweisen, daß dieser Prozeß gegen 23 Funktionäre und Mitglieder der Kommunistischen Partei eine Konstruktion der Gestapo ist, eigens zu dem Zweck, um durch Todesurteile den Prozeß gegen Ernst Thälmann vorzubreiten. Drei Menden sind in diesem Prozeß bedroht. Es ist der Weltöffentlichkeit gelungen, 12 Angeklagte durch ihren Pro- test vor Todesurteilen zu retten. Jetzt muß dieser Protest verstärkt werden. Niemand darf zulassen, daß drei Unschul- dige hingerichtet und andere in den faWritcfien Zuchthaushöllen begraben werden. Wir. fordern die Freilassung aller in diesem Prozeß Angeklagten und Verurteilten! wurden, um eine sogenannte Einheitsfront für den Kampf gegen den Faschismus aufzustellen, deren erstes Ziel die „Befreiung Thälmanns" sein sollte, sind abgebrochen wor- den. weil angeblich die Kommunisten die Waffenstillstands- bedingungen nicht geachtet haben. Das Organ der 3. Jnter- nationale, die„Humanitö", hatte ln einem kürzlich erschiene- nen Artikel die Marxisten als die Handlanger der söge- nannten Bourgeoisie bezeichnet und zum Kampf gegen sie aufgefordert. Der Generalsekretär der Marxisten, der ehe- malige Abg. Paul Faure, hat daraufhin den Verwaltungs- ausschuß der Pariser 2. Internationale einberufen und mit 22 gegen acht Stimmen beschließen lassen, daß die eingelei- teten Besprechungen mit den Kommunisten mit sofortiger Wirkung abgebrochen würden. In einem Schreiben an den Verwaltungsrat der 3. Internationale wird dieser Beschluß den Kommunisten zur Kenntnis gebracht. Sozlalisfisdie Acrztc diskutieren Die Pariser Sektion des Vereins sozialistischer Aerzte veranstaltete am Montag einen ersten Diskussionsabend über soziale, hygienische und ärztliche Probleme des deutschen Faschismus. Die erste, gutbesuchte Diskussion beschäftigte sich in eingehender Stellungnahme mit dem Buch des Arztes und Psychoanalytikers Dr. Wilhelm Reich:„Massenpsychologie des Faschismus". Nach einleitenden Worten des Vorsitzenden, der betonte, daß der V. S. Ae. auch in der Emigration seine Arbeit, auf dem Boden der Einheitsfront der sozialistischen Richtungen und in unmittelbarer Verbindung mit der proletarischen Massenorganisation stehend, fortsetze, referierte der Genosse Dr. F. über das Reichsche Buch und kritisierte anschließend einige Hauptthesen. Reich erhebt gegen den Marxismus und die materialistische Geschichtsauffassung den Vorwurf, daß es ihnen nicht gelungen sei, eine genügende Analyse der Bewußtseinsvorgänge und psychologischen Kriterien der vom Faschismus gefangenen, vornehmlich kleinbürgerlichen deutschen Massen vorzunehmen, deshalb seien auch alle Versuche der marxistischen Parteien, die Massen vom Hakenkreuz zurückzugewinnen, gescheitert. Reich sieht den zentralen Faktor der Ideologienbildung in der Stellungnahme zu den sexuellen Problemen und behauptet aus dieser sexual-fixierten Einstellung heraus, daß die„Sexualpolitik", zum wesentlichsten Kampffelde in der proletarischen Kulturfront erhoben, den Schlüssel zur Erforschung der psychologischen und soziologischen Strukturen des Kleinbürgertums wie auch des Proletariats abgeben würde. Der Referent und nach ihm viele andere Diskussionsteilnehmer nahmen gegen eine derartige Uebertonung sexualpolitischer Argumente Stellung, die den wesentlichen Kampf gegen den Nationalsozialismus auf eine schiefe, nicht genügend schlagkräftige Ebene abdrängten. Niemand verschließe sich der Feststellung, daß die Arbeiterbewegung vor Hitlers Machtergreifung dem Kleinbürgertum und der vom Hitlertuin verführten proletarischen Masse gegenüber versäumt habe, den psychologischen, vornehmlich durch Familie und Erziehung verursachten Tiefenbindungen und Reaktionen dieser Massen nachzugehen, aber der Kampf gegen den Faschismus darf nicht unter Parolen geführt werden, die Marx mit vulgärfreu dianischen Ideologien „verbessern" wollen. Vielmehr müsse die klare historischmaterialistische Erkenntnis Ausgangspunkt des antifaschistischen Kampfes bleiben; sie schließe natürlich keineswegs die psycho analytische Auseinandersetzung mit dem Faschismus aus. Einhellig wurde aber in der Diskussion Reichs Versuch gewürdigt, zum erstenmal außerwirtschaftliche, sehr relevante Fragen des Kampfes gegen den Faschismus mit dem Willen aufs Tapet gebracht zu haben,„im Denken und Ueberlegen umzulernen" und mit Selbstkritik alte Fehler und Denkschemata, die sich in die Politik der marxistischen Parteien eingeschlichen hatten zu überwinden. In diesem Sinne ist Reichs Buch ein ermunternder Auftakt.— Die Diskussionsabende sollen von jetzt ab regelmäßig fortgesetzt werden,,•. dn. BRIEFKASTEN Frontsoldat C S. Saarlouis. In der Fülle von Meldungen über den Krieg zwischen den Nazis und den Stahlhelmern^haben wir nicht davon Notiz genommen, daß in Berlin das alt«„Stahlhelm"- Zeichen verboten worden ist. Was Ihnen Ihr Freund geschrieben hat, stimmt, jedoch ist das Verbot, soweit wir wissen, einstweilen nur in Berlin erlassen worden. Es wird aber wohl aus ganz Teutschland ausgedehnt werden. Molcho, Paris. Besten Dank. Wir wollen die Anregung durch einen sachkundigen Mitarbeiter behandeln lassen. Europäische Hefte Nr. 10 soeben erschienen. Aus dem Inhalt: Willi Schlamm„Tie Entdeckung Amerikas": Leo Trotzki „Genug Flugzeuge— zu wenig Pferde": Max Bergner „Deutsche Juden, die Glück haben": Jgnazio Silone„Benia- mino und die Polenta": I u st i n Steinseld„Blick aus Irland"; Umschau: Notizen. Pfarrer R. N. Besten Dank für das wertvolle Material, das Tie uns über Ihre Reise durch Deutschland übermittelt haben. Ihre« Wunsche, einige Verse der alten protestantischen Kampslieder zu veröffentlichen, die jetzt auf den massenhaft besuchten Gemeinde, tagen auch von Leuten begeistert gesungen werden, die selten eine Kirche von innen sehen, entsprechen wir hier: O komm, du Geist der Wahrheit und kehre bei uns ein, verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein. Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an. daß jeg- licher getreuer den Herrn erkennen kann. ES gilt ein frei Geständnis in dieser unsrer Zeit, ein offenes Bekenntnis bei allem Widerstreit, trotz aller Feinde Toben, trotz allem Heidentum zu preisen und zu loben da» Evangelium. Nach auf, du Geist der ersten Zeugen, die auf»er Maur als treue Wächter stehn, die Tag und Nächte nimmer schweigen und die getrost dem Feind entgegengehn, ja. deren Schall die ganz, Welt durchdringt und aller Volker Scharen zu dir bringt«.... Ach, daß die Hilf aus Zion käme! O, daß dein Geist, so wie dein Wort verspricht/ dei.n Volk au» dem Gefängnis nähme! O, würd eS doch nur bald vor Abend Licht! Ach, reiß, o Herr, den Himmel bald entzwei und komm herab zur Hilf undmachunsfrei! Zeuch an die Macht, du Arm des Herrn, wohlauf und hilf uns streiten! Noch hilfst du deinem Volke gern, wie du getan vor Zeiten: wir sind im Kampfe Tag und Nacht: o Herr, nimm gnädig uns in acht und steh uns an der Seiten! Drängt uns der Feind auch um und um wir lassen uns nicht grauen: du wirst aus deinem Heiligtum schon unsre Not erschauen. Fort streiten wir in deiner Hui und widerstehen bis aus« Blut und wollen dir nur trauen. Hans Ich.,«. Wir entsprechen Ihrem Wunsche und setzen das Lied hierhin, das Sie in Deutschland von SA.-Leuten fingen hörten: 1. Wir sind noch nicht zu Ende, Noch ist der Kamps nicht auS, Zu Fäusten ballt die Hände, Wir geh'n noch nicht nach HauS. Tie erste Schlacht gewonnen, Tie war der Anfang nur. Kämpft weiter, Tturmkolonnen. Für Hitlers Diktatur. 2. Solange noch ein Jude Bon seinen Zinsen lebt, Solange noch ein Bonze In seinem Sefiel klebt. Marschieren wir noch immer, Im Glauben stark und fest, Vierhundert tote Brüder. Die sind noch nicht gerächt. S. Gedenkt der toten Brüder, Die man zu Grabe trug. Fürs Hakenkreuz stürmt weiter» Für dos man sie erschlug. Sie fielen unter Streichen, Betreten und bespuckt, Heut wird das heil'ge Zeichen Auf jeden Schund gedruckt. Für den Gesamtinhalt verantwortlich: Johann P i tz in Dud« weller: für Inserate: Dito Kuhn in Saarbrücken. Rotationsdruck und Verlag: Verlag der Volksstimme GmbH„ Saarbrücken 3. Schützenstraße 5.— Schließfach 776 Saarbrücken. „Deutsche, Iceiheit" Ahonnementspceise: Amerika Argentinien Belgien Dänemark England Frankreich Holland Italien Luxemburg Neubelgien (Eupen-Malmedy) Oesterreich Palästina Polen Rumänien Rußland Saargebiet Schweden Schweiz Spanien Dollar Peso belg. Fr. Kr. sh fr. Fr. fl. Lire belg. Fr. belg. Fr. (verboten) sh (verboten) Lei Rubel fr. Fr. Kr. schw. Fr. Peseta Tschechoslowakei Kr. im Monat 1,- 15.- 3,20 4,- 12,- 1,50 10- 15,- 12,- 4.- 90,- 1.- 12,- 2,60 2.40 6,- 30,- Zustell» gebühr 0.50 1.- 5,30 1,80 1,10 3,75 0,40 5- 5,30 5,30 1,10 30,- 7,50 1,70 0,80 %- 5,50 Bei Zusendung unter Kreuzband durch die Post sind die Portogebühren vom Besteller mit dem Abonnementsbetrag zu entrichten